16.04.2026 Aufrufe

SDG-Kommunikationsworkshop Ergebnispapier: „Zukunft erzählen – Transformation sichtbar machen

Am 25. Februar 2026 veranstaltete die Ban Ki-moon Foundation gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt den SDG-Kommunikationsworkshop: „Zukunft erzählen – Transformation sichtbar machen: Zielgerichtete Kommunikation für Nachhaltige Entwicklung bis 2030 und darüber hinaus“. Gemeinsam mit 60 Akteurinnen und Akteuren aus Journalismus, strategischer Kommunikation, Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Jugend und Wissenschaft, wurde erarbeitet, wie Nachhaltigkeitskommunikation neu gedacht werden kann - glaubwürdig, relevant und wirksam für die SDGs. Lesen Sie die zentralen Ergebnisse jetzt in dem Papier.

Am 25. Februar 2026 veranstaltete die Ban Ki-moon Foundation gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt den SDG-Kommunikationsworkshop: „Zukunft erzählen – Transformation sichtbar machen: Zielgerichtete Kommunikation für Nachhaltige Entwicklung bis 2030 und darüber hinaus“. Gemeinsam mit 60 Akteurinnen und Akteuren aus Journalismus, strategischer Kommunikation, Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Jugend und Wissenschaft, wurde erarbeitet, wie Nachhaltigkeitskommunikation neu gedacht werden kann - glaubwürdig, relevant und wirksam für die SDGs. Lesen Sie die zentralen Ergebnisse jetzt in dem Papier.

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

ERGEBNISPAPIER

ZUKUNFT ERZÄHLEN –

TRANSFORMATION SICHTBAR MACHEN

Zielgerichtete

Kommunikation für

Nachhaltige Entwicklung

bis 2030 und darüber

hinaus




Ergebnisse und Handlungsempfehlungen

Ergebnisse und

Handlungsempfehlungen

Inhaltsverzeichnis

Ergebnisse und

Handlungsempfehlungen

Der SDG-Kommunikationsworkshop „Zukunft erzählen – Transformation sichtbar

01.

Ergebnisse und Handlungsempfehlungen3

machen“ fand am 25. Februar 2026 in Wien statt. Rund 60 Teilnehmende aus Medien,

Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Jugend, Zivilgesellschaft und Wirtschaft

02.

Hintergrund der Veranstaltung 6

diskutierten in einer Fishbowl-Runde und Breakout Sessions gemeinsam neue

Ansätze für eine glaubwürdige und wirkungsvolle Nachhaltigkeitskommunikation.

Der Workshop wurde von der Ban Ki-moon Foundation in Zusammenarbeit mit dem

Bundeskanzleramt initiiert.

03.

Fishbowl-Diskussion „Von der Blase in die Breite: SDGs

anschlussfähig erzählen“

8

04.

Breakout Session 1 „Nachhaltigkeit sichtbar machen:

SDG-Kommunikation von Unternehmen“

12

05.

Breakout Session 2 „Von Daten zu Dialog: Wissenschaftliche

Erkenntnisse zu den SDGs medienwirksam erzählen“

15

06.

Breakout Session 3 „Kreativ kommunizieren und mitgestalten:

SDGs für junge Menschen erlebbar machen“

16

07.

Breakout Session 4 „Entwicklungszusammenarbeit im Dialog:

Kommunikationsstrategien für globale Verantwortung“

19

08.

Zusammenfassung und Danksagung 20

02

Von links nach rechts: Florian Leregger, Geschäftsführer Lebensart Verlag, Juliane Nagiller, Redakteurin ORF Wissen, Mira

Lobnig, Moderatorin und Consultant bei Schütze Public, Stefan Apfl, Geschäftsführer von Hashtag Jetzt, Duygu Özkan,

Journalistin Die Presse, bei der Vorstellung der Ergebnisse der Breakout Sessions.

03



Ergebnisse und Handlungsempfehlungen

Ergebnisse und Handlungsempfehlungen

Die Fishbowl-Diskussion widmete sich dem Thema „Von der Blase in

die Breite: SDGs anschlussfähig erzählen.“ Für die Diskutantinnen

und Diskutanten ist ein gelungenes Zusammenspiel von klassischen

wie sozialen Medien als Multiplikatoren entscheidend, um komplexe

SDG-Themen verständlich und glaubwürdig zu vermitteln. Effektive

Kommunikation verbindet narrative Zugänge mit evidenzbasierten

Daten, berücksichtigt die Lebensrealitäten der Zielgruppen und schafft

Vertrauen sowie Handlungskompetenz. Inklusive Formate, Co-Creation

und lokale Botschafterinnen und Botschafter erweitern die Reichweite

über die „Nachhaltigkeits-Bubble“ hinaus. Politische Kommunikation

erfordert transparente Abstimmungsprozesse, konsequente Umsetzung,

klare Handlungsoptionen und aktive Beteiligung der Stakeholder. Nachhaltigkeitskommunikation

muss aktivierend, systematisch und langfristig

angelegt sein.

Einzelaspekte (z.B. Wirtschaftswachstum durch das BIP) und Krisen

fokussiert, während systemische Zusammenhänge, langfristige Entwicklungen

und Clusterthemen (z.B. Ernährung) zu wenig Beachtung finden.

Strategische Koordination, verstanden als die gezielte Abstimmung

von Botschaften, Maßnahmen und Kommunikationsstrategien, sowie

transparente Bewertungssysteme und sektorübergreifende Kooperation

sind zentrale Voraussetzungen für Glaubwürdigkeit und politische

Steuerungsfähigkeit.

Insgesamt verdeutlichte die Breakout Session „Nachhaltigkeit sichtbar

machen: SDG-Kommunikation von Unternehmen“, dass die Kommunikation

unternehmerischer SDG-Beiträge im Spannungsfeld zwischen

Regulierung, öffentlicher Skepsis und strategischer Unternehmensführung

steht. Entscheidend ist nicht die Verwendung von SDG-Logos

oder Trendbegriffen, sondern eine konsistente Verbindung von

Strategie, messbaren Ergebnissen und transparenter Kommunikation.

Zugleich haben bislang nur wenige Unternehmen die SDGs als

ganzheitliches Gesamtkonzept in ihrer Unternehmensstrategie verankert.

