BS 04-2026
Nachrichten | Markt | Politik | Regulierung | Schifffahrt | Wasserstraßen | Häfen | Logistik | Seehäfen | Shortsea | Recht | BDS
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04
2026
Binnenschifffahrt trifft ...
Bayerns Verkehrsminister
Christian Bernreiter zum
Ausbau der Donau
Flusskreuzfahrt
Exklusiver Marktreport über
Schiffe, Reeder und Häfen in
Europas Revieren
Ausbildung
Die ersten Absolventen
der neuen Kapitän-Ausbildung
in Schönebeck
April 2026 | 81 . Jahrgang
ISSN 0939-1916 | C 4397 D | 13,-
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EDITORIAL
Was die Industrie braucht
Peter Kleinort
Verantwortlicher Redakteur
Wenn sich am heutigen 20. April die Tore
der Hannover Messe öffnen, blickt die
Weltöffentlichkeit auf Deutschland als Innovationsstandort.
Es wird debattiert
über die vierte industrielle Revolution,
über KI-gesteuerte Produktion und die
drängende Dekarbonisierung unserer
Wirtschaft. Doch während in den Messehallen
die Visionen der Zukunft Gestalt
annehmen, stellt sich jenseits der Hochglanz-Präsentationen
eine zutiefst pragmatische,
ja existenzielle Frage: Wie
kommen die Güter, die diese neue Ära
erst ermöglichen, eigentlich an ihr Ziel?
Es ist eine Frage, die wir nicht nur den
Logistikern, sondern vor allem den Strategen
in den Chefetagen der verladenden
Wirtschaft stellen. Die Antwort finden
wir in der beeindruckenden
Leistungsfähigkeit eines Verkehrsträgers,
der trotz aller infrastrukturellen Herausforderungen
eine ungebrochene
Resilienz beweist.
Betrachten wir das Rückgrat der Energiewende,
die Groß- und Schwertransporte.
Die Botschaft der Experten ist unmissverständlich:
Ohne die Wasserstraße
blieben die ehrgeizigen Ausbauziele der
Windkraft reine Theorie. Die Dimensionen
moderner Rotorblätter und Turmsegmente
sprengen längst die Kapazitäten
von Schiene und Straße. Es ist daher
nur folgerichtig, dass Logistikpioniere
massiv in Speziallösungen investieren.
Ein herausragendes Beispiel hierfür ist
der Spezialfrachter »Rhenus Berlin I«,
der als schwimmendes Bindeglied für
den Zulieferbetrieb von Offshoreanlagen
fungiert und zeigt, wie hochspezialisiert
unsere Branche heute agiert.
Doch die Bedeutung der Binnenschifffahrt
erschöpft sich nicht in der reinen
Transportleistung. Unsere Häfen wandeln
sich in rasantem Tempo zu den zentralen
Hubs der energetischen Transformation.
In Standorten wie Stuttgart wird
bereits heute vorexerziert, wie Wasserstoffprojekte
die Energieversorgung
ganzer Industrieregionen revolutionieren
können. Hier wird deutlich: Das Schiff
liefert nicht nur Rohstoffe, es ist integraler
Bestandteil einer neuen, grünen
Wertschöpfungskette. Für Schlüsselindustrien
wie die Chemie ist und bleibt
das Binnenschiff ohnehin der vielleicht
wichtigste Transportweg – ein ökologischer
Pluspunkt im Modal Split, den heute
kein verantwortungsbewusstes Unternehmen
mehr ignorieren kann.
Die infrastrukturellen Defizite bremsen
die positive Entwicklung an vielen
Stellen noch aus. Doch der Wind scheint
sich zu drehen: Unsere Übersicht über
die Wasserbauprojekte im Binnenland
zeigt, dass der Sanierungsstau endlich
mit der gebotenen Dringlichkeit angegangen
wird. Auch die Politik sendet Signale,
die wir lange eingefordert haben.
Das Infrastruktur-Beschleunigungsgesetz
nimmt die Wasserwege explizit in
den Fokus, und der glasklare Appell der
Ministerpräsidentenkonferenz, die Binnenschifffahrt
endlich konsequent in das
Sondervermögen Infrastruktur einzubeziehen,
markiert einen politischen Wendepunkt.
Die Industrie braucht das Binnenschiff
heute mehr denn je – als verlässlichen
Partner, als Klimaschützer und als Kapazitätsreserve
in einem überlasteten Verkehrssystem.
Wir laden Sie ein, auf den
folgenden Seiten zu entdecken, wie unsere
Branche diesen Anspruch täglich
mit Leben füllt.
Binnenschifffahrt 04 | 2026
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3
INHALT
04 2026
14 20
3 EDITORIAL
3 Was die Industrie braucht
5 NACHRICHTEN
9 HGK Shipping nutzt Windassistenz auf der
»Amadeus Titanium«
10 MOMENTAUFNAHME
12 MARKT
12 Eine (heikle) Frage der Kommission in der
Tankschifffahrt
14 POLITIK | REGULIERUNG
14 »Die Binnenschifffahrt trifft ...
Peter Kleinort im Politik-Dialog«
Christian Bernreiter - Bayerischer
Verkehrsminister: Bayern fordert mehr Tempo
beim Ausbau der Infrastruktur
17 Binnenschifffahrtsforum:
»Die Wasserstraßeninfrastruktur ist
systemrelevant«
18 InfZuG: Der »Turbo«, der das Schiff vergisst
20 SCHIFFFAHRT
20 Report Flusskreuzfahrt: Die Flotte wächst
schneller
24 Winterlager unter Hochdruck
25 Strategie gegen Overtourism
26 Schaufelrad-Technik auf der Seine
27 Kontinuität im Wandel: 200 Jahre Köln-
Düsseldorfer
30 Pioniere an Bord: Der erste Jahrgang der neuen
Kapitänsausbildung
32 Deutsche Wasserstraßen-Transporte auf
historischem Tief
34 WASSERSTRASSEN | HÄFEN
34 Wasserbauprojekte im Binnenland
40 Gastbeitrag: Oder-Häfen im Strukturwandel
44 Mehr Schiffe, aber weniger Ladung im Hafen
Lüneburg
45 Plus und Minus in Kehler Umschlag-Bilanz
46 25 Mio. € für Logport I: Duisport investiert,
Siemens zieht ein
47 LOGISTIK
47 Dörpen positioniert sich für Projektladung aus
Emden und Hamburg
48 Digitalisierung stützt Frachtbetrug
50 SEEHÄFEN | SHORTSEA
50 Europas Fährschifffahrt vor dem Systemwechsel
52 RECHT
52 Mannheimer Akte geht EU-Recht vor!
(Niederländische Entscheidung)
54 BUYER’S GUIDE
58 BDS
58 BDS im Dialog mit neuer GDWS-Präsidentin
59 IMPRESSUM
Herausgeberverbände der Zeitschrift
Verein für europäische
Binnenschifffahrt und
Wasserstraßen e.V.
4 Binnenschifffahrt 04 | 2026
NACHRICHTEN
BUNDESVERBAND DER DEUTSCHEN BINNENSCHIFFFAHRT
Mitgliederversammlung auf modernisiertem Schulschiff
Ein Verband in frischem Glanz: Die
diesjährige Mitgliederversammlung
des Bundesverbandes der Deutschen
Binnenschifffahrt (BDB) fand in einem
besonderen Rahmen statt. Nach mehrmonatiger
Grundrenovierung und Neulackierung
präsentierte sich das Schulschiff
»Rhein« in Duisburg-Homberg
den Delegierten als hochmoderne Ausbildungsstätte.
Das Schiff, das mit seinen
95 Betten derzeit komplett ausgebucht
ist, unterstreicht die zentrale Bedeutung
der Nachwuchssicherung für die
Branche.
Inhaltlich stand die Versammlung im
Zeichen der verkehrspolitischen Interessenvertretung.
Geschäftsführer Jens
Schwanen berichtete den Mitgliedern
von den Fortschritten im Bereich der
Gewerbeförderung. Durch die intensive
Arbeit der Repräsentanz in Berlin konnten
wichtige Impulse für die Unterstützung
des Schifffahrtsgewerbes gesetzt
Heimspiel in Duisburg: der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt lud seine
Mitglieder auf das modernisierte Schulschiff »Rhein« ein
werden. Ein weiterer zentraler Punkt war
die personelle Neuaufstellung: Die Tarifkommission
des Verbandes wurde neu
gewählt, um für die kommenden Verhandlungen
mit der Gewerkschaft Verdi
gerüstet zu sein.
Neben den harten politischen Fakten
widmete sich die Versammlung auch der
Außenwirkung der Branche. Kommunikationsprofi
Jörn Fischer präsentierte
den aktuellen Stand der Imagekampagne
»PRO Binnenschifffahrt«. PK
© BDB
ANFRAGE ZUM NORD-OSTSEE-KANAL
Bund sieht keine Gefährdung
Die Bundesregierung bewertet die aktuelle Leistungsfähigkeit
des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) trotz punktueller technischer
Störungen als stabil. In einer Antwort auf eine parlamentarische
Anfrage (Drucksache 21/5094) führt das Bundesverkehrsministerium
aus, dass am wichtigsten künstlichen Seeschifffahrtsweg
der Welt derzeit keine systemischen Engpässe bestehen. Ein
Risiko für das Eintreten volkswirtschaftlicher Schäden sei daher
nicht erkennbar.
Hintergrund der parlamentarischen Befassung waren die zeitweisen
Sperrungen der großen Schleusenkammern in Brunsbüttel
im Oktober 2025. Laut Regierungsangaben resultierten
diese aus einer Verkettung von Hindernissen in der Torbahn der
Nordkammer sowie parallel laufenden Schienenreparaturen in
der Südkammer.
PK
WASSERBAU UND BAUWIRTSCHAFT
Rekord-Auftragsbestand für Porr
Der österreichische Baukonzern Porr hat vorläufige Zahlen für
das Geschäftsjahr 2025 vorgelegt und verzeichnet trotz einer
stagnierenden allgemeinen Baukonjunktur ein Rekordjahr.
Während sich die allgemeine Bauwirtschaft nur langsam erholt,
konnte Porr seinen Auftragsbestand per Ende Dezember 2025
um 11,7 % auf rund 9,5 Mrd. € steigern.
Maßgeblich für diesen Zuwachs sind vor allem Projekte aus
dem Segment Infrastruktur. Die Auftragseingänge erhöhten sich
in diesem Bereich um 14,1 % auf 7,8 Mrd. €. Das Unternehmen
steigerte seine Produktionsleistung im abgelaufenen Jahr auf
ein Rekordniveau von 6,8 Mrd. €. Das Betriebsergebnis (Ebit)
wuchs überproportional um 24 % auf 197 Mio. € an. Für das laufende
Jahr 2026 geht der Vorstand von einer weiterhin positiven
Entwicklung aus.
PK
Binnenschifffahrt 04 | 2026
5
NACHRICHTEN
FAHR-DEBAKEL SCHLEI-QUERUNG
»Missunde III« geht weiterhin nicht in Betrieb
Die neue Solar-Hybrid-Fähre »Missunde
III« entwickelt sich für den Landesbetrieb
für Küstenschutz, Nationalpark und
Meeresschutz (LKN.SH) zunehmend zum
Problemfall. Wie das schleswig-holsteinische
Verkehrsministerium vor Ostern
bestätigen musste, wird der Neubau auf
unbestimmte Zeit außer Dienst gestellt.
Grund dafür sind massive technische
Probleme beim Anlegemanöver: Die
Fähre wird bereits bei moderaten Windstärken
und Strömungsverhältnissen
so stark abgetrieben, dass ein sicheres
Festmachen an den bestehenden Rampen
in Missunde nicht gewährleistet
werden kann. Eigentlich sollte die rund
3,3 Mio. € teure Elektrofähre die deutlich
kleinere, über 60 Jahre alte »Missunde
II« ersetzen, um den gestiegenen Anforderungen
durch schwerere Landmaschinen
und ein höheres Verkehrsaufkommen
gerecht zu werden. Nach den
gescheiterten Testläufen steht nun fest,
Teures Stillleben: Die hochmoderne »Missunde III« kann die Schlei aufgrund technischer Defizite
bei Wind und Strömung derzeit nicht sicher queren
dass umfangreiche bauliche Nachbesserungen
an den Anlegestellen oder gar
technische Modifikationen am Antrieb
des Schiffes notwendig sind. Für die den
regionalen Verkehr bedeutet dies eine
Rückkehr zum Status quo stundenlange
Umwege. Da die Vorgängerin »Missunde
II« mit den Anlegern nicht kompatibel ist,
steht das Landesverkehrsministerium
unter erheblichem Druck, schnellstmöglich
eine langfristige Lösung für die
Schlei-Querung zu präsentieren. PK
© LKN.SH
FÖRDERUNG VON E-ANTRIEBEN
China fördert Binnenschiff
Die chinesischen Antriebs-Unternehmen Wah Kwong NatPower
und Wuxing Ruituo bauen ein flächendeckendes Netz für die
elektrische Schifffahrt auf. Das Vorhaben konzentriert sich auf
die Infrastruktur. Kernstück ist der Aufbau eines Systems aus
Lade- und Batteriewechsel-Stationen entlang der wichtigsten
Wasserstraßen in der Region Hangzhou–Jiaxing–Huzhou. PK
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HÄFEN AM OBERRHEIN
»HySyn«: Bündnis für Wasserstoff
Unter der Federführung der Industrie- und Handelskammer
(CCI) Grand Est ist das europäische Kooperationsprojekt »Hy-
Syn« (Hydrogen Synergies) gestartet. Ziel der Initiative ist es,
den Oberrhein zu einer strategischen Modellregion für grünen
und dekarbonisierten Wasserstoff auszubauen. Das Vorhaben
verfügt über ein Gesamtbudget von 3,35 Mio. €, wovon rund
2 Mio. € durch das EU-Programm »Interreg Oberrhein« finanziert
werden. Über eine Laufzeit von 42 Monaten (2026–2029)
arbeiten insgesamt 26 Partner aus Frankreich, Deutschland und
der Schweiz an der Strukturierung einer grenzüberschreitenden
Wertschöpfungskette.
Für die Schifffahrt und die Hafenstandorte am Oberrhein, wie
etwa Straßburg und Kehl, ist das Projekt von besonderer Bedeutung,
da es die Integration von Wasserstoff in die regionale
Industrie und Logistik vorantreiben soll. Im Kern geht es darum,
nationale Insellösungen zu überwinden und Synergien bei Erzeugung,
Speicherung und Verteilung zu schaffen. Damit soll
nicht nur die Dekarbonisierung der Schwerindustrie unterstützt,
sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts gegenüber
den USA und Asien gesichert werden. Das Projekt versteht
den Rhein als zentralen Energiekorridor. Durch die Vernetzung
lokaler Wasserstoff-Ökosysteme soll eine Infrastruktur entstehen,
die auch als Basis für Bunkermöglichkeiten und emissionsfreie
Antriebe in der Binnenschifffahrt dient.
PK
6
Binnenschifffahrt 04 | 2026
NACHRICHTEN
TRANSKONTINENTALE PROJEKTLOGISTIK
Rhenus transportiert Anlagenkomponenten per Binnenschiff
Präzisionsarbeit im Hafen: Die Verladung der überbreiten Anlagenkomponenten erfolgte per
Binnenschiff in Richtung Seehafen
Die Rhenus Gruppe hat ein komplexes
Logistikprojekt für den Anlagenbau erfolgreich
abgeschlossen. Von Österreich
aus wurden Prozessequipment und
Komponenten für eine neue Produktionsanlage
in den Vereinigten Staaten
transportiert. Das Projekt umfasste ein
Gesamtvolumen von rund 2.840 m 3
Stückgut, das in 40 übergroßen Kisten
sowie zwölf 40-Fuß-Containern verpackt
war.
Der Transportweg wurde als multimodale
End-to-End-Lösung gestaltet. Um
die Belastung des Straßennetzes zu reduzieren
und die Effizienz bei den übergroßen
Einheiten zu steigern, integrierte
der Logistikdienstleister für den Hauptlauf
innerhalb Europas konsequent die
Binnenschifffahrt. Die Verladung der
schweren und sperrigen Komponenten
auf das Schiff ermöglichte eine planbare
Anbindung an die Seehäfen, von wo aus
die Ladung im weiteren Verlauf per Ocean
Freight nach Nordamerika verschifft
wurde.
Die Durchführung erforderte eine
enge Abstimmung zwischen den Rhenus-Einheiten
in Europa und den USA,
um die strikten Zeitvorgaben des Industrieprojekts
einzuhalten. Neben der
logistischen Koordination stand die Nutzung
der Wasserstraße als nachhaltige
Transportalternative im Fokus, um den
ökologischen Fußabdruck der interkontinentalen
Lieferkette zu optimieren. Das
Projekt unterstreicht die wachsende Bedeutung
der Binnenschifffahrt als Rückgrat
für den globalen Export schwerer
Investitionsgüter aus dem mitteleuropäischen
Hinterland. Diese Transaktion
unterstreicht die Strategie der Rhenus-
Gruppe, ihre Präsenz in den Märkten der
regenerativen Energien weltweit auszubauen.
Die erfolgreiche Projektabwicklung
im Hafen von Corpus Christi dient
dabei als Referenz für künftige Offshore-
Vorhaben an der US-Golfküste. Neben
der Effizienz war der Einsatz des Binnenschiffs
auch ein Bekenntnis zu umweltschonenderen
Transportwegen. Gerade
im Bereich der Anlagen- und Projektlogistik
fordern Industriekunden zunehmend
Lösungen, die trotz massiver
Volumina Nachhaltigkeitsziele berücksichtigen.
Dieses Projekt zeigt, dass die
Kombination aus Know-how und dem
Nutzen der Wasserstraßeninfrastruktur
ein wettbewerbsfähiges Modell für globale
Lieferketten ist.
PK
© Rhenus
NACHRICHTEN
PERSONENVERKEHR IN DER NORDSEE
FRS Helgoline startet in die Saison 2026
Täglicher Liniendienst: Der HSC »Halunder Jet« ist mit 36 kn Dienstgeschwindigkeit
auf der Elbe und der Deutschen Bucht im Einsatz
Mit der ersten Abfahrt des Hochgeschwindigkeits-Katamarans
»Halunder Jet« am 19. März hat die Flensburger Reederei FRS
Helgoline den diesjährigen Liniendienst zwischen der Elbe und
Deutschlands einziger Hochseeinsel aufgenommen. Bis zum 1.
November verbindet der 2018 in Dienst gestellte Neubau Hamburg
und Cuxhaven täglich sowie Brunsbüttel bis zu viermal wöchentlich
mit Helgoland.
Der HSC »Halunder Jet« operiert mit einer Dienstgeschwindigkeit
von 36 kn und bietet Platz für bis zu 680 Passagiere. Über
den reinen Personentransport hinaus sichert die Verbindung
durch einen integrierten Gepäckservice in Kooperation mit Helgoland
Service die Logistikkette für Inselgäste direkt ab Bord. In
der laufenden Saison wird zudem die Anbindung von Schleswig-
Holstein durch zusätzliche Anläufe in Brunsbüttel gestärkt.
Wirtschaftlich steht die Verbindung im Kontext der breiten
Aufstellung der FRS-Gruppe. Das Unternehmen, das weltweit
70 Schiffe betreibt, festigt damit seine Position im Shortsea-Segment,
während es im Binnenbereich durch die Elbfähre Glückstadt-Wischhafen
sowie neue Linien auf dem Mittelrhein und
Solar-Elektrofähren in Berlin weiter expandiert. Trotz gestiegener
Betriebskosten, die laut Medienberichten zu moderaten Tarifanpassungen
führten, bleibt die Route eine zentrale Säule im
Portfolio der Flensburger Reederei.
RD
© FRS Helgoline
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STATISTIKUMSTELLUNG IN MANNHEIM
Stabiler wasserseitiger Umschlag
Die Mannheimer Häfen verzeichnen für den Monat Februar
2026 eine leichte Belebung des wasserseitigen Güterumschlags.
Mit 616.952 t bewegten Gütern lag das Ergebnis um 2,39 %
(+14.423 t) über dem Vorjahresmonat. Trotz dieser Stabilisierung
weist die Bilanz für das erste Quartal (Januar und Februar
kumuliert) mit rund 1,17 Mio. t noch ein Minus von 0,63 %
gegenüber 2025 auf. Das Februar-Ergebnis wurde maßgeblich
durch ein kräftiges Wachstum in der Güterabteilung »Erze, Steine,
Erden und sonstige Bergbauerzeugnisse« gestützt, die mit
226.824 t ein Plus von 42 % verbuchte. Positiv entwickelten sich
die Segmente Maschinen und Ausrüstungen (+18,6 %) sowie
die Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft (+10,4 %). Demgegenüber
standen teils deutliche Rückgänge bei Metallen und
Metallerzeugnissen, deren Tonnage sich im Vergleich zum Vorjahr
halbierte. Im Containersektor stieg die Anzahl der umgeschlagenen
Einheiten um 4,56 % auf 6.632 TEU an, während das
transportierte Warengewicht mit 63.764 t nahezu auf Vorjahresniveau
verharrte (-0,38 %). Die nautischen Rahmenbedingungen
waren dank eines durchschnittlichen Rheinpegels von 3,55 m
günstiger als im Vorjahr (2,29 m).
Hintergrund der verzögerten Datenbekanntgabe ist eine systemische
Neuerung: Aktuell stellt die Rhein-Neckar-Hafengesellschaft
ihre Statistik auf die Güterabteilungen gemäß NST-2007
um. Diese Umstellung auf das einheitliche Güterverzeichnis für
die Verkehrsstatistik ersetzt das bisherige NST-R-Schema und
soll national und europäisch eine bessere Vergleichbarkeit gewährleisten.
PK
8
Binnenschifffahrt 04 | 2026
NACHRICHTEN
NACHHALTIGKEIT IN DER SHORTSEA-LOGISTIK
HGK Shipping nutzt Windassistenz auf der »Amadeus Titanium«
Die Dekarbonisierung der maritimen Lieferketten greift zunehmend
auf ergänzende Windantriebe zurück. Das HGK-Shipping-
Tochterunternehmen Amadeus Schiffahrts- und Speditionsgesellschaft
hat Ende März sein Küstenmotorschiff »Amadeus
Titanium« in Harlingen mit einem modernen Windassistenzsystem
ausgerüstet. Zum Einsatz kommen zwei sogenannte »Vento
Foils« des niederländischen Herstellers Econowind.
Die Technik nutzt das Prinzip der aerodynamischen Saugkraft,
ähnlich einer Flugzeugtragfläche, um bei entsprechendem Wind
zusätzlichen Vortrieb zu erzeugen. Laut Angaben der HGK Shipping
führt dies zu einer durchschnittlichen Treibstoffeinsparung
von rund 10 %. Damit sinkt auch der CO 2
-Ausstoß des Schiffes
auf seinen Stammrouten zwischen den ARA-Häfen (Antwerpen,
Rotterdam, Amsterdam) sowie Zielen in Norwegen und Großbritannien
proportional.
Das Projekt erfolgt in enger Abstimmung mit dem Kunststoffhersteller
Covestro, für den die »Amadeus Titanium« im Einsatz
ist. Für den Industriekonzern ist die Maßnahme ein Baustein,
um die indirekten Emissionen in der Lieferkette (Scope 3) zu
reduzieren und die Logistik langfristig auf Kreislaufwirtschaft
Die »Amadeus Titanium« mit den neu installierten Vento Foils
auszurichten. Laut Steffen Bauer, CEO von HGK Shipping, stellen
Windassistenzsysteme eine sofort verfügbare Lösung dar, um
die Bestandsflotte ökologisch zu optimieren, während die Entwicklung
neuer Antriebsformen parallel voranschreitet. PK
© HGK Shipping
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Binnenschifffahrt 04 | 2026
9
MOMENTAUFNAHME
Grenzwertige Infrastruktur
Wo Berge, Bauten und Binnenschifffahrt sich treffen und eine Staatsgrenze
»überbrücken«, da lässt es sich aushalten – sowohl als Wasser-affiner Tourist
als auch als Infrastruktur-interessierter Beobachter. Selbst wenn die Sonne
sich nicht gegen die Wolken durchsetzen kann, sind Kraftwerk und Schleuse
Jochenstein mit ihren rund 10 m Fallhöhe eine Ausfahrt wert. Bayerns Verkehrsminister
Christian Bernreiter (siehe auch unser exklusives Interview in
dieser Ausgabe) wird sicherlich zustimmen ...
Foto: Michael Meyer
Liebe Leser, wenn auch Sie eine maritime Moment aufnahme eingefangen haben, schicken Sie uns das Foto
mit ein paar persönlichen oder erklärenden Zeilen an: redaktion@binnenschifffahrt-online.de. Hinweis: Der
Verlag behält sich das Recht vor, diese Fotografien für redaktionelle Zwecke weiterzuverwenden.
10 HANSA – International Maritime Journal 04 | 2026
MOMENTAUFNAHME
HANSA – International Maritime Journal 04 | 2026
11
MARKT
Marktbericht
Eine (heikle) Frage der Kommission
in der Tankschifffahrt
© Concordia Damen
Die europäische Tankschifffahrt wird von etwa 25 großen
Binnenschifffahrtsunternehmen dominiert, die sowohl als
Eigentümer als auch als Makler auftreten. Die meisten begannen
als Binnenschiffbesitzer und erwarben später die
obligatorischen Lizenzen, um als zugelassene technische
Betreiber für die Ölkonzerne tätig zu sein. Ohne diese Lizenz
darf ein Binnenschiffbesitzer nicht für die großen Ölkonzerne
fahren.
Aus diesem Grund beauftragen viele unabhängige Binnenschiffbesitzer
eines dieser 25 lizenzierten Unternehmen mit
dem Betrieb ihrer Schiffe. Im Gegenzug erhält das Betreiberunternehmen
eine vereinbarte Provision. Diese Eigentümer/
Makler verwalten typischerweise Flotten von 20 bis über 100
Binnenschiffen.
Ihre Arbeit ist komplex, anspruchsvoll und kontinuierlich. Zu den
Tätigkeiten gehören üblicherweise unter anderem:
• Pflegen der Beziehungen zu Ölkonzernen
• Sicherheitsmanagement
• Finanzielles Risikomanagement
• KYC-Prüfungen
• Überwachen von Lade- und Lösch-Plänen
• Planen und Optimieren der Abläufe
• Tägliche Suche nach neuen Ladungen
• Kommunikation mit verschiedenen Schiffseignern und der
Besatzung an Bord
• Beantwortung technischer Fragen zu Stauung, Beheizung,
Ladegütern, Intake, ETA usw.
12 Binnenschifffahrt 04 | 2026
MARKT
Diese operative Verantwortung endet nicht um 17 Uhr, sondern
läuft rund um die Uhr. Zu jeder Zeit können Fragen von
Terminals, Ölkonzernen, Schiffskapitänen oder Inspektoren auftauchen.
Diese Eigentümer/Broker tragen das operative Risiko,
gewährleisten die Verfügbarkeit der Schiffe, vermeiden Liegegebühren
und halten die Tankschifflogistik in Europa am Laufen.
Neben diesen stark engagierten Betreibern existiert auch eine
kleine Gruppe unabhängiger Binnenschiffsbroker. Anders als in
der Hochseeschifffahrt und im Ölhandel, wo Broker eine klare
und notwendige Rolle spielen, ist ihr Wert im Binnenschiffsverkehr
weit weniger offensichtlich. Das Einsatzgebiet ist relativ
klein, die Netzwerke sind gut etabliert, und der Markt wird bereits
von einer kleinen Gruppe von Binnenschifffahrtsunternehmen
dominiert, die ihre Schiffe selbst besitzen und betreiben. In
diesem Kontext bringt ein weiterer Vermittler oft nur geringen
Mehrwert (»ein Makler für einen Makler«). Diese Vermittler:
• besitzen keine Schiffe
• besitzen nicht die erforderlichen Betriebslizenzen
• tragen kein finanzielles Risiko
• haben keine Planungsverantwortung
• haften nicht für Liegegelder (berechnen aber Provision)
• übernehmen keine technischen oder sicherheitsrelevanten
Aufgaben.
Ihre Rolle ist einfach: Ein Kunde sendet ihnen eine Frachtanfrage.
Sie versenden eine E-Mail/Chatnachricht oder tätigen einige
Anrufe. Sie erhalten ein Angebot und leiten es an den Kunden
weiter. »Deal done«. Dafür erhalten sie in der Regel 5 % Provision
auf Fracht und Liegegelder, fast die gleiche Provisionshöhe wie
die lizenzierten Binnenschifffahrtsunternehmen, die alles selbst
verwalten. Wenn diese nicht-operativen Vermittler zwischen den
operativen Vermittlern/Eigentümern und dem Ölkonzern sitzen,
stellt sich die Frage: Wer zahlt die Provision?
In einem angespannten Markt übernimmt in der Regel der
Ölkonzern die Provision. In einem ruhigen Markt trägt oft der
Schiffseigner die Kosten. So oder so verliert jemand in der Kette
an Gewinnmarge – und für welchen Mehrwert?
