HANSA 05-2026
Spotlight on new ships | Märkte | Schifffahrt | Schiffstechnik | Digital Hub | Häfen | 14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ
Spotlight on new ships | Märkte | Schifffahrt | Schiffstechnik | Digital Hub | Häfen | 14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ
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Est. 1864 05 | 2026
International
Maritime
Journal
Deutsche Schiffsausrüster
Wo liegen Potenziale und
Herausforderungen? Der VDS
im Gespräch mit der HANSA
Europas Häfen im Zwiespalt
Sicherheit, Rendite und Dekarbonisierung
– die europäischen
Häfen in neuer Rolle
Heise Werft
Wie sich ein Bremerhavener
Unternehmen im Reparatur- und
Umbau-Markt positioniert
163. Jahrgang
ISSN 0017-7504 | € 23,-
www.hansa-online.de
EDITORIAL
Intelligente Entscheidungen
für Zeitenwende auf See
Die freie See gerät zunehmend unter Beschuss –
im wahrsten und übertragenen Sinne. Nicht nur
im Persischen Golf. Die Straße von Hormus, die
Straße von Taiwan, der Suezkanal: Alles Orte, an
denen die Geopolitik voll durchschlägt, eine sichere
Schifffahrt nicht uneingeschränkt gewährleistet
ist. Bedrohungen, Verfolgung, zum Teil
Enterungen und Beschuss sind keine Ausreißer
mehr. Und wer weiß schon, an welchen neuralgischen
Punkten die nächsten Einschläge folgen?
Michael Meyer
Wie auch immer es weitergeht im Golf: Wir erleben
eine Zeitenwende für die Schifffahrt. Ech-
Chefredakteur
ter politischer Schutz: abwesend. Es wäre schön,
wenn die Verantwortlichen intelligenter agieren
würden, sagte uns jüngst ein Schifffahrtsmanager.
Die Freiheit der Meere – eine vielzitierte Säule der internationalen Schifffahrtspolitik,
sie bröckelt in ihren Grundfesten. Anfang des 17. Jahrhunderts hatte mit dem Niederländer
Hugo Grotius einer der Väter des Völkerrechts den Grundsatz »Mare Liberum«
proklamiert. Kurz gesagt: Die Politik soll sich raushalten.
Was zunächst wie eine krasse Beschränkung politischer Macht bewertet wurde, kam so
manchem Herrschenden später gut zupass. Musste man sich doch nicht auf den äußerst
beschwerlichen Weg machen, die Interessen verschiedenster Länder in einem enorm
schwer zu regulierenden Bereich zu regulieren. Mit dem UN-Seerechtsübereinkommen
von 1982 gab es erst viel später einen (erfolgreichen) Versuch, der Schifffahrt auf internationalem
Terrain einen angemessenen politischen Rahmen zu geben. Viele kleine und
größere Abkommen folgten. Doch die Maxime »Mare Liberum« blieb. Das sollte auch weiterhin
so gehalten werden. Es gibt viele gute Gründe dafür. Es gilt die Freiheit der Schifffahrt
auf Hoher See sowie das Recht der friedlichen Durchfahrt durch Territorialgewässer.
Die Schifffahrt ist flexibel, kann sich auf neue Umstände einstellen. Aber es gibt Grenzen.
Aktuell kommt sie an eine solche Grenze. Vielleicht ist es an der Zeit für eine neue
»Übereinkunft« zwischen Schifffahrt und Politik. Zu viel steht auf dem Spiel.
Ein abwinkender Verweis auf die Komplexität von Flaggenrecht, Klassen und einzelnen
Abkommen reicht möglicherweise nicht mehr. Wie oft wird in den Schaltzentralen der
Macht schließlich das sogenannte »Primat der Politik« betont, also der absolute Vorrang,
wenn es um die Aufrechterhaltung der Ordnung geht?
Die Herrschenden sind gefordert, einen sicherheitspolitischen Rahmen für die Schifffahrt
zu finden. Das Gemeinwohl, wie es auch als Teil von Grotius‘ Maxime verstanden
wird, ist schließlich öffentlich-rechtliche Aufgabe. Es geht nicht um politisches Mikro-Management,
die Stärke der Scheibenwischer auf der Brücke oder um sonst ein ökonomisches
Schreckgespenst. Sondern es geht um etwas Grundsätzliches: die relative Abwesenheit
politischer Macht auf See und eine Anpassung des institutionellen Rahmens. .
Darüber kann man geteilter Meinung sein, klar. Kritik an einem solchem Ansatz ist
vorprogrammiert. Aber es gilt, besser gerüstet zu sein. Und zwar auch – und gerade – in
einer Zeit, in der der Multilateralismus nicht gerade einen Hype erlebt. Alle sind auf die
eine oder andere Art von der Schifffahrt abhängig
– und sei es »nur« für die Versorgung
ihrer Wähler. Dann sollten auch alle ein Interesse
haben, die Sicherheit der Schifffahrt zu
gewährleisten – »intelligente Entscheidungen«
zu treffen eben, ganz abseits dieser
theoretischen Überlegung und ganz konkret.
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFBAU IST...
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INHALT | CONTENTS
05 2026
3 EDITORIAL
3 – Intelligente Entscheidungen für Zeitenwende auf See
6 SPOTLIGHT ON NEW SHIPS
6 – Der erste Shortsea-Neubau für W.D.R. und
Kontor 17 schwimmt
8 MOMENTAUFNAHME
10 PEOPLE & PODCAST
12 MÄRKTE | MARKETS
12 – Schiffbau in Fernost: Tanker setzen die Maßstäbe
13 – Orders & Sales
14 – Raten & Abschlüsse
16 SCHIFFFAHRT | SHIPPING
16 – Verschärfter Fokus auf Sicherheit beeinflusst
auch die BSH-Arbeit
18 – Underinsured und overconfident?
20 – Deutsche Schiffsausrüster setzen auf Anpassung
und Flexibilität
22 – HullPIC 2026: From fluffy data clouds
to actionable insights
24 SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
24 – EMSA mahnt Sicherheitsrahmen für
Ammoniak & Co. an
25 – Yanmar lässt Wasserstoffmotor zertifizieren
26 – Mathis Menzel | Menzel Elektromotoren:
»Die Schifffahrt ist für uns ein stark wachsendes
Geschäftsfeld«
28 – Jan Stoll | Heise Werft:
»Bremerhaven ist in Deutschland der
stärkste Reparatur-Standort«
30 – VR and digital twins are making
their way into shipping
32 – Fragmented documentation holding back
shipyard efficiency
34 – Bauer+Kirch: Integrierte Serviceprozesse
als Wettbewerbsfaktor
36 – Humanoide Helfer? Fincantieri setzt auf
KI-Schweißrobotor
37 – Wie Papenburg von Meyer Turku profitieren
könnte
38 – Stabilität und Perspektive sind zurück:
Meyer Turku baut an einer »Legende«
40 – Digital Transformation: Towards Coherent Data
and Information Infrastructure
42 DIGITAL HUB
44 HÄFEN | PORTS
44 – Zwiespakt zwischen Sicherheit und Rendite:
Europas Häfen in neuer Rolle
46 – IAPH & Oceanscore: »Reeder sparen Millionen
mit ESI-Rabatt«
48 – Elisabeth Makohl | Seal Robotics:
»Wir wollen die Arbeit im Containerumschlag
sicherer und effizienter gestalten«
50 – Automatisiert auf Sicht: Der Stand der Technik
bei Containerkranen
52 LETZTE SEITE
52 – A poem: Dereliction – and the ocean too sweeps
53 SONDERTEIL: NATIONALE MARITIME KONFERENZ
59 – Goldmedaillen gibt es nicht fürs Reden
60 – Großes Hallo in Emden
62 – Friedrich Merz und die maritime Wirtschaft
64 – Wirtschaftsministerin Katherina Reiche: »Sicherheit
und wirtschaftliche Stärke gehen Hand in Hand«
66 – Verteidigungsminister Boris Pistorius:
»Die Marine wird umfassend modernisiert«
68 – Maritimer Koordinator Christoph Ploß:
»Die maritime Wirtschaft muss eine Einheit bilden«
70 – Ministerpräsident Olaf Lies:
»Ein bewusstes Zeichen!«
72 – GDWS-Chefin Anke Leue:
»Rückgrat für die Exportwirtschaft«
76 – Die Verbände VDR, ZVDS, VDMA, VSM, ZDS:
Hohe Erwartungen, große Chancen
84 – ISPK-Experte Henrik Schilling:
»Maritime Infrastruktur lässt sich nur begrenzt
physisch schützen«
88 – André Pecher | stellv. Forschungsleiter GIDS:
»Jeden dritten Tag könnte man ein Schiff festsetzen«
92 – BSH-Präsident Helge Heegewaldt:
»Der Meeresspiegelanstieg wird uns noch
sehr lange beschäftigen«
96 – HSVA-Chef Philip Augener:
»Je komplizierter, desto besser für die
Hamburgische Schiffbau-Versuchsanstalt«
100 – Stiftung Deutsche Seemansschule:
»Es geht nur mit vereinten Kräften!«
102 – SOW-Chefin Karina Würtz:
»Massiver Handlungsdruck für Offshore-Wind«
106 – WISTA Germany-Präsidentin Cathrin Prikker:
»Vorbilder sichtbar machen«
108 – Gesichter bei WISTA Germany
110 – Tim Kruithoff | Oberbürgermeister Emden:
»Das muss jetzt endlich mal geklärt werden!«
114 – Brunsbüttel mit nationaler Bedeutung
für Versorgungssicherheit
116 – Bergbau am Meeresgrund: »Die Industrie ist bereit«
118 – OVB: 1,9 Mrd. € aus Ostfriesland für die Schifffahrt
121 TERMINE & IMPRESSUM
4 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SMM MARITIME START-UP
SMM MARITIME START-UP
DAY NIGHT 2026
DAY & NIGHT 2026
02.09.2026
SMM 02.09.2026
HAMBURG
SMM HAMBURG
Digital Stage +++
Digital Stage +++
Hall Hall
Digital B6
B6
Stage +++
Hall B6
SMM Hamburg 2026: Opening our doors
SMM Hamburg 2026: Opening our doors
on SMM September Hamburg 2026: 2nd Opening for international our doors
on September 2nd for international
maritime on September start-ups 2nd to for showcase international
their
maritime start-ups to showcase their
newest maritime solutions. start-ups to showcase their
newest solutions.
newest solutions.
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Win a free SMM
Win free SMM
booth Win a for free 2028 SMM
&
booth for 2028 booth a HANSA for 2028 Media&
HANSA Media
a voucher HANSA worth Media
voucher worth
voucher 10.000 Euro worth
10.000 Euro
10.000 Euro
Start-up Booth
Start-up Booth
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Start-up Route
Start-up Route
Start-up Route
Start-up Pitch Day Event
Start-up Pitch Day Event
Start-up Pitch Day Event
SMM Maritime Start-up Award
SMM Maritime Start-up Award
SMM Maritime Start-up Award
Start-up Aftershow-Party
Start-up Aftershow-Party
Start-up Aftershow-Party
MARITIME
MARITIME
START-UP START-UP MARITIME
PITCHES
PITCHES
START-UP PITCHES
MARITIME
MARITIME
START-UP START-UP MARITIME
AWARD
AWARD
START-UP AWARD
START-UP
START-UP
AFTERSHOW-PARTY
AFTERSHOW-PARTY
START-UP
AFTERSHOW-PARTY
COOPERATION PARTNER:
COOPERATION PARTNER:
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www.maritimestartups.de
www.maritimestartups.de
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SPONSOR:
SPONSOR:
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MEDIAPARTNER:
MEDIAPARTNER:
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SPOTLIGHT
Spotlight on
new ships
© Kontor 17
Der erste Shortsea-Neubau
für W.D.R. und Kontor 17 schwimmt
In China ist der erste Neubau vom Typ »Eco Freighter 5200XL«
für die Wyker Reederei W.D.R. und Kontor 17 aus Hamburg vom
Stapel gelaufen. Das Schiff wird bei der Werft Dajin Heavy Industry
gebaut und fährt künftig unter Portugal-Flagge als »Baltic
Strength«. Die W.D.R bekommt eine Einheit, einen weiteren Neubau
erhält Kontor 17, beide Schiffe werden durch Kontor 17 aus
Hamburg bereedert. Und beide Neubauten sind langfristig durch
Continental Chartering verchartert und werden in der Nord und
Ostsee eingesetzt.
Für die Unternehmen sind die Frachter Teil einer Flottenerweiterung.
In der Flotte der W.D.R. ist die »Insel Föhr« das erste
Frachtschiff, die Reederei hat sich bislang auf Fähren fokussiert.
Bei dem Neubau handelt es sich um eine sogenannte XXL-Version
des Schiffskonzepts »Eco Freighter«, das vom niederländischen
Konstruktionsbüro Groot Ship Design gemeinsam mit
dem Hamburger Makler Toepfer Transport initiiert wurde.
Das Design erfreut sich in der Branche großer Beliebtheit, ca.
80 Neubauten wurden von verschiedenen deutschen und europäischen
Reedereien geordert. Es ist auf maximale Effizienz getrimmt
und soll den Verbrauch signifikant senken. Die HANSA
hat bereits exklusiv und ausführlich über den »Kassenschlager«
für die Shortsea-Flotte berichtet. (Weitere Einzelheiten zu dem
Schiffsdesign und den Hintergründen der Entwicklung finden Sie
in der Ausgabe HANSA 08/25). Groot hat das Design an die Werft
verkauft, das Copyright blieb allerdings bei den Niederländern.
Toepfer Transport ist Teileigentümer des »Initial Designs«, da die
Hamburger maßgeblich an der Entwicklung beteiligt waren. Die
Ausrüstung kommt größtenteils aus Europa.
MM
Die »Insel Foehr«/ »Baltic Strength«
• Werft: Jiangsu Dajin Heavy Industry, China
• Eigner: W.D.R.
• Manager: Kontor 17
• Klasse: DNV
• Flagge: Portugal
• Tdw: 5.200
• Vermessung: 3.952 GT
• Laderaum: 7.821 m 3 / 61,6 x 12,85 x 9,75 m
• Beladung Tanktop: 15 t/m 2
• Beladung Tweendeck: 2,5 t/m 2
• Lukendeckel: 2 t/m 2
• Länge: 89,98 m
• Breite: 15,45 m
• Tiefgang: 6,20 m
• Verbrauch: 6,2 t/Tag bei 12 kn und 4,4 t/Tag bei 10 kn
• Hauptmaschine: MAN 6L27/38
• Hilfsmaschine: 2 x Perkins E70 Tag 2M
129 bkW@1.500 rpm
• Bugstrahlruder: Veth Jet 4-K-1000
• Propeller: Berg CPP 3300 mm, 4 Blätter @137,7 rpm
6 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
EVENTS
ISF-TAGUNG 2026
Schiffsbetrieb und alternative Kraftstoffe im Fokus
Die Hochschule Flensburg organisiert
die Informationstagung zur Schiffsbetriebsforschung
(ISF) in diesem Jahr bereits
zum 47. Mal. Die Fachkonferenz findet
am 5. Juni im C.ulturgut in Flensburg
statt und wird erneut vom Maritimen
Zentrum ausgerichtet. Am Vorabend der
Veranstaltung ist ein Get-together auf
dem Salondampfer »Alexandra« geplant.
Die Tagung gilt als etabliertes Forum
für aktuelle Entwicklungen im operativen
Schiffsbetrieb. Im Mittelpunkt stehen
Themen wie alternative Betriebskonzepte,
Energieeffizienz, Ressourcenschonung,
Emissionsminderung sowie Fragen
rund um Wartung, Betrieb und
Instandhaltung. Auch zukünftige Herausforderungen
der Branche werden
adressiert.
Das Programm gliedert sich in mehrere
Vortragsblöcke. Zum Auftakt geht
es um Optimierung im Abgasbereich,
gefolgt von Beiträgen zu Service und
Instandhaltung. Ein weiterer Schwerpunkt
liegt auf Schiffsmotoren und alternativen
Kraftstoffen, darunter Ansätze
zu Ammoniak, Methanol, Ethanol sowie
Wasserstoffanwendungen im maritimen
Einsatz.
Die Veranstaltung richtet sich an Reedereien,
Werften, Klassifikationsgesellschaften,
Zulieferer und Dienstleister.
Parallel zur Tagung bietet eine Fachausstellung
Raum für Austausch mit
Industrie und Forschung. Zudem ist die
Teilnahme für Studierende der Schiffsbetriebstechnik
und des Schiffmaschinenbaus
offen.
Am Vorabend der ISF-Tagung treffen sich die
Teilnehmer auf dem Dampfer »Alexandra«
Vor dem Hintergrund zunehmender
Personalengpässe wird erstmals ein
eigener Bereich für Recruiting und Networking
eingerichtet. Dort können Unternehmen
gezielt mit Studierenden und
Nachwuchskräften der Seefahrtsschule
in Kontakt treten. Weitere Informationen
sind zu finden unter: www.isf-tagung.de
© Wroblewski
Register now!
05. Juni 2026:
47. ISF-Tagung
www.maritimes-zentrum.de
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
7
MOMENTAUFNAHME
Es gibt sie noch,
die Terra Incognita
Das hat auch die Künstliche Intelligenz auf
dem Radar gehabt: Der über 40 Jahre alte
deutsche Forschungseisbrecher »Polarstern«
hat auf einer seiner letzten Reisen in
der Antarktis noch einmal für ein Highlight
gesorgt. Auf der Suche nach Schutz im
Windschatten von Joinville Island wegen
der rauen Wetterbedingunge wurde die
Crew von dem plötzlichen Auftauchen einer
Insel überrascht, die zuvor auf Seekarten
lediglich als Gefahrenzone verzeichnet
war. Es zeigt sich mal wieder: Es gibt noch
einiges zu entdecken auf der Erde. Die
»neue« Insel ist etwa 130 m lang, 50 m breit
und ragt ungefähr 16 m aus dem Wasser.
Warum sie als Gefahrenzone, aber nicht als
Küstenlinie eingezeichnet ist und warum die
verzeichnete Position etwa 1 sm neben der
tatsächlichen Position liegt, ist den Fachleuten
unklar (wohl auch der K.I.). Da es keine
offizielle namentliche Eintragung gibt, gilt
es jetzt, den Benennungsprozess zu durchlaufen.
So wird aus einer »Terra Incognita«
noch ein echter Name werden ...
Foto: AWI
Liebe Leser, wenn auch Sie eine maritime
Moment aufnahme eingefangen
haben, schicken Sie uns gern das Foto
mit ein paar erklärenden Zeilen an:
redaktion@hansa-online.de. Hinweis:
Der Verlag behält sich das Recht vor,
eingegangene Fotografien für redaktionelle
Zwecke weiterzuverwenden.
8 HANSA – International Maritime Journal 05 | 2026
MOMENTAUFNAHME
HANSA – International Maritime Journal 05 | 2026
9
PEOPLE & PODCAST
■ TKMS: Andreas Görgen wird zum
15. Mai neuer COO des Marineschiffbauunternehmens
TKMS. Er
soll laut Aufgabenbeschreibung
sicherstellen,
dass das Orderbuch
von derzeit ca.
20 Mrd. € »ordnungsgemäß«
abgearbeitet
wird. Görgen ist promovierter
Jurist mit langjähriger Erfahrung
in Politik und Industrie, unter anderem im
Bundeskanzleramt und im Auswärtigen
Amt. Weitere Stationen waren Siemens, wo
er den Energiesektor in Frankreich und später
in Südwesteuropa verantwortete, sowie
die Firma Sprind in Leipzig.
Personalie des Monats: Mark O’Neil verlässt Columbia
■ MSC: Gianluigi Aponte, Gründer
und Eigentümer der Reederei MSC, hat
das Unternehmen an seine Kinder übergeben.
Beide sind
bereits für MSC tätig:
Sohn Diego Aponte
als Group President,
Tochter Alexandra
Vago Aponte als
CFO. Die Übergabe
hat bereits im vierten
Quartal 2025 stattgefunden. Aponte
gründete MSC im Jahr 1970, heute
umfasst die Flotte über 1.000 Schiffe
und mehr als 7 Mio. TEU.
■ COLUMBIA: Mark O’Neil, seit über zehn Jahren Chef des Shipmanagers Columbia,
hat die Firma mit sofortiger Wirkung verlassen. Ein konkreter Grund wurde nicht bekannt
gemacht, allerdings geschehe der Schritt »im besten Einvernehmen«, teilte Columbia
mit. »Meine Aufgabe bei Columbia war es, einen grundlegenden Wandel herbeizuführen,
und diese Aufgabe ist nun abgeschlossen«, wird O’Neil zitiert. »Es ist Zeit, die Führung
abzugeben und mich neuen Herausforderungen zu stellen. Ich weiß, dass ich Columbia
in sehr guten Händen und in einem hervorragenden Zustand hinterlasse.« Der Posten
des CEO soll vom bisherigen COO Andreas Hadjipetrou übernommen werden. Er ist seit
fast 30 Jahren im Unternehmen und bringe fundierte operative Kenntnisse, starke Führungsqualitäten
und Kontinuität in das Geschäft ein. Sein Stellvertreter wird Demetris
Chrysostomou, CEO für die Region Asien. Damit will der Shipmananger seine Präsenz in
Asien stärken und die Führungsebene der Gruppe weiter ausbauen. Die Columbia Group
gehört zu den größten Shipmanagern der Welt und ist Teil der Unternehmensgruppe von
Heinrich Schoeller. Zu dieser gehören unter anderem auch die MPP-Reederei AAL, Hanse
Bereederung, Genpro und Emission Link.
Ansprechperson für Ihre Fragen:
Frau Yesim Duran
030 90254-7019
Bei der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt ist folgende Stelle ab sofort unbefristet zu besetzen:
Bau- und Projektleiter/in im Fachbereich Gewässer (w/m/d)
Kennziffer: SenMVKU-Nr. 33/2026
Entgeltgruppe: E 14 TV-L
Die vollständige Stellenausschreibung sowie alle weiteren Informationen finden Sie auf dem Karriereportal:
www.karriereportal-stellen.berlin.de
Bewerbungsfrist: 10.06.2026
Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung über das Karriereportal Berlin oder per Mail an: Yesim.Duran@senmvku.berlin.de.
10 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
PEOPLE & PODCAST
■ DANISH SHIPPING: Caroline Pontoppidan
ist neue Vorsitzende des Vorstands im dänischen
Reederverband. Sie ist die erste Frau in dieser
Position und folgt auf DFDS-Chef Torben Carlsen,
der das Amt seit 2023 innehatte. Pontoppidan ist
Executive Vice President, Chief Legal Officer und
Head of Corporate Affairs bei Maersk. In den letzten
drei Jahren war sie bereits stellvertretende Vorsitzende von Danish
Shipping. Neuer Stellvertreter wird Jan Rindbo von D/S Norden.
Dem Vorstand gehören sieben Verteter verschiedener Reedereien an.
■ ZIM: Eli Glickman, Präsident und CEO der
israelischen Reederei Zim, wird das Unternehmen
verlassen. Zunächst soll er noch den weiteren
Geschäftsablauf gewährleisten; ein Nachfolger
steht bislang nicht fest. Zim soll von der
Hamburger Reederei Hapag-Lloyd für 4,2 Mrd. $
übernommen werden. Glickman sei laut eigener
Aussage unter diesen Bedingungen zum Schluss gekommen, seinen
Posten an der Spitze des Unternehmens nicht länger ausüben zu
können, jedoch respektiere er die Entscheidung des Vorstands.
■ JADEWESERPORT: Holger Banik übernimmt
die Geschäftsführung der landeseigenen Container
Terminal Wilhelmshaven JadeWeserPort-Marketing.
Er tritt damit die Nachfolge von Marc-Oliver
Hauswald an, der die Gesellschaft seit August
2023 geführt hat. Banik ist seit 2014 Geschäftsführer
der JadeWeserPort Realisierungs GmbH &
Co. KG sowie der Niedersachsen Ports (NPorts). Künftig verantwortet
er zusätzlich die Vermarktung des Hafens, das Ansiedlungsmanagement
und die Entwicklung der Flächen im Güterverkehrszentrum
am JadeWeserPort.
■ DLR: Frank Sill Torres hat an der Universität Bremen
die Professur »Resilienz maritimer Systeme«
im Fachbereich Mathematik und Informatik angetreten.
Zudem übernimmt er zeitgleich die offizielle
Leitung des Instituts für den Schutz maritimer
Infrastrukturen des Deutschen Zentrums für Luftund
Raumfahrt (DLR), die er bereits seit 2023 kommissarisch
verantwortete. Nach Studium und Promotion in der Elektrotechnik
sowie einer Habilitation in der Informatik forschte Sill Torres
lange an der Bundesuniversität Minas Gerais in Brasilien. Sein Fokus
liegt auf der Zuverlässigkeit sogenannter cyberphysischer Systeme.
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DSHIP & NSB GROUP
Prominente Gäste
im maritimen Talk
Lars Feller und Tim Ponath
Neue Kooperation in der deutschen Schifffahrt: Die Hamburger
MPP-Reederei dship Carriers und der Shipmanager NSB
aus Buxtehude legen gemeinsam das Joint Venture »Hinode
Shipmanagement« auf, wie
die CEOs Lars Feller und Tim
Ponath zuerst im HANSA
Podcast publik gemacht haben.
Es wird aufgesetzt für
sechs MPP-Neubauten von
dship Carriers, und zwar
für das technische Management
und das Crewing. Die
Frachter sollen zwischen Juni dieses Jahres und Ende 2027
in Fahrt kommen. Das Joint Venture soll weiter wachsen –
auch mit Schiffen anderer Unternehmen. Das Wachstum ist
auch für die einzelnen Flotten der beiden Schifffahrtsunternehmen
ein Thema des Gesprächs. Dabei geht es um potenzielle
Neubauten für dship und NSB, Schiffsgrößen und -segmente
sowie die nötigen Rahmenbedingungen.
BUNDESREGIERUNG
Christoph Ploß
Finanz-Paradigmenwechsel und Wettbewerbsfähigkeit:
Christoph Ploß, Maritimer Koordinator der Bundesregierung,
will die Rahmenbedingungen für
Reeder, Schiffbauer, Zulieferer und Häfen
auf politischem Wege verbessern.
Dabei geht es zum Einen um Geld, zum
Anderen aber auch um Förderprogramme,
die Digitalisierung und die Bürokratie,
wie Ploß erläutert. Alle Segmente
der maritimen Industrie sind für ihn
»gleichbedeutend wichtig«, so Ploß, der
dafür werben will, dass die maritime Wirtschaft »zusammenarbeitet
und zusammenhält«. Dann könne man insgesamt
für alle mehr erreichen – sowohl in Berlin als auch in
Brüssel und in der öffentlichen Debatte. Zu Häfen, Reedern
und Schiffbauern hat er eine klare Meinung: Im Schiffbau
wolle die schwarz-rote Koalition über Bürgschaftsprogramme,
Forschungsprogramme und Aufträge der öffentlichen
Hand das Geschäft stärken.
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
11
MÄRKTE | MARKETS
Schiffbau in Fernost:
Tanker setzen die Maßstäbe
Steigende Kosten, Margendruck und neue Wettbewerber prägen den chinesischen Neubau-
Markt auf seinem zyklischen Hochplateau. Von Joshua Wygand
Der chinesische Schiffbau bleibt 2026
auf hohem Preisniveau stabil, zeigt aber
wachsende Unterschiede zwischen Segmenten
und Werften. Nach Angaben des
aktuellen CNPI-Reports lag der China
Newbuilding Price Index Ende März bei
1.120 Punkten, 0,4 % über dem Vormonat
und nahezu auf Vorjahresniveau. Die
Autoren sehen darin weniger den Beginn
eines neuen Aufschwungs als vielmehr
ein zyklisches Hochplateau.
Gestützt wird der Markt vor allem
durch anhaltenden Kostendruck. Steigende
Löhne und höhere Ausrüstungspreise
belasten die Werften, zugleich
drückt der ungünstige $/RMB-Wechselkurs
auf die Erträge chinesischer
Anbieter. Die Margen bleiben damit
eng, Preisnachlässe sind nur selten zu
erwarten. Besonders fest zeigte sich im
März erneut der Tankerneubau-Markt,
auch große Bulker erhielten Unterstützung.
Uneinheitlich blieb die Entwicklung
dagegen bei kleineren und mittleren Bulkern
sowie im Containerschiffssegment.
Dort hielten sich vor allem kleinere Einheiten
bis 2.700 TEU vergleichsweise stabil,
während mittlere Größen nachgaben.
Zugleich verändert sich die Preisbildung
im chinesischen Schiffbau.
Laut Report treten neben etablierten
Werften verstärkt kleinere Anbieter in
Die Dalian-Werft in der Provinz Liaoning. Die Werft beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter. Im Bild
zu sehen sind CO₂ -Carrier für Northern Lights
den Markt ein, die mit günstigeren Einstiegspreisen
und kürzeren Lieferzeiten
spekulative Aufträge anziehen wollen.
Große Werften profitieren dagegen weiter
von ihrer Markt stellung und bewährten
Referenztypen.
Mit Blick nach vorn verweisen die Autoren
auf erhöhte Inflationsrisiken. Steigende
Energiepreise sowie mögliche
Verteuerungen bei Düngemitteln, Vorprodukten
und Edelgasen könnten den
Kostendruck weiter verschärfen. Hinzu
kommt, dass einzelne Dual-Use-Werften
Personal und Kapazitäten schrittweise
stärker in verteidigungsnahe Produktionen
verlagern könnten.
Trotz reger Bestelltätigkeit mahnt der
Report daher zur Vorsicht. Zwar legten
die Neuaufträge chinesischer Werften
im ersten Quartal in mehreren Segmenten
zu, zugleich wachsen aber die
Kapazitäten.
■
© Northern Lights JV
SHORTSEA MIT »FIXBO«
Der Shortsea-Index Fixbo
wird vom Zentralverband
deutscher Schiffsmakler
weitergeführt – und wird
ab sofort auch an dieser
Stelle veröffentlicht.
Fixbo sammelt anonymisierte
Fixture-Daten
und bildet daraus einen
Frachtraten-Index für den
Shortsea-Verkehr in den
europäischen Gewässern.
April 2026: 49,39 €/t
12 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
MÄRKTE | MARKETS
NEUBAU Reederei Anzahl Größe Werft Ablieferung Preis in Mio $
Container
Evergreen Marine 6 24.000 Hanwha k.a. 1,7 Mrd.
China 1 4.350 China 2027 42,7
China 1 3300 China k.a. 30,1
Griechenland 2 (opt. 2) 1930 China 2029 30
Bulker Shandong Shipping 10 325.000 China 2029 130
Tanker
Singapur 4 (opt. 2) 320.000 China 2029 138
Griechenland 2 300.000 Südkorea 2030 132,5
Schweiz 8 306.000 China 2028 / 29 119
China 3 ( opt. 2) 114.000 China 2029 70
Yangzijiang Maritime 8 319.000 China 2027/ 2028 130
Griechenland 2 (opt. 1) 90.000 cbm China 2029 110
Ernst Russ 4 18.500 Wuhu Shipyard (China) 2026 / 27 k.a.
S & P Name Größe Baujahr Bauort Käufer Verkäufer Preis in Mio $ Typ
Container
Bulker
Varamo 1.296 TEU 2007 China n/a Marlow Navigation 13,3 Feeder
Fouma 1.284 TEU 2007 China n/a Marlow Navigation 13,3
Warnow Dolphin 1.296 TEU 2007 China n/a Marlow Navigation 13,3
Arsos 1.296 TEU 2007 China n/a Marlow Navigation 13,3
Yangze 901 93.229 2012 China Shanghai Run Yuan Shipping 12,8
Donghae Star 82.861 2012 k.a. Dusung Shipping 17
Diamantina 82.139 2010 V.A.E. Neda Maritime Agency 19
John M Carras 82.057 2012 Griechenland Carras Hellas 18,2
Tanker
Shaybah 319.429 2008 Südkorea k.A. k.A. 59 VLCC
Singapore Spirit 318.473 2013 k.A. k.A. k.A. 84,5 VLCC
Caesar 318.440 2009 Südkorea k.A. k.A. 70 VLCC
Kmarin Renown 109.693 2016 Südkorea k.A. k.A. 47
Kmarin Respect 109.584 2016 Südkorea k.A. k.A. 47
Kmarin Reliance 109.466 2016 Südkorea k.A. k.A. 47
DEMOLITION Name IMO-Nummer Baujahr + Land $/LDT Ziel tdw
Bulker
Tanker
Douga 9248459 2002 Japan k.a. Bangladesch 177.493
Andhika Kanishka 9164641 1998 Japan k.a. Bangladesch 73.220
Godspeed 6666 9145035 1996 Japan k.a. Bangladesch 49.692
Hao Hung 66 9145671 1996 Japan k.a. Bangladesch 34.021
Hao Hung 01 8806412 1988 Japan k.a. Bangladesch 21.989
Mali 9229439 2001 Japan k.a. Pakistan 299.999
Stolt Cedar 8919049 1994 Norwegen 912 Indien 36.634
Stolt Sea 9149495 1999 Spanien 853 Indien 22.198
Hongkong Energy (LNG) 9250725 2004 Südkorea 513 Bangladesch 73.659
Stand :15. April 2026 / Keine Gewähr für Vollständigkeit
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
13
MÄRKTE | MARKETS
125000
Container – Time Charter Rates
725 TEU 1000 TEU 1700 TEU 2000 TEU 2500 TEU 2750 TEU 3500 TEU
4400 TEU 6700-7000 TEU 8800-9200 TEU
100000
$ / d
75000
50000
25000
0
25.04.2025
30.05.2025
27.06.2025
25.07.2025
29.08.2025
26.09.2025
24.10.2025
28.11.2025
26.12.2025
30.01.2026
27.02.2026
27.03.2026
24.04.2026
Container – Newbuilding Prices
725 TEU 1000 TEU 2000 TEU 2750 TEU 6600 TEU 15000 – 16000 TEU
Container – Secondhand Prices
725 TEU 1000 TEU 1700 TEU 2750 TEU 6600 TEU 9000 TEU
250,00
120,00
200,00
100,00
150,00
80,00
$ mill
$ mill
60,00
100,00
40,00
50,00
0,00
25.04.2025
30.05.2025
27.06.2025
25.07.2025
29.08.2025
26.09.2025
24.10.2025
28.11.2025
26.12.2025
30.01.2026
27.02.2026
27.03.2026
24.04.2026
20,00
0,00
25.04.2025
30.05.2025
27.06.2025
25.07.2025
29.08.2025
26.09.2025
24.10.2025
28.11.2025
26.12.2025
30.01.2026
27.02.2026
27.03.2026
24.04.2026
© Clarksons
Containerships (Period)
Vessel Year TEU Reefer Design Gear Period Region Charterer $/d
POST-PANAMAX
Express Athens 2011 10,114 800 Hyundai 10000 N 8-10 m Far East MSC 75,000
Express Rome 2011 10,114 800 Hyundai 10000 N 18-20 m Middle East MSC 80,000
PANAMAX / WIDEBEAM
Ren Jian 16 2009 4,395 500 Daewoo 4400 N 11-13 m Far East Maersk 56,000
Ding Xiang Fu Xing 2026 4,222 350 TBN 4200 Type N 24-26 m Far East CMA CGM 45,000
SUB-PANAMAX
SPIL Kartini 2008 4,252 350 CS 4250 N 35-37 m Far East Maersk 28,500
EM Kea 2007 3,108 500 B-178 N 35-37 m Atlantic CMA CGM 30,000
Nordamelia 2017 2,506 530 SDARI 2500 Y 34-37 m Atlantic CMA CGM 26,000
Nordpacific 2018 2,506 750 SDARI 2500 Y 34-37 m Atlantic CMA CGM 26,000
FEEDER / HANDY
Everlasting Harvest 2022 1,930 220 Wenchong 1900 N 11-13 m Far East CU Lines 34,000
Big Breezy 2005 1,850 300 Saylemoon N 11-13 m Far East Maersk 25,000
ASL Haiphong 2024 1,781 300 SDARI 1800 Sealion N 11-13 m Far East Ningbo Ocean 32,000
Little Mermaid 2022 1,781 250 YZJ 1800 N 22-24 m Far East Emirates 21,800
Seatrade Colombia 2025 1,781 639 SADRI Sealion 1800 N 34-36 m West Africa CMA CGM 23,500
EF Emira 2008 1,710 300 Aker 1700 N 23-24 m Med Cosco 22,500
TS Qingdao 2019 1,808 250 CSBC 1800 W Mk II N 1-3 m Far East CMA CGM 32,000
Sonderborg 2012 1,084 250 Wujiazhui 1100 N 17-18 m Med Cosco 16,500
Contship Way 2008 1,100 220 CV 1100 Y 5-7 m Far East CMA CGM 15,000
Ipios 2006 1,118 220 CV 1100 Y 11-13 m Med Hapag-Lloyd 17,500
m = month / w = week / d = day
14 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
MÄRKTE | MARKETS
120.00
0
100.00
0
Tanker – Time Charter Rates
VLCC (310k dwt) Suezmax (150k dwt) Aframax (110-115k dwt) Panamax (74k dwt, products)
80.000
$ / d
60.000
40.000
20.000
02.05.2025
16.05.2025
30.05.2025
13.06.2025
27.06.2025
11.07.2025
25.07.2025
08.08.2025
22.08.2025
05.09.2025
19.09.2025
03.10.2025
17.10.2025
31.10.2025
14.11.2025
28.11.2025
12.12.2025
26.12.2025
09.01.2026
23.01.2026
06.02.2026
20.02.2026
06.03.2026
20.03.2026
03.04.2026
17.04.2026
Tanker – Newbuilding Prices
VLCC (320k dwt) Suezmax (157k dwt) Aframax (115k dwt) Panamax (73-75k dwt)
Tanker – Secondhand Prices
VLCC (300k dwt) Suezmax (150k dwt) Aframax (105k dwt) Panamax (70k dwt)
150,00
120,00
110,00
125,00
100,00
90,00
$ mill
100,00
$ mill
80,00
70,00
75,00
60,00
50,00
02.05.2025
16.05.2025
30.05.2025
13.06.2025
27.06.2025
11.07.2025
25.07.2025
08.08.2025
22.08.2025
05.09.2025
19.09.2025
03.10.2025
17.10.2025
31.10.2025
14.11.2025
28.11.2025
12.12.2025
26.12.2025
09.01.2026
50,00
23.01.2026
06.02.2026
20.02.2026
06.03.2026
20.03.2026
03.04.2026
17.04.2026
02.05.2025
16.05.2025
30.05.2025
13.06.2025
27.06.2025
11.07.2025
25.07.2025
08.08.2025
22.08.2025
05.09.2025
19.09.2025
03.10.2025
17.10.2025
31.10.2025
14.11.2025
28.11.2025
12.12.2025
26.12.2025
09.01.2026
23.01.2026
06.02.2026
20.02.2026
06.03.2026
20.03.2026
03.04.2026
17.04.2026
40,00
30,00
© Clarksons
35000
Bulker – Time Charter Rates
Capesize (modern) Panamax (modern) Supramax (58k dwt) Handysize (modern)
25000
$ / d
15000
02.05.2025
16.05.2025
30.05.2025
13.06.2025
27.06.2025
11.07.2025
25.07.2025
08.08.2025
22.08.2025
05.09.2025
5000
80,00
19.09.2025
03.10.2025
17.10.2025
31.10.2025
14.11.2025
28.11.2025
12.12.2025
26.12.2025
09.01.2026
23.01.2026
06.02.2026
20.02.2026
06.03.2026
20.03.2026
03.04.2026
17.04.2026
Bulker – Newbuilding Prices
Capesize (176-180k dwt) Ultramax (61-63k dwt) Handysize (32-35k dwt)
60
Bulker – Secondhand Prices
Capesize (170k dwt) Panamax (75k dwt) Handymax (52k dwt) Handysize (32k dwt)
$ mill
02.05.2025
16.05.2025
30.05.2025
13.06.2025
27.06.2025
11.07.2025
25.07.2025
08.08.2025
22.08.2025
05.09.2025
19.09.2025
03.10.2025
17.10.2025
31.10.2025
14.11.2025
28.11.2025
12.12.2025
26.12.2025
09.01.2026
23.01.2026
06.02.2026
20.02.2026
06.03.2026
20.03.2026
03.04.2026
17.04.2026
60,00
40,00
20,00
$ mill
50
40
30
20
10
02.05.2025
16.05.2025
30.05.2025
13.06.2025
27.06.2025
11.07.2025
25.07.2025
08.08.2025
22.08.2025
05.09.2025
19.09.2025
03.10.2025
17.10.2025
31.10.2025
14.11.2025
28.11.2025
12.12.2025
26.12.2025
09.01.2026
23.01.2026
06.02.2026
20.02.2026
06.03.2026
20.03.2026
03.04.2026
17.04.2026
© Clarksons
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
15
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
Verschärfter Fokus auf Sicherheit
beeinflusst auch die BSH-Arbeit
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie ist zuständig für Schifffahrt, Meeresschutz
und -vermessung sowie Offshore. Derzeit rückt aber das Thema »Sicherheit« immer weiter in
den Vordergrund. Ein Überblick über aktuelle Aktivitäten und Erkenntnisse
Klimawandel, Energiewende, Schutz kritischer Infrastruktur,
Versorgungssi cherheit sowie Landes- und Bündnisverteidigung:
Das BSH will mit umfassenden Daten, präziser Planung und wissenschaftlicher
Expertise »eine wesentliche Grundlage« liefern,
um diesen Herausforderungen zu begegnen. »Verlässliche Informationen
über unsere Meere sind essenziell, die aktuelle sicherheitspolitische
Lage unterstreicht ihre Bedeutung mehr denn
je«, betonte BSH-Präsident Helge Heegewaldt kürzlich in Hamburg.
Besonders wichtig sei aktuell das Spannungsfeld zwischen
Sicherheit und dem Zustand der Meere, heißt es.
Mehr zivil-militärische Zusammenarbeit ...
Die Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden nimmt deutlich zu.
Hydrographische BSH-Daten wie Wassertiefen, Wrackpositionen
und Seekartendaten hätten entscheidende militärische Bedeutung.
Auch ozeanographischen Daten sind essenziell für Marineoperationen
und Deutschlands Verteidigung: »Präzise und aktuelle
ozeanographische Daten sind unverzichtbar für Lagebilder und
operative Entscheidungen der Marine«. Angesichts der veränderten
geopolitischen Lage stellt das BSH sicher, dass das Marinekommando
alle relevanten Daten erhält. Eine Verbindungsstelle der
Marine beim BSH-Standort in Rostock gibt es schon länger, aber
der Austausch hat sich zuletzt deutlich intensiviert.
Gerade die Ostsee entwickelt sich immer mehr vom Übungsgebiet
für die Marine zu einem potenziellen Einsatzgebiet. Das
BSH verzeichnet einen deutlich erhöhten Übungsbedarf der Bundeswehr
und ihrer Bündnispartner. Das hat entsprechende Auswirkungen
auf die zivile Nutzung des Meeres, der Platz sei eben
begrenzt. So müssen beispielsweise Stromkabel umgeplant und
die Belange von Schifffahrt, Offshore-Energie, Fischerei und Marine
koordiniert werden. Das werde zunehmen, heißt es aus der
Behörde aus dem Geschäftsbereich des Bundesministeriums für
Verkehr mit Sitz an der Elbe und in Rostock.
... und Störung der Navigation
Ebenfalls sehr relevant sind aktuell Störungen satellitengestützter
Navigation – Stichwort Jamming und Spoofing. Bei Jamming
geht es kurz gesagt um eine Störung: GNSS-Signale sind dann
nicht mehr verfügbar. Spoofing ist eine Täuschung: es wird eine
falsche GNSS-Position erzeugt. Derlei Störungen nehmen den
Angaben zufolge vor allem in der Ostsee spürbar zu – viele Beobachter
führen das auf Aktivitäten Russlands zurück. Gleichzeitig
gehört die Ostsee zu den am stärksten befahrenen Meeren
Europas. »Verlässliche Navigation ist entscheidend für sichere
Schifffahrt, stabile Lieferketten und den Schutz maritimer Infrastruktur«,
erklärte Jörg Kaufmann, Leiter der Abteilung Seeschifffahrt
beim BSH. Fallen Navigationssignale aus oder werden
verfälscht, hat das unmittelbare Folgen: Elektronische Seekarten
zeigen keine oder falsche Positionen an.
Das BSH entwickelt daher unter Leitung des Deutschen
Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit europäischen
Partnern im Projekt »Ormobass« ein ergänzendes
Navigationssystem. Kern ist der R-Mode, bei dem Funksignale
von Küstenfunkstellen genutzt werden, um die Position eines
In der Nordsee konkurrieren Schifffahrt, Offshore-Wind, Fischerei
und zunehmend auch die Marine um den knapper werdenden Platz
© BSH
Nach einer umstrittenen Auftragsvergabe baut die spanische Gondan-Werft
zwei Schiffe für das BSH
© BSH
16 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
Schiffes auch ohne Satellitendaten zu bestimmen. Erste Messkampagnen
auf der Ostsee mit dem BSH-Schiff »Deneb« zeigen
demnach vielversprechende Ergebnisse. Positionsbestimmungen
mit Genauigkeiten von 20 m am Tag seien bereits möglich,
nachts würden 50 bis 80 m erreicht. Weitere Tests sind geplant.
Damit soll ein zusätzliches, unabhängiges System entstehen, das
Navigation robuster macht.
Engagement für Deutsche Flagge
Gemeinsam mit der Dienststelle Schiffssicherheit der BG Verkehr
kümmert sich das BSH um die deutsche Flaggenstaatsverwaltung.
Sie ist seit Jahren Gegenstand intensiver Debatten zwischen
Reedern und Politik. Mittlerweile wird die deutsche Flagge
zunehmend als eine Frage der nationalen Souveränität betrachtet:
In Kriegszeiten kann es sein, dass deutsche Schiffe vom Staat
für Versorgungstransporte oder für die Verschiffung von militärischem
Gerät benötigt werden. »Versorgungssicherheit ist ohne
Seeschifffahrt nicht denkbar, dafür müssen resiliente Strukturen
aufgebaut werden. Mehr Schiffe unter deutscher Flagge sind nötig«,
betont Heegewaldt.
Kernthemen für die Stärkung der deutsche Flagge sind die Digitalisierung
sowie die Straffung der Organisation. Derzeit sind
drei Ministerien damit beschäftigt. »Wir sind in der konkreten Umsetzung
der Modernisierung«, sagt Kaufmann. Langfristiges Ziel
ist eine einheitliche Flaggenstaatsverwaltung. Einen konkreten
Zeitplan gibt es nicht. Eine komplette Umstellung in fünf Jahren
hält er für unwahrscheinlich. Übrigens: Heegewaldt geht auf die
Thematik ausführlich im HANSA-Podcast ein (siehe Info-Box).
Offshore-Energie sorgt für mehr Arbeit
Auch das Thema Offshore-Energie spielt eine Rolle für das BSH.
Die Nordsee wird zunehmend zum zentralen Baustein der europäischen
Energie versorgung. »In geopolitisch sehr herausfordernden
Zeiten erhöht Offshore-Energie die Resilienz Deutschlands«,
sagt Heegewaldt. Er sieht dabei positive Tendenzen und
verweist auf den »Nordseegipfel« im Januar in Hamburg. Dort
bekräftigten die Anrainer staaten ihre ehrgeizigen Ausbauziele für
die Offshore-Windenergie und vereinbarten Schritte für eine engere
Zusammenarbeit. Bis 2050 sollen in der gesamten Nordsee
300 GW Offshore-Leistung installiert werden. Davon etwa 100 GW
in grenzüberschreitenden Projekten durch gemeinsame Netzinfrastrukturen
und Offshore-Hubs. Eine solche Zusammenarbeit
birgt nach Ansicht von Heegewaldt »enormes Potenzial«.
Die Vernetzung von Windparks beschäftigt das BSH schon
lange. »Meeresflächen sind knapp, durch Kooperationen kann
Deutschland von Windenergie aus Nachbarländern profitieren.
Deshalb begrüßen wir die politische Entwicklung«, sagt auch Kai
Trümpler, Leiter der Unterabteilung Räumliche Planung im BSH.
Der Ausbau der Offshore-Windenergie hat nach Berechnungen
des BSH deutlich an Dynamik gewonnen. Seit der Inbetriebnahme
des ersten Offshore-Windparks »Alpha Ventus« im Jahr
2010 ist die installierte Leistung auf 10,2 GW gestiegen. Derzeit
entstehen fünf weitere Windparks mit 212 Anlagen und 2,9 GW.