Dies unterstreicht, dass zwischen punktueller Bezugnahme auf

einzelne Ziele und einer umfassenden strategischen Integration der

SDGs in die Unternehmenspraxis nach wie vor eine erhebliche Lücke

besteht.

Die zentralen Ergebnisse der Breakout Session „Kreativ kommunizieren

und mitgestalten: SDGs für junge Menschen erlebbar machen“

zeigten, dass eine wirksame Nachhaltigkeitskommunikation ein differenziertes,

zielgruppenspezifisches und emotional zugängliches Konzept

erfordert. Wichtig ist ein bewusster Umgang mit den enttäuschenden

Erfahrungen vieler junger Menschen sowie ein positives Zukunftsnarrativ.

Digitale Plattformen und Künstliche Intelligenz (KI) prägen den

Alltag junger Menschen, gleichzeitig bleiben analoge Begegnungsräume

wichtig. Damit diese Formate langfristig Wirkung entfalten

können, sind verlässliche politische Rahmenbedingungen, institutionelle

Verankerung und nachhaltige Finanzierung erforderlich.

Die wesentlichen Erkenntnisse der Breakout Session „Von Daten zu

Dialog: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu den SDGs medienwirksam

erzählen“ lauteten, dass wirksame SDG-Kommunikation klare Zielbilder,

präzise Zielgruppenansprache sowie eine Balance zwischen Dringlichkeit

und lösungsorientierten Narrativen erfordert. Wissenschaftliche

Evidenz muss mediengerecht, visuell verständlich und konsistent vermittelt

werden, ohne an fachlicher Substanz zu verlieren. Kritisch wurde

angemerkt, dass sich die Berichterstattung zu stark auf gut messbare ▶

Die Breakout Session „Entwicklungszusammenarbeit im Dialog:

Kommunikationsstrategien für globale Verantwortung“ arbeitete

heraus, dass Entwicklungszusammenarbeit kommunikativ neu gerahmt

werden muss. Ein defensives Krisennarrativ reicht nicht aus, um Vertrauen

und Unterstützung zu sichern. Stattdessen braucht es eine strategische,

glaubwürdige und emotional anschlussfähige Erzählung globaler Verantwortung.

Kommunikation sollte Komplexität verständlich machen,

konkrete Menschen und ihre Geschichten in den Mittelpunkt stellen

(„Storytelling“), Partnerschaften betonen und Erfolge sichtbar sowie

nachvollziehbar darstellen. Globale Verantwortung ist ein gemeinsames

Projekt in einer verflochtenen Welt. Dieses Projekt muss konsistent,

strategisch und zukunftsorientiert erzählt werden.

04 05



Hintergrund der Veranstaltung

Hintergrund der Veranstaltung

und damit einen Beitrag zur strategischen Ausrichtung der SDG-Umsetzung bis 2030 und

darüber hinaus zu leisten. Eine begleitende Mentimeter-Umfrage unter den Teilnehmenden verdeutlichte,

dass Begriffe wie Verantwortung, Klima und Mut die zentralen Themen sind, die in der

SDG-Kommunikation Resonanz erzeugen.

Monika Fröhler, CEO der Ban Ki-moon

Foundation, spricht vor dem Publikum.

Hintergrund

der Veranstaltung

Darüber hinaus diente das Event der Vernetzung zentraler Akteurinnen und Akteure aus Medien,

Kommunikation, Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Verwaltung und Jugend sowie der

Stärkung des inter- und transdisziplinären Austauschs.

Einen inhaltlichen Impuls gab zu Beginn des Workshops Monika Fröhler, CEO der Ban Ki-moon

Foundation. Sie betonte die Rolle der Kommunikation als Schlüssel für Sichtbarkeit, internationale

Zusammenarbeit und gesellschaftliches Engagement und unterstrich die Bedeutung einer

faktenbasierten und zugleich positiv orientierten Erzählweise nachhaltiger Entwicklung.

Die Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen steht weltweit unter Druck. Laut

aktuellem SDG-Bericht sind nur 18 % der Zielvorgaben auf Kurs. Österreich zählt im internationalen

Vergleich zu den Vorreitern, weist jedoch insbesondere bei Klimaschutz (SDG 13) sowie

nachhaltigem Konsum und Produktion (SDG 12) weiterhin deutlichen Handlungsbedarf auf.

Gleichzeitig sollen laut Zukunftspakt der Vereinten Nationen beim SDG Summit 2027 die

offiziellen Verhandlungen über ein Rahmenwerk für den Zeitraum nach 2030, die sogenannte

Post-2030-Agenda, beginnen.

Vor diesem Hintergrund ist gelungene Nachhaltigkeitskommunikation ein zentraler Hebel: Sie

schafft Bewusstsein, übersetzt komplexe Zusammenhänge in verständliche Inhalte, stärkt das

Vertrauen in Organisationen und Institutionen und macht Fortschritte sichtbar. Transformation

gelingt nur, wenn Sprache motiviert, mobilisiert und auch jene erreicht, die sich außerhalb „der

Nachhaltigkeits-Bubble“ bewegen.

Nachdem sich das Thema Kommunikation bereits in vergangenen Veranstaltungen der Ban

Ki-moon Foundation und des österreichischen Bundeskanzleramtes, insbesondere den

SDG-Dialogforen, als zentrale Querschnittsmaterie herauskristallisiert hatte, wurde diesem nun

ein eigener Workshop gewidmet. Ziel des Workshops war es, konkrete Impulse für eine glaubwürdige

und wirkungsvolle SDG-Kommunikation zu erarbeiten – differenziert für Unternehmen,

die Medienlandschaft, junge Zielgruppen sowie die Entwicklungszusammenarbeit –

Moderatorin Mira Lobnig, Consultant Schütze Public Results,

bei der Eröffnung des SDG-Kommunikationsworkshops.

