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Red Tower x PIPER Leseprobensampler 2026

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Freut euch auf…

Seite 4

Seite 10

Elise Kova, Dragon Cursed

Shannon J. Spann,

A Stage Set for Villains

Seite 16

Melissa de la Cruz,

Rings of Fate

Seite 22

Quiz + Gewinnspiel

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Liebe Leser:innen,

willkommen bei Red Tower Books und Mayhem Books – zwei

Imprints des unabhängigen US-Verlags Entangled Publishing.

Weltweit begeistern sie Romance- und Romantasy-Leser:innen

mit Geschichten voller Magie, Spannung und Herzklopfen.

Ab Sommer 2026 erscheinen diese außergewöhnlichen Titel in

exklusiver Kooperation mit Piper erstmals auf Deutsch: Mayhem

für Romance/Romantasy ab 16, Red Tower für Romantasy ab 18.

Und weil manche Geschichten nicht nur im Kopf bleiben,

sondern auch im Regal: Alle Titel erscheinen neben der

regulären Ausgabe auch als Deluxe-Ausgabe, die jedes Buch

zu einem wundervollen Sammlerstück macht.

Wir wünschen euch ganz viel Spaß beim Entdecken,

Euer Red Tower und

Mayhem Team

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IN EINER STADT, BELAGERT

VON DRACHEN, KÄMPFT EINE JUNGE

HELDIN GEGEN IHR SCHICKSAL

Slow Burn

Chosen One

Deadly

Trials

He Falls

First

ISBN 978-3-912332-15-5

Forced Proximity

Deluxe-Ausgabe

mit Buchhülse, geprägtem Buchdeckel,

Farbschnitt und bedrucktem

Vor- und Nachsatzpapier


Elise Kova, Dragon Cursed

1

Stiefeltritte hämmern auf dem Kopfsteinpflaster des Gässchens, lassen meine

Ohren klirren wie ein Dolch, der über einen Wetzstein gezogen wird. Ich

presse mich mit der Schulter an die Ecke des Gebäudes und spähe von

der Nische aus, in der ich wie gelähmt den Atem anhalte, den schmalen

Durchgang hinab. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, wer das hier sein könnte,

und ich hoffe einfach, dass es …

Da fällt mir das Flattern eines drachenblutroten Umhangs ins Auge, und ich

schmiege mich wieder in die Schatten, bete, dass er mich nicht gesehen hat.

Drachenglut! Ich wusste, dass er mir gefolgt ist.

Ich spitze die Ohren, als die Schritte verklingen. Aber dann kehren sie

zurück, langsamer, zielstrebiger. Das Knirschen von Kies im schmalen

Durchgang zwischen den Gebäuden lässt mir den Atem stocken. Ich kann

nirgendwohin flüchten.

Ich presse mich so fest an die Wand, wie ich kann, schließe die Augen

und lasse meine Muskeln zu völliger Reglosigkeit erstarren, aber die Schritte

kommen immer näher. Und als ich den kalten Hauch eines Schattens auf

meinem Gesicht spüre, weiß ich:

Ich bin so unglaublich, unfassbar am Arsch.

Als ich die Augen wieder öffne, rechne ich damit, Lucans hochaufragende

Gestalt vor mir zu sehen. Stattdessen blicken mir vertraute smaragdgrüne

Augen über sommersprossigen Wangen und einem breiten Grinsen entgegen.

»Überraschung«, flüstert Saipha.

»Oh, Valor sei Dank.« Ich ziehe sie tiefer in den Schatten, gerade noch

rechtzeitig außer Sicht, als die anderen Schritte das Gässchen herabkommen.

Schon wieder.

Wir warten mit dem Sprechen, bis er fort ist.

»Tut mir leid, ich bin spät dran. Ich denke, du weißt, warum«, flüstert Saipha.

»Weil dir der Bluthund, den der Vikar auf mich angesetzt hat, um die

Knöchel geschnüffelt hat?«, frage ich trocken. »Hat er dich gesehen?«

»Pfff«, schnaubt sie spöttisch. »Er ist nicht gut genug, um mich zu sehen,

wenn ich nicht gesehen werden will.« Aber ich bemerke, dass Saipha ihre

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Kapuze nicht zurückschlägt. Sie hat denselben sandigen Grauton wie der

Stein, aus dem ganz Vingard gebaut ist. Wie ich ist sie so gekleidet, dass

sie nicht auffällt. Ihr Blick huscht über meine linke Schulter zur schweren

Holztür. »Isola, ist das, was ich denke, dass es ist?«

»Jupp.« Nun ist es an mir, zu grinsen. »Ich habe ihn gefunden.«

Einen Weg hinein. Oder, genauer gesagt, einen Weg hinauf.

»Wie entdeckst du so was bloß immer wieder?« Sie ist schockiert, aber

zugleich absolut entzückt. Das erkenne ich an der Art, wie sie von einem

Fuß auf den anderen tritt und sich bemüht, nicht auf der Stelle zu hüpfen,

wie sie es als Kind immer getan hat, wenn ich mich bereiterklärt habe, ihr

Lieblingsspiel zu spielen: Gnadenritterin und Drache.

Ich war immer der Drache.

