SWE Journal_1_2026
Magazin der Stadtwerke Erfurt für Kunden und Erfurter. Frühjahrsausgabe 2026 mit den Themen: 65 Jahre egapark, Mit Herz und Teamgeist im Stöberhaus, 50 Jahre Tatra-Bahnen in Erfurt, Hochwasserschutz für Erfurt, Neue Technologie in der Rohrnetzsanierung, CVJM kocht für Bedürftige in Erfurt, Seltene Berufe bei den Stadtwerken, Ein Tag bei der Müllabfuhr, Abfall richtig trennen, Darsteller bei Schloss Einstein, Mit KI Wasserverluste reduzieren, Frühstücken in Erfurt u. v. m.
Magazin der Stadtwerke Erfurt für Kunden und Erfurter. Frühjahrsausgabe 2026 mit den Themen: 65 Jahre egapark, Mit Herz und Teamgeist im Stöberhaus, 50 Jahre Tatra-Bahnen in Erfurt, Hochwasserschutz für Erfurt, Neue Technologie in der Rohrnetzsanierung, CVJM kocht für Bedürftige in Erfurt, Seltene Berufe bei den Stadtwerken, Ein Tag bei der Müllabfuhr, Abfall richtig trennen, Darsteller bei Schloss Einstein, Mit KI Wasserverluste reduzieren, Frühstücken in Erfurt u. v. m.
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Journal
DAS MAGAZIN FÜR ERFURT
Frühjahr/Sommer 2026
Blick in die Backstube
Besuch beim
Krämerbrückenbäcker Seite 44
Unter wilden Tieren
Mit der Zooärztin
unterwegs Seite 54
Frühstücken in Erfurt
Wir haben es getestet Seite 16
Blütenzauber
im egapark
Das Erfurter Blumenjuwel wird 65 Seite 8
Mit Poster zum
Rausnehmen!
SWE Für Erfurt
SWE Für Erfurt
Am 5. April 1976 wurde die erste Straßenbahn des Typs
KT4D in Erfurt angeliefert. Wie viele Verkehrsbetriebe
der ehemaligen DDR setzte auch Erfurt auf die robusten
Fahrzeuge des tschechoslowakischen Herstellers
ČKD Tatra aus Prag. Bereits am 1. Mai desselben Jahres
folgte die Jungfernfahrt – als die offizielle Eröffnung
des Tatra-Betriebs in Erfurt. Ab Mitte der 1970er-Jahre
wurden zahlreiche Triebwagen dieses Typs beschafft.
Eine Besonderheit war der Betrieb in Dreiwagen-Traktionen,
der ab 1981 eingeführt wurde. Die bis zu
57 Meter langen Züge gehörten zu den längsten Straßenbahnzügen
im deutschen Linienverkehr und waren
vor allem auf stark frequentierten Strecken im Berufsverkehr
im Einsatz. Der hier abgebildete Dreierzug
50 Jahre Tatra-Bahn
fasste rund 600 Personen. Die Tatra-Straßenbahnen
prägten über Jahrzehnte das Stadtbild von Erfurt und
bildeten das Rückgrat des städtischen Nahverkehrs. Mit
der Modernisierung des Fuhrparks nach der Wiedervereinigung
hielten zunehmend Niederflurfahrzeuge Einzug.
Die markanten Tatras verschwanden Schritt für
Schritt aus dem Alltag. 2014 verließ schließlich die letzte
Tatra-Straßenbahn den regulären Linienbetrieb. Drei
Fahrzeuge gehören zwar nach wie vor zum Bestand,
werden aufgrund ihrer eingeschränkten Barrierefreiheit
jedoch überwiegend im Sonderverkehr eingesetzt
und dokumentieren so bis heute ein Stück lebendige
Verkehrsgeschichte.
Fotograf: Günter Pambor, Erfurt
2 3
110 GWh Strom wurden 2025 aus
regenerativen Quellen wie
Fotovoltaikanlagen in das Erfurter
Netz eingespeist.
Die Erneuerbare Energien GmbH
verfügt über PV-Anlagen mit einer
installierten Leistung in Höhe von
9.296,43 kWp verteilt auf 49.580 m².
Diese Fläche entspricht fast sieben
Fußballfeldern.
Die SWE Energie GmbH betreibt
zwei Wärmespeicher mit jeweils
7.000 m³ Volumen und 250 MWh
Speichervermögen. Wärmespeicher
leisten einen wichtigen Beitrag zur
Energiewende. Sie entkoppeln die
Erzeugung und Nutzung von Wärme
zeitlich voneinander.
Das Fernwärmenetz in Erfurt
hat eine Länge von 200 km.
120.000
Pflanzensorten sind
im egapark
zu bewundern.
Das Attraktionsbecken im Nordbad
ist bis zu 1,35 m tief.
Die wärmste Wassertemperatur einer
Saison lag bei 45°C – unter den Duschen.
Für Urlaubsfeeling sorgt der Sandstrand
in Stotternheim. Er ist ca. 250 m
lang und ca. 10 m breit.
Das Kinderbecken im Strandbad Stotternheim
fasst ca. 50.000 Liter.
Das Dreienbrunnenbad ist 138 Jahre
alt. 1888 wurde es als Frauenbad
errichtet und 2024 nach kompletter
Sanierung wieder eröffnet.
2400 Bäume wachsen im
egapark. Mit einer Baumpatenschaft
kann man sich
für den Erhalt der grünen
Riesen einsetzen.
Seit 2019
unterstützen wir
die Gärtner von
morgen. Im Projekt
„Junges Gemüse“, das
sich an Grundschulen
und Kindergärten
richtet, haben wir
seitdem 82 Gartenvorhaben
mit 41.000
Euro gefördert.
Ca. 49.500
Telefonanrufe,
15.000
Besuche im
Kundenzentrum
und 40.000
E-Mails erhält die
SWE Energie GmbH
im Jahr von ihren
Privat- und
Geschäftskunden.
123 Ladepunkte an 32 Standorten betreibt die
SWE Energie GmbH. Die Ladepunkte befinden sich nicht nur
an zentralen Orten in der Stadt, z. B. am egapark,
am Thüringenpark oder an den Schwimmhallen der
35
Fakten
aus
35
Jahren
SWE
Am 16. April 1991 wurden
die Stadtwerke Erfurt
gegründet. Seit 35 Jahren
sind wir für Erfurt und die
Erfurter im Einsatz.
Anlässlich unseres
35. Bestehens haben
wir für Sie 35 Fakten
gesammelt. Hätten Sie
es gewusst?
Seit Gründung der Stadtwerke
haben 1.200 junge Menschen
ihre Ausbildung bei den
Stadtwerken Erfurt
abgeschlossen.
Vier gewerbliche und zwei
kaufmännische Ausbildungsberufe
sowie zwei duale Studiengänge
bietet die Stadtwerke
Erfurt Gruppe 2026.
Seit 29 Jahren sind wir Sponsor der
Erfurter Kinderbuchtage, die mit viel
Engagement von der Buchhandlung Peterknecht
ausgerichtet werden.
Bereits zum 27. Mal sind wir Hauptsponsor
der Erfurter Herbstlese, die seit 30 Jahren
jährlich bis zu 15.000 Besucher lockt.
Im Schnitt finden pro Saison
60 Lesungen statt.
Seit dem Start der Erfurt-Crowd,
der Spendenplattform der SWE,
im Februar 2022, wurden
61 Vorhaben erfolgreich abgeschlossen
und 241.674 Euro von
3.689 Unterstützern sowie aus
dem Fördertopf gespendet.
Die Förderung des Nachwuchssports
ist uns ein wichtiges Anliegen:
Seit 29 Jahren unterstützen wir den
FC Rot-Weiß Erfurt e. V., seit
25 Jahren die Radsportler vom
RSC Turbine Erfurt e. V., seit
23 Jahren das SWE Volley-Team e. V.,
die Basketball Löwen seit 2018.
Die SWE betreibt das Tierheim an zwei Standorten: Hunde und Schafe
sowie der Tierfriedhof befinden sich am Lutherstein. An der Rennbahn
finden Katzen, Kaninchen und andere Kleintiere ein Zuhause auf Zeit.
In den letzten 30 Jahren sind ca. 54.000 Tiere im Tierheim betreut worden,
darunter Fund-, Abgabe- oder Pensionstiere.
77 Busse sind für die EVAG im Einsatz,
35 davon sind Standardlinienbusse,
42 Gelenkbusse.
60 Fahrkartenautomaten stehen an
den Straßenbahnhaltestellen der EVAG
in Erfurt zur Verfügung.
Die neuen E-Busse der EVAG fahren
mit einer vollständig geladenen Batterie
über 200 Linienkilometer, bevor
sie auf dem Betriebshof wieder geladen
werden müssen.
Der Cabrio-Bus der EVAG ist ein besonderes
Schätzchen. Der MAN SL 200 wurde
1980 gebaut, verfügt über
45 Sitzplätze und Toilette.
Der Tramlink ist 42 Meter lang,
3,61 Meter hoch und 2,30 breit.
Er hat 7 Fahrgasttüren.
14 Tramlinks rollen durch Erfurt,
10 weitere Fahrzeuge
sind bestellt.
5.300 TONNEN
ALTPAPIER WURDEN
INSGESAMT BEIM
PAPIERWETTBEWERB
GESAMMELT. DAS
ENTSPRICHT
90.100 BÄUMEN.
SEIT 2003 GIBT ES
DEN WETTBEWERB
FÜR KITAS UND
SCHULEN.
10 Parkhäuser werden von uns bewirtschaftet: Hauptbahnhof,
Domplatz, Forum 1, Forum 2/3, Thomaseck, Stadtwerke,
Kommunales Dienstleistungszentrum, Stadion, Hanseplatz, und
als jüngstes Haus Am Hirschgarten.
4 Parkplätze betreibt die SWE Parken GmbH: Forum 2 und
Forum 4 sowie die Anwohnerparkplätze Schmidtstedter Straße
und Büßleber Gasse.
Insgesamt stehen 3.972 Stellplätze zur Verfügung,
3.518 davon in Parkhäusern. In Anwohnerparkhäusern
sind es 243, auf Parkplätzen 211.
Ca. 6 Tonnen Abfälle stemmt
ein „Müllmann“ pro Tag.
Über 30.000 Kilometer Straßen
und 6.000 Kilometer Fußwege
reinigen wir jährlich.
164.362 Mal entleeren wir
jährlich für Thüringens Landeshauptstadt
Papierkörbe in der Stadt.
4 SWE Bäder GmbH, sondern auch an
5
Ausflugszielen der Umgebung.
Grafiken: Adobe Stock
30 Jahre Stöberhaus
Ein Ort mit HERZ
und TEAMGEIST
Silvio ist einer der Menschen,
die das Stöberhaus geprägt
haben. Seit dem 7. September
1997 arbeitet der gebürtige Erfurter
hier. Damals wurde ein
Kraftfahrer gesucht. Silvio kam von einem
Kurierdienst und hatte vom Stöberhaus
vorher noch nie gehört. „Möbeltragen
war am Anfang ehrlich gesagt nicht
so mein Ding“, erinnert er sich. Heute gehört
er zu den Möbelträgern der ersten
Stunde.
Schnappschuss
von 2002: Schon
damals war
Silvio Peter
als Möbelretter
im
Einsatz
erzählt Silvio. Inzwischen stöbern hier
Menschen aus allen Lebenslagen: Familien,
Sammler, junge Paare und Studierende.
Diese Entwicklung beobachtet auch
Leiter Robert. „Früher hatten wir deutlich
mehr ältere Kundschaft“, sagt er. Heute
sei der Mix internationaler und jünger.
Retro-Möbel liegen im Trend. Gleichzeitig
spiegeln sich auch gesellschaftliche
Entwicklungen im Alltag des Stöberhauses
wider. „Krisen wie die Flüchtlingsbewegung
oder den Krieg in der Ukraine
merken wir sofort“, erklärt Robert. Dann
steigt die Nachfrage nach günstiger Einrichtung
deutlich.
Mehr als 100 Haushaltsauflösungen im
Jahr organisiert das Team inzwischen. Dabei
tauchen immer wieder kuriose Dinge
auf. Von ungewöhnlichen Möbelstücken
bis zu überraschenden Fundstücken. Ein
Segelboot gehörte ebenso dazu wie so
mancher Kartoninhalt mit Erwachsenenspielzeug.
Trotz aller Veränderungen bleibt die
Idee hinter dem Stöberhaus gleich: Dinge
weiterzugeben, statt sie wegzuwerfen.
Für die Zukunft wünscht sich Leiter Robert,
dass Wiederverwertung noch stärker
unterstützt wird. „Es wäre gut, wenn
brauchbare Dinge vom Wertstoffhof häufiger
wieder in den Kreislauf zurückdürften“,
sagt er. Nachhaltigkeit habe in den
vergangenen Jahren zwar an Bedeutung
gewonnen, aber es gebe noch Luft nach
oben.
Silvio würde diese Entwicklung gern
weiter miterleben. „Ein neuer Lkw wäre
nicht schlecht“, sagt er mit einem Augenzwinkern
in Richtung seines Chefs.
5. September 2026
Jubiläums-
Stöbermarkt
30 Jahre Stöberhaus: Das
wird natürlich auch gefeiert!
Beim großen Jubiläums-Stöbermarkt
sind Besucherinnen
und Besucher eingeladen,
nach Herzenslust zu stöbern,
besondere Fundstücke zu entdecken
oder diese am eigenen
Stand anzubieten. Das Team
hat sich für diesen Tag einiges
einfallen lassen. Es warten eine
30-%-Rabattaktion, Rollatorschieben
und ein Möbelhindernisparcours,
eine Tombola
oder Schallplatten-Frisbee.
Die Jungs der Basketball Löwen
werfen Körbe mit den Besuchern
und für das leibliche
Wohl ist in Form von Eis, Kuchen
und Gegrilltem gesorgt.
Sein Arbeitsplatz ist selten derselbe. Mal
fährt er mit dem Team zu Haushaltsauflösungen,
mal hilft er im Lager, mal lädt er
draußen Möbel vom Lkw. Besonders gern
ist er unterwegs. „Wenn man draußen ist,
hat man ein Stück Freiheit“, sagt er. Seine
Kollegen beschreiben ihn als zuverlässig,
hilfsbereit und manchmal nennen sie
ihn auch liebevoll den „Grinch“. Wer ihn erlebt,
merkt schnell: Hinter dem Spitznamen
steckt ein großes Herz. Vor allem für Tiere.
Zu Hause wartet Hund Carlos auf ihn.
Was im Stöberhaus auftaucht, wird bei ihm
gern einmal getestet – ganz im Sinne der
Wiederverwendung. Wegwerfen kommt
für ihn ohnehin selten infrage. Wenn bei
Haushaltsauflösungen noch Lebensmittel
auftauchen, rettet er sie lieber, als sie im
Müll zu sehen. „Das tut mir einfach weh.“
In fast drei Jahrzehnten hat Silvio die
Entwicklung des Stöberhauses hautnah
miterlebt. Als er anfing, war vieles anders.
„Heute haben wir viel mehr Technik und
Werkzeug. Und das ganze Haus ist schöner
geworden“, sagt er. Früher war das Stöberhaus
eher wie eine Lagerhalle, heute ist
es ein richtiges Möbelhaus für Secondhand-Schätze
mit tollem Ambiente auf
2.000 Quadratmetern Verkaufsfläche.
Auch die Kundschaft hat sich verändert.
„Damals kamen viele über das Sozialamt“,
▲
Silvio Peter ist seit 28 Jahren Kraftfahrer im
SWE Stöberhaus
▲
Robert Schilling (Leiter des Stöberhauses,
hinten in der Mitte) und sein Team
6
SWE für Erfurt
SWE für Erfurt
Frieda Schmidt (Text) Ivo Dierbach (Fotos)
65 Jahre egapark
Zeit vergeht – der
egapark bleibt
1961
1961 Die Besucher strömen auf das Gelände nahe der Cyriaksburg mit
spektakulärem Blick über Erfurt. Hier eröffnete am 28. April 1961 die Internationale
Gartenschau der sozialistischen Länder (iga). Tausende Tulpen in
Rot, Gelb oder Orange formen geschwungene Ornamente auf die beeindruckenden
6.000 Quadratmeter des Großen Blumenbeetes nahe dem Haupteingang.
Ein weißes Band blühender Tulpen schwingt dazwischen als Band
der Völkerfreundschaft – Teil der politischen Symbolik der iga'61. Reinhold
Lingner, der renommierte Gartenarchitekt und „Vater der iga“ schuf 1961 mit
dem heutigen egapark in Erfurt ein Meisterwerk der Gartenarchitektur, das
als iga, ega oder egapark seit 65 Jahren Geschichte schreibt.
Bettina Franke ist seit 2025 Geschäftsführerin des egaparks.
Als Landschaftsarchitektin war sie bereits an der
Bundesgartenschau 2021 beteiligt und kennt den Park
aus vielen Perspektiven. Ihr Ziel ist es, den egapark als besonderen
Garten- und Kulturort zu erhalten, weiter zu stärken und
die Blumenstadt- und Gartenschautradition Erfurts im Park zu
bewahren und weiterzutragen. Mit rund 550.000 Besuchern ist
der egapark für viele Menschen ein Ort voller Erinnerungen,
Begegnungen und Inspiration. Vier Fragen zum egapark und
vier Antworten der egapark-Chefin:
Worauf freuen Sie sich 2026 besonders?
Ich freue mich besonders auf die Jubiläums-
Blumenschau in der Halle 1, die Outdoorausstellung
mit historischen Motiven an 65 Orten im Park und
das Große Blumenbeet, welches dieses Jahr im Stil
der 60er-Jahre bepflanzt wird. Ich bin gespannt auf
die Emotionen, die wir bei unseren Gästen mit den
Archivfunden wie historischen Fotos, Filmen, den
Ausstellungen sowie gärtnerischen Reminiszenzen
an die Gründungsjahre wecken können. Fotos aus
dem Park finden sich in vielen Familienalben und
zahlreiche Thüringer verbinden mit dem egapark
persönliche Kindheitserinnerungen. Wenn daraus
der Wunsch entsteht, auch künftig eng mit dem egapark verbunden
zu sein oder den Park neu für sich zu entdecken, dann
haben wir ein wichtiges Ziel erreicht.
Ist das Denkmal Chance oder Last?
Das Denkmal ist für uns in erster Linie eine Chance. Es gibt
dem egapark seine besondere Identität als einzigartiges Garten-
und Kulturdenkmal der Moderne. Das Konzept von Reinhold
Lingner ist gestalterisch, inhaltlich und funktional sehr stimmig.