Helge Heegewaldt im HANSA Podcast
BSH-Präsident Heegewaldt hat sich im
HANSA PODCAST Zeit genommen, ausführlich
über seine Sicht auf aktuelle
Entwicklungen und Herausforderungen zu
sprechen. Ab Mitte Mai wird die Episode zu
hören sein. Mit diesem QR-Code kommen
Sie direkt zur Folge. Heegewaldt spricht u.a. über die umstrittene
Auftragsvergabe für Schiffe an die spanische Gondan-Werft,
die deutsche Flagge und kritische Infrastruktur.
Digitale Seekarte wird konkreter
2026 hat der Übergang zur nächsten Generation der digitalen
Seekarte begonnen. Mit dem neuen S-100-Standard entwickelt
sich die elektronische Seekarte zu einem vernetzten System, das
deutlich mehr Informationen integriert und nahezu in Echtzeit
bereitstellt. Die Einführung erfolgt schrittweise; verpflichtend
wird der Standard für neue Navigationsanlagen ab 2029. Neu
ist vor allem das inhaltliche Spektrum: Strömungen, Wasserstände,
hochgenaue Tiefendaten sowie Informationen zu Offshore-
Windparks und Schutzgebieten werden in einer einheitlichen
Datenstruktur zusammengeführt. So soll ein realitätsnäheres Lagebild
auf der Brücke ermöglicht und die Navigations sicherheit
verbessert werden. Auch die Datensicherheit steigt, da die Systeme
Informationen verschlüsselt bis auf die Brücke übertragen.
Manipulationen sind damit praktisch ausgeschlossen. Erste Anwendungen
bewähren sich laut dem BSH bereits in der Praxis.
Seit Anfang 2026 ist das Angebot in allen deutschen Lotsrevieren
verfügbar. Lotsen berichten demnach von präziserer Einschätzung
des Navigations raums und spürbarer Entlastung im Alltag.
Weitere Aktivitäten und -Erkenntnisse
OceanEye: Mit 50 Mio. € soll die globale Ozeanbeobachtung gestärkt
und Datenlücken geschlossen werden – als Voraussetzung
für den geplanten digitalen Zwilling des Ozeans bis 2030. Das
BSH beteiligt sich an der Initiative »OceanEye«: Täglich verarbeitet
die Behörde etwa 500.000 Nahe-Echtzeit-Messwerte.
Deutschland finanziert bislang jährlich 50 autonome Messgeräte
im internati onalen Argo-Programm. Das BSH koordiniert
diesen Beitrag. Im Rahmen des Projekts »Awesome« stellt das
Bundesministerium für Forschung und Technologie 2026 zusätzliche
Mittel für zehn weitere autonome Tiefendrifter bereit.
Die Nordsee war 2025 an der Oberfläche so warm wie noch nie
seit Beginn der Messungen 1969: Mit durchschnittlich 11,6°C wurde
das langjährigen Mittel von 1997 bis 2021 um 0,9°C übertroffen.
Die Ostsee erlebte eines der wärmsten Jahre. Die Durchschnittstemperatur
lag bei 9,7°C (+1,1°C).
Der Eiswinter 2025/2026 hat deutlich gemacht, dass extreme
Kälteereignisse insbesondere in der Ostsee weiterhin auftreten.
Zum Teil wurden Eisdicken von bis zu 80 cm erreicht. In Küstengewässern
kam es teilweise zu erheblichen Einschränkungen
für die Schifffahrt.
MM
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
17
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
»Underinsured & overconfident?«
Schäden in der Schifffahrt folgen oft bekannten Mustern. Unterschätzt werden jedoch immer
wieder ihre betriebswirtschaftlichen Folgen – insbesondere dort, wo Selbstbehalte, Off-Hire und
Deckungslücken ins Spiel kommen
© Pixabay
© Pixabay
Maritime Versicherungen sollten von Eignern richtig gepflegt werden, sonst wird es teuer
»Das hatten wir noch nie.« In der maritimen Schadenpraxis ist
dieser Satz erstaunlich häufig zu hören – und selten ein gutes
Zeichen. Denn in der Schifffahrt sind Schäden nur selten wirklich
neu. Meist folgen sie bekannten Mustern: ein Maschinenschaden,
ein Elektronikdefekt, ein Brand im Maschinenraum, eine Kollision
oder eine Grundberührung. Der technische Auslöser mag im Einzelfall
variieren, die wirtschaftlichen Folgen ähneln sich jedoch oft.
Ein Blick in die Schadendaten stützt dieses Bild. Laut dem
»Safety & Shipping Review« von Allianz Commercial bleibt Maschinenversagen
weltweit die häufigste Ursache gemeldeter
Schifffahrtsvorfälle. Gleichzeitig haben Brände an Bord zuletzt
ein Zehnjahreshoch erreicht. Parallel zeigt der »Ocean Hull Report«
des norwegischen Versichererverbands Cefor, dass sowohl
die durchschnittlichen Schadenkosten als auch die Kosten
schwerer Maschinenschäden deutlich steigen. Schäden werden
also nicht nur registriert, sondern zunehmend kostspielig.
Trügerische Sicherheit
Aus Sicht eines Spezialversicherungsmaklers zeigt sich dabei
immer wieder ein strukturelles Muster: Risiken werden selten
grundsätzlich unterschätzt, wohl aber ihre konkrete Auswirkung
auf den eigenen Betrieb. Viele Reedereien und Ship Manager
verfügen über professionelle technische Organisationen
– und sind dennoch überrascht, wie schnell ein technisch überschaubarer
Schaden betriebswirtschaftlich relevante Dimensionen
annimmt.
Die Risikoforschung bietet dafür eine plausible Erklärung.
Menschen neigen dazu, negative Ereignisse für sich selbst als
weniger wahrscheinlich einzuschätzen als für andere. Dieser
Effekt ist als »Optimism Bias« bekannt. Hinzu kommt die sogenannte
»Illusion of Control«, also die Tendenz, die eigene
Fähigkeit zur Kontrolle komplexer Systeme zu überschätzen. In
Verbindung mit routinisierten Abläufen entsteht so leicht der
Eindruck, Risiken seien vollständig beherrschbar.
Menschlicher Faktor
Gerade in der Schifffahrt kann diese Wahrnehmung trügerisch
sein. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO)
betont seit Jahren die Bedeutung des »Human Element« für
die maritime Sicherheit. Der ISM-Code verlangt daher ausdrücklich
ein systematisches Sicherheitsmanagement und
nicht nur funktionierende Technik. Unfallanalysen zeigen
regelmäßig, dass organisatorische Faktoren, Arbeitsbelastung
oder Kommunikationsprobleme entscheidend dazu beitragen
können, dass aus technischen Abweichungen reale
Schäden entstehen.
Kosten unterhalb der Schwelle
Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang im Versicherungsalltag.
Versicherungsschutz wird häufig noch vom sel-
18 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
Das eigentliche Risiko liegt weniger
im einzelnen Defekt als in der strukturellen
Verwundbarkeit des Systems.
tenen Großschaden her gedacht. Die wirtschaftlich relevante
Belastung entsteht jedoch meist darunter: innerhalb der Selbstbehalte,
bei Reparaturnebenkosten, verlängerten Werftaufenthalten
und Off-Hire-Zeiten. Genau dort wird aus einem technischen
Ereignis ein betriebswirtschaftlicher Effekt.
Hinzu kommen veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Ersatzteile, Spezialreparaturen und Werftkapazitäten sind
deutlich teurer geworden. Auch Cefor weist in seinen Marktanalysen
darauf hin, dass die Schadeninflation im Marinegeschäft
dazu führt, dass Schäden schneller über vereinbarten Selbstbehalten
liegen. Damit verschiebt sich die ökonomische Logik
vieler Versicherungsprogramme.
Deckungslücken im System
Unterversicherung zeigt sich heute daher häufig nicht in einer
zu niedrigen Versicherungssumme, sondern in strukturellen Deckungslücken
zwischen technischem Schaden und wirtschaftlicher
Wirkung. Besonders sichtbar wird dies bei Hull-&-Machinery-Selbstbehalten:
Was aus Underwriting-Sicht eine effiziente
Risikoteilung darstellt, kann aus Unternehmenssicht für Reedereien
und Ship Manager zu erheblicher Ergebnisvolatilität führen.
Besonders schmerzhaft ist dies letztlich für die Anteilseigner
der Schiffe.
Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Elektronikschäden.
Moderne Schiffe sind hochgradig digitalisierte Systeme. Navigationsanlagen,
Kommunikationssysteme, Brückenequipment
und Maschinensteuerungen sind integrale Bestandteile des
Schiffsbetriebs. Dennoch werden Ausfälle in diesem Bereich in
der Praxis häufig unterschätzt, obwohl sie unmittelbare Auswirkungen
auf Sicherheit, Reparaturdauer und Betriebskosten
haben können.
Zeitverlust als Risiko
Noch deutlicher wird die wirtschaftliche Dimension beim Thema
Loss of Hire. Sowohl nach den deutschen ADS-Bedingungen als
auch in internationalen Marktstandards – etwa im Nordic Marine
Insurance Plan oder in typischen Lloyd’s-Wordings – knüpft
die Deckung grundsätzlich an einen physischen Schaden am
Schiff an, der unter der Kaskoversicherung ersatzfähig wäre.
Entscheidend ist also nicht in erster Linie die Höhe des Schadens,
sondern der Umstand, dass ein H&M-relevantes Ereignis
vorliegt.Selbst Schäden innerhalb des H&M-Selbstbehalts
können damit Auslöser eines versicherten Zeitverlusts werden.
Der technische Schaden bildet lediglich den Ausgangspunkt,
die eigentliche wirtschaftliche Belastung entsteht durch den
Verlust von Einsatzzeit und Einnahmen.
Einzelfall oder Muster
Gerade hier zeigt sich, wie wichtig der Blick vom Einzelfall auf
das Muster ist. In der Schadenbearbeitung wiederholen sich
bestimmte Abläufe auffallend häufig: ein zunächst überschaubar
wirkender Maschinenschaden, ein verlängerter Werftaufenthalt
aufgrund zusätzlicher Befunde oder verzögerter
Ersatzteilverfügbarkeit, anschließend Off-Hire sowie Diskussionen
über Kausalität, Dauer und Dokumentation des Zeitverlusts.
Der Erstschaden ist dabei meist nur der Auslöser einer
längeren Ereigniskette. Das eigentliche Risiko liegt weniger im
einzelnen Defekt als in der strukturellen Verwundbarkeit des
Systems.
Internationale Unfall- und Schadensanalysen kommen zu
einem ähnlichen Befund. Untersuchungen der IMO zeigen regelmäßig,
dass viele Schadensereignisse nicht isoliert auftreten,
sondern Teil wiederkehrender Muster sind – etwa im Zusammenspiel
von Technik, Organisation und operativem Entscheidungsverhalten.
Der Einzelfall ist daher selten nur ein Einzelfall.
Häufig ist er ein Hinweis auf strukturelle Zusammenhänge innerhalb
eines Flottenbetriebs.
Konsequenzen für die Praxis
Für Flottenmanagement und Risikosteuerung ergeben sich daraus
mehrere Konsequenzen. Erstens braucht es eine realistische
Deductible-Strategie, die nicht nur Prämien optimiert, sondern
zur tatsächlichen Risikotragfähigkeit des Unternehmens passt.
Zweitens sollten technische, operative und versicherungsseitige
Informationen enger zusammengeführt werden. Entscheidend
ist dabei unter anderem, welche Schadenarten wie häufig auftreten
– auch innerhalb der Selbstbehalte, wo sie klassischerweise
lediglich als Reparaturkosten verbucht werden. Ebenso
relevant ist, wo Kosten schneller steigen als erwartet und welche
Ereignisse sich besonders stark auf Verfügbarkeit und Charterperformance
auswirken. Drittens muss Schadenanalyse bewusst
gegen kognitive Verzerrungen organisiert werden. Sätze
wie »Das hatten wir noch nie« oder »Das ist nur ein kleiner Ausfall«
sind selten analytische Aussagen, sondern meist Ausdruck
eines psychologischen Filters.
Leise Selbstüberschätzung
Darin könnte eine zentrale Erkenntnis für die Branche liegen.
Overconfidence zeigt sich selten spektakulär. Sie entsteht schleichend
– in Routinen, Gewöhnung und in der Annahme, dass
das eigene System den nächsten Schaden schon tragen wird.
Gerade deshalb ist der Satz »Das hatten wir noch nie« in der
Schifffahrt so teuer. Am Ende zahlen häufig die Anteilseigner der
Schiffe die Zeche – teurer, als es bei einem realistischeren Umgang
mit Risiken nötig gewesen wäre.
Autor:
Sebastian Heithoff
HB Marine Insurance
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
19
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
Deutsche Schiffsausrüster setzen auf
Anpassung und Flexibilität
Kaum ein Thema beschäftigt die maritime Wirtschaft derzeit so sehr wie die (geo-)politischen
und militärischen Entwicklungen rund um den Globus. Das gilt auch für den Verband Deutscher
Schiffsausrüster, wie Geschäftsführer Jens Pfeiffer erläutert. Generell sei man im internationalen
Wettbewerb aber sehr gut aufgestellt
Wie blicken Sie als Verband auf die Entwicklungen der vergangenen
Wochen und Monate?
Jens Pfeiffer: Die Entwicklungen der vergangenen Wochen
und Monate sind dramatisch, verwirrend und immer wieder
überraschend. Das Bittere und gleichzeitig Gute ist, dass
wir alle uns schon in den letzten Jahren an kaum vorhersehbare
oder zumindest unwahrscheinliche Extremereignisse
mit starkem Einfluss auf die Weltwirtschaft, die Schifffahrt
und somit auch die Schiffsausrüstung gewöhnen mussten.
Seit dem »Brexit« und »Trump I« wissen wir, dass kaum
etwas unmöglich ist. Mit der Corona-Pandemie und dem
schlimmen Angriff Russlands auf die Ukraine wurden wir
alle noch viel stärker auf die Probe gestellt. Leider wurde es
seither nicht einfacher, sondern allenfalls noch schlimmer.
Natürlich ist vor allem das Leid der direkt betroffenen Mitmenschen
entsetzlich und Ihnen gilt unser volles Mitgefühl.
Die wirtschaftlichen Folgen scheinen dagegen zweitrangig.
Aber mit diesen müssen wir uns auseinandersetzen.
Wie zeigt sich das konkret?
Pfeiffer: Den Schiffsausrüstern kommt zugute, dass Flexibilität
und das Finden von Adhoc-Lösungen für besondere
Herausforderungen Bedingungen für den Geschäftserfolg
sind. Verspätete Schiffe, eine plötzlich veränderte Versorgungslage,
kurzfristig auftauchende rechtliche Änderungen
und weitere Herausforderungen gehören für uns zum
Alltag. So können sich die erfolgreichen Unternehmen in
der Regel stets gut anpassen.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass wir Schiffsausrüster
und unser Verband die umstrittenen Kriege aufs Schärfste
verurteilen und sehr kritisch auf jede Einschränkung
des freien Handels auf See blicken. Hier stehen wir gemeinsam
an der Seite befreundeter Verbände wie dem
Verband Deutscher Reeder (VDR) und dem Verband für
Schiffbau und Meerestechnik (VSM). Da ein sehr großer Teil
der deutschen Wirtschaft vom Seetransport und somit der
gesamten maritimen Industrie abhängig ist, setzen wir uns
gemeinsam für freie Seewege und die Sicherheit aller Seeleute
und Schiffe ein.
Jens Pfeiffer
Vorsitzender beim Verband Deutscher Schiffsausrüster
Inwiefern sind die deutschen Schiffsausrüster von sicherheitsrelevanten
Themen konkret betroffen?
Pfeiffer: Sicherheitsrelevante Themen spielen in vielerlei
Hinsicht eine Rolle für Schiffsausrüster. Zum Beispiel verändern
sie manchmal sehr schnell die Lieferbedingungen
bei der kurzfristigen Versorgung von Seeschiffen. Preisschwankungen
treffen unsere Mitgliedsunternehmen auch
besonders hart, weil die Kalkulationen und Margen eher
knapp sind. Andererseits bieten sich auch immer Chancen.
Neue Anforderungen gehen oft mit neuen Bedürfnissen
der Schiffsmanager und Reedereien einher, die Schiffsausrüster
mit ihrer Erfahrung und Flexibilität gut lösen können.
Als beispielsweise vor einigen die Piraterie in einigen
Teilen der Welt ausuferte, waren einfache Schutzmöglichkeiten
gefragt, die teilweise kurzfristig benötigt wurden.
Hier konnten einige Mitglieder unseres Verbandes schnell
tolle Lösungen anbieten.
Steigt dadurch nicht auch das Risiko?
Pfeiffer: Ein weiterer Punkt bezüglich der Sicherheitslage
ist natürlich die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter und
© VDS
20 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
Assets eines Schiffsausrüsters. Beispielsweise müssen
auch die Schiffe, die aktuell im Persischen Golf gefangen
sind, irgendwie mit Proviant und dem Notwendigsten
versorgt werden. Dafür müssen Schiffsausrüster besondere
Vorkehrungen treffen und selbst Risiken eingehen.
Aber auch das gehört zur DNA der Ausrüster.
Unabhängig von den anspruchsvollen politischen Rahmenbedingungen
gilt es, die technologischen Entwicklungen
im Blick zu behalten – Stichwort Digitalisierung. Welche
Themen haben Sie diesbezüglich derzeit weit oben auf der
Agenda?
Pfeiffer: Wie überall spielt natürlich künstliche Intelligenz
eine zentrale Rolle bei der notwendigen Weiterentwicklung
der Dienstleistungen. Viele Tätigkeiten bei
Schiffsausrüstern können durch KI sehr gut erleichtert
und unterstützt werden. Dennoch bleiben Teile des Gesamtprozesses
und des Kernjobs sehr anspruchsvoll und
wenig standardisiert. Hier sind weiterhin Ausbildung, Erfahrung
und Flexibilität gefragt.
Gleichzeitig muss die Regulatorik beachtet werden ...
Pfeiffer: Ja, es gibt immer wieder neue gesetzliche Anforderungen,
die in den Prozessen und folglich in der
elektronischen Abwicklung mit IT-Systemen wir ERP-Systemen
abgebildet werden müssen. Weil Schiffsausrüstung
zollrechtlich analog zum Export abgewickelt wird,
gelten immer besondere Regeln. Da gleichzeitig die Produktpalette
eines klassischen Schiffsausrüsters nahezu
unbegrenzt ist, müssen die Mitgliedsunternehmen und
der Verband die Regulatorik in sehr vielen Bereichen betrachten,
zum Beispiel EU- oder – je nach Kunde – auch
US-Vorschriften bei Nahrungsmitteln, nationale und internationale
Exportkontrollvorschriften, Gefahrgutthemen
und vieles mehr.
Spielt die Entwicklung der Technik an Bord eine große Rolle?
Pfeiffer: Ja, ein dritter Bereich in diesem Zusammenhang
sind neue Produkte auf Schiffen. Sie verändern ständig
auch die Produktpalette der Schiffsausrüster, insbesondere
im technischen Bereich. Seit beispielsweise alle
Schiffe Systeme zur Ballastwasserbehandlung nachrüsten
mussten, gibt es auch an Schiffsausrüster ständige
Nachfragen nach Ersatzteilen und Services, die nicht immer
durch die Hersteller überall auf der Welt zufriedenstellend
beantwortet werden können.
Unterm Strich: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen
für Ihre Mitglieder?
Pfeiffer: Aktuell sind die Energiepreise und die sich wieder
verschlechternde allgemeine Lieferketten-Situation
sicherlich sehr große Herausforderungen. Ebenso führen
die große Zahl der Schiffe, die mit unbekannter Dauer im
Persischen Golf festhängen sowie die neue Unsicherheit
auf wichtigen Seewegen, die auch die für Schiffsausrüster
extrem wichtige Kreuzfahrtindustrie negativ beeinträchtigt,
zu Problemen, die nicht einfach zu lösen sind.
Und welche Chancen/Potenziale bieten sich?
Pfeiffer: Chancen bieten sich bei allen neuen technologischen
Entwicklungen sowie anderen positiven Veränderungen,
bei denen wir an der Seite unserer Kunden neue
Lösungen entwickeln oder unterstützen können. Wie gesagt,
die größten Stärken unserer Mitglieder sind Flexibilität
und Anpassungsfähigkeit. Dadurch bieten sich nahezu
allen Veränderungen stets auch Chancen.
Wie sehen Sie die deutschen Schiffsausrüster im internationalen
Wettbewerb aufgestellt – Konkurrenz gibt es sicherlich
unter anderem aus Nordamerika und Asien?
Pfeiffer: Die deutschen Schiffsausrüster unterscheiden
sich in punkto Qualität von Service und Produkten vom
Wettbewerb aus Asien. Nordamerika ist ein spezieller
Markt, der besonders durch die Kreuzfahrtindustrie geprägt
ist. Aber auch hier sind deutsche Ausrüster beliebt,
einerseits aufgrund der genannten Eigenschaften,
andererseits auch, weil viele Schiffe immer noch einen
großen Anteil technischer Ausrüstung und Anlagen aus
Deutschland verbaut haben. So haben die deutschen
Schiffsausrüster international eine sehr starke Position,
die allerdings durch ständige Weiterentwicklung, auch
im technologischen Bereich und bei den eigenen Prozessen,
stetig verteidigt werden muss.
Aus anderen maritimen Branchen wird immer wieder eine –
politisch-bedingte – mangelnde Wettbewerbsgleichheit moniert.
Gilt das auch für Schiffsausrüster? Und falls ja: Was ist
aus Ihrer Sicht zu tun, um die Situation zu verbessern?
Pfeiffer: Aus oben genannten Gründen haben deutsche
Schiffsausrüster auch international eine starke Position
und sind sehr wettbewerbsfähig. Allerdings sind die
politischen Rahmenbedingungen für unsere Mitglieder
wichtig. Hier hat der VDS eine zentrale Aufgabe, nämlich
den ständigen Einsatz für genau diese notwendigen Bedingungen
eines fairen internationalen Wettbewerbs. Die
erwähnten umfangreichen Regularien, die für Schiffsausrüster
relevant sind, werden ständig verändert. Teilweise
wird in Berlin oder Brüssel aktiv gegen Privilegien agiert,
meist aus Unwissenheit über die Hintergründe bestimmter
Regeln oder Ausnahmen von Regeln. Dann wird der
Verband tätig und geht in den Austausch mit entsprechenden
Behörden. In vielen Fällen können dann sinnvolle
Ergänzungen oder Streichungen erreicht werden. Gleichzeitig
ist die Gesamtsituation der maritimen Branche, des
Schiffbaus und der Schifffahrt in Deutschland, in der EU
und weltweit für unsere Mitglieder wichtig. Und hier gibt
es bei der Wettbewerbsfähigkeit große Herausforderungen,
die wir eng beobachten und gemeinsam mit unseren
befreundeten maritimen Verbänden begleiten, um die
Position der deutschen maritimen Industrie zu optimieren.
Schifffahrt und die maritime Industrie sind nicht nur
wichtige Wirtschaftszweige in Deutschland, sondern, wie
wir aktuell wieder dramatisch vorgeführt bekommen, in
höchstem Maße sicherheitsrelevant.
Interview: Michael Meyer
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
21
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
HullPIC 2026: From fluffy data clouds
to actionable insights
At the 11th Hull Performance & Insights Conference (HullPIC), experts from vessel operators
and service providers met in Certosa di Pontignano, Italy, to learn and discuss the latest
developments in the field of Hull & Propeller Performance Management
»Life is what happens to you while
you‘re busy making other plans,« John
Lennon once said. In a similar way, vessel
fouling is not something that is actively
planned or scheduled. It develops
when biological and operational conditions
are favorable for it, often gradually
and unnoticed, yet with a measurable
impact on hull performance. This
impact can be seen visually by cameras
underwater but also be found in hull
and propeller monitoring processes.
For more than a decade, the HullPIC
conferences have facilitated active
discussions around these topics, connecting
experts from shipping companies
with paint makers and service
providers, underwater service providers
and other interested stakeholders.
»For many returning participants,
HullPIC feels like a class excursion to
remarkable places: a group of familiar
faces, brought together each time under
the guidance of Volker,« said Malte
Mittendorf from Danish shipping giant
Maersk.
After MEPC 82 voted to delay the
adoption of the Net-Zero Framework
in October 2025, the focus of many
shipping companies shifted from regulatory
compliance back toward operational
efficiency. »My impression is that
we are pretty much back to phase of
›business as usual‹ due to regulatory
uncertainty,« noted Carsten Maniche
of Navigator Gas. This sentiment was
echoed by the conference survey, in
which more than 90 % of respondents
said they do not expect the IMO Net-
Zero Framework to be adopted before
2028.
For many shipping companies, operational
performance improvements remain
one of the low hanging fruits, and
propulsion performance is a key driver.
Savings can be achieved through better
operation, selecting the right technologies
and maintaining a reasonably
clean hull. Yet, all of this depends on
one foundation: reliable data. As Pieter
Smit from Sofar Ocean put it: »To get
© Marioth
The expert met in Certosa di Pontignano, Italy
22 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
vessel performance right and to get
the accuracy we want, we have to get
it right about the measurements.« He
presented how weather measurement
buoys can significantly improve the
quality of weather data used for voyage
optimization.
AI alone will not deliver
reliable results
With better input data available, the next
question is how to process it. At HullPIC,
there was broad agreement that Artificial
Intelligence alone will not deliver reliable
results. Instead, hybrid models combining
supervised learning with physicsbased
understanding are currently seen
as the most promising direction. The difficulty
is that there is still little consensus
on how to apply these methods. Casimir
Morobe from Toqua noted: »We agree at
HullPIC that vessel performance analysis
and modelling are important. Actually,
instead of debating the best approach,
we should develop a standard to validate
how well an approach works,« suggesting
that a dedicated working group
could help move the topic forward.
The lack of consensus does not remain
a purely technical issue between
service providers. It becomes very tangible
when results are discussed between
suppliers and customers, where the
value of performance analysis depends
heavily on transparency. As Morten Sten
Johansen of paints and coatings specialis
Jotun pointed out. »Speed loss percentage
of a vessel can become a numbers
game when the models and correction
methods are not disclosed.« His remark
highlights a growing call within the community
to revisit ISO 19030, the threepart
international standard governing
the measurement of hull and propeller
performance changes, which has remained
unchanged since its publication in
November 2016. Johansen also emphasized
the need for third party verifications
of the analysis to ensure transparency
and quality of the used data.
Similar challenges appear when moving
into newer technology areas. In
the context of Wind Assisted Propulsion
Systems, international assessment standards
are still not fully harmonized. As a
70,0%
60,0%
50,0%
40,0%
30,0%
20,0%
10,0%
0,0%
How important are regular visual hull inspections for vessel performance management?
Essential – data alone is
insufficient
result, independent verification and validation
remain key to ensuring robust and
comparable quantification of retrofit performance.
Sofia Werner from Sweden‘s
independent government research institute
Rise summed it up well: »Continuous
measurement of the achieved savings by
WAPS is possible and there are several
ways to do it; having an independent lens
on the data matters a lot though.«
Data alone is not sufficient
without physical verification
This »independent lens« is not only about
models and algorithms. In practice,
it often comes down to combining data
with direct observation. The conference
survey showed that regular visual hull inspections
are an important element for
vessel performance management, with
around 59 % rating them as »important«
and a further 30 % stating them as essential
as data alone is not sufficient without
physical verification. Visual footage
of the hull, used to assess hull conditions
and track cleaning efficiency, adds significant
value.
Elkan Moses from Tui Cruises concluded
pragmatically: »Which model or approach
you use, whether it is blue, yellow
or red, does not matter. The important
thing is how insightful it is for your practical
work.« Ultimately, it is not the analysis
that saves fuel, but the better decisions
taken based on it. There are signs that the
industry is moving in the right direction
and Martin Köpke from Hapag-Lloyd confirmed
»we see in the quality of our decision-making
that we are improving and,
as it is a data-based process, we can also
determine how much we are improving.«
Important Useful but optional Not important
Shipping Company Paint Supplier Service Provider Other
Progress rarely comes in big leaps.
In the historic records of the Certosa di
Pontignano, one can still find the transition
from Roman numerals to Arabic numbers,
from MCDXCIV to 1495, reflecting a
shift that took almost 300 years to be widely
adopted. A small change on paper,
but one that fundamentally improved
how numbers were handled. In a similar
way, vessel performance management
is evolving step by step. Methods improve,
data quality increases, and decisions
become more robust. Not overnight, but
continuously.
Those who want to explore the conference
topics further can access the proceedings,
once again freely available via
the QR code below. And the story continues:
The next HullPIC will take place in
Tutzing/Germany, in April 2027.
Proceedings
Author:
Richard Marioth
Idealship
Those who want to explore the
conference topics further can
access the proceedings, once again
freely available via the QR code
below. And the story continues:
The next HullPIC will take place in
Tutzing/Germany, in April 2027.
© Marioth
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
23
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
EMSA mahnt Sicherheitsrahmen für
Ammoniak und Co. an
Die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (EMSA) sieht beim Einsatz
alternativer Kraftstoffe in der Schifffahrt weiter erheblichen Handlungsbedarf
Methanol ist nach Darstellung der Agentur
bereits weiter im Markt angekommen.
Der Kraftstoff wird schon in vorläufigen
IMO-Richtlinien behandelt, die mit
wachsender Betriebserfahrung weiterentwickelt
werden sollen. Die EMSA begleitet
dies mit Untersuchungen zu synthetischen
Kraftstoffen wie E-Methan
und E-Methanol sowie mit Bunkerleitlinien,
die auch Biomethanol einschließen.
Der regulatorische Rahmen ist hier
weiter, aber noch nicht abgeschlossen.
Breiter Wandel
Die »Höegh Aurora« wird primär durch einen Dual-Fuel-Motor (MEGI-Motor) angetrieben, der mit
Flüssigerdgas (LNG) betrieben wird, aber auch mit Marinediesel betrieben werden kann
Mit Blick auf die Klimaziele des Green
Deal muss der Seeverkehr neue Kraftstoffe
und Antriebstechnologien einführen,
ohne Abstriche bei der Sicherheit
zu machen. Genau hier setzt der »Europäische
Bericht über die Sicherheit des
Seeverkehrs 2025« an. Die EMSA betont,
dass neue Energieträger teils erhebliche
Risiken mit sich bringen und
deshalb robuste Schutzmaßnahmen
sowie inhärent sicherere Schiffsentwürfe
erfordern. Die Dekarbonisierung der
Schifffahrt ist aus Sicht der Behörde damit
nicht nur eine technologische und
regulatorische, sondern ausdrücklich
auch eine sicherheitsrelevante Aufgabe.
Ammoniak
Besonders deutlich wird die Agentur
beim Thema Ammoniak. Der Kraftstoff
gilt als Option für eine emissionsärmere
Schifffahrt, befindet sich laut EMSA aber
noch in einem frühen Entwicklungsstadium;
kommerzielle Anwendungen gebe
es bislang nicht. Zugleich verweist die
Behörde auf erhebliche Bedenken wegen
der Toxizität. Die IMO hat 2024 zwar
vorläufige, unverbindliche Richtlinien
genehmigt, doch sieht die EMSA weiterhin
Analysebedarf und hat dazu eigene
Studien vorgelegt.
Wasserstoff
Auch bei Wasserstoff sieht die EMSA
weiteren Handlungsbedarf. Zwar fällt
der Energieträger grundsätzlich unter
den IGF-Code, doch fehlen laut Bericht
bislang spezifische Vorgaben, die seinen
besonderen Eigenschaften Rechnung
tragen. Die Agentur verweist vor
allem auf hohe Entflammbarkeit und Explosionspotenzial.
Unverbindliche IMO-
Richtlinien für wasserstoffbetriebene
Schiffe werden erst 2026 erwartet.
Methanol
© Höegh Autoliners
Der Bericht ordnet die Debatte in einen
größeren technologischen Wandel ein.
So hat sich die Zahl der weltweit mit LNG
ausgerüsteten Schiffe ohne LNG-Tanker
zwischen 2019 und 2023 mehr als verdreifacht;
34 % dieser Schiffe verkehren
in Europa. Für Biokraftstoffe sieht die
EMSA keine grundsätzlich größeren
Sicherheitsbedenken als bei fossilen
Kraftstoffen, verweist aber auch hier auf
Standardisierungsbedarf beim Bunkern.
Technologien im Fokus
Daneben rückt die EMSA weitere Technologien
in den Fokus. Brennstoffzellen
werfen unter anderem wegen möglicher
Leckagen zusätzliche Sicherheitsfragen
auf. Für Batteriespeichersysteme
an Bord fehlen laut Bericht weiterhin
internationale Standards; die EMSA veröffentlichte
deshalb 2023 erste unverbindliche
Leitlinien, insbesondere für Lithium-Ionen-Batterien.
Auch Landstrom
gilt wegen der Schnittstellen zwischen
Schiff und Hafen als sicherheitsrelevant.
Die Stoßrichtung des Berichts ist eindeutig:
Die maritime Energiewende
braucht aus Sicht der EMSA nicht nur Innovationen
und Investitionen, sondern
auch einen belastbaren Sicherheitsrahmen.
Gerade bei Ammoniak und Wasserstoff
sieht die Behörde noch erheblichen
Konkretisierungsbedarf, bevor
diese Kraftstoffe im größeren Maßstab
an Bord eingesetzt werden können. JWY
24 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Yanmar lässt Wasserstoffmotor zertifizieren
ClassNK hat dem japanischen Technologie-Hersteller für einen wasserstoffbetriebenen
4-Takt-Motor die für den nächsten Projektschritt nötigen Zertifikate ausgestellt
Dieser 4-Takt-Motor von Yanmar wurde
von ClassNK zertifiziert
© Yanmar Power Solutions
Der japanische Hersteller Yanmar Power
Solutions hat für einen wasserstoffbetriebenen,
pilotgezündeten 4-Takt-Hochgeschwindigkeitsmotor
die erforderlichen
Zertifikate für den nächsten Projektschritt
erhalten. Von der Klassifikationsgesellschaft
Nippon Kaiji Kyokai (ClassNK)
erhielt das Unternehmen sowohl eine
Baumusterzulassung als auch ein NOx-
Zertifikat. Nach Angaben von Yanmar ist
es damit der erste Motorenhersteller in
Japan, dem für einen solchen Motor beide
Nachweise erteilt wurden.
Die Zertifizierung bezieht sich auf ein
Stromerzeugungsaggregat für japanische
Küstenschiffe. Entwickelt wird es
im Rahmen des Projekts »Zero Emission
Ships« der Nippon Foundation.
Ziel des Programms ist es, wasserstoffbetriebene
Schiffe und die dafür
notwendige Technik voranzubringen.
Wie aus der Mitteilung hervorgeht, hatte
Yanmar die landgestützten Demonstrationstests
bereits 2025 weitergeführt.
Dabei kam neben Wasserstoff auch
eine geringe Menge Hydrotreated Vegetable
Oil (HVO) als Pilotkraftstoff zum
Einsatz.
Nach Prüfungen durch ClassNK erhielt
Yanmar im Oktober 2025 zunächst
die Baumusterzulassung, im Dezember
folgte das NOx-Zertifikat. Beide Nachweise
gelten als Voraussetzung für die
nächste Projektphase. Die zertifizierte
Motorausführung wird vom Unternehmen
als »Electronically Controlled Gas
Only Engine (Hydrogen)« bezeichnet. Im
nächsten Schritt sollen zwei dieser Wasserstoffmotoren
zusammen mit der erforderlichen
Peripherie auf einem japanischen
Küstenschiff installiert werden. Die
Demonstrationsfahrten sind für Herbst
2026 vorgesehen.
Teil eines größeren
Schiffskonzepts
Das Vorhaben ist in ein umfassenderes
Entwicklungsprojekt eingebettet. Yanmar
arbeitet innerhalb des Konsortiums nicht
nur an dem Wasserstoffmotor selbst,
sondern auch an einem hybridelektrischen
Schiffskonzept. Vorgesehen ist
eine Kombination aus einem wasserstoffbetriebenen
Generator und Batteriesystemen.
Zudem soll ein containerisiertes
Wasserstoff-Stromerzeugungssystem
auf dem Oberdeck untergebracht werden.
Für Entwicklung und Bau des Schiffs
ist Uyeno Transtech verantwortlich, eine
Reederei der Uyeno Group. Das Projekt
umfasst damit sowohl die Antriebstechnik
als auch deren Integration in ein konkretes
Schiff für den Küstenverkehr. ■
Ich will einen BEN.
BEN ist Spezialist für maßgearbeitete
Elektromotoren für die Schifffahrtsbranche,
von der Ankerwinde bis zum Hybridantrieb.
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© Yanmar
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Quality made in Germany. Since 1931.
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
»Die Schifffahrt ist für uns ein stark
wachsendes Geschäftsfeld«
Menzel Elektromotoren setzt auf maßgeschneiderte Antriebslösungen für anspruchsvolle
Industrieanwendungen weltweit. Geschäftsführer Mathis Menzel spricht über Energieeffizienz,
Wachstum und die Rolle des Familienunternehmens im internationalen Markt
Herr Menzel, welchen Stellenwert hat
die Schifffahrt heute im Geschäft Ihres
Unternehmens?
Mathis Menzel: Die Schifffahrt ist für
uns ein stark wachsendes Geschäftsfeld.
Historisch waren wir vor allem in
der klassischen Schwerindustrie tätig.
Durch die immer größer werdenden
Schiffsmotoren und die zunehmende
Elektrifizierung ist die maritime Anwendung
jedoch in den vergangenen
20 Jahren zunehmend in unser Produktportfolio
hineingewachsen. Seitdem
verzeichnen wir hier ein kontinuierliches
Wachstum.
Für welche konkreten Anwendungen an
Bord liefern Sie derzeit am häufigsten
Elektromotoren?
Menzel: Am häufigsten liefern wir Motoren
für Bugstrahlruder, gefolgt von
großen Pumpenanwendungen, etwa
im Bereich Feuerlöschsysteme oder
auf Dredgern. Mittlerweile realisieren
wir auch mehr und mehr Hauptfahrantriebe.
Entfallen Ihre maritimen Projekte überwiegend
auf Neubauten oder auf Retrofit-
und Ersatzlösungen im Bestand?
Menzel: Historisch waren wir – auch
dank unseres sehr großen Lagerbestands
und unserer schnellen Lieferfähigkeit
– stark im Retrofit- und Ersatzgeschäft
dabei. Insbesondere im
Bereich oberhalb der Normmotoren,
also in der Regel über 300 kW, verfügen
wir über einen weltweit nahezu
einzigartigen Lagerbestand.
Dadurch können wir häufig sehr
kurzfristig Lösungen anbieten. Seit
etwa zehn Jahren sind wir auch zunehmend
in Neuprojekten aktiv,
die wir natürliche genauso gern
bedienen.
Mathis Menzel
Geschäftsführer bei Menzel Elektromotoren
Welche technischen Besonderheiten
unterscheiden maritime Elektromotoren
von industriellen Standardantrieben?
Menzel: Wenn Sie an Land hochwertige
Motoren für anspruchsvolle Anwendungen
bauen, sind die Unterschiede
gar nicht so groß. Verglichen mit maritimen
Anwendungen, spielen Gewicht
und Volumen an Bord eines Schiffes
eine deutlich größere Rolle als in stationären
Industrieanlagen.Ansonsten
sind viele Anforderungen vergleichbar.
Beispielsweise sind die Anforderungen
an den Korrosionsschutz in einer Chemiefabrik
durchaus mit denen an Bord
eines Schiffes vergleichbar.
Welche Rolle spielen Schutzarten, Kühlkonzepte
und Korrosionsschutz bei der
Auslegung Ihrer Motoren?
Menzel: See- und Landanwendungen
sind hier sehr ähnlich: es gibt keine
pauschale Standardlösung bei uns. Für
jede Anwendung finden wir gemeinsam
mit dem Kunden die passende
© Pradella/ Menzel
Ausführung. Genau darin liegt unser
Mehrwert als mittelständisches Unternehmen.
Wir hören unseren Kunden
zu und entwickeln die technisch und
wirtschaftlich bestmögliche Lösung
für den jeweiligen Einsatzfall.
In welchem Umfang beeinflussen Klassifikationsgesellschaften
Konstruktion,
Dokumentation und Tests?
Menzel: Auf Konstruktion und Dokumentation
haben Klassifikationsgesellschaften
aus unserer Sicht vergleichsweise
wenig Einfluss – hier sind
erfahrene Kunden und unsere eigene
technische Expertise häufig deutlich
strenger. Bei Tests hingegen ist der
Einfluss sehr groß, weil sie für die Abnahme
vorgeschrieben sind. An Land
sind vergleichbare Abnahmen nicht
zwingend erforderlich – selbstverständlich
halten wir aber auch dort alle
Vorgaben und vereinbarten Leistungswerte
ein.
Welche Bedeutung hat Ihr Lastprüffeld
in Hennigsdorf für maritime Kunden und
Abnahmen?
Menzel: Eine sehr große! Es ist für den
Kunden zwar wichtig, dass wir kurzfristig
einen passenden Großmotor
liefern können, ohne die entsprechende
Abnahme durch die Klassifikationsgesellschaft
ist ein Einsatz ja aber nicht
möglich. Wir sind hier sehr flexibel und
schnell; Terminabstimmungen hängen
in der Regel eher von der Verfügbarkeit
des Surveyors als von unserer Seite
ab. Wir verfügen beispielsweise auch
über ein Winkelgetriebe, mit dem wir
vertikale Motoren – wie sie typischerweise
bei Bugstrahlrudern eingesetzt
werden – auch in vertikaler Einbaulage
unter Last prüfen können. Das ermöglicht
natürlich eine deutlich realisti-
26 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
schere Messung als eine horizontale
Testaufstellung.
Können Sie ein aktuelles Projekt nennen,
das exemplarisch für Ihre Arbeit im Marinebereich
steht?
Menzel: Ein Projekt, das exemplarisch
für unsere Arbeit im Marinebereich
steht, war die Lieferung von zwei Motoren
für einen norwegischen Kunden,
die in einem Azimuth Thruster eingesetzt
werden. Die besondere Herausforderung
bestand darin, dass die
Motoren nach den Vorgaben zweier
Klassifikationsgesellschaften – BV
und DNV – ausgeführt werden mussten.
Die Aggregate haben jeweils zwei
Flansche, einen auf der A-Seite und
einen auf der B-Seite. Aufgrund der hohen
Kräfte, die durch die Krängung des
Schiffes auf das Motorgehäuse wirken,
haben wir eigens ein neues Gehäuse
konstruiert, um diesen mechanischen
Belastungen dauerhaft standzuhalten.
Ein anderes Beispiel ist die Lieferung
von zwei wassermantelgekühlten Motoren
an einen italienischen Kunden
mit Rina-Abnahme. Hier lag der Fokus
insbesondere auf der Schwingungsfestigkeit.
Für eine italienische Werft fertigen
wir eine Reihe von Motoren mit
unterschiedlichen Lieferterminen über
einen Zeitraum von rund 18 Monaten.
Um Kosten und Prozesse zu optimieren,
haben wir alle Aggregate gemeinsam
produziert und geprüft. Der Kunde ruft
die Motoren nun entsprechend seinem
Baufortschritt ab und legt dabei Details
fest, die nicht fertigungskritisch sind –
etwa die Lackfarbe oder bestimmte
Ausführungen der Kabeleinführungen.
Diese setzen wir flexibel und kurzfristig
um. Solche Projekte zeigen die Vorteile
eines flexiblen Mittelständlers
gegenüber einem Großkonzern sehr
eindrücklich.
Wie hat sich der Wettbewerb im Markt
für maritime Elektromotoren in den letzten
Jahren verändert?
Menzel: Wir bewegen uns in einer klar
definierten Nische, üblicherweise im
Leistungsbereich zwischen 500 und
5.000 kW im Marinebereich. Bei kleineren
Standardmotoren sind wir preislich
in der Regel nicht wettbewerbsfähig.
Unsere Stärke liegt dort, wo große
Die Produktionshalle von Menzel. Das Unternehmen baut seit rund 90 Jahren Elektromotoren
Anbieter – ob aus Europa oder Asien
– keine individuell angepasste Lösung
mit dem erforderlichen technischen
Support bieten können. In Europa begegnen
uns im Wesentlichen die gleichen
Wettbewerber wie seit Jahren.
Hinzugekommen sind einige Händler,
aus Belgien oder Italien, die meist
auf einem anderen Preisniveau agieren.
Wenn ein Kunde mit Qualität und
Support zufrieden ist, ist es schwierig,
allein über den Preis zu punkten.
Spüren Sie verstärkten Druck durch chinesische
Anbieter – etwa bei Preisen, Lieferzeiten
oder Projektskala?
Menzel: Chinesische Anbieter sind
selbstverständlich zunehmend präsent.
Preislich können wir in diesen Segmenten
ehrlich gesagt nicht mithalten. Bei
Projekten, in denen ausschließlich der
Preis entscheidet und diese Wettbewerber
vom Kunden akzeptiert werden,
ziehen wir uns bewusst zurück. Wir konzentrieren
uns auf Nischen, in denen
Kunden unsere Kompetenz, unseren
Support und unsere Qualität schätzen
und bereit sind, die entsprechenden
Mehrkosten zu tragen. Wenn ein Wettbewerber
20, 30 oder gar 50 % günstiger
ist, müssen zwangsläufig Abstriche gemacht
werden. Zaubern kann niemand.
Wo sehen Sie heute noch klare Unterschiede
zwischen europäischen und asiatischen
Herstellern?
Menzel: Dem Feedback unserer Kunden
nach liegen die Unterschiede vor allem
in Reaktionsgeschwindigkeit, Kundenorientierung
und Zuverlässigkeit – vom
Angebot über die Projektbetreuung bis
hin zum After-Sales-Service. Viele Kunden
haben Erfahrungen mit großen
Massenherstellern weltweit gemacht
und bemängeln häufig den fehlenden
direkten Zugang zu Konstruktion und
Engineering. Gerade dieser kurze Draht
ist für viele Projekte entscheidend.
Die Produktqualität lässt sich pauschal
nicht bewerten – da ist die Bandbreite
groß. Anbieter mit sehr hoher Qualität
bewegen sich preislich allerdings häufig
nicht weit unter europäischem Niveau.
Letztlich wird überall auf der Welt mit
Wasser gekocht.
Welche Rolle werden Elektromotoren
künftig bei elektrifizierten oder hybriden
Schiffssystemen spielen?
Menzel: Das ist eine schnelle Antwort:
eine elementare – ohne Elektromotoren
sind elektrifizierte oder hybride Schiffssysteme
schlicht nicht denkbar. Sie sind
ein wesentlicher Bestandteil dieser Entwicklung.
Unser Anspruch ist aber, dass
unsere Kunden unsere Motoren nach
dem Einbau möglichst »vergesse«, im
positiven Sinne. Sie sollen über viele
Jahre zuverlässig und störungsfrei arbeiten.
Und falls es doch einmal Fragen
oder Herausforderungen gibt, stehen
unsere Kunden jederzeit erfahrene Ingenieure
und ein qualifiziertes Serviceteam
kurzfristig zur Verfügung.
Interview: Joshua Wygand
© Menzel Motors
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
27
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
»Bremerhaven ist in Deutschland der
stärkste Standort im Reparaturbereich«
Von Schleppern über Wasserbaufahrzeuge bis zu Fähren: Die Heise Werft bedient ein breites
Spektrum maritimer Kundschaft. Im Gespräch mit Betriebsleiter Jan Stoll geht es um die aktuelle
Auftragslage, kurze Entscheidungswege und den Fachkräfteaufbau im Betrieb
Eine feste Größe in der Bremerhavener Werftenlandschaft: die Heise Werft deckt unter anderem Stahl-,Rohr-, und Maschinenbau und Schiffselektrotechnik ab
© Wolfhart Scheer
© Scheer/ Heise Werft
Wie stellt sich die aktuelle Auftragslage der
Heise Werft dar?
Jan Stoll: Die Auftragslage ist derzeit zufriedenstellend.
Zum Kundenkreis zählen
Wasserbauunternehmen, Schleppgesellschaften,
die Schiffahrts-Compagnie Bremerhaven
sowie weitere Unternehmen
aus Schifffahrt und Hafenwirtschaft.
Wodurch unterscheidet sich die Heise Werft
im Reparatur- und Umbaugeschäft von anderen
deutschen Werften?
