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CF CLICK FILM

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MAI 26


EDITORIAL

HINWEIS:

Wenn nicht anders

vermerkt, findest du

die Bildlegenden auf

unserer Website.

«Während weltweit

demokratische Rechte

zunehmend unter Druck

geraten, werden

Freiheiten, die lange als

selbstverständlich galten,

Schritt für Schritt

ausgehöhlt oder offen

angegriffen.»

Cover: Filmstill aus STRANGE RIVER von Jaume Claret Muxart


Liebe CLICK-FILM-Community

Mit dem Start des Pink Apple beginnt heute nicht nur eine neue Ausgabe eines der

wichtigsten queeren Filmereignisse, sondern auch ein Moment der kulturellen

Selbstvergewisserung. arttv.ch freut sich sehr, auch dieses Jahr wieder als

Medienpartner dabei zu sein und das vielseitige Programm des Festivals begleiten

zu dürfen. Gerade in unserer Zeit gewinnt Pink Apple deutlich an Brisanz. Während

weltweit demokratische Rechte zunehmend unter Druck geraten, werden Freiheiten,

die lange als selbstverständlich galten, Schritt für Schritt ausgehöhlt oder offen

angegriffen. Diese Entwicklung zeigt, wie fragil gesellschaftlicher Fortschritt sein

kann – und wie wichtig Räume bleiben, in denen Vielfalt sichtbar und verhandelbar

ist. In diesem Kontext ist auch unser aktuelles Interview mit Monika Treut zu lesen,

die mit dem Golden Apple 2026 ausgezeichnet wird. Ihre filmische Arbeit steht seit

Jahrzehnten für genau jene Perspektiven, die andernorts marginalisiert oder zum

Schweigen gebracht werden.

Neben Pink Apple möchten wir auch auf unsere Medienpartnerschaft mit dem

Bildrausch Filmfest in Basel aufmerksam machen, das ebenfalls für ein mutiges,

eigenständiges Programm steht und filmische Handschriften jenseits des

Mainstreams fördert.

Was in dieser Ausgabe hingegen vollständig fehlt, ist eine Berichterstattung über

Visions du Réel. Das bedauern wir sehr. Vorerst können wir jedoch nicht mehr über

die Romandie berichten, da das Bundesamt für Kultur, Sektor Film, die Fördergelder

vollständig gestrichen hat. Dass es ausgerechnet die Westschweiz ist, die unseren

Sparmassnahmen zum Opfer fällt, schmerzt uns besonders.

Abseits davon bietet diese Ausgabe wieder eine Fülle an Film: zahlreiche

Rezensionen, Entdeckungen und nicht zuletzt ein weiteres Interview mit Stefan

Haupt. Besonders möchte ich aber auch auf unseren Dokfilm des Monats hinweisen.

Mit IM BANN DER QUARZKRISTALLE ist Regisseurin Irene Marty ein

Dokumentarfilm von internationalem Format gelungen. Die Mitglieder der Schweizer

Filmakademie tun gut daran, diesen Film für den Schweizer Filmpreis 2027 im Auge

zu behalten

Ich wünsche eine anregende Lektüre – und inspirierende Filmmomente.

Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch


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Zürich: 28.4. — 7.5.26

Frauenfeld: 8.5. — 10.5.26

pinkapple.ch

VORVERKAUF: 17.4.2026


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SPIELFILM DES MONATS

Spurensuche in den Abgründen der Seele


VIE PRIVÉE


Spurensuche in den

Abgründen der Seele

– Jodie Fosters erste

französischsprachige

Hauptrolle seit

Jahrzehnten

In VIE PRIVÉE spielt die amerikanische

Schauspielerin – und das alles in perfektem

Französisch – die Psychiaterin Lilian Steiner,

die den Selbstmord einer Patientin anzweifelt

und eine unkonventionelle Untersuchung

startet. Unterstützt von Daniel Auteuils Figur,

ihrem Ex-Mann, entfaltet sich eine Mischung

aus Screwball-Komödie und Mystery. Für

arttv.ch-Filmkritikerin Madeleine Hirsiger ein

Film erster Güte.


SYNOPSIS

VIE PRIVÉE | SYNOPSIS

Die angesehene Pariser Psychiaterin Lilian Steiner

(Jodie Foster) wird durch den angeblichen Selbstmord

ihrer langjährigen Patientin Paula aus der Bahn

geworfen. Überzeugt, dass es Mord war, beginnt Lilian

entgegen ihrer professionellen Ethik privat zu ermitteln.

Unterstützt von ihrem Ex-Ehemann Gabriel, taucht sie

tief in Paulas Umfeld ein. Die Ermittlungen zwingen

Lilian, ihre eigenen seelischen Abgründe und die

Grenzen zwischen professioneller Distanz und

persönlicher Verwicklung zu hinterfragen. Der Film

thematisiert Vertrauen, Geheimnisse und die

Komplexität menschlicher Beziehungen, während Lilian

versucht, die Wahrheit hinter Paulas Tod aufzudecken


Für uns gesehen hat den Film

Madeleine Hirsiger

REZENSION

Psychologisches Labyrinth mit feinem Humor

Ihr Französisch ist perfekt. Das ist eines der ersten

beeindruckenden Merkmale im Psychokrimi VIE PRIVÉE mit Jodie

Foster. Sie schlüpft in die Rolle der Psychiaterin Doktor Lilian Steiner, die einst

von New York nach Paris übersiedelt ist, wo sie schon lange lebt und arbeitet.

VIE PRIVÉE bietet eine vergnügliche, spannende Geschichte, die uns in ein

Labyrinth führt, in dem der Ausgang nicht einfach zu finden ist – wenn es

überhaupt einen gibt. Und mittendrin ist die 63-jährige amerikanische

Oscarpreisträgerin, die im Film einiges erleben und einstecken muss. Ihr

Leben wird durcheinandergeschüttelt.

Der Auslöser

Lilian Steiners Praxis befindet sich in einem noblen Viertel in Paris. Die

Geschichte beginnt mit einem telefonischen Verweis an ihre langjährige

Patientin Paula, die nicht zur Sitzung erschienen ist und die Stunde dennoch

bezahlen muss. Dafür steht unerwartet Pierre vor der Tür, der ihr unverfroren

mitteilt, dass es ihr nicht gelungen sei, ihn vom Rauchen zu befreien. Das

habe kurzerhand eine Hypnotiseurin für 50 Euro erledigt. Bei ihr habe er

32 000 Euro liegengelassen, plus 8000 für all die Zigaretten, die er eigentlich

nicht mehr hätte rauchen sollen. Er hinterlässt ihr die Adresse der besagten

Hypnosetherapeutin. Es folgt ein Telefonanruf: «Paula ist von uns gegangen.

Selbstmord.» Der Ton des Films ist gesetzt, langsam wird Druck aufgebaut.

Zweifel und Verunsicherung

Dieses Ereignis wirft die selbstsichere Lilian Steiner aus der Bahn. Von diesem

Moment an tränen ihre Augen ununterbrochen. Bei ihrem Ex-Mann, einem

Augenarzt – wunderbar gespielt von Daniel Auteuil – lässt sie sich

untersuchen. Alles in Ordnung, sagt er. Für sie ist die Suizidvariante nicht

plausibel. In ihrer Verzweiflung sucht sie Rat bei der besagten Hypnotiseurin.

«Sie müssen weinen, Sie sind in Trauer, und es ist noch jemand da – eine

Frau.» Unvermittelt beginnt die Hypnose. Lilian wird in psychologische Tiefen

entführt, wo sie Ungeheuerliches erlebt und auf sich selbst zurückgeworfen

wird – eine Art Selbstentdeckung. Hatte sie mit Paula eventuell eine nähere


Beziehung? Als Intellektuelle glaubt sie natürlich nicht an diese Behandlungsmethode,

doch eine Irritation bleibt: Ihre Tränen versiegen sofort.

Eigene Ermittlungen

Die Variante «Selbstmord» bleibt im Raum. Immer wieder hört sich die Psychiaterin die

Aufzeichnungen der Sitzungen mit Paula an, versucht zu verstehen und kommt zum

Schluss, dass es Mord gewesen sein muss. Sie beginnt mit eigenen Recherchen und

bewegt sich auf abenteuerlichen Wegen. Valérie, die Tochter von Paula, habe ihre

Mutter umgebracht – daran glaubt sie fest. Doch es könnte auch ihr Mann Simon

gewesen sein (von Mathieu Amalric in verlässlicher Manier gespielt). Und was ist mit

der sehr reichen Tante Perle? Die beiden hätten Anspruch auf ihr Vermögen.

