f+h fördern und heben 3/2026
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2884
03
April 2026
€ 20,00
1951–2026
TITEL
Exotec wird zum Integrator
06 kompletter Lagersysteme
Palettenwechsel: Kleiner
18 Schritt, großer Hebel
Plattformen lösen den
32 klassischen Leitstand ab
foerdern-und-heben.de
MULTIMEDIAL VERNETZT
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FÖRDERTECHNIK
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Carmen Müller-Nawrath
Head of Sales
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EDITORIAL
INFORMATION JUST IN TIME
IoT-Sensoren, digitale Zwillinge, KI-gestützte Prognosen, Echtzeit-
Tracking auf jedem Quadratmeter Lagerfläche – die Intralogistik
schwimmt in Daten. Und ja, Daten sind ein Produktionsfaktor.
Aber einer, der Geld kostet: beim Erfassen, Speichern,
Übertragen, Auswerten und – oft vergessen – beim Ignorieren.
Denn genau das passiert mit dem Großteil der Daten, die wir
heute erzeugen. Sie werden gesammelt, weil es technisch
möglich ist. Nicht, weil jemand sie braucht.
Ich beobachte in Projekten immer wieder dasselbe Muster: Mehr
Dashboards, mehr KPI, mehr Schnittstellen – aber nicht mehr
Erkenntnis. Der Leitstandmitarbeiter sieht 20 Kennzahlen auf
seinem Bildschirm und trifft dennoch Bauchentscheidungen.
NICHT DIE MENGE AN DATEN
SCHAFFT WERTSCHÖPFUNG,
SONDERN IHRE RELEVANZ
Nicht aus Ignoranz, sondern
weil die Flut an Informationen
die relevanten Handlungsempfehlungen
begräbt.
Daher stelle ich eine These in den Raum: Nicht „Information
total“ bringt uns weiter, sondern Information just in time – die
richtige Information, in der richtigen Menge, zur richtigen Zeit,
am richtigen Ort. Wer das beherzigt, macht aus Daten
Wertschöpfung. Wer es nicht tut, betreibt digitale Lagerhaltung
– und die ist bekanntlich auch in der physischen Welt selten
wirtschaftlich. Die entscheidende Frage lautet daher nicht:
Welche Daten können wir erheben? Sondern: Welche Daten
braucht ein Mensch oder ein System in genau diesem Moment,
um eine bessere Entscheidung zu treffen?
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IHRE MASCHINE
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Winfried Bauer
– Chefredakteur –
w.bauer@vfmz.de
INHALT
20
EDITORIAL
03 Information just in time
IMPULSE
06 TITELSTORY Systemintegrator für robotikgestützte
Kleinteilelager
„Einer, der die Fäden zusammenhält“
18 Palettenwechsel in der Lagerplanung
Unterschätzter Prozess mit großem Effizienzpotenzial
22 PPWR-Konformität sicherstellen und Prozesse
optimieren
So senken Smart-Reuse-Pools den Nachkauf um bis
zu 20 Prozent
75 JAHRE F+H SERIE
13 Lagertechnik
Von der Muskelkraft zur
intelligenten Logistik
JAHRE
PRODUKTE UND SYSTEME
10 Rückspeisefähige Antriebstechnik im Shuttle-Lager
eines Bergsportausrüsters
Bremsenergie nutzen statt zu verheizen
12 Meta-Lagertechnik steigert
Kommissioniergeschwindigkeit um 45 Prozent
Durchlaufregale beschleunigen
Medizintechnik-Versorgung
20 Erstes RackBot-System Compact in Europa in Betrieb
Roboterschwarm automatisiert
Omnichannel-Kommissionierung
34 Automatisierung in der Kontraktlogistik
Smarter Warentransport im dynamischen
Logistikzentrum
36 STAPLERTEST Bobcat B25NS mit LFP-Batterie
Farbenfrohe Alternative
42 Flurförderzeuge in der Frischelogistik
Palettenhandling auf engem Raum
44 Logistics & Automation Hamburg 2026
Intralogistik, Verpackung und Automation
unter einem Dach
46 Digitale Highlights
F+H EXTRA
FÖRDERTECHNIK
25 Smart Conveyors in der Automobilproduktion
Was modulare Fördersysteme leisten – und was ihre
Integration erfordert
28 Lacksprayhersteller automatisiert Förderstrecken
schrittweise
Höhenpufferung löst Platzproblem in der
Spraydosenproduktion
25
34
4 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
PERSPEKTIVEN
32 Steuerungssysteme im Wandel der Automatisierung
Der klassische Leitstand hat ausgedient
40 F+H VOR ORT Jungheinrich-Fachpressekonferenz
„Innovations & Highlights 2026“
Mit 400 Volt gegen den Verbrenner
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INTERPACK-VORSCHAU
48 Verpackungstechnik, Materialfluss und
Automatisierung im Fokus
Mehr als Verpackung – Impulse für die Intralogistik
50 Produkt- und Systeminnovationen zur Interpack 2026
SERVICE
TITELBILD
Exotec
Deutschland
GmbH,
München
49 Impressum
51 Vorschau auf Heft f+h 04/2026
IMPULSE
TITELSTORY
SYSTEMINTEGRATOR FÜR ROBOTIKGESTÜTZTE KLEINTEILELAGER
„EINER, DER DIE FÄDEN
ZUSAMMENHÄLT“
Das Kernproblem bei der Konzeption und späteren Realisierung
von robotikgestützten Kleinteilelagern lässt sich auf zwei Fragen
reduzieren: Wer redet mit? Und wer trägt die Verantwortung für
das Zusammenspiel der Komponenten im Gesamtsystem? Der
Robotikspezialist Exotec mit Stammsitz in Lille und deutscher
Niederlassung in München etabliert sich als Integrator für
durchgängige Lagerautomatisierung.
6 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
TITELSTORY IMPULSE
EXOTEC: VOM ROBOTIK-OEM ZUM INTEGRATOR
„Lagerbetreiber wünschen sich am liebsten einen Gesamtverantwortlichen“,
weiß Benjamin Putz, Senior Sales Executive Central
Europe bei Exotec. „Man braucht jemanden, der die Fäden zusammenhält.“
Dazu muss der Integrator erstens ein tiefes Verständnis dafür
haben, wie das Lager als Ganzes funktioniert – auch wenn man
nicht alle Bestandteile selbst beigesteuert hat. Und zweitens benötigt
der ausgewählte Integrator von seinem Auftraggeber das
Vertrauen, dass das Projekt als Ganzes bei ihm in den richtigen
Händen liegt.
Dieses Vertrauen muss man sich verdienen. So wie Exotec. Das
vor gut zehn Jahren gegründete Unternehmen hat seine anfängliche
Ausrichtung als Robotik-OEM längst verlassen. Mehr und
LAGERAUTOMATISIERUNG:
DAS ABGESTIMMTE ZUSAMMEN-
SPIEL IST ENTSCHEIDEND
mehr etabliert sich Exotec als Systemintegrator, der Logistikanlagen
mit allen Teilsystemen und Gewerken errichtet – vom Warenein-
bis zum -ausgang inklusive des robotikgestützten Kleinteilelagers.
Die komplette Steuerung übernimmt das Warehouse-
Execution-System Deepsky.
Exotec arbeitet mit ausgewählten Herstellern zusammen, was
die Voraussetzungen für eine möglichst große Kontrolle über die
Fertigung der Subsysteme schafft. Markus Schlotter, Managing
Director Central Europe bei Exotec, weiß, worauf es ankommt:
„Für Betreiber zählt nicht, wann einzelne Komponenten geliefert
werden, sondern wann das Gesamtsystem produktiv geht. In unserer
Rolle als Integrator richten wir alle Subsysteme konsequent
auf diesen Zeitpunkt aus.“ Wohl niemand, der beim Errichten eines
Logistiksystems je die Projektverantwortung trug, wird die
Relevanz dieses Aspekts unterschätzen.
Die Robotik bildet zwar das Herzstück eines automatisierten
Lager- und Bereitstellungssystems (AS/RS), doch für
ein funktionierendes Ganzes braucht es mehr als das koordinierte
Zusammenspiel autonomer Roboter. Zum
Beispiel Subsysteme, die die Waren konsolidieren und verpacken.
Oder hocheffiziente Lösungen für das Puffern und Sortieren
oder für das Aufrichten und Verschließen von Kartons.
WER ÜBERNIMMT VERANTWORTUNG FÜR
SEIN VERSPRECHEN?
Leider ist es nicht so, dass Subsysteme verschiedener Hersteller
von Hause aus stets miteinander harmonieren. Die Herausforderung
besteht darin, alle Komponenten innerhalb der Gesamtlösung
aufeinander abzustimmen, ohne dass man sich dabei einen
Flickenteppich mit Stolperfallen zusammenstellt. Diese Gefahr
besteht so lange, wie die einzelnen Hersteller am Planungstisch
den Fokus vor allem auf ihr Produkt richten. Die Erfahrung zeigt:
Manche Beteuerungen, dass etwas im Zusammenspiel mit anderen
Komponenten störungsfrei funktioniere, relativieren sich, sobald
konkrete Probleme auftreten. Wer also trägt die Verantwortung
für das große Ganze – vor allem dann, wenn mal etwas nicht
so läuft wie gedacht?
01 Händler und Hersteller verlassen sich bei der Entwicklung und
Realisierung ihrer Kleinteilelager auf Generalunternehmer wie Exotec,
die für die komplette Systemintegration verantwortlich zeichnen
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/03 7
IMPULSE
TITELSTORY
„Das Skypod-System für die Kernaufgaben im Lager bildet das
Herz unserer Anlagen, die Komponenten drumherum integrieren
wir“, erklärt Putz. Kein Standardsystem kann alles. Wenn das
Gewicht einzelner Behälter die 30-kg-Tragfähigkeit der autonom
fahrenden und kletternden Roboter überschreitet, sind ergänzende
Lösungen gefragt. Oder wenn die Behälterformate des
Exotec-Robotiksystems bestimmte Anforderungen nicht erfüllen.
Dann werden mitunter klassische Regalbediengeräte, Shuttles
oder Fördertechnik ins Kalkül gezogen. Das bedeutet aber keineswegs
eine nachrangige Ergänzung ohne durchgängige Integration,
wie Putz betont: „Wir realisieren schlüssige Gesamtlösungen
ohne Extra-IT und ohne Schnittstellenprobleme.“ Und ohne
langwierige Diskussionen darüber, wer aufseiten der externen
Dienstleister die Verantwortung trägt, wenn etwas nicht funktioniert.
02 Mit autonomen mobilen Robotern hat sich Exotec einen Namen
gemacht. Aber schon seit einigen Jahren konzipiert und realisiert das
Unternehmen als Systemintegrator komplette robotikgestützte
Kleinteilelager
E-COMMERCE-LAGER FÜR
DOSENBACH-OCHSNER
Dass Exotec die Rolle des Generalunternehmers zu spielen versteht,
beweist nicht zuletzt ein Großprojekt in der Schweiz. Dosenbach-Ochsner,
der größte Schuh- und Sporthändler in der Alpenrepublik,
hat für seine E-Commerce-Aktivitäten eine komplette
Anlage für die robotikgestützte Kommissionierung errichtet.
Entstanden ist ein Hochleistungs-Logistikzentrum mit
174.000 Regalstellplätzen, zehn fahrerlosen Transportfahrzeugen
(FTF), Fördertechnik, 27 Packstationen und 100 Skypod-Robotern.
Gregor Oberfranz, Leiter Logistik der Dosenbach-Ochsner
AG, erinnert sich an die Planungsphase: „Uns kam es darauf an,
dass wir auch große Leistungspeaks schnell und einfach bewältigen.
Hierfür hat Exotec als Systemintegrator rund um das Skypod-System
die ideale Lösung errichtet.“ Das schließe das FTS-
Flottenmanagement ein.
JEDE WOCHE „BLACK MONDAY“
GUTE SYSTEMINTEGRATOREN
SEHEN DAS LAGER ALS GANZES
Die von Oberfranz angesprochenen „großen Leistungspeaks“
wiederholen sich bei der Deichmann-Tochter nahezu jede Woche:
Am Wochenende fährt Dosenbach-Ochsner die Online-Werbung
hoch, woraufhin das Auftragsaufkommen sprunghaft ansteigt.
Am Montag beansprucht es die volle Kapazität aller 100
Skypods. Wenn es am Dienstag ruhiger wird, reduziert die Logistik
die aktive Roboterflotte um bis zu 50 Prozent, und auch einige
Packstationen werden außer Betrieb genommen – bis zum nächsten
„Black Monday“.
03 Im E-Commerce-Lager des Schuh- und Sporthändlers Dosenbach-
Ochsner sind neben autonomen Skypod-Kommissionierrobotern auch
fahrerlose Transportfahrzeuge unterwegs. Die Systemintegration lag in
den Händen von Exotec
WENN ROBOTIK AN IHRE GRENZEN STÖSST
LAGERERGÄNZUNG AM WOCHENENDE
Einen weiteren Aspekt der Systemintegration à la Exotec hebt David
Meadows hervor. Er ist CIO des Einzel- und Großhändlers Lane
Automotive. Das US-Unternehmen vertreibt Tuning-Komponenten
für Rennwagen und Trucks. Meadows geht es darum,
kurzfristig die Leistung seines automatisierten Kleinteilelagers zu
erhöhen, ohne dabei den laufenden Betrieb zu stören: „Wir können
an einem einzigen Wochenende eine zusätzliche Kommissioniereinheit
hinzufügen.“
KOMPLEXITÄT IST PER DEFINITION
NICHT EINFACH
„Unsere Kunden wissen, dass die Konzeption, der Aufbau und
der Betrieb einer Logistikanlage auch Schwierigkeiten mit sich
bringen“, so Putz. Daher verzichtet er auf unrealistische Zusagen.
„Wir tun gar nicht erst so, als könne nichts passieren.“ Wenn man
viele Stränge zusammenführen muss, kann es zu Reibungsverlusten
an den Schnittstellen kommen. Aber solange jemand den
Überblick bewahrt und alle Fäden in der Hand hält, findet sich
stets eine Lösung.
Fotos: Exotec
www.exotec.com
8 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
MARKTPLATZ
ROLLENMOTORSTEUERUNG MIT IO-LINK
Dezentrale Steuerungsmodule
für bis zu vier CANopen-basierte
Motoren erweitern die Automatisierung
von Förderanlagen – ohne
Schaltschrank. Die TBEN-LL-
4RMC-Serie von Turck unterstützt
neben Interroll-Motoren auch
Antriebsrollen von MTA und MPC.
Neue Varianten verfügen über
IO-Link-Master-Ports zur Integration smarter Sensorik und
nutzen den Anschluss über Standard-M12-L-Pinning.
Das IP67-Modul kombiniert Motorsteuerung, digitale I/Os
und IO-Link in einem robusten Gehäuse. Multiprotokoll-Ethernet
und die programmfreie Argee-Logik schaffen die Voraussetzungen
für dezentrale Steuerungen. Die wahlweise
Spannungsversorgung mit 24 oder 48 V erhöht die Flexibilität
bei der Integration – und schließt damit auch energieeffiziente
48-V-Antriebe ein. Vorprogrammierte Logiken erleichtern
die Umsetzung von staudruckloser Förderung und anderen
Förderstrategien.
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FAHR-LENK-SYSTEME VERKÜRZEN
INTEGRATIONSZEIT BEI AMR UND AGV
Das von IMS Gear entwickelte Fahr-Lenk-System IMS.Omnidrive
ist eine Plug-and-Play-Komplettlösung für autonome
mobile Roboter und fahrerlose Transportfahrzeuge mit
Traglasten von bis zu zwei Tonnen. Die Einheit kombiniert
Antrieb, Lenkung, Sensorik und Steuerung. Die kompakte
Bauweise sorgt für Wendigkeit, die integrierte Sensorik und
das Bremssystem tragen zu präziser Steuerung und hoher
Betriebssicherheit bei. Ein weiteres
differenzielles Antriebssystem für
fahrerlose Transportfahrzeuge ist
IMS.Dualdrive (Bild), das Rad,
Bremse, Antrieb und Steuerung in
einer Einheit vereint. Die Lösung ist
modular skalierbar und deckt
Traglastbereiche von 250 bis 1.000 kg pro Einheit ab. Mit
einem Wirkungsgrad von rund 85 Prozent und einer wartungsfreien
Betriebsdauer von mehr als 20.000 Stunden ist
das System auf zuverlässigen Dauerbetrieb ausgelegt.
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Standardlösungen können angesichts heterogener
Anforderungen moderner Unternehmen schnell an ihre
Grenzen stoßen. Gefragt sind individuell zugeschnittene
Logistikarchitekturen, die zwischen Vollautomatisierung,
Teilautomatisierung und manuellen Abläufen unterscheiden.
Wesentliche Faktoren für die passende
Automatisierungsstrategie sind die Realisierungszeit, die
Vertragsdauer, die Prognostizierbarkeit des Geschäfts
sowie die Verfügbarkeit von Mitarbeitenden.
Während vollautomatisierte Lager bei konstantem
Wachstum und verlässlicher Planbarkeit ihre Effizienz
entfalten, sind in Branchen mit schwankender Auslastung
oder saisonalen Spitzen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit
entscheidend. Teilautomatisierte und
manuelle Lösungen punkten hier mit niedrigeren
Fixkosten und lassen sich kurzfristig anpassen.
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RÜCKSPEISEFÄHIGE ANTRIEBSTECHNIK IM SHUTTLE-LAGER EINES
BERGSPORTAUSRÜSTERS
BREMSENERGIE NUTZEN
STATT ZU VERHEIZEN
Der Bergsportausrüster Bergzeit betreibt seit
2022 an seinem Standort im oberbayerischen
Otterfing ein automatisiertes Shuttle-Lager mit
54.000 Stellplätzen. Die von psb intralogistics
realisierte Anlage setzt auf rückspeisefähige
Antriebstechnik von SEW-Eurodrive: Über einen
gemeinsamen Zwischenkreis tauschen die
Shuttle-Aufzüge Bremsenergie untereinander
aus; nicht benötigte Energie speisen sinus förmige
Rückspeisemodule ins Versorgungsnetz ein.
Mit der manuellen Versandabwicklung stieß Bergzeit –
ein auf Bergsportbekleidung und -ausrüstung spezialisierter
Online-Händler mit Sitz südlich von München
– an Kapazitätsgrenzen. Daher fiel 2020 die Entscheidung
für den Neubau eines automatisierten Shuttle-Lagers
als Anbau an die bestehende Logistikhalle. „Neben einer effizienten
Logistikabwicklung sollte das Shuttle-Lager energetisch nachhaltig
sein – daher war die Rückspeisung der Bremsenergie ins
Netz von Anfang an eine feste Anforderung“, erläutert Holger Cecco-Stark,
Head of Facility & ECO-Management bei Bergzeit.
SIEBEN GASSEN, 28 HEBER
Das Lager gliedert sich in sieben identische Gassen mit insgesamt
54.000 Stellplätzen. Je Gasse sind acht Shuttles im Einsatz,
die zwischen den Ebenen frei versetzt werden können. Von jeder
Halteposition aus bedient ein Shuttle sechs Lagerplätze. Für die
vertikale Bewegung der Shuttles stehen pro Gasse vier Heber bereit
– zwei an der Frontseite und zwei in der Gassenmitte. Ein
übergeordneter Lagerverwaltungsrechner koordiniert alle Fahrund
Hubbewegungen und verhindert Kollisionen: Ein Heber darf
nur dann verfahren, wenn sich kein anderer Heber zwischen seiner
aktuellen Position und seiner Zielposition befindet.
ZWISCHENKREISVERBUND MIT
NETZRÜCK SPEISUNG
Die Shuttle-Aufzüge werden durch Synchron-Servomotoren des
Typs CMP112 M in Kombination mit Kegelradgetrieben KA77B
von SEW-Eurodrive angetrieben. Das antriebstechnische Konzept
sieht vor, die vier Frequenzumrichter-Module einer Gasse
über einen gemeinsamen Zwischenkreis zu koppeln. Dadurch
tauschen die Heber Bremsenergie direkt untereinander aus: Wird
ein Heber abgebremst oder abgesenkt, wandelt der Servomotor
die kinetische bzw. potenzielle in elektrische Energie um. Diese
steht über den Zwischenkreis unmittelbar einem anderen, aufwärtsfahrenden
Heber zur Verfügung.
Energie, die nicht innerhalb des Verbunds verbraucht wird,
speisen über Rückspeisemodule des Typs Movidrive MDR90B ins
10 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
01 Die Shuttles bewegen sich vertikal zwischen den Ebenen und
horizontal in den Gassen. Pro Halteposition bedienen sie sechs
Lagerplätze – jeweils drei Ebenen auf beiden Seiten der Gasse
01
02 Fertig kommissionierte Pakete werden über Förderbänder
und Rollenbahnen zum Versandcontainer transportiert
Versorgungsnetz ein. Die Module sind für eine Ein- und Rückspeiseleistung
von 50 kW ausgelegt und verfügen über eine
2,5-fache Peakleistung. Die sinusförmige Stromeinspeisung – eine
explizite Anforderung des Betreibers – stellt eine netzverträgliche
Rückspeisung sicher. Sowohl die Frequenzumrichter der
Baureihe Movidrive modular als auch die Rückspeisemodule
sind Bestandteil des Automatisierungsbaukastens Movi-C.
EINBETTUNG IN ENERGIEKONZEPT DES
STANDORTS
Die rückspeisefähige Antriebstechnik ist Teil eines übergeordneten
Energiekonzepts am Standort Otterfing. Eine auf dem Hallendach
installierte Photovoltaikanlage erzeugt nach Unternehmensangaben
rund 550.000 kWh pro Jahr. Bis 2030 plant Bergzeit,
den Standort vollständig ohne fossile Energieträger zu betreiben.
02
Autorin: Andrea Balser, Referentin Fachpresse, SEW-Eurodrive, Bruchsal
Fotos: SEW
www.sew-eurodrive.de/netzrueckspeisung
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PRODUKTE UND SYSTEME
META-LAGERTECHNIK STEIGERT KOMMISSIONIERGESCHWINDIGKEIT UM 45 PROZENT
DURCHLAUFREGALE BESCHLEUNIGEN
MEDIZINTECHNIK-VERSORGUNG
45 Prozent Zeitersparnis bei der
Kommissionierung – dieses Ergebnis
dokumentiert das Vivisol AtemCenter in
Wien nach der Inbetriebnahme seiner
neuen Lagerlösung. Der Anbieter für
medizintechnische Heimversorgung
lagert dort rund 2.800 Behälter mit
Therapiegeräten für mehr als 750.000
Patienten europaweit. Meta-Lagertechnik
Österreich hat dafür Durchlaufregale,
Vertikalförderer und einen separaten
Dekontaminationsbereich für Retourware
zu einem durchgängigen System
kombiniert.
