05.05.2026 Aufrufe

architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 1 2026

Die Kunst, weiterzubauen Beim „Bauen im Bestand“ spricht man gerne von Sorgfalt, Geduld und Respekt vor dem Vorhandenen. Manchmal geht es aber schlicht darum, den Bestand loszuwerden – nur ein Abschnitt Gründerzeitfassade bleibt als dekoratives Feigenblatt stehen. Der Neubau wird nicht fertig und schließlich wieder rückgebaut, weil er plötzlich im Weg steht und kein tragfähiges Nutzungszenario mehr haben soll. In Wien wurde diese Geringschätzung an prominenter Adresse in der Mariahilfer Straße zur Lektion. Umso wichtiger sind Beispiele, die Alt & Neu nicht als Abfolge von Abriss und Ersatz, sondern als präzise Entwurfsarbeit verstehen.

Die Kunst, weiterzubauen

Beim „Bauen im Bestand“ spricht man gerne von Sorgfalt, Geduld und Respekt vor dem Vorhandenen. Manchmal geht es aber schlicht darum, den Bestand loszuwerden – nur ein Abschnitt Gründerzeitfassade bleibt als dekoratives Feigenblatt stehen. Der Neubau wird nicht fertig und schließlich wieder rückgebaut, weil er plötzlich im Weg steht und kein tragfähiges Nutzungszenario mehr haben soll. In Wien wurde diese Geringschätzung an prominenter Adresse in der Mariahilfer Straße zur Lektion. Umso wichtiger sind Beispiele, die Alt & Neu nicht als Abfolge von Abriss und Ersatz, sondern als präzise Entwurfsarbeit verstehen.

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FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

01

www.architektur-online.com

Februar 2026

Alt & Neu

© Mikael Olsson


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3

Editorial

Die Kunst, weiterzubauen

Beim „Bauen im Bestand“ spricht man gerne von Sorgfalt, Geduld und Respekt vor

dem Vorhandenen. Manchmal geht es aber schlicht darum, den Bestand loszuwerden

– nur ein Abschnitt Gründerzeitfassade bleibt als dekoratives Feigenblatt

stehen. Der Neubau wird nicht fertig und schließlich wieder rückgebaut, weil er

plötzlich im Weg steht und kein tragfähiges Nutzungszenario mehr haben soll.

In Wien wurde diese Geringschätzung an prominenter Adresse in der Mariahilfer

Straße zur Lektion. Umso wichtiger sind Beispiele, die Alt & Neu nicht als Abfolge

von Abriss und Ersatz, sondern als präzise Entwurfsarbeit verstehen.

Die Casa BM zeigt im kleinen Rahmen, wie

aus scheinbar wertloser Substanz Bedeutung

entsteht. Errante Architetture drehen

die Logik eines 1960er-Jahre-Hauses um,

orientieren die Wohnräume weg von der

Straße hin zur Landschaft und machen die

rohe Materialität des Bestands zum Thema.

Im Reinhold-Messner-Haus folgt Plasma

Studio einem ähnlichen Prinzip im größeren

Maßstab: Die Bergstation von 1981 wird

nicht überdeckt, sondern als technische

Vergangenheit lesbar gelassen und in eine

neue kulturelle Erzählung übersetzt.

Dass „zu klein“ selten ein Argument, sondern

oft nur ein Reflex ist, beweisen zwei

Beispiele aus dem bäuerlichen Bestand.

Das niederösterreichische „HÄUSL.“ ringt

nicht mit Romantik, sondern mit Hangwasser,

Provisorien und Substanzfragen – und

findet gerade darin eine Präzision, die das

Weiterbauen zur Reparaturkunst macht. Im

Vorarlberger Dorf Nest wiederum wird der

gedrungene Maßstab des 300 Jahre alten

Schwöstorohus zur Qualität: Was Erwachsene

beengt, wird für Kinder zur Geborgenheit.

So kippt das Vorurteil über niedrige

Stuben in ein Raumangebot, das pädagogisch

und atmosphärisch trägt.

In der Stadt schließlich wird Alt & Neu

zum lesbaren Zeitprofil. Der Brewery Yard

von Tzannes verwandelt das Industrieerbe

nicht in Kulisse, sondern in Chronologie:

Backstein, neue Einschnitte und Energieinfrastruktur

erzählen zugleich von Vergangenheit

und künftiger Nutzung. Und im

Caffè Nazionale von AMAA wird der Zwischenraum

selbst zur Hauptsache: Aus der

historischen Kolonnade wird ein Aufenthaltsort,

der Brüche nicht glättet, sondern

präzise rahmt.

Von hier spannt sich der Bogen zu unserem

Restaurant- & Bardesign-Schwerpunkt, in

dem der Umgang mit Bestand ebenfalls eine

zentrale Rolle spielt. Weitere Projektberichte,

neue Produkte und eine umfangreiche

Wettbewerbsrubrik liefern darüber hinaus

viele zusätzliche Impulse.

Ich wünsche Ihnen viel Lesevergnügen.

Andreas Laser

nicht-ohne-beton.at

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architektur FACHMAGAZIN

4

Inhalt

Editorial 03

Magazin 06

Wettbewerbe & Awards 18

Nordwestbahnhof

Theaterplatz der Kunstuniversität Graz

Paving Design Award 2025

Poetik des Einfachen 38

Casa BM / Paesana, Italien /

Errante Architetture

Hang, Haus, Fuge 44

Ferienhaus „HÄUSL.“ /

Waidmannsbach, Niederösterreich /

STEINBAUER architektur+design

Transformation als Kinderspiel 50

Schwöschtorohus „Dorf Nest“ /

Wolfurt, Vorarlberg /

querschnitt architekten

Upcycling am Gipfel 56

Reinhold Messner Haus /

Mount Elmo, Sexten, Italien /

Plasma Studio

Zeitschichten 62

Brewery Yard /

Sydney, Australien /

Tzannes

Im Dazwischen 68

Caffè Nazionale /

Arzignano, Italien /

AMAA

Restaurant- & Bardesign 74

Produkt News 85

edv 96

Laser-Distanzmesser

38

50

62

44

56

68

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich

CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at) • REDAKTION DI Linda Pezzei, Roland Kanfer, Gertraud Gerst, DI Marian Behaneck

LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14 • RESSORT WETTBEWERBE Roland Kanfer (wettbewerbe@architektur-online.com)

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser • LEKTORAT Mag. Heidrun Schwinger • DRUCK Bauer Promotion

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at)

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 109,- / Ausland: € 133,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 75,- / Ausland: € 105,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 15,- / Ausland € 20,- • ABOSERVICE office@laserverlag.at

BANKVERBINDUNG Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000 IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW

UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; • ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied der Redaktion gekennzeichnet

sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.

OFFENLEGUNG GEMÄSS § 25 MEDIENGESETZ:

Geschäftsführer: Silvia Laser Gegenstand des Unternehmens: Der Verlag und die Herausgabe von periodischen Druckschriften aller Art, insbesondere von Zeitungen und Zeitschriften;

Gesellschafter: Silvia Laser mit einer Beteiligung von 50%. Ing. Walter Laser mit einer Beteiligung von 50%; Richtung der Zeitschrift: Architektur Fachmagazin mit aktuellen Informationen über die Architekturszene in Österreich und

international, sowohl den Hochbau als auch die Innenarchitektur, das Design und die Haus- und Bautechnik betreffend.


Patina Structure NXT.

Die neue Fassadenplatte

in der NXT-Familie.

Die gefräste Oberfläche von Patina

Structure NXT weist einen feinen,

natürlichen Rhythmus auf, der durch

dezente lineare Rillen erzeugt wird.

Wenn Licht über das Material streift,

tanzen feine, vielschichtige Schatten

über die Textur und verleihen jeder

Tafel architektonische Tiefe.

Die strukturierte Oberfläche veredelt

jede Farbvariante und lässt – je nach

Tageslicht und Blickwinkel – ein lebendiges

Licht- und Schattenspiel entstehen.

Das Material vereint Stärke und

Eleganz und verbindet eine natürliche

Optik mit einem modernen Designverständnis.

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architektur FACHMAGAZIN

Vom Preis zum Alltag

Mit „The Prize Bag: Double Lives of Architecture“

eröffnet das Haus der Architektur (HDA) Graz einen

neuen Blick auf den Architekturpreis des Landes

Steiermark 2025: Nicht die Auszeichnung steht

im Zentrum, sondern das, was Architektur davor und

danach ausmacht. Kuratiert von Sevince Bayrak und

Oral Göktaş (SO? architecture and ideas, Istanbul),

verfolgt die Ausstellung die Wege der 14 nominierten

Projekte von der Idee bis zur Nutzung – und damit die

vielen Überlagerungen, Korrekturen und Aushandlungen,

die in fertigen Bildern meist verschwinden.

Fotografien, Zeichnungen, Collagen, Bauunterlagen

und Notizen machen Baustellenrealität, Entscheidungsprozesse

und Bruchstellen sichtbar. „The Prize

Bag“ erzählt Architektur als offenes System, das sich

mit jedem Schritt verändert – und im Alltag ein zweites

Leben beginnt.

© Roland Renner

6

Magazin

© INNOCAD architecture

Haus der Architektur Graz

26.02. – 15.05.2026

© Martin Mechs

Fernwirkungen

© Architekturzentrum Wien, Sammlung, Foto: Gunter Wratzfeld

Walter Hildebrand, Eckhard Schulze-Fielitz, Gunter Wratzfeld

„Habitainer“ Unterkünfte für Ingenieure der Firma Hochtief, Skikda, Algerien 1970

Mit der Ausstellung „Global – Neutral“ richtet das Architekturzentrum

Wien (Az W) den Blick auf österreichische

Architekt*innen, die zwischen 1955 und 1989

in Ländern Afrikas und Asiens tätig waren – in einer

Phase von Entkolonialisierung, Kaltem Krieg und neu

entstehenden internationalen Allianzen. Gezeigt werden

Pläne, Fotografien und Modelle aus der Sammlung

des Az W, die die komplexen Verflechtungen von Architektur,

Diplomatie, Entwicklungsprogrammen sowie

wirtschaftlichen und kulturellen Interessen sichtbar

machen. Anhand realisierter und geplanter Arbeiten

von rund 25 Architekt*innen eröffnet die Schau neue

Perspektiven auf Österreichs Rolle im globalen Architekturgeschehen

und auf die ambivalente Bedeutung

politischer Neutralität im internationalen Projektgeschäft.

Kuratorinnen: Monika Platzer, Susanne Rick.

Architekturzentrum Wien (Az W)

16.04. – 05.10.2026

Begriffe schärfen, Boden schützen

Die öffentliche Diskussion rund um Flächeninanspruchnahme

und Bodenversiegelung ist oft von

missverständlichen Begriffsverwendungen und unterschiedlichen

Interpretationen der Daten geprägt.

Um hier eine gemeinsame, einheitliche und fachlich

fundierte Sprache zu etablieren, hat die zt: Kammer

Ost das Positionspapier „Flächeninanspruchnahme

und Bodenversiegelung“ veröffentlicht. Das Papier

erklärt zentrale Begriffe kompakt, stellt die in Österreich

verwendete Methode zur Quantifizierung

von Flächeninanspruchnahme und Bodenversiegelung

vor und vergleicht sie mit ausgewählten europäischen

Ansätzen. Darüber hinaus bietet es einen

Überblick über themenspezifische Veröffentlichungen

der letzten Jahre, beantwortet zentrale Fragen

zum Bodenschutz und formuliert fünf Positionen

zum Schutz von Fläche und Boden.

wien.arching.at


www.architektur-online.com

7

Magazin

Facing

Life

Weil das Leben keine

Ausstellung ist.

Interior Pro 2.6 Horizontal

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architektur FACHMAGAZIN

Re-Recycling auf der A1

Tag für Tag nutzen tausende Fahrzeuge den Autobahnabschnitt

Mondsee–Thalgau zwischen Oberösterreich

und Salzburg. Diese starke Nutzung führte

dazu, dass ab 2023 saniert werden musste, wobei die

ASFINAG erstmals auf Re-Recycling der Betondecke

gesetzt hat: Schon bei der ersten Generalsanierung

vor mehr als 30 Jahren war die jetzt wiederverwertete

Betondecke recycelt worden.

Für die erste Generalsanierung entwickelte man damals

eine eigene Methode, bei der die bestehende

Betondecke als „Steinbruch“ für die Erneuerung diente.

Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bildeten die

Grundlage für weitere Sanierungen der A1 West Autobahn.

Jetzt wurde der Abschnitt wieder zum Vorreiter

für nachhaltige Betonfahrbahnen und erstmals in

Österreich ein Re-Recycling durchgeführt. 70 Prozent

der primären Gesteinskörnung wurden eingespart

und 24 cm Recyclingbeton im Unterbeton eingebaut.

Machbar war das, weil die Recycling-Gesteinskörnung

nach der Aufbereitung der Körnung eines normalen

Kieswerks entsprach. Für die Verarbeitung mussten

Sand, Zement und Zusatzmittel ergänzt werden.

Dieses außergewöhnliche Beispiel für die Kreislauffähigkeit

des Baustoffs Beton begeistert auch auf internationaler

Ebene und die ASFINAG wurde gemeinsam

mit den Projektpartnern Habau und Asamer

Kies- und Betonwerke von der European Concrete

Paving Association (EUPAVE) mit dem Outstanding

Project Award ausgezeichnet. „Das Re-Recycling auf

der A1 beweist, dass Beton nicht zu Abfall wird und

zentral zur Ressourcenschonung beiträgt“, so Sebastian

Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen

Zementindustrie.

www.zement.at

8

Magazin

Mehr Sichtbarkeit

für Architektinnen

Der anotHERVIEWture AWARD ist ein Format, das

Sichtbarkeit nicht als Nebenprodukt versteht, sondern

als Voraussetzung für eine zeitgemäße Baukultur.

Als internationaler, biennaler Preis würdigt

er Architektinnen und Ingenieurinnen, die mit ihren

Projekten und Positionen die Disziplin prägen – und

Fragen nach Qualität, Verantwortung und Diversität

konkret beantworten. Die Struktur des Awards mit

vier Kategorien macht unterschiedliche Rollen und

Maßstäbe in Planung und Architektur sichtbar; das

begleitende Online-Archiv sorgt dafür, dass Arbeiten

und Profile langfristig auffindbar bleiben – als Referenz,

Netzwerk und Ressource.

