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Wir feiern
Jubiläum
Stöbere durch unser
exklusives Programm
im Herbst 2026
K A T I E K E N T O
T H R E E W I L L O W S
WILLKOMMEN IN
THREE WILLOWS.
HEUCHLER,
DACHTE ADELAIDE
»Willkommen in Three Willows. Ich freue
mich, Sie hier begrüßen zu dürfen.«
Schleimer. Adelaide presste die Lippen
aufeinander. »Ich hoffe, Sie hatten eine
angenehme Anreise, Miss Peel?« Sie
ignorierte das fragende Lächeln und
starrte an ihrem Gegenüber vorbei.
Im Spiegel über dem Kaminsims sah sie
eine winzige Frau, die in dem lächerlich
großen Polstersessel fast verschwand. Ein
knautschiges Gesicht. Furchen, nein
Schluchten, die sich vom Mund zum Kinn
gruben. Wässrige Augen hinter
fingerdicken Brillengläsern. Weißes Haar,
das unter einem verbeulten Fedora-Hut
hervorwuchs wie Gestrüpp. Ein in sich
zusammengeschrumpfter Körper –
zerknittert und faltig –, an dem Bluse und
Hose schlaff herunterhingen. Konnte das
wirklich sie selbst sein? Wann war sie zu
einer schlecht angezogenen Rosine
mutiert?
Der Mann hinter dem Schreibtisch
räusperte sich und verlagerte sein
Gewicht. »Mein Name ist Reginald Ward.
Ich bin der Leiter dieser Einrichtung«,
erklärte er mit öliger Stimme. »Meine
Mutter hat das Seniorenzentrum vor
fünfundsechzig Jahren gegründet.
Seitdem ist es im Familienbesitz.«
Adelaide hatte nur ein Brummen als
Antwort übrig. Sie drückte die atmende
Handtasche auf ihrem Schoß etwas fester
an sich. »Sie werden übrigens das Zimmer
neben …« »Ich kenne meine Rechte.«
Ward verstummte.
©Canva
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K A T I E K E N T O
T H R E E W I L L O W S
Adelaide hob das Kinn. Die meisten
Menschen waren irritiert, wenn sie ihre
raue Stimme zum ersten Mal hörten. Das
gefiel ihr.
»Pardon, Miss Peel?« Er nestelte an
seinen Manschettenknöpfen herum. Das
Seidenhemd sah teuer aus, aber die Ärmel
waren zu lang. Maßgeschneidert für
jemand anderen. Wahrscheinlich aus
einem Second-Hand-Geschäft.
»Meine Rechte!«, blaffte sie und senkte
die Stimme, als ihre Handtasche
zusammenzuckte. »Ich habe nichts
verbrochen. Also darf man mich nicht
einsperren.«
»Aber wir … wir sperren Sie doch nicht ein,
Miss Peel!«
Heuchler, dachte Adelaide, und nach
kurzem Überlegen sagte sie es auch:
»Heuchler.«
Der Mittfünfziger strich über seinen
Schnauzbart, so als wollte er sich die
Empörung vom Gesicht wischen. Die
ärgerliche Röte auf seinen Wangen
entging Adelaide nicht.
»Wir bieten Ihnen hier die wunderbare
Möglichkeit, mit Menschen in Ihrem Alter
zusammenzuleben. Es gibt gemeinsame
Aktivitäten. Bingospiele, den Lesezirkel
und den Sonntagskaffee, Filmabende mit
Zuckerwatte und …«
»Glauben Sie, ich will meine Zeit mit
Zuckerwatte und alten Knackern
verschwenden?«
Ward fuhr sich mit den Fingern durch das
tiefschwarze Haar, das ihm schlecht
geschnitten und dicht wie ein Helm auf
dem Kopf saß. Der Mann hatte nervöse
Hände.
Nachdem er einen Blick auf das Blatt
Papier vor sich geworfen hatte, setzte er
sein joviales Lächeln erneut auf. »Sie
haben fast sechs Jahrzehnte lang allein in
einem Häuschen auf dem Land gelebt.«
Die Handtasche knurrte.
»Ich war nicht allein. Ich hatte Broderick.«
Adelaide sprach laut, um das Knurren zu
übertönen und ihren Rauhaardackel zu
besänftigen. Er konnte es nicht ertragen,
außen vor gelassen zu werden.
»Miss Peel, ein Hund mag ein netter
Gesellschafter sein. Aber er ersetzt nicht
den Austausch mit anderen Menschen.
Er achtet nicht auf Ihre
Gesundheit, er sorgt nicht für
eine ausgewogene Ernährung.«
Die Handtasche stieß ein kurzes
Wuff aus, und Adelaide täuschte
einen Hustenanfall vor.
»Da sehen Sie es.« Ward lehnte
sich ein Stück zurück und rieb
seine Hände mit dem
Desinfektionsmittel ein, das auf
seinem Schreibtisch stand. »Eine
anständige medizinische
Versorgung ist für Leute in Ihrem
Alter …«
»Ich war seit vierzig Jahren nicht
mehr krank.« Was man von
Broderick nicht behaupten
konnte. Aus der Tasche war ein
verschnieftes Winseln zu hören.
©Canva
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K A T I E K E N T O
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»Niemand hat das Recht, mir mein Heim
wegzunehmen!«, rief Adelaide.
Wenn Ward glaubte, sie würde diese
Entführung anstandslos über sich
ergehen lassen, dann hatte er sich
geschnitten. »Aber Miss Peel, in diesen
Dokumenten steht … Hier steht, dass Sie
selbst Ihr Haus bis auf die Grundmauern
niedergebrannt haben.«
Stille breitete sich im Büro aus. Nur
Brodericks kratziger Atem war zu hören.
Wenn er sich zu lange in der Handtasche
verkroch, bekam er asthmatische
Symptome. »Ja … Richtig.« Adelaide
erinnerte sich. Nicht gern, aber sie besann
sich durchaus, wie sie die Fensterrahmen
in ihrem Haus unter Strom gesetzt und
dabei versehentlich die Vorhänge in
Brand gesteckt hatte. In der Theorie war
der Plan genial gewesen. Sie hatte die
Isolierung an einigen Kabeln entfernt, sie
anschließend um die Fenstergriffe
gewickelt, mit den Steckdosen
verbunden und voilà: Auf Brodericks
Speiseplan stand gerösteter Einbrecher.
Nur hatte das Ergebnis leider nicht ganz
ihrer Vorstellung entsprochen. »Es war
Notwehr«, erklärte sie zerknirscht. »Soll
ich tatenlos herumsitzen, während
zwielichtige Gestalten um mein Haus
schleichen?«
Ward hob die Augenbrauen. Er glaubte
ihr nicht. Genauso wenig wie die
Feuerwehr, die Polizei oder ihr
beschränkter Großneffe die Geschichte
geglaubt hatten.
Zugegeben, Adelaide hatte diese
Gestalten nicht direkt gesehen. Oder
gehört. Aber hätte sie erst warten sollen,
bis es zu spät war? Bis man sie bestahl?