Inszenierung und Spiel

Die französische Regisseurin Rebecca Zlotowski verlangt ihrer Hauptdarstellerin Jodie

Foster alles ab, was möglich ist – und es ist alles möglich. Glaubhaft geht man mit

Foster durch diese verzwickte, vielschichtige Geschichte, folgt ihr bei all den

abstrusen Gedanken und Verwicklungen. Witzige Momente gibt es zwischendurch,

und ein Abstecher führt uns in die jüdische Gemeinschaft, der Paula angehört hat.

Dabei ist nie von Schuld die Rede, sondern von Verantwortung. In einem Interview

sagt Rebecca Zlotowski: «Diese Ambivalenz hat dem Film seine Farbe verliehen –

zwischen reinen, selbstbewussten Komödien-Situationen und dem beunruhigenden

Eintauchen in die Tiefen einer Persönlichkeit, die reich an Schattenseiten ist.» Und zu

Jodie Foster meint sie: «Ich kenne keine andere Schauspielerin, die den Weg eines

Gedankens und einer Offenbarung so deutlich auf ihrem Gesicht sichtbar macht wie

sie. Die Kamera filmt ihr intelligentes Spiel mit hoher Geschwindigkeit,

schwindelerregend.» Dementsprechend ist der Film formal konzipiert: mit steten

Bewegungen und tempogebenden Schnitten. Nichts bleibt stehen, alles bewegt sich

unaufhaltsam. Jodie Foster selbst meint: «Es ist ein sehr verspielter Film, der sowohl

intellektuell sehr reichhaltig als auch lustig ist. Rebecca Zlotowski ist selbst klug und

kann leicht über sich lachen. Und dann ist da noch diese jüdische Identität, die bei ihr

stark ausgeprägt ist und es ihr ermöglicht, eine Art primitive, ursprüngliche

Verzweiflung mit Humor zu akzeptieren.»

Fazit

VIE PRIVÉE ist ein unglaublich reicher Film – auf allen Ebenen. Nach all den krimi-,

psycho- und thrillermässigen Hochs und Tiefs verlässt man das Kino gesättigt und

zufrieden, identifiziert sich mit der Psychoanalytikerin Lilian Steiner und hat mit ihr

mitgelitten. Ein Filmvergnügen erster Güte!


TRAILER

VIE PRIVÉE | Regie: Rebecca Zlotowski

| Cast: Jodie Foster, Daniel Auteuil,

Virginie Efira | Tragikomödie |

100 Minuten | Frankreich, 2025 |

Verleih: Frenetic Films

Jetzt im Kino


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IM BANN DER

QUARZKRISTALLE

Strahlner:innen in den Urner Alpen


HIRSCHFELD –

UNBEKANNTER

BEKANNTER

DOKFILM DES MONATS


Eine bildstarke

filmische Annäherung

an Menschen, Berge

und eine

jahrhundertealte

Leidenschaft

Der Film begleitet «Strahlner»: Menschen,

die in den Urner Alpen auf die Suche nach

Quarzkristallen gehen. Diese Kristalle –

elegante, geologische Bildungen aus dem

Inneren der Berge – haben seit

Jahrhunderten Menschen angezogen und

sind Teil einer jahrhundertealten Tradition.

Die Dokumentation taucht ein in das Leben

und die Leidenschaft dieser

Kristallsucher:innen, zeigt ihre Gefährdungen

in hochalpinem Terrain, ihre Beziehung zu

den Naturkräften und die Faszination, die

von den Kristallen ausgeht.


SYNOPSIS

IM BANN DER QUARZKRISTALLE | SYNOPSIS

Seit Jahrhunderten locken Quarzkristalle Menschen in

unwegsame Gebiete hoch in den Urner Alpen. Inneres

Feuer, Legenden, Mythen und Träume begleiten sie

beim «Strahlnen», der Suche nach den wundervollen

Gebilden. Früher wie heute verbringen sie Tage, ja

Wochen in der archaischen Berglandschaft, die sich in

den letzten Jahren markant verändert hat. Doch trotz

neuer Gefahren bleibt ihr Drang ungebrochen, die in

Felsen verborgenen Schätze aufzuspüren und zu

bergen. Derweilen interessieren sich Sammler:innen,

Händler:innen, Museen für ihre Funde und Forschende

ergründen die Entstehung der Kristalle und ihre

Bedeutung für die Menschheit. Der neue Film von Irene

Marty spürt der Leidenschaft der Kristallsuchenden

nach. Er blickt zurück in eine Zeit, in der Familien in den

Bergen damit einen wichtigen Teil ihres

Lebensunterhalts bestritten, begleitet Strahlner:innen

auf ihren abenteuerlichen Touren und erzählt von der

vielschichtigen Bedeutung des Rohstoffs Quarz. «Im

Bann der Quarzkristalle» ist eine Entdeckungsreise, eine

Schatzsuche in imposanter Naturlandschaft –

abenteuerlich, fesselnd, bereichernd.


Für uns gesehen hat den Film

Felix Schenker

REZENSION

Mit IM BANN DER QUARZKRISTALLE ist Regisseurin Irene Marty

ein Dokumentarfilm von internationalem Format gelungen. Die

Mitglieder der Schweizer Filmakademie tun gut daran, diesen Film

für den Schweizer Filmpreis 2027 im Auge zu behalten – und das

aus mindestens vier überzeugenden Gründen.

Erstens: die spektakulären Landschaftsaufnahmen

So hat man die Urner Bergwelt im Kino wohl tatsächlich selten

gesehen. Es scheint, als habe die Regisseurin ihrem Kamerateam

einiges zugemutet – und dieses hat sich nicht gescheut, für die

atemberaubenden Bilder beträchtliche Risiken einzugehen. Steile

Felswände, abgelegene Klüfte und hochalpine Szenerien werden

nicht einfach dokumentiert, sondern regelrecht erfahrbar gemacht.

Besonders bemerkenswert ist, dass Marty diesen Bildern den

nötigen Raum lässt: Sie hetzt nicht von Einstellung zu Einstellung,

sondern vertraut auf die Kraft der Ruhe. Untermalt von den

Akkordeonklängen von Albin Brun gewinnen die Aufnahmen

zusätzlich an Faszination und einer fast archaisch-entrückten

Mystik.

Zweitens: das Thema selbst

Wer das Glück hatte, IM BANN DER QUARZKRISTALLE zu sehen,

wird Bergkristalle künftig mit anderen Augen betrachten – seien es

Rauchquarz, Milchquarz, klarer Bergkristall oder Amethyst. Diese

mineralischen Schönheiten sind im Film weit mehr als blosse

Objekte: Sie werden zu Trägern von Geschichten, Erinnerungen

und Lebensentwürfen. Unweigerlich denkt man beim Anblick eines

Kristalls an die Protagonist:innen zurück, an ihre Hingabe, ihre

Geduld und ihren Respekt vor der Natur.

>WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM


Kontext: Das verborgene Leuchten der Berge

Wer in den Alpen nach Kristallen sucht, folgt einer

jahrhundertealten Spur, so wie Regisseurin Irene

Marty in ihrem Film diesen Spuren nachgeht.

Lange galten Bergkristalle als gefrorenes Licht, als

Gaben aus einer verborgenen Welt tief im Fels.

Hirten, Berggänger und spätere Strahlner trugen

dieses Wissen weiter – nicht aus Gier, sondern aus

Neugier, Geduld und Respekt vor dem Berg. Mit

der Zeit trat zur Magie die Wissenschaft. Kristalle

wurden vermessen, gesammelt, verstanden. Und

doch blieb etwas Unverfügbares: das Warten, das

genaue Hinsehen, der Moment, in dem der Stein

plötzlich aufleuchtet. Bis heute ist die Kristallsuche

weniger Jagd als Begegnung – mit der Geschichte

der Alpen und mit der stillen Idee, dass das

Wertvollste oft dort liegt, wo man es nicht

erzwingen kann.


Die Filmemacherin

In ihrem Werk IM BANN DER

QUARZKRISTALLE fängt die

aus Altdorf stammende

Filmemacherin Irene Marty

die Essenz einer uralten Urner Tradition ein. Das Projekt ist für

sie eine Herzensangelegenheit und eine Rückkehr zu ihren

Wurzeln, bei der das Zusammenspiel von Mensch und Natur im

Mittelpunkt steht.