Einreichphase 2026: 31. März bis 30. Juni 2026

Details unter www.anotherviewture.at


www.architektur-online.com

Wettbewerb für Studierende

Die Concrete Design Competition (CDC) 2025/2026

lädt dazu ein, den Baustoff Beton neu zu denken. Angesprochen

sind Studierende der Architektur, des

Bauingenieurwesens, der Raum- und Stadtplanung,

des Designs sowie verwandter Disziplinen. Unter dem

Motto „Transform“ werden wissenschaftliche Arbeiten

gesucht, die sich innovativ mit den Materialeigenschaften

von Beton, seinem Herstellungsprozess

oder dem nachhaltigen und zukunftsfähigen Einsatz

des Baustoffs auseinandersetzen. Willkommen sind

ebenso Beiträge, die ökonomische Fragestellungen

oder gesellschaftliche Perspektiven auf Beton und

seine Anwendungen beleuchten.

Teilnahmeberechtigung & Einreichung

Einreichen können Einzelpersonen und Teams, die

2024 oder später inskribiert wurden und sich im Rahmen

des Studiums oder eigeninitiativ mit der Transformation

des Baustoffs Beton beschäftigt haben.

Für die Teilnahme ist ein Poster zu erstellen, das die

wissenschaftliche Arbeit und ihre Ergebnisse kompakt

und anschaulich präsentiert. Zusätzlich sind

eine Teilnahmeerklärung sowie eine Urheber- und

Datenschutzerklärung einzureichen.

9

Preise & Workshop

Die Sieger:innen erwarten Geldpreise im Gesamtwert

von 5.000 Euro sowie die Teilnahme an einem einwöchigen

Workshop in Wien mit Studierenden aus

Deutschland, den Niederlanden, Irland und Belgien.

Gemeinsam mit Expert:innen aus Industrie und Praxis

wird an einem konkreten Projekt aus dem Bereich

Beton gearbeitet, das im Anschluss zusammen umgesetzt

wird – mit Fokus auf Praxisbezug, Austausch

und internationale Vernetzung.

www.beton-dialog.at/concrete-design-competition

Magazin

Echte Handschlagqualität

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Wir stehen für ehrliche Partnerschaft,

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und nachhaltiges Denken.

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architektur FACHMAGAZIN

10

Magazin

Gelungener Dialog

1976 wurde in Mattersburg das erste Kulturzentrum des Burgenlands eröffnet.

Nach 37 Jahren stand der markante Brutalismusbau vor dem Abriss – bis eine

Initiative seinen architektonischen und kulturellen Wert erkannte und den Erhalt

einleitete. Das Projekt gewann den Österreichischen Betonpreis 2025 in der Kategorie

Revitalisierung.

Fotos: Wolfgang Thaler

2016 gewann Holodeck Architects das international

ausgeschriebene Verfahren zur Sanierung und Erweiterung.

Ziel war es, zwischen Schule und Kultur einen

neuen öffentlichen Raum zu schaffen und zugleich

die identitätsstiftenden Qualitäten des Bestands zu

bewahren. Baustart war 2020, abgeschlossen wurden

Revitalisierung und Erweiterung im Mai 2022.

Heute stehen den sorgfältig restaurierten, skulpturalen

Betonbaukörpern des Bestands ein flexibel nutzbarer,

teilbarer Veranstaltungssaal für 410 Personen

sowie Räumlichkeiten des Landesarchivs gegenüber.

Der Neubau zeigt eine zurückhaltende Sichtbetonstruktur;

ein transparentes Foyer aus Stahl und Glas

vermittelt als räumliches und funktionales Gelenk

zwischen den Baukörpern unterschiedlicher Epochen.

austarierten Austausch mit dem Bestand, ohne dessen

Charakter zu überformen. Auch bei der Materialwahl

wurde sorgfältig vorgegangen – 1.300 Tonnen

Sand und Kies konnten eingespart werden. Städtebaulich

setzt das Projekt mit aufgewertetem Umfeld

und besserer Einbindung in den öffentlichen Raum

einen kulturellen Anker für Stadt und Region.

Mehr Informationen:

beton-dialog.at/betonpreis2025

Respekt vor Architektur der 1970er-Jahre

Mit nachhaltigen Baustoffen, verbesserter Gebäudehülle

und zeitgemäßer Haustechnik wurde das

Kulturzentrum ökologisch auf den neuesten Stand

gebracht. Gleichzeitig wurden die Innenräume neu

organisiert und ermöglichen heute vielfältige Nutzungen

– von Konzerten und Theater über Workshops

und Ausstellungen bis zu hybriden Formaten

und Bildungsangeboten.

Die Jury würdigte den „eindrucksvollen Dialog zwischen

Alt und Neu“: Der Neubau trete in einen fein


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11

Magazin

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architektur FACHMAGAZIN

12

Magazin

Kontaktabstand

Ein ehemaliges Sanitärgebäude aus den 1820er-Jahren wurde in ein zeitgenössisches

Künstleratelier verwandelt – jedoch nicht durch Transformation, sondern

durch bewusste Zurückhaltung. Das Butler Gallery Garden Studio in Kilkenny,

Irland zeigt eindrucksvoll, wie Alt und Neu koexistieren können, wenn die Architektur

lernt, sich zurückzunehmen.

Text: Linda Pezzei Fotos: Ros Kavanagh

Innerhalb der Anlage des ehemaligen „Evan’s Alms

House“, das heute Teil der „Butler Gallery“ ist, befanden

sich zwei dreieckige Latrinen, die in die massive

Bruchsteinmauer eingebettet waren. Eine davon

blieb als historisches Zeugnis unverändert erhalten.

Die zweite wurde von CANICE Architects zu einem

rund 30 Quadratmeter großen Atelier für das erste

Artist-in-Residence-Programm der Galerie adaptiert

– oder besser gesagt: neu eingefügt, ohne den Bestand

anzutasten.

Die maßgeblichen Entwurfsentscheidungen fielen

erst nach der Freilegung der historischen Mauern.

Ihre Fragilität, Patina und Unregelmäßigkeit machten

schnell klar, dass jede weitere Intervention nicht nur

statisch, sondern vor allem atmosphärisch problematisch

gewesen wäre. Anstatt den Bestand an heutige

Toleranzen anzupassen, wurde das Neue neu gedacht.

Eine vollständig unabhängige, innenliegende

Holzstruktur nimmt das Atelier auf und distanziert es

bewusst von den alten Mauern. Zwischen Stein und

Holz bleibt Luft – ein schmaler Raum aus Schatten,

Bewegungsspiel und Lesbarkeit.


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13

Magazin

Dieser Berührungsabstand fungiert als zentrales architektonisches

Motiv. Die neue Struktur akzeptiert

Maßabweichungen, Setzungen und Unschärfen des

Bestands, ohne sie zu korrigieren. Anschlüsse werden

nicht kaschiert, sondern als präzise Übergänge ausgebildet.

Alt und Neu bleiben klar unterscheidbar und

bestätigen sich dadurch gegenseitig in ihrer Authentizität.

Die Konstruktion folgt einer Logik der Offenheit.

Verwendet wird schlichtes Konstruktionsholz, das

trocken gefügt und nicht verkleidet wird. Tragwerk,

Verbindungen und Fixierungen bleiben sichtbar. In

direktem Dialog mit den jahrhundertealten Steinmauern

wird Konservierung hier nicht als nostalgische

Disziplin lesbar, sondern als zukunftsgerichtete Praxis:

ressourcenschonend, adaptierbar und nachvollziehbar.

Die Architektur erklärt sich durch Nutzung,

Berührung und Beobachtung selbst.

Das einzige Element, das über die historische Mauerkrone

hinausragt, ist eine dreieckige Dachöffnung.

Sie entstand zunächst aus funktionaler Notwendigkeit,

um Tageslicht und Orientierung in einem fensterlosen

Volumen zu ermöglichen. Erst im weiteren

Entwurfsprozess wurde ihre narrative Dimension

deutlich. Auf dem Areal befand sich im 13. Jahrhundert

St John’s Priory, auch bekannt als die „Lantern

of Ireland“. Die neue Laterne greift diese Geschichte

auf und übersetzt sie in eine abstrahierte, zeitgenössische

Form. Tagsüber lenkt sie Licht tief in den

Raum, nachts wird sie zu einem stillen Zeichen nach

außen – weniger ein Signal im Stadtraum als ein Marker

für innere Aktivität.

Dass ein ehemaliger Ort der Notdurft heute Raum für

künstlerische Arbeit bietet, ist mehr als eine funktionale

Umnutzung. Mit dem Garden Studio erweitert

die Butler Gallery ihr Programm erstmals um eine Artist

Residency und macht sichtbar, welches Potenzial

selbst marginale Bestandsbauten entfalten können

– vorausgesetzt, Architektur versteht sich nicht als

Korrektiv, sondern als präziser Begleiter. Im Kontext

von Alt und Neu ist das Butler Gallery Garden Studio

ein bewusst leises Projekt. Es erzählt nicht von Transformation

durch Eingriff, sondern von Innovation

durch Verzicht. Alt bleibt alt, Neu bleibt neu – dazwischen

entsteht ein Raum, der zeigt, dass architektonische

Haltung oft dort am klarsten wird, wo man sich

entscheidet, nichts zu tun, was nicht notwendig ist.


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14

Magazin

Halle mit Herz

Im 20. Wiener Gemeindebezirk, unweit des Nord-Westbahnhofsareals, realisierte

cy architecture in einem ehemaligen Lagergebäude samt zugehöriger Garage

eine neue Boulderhalle: das flash. Ausgangspunkt des Projekts war ein Bestand,

der nicht geglättet oder überformt, sondern bewusst weitergeschrieben werden

sollte. Das zentrale Anliegen der Planung lag darin, ressourcenschonendes,

nachhaltiges Bauen mit klarer Funktionalität und einem präzisen Gestaltungskonzept

zu verbinden.

Text: Andreas Laser Fotos: Michael Goldgruber

Der Bestand bleibt nach der Fertigstellung in allen

Bereichen spürbar – als Oberfläche, Struktur und Atmosphäre.

Wo kein zwingender Eingriff erforderlich

war, wurden Garage und Lager im vorgefundenen

Zustand belassen. „Das ungedämmte Bestandsgebäude

erweist sich, auch ohne eine vollumfassende

Sanierung, als erstaunlich gut geeignet. Eine solche

wäre extrem aufwändig und käme in ihrer Tragweite

einem Neubau gleich. Schwierig war vielmehr, überhaupt

einen Bestand zu finden, der die passenden

Dimensionen hat und gleichzeitig widmungsrechtlich

so geeignet ist, dass Baurecht und OIB-Richtlinien

keine Komplettsanierung verlangen“, fasst Architekt

Christoph Köhler zusammen.

Auch energetisch wurde der Bestand konsequent

aktualisiert: Die alte Ölheizung wurde verfüllt und

durch eine Heiz- und Kühlanlage auf Wärmepumpenbasis

ersetzt. Ebenso arbeitet die Lüftungsanlage

mit Wärmepumpe. Eine Photovoltaikanlage

ist bereits eingeplant und wird in einem nächsten

Schritt nachgerüstet. Damit wird der Betrieb langfristig

auf eine zeitgemäße, effiziente und zukunftsfähige

Basis gestellt.


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15

Magazin

Klar gegliedert

Die räumliche Organisation folgt einer klaren Strukturierung,

die Orientierung im Gebäude erleichtert

und gleichzeitig eine angenehme, offene Atmosphäre

erzeugt. Die Gestaltung setzt auf eine einfache,

funktionelle Formensprache: Helles Holz und eine

Farbwelt aus Rot- und Grüntönen ziehen sich als wiederkehrendes

Motiv durch alle Zonen und schaffen

Zusammenhalt zwischen Sportbereich, Nebenräumen

und Gastronomie.

Ein wesentliches Element der Organisation ist die

thermisch und akustisch wirksame Glastrennung

zwischen dem Garderobentrakt mit Bar und der Boulderhalle.

Sie schafft nicht nur klimatisch angenehme

Bedingungen, sondern reduziert auch Staub- und

Magnesiumpartikel im Bistrobereich. Gleichzeitig ermöglicht

sie zwei getrennte Beschallungszonen.

Sozialer Ankerpunkt

Der Empfangsbereich mit Bar bildet das Herzstück

des Bistros und ist als erstes Element beim

Betreten der Halle präsent. Er fungiert als gemeinsame

Anlaufstelle – unabhängig davon, ob es um

Anmeldung, Snack oder Getränk geht. In Materialität

und Farbgebung nimmt das Möbelstück das

Gesamtkonzept der Halle auf und verbindet dabei

räumliche Prägnanz mit Alltagstauglichkeit.

Ergänzt wird dies durch ein bewusst ressourcenschonendes

Mobiliar: Tische und Stühle stammen

größtenteils aus zweiter Hand und wurden gemeinsam

mit den Auftraggeber*innen ausgewählt. Auch

der Gastgarten ist bereits begrünt und möbliert und

erweitert das Nutzungsspektrum der Halle nach

außen. Der Gastbereich in der ehemaligen Garage,

wird regelmäßig auch kulturell genutzt: Mit kostenlosen

„Wohnzimmerkonzerten“ hat sich der Raum

als überraschend geeignet für Musik erwiesen, auch

wenn in Puncto Gesprächsakustik noch etwas Verbesserungsbedarf

besteht. Hier sollen, nach Wunsch

der Architekt:innen, in Zukunft dämpfende Vorhänge

oder Deckenpaneele Abhilfe schaffen.

u


architektur FACHMAGAZIN

16

Magazin


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17

Magazin

Rohheit als Gestaltungsmittel

Eine emissions- und lösungsmittelfreie, PU-verstärkte

Einkomponenten-Acrylbeschichtung macht den

Boden robust, ohne den Bestand zu überdecken:

Wo erforderlich, wurden die Betonflächen nur angeschliffen,

grundiert und dünnschichtig beschichtet –

Spuren und Strukturen bleiben sichtbar. Technische

Installationen wie Lüftung, Kühlung, Elektrik und Beleuchtung

sind – als pragmatische Konsequenz einer

ressourcenschonenden Planung – offen geführt.

Die Massivholzelemente der Galerie bleiben überwiegend

unverkleidet; darunter sind die Nebenräume

kompakt zusammengefasst. Roh belassene Bestandselemente

und robuste Oberflächen bilden die

Grundlage, präzise Farbakzente strukturieren den

Bereich. Fliesen und Glasrahmen führen das Farbkonzept

als verbindende Klammer durch und geben

dem Bestand eine klare gestalterische Ordnung.