»Ich sitze doch an den meisten Tagen unter der Großen Kapelle der Gnade

fest«, sage ich. »Die Bibliothek ist voll alter Stadtpläne von Vingard.« Und

diese Pläne zeigen, wo sich all die alten Wachtürme befinden, Türme, die

längst zu der gewaltigen Ringmauer verbunden worden sind, die Vingard

heute umspannt.

»Aber alle ohne Vergoldung haben keinen Zutritt zur Bibliothek«, sagt

sie reflexhaft. Dann wird sie schlagartig blass, als ich ihr in die Augen sehe.

Ich wedele mit der Hand vor meinen beiden goldenen Iriden, dem einzigen

zusammenpassenden Paar in ganz Vingard. Saipha verschränkt die Arme,

wendet den Blick ab, grummelt: »Du hast ja recht. Ich hätte trotzdem nicht

gedacht, dass der Vikar dich in die Bibliothek lässt, obwohl du noch keine

Vollbürgerin bist.«

»Das tut er auch nicht. Jedenfalls nicht allein. Aber ich gehe trotzdem hin.«

Wie um mein Argument zu unterstreichen, versetze ich der Tür, die wir auch

auf keinen Fall durchschreiten dürfen, einen Stoß.

Das Holz ist uralt, Insekten und die Jahrhunderte haben es zermürbt. Es

spaltet sich an den schweren Eisenbändern, die ihm seine Form verleihen,

bröckelt mit einem lauten Krack, das sich unheilverkündender anhört als die

Glocken auf der Mauer.

Wir erstarren beide.

Mir schnürt sich die Brust zu, und mein Herz setzt einen Schlag aus.

6


Elise Kova, Dragon Cursed

Saipha reckt sich langsam zurück, wirft einen Blick durch die kreuz und

quer von Schatten durchzogene Lücke zwischen den Gebäuden zurück

zum Gässchen.

»Irgendeine Spur von ihm?«, flüstere ich.

Sie schüttelt den Kopf. Ohne ein weiteres Wort treten wir rasch ein, beide

mit demselben Gedanken: bloß nicht am Tatort stehenbleiben!

Es ist eine winzige Kammer oder eher ein Treppenabsatz am Fuße einer

Wendeltreppe. Die Luft ist vom Alter abgestanden und muffig. Aber die

kleinen Härchen an meinen Schläfen fangen einen winzigen Lufthauch auf.

Wenn die Tür offen steht, gibt es Durchzug. Das bedeutet, irgendwo über uns

muss eine Öffnung liegen.

Saipha klopft mir auf die Schulter und hält mir eine Laterne hin.

Ich widerstehe dem Drang, sie damit aufzuziehen, dass sie einen Gnadenritter

bestohlen hat – es ist die Laterne ihres Vaters –, und presse meinen Daumen

in die untere Ecke, wo zwei Linien hinter einer Platte hervorsehen. Ätherlicht

entströmt meinen Fußsohlen, fließt durch meinen Körper hinauf und in meine

Fingerkuppen. Als die Laterne zum Leben erwacht, erhellt ein schwacher

goldener Schein die uralte Treppe, die dennoch schnell von der Dunkelheit

über uns verschlungen wird.

Saipha drängt sich an mir vorbei, übernimmt die Führung, wie sie es immer

tut. Exakt, wie eine Gnadenritterin es täte.

Sobald sie zwei Schritte vor mir ist, reibe ich mir mit der flachen Hand

über den Oberschenkel und unterdrücke mein Erschauern nicht länger.

Es durchläuft mich zusammen mit einer Welle heftiger Übelkeit, die so

schnell wieder verfliegt, wie sie gekommen ist. Es wird schlimmer. Ich

knirsche mit den Zähnen, schüttele den Kopf und mache mich an den

Aufstieg, bevor sie bemerkt, dass ich zurückgefallen bin. Aber ich kann

mich nicht davon abhalten, die Narbe auf meiner Brust zu massieren,

dort, wo es sich so anfühlt, als versuche mein Herz, sich durch Knochen

und Haut zu klopfen.

»Wie hast du dich heute eigentlich ums Training gedrückt? Ich hätte

gedacht, der Vikar würde dich vor dem Tribunal noch mal jede Übung

durchhecheln lassen« sagt Saipha, als wir ungefähr ein Stockwerk weit

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oben sind und feststeht, dass uns niemand gefolgt ist. »Erzähl mir ja nicht,

dass du wieder versucht hast, mit Lucan zu feilschen.«

»Natürlich nicht. Soll er doch eine Drachenkralle lutschen gehen.« Was

das betrifft, habe ich meine Lektion mehr als gelernt. Auch nur an den Tag

zu denken, lässt mich die Hände zu Fäusten ballen. Aber ich zwinge mich zur

Entspannung. Das spielt jetzt keine Rolle. Wenigstens ist das die Lüge, die ich

mir selbst einrede. »Ich habe gesagt, ich sei krank.«

»Und das hat Vikar Darius dir abgenommen?«

»Offenbar nicht völlig, weil er mir Lucan nachgeschickt hat. Aber Callon

ist bei der Arbeit. Marie auch. Und ich bin mir sicher, dass sich Vater immer

noch in seiner Werkstatt verbarrikadiert.« Wie schon seit Wochen. »Also ist

es nicht so, als ob irgendjemand zu Hause wäre, um mich zu verraten.«

»Wie kommt dein Vater damit zurecht, dass du morgen weggehst?«

»Gut.« Ich zucke die Schultern. »Er hat vorhin etwas ergriffen gewirkt, als

ich ihm gesagt hab, dass ich heute Abend zu Mum gehe.«

»Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass der Meistererfinder, der Erbauer