06

07



Fishbowl-Diskussion „Von der Blase in die Breite: SDGs anschlussfähig erzählen“

Fishbowl-Diskussion „Von der Blase in die Breite: SDGs anschlussfähig erzählen“

„Journalismus sollte weder Aktivismus noch

bloße Bühne sein, sondern verlässlicher Übersetzer

komplexer Realität. Gerade bei Klima- und

Nachhaltigkeitsthemen entscheidet die Glaubwürdigkeit

darüber, ob wir Menschen erreichen,

die eigentlich gar nicht zuhören wollen,“

Von links nach rechts bei der Fishbowl-Diskussion: Peter Aufreiter, Direktor des Technischen

Museums Wien, Katharina Häckel-Schinkinger, Kommunikationsexpertin SOS Kinderdorf,

Mira Lobnig, Moderatorin und Consultant bei Schütze Public Results, Stefan Lenglinger, Moderator

und Journalist ORF, und Sabine Schneeberger, Nachhaltigkeitskoordinatorin Land Steiermark.

Stefan Lenglinger,

Moderator und Journalist des ORF

Fishbowl-Diskussion

„Von der Blase in die Breite: SDGs

anschlussfähig erzählen“

Im Rahmen einer Fishbowl-Diskussion setzten sich Peter Aufreiter (Technisches Museum Wien),

Katharina Häckel-Schinkinger (SOS-Kinderdorf), Stefan Lenglinger (ORF) und Sabine Schneeberger

(Land Steiermark) unter Moderation von Mira Lobnig (Schütze Public Results) mit der

Thematik “Wie können wir Menschen außerhalb der Nachhaltigkeitsblase mit SDG- und

Nachhaltigkeitsthemen erreichen?” auseinander. Anschließend hatten die Teilnehmenden aus

dem Publikum die Möglichkeit, am Podium Platz zu nehmen und eine Frage an die Expertinnen

und Experten zu stellen.

Die Diskussion zeigte Lösungsansätze für eine erfolgreiche Kommunikation von SDG- und Nachhaltigkeitsthemen

auf und definierte zentrale Faktoren, um Transformation sichtbar zu machen.

Klassische und soziale Medien spielen hierbei eine bestimmende Rolle, denn sie sind nicht nur

Vermittler von Informationen, sondern entscheidender Multiplikator, um komplexe Transformationsthemen

einer breiten Öffentlichkeit verständlich und glaubwürdig zu präsentieren.

Aus medialer Perspektive ist Relevanz, also Wirksamkeitsbreite, das wichtigste Kriterium und

nicht die Unterscheidung in „Good“ oder „Bad News“. Letztere dominieren oft, weil Schaden oder

Versäumnis starke Nachrichtenfaktoren sind: Positives zu verpassen hat selten unmittelbare

Folgen. Narrative sollten Konflikt, Veränderungsdruck oder Lösungsperspektiven beinhalten, wie

auch anschlussfähig und systemisch relevant sein, um sich im öffentlichen Diskurs durchzusetzen.

Die Aufgabe journalistischer Vermittlung liegt in der Einordnung: Fortschritte, Zielkonflikte sowie

Gewinner und Verlierer sichtbar zu machen.

Um positive Transformationsnarrative erfolgreich zu positionieren, ist das Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten

statt der Reduktion auf den Verknappungsdiskurs zentral. Komplexe

Themen erreichen eine breite Zielgruppe nicht durch vollständige Detailtiefe, sondern durch

inklusive und verständliche Botschaften.

Entscheidend ist, Inhalte konsequent aus der Perspektive der jeweiligen Zielgruppen zu

entwickeln, ihre Lebensrealitäten, Sorgen und Prioritäten ernst zu nehmen und dabei auf

moralisierende Kommunikation zu verzichten. Um einem der Leitprinzipien der Agenda 2030 -

„Niemanden zurücklassen“ - gerecht zu werden, muss der Fokus auf verbindende Elemente

gelegt werden. „Das Problem ist: Wir erzählen Zukunft, während wir denen, die den Preis zahlen,

den Ton abdrehen,“ so Katharina Häckel-Schinkinger, Kommunikationsexpertin beim SOS-Kinderdorf.

Nur ein tieferes kulturelles Verständnis, lokale Botschafterinnen und Botschafter und

anschlussfähige Inhalte können SDG- und Nachhaltigkeitsthemen in die Alltagssprache ihrer

Gemeinschaften übersetzen, Vertrauen schaffen und Hemmschwellen abbauen. Co-Creation-

Formate und Mitautorinnen und -autoren aus den bislang nicht erreichten Zielgruppen spielen

hier eine zentrale Rolle und wirken sich positiv auf die Reichweite aus.

„Einzelfälle öffnen Herzen,

Zahlen öffnen Budgets und politische Fenster.

Wenn ich nur Zahlen liefere, bleibt es abstrakt.

Wenn ich nur Geschichten erzähle, wirkt es beliebig

und wird angreifbar. Erfolgreich ist die Kombination:

Eine Geschichte als Türöffner, dann die Evidenz

zur Größenordnung, dann die konkrete Handlungsoption.

Genau so funktionieren große

sozialpolitische Mobilisierungen,“

Katharina Häckel-Schinkinger,

Kommunikationsexpertin beim SOS-Kinderdorf

08

09



Fishbowl-Diskussion „Von der Blase in die Breite: SDGs anschlussfähig erzählen“

Fishbowl-Diskussion „Von der Blase in die Breite: SDGs anschlussfähig erzählen“

Bildungs-, Kultur- und soziale Institutionen, wie auch NGOs bilden einen weiteren Baustein. Sie

haben sich intensiv mit der Vermittlung von komplexen Transformationsthemen beschäftigt. Sie

genießen ein hohes Vertrauen in der Öffentlichkeit und können Inhalte an eine breite Öffentlichkeit

vermitteln. Museen wie das Technische Museum Wien zeigen dabei, wie Zukunftsthemen

greifbar werden: durch interaktive Ausstellungen, Diskussionsformate, SDG-Kennzeichnungen

und Beteiligungsangebote, in denen (junge) Besucherinnen und Besucher aktuelle technologische

Entwicklung und deren Auswirkungen auf die Zukunft selbst einordnen können. Ein

zentraler Ansatz ist dabei die Förderung von Diskursfähigkeit. Das bedeutet, technologische

Innovationen nicht nur als Fortschritt zu erzählen, sondern auch ihre Zielkonflikte sichtbar zu

machen. Beispiele aus der Technikgeschichte – etwa Initiativen wie „One Laptop per Child“, die

Bildungschancen verbessern sollten, zeitgleich aber neue Ressourcen- und Abfallfragen aufwerfen

– verdeutlichen, dass Innovationen oft erst im Nachhinein in ihrer gesamten Wirkung

bewertet werden können. Zukunft erfolgreich zu erzählen, erfordert Transformation nicht nur zu

erklären, sondern erlebbar zu machen: Wissen mit Relevanz, Vertrauen und Handlungsfähigkeit

zu verbinden und (junge) Menschen zu befähigen, aktiv an der Gestaltung einer nachhaltigen

Zukunft teilzunehmen.