Mit grossem Respekt vor dem überlieferten Wissen, und einem

wachem Auge für die stillen Details in der Bergwelt, schafft sie

eine Hommage von besonderer Tiefe, die auch die

Verbundenheit zur ihrer Heimat spürbar macht.


TRAILER

IM BANN DER QUARZKRISTALLE |

Regie: Irene Marty | Dokumentarfilm |

94 Minuten | Schweiz, 2025 | Verleih:

Filmcoopi

Der Film feierte seine Weltpremiere an

den Solothurner Filmtagen 2026 und

wurde im Programm Panorama

Langfilm gezeigt.

Kinostart

Deutschschweiz: 23. April 2026


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BERG

WELTEN

FILM

FESTIVAL

STANS

3.– 7. Juni 2026

DAS FILMFESTIVAL

MIT BLICK AUF

BERGE UND UMWELT.

THEATER AN DER MÜRG

CHÄSLAGER

KOLLEGIUM ST. FIDELIS

Photo: Ramona Waldner

CO-PARTNER:INNEN PREIS-SPONSOR:INNEN WEITERE PARTNER:INNEN


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DER TOD IST EIN

ARSCHLOCH


Der Tod kommt

immer ungelegen

– aber hier

immerhin als

faszinierender

Dokfilm

Ein ungewöhnlicher Dokumentarfilm über

das Sterben, das Leben davor und die

Absurditäten dazwischen. Der deutsche

Regisseur Michael Schwarz begleitet

Menschen, die sich mit dem Tod

auseinandersetzen:

Hospizmitarbeiter:innen, Trauernde,

Sterbende – und solche, die darüber lachen

können. Der Film ist provokant wie sein

Titel, berührend und überraschend

lebensbejahend.


SYNOPSIS

DER TOD IST EIN ARSCHLOCH | SYNOPSIS

Bestsellerautor Eric Wrede, bekannt als Deutschlands

wohl unkonventionellster Bestatter, und sein Team

nehmen uns in DER TOD IST EIN ARSCHLOCH mit auf

eine ebenso berührende wie schonungslos ehrliche

Reise an den Rand des Lebens. Zwischen Krematorien,

Wohnzimmern voller Erinnerungen und Gesprächen mit

Trauernden entsteht ein Film, der dem Tod nicht

ehrfürchtig die Hand reicht, sondern ihm frech ins

Gesicht lacht. Mit Witz, Wärme und viel Empathie stellt

der Film die Frage: Warum verdrängen wir das

Unvermeidliche so

konsequent – und was

würde passieren, wenn

wir den Tod endlich ins

Leben lassen? Eric

Wrede öffnet Türen zu

einem neuen Umgang

mit Abschied, Schmerz

und Erinnerung – dabei ist er mal provokant, mal

tiefgründig, aber immer menschlich. DER TOD IST EIN

ARSCHLOCH ist kein trockener Dokumentarfilm,

sondern ein Porträt über das Sterben in unserer

Gesellschaft – und ein Plädoyer dafür, endlich wieder

lebendig zu leben.


Für uns gesehen hat den Film

Geri Krebs

REZENSION

Nah dran am Unaussprechlichen

Spätestens seit der TV-Serie DER BESTATTER mit Mike Müller als

Protagonist ist der Berufsstand derer, die nach dem Lebensende

tätig werden, auch hierzulande etwas bekannter geworden. Der

Dokumentarfilm DER TOD IST EIN ARSCHLOCH von Michael

Schwarz schlägt mit seinem Porträt eines Berliner

Bestattungsunternehmens jedoch einen ganz anderen Ton an als

die Serie vom SRF und verleiht dem Thema damit eine ganz

eigene Qualität.

Ein letzter Dialog

Zu Beginn hört man aus dem Off minutenlang die Stimme einer

Bestatterin, die zusammen mit ihrem Kollegen eine Leiche aus

einer Berliner Wohnung abholt. Sie gibt diesem Anweisungen,

richtet dazwischen aber immer wieder ihre Worte an die

Verstorbene. Es entsteht der Eindruck, die Bestatterin arbeite als

Pflegerin in einem Spital oder in einem Alterszentrum und die

Frau, die gerade aus ihrer Wohnung getragen wird, sei noch am

Leben: «So, Frau Korth, jetzt schlagen wir Sie in das Tuch ein»,

dann: «Und nun gehen wir auf die Reise.»

Später erfahren die Zuschauenden: Maria Schuster, die Bestatterin,

war früher Schauspielerin. Irgendwann sei ihr die ständige Suche

nach neuen Engagements zu mühsam geworden, erzählt sie,

weshalb sie eine erfüllende und zugleich verlässlichere Arbeit

gesucht habe. Ihren Umgang, ja ihre Kommunikation mit Toten

erklärt sie so: «Ich stelle mir vor, ich liege da. Ich möchte, dass man

mich wahrnimmt, ich möchte gut behandelt werden. Ich möchte

respektiert werden, auch als Verstorbene.»

>WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM


TRAILER

DER TOD IST EIN ARSCHLOCH | Regie:

Michael Schwarz | Dokumentarfilm | 79

Minuten | Deutschland, 2025 | Verleih:

Royal Film

Kinostart

Deutschschweiz: 30. April 2026


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SCHWEIZER FILMSCHAFFEN

Lieder und Utopien


WALTER LIETHA

– DRUM SING I

GRAD DRUM


Regisseur Stefan Haupt

verschafft einem

unbequemen Pionier

der Schweizer

Mundartmusik ein

filmisches Denkmal

Walter Lietha gehört zu den grossen

Unangepassten der Schweizer

Musikgeschichte: ein Sänger, Texter und

Musiker, der früh konsequent seinen

eigenen Weg ging – stilistisch, sprachlich

und inhaltlich. Während die Mundartmusik

hierzulande noch als folkloristisch oder

harmlos galt, setzte Lietha auf Reibung,

Haltung und poetische Schärfe. Dass er

dafür lange ignoriert wurde, sagt weniger

über ihn aus als über das System, in dem er

wirkte. Der Film von Stefan Haupt verschafft

Lietha sichtbare Präsenz.


SYNOPSIS

WALTER LIETHA – DRUM SING I GRAD DRUM |

SYNOPSIS

Der Bündner Sänger Walter Lietha zählte in den

1970er-Jahren zu den grossen Namen der Schweizer

Musikszene und wurde mit seinen poetischen, teils

zeitkritischen Liedern zur Stimme einer Generation.

Doch anfangs der 1980er-Jahre verstummte diese

Stimme in der Öffentlichkeit weitgehend. Im August

2025 wurde der 75-jährige Bündner Barde am

Musikfestival «Alpentöne» mit einem Konzert geehrt,

bei dem die Initiantin der Hommage Corin Curschellas

sowie Sophie Hunger, Stephan Eicher, Michael von der

Heide und die Narrenschiffband auftraten. Was ist aus

Walter Lietha, seinen Utopien, seinen Liedern

geworden?


Für uns gesehen haben den Film

Rolf Breiner und Felix Schenker

Früh da, zu früh vielleicht

Walter Lietha arbeitete mit Mundart zu einer Zeit, als

diese im Pop- und Rockbereich noch wenig verbreitet

war. Seine Lieder verbanden persönliche Beobachtungen

mit gesellschaftlichen Themen und unterschieden sich

deutlich von den gängigen Formen der damaligen

Schweizer Unterhaltungsmusik. Damit blieb er ausserhalb

des kommerziellen Mainstreams und erreichte vor allem

ein kleines, interessiertes Publikum.

Wirkung und spätere Rezeption

Obwohl Walter Lietha lange kaum präsent war, wird sein

Werk heute im Zusammenhang mit der Entwicklung der

Schweizer Mundartmusik neu bewertet. Sein Umgang mit

Sprache und Form gilt als früher Beitrag zu einer

offeneren, vielfältigeren Nutzung von Mundart in der

Musik. Musiker:innen wie Stephan Eicher, Corin

Curschellas oder Sophie Hunger nennen ihn rückblickend

als Referenz – was zu einer erneuten Auseinandersetzung

mit seinem Schaffen geführt hat.


TRAILER

WALTER LIETHA – DRUM SING I GRAD

DRUM | Regie: Stefan Haupt |

Dokumentarfilm | 74 Minuten | Schweiz,

2026 | Verleih: Xenix Filmdistribution

GmbH

Jetzt im Kino


INTERVIEW

STEFAN HAUPT


© Adrien Michel


«Walter Lietha ist ein

Gegenbild zu unserer

Zeit – ruhig,

kompromisslos und

ganz im Moment.»