Natürlich bringt das auch Verantwortung mit sich. Für mich
Zwischen Denkmal und Zukunft:
Bettina Franke im Interview
„Der egapark
ist für viele ein
Ort voller
Kindheitserinnerungen“
bedeutet das, den egapark aus der Logik des Denkmals heraus
zu denken und ihn in seiner gärtnerischen Qualität und Attraktivität
zu bewahren.
Worin liegt die Zukunft des Parks?
Die Zukunft des egaparks liegt für mich darin, ihn als lebendigen
Ort für Erholung, Bewegung und besondere Naturerlebnisse
dauerhaft attraktiv zu halten. Gerade in einer zunehmend
digitalen Welt wächst bei vielen Menschen das Bedürfnis nach
grünen Räumen, in denen sie Zeit miteinander verbringen, entspannen
und neue Eindrücke sammeln können. Dafür wollen wir
auch künftig das gärtnerische Profil des Parks bewahren
und weiter stärken und den egapark als attraktives
Ausflugsziel für Erfurterinnen und Erfurter
ebenso wie für Gäste aus ganz Deutschland mit neuen
Impulsen lebendig halten. Auch Bildungsangebote
rund um Natur, Nachhaltigkeit und gärtnerisches
Wissen gehören dazu. Dass sich der egapark so erfolgreich
entwickeln konnte und auch künftig entwickeln
kann, verdanken wir vor allem dem großen Engagement
unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
und ihrer engen Verbindung zu diesem Park. Gleichzeitig
profitieren wir von der starken Einbindung in
die SWE Gruppe als verlässliche Partnerin.
Welcher ist Ihr Lieblingsort im egapark?
Einen einzigen Lieblingsort im egapark habe ich nicht, dafür
sind es zu viele besondere Plätze. Je nach Stimmung und Jahreszeit
zieht es mich mal in den Rosengarten mit seinem besonderen
Duft und den versteckten Rückzugsorten, mal in den
Karl-Foerster-Garten mit dem wunderbaren Blick zum Erfurter
Dom. Und auch der Skulpturengarten begeistert mich immer
wieder durch das Zusammenspiel von Kunst und Gartengestaltung.
1970
2026 Das Große Blumenbeet mit seinen farbkräftigen Pflanzornamenten
begeistert gleich am Festplatz die Besucher. Im Jubiläumsjahr überrascht
das Große Blumenbeet mit dem Look und
Stil der 1960er-Jahre. In der modern interpretierten
Gestaltung von 1966 präsentieren
sich farbintensive Sorten
2022
in leuchtendem Gelb, Orange
oder Rot, andere Bereiche in
Weiß. 127.000 Blumenzwiebeln
und rund 77.000 Blumenpflanzen
bilden ein
Meer der Blüten und Farben.
Das weiße Band der
Völkerfreundschaft ist einem
grünen Rasenband
gewichen. Das schafft
ohne politische Hintergedanken
Nähe für die Besucher,
einen Flanierweg
entlang der schier endlosen
Blütenpracht. Statt Völkerfreundschaft
geht es jetzt um
Eintauchen in das Blütenmeer, um
Garten- und Sinneserlebnisse.
8
Christine Karpe (Texte) Jacob Schröter, Steve Bauerschmidt, egapark Archiv (Fotos, Seite 8 bis 11)
9
Verschwundene
Gärten und Gebäude
Parkgeschichte
entdecken
Veranstaltungen im
Jubiläumsjahr
10
Die Zentralgaststätte prägte bis
Mitte der 1990er-Jahre das Bild
Blick zur Rendezvousbrücke –
1960er-Jahre
Cafe am Südhang –
1970er-Jahre
Die Pflanzständer waren wichtige
Gestaltungselemente der iga 61.
▲
Der Jugendpark der Länder befand sich an der
Stelle des heutigen Karl-Foerster-Gartens und
der neuen Parkbühne. Die Schüler der Fachschule
für Gartenbau in Erfurt projektierten und leiteten
die Neugestaltung. 1965 entstand auf einem
Teil der Fläche der heutige Karl-Foerster-Garten
als Schau- und Schulungsgarten für winterharte
Stauden. Der Tanzplatz der Jugend ist heute
die Parkbühne.
Chefarchitekt Lingner plante am Nordhang
im Bereich des Kinderspielplatzes 1960 ein Blumenfeld
für Kinder. Dort sollten sie Natur erleben,
Blumen kennenlernen, sie pflücken und zu
Sträußen binden können. Mit der Spielplatzerweiterung
1970 verschwand das Blumenfeld.
Bereits 1970 beauftragten die Planer der iga
eine Studie, um den Bau einer Zweisesselschwebeseilbahn
zu prüfen. Man wollte den Höhenunterschied
von der Stadt auf das Plateau der iga
elegant überwinden und den Besuchern andere
Perspektiven „von oben“ ermöglichen. Startpunkt
sollte der Eingang am Gothaer Platz sein,
der Endpunkt lag am damaligen Westeingang.
In der Parkmitte, am heutigen Danakil, plante
man einen Umstieg zum Westeingang oder zum
Südeingang. 53 Minuten für die Fahrt von der Talstation
Gothaer Platz zur Bergstation und hohe
Bau- und Instandhaltungskosten ließen das Projekt
scheitern.
Im Eingangsbereich eröffnete zur iga 61 ein
Postamt. Nur diese Einrichtungen der Deutschen
Post hatten das Recht, Briefe, Postkarten, Pakete
zu versenden und unter anderem den Telefonverkehr
zu betreiben. Das Postamt wurde in den
späteren Jahren wieder geschlossen. Nach dem
Abriss 2014 entstand an gleicher Stelle das Besucherzentrum
für den egapark. Die Kubatur lehnt
sich dabei an den Vorgängerbau an.
Das einstige „Café am Südhang“ steht beispielhaft
für die moderne Formensprache der iga,
für eine leichte, offene Architektur dieser Zeit. Es
war ein beliebter Ort der Jugend- und Freizeitkultur,
für Familiennachmittage oder Treffen mit
Freunden bei Kaffee und Kuchen oder für Tanzvergnügen.
Das Umfeld des Cafés prägten mal
großzügige Rasenflächen mit Gehölzgruppen,
mal Kakteen- und Baumschulschauen, Steingärten
oder ein Rosengarten. 1993 wurde die Gaststätte
geschlossen und schließlich abgerissen.
Historische Faktensammlung: Chris Lange,
Dr. Steffen Raßloff, Dr. Sandra Mühlenberend
Obere Terrasse des Spielbereiches, der 1974 auf
30.000 m² Fläche erweitert wurde
Durchgestaltet bis ins Detail,
mit Pavillons, Ausstellungsarchitektur,
Spiel- und
Sportstätten, Freilufttheater,
Musikbühnen, Gastronomie
und dem neuen
Deutschen Gartenbaumuseum
lockte der Park zwischen
1961 und 1989 rund
37 Millionen Menschen an.
Ausstellung zum
Jubiläum
„Die iga. Ein Park der Moderne“
ist der Titel der Jubiläumsausstellung
unter
freiem Himmel, die ab Ende
April 2026 Erinnerungen an
65 Jahre iga – ega – egapark
weckt. Auf 65 Infostelen
werden längst verschwunden
geglaubte Relikte der
egapark-Historie oder
Anekdoten aus der Geschichte
des Parks lebendig.
Elemente der Parkgestaltung,
wichtige Persönlichkeiten
und Kuriositäten
werden im Rahmen der
Ausstellung erläutert. Verschiedene
Rundgänge ermöglichen
den Zugang zu
spezifischen Themen wie
der Architektur des Parks.
Die Stelen sollen den Besucherinnen
und Besuchern
Informationen vermitteln,
um das Gelände besser verstehen
zu können. Die Historie
des egaparks ist auch
eine Geschichte der Veränderung.
Highlights 2026
• Japanisches Gartenfest 3. Mai
• Comicpark 9.+10. Mai
• Thüringer Sportvereinstag: 30. Mai
• Rosengartenfest 7. Juni
• Lichterfest 14.+15. August
• Thüringer Gartentage
29.+30. August
• Kürbiszeit 5. September
bis 31. Oktober
• Fantasypark
12.+13. September
• NaturErlebnisTag
20. September
• KürbisErnteFest 31. Oktober
• Zimmerpflanzenbörse
14. November
Geschichte lebendig
werden lassen
Die neue Sonderausstellung des Deutschen
Gartenbaumuseums „iga*61. DDR
durch die Blume“ zeigt ab 14. August,
wie politischer Anspruch, architektonische
Gestaltung und gesellschaftlicher
Alltag auf der iga zusammenkamen.
Originale Exponate, Dokumente,
Entwürfe und Zeitzeugenberichte
machen historische Zusammenhänge
sowie persönliche Perspektiven
anschaulich nachvollziehbar.
Mehr Wochenende,
weniger zahlen - mit dem
neuen Ticketformat!
Die Tageskartenpreise bleiben 2026 stabil. Neu
ist das Ticketformat „Dabei ab 2“. Erwachsene
erhalten samstags und sonntags ab 14 Uhr den
Eintritt zum vergünstigten Preis von 10 Euro.
• Das „Dabei ab 2“-Ticket ist nicht gültig an
Veranstaltungstagen und Feiertagen.
Familienwochen
Floristische
Zeitreise
Die Halle 1 ist vom 1. Mai bis
6. Juni Ort einer bemerkenswerten
Hallenschau, in der prägende
Momente aus 65 Jahren
Parkgeschichte auf einer
inspirierenden floristischen
Reise durch die wechselvolle
Geschichte des egaparks
lebendig werden.
Der egapark ist ein wahres Paradies für Familien. In den
Familienwochen kann man besonders günstig einen
entspannten, blumig-duftenden, verspielten, erlebnisreichen
und einfach unvergesslichen Tag verbringen.
Auf alle Familientageskarten gibt es 20 Prozent Rabatt.
• 25. bis 31. Mai • 15. bis 20. September
• 3. bis 9. August • 13. bis 18. Oktober
11
Ein Wehr
zwischen
Hoch- und
Niedrigwasser
Matthias Thüsing (Text) Steve Bauerschmidt (Fotos)
Immer wieder bleiben Passanten auf der Brücke stehen
und blicken hinab auf das Papiermühlenwehr. Auf
einer Länge von mehr als 20 Metern stürzt das Wasser
der Gera hier rund drei Meter tief in den Flutgraben.
Das stetige Rauschen ist allgegenwärtig. „Der
Wasserstand der Gera ist wieder einmal zu niedrig“, sagt
Matthias Hartmann, Wasserwirtschaftskoordinator im Umweltamt
Erfurt. „Der Fluss führt aktuell mit etwa 2,0 Kubikmeter
je Sekunde nur etwa ein Viertel so viel Wasser, wie es
die langjährigen Aufzeichnungen für den Monat März erwarten
lassen.“
Das Papiermühlenwehr neben dem Dreienbrunnenbad im
Süden der Stadt ist heute ein zentrales Bauwerk des Erfurter
Hochwasserschutzes – doch das war nicht immer so. An
dieser Stelle entstand 1133 die Papiermühle, historisch auch
Wawetmühle genannt. 1393 wurde das erste Papierwehr errichtet,
zunächst ausschließlich als Stauanlage, um die Papiermühle
und zahlreiche weitere Betriebe über den sogenannten
Bergstrom – damals auch Oberlache genannt – zuverlässig
mit Wasser zu versorgen. Die wasserreiche Gera und das
ausgeklügelte System aus Mühlgräben machten Erfurt im
16. Jahrhundert mit 52 Mühlen zur mühlenreichsten und damit
auch zu einer der wohlhabendsten Städte Deutschlands.
Doch der Reichtum hatte seinen Preis: Die Gera, die auf ihrem
90 Kilometer langen Weg aus dem Thüringer Wald zahlreiche
Nebenflüsse aufnimmt, brachte immer wieder verheerende
Hochwasser. Schon 1394 wurde zwischen dem Brühler
Tor und dem Pförtchen ein bis zu acht Meter hoher Schutzwall
errichtet. Dennoch kam es 1491 und 1585 zu schweren Überschwemmungen.
Erst im 19. Jahrhundert gelang eine dauerhafte
Lösung. Zwischen 1890 und 1898 ließ die Stadt den
ehemaligen Festungsgraben zu einem Hochwasserableiter
umbauen, der die Wassermassen um die Innenstadt herumführt
– den heutigen Flutgraben. Gleichzeitig wurde das Papierwehr
zu einer Schützenanlage umgebaut, die seither die
Wasserverteilung zwischen Innenstadt und Flutgraben regelt.
Über ein Jahrhundert funktionierte dieses Konzept zuverlässig.
Selbst das Hochwasser von 1994 konnte – wenn auch
knapp – an der Innenstadt vorbeigeleitet werden. Damals
strömten rund 220 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch
den Flutgraben, der Pegel stand nur wenige Zentimeter unterhalb
der Brücken an Leipziger Platz und Kaffeetrichter. Um
Überflutungen zu verhindern, mussten Helfer den Einlauf des
Bergstroms notdürftig mit Sandsäcken abdichten. Die Erfurter
Vororte Bischleben und Hochheim blieben jedoch tagelang
überflutet.
Diese Ereignisse führten zum Bau des Bergstromwehres, das
seither gemeinsam mit dem Papierwehr die Regulierung der
städtischen Gewässer übernimmt – nicht nur bei Hochwasser,
sondern auch im Normalbetrieb. Untersuchungen zeigten,
dass das alte Papierwehr einem künftigen 100-jährigen Hochwasser
nicht mehr standgehalten hätte. Deshalb wurde es umfassend
modernisiert: Die Wehrsohle wurde um 1,5 Meter abgesenkt
und das Flussbett der Gera auf 300 Metern oberhalb
des Wehres vertieft. Anstelle der früheren vier Wehrverschlüsse
gibt es nun drei jeweils 10 Meter breite und 2,8 Meter hohe
Wehrfelder. Nach rund dreieinhalb Jahren Bauzeit und Investitionen
von 13,9 Millionen Euro ging die neue Anlage im Mai
2025 in Betrieb.
„Hochwasserschutz bleibt ein aktuelles Thema“, sagt Hartmann
und zeigt auf den unscheinbaren Durchlass
am Luisenpark – das Bergstromwehr. „Hier zweigt
der Bergstrom ab, der die innerstädtischen Flussarme
Walkstrom, Breitstrom und Schmale Gera
speist.“ Bei Hochwasser dürfen dort maximal
sechs Kubikmeter Wasser pro Sekunde in die Innenstadt
gelangen; der Rest wird über das Papierwehr
in den Flutgraben abgeleitet. Das Zusammenspiel
beider Wehre erfolgt automatisch: Eine bewegliche Fischbauklappe
am Papierwehr reguliert den Wasserstand und
damit den Zufluss in den Bergstrom. Wird mehr Wasser zugeführt,
als die Klappe ausgleichen kann, öffnen sich nacheinander
die drei Wehrtafeln, um überschüssige Wassermassen
in den Flutgraben zu leiten. Nach Abklingen des Hochwassers
senkt die Steuerung die Tafeln wieder ab. Für den Notfall verfügt
die Anlage über eine Notstromeinspeisung und manuelle
Handkurbeln.
Zunehmend problematisch ist jedoch nicht zu viel, sondern
zu wenig Wasser. „Durch die zunehmende Trockenheit werden
wir künftig öfter mit Niedrigwasser zu tun haben“, erklärt
Hartmann. Dann reicht die Wassermenge aus der Gera womöglich
nicht mehr aus, um sowohl Flutgraben als auch Innenstadtgewässer
zu versorgen. Als die Planung des neuen Wehrs
vor mehr als zehn Jahren begann, war diese Entwicklung noch
Hochwasserschutz
bleibt ein
aktuelles Thema.
Matthias Hartmann
kaum absehbar. Heute gilt: Vorrang hat die
Versorgung der innerstädtischen Fließgewässer,
weil sie in heißen Sommern zur Abkühlung
des Stadtklimas beitragen. Im Extremfall
könnte der Flutgraben zeitweise trockenfallen
– ein ökologisches Problem, wenn das während
der Laichzeit der Fische geschieht.
Auch an die Fischwelt wurde beim Umbau gedacht. Eine
große Fischaufstiegsanlage – im Volksmund „Fischtreppe“ genannt
– macht das Wehr für Fische und andere Wasserlebewesen
passierbar. Laut Genehmigung müssen dauerhaft rund
500 Liter Wasser pro Sekunde durch diese Anlage fließen.
Doch bei Niedrigwasser kann das kritisch werden. „In diesem
Sommer kamen zeitweise nur etwa 750 Liter pro Sekunde in
Erfurt an“, berichtet Hartmann. „Da blieben für die Innenstadt
nur 250 Liter – eindeutig zu wenig.“
Eine einfache Lösung gibt es bislang nicht. „Wir arbeiten
daran, gemeinsam mit dem Gewässerunterhaltungsverband
Gera/Gramme die empfindlichen Innenstadtgewässer schrittweise
an die Folgen des Klimawandels anzupassen“, so Hartmann.
Denn das neue Papierwehr ist zwar technisch auf Hochwasser
vorbereitet – doch die Herausforderungen der Zukunft
liegen längst auch im Umgang mit dem Wasser, das fehlt.
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Es geht auch ohne
DRECK und LÄRM
Mehrlagiges Kevlar-Gewebe, imprägniert
mit Reaktionsharz: Der Schlauchliner verbindet
hohe Zugfestigkeit mit Flexibilität
und bildet nach dem Aushärten ein
dauerhaft belastbares Rohr im Rohr
macht eine Bestandsaufnahme des inneren Zustandes, zeitgleich
wird das Rohrinnere blitzblank gereinigt und begradigt.
Gleichzeitig wird ein Stahlseil eingezogen. An dem wird
der Superschlauch befestigt und durch das Rohr gezogen.
Die halbe Miete. Bis zu einer maximalen Länge von zwei Kilometern
am Stück ist das möglich. Abweichungen im Winkel
von bis zu 45 Grad sind keine Hürde. Überzeugende Argumente
für Erfurts Stadtwerke, diese Technologie auszuprobieren
und gegebenenfalls öfter zur Anwendung zu bringen.
11. November, 10 Uhr. Die Erfurter Narren scharren mit
den Hufen. Gleich startet die Karnevalssaison. Am 18. Februar
2026 ist alles vorbei. So lange brauchen die Jungs von Rädlinger
Primus Line nicht ansatzweise für ihre Erfurt-Premiere.
