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Biber Magazin 2026-05

Das neue Biber. Scharf und Schärfer. Hier die erste Ausgabe 2026.

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Das Boot ist für zehn Menschen gedacht. Es sind deutlich

mehr an Bord.

AUF DER SUCHE NACH CHANCEN:

„ICH MUSS MEINEN EIGENEN WEG GEHEN“

EINE GROSSE PORTION HARTNÄCKIGKEIT:

ARBEITEN, „BIS ES NICHT MEHR GEHT“

Mitten unter ihnen sitzt ein 17-Jähriger aus einem fla-

Ferhat Yildirim stammt aus einem Dorf nahe Ankara. Flaches

Ferhats Weg führt ihn nicht nach Deutschland, sondern zu sei-

chen Dorf in Anatolien. Das Meer ist dunkel, die Zukunft un-

Land, einfache Häuser, kaum Perspektiven. „Keine Berge, kein

nem Bruder nach Wien. Nach der gefährlichen Reise steht er

gewiss. Drei Monate dauert die Odyssee.

Meer. Einfach kleine Häuser – das war’s,“ beschreibt er. Kind-

vor einer einzigen Frage: „Wie bekomme ich eine Aufenthalts-

„Die Reise war ein Albtraum,“ erinnert sich Ferhat

heit und Verantwortung gingen dort früh ineinander über. Be-

bewilligung und eine Arbeitserlaubnis?“ Ein reguläres Visum

Yildirim heute.

reits mit 13 Jahren beginnt er zu arbeiten, nicht aus jugend-

bekommt er nicht. Während er wartet, arbeitet er, „bis es nicht

Als er schließlich in Wien ankommt, endet die schwere

lichem Ehrgeiz, sondern aus Notwendigkeit. „Die finanzielle

mehr geht“. Als die Bewilligung endlich kommt, übernimmt er

Zeit nicht – sie beginnt erst.

Lage hat mich dazu gebracht.“ Er muss die Familie unterstüt-

drei Jobs gleichzeitig. Am Morgen steht er um halb sechs am

zen. Also sucht er in Ankara nach Arbeit und landet zufällig in

Naschmarkt, sortiert Obst, trennt das gute vom verdorbenen.

Heute führt sein Weg nicht mehr über das offene Meer, son-

einem Dönergeschäft. Es ist der angeblich beste der Türkei.

Tagsüber arbeitet er in einem Hotel im Housekeeping, abends

dern in die Favoritenstraße. Vor „Ferhat Döner“ stehen Men-

Als er den Koch fragt, warum das Lokal immer voll sei, lautet

als Kellner und in der Küche.

schen aus ganz Europa Schlange. Manager in Anzügen neben

die Antwort: Der Besitzer kümmert sich um jedes Detail.

„Ich habe viel gearbeitet. Ich wollte etwas schaffen und

Bauarbeitern in Arbeitskleidung, Touristen neben Studen-

Doch Ferhat denkt an das Essen aus seinem Dorf. An das

habe so viel wie möglich gespart,“ sagt er.

ten. Sie alle warten geduldig auf etwas scheinbar Einfaches:

offene Feuer, den unverfälschten Geschmack seiner Kindheit.

Bei der ersten Gelegenheit macht er sich selbstständig.

Fleisch, Brot und Joghurt.

„Was in meinem Dorf gekocht wird, ist viel besser“, sagt er sich

Die Idee entsteht aus Unzufriedenheit. In Wien probiert er

Doch hinter dem Snack steckt Ferhats Lebenswerk. Sei-

damals.

Döner und merkt, dass viele industrielle Produkte verkaufen.

ne Geschichte ist mehr als die eines erfolgreichen Gastrono-

Dieser Gedanke lässt ihn nicht mehr los.

Produkte, bei denen niemand mehr genau weiß, was drin ist.

men. Es ist der Weg eines Mannes aus einfachen Verhältnissen,

Früh erkennt er auch eine Eigenschaft, die ihn später

„Das wollte ich verändern.“ Er fragt sich, wie ein Döner eigent-

geprägt von früher Verantwortung, harter Arbeit und einer

tragen wird: „Ich habe schon als Kind gemerkt, dass ich sehr

lich schmecken sollte. Die Antwort liegt in seiner Erinnerung:

Sturheit, die ihn niemals aufgeben ließ.

stur bin. Ich muss meinen eigenen Weg gehen.“ Dass er sich ei-

Eine Frau in seinem Dorf kochte damals Rindsgulasch in einem

nes Tages selbstständig machen wird, weiß er. Nur nicht womit.

großen Topf über offenem Feuer und legte es in frisches Brot.

„Ich kann mich an diesen Geschmack erinnern, egal wie viele

Mit den Jahren sieht er, wie viele aus seinem Dorf nach

Jahre vergehen.“

Deutschland gehen, Geld verdienen und ihre Familien unter-

Ferhat beginnt, genau diesen Geschmack zu suchen.

stützen. Ihm wird klar: In Anatolien wird er – egal, wie hart er

2015 eröffnet er sein erstes Lokal. Fünf Jahre lang ar-

arbeitet – nie dieselben Chancen haben.

beitet er beinahe obsessiv an Details: Fleischschnitt, Gewürze,

Mit 17 Jahren fällt er die Entscheidung, zu gehen.

Grilltechnik. „Jeden Tag habe ich geübt. Jeden Tag ein bisschen

verändert,“ sagt er über seine Versuche, den Geschmack

von damals wiederherzustellen.

Die Anfänge sind hart. Das Geld ist knapp, die Erfahrung

fehlt. Manchmal reicht es kaum für die Miete. Jeden Morgen

geht er selbst auf den Markt, sucht Gemüse aus, schneidet

Fleisch dünn, mariniert es, schichtet den Spieß. „Es war wirklich

sehr viel Arbeit.“

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