Kernstück des Projekts sind die Boulderwände und

der Trainingsbereich. Die Kletteranlage wurde gemeinsam

mit den Auftraggeber*innen entwickelt – mit

sorgfältig abgestimmten Neigungswinkeln, klar definierten

Absprungbereichen sowie Aufenthalts- und

Ruhezonen, die nicht nur den Sport, sondern auch das

soziale Miteinander unterstützen. Die Trainingsgalerie

ergänzt das Angebot und bildet den allgemeinen

Trainingsbereich räumlich eindeutig aus. Zwischen

Bewegung und Pause entstehen bewusst gesetzte

Übergänge, die den Alltag in der Halle prägen. So entsteht

ein Ort, der im täglichen Betrieb überzeugt – als

Sportstätte, Treffpunkt und Teil des Grätzls. •


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18

Wettbewerbe & Awards

Nordwestbahnhof

1200 Wien, Bauträgerwettbewerb Phase 1

Der Wiener Nordwestbahnhof mit großem

Empfangsgebäude aus dem 19. Jahrhundert

wurde im Laufe der Zeit vor allem als Güterterminal

genutzt. Nach Ende der Bahnnutzung

wurde das Gelände zum letzten großen

innerstädtischen Entwicklungsgebiet mit

rund 44 Hektar, das bis etwa 2035 zu einem

neuen, sozial gemischten und klimafreundlichen

Stadtteil umgestaltet wird, der urbanes

Wohnen und Arbeiten mit Freizeit- und

Erholungswert vereint und der die beiden

durch den Bahnhof getrennten Bezirkshälften

durch einen neuen Stadtteil miteinander

verbindet.

Im Zuge dieser Umnutzung wurde ein Realisierungswettbewerb

für die Gestaltung des

öffentlichen Raums sowie 2023 für einen

Schulcampus ausgeschrieben. Parallel dazu

lief ab 2024 ein dialogorientierter, zweistufiger,

nicht anonymer Bauträgerwettbewerb

für die erste Phase der Bebauuung mit qualitätsvollem,

gefördertem sowie freifinanziertem

Wohnbau und für Gemeindebau NEU

nach einem Vier-Säulen-Modell Architektur,

Ökologie, Ökonomie, soziale Nachhaltigkeit.

Wettbewerbsareal Phase 1:

© GBStern Grote

Geförderter Wohnbau: Bauplätze 4, 5, 10 (türkis), Gemeindebau NEU:

Bauplätze 8, 9 (orange), freifinanzierter Wohnbau: Bauplätze 6, 11

(rosa), Bildungscampus: (blau)

AUSSCHREIBUNG

© ÖBB Redl Janousek Havlicek.cz

Bauplätze 4, 5, 10 (geförderter

Wohnbau), 6, 11 (freifinanzierter Wohnbau)

und 8, 9 (Wiener Wohnen)

Wettbewerbsart: Zweistufiger dialogorientierter

Bauträgerwettbewerb

Auslober: ÖBB-Infrastruktur AG,

vertreten durch die ÖBB-Immobilienmanagement

GmbH in Kooperation mit

wohnfonds_wien

Verfahrensorganisation:

Attacca Projektmanagement GmbH und

ZT DI in Andrea Hinterleitner, Wien

Jurysitzungen:

Bauträgerwettbewerb:

1. Stufe 05./06. November 2024

Qualitatives Bestbieterverfahren:

07. November 2024

2. Stufe 06. November 2025

Jurymitglieder (ohne Titel):

Rudolf Scheuvens, Karl Dwulit, Bertram

Ernst, Regina Freimüller-Söllinger, Ljuba

Goger, Kurt Hofstetter, Bernadette Luger,

Doris Österreicher, Michael Pech, Gregor

Puscher, Isolde Rajek, Lina Streeruwitz,

Martin Scheiflinger, Klaus Wolfinger

Gefördertes Wohnen am Nordwestbahnhof –

Fokus Kreislaufwirtschaft

„Das bewährte Qualitätsinstrument des Bauträgerwettbewerbs

des wohnfonds_wien setzt mittlerweile

ganz selbstverständlich einen klaren Schwerpunkt auf

die klimafitte Entwicklung zukunftsfähiger Stadtquartiere.

Darüber hinaus wird am Areal des Nordwestbahnhofs

die Planung konsequent nach kreislaufwirtschaftlichen

Prinzipien gedacht und von Beginn an in

den gesamten Entwicklungsprozess integriert. Ergänzend

zum Bauträgerwettbewerb kommt hier auch das

Qualitätssicherungsinstrument des Qualitätsbeirats

des wohnfonds_wien zum Einsatz: In diesem Rahmen

arbeiten sämtliche Projektteams des Areals – von den

im Bauträgerwettbewerb geförderten Projekten über

freifinanzierte Vorhaben bis hin zum Gemeindebau

NEU – gemeinsam an qualitätssichernden Prozessen.

Auf diese Weise wird eine abgestimmte, ganzheitliche

und langfristig nachhaltige Quartiersentwicklung

gewährleistet“, so wohnfonds_wien-Geschäftsführer

Gregor Puscher.

Informationen:

wohnfonds.wien.at/neubau_qualitaetssicherung

© Wilke


architektur FACHMAGAZIN

19

Wettbewerbe & Awards

Vom Frachtenbahnhof

zum Zukunftsquartier

Der Nordwestbahnhof ist eines der letzten großen innerstädtischen Stadtentwicklungsgebiete

Wiens. Gemeinsam mit der Stadt Wien entwickelt die ÖBB ein

gemischt genutztes Stadtquartier für rund 16.500 Menschen.

Wohnraum, Bildungs- und Infrastrukturangebote

sowie rund 4.700 Arbeitsplätze,

verbunden durch die zentrale „Grüne Mitte“:

Ziel ist es, einen Ort zum Leben, Lernen,

Arbeiten und Begegnen zu schaffen.

Ein Areal mit Geschichte

Der Nordwestbahnhof blickt auf eine über

150-jährige Geschichte zurück. Errichtet

als Bahnhof für den Personenverkehr,

wurde das Areal nach der Zerstörung im 2.

Welt krieg ab 1952 als Frachtenbahnhof genutzt

und später zu einer modernen Logistik-Drehscheibe

ausgebaut. 2005 begann

die städtebauliche Entwicklung des Areals

mit einem Leitbild.

Vorzeigeprojekt moderner

Stadtentwicklung

„Für mich persönlich ist der Nordwestbahnhof

eines der spannendsten innerstädtischen

Stadtentwicklungsprojekte in

Wien. Hier entsteht ein lebendiges Quartier

mit leistbarem Wohnraum, innovativen Bildungsangeboten,

großzügigen Grünräumen

und modernster Infrastruktur. Die Kombination

aus Geschichte, moderner Architektur

und nachhaltiger Bauweise macht das Areal

zu einem Vorzeigeprojekt, auf das wir als

ÖBB besonders stolz sind. Es zeigt, wie wir

als Stadtentwicklungspartner gemeinsam

mit der Stadt Wien neue Maßstäbe für die

Zukunft der Stadt setzen“, so Silvia Angelo,

Vorständin der ÖBB-Infrastruktur AG.

Der erste Abschnitt

Die erste Entwicklungsstufe im Südosten

des Areals wird voraussichtlich im Zeitraum

von 2026 bis 2030 umgesetzt. Geförderter

Wohnbau, freifinanzierte Wohnungen und

ein Bildungscampus bilden den Auftakt für

das neue Quartier.

Geförderter Wohnbau

und Gemeinde bauten

Für die Bauplätze 4, 5 und 10 wurde 2024 ein

zweistufiger Bauträgerwettbewerb durchgeführt.

Diese Bauplätze wurden im Baurecht

vergeben. Rund 530 geförderte Wohneinheiten

entstehen auf Basis der Siegerprojekte.

Ergänzend werden auf den Baufeldern 8 und

9 Gemeindebauten realisiert.

Sozialer Wohnbau

„Der soziale Wohnbau in Wien ist eines der

besten Beispiele dafür, wie kluge, langfristige

Planung und gezielte Förderung nachhaltig

wirken können. Er sorgt nicht nur seit

Jahrzehnten für leistbare und qualitativ

hochwertige Wohnungen, sondern leistet

auch einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen

Stabilität und zum sozialen

Zusammenhalt unserer Stadt. Als soziale

Klimamusterstadt gehen wir am Areal des

ehemaligen Nordwestbahnhofs bewusst

neue Wege: Mit innovativen Konzepten,

den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und

einem verantwortungsvollen Umgang mit

Ressourcen setzen wir Maßnahmen um, die

den Menschen unmittelbar zugutekommen.

So schaffen wir nicht nur heute, sondern

auch für kommende Generationen leistbaren

Wohnraum und hohe Lebensqualität“,

so Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin

Kathrin Gaál.

Kathrin Gaál, Wiener Wohnbaustadträtin

das Herzstück des Quartiers: Barrierefreie

Spiel- und Bewegungsflächen, urbane Esplanaden,

Schwammstadt-Prinzipien für

die Quartiersstraßen und naturnahe Parks

schaffen Aufenthaltsqualität.

Zirkuläres Planen

ÖBB und Stadt Wien setzen auf kreislauforientiertes

Bauen: Materialien und Bauteile

werden bereits in der Planung so ausgewählt,

dass sie später wiederverwendet oder

recycelt werden können. Dies minimiert Abfall,

schont Ressourcen und setzt Maßstäbe

für klimaresiliente Quartiersentwicklung.

ÖBB setzt Maßstäbe

Dieses Projekt reiht sich in eine Serie erfolgreicher

Stadtentwicklungen der ÖBB

ein. In Wien entstehen mit dem Neuen

Landgut, dem Nordbahnhof und dem Nordwestbahnhof

neue, lebendige Stadtteile mit

internationaler Beachtung. Auch in Krems,

Linz, Villach und Wiener Neustadt werden

ehemalige Bahnareale in nachhaltige Quartiere

transformiert.

© fotografiefetz

© ÖBB Hauswirth

Silvia Angelo, Vorständin ÖBB-Infrastruktur AG

Bildung, Grünraum & Identität

Auf Baufeld 13 entsteht ein Bildungscampus

für bis zu 1.600 Kinder, Fertigstellung

ist für 2028 geplant.

Zwei historische Backsteinhallen bleiben

als identitätsstiftende Elemente sichtbar.

Die elf Hektar große „Grüne Mitte“ bildet


architektur FACHMAGAZIN

20

Wettbewerbe Wettbewerbe & Awards

Baufeld 12 / Bauplatz 4

Projekt 04-6 „Inside Out“

Bauträger: Familienwohnbau

Architektur:

Dietrich | Untertrifaller

Freiraum: YEWO landscape

Soziale Nachhaltigkeit:

art:phalanx

Aus der Jurybeurteilung

Architektur

Das Projekt überzeugt durch die

gelungene Vermittlung zwischen

städtebaulicher Setzung und innerer

Gliederung. Vor-, Rücksprünge und

Einschnitte sind zur Straße wie zum

Hof nicht Selbstzweck, sondern bilden

Eingänge und Vorplätze, wobei

Erschließungsräume in Dialog mit

öffentlichen und halböffentlichen

Bereichen treten. Die Erdgeschosszone

zur Rebhanngasse ist im Unterschied

zur Stichstraße noch wenig

präzise, zugleich fehlt den Wohnungen

an der Stichstraße eine klare

Adressbildung, da sie nur über einen

Umweg erschlossen sind. Die Fassaden

zeigen konstruktive Klarheit mit

ReUse-Sockel und differenzierten

Holzfassaden zwischen horizontaler

Prägung mit PV-Integration und vertikalem

Abschluss. Die gewünschte

Differenzierung der Baukörper

ist noch zurückhaltend und könnte

stärker ausfallen, ohne plakativ zu

wirken. Der konsequente Holzbauraster

von ca. 3,5 m ermöglicht hohe

Lageplan

Pflanzentröge mit PV und Sonnenschutz


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21

Wettbewerbe & Awards

Flexibilität, Erschließungsflächen

weiten sich zu gemeinschaftlichen

Bereichen. Die Wohnungen nutzen

den Raster vielfältig und sind zweiseitig

belüftet, wobei dies im schmalen

Trakt teils bezweifelt wird.

Ökologie

Die gestalterische Reduktion und

Abstimmung mit Nachbarbauplätzen

werden positiv bewertet. Der

Schulvorplatz soll mit der Straße

qualitätvoll gestaltet und begrünt

werden, Vorbereiche nur minimal

versiegelt. Eine Abstimmung zu

ReUse-Bodenbelägen wird angeregt,

der Jokerplatz soll verbindend wirken.

Passive Maßnahmen und Querlüftung

werden sehr positiv beurteilt.

Das Energiekonzept übernimmt die

Quartierslösung mit hohem PV-Anteil,

Speicher und gelungener PV-Integration

in Balkonbrüstungen. Die

energetischen Maßnahmen weisen

hohe Qualität auf.

Erdgeschoss

Soziale Nachhaltigkeit

Die Free-People-School bleibt zentrale

Nutzerin, ergänzt durch einen

zweigeschossigen Mehrzweckraum

für kulturelle Nutzung. Der täglich

besetzte Volkshilfe-Stützpunkt

stärkt Nachbarschaft und Kommunikation.

Multifunktionale Gemeinschaftsräume

fördern Austausch

und Vernetzung, kreative Projekte

mit Schule und Bewohner:innen werden

positiv bewertet. Für Alleinerziehende

und ältere Menschen entstehen

Synergien mit Garconnieren

der Schüler:innen.

Ökonomie

Vorgesehen sind 136 geförderte

Wohnungen, davon 45 Norm- und

91 SMART-Wohnungen sowie 8 Geschäftslokale

mit 11.182,81 m² förderbarer

Nutzfläche. Holzfenster und

Holzparkett werden positiv bewertet.

Regelgeschoss

Zusammenfassende Beurteilung

Der Entwurf zeigt sich sozial, architektonisch

und ökologisch ausgewogen

und erfüllt die Anforderungen

an zukunftsfähiges, gemeinschaftsorientiertes

Wohnen. Besonders

hervorzuheben sind Holzbauweise,

Energiekonzept, Kommunikationsräume

und die sozialinnovative Programmierung.

