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Waldwärts Magazin Frühling 2026

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Frühling 2026

www.waldwaerts-magazin.de

MEDIENHAUS

HEIMAT-MAGAZIN

BAYERISCHER WALD

PASSAU UND

PASSAUER LAND


2 - waldwärts

06

INHALT

04 WIE DER BAYERISCHE WALD ZUR HEIMAT WURDE

TEIL 2: Das Leben der Glasmacher

06 DAS STILLE GOLD DES VORFRÜHLINGS

Die Kornellkirsche

08 A GESCHEIDS DURCHEINANDER

Interessantes aus der Natur, Brauchtum & Co.

10 DAS PESENBACHTAL

Wildes Wasser und Urzeit-Granit

14 WALD- UND STADTRANDIDYLLE

Wandertouren an der Halser Ilzschleife

18 EINFACH LOSRADELN

Radtouren in Passau und Freyung

20 WUNDERWELT NATUR

Der Specht und sein genialer Schutzmechanismus

21 HAUS DER BAYERISCHEN GESCHICHTE

„Geschichten über den Bayerischen Wald II“

10

22 BÄUME, DIE BLUTEN

Der stille Start des Frühlings

18

20


20 - waldwärts

waldwärts Anzeige - 3

IMPRESSUM

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

endlich ist er da, der Frühling!

Lang haben wir die wärmeren

Temperaturen inklusive zahlreicher

Sonnenstrahlen herbeigesehnt.

Erstaunlich, dass einem

jedes Jahr aufs Neue wieder das

Herz aufgeht, wenn man der

Natur beim Erwachen zusieht.

Nicht umsonst ist der Frühling

eine der schönsten Jahreszeiten

- zumindest für uns. Er hat etwas

Motivierendes, Freudiges.

Die Frühlingsausgabe der Waldwärts

ist deshalb vollgepackt mit

Natur und interessanten Fakten.

Sie finden nicht nur Inspiration

04

für Fahrrad- und Wandertouren

oder einen genaueren Blick auf

das Pesenbachtal, sondern auch

Wissenswertes zum Thema Bäume

und Specht. Oder hätten Sie

gewusst, warum der Specht beim

Hämmern gegen den Baum nicht

jedes Mal eine Gehirnerschütterung

bekommt? Oder warum

bestimmte Bäume im Frühling

„bluten“? All diese Fragen beantworten

wir in dieser Ausgabe.

Viel Freude beim Lesen, genießen

Sie den Frühling

Ihr Waldwärts-Team

MuW-Zeitschriftenverlag GmbH

Goldener Steig 36

94116 Hutthurm

Tel. +49 8505 86960-0

office@muw-werben.de

www.muw-werben.de

Geschäftsführer

Matthias Wagner

Registergericht Passau HRB 1259

USt-ID-Nr. DE 172513050

Anzeigenleitung

und verantwortlich für den Anzeigenteil

Matthias Wagner

Redaktionsleitung

und verantwortlich für den Inhalt

Katharina Krückl

Layout und Gestaltung

MuW-Zeitschriftenverlag

Fotoquelle

Adobe Stock, MuW-Zeitschriftenverlag

MuW-Zeitschriftenverlag GmbH

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Herausgeber:

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4 - waldwärts

TEIL 2

WIE DER BAYERISCHE

WALD ZUR HEIMAT WURDE

GLANZ

UND

ELEND

Das Leben der

Glasmacher

„Die Gläserne Hölle“ - In solch provisorischen Hütten entstand das berühmte bayerische Waldglas. Die Glasmacher

waren „Nomaden des Feuers“, die weiterziehen mussten, wenn der umgebende Wald für die Befeuerung der Öfen

abgeholzt war. Die schlichten Holzkreuze im Vordergrund erzählen eine stumme Geschichte: Die schwere Arbeit in

Hitze und Staub führte oft zu einem frühen Tod. Nur wenige Glasmacher wurden älter als 50 Jahre.

Wenn wir heute ein feines, kristallklares

Glas in der Hand halten und

es im Licht funkeln sehen, ahnen wir

kaum, welch düsterer Preis früher

dafür gezahlt wurde. Die Glasmacher

des Bayerischen Waldes waren eine

Elite, bewundert und gefürchtet zugleich

– aber es war eine Elite, die oft

jung starb. Ihr Leben war ein ständiger

Tanz auf dem Vulkan.

DER WANDERZWANG - DIE NOMADEN

DES FEUERS

In den frühen Jahrhunderten fraß

eine Glashütte den Wald um sich

herum förmlich auf. Die Öfen, die

Tag und Nacht auf bis zu 1200 Grad

befeuert werden mussten, verschlangen

Unmengen an Buchenund

Fichtenholz. War der Wald im

Umkreis einer Hütte abgeholzt, gab

es kein Halten mehr: Die gesamte

Siedlung musste weiterziehen. Die

Menschen waren „Nomaden des

Feuers“. Ganze Familien luden ihren

spärlichen Besitz auf Ochsenkarren

und zogen tiefer in die unberührte

Wildnis, immer dem Holz hinterher.

Erst als man in der zweiten Hälfte

des 19. Jahrhunderts Kohle mit der

neuen Eisenbahn in den Wald transportieren

konnte, wurden die Standorte

fest. Bis dahin war Heimat für

die Glasmacher kein Ort, sondern

nur der nächste volle Schmelztiegel.

DER „GLÄSERNE TOD“ DIE ARBEIT

AN DEN ÖFEN WAR MÖRDERISCH

UND GLICH EINEM VORHOF ZUR

HÖLLE

FEUER UND EIS: Die Männer standen

direkt am offenen, tosenden Ofenloch.

