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Biber Magazin 2026-05

Das neue Biber. Scharf und Schärfer. Hier die erste Ausgabe 2026.

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Serbokroatisch zu lernen, fiel mir leicht, weil

Wie hat sich die sogenannte Nachfolgegeneration entwickelt?

Welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Aus-

ich in der Schule Latein hatte. Ich konnte also mit

Die zweite Generation hat die Unsicherheit am

wirkungen hatten diese Migrationsbewegungen auf Österreich?

den sechs Fällen gut umgehen. Innerhalb von zwei

stärksten erlebt. Viele gingen davon aus, dass sie

Ohne den Einsatz von Gastarbeiter:innen hätte

Jahren konnte ich mich gut verständigen. Es wurden

irgendwann zurückkehren würden. Die dritte Gene-

Österreich mit massivem Arbeitskräftemangel zu

auch die Rezeptkarten auf Serbokroatisch geschrie-

ration ist selbstbewusster und beginnt, ihre eigene

kämpfen gehabt. Gastarbeiter:innen waren über

ben, die habe ich handschriftlich verfasst. Später

Geschichte aktiv zu erforschen und darüber zu spre-

Jahrzehnte das Rückgrat zentraler Wirtschaftssek-

mussten sie für die anderen Mitarbeiterinnen wie-

chen. Sie hinterfragt vereinfachende Perspektiven

toren, haben Infrastruktur mitaufgebaut und zum

der ins Deutsche umgeschrieben werden.

und macht die Vielfalt migrantischer Erfahrungen

Sozialstaat beigetragen. Sie waren entscheidend für

Welchen Rat würden Sie Unternehmen angesichts des aktuellen

sichtbar.

die demografische Entwicklung und prägten Öster-

Fachkräftemangels geben und welche Fehler kann man vermeiden?

Wie hat sich die Rolle der Frau im Kontext dieser Migrationsge-

reich auch gesellschaftlich und kulturell nachhaltig.

Es ist ein großes Glück, dass Menschen aus ande-

schichte im Laufe der Zeit verändert?

Wie werden Gastarbeiter:innen Ihrer Meinung nach in den Medien

ren Ländern zu uns nach Österreich kommen. Sie

Frauen hatten von Anfang an eine zentrale Rolle,

dargestellt?

wollen arbeiten und Geld verdienen, um sich etwas

leisten zu können. Als Arbeitgeber sollte man ihnen

dafür angenehme Rahmenbedingungen schaffen.

Dr. Faime Alpagu ist Soziologin und Migrationsforscherin. Ihre Arbeit

will die Lebensrealitäten von Migrant:innen sichtbar machen.

wurden aber lange unsichtbar gemacht. Sie leisteten

Care-Arbeit im Herkunftsland oder arbeiteten

selbst in Österreich und trugen große Verantwor-

Überwiegend aus einer vereinfachenden Perspektive.

Sie erscheinen häufig als homogene Gruppe.

Unterschiede sowie insbesondere die Erfahrungen

Das Wesentliche ist aber, sich gegenseitig Respekt

zu zollen und mit offenen Armen aufeinander

zuzugehen – das gilt für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer.

Beide wollen etwas voneinander; es ist also

keine einseitige Geschichte. Nur, wenn beide Seiten

das begreifen, kann ein fruchtbares Miteinander

entstehen.

Sie beschäftigen sich in Ihrer Dissertation intensiv mit der Migrationsgeschichte

der Gastarbeiter:innen. Was sind die wichtigsten

Schlüsse?

Die Gastarbeiter:innenmigration war als kurzfristiges

Projekt gedacht. Man ging davon aus, dass die

Menschen nur für einige Jahre kommen und dann

wieder zurückkehren würden. In Wirklichkeit hatte

tung innerhalb der Familie. Trotzdem werden sie

häufig lediglich als „Angehörige“ wahrgenommen

und nicht als eigenständige Akteurinnen.

marginalisierter Gruppen, darunter Kurd:innen,

religiöse Minderheiten und Frauen, bleiben weitgehend

unsichtbar. Die Stimmen der Betroffenen

selbst werden selten eingebunden und so bleibt ihre

Perspektive im öffentlichen Diskurs unterrepräsentiert.

diese Migration jedoch langfristige Folgen und hat

die Gesellschaften in der Türkei, in Ex-Jugoslawien

und in Österreich nachhaltig geprägt.

Die Geschichten der Gastarbeiter:innen sind

sehr vielfältig. Dennoch wurden und werden sie bis

heute oft als homogene Gruppe wahrgenommen.

Durch die Kurzfristigkeit hatten viele keine Möglichkeit,

die Sprache zu lernen. Das führt dazu, dass

sie bis heute in vielen Bereichen abhängig von ihren

Kindern sind. Hinzu kommen die Folgen schwerer

körperlicher Arbeit, Einsamkeit und das Leben im

Ausland ohne ausreichenden Schutz. Diese Erfah-

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rungen werden bis heute nur teilweise anerkannt.

Worin unterscheiden sich die Anwerbung von Gastarbeiter:innen in

den 1960er-Jahren und die heutige Rekrutierung von Fachkräften –

abgesehen von verpflichtenden Deutschkursen?

In den 1960er-Jahren gab es einen akuten Arbeitskräftemangel.

Migration wurde ausdrücklich als

temporär gedacht; Fragen der Integration oder

politischen Teilhabe blieben weitgehend ausgeklammert.

Bis heute fehlt der österreichischen Migrationspolitik

eine langfristige Vision. Die heutige

Rekrutierung von Fachkräften ist stärker selektiv

und qualifikationsorientiert, gleichzeitig sind die

allejobs.at

rechtlichen Zugangsbedingungen komplexer und re-

FOTO Fesih Alpagu

striktiver. Aber immer noch bleibt Integration Aufgabe

der Migrant:innen selbst, volle gesellschaftliche

und politische Teilhabe wird jedoch verwehrt.

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