Nach seiner grossen

Literaturverfilmung STILLER widmet

sich Regisseur Stefan Haupt mit

seinem neuen Dokumentarfilm dem

eigenwilligen Liedermacher Walter

Lietha. Im Interview spricht Haupt

über künstlerische Freiheit, ein

vergessenes Stück Schweizer

Musikgeschichte – und warum Lietha

heute noch aktuell ist. Dabei

entsteht auch ein Blick auf eine Zeit,

deren Nachhall bis in die Gegenwart

reicht.


Mit Stefan Haupt sprach für arttv.ch Rolf Breiner

Stefan Haupt, nach der Literaturverfilmung STILLER nun der

Dokumentarfilm WALTER LIETHA. Wie schwer ist solch ein Spagat?

Stefan Haupt: Für mich ist es ein grosses Glück, dass ich beides machen kann.

Natürlich sind die Herstellungsprozesse sehr unterschiedlich. Bei einem Film

wie ZWINGLI oder STILLER liegt es auf der Hand, dass sich die Produktion

stärker einbringt – etwa bei den Anforderungen des Marktes. Bei

Dokumentarfilmen habe ich hingegen das Glück, sie selbst zu produzieren. Das

gibt mir eine gewisse Freiheit.

Du hast den Liedermacher, Sänger und Dichter Walter Lietha aus der

Versenkung geholt. Was war der Schlüsselpunkt, einen Film über ihn zu

drehen?

Bei jedem Film gibt es diesen Moment, in dem mich ein Thema elektrisiert und

eine persönliche Verbindung entsteht. In diesem Fall war es Corin Curschellas,

die lange mit Walter Lietha zusammengearbeitet hat. Vor zwei Jahren erzählte

sie mir in Locarno von einem geplanten Hommage-Konzert für Walter Lietha

am Festival «Alpentöne» im August 2025. Nebenbei meinte sie, es wäre schön,

wenn es dazu einen Film gäbe. Da hat es bei mir sofort «gerattert». Ich kannte

Lietha bereits als Zwanzigjähriger – aus der Zeit der Zürcher Jugendbewegung

– und war auch an Konzerten mit ihm.

Weshalb war Walter Lietha damals gefragt?

Er drückte ein Lebensgefühl mit grosser Sensibilität aus – zwischen Auflehnung,

Protest, aber auch Melancholie und Unsicherheit. Das hat er sehr genau

getroffen.

Wann kam der Bruch?

Ein Live-Konzert mit ihm wurde anfangs der 80er-Jahre vom Schweizer

Fernsehen kurzfristig abgesagt – wohl aus politischen

Gründen. In der Folge wurde er beim Radio DRS, das für

die Schweizer Musikszene sehr wichtig war, praktisch

nicht mehr gespielt. Das war eine einschneidende Weiterlesen

Zäsur, danach war er deutlich weniger präsent.

auf arttv.ch

Was passierte danach?


SIRI HUSTVEDT –

DANCE AROUND

THE SELF


«Ein Film wie ein

leises Zwiegespräch:

Sabine Lidl nähert

sich Siri Hustvedt

und Paul Auster mit

grosser Intimität.»

Mit SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND

THE SELF ist der deutschen Filmemacherin

Sabine Lidl ein fein gesponnenes Porträt

gelungen: eine Annäherung an die

Schriftstellerin Siri Hustvedt, die

untrennbar mit ihrem «Lebensmenschen»

Paul Auster verbunden war. Zwischen

Literatur, Erinnerung und Abschied

entfaltet sich ein ebenso persönlicher wie

universeller Film und eine sehr

empfehlenswerte Geschichte über Liebe,

Kunst und Verlust.


SYNOPSIS

SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND THE SELF |

SYNOPSIS

Jung, neugierig und voller Tatendrang verlässt Siri

Hustvedt das weite, ruhige Minnesota und stürzt sich

mitten hinein ins pulsierende New York. Auf der Suche

nach der Hauptfigur ihres ersten Romans beginnt eine

Reise, die sie nicht nur zur Schriftstellerin macht,

sondern zu einer der wichtigsten Stimmen der amerikanischen

Gegenwartsliteratur.

Der Film öffnet einen Blick weit über Siri Hustvedt

hinaus. Der Film entdeckt Frauen, wie sie mutig und

eigenwillig ihre Kunst verwirklichen. Während Siri und

ihr Ehemann Paul Auster über Sprache, Identität und

die Kraft der Worte nachdenken, bricht das Leben

herein: Paul Auster wird schwer krank.


Für uns gesehen hat den Film

Rolf Breiner

REZENSION

Ein Leben im Dialog

Es beginnt mit einer Begegnung – und wird zu einer jahrelangen

filmischen Reise. Als Sabine Lidl und der Basler Filmemacher Dani Levy

2016 Paul Auster in New York besuchen und dort auch Siri Hustvedt

kennenlernen, entsteht die Idee für ein Projekt, das weit über ein

klassisches Autorenporträt hinausgeht. SIRI HUSTVEDT – DANCE

AROUND THE SELF ist denn auch kein Film über zwei Berühmtheiten

der Literatur, sondern ein sensibles Geflecht aus Stimmen, Bildern und

Erinnerungen.

Die Sprache als Material

Im Zentrum steht Siri Hustvedt: Schriftstellerin, Essayistin, Zeichnerin –

und eine prägende Stimme der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Lidl

versucht gar nicht erst, diese komplexe Persönlichkeit in eine eindeutige

Form zu zwingen. Stattdessen arbeitet sie essayistisch, tastend, offen.

Ein zentrales Element sind die Texte selbst: Hustvedt liest vor, reflektiert,

tritt in einen Dialog mit sich und der Kamera. Diese Momente verleihen

dem Film eine besondere Tiefe; sie machen Literatur unmittelbar

erfahrbar.

Orte der Erinnerung

Gleichzeitig durchziehen visuelle Impressionen den Film: Reisen,

Landschaften, Orte des Erinnerns. Besonders eindrücklich ist ein Besuch

im norwegischen Vardø, wo ein Mahnmal an die Opfer der

Hexenverfolgung erinnert – gestaltet unter anderem vom Architekten

Peter Zumthor. Hier verdichten sich Themen, die den Film durchziehen:

Geschichte, Gewalt, weibliche Erfahrung. Begegnungen mit Künstlern

wie Wim Wenders oder die Präsenz von Louise Bourgeois’ Arbeiten

erweitern den Horizont, ohne je vom Kern abzulenken.

>WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM


TRAILER

SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND

THE SELF | Regie: Sabine Lidl |

Dokumentarfilm | 110 Minuten |

Deutschland/Schweiz, 2025 | Verleih:

Vinca Film

Jetzt im Kino


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Zartheit im neoliberalen Dauerrauschen


ALLEGRO PASTELL


Die Verfilmung des

gleichnamigen

Kult- und

Bestsellerromans

von Leif Randt

Mit ALLEGRO PASTELL entsteht ein

präzises Generationenporträt über Liebe

im digitalen Dauerzustand: Ein Film, der

zeigt, wie sich Nähe, Sehnsucht und

Selbstinszenierung zwischen Berlin,

Social Media und emotionaler

Überforderung neu definieren. Zwischen

Ironie und existenzieller Ernsthaftigkeit

erzählt der Film von zwei Menschen, die

permanent verbunden sind und sich

doch immer wieder verlieren. Nice!


SYNOPSIS

ALLEGRO PASTELL | SYNOPSIS

Im Jahrhundertsommer 2018 führen die Romanautorin

Tanja Arnheim und der Webdesigner Jerome Daimler

eine scheinbar ideale Fernbeziehung in der Hitze

Berlins, der Idylle eines geerbten Bungalows im

hessischen Maintal und vielen Zugfahrten dazwischen.

Doch das sorgfältig gepflegte Gleichgewicht aus

Vertrauen und Ungebundenheit der beiden

hyperreflektierten Millennials gerät ins Wanken, als Tanja

in der Nacht ihres Geburtstags bemerkt, dass die

Beziehung existentiell werden könnte.


Den Film für uns an der Berlinale

gesehen hat Felix Schenker

Liebe im Zeitalter der Selbstbeobachtung

Mit ALLEGRO PASTELL verfilmt Anna Roller den gleichnamigen

Kultroman von Leif Randt und zeichnet das Porträt einer Beziehung, die

weniger an Konflikten zerbricht als an ihrer eigenen Reflexionsschleife.