Vorne verbrannte ihnen die

Haut bei sengender Hitze, während

ihnen im Rücken der eisige Wind

des bayerischen Winters durch

die ritzenreichen, provisorischen

Holzhütten in die Knochen fuhr.

Dieser extreme Temperaturwechsel

ruinierte das Immunsystem.

DIE STAUBLUNGE: Noch schlimmer

war der feine, unsichtbare Quarzstaub,

der beim Mischen der Rohstoffe

(„Gemenge“) entstand. Er

setzte sich in den Lungen fest. Die

„Staublunge“ und Tuberkulose waren

ständige Begleiter.

DER GRAUE STAR: Wer jahrelang

ohne Schutzbrille in das grelle,

weißglühende Licht des Schmelzofens

starrte, erblindete oft

schleichend am „Glasmacherstar“

(Wärmestar). Viele Meister wurden


waldwärts - 5

kaum älter als 40 oder 50 Jahre.

Der Spruch „Das Glas wird mit

dem Atem des Lebens geformt“

war wörtlich zu nehmen: Mit

jedem geblasenen Stück gaben

sie einen Teil ihrer Lebenskraft

ab.

DER DURST DER MÄNNER: Der

Flüssigkeitsverlust bei dieser

Schwerstarbeit war gigantisch.

Historische Berichte erzählen,

dass Glasmacher während

einer einzigen Schicht oft 6

bis 8 Liter Bier tranken. Dabei

ging es nicht um den Rausch

– betrunkene Glasmacher

konnten das filigrane Handwerk

nicht ausüben – sondern

um das Überleben. Das Bier

war damals weniger stark, aber

kalorienreich („flüssiges Brot“)

und vor allem keimfreier als

das oft verunreinigte Wasser in

den Siedlungen.

GEHEIMNIS UND STOLZ: Trotz des

elenden körperlichen Verfalls

genossen die Glasmacher hohen

Status. Sie waren „Freileute“, keine

Leibeigenen. Sie durften Waffen

tragen, hatten ihre eigene Gerichtsbarkeit

und hüteten ihr Wissen wie

einen Schatz. Das „Arcanum“ (das

Geheimnis der Glaszusammensetzung)

wurde nur vom Vater an

den Sohn weitergegeben. Starb ein

Meister unerwartet ohne Erben,

ging das Rezept oft mit ihm ins

Grab – und eine ganze Hütte stand

vor dem Ruin.

DIE VERGESSENEN KINDER: Auch

die Romantik der „guten alten Zeit“

verblasst beim Blick auf die Kinder.

Schon die Kleinsten mussten als

„Schürer“ helfen, das Feuer in Gang

zu halten oder schleppten holzschwere

Körbe. Schule war Nebensache,

wenn der Ofen rief. Das Glas

war ihr Leben, ihr Stolz – und oft

auch ihr Schicksal.

Der Mühlhiasl

Der Mühlhiasl – Der Prophet

aus dem Wald. Keine Geschichte

über den Bayerischen Wald ist

komplett ohne ihn: Matthäus

Stromberger (geb. 1753), genannt

der „Mühlhiasl“. Er war

ein Müller aus Apoig und gilt als

der Nostradamus des Waldes. Er

soll Dinge vorausgesagt haben

wie den Eisernen Vorhang („An

der Grenz’ wird man a eiserne

Staudn aufrichten“) oder den

Zweiten Weltkrieg. Ob er wirklich

alles so gesagt hat, ist

historisch umstritten – aber die

Geschichten werden noch heute

in den Wirtshäusern erzählt,

wenn es draußen dunkel wird.


6 - waldwärts

EIN LOBLIED

AUF DIE

Das stille Gold

des Vorfrühlings

KORNELLKIRSCHE

Wenn wir im März durch den Garten

streifen, liegt unser Fokus meist am

Boden. Wir suchen begeistert nach

den weißen Spitzen der Schneeglöckchen

und den gelben Tellern der

Winterlinge. Doch der Frühling spielt

sich nicht nur in der „Fußzone“ ab.

Wer den Blick hebt, entdeckt einen

Strauch, der oft im Schatten seiner

lauteren Schwester, der Forsythie,

steht – und dabei doch der heimliche

Star des Vorfrühlings ist: die Kornellkirsche

(Cornus mas).

EIN HAUCH VON PUDERZUCKER

AUF DUNKLEM HOLZ

Noch bevor die Bäume ihr Laub entfalten,

geschieht an den Zweigen

der Kornellkirsche, auch Gelber

Hartriegel genannt, etwas Zauberhaftes.

Anders als die Forsythie, die

ihre gelben Blüten wie Posaunen

laut in die Welt hinausstößt, übt

sich die Kornellkirsche in vornehmer

Eleganz.

Ihre Blüten sind winzige, kugelige

Dolden, die zu Tausenden am nackten,

dunklen Holz sitzen. Aus der

Ferne betrachtet wirkt der Strauch

nicht grell gelb, sondern in einen

goldenen, fast grünlich schimmernden

Nebel gehüllt. Betrachtet man

die Blüten aus der Nähe, erinnern

sie an feinen, gelben Puderzucker.

Sie trotzen Kälte und späten Frösten

mit einer Robustheit, die man

diesem filigranen Gewächs kaum

zutraut.

DIE TANKSTELLE FÜR DIE ERSTEN

GÄSTE

In der Geschichte des Frühlingsgartens

übernimmt die Kornellkirsche

eine lebenswichtige Rolle, die sie

von vielen anderen Ziergehölzen

unterscheidet. Wenn an sonnigen

Tagen die Temperaturen steigen,

erwachen nicht nur wir Menschen,

sondern auch die Wildbienen und

Honigbienen.