Typ A smart

Typ B

Typ D

Typ C

Wohnungstypen


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Wettbewerbe & Awards

Renderings © querkraft - Patricia Bagienski-Grandits (2)

Baufeld 12 / Bauplatz 5

Projekt 05-7 „luv + lee zukunftsfit

lebendig kühl“

Bauträger: ARWAG

Architektur: querkraft

architekten

Freiraum: Green4Cities

Soziale Nachhaltigkeit: Caritas

Stadtteilarbeit

Aus der Jurybeurteilung

Architektur

Insgesamt hat sich das Projekt in der

Vertiefung sehr gut weiterentwickelt

und die in der ersten Stufe präsentierten

Qualitäten beibehalten. Städtebaulich

wird es durch zwei Hochpunkte

entlang der Esplanade und

einen Einschnitt zum Riegel an der

Rebhanngasse gegliedert, der das

Atrium über Gemeinschaftsräume

belichtet. Die Baumasse wird über

die Fassadengestaltung differenziert,

farbig lasierte Holzlattungen

setzen Akzente, während das homogene

Balkonband diese Differenzierung

abschwächt. Die Ausweitung

des Atriums ermöglicht indirekte

Querlüftung auch im Rebhanngassen-Trakt.

Die begleitende Simulation

mit einem Temperaturunterschied

von 5 °C wird sehr positiv

bewertet. Die Wohnungen überzeugen

durch Organisation, Flexibilität,

hohe Qualität, durchgehende Querlüftung

und das Vermeiden reiner

Nordwohnungen. Das Tragsystem

Lageplan


architektur FACHMAGAZIN

23

Wettbewerbe & Awards

als Stützraster mit Kernen ist robust,

die Reduktion von Stützen und

Stahlbeton wird begrüßt.

Ökologie

Die ökologischen Themen wurden

konsequent weiterentwickelt und

mit Nachbarbauplätzen abgestimmt.

Sehr positiv beurteilt werden Querlüftung,

2,8 m Raumhöhe und außenliegender

Sonnenschutz. Die

Anbindung an die Quartiersenergie

wird begrüßt, ein hoher PV-Anteil

zur Eigenstromversorgung ist anzustreben.

Insgesamt weisen die Maßnahmen

hohe Qualität auf.

Soziale Nachhaltigkeit

Der Fokus auf größere Wohnungen

wird begrüßt. Kulturelle Nutzungen

mit Jokerraum, Café, Buchladen und

Atelier werden durch ein Kunstprojekt

zur Ortsgeschichte ergänzt, was

als sehr guter Ansatz gilt. Das Kommunikationskonzept

fördert Orientierung,

Nachbarschaft, Aneignung

von Gemeinschaftsflächen und gemeinsame

Aktivitäten, in Kooperation

mit dem Stadtteilmanagement.

Angebote für Schichtarbeitende, Alleinerziehende

und ältere Menschen

wurden sinnvoll weiterentwickelt.

Ökonomie

Vorgesehen sind 113 geförderte

Wohnungen, davon 45 Norm- und

68 SMART-Wohnungen sowie eine

Heim einheit und ein Geschäftslokal,

zusätzlich 7 freifinanzierte Lokale.

Die Bauausstattung mit Holzfenstern

mit Aludeckschale und Holzparkett

wird sehr gut bewertet.

Zusammenfassende Beurteilung

Die Jury würdigt das Projekt als sehr

gelungenen und ganzheitlich durchdachten

Beitrag mit hoher architektonischer,

sozialer und ökologischer

Qualität. Besonders positiv hervorgehoben

werden die kulturellen

Nutzungen, die hohe Wohnqualität,

das robuste und nachhaltige Tragwerkssystem

sowie die konsequent

verfolgte ökologische und energetische

Strategie.

Erdgeschoss und Freiraum

Sockel Regelgeschoss

Häufigster Wohnungstyp C:

Esplanadentrakt mit durchgesteckten

Wohnungen


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24

Wettbewerbe & Awards

Baufeld 14 / Bauplatz 10

Projekt 10-2 „Wiener Luft“

Bauträger: EGW und

SCHÖNERE ZUKUNFT

Architektur:

eins:eins architektur

und feld72 Architekten

Freiraum: EGKK

Landschaftsarchitektur

Soziale Nachhaltigkeit:

Collective Wisdom und

Caritas Stadtteilarbeit

Schnitt A-A

Aus der Jurybeurteilung

Architektur

Das Projekt hat sich sehr gut weiterentwickelt.

Drei große Häuser besetzen

selbstbewusst die Bauplatzränder

und lassen innen einen großen

Freiraum, wodurch eine markante

Präsenz im öffentlichen Raum entsteht.

Die kompakteren Baukörper

reagieren gut auf die Nachbarbebauung,

größere Abstände schaffen Luftigkeit

und Durchsicht. Gliederung,

Materialisierung und Farbgebung der

Fassaden sind stimmig weiterentwickelt.

Entlang der Esplanade sind im

ersten Obergeschoss leitbildgemäß

keine Balkone oder Ausladungen

vorgesehen. Passive Maßnahmen

zu Beschattung und Belüftung zeigen

hohe baukünstlerische Qualität.

Holzskelettbau und Holzwände aus

der ersten Stufe bleiben, Stroh- und

Lehmbaustoffe sollen weiterverfolgt

werden. Die Neuorganisation im Erdgeschoss

mit zwei klaren Entrées ist

gelungen. Das Lüftungskonzept wird

durch Verteilung kühler Luft aus dem

Untergeschoss verbessert. Um zentrale

Eingänge entstehen vielfältige,

mehrseitig orientierte Wohnungen.

Schnitt B-B

Ökologie

Der Freiraumentwurf überzeugt

durch Qualität, Klimawirkung und

Identität. Die Nutzbarkeit des hängenden

Gartens ist durch dichte

Bepflanzung etwas eingeschränkt.

Querlüftung und außenliegender

Sonnenschutz werden sehr positiv

beurteilt. Klimarelevante Elemente

wie Klimabrunnen und Frischluftzufuhr

über das Untergeschoss sind

zukunftsweisend und weiterzuverfolgen.

Das Energiekonzept baut auf der

Quartierslösung auf und wird durch

PV und Batterien ergänzt, ein hoher

Eigenstromanteil wird empfohlen. Ein

begleitendes Forschungsprojekt ist

vorgesehen. Insgesamt weisen die

Maßnahmen hohe Qualität auf. u

Schnitt C-C

Lageplan


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25

Wettbewerbe & Awards

© Luiza Puiu

Qualität wird

neu definiert

Leistbarer Wohnbau ist für die EGW seit fast 120 Jahren ein gemeinnütziger

Auftrag. Unsere Projekte folgen dabei einem konstanten

Anspruch: architektonische Qualität, Alltagstauglichkeit

und die Bedürfnisse der Bewohner:innen konsequent zusammenzudenken.

Dieser Zugang hat sich über Jahrzehnte bewährt – steht

heute jedoch vor neuen, zusätzlichen Anforderungen.

Nun ist ein Zeitpunkt gekommen, an dem wir unser Handeln in Hinblick

auf Ressourcenschonung neu denken müssen. Es gilt, planetare

Grenzen einzuhalten und somit nicht nur im Betrieb, sondern

auch in der Errichtung der Gebäude eine Bauart zu wählen, die

CO 2

-Neutralität ermöglicht. Ebenfalls wird der Faktor der Kreislaufwirtschaft

und Klimawandelanpassung immer wichtiger.

Karin Kieslinger, Fritz Kittel

Geschäftsführung EGW

Neue Maßstäbe

Mit unserem Projekt Wiener

Luft am Nordwestbahnhof

können wir alles vereinen:

leistbare, geförderte Wohnungen,

die durch den Einsatz von

nachwachsenden Rohstoffen

CO 2

-neutral errichtet werden.

Gleichzeitig setzten wir hier

gemeinsam mit unserem Partner

Schönere Zukunft neue

Maßstäbe, was die soziale

Nachhaltigkeit angeht. Verschiedene

gemeinschaftliche

Wohnformen und Gewerbezonen

ergänzen klassische

Wohnungen und ermöglichen

so ein gut durchmischtes lebendiges

Gebäude.

Die Aufgabenstellung für gemeinnützige Bauträger ist komplex und

die aktuellen Herausforderungen sind erheblich. Umso wichtiger ist

es, Verantwortung nicht nur zu formulieren, sondern konsequent umzusetzen.

Innovation, der Einsatz neuer Materialien und der Mut zur

Veränderung sind dabei keine Optionen, sondern Voraussetzungen.

Die EGW versteht nachhaltigen Wohnbau als kontinuierlichen Prozess

– mit dem Ziel, leistbares Wohnen auch unter veränderten

Rahmenbedingungen langfristig möglich zu machen.

Soziale

Verantwortung

Die im Jahr 1952 gegründete SCHÖNERE ZUKUNFT GesmbH mit

Sitz in St. Pölten und einem Standort in Wien errichtet als gemeinnütziger

Bauträger in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen

seit mehr als 70 Jahren leistbaren Wohnraum. Das Unternehmen

realisiert hochwertige und zukunftsorientierte Wohnprojekte, die

modernes Wohnen mit Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung

verbinden. Ziel ist es, Menschen ein Zuhause zu schaffen, das Lebensqualität,

Funktionalität und Leistbarkeit vereint.

Unsere Philosophie: Wohnen am Puls der Zeit

Seit mehr als sieben Jahrzehnten stehen wir für Gemeinnützigkeit

sowie für soziale, innovative und krisensichere Kompetenz. In dieser

Zeit konnten wir knapp 9.000 Wohnungen, Reihenhäuser, Seniorenwohnheime

und Kindergärten errichten. Damit zählen wir

zu den Top 10 der gemeinnützigen niederösterreichischen Wohnbaugesellschaften

und sind auch im Bundesland Wien vertreten.

Unabhängig vom Standort unserer Bauprojekte legen wir größten

Wert auf einen modernen Bau- und Ausstattungsstandard sowie

auf höchste Qualität. Unser Anspruch ist es, leistbaren Wohnraum

zu schaffen, der den Anforderungen der Gegenwart gerecht wird

und zugleich zukunftsorientierte Lösungen bietet.

„Mit dem Projekt Wiener Luft am ehemaligen Wiener Nordwestbahnhof

zeigen wir, wie Zukunft gestaltet werden kann. Gemeinsam

mit der EGW als gemeinnützige Partnerin und einer Baugruppe entsteht

ein ökologisch, ökonomisch und sozial richtungsweisendes

Vorzeigeprojekt. Als gemeinnützige

Bauvereinigung stehen

wir für leistbaren Wohnraum,

nachhaltige Lösungen

und ein starkes Miteinander.

Unser Anspruch ist es, Lebensräume

zu schaffen, die

heute begeistern und morgen

Bestand haben – für eine Zukunft,

die lebenswert bleibt.

Darum heißt es für uns gemeinsam

Zukunft schaffen!“

Emanuel Obentraut (li.),

Stefan Haertl Geschäftsführer SZ

© Johannes Brunnbauer


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FACHMAGAZIN

26

Wettbewerbe Wettbewerbe & Awards

Soziale Nachhaltigkeit

Es gibt zahlreiche Gemeinschaftsräume

wie hofseitige Zonen, Gemeinschaftsküche,

Werkstatt, Flex-,

Kinder- und Jugendräume, teils

auch offen für Haus- und Gewerbenutzer*innen

sowie das Quartier.

Kulturelle Empfehlungen wurden

mit Werkstatt, Buchhandlung und

KÖR-Projekt zu Ortsartefakten umgesetzt

und als sehr guter Ansatz bewertet.

Über alle Geschosse verteilte

Plusräume fördern Nachbarschaft

und werden mit Kinderbetreuung ergänzt.

Die offene Zugänglichkeit der

Gemeinschaftsräume wird begrüßt.

Für Alleinerziehende und ältere Menschen

gibt es passende Angebote,

unterstützt durch Plusräume.

Ökonomie

Vorgesehen sind 162 geförderte

Wohnungen, davon 109 Normwohnungen

(57 für die Baugruppe, 52

ohne Kaufoption), 53 SMART-Wohnungen,

zwei Heimeinheiten und

sieben Geschäftslokale mit 15.484,35

m² förderbarer Nutzfläche. Holz-Alu-

Fenster und Holzparkett werden

sehr positiv bewertet.

Zusammenfassende Beurteilung

Die Jury sieht einen überzeugenden,

ganzheitlich durchdachten Beitrag

mit hoher architektonischer, sozialer

und ökologischer Qualität. Besonders

hervorgehoben werden die Vielfalt

der Gemeinschaftsräume, die architektonische

Weiterentwicklung, der

Einsatz nachhaltiger Baustoffe sowie

zukunftsweisende Klima- und Energiekonzepte.

Das Projekt überzeugt

durch klaren Ausdruck, hohe Wohnqualität

und soziale Durchmischung

und leistet einen wichtigen Beitrag zur

nachhaltigen Quartiersentwicklung.

Erdgeschoss

Sockel Regelgeschoss

Frischluftschneisen / Luftzirkulation Vertical Loft im Staffelgeschoss Arkaden über Eck Verbindungsbrücken


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Wettbewerbe & Awards

Gemeindebau NEU

Wettbewerbsart: einstufiger

Architekturwettbewerb

Jurysitzungen: 18./19.09.2024

Baufeld 14 / Bauplatz 8

„Stadt Blume“

Bauträger: Stadt Wien – Wiener

Wohnen

Architektur: Hohensinn

Architektur

Freiraum: studio boden

Jurysitzung: 18./19.09.2024

Aus der Jurybeurteilung

Der Beitrag überzeugt durch vier

klar gegliederte Baukörper, eine

qualitätsvolle Straßenfassade und

hochwertige, farblich differenzierte

Fassaden. Tragsystem und Wohnungsgrundrisse

sind zu optimieren.

Die ökologischen Maßnahmen sind

solide, bieten jedoch noch Spielraum

für Optimierungen. Insgesamt handelt

es sich um ein Projekt mit starker

städtebaulicher Setzung, das in

der architektonischen und ökologischen

Detaillierung noch deutlich an

Tiefe gewinnen muss.

Detailgrundriss

Lageplan

Baufeld 14 / Bauplatz 9

Bauträger: Stadt Wien – Wiener

Wohnen

Architektur: Kronaus

Mitterer Architekten

Freiraum:

SI landschaftsarchitektur

Aus der Jurybeurteilung

Das Projekt bestätigt seine städtebaulichen

Qualitäten, zeigt jedoch

Schwächen in der architektonischen

Umsetzung, insbesondere bei den

zu gleichförmigen Fassaden und

den unzureichend belichteten Erschließungsbereichen.

Es wird eine

deutliche Reduzierung der Nutzkonditionen

in der Überarbeitung erwartet.

Die Maßnahmen im Bereich der

sozialen Nachhaltigkeit werden als

durchschnittlich bewertet. Die ökologischen

Maßnahmen und das Energiekonzept

sind solide, bieten jedoch

noch Spielraum für Optimierungen.