„Die Agenda 2030 ist kein „totes Pferd“,

das wir noch vier Jahre reiten wollen – vielmehr

sollten wir darauf hinwirken, jetzt die Umsetzung

zu konkretisieren und damit einen Rahmen zu

schaffen, der auch für weitere Jahrzehnte als

Orientierung für unser Handeln tauglich ist,“

Sabine Schneeberger,

Nachhaltigkeitskoordinatorin des Landes Steiermark

„Nachhaltigkeit bedeutet für mich,

Innovation so zu denken, dass sie nicht nur

Probleme löst, sondern die Zukunft ermöglicht

– ökologisch tragfähig, sozial gerecht und

technologisch verantwortungsvoll.“

Mit Blick auf die Zeit nach 2030 rückt für die Diskutantinnen und Diskutanten die Umsetzung

klar in den Vordergrund: Wissensvermittlung allein genügt nicht mehr – SDG-Kommunikation

muss wirksam, aktivierend und umsetzungsorientiert gestaltet sein. Sie fordern eine

direktere Ansprache, konsequentes Handeln und eine systematische Verankerung von

„Call to Action“-Elementen, wie auch Empowerment – insbesondere im Kontext von Migration

und digitalen Kompetenzen.

Peter Aufreiter,

Generaldirektor des Technischen Museums Wien

Auf politischer Ebene erfordert die Kommunikation von Transformationsprozessen einen vielschichtigen

Abstimmungs- und Entscheidungsprozess mit unterschiedlichen Stakeholdern.

Entscheidend sind dabei aktives Zuhören, echtes Verständnis, transparente Erläuterungen und

eine nachvollziehbare Umsetzung. Ehrlichkeit und Verbindlichkeit wiegen schwerer als lose Versprechen,

die bei Nichteinhaltung zu Enttäuschungen und Frustration führen können.

Die Verwaltung übernimmt in diesem Zusammenhang eine vermittelnde Rolle zwischen

Interessengruppen und der politischen Ebene. Ausreichend Zeit, Ressourcen sowie politische Verlässlichkeit

sind zentrale Voraussetzungen, um Vertrauen aufzubauen und eine gemeinsame

Sprache zu entwickeln.

Von links nach rechts: Gruppenfoto: Peter Aufreiter, Direktor des Technischen Museums Wien, Katharina Häckel-Schinkinger,

Kommunikationsexpertin SOS Kinderdorf, Mira Lobnig, Moderatorin und Consultant bei Schütze Public Results, Stefan

Lenglinger, Moderator und Journalist ORF, und Sabine Schneeberger, Nachhaltigkeitskoordinatorin Land Steiermark.

10 11



Breakout Session 1 „Nachhaltigkeit sichtbar machen: SDG-Kommunikation von Unternehmen“

Wie können Unternehmen ihre Beiträge zu den SDGs wirksam kommunizieren?

Ein zentrales Ergebnis der Diskussion war: Nachhaltigkeit darf kein isoliertes Kommunikationsprojekt

sein, sondern muss in der Unternehmensstrategie und auf Führungsebene verankert

sein. Glaubwürdigkeit entsteht nur, wenn die Unternehmensspitze die Maßnahmen aktiv mitträgt

(„Walk the talk“). Zunehmende Greenwashing-Kritik führt bei manchen Unternehmen zu

sogenanntem „Greenhushing“, der Einstellung von Nachhaltigkeitskommunikation aus Angst

vor Kritik. Fraglich beurteilten die Teilnehmenden die Möglichkeit der glaubwürdigen SDG-Kommunikation

von Unternehmen, deren Kerngeschäft per Definition nicht nachhaltig ist. Zudem

wurden Richtlinien wie die „Green Claims Directive“ und andere „Corporate Social Responsibility“-

Regelwerke diskutiert.

Roswitha Reisinger, Co-Gründerin & Herausgeberin

von BUSINESSART, bei ihrem Impulsvortrag.

Breakout Session 1

„Nachhaltigkeit sichtbar machen:

SDG-Kommunikation von Unternehmen“

Fazilitatorinnen und Fazilitatoren:

· Roswitha Reisinger, Herausgeberin & Gründerin, BUSINESSART (Impulssprecherin)

· Florian Leregger, Geschäftsführer, Lebensart Verlag

· Kathrin Ebner, Interim COO, Ban Ki-moon Foundation

Zentrale Thesen des Impulsvortrags von Roswitha Reisinger:

Unternehmen kommunizieren die SDGs insgesamt angesichts regulatorischer Vorgaben und

multipler Krisen zurückhaltender. Glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation braucht eine

klare strategische Verankerung, belegbare Aussagen und gelebte Verantwortung („walk the talk“);

wirksam wird sie durch lösungsorientierte, zielgruppenspezifische und positiv besetzte Narrative,

die Sichtbarkeit und Wirkung gleichermaßen stärken.

Leitfragen und Zusammenfassung:

Die Breakout Session „SDG-Kommunikation von Unternehmen“ behandelte die Frage, wie Unternehmen

ihre Beiträge zu den SDGs wirksam und glaubwürdig kommunizieren können. Im

Zentrum standen drei Leitfragen aus unternehmerischer, regulatorischer und kommunikativer

Perspektive.

Wirksame Kommunikation muss intern und extern ansetzen. Intern steht die Befähigung der

Mitarbeitenden und das Verständnis von Nachhaltigkeit als gemeinsamem Lernprozess im Mittelpunkt.

Hierfür können Onboarding-Prozesse oder auch das Firmenintranet genutzt werden.

Extern sollte Kommunikation lösungsorientiert, regelmäßig und dialogisch erfolgen. Im Vergleich

zu moralisierender oder alarmistischer Rhetorik sind positive Narrative, Humor und

konkrete Geschichten wirksamer. Zahlen, Daten und Fakten bilden dabei die Grundlage, denn

nachhaltigkeitsbezogene Werbung muss überprüfbar, transparent und nachvollziehbar sein.