Stoll: Unser Betrieb ist kleiner als andere
Werften. Aufgrund der Dockabmessungen
von 35 x 19 m haben wir in diesem
Segment kaum Mitbewerber. Die Vielfalt
der bei uns vertretenen Gewerke und die
Flexibilität unserer Mitarbeiter ermöglichen
es uns, uns schnell auf sehr unterschiedliche
Kunden und Anforderungen
einzustellen. Dadurch sind wir in der Lage,
individuell auf die Wünsche und Aufgaben
unserer Kundschaft zu reagieren.
Sie sagen, bei Ihnen sei praktisch jeder
Auftrag anders. Was heißt das konkret im
Arbeitsalltag?
Stoll: Oft wissen wir am Freitag noch
nicht, welche Aufgaben die kommende
Woche mit sich bringen wird. Wenn in
einer stürmischen Nacht ein Schlepper
havariert, sind wir häufig schon wenige
Stunden nach dem Schadensereignis zur
Stelle, um in den darauffolgenden Tagen
mit der Reparatur zu beginnen. Fällt ein
Baufahrzeug wegen eines elektrischen
Defekts aus, klingelt das Telefon, und
unsere Kollegen packen ihr Werkzeug
und fahren los. Nicht selten kommt auch
ein Kunde mit einem defekten Teil direkt
in unsere Werkstatt, wo wir uns der Sache
kurzfristig annehmen. Denn unsere
oberste Devise lautet: »Das Schiff muss
funktionieren.« Das erfordert mitunter
zunächst auch Improvisation.
Welche Leistungen decken Sie selbst ab, und
bei welchen Arbeiten greifen Sie auf externe
Spezialisten zurück?
Stoll: Stahl- und Schiffbau, Rohrbau, Maschinenbau
sowie Schiffselektrotechnik
decken wir im eigenen Betrieb ab. Bei
Innenausbau, Farbarbeiten und Motoreninstandsetzungen
arbeiten wir mit
externen Firmen zusammen. Bremerhaven
bietet dafür ein ausgezeichnetes
Netzwerk.
28 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Welche Bedeutung haben Umbauten im
Vergleich zu klassischen Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten
für Ihr Geschäft?
Stoll: Umbauten sind eher selten und
machen insgesamt nur einen kleinen Teil
unserer Aufträge aus. Meist beschränken
sie sich auf Nachrüstungen, etwa von Ballastwasseraufbereitungsanlagen
oder
Hilfsmaschinen wie Separatoren. Der
Schwerpunkt liegt klar auf klassischen
Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten.
Welche Anforderungen stellen die derzeit
laufenden Projekte an Ihre Mannschaft und
Ihre Infrastruktur?
Stoll: Mobilität ,Bereitschaft, ungewöhnliche
Arbeiten auszuführen, mit dem
Lotsenboot auf der Elbe einen Hopperbagger
zu Reparaturschweißarbeiten zu
besuchen, an der Stromkaje PSC-Mängel
an der elektrischen Schaltanlage zu beheben,
Kontrolle der Lagerspiele an einer
großen Dampfmaschine (Anm. d. Red.
1200 Ps, Bauj. 1938), oder Siederohrwechsel
an deren Dampfkessel. Anpassung des
Deckslayouts der Wasserbaufahrzeuge,
die an jeden Auftrag angepasst werden.
Die Herausforderung ist, die Baustellen
adäquat zu besetzen und alle Schiffe an
der Pier unterzubringen. Die Menge der
kleinen Wasserfahrzeuge bringt unsere
nutzbare Pierlänge schon extrem an ihre
Grenzen. Dank der guten Zusammenarbeit
mit der Hafenleitung liegen die
Schiffe manchmal auch im »Päckchen« an
unserer Pier.
Was sagt die große Bandbreite vom Schlepper
bis zum Fahrgastschiff über das Profil
der Heise Werft aus?
Stoll: Die vielseitige Zusammensetzung
unserer Kundschaft macht den Betrieb
robuster. Zudem haben wir uns den Ruf
erarbeitet, uns auch besonderen Aufgaben
zu stellen. Wartungsarbeiten an
Mischmaschinen in der Kosmetikindustrie
ebenso wie das Einwalzen von Siederohren
schrecken uns nicht ab. Auch
Fundamentkonstruktionen aus 70 mm
starken Stahlblechen fertigen wir nach
Kundenwunsch und Zeichnung.
Welche Rolle spielt das Schwimmdock »Wilhelmina«
inzwischen für den Betrieb der
Heise-Werft?
Stoll: Es sorgt für neue Kunden und eine
höhere Auslastung im Betrieb. Zudem
Betriebsleiter der Heise Werft: Jan Stoll
führt das Schwimmdock »Wilhelmina«
dazu, dass wir seltener als Subunternehmen
auf anderen Werften tätig sind.
Wie hat sich die Investition in das Dock auf
Ihre Möglichkeiten und Ihre Wettbewerbsfähigkeit
ausgewirkt?
Stoll: Mit der höheren Auslastung auf der
eigenen Anlage konnten wir beispielsweise
den Wegfall des wichtigen Kunden
Blohm & Voss infolge der Abkehr von
Kreuzfahrtschiff-Dockungen gut kompensieren.
Durch das Dock konnte zudem
trotz des erheblichen Konkurrenzdrucks
im Bereich der Hafenreparaturen insbesondere
der Stahl- und Schiffbau entgegen
dem allgemeinen Trend ausgebaut
werden.
Wie hat sich die Heise Werft seit der Neuaufstellung
des Unternehmens wirtschaftlich
entwickelt?
Stoll: Die »Neuaufstellung« war im Grunde
eine Intensivierung und Wiederbelebung
alter Kontakte. Wir haben uns auf
die konventionelle Schifffahrt sowie auf
die Schlepp- und Binnenschifffahrt im
Nahbereich konzentriert. Begonnene
Aktivitäten in Richtung Bundesmarine
haben wir eingestellt, da der administrative
Aufwand nicht tragbar war und die
langen Entscheidungswege mit den daraus
resultierenden Zeitverlusten nicht
zu unserem Betrieb passen. Letztlich ist
die Werft eher ein Handwerksbetrieb
mit voller Konzentration auf die eigenen
Kernkompetenzen. Der erfolgreiche
Wiederaufbau einer Elektroabteilung ergänzt
unser Leistungsspektrum in der
© Privat
Schiffsbetriebstechnik. Mit der breiteren
Aufstellung stiegen auch Auslastung und
Wirtschaftlichkeit.
Welche Bedeutung hat die Zugehörigkeit
zur Colcrete-Gruppe für die strategische
Ausrichtung der Werft?
Stoll: Durch die Zugehörigkeit zur Colcrete-Gruppe
konnte die Auslastung erhöht
werden, das Betriebsergebnis verbessert
und auch aus dem Wasserbau kann man
einiges lernen.
Spüren Sie im Reparatur- und Umbausegment
den Fachkräftemangel, und wie gehen
Sie damit um?
Stoll: Bedingt. Der Betrieb wächst langsam,
aber stetig, die Personaldecke entwickelt
sich bei uns linear zur Auslastung,
die Ausbildung haben wir ebenfalls aufgenommen,
daraus wachsen junge, gut
ausgebildete Kolleginnen und Kollegen
heran. Wir haben eine junge, angenehme
Mannschaft bestehend aus 12 Nationalitäten.
Welche Perspektiven sehen Sie für den
Standort Bremerhaven im Bereich Schiffsreparatur
und Umbau?
Stoll: Bremerhaven ist in Deutschland inzwischen
der stärkste Standort im Reparaturbereich,
das Netzwerk ist gewaltig
und braucht sich nicht mehr hinter Hamburg
verstecken. Die Wege zueinander
sind kurz, es gibt sehr viel kollegiale Kontakte
untereinander. Hier ist viel »Knowhow«
vorhanden, der Hafen und alle betreffenden
Behörden ziehen da hilfreich
mit. Fishtown ist wirklich stark!
Mit welchen Erwartungen blicken Sie auf
das laufende Jahr und auf die kommenden
Jahre?
Stoll: Bremerhaven profitiert kurzfristig
nun ebenfalls von den politischen
Verwerfungen und dem daraus resultierenden
Sondervermögen. Das ist ein
warmer Regen für diese Stadt, die schon
so viele Krisen meistern musste. Langfristig
müssen wir ein waches Auge auf
die Umstellung der Schifffahrt auf alternative
Kraftstoffe und Antriebe haben.
Ich bin von diesem Standort überzeugt,
es warten aufregende Zeiten auf uns.
Interview: Joshua Wygand
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
29
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
VR and digital twins are making
their way into shipping
Virtual reality and digital twins are transforming planning, operations and training in the
maritime industry. These technologies enable realistic design reviews, more efficient crew
training, and new approaches to maintenance and operational planning – safer, more
cost-effective, and independent of location
A digital twin of a vessel: the virtual representation can support planning, operations, maintenance and training in the maritime industry
© Bjordal
Digital transformation is reshaping the
maritime industry. To benefit from new
technologies, vessels must be designed
correctly, crews trained efficiently,
and maintenance optimized. VR and digital
twins enable this in a sustainable,
safe and cost-effective way-reducing
travel, emissions and operational risk
while enabling global collaboration.
VR and Digital Twins
VR places users inside a shared virtual
environment where they interact with
people or AI avatars and carry out tasks
such as vessel design, operations planning
and training. The limitations lie
mainly in hardware, budgets and imagination.
VR is part of the XR family: AR
overlays graphics without interacting
with physical objects, while MR allows
virtual elements to interact with real
surroundings. VR systems vary in resolution,
processing power and price,
and can run software locally, via PC,
cloud or server. A digital twin is typically
a 3D model of a real asset, which can
be passive or connected to live sensor
data for operational planning, maintenance
and incident investigation.
VR Design Reviews
Ship designs are large 3D models requiring
powerful computing. Shared
platforms like Spawn allow design
teams, owners and crew to collaborate
in VR and uncover issues early in the
design phase.
Operations Planning in VR
Once the vessel design is ready, VR
enables planning of real operations.
Models can be optimized to run directly
on standalone headsets.
Crew Onboarding
New crew members can familiarize
themselves with the vessel layout,
equipment and muster stations before
boarding. Multi-user VR allows teams
in different physical locations to train
together.
VR Training on Sailing Ships
VR headsets originally struggled with
movement but features like travel
mode now allow onboard use. VR sets
can connect locally for training while
sailing, and tests are ongoing to connect
onboard VR through Starlink with
land-based instructors.
Implementing VR
A crucial point: VR implementation is
not an IT project. Hardware specifica-
30 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
© AI/ Bjordal
NOFO Tactical VR strategy room: VR headset immersive applications can support training, planning and design processes in the maritime industry
tions must be defined with the VR content
supplier, not the IT department.
Solutions like ManageXR and ArborXR
help deploy and manage equipment
and software across larger fleets.
Research & Development
Recent advancements include hand
tracking – allowing users to interact
with objects naturally without controllers
– and see-through VR, which
blends MR and VR. Combined, they
enable realistic manipulation of equipment,
expert guidance and new training
methods.
Why VR Is Best
VR removes physical limitations and
enables true multi-user collaboration
regardless of location. Training carries
no risk of injury or equipment damage,
and scenarios can be repeated endlessly
including dangerous or impossible
real-world situations. Users display
extreme focus, and VR logs all activity
for precise evaluation. ROI can be
high: companies have replaced costly
offshore training sessions with repeatable
VR simulations.
VR in Vessel Design
VR identifies design flaws that 2D drawings
and screen-based 3D models
often miss. Examples include crane
interference, visibility issues and poor
maintenance access. Fuel layouts, accommodations,
container handling
and bridge visibility can all be evaluated
on a 1:1 scale. Almost every VR design
review uncovers issues, saving significant
time and cost. A VR ship model
also allows early work in operations,
maintenance, HSE, HR, marketing and
digital twin development.
© Meta
Virtual-Reality-Headset »Meta Quest 3 VR«
Data-Driven Digital Twins
Connecting a live vessel’s sensors to its
digital twin allows monitoring of wear,
analyzing movements, planning operations
and improving future designs.
Data can flow both ways – supporting
strategic/tactical decision-making or
autonomous vessel control. Virtual
control rooms accessible from VR, mobiles
or PCs enable remote, distributed
collaboration and fleet-wide oversight.
This article is a summary of a paper
presented at the Compit Conference
2025 (»Conference on
Computer Applications and
Information Technology in the
Maritime Industries«)
The full
paper can be
downloaded here:
www.compit.info
VR in Training
VR enables realistic simulation of complex
maritime tasks such as MOB operations
with real-time physics. Crews
train communication, navigation and
troubleshooting, while instructors
inject challenges and evaluate performance.
Users consistently perform
tasks correctly afterwards due to repetition
and realism, including through
hand-tracking. VR also allows training
on “no-win” or extreme scenarios.
Buying a VR Project
Successful VR adoption requires clarity
on the problem, current cost, expected
ROI, licensing model, ownership of IP,
equipment needs, timeline and test
plan. Provide 3D models early, and form
a project team consisting of decisionmakers
and operational experts – not IT.
Author:
Helge Bjordal
Nagelld
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
31
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Fragmented documentation holding back
shipyard efficiency
With hybrid propulsion, batteries and automation technologies, shipbuilding has become
more complex than ever. But while the workforce and capacity shortage is a core issue to the
industry, ineffective coordination and documentation play a role as well, according to expert
George Balan from service provider Bluestone
What is the core issue that Bluestone
sets out to solve?
George Balan: The core issue is fragmentation.
Traditional plan approval
workflows were developed for an era
when vessel designs were largely fixed
before construction. Modern vessel
designs evolve continuously during
construction as regulations, materials,
equipment selections and integration
strategies change. Yet plan approval
records, inspection findings, design
revisions and class correspondence
are still often managed across emails,
spreadsheets and disconnected systems,
with no single auditable record
of what was agreed, approved and ultimately
built.
The consequences are most visible
after delivery. When a vessel enters its
first drydock for conversion or a major
retrofit, engineering teams are often
forced to reconstruct a technical baseline
that should already exist.
Bluestone addresses this by combining
independent newbuilding supervision
with a digital platform that
centralises drawings, comments, inspections
and approvals in a single environment
accessible to owners, shipyards,
class and flag. Owners retain
permanent access to their technical
history after delivery, strengthening
warranty management, drydock preparation
and future modification planning.
What is keeping shipyards from reaching
a better performance and higher
productivity?
Balan: Shipyard productivity is often
framed as a labour or capacity issue.
In practice, coordination inefficiency
is just as significant. Shipyards are
Hull and propeller inspection carried out as part of Bluestone’s newbuilding supervision
delivering vessels with higher system
density and tighter interface management
than in the past. Hybrid propulsion,
high-voltage systems, batteries,
advanced automation and emissions
technologies are now common. These
systems are interdependent, but plan
approval, supervision, QA and document
control are often handled in separate
tools and teams, without a shared
real-time view of what is current,
closed or outstanding under contractual
timelines.
Engineering time is therefore spent
reconciling comments, chasing approvals
and confirming valid revisions
rather than resolving technical challenges.
Inspections are harder to coordinate
because findings are not clearly linked
to the drawings they relate to. Design
changes introduced during construction
are not consistently reflected in
final as-built records. Time is lost not
to execution, but to re-establishing
certainty.
For many shipyards, this becomes
a coordination constraint. They are
expected to deliver increasingly complex
assets but are not typically structured
to build fully integrated digital
platforms internally. A neutral, readyto-use
collaborative environment can
improve project discipline and transparency
without requiring shipyards
to replace existing systems.
How many segments and programs are
usually involved in an average newbuild,
retrofit or repair contract?
© Bluestone Group
32 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Balan: Even a relatively straightforward
project involves dozens of parallel
and interdependent workstreams.
On specialist newbuilds, the scope
encompasses everything from contract
interpretation and plan approval
through to crew familiarisation and
warranty management.
Plan approval alone can span hull
structure, machinery, electrical systems,
accommodation, automation,
HVAC, fire safety, stability, alternative
fuels, energy storage and class-specific
rule sets. Site supervision adds
steelwork, outfitting, painting, cable
and piping routing, and system integration.
Trials introduce additional layers,
including FAT, HAT and SAT activities,
harbour and sea trials, and class
and flag sign-off milestones.
Retrofit and repair projects are
equally complex. A major energy-efficiency
retrofit on a cruise vessel may
involve multiple engineering disciplines
within a fixed drydock window or
while the vessel remains in service. On
one recent project, eleven system bypasses
were executed within sixteen
hours of downtime – a level of precision
only possible when documentation,
planning and stakeholder coordination
are disciplined from the outset.
In practice, this translates into hundreds
of document families – drawings,
comments, inspections, Client
Request Items, punch lists and variation
records – each with its own revision
history and response timeline. As
programmes multiply, coordination
effort scales faster than engineering
effort itself. Without a structured environment,
administrative load begins
to drive performance.
How could a »streamlined« process help
with shipbuilding and repair, and how
exactly does Bluestone aim to achieve
this?
Balan: A streamlined process changes
the relationship between documentation
and execution. Rather than treating
plan approval records and inspection
findings as reactive outputs, they
are maintained as a live project reference.
Drawings, comments and approvals
sit in one structured environment
with full traceability, enabling
George Balan, Head of New Building Supervision
and Plan Approval at Bluestone
teams to work from a single verified
technical picture at every stage.
Inspections, Client Request Items
and reporting are coordinated digitally,
reducing reliance on spreadsheets
and email chains and strengthening
discipline under time-controlled approval
schedules. For retrofit and repair,
benefits are immediate. When a
vessel arrives in drydock with a complete
technical history, teams can
move directly to scope definition and
execution planning rather than baseline
verification. Class submissions are
more efficient, and the risk of disruptive
on-site discoveries is materially
reduced.
Bluestone combines experienced
on-site supervision with a platform designed
around real shipbuilding workflows.
Remote plan approval teams
can support multiple projects simultaneously,
improving consistency without
adding overhead. The objective is
not speed at any cost, but predictable,
controllable execution.
How will shipyards be able to implement
their current data and processes
into Bluestone’s software?
Balan: The platform is designed to
complement, not replace, existing
yard systems. Shipyards cannot afford
lengthy technology transitions during
active programmes. Drawings and
documentation can be imported and
structured without disrupting ongoing
work, after which plan approval
and supervision workflows operate
within a centralised environment.
© Bluestone Group
Version 2 enables shipyards to be
onboarded as active users with configurable
workflows aligned to their
operating model. For yards without
fully integrated platforms, this provides
a ready-to-use collaboration environment.
For those with internal tools,
it functions as a shared layer with owners,
class and flag while core systems
remain in place.
Beyond document storage, the value
lies in collaborative control. Crossdepartment
coordination improves,
findings are traceable, inspection
planning can be automated, and mobile-enabled
inspections allow remarks,
photographs and sign-off to be captured
directly on site.
Has adaption of this technology taken
off yet? Which challenges – if any – is
your company facing?
Balan: Adoption is building steadily,
particularly on technically demanding
projects where documentation complexity
and interface risk are highest.
The platform is in use on live newbuilds,
and multi-vessel retrofit programmes
across Europe, Asia and the Americas.
Regulatory pressure is reinforcing
this shift. Owners increasingly recognise
that their ability to demonstrate
compliance and plan modifications
efficiently depends on the quality of
their technical record. Owners from
projects completed several years ago
are still actively using the platform for
maintenance and retrofit planning,
confirming that documentation continuity
delivers long-term value beyond
delivery.
The primary challenge is cultural
rather than technical. The industry is
conservative by nature, and new routines
must prove their value in live environments.
By designing the platform
around real-world shipyard workflows
and supporting it with experienced
on-site supervisors, we focus on reducing
administrative burden while improving
traceability and coordination.
Interview: Jannik Westerkamp
(An unabridged version of the interview
can be found at www.hansa-online.de)
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
33
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Integrierte Serviceprozesse als
Wettbewerbsfaktor
Internationale Einsätze, komplexe Projekte, steigende Dokumentationspflichten: Der Service im
Schiffs- und Bootsbau steht unter wachsendem Druck. Viele Organisationen arbeiten trotzdem
noch mit isolierten Tabellen, manuellen Abstimmungen und papierbasierten Prozessen
Im maritimen Umfeld gewinnt das
Servicegeschäft seit Jahren an Bedeutung.
Neubauzyklen unterliegen konjunkturellen
Schwankungen, während
Wartung, Inspektion, Modernisierung,
Retrofit und Ersatzteilgeschäft planbare
Erlösströme generieren. Gerade
in Zeiten geopolitischer Unsicherheit,
regulatorischer Verschärfungen und
steigender technischer Komplexität
wird der After-Sales-Service zu einem
strategischen Stabilitätsfaktor. Mit zunehmender
Digitalisierung der Schiffe
steigt zudem der Anspruch an eine
strukturierte, belastbare Serviceorganisation
an Land.
Gleichzeitig wachsen die Anforderungen
an Transparenz, Reaktionsgeschwindigkeit
und Nachvollziehbarkeit.
Serviceeinsätze finden weltweit statt,
häufig unter Zeitdruck und in sicherheitskritischen
Umgebungen. Neben
eigenen Technikern sind externe Partner
eingebunden, Qualifikationsnachweise
müssen geführt, Spezialwerkzeuge disponiert
und Leistungen dokumentiert
werden.
Trotz dieser Rahmenbedingungen basieren
viele Serviceorganisationen noch
auf historisch gewachsenen Strukturen:
Excel-Tabellen zur Einsatzplanung, separate
Datenbanken für Assets, papierbasierte
Stundenzettel und manuelle
Übertragung in ERP-Systeme. Solche
statischen Prozesse funktionieren, solange
Volumen und Komplexität beherrschbar
bleiben. Mit zunehmender
Internationalisierung geraten sie jedoch
an ihre Grenzen.
Typische Symptome sind fehlender
Überblick, redundante Datenhaltung,
hoher Abstimmungsaufwand zwischen
Innen- und Außendienst sowie verzögerte
Abrechnung aufgrund unvollständiger
Dokumentation. Der Engpass
liegt dabei selten in der technischen
Kompetenz – sondern in der Prozessarchitektur.
Alle Daten in einer Hand: Was früher umständlich auf Papier erfasst wurde, lässt sich in einer
zentralen App speichern und teilen
© Fassmer Service
Einsätze bei Fassmer Service
Wie sich diese Herausforderungen
konkret darstellen, zeigt das Beispiel
Fassmer Service. Das Unternehmen betreut
weltweit Reparaturen, Wartungen,
Inspektionen und Modernisierungen
von Schiffen und Booten. Die Einsätze
dauern von wenigen Tagen bis zu mehreren
Wochen, die Teamgröße variiert
zwischen zwei und über zwanzig Technikern.
Zusätzlich koordiniert Fassmer
Service mehr als 50 internationale Servicepartner.
Vor der Neuorganisation basierte die
Einsatzplanung auf mehreren, voneinander
getrennten Excel-Dateien. Qualifikationen,
Urlaube, Einsatzpläne und
Fahrzeugdisposition führten die Verantwortlichen
in separaten Tabellen. Parallel
existierte eine eigenständige Asset-Datenbank.
Änderungen mussten manuell
abgestimmt werden; kurzfristige Umplanungen
führten regelmäßig zu Folgekonflikten.
Eine zentrale, konsistente
Datenbasis fehlte. Insbesondere bei parallelen
Projekten mit unterschiedlichen
Teams und Partnern entstand dadurch
ein hoher Koordinationsaufwand im Innendienst.
Auch die Dokumentation war papierbasiert
organisiert. Stundenzettel und
Serviceberichte wurden zunächst handschriftlich
erstellt, später übertragen und
manuell in das interne System eingepflegt.
Fehlende Angaben verzögerten
die Rechnungsstellung. Für Techniker
im Einsatz war der aktuelle Planungsstand
nicht in Echtzeit einsehbar, sodass
Anpassungen bis zur nächsten Abstimmung
unsichtbar blieben.
Mit wachsender Projektzahl stieg nicht
nur der administrative Aufwand, sondern
auch das Fehlerrisiko. Transparenz
und Nachvollziehbarkeit – insbesondere
34 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
im internationalen Kontext – ließen sich
nur mit erheblichem personellem Einsatz
sicherstellen.
»Single Point of Truth«
Im Zuge einer Optimierung entschied
sich Fassmer Service für die Einführung
der integrierten Serviceplattform
fieldux, die Planung, Ressourcenmanagement
und Dokumentation in einer
gemeinsamen Systemarchitektur zusammenführt.
Zentraler Ansatz war die Schaffung eines
»Single Point of Truth«: Alle relevanten
Informationen – von Qualifikationen
über Einsatzhistorien bis hin zu Personal-,
Werkzeug- und Fahrzeugverfügbarkeiten
– sind nun in einer konsistenten
Datenbasis gebündelt. Servicemanager
erhalten eine visuelle Gesamtübersicht
über laufende und geplante Projekte.
Konflikte in der Disposition werden systemseitig
erkannt und transparent gemacht.
Besondere Relevanz hat im maritimen
Umfeld die Qualifikationssteuerung. Offshore-Schulungen,
sicherheitsrelevante
Zertifikate oder behördliche Vorgaben
sind zeitlich befristet. Ablaufdaten lassen
sich hinterlegen, automatische Hinweise
unterstützen die Planung. Damit verhindert
Fassmer Service, dass Einsätze mit
formal unzureichend qualifiziertem Personal
disponiert werden.
Ein weiterer Schritt war die Digitalisierung
der Einsatzdokumentation. Techniker
greifen jetzt mobil und auch offline
auf ihre Aufträge zu, erfassen Arbeitszeiten
direkt vor Ort und erstellen Serviceberichte
digital. Kundenunterschriften
erfolgen elektronisch, Berichte stehen
dem Innendienst unmittelbar zur Verfügung.
Das Ergebnis: verkürzte Durchlaufzeiten
in der Abrechnung und reduzierte
Medienbrüche.
Entscheidend ist dabei weniger das
einzelne Tool als das zugrunde liegende
Organisationsprinzip: Planung, Durchführung
und Dokumentation sind nicht
länger getrennte Prozessinseln, sondern
Teile eines integrierten Systems.
Übertragbare Prinzipien
Das Beispiel zeigt, dass die Modernisierung
von Serviceprozessen weniger eine
IT-Frage als vielmehr eine Frage der Prozesslogik
ist. Drei Prinzipien lassen sich
verallgemeinern:
• Transparenz über Ressourcen in Echtzeit:
Internationale Serviceorganisationen
benötigen jederzeit belastbare
Aussagen zu Verfügbarkeit, Qualifikation
und Einsatzhistorie.
• Integrierte Dokumentation statt nachgelagerter
Administration: Was vor Ort
erfasst wird, sollte unmittelbar systemisch
verfügbar sein.
• Konfliktfähigkeit in der Planung: Dynamische
Projekte erfordern Systeme,
die Umplanungen nicht nur zulassen,
sondern strukturiert begleiten.
Für maritime Serviceeinheiten bedeutet
dies: Wer den Service als stabilen Umsatzpfeiler
etablieren will, muss ihn organisatorisch
auf dieselbe Professionalitätsstufe
heben wie Neubau oder Engineering.
Denn Excel-Tabellen sind zwar durchaus
leistungsfähige Werkzeuge – aber sie
ersetzen keine integrierte Prozessarchitektur.
In einem Umfeld, das von globalen
Lieferketten, regulatorischer Komplexität
und steigender technischer Integration
geprägt ist, wird die strukturierte Steuerung
von Serviceeinsätzen zu einer betrieblichen
Notwendigkeit. Digitalisierung
ist dabei kein Selbstzweck, sondern Mittel
zur Sicherstellung von Transparenz,
Nachvollziehbarkeit und Planbarkeit.
Wer den Service als dauerhaftes, ertragsstarkes
Geschäftsfeld etablieren möchte,
benötigt dafür belastbare Prozesse und
konsistente Datenstrukturen.
Autor:
Hajo Noerenberg
Bauer+Kirch
RUD Antriebstechnik
Mögliche Anwendungsbereiche:
Deckskräne | Umschlagsysteme | Lukenabdeckungen
| Aufwickelvorrichtungen | Steinverlegungssysteme |
Gangways | uvm.
+49 7361 504-1457 salesfa@rud.com www.drivesystems.rud.com
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Humanoide Helfer?
Fincantieri setzt auf KI-Schweißroboter
Die italienische Werft und das Robotikunternehmen Generative Bionics wollen gemeinsam einen
humanoiden Schweißroboter für den Einsatz in Werften entwickeln
Im Zentrum der Zusammenarbeit steht
die Entwicklung eines humanoiden Roboters,
der speziell für bestimmte Schweißtätigkeiten
in der Werftumgebung ausgelegt
ist. Anders als klassische Industrieroboter,
die meist in klar abgegrenzten und stark
standardisierten Produktionszonen arbeiten,
soll das neue System in komplexen
Umgebungen zurechtkommen und an der
Seite von Menschen einsetzbar sein.
Dafür soll der Roboter mit künstlicher
Intelligenz sowie fortschrittlichen Manipulations-,
Wahrnehmungs- und Sichtsystemen
ausgestattet werden. Diese sollen
insbesondere dazu dienen, Schweißnähte
zu überwachen und Arbeiten präzise auszuführen.
Hinzu kommen optimierte Fortbewegungseigenschaften,
damit sich das
System auch in einer Werftumgebung
mit beengten, wechselnden und schwer
vorhersehbaren Bedingungen sicher
bewegen kann.
Das System soll so ausgelegt werden,
dass es mit Beschäftigten zusammenarbeiten
kann, ohne Arbeitsbereiche einzuschränken,
und gleichzeitig die regulatorischen
Anforderungen vollständig erfüllt.
Tests sollen Ende
2026 beginnen
Keine Science-Fiction: Humanoide Robotik soll künftig Schweißarbeiten in Werften unterstützen
Der italienische Werftkonzern Fincantieri
treibt den Einsatz fortschrittlicher Robotik
im Schiffbau weiter voran. Gemeinsam
mit dem italienischen Unternehmen
Generative Bionics hat die Gruppe eine
Industriepartnerschaft gestartet, in deren
Rahmen ein humanoider Schweißroboter
entwickelt werden soll. Das System ist für
den Einsatz in den Werften des Konzerns
vorgesehen und soll dort bestimmte
Schweißarbeiten im direkten Zusammenspiel
mit menschlichen Arbeitskräften
unterstützen.
Mit dem Vorhaben verbindet Fincantieri
mehrere Ziele zugleich. Zum einen soll
die operative Effizienz in der Fertigung
steigen, zum anderen geht es um mehr
Sicherheit und eine gleichbleibend hohe
Produktionsqualität. Zugleich reagiert der
Konzern damit auf zwei strukturelle Entwicklungen,
die den europäischen Schiffbau
zunehmend prägen: die steigende
technische Komplexität der Produktion
und den Mangel an qualifizierten Fachkräften.
Die Zusammenarbeit bündelt die industrielle
Erfahrung Fincantieris mit der
von Generative Bionics entwickelten Roboterplattform.
Zunächst ist das Projekt
auf Schweißanwendungen im Marineschiffbau
ausgerichtet. Fincantieri ordnet
das Vorhaben in seine breitere Strategie
in den Bereichen Robotik, »Physical AI«
und Innovation ein, die zu den zentralen
Bausteinen des neuen Industrieplans der
Gruppe zählen.
Unterstützung bei
Schweißarbeiten
© Fincanteri
Das Kooperationsprogramm ist auf insgesamt
vier Jahre angelegt. Erste Tests vor
Ort sind bis Ende 2026 vorgesehen. Bereits
innerhalb der ersten zwei Jahre sollen
erste operative Funktionen verfügbar gemacht
werden. Daran sollen sich weitere
Schritte zur Verfeinerung, zum Ausbau der
Fähigkeiten sowie zur industriellen Zertifizierung
anschließen.
Die Entwicklung und Erprobung des
Systems erfolgt auf der Fincantieri-Werft
in Sestri Ponente. Der Standort soll als Referenzumgebung
für Validierung und Zertifizierung
der Technologie dienen.
Antwort auf
Fachkräftemangel
Hinter dem Projekt steht ein klarer industrieller
Hintergrund. Der Schiffbau ist in
vielen Bereichen von körperlich belastenden,
wiederkehrenden und ergonomisch
anspruchsvollen Tätigkeiten geprägt.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an
Präzision, Dokumentation und Prozesssicherheit.
Hinzu kommt, dass qualifizierte
Fachkräfte in vielen industriellen Bereichen
schwerer zu finden sind. Fincantieri sieht in
Systemen auf Basis von »Physical AI« deshalb
einen Ansatz, um die Produktionskontinuität
zu sichern und Beschäftigte gezielt
zu entlasten.
Die Zusammenarbeit mit sei Teil eines
Transformationsprozesses, mit dem Fincantieri
die Arbeit der Beschäftigten aufwerten
und auf die Herausforderungen
wachsender Produktionskomplexität sowie
der Verfügbarkeit spezialisierter Fachkräfte
reagieren wolle.
JWY
36 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Wie Papenburg von Meyer Turku
profitieren könnte
Durch den Einstieg des Bundes und des Landes Niedersachsen bei der Meyer Werft sind
das deutsche und das finnische Unternehmen Meyer Turku getrennte Firmen - und dennoch
bestünden gute Perspektiven für Papenburg durch eine Zusammenarbeit, wie es sie einmal gab.
Von Christoph Assies
Jahr für Jahr verlässt seit 2024 ein Kreuzfahrtschiff-Gigant der
»Icon«-Klasse die finnische Werft Meyer Turku. Das Schiffbauunternehmen
profitiert derzeit von einer umfangreichen
Kooperation mit der US-Reederei Royal Caribbean, die bis in
das Jahr 2036 reicht: Im Herbst 2025 war nämlich eine Vereinbarung
geschlossen worden, die es in sich hat und die
in der Form in der Branche eher selten ist. Sie sichert Royal
Caribbean das Recht, bis 2036 Schiffe in Turku zu bauen.
»Es funktioniert gut mit Royal und es macht Spaß hier in
Finnland diese Schiffe zu bauen«, sagt eine Projektmanagerin,
die zwar stolz auf ihre Arbeit ist, aber ihren Namen nicht in
den Medien lesen will. Längst hat sich die Situation der Werft
in Papenburg bei Meyer Turku herumgesprochen. Jan Pettersson,
Mitglied der Designabteilung von Meyer Turku, blickt auf
die gekappte Zusammenarbeit nach dem Einstieg von Bund
und Land und damit die neuen Besitzverhältnisse bei Meyer in
Papenburg zurück und äußert sein Unverständnis knapp: »Ich
verstehe das nicht, es lief gut.«
In Papenburg hält man sich bedeckt: Auf Nachfrage wollte
die Meyer Werft nicht einmal genau benennen, in welchen
Bereichen mit Turku bis zum Einstieg von Bund und Land kooperiert
wurde. Auch Fragen nach daraus resultierenden Kosteneinsparungen
blieben unbeantwortet.
Belege einer guten Kooperation beider Unternehmen gibt
es: Aus dem Werft-Umfeld ist zu hören, dass beispielsweise
ohne die Zusammenarbeit mit Turku die »herausfordernden
und anspruchsvollen Schiffe für Silversea« mit ihrem asysemtrischen
Design gar nicht oder nur schwer hätte so realisiert
werden können.
Aber auch umgekehrt sind für die nun das Bild in Finnland
bestimmende »Icon-Class« zwei gigantische Schiffsblöcke für
»Star of the Seas« in Papenburg gebaut worden. Zusammen,
so hört man es auch in Finnland, ließe sich ein größeres Innovationsprogramm
finanzieren und so neue Technologien für
die Kreuzfahrt entwickeln.
Reinhard Lüken ist Geschäftsführer des deutschen Verbandes
für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) und beobachtet
die Lage und die Entwicklungen seit Jahren sehr kritisch. »Man
hat mit der Sanierung der Meyer Werft hohe Kosten erzeugt.
Über zehn Jahre wurden Synergien mit Meyer Turku gebildet,
die durch die neuen Besitzverhältnisse alle wieder rückabgewickelt
werden. Außerdem ist so viel Unsicherheit unter den
Mitarbeitern entstanden, dass viele Abläufe nicht mehr funktionierten«,
meint Lüken.
© Assies
Aufgeteilt wurden vor dem Staatseinstieg beispielsweise
Kosten für den Bau von sogenannten Floating Engine Room
Units, kurz FERU. Das sind Maschinenraum-Bauteile, die auf
der Rostocker Neptun Werft für die Meyer-Standorte Papenburg
und Turku gefertigt wurden. Jetzt bezieht Turku diese
Bauteile, wie auch weitere zahlreiche tonnenschwere Blöcke
zum Bau der Kreuzfahrtschiffe, beispielsweise aus Polen.
Wäre die Auslagerung des Blockbaus für die Meyer Werft eine
Option, um langfristig Kosten zu senken?
VSM-Chef Lüken hat auch dazu eine klare Meinung: »Die
Kosten müssen in Papenburg runter, aber eine verstärkte
Auslagerung der Blockbau-Fertigung wäre dafür aus meiner
Sicht nicht zentral. Die Make-or-Buy-Analyse wird auf der
Werft schon seit Langem durchgeführt. Ja, die Stundensätze
sind anderenorts niedriger, aber dafür schlagen erhebliche
Transportkosten zu Buche. Außerdem fehlt die Verlässlichkeit
bei der Qualität und die Blockausrüstung lässt sich nicht so
optimieren, wie am Standort. Ausgelagerte Blockbau-Fertigung
macht vorwiegend aus Kapazitätsgründen Sinn, die sind
in Papenburg aktuell aber nicht das Problem.« ■
Sowohl Meyer Turku als auch die Papenburger Meyer Werft haben
einen großen Fokus auf Kreuzfahrtschiffe
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
37
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Stabilität und Perspektive sind zurück –
Meyer Turku baut an einer »Legende«
Die Werft Meyer Turku nähert sich der Fertigstellung der »Legend of the Seas« für Royal
Caribbean, eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt. Bevor es losgehen kann, muss aber noch
einiges passieren. Christoph Assies hat sich an Bord und auf der Werft umgesehen
Der hellblaue Rumpf erhebt sich majestätisch an der Pier unter
dem blauen Himmel in Finnland. Es ist die Geburtsstätte der Giganten
von Royal Caribbean. Seit 2024 werden hier die Schiffe
der Icon-Baureihe geschaffen. Es sind die größten Kreuzfahrtschiffe
der Welt mit einer Vermessung von jeweils 250.800 GT
und Platz für jeweils mehr als 7.000 Passagiere und 2350 Crew-
Mitglieder. Jetzt steht das Debüt der »Legend of the Seas« bevor.
Sie wird die erste »Icon-Schwester«, die in Europa stationiert
wird und einwöchige Kreuzfahrten ab Barcelona anbieten.
Die »Legend of the Seas« wird mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben.
Außerdem verfügt sie über ein Wärmerückgewinnungssystem
und Landstromanschlüsse. Diese Maßnahmen sind Teil der
langfristigen Entwicklung der Reederei, die bis 2035 ein Netto-
Null-Kreuzfahrtschiff einführen will.
Bevor es in soweit ist, muss an Bord des 365 m langen und
fast 50 m breiten Schiffes noch viel passieren. Auf den 20 Decks
herrscht rege Betriebsamkeit, bald beziehen die ersten 500 Crew-
Mitglieder ihre Kabinen. Für Ende April war zum Zeitpunkt des Besuchs
die Probefahrt angepeilt. In Spitzenzeiten arbeiten an einem
Tag rund 6.000 Mitarbeiter von Werft, Partnerunternehmen und
von Royal Caribbean International an der »Legend of the Seas«.
An diesem Tag begleitet uns Jan Pettersson aus der Design-
Abteilung von Meyer Turku. Er arbeitet seit 15 Jahren auf dem
Werftgelände, hat die »Up´s and Down´sq hautnah miterlebt.
2014 hatte die Papenburger Meyer Werft das Unternehmen
übernommen. Zuvor wechselten die Eigentümer mehrfach. Zuletzt,
ab 2008, übernahm der südkoreanische Mischkonzern STX
Corporation einen Mehrheitsanteil der damaligen Aker Yards,
die Werft wurde zur STX Europe. »Seit Meyer hier übernommen
hat, ist viel mehr Stabilität spürbar und vor allem Perspektive
sichtbar«, sagt der Finne. Umso verwunderter sei er über die Situation
der Werft in Deutschland. Nach dem Einstieg von Bund
und Land Niedersachsen war das Schiffbau-Unternehmen durch
die Corona-Pandemie, den Ukraine-Krieg und die Inflation massiv
ins Straucheln geraten. Die Zusammenarbeit mit dem Meyer-
Stammsitz musste schließlich aufgrund der neuen Eigentümerverhältnisse
aufgekündigt werden. »Ich verstehe das nicht, es
lief gut«, sagt Jan Pettersson dazu knapp.
Die Perspektive für Meyer Turku hingegen hat erst kürzlich die
US-Reederei Royal Caribbean verschönert. Während hinter der
»Legend of the Seas« bereits die Schwester »Hero of the Seas«
im Trockendock wächst, ist ein fünftes Schiff der Baureihe fest
bestellt. Es soll 2028 fertig sein, Nummer sechs und sieben hat
Royal Caribbean optioniert. Die Auftragsvergaben gelten als sicher.
Das untermauert auch eine Vereinbarung zwischen Werft
und Reederei, die Royal Caribbean das Recht sichert, bis 2036
Schiffe auf der Werft in Turku zu bauen.
»Wir sind alle sehr stolz darauf, hier bei uns die größten und
besten Kreuzfahrtschiffe der Welt bauen zu dürfen«, sagt Jan
Pettersson beim Blick auf den Ausrüstungskai.
Die »Legend of the Seas« am Ausrüstungskai
der Werft Meyer Turku in Finnland
© Assies
38 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Blick in das Innere der »Pearl«
(l.) und auf Abnahme-Arbeiten
der Reederei (r.)
© Assies
© Assies
Es ist nicht nur die schiere Größe der »Legend of the Seas«,
die beeindruckt, die Schiffe der Baureihe sind mit Kosten von
jeweils knapp über einer Milliarde Euro auch vollgestopft mit
innovativen Schiffbau-Lösungen. Dazu gehört zum Beispiel der
»Aqua Dome«, der auch das äußere Erscheinungsbild des Schiffes
ganz vorn, ganz oben prägt. Tagsüber können die Gäste einen
220-Grad-Blick auf den Ozean genießen, abends und nachts
verwandelt sich der Bereich in einen Entertainment-Bereich, in
dem ein Wasserfall von der Decke integriert wird. Hier finden die
charakteristischen »Aqua-Shows« statt. In die Shows wird zudem
ein 5 m tiefer Pool integriert, der gemeinsam mit dem Wasserfall
dafür sorgt, das 50 % des gesamten Wasserverbrauchs an Bord
allein auf den »Aqua Dome« entfallen. Im Gegenzug sollen 93 %
des Frischwassers an Bord produziert werden.
Wenn später die Passagiere auf Deck fünf über zwei Gangways
das Schiff betreten, taucht im Inneren zunächst »The Pearl«
dominierend auf. Die runde Konstruktion ist 14 m hoch und
hat einen Durchmesser von 15 m. Gewicht: Schwerer als eine
Boenig 747 und damit mehr als 180 t. »The Pearl« soll nicht nur
Eyecatcher sein, die Konstruktion ist zugleich essentiell für die
Stabilität des Schiffes und trägt die darüber liegenden Decks.
Durch sie war es den Schiffbauern zufolge erst möglich, großzügige
Innenbereiche an Bord zu schaffen. Deutlich wird beim
ersten Gang über die Legend of the Seas: Treppenhäuser sind
großzügig geschnitten, der Bereich vor den Liften ist geräumig
und viele Bereiche haben vergleichsweise große Deckenhöhen.
In der Pearl sorgen 600 LED-Panels mit Spiegeln für verschiedene
Illuminationen – insgesamt 110 Minuten funkelnder Content
für den perfekten »Instagram-Spot« an Bord. »Instagramable« wird
aber auch der »Central Park« im Herzen des Schiffs. Wie schon bei
den Schwestern und erstmal auf den Cruisern der Oasis-Klasse
sprießen hier bald mehrere 10.000 echte Pflanzen. Aktuell erhalten
die stählernen Beete dafür den Feinschliff. Der Großteil der
Pflanzen wird aufgrund der wärmeren Außentemperaturen kurz
vor der ersten Kreuzfahrt im spanischen Cádiz gesetzt.
Ein neues Restaurant, die »Royal Railway – Legend Station«
soll die perfekte Illusion einer Zugfahrt in einem historischen
Waggon schaffen. In zwei »Waggons« haben insgesamt 58 Gäste
Platz. Über Bildschirme werden die Gäste »in echte, aber auch in
Fantasiewelten entführt. Der Waggon bietet ein echtes Zug-Erlebnis«,
verspricht Jaen Marilou aus dem Produktentwicklungs-
Team von Royal Caribbean. Aktuell ist hier von Partnerfirmen der
Werft noch viel zu tun, lediglich die Waggons sind bereits gut
erkennbar.
Wie ihre Schwestern »Icon of the Seas« und »Star of the
Seas« vorwiegend für US-Gäste in der Karibik soll nun auch die
»Legend of the Seas« im Mittelmeer Maßstäbe für den Familienurlaub
setzen. Die Reederei sieht Europa als strategischen
Wachstumsmarkt mit einer stabilen Nachfrage und der Fähigkeit,
auch große Schiffe zu tragen. »Europa ist bereit für einen
›Icon-Cruiser‹«, sagt Jaen Marilou von Royal Caribbean. Sie hat
schon bei dem ersten Schiff der Baureihe mitgearbeitet, hat auf
der »Legend of the Seas« nun eine Führungsrolle im Team der
Neubau-Abteilung.
Die Nachfrage nach Mehrgenerationenurlaub auf dem Kreuzfahrtschiff
steigt Royal Caribbean zufolge vor allem im wichtigsten
Markt der Reederei, den USA, stetig an. Die zweitgrößte
Kreuzfahrt-Reederei nach der Carnival Corporation reagiert mit
den Superlativen der Icon-Class. Die Größe erlaubt verschiedene
Freizeitbereiche und gleichzeitig eine Vielzahl von Rückzugsorten.
Paare, Familien mit Kindern – alle Generationen sollen an
Bord ihren Bereich finden. Das Schiff verfügt dafür über acht
Themenbereiche, mehr als 40 Restaurants und Bars sowie zahlreiche
Freizeitangebote. Zu den Highlights zählen der Hochseilgarten
»Crown’s Edge«, der Wasserpark »Category 6« und mehrere
Pools, darunter der Infinity-Pool »Hideaway«. ■
Die HANSA an Bord – Galerie online
Für diesen Artikel haben wir uns auf
der Werft und an Bord der »Legend
of the Seas« umgeschaut. Dabei sind
noch viele weitere Bilder entstanden,
zum Teil mit Blick auf innovative
Technologien. Wir konnten aber auch
Hinweise auf die wechselvolle Historie
der Werft finden. Auf unserer Homepage haben wir eine
Galerie mit vielen weiteren Impressionen für Sie zusammengestellt.
Einfach den QR-Code scannen!
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
39
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Towards Coherent Data
and Information Architecture
The maritime industry’s digital transformation remains constrained by structural barriers.
While integrated data environments and digital twins are becoming standard in other sectors,
shipbuilding and shipping still struggle with fragmented data, long asset lifecycles, and complex
stakeholder structures
© AI-generated
Data flows in the maritime industry often remain fragmented between design, shipyard and shipowner. Digital asset management
systems are intended to change that.
The maritime industry stands at a crossroads.
While digital transformation promises
efficiency, sustainability, and smarter
decision-making, shipbuilding and shipping
still grapple with fragmented data
flows and limited use of digital assets.
Unlike other industries, where integrated
systems and digital twins are becoming
the everyday reality, shipbuilding’s long
project development lifecycle and multi-stakeholder
complexity have slowed
the use of digital data and delayed digital
transformation.
The Ship Lifecycle:
A Data Challenge
A commercial vessel’s journey from concept
to decommissioning can span 25 to
30 years. During this time, technology and
operational practices evolve dramatically,
but data management often lags behind.
The design and construction phase alone
may take up several years, with series production
extending for decades. Each phase
involves numerous collaborators – naval architects,
engineers, shipyards, owners, and
classification societies – who generate and
use their own data models, rarely unified
or reused by other stakeholders or across
stages. Stakeholder perspectives further
complicate matters. Shipowners focus on
requirements, contracts, and validation
of operational efficiency; naval architects
emphasize design solutions and require
extensive research; shipyards prioritize the
construction phase and business efficiency.
These differing views result in varied data
outputs and IP ownership, making continuity
a challenge.