Es ist ein Film über Nähe in Zeiten permanenter Kommunikation – und

darüber, wie leicht sich Gefühle im Strom von Nachrichten, Gedanken

und Selbstanalysen verlieren. Generation Smartphone.

REZENSION

Eine Liebe auf Distanz – und in Dauerreflexion

Im Zentrum stehen die Autorin Tanja und der Web-Designer Jerome, die

eine Fernbeziehung zwischen Berlin und Frankfurt führen. Sie lieben sich,

zweifeln aber zugleich permanent an der eigenen Wahrnehmung, an der

Intensität ihrer Gefühle, an der Zukunft ihrer Beziehung. Roller übersetzt

diese literarische Vorlage in eine kühle, präzise Bildsprache, die weniger

Emotionen zeigt als deren gedankliche Verarbeitung.

Gefühle als Gedankenexperiment

Die Figuren wirken dabei nie unsympathisch, aber merkwürdig entrückt –

als lebten sie in einer Welt, in der Gefühle zuerst reflektiert, dann

formuliert und erst zuletzt vielleicht empfunden werden. Das zeigt sich

bereits in der Eröffnungsszene, die beiden liegen nackt im Bett, wohl

nach ihrem ersten Sex.

Sie: «Wie geht’s dir?»

Er: «Jetzt gerade?»

Sie: «Ja.»

Er: «Ich glaube, mir geht's sehr gut – und dir?»

Sie: «Ich frag mich, ob es mir schon mal besser ging.»

Er: «So im Leben insgesamt, meinst du?»

Sie: «Wann ging es dir schon mal besser als jetzt?»

Er: «Am Tag der Sommersemesterferien 2008»

>WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM


TRAILER

ALLEGRO PASTELL | Regie: Anna Roller

| Cast: Jannis Niewöhner, Martina

Gedeck, Luna Wedler, Haley Louise

Jones, Wolfram Koch, Vera Flück |

Liebesfilm | 99 Minuten | Deutschland,

2026 | Verleih: DCM

Seine Premiere feierte ALLEGRO

PASTELL in der Sektion Panorama an

der diesjährigen Berlinale.

Jetzt im Kino


Liebe kennt kein Alter


CALLE MÁLAGA


Der grosse

Gewinner von

Venedig 2025

Zwar gewann CALLE MÁLAGA von

Maryam Touzani nicht den Goldenen

Löwen, der traditionell den besten Film

des Wettbewerbs auszeichnet – sondern

den Publikumspreis – ein Signal, das für

den späteren Kinoerfolg oft mehr sagt als

jede Juryentscheidung. Während

Jurypreise ästhetische oder politische

Kriterien widerspiegeln, gilt ein

Publikumspreis als direkter Gradmesser

dafür, wie ein Film ausserhalb der

Festivalblase funktioniert. Bei CALLE

MÁLAGA wird das hoffentlich nicht

anders sein.


SYNOPSIS

CALLE MÁLAGA | SYNOPSIS

Die 79-jährige Spanierin Maria Angeles lebt allein

in Tanger im Norden Marokkos und geniesst den

Alltag in ihrer Stadt. Ihr Leben wird auf den Kopf

gestellt, als ihre Tochter Clara aus Madrid anreist,

um die Wohnung zu verkaufen, in der Maria immer

gelebt hat. Entschlossen, in der Stadt ihrer Kindheit

zu bleiben, setzt Maria alles daran, ihr Zuhause und

ihre Habseligkeiten zu retten – und findet dabei

ganz unerwartet zu neuer Liebe und Sinnlichkeit.


Für uns gesehen hat den Film

Djamila Zünd

REZENSION

Ein neues Leben im dritten Lebensalter

Mit CALLE MÁLAGA lädt der Film dazu ein, innezuhalten und sich vom

hektischen, zeitgenössischen Blick zu lösen. Bereits in den ersten

Einstellungen ist alles angelegt: ein Plattenspieler, sorgfältig drapierte

Spitze auf Möbeln, das warme Leuchten von Kupfertöpfen, Hände, die

einen Teig kneten. In wenigen Bildern wird ein ganzes Leben spürbar.

Unter der Regie von Maryam Touzani rücken gealterte Körper wieder

ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Kamera begleitet behutsam,

streift die Figuren, ohne ihre Intimität zu verletzen. In einer Zeit, die

vom Jugendkult und dem Drang geprägt ist, die Spuren des Alters zu

korrigieren, zeigt Touzani das Älterwerden unverstellt. Die Körper,

bisweilen nackt, werden mit grosser Zärtlichkeit eingefangen: in

Momenten der Pflege, unter der Dusche oder beim sorgfältigen

Zusammenbinden der Haare. So entsteht ein leiser, aber eindringlicher

Versuch, die Schönheit des Alterns neu sichtbar zu machen.

Ein stiller Akt des Widerstands

«Ich habe dich gebeten, dich von all dem zu trennen!» – hinter diesem

Satz verbirgt sich die Härte eines erzwungenen Abschieds. Die Tochter

fordert ihre Mutter auf, das Haus zu verkaufen und damit auch einen

Teil ihres Lebens aufzugeben. Die Mutter bleibt still und hält stand.

Nach einem Aufenthalt im Altersheim kehrt sie dennoch zurück –

zurück «nach Hause». Jedes neu erworbene Möbelstück wird dabei zu

einem Akt der Rückeroberung. Was hier sichtbar wird, ist kein

Altersstarrsinn, sondern eine klare Haltung: Solange Gesundheit und

Lebenswille vorhanden sind, darf das Alter nicht mit Verschwinden

gleichgesetzt werden. Altern bedeutet in diesem Film, weiter zu

bestehen – und sich zugleich neu zu verorten. Im Kontrast zu

Institutionen, die selbst Intimität normieren, setzt der Film ein leises,

aber entschiedenes Nein.

>WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM


TRAILER

CALLE MÁLAGA | Regie: Maryam

Touzani | Cast: Carmen Maura, Marta

Etura, Ahmed Boulane, María Alfonsa

Rosso, Sanae Regragui, Miguel Garcés |

Drama | 116 Minuten | Frankreich, 2025 |

Verleih: Filmcoopi

Jetzt im Kino


Stilles, radikales, berauschendes Kino


ROSE


Eines der

unbestrittenen

Highlights der

Berlinale 2026

Ein Film wie ein Stich – präzise, kühl und

doch von überwältigender Intensität:

Dem österreichischen Regisseur Markus

Schleinzer gelingt mit ROSE ein Werk von

kompromissloser Klarheit, das sich jeder

Konvention entzieht und eine ungeheure

Sogwirkung entfaltet. Was zunächst

spröde erscheint, entwickelt sich zu

einem eindrücklichen Kinoerlebnis – nicht

zuletzt dank einer herausragenden Sandra

Hüller.


SYNOPSIS

ROSE | SYNOPSIS

In den Wirren des Dreissigjährigen Kriegs erscheint ein

mysteriöser Soldat in einem abgeschiedenen

protestantischen Dorf. Zum Missfallen der Dorfgemeinde

kann er ein Dokument vorlegen, das ihn als Erben eines

lange verlassenen Gutshofs ausweist. Der Fremde setzt

alles daran, hier sein Glück zu finden. Doch sein Streben

nach Anerkennung und Akzeptanz wird durch sein

Geheimnis erschwert: Er hat den Weg hierher unter

falscher Identität auf sich genommen – und unter

Vortäuschung des männlichen Geschlechts. Um seine

Ziele zu erreichen, schreckt er auch nicht vor einer

arrangierten Ehe mit der Tochter eines Grossbauern

zurück. Denn wer so weit gekommen ist, hält bald alles

für möglich.


Den Film für uns an der Berlinale

gesehen hat Felix Schenker

REZENSION

Reduktion als radikale Stärke

Im vom Dreissigjährigen Krieg gezeichneten Europa sucht ein

Fremder in einem abgelegenen Dorf ein neues Leben – und muss

dafür eine Identität aufrechterhalten, die jederzeit zu zerbrechen

droht. Aus dieser Konstellation entwickelt ROSE ein dichtes,

beklemmendes Drama über Zugehörigkeit, Täuschung und

gesellschaftliche Zwänge. Die strikte Schwarz-Weiss-Optik und die

strenge, fast minimalistische Bildsprache verleihen dem Film eine

zeitlose, beinahe asketische Qualität, die sich bewusst gegen jede

Form visueller Überwältigung stellt. Markus Schleinzer begründete

diesen Ansatz an der Pressekonferenz im Rahmen der Internationale

Filmfestspiele Berlin damit, dass nichts vom Inhalt ablenken solle –

ein Credo, das sich in jeder Einstellung widerspiegelt. Damit erreicht

der Regisseur eine zunehmende Verdichtung, die sich im Verlauf des

Films stetig intensiviert und die Spannung auf subtile, aber

nachhaltige Weise vorantreibt.