STRIKTE TRENNUNG VON
RETOURWARE SCHÜTZT VOR
KONTAMINATION IM LAGER
Vivisol ist ein medizintechnisches Dienstleistungsunternehmen
im Bereich „Home Care Services“ und bietet
umfassende pflegerische Betreuung sowie medizinischtechnische
Versorgung direkt im häuslichen Umfeld
oder in spezialisierten Einrichtungen an. Dies umfasst Kernbereiche
wie die Sauerstoff-Therapie, Schlafapnoe-Therapie, Beatmungs-Therapie
und Monitoring/Diagnostik. So betreut das Unternehmen
europaweit mehr als 750.000 Patienten. Die Lagerung
und Bereitstellung der Therapiegeräte für die häusliche Pflege geschieht
in den Vivisol AtemCentern vor Ort. So wie in Wien, wo
Meta-Lagertechnik Österreich für die Lagerlösung verantwortlich
zeichnet.
GUT KOMBINIERT
Im Rahmen der Auftragsbearbeitung wurde die Expertise aus
dem Bereich Meta-ILS (ILS = Innovative Logistic Solutions) genutzt.
Darunter versteht das Unternehmen die Lagerautomatisierung
mit Fördertechnik. So sind Anlagen realisierbar, die Fördertechnik
mit Lagertechnik verbinden. Das Herzstück der Anlage in
Wien sind die Kommissionierregale Meta Multiline mit integrierten
Durchlaufbahnen, die eine Lagerkapazität von rund 2.800 Behältern
auf den unteren Ebenen einiger Palettenregalzeilen vom
Typ Meta Multipal bereitstellen. Dank umfassender Beratung
und Analyse ließen sich die Kommissionierwege kürzer und effizienter
gestalten. Das Ergebnis der Kombination von statischer
Regaltechnik und den Fördertechnikstrecken schafft die Voraussetzungen
für eine Zeitersparnis von 45 Prozent – gemessen und
dokumentiert von Vivisol. Der automatisierte Waren- bzw. Behältertransport
findet mithilfe von Rollen- sowie Vertikalförderern
über alle Lagerebenen statt und umfasst die ganze Logistikkette
vom Warenein- bis zum -ausgang.
SEPARATER BEREICH FÜR RETOURWARE
Ein weiteres Ergebnis: Retourware wird konsequent von der regulären
Lagerware getrennt, sodass kontaminierte Geräte strikt
getrennt von nicht-kontaminierter Ware gelagert werden. Die Retourgeräte
gelangen über einen Vertikalförderer in den ersten
Stock, wo sie anschließend umfassend gereinigt und dekontaminiert
werden. Dieser Bereich liegt in einem separaten Brandschutzabschnitt.
Die somit erforderliche Brandschutztür ist mit
der angetriebenen Fördertechnik vernetzt und läuft synchron.
Nachdem der Wareneingangs- und Dekontaminationsprozess
abgeschlossen ist, gelangen die Geräte über einen zweiten Vertikalförderer
zurück ins Lager und in den Umlaufkreislauf.
WEITERE LAGERBEREICHE UND
LAGERLÖSUNGEN
Zusätzlich wurden weitere Lagerbereiche geschaffen. Mit den
Meta-Clip-Fachboden- und Gefahrenstoffregalen entstanden individuell
anpassbare Lagerplätze für Gefahrstoffe. Weitere Lagerebenen
sind durch eine Stahlbaubühne realisiert worden. Diese
ist mit einer Notleiter als Fluchtweg ausgestattet.
Foto: Meta-Regalbau
www.meta-online.com
12 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
1951-2026
Was mit Muskelkraft, Karteikarten und
handgeschriebenen Lageplänen begann, ist heute eine
Hightech-Disziplin: Autonome Roboter, intelligente
Software und Lights-out-Bereiche prägen das moderne
Lager. In 75 Jahren hat sich die Lagertechnik grundlegend
transformiert – und die f+h hat diesen Weg von Anfang an
begleitet. Zum Auftakt unserer Jubiläumsserie werfen
wir im Themenschwerpunkt Lagertechnik einen
Blick auf die Meilensteine dieser Entwicklung –
und auf das, was noch kommt.
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/03 13
75 JAHRE F+H SERIE
LAGERTECHNIK
VON DER MUSKELKRAFT ZUR
INTELLIGENTEN LOGISTIK
1951-2026
Ein Lager im Jahr 1951: Arbeiter stapeln Kisten
von Hand, Karteikarten erfassen Bestände,
handgeschriebene Lagepläne weisen den Weg.
Ein Lager im Jahr 2026: Autonome Roboter
fahren durch die Hallen, Software steuert
Bewegungsabläufe, in manchen Bereichen
brennt kein Licht – weil dort keine Menschen
mehr arbeiten. Dazwischen liegen 75 Jahre, in
denen die Lagertechnik vom Handwerk zur
Hightech-Disziplin wurde – 75 Jahre, die zugleich
die Geschichte der f+h sind. Zum Auftakt unserer
Jubiläumsserie blicken wir zurück – und wagen
einen Ausblick.
DIE ANFÄNGE (1950ER–1970ER) – VOM
WIEDERAUFBAU ZUR ERSTEN AUTOMATISIERUNG
Als die f+h 1951 erstmals erschien, war die deutsche Lagertechnik
eine Domäne der Muskelkraft. Arbeiter stapelten Kisten und
Säcke von Hand. Regale bestanden mitunter aus Holzkonstruktionen,
die selten höher als zwei Meter waren. Gabelstapler galten
als Luxus – dabei war die Idee keineswegs neu: Bereits 1929 hatte
die Miag den ersten deutschen Gabelstapler gebaut, doch die Innovation
setzte sich nicht durch. Erst als der Gabelstapler mit den
alliierten Truppen nach Europa kam, begann seine Verbreitung.
Die f+h erkannte das Potenzial früh: Schon im ersten Jahrgang
hielt die Redaktion fest, dass die umwälzende Bedeutung des Gabelstaplers
sich erst „in Verbindung mit Stapelpaletten und Ladegestellen“
zeigen werde. Eine Einschätzung, die sich als prophetisch
erweisen sollte.
Das Wirtschaftswunder veränderte die Spielregeln grundlegend.
Die deutsche Industrie produzierte in wachsendem Tempo,
der Konsum zog an, ebenso die Warenströme. Der Raum wurde
zum kostbaren Gut. Horizontale Expansion war in Ballungsräumen
kaum möglich, die Grundstückspreise stiegen. Die Antwort
der Branche: das Hochregallager. Statt in die Breite wurde in
die Höhe gebaut. Stahlregale ersetzten die hölzernen Vorgänger
und schufen die Voraussetzungen für Bauhöhen von zunächst
sechs, später zehn und mehr Metern. Die Palette setzte sich als
universeller Ladungsträger durch und ebnete den Weg für standardisierte
Lagerprozesse. Parallel etablierten sich Schubmaststapler
und Schmalganggeräte, die engere Regalgassen und damit
eine bessere Flächennutzung ermöglichten.
Den entscheidenden Wendepunkt markierte das Jahr 1962: Auf
einem Grundstück von gerade einmal 38 × 38 Metern errichtete
die damalige Demag für Bertelsmann in Gütersloh das weltweit
erste Hochregallager. 20 Meter hoch, neun Regalgassen, 4.500 Palettenstellplätze
– ausgelegt für fünf bis sieben Millionen Bücher,
die zuvor auf drei kostspielige Außenlager verteilt gewesen waren.
Der Volksmund taufte die Anlage „Büchersilo“. Das Regalbediengerät
fuhr auf Hängebahnschienen durch die Gassen und
konnte über eine Trägereinheit zwischen den Gassen wechseln –
damals eine technische Sensation.
Franz Gremm ordnete die Bedeutung dieser Entwicklung rückblickend
ein: Regalbediengeräte dürften „für sich beanspruchen,
die erste originäre Technikentwicklung für den Bereich Materialfluss
nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland gewesen zu
sein“ [1]. Dass der Weg zur heutigen Standardlösung keineswegs
gradlinig verlief, zeigen die konkurrierenden Konstruktionsprinzipien
der Frühzeit: Deckenschienen, Regalschienen und Bodenschienen
standen im Wettbewerb, bevor sich die bodengeführte
Variante durchsetzte. Die Branche reagierte gleichwohl schnell.
14 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
Schon 1963 entstand für die Bayer AG ein Hochregallager in Dormagen, 1965 folgte
eine Anlage für Kalle in Wiesbaden zur Lagerung von Folienrollen – ein frühes
Beispiel dafür, dass die Technik rasch über Paletten und Standardbehälter hinauswuchs.
Bis Ende der 1970er-Jahre hatte sich die automatische Lagertechnik vom Experiment
zum anerkannten Konzept entwickelt. Lochkarten und erste Großrechner
übernahmen die Lagerverwaltung. Die Grundsteine waren gelegt: Standardisierung
durch Paletten, Automatisierung durch Regalbediengeräte sowie Effizienzsteigerung
durch optimierte Raumnutzung.
AUTOMATISIERUNG WIRD ZUM STANDARD
(1980ER–2000ER)
FLEXIBILITÄT
AUF ALLEN
EBENEN
JEDE ÄRA DER LAGERTECHNIK WAR EINE
ANTWORT AUF NEUE HERAUSFORDERUNGEN
Die 1980er-Jahre markierten den Übergang von der Pionierphase zur industriellen
Reife. Die Automatisierung verließ die Nische und wurde zum strategischen Wettbewerbsfaktor
– zunächst in Großbetrieben, zunehmend aber auch im Mittelstand.
Mit ihren Vorgängern hatten die Regalbediengeräte der zweiten Generation nur
noch wenig gemein. Leistungsfähigere Antriebe und verbesserte Sensorik steigerten
Fahrgeschwindigkeiten und Positioniergenauigkeit erheblich. Neben Paletten-
Regalbediengeräten etablierten sich automatische Kleinteilelager. Ersatzteile,
Pharmazeutika und andere in Behältern lagerfähige Waren ließen sich nun automatisch
handhaben – mit Durchsatzleistungen, die manuell nicht erreichbar gewesen
wären.
Mindestens ebenso grundlegend wirkte eine unscheinbare Innovation: der Barcode.
Die Idee eines optisch lesbaren Codes reicht bis ins Jahr 1948 zurück, doch
erst am 26. Juni 1974 wurde der weltweit erste Artikel mit einem Barcode gescannt
– eine Packung Wrigleys Kaugummi in einem Supermarkt in Ohio. In der Lagertechnik
setzte sich die Technologie erst in den 1980er-Jahren flächendeckend
durch, dann aber mit tiefgreifender Wirkung: Bestandsdifferenzen, die zuvor als
unvermeidlich galten, schrumpften auf ein Minimum. Inventuren ließen sich beschleunigen.
Vor allem ermöglichte die verbesserte Datenqualität die komplexeren
Steuerungslogiken, die folgen sollten.
Mit der besseren Datenerfassung kamen leistungsfähige Lagerverwaltungssysteme
auf, die zum Gehirn des modernen Lagers wurden: wegeoptimierte Kommissionierung,
dynamische Lagerplatzvergabe, automatische Nachschubsteuerung. Die
Software wurde zum mindestens ebenso wichtigen Erfolgsfaktor wie die Hardware.
Parallel verband die Fördertechnik die einzelnen Lagerbereiche zum durchgängigen
Materialfluss. Rollenbahnen, Gurtförderer und Sorter transportierten Waren
automatisch zwischen Wareneingang, Lager, Kommissionierung und Versand – und
legten die Basis für die aufkommende Versandhandelslogistik.
Die Innovationskraft dieser Ära war enorm – doch nicht jedes Konzept bewährte
sich. Dieter Arnold resümierte zum 50-jährigen f+h-Jubiläum: Zwischen 1975 und
1985 habe die Fördertechnik „eine davor und danach nie erlebte Innovationsstärke“
erfahren – doch „viele Konzepte der damaligen Zeit hielten einer Wirtschaftlichkeitsrechnung
nicht stand“ [2]. Die Branche lernte eine Lektion, die bis heute
gilt: Technische Machbarkeit allein ist kein Garant für wirtschaftlichen Erfolg.
Gegen Ende des Jahrtausends betraten Shuttle-Systeme die Bühne: kompakte,
schienengebundene Fahrzeuge, die innerhalb der Regalebenen operierten. Statt
eines einzelnen Geräts pro Gasse arbeiteten mehrere Shuttles parallel und versprachen
höhere Leistungsdichten als klassische Regalbediengeräte; ihre volle
Wirkung sollten sie erst im folgenden Jahrzehnt entfalten.
Ebenfalls in den späten 1990er-Jahren entstand ein weiteres Konzept, das die
Branche elektrisieren sollte: AutoStore. Die Idee reicht bis ins Jahr 1996 zurück, als
Ingvar Hognaland im norwegischen Vats nach einer Möglichkeit suchte, das zu reduzieren,
was sein Unternehmen am meisten lagerte – Luft. Inspiriert vom Rubiks
Cube entwickelte er ein Rastersystem, in dem Behälter dicht gestapelt und von Robotern
an der Oberfläche entnommen werden. Die Raumausnutzung übertrifft
konventionelle Systeme um das Drei- bis Vierfache: keine Gänge, keine ungenutzten
Flächen. Heute nutzen Betreiber in fast 60 Ländern mehr als 1.700 Systeme [3].
Über die Jahre entwickelte sich Cube Storage vom Nischenprodukt zur ernsthaften
Alternative zu etablierten Lagersystemen.
Ihre Intralogistik aus
einer Hand. Mehr
Kapazität und Flexibilität,
kürzere Durchlauf- und
Lieferzeiten bei weniger
Flächenverbrauch.
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75 JAHRE F+H SERIE
MEILENSTEINE DER LAGERTECHNIK
1962
1969
1992
1998
Blick in das erste Hochregallager
der Welt, das die
Demag für die Verlagsgruppe
Bertelsmann in Gütersloh
errichtete. Das manuell
gesteuerte Regalbediengerät
fährt auf einer mittig im
Regalgang an der Hallendecke
installierten
Einschienenbahn
Das Unternehmen Mehne
errichtete für Rehau-Plastik
in Brake ein Hochregallager
für Plastikrohre. Die 22
Meter hohe Regalbedieneinheit
fährt außerhalb des
Regalkörpers auf Schienen
– und erinnert eher an einen
Turm als an ein
Regalbediengerät
Das Unternehmen Digitron
realisierte für den Spielwarenhersteller
Lego am
Standort Billund, Dänemark,
ein automatisches
Kleinteilelager für mehr als
160.000 Behälter. Die
Multiload-Technik
ermöglicht die gleichzeitige
Ein- und Auslagerung von
drei hintereinander
gelagerten Behältern
Ein handelsüblicher
Knickarmroboter, integriert
als Komponente eines
Regalbediengeräts,
übernimmt die Kommissionierung
von Holztüren. CTI
Systems entwickelte die
Lösung für ein automatisches
Hochregallager
DIE DIGITALE REVOLUTION (2010ER–HEUTE)
Die 2010er-Jahre brachten einen Paradigmenwechsel. Die Digitalisierung
erfasste die Lagertechnik in ihrer gesamten Breite und
veränderte nicht nur die eingesetzten Technologien, sondern
auch das Denken über Lagerlogistik. Flexibilität, Skalierbarkeit
und Intelligenz wurden zu den neuen Leitbegriffen.
Parallel drängten autonome mobile Roboter (AMR) in die Lagerhallen.
Anders als klassische fahrerlose Transportfahrzeuge,
die feste Routen abfahren und oft aufwändige Infrastruktur erfordern,
navigieren AMR mithilfe von Sensoren flexibel durch den
Raum und weichen Hindernissen eigenständig aus. Den Durchbruch
brachte der E-Commerce: Bestellvolumina von bis dato
ungeahnter Höhe und die Forderung nach immer kürzeren Lieferzeiten
konnten von klassischen Lagerkonzepten nicht bedient
werden. AMR boten die notwendige Flexibilität: Sie lassen sich
schnell implementieren, bei Bedarfsspitzen können vorhandene
Geräteflotten aufgestockt und Änderungen in Abläufen und Fahrkurs-Layouts
vorgenommen werden.
Die tiefgreifendste Veränderung vollzog sich jedoch in den Algorithmen.
Mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen
ließen sich Optimierungen jenseits menschlicher Planungsfähigkeit
umsetzen: Bestandsprognosen auf Basis heterogener Datenquellen,
dynamische Lagerplatzvergabe in Echtzeit, prädiktive
Wartung. Digitale Zwillinge – virtuelle Abbilder realer Anlagen –
erlauben es, Szenarien zu simulieren und Engpässe zu identifizieren,
ohne den laufenden Betrieb zu stören. Die Grenzen zwischen
physischer und digitaler Welt verschwimmen zunehmend.
Zugleich rückte Nachhaltigkeit in den Fokus. Energieeffiziente
Antriebe, regenerative Bremssysteme und intelligente Standby-
Modi reduzierten den Stromverbrauch moderner Anlagen erheblich
– bei Fördertechnik und Regalbediengeräten um bis zu 17
Prozent [4]. Auch die Modernisierung bestehender Anlagen gewann
an strategischer Bedeutung: Laut einer Branchenbefragung
[5] planen mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen in den
nächsten Jahren einen Retrofit, überwiegend im Intralogistiksektor.
Als meistgenannten Grund für einen Retrofit statt eines Neubaus
nannten über 65 Prozent den fehlenden Platz für eine Parallelinstallation
– ein Befund, der zeigt, dass Retrofit nicht nur aus
wirtschaftlichen, sondern auch aus Gründen der Flächenschonung
an Relevanz gewinnt. Die am häufigsten erreichten Ziele
waren Lebensdauerverlängerung und Produktivitätssteigerung.
AUSBLICK – DAS LAGER 2035
Die Entwicklung wird sich fortsetzen: mehr Automatisierung,
mehr Vernetzung, mehr Intelligenz. Vor allem drei Trends dürften
die kommende Dekade prägen.
Dark Warehouses – vollständig autonome Lager ohne menschliche
Präsenz – werden in Segmenten wie der Tiefkühllogistik
oder der Gefahrstofflagerung zum Standard. Ohne Beleuchtung,
Komfortheizung und ergonomische Vorgaben lässt sich die Lagerfläche
verdichten und rein nach technischen Erfordernissen
gestalten. Erste Ansätze existieren bereits.
Micro-Fulfillment-Center verkürzen die letzte Meile. Kompakte,
hochautomatisierte Lagereinheiten in Supermärkten oder
Wohngebieten erfordern Systeme, die leiser, kompakter und wartungsärmer
sind als heutige Großanlagen.
Schwarmrobotik und humanoide Systeme werden die Automatisierung
auf eine neue Stufe heben. Hunderte spezialisierter mobiler
Einheiten bewältigen gemeinsam Aufgaben, organisieren
sich selbst und lernen aus den Daten aller vernetzten Systeme
weltweit. Parallel dazu rücken humanoide Roboter in greifbare
Nähe des operativen Einsatzes: Der Roboter des Unternehmens
Figure AI erreicht in ersten Versuchen 900 Picks pro Stunde beim
Greifen und Ausrichten von Artikeln an einem Förderband – bei
16 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
1951-2026
2001
2005
2023
Im Jubiläumsjahr der f+h
stellte die Krusche AG mit
dem TransFaster ein flurfrei
arbeitendes Lagerbediengerät
vor. Wie ein kleiner
Brückenkran fährt das Gerät
auf zwei seitlich an den
Regalstehern montierten
Schienen – eine Mastkonstruktion
entfällt. Ein
Umsetzgerät ermöglicht den
Gassenwechsel oberhalb der
Regale innerhalb von 20 bis
30 Sekunden.
Der Systemintegrator
Element Logic lieferte an den
norwegischen Brandschutzsystem-Hersteller
Elotec in
Oppdal eine der ersten
AutoStore-Anlagen. Das
System ist noch heute mit
dem ursprünglichen Raster
und den originalen Behältern
im Einsatz
Einige der genannten
Unternehmen firmieren
heute unter einem anderen
Namen, sind in anderen
Unternehmen aufgegangen
oder nicht mehr am Markt
aktiv. Die Bezeichnungen
entsprechen dem Stand
zum jeweiligen Zeitpunkt.
Das Thema Nachhaltigkeit
erreicht die Titelseite der
f+h: Die Smart Energy
Strategy von TGW zeigt, wie
sich durch energieeffiziente
Antriebe, Energierückgewinnung
und intelligente
Geschwindigkeitsanpassung
der Stromverbrauch von
Fördertechnik und Regalbediengeräten
um bis zu 17
Prozent senken lässt. Beim
Retrofit einer Bestandsanlage
für den Gewürzhersteller
Almi erzielte das
Unternehmen Einsparungen
von bis zu 20 Prozent [4]
2035
Humanoide Roboter und
autonome mobile Roboter
(AMR) arbeiten im Lager
Seite an Seite. Was heute
noch Vision ist, könnte bis
2035 in ersten
Anwendungen Realität
werden
Leasingraten, die perspektivisch unter den Kosten einer menschlichen
Arbeitskraft liegen dürften [6]. Ob solche Systeme im industriellen
Dauerbetrieb bestehen, ist noch offen. Doch die Entwicklungsrichtung
scheint vorgezeichnet – befeuert durch den
Fachkräftemangel und den demografischen Wandel.
Der Mensch wird in diesen Szenarien nicht verschwinden, aber
seine Rolle grundlegend wandeln: von repetitiver körperlicher
Arbeit hin zu Überwachung, Steuerung und Optimierung. Die
entscheidende Frage wird künftig nicht nur lauten, ob ein System
effizient ist, sondern ob es über seinen Lebenszyklus nachhaltig
wirtschaftet.
FAZIT
Was als Domäne der Muskelkraft begann, hat sich zur Hightech-
Disziplin entwickelt. Viele Schritte dieser 75-jährigen Entwicklung
waren logische Antworten auf die Herausforderungen ihrer
Zeit: Platzmangel führte zum Hochregal, steigende Personalkosten
zur Automatisierung, explodierende Datenmengen zur künstlichen
Intelligenz. Schon zum 50. Jubiläum fasste Dieter Arnold
die Kerntrends zusammen: von der Maschine zur Anlage, von der
autonomen Funktion zum Prozesskettenverbund, von der Mechanisierung
zur Automatisierung [2]. Diese Entwicklungslinien
gelten bis heute – ergänzt um Digitalisierung, Vernetzung und
Nachhaltigkeit.