Die Seilwinde zieht den von einem Monteur mit Schmierseife
gleitfähig gemachten Superschlauch in das alte, vorbereitete
Gasrohr. Fünf Meter pro Minute. Um 10.45 Uhr ist es
geschafft. Der Techno-Wurm liegt unterm Park an der Tettaustraße.
Diskret und leise eingezogen. Selbst auf dem nahen
Spielplatz hat keiner etwas mitbekommen.
Stadtwerke Netz setzt in Erfurt
auf eine bayerische Technologie,
die weltweit einzigartig ist
Mit grabenloser
Technik werden
neue Leitungen in
bestehende Rohrsysteme
eingezogen
– sauber und
ohne aufwendige
Baugruben
Michael Keller (Text)
Christian Fischer (Fotos)
Es ist an der Zeit. Erfurts Gasleitungen – und
nicht nur die – sind in die Jahre gekommen.
Eine Sanierung nach über einem halben Jahrhundert
durch die Stadtwerke ist geboten. Was
in der Regel oft für Verdruss im Umfeld sorgt:
Bagger reißen den Boden auf, holen die alten Rohre raus,
buddeln alles wieder zu. Wochenlang Dreck und Lärm inklusive.
Muss nicht sein. Es gibt inzwischen eine Alternative.
Die Anwohner der Tettaustraße waren die Ersten, die
in den Genuss gekommen sind. Anstatt den Park vor ihrer
Haustür von vorn bis hinten aufzureißen, um die alten,
seit 1974 im Erdreich liegenden Gasleitungen auf
240 Metern Länge zu erneuern, ging es hier eher im Stillen
ab. Und schneller. Start am 3. November, Finale am
17. Und die Anwohner haben kaum etwas davon mitbekommen.
Einer bayerischen Firma sei Dank.
Cham liegt in der Oberpfalz, etwa 65 Kilometer östlich von
Regensburg. Dort hatte ein gewisser Werner Rädlinger vor
25 Jahren eine Idee. Warum das Erdreich aufreißen und wochenlang
neue Rohre verlegen, wenn es auch anders gehen
könnte. Rädlinger, Baujahr 1969, tüftelte und heraus kam ein
rechteckiger Superschlauch aus Spezialgewebe. Der wird mit
einem raffinierten Trick in die bereits vorhandenen Gas-,
Wasser- oder Öl-Druckleitungen eingezogen. Eine Kamera
In den nächsten Tagen wird das Werk beendet. Der
Superschlauch wird mit massivem Luftdruck in der alten
Röhre aufgeblasen und das nahtlose Kevlar-Gewebe aus
Aramitfasern drückt sich bündig in das Rohr. Fertig. Demnächst
strömt hier wieder Gas. Ruhe für die nächsten 50 Jahre.
Mindestens und garantiert. Das Material sei „hochfest und
unkaputtbar“, heißt es. Die Rädlinger-Technologie, so viel
kann man jetzt schon sagen, wird demnächst in Erfurt öfter
zum Einsatz kommen. Die Bayern haben die Stadtwerke-
Leute von der Netz-Sparte, Geschäftsführer Frank Heidemann
war selbst vor Ort, überzeugt. Wohl auch die zehn
Kiebitze von der SWE Wassersparte, die ebenfalls interessiert
der Premierenvorführung zusahen. In hochsensiblen
Gebieten, also hochfrequentierten Straßen oder geschützten
Grünanlagen, wird über ein Jahrespotenzial von aktuell
auf 500 bis 1.000 Meter buddelfreies Sanieren nachgedacht,
wie die Stadtwerke nach der erfolgreichen Premiere der neuen
Technologie wissen ließen.
Es gibt unterirdisch viel am Gas- und Wassernetz zu sanieren
in Erfurt. Mit bayerischer Hilfe. Wenn es denn terminlich
passt. Rädlinger Primus Line (150 Mitarbeiter, etwa 40 Projekte
weltweit pro anno, Jahresumsatz 40 Millionen Euro) ist
Weltmarktführer, auch in den USA und Kanada unterwegs
und global einziger Anbieter dieser technischen Lösung. Kein
Wunder, dass Kommunen in Cham Schlange stehen, um einen
Termin zu erhaschen. „Der Bedarf ist riesig. Wir sind bis
Mitte 2026 ausgebucht“, sagt Holger Klehr, Außendienstleiter
für Ostdeutschland. Das liege auch am preislich attraktiven
Gesamtpaket, welches mit 50 bis 75 Prozent Kostenersparnis
beim Leitungsaustausch locke. Vom zeitlichen Vorteil –
Rädlinger kommt mit einem Viertel der Zeit der üblichen
Buddelei aus – ganz zu schweigen.
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Frühstück in Erfurt ...
Oma Lilo
Mitten in der Brühlervorstadt zwischen hübschen Wohnhäusern und hochgewachsenen Bäumen
findet man das „Oma Lilo“. Den Namen erhielt das Lokal nach Vorbild von Robert Papsch´s Großmutter.
Er beschreibt sein Frühstückskonzept als „mediterran, gemütlich und familiär.“ Croissants,
Käse, Wurst, griechischen Joghurt oder Rührei-Varianten findet man auf der Speisekarte. „Die Zutaten
dafür stammen direkt aus Frankreich oder Italien. Die Brötchen bekommen wir von der Bäckerei
Thieme“, so Papsch. Wer ein abwechslungsreiches, hochwertiges und trotzdem klassisches Frühstück
sucht, wird hier fündig.
Adresse:
Gorkistraße 16, 99084 Erfurt
Telefon: 0361 43024911
Öffnungszeiten:
Dienstag, Freitag–Sonntag:
9:00–17:00 Uhr
Mittwoch/Donnerstag:
9:00–22:00 Uhr
Social Media:
Instagram: @omaliloerfurt
Lieblingsgericht der Gäste:
Diverse Frühstücksvariationen
mit Rührei
Adresse:
Anger 42, 99084 Erfurt
Telefon: 0361 64459377
Öffnungszeiten:
Täglich:
9:00–20:00 Uhr
Social Media:
Instagram: @desserado
Lieblingsgericht der Gäste:
Egg Drop Sandwich
Desserado
Modernes und einzigartiges Frühstück gibt es im „Desserado“. Shakshuka, Bowls, ausgefallene
Sandwiches oder Pancakes stehen auf der Speisekarte. Seit 2020 gibt es das Lokal, viele
kennen es noch an seinem alten Standort an der Langen Brücke. Inzwischen findet man es
aber am Anger. Samvel Uzunyan betreibt es gemeinsam mit seinem Bruder. Die Gastro hat
ihn früh geprägt: „Mit 14 Jahren habe ich als Tellerwäscher gearbeitet. Da habe ich gemerkt,
dass sich harte Arbeit lohnt. Heute ist es mir wichtig, dass die Gerichte eine richtige Geschmacksexplosion
sind.“ Unser Tipp: Die Bubble Waffeln und der Strawberry Matcha Latte.
Adresse:
Marbacher Gasse 10, 99084 Erfurt
Telefon: 0361 2115122
Öffnungszeiten:
Montag–Freitag:
8:00–1:00 Uhr
Samstag/Sonntag: 9:00–1:00 Uhr
Web:
www.doubleb-erfurt.de
Lieblingsgericht der Gäste:
English Breakfast
Double B
Frühstück um 22 Uhr? Im Double B ist das kein Problem. Bratkartoffeln und Eierspeisen
sind von früh bis spät der Renner. Seit 1993 gibt es das Lokal im Herzen der Erfurter Altstadt.
Hier sitzen Familien mit Kindern neben Studierenden, Stammgäste aus dem Viertel
neben Menschen, die gerade aus der Nachtschicht kommen. Hinter dem Erfolg steht K. D.
„Brette“ Bretschneider, ein echtes Erfurter Urgestein. Sein Double B genießt einen ebenso
bodenständigen wie guten Ruf. Auf der Karte stehen neben dem klassischen Frühstück
mit Brot und Brötchen auch internationale Gerichte wie das English Breakfast. Wer es lieber
süß mag, wird ebenfalls fündig. „Am liebsten esse ich das Bauernfrühstück und trinke
einen Espresso Macchiato dazu“, sagt Brette.
Café Füchsen
Urgemütliches Café im liebevoll restaurierten Haus „Zum kleinen Füchsen“. Der Inhaber bewirtet
seit 2009 die Gäste. Das Credo: „Man sagt, es sei der beste Cappucchino der Stadt". Die Eier
für die beliebten Omeletts kommen von glücklichen Hühnern, vieles ist hausgemacht und aus
biologischem Anbau – wie die genialen Aufstriche. Frühstücken kann man von knapp unter 10
bis 34 Euro, Letzteres dann zu zweit. Besonders beliebt ist das oft kopierte, aber nie erreichte
Passionsfruchtcurd nach eigenem Rezept. „Wir versuchen, Trends zu kreieren. Wir haben eigene
Kaffeemischungen, die speziell für uns geröstet werden“, erzählt Thomas Schindler, ostdeutscher
Baristameister von 2006. Im Café Füchsen wird fündig, wer Kaffee, Frühstück, herzhafte
Snacks, hausgebackenen Kuchen oder einfach etwas Besonderes mag.
Adresse:
Hütergasse 13, 99084 Erfurt
Telefon: 0361 6441448
Öffnungszeiten:
Montag, Mittwoch–Freitag:
9:00–14:00 Uhr
Samstag/Sonntag:
9:00–18:00 Uhr
Social Media:
Instagram: @cafe_fuechsen
Lieblingsgericht der Gäste:
Madame Renard – Croissant mit
Rührei, Balsamico-Zwiebeln, Bacon
und Salat
16 SWE Für Erfurt
SWE Für Erfurt
Frieda Schmidt, Christine Karpe, Hannes Sperling (Text) Jacob Schröter (Fotos) 17
Das Team ist wie
eine Familie für mich
Erfurterin auf Zeit für eine
Serienrolle in „Schloss Einstein“
Sonia Kantati, alias Ruby, und
Massuda Phanit gespielt von
Tisa Pharischad Khumyim im Studio
Christine Karpe (Text)
Thomas Dietze (Fotos)
1.104 Episoden in 28 Staffeln, ca. 26.700 Filmminuten – Fans der
Erfolgsserie „Schloss Einstein“ könnten 20 Tage rund um die Uhr
ohne Pause schauen. Die erste Folge von Schloss Einstein lief
am 4. September 1998 im Kinderkanal (heute KiKA). Seit der 11.
Staffel im Januar 2008 kommen die knapp halbstündigen Episoden
über und für Teenager, ihre Erlebnisse, ihren Schulalltag
oder die kleinen und großen Probleme aus Erfurt.
Der Drehort für die Serie mit riesiger Fangemeinde
wechselte mehrfach: Ein Gebäude des MDR,
das Alte Schauspielhaus und seit Längerem ein
ehemaliges Kinderheim am Drosselberg liefern
die Kulissen für die Internatsschule
der großen und kleinen Teenagergeschichten.
Für mehrere Episoden
kam das Drehteam in den egapark,
das Steigerwaldstadion war sportliche
Kulisse und eine Episode spielt
im sanierten Dreienbrunnenbad.
Die Fans sind der Serie auch
2026 treu. Selbst als Darsteller
oder Darstellerin mitzumachen –
das ist für manchen Serienfan ein
großer Traum. Doch wie schafft
man es in die Serie und wie läuft
ein Drehtag? Dass den Einsteinern
die Mitwirkenden nicht
ausgehen, dafür sorgt die Filmproduktionsgesellschaft
Saxonia
Media aus Leipzig.
Sonia Kantati aus Hamburg,
14 Jahre alt, spielt seit zwei
Jahren bei Schloss Einstein mit.
Ein zufällig gesehener Aufruf im
Fernsehen hat ihr Interesse geweckt,
ein richtiger Einstein-Fan war
sie zuvor nicht. Sonia bringt Schauspielerfahrung
mit. In der Musicalstadt
Hamburg verkörperte sie die
junge Nala in „König der Löwen“
und konnte dabei viele Erfahrun-
gen sammeln. Seit Staffel 28 spielt sie Ruby, einen enorm vielschichtigen
Charakter. „Sie hat sehr viele Seiten und ist wirklich
ein Tausendsassa. Alles, was mit MINT zu tun hat, ist ihr
Ding, also Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Sie ist musikalisch und hat selbst einige Songs produziert.“
Wie viel Sonia steckt in Ruby? In Mathe ist die sympathische
Hamburgerin mit den dunklen Locken eher nicht so gut. Aber
sie liebt die Musik und spielt Querflöte. Sonia ist überzeugt:
„Vom Charakter her bin ich das komplette Gegenteil. Ich lache
immer und bin gelassen. Ruby ist sehr aufbrausend, wird
schnell sauer.“
Macht es Spaß, mal ganz anders zu sein, als man selbst ist?
Sonia mag es beim Schauspielern mehr, wenn sie das, was sie
darstellen soll, selbst erlebt hat. Die Rolle der Ruby verlangt
ihr viel ab, da sie so anders als ihr eigener Charakter ist. „Ich
hatte nur diese eine Option und habe sie sehr lieben gelernt.“
Für die Zeit der Dreharbeiten leben die Darsteller in Erfurt
bei Gastfamilien, gehen hier zur Schule. Freunde und Familie
sehen sie nur selten. Der Drehnachmittag nach der Schule
ist gut gefüllt. Für andere Hobbys bleibt wenig Zeit. Allein in
die Ferne zu ziehen, ist für einen Teenager ein großer Schritt,
weiß Sonia: „Meine Freunde vermissen mich sehr und ich
sie auch. Und mir fehlen meine zwei kleinen Schwestern.
Wir schauen auch mal gemeinsam Folgen.
Sie sind meine heftigsten Kritikerinnen und
auch meine größten Fans.“
Schloss Einstein:
montags bis freitags
14:35 Uhr auf KiKa
Alle Infos:
Es ist schwer, über Monate getrennt
von Familie und Freunden zu leben.
Auch der Schulwechsel war schon krass,
erinnert sich die junge Darstellerin. Über
Heimweh und Trennungsschmerz haben
ihr die anderen Darsteller und die Betreuer
am Set hinweggeholfen. „Ich habe viele neue Freunde gefunden,
es ist eine schöne Gemeinschaft. Wir Darsteller sind
jetzt unsere eigene Familie hier.“
Das Wichtigste im Drehzeitraum? Sonia muss nicht lange
nachdenken: „Auf jeden Fall die Freunde, die ich hier gefunden
habe. Aber ich merke selbst auch, wie ich mich persönlich
verändert habe. Ich frage mich manchmal, wie wäre ich
gewesen ohne Schloss Einstein. Das kann ich mir gar nicht vorstellen.
Ich bin auf jeden Fall reifer geworden, selbstständiger
und selbstbewusster. Dinge, über die ich mich früher aufgeregt
habe, sehe ich heute viel gelassener.“
Ihr Tipp für potenzielle Bewerber um eine Rolle in der Teenie-
Serie? „Seid einfach ihr selbst, legt den Mittelpunkt auf euch
selbst und macht keine große Show. Das Schauspielern kommt
später.“
Schloss Einstein war auf jeden Fall für Sonia ein Anstoß, später
in die Schauspielbranche gehen zu wollen. „Das ist ja wie so
ein Katapult. Für die meisten Schauspieljobs braucht man Erfahrung
und hier ist es eine gute Möglichkeit, ohne eine Agentur
in die Branche einzusteigen und Dreherfahrung zu sammeln.“
Später Schauspiel studieren will die Hamburgerin aber nicht.
Sie hat sich intensiv damit beschäftigt und findet das Schauspielerleben
einfach zu unsicher. Sonia sieht es für ihr Alter erstaunlich
pragmatisch: „Wenn es klappt, dann klappt es, und
wenn nicht, mache ich einfach was anderes. Journalistin oder
Lehrerin, an so was habe ich gedacht, irgendwas in Richtung
Medien.“
Ihre wichtigste Erfahrung: „Am Set habe ich mich
ernst genommen gefühlt, so wie ein erwachsener
Schauspieler. Alle helfen einem, da muss
man sich keine Sorgen machen.“ Begeistert
ist sie auch von ihrem Wohnort auf Zeit:
„Erfurt ist cool, man hat die Stadt vor der
Haustür. In Hamburg wohne ich auf dem
Dorf, brauche 20 Minuten in die Stadt.
Hier in Erfurt braucht man nicht weit,
um das schöne Flair und die kleinen Cafes
zu erleben.“
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SWE Für Erfurt
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Mit Herz
und Omas
Rezepten
Dienstags ab 12 Uhr wird beim
Christlichen Verein Junger Menschen
im alten Pfarrhaus neben der
Lutherkirche gekocht. Dann
greift Uwe zur Kochschürze,
sichtet die von der Erfurter Tafel
gelieferten Lebensmittel und bespricht
sich mit den anderen drei oder vier
freiwilligen Helfern, was auf den
Speiseplan kommt.
Christine Karpe (Text)
Christian Fischer (Fotos)
Über den Kirchenvorstand oder die Ehrenamtsagentur
haben sie alle den Weg hierher gefunden
und sind geblieben. Aus verschiedenen
Gründen stehen sie nicht im Berufsleben und können so
mittags mit der Arbeit starten. Den Kochlöffel schwingen
die Ehrenamtlichen nicht für sich, sondern für Bedürftige
in Erfurt.
30 bis 50 Portionen werden in der engen Küche in großen
Töpfen auf dem Herd zubereitet, der eigentlich nur Familiengröße
hat. Heute sind Kartoffeln, Zwiebeln, Paprika, Rosenkohl,
Lauch und Champignons angeliefert wurden. Nach kurzem
Blick über die Vorräte schlägt Uwe vor: „Heute gibt es
Kartoffelsuppe.“ Zustimmendes Nicken und Johanna, Antje
Eine warme Suppe und Herzenswärme -
bei der Ausgabe des gekochten Essens
kommt man ins Gespräch. Die Zutaten
kommen von der Erfurter Tafel
Das Kochteam mit Johanna, Uwe, Olha und Antje
und Olha, die das heutige Kochteam komplettieren, beginnen
mit dem Schälen, Putzen und Schnippeln. Große Kartoffeln
werden unter Johannas geschickten Händen zu kleinen
Würfeln, Antje putzt die Minikohlköpfe und Olha schneidet
Paprika. Alle vier kommen nicht nur wegen des gemeinsamen
Kochens für einen guten Zweck hierher. Der Dienstag
am Herd ist für sie Geselligkeit, das Bedürfnis, gebraucht zu
werden, und für Ukrainerin Olha praktischer Deutschunterricht.
Deutsche und russische Wörter schwirren durch die Küche,
ihr hat das schon viel geholfen, erzählt die blonde Ukrainerin
lächelnd.
