Biber Magazin 2026-05
Das neue Biber. Scharf und Schärfer. Hier die erste Ausgabe 2026.
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ALLTAG ZWISCHEN VIELFALT UND MEINUNG
WAS VERBINDET UNS WIRKLICH?
Freundschaften entstehen oft an Orten,
an denen Unterschiede keine große Rolle
spielen. In der Schule, im Studium, beim
Sport oder bei langen Gesprächen spätabends
auf dem Balkon. Die eine Person ist
religiös, die andere nicht. Die eine engagiert
sich politisch, die andere interessiert sich
kaum für Politik. Und trotzdem versteht
man sich.
Viele Menschen in Österreich erleben
genau das jeden Tag: ein Leben inmitten
von Vielfalt.
Doch gleichzeitig hört man immer
wieder das Gegenteil. Gesellschaften seien
gespalten, Debatten verhärtet, Menschen
unterschiedlicher Meinungen könnten kaum
noch miteinander reden. Besonders bei
Themen wie Migration, Klimapolitik oder
Gleichstellung scheint es, als würden sich
Fronten bilden.
Wie passt das
zusammen?
Um diese Frage zu beantworten, hat
Biber gemeinsam mit dem österreichischen
Gallup-Institut gefragt: Was verbindet
Menschen in Österreich eigentlich – und
wo entstehen Grenzen? 500 Biber-Leserinnen
und -Leser haben an der Onlineumfrage
teilgenommen – Menschen mit
unterschiedlichen Hintergründen, unterschiedlichen
Altersgruppen und unterschiedlichen
Perspektiven auf das Land, in
dem sie leben.
Das Bild, das daraus entsteht, ist
komplex – und überraschend.
Im persönlichen Alltag scheint Vielfalt
für viele längst selbstverständlich zu
sein. Freundeskreise bestehen selten nur
aus Menschen, die gleich denken, gleich
glauben oder die gleiche Herkunft haben.
Gleichzeitig zeigen sich aber auch
Brüche. Bei bestimmten Themen endet die
Offenheit schneller als bei anderen. Manche
Fragen sind so eng mit persönlichen
Werten verbunden, dass sie Beziehungen
belasten können.
Und während im persönlichen Umfeld
Vielfalt oft funktioniert, wirkt die Gesellschaft
insgesamt auf viele Menschen rauer.
Der Eindruck, dass Konflikte zunehmen, ist
weit verbreitet.
Wer sich die Freundeskreise junger Menschen
ansieht, erkennt schnell: Österreich
ist vielfältiger, als politische Debatten vermuten
lassen. Menschen mit unterschiedlichen
kulturellen Hintergründen, verschiedenen
Für die große Mehrheit der Biber-Community
ist das normal.
Die meisten Befragten haben Freundinnen
oder Freunde, die politisch anders
denken als sie selbst, aus anderen Ländern
religiösen Überzeugungen oder kommen oder einer anderen Religion an-
politischen Meinungen sitzen gemeinsam
am Tisch, gehen miteinander feiern oder
diskutieren über Serien, Studium und Zukunftsplänegehören.
Unterschiede gehören zum sozialen
Umfeld – und oft auch zur eigenen
Identität.
Hast du Freundinnen oder Freunde, die ...?
Die meisten Befragten haben zumindest einige Freundinnen und
Freunde, die sich in Herkunft, Religion und politischen Einstellungen
von ihnen unterscheiden.
... eine andere Herkunft haben als du? 28
55
14 3
... einer anderen Religion angehören oder „anders“ glauben als du? 22
58
16 4
... eine andere politische Einstellung haben als du? 19
66
10 4
Ja, viele Ja, ein paar Nein, gar keine
Weiß nicht, keine Angabe
Angaben in Prozent
Gerade junge Menschen bewegen sich besonders
häufig in vielfältigen Netzwerken.
Wer in einer Großstadt aufgewachsen ist,
in der Schule unterschiedliche Sprachen
hört oder im Studium Menschen aus verschiedenen
Ländern kennenlernt, erlebt
Diversität als etwas Selbstverständliches.
Auch Menschen mit Migrationshintergrund
erzählen besonders häufig von Freundeskreisen,
die kulturell gemischt sind.
Interessant ist aber, dass Vielfalt
nicht automatisch bedeutet, dass alle Unterschiede
gleich leicht akzeptiert werden.
Bei kulturellen oder religiösen Unterschieden
zeigen sich viele der Befragten relativ
offen. Politische Unterschiede hingegen
können schwieriger sein. Gerade jüngere
Befragte sind etwas seltener als ältere mit
politisch Andersdenkenden befreundet.
Trotzdem funktioniert für viele Menschen
Vielfalt im Alltag deutlich besser, als
es öffentliche Debatten vermuten lassen.
Freundschaften entstehen eben nicht nur
dort, wo Menschen gleich sind – sondern
oft gerade dort, wo sie verschieden sind.
FOTO Edu Bastidas / unsplash.com
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