Bemerkenswert ist, wie aktuell der Gründungsauftrag dieser
Zeitschrift geblieben ist. Im Vorwort der ersten Ausgabe von 1951
heißt es, es gelte „vorhandenes Gerät wirtschaftlich zu verwenden
und neue Geräte dort zu beschaffen, wo nicht nur ein Augenblickserfolg,
sondern nachhaltige Wirkungen erwartet werden
können.“ Was damals Rationalisierung und Dauerhaftigkeit
meinte, umfasst heute den gesamten Lebenszyklus einer Anlage
– wirtschaftlich wie ökologisch. Die Kernfrage hat sich gewandelt
und ist doch im Grundsatz die gleiche geblieben – und die f+h
wird sie weiterhin begleiten, einordnen und hinterfragen. Wie
seit 75 Jahren.
Literatur- und Quellenhinweise:
[1] Gremm, F.: Siegeszug einer Technologie. F+H Fördern und Heben 51 (2001)
Nr. 7 S. 456-463. Vereinigte Fachverlage GmbH, Mainz
[2] Arnold, D: Eine Rückbesinnung auf die Anfänge. F+H Fördern und Heben
51 (2001) Nr. 7 S. 448-449. Vereinigte Fachverlage GmbH, Mainz
[3] https://www.autostoresystem.com/de/company, abgerufen am 11. März
2026
[4] N. N.: Nachhaltigkeit im Fokus: TGW präsentiert Smart Energy Strategy. f+h
3/2023 S. 12-14. Vereinigte Fachverlage GmbH, Mainz
[5] https://www.unitechnik.com/whitepaper-retrofit.html, abgerufen am 11.
März 2026
[6] Ten Hompel, M.; Kirchheim, A.; Roidl, M.: Wenn KI die Lieferketten führt:
Logistik im posthumanen Zeitalter. VDI-Z BD.168 (2026) Nr.3 S. 56-58. VDI
Fachmedien GmbH & Co. KG, Düsseldorf
Autor: Winfried Bauer, Chefredakteur f+h
Fotos: f+h-Archiv, Exotec, TGW, Ivan Milovanov – stock.adobe.com
75 JAHRE F+H –
DIE JUBILÄUMSSERIE
Anlässlich unseres 75-jährigen Bestehens beleuchten
wir in den Ausgaben des Jahres jeweils einen Themenschwerpunkt
aus der Welt der Intralogistik. In Ausgabe 4
widmen wir uns der Kran- und Fördertechnik.
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/03 17
IMPULSE
PALETTENWECHSEL IN DER LAGERPLANUNG
UNTERSCHÄTZTER PROZESS MIT
GROSSEM EFFIZIENZPOTENZIAL
Regale, Fahrwege, Automatisierung – bei der
Lagerplanung stehen die großen Stellschrauben
im Fokus. Der Palettenwechsel fristet dagegen
häufig ein Schattendasein. Zu Unrecht: Der
vermeintlich kleine Prozessschritt bindet
Personal, kostet Zeit und birgt ergonomische
Risiken. Wie sich der Vorgang mit einfachen
Mitteln beschleunigen lässt, welche
Technologien zur Verfügung stehen und wo
deren Grenzen liegen, zeigt dieser Beitrag
anhand eines Praxisbeispiels.
Wer ein Lager plant, denkt an Regale, Fahrwege,
Durchsatz und Automatisierungsgrade. Das Umpalettieren
von Waren hingegen landet häufig am
Rand der Überlegungen – obwohl es meist täglich
stattfindet und große Auswirkungen auf Zeit, Kosten und Arbeitssicherheit
hat. Vor allem unter dem Druck steigender Volumina,
begrenzter Flächen und fehlender Fachkräfte lohnt sich ein genauer
Blick auf diesen Prozessschritt.
FRÜH MITDENKEN ODER INTELLIGENT
NACHRÜSTEN
Im Idealfall wird der Palettenwechsel bereits in der Planungsphase
eines Neubaus berücksichtigt. Doch die Realität sieht oft anders
aus: Viele Lager sind historisch gewachsen. Kompakte Palettenwechsler,
wie sie etwa die SW-Paratus GmbH in Halle (Westfalen)
anbietet, lassen sich auch nachträglich auf kleinstem Raum
– rund drei Quadratmetern – integrieren. Einsatzorte sind Warenein-
und -ausgang, aber auch Schnittstellen innerhalb der Produktion.
„Zeitgemäße Lagerplanung bedeutet, Prozesse ganzheitlich zu
betrachten“, sagt Lars Wellerdiek, Geschäftsführer der SW-Paratus
GmbH. „Der Palettenwechsel ist kein isolierter Handgriff,
sondern ein fester Bestandteil des Materialflusses. Wird er ignoriert,
entstehen Reibungsverluste im Lager.“
MECHANISCHES PRINZIP STATT AUFWENDIGER
TECHNIK
Der Kern des Systems von SW-Paratus ist rein mechanisch: Die
beladene Startpalette wird in das System gestellt. Mit einem Flurförderzeug
wird die Zielpalette aufgenommen und dazu genutzt,
die Startpalette nach hinten herauszuschieben. Die Rückwand
hält die Ladung in Position; innerhalb weniger Sekunden befindet
sie sich auf der neuen Palette – ohne körperliche Belastung,
ohne Kippen und ohne Risiko für die Ware.
18 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
IMPULSE
Ralf Schauties (r.)
und Lars Wellerdiek
diskutieren Optimierungspotenziale
im Palettenwechsel
– hier anhand eines
Demonstrationsmodells
WIRTSCHAFTLICHKEIT: KLEINER EINGRIFF,
GROSSER EFFEKT
Während ein manueller Palettenwechsel bis zu zehn Minuten
oder länger dauert und selbst mit einem Wender oder Kipper im
Schnitt rund drei Minuten beansprucht, ist er mit dem mechanischen
Schiebeprinzip in weniger als 30 Sekunden erledigt. Bei
hohen Durchsatzmengen summiert sich diese Zeitersparnis
schnell zu mehreren Stunden pro Schicht.
Die Anschaffungskosten liegen laut Hersteller deutlich unter
denen alternativer Lösungen. Da das System rein mechanisch arbeitet,
fallen keine Folgekosten für Strom oder Hydraulik an.
Auch die Wartungskosten sind gering; eine jährliche Sicherheitsüberprüfung
wird empfohlen. Bei hohen Wechselzahlen amortisiert
sich die Investition nach Herstellerangaben innerhalb von
rund sechs Monaten. Geringerer Personaleinsatz, weniger Neupaletten,
sinkender Palettenausschuss, reduzierte Warenbeschädigungen
und effizienter genutzter Transportraum sind weitere
Vorteile, die je nach Anwendungsfall zum Tragen kommen.
PRAXISBEISPIEL AUS DER GETRÄNKEBRANCHE
Wie groß das Optimierungspotenzial sein kann, zeigt das Beispiel
einer großen deutschen Brauerei, in deren Lager täglich Tausende
Paletten umgeschlagen werden. Im Wareneingang treffen Leergutpaletten
häufig in beschädigtem Zustand ein und müssen vor der
weiteren Verarbeitung auf hochregaltaugliche Paletten umgesetzt
werden. Am Warenausgang läuft der Prozess umgekehrt. Lange
Zeit wechselten die Mitarbeiter die Paletten manuell – ein zeitintensiver
Vorgang, der den Materialfluss regelmäßig ausbremste.
Die Brauerei entschied sich für eine Sonderlösung von SW-Paratus,
bei der pro Durchgang drei Paletten gleichzeitig gewechselt
werden. Das Ergebnis: Die Dauer eines Palettenwechsels sank
um rund 80 Prozent, die Kosten für Neupaletten gingen um etwa
70 Prozent zurück, und der Palettenausschuss reduzierte sich von
mehr als 20 auf rund 14 Prozent. Gleichzeitig entfiel die körperliche
Belastung für das Personal.
ARBEITSSICHERHEIT ALS ATTRAKTIVITÄTS-
FAKTOR
Manuelle Palettenwechsel gelten in vielen Betrieben noch immer
als notwendiges Übel. Dabei sind sie nicht nur langsam und körperlich
belastend, sondern auch ein relevanter Nachteil im Wettbewerb
um Fachkräfte. Moderne Lagerplanung bewertet Arbeitssicherheit
daher nicht mehr als reinen Kostenpunkt, sondern als
strategischen Erfolgsfaktor: Wer körperlich belastende Tätigkeiten
reduziert, senkt Ausfallzeiten, stabilisiert Prozesse und steigert
die Attraktivität als Arbeitgeber.
„Neben der Prozessbeschleunigung war ein zentrales Entwicklungsziel,
die körperlich schwere Arbeit beim Palettenwechsel zu
eliminieren“, sagt Ralf Schauties, Mitgründer von SW-Paratus.
„Wenn Mitarbeiter nicht heben, ziehen oder improvisieren müssen,
sinken Fehlzeiten und die Akzeptanz im Team steigt.“
GRENZEN KENNEN, ALTERNATIVEN EINORDNEN
Mechanische Palettenwechsler eignen sich jedoch nicht für jede
Situation. Bei nur wenigen Wechseln pro Woche rechnet sich die
Investition oft nicht. Auch wenn die Ware eine empfindliche Unterseite
hat, etwa dünnwandige Folienbeutel, setzt das Schiebeprinzip
Grenzen – die Reibung birgt ein Beschädigungsrisiko. Darüber
hinaus gibt es Palettenarten, zum Beispiel mit umlaufenden
Kanten, die das Schieben erschweren oder unmöglich machen.
Voraussetzung für die Bedienung ist zudem ein geeignetes
Flurförderzeug; abhängig vom Gewicht der Ladung wird eine gewisse
Schubkraft benötigt.
Neben mechanischen Palettenwechslern stehen Anwendern
weitere Technologien zur Verfügung: Palettenwender drehen die
Ladung um 180° und eignen sich vor allem dann, wenn die Palette
vollständig getauscht werden muss und die Ware dabei nicht
auf der Unterseite belastet werden darf. Palettenkipper arbeiten
nach einem ähnlichen Prinzip, kippen die Last jedoch seitlich.
Beide Varianten benötigen in der Regel einen Stromanschluss,
mehr Stellfläche und liegen preislich über rein mechanischen
Lösungen. Für automatisierte Lagerumgebungen kommen zudem
robotikgestützte Systeme in Frage, die sich in übergeordnete
Lagerverwaltungssysteme einbinden lassen, aber höhere Investitionskosten
erfordern.
POSITIVER NEBENEFFEKT GUTER PLANUNG
Ein optimierter Palettenwechsel wirkt sich in der Regel auch positiv
auf die Nachhaltigkeit aus: weniger Palettenausschuss, weniger
beschädigte Ware sowie eine bessere Ausnutzung des Transportvolumens
eines Lkw. Angesichts steigender Anforderungen
an Ressourcenschonung gewinnt dieser Aspekt künftig weiter an
Bedeutung. Wer den Palettenwechsel frühzeitig einplant oder bestehende
Anlagen intelligent nachrüstet, verbessert damit den
Lagerbetrieb insgesamt.
WB
Fotos: SW-Paratus
www.sw-paratus.com
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/03 19
PRODUKTE UND SYSTEME
ERSTES RACKBOT-SYSTEM COMPACT IN EUROPA IN BETRIEB
ROBOTERSCHWARM AUTOMATISIERT
OMNICHANNEL-KOMMISSIONIERUNG
Der Logistikdienstleister Transmec hat an
seinem Stammsitz im italienischen
Campogalliano das erste RackBot-System
Compact von SSI Schäfer in Europa in Betrieb
genommen. Mit der robotergestützten Lösung
bündelt das Unternehmen seine B2B- und
B2C-Distribution in einem Kommissionierlager.
Mit über 800.000 m² an Lagerhallen und Lagerplätzen
zählt die Transmec Group zu den größten Logistikdienstleistern
Europas. Lange Zeit konzentrierte sich
das 1850 gegründete Unternehmen auf das Lieferkettenmanagement
für Geschäftskunden. Spätestens seit den
Pandemiejahren hat auch das Geschäft mit Endverbrauchern an
Bedeutung gewonnen. Mit der Eröffnung des ersten Kommissionierlagers
vereint die Lagerdivision T-Log beide Distributionswelten
unter einem Dach.
„In den vergangenen Jahren haben wir bedeutende Veränderungen
am Markt gesehen. Dazu zählen der Aufstieg des Online-
Shoppings und die steigende Nachfrage nach schnellen Lieferungen“,
erklärt Simone Corradini, Geschäftsführer von T-Log. „Zusammen
mit dem weiter anhaltenden Fachkräftemangel zwingt
dies Unternehmen dazu, ihre Logistik umzustrukturieren und
agilere Distributionsmodelle einzuführen.“
ENTSCHEIDUNG FÜR EINE NEUE
SYSTEMLÖSUNG
Um beiden Vertriebskanälen gerecht zu werden, suchte der Logistikdienstleister
eine Automatisierungslösung, die sich kunden-
und branchenübergreifend nutzen lässt. Die Wahl fiel auf
das RackBot-System Compact von SSI Schäfer – eine Lösung, die
zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Europa installiert war. „Mit
dieser Komplettlösung ist es uns innerhalb weniger Monate gelungen,
ein robotergestütztes Omnichannel-Lager aufzubauen“,
berichtet Chiara Zoccoli, Projektleiterin bei T-Log.
Das System vereint Regaltechnik und mobile Roboter in einer
integrierten Gesamtlösung. Konkret umfasst die Anlage Roboter,
Regale, Behälter, Arbeitsstationen und die zugehörige Software.
20 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
Unsere Erfahrung. Ihre Sicherheit.
SSI Schäfer mit Stammsitz in Neunkirchen (Siegerland) verantwortete als Generalunternehmer
alle Gewerke – von der Layoutplanung über den Aufbau bis zur Inbetriebnahme.
15 ROBOTER VERSORGEN 13.000 STELLPLÄTZE
Das Kommissionierlager hat eine Höhe von 10,3 Metern und bietet 13.000 doppeltiefe
Regalstellplätze. Alle Ein- und Auslagerungen übernimmt ein Schwarm aus 15 mobilen
Robotern mit unterschiedlichen Aufgaben: Zehn RunBots führen alle horizontalen
Transporte aus, fünf RackBots bedienen die Regale. Ein wichtiges Merkmal der Anlage
ist das Roaming-Konzept. Jeder Roboter kann in der kompletten Robotikzone des Lagers
arbeiten. Gassenwechsel sind jederzeit möglich. Wird ein Gerät vorübergehend
nicht benötigt – etwa weil sein Akku geladen wird – übernehmen die übrigen Roboter
dessen Aufträge. Dieses Prinzip wirkt sich unmittelbar auf die Verfügbarkeit der Anlage
aus, da kein einzelnes Gerät einen Engpass verursacht.
DURCHGÄNGIGER MATERIALFLUSS
Der Generalunternehmer hat das durch einen Sicherheitszaun geschützte Kommissionierlager
in den Materialfluss der Halle eingebettet. Die Einlagerung findet über eine
Fördertechnik statt, die die Stückgüter in Behältern zu den RunBots leitet. Hinter einer
Sicherheitsschleuse nehmen die RunBots die Behälter auf und fahren sie zu einem der
360 Pufferstellplätze. Dort übernehmen die RackBots die Ware und bringen sie zu den
vorgesehenen Stellplätzen im Regal.
Bei der Auslagerung kehrt sich der Ablauf um: Die RackBots holen die benötigten
Behälter aus den Regalen und transportieren sie zu den Pufferstellplätzen. Von dort
befördern die RunBots die Ware zu einer der beiden Kommissionierstationen. Dabei
handelt es sich um geschützte Arbeitstische, die in den Sicherheitszaun des Robotiklagers
eingelassen sind. Sobald ein RunBot unter einen Tisch gefahren ist, öffnet sich
ROBOTERSCHWARM BÜNDELT B2B- UND
B2C-DISTRIBUTION UNTER EINEM DACH
SAFEMASTER W
Funk-Sicherheitssystem RE 6900
• Für Sicherheitsanwendungen
bis Kat. 4 / PL e bzw. SIL 3
• Sichere Not-Halt-Funkübertragung
• 3-stufiger Funk-Zustimmtaster
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bei höchster Sicherheit
• Ergonomisches Design für
ermüdungsfreies Arbeiten
PL e
SIL 3
die Sicherheitsschleuse, und die Mitarbeiter können auf die Behälter zugreifen. Ein
Monitor zeigt die Entnahmereihenfolge an, ein Put-to-Light-System an den angrenzenden
Durchlaufregalen weist den jeweiligen Ablageort zu.
SKALIERBARKEIT ALS PLANUNGSGRUNDLAGE
Die Anlage ist auf 800.000 Aufträge pro Jahr ausgelegt. Aktuell lassen sich je Arbeitsplatz
bis zu 125 Behälter pro Stunde verarbeiten. Die Architektur des Systems erlaubt
es, bei steigendem Bedarf zusätzliche Kommissionierstationen zu integrieren und die
Zahl der RunBots und RackBots zu erhöhen. Nach einer kurzen Parametrierung sind
neue Roboter einsatzbereit. Auch die Regalanlage lässt sich aufgrund der modularen
Bauweise erweitern.
Ein besonderes Augenmerk lag auf der Software-Anbindung. Über offene Schnittstellen
kann Transmec die Warehouse-Management-Systeme seiner Kunden flexibel
einbinden. Eingehende Bestellungen führen dadurch automatisch zu Aufträgen an
das RackBot-System Compact; alle Arbeitsschritte werden sequenziert. Zugleich sinkt
das Risiko von Kommissionierfehlern, und die Liefertreue steigt.
Als ersten Kunden wählte Transmec bewusst einen Online-Händler. „So hatten wir
mit dem Black Friday und dem Weihnachtsgeschäft gleich zwei Gelegenheiten für
Stresstests, die das Lager sehr gut gemeistert hat“, resümiert Projektleiterin Zoccoli.
„Nach diesen positiven Erfahrungen haben wir ein Unternehmen aus der Automobilbranche
als zweiten Kunden auf die Anlage genommen.“
Aufbau und Inbetriebnahme dauerten acht Wochen. Nach einer anschließenden
Anlaufphase von drei Monaten war die Lösung voll produktiv. „Damit haben wir unser
Ziel erreicht und eine leistungsstarke Omnichannel-Lösung geschaffen“, bestätigt
Geschäftsführer Corradini, der bereits den Ausbau im Blick hat: „Zusammen mit
SSI Schäfer prüfen wir, welche zusätzlichen Lösungen für die Integration in das Rack-
Bot-System geeignet sind. Ziel ist es, den Nutzungsgrad der Anlage weiter zu steigern
und unseren Kunden einen noch besseren Service zu bieten.“
Foto: SSI Schäfer
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IMPULSE
PPWR-KONFORMITÄT SICHERSTELLEN UND PROZESSE OPTIMIEREN
SO SENKEN SMART-REUSE-POOLS DEN
NACHKAUF UM BIS ZU 20 PROZENT
Ab dem 12. August 2026 greift die EU-Verpackungsverordnung PPWR (Packaging and
Packaging Waste Regulation) unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten – höchste Zeit für
Unternehmen, ihre Mehrweglogistikpools auf serielle Kennzeichnung umzustellen.
Die gute Nachricht: RFID-basierte Smart-Reuse-Systeme schaffen nicht nur
Rechtskonformität, sondern bringen auch handfeste Effizienzgewinne – Echtzeit-
Bestandsmanagement, automatisierte Rückbuchungen und bis zu 20 Prozent weniger
Nachkauf bei Poolverpackungen. Wie die Umsetzung konkret gelingt, zeigt die Euro
Plant Tray eG: Die branchenweite Genossenschaft transformiert den europäischen
Gartenbau durch ein standardisiertes RFID-Mehrwegsystem für Pflanzen-Trays – und
setzt damit Maßstäbe für die Branche.
IMPULSE
Mehrweg-Verpackungspools werden in Bereichen wie
Einzelhandel und Dienstleistung bereits genutzt.
Fehlt eine serielle Markierung, müssen bestehende
Einheiten entweder nachträglich codiert oder durch
neue, codierte Einheiten ersetzt werden. Serielle Kennzeichnungen
ermöglichen die Item-Level-Erfassung und sichere Datenabgleiche
mit zentralen Systemen über einen „digitalen Zwilling“.
KREISLAUF-EFFIZIENZ ENTSCHEIDET ÜBER
MEHRWEG-ERFOLG
SERIELLE KENNZEICHNUNG
STEIGERT EFFIZIENZ IN DER
MEHRWEGLOGISTIK
„Smarte“ Mehrwegverpackungen bieten neben der gedruckten
Codierung und der Klarschriftnummer auch RFID-Optionen im
Datenträger. So kann der Poolbetreiber seinen Teilnehmern effizientere
Datenabfragen ermöglichen, ohne jemanden auszuschließen.
Alle Pooleinheiten können sowohl per Auge ausgelesen
werden als auch mit handelsüblichen Kamerasystemen und
Kassensystemen, sowie bestehenden Rückgabeautomaten. Eine
zusätzliche Farbcodierung auf dem Datenträger schafft auch die
Voraussetzungen für eine schnellere manuelle Sortierung.
RFID stellt die automatische Erfassung und Dokumentation
von Beständen sowie Rückbuchungen sicher. Der Verpackungspool
wird automatisch im Wareneingang oder bei der Sortierung
und Reinigung erfasst und ohne Personalaufwand kontrolliert. In
sicheren Prozessen werden bei der Reinigung der Reuse-Verpackungen
alte oder defekte Einheiten aussortiert sowie die Pfandbuchung
organisiert und dokumentiert.
Das Leergutmanagement ist ein zentraler Bestandteil von Poolsystemen
und sollte in Echtzeit abbildbar sein. Durch den Einsatz
von RFID wird der „smarte“ Bestand automatisiert im Wareneingang
oder bei der Rückgabe erfasst. Der Poolbetreiber kann jederzeit
die Bestände abfragen. Der Einkauf beschafft neue Verpackungen
nur dort, wo der Pool leerzulaufen droht. Das reduziert
den Nachkauf um bis zu 20 Prozent pro Jahr. Für den Betreiber
ergeben sich in Echtzeit verfügbare Auswertungen, Bestandsübersichten
oder finanzielle Buchungen und die daraus definierten
Poolsteuerungen.