Data Origins
and Uses
Comparisons with data and information
management in automotive and aerospace
industries reveal the value of standardized
data methodologies in typical software solutions:
CAD, PDM, PLM, and the Bill of Materials
(BOM). The mature methodologies
facilitate the digital thread: a seamless flow
of information across engineering, design,
manufacturing, and service stages. In shipbuilding,
however, such concepts are only
beginning to gain traction, often hindered
by proprietary data storage standards by
software vendors and fragmented ownership
of data.
Three perspectives shape maritime data
management. Classification of data by purpose
and use cases, with systems like SFI
providing advanced codification for data
storage inside software databases. Taxonomy
and data transfer protocols define
data standards and structures. Historically,
all data formats relied on proprietary data
formats developed by software vendors and
initiatives like 3D classification and data exchange
format 3D OCX at early stages of development
and adaptation across industry
40 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
© NAPA
The graphic shows a data framework across the ship lifecycle – from design, construction and commissioning to operation, maintenance and
recycling. As data maturity increases, the digital model gradually evolves into a digital twin.
stakeholders. Intellectual Property Rights
(IPR) or data ownership typically
Digital Models,
Twins and Threads
Modern shipbuilding increasingly leverages
digital models aimed at the separate needs
and purposes of different stages of the lifecycle.
Dimensions of data present a view
on what data needs to be managed within
the lifecycle: 1D data (specifications, simulations,
and engineering data), 2D drawings,
3D models, and 4D scheduling are now
complemented by emerging dimensions:
5D (cost), 6D (sustainability), and 7D (lifecycle
operations). The ultimate goal is an N-Dimension
digital twin—an AI-driven, multi-dimensional
model, connected with a physical
asset, that optimizes performance, routes,
and energy consumption in real time and
uses all the data and models emerging during
engineering, design, construction, and
operations of vessels.
The industry aspires to universal digital
twins, but achieving this requires
robust data ontology and taxonomy, as
well as collaborative practices across the
value chain.
Towards Digital Asset
Management
Fragmented data use remains a major
obstacle. Large projects may involve hundreds
of specialized 3D models locked in
Maritime Future Summit
to Spotlight AI
The Maritime
Future Summit
at SMM 2026 in
Hamburg will
focus on the
growing role of
generative AI in
shipping, especially its impact on
ship design, operations, and fleet
efficiency. Held on 2 September
as an open-stage conference on
the exhibition floor, the event will
highlight practical applications
such as digital twins, intelligent
classification, autonomous
systems, and large language
models. It will be moderated
by Volker Bertram of the World
Maritime University and Michael
Meyer of HANSA.
the specialized software data storage, leading
to recreation of data, manual transfers,
and errors. Product Lifecycle Management
(PLM) systems promise a single source of
truth, but their adoption is costly, laborious,
and limited. Emerging AI PLM capabilities—such
as dedicated Small Language
Models (SLMs)—could orchestrate data
and applications, unlocking new efficiencies,
but require solid data structures and
development, as the technology is not yet
mature enough to provide a reliable foundation
for the roles of expensive technology
integrators in the shipyards. Digital
asset management offers a path forward;
however, it requires cooperation between
engineering, shipbuilding, and ship operations,
standardization of data formats,
and a shift in mindset among stakeholders.
The lifecycle of software tools (typically
3–5 years) is much shorter than that of
ships, making long-term data continuity a
challenge.
To unlock the full potential of digital transformation,
the maritime industry must:
• Develop and adopt standardized data
ontologies and taxonomies for data
specific to shipbuilding processes.
• Redefine data ownership models
on contractual levels and transition
from drawing-driven to data-driven
processes.
• Ensure long-term data continuity
across the ship lifecycle.
• Embrace emerging technologies
like AI-managed digital models and
digital twins.
This shift is not merely technical—it’s strategic.
Coherent digital asset management will
drive lifecycle efficiency, sustainability, and
competitiveness in the shipbuilding and shipping
industries over the upcoming decades.
Authors:
Hideyuki Ando & Ludmila Seppälä
NAPA
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
41
DIGI HUB
»TT CLUB INNOVATION IN SAFETY AWARDS«
Sick gewinnt Safety Award für 3D-LiDAR-Lösung
Der deutsche Hersteller von Sensoren
und Sensorlösungen Sick ist bei den
diesjährigen »TT Club Innovation in Safety
Awards« in der Kategorie »Turning
data into insight« ausgezeichnet worden.
Prämiert wurde dabei der Sensor
»multiScan100-S«, den die Jury als ersten
sicherheitszertifizierten 3D-LiDAR-
Sensor mit »Safe Multi-Echo Technology«
hervorhob.
Nach Angaben der Veranstalter kann
das System Hindernisse auch unter
schwierigen Bedingungen wie Regen,
Nebel und Staub erkennen. Damit soll
automatisiertes Containerumschlag-
Equipment seine sicherheitsrelevanten
Erfassungsbereiche aufrechterhalten
und zugleich mit hoher Geschwindigkeit
arbeiten können, ohne dass es zu
Fehlalarmen kommt.
Die Auszeichnung wurde von der internationalen
Cargo-Handling-Organisation
Ichca vergeben und von TT Club mitgetragen.
Beide Organisationen verfolgen mit
Für mehr Sicherheit wurde der 3D-LiDAR-Sensor »multiScan100-S« von Sick ausgezeichnet
dem Preis das Ziel, Innovationen sichtbar
zu machen, die die Arbeitssicherheit in
der Frachtabfertigung verbessern.
Richard Steele, CEO von Ichca, erklärte,
die prämierten Innovationen stünden
für echte Fortschritte bei zentralen
© Sick AG
Sicherheitsfragen im Cargo Handling.
TT Club verwies zudem darauf, dass
solche Lösungen dazu beitragen könnten,
Sicherheitsstandards in der Branche
weiterzuentwickeln und praxisnah
umzusetzen
■
SOMMER CABLE
Neues Unterwasserkabel mit Waterblocking-Tapes
© Sommer cable
Sommer cable aus Straubenhardt erweitert sein Angebot um ein Mikrofonkabel für maritime Anwendungen
Der in Straubenhardt ansässige Kabelund
Anschlusstechnik-Experte Sommer
cable hat ein neues Mikrofonkabel auf
den Markt gebracht, das auch für maritime
Einsätze geeignet ist. Das Aramidverstärkte
110-Ohm-Mikrofonkabel aus
der »Aqua Marinex«-Serie ist für die
dauerhafte Verlegung in bis zu 20 m
Wassertiefe und in feuchten Bereichen
geeignet.
Dank seines speziellen Waterblocking-
Tapes bleibt das »SC-Aqua Marinex Aramid
Mikro14« dicht. So bietet es nach
Angaben des Herstellers ein vielfältiges
Einsatzspektrum: von der Installation
in Freizeitparks, Sportarenen und Tierparks
bis hin zu Anwendungen im Übertragungswagen,
in Küstennähe oder im
Bootsbau.
Sommer cable hat für die Entwicklung
professionelle Anwender im Blick, die
sich auch unter extremen Bedingungen
auf ihre Technik verlassen müssen.
Aufgrund seiner Beschaffenheit soll
das Kabel hohe Einsatzflexibilität und
ist abriebfest aufweisen, kälteflexibel,
trommelbar und bestens geeignet für
anspruchsvolle 110-Ohm-Anwendungen
wie AES/EBU- oder 3-polige DMX-
Übertragungen.
Der Kabeldurchmesser von 6,2mm
sorgt dafür, dass die Leitung exakt
mit der Zugentlastung der HI-Marlin-
Verbinder des Herstellers abschließt
und in Kombination »eine zuverlässige
Wasserdichtigkeit nach IP67 gewährleistet«.
Gleichzeitig lasse sich das Kabel
besonders einfach und ohne umständliche
Handgriffe verarbeiten.
■
42 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
DIGI HUB
MARITIME DIGITALISIERUNG
Hamburger Hafen stärkt Cyber-Resilienz mit Singapur
Die Vereinbarung soll die Zusammenarbeit zwischen HPA und MPA intensivieren
Die Schifffahrts- und Hafenbehörde Singapurs
(MPA) hat eine Absichtserklärung
mit der Hamburger Hafenbehörde (HPA)
sowie dem Singapore Institute of Technology
(SIT), der Singapore University of
Technology and Design (SUTD), der Universität
Hamburg und der TU Hamburg
unterzeichnet.
Ziel ist die Stärkung der Zusammenarbeit
im Bereich maritimer Cybersicherheit
– ein Folgeschritt nach einer bereits
2024 geschlossenen Vereinbarung zu
Digitalisierung, Dekarbonisierung und
Cybersicherheit.
Die Beteiligten wollen gemeinsam
Technologien zur Stärkung der Cyberresilienz
im Hafenbetrieb entwickeln. Dies
umfasst den Angaben zufolge Sicherheitssysteme,
unbemannte Überwasserschiffe,
ferngesteuerte Schiffsbetriebssysteme,
bordseitige Betriebstechnologie
und die Vernetzung von Schiff und Land.
Außerdem sollen »bewährte Verfahren«
ausgetauscht werden, »um die Vorsorge
und die Reaktion auf Sicherheitsvorfälle
zu verbessern«. »Da Häfen zunehmend
digitalisiert und vernetzt werden, ist Cybersicherheit
zu einer zentralen operativen
Priorität geworden«, erklärte David
Foo, stellvertretender MPA-Chef.
HPA-Finanzchef Tino Klemm nannte die
Kooperation einen »wichtigen strategischen
Schritt«: Durch den Austausch von
Fachwissen und die Angleichung technischer
Ansätze verbessere man die Widerstandsfähigkeit
gegenüber digitalen Bedrohungen
erheblich. Die Vereinbarung
baue auf einer fast zehnjährigen Partnerschaft
auf und stärke die Sicherheit
globaler Lieferketten.
■
© HHLA
Connecting Port-Call Stakeholders
The Kaleris Cargo Data Exchange Hub
HHLA
© HHLA
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
43
www.kaleris.com
HÄFEN | PORTS
Zwiespalt zwischen Sicherheit und
Rendite: Europas Häfen in neuer Rolle
Es geht um mehr Handlungsspielraum auf der einen Seite und eine anpasste politische
»Begleitung« auf der anderen Seite: Die europäischen Seehäfen sehen sich mit einer neuen
Realität und einer immer länger werdenden Liste an Herausforderungen konfrontiert.
Isabelle Ryckbost, Generalsekretärin der European Sea Ports Organization, setzt im Gespräch
mit der HANSA auf Lerneffekte in der Politik. Von Michael Meyer
Vor nun wahrlich nicht allzu langer Zeit
ging es bei Fragen der Hafenpolitik vor
allem um die beiden großen »D«: Dekarbonisierung
und Digitalisierung. Setzte
nach dem Start des russischen Angriffskriegs
gegen die Ukraine zunächst ein
eher zögerliches Umdenken ein, hat sich
das Bild der Debatte in den letzten Monaten
nochmal massiv verändert. Militärische
Operation, der Iran-Krieg von US-
Präsident Donald Trump, Drohgebärden
auf See und die Frage der Verteidigungsfähigkeit
dominieren viele Gespräche.
Sehr oft im Schlepptau: Die Seehäfen
und ihre Infrastruktur als Drehscheiben
für Militärlogistik. Es geht um Milliarden-
Investitionen, wie das Beispiel Bremerhaven
zeigt. Für den deutschen Hafen
an der Weser hat der Bundestag eine
Rekordförderung für die »neuen« sicherheitspolitischen
Anforderungen der Zeitenwende
freigegeben (HANSA 12/25).
Manchmal scheint es, dass bei aller
Fokussierung auf die militärischen Anforderungen
das Thema Dekarbonisierung
an Bedeutung verliert. Bei der ESPO
sieht man das jedoch anders: »Es ist offensichtlich,
dass Wirtschaft und Gesellschaft
derzeit mit einem beispiellosen
Ausmaß geopolitischer Spannungen in
und um Europa herum konfrontiert sind.
Die geopolitische Krise kommt aber zur
Klimakrise hinzu, nicht an deren Stelle«,
sagt Generalsekretärin Ryckbost. Sie
sieht an genau dieser Stelle der Debatte
ein weiteres Problem: »Die Liste der
Herausforderungen wird immer länger,
und wir sollten nicht behaupten, die
Klimakrise sei ›unter Kontrolle‹ oder die
Notwendigkeit der Dekarbonisierung sei
weniger dringlich.«
Beides hat für die erfahrene Hafenstimme
eine hohe Dringlichkeit: die Dekarbonisierung
und die militärischen Bereitschaft.
Die Stärkung der allgemeinen
Resilienz Europas erfordert ihrer Ansicht
nach eine Politik, die integriertere und
effizientere Wege zur Erreichung der
Ziele sucht. »Es gibt keine Zeit und kein
Geld zu verlieren: Vereinfachte Genehmigungsverfahren
würden sowohl die
Dekarbonisierung als auch Infrastrukturprojekte
zur Stärkung der Resilienz Europas
fördern.«
Die Klimaneutralitätsziele sollten beibehalten
werden, meint Ryckbost, um
allerdings gleich eine Forderung zu stellen:
»Ein gewisses Maß an Pragmatismus
und Handlungsspielraum sollte es den
Häfen ermöglichen, den effizientesten
Weg zur Emissionsreduzierung zu wählen
und die dafür notwendige Infrastrukturentwicklung
sowie die entsprechende
Unterstützung zu fördern – je nachdem,
Isabelle Ryckbost – Generalsekretärin der
European Sea Ports Organization
© ESPO
was am sinnvollsten ist.« Einheitliche
oder standardisierte Lösungen sind für
sie nicht zielführend.
Je nach nach Rolle und geografischer
Lage sind die Häfen des Kontinents in
unterschiedlichem Ausmaß mit der Frage
nach militärischer Kapazität befasst.
»Generell lässt sich jedoch sagen, dass
die Häfen mit einer deutlich höheren
Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen
Entwicklung und größerer Volatilität
konfrontiert sind, was die Investitionsplanung
erschwert«, meint die ESPO-Generalsekretärin.
Das Nebeneinander von wirtschaftlichen
und politischen Zwecken habe
sich deutlich gewandelt: »Die aktuellen
Herausforderungen erfordern für die
europäischen Häfen eine Rolle, die nicht
rein kommerziell, sondern vielmehr im
öffentlichen Interesse liegt. Das bedeutet,
dass Häfen, die in der jüngeren Vergangenheit
zunehmend als Wirtschaftsunternehmen
verstanden wurden, nun
Verantwortung übernehmen müssen,
die keine ausreichende Rendite auf Investitionen
verspricht.«
»Just in Case« statt
»Just in Time«
Es wird nicht zuletzt schlichtweg mehr
Platz benötigt als zuvor. Ryckbost wird
nicht müde, den ESPO-Mitgliedern zu
vermitteln, dass sie sich mehr denn je
auf den Notfall vorbereiten müssen, anstatt
im Fall der Fälle nur zu reagieren.
Das Motto ist für sie »Just in Case« statt
»Just in Time«.
Die Seehäfen gelten generell als wichtige
Säule für eine stärkere Resilienz
Europas – sowohl als wesentlicher Be-
44 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
HÄFEN | PORTS
Die European Sea Ports
Organization
Die ESPO vertritt auf EU-Ebene die
Hafenbehörden, -verbände und
-verwaltungen der Seehäfen von
21 Mitgliedstaaten der Europäischen
Union und Norwegen.
Mitglieder mit Beobachter-Status
kommen außerdem aus Albanien,
Island, Montenegro, der Ukraine
und Großbritannien. 1993 aus einer
Arbeitsgruppe der Europäischen
Kommission hervorgegangen, versteht
sich die ESPO als »wichtigste
Schnittstelle zwischen europäischen
Seehäfen und den europäischen
Institutionen sowie deren
politischen Entscheidungsträgern«.
© almathias/Pixabay
Die Europäische Kommission ist eine zentrale Anlaufstelle für die ESPO in der Hafenpolitik
standteil der Notfall- und Energieversorgungskette
als auch als »Möglichmacher«
militärischer Mobilität.
Bei der ESPO sieht man das selbstredend
ein. Gleichzeitig wird an die Politik
appelliert, die neuen öffentlich-rechtlichen
Aufgaben auch öffentlich-rechtlich
zu unterstützen und die Häfen zu
schützen.
Das gilt im Übrigen nicht nur für physische
Bedrohungen. Cyber-Angriffe
sind ebenfalls eine große Herausforderung
für die Häfen, gerade angesichts
ihrer zunehmend strategischen Bedeutung.
»Es ist wichtig, die Cyberresilienz
zu stärken und sicherzustellen, dass
alle Häfen und alle Akteure im Hafenbereich,
auch die kleineren, sich dessen
bewusst sind und daran arbeiten«, sagt
Ryckbost. Sie setzt dabei auch auf die
kürzlich veröffentlichte EU-Hafenstrategie.
Darin heißt es unter anderem, dass
ein spezielles Forum von Cybersicherheits-
und Hafenbehörden eingerichtet
werden soll. »Ich denke, dies könnte
eine vertrauensvolle Plattform sein, um
diese Themen zu diskutieren und Informationen
sowie bewährte Verfahren
auszutauschen«.
»Hoffentlich wurden Lehren
daraus gezogen«
Die ESPO-Generalsekretärin sieht in
den neuen Anforderungen an die Häfen
nicht nur Probleme, sondern in der
neuen Wahrnehmung auch eine Chance.
»Während sie lange Zeit lediglich als
Orte zum Be- und Entladen von Gütern
galten, haben die Regierungen inzwischen
erkannt, dass Häfen maßgeblich
für das Funktionieren und Wachstum
der europäischen Wirtschaft und Gesellschaft
sind und insbesondere in
Krisenzeiten dringend benötigt werden.
Wir hoffen, dass daraus Lehren
gezogen wurden und die Regierungen
die Notwendigkeit erkennen, Europas
Häfen zu unterstützen, zu fördern, zu
schützen und zu stärken.«
Sie zeigt sich insgesamt überzeugt,
dass es unerlässlich ist, den Häfen von
politischer Seite einen gewissen Handlungsspielraum
einzuräumen. Nur so
könnten sie schnellstmöglich auf das
sich wandelnde geoökonomische und
geopolitische Umfeld reagieren und
über eine solide wirtschaftliche Basis
verfügen, um ihren Aufgaben im öffentlichen
Interesse besser gerecht zu
werden. Starre, einheitliche Vorgaben
oder belastende Verwaltungsverfahren
nennt Ryckbost dagegen »kontraproduktiv«.
»Wir müssen unbedingt vermeiden, dass die Politik versucht, das
Problem anstelle des Marktes zu lösen, indem sie für jeden Hafen
Vorgaben oder Anforderungen festlegt und einen Markt reguliert,
der in der Realität völlig anders funktioniert.«
ESPO-Generalsekretärin Isabelle Ryckbost
Das gilt in ähnlicher Form auch für
die Dekarbonisierung beziehungsweise
für die Rolle der Häfen dabei. Klar ist,
dass es künftig einen breiteren Kraftstoff-Mix
geben wird und die entsprechende
Bunker-Infrastruktur angepasst
werden muss. Es wird sich noch zeigen,
welche Kraftstoffe in welchen Häfen mit
welcher Infrastruktur zur Verfügung gestellt
werden müssen.
Für die ESPO-Generalsekretärin ist
das eine Frage, die der Markt beantworten
muss: »Wir müssen unbedingt vermeiden,
dass die Politik versucht, das
Problem anstelle des Marktes zu lösen,
indem sie für jeden Hafen Vorgaben
oder Anforderungen festlegt und einen
Markt reguliert, der in der Realität völlig
anders funktioniert.«
■
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
45
HÄFEN | PORTS
»Reeder sparen Millionen mit ESI-Rabatt«
Der Hamburger Compliance-Dienstleister Oceanscore ist von der International Association
of Ports and Harbors (IAPH) exklusiv mit dem Management des Environmental Ship Index
beauftragt worden. Geschäftsführer Albrecht Grell sieht große Potenziale und warnt vor
zusätzlichen Daten-Töpfen
Von welcher Größenordnung sprechen wir bei dem Programm
aktuell?
Albrecht Grell: Weltweit nehmen mittlerweile 6.800 Schiffe
am ESI. Sie erhalten Discounts in mehr als 100 Häfen.
Damit ist es das weltweit führende Nachhaltigkeitsprogramm.
Derzeit spielen die internationale Geopolitik und das Thema
Sicherheit – sowohl physisch als auch im Cyber-Bereich – eine
größere Rolle in der Schifffahrt als das Thema Dekarbonisierung.
Zumindest kann man diesen Eindruck bisweilen nicht
verhehlen. Bemerken Sie aus Ihrem Alltag eine geringere
»Awareness« für Letzteres bei Reedern und/oder Häfen?
Grell: Natürlich haben Reedereien zur Zeit ganz konkrete,
andere Sorgen – insbesondere dann, wenn sie noch
Schiffe im Persischen Golf haben. Aber das sind hoffentlich
temporäre Herausforderungen. Die Relevanz der
Dekarbonisierung wird bei Reedereien unvermindert als
strategisch zentral gesehen und entsprechend vorangetrieben.
Sie wollen weitere Häfen für das Incentive-Programm gewinnen:
Wie wollen Sie dafür vorgehen?
Grell: Die Schiffahrt als globale Branche leidet unter der
immer weiter fragmentierenden Regulatorik. Wenn Nachhaltigkeit
und »Clean Air« ein Thema für Häfen sind – und
das sind sie – dann macht es einfach keinen Sinn, wenn
jeder Hafen eigene Programme auflegt. Ein weltweit einheitliches
Regime ist einfacher und wirksamer. Das verstehen
viele Häfen.
Albrecht Grell – Geschäftsführer Oceanscore
Per Automatisierung soll die Teilnahme für Reedereien und
Häfen weiter vereinfacht werden: Was ist diesbezüglich konkret
möglich?
Grell: Wir arbeiten derzeit zusammen mit der IAPH daran,
den ESI zu vereinfachen. Dazu gehört auch, dass die
© Oceanscore
Der Environmental Ship Index der IAPH
ESI ist der Environmental Ship Index der International Association of Ports and Harbors. Kern ist die Schaffung von Anreizen
für einen sauberen Schiffsbetrieb, um die Luftqualität in Häfen zu verbessern. Dabei werden die NOx-, SOx- und CO2-Emissionen
der teilnehmenden Schiffe bewertet. Wenn sie unter den vorgebenen Mindeststandards liegen, erhalten Schiffe in den
teilnehmenden Häfen Rabatte auf die Port Fees. Es gibt bereits Punkte für das Basis-Reporting, für den Einsatz von Tier IIoder
Tier III-Maschinen oder für das gelegentliche Nutzen von Low Sulfur Fuels. Die Rabatte werden in der Regel automatisch
durch die Häfen gewährt, sobald ein entsprechender Score im ESI-System hinterlegt ist
Schiffe aller Segmente und Größenklassen können partizipieren. Die teilnehmenden Häfen sind weltweit verteilt, mit Schwerpunkten
in Nord- und West-Europa, Japan und Taiwan, Nordamerika sowie Brasilien, aber auch in Oman, Indien oder am
Mittelmeer. Die Kosten liegen bei 372€ je Schiff und Jahr – bei Schiffen unter 20.000GT ist es die Hälfte.
Die IAPH hat den Hamburger Dienstleister Oceanscore mit dem Management des ESI betraut. Dazu gehört die Entwicklung
nutzerfreundlicher IT Systeme, das Einsammeln und Verifizieren der benötigten Daten und die Errechnung der jeweiligen ESI-
Scores und die Sicherung durchgängiger.
46 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
HÄFEN | PORTS
für eine Bewertung von Schiffen
benötigten Daten auf die ohnehin
verfügbaren Berichte abgestimmt
werden.
Wir haben APIs/Datenschnittstellen
zu allen wesentichen Verifizierern
und Reporting-Lösungen
geschaffen. Darüber können
wir viele der benötigten Daten automatisiert ziehen
– insbesondere bei Kunden des Compliance Managers
von Oceanscore, wo die meisten der benötigten Daten
sowieso vorliegen.
Sind die Häfen auf eine weitere Automatisierung des Reporting
vorbereitet?
Grell: Oceanscore stellt den Häfen die Scores der teilnehmenden
Schiffe automatisiert zur Verfügung. Die
meisten Häfen sind darauf gut vorbereitet.
Was ist Ihre Erfahrung im »Alltag«: Ist die Reportingund
Daten-Kapazität (und -Bereitschaft) bei Reedern
ausreichend?
Grell: Ja. Die Regulierungen MRV, EU ETS und FuelEU
Maritime große Fortschritte erzwungen, die Datenseite
ist heute nicht mehr das Problem.
(Anmerkung der Redaktion: MRV ist eine internationale
Vorgabe für »Monitoring, Reporting, Verfication«, EU
ETS ist das mittlerweile auch für die Schifffahrt gehltende
Emissionshandelssystem der Europäischen Union,
FuelEU Maritime ist ein System, dass Strafzahlungen
beim Überschreiten bestimmter Emissionswerte von
Schiffen vorsieht.)
Wer benötigt Ihrer Erfahrung nach mehr »Support«: Häfen
oder Reedereien?
Grell: Die Berichtsanforderungen liegen bei den Reedern,
dort liegt also auch die Komplexität. Das ist
nichts, was Reedereien nicht hinbekommen. Aber es
muss gemacht werden, gegebenenfalls mit Unterstützung
von Oceanscore.
Das Hauptproblem hier – und das ist eines des ESI-
Programms und nicht der Reedereien – ist, dass viele
den Environmental Ship Index der IAPH noch gar nicht
kennen oder eine falsche Wahrnehmung der Vorteile
einer Teilnahme haben. Das muss sich ändern: Reedereien
sparen hier jedes Jahr Millionen über die ESI-Discounts
– das sollte man sich nicht entgehen lassen. Für
Seehäfen sind die datenseitigen Herausforderungen
überschaubar.
Ist der ESI Ihrer Ansicht nach generell
passgenau arrangiert für
die Praxis in der Schifffahrt?
Grell: Jein. Der Fokus auf Noxund
Sox-Emissionen ist aus
Sicht der Häfen richtig und
nachvollziehbar. Bei der Art der
ESI-Score-Ermittlung und der
Datenanforderungen kann aus Sicht von Reedereien
allerdings noch nachgeschärft werden. Wir arbeiten
mit der IAPH an einer Weiterentwicklung.
Lässt sich der ESI Ihrer Ansicht mit weiteren Regulierungen
koordinieren beziehungsweise technisch verbinden?
Grell: Das muss das Ziel sein. Zum einen macht es keinen
Sinn, lokal eigene Hafenprogramme aufzulegen
– wer soll denn all das Reporting noch leisten? Zum
anderen müssen Reedereien schon heute in tausende
Richtungen irgendwelche Zahlen berichten. Daten
liegen in diversen Datenbanken vor. Aus diesem reichen
Topf sollte und wird sich ESI bedienen - und keine
weiteren Datentöpfe aufmachen.
■
Unsere Häfen.
Ihre Zukunft.
www.nports.de
Wie sind deutsche Häfen Ihrer Ansicht nach diesbezüglich
aufgestellt?
Grell: Gut. In ihren jeweiligen Größenklassen sind
unsere Häfen absolut vorne dabei. Es fällt allerdings
auf, dass in einem Land wie Deutschland nach wie vor
einige Häfen an einem so wichtigen Programm wie
ESI nicht teilnehmen. Das kann so nicht bleiben.
Folgen Sie uns auf
HÄFEN | PORTS
»Wir wollen die Arbeit im
Containerumschlag sicherer und
effizienter gestalten«
Seal Robotics entwickelt Robotiklösungen für sicherheitskritische Prozesse im
Containerumschlag. Im Interview spricht CEO Marie-Elisabeth Makohl über die Automatisierung
von Twistlock- und Pin-Handling, laufende Pilotprojekte und die Herausforderungen auf dem
Weg in den Terminalbetrieb
Wie ist die Idee zu Seal Robotics entstanden,
und welches konkrete Problem im
Containerumschlag wollen Sie mit Ihrer
Technologie lösen?
Marie-Elisabeth Makohl: Die Idee zu
Seal Robotics ist aus einer sehr persönlichen
Erfahrung heraus entstanden.
Vor einigen Jahren entschied ich
mich bewusst dafür, mehrere Wochen
auf einem Containerschiff im Europäischen
Nordmeer und im Nordatlantik
mitzufahren, um meine langjährige
Begeisterung für Logistik zu vertiefen.
Dort habe ich aus nächster Nähe beobachtet,
wie anspruchsvoll die Arbeit im
Containerumschlag wirklich ist: hoher
Zeitdruck, schwierige Wetterbedingungen
und körperlich extrem belastende,
repetitive Tätigkeiten. Diese Zeit an
Bord hat mir deutlich vor Augen geführt,
dass gerade sicherheitskritische
manuelle Aufgaben wie das Twistlock-
Handling an Schiffen oder das PinHandling
an Zügen – also das Bedienen der
Verriegelungsmechanismen zur Containersicherung
– dringend nach moderner
Technologie verlangen.
Mit Seal Robotics entwickle ich gemeinsam
mit meinem Team robotische
Systeme, die genau diese bislang
weitgehend manuellen Prozesse automatisieren.
Unser Ziel ist es, Terminals
angesichts von Fachkräftemangel,
wachsendem Zeitdruck und hohen Sicherheitsanforderungen
zu unterstützen
und ihnen stabilere, planbarere
und schnellere Abläufe zu ermöglichen.
Im Kern geht es uns darum, echte Praxisprobleme
zu lösen und die Arbeit im
Containerumschlag sowohl sicherer als
auch effizienter zu gestalten.
Daniel Leidner und
Marie-Elisabeth Makohl
Wie funktioniert Ihr System im praktischen
Einsatz beim Handling von Twistlocks
und Pins?
Makohl: Unser System funktioniert im
praktischen Einsatz so, dass wir eine
modulare Robotiklösung bereitstellen,
die sich sehr einfach an die jeweiligen
Gegebenheiten verschiedener Terminaltypen
anpassen lässt. Die Basis bildet
dabei eine mobile Outdoor-Plattform,
etwa so groß wie ein Golfkart,
die sich aufgrund der langen, flachen
Wege im Hafen ideal für den Einsatz
eignet. Auf dieser Plattform befindet
© Seal Robotics
sich ein kollaborativer Roboter (Cobot),
der deutlich kleiner ist als industrielle
Schwerlastarme.
Für das Pin-Handling fährt das System
beispielsweise den gesamten Containerwaggon
entlang und setzt oder
löst die Pins automatisch. Beim Twistlock-Handling
wird die Plattform hingegen
direkt an der Kaimauer positioniert,
sodass der Roboter die Twistlocks
greifen und entriegeln kann. Ein spezieller
Greifer, passend für die Kraftanforderungen
beim TwistlockHandling,
die humanoide Roboter heute nicht
leisten können, befindet sich ebenfalls
in Entwicklung.
Durch diese modulare Bauweise
kann das System nicht nur Twistlocks
und Pins handhaben, sondern perspektivisch
auch weitere Tätigkeiten wie
Inspektion oder Wartung übernehmen.
Welche Arbeitsschritte auf der Terminalfläche
lassen sich damit automatisieren,
und worin liegt der konkrete Sicherheitsgewinn?
Makohl: Wir konzentrieren uns derzeit
auf das Twistlock-Handling im Hochseebereich,
das Twiststacker-Handling
in Binnenhäfen sowie das Pin-Handling
in intermodalen Terminals, in
denen Güter zwischen verschiedenen
Verkehrsträgern umgeschlagen werden.
In diesen Bereichen ersetzen wir
bereits heute Tätigkeiten, die bislang
manuell, zeitintensiv und sicherheitskritisch
sind. Nach Angaben von ICHCA
International ereignen sich rund 75 %
aller schweren Unfälle von Hafenarbeitern
im Zusammenhang mit Cargo
Operations.
48 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
HÄFEN | PORTS
Gleichzeitig verfolgen wir eine klare
Entwicklungsstrategie: Schritt für
Schritt wollen wir perspektivisch alle
weiteren händischen Tätigkeiten im
Hafen automatisieren und damit langfristig
sämtliche repetitiven, fehleranfälligen
und risikobehafteten Arbeitsschritte
vollständig digital und
autonom abbilden.
Der Sicherheitsgewinn entsteht vor
allem dadurch, dass Menschen nicht
mehr direkt zwischen oder an den
Containern arbeiten müssen. Unsere
Lösung übernimmt jene Schritte, bei
denen Mitarbeitende bislang in unmittelbarer
Nähe zu schweren Lasten agieren
mussten und damit erheblichen
Risiken ausgesetzt waren. Gleichzeitig
werden sämtliche Prozessschritte vollständig
überwachbar und nachvollziehbar,
sodass es nicht mehr zu Annahmen
im Lösch- oder Ladeprozess kommt, die
nicht der Realität entsprechen.
In welchem Entwicklungsstadium befindet
sich die Technologie derzeit, und laufen
bereits Pilotprojekte unter realen Betriebsbedingungen?
Makohl: Ja, wir führen in diesem Jahr
Pilotprojekte zur automatischen Sicherung
von Containern auf Zügen direkt
im operativen Terminalbetrieb durch.
Basierend auf den daraus gewonnenen
Erkenntnissen streben wir für 2027 den
Markteintritt an.
Ist Ihre Lösung vor allem für automatisierte
Greenfield-Terminals gedacht, oder
auch für den Retrofit in bestehende Anlagen?
Makohl: Unsere Lösung ist bewusst
beides: eine Retrofit‐Option für bestehende
Terminals und eine zukunftssichere
Technologie für neue, automatisierte
Anlagen. Zudem ist unsere
Technologie so ausgelegt, dass sie keine
durchgehende End‐to‐End‐Installationskette
benötigt und keinerlei Abhängigkeiten
zwischen verschiedenen
Terminals entstehen.
Wie hoch ist der Integrationsaufwand
in bestehende Terminalprozesse und IT-
Strukturen, etwa mit Blick auf Geräteklassen
und TOS-Anbindungen?
Makohl: Da die meisten Terminals mit
Systemen wie NAVIS arbeiten, setzen
wir auf Schnittstellen, die eine schnelle
und unkomplizierte Integration ermöglichen.
In der Praxis bedeutet das, dass
wir lediglich einen definierten Satz an
Informationen aus dem TOS exportieren
müssen. Falls gewünscht, können
wir verarbeitete Daten oder Statusinformationen
auch wieder in das TOS zurückspielen
– dies ist für die Funktionsfähigkeit
unserer Lösung jedoch nicht
zwingend erforderlich.
Welche technischen Herausforderungen
mussten Sie bislang lösen, etwa bei Präzision,
Sensorik, Witterungseinflüssen oder
Robustheit im 24/7-Betrieb?
Makohl: Unsere Systeme sind Bedingungen
wie Regen, salzhaltige Luft, Hitze,
Kälte oder direkter Sonneneinstrahlung
ausgesetzt. Daher mussten wir
sowohl für den Roboter, als auch den
Greifer und sämtliche weitere Bestandteile
unserer Lösung sicherstellen,
dass sie über ein IP67-Rating (Schutzklasse)
verfügen. Zudem müssen wir
die gleichen Bedingungen auch in der
Softwareentwicklung berücksichtigen:
Unsere Computer-Vision-Algorithmen
müssen zuverlässig funktionieren,
obwohl die Eingangsdaten durch
Regen, wechselnde Lichtverhältnisse,
Blendung oder Nebel stark beeinträchtigt
sein können. Das bedeutet, dass wir
unsere Modelle robust gegenüber Bildrauschen,
Bewegungsunschärfe und
optischen Störungen auslegen, adaptive
Filtermechanismen integrieren und
unsere Bewegungsplanung so gestalten
mussten, dass sie auch bei unvollständigen
oder kurzzeitig fehlerhaften
Sensordaten stabile, sichere Entscheidungen
trifft.
Welchen konkreten wirtschaftlichen Nutzen
versprechen Sie Terminalbetreibern
– etwa bei Produktivität, Personalbedarf,
Sicherheit oder Verfügbarkeit?
Makohl: Unsere Lösung ermöglicht es,
Abläufe zu automatisieren, die bislang
manuell durchgeführt werden. Dadurch
können Terminalbetreiber Container
schneller umschlagen, Stillstands- und
Wartezeiten reduzieren, Spitzenlasten
besser abfedern und Prozesse in gleichbleibend
hoher Qualität ausführen. Das
bedeutet nicht, Menschen zu ersetzen,
sondern Menschen dort einzusetzen,
wo sie den größten Mehrwert schaffen,
während kritische Prozesse automatisiert
stabil laufen.
Wo stößt die Technologie aktuell noch an
Grenzen?
Makohl: Eine der größten Herausforderungen
liegt in den extremen Umweltbedingungen
im Hafen. Robotik
wird hier mit Faktoren konfrontiert, die
in klassischen Industrieumgebungen
kaum vorkommen. Dazu gehört etwa,
Sensorik so auszulegen, dass sie auch
bei Nässe, Staub oder wechselnden
Lichtbedingungen zuverlässig arbeitet,
und mechanische Baugruppen so auszulegen,
dass sie vergleichbare Wartungsintervalle
erreichen wie Krane
oder andere etablierte Infrastruktur.
Zudem stellt die große Vielfalt an Twistlock‐Systemen,
in der Praxis rund 50
verschiedene Bauarten, eine große Herausforderung
dar, der wir mit unserer
KI-Lösung begegnen.
Was sind die nächsten Schritte bis zur
Markteinführung, und welche Kundengruppen
adressieren Sie dabei zuerst?
Makohl: Wir befinden uns derzeit in der
intensiven Testphase, in der wir unsere
robotischen Systeme unter realen Terminalbedingungen
weiterentwickeln
und validieren. Parallel dazu arbeiten
wir eng mit ausgewählten Pilotkunden
zusammen, um sicherzustellen,
dass unsere Technologie exakt auf die
operativen Anforderungen im Hafen
abgestimmt ist.
Bei den ersten Kundengruppen
adressieren wir vor allem Containerterminals,
die stark unter Fachkräftemangel,
hohem Zeitdruck oder Sicherheitsrisiken
leiden. Besonders
interessant sind für uns Terminals mit
hohem Automatisierungsgrad, aber
auch große konventionelle Anlagen,
die bislang stark auf manuelle Prozesse
angewiesen sind. Gerade dort
spüren wir eine sehr große Nachfrage
nach Lösungen, die Prozesse stabilisieren,
Personal entlasten und gleichzeitig
helfen, die steigenden Sicherheits-
und Effizienzanforderungen zu
erfüllen. Langfristig werden wir den
Fokus auf Zertifizierung legen, um den
Markteintritt realisieren zu können.
Interview: Joshua Wygand
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
49
HÄFEN | PORTS
Automatisiert auf Sicht:
Der Stand der Technik bei Containerkranen
Bei der Automatisierung von Containerterminals sind drei Hauptfelder ausschlaggebend für den
Fortschritt: Die Konnektivität der Krane und ihrer Steuerungen, die technologische Entwicklung
bei den einzelnen Prozessschritten und der regulatorische Rahmen
Ein Schreibtisch als Arbeitsplatz ist nicht unbedingt das erste Bild,
das bei dem Gedanken an Kranführer in den Sinn kommt. Dieser
Arbeitsplatz hat im Zuge der Automatisierung von Containerterminals
allerdings eine gravierende Veränderung erfahren. Die
Steuerung erfolgt nicht mehr von der einzelnen Containerbrücke
aus. Speziell auf großen Seeterminals werden die Krane von
einem Remote-Steuerstand und einem ergonomischen Arbeitsplatz
mit mehreren Bildschirmen aus bedient. »Die menschliche
Wahrnehmung und Erfahrung sind nicht zu ersetzen. Hier hat
die Automatisierung Grenzen. Wir müssen dem Menschen deshalb
alle verfügbaren technischen Hilfsmittel und Sensoren als
Ergänzung zur Seite stellen«, sagt Jens Fahrbach, Vorsitzender
des Fachausschusses Hafenumschlagtechnik in der Hafentechnischen
Gesellschaft (HTG). Der Ausschuss bietet eine Plattform
zum Austausch für Terminalbetreiber, Kranhersteller und andere
Stakeholder im Hafenumschlag.
Die Automatisierung moderner Containerterminals beginnt
nicht an der Maschine selbst. Grundsätzlich sind mehrere Aspekte
von Bedeutung: Übergeordnet geht es um die Vernetzung der
Krane und ihre übergreifenden Steuerungssysteme. Hier müssen
alle technischen Schnittstellen aufeinander abgestimmt sein,
damit das volle Potenzial der Automatisierung ausgeschöpft
werden kann. Unter dem Stichwort Konnektivität lassen sich zum
Beispiel vereinheitlichte Fahrbefehle, die Erkennung von Umweltbedingungen,
Hindernissen oder Personen zusammenfassen.
Alle Sinne beisammen
Wenn der Kranführer nicht unmittelbar vor Ort ist, muss die Automatisierung
so gut und präzise wie möglich alle menschlichen
Sinneswahrnehmungen übernehmen. Um die Informationen zu
erfassen und deren Interpretation abzubilden, stehen verschiedene
Technologien zur Verfügung: Kameras und Laserscanner übernehmen
die visuelle Überwachung – von der Hinderniserkennung
über die Positionserfassung beweglicher Ziele wie Schiffe bis hin
zur Identifikation von Sonderlasten. Mikrofone detektieren Geräuschanomalien
und Warnsignale; Vibrationssensoren melden
mechanische Auffälligkeiten, bevor sie zu Schäden werden. Rauchund
Feuermelder übernehmen die Aufgabe des Geruchssinns.
Die Informationen lassen sich effizient miteinander kombinieren,
wobei die Systeme ihre gegenseitigen Schwächen kompensieren
können. Ein Beispiel ist die Kombination von Kamerabild und
Lasermessdaten. Bei der Auswertung eröffnet der Einsatz Künstlicher
Intelligenz neue Dimensionen, die es ermöglichen, intuitives
Erfahrungswissen in Steuerungsalgorithmen zu übersetzen. Diese
Entwicklung der Datenanalyse, die eigenständig Aktionen auslöst
oder menschliches Eingreifen anfordert, stellt einen entscheidenden
Übergang vom reaktiven zum proaktiven System dar.
Das Beispiel Seeterminal
© Jens Fahrbach, Eurogate
Auf großen Seeterminals lassen sich alle Arbeitsgänge einem
Automatisierungsgrad zuordnen, es gibt hier beim Containerhandling
keine rein manuellen Vorgänge mehr. Beim Schiffsumschlag
ist der Automatisierungsgrad 2 (Teilautomatisierung) üblich.
Einzelne Arbeitsschritte erfolgen automatisch, immer unter
Beobachtung durch den Kranführer. Einzelne Anwendungen
sind bereits so weit automatisiert, dass das System die Beobach-
Um das Potenzial der Automatisierung auszuschöpfen, müssen alle
technischen Schnittstellen aufeinander abgestimmt sein
HÄFEN | PORTS
tung durch den Kranführer bei Bedarf anfordert (Automatisierungsgrad
4, Hochautomatisierung).
Der Lagerplatz fungiert aktuell meist mit dem Automatisierungsgrad
4 und nur bedarfsweise menschlichem Eingreifen. Der
Umschlag auf den LKW erfolgt noch teilweise manuell, teilweise
automatisiert unter Beobachtung. Wie beim Schiffsumschlag sind
einzelne Anwendungen mit Grad 4 im Einsatz. Beim LKW-Umschlag
gibt es deutliche Unterschiede zwischen den am weitesten
automatisierten Seeterminals und tri- oder intermodalen Terminaltypen,
auf denen Assistenzsysteme für den Kranführer oder
eine Teilautomatisierung weitgehend Stand der Technik sind.
Den höchsten Automatisierungsgrad (Grad 5, Vollautomatisierung)
erreichen die Horizontaltransporte auf dem Seeterminal,
wo die Container von einem zum anderen Lagerplatz bewegt
werden. Der Bahnumschlag ist bei allen Terminaltypen teilautomatisiert
(Automatisierungsgrad 2), in einigen Anwendungen
mit Grad 4. Auch für trimodale oder intermodale Terminals lassen
sich die Automatisierungsgrade für die einzelnen Bereiche
bestimmen. Insgesamt sind diese Terminals aktuell noch oft in
geringerem Maße automatisiert als Seeterminals.
Was zu beachten ist
Terminalbetreiber müssen nicht nur die Technik beherrschen
und die Arbeitsabläufe organisieren. Um den automatisierten
Kranbetrieb regelkonform durchzuführen, müssen sie auch viele
verschiedene Regelwerke und deren Gültigkeit beachten. Einige
Beispiele, die die Bandbreite verdeutlichen: Die Betriebssicherheitsverordnung
verpflichtet Betreiber zum Erstellen einer Gefährdungsbeurteilung,
die die spezifischen Risiken berücksichtigt,
die durch die Automatisierung entstehen. Technische Regeln für
Betriebssicherheit konkretisieren die Anforderungen. Die TRBS
2111-1 bezieht sich ausdrücklich auf Krane. Die DGUV Vorschrift
52 (Krane) regelt Beschaffenheit, Prüfung und Betrieb. Für Hersteller
und Betreiber gleichermaßen relevant ist die DIN 15011
(Brücken- und Portalkrane). Wenn eine Anlage als Gesamtheit von
Maschinen im Sinne der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG einzustufen
ist, wirkt sich dies auf die Konformitätsbewertung aus. Welche
Regelwerke im Einzelnen gelten, müssen Hersteller und Betreiber
jeweils gesondert bewerten, da kein einziges die spezifischen Anforderungen
der Kranautomatisierung vollständig abdeckt.
Automatisierung ist unflexibel
Neben dem Regelwerk sind es vor allem organisatorische Anforderungen,
die in der Praxis meist mehr Raum einnehmen als
ursprünglich angenommen. Automatisierung ist unflexibel: Jeder
Prozessschritt muss exakt definiert sein, Ausnahmen – technische
Defekte, Sonderlasten, unvorhergesehene Situationen – müssen
explizit in der Planung berücksichtigt werden. Schwächen zeigen
sich oft erst im laufenden Betrieb, wenn Abläufe unvollständig erfasst
wurden oder Befehle zu wenig detailliert hinterlegt sind. Im
Alltag macht es einen deutlichen Unterschied, ob ein Seil sanft gestrafft
oder ruckartig angezogen wird. Tatsachen wie diese müssen
in die erfolgreiche Automatisierung einfließen. Es hat sich deshalb
Speziell auf großen Seeterminals werden die Krane von einem Remote-Steuerstand
mit mehreren Bildschirmen aus bedient
bewährt, jeden einzelnen Arbeitsschritt im Umschlagzyklus zu betrachten
und die Automatisierung nach und nach einzuführen.
In jeder Automatisierung spielt die IT-Sicherheit eine entscheidende
Rolle. Ohne funktionierende IT-Systeme, die vor Zugriffen
von außen geschützt sind, kann kein automatisiertes Terminal
funktionieren. Gleichzeitig ist es sinnvoll, die IT-Landschaft von der
Betriebstechnik (OT) getrennt zu halten und letztere als geschlossenes
System zu betreiben. Besonders große Seehäfen verfügen
über die Ressourcen, ihre kritische Infrastruktur zu schützen; kleinere
Hinterland-Terminals stehen hier vor größeren Hürden.
Unabhängig vom aktuellen Automatisierungsgrad und der
Weiterentwicklung aller eingesetzten Technologien behält der
Mensch mit seiner Wahrnehmung und Erfahrung eine zentrale
Rolle im Containerumschlag mit Kranen. Es ist der Mensch,
der die Technik beherrschen und den systemischen Wandel umsetzen
muss. Alle Aspekte dieses Wandels, von der Vernetzung
über die Sensorik und Auswertung bis zum regulatorischen
Rahmen finden im Austausch in der HTG Beachtung. Es geht in
der fachlichen Diskussion nicht zuletzt auch um die Grenzen der
Automatisierung und das menschliche Eingreifen. RD
Die Rolle der HTG
Die HTG bietet Herstellern und Betreibern eine Plattform
für Wissens- und Technologietransfer. In der Diskussion
entstehen beherrschbare Lösungen auch für kleinere
Häfen und Terminalbetreiber. Der Fachausschuss Hafenumschlagtechnik
begleitet die Entwicklung der Umschlagtechnik
hauptsächlich im Anwenderbereich von
Binnen- und Seehäfen. Arbeitsgruppen bereiten aktuelle
Themen auf und veröffentlichen Berichte oder Empfehlungen.
Planer und Betreiber von Hafenumschlaganlagen
finden Hinweise für die Ausarbeitung von Spezifikationen,
Anregungen für die Gestaltung von Ausschreibungen
oder zur Beurteilung von Angeboten. Der Fachausschuss
diskutiert neben technischen Themen auch betriebsorientierte
Fragen, zum Beispiel zu Normen und Richtlinien.