Beispiel 1: ARA – Straßburg
• Frachtrate: 25 €/t (ruhiger Markt)
• Ladung: 2.500 t
• Gesamtfracht: 62.500 €
• Provision (5 %): 3.125 € pro Fahrt
• Eine einzige Buchung pro Woche führt zu:
• 162.500 € Provision/Jahr für Vermittler. Diese Berechnung
berücksichtigt weder Liegegelder noch höhere Frachtraten.
Beispiel 2: Antwerpen – Amsterdam
• Fracht: 3.000 t zu 3 €/t (ruhiger Markt)
• Typische Fracht: Führt zu 23.400 € Provision pro Jahr bei
wöchentlicher Buchung, wiederum in einem ruhigen Markt,
für einen Spediteur ohne Binnenschiff und ohne finanzielle
und operative Verantwortung.
Manche Unternehmen buchen sogar TCs oder CoAs über Vermittler.
Man kann sich vorstellen, dass die Tagesraten für Binnenschiffe
bei diesen Vereinbarungen beträchtlich sind, typischerweise
4.000 € bis 8.000 € pro Tag, abhängig von Schiffsgröße
und Marktbedingungen.
Die Provision für CoAs und TC beträgt üblicherweise 2,5%,
wenn das Binnenschiff 5.000 € pro Tag kostet. Es kostet also
45.625 € pro Jahr. Wenn der Vermittler bei solch langfristigen,
hochpreisigen Verträgen eine Provision erhält, summieren sich
die Beträge schnell zu sehr hohen Summen. Dies sind keine Provisionen
für Einzelfahrten; sie summieren sich täglich, monatlich
und jährlich.
Strukturelle Ineffizienz
Diese Beispiele verdeutlichen eine zentrale Ineffizienz der aktuellen
Marktstruktur: Lizenzierte Eigentümer/Broker tragen das
operative, technische und finanzielle Risiko. Nicht-operative Vermittler
erhalten fast die gleiche Provision für das Versenden von
E-Mails und das Weiterleiten von Anfragen an die eigentlichen
Betreiber. Letztendlich zahlt das Ölunternehmen oder der Binnenschiffsbesitzer
die Zeche, oft ohne zu realisieren, wie hoch
diese Provisionen im Laufe der Zeit anwachsen.
RD
Frachtpreise im März
ARA 1.500 – 8.000 t
Monat März Durchschnitt Monatstief Monatshoch
im Hafengebiet € 2,02 € 1,50 € 2,60
Rotterdam - Antwerp/Amsterdam € 3,02 € 2,50 € 3,85
Antwerp - Amsterdam € 3,98 € 3,50 € 4,75
Flushing - Antwerp € 3,01 € 2,30 € 3,30
Flushing - Rotterdam € 3,73 € 3,10 € 4,00
Flushing - Amsterdam € 4,38 € 3,60 € 4,60
Ghent - Flushing € 3,05 € 3,00 € 4,00
Ghent - Antwerp € 3,68 € 3,40 € 3,90
Ghent - Rotterdam € 4,26 € 4,00 € 4,60
Ghent - Amsterdam € 4,56 € 4,00 € 4,90
Rhein 0 – 2.500 t
Monat März Durchschnitt Diesel Benzin
Duisburg € 9,78 € 9,05 € 10,05
Dortmund € 11,95 € 10,20 € 11,20
Köln € 15,34 € 13,20 € 14,20
Koblenz € 17,00 € 14,78 € 15,78
Frankfurt € 22,72 € 22,23 € 23,23
Mannheim € 23,34 € 23,33 € 24,33
Karlsruhe € 24,51 € 24,97 € 25,97
Strasbourg € 25,95 € 27,68 € 28,68
Basel EUR € 29,26 € 31,37 € 32,37
Basel CHF CHF 26,45 CHF 28,64 CHF 29,64
In Kooperation mit
Binnenschifffahrt 04 | 2026
13
POLITIK | REGULIERUNG
Bayern fordert mehr Tempo
beim Ausbau der Infrastruktur
Binnenschifffahrt trifft Christian Bernreiter: Als Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz und
Bayerns Verkehrsminister drängt er auf eine bedarfsgerechte Finanzierung der Wasserstraßen.
Im Exklusiv-Interview analysiert er den Donauausbau, neue Energie-Hubs und die Resilienz
München im Frühjahr 2026. Während in
den Biergärten der bayerischen Landeshauptstadt
die ersten Sonnenstrahlen
des Jahres genossen werden, herrscht
im Staatsministerium für Wohnen, Bau
und Verkehr am Franz-Josef-Strauß-Ring
Hochbetrieb. Die Kommunalwahlen im
März liegen gerade hinter dem Freistaat,
und für den Hausherrn Christian Bernreiter
(CSU) bedeutet das die Rückkehr
zum vollen politischen Alltagsgeschäft –
auch auf Bundesebene.
Bernreiter, der seit Januar 2025 den
Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz
(VMK) innehat, gilt als Mann der klaren
Worte und der praktischen Erfahrung.
Als ehemaliger Landrat von Deggendorf
kennt er die Donau nicht nur aus Akten,
sondern als pulsierende Lebensader seiner
niederbayerischen Heimat. In unserem
Interview für die Reihe »Binnenschifffahrt
trifft ... « nimmt der Minister
Stellung zu den »nassen« Themen seiner
Agenda: Von der notwendigen Milliarden-Finanzierung
für marode Schleusen
über den strategischen Ausbau der Donau
bis hin zur Transformation der Häfen
zu modernen Energie-Hubs. Wie will
Bayern seinen Status als »Tor zum Südosten«
im harten europäischen Wettbewerb
behaupten?
Schleusenersatzbauten, Wehrerneuerungen
oder Kanalausbauten – müssen
endlich zügig umgesetzt werden.
Dafür trägt der Bund die Verantwortung.
Ich habe mich daher intensiv dafür
stark gemacht, eine ausreichende
Mittelausstattung für die Zukunft sicherzustellen.
Ein weiterer Fokus liegt
auf der Europäischen Hafenstrategie
der EU-Kommission. Angesichts der
systemkritischen Rolle der Häfen für
die Energie- und Güterversorgung ist
diese Strategie von enormer Bedeutung.
Da die Zuständigkeit für die Häfen
in Deutschland überwiegend bei
den Ländern liegt, habe ich als VMK-
Vorsitzender darauf gedrängt, dass
unsere Interessen bei der Erarbeitung
auf EU-Ebene angemessen berücksichtigt
werden.
Bayern gilt als das zentrale »Tor zum
Südosten«. Welchen Stellenwert nimmt
die Wasserstraße in Ihrer langfristigen
Mobilitätsstrategie ein?
Bernreiter: Eine leistungsfähige Infrastruktur
ist das Rückgrat unserer Wirtschaft.
Mit dem Main-Donau-Kanal
fungiert Bayern als entscheidendes
Bindeglied zwischen den Wirtschaftsräumen
am Rhein und der Donau. Wir
sind per Binnenschiff direkt mit den
Seehäfen an der Nordsee und dem
Schwarzen Meer verbunden – das ist
Herr Minister, Sie führen seit Januar 2025
den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz
(VMK) und haben sich dort massiv
für einen Infrastrukturfonds eingesetzt.
Konnten Sie die Binnenschifffahrt im
Schatten von Schiene und Straße so prominent
platzieren, wie Sie es sich vorgenommen
hatten?
Christian Bernreiter: Das wichtigste
Thema in der VMK ist für uns die
bedarfsgerechte Finanzierung der
Bundeswasserstraßen. Baureife und
systemrelevante Maßnahmen – etwa
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU)
© StMBV
14 Binnenschifffahrt 04 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
ein erheblicher Standortvorteil für die
heimische Industrie und das Gewerbe.
Die insgesamt 24 bayerischen Binnenhäfen
an Main, Main-Donau-Kanal
und Donau sind heute wichtige Güterverkehrsdrehscheiben
für die lokale
Wirtschaft – viele der Häfen sind in
kommunaler Hand. Sechs Standorte
gehören zur Bayernhafen-Gruppe, die
privatrechtlich-organisiert ist und deren
hundertprozentiger Gesellschafter
der Freistaat Bayern ist. Unsere
Strategie ist hier eindeutig: Über unseren
»Hafentitel« haben wir bereits
rund 20 Mio. € an Fördermitteln in
kommunale Häfen investiert. Hinzu
kommen etwa 60 Mio. € für die Infrastruktur
der Bayernhafen-Standorte.
Auch den Donauausbau finanzieren
wir zu einem Drittel mit, was bisher
245 Mio. € entspricht.
Investitionsrahmenplan sind für den
Ausbau der Bundeswasserstraßen
bis 2029 zwar 3,5 Mrd. € vorgesehen
– angesichts der realen Herausforderungen
ist das jedoch zu wenig. Ein
Lichtblick für 2026 ist der Baubeginn
des Ersatzneubaus der Schleuse Erlangen.
Gemeinsam mit dem laufenden
Projekt in Kriegenbrunn investiert der
Bund hier rund 1 Mrd. €, um die Zukunftsfähigkeit
der Main-Donau-Wasserstraße
zu sichern.
die Zukunft. Ein konkretes Beispiel:
Im Bayernhafen Nürnberg fördern wir
den Bau einer Wasserstofftankstelle.
Zudem haben wir bei der Landstromversorgung
bereits verschiedene Meilensteine
erreicht – die Bayernhafen-
Standorte weisen hier eine Abdeckung
von nahezu 100 % auf.
Die aktuellen Entwicklungen auf der
Welt zeigen, wie extrem verletzlich globale
Lieferketten sind. Wie krisenfest ist
der Binnenschifffahrtsstandort Bayern
heute?
Bernreiter: Schifffahrt und Häfen
sind systemrelevant. Für Massengüter
wie Baustoffe, Energieträger oder
Agrarprodukte ist das Binnenschiff unverzichtbar.
Aber auch für den bayerischen
Maschinen- und Anlagenbau ist
die Wasserstraße ein entscheidender
Faktor, da sie ideal für Großraum- und
Schwertransporte geeignet ist. Wir
werden auch 2026 konkrete Anreize
für die Verlagerung auf das Wasser
setzen: In Hafen Straubing-Sand bauen
wir eine neue Hafenhalbinsel mit
Schwergutplatte, und im Donauhafen
Deggendorf entsteht eine zweite
Schwergutplatte. Das stärkt die Resilienz
unserer Logistikketten massiv.
Kommen wir zur Substanz: Viele Schleusen
am Main und am Main-Donau-Kanal
sind in die Jahre gekommen. Reicht das
Investitionstempo des Bundes aus Ihrer
Sicht aus?
Bernreiter: Die Wasserstraße muss
für den Bund in den kommenden Jahren
ein klarer Investitionsschwerpunkt
bleiben. Die hohe Dichte und das Alter
der Anlagen – Schleusen und Wehre
vor allem – erfordern eine kontinuierliche
Modernisierung. Im aktuellen
Ein Jahrhundertprojekt ist der Donauausbau
zwischen Straubing und Vilshofen.
Wie ist hier der aktuelle Stand für
die Schifffahrt?
Bernreiter: Wir kommen da gut voran.
Anfang 2024 wurde die Westanbindung
des Hafens Straubing-Sand
fertiggestellt, was den Schiffen insgesamt
65 cm mehr Abladetiefe bringt.
Seit Ende 2025 laufen die Arbeiten im
zweiten Bauabschnitt zwischender
Schwarzach- und der Isarmündung.
Der dritte Abschnitt soll dann im Jahr
2028 folgen. Ziel ist es, unterhalb von
Straubing ganzjährig 20 cm mehr Tiefe
zu garantieren. Das bedeutet: Eine Abladetiefe
von 2,50 m wird dann an 200
Tagen im Jahr möglich sein – das sind
50 Tage mehr als heute.
Vielerorts wandeln sich Binnenhäfen zu
multimodalen Energie-Drehscheiben.
Wie begleiten Sie die Transformation,
etwa in der landeseigenen Bayernhafen-
Gruppe?
Bernreiter: Binnenhäfen waren schon
immer Energie-Hubs, früher für Kohle
und Öl, heute für moderne Energieträger.
Wir nutzen die vorhandenen
Netzwerke und Infrastrukturen für
Stichwort »Hafen 4.0«: Wie digital und
autonom wird die bayerische Schifffahrt
werden?
Bernreiter: Wir treiben die Digitalisierung
sehr stark voran, etwa durch die
Verfahren der elektronischen Schiffsanmeldung.
Auch bei autonomen Systemen
tut sich sehr viel: Die Wasserwacht
in Dillingen nutzt bereits das
autonome Sonarboot »Seascape«, und
die TU München forscht aktiv an autonomen
Fahrzeugen. Zudem fördern
wir innovative Antriebe mit bis zu 50
%, wie etwa ein mit Brennstoffzellen
betriebenes Hausboot der Firma Eichberger
in Passau.
Unter den Verkehrsträgern gelten Schiene
und Wasserstraße eigentlich als die
»natürlichen Verbündeten« in Konkurrenz
zum Straßenverkehr. Die unter massiven
Kapazitätsproblemen stehende
Bahn saniert derzeit massiv ihre Korridore.
Kann das Binnenschiff hier zusätzlich
als verlässliches Backup dienen?
Bernreiter: Absolut. Wir arbeiten
eng mit der Bahn zusammen, um zu
verhindern, dass Güter während der
Sanierungsphasen auf die Straße abwandern.
Die Wasserstraße ist für
Massen- und Schwergut der ideale
Puffer. Um die Flüsse »niedrigwasserfest«
zu machen, vertiefen wir zudem
die Fahrrinne des Mains von 2,50 m
Binnenschifffahrt 04 | 2026
15
POLITIK | REGULIERUNG
© Bayernhafen
Der Osthafen in Regensburg, Teil der Bayernhafen-Gruppe. Bayern investiert in die Infrastruktur
auf künftig durchschnittlich 2,90 m.
Auch dies führt zu mehr Resilienz der
Wasserstraße als Verkehrsweg.
Zur Person
Der Binnenschifffahrtsstandort Bayern
ist einerseits an die Rheinschiene und
andererseits an die Donau-Achse angebunden.
Wie eng ist die Abstimmung mit
den Nachbarn, insbesondere mit Österreich?
Bernreiter: Die Zusammenarbeit mit
der österreichischen Via Donau ist exzellent,
sei es bei der Instandhaltung,
beim Hochwasserschutz oder bei den
Christian Bernreiter (CSU) ist seit Februar 2022 Bayerischer Staatsminister für
Wohnen, Bau und Verkehr. Der diplomierte Stahlbauingenieur (FH) gilt als versierter
Infrastruktur-Experte mit ausgeprägtem Sinn für kommunale Belange.
Politischer Werdegang: Vor seinem Wechsel in die bayerische Staatsregierung
war Bernreiter 20 Jahre lang (2002–2022) Landrat des niederbayerischen Landkreises
Deggendorf. In dieser Zeit prägte er unter anderem die Entwicklung des
Donauausbaus und die Stärkung der regionalen Logistikstandorte entscheidend
mit.
Ämter & Funktionen: Von 2014 bis 2022 war er Präsident des Bayerischen
Landkreistags. Seit Januar 2025 bekleidet er turnusgemäß den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz
(VMK) der Länder, in der er sich insbesondere für eine
verlässliche Finanzierung der Verkehrswege und einen nationalen Infrastrukturfonds
einsetzt.
Privates: Bernreiter wurde 1964 in Straubing geboren. Er ist verheiratet, hat
zwei Kinder und ist in seiner Heimat Niederbayern tief verwurzelt.
digitalen River Information Services
(RIS). Der Donauausbau auf bayerischer
Seite ist hier der Schlüssel, um
den bisherigen Engpass auf dem gesamten
Rhein-Main-Donau-Korridor
zu beseitigen.
Abschließend zum Thema Fachkräfte
und Tourismus: Wie sichern Sie die
»Crew« für die Zukunft?
Bernreiter: Wir unterstützen die
Branche durch gezielte Nachwuchsgewinnung,
etwa mit unserer Reihe
»Bayern gemeinsam bewegen«. Die
Ausbildung zum Binnenschiffer ist
hochmodern und bietet tolle Perspektiven
für junge Menschen. Parallel
dazu stärken wir auch den Tourismus.
Die Flusskreuzfahrt ist ein wichtiger
Faktor. Wir haben massiv in Landstromanlagen
investiert, damit Schiffe
während der Liegezeit ihre Dieselaggregate
abschalten können. Und am
Bodensee treiben wir über die Internationale
Bodenseekonferenz (IBK)
das Ziel einer komplett klimaneutralen
Schifffahrt voran.
Das Interview führte Peter Kleinort
16 Binnenschifffahrt 04 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
»Die Wasserstraßeninfrastruktur ist
systemrelevant«
Mit einem Appell für eine gut aufgebaute Binnenschifffahrtsinfrastruktur bekräftigte nordrheinwestfalens
Wirtschaftsministerin Mona Neubaur den Schulterschluss mit der Branche. Die Politik
müsse sich aber über die Relevanz des Verkehrsträgers bewusst werden
80 % des Güterverkehrs in der Binnenschifffahrt
wird auf dem Rhein transportiert.
Nordrhein-Westfalen ist somit
die Herzkammer der Branche. Und
dementsprechend steht es einer Landeswirtschaftministerin
gut an, in der
Binnenschifffahrt Präsenz zu zeigen.
Mona Neubaur nutzte das 8. Binnenschifffahrtsforum
des Verbandes Spedition
und Logistik Nordrhein-Westfalen
(VSL) und des Bundesverbandes der
Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) nicht
nur zum Gedankenaustausch mit Vertretern
der Branche. Sie sprach sich in ihrer
Keynote auch klar für eine Stärkung der
Binnenschifffahrt in Deutschland aus.
»Die Instandsetzung und Instandhaltung
der Binnenschiffsinfrastruktur ist
auch sicherheitspolitisch ausgesprochen
wichtig«, sagte Neubaur. Die Sperrung
der Straße von Hormus zeige, wie verletzlich
der Westen in Bezug auf Lieferketten
und Warenströme sei. Niemand
hoffe, dass der Bündnisfall in Europa
eintrete, aber falls das geschehe, seien
die Binnenwasserstraßen und Binnenhäfen
für die Versorgung der Bevölkerung
wichtig.
Deswegen sei es notwendig, die Infrastruktur
schon vorher in einen exzellenten
Zustand zu versetzen. Die Grünen-
Politikerin sprach sich - wie schon zuvor
die Verkehrsminister der Länder - dafür
aus, dass erhebliche Mittel aus dem Sondervermögen
Infrastruktur des Bundes
in die Wasserstraßeninfrastruktur fließen
solle.
Jens Schwanen, Geschäftsführer des
Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt
(BDB) erinnerte in seiner
Begrüßungsansprache ebenfalls an den
Anfang März getroffenen Beschluss der
Ministerpräsidentenkonferenz: »Alle 16
Regierungschefinnen und Regierungschefs
der Länder richten den dringenden
Appell an die Bundesregierung, Mittel
aus dem Sondervermögen Infrastruktur
auch für Ausbaumaßnahmen an Flüssen
und Kanälen zur Verfügung zu stellen
und für eine ausreichende langfristige
Finanzierungslinie der Wasserstraßen zu
sorgen.« Er skizzierte die Auswirkungen
der Personalkürzungen, die der Bund
bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung
in den kommenden vier Jahren
vornehmen will. Rund 1.000 Stellen
sollen abgebaut werden, was massive
Auswirkungen auf die Funktions- und
Leistungsfähigkeit der Wasserstraßeninfrastruktur
haben wird. Ausbaumaßnahmen
am Niederrhein oder der Ersatz
der großen Schleusen am Wesel-Datteln-Kanal
werden sich dann über das
vorgesehene Datum 2033 hinaus noch
weiter verzögern und die Entwicklung
der Schifffahrt ausbremsen.
BDB-Vorstandsmitglied Andreas Grzib
(DTG) erläuterte, dass die Gütermengen
auf dem Wasser zwar rückläufig sind.
Die Statistik sei aber zu starr auf das
transportierte Gewicht ausgerichtet.
»Hochwertige Ladungen wie Bauteile
für Windenergieanlagen oder Hochleistungstransformatoren
wiegen weniger
als Massengüter und sind deshalb in der
Statistik kaum zu finden.« Sie böten aber
immense Chancen.
PK
Bei der Podiumsdiskussion diskutierten (v.l.) Andreas Grzib (DTG), Timo Windhopf (C. Thywissen),
Wirtschaftsministerin Mona Neubar (Grüne) und Markus Krämer (HGK Logistics and
Intermodal) unter der Moderation von Prof. Dr. Rüdiger Ostrowski
© Kleinort
Binnenschifffahrt 04 | 2026
17
POLITIK | REGULIERUNG
Der »Turbo«, der das Schiff vergisst
Mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz will der Bund den Sanierungsstau auflösen. Doch
während Schiene und Straße Vorfahrt erhalten, kämpft die Wasserstraße um den Status des
»überragenden öffentlichen Interesses«. Ein Gesetz zwischen Hoffnung und Häme
© BAW
Die Binnenschifffahrt droht zum »Verkehrsträger zweiter Klasse« zu werden
Es sollte der Befreiungsschlag für die
deutsche Verkehrsinfrastruktur werden.
Nach Jahren des Verfalls, der langwierigen
Planfeststellungsverfahren und
der Klagefluten legte die Bundesregierung
das Infrastruktur-Zukunftsgesetz
(InfZuG) vor. Das Ziel: Planungszeiten
halbieren, Ersatzneubauten entbürokratisieren
und Projekte von nationaler Bedeutung
mit einem gesetzlichen »Turbo«
versehen. Doch pünktlich zur Anhörung
im Verkehrsausschuss des Bundestages
Mitte März wurde klar: Die Wasserstraße
droht bei diesem Tempo auf der Strecke
zu bleiben.
Für die Binnenschifffahrt ist die Lage
paradox. Während das Klimaschutzprogramm
der Bundesregierung dem Verkehrsträger
Schiff eine Schlüsselrolle bei
der Dekarbonisierung der Logistikketten
zuweist, findet sich diese Priorisierung
im Entwurf des InfZuG nur lückenhaft
wieder. Die Branche reagiert mit einer
Mischung aus Unverständnis und scharfer
Kritik. Besonders der Umstand, dass
zwar Schienenprojekte pauschal in das
»überragende öffentliche Interesse« gehoben
werden, Wasserstraßenprojekte
hingegen einer restriktiven Einzelfallprüfung
unterliegen, sorgt für Zündstoff.
ISW fordert
Gleichbehandlung
Die Initiative System Wasserstraße (ISW),
ein breites Bündnis aus Verbänden wie
dem BDB, dem BÖB und dem Deutschen
Verkehrsforum, hat frühzeitig das Wort
ergriffen. Die Botschaft an die Politik ist
eindeutig: Ohne eine rechtliche Gleichstellung
mit der Schiene wird die Wasserstraße
ihre Potenziale nie voll ausschöpfen
können. »Wie bei der Schiene
müssen auch beim umweltfreundlichen
Verkehrsträger Binnenschiff nicht nur
die Projekte des ›vordringlichen Bedarfs
– Engpassbeseitigung‹ aus dem Bundesverkehrswegeplan
ins überragende
öffentliche Interesse gestellt werden,
sondern alle Maßnahmen des vordringlichen
Bedarfs«, mahnt ISW-Sprecher
Marcel Lohbeck.
Die rechtliche Konstruktion des ȟberragenden
öffentlichen Interesses« ist
dabei weit mehr als eine Nuance. Sie
ist der entscheidende Hebel in gerichtlichen
Auseinandersetzungen. Wenn
ein Projekt diesen Status besitzt, haben
Belange des Artenschutzes oder lokale
Partikularinteressen bei der Abwägung
durch die Gerichte einen schwereren
Stand gegenüber der gesamtstaatlichen
Bedeutung der Infrastruktur. Dass der
Bund hier Unterschiede zwischen Schiene
und Wasserstraße macht, empfindet
die Branche als strategischen Fehler.
Ein weiterer wunder Punkt ist die Regelung
zu Ersatzneubauten. In der Praxis
der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung
(WSV) ist ein 1:1-Ersatz oft
technisch nicht sinnvoll oder gar unmöglich.
Moderne Schiffe benötigen größere
Schleusenkammern, höhere Durchfahrtshöhen
an Brücken oder ange-
18 Binnenschifffahrt 04 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
Notwendige Sanierungen - wie hier in Scharnebeck - ziehen sich immer noch zu lange hin
passte Sohlstabilitäten. Jens Schwanen,
Geschäftsführer des Bundesverbandes
der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB),
kritisiert daher das Fehlen einer belastbaren
rechtlichen Regelung im Gesetzentwurf:
Ersatzneubauten müssten von
der Pflicht zur Planfeststellung befreit
werden – auch dann, wenn sie aufgrund
heutiger Verkehrserfordernisse geringfügig
größer ausfallen als das Originalbauwerk
aus der Kaiserzeit.
Aktuell führt jede kleinste Abweichung
vom Bestand dazu, dass ein komplettes,
oft jahrelanges Planfeststellungsverfahren
durchlaufen werden muss. Für
ein System, in dem über 80 Prozent der
Schleusen älter als 50 Jahre sind, ist dies
ein Rezept für den schleichenden Kollaps.
Die Forderung der ISW nach einem
»juristischen Redaktionsschluss«, wie ihn
auch Heike van Hoorn vom Deutschen
Verkehrsforum anmahnt, zielt genau
darauf ab: Klagemöglichkeiten müssen
zeitlich begrenzt und Verfahren gestrafft
werden, um der Bauwirtschaft Planungssicherheit
zu geben.
Wie sich die Versäumnisse der Bundespolitik
konkret vor Ort auswirken,
zeigt ein Blick nach Norddeutschland.
Die Industrie- und Handelskammern
Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) und zu Lübeck
haben jüngst eine Bilanz gezogen,
die aufrüttelt. Die Gütermengen auf den
norddeutschen Wasserstraßen sind auf
einen historischen Tiefstand gefallen.
Doch Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer
der IHKLW, und Lars Schöning
(IHK zu Lübeck) lassen das Argument
des Strukturwandels allein nicht gelten.
»Das liegt nicht nur an sich verändernden
Transportgütern, sondern auch an
der kontinuierlichen Vernachlässigung
durch die Politik«, so ihr gemeinsames
Statement.
Die Kritik der Kammern wiegt schwer:
Von einer unsicheren Finanzierung bis
hin zur ausbleibenden Beschleunigung
werde die Wasserstraße systematisch
vernachlässigt. Ein prominentes Opfer
dieser Politik ist der Elbe-Lübeck-Kanal
(ELK). Dass der Ausbau des Kanals aus
der sogenannten »Büsumer Liste« der
wichtigsten Nord-Projekte gestrichen
wurde, bezeichnen die IHK-Chefs als
schweren Fehler. Die veraltete Infrastruktur
des ELK ist Hauptursache für die
rückläufigen Mengen; eine zukunftsfähige
Hinterlandanbindung des Lübecker
Hafens rückt damit in weite Ferne.
Wenn Planungen dass
Bauwerk überdauern
Noch deutlicher wird das Planungsdebakel
am Beispiel der neuen Schleuse
Lüneburg. Ursprünglich sollte das Bauwerk
im Jahr 2026 fertiggestellt sein. Die
Realität sieht düster aus: Das Planfeststellungsverfahren
bwurde gerade erst
eingeleitet. Während die Schifffahrt auf
der Elbe bei Geesthacht Mengenverluste
im zweistelligen Prozentbereich verkraften
muss, verharrt die Infrastruktur im
bürokratischen Wartestand.
»Es braucht an allen Ecken mehr Tempo
und schlussendlich eine gesicherte
Finanzierung durch den Bund«, fordert
Michael Zeinert. Die IHKs sehen in der
Vernachlässigung der Wasserstraße
auch eine sicherheitspolitische Kurzsichtigkeit.
In Zeiten, in denen die Resilienz
oberste Priorität haben sollte, die freien
Kapazitäten der Flüsse und Kanäle ungenutzt
zu lassen, sei unverantwortlich.
Neben den Genehmigungsverfahren
bleibt die Finanzierung die Achillesferse
der Wasserstraße. Branchenverbände
weisen seit Jahren darauf hin, dass das
Investitionsvolumen des Bundes weit
hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückbleibt.
Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz
mag zwar Verfahren beschleunigen
können, doch ohne die Unterlegung
mit Haushaltsmitteln bleiben die neuen
Paragrafen stumpfe Schwerter.
Die ISW und die IHKs fordern daher
eine Verstetigung der Mittel. Infrastruktur
ist eine Generationenaufgabe
und verträgt keine Stop-and-Go-Finanzierung
nach Kassenlage. Wenn der
Bund den »vordringlichen Bedarf« ernst
meint, muss sich dies in den Titeln des
Verkehrshaushalts widerspiegeln – und
zwar priorisiert für die Beseitigung der
schlimmsten Engpässe.
Gleichstellung: Wasserstraßenprojekte
müssen denselben Status des
»überragenden öffentlichen Interesses«
erhalten wie Schienenprojekte.
Entbürokratisierung: Ersatzneubauten
brauchen eine gesetzliche Befreiung
von der Planfeststellungspflicht, sofern
sie funktional dem Bestand entsprechen.
