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Biber Magazin 2026-05

Das neue Biber. Scharf und Schärfer. Hier die erste Ausgabe 2026.

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„WIR SIND EIN

DURCHSCHNITTLICHES BEISPIEL.“

Wie gespalten ist Österreich tatsächlich?

Bei welchen Themen gehen die Meinungen auseinander,

und bei welchen sind wir uns einig?

Dr. Martin Dolezal forscht an der Universität Graz

unter anderem zu politischer Polarisierung.

Er hat uns erzählt, wie die Wissenschaft das Thema sieht.

Sie haben herausgefunden, dass Polarisierung Menschen

durchaus auch dazu bringen kann, politisch aktiv zu werden,

wählen oder demonstrieren zu gehen. Ist Polarisierung immer

etwas Schlechtes?

Die Forschung unterscheidet zwei Formen von

Polarisierung: Wenn Menschen bei einem Thema

anderer Meinung sind, nennen wir das ideologische

Polarisierung. Wenn es eher um Gefühle

geht, also darum, wie stark ich mich zum

Beispiel meiner eigenen Partei verbunden fühle

und wie stark ich andere Parteien ablehne, dann

sprechen wir von affektiver Polarisierung.

Affektive Polarisierung ist ein größeres

Problem als ideologische Polarisierung, weil sie

mehr negative Folgen hat: mangelndes Vertrauen

in politische Institutionen und eine geringere

Akzeptanz von politischen Entscheidungen,

die die andere Seite trifft. Die einzige Ausnahme

ist eine mögliche positive Auswirkung auf

die politische Beteiligung. Personen, die stark

polarisiert sind, sind also vielleicht eher bereit,

sich politisch zu betätigen, weil sie die Entscheidungen,

um die es geht, als sehr wichtig

empfinden.

Die affektive Polarisierung ist in einem

Mehrparteiensystem wie Österreich zum Glück

nicht so stark ausgeprägt. Sie spielt bei uns, aber

auch in anderen europäischen Demokratien,

eine geringere Rolle als in den USA.

Wie gehen Sie persönlich mit Meinungsverschiedenheiten im

Umfeld um? Haben Sie Tipps, wie man als Einzelperson Polarisierung

vorbeugen kann?

Es ist sicher sinnvoll, sich über unterschiedliche

Quellen zu informieren, auch über solche, die

nicht mit der eigenen politischen Position übereinstimmen,

und sich auch die Gegenseite anzuhören.

FOTO Teresa Rothwangl

Wie gespalten ist Österreich in politischen und gesellschaftlichen

Fragen?

Spaltung würde implizieren, dass es

zwei gleich große Gruppen gibt, die einander

bei bestimmten politischen Themen diametral

gegenüberstehen. Das gibt es in Österreich

nicht. Aber Umfragedaten zeigen: Wir haben

unterschiedliche Ausmaße an Polarisierung

bei einzelnen Themen, die Meinungen gehen

also unterschiedlich stark auseinander. Starke

Polarisierung haben wir bei den Themen

europäische Integration und Immigration. Da

sind die Positionen weit verteilt. Beim Thema

Europäische Union geht es nicht unbedingt

um die Mitgliedschaft Österreichs, da ist eine

klare Mehrheit dafür, dass wir in der Union

bleiben. Aber bei der Frage, ob die EU enger zusammenwachsen

soll oder nicht, gibt es sehr

unterschiedliche Ansichten. Da haben wir große

Meinungsunterschiede. Bei der Immigration

gibt es wenig starke Befürworter, aber dennoch

relativ große Unterschiede.

Gibt es auch Themen, bei denen sich die Österreicher

weitgehend einig sind?

Die höchste Übereinstimmung gibt es bei der

gesellschaftlichen Akzeptanz von Homosexualität.

Die Akzeptanz ist hoch und die Einstellungen

diesbezüglich stimmen weitgehend überein.

Ähnlich ist es auch bei vielen wirtschaftspolitischen

Fragen: Die meisten tendieren leicht nach

links, wenn es um die Frage geht, wie stark der

Staat in die Wirtschaft eingreifen soll.

Sind wir im Vergleich zu anderen Ländern stark oder weniger

polarisiert?

Generell ist das Ausmaß der Polarisierung in

Österreich nicht besonders hoch. Wir sind ein

durchschnittliches Beispiel. Die USA sind das

Extrembeispiel, auch deswegen, weil die Forschung

oft erhebt, welcher Partei jemand angehört.

Die USA sind das einzige Land mit einem

Zwei-Parteien-System, das heißt, hier kann

relativ rasch von einer Zweitteilung der Gesellschaft

gesprochen werden.

ICED

MATCHA

LATTE

Politik

von

& Gesellschaft DAMITA PRESSL

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