Die Jury schlägt ein vertiefendes Abstimmungsgespräch

mit dem Projektteam

vor, um gemeinsam die erforderlichen

Anpassungen zu erarbeiten.

Regelgeschoss OG 1 - 5

Lageplan


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Freifinanzierter Wohnbau

Wettbewerbsart: einstufiger

Architekturwettbewerb und

qualitatives Bestbieterverfahren

mit dialogorientiertem Verfahren.

Baufeld 12 / Bauplatz 6 und

Halle Süd

Projekt: BAG 1-3

Bauträger: RE Wohnraum

GmbH

Architektur: AllesWirdGut

Freiraum: Lindle+Bukor

Soziale Nachhaltigkeit:

wohnbund:consult

28

Wettbewerbe & Awards

Aus der Jurybeurteilung

Das Projekt überzeugt durch eine

anspruchsvolle Lösung auf städtebaulicher

und architektonischer

Ebene. Insbesondere wird die Öffnung

des Freiraums nach Westen mit

resultierender Verbindung mit den

geförderten Bauplätzen begrüßt. Die

Verengung schafft eine subtile, den

übergreifenden Freiraum strukturierende

Schwelle. Die rasterförmige

Staffelung im Grundriss schafft eine

Vielzahl von Mehrfachorientierungen.

Die gegliederte Fassade mit

französischen Fenstern bietet einen

adäquaten Ausdruck Richtung Park.

Erdgeschoss

Baufeld 14 / Bauplatz 11

und Halle Nord

Projekt: BAG 2-1

Bauträger: win4wien

Architektur: Rüdiger Lainer

& Partner

Freiraum: PlanSinn

Soziale Nachhaltigkeit:

stadtland

Aus der Jurybeurteilung

Das Projekt findet eine ansprechende

städtebauliche Lösung durch

die Gliederung in fünf punktförmige,

Richtung Esplanade verbundene

Baukörper. Der polygonale Zuschnitt

reduziert die Baumasse in der Außenwahrnehmung,

gleichzeitig bietet er

eine Vielzahl von Durchblicken. Besonders

begrüßt wird das Angebot

großer, zum Teil über Eck orientierter

oder durchgesteckter Wohnungen.

Die differenzierte Ausbildung der Fassaden

wird sehr positiv beurteilt. Die

Nutzungen im Erdgeschoss bieten

ein abwechslungsreiches Gesamtbild.

Der zurückhaltende Umgang mit der

Bestandshalle wird begrüßt.

Lageplan


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Wettbewerbe & Awards

AUSSCHREIBUNG

Bildungscampus

Nordwestbahnhof

EU-weiter, offener, zweistufiger,

anonymer Realisierungswettbewerb

Auslober: Stadt Wien, vertreten durch

die Abteilung Architektur und Stadtgestaltung

Verfahrensorganisation:

ZT in DI in Andrea Hinterleitner, Wien

Jurymitglieder (ohne Titel):

Fachjuroren: August Sarnitz (Vorsitzender),

Verena Mörkl, Carla Lo,

Franz Kobermaier, Herwig Kroat, Karin

Schwarz-Viechtbauer

Sachjuroren: Judith Frank, Astrid Konrad,

Karl Dwulit, Brigitta Schwarz, Michael

Habitzl

Jurysitzungen:

21. Februar 2023 (1. Stufe),

23. Mai 2023 (2. Stufe)

1. Rang

Projekt 11

Klammer Zeleny Architekten

Wien; gegründet 2015

klammerzeleny.at

Kronaus Mitterer Architekten

Wien/Berlin; gegründet 2021

kronaus-mitterer.com

Jurybeurteilung zusammengefasst:

Das Projekt besitzt ein identitätsstiftendes

Alleinstellungsmerkmal, was gerade in einem

sich neu entwickelnden Stadtteil einen

besonderen Mehrwert darstellt. Es zeichnet

sich durch die Situierung des Baukörpers

entlang der nördlichen Stichstraße aus.

Hier wird eine breite städtische Vorzone

geschaffen, die, durch Auskragungen zoniert,

sämtliche Eingänge beinhaltet. Durch

die versetzte Baukörperanordnung und das

Abtreppen nach Süden entsteht ein differenzierter

Baukörper, der sowohl im Inneren

als auch im Freibereich unterschiedliche

Raumqualitäten generiert. Dadurch entstehen

gut geschnittene Bildungsbereiche

und gut nutzbare Erschließungsräume.

Architektonisch tritt das Gebäude durch

einen transparenten, begrünten Sockel mit

einem umlaufenden Betonband in Erscheinung.

Auf diesen Sockel werden die farblich

einheitlich akzentuierten Kuben aufgesetzt.

Die Wahl der Außenwandkonstruktion

(Holz-Elemente) in den Obergeschossen

ist schlüssig, das Fassadenmaterial Keramik

bedarf einer weiteren ökologischen

und wirtschaftlichen Darstellbarkeit. Im Zusammenspiel

mit der engagierten Baukörperkonfiguration

und dem architektonisch

ausdifferenzierten Erscheinungsbild stellt

das Projekt einen würdigen ersten Baustein

im neuen Stadtquartier dar. Der Freiraum

besticht durch eine differenzierte Qualität

und klare Zonierung in urbane Vorzone,

belebte Innenhöfe und grünen Süden mit

Spielwiese. Das Projekt verbindet Erweiterbarkeit

und kreislaufgerechte Planung mit

klarer architektonischer Identität.

Ökologischer Freiraum

Lageplan


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30

Wettbewerbe & Awards

AUSSCHREIBUNG

Grün- und Freiräume

Nordwestbahnhof

EU-weiter, offener, zweistufiger,

anonymer Realisierungswettbewerb

Auslober: Stadt Wien –

MA 42 (Wiener Stadtgärten)

Verfahrensbegleitung:

Raumposition GmbH, Wien

Jurymitglieder (ohne Titel):

Fachjuroren: Peter Wich, Bertram Ernst,

Isolde Rajek, Johannes Wohofsky, Ursula

Dominikus, Elisabeth Irschik, Ljuba

Goger

Sachjuroren: Florian Schmid, Petia Hristova,

Sonja Kraus, Manfred Schönwälder,

Manuela Buxbaum, Karl Dwulit

Jurysitzungen: 29./30. Juli 2025

1. Rang

Projekt 07

TREIBHAUS Landschaftsarchitektur

Hamburg; gegründet 2005

treibhaus.land

Jurybeurteilung zusammengefasst:

Das Projekt „Neue Horizonte“ greift die

räumlichen Voraussetzungen und den linearen

Charakter des Nordwestbahnhofareals

auf und entwickelt daraus eine Parklandschaft

der Weite und Offenheit. Die

Leitidee der Suffizienz wird ganzheitlich

umgesetzt und leistet einen Beitrag zur

Ressourcenschonung bei gleichzeitig hohem

Wiedererkennungswert. Auf Basis des

bestehenden Bodens werden unterschiedliche

Hainstrukturen von Pionier- bis Stadthainen

entwickelt, die eine klare Gliederung

des Parks ermöglichen. Positiv bewertet

wird die reduzierte Durchwegung in Nord-

Süd-Richtung. Zentrales Gestaltungselement

sind die Schotterstreifen in der

Parkmitte mit starker raumbildender und

strukturierender Wirkung. Besonders gelungen

ist der Übergang zwischen Esplanade

und Park mit Stufen, befahrbarem Weg

und hoher Aufenthaltsqualität durch dichten

Baumbestand. Die Stichstraßen sollten

zugunsten höherer Aufenthaltsqualität

überarbeitet werden. Die wassergebundene

Decke wird kritisch gesehen und ihr Einsatz

reduziert empfohlen. Die Parkzonierung ist

insgesamt stimmig. Positiv hervorgehoben

werden die Kombination aus Marktplatz,

Gemeinschaftsgarten und Obstwiese im

Norden sowie das Feuchtbiotop im Süden

als attraktiver Parkeingang. Spiel- und

Sportangebote sind schlüssig, insbesondere

der „Bruchspielplatz“ mit Recyclingmaterialien

und die „Grüne Halle“ mit beschattenden

Stahlgerüsten. Insgesamt entsteht

ein präziser, naturnaher und atmosphärisch

starker Park.

Lageplan


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Wettbewerbe & Awards

© KollektivLand - Martin König

AUSSCHREIBUNG

Auftraggeberin

Universität für Musik und darstellende Kunst Graz

Ein Platz, drei Qualitäten

Wettbewerb Neugestaltung Theaterplatz – Kunstuniversität Graz:

1. Rang KollektivLand | Landschaftsarchitektur, DI (FH) Martin König

Schnittansicht Palais Meran

Verfahrensorganisation

Architekt Heyszl, Graz

Art des Verfahrens

Geladener, einstufiger Realisierungswettbewerb

Teilnehmer

balloon architekten ZT-OG, KollektivLand,

.tmp architekten, gr-mp:architecture

Preisgericht (ohne Titel)

Arch. Michael Heil, Arch. Eva Kuss, Florian Frühwirth

(BIG), Markus Bogensberger (Baukultur Steiermark),

Marie-Theres Holler, Werner Strenger (KUG)

Preisträger

1. Rang KollektivLand, 2. Rang balloon architekten,

3. Rang .tmp architekten, 4. Rang gr-mp:architecture

Preisgerichtssitzung

17. April 2025

Schnittansicht TiP Leonhardstraße

Schnittansicht TiP Theaterplatz

In Hinblick auf die Intention der Universität

für Musik und darstellende Kunst Graz,

Standorte zu entwickeln, die mit den Stadtbewohnern

interagieren, wird der Platz

zwischen dem denkmalgeschützten Palais

Meran, dem TiP (Theater in den ehemaligen

Stallungen) und dem MUMUTH im Norden

nur wenig genutzt. Der Platz soll eine vielschichtige

funktionale Aufwertung erfahren,

um den unterschiedlichen Nutzungen

gerecht werden zu können: Begegnung,

Verweilen/Erschließung der Gebäude, Anlieferung/Veranstaltungen,

Unterricht/Identitätsbildung,

Displays für Kommunikation

mit Publikum und Studierenden.

Jurybeurteilung (gekürzt)

Das Projekt ordnet den Platz mit Bepflanzungen

und entsiegelten Flächen neu und

schafft eine klare Zonierung. Der Grünraum

der Leonhardstraße wird in den Platz gezogen,

ein schwebender Ring um einen Baum-

hain dient zur Beleuchtung, Nebelkühlung

und als Aufführungsfläche. Fassaden, Eingänge

und Vorzonen werden begrünt und

mit Sitzbereichen ergänzt. Ankündigungstafel

und gedrehte Schaukästen stärken

den Empfang. Die Raumpartitur wird wie

selbstverständlich in die Gestaltung integriert.

Insgesamt entsteht eine gelungene

neue Zonierung des Platzes, ohne die vorhandenen

gestalterischen Qualitäten des

Platzes zu verlieren. Die Gestaltung nimmt

einen Dialog mit den platzbildenden Gebäuden

auf.

KollektivLand ist ein Büro für Landschaftsarchitektur,

räumliche Transformation und kollaborative Planungsprozesse

mit Standorten in Graz und London.

Wir gestalten zukunftsfähige Freiräume unterschiedlichen

Maßstabs und entwickeln innovative Konzepte

für Bauwerksbegrünung, Stadtökologie und Klimaresilienz.

Unsere Projekte verknüpfen klimapositive

DAS BÜRO

Designstrategien mit zirkulären Planungsprinzipien

und biodiversitätsfördernden Maßnahmen. Auf diese

Weise entstehen nachhaltige Lebensräume, die lebendig

und vielfältig sind und Natur sowie Gemeinschaft

stärken.

www.kollektivland.at


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32

Wettbewerbe & Awards

Paving Design

Award 2025

Studierende der Universität für Bodenkultur Wien widmeten sich im

Rahmen des vom Forum Qualitätspflaster ausgelobten Awards der

umfassenden Neugestaltung des Reisenberger Hauptplatzes.

In der Gemeinde Reisenberg, Bezirk Baden (Niederösterreich)

wurden Lösungen für die Neugestaltung

des Hauptplatzes gesucht. Der Wettbewerb richtete

sich an alle Studierenden, die interessiert sind,

mit anderen Disziplinen zusammenzuarbeiten und

gemeinsam Lösungen zu themenübergreifenden

Fragestellungen zu entwickeln. Mitzubringen waren

Engagement und Kenntnisse zur Verkehrsplanung

bzw. zum landschaftsarchitektonischen Entwerfen

und zur Bautechnik (insbesondere Pflasterungen

und Aufbauten). Die Gemeinde Reisenberg plant die

Umsetzung des Siegerprojekts in Kooperation mit

einem befugten Planungsbüro unter Einbindung der

Preisträger.

Was die Jurymitglieder

über die Projekte sagen:

Carla Lo: Es hat mich erstaunt, wie die Studierenden

es geschafft haben, ihre Ideen und Visionen verständlich

und realitätsnah umzusetzen.

Bürgermeister Günter Sam: Die Wettbewerbsteilnehmer

haben viele mögliche Realisierungsmaßnahmen

aufgezeigt, um unseren Hauptplatz lebenswerter

zu gestalten.

Oliver Barosch: Überraschend ist, dass ein Wettbewerbsgebiet

so unterschiedliche Herangehensweisen

auslöst und so die vielfältigen Potenziale des

Ortes aufgezeigt werden.

Helmut Koch: Die Resultate zeigen, dass hier eine

engagierte und hoch qualifizierte Generation von

Planerinnen und Planern heranwächst.

Eduard Leichtfried: Überrascht hat mich die hohe

Qualität der eingereichten Projekte, die es der Jury

nicht einfach machten.

Helmut Prankl: Die Wettbewerbsbeiträge waren vom

Niveau her hochwertig und von schlüssigen Motiven

gekennzeichnet.

Franz Biedermann: Fragen wie Flächenentsiegelung

und natürliche Beschattung haben die Wettbewerbsteilnehmer

auf sehr vielfältige Weise gebührend

Rechnung getragen.

Stefan Weissenböck: Besonders bemerkenswert ist

die Vielfalt an Zugängen zu ein und derselben Gestaltungszone

und wie sehr in den letzten Jahren

ökologische Themen wie standortgerechte und regionale

Lösungen mit berücksichtigt werden.

Heinz Horvath: Von den eingereichten Projekten waren

wir allesamt begeistert.