Für sie ist die Kornellkirsche oft die

Rettung. Während moderne Forsythien-Hybriden

zwar leuchten, aber

oft weder Nektar noch Pollen bieten

(sie sind steril), deckt die Kornellkirsche

den Tisch reichlich. Wer an

einem sonnigen Märztag unter einer

alten Kornellkirsche steht, hört

ein tiefes, zufriedenes Brummen.

Hier wird der Treibstoff getankt,

den die Insektenvölker für den Aufbau

der neuen Generation dringend

benötigen. Sie ist der ökologische

Gegenpol zur reinen Ästhetik – sie

ist Schönheit mit Nutzen.

EIN GEWÄCHS FÜR VIER JAHRES-

ZEITEN

Das Besondere an diesem Hartriegel

ist seine Ausdauer. Wenn die Frühlingsshow

vorbei ist und die Zwiebelblumen

einziehen, entfaltet die

Kornellkirsche ihr gesundes, glänzend

grünes Laub. Sie bildet dichte

Hecken, die Vögeln Schutz bieten.

Und dann folgt das zweite große

Finale: Im Spätsommer und Herbst

leuchten rubinrote, längliche Früchte

im Laub – die „Kornelkirschen“.

Sie sind essbar, schmecken herbsäuerlich

wie Sauerkirschen und

sind reich an Vitamin C. Was die

Vögel übrig lassen, können Gärtner

zu köstlichem Gelee oder Likör verarbeiten.

So spannt dieser Strauch

den Bogen vom ersten Sonnenstrahl

im Februar bis zur Ernte im Oktober.

FAZIT: EIN MUSS FÜR DEN

NATURGARTEN

Die Kornellkirsche lehrt uns,

dass der wahre Wert einer

Pflanze nicht immer im lautesten

Auftritt liegt. Sie ist

genügsam, robust, ökologisch

unverzichtbar und das ganze

Jahr über attraktiv. Wer den

Frühling nicht nur sehen,

sondern auch summen hören

möchte, sollte diesem heimischen

Gehölz einen Platz im

Garten schenken.


20 - waldwärts 20 - waldwärts

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8 - waldwärts

Wenn die Tage länger

werden, die Sonne

wärmer scheint und die

ersten Blumen aus dem

Boden sprießen, zeigt

sich der Frühling von

seiner schönsten Seite.

In dieser Ausgabe nehmen

wir Sie mit auf eine

kleine Entdeckungsreise:

A „GSCHEID‘S“

Von alten Bräuchen über

erstaunliche Naturphänomene

bis zu frühlingshaften

Zitaten – wieder

einmal gibt es bei uns

„a gscheid’s Durcheinander“,

das Lust macht,

die Welt mit neugierigen

Augen zu betrachten.

FRÜHLINGSANFANG:

Meteorologisch beginnt der

Frühling am 1. März, während

der kalendarische Frühling

meist um den 20. März startet,

wenn Tag und Nacht gleich

lang sind. Nun erwacht die

Natur: Die Wiesen werden

grüner, die ersten Krokusse

sprießen, und die Vögel erfüllen

die Luft mit ihrem Gesang.

ZITAT

„UND JEDEM

ANFANG WOHNT

EIN ZAUBER INNE.“

(Hermann Hesse,

1877–1962)

APRIL, DER SCHLAWINER

„Der April macht, was er will“ – diese alte

Bauernregel trifft genau ins Schwarze.

Mal scheint die Sonne, dann regnet es,

manchmal fällt sogar Schnee. Die Natur

reagiert auf jede Wetterlaune, und das

macht den Frühling so abwechslungsreich

und spannend.

BAUERNREGEL:

„Märzenwind

und Aprilschnee

bringen viel Frucht

und Klee“

FRÜHBLÜHER – DIE

ERSTEN FARBTUPFER

Krokusse, Schneeglöckchen, Märzenbecher

und Narzissen setzen

bunte Akzente auf Wiesen und

Waldränder. Sie nutzen die Zeit,

bevor die Bäume wieder Blätter

tragen, und zaubern erste Farbtupfer

in die Landschaft. Wer

genau hinsieht, entdeckt sogar die

zarten Blüten von wilden Narzissen

in kleinen Lichtungen.


waldwärts - 9

ZITAT:

„Der Frühling

ist die Musik

der Erde.“

Thomas Fuller

(1608–1661)

OSTERN – BRAUCHTUM

Ostern fällt auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling.

In vielen Orten werden Osterfeuer entfacht, Eierläufe veranstaltet

und Palmbuschen gebunden. Kinder suchen mit Begeisterung nach bunten

Eiern, während Erwachsene die kunstvoll gebundenen Palmbuschen

segnen lassen.

FRÜHLINGSBRÄUCHE:

• Märzenstrick / Mărtisor:

Am 1. März werden kleine rote

und weiße Fäden an Türen oder

Bäumen aufgehängt, um Glück

und Gesundheit zu bringen.

KIRSCHBLÜTENFESTE

• Kirschblütenfeste:

Ende März bis Anfang April

blühen die ersten Kirschbäume

und verwandeln

Wege und Alleen in ein

rosa-weißes Blütenmeer.

KURIOSE NATUR-

PHÄNOMENE

• Knospensprung bei Sonnenwärme:

Hasel, Weide und andere Pflanzen

öffnen ihre Knospen schon bei

wenigen Sonnenstunden.

• Bienen erwachen aus Winterruhe:

Schon bei 10–12 °C Außentemperatur

fliegen die ersten Bienen

aus ihren Stöcken und sammeln

Pollen. (bmuv.de)

ZUGVÖGEL UND FRÜHLINGSMUSIK

Im März kehren Kraniche, Stare und Schwalben aus ihren Winterquartieren

zurück. Wer aufmerksam durch Wiesen und Auen streift, kann den

ersten Kuckuck hören – ein sicheres Zeichen, dass der Frühling da ist.

