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Biber Magazin 2026-05

Das neue Biber. Scharf und Schärfer. Hier die erste Ausgabe 2026.

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WENN GEHÖR LOSEN

KINDERN

DIE SPRACHE

GENOMMEN

WIRD

Sprache verbindet uns.

Sie ist unser Schlüssel

zur Welt.

Verstanden hat das

der Staat Österreich

aber immer noch

nicht.

von

THERESA-MARIE STÜTZ

Seit Herbst 2025 ist Theresa-Marie Stütz

Inklusionslehrerin an einer Wiener Mittelschule.

Daneben beschäftigt sie sich journalistisch mit der Frage,

Politik

welche Chancen Inklusion bietet – und warum

& Gesellschaft sie so oft verpasst werden.

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Sprachen machen die Welt bunter und verbinden uns.

Doch stell dir vor, du hast keine Sprache. Weder

Gedanken, Träume oder Wut lassen sich in deinem Kopf

formen. Es gibt keine Worte, auch keine Gebärden. Und

kaum jemand versteht dich.

Bei manchen meiner gehörlosen Schüler:innen

habe ich das Gefühl, dass sie lieber still bleiben,

als nochmal nachzufragen. Sie tun so, als würden

sie verstehen, aber ihre Lernlücken sind

groß. Die einen scheitern an einfachen

Satzstrukturen, andere verwechseln die

Regenjacke mit einer Hose.

Schätzungen zufolge haben rund 70

Prozent gehörlos geborener Kinder wenig

Sprachzugang. Lautsprache zu lernen, ist

für sie schwierig bis unmöglich. Doch die Gesellschaft

verlangt es von ihnen.

Schuld ist die Geschichte. 1880 wurde am

Mailänder Kongress das Verbot von Gebärdensprachen

beschlossen. Das wirkt bis heute: Österreich

beharrt auf Deutsch,

schadet damit aber gehörlosen

Menschen.

Schulen in Österreich bieten nur verein zelt Österreichische

Gebärdensprache im Unterricht an. Für manche

gehörlose Kinder ist das sogar der erste Kontakt mit

Gebärdensprache.

Das könnten wir vermeiden. Mehr Sprache bedeutet

nämlich auch mehr Barrierefreiheit. Freundschaften

entstehen, Kinder erzählen von ihrem Schulalltag und die

Welt und ihr Wissen stehen offen. So ähnlich beschreibt

es auch die gehörlose Schauspielerin Emmanuelle Laborit:

„Mit der Entdeckung meiner [Gebärden-]Sprache

habe ich einen unschätzbar wertvollen Schlüssel gefunden,

der mir die Tür aufschließt, die mich von der Welt

trennte. […] Ich beginne, Gedanken zu entwickeln. Ich

habe das Bedürfnis, zu reden, alles zu sagen, zu erzählen,

zu verstehen.“

Ich hingegen kann meinen Schüler:innen nicht versprechen,

dass sie einmal „Arzt oder Doktor“ werden. Und

das, obwohl viele fleißig sind, sich Eselsbrücken zurechtlegen,

um einfacher zu lernen, erstaunliche visuelle Fähigkeiten

und eine schnelle Auffassungsgabe haben.

Denn Österreich spart an Geld, Zeit und gebärdensprachlichen

Natives, die Kinder beim Lernen unterstützen.

Die Konsequenzen: wütendes Aufstampfen bei Wut,

bedrücktes Abwinken bei Nichtverstehen, Zweifel an

der eigenen Intelligenz. Das macht einsam, ist unfair und

gefährdet Existenzen. Wir Lehrkräfte können da noch

so viel nachfördern. Manche Sprachdefizite sind einfach

nicht mehr aufholbar und wichtige sprachliche Grundbausteine

fehlen für immer. Eigentlich hat der Staat

2008 die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben

und damit versprochen, das Land zugänglich

für alle – auch für gehörlose Personen – zu machen. Doch

passiert ist bisher kaum etwas.

Politik

& Gesellschaft

ILLUSTRATION Rizki Ardia / unsplash.com (von der Biber-Redaktion bearbeitet)

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