Kommunikation wirkt am besten, wenn sie verschiedene Perspektiven einbezieht und den

Nutzen für Unternehmen und Gesellschaft klar macht.

Welche unternehmerischen SDG-Initiativen sind für die breite Öffentlichkeit relevant?

Relevanz entsteht dort, wo SDGs sichtbar, greifbar und mit konkretem Nutzen verbunden sind.

Als Beispiel für Initiativen, die strategisch im Unternehmen verankert sind und nicht nur symbolischen

Charakter haben, wurden das Boutiquehotel Stadthalle by Cocoon oder die

hollu Systemhygiene GmbH, aber auch Unternehmen wie Verbund AG oder die WIENER LINIEN

GmbH & Co KG genannt. Darüber hinaus spielen Netzwerke und Plattformen wie der SDG Flag Day

des UN Global Compact, das SDG Business Forum oder respACT eine wichtige Rolle, da sie

gebündelt Aufmerksamkeit für die SDGs als Gesamtrahmenwerk schaffen.

Österreich nimmt bei Weiterbildung und der Verankerung der SDGs in einzelnen Bereichen eine

Vorreiterrolle ein, etwa durch Tourismus-Destinationen mit dem Österreichischen Umweltzeichen

und das SDG-Lab der Verwaltungsakademie des Bundes. Relevanz entsteht, wenn Initiativen an

Lebensrealitäten anknüpfen, und gesellschaftliche Mehrwerte nachvollziehbar kommuniziert

werden. Auch wenn Unternehmen Kooperationen mit NGOs oder anderen gemeinnützigen

Akteurinnen und Akteuren eingehen, schafft dies Glaubwürdigkeit. Kleine sichtbare Maßnahmen

schaffen Aufmerksamkeit, wirken jedoch nur im Rahmen eines strategischen Engagements

nachhaltig.

Wann wird wirtschaftliches Engagement für die SDGs als glaubwürdig wahrgenommen?

Glaubwürdigkeit hängt maßgeblich von Transparenz, Nachvollziehbarkeit und strategischer Konsequenz

ab. Wirtschaftliches Engagement wird dann als glaubwürdig wahrgenommen, wenn es

durch überprüfbare Zahlen und klare Zielsetzungen belegt ist und sich entlang der gesamten

Wertschöpfungskette rückverfolgen lässt.

Entscheidend ist zudem, dass Nachhaltigkeit nicht nur in der Kommunikationsabteilung

angesiedelt ist, sondern von der Unternehmensleitung getragen und in unterschiedliche Abteilungen

integriert wird. Eine offene Fehlerkultur kann Authentizität stärken. Regulatorische

Rahmenbedingungen spielen eine wichtige Rolle, da Unternehmen ohne klare Vorgaben Wettbewerbsnachteile

riskieren. Die Diskussion zeigte, dass Transparenz und Vergleichbarkeit

zentrale Voraussetzungen sind, um Vertrauen aufzubauen. Glaubwürdigkeit entsteht dort, wo

Handeln und Kommunikation übereinstimmen und wo Unternehmen über gesetzliche Mindestanforderungen

hinaus Verantwortung übernehmen.

12

13



Breakout Session 2 „Von Daten zu Dialog: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu den SDGs medienwirksam erzählen“

Wie können wissenschaftliche Erkenntnisse zu den SDGs verständlich und praktisch

kommuniziert werden?

Die effektive Kommunikation wissenschaftlicher Erkenntnisse zu den SDGs erfordert ein klares

Verständnis des Kommunikationsziels und der Zielgruppendefinition. Es gilt, Themen verständlich

und klar zu kommunizieren, ohne dabei zu stark zu verkürzen oder die wissenschaftliche

Präzision zu verlieren. Aus der Sozialkommunikation lässt sich ableiten, dass das Erzählen von

Geschichten – etwa durch den Einsatz von Mental Models (inneren Vorstellungsbildern, wie die

Welt funktioniert) oder realen Personen – dabei hilft, emotionale Verbindungen aufzubauen und

Empathie sowie Verständnis zu fördern. Gleichzeitig ist es unerlässlich, diese Geschichten mit

belastbaren Daten und Evidenzen zu untermauern, um Verzerrungen zu vermeiden.

Juliane Nagiller, Redakteurin ORF Wissen, im

Austausch mit den Teilnehmenden der Breakout

Session „Wissenschaftliche Erkenntnisse zu den

SDGs medienwirksam erzählen“.

Breakout Session 2

„Von Daten zu Dialog: Wissenschaftliche

Erkenntnisse zu den SDGs medienwirksam

erzählen“

Fazilitatorinnen und Fazilitatoren:

· Juliane Nagiller, Redakteurin, ORF Wissen (Impulssprecherin)

· Franz Fehr, SDG-Koordinator, Universität für Bodenkultur Wien

· Bernhard Zlanabitnig, Leiter, EU-Umweltbüro Wien

Zentrale Thesen des Impulsvortrags von Juliane Nagiller:

Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen an die mediale Logik angepasst werden – verständlich,

klar und zugänglich, ohne dabei inhaltlich verkürzt zu werden. Zudem brauchen die SDGs

ein „Gesicht“: Durch regionale Verortung, konkrete Personen und greifbare Projekte werden

abstrakte Ziele erzählbar und relevant. Wirksame Nachhaltigkeitskommunikation bewegt sich

dabei im Spannungsfeld zwischen notwendigem, faktenbasiertem Alarmismus und konsequent

lösungsorientierten Narrativen.

Eine zentrale Idee war die Entwicklung eines „Storytelling-Methodenkoffers“, in den neben der

Verwendung von Humor und der Ansprache aller Sinne auch ansprechende Visualisierungen

gehören. Wichtig ist weiters die Förderung der Kooperation zwischen Wissenschaft, Medien, Wirtschaft

und Zivilgesellschaft, um gemeinsam effektive Kommunikationsansätze zu entwickeln.

Über welche wissenschaftlichen SDG-Themen wird zu viel bzw. zu wenig kommuniziert?

In der Diskussion herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass zu viel über SDG 8 (Menschenwürdige

Arbeit und Wirtschaftswachstum) kommuniziert wird, da Kennzahlen wie

das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwar messbar, aber langfristig oft wenig aussagekräftig sind.

