Biber Magazin 2026-05
Das neue Biber. Scharf und Schärfer. Hier die erste Ausgabe 2026.
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SIE HABEN DAS LAND
MIT AUFGEBAUT.
Vor 60 Jahren, im Jahr 1966, schloss Österreich ein sogenanntes
Anwerbeabkommen mit Jugoslawien ab –
einen Vertrag, der die Anwerbung von jugoslawischen
Arbeitskräften rechtlich regelte. Die GastarbeiterInnen,
die seither kamen, haben das Land nachhaltig geprägt.
Über vergessene Geschichten, verlorene Sprachen und
ein Denkmal, das endlich keiner mehr übersehen kann.
Wenn Savo Ristić über seine Idee für ein Gastarbeiterdenkmal
spricht, klingt darin nicht nur Engagement, sondern auch ein Stück
gelebte Familiengeschichte mit. Die Geschichte seiner Eltern ist
mir sehr vertraut. Genau wie meine Eltern kamen auch sie Anfang
der 1970er-Jahre nach Österreich – und wie mein Vater, der damals
allein aus der Türkei aufbrach, machte sich auch Savos Vater
zunächst allein aus Jugoslawien auf den Weg. Erst ein Jahr später
konnte seine Mutter nachkommen.
Vom Südbahnhof ging es direkt nach Oberösterreich. Die
beiden hatten in der Nähe von Linz Arbeit gefunden. Der Vater
reparierte Kochöfen, die Mutter wusch in einem Gastgewerbe
die Teller, später stellte sie in einer Schmuckfabrik Billigschmuck
her. Wie auch meine Geschwister blieben die drei kleinen Kinder
zurück in der Heimat– betreut von der Großmutter. Und wie viele
andere GastarbeiterInnen dieser Zeit kehrte auch die Familie Ristić
irgendwann in die Heimat zurück. Denn Ende der 1970er erschütterte
die Ölkrise Europa und die Zuwanderung nach Österreich
wurde strenger geregelt. Die wirtschaftliche Lage in Jugoslawien
stabilisierte sich und die Arbeitsbedingungen wurden besser. Savos
Eltern hatten genug zur Seite gelegt, um ein kleines Haus zu
bauen. Und auch die anderen Familienmitglieder konnten aufatmen.
„Meine Geschwister und meine Oma haben immer gesagt, dass
meine Eltern Urlauber waren“, erinnert sich Savo.
ANERKENNUNG FÜR EINE PRÄGENDE GENERATION
Doch im Nachhinein reichten die wenigen anerkannten Versicherungsjahre
seines Vaters nicht einmal für eine Pension. Nach seinem
frühzeitigen Tod erhielt die Familie eine Einmalzahlung von
rund 3000 Euro. Aus dieser geringen Wertschätzung wuchs Savos
Wunsch, ein Gastarbeiterdenkmal zu schaffen – einen sichtbaren
Ort der Anerkennung. Für die Generation seiner Eltern bedeutete
Arbeit mehr als Lohn: „Wenn mein Vater ein Gebäude sah, sagte er:
‚Das habe ich mitgebaut.‘ Er war wie ein Künstler, der seine Skulptur
zeigt.“ In der offiziellen Geschichtsschreibung fand diese Arbeit
lange keinen Platz. „Mir ist es wichtig, dass diese Geschichte
nicht verschwindet, denn wenn wir GastarbeiterInnen anerkennen,
geben wir auch ihren Kindern und Enkelkindern Mut, sich mit Österreich
als ihrer Heimat zu identifizieren.“
DANN HABEN WIR
FOTOS Niko Havranek
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