faktor Frühjahr 2026
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21. Jahrgang Frühjahr 2026 12 Euro
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› DAS MAGAZIN FÜR ERFOLGSGESCHICHTEN
Erfolgsgeschichte
Ein Mann, der lieber Fragen stellt, als Anweisungen zu geben: Als neuer CEO führt Michael Grosse Sartorius.
Wie tickt der Nachfolger von Joachim Kreuzburg? Was treibt ihn an, welche Werte prägen ihn – und warum
fühlt er sich in Göttingen schon jetzt zu Hause? Wir haben ihn auf dem Sartorius-Campus getroffen. ‣ 34
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Liebe Leserinnen und Leser,
wenn man dieser ersten faktor-Ausgabe des neuen Jahres eine Überschrift
geben wollte, dann wäre eine für mich wirklich naheliegend:
Beeindruckende Persönlichkeiten.
Zum Beispiel Michael Grosse. Der neue CEO von Sartorius hat uns
verraten, was ihn antreibt, was ihm im Privatleben wichtig ist – und
warum alle Mitarbeiter ihn duzen.
Zum Beispiel Anja Niedringhaus. Die 2014 in Afghanistan erschossene
Fotografin, die von Göttingen aus ihre große Karriere startete, hat
ein riesiges Vermächtnis beeindruckender Aufnahmen hinterlassen,
aus denen ihre Schwester Gide und Verleger Gerhard Steidl nun etwas
sehr Besonderes erschaffen haben.
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Zum Beispiel Leon Weintraub. Der Holocaust-Überlebende, mittlerweile
100 Jahre alt, hat jetzt in Göttingen die Ehrendoktorwürde und
den Friedenspreis verliehen bekommen. Seine Botschaft: Strebt nicht
nach immer mehr Macht und Besitz – sondern nach Frieden.
Zum Beispiel Wolfgang Reinbold. Der Göttinger Theologe erreicht
mit seinem Social-Media- und TV-Format „Religion in 90 Sekunden“
erstaunlich viele junge Menschen. Und das ganz unaufgeregt.
COVER: ALCIRO THEODORO DA SILVA
Das waren jetzt nur vier Beispiele; Sie werden im Heft noch weitere
finden. Etwa die Männer hinter der stetig wachsenden Kette Timberjacks,
die auf dem Brocken Großes planen. Oder Horst Wolf, den
früheren Basketball-Nationalspieler und späteren faktor-Mitgründer,
der als erste bekannte Persönlichkeit aus der Region unseren neuen
faktor-Fragebogen beantwortet hat. Den möchte ich gern zu einer
festen Rubrik im faktor werden lassen – schreiben Sie mir, wen Sie
gern mal darin lesen würden. Spannende Menschen gibt es bei uns in
Südniedersachsen ja schließlich reichlich.
An dieser Stelle auch noch einmal ein großes Dankeschön für das
positive und gleichzeitig konstruktive Feedback zu unserer Ausgabe
4/25, zu unseren ersten neuen digitalen Formaten und zu den Events
der vergangenen Wochen und Monate. Für mich ist jedes Gespräch,
jede Mail und jede LinkedIn-Nachricht sehr wertvoll – auch, um den
faktor bestmöglich weiterentwickeln zu können.
Viel Freude beim Schmökern!
Ihr
Markus Riese
Chefredakteur
riese@faktor-magazin.de
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1 |2026 3
hinter den kulissen
faktor intern – Einblicke in unsere Arbeit:
Was wir beim Entstehen dieser Ausgabe erlebt haben
BERUFSORIENTIERUNG sollte nicht erst
nach dem Schulabschluss beginnen. Um
jungen Menschen vielfältige Einblicke ins
Berufsleben zu ermöglichen, organisiert
der Rotary-Club Göttingen-Süd einmal
jährlich einen Berufsinformationstag für
Schülerinnen und Schüler der zwölften
Klassen, diesmal in der IGS Geismar. Mehr
als 330 Jugendliche aus diversen Göttinger
Lehranstalten nutzten die Chance, was
nicht nur Organisator und faktor-Autor
Norman Lippert (Foto) freute, sondern
auch faktor-Chefredakteur Markus Riese.
Der bot in der IGS Einblicke in das Thema
„Journalismus und Medienarbeit“.
FOTO: MARKUS RIESE
FOTO: MARKUS RIESE
DREHARBEITEN sind manchmal anstrengend,
aber eigentlich immer sehr spannend
– und sie machen wirklich Spaß!
Diese Erfahrung haben faktor-Herausgeber
Marco Böhme (auf dem Foto am Tisch
sitzend) und faktor-Chefredakteur Markus
Riese in den vergangenen Wochen
gleich mehrfach machen dürfen – auch
wenn der konzentrierte Blick vielleicht etwas
anderes vermuten lässt.
Das Team von Neros hatte in den Räumlichkeiten
des Verlages sein professionelles
Equipment mit Kamera-, Licht- und Tontechnik
aufgebaut – und dann sprudelte es
aus den beiden Protagonisten der Videos
nur so heraus. Eine ganze Reihe von Reels
sind bei diesen Dreharbeiten entstanden.
Einige davon sind bereits auf den Social-
Media-Kanälen des faktor (Facebook,
Instagram) sowie auf den persönlichen
Accounts von Marco Böhme und Markus
Riese bei LinkedIn zu sehen; weitere kommen
in den nächsten Wochen nach und
nach dazu.
HOLLYWOOD AN DER LEINE: Unter diesem markanten Titel hat das Filmbüro Göttingen
jetzt ein neues Buch herausgegeben, das die Filmstadt Göttingen in all ihren Facetten in
den Mittelpunkt rückt. In den 1950er-Jahren war Göttingen ein bedeutendes Zentrum des
deutschen Nachkriegsfilms. Das am 21. August 1948 eröffnete Filmatelier – ein umgebauter
Flugzeughangar – galt damals als modernster Studiokomplex Deutschlands. Bis 1961
wurden hier rund 100 Spielfilme hergestellt, darunter die Antikriegs-Filmklassiker „Hunde,
wollt ihr ewig leben?“ und „Nacht fiel über Gotenhafen“ sowie diverse Heinz- Erhardt-
Komödien wie etwa „Natürlich die Autofahrer“ oder „Drillinge an Bord“. Das neue Buch
umfasst 35 Beiträge von 27 Autorinnen und Autoren – auch faktor-Chefredakteur Markus
Riese hat zwei Texte beigesteuert, das gesamte Buch lektoriert und zudem die offizielle
Vorstellung des Buches Ende Februar im Alten Rathaus moderiert.
Das Werk beleuchtet nicht nur die vielfältigen Spielfilmproduktionen, sondern geht beispielsweise
auch auf die Göttinger Trickfilm-Historie, das Institut für den Wissenschaftlichen
Film, die Geschichte der Göttinger Kinos oder auch das legendäre Göttinger Filmfest
ein, ebenso auf die Tatort-Produktionen des NDR aus der jüngeren Vergangenheit. Erschienen
ist das Buch „Hollywood an der Leine – Film in Göttingen“ im Schüren Verlag.
Es kostet 38 Euro und ist unter anderem in Göttinger Buchhandlungen sowie in der
Tourist-Information am Markt erhältlich. Mehr Infos: www.filmstadt-goettingen.de.
4 1 |2026
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3 Editorial
4 Hinter den Kulissen
Was wir während der Produktion
dieser Ausgabe erlebt haben
10 Momentaufnahmen
Feuerwerk der Turnkunst /
Göttinger Figurentheatertage /
Kunst-Gala feiert Jubiläum
18 Aktuelles
Aktionswoche für inklusive Arbeit,
Podcast Onfire, faktor-Frühstück,
faktor-Mittagessen, Storytelling bei
der 44. faktor-Business-Lounge
94 faktor-Kalender
Tipps fürs Quartal: Internationale
Händel-Festspiele, Gandersheimer
Domfestspiele, Keilertage in Nörten-
Hardenberg, Science goes City
96 Impressum
98 faktor-Vorschau
Themen in Heft 2:
Erfolgreiche Frauen /
Beispiele für KI-Einsatz
mensch
28 Die Mission des Leon Weintraub
Der Holocaust-Überlebende, der in
Göttingen studierte und noch immer
durch Europa reist, um aufzuklären
32 Im Porträt: Michael Grosse
Nach der Ära Kreuzburg: Was
macht der neue Sartorius-CEO
anders – und was ist ihm wichtig?
44 faktor kompakt
ÖPNV: Börger führt auch VSN /
Einbecker: Kerger wiederbestellt /
Kauf Park: Neue Centermanagerin
45 faktor-Fragebogen
13 Fragen, 13 Antworten:
faktor-Mitgründer Horst Wolf
unternehmen
46 Das Wärmepumpen-Dilemma
Warum Stiebel-Eltron immer noch
hinter den Planzahlen liegt
50 FairCup und Vytal
Wie Göttinger Mehrweg-Ideen für
mehr Nachhaltigkeit sorgen
58 Timberjacks als Gipfelstürmer
Thomas Kemner plant auf dem
Brocken den nächsten großen Coup
65 faktor kompakt
KWS setzt auf Erbsen / SB Union
umgezogen / Rückkauf bei Symrise
wissen
66 Der Popcorn-Professor
Alireza Kharazipour gehen die Ideen
nicht aus – jetzt sollen auch Hunde von
seinem Einfallsreichtum profitieren.
70 Schulbildung als Standortvorteil
Mit dem IB-Diploma-Programm bietet
das Göttinger Felix-Klein-Gymnasium
Arbeitgebern in Südniedersachsen
Wettbewerbsvorteile im Recruiting.
72 Employer Branding an der UMG
Vier Fragen an Dr. Sebastian Schulten,
Geschäftsbereichsleiter Personal
76 Religion in 90 Sekunden
Wolfgang Reinbold erreicht mit
kompakten Formaten auf Social-Media-
Kanälen erstaunlich viele junge Menschen.
80 faktor kompakt
Innovationspreis Niedersachsen geht
nach Göttingen / Austausch im KI-Hub /
Bauklötze ausgezeichnet
leben
82 Das Lebenswerk der Anja Niedringhaus
Die Schwester der 2014 in Afghanistan
getöteten Fotografin und der Göttinger
Verleger Gerhard Steidl würdigen ihre
Arbeiten auf ganz besondere Weise.
90 Perlenketten, die Mut machen
Die Elternhilfe für das krebskranke Kind
in Göttingen begleitet Kinder, Jugendliche
und ihre Familien – dafür braucht es
hin und wieder Mutmacher.
58
Ein Hingucker im Harz:
Der Göttinger Unternehmer
Thomas Kemner, der die
Timberjacks-Kette betreibt,
hat große Pläne für den
Brocken.
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6 1 |2026
28 Ehrwürdig: Leon Weintraub
34 Michael Grosse: Wie tickt der CEO von Sartorius?
Seit Juli 2025 ist Michael Grosse der neue starke Mann bei Sartorius. Wofür steht er?
Welche Werte sind ihm wichtig, was treibt ihn an, welche Chancen sieht er für den Life-
Science-Standort Göttingen – und warum duzt er eigentlich alle Mitarbeiter? All das hat
er uns im faktor-Gespräch verraten.
Leon Weintraub – inzwischen ist der
Auschwitz-Überlebende 100 Jahre alt.
Noch immer reist er durch Europa, um
von den Schrecken des Holocaust zu
berichten. Jetzt erhielt Weintraub in
Göttingen die Ehrendoktorwürde und
den Friedenspreis. Wir sprachen mit ihm
über sein bewegtes Leben.
76 Kurzweilig: Religion kompakt
82 Lebenswerk: Die Fotos von Anja Niedringhaus in sieben Bänden
Anja Niedringhaus war eine Ausnahme-Fotografin. 2014 fand ihre Karriere, deren Wurzeln
auch in Göttingen liegen, ein dramatisches Ende – als sie in Afghanistan getötet wurde.
Ihre Schwester Gide und Verleger Gerhard Steidl würdigen nun die beeindruckenden
Arbeiten der Pulitzer-Preisträgerin – in Form einer siebenbändigen Werkausgabe.
Der Göttinger Theologe Wolfgang Reinbold
ist sowas wie ein Social-Media-Star:
Er erklärt in kurzen Videos „Religion
in 90 Sekunden“, und zwar wertfrei
und nachvollziehbar. Das kommt gut an –
auch bei der jungen Zielgruppe.
1 |2026 7
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momentaufnahmen
Momentaufnahmen
faktor erinnert an besondere Ereignisse des Quartals mit ausgewählten Impressionen –
festgehalten im richtigen Augenblick.
TEXT MARKUS RIESE FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
Ein Feuerwerk der Turnkunst
„Bereite Dich auf eine Show vor, die Grenzen sprengt und Dir den Atem raubt.“ Mit diesen
Worten kündigten die Macher des „Feuerwerks der Turnkunst“ ihre diesjährige Tournee
„wyld“ an, die auch wieder in der Göttinger Lokhalle gastierte und das dortige Publikum
mitreißen konnte. Und weil das wieder zahlreich in die größte Indoor-Veranstaltungslocation
der Region strömte, steht Göttingen auch für 2027 schon wieder auf dem Tourplan – am
20. und 21. Januar, dann unter dem Titel „hope“.
10 1|2026
momentaufnahmen
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momentaufnahmen
Figurentheater im Fokus
Die 41. Göttinger Figurentheatertage starteten auch
in diesem Jahr wieder mit einem Maskenumzug
durch die Innenstadt. Gut zwei Wochen lang präsentierten
14 renommierte Bühnen aus dem gesamten
Bundesgebiet in 26 Aufführungen diese
besondere Form des Theaters – und das in gleich
sechs verschiedenen Spielstätten, nämlich im Alten
Rathaus, im Kino Lumière, im Deutschen Theater,
im Jungen Theater, im GDA Wohnstift und in der
musa.
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momentaufnahmen
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momentaufnahmen
14 1|2026
momentaufnahmen
Gala-Vorstellungen zum Jubiläum
Seit 25 Jahren gibt es den Verein Kultur Unterstützt STadt (KUNST) nun schon – in diesem Jahr
feuerten die rund 120 mitwirkenden Künstler aus vielen Göttinger Kultureinrichtungen sowie zahlreiche
Gäste zur 23. Auflage der KUNST-Gala denn auch ein besonderes Spektakel ab. Musik
verschiedener Stilrichtungen, Theater, Comedy, Tanz, Akrobatik und sogar ein von Live-Musik begleiteter
Stummfilm sorgten für jede Menge Abwechslung. Die Erlöse aus Eintrittskartenverkauf
und Sponsoring flossen wieder in die Göttinger Kulturförderung.
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aktuelles
-News
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Teamwork: Menschen mit und ohne Einschränkungen sollen zusammenarbeiten.
Aktionswoche für inklusive Arbeit
DUOweek soll Integration erleichtern
Mit einer Informations- und Auftaktveranstaltung in Duderstadt haben der
Arbeitgeberverband (AGV) Mitte, die Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber
(EAA) Göttingen und die Koordinierungsstelle für Inklusive Arbeit in
Südniedersachen (KIAS) die sogenannte „DUOweek“ in der Region Göttingen-
Northeim eingeläutet.
RUND 30 VERTRETER aus Unternehmen, Werkstätten für Menschen mit Behinderung
sowie zwei Förderschulen waren zum Auftakt dabei. Ziel war es, das Konzept der
DUOweek vorzustellen und Unternehmen für eine Beteiligung zu gewinnen. Als Best-
Practice-Beispiel berichtete die enercity AG aus Hannover von ihren Erfahrungen mit
dem dortigen DUOday. Dieser stellt denn auch die Grundlage für das Konzept dar. Die
Idee:: Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter eines Unternehmens und ein Mensch mit
Behinderung oder psychischer Erkrankung bilden einen Arbeitstag lang ein Duo und
arbeiten Seite an Seite zusammen. Dabei sollen Begegnungen auf Augenhöhe entstehen
sowie Kompetenzen und Potenziale sichtbar gemacht werden.
In der Region Göttingen–Northeim soll die DUOweek erstmals vom 18. bis 22. Mai
realisiert werden. Mehrere DUOdays werden in dieser Woche aneinandergereiht. Die
Umsetzung erfolgt in Kooperation mit den Werkstätten für Menschen mit Behinderung
und ausgewählten anderen Institutionen sowie den teilnehmenden Unternehmen.
Mit der DUOweek soll in der Region ein niedrigschwelliges Format etabliert werden,
das praktische Einblicke ermöglichen und Impulse für mehr Inklusion im Arbeitsleben
setzen soll. Unternehmen aus Göttingen und Northeim und aus den beiden Landkreisen
sind eingeladen, sich an KIAS zu wenden und Teil der DUOweek 2026 zu werden.
Die Koordinierungsstelle für Inklusive Arbeit in Südniedersachsen (KIAS) ist bei der
Arbeiterwohlfahrt (Kreisverband Göttingen) angesiedelt. Sie berät Unternehmen kostenfrei
zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen,
vernetzt regionale Akteure und unterstützt beim Aufbau inklusiver Arbeits- und
Ausbildungsplätze. Kontakt per E-Mail: kias@awo-goettingen.de.
18 1 |2026
Podcast Onfire geht weiter
Erst Gast, dann Host
IM PODCAST ONFIRE stellt der faktor
spannende Menschen vor, die für das
brennen, was sie tun. Die gerade erschienene
41. Folge rückt faktor-Chefredakteur
Markus Riese in den Fokus, der seit Oktober
2025 an Bord ist. Die Besonderheit: In
dieser Folge ist Riese Gast und wird von
faktor-Herausgeber Marco Böhme interviewt.
Ab Folge 42 wird Riese dann zum
Co-Host des Podcasts.
Die bisherigen Episoden sind übrigens
weiterhin abrufbar – auf der Internetseite
https://www.faktor-magazin.de/onfirepodcast/
sowie unter anderem auf Spotify.
Zu den bisherigen Gästen gehören
beispielsweise Peter Müller-Kronberg, Paul
Sinizin und Clemens Ritter von Kempski.
Hans-Hermann Lampe †
Treuer Wegbegleiter
EINE GROSSE LÜCKE hinterlässt Hans-
Hermann Lampe, Gründer und Seniorpartner
der Lampe Legal Anwaltsgesellschaft
aus Göttingen: Lampe war zu Beginn des
Jahres völlig unerwartet im Alter von
76 Jahren verstorben. „Sein Leben und
Wirken widmete er mit unbezwingbarem
Engagement unserem Unternehmen, den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie
unseren Mandanten“, schrieben die Partneranwälte
der Kanzlei in einer gemeinsamen
Nachruf-Anzeige. Unternehmerischer
Weitblick, juristische Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein,
Disziplin und Gerechtigkeitssinn
hätten sein Handeln geprägt
und ihn zu einer herausragenden
Persönlichkeit gemacht: „Wir verlieren mit
ihm nicht nur einen außergewöhnlichen
Juristen, sondern auch einen einzigartigen
Mentor und Menschen“, heißt es dort weiter.
Seine Familie würdigte ihn als „allwissenden
Kultur- und Genussmenschen“ und
„ganz großen Denker“. Lampe war auch
dem faktor sehr verbunden – in den vergangenen
zwei Jahren als faktor-Partner
mit vielen Ideen und Formaten.
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PROFIL
Christoph Hamel ist Nachfolger im Familienunternehmen und seit Januar 2026 Geschäftsführer der Klartext GmbH.
Klarheit schafft Sichtbarkeit
Wie Klartext Marketing mit Marketingportalen neu denkt –
und warum Prozesse zur Führungsaufgabe werden
Christoph Hamel, Sie übernehmen in einer
Zeit großer technischer und gesellschaftlicher
Veränderungen Verantwortung bei Klartext.
Was muss sich im Marketing grundlegend
verändern, damit Marken auch morgen sichtbar
bleiben?
Viele Unternehmen versuchen heute, Sichtbarkeit
durch immer mehr Maßnahmen zu
erzwingen – mehr Kanäle, mehr Kampagnen,
mehr Druck. Dabei geht oft das Entscheidende
verloren: Klarheit. Marketing muss sich von
der reinen Maßnahmenlogik lösen und stärker
als Führungs- und Organisationsaufgabe
verstanden werden. Marken werden nicht
sichtbar, weil sie lauter sind, sondern weil sie
strategisch, konsistent, verlässlich und nachhaltig
auftreten.
Wie übersetzen Sie diesen Anspruch in Ihre
Rolle als Geschäftsführer?
Ich bin seit 2019 im Familienunternehmen
tätig und habe Klartext aus der operativen Perspektive
kennengelernt. Durch mein interdisziplinäres
Studium in Wirtschaftsingenieurwesen
und Multimedia-Marketing denke
ich Prozesse und Wirkung zusammen. Als
Geschäftsführer möchte ich Klartext zu einem
strategischen Partner weiterentwickeln, der
Komplexität bei der Beschaffung reduziert und
Verantwortung für den Erfolg seiner Kunden
übernimmt. Unser Claim „Wir machen Ihre
Marke sichtbar“ ist dabei ein echtes Leistungsversprechen.
Ein zentrales Zukunftsthema bei Klartext sind
Marketingportale. Warum?
Unsere Marketingportale sind ein strategisches
Steuerungsinstrument. Sie bringen
Ordnung in dezentrale Organisationen und
verbinden Marketing, HR und Einkauf in
einem gemeinsamen digitalen Ökosystem.
CI-Sicherheit, Freigaben, Budgets, Logistik –
alles folgt einer klaren Struktur. Das entlastet
Menschen, beschleunigt Prozesse und macht
Marken im Alltag sichtbar – nach innen und
nach außen.
Die aktuelle Ausgabe des faktor widmet sich
an vielen Stellen dem Thema Nachhaltigkeit.
Wo sehen Sie hier Anknüpfungspunkte?
Nachhaltigkeit beginnt im Prozess. Wenn
Unternehmen bedarfsgerecht produzieren,
Marketing-Assets intelligent lagern und
unnötige Express- und Doppelproduktionen
vermeiden, sparen sie Ressourcen. Marketingportale
schaffen Transparenz – und Transparenz
ist die Grundlage für nachhaltige
Entscheidungen.
Und welche Vorteile bieten Ihre Marketingportale
für das Employer Branding?
Gerade im Wettbewerb um Fachkräfte ist
ein professioneller, konsistenter Auftritt entlang
des Employee Lifecycles entscheidend.
Maßgeschneiderte Recruiting- und Onboarding-Materialien
müssen verfügbar, einheitlich
und schnell am richtigen Ort sein. Hier
sorgen klare Prozesse im Hintergrund für
Glaubwürdigkeit nach außen und Orientierung
nach innen – nicht zuletzt durch wertschätzende
persönliche Aufmerksamkeiten,
die zu einer höheren Identifikation und Loyalität
der Mitarbeitenden führen.
Klartext GmbH
Am Güterverkehrszentrum 2
37073 Göttingen
Tel. 0551 499 700
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aktuelles
-Frühstück
Finanzielle Entscheidungen richtig treffen
Warum Risiko im Kopf entsteht – und nicht im Markt
WIE SICHER fühlen sich Unternehmer beim
Thema Geldanlage? Darum ging es im
Dezember beim faktor-Frühstück. Denn
Risikokompetenz ist ein Thema, das jeden
betrifft, der Entscheidungen über Geld
trifft. Vermögensverwalter Kai Dietrich
von der Dietrich & Richter Private Asset
Management AG sprach in seinem Impulsvortrag
darüber, dass Risiko im Kopf entsteht,
nicht im Markt: „Viele Anlagefehler
passieren, weil wir emotional reagieren
statt rational zu handeln“, so der Experte.
Diversifikation sei kein Modewort, sondern
Schutz: „Wer sein Geld zu einseitig
anlegt, trägt unnötige Risiken“, weiß Richter.
Aus seiner Sicht entscheidend: „Finanzentscheidungen
ohne solide Grundlage
sind wie Autofahren im Nebel.“ Der größte
Risikofaktor sei also fehlendes Wissen.
Beim anschließenden Austausch ging es
dann auch darum, in welche typischen
Fallen Entscheider tapsen können – und
wie man es schafft, mutig zu investieren,
ohne leichtsinnig zu werden.
Krankenkassenwechsel
Auch Arbeitgeber können profitieren
FOTOS: ALCIRO THEODORO DA SILVA / MARKUS RIESE
DEN WECHSEL DER KRANKENKASSE schieben viele Arbeitnehmer
auf – manchmal aus Unwissenheit, manchmal aus Bequemlichkeit
oder vielleicht auch aus Unsicherheit. Dabei kann ein Wechsel oft
Geld sparen, und das nicht nur für den Arbeitnehmer, sondern
auch für den Arbeitgeber.
Tobias Sander-Beuermann (Bildmitte) und Luis Jordan (links)
von der Digital Bridges GmbH haben beim faktor-Frühstück im
Januar eindrucksvoll gezeigt, wie einfach und sinnvoll ein Krankenkassenwechsel
sein kann und wie Arbeitgeber dabei für ihre
Mitarbeiter eine zentrale Rolle einnehmen können, ohne diese zu
bevormunden. Die beiden Unternehmer stellten ihre Lösung Persodesk
vor, die Lohnnebenkosten quasi in Benefits umwandeln kann,
basierend auf KI-gestützten Auswertungen und Vergleichen.
Arbeitgeber können schon beim Onboarding neuen Arbeitnehmern
Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung stellen und somit ohne
große Hürden Sparpotenziale sichtbar machen. Im Idealfall haben
dann beide Seiten etwas davon.
Medizin ganzheitlich gedacht
Natürlich gegen Stress und Schmerz
DAS BESTE aus Schulmedizin, Chinesischer Medizin und westlichen
Naturheilverfahren: Für diese Kombination steht die Praxis
von Dr. Arne Ströhlein in Göttingen. Beim faktor-Frühstück im
Februar stellte er sein Konzept in einem Impulsvortrag vor. Um die
Methoden und Therapieansätze zu erklären, ging er auch auf eigene
Erfahrungen ein. So berichtete er beispielsweise, wie ihn richtig
angewandte Akupunktur nachhaltig von chronischen Schmerzen
befreit hat.
„Die Kombination aus mehreren Diagnostik- und Therapieverfahren
erlaubt uns die Behandlung von akuten und chronischen
Krankheiten und solchen, bei denen die konventionelle Medizin
keine Diagnose stellen konnte“, stellte Ströhlein heraus. Gerade
auch Stress sei mit natürlichen Behandlungsmethoden oft sehr gut
in den Griff zu bekommen. Dazu hatte der renommierte Arzt auch
einige Übungen mitgebracht, die von den anderen Gästen direkt
ausprobiert wurden.
20 1 |2026
-Mittagessen
aktuelles
Alumni-Kampagne
Prominente Unterstützung
ALUMNI GÖTTINGEN wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Etwa
4600 Mitglieder zählt der Verein momentan; bis Ende 2026 soll
sich diese Zahl verdoppelt haben. Über das ambitionierte Ziel, die
dazu konzipierte Kampagne und den Verein selbst sprach Nina
Hornig (Foto) beim faktor-Mittagessen im Januar. Prominente Unterstützung
für die Kampagne gibt es reichlich, unter anderem von
Basketballlegende Wilbert Olinde (der faktor berichtete bereits in
der vergangenen Ausgabe) und Merle Florstedt von Ottobock.