Uwe, der stets gut gelaunte Hobbykoch, hat auch Erfahrungen
in der Gastronomie. Das ist beim CVJM-Projekt aber
gar nicht nötig. Was hier in den Töpfen entsteht, ist Herzensküche
nach Omas Rezepten und schmeckt wie zu Hause. Seit
drei Jahren wird jeden Dienstag ein Essen zubereitet. Wenn
die gespendeten Zutaten nicht ausreichen oder das eigene
Lager nicht genügend Vorräte beinhaltet, dann kaufen die
ehrenamtlichen Köche auch Zutaten wie Nudeln oder Reis
zu. Manchmal auch aus eigener Tasche. Das machen sie gern,
denn die, die sie mit Begeisterung und Kreativität bekochen,
haben noch viel weniger als sie selbst.
15:30 Uhr: Uwe, Johanna, Antje und Olha beenden ihre Arbeit
mit dem Putzen der Küche. Das zweite Team rückt an,
verlädt das Essen und alle notwendigen Utensilien aufs Lastenrad.
Felix ist seit einem halben Jahr dabei. Er möchte neben
der Arbeit noch etwas Sinnstiftendes tun und hat über
die Ehrenamtsagentur zum CVJM gefunden. Fünf Helfer teilen
sich bis 18:00 Uhr in die Essenausgabe rein. Organisiert
wird der Transport und die Aktion am Anger von Julia, die vor
zwei Jahren durch Zufall zum Team gefunden hat. Das neue
Lastenrad, ein E-Bike, erleichtert seit zwei Monaten die Arbeit.
Es bietet deutlich mehr Platz.
Die Suppe wärmt nicht nur den Magen, sondern auch das
Herz der Bedürftigen. Noch wichtiger als der gefüllte Magen
sind die Gespräche. Viele Bedürftige sind Stammgäste
und oft schon vor dem Lastenrad da. Am besten kommen
süße Gerichte an. Statt Tee wünschen sich die Bedürftigen
öfter mal Kaffee. Nicht alle Wünsche lassen sich realisieren,
denn die Mittel sind begrenzt und für das Essen zahlt kein
Bedürftiger.
Sonderaktion
Nachhaltigkeit auf
der Erfurt-Crowd
In einem ersten Projekt auf der Stadtwerke-Spendenplattform,
der Erfurt-Crowd, kamen im Februar
2024 mehr als 2000 Euro für das Kochen für Bedürftige
zusammen. Nun sind die Mittel verbraucht und
der CVJM wird wieder einen Aufruf auf der Spendenplattform
nutzen. Unter dem Motto Nachhaltigkeit
können vom 20. April bis 13. Mai 2026 Projekte angelegt
werden, die dann vom 1. bis 22. Juni um Unterstützung
werben. Das lohnt sich besonders, denn
aus einem Sondertopf können am Tag der Nachhaltigkeit
am 12. Juni zusätzlich 500 Euro genutzt
werden. Außerdem kann auf der Crowdplattform
(www.erfurt-crowd.de) abgestimmt werden, welche
drei Projekte am meisten überzeugen.
Dafür gibt es für Platz 1 weitere 1.000 Euro, für
den zweiten Platz 750 Euro und für den dritten Platz
500 Euro.
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21
Vom Ende des
Phantomschmerzes
❸
❶
❷
❹
Michael Keller (Text) Steve Bauerschmidt (Fotos)
Ein goldfarbener Kleinwagen fährt am ehemaligen Schauspielhaus
im Klostergang vor. Heraus schält sich ein Mitfünfziger.
Thomas Schmidt. Architekt. Vom Büro herrschmidt
Architekten. Baujahr 1970. Geburtsort: Suhl.
Gelernter Elektriker. Elektroingenieur wollte er studieren.
1996 Studienbeginn an der Fachhochschule Erfurt. Aber
Fachrichtung Architektur. „Ich hatte zufällig einen Flyer
von denen in die Hand bekommen“, erinnert er sich.
Schmidt ist einer der Väter der Wiedergeburt des Schauspielhauses
am Klostergang, eines Gebäudeensembles, jahrelang
im Dornröschenschlaf versunken. Erfurts kultureller
Phantomschmerz, er soll in Bälde auskuriert sein. Geglaubt
hat daran lange keiner.
In dieser Phase wuchs im städtischen Bewusstsein in der
Bürgerschaft Widerborstigkeit. Sich dem Nichtstun entgegenstellen.
Schmidt war dabei. Dieser Schmidt, dessen Baustellenchic
nicht unbedingt an die landläufige Vorstellung
von einem Architekten erinnert. Arbeitskleidung, verschlissene
Laptoptasche, eigenwillige, rote Bommelmütze und
RWE-Schal als Markenzeichen. Grundhaltung: Visionär.
Ein neues Schauspielhaus? Schmidt: „Nein, nicht nur. Ein lebendiges
offenes Haus, transparent und mit vielen Angeboten“.
Soll heißen: ein Kulturquartier mit drei Hauptnutzern –
Tanztheater, Kinoklub, Rundfunk. Gastspiele, Lesungen, Konzerte
im großen Saal mit 430 Plätzen, Radio F.R.E.I. mit Studios.
Tanztheater mit drei Sälen. Und eine Theaterkantine
im Untergeschoss. Vier Aufzüge, alles möglichst barrierefrei.
Das Schauspielhaus wird zur Lilienstraße hin mit einem
neuen Eingang geöffnet, als Passage durchgängig gemacht.
„Wir wollen, dass die Menschen hier miteinander reden, zusammenkommen“,
sagt er. Baustart war am 1. Juni 2025. Und
dann dieser Satz: „Mitte 2027 soll es vollbracht sein“. Der
Architekt lächelt siegessicher. „Ihr seid doch irre?“ hat ein
Zweifler gefragt, als das Projekt vorgestellt wurde.
Geht man durch das Haus, staubt‘s mal von rechts, von
links, von oben, von unten. Eine einzige große Baustelle.
Schmidt: „Wir sind im Plan“.
Wenn Thomas Schmidt hört, dass die Sanierung der Kölner
Oper 1,5 Milliarden Euro kostet, wundert er sich. „Unser
Budget sind davon ca. 0,5 Prozent“. Zusammengetragen wie
bei den Ameisen. Am Anfang, 2014, stand die Idee einer Genossenschaft.
Name: KulturQuartier. Zehn Leute waren fest
davon überzeugt. 1.000 x 1.000, so die Formel, mit der es gerichtet
werden soll. 1000 oder mehr Leute kaufen tausend
Anteile á 1.000 Euro. Als Eigenanteil für den Kredit zum Kauf
und die Sanierung. Hat geklappt. Heute hat die Genossenschaft
ca. 1.250 Mitglieder. Neuzugänge jederzeit erwünscht.
Als sichtbar wurde, dass es Erfurts Bürgerschaft ernst
meint mit der Wiederauferstehung ihrer traditionsreichen
Kulturstätte, kamen dann auch Fördermittel. Der Bund war
auf einmal mit im Boot. Die Sparkasse Mittelthüringen ließ
sich als Finanzierer auf das Projekt ein. Und die Stadt unterstützt
überzeugt die kulturelle Wundheilung.
Der Innenausbau läuft. „Manchmal befällt mich Vorfreude,
wenn ich sehe, wie das Haus langsam jene Form annimmt,
die wir erdacht haben“, sagt der Mann mit den Visionen und
streicht versonnen über seinen RWE-Schal.
1 Thomas Schmidt, Architekt, Gründervater des KulturQuartiers. Kennzeichen: rote Bommelmütze,
RWE-Schal 2 Das Treppenhaus wird mit einem Lift ausgestattet. Das KulturQuartier wird weitgehend
barrierefrei 3 Ein Blick ins Foyer, wie mancher ihn noch in ferner Erinnerung hat 4 Der
Innenausbau läuft. Das Ziel vor Augen 5 Blanke Wände – noch 6 Der große Saal, das Herzstück des
KulturQuartiers. Das kostbare Gestühl wird mit Staubschutzplanen geschützt
22 SWE für Erfurt
❺
❻
23
„Lasst von Tonne zu Tonne uns eilen. Wir wollen den Müll in den Abfall teilen.“
Die Beschreibung dieses Berufsbildes stammt von Heinz Erhardt.
Ich, Reporter beim SWE Journal, habe es einen Tag lang ausprobiert.
Die erste Tonne kippt mir gleich um.
Der Inhalt landet nicht im Müllauto,
sondern auf dem Asphalt. Also kommen
Besen und Schaufel zum Einsatz
und der Verkehr im Wermutmühlenweg
muss hinter dem 26-Tonner einen
Moment länger warten. Danach klappt es besser.
Die nächsten Tonnen landen dort, wo sie hingehören –
oben an der Schüttvorrichtung, damit der Abfall in den
Laderaum rutscht.
Doch schon an diesem sonnigen Morgen Ende Februar
wird mir klar: Hausmüllabfuhr ist Akkordarbeit. Mehrere
hundert Tonnen müssen meine Kollegen Steve Fink
und Viktor Serebrjakow von ihren Standplätzen holen, in
die Kippvorrichtung einhängen, hochziehen lassen und
– nachdem der Inhalt im Laderaum verschwunden ist –
wieder zurückstellen.
Das Team – zu dem auch Fahrer Thomas Hoffmann gehört
– ist eingespielt und fast immer in dieser Besetzung
auf Erfurts Straßen unterwegs. Gearbeitet wird meist
schweigend. Die Kommunikation beschränkt sich auf kurze
Zurufe: „Ich nehme die!“, „Drück mal den Knopf!“ oder
einfach „Achtung!“. Die Maulfaulheit hat ihren Grund. Die
tägliche Entleerung der Mülltonnen verlangt Konzentration.
Vorschriften zum Arbeits- und Gesundheitsschutz,
Straßenverkehrsrecht, Betriebsanweisungen und Vorgaben
der Unfallversicherung lassen wenig Raum für Nachlässigkeit.
Die Lust an der Arbeit steht und fällt mit dem Wetter.
„Vor ein paar Wochen war es richtig schlimm“, sagt Steve.
Anfang Februar war die Stadt zugeschneit, der Winterdienst
hatte halbmeterhohe Wälle vor den Tonnen
aufgeschoben. Trotzdem mussten die gefüllten Behälter
und teils mehrere hundert Kilo schweren 1,1-Kubikmeter-Container
an den Wagen gebracht werden. Für
mich ist das schwer vorstellbar. Schon zu zweit und bei
wolkenlosem, trockenem Wetter kostet es viel Kraft, die
größten Tonnen etwa über Bordsteine zu heben.
Inzwischen laufen wir hinter dem Fahrzeug durch die
enge Tiergartenstraße. Einige Anwohner grüßen freundlich
und wundern sich über den Fotografen. Des Rätsels
Lösung halte er gerade in der Hand, sage ich. Der Mann
hat das neue SWE Journal aus dem Briefkasten gezogen.
Die Tour hier komme in der nächsten Ausgabe vor.
„Dachte ich mir schon!“, antwortet er prompt.
Immer wieder warten Anlieger auf die Müllabfuhr. Einer
reißt mir die Tonne fast aus der Hand. Er will helfen
und bedankt sich für die Leerung.
Steve und Viktor arbeiten sich Tonne für Tonne vor. Je
voller der Laderaum wird, desto intensiver wird der leicht
muffige Geruch, der aus dem Fahrzeug strömt. Vielleicht
liegt es auch daran, dass es inzwischen wärmer geworden
ist. Angenehm dagegen ist die Fahrt hinten auf dem
Müllwagen. Die Plattform ist mit einem Sensor verbunden,
der Thomas daran hindert, schneller als 30 Stundenkilometer
zu fahren, solange jemand darauf steht.
Trotzdem weht mir ein ordentlicher Luftzug um die Nase
– und einmal muss ich die Haltegriffe fester packen. Wegen
des langen Überstands hinten hüpfe ich bei einem
Schlagloch kurz auf meinem Podest. Doch auch hier zeigt
Ein Tag bei der Müllabfuhr
sich: Das Trio kennt sein Revier. Thomas weiß genau, wo
er besonders vorsichtig fahren muss.
Im Reiherweg holen wir die ganz großen Tonnen aus
ihren Einhausungen. Steve erzählt, was ihn manchmal
ärgert: „Wenn Autos so dicht auffahren, dass wir kaum
Platz haben, die Tonnen einzuhängen.“ Oder wenn besonders
Eilige versuchen, sich am Müllwagen vorbeizuquetschen,
obwohl eigentlich kein Platz ist. Heute aber
bleibt alles ruhig und rücksichtsvoll.
Schließlich ist der Wagen voll. Wir fahren im Führerhaus
zur Restabfallbehandlungsanlage in der Schwerborner
Straße. In einer der großen Hallen öffnet Thomas das
Heck und stellt es schräg. Der mühsam eingesammelte
Müll rutscht heraus und auf den Boden. Kein schöner Anblick,
kein schöner Geruch. Aber man gewöhnt sich daran.
Zwei- bis dreimal pro Schicht steuert das Trio die
Halle an. Gegen 15 Uhr ist dann Feierabend. Bis morgen.
Matthias Thüsing (Text) Jacob Schröter (Fotos)
24 SWE Für Erfurt
SWE Für Erfurt
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Kummerkasten und
Wünsche-Erfüller
Irgendwann
klappt es mit
dem Spielplatz.
Frauen sind
eben hartnäckig
Marina Rothe
In Erfurt reden
40 Ortsteilbürgermeister
bei vielen politischen
Entscheidungen mit
Ortsteilbürgermeister sind das Gesicht der Verwaltung
in ihren Stadtteilen. Als ehrenamtliche Verwaltungsmitarbeiter
fungieren sie gleichzeitig als
Kummerkasten, Blitzableiter und Wünsche-Erfüller für Bürgeranliegen
aller Art. Trotz der enormen Unterschiedlichkeit der 40
Erfurter Ortsteile ähneln sich die Aufgaben der Bürgermeister
und ihrer Ortsteilräte verblüffend.
Christian Poloczek-Becher hat für sich ausgerechnet, dass er
monatlich durchschnittlich 60 bis 80 Stunden ehrenamtlich arbeitet.
In dieser Zeit bietet er Sprechstunden an, nimmt Wünsche und
Anregungen beim Plausch auf der Straße auf, besucht Feste und
Vereine und leitet regelmäßig die Sitzungen des Ortsteilrats in Vieselbach.
Da seine Kinder inzwischen aus dem Haus sind, kann er
sich diesem umfangreichen Ehrenamt widmen.
Bei Marina Rothe ist das ähnlich. Die gebürtige Erfurterin und
ehemalige Kosmetiksaloninhaberin am Roten Berg schaut nicht
auf die Stechuhr, wenn sie sich für ihre Mitbewohner engagiert.
„Meinem Team im Ortsteilrat und mir ist es vor allem wichtig, dass
wir zu Ergebnissen kommen“, sagt sie. Bereits als Unternehmerin
habe sie großen Wert auf greifbare Resultate gelegt. Zeit investiere
sie deshalb gerne – solange etwas dabei herauskomme.
Poloczek-Becher und Rothe sind zwei von insgesamt 40 Ortsteilbürgermeistern
in Erfurt. Jeder Einzelne ist erste Anlaufstelle,
Bindeglied zwischen Rathaus und Quartier sowie direkter Draht zu
den Bürgerinnen und Bürgern. Werden Entscheidungen getroffen,
die den jeweiligen Stadtteil betreffen, werden die Ortsteilbürgermeister
und ihre Räte frühzeitig eingebunden.
Klassische Beispiele sind die Gestaltung von Grünanlagen,
Sport- oder Spielplätzen, erklärt Frank Wenzel. Er war bis Ende
Februar Beauftragter für Ortsteile und Ehrenamt in der Stadtverwaltung.
„Bei jeder Sitzung des Ortsteilrats protokolliert jemand
aus unserem Team.“ Anschließend leitet sein Amt die Beschlüsse
und Anregungen an die zuständigen Fachabteilungen weiter
und vermittelt Ansprechpartner im Rathaus. „Bei vielem können
wir helfen, anderes muss der Stadtrat entscheiden“, so Wenzel.
Die Bedürfnisse der Ortsteile sind so vielfältig wie ihre Strukturen.
Das zeigt schon der Vergleich zwischen Vieselbach und dem
Roten Berg. Vieselbach ist ein klassisches Dorf vor den Toren der
Kernstadt, der Rote Berg ein zentrumsnahes Plattenbaugebiet.
Mit knapp 2.200 Einwohnern ist Vieselbach deutlich kleiner als
der Rote Berg mit rund 7.000 Bewohnern. Dennoch unterscheiden
sich die Aufgaben der beiden Ortsteilbürgermeister – Rothe ist
2017 und Poloczek-Becher seit 2019 im Amt – nicht grundsätzlich.
Rothe und ihr Ortsteilrat haben beispielsweise jahrelang für
Angebote am Roten Berg gekämpft – letztlich erfolgreich. „Die
neue Kaufhalle am Julius-Leber-Ring ist im November eröffnet
worden“, berichtet sie. Fast ebenso lange fordert sie einen Spielplatz
im Wohngebiet, da viele Familien zugezogen sind. „Wenn es
hakt, greife ich zum Telefon und rufe in der Fachabteilung an. „Tut
sich nichts, lade ich einen Mitarbeiter zum Ortstermin ein.“ Sie ist
sich sicher: „Irgendwann klappt es mit dem Spielplatz. Frauen sind
eben hartnäckig.“
Auch Christian Poloczek-Becher weiß, wie man dicke Bretter
bohrt. „Und sei es nur, genügend Papierkörbe im Ort aufzustellen“,
erklärt er. Straßen, Schulen, Vereinsfeste und die Sauberkeit
im Dorf sind Themen, die die Bürger an ihn herantragen. Sein
Herzensprojekt ist jedoch der Bau eines Pendlerparkplatzes am
Bahnhof Vieselbach. Als Geschäftsstellenleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung
in Thüringen ist er dem Nahverkehr besonders verbunden
– nebenberuflich fährt er Straßenbahn für die EVAG.
Seine Mitgliedschaft im Stadtrat von 2017 bis 2024 hat ihm zusätzlichen
Rückhalt verschafft. „Über die Fraktionen lassen sich Anliegen
der Ortsteile aufgreifen und vorantreiben, wenn die Verwaltung
bremst“, erklärt er, vor allem bei kostenintensiven Projekten.
Einen ähnlichen Weg wählt der Ortsteilrat am Roten Berg: Bürgermeisterin
Rothe pflegt gute Kontakte zur CDU-Fraktion, deren
Stadträte bereits viele ihrer Anliegen unterstützt haben. „Parteipolitik
spielt in unserem Rat jedoch kaum eine Rolle“, betont sie.