Über die Jahrzehnte war immerhin eine
der größten Kriminalliteratur-
Sammlungen Cornwalls, wenn nicht gar
Englands, in ihrem Häuschen
herangewachsen.
Schmuckausgaben,
Erstauflagen, seltene Fehldrucke und
handsignierte Schätze befanden sich in
ihrem Besitz!
HATTEN SICH IN IHREM
BESITZ BEFUNDEN.
Ein Stich zog sich durch Adelaides Brust.
Sie stieß ein Räuspern aus, wippte mit den
Beinen und schwang sich aus dem
Sessel.
»Würden Sie sich nicht verteidigen, wenn
es jemand auf Ihren Plunder abgesehen
hätte?«
Mit hinter dem Rücken verschränkten
Händen schritt sie durch das Büro.
Zumindest tat sie das in ihrer Vorstellung.
In Wahrheit hatte Broderick seit seiner
Hüftdysplasie ordentlich zugelegt, sodass
sie beide Hände in die Handtasche krallen
musste, um ihn nicht fallen zu lassen.
Adelaides Beine waren auch einmal
länger gewesen. Und das Buttermesser,
das in ihrem rechten Schuh steckte, war
beim Gehen nicht gerade förderlich.
Mit wackelndem Getrippel und einer
gehörigen Schlagseite zog sie durch das
Büro und beäugte die Einrichtung.
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K A T I E K E N T O
T H R E E W I L L O W S
Dunkle Holzmöbel mit durchgesessenen
Polstern. Golden gerahmte Bilder einer
schwarzhaarigen Frau, bei der es sich
wahrscheinlich um die eben erwähnte
Mutter handelte. Ein Mantelhalter samt
Schirmständer in der hintersten Ecke des
Raumes. Ein Aktenschrank mit
Vorhängeschloss, daneben eine zweite
Tür. Und gegenüber vom Schreibtisch
eine alles überschattende Schrankwand,
in der Dutzende Modellschiffe in
Glasflaschen thronten.
Geschmacklos und verstaubt.
»Was ist hinter der Tür?«, wollte sie
wissen. »Meine Privaträume. Die
Heimleitung steht den Bewohnerinnen
und Bewohnern von Three Willows rund
um die Uhr zur Verfügung«, erklärte Ward
in einem Ton, als wäre er auf einer
Pressekonferenz. »Ich wohne hier.«
»Mein Beileid.« Auf dem Kaminsims hinter
dem Schreibtisch standen ebenfalls von
Glas umschlossene Schiffsmodelle.
Adelaide zog sich den Gurt ihrer
schlafenden Handtasche über die
Schulter, ging auf die Zehenspitzen und
tippte gegen die größte der bauchigen
Flaschen.
»Man kann mich nicht dafür verurteilen,
dass ich mein Eigentum schützen wollte.
Was ist, wenn Ihnen einer Ihre Sammlung
klauen will, hm?«
»Ich denke nicht, dass sich ein Einbrecher
dafür interessieren würde. Dieses Modell
ist unter uns gesagt auch nicht sonderlich
wertvoll. Ich habe …«
Adelaide klopfte gegen die nächste
Flasche. Sie wackelte auf dem Holzsockel,
fiel zu Boden und zersprang.
Reginald Ward schoss aus seinem Sessel
empor. »Dieses Modell war wertvoll«,
keuchte er und deutete auf den Platz
gegenüber. »Bitte, Miss Peel, setzen Sie
sich wieder.«
Adelaide rührte sich nicht. Sie warf nur
einen betont interessierten Blick auf ein
weiteres Schiffsmodell und beobachtete
aus den Augenwinkeln, wie die Stirn des
Heimleiters vor Schweiß zu glänzen
begann.
»Glauben Sie mir.« Wards Stimme klang
gepresst. »Ich habe kein Interesse daran,
Sie gegen Ihren Willen hier festzuhalten.«
»Ach nein? Damit verdienen Sie doch Ihr
Geld!« Sie gab sich keine Mühe, ihre
Verachtung dieses schmutzigen
Geschäfts zu verbergen. Ward ließ seinen
Blick über die Glasscherben und den
zerbrochenen Mast des Schiffchens auf
dem Boden wandern. »Weniger, als Sie
denken«, murmelte er und seufzte.
»Geben Sie der Sache eine Chance.
©Canva
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K A T I E K E N T O
T H R E E W I L L O W S
Zwei Wochen. Wenn es Ihnen hier bis zur
Mitte des Monats nicht gefällt, können Sie
abreisen.«
Adelaide streckte ihm ihren Arm
entgegen. »Hand drauf! Oder ich glaube
kein Wort.«
Ward musterte ihre Finger, die vom
Rheuma leicht geschwollen und rot
waren. Zögerlich ergriff er die Hand und
stieß den Atem aus, als sie zudrückte.
»Keine Spielchen«, knurrte Adelaide.
»Deal ist Deal.«
Zu ihrem Erstaunen hielt der Heimleiter
dem bohrenden Blick stand. Obwohl er
aussah wie ein in die Jahre gekommener
Fernsehmoderator aus den Siebzigern,
trat so etwas wie jugendlicher Tatendrang
in seine Miene.
»Dazu müssen Sie Ihren Teil der
Abmachung aber auch erfüllen«, stellte er
klar. »Hier wird nichts mehr zu Bruch
gehen in den nächsten vierzehn Tagen,
verstanden? Sie fangen keinen Streit an
und machen uns keine Umstände. Wenn
ich mich bei Ihrem Großneffen dafür
einsetzen soll, dass Sie wieder allein leben
können, dann müssen Sie mir auch
beweisen, dass Sie dazu in der Lage
sind.«
Adelaide zog eine Grimasse. Diesen
angeblichen Großneffen, der ihr die
ganze Sache eingebrockt hatte, würde sie
zu gern in die Finger kriegen.
»Miss Peel, hören Sie mir zu? Sie müssen
uns allen hier zeigen, dass Sie
selbstständig und klar im Kopf sind.
Und vernünftig.« Das letzte Wort betonte
er besonders, so als hätte er an Adelaides
Vernunft irgendetwas zu bezweifeln.
»Abgemacht.« Sie drückte ein weiteres
Mal zu, dann ließ sie los.
Ward schüttelte seine Hand aus. »Gut. Ich
schlage vor, Sie gehen zurück auf Ihr
Zimmer und richten sich dort für die
nächsten Tage ein.« Er griff nach dem
Fläschchen mit dem Desinfektionsmittel.