IMPLEMENTIERUNG RFID-BASIERTER
POOLSYSTEME: DIE HERAUSFORDERUNGEN
Poolsysteme sind für sich genommen nichts Neues. Viele existierende
Lösungen arbeiten allerdings (noch) nicht mit RFID – und
bieten die genannten Potenziale für das Kreislauf-, Bestandsund
Leergutmanagement, wenn überhaupt nur in reduziertem
Umfang. Sie lassen sich mithilfe von Funkfrequenz-Identifikation
grundsätzlich optimieren – was aber einen gewissen Aufwand bedeutet,
denn die RFID-Labels müssen oft sukzessive über einen
längeren Zeitraum an den Mehrwegverpackungen angebracht
werden.
Einen neuen Mehrweg-Pool einzurichten, ist demgegenüber
einfacher, denn bei neuen Behältersystemen lassen sich alle Behälter
bereits ab Werk mit RFID und Codes ausstatten. Ob Optimierung
oder Neuimplementierung – in beiden Fällen gilt es, alle
Trackingpunkte einmal exakt auf die jeweilige Lesesituation und
Leseaufgabe zu planen und einzurichten.
Hier kommen unterschiedliche Parameter automatisierter Anlagen
und deren Umfeld ins Spiel, die für eine zuverlässige kontaktlose
Identifikation zu berücksichtigen sind. Das funktioniert
Um den Kreislauf aufrechtzuerhalten und stets genügend Verpackungseinheiten
zurückzubekommen, werden in den meisten
Fällen Pfand- oder Tauschmodelle über alle Teilnehmer hinweg
eingeführt. Das Automatisierungsniveau dieses Kreislaufs entscheidet
darüber, ob ein Mehrwegsystem nachhaltig und effizient
arbeitet. Verschiedene, bereits realisierte Poollösungen zeigen,
dass sich ein Return on Investment (ROI) innerhalb der ersten
zwei Jahre überall dort einstellt, wo die Prozesse automatisiert
werden können.
Vor allem der Personalaufwand reduziert sich erheblich durch
eingesparte Such- und Prüfzeiten. Zudem kommt für die beteiligten
Partner der Liefer- und Rückholprozesse ein signifikantes
Plus an Prozesssicherheit hinzu. Ein zentrales Echtzeit-Datenmanagement
verringert die Nachbestellungen beim Behälterbestand
um circa 20 Prozent – Behälterverluste lassen sich dabei
jedem Poolteilnehmer exakt zuweisen.
Daher ist es wichtig, bereits vor der Einführung einer neuen
Identifikationslösung alle geplanten Prozesse, alle infrage kommenden
Teilnehmer und alle Buchungs- und Erfassungspunkte
sowie die Transportabläufe in der kompletten Supply Chain eingehend
zu betrachten. In Poolsystemen müssen alle Einheiten so
schnell wie möglich den kompletten Zyklus durchlaufen. Dazu gehören
die Ausgabe, die Rückgabe, die Pfand-Buchung, Reinigung,
Befüllung, Leergutverwaltung, Bestandsverwaltung usw. Das
muss überall realisierbar sein, unabhängig davon, auf welchem
Kennzeichnungslevel der Supply-Chain-Teilnehmer arbeitet.
KREISLAUF-, BESTANDS- UND
LEERGUTMANAGEMENT IN ECHTZEIT
Die Ausgabe der Mehrweggebinde an die Kunden wird mithilfe von
RFID-Scanning auf Basis von Seriennummern erfasst
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/03 23
IMPULSE
nicht nach dem Plug-and-Play-Prinzip, sondern erfordert Zeit
und Aufwand je RFID-Trackingpunkt.
TRANSPONDERTECHNOLOGIE VIELFÄLTIG IN
VERPACKUNGEN INTEGRIERBAR
Die benötigten codierten Datenträger können direkt beim Hersteller
der Poolverpackungen oder vor der ersten Inbetriebnahme
ins System aufgebracht werden. Die Kennzeichnung kann
über herkömmliche Label geschehen oder mithilfe von Inmould-
Label-Lösungen. Inmould Label sind als codierte oder als zusätzlich
mit RFID-bestückte Versionen verfügbar. Alle Inmould Label
lassen sich bereits während der Produktion in die Verpackung
einbringen. Die Codierung ist hygienisch, manipulations- sowie
pfandsicher und damit Teil der eigentlichen Reuse-Verpackung.
Der nachträgliche Erstellungs- und Aufbringungsprozess des
Produktlabels auf die Reuse-Verpackung entfällt.
HÖHERE INVESTITIONEN: WIESO ALSO RFID?
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Aufbau von Mehrwegverpackungs-Pools
unterscheiden sich je Branche und logistischer
Anwendung. Sie sind zudem technologieoffen und schreiben
keine RFID-Kennzeichnung vor. Eine eindeutige individuelle
Nummer jeder Pooleinheit wird aber benötigt, um eine belastbare
Dokumentation von Nutzungszyklen je Einheit und dadurch
die ökologischen Einsparungen sicherstellen zu können. Dies
lässt sich jedoch mit Auto-ID-Lösungen wohl am besten sicherstellen
– denn die Technologie bietet in der Anwendung eine Reihe
wichtiger Vorteile gegenüber optischen Kennzeichnungsmethoden.
So können per RFID durch die Pulk-Erfassung bis zu 1.000 Objekte
gleichzeitig erfasst und gebucht werden. Das ist bei der
Rückführung von Leergut und in der Warenausgabe logistisch
vorteilhaft in Bezug auf die Geschwindigkeit und den Personalaufwand.
RFID benötigt keinen visuellen Sichtkontakt zwischen
Label und Lesegerät – weshalb es bei der Bestückung und Rückgabe
von Mehrwegbehältern keine optisch bedingten Leseprobleme
beispielsweise bei verschmutztem oder kontrastschwachem
Barcode gibt. Der RFID-Chip ist sicher, zuverlässig, eindeutig
und lässt sich nicht kopieren.
Allerdings ist der Preis pro Label höher als der eines Barcodeetiketts.
Nicht zu vernachlässigen ist ferner der technische
und finanzielle Aufwand in erster Linie bei Gate-Lösungen im
Warenein- und -ausgang.
Die genannten Effekte für das Kreislauf-, Bestands- und Leergutmanagement
kompensieren die höheren Anfangsinvestitionen
in Auto-ID-Lösungen jedoch in der Regel schnell – wie erwähnt
oftmals innerhalb der ersten zwei Jahre.
UMSETZUNGSBEISPIEL
Die EU-Verpackungsverordnung PPWR greift ab dem 12.
August 2026 unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten und
verpflichtet Unternehmen zur seriellen Kennzeichnung
ihrer Mehrwegverpackungspools – höchste Zeit für die
Umstellung auf automatisierte Identifikationssysteme.
RFID-basierte Smart-Reuse-Systeme reduzieren den
Nachkauf von Poolverpackungen um bis zu 20 Prozent
pro Jahr durch Echtzeit-Bestandsmanagement und
automatisierte Rückbuchungen, wobei sich der Return
on Investment typischerweise innerhalb der ersten
zwei Jahre einstellt.
Die Funkfrequenz-Identifikation ermöglicht die
gleichzeitige Pulk-Erfassung von bis zu 1.000 Objekten
ohne visuellen Sichtkontakt und funktioniert auch bei
verschmutzten oder kontrastschwachen Verpackungen
– ein entscheidendes Merkmal gegenüber optischen
Kennzeichnungsmethoden.
Die Euro Plant Tray eG demonstriert die praktische
Umsetzung: Die branchenweite Genossenschaft mit
über 30 Mitgliedern aus Handel und Produktion nutzt
RFID-Inmould-Etiketten für ein standardisiertes
Mehrwegsystem im europäischen Gartenbau und
schafft damit lückenloses Tracking sowie automatisierte
Intralogistik.
Die Euro Plant Tray eG (EPT) wurde 2022 als branchenweite Genossenschaft
gegründet, um den europäischen Gartenbau durch
ein standardisiertes Mehrwegsystem für Pflanzen-Trays nachhaltig
zu transformieren. Mit mehr als 30 namhaften Mitgliedern aus
Handel und Produktion bündelt die EPT das Know-how der
Wertschöpfungskette und setzt dabei konsequent auf eine digitalisierte
Infrastruktur mithilfe von RFID-Technologie, um den
jährlichen Plastikabfall um Zehntausende Tonnen zu reduzieren.
Im Rahmen einer Technologie- und Dienstleistungspartnerschaft
hat inotec für das Mehrwegsystem für Pflanzentransport-
Trays der EPT ein RFID-Etikett entwickelt. Das Etikett hält den
hohen Temperaturen während des Inmould-Produktionsprozesses
der Trays stand und funktioniert auch unter den teils rauen
Bedingungen der grünen Industrie zuverlässig. Durch die Integration
von RFID-Tags in die Ladungsträger wurde die Basis für ei-
ne automatisierte Intralogistik
und ein lückenloses „Tracking
& Tracing“ geschaffen.
Bei der Entwicklung wurden vor allem bestehende RFID-Lösungen
berücksichtigt, um die Kompatibilität mit den vorhandenen
RFID-Scannern der Anwender sicherzustellen. Aufgrund der
eindeutigen Kennzeichnung mit Barcode- und RFID-Etiketten ist
jederzeit ein Überblick über Standort, Inhalt und Zustand der
Trays gegeben. Das erleichtert nicht nur die Inventur, sondern
optimiert auch den Nachschub und die Planung von Logistikprozessen
im EPT-Mehrwegkreislauf.
DIE ZEIT DRÄNGT
Passende Label für RFID-basierte Mehrwegverpackungs-Pools
gibt es mittlerweile in verschiedenen Bauformen und Formaten
für alle Arten von Reuse-Verpackungen. Primär für neue Poolsysteme
bieten sich Inmould-RFID-Label an, weil sie direkt bei der
Produktion in die Behälter integriert werden können – und dort
vor Prozess- und Umwelteinflüssen geschützt sind. Mit ihnen lassen
sich also die Anforderungen der PPWR umsetzen – wie das
Beispiel EPT zeigt. Die Verordnung ist bereits am 11. Februar
2025 in Kraft getreten und gilt ab dem 12. August 2026 unmittelbar
in allen EU-Mitgliedsstaaten. Auch wenn in Deutschland die
Umsetzung der Vorgaben bis zum Ablaufen verschiedener Übergangsfristen
noch durch das Verpackungsgesetz (VerpackG) geregelt
wird, sind Erzeuger, Hersteller, Importeure und Vertreiber
von Verpackungen schon jetzt gut beraten, sich zeitnah mit dem
Rechtsrahmen für Verpackungen und Verpackungsabfälle in der
EU zu befassen.
Autor: Frank Linti, Director Business Innovations der inotec Group, Neumünster
Fotos: inotec Group
www.inotec.de
AUF EINEN BLICK
24 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
EXTRA
FÖRDERTECHNIK
Fördertechnik ist das Rückgrat moderner Intralogistik. Steigende Durchsätze, wachsende
Sortimentsbreiten und der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit stellen Betreiber und Planer vor
Herausforderungen. Unser Sonderteil beleuchtet innovative Förderkonzepte, smarte
Steuerungen und effiziente Lösungen – von modularen Systemen bis hin zu intelligenter
Vernetzung. Entdecken Sie praxisnahe Anwendungen und Strategien, mit denen Sie
Materialflüsse zukunftssicher gestalten.
Foto: Transitic
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SMART CONVEYORS IN DER AUTOMOBILPRODUKTION
WAS MODULARE FÖRDERSYSTEME LEISTEN
– UND WAS IHRE INTEGRATION ERFORDERT
F+H EXTRA
In der Automobilproduktion müssen
Fördersysteme heute weit mehr leisten als den
reinen Transport von A nach B. Sie synchronisieren
variantenreiche Linien, kommunizieren mit
Roboterzellen und passen Materialflüsse in
Echtzeit an. Doch mit der Leistungsfähigkeit steigt
auch die Komplexität der Integration. Der Beitrag
zeigt, was modulare Smart Conveyors können
– und was ihre Einführung von Planern und
Entscheidern verlangt.
Variantenvielfalt, kürzere Produktionszyklen und steigender
Kostendruck stellen produzierende Unternehmen
vor wachsende Herausforderungen – vor allem in der
Automobilindustrie, wo Hersteller und Zulieferer unterschiedliche
Fahrzeug- und Komponentenvarianten parallel fertigen.
Damit rückt der innerbetriebliche Materialfluss in den Fokus:
Fabriken entwickeln sich zunehmend zu internen Logistikzentren,
in denen modulare Fördersysteme Leistung, Rückverfolgbarkeit
und Anpassungsfähigkeit verbinden.
Branchenverbände wie der VDMA weisen darauf hin, dass die
Automatisierung innerbetrieblicher Materialflüsse in varianten-
reichen Produktionsumgebungen erhebliche Produktivitätspotenziale
erschließen kann – in erster Linie durch reduzierte Nebenzeiten,
optimierte Sequenzierung und höhere Transparenz
im Materialfluss.
„Bei Transitic haben wir ermittelt, dass ein auf die Anwendung
abgestimmtes Fördersystem die innerbetrieblichen Transportzeiten
auf Mehrvariantenlinien deutlich verkürzen kann – etwa
durch Sequenzierung und die Reduzierung unnötiger Wege für
die Mitarbeiter“, erklärt Markus Gorlt, Geschäftsführer der Transitic
Systems GmbH, Neunkirchen. Nach Angaben des Unternehmens
basieren diese Einschätzungen auf Projekterfahrungen in
der Automobilzuliefer- und Elektronikfertigung. „Auf bestimmten
Linien für elektronische Module lässt sich dadurch die verfügbare
Produktionszeit pro Woche spürbar steigern – ohne Personalaufstockung.“
INTRALOGISTIK GANZHEITLICH DENKEN
Intralogistik umfasst unter anderem die Lagerung und den Transport
von Rohmaterialien sowie die Steuerung von Zwischen- und
Reststoffströmen. Mit der gezielten Koordination und digitalen
Vernetzung sequenzgesteuerter Linien lassen sich Durchsatz und
Effizienz erhöhen und Prozessverluste reduzieren. Die Fördertechnik
übernimmt den kontinuierlichen, kontrollierten Transport
von Teilen, Baugruppen und Fertigprodukten zwischen Arbeitsplätzen,
Prüfstationen und Roboterzellen.
Mit Industrie‐4.0‐Konzepten und fortschrittlicher Robotik integrieren
diese Systeme Sensorik, Steuerungslogik und datenbasier-
26 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
FÖRDERTECHNIK
F+H EXTRA
Moderne
te Analysefunktionen, die dazu beitragen Dashboards schaffen
können, die Qualität zu verbessern, die Stillstandszeiten
zu verringern und das Bedien-
den aktuellen Status
Transparenz über
personal zu entlasten.
und die Leistungskennzahlen
des
„Wir arbeiten mit OEM sowie Tier-1- und
Materialflusssystems
Tier-2-Lieferanten, bei denen kurze Taktzeiten
eingehalten werden müssen. Unsere Expertise
liegt darin, Lösungen zu entwickeln, die
Materialflüsse auch auf komplexen, variantenreichen
Linien aufeinander abstimmen“, so Gorlt.
MODULARE UND DIGITALE FÖRDERTECHNIK
Moderne Systeme basieren auf Modularität sowie integrierter
Sensorik und Steuerungslogik. „Modularität ermöglicht das Hinzufügen,
Entfernen oder Umpositionieren standardisierter Module
mit reduziertem Umbauaufwand, was eine Anpassung an
Varianten und Taktänderungen erleichtert“, erklärt Gorlt.
Dezentral gesteuerte Motoren und Sensoren erlauben die unabhängige
Steuerung einzelner Transporteinheiten. Smart Conveyors
können Sequenzen optimieren, Engpässe reduzieren und
einen bedarfsgerechten Materialfluss über zonierte Förderstrecken
oder lineare Antriebssysteme unterstützen. Sensoren – etwa
RFID-, Laser- oder Bildverarbeitungssysteme – überwachen
Transporteinheiten in Echtzeit, erkennen Abweichungen und
schaffen die Voraussetzungen für eine automatisierte Anpassung
der Materialströme.
Linearantriebe ergänzen diese Entwicklungen und steuern Geschwindigkeit
und Position präzise – ohne klassischen mechanischen
Kontakt. Da sie Vibrationen und Krafteinwirkungen auf
empfindliche Teile minimieren, eignen sie sich vor allem für die
Montage elektronischer Module oder die Handhabung sensibler
Komponenten. Darüber hinaus erleichtern Linearantriebe die
Integration kollaborativer Roboter für synchronisierte Abläufe.
Gute Fördertechnik
reagiert nicht nur auf
Veränderungen – sie ist
darauf vorbereitet
MARKUS GORLT,
Geschäftsführer Transitic
Systems GmbH
„In unseren Projekten haben Smart Conveyors die Produktivität
von Arbeitsplätzen spürbar gesteigert – vor allem durch optimierte
Materialflüsse und weniger Unterbrechungen“, so Gorlt. Nach
Unternehmensangaben beruhen diese Aussagen auf mehreren
realisierten Projekten in variantenreichen Fertigungsumgebungen.
Konkrete Ergebnisse sind jedoch stets abhängig von Linienstruktur,
Automatisierungsgrad und Ausgangssituation.
Die Digitalisierung verwandelt Fördertechnik zunehmend in
cyber-physische Systeme, die über standardisierte Schnittstellen
mit SPS, Robotern und HMI-Systemen vernetzt sind. In Kombination
mit digitalen Zwillingen lassen sich Materialflüsse simulieren,
Engpässe analysieren und Taktzeiten anpassen.
HERAUSFORDERUNGEN UND LÖSUNGSANSÄTZE
schiedlichen Steuerungsarchitekturen und Kommunikationsprotokollen.
Die Anbindung erfordert abgestimmte Schnittstellen
und möglichst offene Standards. Intuitive Konfigurationstools
können die Integration erleichtern, ersetzen jedoch nicht die
sorgfältige Planung der Migrationsschritte.
Umstellung im laufenden Betrieb: Neue Fördertechnik wird im
Allgemeinen bei laufender Produktion eingeführt. Das erfordert
eine schrittweise Migration, bei der alte und neue Systemteile
temporär parallel betrieben werden. Mit modular aufgebauten
Systemen lassen sich einzelne Abschnitte unabhängig voneinander
modernisieren.
Qualifizierung des Personals: Dezentrale Steuerungskonzepte
und datenbasierte Wartungsstrategien setzen zusätzliche Kompetenzen
voraus. Schulungen, Simulationstools und anwenderfreundliche
Bedienoberflächen unterstützen den Übergang, jedoch
ist eine organisatorische Vorbereitung unerlässlich.
Wirtschaftlichkeit: Der Investitionsentscheidung muss zwingend
eine transparente Kosten-Nutzen-Analyse vorausgehen.
Neben Anschaffungskosten und Integrationsaufwand spielen
Faktoren wie Flexibilitätsgewinn, reduzierte Stillstandszeiten
und geringere Nebenzeiten eine zentrale Rolle. Amortisationszeiträume
variieren je nach Projektumfang, Automatisierungsgrad
und Ausgangssituation deutlich.
TRENDS UND KÜNFTIGE ANFORDERUNGEN
Industrielle Förderstrecken entwickeln sich zunehmend in Richtung
höherer Flexibilität, Effizienz und Nachhaltigkeit. Die wachsende
Variantenvielfalt und kleinere Losgrößen setzen anpassungsfähige
Transportsysteme voraus, die Geschwindigkeit, Reihenfolge
und Synchronisation mit Robotern und Arbeitsstationen
flexibel steuern können.
Nach Einschätzung von Branchenverbänden steigt der Anteil
wandlungsfähiger Produktionslinien kontinuierlich, da Hersteller
unterschiedliche Konfigurationen parallel fertigen müssen.
Entsprechend gewinnen modulare und rekonfigurierbare Fördersysteme
an Bedeutung.
Auch die Energieeffizienz rückt stärker in den Fokus: Energieoptimierte
Antriebe, mögliche Energierückgewinnung und leichte
Konstruktionen tragen zur Reduktion von Verbrauch und Betriebskosten
bei. Sensorik und dezentrale Steuerung erhöhen zudem
die Transparenz im Prozess und unterstützen stabile Produktionsabläufe
– auch bei Teilstörungen.
„Unser Ziel bei Transitic ist es, Produktionslinien so auszulegen,
dass sie sich an veränderte Marktanforderungen anpassen
lassen. Fördertechnik sollte flexibel genug sein, um neue Technologien
oder Produkte integrieren zu können – möglichst ohne
grundlegende Neuplanung“, schließt Gorlt.
WB
Fotos: Transitic Systems
www.transitic.com
Die Integration moderner Smart Conveyors in bestehende Produktionsumgebungen
ist mit Herausforderungen verbunden, die
über rein technische Fragestellungen hinausgehen.
Heterogene Anlagenlandschaften: In vielen Werken treffen
neue Fördersysteme auf gewachsene Maschinenparks mit unterwww.foerdern-und-heben.de
f+h 2026/03 27
F+H EXTRA
FÖRDERTECHNIK
LACKSPRAYHERSTELLER AUTOMATISIERT FÖRDERSTRECKEN SCHRITTWEISE
HÖHENPUFFERUNG LÖST PLATZPROBLEM
IN DER SPRAYDOSENPRODUKTION
F+H EXTRA
35 Millionen Spraydosen pro Jahr – und kaum
Platz in der Produktion: Die Peter Kwasny GmbH
stand vor der Herausforderung, ihre Pufferkapazitäten
zu erweitern, ohne zusätzliche
Fläche zu beanspruchen. Die Lösung fand der
Lacksprayhersteller in Gliederkettenförderern
mit Höhenpufferung der MiniTec GmbH,
Schönenberg-Kübelberg. Wie das Konzept
funktioniert und welche Vorteile es im
Produktionsalltag bringt.
Professionelle Lack-Aerosolsysteme sind das Metier der Peter
Kwasny GmbH. Das familiengeführte Unternehmen
mit 450 Mitarbeitern produziert Lacksprays, Lackstifte
und Vorbereitungsprodukte für verschiedene Anforderungen
und Märkte. Rund 35 Millionen Lackspraydosen verlassen
pro Jahr das Werk. Kunden sind die internationale Automobilund
Lackindustrie, der Fachhandel, die verarbeitende Industrie
und Baumärkte. Neben dem Hauptsitz in Gundelsheim bei Heilbronn
betreibt das Unternehmen ein Logistikzentrum in Sinsheim
sowie mehrere Auslandsniederlassungen.
Die Produktion weist eine außergewöhnliche Fertigungstiefe auf
und reicht vom Mischen der Lacke bis zur fertig etikettierten Dose.