Jeder, der konstruktiv mitarbeitet, ist willkommen – wer sich nur
profilieren will, scheitert, mit oder ohne Parteibuch.
Frank Wenzel bestätigt das: „Ortsteilbürgermeister, Ortsteilräte
und die Stadtverwaltung sind aufeinander angewiesen, damit
in den Stadtteilen etwas vorankommt.“ Wenn etwa ein neues
Förderprogramm startet, möchte jeder Ortsteil als Erster profitieren.
„Dann ist es auch unsere Aufgabe, zu ermitteln, wo der dringendste
Bedarf besteht, und eine Reihenfolge zu empfehlen“, so
der ehemalige Amtsleiter. Bei entsprechender Beratung und Kommunikation
finde sich fast immer eine Lösung, mit der alle zufrieden
sind.
Christian Poloczek-Becher
Ortsteilbürgermeister Vieselbach
Ortsteilbürgermeister,
Ortsteilräte
und Stadtverwaltung
sind
aufeinander
angewiesen
Frank Wenzel
Marina Rothe
Ortsteilbürgermeisterin Roter Berg
Straßen,
Schulen,
Vereinsfeste und
die Sauberkeit im
Dorf sind Themen,
die die Bürger an
uns herantragen
Christian Poloczek-Becher
Frank Wenzel
ehemaliger Beauftragter
für Ortsteile und Ehrenamt
Matthias Thüsing (Text) Jacob Schröter (Fotos)
26 SWE Für Erfurt
SWE Für Erfurt
27
SWE für Erfurt
SWE für Erfurt
4 außergewöhnliche Jobs
Die Stadtwerke Erfurt sind weit mehr als das, was man auf den ersten Blick sieht. Hinter einer
zuverlässigen Energieversorgung, sauberem Trinkwasser und moderner Infrastruktur
stehen Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und oft auch mit überraschenden
Berufen. Und doch sind es genau diese Fachkräfte, die im Hintergrund dafür sorgen, dass in Erfurt
alles reibungslos funktioniert. Sie analysieren den Untergrund, sichern die Qualität, digitalisieren
Prozesse und entwickeln Lösungen für die Herausforderungen von morgen. Ihre Arbeit ist
vielfältig, verantwortungsvoll und unverzichtbar für das tägliche Leben in der Stadt.
Dr. Ingo Raufuß
Beruf: Projektsteuerer
Geowissenschaften
Bei der SWE seit: 2024
Ausbildung: Diplom-Geologe,
Universität Bonn
Das gefällt ihm am besten an seiner
Arbeit: „Die interdisziplinäre
Zusammenarbeit mit den Kollegen!
Mit ihrem vertieften Fachwissen
entstehen im Team richtig gute,
belastbare Ergebnisse.“
Noah Fiedler
Beruf: Geomatiker
Bei der SWE seit: 2024
Ausbildung: Auszubildender
im 2. Lehrjahr
Das gefällt ihm am besten an seiner
Arbeit: „Die Arbeit im GIS
(Geoinformationssystem).
Ich mag es, darin Flächen
zu erstellen.“
Jens Papenroth
Beruf: Software-Entwickler
Bei der SWE seit: 2005
Ausbildung: Diplom-Informatiker an
der TU Ilmenau
Das gefällt ihm am besten an seiner
Arbeit: „Mich immer wieder mit neuen
Technologien beschäftigen und
Dinge können, die für
Außenstehende unverständlich sind.“
Noah Fiedler ist 18 Jahre alt und
macht seine Ausbildung zum Geomatiker.
Er digitalisiert Pläne, scannt
Karten und erstellt im GIS präzise
Bestandspläne von Wasser-, Stromund
Gasleitungen. Diese Daten
brauchen Planungsbüros und Baufirmen
etwa für Haus- oder Straßenbau
oder um neue Leitungen
zu planen. Wichtig für den Job sind
Teamgeist, Hilfsbereitschaft, Genauigkeit
und technisches Verständnis,
schließlich wird alles zentimetergenau
eingezeichnet. Pluspunkt: Jobticket
und ein Ausbilder, der voll
hinter ihm steht. Sein Plan nach der
Ausbildung? „Ich kann mir sehr gut
vorstellen, im Unternehmen zu bleiben“,
so Noah. Und sein Ausbilder
sagt lachend: „Auch wir stehen jetzt
mitten in einem Generationswechsel,
da freuen wir uns, dass wir mit
so engagierten jungen Leuten unser
Team verstärken können.“
Im Steinbruch im Trusetal entnimmt der
Die Laboranten der GWA (Gesellschaft für
studierte Geologe Proben für die SWE.
Wasser und Abwasserservice) sind wohl die
Dr. Ingo Raufuß kennt die Geologie Thüringens
Stadtwerke-Mitarbeiter mit dem schönsten
genau und weiß: „Die Granite, die
Ausblick. Sie haben ihren
hier an der Oberfläche sichtbar sind,
Arbeitsplatz nicht in Erfurt, sondern in
liegen vermutlich auch ab einer Tiefe
Luisenthal, direkt an der Ohra-Talsperre,
Zwischen Codezeilen und kreativen Lösungen fühlt sich Jens Papenroth bei
von rund 2.300 Meter unter Erfurt.“ Um
umgeben vom Thüringer Wald. Arwid
der SWE genau am richtigen Platz. Als Software-Entwickler arbeitet er viel am
den Untergrund für die Tiefengeothermie
Zschalich arbeitet im biologischen Labor
SAP-System, entwickelt Schnittstellen, behebt Fehler und passt Anwendungen
besser zu verstehen, führen er und die
und untersucht hauptsächlich Trinkwasser
an die unterschiedlichen Bereiche an. Rund 20 Entwickler tüfteln hier
Uni Jena Messungen im ganzen Freistaat
auf mikrobiologische Parameter, wie Legio-
gemeinsam und Verstärkung ist immer willkommen. Besonders spannend: „Die
durch. Denn das Projekt, durch das in
nellen oder E. coli. Die Proben stammen
fachliche Breite der notwendigen Systeme. Vom Tierheim-Tool, mit dem dessen
Erfurt zukünftig via Erdwärme geheizt
aus Wohnhäusern, Kindergärten, Krankenhäusern
Bewohner erfasst werden, bis zur Bilanzierung der SWE Energie gibt es
werden soll, ist eines der Größten des
und Co. in ganz Thüringen, aber
kaum etwas, das es nicht gibt“, sagt der IT´ler. Genau diese Vielfalt macht den
Unternehmens und soll perfekt vorbereitet
auch Teilen von Hessen und Sachsen-An-
Job für ihn aus. Heute leitet Jens Papenroth die Entwicklungsabteilung, schafft
sein. „Damit ein langfristig stabiler
halt. Wichtig für den Job? „Detailverliebt-
den Rahmen, damit sein Team gute Lösungen entwickeln kann und steht dabei
Wärmepreis möglich wird, strukturiere ich
heit!“, sagt Arwid Zschalich. „Und Lust auf
durch seine jahrelange Erfahrung immer zur Seite.
das Projekt aus fachlicher Sicht und prüfe
praktische Arbeit. Es ist gar nicht so ein
sämtliche Vorgänge“, so Dr. Raufuß.
Nischenjob, wie man denkt. Ich kann meine
Arbeit total weiterempfehlen.“
Frieda Schmidt (Text) Christopher Schmid (Fotos)
30 SWE für Erfurt
SWE für Erfurt
31
Arwid Zschalich
Beruf: Laborant Biologisches Labor
Bei der SWE seit: 2025
Ausbildung: Biologielaborant
in Dessau
Das gefällt ihm am besten an seiner
Arbeit: „Die verschiedenen Aufgaben.
Man kann sowohl praktisch als auch
theoretisch arbeiten. Außerdem ist das
Team super und ich kann durch die
Mitarbeitervorteile den egapark und
die SWE Bäder vergünstigt nutzen!“
Ein zweites Leben
für Sessel und Sofa
Susanne Rudolf
betreibt in der
Johannesstraße
eine Polsterei.
Mit viel Geschick
und Liebe zum
Detail rettet sie
Möbel vor dem
Vergessen.
Susanne Rudolf in ihrem „Schaufenster“: Sie
sitzt auf einem prunkvollen Stuhl aus einem
Kloster. Hinter ihr ein renovierungsbedürftiges
Sofa aus der Zeit des Wiener Barocks, rechts
drei Einzelstücke von ihr per Hand aufgemöbelt.
Diese Schalensessel sind
Vintage-Clubsessel von den VEB Sitzmöbelwerken
Waldheim (DDR) – absolute Sammlerstücke
aus den 60ern und 70ern
Julika Noa (Text)
Christian Fischer (Fotos)
Die Récamiere – auch Ottomane – ist durchgesessen.
Ihr einst so prunkvoller Stoffbezug
ist vom vielen Sitzen, Kuscheln, Träumen
löchrig geworden. Doch das Möbelstück hat
noch immer seine Seele. Deshalb soll es aufgepolstert
und neu bezogen werden.
Mit dem „Aufmöbeln“ kennt sich Susanne Rudolf bestens
aus. Aufgewachsen ist sie in Erfurt in der Polsterei ihres Vaters
Richard Rudolf. Dessen Betrieb hatte in den späten
1960er-Jahren zehn Gesellen. In den 1970er-Jahren wurde
der Betrieb unter staatliche Aufsicht gestellt, blieb aber privat.
Durch die Polsterei wirbelten auch vier kleine Mädchen.
„Für uns war immer klar, eine von uns Schwestern wird den
Betrieb weiterführen", erinnert sich Susanne.
Und sie erinnert sich an all die vielen Großaufträge unter
anderem für den berühmten Erfurter Hof. Das DDR-„First-
Class-Hotel“ am Bahnhof beherbergte Promis und Staatsgäste
und die saßen auf Polsterstühlen der Rudolfs. „Unzählige
Stühle haben wir fürs Restaurant des Erfurter Hofs neu
gepolstert. Die Werkstatt war voll damit.“ Auch für Schauspieler
Manfred Krug hat die Werkstatt das eine oder andere
Lieblingsstück restauriert.
Nach der Wende aber brach das Geschäft von einem Tag
auf den anderen ein. Die Leute shoppten in den Möbelhäusern,
brachten ihre Sessel und Sofas nicht mehr in die Werkstatt.
Susanne Rudolf orientierte sich beruflich neu. Sie
holte ihr Abi nach, studierte Architektur
und bildete sich im Bereich Webund
Grafikdesign weiter. Anschließend
ging sie für sechs Jahre nach
Österreich, wo sie unter anderem
als Grafikdesignerin arbeitete.
Vor zehn Jahren aber
war es Zeit, sich aufs
Handwerk zurückzubesinnen.
„Es gab
wieder Menschen, die danach fragten, ob ich denn nicht ihren
Lieblingssessel oder die alte Ottomane der Großeltern
erhalten kann“, sagt sie. Susanne Rudolf eröffnete ihre Polsterwerkstatt
in der Johannesstraße und rettete so manches
Sitzmöbel vor dem Sperrmüll.
In ihrer hellen Werkstatt mit der Glaskuppel stehen glanzvolle
Möbelstücke wie hundert Jahre alte Ohrensessel oder
antike Sofas. „Ein Kunde wollte, dass ich das Knirschen erhalte,
wenn man sich in den Sessel fallen lässt. Das Geräusch
erinnerte ihn an seine Oma.“ Susanne kann auch das. Sie beherrscht
die klassische Polsterei, ist spezialisiert
auf das Restaurieren antiker Möbel.
Traditionell wird die Polsterung mit
einzelnen Federn aufgebaut. Die werden
auf die Sitzfläche aufgenäht
und dann nach unten geschnürt
mit viel Kraft und
derbem Schnürgarn. Darauf
kommen Naturmaterialien
wie eine Palmfaser.
Darüber dann Rosshaar. „So oft wie ich über die Sitzmöbel
streiche, so oft werden sie von ihren Besitzern nie wieder
gestreichelt.“
Es sind Liebhaberstücke, die den Weg in ihre Polsterei
finden. „Man muss wissen: So ein restaurierter Stuhl kostet
das Vielfache eines Discounter-Stuhls.“ Es dauert viele Stunden,
unzählige Handgriffe sind nötig, um aus Alt-Wertvoll
Neu-Wertvoll zu machen. „Jeder Nagel, jede Niete wird einzeln
entfernt, alles wird auseinandergerupft und dann wird
alles neu aufgebaut.“
„Ich setze in Erfurt eine jahrzehntealte Tradition fort und
bewahre Möbel-Schönheiten vor der Vergänglichkeit, es ist
mein Traumberuf.“ Ihr kommt zugute, dass handwerkliche
Qualität und Recycling wieder im Trend liegen. Auf Regalen
stehen die Stoffmuster-Mappen. Hochwertigste Materialien,
nostalgische neben bauhausinspirierten modernen Mustern –
der Kunde kann so gut wie alles wählen. „Und man kann jedes
gute Polstermöbel aufpolstern“, sagt sie.
Am Ende ist es genau das, was ihre Arbeit ausmacht: Sie
gibt Dingen ihre Geschichte zurück.
32 33
Steigerwaldstadion einmal anders:
Football statt Fußball
Wenn in Erfurt vom Steigerwaldstadion die
Rede ist, denken die meisten an Fußball, an
Rot-Weiß, an Flutlicht und volle Ränge. Bereits
dreimal jedoch seit 2018 war etwas anders:
Dann flog kein runder Ball über den
Rasen, sondern ein ovales Ei. Dann hieß es nicht „Tor!“, sondern
„First Down!“ – und das Stadion wurde zur Football-Arena.
Diese seltenen Heimspiele sind für die Indigos, den Erfurter
American Football Club, etwas Besonderes. 2018 feierten sie hier
ihr Jubiläumsspiel vor mehr als 3.500 Zuschauern – Rekordkulisse
und echtes Gänsehautmomente. 2023 und zuletzt 2025 kamen
jeweils rund 2.000 Fans. Für einen Verein, dessen eigentliche Heimat
der Sportplatz an der Essener Straße ist, ist das Steigerwaldstadion
die große Bühne.
Am 13. Juni 2026 um 15 Uhr folgt das nächste Kapitel: Gegner
sind die Berlin Adler, eines der traditionsreichsten Teams Deutschlands.
Und wieder soll das Stadion zum Treffpunkt für Footballfans,
Familien und Neugierige werden – mit American-Style-
Catering, Cheerleadern, Marching Band und dem typischen Mix
aus Thüringer Bratwurst und Burgerduft.
Gegründet wurden die Indigos am 29. Mai 2008 – zunächst als
Abteilung beim SSV Erfurt Nord. Initiator war Frank Becker, ehemaliger
Running Back der Dresden Monarchs. In Thüringen gab es
damals nur ein Team in Jena. Becker wollte den Sport auch in der
Landeshauptstadt etablieren – und begann, Mitstreiter zu suchen.
Der Name „Indigos“ ist eine bewusste Hommage an Erfurt: Der
Färberwaid, einst Grundlage des städtischen Reichtums, wurde
auch „deutsches Indigo“ genannt. So verbindet der Verein amerikanischen
Sport mit Erfurter Geschichte.
Seit 2018 sind die Indigos eigenständig als American Football
Club Erfurt Indigos e. V. organisiert. Rund 230 Mitglieder zählt
der Verein heute – Herren, Damen, Jugend und Flag-Teams (Flag?
Wird weiter unten erklärt). Alles läuft ehrenamtlich: Training, Organisation,
Spieltage.
Wie sehr der Sport Menschen packt, zeigen die Geschichten
der Verantwortlichen. Headcoach Lucas Fischer (36) kam eher
zufällig zum Football. Während seines Studiums in Erfurt wurde
in seiner Wohnung die Dusche ausgebaut – Wasserschaden. Er
brauchte dringend eine Alternative zum Duschen und schloss sich
einem Studienfreund an, der bei den Indigos trainierte. „Ich wollte
eigentlich nur trainieren, um duschen zu können“, erzählt er
lachend. Aus der pragmatischen Lösung wurde Leidenschaft: Er
spielte zehn Jahre, coachte Jugend- und Damenteams, ist heute
Cheftrainer – und verbringt von April bis August fast jede freie
Minute auf dem Platz.
Kontakt:
American Football Club Erfurt Indigos e.V.
Bürgermeister-Karst-Gasse 2
99095 Erfurt
vorstand@erfurt-indigos.com
Alexander Wyrfel (links),
2. Vorsitzender der
Erfurt Indigos, und Headcoach
Lucas Fischer
(rechts) – beide fanden
über ganz unterschiedliche
Wege zum Football
Auch Alexander Wyrfel (41), heute zweiter Vorsitzender, fand
über Begeisterung zum Sport. Er sah erste Spiele im Fernsehen,
tauchte immer tiefer ein – und blieb. Als langjähriger Fan der New
York Jets weiß er, was Leidensfähigkeit bedeutet. Doch genau dieses
Mitfiebern, dieses Gemeinschaftsgefühl, habe ihn überzeugt.
Football wirkt komplex, lässt sich aber einfach erklären: Die angreifende
Mannschaft hat vier Versuche, um mindestens zehn
Yards Raumgewinn zu erzielen. Gelingt das, gibt es vier neue Versuche.
Ziel ist die Endzone – der Touchdown bringt die meisten
Punkte.
Jeder Spielzug ist geplant. Coaches können nach jedem Versuch
neu anpassen. Für Lucas ist Football deshalb „ein dynamisches
Schachspiel“. Anders als im Fußball kann niemand allein gewinnen.
Quarterback, Offensive Line, Receiver – alle sind voneinander
abhängig. Ohne Blocker hat selbst der beste Spielmacher keine
Chance.
Beim klassischen Tackle-Football endet der Spielzug, wenn der
Ballträger zu Boden gebracht wird. Helm und Pads schützen dabei
Kopf und Oberkörper.
Beim Flag-Football – der kontaktarmen Variante – trägt jeder
Spieler einen Gürtel mit zwei Flaggen. Wird eine Flagge gezogen,
ist der Spielzug vorbei. Kein Tackling, weniger Körperkontakt. Diese
Variante wächst stark und wird 2028 olympisch. Auch in Erfurt
ist Flag besonders im Jugendbereich beliebt.
Football bietet Platz für unterschiedliche Typen: kräftige Linemen,
schnelle Receiver, taktisch denkende Spielmacher. Gerade
Spieler, die sich in anderen Sportarten körperlich „nicht passend“
fühlten, erleben hier Wertschätzung. Auch ein Damenteam gehört
längst dazu.