© Jens Fahrbach, Eurogate
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
51
LETZTE SEITE
Ein Gedicht für das Meer
Die Schifffahrt bringt die verschiedensten Spezialisierungen
und Experten hervor. Einen eher ungewöhnlichen
Weg ist Salim Bhimji gegangen: Er wurde Autor
und Dichter, behält das »Maritime« aber »auf dem Zettel«.
An dieser Stelle drucken wir sein Gedicht »Dereliction
ab«, mit dem er für einige Aufmerksamkeit sorgt.
Dereliction: And the ocean too sweeps
Through restless centuries I have powered
Heroic onslaughts by commanders
Of the great empires.
Across the ages, man has longed to unravel
The mystique that shrouds me.
The scholars of science reach
Yet, for all my elegance, I am now bereft.
Wounded. The turning tides, so harsh,
Have left me ravaged; in anguish.
How I yearn to be cherished again.
Grant me the dignity I deserve.
That dignity which was once unspoken,
Then, almost broken.
For me to uncover secrets of the past.
Pioneering men seeking out new lands
Deemed me the crowning conquest.
To survive, I must search reach clutch
At new ways to reinvent myself.
A mere ritual in times long past.
Mighty industries flourish because of me
And dynasties shaped, by men
Who wove their steel through me.
Except, these are dark days
And I face ferocious thunders ahead.
Yes, I am wrenched by the unknown.
For entrenched within, like incipient gems,
I meld the very elements with which kingdoms
Power prosperity. Yet no man can own me.
Though known by many names, I am unique.
That I might look invincible
Is simply part of the mystique.
Agile and self-replenishing
I am a mirror of the heavens,
Nestling every rhythm, in cycles rippling.
Beyond the drifted ocean,
A heroine’s grief;
Spoken
To the unwitting I am formidable.
But the same seek solace in me;
In the soft, soothing songs
That dance through my being.
I am the cradle of life for billions.
Salim Bhimji hat über 25 Jahren Erfahrung in der Schifffahrtsbranche. Aktuell ist Bhimji Direktor von Ocean Press & Publishing.
Er begann seine Ausbildung im kreativen Schreiben an der Poetry School in London. Sein hier abgedrucktes Gedicht wurde für
den »Montreal International Poetry Prize« nominiert. Außerdem wurde es in einer Anthologie veröffentlicht, die Teil des Lehrplans
für Anglistik an mehreren Universitäten in Nordamerika und darüber hinaus ist. Sie erschien im Véhicule Press Verlag.
52 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
APRIL 2026
14. NATIONALE
MARITIME
KONFERENZ
HANSA-Sonderseiten zur
Nationalen Maritimen Konferenz 2026
SUPPORTED BY
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
INHALT
59 EDITORIAL
Goldmedailllen gibt es nicht fürs Reden
60 DIE NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
62 FRIEDRICH MERZ UND DIE MARITIME WIRTSCHAFT
64 WIRTSCHAFTSMINISTERIN KATHERINA REICHE
»Sicherheit und wirtschaftliche Stärke
gehen Hand in Hand«
66 VERTEIDIGUNGSMINISTER BORIS PISTORIUS
»Die Marine wird umfassend moderniesiert«
68 MARITIMER KOORDINATOR CHRISTOPH PLOSS
»Die maritime Wirtschaft muss eine Einheit bilden«
70 NDS-MINISTERPRÄSIDENT OLAF LIES
»Ein bewusstes Zeichen!«
72 GDWS-CHEFIN ANKE LEUE
»Rückgrat für die Exportwirtschaft«
76 STANDPUNKTE DER MARITIMEN WIRTSCHAFT
Hohe Erwartung große Chancen
84 ISPK-EXPERTE HENRIK SCHILLING
»Maritime Infrastruktur lässt sich nur
begrenzt physisch schützen«
88 ANDRE PECHER – STELLV. FORSCHUNGSLEITER
GERMAN INST. FOR DEFENCE & STRATEGIC STUDIES
»Jeden dritten Tag könnte man ein Schff festsetzen«
92 BSH-PRÄSIDENT HELGE HEEGEWALDT
»Der Meeresspiegelanstieg wird uns
noch sehr lange beschäftigen«
96 HSVA-CHEF PHILIP AUGENER
»Je komplizierter, desto besser für die HSVA«
100 STIFTUNG DEUTSCHE SEEMANNSSCHULTE
Fachkräftemangel: »Es geht nur mit vereinten Kräften«
102 SOW-CHEFIN KARINA WÜRTZ
»Massiver Handlungsdruck für Offshore-Windenergie«
108 WISTA GERMANY-PRÄSIDENTIN CATRHIN PRIKKER
»Vorbilder sichtbar machen«
110 TIM KRUITHOFF – OBERBÜRGERMEISTER EMDEN
»Das muss jetzt endlich mal geklärt werden!«
114 BRUNSBÜTTEL
Nationale Bedeutung für Versorgungssicherheit
116 DEEPSEA MINERALS ALLIANCE
Bergbau am Meeresgrund: »Die Industrie ist bereit!«
118 OSTFRIESISCHE VOLKSBANK
1,9 Mrd. € für aus Ostfriesland für die Schifffahrt
Beilage zu HANSA International Maritime Journal | 2026
Chefredakteur: Michael Meyer | Redaktion: Peter Kleinort |
Jannik Westerkamp | Anna Wroblewski | Joshua Wygand
Schiffahrts-Verlag »Hansa« | Stadthausbrücke 4 | 20355 HH
Verbreitet auch in Zeitschriften: Binnenschifffahrt, marineforum
56 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Michael Meyer
Chefredakteur
Goldmedaillen gibt es nicht fürs Reden
Der Kanzler will kommen, ebenso die Wirtschaftsministerin, der
Verteidigungsminister und der Verkehrsminister – mehr geht
quasi nicht, wenn die maritime Wirtschaft die politischen Entscheidungsträger
zur Nationalen Maritimen Konferenz treffen will.
Es ist ein bisschen wie bei den Olympischen Spielen: Das »Who is
who« kommt zusammen, und jeder will für sich und das Team
sein oder ihr Bestes geben. Am Ende zählt aber nur: Gold, Silber
und Bronze. Welche »Farbe« bekommen die Verantwortlichen
nun im Rahmen der NMK?
Die Politik kommt nun nach Emden. Es ist das 14. Mal, dass sie
sich mit der maritimen Wirtschaft auf diesem Forum trifft, um
über aktuelle Herausforderungen zu diskutieren und Lösungsansätze
zu entwickeln. In der Vergangenheit wurden bei der
NMK bisweilen sogar schon fertige Konzepte präsentiert. Aber
man muss sagen: Das war einmal.
Diskutieren, entwickeln, präsentieren … ein Dreiklang, der das
Dilemma der Veranstaltung deutlich macht.
Soll nun im Vorfeld im kleinen Kreis etwas entwickelt werden,
um es in Emden zu präsentieren? Oder soll vor Ort in größerer
Runde diskutiert werden, mit dem Risiko, nichts Zählbares für
eine öffentlichkeitswirksame Verkündung in der Hand zu haben?
Welcher Weg auch immer gegangen wird, am Ende kommt es
auf das Ergebnis an – ob nun schon in Emden oder erst im Nachgang.
Die Wirtschaft hat schonmal vorgelegt, es gibt zum
Beispiel einen Aktionsplan mehrerer Branchenverbände. Einer
der zentralen Aspekte: Handeln, nicht nur reden! Mal sehen, was
davon Eingang in die Politik findet.
War es bei der letzten NMK die Klimaschutz-Komponente, die
einen großen Bereich des politischen Rahmens ausmachte, ist
nun ein anderes Thema: Wenig überraschend ist von der Sicherheit
die Rede, von Resilienz, von (kritischer) Infrastruktur, von
nationalen Strategien und politischen Zugriffen auf wirtschaftliche
Bereiche. Und über allen Beteiligten schwebt der Iran-
Krieg und seine zum Teil fatalen Folgen für die Schifffahrt.
Das Thema »Sicherheit« wird einen nicht unerheblichen Teil
der Debatten einnehmen, wenn nicht schon auf der Bühne,
dann zumindest im Zwiegespräch abseits der Kameras.
In der Branche sieht man angesichts der diversen globalen
Verwerfungen und einem stärkeren Fokus auf die (kritische) Infrastruktur
mittlerweile durchaus mehr »Drive« in der Politik.
Gleichzeitig will man jedoch nicht allzu euphorisch an die Sache
herangehen. Die NMK sei enorm wichtig, ja. Aber nur unter der
Voraussetzung, dass sie mehr ist als eine Palaver-Runde mit
netten Bildern in trauter politisch-wirtschaftlicher Zweisamkeit.
So ungefähr lässt sich die Stimmungslage zusammenfassen.
Es geht um so viele Dinge in so unterschiedlichen Feldern …
und vor allem das politische Verknüpfen dieser Handlungsstränge
in eine kohärente maritime Politik. Nicht nur
deshalb sind wir weit über den Punkt hinaus, an dem Reden ausreichend
würde – wenn es diesen Punkt denn überhaupt jemals
gab. Es geht jetzt um konkretes Handeln und Koordinieren. Das
muss der Anspruch sein, angesichts der Bedeutung der maritimen
Wirtschaft für Deutschland. Diesem Anruch muss sich die
Politik stellen. Man darf man gespannt sein, welche Botschaften
Kanzler Friedrich Merz, Verteidigungsminister Boris Pistorius,
Wirtschaftsministern Katherina Reiche und Verkehrsminister
Patrick Schnieder im Gepäck haben und ob sie bereit sind, in
echte Gespräche zu gehen.
Deutschland war bei Olympia das Team mit den meisten
4. Plätzen. Davon kann sich niemand etwas kaufen, es ist das
berühmte »Blech«. In diesem Sinne: Von der NMK braucht es die
Botschaft »Handeln statt Reden«, denn für letzteres gibt es maximal
die Silbermedaille, für Ersteres ist die Aussicht auf Gold
besser.
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
59
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Großes Hallo in Emden
Die 14. Nationale Maritime Konferenz (NMK) findet am 29. und 30. April in Emden statt. Sie ist
die zentrale Veranstaltung der Bundesregierung zur Unterstützung der maritimen Wirtschaft,
an der rund 800 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammenkommen. Aus dem
Bundeswirtschaftsministerium gab es im Vorfeld bereits ein Positionspapier
WITH BUREAU VERITAS
„Zukunftsfähigkeit erreicht man
nicht allein. Wir sind Ihr Kompass
in der modernen Schifffahrt.“
Ramona Zettelmaier
M&O Central Europe Director,
Bureau Veritas Marine & Offshore
Seit ihrer erstmaligen Durchführung im Jahr 2000 hat sich die
NMK als wichtigste Austauschplattform für die maritime Branche
etabliert und gilt als bedeutender Impulsgeber. Die Ausrichtung
erfolgt in Kooperation mit der gastgebenden Kommune
und dem Bundesland, die Organisation obliegt dem Bundeswirtschaftsministerium.
Bundeskanzler Friedrich Merz wird die 14. NMK am 29. April
2026 als Schirmherr eröffnen. Bundeswirtschaftsministerin
Katherina Reiche wird ebenfalls ein Grußwort halten und
anschließend mit der maritimen Branche in den Dialog treten.
Weitere Gastredner sind EU-Generaldirektorin Kerstin
Jorna aus der DG GROW der EU-Kommission, Bundesverteidigungsminister
Boris Pistorius, Bundesverkehrsminister Patrick
Schnieder, der Ministerpräsident von Niedersachsen Olaf
Lies, der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Hendrik
Wüst sowie der Oberbürgermeister der gastgebenden Stadt
Emden, Tim Kruithoff.
Zwei politische Panels greifen übergeordnete Themen auf
und stellen geopolitische Bezüge her. Im Fokus stehen die Sicherung
der europäischen Wettbewerbsfähigkeit, die Stärkung
der maritimen Sicherheit sowie Investitionen in Technologien
aus Deutschland. Am zweiten Tag finden Branchenforen
zu den Bereichen Schiffbau, Marineschiffbau, Schifffahrt, Häfen,
Maritime Technik und Offshore Wind statt.
Für das Bundeswirtschaftsministerium lässt sich die Bedeutung
der NMK unter anderem auch an der volkswirt-
Fangfrische
News gibt
es hier:
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Unter dem Banner von Emden
treffen sich Wirtschaft und Politik
schaftlichen Bedeutung der Branche
festmachen. Sie leistet den Berliner Angaben
zufolge mit einem Umsatzvolumen
von ca. 50 Milliarden Euro und
rund 400.000 Arbeitsplätzen einen
»wichtigen Beitrag« zu Wettbewerbsfähigkeit,
Sicherheit, Wachstum und Beschäftigung
am Standort Deutschland.
Außerdem zeichne sie sich durch eine
hohe Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit
aus.
Der steigende internationale Wettbewerbsdruck erfordert
jedoch erhebliche Anstrengungen zur Standortsicherung im
engen Schulterschluss zwischen allen Beteiligten. Deutschland
ist als Handelsnation in hohem Maße auf sichere Seewege
und leistungsfähige Häfen angewiesen. Die Herausforderungen
für sichere Versorgungswege und Infrastrukturen
steigen angesichts der veränderten geopolitischen Lage und
der zunehmenden Verdichtung der Nutzung des maritimen
Raums deutlich.
Zentrales Anliegen der NMK ist es deshalb, die Wettbewerbsfähigkeit,
Souveränität und Resilienz der maritimen
Branche zu stärken und gezielte Impulse für Schiffbau, zukunftsgerichtete
Technologien, Hafeninfrastrukturausbau
sowie Modernisierung
und Ausbau der deutschen Flotte
zu setzen.
Im Vorfeld der 14. NMK hatte der im
Wirtschaftsministerium ansässige Maritime
Koordinator Christoph Ploß zum
Jahreswechsel Schwerpunkte und Ziele
seiner Arbeit in den kommenden Monaten
veröffentlicht. Das zentrale Leitmotiv
ist »mariTeam Deutschland: Mit Sicherheit voraus«. Darunter
werden einige Maßnahmen als prioritär eingestuft:
• Europäische Maritime Industriestrategie aufsetzen, europäische
Wettbewerbsfähigkeit steigern
• Maritime Sicherheit und Technologien aus Deutschland vorantreiben
• In klimafreundliche Antriebe und Kraftstoffe investieren, international
einheitliche Regeln verankern
• Wertschöpfung in Deutschland durch Konverterplattformbau
sichern
• Tonnagesteuer auf Offshore-Wind-Schiffe ausweiten
• Mehr Aufträge an deutsche Werften sicherstellen
• Die deutschen Häfen zu Energiedrehkreuzen umbauen
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14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz
hier bei einem Besuch in Bremerhaven mit Bremens
Oberbürgermeister Andreas Bovenschulte
© BLG
»Unsere Exportwirtschaft wäre ohne
leistungsfähige Häfen nicht denkbar«
Bundeskanzler Friedrich Merz stammt bekanntlich nicht aus
dem Norden, sondern aus dem Sauerland. Dennoch hat er sich
in seiner ein knappes Jahr währenden Kanzlerschaft durchaus
zu maritimen Themen geäußert. Eine kleine Zitatensammlung:
• Wir werden uns nicht daran beteiligen, in der Straße von Hormus
mit militärischen Mitteln eine freie Schifffahrt zu
gewährleisten.
• Der Bau von Offshore-Wind-Anlagen soll zügig weiter vorangehen.
Ich sehe großes Potenzial für mehr Kosteneffizienz. Deutlich
vereinfacht wird die Finanzierung von gemeinsamen Projekten
mit der Entwicklung eines neuen Finanzierungsrahmens.
• Wir schützen die Offshore-Energieinfrastruktur besser vor
physischen und virtuellen Angriffen.
• Unsere Exportwirtschaft wäre ohne leistungsfähige Häfen
nicht denkbar.
• Der Hafen Bremerhaven ist für den Welthandel unverzichtbar.
Es ist vielleicht der wichtigste Umschlagplatz für Miilitärgüter.
• Der Hamburger Hafen ist für Deutschland ein national strategischer
Hafen. Die Stadt kann sich darauf verlassen, dass die
Bundesregierung ein besonderes Augenmerk auch auf die
weitere Nutzung, den Ausbau und die Förderung des Hamburger
Hafens richtet. Wir bemühen uns, mit dem Sondervermögen
Infrastruktur und Klimawandel in wirklich sehr umfangreichem
Maß Mittel zur Verfügung zu stellen, um Ausbau zu
ermöglichen, Engpässe aufzulösen und Mobilität auf der
Schiene, Straße und auf den Wasserstraßen zu gewährleisten.
• Die Hafeninfrastruktur und die Wasserwirtschaft insgesamt
hat in Deutschland vielleicht ein bisschen zu sehr im Schatten
des Straßenverkehrs und des Luftverkehrs gestanden. Die
Bundesregierung will an dieser Stelle mehr tun.
• Die Marine soll bestausgerüstet werden.
Wir wissen nicht, was der Bundeskanzler der maritimen
Wirtschaft bei der NMK zu sagen hat. Er lässt sich im Vorfeld
auch auf explizite Anfrage nicht in die Karten schauen. Wir können
uns aber vorstellen, dass es in Emden Fragen geben wird –
Fragen, von denen sich die Branche wünscht, dass der Kanzler sie
zumindest in den Kabinettsrunden an die Minister richtet. Deswegen
stellen wir an dieser Stelle aus der Ferne die Fragen, die wir
hätten, wenn wir mit ihm sprechen könnten.
• Was können wir für den Schutz deutscher Schiffe im Nahen
und Mittleren Osten konkret tun?
• Wie ist der Stand der Dinge bei der Entbürokratisierung –
Stichwort »einheitliche Flaggenstaatsverwaltung«?
• Wie ist der Stand der Dinge bei den Ausschreibungsverfahren
von Offshore-Wind-Flächen?
• Wie steht es um den in Hamburg angekündigten Aktionsplan
für mehr Offshore-Energie und deren Sicherheit in Europa?
• Wie sieht es aus mit der Vergabe öffentlicher Schiffsaufträge
für deutsche Schiffbauer, um den Standort zu stärken – so wie
es ja auch andere Länder trotz EU-Vorgaben machen?
• Wie ist der Stand der Dinge bei einer stärkeren Beteiligung
des Bundes an der Hafenfinanzierung?
• Wie läuft die Modernisierung der Wasserstraßen?
• Wie ist der Stand der Dinge beim Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft,
von der die maritime Branche profitieren kann?
• Wie sieht es aus mit neuen Handelsabkommen mit Nationen,
die Abnehmer für Schiffbauer und Zulieferer sein könnten?
• Wie können wir uns für fairere Wettbewerbsbedingungen für
Schiffbauer einsetzen, die zum Teil gegen staatlich enorm protegierte
Konkurrenz bestehen müssen?
• Was halten wir vn der Idee, den Wehrdienst auch über einen
Seedienst auf Handelsschiffen ableisten zu können?
• Die Handelsflotte kann in kriegerischen Zeiten eine wichtige
Rolle für die Versorgung des Landes einnehmen. Wie ist der
diesbezügliche Austausch mit den Reedern?
Man darf gespannt sein, was der sauerländische Bundeskanzler
auf der NMK sagt. Themen zu besprechen gibt es genug.
62 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Katherina Reiche
Bundesministerin
für Wirtschaft und Energie, MdB
© Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
»Sicherheit und wirtschaftliche Stärke
gehen Hand in Hand«
Der Wohlstand Deutschlands hängt entscheidend von sicheren
Seewegen, leistungsfähigen Häfen und einer innovativen wettbewerbsfähigen
maritimen Industrie ab. Der Schutz kritischer
Infrastruktur, die maritime Sicherheit und Resilienz sind dabei
keine Randaufgaben, sondern tragende Säulen wirtschaftlicher
Stabilität und staatlicher Handlungsfähigkeit.
Schiffbau, Offshore-Technik und maritime Digitalisierung sind
von Natur aus »Dual-Use«-Bereiche. Technologien aus der zivilen
Forschung stärken auch die Verteidigungsfähigkeit, während Innovationen
im zivilen Bereich auch durch Entwicklungen im
Verteidigungssektor vorangetrieben werden. Diese Synergien
wollen wir gezielt nutzen, indem wir wirtschafts- und sicherheitspolitische
Maßnahmen noch stärker miteinander verzahnen.
Technologie ist ein entscheidender Faktor für den Schutz kritischer
Infrastrukturen. Durch den Einsatz von Sensorik, autonomen Systemen
sowie KI-gestützten Lagebildern lässt sich die Sicherheit von
Häfen, Offshore-Anlagen und Küsten deutlich erhöhen. Gleichzeitig
eröffnen sich dadurch neue wirtschaftliche Chancen.
Um globalen Wettbewerbsverzerrungen entgegenzuwirken,
müssen Wertschöpfungsketten gesichert, Finanzierungsmöglichkeiten
ausgebaut und die industrielle Basis langfristig gestärkt
werden. Die Europäische Maritime Industriestrategie setzt hier
Impulse für gemeinsame Projekte und verknüpft zivile und militärische
Aktivitäten im Schiffbau sowie Forschung und Entwicklung,
um die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Unser Ziel ist es, eine maritime Branche in Deutschland und
Europa zu etablieren, die technologisch souverän und
leistungsstark ist und sich im internationalen Wettbewerb behaupten
kann. Dazu gehören auch schnellere Verfahren, weniger
Bürokratie sowie gezielte Investitionsanreize, insbesondere
für Schlüsseltechnologien in sicherheitsrelevanten Bereichen.
Für ein höheres und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, sind
wir auf mehr privates Kapital angewiesen. Die Bundesregierung
wird ihre Wirtschaftspolitik daher gezielter auch auf private
Investitionen ausrichten. Deutschland bietet mit Stabilität,
Rechtssicherheit, industrieller Tiefe und Innovationskraft dafür
schon heute einen exzellenten Rahmen. Gezielte Strukturreformen
und umfangreiche staatliche Investitionen sollen diesen
Standortvorteil weiter ausbauen, um noch mehr private Gelder
anzuwerben – ein Schritt, von dem nicht zuletzt auch die maritime
Wirtschaft profitieren wird.
Die Nationale Maritime Konferenz macht deutlich: Sicherheit
und wirtschaftliche Stärke gehen Hand in Hand. Wer maritime
Souveränität sichern will, muss zugleich in technologische
Exzellenz und Innovationskraft investieren. Nur wer Resilienz
schafft, kann im globalen Wettbewerb an der Spitze bleiben.
Deutschland geht diesen Weg partnerschaftlich mit Europa, der
Industrie, der Wissenschaft und den Bundesländern und gestaltet
so eine maritime Zukunft, die Chancen eröffnet und den
Standort nachhaltig stärkt.
64 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Boris Pistorius
Bundesminister
der Verteidigung, MdB
© Photothek Media Lab
»Die Marine wird umfassend modernisiert«
Die Meere sind die Lebensadern unseres Wohlstands. Als
drittgrößte Volkswirtschaft ist Deutschland besonders abhängig
von der Freiheit und Unverletzlichkeit maritimer Handelswege.
Gleichzeitig sind Meere wieder zu einem zentralen Schauplatz
geopolitischer Machtprojektion geworden. Auch in unserer
Nachbarschaft im Atlantik und der Ostsee hat sich die Bedrohungslage
deutlich verschärft.
Daher ist unser Kurs klar gesetzt: Wir brauchen eine Deutsche
Marine, die verteidigungsfähig, handlungs- und durchhaltefähig
ist. Die aktuelle Bedrohungslage erfordert eine umfassende Erneuerung
der Flotte sowie den Aufbau neuer Fähigkeiten. Ziel ist
das Zusammenwirken von bemannten und unbemannten Systemen
über das gesamte Spektrum der modernen Seekriegsführung.
Die Marine wird umfassend modernisiert. Mit neuen
Fregatten, Korvetten, U-Booten sowie modernen Aufklärungsund
Führungsfähigkeiten sorgen wir dafür, dass Deutschland
seine Verpflichtungen innerhalb der Nato erfüllen kann.
Für diese Modernisierungs- und Beschaffungsoffensive verbessern
wir fortlaufend die Rahmenbedingungen für Rüstung
und Beschaffung. Wir werden das Bundesamt für Ausrüstung,
Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr umstrukturieren
und uns dezentraler aufstellen als bisher. Unser Ziel ist es,
die Menschen dort zu gewinnen, wo heute schon Start-ups
agieren, industrielle Cluster entstehen und Universitäten junge
kluge Köpfe hervorbringen, die wir so dringend benötigen. Die
ersten Schritte sind wir bereits gegangen: Mit der Aufstellung
des Innovationszentrums in Erding. Darüber hinaus planen wir
weitere Innovationszentren, etwa eines für maritime Technologie
in Norddeutschland.
Eine enge Zusammenarbeit mit der Industrie als strategischem
Partner erfordert eine leistungsfähige und agile maritime
Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Der Marineschiffbau
von Über- und Unterwasserschiffen ist eine nationale Schlüsseltechnologie.
Gleichzeitig ist es Aufgabe der Industrie, Produktionskapazitäten
zu erhöhen und die Lieferketten stabil und
resilient zu gestalten. Die Zeiten langwieriger Entwicklungs- und
Beschaffungsprozesse mit schwer kalkulierbaren Kostensteigerungen
und Verzögerungen müssen auch hier überwunden
werden.
Ich erwarte von der maritimen Industrie in Deutschland Innovationskraft
und technologische Exzellenz. Digitale Vernetzung,
autonome Systeme, leistungsfähige Sensorik und moderne
Antriebstechnologien werden eine immer größere Rolle spielen.
Deutschland verfügt über eine starke Schiffbau- und Verteidigungsindustrie,
die in vielen Bereichen international konkurrenzfähig
ist. Dieses Potenzial gilt es zu nutzen und auszubauen.
Die Modernisierung der Deutschen Marine ist Teil einer umfassenden
sicherheitspolitischen Neuaufstellung Deutschlands.
Eine leistungsfähige Marine schützt unsere Freiheit und die
Sicherheit unseres Landes – auch fernab der eigenen
Küstengewässer. Sie trägt zur Stabilität des globalen Handels
bei. Damit sie diese Aufgabe erfüllen kann, braucht sie moderne
Fähigkeiten – und eine Industrie, die ihrer Verantwortung als
strategischer Partner gerecht wird.
66 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Christoph Ploß
Der Koordinator der Bundesregierung für die
maritime Wirtschaft hat sich die Zeit genommen
und im HANSA Podcast über seinen Blick auf die
maritime Wirtschaft und die NMK gesprochen
© Wygand/HANSA
»Die maritime Wirtschaft
muss eine Einheit bilden«
Christoph Ploß verbindet mit der NMK mehrere Ziele, die er im
HANSA PODCAST formuliert hat:
»Ein Ziel ist, herauszustellen, welche Bedeutung die maritime
Branche für unser Land hat – nicht nur für unsere Wirtschaft, für
Steuereinnahmen und Arbeitsplätze, sondern auch für unsere
Sicherheit. Der Bundeskanzler wird die NMK eröffnen, der Bundesverteidigungsminister
wird kommen, ebenso die Bundeswirtschaftsministerin
und der Bundesverkehrsminister. Das
Bundeskabinett ist also sehr, sehr präsent. Das zeigt, welche Relevanz
die maritime Wirtschaft für die Regierung hat. Außerdem
werden drei Ministerpräsidenten vor Ort sein. Henrik Wüst aus
Nordrhein-Westfalen wird kommen, was ich sehr begrüße, weil
wir auch die Belange der maritimen Wirtschaft über Norddeutschland
hinaus im Land verankern müssen. Natürlich wird
Olaf Lies als Mitgastgeber eine wichtige Rolle spielen. Hamburgs
Erster Bürgermeister Peter Tschentscher wird ebenfalls nach
Emden kommen.
Ein weiteres Ziel ist es, die unterschiedlichen Belange gut
zusammenzuführen. Mir geht es darum, dass die maritime
Wirtschaft stärker verzahnt wird, mit einer Stimme spricht und
eine Einheit bildet.
Es ist ja nicht so, dass wir erst jetzt zur NMK mit der Arbeit für
die Branche beginnen. Wir arbeiten bereits an vielen Stellschrauben.
Aber ich sehe die NMK auch als wichtigen Ort, gute Anregungen
für die weiteren Jahre der Legislaturperiode aufzunehmen.
Wir wollen den Input aus der Wirtschaft. Das halte ich für
sehr wichtig. Wir werden nicht nach Emden gehen und sagen:
Wir haben im Vorfeld alles geklärt und kommen eigentlich nur
noch zusammen, um eine Show zu machen. Sondern wir wollen
bei der NMK hören, wo es noch hakt, was die Bedarfe sind.
Mein Ziel ist es, dass diese NMK am Ende der Legislaturperiode
von den Teilnehmern als wichtiger Meilenstein bewertet
wird, um die Wettbewerbsfähigkeit der maritimen Wirtschaft zu
steigern.«
Christoph Ploß hat sich im Vorfeld der NMK die Zeit genommen,
im HANSA PODCAST ausführlich über seine Erwartungen an die
Konferenz und seinen Blick auf die verschiedenen Teile der maritimen
Wirtschaft zu sprechen. Es geht dabei um u.a. bessere
Wettbewerbsbedingungen, Hafenfinanzierung, verfassungsrechtliche
Bedenken, die Tonnagesteuer, die Straße von Hormus,
das Zusammenspiel mit verschiedenen Ministerien auch unter
SPD-Ägide, eine Verdopplung der Arbeitsplätze im Schiffbau, die
Offshore-Schifffahrt oder einen »Wehrdienst«
auf Handelsschiffen. Hören Sie die
komplette Episode, unter hansa-online.
de/hansa-podcast, auf Spotify, Deezer,
Podimo, Apple Podcast oder Youtube
oder scannen Sie diesen QR-Code mit
Ihrem Smartphone:
68 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
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14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Olaf Lies
Ministerpräsident
Niedersachsen
© Niedersächsische Staatskanzlei
»Ein bewusstes Zeichen!«
Die Entscheidung, die Nationale Maritime Konferenz 2026 in
Emden auszurichten, setzt ein bewusstes Zeichen. Emden steht
wie kaum ein anderer Standort für die Zukunftsfragen, die die
maritime Branche aktuell bewegen. Die Stadt verbindet eine traditionsreiche
maritime Identität mit einer hochmodernen Infrastruktur,
die von Offshore‐Windenergie über Hafenlogistik bis
hin zu innovativen Industrieprojekten reicht. Diese besondere
Mischung macht Emden zum idealen Ort, um die großen Linien
der maritimen Politik zu diskutieren.
Die diesjährige Konferenz zeigt eindrucksvoll, wie sehr maritime
Themen heute im Zentrum sicherheits‐, energie‐ und
wirtschaftspolitischer Debatten stehen. Die Agenda spiegelt die
geopolitischen Spannungen und die Notwendigkeit wider, maritime
Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten und kritische
Infrastrukturen besser zu schützen. In Zeiten globaler Umbrüche
wird deutlich: Maritime Souveränität ist zu einem strategischen
Gut geworden – für Deutschland und für Europa.
Gleichzeitig verdeutlicht die Konferenz, wie stark die maritime
Wirtschaft durch technologische Innovation, Forschung und
neue Wertschöpfungsketten geprägt ist. Fragen der Digitalisierung,
der Weiterentwicklung im Marineschiffbau, der Transformation
der Häfen oder der Ausbau der Offshore‐Energie stehen
in Emden und darüber hinaus im Fokus. Die vielfältigen Panels
und Fachforen verdeutlichen die Komplexität der maritimen
Zukunft: Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit, Klimaneutralität und
industrielle Stärke lassen sich nur gemeinsam denken.
Gerade Emden zeigt, was das bedeutet. Mit dem im Bau befindlichen
neuen Großschiffsliegeplatz erfolgt ein wichtiger
Lückenschluss. Damit stellen wir den Hafen Emden zukunftssicher
auf. Die fortschreitende Entwicklung der Offshore‐Industrie,
die Rolle der Stadt als logistische Drehscheibe und die
wachsenden Kapazitäten für erneuerbare Energien verdeutlichen,
wie Transformation gelingt, wenn Wirtschaft, Forschung,
Bund und Länder an einem Strang ziehen. Hier wird sichtbar,
dass maritime Politik nicht nur auf die See zielt, sondern auf die
Regionen, in denen industrielle Arbeitsplätze entstehen, Innovationen
wachsen und die Energiewende konkret voranschreitet.
Die Niedersächsische Landesregierung arbeitet weiterhin intensiv
an diesem Weg mit großer Verantwortung und starkem
Engagement. Wir wollen die maritime Wirtschaft stärken, ihre Innovationskraft
fördern und – gemeinsam mit dem Bund – stabile
Rahmenbedingungen schaffen für die Energiewende, Digitalisierung
und Sicherheitspolitik. Die Nationale Maritime Konferenz
bietet die Gelegenheit, zentrale strategische Weichenstellungen
gemeinsam zu diskutieren und voranzutreiben.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und viele wertvolle
Impulse aus den Debatten der Nationalen Maritimen Konferenz
2026.
70 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
ENERGIEHUB BRUNSBÜTTEL
Dekarbonisierung
Energietransformation
Versorgungssicherheit
company of
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
»Rückgrat für die Exportwirtschaft«
Während die Infrastruktur altert, muss die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt
(GDWS) die Schifffahrt für die Dekarbonisierung fit machen. Präsidentin Anke Leue erklärt im
Interview, warum die Wasserstraßen für die nationale Sicherheit unverzichtbar sind
Wer das Bonner Büro der Präsidentin
der GDWS betritt, spürt sofort den
Pulsschlag einer Behörde, die weit
mehr als nur Flüsse verwaltet. Anke
Leue managt ein Erbe aus über 100
Jahre alten Schleusen, Sanierungsstau
und komplexen Zuständigkeiten für
See- und Binnenwasserstraßen. Die Juristin,
die das Handwerk der Ministerialbürokratie
aus dem Effeff beherrscht,
muss den Spagat zwischen Bestandserhalt
und der Vision einer modernen,
emissionsfreien Logistik-Ader schaffen.
In Zeiten, in denen die Resilienz
der Infrastruktur zur Überlebensfrage
für den Standort Deutschland wird,
sprachen wir mit ihr über Investitionsprioritäten,
militärische Mobilität und
den Weg zum autonomen Fahren.
Frau Leue, die GDWS ist die zentrale
Verwaltungsinstanz für die Bundeswasserstraßen.
Wie beurteilen Sie aktuell
die Rolle der maritimen Wirtschaft
für die deutsche Volkswirtschaft?
Anke Leue, Präsidentin der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt
Anke Leue: Deutschland wickelt rund
zwei Drittel seines Im- und Exports
über die Seehäfen ab. Dies verdeutlicht
die existenzielle Bedeutung der
Seehafenzufahrten und des Nord-Ostsee-Kanals
für Volkswirtschaft und Daseinsvorsorge.
Insgesamt ist die maritime
Wirtschaft als Rückgrat der
exportorientierten deutschen Wirtschaft
und ihrer globalen Lieferketten
unverzichtbar.
Die Bundeswasserstraßen bilden
ein rund 7.300 km langes Netz, davon
etwa 5.000 km für die Großschifffahrt.
Dieses Netz kann und muss man gezielt
nutzen, um Engpässe auf Straße
und Schiene zu reduzieren und Logistik
nachhaltiger zu gestalten. Als WSV
(Wasserstraßenverwaltung, die Red.)
stellen wir diese leistungsfähige Infrastruktur
bereit und schaffen die Voraussetzungen
dafür, dass künftig
© GDWS
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mehr Güter klimafreundlich vom Lkw
aufs Binnenschiff verlagert werden
können. Und da auch das Schienennetz
wegen der vielen unverzichtbaren
Instandsetzungs- und Ausbauvorhaben
an Kapazitätsgrenzen stößt, ist
diese Verlagerung wichtig.
Die Binnenwasserstraßen sind außerdem
eine der wichtigsten Anbindugen
für die Seehäfen. See- und Binnenverkehre
sollte man daher als
wichtige Einheit einer Transport- und
Wertschöpfungskette sehen.
Inwiefern sind die Wasserstraßen aus
Ihrer Sicht heute als »kritische Infrastruktur«
einzustufen?
Leue: Die Bundeswasserstraßen gelten
gemäß Kritis-Verordnung in hochbelasteten
Relationen, etwa am Rhein,
den Seehafenzufahrten und dem
Nord-Ostsee-Kanal, als kritische Infrastruktur.
Ausfälle hätten erhebliche
wirtschaftliche und gesellschaftliche
Folgen. Militärisch fungieren sie zudem
als Dual-Use-Asset für die Bundeswehr-Logistik
und unterstützen
die Nato-Mobilität im Rahmen zivilmilitärischer
Kooperationen.
In der Binnenschifffahrt stellen die
Niedrigwasserperioden der vergangenen
Jahre stellen Transporte vor große
Probleme – gerade auch in den wichtigen
Zuläufen zu den Seehäfen. Welche
baulichen und wasserwirtschaftlichen
Maßnahmen plant die GDWS, um die
Resilienz der Wasserstraßen gegen Extremwetterereignisse
zu erhöhen und
die Fahrwassertiefe besser garantieren
zu können?
Leue: Wir setzen auf eine Kombination
aus wasserbaulichen Maßnahmen
und die Ertüchtigung von Anlagen,
sowie wasserwirtschaftlichen
Ansätzen wie verbesserte Prognosedienste
und die Integration von Klimadaten.
Eingebettet in Programme
wie den Aktionsplan »Niedrigwasser
Rhein« verfolgen wir eine vorausschauende
Anpassung von Infrastruktur,
Betrieb und Planung, um
die Schiffbarkeit auch bei zunehmenden
Hoch- und Niedrigwasserereignissen
zu sichern. Digitalisierung
und Forschung leisten hierzu einen
wichtigen Beitrag.
Lange Planungs- und Genehmigungsverfahren
verzögern wichtige Infrastrukturprojekte.
Was unternimmt die
GDWS intern und im Zusammenspiel
mit der Politik, um die Umsetzungsgeschwindigkeit
der Baumaßnahmen signifikant
zu erhöhen?
Leue: Intern steigern wir die Umsetzungsgeschwindigkeit
durch Digitalisierung
wie etwa BIM, KI und dem
Masterplan Binnenschifffahrt sowie
durch Prozessverschlankung. Gleichzeitig
unterstützen wir das BMV bei
gesetzlichen Beschleunigungsinstrumenten
wie dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz.
Ergänzend setzen wir
zunehmend auf partnerschaftliche
Vergabemodelle. Mit dem Partnerschaftsmodell
Wasserbau haben wir
ein Konzept etabliert, das eine gemeinsame
und zügige Planung und
Bauabwicklung mit Bauwirtschaft und
Planern ermöglicht.
Wie bewerten Sie in diesem komplexen
Umfeld die Zusammenarbeit mit dem
Bundesverkehrsminister?
Leue: Sehr positiv. Kurz nach meinem
Amtsantritt hatten wir einen gemeinsamen
Termin am Nord-Ostsee-Kanal,
bei dem ich Bundesminister Patrick
Schnieder persönlich kennenlernen
durfte. Es war ein angenehmer und
konstruktiver Austausch. Wir haben
sogar gemeinsam über das Schiffshorn
Signale gesetzt.
Trotz der strategischen Bedeutung ist
der Sanierungsstau immens. Wo liegen
in den nächsten fünf Jahren die dringlichsten
Investitionsschwerpunkte?
Leue: Zunächst bei nicht sperrbaren
Bauwerken in schlechtem Zustand wie
Wehren, Dükern und Dämmen, die für
den Wasserabfluss unverzichtbar sind.
An zweiter Stelle stehen verkehrliche
Instandsetzungen an Schleusen und
Brücken. Bei Ausbaumaßnahmen konzentrieren
wir uns auf zentrale Leuchtturmprojekte
wie die Abladeoptimierung
am Mittelrhein oder die
Weservertiefung.
Die deutschen Seehäfen forderten
jüngst 15 Mrd. € aus dem Sondervermögen.
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HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
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14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Leue: Wie alle Verkehrsträger sind
auch die Wasserstraßen auf verlässliche
Investitionen durch den Bund angewiesen.
Bundesminister Schnieder
setzt sich nachdrücklich für die Wasserstraßen
ein. 2025 konnten wir mit
etwa 2 Mrd. € bereits eine Rekordsumme
einbringen. Dennoch zwingt uns
die aktuelle Haushaltslage, uns auf
das unbedingt Notwendige zu konzentrieren.
Stichwort Digitalisierung: Wann werden
wir autonom fahrende Schiffe auf
deutschen Wasserstraßen sehen?
Leue: 2025 haben wir erste Testgenehmigungen
für ferngesteuerte Binnenschiffe
mit Bordpersonal erteilt.
Das ist ein wichtiger erster Schritt, um
Erfahrungen zu sammeln. Bis vollständig
autonome Verkehre flächendeckend
Realität werden, wird es noch
einige Jahre dauern. Wir setzen uns
aktiv dafür ein, weitere Automatisierungsschritte
zu ermöglichen.
Wenn Sie auf die nächsten 10 bis 15
Jahre blicken: Was wollen Sie persönlich
bei der GDWS erreicht haben?
Leue: In dieser Zeit werde ich hoffentlich
meine Pension genießen. Ich
möchte dann mit dem guten Gefühl
auf meine Tätigkeit zurückschauen,
dass wir die Schifffahrt zuverlässig am
Laufen gehalten haben. Meine Aufgabe
ist es, die GDWS auf ihrem Transformationsweg
zu begleiten: moderner,
digitaler und als attraktive Arbeitgeberin
positioniert.
Interview: Peter Kleinort
Wie gehen Sie dabei mit dem Thema
Personal um? Es gab Berichte über geplante
Stellenkürzungen.
Leue: Wir setzen die Vorgaben des Koalitionsvertrags
und des Haushaltsgesetzes
2026 genau um. Das bedeutet
spürbare Einschnitte, mit denen wir
verantwortungsvoll umgehen müssen.
Wenn ich jedoch das Engagement
und das Fachwissen meiner Kolleginnen
und Kollegen sehe, bin ich überzeugt,
dass wir als Behörde für die anstehenden
Aufgaben gut gerüstet
sind.
Ein wichtiges Thema für Logistiker
sind Groß- und Schwertransporte. Mit
Blick auf die Energiewende rücken dabei
Komponenten für On- und Offshore-Windkrafftanlagen
in den Fokus.
Wie wollen Sie die Rahmenbedingungen
hier verbessern?
Leue: Wir arbeiten zurzeit am Aufbau
einer umfassenden Fachdatenbank zu
Umschlagstellen, unterstützen digitale
Mikrokorridore und kooperieren
eng mit Ländern und Wirtschaft. Ziel
ist es, die Wasserstraßen als genehmigungsarmen
Transportweg attraktiver
zu machen und Logistikprozesse
zu beschleunigen. Darüber hianus zeigen
einige Pilotprojekte gerade im
Transpport von Windkraftkomponen
das Potenziel, dass im Transport auf
dem Wasser liegt.
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14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Hohe Erwartungen, große Chancen
Alle an einen Tisch: Auf der Nationalen Maritimen Konferenz tauschen sich Vertreter der
Branche direkt mit Politikern aus. Wie steht es um die wichtigsten Segmente der Industrie,
und was sind ihre Wünsche an die Bundesregierung? Von Jannik Westerkamp
Die Schifffahrt – und alle Industriezweige, die sie unter sich
vereint – gehört ohne Zweifel zu den wichtigsten Branchen in
Deutschland. Mehr als 400.000 Arbeitnehmer sind in Reedereien,
auf Werften, in Zuliefererbetrieben, Häfen und Dienstleistungsunternehmen
beschäftigt. Der Umsatz, den sie jedes
Jahr erwirtschaften, beträgt mehrere zehn Milliarden Euro.
Die Stimmen dieser Industrie hat Gewicht, und die Politik tut
gut daran, ihr zuzuhören.
Im Rahmen der Nationalen Maritimen Konferenz, die in diesem
Jahr in Emden stattfindet, haben wir diese Stimmen eingeholt,
um ein Bild der aktuellen Lage zu zeichnen. Wo stehen
die Unternehmen, wie sind sie im internationalen Wettbewerb
aufgestellt, und wie kann die Bundesregierung diese strategisch
wichtige Branche unterstützen? Die HANSA hat dazu
Antworten mehrerer Organe eingeholt: Zu Wort kommen der
Verband Deutscher Reeder (VDR), der Verband für Schiffbau
und Meerestechnik (VSM), der VDMA Marine Equipment &
Systems, der Zentralverband Deutscher Seehafenbetriebe
(ZDS) sowie der Zentralverband Deutscher Schiffsmakler
(ZVDS).
Fahrt im Nebel: Trotz aller Pläne und Forderungen lässt sich die
Zukunft der Schifffahrt in Deutschland nur schwer vorhersagen
© BAW
STATUS QUO
Der Wettbewerbsdruck nimmt zu
»Die deutsche Seeschifffahrt bewegt sich in einem hochkompetitiven
globalen Markt«, antwortete der VDR auf Anfrage der
HANSA zum aktuellen Stand der Branche, »und sie tut dies seit
Jahrzehnten überaus erfolgreich.«
Entscheidend dafür seien gute und wettbewerbsfähige Standortbedingungen,
nicht nur im Vergleich zu asiatischen Schifffahrtszentren
wie Singapur und Hongkong, sondern auch gegenüber
europäischen Standorten wie Dänemark, Belgien und
den Niederlanden. Deutschland – zwar noch immer eine bedeutende
maritime Nation – stehe unter zunehmendem Druck, der
vor allem durch Rahmenbedingungen entstehe. »Nationale Sonderbelastungen,
regulatorische Alleingänge und administrative
Hürden wirken wir eine angezogene Handbremse im internationalen
Wettbewerb«, so der Verband. Steuerliche und wirtschaftliche
Bedingungen könnten den Ausschlag für oder gegen einen
Standort geben. Es brauche daher verlässliche und konkurrenzfähige
Bedingungen, um die deutsche Spitzenposition zu halten.
Der VSM hob die exzellenten technologischen Kompetenzen,
die Forschungs- und Ausbildungslandschaft sowie die Fachkräfte
in Deutschland hervor. »Das alles macht uns insbesondere bei
anspruchsvollen und komplexen Projekten zur ersten Adresse«,
kommentierten die Schiffbauer. Diese Nachfrage zeige sich in
den High-End-Märkten der Werften und im Zuliefererbereich für
effiziente und verlässliche Lösungen; die Zeichen stünden auf
Investition und Wachstum. Auch der VSM bemerkte jedoch den
hohen internationalen Wettbewerbsdruck, insbesondere von
asiatischen Werften, während in Europa die Bedingungen
schwieriger geworden seien. Neben Energie-, Arbeits- und Regulierungskosten
müssten in Deutschland auch Finanzierungsfragen
adressiert werden.
Konkurrenz durch China
Der VDMA MES platziert die Industrie als international führenden
Technologietreiber – dies spiegle sich in einem hohen Auftragseingang
der Branche wider, mit einer Exportquote von über
80 %. Die Zuliefererbranche habe sich mit hoher Qualität, Systemkompetenz
und Innovationen den ersten Platz gesichert, allerdings
dicht gefolgt von China, Südkorea und Japan. »Die größte
Herausforderung der nächsten Jahre liegt darin, diese Position
langfristig zu halten«, ordnet der VDMA ein und weist dazu auf
Forschung und Entwicklung hin. Als größter Konkurrent wird
China empfunden, das sich nicht nur im Schiffbau, sondern auch
im Zuliefererbereich etabliert und enorm aufgeholt habe. Aber:
76 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
»Die deutsche maritime Zulieferindustrie stellt sich dieser wachsenden
Konkurrenz«, so der Verband. Man sei sich bewusst,
dass man nur durch Innovationen, Qualität, Kundennähe und
Liefertreue bestehen werde, um die Kostennachteile in Deutschland
auszugleichen. »Hierauf bereiten sich die Unternehmen der
Branche konsequent in den Zeiten mit günstiger Auftragslage
vor und blicken deshalb zuversichtlich auf die Zukunft.«
Die Vertreter der Seehäfen ordnen ihre Wettbewerbsfähigkeit
als »grundsätzlich hoch« ein – sie seien das Rückgrat für Außenhandel,
Industrieversorgung, Energiewende und sicherheitsrelevante
Logistik. Druck bestehe allerdings durch steigende Kosten,
langwierige Genehmigungen, viel Bürokratie eine
unzureichende Finanzierung der Infrastruktur.