Sandra Hüller – eine Ausnahmeleistung

Im Zentrum steht eine Figur zwischen den Welten. Sandra Hüller

zeigt einmal mehr, warum sie zu den beeindruckendsten

Schauspielerinnen ihrer Generation zählt. Ihre Darstellung hinterlässt

einen bleibenden Eindruck und ist schlichtweg grossartig. Mit

atemberaubender Subtilität und Intensität gestaltet sie diese

ambivalente Figur. Es sind oft kleinste Verschiebungen in Mimik und

Körpersprache, minimale Nuancen, die emotionale Tiefe offenbaren.

Hüller spielt nicht aus, sie legt frei. Ihre Performance wirkt dabei nicht

demonstrativ, sondern kontrolliert, fast zurückgenommen – was die

überzeugende, wohltuende Kraft ihres Schauspiels ausmacht. Dass

sich viele dieser Momente erst im Nachhall vollständig erschliessen,

macht ihre Leistung umso beeindruckender.

>WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM


TRAILER

ROSE | Regie: Markus Schleinzer | Cast:

Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa

Growaldt, Godehard Giese, Augustino

Renken, Robert Gwisdek | Drama | 95

Minuten | Deutschland, Österreich,

2026 | Verleih: Filmcoopi

Kinostart

Deutschschweiz: 7. Mai 2026


ARTTV MEDIENPARTNERSCHAFT


PINK APPLE


PINK APPLE ERÖFFNUNGSFILM

DER HEIMATLOSE


Kai Stänickes

Drama eröffnet

das Pink Apple

2026

Wer definiert, wer du bist?

DER HEIMATLOSE setzt mit einer klaren

Ausgangssituation ein: Ein Mann kehrt nach

Jahren auf eine Insel zurück und behauptet,

von hier zu stammen. Doch niemand erkennt

ihn. Statt eines Wiedersehens entwickelt sich

eine Befragung durch die Dorfgemeinschaft.

Fragen, Zweifel und Blicke verdichten sich zu

einer zunehmend angespannten Situation, die

ins Unheimliche kippt. Man verfolgt das

Geschehen und merkt, wie schnell

Gewissheiten ins Wanken geraten.

> Weiterlesen auf arttv.ch


INTERVIEW

MONIKA TREUT


Golden Apple 2026

für Monika Treut.

Doris Senn hat die

Regisseurin zum

Interview getroffen.

Seit den 1970er-Jahren prägt Monika

Treut das queere Kino – radikal, lustvoll

und politisch. Im Gespräch blickt sie auf

die Anfänge der Videobewegung zurück,

spricht über feministische Kontroversen

rund um Sexualität und S/M sowie über

die anhaltenden Kämpfe um trans und

queere Sichtbarkeit. Dabei wird deutlich:

Was einst als Experimentierfeld begann,

ist heute erneut unter Druck – und

zugleich dringlicher denn je.


Monika Treut, Sie erhalten den diesjährigen Golden Apple für Ihr Werk,

das rund fünf Jahrzehnte umfasst. Ihre ersten Videos entstanden schon in

den 1970ern. Wie kam es dazu?

Das nahm seinen Anfang während meines Studiums, ab 1974. Wir von der

Literaturwissenschaft stellten fest, dass wir Analphabet:innen waren, was

visuelle Medien betraf. Wir arbeiteten mit dem Portapak, einem tragbaren,

jedoch sehr unhandlichen Videogerät, sowie mit verschiedenen

Videosystemen von eher geringer Qualität. Hergestellt haben wir kurze

dokumentarische Videos , die wir erst im studentischen, dann im erweiterten

Rahmen in Kneipen und Cafés gezeigt haben. Es gab ja eine richtige

Videobewegung in den 1970ern – die «Public Access»-Bewegung. Ebenfalls

erstmals gab es halbwegs erschwingliche Schneidegeräte – und es war immer

auch eine kollektive Angelegenheit.

Ende der 1970er haben wir dann in

Hamburg den Frauenmedienladen

Bildwechsel gegründet, der übrigens

heute noch besteht.

« Alice Schwarzer kam

mit der ganzen

‹EMMA›-Redaktion

Sie haben nach Ihrer Promotion in

Literatur Filme zu S/M, Sexualität

und Sexarbeit realisiert, etwa 1985

Verführung: DIE GRAUSAME

FRAU, in dem eine Domina im

Zentrum steht, oder FEMALE

MISBEHAVIOR VON 1992 über

Bondage und eine Sex-

Performance mit Annie Sprinkle.

Themen, die die Frauenbewegung

damals aufwühlten – Stichwort PorNO-Kampagne von Alice Schwarzer.

Wie wurden Ihre Filme aufgenommen?

Durchaus kontrovers. Was die Sexualität von Feministinnen und von Lesben

anging, war eine Spaltung da. Ich erinnere mich noch an eine Diskussion, als

VERFÜHRUNG: DIE GRAUSAME FRAU ins Kino kam. Alice Schwarzer kam mit

der ganzen ‹EMMA›-Redaktion dazu und klagte uns als Verräterinnen der

Frauenbewegung an! Andererseits gab es sehr viel junge Frauen, auch junge

Lesben, die interessiert waren am Experimentieren mit Sexualität. Sie nahmen

dazu und klagte uns

als Verräterinnen der

Frauenbewegung an!»


Elemente auf, die damals aus den USA kamen – etwa von Pat Califia, die über

lesbische Sexualität, Bondage und S/M schrieb – und für eine grössere

Bandbreite sexueller Praktiken plädierten.

1999 haben Sie mit GENDERNAUTS Premiere gefeiert. Der Film ist heute

ein Klassiker des queeren Kinos. Spätestens ab den Nullerjahren wurde

«transgender» und «Transsexualität»

zu einem eminent wichtigen Thema.

Wo stehen wir heute Ihrer Ansicht

nach in Bezug auf diese Themen?

In den westlichen Gesellschaften sind

eine grössere Liberalität und ein

grösseres Wissen da – etwa, dass

jeder Mensch Anteile von beiden

Geschlechtern in sich trägt und eine

grössere Fluidität in vielen

Gesellschaften akzeptiert ist. Ob sie

gewünscht ist, ist eine andere Frage.

Doch sehen wir heute vermehrt

Angriffe von rechten Bewegungen,

die sich wieder der Familie und der

traditionellen Frauenrolle verschreiben

und alles, was nicht den

herkömmlichen binären

Geschlechterrollen entspricht,

attackieren. Wir sehen da einen grossen Kulturkampf – wie es in Polen der Fall

war, in Ungarn, in Russland und durch die MAGA-Bewegung auch in den USA

wieder der Fall ist. Alles, was wir erreicht haben – an Offenheit, an durch die

Wissenschaft unterstützten Möglichkeiten –, ist nun wieder in Gefahr, wird

angegriffen und infrage gestellt.

« Wir sehen da einen

grossen Kulturkampf –

wie es in Polen der Fall

war, in Ungarn, in

Russland und durch die

MAGA-Bewegung

auch in den USA

wieder der Fall ist.»

Was an GENDERNAUTS besticht, ist, dass der Film eine grosse Bandbreite

an Gender-Identitäten zulässt – als fliessendes Kontinuum, auf dem sich

die Protagonist:innen verorten können. Seither wurde dieses Spektrum

weiter ausdifferenziert und in Labels gefasst. Wie sehen Sie diese

Entwicklung in Bezug auf trans und queer?


Eine komplizierte Frage. Vor allem sieht es in verschiedenen Kulturen auch je

wieder anders aus. In Berlin und in Deutschland etwa ist eine grosse Lust da,

sich zu definieren und festzulegen und die eigene Gender-Identität persönlich

zu bestimmen. Das war in der Zeit von GENDERNAUTS noch anders, auch

weil die Bewegung noch relativ frisch war. Dabei dürfen wir auch nicht

vergessen, dass es darin um San Francisco in den 1980er- und 1990er-Jahren

geht, als San Francisco vielleicht die liberalste Stadt überhaupt und ein

Experimentierfeld war, um sich

auszuprobieren. Eine

«In einem Fall wie

Idealsituation, die wir heute in

dem Sinn gar nicht mehr

Stafford, einem

vorfinden – wenn nicht bei ganz

jungen Leuten, wie ich das bei

Studierenden zwischen 18 und

Ende 20 erlebt habe, als ich an

einer Kunsthochschule Filmen vorkommt, weiss

unterrichtet habe. Sie sehen

ihre Gender-Identität als ich, dass durch die

fliessend an und wollen

experimentieren und zweite Präsidentschaft

wegkommen von

herkömmlichen Rollen. Wenn von Trump extreme

sich vermehrt junge Menschen

outen und in verschiedenste Probleme auf Menschen

Formen aufsplitten, agieren

diese aber selten wie ihn zukommen.»

gegeneinander, sondern wirken

meist positiv zusammen.