Sarah Gstöttenbauer, Karl Grimm (Vorprüfer, Landschaftsarchitekten):

Der diesjährige Ideenwettbewerb

hat uns hinsichtlich der präzisen Ausarbeitung

der Wettbewerbsbeiträge beeindruckt, die ein klares

Verständnis für den bestehenden Raum zeigen. Alle

fünf Beiträge zeichnen sich durch eine hohe Qualität

und Vielfalt aus.

u

AUSSCHREIBUNG

Art des Wettbewerbs

Studentischer Ideenwettbewerb

für Studierende der Masterstudien

Landschaftsplanung & Landschaftsarchitektur

und Kulturtechnik &

Wasserwirtschaft

Preisgeldsumme: € 6.000, –

Beteiligung: 5 Projekte

Jurysitzung: 14.11.2025

Jurymitglieder (ohne Titel)

Carla Lo (Landschaftsarchitektin),

Juryvorsitzende; Oliver Barosch

(Landschaftsarchitekt); Helmut

Koch (Verkehrsplaner); Stefan

Weissenböck (Vorstandsvorsitzender

FQP); Eduard Leichtfried

(Ehrenvorstand FQP); Helmut

Prankl (Innung Pflasterer); Bürgermeister

Günter Sam; Gemeinderat

Heinz Horvath; Gemeinderat Franz

Biedermann


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33

Wettbewerbe & Awards

Pflasterflächen, die viel

mehr können als „schön“

Wie das Forum Qualitätspflaster für Planungssicherheit im Freiraum sorgt.

Gute Architektur endet nicht an der Fassade. Sie setzt

sich im Freiraum fort, wo Gestaltung, Nutzung, Barrierefreiheit,

Mikroklima und Baupraxis auf engstem Raum

zusammenkommen. Pflasterflächen rücken dabei wieder

stärker in den Fokus. Fachmedien, Kommunalberichte

und Praxisbeispiele zeigen zunehmend, wie sehr sich

Ortsbilder durch hochwertige Pflasterlösungen prägen

lassen, wie sich Aufenthaltsqualität schaffen lässt und

wie klimaaktive Strategien unterstützt werden können.

Partner der Projektteams

Das Forum Qualitätspflaster (FQP) ist Ihr Kompetenznetzwerk

für hochwertigen Pflasterbau – eine unabhängige

Qualitätsgemeinschaft für die Flächengestaltung

mit Pflastersteinen und -platten. Als neutrales Kompetenzzentrum

rund um den Pflasterbau unterstützen wir

Sie bei Ihrem Pflasterprojekt. Wir stellen privaten Bauherren,

Unternehmen sowie Kommunen fachkundige,

produktneutrale Beratung und Begleitung für Pflasterlösungen

aller Art zur Verfügung – von der ersten Idee

über die Planung bis zur Umsetzung.

Denn die entscheidenden Weichenstellungen passieren

häufig sehr früh: Welche Bauweise passt zur realen Nutzung?

Wie werden Übergänge, Einbauten, Anschlüsse

und Randeinfassungen so gelöst, dass Optik und Funktion

dauerhaft zusammenfinden? Wie gelingt Berollbarkeit,

Orientierung und Wasserführung, ohne die kreative

Freiheit einzuschränken? Genau hier stärkt das FQP

Projektteams – nicht als „Besserwisser“, sondern als verlässlicher

Partner, der technische Klarheit schafft, Details

präzisiert und den Stand der Technik in umsetzbare

Entscheidungen übersetzt. Ein Satz, der in der Praxis oft

mehr wert ist als jede Theorie, lautet: „Qualität entsteht

dort, wo Details nicht dem Zufall überlassen werden.“

Wissensbündelung

Wir bündeln Wissen aus Planung, Ausführung, Forschung

und Praxis – normorientiert, unabhängig und

anwendungsnah. Mit Richtlinien, Checklisten, Schulungen

und projektbegleitender Qualitätssicherung helfen

wir, Risiken zu minimieren und Potenziale auszuschöpfen.

Bauweisen werden passend gewählt – ungebunden,

gebunden oder gemischt –, Detailpunkte werden sauber

definiert und die Pflasterfläche wird so geplant, dass sie

langlebig, wirtschaftlich und gestalterisch stark bleibt.

So entstehen Lösungen, die nicht nur im Rendering, sondern

auch nach Jahren der Nutzung überzeugen.

© Matthias Schmitt / smatthias

Bürgermeister Günther Sam, Juryvorsitzende Carla Lo,

Siegerteam Jana Bredenbeck und Wolfgang Jetschgo,

Stefan Weissenböck, Forum Qualitätspflaster (v. l. n. r)

Studentischer Ideenwettbewerb

Dass wir diese Haltung konsequent in die Ausbildung

tragen, zeigt der Paving Design Award. In diesem studentischen

Ideenwettbewerb entwickeln Studierende

Konzepte für reale kommunale Aufgabenstellungen

und setzen sich früh mit Flächenentsiegelung, klimaaktiver

Gestaltung und hochwertigen Pflasterlösungen

auseinander. Im Jahr 2025 stand in Reisenberg die

Neugestaltung eines 6.650 m² großen Hauptplatzes

mit Durchzugsstraße und anspruchsvoller Topografie

im Fokus. Ausgezeichnet wurde ein Projekt, das unter

anderem durch eine homogene Oberflächengestaltung,

konsumfreie Aufenthaltszonen und die Anwendung

zeitgemäßer Freiraumprinzipien überzeugte.

Auf den nächsten Seiten zeigen wir Ihnen, wie aus

Gestaltungsideen und technischem Know-how praxistaugliche

Pflasterflächen entstehen – und warum diese

Lösung heute mehr leisten kann, als viele erwarten.

Wenn Sie bei kommenden Freiraumprojekten zusätzliche

Sicherheit, Qualität und Klarheit gewinnen möchten,

freuen wir uns über den Austausch mit Ihnen.

fqp.at

Der Paving Design Award wurde mit freundlicher Unterstützung folgender Sponsorpartner ermöglicht:

Hauptsponsoren: Weissenböck Baustoffwerk GmbH, Friedl Stein werke GmbH, Beton-Dialog Österreich.

Weitere Sponsoren: Stein & Gartendesign Pflasterungs GmbH, Profibaustoffe Austria GmbH, Granitwerk Kammerer GmbH


architektur FACHMAGAZIN

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Wettbewerbe & Awards

1. Preis

Verbundene Vielfalt

Jana Bredenbeck (Landschaftsarchitektur

und Landschaftsplanung)

Selina Kohl (Landschaftsarchitektur und

Landschaftsplanung)

Wolfgang Jetschgo

(Kulturtechnik & Wasserwirtschaft)

Haltestelle

Verbundene Vielfalt – Leben

und Bewegen am Hauptplatz

Überzeugt hat die fundierte Analyse

des Orts und ein bis ins Detail

nachvollziehbares Höhenkonzept.

Das ermöglicht eine konsequente

Verkehrslösung. Die Qualitäten und

Potenziale des Planungsgebietes

werden erkannt und gestalterisch

hochwertig umgesetzt. Positiv wird

die Homogenität der Oberflächen

und eine durchgehende Gestaltung

diskutiert, die eine sehr ruhige Fläche

schafft, sich aber in der Varianz

der Muster und Formate unterscheidet.

Es werden klare Prioritäten zugunsten

eines neuen Zentrums für

Reisenberg gesetzt. In Kombination

mit dem Schanigarten entsteht

eine öffentliche und konsumfreie

Platzfläche mit lichten Schatten und

zahlreichen Aufenthaltsmöglichkei-

Ansicht West

ten. Positiv wird auch der Einsatz

des Schwammstadt-Prinzips für die

Baumpflanzungen in der befestigten

Fläche gesehen. Kontrovers wurde

der Grünpuffer als Abschluss zum

Gastgarten diskutiert. Eine Reduktion

auf der Seite der Wiese wird angeregt,

um eine pflanzliche Trennung

zu vermeiden. Gewünscht werden

an dieser Stelle eine stärkere Verwebung

und keine Trennung.

Verkehrskonzept

Das Projekt greift weitreichend in

die bestehenden Straßenräume und

Verkehrsflächen ein. Die Anbindung

der „Kindergartenstraße“ erfolgt

gemeinsam mit der Straße zum Gemeindeamt

etwa in Platzmitte. Dadurch

können die Flächen für den

motorisierten Verkehr deutlich verringert

werden und im Bereich des

Gasthauses entsteht eine größere

attraktive Grünfläche (Gastgarten).

Die Lösung erscheint verkehrstechnisch

schlüssig, auch wenn Darstellungen

von Schleppkurven fehlen.

Die Anordnung der Bushaltestellen

westlich der neuen Kreuzung ist logisch.

Interessant ist auch der Vorschlag,

einen neuen Standort für den

Hol- und Bringverkehr des Kindergartens

einzurichten. Zu überlegen

wäre, die Landesstraße mehr in die


www.architektur-online.com

35

Wettbewerbe & Awards

Verkehrsberuhigung einzubeziehen,

zum Beispiel durch ergänzende Gestaltungsmaßnahmen

zur Geschwindigkeitsdämpfung.

In diesem Zusammenhang

ist die Randbepflanzung

mit Stauden im östlichen Bereich

(Trennwirkung, beschleunigende

Wirkung für den Kfz-Verkehr) kritisch

zu sehen.

Pflasterung

Die vorgesehenen Steinformate

bzw. Pflasterplatten (24–44/16–28/8

und 40–60/40/14) sind nach RVS

03.08.63 sowie EN 1339 zu bemessen,

da es sich hier um Plattenbeläge

handelt. Nur bei Einhaltung dieser

Vorgaben ist eine technisch richtige

und dauerhaft funktionierende Pflasterkonstruktion

sicherzustellen.

Im Zuge der Materialwahl wurde der

Oberflächengestaltung besondere

Bedeutung beigemessen. Die Fugen

sollten im Fahrbahnbereich möglichst

schräg zur Fahrtrichtung verlaufen,

da durch diese Verlegeart das

Abrollgeräusch reduziert und der

Aufwand für spätere Fugenerhaltung

verringert wird.

u

Pflastersteine der Wege

Sitzstufen

Trittsteininsel

Handlauf mit LED-Leiste

Rundbänke mit Holzauflage

Schwammstadt nach dem Stockholm-Modell

Pflaster Straße nach RVS 03.08.68 Pflaster Platz nach RVS 08.18.01 Punkt 5.11

Rinne

Einlaufschacht mit Überlauf

Verteilung:Teilsickerrohr DN150

Ableitung: Vollrohr DN200

Schnitt mit Schwammstadtkonzept


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36

Wettbewerbe & Awards

Schnitt

2. Preis

FLURISCH - Historische Wege

in Flurstruktur

Geraldine Hilber (Landschaftsarchitektur

und -planung)

Lea Braungart (Landschaftsarchitektur

und -planung)

Anabel Haller (Landschaftsarchitektur

und -planung)

Lisa Wendl (Landschaftsarchitektur

und -planung)

Fahrradrampe

und Seniorentreff

Das Projekt greift mit einer klaren

Idee die historische Achse auf und

setzt auf hochwertige, langlebige und

wiederverwendbare Materialien. Die

bewusste Beschränkung intensiver

Umgestaltungen auf wesentliche Bereiche

stellt einen zeitgemäßen und

ressourcenschonenden Umgang dar.

Die Auseinandersetzung mit Bestand

und Ortsgeschichte zeigt neue Potenziale

für die Gemeinde. Trockensteinmauern

werden als stimmige Antwort

für die Weinbauregion bewertet, während

Natursteinpflasterformate und

Bepflanzung teilweise zu urban wirken.

Kritisch gesehen wird, dass das

Ende der Achse zwar historisch nachvollziehbar

ist, jedoch keinen Bezug

zur bestehenden Bebauung nimmt.

Das Projekt eignet sich gut für eine

schrittweise Umsetzung.

Verkehrskonzept

Der Fokus liegt auf einer attraktiven

Achse für aktive Mobilität zwischen

Kindergarten, Gasthaus und

Gemeindeamt. Die durchgehende

Pflasterung setzt diesen Ansatz

konsequent um und bindet auch die

Landesstraße durch gestalterische

Maßnahmen wie Tempo 30 ein. Mit

vergleichsweise geringem Eingriff

entsteht eine deutliche Aufwertung

und Verbindung der wichtigsten

Punkte. Die Anbindung der Bushaltestellen

ist schlüssig, ebenso der

Vorschlag eines neuen Schutzweges

beim Gasthaus. Kritisch bleibt die

Querung der Landesstraße, da die

Abgrenzung zwischen Pflaster- und

Asphaltflächen unklar ist.

Ausstattung Stadtmobiliar

Hartberger Granit

Edelstahl

Aluminium

Pflasterung

Die Dimensionierung der Pflastersteine

und Natursteinplatten ist gemäß

RVS 03.08.63 sowie EN 1341 und

EN 1342 vorzunehmen, um eine langfristig

funktionsfähige Bauweiswe sicherzustellen.

Das Format 19,5/60/14

cm entspricht diesen Anforderungen

nicht und ist auszuschließen.

Bettung und Fugenmaterial sind

nach RVS 08.18.01 festzulegen, da

nur mit normgerechten Materialien

Tragfähigkeit, Stabilität und Dauerhaftigkeit

der Pflasterkonstruktion

gewährleistet werden können.

Resysta Jatoba FSC Thermoholz


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Wettbewerbe & Awards

2. Preis ex aequo

Grün verbindet –

Pflaster schafft Platz

Elisabeth Maria Kortmann

(Landschaftsarchitektur und

Landschaftsplanung)

Masha Rusack (Landschaftsarchitektur

und Landschaftsplanung)

Niclas Alexander Schneider

(Landschaftsarchitektur und

Landschaftsplanung)

Das Projekt überzeugt durch die Idee

der Verwebung mittels einheitlichem

Pflasterbelag und verbindendem

Blätterdach. Themen wie Beschattung

und Materialwiederverwendung

werden selbstverständlich integriert.

Mit wenigen klaren Mitteln wird eine

realistische Umsetzung gezeigt. Aufenthaltsbereiche

unter Bestandsbäumen

und Neupflanzungen entstehen,

besonders der Marktplatz unter den

Beläge

Gleditsien steigert die Aufenthaltsqualität.

Kritisch gesehen werden die

zu urban wirkenden Sitzstufen, die

begrenzte Qualität gegenüber der

Bestandsbebauung sowie der Einsatz

von Rasengittersteinen in stark

frequentierten Bereichen.

Verkehrskonzept

Positiv ist die Verkehrsberuhigung

des Hauptplatzes inklusive Landesstraße.