»Auch mit Blick auf die europäische Hafenstrategie werden die
Erwartungen an die Häfen nicht sinken«, so der ZDS. Konkurrenz
bestehe durch staatlich unterstütze Nordrange- und Mittelmeerhäfen,
zunehmend aber auch durch außereuropäische
Standorte, die schneller investieren und strategischer gesteuert
werden. »Entscheidend ist daher ein verlässlicher nationaler Finanzierungsrahmen,
um die Betreiber zu entlasten und Tempo
sowie Investitionsfähigkeit zu sichern.«
Die Schiffsmakler, vertreten durch den ZVDS, bewerten ihr Segment
in der Branche als besonders heterogen. »In unserer Mitgliedschaft
sind neben Klarierungsagenten, An- und Verkaufsmaklern,
Befrachtungsmaklern auch die Linienagenten zu
finden, also die ausländischen Reedereien, die auch die wesentlichen
Kunden der deutschen Häfen sind, vor allem im Container-
und RoRo-Bereich.« Immer wieder sei man überrascht, wie
wenig dies in der Politik bekannt ist. Die Mitglieder des Verbands
würden derzeit »erhebliche Anstrengungen« unternehmen, um
sich auf Herausforderungen vorzubereiten. Ausländische Reedereien,
die über ihre Agenturen am Standort vertreten sind,
hätten Investitionen in die Infra- und Suprastruktur verschiedener
Häfen angekündigt – allerdings sei dies kein plötzlicher Impuls,
sondern eine ständige Aufgabe.
»Da Deutschland weiterhin ein wichtiger Ziel- und Quellmarkt
für Seetransporte ist und über eine respektable Handelsflotte
verfügt, stehen wir verglichen mit den europäischen Kollegen
recht gut da«, so der ZVDS. Man beobachte allerdings eine
»Kräfteverschiebung in den Mittleren Osten und nach Asien«,
vor allem durch wirtschaftliche Dynamiken und öffentliche Investitionen.
»Deshalb wachsen die Transportmengen in den
dortigen Fahrtgebieten«, kommentierte der Verband,
»anders als bei uns.«
»Wir stehen gut da«
Der Schiffbau – hier auf der Werft German Naval Yards – gehört seit
jeher zu den Standbeinen der maritimen Industrie
© German Naval Yards
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
WÜNSCHE AN DIE REGIERUNG
Bürokratie runter, Stabilität rauf
Um die Position Deutschlands in der internationalen maritimen
Branche zu sichern, braucht es stabile Rahmenbedingungen – in
diesem Punkt sind sich die Vertreter aller Verbände einig. So
wünschen sie sich beispielsweise schnellere Verfahren, weniger
Bürokratie und finanzielle Sicherheit. Auch für den Klimaschutz
brauche es einen fest abgesteckten Rahmen, um sich langfristig
anpassen und entsprechende Strategien verfolgen zu können.
Wirtschaftsnachteile abbauen …
»Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht zufällig«, kommentierte
der VDR – sie sei stattdessen das Ergebnis konsistenter Rahmenbedingungen.
Die Reeder erwarten einen verlässlichen
Kurs für den maritimen Standort Deutschland: Sie fordern neben
einer stabilen Tonnagesteuer (auch für Offshore-Schiffe)
auch den Abbau nationaler Wettbewerbsnachteile wie der vergleichsweise
hohen Versicherungssteuer. Hinzu kommt ein Abbau
der Bürokratie, der »im Alltag der Unternehmen tatsächlich
spürbar« sei.
In der Klimapolitik brauche es Augenmaß und internationale
Abstimmung. »Die Dekarbonisierung des Seeverkehrs kann nur
global und technologieoffen gelingen«, teilte der Verband mit.
»Nationale oder europäische Sonderwege, überbordende Berichtspflichten
und fehlende alternative Treibstoffe inkl. der entsprechenden
Infrastruktur gefährden Investitionen und schwächen
den Standort.« Klimaschutz brauche einen international
kohärenten Rahmen und vor allem Planungssicherheit, damit
Unternehmen den notwendigen Wandel aktiv gestalten können.
… und Wachstumspotentiale ausschöpfen
Seitens der Schiffbauer wird eine gezielte Industriepolitik gefordert.
Das bedeutet schnellere Genehmigungsverfahren, eine
effiziente und standortorientierte öffentliche Beschaffung, verlässliche
Förder- und Finanzierungsinstrumente, Bildungsinfrastruktur,
Anwerbung ausländischer Fachkräfte – »alles Themen,
die wir im Rahmen eines Aktionsplans Maritime Industrie adressieren«,
so der VSM. Verfasst wurde er zusammen mit dem
VDMA. Zügiges Handeln sei notwendig, um die Wachstumspotentiale
auch ausschöpfen zu können. »Darum muss die Nationale
Maritime Konferenz konkrete, belastbare Ergebnisse liefern,
die anschließend in die konsequente Umsetzung von
Entscheidungen und Maßnahmen münden.«
Hohe Kosten durch Bürokratie
Beim Thema Bürokratie sind sich die Verbände einig: Regularien und
Berichtspflichten müssen abgebaut werden
Auch die Zulieferer bemängeln allen voran die Rahmenbedingungen
in Deutschland, im internationalen Vergleich ein
»Hemmnis« für die Produktion. Der Staat habe ein Kostenproblem,
der sich auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirke – angefangen
bei den Steuern, die hier durchschnittlich bei 30 %, im europäischen
Vergleich jedoch nur bei 23,5 % liegen. »Aber auch die
Lohnkosten und insbesondere die Lohnnebenkosten lassen unsere
Unternehmen an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen«, kommentierte
der VDMA. Ein wichtiger Faktor ist auch hier die Bürokratie:
Je nach Unternehmensgröße gehen nach einer eigenen
Studie 2 bis 6 % des Umsatzes für Bürokratieaufwendungen verloren
– dies koste außerdem nicht nur Geld, sondern auch Zeit.
Zwar gebe es gute Ansätze (beispielsweise die Omnibusverordnung
für EU-Verordnungen zur Nachhaltigkeit, die den bürokratischen
Aufwand reduzieren soll), gleichzeitig aber auch immer
neue Regularien, deren Berichtspflichten »leider auch nicht einfach
umzusetzen sind«, so der Verband. »Das angestrebte Tariftreuegesetz
für öffentliche Ausschreibungen ist ein weiteres
Hemmnis und insbesondere für kleinere Unternehmen nicht
umsetzbar.« In wichtigen Exportmärkten würden die Firmen außerdem
durch unklare oder langwierige Exportgenehmigungsprozesse
in ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt.
Hier fordert der VDMA schlankere und schnellere
Verfahren, um international mithalten zu können.
Beim Klima hob der Verband ebenfalls eine klare Linie hervor.
Dass das »Net Zero Framework« der IMO verschoben wurde,
wirke sich unmittelbar nachteilig auf diejenigen Zulieferer aus,
die schon Investitionen getätigt hätten und sich besonders für
den Klimaschutz engagierten.
Neben einheitlicher Regeln und vereinfachten Regularien fordert
der Verband allgemein wirtschaftsfreundliche Bedingungen.
»Darüber hinaus haben Freihandelsabkommen und offene
Märkte im weltweiten Handel eine große Bedeutung für die exportorientierte
Branche«, teilte der VDMA mit. »Weiterhin sind
Förderungen für die Forschung ein wichtiges Instrument, um
die Branche als Technologietreiber weiterhin bestehen zu lassen.«
»Mehr Tempo, mehr Investitionssicherheit«
Für den ZDS steht ein verlässlicher, langfristiger Finanzierungshafen
der Seehafeninfrastruktur im Fokus der Forderungen. Die-
© HANSA (KI-generiert)
78 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
ser müsse den gewachsenen, gesamtstaatlichen Aufgaben in
Handel, Energiewende sowie Sicherheit und Verteidigung gerecht
werden. »Nötig sind schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren,
wettbewerbsfähige Energie- und Standortkosten
sowie gezielte Förderprogramme für Digitalisierung,
Klimaneutralität und Resilienz«, so der Verband auf HANSA-Anfrage.
»Kurz gesagt: mehr Tempo, mehr Investitionssicherheit
und eine stärkere Mitverantwortung des Bundes für die Seehäfen.«
»Polderen« statt Poltern
Der ZVDS merkte an, dass konkrete Wünsche und Forderungen
seit vielen Jahren auf dem Tisch liegen – es genüge ein Blick in
die Berichte über frühere Nationale Maritime Konferenzen. Damalige
Forderungen seien nach wie vor aktuell, da es in den letzten
Jahren in vielen Fällen »nur wenig oder gar keinen Fortschritt«
gegeben habe.
»Beispielhaft sei die Anpassung der Fahrrinne auf der Außenweser
genannt, über die man seit 25 Jahren diskutiert«, so der
ZVDS. »Es ist in der Tat schade, dass man es aufgegeben hat,
diese Themensammlung einem Fortschrittsbericht transparent
zu dokumentieren. Stattdessen wird jedes Mal eine neue Themensammlung
begonnen und die Frage, wer für die Formulierung
einer Lösung die Verantwortung innehat, lähmt nahezu die
weitere fachliche Diskussion.« Allzu oft verstecke man sich hinter
formellen Zuständigkeiten oder eben Nicht-Zuständigkeiten.
»Statt eines ständigen Hin und Hers, vor allem zwischen der
Bundes- und der Landesbehörde, benötigen wir eigentlich einen
neuen, einen kooperativen Ansatz zur Lösung.«
Die Makler wünschen sich einen Ansatz, wie man ihn im Niederländischen
unter dem Begriff »Polderen« kennt: Man komme
zusammen und suche gemeinsam und pragmatisch nach der
Lösung für ein Problem, und zwar ohne vorherige Zuständigkeitsprüfungen
oder weitere formale Debatten. »Dies würden
wir uns auch für Deutschland wünschen, eine sachliche, unaufgeregte
sowie kooperative Problemlösung, und zwar über Landes-
und Ressourcengrenzen hinweg«, so der ZVDS. »Stattdessen
scheint bei uns nach wie vor das ›Poltern‹ im Vordergrund zu
stehen. Und dies wohl im Wesentlichen, um sich selbst gegenüber
der eigenen Partei oder den eigenen Verbandsmitglieder
zu profilieren.« Dieser Ansatz diene einer kooperativen Problemlösung
leider nicht, sondern sorge vielmehr für Frustrationen.
Allzu oft würden Projekte und Themen vor Gericht landen, wo sie
streitig ausgehandelt werden – dies verlängere die Prozesse unnötig.
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
RESILIENZ DER WIRTSCHAFT
Ein starkes Rückgrat – auch im Krisenfall
Die Segmente der maritimen Industrie tragen auf verschiedene
Arten zu einer stabilen, widerstandsfähigen Wirtschaft bei:
Sie sichern nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze, sondern auch
den technischen Vorsprung Deutschlands und ermöglichen
zuverlässige Warenströme – all das erscheint umso wichtiger,
je angespannter die politische Lage auf den Weltmeeren wird.
Starke und zuverlässige Handelsflotte
»Die deutsche Handelsflotte ist kein ›nice to have‹, sondern ein
›need to have‹. Sie ist ein tragender Pfeiler der kritischen Infrastruktur
und ein zentraler Faktor wirtschaftlicher Resilienz«,
sagte der VDR. Rund 480.000 Arbeitsplätze in Deutschland
würden von ihr abhängen. Mit einer jährlichen Wertschöpfung
von über 30 Mrd. € – darunter mehr als 1 Mrd. € an Steuern
und Sozialabgaben – bleibe Deutschland eine der bedeutensten
Schifffahrtsnationen weltweit.
»Deutsche Reedereien investieren mit großem Engagement
in moderne Flotten, digitale Prozesse, Effizienzsteigerungen
und neue Technologien«, kommentierte der Reederverband.
»Sie halten ihre Schiffe, ihre Organisationen und ihr Personal
konsequent ›up to date‹, um international wettbewerbsfähig
zu bleiben und zugleich steigenden regulatorischen, sicherheitspolitischen
und technologischen Anforderungen gerecht
zu werden. Diese Anstrengungen stärken nicht nur die Unternehmen
selbst, sondern sichern Lieferketten, Versorgungssicherheit
und industrielle Wertschöpfung in Deutschland.«
Im Krisenfall könne nur eine wirtschaftliche starke und konkurrenzfähige
Handelsflotte zuverlässig Transportleistungen
erbringen, kritische Lieferketten stabilisieren und zur sicherheitspolitischen
Handlungsfähigkeit beitragen. Voraussetzung
dafür sind laut Ansicht der Reeder verlässliche Standortbedingungen
und eine Politik, die Wettbewerbsfähigkeit, Transformation
und Resilienz als gemeinsame Aufgabe begreift.
Der VDMA positioniert die maritime Zuliefererindustrie in einer
Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Produkten und Systemen,
die unmittelbar dem Schutz der kritischen Infrastruktur
dienen. Sie leiste einen »maßgeblichen Beitrag zur
Sicherung relevanter Zonen«, sowohl an der Oberfläche, auf
dem Wasser und auch darunter. Dies geschehe durch fortlaufende
Innovationen sowie die Übertragung bewährter Navigations-
und Kommunikationstechnologien aus der Schifffahrt
und maritimen Verkehrsüberwachung auf den Bereich des
Schutzes kritischer Infrastrukturen.
»Angesichts zunehmender Bedrohungslagen werden
Schutzinstrumente besonders schnell zur Marktreife geführt
und in die Praxis umgesetzt«, sagte der Verband auf Anfrage
der HANSA. »Dies unterstreicht die Anpassungs- und Reaktionsfähigkeit
der Branche auf aktuelle Herausforderungen.«
Ein weiterer wesentlicher Aspekt sei die enge Verzahnung
mit der Marine und dem Marineschiffbau. »Für die verstärkten
Verteidigungsinvestitionen spielen die Zulieferunternehmen
eine unverzichtbare Rolle für Ausstattung und Modernisierung
der Flotte. Die Bereitstellung spezialisierter Komponenten und
Systeme stärkt die nationale Verteidigungsfähigkeit und leistet
einen maßgeblichen Beitrag zur Erhöhung der Resilienz der
maritimen Infrastruktur.« Auch im übergreifenden Sinne fungiere
die maritime Zulieferindustrie mit ihren Produkten und
Systemen als »Rückgrat der maritimen Wirtschaft« und sichere
die Resilienz vor allem durch technologische Souveränität, Versorgungssicherheit
und die Unterstützung der Energiewende.
Deutschland braucht sichere Lieferketten
Weiterhin trage die Zuliefererindustrie mit modernen Technologien
in Schifffahrt und Logistik zur Sicherung globaler Lieferketten
bei – auf welche die Exportnation Deutschland angewiesen
ist. »Eine starke heimische Industrie schützt zudem vor
»Wir sollten alles selbst können«
Aus Sicht des VSM ist es nur mit »eigenen industriellen Fähigkeiten
und substanziellen Kapazitäten« möglich, Abhängigkeiten
glaubwürdig zu reduzieren. Dies gelte nicht nur für den
Marineschiffbau, sondern für alle maritimen Bedarfe.
»Wir müssen nicht alles selbst machen, aber wir sollten alles
selbst können«, so die Schiffbauer. »Die maritime Industrie ist
darum ein zentraler Pfeiler der kritischen Infrastruktur und
trägt entscheidend zur technologischen Souveränität Deutschlands
und Europas bei. Ein starker maritimer Standort erhöht
die Resilienz der gesamten Volkswirtschaft gegenüber geopolitischen
Krisen und globalen Lieferkettenrisiken. Kurzum:
Schiffbau schafft Wachstum und Sicherheit.«
Systeme sichern Infrastruktur
Deutsche Seehäfen leisten einen wichtigen Beitrag zur Resilienz der
nationalen Wirtschaft
© BAW
80 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
und sicherheitsrelevante Transporte. »Voraussetzung ist, dass
diese Resilienz politisch flankiert und infrastrukturell ausreichend
finanziert wird.«
»Die Branche ist bereit«
© Bundeswehr
Fregatte »Hessen« bietet Geleitschutz im Roten Meer: Die Schifffahrt
ist besonders von globalen Spannungen geprägt
einer einseitigen Abhängigkeit von Importen wichtiger maritimer
Technologien, etwa im Spezialschiffbau«, so der VDMA.
Die Zulieferer würden darüber hinaus den Umbau der Wirtschaft
hin zur Klimaneutralität ermöglichen. So liefern sie zentrale
Bauteile für Ausbau und die Wartung von Windparks,
wodurch sie die nationale Energieunabhängigkeit sichern.
Weiterhin stellt die Entwicklung alternativer Schiffsantriebe mit
Systemen für Ammoniak, Methanol oder andere nachhaltige
Kraftstoffe sicher, dass Deutschland auch zukünftig eine »führende
technologische Rolle« auf wichtigen Märkten einnehme.
Industrie, Handel und Sicherheit
»Die deutschen Seehäfen leisten einen zentralen Beitrag zur
Resilienz der nationalen Wirtschaft«, teilte der ZDS mit. Sie
würden Versorgungsketten sichern und Energieimporte (z.B.
LNG, Wasserstoff, Offshore-Komponenten) ermöglichen. Ferner
seien sie logistische Drehscheiben für Industrie, Handel
Die Schiffsmakler stellten heraus, dass die maritime Branche
»in besonderem Maße« von globalen Spannungen geprägt
werde. Gleichzeitig habe die Schifffahrt es jedoch immer geschafft,
sich darauf einzustellen und Alternativen zu finden,
wenn bestimmte Fahrtgebiete gesperrt werden.
»Und gerade im Spannungsfall, von dem wir hoffen, dass er
nie kommen wird, können die Schifffahrtsunternehmen helfen,
die Versorgung der Bevölkerung vor allem mit Getreide, Energie
und sonstigen Rohstellen sicherzustellen«, so der ZVDS.
»Und natürlich kommt den Reedereien und Linienagenturen
eine besondere Rolle bei der Sicherstellung des militärischen
Nachschubs zu. Diese Rolle war ihr im Übrigen immer schon
zugedacht, die Öffentlichkeit hat es nur vergessen. Es gilt nunmehr
die alten Pläne zu reaktivieren, zu modernisieren und
durch Übungen zu verinnerlichen. Die Branche ist dazu bereit.«
Man dürfe Resilienz jedoch nicht nur auf militärische Bedrohungen
beschränken. Erhebliche Bedrohungen für die
Mitglieder hätten sich auch aus den Aktivitäten der organisierten
Kriminalität im Rahmen des Drogenschmuggels ergeben.
»Die Unternehmen haben große Anstrengungen unternommen,
um Infiltrationen und die Drohung von
Mitarbeitenden zu verhindern«, sagten die Makler. »Hier hätten
wir uns in der Tat mehr Unterstützung durch den Bund,
z.B. durch die Bereitstellung von Fördermitteln zur Schaffung
entsprechender digitaler Lösungen gewünscht. Vielleicht
kann man das in Zukunft besser machen.«
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14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
»Maritime Infrastruktur lässt sich nur
begrenzt physisch schützen«
Offshore-Windparks, Häfen, Pipelines und Unterseekabel rücken stärker in den Fokus der
Sicherheitspolitik. ISPK-Experte Henrik Schilling erläutert, wo die größten Verwundbarkeiten
liegen und wie Staat und Wirtschaft ihre Resilienz verbessern müssen. Von Joshua Wygand
Was heute zur maritimen kritischen Infrastruktur
Deutschlands zählt, ist aus
Sicht von Henrik Schilling im Kern eindeutig:
Gemeint sind alle maritimen Einrichtungen
und Systeme, deren Ausfall
gravierende Folgen für staatliche Handlungsfähigkeit,
wirtschaftliche Stabilität
oder die Versorgung der Gesellschaft
hätte. Der Sicherheitsexperte vom Institut
für Sicherheitspolitik an der Universität
Kiel verweist darauf, dass es zwar national
wie international unterschiedliche
Definitionen dafür gebe, wann Infrastruktur
als kritisch einzustufen sei. Der
gemeinsame Nenner sei jedoch klar.
»Kritisch ist eine Infrastruktur dann,
wenn ihr Ausfall gravierende Auswirkungen
auf staatliche Funktionen, wirtschaftliche
Stabilität oder die gesellschaftliche
Versorgung hätte«, sagt
Schilling.
Verwundbare Lebensadern der
Volkswirtschaft
Mit Blick auf Deutschland gehören für
ihn insbesondere Offshore-Windparks in
Nord- und Ostsee, Energieimporte per
Schiff oder Pipeline sowie Hafeninfrastrukturen
eindeutig in diese Kategorie.
Gleiches gelte für Umschlagplätze des
Waren- und Personenverkehrs, die für
eine exportorientierte Volkswirtschaft
wie Deutschland essenziell seien. Besonders
auffällig ist für Schilling, dass einzelne
Bereiche lange nicht mit derselben
sicherheitspolitischen Aufmerksamkeit
betrachtet wurden wie klassische Energie-
oder Verkehrsinfrastruktur. Dazu
zählen vor allem Untersee-Datenkabel.
Sie seien über Jahre hinweg unterschätzt
worden, obwohl über sie der überwiegende
Teil des globalen Datenverkehrs
laufe. Schilling spricht von einem Anteil
zwischen 95 % und 98 %. Ihr Ausfall würde
deshalb weit über Störungen der privaten
Kommunikation hinausgehen. Betroffen
wären nach seiner Einschätzung
zentrale Funktionen im Bankenwesen,
im Gesundheitssektor und in der öffentlichen
Verwaltung. Ohne diese Infrastruktur,
so macht er deutlich, wäre die
Funktionsfähigkeit moderner Gesellschaften
fundamental eingeschränkt.
Vom Wirtschaftsraum zum
Sicherheitsraum
Sicherheitsexperte beim ISPK:
Henrik Schilling
Gerade dieser Befund verweist auf einen
grundlegenden Wandel im sicherheitspolitischen
Denken. Maritime Infrastruktur
war zwar schon immer Naturgefahren,
technischen Defekten und Unfällen
ausgesetzt. Neu ist nach Schillings Einschätzung
aber die strategische Qualität
der Bedrohung. Spätestens seit der Sabotage
der Nord-Stream-Pipelines sei
offensichtlich, dass staatliche Akteure
kritische Infrastruktur systematisch in
hybride Konfliktstrategien einbeziehen.
Das maritime Umfeld habe sich damit
von einem vor allem wirtschaftlichen und
operativen Handlungsraum zu einem sicherheitspolitisch
hochsensiblen Schauplatz
entwickelt.
Besonders deutlich zeigt sich das für
ihn in der Ostsee. Dort seien seit 2023
mindestens ein Dutzend Kabel und Pipelines
beschädigt oder zerstört worden,
häufig durch schleifende Anker. Gerade
diese Form von Vorfällen sei sicherheitspolitisch
so problematisch, weil sie sich
bewusst in einer Grauzone zwischen Unfall
und Sabotage bewege. Schilling beschreibt
diese Logik als Teil hybrider Einflussnahme.
Ziel sei vielfach nicht allein
die einmalige physische Zerstörung eines
Objekts, sondern die Erzeugung eines
dauerhaften Bedrohungsszenarios.
Ein solcher Zustand teste politische Reaktionsmuster,
binde Ressourcen und
beeinflusse öffentliche Debatten. Hinzu
komme, dass parallel die Zahl der Cyberangriffe
auf Unternehmen der kritischen
Infrastruktur deutlich zugenommen
habe und inzwischen hohe wirtschaftliche
Schäden verursache.
Ostsee-Infrastruktur unter
besonderem Druck
Vor diesem Hintergrund misst Schilling
Unterseekabeln, Offshore-Energieanlagen,
Importterminals und Hafenumschlagplätzen
eine herausragende Bedeutung
in aktuellen Lagebildern bei.
Unterseekabel und Offshore-Energieanlagen
seien für die Energie- und
Datenversorgung unabdingbar. Zugleich
ermöglichten sie mehr Energie unabhängigkeit
und eine stärkere Vernetzung
zwischen Staaten. Genau darin liege
aber auch ihre Verwundbarkeit.
Gerade in der Ostsee seien diese Infrastrukturen
angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen
Lage besonders gefährdet.
Schilling weist darauf hin, dass
© ISPK
84 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
die östlichen und nördlichen Ostseeanrainer
im Konfliktfall bei einer Zerstörung
von Unterseekabeln und Pipelines
nur mit erheblichem Aufwand über den
Landweg versorgt werden könnten. Das
verdeutliche, wie stark maritime und territoriale
Sicherheit inzwischen miteinander
verflochten seien.
Häfen als strategische
Schaltstellen
Ähnlich strategisch bewertet er die Rolle
der Häfen. Nach seinen Angaben laufen
etwa 60 % des europäischen Warenverkehrs
über den Seeweg. Sollte es zu einem
militärischen Konflikt in der Ostsee
kommen, müsste dieser Warenverkehr
teilweise auf anderen Wegen aufrechterhalten
werden. Gleichzeitig würden
den Häfen an der Nordseeküste dann
eine Schlüsselrolle für die Versorgung
Europas zufallen. Häfen wären in einem
solchen Szenario nicht nur logistische
Drehscheiben, sondern sicherheitspolitische
Knotenpunkte. Ihre Funktionsfähigkeit
hätte unmittelbare Auswirkungen
auf wirtschaftliche Stabilität, militärische
Beweglichkeit und gesellschaftliche Versorgung.
Schutz auf See
nur begrenzt möglich
Trotz dieser offenkundigen Relevanz
sieht Schilling erhebliche Verwundbarkeiten.
Die größte strukturelle Schwäche
liege im asymmetrischen Charakter
hybrider Bedrohungen. Maritime Infrastruktur
lasse sich nur begrenzt physisch
schützen, sagt er. Anders als an
Land seien flächendeckende Absperrungen,
dauerhafte Kontrollzonen oder
unmittelbare Zugriffsmöglichkeiten auf
See nur eingeschränkt umsetzbar.
Gleichzeitig könnten Angriffe mit zivilen
Mitteln erfolgen, etwa durch das gezielte
Ausbringen von Ankern. Genau diese
Niedrigschwelligkeit mache den Schutz
so schwierig.
Attribution als sicherheitspolitisches
Dilemma
Hinzu komme das Problem der Attribution.
Die eindeutige Identifizierung verantwortlicher
Akteure sei häufig schwierig,
zeitaufwendig und politisch sensibel.
Aus Schillings Sicht entsteht dadurch ein
strategisches Ungleichgewicht: Während
europäische Staaten an völkerrechtliche
Regeln und rechtsstaatliche Verfahren
gebunden seien, nutzten potenzielle Angreifer
bewusst Grauzonen und Regelverletzungen
aus. Weder ließen sich in
Ost- und Nordsee effiziente Sperrzonen
errichten, noch könnten Schiffe ohne
Weiteres vor einer Tat gestoppt oder an
der Durchfahrt gehindert werden. In der
Konsequenz, so Schilling, könnten Angreifer
vergleichsweise unbeschwert
über kritischer Infrastruktur Anker ausbringen
und Kabel oder Pipelines beschädigen.
Gerade diese Kombination
aus Offenheit des Seegebiets, zivil anmutenden
Tatmitteln und schwieriger Zuschreibung
macht maritime Kritis aus
seiner Sicht besonders exponiert.
Lagebilder als Grundlage
der Reaktion
Um Schutzfähigkeit, Resilienz und Reaktionsschnelligkeit
nachhaltig zu stärken,
fordert Schilling zunächst ein präzises
und aktuelles maritimes Lagebild. Nur
wenn Vorfälle frühzeitig erkannt und
richtig eingeordnet würden, sei eine koordinierte
Reaktion möglich. Er verweist
darauf, dass entsprechende Strukturen
in den vergangenen Jahren auf nationaler
Ebene sowie auf Ebene der EU und
der NATO deutlich ausgebaut worden
seien. Schon heute ermöglichten diese
Mechanismen spürbar schnellere Reaktionszeiten
auf Vorfälle. Dennoch gehe es
nicht allein um technische Überwachung
oder operative Alarmierung. Ebenso
wichtig sei ein breiteres gesellschaftliches
Verständnis für Relevanz und Verwundbarkeit
kritischer Infrastruktur.
Unternehmen müssen
Resilienz mitdenken
Auf Unternehmensebene sieht Schilling
erheblichen Handlungsbedarf, aber
auch klare Ansatzpunkte. Schutzkonzepte
müssten kontinuierlich weiterentwickelt
werden, von der Cybersicherheit
über physische Sicherungsmaßnahmen
bis hin zu Business-Continuity-Management
und Notfallvorsorge. Es gehe also
nicht nur darum, Angriffe abzuwehren,
sondern ebenso darum, Betriebsfähigkeit
unter Krisenbedingungen aufrechtzuerhalten
und Ausfälle schnell kompensieren
zu können. Gleichzeitig
müsse die Zusammenarbeit zwischen
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
© Wygand
Die Ostsee wird immer mehr zum »heißen« Gewässer. Neben Gefahrenabwehr soll dort Resilienz künftig mehr im Fokus stehen
Staat und Wirtschaft intensiviert werden.
Das Maritime Sicherheitszentrum
biete hierfür auf behördlicher Ebene bereits
eine tragfähige Plattform. Daran
könne angeknüpft werden, um Unternehmen
und Behörden besser miteinander
zu verknüpfen.
Fortschritte ja,
aber weiter große Lücken
Bei der Vorbereitung staatlicher Stellen,
Hafenstandorte und privater Betreiber
zieht Schilling eine gemischte Bilanz. Einerseits
hätten alle Beteiligten in den
vergangenen Jahren viel gelernt und
entsprechende Vorbereitungen getroffen.
Vorgaben zum Schutz kritischer Infrastruktur
würden fortlaufend angepasst,
und Übungen sowie Simulationen
verbesserten die operative Reaktionsfähigkeit,
etwa beim Schutz gegen
Drohnen- oder Cyberangriffe. Andererseits
bestünden weiterhin signifikante
Lücken. Schilling kritisiert vor allem die
oft zu langsame Umsetzung europäischer
Vorgaben wie NIS2. Zudem
bremsten juristische Rahmenbedingungen
mitunter operative Maßnahmen.
Unternehmen, so sein Hinweis, könnten
sich allerdings schon heute an bestehenden
europäischen Standards orientieren
und müssten nicht auf jede nationale
Konkretisierung warten. Insgesamt
sei der Schutz verbessert worden, müsse
aber fortlaufend überprüft und angepasst
werden.
Internationale Kooperation
wird zum Schlüssel
Eine zentrale Rolle spielt für Schilling
dabei die internationale Zusammenarbeit.
Die Kooperation zwischen NATO
und EU sowie zwischen den jeweiligen
Mitgliedstaaten sei in den vergangenen
Jahren stark ausgebaut worden. Gerade
im maritimen Bereich seien diese
Verbindungen essenziell, weil kritische
Infrastruktur in Ost- und Nordsee fast
immer länderübergreifende Relevanz
habe und Ausfälle regelmäßig mehrere
Staaten gleichzeitig beträfen. Das gelte
für Energieverbindungen ebenso wie
für Datenkabel, Pipelines, Schifffahrtsrouten
und Hafennetzwerke. Auch die
Verfolgung möglicher Akteure und die
Überwachung von Seegebieten werde
durch internationale Kooperation deutlich
erleichtert, so Schilling. Die bereits
bestehenden Strukturen müssten nun
konsequent weiterentwickelt und dort,
wo es sinnvoll sei, stärker mit privaten
Akteuren verzahnt werden.
Mehr Resilienz statt reiner
Gefahrenabwehr
Für die kommenden Jahre skizziert der
Kieler Sicherheitsexperte einen Maßnahmenkatalog,
der politische, organisatorische
und technologische Aspekte
zusammenführt. Politisch hält er klarere
Zuständigkeiten zwischen Bund und
Ländern für notwendig. Zudem müsse
die Zusammenarbeit der Behörden weiter
optimiert werden. Kritische Infrastruktur
sollte juristisch stärker geschützt
und Angriffe müssten wirksam
sanktioniert werden, auch in Abstimmung
mit anderen Staaten. Organisatorisch
plädiert Schilling für einen Perspektivwechsel:
Nicht die reine
Gefahrenabwehr dürfe im Zentrum stehen,
sondern Resilienz. »Angriffe lassen
sich nie vollständig verhindern«, macht
er deutlich. Entscheidend sei deshalb
die Fähigkeit, schnell auf Vorfälle zu reagieren,
Ausfälle aufzufangen und Systeme
wiederherzustellen.
Redundanz wird
zur Sicherheitsfrage
Technologisch plädiert Schilling für mehr
Redundanzen und bessere Überwachungssysteme,
um Ausfälle in Daten-,
Energie- und Logistikinfrastrukturen
abfedern zu können. Einrichtungen wie
das Maritime Sicherheitszentrum in
Cuxhaven sieht er als wichtige Plattform,
um Staat und Wirtschaft enger zu
vernetzen. Zugleich müsse das Bewusstsein
für die Bedeutung kritischer
Infrastruktur in Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft wachsen.
Maritime Sicherheit sei daher nicht nur
eine technische oder militärische Aufgabe,
sondern eine ressortübergreifende
Daueraufgabe. Entscheidend sei letztlich
nicht, jeden Angriff zu verhindern, sondern
Schäden zu begrenzen und Handlungsfähigkeit
zu sichern.
■
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14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
»Jeden dritten Tag könnte man
ein Schiff festsetzen«
Trotz Sanktionen transportiert die russische Schattenflotte weiterhin große Mengen russischen
Öls über die Weltmeere. Ein besonderer Hotspot ist dabei die Ostsee. Das German Institute for
Defence and Strategic Studies (GIDS) hat in einer aktuellen Studie die Risiken aufgezeigt, die von
diesen Schiffen insbesondere für die Ostsee ausgehen, und daraus Handlungsempfehlungen für
die Bundesregierung abgeleitet
Mit dem Inkrafttreten der Sanktionen gegen Russland hat sich
die sogenannte Schattenflotte gebildet. Ihr werden 500 bis
2.300 Schiffe zugerechnet. Sie sind in der Regel veraltet, technisch
mangelhaft ausgerüstet, unzureichend gewartet, personell
unterbesetzt und schlecht versichert. Unter Umgehung der
Sanktionen transportieren diese Schattentanker russische Ölerzeugnisse
– in der Ostsee hauptsächlich über die Häfen Ust-Luga,
Primorsk und Kaliningrad. Das GIDS, der Thinktank der Bundeswehr
in Hamburg, hat sich dieses Themas angenommen und
die Studie »Von Sicherheitsmängeln zum Sicherheitsrisiko: Substandard
Vessels und die Bedrohungen für die maritime Sicherheit
in der Ostsee« herausgegeben. Mit Kapitän zur See André
Pecher, stellvertretender Forschungsleiter des GIDS, gibt hier
einer der Autoren einen Einblick in die wichtigsten Ergebnisse
dieser Analyse.
Herr Kapitän, könnten Sie die aktuelle Lage beschreiben – wie
viele Schiffe der russischen Schattenflotte sind aktuell täglich
in der Ostsee unterwegs?
André Pecher: Die Einschätzung ist schwierig, die Zahlen variieren.
Von den täglich aufgenommenen circa 2.500 Schiffsbewegungen
in der Ostsee rechnet man im Schnitt drei bis
vier pro Tag der russischen Schattenflotte zu. Dänemark hat
allein im vergangenen Jahr 292 Passagen von EU-sanktionierten
Fahrzeugen der russischen Schattenflotte durch seine
Gewässer registriert. Wenn Sie davon ausgehen, dass davon
ein Drittel unter gefälschter Flagge fährt, zeigt sich das
Potential für polizeiliche Zugriffe, wenn notwendig oder gewollt.
Bedeutet also, jeden dritten Tag könnte man ein Schiff
festsetzen – ohne Dunkelziffer gerechnet. Hinzuzufügen
bleibt: Seit Beginn des Krieges in der Ukraine haben sich die
russischen Seehäfen des Ostseeraums zu den wichtigsten
Abgangshäfen für den Export von Rohöl und Flüssiggas entwickelt,
während es vorher die russischen Seehäfen des
Asow-Schwarzmeer-Beckens waren. Dies unterstreicht das
Bedrohungspotenzial für die Ostsee.
Welche Risiken gehen von diesen Schiffen aus? Was wäre aus
Ihrer Sicht das Worst-Case-Szenario?
Pecher: Das größte Risiko ist das einer Ölpest. Diese Schiffe
unterlaufen elementare Sicherheitsstandards, und daher ist
das Risiko eines Unfalls deutlich größer als bei der regulären
Handelsschifffahrt. Es wäre sogar viel schlimmer als bei dem
sehr prominenten Schiffsunglück der »Exxon Valdez« im Jahr
1989 im Prinz-William-Sund vor Alaska, weil die Ostsee quasi
ein Binnenmeer ist. Stellen Sie sich vor: 100.000 t Rohöl eines
solchen Tankschiffes der sogenannten russischen Schattenflotte
würden infolge einer Havarie in der Ostsee die Küsten
Deutschlands und/oder mehrerer Anrainerstaaten auf Jahre
verschmutzen. Das sensible Ökosystem der Ostsee würde
nachhaltig und dauerhaft geschädigt, dazu käme der Ausfall
von Fischerei und Tourismus für möglicherweise ein Jahr-
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
zehnt. Zudem ziehen massive ökologische und wirtschaftliche
Schäden auch soziale Verwerfungen nach sich. Dieses
Szenario darf nicht eintreten. Das Risiko eines Ölunfalls besteht
immer, aber Russland steigert dieses Risiko durch seine
Flotte von Schrottschiffen immens und vorsätzlich. Dieser
Aspekt ist der naheliegendste und bedrohlichste – neben der
Finanzierung des russischen Kriegs in der Ukraine, der für
uns eine ebenfalls erhebliche Bedrohung darstellt.
Kapitän zur See André Pecher
Es ist bekannt, dass täglich Schattentanker die Ostsee passieren
– was hindert Deutschland und die anderen Anrainerstaaten
daran, konsequenter durchzugreifen und diese Schiffe
zu stoppen?
Pecher: Das würde ich so nicht stehen lassen. Die deutschen
Exekutivorgane gehen inzwischen gegen diese Schiffe vor
und stehen meines Wissens nicht hinter den Aktivitäten der
Partnerländer zurück. Ein Beispiel: Die Bundespolizei See hat
jüngst der mit gefälschter IMO-Nummer fahrenden »Tavian«
das Einlaufen in deutsche Hoheitsgewässer verweigert. Dieses
Schiff ist auch der russischen Schattenflotte zuzurechnen.
Aber: Das internationale Seerecht legt die Messlatte
recht hoch, um ein Schiff anhalten, untersuchen und gegebenenfalls
sogar festsetzen zu dürfen. Hier liegt die Verantwortung
erst einmal beim Flaggenstaat. Fährt das Schiff allerdings
staatenlos, was bei gefälschten Flaggenregistrierungen
der Fall ist, erlaubt das Seerecht jedem die Untersuchung.
Konzentriert man sich allein auf diese Schiffe, könnte man im
Schnitt jeden dritten Tag ein Schiff aus dem Verkehr ziehen.
Und das unabhängig von der vermutlich großen Dunkelziffer
an nicht erkannten Schiffen der Schattenflotte.
Die Zurückhaltung kommt einmal daher, dass es nicht
ganz trivial ist festzustellen, welches Schiff zur Schattenflotte
gehört. Zudem stellt es ein logistisches Problem dar, solche
Schiffe festzusetzen, erst recht in größeren Stückzahlen.
Weder gibt es in der Ostsee die Hafenkapazitäten, noch
ist es einfach, solch große Ölmengen von Bord zu holen, um
das Schiff danach abzuwracken. Womit man aber sicherlich
deutlich häufiger durchgreifen könnte, sind Kontrollen auf
See und gegebenenfalls die Verweigerung der Durchfahrt.
Das würde den Verkehr der Schattenflotte bereits erheblich
stören. Entscheidend ist, das Geschäftsmodell Russlands
zur Finanzierung seines Krieges in der Ukraine, und damit
indirekt gegen Europa, nachhaltig zu stören.
© Bundeswehr/Christian Gelhausen
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14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Die »Eventin« aus der russischen Schattenflotte
sorgte für einige Aufmersamkeit und einen
Einsatz des deutschen Havariekommandos
© Havariekommando
Sie und die Mitautoren der Studie haben Handlungsempfehlungen
für die Bundesregierung abgeleitet – welche sind es
und an welches Ministerium sind sie konkret adressiert?
Pecher: Hier ist die gesamte Bundesregierung angesprochen.
Zuallererst ist die Aufrechterhaltung der Sicherheit und
Ordnung im Schiffsverkehr eine Aufgabe der Bundespolizei
See, also des Innenministeriums. Die Innenbehörden der
Länder sind ebenfalls involviert. Fragen der maritimen Infrastruktur
und der Beratung zur Gefahrenabwehr auf See sind
im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie verortet,
also im Geschäftsbereich des Verkehrsministeriums. Soweit
die Sicherheitspolitik international koordiniert werden muss,
fällt es in die Domäne des Auswärtigen Amts. Inhaltlich betrifft
es natürlich auch Umwelt, Fischerei, Justiz und andere.
Für Amtshilfe durch die Deutsche Marine ist dann das Verteidigungsministerium
angesprochen. Die notwendige ressortübergreifende
Koordination stellt sich also durchaus komplex
dar, was die Aufgabe nicht einfacher macht.
Die Schifffahrt ist international, und durch die Risiken, die
von den Tankern der Schattenflotte ausgehen, sind alle Anrainer
der Ostsee gefährdet – reicht es, die Bundesregierung
anzusprechen, oder bedarf es vielmehr einer internationalen
Kooperation mit den betroffenen Ländern?
Pecher: Die Bundesregierung ist unser Ansatzpunkt, aber
letztlich bleibt es eine gemeinsame Aufgabe aller Ostseeanrainer.
Die Schiffe durchqueren auf der Fahrt durch die Ostsee
die Außenwirtschaftszonen mehrerer Staaten, und eine
effektive Bekämpfung des Phänomens ist erst koordiniert
wirklich wirksam.
Der Schattenflotte soll nicht nur illegal Ölerzeugnisse
transportieren, sondern auch Sabotage- oder Spionageaktivitäten
unterstützen. So sollen Drohnen von diesen
Schiffen aus gestartet werden. Angenommen, deutsche
Behörden oder die Marine würden ein solches Schiff bei
einer entsprechenden Aktion ertappen – wie würden sie
vorgehen, und wie hoch wäre aus Ihrer Sicht die Wahrscheinlichkeit,
dass daraus ein militärischer Konflikt mit
Russland entsteht?
Pecher: Das Starten und Landen von Luftfahrzeugen aller
Art – ob nun militärischer Herkunft oder nicht – ist ein Verstoß
gegen die Voraussetzungen der friedlichen Durchfahrt
in Küstenmeeren. Das internationale Seerecht ermächtigt
die Küstenstaaten, dagegen vorzugehen. Russland würde
ein Eingreifen sicherlich mit massiven Drohungen beantworten.
Doch auch Moskau weiß, dass das Vorgehen gegen ein
solches Schiff legal wäre. Russland testet mit den Drohnenvorfällen
unseren Reaktionswillen. Reagiert man auf solche
Provokationen mit Stärke, hakt der Kreml sie als gescheitert
ab und versucht im Zuge seiner hybriden Kriegsführung etwas
anderes. Die Gefahr eines Konflikts halte ich aktuell für
sehr gering, weil Russland die militärische Eskalation mit der
NATO derzeit noch vermeidet. Russlands Strategie ist es zu
testen, wie weit es gehen kann. Die Provokation eines militärischen
Konflikt gehört nicht dazu – zumindest noch nicht.
Wird der Krieg im Iran Auswirkungen auf die Schattenflotte
haben? Und wenn ja, welche?
Pecher: Die Auswirkungen sind bereits deutlich sichtbar. Normalerweise
geht ein Fünftel der Ölversorgung für den weltweiten
Verbrauch durch die Straße von Hormus, doch wegen des
Krieges passiert derzeit, also Mitte März, kaum ein Tanker dieses
Nadelöhr. Die damit einhergehende Verknappung sorgt für
gehörige Turbulenzen am Markt – erhebliche Preissteigerungen
sind die merkliche Folge. All das macht den Export über die
Ostsee umso wertvoller für Russland: Dessen Geschäftsmodell
wird attraktiver, weil die Gewinnmargen ungleich steigen. Zugleich
wäre gerade jetzt ein Vorgehen gegen die Schattenflotte
für Russland besonders schmerzvoll. Und gerade deshalb muss
Europa nun finanziell und militärisch souveräner und damit
glaubwürdiger auftreten. Angesichts dessen, dass die USA die
Sanktionen gegen Russland aufweichen, müssen wir Europäer
umso entschiedener und strategisch klug handeln. Gegen die
russische Schattenflotte kann und muss noch vieles mehr unternommen
werden.
Interview: Anna Wroblewski
90 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
»Der Meeresspiegelanstieg wird uns
noch sehr lange beschäftigen«
Helge Heegewaldt, Präsident des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), über
Klimafolgen in Nord- und Ostsee, die Resilienz der Navigation, Offshore-Genehmigungen und
die technologische Modernisierung seiner Behörde. Von Joshua Wygand
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) steht
an mehreren neuralgischen Punkten der maritimen Transformation
zugleich: Klimawandel, Meeresspiegelanstieg, Offshore-Ausbau,
Navigationssicherheit und Emissionskontrolle. Es ist immer
dann gefragt, wenn es um Nordsee, Ostsee und die deutschen
Küstengewässer geht. BSH-Präsident Helge Heegewaldt erläutert,
wo die Behörde derzeit die größten Herausforderungen
sieht, welche Rolle neue Technologien spielen und warum Resilienz
auf See längst mehr ist als ein abstrakter Begriff.
Deutsche Flagge als Standortfaktor
Zu den Aufgaben und strategischen Zielen des BSH gehört auch
die Stärkung einer leistungsfähigen Flotte unter deutscher Flagge.
»Die deutsche Flagge ist mehr als ein Registereintrag. Sie
steht für Souveränität und verlässliche Ordnung auf See«, betont
BSH-Präsident Helge Heegewaldt. »Ein Schiff unter
deutscher Flagge gehört rechtlich zu unserem Staatsgebiet –
egal, wo es fährt.« Gerade in einer zunehmend komplexen
globalen Lage schafft das klare Zuständigkeiten und Rechtssicherheit.
Deutschland biete Reedereien dafür stabile und attraktive
Rahmenbedingungen: klare gesetzliche Vorgaben, ein weltweites
Netz von über 220 Auslandsvertretungen sowie zahlreiche
bilaterale Abkommen. Zugleich baut die Flaggenstaatsverwaltung
bürokratische Hürden ab und setzt auf mehr Service bis
hin zur 24/7-Erreichbarkeit – gemeinsam mit der Dienststelle
Schiffssicherheit und der Bundesnetzagentur. »Der Kunde steht
bei uns im Vordergrund«, so Heegewaldt – »damit stärken wir
die deutsche Handelsflotte.«
Klimawandel für das BSH klar nachweisbar
Der Klimawandel ist für das BSH keine abstrakte Zukunftsfrage
mehr, sondern in den Messreihen von Nord- und Ostsee längst
konkret nachweisbar. Helge Heegewaldt verweist auf die langjährigen
Daten seines Hauses: »Nach unseren Daten hat sich die
Nordsee im Jahresmittel seit 1969 um 1,3 °C erwärmt. Die Ostsee
seit 1990 sogar schon um 2 °C.« Diese Entwicklung sei im
Wesentlichen auf den menschenge machten Klimawandel zurückzuführen.
Der Präsident erinnert daran, dass der Ozean bislang
eine zentrale Schutzfunktion erfüllt habe, weil er den
größten Teil der zusätzlichen Wärme im Klimasystem aufnehme.
Genau diese Pufferfunktion nehme mit steigenden Temperaturen
jedoch ab. Für die Meeresumwelt bleiben die Folgen nicht
auf die Temperatur allein beschränkt. Heegewaldt macht
Helge Heegewaldt
Helge Heegewaldt ist seit März 2023 Präsident des
Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie
(BSH). Zuvor war der Volljurist von 2017 bis 2023 in
leitenden Funktionen im Bundesministerium für
Digitales und Verkehr sowie im früheren Bundesministerium
für Verkehr und digitale Infrastruktur tätig,
unter anderem in den Bereichen Personal und politische
Planung. Weitere Stationen seiner Laufbahn waren
das Bundesumweltministerium, die CDU/CSU-Fraktion
im Deutschen Bundestag sowie die Vertretung der
Europäischen Kommission in Deutschland. Heegewaldt
studierte Rechtswissenschaften in Berlin und Rom,
absolvierte sein Referendariat in Berlin und
Washington, D.C.
deutlich, dass insbesondere in der Ostsee die Sauerstoffverfügbarkeit
unter Druck gerät. Hauptursache sei zwar weiterhin die
Eutrophierung, also der übermäßige Eintrag von Nährstoffen
und die daraus resultierende massenhafte Algenbildung. Doch
wärmeres Wasser verschärfe die Lage zusätzlich, weil es weniger
Sauerstoff binden könne. Zugleich verliere der Ozean an
Fähigkeit, CO₂ aufzunehmen. Damit gerät ein zentraler globaler
Klimapuffer ins Wanken. Oder, wie Heegewaldt es formuliert:
© BSH
92 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Satellitenbild vom 20. Januar 2026, das die Eislage um Rügen zeigt. Solch strenge Eiswinter sind inzwischen selten.