»In einer Stunde gibt es Abendessen im
Speisesaal. Finden Sie den Weg allein
oder …?«
»Seh ich aus wie eine verwirrte Alte, die
man bei der Hand nehmen muss?«,
motzte Adelaide. Ward wollte sie testen
und ihre Schwächen gegen sie
verwenden. Doch bei dem Spielchen
machte sie nicht mit. »Schreiben Sie sich
das hinter die Ohren: Ich komme
zurecht!«
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S O P H I A C O M O
S I L E N T W H I S P E R S
WIE STIMMEN IM
PROLOG
Im Abendlicht, bevor alles dunkel wurde,
wirkte das Feld harmlos. Eine weite,
goldene Fläche am Rande der Stadt, vom
Wind in Bewegung gehalten. Wenn das
letzte Licht des Tages über den Wiesen
flirrte, die langen Grannen an den Ähren
wogend und weich erscheinen ließ, und
ich mich, geleitet von dieser Illusion,
hineinlegen wollte.
An warmen Abenden fuhr ich mit dem
Fahrrad daran vorbei, langsam genug, um
das Licht über das Gerstenfeld wandern
zu sehen. Manchmal hielt ich an,
überlegte.
Ich wusste, wie es sich anfühlte,
hineinzugehen. Sich hinzulegen.
Der Schein trog.
Denn die Grannen waren hart. Sie
verhakten sich in Stoff und Haar, kratzten
über die Haut, hinterließen feine Linien,
die erst später juckten und brannten.
Trotzdem ließ ich so oft das Rad ins Gras
kippen und schob mich zwischen die
Halme. Immer wieder. Immer wieder.
Vielleicht, weil ich wissen wollte, ob es
diesmal anders war. Vielleicht, weil mir
nichts Schlimmes passieren konnte.
Wenn ich mich hineinlegte, spürte ich das
Pieken an den Armen, den Beinen, im
Nacken, auf meiner Kopfhaut. Von außen
musste es aussehen, als würde ich in
etwas Weiches sinken. Von innen fühlte
es sich anders an. Später saß ich in der
Küche auf dem alten Holzstuhl, während
Mom hinter mir stand und die
Gerstenköpfe aus meinen Haaren zog. Oft
blieb sie stehen, musterte mich und
prüfte, ob sie etwas übersehen hatte.
»Du lernst es nie«,
©Canva
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S O P H I A C O M O
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sagte sie dann leise und ich lachte, weil es
nicht wichtig war.
Das war, bevor sie ging, bevor mein
Zuhause starb, bevor er kam.
Im Abendlicht, bevor alles dunkel wurde,
wirkte auch mein neues Heim harmlos.
Weiche Laken, ein liebevoll
eingerichtetes Zimmer, Stoffbären,
gerahmte Bilder. Erst wenn das Licht
verschwand, veränderten sich die
Konturen. Geräusche klangen näher,
Schritte schwerer, die Schatten wurden
länger, bis sie im Schwarz verschwanden.
Und unter dem Gewicht der Dunkelheit
dachte ich so oft an die Grannen, ihre
Kratzer und wie sie einst das Schlimmste
waren, das mir passieren konnte.
KAPTIEL 1
Giulia
Der Schmerz kroch meinen Rücken hinab
in Beine und Füße. Unter mir gab der
Boden nicht nach. Uneben, übersät mit
kleinen, losen Steinen, die bei jedem
Schritt rutschten. Ein falscher Tritt und es
zog bis in die Hüfte.
Nicht stehen bleiben.
Ich nahm ein paar tiefe Atemzüge, ehe ich
meinen Rucksack zurück auf die
Schultern hievte. Ich brauchte eine Pause,
einen Ort für mein Zelt. Doch vorher
musste ich noch weiter. Obwohl dieser
Waldweg ziemlich verlassen wirkte, war
die Gefahr einfach zu groß.
Also bleib nicht stehen, Giulia.
Es hatte Momente gegeben, da hatte
dieses Mantra beinahe nicht geholfen.
Der Schmerz war zu tief, die Erschöpfung
zu groß, der Gedanke, zurückzukehren, zu
real gewesen. Doch die Erinnerung daran
machte jeglichen Schmerz vollkommen
irrelevant.
Aufgeben kam nicht infrage.
Nicht, wenn ich mich orientierungslos
fühlte.
Nicht, wenn ich die Landkarte verfluchte.
Auch nicht, wenn mein Magen knurrte
und meine Flasche leerer wurde.
Lieber hungerte ich, als umzukehren.
Ich schnaufte. Die dicht
beieinanderstehenden Bäume boten zwar
reichlich Schatten, doch die Hitze der
Sommersonne fand trotzdem ihren Weg
zu mir. Ich sollte mich nicht beschweren.
Kälte und Regen hätten es mir unmöglich
gemacht, diese Flucht anzutreten. Dabei
lief ich ohne wirkliches Ziel. Immer weiter
in Richtung Osten, hinein in die Natur, in
die Stille. Vielleicht würde ich irgendwann
Halt machen, vielleicht aber auch nicht.
Vielleicht würde ich mein Leben lang
weiterziehen, ohne jemals anzukommen.
Mühevoll klammerte ich mich an die
Riemen meines Rucksacks, konzentrierte
mich auf den Kies unter meinen Füßen.
Eigentlich hatte ich nicht viel bei mir. Ein
paar Wechselklamotten, eine Karte, ein
Zelt, ein altes Taschenmesser meiner
Mutter. Ich wusste, dass es absurd wäre,
an diesem Ort einem Menschen zu
begegnen.
©Canva
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S O P H I A C O M O
S I L E N T W H I S P E R S
Seit meinem letzten Einkauf in Louisville
hatten sich meine sozialen Kontakte auf
wilde Chipmunks und laute Singvögel
beschränkt. Und doch: Wenn es hinter mir
knackte, oder ich nachts in die Dunkelheit
lauschte, das Messer umklammert, war es
unmöglich, nicht an ihn zu denken.
Der Schrei einer Krähe drang durch die
hohen Bäume zu mir hindurch. Neugierig
blieb ich für eine Sekunde stehen und
reckte den Hals, suchte zwischen den
Ästen nach dem schwarzen Schatten. Der
Vogel war längst verschwunden, weit und
breit kein Tier zu sehen, trotzdem bildete
ich mir eine Bewegung ein. Oder auch
nicht.
Ich erstarrte, ließ den Blick über die
dichten Stämme und moosbedeckten
Felsen gleiten. Suchte zwischen Bäumen
nach einem Körper. Nach etwas, das die
leisen Alarmglocken in mir begründete.
Doch da war nichts. Kein zweiter
Atemzug, kein Holz, das unter fremden
Schritten knarzte. Nur ich.
Als eine leichte Brise einen losen Ast
beiseiteschob, traf der Wind auf mein
schweißüberströmtes Gesicht und mir
wurde klar, wie erschöpft ich wirklich war.
Ich zückte meine Flasche und trank in
gehemmten Schlucken den mickrigen
Rest, der mir noch geblieben war,
während ich mit einem Blick die
Umgebung scannte. Rechts neben mir fiel
der bewaldete Hang hinab, links stieg er
wieder an. Erst als ich die Flasche zurück
in die Tasche packte, nahm ich am Ende
des Hangs ein Glitzern wahr. Zwischen
den vielen Bäumen konnte ich erkennen,
dass sich die Sonne in etwas spiegelte.