Darüber hinaus werden aktuelle Krisen (wie Hochwasser oder Streiks der „Letzten Generation“)

zu stark skandalisiert, während die zugrunde liegenden Ursachen und die Verknüpfung

zwischen verschiedenen Krisen zu wenig beleuchtet werden. Auch die zunehmende „Green/

Social/Rainbow-Washing“-Praxis von Unternehmen, die sich mit Nachhaltigkeitszielen schmücken,

wurde als problematisch angesehen. Im Gegensatz dazu wird über bestimmte Ziele wie

SDG 15 (Leben an Land) zu wenig berichtet, da die entsprechenden Kennzahlen zur Biodiversität

schwer fassbar sind. Clusterthemen wie etwa Ernährung erhalten zu wenig Aufmerksamkeit, wie

auch die Wechselwirkungen und Spillover-Effekte zwischen den SDG-Zielen.

Wie lassen sich Nachhaltigkeitsthemen mit verschiedenen Formaten und Narrativen

medienwirksam aufbereiten?

Wirksame SDG-Kommunikation kombiniert (angebrachten) Alarmismus mit lösungsorientierten

Narrativen. Ein zu optimistischer Ansatz könnte das dringende Handlungsbedürfnis verwässern,

während ein übermäßiger Alarmismus die Zielgruppen überfordern könnte. Eine Bündelung

von Organisationen, Projekten und Initiativen auf einer gemeinsamen Plattform wäre eine

erfolgreiche Methode. Branding-Tools, wie SDG-Würfel, und Kooperationen mit bekannten

Marken, die ihre Rechte für die Bewerbung der SDGs zur Verfügung stellen (z. B. Hello Kitty, die

Schlümpfe) können SDGs einprägsam vermitteln. Auch humorvolle, visuell ansprechende Datenaufbereitungen,

wie sie etwa die Statistik Austria auf Social Media zeigt, sind informativ bei hoher

Reichweite und Verständlichkeit. Die Verwendung von transparenten Bewertungssystemen

wie Rankings oder Ampelsystemen ist wirkungsvoll, da sie die Ergebnisse für die Politik und

Zivilgesellschaft greifbar machen. Des Weiteren zeigte die Diskussion, dass Wiederholung ein

wesentlicher Faktor für die Wirksamkeit von Kommunikation ist. Forschungsergebnisse bestätigen,

dass es im Durchschnitt 6 bis 20 Expositionen braucht, damit neue Informationen wirklich

„hängen bleiben“.

Leitfragen und Zusammenfassung:

Die Breakout Gruppe zum Thema „Wissenschaftliche Erkenntnisse zu den SDGs medienwirksam

erzählen“ beleuchtete die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zu den SDGs für eine breitere

Öffentlichkeit verständlich und wirkungsvoll kommuniziert werden können.

14

15



Breakout Session 3 „Kreativ kommunizieren und mitgestalten: SDGs für junge Menschen erlebbar machen“

Breakout Session 3 „Kreativ kommunizieren und mitgestalten: SDGs für junge Menschen erlebbar machen“

Welche Kommunikationsstrategien, Formate und Narrative sprechen junge Menschen an?

Für eine erfolgreiche Kommunikationsstrategie ist eine präzise Zielgruppendefinition entscheidend:

„Die Jugend“ gibt es nicht. Entscheidend sind weniger Altersgruppen als unterschiedliche

soziokulturelle Lebensrealitäten und Wertehaltungen. Es gibt eine große Gruppe ehemals

engagierter junger Menschen – etwa aus dem Umfeld von „Fridays for Future“ – die aktuell

weniger oder nicht mehr aktiv engagiert ist und durch gezielte Ansprache und neue Beteiligungsformate

reaktiviert werden könnte. Unter-Dreißigjährige der Gruppe zeigen Ernüchterung

über ausbleibende strukturelle Veränderungen nach den Fridays-for-Future-Mobilisierungen

und vermissen weiterreichende strukturelle Veränderungen. Als Multiplikatoren können diverse

Vereine, Institutionen und NGOs genutzt werden.

Teilnehmende der Breakout Session „Kreativ kommunizieren

und mitgestalten: SDGs für junge Menschen erlebbar

machen“ mit Impulssprecher Stefan Apfl, Geschäftsführer

von Hashtag Jetzt.

Breakout Session 3

„Kreativ kommunizieren und mitgestalten:

SDGs für junge Menschen erlebbar machen“

Fazilitatorinnen und Fazilitatoren:

· Stefan Apfl, Publizistischer Verlagsleiter & Geschäftsführer, Hashtag Jetzt (Impulssprecher)

· Karla Röckener, Vorstandsmitglied, CliMates

Zentrale Thesen des Impulsvortrags von Stefan Apfl:

Die Mediennutzung von 14- bis 29-Jährigen ist nahezu vollständig digital und social-mediabasiert

– ein irreversibler Wandel, dem klassische Medien kaum entsprechen. Junge Zielgruppen

orientieren sich an Creatoren und Influencern, die in weitgehend unregulierten, algorithmisch

gesteuerten Plattformräumen zunehmend journalistische Funktionen übernehmen. Politik

und Gesellschaft sind auf diesen Umbruch, verstärkt durch Künstliche Intelligenz (KI), unzureichend

vorbereitet. Um junge Menschen zu erreichen, braucht es daher strategische Allianzen mit

digitalen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie den Aufbau nachhaltiger digitaler Kommunikationsstrukturen.

Leitfragen und Zusammenfassung:

Die Rolle von Botschafterinnen und Botschaftern, wie beispielsweise von Mikro-Influencerinnen

und -Influencern, wurde als besonders relevant hervorgehoben, da Persönlichkeiten mit hoher

Glaubwürdigkeit und Identifikationspotenzial als Vorbilder wirken. Sie transportieren nicht nur

Informationen, sondern schaffen emotionale Zugänge und stärken die Verbindung zwischen globalen

Zielen und individueller Lebenswelt. Im Hinblick auf die Leitfrage, welche Formate junge

Menschen erreichen, wurde betont, dass es sowohl digitale als auch analoge Räume braucht.