Hornig präsentierte den Göttinger Alumni-Verein als internationale
Gemeinschaft von Ehemaligen, Studierenden und Angehörigen
der Universität Göttingen: „Alle Mitglieder teilen die Erfahrung,
dass die Göttingen-Zeit ein ganz besonderes Kapitel unseres
Lebens ist. Als gemeinnütziger Verein schaffen wir ein weltumspannendes
Netzwerk und setzen uns für die Zukunft der Universität
ein: für Chancengleichheit in akademischer Bildung und in
der Persönlichkeitsentwicklung, für wissenschaftlichen Fortschritt
und Wissensaustausch.“
Vom 29. bis zum 31. Mai feiert der Verein in diesem Jahr seinen
Alumni-Tag. Einmal im Jahr organisiert er ihn gemeinsam mit der
Universität Göttingen als ein „Homecoming“ für alle Ehemaligen.
Dabei gibt es nicht nur jede Menge Gelegenheiten, alte Freunde in
Göttingen wiederzusehen und neue Bekanntschaften zu machen.
Ein interessantes und vielseitiges Programm – unter anderem der
Fakultäten – erwartet die Teilnehmer ebenfalls. Wer bereits am
Freitag anreist, kann am 29. Mai an einem Treffen im Restaurant
Bullerjahn teilnehmen – mit anschließender Kneipentour, sozusa-
gen in Erinnerung an die eigene O-Phase. Alle Informationen und
Anmeldemöglichkeiten zum diesjährigen Göttinger Alumni-Tag
gibt es online auf der Internetseite www.alumni-goettingen.de/
termine/goettinger-alumni-tag-2026. Dort sind auch das Fakultätsprogramm,
das gesamte Rahmenprogramm und Infos zur Feier
der Goldenen Promotion einsehbar.
Tipps vom Experten
Social Media, aber richtig
WORAUF IST BEI DER CONTENT-ERSTELLUNG ZU ACHTEN?
Mit dieser Frage hat sich Neros-Mitgründer Hans Walter (im Foto
links) beim faktor-Mittagessen im Februar beschäftigt – und allen
anderen Teilnehmern interessante Denkanstöße für die eigenen
Social-Media-Kanäle mit auf den Weg gegeben. Walter betonte,
wie wichtig die ersten drei Sekunden eines Videos sind, dass ein
sogenannter CTA (Call to action) nicht immer überall sinnvoll ist
– und warum Reichweite längst nicht mehr die entscheidende Währung
im Social-Media-Game ist, weil sie für das eigene Unternehmen
und dessen Zielgruppe häufig keine besondere Relevanz hat.
Während seines kurzweiligen Impulsvortrags händigten Walter
und Neros-Kreativkopf Luca Söffker ein Infosheet an alle Gäste
aus. So konnten diese neben einer Erklärung des sogenannten
Conversion-Dreiecks auch eine fundierte Upload-Checkliste speziell
für Instagram mit nach Hause nehmen. Im Anschluss entwickelte
sich eine lebhafte Diskussion, getragen von diversen
Nachfragen der Teilnehmer.
1 |2026 21
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aktuelles
-News
44. faktor-Business-Lounge
„Es geht immer um Emotionen!“
Die Kunst des Storytellings stand im Mittelpunkt der 44. faktor-Business-Lounge in der Spitzbub-Alm des Göttinger
Hotels Freizeit In. Der eingeladene Experte Claus Vaske machte schnell deutlich, worum es seiner Ansicht nach beim
Storytelling immer gehen sollte: um Emotionen.
TEXT MARKUS RIESE FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
Claus Vaske erklärt, worauf beim Storytelling zu achten ist – und welche Fehler unbedingt vermieden werden sollten.
24 1 |2026
„SHOW, DON’T TELL“ – diesen Leitsatz sollten die rund 45 Gäste
der faktor-Business-Lounge an diesem Abend häufiger zu hören
bekommen. Ebenso die neun Teilnehmer des vierstündigen Workshops,
den Vaske bereits am Nachmittag in einem Tagungsraum
des Hotels geleitet hatte. Mit weiteren markanten Sätzen zog er
immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich: „Werbung interessiert
keine Sau“ – um nur ein Beispiel zu nennen.
Was hingegen funktioniert, um eine Geschichte so zu erzählen,
dass die Menschen sie auch tatsächlich hören wollen, davon kann
Waske mehr als nur ein Lied singen. Als früherer Gag-Schreiber
von Harald Schmidt, gefragter Comedy-Texter und erfolgreicher
Autor ging es für ihn immer darum, Storys spannend zu
präsentieren. So zeichnete er beispielsweise für die Werbevideos
mit Verona Feldbusch und Sir Peter Ustinov zur Expo 2000 in
Hannover verantwortlich, ebenso für einen später mit dem Golden
Award of Montreux ausgezeichneten Comedy-Clip namens
„Robots“, der als Opener für eine Keynote bei der Consumer Electronics
Show (CES) 2015 in Las Vegas gezeigt wurde.
KEINE FRAGE: Vaske weiß, was in eine gute Story gehört. „Informationen
stören da nur“, so der Fachmann. Eine erfolgreiche
Kampagne bestehe nicht aus langweiligen Zahlen, Daten und Fakten,
denn: „Menschen sind nicht rational, sie sind emotional.“ Im
Workshop ging es im Detail dann auch darum, wie man eine gute
Story aufbaut. Fast alle Teilnehmer erzählten am Ende bewegende
Geschichten aus ihrer Karriere oder auch aus ihrem Privatleben –
und fesselten damit die anderen. Eine bemerkenswert intime
Übung – mit vielen Aha-Effekten.
Am Abend präsentierte Vaske dann die Essenz aus dem Workshop:
„Ihr müsst euch zunächst fragen, was eigentlich der Kern
eurer Story ist. Worum geht es überhaupt? Was will ich erzählen –
und wie will ich es erzählen?“ Auch eine gute Struktur sei wichtig.
Am Nachmittag taucht Vaske beim Workshop noch tiefer in die Materie ein.
Die Spitzbub-Alm des Hotels Freizeit In bietet einen angenehmen Rahmen
für gute Gespräche und erfolgreiches Netzwerken.
DIE ZUHÖRER NAHMEN ALSO MIT: Es geht darum, die Menschen
zu begeistern, mitzureißen, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Und genau das kam dann auch direkt in weiteren kurzen
Wortbeiträgen zum Tragen: Freizeit-In-Chef Olaf Feuerstein erzählte
spontan und kurzweilig die Geschichte seines eigenen Weges
und die des Hotels – und Claudia Weitemeyer, Geschäftsführerin
der SüdniedersachsenStiftung, warb spontan um Teilnehmer für
eine Kampagne, in der die Vorzüge der Region gezeigt werden sollen.
Passenderweise soll dies über interessantes Storytelling geschehen,
in dem zum Beispiel Unternehmer erzählen, warum sie gern in
Südniedersachsen leben und arbeiten und was die Region für sie so
lebenswert macht.
Damit schloss sich auch der Kreis zur Arbeitgeber-Auszeichnung
„Top-Arbeitgeber Südniedersachsen“ (TOPAS) der SüdniedersachsenStiftung,
die als Partner-Ausrichter diesmal wieder
mit an Bord war. TOPAS-Organisatorin Tara Brune wies zu Beginn
des Events darauf hin, dass ja auch die TOPAS-zertifizierten
Unternehmen regelmäßig spannende und innovative Geschichten
zu erzählen hätten.
Nach dem Vortrag und zünftig-bayerischem Essen – passend
zur Location – nutzten die Teilnehmer noch ausgiebig die Gelegenheit
zum Netzwerken. Ihr neu gewonnenes Wissen über gutes
Storytelling soll an diesem Abend dem Vernehmen nach noch
mehrfach erfolgreich angewendet worden sein. ƒ
1 |2026 25
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PROFIL
Keine Angst vor Gen Z
Unternehmer sollten online nicht nur Flagge zeigen, sondern in der digitalen Welt als Experte auf
ihrem Gebiet sichtbar sein. Dabei hilft das Team von Neros aus Göttingen – und zwar ganz individuell.
Hans Walter (Mitte), Luca Söffker (rechts) und Agostino Luggo (links), die Gründer von Neros
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»Gemeinsam bauen wir unsere Kunden digital als
Marke auf, die Vertrauen und Expertise vermittelt.«
PROFIL
Hans Walter, Mitgründer von Neros
Wer sein Unternehmen erfolgreich
in die Zukunft führen will,
braucht einen starken Online-
Auftritt. „Entscheidend ist dabei
vor allem, wie man es angeht“, betont Hans
Walter, einer der Gründer von Neros. Walter
ist als Vertreter der Generation Z quasi in der
digitalen Welt groß geworden – und er versteht
es, sie für seine Kunden optimal zu bespielen.
Zusammen mit seinen Mitgründern
Luca Söffker und Agostino Luggo – alle drei
bringen große Expertise auf verschiedenen
Gebieten mit – begleitet Walter Unternehmen
dabei, ihre Kundengewinnung zu digitalisieren
und klare Systeme für nachhaltiges
Wachstum aufzubauen.
DAFÜR HABEN DIE DREI PROFIS die Neros-
Methode entwickelt. „Damit verbinden wir
hochwertigen Content, strategische Werbeanzeigen
und konvertierende Landingpages
– damit aus Aufmerksamkeit messbare Ergebnisse
werden“, stellt Walter heraus. Das
Neros-Team – insgesamt besteht es aus neun
Mitarbeitenden – schaut sich sehr genau an,
was der Kunde eigentlich braucht: „Wir sprechen
zunächst über die aktuelle Situation,
aber auch über die Zielgruppe – und natürlich
über die Ziele, die erreicht werden sollen“, beschreibt
Walter. Auf dieser Basis werden dann
im zweiten Schritt eine individuelle Strategie,
ein genauer Online- und Social-Media-Fahrplan
und schließlich ein professioneller digitaler
Außenauftritt entwickelt: „Gemeinsam
bauen wir unsere Kunden digital als Marke
auf, die Vertrauen und Expertise vermittelt.“
Damit ist es aber nicht getan, wie Walter erläutert:
„Nach dem Launch sorgen wir dafür,
dass qualifizierte Interessenten erreicht werden.
Denn es geht häufig gar nicht darum, eine
möglichst große Zahl an Followern oder Klicks
zu generieren, sondern darum, die richtigen
Kunden zu adressieren.“ Genau das erfordere
eine kontinuierliche Optimierung. „Social
Media ist seit 15 Jahren da und längst etabliert,
aber immer noch sehr schnelllebig. Und viele
haben eine gewisse Angst davor, etwas falsch
zu machen. Diese Angst können wir unseren
Kunden nehmen“, verspricht Walter. Und noch
mehr: Ziel ist immer, dass die Neros-Kunden
am Ende stolz darauf sind, wie ihr Unternehmen
im Internet repräsentiert wird.
Dass hier alles „aus einem Guss“ kommt,
gehört dabei zur Philosophie: Walter ist
BWLer und „lebt Dienstleistung“, Luggo ist
Wirtschaftsinformatiker – und Söffker ist der
kreative Kopf für die Bildsprache und den
Markenauftritt. „Wir haben für alles, was wir
unseren Kunden anbieten können, Profis in
den eigenen Reihen und müssen deshalb
nicht auf Drittanbieter zurückgreifen“, erklärt
Walter. Vorteil für den Kunden: Mit Neros
haben sie nur einen einzigen Ansprechpartner
für ihre gesamte Digitalstrategie an der
Hand. Das sorgt für kurze Wege, spart sogar
Ressourcen und sorgt letztlich für optimale
Ergebnisse.
EIN ZENTRALER BAUSTEIN sind bei Neros
denn auch professionell produzierte Videos –
vom kurzweiligen Reel über Testimonials bis
hin zum Imagefilm. Auch die Betreuung der
Social-Media-Kanäle (insbesondere Facebook,
Instagram und LinkedIn) sowie die Erstellung
von Landing Pages und Ads gehört zum Portfolio;
einzelne Elemente können auch modular
gebucht werden. Walter: „Nicht jeder braucht
gleich das große Paket, und das würden wir
dann auch gar nicht anbieten. Das wäre aus
unserer Sicht unseriös.“
Dafür schätzen inzwischen viele Unternehmer
Neros sehr. Und die Profis sorgen
im Austausch mit ihren Kunden auch immer
wieder für Aha-Effekte. „Social Media ist kein
reiner Vertriebskanal, sondern der verlängerte
Arm zur Zielgruppe“, sagt Walter zum Bei-
spiel. Eine einfache Erkenntnis, die das Mindset
eines Unternehmers aber grundlegend
ändern kann, wenn man sie verinnerlicht hat.
„Unser Fokus liegt nicht auf Trend- oder
Viralmarketing, sondern auf beständigem
Content“, betont Walter. Je nach Anforderung
könne deshalb ein Kampagnen-Mix sinnvoll
sein, der drei Bereiche individuell miteinander
kombiniert: Reichweite, Expertenstatus und
Content, der konvertiert und letztlich Umsatz
generiert.
WICHTIG SEI DABEI STETS, „authentisch und
echt“ rüberzukommen, und dafür sorgt bei
Neros ein ganzes Team aus Experten. Videoproduktionen
werden äußerst professionell geplant,
konzipiert und realisiert – Scheu vor der
Kamera muss dabei übrigens niemand haben.
Walter und seine Mitstreiter hoffen auf viele
neue Kontakte: „Wir freuen uns über jeden,
der Interesse daran hat, sich darüber zu informieren,
wie wir gemeinsam mit unseren
Kunden eine Strategie entwickeln können, um
online ein Standing aufzubauen – nicht als
Verkaufskanal, sondern als Kommunikationskanal.
Denn Marketing bedeutet gerade auch
in der digitalen Welt, der richtigen Person zur
richtigen Zeit am richtigen Ort zu begegnen.“
Neros
Instagram: Neros_Marketing
www.neros-explore.de
info@neros-explore.de
Tel.: 01515 9887825
MARKUS RIESE
mensch
Der 100-Jährige,
der durch Europa reist
Leon Weintraub hat den Holocaust überlebt. Der 100-Jährige bezeichnet sich
selbst als „lebendiges audio-visuelles Lehrhilfsmittel“: Noch immer besucht
er regelmäßig Schulen, um die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht in
Vergessenheit geraten zu lassen. Zu Göttingen hat er eine besondere Beziehung.
TEXT STEFAN LIEBIG
ch merke doch langsam, dass ich anfange, alt zu
werden. Aber für mein Alter geht es mir ausgezeichnet“,
antwortet Leon Weintraub auf die Einstiegsfrage
nach seinem Befinden. Das mitschwingende
schalkhafte Augenzwinkern blitzt in dem zugleich
beeindruckenden wie auch oft schockierenden Gespräch
des Öfteren auf – über zwei Stunden nimmt er sich Zeit
für den faktor. Auch wenn man weiß, dass der am
1. Januar dieses Jahres 100 Jahre alt gewordene Holocaustüberlebende
inzwischen über viel Erfahrung im Berichten
über seine schreckliche Zeit in mehreren Konzentrations-
und Gefangenenlagern der Nationalsozialisten
verfügt, verblüfft diese Art des unerwarteten Humors
doch hier und da. Zwar mildert er so den Schrecken seiner
Erlebnisse nicht, erleichtert aber die Verarbeitung
ein wenig. Diese Erleichterung ist wichtig, denn schließlich
will er vor allem die junge Generation erreichen. Ihr
möchte er vermitteln, wie dringend es ist, die Geschichte
der Judenverfolgung ein für alle Mal zu beenden. Mit
seinem speziellen Humor gelingt es ihm, das Interesse
von Kindern für das Thema zu wecken und sie zu sensibilisieren.
So überfordert er die jungen Zuhörer nicht.
Seine inzwischen jahrzehntelange Erfahrung in ungezählten
öffentlichen Veranstaltungen hilft ihm dabei.
Herr Dr. Weintraub, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem
100. Geburtstag! Wie haben Sie ihn gefeiert?
Vielen Dank. Ich hatte etwa 100 Gäste aus aller Welt zu
Gast: ein Rabbiner, ein Vertreter der Evangelischen Kirche,
ein Mitglied der Katholischen Hochschule am Niederrhein,
ein Agnostiker – Menschen aus mehreren Ländern
und mit vielen Berufen. Und vor allem waren meine
Frau, meine vier Kinder, fünf Enkel und vier Urenkel da.
Sehr gefreut habe ich mich über den Geburtstagsgruß
der Bundesärztekammer, und kürzlich erreichte mich sogar
noch ein Geburtstagsgruß vom Bundespräsidenten
Frank-Walter Steinmeier – wohl etwas verspätet, weil er
über die Botschaft kam.
Macht Sie das glücklich, so viel Aufmerksamkeit
zu bekommen?
Ich empfehle den Menschen, so alt zu werden. Dann erhält
man so viel Aufmerksamkeit. Glück ist ein zu starker
Begriff. Aber es macht mich echt zufrieden.
Wenn man sich Ihr Leben vor Augen führt, ist es kaum
zu fassen, dass Sie dieses Alter erreichen konnten und
noch so gut in Form sind.
Ich tue alles, um so alt zu werden, und habe gerade
meinen dritten Krebs überwunden. Als Arzt weiß ich,
worauf ich achten muss: Ich trinke höchstens mal einen
kleinen Schluck Wein, ernähre mich gesund und so weiter.
Der Jubilar spricht über die guten Gene in seiner Familie.
Die haben offenbar auch zu seinem Überleben und dem
seiner drei Schwestern im Konzentrationslager beigetragen.
Er selbst wurde nach der Befreiung in einem Sanatorium
am Bodensee körperlich aufgebaut, hatte aber ▸
28 1 |2026
FOTO: PETER HELLER
mensch
Leon Weintraub bei seinem Göttingen-Besuch im März 2026.
11|2026 29
mensch
keine schwerwiegenden Folgen von der Mangelernährung
und Lagerarbeit. Die psychischen Folgen steckte er
ebenfalls beachtlich weg. Wobei er auf eine Studie verweist,
nach der KZ-Überlebende mehrheitlich eine gewisse
emotionale Abstumpfung erkennen lassen. Er erklärt:
„Um die Grausamkeit nicht an mich heranzulassen,
habe ich eine unsichtbare Mauer um mich errichtet.“
Eine Mauer, die er auch bei seiner Ausweisung aus Polen
(siehe „Zur Person“) wieder brauchte, die er aber einriss,
als er in den 1970er-Jahren begann, seine Erlebnisse in
der Deutschen Schule Stockholm zu erzählen. Inzwischen
besucht er Schulen in vielen Ländern, um Schülern,
Lehrern und Eltern seine Erfahrungen zu schildern.
Ist es nicht extrem anstrengend, ständig auf Reisen zu
sein und von Ihrem schweren Schicksal zu sprechen?
Diese Reisen sind wichtig, um bei jungen Menschen ein
„Bewusst Sein“ zu erzeugen. Als nicht gläubiger Naturwissenschaftler
bin ich Rationalist und vermittle auf
glaubwürdige Art mit sachlichen Beispielen, was während
des zwölf Jahre dauernden „Tausendjährigen
Reichs“ geschehen konnte. Es darf kein Zweifel bestehen.
Mich strengt das Reisen nicht so sehr an. Zumal ich
seit zehn Jahren mit dem Rollstuhl am Flughafen an den
Schlangen vorbeifahre. Im Jahr 2024 bin ich von meiner
Wohnung in Stockholm achtmal nach Deutschland, dreimal
nach Polen und einmal nach Spanien gereist. 2025
war es ähnlich.
Bei den beiden Stationen in Göttingen stand sein Lebenswerk
im Zeichen der Erinnerungskultur im Zentrum
des Interesses: Am 2. März erhielt er die Ehrendoktorwürde
der Universitätsmedizin Göttingen und am
7. März den Göttinger Friedenspreis. Man könnte meinen,
für den Bundesverdienstkreuzträger seien solche
Ehrungen inzwischen Routine, doch er sagt: „Sie sind
für mich eine tiefe Befriedigung. Denn so erfahren meine
Reflexionen zu diesen weit über den Menschenverstand
hinausgehenden Verbrechen eine besondere Wertschätzung.“
Die gleichzeitige Friedenspreisverleihung an das
Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“
freut ihn besonders. Denn darin erkennt er die Fortführung
der Erinnerungskultur durch die junge Generation.
Sie sprachen eben von Abschalten und Entspannung.
Konnte es ähnliche Momente auch in der Gefangenschaft
geben?
Im Ghetto war für mich die einzige Entspannung, wenn
ich unerlaubterweise Bücher in die Hände bekam. Mir
fehlte das sehr: Ich hatte vor der Gefangenschaft gerne
gelesen und gelernt.
Sind sie eigentlich auch manchmal zuhause?
Ja, und ich liebe es, dann Filme zu schauen und Musik zu
hören. Ich habe viele Mitschnitte von Beethovens Konzerten
für Violine und Orchester in D-Dur op. 61 und 6a.
Bach und die Musik aus dem späten Mittelalter mag ich
sehr gerne. Einen Film anzuschauen, ist für mich wie
eine Dusche für das Gehirn.
Sitzen Sie jetzt auch schon auf gepackten Koffern?
2026 ist schon gut verplant und bis September ausgebucht,
und wenn dieses Heft erscheint, werde ich bereits
eine weitere zweiwöchige Deutschlandreise hinter mir
haben. Sie startet in Hann. Münden und Göttingen,
dann geht es auf Einladung der nordrhein-westfälischen
Kultusministerin nach Essen und wieder zurück in die
Gänselieselstadt.
Arbeitsausweis von Leon Weintraub aus dem
Ghetto Litzmannstadt (Łódź)
30 1 |2026
mensch
Leon Weintraub freut
sich über die Ehrendoktorwürde,
die er
Anfang März in der
Aula am Wilhelmsplatz
entgegennehmen
durfte.
FOTO: PETER HELLER
ZUR PERSON
Leon Weintraub wurde am 1. Januar 1926 im polnischen
Łódź geboren. Sein Vater starb 1927, seine Mutter kümmerte
sich um ihn und seine vier älteren Schwestern.
Kurze Zeit nach dem Einmarsch der Wehrmacht am
8. September 1939 wurde er mit seiner Familie in das
Ghetto Litzmannstadt (deutscher Name für Łódź)
zwangsumgesiedelt. 1944 wurden die Weintraubs zusammen
ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert
und voneinander getrennt. In einer riskanten Aktion
gelang es ihm, sich einem Gefangenentransport in ein
Außenlager des KZ Groß-Rosen anzuschließen, wodurch
er dem Tod in Auschwitz entkam. Weitere Stationen waren
Flossenbürg und Natzweiler-Struthof.
Bei einem weiteren Transport Richtung Bodensee gelang
Weintraub zusammen mit anderen Flüchtlingen die
Flucht, nachdem ihr Zug beschossen worden war. Nach
Kriegsende erfuhr er durch einen glücklichen Zufall, dass
drei seiner Schwestern, die ihn für tot hielten, im Lager
für Displaced Persons in Bergen-Belsen sind. Dorthin
schlug er sich durch.
Im Rahmen eines Förderprogramms für befreite KZ-Häftlinge
nutzte er die Möglichkeit, Medizin in Göttingen zu
studieren und spezialisierte sich auf Gynäkologie („Ich
hatte so viel Tod und Leid gesehen, ich wollte neues Leben
entstehen sehen!“). Er heiratete Katja Hof, mit der er 1948
den ersten ihrer drei Söhne bekam. 1950 kehrte er nach
Polen zurück, holte seine Familie nach und arbeitete in einer
Frauenklinik in Warschau. Wegen antisemitischer
Maßnahmen verlor er 1969 seine Stelle als Oberarzt und
emigrierte mit seiner Familie nach Schweden, wo er bis
heute lebt. Sechs Jahre nach dem Tod seiner Frau Katja
heiratete er Evamaria.
FOTO: PRIVAT
In Schweden und vielen anderen Ländern berichtet er seit
den 1990er-Jahren als Zeitzeuge vom Holocaust. Weintraub
ist Autor des Buches „Die Versöhnung mit dem
Bösen“. Darin berichtet er der Journalistin Magda Jaros
von seiner Kindheit und der Nachkriegszeit, dem Studium
der Medizin in Göttingen, seiner Karriere in Polen und seiner
Auswanderung nach Schweden aufgrund der antisemitischen
März-Unruhen 1968 in Polen (292 S., 13 Abb., erschienen
im Wallstein-Verlag, ISBN 978-3-8353-5232-2,
28 Euro). Weintraub wurden das Bundesverdienstkreuz
am Bande (2004), das Bundesverdienstkreuz erster Klasse
(2024) sowie die Paracelsus-Medaille (2023) verliehen.
1|2026 31
mensch
Leon Weintraubs Studenten-
Ausweiskarte der Universität Göttingen
FOTO: PRIVAT
Können sich das die jüngeren Zuhörer überhaupt vorstellen?
Was wissen sie überhaupt noch über diese Zeit?
Das ist sehr unterschiedlich. Aber genau deshalb berichte
ich ihnen davon. Das ist so wichtig. Denn wenn ich
mit Erwachsenen spreche, ist das meist wie eine Predigt
an die Bekehrten. Eine interessante Ausnahme gab es, als
ich vor dem Niedersächsischen Landtag über die Reichskristallnacht
sprach. Tatsächlich hörten mir auch 18 Abgeordnete
der AfD zu, und ich bot ihnen an, sich ein gewidmetes
Buch von mir abzuholen. Ihr Vorsitzender
Klaus Wichmann kam zu mir und sagte: „Sie irren sich!
Wir sind nicht so, wie sie es beschreiben!“ Ich antwortete
sehr bestimmt: „Sie sind also aufrechte Demokraten
und keine Menschenfeinde?“ – Er hat das Buch genommen
und ist abgehauen …
FOTO: PRIVAT
Leon Weintraub als junger Arzt im Jahr 1953.
Studiert hatte er kurz nach dem Krieg in Göttingen.
Was machen dieses Erstarken der politischen Rechten
und die Verrohung der gesellschaftlichen Umgangsformen
mit Ihnen?
Tatsächlich zweifle ich manchmal an meinem eigentlich
unbeugsamen Optimismus. Als Arzt bewundere ich die
Komplexität des Gehirns und verstehe es zugleich nicht,
dass es bei vielen Menschen nicht in der Lage ist, den
Lockrufen des Bösen zu widerstehen und zu begreifen,
dass es nur eine Menschenrasse gibt: den Homo sapiens.
Ich bin traurig und enttäuscht, weil die Menschheit nicht
vernünftig wird.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche den Menschen, mein Alter zu erreichen und
dabei zufrieden zu sein.
Herr Dr. Weintraub – alles Gute und vielen Dank für das
Gespräch! ƒ
32 1 |2026
Audi Business
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mensch
Mensch
Michael
TEXT MARKUS RIESE FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
Seit 1. Juli 2025 ist Michael Grosse Vorstandsvorsitzender
der Sartorius AG. Wie tickt der Nachfolger
von Joachim Kreuzburg? Was treibt ihn an? Welche
Werte lebt er? Und wie gefällt ihm eigentlich Göttingen?
Wir trafen den neuen CEO zum Interview.
34 1 |2026
mensch
1|2026 35
mensch
Es ist alles akribisch vorbereitet. Als wir den
Sartorius-Campus betreten und die Besucherausweise
abholen, nimmt uns Verena
Sattel aus dem Team der Unternehmenskommunikation
in Empfang. Sie zeigt uns
mögliche Foto-Spots, dann führt sie uns in den Besprechungsraum,
in dem wir Michael Grosse treffen sollen.
Um Punkt 14.30 Uhr, praktisch auf die Sekunde genau
zur vereinbarten Zeit, betritt der 58-Jährige das Büro.