Ein Stück Plastik? Eine Scherbe? Nein, es
war viel zu groß, viel zu weitflächig. Viel zu
schön.
Sofort sprang ich auf, griff nach meinem
Rucksack und stieg vorsichtig den Hang
hinab. Unten angekommen, warf ich
meine Sachen ans Seeufer, streifte
Kleidung und Schuhe ab und hüpfte samt
Unterwäsche ins Wasser. Kälte umschloss
mich, erfrischte Muskeln und Sinne. Aus
meiner Kehle löste sich ein lautes Lachen,
als ich mich auf den Rücken warf und vom
Wasser tragen ließ. Die Baumwipfel
beugten sich über mich, über den See,
rahmten das Bild des dämmrigen
Himmels ein. Dabei fragte ich mich, ob der
See in der Umgebung bekannt war. Ob
hier Menschen lebten und Orte
angesiedelt waren. Ich wusste es nicht.
Ich wusste nicht mal, wo ich überhaupt
war, was in Anbetracht dessen, dass mir
langsam Wasser und Nahrung ausgingen,
ein echtes Problem darstellte. Also
schwamm ich zurück zum Ufer, um mein
Lager aufzuschlagen. Weit genug vom
Weg entfernt, aber nah genug, um
morgen weiterzugehen und mich um
meine Vorräte zu kümmern.
Mit meiner Karte setzte ich mich ans
sonnige Ufer, um zu trocknen. Ich drehte
das Papier, wendete es, suchte nach
irgendetwas, das mir bekannt vorkam –
vergeblich.
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S O P H I A C O M O
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Keiner der dunkelgrünen Flecken wollte
zu meinem werden.
Ein Schatten huschte über das Papier.
Hinter mir raschelte es. Dann ertönte ein
dumpfer Knall.
Meine Brust verkrampfte sich. Ich fuhr
hoch, stolperte ins Wasser, fiel und robbte
tiefer hinein. Mein Herz raste. Hitze
explodierte in mir, breitete sich aus wie
ein Buschfeuer. Lunge, Magen, Beine. Sie
schnürte mir die Luft zum Atmen ab. Nicht
einmal das kühle Wasser half.
Atemlos blickte ich mich um. Mein
Rucksack war umgekippt. Mehr nicht.
Niemand war da.
Ich war allein.
E r w ar n icht hi er.
Scott
Meine Narben erinnerten sich schneller
als ich.
Ein dumpfer, ziehender Schmerz, der sich
langsam über meinen Rücken ausbreitete.
Mein Wagen kam in einer verlassenen
Parkbucht unweit unserer Farm zum
Stillstand. Mit den Händen umklammerte
ich das Lenkrad, versuchte festzuhalten,
was mir längst entglitten war. Ich atmete
tief durch, flach, langsam. Der Geruch von
Staub und altem Leder hing in der Luft,
legte sich auf meine Schleimhäute, auf
meinen Körper, auf die Schmerzen.
Es ging nicht mehr.
Ich griff zum Handschuhfach, zog es
ruckelnd auf, weil es klemmte. Meine
Finger tasteten im Halbdunkeln zwischen
alten Papieren und Münzen nach den
Tabletten. Als ich sie mir trocken in die
Kehle warf, spürte ich, dass ich zitterte.
Mein Brustkorb hob und senkte sich, das
Pochen in meinen Schläfen wurde
gedrosselt. Ich ruhiger. Wenn auch nur
langsam.
Sonst scherst du dich einen Scheißdreck
um die Farm. Also hau ab!
Als der Schmerz nachließ, kamen andere
Erinnerungen hoch. Die Worte saßen fest.
Tiefer, als sie es sollten. Es war nicht das
erste Mal gewesen, dass ich sie zu hören
bekommen hatte. Und sicher nicht das
letzte Mal.
Mit meinem Onkel Harvey zu streiten, war
keine einmalige Sache, sondern ein
Dauerzustand. Das wusste ich. Jeder
wusste das. Und trotzdem würde ich mich
vermutlich niemals ganz daran
gewöhnen.
Ich lehnte den Kopf gegen die Stütze und
schloss die Augen. Für einen Moment sah
ich ihn wieder vor mir. Den Betonboden
des Stalls. Blutüberströmt. Meine Stute
Blueberry. Und das Feuer.
Erinnerungen aus verschiedenen Zeiten
vermischten sich und ich riss die Augen
auf, schnappte nach Luft.
Da vibrierte mein Handy neben mir. Ein
Blick aufs Display verriet mir, dass es Ruby
war. Ein weiterer zeigte mir die Uhrzeit.
Fuck.
©Canva
1 0
S O P H I A C O M O
S I L E N T W H I S P E R S
»Hey, Grandma, sorry, ich hab die Zeit
vergessen und …«
»Du hast die Zeit nicht vergessen, Scott.
Ich habe euch streiten gehört.«
Mein Mund blieb offen stehen, ich
rutschte noch tiefer in den Sitz. »Ja«,
hauchte ich ergeben. »Tut mir leid, ich
musste raus. Morgen Abend bin ich beim
Essen dabei. Versprochen.«
»Entschuldige dich nicht bei mir. Bonnie
hat sich so auf das Essen gefreut. Und sie
meinte, du fährst morgen mit ihr zum
Wickfield Lake?«
Doppeltes Fuck. Noch etwas, das ich
vergessen hatte. Dabei lag mir meine
kleine Schwester schon seit Ewigkeiten in
den Ohren, an meinem freien Tag mit ihr
schwimmen zu gehen.
»Ich habe es ihr versprochen«, erwiderte
ich fest, auch wenn es verboten war, im
Wickfield Lake zu baden. Das wusste ich
als Deputy besonders gut.
»Scott …« Die traurige Stimme meiner
Grandma verlangte mir alles ab. »Ich
weiß, dein Onkel kann schwierig sein,
aber er meint es nicht so.«
»Ich weiß«, log ich, weil ich mir sicher
war, dass Harvey alles ganz genau so
meinte, wie er es sagte.
Wenn er sich darüber beschwerte, dass
ich einen Job im Police Department
angenommen hatte, statt auf der Farm
auszuhelfen. Wenn ich auf der Farm
aushalf, es aber seiner Meinung nach
nicht gut genug tat. Wenn ich mich vor
die Pferde stellte, wie Mom es immer
getan hatte, weil sie für mich keine
Nutztiere, sondern Familie waren.
Heute hatte er mich dafür angefahren,
dass ich mich eingemischt hatte. Dass ich
den Tierarzt gerufen hatte, ohne ihn zu
fragen. Dass ich seinen neuen Vorarbeiter
Jakub für Blueberrys Wunde
verantwortlich gemacht hatte, weil er oft
viel zu hektisch und grob mit den Tieren
umging. Doch laut meinem Onkel hatte
sich das dumme Vieh nur am Zaun
verletzt.
Ich sah alles noch vor mir. Das Blut.
Blueberrys flachen Atem. Und Harveys
missbilligenden, hasserfüllten Blick.