drachentötender Waffen, der Mann, der weiß, wie man Ätherlicht schöpft,

Kassin Thaz, ›etwas ergriffen‹ wirkt.«

»Es würde meinem Vater ganz schön schmeicheln, wenn er wüsste, dass

du all seine Verdienste im Kopf hast.« Ich bin mir nicht sicher, ob es die

Erwähnung des Ätherlichts ist, die meine Narbe schmerzen lässt … oder die

der drachentötenden Waffen. Ob eine davon bald auf mich gerichtet wird?

Ich wechsele das Thema, bevor Saipha sich meiner düsteren Gedanken

bewusst wird. Oder nach Mum fragt. »Was ist mit deinen Eltern?«

»Mum geht es im Großen und Ganzen gut. Allerdings bin ich überzeugt,

dass sie versucht, mich zu mästen. Ich bekomme schon eine Weile jeden

Abend einen Nachschlag.« Saipha bleibt auf einem Treppenabsatz stehen, um

Atem zu schöpfen, und späht in den nächsten dunklen Gang. Ohne sich mit

mir zu beraten, steigt sie weiter nach oben. »Dad ist ein in Tränen aufgelöstes

Häufchen Elend.«

Das Lachen lenkt mich vom Jucken ab. »Der Marius Celest? Der Mann mit

fünf bestätigten Abschüssen durch seine Armbrust? In Tränen aufgelöst?«

»Wer hat denn jetzt anderer Leute Verdienste im Kopf?« Saipha grinst

8


Elise Kova, Dragon Cursed

mich über ihre Schulter an. Ich verdrehe die Augen. »Und du weißt doch,

Dad ist innerlich ganz weich. Nur Drachen müssen Angst vor ihm haben,

Menschen nicht.«

Und Drachenverfluchte. Ich halte mich davon ab, es auszusprechen. Aber

jeder Gnadenritter würde eine Drachenverfluchte ohne Zögern töten. Wird

er es sein? Ich starre Saiphas Rücken an. In meinem Bauch rumort es, und

meine Kehle ist so zugeschnürt, dass ich nur noch mühsam Atem holen kann.

Die Frage, die mich schon seit Wochen jede Nacht wach hält, kehrt zurück.

Für gewöhnlich verschwindet sie mit der Morgendämmerung, aber heute bin

ich sie offenbar nicht losgeworden. Muss daran liegen, dass mir nur noch so

wenig Zeit bleibt.

Wirst du es sein, die mich tötet, Saipha?

»Halt.« Saipha streckt eine Hand aus und gibt mir die Laterne zurück.

»Hör doch.«

Über uns ertönt ein leichtes Rauschen. »Zu unregelmäßig für Drachenflügel«,

flüstere ich.

»Wir hätten die Glocken gehört, wenn es ein Drache wäre. Lösch das

Licht.«

Das tue ich.

Die ausgetretenen Steinstufen vor uns zeichnen sich in einem kalten Licht

ab. Schwach, aber unverkennbar. Ich kann kaum den aufgeregten Blick

ausmachen, den Saipha mir in der fast vollkommenen Dunkelheit zuwirft.

Aber ich weiß, dass er da ist, weil ich ihn erwidere.

Den Rest der Treppe bringt sie hinter sich, indem sie zwei Stufen auf einmal

nimmt, und ich folge ihr. Mit klopfendem Herzen. Hoffe, hoffe, dass das hier

ist, wofür ich es halte. Ich bekomme, was ich brauche, und damit zu Mum

gehen kann. Heute ist die Nacht, in der ich die Frage stellen werde, die mir

schon seit Monaten auf der Zunge liegt. Ich hatte nur zu viel Angst, um sie

auszusprechen. Seit Jahren zu viel Angst, um mich auch nur selbst darüber

nachdenken zu lassen. Und dann …

»Klaue und Zahn, Isola!«, ruft Saipha mir zu, als ich um die Biegung

komme. Das grelle Licht blendet mich fast nach unserem Aufstieg durch die

Dunkelheit.

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EIN GEFÄHRLICHES

SCHAUSPIELHAUS UND

EIN UNWIDERSTEHLICHER

BÖSEWICHT

Slow Burn

Hidden

Identity

Cursed

Heroine

ISBN 978-3-912332-14-8

Enemies to Lovers

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Shannon J. Spann, A Stage Set for Villains

Ouvertüre

Solange ich denken kann, fürchten wir uns vor den Spielern. Und ich kenne

nur drei Wege, eine Begegnung mit einem von ihnen zu überleben. »Nie

einem Spieler in die Augen sehen«, murmele ich, während wir in der Schlange

vorrücken. Die Hand meines älteren Bruders hält meine behandschuhten

Finger etwas zu fest. Vielleicht ist er genauso nervös wie ich. Gestern Nacht

konnte ich vor Aufregung kaum schlafen. Je länger wir hier stehen, desto

öfter frage ich mich, wie sehr es wohl wehtut, markiert zu werden.