Rechtssicherheit: Einführung eines
»juristischen Redaktionsschlusses« zur
Begrenzung von Verfahrensdauern.
Sollte das InfZuG in seiner jetzigen
Form verabschiedet werden, droht die
Binnenschifffahrt zum »Verkehrsträger
zweiter Klasse« zu werden – trotz aller
gegenteiligen Lippenbekenntnisse der
Politik. Der 20. April 2026 könnte somit
als der Tag in die Geschichte eingehen,
an dem sich entschied, ob die Schifffahrt
im Sog von Straße und Schiene untergeht.
PK
© BAW
Binnenschifffahrt 04 | 2026
19
SCHIFFFAHRT
Flusskreuzfahrt: Die Flotte wächst
weltweit schneller
Nach der pandemiebedingten Flaute füllen sich die Orderbücher der Werften rasant: Große
Neubau-Serien und der Markteintritt neuer weltweit tätiger Akteure sorgen für ein kräftiges
Flottenwachstum in Europa und Übersee. Ein exklusiver Marktüberblick zur Lage der
Flusskreuzfahrt. Von Arnulf Hader
© Wygand
Auch auf der Mosel sind moderne Kabinenschiffe unterwegs. Der Markt in Europa wächst
Währen mit Beginn der Pandemie im Jahr 2021 noch Schiffe
fertiggestellt wurden, deren Order aus den Vorjahren stammte,
wurde es auf den Werften in der Folge ruhiger. 2024 stieg die
Anzahl der Neubauten wieder auf sieben und 2025 auf 17 Einheiten.
Damit war die Pandemie schon fast vergessen.
Seither fallen die ausländischen und überseeischen Veranstalter
mit Aufträgen für ganze Serien auf. Den Beginn hatte Viking
River Cruises als Stammkunde bei der Neptun Werft mit sechs
Ablieferungen 2025 gemacht, denen weitere sechs im laufenden
Jahr folgen und nochmals je vier in den Jahren 2027 und
2028. Meist handelt es sich um die bewährten »Longships«; darunter
sind aber auch die für die Seine verkürzten Versionen und
Schiffe für den Douro. Die Steigerung des Ertrages um 21,9 %
geht weit über das Wachstum der Flotte hinaus.
Ganz neu im Markt der Flusskreuzfahrt ist Celebrity River Cruises
aus der Royal Viking Group, die auf See die größten Fahrgastschiffe
aller Zeiten betreibt. Celebrity war im Vorjahr mit einer
Bestellung über zehn Flussschiffe bei der niederländischen
Werft TeamCo eingestiegen, hat aber schon den Auftrag auf 20
Schiffe erweitert, bevor das erste 2027 in Fahrt kommen wird.
Die ebenfalls in Kalifornien ansässigen AMA Waterways haben
drei Neubauten fest bestellt und wollen bis 2030 den Flottenausbau
jährlich um zwei bis drei weitere Orders fortsetzen. 2027 soll
die knapp 22 m breite »Amarudi« mit 196 Betten unter den Ablieferungen
sein, ein Schwesterschiff der 2019 gebauten »Amamagna«.
Sie ist bisher das breiteste Donau-Kreuzfahrtschiff.
Uniworld River Cruises will die Flotte bis 2028 um fünf Neubauten
erweitern, Emerald Waterways um drei Schiffe und die
Schweizer Scylla will drei Neubauten für Tauck Travel bereitstellen.
Scylla beschafft auch laufend neue Schiffe für den britischen
Veranstalter Riviera Travel. Mit den Marken APT und Scenic Tours
sind auch Australier in Europa aktiv.
Bei den 17 im Vorjahr erfolgten Ablieferungen hielten sich
überseeische und europäische Veranstalter noch knapp die
20 Binnenschifffahrt 04 | 2026
SCHIFFFAHRT
Waage: Sechs Schiffe sind für Viking River Cruises, die »Amasintra«
für AMA Waterways, die »Lumiere« für Tauck Travel sowie die
»APT Solara« und »APT Ostara« für APT Travel. Unter den europäischen
Veranstaltern brachten Lüftner Cruises die »Amadeus
Amara«, Phoenix Reisen die »Aurelia«, Saga Travel die »Spirit of
the Moselle«, Swiss Excellence Shipping die »Excellence Crown«,
Riviera Travel die »Riviera Radiance« und »Riviera Rose« und Van
Loon Cruises »The Nobleman« in Fahrt.
Ähnliche Entscheidungen des Verfassers in den Vorjahren mussten
bisher noch nicht korrigiert werden. Die Gesamtzahl der
Schiffe in Europa mit mindestens 40 Betten war im Vorjahr auf
421 Einheiten gestiegen und kann in dieser Saison 429 erreichen.
Verkäufe zur Verschrottung sind bislang nicht gemeldet
und angesichts der günstigen Marktprognose auch nicht zu erwarten.
Chinesische Reedrei steigt in Europa ein
Nur wenig kürzer wird die Liste der Ablieferungen 2026 sein,
allerdings überwiegen die überseeischen Firmen dann das Geschehen
deutlich. Nur Lüftner und Riviera Travel können dann
zu den europäischen Bestellern gezählt werden. Besonders
bemerkenswert ist der Einstieg von Century Cruises, einer chinesischen
Firma, die bisher von Flussfahrten auf dem Jangtse
bekannt ist. Bisher ist nur ein Schiff in den Niederlanden in Bau,
aber weitere Aufträge sind zu erwarten. Transcend ist ein weiterer
Newcomer aus den USA.
Die voraussichtlich etwas geringere Neubauproduktion 2026
soll nicht auf eine nachlassende Bautätigkeit hinweisen. Das
zeigt der Blick auf 2027. Dann beginnen die Auslieferungen für
Celebrity River Cruises und auch viele andere bekannte Firmen
sind wieder dabei. Es überwiegen Veranstalter aus den USA,
gefolgt von Australien und UK. Nur die »Thurgau Avanti« zeigt
Flagge für die Schweiz und die »Amadeus Mira« fährt für Österreich.
Viva Cruises baut ein Schiff der Muttergesellschaft Scylla
zur »Viva Unique« um, die in der Lagune von Venedig und auf
dem Po fahren soll.
Für die Folgejahre sind noch lange nicht alle Aufträge bekannt,
aber 2028 sind schon Serien für Celebrity und Viking bestellt und
Uniworld und Riviera Travel bauen weiter. 2029 bis 2031 geht
es mit dem Großauftrag für Celebrity River Cruises weiter. Nach
2748 neuen Betten im Vorjahr werden es also 2026 knapp 2500
sein und 2027 voraussichtlich 3221.
Die 15 Schiffe, die schon zuvor von den Reedereien nicht mehr
zur aktiven Flotte gezählt worden waren, bleiben auch im laufenden
Jahr als Hotelschiffe in den Niederlanden im Einsatz. Einige
mehr sind noch unter dem Management der Kreuzfahrt-Reedereien,
vor allem bei der Basler Gruppe United Waterways. Auch
dort wurden die meisten Verträge verlängert. Ein Rückkehrer in
den aktiven Dienst ist die »Bellejour«, die für Nicko Cruises mit
ihren Schwesterschiffen auf der Donau fährt. Dank der steigenden
Nachfrage nach Reisen und dem andauernden Bedarf an
Wohnschiffen ist bisher kein Schiff bekannt geworden, das endgültig
stillgelegt oder zum Verschrotten verkauft wurde.
Trotzdem erweckt es einen falschen Eindruck über das Wachstum
der Flotte, wenn alle Schiffe in der Statistik bleiben, die eine
Zulassung haben, aber dennoch nicht fahren. So werden auch
diesmal wieder Schiffe der Flotte entnommen, deren Rückkehr
in die Kreuzfahrt immer weniger wahrscheinlich wird. Sie sind
von ihren ursprünglichen Eignern verkauft oder langfristig verchartert
an Unternehmen oder Organisationen, die Wohnschiffe
betreiben. Damit stehen im laufenden Jahr den 15 Neubauten
mit 2500 Betten neun Abgänge mit 1120 Betten gegenüber.
Hohes Interesse bei Fahrgästen
Die Nachfrage bei Reisenden wird vom Reiseverband DRV für
den deutschen Markt betrachtet. Da das beschriebene Flottenwachstum
für die deutschen Anbieter weniger ausgeprägt
ist, nahm die Zahl der Reisenden von 2023 bis 2025 von rund
700.000 erst auf 840.000 und dann noch auf 860.000 zu. Im
Vergleich dazu stieg die Zahl der Seereisen von 2,96 Mio. auf
3,00 Mio. und 3,34 Mio. In den Fahrtgebieten gab es wieder Verschiebungen
mit einem Minus auf 44 % im Rheingebiet und auf
9,4 % auf dem Nil sowie einem Plus auf 22,4 % auf der Donau
und 13,8 % auf den französischen Flüssen (10,3 % sonstige).
Die Gesamtnachfrage der Kreuzfahrtgäste aus allen Ländern
wurde erneut vom Institut Centouris der Universität Passau für
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Binnenschifffahrt 04 | 2026
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Neubauten 2026
Ausbau der Wasserstraßen
Schiffsname Operator / Charter Werft Betten Region
Emerald Astra Emerald Cruises Severnav / Breejen 180 R-M-D
Amadeus Aurea Lüftner Cruises TeamCo 158 R-M-D
A m a s o fi a Rijfers /AMA Waterways Vahali 174 R-M-D
Riviera Resplendence Scylla AG / Riviera Travel Vahali / Da Capo 178 R-M-D
Serene Scylla AG / TauckTravel Vahali / Da Capo 114
Travelmarvel Rigel United / APT Group Sev./TeamCo 182 R-M-D
Century Star United / Century Cruises Concordia Damen 174 R-M-D
Transcend Connect United / Transcend Orsova / Breejen 120 R-M-D
Transcend Evolve United / Transcend Orsova / Breejen 120 R-M-D
S.S. Emilie Uniworld River Cruises Orsova 154 Donau
Viking Fjölvar Viking River Cruises Neptun Werft 168 Seine
Viking Haki Viking River Cruises Neptun Werft 190 R-M-D
Viking Rota Viking River Cruises Neptun Werft 190 R-M-D
Viking Sjofn Viking River Cruises Neptun Werft 190 R-M-D
Viking ......... Viking River Cruises Neptun Werft 190 R-M-D
15 Schiffe 2492
Quelle: Hader, April 2026
Neubauten 2027
Schiffsname Operator / Charter Werft Betten Region
Thurgau Avanti Avantgarde / Thurgau Tr. TeamCo 180 R-M-D
Celebrity Compass Celebrity River Cruises TeamCo 172 R-M-D
Celebrity Seeker Celebrity River Cruises TeamCo 172 Seine
Amadeus Mira Lüftner Cruises TeamCo 158 Douro
Amarudi Rijfers /AMA Waterways Vahali 196 Douro
A m a fi o r a Rijfers /AMA Waterways Vahali 156 R-M-D
Spirit of Lorelei Rijfers /AMA Waterways Vahali 190 Douro
Emerald Lumi Scenic - Emerald 130 Seine
Emerald Nova Scenic - Emerald 112 Douro
Scenic Aria Scenic Tours 96 Douro
Riviera Reflection Scylla AG / Riviera Travel Vahali 178 R-M-D
Saudade Scylla AG / TauckTravel 84 Douro
Reverie Scylla AG / TauckTravel 124 Seine
Tui Luzia Uniworld River Cruises West Sea 111 Douro
S.S. Sao Rafael Uniworld River Cruises West Sea 94 Douro
S.S. Marlene Uniworld River Cruises De Gerlien v.T. 154 R-M-D
S.S. Audrey Uniworld River Cruises De Gerlien v.T. 154 R-M-D
Viking ……… Viking River Cruises Neptun Werft 190 R-M-D
Viking ……… Viking River Cruises Neptun Werft 190 R-M-D
Viking ……… Viking River Cruises Neptun Werft 190 R-M-D
Viking ……… Viking River Cruises Neptun Werft 190 R-M-D
21 Schiffe 3221
Quelle: Hader, April 2026
den in Basel ansässigen Unternehmens- und Interessenverband
IG River Cruise erfasst. 2023 bis 2025 stieg die Zahl der
Fahrgäste von 1,22 über 1,39 auf 1,49 Mio. Passagiere. Davon
kamen 39,4 % aus den DACH-Märkten (Deutschland, Österreich,
Schweiz), 36,5 % aus den USA und Kanada, 8,2 % aus dem vereinigten
Königreich und Irland, 6,1 % aus Australien und Neuseeland
und 4,7 % aus Frankreich. Auch die Gesamtnachfrage
betrifft vom europäischen Angebot zu 45 % den Rhein und 14 %
die französischen Flüsse, aber zu 34 % die Donau und 5 % den
Douro. Für 2026 ist die Branche weiterhin optimistisch.
Der nicht mehr zu leugnende globale Klimawandel
führt an Flüssen und Kanälen immer häufiger
zu Hochwasser oder Wassermangel. Der Tiefgang
eines Flusskreuzfahrtschiffes mit drei Decks liegt
zwischen 1,50 m und knapp 2,00 m, je nach Füllstand
der Tanks; bei einem Zweidecker sind es einige
Dezimeter weniger. Das kann bei niedrigem
Wasserstand entscheidend für die Absage einzelner
oder mehrerer Reisen sein. Schiffe, die mit viel
Marmor in Bädern und öffentlichen Räumen auf
Luxus getrimmt wurden, bekommen dann wegen
des größeren Tiefgangs schneller Probleme. Ein
solches Donauschiff hat für die neue Saison noch
keinen Käufer oder Charterer gefunden.
Für den aktuellen Donauausbau zwischen
Straubing und Vilshofen auf 70 km Länge hat nun
der zweite Bauabschnitt begonnen, der eine Vertiefung
der Fahrrinne um 20 cm bringen soll. Um
diese Entscheidung ist lange gerungen worden
und es gibt immer wieder Vorschläge für Alternativen.
Das gewaltige Gesamtinvestitionsvolumen
in Höhe von 2,03 Mrd. € gilt in erster Linie dem
Hochwasserschutz. Die Arbeiten an der Fahrrinne
inklusive ökologischer Ausgleichsmaßnahmen erfordern
rund 26,5 Mio. €. Das eigentliche Ziel ist
es, dem weniger umweltbelastenden Gütertransport
mit dem Schiff mehr Tage ohne Tiefgangsbeschränkung
zu ermöglichen. Dass davon die
auch die Kreuzfahrt profitiert, ist ein angenehmer
Nebeneffekt für den Tourismus.
Flottenaktivitäten im Ausland
Die Flotte im Gebiet Russland und Ukraine könnte
theoretisch durch die bescheidenen Neubauaktivitäten
um eine Einheit auf 121 Schiffe wachsen.
Im Ergebnis aber werden es weniger Schiffe als im
Vorjahr sein, da die Flotte von Ukrainian Danube
Shipping jetzt zum Teil zur EU gezählt wird. Die
betreffenden vier Schiffe sind seit Jahren auf der
Donau vorübergehend stillgelegt, zwei davon im
österreichischen Linz.
Die Anfang März in Berlin veranstaltete Internationale
Tourismus Börse ITB ist immer ein Indikator
für die weltweite Reiselust. Nicht alle Hallen
waren 2026 belegt, was unter anderem durch das abermalige
Fehlen Russlands als Reisedestination begründet ist. Die aktuellen
Kriegshandlungen zwischen östlichem Mittelmeer und
Vorderasien ermahnen ingesamt auch zur Vorsicht bei Reiseplanungen
in die jeweiligen Regionen. Trotzdem geht am Nil
der Flottenausbau bei Viking River Cruises oder die Modernisierung
bei kleineren Anbietern voran. Die privaten Firmen setzen
meist auf den Neuaufbau alter Schiffe, was den Überblick über
die Flottenentwicklung erschwert. Der Trend geht zu luxuriösen
22 Binnenschifffahrt 04 | 2026
SCHIFFFAHRT
© Meyer
Auch kleinere Einheiten erfreuen sich einer hohen Nachfrage
Schiffen mir wenig Betten in mehr Suiten je Schiff. Die Behörden
sind bei Auskünften über die Flottenentwicklung keine Hilfe, tragen
eher zur Verschleierung bei.
Aus der Volksrepublik China bemühen sich ebenfalls viele
Städte und Regionen um Touristen; von den Reedereien ist allerdings
nur die ausländische Gründung Victoria Cruises mit einem
eigenen Stand auf der Messe vertreten gewesen. Ein Teil der
Reedereien hat nur Lizenzen für einheimische Gäste, die anderen
wohl auch ohne dies genügend Nachfrage aus dem Inland.
Von den derzeit identifizierbaren 50 Schiffen auf dem chinesischen
Jangtse sind 26 ausschließlich für einheimische Gäste zugelassen.
Darunter befinden sich alte Schiffe in den letzten Betriebsjahren
und auch große Neubauten. Auch auf dem Mekong
ist es vor allem die Firma Focus Travel, die Neubauten für 64
Gäste ankündigt. Indochina Sails hat das Motorschiff »Mekong
Saga« mir nur 48 Betten auf 60 m Länge in Bau gegeben. Die
neue »Amamaya« oder »Victoria Mekong« gehören zu einer ähnlichen
Größenordnung.
Das »River Cruise Fleet Handbook«, dem die Schiffszahlen entnommen
sind, erscheint 2026 in der 19. Auflage und zeigt die
technischen Daten aller Flusskreuzfahrtschiffe der Welt mit 40
oder mehr Betten auf. Mit Statistiken und Schiffsverzeichnissen
ist es die umfassendste Quelle zur Entwicklung dieser Spezialflotte.
■
SCHIFFFAHRT
Winterlager unter Hochdruck
Wenn Flusskreuzfahrtschiffe im Winter ruhen, herrscht in ihren Maschinenräumen Hochbetrieb.
Der Kupplungsspezialist PMP nutzte die Pause für ein logistisches Großprojekt
60 Hauptantriebe an 15 Schiffen mussten instand gesetzt
werden
Das Zeitfenster zwischen den Saisonstarts in der Kreuzfahrt ist eng
bemessen. Für Service-Dienstleister bedeutet das eine logistische
Gratwanderung: Zahlreiche Einheiten müssen technisch instand gesetzt
oder überholt werden, um zum Frühjahr wieder einsatzbereit
zu sein. Der in Erkrath ansässige Kupplungsspezialist PMP hat während
der Winterpause ein solches Mammutprojekt für eine namhafte
Reederei abgeschlossen.
Was mit einem unverbindlichen Bordbesuch und einem ersten
Kennenlernen begann, entwickelte sich in kürzester Zeit zu
einem umfassenden Instandsetzungsauftrag. Im Kern ging es
darum, die Antriebstechnik diverser Flusskreuzfahrtschiffe technisch
auf den neuesten Stand zu bringen und für die kommende
Saison abzusichern. Pro Schiff bedeutete dies die Wartung und
Überprüfung von jeweils vier Hauptantrieben – ein Arbeitspaket,
das sowohl personell als auch logistisch hohe Anforderungen an
das Team stellte.
Der Fokus lag auf einer ganzheitlichen Betreuung. Anstatt
verschiedene Gewerke für Ersatzteilbeschaffung, Montage und
Ausrichtung zu beauftragen, wurde PMP mit dem Gesamtpaket
betraut. Dieser »Alles-aus-einer-Hand«-Ansatz ist zunehmend
gefragt, da er die Schnittstellenverluste minimiert und die
Durchlaufzeiten im Dock oder am Liegeplatz verkürzt.
Das Projekt umfasste nicht nur planmäßige Wartungsarbeiten am
Antriebsstrang, sondern auch die kurzfristige Behebung von Havariefällen.
Eine besondere Herausforderung war die geografische
Verteilung der Flotte: Die Einsätze mussten sowohl an deutschen
Standorten als auch im europäischen Ausland koordiniert werden.
Neben der Mechanik stand die exakte Ausrichtung der verschiednen
Komponenten im Mittelpunkt. Fehlstellungen im Antriebsstrang
führen nicht nur zu erhöhtem Verschleiß, sondern auch zu
Vibrationen, die den Komfort für die Passagiere an Bord beeinträchtigen
können – ein kritischer Faktor in der gehobenen Flusskreuzfahrt.
Durch den Einsatz modernen Ausricht-Equipments und die
rechtzeitige Bereitstellung aller benötigten Ersatzteile konnten PMP
Germany und PMP Service sicherstellen, dass die Antriebe zum Saisonstart
in der Kreuzfahrt wieder wie gewohnt ruhig und effizient
arbeiteten.
RD
© PMP
24 Binnenschifffahrt 04 | 2026
SCHIFFFAHRT
Strategie gegen Overtourism
Angesichts von 22 Mio. Besuchern jährlich steht Amsterdam unter erheblichem Druck, den
Tourismus stadtverträglicher zu gestalten. Die IG River Cruise und River Cruise Europe haben
nun ein Konzept für »Managed Tourism« präsentiert
Die Debatte um die Begrenzung von
Touristenzahlen in Amsterdam hat eine
neue Stufe erreicht. Bei einem »Policy
Breakfast« stellten die Branchenverbände
IG River Cruise und River Cruise
Europe Vertretern aus Politik und Stadtgesellschaft
ihre Vision eines gesteuerten
Tourismus vor. Das Modell setzt auf
eine »Qualität-vor-Quantität«-Strategie,
um die Interessen der Reedereien mit
der Lebensqualität der Stadtbewohner
in Einklang zu bringen.
Ein zentrales Argument der Verbände
ist die Kontrollierbarkeit des Sektors. Im
Gegensatz zu Tagestouristen, die per
Bahn oder Pkw anreisen, lassen sich die
Kreuzfahrtgäste präzise steuern. Durch
die Bettenkapazität pro Schiff und definierte
Anlaufzeiten können Passagierbewegungen
in der Stadt gezielt gelenkt
werden. Laut IG River Cruise bietet dies
die Chance, den Tourismus als Kraft
zu nutzen, die lokale Gemeinschaften
stärkt, statt sie zu überlasten.
Die Branche warnt davor, alle Formen
des Tourismus pauschal einzuschränken.
Stattdessen fordern die Experten, regulatorische
Maßnahmen auf Basis belastbarer
Daten zu treffen. Aktuelle Studien
zeigen, dass die Flusskreuzfahrt im
Vergleich zum Massentourismus einen
überproportional hohen wirtschaftlichen
Beitrag leistet, während der ökologische
und soziale Fußabdruck durch moderne
Flottenmanagementsysteme minimiert
werden kann. Die Strategie sieht vor,
Die Podiumsdiskussion in Amsterdam
Amsterdam als Premiumdestination für
Kreuzfahrten von See und vom Binnenschiff
aus zu erhalten, dabei aber die
breite Akzeptanz in der Bevölkerung für
den Tourismus in der Region und der
Stadt zu sichern.
PK
© IG River Cruise
Seit über 110 Jahren im Dienst der Binnenschifffahrt:
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Binnenschifffahrt 04 | 2026
25
SCHIFFFAHRT
Schaufelrad-Technik auf der Seine
Flache Flüsse erfordern kreative Technik: Mit der MS »R.E. Waydelich« bringt CroisiEurope das
bewährte Schaufelrad-Konzept nun auch auf die Seine. Die innovative Antriebsart ermöglicht
Kreuzfahrten selbst bei niedrigen Wasserständen im Herzen von Paris
Innovativer Flottenzuwachs für
das Fahrtgebiet Seine in Frankreich:
Der französische Kreuzfahrtveranstalter
Croisi Europe
verlegt das Passagierschiff
»R.E. Waydelich« dauerhaft auf
den französischen Strom. Das
Schiff, das bisher in deutschen
Revieren insbesondere auf der
Elbe im Einsatz war, markiert
eine technische Zäsur für die
Seine-Schifffahrt, da dort bislang
keine Einheiten mit Schaufelradantrieb
operierten.
Im Fokus des Interesses steht das innovative Antriebskonzept:
Die »R.E. Waydelich« nutzt eine Kombination aus Heck-Schaufelrädern
und Jetantrieb. Diese Bauweise ist eine Reaktion auf die
immer häufiger auftretenden schwankenden Wasserstände und
die teils geringen Fahrrinnentiefen, die klassische Kreuzfahrtschiffe
oft vor operative Herausforderungen stellen. Durch die
Gewichtsverteilung und das Antriebsprinzip erreicht das Schiff
einen deutlich geringeren Tiefgang als vergleichbare Einheiten
mit konventionellem Propellerantrieb. Zudem verbessert der
integrierte Jetantrieb die Manövrierfähigkeit in engen Passagen
und bei Hafenmanövern signifikant.
Unternehmerisch verfolgt die Reederei Croisi Europe mit dieser
Verlegung das Ziel, die nautische Reichweite zu erhöhen. Die
technischen Spezifikationen ermöglichen es, auch Liegeplätze
und Flussabschnitte jenseits der Standardrouten anzulaufen.
Dies betrifft insbesondere die obere Seine, die aufgrund ihrer-
Die Schaufelradtechnik bewährt sich vor allem bei Niedrigwasserlagen
Charakteristik für viele Kabinenschiffe mit Standard-Tiefgang
kaum oder gar nicht befahrbar ist.
Mit einer Flotte von 55 Einheiten ist Croisi Europe die größte
Flussreederei Europas. Das 1976 gegründete Familienunternehmen
mit Sitz in Straßburg befördert jährlich rund 220.000 Gäste.
In Deutschland arbeitet die Reederei seit drei Jahrzehnten exklusiv
mit Anton Götten Reisen zusammen. Die Verlegung der
»R.E. Waydelich« unterstreicht die Strategie, durch spezialisierte
Schiffstypen Nischenmärkte im Bereich der Fluss- und Kanalschifffahrt
zu besetzen.
Die strategische Entscheidung, bewährte Technik aus dem Elbe-Revier
auf die französische Seine zu übertragen, zeigt, wie
flexibel die Reederei auf die Herausforderungen des Klimawandels
und schwankende Pegelstände reagiert. Für die Branche
bleibt abzuwarten, ob dieses Modell auch für andere europäische
Flachwasserflüsse Schule macht.
PK
© CroisiEurope
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EUROPE
SCHIFFFAHRT
Kontinuität im Wandel:
200 Jahre Köln-Düsseldorfer
Vom ersten Dampfschiff bis zur hochmodernen Event-Flotte: Die Köln-Düsseldorfer Deutsche
Rheinschiffahrt feiert 2026 ihr 200-jähriges Bestehen. Ein Blick auf die Historie eines
Branchenpioniers und dessen Strategie für die maritime Zukunft
Es gibt nur wenige Unternehmen in der deutschen Binnenschifffahrt,
deren Name so eng mit der Identität eines Flussabschnitts
verknüpft ist wie der der Köln-Düsseldorfer. Wenn die »KD« in
diesem Jahr ihr Jubiläum des 200-jährigen Bestehens begeht,
blickt sie nicht nur auf eine beeindruckende Firmengeschichte
zurück, sondern dokumentiert gleichzeitig den massiven Strukturwandel
der Fahrgastschifffahrt auf dem Rhein. Was 1826 mit
der Gründung der »Preußisch-Rheinischen Dampfschifffahrts-
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Binnenschifffahrt 04 | 2026
ie Moderne: Mit der MS „RheinGalaxie“ setzt die KD auf zukunftsorientierte
Event-Architektur und modernste Technik auf dem Rhein
27
© KD Deutsche Rheinschifffahrt
TOP
NAVIGATION
INTERFACE
SUPPLIER
IN EUROPE
2026
VEINLAND
Awarded By
SCHIFFFAHRT
Unverwechselbar: Der Schaufelrad-Klassiker »Goethe« im Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal bleibt das Wahrzeichen der Reederei
© KD
gesellschaft« begann, hat sich zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen
entwickelt, das heute weit mehr ist als eine
klassische Ausflugsreederei.
Die Anfänge der KD waren geprägt vom Pioniergeist der Industrialisierung.
In einer Zeit, in der das Pferd am Leinpfad noch
das Bild bestimmte, setzte die Reederei auf Dampfkraft. Ursprünglich
als Transportmittel für Güter und Post konzipiert, erkannte
das Management schnell das Potenzial der touristischen
Nutzung des Mittelrheins. Die Fusion der Kölner und Düsseldorfer
Gesellschaften im Jahr 1853 legte den Grundstein für die
dominierende Marktstellung, die über Jahrzehnte den Standard
in der europäischen Personenschifffahrt definierte.
Doch die Historie der KD ist auch eine Geschichte der Anpassungsfähigkeit.
Während in der Nachkriegszeit die klassische
Linienfahrt zwischen Köln und Mainz das Kerngeschäft bildete,
erzwangen veränderte Freizeitgewohnheiten und die Konkurrenz
durch Billigflieger und Kreuzfahrtschiffe zur Jahrtausendwende
ein strategisches Umdenken. Die Verantwortlichen im
Unternehmen haben hierfür eine klare Antwort gefunden: Die
Transformation der Flotte weg vom reinen Transportmittel hin
zur schwimmenden Eventlocation.