»Ich will damit nur sagen«, fuhr Ruby fort,
»die Farm ist alles für ihn. Das weißt du. Er
… ich glaube, das ist seine Art, damit
umzugehen.«
Ich rieb mir über das Gesicht. Harveys
Worte konnten schmerzen, was aber viel
schwerer wog, war seine Gleichgültigkeit
den Pferden gegenüber.
Er wusste, wie viel sie mir bedeuteten. Wie
viel sie Mom bedeutet hatten. Sie
gehörten zu dem Wenigen, was mir von
meinen Eltern geblieben war.
»Das hier ist sein Zuhause, verstehst du?
Es ist unser Zuhause.«
D as is t es s c h o n la n g e
n i c h t m e h r.
©Canva
1 1
S O P H I A C O M O
S I L E N T W H I S P E R S
Ich sagte es nicht laut, ließ den Gedanken
wie immer in mir ruhen und schüttelte nur
den Kopf. Dabei wanderte mein Blick
nach draußen. Es dämmerte bereits. Am
dunkelvioletten Himmel stand ein blasser
Kreis. Abnehmender Vollmond. Dass ich
fasziniert von diesem Anblick war, konnte
ich nicht behaupten. Vielmehr suchte er
mich heim, belächelte mich, erinnerte
mich jedes Mal aufs Neue an diese eine
Nacht. Und daran, weshalb ich am
liebsten mit ihnen gegangen wäre. Doch
ich ging nicht. Für Ruby. Für Bonnie. Für
den Rest, der mir von ihnen geblieben
war.
»Kommst du gleich heim?«
Ich seufzte. »Ja, keine Sorge. Du kannst
ruhig schlafen gehen.«
»Das werde ich erst, wenn du zurück
bist.«
Ein Schmunzeln huschte über meine
Lippen. Als wir auflegten, hielt es noch
eine Weile. Die Tablette hatte gewirkt, der
Schmerz war verschwunden.
Die Erinnerungen verharrten dennoch.
Mein Blick wanderte durch die
Dunkelheit. Ich war umgeben von dichten
Wäldern, die Straße menschenleer,
irgendwo huschte ein Schatten durch die
Landschaft, vermutlich ein Reh. Dieses
kleine Fleckchen Erde war einst das
Schönste gewesen, was es für mich
gegeben hatte. Und vielleicht war es das
noch immer.
Nur anders.
Fremder.
Ich griff nach dem Zündschlüssel und
startete den Wagen. Die Scheinwerfer
durchbrachen die Dunkelheit, warfen
breite Lichtkegel auf den Asphalt und den
Waldrand. Einen Herzschlag lang meinte
ich, jemanden im Licht stehen zu sehen.
Zu aufrecht für ein Tier. Zu reglos, um
sofort wieder im Unterholz zu
verschwinden.
Mein Atem stockte.
Doch da war nichts. Keine Regung. Kein
Mensch. Nur Bäume, Schatten, Nacht.
Kopfschüttelnd legte ich den Gang ein
und fuhr los, sagte mir, dass es sicher ein
Tier gewesen war.
Und doch zog etwas meinen Blick in den
Rückspiegel, zurück zwischen die
dunklen Tannen. Ein mulmiges Gefühl,
das ich nicht abschütteln konnte.
1 2
M A R I N A N E U M E I E R
V I C I O U S G O D S
SANTO
Fünfzehn Minuten später bin ich zu Hause
angekommen und drücke die
Wohnungstür mit der Schulter auf. Mein
Körper fühlt sich bleischwer an, und alles,
was ich will, sind eine heiße Dusche und
mein Bett. Umständlich kicke ich mir die
Schuhe von den Füßen und hänge meine
Lederjacke an einen Wandhaken im
Eingangsbereich. Dann schlurfe ich den
langen Flur hinunter. Am Durchgang zur
Bibliothek halte ich inne, weil ein
gedämpfter Lichtschein aus dem Raum
dringt. Hölle, Orela wird es niemals lernen,
alle Lampen auszuschalten.
Müde betrete ich die Bibliothek, damit
unsere Stromrechnung dank meiner
Schwester nicht das Bruttoinlandsprodukt
eines Zwergstaats annimmt. Gähnend
lasse ich den Blick durch den
gemütlichen Raum mit den deckenhohen
Regalen schweifen, um die Lampe zu
finden, die noch brennt.
Stattdessen entdecke ich eine Gestalt, die
zusammengerollt in einem der Sessel sitzt
und in ein Buch vertieft ist.
Mit einem Mal sind alle meine Sinne in
Aufruhr. Reglos wie eine Statue verharre
ich am Eingang und betrachte Aliqua. Sie
ist in das warme Licht einer altmodischen
Stehlampe getaucht, das goldene Reflexe
in ihren dunkelbraunen Haaren
©Tara Spruit
©Canva
1 3
M A R I N A N E U M E I E R
V I C I O U S G O D S
aufleuchten lässt … Mein Mund wird
trocken, je länger ich sie in ihrer
Versunkenheit betrachte. Ihre Haut sieht
samtweich aus und ist ebenfalls von
einem goldenen Schimmer überhaucht.
Und sie trägt … gottverdammte Ewigkeit!
Was ist das? So, wie sie dasitzt, kann ich
nicht mehr erkennen als verheißungsvoll
schimmernden Stoff, der definitiv nichts
mit einer Jogginghose gemein hat.
Ich muss wohl irgendein Geräusch von
mir gegeben haben, denn Aliquas Kopf
schnellt hoch und ihre Augen weiten sich
überrascht, als sie mich mitten im Raum
stehen sieht.
Alles klar, Santo, das wirkt gerade gar nicht
gruselig. Wahrscheinlich kann ich froh
sein, dass sie nicht schreit wie am Spieß,
weil ich völlig lautlos aufgetaucht bin und
sie anglotze.
Ihre vollen Lippen teilen sich zu einem
Oh, und ihr Anblick lässt eine
Körperregion zum Leben erwachen, die
schon sehr, sehr lange Zeit geschlummert
hat.
»Santo.« Ihre Stimme klingt unsicher, was
mich ein wenig zur Räson bringt. Siedend
heiß fällt mir ein, dass ich mich heute
Morgen ziemlich unsensibel verhalten
habe. Der verletzte Ausdruck in ihren
Bernsteinaugen hat sich mir eingebrannt,
und sie war so schnell verschwunden,
dass ich ihr nicht mehr erklären konnte,
wie meine Worte gemeint waren.
Vorsichtig mache ich einen Schritt auf sie
zu. »Was machst du denn hier?«
Selbst in meinen eigenen Ohren klinge
ich hölzern, meine Stimme ist ganz belegt.
Sie blinzelt, als würde ihr in diesem
Moment erst bewusst, dass sie sich mitten
in der Nacht in der Bibliothek befindet. Sie
ist doch keine Schlafwandlerin, oder?