Wenn die Indigos im Steigerwaldstadion einlaufen, ist das mehr
als ein Heimspiel. Der Tunnel, die Tribünen, die Atmosphäre – „so
heiß waren wir selten vor einem Spiel“, erinnert sich Lucas an das
erste Stadionerlebnis.
Und genau das soll auch am 13. Juni 2026 wieder spürbar werden.
Wenn die Berlin Adler anreisen, wird das Stadion erneut zeigen,
dass es mehr sein kann als Fußballkulisse: eine Bühne für
Teamgeist, Taktik und ein großes Sportfest.
Denn egal ob Lederball oder Ei – am Ende geht es um dasselbe:
Menschen kommen zusammen, fiebern mit und erleben gemeinsam
einen besonderen Nachmittag im Steigerwaldstadion.
Ivo Dierbach (Text) Steve Bauerschmidt, Ivo Dierbach (Fotos)
www.erfurt-indigos.com
34 35
SWE Für Erfurt
SWE Für Erfurt
Vom Grünabfall zum Kompost
Erfurter Gütekompost ist ein hochwertiges
Naturprodukt: Aus regionalen
Grünabfällen entsteht durch
kontrollierte Rotte, Reife und
Siebung innerhalb von rund zehn
Wochen ein stabiler, hygienisierter
Kompost für Garten- und Landschaftsbau.
Wasserauffangbecken
Löschteich
Aufschichtung in Trapezmieten
Intensive Rottephase (2-4 Wochen)
- Temperatur: 55-70 °C
- Aktive mikrobielle Zersetzung
- Hygienisierung (Abtötung von
- Unkrautsamen und Krankheitser-
- regern)
- Regelmäßiges Umsetzen oder -
Zwangsbelüftung
Fertiger Erfurter Gütekompost
Ergebnis nach 10 Wochen
Stabiler, hygienisierter Kompost
Siebung nach Korngröße
Verkauf oder Einsatz im Landschaftsbau
Nachrotte/Reifephase (4-8 Wochen)
- Temperatur sinkt langsam
- Bildung stabiler
Humusverbindungen
- Struktur wird krümelig
- Geruch wird erdig
Anlieferung und
Aufbereitung (1-3 Tage)
- Zerkleinerung (Schreddern)
- Entfernen von Störstoffen
Der Erfurter Gütekompost
ist als 40-Liter-Sack erhältlich auf
unseren Wertstoffhöfen
Wertstoffhof Nord,
Lobensteiner Straße 1
Wertstoffhof Eugen-Richter-Straße,
36 SWE für Erfurt
SWE für Erfurt
37
Eugen-Richter-Straße 26
Wertstoffhof Am Urbicher Kreuz 36
Absiebung
Ivo Dierbach (Text) Jacob Schröter (Foto)
Faule
Vögel?
Immer mehr Störche
bleiben im Winter in
Erfurt. Früher sind fast alle
Störche im Herbst nach
Afrika geflogen. Heute überwintern
einige sogar auf der
Müllkippe in Erfurt. Sind die
Vögel faul geworden?
Storchen-Porträt
Der Weißstorch ist ein großer, schöner Vogel mit weißem Gefieder, schwarzen
Flügelspitzen und einem roten Schnabel. Man nennt ihn auch „Adebar“, was
Glücksbringer bedeutet. In Deutschland gibt es wieder viele
Störche – über 10.000 Paare wurden zuletzt gezählt. Besonders viele
leben dort, wo es feuchte Wiesen und Flüsse gibt.
Im Winter fliegen viele Störche nach Afrika oder
Spanien, um Futter zu finden. Im Frühling kommen
sie zurück zu ihren riesigen Nestern auf Hausdächern.
Immer mehr überwintern inzwischen aber auch in Deutschland.
Große Störche haben kaum natürliche Feinde. Aber für die
Küken sind Marder, Waschbären oder Adler gefährlich. Auch
Kälte und Regen können den Kleinen schaden.
Ein alter Glaube sagt, dass der Storch die Babys bringt. Früher dachten die
Menschen das, weil die Störche im Frühling aus dem Süden zurückkamen –
genau dann, wenn viele Kinder geboren wurden. Zudem liebten Störche die
Wärme von Schornsteinen, unter denen oft die Wiegen standen.
Nein. Das hat mit Faulheit nichts
zu tun. Vielmehr sind die Störche
ziemlich schlau. Denn so ein langer
Flug bis nach Südafrika ist sehr anstrengend
und gefährlich. Auf dem
Zug können Störche verhungern,
verdursten oder durch Unwetter und
Stromleitungen sterben. Wenn sie
dagegen in Thüringen bleiben, sparen
sie viel Energie und vermeiden
diese Gefahren. Außerdem haben
Störche, die hier überwintern, im
Frühling einen Vorteil. Sie sind schon
vor Ort und können ihre Nester früher
besetzen.
Der Baggerfahrer Patrick sieht die
Störche jeden Tag. Er sagt, auf der
Deponie in Erfurt überwintern Störche
schon seit vielen Jahren. Und es
hat sich herumgesprochen. Denn es
werden immer mehr, sagt Patrick. Im
vergangenen Jahr hat er einmal 16
Störche gezählt. Und nicht nur Störche.
Auch Möwen hat er hier schon
gesehen. Und viele Rabenvögel gibt
es hier.
Sie alle finden auf der Deponie einen
reich gedeckten Tisch. Jedes
Jahr werden auf der Deponie rund
22.000 Tonnen Grünabfälle angeliefert
und zu Kompost verarbeitet.
Kompost ist eine ganz besondere
Erde, in der unglaublich viele Nährstoffe
stecken. Das ist für Pflanzen
so ähnlich wie gesundes Essen oder
Vitamine für uns Menschen. In dieser
Erde finden sich auch im Winter
viele Würmer, Essensreste, Insekten
oder Mäuse. All das fressen Störche
gern.
Und wenn sich auf der Deponie der
Kompost zersetzt, entsteht eine behagliche
Wärme, die von den Haufen
aufsteigt. Diese natürliche Heizung
lockt die Störche an, die sich
dort an kalten Tagen auf dem Kompost
niederlassen, um sich gemeinsam
die Füße zu wärmen.
Aber auf einer Deponie lauern
auch Gefahren. Denn Störche fressen
liebend gerne Regenwürmer.
Auf dem Müll liegen aber oft auch
Gummibänder. Diese sehen für den
Storch genauso aus wie Würmer.
Er frisst sie oder bringt sie seinen
Kindern im Nest. Das Gummi kann
der Storch aber nicht verdauen. Es
bleibt im Magen liegen und wird
zu einem harten Klumpen. Frisst er
zu viel davon, kann der Storch daran
sterben.
Wenn du den Tieren helfen willst –
sei schlau wie ein Storch und wirf
Gummibänder niemals in den Biomüll
oder auf den Kompost.
Matthias Thüsing (Text) Jacob Schröter (Fotos)
38 39
SWE
SWE
Für
für
Erfurt
Erfurt
SWE
SWE
für
Für
Erfurt
Erfurt
Die Repairer und Betreuer des Repaircafés sind ehrenamtlich
am Start und das aus Überzeugung: Retten, was zu retten ist
und so Recourcen sparen
Notfallklinik für
Küchengeräte & Co
Das Keyboard gibt keinen Ton mehr von sich.
Der Kassettenrekorder leiert nur noch und
die Lampe flackert nur noch. Weg damit? Das
kann es doch nicht sein, sagte sich auch Monika
Brückmann. Vor fünf Jahren hat sie am Herrenberg
Erfurts zweites Repaircafé ins Leben gerufen. „Als
ich in Rente gegangen bin, wollte ich einerseits der Gesellschaft
etwas zurückgeben und andererseits einen kleinen
Umweltbeitrag leisten“, sagt die 72-Jährige.
In Pfarrer Thomas Riedel fand sie sofort einen Verbündeten.
Seit dem wird der Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde
Erfurt-Süd einmal im Monat zur „Notfallklinik“
für Küchengeräte, Handys, Laptops und „alles, was sich
tragen lässt“, ergänzt Monika. „Kühlschränke und Waschmaschinen
reparieren wir nicht.“ Aber Rasenmäher lagen
hier schon auf dem OP-Tisch. Die Idee der Repaircafés
stammt aus den Niederlanden. Dort wurde 2009 das erste eröffnet.
Sie sind keine professionellen Werkstätten, sie bieten
Hilfe zur Selbsthilfe. Das Repaircafé Erfurt Südost ist eines von
über 1.700 in Deutschland und wird ehrenamtlich betrieben.
Die Repairer sind begeisterte Bastler, tüfteln meist so lange,
bis der Föhn wieder föhnt oder die Nähmaschine wieder läuft.
Das Repaircafé ist der Entwurf gegen die Wegwerfgesell-
Tobias Knappe ist als
IT-Experte der "Doktor"
für Handys und wie hier
für gecrashte Laptops
Repariert wird alles, was sich tragen lässt –
auch ein nostalgischer Leuchter
Das Repaircafé Erfurt
Südost in der
Singerstraße 1
ist immer am
4. Samstag im Monat
von 15 bis 18 Uhr
geöffnet.
schaft. „Wir können uns das Wegwerfen dauerhaft nicht
leisten. Wir müssen die Ressourcen der Erde schonen“, sagt
Tobias Knappe. Der 40-Jährige ist IT-Administrator und Repairer
der ersten Stunde. Bei ihm landen vor allem gecrashte
Handys oder Laptops. Einmal kam eine Frau, die völlig
verzweifelt war, weil sie auf ihrem Handy Fotos eines Wasserschadens
hatte. Die Fotos brauchte sie für die Versicherung.
Tobias konnte dem Handy ein zweites Leben einhauchen
und die Handybesitzerin strahlte. Schon immer habe er
gern und alles mögliche repariert, früher waren es meist die
Fahrräder der Freunde, erzählt er. „Der Nachhaltigkeitsgedanke
begeistert mich. Wir reduzieren etwas die Müllberge.“
Manchmal ist es einfach auch nur eine Fehlerdiagnose.
Der „Kunde“ bekommt dann eine Liste der kaputten Teile.
„Er kann sie sich besorgen und wir bauen sie wieder ein. Oder
er weiß: da ist nichts mehr zu retten. Auch das hilft“, sagt Tobias.
Obwohl er jetzt in Gotha wohnt, kommt er immer noch
ins Erfurter Repaircafé. „Ja, das hier ist ehrenamtlich. Aber wir
werden in einer anderen Währung bezahlt: Wir bekommen
ein Lächeln.“ Während die Geräte repariert werden, gibt es
nebenan Kaffee und Kuchen für die „Kunden“. Das Repaircafé
ist somit auch eine Kommunikations-Werkstatt. „Mir hat
jemand erzählt, dass er seit vielen Jahren am Herrenberg
wohnt, aber bisher noch nie in unserem Gemeindezentrum
war“, freut sich Pfarrer Riedel.
Eine Garantie fürs reparierte Teil geben die Repairer nicht.
Aber sie geben alles. „Das Ding lässt sich noch einschalten,
aber gibt keinen Ton mehr von sich. Vielleicht ist nur ein Bauteil
durchgebrannt“, sucht einer der Repairer angespannt in
einem Keyboard nach dem Fehler. In der Hand hält er einen
Schraubenzieher im Puppenstubenformat. Das Werkzeug
bringen die Repairer mit. „Es macht ungeheuer Spaß,
alte Geräte wieder zum Leben zu erwecken. Wenn sie dann
noch ein paar Jahre laufen, ist doch allen geholfen“, sagt Tobias
Knappe. Und ab und an gibt es auch skurrile Fälle wie
den Staubsauger, der einfach nur eine Nuss verschluckt hatte.
Ohne Repaircafé wäre er im Müll gelandet.
Julika Noa (Text) Karina Hessland-Wissel (Fotos)
40 SWE Für Erfurt
SWE Für Erfurt
41
Der Kulturmacher
Michael Keller (Text)
Steve Bauerschmidt (Fotos)
Eigentlich hat Wolfgang Staub Elektrotechnik
studiert, den Ingenieur gemacht. Zum persönlichen
Spaß aber auch schon 1987 im Keller
seines Hauses eine kleine Druckerei betrieben,
dazu den passenden Facharbeiter
und Meistertitel erworben. Selbstständigkeit
zu DDR-Zeiten – Utopie. Dann die Wende, Aufbruchstimmung.
Plötzlich war vieles möglich. 1989 stand eine
Druckerei in der Iderhoffstraße zum Verkauf. Die Selbstständigkeit
lockte weiter. Wolfgang Staub orientierte sich
neu. Fast zeitgleich hatte er aber auch schon die Fühler
in Richtung Marstallstraße 12 ausgestreckt. Staub schlug
auch hier zu, kaufte gleich das ganze Haus, eine ehemalige
Tanzschule. Seine Idee: Weg von der Druckerei, hin zu
einem Ort, der ein Synonym für Kultur sein sollte – Dasdie
Live. Freilich musste das heruntergekommene Haus
erst saniert werden.
Bis zu 450 Gäste können im DASDIE feiern oder Veranstaltungen
besuchen. Die Alte Oper bietet Platz für bis zu 1.000 Gäste
Staub, waschechter Erfurter, nahm sich die „Resterampe
der Wende“. Staub telefonierte landauf, landab die Veranstalter
und Agenturen ab, wo denn die ehemaligen Ostkünstler
abgeblieben seien, die vor 1989 die Häuser füllten.
Es hat dann ein bisschen gedauert, ehe die Leute gemerkt
haben, dass da etwas angeboten wird, was sie kannten und
mit dem sie vertraut waren. Musik ihrer Jugend. Dazu Varieté
und Revue, Show und Theater. „Vier, fünf Jahre habe
ich Minus gemacht. Die Druckerei lieferte das Geld, um zu
überleben“, sagt er.
Wolfgang Staub bietet mit fünf Veranstaltungsorten
in Erfurt bald für fast jeden kulturellen Geschmack etwas
Staub war seinerzeit „Mädchen für alles“. Er hat die
Künstler ausgesucht und engagiert, die Tickets verkauft
und am Abend abgerissen, war Platzanweiser, Techniker,
Conférencier, managte den Einkauf und die Abrechnung
selbst. Der Arbeitstag zog sich von 10 bis mindestens
23 Uhr hin. Gezweifelt habe er nie, versichert der Kulturmacher.
Im Jahr fünf war er endlich in der Gewinnzone. Und
die 160 Plätze waren fast immer ausverkauft und wurden
langsam zu knapp. Da stand um die Ecke das Dasdie Brettl
zum Verkauf. Ein Haus mit sagenhaftem Ruhm. „Da kam
man zu DDR-Zeiten nur mit Krawatte rein. Und wer keine
hatte, dem wurde eine vom Rausschmeißer verkauft“, erinnert
sich Wolfgang Staub. Im November 2002 eröffnete
das neue Haus mit 450 Plätzen.
Ja, und dann wollte die Stadt das Alte Opernhaus nicht
mehr. Staub machte den Stadtoberen vor, wie es gehen
kann. Kredit genommen, losgelegt. Das Gestühl holte er
selbst aus dem Theater in Hildburghausen. Bis zu 1.000
Besucher könnten dort heute im Ernstfall bespaßt werden.
Alle drei Häuser mit ihren vier Spielstätten – 2013 kam
noch das Kabarett Erfurter Puffbohne im Brettl dazu –
haben um die 120.000 Besucher pro Jahr. Eine Quote, von der
andere Kulturveranstalter nur träumen. Staatliche Fördergelder
hat er nie in Anspruch genommen.
Früher ging er Klinken putzen, heute fragen die Künstler
– große Namen – bei ihm an: Uriah Heep, Die Prinzen,
Bülent Ceylan, Quatsch Comedy Club, Simon & Garfunkel
Revival Band, die Höhner, Lars Eidinger, Wladimir Kaminer,
Ulla Meinecke, Marius Müller-Westernhagen, Dr. Mark
Benecke …
In diesem Jahr soll der Stadtgarten, den er über drei
Jahre lang hat herrichten lassen, mit 1000 Plätzen richtig
durchstarten. Für Besucher von 16 bis 30 Jahren. Klubatmosphäre
halt. Die Verträge sind geschlossen.
„Ich bin dankbar, dass ich diesen Beruf ausüben darf“,
sagt der Kulturunternehmer, den man des Öfteren auf dem
E-Roller zwischen seinen Spielstätten hin und her schwirren
sieht. Dem für die Kultur glühenden Erfurter gehen die
Ideen einfach nicht aus.
42 SWE Für Erfurt
SWE Für Erfurt
43
Hartmut Priemer im
entstehenden neuen Backhaus
an der Krämerbrücke.
Zwischen alten Balken und
frischem Holz wächst hier
ein Ort, an dem bald wieder
Brot gebacken und Handwerk
gelebt wird
Wohnraum bieten soll. Wenn alles nach
Plan läuft, könnte die Fahne Mitte oder
Ende 2026 wieder im Wind flattern.
Für Priemer ist das mehr als eine Rückkehr.
Es ist ein Weitergehen.
„Ich habe nie gedacht, dass ich nicht
zurückkomme“, sagt er. „Nur, dass es länger
dauert.“ Eine Pause kam für ihn nicht
infrage. Als 2023 klar wurde, dass die Generalsanierung
Zeit braucht, zog er mit
seinem Team in die Michaelisstraße – ins
Haus „Zum Schwarzen Adler“. Kein Provisorium,
sondern ein zweiter, echter
Standort. „Ich wollte mein Team nicht
verlieren. Und ich wollte nicht riskieren,
dass das, was wir aufgebaut haben, einfach
verschwindet.“
ationen – immer von Hand gemacht, oft
live vor den Augen der Gäste. Die roten
Bäckermützen, die offene Backstube, das
Feuer im Ofen – all das wurde Teil des
Ortes. Und der Ort wurde Teil von ihm.
„Ohne dieses Haus wäre ich nicht derselbe
Bäcker“, sagt er offen. „Hier konnte
ich meine Vision umsetzen.“ Die Krämerbrücke
mit ihrem besonderen Flair,
die Mischung aus Erfurterinnen, Erfurtern
und Touristen – sie prägte das Konzept.
Manchmal vielleicht zu sehr: „Es ist
irre geworden. Leute kommen rein, machen
Fotos und gehen wieder.“ Ein Verbotsschild?
„Sieht doof aus“, winkt er ab.
Lieber setzt er weiter auf Haltung statt
auf Hinweise.
Wenn
die Fahne
wieder
weht
Wer heute durch die Kreuzgasse am Fuße der
Krämerbrücke geht, sieht vor allem ein Gerüst.