Er wirkt zugewandt, freundlich, locker – fast schon
auffällig entspannt.
„Ich bin nicht nur angekommen in Göttingen, sondern
fühle mich hier mittlerweile zu Hause“, antwortet der
Konzernchef auf unsere erste Frage. Ob Grosse ein guter
Schauspieler ist, können seine Freunde und seine engsten
Anverwandten vermutlich besser beurteilen als wir. Unser
Eindruck ist aber: Er spielt uns hier gerade nichts vor.
Von der einen oder anderen Gewohnheit berichtet er, die
sich inzwischen etabliert habe. Und von „charmanten
Orten“, an denen er sich „sehr wohl“ fühlt: „Ich jogge
gern und gehe auch gern spazieren. Der Kiessee ist dafür
zum Beispiel eine Umgebung, die mir sehr gut gefällt.“
In den ersten Monaten seit seinem Antritt habe er auch
ein paar „lauschige Plätzchen“ in der Göttinger Innenstadt
ausgemacht, an denen man zum Beispiel gut mit
Freunden und Kollegen essen gehen oder ein Gläschen
Wein trinken könne.
Dass er dann direkt einen Schwenk zum Unternehmen
sucht, nehmen wir ihm nicht übel: „Sehr speziell finde
ich auch das Sartorius-Quartier, wo für mich die Wurzeln
des Unternehmens zusammenkommen.“ Die Kulturveranstaltungen
dort begeistern ihn; Grosse selbst
liebt vor allem klassische Musik und will in diesem Jahr
erstmals die Göttinger Händel-Festspiele besuchen.
Auch die von Sartorius initiierte Life Science Factory ist
im Quartier angesiedelt. „Für mich ist das einfach ein
besonderer Ort“, stellt Grosse heraus.
Die meiste Zeit verbringt er allerdings auf dem Sartorius-Campus.
Später wird er uns erzählen, dass dies für
ihn sogar der attraktivste Arbeitsplatz ist, an dem er jemals
gewirkt hat. Schaut man sich seine berufliche Vita
an, wird der Wert dieser Aussage deutlich.
MICHAEL GROSSE ist promovierter Maschinenbauingenieur
und war in den vergangenen 20 Jahren in verschiedenen
Führungs- und Vorstandspositionen in der
Verpackungsindustrie für die Pharma- und Lebensmittelbranche
tätig. Von 2020 bis 2023 führte er als Vorsitzender
der Geschäftsführung und CEO die Syntegon Technology
GmbH, einen international tätigen Anbieter für
Prozess- und Verpackungslösungen, der 2019 aus der
Bosch-Gruppe ausgegliedert worden war. Zuvor arbeitete
Grosse beim Schweizer Unternehmen Tetra Pak –
seit 2006 als Mitglied des Vorstands –, wo er unter anderem
den Ausbau des globalen Servicegeschäfts verantwortete
und verschiedene Leitungsfunktionen im Bereich
Produktentwicklung innehatte. Vor seinem Einstieg
bei Tetra Pak war er in der Automobilindustrie zu
Hause, wirkte zwischen 1993 und 2003 in verschiedenen
Führungspositionen bei BMW und Ford.
FÜHRUNG – das hat für Michael Grosse vor allem mit
Vertrauen zu tun. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
und in die seiner Mitarbeiter an allen Konzernstandorten.
Er weiß, dass sich große Ziele nur gemeinsam erreichen
lassen. Und er hat eine neue Führungskultur ins
Unternehmen gebracht: Grosse duzt alle Kolleginnen
und Kollegen und diese dürfen ihn ebenfalls duzen.
„Für den einen oder anderen war das am Anfang vielleicht
ein Stück weit irritierend, aber für mich ist das ein
total normaler Umgang“, sagt der Konzernchef – der
mehr als 20 Jahre seines beruflichen Lebens im Ausland
verbracht hat. „Deswegen ist die Ansprache mit ,Michael‘
und ,du‘ für mich ganz natürlich. Außerdem sorgt das für
einen direkten und offenen Austausch – egal mit wem im
Unternehmen. Und der ist notwendig und wichtig, damit
wir gut vorankommen.“ Verena Sattel, die ebenfalls mit
am Tisch sitzt, nickt zustimmend – räumt aber ein, dass
sie in der Anfangszeit noch einmal kurz ins „Sie“ zurückgefallen
sei. Damit ist sie sicher nicht allein: Die Sartorius-Familie
war das Duzen einfach lange nicht gewohnt
unter der mehr als 22 Jahre währenden Ägide von Joachim
Kreuzburg.
Zu seinem Vorgänger, der Sartorius in vielerlei Hinsicht
geprägt hat, pflegt Grosse ein freundschaftliches Verhältnis.
Er schätzt ihn – auch, weil es von Anfang an keine
Bevormundung oder besserwisserischen Ratschläge gegeben
habe: „Er hat mir schlicht und einfach seine Perspektive
aus dem Unternehmen aufgezeigt. Er hat mir den
Kontext der Entwicklung, der Strategie, des Fortschreitens
gegeben, hat mir aus seiner Sicht die Herausforderungen
und die Möglichkeiten geschildert, hat mich mit
den Leuten zusammengebracht, die ich kennenlernen
musste. Er war ein super Wegweiser, hat aber sein eigenes
Urteil klar zurückgenommen und gesagt: Suche, finde
und gehe deinen eigenen Weg. Und das ist exakt das, was
ich tue.“ Reingeredet habe Kreuzburg ihm nie, bis heute
nicht. Die beiden treffen sich noch hin und wieder zum
Dinner. „Wir reden dann über alle möglichen Dinge, natürlich
über das Umfeld und ein bisschen über die Indus-
36 1 |2026
mensch
Entspannte Atmosphäre beim faktor-Interview (v. l.): Marco Böhme, Michael Grosse, Verena Sattel, Markus Riese.
» Es geht auch darum, in sich selbst
zu ruhen und einfach man selbst zu sein.
Dann kann jeder erkennen, wie man ist
und wer man ist. «
trie, aber genauso auch über Privates, über Musik, über
Urlaub, über Menschen, über das Leben und über die
Lage der Nation.“
Die Lage der Nation – und die der ganzen Welt – beschäftigt
Grosse natürlich auch im Sartorius-Kontext tagtäglich.
Die Corona-Pandemie wirkt in manchen Bereichen
immer noch nach; Kriege und globale Entwicklungen
in der Außen-, Geo- und Handelspolitik hinterlassen
Spuren. „Das alles hat Einfluss auf jedes Unternehmen,
das gilt auch für unsere Branche“, weiß Grosse.
SARTORIUS – mit seinem weltweiten Produktions- und
Innovationsnetzwerk – sieht er aber auch für widrige Bedingungen
gut aufgestellt. Und dort, wo Herausforderungen
zu meistern sind, brauche man eben eine „Klaviatur,
auf der man die entsprechenden Tools so schnell und so
gut wie möglich spielen kann.“ Da müssten auch mal
Lieferketten umgestellt, Preise angepasst oder Kapazitäten
erhöht werden – nichts, was das Unternehmen aus
der Ruhe bringen würde. ▸
1|2026 37
mensch
Michael Grosse ist nicht nur im Unternehmen, sondern auch in Göttingen angekommen – und er hat mit Sartorius viel vor.
Zumal es der Industrie, in der Sartorius zu Hause ist,
„eigentlich gut geht“, wie Grosse betont: „Wir haben
Wachstum im Markt, wir haben hoch attraktive Technologien
und ein sehr gutes Portfolio.“ Dennoch bleibt das
Umfeld an der einen oder anderen Stelle unvorhersehbar.
„Da müssen wir auch in der Lage sein, sehr schnell zu
agieren und uns anzupassen“, sagt Grosse. Er spricht
dann gern davon, „die Flexibilitätsmuskeln zu trainieren“,
um schnell Entscheidungen treffen zu können. Da
sieht er nicht nur sich selbst in der Verantwortung, sondern
auch seine rund 14.000 Mitarbeiter weltweit.
DASS GROSSE selbst flexibel ist, hat er schon viele
Monate vor seinem Amtsantritt recht eindrucksvoll bewiesen:
Er hat tatsächlich noch einmal anderthalb Semester
studiert. Biochemie. „Ich finde nichts schlimmer,
als wenn man in ein Unternehmen reinkommt und erst
mal 50.000 Fragen stellen muss. Für mich war das einfach
eine Form von mentaler Vorbereitung.“ Grosse
hat also nicht nur Geschäftsberichte gelesen, Zahlen
analysiert, mit Branchenkennern gesprochen und sich
die Life-Science-Industrie angesehen – er hat sich durch
das Mini-Studium auch fachlich detailliert auf Stand gebracht.
„Und da ist für mich Biochemie einfach eine
Grundvoraussetzung, um schlicht und einfach zu verstehen,
was wir machen. Also war das eher ein natürlicher
Schritt.“ Den so vermutlich nicht jeder gehen würde.
Grosse ist ihn gegangen, und dem Vernehmen nach hat
ihm das viel Anerkennung und Respekt in der Belegschaft
eingebracht, auch wenn er seine „Zusatzqualifikation“
nicht an die große Glocke gehängt hat. Entscheidender
war für ihn etwas anderes: „Für mich ist es schon wichtig
gewesen, die ersten Monate in erster Linie mit Zuhören
zu verbringen. Wirklich tief reinzukommen ins Unternehmen,
mit Kunden zu sprechen, mit den Kolleginnen und
Kollegen zu reden an den verschiedenen Standorten weltweit
– und natürlich auch hier am Campus.“
Aus diesen Eindrücken entwickelt Grosse – nicht als
Einzelkämpfer, sondern im Team – Strategien, wie sich
das Unternehmen weiter verstärken kann oder wo künftig
neue Akzente zu setzen sind. Das Unternehmensversprechen
„Simplifying Progress“ ist für ihn dabei von zentraler
Bedeutung: die Vereinfachung von Abläufen, einhergehend
mit gesteigerter Geschwindigkeit, vor allem aber
38 1 |2026
mensch
» Ich finde nichts schlimmer, als wenn man in ein Unternehmen
reinkommt und erst mal 50.000 Fragen stellen muss.«
auch die Stärkung der Zusammenarbeit mit Kunden sowie
untereinander. All das will Grosse verbessern, ohne
die Leistungen seines Vorgängers zu schmälern: „Ich
habe den Luxus genossen, durch die herausragende Wirkung
von Joachim Kreuzburg hier einfach ein enorm gut
aufgestelltes, stark ausgerichtetes Unternehmen in einer
großartigen Branche vorzufinden. Dazu ein tolles, motiviertes
Team und unglaublich kompetente Leute.“
Dass Grosse auf gemeinsamen Erfolg setzt, werden
auch die Verantwortlichen all jener Göttinger Kulturund
Sportinstitutionen aufmerksam registrieren, die von
Sartorius gesponsert werden. „Wir sind ja wirklich ein
wichtiger Teil der Community und fühlen das auch. Und
natürlich gilt das für die Belegschaft ganz genauso, für
die Menschen in der Stadt. Engagement für Highlights,
wie etwa beim Basketball, ist schon etwas, dem wir auch
gerne treu bleiben.“
Im Verlauf unseres Gesprächs vermittelt Grosse mehrfach
den Eindruck, dass er zwar naturgemäß in Zahlen
und Ergebnissen denkt, Wachstum und Erfolg anstrebt –
dass er gleichzeitig aber nicht alles andere diesem Streben
unterordnet. Er selbst beschreibt das so: „Ich habe
einige wichtige Triebfedern in meinem Wirken, Handeln
und in meinem Führungsverständnis. Dabei spielt der
Wille zum Erfolg genauso eine große Rolle wie die Themen
Neugier und Leidenschaft.“
IM UNTERNEHMEN heißt das: Grosse gibt nicht immer
nur von oben vor, was zu tun ist: „Es sind die Fragen,
die man stellt, die dann den Unterschied machen.“
Zwar könne die Art der Fragen schon eine gewisse
Richtung vorgeben. Aber: „Für mich ist es immer das
beste Gefühl, wenn ich feststelle, dass durch die Fragen
auf der anderen Seite ein Erkenntnisgewinn und dadurch
automatisch eine Orientierung stattfindet, als
wenn man jemandem sagt: Ich möchte, dass du genau
das so machst und ich erwarte, dass das umgesetzt
wird.“ Gemeinsam zu diesen Erkenntnisgewinnen zu
kommen, gemeinsam Blicke zu schärfen und Prioritäten
zu erarbeiten – das ist ein wesentlicher Teil von
Grosses Philosophie. „Wir arbeiten in einem Geschäft,
das hauptsächlich auf Vertrauen basiert. Unsere Technologien,
unsere Produkte, unsere Kompetenz – all das
muss bei unseren Kunden Vertrauen schaffen. Gleichzeitig
müssen wir in unserem Wirken, unseren Voraussagen
und in dem, was wir dann an Financial Performance
abliefern, verlässlich sein. Das mag langweilig
klingen, aber es ist exakt diese Art von Langweile, die
der Kapitalmarkt sehr schätzt. We do what we say –
and we say what we do.“
NACH DER ACHTERBAHNFAHRT während und nach
der Pandemie und aktuellen Sondereffekten, die sich
unter anderem aus politischen Entwicklungen ergeben
haben – Stichwort Zölle –, sieht Grosse den Konzern
2026 in einem weiteren Übergangsjahr, gleichzeitig
aber auch weiter auf Wachstumskurs. Zwischen fünf
und neun Prozent Wachstum sind über beide Konzernsparten
hinweg für das laufende Jahr prognostiziert.
„Es gibt zwar noch eine etwas gedämpfte Nachfrage bei
Investitionsgütern, Anlagen und Instru menten“, sagt
Grosse. Auf das Prinzip Hoffnung will er deshalb aber
nicht setzen, eher auf Transparenz. Und auf das, was
Sartorius in der Pipeline hat: „Das, was wir an Innovationen
in Sachen KI-gestüzter, bioanalytischer Instrumente
machen und was wir mit unserem zuletzt erworbenen
Bereich Advanced Cell Models vorhaben, ist
phänomenal. Und wir haben wirklich fundamentale
Innovationen am Start.“
Da Thema KI hält Grosse für besonders wegweisend.
Übergeordnet gehe es um die Integration künstlicher
Intelligenz „in unsere Fähigkeiten, in unsere Single-Use-Applikationen,
in unsere Systeme“. In Kürze
bringt Sartorius ein innovatives System für die voll automatisierte
Zelltherapie an den Start. „Und das ist
wahrscheinlich weltweit ein bahnbrechender Ansatz,
den wir da zusätzlich zu unseren Kerntechnologien anbieten
werden“, blickt Grosse voraus.
Nach diesen vielversprechenden Ankündigungen
stellen wir Grosse eine mutmaßlich unbequeme Frage
– die sich für ihn aber gar nicht so anfühlt. Wir wollen
wissen, wie er mit der selbst so bezeichneten „Egodelle“
umgegangen ist, als Sartorius aus dem DAX gefallen
und seither „nur noch“ im MDAX gelistet ist. „Das
Thema beschäftigt uns hier überhaupt nicht“, betont er
– auch wenn er davon ausgeht, dass eine Rückkehr in
den DAX für Sartorius früher oder später „unausweichlich“
ist, im positiven Sinne natürlich. ▸
4|2023 1|2026 29 39
mensch
Aber für das Employer Branding am Standort Göttingen
spiele die Zugehörigkeit „absolut keine Rolle“.
Dafür sei der Sinn und Zweck des Unternehmens viel
bedeutsamer: Better health for more people. „Ich erlebe,
dass es das ist, was die Menschen antreibt“, macht
Grosse deutlich. Für etwas zu arbeiten, das einen selbst
stolz und zufrieden macht, das sei das deutlich bessere
Argument.
DANN HOLT ER AUS, und es fühlt sich ein bisschen so
an, als würde er uns jetzt einen Blick hinter die Fassade
gewähren. Grosse spricht von drei großen Elementen,
die aus seiner Sicht ganz wesentlich zur Lebensqualität
beitragen: „Das eine ist: Man muss genug haben, um
vernünftig leben zu können. Das Zweite ist Liebe, und
das Dritte ist Gesundheit.“ Und gerade die Gesundheit,
die Sartorius mit seinen Produkten idealerweise für immer
mehr Menschen verbessern will, findet Grosse
„essenziell“.
Um Fachkräfte für ein Unternehmen gewinnen zu
können, sei aber auch dessen Innovationskraft enorm
wichtig. „Biopharma ist immer noch eine recht junge
Branche. Und es passiert gerade so viel: Immer mehr
Krankheiten können nicht nur besser behandelt, sondern
auch geheilt werden. Die Perspektive ist phänomenal,
finde ich. Für Leute, die Innovation mögen, die
Fortschritt mögen, die technologisch orientiert sind, die
Veränderung wollen und die selbst auch dynamisch sind,
ist das hier ein perfekter Ort.“
Dazu kommt noch: Die Unternehmenswerte in Bezug
auf Offenheit und Nachhaltigkeit stoßen nach wie vor
auf positive Resonanz bei jungen Talenten. Und nicht
zuletzt sei der Sartorius-Campus eben ein erstrebenswerter
Platz zum Arbeiten. „Wenn man irgendwo am
Teich sitzt, sich nach einem hervorragenden Mittagessen
im Betriebsrestaurant ein Eis in unserem italienischen
Bistro holt, übers Wasser guckt und über Strategien und
Möglichkeiten diskutiert, gleichzeitig weiß, die Kinder
sind in der betriebseigenen Kita toll betreut – das ist
einfach ein sehr attraktives Umfeld, in dem wir hier arbeiten
dürfen. Und ich glaube, das macht dann auch einen
Unterschied.“
NACH DIESEM KLEINEN WERBEBLOCK wollen wir
wissen, wie es denn mit seinen eigenen Werten aussieht.
Den Unternehmenslenker Grosse können wir nach der
ersten halben Stunde schon ganz gut einordnen. Aber
was ist eigentlich dem Menschen Michael Grosse wichtig?
Während andere CEOs an dieser Stelle vielleicht
eher Floskeln auspacken, freut sich Grosse sichtlich
über unsere Frage. Das überrascht uns fast ein wenig.
Aber wir lassen ihn gern erzählen: „Erstens kann ich mit
den Werten, die wir hier haben, sehr viel anfangen, weil
sie auch mich ausmachen, und deswegen fühle ich mich
auch wohl hier. Für mich persönlich sind aber natürlich
auch bestimmte Dinge wichtig. Ich bin ein sehr aktiver,
familienorientierter Mensch. Ich finde die Themen Liebe,
Verlässlichkeit und Freundschaft sehr, sehr wichtig.“ Verbindungen
mit Menschen – und Menschen zu verstehen –,
das werde ihm mit der Zeit immer wichtiger. „Das hätte
ich vor 30 Jahren nicht unbedingt vorangestellt“, verrät
er. Grosse will etwas Sinnhaftes tun und dabei gleichzeitig
authentisch sein. „Es geht auch darum, in sich selbst
zu ruhen und einfach man selbst zu sein. Dann kann jeder
erkennen, wie man ist und wer man ist.“ Und genau
das baue aus seiner Sicht eine „enorme Brücke“ zu den
Menschen: „Es schafft Vertrauen, es schafft Verlässlichkeit
und Voraussehbarkeit. Das sind Dinge, die mich
umtreiben – und ich glaube, die mich auch ausmachen.“
LANGSAM AHNEN WIR, dass diese Prinzipien ihn nicht
nur im Berufsleben begleiten. Denn ja, selbst der CEO
eines global agierenden Konzerns hat auch ein Privatleben:
„Ich habe drei Kinder, zwei davon sind Mädchen
im Teenager-Alter. Das ist herausfordernd und anspruchsvoll.
Ich freue mich über jede Stunde, die ich
mit ihnen verbringen kann – und darüber, zusammen
mit meiner Frau und meinen Kindern unser Leben zu
leben.“
Grosse räumt ein, dass der zeitliche Aspekt oft eine
Herausforderung ist: „Ich weiß nicht, ob man das
wirklich Balance nennen kann, wenn man als CEO von
seiner eigenen Work- Life-Balance redet“, sinniert er.
Aber er scheint für sich einen guten Weg gefunden zu
haben: „Ich glaube, es ist wichtig, in der Work auch ein
Life zu empfinden. Deswegen finde ich es ganz wichtig,
mich auch im Unternehmen wirklich wohl zu fühlen,
mich selbst zu spüren und ich selbst zu sein, in meiner
Rolle hier bei Sartorius. Das ist für mich ein Teil meines
Lebens. Und das Familienleben ist natürlich sehr stark
konzentriert auf die Zeit, die ich dann habe.“
Die nimmt er sich dann aber auch – „relativ kompromisslos“,
wie er sagt: „Ich fokussiere mich, wenn ich
hier bin, zu 100 Prozent auf das, was ich hier mache.
Wenn ich bei der Familie bin, bemühe ich mich genauso,
das auch andersrum zu machen.“ Was Grosse im Vergleich
zu vielen anderen Menschen offenbar gut gelingt:
„Ich nehme sehr wenig an beruflichen Gedanken
oder Stress mit in mein Privatleben. Ich bin also dann
zu 100 Prozent da und kann sehr schnell von dem einen
Leben ins andere Lebenumschalten, weil ich eben immer
ich selbst bleibe.“
40 1 |2026
mensch
» Ich glaube, das
Life-Science-Thema passt
super zu Deutschland.«
In der Work auch ein Life empfinden – für Michael Grosse ein wichtiger Aspekt.
SO WIE GROSSE BEI SEINER FAMILIE zur Ruhe kommt,
soll es auch rund um die Großbaustellen an der Göttinger
Konzernzentrale bald deutlich ruhiger werden: „Wir
haben jetzt über die letzten gut zehn Jahre hier rund
1,4 Milliarden Euro investiert. Das ist eine enorme Summe,
sie macht etwa 40 Prozent unseres gesamten Investitionsportfolios
aus.“ Die Norderweiterung soll etwa
zum Jahreswechsel 2026/27 fertig sein; dort entstehen
für die Filterproduktion unter anderem weitere Reinräume,
Labors, Büro- und Innovationsflächen.
Über die vergangenen rund sechs Jahre hat Sartorius in
Göttingen in beachtlichem Umfang zusätzliche Kapazitäten
aufgebaut – und die will man jetzt auch nutzen: „Neben
der gesteigerten Produktionskapazität wird der Fokus
hier sein, in der Produktentwicklung und im Bereich
Innovationen weitere Akzente zu setzen und uns auch
beim Thema KI in eine führende Position in der Industrie
zu bringen.“ Weitere größere Bauaktivitäten sind in Göttingen
also erst einmal nicht zu erwarten.
DASS HIER IN DEN KOMMENDEN JAHREN nicht in
noch mehr neue Gebäude investiert wird, muss aber niemanden
beunruhigen. Und das stellt auch Grosse selbst
klar: „Göttingen ist mit rund 3750 Mitarbeitern für unser
Unternehmen Herz, Kopf und Motor, wie es mein
Vorgänger oft genannt hat. Hier kommen wir her, hier
sind unsere Vergangenheit und unsere Wurzeln, es ist
Heimat und Zukunft. Es ist der Ort, an dem Ideen und
Technologien entstehen.“
Jede Menge Ideen entstehen seit mittlerweile rund
vier Jahren auch in der eingangs schon erwähnten und
mittlerweile längst etablierten Life Science Factory im
Sartorius-Quartier an der Anna straße, die in München
2024 auch schon eine Art Ableger bekommen hat.
„Die Idee war hier in Göttingen von Anfang an, ein
Ökosystem für die Life Sciences zu schaffen. Dass wir
dabei eine aktive Rolle spielen und das auch weiterhin
tun werden, ist Teil unserer DNA und unserer Berufung“,
erklärt Grosse.
Zusammen mit verschiedenen regionalen Partnern
aus Industrie und Forschung ist inzwischen ein Innovationsinkubator
für Start-ups im Bereich Life Sciences
entstanden – auch mit dem Ziel, Göttingen als Life-
Science-Standort zu positionieren und zu stärken, so
wie es an anderen Standorten wie Heidelberg oder
Mainz auch schon gelungen ist. ▸
1|2026 41
mensch
Bei Sartorius hat er die Zahlen im Blick – im Privatleben findet Konzernchef Michael Grosse Ausgleich bei der Familie.
Mit der erfolgreichen GOe-Future-Initiative und bis zu
20 Millionen Euro an Fördermitteln sollen in Göttingen
in den nächsten Jahren quasi Life-Science-Start-ups am
Fließband produziert werden können – so hatte es
GOe-Future-Geschäftsführerin Elisabeth Zeisberg
schon bei der Verleihung der Innovationspreise im vergangenen
Jahr formuliert.
Das Ziel ist ambitioniert: In Südniedersachsen soll
quasi ein Silicon Valley für Life Sciences entstehen. Und
das soll bestenfalls dann auch weit über die Region
hinaus als solches anerkannt werden.
GROSSE WEISS: „Das muss jetzt natürlich von allen Seiten
getragen und angenommen werden.“ Er selbst komme
aus einer Industrie, die das Land lange entscheidend
geprägt habe. Dass die Autobranche nach wie vor viel
Aufmerksamkeit bekommt, schon weil enorm viele Arbeitsplätze
dranhängen, versteht Grosse. „Trotzdem ist
es mindestens genauso wichtig, auch die Zukunftsthemen
für Deutschland stärker zu bewerben, stärker zu
fördern, im Rahmen von Gesetzgebungen, im Rahmen
von Innovationsermöglichungen. Und ich glaube, das
Life-Science-Thema passt super zu Deutschland.“
Dafür wirbt Grosse ganz ausdrücklich: „Ich möchte
mehr Leute gewinnen, die diesen Glauben teilen. Das hilft
uns allen.“ Seine Vision dabei: Ein großes, funktionierendes
Ökosystem, Start-ups, die ihre Ideen skalieren und
Investoren überzeugen, was wiederum zu Arbeitsplätzen
führt und weitere Talente in die Region holt. „Das stärkt
in meinen Augen auch die Attraktivität der Stadt“, sagt
Grosse. Und nicht nur das: „Für das ganze Land Niedersachsen
wäre es ein enormer Gewinn, noch viel mehr daraus
zu machen. Und für uns entstehen dadurch natürlich
neue Ideen, Impulse für Innovation, Partnerschaften, Lieferbeziehungen,
auch ein Talenteaustausch. Es gibt nur
Vorteile, wenn man es gut macht.“
EIN KLARER APPELL VON GROSSE – und gleichzeitig
eine deutliche Forderung an die Politik, aber auch an
andere Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft, sich
für den Life-Science-Standort einzusetzen. In Heidelberg
oder Mainz habe das ähnlich funktioniert – weil
erfolgreiche Unternehmen als Leuchttürme vor Ort irgendwann
immer mehr Fürsprecher aus Politik, Wissenschaft,
Forschung und Industrie mobilisieren konnten.
„Und ich sage einfach: Warum soll das nicht auch
in Göttingen klappen?“
Als wir nach dem Gespräch noch Fotos machen und
beim Rausgehen noch etwas mit Michael Grosse plaudern,
manifestiert sich der Eindruck, den wir im Laufe
unseres Termins gewonnen haben: Hier ist wirklich einer
angekommen. Einer mit Werten und Ideen, die mutmaßlich
gut zu Sartorius passen. Und wahrscheinlich
auch zu Göttingen. ƒ
42 1 |2026
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-kompakt
FOTO: ZVSN
ÖPNV-Strukturen
Börger führt auch VSN
MIT DEM KAUF der VSN-Geschäftsanteile
der 14 Verkehrsunternehmen durch die
Stadt Göttingen sowie den Zweckverband
Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen
(ZVSN) ist zum Jahreswechsel die Umstellung
vom bisherigen Verbund der
Verkehrsunternehmen hin zu einem Aufgabenträgerverbund
vollzogen worden.