»Ich hatte einen Traum und konnte nicht
mehr schlafen.“ Sie runzelt die Stirn. „Das
war echt gruselig.«
» S o is t d as m i t
Tr ä u m e n , s i e s i n d
u n b e r e c h e n b a r u n d
g a n z s i c h e r n i c h t
r a t i o n a l. W i e w ä r ’ s,
i c h m a c h e d i r e i n e n
Te e, d a n a c h fü h ls t du
d i c h b es t i m m t b ess e r. «
Keine Ahnung, wie ich jetzt ausgerechnet
auf Tee komme, aber ich will irgendetwas
für sie tun, damit sie sich besser fühlt. Und
ein warmes Getränk tut doch immer gut,
oder?Eine gemeine Stimme in meinem
Hinterkopf flüstert mir, dass ich mich zu
nahe an sie heranwage. Dass es genügt,
sie zu beschwichtigen, und ich jetzt
besser schleunigst in mein Zimmer
verschwinden sollte.
Dusche springen.
Und unter die
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Eine eiskalte wohlgemerkt.
Mein Herz allerdings, das immer noch auf
sie reagiert wie ein Süchtiger auf Stoff,
weitet sich erfreut, als sie nickt und sich
aus dem Sessel hochstemmt. Sie legt das
Buch beiseite und … mein Hirn erleidet
einen Kurzschluss. Anders kann ich es
nicht beschreiben. Alle Gedanken, jeder
Vorsatz, sind wie weggefegt, als sie
aufsteht und ich nun sehe, was sie anhat.
Ein Nachthemd aus pfirsichfarbener
Seide, am Ausschnitt mit Spitze verbrämt
und kurz genug, um jede Menge von
ihren nackten Beinen zu zeigen. Der
schimmernde Stoff umfließt ihren Körper
wie flüssiges Kupfer, legt sich um jede
Kurve und bringt mein Denken dauerhaft
zum Erliegen.
Offenbar kann ich tausende Jahre alt
werden und beim Anblick eines Negligés
immer noch wie ein Neandertaler
reagieren. Und ich dachte, die Zeit hätte
sämtliche niederen Instinkte in mir
abgetötet. Ganz offensichtlich hat es
lediglich Aliquas Wiederkehr bedurft, um
mich in mein jugendliches Ich aus der
Antike zurückzukatapultieren, das
keinerlei Reife kennt. Fantastisch.
Ich beiße die Zähne zusammen und
zwinge mich, einen Schritt
zurückzuweichen, um ihr Platz zu
machen. Aliqua tritt neben mich, wobei
ich etwas von ihrem Duft erhasche, und
schon wieder drohen meine Sicherungen
durchzubrennen. Verdammte Götter,
stopp! Mit aller Macht versuche ich mich
auf die Fakten zu konzentrieren.
Ergo: Aliqua und ich, das ist nicht gut. Gar
nicht gut.
Ihr kann ich keine Schuld geben, aber ich
habe so vielen Leuten wehgetan, Fehler
begangen, die nie wieder gutzumachen
sind. Wenn auch nur irgendjemand den
vollen Umfang meiner Taten ahnen
würde … ich wäre schneller im
Marianengraben versenkt, als ich blinzeln
könnte. Und doch … obwohl ich diese
Schuld schon so lange mit mir
herumtrage und mir jeden Tag ihrer
Schwere bewusst bin, genügt ein Blick in
Aliquas Augen, und ich bin wieder im Jahr
Neunundsiebzig. Unbedarft, ahnungslos
und schwer davon überzeugt, das
Richtige zu tun. Was für ein Narr ich war.
Zwar kann ich nie gutmachen, was
damals geschehen ist, aber ich bin es ihr
und allen schuldig, zumindest zu
versuchen, mich heute besser zu
verhalten. Klüger.
Trotzdem gehe ich mit ihr in die Küche,
denn obwohl ich entschlossen bin, die
Fehler der Vergangenheit nicht zu
wiederholen, will ich mich gleichzeitig
nicht noch mal wie ein Vollidiot
benehmen. Ich kann Aliqua ein Freund
sein. Auch wenn meine Gedanken gerade
unerlaubterweise Achterbahn fahren …
was ja niemand erfahren muss. Dennoch
achte ich darauf, ihr immer einen Schritt
voraus zu sein, damit ich gar nicht erst in
Versuchung gerate, mir ihren Körper beim
Gehen noch genauer anzuschauen.
©Canva
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©Canva
In der Küche setze ich Teewasser auf,
auch wenn es sich ungewohnt anfühlt,
weil ich so was nie mache. Die Knöpfe der
Kaffeemaschine zu bedienen, ist bei mir
das Höchste der Gefühle. Deswegen
krame ich auch ein paar Minuten ziellos in
den Hängeschränken, bis ich die Box mit
den Teebeuteln finde. Es ist mir ganz
recht, weil es mir Zeit verschafft, um
wieder runterzukommen und meine
Gedanken zurück in geordnete Bahnen
zu schicken. Dennoch bin ich mir Aliquas nehmen, schiebe ich Aliqua den heißen
Anwesenheit beinahe schmerzhaft Becher zu.
bewusst. Sie lehnt an der Küchentheke,
etwa zwei Armlängen von mir entfernt,
und ich nehme ihre Anwesenheit wahr,
als stünde sie unmittelbar neben mir.
»Danke«, murmelt sie.
Ich stütze mich mit beiden Händen auf
der Marmorplatte ab und lasse den Kopf
hängen, weil er mir plötzlich so schwer
Diese Sensibilität für sie, die schon früher vorkommt. Das Gewicht meiner
dazu geführt hat, dass ich sie in der
chaotischsten Menschenmenge bemerkt
habe, ist ungebrochen. Die Härchen auf
Gedanken wiegt tonnenschwer.
Eine Weile hört man nur das vorsichtige
Schlürfen, mit dem Aliqua an dem heißen
meinen Armen stellen sich auf, und ein Tee nippt. Ich sollte mit ihr reden,
Schauer läuft mein Rückgrat hinunter.
Völlig willkürlich greife ich nach einem
Teebeutel, werfe ihn in eine Tasse und
gieße kochendes Wasser darüber. Ohne
den Blick von der Arbeitsfläche zu
irgendetwas sagen, um die dröhnende
Stille zwischen uns zu vertreiben. Aber ich
habe diese irrationale Angst, dass es
wieder vollkommener Schwachsinn sein
könnte, der sie verletzt.
Schließlich schlucke ich gegen die
stechende Enge in meiner Kehle an und
wende mich ihr zu. »Ich muss mich
entschuldigen. Das, was ich heute
Morgen auf dem Dach gesagt habe … am
Telefon, das war missverständlich
formuliert.«
Aliqua rührt gedankenversunken in ihrem
Tee, ihre dichten Wimpern werfen
Schatten auf ihre Wangen.
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»Für mich war es ziemlich eindeutig, was
du gesagt hast.« Ihre großen,
whiskeyfarbenen Augen richten sich auf
mich. Ihr Tonfall ist nüchtern, und ich
weiß nicht warum, aber es wäre mir lieber,
wenn sie schimpfen oder fluchen würde …
oder irgendeine Emotion zeigen. So aber
wirkt sie erschreckend stumpf.