Investitionen in moderne Tonnage
Der unternehmerische Mut zur Erneuerung zeigt sich besonders
in der jüngeren Flottenpolitik. Die Indienststellung der »MS
RheinGalaxie« markiert dabei eine Zäsur. Mit einer Kapazität von
bis zu 1.000 Gästen ist sie kein Schiff im klassischen Sinne mehr,
sondern eine schwimmende, hochflexible Event-Plattform. Für
die maritime Fachwelt ist dabei besonders die Raumaufteilung
interessant: Das weitläufige Freideck mit seiner markanten Glasreling
und die multifunktionale Bühnentechnik im Inneren zeigen,
dass hier Architektur und Schiffbau Hand in Hand gingen.
Ein Aspekt, der in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterschätzt
wird, für den wirtschaftlichen Erfolg der KD jedoch essenziell
ist, ist die hochkomplexe Bordlogistik. Bei Großveranstaltungen
müssen binnen kürzester Zeit hunderte Gäste auf
gehobenem Niveau verköstigt werden. Dies erfordert nicht nur
eine spezialisierte Küchentechnik unter Deck, sondern auch eine
präzise getaktete Bevorratung an den verschiedenen Anlegestellen
entlang des Rheins. Die KD hat hierfür über die Jahrzehnte
eine eigene Catering-Kompetenz aufgebaut, die heute als
eigenständiger Qualitätsfaktor innerhalb der Premicon-Gruppe
fungiert. Von der autarken Energieversorgung der Kühlketten
bis hin zum effizienten Abfallmanagement bei Großevents – die
»weiße Flotte« ist technisch ein logistisches Kraftzentrum.
Das Jubiläumsjahr als strategisches Signal
Während die »RheinGalaxie« die Zukunft verkörpert, stellt die
»RMS Goethe« die technische Abteilung der Reederei vor ganz
andere Herausforderungen. Ein Seitenraddampfer, auch wenn
er heute diesel-hydraulisch betrieben wird, benötigt eine völlig
andere Instandhaltungsstrategie als moderne Einheiten. Die Ersatzteilbeschaffung
für die monumentale Schaufelrad-Mechanik
und die Pflege der historischen Substanz sind personalintensiv
und erfordern spezielles Know-how, das in modernen Werftbetrieben
immer seltener wird. Für die KD ist der Erhalt der »Goethe«
jedoch mehr als Nostalgie; sie ist das maritime Rückgrat
des touristischen Angebots im Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal
und sichert der Reederei die Alleinstellung in diesem
hart umkämpften Marktsegment.
Ein Thema, das die nächsten 200 Jahre prägen wird, ist die
ökologische Transformation. Die KD steht hier, wie die gesamte
Fahrgastschifffahrt, unter Beobachtung. Das Jubiläumsjahr dient
daher auch als Plattform, um über künftige Antriebskonzepte
28 Binnenschifffahrt 04 | 2026
SCHIFFFAHRT
Historisches Erbe: Postkartenidylle aus vergangenen Tagen – die KD
prägt seit 1826 das touristische Bild des Rheins
nachzudenken. Erste Schritte in Richtung Landstromnutzung
an den eigenen Steigern in Köln und Düsseldorf sind bereits
getan. Ziel ist es, die Liegezeiten – die bei Eventschiffen einen
erheblichen Teil der Betriebszeit ausmachen – emissionsfrei zu
gestalten. Auch die Erprobung synthetischer Kraftstoffe und hybrider
Antriebslösungen steht auf der langfristigen Agenda des
Managements, um die Flotte fit für die strenger werdenden Umweltauflagen
in den rheinischen Metropolen zu machen.
Für das laufende Jahr haben sich die Verantwortlichen ein
Programm auferlegt, das die gesamte Bandbreite des Portfolios
abbildet. Von den »Dinnermomenten« bis hin zu den großen
»Rhein in Flammen«-Konvois wird die operative Exzellenz der
Flotte demonstriert. Für die Branche ist dies ein wichtiges Signal:
Die KD zeigt, dass Fahrgastschifffahrt auch nach zwei Jahrhunderten
ein hochgradig relevanter Wirtschaftsfaktor für die Anrainerkommunen
ist. Die enge Verflechtung mit dem Tourismusmarketing
der Städte Köln und Düsseldorf macht die Reederei
zu einem unverzichtbaren Partner der regionalen Infrastruktur.
Trotz der umfangreichen Feierlichkeiten zum außergewöhnlichen
Jubiläum steht die Reederei KD vor den gleichen Herausforderungen
wie der Rest der Branche. Die Dekarbonisierung
der Schifffahrt, der Fachkräftemangel und die schwankenden
Pegelstände des Rheins sind Themen, die auch in der Firmenzentrale
am Kölner Frankenwerft die Agenda bestimmen. Das
Jubiläum markiert daher keinen Ruhepunkt, sondern den Auftakt
für die nächsten Jahrzehnte. Das Ziel ist klar definiert: Die KD
will auch im dritten Jahrhundert ihres Bestehens der führende
Anbieter für Mobilität und Erlebnisse auf dem Rhein bleiben. Mit
der Kombination aus einer modernen Event-Flotte und dem Bewusstsein
für das maritime Erbe scheint die Reederei für diesen
Kurs gut gerüstet zu sein.
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© Archiv KD
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SCHIFFFAHRT
Pioniere an Bord: Der erste Jahrgang der
neuen Kapitänsausbildung
Premiere in Schönebeck: Erstmals haben
elf Absolventen ihre Ausbildung zu
Binnenschifffahrtskapitänen an den BbS »Otto
Allendorff« abgeschlossen. Ein Meilenstein,
der zeigt, wie moderne Simulation und neue
Lehrpläne das Berufsbild zukunftsfest machen.
Von Peter Kleinort
Es ist ein besonderer Moment für die Binnenschifffahrt in
Deutschland: Am 23. Januar erhielten zehn Männer und eine
Frau ihre Abschlusszeugnisse als frischgebackene Binnenschifffahrtskapitäne.
Sie sind die »Nullserie« eines Bildungsgangs,
der erst durch die Neuordnung des Berufsbildes möglich wurde.
»Wir sind stolz darauf, eine von nur zwei Schulen in ganz
Deutschland zu sein, die diese Erstausbildung in dieser Form
anbieten«, betont Bildungsgangteamleiter Volker Jödicke im Gespräch
mit der Binnenschifffahrt.
Herausfordernde Reise durch die Theorie
Hinter den Absolventen liegen dreieinhalb Jahre, die alles andere
als gewöhnlich waren. Schulleiterin Astrid Mann verglich
die Ausbildungszeit passenderweise mit einer Schiffsreise: »Es
gab ruhiges Fahrwasser, aber auch Gegenwind, Untiefen und so
manchen Sturm.« Damit spielte sie nicht nur auf die fachlichen
Hürden an, sondern auch auf externe Widrigkeiten wie Distanzunterricht
und eine Heizungshavarie an der Schule, die den
Schülern viel Disziplin abverlangten.
Für Volker Jödicke ist dieser Jahrgang etwas ganz Besonderes.
Im Gespräch erinnert er sich mit einem Schmunzeln an die
Truppe: »Unterschiedliche Charaktere – von ruhig bis vorlaut,
von strukturiert bis verträumt – sind hier zu einer echten Gemeinschaft
zusammengewachsen. Dass einer der Absolventen
sogar mit der Traumnote 1,0 abschloss, unterstreicht die Professionalität,
mit der diese jungen Leute zu Werke gegangen sind.«
Simulation als Schlüssel zum Erfolg
Ein entscheidender Faktor für die hohe Erfolgsquote des Lehrgangs
– elf der zwölf Prüflinge bestanden die Prüfung auf Anhieb
– war der Einsatz modernster Technik während der Ausbildung.
Kurz vor den praktischen Prüfungen kam ein mobiler Flachwassersimulator
zum Einsatz. »Dort konnten die angehenden Binnenschifffahrtskapitäne
realitätsnahe Manöver trainieren und
Entscheidungssituationen durchspielen, ohne ein echtes Schiff
zu gefährden«, erklärt Volker Jödicke. Unterstützung bei der
Am Simulator trainierten die Absolventen komplexe Manöver. Dank
der Unterstützung von Land und Kreis soll in Schönebeck bald eine
eigene stationäre Anlage entstehen
Durchführung erhielt die Schule dabei vom Wasserstraßen- und
Schifffahrtsamt Dresden.
Bisher musste die Schule auf mobile Lösungen oder die Kooperation
mit Partnern wie der River Academy zurückgreifen,
doch das soll sich bald ändern. Die Weichen für eine stationäre
Lösung am Standort Schönebeck sind gestellt. »Wir sind in sehr
guten Gesprächen und erhalten tatkräftige Unterstützung vom
Land Sachsen-Anhalt und dem Salzlandkreis für die Anschaffung
eines eigenen Simulators«, berichtet Jödicke erfreut. Dies sei ein
klares Bekenntnis zum Bildungsstandort und zur Bedeutung der
Elbe als Verkehrsweg. Ein eigener Simulator vor Ort würde es
ermöglichen, die praktischen Ausbildungsinhalte noch tiefer in
den schulischen Alltag zu integrieren und die Schüler noch gezielter
auf die komplexen Anforderungen der Patentprüfungen
vorzubereiten.
Die Ausbildung zum Binnenschifffahrtskapitän ist ein hochspezialisierter
Weg innerhalb der dualen Berufsausbildung.
Während die Basisqualifikation zum Binnenschiffer drei Jahre
umfasst, ist der Bildungsgang zum Kapitän auf dreieinhalb Jahre
angelegt Anschließend kann der Erwerb des Unionspatents bei
der GDWS beantragt werden.
© BbS Otto Allendorff
30 Binnenschifffahrt 04 | 2026
SCHIFFFAHRT
© BbS Otto Allendorff
Stolz präsentieren die elf Absolventen der »Kapitänsklasse« ihre Zeugnisse. Sie sind die Pioniere der neuen Erstausbildung
Der Lehrplan ist dabei modular aufgebaut und eng mit der
Praxis in den Ausbildungsbetrieben verzahnt. In Schönebeck
liegt gehören dazu unter anderem auch die Lernfelder Navigation,
Schiffsführung und Technik. »Ein Kapitän steuert nicht nur,
er trägt Verantwortung für Schiff, Besatzung und Sicherheit«, so
Schulleiterin Mann. Die Schüler lernen in den 3,5 Jahren nicht
nur das Manövrieren, sondern auch rechtliche Grundlagen, Ladungstechnik
und Personalführung. Die schulische Ausbildung
erfolgt im Blockmodell, was den Azubis aus acht ostdeutschen
Bundesländern ermöglicht, während der Theoriephasen im zugehörigen
Wohnheim unterzukommen.
Die Simulation ist laut Jödicke essenziell, da die Anforderungen
an das Personal auf der Brücke gestiegen sind. Nach der
Neuordnung des Berufsbildes gibt es nun eine klare Differenzierung:
Während der klassische Binnenschiffer eher operativ
auf Deck tätig ist, trägt der Kapitän die volle strategische Verantwortung.
Blick in die Zukunft
Mit dem Abschluss der Ausbildung endet für die elf Pioniere
zwar die Schulzeit, aber der Ernstfall auf den Wasserstraßen
beginnt jetzt erst richtig. Die Branche sucht nach qualifiziertem
Nachwuchs, und die Absolventen aus Schönebeck haben beste
Karten auf dem Arbeitsmarkt. Jödicke betont die Bedeutung
der beiden Standorte Schönebeck und Duisburg: »Es ist wichtig,
dass wir diese hochqualifizierte Ausbildung anbieten können,
um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Binnenschifffahrt
zu sichern.« ■
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Binnenschifffahrt 04 | 2026
31
SCHIFFFAHRT
Deutsche Wasserstraßen-Transporte
auf historischem Tief
Die Binnenschifffahrt in Deutschland hat zuletzt weniger Güter transportiert. Eine Mitschuld
trägt nach Ansicht von Industrievertretern auch die Politik. Von Michael Meyer
Für das vergangene Jahr meldet das
Statistische Bundesamt (Destatis) ein
Transportvolumen auf deutschen Wasserstraßen
von 171,6 Mio. t. Das sind
1,3 % weniger als 2024. Die Dimension
wird an einem weiteren Vergleich deutlich:
Laut der Behörde mit Sitz in Wiesbaden
war das der niedrigste Wert seit
der Wiedervereinigung im Jahr 1990.
Der Rückgang des Transportaufkommens
wird in erster Linie auf den Güterversand
ins Ausland zurückgeführt.
Die dorthin beförderte Menge sank
um 4,8 % auf 41,1 Mio. t. Demgegenüber
stieg die aus dem Ausland nach
Deutschland transportierte Gütermenge
mit 77 Mio. t nur leicht um 0,6%.
Der innerdeutsche Verkehr blieb mit
42,8 Mio. t stabil (+0,2 %), während sich
der Transitverkehr stark auf 10,7 Mio. t
verringerte (-5,4 %).
Trockene Dominanz
Nach Ladungsarten betrachtet prägten
die trockenen Massengüter wie Steine
und Erden, Erze oder Kohle das Bild. Auf
dieses Segment entfallen 92,5 Mio. t.
oder 53,9 %. Damit musste ein Minus
von 1,5 % verzeichnet werden. Volumenmäßig
folgen die flüssigen Massengüter
wie Mineralölerzeugnisse oder Chemikalien
mit 49 Mio. t. Auch hier steht unterm
Strich ein Minus: 1,9 %. Ihr Anteil am
Gesamtaufkommen lag 2025 bei 28,5 %.
Der Containerverkehr erreichte eine Gütermenge
von 16,6 Mio. t – wiederum
mit Rückgang, in diesem Fall um 1 %. Von
allen Binnenschiffstransporten entfallen
9,7 % auf dieses Geschäft. Die »übrigen
Ladungsarten« machten zusammen
13,5 Mio. t aus. Immerhin hier gab es
Wachstum, ein Plus von 2,4 %.
Heruntergebrochen auf die einzelnen
Warengruppen zählten 2025 flüssige
Mineralölerzeugnisse wie Motorentreibstoffe,
Heizöle und andere
Mineralöle mit einer transportierten
Menge von 27,8 Mio. t zu den »Spitzenreitern«
– auch wenn das Geschäft um
2,7 % zurückging. Es folgen Steine und
Erden mit 20 Mio. t (-0,7 %), Eisenerze
mit 17,7 Mio. t (-12,7 %) sowie Kohle mit
16,1 Mio. t (+5,9 %). Insgesamt entfiel
damit knapp die Hälfte (47,5 %) des gesamten
Transportaufkommens auf diese
vier Segmente.
Viel Geschäft mit ARA‐Häfen
Einen besonders großen Stellenwert im
Verkehr mit dem Ausland haben laut der
Behörde die »ARA‐Häfen« Antwerpen,
© Michael Meyer
Die Transporte über deutsche Wasserstraßen – hier ein Bild vom Main-Donau-Kanal in Bamberg – waren zuletzt rückläufig
32 Binnenschifffahrt 04 | 2026
SCHIFFFAHRT
Rotterdam und Amsterdam. Zwischen
dem Hafen in Rotterdam und Deutschland
wurden 2025 auf Binnenschiffen
57,2 Mio. t. Damit war der niederländische
Hub – gleichzeitig Europas größter
Seehafen – der mit Abstand wichtigste
Hafen im grenzüberschreitenden Verkehr
in der Binnenschifffahrt. Auf Rang 2 folgte
Antwerpen mit 17,7 Mio. t vor Amsterdam
mit 9 Mio. t. Im Ergebnis 71,1 % der
insgesamt 118,1 Mio. t im Verkehr mit
dem Ausland transportierten Güter – auf
diese drei Umschlagplätze.
© Statistisches Bundesamt
Sehr viel NDL-Flagge
Auch bei der Flaggenführung zeigt sich
ein deutlicher Schwerpunkt auf die
Nachbarn im Nordwesten: Mehr als die
Hälfte der Güter wurden auf deutschen
Wasserstraßen mit Binnenschiffen unter
niederländischer Flagge transportiert:
55,1 %. Schiffe unter deutscher Flagge
kamen auf einen Anteil von 31,7 %).
Übrigens: Anders als in der Binnenschifffahrt
blicken die deutschen Seehäfen
auf eine positive Bilanz für das Jahr
2025 zurück (siehe Info-Kasten).
Kritik an der Politik
Die Sorge um die rückläufigen Transporte
treiben die Wirtschaft schon länger um.
Die Hauptgeschäftsführer der Industrieund
Handelskammer (IHK) zu Lübeck und
der IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW),
Lars Schöning und Michael Zeinert, hatten
etwa kurz vor Veröffentlichung der
Zahlen die Bundesregierung kritisiert.
»Die Gütermengen auf der Binnenwasserstraße
sind in unserer Region auf
einen historischen Tiefststand gefallen,
doch das liegt nicht nur an sich verändernden
Transportgütern, sondern auch
an der kontinuierlichen Vernachlässigung
durch die Politik«, machen die beiden
Hauptgeschäftsführer in einem gemeinsamen
Statement deutlich. »Von der von
Jahr zu Jahr unsichereren Finanzierung
für Sanierung und Ausbau bis hin zur
ausbleibenden Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung.
Die Wasserstraße
wird systematisch vernachlässigt.«
Die beiden IHKs kritisieren dabei zum
Beispiel, dass das derzeit diskutierte
Infrastruktur-Zukunftsgesetz wichtige
Bauwerke an den Wasserstraßen sowohl
bei der Genehmigungsbeschleunigung
als auch bei der Frage nach dem ȟberragenden
öffentlichen Interesse« bewusst
ausklammert. Auch die vorherige
Bundesregierung hatte in die damalige
Liste der zu beschleunigenden Projekte
bewusst keine Wasserstraßen-Projekte
aufgenommen. Hinzu kommt, dass Branchenverbände
Jahr für Jahr ein höheres
Investitionsvolumen als notwendig erachten,
als im Bundeshaushalt realisiert wird.
»Die Wasserstraße bietet großes Potenzial
und hat erhebliche freie Kapazitäten,
um mehr Güter über Flüsse und
Kanäle zu transportieren. Doch dafür
braucht es eine intakte und leistungsfähige
Infrastruktur, die zukünftigen
Bedarfen genügt. Stattdessen werden
Investitionen gestrichen und Beschleunigungseffekte
gehen an der Wasserstraße
vorbei. Das ist auch aus sicherheitspolitischer
Perspektive kurzsichtig«, so
Schöning und Zeinert weiter.
Für Schöning ist die Streichung des Ausbaus
des Elbe-Lübeck-Kanals (ELK) aus der
Auflistung der aus Sicht der Politik wichtigsten
Verkehrsprojekte Norddeutschlands
(›Büsumer Liste‹) ein schwerer Fehler.
»Denn die veraltete Infrastruktur des
Kanals ist hauptsächlich verantwortlich für
die dort rückläufigen Gütermengen. Um
die Hinterlandanbindung des Lübecker
Hafens zukunftsfähig aufzustellen, ist ein
leistungsfähiger ELK unerlässlich«, sagte
der Industrievertreter.
Zeinert nahm unter anderem die neue
Schleuse Lüneburg in den Blick und
nannte sie »zwingend notwendig«, um
die Wasserstraßen in der Region attraktiv
für die verladende Wirtschaft zu machen.
Ursprünglich sollte die Schleuse in
2026 fertiggestellt werden, in der Realität
wurde nun das Planfeststellungsverfahren
eingeleitet. »Es braucht an allen
Ecken mehr Tempo und schlussendlich
eine gesicherte Finanzierung durch den
Bund«, so Zeinert.
■
Wachstum dagegen in
deutschen Seehäfen
Der Güterumschlag in den deutschen
Seehäfen ist im Jahr 2025
gegenüber dem Vorjahr um 3,8%
gestiegen. Nach Berechnungen
des Statistischen Bundesamts,
gingen in den Häfen insgesamt
284,4 Mio. t Güter über die Kaikanten.
Sowohl Im- als auch Export
legten zu, wenn auch in unterschiedliche
Maße: Während der
Güterempfang aus dem Ausland
um 5,3 % auf 171,1 Mio. t wuchs,
stieg der Güterversand ins Ausland
lediglich um 0,5 % auf 103,7 Mio. t.
Der innerdeutsche Verkehr machte
trotz eines Zuwachses von 15,7 %
mit 9,6 Mio. t nur einen geringen
Teil des gesamten Güterumschlags
aus. Der umschlagstärkste deutsche
Seehafen war auch im Jahr
2025 Hamburg mit einem Volumen
von 99,8 Mio. t und einem Plus
von 2,9 %. Es folgt Bremerhaven
mit 46,9 Mio. t und einem deutlichen
Plus von 10,4 %), Wilhelmshaven
(35,5 Mio. t; +2,7 %), Rostock
(24,9 Mio. t; +7,2 %) und Lübeck.
An der Trave gab es mit 15,8 Mio. t
einen leichten Rückgang um 0,4 %.
Binnenschifffahrt 04 | 2026
33
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Wasserbauprojekte im Binnenland
Die WSV plant zurzeit rund 1.500 mittlere und große Projekte. Nachdem 2025 mit 2 Mrd. €
der größte Haushaltsmittelabfluss für die Wasserstraße zu verzeichnen war, stehen in den
kommenden Jahren große Herausforderungen an. Wir zeigen eine Auswahl
1 Mittellandkanal und Elbe-Seiten-Kanal 2
Westdeutsches Kanalnetz
1.1 Schleuse Lüneburg/Abstieg Lüneburg
Das Schiffshebewerk in Scharnebeck wird nach einer Grundinstandsetzung
noch für rund 20 Jahre in Betrieb bleiben können.
Bis Anfang der 2040er Jahre muss für den Ersatz des sehr hohen
Abstiegs am Elbe-Seitenkanal gesorgt werden. Seit einigen Jahren
laufen entsprechende Planungen für ein Schleusenbauwerk als
Sparschleuse. Die Entwurfsunterlagen sind weit ausgereift.
1.2 Stichkanal Salzgitter
Der Stichkanal wird ausgebaut und die Schleusen Wedtlenstedt
und Üfingen werden durch neue Bauwerke ersetzt. Zukünftig
können dann auch Großmotorgüterschiffe (GMS) den Stichkanal
mit einer Abladetiefe von 2,80 m befahren. Neben dem Bau der
Schleuse selbst erfolgen Anpassungen der Schleusenvorhäfen,
des Einfahrtbereiches und des anschließenden westlichen Kanalufers
an die neue Westkammer. Für die Befahrung der Strecke
mit üGMS wird eine Wassertiefe von 4,0 m hergestellt.
1.3 Ausbau Stichkanal Hildesheim
Der Stichkanal wird für die Befahrung mit GMS ausgebaut. Die
Eider
Ausbauquerschnitte sind so gewählt, dass mindestens die Fahrt
von GMS Länge bis 135 m, Breite 11,45 m, Tiefgang 2,80 m) im
Richtungsverkehr ohne Begegnung Deutsche möglich Bucht ist. Neben der Kanalverbreiterung
werden Querbauwerke wie Brücken und Düker
NORDSEE
angepasst. Die Baumaßnahme besteht aus dem Ausbau des Streckenabschnittes
des Stichkanals Hildesheim von km 13,500 bis
14,401 und der Erweiterung eines bestehenden Wendebeckens.
N I E D E R L A N D E
Dollart
EMDEN
Ems
Ems
WILHELMSHAVEN
Ems-Jade-Kanal
Elisabeth-Fehn-Kanal
Küstenkanal
Jadebusen
OLDENBURG
Hunte
Weser
BREMERHAVEN
Weser
BREMEN
Oste
Oste
FLENSBURG
Nord-Ostsee-Kanal
Stör
Elbe
Flensburger
Förde
Westensee
2.1 Neue Schleusen DEK Nord
Es besteht der dringende Bedarf, die rund 100 Jahre alten Großen
Schleusen Bevergern, Rodde, Venhaus, Hesselte und Gleesen
zu ersetzen, um die DEK-Nordstrecke als Verkehrsweg zu
sichern und die Befahrbarkeit des Streckenabschnitts für das
Großmotorgüterschiff herzustellen. Begonnen wurde am Standort
Gleesen einschließlich Anpassung der Vorhäfen. Die anderen
genannten Schleusen folgen schrittweise bis 2034.
2.2 DEK Süd – Stadtstrecke Münster
Der Ausbau der Stadtstrecke Münster ist Teil des Projektes
»Ausbau der Dortmund-Ems-Kanal-Südstrecke«. Durch die Anpassung
des DEK an die Wasserstraßenklasse Vb (GMS/SV) ist
eine Streckenaufweitung auf einer Länge von 4,2 km erforderlich.
Der Ausbau erfolgt auf eine Wassertiefe von 4 m. Um die
Begegnung von zwei GMS zu ermöglichen, ist in Kurvenbereichen
eine Aufweitung von bis zu 77 m notwendig. Im Stadtbereich
kreuzen 9 Brücken, davon 3 Anliegerbrücken, die als Verbindungen
zu Wohngebieten dienen, und 5 Düker den DEK, die
Kieler
im Zuge der Baumaßnahmen neu gebaut werden. Im Bundesverkehrswegeplan
ist der Ausbau der Südstrecke als Vorhaben
Bodden
Bucht
OSTSEE
Saaler
Rügischer
KIEL
Mecklenburger
STRALSUND
Bodden
Bucht
mit vordringlichen Bedarf aufgenommen. Ziel ist es, die Strecke
Pommersche
für Großmotorschiffe und Schubverbände mit einer Abladetiefe
Plöner Großer
See
Lübecker
ROSTOCK
Bucht
Bucht
von 2,80 m zuzulassen. Im Rahmen des Ausbaus ergeben sich
LÜBECK
geänderte Anforderungen WISMAR an die lichte Weiten und Höhen für Stettiner
Haff
Kummerower
Schweriner See
See
die Mauritzer Eisenbahnbrücke. Das Brückenbauwerk ist ein
Galenbecker
Teilprojekt des Gesamtprojektes Barniner See Ausbau Stadtstrecke Münster
See
NEUMÜNSTER
HAMBURG
Elbe
Elbe-Lübeck-Kanal
GEESTHACHT
1.1
LÜNEBURG
Elbe
F e h m
D Ä N E M A R K
a r n b e
l t
Störkanal
Müritz-Elde-Wasserstraße
Alte Elde
Warnow
Recknitz
Plauer
See
Peene
Kölpinsee
Müritz
Tollense
Platlinsee
Tollensesee
Havel
Peene
NEUBRANDENBURG
Uecker
Unteruckersee
Oberuckersee
Oder
Elbe-Seitenkanal
Rur
Rhein
DUISBURG
Niers
MÖNCHEN-
GLADBACH
Lippe
Vechte
Ems
Ems
Lippe
KÖLN
34 Binnenschifffahrt 04 | 2026
Rur
Wesel-Datteln-Kanal
2.4
Rhein-Herne-Kanal
Ruhr
DÜSSEL-
DORF
2.3
ESSEN
Dortmund-Ems-Kanal
2.1
Wupper
Sieg
2.2
MÜNSTER
Muldestausee
Dortmund-
Ems-Kanal
DORTMUND
HAMM
Datteln-Hamm-Kanal
Ruhr
OSNABRÜCK
Möhnesee
Lenne
SIEGEN
Dümmer
Hunte
Hunte
Möhne
Ruhr
Sieg
Diemelsee
Weser
PADERBORN
Diemel
Ederstausee
Steinhuder
Meer
Eder
Aller
Mittellandkanal
Leine
KASSEL
Fulda
HANNOVER
Weser
Werra
Mittellandkanal
1.3 1.2
HILDESHEIM SALZGITTER
BRAUNSCHWEIG
Unstrut
Aller
Saale
Saale
Elbe
Elbe-Havel-Kanal
MAGDEBURG
Saale
Havel
Elbe
Weiße Elster
Gülper See
Mulde
Breitlingsee
Fleesensee
Großer
Goitzschesee
Rhinkanal
Beetzsee
LEIPZIG
Havel
Templiner See
Schwielowsee
Mulde
Ruppiner-Kanal
Havel-Kanal
Freiberger Mulde
Havel
BERLIN
Elbe
Großer
Müggelsee
Schwarze Elster
Spree
DRESDEN
© Binnenschifffahrt
Spree
Oder
Schwielochsee
Lausitzer Seenland
Elbe
Oder-Spree-K
Talsp
Spre
Spr
Tals
Baut
Ohm
Neckar
kauer Mulde
Rhein
WETZLAR
Lahn
GIESSEN
Werra
Talsperre Bleiloch
KOBLENZ
Lahn
Fränkische Saale
Saale-Stausee
Saale
Weiße Elster
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
TRIER
Mosel
Nahe
FRANKFURT
WIESBADEN
Rhein
Main
MAINZ
DARMSTADT
Main
ASCHAFFENBURG
WÜRZBURG
Main
Regnitz
Main
Roter Main
Weißer Main
Eger
Fichtelnaab
Waldnaab
T S C H E C H I S C H E
R E P U B L I K
Los 12 von km 66,175 bis 70,350. Im Abschnitt von km 67,390
bis km 67,720 linkes Ufer wird eine parallele MANNHEIMLiegestelle mit 330
m Länge angelegt, um den Bedarf an Liegestellen zu decken.