Neben sozialen Medien ermöglichen vor allem analoge Begegnungsräume Austausch, Bestärkung

und gemeinsame Erfahrungen. Zugleich stellt sich die Frage nach den Trägern solcher

Angebote und der institutionellen Verankerung. Für eine tragfähige Grundstruktur braucht es

gezielte Förderungen. Im Kontext multipler Krisen werden soziale Medien häufig als Rückzugsund

Ablenkungsraum genutzt. Narrative für eine zielgerichtete Kommunikation sollte daher

positive, lösungsorientierte und inspirierende Inhalte bieten. Optimistische Perspektiven und

konkrete Handlungsmöglichkeiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Inhalte angenommen

und geteilt werden.

Welche Nachhaltigkeitsthemen interessieren junge Menschen besonders? Wie könnte

man diese zielgruppengerecht, kreativ und verständlich kommunizieren?

Die Diskussion machte deutlich, dass Nachhaltigkeitsthemen breiter gefasst werden müssen, um

junge Menschen zu erreichen. Eine Fokussierung ausschließlich auf Umwelt- und soziale Ziele

greift zu kurz. Vielmehr braucht es eine stärkere Anbindung an die persönliche Lebensrealität,

individuelle Perspektiven und alltägliche Erfahrungen. SDG- und Nachhaltigkeitsthemen

sollten einen direkten Bezug zur Identität und Zukunft der Zielgruppen haben, wie auch

Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Als besonders wirksam wurden intime, glaubwürdige,

dialogorientierte und authentische Kommunikationsformen hervorgehoben, die Nähe

herstellen und Raum für Austausch bieten. Junge Menschen reagieren sensibel auf reine Informationsvermittlung,

wirksamer sind persönliche Geschichten, die Emotionen wecken, individuelle

Erfahrungen vermitteln und zur Diskursbeteiligung befähigen. Besonders wirksam ist dabei eine

Verbindung aus klarer Haltung, Authentizität und einem positiven Zukunftsnarrativ.

Folgende Bewegungen wurden als Best-Practice-Beispiele hervorgehoben: Local Conference

of Youth, Fridays for Future und das Global Citizen Festival.

Wie kann Künstliche Intelligenz dazu beitragen, SDG-Themen besser zu vermitteln?

KI kann dazu beitragen, SDG-Themen zielgerichteter, skalierbarer und kreativer zu vermitteln.

Sie ist bereits ein natürlicher Bestandteil des Alltags der hier angesprochenen Zielgruppe. Gleichzeitig

bewegt man sich in einem Spannungsfeld: Automatisierte Inhalte lassen sich zwar schnell

verfügbar machen, sollten jedoch stets unter Gesichtspunkten von Transparenz und Ethik

kritisch hinterfragt werden.

Im Rahmen der Session „Kreativ kommunizieren und mitgestalten: SDGs für junge Menschen

erlebbar machen“ wurde diskutiert, wie Kommunikationsstrategien, Formate und Narrative

gestaltet sein müssen, um junge Menschen wirksam anzusprechen und zur aktiven Mitgestaltung

zu motivieren. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die SDGs nicht nur abstrakt vermittelt,

sondern auf persönlicher Ebene erlebbar gemacht werden können.

16

17



Breakout Session 4 „Entwicklungszusammenarbeit im Dialog: Kommunikationsstrategien für globale Verantwortung“

Welche dominanten Narrative prägen derzeit die Kommunikation zu

Entwicklungszusammenarbeit?

Die Diskussion zeigte, dass das prägende Narrativ derzeit die Krise ist. EZA wird vor allem im

Kontext geopolitischer Spannungen, finanzieller Einschränkungen und der Krise des Multilateralismus

wahrgenommen, wodurch der Fokus von langfristigen Wirkungen zu institutionellen

Schwächen und politischen Konflikten verschoben wird.

Duygu Özkan, Journalistin, Die Presse, während ihrer Präsentation

in der Breakout Session „Entwicklungszusammenarbeit im Dialog:

Kommunikationsstrategien für globale Verantwortung“.

Breakout Session 4

„Entwicklungszusammenarbeit im Dialog:

Kommunikationsstrategien für globale

Verantwortung“

Fazilitatorinnen und Fazilitatoren:

• Duygu Özkan, Redakteurin, Die Presse (Impulssprecherin)

• Klaus Steiner, Abteilungsleiter “Themen und Entwicklungsfinanzierung”, Bundesministerium

für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA)

• Ursula Heinrich, Stellvertretende Abteilungsleiterin “Strategische Ausrichtung der österreichischen

Entwicklungspolitik“, Bundesministerium für europäische und internationale

Angelegenheiten (BMEIA)

Zentrale Thesen des Impulsvortrags von Duygu Özkan:

Die Kommunikation über Entwicklungszusammenarbeit (EZA) steht angesichts multipler Krisen

und sinkender Aufmerksamkeit vor der Herausforderung, komplexe Themen medial wirksam

zu vermitteln. Die Berichterstattung wird dabei stark von Krisennarrativen sowie von geopolitischen

Machtverschiebungen durch neue Geberländer geprägt. Um dennoch Aufmerksamkeit

zu erreichen, braucht es klare und relevante Geschichten, konkrete Beispiele sowie identifizierbare

Botschafterinnen und Botschafter, die Projekte und ihre Wirkung greifbar machen, ohne

dabei die journalistische Objektivität außer Acht zu lassen. Eine lösungs- und wirkungsorientierte

Kommunikation sowie gezieltes „Good News“-Storytelling können einen wichtigen Gegenpol zur

dominierenden Krisenberichterstattung bilden und dazu beitragen, Sichtbarkeit, Verständnis

und Wirkung von Entwicklungszusammenarbeit zu stärken.

Statt ihrem Potential an Zukunftsgestaltung und solidarischem Engagement wird Entwicklungszusammenarbeit

zunehmend als geopolitisches Instrument mit dem Ziel strategischer

Einflussnahme verstanden. Europa wird eher mit Regelwerken und institutionellen Verfahren

assoziiert - andere Staaten hingegen mit Infrastruktur, Technologie oder geopolitischen Interessen.