Im Zuge dieser Neustrukturierung hat
ZVSN-Verbandsgeschäftsführer Stephan
Börger auch die Geschäftsführung des VSN
übernommen. Zur Prokuristin der VSN
GmbH wurde Janina Ternedde bestellt.
Von links: Doreen Fragel, Vorsitzende der
ZVSN-Verbandsversammlung, Stephan
Börger sowie Stadtbaurat Frithjof Look.
FOTO: PNEUHAGE
Von links: Erwin Schwab, Dominique
Hildebrand und Falk Ronshausen.
Neue Geschäftsführung
Wechsel bei Ehrhardt
DOMINIQUE HILDEBRAND UND FALK
RONSHAUSEN haben die Geschäftsführung
der Ehrhardt Reifen + Autoservice
GmbH & Co. KG in Wulfen übernommen.
Nach dem Tod von Thomas Tieben 2024
hatte Erwin Schwab übergangsweise die
Geschäftsführung bei Ehrhardt inne; die
operative Geschäftsleitung lag bereits seit
2025 bei Hildebrand (Leiterin Personal
und zentrale Dienste) und Ronshausen
(Leiter Vertrieb). Ehrhardt gehört über die
Pneuhage Partners Group seit 2016 mehrheitlich
zur Pneuhage-Gruppe, die Hildebrand
und Ronshausen nun im Januar
2026 als Geschäftsführer einsetzte.
Elchpreis verliehen
Ehre für Rattelschneck
DAS ZEICHNERDUO RATTELSCHNECK ist
in diesem Jahr mit dem Göttinger Elchpreis,
Deutschlands einzigem Satirepreis,
ausgezeichnet worden. Die beiden Künstler
Marcus Weimer und Olav Westphalen
wurden für ihre klugen und pointierten
Bildgeschichten geehrt. Diese finden sich
seit den 1990er-Jahren immer wieder in renommierten
Medien wie FAZ, Süddeutsche,
Die Zeit, 11 Freunde oder Titanic.
Die Laudatio bei der Preisverleihung im
Deutschen Theater Göttingen übernahm
die Schriftstellerin und Moderatorin Ulrike
Sterblich.
Wer sich die Werke der Ausgezeichneten
selbst einmal anschauen möchte, hat vom
22. März bis zum 17. Mai dazu Gelegenheit
im Alten Rathaus in Göttingen: Dort
wird die Ausstellung „Wurmkur für alle!
40 Jahre Comics + Cartoons“ gezeigt. Sie
präsentiert eine umfangreiche Auswahl an
Werken, die den besonderen Witz und den
eigentümlichen Stil der beiden Künstler
widerspiegelt. Die Ausstellung ist dienstags
bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr
geöffnet.
Kauf Park
Kiewning ist neue
Centermangerin
ALEXANDRA KIEWNING ist zum Jahreswechsel
von der MEC METRO-ECE Centermanagement
GmbH & Co. KG als
Centermanagerin des Göttinger Einkaufszentrums
„Kauf Park“ eingesetzt worden.
MEC hatte im Herbst 2025 das Management-Mandat
für das Göttinger Center
von Deka Immobilien erhalten.
Christian Schröder, COO der MEC, ordnet
das Mandat ein: „Wir richten die
Objekte weiterhin auf Betriebssicherheit,
Wirtschaftlichkeit und Kundennutzen
aus, mit klaren Prioritäten in der Bestandsmieterbetreuung
und einer passgenauen
Weiterentwicklung im laufenden
Betrieb.“
Einbecker Brauhaus AG
Kerger bis 2029 als Alleinvorstand wiederbestellt
MARC KERGER ist vom Aufsichtsrat der
Einbecker Brauhaus AG mit Wirkung zum
1. Oktober 2026 für drei weitere Jahren
zum Vorstand der Gesellschaft bestellt
worden. Kerger führt das Unternehmen
weiterhin als Alleinvorstand und wird
durch zwei Mitglieder der Geschäftsleitung
in den Bereichen Finanzen und Technik
unterstützt.
„In den kommenden Jahren möchten wir
den Umbau zu einem zukunftsfähigen
Unternehmen weiter vorantreiben, vor
allem mit neuen Produktideen aus dem
alkoholfreien Bereich. Mein Ziel ist es,
dass Einbecker nicht nur für Tradition
steht, sondern auch für Aufbruch“, so
Kerger. Die gesamte Braubranche durchlebe
derzeit „herausfordernde Zeiten“.
FOTO: EINBECKER BRAUHAUS AG
44 1 |2026
mensch
13 Fragen an ...
Horst Wolf
Alter:
Position:
Zur Person:
61 Jahre
Sponsoringleiter bei der Pro Basketball GmbH
» Netzwerke sind sehr
wichtig. Sie schaden nur
dem, der keine hat.«
Ehemaliger Basketballprofi (1984 dreifacher Nationalspieler), spielte von
1998 bis 2000 auch für die BG 74 Göttingen. Nach seiner aktiven Basketball-
Karriere gründete er eine Marketingagentur und war Mitgründer und zu
Anfang Mitherausgeber des faktor-Magazins. Verheiratet, drei Kinder, drei
Bonuskinder, zwei Enkel, vier Bonusenkel.
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA
Was motiviert Sie, auch in herausfordernden
Zeiten Verantwortung zu übernehmen und
Entscheidungen zu treffen?
Beschreiben Sie in drei Stichworten, was
Unternehmertum für Sie ausmacht.
Welche Facette des Unternehmertums
mögen Sie gar nicht – und warum?
Womit schaffen Sie sich einen Ausgleich
zum beruflichen Alltag?
Was macht Südniedersachsen für Sie zu
einem guten Wirtschaftsstandort?
Welchen Stellenwert haben (soziale)
Netzwerke für Sie?
Analytisch oder intuitiv:
Wie treffen Sie schwierige Entscheidungen?
Wie würden Sie selbst Ihren Führungsstil
beschreiben?
Welches Buch, welcher Podcast oder welches
Netzwerk-Event hat Sie zuletzt dazu gebracht,
die eigenen Routinen zu hinterfragen?
Ergänzen Sie diesen Satz: Als Kind habe ich
davon geträumt, …
Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit welchem Prominenten würden Sie gern
mal einen freien Samstag verbringen – und
was würden Sie zusammen unternehmen?
Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Der Glaube: „Ich kann etwas bewirken.“
Innovation – Risikobereitschaft – Verantwortung.
Wenn es einseitig und verantwortungslos betrieben wird.
Zeit mit meinen Enkeln/Bonusenkeln verbringen.
Südniedersachsen verfügt über starke Forschungseinrichtungen (Uni, Max-Planck-In stitute,
Life Science Factory) und zwei Basketball-Bundesliga-Teams (Damen und Herren).
Netzwerke sind sehr wichtig. Sie schaden nur dem, der keine hat.
Analytisch.
Kooperativ.
Die 55 geheimen Gesetze der Peak Performance – Slatco Sterzenbach.
... kann ich mich nicht mehr erinnern. ;-)
Arbeiten in einer Drechslerei.
Ich würde mich mit Kareem Abdul-Jabbar über seine Basketballkarriere
unterhalten.
Da arbeite ich noch als Rentner ein bisschen nebenher und genieße
ansonsten meine Freizeit.
1 |2026 45
unternehmen
Das
FOTO: STIEBEL-ELTRON
Wärmepumpen-
Dilemma
Wärmepumpen verkaufen sich inzwischen besser als Gasheizungen. Trotzdem
liegt der Umsatz beim Holzmindener Hersteller Stiebel-Eltron noch immer
deutlich unter den Planzahlen. Warum ist das so, welche Auswirkungen hat das
auf die Standorte in der Region – und wie geht das Unternehmen damit um?
TEXT MARKUS RIESE
Es sind Schlagzeilen wie diese, die in den vergangenen
Monaten aufhorchen ließen:
„Stiebel Eltron verschiebt den Bau des Kunststoffkompetenzzentrums“,
berichtete etwa
die Werra-Rundschau aus Eschwege, demgegenüber
meldete zum Beispiel das Westfalen-Blatt:
„Krise vorbei: Stiebel Eltron produziert in Höxter
Wärmepumpen“. Das Unternehmen selbst überschrieb
unlängst eine seiner eigenen Pressemitteilungen zusammenfassend
so: „Willkommen in der Achterbahn“.
Ein Blick auf die nackten Zahlen zeigt zunächst einmal:
Der Absatz von Wärmepumpen in Deutschland
hat 2025 wieder deutlich zugelegt. Etwa 299.000 Einheiten
konnten abgesetzt werden, 55 Prozent mehr als
im Vorjahr. Gleichzeitig ging die Zahl verkaufter Gasheizungen
um 33 Prozent auf 276.500 zurück. Somit
waren Wärmepumpen im vergangenen Jahr erstmals
erfolgreicher als Gasheizungen. Allerdings: Die Gesamtanzahl
verkaufter Wärmeerzeuger ist rückläufig.
627.000 waren es im Jahr 2025, zwölf Prozent weniger
als noch 2024.
Nach dem Rekordjahr 2023 mit mehr als 350.000 verkauften
Wärmepumpen war der Absatz 2024 deutlich
eingebrochen – auf nur noch 193.000 Geräte. 2025
ging es dann zwar wieder bergauf, aber nicht so stark
wie erwartet. Für Stiebel-Eltron hieß das im vergangenen
Jahr, dass die Planzahlen – wie schon im Jahr zuvor
– nicht erreicht werden konnten. Unternehmenssprecher
Henning Schulz hat dafür verschiedene Ursachen
ausgemacht: „Zunächst mal ist Deutschland nicht der
einzige Markt, der zum Unternehmensumsatz beiträgt.
In sehr vielen Ländern ist die Wirtschaftslage angesichts
der weltpolitischen Entwicklungen in den vergangenen
Jahren unstet und damit schwierig gewesen –
und ist es noch.“ In Deutschland sei dann auch noch
die Diskussion um das sogenannte „Heizungsgesetz“
dazugekommen, die zur Verunsicherung und zu einem
„watch and wait“-Zustand bei Endkunden geführt und
zum Nachfrageeinbruch im Jahr 2024 beigetragen habe.
2025 sei man dann laut Schulz zumindest besser vorbereitet
gewesen als im Krisenjahr 2024 und habe die
„Kostensituation laufend entsprechend angepasst“. ▸
46 1 |2026
unternehmen
Kai Schiefelbein (Vorsitzender der Geschäftsführung), Alexander Janzen (Leitung Profit Center Wärmepumpe) und Lars Michel
(Leiter Wärmepumpenfertigung) sind froh, die Produktion im Werk in Höxter wieder in Betrieb nehmen zu können.
1|2026 47 1 |2026 47
unternehmen
moderaten Wachstum einhergehen, realisieren zu können.
Daher stehen Neubauten aktuell nicht im Fokus unserer
Investitionen.“ Die Bedeutung des Standorts Eschwege
innerhalb der Unternehmensgruppe sei aber nicht vom
Neubau der geplanten Halle abhängig.
Sichtbar voran ging es hingegen zu Jahresbeginn 2026
am Standort Höxter: Hier hat Stiebel Eltron die Wärmepumpenfertigung
wieder aufgenommen. In direkter Nähe
zum Hauptsitz werden Luft-Wasser-Wärmepumpen der
neuen Produktgeneration namens wpnext produziert.
2025 hat die Wärmepumpe die Gasheizung beim Absatz erstmals überholt.
Quelle: Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie
MITTE IN DER SCHWEREN KRISE, in der auch der Abbau
von Arbeitsplätzen im Raum stand, hatte das Unternehmen
seinerzeit mit großen Plänen reagiert. 72 Millionen
sollten in den Ausbau des Stammsitzes in Holzminden
investiert werden; für diese geplante Werkserweiterung
gaben Bund und Land eine Fördersumme von 10,8 Millionen
Euro frei. Stiebel Eltron spiele einen Schlüsselrolle für
eine klimaneutrale und wettbewerbsfähige Wirtschaft,
ließ das niedersächsische Wirtschaftsministerium vor
etwas mehr als einem Jahr verlauten. Die Unterstützung
des Unternehmens sei „ein wesentlicher Bestandteil der
Strategie zur Förderung einer klimaneutralen und wettbewerbsfähigen
Wirtschaft“, zitierte der Norddeutsche
Rundfunk damals Staatssekretär Frank Doods (SPD).
Der Standort Eschwege konnte davon zunächst nicht
profitieren – zumindest nicht unmittelbar. Der hier geplante
Neubau einer Halle für das Kunststoff-Kompetenzzentrum
ist inzwischen auf unbestimmte Zeit verschoben
worden. Allerdings betont Unternehmenssprecher
Schulz: „Selbstverständlich halten wir an dem
Neubau einer weiteren Halle in Eschwege fest, wenn
sich der Wärmepumpenmarkt in den kommenden Jahren
weiterhin positiv entwickelt. Diese Entwicklung
findet allerdings dauerhaft langsamer statt, als zum
Zeitpunkt des Grundstückskaufs abzusehen war.“
DAS WERK IN ESCHWEGE sei ein wichtiger Teil der Stiebel-Eltron-Gruppe.
Die Verlagerung der Durchlauferhitzerproduktion
von Holzminden nach Eschwege im Jahr
2023 unterstreiche den Stellenwert der Tochtergesellschaft,
die damit neben der schon länger hier angesiedelten
Kleinspeicherproduktion für ein zusätzliches Erfolgsprodukt
des Unternehmens verantwortlich sei.
Aber: „Aktuell haben wir ausreichend gebaute Infrastruktur,
um die Kapazitätserweiterungen, die mit dem
DAS WERK IN HÖXTER, eine ehemalige Maschinenbaufabrik,
war Ende 2022 erworben und rund ein Jahr
lang für die Anforderungen des Unternehmens hergerichtet
worden. Insgesamt investierte Stiebel Eltron rund
7,6 Millionen Euro in den neuen Standort. Ab Dezember
2023 liefen erste Geräte vom Band. Im Mai 2024 musste
die Produktion dann aber aufgrund der eingebrochenen
Wärmepumpen-Nachfrage unterbrochen werden. Die
Erholung des Marktes in 2025 führte jetzt dazu, dass die
Kapazitäten in Höxter wieder gebraucht werden – sodass
die Fertigung hier wieder angelaufen ist. „Wir sind überzeugt,
dass der Markt nicht nur stabil bleiben, sondern zukünftig
weiterwachsen wird“, so Stiebel-Eltron-CEO Kai
Schiefelbein. Die Wärmepumpe habe dem Gaskessel auch
in Deutschland nun endgültig den Rang abgelaufen. Der
Geschäftsführer verweist auch auf die technische Weiterentwicklung:
„Wir haben 2025 ein komplett neues Wärmepumpenportfolio
über alle Bereiche mit dem sehr effizienten
natürlichen Kältemittel Propan in den Markt gebracht
– darunter die weltweit erste echte Luft-Wasser- Heizungswärmepumpe
für die Innenaufstellung.“ 45 Patente halte
das Unternehmen im Zusammenhang mit den neuen Geräten.
Die neue Baureihe zeichne sich durch ein modulares
Konzept, hohe Leistungsfähigkeit, niedrige Schallemissionen,
ein mehrstufiges Sicherheitskonzept sowie
eine optimierte Systemeffizienz aus. Damit wolle Stiebel
Eltron aktuellen Marktanforderungen gerecht werden.
SPRECHER SCHULZ ERKLÄRT das Zusammenspiel der
Standorte Höxter und Holzminden, die nur wenige Kilometer
trennen: „In Höxter befindet sich aktuell eine
Doppellinie zur Fertigmontage von Wärmepumpen, in
Holzminden sind ähnliche Linien vorhanden. Vormaterialien
und Komponenten wie zum Beispiel Verdampfer,
Hydraulik-Baugruppen oder Elektronikteile werden
komplett in Holzminden gefertigt. Höxter erweitert also
unsere Produktionskapazitäten vorrangig in der Endmontage.
Holzminden ist und bleibt mit Abstand der
größte Produktionsstandort.“ Neben dem Stammsitz
Holzminden, Höxter und Eschwege betreibt Stiebel-
Eltron weitere Produktionsstandorte in Freudenberg
und Hameln – und auch im Ausland, genauer gesagt in
Thailand, China, Schweden und der Slowakei.
Und auch wenn die Gesamtzahl verkaufter Wärmeerzeuger
in Deutschland im vergangenen Jahr so nied-
48 1 |2026
unternehmen
FOTO: STIEBEL-ELTRON
Stiebel-Eltron setzt neben seinem Stammsitz in Holzminden, wo auch die Verwaltung angesiedelt ist, auf mehrere
Produktionsstandorte im In- und Ausland.
rig war wie seit Jahren nicht mehr, sieht sich Stiebel-
Eltron für die Zukunft gut gerüstet: „Die Wärmepumpe
gewinnt an Beliebtheit, weil sich mehr und mehr die
Erkenntnis durchsetzt, dass sie die mit Abstand energetisch
sinnvollste Möglichkeit ist, ein Gebäude zu beheizen
beziehungsweise Warmwasser zu bereiten. Hinzu
kommt, dass der Betrieb einer Wärmepumpe mittlerweile
in den meisten Fällen günstiger ist als der einer
fossil betriebenen Heizung – das liegt zum Beispiel am
steigenden CO 2 -Preis“, erläutert Schulz. Und er hadert
ein wenig mit der Tatsache, dass die Wärmepumpe
schon seit Jahren weltweit Standard beim Heizen ist,
aber ausgerechnet in Deutschland vergleichsweise
schwer in die Gänge kommt: „Der deutsche Staat hat
die Verbraucher über Jahrzehnte in die Nutzung günstiger
fossiler Brennstoffe getrieben, während der Strom
immer teurer gemacht wurde. Strombasierte Systeme
wurden damit benachteiligt.“
Noch heute sei der Stromkunde die „Melkkuh der
Nation“: Zwar gebe es seit einigen Jahren einen CO 2 -
Preis auch für fossile Brennstoffe, allerdings sei der eher
gering – die realen finanziellen Folgen von einer Tonne
ausgestoßenem CO 2 , für die im Moment 65 Euro bezahlt
werden müssen, liegen laut Umweltbundesamt für
die aktuelle Generation bei rund 300 Euro. Rechne man
langfristige Folgen dazu, steigen die Kosten auf bis zu
900 Euro. Diese Kosten seien real, sie werden aber nicht
von den Verursachern bezahlt – oder nur zu einem geringen
Teil –, sondern von der Gesellschaft. „Tatsächlich
hat die Ampel-Regierung versucht, die Weichen neu zu
stellen, und hat das mit dem aus unserer Sicht sinnvollen
Gebäudeenergiegesetz und der sehr erfolgreichen BEG-
Förderung für energetische Sanierungen auch getan“,
findet Schulz. Der zeitliche Ablauf der Gesetzgebung
und der Förderungs-Neuordnung sei allerdings unglücklich
gewesen, die Kommunikation dazu ebenso.
Trotz aller Hürden sei man bei Stiebel-Eltron für den
deutschen Markt „optimistisch, dass die Wärmepumpe
ihren Spitzenplatz bei den Wärmeerzeugern nicht mehr
abgeben, sondern im Gegenteil ihre Dominanz eher
ausbauen wird.“ Schulz weiter: „Wenn darüber hinaus
auch die Gesamtzahl der Wärmeerzeuger wieder ansteigt,
ist ein solides Wachstum der Wärmepumpenverkäufe
zu erwarten.“ƒ
1|2026 49
unternehmen
Mit wiederverwendbaren Mehrweg-Bechern sollten solche Bilder der Vergangenheit angehören. Daran
arbeiten auch die Unternehmen FairCup und Vytal, beide mit Göttingen-Bezug.
50 1 |2026
FOTO: FAIRCUP GMBH
unternehmen
Wege aus dem
Einwegwahnsinn
Ein in Göttingen ansässiges Unternehmen und ein Unternehmer, der sich Göttingen
als Heimat ausgesucht hat, wollen mit ihren Angeboten aktiv gegen die Vermüllung
der Umwelt vorgehen – mit ähnlichen Ideen, aber unterschiedlichen Konzepten.
TEXT CAROLIN KÖPP
FAIRCUP GMBH – EINE NACHHALTIGE GÖTTINGER IDEE
Was 2016 als Schulprojekt in Göttingen begann, ist heute
ein deutschlandweit eingesetztes Mehrweg-Pfandsystem:
Die Lehrerin und Unternehmerin Sibylle Meyer entwickelte
aus ihren Beobachtungen von Einwegmüll im Alltag eine
konkrete Lösung – mit dem Ziel, den von ihr damals so bezeichneten
„Einwegbecherwahnsinn“ zu stoppen. Mit der
klaren Vision, nachhaltige Verpackungen alltagstauglich,
hygienisch und wirtschaftlich nutzbar zu machen, setzte sie
ihre Idee in die Praxis um. Gemeinsam mit einem Werkzeugbauer
entstand der erste FairCup-Mehrwegbecher. Hochwertigkeit,
Funktionalität, modernes Design und Umweltverträglichkeit
standen dabei von Anfang an im Mittelpunkt.
Das Konzept überzeugte schnell: bei Veranstaltungen,
in der Außerhausgastronomie und im Lebensmitteleinzelhandel.
Bereits 2019 wurde FairCup mit dem Umweltzeichen
„Blauer Engel“ ausgezeichnet.
Inzwischen bietet das deutschlandweit tätige Unternehmen
nicht nur Coffee-to-go-Becher, sondern auch Snackund
Menüschalen, Besteck und Trinkhalme an, etwa für
Lebensmittelmärkte und Bäckereien. Seit 2022 werden beispielsweise
bundesweit an den Frischetheken von Kaufland
Salate und Käse in FairCups angeboten. Den geringen
Pfandbetrag investieren viele Kunden gerne, um die Umwelt
zu schonen. Das Leergut kann am Flaschen-Leergutautomaten
unkompliziert zurückgeben werden. Für die kontinuierliche
Weiterentwicklung wurde der Blaue Engel für die
FairCup GmbH 2023 erneut bestätigt.
OBWOHL DIE IDEENENTWICKLERIN in Göttingen fest verwurzelt
ist, konnte sie ihre Produkte am heimatlichen Markt
schlecht positionieren, und auch eine Förderung durch die
Stadt oder das Land Niedersachsen bleibt bisher aus.
Ihre Mehrwegverpackungen werden von einigen Unternehmen
in Göttingen, bei Kaufland und bei der Tour
d’Energie genutzt. Aber es war beispielsweise bisher
nicht möglich, am Göttinger Wochenmarkt einen Rückgabeautomaten
aufzustellen. Eine vorhandene App für
digitales Pfand konnte in Göttingen ebenfalls nicht umgesetzt
werden. Nicht nur die Marktbeschicker, die ihren
Kunden Mehrwegverpackung anbieten wollen, stoßen
so schnell an Verwaltungsgrenzen. „Göttingen ist leider
zu zerklüftet, wenn man neue Angebote etablieren
möchte“, sagt Sibylle Meyer über ihre Erfahrungen mit
Genehmigungen für Innovationen.
GANZ ANDERS UND AKTUELL IN FREIBURG, das als
erste Stadt Deutschlands einen lokalen Zusammenschluss
für Mehrwegverpackungen aufbaut. FairCup ist
dort fester Bestandteil der im Mai 2025 beschlossenen
„Mehrwegoffensive“. Das Leergut kann hier an verschiedenen
Stellen im Stadtgebiet abgegeben werden.
Seit Anfang 2026 sind dort Mehrwegverpackungen
in Supermärkten und in der Gastronomie Standard.
Kunden, die Lebensmittel einkaufen, werden Einwegverpackungen
gar nicht erst als Option angeboten, sondern
sie bekommen automatisch eine Mehrwegverpackung,
wenn nicht ausdrücklich etwas anderes gewünscht ist.
Eine Verringerung des anfallenden Mülls im öffentlichen
Raum von über 45 Prozent ist die Folge.
2019 trat die Stadt Darmstadt an FairCup heran und
gründete gemeinsam mit dem Unternehmen die HEAG
FairCup GmbH. Ziel war der Aufbau einer regionalen
Mehrwegoffensive im Rhein-Main-Neckar-Raum, bei
der die städtische Müllabfuhr als Spül- und Logistik- ▸
1 |2026 51
unternehmen
partner in das Mehrwegsystem eingebunden ist. Begleitet wird das
Projekt durch die HEAG Holding, die für die Überwachung des
Darmstädter Nachhaltigkeitskodex verantwortlich ist.
Besonders erfreut es die Unternehmerin, dass auf den Inseln Föhr
und Amrum ihre Produkte täglich von Bäckereien genutzt werden.
Insbesondere im Sommer haben die touristisch vielbesuchten Inseln
bisher große Müllentsorgungsprobleme. Anfangs wurden
Mehrwegbecher nur als Option für den Coffe-to-go angeboten und
nur zu 35 Prozent genutzt. Durch ein verbessertes Marketing –
auch von Seiten der Verwaltungen – ist der Gebrauch der FairCups
als Snack- Behälter inzwischen auf 100 Prozent und als Coffe-togo-Becher
auf bis zu 93 Prozent gestiegen. Das verringert die Müllflut
schon deutlich.
Als neueste Kreation stellt FairCup den ersten nachhaltigen und
mehrfach benutzbaren Adventskalender für das Marzipanunternehmen
Niederegger aus Lübeck her. Ab Mai 2026 kann der auf 2000
Stück limitierte und mit vier verschiedenen Marzipanspezialitäten
gefüllte Adventskalender auf der Homepage von FairCup bestellt
werden. Der Preis entspricht dem der bisherigen Wegwerfvariante.
Für die nachfüllbaren Inlays und die Schale werden zusätzlich fünf
Euro Pfand berechnet. Die leeren Inlays können bei teilnehmenden
Edeka-Märkten, bei FairCup oder in den Filialen von Niederegger
gegen Pfandauszahlung zurückgegeben werden. Wieder eine Idee
von Sibylle Meyer, die sie ein Stückchen weiter auf ihrem Weg zu
einer abfallärmeren Welt gebracht hat.
NEUE EU-VERPACKUNGSVERORDNUNG
ZU NACHHALTIGKEITSANFORDERUNGEN –
ABFALLREDUZIERUNG
Die EU-Verordnung über Verpackungen und
Verpackungsabfälle ist am 11. Februar 2025 in
Kraft getreten. Bis zum Geltungsbeginn gibt
es jedoch eine Übergangsfrist von 18 Monaten.
Erst am 12. August 2026 wird die derzeit gültige
EU-Verpackungsrichtlinie von der Neuregelung
abgelöst. Bereits das Verpackungsgesetz von
2017 sah die Rücknahme und die hochwertige
Verwendung von Verpackungen vor. Die geltende
Verpackungsordnung hat zum Ziel, dass bis
2030 alle Verpackungen wiederverwendbar oder
recyclingfähig sind. Für die Gastronomie greift
ab 12. Februar 2027 eine „Wiederbefüllungspflicht“.
Zunächst gilt diese nur für vom Kunden
mitgebrachte Behältnisse, ab 12. Februar 2028
müssen wiederverwendbare Behältnisse zur
Verfügung gestellt werden (Artikel 5 ff., 24 f. /
Quelle: Internetseite IHK Elbe-Weser).