© Copernicus Sentinel / BSH
»Der Ozean wirkt bislang als Puffer, indem er einen Teil der von
uns ausgestoßenen Treibhausgase speichert. Doch mit steigenden
Temperaturen verliert er zunehmend diese Pufferwirkung.«
bei regulären Fluten »on top« komme. Das müsse in Vorhersagen
und Schutzkonzepten berücksichtigt werden. Bei der Frage,
ob wärmere Meere auch die Dynamik von Sturmfluten verän-
Marine Hitzewellen sind »Stressereignisse«
Wie stark sich die Veränderungen bereits in Extremereignissen
niederschlagen, zeigt für das BSH auch der Blick auf marine
Hitzewellen. An der Messstation am Leuchtturm Kiel werden die
Meerestemperaturen seit 1989 kontinuierlich erfasst. Eine marine
Hitzewelle von der Länge des Ereignisses im Jahr 2025 habe
man dort bislang nicht registriert, sagt Heegewaldt. Wissenschaftlich
sei von einer marinen Hitzewelle dann zu sprechen,
wenn die Wassertemperatur zu den höchsten 10 % gehöre, die
für diese Jahreszeit jemals gemessen wurden. Für Ökosysteme
seien solche Phasen erhebliche Stressereignisse: Meerespflanzen
könnten absterben, Fortpflanzungszyklen von Meerestieren
würden beeinträchtigt, und die Auswirkungen reichten bis in die
Nahrungskette hinein. Damit seien auch wirtschaftliche Folgen,
etwa für die Fischerei, nicht ausgeschlossen.
Noch deutlicher wird die langfristige Tragweite beim Meeresspiegelanstieg.
In Cuxhaven beträgt der Anstieg seit 1900 bereits
mehr als 25 cm. Heegewaldt spricht von einem Prozess, »den wir
in Gang gesetzt haben und der uns noch sehr lange beschäftigen
wird«. Selbst wenn die Emissionen sofort auf Null sänken,
würde der Meeresspiegel aufgrund der Trägheit des Klimasystem
noch über Jahrhunderte weiter steigen. Klimaschutz bleibe
dennoch entscheidend, weil sich damit sowohl das Tempo als
auch die endgültige Höhe des Anstiegs beeinflussen ließen. Das
verschaffe Zeit für Anpassungsmaßnahmen im Küstenschutz.
Ausgangsniveau für Sturmfluten steigt
Für Häfen, Küstenschutz und maritime Infrastruktur ist die Lage
damit klar umrissen: Mit dem Meeresspiegelanstieg steigt das
Ausgangsniveau für Sturmfluten. Heegewaldt betont, dass der
höhere Meeresspiegel bei jedem Sturmflutereignis und selbst
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
dern, ordnet er ein, dass durch den Klimawandel in der
Deutschen Bucht Wetterbedingungen, die Sturmfluten begünstigen,
häufiger auftreten könnten. Für den Küstenschutz in
Deutschland sei der Meeresspiegelanstieg jedoch der wesentlichere
Faktor. Gerade weil dieser langfristig verlaufe, lasse er sich
planerisch besser berücksichtigen. Bund, Länder und Gemeinden
seien hier bereits gemeinsam aktiv. Aus Vorsorgegründen
orientiere sich der Küstenschutz eher an einem Szenario, in dem
die Emissionen nicht ausreichend sinken.
Ein zweites zentrales Feld ist der Offshore-Ausbau. Das BSH
steht dabei an einer Schlüsselstelle zwischen energiepolitischen
Zielen, Raumordnung, Umweltprüfung und Sicherheit. Heegewaldt
beschreibt die behördliche Logik als klar strukturiert:
Zunächst würden in der maritimen Raumordnung die unterschiedlichen
Interessen gesammelt, geprüft und gegeneinander
abgewogen, vom Umwelt- und Naturschutz über Schifffahrt und
wirtschaftliche Nutzungen bis hin zu Marine und Fischerei.
Darauf aufbauend folgten Flächenvoruntersuchung und
Flächenentwicklungsplan, ehe in weiteren Schritten die konkrete
Eignungsfeststellung erfolge. Jeder dieser Schritte werde von
strategischen Umweltprüfungen begleitet.
Konkret auf »Nordlicht II« angesprochen erläutert der
BSH-Präsident die Genehmigung. Das Projekt sei nach dem
Wind energie-auf-See-Gesetz im Plangenehmigungsverfahren
zugelassen worden. Voraussetzung sei unter anderem gewesen,
dass die Meeresumwelt nicht beeinträchtigt werde. Ebenso
seien die Sicherheit des Luft- und Seeverkehrs, Fragen der
Landes- und Bündnisverteidigung sowie die Vereinbarkeit mit
anderen Nutzungen auf See zu berücksichtigen gewesen.
Offshore-Boom führt zu Herausforderungen
Mit Blick auf die Ausbauziele bezeichnet Heegewaldt ein Projekt
mit 630 MW als »sehr wichtigen Baustein«. Deutschland
will die installierte Leistung auf See bis 2030 auf mindestens 30
GW, bis 2035 auf mindestens 40 GW und bis 2045 auf 70 GW
steigern. Das BSH setzt diese Zielvorgaben im Rahmen seiner
Zuständigkeiten um. Derzeit seien über 10 GW am Netz, der
Ausbau gehe kontinuierlich weiter. Die größten Engpässe sieht
Heegewaldt derzeit nicht primär bei Genehmigungen. Im
Gegenteil: Zulassungen für Vorhaben dieser Größenordnung
erfolgten teils in nur zwölf Monaten und damit in bemerkenswert
kurzer Zeit. Die eigentlichen Herausforderungen lägen
zunehmend bei Ressourcen und Infrastruktur: bei Errichterschiffen,
Kabeln, Leitungen, Konvertern und Produktionskapazitäten
für Windenergieanlagen. Der Offshore-Boom in der
Nordsee verschärfe diesen Wettbewerb, weil zahlreiche Staaten
parallel ausbauen.
BSH setzt zukünftig auf Methanol-Flotte
Die Behörde selbst modernisiert unterdessen ihre eigene Flotte.
Für Heegewaldt ist maritime Infrastruktur von grundlegender
Bedeutung für Deutschland. Ein Großteil des Welthandels werde
über die See und die Häfen abgewickelt; damit sei die Sicherheit
der Schifffahrt für Wirtschaft und Wohlstand zentral. Die Schiffe
des BSH vermessen Meeresböden, liefern Daten für Seekarten,
spüren Unterwasserhindernisse auf und erheben ozeanographische
Daten. Damit schaffen sie nicht nur Voraussetzungen
für sichere Schifffahrt, sondern auch für den Schutz kritischer
Infrastruktur. Die laufende Flottenmodernisierung solle sicherstellen,
dass in Nord- und Ostsee jederzeit mindestens ein speziell
ausgerüstetes Schiff mit erfahrener Besatzung einsatzbereit
sei. Bei den Neubauten setzt das BSH auf Methanol und auf
geräuscharme Technik nach Silent-R-Standard. Heegewaldt begründet
das ausdrücklich doppelt: klimapolitisch und fachlich.
Methanol sei als künftiger Kraftstoff besonders geeignet, weil es
aus grünem Wasserstoff und CO₂ klimaneutral hergestellt
werden könne, im Vergleich zu synthetischem Diesel weniger
aufwendig sei und voraussichtlich in ausreichender Menge
verfügbar bleibe. Zugleich spiele die Geräuscharmut für die
Meeresumwelt und die Arbeit des BSH eine unmittelbare Rolle.
»Unterwassergeräusche eines Schiffes können hydroakustische
Messungen verfälschen«, sagt Heegewaldt. Emissions- und
geräuscharme Antriebe dienten damit nicht nur dem Klimaschutz,
sondern seien Voraussetzung für präzise Vermessungs-
und Forschungsarbeiten. Auch schiffseigene Schadstoffeinträge
könnten empfindliche Messungen stören.
Hinzu kommt der Einsatz autonomer Vermessungsfahrzeuge.
Diese könnten künftig in bestimmten Seegebieten eine sinnvolle
Alternative zu Tochterbooten sein. Der Vorteil liege zum einen in
der längeren Einsatzdauer, weil die autonomen Systeme auch
bei schlechteren Wetterbedingungen eingesetzt werden können.
Damit lasse sich die Einsatzzeit der Schiffe effizienter nutzen
und das Personal entlasten. Zum anderen sieht Heegewaldt
Sicherheitsgewinne: Gerade bei unbekannten Wracks, Munitionsresten,
gefährlichen Steinformationen oder unklaren Tiefen
könnten autonome Fahrzeuge vorgeschaltet werden, ohne die
Besatzung oder Taucher unnötigen Risiken auszusetzen.
»Navigation wird gezielt gestört«
Ein weiteres Zukunftsthema ist die Resilienz der Navigation.
Störungen von Satellitennavigationssystemen nehmen zu und
sind für das BSH keine Randnotiz. Heegewaldt spricht von »gezielten
Eingriffen«, die die Schifffahrt behindern und im
schlimmsten Fall gefährden könnten. Darum hängt Navigation
auch nie nur von einem System ab. Die Besatzung kann in solchen
Fällen auf andere, terrestrische Navigationsmittel zurückgreifen.
Wichtig sei also auch die Qualifikation an Bord. »Ohne
gut geschultes Personal geht es nicht.«
Backup-Navigation: Neue Wege denken
Vor diesem Hintergrund gewinnt R-Mode an Bedeutung. Das satellitenunabhängige,
bodengebundene Backup-Navigationssystem
nutzt vorhandene Funksignale im Mittel- und Ultrakurzwellenbereich
zur Positionsbestimmung. Die bisherigen Tests im Projekt
»Ormobass« bewertet Heegewaldt positiv. Es seien Genauigkeiten
von unter 20 m am Tag und etwa 50 bis 80 m nachts erzielt worden,
was Eignung und Verfügbarkeit des Systems bestätige. In der
südlichen Ostsee existiere bereits ein funktionierendes Sendernetz
zwischen Deutschland, Dänemark, Polen und Schweden;
weitere Ausbauschritte in Richtung Osten seien im Gang.
94 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Der Präsident formuliert den Anspruch unmissverständlich:
»Wir sind zuversichtlich, der Schifffahrt damit eine sichere, satellitenunabhängige
Navigationslösung anbieten zu können.«
Gerade in einer Zeit zunehmender Störungen sei das ein wichtiger
Beitrag zur Sicherheit auf See.
Präventive Wirkung durch Emissionskontrollen
Auf Erfolge verweist das BSH auch bei der Emissionskontrolle.
Die Behörde überwacht jährlich rund 10.000 Abgasfahnen und
nutzt dafür ein stetig ausgebautes Netz aus Messstationen,
Bordtechnik und Drohnenunterstützung. Seit Einführung der
verschärften Schwefelgrenzwerte 2015 sei ein deutlicher
Rückgang der Schwefelkonzentrationen gemessen worden,
berichtet Heegewaldt. Die Belastung der Seeluft sei um 50 bis
70 Prozent gesunken, die Häfen seien deutlich sauberer geworden.
Gleichzeitig habe das Überwachungssystem eine
präventive Wirkung entfaltet. Verdächtige Schiffe würden in
internationale Datenbanken eingetragen, auf die zuständige
Behörden in der EU zugreifen könnten. Inzwischen hielten sich
nach Angaben des BSH über 99 % der kontrollierten Schiffe an
die Grenzwerte. Die Zahl der Bußgeldverfahren in der
deutschen AWZ liege seit Jahren konstant niedrig. Für Heegewaldt
ist das »ein toller Erfolg für den Umweltschutz, für
saubere Häfen und Küsten«.
Schließlich verändert sich auch das Kompetenzprofil der Behörde
selbst. Digitalisierung, KI und autonome Systeme seien
für das BSH längst operative Realität und nicht bloß Zukunftsmusik.
Die Behörde erfasse Daten mit autonomen Systemen,
werte sie mithilfe von KI aus und entwickle daraus moderne Produkte.
Heegewaldt verweist etwa auf die KI-gestützte Software
»OTC-Stone«, die Steine am Meeresboden automatisch erkennt
und vermisst. Was früher in händischer Auswertung Wochen
gedauert habe, lasse sich nun in einem Bruchteil der Zeit erledigen.
Auch bei der Erprobung automatischer Ausweichmanöver
sammle das BSH bereits Erfahrung.
Gleichzeitig macht Heegewaldt deutlich, dass der Wandel
nicht allein eine Technikfrage ist. Künftig werde es stärker auf die
Verbindung von Fachwissen, Datenanalyse, IT-Sicherheit und
KI-Kompetenz ankommen. Gerade die berufliche Vielfalt im BSH
sei dabei ein Vorteil. Die maritime Verwaltung von morgen
müsse Wissen, Technologie und Teamarbeit intelligent zusammenführen.
Für das BSH ist genau das der strategische Kern:
maritime Sicherheit, Umwelt- und Klimaschutz sowie die Nutzung
neuer Technologien nicht getrennt zu betrachten, sondern
als zusammenhängende Transformationsaufgabe. ■
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
»Je komplizierter, desto besser für die
Hamburgische Schiffbau-Versuchsanstalt«
Seit rund einem Jahr hat die national wie international hoch angesehene Hamburgische
Schiffbau-Versuchsanstalt einen neuen Geschäftsführer. Mit der HANSA spricht Philip Augener
exklusiv über seinen Wechsel zur HSVA, die große Nachfrage aus allen Teilen der Welt, die
internationale Expansion, technologische Herausforderungen und Trends, Geoökonomie und
-politik, sowie seine Pläne für die Zukunft
Eine erste kleine Zwischenbilanz: Sind Sie noch glücklich, den
Job angetreten zu haben?
Philip Augener: Ich bin sehr glücklich und zufrieden, es ist
noch besser als erwartet. Natürlich gibt es vor so einer Entscheidung
auch mal Zweifel. Aber es war für mich eine große
Chance und Herausforderung. Die Entscheidung war richtig.
Was ist aus Ihrer Sicht besonders positiv?
Augener: Das Team. Die HSVA hat hervorragende Versuchsanlagen.
Aber wenn man nicht weiß, wie man diese Anlagen
richtig bedient, funktioniert das System nicht. Das Engagement
und das breite Knowhow des Teams – das ist wirklich
hervorragend und es macht sehr viel Spaß.
Was hat Sie an dem Job besonders gereizt?
Augener: Für mich ist eine Rückkehr in den Schiffbau.
Die Arbeit mit Plattformen war sehr spannend. Aber ich
komme aus dem Schiffsentwurf und habe gemerkt, dass
mir das »Schwimmende« gefehlt hat. Die HSVA steht im
Grunde in der Mitte eines Dreiecks aus Reeder, Werft
und Zulieferer. Das ist eine sehr spannende Kombination
für das Ziel, hydrodynamisch optimierte Schiffe zu entwickeln.
Wie viele Projekte laufen bei Ihnen pro Jahr?
Augener: Wir machen jährlich 80 bis 100 Projekte mit unterschiedlichen
Laufzeiten. Dabei geht es um Versuche im
Schlepptank, im Eistank, im HYKAT – dem »Hydrodynamic
and cavitation tunnel« – oder numerische Berechnungen.
Wer sind primär Ihre Auftraggeber?
Augener: In der Regel sind das Ingenieurbüros und Werften,
manchmal auch Reedereien direkt. Wenn es gut läuft, ist die
HSVA im Schiffbauvertrag zwischen Reederei und Werft Teil
der Makers List.
Philip Augener – Geschäftsführer
Hamburgische Schiffbau-Versuchsanstalt
Der Schiffbau-Ingenieur (Technische Universität
Hamburg) fertigte nach seinem Diplom am Institut für
Schiffsentwurf und Schiffssicherheit der TUHH seine
Dissertation zum Thema »Computation of Wave Drift
Forces for Dynamic Positioning in the Early Design
Stage« an. Später arbeitete er knapp zehn Jahre bei der
Lemwerder Werft Abeking & Rasmussen. Nach einer
Station in der Offshore-Abteilung beim Übertragungsnetzbetreiber
Amprion ist er nun seit dem 1. April
Geschäftsführer bei der HSVA.
© HANSA
Mit Blick auf aktuell und potenziell künftige Entwicklungen
im Schiffsdesign: Was glauben Sie, wie muss sich die HSVA
dafür aufstellen?
Augener: Ein sehr aktuelles Thema beim Schiffsentwurf
ist Unterwasserschall. Das kommt eigentlich aus dem Marineschiffbau,
gewinnt aber mit Blick auf den Schutz der
marinen Tierwelt auch in der zivilen Schifffahrt eine immer
größere Bedeutung. Dafür sind wir mit unserem Hykat
sehr gut aufgestellt und können schon im frühen Entwurfsstadion
beim Propellerdesign unterstützen. Es wird
oft so dargestellt, dass man einen auf Leistung optimierten
Propeller nicht »leise« bekommt. Wir haben aber bereits
zeigen können, dass das sehr wohl geht. Die Regula-
96 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
torik zu Unterwasserschall ist noch nicht abgeschlossen.
Wir wollen daran teilhaben. Ein weiteres Thema ist CFD,
also numerische Berechnungen für Strömungsmechanik.
Hier stellt sich die Frage: Wo geht die Reise hin, werden wir
Teile von Versuchen zukünftig stärker durch Berechnung
ersetzen? Auch wir setzen CFD im Vorfeld von Schleppversuchen
ein und haben dafür mit der TU Hamburg einen
eigenen Code entwickelt. Dieser wird ständig weiterentwickelt
und die Ergebnisse regelmäßig validiert.
Glauben Sie, dass der Schlepptank auf lange Sicht komplett
von CFD abgelöst wird?
Augener: Das wurde mir schon zu Beginn meines Schiffbau-Studiums
erzählt. Aber ich bin nach wie vor der Überzeugung,
dass die Menschen es schätzen, echte Modelle
sehen und anfassen zu können. CFD-Berechnungen können
Viele leisten. Aber die Bewertung anhand von Modellversuchen
ist etwas Anderes. Wir können selbstbewusst
auf unsere Arbeit schauen. Je komplexer das Schiffbauprojekt
ist oder wenn es sich um ein Typschiff handelt, fallen
die Kosten für die Versuchskampagne auch nicht so
stark ins Gewicht.
Woher kommen Ihre Kunden?
Augener: Wir haben Kunden aus allen bewohnten Teilen der
Erde hier in Barmbek zu Gast. China ist sehr relevant für uns
und war im letzten Jahr der größte Umsatzposten. In Summe
ist der Anteil der europäischen Kunden aber noch größer.
Neben Deutschland hat Norwegen 2025 eine große Rolle für
uns gespielt.
China hat eine sehr große Schiffbau-Industrie und sicherlich
auch eigene Versuchsanstalten …
Augener: Ja, aber trotzdem kommen Sie zu uns. Es gibt weltweit
viele Versuchsanstalten, zum Teil mit sehr modernen
Anlagen. Aber man braucht auch geeignetes Personal. Außerdem
ist ein großer Unterschied, dass wir komplett privatwirtschaftlich
organisiert sind. Dadurch haben wir schlanke
und effiziente Prozesse. Das ist etwas, worauf wir stolz sind.
Und wie teilt sich Ihre Arbeit in punkto Schiffstypen auf?
Augener: Aus China kommen vor allem Aufträge für Containerschiffe
und LNG-Tanker. Aus Europa sind es ganz
verschiedene chiffstypen – von Kreuzfahrtschiffen und
Mega-Yachten über Behördenfahrzeuge bis zu Offshore-
Schiffen.
Die Arktis bekommt als Schifffahrtsregion aus politischen
und ökonomischen Gründen immer mehr Aufmerksamkeit.
Wie spiegelt sich das bei der HSVA wider?
Augener: Eisgehende Schiffe und vor allem komplexe eisgehende
Forschungsschiffe gehen bei uns in der Regel
nicht nur in den Eistank, sondern durchlaufen alle Versuchsanlagen,
inklusive Schlepptank und Hykat. Das ist anders
als bei Standardtonnage, für die oft nur der große
Schlepptank genutzt wird. Dadurch sind eisgängige Schiffe
ein wichtiger Umsatzfaktor. Und der Trend ist deutlich: Im
letzten Jahr war der Eistank extrem gut gebucht, das setzt
sich 2026 fort. Zuvor gab es auch Jahre, in denen weniger
im Eis getestet wurde.
Betrifft das auch Handelsschiffe?
Augener: Ja, und zwar aus ganz unterschiedlichen Teilen der
Welt.
Marine-Schiffe sind ebenfalls derzeit in vieler Munde. Nimmt
das auch bei Ihnen zu?
Augener: Auch Marine-Kunden sind bei uns, ja. Oft aus
Deutschland, aber nicht ausschließlich. Es kommt darauf an,
welche Werft für welches Land baut.
Erwarten Sie angesichts der derzeitigen politischen Entwicklungen
eine Zunahme des Geschäfts in den Segmenten
»Marine« und »Eis«?
Augener: Wir waren diesbezüglich schon im letzten Jahr
sehr, sehr gut gebucht. Im Bereich »Arktis« ist der Klimawandel
die Ursache dafür, dass mehr eisgehende Frachtschiffe
nachgefragt werden, weil sich neue Optionen für
Routen zwischen Europa und Asien ergeben. Wenn man
im Sommer durch die Arktis fahren möchte, hat man veränderte
Eisbedingungen. Dafür haben wir aktuell ein
Forschungsprojekt mit der Universität Hamburg, bei
dem wir uns mit den Eigenschaften von Sommereis beschäftigen.
Das Modelleis ist ein sehr komplexes Thema.
Bisher ging es vor allem um typisches Eis für Eisbrecher.
Jetzt geht es auch um Sommer-Fahrten mit deutlich weicherem
Eis. Das hat einen anderen Einfluss auf den Widerstand.
Gibt es derzeit »besondere Projekte« für das Geschäft der
HSVA?
Augener: Wir haben abseits unseres klassischen Geschäfts
einen großen Auftrag aus Indien für den Entwurf eines Kavitationstunnels,
inklusive Messgeräte und Equipment.
Haben Sie keine Sorge, dass durch derartige Geschäfte neue
Wettbewerber entstehen und Ihnen Kunden verloren gehen?
Augener: Nein. Das kann natürlich immer passieren, aber
die Historie zeigt eher, dass dadurch Partnerschaften und
Folgeaufträge für Schulungen entstehen. Es gehört zur
HSVA, dass wir uns mit anderen Versuchsanlagen beschäftigen.
Es könnte also passieren, dass Sie auch in andere Länder
exportieren?
Augener: Wir sprechen auch mit anderen Ländern, ja. Das
hat es auch in der Vergangenheit schon gegeben. Man muss
dabei den Entwurf von Versuchsanlagen und den Entwurf,
die Konstruktion und den Bau von Messgeräten unterschieden.
Gerade an Messgeräten haben wir selbst ein Interesse.
Den – aus Hamburg stammenden – ursprünglichen Lieferanten
aus früheren Zeiten gibt es nicht mehr. Wir sehen da einen
wachsenden Markt und bei uns eine entsprechende
Kompetenz.
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
97
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
© HSVA
Welche weiteren Entwicklungen erwarten Sie?
Augener: Hocheffiziente und gleichzeitig leise Propeller
werden immer relevanter. Insgesamt werden die gleichzeitig
einzuhaltenden Randbedingungen vielfältiger. Das steigert
die Komplexität im Schiffsentwurf und führt bei uns zu aufwendigeren
Versuchskampagnen.
Wie kann man Ihrer Ansicht nach aus einem Schiff noch mehr
Effizienz herausholen?
Augener: Die gleichzeitig einzuhaltenden Randbedingungen
werden immer vielfältiger. Die Schiffsentwürfe werden
daher ganzheitlicher betrachtet, was eher zu einem globalen
Optimum führt. Die Folge kann eine schlechtere Performance
auf einem einzelnen Tiefgang auf glattem Wasser
sein, aber insgesamt ein deutlich effizienteres Schiff. Der
größte Hebel zur Effizienzsteigerung von Schiffen ist nach
wie vor die hydrodynamische Optimierung auf möglichst realistische
Umweltbedingungen.
Sind Sie auch im Bereich Offshore-Infrastruktur aktiv?
Augener: Aktuell weniger, aber in der Historie der HSVA hat
das stattgefunden und wir sind auch offen dafür.
In welchen Bereichen würden Sie gerne »mehr« machen?
Augener: Je komplizierter, desto besser für die HSVA. Das ist
es, was richtig Spaß macht und worin wir richtig gut sind.
Welche Erwartungen haben Sie für das HSVA-Geschäft von
der Nationalen Maritimen Konferenz, die jetzt in Emden
stattfindet?
Augener: Für uns ist die Geoökonomie sehr relevant. Es
ist prinzipiell gut für uns, wenn wir mit der ganzen Welt
Geschäfte machen können. Die verschärfte Geopolitik
führt nun andererseits dazu, dass mehr Spezialschiffe gebaut
werden. Werden mehr komplexe Schiffe gebaut, gibt
es mehr Aufträge für die HSVA. Sich in diesem Spannungsfeld
zu positionieren, ist unsere Aufgabe und Herausforderung.
Ob im Marine- oder Spezialschiffbau: Es gibt derzeit eine Tendenz,
dass die Schiffe immer multifunktionaler sein sollen.
Zum Teil werden zwei Schiffstypen zu einem kombiniert. Das
müsste für die HSVA positiv sein, da im Vorfeld sehr viel getestet
werden muss, oder?
Augener: Ja, der neue Forschungseisbrecher »Polarstern«
ist dafür ein Paradebeispiel. Anders als zum Beispiel klassische
Ostsee-Eisbrecher, fährt die »Polarstern II« durch alle
Klimazonen und sehr unterschiedliche Seegebiete auch
ohne Eis. Daher muss das Schiff neben exzellenten Eisbrechereigenschaften
auch gute Seegangseingenschaften
haben. Das macht den Schiffsentwurf und die Versuchskampagnen
noch anspruchsvoller und sehr interessant.
Da müssen andere Aspekte für die Beheizung oder verschiedene
Seegänge und Eisbedingungen berücksichtigt
werden. Und das kann Folgen für den Rumpf haben. Das
alles miteinander in Einklang zu bringen, macht es für uns
sehr interessant.
Interview: Michael Meyer
98 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Maritimer Fachkräftemangel:
»Es geht nur mit vereinten Kräften!«
Die Stiftung Deutsche Seemannsschule Hamburg fördert seit rund 150 Jahren die Ausbildung
des seemännischen Nachwuchses in Deutschland. Aktuell ist der Fachkräfte- und
Nachwuchsmangel weit oben auf der Agenda der Verantwortlichen. Man sieht herausfordernde
Situation, aber auch durchaus Gründe für Optimismus – sofern die Politik mitspielt
Die Situation sei »durchaus herausfordernd«, meinen Richard
von Berlepsch von Hapag-Lloyd und Annette Surhbier aus
der Reederei Peter Döhle. Von Berlepsch ist Vorsitzender der
Stiftung, Suhrbier stellvertretende Vorsitzende. Die erfahrenen
Schifffahrtsmanager engagieren sich seit Jahren für die
maritime Ausbildung und haben einen guten Blick auf die
Lage. In den letzten drei Jahren beobachten sie einen leichten
Anstieg bei den Ausbildungszahlen in den seemännischen
Berufen. Die maritime Branche konkurriere zwar mit
anderen Industrien um qualifizierte junge Menschen, und
dabei gebe es strukturelle Nachteile: lange Abwesenheitszeiten,
körperlich anspruchsvolle Arbeit und eine oft unzureichende
öffentliche Wahrnehmung der Karrierechancen in
der Seefahrt. »Dennoch ist es durch die gemeinsame Anstrengung
aller Beteiligten gelungen einen minimalen Anstieg
der Anfängerzahlen zu erreichen«, meint der Stiftungsvorstand.
Ein weiterer wichtiger Aspekt: »Was wir aus unserer
Förderpraxis wissen: Der Anteil weiblicher Auszubildender ist
nach wie vor sehr gering.«
Auch für die kommenden Jahre erwarten sie, dass es herausfordernd
bleibt und sehen noch keine deutliche Trendumkehr.
Die Stiftung hat früher noch fünf Seemannsschulen betrieben,
heute sieht man nur wenige staatliche Ausbildungsschulen. »Paradoxerweise
führte dies nicht zu einer Stärkung, sondern eher
zu einer Schwächung der Ausbildungslandschaft«, meinen von
Berlepsch und Suhrbier. Oft stehen den Schulen keine ausreichenden
Mittel zur Verfügung. Das ist der Moment, in welchem
die Stiftung tätig werden kann. Sie unterstützt auf Antrag Projekte
von Seemannsschulen, die zur Qualitätssteigerung der Ausbildung
betragen. »Wir wünschen uns, dass deutlich mehr Fokus
auf die seemännischen Berufe und die Ausbildungsstätten gelegt
wird. Die demografische Entwicklung, der Fachkräftemangel
in anderen Branchen und die zunehmende Digitalisierung werden
die Herausforderungen verstärken.«
Deutschland benötigt ihrer Ansicht nach als führende Schifffahrtsnation
eine kritische Masse an qualifizierten deutschen
Seeleuten – nicht nur aus Kompetenzgründen, sondern auch für
die Aufrechterhaltung von maritimer Expertise und Sicherheits-
Richard von Berlepsch von Hapag-Lloyd (l.)
und Annette Suhrbier (r.) von der Reederei
Peter Döhle engagieren sich seit Jahren in
der Stiftung Deutsche Seemannsschule
Hamburg. Die Institution zeichnet traditionell
zwei herausragende Absolventen der
Schiffsmechaniker-Ausbildung mit einer
finanziellen Prämie von jeweils 3.000 € aus.
Im vergangenen Jahr wurden Carlotta Töben
(24) von der Reederei German Tanker für ihre
Schiffsmechanikerausbildung und Jan-Hendrik
Vagelpohl (22) vom Wasserstraßen- und
Schifffahrtsamt (WSA) in Leer ausgezeichnet.
© Stiftung Deutsche Seemannsschule
100 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Die Stiftung Deutsche Seemannsschule
Die Stiftung Deutsche Seemannsschule Hamburg
fördert seit rund 150 Jahren die Ausbildung des
seemännischen Nachwuchses in Deutschland, ohne
selbst auszubilden. Aus hanseatischer Tradition heraus
unterstützt sie Ausbildungsstätten durch Investitionen
in moderne Infrastruktur sowie gezielt Auszubildende,
um die Qualität der maritimen Ausbildung nachhaltig
zu steigern. Ziel ist es, angehende Seeleute bestmöglich
auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten und ihre
Wettbewerbsfähigkeit in der internationalen Schifffahrt
zu stärken.
standards. Die Stiftung erwartet einen erheblichen Bedarf an
gut ausgebildeten deutschen Seeleuten in den nächsten Jahren
allein durch die derzeitige Altersstruktur.
Um dies zu erreichen, müsse an mehreren Stellschrauben gedreht
werden, damit die Ausbildung attraktiver wird, wie die Vorsitzenden
für die HANSA ausführen:
• »Modernisierung der Ausbildungsinfrastruktur: genau hier
setzt unsere Stiftung an, wie bei unseren jährlichen finanziellen
Unterstützungen von Projekten der Seefahrtsausbildungszentren
der Schleswig-Holsteinischen Seemannsschule und
der Berufsbildende Schule für den Landkreis Wesermarsch,
etc. und einer einmaligen finanziellen Zuwendung an ausgezeichnete
Schiffsmechaniker
• Bessere Berufsorientierung bereits in den Schulen
• Aufzeigen der vielfältigen Karrierewege in der maritimen
Wirtschaft
• Stärkung des Images der Schifffahrt als zukunftsorientierte,
technologische Branche«
Die oft diskutierte Frage nach einer Gewichtung von Entlohnung
und Work-Life-Balance beantworten sie: »Beide Aspekte
sind wichtig, aber wir sehen die Work-Life-Balance als
entscheidender an.« Moderne Rotationssysteme, bessere
Kommu nikationsmöglich keiten an Bord und familienfreundlichere
Arbeitsmodelle sind ihrer Erfahrung nach oft wichtiger als
reine Gehaltserhöhungen. Junge Menschen heute legen großen
Wert auf Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Aber auch gesellschaftliche
Anerkennung für den Beruf Seemann/frau sei
nicht zu unterschätzen: Junge Menschen wollen etwas für die
Gesellschaft Nützliches und Wichtiges tun und dafür auch Anerkennung
erfahren.
Ob sie zuversichtlich sind, dass dies erreicht werden kann?
»Wir sind durchaus optimistisch, dass wir diese Herausforderungen
meistern können – aber nur mit vereinten Kräften. Die deutsche
Flagge und eine unterstützende Schifffahrtspolitik sind dabei
essentiell«. Nötig seien steuerliche Anreize, eine Förderung
der Ausbildung und eine klare Positionierung Deutschlands als
maritime Nation.
Von der Nationalen Maritimen Konferenz erwarten von Berlepsch
und Suhrbier klare Signale für eine Stärkung der maritimen
Ausbildung, konkrete Förderprogramme und eine bessere
Vernetzung aller Akteure: »Die Politik muss verstehen, dass Investitionen
in die maritime Ausbildung Investitionen in die Zukunft
des Wirtschaftsstandorts Deutschland sind. Unsere Stiftung
wird ihren Beitrag weiterhin leisten – durch direkte
Förderung der Ausbildungsstätten, Spenden für die besten
Schiffsmechaniker-Absolventen und durch mehr Öffentlichkeitsarbeit.
Denn wie wir immer gerne sagen: Nach Hamburger Manier
haben wir in unserer Branche zu lange zu leise gearbeitet.
Das muss sich ändern.«
MM
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
»Massiver Handlungsdruck«
für Offshore-Windenergie
Der Ausbau von Windparks vor deutschen Küsten bietet nicht nur wirtschaftliche Chancen,
sondern trägt auch zur Energieresilienz bei. Karina Würtz, Geschäftsführerin der Stiftung
Offshore-Windenergie, sieht allerdings auch viele Hürden – besonders in der Politik
Über 1.750 Offshore-Windenergieanlagen sind vor der deutschen
Küste installiert, ein Großteil davon bereits in Betrieb.
Insgesamt liegt die Leistung – Stand Februar 2026 – bei über
10 GW. Die Tendenz ist weiter steigend, in den nächsten Jahren
soll die installierte Gesamtleistung stark anwachsen: Bis zum
Jahr 2030 sind bereits 30 GW geplant, bis 2035 werden es mehr
als 40 GW sein. In nicht einmal 20 Jahren sind es insgesamt
70 GW an Leistung, die von Offshore-Anlagen erbracht werden
sollen – mehr als siebenmal so viel wie heute.
»Die Offshore-Windenergie ist eine zentrale Säule des zukünftigen
Energiemixes in Deutschland und Europa«, sagt Karina
Würtz, Geschäftsführerin der Stiftung Offshore-Windenergie
(SOW). »25 % der deutschen Bruttostromerzeugung soll bis
2045 vom Meer kommen. Als grundlastnahe nachhaltige Energieerzeugungsform
wird die Offshore-Windenergie das Rückgrat
der Stromversorgung für Industrie und Wirtschaft bilden.«
Wirtschaftliche Chancen …
Hinter diesen Zielen stehen enorme Investitionen und damit
auch wirtschaftliche Chancen für die deutsche Industrie und die
maritime Wirtschaft – nicht nur küstennah, sondern bundesweit.
Auf dem North Sea Summit im Januar in Hamburg wurde
eine Industriedeklaration unterzeichnet, die ein Investitionsvolumen
von 9,5 Mrd. € allein in Lieferkettenkapazitäten bis 2030
angekündigt. Dabei geht es um den Bau von Fabriken, Montagehallen
und weiteren Produktionsstellen.
»Dies könnte über 90.000 gut bezahlte Arbeitsplätze in ganz
Europa entstehen lassen«, sagt Würtz. »Die privatwirtschaftlichen
Investitionen zum Bau von Offshore-Windparks sind dabei
um ein Vielfaches höher. Allein für Deutschland gehen wir von
ca. 10 Mrd. € pro Jahr bis Mitte der 2030er aus, wenn die aktuellen
Ausbauziele umgesetzt werden.«
Hinzu käme die Investitionen in den Netzausbau und die
dazugehörige Wertschöpfung. Als Beispiel nennt Würtz den
Bau von 20.000 t schweren Offshore-Konverterstationen auf
Werften, wie sie nach Willen von Politik und Wirtschaft auch
zukünftig wieder vollständig in Deutschland gebaut werden
sollen. Inzwischen ist u.a. die Meyer-Gruppe aus Papenburg
wieder in die Teilfertigung eingestiegen.
… und Herausforderungen
Gleichzeitig stehe die Branche laut SOW vor erheblichen strukturellen
Herausforderungen. »Die Offshore-Windbranche
Karina Würtz
Geschäftsführerin der Stiftung Offshore-Windenergie
kämpft mit Versorgungsengpässen zentraler Komponenten
und enormen Preissteigerungen«, sagt Würtz im HANSA-Interview.
»Die Preis- und Verfügbarkeitsrisiken sind hoch. So hat
sich insbesondere der Stahlpreis als zentraler Kostenfaktor im
Offshore-Bereich deutlich verteuert: Seit dem russischen Angriffskrieg
auf die Ukraine ist er um rund 40 % gestiegen und
beeinflusst die Wirtschaftlichkeit von geplanten Projekten unmittelbar.«
»Die Offshore-Windenergie wird
das Rückgrat der Stromversorgung
für Wirtschaft und Industrie bilden.«
Ein weiterer Faktor sind Regeln und Vorgaben, nach denen Flächen
in Nord- und Ostsee seit 2023 versteigert werden. Die
Ausschreibungen sind so konzipiert, dass sie die staatlichen Erlöse
aus diesen Auktionen maximieren. »Dazu hat man beispielsweise
festgelegt, dass 90 % der Gebotssummen erst mit
Inbetriebnahme des Windparks sechs Jahre in der Zukunft und
dann anteilig über einen Betriebszeitraum von 20 Jahre fällig
werden«, führt Würtz aus. Werden Meilensteine verfehlt, fallen
die Strafzahlungen niedrig aus. Diese und weitere Kniffe führen
© Stiftung Offshore-Windenergie
102 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
dazu, dass risikoaffine Bieter und das und das sogenannte »optionsbasierte
Bieten« bevorteilt und gefördert werden. »Heißt,
Unternehmen sichern sich die Möglichkeit der Umsetzung eines
Projektes und entscheiden später, ob sie tatsächlich bauen
wollen«, so Würtz.
»Es hätte nicht so kommen müssen«
»Wir sehen nun, dass die meisten der Projekte, die in den letzten
drei Jahren versteigert wurden, mit der Wirtschaftlichkeit zu
kämpfen haben. Nicht umsonst und richtigerweise hat die Bundesregierung
im Januar beschlossen, die Offshore-Wind-Ausschreibungen
für dieses Jahr auszusetzen und zunächst das
Ausschreibungsdesign zu überarbeiten. Doch das verbessert
nur die Rahmenbedingungen für zukünftige Projekte.«
Leider seien viele Schäden bereits angerichtet. »Frustrierend
ist, dass viele dieser Probleme oder zumindest deren Ausmaß
hausgemacht sind«, sagt die Geschäftsführerin. »Es hätte nicht
so kommen müssen. 2026 wird ein entscheidendes Jahr für
unsere Branche.«
Nun müsse man die Weichen stellen, um die Wettbewerbsfähigkeit
der europäischen Offshore-Windindustrie zu erhalten
und zu verbessern. »Klar ist: wenn wir die aktuelle Chance
nicht nutzen, sieht es düster aus – auch mit Blick auf die
europäische Industrieproduktion in diesem Bereich«, sagt
Würtz. »Was einmal verloren ist, werden wir nicht wiederbekommen.«
»Viele dieser Probleme
oder zumindest deren Ausmaß
sind hausgemacht.«
Politik muss Tempo erhöhen
Der Ausbau der Offshore-Windenergie ist stark von politischen
Entscheidungen abhängig. Die letzte Bundesregierung unter
Olaf Scholz hat den Ausbau stark beschleunigt und die Ziele erhöht.
Im Kabinett Merz, das diese Ziele zwar fortführt, stehen
hingegen die Bezahlbarkeit und die Industrie im Fokus. Ende
letzten Jahres hat die Bundesregierung eine Marktkonsultation
zur angekündigten Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes
und des Offshore-Ausschreibungsdesigns durchgeführt. Auch
die Stiftung Offshore-Windenergie hat sich daran beteiligt.
Grundsätzlich sei zu begrüßen, dass die Regierung den
Handlungsbedarf erkannt hat. »Allerdings sind das Tempo und
die Zielstrebigkeit weiterhin nicht ausreichend«, sagt Würtz.
Auch die ersten skizzierten Vorschläge würden den Ernst der
Lage aus Sicht der Stiftung nicht anerkennen.
»Die Politik muss endlich vollumfänglich erkennen, wie
akut und massiv der Handlungsdruck ist«, so Würtz. »Hier
stehen nicht weniger als unsere Wettbewerbsfähigkeit in einem
Schlüsselbereich der Zukunft, unsere Energiesicherheit
und bundesweite industrielle Wertschöpfung auf dem Spiel.
Andere Länder wie Dänemark oder Großbritannien haben
letztes Jahr bereits zielstrebig auf Fehlentwicklungen reagiert.«
Die Bundesregierung müsse konkrete Vorschläge vorlegen,
um die Realisierung von Offshore-Wind-Projekten zu
ermöglichen. Die Rahmenbedingungen für Investitionen
und Wirtschaftlichkeit müssen so gestaltet sein, dass die
Projekte auch tatsächlich mit dem größtmöglichen volkswirtschaftlichen
Nutzen gebaut werden.
Ein in anderen europäischen Märkten erfolgreich eingesetztes
Instrument seien zweiseitige Differenzverträge (Contracts
for Difference, CfDs). »Sie schaffen langfristige Planungssicherheit,
stabilisieren Kapitalkosten und
Erlösstrukturen und wirken als Absicherung gegen Marktvolatilität
auch in die Lieferkette hinein investitionssichernd«,
sagte Würtz.
Planungssicherheit für Industrie
Neben großem wirtschaftlichem Potenzial trägt die Offshore-
Windenergie auch zur Energiesicherheit und damit zur Resilienz
der nationalen Wirtschaft in Deutschland bei – und zwar
gleich in mehrfacher Hinsicht. »Energiepolitisch entwickelt sich
Offshore-Wind zunehmend zur Sicherheitsenergie«, führt
Würtz aus. »Sie leistet einen zentralen Beitrag zur Reduktion
fossiler Importabhängigkeiten und stärkt damit die strategische
Souveränität Deutschlands und Europas.«
»Energiepolitisch entwickelt sich
Offshore-Wind zunehmend
zur Sicherheitsenergie.«
Auch industriell wirke Strom aus Offshore-Wind stabilisierend.
Bis zu 4.500 Volllaststunden pro Jahr sind möglich, was Planungssicherheit
für eine zunehmend elektrifizierte, aber auch
energieintensive Industrie schaffe. »Angesichts eines erwarteten
deutlichen Anstiegs des industriellen Strombedarfs bis 2045
ist diese Stabilität ein wesentlicher Resilienzfaktor«, so Würtz.
Zu erwähnen sind ebenfalls die bereits genannten Beschäftigungs-
und Standorteffekte des Ausbaus. Schon heute
sind mehrere Tausend Arbeitsplätze direkt oder indirekt
mit der Offshore-Wertschöpfungskette verbunden, mit einem
starken Wachstum in den nächsten Jahren.
Resilienz bedeutet Schutz
Wie auch Häfen und Wasserstraßen sind Offshore-Windparks –
Umspannplattformen und Netzanbindungen eingeschlossen –
Teil der kritischen Infrastruktur. Je weiter die installierte Leistung
der Parks wächst, desto größer ihre strategische Bedeutung. Der
Schutz maritimer Energieanlagen erfordere laut SOW daher klare
Zuständigkeiten, robuste Sicherheitskonzepte und eine enge
Verzahnung von Energie-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
»Eine verstärkte zivil-militärische Zusammenarbeit wird im
Kontext einer zunehmenden Militarisierung der Nord- und Ostsee
zunehmend relevant«, bewertet Würtz die aktuelle Lage.
»Deshalb begrüße ich den diesjährigen Fokus der Nationalen
Maritimen Konferenz auf sicherheitsrelevante Aspekte ausdrücklich.«
JW
104 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
»Vorbilder sichtbar machen«
Seit 1974 existiert das Frauennetzwerk Women’s International Shipping & Trading Association
(WISTA). Gegründet in London, hat es sich mittlerweile weltweit etabliert und zählt rund 6.000
Mitglieder. Einen Einblick in die deutsche Organisation WISTA Germany gibt hier
die Präsidentin Cathrin Prikker
WISTA-Präsidentin Cathrin Prikker
© Privat
Warum wurde WISTA gegründet und
mit welchem Ziel?
Cathrin Prikker: WISTA wurde 1974 in
London gegründet – zu einer Zeit, in
der Frauen in der maritimen Wirtschaft
kaum sichtbar waren und häufig
keinen oder nur begrenzten Zugang
zu den beruflichen Netzwerken
hatten, die in vielen Branchen eine
wichtige Rolle spielen. Die Gründerinnen
wollten genau das ändern: Sie
wollten einen Ort schaffen, an dem
sich Frauen aus unterschiedlichen Bereichen
der maritimen Wirtschaft austauschen,
voneinander lernen und
sich gegenseitig unterstützen können.
Dieses Grundprinzip gilt bis heute.
WISTA versteht sich als internationales
Netzwerk von Frauen, die in der
maritimen Wirtschaft tätig sind – sei
es in Reedereien, in der Logistik, im
Hafenmanagement, im Recht oder in
vielen anderen Bereichen. Unser Ziel
ist es, die Vernetzung zu fördern, Wissen
zu teilen und gleichzeitig die Sichtbarkeit
von Frauen in dieser Branche
zu stärken.
Warum sind Netzwerke wie WISTA aus
Ihrer Sicht notwendig?
Prikker: Netzwerke sind in jeder Branche
wichtig – sie ermöglichen Austausch,
schaffen Vertrauen und eröffnen
neue Perspektiven. In einem
internationalen und sehr vernetzten
Wirtschaftszweig wie der maritimen
Branche gilt das umso mehr.
Für viele Frauen ist WISTA ein Ort,
an dem sie auf Kolleginnen treffen, die
ähnliche berufliche Erfahrungen machen
oder gemacht haben. Dieser Austausch
kann sehr inspirierend sein.
Gleichzeitig geht es aber nicht nur um
Unterstützung, sondern auch um
fachlichen Dialog. Unsere Mitglieder
bringen eine enorme Bandbreite an
Expertise mit, und genau diese Vielfalt
macht das Netzwerk so wertvoll.
Darüber hinaus trägt WISTA dazu
bei, Frauen in der Branche sichtbarer
zu machen. Sichtbarkeit spielt eine
große Rolle, wenn es um Karrierechancen,
Führungspositionen oder auch
um die öffentliche Wahrnehmung der
Branche geht.
Was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern,
um mehr Frauen für die maritime
Branche zu begeistern?
Prikker: Die maritime Wirtschaft ist
eine unglaublich vielfältige Branche
mit internationalen Perspektiven und
spannenden Karrierewegen. Viele junge
Menschen – und insbesondere viele
junge Frauen – wissen allerdings gar
nicht, wie breit das Spektrum an Berufen
ist, das sich hinter dem Begriff
»maritime Wirtschaft« verbirgt.
Ein wichtiger Schritt ist deshalb, die
Branche sichtbarer zu machen und
frühzeitig über ihre Möglichkeiten zu
informieren. Schulen, Hochschulen
und Unternehmen können hier gemeinsam
viel bewegen. Vorbilder spielen
ebenfalls eine wichtige Rolle: Wenn
junge Frauen sehen, dass andere Frauen
erfolgreich in der Branche arbeiten
und Verantwortung übernehmen,
kann das sehr motivierend sein.