»Richtig«, sagt Galen. »Aber vergiss nicht, Riv. Das heißt nicht, sie

zu ignorieren.«

Ich nicke. Wenn man das Ego eines Spielers kränkt, kann man sich auch

gleich von einer Klippe stürzen. Das wäre weniger schmerzhaft.

»Und die zweite Regel?«, fragt Galen. In diesem Moment huscht ein frisch

Markierter an uns vorbei in Richtung Ausgang. Es ist ein Junge, er mag an

die zehn Jahre sein. Ich bin acht Jahre alt, mein Bruder Galen ist zwölf. Um

seine Kehle schlingt sich ein schiefer Verband wie ein verrutschtes Halsband.

Gold schimmert durch den Stoff. Er weint.

»Nur zehn Minuten«, hatte Tante Cassia heute Morgen gesagt. »Zehn

Minuten Unbehagen. Dann bleibt ihr ein Leben lang sicher vor den Spielern.

Und vor dem Sog des Großen Theaters.«

Ich berühre die Mulde zwischen meinen Schlüsselbeinen und stelle mir die

Markierung vor, die dort bald sein wird.

»Die Drei-Komplimente-Regel«, antworte ich schließlich und in Gedanken

blättere ich durch die Lernkarten aus dem Unterricht. »Mach einem Spieler

drei Komplimente, dann ist er oder sie vielleicht lange genug geschmeichelt,

um dich laufen zu lassen.«

»Sehr gut!« Galen lächelt aufmunternd. Ich spähe über die Schlange hinweg,

suche Mutter am Tor. »Und der dritte Weg, einem Spieler zu entkommen?«

Ich presse die Lippen zusammen und denke an den weinenden Jungen. An

den Verband. Mein Herz hämmert.

Wie sehr wird es wehtun?

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Galen drückt meine Hand, und erst da merke ich, dass ich nicht geantwortet

habe. »Äh … ein Geschenk?«, rate ich. Die Lernkarten wirbeln in meinem

Kopf durcheinander und verschwinden einen kurzen Moment.

Er schüttelt den Kopf. Vorne ruft jemand: »Weitergehen!«

Wir werden aufgerufen und betreten ein Atrium, karg und kühl. Nur ein

einziger steinerner Gang durchbricht die Wand. Galen schiebt mich zu einem

halbrunden Granittresen neben einem leise gurgelnden Brunnen. Unsere

Schritte hallen über Stein.

»Ausfüllen«, schnarrt eine Frau mit verkniffenem Gesicht hinter dem

Tresen und schiebt Galen mehrere Seiten Pergament hin. Empört schnappe

ich mir die Formulare, und sie zuckt zurück.

»Ich kann lesen. Ich bin acht«, sage ich spitz und fische einen Stift aus dem

Krug. Hinter mir murmelt Galen eine Entschuldigung für mein Auftreten.

»Acht? Ziemlich groß für ihr Alter.« Ihr Blick bleibt am Stift hängen, dann

an meinem Namen: Riven Hesper. Sie schnappt leise nach Luft.

Ich schaue auf und werfe ihr einen giftigen Blick zu. Ich merke sofort, wenn

die Leute mich mit meinem Vater vergleichen. Sie starren mich an, als wäre

ich aus der Erde seines Grabes gestiegen. Sein Gesicht ist fast so berüchtigt

wie die Spieler, die ihn getötet haben.

Ich ignoriere sie und trage das heutige Datum ein.

Dann schreit jemand, und ich erstarre.

Alles passiert gleichzeitig. Die Frau hinter dem Tresen springt auf. Der

Schrei hallt durch die hohen Gewölbe. Ein zweiter Schrei. Diesmal ist es

deutlich zu hören: Hilfe. Dann noch einer. Und noch einer. Hastige, polternde

Schritte. Aus dem Gang ruft jemand eine Warnung, die mir das Blut in den

Adern gefrieren lässt.

Spieler.

Das Wort brennt sich in meinen Kopf, und die Angst wischt jede Regel fort.

Instinktiv suche ich nach dem nächsten Erwachsenen, doch die Frau hinter

dem Tresen liegt bereits am Boden und bedeckt die Augen.

Ich habe keine Chance, mich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Eine

große, fast engelsgleiche Gestalt gleitet ins Atrium. Purpurne Stofflagen

entfalten sich hinter ihr. Die Spielerin wirbelt herum, und ein Vorhang aus

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Shannon J. Spann, A Stage Set for Villains

dunklen Locken fällt über ihre Schultern, als posierte sie für ein unsichtbares

Publikum.

Ihre Augen glimmen wie lebendige Kohlen. Sie ist das schönste und

schrecklichste Wesen, das ich je gesehen habe. Als sie meinen Blick auffängt,

lächelt sie. Ein falsches Lächeln. Es dehnt sich, zieht sich immer weiter nach

außen, bis es die blutroten Rubine an ihren Ohrringen berührt.