Holz, Stahl, Planen. Und doch liegt etwas
in der Luft, das man nicht sehen kann: eine Vision.
„Wenn du auf der Baustelle stehst, siehst
du nicht das, was fehlt“, sagt Hartmut Priemer und schaut durch
die offene Tür in den entkernten Raum. „Ich sehe sofort, was wiederkommt.“
Es ist dieser Blick nach vorn, der ihn seit 2012 begleitet. Damals eröffnete
der gebürtige Berliner hier seine „Backstube“ – bewusst nicht
„Bäckerei“. Ein Ort, der persönlicher sein sollte, authentischer. Vom
Produkt bis zu den Menschen dahinter. „Die Vision war, ein festes
Backstudio zu gründen. Anders als viele andere. Nicht größer, sondern
ehrlicher.“
Das Haus selbst hat Geschichte. Errichtet zwischen 1807 und 1817,
später Fleischerei, dann Teil einer Töpferei, wurde es ab 2012 zur
Backstube. Nun wird es denkmalgerecht saniert: Fachwerkwände,
Holzbalkendecken, Dach – alles wird erneuert, stabilisiert, modernisiert.
Rund 750.000 Euro investiert die Stiftung Krämerbrücke in
das Gebäude, das künftig unten wieder nach Brot duften und oben
Noch riecht es nach Holz
und Baustelle, bald nach frischem Brot:
In den historischen Räumen an der
Krämerbrücke entsteht eine neue
Backstube. Wenn die Fahne wieder
weht, ist geöffnet
Wer mit ihm spricht, merkt schnell:
Hier denkt einer nicht romantisch, wenn
es konkret wird. „Am letzten Backtag
hier? Da war ich im Kopf schon beim
Umzug. Eine Woche, um eine komplette
Backstube zu transformieren – das ist
Druck.“ Technik, Abläufe,
Synchronisation. Neue Öffentlichkeit,
anderes Publikum.
„Das neu einzuspielen,
das dauert Monate.
Das unterschätzt man.“
Und doch ist ihm genau
das gelungen. Viele
Stammgäste sind geblieben,
neue hinzugekommen.
Heute arbeiten deutlich
mehr Menschen für
ihn als zu Beginn, als er mit drei Kräften
startete. Drei Lehrlinge bildet er aktuell
aus. Eine von ihnen wurde sogar Landessiegerin.
„Sie hat das gewonnen. Ich
habe nur die Voraussetzungen geschaffen“,
sagt er und lächelt.
Voraussetzungen schaffen – das ist
vielleicht der Kern seiner Arbeit. Denn
Priemers Anspruch ist so schlicht wie
kompromisslos: „Ich mache es so, wie ich
es selbst essen möchte.“ Biomehle, Bioeier,
Biomilch. „Es kommt nur rein, was
auch hineingehört.“ Qualität ist für ihn
kein Marketingbegriff, sondern Maßstab.
Wenn er ein Brot nicht selbst gern isst,
verkauft er es nicht.
Untrennbar mit dem Haus an der Krämerbrücke
verbunden ist für ihn das reine
Roggenbrot. „Das habe ich hier eingeführt.
Das ist mein Brot.“ Und die
einfachen Brötchen, jeden Tag frisch gebacken.
Dazu kamen über die Jahre Dinkelbrot,
Enchiloco und viele andere Kre-
Ohne dieses
Haus wäre ich
nicht derselbe
Bäcker.
Hartmut Priemer
Wie wird es sein, wenn beide Standorte
parallel laufen? Noch ist vieles Plan. In
der Kreuzgasse soll es einen Stehtresen
geben, mehr Spontaneität, ein schnelles
Gespräch bei Kaffee und Brötchen. Hinten
entstehen Personalräume, Vorbereitungsküche,
Lager. Der
Ofen bleibt sichtbar – gebacken
wird weiterhin offen.
In der Michaelisstraße
dagegen gibt es mehr
Platz zum Sitzen, weniger
touristischen Trubel.
„Wir werden sehen, wie
sich das einspielt“, sagt
Priemer. „Man kann Pläne
machen. Aber man muss
flexibel bleiben.“ Vielleicht
verteilen sich die Stammgäste. Vielleicht
entdecken sie beide Orte neu. Sicher ist
nur: Die Fahne wird künftig wohl doppelt
wehen.
Und wann hat es sich gelohnt? Priemer
überlegt kurz. „Gelohnt hat es sich
schon. Für mein Leben. Für meinen Unterhalt.
Und weil ich anderen Arbeit geben
kann.“ Dann fügt er hinzu: „Man
muss ein bisschen verrückt sein, um so
etwas zu machen. Wenn man wüsste,
was alles auf einen zukommt …“ Er lacht.
„Aber ich würde es nie bereuen.“
Auf der Baustelle hallen Schritte über
den rohen Boden. Staub liegt in der
Luft, Sonnenlicht fällt durch freigelegte
Balken. Noch fehlt der Duft von frischem
Brot. Doch wer genau hinschaut,
sieht ihn fast schon – wie er sich durch
die Kreuzgasse zieht, vorbei am Gerüst,
hinüber zur Brücke.
Und vielleicht hängt dann wieder eine
Fahne draußen.
Ivo Dierbach (Text) Jacob Schröter, Steve Bauerschmidt (Fotos)
44 SWE Für Erfurt
SWE Für Erfurt
45
DAS MÜSSEN SIE VON IHREN STADTWERKEN WISSEN
Mobil bleiben
mit Bus & Bahn
Sicher unterwegs trotz Einschränkung – wir
zeigen, wie es geht! Die EVAG bietet regelmäßig
Trainings für Senioren und mobilitätseingeschränkte
Fahrgäste an. Vor Ort
gibt es Tipps und Tricks zum richtigen Einund
Ausstieg mit Rollator oder Rollstuhl,
zum sicheren Standplatz und Informationen
zur Bedeutung von Tastern und Symbolen
im Fahrzeug sowie Zeit zum üben.
Die nächsten Termine sind am 24. Juni und
30. September 2026, jeweils um 14 Uhr an
der Haltestelle Thüringenhalle.
Eine Anmeldung ist erforderlich unter
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von attraktiven Vorteilen: Im Theater Erfurt
gibt es noch bis 30. Juni zehn Prozent
Rabatt auf Tickets für theatereigene Vorstellungen
im Großen Haus (ausgenommen
DomStufen-Festspiele, Gastspiele
und Studio.Box). Im Thüringer Zoopark
Erfurt erhalten EVAG-Abonnenten vom
3. Juli bis 30. September zehn Prozent Rabatt
auf Tagestickets. Die Angebote gelten
jeweils bei Vorlage der Abo-Chipkarte
oder des Handytickets.
Mehr: www.evag-erfurt.de/abovorteile
SAVE THE DATE
Tag der offenen Tür bei der EVAG:
19.09.2026 von 10 bis 16 Uhr,
Betriebshof Am Urbicher Kreuz
EVAG beim Tag der
Verkehrssicherheit:
21.05.2026 von 9 bis 13 Uhr,
Erfurter Domplatz
Gleiserneuerung am Stadtparkkopf
In den Sommerferien erneuert die EVAG die
Gleisanlagen am Stadtparkkopf südlich des
Erfurter Hauptbahnhofs. Die Arbeiten erfolgen
innerhalb von voraussichtlich vier
Wochen unter Vollsperrung für den Pkw-,
Stadtbahn- und Bus- Verkehr. In den verbleibenden
zwei Ferienwochen werden zusätzlich
die Gleise in der Bahnhofsunterführung
zum Willy-Brandt-Platz erneuert weiterhin
unter Vollsperrung des Stadtbahn- und Busverkehrs.
Die Strecke gehört zu den meistbefahrenen
Abschnitten des Erfurter Straßenbahnnetzes:
Mehr als 1.000 Stadtbahnen pro
Tag passieren den Stadtparkkopf. Fünf Stadtbahn-Linien
sowie die Bus-Linien 9, 51, 60
und 61 nutzen die Haltestellen in der Bahnhofsunterführung.
Nach rund 18 Jahren im Einsatz machen
zunehmende Verschleißerscheinungen eine
Erneuerung der Gleise erforderlich. Fördermittel
des Freistaates Thüringen unterstützen
die Finanzierung der Bauarbeiten.
Alle Infos gibt es rechtzeitig unter
www.evag-erfurt.de
Mit den Öffis zum Alperstedter See
Packt die Badehose ein! Während der Badesaison ab Mitte Mai bis zum
4. Oktober 2026 verstärkt die EVAG das Fahrtenangebot zum Alperstedter
See.
Vom Anger aus geht‘s in rund 35 Minuten an den Strand: mit der Stadtbahn-Linie
5 bis Grubenstraße oder Zoopark und anschließend mit der Bus-
Linie 132 bis zur Haltestelle Alperstedter See.
Bus-Linie 155 fährt ins Grüne
EVAG/Barbara Neumann (Foto)
Therme, Freilichtmuseum, Wanderwege und Aktivpark – das und mehr bietet
die Erlebnisregion Hohenfelden. Die Bus-Linie 155 verbindet Erfurt mit
dem beliebten Ausflugsziel. Die Abfahrtszeiten und genauen Verbindungen
zu diesen und weiteren Ausflugszielen gibt es in der
EVAG-App oder unter
www.evag-erfurt.de/fahrplanauskunft
Vorfreude
auf die 28. Erfurter
Kinderbuchtage
Im Frühjahr eines jeden Jahres stehen
Kinder und Jugendliche seit
28 Jahren im Mittelpunkt der Erfurter
Kinderbuchtage mit einer
riesigen, gut sortierten Auswahl
an Themen, Büchern und Veranstaltungen.
Die Erfurter Kinderbuchtage
machen das kulturelle Angebot
in unserer Stadt vom 30. Mai
bis 13. Juni 2026 noch vielfältiger.
Die Karten für die Veranstaltungen
gibt es bereits im Vorverkauf. Die
Stadtwerke Erfurt unterstützen die
Kinderbuchtage seit vielen Jahren
als Förderer, denn diese Veranstaltungen
halten die Begeisterung
am Lesen wach, stecken bisherige
Büchermuffel mit dem Lesevirus
an und beweisen, dass Bücher
einfach eine ganz besondere
Freizeitbeschäftigung sind.
Mit wenigen Klicks zur Wasserqualität
Der Geschirrspüler oder die Waschmaschine
brauchen es, Aquarianer erfragen
die Werte und Teetrinker oder junge
Eltern informieren sich zum Thema
Wasserqualität für ihre direkte Wohnadresse.
Abnehmer in Erfurt, in den eingemeindeten
Orsteilen und den Gemeinden
des Zweckverbandes Erfurter
Becken können die Wasserqualität
für die eigene Straße und Hausnummer
selbst digital abfragen. Zu finden ist die
Auskunft zur Wasserhärte unter:
SWE beim
31. Magdeburger
Allee Fest
Jedes Jahr verwandelt sich die
Magdeburger Allee im Erfurter
Norden in eine lange, lebendige
Festmeile, auf der Anwohner,
lokale Händler, Vereine, Künstler
und Besucher aus der ganzen
Stadt zusammenkommen. Entlang
der gesamten Straße erwartet
die Gäste ein abwechslungsreiches
Programm mit Live-Musik
auf mehreren Bühnen, Tanz- und
Kulturbeiträgen, zahlreichen Mitmachaktionen
sowie Informationsständen
regionaler Initiativen
und Vereine.
Mit dabei sind am 6. Juni die
Stadtwerke Erfurt und präsentieren
sich im 35. Jahr ihres Bestehens
mit ihren Produkten
und Dienstleistungen sowie vielen
Partnern auf dem Stadtwerkevorplatz.
Sammeln und Gestalten
Rund 90 Einrichtungen machen bis Schuljahresende
mit beim diesjährigen Papiersammelwettbewerb
der SWE. Am Kreativteil können sich interessierte
Schulen und Kitas noch beteiligen.
Die kreativsten Papierkünstler erwarten
extra Preise im Wert von 1.000
Euro! Thema ist: W - Wasser ist unser
Element. Zeigt uns eure Wasserwelt!
Unterstützt dabei den Recyclinggedanken
und verwendet Altpapier. Einsendeschluss
ist der 30. Mai 2026.
www.swe-energie.de/energie/home/
themenwelt/erfurter-wasser oder in der
App SWE Für Erfurt, die es kostenlos zum
Download für Android und iPhone gibt.
Neben den konkreten Angaben zur Gesamthärte
und zum Härtebereich werden
auch ausgewählte Parameter der
Trinkwasserqualität für die konkrete Adresse
angezeigt wie z. B. Nitrat, Chlorid
oder Magnesium. Hierbei handelt es sich
um Mittelwerte, die jährlich aktualisiert
und veröffentlicht werden.
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Impressum
HERAUSGEBER: SWE Stadtwerke Erfurt GmbH
REDAKTION: Henry Köhlert (Ltg.), Maria Gimpel,
Frieda Schmidt, Ivo Dierbach, Hannes Sperling,
Christine Karpe
AUTOREN: Michael Keller, Matthias Thüsing,
Julika Noa
LEKTORAT: Kerstin Thürnau
E-Mail: presse@stadtwerke-erfurt.de
Telefon: 0361 564-1128
REDAKTIONSSCHLUSS: 10.03.2026
GESTALTUNG: Janet Waldert, Stefan Waldert
(waldertprintdesign.com)
TITELBILD: Steve Bauerschmidt
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46 SWE Für Erfurt
SWE Für Erfurt
47
DAS MÜSSEN SIE VON IHREN STADTWERKEN WISSEN
Bundestag im Atrium der SWE
Sommer, Sonne, Freibadzeit
Das Nordbad eröffnet die Freibadsaison am 4. Mai 2026.
Bis voraussichtlich 13. September laden dann 50-Meter-
Becken, Attraktionsbecken mit Bodenbrodlern, Massagedüsen
und Strömungskanal sowie der Sprungturm
und die Kleinkinderbecken alle Wasserratten und Badefans
ein. Das Strandbad Stotternheim mit den beliebten
Strandkörben, Sandstrand und vielen Sportangeboten
sowie Spielmöglichkeiten und Badebecken für die kleinen
Besucher startet am 13. Mai und ist bis 6. September
geöffnet. Im Dreienbrunnenbad mit seinem einzigartigen
denkmalgeschützten Ambiente kann im selben
Zeitraum gebadet werden.
Nach seiner Sanierung wird das Freibad Möbisburg ab
5. Juni wieder für Besucher geöffnet. Bis 30. August kann
man dort im neuen Becken abtauchen.
Neue Gastronomie in den
Erfurter Bädern
Das Badrestaurant in Erfurts größter Schwimmhalle wird seit
1. Februar interimsweise bis Ende Mai vom Erfurter Gastronomen
Daniel Hübener unter dem Namen Southside und mit
einem neuen modernen Konzept betrieben. Burger, Pommes,
Salate, Pasta – die Karte des Restaurants in der Roland
Matthes Schwimmhalle enthält für jeden Geschmack
etwas. Die Angebote der Speisekarte können auch in der
Sauna bestellt werden. Daniel Hübener ist bereits seit mehreren
Jahren für die Gaststätte im Nordbad verantwortlich.
Aktuell ist der Betrieb des Badrestaurants der Roland Matthes
Schwimmhalle ab Juni 2026 ausgeschrieben.
Im Strandbad Stotternheim und im Freibad Möbisburg
wird es zum Start ebenfalls neue Gastronomen geben.
Inklusion im
Schwimm- und
Wasserballtraining
Sie wollten schon immer mal wissen, wie
es im Deutschen Bundestag zugeht,
ohne dabei nach Berlin zu müssen? Kein Problem!
Die Wanderausstellung des Deutschen
Bundestages macht Halt in Erfurt und lädt
dazu ein, Politik hautnah zu erleben. Eröffnet
wird sie am 15. Juni 2026 um 12:00 Uhr
im Atrium der Stadtwerke Erfurt (Magdeburger
Allee 34) vom Bundestagsabgeordneten
Michael Hose und OB Andreas Horn.
Die Ausstellung vermittelt beeindruckend
die Arbeitsweise des Parlaments
und macht politische Entscheidungsprozesse
erlebbar. Klassische Informationstafeln
werden durch digitale Formate
ergänzt: Interaktive Monitore, ein Touch-
Tisch sowie eine Augmented-Reality-
Anwendung (reale Welt erweitert mit virtuellen
Inhalten) ermöglichen, unter anderem
einen virtuellen Einblick in den Plenarsaal
des Reichstagsgebäudes. Während der
gesamten Ausstellungsdauer sind Mitarbeiter
für Fragen, Erläuterungen und Vorträge
für Sie da.
Ausstellungszeitraum:
15.–19. Juni 2026
Öffnungszeiten:
Montag 12:00–16:00 Uhr
Dienstag–Donnerstag 08:00–16:00 Uhr
Freitag 08:00–14:00 Uhr
Deutscher Bundestag/Jörg F. Müller (Foto)
Schwimmer wetteifern um Roland Matthes Pokal
SWE (Foto)
Auch in diesem Jahr trägt der Erfurter
SSC e. V. den bekannten Roland Matthes
– Pokal im Rahmen seines 35. Nachwuchsschwimmfestes
in der gleichnamigen
Schwimmhalle aus. Benannt ist der
Wettbewerb nach Erfurts erfolgreichstem
Schwimmer, dem Rückenstilspezialisten
Roland Matthes, der in dieser
Halle viele seiner Trainingskilometer absolvierte.
Das Event findet vom 1. bis 3.
Mai 2026 statt. Es zählt zu den größten
Schwimmsportveranstaltungen in Thüringen
und bietet Schwimmern ab Jahrgang
2018 und älter die Möglichkeit,
Der Erfurter Schwimmsportclub e. V. hat mit dem
Projekt „Inklusive Schwimmlerninitiative für Kinder
und Jugendliche des ESSC im Schwimmen und
Wasserball“ Fördermittel des Landes Thüringen in
Höhe von 8.300 Euro für seine Ehrenamtsarbeit erhalten.
Seit September 2025 bietet der Verein für
Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen regelmäßiges
Schwimmtraining unter Anleitung von
lizensierten Trainerinnen und Trainern. Der Verein
kann nun das Angebot im Para-Schwimmen
und Wasserball erweitern. Die SWE Bäder GmbH
vergab trotz begrenzter Ressourcen Schwimmhallenzeiten
für das Training. Maja Fink ist nach einer
schweren Erkrankung als Para-Schwimmerin
mit Spaß und Begeisterung beim Schwimmtraining
dabei.
sich mit hochkarätiger Konkurrenz zu
messen.