Transmann, der in beiden

Sie haben 2021 mit GENDERATION eine Fortsetzung von GENDERNAUTS

gedreht, mit zum Teil denselben Protagonist:innen – und mit einer starken

politischen Komponente: der Gentrifizierung von San Francisco. Hinzu

kommen die Auswirkungen von Trumps erster Präsidentschaft. Der Film

vermittelt eine gewisse Ernüchterung angesichts der gesellschaftlichen

Veränderungen – die Community scheint auseinandergebrochen zu sein.

Wie ist die Situation dort heute? Sind Sie nach wie vor in Kontakt mit


Ihren Protagonist:innen?

Ja, das ist für mich sehr wichtig – grade bei dokumentarischen Filmen. Da

kommt man sich doch sehr nah, und es entstehen Freundschaften, die oft das

ganze Leben andauern. In einem Fall wie Stafford, einem Transmann, der in

beiden Filmen vorkommt, weiss ich, dass durch die zweite Präsidentschaft von

Trump extreme Probleme auf Menschen wie ihn zukommen. Etwa durch diese

üble Sache mit den Identitätspapieren, in denen die Trump-Administration

wieder das Geburtsgeschlecht eintragen lässt. Wenn du also einen Reisepass

beantragst, musst du deine Geburtsurkunde mitbringen, und dann wird

knallhart dein Geburtsgeschlecht eingetragen. Das heisst, dass es – nicht in

allen Staaten, aber in einigen – unmöglich wird zu reisen. Wenn ein

Transmann mit seinem «dead name», also seinem Geburtsnamen, da

auftaucht, wird er unweigerlich an einer Ein- oder Ausreise gehindert werden.

«Mich hat fasziniert,

In Ihrem jüngsten Film,

COOKING UP DEMOCRACY,

den Pink Apple als Vorpremiere

dass Feministinnen zeigt, geht es um ein ganz

anderes Gesellschaftsmodell: Er

sehr viel zur

handelt von Taiwan, von

digitaler Demokratie und einem

Demokratisierung

bemerkenswert liberalen

Gesellschaftssystem. Wie kam

Taiwans beigetragen es zu diesem Filmprojekt?

Seit ich 2002 dort von dem

haben.»

grossartigen Frauenfilmfestival

WOMEN MAKE WAVES

eingeladen wurde, war ich sehr

oft in Taiwan. Sie zeigten eine Retrospektive meiner Filme und boten mir im

Anschluss daran an, einen Dokumentarfilm über Taiwan zu drehen. Ich hatte

Carte Blanche und stieg in die Geschichte Taiwans ein, weil sie extrem

vielschichtig ist, und wählte dazu die Biografien von drei Frauen

unterschiedlicher Generationen aus.

Was hat Sie besonders am Projekt fasziniert?

Mich hat fasziniert, dass Feministinnen sehr viel zur Demokratisierung Taiwans

beigetragen haben, und viele feministische Rechte direkt in der Verfassung


festgelegt wurden. Ich habe mich auch sehr für die geopolitische Situation

Taiwans interessiert, die ja doch immer gefährdet ist durch eine mögliche

Vereinnahmung seitens der Volksrepublik China. Unter dem Radar der

Weltöffentlichkeit hat sich in Taiwan wie in einem Biotop eine ganz besondere

Demokratie entwickelt. Das wollte ich für westliche Demokratien festhalten –

als Anregung im Sinn von: Können wir etwas davon lernen? Speziell ist dabei

sicher, dass die Demokratie nach Taiwan kam, als das World Wide Web

erfunden wurde und die

Taiwaner:innen von Anfang an

digitale Elemente in ihre Demokratie

übernommen haben. Im Gegensatz

etwa zur Bundesrepublik, wo unsere

langjährige Kanzlerin, Angela

Merkel, noch 2017 sagen konnte:

«Das Internet ist Neuland für uns.»

Wie sehen Sie die Zukunft des

queeren Films? Wird es ihn auch in

kommenden Jahren noch geben?

Ich denke, grade jetzt, wo die Medium und

Demokratien so gefährdet sind und

auch dieser seltsame Kulturkampf

tobt und rechte Bewegungen wieder

traditionelle Frauenrollen ausspielen

Medium.»

wollen, ist die Existenz von queeren

Communities sehr unter Beschuss.

Da sind die queeren Filme eine

Möglichkeit, sich zu vergewissern, was eigentlich vor sich geht. Sie sind ein

Trost-Medium und gleichzeitig ein Kampf-Medium. Was ich in Hamburg

während des dortigen Queer Film Festival immer wieder erlebe: Es ist ein

ganz wunderbarer Ort für die Community, um intensiv eine Woche zusammen

zu verbringen. Und das wiederum ist eine ganz wichtige Form, um sich wieder

neu zu vernetzen und zu kommunizieren, Orte zu besetzen und Präsenz zu

zeigen. Ich denke, es gibt ganz vielfältige Gründe, weshalb wir für die

Fortexistenz der queeren Filme kämpfen müssen.

Ein schönes Schlusswort! Vielen Dank für das Gespräch.

«Da sind die queeren

Filme eine Möglichkeit,

sich zu vergewissern,

was eigentlich vor sich

geht. Sie sind ein Trost-

gleichzeitig ein Kampf-


Festivaltipp #1

MASPALOMAS

Nach der Trennung von seinem Partner lebt der über 70-jährige Vicente in

Maspalomas so, wie es ihm gefällt: mit Sonne, Partys und sexuellem Vergnügen in

den Dünen. Doch ein plötzlicher medizinischer Notfall verändert alles: Seine Tochter

holt ihn nach San Sebastián zurück, er landet in einem Pflegeheim und muss einmal

mehr ein neues Leben beginnen. Denn um Problemen aus dem Weg zu gehen,

verheimlicht er nun

doch wieder seine

Sexualität und wird

zum traurigen alten

Mann, der er nie

sein wollte. Bis ihm

sein neuer

Mitbewohner

klarmacht, dass er

sich damit auf

keinen Fall

abfinden darf. Sein

Wunsch nach Maspalomas zurückzukehren wird stärker denn je, und lässt ihn von

einem Neuanfang träumen. Mit ihrem melancholisch-warmherzigen Comedy-Drama

MASPALOMAS liefern die beiden baskischen Regisseure ein überzeugendes

Plädoyer, auch in Momenten grösster Verzweiflung nicht aufzugeben. Herz und

Seele dieses tief menschlichen Films ist José Ramón Soroiz in der Rolle des Vicente,

wofür er beim Filmfestival in San Sebastián sowie bei den Goyas als bester

Hauptdarsteller ausgezeichnet wurde. Dabei begeistert der Film sein Publikum über

alle Altersgrenzen hinweg.

Ein Spielfilm von Aitor Arregi und Jose Mari Goenaga


Festivaltipp #2

ANOTHER MAN

Marc und Eudald sind seit sechs Jahren ein Paar und führen ein angenehmes Leben

in einer schönen Wohnung in Barcelona. Doch Marc wehrt sich innerlich vor dem

nächsten Schritt. Je mehr Eudald versucht, ihn an sich zu binden, desto mehr fühlt

sich Marc eingeengt, bis er schliesslich nicht nur die Beziehung, sondern alles in

Frage stellt, insbesondere nachdem ein mysteriöser und gutaussehender Nachbar

gegenüber einzieht und Marcs Leben auf den Kopf stellt.

Akribisch genau beobachtet David Moragas ein zeitgenössisches schwules Paar im

gentrifizierten Barcelona, das am Scheideweg ihrer Beziehung steht. Mit Magie in

den kleinen Dingen zeichnet er ein feinfühliges Beziehungsdrama mit viel Hoffnung

und Zuversicht.