HEIDELBERG
Der vorhandene SAARBRÜCKEN Parallelhafen wird beseitigt. Die vorhandene
Kanalbrücke Ems muss durch einen Neubau als Doppeltrogbrücke
ersetzt werden. Der östliche Trog wurde dabei zuerst
HEILBRONN
KARLSRUHE
in einer temporären Umfahrungsstrecke hergestellt. Nach Bau
F R A N K R E I C H
des westlichen Troges in endgültiger Lage wird der östliche Trog
BADEN-BADEN
STUTTGART
der Doppeltrogbrücke in seine endgültige Lage querverschoben
und somit weiterverwendet.
Saar
2.3 Ausbau Rhein-Herne-Kanal
Der Ausbau des Rhein-Herne-Kanals gehört zu den laufenden
und fest disponierten Projekten im Bundesverkehrswegeplan
(BVWP) 2030 (Maßnahme Nr. W52). Das Projekt »Ausbau des
Rhein-Herne-Kanals (Östlich Gelsenkirchen)« ist mit der laufenden
Nummer 6 in der Anlage des Wasserstraßenausbaugeset-
Schluchsee
zes (WaStrAbG – vom 23.12.2016; Bundesgesetzesblatt I Nr. 65
vom 28.12.2016) aufgeführt.
2.4 Wehranlage Ruhrwehr Duisburg
Die vorhandenen Hakendoppelschütze werden in allen vier
Wehrfeldern sukzessive ausgebaut und durch neue baugleiche
Schütze ersetzt. Im Zuge der Maßnahme ist der Ersatz
der Revisionsverschlüsse sowie die Umsetzung von Grundinstandsetzungsmaßnahmen
geplant. Das Wehrfeld IV ist in
der baulichen Umsetzung; für die drei weiteren wird derzeit
die Vergabe vorbereitet. Aufgrund des schlechten bautechnischen
Zustandes des Rapphofsmühlenbachdükers Nr. 13
soll dieser ersetzt werden. Ziel ist es, die Durchgängigkeit
aufrecht zu erhalten, ohne dabei mögliche Hochwasserpegel
negativ zu beeinflussen.
3
Main-Donau-Kanal
Rhein
Rhein
Kinzig
Queich
Rhein
Breg
Murg
Brigach
Rhein
S C H W E I Z
Neckar
Neckar
Donau
Rems
Bodensee
Jagst
Kocher
Tauber
ULM
Iller
Iller
Altmühlsee
Donau
Lech
3.1 Schleusenersatz Kriegenbrunn und Erlangen
Aufgrund von Standsicherheitsdefiziten müssen die beiden 40
Jahre alten Schleusen Kriegenbrunn und Erlangen am Main-
Donau-Kanal erneuert werden. Beide Schleusen besitzen eine
Hubhöhe von 18,30 m. Das Planfeststellungsverfahren für beide
Schleusen ist abgeschlossen. Die Veröffentlichung der Ausschreibung
(Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb)
für die Schleuse Kriegenbrunn ist erfolgt. Die Arbeiten in Erlangen
sollen im Herbst beginnen, die Arbeiten in Kriegenbrunn
starteten bereits im November MÜNCHEN 2024.
4
Rednitz
Wertach
Lech
Donau
Ammersee
Forggensee
3.1
AUGSBURG
4.3 Ausbau der Wasserstraße von Straubing bis Vilshofen
Der freifließende Abschnitt der Bundeswasserstraße Donau
(Straubing – Vilshofen) soll ausschließlich mit flussregelnden
Maßnahmen ausgebaut und damit einhergehend der hundert-
Ammer
ERLANGEN
NÜRNBERG
Main-Donau-Kanal
Altmühl
Amper
Wörthsee
Starnberger
See
Isar
Donau
Isar
Haidenaab
4.1 Grundinstandsetzung Schleuse Kachlet
Zur Wiederherstellung der langfristigen Stand- und Betriebssicherheit
wird die Grundinstandsetzung der Schleuse Kachlet
vorbereitet. Unter Beachtung der natur- und umweltschutzrechtlichen
Aspekte werden die Maßnahmen in den Gewerken
von Stahlbetonarbeiten, Stahlwasser- und Maschinenbau für die
Instandsetzung der Kammeraußenwände sowie zum Ersatz der
Schleusenhäupter umgesetzt. Für einen sicheren Schleusenbetrieb
sollen außerdem die Anlagen der Elektro-, Steuerungs- und
Nachrichtentechnik erneuert werden. Aktuell ist das Vergabeverfahren
für die Bauleistung eingeleitet. Durch entsprechende
Planungen der Maßnahmen in getrennten Bauphasen soll die
Schifffahrt bestmöglich aufrechterhalten werden.
Isar
Altmühl
Mittlerer-Isar-Kanal
Tegernsee
4.2 Grundinstandsetzung Wehr Kachlet
Zur Wiederherstellung der langfristigen Stand- und Betriebssicherheit
wird die Grundinstandsetzung der Wehranlage inklusive
Ufermauer und Wehrvorplatz vorangetrieben. Vorausgehend
dazu werden parallel Baumaßnahmen umgesetzt, welche den
ordnungsgemäßen Betrieb der Wehranlage bis zur abgeschlossenen
Grundinstandsetzung sicherstellen sollen.
Naab
REGENSBURG
Inn
Regen
Donau
Straubing
Vils
Inn
Chiemsee
Schwarzer Regen
Isar
Weißer Regen
4.3
Vilshofen
Salzach
Donau
Ilz
Inn
PASSAU
4.1 4.2
Ö S T E R R E I C H
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Binnenschifffahrt 04 | 2026
35
Neckar
in
La
Talsperre Bleiloch
ulde
KOBLENZ
Lahn
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Fränkische Saale
Saale-Stausee
Saale
Weiße Elster
TRIER
Mosel
Nahe
FRANKFURT
WIESBADEN
Rhein
Main
MAINZ
DARMSTADT
Main
ASCHAFFENBURG
WÜRZBURG
Main
Regnitz
Main
Roter Main
Weißer Main
Eger
Fichtelnaab
Waldnaab
T S C H E C H I S C H E
R E P U B L I K
NORDSEE
R L A N D E
jährliche Hochwasserschutz hergestellt werden. Konkretes Ziel
des Ausbaus von Straubing bis Deggendorf (Teilabschnitt (TA)1)
ist die Erhöhung der Abladetiefe durch Vergrößerung der Fahrrinnentiefe
um mindestens 20 cm bei RNW (Wasserstand bei
einem Abfluss von 211 m³/s im TA 1) auf RNW – 2,2 m. In dem
9,7 km langen Streckenabschnitt Schluchseezwischen der Schleuse Straubing
und dem Hafen Straubing-Sand (Bauabschnitt 1) wurde die
Fahrrinnentiefe um zusätzlich 45 cm auf RNW – 2,65 m erhöht
(Verbesserte Westanbindung des Hafens).
5
Neckar
5.1 Schleusenmaßnahmen am Neckar
Die Schleusenmaßnahmen am Neckar werden als Großprojekt
der Kategorie größer 50 Mio. € eingestuft. Diese Maßnahmen
dienen der Aufrechterhaltung eines störungsfreieren Betriebes
am Neckar. Derzeit ist die Verankerung der Mittelmauer und
der landseitigen Wand der rechten Kammer der Schleuse Kochendorf
als Vorabmaßnahme zur Grundinstandsetzung der
rechten Kammer geplant. Das zweiteilige Obertor der Schleuse
Besigheim (Betriebstor und Hochwassersperrtor) Flensburger wird derzeit
Förde
FLENSBURG
baugleich ersetzt und das Hakendoppelschütz am Unterhaupt
wird auf ein einteiliges Hubtor umgebaut. Mit den neuen Schleusentoren
erhält die linke Schleusenkammer auch eine neue Antriebs-,
Elektro-, Steuerungs- und
Kieler
Bucht
Nachrichtentechnik.
5.2 Ersatzneubau Wehre
Großer
Deutsche Bucht
NEUMÜNSTER Plöner See
Die Wehranlage Beihingen wurde in den Jahren 1913 bis 1915
errichtet und besteht aus 4 Wehrfeldern. Aufgrund des Alters LÜBECK
der Anlage bedarf die Wehranlage einer grundlegenden baulichen
Erneuerung. Derzeit ist ein Ersatzneubau als 3-feldriges
Schlauchwehr, WILHELMSHAVEN sowie der Rückbau BREMERHAVEN der alten Wehranlage HAMBURG in Planung.
Am linken Ufer finden eine Restwasserkraftanlage GEESTHACHT und
Jadebusen
EMDEN
eine Dollart Fischaufstiegsanlage Platz. Das vorhandene Wehr soll durch
einen Ersatzneubau
OLDENBURG
des Wehres (Schlauchwehr) im Oberwasser
LÜNEBURG
der Altanlage ersetzt werden. Das vorhandene Wehr Wieblingen
BREMEN
soll durch einen Ersatzneubau des Wehres im Oberwasser der
Altanlage ersetzt werden. Das vorhandene Wehr Neckarsulm soll
durch einenErsatzneubau des Wehres (Schlauchwehr) im Oberwasser
der Altanlage ersetzt werden. Das vorhandene Wehr Aldingen
wird umgebaut, Dümmer dabei die Wehrverschlüsse Steinhuder
ersetzt, der
Meer
Massivbau instandgesetzt und eine neue Brücke installiert. Im
HANNOVER
Zuge der Baumaßnahmen OSNABRÜCK an der Wehranlage Horkheim wird
BRAUNSCHWEIG
durch Injektionen der Massivbau instandgesetzt, die Wehrsohle
HILDESHEIM SALZGITTER
erneuert und es erfolgt ein Austausch der Verschlüsse inklusive
Antriebe
MÜNSTER
und Steuerungstechnik.
Vechte
Ems
Dortmund-Ems-Kanal
Ems
Ems
Dortmund-
Ems-Kanal
Saar
Ems-Jade-Kanal
Elisabeth-Fehn-Kanal
Küstenkanal
SAARBRÜCKEN
F R A N K R E I C H
Ems
Hunte
Rhein
Hunte
Hunte
Weser
Rhein
Kinzig
Weser
Weser
Queich
Rhein
Breg
Murg
Oste
Brigach
Eider
Rhein
Oste
Nord-Ostsee-Kanal
Stör
Elbe
Aller
Mittellandkanal
MANNHEIM
KARLSRUHE
BADEN-BADEN
Leine
5.1
Neckar
HEIDELBERG
S C H W E I Z
HEILBRONN
Neckar
Donau
5.2
STUTTGART
KIEL
Westensee
Elbe
Mittellandkanal
Rems
Bodensee
Jagst
Kocher
Elbe-Lübeck-Kanal
Elbe-Seitenkanal
Tauber
ULM
Elbe
Lübecker
Bucht
Aller
Iller
F e h m
a r n b e
6.1 Ausbau Untere-Havel-Wasserstraße (Flusshavel)
Der Ausbau der Unteren Havel-Wasserstraße im Bereich der
Regen
Altmühlsee
Flusshavel ist eingebettet in das Verkehrsprojekt Deutsche
REGENSBURG
Einheit Nr. 17. Die Umsetzung erfolgt für die heute gängigen
Altmühl
Schiffseinheiten und eine Abladetiefe von Straubing 2,80 m: Großmotorgüterschiff
(GMS, 110 m lang) und Schubverband (SV, 185 m lang),
beide mit einer Breite von 11,45 m. Für den sicheren Vilshofen Verkehr
PASSAU
wird die Fahrrinne bedarfsgerecht vertieft, Ufersicherungen erneuert
und eine Liegestelle neugebaut.
6.2 Ausbau Berliner Nordtrasse
MÜNCHEN
Der Ausbau der Unteren Havel-Wasserstraße und der Spree-
Wörthsee
Ammersee
im Bereich der Berliner Nordtrasse Ö S T E R R E Iist
C H
Oder-Wasserstraße
Chiemsee
Starnberger
ebenso wie der Ausbau der Flusshavel eingebettet in das Verkehrsprojekt
Deutsche Einheit Tegernsee Nr. 17. Die Umsetzung erfolgt für
See
Forggensee
die heute gängigen Schiffseinheiten und eine Abladetiefe von
2,80 m: Großmotorgüterschiff (GMS, 110 m lang) und Schubverband
(SV, 185 m lang), beide mit einer Breite von 11,45 m.
Für den sicheren Verkehr werden die Fahrrinnenverhältnisse
der Berliner Nordtrasse auf 9 km Streckenlänge angepasst. Das
bedeutet im Wesentlichen: die bereichsweise Herstellung der
erforderlichen Ausbautiefe, den abschnittsweisen Ersatz von
bestehenden Ufersicherungen, die bedarfsgerechte Errichtung
von Wartestellen sowie die Anlage von Flachwasserzonen. Der
erste von vier Abschnitten wird derzeit baulich umgesetzt.
Iller
6.3 Havel-Oder-Wasserstraße
Der Ausbau der Havel-Oder-Wasserstraße gehört zum »vordringlichen
Bedarf« des aktuellen Bundesverkehrswegeplans
und läuft unter der Regie des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes
Oder-Havel. Perspektivisch soll eine Abladetiefe von
2,80 m gewährleistet werden. Das nächste Streckenausbau-Teilprojekt
in der Scheitelhaltung ist das Los G2/H2, in der Summe
OSTSEE
ca. 2,4 km Länge, ebenfalls Dichtungsstrecke. Derzeit wird ein
Saaler
Bodden
Rügischer
Mecklenburger
Planänderungsverfahren STRALSUND vorbereitet, um den Anforderungen
Bucht
Bodden
Pommersche
des Artenschutzes gerecht zu werden. Die Ausschreibung des
ROSTOCK
Bucht
Bauprojektes ist für Ende des Jahres 2025 vorgesehen.
D Ä N E M A R K
l t
Stettiner
Haff
6.4 Staustufe Rathenow Kummerower
See
Bei diesem Projekt handelt es sich um ein Bündelungsprojekt.
Galenbecker
Barniner See
See
Es umfasst alle Restmaßnahmen zur Ertüchtigung der Staustufe
Fleesensee
Kölpinsee
NEUBRANDENBURG
Tollensesee
Rathenow Alte Elde zur schadlosen Abfuhr des Bemessungshochwassers.
Plauer
See
Die Maßnahmen werden an drei Wasserstraßen ausgeführt und
Schweriner See
WISMAR
Störkanal
Müritz-Elde-Wasserstraße
Donau
Saale
Elbe
Warnow
Elbe-Havel-Kanal
MAGDEBURG
Havel
Elbe
Recknitz
Gülper See
Breitlingsee
Peene
Müritz
Rhinkanal
Beetzsee
Donau
Havel
Tollense
Platlinsee
Ruppiner-Kanal
Havel-Kanal
Haidenaab
ERLANGEN
6 Berlin-Brandenburg
Rednitz
Lech
AUGSBURG
Wertach
Lech
Ammer
7.1
NÜRNBERG
Main-Donau-Kanal
Amper
Isar
Isar
6.4
Altmühl
Isar
Mittlerer-Isar-Kanal
6.1
6.3
Havel
Havel
Templiner See
Schwielowsee
Naab
6.6
Inn
BERLIN
Peene
6.5
Donau
Vils
Inn
Großer
Müggelsee
Uecker
Unteruckersee
Oberuckersee
Spree
Schwarzer Regen
Isar
Weißer Regen
Oder
Spree
Salzach
Oder
Donau
Oder-Spree-Kanal
Schwielochsee
6.2
Ilz
Inn
P O L E N
Oder
Neiße
BURG
s
Lippe
Wesel-Datteln-Kanal
Rhein-Herne-Kanal
ESSEN
Ruhr
DÜSSEL-
Datteln-Hamm-Kanal
HAMM
PADERBORN
Lippe
DORTMUND
36 Möhnesee
Binnenschifffahrt 04 | 2026
Ruhr
Möhne
Ruhr
Diemel
Diemelsee
KASSEL
Weser
Werra
Saale
Mulde
Muldestausee
Großer
Goitzschesee
LEIPZIG
Mulde
Elbe
Schwarze Elster
Lausitzer Seenland
Talsperre
Spremberg
Spree
Talsperre
Bautzen
Neiße
Neckar
Neckar
L
Elb
Dümmer
Steinhuder
Meer
Hunte
Vechte
Ems
MÜNSTER
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
OSNABRÜCK
Ems
Weser
Mittellandkanal
FLENSBURG
HANNOVER
Flensburger
Förde
Mittellandkanal
HILDESHEIM SALZ
Rhein
Dortmund-
Ems-Kanal
umfassen sechs Anlagen an der Bundeswasserstraße. Ausgeführt
werden - Neubau der Wehranlage Hinterarche, Neubau
Straßenbrücke Hinterarche, Neubau Fischaufstiegsanlage Hinterarche,
Errichtung einer Liegestelle für den Regiebetrieb Hinterarche,
Erneuerung der Steuerung Wehranlage Mühlenarm,
Neubau Damm mit Durchlass Vorderarche.
Rur
DUISBURG
Niers
NORDSEE
DÜSSEL-
DORF
MÖNCHEN-
GLADBACH
Lippe
Wesel-Datteln-Kanal
8.1
Rhein-Herne-Kanal
KÖLN
ESSEN
Ruhr
DORTMUND
Wupper
HAMM
Datteln-Hamm-Kanal
Ruhr
Lippe
Möhnesee
Deutsche Bucht
Lenne
Möhne
Ruhr
PADERBORN
Diemelsee
Diemel
Ederstausee
Eider
Nord-Ostsee-Kanal
Stör
Eder
KASSEL
Fulda
Weser
KIEL
Westensee
NEUMÜNSTER
Werra
Kieler
Bucht
Große
Plöner
Oste
DSEE
N D E
te
6.5 Staustufe neue Mühle
Geplant ist ein dreifeldriges Klappenwehr mit einer Feldbreite
von je 5,00 m. Dieses soll das bisherige große Wehr, das kleine
Schützenwehr und das temporäre Wehr im Bereich der ehemaligen
Bootsschleppe ersetzen. Im Zuge des Wehrneubaus wird
auch die Schützenwehrbrücke erneuert und eine Fischaufstiegsanlage
gebaut. Außerdem ist ein Technikgebäude und die Wiederherstellung
der Bootsschleppe vorgesehen. Für das Gesamtvorhaben
wird ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt.
6.6 Staustufe Mühlendamm
Das Wasserstraßen-Neubauamt Berlin plant im Auftrag der
Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes die Herstellung
der Ökologischen Durchgängigkeit einschließlich Ersatzneubau
des Wehres Mühlendamm in der City Ost von Berlin
(Spree-Oder-Wasserstraße (SOW), Wehrstrecke Mühlendamm
km 0,020 bis 0,310). Der Planfeststellungsbeschluss hierzu liegt
seit 2022 vor und das Ausschreibungsverfahren konnte 2024
veröffentlicht werden.
Elbe
7.1 Durchstichwehr Quitöbel
Die Wehranlage Durchstich Quitzöbel (DSW) soll erneuert werden.
Das DSW Quitzöbel ist ein zweifeldriges regelbares Wehr.
Die Feldbreite beträgt 25 m. Als Absperrorgane kommen unterströmte
Hubschütze in Stahl-Fachwerk-Bauweise zum Einsatz.
Die Schütze sind gegen Wasserdruck von beiden Seiten dichtend
ausgebildet. Es ist vorgesehen, die Wehranlage vollständig
abzureißen und an gleicher Stelle mit den gleichen Konstruktionsansätzen
neu zu errichten.
Flensburger
Förde
7.2 Geesthacht
FLENSBURG
Das Wehr Geesthacht hat enorme bauliche und hydraulische
Defizite. Es muss daher grundlegend instandgesetzt werden.
Kieler
Die Schleuse Geesthacht hat enorme bauliche Defizite. Sie muss
Bucht
Eider
daher grundlegend instandgesetzt werden.
Dollart
7
Ems
EMDEN
Dortmund-Ems-Kanal
Ems
Ems
WILHELMSHAVEN
Ems-Jade-Kanal
Elisabeth-Fehn-Kanal
Küstenkanal
OSNABRÜCK
Deutsche Bucht
Jadebusen
OLDENBURG
Dümmer
Hunte
Hunte
Hunte
Weser
BREMERHAVEN
Weser
BREMEN
Oste
Oste
Steinhuder
Meer
Nord-Ostsee-Kanal
Stör
Elbe
Aller
Mittellandkanal
Leine
HANNOVER
KIEL
Westensee
NEUMÜNSTER
HAMBURG
Elbe
Mittellandkanal
Großer
Plöner See
Elbe-Lübeck-Kanal
GEESTHACHT
7.2
LÜNEBURG
Elbe-Seitenkanal
LÜBECK
Elbe
Lübecker
Bucht
Rhein
Binnenschifffahrt 04 | 2026
BRAUNSCHWEIG
Aller
F e h m a
r n b e
l t
FRANKFURT
8.1 Sohlstabilisierung und Abladeoptimierung WIESBADEN
zwischen
Duisburg und Stürzelberg
ASCHAFFENBURG
MAINZ
Die Maßnahme »Sohlstabilisierung Bockum-Krefeld« DARMSTADT ist Teil des
TRIER
Projektes W27 »Abladeverbesserung Dümmer und Sohlstabilisierung
Steinhuder
Meer
zwischen Duisburg und Stürzelberg« aus dem Bundesverkehrswegeplan
2030. Das Projekt umfasst OSNABRÜCK drei MANNHEIM Maßnahmenberei-
HANNOVER
che: Sohlsicherung rechtsrheinisch, Rhein-km 758,1 bis 760,2,
HEIDELBERG
Ausgleichsbaggerung SAARBRÜCKEN linksrheinisch, Rhein-km 760,1 bis 761,3,
MÜNSTER
Sohlaustausch, Rhein-km 761,7 bis 763,3
TRIER
D Ä N E M A R K
Mosel/Saar/Lahn
MANNHEIM
9
OSTSEE
HEIDELBERG
Saaler
9.1 Mosel-Wehre
SAARBRÜCKEN
Bodden
Rügischer
STRALSUND
Bodden
Die Wehre an der Mosel weisen strukturelle Schädigungen auf.
Pommersche HEILBRONN
Auch ROSTOCK aufgrund ihres Alters und der KARLSRUHE bedingten Bucht Zugänglichkeit
müssen die Wehrverschlüsse F R A N K R E I C Han allen Staustufen der Mosel
WISMAR
Stettiner
überarbeitet oder ersetzt werden.
BADEN-BADEN
In einer ersten Tranche werden
die Wehre Detzem, Trier und Zeltingen
Haff
Kummerower
STUTTGART
See
erfasst.
Mecklenburger
Bucht
Schweriner See
Rur
8
Störkanal
Rhein
Müritz-Elde-Wasserstraße
DUISBURG
Niers
MÖNCHEN-
GLADBACH
Rur
Rurtalsperre
Barniner See
Elbe
Rur
Rurtalsperre
N I E D E R L A N D E
Warnow
Saar
Elbe-Havel-Kanal
Havel
Saar
Lippe
Wesel-Datteln-Kanal
Rhein-Herne-Kanal
KÖLN
ESSEN
Ruhr
DÜSSEL-
DORF
Recknitz
Gülper See
Breitlingsee
Vechte
Mosel
Peene
Müritz
Rhinkanal
Beetzsee
Dollart
Rhein
Ems
Havel
Sieg
Rhein
Dortmund-Ems-Kanal
Ems
Ems
Wupper
Nahe
Fleesensee
Kölpinsee
NEUBRANDENBURG
9.2 Lahn-Wehre
Tollensesee
Alte Elde
Die 7 Lahnwehre Dausenau, Nassau, Cramberg, Scheidt, Diez,
See
Plauer
Unteruckersee
Hollerich und Lahnstein müssen ersetzt werden. Der Ersatz erfolgt
überwiegend als 2-feldrige Schlauchwehre im Unterwasser.
Platlinsee
Oberuckersee
Bei den Planungen werden die Fischaufstieganlagen – soweit erforderlich
– berücksichtigt.
Dortmund-
Ems-Kanal
DORTMUND
Lahn
Tollense
Ruppiner-Kanal
Havel-Kanal
Havel
Havel
Templiner See
Schwielowsee
Ems-Jade-Kanal
Elisabeth-Fehn-Kanal
Küstenkanal
HAMM
F R A N K R E I C H
9.1
Mosel
EMDEN
Rhein
Sieg
Datteln-Hamm-Kanal
Rhein
Nahe
Ruhr
KOBLENZ
WILHELMSHAVEN
KOBLENZ
Rhein
Lahn
Rhein
Rhein
Kinzig
BERLIN
Rhein
Peene
Breg
Ems
Queich
Schluchsee
Lippe
Möhnesee
Lenne
SIEGEN
Murg
Jadebusen
Brigach
Rhein
Hunte
Lahn
Galenbecker
See
Großer
Müggelsee
Möhne
Schluchsee WETZLAR
Main
Hunte
Hunte
Uecker
Ruhr
Sieg
Weser
FRANKFURT
WIESBADEN
MAINZ
OLDENBURG
Rhein
Kinzig
9.2
SIEGEN
Queich
Rhein
Breg
Murg
WETZLAR
Brigach
Rhein
Lahn
Main
Spree
Sieg
KARLSRUHE
BADEN-BADEN
BREMERHAVEN
Diemelsee
Oder
Oder
Ode
Weser
Diemel
Ohm
Neckar
Neckar
Ederstausee
Donau
Weser
PADERBORN
GIESSEN
DARMSTADT
S C H W E I Z
GIESSEN
S C H W E I Z
BREMEN
Main
Ohm
Neckar
HEILBRONN
Neckar
Donau
Main
P O L E N
Oder
Oste
Eder
Rems
Elbe
Aller
Mittellandkanal
STUTTGART
Bodensee
Leine
Rems
KASSEL
Fulda
Bodensee
ASCHAFFENBURG
Jagst
Kocher
Weser
Tauber
Jagst
Kocher
Tauber
Werra
37
Iller
Fränkische Saale
Iller
Elbe
Mittellandkanal
HILDESHEIM SALZGITTE
ULM
HAMBURG
ULM
WÜRZBURG
Iller
GEESTHACH
LÜNEBU
Fränkische Saale
WÜRZBURG
Iller
Main
Ma
BRAU
Werra
Neckar
Neckar
Rur
SBURG
iers
EN-
ACH
alsperre
TRIER
Saar
KÖLN
ESSEN
Ruhr
10.2 Untermainschleusen
Die 3 Schleusen Kostheim, Eddersheim und Griesheim am Untermain
sind in einem baulich kritischen Zustand. Sie haben ein
Rurtalsperre
Bauwerksalter von 100 Jahren und müssen ertüchtigt werden.
Schluchsee
Wegen der hohen Schifffahrtsbelastung der Schleusenanlagen
ist das Projekt sehr dringend. Das Gesamtprojekt wird als Partnerschaftsmodell
PmW
Forggensee
betrieben.
DÜSSEL-
DORF
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Mosel
Rhein
SAARBRÜCKEN
10
Wupper
Sieg
Main
Ammersee
Rhein
Nahe
Lahn
Ruh
KOBLENZ
F R A N K R E I C H
11
Rhein
Weser
Rhein
Kinzig
Queich
Rhein
Breg
Möhnesee
Lenne
SIEGEN
Murg
Brigach
Rhein
Möhne
WETZLAR
Lahn
Main
Ruhr
Sieg
Diemelsee
Die
Ohm
Neckar
Neckar
Ederstausee
Donau
Main
11.1 Mittelweser
Die Wehre an der Mittelweser sind in einem schlechten baulichen
Zustand. Kurzfristig sind bereits erhebliche Aufwendungen
zum Erhalt der Funktionsfähigkeit der Anlagen unternommen
worden. Mittel- bis langfristig reichen diese Aufwändungen
nicht. So werden seit geraumer Zeit Vorbereitungen für einen
grundhafte Instandsetzung der vier Wehranlagen Drakenburg,
Petershagen, Schlüsselburg und Dörverden getroffen.
Eder
Rems
Bodensee
KASSEL
Fulda
FRANKFURT
WIESBADEN
10.1 10.2
ASCHAFFENBURG
MAINZ
DARMSTADT
MANNHEIM
KARLSRUHE
GIESSEN
HEIDELBERG
S C H W E I Z
HEILBRONN
Jagst
Kocher
Tauber
Werra
N I E D E R L A N D E
Fränkische Saale
WÜRZBURG
ULM
Iller
Rur
Iller
Rhein
Main
Niers
Rur
Werra
NORDSEE
Donau
Rednitz
Altmühlsee
TRIER
Saar
Lippe
Wesel-Datteln-Kanal
Rhein-Herne-Kanal
Ruhr
KÖLN
AUGSBURG
Wertach
Unstrut
Vechte
Mosel
Dollart
HAMM
REGENSBURG PADERBORN
Übergreifende Maßnahmen
Möhnesee
Verkehrstechnik 4.0
Diemelsee
Nach den Vorgaben der Verkehrstechnik-Strategie 2030 werden
Vilshofen KASSEL
PASSAU
die verkehrstechnischen Systeme
Ederstausee
und Dienste im Binnen- und
Seebereich aktualisiert und in ein bundesweites Systems VT4.0 zusammengeführt.