Tante Cassia hatte mich vor ihren unnatürlichen Gesichtern gewarnt. Sie

sind überzeichnet, damit selbst Zuschauer im hintersten Winkel des Großen

Theaters jede Mimik erkennen können. Aus der Nähe ist es atemberaubend

und abscheulich zugleich. Sie sieht aus wie eine Göttin.

Nur haben wir keine Götter mehr.

Wir haben nur noch Spieler.

Wachen in Schwarz und Silber stürmen herein, umzingeln sie und brüllen

Befehle. Die Spielerin streckt die Hände aus. Zerbrochene goldene Fesseln

baumeln an ihren Handgelenken.

Blut klebt an den Händen.

Da taucht Galens panisches Gesicht vor mir auf. Seine Hände packen meine

Schultern. »Sieh mich an, hörst du? Nur mich ansehen, Riven«, flüstert er

hastig.

Wie konnte ich die erste Regel schon vergessen?

Ich nicke und starre in Galens Augen: weit, rund, voller Angst. Doch etwas

stimmt nicht. Sie wirken … zu still. Glasig. Puppenhaft.

»Galen?« Warum blinzelt er nicht? »Galen!«, rufe ich noch einmal,

erschrocken über den Klang meiner Stimme.

Denn meine Stimme ist das Einzige, was ich noch höre.

Die Schreie verstummen. Die Welt steht still. Der Brunnen hinter ihm ist

eingefroren – Wasser erstarrt in der Luft. Die Wachen stehen wie Statuen.

Galen hält immer noch meine Schultern fest, kalt und reglos wie Stein.

Ich blinzle ein paar Mal.

Nichts rührt sich.

Eine Hand gleitet über Galens Kragen. Mir läuft ein Schauer über den

Rücken. Ihre Finger sind lang, elegant, jeder ist mit einem Ring geschmückt,

die Nägel sind blutrot.

13


Dann schiebt sich das Gesicht der Spielerin über Galens Schulter.

Ich bemühe mich wegzusehen, wie er es mir eingeschärft hat, doch ihre

Haut leuchtet so unnatürlich hell, dass es mir nicht gelingt, den Blick von ihr

zu lösen.

»Oh, Herzchen. Du siehst ja ganz verängstigt aus.« Ich erschaudere. Sie

spricht langsam, ihre Stimme ist leicht und luftig, wie Seide. Sie erfüllt den

Raum, sickert in die Wände. »Sieh mich doch wenigstens an.«

Nie einem Spieler in die Augen sehen. Ich wiederhole es innerlich, doch

mein Atem geht viel zu schnell. Die Bilder verschwimmen.

Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie ihr Lächeln einfriert und schließlich

verschwindet. Ihre Hand gleitet zu Galens Gesicht. Zu meinem Entsetzen

presst sie die scharfkantige Fassung eines Rings an seine Wange und zieht ihn

über die weiche Haut unter seinem Auge.

Mein Bruder bewegt sich nicht. Keine Regung.

Ich vergesse alles – jede Regel, jedes Verbot.

»Aufhören!«, schreie ich und starre direkt in ihr Gesicht. Meine Wut ist

stärker als die Angst. »Sonst …« Hoffentlich merkt sie nicht, wie sehr meine

Knie zittern.

Die Spielerin legt den Kopf schief. »Was für wunderschöne, goldene Augen

du hast.«

Ein Kompliment? Moment … drei! Die Drei-Kompli…

»Sie sind braun«, fauche ich. Wie die meines Vaters einst. »Lügnerin.«

Sie wirft den Kopf zurück und lacht, schrill und gellend. Der Klang prallt

von den Steinwänden ab und klingt in meinen Ohren nach. »Du hast ja

richtig Temperament – wie süß …«, murmelt sie. »Lügen gehören nun mal

zum Leben. Die Wahrheit ist oft viel zu hässlich, findest du nicht?«

Ich bin nicht sicher. Die meisten Menschen, die ich kenne, können nicht

einmal lügen. Mein Blick gleitet nervös durch den Raum. »Warum bewegen

sie sich nicht?«, flüstere ich.

»Ich habe unsere Realität aufgehoben«, haucht sie, als wäre es unser

gemeinsames Geheimnis. »Weißt du, was das bedeutet?«

Ich schüttle frustriert den Kopf. Nein, weiß ich nicht.

»Es bedeutet, dass dieses Gespräch nie stattfindet.« Sie rafft ihre Gewänder

14


Shannon J. Spann, A Stage Set for Villains

und sinkt anmutig auf die Knie. Selbst so überragt sie mich noch. Auf der

Suche nach einem Funken Mut, ziehe ich die Schultern zurück und recke das

Kinn. Mein Herz hämmert.

»Sie werden dich fortbringen«, warne ich, so bedrohlich ich kann.

»Oh, ich weiß!« Ihre Augen leuchten. »Sie wollen mich verbrennen. Und

ich kann einem guten Spektakel einfach nicht widerstehen.« Ein sanftes

Lächeln. »Wie heißt du?«

Bevor ich antworten kann, fällt ihr Blick auf die Dokumente in meinen

Händen – die Bescheinigung, dass ich gleich markiert werde. Dass ich sicher

sein werde. Oben darauf: mein Name.