Nach Herstellung und Veredelung füllt das Unternehmen die
Lacke in Gebinde unterschiedlicher Größe ab – vom IBC (Intermediate
Bulk Container) bis zum 5‐l‐Eimer. Danach übernimmt
die Aerosollinie die Abfüllung in Spraydosen. Diese werden mit
Ventilen verschlossen und begast. Anschließend setzt die Konfektionierung
die Sprühkopf-Kappe auf und bringt Etikett sowie
Codierung an. Zum Abschluss palettiert eine automatische Karton-Verschließanlage
die fertigen Produkte.
LANGJÄHRIGE PARTNERSCHAFT
Die Zusammenarbeit mit MiniTec reicht bis in das Jahr 2016 zurück.
Wie Michael Seidler, leitender Betriebsingenieur bei Kwasny,
berichtet, wurden damals zunächst Durchlaufwaagen und
Sprühkopf-Maschinen mit Gliederkettenförderern ausgestattet.
Hinter den Maschinen entstanden Staustrecken, auf denen die
Dosen für den nächsten Montageschritt gepuffert werden. Zwei
Jahre später erweiterte das Unternehmen diese Konstellation mit
größeren Förderstrecken in mehreren Linien: Alle vier Durchlaufwaagen
und alle vier Sprühkopf-Maschinen wurden entsprechend
ausgerüstet. 2020 kam eine weitere Maschine hinzu – die
2K-Sonderproduktion, in der eine Spraydose mit einer Härter-
Kartusche bestückt wird. Auch diese Anlage, einschließlich des
kompletten Transport- und Drehprozesses der Dosen, wurde von
MiniTec verkettet.
28 f+h 2026/03
FÖRDERTECHNIK F+H EXTRA
GUTE GRÜNDE FÜR
GLIEDERKETTENFÖRDERER
Kwasny betreibt eine Durchlaufproduktion, in der die Spraydosen
in Linie nach dem First-in-First-out-Prinzip gefertigt werden. Die
Qualitätssicherung bewertet die Dosen entsprechend der Produktionsreihenfolge
und versieht sie mit einer Codierung aus Datum
und Uhrzeit. MiniTec-Gliederkettenförderer stellen dabei sicher,
dass die Dosen in definierter Reihenfolge transportiert werden.
Früher nutzte Kwasny Förderstrecken auf Basis von Stahlgestellen.
Heute stellt das Unternehmen schrittweise auf MiniTec-Anlagen
um. Seidler nennt mehrere Gründe für diese Entscheidung:
Die Gliederkettenförderer erlauben kleine Kurvenradien, wodurch
sich auf kompaktem Raum mehr Pufferkapazität schaffen
lässt. Zudem könne der Streckenverlauf leicht umgelenkt und in
eine andere Richtung fortgeführt werden. Angesichts der beengten
Platzverhältnisse sei es vorteilhaft, dass sich Versätze integrieren
oder seitliche Richtungswechsel umsetzen lassen – die Anlage
sei nicht auf einen geradlinigen Streckenverlauf beschränkt.
Als weiteren Pluspunkt hebt der Betriebsingenieur die Flexibilität
des MiniTec-Profilsystems hervor. Da Kwasny häufig Details
in den Produktionsabläufen neu konfektioniere, sei die einfache
Anbindung an das Profilsystem ein entscheidender Faktor. Zusatzlösungen
wie Stopper ließen sich problemlos integrieren. Bei
den zuvor eingesetzten Edelstahlblechen habe jede Änderung
GRÖSSERE PUFFERBEREICHE
SENKEN ARBEITSDRUCK UND
SICHERN PRODUKTIONSFLUSS
zusätzliche Bohrungen erfordert, was im Laufe der Zeit zu einer
Vielzahl ungenutzter Befestigungspunkte geführt habe. Nicht zuletzt
überzeuge die leichte Reinigung der Aluminiumprofile: „Im
Umgang mit Lacken kommt es gelegentlich zu Verunreinigungen,
die sich von den Profilen schnell und rückstandsfrei entfernen
lassen“, so Seidler.
NEUE ANLAGE MIT PLATZSPARENDER
HÖHENPUFFERUNG
Um der gestiegenen Nachfrage nach seinen Spraydosen gerecht
zu werden, musste Kwasny seine Produktivität steigern. Das Unternehmen
entschied sich daher, den Automatisierungsgrad der
Linie zu erhöhen. So wurde als jüngstes Projekt Anfang 2024 eine
Pufferstrecke für die letzte verbliebene Montagelinie auf den Weg
gebracht. Dort findet die Verpackung der Kartons momentan
noch manuell statt, wird aber demnächst ebenfalls automatisiert.
Dafür war die Pufferstrecke von MiniTec notwendig – um die
Spraydosen während der Formatwechsel zu puffern.
Bei der neuesten Anlage kommt neben einer GKF-Strecke zusätzlich
auch eine Einheit mit Steigförderer zum Einsatz. Laut
Seidler lag die Entscheidung, erstmals in die Höhe zu fördern, an
den begrenzten Platzverhältnissen: Die verfügbare Grundfläche
habe schlichtweg nicht ausgereicht, um die erforderliche Pufferkapazität
ebenerdig abzubilden. Durch das Konzept, die Dosen
in die Höhe und anschließend wieder nach unten zu fördern, lasse
sich „auf engstem Raum erhebliche Kapazität gewinnen.“ Eine
weitere Maßnahme zur optimalen Raumnutzung bestand darin,
die vorgelagerte Förderstrecke anzuheben, um darunter große
Materialkartons lagern zu können.
Die Pufferkapazität ist mit der neuen Anlage deutlich gestiegen.
Vor der Konfektionierung können bis zu 400 Dosen gepuffert
werden – abhängig von deren Durchmesser. Der nachgeschaltete
Höhenpuffer zwischen Konfektionierung und geplanter Verpackungsanlage
nimmt bis zu 600 Dosen auf.
01 Der Gliederkettenförderer deckt unterschiedliche Kurvenradien ab
ZIEL ERREICHT
Das Projekt wurde innerhalb weniger Monate realisiert. Seidler
hebt die reibungslose Zusammenarbeit hervor: Die Erreichbarkeit
von MiniTec sei durchweg gut gewesen, der Austausch von
Zeichnungen und die technischen Abstimmungen hätten zügig
funktioniert. Auch der Aufbau vor Ort sei planmäßig verlaufen –
alle Komponenten hätten sich passgenau zusammengefügt.
Nach drei Monaten Praxisbetrieb zieht der leitende Betriebsingenieur
eine positive Zwischenbilanz. Vollständig werde das System
zwar erst mit der Implementierung der neuen automatischen
Verpackungsanlage sein, doch bereits jetzt bringe die
GLIEDERKETTENFÖRDERER –
TECHNOLOGIE IM ÜBERBLICK
Gliederkettenförderer (GKF) zählen zu den Stetigförderern
und transportieren Produkte auf einer umlaufenden
Gliederkette. Diese besteht aus einzelnen Kunststoffoder
Stahlgliedern, die gelenkig miteinander verbunden
sind. Dadurch lassen sich neben geraden Strecken auch
enge Kurvenradien und Steigungen realisieren – ein
wichtiger Unterschied zu Rollenbahnen oder Gurtförderern,
die für Richtungsänderungen zusätzliche Übergabestationen
benötigen. Die Fördergüter liegen direkt auf der
Kettenoberfläche auf und werden durch Reibschluss
mitgenommen. Bei Staubetrieb gleitet die Kette unter
den stehenden Produkten hindurch, wodurch ein
druckloser oder druckarmer Stau entsteht. Dies prädestiniert
GKF für Puffer- und Staustrecken in der Produktion.
Typische Einsatzbereiche sind die Konsumgüter-, Pharmaund
Lebensmittelindustrie, wo kompakte Streckenführungen
auf begrenztem Raum gefordert sind. Die
modulare Bauweise ermöglicht eine flexible Anpassung
an veränderte Layoutanforderungen. Grenzen zeigen sich
bei hohen Förderlasten und langen Strecken, wo Bandförderer
oder Rollenbahnen effizienter arbeiten. WB
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/03 29
F+H EXTRA FÖRDERTECHNIK
02 Aufgrund der Förderung in die Höhe hat sich
die Staukapazität vergrößert
FLEXIBLE ZUSAMMENARBEIT
F+H EXTRA
MICHAEL SEIDLER, LEITENDER
BETRIEBSINGENIEUR KWASNY
Die Gliederkettenförderer sind für
kleine Kurvenradien ausgelegt,
wodurch sich auf kompaktem Raum
mehr Pufferkapazität realisieren lässt
MiniTec-Anlage eine spürbare Verbesserung. Die höhere Pufferkapazität
wirke sich unmittelbar auf die Arbeitsabläufe aus: „Der
Arbeitsdruck für die Bediener ist spürbar gesunken. Dank der
größeren Pufferbereiche können die Mitarbeiter eine Störung beheben,
ohne dass die ganze Anlage sofort zum Stillstand kommt“,
erläutert Seidler. Genau dafür seien die Puffer konzipiert worden
– und das funktioniere zuverlässig.
Generell unterscheiden sich bei Projekten mit MiniTec sowohl
die Ausgestaltung der jeweiligen Förderlösung als auch die Aufgabenteilung
von Fall zu Fall, erläutert Seidler. Manchmal umfasse
der Lieferumfang nur ein Fördersystem mit Antriebsmotor, in
anderen Fällen gehöre auch die Steuerungstechnik dazu. Entscheidend
sei die enge Abstimmung beider Seiten. Bei der jüngsten
Anlage lieferte MiniTec auch die Steuerschränke, während
Kwasny die notwendigen Schnittstellen schuf und einband. An
welchen Stellen zusätzliche Stopper zur Reduzierung des Staudrucks
erforderlich sind, lasse sich erst im laufenden Produktionsprozess
zuverlässig ermitteln. Die entsprechende Feinjustierung
der Steuerung übernahmen die Elektriker von Kwasny nach
der Inbetriebnahme.
WEITERE PROJEKTE IN PLANUNG
Aufgrund der erfolgreichen Zusammenarbeit in den vergangenen
Jahren befinden sich die nächsten Projekte mit MiniTec in Planung.
Zum einen sollen weitere Förderstrecken von Stahlbändern
auf das MiniTec-System umgestellt werden. Zudem plant
das Unternehmen derzeit einen automatischen Depalletierer, der
Leerdosen auf einen Montagetisch setzt. Da die Platzverhältnisse
in der Halle nach wie vor beengt sind, ist zudem ein Omega-Förderer
in Abstimmung, der Dosen anhebt und wieder absenkt, um
einen Durchgang zu ermöglichen. Die Projektpipeline ist somit
gut gefüllt.
WB
Fotos: MiniTec
www.minitec.de
30 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
FÖRDERTECHNIK F+H EXTRA
FÖRDER- UND ANTRIEBSTECHNIK AUS EINER HAND
Mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Förder- und Antriebstechnik kennzeichnen die Gliewe GmbH aus
Grosswarasdorf, Österreich. Das Produktspektrum des Familienunternehmens umfasst Riemenscheiben,
Kupplungen, Keil- und Zahnriemen, Keilrippenriemen sowie Spannelemente für die Antriebstechnik.
Darüber hinaus umfasst das Angebot Gelenkwellen, Motor- und Tragrollen sowie applikationsspezifische
Sonderanfertigungen.
Das Unternehmen arbeitet mit
etablierten Herstellern wie Esco, Elso und Nuova Omec
JAHRE
zusammen und bietet zusätzlich eigene Fabrikate an. Das
Angebot reicht vom Einzelstück bis zur Serienfertigung. Ein
TÜV-Austria-zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem
stellt die hohen Qualitätsstandards des Unternehmens
sicher. Die Produkte kommen in der Intralogistik zum Einsatz
und sorgen für störungsfreie Abläufe in internationalen
Projekten.
www.gliewe.at
GANZHEITLICHE MATERIALFLUSSLÖSUNGEN
Durchgängig geplante Materialflusslösungen über den
kompletten Lebenszyklus hinweg verspricht die Pentanova
CS GmbH. Das Unternehmen begleitet Betreiber von der
konzeptionellen Auslegung über Detailplanung und Realisierung
bis zum Betrieb und zur langfristigen Optimierung
intralogistischer Anlagen. Dafür vereint Pentanova Systemengineering,
Projektmanagement, eigene Produkte sowie
Branchen- und Prozesskompetenz.
Die so entstehenden integrierten Lösungen lassen sich
flexibel an veränderte Markt- und Leistungsanforderungen
anpassen und bieten hohe Investitions- und Betriebssicherheit.
Im Fokus stehen Neubauprojekte sowie die Modernisierung
und Erweiterung bestehender
Anlagen. Das Unternehmen
schneidet individuelle
Konzepte auf die jeweiligen
Materialfluss-, Durchsatz- und
Automatisierungsanforderungen
zu.
www.pentanova.com
Die f+h begleitet unsere Branche seit
Jahrzehnten mit Weitblick und setzt
entscheidende Impulse für Digitalisierung,
Automatisierung, vernetzte Intralogistik
und Cyber Security. Auch für SWF sind diese
Themen wegweisend. Mit Leidenschaft und
Innovationsgeist investieren wir in moderne,
sichere und datenorientierte Technologien
– und gestalten so die Kranlösungen der
Zukunft aktiv mit.
CHRISTIAN HEID, Managing Director SWF Krantechnik
NORD hält die Logistik
an Flughäfen weltweit am Laufen
Zukunftsfähig: Effiziente Antriebslösungen bringen Flughäfen deutliche CO 2
-Einsparungen
Skalierbar: Dezentrale Antriebselektronik hält den Verkabelungsaufwand auf dem Minimum
Erprobt: LogiDrive ist der Baukasten mit bewährten Antriebssystemen für die Gepäckförderung
Komplett: NORD realisiert individuelle Systemlösungen aus einer Hand mit weltweiter Verfügbarkeit
Getriebebau NORD GmbH & Co. KG | T: +49 4532 289-0 | info@nord.com | www.nord.com
STEUERUNGSSYSTEME IM WANDEL DER AUTOMATISIERUNG
DER KLASSISCHE LEITSTAND
HAT AUSGEDIENT
Die steigende Autonomie mobiler Roboter führt
zu neuen Anforderungen an die Steuerung
komplexer Materialflüsse. Gefragt sind
Lösungen, die heterogene Flotten koordinieren,
über standardisierte Schnittstellen
kommunizieren und Prozessänderungen vorab
simulieren können, um Abläufe zuverlässig zu
planen und zu optimieren.
Mit dem Fortschritt in Sensorik, Rechenleistung und
KI gewinnen mobile Roboter die Fähigkeit, eigenständig
Karten zu erstellen, Routen zu planen und
Hindernisse zu interpretieren. Dabei führt zunehmende
Autonomie allerdings nicht automatisch zu einem Verzicht
auf zentrale Leitstände.
ZENTRAL VERSUS DEZENTRAL: WELCHE
STEUERUNG PASST WANN?
Moderne Flottensteuerung setzt auf eine klare Trennung zwischen
lokaler Ausführung und zentraler Systemkoordination. Lokale
Aufgaben wie Hindernisvermeidung, präzises Andocken an
Übergabepunkten oder Reaktionen im Last-Mile-Bereich profitieren
von kurzen Reaktionszeiten und werden daher typischerweise
dezentral umgesetzt. Hier spielen autonome Roboter ihre
Stärken aus – schnelle Entscheidungen, situatives Verhalten und
eine robuste Ausführung im unmittelbaren Umfeld. Auf Systemebene
ergeben sich jedoch andere Anforderungen. Die Vergabe
und Priorisierung von Transportaufträgen, die Steuerung des
Verkehrsflusses, die Koordination gemeinsamer Engpässe oder
die Sicherstellung definierter Durchsatzraten setzen einen globalen
Überblick voraus. Hier übernimmt der Leitstand die zentrale
Orchestrierung, inklusive Energiemanagement und der Anbindung
von Peripherie.
Rein dezentrale Steuerungsansätze stoßen an Grenzen, sobald
Flotten wachsen, mehrere Hersteller beteiligt sind oder sich verschiedene
Systeme Verkehrsflächen und Ladepunkte teilen müssen.
Lokale Optimierungen einzelner Fahrzeuge können dann im
Widerspruch zu übergeordneten Prozesszielen stehen: Deadlocks,
ineffiziente Bewegungsmuster oder das Fehlen einer gemeinsamen
Prioritätslogik sind typische Folgen. Middleware-Lösungen,
die isolierte Systeme koppeln sollen, erhöhen in solchen
Szenarien die Komplexität und Integrationskosten zusätzlich.
Häufig scheitern sie an der systemweiten Verkehrssteuerung.
NEUE VERSION DER VDA 5050 UNTERSTÜTZT
HYBRIDE STEUERUNGEN
Die Entwicklung moderner Leitstandkonzepte ist eng mit der
Frage verbunden, wie sich zentrale und dezentrale Intelligenz
sinnvoll kombinieren lassen. Genau hier setzt die VDA 5050 an.
Seit ihrer Veröffentlichung im Jahr 2019 schafft sie eine herstellerneutrale
Kommunikationsschnittstelle, über die Flottenmanager
und mobile Roboter Informationen zu Aufträgen, Status und Verkehr
austauschen können.
Mit der Version 3.0 erweitert sich dieser Rahmen deutlich: Frei
navigierende Roboter lassen sich über definierte Zonen einbin-
32 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
PERSPEKTIVEN
den. Für diese macht der Leitstand spezifische Vorgaben, zum
Beispiel in Form von Sperrflächen, Geschwindigkeitsbegrenzungen
oder bevorzugten Fahrtrichtungen. Die konkrete Wegplanung
übernimmt das Fahrzeug, das seine Route per Path-Sharing
an den Leitstand übermittelt. Damit unterstützt der Standard hybride
Steuerungskonzepte, in denen lokale Autonomie erhalten
bleibt, ohne die übergeordnete Koordination zu verlieren. Über
die standardisierte Schnittstelle lassen sich Fahrzeuge unterschiedlicher
Entwicklungsstufen einbinden. Gleichzeitig sinken
Integrationsaufwände, und standortübergreifende Roll-outs werden
erleichtert. „Standardisierung bedeutet nicht, Intelligenz zu
zentralisieren, sondern Entscheidungsräume klar zu definieren“,
sagt Dr. Philipp Schäfers, Head of Partner Management & Business
Development bei Synaos, Hannover. „Mithilfe von Zonenund
Korridorkonzepten bleibt die strategische Kontrolle zentral
gebündelt, während taktische Entscheidungen dezentral fallen.“
VOM LEITSTAND ZUR PLATTFORM: WAS
MODERNE LÖSUNGEN LEISTEN MÜSSEN
Hybride Architekturen und Standards wie die VDA 5050 schaffen
einen einheitlichen Kommunikationsrahmen, ersetzen aber
nicht die Notwendigkeit einer übergeordneten Instanz, die Daten
aus allen Ressourcen zusammenführt, Verkehrsflüsse koordiniert
und kurzfristige Prozessänderungen abbildet. Klassische Leitstände
sind dafür nur begrenzt geeignet: Sie basieren häufig auf
hardwaregebundenen Systemen, starren Routings und gerätespezifischen
Logiken. Änderungen erfordern tiefgreifende Eingriffe,
Produktionsunterbrechungen oder kostenintensive Anpassungen.
Gefragt sind daher Systeme, die flexibel auf Verfügbarkeiten,
Verkehrsbedingungen und Auftragslagen reagieren. Plattformbasierte
Ansätze, wie sie etwa Synaos verfolgt, entkoppeln Software
und Hardware vollständig. Dadurch können Unternehmen ihre
Transportmittellandschaft herstellerunabhängig gestalten und
neue Geräte integrieren – ohne proprietäre Leitstände oder Modifikationen
am Fahrzeug. Anpassungen an Prozesse, Layouts
oder Prioritäten lassen sich über eine virtuelle Inbetriebnahme
vorab simulieren, bewerten und optimieren. Erst danach wird die
neue Konfiguration in das Live-System übernommen. Bei Bedarf
ermöglicht ein Rollback die sofortige Rückkehr zur vorherigen
Konfiguration – ein Vorteil gegenüber hardwaregebundenen
Leitständen, bei denen Korrekturen oft mit längeren Ausfallzeiten
verbunden sind. Cloudbasierte Architekturen reduzieren darüber
hinaus den IT-Aufwand: Die Plattform lässt sich warten, aktualisieren
und skalieren – ohne physische Eingriffe in die Infrastruktur,
während mandantenfähige Strukturen den Betrieb über
mehrere Standorte hinweg vereinfachen.
Moderne Leitstandplattformen bündeln die Steuerung manueller,
automatisierter und autonomer Transportressourcen in einer
herstellerunabhängigen Oberfläche
HERAUSFORDERUNGEN AUF DEM WEG
ZUR PLATTFORM
Der Wechsel von einem klassischen Leitstand zu einer plattformbasierten
Architektur erfordert jedoch sorgfältige Vorbereitung.
Bestehende Flotten unterstützen die VDA 5050 nicht immer vollständig,
sodass Anpassungen oder Übergangsszenarien eingeplant
werden müssen. Auch die Abbildung gewachsener Prozesslogiken
in einer neuen Systemumgebung ist anspruchsvoll und
setzt eine gründliche Ist-Analyse voraus. Hinzu kommen organisatorische
Aspekte: Die Akzeptanz neuer Steuerungskonzepte bei
Bedienern und Prozessverantwortlichen entscheidet maßgeblich
über den Projekterfolg. Virtuelle Inbetriebnahmen und ein
schrittweiser Übergang können diese Risiken mindern, ersetzen
aber nicht die enge Abstimmung zwischen Plattformanbieter,
Fahrzeugherstellern und Betreiber.
Plattformbasierte Leitstandlösungen bieten ein leistungsfähiges
Instrumentarium für die Orchestrierung heterogener Intralogistiksysteme.
Ihr Potenzial entfalten sie allerdings erst dann
vollständig, wenn Standardisierung, Systemarchitektur und betriebliche
Umsetzung ineinandergreifen.
Fotos: Synaos
www.synaos.com
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AUTOMATISIERUNG IN DER KONTRAKTLOGISTIK
SMARTER WARENTRANSPORT IM
DYNAMISCHEN LOGISTIKZENTRUM
Am Standort Bramsche-Engter hat der
Logistikdienstleister Koch International ein
Hochregallager mit 36.000 Palettenstellplätzen
in Betrieb genommen. Um bei wechselnden
Sortimenten und Auftragsspitzen flexibel zu
bleiben, setzt das Unternehmen auf ein
dreistufiges Lagerkonzept mit automatisierten,
teilautomatisierten und manuellen Bereichen.