Insgesamt sind in der Strategie Ziele bezüglich
Digitalisierung, SIEGENHinterlandanbindung, internationale Korridore,
Wettbewerbsfähigkeit, MÜNCHEN
Ökologie, Auslastung der Bundeswasserstraßen
und automatisierte Navigation definiert. In dem Zusammenhang
wird vor allem Chiemsee die Wichtigkeit der Weiterentwicklung
WETZLAR GIESSEN Ö S T E R R E I C H
der Verkehrstechnik KOBLENZ (VT) betont. Sie soll das Potential der Digitalisierung
erschließen, um die See- und Binnenschifffahrt und
Tegernsee
ihre Logistikpartner durch leistungsfähige Informationssysteme
FRANKFURT
WIESBADEN
zu unterstützen und die Optimierung der Verkehrsabläufe zu ermöglichen,
so MAINZ dass Schiffe sicher, leicht, umweltfreundlich und
ASCHAFFENBURG
DARMSTADT
effizient verkehren können und um die vorhandenen WÜRZBURG Kapazitäten
der Wasserstraßen optimal auszuschöpfen.
Um diese Ziele zu erreichen wurde u. a. mit den konzeptionellen
Planungen eines nationalen Systems VT 4.0 begonnen, bei
MANNHEIM
dem die verschiedenen HEIDELBERG Systeme und Dienste aus dem See- und
Binnenbereich sukzessive aktualisiert und zusammengeführt
Altmühlsee
werden. Das System VT 4.0 HEILBRONN wird zukünftig im See- und Binnenbereich
der Schifffahrt, KARLSRUHE den Verkehrs-, Leit- und Revierzentralen
sowie Dritten nahtlose Informationen für sichere, effiziente und
verlässliche BADEN-BADEN Verkehre bereitstellen.
STUTTGART
Rhein
Ems
Dortmund-Ems-Kanal
Sieg
Ems
Ems
Wupper
Nahe
Forggensee
Dortmund-
Ems-Kanal
Altmühl
DORTMUND
ESSEN
Lech
Lech
Regnitz
Ammer
SAARBRÜCKEN
Main
ERLANGEN
NÜRNBERG
Main-Donau-Kanal
DÜSSEL-
10.1 Main-Wehre
DUISBURG
Die 6 Wehre Erlabrunn, Harrbach, Steinbach, Rothenfels Faulbach
und Freudenberg müssen aufgrund ihres Alters ertüchtigt
BADEN-BADEN
STUTTGART
DORF
werden. Es ist ein Umbau mit anderer Verschlussart vorgesehen.
MÖNCHEN-
GLADBACH
Die 6 Mainwehre werden mit einem Gleichteileprizip verfolgt.
EMDEN
MÜNSTER
12
Amper
Wörthsee
Starnberger
See
Roter Main
Isar
Saale
Talsperre
Hohenwarte
Weißer Main
Isar
Lahn
WILHELMSHAVEN
Ems-Jade-Kanal
Elisabeth-Fehn-Kanal
Küstenkanal
Datteln-Hamm-Kanal
Donau
Ruhr
F R A N K R E I C H
Saale
Isar
Saale
Talsperre Bleiloch
Saale-Stausee
Altmühl
Mittlerer-Isar-Kanal
Weiße Elster
OSNABRÜCK
Rhein
Eger
Ems
Queich
Rhein
Deutsche Bucht
Jadebusen
Lippe
Lenne
OLDENBURG
Weiße Elster
Dümmer
Fichtelnaab
Waldnaab
Haidenaab
Naab
Inn
Rhein
Hunte
Lahn
LEIPZIG
Möhne
Main
Hunte
Hunte
Donau
Ruhr
Sieg
Weser
Regen
Mulde
Freiberger Mulde
BREMERHAVEN
Zwickauer Mulde
Straubing
Vils
Inn
Weser
Diemel
Ohm
Neckar
Weser
BREMEN
Schwarzer Regen
Isar
Main
Salzach
Oste
11.1
Weißer Regen
Elbe
Oste
Steinhuder
Meer
Eder
Rems
Stör
Elbe
Aller
Mittellandkanal
Donau
Ilz
Leine
Fulda
Inn
Jagst
HANNOVER
Kocher
Schwarze Elster
Weser
Tauber
DRESDEN
Werra
NEUMÜNSTER
Elbe
HAMBURG
Fränkische Saale
enland
Elbe
T S C H E C H I S C H E
R E P U B L I K
Mittellandkanal
Main
Großer
Plöner See
Werra
Elbe-Lübeck-Kanal
GEESTHACHT
LÜNEBURG
HILDESHEIM SALZGITTER
e
Elbe-Seitenkanal
LÜBECK
BRAUNSCHWEIG
Talsperre
Bautzen
Rednitz
Elbe
Unstrut
Regnitz
Lübecker
Bucht
Neiße
Aller
Main-Donau-Kanal
Altmühl
Schweriner See
Müritz-Elde-Wasserst
Main
ERLANGEN
NÜRNBERG
WISMA
Roter Main
B
Störkanal
Talspe
Hohen
Weißer
Don
Donau
Lech
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ULM
Iller
Iller
AUGSBURG
Wertach
Ammersee
Lech
Nord-
Ammer
Amper
Wörthsee
Starnberger
See
Isar
MÜNC
Isar
38 Binnenschifffahrt 04 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Vor dem Hintergrund der bundesweiten Bündelung wird
gegenwärtig die verkehrstechnische Infrastruktur (Radar, AIS,
UKW- Kommunikationssysteme, ausfallsichere Energieversorgung
und Datenverarbeitung, Datenschnittstellen zu Dritten und
Anwendungen in Leit-, Verkehrs- und Revierzentralen) erneuert
und damit gleichzeitig die Resilienz und Informationssicherheit
erhöht. Parallel wurde mit der Vernetzung der Infrastruktur begonnen,
mit dem Ziel der Bündelung ortsunabhängiger Systeme
und der schrittweisen Einführung von Datenetztechnik und
-verfahren.
Weiterentwicklung Elektronischer Wasserstraßen-
Informationsservice (ELWIS)
Nach einer europaweiten Ausschreibung und der Bereitstellung
der Haushaltsmittel wurde im März 2025 ein Rahmenvertrag für
die Weiterentwicklung zum myElwis-Verfahren unterzeichnet.
Aufgrund der vielen Erweiterungen und der langen Laufzeit
wird das bestehende Elwis zunehmend störanfälliger. In jüngster
Vergangenheit mussten mehrere Störungen mit erheblichem
Aufwand abgewendet werden. Daher wurde entgegen
der ursprünglichen Planung, die eine gleichzeitige Einführung
der Weiterentwicklung und Abschaltung des aktuellen Elwis im
ersten Quartal 2027 vorsah, beschlossen, neu für myElwis entwickelte
Module schrittweise in das bestehende System zu integrieren
und alte Komponenten zu ersetzen.
Besonders priorisiert werden dabei solche Module, die aufgrund
internationaler Verpflichtungen (beispielsweise Nachrichten
für die Binnenschifffahrt) oder als einzige Veröffentlichungsplattform
der WSV (wie die Bekanntmachungen für Seefahrer)
zwingend zuverlässig verfügbar sein müssen. Ein zentrales Anliegen
ist die Sicherung der Datenqualität. Im Rahmen der Umsetzungsplanung
wurde erkannt, dass die eigenständige App
mit dem Arbeitstitel »Elwisgo« aufgrund des hohen Pflegeaufwands
nicht in der ursprünglichen Ausprägung weiterverfolgt
werden kann. Stattdessen konzentriert sich die Weiterentwicklung
myElwis jetzt auf die Umsetzung einer Applikation, die sowohl
für die stationäre Nutzung am PC als auch für mobile Endgeräte
(Smartphone, Tablet) geeignet ist.
Ziel ist es nun, die Weiterentwicklung von myELWIS für beide
Anwendungsszenarien – stationär und mobil – auf der Messe
»boot« im Jahr 2028 zu präsentieren.
River Information Services Corridor Management
Execution² (Comex 2)
Ris Comex 2 (River Information Services Corridor Management
Execution²) ist ein internationales Projekt, das darauf abzielt,
die harmonisierte Umsetzung und Optimierung der River Information
Services (RIS) in Europa weiter voranzutreiben. Es baut
auf dem Erfolg des vorherigen Projekts Ris Comex auf. An dem
Projekt arbeiten insgesamt 20 Partner aus 13 europäischen
Ländern mit. Zudem gibt es drei Kooperationspartner aus der
Schweiz, Serbien und der Ukraine.
Die Arbeiten konzentrieren sich auf die Weiterentwicklung
und Ausweitung, die Verbesserung sowie die Stärkung der Resilienz
der länderübergreifenden und auch der nationalen Systeme
und Services an den europäischen Binnenwasserstraßen.
Im Fokus steht hierbei die gemeinsame europäische RIS-Plattform
EuRIS (siehe Link unten), die fahrwasser-, infrastruktur-,
verkehrs- und transportbezogene Daten aus 13 europäischen
Ländern bereitstellt.
Zudem soll das elektronische Melden optimiert werden, um
den Verwaltungsaufwand zu verringern und das Prinzip der einmaligen
elektronischen Meldung in der europäischen Binnenschifffahrt
zu fördern. Dazu soll unter anderem das während des
Projekts Comex entwickelte und an der Donau, flussabwärts ab
Österreich eingeführte Meldesystem Ceeris (Central & Eastern
European Reporting Information System) verbessert werden.
Das Projekt startete 2023 und läuft bis Anfang 2028. ■
Deutschlands einzige Fachmesse für die Binnenschifffahrt
22. & 23. September 2026
Auf der Shipping Technics Logistics 2026 werden die neuesten Technologien, Produkte und Dienstleistungen der Branche vorgestellt.
Hier kommen Entscheidungsträger aus der Branche, Hersteller und Fachbesucher zusammen, um Ideen auszutauschen, zu
Netzwerken und neue Impulse zu geben. Erleben Sie zwei Tage voller Wissen und praktischer Lösungen – kompakt, zielgerichtet und
auf hohem professionellem Niveau. Nach dem ersten Messetag kommt die gesamte Branche zu einem geselligen Abend mit guten
Gesprächen und neuen Begegnungen zusammen. Für Aussteller ist der Eintritt frei! Fachbesucher sind für nur 49,50 € p.P. inklusive
aller Buffet und Getränke, herzlich willkommen.
Leon Westerhof
+ 49 (0) 151/461 66 989
info@shipping-technics-logistics.de
shipping-technics-logistics.de
Binnenschifffahrt 04 | 2026
39
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Horst Linde ist emeretierter Professor am Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin
Oder-Häfen im Strukturwandel
Die Thematik »Stand und Perspektiven
der Häfen in der Oder-Region« wird in der
Binnenschifffahrt (Ausgabe 12/25, »Oder-
Häfen schmieden neue Ketten«) in einem
Themenschwerpunkt aufgegriffen – dies
ist wegen andauernder kontroverser Debatten
in der Politik und der Wirtschaft
über die ökonomische und ökologische
Relevanz von Binnenschifffahrt und Binnenhäfen
zumindest im Osten Deutschlands
selbstverständlich zu begrüßen. Für
den in der Binnenschifffahrt engagierten
Leser drängt sich allerdings der Wunsch
auf nach einigen Anmerkungen hierzu,
nach partiellen Richtigstellungen und Ergänzungen.
1. Die eigene Verantwortung der Akteure
Den Häfen an der Oder die Rolle der »Kettenschmiede« zuzuschreiben,
ist ein mutiger, vielleicht etwas zu einseitiger Vergleich.
Die Frage, wer hier wirklich der »Schmied« ist und den
Hammer schwingt, stellt sich; Verlader und Logistik-Anbieter
sind bei diesem sprichwörtlichen Schmieden zumindest stark
beteiligt. Vielleicht könnte man eine Differenzierung dieses Bildes
dahingehend gelten lassen, dass dringend notwendige Investitionen
in die Hafenentwicklung von den Häfen und ihren
Betreibern, ihren Betriebspartnern und den zuständigen politischen
Instanzen auf kommunaler, Landes- und Bundesebene
letztlich selbst zu entscheiden sind, im operativen Tagesgeschäft
aber ein beträchtliches Maß an Abhängigkeit von den Verladern
besteht.
2. Die Dominanz der Massenschüttgüter
Informationen über die derzeit per Binnenschiff auf den Oder-
Wasserstraßen transportierten Güter sind im allgemeinen Diskurs
oft anscheinend nicht immer ganz zutreffend. Es handelt
sich in der Tat ganz überwiegend um Massenschüttgüter wie
beispielsweise Baurohstoffe, Agrarprodukte, Schrott – Kohle
war früher dominierend, ist inzwischen aber stark rückläufig
und Massenstückgüter wie beispielsweise Schrott in Bündeln,
Holz-Rohprodukte, Papierprodukte. Flüssige Massengüter wie
beispielsweise Mineralölprodukte per Tankschiff von der PCK Raffinerie
im brandenburgischen Schwedt aus zu transportieren,
spielen bisher im Logistikkonzept des Unternehmens gar keine
Rolle; ein Interesse ist leider weder bei der Raffinerie noch beim
Hafen in Schwedt zu erkennen.
Es sind von verschiedenen Seiten Vorschläge gemacht worden,
die Raffinerie PCK nicht nur per Pipeline von Rostock sowie von
Danzig und Kasachstan mit Rohöl zu versorgen,
sondern per Übersee-Tanker bis
Stettin und weiter per Binnen-Tanker nach
Schwedt, um eine zuverlässige Auslastung
der Raffinerie sicherzustellen. Diese
Vorschläge wurden trotz nachgewiesener
technisch-wirtschaftlicher Machbarkeit
bisher von den für Infrastrukturplanung
und Lieferketten Verantwortlichen nicht
in Betracht gezogen, was wohl mit der gemischten
deutsch-russischen Eignerstruktur
zusammenhängt. Eine im Umfeld von
PCK entstehende Wasserstoff-Industrie
könnte unter Umständen zu geänderten
Anlieferungs- und Versand-Anforderungen
führen.
Ganz zu Anfang war die Abfertigung von Tankladungen eine
anscheinend attraktive Option, war dann aber irgendwann kein
Thema mehr. Wenn PCK an eine Bandbreite von Wasserstoffund
anderen nicht-fossilen Produkten denkt, wäre ein Versand
per Binnen- oder Binnen-/See-Tankschiff aus ökonomischer und
ökologischer Sicht naheliegend, d.h. Schwedt sollte einen Ausbau
zur Abfertigung von flüssigen Ladungen in Betracht ziehen.
Beim Umschlag von Trockenladungen sollten mehr hafentecchnische
Aktivitäten unter eigene Regie genommen werden.
© Privat
3. Die Zukunft liegt im Container
Die Zukunft der Güterschifffahrt auf den Oder-Wasserstraßen
wird aller Voraussicht nach bei einer Vielzahl höherwertiger, in
Containern transportierter Güter liegen – hier kann von großen
Nachfrage-Potenzialen und einem hohen Verkehrsverlagerungsbedarf
weg von der Straße ausgegangen werden. Diese
Entwicklung, die mit der Containereignung und Flachgängigkeit
der Fahrzeuge sowie mit Durchfahrtshöhen der Brücken und
der Leistungsfähigkeit der Häfen zu tun hat, wird auch publizistisch
zu verfolgen sein.
PCK Schwedt
Die PCK Raffinerie GmbH (ehemals VEB Petrolchemisches
Kombinat Schwedt) ist ein Erdölverarbeitungswerk in
Schwedt/Oder in der Uckermark (Brandenburg).
Die PCK-Raffinerie versorgt zu 95 Prozent die Länder
Berlin und Brandenburg mit Kraftstoffen, also Benzin,
Diesel, Flugturbinenkraftstoff und Heizöl. Der Marktanteil
an der gesamtdeutschen Kraftstoffproduktion beträgt
etwa zehn Prozent.
Gesellschafter sind die Mineralölkonzerne Rosneft (Russland,
derzeit ruhend), Shell und Eni.
40 Binnenschifffahrt 04 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
© Kapitel/WikimediaCCBY-SA 4.0
Der Stettiner Hafen gilt als möglicher zentraler Hub für die Logistik über die Oder
Seehafen Stettin-Swinemünde
Der Hafen Stettin-Świnoujście ist nach Danzig der zweitgrößte
Seehafen Polens. Die Lage an der Odermündung
macht Stettin zum natürlichen Seehafen für das gesamte
Einzugsgebiet dieses Stroms, vor allem des oberschlesischen
Industriegebiets um Katowice. Die dortige Stahlindustrie
benötigt Eisenerz, das über Stettin-Swinemünde
importiert und dort auf Binnenschiffe verladen wird. Die
zu exportierenden fertigen Stahlprodukte nehmen den
umgekehrten Weg, ebenfalls über Stettin.
2023 wurden im Hafen über 38. Mio. t Güter umgeschlagen.
Für 2030 ist die Eröffnung eines neuen Containerterminals
geplant. Seit 2017 wird massiv in die Offshore-
Industrie investiert. Vor allem dänische und spanische
Unternehmen bauen in Stettin Windkraftanlagen.
4. Profilsuche für Eisenhüttenstadt
Zu den im Binnenschifffahrt-Beitrag erwähnten Aktivitäten einzelner
Häfen der Oder-Region: Im Hafen Eisenhüttenstadt findet
derzeit kein Umschlag von Rohstoffen und Produkten des
Stahlwerks statt. Die Hütte hat sich wegen der aus ihrer Sicht
unsicheren Schiffbarkeitsbedingungen von der Schifffahrt völlig
abgewandt und setzt allein auf einen Transport mit der die Bahn.
Rohstoffe und Produkte der in Hafennähe befindlichen Papierfabrik
wären für Transporte per Binnenschiff über den Oder-
Spree-Kanal von Interesse, jedoch ist auch hier die Schiffbarkeit
durch zu niedrige Brücken und veraltete Schleusen erheblich
eingeschränkt. Der Hafen Eisenhüttenstadt muss seine Lage
an der Oder wieder verstärkt realisieren und und sich dortigen,
insbesondere von polnischer Seite betriebenen Entwicklungen
in Richtung auf verbesserte Schiffbarkeit öffnen und diese aktiv
unterstützen. Er sollte sich zu zum Hinterland orientieren,
bis hinauf nach Breslau und dem oberschlesischen Industriegebiet.
Er sollte versuchen, loco-Verlader beispielsweise Stahlwerk
(Schrott, Produkte) und Papierfabrik (Rohstoffe, Produkte),
für die Nutzung der Binnenschifffahrt neu zu gewinnen. Wichtig
wäre auch ein trimodaler Ausbau von Container-Abfertigungen.
Für eine Beseitigung der Engpässe auf dem Oder/Spree-Kanal
sollte man sich intensiv einsetzen. Wegen des geringen Interesses
der deutschen Verkehrspolltik an einer Oder-Schifffahrt
sollte sich Eisenhüttenstadt um eine Intensivierung von Kontakten
zu den Fachministerien des Bundes und des Landes und zur
GDWS bemüht sein.
Auch im Falle des brandeburgischen Hafens Eberswalde besteht
trotz hinreichender Ausstattung noch erheblicher Bedarf
an einem nachhaltigen Entwicklungskonzept. Zum Hafen
Schwedt hätte man in der Diskussion unbedingt einige Worte
verlieren sollen, denn er verfügt unter den deutschen Oder-Häfen
über die interessantesten Hinterland-Potenziale wie beispielsweise
Papierindustrie, Agrarwirtschaft, Stahlbau, Wasserstoff-Industrie,
eine günstige Lage mit der Verbindung zu den
Häfen in Szczecin/Stettin und Świnoujście/Swinemünde, der Einsetzbarkeit
von Fluss-/Seeschiffen und eine gute Ausstattung.
Man hat den Eindruck, dass Schwedt diese Potenziale bisher nur
zögerlich nutzt.
Binnenschifffahrt 04 | 2026
41
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
© Sebastian Wallroth/CC BY 4.0
Der Oder-Spreee-Kanal bei Eisenhüttenstadt. Das Potenzial der Wasserwege im Grenzgebiet zwischen Polen und Deutschland
wird derzeit nicht genutzt
5. Besondere Rolle
Ungeachtet des bereits abgegebenen
Votums für den Ausbau multimodaler
grenzüberschreitender Transportketten
wird die Rolle der polnischen Oder-Häfen
in der Diskussion zu wenig gewürdigt.
Es wäre naheliegend gewesen,
deutsche und polnische Häfen in einem
funktionalen und politischen Zusammenhang
zu sehen. Stettin wird als Partner
für Berlin angesprochen, aber dortige
neueste Entwicklungen in Bezug auf
Fahrwassertiefen und Schiffsgrößen wären
erwähnenswert gewesen. Nicht zuletzt
wäre auf die Besonderheit von zwei
Oder-Mündungshäfen hinzuweisen, die
teils kooperieren und teils im Wettbewerb
stehen – und die beide gleichzeitig
See- und Binnenhäfen sind.
sowie der Chance einer Hinterland-Verbindung
per Binnenschiff in Richtung
Schlesien und Breslau sowie Berlin/Brandenburg.
Dies ist jedoch derzeit auch
Gegenstand kontroverser Debatten mit
Umweltschützern.
■
6. Das Spannungsfeld
Swinemünde ist bisher auf Massenschüttgüter,
LNG und den Fährverkehr
spezialisiert. Hervorzuheben ist das Projekt
eines neuen Container-Terminals,
gelegen in einem wettbewerbspolitischen
Spannungsfeld zwischen Hamburg
und Danzig, mit der Option eines
Direktanlaufs großer Übersee-Dienste
Das Einzugsgebiet der Oder
© NordNordWest/CC BY-SA 3.0
42 Binnenschifffahrt 04 | 2026
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WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Mehr Schiffe, aber weniger Ladung
im Hafen Lüneburg
Der Umschlag im Hafen Lüneburg am Elbe-Seitenkanal bleibt auf hohem Niveau. Das
Rekordergebnis aus 2024 konnte im vergangenen Jahr allerdings nicht ganz gehalten werden.
Die Zahl der Binnenschiffe hingegen legte erneut zu
Von Januar bis Dezember wurden insgesamt 224 Binnenschiffe
abgefertigt, wie aus der jetzt vorgelegten Jahresbilanz der Hafengesellschaft
hervorgeht. Bei dieser Kennzahl gab es sogar ein
Wachstum, im Vorjahr waren es 186 Schiffe. Hinzu kamen 2025
insgesamt 170 Züge mit 1.729 Bahnwaggons und 1.195 Lkw.
Beim Güterumschlag musste hingegen ein Minus von 8 % auf
363.401 t in die Bücher genommen werden. Dennoch ist man in
Lüneburg nicht unzufrieden: »Es ist aber die dritthöchste Jahresumschlagsmenge
des letzten Jahrzehnts«, heißt es seitens der Hafengesellschaft.
Sie bewirtschaftet die Infrastruktur des Lüneburger
Hafens, mit seinen Umschlagflächen und dem Hafenbecken,
sowie die Hafen-, die Goseburg und die Gewerbebahn Melbeck-
Embsen und betreibt das operative Umschlaggeschäft im Binnenhafen
am Elbeseitenkanal.
Der Umschlag und die Geschäftsentwicklung seien abhängig
von der gesamtheitlichen Wirtschaftsentwicklung und speziell von
der jeweiligen Entwicklung in der südlichen Metropolregion Hamburgs
und besonders der Region Lüneburg.
Das Umschlag-Minus lässt sich konkret an den verschiedenen
Verkehrsträgern festmachen. So stieg der Schiffsumschlag von
184.223 t auf 243.752 t. Deutlich rückläufig hingegen war der
Bahnumschlag auf 93.211 t – von 175.191 in 2024. Der Landumschlag
hat sich auf 26.483 t reduziert.
Das Geschäft mit land- und forstwirtschaftlichen Produkten
wuchs um 77,4 % und der von Erzen und Metallabfällen um 124 %
deutlich zugenommen. Rückläufig hingegen war der Umschlag
von Steinen und Erden mit 44,7 %, der von Düngemitteln um 9,7 %
und der von sonstigen Gütern mit 83,8 %.
Der Hafen wird mittlerweile regelmäßig auch touristisch, durch
Ausflugsschiffe, genutzt. Die Anzahl der Passagiere beim Ein- und
Ausschiffen hat sich 2025 im Vergleich zum Vorjahr fast nicht verändert.
602 Passagiere sind im Hafen ein- und ausgestiegen. Auch
für 2026 liegen bereits Schiffsanmeldungen vor.
»2025 war aufgrund der guten Frequentierung der Anlagen und
der Abwicklung von Projektgeschäften, so zum Beispiel dem Umschlag
von Brückenteilen für die Hamburger Hochbahn, auch wirtschaftlich
ein gutes Jahr«, heißt es seitens der Verantwortlichen. Sie
rechnen mit einem »ausgeglichenen, positiven« Jahresergebnis.
Die Hafen-Gesellschaft konnte Erlöse aus dem operativen
Umschlaggeschäft in Höhe von 1,3 Mio. € und insgesamt rund
1,5 Mio. € erwirtschaften, dem fast in gleicher Höhe Aufwendungen,
vor allem Rückstellungen für die erforderliche Hafenbeckenentschlammung
in 2026, entgegenstehen, so dass insgesamt ein
ausgeglichenes Jahresergebnis in Höhe von rund 4.000 € erwartet
wird. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit, vor Steuern
und Zinsen, werde rund 30.000 € (EBIT) für 2025 betragen.
»Wir freuen uns darüber, dass wir wieder ein ausgeglichenes Jahresergebnis
in 2025 erwirtschaften konnten«, so Geschäftsführer
Lars Strehse. »Dadurch, dass wir seit 2014 nicht nur die Infrastruktur
des Hafens und der Industriebahnen bewirtschaften, sondern
auch das operative Hafengeschäft führen, fließen Überschüsse
vollständig wieder in den Erhalt und die Modernisierung der Anlagen.«
2026 bereitet Sorgen
So sei auch der Umbau und die Modernisierung des vorhandenen
Betriebsgebäudes, als auch der Neubau eines Waschplatzes für
LKW und Umschlaggeräte, inklusive Geräteunterstand, geplant.
Der Waschplatz wird auch unseren Kunden und den direkten Hafenanrainern
zur Nutzung zur Verfügung stehen.
Der Geschäftsführer weiter: »Sorgen hingegen bereitet uns das
laufende Wirtschaftsjahr 2026. Aufgrund des Krieges im Nahen
Osten explodieren auch bei uns die Energiekosten. Die DB InfraGo
GmbH saniert die Bahnhauptstrecke Hannover-Hamburg, so dass
unsere Bahnanlagen über fast 3 Monate nicht erreichbar sein sollen.
Wir hoffen, bis Ende März 2026 zu erfahren, wann die Arbeiten
ausgeführt werden sollen.«
RD
Regelmäßige Fahrtgastschiffe
Der Hafen Lüneburg am Elbe-Seiten-Kanal
© Hafen Lüneburg
44 Binnenschifffahrt 04 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Plus und Minus in Kehler Umschlag-Bilanz
Der Rheinhafen Kehl setzt seinen Wachstumskurs fort. Der Umschlag nähert sich einem
Rekordwert. In einigen Gütergruppen gab es zuletzt aber auch Rückgänge
Nach dem starken Plus von 32 % im Vorjahr meldete der Hafen
auch für 2025 erneut eine Zunahme des Umschlags. So stieg die
Schiffstonnage um 6,8 % und erreichte mit 4.429.601 t »nahezu
das Niveau des Rekordjahres 2020«, wie die Hafengesellschaft
mitteilte. Am Ende des Jahres, in dem der Kehler Hafen seinen
125-jährigen Geburtstag feierte, fehlten lediglich 1.779 t für
einen neuen Höchststand. Ein Plus gab es auch bei den Bahntransporten.
Sie legten um 2 % auf 2.709.209 t zu und erreichten
damit ebenfalls das zweitbeste Ergebnis. In der Summe liegt das
Kehler Transportvolumen bei Schiff und Bahn mit 7.138.810 t
5 % über dem Vorjahresergebnis von 6.800.711 t.
Im Gesamtjahr wurden 3.863 Schiffe registriert – 16 % mehr
als 2024. Die durchschnittliche Lademenge ging jedoch leicht
zurück, um 8 % auf 1.146 t. Zurückgeführt wird das auf »schlechtere
Fahrwasserverhältnisse«. Wichtigste Kundengruppe sind
nach wie vor Schiffe unter niederländische Flagge. Ihr Anteil liegt
bei 74 %, gefolgt von deutschen Schiffen mit 20 %.