»Bitte, hör mir zu.« Ich halte ihren Blick
fest, der zu flackern beginnt, je länger ich
die Verbindung halte. Gut, also hat sie
sich nicht vollkommen abgeschottet.
»Das, was ich gesagt habe, dass du
vollkommen unwichtig seist, ist aus mir
herausgeplatzt, weil ich in Panik war. Der
Gedanke, die Immortali könnten dich
jagen, macht mir eine Scheißangst, und
ich wollte mich und alle anderen davon
überzeugen, dass du es nicht sein kannst,
was sie wollen. Ich habe im selben
Moment gemerkt, wie dämlich das war.
Egal was ich sage, ich kann sie von nichts
abbringen, und statt dir in dieser
verrückten Situation zu helfen, habe ich
dir wehgetan. Das tut mir leid.«
Ihre Kehle bewegt sich, als sie schluckt,
und mein Blick verharrt an der Kuhle
zwischen ihren Schlüsselbeinen. Früher
ruhte an dieser Stelle ein Anhänger.
Dieser Anhänger … oh verdammt, mir
dreht sich der Magen um, wenn ich daran
zurückdenke. Ihren Hals nackt und
schmucklos zu sehen, ist auf so vielen
Ebenen falsch, und tja, ich bin schuld
daran.
Aliqua wirkt verzagt, und wieder muss ich
mir in Erinnerung rufen, was sie gerade
durchmacht. Wahrscheinlich ist sie immer
noch dabei, sich an das Gefühl der
Freiheit zu gewöhnen. Sie verhält sich
nach außen hin so normal, dass ich zu
vergessen drohe, dass es in ihr ganz
anders aussehen muss. Deswegen
schlucke ich den ganzen Schwachsinn
hinunter, den ich sagen will, und
versuche es mit einem aufmunternden
Lächeln.
»Ich bin wirklich froh, dass du hier bist.
Gemeinsam bringen wir das alles in
Ordnung, okay?«
Etwas blitzt in ihren Augen auf, und auch
in mir regt sich eine tief vergrabene
Erinnerung. Und eines wird mir in diesem
Moment erschreckend klar: Es wird
verdammt schwierig werden, dafür zu
sorgen, dass sich die Geschichte nicht
wiederholt.
V O R L ÄU F -
I G E S
C OVER
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ER IST DER
I M M A S S A N Z U G
EVANGELINE
»Du siehst dir nicht wirklich True Crime
Dokumentationen zum Einschlafen an?
Das ist nicht normal.«
Erwartete er darauf ernsthaft eine
Antwort? So, wie mich Frederic aus seinen
zu großen rehbraunen Augen ansah,
offenbar ja.
Langsam senkte ich die Gabel, die ich
gerade an meinen Mund geführt hatte. In
diesem Augenblick konnte ich mich nicht
entscheiden, wonach mir war. Sollte ich
ihn mir mit übermäßig viel Wein schön
trinken, das überteuerte Essen genießen
und seine zahlreichen Spitzen, die er den
Abend über auf meine Kosten verteilt
hatte, ignorieren?
Betont ruhig legte ich das Besteck auf den
Teller und versuchte zu verdauen, dass er
erneut etwas als unnormal bezeichnete,
was mich ausmachte. Dabei kannte er
nicht im Ansatz die Wahrheit über mich.
Wüsste er, wie mein Leben wirklich
aussah, würde er schreiend davonlaufen.
Dann bräuchte ich mir keine Äußerungen
darüber anzuhören, dass das Kleid zu
kurz, der Ausschnitt zu tief und mein
Lachen zu laut sei.
Wäre mein Vater hier, könnte Frederic
ohnehin nichts mehr sagen, weil seine
Zunge mittlerweile in der Wasserkaraffe
schwimmen würde.
Die Vorstellung amüsierte mich.
»Eva?« Ich blinzelte und unterdrückte
den Drang, ihn zu korrigieren. Stattdessen
hob ich den Blick und erkannte, dass er
recht verstimmt die Stirn runzelte. »Hast
du mir zugehört?«
»Nein.«
Die Falte zwischen seinen Augenbrauen
vertiefte sich. So, wie er mich anstarrte,
konnte ich mir gleich obendrein anhören,
wie verträumt oder unhöflich ich sei.
©Canva
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»Was hast du noch mal gesagt?« Ich
zwang mich zu einem freundlichen
Lächeln. Einem, bei dem mir niemand
ansah, dass ich auch ohne den Rückhalt
meines Vaters und der gesamten Familie
gefährlich genug war.
»Ich werde mich nicht wiederholen.«
Erbost wischte er sich mit einem Tuch
über die Mundwinkel.
Einatmen.
Ausatmen.
Ich konnte nicht alle töten, die mir dumm
kamen.
»Das ist schade.« Ich bemühte mich um
einen sanften Unterton. Mir war bewusst,
dass ich nicht danach aussah, aber am
liebsten würde ich diesen Kerl umbringen.
Grausam. Hier und jetzt. Stattdessen
bewahrte ich die Fassung.
Beiläufig strich ich mir durchs
rabenschwarze Haar, das ich heute in
dicken Wellen offen trug. Die Spitzen
glitten über die Mitte meines Rückens, als
ich mich leicht vorbeugte. »Sollen wir
diesen Abend beenden?«, fragte ich
direkt.
Die Art, wie er mir in meine eisblauen
Augen sah, zeigte ein gewisses Maß an
Unwohlsein. Wie die meisten Menschen
schaffte auch er es nicht, meinem kühlen
Blick sonderlich lange standzuhalten. Im
Gegenteil. Er wich mir aus und sah auf
seinen halb vollen Teller.
»Es wäre schade ums Essen«, murmelte
er.
Schlappschwanz.
Wofür machte ich das Ganze? Ich verkniff
mir ein Seufzen und spielte mit dem
Gedanken, einfach aufzustehen. Es war
noch immer fraglich für mich, wieso ich
meine Zeit an einen Mann vergeudete,
der es als persönliche Beleidigung
auffasste, dass ich mich nicht hatte
abholen lassen.
Als ob ich jedem Fremden sofort verriet,
wo ich wohnte.
»Was ist denn verkehrt an True Crime?«
Ich wusste, dass mein Schlenker zurück
zum Thema etwas verspätet kam und
vermutlich neuen Stoff für Diskussionen
bereithielt.
In Wahrheit wollte ich nur in Ruhe mein
Steak genießen, denn selbst für jemanden
wie mich war es schwer, in diesem High
Society Steakhouse einen Tisch zu
ergattern.
Frederic räusperte sich. Er trug ein blauweiß-kariertes
Hemd, das leicht über
seinem Bauch spannte. Die oberen
Schneidezähne waren zu lang, was an ein
Kaninchen erinnerte. Generell war er nicht
das, was man auf Social Media als
Bookboyfriend-Material bezeichnen
würde, aber Äußerlichkeiten waren für
mich nebensächlich, wenn der Charakter
stimmte.