Fünf automatisierte EXV-iGo-Hochhubwagen
und drei automatisierte MX-X-iGo-Schmalgangstapler
von Still übernehmen den Transport der
schnelldrehenden Waren. Statt fest installierter
Fördertechnik werden Flurförderzeuge genutzt,
die sich bei Bedarf um weitere Geräte ergänzen
lassen.
Die Heinrich Koch Internationale Spedition GmbH & Co.
KG mit Hauptsitz in Osnabrück wurde im Jahr 1900 als
Fuhrgeschäft gegründet. Heute beschäftigt das inhabergeführte
Familienunternehmen mehr als 850 Mitarbeiter
an 14 Logistikstandorten und zählt zu den vielseitigsten Kontraktlogistikdienstleistern
in Deutschland. Das Unternehmen
entwickelt für Kunden unterschiedlicher Branchen individuell
zugeschnittene Transport- und Logistikkonzepte – von nationalem
Stückguttransport und Europaverkehren über See- und Luftfracht
bis hin zur Lagerlogistik.
DREISTUFIGES KONZEPT FÜR UNTERSCHIED
LICHE WARENANFORDERUNGEN
Die neue Lagerhalle erstreckt sich über eine Grundfläche von
20.000 Quadratmetern und bietet neben Büro- und Sozialflächen
36.000 Palettenstellplätze. Das Warensortiment besteht aus Konsumgütern
der Lebensmittelindustrie sowie der Reinigungs- und
Waschmittelindustrie und wird auf Euro- und Industriepaletten
standardisiert gelagert. Da das Sortiment am Standort etwa dreimal
im Jahr wechselt und in der Kontraktlogistik regelmäßig Auftragsspitzen
auftreten, war bei der Konzeption ein hohes Maß an
Flexibilität gefordert.
34 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
01 02 03
01 An den Konturenkontrollstationen werden Abmessungen
und Gewicht jeder Palette erfasst
02 Das Assistenzsystem iGo pilot navigation ermittelt die
schnellste Route zum Ziel-Palettenstellplatz – unabhängig
vom Erfahrungsstand des Fahrers
03 Fünf automatisierte EXV-iGo-Hochhubwagen
transportieren schnelldrehende Ware
vom Wareneingang ins Hochregallager
Vor diesem Hintergrund ist das Logistikzentrum in drei Bereiche
gegliedert: einen automatisierten Bereich für schnelldrehende A-
Ware mit 18.900 Stellplätzen, einen teilautomatisierten Bereich
für langsamer drehende B- und C-Ware mit 9.800 Stellplätzen sowie
ein manuell betriebenes Breitganglager mit 7.400 Stellplätzen
für sperrige und schwere Güter. Da Koch International statt fest
installierter Fördertechnik auf Flurförderzeuge setzt, kann das
Unternehmen bei Auftragsspitzen mit weiteren Fahrzeugen – manuell
oder automatisiert – kurzfristig reagieren.
AUTOMATISIERTER BEREICH FÜR SCHNELL
DREHENDE WARE
Im automatisierten Bereich transportieren fünf EXV-iGo-Hochhubwagen
die Paletten im Wareneingang zunächst zu zwei Konturenkontrollstationen.
Dort werden Abmessungen und Gewicht
jeder Palette erfasst, um die lagerplatzoptimierte Einlagerung sicherzustellen.
Anschließend übernehmen drei automatisierte
MX-X-iGo-Schmalgangstapler die Ein- und Auslagerung im
Hochregallager. Die Anlage ist auf einen maximalen Durchsatz
von 38 Paletten pro Stunde ausgelegt – 15 im Wareneingang und
23 im Versand. In der Regellaufzeit werden täglich rund 24 Lkw
be- und entladen.
Eine zentrale Rolle spielt das Leitsystem von Still, das alle Daten
und Koordinaten der automatisierten Fahrzeuge verwaltet.
Die Software erkennt, welche Konturenkontrollstation frei ist,
und weist jeder Palette den passenden Lagerplatz zu. Ursprünglich
war das Transportsystem als Taxisystem konzipiert, bei dem
der Dienstleister alle Fahraufträge selbst im Warenwirtschaftssystem
hätte koordinieren müssen. Christian Riebesehl, Projektleiter
und Operation Manager Intralogistics Solutions bei Still, erläutert:
„Um Koch bei den Fahraufträgen zu entlasten, haben wir
den Datenverkehr in einem Black-Box-Algorithmus zusammengefasst.
Koch übergibt nur noch die Transportbestellungen an
unser Leitsystem, das anschließend alle Abläufe im Lager steuert.“
Die Prozesssicherheit der automatisierten Transporte reduziere
zudem Schäden an den Gütern.
TEILAUTOMATISIERTER BEREICH FÜR
LANGSAMDREHER
Der zweite Lagerbereich mit 9.800 Stellplätzen nimmt Waren mit
Überständen auf – etwa Sackware oder langsamer drehende Konsumgüter,
die sich nicht automatisiert einlagern lassen. Teilautomatisierte
MX-X-Schmalgangstapler bedienen die Gänge und
nutzen so das verfügbare Lagervolumen optimal aus. Das Assistenzsystem
iGo pilot navigation ermittelt dabei die schnellste
Route zum jeweiligen Palettenstellplatz – per Knopfdruck und
unabhängig vom Erfahrungsstand des Fahrers.
MANUELLER BEREICH FÜR SPERRIGE UND
SCHWERE GÜTER
Das Breitganglager mit 7.400 Stellplätzen ergänzt das Lagerkonzept.
Hier lagern unter anderem flüssige Wasch- und Reinigungsmittel
in IBC-Containern sowie schwere Big Bags, die mit FM-X-
Schubmaststaplern bewegt werden. Patrick Leue, Head of Contract
Logistics bei Koch International: „Das Lager ist auf einen
täglichen Durchsatz von 1.500 Paletten ausgelegt. Automatisiert
bewegen wir davon 800 – das entspricht einem Warenumschlag
von bis zu 45 Lkw am Tag.“
Von der Planung bis zur Inbetriebnahme der automatisierten
Lagerhaltung vergingen rund zwölf Monate. Im automatisierten
Bereich erzielt Koch International eine Verfügbarkeit von 98 Prozent.
Weitere Optimierungen sind geplant: Das cloudbasierte
Analyse-Tool iGo insights von Still, direkt mit dem Transportleitsystem
gekoppelt, wird derzeit testweise eingesetzt. Die Software
leitet aus gesammelten Prozessinformationen konkrete Handlungsempfehlungen
ab. Leue: „Bei einem automatisierten Betrieb
rund um die Uhr werden wir solche Analysetools benötigen.“
Autor und Fotos: Gerd Knehr, freier Fachjournalist, Reutlingen
www.still.de
DREISTUFIGES LAGERKONZEPT
VERBINDET AUTOMATISIERUNG
UND FLEXIBILITÄT
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/03 35
01 Der Triplex-Mast
ist torsionssteif. Das
sorgt für berechenbares
Handling – auch mit
schweren Lasten und
bei Arbeiten in
der Höhe
BOBCAT B25NS MIT LFP-BATTERIE
FARBENFROHE ALTERNATIVE
Ein 2,5-Tonnen-Elektrostapler mit LFP-Batterie,
der wenig verbraucht, solide gebaut ist und
preislich überzeugt – das verspricht der Bobcat
B25NS. Im Praxistest zeigt sich: Die Basis stimmt,
doch bei Beschleunigung, Verzögerung über den
Fahrmotor und Bereifung verschenkt der Stapler
Potenzial.
Bobcat, One Tough Animal! So präsentiert sich die amerikanische
Marke gerne, und in der Welt der Baumaschinen ist
dieser Slogan bestens bekannt. Dort ist Bobcat weniger eine
Marke als vielmehr ein Gattungsbegriff für den äußerst
wendigen und kraftvollen Kompaktlader auf Rädern oder Raupenketten.
Inzwischen ist die Produktpalette deutlich umfangreicher
geworden: Seit 2021 gehört auch das koreanische Unternehmen
Doosan Industrial Vehicle zur Bobcat-Familie. 2024 folgte
das Rebranding der Lager- und Gabelstapler von Doosan – sie
tragen seither den Namen Bobcat und die markante weiß-orange
Gestaltung. So auch unser Teststapler: der B25NS.
VERTRAUTE QUALITÄT
Der Bobcat B25NS ist das Einstiegsmodell der beliebten elektrischen
Baureihe mit Tragfähigkeiten von 2,5 bis 3,5 Tonnen. Er ist
jedoch nicht der einzige 2,5-Tonner im Sortiment – der Hersteller
bietet daneben auch den B25X-7 Plus an. Die Unterschiede zwischen
beiden Modellen ergeben sich aus dem vorgesehenen Einsatzprofil:
Während der B25X-7 Plus für anspruchsvolle Nutzer
konzipiert ist, richtet sich der B25NS an Anwender mit weniger
häufigen oder weniger intensiven Aufgaben. Diese Zweiteilung
soll auch dem preissensiblen Marktsegment einen zuverlässigen
Gabelstapler bieten – mit der Absicherung durch eine etablierte
Marke und eine lückenlose Ersatzteilversorgung. Der Anspruch
ist: Nicht einfach eine weitere Marke aus Asien, sondern eine mit
europäischer Firmenzentrale in Tschechien, Ersatzteilzentrallager
in Deutschland und lokalen, erfahrenen Händlern.
ZUGÄNGLICH UND FUNKTIONELL
Unser Teststapler kommt nicht aus Korea, sondern aus China und
wird dort unter Aufsicht und gemäß den Spezifikationen von
Bobcat gefertigt. Der Stapler weist typische Merkmale des Doosan
B20T-7 Plus auf, den wir 2015 getestet haben. Hubmast, Ein- und
Ausstieg, Aufbau des Armaturenbretts, Materialqualität – alles
wirkt solide und funktionell.
36 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
Hubgeschwindigkeit
mit 1.000 kg Last
[cm/s]
Fahrgeschwindigkeit
mit 1.000 kg Last
[km/h]
Sprint über
27,2 m
[s]
Praktische
Einsatzdauer
max. Bat. [ss:mm]
Bobcat B25NS Modus H
37,9
13,9
11,6
08:50
Bobcat B25NS Modus S
34,8
12,8
11,8
09:34
Bobcat B25NS Modus E
31,5 8,4 14,5 10:68
ø Einstiegssegment
ø Gesamtfeld
38,75
48,46
12,97 9,32 05:01
17,03 8,18 08:31
ø Einstiegssegment = Durchschnitt der von uns getesteten 2,5-t-Elektro-Stapler im Einstiegssegment,
ø Gesamtfeld = Durchschnitt aller von uns getesteten 2,5-t-Elektro-Stapler
Der breite Ein- und Ausstieg mit rutschfester Trittstufe und langem
Haltegriff an der A-Säule gewährleistet sicheres Auf- und Absteigen.
Die Bodenplatte ist großzügig dimensioniert und frei von
Hindernissen. Die Sitzposition überzeugt. Die Lenksäule ist stufenlos
in der Neigung verstellbar, und der Fahrersitz (Grammer
MSG65) – mit zwei Armlehnen – lässt sich vielfältig einstellen. An
DER B25NS IST EINE SOLIDE
ALTERNATIVE – MIT LUFT NACH
OBEN BEI DEN DETAILS
der rechten Armlehne befinden sich die elektrischen Fingertipp-
Hebel für die Mastbedienung, der Fahrtrichtungsschalter, die Hupe,
der Notausschalter sowie eine Drucktaste zur automatischen
vertikalen Mastpositionierung. An der rechten B-Säule ist ein
Handgriff mit integrierter Hupe angebracht.
UMFANGREICHE AUSSTATTUNG
Für einen Basisstapler fällt die Ausstattung des B25NS umfangreich
aus. Er verfügt über einen Triplex-Hubmast (Hubhöhe:
4.700 mm) mit Freihub, Seitenschieber und Lastschutzgitter. Zur
Kabine gehören eine Windschutzscheibe und ein Dachfenster,
Fahrbeleuchtung vorne und hinten, helle Arbeitsscheinwerfer,
ein Rundumwarnlicht sowie ein optisches Rückfahr-Warnsystem.
Rechts neben dem Fahrersitz befindet sich ein Ablagefach mit
Becher- und Flaschenhalter, USB-Anschluss und Papierklemme.
Links auf dem Armaturenbrett gibt es ein weiteres Fach mit Abdeckung,
dessen Verwendungszweck allerdings unklar bleibt.
02+03 Großzügiger Ein- und Ausstieg und hindernisfreie
Bodenplatte – funktionell und sicher
Unserer Meinung nach ließe sich dort der Behälter für die Scheibenwischflüssigkeit
sinnvoll unterbringen – seine aktuelle Position
trübt den ansonsten positiven Eindruck der Kabine.
Das große Farbdisplay ist übersichtlich und stellt dem Fahrer
standardmäßig drei Betriebsmodi zur Verfügung: H (High), S
(Standard) und E (Economy), gegebenenfalls in Kombination mit
einem Kriechmodus für zusätzliche Feinfühligkeit. Eine Besonderheit
ist die Lenkwinkelanzeige der Lenkachse. Sie zeigt die Radstellung
einschließlich des Einschlagwinkels in Grad an – ein Ausstattungsmerkmal,
das in dieser Klasse selten anzutreffen ist. Darüber
hinaus verfügt unser Teststapler über eine gut funktionierende
Geschwindigkeitsanpassung in Kurven, eine automatische
Feststellbremse und ein Rückrollschutzsystem für den sicheren
Einsatz auf Rampen.
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/03 37
04 05 06
07 08 09
Zum Teststapler
Abmessungen und technische Daten
Länge bis zur Vorderseite des Gabelrückens
Gerätebreite
Hubmasthöhe (eingezogen)
Rahmenhöhe
Gabeln (L × B × T)
Radstand
Bodenfreiheit
Überhang Vorderachse bis zur
Vorderseite des Gabelrückens
Überhang Rückseite
Arbeitsgangbreite
Maximal zulässige Traglast (gemäß
Lastendiagramm)
Lastschwerpunkt
Maximale Hubhöhe
Freihub
Neigungswinkel Hubmast vorwärts/
rückwärts
Antriebstechnik
Fahrmotor
Hubmotor
Batteriekapazität
Reifen
B25NS
2.350 mm
1.244 mm
2.145 mm
2.180 mm
1.200 × 100 × 45 mm
1.560 mm
125 mm
457 mm
333 mm
1.019 mm
2.250 kg
500 mm
4.710 mm
940 mm
6° / 6°
11 kW
12 kW
48 V, 600 Ah
Maß vorne 23 × 9-10
Maß hinten 18 × 7-8
Hersteller
Yantai
Alle Angaben basieren auf Recherchen und Messungen des Testteams und können
Abweichungen zu den Herstellerangaben aufweisen
04 Das übersichtliche Farbdisplay zeigt drei Betriebsmodi: High,
Standard und Economy
05 Die Fingertipp-Hebel erlauben eine präzise Mastbedienung.
Die Armlehne ist in Höhe und Tiefe verstellbar
06 Einziger Wermutstropfen in der aufgeräumten Kabine:
Die Positionierung des Scheibenwischbehälters wirkt unglücklich
07 Praxisgerecht gelöst: Der seitliche Ladeanschluss macht das
Öffnen der Batteriefachabdeckung überflüssig
08 Erprobtes Detail: Der Handgriff mit integrierter Hupe
für sicheres Rückwärtsfahren
09 Schwachpunkt Bereifung: Die Non-Marking-Reifen von Yantai
Solid Star überzeugen bei schweren Lasten und in Kurven nicht
SEHR STABILER HUBMAST
Soweit zur Ausstattung – dieser „Light“-Bobcat überzeugt mit einem
angenehmen Arbeitsplatz. Doch wie schlägt er sich in der
Praxis? Abgesehen von einem deutlich hörbaren Betriebsgeräusch
des Lenkpumpenmotors verhält sich der Stapler berechenbar
und gutmütig. Die Sicht durch den Triplex-Mast ist trotz
Seitenschieber und Freihubzylinder überraschend gut – was auch
an der äußerst stabilen und robusten Mastkonstruktion liegt. Die
Fingertipp-Hebel erlauben eine präzise Mastbedienung, und die
Mastdämpfung arbeitet präzise. Die Fahrtrichtung lässt sich bequem
mit dem rechten Daumen am Schalter wechseln. Auch der
Schalter zur automatischen vertikalen Positionierung des Hubmasts
überzeugt: Sowohl bei Vorneigung als auch bei Rückneigung
stoppt der Mast zuverlässig in der Vertikalen.
EMPFEHLUNGEN
Mit Blick auf Fahr-Erlebnis und Produktivität empfehlen wir, die
Standardparameter des Staplers anzupassen. Die Beschleunigung
könnte etwas zügiger ausfallen, ebenso die Geschwindigkeit
der Mastrückneigung. Auch die Verzögerung über den Fahrmotor
38 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
dürfte kräftiger sein, um das Ein-Pedal-Fahren komfortabler zu
gestalten. Diese Anpassungen zusammen würden dem B25NS einen
deutlich dynamischeren Charakter verleihen.
Eine zweite Empfehlung betrifft die Reifenwahl. Die weißen
Non-Marking-Reifen der chinesischen Marke Yantai Solid Star
überzeugen nicht. Das zeigt sich vor allem beim Handling schwerer
Lasten und beim Durchfahren von Kurven – das Fahrverhalten
wird dann spürbar unberechenbar. Bobcat zufolge ist die Reifenwahl
Teil der Strategie, einen möglichst preisgünstigen Stapler
für weniger intensive Einsätze anzubieten. Wer mehr Fahrstabilität
wünscht, dem empfehlen wir, auf Reifen einer renommierten
Marke umzurüsten.
PRODUKTIVITÄT UND ENERGIEVERBRAUCH
Bei der Leistung schneidet der Bobcat B25NS erwartungsgemäß
ab. Im Vergleich mit getesteten 2,5-Tonnen-Elektrostaplern für
den intensiveren Einsatz liefert der 2,5-Tonner im maximalen H-
Modus eine moderate Produktivität – bei zugleich sehr niedrigem
Energieverbrauch. Im Vergleich mit Staplern für den leichten bis
mittleren Einsatz nähert er sich stärker dem Durchschnitt an: etwas
weniger produktiv, dafür wirtschaftlicher.
Die von uns empfohlenen Parameteranpassungen dürften der
Produktivität spürbar zugutekommen. Der damit einhergehende
Anstieg des Energieverbrauchs bleibt vertretbar und im Wettbewerbsvergleich
weiterhin niedrig. Ohnehin stellt sich die Frage, ob
der Energieverbrauch bei diesem Stapler überhaupt ein kritischer
Faktor ist: Die 51-V-Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) verfügt
mit 600 Ah über ausreichend Kapazität für einen langen Tageseinsatz
– auch bei höherer Intensität. Die LFP-Technik erlaubt es dem
Hersteller darüber hinaus, kleinere und damit preisgünstigere
Batterien anzubieten. Die Wartungsfreiheit der Batterie und die
Möglichkeit, sie problemlos zwischendurch zu laden, kommen
Anwendern mit gelegentlichem Einsatz zugute.
Umgeschlagene Paletten in 8 Stunden
Bobcat B25NS Modus H 269
Bobcat B25NS Modus S 260
Bobcat B25NS
Modus E 228
ø Einstiegssegment 275
Verbrauch pro
100 Paletten in kWh
Verbrauch während
des Tests in kWh
ø Gesamtfeld 324
ø Einstiegssegment = Durchschnitt der von uns getesteten 2,5-t-Elektro-
Stapler im Einstiegssegment, ø Gesamtfeld = Durchschnitt aller von uns
getesteten 2,5-t-Elektro-Stapler
TEST-FAZIT
Bobcat B25NS
Modus H
Bobcat B25NS
Modus S
Bobcat B25NS
Modus E
ø Einstiegssegment
13,08
12,48
10,68
16,76
ø Gesamtfeld
19,22
Bobcat B25NS
Modus H
Bobcat B25NS
Modus S
Bobcat B25NS
Modus E
ø Einstiegssegment
4,40
4,06
3,05
5,77
ø Gesamtfeld
7,73
ø Einstiegssegment = Durchschnitt der von uns getesteten 2,5-t-Elektro-
Stapler im Einstiegssegment, ø Gesamtfeld = Durchschnitt aller von uns
getesteten 2,5-t-Elektro-Stapler
Mit dem B25NS bietet Bobcat einen frischen, farbenfrohen und
unkomplizierten Gabelstapler im 2,5-Tonnen-Segment. Die
Basis einstellungen könnten etwas kraftvoller ausfallen – das würde
den Stapler in jeder Hinsicht aufwerten. Wer ein zuverlässiges
Gerät für den leichten bis mittleren Einsatz sucht, sollte den
B25NS auf die Shortlist
setzen. Die Lithium-
Eisenphosphat-Batterie
sorgt zusätzlich für
einen wartungsarmen
Betrieb. Fällt der Einsatz
doch intensiver
aus als geplant, empfiehlt
sich die Umrüstung
auf Reifen eines
Her-
renommierten
stellers.
Text und Fotos: Theo
Egberts und Mark Dohmen
Grafiken: VFV,
Sonja Daniel
WERTUNG
+ Intuitive Bedienung
+ Niedriger Energieverbrauch
+ Solide Mastkonstruktion
– Betriebsgeräusche
Lenkpumpenmotor
– Einstellung Beschleunigung
und Verzögerung über
Fahrmotorr
– Fahrstabilität der
Non-Marking-Reifen
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/03 39
JUNGHEINRICH-FACHPRESSEKONFERENZ „INNOVATIONS & HIGHLIGHTS 2026“
MIT 400 VOLT GEGEN DEN VERBRENNER
Der FalcOn vor der
Kulisse des Hamburger
Hafens: Jungheinrichs
Gegengewichtsstapler mit
Hochvolt-Technologie ist auf
eine Tragfähigkeit von
5.000 kg ausgelegt und soll
Verbrenner in schweren
Einsatzprofilen
ablösen
Auf der Fachpressekonferenz „Innovations &
Highlights 2026“ hat Jungheinrich mit dem
FalcOn erstmals einen Gegengewichtsstapler mit
Hochvolt-Technologie vorgestellt. Das
Konzeptfahrzeug basiert auf der EFG-Baureihe 5,
arbeitet mit 400-Volt-Technik und zielt auf
Anwendungen, in denen bislang Verbrenner
dominieren. f+h war vor Ort.
Die Elektrifizierung schwerer Flurförderzeuge stößt dort
an Grenzen, wo hohe Lasten, lange Steigungsfahrten und
dauerhafter Außeneinsatz gefordert werden. In der Getränke-,
Baustoff- und Automobilzulieferlogistik dominieren
daher bis heute vielfach verbrennungsmotorische Stapler.