» So kann das
nicht weitergehen! «
Sibylle Meyer, 2016
FOTO: VYTAL
Dallmayr-Mehrwegbecher von Vytal auf der Berlinale.
52 1 |2026
unternehmen
FOTO: JOCHEN ROLFES
2020 belegte FairCup den zweiten Platz des Deutschen Nachhaltigkeitspreises in der Kategorie Verpackung –
hier Gründerin Sibylle Meyer mit der Auszeichnung.
VON GÖTTINGEN IN DIE WELT:
VYTAL GLOBAL MACHT MEHRWEG INTERNATIONAL
Was in Deutschland längst gelebte Realität ist, geht in
vielen anderen Teilen der Welt erst jetzt so richtig an den
Start: Mehrwegsysteme. Kreislaufwirtschaft ist das
Stichwort für die Wirtschaft der Zukunft. Auf der Basis
der hierzulande altgedienten Pfandsysteme hat Vytal
Global das Mehrwegsystem der Zukunft entwickelt.
Einer der Firmengründer, Tim Breker, lebt heute mit seiner
Familie in Göttingen. Als die Geschäftsidee im Jahr
2019 geboren wurde, arbeitete er bei der Boston Consulting
Group. Gemeinsam mit zwei Kollegen sah er die
Müllberge des Fast Foods im Büro wachsen, und sie
fragten sich: Geht das nicht auch anders? Sie fanden heraus,
dass ein Produkt, das in seiner Verpackung weniger
als 300 Kilometer zurücklegt, mehrwegverpackt sein
müsste. Also gründeten sie Vytal und machten sich daran,
ihr Mehrwegsystem zu entwickeln: ohne ein Pfand,
mit dem die zu teure Bargeldhaltung einhergeht. Stattdessen
werden alle Verpackungen mit einem QR-Code
versehen, und so lässt sich ihr Einsatz digital steuern.
Rückpfand gibt es noch, aber direkt auf dem eigenen
Konto gutgeschrieben.
Durch die smarte, einfach umzusetzende Lösung mit
einer App und den QR-Codes wird insbesondere die junge,
umweltbewusste Generation „Y“ angesprochen, was
sich auch im Vytal-Firmennamen wiederfindet. Nach
und nach schlossen sich Gastronomen dem System an
und ermöglichten ihren Kunden, selbst aktiv beim Umweltschutz
mitzumachen.
Als nächste Schritte auf dem Weg, Mehrwegverpackungen
zu standardisieren, konzentrierte sich Vytal
auf Firmenkantinen und die Mensen der Universitäten
– und schließlich auf große Veranstaltungen. Die Mitarbeiter
der Abfallwirtschaft von Kommunen und Städten
geraten regelmäßig an ihre Belastungsgrenzen, wenn sie
nach gut besuchten, aber auch besonders müllträchtigen
Events zum Einsatz kommen. Veranstaltern und Unternehmen,
die mit Vytal zusammenarbeiten, bieten sich
neben dem werbewirksamen grünen Engagement auch
noch weitere Möglichkeiten im Marketing. Über die
QR-Codes auf den Getränkebechern haben Sponsoren
im Internet eine Plattform, um Informationen zu ihrer ▸
1 |2026 53
unternehmen
» Wir müssen nachhaltiger produzieren, konsumieren
und so viel Abfall wie möglich vermeiden.«
Partner für Mittelstand und Industrie!
Tim Breker, Mitbegründer von Vytal Global
Vytal-Firmenmitbegründer und -mitgeschäftsführer Tim Breker
Marke zu präsentieren. Natürlich können die Trinkbecher
auch dem Design der jeweiligen Sponsoren- oder
Unternehmens-CI angepasst werden. Die QR-Codes auf
jedem Becher machen die reibungslose und bequeme
Pfandabrechnung über Handy und Kreditkarte möglich.
Gleichzeitig kann man darüber Event-Highlights promoten
und Werbenachrichten direkt an die Gäste weitergeben.
Sogar weitere Getränke- oder Essensbestellungen
können so über den Trinkbecher aufgegeben werden.
Das ist nicht nur ein gutes Argument, um Sponsoren zu
finden, sondern macht auch den eigentlichen Ablauf eines
Events einfach und effizienter. Die neuartige Mehrweglösung
wurden bereits bei den Olympischen Spielen
in Paris ebenso eingesetzt wie in den Fanzonen zur Fußball-Europameisterschaft.
Vytal ist damit weltweit das
erste Unternehmen, dass diese Technologie auf komplexen
Großveranstaltungen zum Einsatz bringt.
Durch das QR-Code-Verfahren lässt sich überdies
transparent und nachvollziehbar dokumentieren, wie
viele Einwegverpackungen eingespart werden. Bis Januar
2026 waren es beachtliche 25 Millionen durch Mehrwegverpackungen
ersetzte Einwegbehälter. Auch die Lebenszeit
jedes Behälters, der energetische Fußabdruck
und die 99,2-prozentige Rücklaufquote sind transparent
und nachvollziehbar. Jedes einzelne Behältnis wird mehrere
hundert Mal gereinigt und wiederverwendet.
DER RECYCLINGKREISLAUF IST IN EUROPA und insbesondere
in Deutschland seit Jahren ein Thema. Mülltrennung
wird hier so sorgsam wie nirgends sonst auf der
Welt betrieben. In Deutschland zeigen die 7000 Gastronomiepartner
von Vytal bereits eindrucksvoll das Potenzial,
das in der Kombination von Mehrwegverpackungen
mit Recycling steckt. Allein in Göttingen wurden
206.721 Einwegverpackungen ersetzt: In der Kantine
der Universitätsmedizin sind es inzwischen schon rund
150.000, und auch die Sartorius AG nutzt das umweltschonende
Vytal-Mehrweggeschirr.
Von Anfang an träumten die Unternehmensgründer
auch davon, ihr Mehrwegsystem zu exportieren. Dieser
Traum ging inzwischen in Erfüllung: Was einmal mit fünf
Restaurants in Köln begann und sich auf ganz Deutschland
ausdehnte, findet seit kurzem seine Fortsetzung in
den USA. Dort ist der Mehrweg-Gedanke noch nicht etabliert.
Die Möglichkeiten der Mülltrennung und der Wiederverwendung
von Verpackungen und vor allem deren
effiziente Umsetzung müssen erst noch bekannter werden.
Das ist die Mission von Vytal Global: das Verständnis für
den Umweltschutz durch Mehrwegwirtschaft und Recycling
zu schaffen und damit auch die amerikanischen
Müllmengen deutlich zu verringern. Mit seiner amerikanischen
Tochtergesellschaft ist Vytal Global jetzt bei beliebten
Großveranstaltungen vor Ort. Auch an bekannten
Freizeitzielen findet man nun Vytal-Produkte in den USA:
Im Los Angeles Memorial Coliseum sind die Trinkbecher
genauso im Einsatz wie bei den Spielen der San Francisco
Giants, einem Profi-Baseballteam in Kalifornien. Auch
der Grand Canyon Nationalpark und die Walt-Disney-
Parks und -Resorts zählen zu den Kunden des Mehrweg-Technologieunternehmens
aus Deutschland. ƒ
FOTO: FAIRCUP GMBH
In vielen Cafés werden To-go-Getränke in FairCups angeboten
– für weniger Müll in den Städten.
54 1 |2026
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4 |2025 45
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PROFIL
Aus Notwehr
wird Innovation
Gewalt gegen Frauen ist strukturelle Realität. Schutz scheitert an fehlenden
Beweisen und zu hohen Hürden beim Zugang zu Unterstützung.
PATRONA ist eine digitale Schutz- und Beweissicherungsplattform,
die Betroffenen
frühzeitig Handlungsfähigkeit gibt. Über individuell
definierte Signalwörter können Notrufe
ausgelöst oder verdeckte Audioaufnahmen
gestartet werden, um kritische Situationen zu
dokumentieren. Zusätzlich bietet PATRONA
eine direkte rechtsmedizinische Anbindung
über eine App, einen KI-Assistenten zur Einordnung
der Situation sowie ein verifiziertes
Netzwerk von Helferinnen und Helfern für
kurzfristige praktische Unterstützung.
Die Idee zu PATRONA ist aus eigener Erfahrung
entstanden. „Ich habe selbst erlebt,
wie sehr fehlende oder späte Beweissicherung
Schutzmechanismen schwächt“, sagt
Gründerin Gina Koopmann. Werden Gewalt
und Verletzungen früh dokumentiert, verändere
sich die gesamte Dynamik: Schutz werde
wahrscheinlicher, Entscheidungen klarer,
Verantwortung eindeutiger.
PATRONA setzt im Dunkelfeld an – dort,
wo Gewalt beginnt und Hilfesysteme bislang
kaum erreichbar sind. Ziel ist es, genau den
Moment der Gewalt zu erfassen und zu sichern
und damit die Voraussetzung für langfristigen
Schutz zu schaffen.
Das PATRONA-Gründerinnen-Team: Gina Koopmann
(links) führt die Geschäfte, Hanna Pradler ist für das
Produktmanagement und die Finanzen verantwortlich.
PATRONA
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Gründerin und Geschäftsführerin
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Vom Baustein
zum Möbelstück
Ein neues Bauklotzsystem senkt motorische Einstiegshürden und ermöglicht
sogar modulare Möbel – entwickelt von einer Therapeutin und einem Zahnarzt.
PROFIL
Viele Steckbausteine setzen Kraft und Feinmotorik
voraus, die Kleinkinder oft noch
nicht mitbringen. Bleibt der Erfolg aus, endet
das Spiel schnell in Frustration. Fachkräfte
beobachten zudem eine zunehmende Verzögerung
der Feinmotorik.
Vor diesem Hintergrund entwickelten die
Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Lena
Gerke und der Zahnarzt Sebastian Gerke-
Höfl sauer Klebeklotz. Herzstück ist ein neuartiger
Verbindungsmechanismus, entlehnt
aus der Zahnmedizin, der sich an die Kraft
des Kindes anpasst. Kinder können ohne Vorerfahrung
bauen, kombinieren und gestalten.
Der Clou: Aus den Klebeklotz-Bausteinen
lassen sich auch modular erweiterbare Alltags
gegenstände und Möbel gestalten. So
entsteht ein multifunktionaler Begleiter, der
kreativ in den Alltag integriert werden kann –
flexibel, nachhaltig und altersübergreifend.
Bei der Entrepreneurship School 2025 der
PFH Göttingen gewann Klebeklotz den ersten
Preis und damit den Ideas in Motion
Go-E-Award. Für die nächsten Schritte
suchen die Gründer jetzt den Dialog mit
erfahrenen Akteuren aus Produktion und
Unternehmertum.
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Lena Gerke
Dr. Sebastian Gerke-Höflsauer
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Lohnkosten senken,
Mitarbeitende stärken
Eine kostenlose Plattform aus Göttingen verwandelt Lohnnebenkosten
in Gesundheits-Benefits – für Stammbelegschaft und Saisonarbeitskräfte.
Steigende Zusatzbeiträge, komplexe Umlagen
und 90+ Krankenkassen machen die
GKV-Steuerung zur Daueraufgabe, zumal
Tarif- und Umlagekombinationen sich laufend
ändern. Persodesk schafft Klarheit und vereint
erstmals Krankenversicherung und Gesundheits-Benefits
in einem digitalen Prozess
aus Arbeitgeberperspektive. Erreicht wird das
durch drei Module:
1. GKV-Vergleich & Wechsel im Unternehmensdesign
mit transparenten Leistungen und Gesamtkosten
inkl. Umlagen;
2. Self-Onboarding für Saisonarbeitskräfte
mit Stammdaten in Landessprache, Zeitraum,
Kassenempfehlung und direkter Anmeldung
sowie A1- und Dokumentenchecks für rechtssichere
Abläufe;
3. Steuerung von Gesundheitsleistungen/BKV &
Benefits, um Lohnkosten in Mitarbei tervorteile
zu übersetzen. So werden Einspar potenziale
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Ergebnis: messbar weniger Lohnnebenkosten,
starke Benefits und volle Transparenz für Arbeitgeber
und Mitarbeitende. HR, Payroll und
Steuerbüros sparen dank offener Schnittstellen
spürbar Zeit. Persodesk wurde dafür beim
GO-E-Award Südniedersachsen 2025 ausgezeichnet.
Das Gründerteam (von links): Kevin Moisch, Tobias
Sander-Beuermann, Luis Jordan, Rodrigo Ehlers
Digital Bridges GmbH
Persodesk.de
kontakt@digital-bridges.de
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Timberjacks
erklimmt den Gipfel
Der Göttinger Unternehmer Thomas Kemner plant für seine mittlerweile überregional
bekannte Marke Timberjacks den nächsten großen Coup: Auf dem Brocken will er mit
einer spektakulären Mountain Lodge neue Maßstäbe setzen.
Thomas Kemner (rechts) und Swen Riediger im Timberjacks Göttingen.
58 1 |2026
unternehmen
»Unser Fokus liegt nicht auf maximaler
Expansion, sondern auf sauberem,
kontrolliertem Wachstum mit einem
klaren System.«
TEXT MARKUS RIESE FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA UND TIMBERJACKS
Wenn Thomas Kemner etwas angeht,
dann richtig: Als er im November 2016,
vor fast zehn Jahren also, sein erstes
Timberjacks-Restaurant in Göttingen
eröffnet, ist sofort klar: Das ist nicht
einfach irgendein neues Steak- oder Burgerrestaurant
mit amerikanischer Note. Der markante Blockhaus-Stil,
Bull Riding, eine riesige LED-Wand, ein offener Grill,
viele besondere Gerichte auf der Speisekarte, jeden
Donnerstag Live-Musik bei freiem Eintritt: Schon
damals hebt sich Timberjacks deutlich von anderen
Konzepten ab.
ETWA ZWEIEINHALB JAHRE SPÄTER – IN KASSEL hatte
gerade das zweite Restaurant seine Pforten geöffnet –
stellt der faktor Kemner als möglichen Franchise-Geber
vor; Timberjacks soll weiter expandieren. Das passiert
auch, allerdings nicht ganz so wie damals beschrieben.
Dabei hält sich die Grundidee bis heute: „Wir erhalten
regelmäßig zahlreiche Franchise-Anfragen. In der Praxis
verlaufen diese jedoch häufig im Sande, da die erforderlichen
Investitionssummen sehr hoch sind“, erklärt
Kemner. Hinzu komme, dass sich die Bankenwelt seit
den wiederholten Lockdowns während der Covid- Zeit
und den darauffolgenden Krisen stark verändert habe:
„Viele Banker agieren inzwischen aus einer ausgeprägten
Worst-Case-Perspektive heraus und haben die Hürden
zur Finanzierung in der Gastronomie und Hotellerie entsprechend
hoch angesetzt. Das führt dazu, dass potenzielle
Interessenten oftmals bereits frühzeitig die Motivation
verlieren.“ Und dann folgt ein Satz, der die gesamte
Timberjacks-Geschichte bis heute prägt: „Unabhängig
davon liegt unsere klare Priorität von Beginn an auf der
eigenen Entwicklung unserer Standorte.“
Restaurants gibt es mittlerweile auch in Siegen, Köln,
Marl, Bispingen, Düren, Bad Hersfeld, neuerdings auch
in Bensheim – und dazu einige Motels, die genau wie die
Restaurants ihren ganz eigenen Stil aufweisen. Weitere
Restaurant-Standorte sind bereits im Bau oder in Planung,
beispielsweise in Wolfsburg, Bocholt und Paderborn.
Fast 500 Menschen arbeiten heute für Timberjacks
– eine beachtliche Entwicklung.
Für die Führung und den reibungslosen Betrieb aller
Standorte hat Kemner Betreibergesellschaften gegründet;
dazu hat er sich neben weiteren Führungskräften
mit Swen Riediger einen Vertrauten als Geschäftsführer
ins Boot geholt. Und der übernimmt viel Verantwortung:
„Als CEO der jeweiligen Betreibergesellschaften
bin ich nach Abschluss der Opening-Phase, die durch
unser Franchise-Team begleitet wird, operativ für sämtliche
laufenden Standorte verantwortlich. Mein Fokus
liegt dabei insbesondere auf der wirtschaftlichen Steuerung
der Restaurants, der Sicherstellung effizienter Prozesse
sowie auf der personellen Struktur. Ziel ist es, an
jedem Standort die richtigen Mitarbeitenden in den passenden
Funktionen einzusetzen, um unseren Gästen
durchgängig ein hochwertiges und verlässliches Erlebnis
zu bieten“, erklärt Riediger – den viele noch eher in der
Automobilbranche verorten. 26 Jahre lang war er im
Automobilhandel tätig, unter anderem bei Mercedes,
BMW und zuletzt im Porsche Zentrum Göttingen, bevor
er sich bewusst für eine Neuorientierung entschied:
„Das Angebot von Timberjacks kam zu einem Zeitpunkt,
der sowohl persönlich als auch strategisch sehr gut gepasst
hat“, sagt er. Als er damals von der geplanten Expansion
erfahren habe, sei für ihn sofort klar gewesen,
diesen Weg aktiv mitgestalten zu wollen: „Timberjacks ist
sowohl architektonisch als auch konzeptionell außer- ▸
1|2026 59
unternehmen
Ein erster Entwurf: So könnte der Timberjacks-Komplex auf dem Brocken aussehen (Visualisierung). Das Investitionsvolumen liegt bei rund
acht Millionen Euro, die Fertigstellung ist bereits für 2027 vorgesehen.
gewöhnlich. Unsere Restaurants schaffen eine Erlebniswelt,
die den Gästen das Gefühl vermittelt, sich in den
Rocky Mountains zu befinden. Genau diese Fähigkeit,
für einige Stunden Abstand vom Alltag zu ermöglichen,
macht Timberjacks aus meiner Sicht besonders“, beschreibt
Riediger.
Das, was Kemner und seine Mitstreiter jetzt auf dem
Brocken vorhaben, stößt einmal mehr in neue Dimensionen
vor. Im bisherigen Brockenhotel-Komplex sollen neben
einem Timberjacks-Restaurant ein Hotel mit etwa
80 Zimmern verschiedener Kategorien, ein Seminar- und
Veranstaltungssaal, ein Ballroom, eine Bibliothek, ein
Kaminzimmer, ein Sauna- und Fitnessbereich sowie eine
360°-Skybar im Aussichtsturm entstehen, die ausschließlich
Hotelgästen vorbehalten sein soll. „Wie die finale
Ausgestaltung letztlich aussehen wird, wird sich im weiteren
Verlauf des Prozesses entwickeln“, bleibt Kemner
noch etwas vage, aber eine erste Visualisierung deutet
schon an, wohin die Reise gehen könnte. Acht Millionen
Euro will er auf dem Brocken investieren.
SPANNEND IST, wie das Ganze überhaupt zustande
kam – nämlich streng genommen eher zufällig. Kemner:
„In einer anderen Angelegenheit standen wir im Austausch
mit dem Landkreis Harz und dem Landrat. In
diesem Zusammenhang haben wir nebenbei erfahren,
dass der Landkreis das Gebäude auf dem Brocken erworben
hat und eine umfassende Entwicklung plant.
Nach reiflicher Überlegung haben wir uns daraufhin
proaktiv um dieses Projekt beworben. Im Rahmen einer
europaweiten Ausschreibung mit über 100 Bewerbungen
fiel die Entscheidung schließlich auf uns.“
IM BLOG-BEREICH auf der Timberjacks-Homepage ist
bereits zu lesen, dass dieses neue Projekt so einige Herausforderungen
mit sich bringt. Dort heißt es in einem
aktuellen Beitrag: „Mit dem Brocken übernehmen wir
ein Projekt, das in vielerlei Hinsicht anspruchsvoll ist.
Die Höhenlage, das saisonale Klima, die begrenzten
Transportwege und der empfindliche Naturraum erfordern
durchdachte Lösungen. Eine zusätzliche Heraus-
60 1 |2026
unternehmen
forderung stellt der Denkmalschutz des Gebäudes dar,
der besondere Anforderungen an jede bauliche Veränderung
stellt und eine besonders sorgfältige Planung voraussetzt.“
Hinzu komme die Aufgabe, bis zu 80 neue,
qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und ihnen einen
Zugang zu ihrem Arbeitsplatz zu ermöglichen. „Um diese
Herausforderungen zu meistern, arbeiten wir bereits
an ersten Konzepten für eine sichere und verlässliche
Erreichbarkeit des Gipfels. Dazu gehört unter anderem
die Möglichkeit, dass Mitarbeitende kostenlos die Harzer
Schmalspurbahn nutzen können. Die Verhandlungen
hierzu laufen. Dieser Ansatz soll nicht nur die tägliche
Anreise erleichtern, sondern auch den Individualverkehr
reduzieren und damit den Naturschutz im Gebiet unterstützen.
Weitere organisatorische Lösungen befinden
sich in Planung, damit der Arbeitsplatz Brocken langfristig
attraktiv und gut erreichbar bleibt.“
Kemner selbst geht mit diesem Thema gegenüber dem
faktor ganz offen um: „Das wird sicherlich der spannende
Teil der Reise. Eine der großen Herausforderungen am
Arbeitsmarkt besteht derzeit darin, ausreichend motivierte
und geeignete Mitarbeiter zu finden. Die Rahmenbedingungen
haben sich in den letzten Jahren deutlich
verändert, wodurch der Arbeitsmarkt spürbar an Dynamik
verloren hat. Die Menschen, die sich bei uns bewerben,
tun dies in der Regel sehr bewusst, entweder aus
echter Motivation heraus zu arbeiten – oder weil sie sich
beruflich neu orientieren möchten. Bisher haben wir alle
Neueröffnungen, auch wenn sie anfangs mit Herausforderungen
verbunden waren, erfolgreich gemeistert. Zunächst
konzentrieren wir uns auf eine saubere Planung
und werden zum passenden Zeitpunkt gezielt Maßnahmen
ergreifen, um diese Herausforderung zu lösen.“
Den Denkmalschutz sieht Kemner hingegen nicht als
Problem an: „Er bezieht sich ausschließlich auf die Gebäudehülle.
Alle weiteren Maßnahmen sind mit dem Eigentümer,
dem Landkreis Harz, abzustimmen. Aktuell
befinden wir uns noch in der vertraglichen Ausgestaltung.“
Kritischen Stimmen, die mit dem neuen Projekt eine
Forcierung des Massentourismus auf dem Brocken befürchten,
sieht Kemner gelassen entgegen: „Mit rund
1,5 Millionen Tagestouristen ist der Brocken bereits heute
ein touristischer Hotspot. Wir bezweifeln daher, dass
Timberjacks dort zusätzlichen Massentourismus aus - ▸
Damit hat alles begonnen: Das erste Timberjacks-Restaurant in Göttingen ging 2016 mit einem innovativen Konzept an den Start.
1|2026 61
unternehmen
lösen kann. Unser Ansatz ist vielmehr, die Aufenthaltsqualität
vor Ort deutlich zu steigern und die bestehende
Gastronomie vom reinen Selbstservice hin zu einem
Full-Service-Angebot weiterzuentwickeln.“ Insbesondere
die geplante Steigerung der Bettenkapazität und Auslastung
soll den Standort nachhaltig aufwerten und die
Verweildauer der Gäste erhöhen.
Darüber hinaus könne sich Timberjacks mit seinem
seit Jahren bestehenden Baumpflanz-Programm „Forest
for the Trees“ aktiv an der Aufforstung des Harzes beteiligen.
Dass Kemner Ahnung davon hat, wird ihm niemand
absprechen können – schließlich ist er gelernter
Forstwirt und zudem Kaufmann im Groß- und Außenhandel
mit Schwerpunkt Holzhandel. Dass er danach
auch in der Modebranche tätig war und schließlich zunächst
mit dem „Vapiano“-Konzept in die Gastronomie
eingestiegen ist, dürfte seinen Sinn für nachhaltiges Handeln
eher noch geschärft haben.
Auch Riediger will den Vorwurf mangelnder Nachhaltigkeit
nicht gelten lassen: „Nachhaltigkeit ist zu einer stark
strapazierten Begrifflichkeit geworden, weshalb wir bewusst
weniger über das Wort sprechen und mehr über
konkrete Entscheidungen handeln. Vom Holzbau unserer
Restaurants über Lieferketten bis hin zu unseren Produkten
treffen wir Entscheidungen so verantwortungsvoll
wie möglich – immer unter der Prämisse, dass sie wirtschaftlich
sinnvoll und realistisch umsetzbar sind. Nachhaltigkeit
verstehen wir dabei nicht als Marketinginstrument,
sondern als selbstverständlichen Bestandteil
unternehmerischer Verantwortung.“
ZU DIESER VERANTWORTUNG GEHÖRT nach seiner
Auffassung auch, das Unternehmen für Mitarbeitende
attraktiv zu halten: „Ein zentrales Element ist ein wertschätzendes
und motivierendes Arbeitsumfeld. Wir fördern
bewusst den Teamgedanken, da nachhaltiger Erfolg
Markant: Der Blockhaus-Stil zieht sich durch alle Standorte – hier als Beispiel das Restaurant in Kassel.
62 1 |2026
unternehmen
CEO Swen Riediger empfiehlt den Truffle Burger: „Die Kombination aus saftigem Patty,
Beef-Bacon, Champignons, Provolone-Käse, roten Zwiebeln, Rucola, Mayonnaise und
Trüffelcreme ergibt ein außergewöhnlich harmonisches Geschmackserlebnis, das sich
in dieser Form deutlich vom Wettbewerb abhebt.“
nur gemeinsam möglich ist. Unsere Mitarbeitenden profitieren
unmittelbar von der positiven Entwicklung des
Unternehmens. Durch die fortlaufende Expansion eröffnen
sich vielfältige Perspektiven zur fachlichen und persönlichen
Weiterentwicklung, was Timberjacks auch als
Arbeitgeber langfristig attraktiv macht“, findet Riediger.
Probleme sieht der CEO also weniger im Inneren des
Unternehmens, sondern eher in den äußeren Gegebenheiten:
„Für uns als Unternehmen ist es essenziell, dass
die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen
in Deutschland unternehmerfreundlicher gestaltet
werden. Bürokratische Hürden bremsen die Gastronomie
derzeit erheblich. Unabhängig davon entwickeln wir
unser Konzept kontinuierlich weiter und hinterfragen
bestehende Strukturen regelmäßig. Dieser permanente
Anpassungsprozess ist notwendig, um uns in einem hart
umkämpften Markt zu behaupten und gleichzeitig attraktiv
für Gäste wie Mitarbeitende zu bleiben.“
Die Mehrwertsteuersenkung zu Jahresbeginn bewertet
sein Chef Kemner im Übrigen eher als Randnotiz.
Sie habe letztlich lediglich dazu geführt, dass der Trend
stetiger Preiserhöhungen vorübergehend gebremst
wurde. Kemner: „Bereits zum 1. Januar 2026 wurde
der Mindestlohn erneut angepasst, was erfahrungsgemäß
zu weiterem Kostendruck führt und Preisanpassungen
nahezu unausweichlich macht. Mathematik
lässt sich nicht überlisten. Hinzu kommt die erneute
Erhöhung des CO 2 -Preises im Jahr 2026, die sich ebenfalls
unmittelbar auf die Kostenstruktur auswirkt und
bei verschiedenen Lieferanten bereits jetzt zu weiteren
Preissteigerungen führt. Das Jahr hat gerade erst begonnen,
und wir beobachten gespannt, welche zusätzlichen
Umlagen noch auf Unternehmen und Verbraucher
zukommen werden.“
DER ERWARTUNGSHALTUNG, dass aufgrund der Mehrwertsteuersenkung
auch die Preise in den Speisekarten
sinken müssten, begegnet Kemner mit ganz grundsätzlichen
Überlegungen – auch nach seinen Erfahrungen im
Handel: „Die Gastronomie ist noch einmal eine ganz
andere Dimension an Komplexität. Aus meiner Sicht ist
sie eines der am meisten unterschätzten und gleichzeitig
am wenigsten gewürdigten Geschäftsmodelle überhaupt.