Leider war hier beides nicht gegeben.
Beiläufig griff ich nach dem Besteck und
aß weiter. Auf Nachtisch würde ich jedoch
verzichten.
»Schauen sich nicht nur Psychopathen so
was an?
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Und dann auch noch zum Einschlafen?«
Wie er das letzte Wort aussprach. Voller
Abscheu und Ekel. Als hätte ich ihm
offenbart, abends mit Kakerlaken eine
Cocktailparty zu schmeißen.
Ich leckte mir über die Lippen und zählte
innerlich bis zehn, um nichts Dummes zu
sagen. Zusätzlich beschäftigte ich meinen
Mund mit Kauen. Es gelang mir heute
erstaunlich gut, meine impulsive Seite zu
zähmen.
Abgesehen davon war ich stolz auf mich,
weil ich ihm bislang das Steakmesser
nicht in die Kehle gerammt hatte.
Dad hingegen wäre enttäuscht von mir. Er
mochte es, wenn ich blutrünstig wurde.
Fuck, meine Gedanken schweiften schon
wieder ab. Daran merkte ich, wie wenig
Interesse ich an meinem Gegenüber
hatte.
Ich räusperte mich. »Um ehrlich zu sein,
finde ich echte Kriminalfälle interessant.
Ich habe Kriminalpsychologie studiert. Für
mich ist die menschliche Psyche
unglaublich faszinierend, insbesondere
die von Kriminellen.« Noch während ich
sprach, registrierte ich, wie er mich mit
skeptischem Blick musterte.
Ich verkniff mir ein Seufzen.
»Du hast studiert?«
Mein rechtes Augenlid zuckte leicht. »Ist
es so unfassbar, dass eine Frau attraktiv
und intelligent zugleich sein kann?«
Er rutschte auf dem Stuhl hin und her. »So
war das nicht gemeint.«
»Sondern wie?«
Er nestelte an der Tischdecke herum. »Du
benimmst dich nicht gerade schlau.
Zudem ziehst du dich … so an.«
»So?« Ich verengte die Augen.
»Du weißt schon. Als wärst du leicht zu
haben.«
Ich legte das Besteck wieder ab, bevor ich
auf die Idee kam, ihm doch zu zeigen, wie
schön frisches Blut aussehen konnte. Wut
brodelte in mir. War ein Steak solche
Beleidigungen wirklich wert?
Jedes einzelne meiner Dates war in der
letzten Zeit so gelaufen. Es kostete mich
meine Freizeit, Nerven und allem voran
machte es mir Hoffnung auf etwas, das
offensichtlich nicht für mich bestimmt
war. Mit jedem missglückten Treffen
verlor ich zunehmend mehr den Glauben
an eine ernsthafte Beziehung auf
Augenhöhe.
Mit meinen vierundzwanzig Jahren hatte
ich es bisher nur zu einer einzigen
Partnerschaft gebracht, bei der mir mein
Ex alles geraubt hatte, einschließlich
meiner Selbstachtung.
»Wir sollten bezahlen«, schlug ich
sachlich vor und kämpfte gegen das
Zittern in meiner Stimme an.
Frederic starrte mich ungläubig an.
©Canva
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Meine Finger zuckten. Mühsam zwang ich
mich, das Messer liegen zu lassen, und
warf ihm nur einen flüchtigen,
sehnsuchtsvollen Blick zu. Wir befanden
uns in der Öffentlichkeit. Es gab zu viele
Zeugen, um die ich mich danach hätte
kümmern müssen. Das war den Aufwand
nicht wert.
Ich gab mir mittlerweile keine Mühe mehr,
meine freundliche Miene
aufrechtzuerhalten. »Das bin ich
durchaus, aber …«
»Dann benimm dich nicht wie ein
eingeschnapptes Kleinkind«, unterbrach
er mich barsch und rümpfte die Nase.
Dieser hochnäsige kleine widerliche …
Nach dem sechsten Mal merkte ich, wie
sich mein rasender Puls allmählich
beruhigte. »Einigen wir uns darauf, dass
wir nicht kompatibel sind.«
»Bin ich dir zu hässlich oder was?«
Wow.
Perplex starrte ich ihn an. War nur ich bei
diesem Date dabei? Er musste doch
mitbekommen haben, dass wir absolut
nicht harmonierten.
Männer und ihr elendes Ego.
»Das wird mir wirklich zu doof.« Ich
drehte mich zur Seite, griff nach der
Handtasche und zog mein Portemonnaie
heraus.
Frederic hüstelte. »Was machst du da?«
Ich ignorierte ihn. Dann legte ich
dreihundert Dollar auf den Tisch und
stand auf. »Danke für den …
aufschlussreichen Abend.«
»Verdammt, Eva!«
»Evangeline«, korrigierte ich ihn
verstimmt. Wie sehr ich es hasste, wenn
Menschen mich Eva nannten. Viel zu oft
hatte ich mir Sprüche anhören dürfen, ob
ich schon meinen Adam gefunden hätte
oder eher auf die verbotene Schlange
stünde – mit expliziten Hinweisen auf die
Würmchen in den Hosen meiner
Gesprächspartner.
Zum Kotzen.
©Canva
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Ohne auf mein Date zu achten, schob ich
mich zwischen den anderen Gästen
hindurch in Richtung der Garderobe, um
mir dort meinen schwarzen Mantel zu
holen. Diesen zog ich mir im Gehen über
und verließ trotz High Heels in zügigem
Tempo das Ein-Sterne-Restaurant im
Herzen von Washington D.C.
Alex würde mich auslachen. Er hatte mich
davor gewarnt, mit jemandem
auszugehen, der nichts mit der Mafia zu
tun hatte, aber ich war es leid, ständig
irgendwelche Machosprüche oder
schlimmer noch, Schleimscheißer
ertragen zu müssen, die mich nur dateten,
um in der Gunst meines Vaters
aufzusteigen. Der Name Sinclair war in der
Unterwelt Fluch und Segen zugleich.
Frustriert trat ich auf den Bürgersteig und
widerstand dem Drang, meinem Ex schon
wieder eine Nachricht zu schreiben. In
einem Chat, der nie gelesen wurde, weil
er die Nummer gewechselt hatte. So, wie
manche massenweise rauchten, um sich
abzureagieren, nutzte ich all die
Chatnachrichten, in denen ich ihm fast
täglich von meinem Tag berichtete. Wie
eine Art Tagebuch. Krank, das war mir
bewusst, doch es half, um
runterzukommen.
Ich sah zu meiner Hand, konkret: zum
leeren Ringfinger. Dort, wo ich einst den
Verlobungsring getragen hatte, den er mir
nach dreijähriger Beziehung an meinem
neunzehnten Geburtstag angesteckt
hatte.
Keine Woche später hatte er mich
geghostet.
Obwohl es fünf Jahre her war, tat es
immer noch unbeschreiblich weh, auf so
grausame und unwürdige Art verlassen
worden zu sein.
Jeffrey Wilson.
Mein ganz persönlicher Untergang.
©Canva
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