Die Schwimmhalle öffnet am 1. Mai
daher nur von 8 Uhr bis 12 Uhr und
bleibt am 2. sowie 3. Mai für den öffentlichen
Badebetrieb geschlossen.
Kreativ zum Frühlingsstart
Mit den ersten warmen Frühlingstagen hat man richtig
Lust, im Garten zu werkeln oder etwas ganz Neues zu beginnen.
Im GartenWerk des egaCampus laden zwei Kurse
dazu ein, sich Gartenwissen anzueignen oder zur Entspannung
etwas Kreatives zu versuchen.
Workshop "Dein Weg zur essbaren Balkonoase", am 29.
April 2026, 16 bis 18 Uhr führt ein in die Welt des urbanen
Gärtnerns und weckt die Freude am Anbau von frischen,
gesunden und köstlichen Lebensmitteln auf dem eigenen
Balkon! Das Seminar ist eine inspirierende Reise für alle,
die ihren Balkon in eine grüne Oase verwandeln und Gemüse
aus eigenem Anbau genießen wollen. Angefangen
von geeigneten Pflanzen über die richtige Erde bis hin zur
optimalen Pflege der Pflanzen – so wird man durch Expertenwissen
von Anna Meincke von Dachgemüse zum Profi.
Zentangle®: Entspannung und Kreativität im Grünen,
am 10. Juni 2026, 16 bis 18 Uhr, zeigt, wie aus einfachen
Linien kleine Kunstwerke entstehen Strich für Strich,
ganz ohne Vorkenntnisse. Inmitten der blühenden egapark-Gärten,
zwischen Blüten, Grün und Weite, wird man
achtsam und inspirierend in die meditative Zeichenwelt
von Zentangle® eingeführt. Kurs pro Person inkl. egapark-Eintritt
52 Euro
Anmeldung und Kauf der Teilnahmekarte über
den Onlineshop auf www.egapark-erfurt.de
Erfurter Nachhaltigkeitspreis
Die diesjährige Bewerbungsphase für den Erfurter Nachhaltigkeitspreis
startet am 12. Juni 2026. Startschuss ist der Aktionstag
„Nachhaltigkeit – Stadt im Wandel“ im Hirschgarten.
Der von der Landeshauptstadt Erfurt und der Stadtwerke Erfurt
Gruppe ausgeschriebene Preis hat das Ziel, Erfurterinnen
und Erfurter für nachhaltige Lösungen in der Stadt zu sensibilisieren
sowie den Austausch und Wettbewerb für nachhaltige
Projekte zu fördern. Dotiert ist er mit je 1.000 Euro in den Kategorien
Hauptpreis, Jugendpreis U21 und Sonderpreis zum
Thema „Bildung“. Bis zum 30. September 2026 können innovative
Ideen zum Thema als Projekt eingereicht werden. Zu den
Preisträgern der vergangenen Jahre gehörte u. a. das „Biketaxi
Erfurt“. Partner für den diesjährigen Sonderpreis zur Bildung
für Nachhaltige Entwicklung wird der Zukunftsfähiges
Thüringen e. V. sein.
Die diesjährigen Preisträger werden am 28. November 2026
zum Fairen Adventsmarkt in der Barfüßerruine in Erfurt geehrt.
Abfallkalender neu in
der App SWE für Erfurt
Wann wird die gelbe Tonne geleert? Welchen
Termin hat die Hausmüllentsorgung?
Darüber informiert künftig die App SWE Für
Erfurt. Eine Erinnerungsfunktion sorgt dafür,
dass man keinen Termin verpasst und die
Tonnen pünktlich rausrückt. Außerdem wird
die nächste Abfallabholung auch auf dem
Dashboard angezeigt.
48 SWE Für Erfurt
SWE Für Erfurt
49
Künstliche Intelligenz
unterstützt den Schutz von
Wasserressourcen
Erfurts Wasserversorger
entwickelt mit vorhandener
Technik und bereits genutzten
IT-Lösungen ein innovatives
Verfahren zur Suche
von Schleichverlusten
Lucas Bohm, Monteur im Netzbetrieb (Bild
oben) bereitet die Messungen vor. Janosch
Roos (Bild links) zeichnet im Plan die bereits
gemessenen Bereiche ein
Christine Karpe (Text) Jacob Schröter Fotos)
Wie schützen wir unsere Wasserressourcen,
wenn sich der Klimawandel mit all
seinen Folgen manifestiert: Hitzesommer
mit Starkregen, den der ausgetrocknete Boden nicht
aufnehmen kann, niederschlagsarme Herbst- und Wintermonate,
in denen sich Grundwasser und Talsperren nicht
ausreichend regenerieren?
Mögliche Strategien, um die Wasserversorgung für Erfurt
und das Umland auch künftig sicher und nachhaltig zu gestalten,
daran arbeitet Erfurts Wasserversorger, die ThüWa
ThüringenWasser GmbH. Dazu gehört auch die Minimierung
von Schleichverlusten im Versorgungsnetz. Water Loss Management
(WLM) ist der Schlüsselbegriff dafür. Bisher wurde
mit aufwendigen regelmäßigen Messungen im Netz auf
Basis von Korrelationsmessverfahren, einer Wechselbeziehung
verschiedener Messwerte, nach möglichen Verlusten
gesucht. Künftig sollen vorhandene Technologien und Daten
in einem System zusammengeführt werden und mit Hilfe
von Rechenmodellen und Künstlicher Intelligenz die potenzielle
Schadstelle ermittelt werden. Das Verfahren existiert
nicht nur am Schreibtisch, sondern befindet sich bereits in
der Testphase. „Das Wasser, was wir aus unseren Grundwasservorkommen
gewinnen oder aus der Ohratalsperre von
der Thüringer Fernwasserversorgung geliefert bekommen,
wollen wir möglichst verlustarm nutzen. So schützen wir
die natürlichen Wasserressourcen am besten“, weiß Susanne
Kaiser. Mit knapp 10 Prozent Wasserverlusten kann die
ThüWa auf eine geringe Prozentzahl im Kreis der Wasserversorger
verweisen. In Summe sind das aber dennoch knapp
2,9 Mio. Kubikmeter Wasser, die aufgrund von unsichtbaren
Schäden am unterirdisch verlegten Wasserleitungsnetz
pro Jahr im Boden versickern. „Das Wasser ist nicht verloren
und gelangt wieder in den Wasserkreislauf, doch aus wirtschaftlicher
Sicht und aus Gründen der nachhaltigen Nutzung
wollen wir diese Verluste weiter reduzieren“, erklärt die
ThüWa-Chefin das Pilotprojekt.
Bisher wurden mit zwei Messwagen, die unterirdische
Schäden ermitteln können, regelmäßig verschiedene Netzabschnitte
systematisch abgefahren. Dies ist in einem so
großen Versorgungsgebiet mit einem hohen Personalund
Zeiteinsatz verbunden. Die Trefferquote beim Auffinden
von Rohrschäden ist nicht optimal. Natürliche Gewässer
und Fremdgeräusche z. B. durch den Verkehr stören die
Messungen.
Wie kann man aus der vorhandenen Technik und bereits
genutzten IT-Systemen ein effizientes Verfahren der Rohrnetzschadenssuche
erstellen? Die ThüWa-Experten entschieden
sich für Marbach als Testgebiet. Die vorhandenen Zähler
geben Auskunft zu den ins Netz eingespeisten Wassermengen
und den entnommenen Verbrauchsmengen. „Dann werden
durch Rechenmodelle aus diesen Daten, dem Alter und
Zustand der Leitungsabschnitte sowie der bisherigen Havariehäufigkeit
besonders schadensanfällige Bereiche identifiziert.
Diese eingegrenzten Gebiete können dann per Messwagen
überprüft werden. Ein Schaden wird so schneller
geortet, bevor er größere Ausmaße annimmt und Versorgungseinschränkungen
erzeugt. Reparaturen mit Schachtarbeiten
sind so auch zeitlich besser zu planen und abzustimmen.
Das ermöglicht einen gezielteren Personal- und
Technikeinsatz“, erklärt Susanne Kaiser die Vorteile der neuen
Lösung. Das Verfahren hat sich im Testgebiet Marbach
bewährt und wird in den kommenden Jahren auf weitere Bereiche
des großflächigen Netzes in Erfurt ausgedehnt. Zusätzlich
soll durch den Einsatz künstlicher Intelligenz das
WLM-System noch verbessert werden, um die Schadstellen
noch genauer eingrenzen zu können.
Das ThüWa-Projekt ist in die Zukunft gedacht und entspricht
den Vorgaben der Nationale Wasserstrategie und des
dazugehörigen Aktionsprogrammes. Beides legt die Grundlage
für ein zukunftsfähiges Management unserer Wasserressourcen
und den Schutz unserer Gewässer.
Henrik Steiding, Mitarbeiter
Zählermanagement, liest die neue
Zählertechnologie zu Kontrollzwecken aus
50 SWE Für Erfurt
SWE Für Erfurt
51
Schätze im Keller
Gudrun Noll-Reinhardt präsentiert Schätze der Archäologie aus Erfurt: Ein bronzezeitliches Gefäß, das vor mehr als 5000 Jahren mit einem
natürlichen Klebstoff repariert wurde. Eine jungsteinzeitliche Tontrommel. Eine hauchdünne Münze aus dem Erfurter Brakteatenschatz
21 Stufen führen hinab in Erfurts tiefste Vergangenheit. Seit etwas
mehr als einem Jahr präsentiert das Erfurter Stadtmuseum im
Untergeschoss des Hauses zum Stockfisch seine archäologische
Sammlung. Das älteste Fundstück ist 100.000 Jahre alt.
Gudrun Noll-Reinhardt steht in der Dunkelheit
des romanischen Kellers an einem der
unbeleuchteten Pulte. Sie drückt auf einen
Touchscreen. Eine Vitrine mit einem tönernen
Kochtopf darin fährt aus dem Pult
heraus. Licht geht an und beleuchtet den Topf sowie knapp
150 hauchdünnen Silbermünzen. Sie sind ebenfalls unter
Glas ins Pult eingelassen. „Das hier ist unser Erfurter Brakteatenschatz“
sagt Kuratorin Noll-Reinhardt. „Den Topf
mit über 1.300 Münzen, hat der Stadtarchäologe Hans-Otto
Pollmann 1994 an der Mauer eines ehemaligen Friedhofs
nördlich der Sulzaer Siedlung geborgen.“
Brakteaten sind eine mitteldeutsche Spezialität der
Münzkunde. Die hauchfeinen Silberlinge galten nur in der
Stadt, in der sie geprägt wurden. Und sie galten immer nur
für ein Jahr. Danach legte der Münzherr eine neue Serie mit
kunstvollen Prägungen auf. Wer noch alte Münzen hatte,
musste sie umtauschen. Das war mit einem Preisabschlag
verbunden, der dem Stadtherrn zufloss.
Der Erfurter Schatz setzt sich hauptsächlich aus Erfurter
Münzen zusammen, umfasst aber auch einzelne Stücke aus
anderen mitteldeutschen Städten - von Arnstadt über Altenburg
bis Halberstadt und Mühlhausen. Die älteste Münze
stammt aus der Zeit von 1153 bis 1160 die jüngste kurz
nach 1200. In jeder einzelnen von ihnen ist einseitig ein
kunstvolles Bildnis eingeprägt. Romanik pur.
Vermutlich sei es ein Waidbauer gewesen, der hier im Erfurter
Umland zu bescheidenem Reichtum gekommen war,
sagt Noll-Reinhardt. Sie schätzt, dass sich der Eigentümer
des Schatzes für das Geld 22 Schweine oder 180 Schafe hätte
kaufen können. Doch um 1200 waren die Zeiten unruhig.
Also versteckte er sein Geld auf dem Friedhof und womöglich
landete er eben da, bevor er sein Eigentum wieder
bergen konnte.
Gudrun Noll-Reinhardt kann zu jeder Münze etwas sagen.
Immer wieder muss sie den Touchscreen bedienen.
Denn alle 30 Sekunden geht das Licht wieder aus und die
Vitrine fährt herunter. „Unsere Besucher sollen in der Ausstellung
aktiv werden“, sagt sie. Sowohl die Exponate als
auch die Monitore mit den Erläuterungen müssen jeweils
angefordert werden. „Wer hier nichts tut, kann bei uns viel
Zeit verbringen, ohne irgendetwas zu sehen“, lacht sie.
„Etwa 25.000 Stücke umfasst die archäologische Sammlung
der Stadt“, sagt Museumschef Harry Eidam. Vieles hätten
Bürger Ende des 19. Jahrhunderts geborgen, als Erfurt
entfestigt worden sei. Dabei sei so manch wertvolles Stück
ans Tageslicht gekommen, darunter etwa auch ein römischer
Eimer aus dem 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus.
Weil bei solchen Stücken meist der Fundzusammenhang
nicht erforscht wurde, fehlen dem Museum heute wichtige
Informationen. Der Bronzeeimer könnte als Weinmischgefäß
oder Obstschale verwendet worden sein. Auch eine
Nutzung als Graburne ist möglich. All das erfährt der Besucher,
wenn er die Knöpfe auf den Pulten drückt.
Der bisherige Erfolg gibt dem Konzept recht. 16.000 Gäste
sind bislang die 21 Stufen in die Erfurter Vergangenheit
hinabgestiegen. Sie haben den Schatz, den Nachweis einer
Schädeloperation vor 5000 Jahren oder einen bronzezeitlichen
Rasierer für sich entdecken können. Eine weitere interaktive
Installation zeigt die Verteilung der Fundorte ausgewählter
Exponate im Stadtgebiet und gibt Einblicke in die
Arbeit der Archäologen.
Auch die neuesten Funde werden im Keller vorgestellt.
Aktuell ist die Vitrine leer. Die Flaute am Bau reicht bis in
die Archäologie: Wird kein Erdreich bewegt, bleiben die
Schätze im Boden – und warten weiter auf ihren Moment
im Licht.
Matthias Thüsing (Text) Jacob Schröter (Fotos)
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SWE Für Erfurt
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Wenn GEPARDEN unruhig werden und NASHÖRNER lernen
Alltag in der
Zoo-Sprechstunde
Tierärztinnen im Zoo
stehen vor besonderen
Herausforderungen: Ihre
Patienten wiegen mitunter
mehrere Tonnen, sind
selten krank – und
sprechen nicht. Im
Erfurter Zoo erzählen
Tina Risch und
Dr. Luise Stegmeier-Länge
von ihrem Alltag zwischen
Narkosen, Training und
Transporten.
Tina Risch (re.) und Dr. Luise Stegmeier-Länge bereiten den Transport der Rappenantilope vor. Die ersten Meter der Reise
legt das Tier in Vollnarkose zurück. Im Transporter wird es mit einem Gegenmittel wieder aufgeweckt
Gepardenmutter Djéhuti und ihre vier
Jungen streifen unruhig durch die Käfigboxen.
Seit einigen Tagen dürfen die
fünf nicht mehr in die Außenanlage. Der
kleine Jabari hat sich am Fuß verletzt und zum Schutz
vor Infektionen sollen die Katzen im Innengehege
bleiben.
Am Morgen melden Pfleger Tierärztin Tina Risch jedoch
ein weiteres Problem: Eines der Tiere hat ein altes
Thermometer von der Wand gerissen. Es sei nicht
auszuschließen, dass eine kleine Menge Quecksilber in
die Holzspäne des Geheges gelangt ist. Zwei Mitarbeiter
schaufeln deshalb das Streu in große Schubkarren,
als Risch die Anlage zur Visite betritt. Die Geparden laufen
nervös in ihren engen Boxen auf und ab. Ein Blick auf
Jabaris Pfote bringt schließlich Entwarnung: Die Verletzung
heilt gut. Die Klappe zum Außengehege kann wieder
geöffnet werden. Die Tiere stürmen hinaus.
Eigentlich hatte Risch den Tag anders beginnen wollen.
Eine junge Rappenantilope soll abgeholt und in
einen französischen Zoo gebracht werden. Solche
Transporte verlangen umfangreiche bürokratische Vorbereitungen,
erklärt sie. Außerdem hat sich für den Mittag
eine Amtstierärztin aus Erfurt angekündigt – ohne
behördliche Kontrolle geht nichts.
Währenddessen trainiert ihre Kollegin Dr. Luise Stegmeier-Länge
im Nashornhaus die beiden Kühe Lottie
und Stella. Die tonnenschweren Tiere lernen seit einigen
Wochen das sogenannte Klickertraining. Pfleger
Eric Laurenat gibt Kommandos; reagieren die Tiere richtig,
ertönt ein kurzes Klicken aus einer Kunststoffbox.
Das Signal kündigt eine Belohnung an. So lassen sich
die Nashörner an tierärztliche Behandlungen gewöhnen.
Heute trägt Stegmeier-Länge nur etwas Salbe hinter
dem Ohr auf. Später könnte dort eine Impfung erfolgen
– ohne Narkose. Für heute genügt die Übung.
Kurz darauf trifft der Transporter für die Rappenantilope
ein. Auch die Amtstierärztin ist da. Risch betäubt
das rund 150 Kilogramm schwere Tier. Vier Pfleger
tragen die Antilope auf einer Plane in den Wagen,
wo sie ein Gegenmittel erhält. Minuten später steht
sie wieder auf den Beinen – etwas nervös, aber stabil.
Die Anspannung bleibt: Narkosen gehören zum Alltag,
doch Risiken lassen sich nie ganz ausschließen. Vor
der Antilope liegen nun rund 25 Stunden Fahrt bis zum
ZooParc de Beauval südlich von Paris. Risch würde gerne
mal hinfahren. Der Tierpark soll sehr schön sein.
Doch das Fernweh muss waren. Zeit zum Durchatmen
bleibt nicht. Bei Berberaffe Kolo hat ein Pfleger einen
Bauchriss entdeckt, vergleichbar mit einem Leistenbruch
beim Menschen. Kaum nähern sich die Tierärztinnen der
Anlage, schrillen Warnrufe durch das Gehege. Ein Affe
fletscht die Zähne, der Anführer Rico bringt ein Jungtier
in Sicherheit. „Das kennen wir“, sagt Risch. Gefährlich sei
die Situation nicht, doch man müsse den Tieren deutlich
machen, wer hier das Sagen hat.
Die Untersuchung bei Kolo ist schnell beendet. Der
Affe hat bereits gefressen – eine Operation wäre heute
zu riskant. Der Eingriff wird auf morgen verschoben.
Vielleicht bleibt bis dahin Zeit für die liegen gebliebene
Büroarbeit – sofern nicht wieder etwas Unvorhergesehenes
passiert.
Matthias Thüsing (Text) Karina Hessland-Wissel (Fotos)
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