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Biber Magazin 2026-05

Das neue Biber. Scharf und Schärfer. Hier die erste Ausgabe 2026.

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Neues Selbstvertrauen

Die amerikanische Außenpolitik hat für Europa

2026 eine rote Linie überschritten. Das bedeutet große

Heraus forderungen für unseren Kontinent,

aber auch große Chancen!

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Mag. Christian C. Pochtler

Präsident der

Industriellenvereinigung (IV) Wien

Anfang des Jahres dachte US-Präsident

Donald J. Trump offen darüber

nach, Grönland zu annektieren.

Dass die USA damit einem NATO-

Mitglied, nämlich Dänemark, direkt

drohen, war vor Jahren noch undenkbar.

Dass sich ein kanadischer Premier

vor die Kameras stellt, um zu

deklarieren, dass man sich weiter

an die NATO gebunden fühle und damit

bei einem Angriff auf Dänemark

natürlich zum eigenen Bündnispartner

stehen werde: Diese Geschichte

hätte man noch vor wenigen Jahren

nicht einmal als schlechte Phantasie

ab getan. Das ist nun aber einmal die

Welt, in der wir leben.

Die alte Weltordnung ist vorüber.

Das Gute daran war Anfang

dieses Jahres, dass Europa endlich

selbstbewusst aufgestanden ist und

klar gemacht hat: Genug ist genug!

Unser Kontinent muss nun wieder

die eigenen Interessen im Fokus haben,

mit mehr Selbstvertrauen und

Selbstbehauptung auftreten. Dies

bedeutet auch eine ganze Reihe von

Heraus forderungen für uns Europäer.

Diese neue Ära bietet aber auch

große Chancen – es wird an uns liegen,

ob wir diese zu nutzen wissen.

Positiv ist, dass Europa – angesichts

der wankelmütigen Zollpolitik

der USA brauchen wir dringend

neue Handelspartner in der

Welt – beim Abschluss neuer Handelsabkommen

einen Zahn zugelegt

hat: Das Mercosur-Freihandelsabkommen

wird bereits vorläufig angewendet,

weitere Handelsabkommen,

etwa mit Indien oder jüngst Australien,

folgten. Das sind wichtige Meilensteine,

damit die heimische exportorientierte

Industrie auch weiter

für Wohlstand und Beschäftigung in

Europa sorgen kann.

Ein schwieriges Thema ist und

bleibt die Verfügbarkeit leistbarer

Energie. Nach dem Angriff Russlands

auf die Ukraine haben wir defacto

unsere Abhängigkeit bei Energielieferungen

von Russland auf die

USA verschoben. Langfristig ist

auch das keine ideale Lösung. Eine

stärkere Diversifizierung unserer

Energiebezugsquellen muss oberste

Priorität bleiben. Zudem sollten wir,

pragmatisch und ohne das Schüren

irrationaler Ängste, alle Optionen

nutzen, die wir selbst haben: Auch

in Österreich gibt es Gasvorkommen

– wann, wenn nicht jetzt, sollten

wir diese nutzbar machen? Das wäre

zudem keine Absage an die Energiewende

– aber wir werden Gas einfach

noch länger benötigen, um eine gewisse

Stabilität während der Transformation

unseres Energiesystems

zu sichern. Und ob wir Gas nun selbst

fördern oder am Weltmarkt einkaufen:

Für die globale CO 2

-Bilanz macht

dies keinen Unterschied.

Eine weitere Baustelle ist die

Verteidigungspolitik: Hier sollten

wir dringend von der Ukraine lernen

und unsere Verteidigungsindustrie

insgesamt auf Vordermann bringen.

Ebenso mehr auf den eigenen Beinen

stehen sollten wir beim Thema

digitale Souveränität – denn auch

hier bestehen zu viele und zu große

einseitige Abhängigkeiten. Ob nun

bei Software, Infrastruktur oder Satelliten

– es gibt genug zu tun. Natürlich

wird nicht alles sofort und einfach

funktionieren können, aber wir

müssen endlich ins Tun kommen und

Schritt für Schritt unsere eigenen

Kapazitäten auf- und ausbauen.

Dafür wird Europa aber schneller

werden müssen. Denn bisher

sprechen wir noch immer in zu vielen

Bereichen mit 27 unterschiedlichen

Sprachen. Und anstatt uns dabei immer

auf den kleinsten gemeinsamen

Nenner zu konzentrieren, sollten wir

uns lieber angewöhnen, stets von den

Besten zu lernen. Ein bisschen mehr

innereuropäischer Wettbewerb um

die besten Lösungen könnte belebend

wirken – und uns langfristig helfen,

auf eigenen Beinen zu stehen: Selbstbewusst

und damit selbstbestimmt!

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