Biber Magazin 2026-05
Das neue Biber. Scharf und Schärfer. Hier die erste Ausgabe 2026.
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Unterstützung bekam Savo von Anfang an von der Volkshilfe
Community Work. Dafür ist Savo dankbar und zugleich sehr erfreut
darüber: „Hier ist ein großartiges Projekt und ein großartiges Team
entstanden.“ Das Denkmal soll in der Nähe des Wiener Hauptbahnhofs
errichtet werden und an ein Kapitel erinnern, das Österreich
tief geprägt hat und immer noch prägt: Migration als dauerhafte
Realität, als Motor für wirtschaftlichen Aufschwung. Und es soll an
Menschen erinnern, an jene, die gekommen sind, gearbeitet haben,
und die dennoch in Vergessenheit geraten sind.
ZWEI PLASTIKSACKERL UND EIN NEUANFANG
Eine der Menschen, die das Denkmal würdigen soll, ist Vasilija
Stegić. Ihr erster Gedanke am Abend des 7. Jänner 1973 lautet:
„Wo werde ich heute schlafen?“ Nach einem Streit mit ihrem Mann
hatte sie in Rijeka, Kroatien, das Notwendigste in zwei Nylonsackerl
gepackt und sich auf den Weg nach Wien gemacht. Angekommen
am damaligen Wiener Südbahnhof, dem heutigen Hauptbahnhof,
geht Vasilija zum Roten Kreuz und bekommt dort die Adresse einer
Nonnenunterkunft im 9. Bezirk.
Vasilija hat weder Visum noch Arbeitserlaubnis, aber davon
lässt sie sich nicht beirren. Gleich am nächsten Morgen tritt sie
ihre Arbeit in einer Schneiderei auf der Mariahilfer Straße an. „Ich
habe viel und hart gearbeitet, meistens länger als zwölf Stunden
am Tag. Das kann jeder bestätigen.“ Die Sprache kann sie bereits:
Vasilijas Mutter sprach Deutsch und sie erlernte sie mit neun Jahren
an einer Volkshochschule in Rijeka. „Das war ein großer Vorteil“,
erinnert sich Vasilija.
Das Geld reicht nicht. Vasilija sucht sich einen zweiten Job.
Bei einer Gräfin im ersten Bezirk arbeitet sie als Haushaltshilfe.
Zwischen Frühstück und Abendessen ist sie in der Schneiderei beschäftigt.
Auf die Frage, was ihr in dieser Zeit besonders schwerfiel,
antwortet sie mit Tränen in den Augen. „Dass ich meine Tochter
zurücklassen musste. Ich habe sie bei meinem Mann gelassen und
nur in den Ferien gesehen.“ Doch dieser bringt das Kind zur Großmutter,
die Vasilija den Kontakt zusätzlich erschwert. Als die beiden
sich endlich wiedersehen, sagt die Tochter: „Ein Kalb hat eine
Mutter – ich habe keine.“ Dieser Satz begleitet Vasilija bis heute.
Mit der Zeit findet sie Stabilität. Sie wird Hausbesorgerin, später
Beamtin bei den Wiener Stadtwerken – ein hart erkämpfter Aufstieg.
Sie renoviert ihre Wohnungen selbst, baut sich ein Leben
auf, ein Zuhause. Am Ende bleibt sie in Wien, ist mehr Wienerin als
Kroatin. Heute sagt sie nüchtern: „Ich bin zufrieden. Viel Gutes, viel
Schlechtes – aber Glück hatte ich auch.“
FOTOS Niko Havranek
Wie ist es, GastarbeiterIn zu sein,
mit Gast arbeiterInnen zu arbeiten,
als Kind von GastarbeiterInnen
aufzuwachsen?
Zwei Gespräche mit Menschen, die
wissen, was das An werbe abkommen
für Österreich und seine
Gast arbeiterInnen bedeutet hat.
Anfang der 1970er-Jahre gründet Hans Staud das Unternehmen
Staud’s Wien und fängt an, Obst und Gemüse zu veredeln. Seitdem
ist der Marmeladenkönig vom österreichischen Delikatessenmarkt
nicht mehr wegzudenken – nicht zuletzt dank der GastarbeiterInnen
aus dem ehemaligen Jugoslawien.
Herr Staud, wie haben Sie die Zeit damals empfunden? Und warum
haben Sie B/K/S gelernt?
Ich war damals sehr jung, und die Gastarbeiterinnen
– meist schon ältere Damen – haben mich wohl
ein wenig gepflanzt. Das habe ich mitbekommen und
kurzerhand beschlossen, einfach ihre Sprache zu
lernen. Das war der ursprüngliche Beweggrund.
Die ersten Wörter waren tatsächlich Schimpfwörter
– wie meistens, wenn man eine neue Sprache
lernt. Wir hatten es damals sehr lustig in der Betriebsküche;
es waren die ersten Gastarbeiterinnen
in der Branche – vor allem, weil Österreicherinnen
diese Arbeit nicht machen wollten.
FOTO Schafranek / Vetropack
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