Durch die Verschwenkung

nach Norden entsteht eine neue

Grünfläche vor dem Gasthaus. Bushaltestellen

werden platzsparend

geplant, Parkplätze reduziert und

die Straße zum Kindergarten als Begegnungszone

gestaltet. Kritisch ist

die neue Anbindung der Kindergartenstraße,

da Flächen zu klein und

Höhenlagen sowie Übergänge nicht

schlüssig dargestellt sind.

Blick nach Osten

Betonpflaster 10cm

10x30cm, 20x30cm, 60x30cm

Betonpflaster 16cm

10x30cm, 20x30cm

Pflasterung

Die Steinformate sind nach ÖNORM

B 3258 sowie EN 1338 und EN 1339

zu dimensionieren, um eine dauerhaft

belastbare Ausführung zu sichern.

Wichtig ist, dass die Steindicke die

kleinste Seitenlänge nicht übersteigt.

Bettung, Fugen und Tragschichten

sind gemäß RVS 08.18.01 auszuführen.

Die diagonale Verlegung im Fahrbahnbereich

ist funktional sinnvoll,

da sie Rollgeräusche mindert und

den Wartungsaufwand reduziert. •

Drainagefähiges Pflaster 12cm

10x30cm, 20x30cm, 60x30cm

Sickerfähiges Betonpflaster 12cm

10x30cm, 20x30cm, 60x30cm


architektur FACHMAGAZIN

38

Alt & Neu

Poetik des Einfachen

Casa BM / Paesana, Italien / Errante Architetture

Text: Linda Pezzei Fotos: Luca Giraudo, Luca Bosco


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Errante Architetture

Am Rande von Paesana, am Eingang des Po-Tals, steht

ein Haus, das sich der Logik seiner Umgebung entzieht.

Nicht durch lautstarke Präsenz, sondern durch

Andersartigkeit. Casa BM von Errante Architetture

ist das Ergebnis einer radikalen, zugleich aber leisen

Geste: der bewussten Umkehrung räumlicher, sozialer

und materieller Hierarchien. Das Projekt zeigt, wie aus

scheinbar wertloser Substanz architektonische Bedeutung

entstehen kann.

Architektur als Gegenentwurf

Casa BM befindet sich in einem für viele Teile der

italienischen Peripherie typischen Kontext: Alpine

Idylle trifft auf die Spuren einer ungeordneten Nachkriegsentwicklung

– Apartmentblocks, maßstäblich

unangepasste Einfamilienhäuser und bauliche Vernachlässigung.

Errante Architetture begegnen dieser

Situation jedoch nicht mit Ablehnung, sondern

mit Hingabe.

Die zentrale Entwurfsidee ist die Umkehrung. Das

ursprüngliche Haus aus den 1960er-Jahren war zur

nördlichen Talstraße orientiert, sodass Küche und

Wohnräume auf Asphalt statt auf die Landschaft

blickten. Errante Architetture kehren diese Logik um.

Die ehemalige Rückseite wird zum Zentrum des Hauses:

Sie ist offen zur Landschaft und geschützt vor

Straße und Nachbarschaft. Küche, Essplatz, Wohnraum

und Lesebereich sind nun nach Süden ausgerichtet

– zur Weite des Tals, zum Monviso und zum

Garten. Das Haus positioniert sich als „Elsewhere“,

ein „Anderswo“, das sich zwischen Öffnung und Abschirmung,

Nähe und Distanz bewegt. Architektur

wird hier nicht als Anpassung verstanden, sondern

als bewusstes In-Beziehung-Setzen.

u


architektur FACHMAGAZIN

40

Alt & Neu

Das Gewöhnliche als Ressource

Die Materialität von Casa BM verweigert sich jeder

Veredelungsrhetorik. Sichtbeton, Kiefernsperrholz,

Standardlatten, wiederverwendete Bauteile und industrielle

Halbzeuge prägen das Erscheinungsbild.

Regenrinnen, Geländer, Verstrebungen oder der alte

Firstbalken werden nicht versteckt, sondern bewusst

inszeniert. Dieser Umgang mit dem Gewöhnlichen

erinnert an die Arte Povera: Die Materialien

bleiben, was sie sind – Träger von Gebrauch, Zeit

und Spuren. Gleichzeitig schwingt in der experimentellen

Lust an Abweichung eine Nähe zu Carlo

Mollino mit, nämlich das Interesse am Unerwarteten

und an der Transformation des Alltäglichen durch

Konstruktion und Setzung.

u

Die neue Glasfassade öffnet den

ehemalig rückwärtigen Teil des

Hauses zur Landschaft und macht

ihn zum Zentrum des Wohnens.

Schichtung statt Ersatz

Im Sinne von „Alt und Neu” ist Casa BM kein klassisches

Sanierungsprojekt. Im Wesentlichen bleibt

die äußere Hülle des Bestands erhalten. Ihre monochrome

Putzoberfläche markiert diese historische

Schicht klar und deutlich. Im Inneren hingegen

erfolgt eine rigorose Neuordnung: Decken und

Dach werden ersetzt, Raumfolgen neu gedacht und

Blickachsen verschoben. An der Südseite durchbricht

eine gebäudehohe Glasfassade die massive

Hülle und verbindet Innenraum, Garten und Landschaft.

Im Osten hingegen schirmt eine nahezu fensterlose

Stahlbetonwand das Haus bewusst von der

unmittelbaren Nachbarschaft ab. Statt zueinander in

Konkurrent zu treten, bleiben überlagerte Schichten

präsent - roh, ehrlich und unabgeschlossen.


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41

Errante Architetture


architektur FACHMAGAZIN

42

Alt & Neu

Sichtbeton und Kiefernsperrholz bleiben im

Innenraum roh und ehrlich belassen – Material

als Träger von Zeit und Nutzung.

Autocostruzione als kulturelle Praxis

Ein entscheidender Moment im Projekt war eine unerwartete

Budgetkürzung. Was als Einschränkung

begann, wurde zur produktiven Krise. Errante Architetture

reagierten mit Eigenbau – weniger als Sparmaßnahmen

denn vielmehr als kulturelles Statement.

Die Detaillösungen wurden so entwickelt, dass

sie von den Bauherren, lokalen Handwerkern oder

den Architekten selbst umgesetzt werden konnten.

Durch diese physische Teilhabe veränderte sich die

Beziehung zwischen Planern, Bewohnern und Ort

grundlegend. Architektur wird hier nicht konsumiert,

sondern angeeignet. Das Haus bleibt ein offener Organismus:

reparierbar, veränderbar und lernfähig.

Würde der Peripherie

Casa BM ist kein Statement gegen, sondern für die

Peripherie. Errante Architetture sprechen vom “respectum”,

dem achtsamen Hinsehen auf das, was bereits

vorhanden ist. Das Gewöhnliche wird dabei

nicht abgewertet, es wird ernst genommen. Maßstab,

Budget oder Lage entscheiden nicht über architektonische

Relevanz. So entsteht eine Architektur

jenseits des Spektakels, die Würde nicht behauptet,

sondern durch Sorgfalt herstellt. Weniger Neubau,

mehr Transformation. Weniger Ersatz, mehr Pflege.


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43

Errante Architetture

3 Fragen an Sarah Becchio und Paolo Borghino

Was bedeutet Umkehrung im Casa BM?

Die Umkehrung ist eine bewusste Distanzierung

von suburbanen Klischees.

Indem wir die Rückseite zur Hauptseite

machen, entsteht ein geschützter

Raum, der sich zur Landschaft öffnet

und gleichzeitig Nähe und Distanz neu

verhandelt.

Warum haben Sie so viel

vom Bestand belassen?

Weil der Bestand Teil der Geschichte ist.

Die äußere Hülle trägt Erinnerung. Durch

minimale Eingriffe bleibt diese Schicht

lesbar, während das Innere Raum für

zeitgenössisches Leben schafft.

Welche Rolle spielt Selbstbau

für Ihre Arbeit generell?

Selbstbau ist für uns eine Haltung.

Er stärkt die Beziehung zwischen

Mensch, Material und Ort – und hinterfragt

die Rolle des Architekten als

alleinigen Autor.

Casa BM

Paesana, Italien

Bauherr:

Planung:

Team:

Statik:

BGF:

privat

ErranteArchitetture

Sarah Becchio and Paolo Borghino

mit Andrea Loi, Francesco Sordo, Ilaria Boggiatto,

Emma Colella, Margherita Randazzo

Fabio Borello

320 m² für das bestehende Gebäude (inkl. DG und Keller)

130 m² für den Pavillon

140 m² für das bestehende Gebäude, 50 m² für den Pavillon

Nutzfläche:

Planungsbeginn: 12/2016

Bauzeit: 10/2019 - 01/2025

Fertigstellung: 2025

www.studioerrantearchitetture.com

© Luca Giraudo

„Wir verstehen Architektur als einen Prozess

des Pflegens statt Ersetzens. Bestehende Gebäude

sind für uns keine Hindernisse, sondern

Ressourcen – Träger von Zeit, Material und

Erinnerung. Casa BM zeigt, wie durch Schichtung,

Umkehrung und sorgsame Transformation

neue Lebensmöglichkeiten entstehen können,

ohne das Vorhandene auszulöschen.“

Sarah Becchio & Paolo Borghino,

Errante Architetture


architektur FACHMAGAZIN

44

Alt & Neu

Hang, Haus, Fuge

Ferienhaus „HÄUSL.“ / Waidmannsbach, Niederösterreich /

STEINBAUER architektur+design

Text: Andreas Laser Fotos: MW-Architekturfotografie


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STEINBAUER architektur+design

Zwischen Bachufer und Wald, am Ende einer Streusiedlung

in den niederösterreichischen Kalkalpen, steht

ein kleines Bauernhaus mit rund zweihundertjähriger

Geschichte. In der Besitzerfamilie wird es liebevoll

„HÄUSL.“ genannt. Über Generationen als Ferienhaus

genutzt, immer wieder ergänzt und notdürftig instandgesetzt,

hatte sich die bauliche Situation zuletzt zu

einem Bündel aus Substanzproblemen, provisorischen

Zubauten und einem dauerhaft wirksamen Gegner

verdichtet: drückendem Hangwasser.

Als Architekt Oliver Steinbauer 2023 erstmals vor Ort

war, zeigte sich ein ambivalentes Bild. Die Lage war

außergewöhnlich, mit einer Atmosphäre, die gerade

im Spätsommer und Herbst an die Gemälde Friedrich

Gauermanns erinnert – einem Maler des 19. Jahrhunderts,

der aus der Region stammt und bekannt

ist für ländliche Szenen, die er in dramatischem Licht

festhielt. Die bauliche Realität hingegen war prekär.

In den 1970er- und 80er-Jahren waren hangseitig unsachgemäße

Zubauten entstanden, und eine Hangnarbe

hinter dem Gebäude hatte sich über Jahrzehnte

vertieft. Drückendes Hangwasser durchfeuchtete

das Mischmauerwerk; letztlich kam es zu Schimmelbelastung

im Innenraum. Provisorische, von außen

zugängliche Sanitärlösungen entsprachen darüber

hinaus weder funktional noch bauphysikalisch heutigen

Anforderungen. Authentisch geblieben waren

vor allem die ältesten Bauteile – das Mischmauerwerk,

die Proportionen der Stube, die Kastenfenster,

das Fichtenaltholz. Sie definierten die räumliche

Struktur und Materialität des Bestands und wurden

damit zum Ausgangspunkt der weiteren Planung. u


architektur FACHMAGAZIN

46

Alt & Neu

Die Stube bleibt der Mittelpunkt des Hauses, während

der Zubau hangseitig eine neue Schicht hinzufügt.

Der Zubau als Sicherungsbauwerk

Aus dieser Situation ergaben sich drei Anforderungen,

die zunächst nebeneinander standen: Hangsicherung,

Sanierung und Trockenlegung des Bestands

sowie die Erweiterung (insbesondere zeitgemäße

Sanitärbereiche und mehr Nutzfläche). Gleichzeitig

war absehbar, dass eine sequenzielle Abarbeitung –

zuerst Hangsicherung, dann Sanierung – das Budget

für eine Erweiterung weitgehend aufbrauchen würde.

Die entscheidende Weichenstellung lag daher in

der Kopplung der Aufgaben: Der Zubau sollte gleichzeitig

die Hangkante sichern und den Bestand vom

Hangwasser entlasten.

Dem Umbau ging ein konsequenter Rückbau voraus:

Nachträgliche Zubauten wurden entfernt, der Bestand

bis auf seine tragfähige Substanz freigelegt.

Dadurch konnte der hangseitige Abschluss als eine

zusammenhängende Einheit gedacht werden. Konstruktiv

führte diese Entscheidung zu einem klaren

Schnitt in der bestehenden Struktur: Die bergseitige

Längswand – bereits stark geschädigt – wurde

entfernt, unterfangen und über die gesamte Länge

durch den neuen Baukörper ersetzt. Mit einer Länge

von rund 15 Metern und einer konstruktiven Tiefe

von etwa 2,40 Metern (innen rund 1,80 Meter nutzbar)

legt sich die Betonstruktur wie ein schützender

Rücken an das alte Haus. Sie übernimmt den Erddruck,

leitet Hang- und Gebäudelasten kontrolliert in

den Untergrund ab und entlastet den Bestand dauerhaft.

Die vormals offene Hangnarbe wird geschlossen;

Wasser wird über ein Drainagesystem erfasst,

gesammelt und gezielt abgeführt. Der lineare Neubaukörper

nimmt zudem die beiden neuen Sanitärräume

der Schlafzimmer auf und ordnet im Bereich

der Stube eine kompakte Küchenzeile an. Damit werden

sämtliche haustechnisch intensiven Funktionen

aus dem historischen Kern ausgelagert und im Neubau

konzentriert.

Die Stube als Zentrum

Parallel zur technischen Lösung wird der Bestand

organisatorisch bereinigt: Die Planung zielt darauf,

die über die Jahrzehnte entstandene Unübersichtlichkeit

auf eine kompakte Ordnung zurückzuführen.

Die Stube bildet wie gehabt das Zentrum. Von ihr aus

erschließen sich zwei nahezu baugleiche Schlafräume

im Norden und Süden. Die Symmetrie ist weniger

formales Programm als Ergebnis der vorhandenen

Struktur und des beibehaltenen Zugangs. Durch die

hangseitige Erweiterung um knapp zwei Meter gewinnen

die Räume an Tiefe und Nutzbarkeit, ohne

ihre Typologie zu verlieren. Insgesamt entsteht ein

kompakter, aber funktional deutlich verbesserter

Grundriss: 50 m² im Bestand und 25 m² im Zubau –

ausreichend auch für Aufenthalte mit Gästen oder

einer befreundeten Familie.