Stabiler Ausblick mit »Aber«
Der Rheinhafen Kehl sieht sich »dank seiner günstigen Lage und
einer modern ausgebauten Infrastruktur« mittel- bis langfristig
gut aufgestellt. »Die Ergebnisse im angelaufenen Jahr lassen darauf
hoffen, dass sich der Trend beim Güterumschlag weiterhin
stabilisiert«, heißt es. Für eine positive Entwicklung bedürfe es
aber verlässlicher äußerer Rahmenbedingungen. »Handelskonflikte
und der Irankrieg sorgen aktuell für Kostensteigerungen
bei den Produktionsbetrieben. Unwägbarkeiten und wirtschaftliche
Herausforderungen bleiben vor diesem Hintergrund vorerst
bestehen«, so das Statement weiter. Oberstes Gebot für die
Hafenverwaltung bleibe, mit den ihr zur Verfügung stehenden
Mitteln für einen technisch wettbewerbsfähigen Standort und
zukunftsfähigen Umschlagsplatz am Oberrhein zu sorgen. Das
betrifft in erster Linie Verbesserungen der Infrastruktur mit
Wasserbecken, Gleisen und Straßen, aber auch den Aufbau eines
5G-Campusnetzes, das speziell für industrielle Anwendungen
hohe Datensicherheit bis 2027 in Betrieb gehen soll.
Die Güterarten in Kehl
Eisen- und Stahlwaren:
3.364.167 t (Anteil: 75,9 %) – ein Plus von 14,6 %
Hohe Energiepreise und steigende Stahlimporte aus Nicht-EU-
Ländern treffen auf eine schwache Nachfrag. Dennoch wurde
die Stahlproduktion im Kehler Hafen hochgehalten. Zu den Produkten
zählen Betonstahl in Stäben und Ringen, Walzdraht sowie
Bewehrungsprodukte für den Stahlbetonbau.
Düngerverladung in Kehlx
Alle übrigen Güter:
571.453 t (Anteil: 12,9 %) – ein Plus von 5,1 %
Die Transportmenge in dieser »Gemischtwarengruppe« stieg
um gut 5 %. Eine »beachtliche Dynamik« gab es im Containergeschäft,
so die Hafenverwaltung. Die Zahl der per Schiff umgeschlagenen
Containereinheiten erreichte 42.745 TEU, ein
Plus von 9 %. Zählt man die über Lkw und Bahn abgewickelten
Container hinzu, kommt das Terminal Kehl auf 154.521 TEU, ein
Zuwachs von 6,7 %. Der wasserseitige Umschlag von Zellulose
konnte nach einer deutlichen Erholung im Vorjahr in etwas gemäßigterem
Umfang zulegen: um 3,7 % auf 158.286 t. Bei den
anderweitigen Gütern wurde vor allem bei Holz sowie großvolumigen
Schwerlastgütern und Konstruktionsteilen ein deutliches
Plus verzeichnet, um 47 % auf 149.378 t.
Mineralölprodukte:
137.660 t (Anteil: 3,1 %) – ein Minus von 26 %
Zu den Gütergruppen mit negativem Vorzeichen gehören die
Mineralölprodukte. Der wasserseitige Güterumschlag ging in
diesem Bereich um 26 % auf einen historisch niedrigen Wert
von 137.660 t zurück. Der Umschlag von Diesel ermäßigte sich
deutlich um 38.699 t, der von Benzin stieg hingegen leicht um
1.153 t an. Schwächere Zahlen wurden auch beim Eingang von
Heizöl verzeichnet mit einem Rückgang um 9.576 t.
Getreide:
21.781 t (Anteil: 0,5 %) – ein Minus von 22,6 %)
Der wasserseitige Umschlag von Getreide gab erneut nach. Die
Transportmenge ermäßigte sich von 28.135 auf 21.781 t. Hauptumschlaggut
bleibt weiterhin Mais. Die Umschlagsmenge ging
bei diesem Produkt von 24.763 t auf 18.779 t zurück. Weizen
verharrte auf dem zuletzt niedrigen Niveau..
RD
© Rheinhafen Kehl
Binnenschifffahrt 04 | 2026
45
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
25 Mio. € für Logport I:
Duisport investiert, Siemens zieht ein
Der Hafenkonzern Duisport investiert weiter in die Zukunft des Hafenareals Logport I: In
Duisburg-Rheinhausen entsteht eine neue Montagehalle. Der Siemens-Konzern ist an Bord
Sie soll die früheren Längshallen ersetzen und deren Funktion
»zeitgemäß weiterführen«, hieß es jüngst angesichts des ersten
Spatenstichs. Ein langfristiger Mieter ist bereits gefunden:
Siemens wird die Immobilie für die Produktion von Schienenfahrzeugen
nutzen. Die Baumaßnahme soll bis Ende 2026 abgeschlossen
sein und der Einzug ist für Anfang 2027 geplant. Das
Investitionsvolumen liegt bei mehr als 25 Mio. €.
Duisport-CEO Markus Bangen sagte beim Spatenstich: »Der
Neubau stärkt die strategische Bedeutung von logport I. Mit
diesem Projekt setzen wir ein klares Signal: Wir entwickeln den
Standort Duisburger Hafen konsequent weiter und investieren
gezielt in seine Zukunftsfähigkeit.«
»Die Bedingungen, die wir hier auf dem Gelände vorgefunden
haben, sind ideal für die Errichtung einer modernen und nachhaltigen
Produktionshalle mit Gleisanschluss. Wir freuen uns mit
Duisport einen starken Partner an unserer Seite zu haben, mit
dem wir heute gemeinsam den Grundstein legen dürfen«, sagte
Matthias Wittemer, verantwortlich für das Deutschlandgeschäft
bei Siemens Mobility Real Estate, und fügte hinzu: »Mein Dank
gilt auch allen Beteiligten der Stadtverwaltung, die unsere Pläne
so konstruktiv mitgetragen haben. Wir fühlen uns willkommen
in Duisburg.«
Die fast 20.000 m 2 große Montagehalle realisiert die Firma
Goldbeck in den kommenden Monaten auf einem gut
40.000 m 2 umfassenden Areal mit direktem Anschluss an das
Duisport‐Gleisnetz. Hinzu kommen Außenflächen von über
20.000 m 2 sowie Büro- und Sozialräume auf einer Fläche von
rund 1.700 m 2 .
Oberbürgermeister Sören Link sagte: »Das langfristige Engagement
von Siemens in Duisburg belegt die Attraktivität unserer
Stadt als Wirtschaftsstandort mit Zukunft. Vor allem der Duisburger
Hafen treibt als leistungsstarker Motor mit exzellenten
Rahmenbedingungen die industrielle und logistische Entwicklung
Duisburgs weitsichtig voran.«
Zur Reduzierung des Energieverbrauchs werden LED-Beleuchtungssysteme
installiert und eine Anbindung an das vorhandene
Fernwärmenetz hergestellt. Auf dem Dach ist die Installation
einer Photovoltaik-Anlage vorgesehen. Damit erfüllt der Neubau
modernste technische und ökologische Standards, mit dem Ziel
eine Gold Zertifizierung nach DGNB (Deutsche Gesellschaft für
Nachhaltiges Bauen) anzustreben.
Im Inneren sind fünf Krananlagen mit einer Traglast von jeweils
10 t sowie zwei Gleise mit einer Länge von jeweils 223 m vorgesehen;
zudem werden zwei Wartungsgruben mit einer Länge
von jeweils 200 m eingerichtet. Durch die direkte Anbindung der
Halle an das Schienennetz soll eine effiziente und umweltfreundliche
Abwicklung der Logistikprozesse möglich gemacht werden.
Gleichzeitig werden die Lkw-Verkehre auf Logport I reduziert.
Die ehemaligen Längshallen stammten aus den 1930er Jahren.
Ihren Namen erhielten sie, weil die Hallendächer im Gegensatz
zu den sich in direkter Nachbarschaft befindenden »Querhallen«
von Norden nach Süden ausgerichtet sind. Um Platz für
eine zeitgemäße Immobilie zu schaffen und den aktuellen und
zukünftigen Anforderungen in Bezug auf Effizienz, Sicherheit
und Nachhaltigkeit gerecht zu werden, erfolgte 2023 und 2024
der Abriss der historischen Gebäude.
Die Werke von Siemens in Krefeld und Neuss sind einer der
wichtigsten Produktionsstandorte für Schienenfahrzeuge in
Deutschland. Sie sind bekannt für die Herstellung von Hochgeschwindigkeitszügen,
wie dem ICE, sowie Regional- und S-Bahnen.
Mit der Nähe des neuen Standorts im Duisburger Hafen
zum Hauptstandort Krefeld wurde, neben dem vorhandenen
Gleisanschluss, eine weitere wichtige Anforderung bei der geeigneten
Standortwahl erfüllt.
RD
So sollen die Anlagen von Siemens künftig aussehen
© Duisport
Die Modernisierungsarbeiten auf dem Logport-I-Areal laufen
© Duisport/Marco Stepniak
46 Binnenschifffahrt 04 | 2026
LOGISTIK
Dörpen positioniert sich für
Projektladung aus Emden und Hamburg
Der Hafen Dörpen im äußersten Nordwesten Deutschlands will sich stärker für die
Projektlogistik positionieren. Dafür rückt man enger mit Emden zusammen – auch mit Hamburg
gibt es eine neue Verbindung
Emden und Dörpen sind durch das ostfriesisch-emsländische Wassertraßennetz
gut miteinander verbunden. Mehr als 400 Binnenschiffe
verkehren pro Jahr zwischen beiden Häfen. Mit dem neuen
Vorstoß »Hafendialog Emden-Dörpen« soll neuer Schwung in die
Sache kommen – mit Unterstützung der Politik: Der CDU-Landtagsabgeordneten
Hartmut Moorkamp gilt als einer der Initiatoren
des Projekts. Er brachte kürzlich beim Güterverkehrszentrum
(GVZ) in der Samtgemeinde Dörpen Vertreter aus den beiden Häfen
Emden und Dörpen mit Politik und Verwaltung zusammen.
Moorkamp, der auch hafenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion
in Niedersachen und stellvertretender Landrat des
Landkreises Emsland ist, würdigte die seit mehr als 40 Jahren bestehende
enge Zusammenarbeit entlang der Ems: »Daran wird
deutlich, wie wichtig gut ausgebaute Wasserwege für die Wirtschaft
sind«, so Moorkamp, dessen Wahlkreis auch Dörpen umfasst.
Bürgermeister Hermann Wocken brachte für die Projektlogistik-
Initiative die 1967 gegründete Papierfabrik UPM Nordland Papier
ins Gespräch. Pro Jahr werden dort mehr 800.000 t an Fein-, Bürosowie
Schreib- und Spezialpapieren produziert. Sie sie die Keimzelle
der erfolgreichen Kooperation zwischen Emden und Dörpen.
Entsprechend will Wocken die Planungen zum Ausbau der Zusammenarbeit
beider Häfen unterstützen.
Reinhard Hegewald als Vorstand der Emder Hafenförderungsgesellschaft
(EHFG) betonte, die beiden nur rund 70 km auseinanderliegenden
Häfen hätten durch ihre enge Zusammenarbeit ganz
erheblich zur wirtschaftlichen Entwicklung entlang der Ems beitragen.
Weitere maritime Unternehmen sind betroffen: Die Anker
Schiffahrts-Gesellschaft mit Sitz im Emder Außenhafen verschifft
Der Bahnbetreiber Kombiverkehr hat für die EPAS eine neue Verbindung
zwischen Hamburg und Dörpen aufgenommen
© Kombiverkehr
Dörpens Bürgermeister Hermann Wocken (r.), Reinhard Hegewald
(EHFG, 6.v.r.), der Landtagsabgeordnete Hartmut Moorkamp (2.v.r.)
vor allem Zellulose und die im Emder Binnenhafen ansässige Firma
Omya vorrangig Flüssigkreide mit Binnenschiffen nach Dörpen.
Dort werden beide Grundstoffe in der Papierindustrie verarbeitet.
Künftig solle das GVZ zusätzlich auch von der Firma Ems Ports-
Agency & Stevedoring (EPAS) mit Sitz in Emden angesteuert werden.
Sie will Windkraftanlagen und Kabeltrommeln mit Binnenschiffen
ins Emsland bringen, sie dort lagern und anschließend an ihre
Aufstellungsorte in Deutschland und Europa weitertransportieren.
»Die Ems und der Küstenkanal sind für unser GVZ als dem
größten Nutzer beider Wasserstraßen schon heute von hoher Bedeutung«,
so Moorkamp. »Das wird sich durch die Planungen für
weitere Güter aus dem Hafen Emden jetzt noch verstärken, was
mich sehr freut. Und deshalb werden wir den gestarteten Dialog
zwischen beiden Häfen intensivieren und ihn regelmäßig durchführen
und zwar abwechselnd in Emden und Dörpen.«
Die Firma EPAS wurde wenige Tage nach dem Auftakttreffen
sodann als neuer Kunde des Bahnbetreibers Kombiverkehr vorgestellt:
»Gemeinsam mit unserem Traktionspartner Eisenbahnen
und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB) haben wir für unseren
Neukunden EPAS eine neue Verbindung zwischen dem Terminal
Hamburg-Waltershof (Eurokombi) und dem Terminal der DUK Dörpen«
aufgenommen, hieß es in einem Statement.
Auf den Zügen werden Bleche für Windkraftanlagen auf speziellen
40-Fuß-Flat-Rack-Containern transportiert. In der Startphase
sind vier Rundläufe innerhalb von zwei Wochen geplant. Perspektivisch
werde »eine Ausweitung auf regelmäßige Verkehre« geprüft,
so Kombiverkehr.
MM
© EFHG
Binnenschifffahrt 04 | 2026
47
LOGISTIK
Gefahr aus dem Netz: Die neue
Professionalität des Frachtbetrugs
© Jan Paulussen
Fracht lockt immer auch Kriminelle an. Mit zunehmender Digitalisierung werden die Übergriffe immer ausgefeilter
Die Kriminalität in der Logistikkette verlagert sich zunehmend in den digitalen Raum. Eine
gemeinsame Warnung der Verbände Iumi und Tapa Emea verdeutlicht: »Fake Carrier«
verursachen Schäden in Millionenhöhe. Die Branche muss dringend aufrüsten
Die Statistiken der Sicherheitsbehörden und Versicherer sprechen
eine deutliche Sprache: Ladungsdiebstahl ist kein rein
physisches Phänomen mehr, das sich auf das Aufschlitzen von
Planen oder den gewaltsamen Raub von Lkw begrenzt. Unter
dem Schlagwort »Fake Carrier Fraud« – Betrug durch falsche
Frachtführer – hat sich eine kriminelle Methodik etabliert, die die
globale Lieferkette an ihren empfindlichsten Stellen trifft: der
Identitätsprüfung und der digitalen Kommunikation. In einer
gemeinsamen Warnung rufen die International Union of Marine
Insurance (Iumi) und die Transported Asset Protection Association
(Tapa Emea) nun zu dringendem Handeln auf.
Vom Asphalt in den Cyberspace
Der Modus Operandi hat sich grundlegend gewandelt. Während
klassische Frachtdiebstähle oft Gelegenheits- oder Revierdelikte
waren, agieren moderne Tätergruppen wie hochspezialisierte
IT-Unternehmen. Sie nutzen digitale Werkzeuge, um Identitäten
etablierter Logistikunternehmen zu stehlen oder täuschend
echte Profile auf Frachtenbörsen zu erstellen. »Die Kriminalität
ist vom Asphalt in den Cyberspace abgewandert«, konstatieren
die Experten von Iumi und Tapa Emea. Allein in Nordamerika erreichten
die Verluste durch Ladungsdiebstahl im Jahr 2024 eine
Summe von 455 Mio. $, wobei die durchschnittliche Schadensumme
pro Vorfall bei über 200.000 $ liegt.
In Europa ist die entsprechende Entwicklung nicht minder
besorgniserregend. Die Tapa-Datenbank verzeichnete über
108.000 Diebstähle in mehr als 110 Ländern. Besonders tückisch:
Die Täter nutzen zunehmend Künstliche Intelligenz (KI),
um Dokumente zu fälschen, E-Mail-Korrespondenzen zu manipulieren
und sogar Telefonate mittels »Deepfake«-Technologien
zu führen. Wenn ein Lkw-Fahrer zur Abholung im Hafen oder
am Terminal erscheint, wirkt seine Dokumentation oft lückenlos
48 Binnenschifffahrt 04 | 2026
LOGISTIK
korrekt – doch die Ware erreicht nie ihren eigentlichen Bestimmungsort.
Die Schwachstelle »Frachtenbörse«
Frachtenbörsen sind das Rückgrat der kurzfristigen Kapazitätsplanung,
doch sie sind auch zum bevorzugten Jagdrevier der
Betrüger geworden. Das Prinzip ist simpel: Kriminelle registrieren
sich mit gestohlenen Firmendaten oder nutzen kurzzeitig
»gekapte« Accounts seriöser Speditionen. Sie nehmen lukrative
Aufträge an, oft unterhalb des Marktpreises, um den Zuschlag
schnell zu erhalten. Sobald die Ware verladen ist, verschwindet
das Fahrzeug mitsamt der Ladung.
Oft wird die Fracht sogar legal an einen ahnungslosen Subunternehmer
weitergegeben, der die Ware dann an einen von
den Betrügern kontrollierten Ort liefert (Double Brokering). Die
Versicherungsexperten warnen, dass der Zeitdruck in der Disposition
oft dazu führt, dass die notwendige Sorgfalt bei der
Prüfung neuer Partner vernachlässigt wird. Ein »Know Your Customer«-Prozess
(KYC), wie er im Bankwesen Standard ist, müsse
auch in der Logistik zwingend Einzug halten.
Herausforderungen für die
Versicherungswirtschaft
Für die Transportversicherer stellt diese Entwicklung eine enorme
Herausforderung dar. Frachtbetrug durch Täuschung ist oft
schwerer zu regulieren als ein klassischer Diebstahl. Viele Policen
enthalten Klauseln, die eine Haftung ausschließen, wenn die
Ware „freiwillig“ an Unbefugte ausgehändigt wurde – auch wenn
dies unter Vorspiegelung falscher Tatsachen geschah.
Die Iumi betont, dass die Komplexität der Fälle
zunimmt. Wenn ein digitaler Identitätsdiebstahl
vorliegt, verschwimmen die Grenzen zwischen
Transportversicherung und Cyberversicherung.
Die Versicherer fordern die Unternehmen daher
auf, ihre internen Kontrollmechanismen nicht
nur physisch, sondern vor allem organisatorisch
zu stärken. Die reine Überprüfung eines PDF-Dokuments
per E-Mail reicht im Zeitalter von Photoshop
und generativer KI nicht mehr aus.
Was können Unternehmen tun, um sich gegen
diese »unsichtbare« Gefahr zu wappnen? Die Experten
empfehlen eine mehrstufige Strategie.
An erster Stelle steht die Sensibilisierung der
Mitarbeiter. Disponenten müssen geschult werden,
Warnsignale (Red Flags) zu erkennen: Ungewöhnliche
E-Mail-Adressen, kurzfristige Änderungen
der Ansprechpartner oder des Lieferortes
sowie unrealistisch niedrige Frachtpreise sollten
sofort Misstrauen erwecken.
Technisch gesehen gewinnen Verifizierungstools
an Bedeutung. Digitale Signaturen, Blockchain-basierte
Dokumentation und die Verpflichtung
zur Zwei-Faktor-Authentifizierung bei der
Auftragsvergabe können die Hürden für Kriminelle massiv erhöhen.
Zudem wird eine engere Zusammenarbeit mit den Behörden
und der Austausch von Informationen über bekannte Betrugsmuster
innerhalb der Branche (Sharing Intelligence) immer
wichtiger. Tapa Emea bietet hierfür Plattformen an, auf denen
Vorfälle gemeldet und analysiert werden können.
Forderungen an die Politik
Iumi und Tapa Emea belassen es nicht bei Warnungen. Ihr Positionspapier
richtet sich explizit an Regierungen und Strafverfolgungsbehörden.
Es bedarf einer international koordinierten
Antwort auf diese grenzüberschreitend agierenden Banden.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen so angepasst
werden, dass Cyberbetrug im Transportwesen ebenso hart und
konsequent verfolgt wird wie physischer Raub.
Ein wesentlicher Baustein einer Sicherheitsstrategie ist zudem
die Etablierung einer internen »Whistleblower«-Kultur und der
regelmäßige Austausch mit Branchenverbänden. Da Kriminelle
oft identische Muster bei verschiedenen Marktteilnehmern
gleichzeitig testen, kann eine frühzeitige Warnung innerhalb
von Netzwerken wie Tapa oder spezialisierten Versicherungskreisen
Kettenreaktionen verhindern. Die Investition in Sicherheit
darf dabei nicht als bloßer Kostenfaktor gesehen werden,
sondern als Versicherung für die Integrität der gesamten Lieferkette.
Letztlich ist das Vertrauen der Kunden in eine manipulationsfreie
Logistik das höchste Gut, das es im digitalen Zeitalter
gegen die wachsende Professionalität der Tätermilieus zu
verteidigen gilt. Die Sicherheit der Lieferkette ist kein statischer
Zustand, sondern ein permanenter Prozess. Im Wettlauf gegen
hochtechnisierte Kriminelle darf die Logistikbranche nicht den
Anschluss verlieren.
PK
Vor allem Häfen sind Ziel von kriminellen Übergriffen
© Pixabay/niklas9416
Binnenschifffahrt 04 | 2026
49
SEEHÄFEN | SHORTSEA
Europas Fährschifffahrt
vor dem Systemwechsel
Die Elektrifizierung der Fährflotten ist keine ferne Vision mehr, sondern erreicht die operative
Realität. Zwischen technologischen Leuchttürmen wie Scandlines und neuen urbanen
Wasserbussen von Damen zeigt sich: Die Wende auf dem Wasser kommt. Von Peter Kleinort
© Scandlines
Die »Baltic Whale« von Scandlines fährt zwischen Puttgaden und Roedby mit batterieelektrischem Antrieb
Der maritime Sektor steht unter massivem
Dekarbonisierungsdruck. Während
die Hochseeschifffahrt noch über Ammoniak
oder Methanol debattiert, hat
das Segment der Kurzstrecken- und
Fährschifffahrt seine Wahl getroffen: Der
Akku wird zum Herzstück moderner Antriebe.
Eine aktuelle Studie im Auftrag
des Naturschutzbundes Deutschland
(Nabu) untermauert diesen Trend mit
beeindruckenden Zahlen, während Reedereien
wie Scandlines bereits Fakten
schaffen.
Wenn die »Baltic Whale« dieser Tage
ihren Dienst auf der Route zwischen dem
deutschen Puttgarden und dem dänischen
Rødby aufnimmt, ist das mehr als
nur eine Flottenerweiterung für Scandlines.
Es ist die physische Antwort auf eine
Debatte, die in Brüssel und Berlin oft nur
theoretisch geführt wird. Die neue Batterie-Frachtfähre
ist ein schwimmendes
Kraftwerk und markiert den vorläufigen
Höhepunkt einer Entwicklung, die das
Gesicht der europäischen Kurzstreckenseeschifffahrt
(Shortsea) grundlegend
verändern wird.
Die wissenschaftliche Flanke für diesen
Optimismus liefert eine Untersuchung
des Fraunhofer-Instituts für System- und
Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe
im Auftrag des Nabu. Die Ergebnisse, die
unter dem Titel »Saubere Alternative für
Europas Küsten« veröffentlicht wurden,
sind deutlich: Bis zum Jahr 2035 könnten
über 60 % der derzeit in europäischen
Gewässern operierenden Fähren technisch
auf vollelektrische oder Hybrid-Antriebe
umgestellt werden.
Dabei geht es nicht nur um ökologische
Kosmetik. Die Studie identifiziert
insbesondere Kurzstrecken von weniger
als 20 Seemeilen als »Low Hanging Fruits«.
Hier ist die Technologie bereits heute
marktreif und – bei Einberechnung
steigender CO 2
-Preise – zunehmend
wettbewerbsfähig. Der Nabu-Verkehrsexperte
Sönke Diesener betont dabei,
dass die Elektrifizierung der zentrale
Schlüssel sei, um die Schifffahrt mit den
Pariser Klimazielen in Einklang zu bringen.
»Wir haben die Technologie, wir haben
die Routen – was nun folgen muss,
ist der konsequente Aufbau der Lade-
50 Binnenschifffahrt 04 | 2026
SEEHÄFEN | SHORTSEA
infrastruktur in den Häfen«, so die Kernforderung
des Umweltschutzverbandes.
Scandlines als Taktgeber im
Fehmarnbelt
Wie dieser Aufbau in der Praxis aussieht,
lässt sich im Hafen von Puttgarden beobachten.
Scandlines hat hier massiv
investiert, um die »Baltic Whale« in Rekordzeit
zu laden. Mit einer Batteriekapazität
von rund 10 MWh ist das Schiff
darauf ausgelegt, die Überquerung rein
elektrisch zu bewältigen. Die Ladezeit
im Hafen korrespondiert dabei exakt
mit den Ent- und Beladezeiten der Lkw-
Fracht.
Für die Binnenschifffahrtsbranche, die
oft als Dienstleister für die Hinterlandlogistik
dieser großen Fährknoten fungiert,
ist diese Entwicklung von hoher
Relevanz. Die Häfen wandeln sich von
reinen Umschlagplätzen zu Energiehubs.
Wenn Seehäfen wie Rostock oder
Puttgarden ihre Netzanschlüsse für Megawatt-Charging
ertüchtigen, entstehen
Synergieeffekte, von denen langfristig
auch die Binnenschifffahrt profitieren
kann – etwa durch standardisierte Landstrom-
und Ladeschnittstellen.
Dass die elektrische Revolution nicht
an den Kaikanten der großen Seehäfen
halt macht, beweist die niederländische
Werftgruppe Damen Shipyards. Mit der
Vorstellung ihres ersten vollelektrischen
Wasserbusses zielt Damen auf den urbanen
Personenverkehr in Metropolregionen
ab. Diese Schiffe, oft als »Fast Ferry«
konzipiert, zeigen, dass hohe Geschwindigkeiten
und rein elektrischer Antrieb
kein Widerspruch mehr sein müssen.
wird das Schiff zum integralen Bestandteil
der »Smart City«.
Doch trotz aller Euphorie bleiben Hürden.
Die NABU-Studie verschweigt nicht,
dass die Verfügbarkeit von grünem
Strom in den Häfen der limitierende Faktor
bleibt. Ein Fährhafen, in dem gleichzeitig
zwei oder drei Großfähren laden,
benötigt Netzanschlüsse, die mit mittelgroßen
Industriestädten vergleichbar
sind. Hier ist die Politik gefordert, die
rechtlichen Rahmenbedingungen für
den Netzausbau zu beschleunigen.
Zudem stellt sich für viele kleinere
Reedereien und Partikuliere die Frage
der Finanzierung. Während Großunternehmen
wie Scandlines solche Projekte
aus eigener Kraft oder mit gezielten Förderkrediten
stemmen können, benötigt
der Mittelstand Planungssicherheit. Die
Betriebskosten (Opex) von E-Fähren
liegen zwar deutlich unter denen konventioneller
Schiffe, doch die Investitionskosten
(Capex) sind durch die teuren
Batteriespeicher nach wie vor eine
Barriere.
Die Elektrifizierung ist im Segment
Shortsea und Urbaner Verkehr angekommen.
Die »Baltic Whale« und der Damen-
Wasserbus sind keine Prototypen mehr,
sondern Vorboten eines neuen Standards.
Die Trennung zwischen »Maritimer Schifffahrt«
und »Binnenwasserstraße« weicht
technologisch auf. Die Ladeinfrastruktur
der Zukunft wird an den Schnittstellen
entstehen, wo Seehafen und Hinterland
aufeinandertreffen. Wer sich heute mit
der Batterietechnologie befasst, sichert
sich den Zugang zum Markt von morgen.
Die zugrundeliegende Untersuchung
des Nabu verdeutlicht, dass insbesondere
die deutschen Küsten- und Binnengewässer
prädestiniert für den Umstieg sind. Die
Studie identifiziert allein für den Bereich
der deutschen Nord- und Ostsee über 40
Fährverbindungen, die technisch bereits
heute auf vollelektrischen Betrieb umgestellt
werden könnten. Das Einsparpotenzial
an CO 2
-Emissionen ist dabei gewaltig:
Würden lediglich die zehn meistfrequentierten
Routen elektrifiziert, entspräche
die jährliche CO 2
-Reduktion dem Ausstoß
von etwa 50.000 Mittelklasse-Pkw.
Doch der Nabu blickt über den maritimen
Tellerrand hinaus. Auch für die
Binnenwasserstraßen, insbesondere im
urbanen Pendlerverkehr in Metropolregionen
wie Berlin, Hamburg oder dem
Ruhrgebiet, bietet die Elektrifizierung
enorme Chancen.
Hier können E-Fähren nicht nur zur
Dekarbonisierung beitragen, sondern
durch den Wegfall von Motorenlärm
und Vibrationen auch die Akzeptanz für
den Wasserbus als ÖPNV-Alternative
massiv steigern.
Trotz der technologischen Reife der
Schiffe bleibt die landseitige Infrastruktur
das größte Hindernis. Ein Sprecher
des Nabu betont: »Es nützt das beste E-
Schiff nichts, wenn die Ladeleistung am
Anleger nicht ausreicht, um die Batterien
während der kurzen Liegezeiten im
Umlaufplan zu füllen.« ■
Wichtiges Signal für
Binnenverkehre
Für die Binnenschifffahrt ist dies ein
Signal für neue Geschäftsfelder. Die Integration
von Wasserbussen in den öffentlichen
Personennahverkehr (ÖPNV)
gewinnt in Städten wie Hamburg, Berlin
oder entlang des Rheins massiv an Bedeutung.