Gleichzeitig zeigen aktuelle Zahlen,
dass noch viel zu tun ist. WISTA wurde
2018 ein beratender Status bei der International
Maritime Organization
(IMO) verliehen und erhielt 2023
außerdem Beobachterstatus bei der
United Nations Conference on Trade
and Development (UNCTAD). Bereits
zum zweiten Mal veröffentlichte WISTA
gemeinsam mit der IMO eine Studie
zur Situation von Frauen in der Branche.
Die aktuelle IMO-WISTA Women
in Maritime Survey 2024 hat erneut gezeigt,
dass Frauen in der maritimen
Wirtschaft weltweit nach wie vor deutlich
unterrepräsentiert sind.
Umso wichtiger ist es, strukturelle
Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln
– etwa durch moderne Arbeitsbedingungen,
flexible Karrierewege
und eine offene Unternehmenskultur.
Unterstützung von außen kann dabei
ebenfalls eine wichtige Rolle spielen,
beispielsweise durch politische Initiativen,
Bildungsprogramme oder
Kooperationen zwischen Wirtschaft
und Institutionen. Letztlich geht es darum,
die maritime Wirtschaft als das
zu zeigen, was sie ist: eine innovative,
internationale und zukunftsorientierte
Branche mit vielen Chancen.
Was war Ihre Motivation, sich 2024 zur
Präsidentin wählen zu lassen?
Prikker: Ich bin seit 2019 Mitglied bei
WISTA und war von Anfang an begeistert
von dem starken Zusammenhalt
und dem Empowerment, das man in
diesem Netzwerk erlebt. Besonders be-
106 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
eindruckt hat mich auch die internationale
Dimension von WISTA – wenn man
beruflich im Ausland unterwegs ist,
merkt man schnell, wie wertvoll dieses
weltumspannende Netzwerk ist.
Irgendwo gibt es immer eine WISTA-
Kollegin, mit der man sich austauschen
und neue Kontakte knüpfen kann.
Ich habe durch WISTA so viele positive
Erfahrungen gemacht, dass ich
irgendwann selbst aktiver mitgestalten
wollte. Mir ist es wichtig, Frauen in
der Schifffahrt sichtbarer zu machen.
Ich liebe meinen Beruf und die maritime
Branche und möchte gerade jungen
Frauen zeigen, wie viele spannende
Möglichkeiten sie hier bietet.
Mit einem starken Netzwerk wie
WISTA können wir dazu beitragen,
mehr Vorbilder sichtbar zu machen
und junge Menschen für einen Berufsweg
in der maritimen Wirtschaft zu
begeistern. Da mein »Heimathafen«+
Leer in Ostfriesland ist, war es mir außerdem
wichtig, den WISTA-Spirit
auch dorthin zu tragen und dort regelmäßige
Treffen und Austauschmöglichkeiten
anzubieten
Welche Bilanz ziehen Sie aus Ihrer bisherigen
Präsidentschaft?
Prikker: Die bisherige Zeit war geprägt
von vielen Netzwerkevents,
neuen Kooperationen, Initiativen zur
Förderung von jungen Talenten und
vielem mehr – sowohl innerhalb
unseres Netzwerks als auch mit
Partnern aus der Branche. Dabei ist
mir wichtig zu betonen, dass die Entwicklungen
und Meilensteine der vergangenen
Zeit immer ein gemeinsames
Werk sind. Unser gesamter
Vorstand engagiert sich mit großem
Einsatz und arbeitet unermüdlich daran,
WISTA Germany weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig leben unsere Aktivitäten
von den Inspirationen, Ideen
und der aktiven Mitwirkung unserer
Mitglieder.
Besonders stolz sind wir darauf,
dass wir mit WISTA Young und WISTA
Vintage zwei neue Formate ins Leben
rufen konnten. Mit WISTA Young
möchten wir insbesondere jungen
Frauen, die am Anfang ihrer Karriere
in der maritimen Branche stehen, einen
Anknüpfungspunkt bieten. Sie sollen
die Möglichkeit haben, sich frühzeitig
zu vernetzen, Erfahrungen
auszutauschen und wichtige Kontakte
zu knüpfen.
Genauso wichtig ist uns aber auch
der Austausch mit den Frauen, die die
Branche über viele Jahre geprägt haben.
Mit WISTA Vintage möchten wir
gezielt diejenigen einbinden, die bereits
ihren wohlverdienten Ruhestand
genießen und ihren großen Erfahrungsschatz
mit uns teilen können. Dieser
generationenübergreifende Austausch
ist für unser Netzwerk sehr
bereichernd.
Darüber hinaus blicken wir auf eine
kontinuierlich steigende Mitgliederzahl.
Das zeigt uns, wie groß das Interesse
an Austausch und Vernetzung ist
und wie wichtig ein Netzwerk wie
WISTA in der maritimen Branche heute
wahrgenommen wird.
Was wünschen Sie sich persönlich für
künftige Generationen von Frauen in
der maritimen Wirtschaft?
Prikker: Ich wünsche mir, dass Frauen
in der maritimen Wirtschaft künftig
ganz selbstverständlich vertreten sind
– auf allen Ebenen und in allen Funktionen.
Vielfalt ist eine große Stärke,
weil unterschiedliche Perspektiven zu
besseren Entscheidungen und neuen
Ideen führen können.
Für die nächste Generation hoffe ich,
dass sie noch mehr Möglichkeiten und
Vorbilder findet und ihren eigenen
Weg in dieser internationalen Branche
selbstbewusst gehen kann. Netzwerke
wie WISTA können dabei unterstützen,
aber entscheidend ist, dass die Branche
insgesamt offen bleibt für neue
Perspektiven und Talente.
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HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
107
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Gesichter der WISTA
Ob Schifffahrt, Technik, Klassifikation oder maritime Dienstleistungen – die WISTA-Mitglieder
repräsentieren die Vielfalt der Branche. Eine Auswahl
Sabine Zeller fuhr acht Jahre zur See. Heute
ist sie Geschäftsführerin der Berufsbildungsstelle
Seeschifffahrt und sorgt in
dieser Position für maritimen Nachwuchs
© BBS
Nicole Langosch-Thormann war Deutschlands
erste Kapitänin auf einem Kreuzfahrtschiff.
Heute ist sie Director Expedition bei
Bernhard Schulte Cruise Services
© Privat
Pirjetta Stüven ist Head of Sales Germany,
Poland & Baltics bei Wilhelmsen Ships Service.
Mit ihrem Team sorgt für einen sicheren und
umweltfreundlichen Schiffsbetrieb
© Wilhelmsen Ships Service
Isabelle Rickmers ist Gründerin von Turtle –
einer digitalen Plattform für Crewing und
maritime HR. Zuvor war sie Geschäftsführerin
bei einem Schiffsmanager
und einer Reederei
© Lara Freiburger
Nadine Paschen ist Geschäftsführerin von
TX Marine Messsysteme. Mit ihrem
Know-how in der Messtechnik sorgt sie für
mehr Effizienz in der Schifffahrt
© Privat
Ronja Topp ist Sales & Project Managerin bei
Mecklenburger Metallguss. Die Schiffbauingenieurin
verkauft Schiffspropeller, die
Schiffe auf der ganzen Welt antreiben
© MMG
Claudia Paschkewitz ist Geschäftsführerin
von gleich zwei Unternehmen – der
Columbia Shipmanagement Deutschland
sowie der Hanse Bereederung, wo sie seit
über 30 Jahren mit an Bord ist
© Hanse Bereederung
Ramona Zettelmaier, M&O Central Europe
Director, leitet bei Bureau Veritas die
Geschäftsstelle Zentraleuropa aus Hamburg
heraus. Sie gehört zu den ersten leitenden
technischen Offizierinnen zur See
© Bureau Veritas
Miriam Schlüter ist Lotsin auf dem
Nord-Ostseel-Kanal. Sie war die erste Frau
in diesem Job auf dem NOK. Zuvor ist sie
über zehn Jahre zur See gefahren,
zuletzt auf Gastankern
© Lars-Kristian Brandt
108 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
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14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
»Das muss jetzt endlich
mal geklärt werden!«
Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff begrüßt Politik und maritime Wirtschaft zur NMK an
der Ems. An die Konferenz hat er klare Ansprüche. Im Interview spricht er unter anderem über
gemeinsame Anstrengungen sowie die intensiv diskutierten Themen Emsschlick, Ems-Pier-
Ausbau, Außenemsvertiefung, Militärmanöver, Tourismus und die Offshore-Gewerbesteuer
Die Nationale Maritime Konferenz 2026 findet unter Schirmherrschaft
unseres Bundeskanzlers in Ihrer Stadt statt. Wie
stolz sind Sie als Oberbürgermeister?
Tim Kruithoff: Sehr stolz. Die Konferenz wurde durch den
Regierungswechsel noch einmal vom vergangenen auf dieses
Jahr verschoben, aber es ist in jedem Fall ein Nachhausekommen,
denn hier in Emden war die erste Nationale Maritime
Konferenz. Wir sind sowieso immer gerne Gastgeber, aber das
macht uns besonders stolz.
Die Nationale Maritime Konferenz findet alle zwei Jahre
statt. Hat Sie aus Ihrer Sicht an Bedeutung gewonnen?
Kruithoff: Ich glaube, sie muss wieder an Bedeutung gewinnen.
Ich war von der letzten Konferenz in Bremen und
Bremerhaven etwas enttäuscht. Der damalige Bundeskanzler
und der damalige Wirtschaftsminister waren zwar beide vor
Ort, aber die Aussagen in Richtung der maritimen Wirtschaften
waren aus meiner Sicht kaum vorhanden und das fand
ich sehr unglücklich. Ich erhoffe mir von dieser Konferenz
hier in Emden, gerade vor dem Hintergrund der veränderten
weltpolitischen Lage, ganz klare Aussagen vom Bund zu ihrer
Verantwortung für die Seehäfen.
Dazu kommen wir gleich noch im Detail, aber holen Sie uns
doch bitte einmal ab: Wie wichtig ist der Seehafen Emden für
Ihre Stadt?
Kruithoff: Diese Stadt gibt es, weil sie einen Hafen hat. Der
Hafen ist die DNA und das Herz unserer Stadt. Wenn Sie
Emderinnen und Emder fragen, dann werden sie bestätigen,
dass die Sirene der Thyssen-Nordseewerke ihren Tagesablauf
strukturiert hat. Wir leben den Hafen bis heute und sind heute
der drittgrößte Umschlagshafen in der westlichen Welt für
Fahrzeuge, aber wir haben noch viel mehr wie Forstprodukte
oder die Offshore-Industrie.
Immer wieder ist das Thema »Emsschlick« im Gespräch,
wenn man zum Emder Hafen recherchiert oder sich mit Anrainern
austauscht. Wie groß ist das Problem für einen funktionierenden
Hafen?
Kruithoff: Mittlerweile dürfte allen klar sein, dass wir Ökonomie
und Ökologie in Einklang bringen müssen. Wir dürfen die
Natur nicht ausbeuten, wie wir es in der Vergangenheit gemacht
haben, aber am Ende leben an diesem Fluss eben auch
Menschen, die eine Möglichkeit brauchen, zu leben. Über den
Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff
Masterplan Ems gibt es gute Lösungen für die Schlick-Thematik.
Man kann dabei auch auf das schauen, was unsere Vorfahren
gemacht haben. Sie haben das Sediment entnommen,
haben es aufgespült und den entstandenen Klei für den Deichboden
verwendet. Das war eine Win-Win-Situation. Irgendwann
kam jemand auf die Idee, dass es sich immer um eine
Deponie handelt, wenn ich etwas auf einen Haufen fahre und
nun fahren wir unsere Erde, obwohl wir unter Normalnull liegen,
sonst wohin und verbrennen sie. Das ist totaler Nonsens.
Es gibt gute Modellprojekte, wie man der Verschlickung der
Ems im Bereich des Sperrwerkes, aber auch im Bereich unseres
Hafens für eine gute ökologische Qualität beikommen kann.
Wir drängen nur darauf, dass die Nachteile, die daraus für den
Emder Hafen entstehen, vorher auch ausgeglichen werden.
Im Sommer fiel der Startschuss für das 70-Millionen-Euro-
Projekt zum Bau eines Großschiffsliegeplatz vor allem für
Autotransporter. Wie ist da der Stand und was sind weitere
aktuelle Entwicklungsprojekte im Emder Hafen?
© Assies
110 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Kruithoff: Die Ems-Pier wird ertüchtigt und dann bräuchten
wir noch ein weiterer Liegeplatz, um wieder vier zu haben,
denn zwei fallen wegen der Tiedesteuerung weg. Speziell um
den Transport von schwereren Elektroautos zu bewältigen, benötigen
wir dringend die Außenemsvertiefung. Das sind die
zentralen großen Themen für den Emder Hafen. NPorts saniert
zudem für mehr als 60 Mio. € die große Seeschleuse und mit all
diesen Dingen wollen wir unseren Emder Hafen zukunftsfähig
halten.
Viele Jahre über hat die Papenburger Meyer Werft in Emden
Kreuzfahrtschiffe mittlerer Größe in Emden endausrüsten
lassen. Nun wird der Großschiffsliegeplatz zum Anleger für
die großen Schiffe aus Papenburg zur Endausrüstung sein.
Wie bewerten Sie die jüngste Einigung?
Kruithoff: Die Meyer Werft wird die Endrüstung der nächsten
vier Kreuzfahrtschiffe in Emden vornehmen und hat sich auch
für drei weitere Schiffe die Option gesichert. Die Seehafenstadt
Emden und ihre leistungsfähige Hafenwirtschaft sind seit über
25 Jahren ein verlässlicher Partner der Meyer Werft. Dass diese
Zusammenarbeit nun erneut so sichtbar wird, erfreut mich
sehr und ist gerechter Lohn für unsere Anstrengungen. Gleichzeitig
zeigt diese Entscheidung, wie gut die Zusammenarbeit
entlang der Ems funktioniert. Wenn Häfen, Wirtschaft und
Land an einem Strang ziehen, können wir gemeinsam zusätzliche
Wertschöpfung für die Region schaffen.
Zuletzt haben sich die norddeutschen Regierungschefs am
Rande einer Bundesratssitzung im Bundeswirtschaftsministerium
dafür ausgesprochen, dass sich der Bund an der
Finanzierung der Hafeninfrastruktur beteiligt. Die Bundesregierung
und ihr maritimer Koordinator hätten es bisher
versäumt, zu dieser Vereinbarung des Koalitionsvertrages
eine konkrete Umsetzungsperspektive zu entwickeln, erklärte
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher. Haben Sie
Hafen-Themen, die Friedrich Merz bei seinem Besuch in
Emden direkt mitgeben würden?
Kruithoff: Ich habe Friedrich Merz bereits im Vorfeld angeschrieben.
Wir reden ja in diesem Land viel über Politikverdrossenheit,
aber die Menschen können es nicht verstehen,
dass nach über 20 Jahren Planung die Maßnahmen zur Vertiefung
der Außenems noch immer nicht umgesetzt sind.
Wir vernehmen, dass es schon wieder Diskussionen über
die wirtschaftliche Notwendigkeit der Maßnahme gibt. Das
muss jetzt endlich mal geklärt werden. Hier muss sich ein
Ministerpräsident kümmern und daran werden wir Olaf Lies
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Eines der größten Projekte in Emden: die Modernisierung der Großen Seeschleuse
© NPorts
auch messen. Ein Bundeskanzler muss hier konsequent sein
und diese Maßnahme zur Umsetzung bringen. Wir haben
lange genug diskutiert und wenn das nicht umgesetzt würde,
hätten die Menschen dafür sicher kein Verständnis. Ich
würde mir wünschen, dass Herr Merz bei seinem Grußwort
sagt, dass das Thema »Außenems« endlich vom Tisch ist und
zeitnah umgesetzt wird.
Der Ruf nach Unterstützung für die deutschen Häfen in Richtung
Berlin ist nicht neu. Was läuft schleppend aus Ihrer Sicht?
Kruithoff: Der Bund darf sich bei Hafenthemen nicht heraushalten.
Es gibt Flughäfen, wo der Bund beteiligt ist und
die Häfen belässt man als Ländersache. Der Bund muss sich
aus meiner Sicht, speziell bei der Infrastruktur, einbringen.
Die Häfen bekommen vor dem Hintergrund der nationalen
Sicherheit auch immer eine größere Bedeutung und da
muss sich dann der Bund eben auch einbringen, vor allem
finanziell.
Emden war und ist Schauplatz von Nato-Großmanövern. Wie
gerüstet ist der Hafen aus Ihrer Sicht angesichts der Spannungen
auf der Welt als Militär-Umschlagshafen?
Kruithoff: Das haben wir bei der letzten NATO-Großübung
ganz hervorragend ausprobieren können, denn die Schiffe
kamen sehr eng getaktet in den Hafen – und das neben dem
ganz normalen Traffic. Speziell vor dem Hintergrund der
aktuellen Baustelle am Großschiffsliegeplatz war das eine
Herausforderung, aber alle Beteiligten haben das gemeinsam
mit NPorts ganz hervorragend hinbekommen. Die Besatzungen
der Kriegsschiffe, wie zuletzt von der türkischen
Fregatte, haben die Stadt bevölkert und es war ein wenig
eine Atmosphäre wie früher, als die Seeleute von länger
liegenden Schiffen Zeit in der Stadt verbrachten.
Die CDU im Emder Stadtrat hat kritisiert, dass Wilhelmshaven
bei der Wahl eines Standortes für ein maritimes Trainingszentrum
für Notfalleinsätze auf See bevorteilt wurde.
Ihre Meinung dazu?
Kruithoff: Ich glaube, dass wir im Moment etwas sensibel
beim Verhältnis zur Stadt Wilhelmshaven sind. Das hat im
Wesentlichen etwas mit der Regelung zur Offshore-Gewerbesteuer
zu tun, die absolut nicht fair ist. Grundsätzlich bin
ich ein Freund davon, dass wir uns als Hafenstädte an der
deutschen Nordseeküste keine große Konkurrenz machen.
Von einer guten Entwicklung im Offshore-Bereich in
Cuxhaven profitieren wir hier im Bereich Maintenance und
Service in Emden. Wir müssen mehr zu einem Miteinander
finden. Zu Ihrer Frage: Wenn dieses maritime Trainingszentrum
direkt mit dem Marinestützpunkt zu tun hat, ist das voll
legitim. Bei der Offshore-Gewerbesteuer sind wir krawalliger,
da wollen wir unseren Anteil.
Wie kann aus Ihrer Sicht bei der Offshore-Gewerbesteuer
eine Lösung aussehen?
Kruithoff: Es gibt eine Arbeitsgruppe, in der ich Mitglied bin
und die Lösungen erarbeitet und ich bin der Meinung, dass
man die Betroffenheit vergleichbar darstellen muss und so
eine Umlageverteilung als gesonderten Küstenfinazausgleich
realisiert werden müsste. So bleibt wenigstens ansatzweise
die Fairness gewahrt.
Stichwort »Tourismus und der Hafen«. Es gibt das Projekt
»Flusskontor Ems« zur Steigerung des Flusskreuzfahrt-
Tourismus entlang der Ems und es gab mit der »Hamburg«
auch vor einigen Jahren einen Versuch, kleine Hochsee-Kreuzfahrtschiffe
regelmäßig in Ihre Stadt zu holen. Wie ist der
Stand?
Kruithoff: Wir haben zwischen 10 und 20 Anläufe von Flusskreuzfahrtschiffen
im Jahr. Da sind wir fest etabliert. Ich
glaube, dass der Markt eine Begrenzung hat, aber wir
nehmen das mit, was möglich ist. Darüber hinaus sind wir
mit Anbieter von Hochsee-Kreuzfahrten im Gespräch und
hatten die »Spirit of Discovery« bereits zu Gast. Wir haben
mit einer Fährlinie zwischen Emden und Norwegen bewiesen,
dass Potenzial auch dafür vorhanden ist und wir das
abwickeln können. An unterschiedlichen Bereichen sind wir
aktiv und ich glaube, dass da noch Potenzial ist. Was die
Kreuzfahrt angeht, fokussieren wir uns vorwiegend auf
deutschsprachige Anbieter.
Gibt es eine Zusammenarbeit der Häfen entlang der Ems für
gemeinsame Ziele? Gibt es Dinge, die sich für die Zukunft
wünschen?
Kruithoff: Wir haben einen sehr engen Austausch miteinander.
Das funktioniert hier entlang der Ems sehr gut und da
müssen wir auch gemeinsam unsere Interessen gegenüber
Hannover und Berlin vertreten.
Interview: Christoph Assies
112 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Brunsbüttel mit nationaler Bedeutung
für Versorgungssicherheit
An der schleswig-holsteinischen Küste laufen viele Fäden für die Energieversorgung zusammen.
Eine neue Studie belegt Relevanz und Potenzial des Standorts. Die Verantwortlichen in Brunsbüttel
fordern von der Politik ein »stärkeres Bewusstsein« der Bedeutung für das ganze Land
Die Studie der Ingenieur- und Beratungsgesellschaft Ramboll
Deutschland belegt nun »mit belastbaren Zahlen«, wie es seitens
des Hafenbetreibers heißt, was sich in den vergangenen
Krisenjahren bereits gezeigt habe: Der Hafenstandort Brunsbüttel
ist von zentraler Bedeutung für die Energieversorgung, Wertschöpfung
und industrielle Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.
Die Ergebnisse wurden kürzlich vorgestellt, von Brunsbüttel
Ports, dem Unternehmensverband Unterelbe-Westküste
(UVUW) und dem Kreis Dithmarschen.
Die zentralen Ergebnisse
• 1,29 Mrd. € Bruttowertschöpfung
• 5.000 direkt Beschäftigte in Brunsbüttel und der Region
• 15.300 vom Hafen abhängig Beschäftigte bundesweit
Der Elbehafen in Brunsbüttel wird als Energiehub positioniert
© Brunsbüttel Ports
Die Häfen von Brunsbüttel Ports seien von nationaler Bedeutung
und weit mehr als ein regionaler Umschlagplatz, meinen
die Verantwortlichen: Hier wird Energie importiert – und
hier soll die industrielle Transformation Deutschlands praktisch
umgesetzt werden. Brunsbüttel steht damit exemplarisch
für einen Hafenstandort, dessen Wirkung weit über die Region
hinausreicht: Als Rückgrat verlässlicher Energieversorgung und
volkswirtschaftlicher Stabilitätsanker für Deutschland in wirtschaftlich
herausfordernden Zeiten.
Spätestens seit den energiepolitischen Entwicklungen der
vergangenen Jahre ist klar: Versorgungssicherheit muss auch
in Krisenzeiten garantiert sein. Mit seiner LNG-Importinfrastruktur
will der Brunsbütteler Elbehafen einen entscheidenden
Beitrag zur stabilen und pipelineunabhängigen Gasversorgung
Deutschlands leisten – und zwar für Industrie
ebenso wie für private Haushalte.
Der letzte Winter hatte die Realität gezeigt: Lange, intensive
Kältephasen und niedrige Gasspeicherstände machten sichtbar,
wie entscheidend eine verlässliche LNG-Importinfrastruktur ist.
Ohne sie wären die Folgen in den vergangenen Monaten spürbar
gewesen – für Produktionsketten, Energiepreise und die nationale
Versorgungslage. »Somit steht fest: Ohne Häfen, keine Energiesicherheit!«,
hieß es bei der Vorstellung der Studie weiter.
Der Hafenstandort Brunsbüttel hat sich in den vergangenen
Jahren mit seinen drei inhabergeführten Häfen von
Brunsbüttel Ports grundlegend weiterentwickelt. Insbesondere
der Elbehafen hat sich als größter Standort des Hafenund
Logistiknetzwerkes in Norddeutschland und Schweden
vom Universalhafen auch zu einem Energiehub entwickelt.
Neben dem Import von Energieträgern werden Güter der
Energiewende umgeschlagen – von Windkraftanlagenteilen
über Generatoren und Transformatoren bis hin zu Kabeltrommeln
für überregionale Strominfrastrukturprojekte.
Gleichzeitig sind die Häfen wichtige Versorgungsdrehscheiben
für das ansässige Industriegebiet, den ChemCoast Park
Brunsbüttel. Es ist das größte im Bundesland und beheimatet
unter anderem Industriekonzerne aus der Chemie- und Energiebranche.
Man sieht als klaren Standortvorteil, der zusätzliche
Wettbewerbsfähigkeit sichert und die Versorgung stabilisiert.
Vor diesem Hintergrund will die Hafengruppe weiter Kurs in
Richtung Zukunft halten und bereits das nächste Leuchtturmprojekt
in den Fokus nehmen, um die Energietransformation
aktiv weiter mitzugestalten: Um die Speicherung von CO2 im
Boden der Nordsee (CCS) zu realisieren, will sich der Brunsbütteler
Elbehafen als führender nationaler CO2-Exporthub etablieren.
»Dies ist ein entscheidender Schritt zur Dekarbonisierung,
ohne dabei zu deindustrialisieren«, so die Verantwortlichen
weiter. Gleichzeitig sollen über die Brunsbütteler Häfen künftig
auch grüne Energieträger wie Wasserstoff und dessen Derivate,
etwa Ammoniak, umgeschlagen werden.
Frank Schnabel, Geschäftsführer von Brunsbüttel Ports und
der Schramm Group, fand klare Worte: »Die Studie belegt:
Brunsbüttel ist ein bundesweit bedeutender Energiehub, Teil
der kritischen Infrastruktur Deutschlands und von bundesweiter
Bedeutung. Wer über Versorgungssicherheit spricht,
spricht über Brunsbüttel.« Und er appellierte: »Wir liefern –
verlässlich und pipelineunabhängig, auch in Krisenzeiten.
114 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Jetzt ist es an der Politik, die Chancen entschlossen zu begleiten,
damit auch die Energietransformation gelingen kann«.
Passend zu diesem Appell gab es vor Ort deutliche landespolitische
Unterstützung. Steffen Lüsse, Leiter des Hafenreferats
im schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministerium, betonte
die strategische Rolle Brunsbüttels innerhalb der
Landeshafenstrategie. Die Brunsbütteler Häfen gelten darin als
zentraler Baustein für Energieimport, industrielle Transformation
und internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes.
Klarer Auftrag an Berlin
Auch der Dithmarscher Landrat, Thorben Schütt, unterstrich die
Bedeutung Brunsbüttels für die Region und darüber hinaus:
»Der Hafenstandort hat großes Potenzial für Wirtschaft, Energieversorgung
und die grüne Transformation der Industrie. Das
müssen wir regional, bundesweit und international stärker voranbringen
und Hindernisse abbauen. Denn erst mit passender
Verkehrs- und Strominfrastruktur entstehen Wachstum und
Fortschritt. Ein vielseitig aufgestellter und gut erschlossener Hafenstandort
macht uns auch widerstandsfähiger gegenüber globalen
Krisen und Marktschwankungen.« Die Studienergebnisse
sollen ein deutliches Signal senden: Mit über einer Milliarde Euro
Bruttowertschöpfung seien die Brunsbütteler Häfen kein regionales
Infrastrukturprojekt, sondern ein Versorgungshub und
Wertschöpfungsmotor mit nationaler Tragweite. Gerade in geopolitisch
unsicheren Zeiten zeige sich, wie wichtig leistungsfähige
Energieinfrastruktur für die Volkswirtschaft ist. Brunsbüttel
gehört mit seinen Häfen zu diesen strategischen Standorten –
und übernehme bereits heute Verantwortung für Deutschlands
Energieversorgung.
Damit das Potenzial voll genutzt werden kann, brauche es
jetzt Mut und entschlossenes Handeln auf Landes- und Bundesebene.
Die Forderungen sind klar: Konsequenter Ausbau der
Infrastruktur (insbesondere der Schienenanbindung), schnellere
Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie und verlässliche
Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen.
»In Brunsbüttel sind staatliche Investitionen in Form von
Infrastruktur extrem wirkungsorientiert und somit ein echter
Wachstumsbooster für die Wirtschaft« – so Doris Ipsen, Geschäftsführerin
vom Unternehmensverband Unterelbe-Westküste.
»Strategische Infrastrukturstandorte müssen in der
politischen Prioritäten-Liste ganz nach oben gesetzt werden.«
Entscheidend sei vor allem ein stärkeres Bewusstsein
für ihre Bedeutung Deutschlands wirtschaftlicher und energetischer
Zukunft.«
RD
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Bergbau am Meeresgrund:
»Die Industrie ist bereit«
Der Bedarf der Wirtschaft an Metallen und Seltenen Erden ist hoch und wird weiter wachsen.
Europa ist bei der Versorgung abhängig von Russland und China – dabei liegen große
Vorkommen in der Tiefe der See. Die neu gegründete Deepsea Minerals Alliance (DSMA) will die
industrielle Nutzung dieser Möglichkeit vorantreiben
Weltweit wächst der Bedarf an mineralischen
Rohstoffen: Ein steigender Grad
an Digitalisierung, der Aufschwung der
E-Mobilität und die Energiewende bedeuten
eine wachsende Nachfrage für
Metalle wie Mangan, Kupfer, Cobalt und
sogenannte Seltene Erden.
Große Vorkommen dieser wichtigen
Ressourcen liegen im Meeresboden,
beispielsweise abgelagert in polymetallischen
Knollen, in der Nähe hydrothermaler
Quellen oder metallischen
Krusten auf Unterwasserbergen. Als besonders
rohstoffreich gilt die »Clarian-
Clipperton-Zone« im Pazifik zwischen
Hawaii und Mexiko – dort hat sich auch
Deutschland ein Gebiet zur Erkundung
und Förderung reserviert.
Chinas Quasi-Monopol
Um die industrielle Nutzung des Meeresbodens
zu vertreten, ist zum Ende
des vergangenen Jahres die Deepsea
Minerals Alliance (DSMA) gegründet
worden. Diese soll sich »mit fokussierten
Zielen« um diesen neuen Wirtschaftszweig
kümmern. Als Unterstützer wird
der Verband für Schiffbau und Meerestechnik
(VSM) genannt. Leonhard Weixler,
Vorsitzender des Industrieverbands,
hob hervor, dass Deutschland unabhängiger
von russischen und chinesischen
Rohstoffen werden müsse. »Vor
allem die Rohstoffexportpolitik Chinas
stellt eine Gefahr für den Wohlstand in
Europa dar«, sagte er. »Während China
ein Quasi-Monopol etwa bei seltenen
Erden ausspielt, leisten sich viele europäische
Staaten ein Moratorium für die
Rohstoffgewinnung aus dem Meer. Und
das wohlwissend, dass etwa deutsche
Lizenzgebiete einen Großteil der für die
Halbleiterindustrie und damit für neue
Die Spitze der DSMA (v.l.): Vorstand und Schatzmeister Frank Wagner, Peter Lehmann,
Vorstandsvorsitzender Leonhard Weixler und stv. Vorsitzender Rudolf Bannasch.
Nicht auf dem Bild: Heiko Felderhoff, stv. Vorsitzender
Technologien relevanten Metalle enthalten.«
»Die Industrie ist bereit«, sagte auch
VSM-Hauptgeschäftsführer Reinhard
Lüken. »Es bedarf nur noch einer Erkenntnis
der Politik. Unsere Mitglieder
in DSMA und VSM bilden bereits heute
weite Teile der Wertschöpfungskette
ab, die für die Gewinnung von mineralischen
Rohstoffen aus dem Meer benötigt
wird.«
Potenzial in der Tiefe
Die DSMA versteht sich als Plattform
für Unternehmen und Forschungseinrichtungen,
die sich mit der verantwortungsvollen
Erforschung und möglichen
Nutzung mariner mineralischer
Rohstoffe befassen. Zentrale Aufgaben
seien die Bündelung von Expertise, der
Dialog mit Politik, Wissenschaft und
Zivilgesellschaft sowie die Entwicklung
von Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards,
teilte der Verband auf Anfrage
der HANSA mit.
Das Potenzial der Gewinnung von
Mineralien aus dem Meer sei groß.
»Marine mineralische Rohstoffe können
perspektivisch einen Beitrag zur
verlässlichen Versorgung mit kritischen
Mineralien leisten, die für die Energiewende
und Schlüsseltechnologien unverzichtbar
sind«, so die DSMA. »Angesichts
globaler Abhängigkeiten ist es
wichtig, sich frühzeitig nicht nur wissen-
© DSMA
116 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
schaftlich fundiert mit diesem Potenzial
auseinanderzusetzen, sondern auch
industrielle Anwendungslösungen zu
entwickeln.«
Dafür erwartet der Verband von der
Politik einen »offenen, faktenbasierten
Diskurs« sowie die Förderung von Forschung
und internationaler Zusammenarbeit.
»Deutschland sollte sich aktiv in
die internationalen Regelsetzungsprozesse
einbringen und auf Umwelt- und
Vorsorgestandards hinwirken«, so die
Forderung der DSMA.
Empfindliches Ökosystem
Der Meeresbodenbergbau ist umstritten,
da er unter anderem einen starken
Eingriff in ein bisher nur wenig
erforschtes Ökosystem bedeutet. Meeresforscher
befürchten die Zerstörung
von Lebensräumen und den Verlust von
Arten, die noch nicht einmal entdeckt
sind. Weiterhin sind die Folgen des
Bergbaus nicht erforscht, betroffene
Gebiete könnten sehr lange brauchen,
um sich zu erholen. 2021 riefen daher
fast 1.000 Wissenschaftler aus mehr als
70 Ländern in einem Moratorium dazu
auf, die Erforschung des Bergbaus einzustellen.
Diese Bedenken nehme man ernst,
heißt es dazu in einer Stellungnahme
der DSMA. »Der Schutz der Meeresökosysteme
hat hohe Priorität, genau wie
die Versorgungssicherheit und Sicherstellung
der Souveränität Deutschlands
und Europas. Diese Interessenslagen
auszubalancieren ist unser Anliegen.
Deshalb setzt sich die DSMA für wissenschaftlich
begleitete Forschung, Transparenz
und Umweltstandards ein.« Ziel
sei es demnach, fundierte und umweltschonende
Entscheidungsgrundlagen
zu schaffen, um Ressourcen schonend
zu nutzen und unsere Souveränität im
internationalen Konzert zu wahren und
zu stärken.
Für die DSMA ist der Kurs für die kommenden
Monate klar: Die deutschen Explorationslizenzen
sollen in Förderlizenzen
umgewandelt werden. Außerdem
müsse die Internationale Meeresbodenbehörde
(ISA) den angekündigten
»Mining Code« verabschiede, mit dem
der Abbau von Mineralien geregelt werden
soll. Außerdem plädierte er für eine
intensive Zusammenarbeit innerhalb
der EU und mit Drittstaaten, die sich
derzeit technologieoffen auf den Tiefseebergbau
in internationalen und in
eigenen Gewässern vorbereiten. JW
© Geomar
Manganknollen auf dem Meeresboden in der pazifischen Carion-Clipperton-Zone, aufgenommen
bei einer Expedition des Forschungsschiffs »Sonne« im April 2015. In der Region gibt es
ein großes Aufkommen wertvoller Metalle, doch der Abbau ist nicht ohne Weiteres möglich
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
1,9 Mrd. € aus Ostfriesland
für die Schifffahrt
Weit mehr als ein »Hidden Champion«: Die OVB ist wichtige Finanzpartnerin der
maritimen Branche. Über ein Drittel der deutschen Handelsflotte hat Verbindungen
zur Genossenschaftsbank in Leer
»Inselexpress«: Der erste vollelektrische Katamaran in Deutschland verbindet Norddeich und die Nordseeinsel Norderney
© AG Reederei Norden-Frisia
Die Ostfriesische Volksbank ist eine Expertin auf ihrem Gebiet
– rein geografisch erstreckt sich dieses Gebiet von den Niederlanden
über die Ems-Region und Bremen bis zur Elbe-Region
rund um Hamburg sowie nach Schleswig-Holstein. Mehr
als 600 Handelsschiffe und damit über ein Drittel der deutschen
Handelsflotte unterhalten ihre Hausbankverbindung
bei der Genossenschaftsbank – ein Beleg für die hohe Marktpräsenz
und das Vertrauen der Branche. Als Erfolgsgeheimnis
sehen die Verantwortlichen »eine ausgewogene Portfolio-
Struktur, durchgängige Verlässlichkeit und eine konsequente
zukunftsorientierte Ausrichtung«.
Breites Leistungsspektrum
für alle Schiffstypen
Die OVB begleitet die maritime Wirtschaft bei sämtlichen Investitionsvorhaben
– von Kauf, Neubau und Umbau bis hin zu Reparaturen
– und ermöglicht die Finanzierung aller gängigen
Schiffstypen. Das maritime Portfolio ist in drei Segmente gegliedert:
Seeschifffahrt, Binnenschifffahrt und Spezialschifffahrt.
Zum Bereich »See« gehören unter anderem Containerschiffe,
Gastanker und Multi-Purpose-Schiffe. Im Binnensegment liegen
etwa Tank- und Gütermotorschiffe. Die Geschäftseinheit sowie
Spezialschifffahrt umfasst Schlepper, viele Fahrgastschiffe sowie
Offshore-Schiffe. Das Gesamtkreditengagement inklusive der
Konsortialanteile des maritimen Portfolios ist im vergangenen
Jahr auf etwa 1,9 Mrd. € gestiegen.
Die Genossenschaftsbank hat sich bei vielen Reedereien als
verlässliche Partnerin bewiesen – auch in herausfordernden Zeiten.
Während der Schifffahrtskrise stellte sie als eine der wenigen
deutschen Banken durchgehend Kreditmittel für die maritime
Wirtschaft bereit. Heute ist sie die nach eigenen Angaben
einzige nationale Bank mit einem solch ausgeprägten Schwerpunkt
auf diesem Marktsegment.
118 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
14. NATIONALE MARITIME KONFERENZ 2026
Parallel wurde das Konsortialgeschäft erfolgreich ausgebaut.
Zu den Konsortialpartnern zählt neben Sparkassen sowie
weiteren Volks- und Raiffeisenbanken die »Mutter« DZ
Bank. Mit einem vorausschauendem Portfoliomanagement
und homogenem Wachstum will man eine stabile Risikosituation
erreichen– eine solide Basis für die zukünftigen Anforderungen
der Branche.
Neben klassischen Bauzeit- und Endfinanzierungen bietet
die OVB eine umfassende Beratung zu Fördermitteln und
Absicherungslösungen und unterstützt beim Zins- und Währungsmanagement.
Das Leistungsspektrum umfasst zudem
klassische Bankdienstleistungen wie Geldanlage, Zahlungsverkehr
ins In- und Ausland sowie taggleiche Kontoeröffnungen.
All diese Bankgeschäfte wickelt die Genossenschaftsbank
je nach Bedarf sowohl in Euro als auch in US-Dollar ab
Individuelle Finanzierungslösungen
für Innovation
Ein besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, die maritime
Industrie auch bei der Transformation zur »grünen Schifffahrt«
zu unterstützen. Die International Maritime Organization
(IMO) hat sich einen grundlegenden Wandel zum Ziel
gesetzt, sodass die Emissionen, die durch die Schifffahrt entstehen,
in den nächsten Jahren deutlich zu senken sind. Innovative
Antriebstechnologien, intelligente Routenoptimierung
und alternative Kraftstoffe – beispielsweise grüner Wasserstoff,
Methanol oder Ammoniak – sind daher von zunehmender
Bedeutung.
Die OVB ermöglicht zum einen die Finanzierung klimafreundlicher
Neubauten wie der »Inselexpress« der AG Reederei
Norden-Frisia. Der erste vollelektrische Katamaran in
Deutschland verbindet Norddeich und die Nordseeinsel Norderney
emissionsfrei. Für dieses zukunftsweisende Projekt
Das »Schifffahrts-Team« bei der OVB rund um Vorstandsmitglied
Guido Mülder (7.v.l.) und Karsten Bruns, Bereichsleiter Seeschifffahrt
(5.v.r.) vor dem Leeraner Rathaus
wurde die Genossenschaftsbank gemeinsam mit der AG Reederei
Norden-Frisia mit dem ZukunftsAward der DZ Bank ausgezeichnet.
Zum anderen begleitet die Genossenschaftsbank die gezielte
Nachrüstung bestehender Schiffe mit modernen Technologien.
Diese Retrofit-Maßnahmen können die Effizienz,
Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit älterer Schiffe steigern,
die ursprünglich auf Geschwindigkeit und nicht auf Treibstoffersparnis
ausgelegt waren.
Modernisierte Schiffe bleiben länger wettbewerbsfähig,
sind flexibler einsetzbar und erfüllen die steigenden ESG-Anforderungen.
Retrofit-Projekte sind jedoch anspruchsvoll: Sie
erfordern substanzielle Investitionen und eine sorgfältige
Wirtschaftlichkeitsprüfung. Hier hat die OVB maßgeschneiderter
Finanzierungslösungen parat.
RD
© OVB
Mit uns steuern Sie
sicher in die Zukunft.
Morgen kann kommen.
Wir machen den Weg frei.
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Seit mehr als vier Jahrzehnten stehen wir Ihnen
als zuverlässige Partnerin zur Seite – mit umfassender
Beratung in den Bereichen Finan-
zierung, Zahlungsverkehr und individuellen
Dienstleistungen rund um die Schifffahrt.
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
119
TERMINE
freight & trade events
worldwide conferences | exhibitions | seminars for shipping, commodities, finance
Marine + Offshore
04.–07.05.2026 HOUSTON
OTC – Offshore
TechnologyConference
www.otcnet.org
05.–06.05.2026 ROSTOCK
15. Zukunftskonferenz:
Wind & Maritim
www.wind-energy-network.de
27.05.2026 HAMBURG
STG-Sprechtag: Autonome
Wasserfahrzeuge
Helmut-Schmidt-Universität
www.stg-online.de
19.–21.05.2026 HAMBURG
TOC Europe – Hafen, Terminal
& Containerlogistik
www.tocevents-europe.com
01.–04.09.2026 HAMBURG
SMM | www.smm-hamburg.de
13.–14.10.2026 ROSTOCK
Rostock Large Engine Symposium
www.rgmt.de
23.10.2026 KIEL
Students meet Industry
www.stg-online.de
18.–20.11.2026 HAMBURG
STG-Hauptversammlung
www.stg-online.de
20.–21.01.2027 HAMBURG
24. STG-Tagung „Korrosionsschutz
in der maritimen Technik“
www.stg-online.de
Shipping + Logistics
28.05.2026 BERLIN
DGON Symposium
»Mobilität der Zukunft«
www.dgon.de
27.11.2025 HAMBURG
HANSA-FORUM
»Connecting Maritime
Minds«
SAVE THE DATE!
01.–05.06.2026 ATHENS
Posidonia
www.posidonia-events.com
16.–18.06.2026 ROTTERDAM
Breakbulk Europe
www.europe.breakbulk.com
27.07.2026 TOKYO
»Young Agents and Brokers Award«
(YOBA)
www.fonasba.com
02.09.2026 HAMBURG
Maritime Future Summit @ SMM
www.smm-hamburg.de
Commodities + Energy
06.–07.05.2026 LONDON
Commodity Trading Week Europe.
www.europe.commoditytradingweek.com
11.–14.05.2026 DUBAI
Middle East Petroleum & Gas
Conference (MPGC)
www.spglobal.com
13.–14.05.2026 GLASGOW
All-Energy Exhibition
www.all-energy.co.uk
02.–03.06.2026 LONDON
Gas, LNG & The Future of Energy
Conference
www.woodmac.com
17.–18.06.2026 STAMFORD, CT
Commodity Trading Week America
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Ein Zentrum zur medizinischen Versorgung von Menschen
in prekären Lebenssituationen, 41 % der Bevölkerung
sind unter 15 Jahren. Mit der Unterstützung von Experten
der Medizin vor Ort und aus Europa, sowie einem Angebot
für völkerverbindenden Sport und Bildung, wollen wir
helfen!
Deutscher Ruderverband & Projekt Westafrika e.V.
Deutscher Ruderverband e.V.
Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg 10
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Spendenkonto Sparkasse Hannover
Kennwort: Maximilian Reinelt Zentrum
IBAN: DE06 2505 0180 0000 1238 62
BIC: SPKHDE2HXXX
HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
121
IMPRESSUM
Inserentenverzeichnis | Index of Advertisers
Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft SE . . . . . . . . . . . . . .81
Anschütz GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .65
ARNECKE SIBETH DABELSTEIN
Rechstanwälte Steuerberater PartG mbB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .79
BEN Buchele Elektromotorenwerke GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .25
böhm Kabeltechnik GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .85
Brunsbüttel Ports GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .71
Bureau Veritas SA Zweigniederlassung Hamburg . . . . . . . . . . . . . .60
Deutscher Ruderverband DRV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .121
Deutsche Seemannsmission in Hamburg e.V. . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
DGZRS
Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger . . . . . . . . . . .107
DNV SE Postfach GL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .67
Everllence SE Group Marketing . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .63
Fr. Fassmer GmbH & Co. Schiffs- und Bootswerft . . . . . . . . . . . . . . 61
Friesland Kabel GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .73
GROMEX GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Hamburg Messe und Congress GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .69
Heinrich Wegener & Sohn Bunkergesellschaft m.b.H. . . . . . . . . . .72
Hitzler Werft GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3, 54/55, 120
Hochschule Emden/Leer Fachbereich Seefahrt . . . . . . . . . . . . . . .101
Flensburg University of Applied Sciences . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
HYDAC International GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .58
IMES GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Titel
Inmarsat Global Ltd. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .109
in-innovative Navigation GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .93
KfW IPEX-Bank GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .57
Korean Register KR Hamburg GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .77
Loewe Marine GmbH & Co. KG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .87
Marine.Media GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Maritimes Cluster Norddeutschland e. V. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
Mecklenburger Metallguss GmbH MMG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
Messe Husum & Congress GmbH & Co. KG . . . . . . . . . . . . . . . . . . .103
Navis Germany GmbH Carrier and Vessel Solutions . . . . . . . . . . . .43
Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .47, 74
Nietiedt Verwaltungs-GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .82
Ostfriesische Volksbank eG OVB . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119
Otto Piening GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .99
REINTJES GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .88
RUD Ketten Rieger + Dietz GmbH + Co. KG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .35
Actemium SAM Electronics . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
Schiffahrts-Verlag »Hansa« GmbH & Co. KG . . .U2, 95, 105, 113, 123
Senatsverwaltung für Mobilität Verkehr,
Klimaschutz u. Umwelt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10
SKF Marine GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .75
SOMMER CABLE GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .91
Tamsen Maritim GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .89
TEHAG GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .83
VHBS Verband Hamburger und
Bremer Schiffsmakler e.V. und Schiffsagenten e.V. . . . . . . . . . . . . .56
Wilhelmsen Ships Service GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . U4
Das Anzeigenverzeichnis dient der Leserorientierung.
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keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit.
Herausgeber
Prof. Peter Tamm †
Geschäftsführung
Peter Tamm
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redaktion@hansa-online.de | www.hansa-online.de
Redaktion
Chefredakteur: Michael Meyer (MM)
Tel. +49 (0)40 70 70 80-212 | m.meyer@hansa-online.de
Redakteur: Peter Kleinort (PK)
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Redakteur: Jannik Westerkamp (JW)
Tel. +49 (0)40 70 70 80-205 | j.westerkamp@hansa-online.de
Redakteurin: Anna Wroblewski (AW)
Tel. +49 (0)40 70 70 80-209 | a.wroblewski@hansa-online.de
Redakteur: Joshua Wygand (JWY)
Tel. +49 (0)40 70 70 80-203 | j.wygand@hansa-online.de
Korrespondenten
Schiffbau, Schiffsmaschinenbau: Dr. Hans G. Payer
Märkte und Versicherungen: Michael Hollmann (mph)
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Asien: Patrick Lee
Amerika: Barry Parker
Großbritannien: Samantha Fisk
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Mediaberatung
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Anzeigenverwaltung
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NY 10001 New York, USA, detleffox@comcast.net
Polen: LINK, Maciej Wedzinski, Wegornik 2/2, 72-004 Tanowo, Poland,
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Abt. Seeverkehr) |Deutscher Nautischer Verein (DNV) |
Deutsche Gesellschaft für Ortung und Navigation (DGON) |
Schutzverein Deutscher Rheder V. a. G.|
The World Association for Waterborne Transport Infrastructure
(PIANC) | Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe e. V.
(ZDS) | Berufsbildungsstelle Seeschiffahrt | Deutscher
Hochsee fischerei-Verband e.V. | Deutsche Gesellschaft
zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS)
122 HANSA - International Maritime Journal 05 | 2026
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