»Riven!« Sie lacht triumphierend. »Was für ein Schicksal steckt wohl hinter

einem solchen Namen?«

Ich schweige. Mein Blick bleibt auf das Blut geheftet, das Galen inzwischen

den Hals hinabläuft. Ob er es spürt? Die Spielerin zieht mir die Formulare

aus den Händen. Ihre Berührung ist so warm, so überraschend lebendig, dass

meine Finger nachgeben wie schmelzendes Eis. Sie hebt die Seiten und zerreißt

sie in einer einzigen geschmeidigen, brutalen Bewegung vor meinen Augen.

Flocken aus Pergament sinken lautlos um uns nieder wie frischer Schnee.

»Du wirst nicht markiert, Riven«, sagt sie sanft. Erst jetzt aus der Nähe

fällt mir auf, wie weiß und spitz ihre Zähne sind. »Du kommst mit mir.«

Ich höre nicht einmal meinen eigenen Schrei. Der Wille – nein, der Wunsch –

ihr zu folgen, erfüllt mich vollkommen. Die Spielerin streckt die Hand aus,

beordert mich stumm zu sich. Mein Blick haftet an ihren goldenen Augen.

Meine Hand hebt sich wie von selbst, sucht ihre. Ich bin noch unmarkiert,

kann nichts dagegen tun.

15


EINE BARDAME, DIE NICHT AN

MÄRCHEN GLAUBT. EIN PRINZ,

DER DAZU VERDAMMT IST,

IN EINEM ZU LEBEN.

Slow Burn

Banter

Cursed

Prince

ISBN 978-3-912344-10-3

Fake Engagement

16


Melissa de la Cruz, Rings of Fate

KAPITEL 1

Aren

Für eine Bardame gehören Heiratsanträge mit zum Beruf. Ein Trunkenbold

findet genauso leicht sein Heil auf dem Boden eines Bierkrugs wie Liebe bei

einem Rundumblick durch eine Kneipe. Zu meinem Glück verstehe ich mich

hervorragend darauf, Abfuhren zu erteilen.

»Immer noch nein, Shep«, sage ich klipp und klar. »Hast du vergessen, dass

ich dich erst gestern abgewiesen habe?«

Ich stelle einen weiteren Krug Bier auf die Theke und sehe blinzelnd den

Bauern mit den glasigen Augen an, der mich soeben zum zehnten Mal diesen

Monat gebeten hat, seine Frau zu werden. Wird es dieser Esel je lernen?

»Ach, komm schon. Ich mein’s ernst, Aren«, lallt er. Seine schwarzen

Knopfaugen wirken trüb. »Was willste denn mit deinem Leben anstellen?

Tagein, tagaus Becher putzen? Du wärst ’n gutes Eheweib. Jetzt biste ständig

am Arbeiten. Wird Zeit, dass du häuslich wirst.«

Dieser Mann laugt mich aus. Oder gilt das für alle Männer im Dorf?

Tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, mich je zuvor erschöpfter gefühlt

zu haben. Die Müdigkeit sitzt mir tief in den Knochen. Ich habe es so satt.

Und ich bin erst fünfundzwanzig.

Mit hängenden Schultern seufze ich gedehnt. Es bringt nichts, mir Shephard

Belmis unter die Haut gehen zu lassen. Er ist eine Maus zum Spielen, und ich

bin die Katze.

Sein Saufkumpan, ein weiterer Bauer mit gerötetem Gesicht, versetzt ihm

einen kräftigen Klaps auf den Hinterkopf. »Lass sie zufrieden, du Arsch. Du

bist hackedicht. Die Gute hat dir schon mehrmals ’nen Korb gegeben.«

»Das ist deine letzte Chance! Heirate mich, Aren. Du wärst ’ne gute Ehefrau

und Mutter. Hast ’nen – hicks – kräftigen Rücken. Den kräftigsten in ganz

Evandale. Und das will was heißen!«

Dieser Mistkerl hat vielleicht Nerven. Wo ist die nächste Klippe, von der

ich mich werfen kann? Lieber sterbe ich, als einen Kerl zu heiraten, der in mir

nur ein fleißiges Maultier sieht.

17


Ohne den alten Knacker anzusehen, falte ich meinen Lappen zusammen, lege

ihn ordentlich auf den Tresen und stelle mich darauf ein, den guten alten

Shep auf die Schippe zu nehmen. Ich lehne die Unterarme auf die klebrige

Theke, stütze das Kinn auf die Hände und klimpere mit den Wimpern.

»Ein kräftiger Rücken! Was für ein Kompliment! Bitte mehr davon!«

»Na ja, seit meine Frau gestorben is’, haben die Kinder niemanden mehr,

der sie versorgt«, klagt er.

»Niemanden? Sitz du nicht direkt vor mir? Es sei denn, du bist ein …« Kurz

verstumme ich und schnappe dramatisch nach Luft. »… ein Geist!«

»Verflixt noch mal! Ich bin kein Geist!« Dennoch stellt er seine Anwesenheit

auf dieser Daseinsebene eindeutig infrage, denn er hebt die Hände vor die

trüben Augen und begutachtet sie prüfend. Nachdem er sich vergewissert

hat, dass er tatsächlich ein nach wie vor lebendiger alter Sack ist, fährt er

fort. »Weißte, ich hab das einfach nicht drauf? Niemand kann ihnen warme

Mahlzeiten kochen oder dafür sorgen, dass – hicks – ihre Sachen sauber sind.