Jungheinrich will das ändern: Mit dem FalcOn präsentierte der
Hamburger Intralogistik-Konzern auf seiner Fachpressekonferenz
einen Gegengewichtsstapler, der auf Basis der Hochvolt-Technologie
schwere Umschlagprozesse vollelektrisch abbilden soll.
VERBRENNER-ABLÖSUNG ALS STRATEGISCHES
ZIEL
Der FalcOn basiert auf der aktuellen EFG-Baureihe 5 und ist auf
eine Tragfähigkeit von 5.000 kg bei einem Lastschwerpunkt von
600 mm ausgelegt – ein typisches Geräteprofil für schwere Umschlagprozesse
im Innen- und Außenbereich. Das Flurförderzeug
arbeitet mit einem 400-Volt-System und markiert damit einen
Technologiesprung gegenüber den bisherigen 48- oder 80-Volt-
Architekturen konventioneller Elektrostapler.
Maik Manthey, Vorstandsmitglied für das Ressort Technik bei
der Jungheinrich AG, der die Gerätepräsentation auf der Veranstal-
tung leitete, ordnete die Stoßrichtung klar ein: „Wir müssen Anwendungen
ersetzen, die tendenziell für Verbrenner sind. Wir
möchten beispielsweise die Holzindustrie, die Baustoffindustrie
und Brauereien adressieren. In den Branchen ist Leistung gefragt.“
Da Jungheinrich keine Verbrenner mehr im Portfolio führt, soll der
FalcOn eine strategische Lücke im eigenen Programm schließen.
LEISTUNGSDATEN AUF VERBRENNER-NIVEAU
Die technischen Eckdaten unterstreichen den Anspruch: Die maximale
Fahrgeschwindigkeit beträgt 26 km/h. Eine Strecke von 15
Meter legt das Konzeptfahrzeug in rund 4,6 Sekunden mit Last
beziehungsweise in 4,0 Sekunden ohne Last zurück. Damit bewegt
sich der Stapler auf einem Niveau, das ihn in direkte Konkurrenz
zu hydrostatisch angetriebenen Verbrennern bringt.
Die Hubgeschwindigkeit unter Last liegt bei 0,6 m/s – ein Wert,
der in erster Linie bei hochfrequenten Umschlagvorgängen im
Dauereinsatz produktivitätsrelevant ist. „Mit dem FalcOn wollen
wir zeigen, dass elektrische Stapler auch in den härtesten Einsatzprofilen
eine echte Alternative zum Verbrenner sein können“,
sagt Andreas Schiller, Global Portfolio Lead Counterbalance Heavy
Trucks bei Jungheinrich. Entscheidend sei, dass diese Leistungswerte
auch unter realen Einsatzbedingungen dauerhaft abrufbar
blieben.
INTEGRIERTES ANTRIEBSKONZEPT MIT AKTIVER
KÜHLUNG
Technologisch setzt der Hersteller beim FalcOn auf ein vollständig
integriertes Hochvolt-Antriebssystem. Alle zentralen Komponenten
– Fahr- und Hubmotoren, Leistungselektronik und Batterie
– sind aktiv wassergekühlt. Diese Architektur soll sicherstellen,
dass die Leistungsabgabe auch bei hoher Dauerbelastung
und hohen Umgebungstemperaturen stabil bleibt – ohne die bei
konventionellen Elektrostaplern üblichen thermisch bedingten
Leistungseinbußen.
40 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
PERSPEKTIVEN
››
WINFRIED BAUER,
CHEFREDAKTEUR F+H
Mit 400 Volt und 150 kW Ladeleistung
rückt die vollelektrische Schwerlastlogistik
in greifbare Nähe
Ein weiteres Merkmal ist die Einzelradansteuerung der Fahrmotoren.
Diese aus dem Automobilbereich bekannte Architektur ermöglicht
ein präzises Ansprech- und Reversierverhalten – ein
Vorteil vor allem bei häufigen Richtungswechseln und anspruchsvollen
Rangiermanövern im beengten Lagerumgebungen.
Dr. Jasper Schnack, Projektleiter der FalcOn-Entwicklung bei
Jungheinrich, betont die Bedeutung des Gesamtsystems: „Entscheidend
ist nicht allein die Höhe der Spannung, sondern das
Zusammenspiel aller Komponenten. Erst durch aktive Kühlung,
eine passende Systemarchitektur und eine präzise Applikation
kann die Hochvolt-Technologie ihre potenziellen Vorteile im
schweren Staplersegment voll ausspielen.“
SCHNELLLADEN ÜBER CCS-2-SCHNITTSTELLE
Ein zentraler Aspekt des Hochvolt-Konzepts ist die Schnellladefähigkeit.
Über eine automotive-konforme CCS-2-Schnittstelle
kann der FalcOn mit Gleichstrom und einer Ladeleistung von bis
zu 150 kW geladen werden. Die Ladezeit von 20 auf 80 Prozent
Batteriekapazität liegt bei rund 30 Minuten.
Manthey machte auf der Veranstaltung deutlich, welchen operativen
Unterschied das ausmacht: „Kurze und mittlere Ladephasen
fügen sich nahtlos in den Arbeitsalltag ein – eine Pause oder
ein Schichtwechsel genügt. Kein Batteriewechsel, keine langen
Ladezyklen, keine zweite oder dritte Batterie.“ Die Ladetechnologie
entspreche der von Elektrofahrzeugen im Straßenverkehr, sodass
keine grundlegend neue Infrastruktur erforderlich sei.
Auf die Nachfrage der Redaktion, ob größere Staplerflotten
beim gleichzeitigen Schnellladen die elektrische Infrastruktur
vor Ort überlasten könnten, erklärte Manthey, dass Jungheinrich
bei Bedarf eine Gesamtlösung einschließlich Pufferspeichern bereitstellen
werde. Konkrete Details zu dieser Gesamtlösung blieben
auf der Veranstaltung jedoch offen.
KONZEPTFAHRZEUG MIT CO-ENTWICKLUNGS-
ANSATZ
Der Hersteller kommunizierte den Entwicklungsstand transparent:
Der FalcOn ist kein Serienprodukt, sondern ein funktionsfähiges
Konzeptfahrzeug, das die Integration der Hochvolt-Technologie
unter realistischen Bedingungen erproben soll.
In einer nächsten Projektstufe will das Unternehmen ausgewählte
Anwender frühzeitig in die Weiterentwicklung einbinden.
Innerhalb von etwa einem Jahr soll dafür eine Kleinserie aufgebaut
werden. „Wir suchen Co-Entwicklung mit Kunden. Wir hören
zu, wir verstehen, was der Kunde will, und verankern das“, er-
läuterte Manthey den Ansatz. Langfristig strebe man an, deutlich
mehr als 100 Geräte pro Jahr zu fertigen.
Schiller unterstrich die Bedeutung dieses Vorgehens: „Unser
Anspruch ist es, gemeinsam mit Kunden herauszufinden, wie
sich diese Technologie künftig in reale Anwendungen überführen
lässt. Der FalcOn markiert dafür einen wichtigen Startpunkt.“
AUSBLICK
Innerhalb des Jungheinrich-Portfolios ist der FalcOn im High-
Tech-Segment positioniert und bildet die technologische Spitze
oberhalb der bestehenden Elektro-Gegengewichtsstapler. Für
Logistikentscheider, die in schweren Umschlaganwendungen
bislang auf Verbrennertechnik setzen, liefert der FalcOn ein konkretes
Signal, welche Leistungsdaten mit Hochvolt-Elektrostaplern
künftig erreichbar sein können. Ob sich die Technologie im
rauen Logistikalltag bewährt, werden die angekündigten Pilotprojekte
zeigen müssen.
Winfried Bauer
Fotos: f+h, Jungheinrich, Karte auf S. 41: Stepmap, 123map. Daten: Openstreetmap,
Lizenz: ODbL 1.0
www.jungheinrich.de
Jungheinrich FalcOn
Abmessungen und technische Daten
Fahrzeugtyp
Basis EFG-Baureihe 5
Entwicklungsstand
Spannungsebene
Tragfähigkeit
Fahrgeschwindigkeit
Spurt über 15 m, mit Last
Spurt über 15 m, ohne Last
Hubgeschwindigkeit (mit
Last)
Kühlung
Antriebsarchitektur
Ladeschnittstelle
Ladeleistung
Elektro-Gegengewichtsstapler mit Hochvolt-
Technologie
Konzeptfahrzeug (nicht in Serienproduktion)
400 V
5.000 kg (bei 600 mm Lastschwerpunkt)
bis zu 26 km/h
ca. 4,6 s
ca. 4,0 s
0,6 m/s
aktive Wasserkühlung aller zentralen
Antriebskomponenten
einzeln angesteuerte Radmotoren
CCS-2 (Gleichstrom/DC)
bis zu 150 kW
Ladezeit von 20 auf 80 % Batteriekapazität in ca. 30
Minuten
Zielanwendungen
Getränke-, Baustoff-, Automobilzulieferlogistik;
schwere Innen- und Außeneinsätze
Beim FalcOn handelt es sich um ein Konzeptfahrzeug, das nicht in Serienproduktion
ist. Die angegebenen Werte basieren auf dem aktuellen Entwicklungsstand.
Weitere technische Parameter wie Batteriekapazität, Hubhöhe und
Fahrzeugabmessungen sind herstellerseitig noch nicht final spezifiziert.
Quelle: Jungheinrich
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/03 41
PRODUKTE UND SYSTEME
FLURFÖRDERZEUGE IN DER FRISCHELOGISTIK
PALETTENHANDLING AUF ENGEM RAUM
Beengte Verhältnisse in den Reifekammern: Ein Gegengewichtsstapler
platziert Paletten auf der oberen Ebene. Erkennbar sind die schmalen,
nicht mittig angeordneten Gänge und die Metallkonstruktionen,
die das Manövrieren zur Herausforderung machen
Die Logistik verderblicher Lebensmittel stellt
hohe Anforderungen an Flurförderzeuge. Für
sein Reifungszentrum in Cortenuova bei
Bergamo hat Chiquita gemeinsam mit dem
italienischen Yale-Händler Unicar eine
Staplerflotte konfiguriert, die auf die spezifischen
Gegeben heiten vor Ort zugeschnitten ist.
Nach Angaben von Chiquita ist das Reifungszentrum in
Cortenuova das größte seiner Art in Europa. Der Standort
verfügt über neun Laderampen, 24 Reifungsräume
mit einer Kapazität von jeweils 48 Paletten sowie zwei
Verpackungslinien mit einem Durchsatz von bis zu 45 Trays pro
Minute. Die installierte Kühltechnik ist auf eine geringe Entfeuchtung
der Innenluft ausgelegt, um konstante Reifebedingungen sicherzustellen.
Verpackung und Palettenhandling finden durchgehend
im temperaturkontrollierten Bereich bei 14 bis 18 °C statt.
Um den Warenein- und -ausgang voneinander zu trennen, sind
Laderampen auf beiden Gebäudeseiten vorhanden.
SCHMALE, NICHT MITTIG ANGEORDNETE
GÄNGE ALS ENGPASS
Die Anlage ist sieben Tage die Woche in Betrieb, gearbeitet wird
in Schichten von acht bis zehn Stunden. Grüne Bananen werden
vom Hafen angeliefert, in den Reifekammern gelagert und nach
dem Reifevorgang an Kunden versandt. Eine besondere Anforderung
ergibt sich aus der baulichen Gestaltung: Die Gänge in den
Reifekammern sind schmal und nicht mittig angeordnet, was das
Palettenhandling erschwert.
Roberto Galdoni, Leiter des Distributionszentrums, beschreibt
die Situation: „Die größte Herausforderung ist das Manövrieren
der Paletten in die Reifekammern und wieder heraus, vor allem
beim Palettenhandling in den oberen Ebenen. Aufgrund der
schmalen und nicht mittigen Gänge kann der Hubmast der Flurförderzeuge
gelegentlich die Metallkonstruktionen berühren. Wir
brauchen daher kompakte Geräte, die in diesen Bereichen zuverlässig
arbeiten.“
FLOTTENZUSAMMENSETZUNG UND
AUSSTATTUNG
Den Kern der Flotte bilden Elektro-Dreiradstapler der Typen
ERP16VT und ERT20VT. Sie übernehmen das Be- und Entladen
der Lkw, das Palettenhandling in den Reifekammern sowie den
innerbetrieblichen Transport. Ausgestattet wurden die Geräte
mit Klammern für Kommissionier- und Sortieraufgaben sowie
mit nicht markierenden weißen Reifen, wie sie in Lebensmittelumgebungen
üblich sind. Weitere Anpassungen für die Anwendung
waren laut Betreiber nicht erforderlich – bei den Temperaturen
im Frischebereich kommen Standardgeräte zum Einsatz.
Ergänzt wird die Flotte durch Niederhubwagen der Typen MP16
und MP20X, die mit und ohne Fahrerstandplattform eingesetzt
werden. Mithilfe dieser Geräte wird der Palettentransport innerhalb
des Lagers durchgeführt. Für die Kommissionierung setzt
Chiquita den Gabelhubwagen MO20X ein. Das kompakt ausgelegte
Gerät ermöglicht das Ein- und Auslagern von Paletten auf unterschiedlichen
Höhen – ein Vorteil in den beengten Reifekammern.
LANGFRISTIGES MIETMODELL MIT FULLSERVICE
Die Flurförderzeugflotte wird als langfristige Mietlösung mit Fullservice
betrieben. Galdoni nennt drei Faktoren für die Anbieterauswahl:
„Ausschlaggebend waren die europäische Fertigung der
Geräte, die Verfügbarkeit eines schnellen Vor-Ort-Service durch
den Händler Unicar sowie das Finanzierungsmodell.“
Die Flotte aus Gegengewichtsstaplern, Niederhubwagen und
Kommissionierern deckt die wichtigsten Materialflussbewegungen
im Reifungszentrum ab – vom Wareneingang über die Reifekammern
bis zum Versand. Vergleichskennzahlen zur Effizienzentwicklung
liegen bislang keine vor.
Fotos: Yale
www.yale.com
42 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
MARKTPLATZ
SCANNEN AUF HOCHGESCHWINDIGKEITS-
FÖRDERBÄNDERN BESCHLEUNIGEN
Der neue 2D-Barcode-
Leser Matrix 830/930
von Datalogic steigert
die Durchsatzraten
beim Paketumschlag.
Das Gerät kombiniert
eine hohe Auflösung mit patentierten Fokussierungstechnologien
und sorgt dadurch für eine zuverlässige Identifikation
sowie eine kristallklare Bildaufnahme – auch bei hohen
Förderbandgeschwindigkeiten. Die Lösung wurde speziell
entwickelt, um den Durchsatz auf großen Förderbändern zu
maximieren. Anwender können so ihre Paketverarbeitungskapazität
und damit die Produktivität ihrer Logistikzentren
steigern. Die Technologie richtet sich an Betreiber von
Umschlaganlagen, die ihre Sortierleistung optimieren wollen.
www.datalogic.com
NACHGIEBIGE ROBOTER ALS
SICHERE KOLLEGEN
AUFSTIEGSLÖSUNGEN BEI BEENGTEN
EINBAUSITUATIONEN
Zwei neue Aufstiegslösungen adressieren
typische Herausforderungen in
der Intralogistik. Der vertikale Aufstieg
(Bild) von Hymer-Steigtechnik dient
als sicherer Übergang an Förderbändern
und zwischen Anlagenteilen.
Rutschhemmende Trittflächen,
individuelle Höhenanpassung und
eine Haltevorrichtung kennzeichnen
die für enge Einbausituationen
konzipierte Konstruktion.
Für wechselnde Einsatzorte bietet der Stufenaufstieg 8058
ergonomische 80-mm-Stufen, beidseitige Handläufe und
stabile Einhängehaken. Die Lösung reduziert die Ermüdung
bei häufigem Zugang zu Arbeitsbereichen in der Höhe.
www.hymer-alu.de
LADESCHRANK HÄLT MDE-GERÄTE
EINSATZBEREIT
Omnidirektionale Antriebe und nachgiebige
Bewegungen kennzeichnen die
kollaborativen mobilen Logistikroboter
von Kelo Robotics. Antriebe, Stromversorgung
und Steuerrechner sind modular
aufgebaut und lassen sich frei kombinieren.
Die Kelo-Drives sind rücktreibbar
und können einer externen Kraft nachgeben, wodurch sich die
Roboter sicher in unmittelbarer Nähe zu Menschen bewegen.
Bei Annäherung reduzieren sie automatisch Geschwindigkeit
und Kraft. Ergreift eine Person die mit Kraftsensoren ausgestattete
Lenkstange, wechseln die Roboter in den Interaktivmodus
und lassen sich mit minimalem Kraftaufwand in jede
Richtung bewegen. Nach Betätigung der Fortfahren-Taste
setzen sie ihren autonomen Transportauftrag fort.
www.kelo-robotics.com
TECHNISCH-WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT
Dr.-Ing. Chr. Beumer, Beckum;
Prof. Dr.-Ing. J. Fottner, München;
Prof.-Dr.-Ing. K. Furmans, Karlsruhe;
Prof. Dr. M. ten Hompel, Dortmund;
Mit den neuen Lade- und
Spindschränken von proLogistik
stehen aufgeladene und
aktualisierte mobile Datenerfassungsgeräte
sofort zur
Verfügung. Jedes Modul
umfasst acht abschließbare
Einzelspinde für MDE-Terminals, Tablets, mobile Drucker oder
Scanner einschließlich Zubehör und lässt sich mit weiteren
Modulen kombinieren. Eine optional integrierbare Docking-
Station verbindet die Geräte über Doppel-USB-A, 230-V-Anschluss
und Ethernet mit der vorhandenen Infrastruktur.
Zwischen den Schichten laden die Schränke die Geräte auf
und aktualisieren Firm- und Software. Das Stahlblechgehäuse
mit Pulverbeschichtung sorgt für eine lange Nutzungsdauer.
Verkabelung und Ethernet-Switches sind über einen Servicezugang
im Schrägdach erreichbar.
Pro Modul ist eine Steckdose
erforderlich. Die Spinde lassen
Prof. Dr.-Ing. R. Jansen, Dortmund;
Prof. Dr. K.-O. Schocke, Frankfurt;
Prof. Dr.-Ing. habil. L. Schulze, Hannover;
Prof. Dr.-Ing. R. Schulz, Stuttgart
sich per Schlüssel oder NFC
verschließen und bieten Ausstattungsoptionen
wie Einlageboden
und Sichtfenster.
www.prologistik.com
25
Sicheres, platzsparendes und
produktives Handling
ombilift.com
combilift.com
PRODUKTE UND SYSTEME
LOGISTICS & AUTOMATION HAMBURG 2026
INTRALOGISTIK, VERPACKUNG UND
AUTOMATION UNTER EINEM DACH
Am 2. und 3. Juni 2026 vereint das Messegelände
Hamburg drei Fachmessen: Die Logistics &
Automation Hamburg und die Empack Hamburg
finden gemeinsam statt, ergänzt durch die
parallel ausgerichtete all about automation
– eine regionale Fachmesse für Industrieautomation,
Robotik und Digitalisierung. Über
alle drei Veranstaltungen hinweg haben sich
mehr als 320 Aussteller angekündigt, davon über
100 aus den Bereichen Intralogistik und
Verpackung. Der Veranstalter Easyfairs setzt
damit auf ein Konzept, das die Grenzen zwischen
Materialfluss, Verpackungstechnik und
Automatisierung bewusst auflöst.
Der Grundgedanke: Wer Ware bewegt, muss sie auch verpacken
und die zugehörigen Prozesse steuern. Die
räumliche Nähe der drei Veranstaltungen soll genau diese
Zusammenhänge sichtbar machen. Besucher können
sich auf einem Rundgang von Lager- und Fördertechnik über
Verpackungsmaschinen bis hin zu Steuerungs- und Vernetzungslösungen
bewegen – ohne Hallenwechsel und ohne lange Laufwege.
Ob dieses Versprechen aufgeht, wird sich an der konkreten
Hallenplanung und der thematischen Verzahnung des Rahmenprogramms
zeigen.
AUSSTELLERFELD: BREITES SPEKTRUM MIT
BEKANNTEN NAMEN
Auf der Logistics & Automation Hamburg sind unter anderem
vertreten: Axelent, Hänel, hTRIUS, Linde Material Handling,
Nimmsta, ro-ber Industrieroboter, SSI Schäfer, T-Systems International
und Toyota Material Handling. Die Bandbreite reicht
von klassischer Flurfördertechnik über Lagersysteme bis hin zu
digitalen Plattformlösungen.
Die Empack Hamburg deckt die Verpackungsseite ab – von Materialien
und Maschinen bis hin zu nachhaltigen Konzepten. Zu
den Ausstellern zählen unter anderem Antalis Verpackungen,
Domino Deutschland, Naturapack, Storopack, Follmann, Juji
Packaging und Prodinger.
Einen eigenen Fokus legt die Logistics & Automation Hamburg
auf den Bereich „Mobile Robotics“. Der Themenbereich bündelt
Lösungen rund um autonome Transportsysteme und flexible
Robotikanwendungen – ein Segment, das in der Intralogistik
aktuell stark an Bedeutung gewinnt. Vor allem für mittelständische
Unternehmen, die ihre Materialflüsse schrittweise automatisieren
wollen, sind skalierbare und adaptive Systeme ein zentrales
Entscheidungskriterium.
VORTRAGSPROGRAMM: VON KI BIS
VERPACKUNGSREGULIERUNG
Das begleitende Rahmenprogramm greift mehrere Themen auf,
die die Branche derzeit beschäftigen: der Einsatz von künstlicher
Intelligenz in Lager und Logistik, Effizienzgewinne durch Automatisierung
sowie nachhaltige Verpackungskonzepte. Auf der regulatorischen
Seite steht die europäische PPWR (Packaging and
Packaging Waste Regulation) im Programm – die neue EU-Verpackungsverordnung,
die unter anderem Rezyklat-Quoten und
Wiederverwendungsziele vorschreibt und deren Vorgaben ab
2025 schrittweise wirksam werden. Für Unternehmen entlang der
Verpackungskette ist sie eines der bestimmenden Themen der
kommenden Jahre. Referenten aus Industrie, Forschung und Verbänden
sollen Orientierung geben.
Die Logistics & Automation Hamburg richtet sich mit ihrem
Konzept gezielt an Fachbesucher, die Lösungen benötigen und
Investitionsentscheidungen vorbereiten wollen. Die Verbindung
mit Empack und all about automation erweitert das Spektrum,
ohne den Fokus zu verlieren. Ob das Dreiermesse-Format im
Norden langfristig eine feste Größe wird, hängt nicht zuletzt davon
ab, wie stark die Aussteller die Querverbindungen zwischen
den Themenwelten tatsächlich bespielen.