• Palmsonntag:

Palmbuschen aus Buchsbaum,

Weidenkätzchen und bunten Bändern

werden gebunden und in der

Kirche gesegnet – ein Brauch, der

Jung und Alt verbindet.


10 - waldwärts

UNTERWEGS IM

PESENBACHTAL

Wildes Wasser, Urzeit-Granit

und eine versteinerte Flamme

Wer dem Trubel des Alltags für ein

paar Stunden entfliehen möchte,

findet in der Donau Region Oberösterreich

ein wahres Paradies für

Entdecker. Das Naturschutzgebiet

Pesenbachtal im malerischen Mühlviertel

ist weit mehr als nur ein gewöhnlicher

Wanderweg – es ist eine

kleine Reise durch eine urzeitliche

Landschaft, gekrönt von einem majestätischen

Wahrzeichen aus Stein.

Der Ruf des Wassers: Ein sanfter

Start in Bad Mühllacken

Die Tour beginnt noch ganz beschaulich

im idyllischen Kurort

Bad Mühllacken. Kaum hat man die

ersten Meter auf dem Weg zurückgelegt,

wird man von der eigentümlichen

Magie des Tals umhüllt. Das

leise, stetige Plätschern des Pesenbachs

wird zum treuen Begleiter,

während man immer tiefer in das

grüne Herz der Schlucht eintaucht.

Die Luft hier ist herrlich erfrischend,

sie duftet nach feuchtem

Moos, feuchter Erde und dem puren

Wald.

Wildromantisch das Naturschutzgebiet Pesenbachtal.

Über Stock, Stein und durch die

mystische „Blaue Gasse“

Doch wer glaubt, es handle sich

hierbei um einen simplen Sonntagsspaziergang,

wird bald eines

Besseren belehrt. Die anfängliche

Idylle weicht einem Weg, der es absolut

in sich hat. Das Pesenbachtal

überrascht mit einem unerwartet

alpinen Charakter! Dem roten

Markierungspunkt folgend, geht es

über knorrige Wurzelgeflechte und

mächtige, vom Wasser teils glatt

polierte Granitblöcke.

Trittsicherheit und eine gute

Grundkondition sind auf diesem

Abschnitt unerlässlich. Belohnt

wird man dafür mit spektakulären

Naturkulissen: An mystischen Orten

wie der sogenannten „Blauen Gasse“

zeigt das Mühlviertel seine raue,

wilde Schönheit, bevor sich der

dichte Wald schließlich lichtet.

Der Kerzenstein:

Ein Denkmal der Natur

Dann ist es so weit: Der Blick wird

frei auf das absolute Highlight und

Wahrzeichen der Region. Wie eine

gigantische, versteinerte Flamme

ragt der 12,5 Meter hohe Kerzenstein

majestätisch gen Himmel. Ein

imposantes Fotomotiv und der verdiente

Höhepunkt der Tour.

Direkt zu Füßen dieses steinernen

Riesen wartet ein liebevoll angelegter

Rast- und Picknickplatz.

Wer hier seine mitgebrachte Jause

auspackt, wird schnell feststellen:

Bei frischer Waldluft und mit Blick

auf den Kerzenstein schmeckt die

Brotzeit einfach doppelt so gut. Hier

oben, fernab vom Lärm der Welt,

scheint die Zeit für einen Moment

stillzustehen.


waldwärts - 11

Aschach

an der Donau

Das Wahrzeichen des

Tals. Wie eine versteinerte

Flamme ragt der

12,5 Meter hohe Kerzenstein

aus Urzeit-Granit

majestätisch über dem

Pesenbach empor.

Genuss für Leib und Seele

Der Weg zurück schließt den etwa

7,7 Kilometer langen Rundweg ab

– und weckt die Vorfreude auf die

regionale Kulinarik. Wer es bodenständig

und zünftig mag, kehrt

beim nahegelegenen Schlagerwirt

in Mühlberg ein. Er ist bekannt für

seine hervorragende Küche und den

herzlichen Service; genau der richtige

Ort, um das Erlebte bei einem

kühlen Getränk Revue passieren zu

lassen. Alternativ lädt das Kurhaus

Bad Mühllacken direkt am Startund

Endpunkt der Tour dazu ein,

sich mit regionalen, gesundheitsbewussten

Köstlichkeiten verwöhnen

zu lassen.

Der absolute Geheimtipp zum Abschluss:

Bevor es auf die Heimreise

geht, sollten Wanderer unbedingt den

Kneipp-Garten in Bad Mühllacken besuchen.

Wenn man die Wanderschuhe

abschnürt und die müden, beanspruchten

Waden in das eiskalte, klare

Wasser taucht, ist das Naturabenteuer

Pesenbachtal einfach perfekt.


12 - waldwärts

Vilshofen

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waldwärts - 13

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Opatija und Medveja

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Häupter aus aller Welt und versprüht noch heute das Flair der K.u.K.-

Monarchie mit seinen herrlichen Parks, den frisch restaurierten

Villen und Belle-Epoque-Hotels in neuer-alter Schönheit. Was

einst dem Hochadel gut tat ist auch heute Balsam für die Seele.

Die 12 Kilometer lange Uferpromenade, die „Lungomare“,

die sich zwischen Lovran und Volosko an die Klippen schmiegt,

ist ideal für ausgiebige und erholsame Spaziergänge. Neben

der schönen Klippenküste und den gepflegten Kieselstränden

lassen eine Vielzahl ausgezeichneter Fischrestaurants, Bars und

Cafés das ganze Jahr über eine kaiserliche Urlaubsatmosphäre

entstehen.

