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Biber Magazin 2026-05

Das neue Biber. Scharf und Schärfer. Hier die erste Ausgabe 2026.

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Sign-Performance beim Song-Contest:

WIE MUSIK

SICHTBAR WIRD

Amanda Jovanovic macht als Sign-Performerin

die Lieder des Eurovision Song Contest für alle zugänglich,

die nichts hören können. Worauf es bei Musik in

Gebärdensprache ankommt.

Amanda Jovanovic ist 25 Jahre alt und

steht in der Mitte eines kleinen Raums im

ORF-Zentrum am Küniglberg. Eine Gruppe

Menschen blickt auf die 25-Jährige.

Die ersten Noten von „Highway to

Hell“ von AC/DC ertönen. Amanda

beginnt zu tanzen. Ihr Blick ist auf den

Songtext am Monitor vor ihr gerichtet.

Nur damit und über die Vibrationen der

Lautsprecher kann sie den Song wahrnehmen.

Amanda ist gehörlos.

Gleich beim ersten Gitarrenriff

formt sie mit ihren Händen eine Zigarette,

zieht lässig daran und atmet den imaginären

Rauch aus. Im Refrain spielt sie voller

Energie Luftgitarre. Amanda hat sich neben

zwölf anderen als Sign-Performerin für

den Eurovision Song Contest 2026 beworben.

Die Performer:innen sollen die Songs

des ESC für gehörlose Menschen erlebbar

machen. Bewertet wird Amandas Auftritt

beim Casting von einer Jury, die auch aus

gehörlosen Menschen besteht.

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VIEL MEHR ALS NUR

GEBÄRDENSPRACHE

„Das war für mich ein totaler

Blackout. Es waren so

viele Leute im Raum, das habe

ich gar nicht erwartet,“ gebärdet Amanda.

Die Jury achtet vor allem darauf, dass der

Songtext nicht eins zu eins in Gebärdensprache

übersetzt wird, denn auch ein

internationales Publikum soll die Songs

verstehen. Jurorin Judith Weissenböck, die

Leiterin des Projekts Sign-Performance, ist

begeistert von Amanda: „Sie hat angefangen,

zu performen und ich war am Motorrad,

mit Wind in den Haaren“, sagt sie und

lacht. „Sie ist ein ganz starker Typ.“ Und

dann die Nachricht: Amanda darf dabei

sein. Sie wird ins Team der Sign-Performer:innen

für den ESC aufgenommen.

Damit geht für Amanda

ein Traum in Erfüllung. Den

ESC verfolgt sie schon seit

ihrer Jugendzeit. Richtig erlebt hat

sie ihn aber erst 2015, als im ORF erstmals

die drei ESC Live-Shows auch für Gehörlose

gezeigt wurden. „Meinen Eltern habe ich

gesagt: ‚Hoffentlich gibt es das wieder bei

uns.‘ Für mich waren das Vorbilder.“

von

LEON SPACHMANN

und

THERESA-MARIE STÜTZ

Zur Sign-Performance kam Amanda

über Tanz und Theater. Seit ihrer Kindheit

steht sie gerne auf der Bühne. In ihrer

Schule wurde bis zur Matura gebärdet,

auch ihre Tanzlehrerin konnte Gebärdensprache.

„Ich habe mir gedacht: Als gehörlose

Schauspielerin in Hollywood, das wäre

total cool!“ Mit sieben oder acht Jahren

sah Amanda auf YouTube eine Gebärdensprachversion

des Songs „Call me maybe“.

„Das hat mich total fasziniert und ich habe

probiert, selbst mitzugebärden und es als

Video aufzunehmen. Da habe ich die Liebe

zur Sign-Performance entdeckt.“

EIN GEFÜHL FÜR DAS VISUELLE

Wie aber nimmt man Musik wahr, wenn man

nichts hören kann? „Hörende achten eher

auf den Rhythmus der Musik. Ich schaue

mir die Videos an und kriege ein Gefühl für

das Visuelle. Und wenn ich mein Hörgerät

laut aufdrehe, spüre ich auch die Vibrationen.“

Bei der Halftime Show des diesjährigen

Super Bowl mit Bad Bunny habe sie

zum Beispiel die Tänzer:innen visuell wahrgenommen,

„die viel Kultur gezeigt haben.“

Außerdem habe es eine Gebärdensprachperformance

einer gehörlosen Person aus

Puerto Rico gegeben.

ESC-SPECIAL

ILLUSTRATIONEN Eduardo Ramos, Ekaterina Bogdan / unsplash.com (bearbeitet von der Biber-Redaktion)

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