Die Technologie, die Damen
hier präsentiert, basiert auf modularen
Batteriesystemen, die je nach Einsatzprofil
skaliert werden können. Damit
Der »Waterbus 2907« von Damen ist für den innerstädtischen Verkehr konzipiert
© Damen Shipyards
Binnenschifffahrt 04 | 2026
51
RECHT
Mannheimer Akte geht
EU-Recht vor! (Niederländische
Entscheidung)
»Revidirte Rheinschiffahrts-Acte« von 1868, Foto: ZK
Die Mannheimer Akte ist ein Übereinkommen im Sinne von Art. 71 EuGVVO (»EEX Verordnung«) und geht daher den europäischen Regelungen zur
internationalen Zuständigkeit vor.
Die Zielsetzung der Zuständigkeitsvorschriften der Mannheimer Akte, ein möglichst einfaches und schnelles Verfahren vor einem ortskundigen
Gericht zu ermöglichen, rechtfertigen eine Abweichung von dem Grundsatz, dass am Wohnsitz des Beklagten zu klagen ist (vgl. Erwägungsgrund
15 der EuGVVO). Die Ziele und Grundsätze der EuGVVO werden daher durch die Mannheimer Akte nicht beeinträchtigt.
Aus der Entstehungsgeschichte der Art. 35 ff. der Mannheimer Akte ergibt sich, dass deren Zuständigkeitsvorschriften ausschließlich sind.
Urteil im Zwischenverfahren vom 4. März 2026
Vorbemerkung:
Die nachstehende deutsche Übersetzung des niederländischen
Urteils des Rheinschiffahrtsgericht
Gelderland (Sitz Arnheim) betrifft eine Havarie, die
sich auf dem Rhein in Deutschland ereignet hat.
Die Havarie hatte zwei Klagen zur Folge. Eine Klage
wurde in den Niederlanden anhängig gemacht
(»Hinprozess«), die andere in Deutschland (»Zurückprozess«).
Wir haben über die im deutschen Zurückprozess
ergangene Entscheidung des Rheinschiffahrtsobergerichts
Köln zur Zuständigkeit
bereits in der Februarausgabe (Sammlung Seite
2978) berichtet.
Das Rheinschiffahrtsobergerichts Köln hatte entschieden,
dass die Mannheimer Akte der EuGVVO
vorgeht und dass das örtliche Rheinschiffahrtsgericht
Duisburg-Ruhrort für die streitgegenständliche
Havarie ausschließlich zuständig ist.
Nunmehr wurde auch im niederländischen Hinprozess
eine Entscheidung über die Zuständigkeit gefällt.
Das Rheinschiffahrtsgericht Gelderland (Sitz
Arnheim) hat sich inhaltlich dem Beschluss des
Rheinschiffahrtsobergerichts Köln angeschlossen.
Es hat ebenfalls entschieden, dass die Mannheimer
Akte den Zuständigkeitsvorschriften der EuGVVO
vorgeht und eine ausschließliche Zuständigkeit der
örtlichen Rheinschiffahrtsgerichte begründet. Es
hat sich daher zur Entscheidung über die Havarie in
Deutschland für unzuständig erklärt.
Die Entscheidung ist sehr zu begrüßen, weil sie einen
Gleichlauf der deutschen und der niederländischen
Rechtsprechung in dieser wichtigen Frage
der internationalen Zuständigkeit schafft. Unter
Zugrundelegung der deutschen und der niederländischen
Entscheidung ist nunmehr klar, dass sowohl
in Deutschland als auch in den Niederlanden
in Rheinschifffahrtssachen die internationale,
sachliche und örtliche Zuständigkeit nach der
Mannheimer Akte und nicht nach der EuGVVO zu
bestimmen ist. Die örtlichen Rheinschiffahrtsgerichte
sind ausschließlich zuständig.
Rechtsanwalt Dr. Moritz Fischer,
Frankfurt am Main
Urteil im Zwischenverfahren vom
4. März 2026
in der Sache
1. der Gesellschaft mit beschränkter Haftung …
B.V.,
2. dem Verein mit voller Rechtsfähigkeit ...,
beide mit Sitz in Breda, Kläger in der Hauptsache,
Beklagte in der Zuständigkeitsklage,
Beklagte in dem unter Vorbehalt erhobenen
Freistellungsvorverfahren, im Folgenden gemeinsam
bezeichnet als: Z,
Rechtsanwalt: ...,
gegen
die Gesellschaft mit beschränkter Haftung A,
mit Sitz in Hendrik-Ido-Ambacht, Beklagte in der
Hauptsache,
Klägerin im Zuständigkeitsstreit,
Klägerin in dem unter Vorbehalt eingeleiteten
Freistellungsvorverfahren, im Folgenden: A,
Rechtsanwalt: ...
[…]
2. Der Streitfall in der Hauptsache
2.1. Z ist Eigentümerin des Motorpassagierschiffs
De Zonnebloem. A ist Eigentümerin des
Binnenschiffs Servia. Am 29. März 2025 sind diese
Schiffe auf dem Rhein bei Voerde (Nordrhein-
Westfalen, Deutschland) zusammengestoßen.
Dadurch ist ein Schaden entstanden. Z macht in
diesem Verfahren unter anderem geltend, dass
das Gericht A zur Zahlung von Schadensersatz
verurteilen solle.
3. Die Zuständigkeitsfrage
3.1. A erhebt eine Zuständigkeitsvorfrage. Sie
beantragt, dass sich das Gericht für unzuständig
erklärt, über die Ansprüche zu entscheiden. Sie
begründet diesen Antrag wie folgt. Die Kollision
habe sich in Deutschland bei Rheinkm 809 ereignet.
Daher sei nach Ansicht von A ausschließlich
das Rheinschiffahrtsgericht Duisburg-Ruhrort
für die Entscheidung über die Klage zuständig.
Dies leitet sie aus Art. 34 Abs. 2 Buchstabe c und
Art. 35 der Revidierten Rheinschifffahrtsakte
ab.[1] Sowohl die Niederlande als auch Deutschland
haben die Revidierte Rheinschifffahrtsakte
unterzeichnet.
3.2. A macht ferner Folgendes geltend: Die internationale,
sachliche und örtliche gerichtliche Zuständigkeit
für die Entscheidung über Unfälle auf
dem Rhein sei in der Revidierten Rheinschifffahrtsakte
abschließend geregelt. Diese Regelung
habe nach Ansicht von A Vorrang vor der
EEX-Verordnung.[2] Dies leitet sie aus Art. 351
AEUV[3] ab, in dem es heißt, dass die Rechte und
Pflichten, die sich aus vor dem 1. Januar 1958 zwischen
einem oder mehreren Mitgliedstaaten einerseits
und einem oder mehreren Drittstaaten
andererseits geschlossen wurden, von den Bestimmungen
der Verträge (womit EUV und AEUV
gemeint sind)[4] unberührt bleiben. Die Revidierte
Rheinschifffahrtsakte ist ein solcher Vertrag.
3.3. A beruft sich ferner auf Art. 71 der EEX-Verordnung.
Dessen Absatz 1 bestimmt, dass diese
Verordnung Verträge unberührt lässt, denen die
Mitgliedstaaten beigetreten sind und die für besondere
Rechtsgebiete die gerichtliche Zuständigkeit,
die Anerkennung und die Vollstreckung
von Entscheidungen regeln. A zitiert den Wortlaut
von Art. 71 Abs. 2 Buchstabe a und b[5].
Nach Ansicht von A stellen die Zuständigkeitsvorschriften
der Revidierten Rheinschifffahrtsakte
ein lex specialis gegenüber den Zuständigkeitsvorschriften
der EEX-Verordnung dar, weshalb die
Vorschriften der Revidierten Rheinschifffahrtsakte
Vorrang vor denen der EEX-Verordnung haben.
3.4. A macht ferner geltend, dass sie ein Verfahren
vor dem Rheinschiffahrtsgericht Duisburg-
Ruhrort eingeleitet habe, nachdem Z das vorliegende
Verfahren angestrengt hatte. Z hat in
dieser Sache den Standpunkt vertreten, dass
dieses Gericht nicht zuständig sei. Im Berufungsverfahren
hat das Rheinschiffahrtsobergericht
Köln in einem Urteil vom 6. November 2025
entschieden, dass das Verfahren nicht ausgesetzt
wird, da ausschließlich das Amtsgericht
Duisburg-Ruhrort zuständig sei. Das Rheinschiffahrtsobergericht
stützt seine Beurteilung der
Zuständigkeit des Amtsgerichts auf die Revidierte
Rheinschifffahrtsakte, die Vorrang vor der
EEX-Verordnung hat (Art. 71 EEX-Verordnung).
3.5. Z vertritt in der Klageschrift den Standpunkt,
dass das Gericht Gelderland, Standort
Arnheim, als Rheinschiffahrtsgericht für die Entscheidung
über die Klage zuständig ist, da dort
der Ort der Kollision liegt.[6] Welcher Ort das ist,
steht nicht in der Klageschrift[7]. In der Ergänzung
zur Klageschrift steht dies jedoch, nämlich
Deutschland.[8]
52 Binnenschifffahrt 04 | 2026
(Sammlung Seite 2985)
RECHT
3.6. In dieser Angelegenheit vertritt Z daher einen
anderen Standpunkt. Ihrer Ansicht nach ist
das niederländische Gericht zuständig, da A seinen
Sitz in den Niederlanden hat. Sie beruft sich
auf Art. 4 Abs. 1 der EEX-Verordnung, in dem der
Grundsatz verankert ist, dass Personen, die ihren
Wohnsitz im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats
haben, vor den Gerichten dieses Mitgliedstaats
zu verklagen sind. Z räumt ein, dass in der
Revidierten Rheinschifffahrtsakte festgelegt ist,
dass die Zuständigkeit für die Entscheidung in
Zivilsachen bei Streitigkeiten über Zusammenstöße
auf dem Rhein beim Rheinschiffahrtsgericht
des Ortes liegt, an dem der Schaden verursacht
wurde (Art. 34 und 35 der Revidierten
Rheinschifffahrtsakte). Sie verweist jedoch auf
ein Urteil des Gerichtshofs vom 19. Dezember
2013.«[9] Aus diesem Urteil leitet sie ab, dass
Art. 71 der EEX-Verordnung so auszulegen ist,
dass er es verbietet, ein Übereinkommen über
einen besonderen Gegenstand, das von der
EEX-Verordnung unberührt bleibt (in diesem
Fall also die Revidierte Rheinschifffahrtsakte), in
einer Weise ausgelegt wird, die die Einhaltung
der dieser Verordnung zugrunde liegenden Ziele
und Grundsätze nicht unter mindestens ebenso
günstigen Bedingungen gewährleistet, wie
sie diese Verordnung vorsieht. Z beruft sich in
diesem Zusammenhang auf Erwägungsgrund
15 der EEX-Verordnung, in dem es heißt:
Die Zuständigkeitsvorschriften müssen in hohem
Maße vorhersehbar sein, wobei grundsätzlich
gilt, dass die Zuständigkeit im Allgemeinen
auf den Wohnsitz des Beklagten gestützt wird.
Die Zuständigkeit muss stets auf dieser Grundlage
begründet werden können, außer in einer
geringen Anzahl klar umschriebener Fälle, in denen
der Streitgegenstand oder die Parteiautonomie
einen anderen Anknüpfungspunkt rechtfertigt.
(...)
Nach Ansicht von Z wäre die Einhaltung der dieser
Verordnung zugrunde liegenden Ziele und
Grundsätze nicht gewährleistet, wenn die Revidierte
Rheinschifffahrtsakte so ausgelegt würde,
dass ausschließlich das Rheinschiffahrtsgericht
des Ortes zuständig wäre, an dem der
Schaden verursacht wurde. Z weist ferner darauf
hin, dass in der Revidierten Rheinschifffahrtsakte
nicht festgelegt ist, dass das dort benannte
Gericht ausschließlich zuständig ist.
Daraus schließt sie, dass die Revidierte Rheinschifffahrtsakte
die Möglichkeit nicht ausschließt,
dass das (Rheinschiffahrts-)Gericht am
Wohnsitz des Beklagten zuständig ist. Daher sei
ihrer Ansicht nach die EEX-Verordnung anwendbar.
Sie kommt zu dem Schluss, dass das niederländische
Gericht, d. h. das niederländische
Rheinschiffahrtsgericht, gemäß Art. 4 Abs. 1
EEX-Verordnung zuständig ist, auch wenn in den
Art. 34 und 35 der Revidierten Rheinschifffahrtsakte
nicht vorgesehen ist, dass das
(Rheinschiffahrts-)Gericht am Wohnsitz des Beklagten
zuständig ist.«[10]
3.7. Das Gericht stellt hierzu Folgendes fest: Gegenstand
des vorliegenden Rechtsstreits ist die
Haftung für Schäden infolge einer Kollision auf
dem Rhein außerhalb des Zuständigkeitsbereichs
des Gerichts Gelderland, Standort Arnheim.
Aufgrund der Artikel 34 und 35 der Revidierten
Rheinschifffahrtsakte ist ein anderes
Gericht als dieses für die Entscheidung darüber
zuständig, da der Schaden nicht im Zuständigkeitsbereich
dieses Gerichts verursacht wurde.
Aus der Entstehungsgeschichte der Artikel 35 ff.
der Revidierten Rheinschifffahrtsakte leitet das
Gericht ab, dass diese Zuständigkeitsvorschriften
ausschließlich gelten. Die Revidierte Rheinschifffahrtsakte
ist damit ein Übereinkommen
im Sinne von Art. 71 der EEX-Verordnung. Die
Anwendung dieser Zuständigkeitsregeln aus
der Revidierten Rheinschifffahrtsakte in dieser
Weise beeinträchtigt nicht die Ziele und Grundsätze,
die der EEX-Verordnung zugrunde liegen.
Kollisionen auf dem Rhein im Sinne von Art. 34,
Einleitung und unter II, Buchstabe c, der Revidierten
Rheinschifffahrtsakte können nämlich
mit den klar umschriebenen Fällen gleichgesetzt
werden, in denen der Streitgegenstand es
rechtfertigt, dass die Zuständigkeit des Gerichts
auf etwas anderem als dem Wohnsitz des Beklagten
beruht, wie in Erwägungsgrund 15 der
EEX-Verordnung genannt. Dies liegt daran, dass
die Revidierte Rheinschifffahrtsakte darauf abzielt,
ein so einfaches und so schnelles Verfahren
wie möglich[11] zu gewährleisten, und weil
das Gericht des Ortes, an dem sich die Kollision
ereignet hat, am besten über die Situation vor
Ort informiert und daher am besten in der Lage
ist, über die Haftung für Schäden infolge dieser
Kollision zu entscheiden.[12] Die Schlussfolgerung
lautet, dass es keinen Grund gibt, die Zuständigkeitsbestimmung
aus der Revidierten
Rheinschifffahrtsakte nicht in dieser Weise vorrangig
vor der EEX-Verordnung anzuwenden.
3.8. Das Gericht hält es für die Urteilsfindung
nicht für erforderlich, dass der Gerichtshof eine
Vorabentscheidungsfrage zu diesem Punkt beantwortet,
wie dies von Z beantragt wird. Es
wird daher keine Vorabentscheidungsfrage stellen
(Art. 267 des Vertrags über die Arbeitsweise
der Europäischen Union).
3.9. Aufgrund des Vorstehenden wird sich das
Gericht für unzuständig erklären, über diese
Streitigkeit zu entscheiden.
3.10. Z unterliegt im Zuständigkeitsvorverfahren.
Daher wird sie zur Tragung der Prozesskosten
der Hauptsache und des Vorverfahrens verurteilt.
[…]
5. Die Entscheidung
in der Zuständigkeitsfrage
5.1. erklärt sich für unzuständig, über die Klage
zu entscheiden,
5.2. verurteilt Z gesamtschuldnerisch zur Tragung
der Prozesskosten, die auf Seiten von A auf
653,00 € Anwaltshonorar (ein Punkt, Tarif II)
veranschlagt werden,
5.3. erklärt diese Verurteilung zur Tragung der
Prozesskosten für vorläufig vollstreckbar,
in der Hauptsache
5.4. verurteilt Z gesamtschuldnerisch zur Tragung
der Prozesskosten, die auf Seiten von A auf
null veranschlagt werden,
im bedingten Freistellungsantrag
5.5. wird festgestellt, dass die Bedingung, unter
der A den Freistellungsantrag gestellt hat, nicht
eingetreten ist.
Dieses Urteil wurde von … gefällt und am 4.
März 2026 öffentlich verkündet.
[1]»Revidierte Rheinschifffahrtsakte, Mannheim,
17. Oktober 1868«
[2] Verordnung (EU) Nr. 1215/2012 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 12. Dezember
2012 über die gerichtliche Zuständigkeit
und die Anerkennung und Vollstreckung von
Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen
(Neufassung)
[3] Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen
Union, Rom, 25. März 1957
[4] EUV und AEUV, Vertrag über die Europäische
Union, Maastricht, 7. Februar 1992
[5] Siehe die Nebenanträge unter 4 und unter
12. Der vollständige Wortlaut von Art. 71 lautet:
»(1) Diese Verordnung lässt die Übereinkommen
unberührt, denen die Mitgliedstaaten beigetreten
sind und die für besondere Rechtsgebiete
die gerichtliche Zuständigkeit, die Anerkennung
und die Vollstreckung von Entscheidungen regeln.
(2) Um eine einheitliche Auslegung von Absatz 1
zu gewährleisten, wird dieser Absatz wie folgt
angewandt:
a) Diese Verordnung hindert ein Gericht eines
Mitgliedstaats, der Vertragspartei eines Übereinkommens
oder einer Vereinbarung über einen
bestimmten Gegenstand ist, nicht daran,
gemäß diesem Übereinkommen oder dieser
Vereinbarung über eine Sache zu entscheiden,
auch wenn der Beklagte seinen Wohnsitz im Hoheitsgebiet
eines Mitgliedstaats hat, der nicht
Vertragspartei dieses Übereinkommens oder
dieser Vereinbarung ist. Das Gericht wendet in
jedem Fall Artikel 28 dieser Verordnung an;
b) Entscheidungen, die ein Gericht eines Mitgliedstaats
aufgrund einer gerichtlichen Zuständigkeit
getroffen hat, die sich aus einem
Übereinkommen oder Vertrag über eine besondere
Rechtssache ergibt, werden in den anderen
Mitgliedstaaten gemäß dieser Verordnung
anerkannt und vollstreckt.
Legt ein Übereinkommen oder eine Vereinbarung
über eine besondere Rechtssache, dem
bzw. der sowohl der Ursprungsmitgliedstaat als
auch der ersuchte Mitgliedstaat angehört, Bedingungen
für die Anerkennung oder Vollstreckung
von Entscheidungen fest, so finden diese
Bedingungen Anwendung. In jedem Fall können
die Bestimmungen dieser Verordnung über die
Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen
angewendet werden.«
[6] Klagebegründung 23
[7] Klagebegründung 3, 5, 7
[8] Ergänzende Klagebegründung 5
[9] EuGH 19. Dezember 2013 (EC-
LI:EU:C:2013:858)
[10] Klagebeantwortung in den Zuständigkeitsvorfragen
5 und 6
[11] »Art. 36 Revidierte Rheinschifffahrtsakte,
vgl. ECLI:RBROT:2020:5478 Rn. 5.8«
[12] Vgl. Gerichtshof der Europäischen Union 3.
April 2014 (C-438/12) Rn. 41
(Sammlung Seite 2986)
Binnenschifffahrt 04 | 2026
53
BUYER’S GUIDE
Buyer’s Guide
Drehscheibe von Herstellern, Dienstleistern,
Experten und Zulieferern
1 Werften
2 Antriebsanlagen
3 Motorkomponenten
4 Schiffsbetrieb
5 Korrosionsschutz
6 Schiffsausrüstung
7 Hydraulik | Pneumatik
8 Bordnetze
9 Mess- | Regeltechnik
10 Navigation | Kommunikation
11 Konstruktion | Consulting
12 Umschlagtechnik
13 Container
14 Hafenbau
15 Häfen
16 Finanzen
17 Makler
18 Reedereien
19 Datenverarbeitung
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Tel. +49 (0)40 70 70 80-225
Werften
Yards
Antriebsanlagen
Propulsion
Motoren
Engines
1
2
Volvo Penta
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54 Binnenschifffahrt 04 | 2026
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Binnenschifffahrt 04 | 2026
55
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56 Binnenschifffahrt 04 | 2026
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Binnenschifffahrt 04 | 2026
57
BDS
Bundesverband der Selbständigen Abteilung Binnenschiffahrt e. V.
Vertreten durch den Vorsitzenden Torsten Stuntz, MS »Stella Maris« und die stellvertretenden Vorsitzenden
Nikolaus Hohenbild, Detlef Maiwald, Stephen Mnich, Gebr. Mnich OHG
Geschäftsstelle und Schriftleitung: Dirk-Uwe Klaas, Sekretariat Birgit Kühn
August-Bier-Str. 18 | 53129 Bonn | Tel. 0228 / 746377 | Fax 0228 / 746569 | zentrale@bds-binnenschiffahrt.de
BDS im Dialog mit neuer GDWS-Präsidentin
Anfang März trafen sich bei der GDWS in Bonn der geschäftsführende
BDS-Vorstand mit der neuen GDWS-Präsidentin Anke Leue
und Ihren leitenden Mitarbeitern. Als zentrale Bundesbehörde
der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes im
BMV ist sie die zentrale und wichtige Anlaufstelle für unser Gewerbe.
Ohne eine reibungslos funktionierende Zusammenarbeit
bei dem gemeinsamen Anliegen, die fast 1.500 km Wasserstraßen
und ihre Bauwerke in einwandfreiem Zustand zu halten und
wo nötig auszubauen führt dies unmittelbar zu Problemen. Wir
können nicht mehr rentabel und wirtschaftlich unsere Versorgungs-
und Logistikaufgaben für unsere Kunden erfüllen und
unsere Wasserinfrastruktur geht weiter den Bach runter. Genau
darum eint uns das nachhaltige Interesse, die existentiellen Funktionen
unserer Wasserstraßen vollumfänglich aufrecht zu erhalten.
Wir brauchen funktionsfähige Fahrwege und Schleusen 24/7.
Große Herausforderungen
Ministerialbürokratie kennt die neue Präsidentin aus verschiedensten
Verantwortungen ebenso intensiv wie das Projektmanagement.
Das wird Ihr bei der notwendigen Behördentransformation
sicher eine große Hilfe sein. Denn unbestritten steht die
GDWS vor großen Herausforderungen.
Chronische Unterfinanzierung und
Personalabbau
Diese toxische Mischung ist alarmierend für unsere Branche und
verspricht für die nahe Zukunft keine Verbesserung der bestehenden
Verhältnisse. Im Gegenteil. Mit zu wenig Geld ausgestattet
soll die GDWS jetzt auch noch in den nächsten Jahren acht
Prozent Personal einsparen. Diese Stelleneinsparvorgaben sind
für den Betrieb der Wasserstraßen mehr als belastend. Bereits
mit dem jetzigen Personalbestand kommt es viel zu häufig zu einer
Einschränkung z.B. der Schleusenbetriebszeiten. Wenn schon
gegenwärtig keine 24/7 Befahrbarkeit sichergestellt werden
kann: wie soll das erst nach weiterem Personalabbau aussehen.
Hier sind schlimmste Befürchtungen angebracht und auch nicht
durch technischen Fortschritt ausgleichbar. Absehbar ist- wenn
diese Fehlentwicklung nicht aufgehalten wird- eine weitere Verlängerung
der Fahrtzeiten verbunden mit finanziellen und Wettbewerbsnachteilen.
Der BDS setzt sich dafür ein, dass mindestens die operativen
und sicherheitsrelevanten Bereiche der WSA-Arbeit von diesen
Stelleneinsparungen ausgenommen werden. In diesem Punkt
gab es große Einigkeit zwischen BDS-Vorstand und GDWS-Führung.
Die Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes v.l. Vorsitzender
Torsten Stuntz, Detlef Maiwald, Klaus Hohenbild, Andrea Vomfell und
Stephen Mnich
Bis 2029 fehlen im Wasserstraßenetat fast drei Milliarden Euro.
So wird der Verfall unserer Infrastruktur anhalten und teilweise
ohnehin schon längst überfällige bauliche Maßnahmen auch
künftig nicht realisiert werden. Wir fahren also weiter auf Verschleiß.
Und das in Zeiten der Epochenwende, wo es auf resiliente
und leistungsfähige Häfen und Wasserstraßen umso mehr ankommt.
Es ist und bleibt ein Treppenwitz der Geschichte, dass die
Riesenversprechen dieser Regierung mit dem riesen Sondervermögen
für die Binnenschiffahrt null bringt. Nicht ein einziger
Cent der 500 Milliarden € neuer Schulden (pardon: Sondervermögen)
fließt in unsere Branche. Dieser Skandal trifft uns als Binnenschiffer
mit Wucht und Härte. Gegenüber Straße und Schiene
finden wir - trotz anderslautender Lippenbekenntnisse
- schlicht nicht statt. Unsere Branche verfügt auch nicht über
eine schlag- und einflusskräftige Lobby, die an dieser bedauerlichen
Tatsache etwas ändern könnte.
Sach- und Fachthemen miteinander
besprochen – regelmäßigen Austausch
vereinbart
Über konkrete Probleme wurde ebenfalls gesprochen, in wichtigen
Teilbereichen Fortschritte erzielt. Die GDWS betonte ihre Kooperations-
und Zusammenarbeitsbereitschaft und wird sich
künftig in Aufnahme einer bewährten Tradition wieder regelmäßig
mit uns treffen. Der BDS begrüßt diese Absicht für das ganze
Gewerbe. So wird sichergestellt, dass die gemeinsamen Anliegen
besprochen und gelöst werden.
© Klaas
58 Binnenschifffahrt 04 | 2026
IMPRESSUM
Fortführung der
Binnenschiffahrt
und Wasserstraßen
Zeitschrift für Binnenschiffahrt und Wasserstraßen
(© Verein für Binnenschiffahrt und Wasserstraßen e.V.) im 130. Jahrgang
Die Binnenschifffahrt ist offizielles Organ und Mitteilungsblatt für:
Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen, Hamburg
Deutscher Fähr-Verband, Königswinter
Deutscher Wasserstraßen- und Schifffahrtsverein Rhein-Main-Donau e.V., Nürnberg
Europäische Binnenschifffahrts-Union, Brüssel, Rotterdam
Hafenschifffahrtsverband Hamburg e.V., Hamburg
Moselkommission, Trier
Permanent International Association of Navigation Congresses (PIANC)
Verein für europäische Binnenschiffahrt und Wasserstraßen e.V., Duisburg
Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, Straßburg
Inserentenverzeichnis | Index of Advertisers
Allianz Esa EuroShip GmbH. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Titel
Deutscher Ruderverband DRV .............................38
ETS Degassing GmbH ..................................... 7
Green Ports (Hamburg) GmbH ............................ 35
Heinrich Harbisch Schiffswerft GmbH ......................25
Hitzler Werft GmbH ....................................... 3
Hoyer Marine GmbH ..................................... 31
Kadlec & Brödlin GmbH .................................... 8
Easyfairs Nederland BV ................................... 29
Kernwasser Wunderland Freizeitpark GmbH ................ 39
PMP Germany GmbH .....................................23
Podszuck GmbH ......................................... 21
Schiffahrts-Verlag »Hansa« GmbH & Co. KG ..........U2, 43, U4
Schiffswerft Bolle GmbH ................................. 24
Jörg Lienert AG ........................................... 9
Veinland GmbH .......................................... 27
Viking River Cruises AG ................................... 26
Wessels GmbH Tischlerei und Alubau ....................... 6
Wittig GmbH ............................................. 5
Das Anzeigenverzeichnis dient der Leserorientierung.
Es ist kein Bestandteil des Anzeigenauftrags. Der Verlag übernimmt
keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit.
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Herausgeber
Prof. Peter Tamm †
Patricia Erb-Korn (Präsidentin), Verein für europäische
Binnenschiffahrt und Was ser stra ßen e.V.,
Geschäftsführung
Peter Tamm
Redaktion
Chefredakteur: Michael Meyer (MM)
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Verantwortlicher Redakteur: Peter Kleinort (PK)
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Hermann Garrelmann (ga, Norddeutschland, Niederlande)
Josef Müller (jom, Österreich)
Rechtsanwalt Dr. Martin Fischer (Fi, Recht)
Redaktionsbeirat
Patricia Erb-Korn, Geschäftsführerin KVVH in Karlsruhe,
Präsidentin des Vereins für europäische Binnenschifffahrt und Wasserstraßen e.V.;
Marcel Lohbeck, Geschäftsführer des Vereins für europäische
Binnenschiffahrt und Wasserstraßen e.V., Duisburg;
Rechtsanwalt Jens Schwanen, Syndikusanwalt und Geschäftsführer
Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB)
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Binnenschifffahrt 04 | 2026
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