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unterkunftsspezifische Leistungen und

Zusatzleistungen siehe Reisebeschreibung

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14 - waldwärts

Ilzstausee.

Foto: Tourismusverband Ostbayern, Thomas Linkel

WALDGEFLÜSTER UND PASSAUS

GRÜNE STADTRAND-IDYLLE

Wandertouren im Naturschutzgebiet

Halser Ilzschleifen

(TVO). Wer an nachhaltiges Reisen

denkt, träumt von unberührten

Landschaften, klarer Luft und einer

lebendigen Natur. Der Bayerische

Wald bietet all das und noch viel

mehr. Mit über 6.000 Quadratkilometern

erstreckt sich hier die größte

Waldlandschaft Mitteleuropas, ein

grünes Meer aus Fichten, Buchen und

Tannen, das Wanderer, Naturliebhaber

und Ruhesuchende gleichermaßen

anzieht. Zwei Naturparke und der

älteste Nationalpark Deutschlands

bilden das Herz der Urlaubsregion

und bieten seltenen Tier- und Pflanzenarten

eine geschützte Heimat.

Wer hier Urlaub macht, entscheidet

sich für Entschleunigung und nachhaltige

Erholung, aber auch liebevoll

gepflegte Traditionen und eine

reiche Geschichte – sei es bei Übernachtungen

in regional geführten

Gästehäusern, sanften Wanderungen

oder Sightseeing in historischen

Gassen.

Stadtrand-Idylle und „Schwarze Perle“

des Bayerischen Waldes

Ein grüner Tipp für Genießer liegt direkt

am Schnittpunkt von Natur und

Kultur: das Naturschutzgebiet Halser

Ilzschleifen nahe Passau. Nur 15

Minuten mit dem Rad vom barocken

Dom St. Stephan entfernt beginnt

eine Welt aus Stille, Wasser und Wald.

Die romantische Flussschleife der Ilz

windet sich hier durch dichte Wälder.

Am Ziel des Ilztalwanderweges, der

von Perlesreut in den Passauer Stadtteil

Hals führt, präsentiert sich eine

atemberaubende Naturbühne: In

zwei großen Mäandern bahnt sich die

Ilz ihren Weg nach Passau, wo sie in

die Donau mündet. Übrigens: Eintauchen

in die wundervolle Landschaft

des Ilztals kann man auch mit der

Bahn. Die Ilztalbahn, eine Freizeitbahn,

folgt zwischen Freyung und

Passau auf großen Teilen dicht dem

Flusslauf.

Weitere Tourentipps zum Wandern

in und um Passau findet man unter

www.passau.tourismus.de


waldwärts - 15

24 - waldwärts

WER WEISS DENN,

DASS ES IN OST-

BAYERN FÜNF

RÖMER-MUSEEN GIBT?

Legionär in Bad Göggig.

Foto: Tourismusverband Ostbayern,

Thomas Linkel

(TVO). Ostbayern ist eine echte

Schatzkammer der Römergeschichte.

Gleich fünf Römermuseen

erzählen hier von

Legionären und Kaisern, von

Grenzwällen und glanzvollen

Städten. Fast ein halbes Jahrtausend

lang bildete die Donau

die Grenze des Römischen

Reiches. Der bayerische Donaulimes

markiert dabei den

nördlichsten Abschnitt dieser

einstigen Flussgrenze, die sich

von Eining bis hinunter zum

Schwarzen Meer erstreckte.

Seit Juli 2021 gehört der westliche

Teil des Donaulimes – von

Bayern bis in die Slowakei zum

182 x 78 mm

UNESCO-Welterbe „Grenzen

des römischen Reiches“. Die

Überreste römischer Kastelle,

Militäranlagen und Siedlungen

zeugen noch heute von

dieser bewegten Epoche. Besonders

anschaulich wird die

Geschichte in den fünf Römermuseen

am bayerischen Donaulimes

in Kelheim, Regensburg,

Straubing, Künzing und

Passau erlebbar. Ein Besuch

lohnt sich nicht nur wegen der

Vergangenheit, denn nach der

Zeitreise laden charmante Altstädte,

gemütliche Cafés und

die sanfte Hügellandschaft

Ostbayerns zum Verweilen ein.

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Eintauchen & Genießen

Willkommen im

Urlaub!

Badewelt

Saunawelt

Freibad

Massage

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Täglich

10–22 Uhr

geöffnet!

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waldwärts - 16

Entdecken. Erleben. Genießen.

Aktiv im Passauer Land

Der Apfel-Radl-Weg Neuhaus am Inn.

Fotos: Zweckverband TI Passauer Land_Fotografie Beata Kania

Der Apfel-Radl-Weg durch Vornbach.

Der Aussichtsturm Büchlberg.

Wandern zum Hauzenberger Staffelberg.

Mit zwei neuen, kostenlosen Broschüren

lädt das Passauer Land dazu ein, die

Region aktiv zu entdecken: „Wandern im

Passauer Land“ und „Radfahren im Passauer

Land“ bieten umfassende Inspirationen

für naturnahe Erlebnisse zwischen

Flusslandschaften und sanften Hügeln.

Wandern im Passauer Land bedeutet

grandiose Ausblicke, wunderschöne

Themenwege und spannende Lehrpfade.

Ob in den Ausläufern des Bayerischer

Wald, entlang der Donau und des Inn oder

durch die weite Landschaft zwischen Rott

und Vils – die Region begeistert mit Vielfalt.