Für den Gast wirkt vieles selbstverständlich und ,leicht‘,
doch die tatsächliche Komplexität, die hinter den Abläufen
steht, wird von den meisten völlig unterschätzt. Und
dabei sprechen wir noch nicht einmal über behördliche
Auflagen und die Begegnungen der dritten Art mit
ihnen.“ Ein Gastronom sei kein Koch, kein Wirt, kein
Einkäufer, kein Produktentwickler, kein Personaler, kein
Controller, kein Gastgeber, kein Bauleiter, kein Techniker,
kein Elektriker, kein Klempner, kein Hausmeister, kein
Systemadministrator, kein Buchhalter, kein Social- ▸
1|2026 63
unternehmen
» Für uns als Unternehmen ist es essenziell, dass die
politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen in
Deutschland unternehmerfreundlicher gestaltet werden. «
Media-Experte, kein Marketingleiter, kein Finanzexperte
oder Unternehmensberater – er sei alles gleichzeitig.
„Was mich persönlich betrifft, bin ich aktuell noch
dabei, all diese unterschiedlichen Berufsbilder für mich
einzuordnen und zu verarbeiten, bevor ich gedanklich
an die nächste persönliche Reise denken kann.“
Und das Unternehmen Timberjacks? Wo soll dessen
Reise hingehen? Dazu blickt Geschäfsführer Riediger ein
wenig in die Glaskugel: „In fünf Jahren soll Timberjacks
nicht nur gewachsen, sondern vor allem gereift sein. Wir
wollen Standorte betreiben, die baulich durchdacht und
organisatorisch so strukturiert sind, dass die vorhandene
Komplexität jederzeit beherrschbar bleibt. Unser Fokus
liegt nicht auf maximaler Expansion, sondern auf
sauberem, kontrolliertem Wachstum mit einem klaren
System. Timberjacks soll dann nicht nur als Gastronomiekonzept
wahrgenommen werden, sondern auch als
Beherbergungsangebot für Reisende und als ganzheitliche
Markenwelt – eine Marke, die nicht laut über sich
spricht, sondern durch Substanz, Qualität, Konsequenz
und Verlässlichkeit überzeugt.“
Der nächste Schritt dahin soll nun also die „Brocken
Mountain Lodge“ werden. Wenn alles klappt, könnte
diese schon im kommenden Jahr öffnen – einmal mehr
im typischen Timberjacks-Stil. Oder wie Kemner
es beschreibt: „Rustikal, kontrastreich und bewusst
pro vokant.“ ƒ
LIVE-MUSIK IM TIMBERJACKS
Live-Musik ist seit der Eröffnung ein fester
Bestandteil der Timberjacks-DNA. „Meat with
Beat“ gibt es in Göttingen jeden Donnerstag;
dabei unterhalten Singer-Songwriter seit Jahren
die Gäste – ohne Aufpreis oder Eintrittsgeld.
„Wir verbuchen den Aufwand bewusst
als Local-Store-Promotion“, sagt Inhaber
Thomas Kemner. „Anstatt in klassische
Marketingmaßnahmen zu investieren,
setzen wir gezielt auf Musiker und echte
Atmosphäre“, so sein Konzept.
Mit „Timberjacks Unplugged“ sei dieses
gezielt weiterentwickelt worden. Zweimal
im Jahr verwandelt sich das Timberjacks
dann jeweils ab 23 Uhr in eine kleine, intime
Konzerthalle mit limitierter Gästezahl.
Bekannte Bands wie Glasperlenspiel, The
Baseballs oder The BossHoss spielen vollständig
ohne technischen Support, live und
pur, in einer Nähe zum Publikum, wie man
sie bei herkömmlichen Konzerten kaum
erleben kann. „Der Gast ist nicht nur Zuhörer,
sondern Teil des Moments“, schwärmt
Kemner. Kleine Bühne, keine Distanz, keine
Showelemente – nur Musik, Raum, Holz,
Menschen und eine besondere Stimmung.
„Diese Abende sind keine Events im klassischen
Sinne, sondern Erlebnisse, die im
Gedächtnis bleiben“, findet der Timber jacks-
Gründer. Tickets dafür gibt es jeweils im Timberjacks-Onlineshop.
Weitere Formate
seien in Planung.
64 1 |2026
-kompakt
unternehmen
Ottobock wächst deutlich
Rekordjahr 2025
OTTOBOCK, der globale Marktführer für
Human Bionics, hat nach vorläufigen
Geschäftsjahreszahlen das Jahr 2025 mit
einem Rekordergebnis abgeschlossen: Mit
einem Wachstum von 11,7 Prozent (organisches
Wachstum: 10,6 Prozent) erzielte
der Konzern mit Sitz in Duderstadt demnach
Umsatzerlöse im Kerngeschäft von
1,6 Mrd. Euro. Das bereinigte EBITDA im
Kerngeschäft stieg auf 415,3 Mio. Euro
Dies entspricht einer bereinigten
EBITDA-Marge im Kerngeschäft von
26,0 Prozent und bedeutet eine Steigerung
um 3,6 Prozentpunkte gegenüber dem
Vorjahr.
„Wie in den vergangenen Jahren haben
wir unsere Position als Marktführer mit
zweistelligen organischen Wachstumsraten
weiter ausgebaut und einen Profitabilitätssprung
erreicht. Unser skalierbares
Geschäftsmodell, unsere konsequente
Nutzerorientierung und Innovationsstrategie
zahlen sich kontinuierlich aus“, so
Oliver Jakobi, CEO der Ottobock SE &
Co. KGaA, nach der Vorstellung der Zahlen
des Rekordjahrs 2025.
FOTO: VLY
KWS kooperiert mit vly
Alternativen aus Erbsen
DER EINBECKER SAATGUTHERSTELLER
KWS hat in Zusammenarbeit mit dem Berliner
Food-Tech-Unternehmen vly eine
neue Bio-Erbse für den Einsatz in pflanzlichen
Milchalternativen entwickelt.
Hintergrund der 2023 gestarteten Kooperation
ist die Entwicklung von Erbsensorten
mit neutralem, mildem Geschmack
– eine zentrale Herausforderung bei pflanzlichen
Proteinen. KWS nutzt dafür moderne
Züchtungsmethoden und Lebensmittelanalytik,
um Varianten zu identifizieren
und weiterzuentwickeln, die sich optimal
für die Verarbeitung zu Milchalternativen
eignen.
SB Union jetzt in Area-3-Ost
Großmarkt eröffnet
IM INTERKOMMUNALEN GEWERBEGE-
BIET AREA 3-OST hat Anfang März ein
neuer SB-Union-Großmarkt seine Pforten
geöffnet. Er ersetzt die Filiale in Göttingen,
die über vier Jahrzehnte lang im Groner
Industriegebiet angesiedelt war. Am 28.
Februar war dort der letzte Verkaufstag.
Mit dem Neubau zwischen Bovenden und
Nörten will das Unternehmen seine „regionale
Verwurzelung stärken und neue
Arbeitsplätze schaffen“, wie es in einer Mitteilung
heißt. Man setze am neuen Standort
auf neueste energetische Standards, um
nicht nur wirtschaftlich, sondern auch nachhaltig
agieren zu können.
Zielgruppe sind weiterhin B2B-Kunden
insbesondere aus den Bereichen Gastronomie
und Hotellerie, aber auch alle anderen
Großverbraucher (etwa Seniorenresidenzen)
und Gewerbetreibenden. Die Verkaufsfläche
liegt nach Angaben der Edeka-Tochter
bei 7655 Quadratmetern; zum Sortiment
gehören künftig rund 15.000 verschiedene
Artikel. Die SB Union Großmarkt GmbH
hat laut Berichten etwa 18 Millionen Euro
in den Neubau investiert.
Insolvenzverfahren beendet
Kunsthaus Göttingen
richtet Blick nach vorn
DAS KUNSTHAUS GÖTTINGEN hat das
Insolvenzverfahren erfolgreich abgeschlossen
und das Jahr 2025 mit einer schwarzen
Null beendet. Möglich wurde dies durch
das fortgesetzte finanzielle Engagement der
Stadt, die Leidenschaft der künstlerischen
Leiter Gerhard Steidl und Johannes-Peter
Herberhold sowie das erhebliche ehrenamtliche
Engagement weiterer Beteiligter.
Geschäftsführer Holger Fricke: „Unter
gleichbleibenden Prämissen peilt das
Kunsthaus Göttingen auch für 2026 ein
leicht positives Ergebnis an. Die aktuelle
Entwicklung zeigt, dass der eingeschlagene
Konsolidierungs- und Zukunftskurs
tragen kann.“
Programm gestartet
Rückkauf bei Symrise
ANGESICHTS DES STARKEN FREIEN
CASH FLOWS und erwarteter Erlöse aus
Portfoliomaßnahmen haben Vorstand und
Aufsichtsrat der Symrise AG aus Holzminden
ein Aktienrückkaufprogramm von bis
zu 400 Millionen Euro beschlossen. Das
Programm läuft bereits seit dem 1. Februar
und planmäßig noch bis zum 31. Oktober
2026.
Für Jean-Yves Parisot, den Vorstandsvorsitzenden
der Symrise AG, ist diese Maßnahme
„ein wichtiger Schritt, um Unternehmenswerte
freizusetzen. Das zeigt Vertrauen
in unsere Zukunft.“ Der Rückkauf
soll die langfristigen Ambitionen unterstützen,
den Unternehmenswert nachhaltig zu
steigern. Die Gesellschaft hält derzeit keine
eigenen Aktien.
Gräflicher Landsitz Hardenberg
Gespräche auf der Burg
BEI DEN 21. BURGGESPRÄCHEN auf dem
Gräflichen Landsitz Hardenberg, organisiert
von HSP Steuer aus Göttingen und
der Kanzlei Kappuhne Schreier Herbote
aus Northeim, standen einmal mehr informative
Vorträge im Fokus: So behandelte
Andrea Hungerland aktuelle Themen aus
dem Steuerrecht; Björn Schreier widmete
sich der „Insolvenzrecht-Zeitbombe“.
FOTO: A. THEODORO DA SILVA
1 |2026 65
wissen
FOTOS: ALCIRO THEODORO DA SILVA
66 1 |2026
wissen
Wie der Popcorn-Professor
jetzt auch Hunde begeistert
Bereits im März 2017 berichtete das faktor-Magazin über den umtriebigen Göttinger Universitätsprofessor
Alireza Kharazipour. Seine Idee, Popcorn als nachwachsende Werkstoffalternative
anzubieten, wurde zur Erfolgsgeschichte. Und: In den vergangenen neun Jahren hat sich bei den
Einsatzmöglichkeiten für seine Erfindung noch so einiges getan.
TEXT CAROLIN KÖPP
achdem der Artikel mit der Überschrift ‚Der
Popcorn-Professor‘ im faktor-Magazin erschien,
nennen mich alle in der Branche nun
so“, stellt Alireza Kharazipour lachend fest. Der pensionierte
Professor ist auch heute noch fast täglich unterwegs, um
seine Popcornprodukte vorzustellen.
„Jedes zehnte Patent von mir wird umgesetzt“, antwortet
Kharazipour auf die Frage, wie zufrieden er mit dem Erfolg
seiner Erfindungen ist, „mehr kann man nicht erwarten.“
Popcorn ist ein nachwachsendes Material, das keine Schadstoffe
enthält, Schall absorbiert und nicht schnell brennt.
Außerdem lässt es sich wiederverwerten, was es sehr nachhaltig
macht. Mit Leichtbauplatten für den Innenausbau
fing die Entwicklung an: Popcorndämmstoffplatten sind
leicht, wärmedämmend und absorbieren Schall. Durch die
Sandwichplattenbauweise kann das Trägermaterial Popcorn
mit verschiedenen Oberflächen beschichtet werden und
passt sich nahezu jedem Ambiente an. Popcorn lässt sich
aber nicht nur zu Platten verarbeiten: Da das Material dank
Radiowellentechnologie in nahezu jede beliebige Form gebracht
werden kann, fand der Biotechnologe noch viele weitere
Verwendungsmöglichkeiten.
LEICHTBAUMÖBEL AUS POPCORN eignen sich inzwischen
nicht nur zur Ausstattung von Wohnmobilen, sie passen
auch in Büros und Wohnungen. Der Professor verweist gerne
auf einen weiteren Einsatzbereich: Eine nachhaltig und
umweltfreundlich arbeitende Firma aus Deutschland will
demnach schadstofffreies Kinderspielzeug, Bastelzubehör
und sogar Dartsscheiben aus Popcorn herstellen. Wenn auf
wenig Gewicht Wert gelegt wird, sei Popcorn als Werkstoff
besonders geeignet. Sport- und Fitnesszubehör bestehe daraus,
und auch Kindersitzerhöhungen für Autos würden inzwischen
nachhaltig aus Popcorn gefertigt. Als maßgeschneidertes
Inlay könne es empfindliche Waren vor
Transportschäden schützen.
Für die kommerzielle Nutzung des patentierten
Radiowellentechnologie-Verfahrens und der daraus hergestellten
Verpackungsprodukte hat die Universität
Göttingen bereits 2021 einen Lizenzvertrag mit einem
deutschen mittelständischen Unternehmen geschlossen.
„Mit diesem neuen, an die Kunststoffindustrie angelehnten
Verfahren lassen sich die verschiedensten Formteile
herstellen“, erklärt Kharazipour. „Durch unsere Verpackungen
lässt sich gewährleisten, dass Produkte sicher
transportiert werden. Und dies mit einem Verpackungsmaterial,
das anschließend sogar biologisch abbaubar
ist.“ Darüber hinaus besitzen die neuen Popcornprodukte
wasserabweisende Eigenschaften, was ihre Einsatzmöglichkeiten
noch vergrößert. ▸
Hunde lieben die neueste Kreation des Professors.
FOTO: ALIREZA KHARAZIPOUR
1 |2026 67
wissen
Die neueste Entwicklung des Professors wird zurzeit in den
USA vorbereitet. Dort hat sich ein Hersteller gefunden, der
aus Popcorn diätetische Hundefutterergänzungen herstellen
kann. Die Idee dazu kam Kharazipour auch wieder „rein
zufällig“: Zuhause im Garten, während eines Pläuschchens
mit seinem Nachbarn, fiel ihm ein Bröckchen von einer Popcornplatte
aus der Hand. Der Nachbarshund stürzte sich
darauf und verschlang es gierig. Fressversuche mit anderen
Hunden bestätigten, dass gepresstes Popcorn gut bei den
Vierbeinern ankommt. „Das muss ich nutzen“, dachte der
Tüftler und erfand kurzerhand ein Hunde-Leckerli, das wie
ein Knochen geformt ist, nach Fleisch riecht und schmeckt
– aber nicht dick macht.
Da er vor seiner Laufbahn an der Göttinger Georg-
August-Universität als Patententwickler arbeitete, ist er bestens
mit dem Weg, den ein Patent von der Idee bis zur Reife
gehen muss, vertraut. Mehr als 100 Patente für verschiedene
Produkte hat er mittlerweile entwickelt. Wie eingangs erwähnt,
gelangen aber nur zehn Prozent aller Patente zur
Marktreife – und dann muss noch ein Hersteller gefunden
werden, der das Patent serienreif umsetzt. Weitere Ideen und
daraus resultierende Patente aus Popcorn werden aber sicherlich
folgen. Denn Alireza Kharazipour und sein aus
Doktoranden und Forschern bestehendes Team sind nach
wie vor von diesem universellen Grundstoff fasziniert. ƒ
Brenntest: Gepresstes Popcorn brennt nicht, es karamellisiert.
Eine recyclebare Dartscheibe aus Popcorn
FOTO: ALIREZA KHARAZIPOUR FOTO: ALIREZA KHARAZIPOUR
FOTO: ALIREZA KHARAZIPOUR
Ein Inlay aus Popcorn für den sicheren Transport
von zerbrechlichem Gut
POPCORNPLATTEN SIND EINE NACHHAL
TIGE ALTERNATIVE zu Gipskartonplatten. Im
Trockenbau kommen bisher vorwiegend Gipskartonplatten
zum Einsatz. Der Nachteil: Eine
Wiederverwertung ist ausgeschlossen. Ausgediente
Platten müssen als Bauschutt aufwendig
entsorgt werden. Zudem sind Gipspaneele für
Feuchtigkeit anfällig und der Einbau ist mit viel
Schmutz verbunden. Die Popcornplatten hingegen
sind biobasiert, umweltschonend, das
Material ist wiederverwertbar und kompostierbar.
Auch in puncto Wärmedämmung und
Brandschutz überzeugt der Naturstoff. Zudem
ist er ultrafest, wasserabweisend sowie beständig
gegen Hitze, Schädlinge und Termiten – und
damit länger haltbar. (Quelle: Bioökonomie.de)
68 1 |2026
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PROFIL
Ein starkes Fundament für den Berufseinstieg – und für die Zukunft der Steuerberatung
Zukunft braucht Struktur –
und Menschen, die sie vermitteln
Wie HSP STEUER Göttingen junge Menschen strukturiert in einen anspruchsvollen Beruf begleitet
Dr. Marco Scheuchzer, Dipl.-Kfm.,
Wirtschaftsprüfer, Steuerberater
Geschäftsführer und Partner der
HSP STEUER Göttingen und der
HSP REVISION
HSP STEUER Göttingen versteht sich als verantwortungsvoller
Arbeitgeber, der langfristig
in junge Menschen, ihre Familien und die Region
investiert. Wer heute ausbildet, gestaltet
aktiv die Zukunft – fachlich, menschlich und
wirtschaftlich. Genau hier setzt die Kanzlei mit
einem klar strukturierten und hochwertigen
Ausbildungsangebot für Schulabgänger an.
Für Eltern bedeutet das vor allem eines: eine
verlässliche, fachlich fundierte und persönlich
begleitete Ausbildung für ihre Kinder.
Neu ab diesem Jahr bietet HSP STEUER
ein duales Studium „Auditing/Taxation und
Consulting“ im Studiengang Business Administration
(Bachelor) in Kooperation mit der
PFH Private Hochschule Göttingen an. Ergänzend
dazu bleibt die Ausbildung zum Steuerfachangestellten
ein bewährter und gefragter
Einstieg in einen krisensicheren Beruf mit
langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten.
DUALES STUDIUM: SICHERHEIT,
STRUKTUR UND PRAXISNÄHE
Das duale Studium verbindet ein fundiertes
betriebswirtschaftliches Bachelorstudium mit
einer klaren steuerlichen und prüfungsnahen
Ausrichtung und einer festen Einbindung in
den Kanzleialltag. Studierende erleben wirtschaftliche
Zusammenhänge dort, wo sie
tatsächlich entstehen. Theorie und Praxis
greifen strukturiert ineinander und bieten einen
klaren Rahmen, der Orientierung schafft
und die Unsicherheit eines reinen Vollzeitstu
diums vermeidet.
Ein besonderes Qualitätsmerkmal ist die
enge Verzahnung von Praxis und Lehre:
Dr. Marco Scheuchzer, Geschäftsführer, Steuerberater
und Wirtschaftsprüfer bei HSP STEUER
Göttingen und HSP REVISION, ist ab dem
Winter-Semester 2026/27 Lehrbeauftragter für
Steuerrecht an der PFH. Damit ist ein praxisnaher
Wissenstransfer sichergestellt. Für Studierende
und Eltern trifft hier fachliche Exzellenz
auf persönliche Begleitung und klare Werte.
Auch die Ausbildung zum Steuerfachangestellten
bietet jungen Menschen eine stabile
Basis in einem anspruchsvollen und zukunftssicheren
Berufsfeld. Persönliche Ansprechpartner,
strukturierte Einarbeitung und transparente
Entwicklungsmöglichkeiten schaffen
Vertrauen und Orientierung – auch über die
Ausbildung hinaus.
HSP STEUER investiert bewusst in den Nachwuchs,
weil nachhaltige Unternehmensführung
bei den Menschen beginnt. Weitere Informationen
zu Ausbildung, dualem Studium
und Einstiegsmöglichkeiten finden Interessierte
auf der Karriereseite der Kanzlei.
HSP STEUER Göttingen GmbH
Steuerberatungsgesellschaft
Stresemannstraße 28 C
37079 Göttingen
Tel. 0551 820807-0
goettingen@hsp-steuer.de
www.hsp-steuer.de
wissen
Schulbildung
als Standortvorteil
Mit dem IB-Diploma-Programm bietet das Göttinger Felix-Klein-Gymnasium Arbeitgebern
in Südniedersachsen Wettbewerbsvorteile im Recruiting. Es soll internationale Fachkräfte mit
Familien in die Region locken und frühzeitig Kontakt zu Mitarbeitern der Zukunft aufbauen.
Doch das Programm steht auf der Kippe.
TEXT TOBIAS KINTZEL FOTOGRAFIE MARKUS HARTWIG
Das Felix-Klein-Gymnasium (FKG) in Göttingen
ist eine von nur zwei staatlichen Schulen bundesweit,
die das Programm International
Baccalaureate (IB) Diploma getrennt vom Abitur anbieten.
„In Südniedersachsen sind wir einmalig“, sagt
Silke Neumann, die Koordinatorin des IB-Programms
am FKG. Es handelt sich um ein zweijähriges Oberstufenprogramm
mit akademischem Anspruch, das vollständig
in englischer Sprache durchgeführt wird und international
als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt ist.
Das Programm richtet sich an Kinder von internationalen
Forschenden und Lehrenden der Universität, von
Fach- und Führungskräften regionaler Unternehmen
und an deutsche Lernende mit internationaler Ausrichtung.
„Da auch für Lernende mit anderer Herkunftssprache
Deutsch bei uns Pflichtfach ist, machen wir alle
nicht nur akademisch, sondern auch sprachlich für die
Anforderungen an deutschen Universitäten und in Unternehmen
fit“, erklärt Neumann.
GENAU DIESER UMSTAND führte dazu, dass Isabel
Romero das IB-Programm am Felix-Klein-Gymnasium
im Jahr 2023 abgeschlossen hat. Die heute 21-Jährige
war 2019 ohne Deutschkenntnisse aus Kolumbien nach
Göttingen zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern g e-
zogen. Ihre Geschwister hatten damals bereits ihren
IB-Abschluss am FKG erreicht und studierten an der
Universität, ihre Mutter begann zu diesem Zeitpunkt mit
ihrer Promotion. „Wie für meine beiden älteren Geschwister
war das die einzige Chance, ohne großen Zeitverlust
einen Abschluss und eine Hochschulzugangsberechtigung
zu erlangen“, erzählt sie in fließendem
Deutsch: „Ich denke, dass es für Schülerinnen und Schüler
aus dem Ausland, besonders englischsprachige, ein
wirklich gutes Angebot ist.“ Es sei allerdings ein herausforderndes
Programm. „Dafür bereitet es gut auf eine
akademische Laufbahn vor.“ Diese hat auch Isabel
Romero nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einem
Jugendtreff in Saarbrücken eingeschlagen: Sie wird
Lehramt für Englisch und Spanisch studieren.
FÜR DANIEL PIEKORZ, Mitglied der Geschäftsleitung
bei der Arineo Group, einem Göttinger IT-Dienstleister,
ist das IB-Programm ein echter Standortvorteil, den es
im Recruiting zu nutzen gilt: „Der Fachkräftemangel ist
schon heute oft der limitierende Faktor für Wachstum.
Bei den Bemühungen, internationale Fachkräfte in die
Region zu holen, ist die Aussicht auf einen guten,
weltweit anerkannten Schulabschluss für die Kinder ein
echter Wettbewerbsvorteil.“
Allerdings setzt das IB-Programm nicht nur darauf,
Lernende akademisch fit zu bekommen: „Wir wollen
junge Menschen zukunftsfähig machen“, erklärt Daniel
Vollmar, Co-Koordinator des Programms. Selbstständig-
70 1 |2026
wissen
Erarbeiten das IB-Diploma-Programm für das Felix-Klein-Gymnasium in Göttingen (v. l.): Daniel Vollmar, Silke Neumann, Daniel Piekorz und Iris Bruse
keit, die Idee des lebenslangen Lernens und das Heranführen
an soziales Engagement seien feste Teile des
Lehrplans: „Wir entwickeln selbstreflektierte, verantwortungsvoll
handelnde und weltoffene Persönlichkeiten.“
Für Susanne Spellerberg, die bei Arineo als
Employer Branding Managerin tätig ist, sind das weitere
wichtige Gründe für das Engagement für das IB-
Programm: „Genau auf diese Qualitäten achten wir im
Recruiting.“ Um die Absolventen am Ende in der Region
zu halten, brauche es einen frühen Kontakt, um sich als
Arbeitgeber zu positionieren: „Die Kooperation mit dem
FKG bietet uns diese Möglichkeit.“
IRIS BRUSE, die Schulleiterin des FKG, macht im
faktor-Gespräch klar, dass neben dem Metallverband
(siehe separater Text) weitere Unterstützer aus der Wirtschaft
gebraucht würden, um das Programm auf dem
aktuellen Niveau fortführen zu können: „Das Angebot,
das wir machen, ist kostenintensiv. Wir sprechen von
20.000 bis 25.000 Euro, die wir pro Jahr mindestens
benötigen.“ Einmalige Spenden, langfristige Partnerschaften,
aber auch Sachspenden oder personelle Unterstützung
seien Möglichkeiten für Unternehmen, sich
einzubringen. „Das ist eine langfristige Investition in die
Gesellschaft, in die Schaffung von Chancengleichheit
durch gebührenfreie Schulbildung und in die Sicherung
eines Standortvorteils für unsere Region.“ ƒ
METALLVERBAND NIEDERSACHSEN
UNTERSTÜTZT IB-DIPLOMA AM FKG
Der Verband der Metallindustriellen Niedersachsen
(Bezirk Süd) übernimmt die Kosten für die Pflichtfortbildung
des Lehrpersonals des Felix-Klein-Gymnasiums
für das IB-Diploma-Programm. Mit der Zuwendung
in Höhe von 12.700 Euro trägt der Verband
zum Erhalt des einzigen internationalen Schulabschlusses
der Region bei. Detlev Seidel, Verbandsvorsitzender
sowie Geschäftsführer Operations der
Piller Group aus Osterode, unterstreicht die unternehmerische
Verantwortung: „Das IB- Diploma steht
für eine zukunftsorientierte, internationale Bildung.
Wir sehen es als unsere Pflicht an, dieses Niveau zu
halten, denn diese Absolventen sind die dringend benötigten
Führungskräfte und Spezialisten von morgen,
die unsere global agierenden Mitgliedsunternehmen
benötigen.“ Verbandsgeschäftsführerin Dinah
Stollwerck-Bauer, auch Hauptgeschäftsführerin des
Arbeitgeberverbands Mitte, ergänzt: „Wir werden uns
aktiv einbringen, um diesen Talenten die Stärken der
südniedersächsischen Industrie näherzubringen, in
der Hoffnung, dass sie nach dem Studium ihre Kompetenzen
hier in der Region einbringen.“ FKG-Schulleiterin
Iris Bruse bezeichnet die Spende des Metallverbands
als Rettungsanker, der von „einem tiefen
Verständnis für die Bedeutung von Bildung als
Wirtschaftsfaktor“ zeuge.