Ein Mann kann nich’ ohne Frau sein – hicks. Das is’ nicht natürlich.«

Sein Freund stöhnt dazu. In ihm ist noch mehr gesunder Menschenverstand

als Bier. Aber Shephard schenkt ihm keine Beachtung.

Mit gespielter Überraschung hob ich die Hand an die Brust. »Meine Güte!

So hab ich das ja noch gar nie betrachtet. Oh, was rast mein Herz! Du weißt

wirklich, wie man eine Frau bezirzt. Das kommt alles so … so … unerwartet!«

Was gäbe ich nicht für einen – nur einen einzigen – Antrag, bei dem ich mir

nicht ungefähr so begehrenswert vorkomme wie ein Mehlsack.

Shep schwankt, als er sich vom Hocker erhebt und sich an einer halbherzigen

Verbeugung versucht. Sein Freund prustet unverhohlen über die linkische

Geste. Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen.

»Also, was sagste, meine – hicks – Liebe? Erweiste mir die Frau, meine Ehre

zu … Nee, meine … Frauenehre zu werden?«

Obwohl er schon längst nichts Sinnvolles mehr herausbringt, verdient seine

Entschlossenheit geradezu Bewunderung. Shep blinzelt mit schweren Lidern

und hängendem Kopf. Der traurige alte Sack wartet auf eine Antwort.

Zwar habe ich reichlich Übung darin, Shephard Belmis und unzählige

andere, vor flüssigem Mut strotzende Bauern abzuweisen, aber wie bereits

erwähnt, bin ich es so verdammt leid.

18


Melissa de la Cruz, Rings of Fate

Ich habe es satt, diese Kneipe zu betreiben, an der ich immer noch vergeblich

Gefallen zu finden versuche. Ich habe es satt, von früh bis spät auf den Beinen

zu sein. Ich habe es satt, nie Zeit für mich zu haben – obwohl ich die schon

davor nie hatte. Ich habe diese engstirnige Ortschaft satt. Ich habe meine

Stammgäste satt. Ich habe meine Familie satt, sosehr ich sie auch liebe. Ich

habe alles so satt, dass ich schreien könnte.

Und Shephard Belmis? Ihn am meisten.

Deshalb habe ich eine zusätzliche Gegenmaßnahme ergriffen. Ich zeige

auf ein hinter mir hängendes Holzschild. In sauberer schwarzer Schrift steht

darauf:

HAUSREGELN

Kein Spucken.

Keine nackten Füße.

Kein Glücksspiel.

Kein Vergiften (Messer und Fäuste sind zulässig).

Und gestern Abend habe ich hastig eine weitere Regel hingekritzelt.

Keine Heiratsanträge.

* Wer gegen eine der Regeln verstößt, muss eine Runde für alle

Anwesenden ausgeben.

Ernüchterte Verblüffung tritt in Sheps Züge, als er das Schild liest.

»Regeln sind Regeln, Shep«, sage ich grinsend und wische ein Glas ab.

Es fühlt sich befriedigend an.

Sein Saufkumpan krümmt sich regelrecht vor Lachen.

»Sie hat dich erwischt, Shep«, sagt er und lacht dabei gackernd.

»Aber … aber – hicks – diesmal war’s mir ernst«, stammelt Shep zwischen

seinem Schluckauf.

»Ist es mir auch«, erwidere ich mit heller Freude darüber, ihn über den

Tisch gezogen zu haben.

19


»Du wärst ’ne gute Ehefrau und Mama«, leiert er weiter, als ich das saubere

Glas abstelle und zum Ende der Theke gehe. »Wer außer mir tät dich schon

– hicks – nehmen?«

Er weiß wirklich, wie man eine Frau umgarnt.

Ich greife nach einem Seil, ziehe daran und läute eine schwere Messingglocke.

Das Geräusch übertönt den Lärm in der Taverne wie eine Hundepfeife für

Trinker. Einen Moment lang verstummt das Getöse in dem vollgepackten

Raum. Köpfe drehen sich in meine Richtung.

Ich setze mein bestes fieses Grinsen auf. »Gute Neuigkeiten, ihr Saufköpfe!

Die nächste Runde geht auf Shep!«

Wilder Jubel bricht aus, so laut, dass die Dielen erzittern und die Gläser auf

der Theke aneinanderklirren.

Ich beuge mich über den Tresen dicht zu Sheps zerfurchtem Gesicht. Neue

Hoffnung flammt in seinen Augen auf. Er schürzt die Lippen in Erwartung

eines Kusses.

Stattdessen fasse ich in seine Tasche und fische eine Silbermünze mit dem

Wappen von Alarice heraus. »Das ist für das Bier.« Ich hole mir auch die drei

restlichen Münzen. »Und das für den beleidigenden Heiratsantrag.«

Sein Saufkumpan lacht mittlerweile Tränen. Bevor Shephard protestieren

kann, lasse ich die Münzen in meiner Schürze verschwinden. Klimpernd

landen sie bei den anderen darin – gerade laut genug, um mich daran zu

erinnern, dass der Abend nicht völlig vergeudet ist.