Historische Pilgerrouten führen zu

Kirchen, Klöstern und Wallfahrtsstätten,

während grenzübergreifende Wege bis

in den Böhmerwald und nach Oberösterreich

reichen. Fernwanderwege wie der

Goldsteig, der Donausteig und der

Donau-Panoramaweg verbinden Naturerlebnis

mit beeindruckenden Perspektiven.

Auch Radbegeisterte finden ideale Bedingungen:

Im nördlichen Teil prägen sanfte

Hügel das Bild, im Süden laden flachere

Strecken entlang der Donau, Inn und Rott

zum entspannten Dahingleiten ein. Ein

dichtes, gepflegtes Radwegenetz verbindet

erhabene Burgen und idyllische Orte.

Fernradwege wie der Donauradweg, der

Innradweg und der Römerradweg schaffen

grenzüberschreitende Erlebnisse.

Vom sportlich Aktiven über Familien bis

zum Genussradler oder E-Biker –

für jeden Anspruch ist etwas geboten.

Einladende Biergärten und zahlreiche

Servicestationen sorgen für zusätzlichen

Komfort.

Aktuelle Rad- und Wandertipps bietet

zudem der monatliche Newsletter

(Anmeldung unter: www.passauer-land.de/

newsletter-anmeldung).

Die kostenlosen Broschüren können unter

www.passauer-land.de/service/broschueren

bestellt werden.

Tourismus im Passauer Land

www.passauer-land.de –

tourismus@landkreis-passau.de

Telefon 0851 397-2600


Anzeige waldwärts - 17


18 - waldwärts

EINFACH LOSRADELN

Kurze Wege, schöne

Strecken und viele

Möglichkeiten

direkt vor der Haustür

Wer rund um Freyung und Passau aufs Rad steigt,

begibt sich auf eine Reise, die weit mehr ist als

Bewegung: Es ist ein Eintauchen in Landschaft,

Geschichte und stille Glücksmomente. Die Dreiflüssestadt

bietet ein einzigartiges Panorama und

zugleich den idealen Ausgangspunkt für unvergessliche

Touren. Während es zwischen Donau,

Inn und Ilz eher flach dahin geht, wird es rund um

Freyung etwas hügeliger. Beides hat seinen Reiz –

je nachdem, wie man unterwegs sein will. Wer es

gemütlich mag, bleibt in den Flusstälern. Wer es

ein bisschen anspruchsvoller will, fährt ein paar

Kilometer weiter hinein ins Umland.

GENUSSRADELN ENTLANG DER DONAU

Das Herzstück jeder Radtour ist der Donauradweg

– einer der schönsten Europas. Von Passau aus

führt er nahezu steigungsarm entlang des Flusses

Richtung Österreich und ist damit perfekt

für Genussradler, Familien und Einsteiger. Schon

die erste Etappe nach Schlögen bietet beeindruckende

Natur, weite Flussbögen und entspannte

Streckenführung. Wer weiterfährt, erlebt eine

einzigartige Mischung aus Kulturlandschaften,

barocken Klöstern und stillen Uferabschnitten.

VIELFALT ABSEITS DER HAUPTWEGE

Doch auch abseits der Donau lohnt sich das

Radeln: Der Innradweg führt von Passau nach

Schärding und verbindet bayerische und österreichische

Lebensart auf charmante Weise.

Rundtouren wie die Bajuwaren-Radrunde oder

der Römerradweg erschließen die Region mit

sanften Hügeln, kleinen Dörfern und weiten Ausblicken.

Insgesamt spannt sich ein dichtes Netz

aus Radwegen über das Passauer Land – ideal

für spontane Abstecher oder mehrtägige Entdeckungstouren.


waldwärts - 19

NATUR, KULTUR UND KLEINE PAUSEN

Besonders reizvoll ist die Verbindung

von Natur und Kultur: Unterwegs laden

historische Altstädte, Kirchen und Klöster

zu Pausen ein, während sich hinter jeder

Flussbiegung neue Perspektiven eröffnen.

Oft genügt ein kurzer Halt am Ufer, um das

leise Strömen des Wassers zu hören und den

Moment zu genießen.

RUND UM FREYUNG – ETWAS MEHR BEWE-

GUNG, VIEL AUSSICHT

Rund um Freyung wird es etwas anspruchsvoller.

Leichte Anstiege wechseln sich mit

längeren Abfahrten ab, oft auf kleinen

Straßen oder ruhigen Wegen. Dafür wird man

immer wieder mit schönen Ausblicken belohnt

– über Wälder, Hügel und weite Landschaften.

Viele Touren führen durchs Dreiländereck.

Die Übergänge sind fließend – oft

merkt man erst auf den zweiten Blick, dass

man gerade die Grenze überquert hat. Die

Wege verlaufen ruhig weiter, die Landschaft

bleibt offen und weit. Genau das macht den

Reiz aus: Es fühlt sich nicht nach einer festgelegten

Route an, sondern nach Strecken,

die sich ganz selbstverständlich ergeben.

Hier kann man sich gut eigene Strecken

zusammenstellen. Mal eine kürzere Runde

nach Feierabend, mal eine längere Ausfahrt

am Wochenende. Wer möchte, verbindet

mehrere Abschnitte und ist schnell ein paar

Stunden unterwegs.

Wer sich an konkreten Routen orientieren

möchte, hat mehrere gute Möglichkeiten.

Der Nationalpark-Radweg führt auf rund

125 Kilometern durch die gesamte Region

und verbindet Orte wie Freyung, Grafenau

und Neuschönau. Er eignet sich gut für

längere Touren oder einzelne Etappen mit

viel Naturanteil. Ebenfalls interessant ist

der Adalbert-Stifter-Radweg, der von Haidmühle

Richtung Passau verläuft. Gerade im

Abschnitt rund um Freyung bietet er eine

ruhige Streckenführung durch Wälder und

kleinere Ortschaften und lässt sich gut mit

anderen Wegen kombinieren. Über den Donau-Ilz-Radweg

besteht zudem eine direkte

Verbindung in Richtung Passau. So lassen

sich Touren flexibel planen – etwa als längere

Strecke mit Ziel an der Donau oder als

Rundtour zurück in den Raum Freyung.