Leser können über die Webseite www.intralogistik-messen.de
mit dem Gutscheincode 1418 ein kostenfreies Ticket für alle drei
Veranstaltungsbereiche anfordern.
WB
Fotos: Easyfairs (2025)
www.easyfairs.com
44 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
MARKTPLATZ
BREITENVERSTELLBARER LIFT FÜR
UNTERSCHIEDLICHE GEBINDEGRÖSSEN
Mit einem breitenverstellbaren Lift transportiert ein einzelner
AMR unterschiedliche Gebindegrößen. Beim MBT 08 von
MartinSystems entfällt die Notwendigkeit, Gebinde zu
standardisieren oder mehrere
spezialisierte Roboter einzusetzen.
Bestehende passive Übergabestationen
können weiterhin
genutzt werden, sodass die
Produktion während der Umstellung
auf den automatisierten
Betrieb weiterlaufen kann.
Die kompakte Bauweise erleichtert
den Einsatz in beengten
Produktionsumgebungen, ohne
den Funktionsumfang einzuschränken.
Ein serienmäßiges HMI
in ergonomischer Bedienhöhe,
leicht zugängliche Not-Aus-Schalter und seitlich integrierte
Safety-Scanner unterstützen eine schnelle Inbetriebnahme
und einen sicheren Betrieb. Der stabile Liftaufbau mit
gebremstem Schrittmotor sichert die Last auch im Nothalt
zuverlässig.
www.martinsystems.eu
WECHSELBRÜCKENUMSCHLAG WIRD
ELEKTRISCH
Ein emissionsfreier Wechselbrückenhubwagen erweitert die
Fahrzeugpalette der 101-Generation von TII Kamag. Der
ePrecisionMover 101 kombiniert Elektroantrieb mit Lithium-
Ionen-Batterien und intelligentem Thermomanagement. Das
Fahrzeug erreicht Ladeleistungen bis 100 kW. Zusätzlich
gewinnt es beim Bremsen durch Rekuperation Energie zurück.
Das Fahrerhaus bietet ein Display, logisch angeordnete
Bedienelemente und verbesserte Rundumsicht. Beheizte
Außenspiegel, ein niedriger Einstieg und Sonnenrollos
erhöhen den Fahrkomfort. Eine Beleuchtung nach ECE-Vorschrift
und ein Bremssystem gemäß europäischen Nutzfahrzeugstandards
unterstützen die Arbeitssicherheit.
Da Verschleißkomponenten wie Kupplung und Getriebe
entfallen, reduziert sich der Wartungsaufwand. Über das
Telematiksystem Kamag Connect lassen sich Ferndiagnosen
durchführen und Fahrzeugzustände
überwachen. Die
modulare Bauweise erlaubt
einen schnellen Komponentenaustausch
und verkürzt
so die Stillstandszeiten bei
Serviceeinsätzen.
www.tii-group.com
MULTI-SZENARIO-SYSTEM VEREINT
LAGERPROZESSE
Wir schaffen logistische Verbindungen.
Individuelle Planung und Konstruktion
direkt vom Hersteller – Made in Germany
www.butt.de
Das Unternehmen Quicktron stellte auf der Logimat eine
modulare Multi-Szenario-Lösung für die Lagerautomatisierung
vor. Das System QuickMix vereint verschiedene Lagerprozesse
von Ware-zur-Person-Picking bis zur Auftragskonsolidierung
in einer durchgängigen Architektur. Autonome mobile
Roboter, Regalbediengeräte und intelligente Waren-zur-Person-Systeme
werden über ein Robot-Control-System (RCS)
koordiniert.
Das RCS steuert Aufträge adaptiv in Echtzeit – mit Priorisierung,
dynamischer Routenplanung und kontinuierlichem
Monitoring. Der modulare Aufbau erlaubt eine stufenweise
Implementierung ohne grundlegende IT-Restrukturierung.
Unternehmen können mit einzelnen Prozessmodulen beginnen
und die Automatisierung schrittweise ausbauen.
Die Lösung lässt sich in bestehende Software-Strukturen
integrieren und erweitert vorhandene Prozesse. Layout-Anpassungen,
Peak-Skalierungen oder zusätzliche Prozesszonen
lassen sich ohne umfassende Systemumstellungen realisieren.
Zu den Anwendungsbereichen zählen E-Commerce-Fulfillment
sowie Kontraktlogistik.
www.quicktron.com
Typ BKV - Vorderachsrampe
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PRODUKTE UND SYSTEME
FÖRDERTECHNIK
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CHEFREDAKTEUR
Das Internet ist voll mit nützlichen,
aber auch überflüssigen Inhalten. Wir
filtern für Sie die Informationsflut und
recherchieren Inhalte mit echtem
Nutzwert für den Intralogistiker
Tagtäglich sind wir im Internet einer riesigen Informationsflut ausgesetzt. Da wird es
schwer, den Überblick zu behalten. Doch f+h hilft! Denn wir selektieren nicht nur
entsprechende Pressemeldungen, sondern durchforsten für Sie auch Websites, Business-
Netzwerke und soziale Medien und filtern spannende Dinge heraus. Ab sofort finden Sie
an dieser Stelle unsere Highlights aus der digitalen Welt der Intralogistik.
KI AUTOMATISIERT SENDUNGSVERFOLGUNG
Spezialisierte KI-Assistenten übernehmen eigenständig Aufgaben
in der Warenverfolgung und ersetzen manuelle Kontrollanrufe
weitgehend. Das System Descartes MacroPoint OpsForce ist
Teil des Global Logistics Network und vernetzt hunderttausende
Spediteure sowie Millionen Fahrer für lückenlose Sendungsverfolgung
in Echtzeit. Über 720.000 KI-gestützte Interaktionen
haben mehr als 435.000 zusätzliche Fahrer in das Netzwerk
eingebunden. Messbare Ergebnisse zeigen eine 50-prozentige
Effizienzsteigerung der Sendungsverfolgungsteams, 30 Prozent
mehr automatische Sendungsverfolgung ohne menschliches
Eingreifen sowie eine 15 Prozent schnellere Abrechnung durch
automatische Erfassung von Ablieferbelegen. Das System
arbeitet unter strikter Einhaltung der DSGVO und schützt die
Privatsphäre der Fahrer durch klare Zweckbindung des Trackings.
WWW.DESCARTES.COM
KI-TOOL UNTERSTÜTZT BEI
FACHFRAGEN
Ein dialogbasierter Assistent erleichtert Partnern die
Informationsbeschaffung zu technischen Daten, Produktdetails
und weiteren Dokumenten. Das im
Extranet verfügbare Tool von Novoferm greift gezielt
auf Webseiten-Inhalte, Fachinformationen und
hinterlegte Dokumente wie Montageanleitungen
oder Zulassungen zu. Innerhalb weniger Sekunden
liefert der Assistent Antworten zu Industrietoren
und Verladesystemen. Typische Fragestellungen
umfassen Montagehinweise für Brandschutztüren,
technische Daten zu Sicherheitsklassen oder
Unterschiede zwischen Überladebrücken-Varianten.
Das System nutzt ausschließlich interne Unternehmensinhalte
und wird kontinuierlich weiterentwickelt.
Der Service ist nach Anmeldung rund um die
Uhr über das Extranet des Unternehmens verfügbar.
WWW.NOVOFERM.DE
46 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
REKORD-AUFTRAGSEINGANG ERZIELT
SSI Schäfer steigert Auftragsvolumen auf
2,1 Mrd. Euro
DIE TOP
ONLINE-ARTIKEL
DER F+H WEBSITE
An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen die
fünf meist gelesenen Artikel des Monats
auf unserer Internetpräsenz
Das Ranking umfasst alle Seitenaufrufe im 2-Monats-Zeitraum
bis ca. 2-3 Wochen vor Erscheinungstermin dieser Ausgabe. Die
Berechnungsbasis von 100% entspricht der Summe der fünf Plätze.
FRAUNHOFER IML SCHLIESST
FORSCHUNGSPROJEKT AB
Das Forschungsprojekt Skala entwickelt offene
Technologien für organisationsübergreifende
Logistiksysteme
SSI SCHÄFER STIFTET CYBER SECURITY
ZENTRUM
Die Eröffnung des Technologietransferzentrums für
Cyber Security in Ochsenfurt unterstreicht die
wachsende Bedeutung der Informationssicherheit
AUTONOME MOBILE ROBOTER
Mit dem System von NEOintralogistics lassen sich
Fachbodenlager einfach automatisieren
INTRALOGISTIKSYSTEME
Auf der Logimat 2026 präsentierte Klinkhammer
Lösungen für effizientere Lagerprozesse
RECHENTOOL KALKULIERT EMISSIONS-
KOSTEN
Mit einem kostenlosen Value Calculator können
Unternehmen die wirtschaftlichen Vorteile eines
digitalen Emissionsdatenmanagements berechnen. Das
Tool von pacemaker.ai weist drei Szenarien für mögliche
Kostenreduktionen und Umsatzpotenziale aus. Nach
Eingabe von Unternehmensdaten und Kundenanforderungen
zu Compliance- und Emissionsdaten berechnet
die Anwendung auf Basis von Branchenstandards die
Einsparungen gegenüber manueller Bearbeitung und
externen Beratungskosten. Das System unterscheidet
zwischen konservativer, realistischer und ambitionierter
Einschätzung. Zusätzlich ermittelt der Calculator
Umsatzpotenziale, die sich durch den Einsatz von
Book-&-Claim-Verfahren zur Vermarktung der Nutzung
alternativer Kraftstoffe wie HVO100-Diesel ergeben. Die
zugrunde liegende Sustainability Management Platform
führt ESG- und Emissionsdaten automatisiert über
Schnittstellen zusammen und nutzt KI-gestützte
Analysen für Berechnungen nach ISO-Standards.
WWW.PACEMAKER.AI
CLOUD-NATIVES WMS MIT GO-ONE
ENGINE
Das Warehouse-Management-System plx.wmx der
PureLoX Solutions GmbH basiert auf einer modernen
Microservices-Architektur. Das Cloud-native System
nutzt die GO-ONE Engine und deckt alle logistischen
Abläufe vom Wareneingang bis zur Retourenbearbeitung
ab. Die Software ist vor allem für Logistikdienstleister,
E-Commerce und Handel konzipiert und
unterstützt Multi-User-Umgebungen sowie standortübergreifende
Netzwerke.
Über den API-first-Ansatz lässt sich das System
nahtlos in bestehende IT-Landschaften integrieren
und tauscht Daten mit ERP-Systemen, Automatisierungstechnik
und Partnersystemen in Echtzeit aus.
Durch die Kombination aus unabhängigen Microservices,
Low-Code-Modulen und einem asynchronen
Message Hub lassen sich neue Prozesse, Standorte
und Integrationen flexibel skalieren.
WWW.PURELOX-SOLUTIONS.COM
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/03 47
INTERPACK-VORSCHAU
VERPACKUNGSTECHNIK, MATERIALFLUSS UND AUTOMATISIERUNG IM FOKUS
MEHR ALS VERPACKUNG – IMPULSE
FÜR DIE INTRALOGISTIK
Automatisierung entlang der
Verpackungslinie – auch die
Fördertechnik rückt auf
der interpack zunehmend
in den Fokus
Vom 7. bis 13. Mai 2026 treffen sich rund 2.800
Aussteller aus 67 Ländern auf der interpack in
Düsseldorf. Die Leitmesse der Processing- und
Packaging-Industrie setzt mit den Hot Topics
Smart Manufacturing, Innovative Materials und
Future Skills Akzente, die auch auf die
Intralogistik ausstrahlen – von intelligenter
Antriebstechnik über Robotik bis hin zu
durchgängig vernetzten End-of-Line-Prozessen.
Die Verpackungsindustrie steht unter Druck: Wachsende
Konsumnachfrage, kürzere Produktzyklen, strenge regulatorische
Vorgaben und anhaltender Fachkräftemangel
erfordern einen höheren Automatisierungsgrad – nicht
nur an der einzelnen Maschine, sondern entlang der kompletten
innerbetrieblichen Wertschöpfungskette. Die Schnittstelle zwischen
Verpackungslinie und Materialfluss wird damit zum strategischen
Hebel für mehr Effizienz und Flexibilität.
Genau hier setzt das Hot Topic Smart Manufacturing an: Aussteller
zeigen auf der interpack 2026, wie sich Verpackungsprozesse
mithilfe von KI, Robotik und durchgängiger Datenvernetzung
grundlegend weiterentwickeln lassen. Das Spektrum reicht
von autonomen Transportlösungen über Pick-and-Place-Robotik
bis hin zu integrierten Palettier- und Kommissioniersystemen.
Maschinen werden dabei nicht mehr isoliert präsentiert, sondern
als Bausteine vernetzter Gesamtanlagen, die Produktion, Verpackung
und innerbetrieblichen Transport verbinden.
NEUE MATERIALIEN, NEUE ANFORDERUNGEN
Auch das Hot Topic Innovative Materials hat eine intralogistische
Dimension. Neue Packstoffe – etwa leichtere Folien, Monomaterialien
oder faserbasierte Alternativen zu Kunststoff – verändern
die Anforderungen an Fördertechnik, Handhabung und Lagerhaltung.
Verpackungen, die für das Recycling optimiert sind, verhalten
sich auf Förderstrecken anders als konventionelle Materialien:
Sie erfordern angepasste Greifersysteme, andere Transportgeschwindigkeiten
oder modifizierte Sensorik zur Qualitätskontrolle.
Wer entlang der Verpackungslinie investiert, muss
diese Materialveränderungen in der Intralogistik mitdenken.
48 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
INTERPACK-VORSCHAU
Eng damit verknüpft ist das dritte Hot Topic, Future Skills. Die zunehmende
Automatisierung und Digitalisierung der Verpackungslinien
verändert das Kompetenzprofil des Bedienpersonals
grundlegend: Statt manueller Handgriffe an der Maschine
sind heute Kompetenzen in der Steuerungsprogrammierung, Datenanalyse
und Roboterintegration gefragt. Für Intralogistik-Verantwortliche
bedeutet das: Die Qualifizierung der Mitarbeiter
muss mit dem Technologiewandel Schritt halten – ein Thema, das
die interpack im Spotlight Forum gezielt aufgreift.
KONKRET AUF DER MESSE
Besondere Relevanz für die Intralogistik hat zudem die begleitende
Messe components. Zulieferunternehmen präsentieren dort
Antriebstechnik, Steuerungen, Sensorik, Robotik und industrielle
Software – die technologische Basis moderner Verpackungs- und
Logistiklösungen.
Auch in den Haupthallen finden Intralogistik-Fachleute zahlreiche
Anknüpfungspunkte: Verpackungsmaschinenbauer zeigen
hochautomatisierte Linien mit integrierten Materialflusslösungen,
Behälterhersteller präsentieren optimierte Transportlösungen
für den innerbetrieblichen Warenfluss, und Spezialisten
für Antriebs- und Automatisierungstechnik demonstrieren, wie
sich Verpackungsprozesse nahtlos in übergeordnete Materialflusskonzepte
einbinden lassen. Nachfolgend geben ausgewählte
Aussteller einen Einblick in ihre Messehighlights – von Antriebslösungen
und Behältersystemen über Etikettiertechnik bis hin zu
kompletten Verpackungslinien.
Winfried Bauer
Fotos: Messe Düsseldorf/Constanze Tillmann (interpack 2023)
www.interpack.de
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Herzlichen Glückwunsch zum 75. Jubiläum!
Seit Jahrzehnten begleitet das Magazin f+h
die Entwicklung der Intralogistik mit fundierten
Einblicken, praxisnahen Beispielen und einem
klaren Blick für Innovationen. f+h ist eine
verlässliche Stimme der Branche und ein
wichtiger Impulsgeber für die Zukunft.
Auf viele weitere erfolgreiche Ausgaben!
PHILIPP AUER, Mitglied der Geschäftsführung
von Auer Packaging
IMPRESSUM
erscheint 2026 im 76. Jahrgang,
ISSN 0341-2636 / ISSN E-Paper: 2747-8130
REDAKTION
Chefredakteur: Dipl.-Ing. (FH) Winfried Bauer (WB)
Tel.: 06131/992-321, E-Mail: w.bauer@vfmz.de
(verantwortlich i.S.d. § 18 Abs. 2 MStV / i.S.d. Presserechts)
Redakteur/innen: Felix Berthold, M.A. (be),
Dipl.-Ing. (FH) Inga Ronsdorf (iro),
Daniel Schilling, M.A. (dsc),
Dipl.-Ing. Manfred Weber (MW)
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Content-Managerin: Petra Weidt, Tel.: 06131/992-371,
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(Redaktionsadresse siehe Verlag)
GESTALTUNG
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SALES
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Anzeigenpreisliste 2026, gültig ab 01.10.2025
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INTERPACK-VORSCHAU
TRANSPORT- UND LAGERBEHÄLTER FÜR ALLE
BRANCHEN
JAHRE
Transport- und Lagerbehälter aus Kunststoff stehen im
Mittelpunkt des Messeauftritts von Auer Packaging auf der
Interpack 2026 in Düsseldorf (Halle 9, Stand A04). Der
bayerische Hersteller präsentiert dort sein branchenübergreifendes
Sortiment an Behältern zur Lagerung und zum
Transport fester
und flüssiger
Materialien. Zu
den Anwenderbranchen
zählen unter anderem
die
Lebensmittel-,
Pharma- und
Chemieindustrie
sowie die
Automobilbranche
und der Maschinen- und Anlagenbau. Alle Produkte
werden ausschließlich am Standort Amerang gefertigt und
sind ab einer Stückzahl von eins direkt beim Hersteller
erhältlich. Das Unternehmen ist nach ISO 9001 zertifiziert und
betreibt ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001.
ww.auer-packaging.com
PALETTENBOX MIT 580 MM BAUHÖHE
Eine kompakte Palettenbox mit 580 mm Bauhöhe im Grundmaß
1.200 × 1.000 mm ergänzt die CB3-Reihe der Craemer-
Gruppe (Halle 10, Stand C40). Einteilig aus lebensmittelechtem,
recycelbarem Polyethylen gespritzt, wiegt die CB3 Low in
der Kufenversion 34,5 kg und fasst rund 430 l. Bei einer
Nutzlast von 750 kg und einer Stapellast von 4.500 kg ist sie
auf Schwerlastanwendungen
ausgelegt.
Mithilfe von FEM-Simulation
optimierten die
Entwickler Bodensteifigkeit
und Stapeleigenschaften;
umgesetzt
wurde dies durch eine
überarbeitete Rippenstruktur
und ein verstärktes T-Profil. Drei unverschweißte
Längskufen gehören zur Standardausstattung, optional sind
neun Füße erhältlich. Transponderhalterungen an den
Längsseiten dienen zur Aufnahme von RFID-Transpondern für
die digitale Nachverfolgung.
Ausgelegt auf Temperaturen von –30 bis +40 °C, eignet sich
die Box für die Lebensmittelindustrie, die Fischverarbeitung
sowie den Maschinenbau.
www.craemer.com
Herzlichen Glückwunsch f+h!
Seit 75 Jahren liefert Ihre Fachzeitschrift
umfangreiche Einblicke und fundierte
Informationen rund um Lagerlogistik und
Materialfluss. Ihr Haus und Crown eint eine
langjährige Expertise sowie der gemeinsame
Anspruch an Qualität und Innovation.
Wir freuen uns auf viele weitere spannende
Inhalte und wünschen f+h auch künftig viel
Erfolg als starke Stimme der Branche.
KEN DUFFORD, Vice President Europe bei Crown
WEBPLATTFORM ORCHESTRIERT
AUTOMATISIERUNGSSOFTWARE
Heterogene Automatisierungslandschaften in Verpackungslinien
erzeugen durch unterschiedliche Engineering-Tools und
manuelle Updates hohen administrativen Aufwand. Mit der
OrchestrationSuite stellt SEW-Eurodrive (Halle 6, Stand C49)
eine webbasierte Plattform vor, die Automatisierungssoftware
zentral und herstellerübergreifend verwaltet. Nach
DevSecOps-Prinzipien entwickelt, vereint sie Versionsverwaltung,
CI/CD-Pipelines und strukturierte Releases und schafft
so Transparenz über den Software-Lebenszyklus.
KI-gestützte Funktionen bilden die Basis für die Generierung
von SPS-Code aus natürlichsprachlichen Beschreibungen;
Änderungen zwischen Codeversionen werden automatisch
dokumentiert. Die Plattform sichert den Remotezugriff nach
dem Zero-Trust-Prinzip und kontrolliert jeden Zugang aufgabenbezogen.
www.sew-eurodrive.de/orchestrationsuite
KARTONTRAGEGRIFF ERWEITERT PACKSPEKTRUM
Die Innopack Kisters TSP Advanced von KHS steht für flexible Verpackungstechnik mit
nachhaltiger Erweiterung. Die automatische Maschine verpackt PET- und Glasflaschen
sowie Dosen in Tray, Folie, Tray und Folie sowie Pad und Folie. Neu hinzugekommen ist
eine BottleClip-Applikation: Der Kartontragegriff fasst PET-Behälter zu ressourcenschonenden
Packs zusammen und ersetzt kunststoffbasierte Verpackungslösungen wie
Schrumpffolie oder Trageringe aus Kunststoff. Verfügbar ist die Option für alle Kisters-
Maschinen der Advanced-Baureihe. Auf der Interpack in Düsseldorf zeigt KHS die
Maschine vom 7. bis 13. Mai in Halle 13, Stand A31.
www.khs.com
50 f+h 2026/03 www.foerdern-und-heben.de
VORSCHAU
IM NÄCHSTEN HEFT: 04/2026
ERSCHEINUNGSTERMIN: 01. 06. 2026
ANZEIGENSCHLUSS: 15.05. 2026
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02
03
01 Fahrauftrag per Tablet: Wie ein neuer Softwarebaustein AMR-Flotten und
manuelle Transporte über eine gemeinsame Plattform orchestriert
Bild: EVO Informationssysteme
02 Griff ins Regal: Humanoide Roboter übernehmen Aufgaben in der Intralogistik
– welche Chancen und Hürden auf dem Weg zur Serienreife noch warten
Bild: Mentee Robotics
03 Kalt, clever, komfortabel: Ein neues Tiefkühllager mit Ware-zur-Person-
Kommissionierung zeigt, wie Automatisierung Effizienz und Ergonomie vereint
Bild: Früchte Jork
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