Ein Spielfilm von David Moragas


Festivaltipp #3

JULIAN

JULIAN beginnt mit einer flüchtigen, aber schicksalhaften Begegnung, als Fleur

(Nina Meurisse) und Julian (Laurence Roothooft) bei einem Konzert Blickkontakt

austauschen. Bald sind die beiden Frauen Hals über Kopf verliebt und denken über

die nächsten Schritte nach. Bei einem Abendessen mit Freund:innen entsteht eine

faszinierende Idee. Um die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, an welchen

Orten homosexuelle

Paare nicht heiraten

können, könnte man

sich in jedem Land, in

dem dies möglich ist,

das Jawort geben?

Benannt nach der

Anzahl der Länder, in

denen die

gleichgeschlechtliche

Ehe 2017 legal war,

nahm das «22

Project» rasch Gestalt an. Doch trotz Fleurs beeindruckender Planungsfähigkeiten

und einiger früher Erfolge stösst das Vorhaben des Paares auf eine

Herausforderung, die keine von beiden hätte vorhersehen können – eine

Herausforderung, die den hellen Farben, die Fleurs und Julians Geschichte

durchzogen hatten, neue Nuancen verleiht.

Cato Kusters’ Spielfilmdebüt, das auf Fleur Pierets’ gefeierten Memoiren basiert,

besticht durch aussergewöhnliche emotionale Tiefe und Sensibilität.

Ein Spielfilm von Cato Kusters


Festivaltipp #4

À VOIX BASSE

Lilia kehrt zur Beerdigung ihres Onkels in ihre Heimat Tunesien zurück und trifft dort

auf ihre Familie, die nichts über ihr Leben in Paris weiss, insbesondere nichts über

die Frau, die sie liebt. Sie dagegen ist entschlossen, sich den Geheimnissen in der

Familie zu stellen. Während die Verwandtschaft zusammenkommt und alte

Freund:innen auftauchen, um in Erinnerungen zu schwelgen, wird Lilia erneut

bewusst, warum sie Tunesien verlassen hat, und sie macht sich daran, das Rätsel um

den plötzlichen Tod ihres Onkels aufzuklären. Leyla Bouzid erzählt eine

generationenübergreifende Geschichte voller Zärtlichkeit, Liebe und Geheimnissen.

Krimi-Elemente und spielerische formale Mittel verfeinern das emotionale

Familiendrama. Zum starken Ensemble gehört unter anderem die grossartige Hiam

Abbass.

Ein Spielfilm von Leyla Bouzid


Das Festival findet vom 28. April

bis 7. Mai 2026 in Zürich und

vom 8. bis 10. Mai in Frauenfeld

statt.


Still SEHNSUCHT IN SANGERHAUSEN

von Julian Radlmaier

ARTTV MEDIENPARTNERSCHAFT


Bildrausch Filmfest Basel


Mit Zuversicht ins

Ungewisse: Das Bildrausch

Filmfest Basel 2026 macht

die Stadt am Rheinknie

erneut zum

Resonanzraum für das

Unvorhersehbare

Vom 13. bis 17. Mai 2026 lädt das Bildrausch

Filmfest Basel dazu ein, Kino nicht nur zu

schauen, sondern zu erleben – als Ort der

Reibung, der Begegnung und der Zuversicht.

Und mit seinem Festivalmotto «Mit Zuversicht,

und du?» haben die Macher:innen den Nerv der

Gegenwart getroffen. Zwischen globaler

Unsicherheit und individueller

Orientierungslosigkeit setzt Bildrausch auf

radikales Kino. Nicht als Eskapismus, sondern als

Möglichkeitsraum.


HEN von György Pálfi

Im Flackern der Möglichkeiten

Was kann Film heute noch bewirken? Die Antwort, die das Bildrausch

Filmfest Basel gibt, ist ebenso poetisch wie politisch: Zuversicht ist kein

Zustand, sondern ein Verb. Sie entsteht im Moment – im Dunkel des

Kinosaals, im Flackern der Leinwand, im Gespräch danach. Die rund 30

ausgewählten Lang- und Kurzfilme folgen keiner Konvention. Kuratiert

von der künstlerischen Leiterin Susanna Guggenberger, versammelt das

Programm Arbeiten, die sich dem Erwartbaren entziehen: mal laut und

konfrontativ, mal still und meditativ. Ein Kino für Mutige – und für

Neugierige.

Zwei Eröffnungsfilme

Nicht nur einer sondern gleich zwei Filme eröffnen das

Festival: EVERYTHING ELSE IS NOISE von Nicolás Pereda zerlegt mit

feinem Humor die Illusion künstlerischer Kontrolle. Ein Interview kippt,

Realität drängt sich ein, und das Bild gerät ins Wanken. 100 SUNSET von

Kunsang Kyirong folgt einer stillen Beobachterin in Toronto, die durch

ihre Kamera Leben sammelt – und Grenzen überschreitet. Beide Filme

stehen exemplarisch für ein Kino, das nicht erklärt, sondern irritiert – und

darin seine Kraft entfaltet.


Gespräche, Labyrinthe und offene Räume

Bildrausch denkt Kino konsequent weiter. In den sogenannten

Tischgesprächen verschwimmen die Rollen zwischen Publikum und

Filmschaffenden – Diskussion wird hier nicht angehängt, sondern

mitgedacht. Ein Forum mit dem Hoffnungsforscher Andreas Krafft

erweitert das Thema Zuversicht über die Leinwand hinaus. Und wer

schon vor Festivalbeginn eintauchen will, folgt dem Pflanzenkenner Peter

Steiger auf einen sinnlichen Waldspaziergang. Zwischen Virtual Reality

und Live-Performances von Jelena Januskevic und Ruth Baettig wird

Kino zur begehbaren Erfahrung – zur Architektur aus Bildern, Körpern

und Stimmen.

Ein besonderer Fokus gilt dem Werk von Nicolás Pereda. Seine Filme

kreisen um Identität, Wiederholung und das Spiel mit Realitätsebenen –

oft mit einem festen Ensemble gedreht. Neben dem Eröffnungsfilm zeigt

Bildrausch auch FAUNA und COPPER und entfaltet damit ein filmisches

Universum, in dem Alltag zur Bühne wird und Rollenbilder ständig

verrutschen. Auch die Schweizer Kurzfilme greifen das Thema Zuversicht

auf. In Kooperation mit den Solothurner Filmtagen entstehen filmische

Miniaturen über Parallelwelten: zwischen Bürokratie und Jazz, zwischen

Stille und Wahrnehmung. Das Bildrausch Filmfest Basel will, gemäss

seinen Macher:innen, kein Festival der schnellen Antworten sein.

Sondern eines, das Fragen stellt – und Räume öffnet. Man will Zuversicht

nicht behaupten, sondern erfahrbar machen.

Das Festival findet vom 13. bis

17. Mai 2026 statt.


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FREE STREAMING

LAISSEZ-MOI


Ein Drama um eine

alleinerziehende

Mutter zwischen

Verantwortung,

Sehnsucht und

Erfüllung

Eine Geschichte, die zu Beginn – wie die

Protagonistin – zwischen Tälern und

Bergen gefangen ist und sich allmählich

zu einer komplexen

Emanzipationserzählung entfaltet. Das

bildstarke Drama von Maxime Rappaz

feierte seine Weltpremiere auf dem

Filmfestival von Cannes in der Selektion

ACID (Association du Cinéma

Indépendant pour sa Diffusion).


SYNOPSIS

LAISSEZ-MOI | SYNOPSIS

Jeden Dienstag geht Claudine, eine hingebungsvolle

Mutter, in ein Berghotel, um sich dort mit Männern auf

der Durchreise zu treffen. Als einer von ihnen beschliesst,

seinen Aufenthalt für sie zu verlängern, wird Claudines

Alltag auf den Kopf gestellt und sie ertappt sich dabei,

wie sie von einem anderen Leben zu träumen beginnt.

Margarethe von Trotta an der Berlinale


KOSTENLOS STREAMEN

LAISSEZ-MOI | Regie: Maxime Rappaz |

Cast: Jeanne Balibar, Thomas

Sarbacher, Pierre-Antoine Dubey,

Véronique Mermoud | Drama |

92 Minuten | Schweiz, Frankreich und

Belgien, 2023 | Verleih: Frenetic Film

Der Film kam am 14. April 2023 in die

Deutschschweizer Kinos.


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8004 Zürich

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PRÄSIDIUM

Dr. Jean-Pierre Hoby

GESCHÄFTSLEITUNG

lic. phil Georg Kling

CHEFREDAKTION

lic. phil Felix Schenker

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