1|2026 71
unternehmen
Wie funktioniert
Employer Branding
in der UMG?
FOTO: UMG
Vier Fragen an Dr. Sebastian Schulten, Geschäftsbereichsleiter
Personal der Universitätsmedizin Göttingen
INTERVIEW MARKUS RIESE
Dr. Sebastian Schulten:
„Die gezielte Ansprache der
Zielgruppen wird immer wichtiger.“
Herr Dr. Schulten, der Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen
Jahren zu einem „Bewerbermarkt“ gewandelt – Unternehmen
konkurrieren in vielen Branchen um die besten
Kräfte. Ist das bei Ihnen in der Universitätsmedizin auch
so? Und stellen Sie fest, dass sich der Markt gerade wieder
wandelt, zurück zum „klassischen“ Arbeitsmarkt?
Die Bewerberlage ist in den verschiedenen Berufsgruppen
sehr unterschiedlich. In Teilen der Administration
sehen wir seit einem Jahr eine Veränderung am Arbeitsmarkt:
Auf Ausschreibungen melden sich wieder mehr
Bewerberinnen und Bewerber, ein sicherer Arbeitsplatz
wird den Menschen wichtiger. In den Pflegeberufen
macht sich das nicht bemerkbar. Da suchen wir weiter
Personal.
Mit Kaffee und Obst gratis ist es nicht mehr getan, sagen
viele Unternehmer. Mit welchen Benefits punkten Sie bei
potenziellen Bewerbern, um sich als Arbeitgeber zu positionieren
und vielleicht auch attraktiver zu machen?
Wir sind kontinuierlich dabei zu überprüfen, welche Bedürfnisse
unsere Beschäftigten haben und wie wir als
Betrieb darauf eingehen können. Wir bieten in den Sommerferien
eine Woche Kinderbetreuung mit Fußballspielen
und Ausflügen in den Stadtwald an. Und für den Weg
zur Arbeit haben wir ein Job-Ticket für den Nahverkehr
und bieten Fahrradleasing an. Aber wichtiger als Benefits
sind ein gutes Arbeitsklima in den Bereichen, hilfsbereite
Kollegen und zugewandte Führungskräfte. Das
ist für die meisten Menschen, die auf der Suche nach einem
neuen Arbeitsplatz sind, das Wichtigste.
Haben sich die Recruiting-Wege bei Ihnen in den vergangenen
Jahren verändert? Wie sprechen Sie potenzielle Mitarbeiter
gezielt an, welche Wege nutzen Sie?
Klar, auch die UMG macht heute mehr Online als Print.
Wir hatten gerade eine Kampagne, mit der wir Pflegekräfte
für die Intensivmedizin suchen, auf mehreren Social-Media-Plattformen.
Aber die Kanäle ergänzen sich,
und die gezielte Ansprache der Zielgruppen wird immer
wichtiger.
Wie wichtig sind aus Ihrer Sicht Standortfaktoren heute
beim Thema Employer Branding? Wie lassen sich diese positiv
beeinflussen?
Als Universitätsmedizin werben wir um Fachkräfte regional
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Wolfgang Reinbold erreicht mit seinem Format „Religion in 90 Sekunden“ junge Zielgruppen – vor allem übers Smartphone.
Religion in 90 Sekunden
Wolfgang Reinbold ist so etwas wie ein Social-Media-Star. Der Theologe der Uni Göttingen bespielt
in verschiedenen modernen und klassischen Kanälen ein Format, das insbesondere jungen
Menschen religiöse Fragestellungen näherbringt – und auch Antworten liefert. Und das auf eine
Weise, die bei verschiedenen Zielgruppen offensichtlich gut ankommt.
76 1 |2026
wissen
»Ich versuche immer, die Sache in
ihrer DNA zu erfassen und möglichst
einfach zu formulieren.« Wolfgang Reinbold
TEXT MATTHIAS BRUNNERT FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
TikTok, Instagram, Radio, Fernsehen: Der Göttinger
Universitäts-Professor Wolfgang Reinbold ist multimedial
unterwegs und seit Jahren das, was auf Neudeutsch
wohl Influencer genannt würde. Der Hochschullehrer,
der auch für die Evangelisch-lutherische Landeskirche
Hannover tätig ist, will seinen Followern allerdings
nichts verkaufen. Die Beiträge sind werbefrei. Er will
auch nicht missionieren. Reinbolds Ziel: „Mein Team
und ich wollen möglichst neutral und objektiv Fragen zu
Religionen und religiösen Hintergründen beantworten.“
Damit hat er offenbar Erfolg: Die Zahl der User geht
inzwischen in die Hunderttausende.
Ein Medienstar – ich?“ Wolfgang Reinbold lächelt,
kneift die Lippen etwas zusammen, wiegt
den Kopf leicht hin und her, atmet hörbar ein
und aus. „Naja, vielleicht“, sagt der Theologieprofessor.
Aber darauf komme es ihm nicht an. Es gehe
um die Sache. Und schon ist Reinbold beim Thema – seinem
Thema, dem interreligiösen Dialog. Vor allem mit
den Muslimen.
Den Auftakt dazu gab es im Jahr 2010, erinnert sich
Reinbold. Damals rückte das Thema „Islam“ nicht zuletzt
durch das umstrittene Buch „Deutschland schafft
sich ab“ des SPD-Politikers Thilo Sarrazin in den Mittelpunkt
des öffentlichen Interesses. „Es wurde sehr
kontro vers diskutiert“, erinnert sich Reinbold. Ein Problem
dabei: „In den Talkshows saßen als vermeintliche
Repräsentanten des Islam häufig Personen mit sehr radikalen
Ansichten, die in der muslimischen Community
aber kaum Ansehen hatten.“
ALS BEAUFTRAGTER der Evangelisch-lutherischen Landeskirche
Hannovers für Fragen zum Islam habe er sich
gefragt: „Wie können wir mehr Menschen mit seriösen
und relevanten Informationen zu Fragen der Religionen
erreichen?“ Dabei sei die Idee entstanden, kurze Medienbeiträge
zum Thema zu produzieren und selbst zu verbreiten.
Schrittweise seien dann die Formate entwickelt
worden, die heute mit Erfolg im Radio bei Antenne Niedersachsen
und bei ffn laufen. Als die Beiträge, die von
Beginn an auch gefilmt wurden, mit zunehmendem Erfolg
auch auf YouTube liefen, seien sie dann bald regelmäßig
auch auf Instagram und TikTok veröffentlicht
worden, berichtet Reinbold. „Irgendwann haben wir
dann selbst ein wenig verwundert registriert, dass manche
Videos mehr als eine halbe Million Klicks allein bei
TikTok bekommen haben.“
Reinbolds Erklärung für die hohen Klickzahlen: „Elementare
interreligiöse Fragen beschäftigen viele Menschen.“
Das liege auch am gesellschaftlichen Wandel.
„Wir kommen aus einer Zeit, in der die Menschen hierzulande
jahrhundertelang evangelisch oder katholisch
waren“, sagt der Wissenschaftler. „Die Gespräche über
das Religiöse liefen immer entlang der Trennlinie evangelisch
| katholisch.“ Das habe sich in den vergangenen
Jahrzehnten grundlegend verändert. „Wir sind durch
Migration, Demografie, Internationalisierung und Globalisierung
in eine neue Lage hineingekommen“, sagt
der Theologe: „Wir waren aber leider schlecht darauf
vorbereitet.“ Hierzulande seien die Menschen entweder
evangelisch oder katholisch gewesen. „Und dann haben
wir festgestellt: Bei uns leben Muslime, wieder sichtbar
Juden, Jesiden, Aleviten, Buddhisten, Hindus – um nur
einige zu nennen.“ Und zudem gebe es „immer mehr
Leute, die keine Religion haben“.
DAMIT DIE GESELLSCHAFT mit dieser veränderten Lage
vernünftig umgehen könne, seien Informationen erforderlich,
sagt Reinbold. Durch die von ihm präsentierten Beiträge
in den unterschiedlichen Medien wolle die evangelische
Landeskirche dazu beitragen. Ein paar Beispiele:
Warum dürfen katholische Priester nicht heiraten? ▸
1 |2026 77
wissen
Dürfen sich Muslime schminken? Warum ist der Buddha
so dick? Oder: Verschwörungstheorien – warum sind eigentlich
immer die Juden schuld?
Weil die selbst produzierten Videos zu diesen und vielen
anderen religiösen Fragen so gut liefen, habe sein
Team sich irgendwann gesagt: „Das geht auch in Print“.
Die Folge: zwei Taschenbücher mit den Titeln „Warum
ist der Buddha so dick?“ und „Warum ist Weihnachten
am 7. Januar?“, in denen jeweils 101 Fragen aus der
Welt der Religionen gestellt und beantwortet werden.
Erschienen sind die Werke beim Göttinger Verlag Vandenhoeck
& Ruprecht.
Im Februar vergangenen Jahres kam dann noch das
Medium Fernsehen hinzu: Bei ProSieben läuft seither
immer samstags in den geraden Monaten um 11.24 Uhr
die Infotainment-Serie „Religion in 90 Sekunden“.
Auch dabei werden Fragen beantwortet wie „Warum
gibt’s freitags Fisch?“ oder „Duldet der Islam wirklich
keine anderen Glaubensrichtungen?“
PRODUZIERT WERDEN DIE BEITRÄGE beim Evangelischen
Kirchenfunk in Hannover. Viele Fragen kämen
mittlerweile aus den Kommentaren der Social-Media-
Kanäle, sagt Reinbold, der mittlerweile rund 50-mal pro
Jahr vor der Kamera steht. Das gehe zwar noch immer
mit einer gewissen Anspannung einher, räumt der Theologe
ein. Das ursprünglich vorhandene Lampenfieber
habe er inzwischen aber ganz gut unter Kontrolle.
Mit dem Erfolg der unterschiedlichen Formate sind
Reinbold und sein Team „super zufrieden“. Denn mit
Präsenzveranstaltungen, und seien sie noch so gut vorbereitet
und beworben, „könnten wir niemals eine solche
Resonanz erzeugen“.
Das übergeordnete Ziel des interreligiösen Dialogs sei
es, zu einem guten Umgang miteinander etwas beizutragen,
in diesem Land und darüber hinaus, sagt Reinbold.
Denn zum Selbstverständnis der Evangelisch-lutherischen
Kirche Hannovers gehöre es, das Gemeinwesen
und die demokratischen Strukturen zu stärken. Dazu
gehöre es heutzutage auch, sich mit religiöser Vielfalt seriös
zu befassen, sowohl in größeren Publikationen als
auch in kurzer Form. Die Kunst der „90 Sekunden“ bestehe
in der Elementarisierung, so Reinbold: „Ich versuche
immer, die Sache in ihrer DNA zu erfassen und möglichst
einfach zu formulieren.“
Dass sein Engagement nicht vergebens ist, kann man an
den Klick-Zahlen im Internet erkennen. Zudem gebe es
auch auf die Formate in den klassischen Medien viele Reaktionen,
sagt Reinbold. „Wir merken: Es gibt einen großen
Bedarf an seriöser Information über Themen im Zusammenhang
mit Religion und Weltanschauung.“
Unabhängig davon sei er angenehm überrascht und
froh, dass es in den sozialen Medien so gut wie keine
Hass-Kommentare gebe. „Wir bekommen dagegen viel
positive Resonanz. Die Menschen schreiben, dass sie unsere
Informationen gerne nutzen, weil sie merken, es
geht uns nicht darum, andere Religionen schlecht zu machen.“
Ziel sei es vielmehr, „aus unserer evangelischen
Perspektive etwas zu einem besseren religiösen Miteinander
beizutragen.“ In den Beiträgen trete er deshalb
auch nicht als evangelischer Geistlicher auf. „Die Rolle
ist eher die des Professors“, sagt Reinbold. Unabhängig
davon sei es sein Ziel, „so zu schreiben und zu sprechen,
dass die Menschen es verstehen.“
Die nächste große Chance, öffentlich ganz verständlich
über religiöse Fragen zu reden, wird Wolfgang Reinbold
voraussichtlich am 31. März bekommen. Dann soll
er im NDR-Fernsehen in der Sendung „DAS! Rote Sofa“
zu Gast sein. ƒ
ZUR PERSON
Wolfgang Reinbold (63) ist Professor für das
Neue Testament an der Universität Göttingen
und Beauftragter für interreligiösen Dialog der
Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.
Er ist unter anderem Gründungsvorsitzender
des Hauses der Religionen und Mitglied des
Rates der Religionen in Hannover sowie der
Konferenz für Kirche und Islam der Evangelischen
Kirche in Deutschland. In der Radio-,
YouTube-, TikTok- und TV-Reihe „Religion in
90 Sekunden“ beantwortet er häufig gestellte
Fragen aus der Welt der Religionen.
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Biomedizin-Forschung
Vier Projekte mit Israel
FOTO: DLR
Innovationspreis
Neue Runde gestartet
FORSCHER AM GÖTTINGEN CAMPUS
erhalten insgesamt mehr als zwei Millionen
Euro vom Niedersächsischen Ministerium
für Wissenschaft und Kultur und der
Volkswagen-Stiftung für vier Kooperations
projekte mit Israel: Zwei der Forschungsvorhaben
werden von der Universitätsmedizin
Göttingen koordiniert, jeweils
ein weiteres Projekt vom Deutschen
Primatenzentrum und vom Max-Planck-
Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften.
Die geförderten Projekte decken ein
breites Spektrum zukunftsweisender
Biomedizin ab. Sie reichen von der Erforschung
zentraler Netzwerke im Gehirn für
die Anpassung von Bewegungen, die biologische
Reparatur eines geschwächten
Zwerchfells über die Verarbeitung und
Bewertung sozialer Reize im Gehirn von
Primaten bis hin zur Entwicklung neuer
Strategien, um die Proteinregulation in
menschlichen Zellen zu beeinflussen.
Die Projekte starten zeitversetzt im Jahr
2026 und haben eine Laufzeit von vier
Jahren.
Physik-Olympiade
Bundesrunde am DLR
ZUR BUNDESRUNDE der Physik-Olympiade
sind 50 Schülerinnen und Schüler aus
zwölf Bundesländern im Deutschen Zentrum
für Luft- und Raumfahrt (DLR) in
Göttingen zusammengekommen. Die Jugendlichen
hatten sich in zwei Vorrunden
mit 1350 Nachwuchstalenten qualifiziert.
Von befüllten Flugzeugreifen über die Lebensdauer
von Sternen, Innenwiderstände
und vorbeifahrende Rettungswagen bis zur
Untersuchung von Seifenblasen ging es in
Göttingen vier Tage lang um anspruchsvolle
Aufgaben quer durch die Physik.
NEUE IMPULSE SETZEN: Unter diesem
Motto steht der Innovationspreis der
Re gion Göttingen Northeim in diesem
Jahr. Bis zum 30. April können sich Be trie -
be, Start-ups und Selbstständige genauso
wie Institutionen, Forschungseinrichtungen
oder Freie Träger für einen der insgesamt
zwölf Preise in drei Kategorien sowie
für einen von der Sparkasse Göttingen gestifteten
Sonderpreis bewerben. Die Preise
sind mit bis zu 4000 Euro dotiert; der vom
niedersächsischen Landesumweltministerium
in diesem Rahmen verliehene Klima-
Innovationspreis Niedersachsen wird mit
10.000 Euro ausgelobt. Am Abend der
Preisverleihung entscheiden die Gäste außerdem
live über die Vergabe des mit 2000
Euro dotierten Publikumspreiseses, gestiftet
vom Unternehmensverband MEKOM.
Bewerbungen für den Innovationspreis
der Region Göttingen Northeim und für
den Klima-Innovationspreis Niedersachsen
sind online auf www.innovationspreisgoettingen.de
möglich. Dort finden sich
auch ´Informationen zu den Teilnahmebedingungen
und zum Bewerbungsprozess.
Versorgung bei Blutvergiftung
Göttingerin an neuem
Großprojekt beteiligt
DIE UNIVERSITÄTSMEDIZIN GÖTTINGEN
(UMG) ist an einem neuen Großprojekt zur
besseren Versorgung von Patienten mit
Blutvergiftung beteiligt. Das Forschungsvorhaben
unter Konsortialleitung des
Universitätsklinikums Leipzig soll im
September 2026 starten und wird vom
Innovationsausschuss des Gemeinsamen
Bundesausschusses (G-BA) mit insgesamt
7,5 Millionen Euro gefördert.
Involviert sind ausgewiesene Experten
aus den Bereichen Intensivmedizin, Notfallmedizin,
Infektiologie und Medizininfor
matik. Aus Göttingen ist Prof. Dr.
Sabine Blaschke dabei, ärztliche Leiterin
der Zentralen Notaufnahme der UMG.
Großspende an Stiftung „UMG add on“ übergeben
25.000 Euro für wichtige Zukunftsthemen
HENRIK MUHLE, Mitgründer und Vorstand
der Aschaffenburger Asset-Management-Gesellschaft
GANÉ, hat eine Spende
in Höhe von 25.000 Euro an die Göttinger
Stiftung „UMG add on“ übergeben.
UMG-Vorstandssprecher Wolfgang Brück
(im Foto links) nahm die großzügige Zuwendung
entgegen.
Der gebürtige Göttinger Muhle hatte im
Austausch mit der Sparkasse Göttingen
den Wunsch formuliert, eine regionale
Einrichtung unterstützen zu wollen, welche
die von ihm favorisierten Zukunftsthemen
in der personalisierten Medizin und
Medizinforschung, Altersmedizin und
Klimagesundheit in sich verankert. Nach
einem Auswahlprozess fiel die Wahl
deshalb auf „UMG add on“.
FOTO: THEODORO DA SILVA
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82 1 |2026
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Ein Lächeln,
das bleibt
Die Nachricht über das tödliche Attentat auf Anja Niedringhaus
am 4. April 2014 in Afghanistan ging um die ganze Welt. Im April
erscheint nun im Steidl-Verlag eine siebenbändige Werkausgabe der
Pulitzer-Preisträgerin. faktor sprach mit dem Verleger Gerhard Steidl
und der Schwester Gide Niedringhaus, wie sie sich editorisch der
Ausnahmefotografin genähert haben.
TEXT ANJA DANISEWITSCH
FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORE DA SILVA
ORT: STEIDL VERLAG. Zeit: ein Sonntagnachmittag.
Es ist immer wieder ein besonderer
Moment, wenn nach Monaten der Fotoauswahl
ein Bildband kurz vor dem Druck steht.
Auf dem Tisch vor uns liegen die Druckfahnen mit letzten
Korrekturanmerkungen. „Hier das Grau etwas dunkler.“
– „Dort das Bild etwas aufhellen.“ Sieben dicke Stapel.
Auf den Deckblättern stehen die Titel: Kaufungen, Early
Works, The Balkans, 9/11-Iraq-Pakistan-Libya-Gaza-
Israel-West Bank, Sports, Society und Afghanistan. Gerhard
Steidl nimmt einen der zukünftigen Bände und blättert
ihn durch. „Ich erinnere mich, wie ich in den
1980er-Jahren die ersten Fotos von Anja Niedringhaus im
Göttinger Tageblatt gesehen habe“, erinnert sich der Verleger.
„Da dachte ich: ,Holla!‘ – Und das war damals nur
der Lokalteil.“
Links: Zeugen der Arbeit von Anja Niedringhaus –
aufbewahrt in ihrer Wohnung in Kaufungen
SPÄTER WAREN IHRE FOTOS AUS KRIEGSGEBIETEN
auf allen Titelblättern der größten Tageszeitungen der
Welt. Immer wieder hält Steidl beim Blättern inne, lässt
die Fotos wirken. Frauen, die sich schön machen, Kinder,
die lachen, alte, wettergegerbte Männer, die warmherzig
in die Kamera schauen – obwohl Krieg ist. ▸
1|2026 83
leben
»Die Bildauswahl war für mich viel Verarbeitung.«
Gide Niedringhaus
„Ich mache meine Arbeit nur, um vom Mut der Menschen
mit meiner Kamera und meinem Herzen zu berichten“,
sagte die Fotografin mal in einem Interview.
Dabei war ihr Blick von Anfang an anders. Sie zeigte mit
ihren Bildern oft die zivile, die unschuldige Seite des
Krieges. Intensiv. Immer respektvoll. Und teilweise so
nah, dass nur die Kamera zwischen ihr und ihrem Motiv
zu sein schien.
Die Ausrüstung von Anja Niedringhaus lässt erahnen, dass sie oft in gefährlichen
Regionen unterwegs war.
Die Arbeit am Lebenswerk ihrer Schwester war für Gide Niedringhaus oft sehr emotional.
SZENENWECHSEL: KAUFUNGEN. Ein altes Forsthaus
mitten in der Stadt. Und doch, sobald man durch das
Hoftor kommt, Idylle. Hühner scharren nach Körnern,
Pferde schauen aus den Boxen und ein Hund liegt in der
Sonne. So oder ähnlich wird es auch gewesen sein, wenn
Anja Niedringhaus nach drei oder sogar sechs Monaten
aus einem der Kriegsgebiete in Gaza, Libyen, Pakistan
oder Afghanistan nach Hause kam. Das Haus hatte sie
zusammen mit ihrer Schwester Gide gekauft. Sobald sie
ihre Tasche abstellte, war sie einfach die Schwester mit
dem gleichen Humor – oder die Tante, die ihre Nichte
beim Reiten begleitet und die zwei Neffen zum Tennis
fährt. Der Krieg blieb draußen. Hier spielte es keine Rolle,
dass sie 2005 als erste deutsche Frau den Pulitzer-Preis
bekam oder dass ihre Dokumentarfotos aus Krisengebieten
in Museen wie dem C/O in Berlin oder dem
Museum für Moderne Kunst in Frankfurt ausgestellt
wurden.
„Ich glaube, es war für Anja wichtig, dass sie hier ein
ganz normales Familienleben hatte“, sagt Gide Niedringhaus,
während wir die Treppe zu Anjas alter Wohnung
hochgehen. Alles scheint unangetastet. Gemütlich, fast
heimelig ist es in diesen Räumen. Ein Ort zum Ankommen.
In Anjas Arbeitszimmer quillt das deckenhohe
Bücherregal fast über. An der Wand eine Urkunde aus ihrer
Studienzeit in Harvard von 2006 bis 2007, als sie ein
Stipendium erhielt und sich ein Jahr eine Auszeit von der
Fotografie nahm. Auf der Kommode darunter stehen gerahmte
Schwarz-Weiß-Fotos der drei Schwestern aus Kindertagen.
Anja war das mittlere der drei Mädchen. Ein
Foto der kleinen Anja, 1965 geboren, als sie vielleicht drei
oder vier Jahre alt ist, und dahinter in zweiter Reihe ein
84 1 |2026
leben
Anjas Schwester Gide Niedringhaus und Verleger Gerhard Steidl haben gemeinsam die siebenbändige Werkausgabe erarbeitet.
ebenfalls gerahmtes Foto von Derrick. Die Schwestern haben
gern ihre Witze über ihn gemacht – das hat dem Fernsehkommissar
einen Ehrenplatz eingebacht.
WIR SITZEN IN ANJAS WOHNZIMMER, trinken Kaffee,
während Gide Niedringhaus von den vergangenen zwei
Jahren und ihrer Arbeit an dem Buchprojekt erzählt. „Die
Bildauswahl war für mich viel Verarbeitung“, sagt sie. Die
beiden Schwestern fühlten sich sehr eng verbunden; eineinhalb
Jahre war der Altersunterschied. In ihrer Kindheit
zogen sie sich oft auch wie Zwillinge an, erinnert sich
Gide. „Die Bilder von ihrem ersten Einsatz im Kosovo
gingen mir so unter die Haut, weil sie ihr unter die Haut
gegangen sind“, sagt sie.
An die 300.000 Fotos zählt das Archiv von Anja Niedringhaus.
Oft gibt es vier bis fünf Aufnahmen hintereinander
vom selben Motiv. Und dennoch, es verbleiben
Hunderttausende Fotos, die passbildgroß auf sogenannten
Contact Sheets ausdruckt werden. Tausende Fotos, die
Gide sich oft bis spät in die Nacht mit einer Lupe ansieht
und wirken lässt. Jedes Foto geht durch ihre Hände. Nach
Monaten sind es dann noch 40.000 Fotos, die in die Endauswahl
kommen. „Gerhard Steidl hat mir gesagt: Entscheide
aus dem Bauch heraus, dann wird es gut“, sagt
Gide. Steidl lässt ihr viel freie Hand, greift ab und an leicht
korrigierend ein. „Bilde starke Paare“ – das hängt wie ein
Mantra über der endgültigen Auswahl für die Buchseiten.
Starke Paare von Bildern, die sich gegenüberliegen und
eine Geschichte erzählen – mal einfühlsam, mal ironisch
und manchmal geprägt von Anjas Humor.
„Ich bin Büchermacher und habe eine Vision von einem
fertigen Buch“, sagt Steidl, während wir im Verlag in
dem Raum stehen, der 1970 noch seine echte und nicht
die digitale Dunkelkammer war. ▸
1|2026 85
leben
Seine Rolle sei, so sagt er, „dass ich eigentlich nach Regeln
vorgehe, die man aber auch überschreiten kann.“
Jedes Buch hat seinen eigenen Rhythmus und seinen eigenen
Spannungsbogen, den es zu ergründen gilt. Steidl
vergleicht es mit dem Schreiben eines Buches: „Es ist so
ein Spiel, wie bei einem Schriftsteller“, sagt er. „Man
fängt an, hat eine Idee, entwickelt ein Gerüst, im Schreibprozess
entwickeln sich die handelnden Personen weiter,
und dann nimmt es eine andere Wendung als ursprünglich
gedacht.“
VERTRAUEN, INTUITION und meisterhaftes Können –
so entstehen Fotobücher im Steidl-Verlag. „Der Weg
der Fotoauswahl ist zu Beginn immer gleich: Man
wählt einfach unschuldig aus. Und Gide ist eine gute
Foto-Editorin“, sagt der Verleger anerkennend. So respektvoll,
wie Anja Niedringhaus mit ihrer Kamera den
Menschen gegenübertrat, genauso respektvoll arbeiten
die Schwester und der Verleger an der Digitalisierung
des Lebenswerks der Fotografin. „Wir haben kein einziges
Foto abmaskiert“, erklärt Steidl den Prozess. Das
bedeutet: Jedes Foto der Werkausgabe zeigt das gesamte
Motiv, das auf dem Negativbild eingefangen wurde.
Auf jeder Fotografie sehen wir somit genau das, was
Anja Niedringhaus in diesem Moment durch ihre Kamera
gesehen hat.
„Anja ist eine der Wenigen, die eine Werkausgabe verdient
haben“, sagt Steidl voller Wertschätzung. Und dennoch
wären dieses Buchprojekt und die Digitalisierung
des gesamten Archivs aus Negativfilmen, Disketten, CDs
und Festplatten in diesem Umfang ohne finanzielle Unterstützung
nicht realisierbar gewesen. Der Göttinger Anwalt
Hasso Werk, der Anja Niedringhaus persönlich
kannte und ihre Arbeit sehr wertschätzt, nutzte sein Netzwerk,
um die Menschen an einen Tisch zu bringen, die
gemeinsam ein solches Projekt umsetzen können: Gide
Niedringhaus, Gerhard Steidl und die ROME-Stiftung.