UNTERWEGS – OHNE GROSSEN PLAN

Was das Radfahren rund um Passau und

Freyung besonders macht, ist nicht eine einzelne

Strecke, sondern die Summe aus allem.

Die kurzen Wege, die vielen Möglichkeiten

und die Mischung aus flachen und etwas

anspruchsvolleren Abschnitten. Oft reicht

es, einfach loszufahren. Ein grobes Ziel im

Kopf – oder auch gar keines. Man folgt einem

Weg, biegt spontan ab und entdeckt neue

Strecken. Genau so entstehen oft die besten

Touren.

Ein Tipp: zu Zeiten fahren, wenn weniger los

ist – früh am Morgen oder am Abend. Dann

sind die Wege ruhiger, und die Landschaft

wirkt noch einmal ganz anders. Am Ende

geht es nicht darum, möglichst viele Kilometer

zu sammeln. Sondern darum, rauszukommen,

sich zu bewegen und die eigene

Umgebung neu wahrzunehmen. Schritt für

Schritt – oder besser gesagt: Tritt für Tritt.


20 - waldwärts

DAS WUNDER

IN DEN WIPFELN

Die rettende Umarmung

im Kopf des Spechts

Wenn die Natur zum genialen

Architekten wird – Wie ein kleiner

Vogel mit jedem Schlag sein Leben

riskiert und durch ein verborgenes

Wunder geschützt wird. Das kraftvolle

Stakkato des Spechts ist der

vertraute Trommelwirbel des Waldes.

Doch hinter dieser alltäglichen

Szene verbirgt sich ein unsichtbares

Drama – und eine der zärtlichsten

und genialsten Schutzmaßnahmen

der Evolution. Es ist die Geschichte

einer Zunge, die sich nicht nur nach

Nahrung streckt, sondern sich wie

ein rettender Mantel um das Gehirn

ihres Besitzers legt.

EIN RHYTHMUS AM RANDE DES

MÖGLICHEN

Wenn der Specht seinen Schnabel in

die harte Rinde rammt, wirken auf

seinen winzigen Kopf Kräfte, die das

Tausendfache der Erdbeschleunigung

betragen. Für uns Menschen

wäre schon ein Bruchteil dieser Gewalt

fatal. Der Specht aber hämmert

bis zu zwölftausendmal am Tag. Wie

überlebt er diese enorme, selbst

auferlegte Erschütterung? Die

Antwort liegt in einer Anatomie, vor

der selbst modernste Ingenieure

ehrfürchtig staunen.

viel zu lang. Anstatt ein Hindernis

zu sein, hat die Natur sie zu einem

lebensrettenden Stoßdämpfer

umfunktioniert. Angetrieben von

einem flexiblen Knochengerüst,

dem Zungenbein, teilt sich die Zunge

im Rachen. Wie zwei sanfte Arme

wandern diese Stränge den Nacken

hinauf, legen sich über den gesamten

hinteren Schädel und verankern

sich sicher über den Augen oder in

der Nasenhöhle.

Trifft der Schnabel das Holz, spannt

sich dieses Konstrukt an und wird

zu einem biologischen Sicherheitsgurt.

Die Zunge leitet die zerstörerische

Energie behutsam um das

Gehirn herum ab. Es ist, als würde

der Specht sein eigenes Gehirn vor

jedem Aufprall liebevoll in den Arm

nehmen.

EIN MASSANZUG AUS KNOCHEN

Diese „Umarmung“ ist Teil eines

perfekten Maßanzugs: Das Gehirn

ruht eng eingebettet in einer

Schädelhöhle aus schwammartigem

Knochen, der wie ein weiches Kissen

jeden Rest-Schock absorbiert.

Zudem schließt der Specht in der

Millisekunde vor dem Aufprall

reflexartig ein drittes Augenlid – so

bleiben die Augen sicher in ihren

Höhlen.

DEMUT VOR DEN DETAILS

Wenn wir das nächste Mal den

Rhythmus des Spechts im Wald

hören, sollten wir kurz innehalten.

Es ist der Klang purer Überlebenskunst.

Der Specht lehrt uns: Manchmal

liegt die größte Stärke nicht in

der Härte, mit der wir zuschlagen,

sondern in der Sanftheit, mit der

wir unser Innerstes beschützen.

DIE ZUNGE ALS LIEBEVOLLE

UMARMUNG

Das eigentliche Wunder offenbart

sich tief im Inneren. Die Zunge des

Spechts ist für seinen Schnabel


waldwärts - 21

DER „WOID“, WIE

MAN IHN NOCH NIE

GESEHEN HAT

Das Haus der Bayerischen Geschichte

in Regensburg lädt in einer neuen

Sonderausstellung ein, den Bayerischen

Wald ganz neu zu entdecken.

Gruß vom Dreisesselberg. Fotos: obx-news/HdBG

Glasschleiferei.

Regensburg (obx) - Eine Zufallsentdeckung wird zur historischen

Sensation: Als Dr.Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen

Geschichte, eine umfangreiche Ansichtskartensammlung zum Bayerischen

Wald sichtete, ahnte er nicht, dass er damit ein verschollen

geglaubtes Archiv des Heimatschriftstellers Max Peinkofer freilegen

würde - und in den Unterlagen seines verstorbenen Vaters in Hengersberg

ein passendes Gegenstück finden sollte. Was als glückliche Fügung

begann, wurde zur zwei Jahre langen Spurensuche, die nun in

der neuen Sonderausstellung „Geschichten aus dem Bayerwald II“ im

Foyer des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg mündet.