Ich lasse den Blick über die Kundschaft wandern. Der Laden ist gerammelt

voll. Auf den niedrigen Bänken und an den langen, abgewetzten Tischen

drängen sich zu viele Leiber. Bauern und Arbeiter sitzen Schulter an Schulter

und Knie an Knie mit Händlern und Handwerkern beisammen. Alle stoßen

mit klirrenden Bechern miteinander an, als wären sie die besten Freunde.

Morgen beginnt das Fest der Erntemutter, daher ist die Stimmung ausgelassen.

In Evandale gibt es nicht viele Gründe zum Feiern. Die mühseligen Arbeitstage

und hohen Abgaben an den Marquis sind so vorhersehbar wie die Jahreszeiten.

Das Bier, das sie trinken, entstammt der harten Arbeit der Bauern. Ich mache

ihnen keinen Vorwurf daraus, dass sie sich gehen lassen, obwohl es selbst die

besten Männer in stümpernde Idioten verwandelt.

20


Melissa de la Cruz, Rings of Fate

»Noch sechs Becher«, reißt mich Bonnie aus den Gedanken, meine

Schankgehilfin. Sie bemerkt Shep, dessen Kopf inzwischen besinnungslos auf

die Theke gesunken ist.

»Wieder ein Antrag?«, fragt Bonnie und deutet mit dem Kinn auf ihn. Sie

ist ein wenig außer Atem vom Herumtragen der Biere. Ihre Wangen wirken

fast so gerötet wie die der Gäste. »Wie viele macht das diese Woche?«

»Hab nicht mitgezählt«, antworte ich und schenke einen weiteren Becher

ein. Bonnie stapelt sie übereinander wie ein Kartenhaus. Das beherrscht

sie meisterlich.

»Und du würdest es nie in Erwägung ziehen?«, fragt Bonnie.

»Einen dieser Scherzbolde zu heiraten? Auf keinen verdammten Fall. Die

wollen alle keine Ehefrau, sondern eine Bardame für Heim und Herd.«

»Ich hab gehört, der Marquis höchstpersönlich hat sich dir angetragen.

Stimmt das?«

Ich seufzte genervt. »Der alte Lustmolch wollte, dass ich seine Geliebte

werde, nicht seine Frau. Widerlich.«

»So schlimm kann’s doch nicht sein, oder? Einfach die Augen zu und an

Albion denken«, scherzt Bonnie. »So wärst du sogar ohne Ring dein Leben

lang versorgt.«

Mir läuft ein Schauder über den Rücken. Dieser schleimige Egel gehört

buchstäblich zu den abstoßendsten Menschen im Ort, auch wenn er der mit

Abstand reichste ist. Aber ist das nicht immer so? Der Arsch glaubt, er könnte

sich den Weg in mein Höschen erkaufen. Igitt.

Ich trete einen Schritt von der Theke zurück und deute auf mein schlaffes,

formloses Kleid, fleckig von Bier und Fett vom Spanferkel hinten auf dem

Spieß. Die übliche Aufmachung einer Bardame. »Lieber bleibe ich ewig

hier, als diesem Kerl auch nur zu nahe zu kommen. Als Frau darf man wohl

träumen, dass es irgendwo noch was Besseres gibt, oder?«

21


Bist du bereit für

Red Tower und Mayhem?

– Das Quiz

Fünf Fragen, drei Geschichten und ein Lösungswort,

welches du nur findest, wenn du genau hinschaust.

Notiere dir die Buchstaben aus den richtigen Antworten

und setz sie der Reihe nach zu einem Wort zusammen.

Schick uns das Lösungswort bis zum 01.04.2026

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dir die Chance auf eins von 3 Exemplaren der Deluxe

Ausgabe von »Dragon Cursed«

Viel Glück!

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1) Welchen Beruf hat Aren in »Rings of Fate«?

A Schmiedin

B Bardame

C Küchenaushilfe D Königin

Du brauchst den SIEBTEN Buchstaben aus der Lösung

2) Welche Farbe hat der Umhang, den Isola aus

»Dragon Cursed« erspäht?

A Nachtblau

B Schwarz

C Drachenblutrot D Silber

Du brauchst den DRITTEN Buchstaben aus der Lösung

3) Wo versteckt sich Isola aus »Dragon Cursed«

zu Beginn der Szene?

A Taverne

C Marktplatz

B Gässchen

D Brunnen

Du brauchst den ERSTEN Buchstaben aus der Lösung

4) In welchem Raum befindet sich Riven aus

»A Stage Set for Villains« in der ersten Szene?

A Archiv

C Atrium

B Arena

D Turmzimmer

Du brauchst den VIERTEN Buchstaben aus der Lösung

5) Was trägt Riven aus »A Stage Set for Villains« am Hals?

A Halstuch

C Amulett

B Markierung

D Tattoo

Du brauchst den FÜNFTEN Buchstaben aus der Lösung

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