Rund 300.000 Euro stellt die Stiftung aus Göttingen als
Fördersumme zur Verfügung. Ein Rahmen, der es erlaubt,
eine Auflage von 2000 Exemplaren der siebenbändigen
Ausgabe in einem eigens dafür gefertigten Holzschuber zu
einem Preis erscheinen zu lassen, der unter 400 Euro
liegt. Die ROME-Stiftung wurde von Dr. Ruthild Oswatitsch-Eigen
und ihrem Mann, dem Nobelpreisträger
Mitten im Auswahlprozess: Gide Niedringhaus hat viele Monate in der Bibliothek des
Steidl-Verlages verbracht, um die Bilder ihrer getöteten Schwester zu sortieren und
sorgfältig auszuwählen.
FOTO: HASSO WERK
86 1 |2026
leben
»Anja ist eine der Wenigen, die
eine Werkausgabe verdient haben.«
Gerhard Steidl
Manfred Eigen 2013 mit dem gemeinnützigen Zweck
errichtet, Kunst zu fördern. „Das umfangreiche Werk
von Anja Niedringhaus hat es verdient, für die Nachwelt
auf hohem Niveau archiviert zu werden. Daneben muss
die Darstellung in einem Bildband ebenfalls höchsten
künstlerischen Ansprüchen genügen“, sagt der Stiftungsvorsitzende
Matthias Brede. Doch der Wert der Unterstützung
durch die ROME-Stiftung geht weit über das
Erscheinen der Fotobücher zu Anja Niedringhaus’ Lebenswerk
hinaus. Der Erlös aus einem Anteil der Bücher
wird als Spende an die Schmerz- und Palliativmedizin
der Universitätsmedizin Göttingen gehen. Einige Bücher
werden an Museen, Fotoschulen und Institutionen in der
ganzen Welt gespendet. Und darüber hinaus ist der Wert
der Digitalisierung auf so hohem Niveau nicht zu unterschätzen.
Es öffnet Möglichkeiten für Ausstellungen und
weitere Publikationen von Einzelbänden in der Zukunft.
VOR UNS AUF DEM TISCH liegt der letzte Band „Afghanistan“.
Im Gegensatz zu allen anderen hat dieses Land
ein eigenes Buch bekommen. Immer wieder zog es Anja
Niedringhaus dorthin. Sie fotografierte die Menschen,
aber auch die Weite dieses Landes. „Immer wieder diese
Wahnsinnslandschaften. Und immer wieder dieses Blau.
Anja hat es geliebt“, erinnert sich Gide Niedringhaus.
Am 4. April 2014 wird Anja einen Tag vor der Präsidentschaftswahl
von einem Polizisten erschossen. Sie war
48 Jahre alt. Vieles über ihr Leben wurde bereits geschrieben,
Ausstellungen wurden kuratiert, ein Spielfilm
und eine Dokumentation gedreht – und der mit 20.000
US-Dollar dotierte „Anja Niedringhaus Courage in
Photo journalism Award“ wird seit 2014 an mutige
Foto journalistinnen verliehen. Ein Fotobuch im Steidl-
Verlag zu drucken, war bereits 2006 ein Wunsch der
Foto grafin. Sie hatte Gerhard Steidl gefragt, als sie gemeinsam
in der Jury des Henri-Nannen-Preises waren
und in der Bibliothek des Verlagshauses zusammen saßen.
‚Ja, ja, da stell dich mal hinten an‘, habe er geantwortet,
erzählt der Verleger heute – und sagt dann: „Irgendwann
war es zu spät. Aber dafür haben wir es jetzt richtig gemacht.
Zu ihrem Andenken.“ ƒ
SIEBEN BÄNDE ERSCHEINEN IM APRIL
Die siebenbändige Werkausgabe Anja Niedringhaus
Photography erscheint im Mai 2026 im
Steidl-Verlag. Sie wird in einem hochwertigen
Holzschuber geliefert, enthält 1132 ausgewählte
Bilder der Fotografin und erläuternde (englische)
Texte auf insgesamt 1308 Seiten. Die Ausgabe
wird regulär für 385 Euro erhältlich sein. Bis zum
30. April gilt ein Subskriptionspreis für Vorbestellungen
von 285 Euro. Infos gibt es online auf
steidl.de.
DER QR-CODE führt zur E-Paper-Version der
faktor-Ausgabe 3/2019, in der ein ausführlicher
Beitrag über Anja Niedringhaus erschienen ist.
1|2026 87
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PROFIL
Starker IT-Partner
für den Mittelstand in Südniedersachsen
Das Göttinger IT-Systemhaus GOESYS AG
baut seine Marktposition in Südniedersachsen
weiter aus. Durch die Beteiligung am
IT-Beratungsunternehmen BMU aus Northeim
erweitert GOESYS sein Leistungsangebot
für mittelständische Kunden deutlich.
Gemeinsam beschäftigt der Firmenverbund
rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
„Die Beteiligung an der BMU war für uns
ein logischer Schritt. Das Unternehmen
berät Firmen auf höchstem Niveau in IT-
Fragen und setzt empfohlene Lösungen
direkt um“, erklärt Peter Bruchmüller, Vorstand
der GOESYS AG.
Die BMU ist seit 46 Jahren am Markt tätig
und unterstützt größere mittelständische
Unternehmen bei IT-Strategien, IT-Sicherheit
sowie bei der technischen Umsetzung. IT-
Infra strukturlösungen bietet BMU sowohl
direkt vor Ort als auch über ein deutsches
Rechenzentrum an. Dank eigenem Entwickler-Team
und Individualprogrammierung
passt sich Software dem Kunden an – Made
in Südniedersachsen.
Mit der Kooperation reagieren beide Unternehmen
auf die zunehmende Konsolidierung
in der IT-Branche. Die steigenden Anforderungen
an IT-Sicherheit und Digitalisierung
lassen sich immer seltener von einzelnen
Administratoren bewältigen. Stattdessen sind
spezialisierte Teams gefragt.
„Wir bündeln breites Fachwissen mit tiefgehender
Spezialisierung und bleiben dabei persönlich
für unsere Kunden erreichbar“, fasst
BMU-Geschäftsführer Hendrik Müller die
Vorteile zusammen.
Zwei IT-Unternehmen arbeiten künftig zusammen:
Peter Bruchmüller (links, GOESYS) und Hendrik Müller (BMU)
GOESYS AG
Maschmühlenweg 81
37081 Göttingen
Tel. 0551 488590
info@goesys.de
www.goesys.de
Servicezeiten:
Montag bis Donnerstag: von 8–17 Uhr;
Freitag: 8–15 Uhr
FOTO UND TEXT: MARKUS HARTWIG
BMU Beratungsgesellschaft
Mittelständischer Unternehmen mbH
Scharnhorstplatz 6
37154 Northeim
Tel. Verwaltung: 05551 98010
info@bmu-beratung.com
Tel. Support: 05551 980155
support@bmu-beratung.com
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6
Dom St. Peter und Paul, Naumburg
12 Dom und Michaeliskirche, Hildesheim
leben
Mutmacher: Hier zeigt der 14-jährige Alexander Leonard Dorn seine ganz persönliche Kette.
„ Jede Perle ist ein Schritt
näher zum Ziel“
Die Elternhilfe für das krebskranke Kind in Göttingen begleitet Kinder, Jugendliche und auch
ihre Familien durch die oft herausfordernde Therapiezeit. Dafür braucht es hin und wieder Mutmacher –
der faktor sprach mit drei Betroffenen über ihre ganz persönlichen Exemplare.
90 1 |2026
leben
TEXT UND FOTOGRAFIE MARKUS HARTWIG
Es klingt erst einmal simpel, kann aber von
großer Bedeutung sein: Für jeden kleinen und
großen Behandlungsschritt erhalten an Krebs
erkrankte Kinder eine mit Datum versehene
Perle, eine sogenannte Mutperle. Es handelt sich um eine
Initiative der Deutschen Kinderkrebsstiftung, die auch in
Göttingen inzwischen viele Freunde gefunden hat. Auf
eine Schnur gefädelt, entsteht nach und nach eine Mutperlenkette,
welche die ganz persönliche Krankengeschichte
jedes Kindes erzählt. Sie beschreibt – auch im
Nachhinein – den harten Weg durch die Behandlung und
bleibt immer beim Kind. Neuerdings gibt es für die
Patienten in Göttingen auch Mutperlenrucksäcke zur
Aufbewahrung der bunten Perlenketten.
Jede Perle steht für eine gemeisterte Herausforderung.
Und insbesondere jüngere Kinder freuen sich, dass ihr
Mut jedes Mal mit einer Perle belohnt wird. Sie sind
stolz auf das Erreichte. Gleichzeitig kann die Behandlung
so einen anderen, nicht mehr ganz so bedrohlichen
Stellenwert bekommen und Ängste können in den Hintergrund
treten.
EINE ERINNERUNG, DIE BLEIBT
Jede Kette ist einzigartig und erzählt die ganz persönliche
Geschichte des Patienten. Sie wird zu einer stolzen
Erinnerung, die viele noch lange aufbewahren. Die Bedeutung
der Ketten bestätigen auch drei Patienten, mit
denen wir im Elternhaus verabredet sind. Anna-Katharin
Bickmeyer, mit Knochenkrebs stationär in Behandlung,
lässt sich von ihrem Vater Marc vertreten. „Jede
Perle steht für einen weiteren Behandlungsschritt“, erläutert
er die Kette seiner 17-jährigen Tochter und zeigt
eine Kopie, auf der die Bedeutung einer jeden Perle aufgezeigt
ist: So stehen etwa gelbe Perlen für Ultraschall,
farbige kleine Scheiben stellen Chemotherapien dar,
Schnecken weisen auf Stammzelltransplantationen hin,
blau-weiße Kugeln auf Operationen mit Anästhesie.
Weitere bunte Steinchen erinnern zum Beispiel an
Bluttransfusionen, Fahrten mit dem Krankenwagen oder
auch Aufenthalte auf der Intensivstation. Zum Geburtstag
wird ein gelber Smiley aufgefädelt, und das Ende der
Behandlung markiert eine türkis-orange Blüte. Es sind
so viele verschiedene Elemente, dass Anna-Katharins
Vater beinahe den Überblick verliert, sagt er selbst. Er
blickt auf die Kette seiner Tochter mit ihren inzwischen
mehr als 40 Perlen: „Sie wird länger mit jedem Behandlungsschritt.“
Auch er bestätigt die Bedeutung der Kette
als Symbol, mit dem sich die zurückliegende Zeit gut
nachvollziehen lässt.
Mit der Zeit entwickelt sich eine lebhafte Unterhaltung
zu den jeweiligen Krankengeschichten. Die Perlen
werden kommentiert, die Stimmung ist gut. „Jede Perle
ist ein Schritt näher zum Ziel“, sagt die 18-jährige
Carla Schild. Sie befindet sich in einem Nachsorgeprogramm
im Anschluss an ihre Leukämie-Erkrankung
und erzählt von ihren Besuchen im Fitnessstudio.
Neben ihr sitzt Alexander Leonard Dorn mit seiner
Mutter Irina. Alexanders Kette, welche die Behandlung
seines Lymphknotenkrebses nachvollziehbar macht,
hat zu Hause gut sichtbar am Schrank ihren Platz. Der
14-Jährige steht kurz vor seiner letzten Untersuchung,
ehe dann die Nachsorge beginnt.
MUTMACHER WÄHREND DER BEHANDLUNG
WIE ENTSTEHT EINE MUTPERLENKETTE?
Zu Beginn der Behandlung erhalten die jungen
Patienten die Basis für ihre Perlenkette: eine
Schnur, eine Buchstabenperle mit dem eigenen
Namen, eine Perle mit dem Logo ihrer jeweiligen
Elterngruppe und eine Anker-Perle als Symbol für
Hoffnung. Je nach Therapie und Untersuchungen
kommen mit der Zeit unterschiedlichste Mutperlen
dazu – eine ganz persönliche Kette entsteht. Für
jüngere Patienten ist die Mutperlenkette oftmals
eine wichtige Belohnung. Für Jugendliche steht eher
der Tagebuchcharakter im Vordergrund. Anhand der
Perlen lässt sich genau nachvollziehen, was wann
geschehen ist. Ausgehändigt werden die Perlen auf
Station oder in der Ambulanz.
Jede Perle wird von den drei Patienten als eine kleine
Belohnung auf dem Weg durch die oft langwierige und
belastende Behandlung gesehen. Und sie kann helfen,
sich weiter auf die Therapie einzulassen. Aufgefädelt
verdeutlichen die kleinen Steine in ihren verschiedenen
Formen und Bedeutungen, was schon bewältigt wurde.
Und sie führen vor Augen, dass gleiche Diagnosen nicht
unbedingt gleiche Therapien nach sich ziehen. Das
Treffen im Elternhaus hat gezeigt, dass das Präsentieren
und Sprechen über die eigene Kette die Kommunikation
erleichtern kann. Und die Mutperlenketten können,
wie Anna-Katharins Vater betont, besondere Mutmacher
mit Tagebuch-Charakter sein – für Kinder wie
auch für ihre Eltern. ƒ
1|2026 91
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PROFIL
Moderner
Ganzkörper-Check in der
Hochfeld- MRT
Ganzkörper-Check
in der Hochfeld-MRT
Die Diagnostikpraxis am Göttinger Bahnhof erweitert ihr
Präventionsangebot
Die Diagnostikpraxis am Göttinger Bahnhof erweitert ihr Präventionsangebot.
Die Prävention und Früherkennung von körperlichen Erkrankungen ist
seit jeher ein Grundpfeiler in der Praxis für moderne
Schnittbilddiagnostik am Göttinger Bahnhof. Das bereits breit
aufgestellte Spektrum wurde nun um eine weitere Untersuchung
erweitert, die Ganzkörper MRT. In knapp 30 Minuten kann der gesamte
Körper vom Scheitel bis zum Kniegelenk in 5 mm dicken Schichten mit
Die hoher Prävention Auflösungund untersucht Früherkennung werden. von HierfürZusätzlich wird eine moderne besteht die 3-Te Möglichkeit sla der diffusionsgewichteten
um die Qualität der Bildgebung, Bilder die vor allem
körperlichen MRT verwendet. Erkrankungen KI unterstützt ist diese seit jeher Te chni k,
ein zuGrundpfeiler optimieren und in der den Praxis Zeitaufwand für moderne so gering Lymphknoten wie möglich sehr zusensitiv halten. darstellt.
Schnittbilddiagnostik
Prinzipiell sind Vorsorgeuntersuchungen
am Göttinger Bahnhof.
sämtlicher Organe des
Das bereits breit aufgestellte Spektrum wurde
nun um eine weitere Untersuchung erweide
Früherkennungs- und Nachsorgeprogram-
Die Ganzkörper-MRT ersetzt nicht bestehen-
menschlichen Körpers mittels eines solchen Ganzkörper-MRT als
tert,
individuelle
die Ganzkörper
Gesundheitsleistung
MRT. In knapp 30
oder
Minuten
Systemerkrankungen kann der gesamte Körper möglich. vom Es Scheitel kann damit gerichtete nicht multiparametrische nur das Skelett Prostata-MRT
als bildgebende
me wie die Brustkrebsfrüherkennung,
Diagnostik bei
die ziel-
bis beurteilt, zum Kniegelenk sondern in 5 auch mm dicken tumoröse Schichten oder entzündliche oder die Darmkrebsvorsorge. Prozesse im Auch für die
mit Körper hoher ab einer Auflösung Größeuntersucht von ca. 1 cm werden. zuverlässig spezifische erkanntUntersuchung werden – ganzder Lunge sind
Hierfür ohne wird Strahlenbelastung eine moderne 3-Tesla-MRT und ohne verwendet.
systemischen KI unterstützt Grunderkrankungen diese Technik, um kann die diezende Ganzkörper Niedrigdosis-CT MRT anderen
Lunge besser ge-
Kontrastmittel. andere Techniken Auch wie zum bei Beispiel die ergän-
Qualität der Bilder zu optimieren und den eignet. Hierfür steht seit Anfang 2026 ein neu
Untersuchungsmethoden überlegen sein, wie zum Beispiel beim
Zeitaufwand so gering wie möglich zu halten. installiertes leistungsstarkes CT in der Praxis
Nachweis von knöchernen und organischen Veränderungen beim
Prinzipiell sind Vorsorgeuntersuchungen am Göttinger Bahnhof zum Einsatz bereit.
sämtlicher MultiplemOrgane Myelomdes oder menschlichen Lymphdrüsenkrebs. Körpers
einerseits mittels eines die T1solchen Wichtung, Ganzkörper-MRT
die vor allem für die Beurteilung des
Genutzt werden hierfür
als Knochenmarks individuelle Gesundheitsleistung wichtig ist andererseits oder als die wassersensitive STIR,
bildgebende mit der zusätzlich Diagnostik zumbei Knochenmark Systemerkrankungen
anderemöglich. Weichteile Es kann gut zudamit differenzieren nicht nur sind. weitere Zusätzlich Details. besteht die
die Organe, Das Team Lymphknoten aus der Praxis und berät Sie gern über
das Möglichkeit Skelett beurteilt, der Diffusionsgewichteten sondern auch tumoröse
oder entzündliche Prozesse im Körper ab
Bildgebung, die vor allem
Lymphknoten sehr sensitiv darstellt.
einer Größe von ca. 1 cm zuverlässig erkannt
werden Die Ganzkörper-MRT – ganz ohne Strahlenbelastung ersetzt nicht bestehende und Früherkennungs- und
ohne Kontrastmittel.
Nachsorgeprogramme wie die Brustkrebsfrüherkennung, die
zielgerichtete multiparametrische Prostata MRT oder die
Auch bei systemischen Grunderkrankungen
kann
Darmkrebsvorsorge.
die Ganzkörper-MRT
Auch
anderen
für die spezifische
Untersuchungsmethoden
sind andere Te chni überlegen ken besser sein, wie geeignet zum wie zum Beispiel die
Untersuchung der Lunge
Beispiel ergänzende beim Nachweis Niedrigdosis-CT von knöchernen der Lunge. und Hierfür steht seit Anfang 2026
organischen ein neu installiertes Veränderungen leistungsstarkes beim Multiplem CT in der Praxis am Göttinger
Myelom Bahnhof oder zumLymphdrüsenkrebs. Einsatz bereit. Genutzt
werden hierfür einerseits die T1-Wichtung, Praxis für moderne Schnittbilddiagnostik
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Ewald Palmetshofer frei nach
Shakespeares »King Henry IV«
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Nora Abdel-Maksoud
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leben
-kalender
Vom 14. bis 25. Mai
Händel-Festspiele: Mit Barock verlocken
EINEN BUNTEN STRAUSS VON 96 VERANSTALTUNGEN aus
Musik, Festvorträgen und Lesungen mit rund 550 Künstlerinnen
und Künstlern haben die Macher der Internationalen Händel-Festspiele
Göttingen in diesem Jahr zusammengestellt.
„Verlockung“: Unter dieser Devise möchten die Festspiele vom
14. bis 25. Mai verdeutlichen, wie unterschiedlich musikalische
Verlockung zwischen Zerstörung, innerer Spannung und Sinnstiftung
gestaltet sein kann. Dazu gibt der geschäftsführende Intendant
Jochen Schäfsmeier, dessen Vertrag um weitere drei Jahre bis
zum 31. Dezember 2028 verlängert worden ist, Beispiele: Bei der
Festspieloper „Deidamia“ erscheine Verlockung als menschlicher
Konflikt um Liebe oder Ruhm, im „Messiah“ als spirituelle Hoffnung
und bei Igor Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ als
gefährliche Täuschung.
Der künstlerische Leiter der Festspiele, George Petrou, lobt die Zusammenarbeit
mit den Musikern des Festspielorchesters: Man habe
sich über die vergangenen vier Jahre nicht nur künstlerisch, sondern
auch ganz persönlich kennengelernt und eine wunderbare Beziehung
miteinander entwickelt.
Schäfsmeier ist es ein ausdrückliches Anliegen, die Vielfalt der
Barockmusik in 14 Spielstätten der Region zu tragen. So ist beispielsweise
das zwölfköpfige Europäische Hanse-Ensemble im Welfenschloss
Hann. Münden zu Gast.
Zusätzlich sollen mit neuen Konzertformaten Menschen begeistert
werden, die bislang noch nicht den Weg zu den Händel-Festspielen
gefunden haben. Dazu gehören „Händel jazzt“, Lesungen,
Videoprojektionen, die mobile Bühne „Der rollende Georg“ und
das Kinderprogramm „Händel 4 Kids“.
☛ Das ausführliche Programm gibt es unter www.haendel-festspiele.de/de/programm.
George Petrou spricht über
das neue Programm und die
Vorbereitungen.
Fotos: Markus Hartwig
„Was wäre wenn?“
Vielfalt bei den Gandersheimer Domfestspielen
UNTER DEM MOTTO „WAS WÄRE WENN?“ zeigen die Gandersheimer
Domfestspiele vom 14. Juni bis 16. August vor dem Portal
der Stiftskirche auch in ihrer 67. Spielzeit wieder vier große
Produktionen: die Kriminalkomödie „Die acht Frauen“, die hitverdächtige
Musikgeschichte „Come together – die große Beatles-
Show“, den Broadway-Musical-Klassiker „Hello, Dolly!“ und
als Kinder- und Familienstück „Pinocchio“. Hinzu kommen drei
Stücke auf der Studiobühne im Probenzentrum: „Das Bildnis des
Dorian Gray“ mit Dominik Müller, „Pure Piaf - Edith, ihr Leben,
ihre Chansons“ mit Roswitha-Ring-Preisträgerin Sylvia Heckendorn
sowie „Love Letters“.
Für die Beatles-Show kehrt Patricia Martin als musikalische
Leiterin zurück und präsentiert zusammen mit Intendant Achim
Lenz ein Open-Air-Spektakel mit Live-Musik im Original-Look
der Pilzköpfe.
Die Krimi-Komödie „Die acht Frauen“ von Robert Thomas ist eine
aufregende Mischung aus Spannung, Intrigen und überraschendem
Humor, inszeniert von Sarah Speiser.
Erstmals in ihrer Geschichte zeigen die Gandersheimer Domfestspiele
einen der größten Klassiker des Broadway, das Musical „Hello,
Dolly!“ – eine turbulente Geschichte um Liebe, Geld, Missverständnisse
und den Mut, das Leben in die Hand zu nehmen.
Ziemlich ungestüm macht sich „Pinocchio“, die berühmteste
Holzpuppe der Welt, voller Neugier und Abenteuerlust auf den
Weg, die Welt zu entdecken. Die Autorinnen Sarah Speiser und Jennifer
Traum erzählen die klassische Geschichte frisch, humorvoll
und berührend für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Und sie
erinnern daran, dass man manchmal auch Umwege gehen muss, um
den eigenen Weg zu finden.
☛ Weitere Infos und Tickets gibt es unter www.gandersheimer-domfestspiele.de.
94 1|2026
-kalender
leben
Große Namen in Nörten-Hardenberg
Keilertage: Mittelalter-Fest
mit Star-Aufgebot
Kurz gemeldet
Termine zum Vormerken
VOM 15. BIS 17. MAI steigen im Hardenberg-Schlosspark in
Nörten-Hardenberg wieder die Keilertage – und machen die
beeindruckende Location zu einem Ort, an dem Menschen jeden
Alters zusammenkommen und die einzigartige Atmosphäre
des Mittelalters erleben können – mit Musik, Ritterkämpfen,
Drachen, Magie und gutem Essen.
Am Freitag und Samstag endet das Markttreiben jeweils mit
einer Feuershow, bevor die großen Konzertabende beginnen.
Für den Freitag sind Versengold, das Saint City Orchestra und
Die Legende von Nord angekündigt, am Samstag geben sich
Joachim Witt, Peter Heppner und Tanzwut die Ehre. Den Abschluss
bilden am Sonntag die Auftritte von Heavysaurus und
Jonathan Roth-Deblon.
Die Veranstalter machen schon frühzeitig auf ihrer Internetseite
(www.keilertage.de) Lust auf einen Besuch. Dort heißt
es: „Freut Euch auf drei Tage voller Abenteuer, Fantasie und
unvergesslicher Momente im Zeichen des Mittelalters.“
Tagsüber steht das Mittelalter-Treiben im Mittelpunkt.
FOTO: KEILERTAGE
DIE 9. GÖTTINGER OLDIE-NIGHT steigt in diesem Jahr in der
Musa am Hagenweg, und zwar am 11. April. Gleich vier Live-
Bands sollen für den typischen Oldie-Night-Sound sorgen: Neben
den Allstars treten die Gruppen 5 about 40, BOOM und die Hot
Docs auf. Alle Bereiche des Hauses werden bespielt. Während der
Umbaupausen im großen Saal geht es beispielsweise im Bistro
nahtlos weiter: Dort erwartet das Publikum ein Unplugged-Programm
mit verschiedenen Künstlern in intimer Club-Atmosphäre.
Infos: www.musa.de
SCIENCE GOES CITY: Unter diesem Motto steht am 19. April ein
Event im Göttinger Zentrum. Vielfältige Forschung trifft auf eine
vielseitige Stadt bei diesem Aktionstag in der Göttinger Innenstadt
– mit Bühnenprogramm, Mitmachaktionen, Infoständen und kreativen
Formaten. Organisiert wird er gemeinsam von der Universität
Göttingen, der Stadt Göttingen und der Göttingen Marketing
GmbH. Zum Programm gehört auch ein verkaufsoffener Sonntag.
Infos: www.procity.de / www.science-goes-city.de
HARD ’N HEAVY OPEN AIR 2026: Am 6. Juni verwandelt sich das
Gelände am Dorfgemeinschaftshaus in Hevensen in eine Hochburg
für Heavy-Metal-Fans: Der Verein Nuts-4-Rock lädt zum
Open Air und präsentiert ein hochkarätiges Line-up – unter anderem
mit den Bands Firewind, Bonfire, Manomore und Hollywood
Rose. Infos: www.nuts4rock.com
Heavysaurus stehen auch in
diesem Jahr wieder auf der Bühne.
1 |2026 95
impressum
Verlag
faktor – das Entscheider- Magazin für die Region Göttingen
Entscheider Medien GmbH
Berliner Straße 10
37073 Göttingen
Tel. 0551 3098390
Fax 0551 30983911
info@faktor-magazin.de
www.faktor-magazin.de
USt-IdNr.: DE244260937 | Amtsgericht Göttingen HRB 4281
Herausgeber
Marco Böhme
boehme@faktor-magazin.de
Chefredakteur
Markus Riese (V.i.S.d.P.)
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Autoren
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Markus Hartwig, Tobias Kintzel, Carolin Köpp, Stefan Liebig,
Norman Lippert, Margareta Vogel
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Lektorat
CoLibris-Lektoratsbüro Dr. Barbara Welzel
Vertrieb
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Marketing
Christiane Wiese-Brahimi, Anastasia Riesling (Assistenz)
Geschäftsführender Gesellschafter
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Auflage
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15. Mai 2026, Redaktionsschluss eine Woche später.
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agierenden Handelskonzerns, der einen überaus beachtlichen
Change-Prozess hinter sich gebracht hat.
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Künstliche Intelligenz ist inzwischen fast überall angekommen – und doch
fremdeln viele Menschen noch damit. Das liegt auch daran, dass KI zwar
längst in vielen Bereichen zum Einsatz kommt, aber oftmals außerhalb des
eigenen Handelns kaum wahrgenommen wird – sei es in der Forschung, bei
wiederkehrenden Abläufen in Unternehmen oder auch einfach im Alltag.
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