Das klassische Geber-Empfänger-Narrativ hat sich überholt, prägt jedoch weiterhin die Wahrnehmung

globaler Partnerschaften. Gleichzeitig beeinflusst geografische Nähe maßgeblich,

ob Themen als relevant wahrgenommen werden. Eigene Betroffenheit erhöht das Interesse,

während entfernte Krisen abstrakt bleiben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Narrative differenziert

und zielgruppenorientiert zu entwickeln, um komplexe Sachverhalte verständlich zu

machen, ohne sie unzulässig zu vereinfachen.

Wie können Erfolge in der Entwicklungszusammenarbeit erzählt werden?

Im Hinblick auf die Darstellung von Erfolgen wurde deutlich, dass ein starkes Bedürfnis nach

positiven Perspektiven besteht. Die öffentliche Kommunikation fokussiert derzeit stark auf

negative Entwicklungen, während langfristige Fortschritte wenig Beachtung finden. Historische

Erfolge belegen die Wirksamkeit internationaler Zusammenarbeit, wie die Befreiung von mehr als

einer Milliarde Menschen aus extremer Armut seit der Gründung der Vereinten Nationen, werden

jedoch kommunikativ kaum genutzt. Zahlen vermitteln Dimension, schaffen jedoch keine emotionale

Bindung und schaffen keine Resonanz. Erfolge müssen daher konkret, nachvollziehbar

und personalisiert erzählt werden. Geschichten gewinnen an Wirkung, wenn sie Gesichter und

individuelle Lebensrealitäten sichtbar machen. Kontinuität spielt dabei eine zentrale Rolle und

schafft Vertrauen. Beispiele journalistisch begleiteter Initiativen zeigen, dass Transparenz und

Wiederholung die Glaubwürdigkeit stärken. Erfolgreiches Storytelling verbindet Fakten mit

Emotionen, ohne die Realität zu vereinfachen. Entscheidend ist, dass strukturelle Veränderungen

über konkrete Menschen erfahrbar gemacht werden. Auf diese Weise wird EZA nicht nur

als abstrakte Maßnahme, sondern als wirksamer Prozess wahrgenommen.

Welche Kommunikationsstrategien, Formate und Narrative können langfristige Unterstützung

sichern?

Im Zentrum einer zukunftsorientierten Kommunikation sollte die bewusste Personalisierung

komplexer Themen stehen. Protagonistinnen und Protagonisten ermöglichen Orientierung. Narrative

entstehen dabei nicht kurzfristig, sondern erfordern strategische Planung, Kontinuität

und klare Zielsetzung. Darüber hinaus wurde die Weiterentwicklung bestehender Deutungsmuster

als notwendig identifiziert. Die traditionelle Geber-Empfänger-Logik greift beispielsweise

zu kurz, da sie asymmetrische Beziehungen fortschreibt. Stattdessen sollte Partnerschaft auf

Augenhöhe betont werden, denn gegenseitiges Lernen und Kooperation sind zentrale Elemente

eines modernen Narrativs globaler Zusammenarbeit in einer multipolaren Welt.

Leitfragen und Zusammenfassung:

Im Rahmen der Breakout Gruppe 4 wurde diskutiert, wie EZA unter veränderten geopolitischen

Rahmenbedingungen kommunikativ neu gedacht und strategisch positioniert werden

kann. Im Mittelpunkt standen die Analyse dominanter Narrative, die Frage nach einer wirksamen

Darstellung von Erfolgen sowie die Entwicklung zukunftsfähiger Kommunikationsansätze, um

langfristige Unterstützung für Entwicklungszusammenarbeit zu sichern.

18

19



Zusammenfassung und Danksagung

Zusammenfassung und Danksagung

Ergebnisse und

Handlungsempfehlungen

Abschließend lässt sich festhalten, dass erfolgreiche Nachhaltigkeitskommunikation maßgeblich

von der zugrunde liegenden Haltung abhängt – also davon, inwieweit Werte, Überzeugungen

und Handeln übereinstimmen. Nur wenn diese Kongruenz gegeben ist, wird Nachhaltigkeitskommunikation

als glaubwürdig wahrgenommen und kann Wirkung entfalten. Komplexe

Zusammenhänge müssen verständlich aufbereitet und unterschiedliche Perspektiven ernsthaft

berücksichtigt werden. Nachhaltigkeit gilt es dabei als ein Thema zu vermitteln, das eng mit dem

Alltag verknüpft ist: greifbar, relevant und anschlussfähig. Zugleich ist entscheidend, ins konkrete

Handeln zu kommen, jeweils ausgehend von den eigenen Handlungsspielräumen.

Der Workshop hat hierfür vielfältige Impulse geliefert, ermöglicht durch das engagierte Zusammenwirken

aller Beteiligten. Unser herzlicher Dank gilt allen Mitwirkenden und Teilnehmenden

für ihr Kommen und die wertvollen, vielfältigen Punkte, die eingebracht wurden.

Gruppenfoto von allen Sprecherinnen und Sprechern, sowie Fazilitatorinnen und

Fazilitatoren des SDG-Kommunikationsworkshops gemeinsam mit Dr. Heinz Fischer,

Bundespräsident a. D. und Ko-Vorsitzender der Ban Ki-moon Foundation.

Impressum / Copyright / Haftung

Auszugsweiser Abdruck ist nur mit Quellenangabe gestattet, alle sonstigen Rechte sind ohne schriftliche Zustimmung

des Medieninhabers unzulässig. Es wird darauf verwiesen, dass alle Angaben in dieser Publikation trotz sorgfältiger

Bearbeitung ohne Gewähr erfolgen und eine Haftung des Ban Ki-moon Centre, des Bundeskanzleramtes sowie der Autorinnen

und Autoren ausgeschlossen ist. Rechtsausführungen stellen die unverbindliche Meinung der Autorinnen und

Autoren dar und können der Rechtssprechung der unabhängigen Gerichte keinesfalls vorgreifen.

Rückmeldungen: Ihre Überlegungen zu vorliegender Publikation übermitteln Sie bitte an

kathrin.ebner@bankimooncentre.org

Medieninhaber, Verleger und Herausgeber: Ban Ki-moon Foundation

Autorinnen und Autoren: Schütze Public Results GmbH

Gesamtumsetzung: Ban Ki-moon Foundation und Bundeskanzleramt Österreich

Copyright: BKMF / Martin Krachler

Grafische Gestaltung: Sara Schirwani

20

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!