Loibl, selbst im Bayerischen Wald verwurzelt,

zeichnete anhand der Karten

ein ungewohnt vielschichtiges Bild

des "Woids": verspottet als Bayerisch

Sibirien, verklärt als Bayerns Wilder

Osten, jahrhundertelang von politischer

Vernachlässigung geprägt - und doch

um 1900 eine Boomregion. Der Wald

erscheint in der Ausstellung als eigenständiger

Kulturraum, eng vernetzt mit

Donauregion und Südböhmen, durch die

Säkularisation verwundet, aber getragen

von enormem Eigenantrieb.

Für ein besonderes Ausstellungserlebnis

sorgt Szenograf Fritz Pürstinger:

Er hat das Foyer in eine dichte Waldlandschaft

verwandelt - mit dreidimensionalen

Spitzenobjekten, die

die Fotoausstellung "Menschen im

Bayerischen Wald 1900-1950" erweitern.

Zu den Höhepunkten zählt der legendäre

Saccharin-Heilige, mit dem früher

"gschwirzt" wurde, sowie der kostbare

Weihnachtsaltar aus Niederaltaich, der

nach der Säkularisation auf verschlungenen

Wegen zurück in sein Kloster

fand: ein Jahrhundert-Stoff, wie ihn nur

der Bayerische Wald schreibt.

Auch der historische Aufschwung der

Region wird erzählt: Erst als 1877 die

Waldbahn - gegen Widerstände und

königliche Kanalpläne - den Bayerwald

erschloss, entwickelte sich der ländliche

Raum rasant. Glas aus dem Wald

fand seinen Weg in die Welt, Granit in

die Metropolen, Holz in die Fabriken.

Pensionen schossen wie Schwammerl

aus dem Boden, der Tourismus begann

zu florieren.

Die Sonderausstellung ist bis 14. Juni

2026 zu sehen. Zur Ausstellung erscheint

das Begleitbuch "Grüße aus

dem wilden Osten" im Verlag Friedrich

Pustet - eine erste Kulturgeschichte

des Bayerischen Waldes anhand von

Ansichtskarten, opulent bebildert und

reich an Anekdoten. Ein Werk, das wie

die Ausstellung selbst beweist: Der Bayerische

Wald ist viel mehr als Klischee

- er ist ein Kulturerbe voller Geschichten,

die es zu entdecken gilt.


22 - waldwärts

BÄUME, DIE BLUTEN

Wenn der Saft fließt

– der stille Start des

Frühlings

Wer im Frühjahr durch den Wald

streift, kann mit etwas Glück ein

ungewöhnliches Schauspiel beobachten:

Aus kleinen Rissen in der Rinde

tropft Wasser – klar, leicht süßlich,

fast wie Tränen. Besonders bei Birken

oder Ahorn scheint es, als würden

die Bäume „bluten“. Doch was auf den

ersten Blick dramatisch wirkt, ist in

Wahrheit ein faszinierendes Zeichen

des Neubeginns.

EIN UNSICHTBARER MOTOR STARTET

Nach den kalten Wintermonaten

beginnt im Inneren der Bäume

ein Prozess, der über Leben und

Wachstum entscheidet: der Saftfluss.

Sobald die Temperaturen

steigen und der Boden nicht mehr

gefroren ist, nehmen die Wurzeln

wieder Wasser auf. Dieses wird zusammen

mit gelösten Nährstoffen

durch den Stamm nach oben transportiert

– bis in die feinsten Zweige

und Knospen. Gerade im Frühjahr

ist dieser Druck besonders hoch.

Der Baum „pumpt“ gewissermaßen

Wasser nach oben, um die Knospen

mit Energie zu versorgen. Denn dort

entstehen bald neue Blätter und

Triebe.

WARUM ES TROPFT

Wenn die Rinde verletzt ist – etwa

durch einen kleinen Astbruch,

Frostschäden oder einen Schnitt –

kann dieser Druck dazu führen,

dass Saft austritt. Bei bestimmten

Baumarten wie Birke oder Ahorn

ist das besonders gut sichtbar. Der

austretende Saft wirkt wie klares

Wasser, enthält aber Zucker, Mine-

ralstoffe und andere gelöste Stoffe.

Dieses „Bluten“ ist also kein Zeichen

von Schwäche, sondern ein Hinweis

darauf, dass der Baum aktiv wird.

Er beginnt, nach der Winterruhe

wieder in Gang zu kommen.

EIN KURZER MOMENT IM JAHR

Der starke Saftfluss ist ein Phänomen,

das nur wenige Wochen im

Jahr zu beobachten ist – meist im

März und April. Sobald die Blätter

austreiben, verändert sich das System

im Baum: Die Verdunstung über

die Blätter übernimmt dann einen

Großteil des Wassertransports. Das

„Bluten“ verschwindet wieder. Diese

Phase ist für den Baum entscheidend:

Er legt nun die Grundlage für

das kommende Jahr – Blätter, Triebe

und neues Wachstum entstehen

bereits unter der Rinde.

VOM BAUM ZUM GETRÄNK

Schon seit Jahrhunderten nutzen

Menschen diesen Saft. Birkensaft

etwa wurde traditionell im Frühjahr

gewonnen und als belebendes Getränk

geschätzt. Auch Ahornsirup,

vor allem aus Nordamerika bekannt,

basiert auf diesem natürlichen Saftfluss.


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Fahrers projiziert wird. Bedienung

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24 - waldwärts

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