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47

STEINBAUER architektur+design

Entlang der Fuge kippt

der Raum von der Materialwelt

des Bestands

in jene des Zubaus.

Der Wechsel wird nicht

kaschiert, sondern als

präzise Linie im Alltag

erfahrbar. Zenitales Licht

fällt über streng angeordnete

Flachdachverglasungen

in den Neubau.

Eine klare Silhouette

Außen bleibt die Erweiterung bewusst im Hintergrund:

Der Zubau versteckt sich hinter dem Bestand,

hat zwar mehr Raumhöhe, bleibt aber deutlich

unter dessen Dachkante – die Silhouette des Altbaus

bleibt damit maßgebend. Aus Kostengründen

und weil es bereits in den letzten Jahrzehnten das

Erscheinungsbild prägte, setzt das Projekt erneut

auf ein robustes Dach aus Faserzementplatten statt

auf Holzschindeln, die vermutlich die ursprüngliche

Deckung waren. Das neue Verlegemuster wurde

jedoch besser an die exponierte Lage des Hauses

angepasst und sorgt für eine ruhige, zurückhaltende

Optik bei robustem Schutz gegen die Elemente.

Ergänzend wurde die vorhandene Holzscheune stabilisiert

und von der Front an die Südseite versetzt. In

einem 45-Grad-Winkel zum Haus platziert, entstand

eine einladende Hofsituation – die Front wurde freigespielt,

und die Blickachsen auf das Haus sowie aus

den Innenräumen wurden wieder geöffnet. u


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48

Alt & Neu

Die Schlafzimmer bleiben

in Material und Maßstab

dem Bestand verpflichtet.

Die Bäder liegen als

additive Schicht im Zubau

und sind diesen direkt

zugeordnet.

Materialdialog

Ein zentrales Thema des Projekts ist die durchgehende

Lesbarkeit der Intervention. Der Kontrast zwischen

Altbau und Zubau wird nicht nur außen, sondern in

allen Räumen über eine klar geführte Linie sichtbar

gehalten: Entlang dieser Trennfuge kippt das Haus

konsequent von der Materialwelt des Bestands in jene

des Zubaus. Im Bestand prägen weiß gekalkter Putz

mit Kalkschlämme, der genagelte Schiffsboden aus

recyceltem Altholz sowie die neu eingezogene, jedoch

in Materialität und Proportion authentisch wirkende

Fichtendecke das Erscheinungsbild. Die Eingriffe

bleiben hier optisch zurückhaltend und orientieren

sich an der handwerklichen Logik des ursprünglichen

Hauses. Der Zubau setzt dem eine reduzierte, konstruktive

Materialität entgegen: gestrahlter Beton mit

sichtbarem Rundkorn, schwarzer Gussasphalt und

Einbauten aus verzinktem Stahl.

Zwischen Kastenfenster und Oberlicht

Die Belichtung folgt zwei unterschiedlichen Prinzipien,

die sich im Alltag ergänzen: Im Bestand bleibt

das Licht an die instandgesetzten Kastenfenster

gebunden, im Zubau kommt es über streng angeordnete

Flachdachverglasungen von oben. Aus dem

Zusammenspiel ergeben sich Querdurchlüftung und

eine großzügige Belichtung aller Räume. Die Heizstrategie

reagiert auf die Nutzung als Ferienhaus.

Eine ganzjährige Vollbeheizung ist nicht vorgesehen.

Hauptwärmequelle während der Aufenthalte ist der

instandgesetzte Holzofen in der Stube, der sowohl

atmosphärisch als auch funktional das Zentrum des

Hauses bildet. Ergänzend dient eine elektrische Fußbodenheizung

als Komfort- und Temperierungssystem.

Die massiven Bauteile des Neubaus und des Bestands

fungieren dabei als Speichermasse und tragen

zu einer trägen, ausgeglichenen Wärmeabgabe bei.

So entsteht ein Haus, das im Alltag nicht nur heller

und komfortabler, sondern vor allem verlässlicher

funktioniert. Damit schließt sich der Bogen zur eigentlichen

Aufgabe des Umbaus – der dauerhaften Sicherung

des Bestands in seiner exponierten Lage. •


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49

STEINBAUER architektur+design

häusl. l längsschnitt

1m

häusl. l querschnitt

1m

häusl. l west

1m

häusl. l grundriss

1m

Ausgangslage

Ferienhaus „HÄUSL.“

Waidmannsbach, Niederösterreich

Bauherr:

Planung:

Baumeister & Statik:

häusl. l bestand

Privat

STEINBAUER architektur+design

Sperhansl Bau

1m

© vic.schwarz

Grundstücksfläche: 648 m²

Nutzfläche: Bestand 50 m² / Zubau 25 m²

Planungsbeginn: 2023

Bauzeit: 2024 - 2026

Dachschindeln:

Swisspearl

www.steinbauer-architektur.com

„Der Umbau verändert den Ort nicht – er festigt

ihn. Das „HÄUSL.“ bleibt, was es immer

war: ein kleines Bauernhaus am Ende des

Weges – ergänzt um einen neuen, unaufdringlichen

Rücken, der es stabilisiert.“

Oliver Steinbauer


architektur FACHMAGAZIN

50

Alt & Neu

Transformation als

Kinderspiel

Schwöschtorohus „Dorf Nest“ / Wolfurt, Vorarlberg / querschnitt architekten

Text: Gertraud Gerst Fotos: Philipp Salzgeber


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51

querschnitt architekten

Die kleinen, niedrigen Räume von alten Bauernhäusern

eignen sich nicht für die Nachnutzung? Ein Trugschluss,

wie das 300 Jahre alte „Schwöstorohus“ in Vorarlberg

zeigt. Mit seiner jüngsten Transformation zur Kinderkrippe

Dorf Nest hat das baukulturelle Erbe eine

neue Bestimmung gefunden, die besser nicht passen

könnte. Der gedrungene räumliche Maßstab war laut

querschnitt architekten geradezu ideal für die Bedürfnisse

der Kleinkinder.

Der Anblick der knorrigen Deckenbalken und der

rustikalen Wände in Blockbauweise lässt einen nicht

automatisch an eine öffentliche Einrichtung für Kinderbetreuung

denken. Wo sind die gewohnten farbigen

Wände, die praktischen Plastikauflagen und die

allergikerfreundlichen Kunststoffbezüge? Die findet

man in der neuen Wolfurter Kinderkrippe, dem Dorf

Nest, nicht. Den Backdrop bildet hier stattdessen die

über 300 Jahre alte Holzstruktur des traditionellen

Rheintalhauses, das mit hellem Massivholz adaptiert

und ausgebaut wurde. Die Fugen im Dielenboden und

das Knarren, das die Türschwellen beim Betreten von

sich geben, erzählen von der langen, wechselhaften

Geschichte des Hauses.

Im Ortskern der Vorarlberger Marktgemeinde Wolfurt

um 1700 als Bauernhaus erbaut, beherbergte

es mehrere Generationen einer Familie, deren Leben

vom Rhythmus der Jahreszeiten und von den

Gesetzen der Natur geprägt war. Als es die einstige

Besitzerin 1921 den Barmherzigen Schwestern als

Wohnhaus stiftete, war es fortan unter den Dorfbewohnern

als „Schöstorohus“ bekannt. Diese Ordensschwestern

waren fest im Dorfleben verankert und

kümmerten sich über viele Jahrzehnte um den Schulunterricht

und die Krankenpflege im Ort.

Eine kindgerechte Matrix

In der jüngeren Ortsgeschichte begann die Suche

nach einer passenden Nachnutzung für dieses Monument

ländlicher Baukunst, zu dessen Erhalt sich die

Marktgemeinde verpflichtet hat. Nachdem der hintere

Wirtschaftsteil 1991 von Dietrich Untertrifaller zum

öffentlichen Kindergarten umgebaut wurde, durchlief

das Haupthaus mehrere Nutzungen. Eine Zeit lang

war hier ein Spielzeug- und Puppenmuseum untergebracht,

später dann eine ärztliche Ordination.

„Es ist beachtlich, welche Nutzungen hier tatsächlich

möglich waren. Allerdings war keine inhaltlich so

schlüssig wie die jetzige“, erklärt Architektin Simone

Burtscher vom Wolfurter Büro querschnitt architekten.

Immerhin bestehe zu den Schulschwestern ein

Bildungsbezug, und die Kombination mit dem Kindergarten

sorge zudem für Synergien. „Das Ergebnis

lieben alle, erst recht die Kinder, die das Haus sofort

vereinnahmt haben.“

Tatsächlich sind die Räume wie für Kinder gemacht.

Behaglich, kleinteilig, und dank der zusätzlich eingebauten

Fenster mit natürlichem Tageslicht gut ausgeleuchtet.

Gilt die gegebene Raumhöhe von 1,90 bis

2 Meter üblicherweise als Totschlagargument gegen

eine zeitgemäße Nachnutzung, so lieferte sie für die

Krabbelstube die optimale, kindgerechte Matrix. Und

auch die MitarbeiterInnen müsse man nicht nach ihrer

Größe auswählen, schmunzelt Burtscher. u


architektur FACHMAGAZIN

52

Alt & Neu

Stärkung des Ortskerns

Mit dem Einzug der Kinderkrippe in das Haupthaus

hat man eine soziale Infrastruktur mit wirtschaftlichem

und kulturellem Mehrwert geschaffen. Der

Garten wird nun von Vorschulkindern aller Altersstufen

gemeinsam genutzt, während der sanierte

Rheintalhof das geschichtliche Erbe bewahrt und

zur Stärkung des Ortskerns beiträgt. Während sich

in den 1960er- und 1970er-Jahren vor allem entlang

der Verbindungsachse L3 eine hohe Bautätigkeit

entwickelte, blieben die alten Rheintalhäuser in der

„oberen Straße“ weitgehend erhalten.

Dass die Gemeinde Wolfurt den Wert der alten Bausubstanz

zu schätzen weiß und ihr Potenzial für die

Gemeinschaft erkennt, ist angesichts des grassierenden

Ortskernsterbens hoch anzurechnen. Die

kreative Umnutzung des Schwesternhauses war

ein großes Anliegen der Wolfurter Bürgermeisterin

Angelika Moosbrugger und fiel – trotz der widrigen

Strukturen – keiner Paragraphenreiterei zum Opfer.

Auch die Landesreferentin für Elementarpädagogik

schätzte die beherzte Initative zum Bauen im Bestand

und gab sofort grünes Licht für das außergewöhnliche

Sanierungsprojekt.

Der alte Kachelofen im Esszimmer

der Kinderkrippe blieb erhalten, auch

wenn er nicht mehr in Betrieb ist.

Geheizt wird heute über das Nahwärmenetz

der Gemeinde.


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53

querschnitt architekten

Viel Ruhe im Bestand

Die Umbauten zur Betreuungseinrichtung dauerten

lediglich vier Monate. Durch den Ausbau des Dachbodens

zum Bewegungsraum konnte man die Nutzfläche

maximieren und alle drei Ebenen des Hauses

aktivieren. Ein weiterer Raum ist durch das teilweise

Schließen der Bestandsgalerie hinzugekommen. Ein

Raum, den die Kinder aufgrund der Dachschräge besonders

lieben, denn die für sie sonst unerreichbare

Decke ist hier zum Greifen nah, weiß Burtscher von

ihren Besuchen im Haus zu berichten.

Auch wenn man Raumkonzepte für Kindergärten

heute üblicherweise offen und flexibel plant, kommt

der gedrungene Maßstab des Bestands der pädagogischen

Nutzung zugute. Durch die eher kleinteilige

Zonierung entfiel die sonst gängige Pflichtübung, die

großen Räume durch Rückzugsorte und Kuschelecken

auf ein kindgerechtes Maß herunterzubrechen.

„Es ist erstaunlich: Obwohl sich die Kinder durch das

gesamte Gebäude frei bewegen dürfen, herrscht eine

unglaubliche Ruhe im Haus“, schildert die Architektin

ihren Eindruck.

u

Nach dem pädagogischen Konzept des Offenen Hauses

können sich die Kinder frei im Gebäude bewegen. Mit einer

möglichst transparenten Zonierung haben querschnitt

architekten dafür die idealen Bedingungen geschaffen.


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Alt & Neu

Nachhaltig ausgestattet,

klimafreundlich beheizt

Auch wenn das Rheintalhaus nicht unter Denkmalschutz

steht, gingen die Architekten genauso sorgsam

mit dem Erbe um. Dass nach den achtsamen

Adaptierungen und den stimmigen Holzeinbauten

durch heimische Handwerksbetriebe nicht das Plastik

die Oberhand gewinnt, darüber hat sich Burtscher

mit Kindergartenleitung und Gemeinde verständigt.

Trotz begrenzter Mittel für den Umbau gibt es daher

Teppiche, Wickelauflagen und Schlafpolster aus einer

heimischen Korkmanufaktur, und statt Flüssigseife

aus Plastikspendern feiert beim Händewaschen die

gute alte Festseife ein hygienisches Revival. Diesen

stringenten Ansatz in der Materialität hat auch die

Jury des Vorarlberger Holzbaupreises gelobt, die das

„Schöstorohus“ 2025 mit einer Anerkennung ausgezeichnet

hat.

Der alte Kachelofen im Essbereich der Kinder zählt

heute zum atmosphärischen Inventar des Hauses.

Beheizt werden die Räume mittlerweile über ein klimafreundliches

Nahwärmenetz, das die Gemeinde

Wolfurt in den kommenden Jahren stufenweise ausbauen

will. Dabei setzt man auf die Wärmegewinnung

durch Biomasse sowie die Nutzung von Abwärme lokaler

Betriebe.

Die Transformation zum Dorf Nest hat das baukulturelle

Erbe fit für die Zukunft gemacht und mitten

ins Zentrum des Dorflebens gerückt. Statt es museal

zu konservieren sorgen heute die jüngsten Mitglieder

der Gemeinde dafür, dass das 300 Jahre alte Bauernhaus

bis unter das Dach mit Leben gefüllt ist. •


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querschnitt architekten

EG OG DG

GESCHOSS ERDGESCHOSS | MITTAGTISCH ERDGESCHOSS | MITTAGTISCH | MITTAGTISCH OBERGESCHOSS OBERGESCHOSS | RÜCKZUG OBERGESCHOSS | RÜCKZUG | RÜCKZUG DACHGESCHOSS DACHGESCHOSS | BEWEGUNG DACHGESCHOSS | BEWEGUNG| BEWEGUNG

Schwöschtorohus „Dorf Nest“

Wolfurt, Vorarlberg

Bauherr:

Architektur:

Statik:

Holzbau:

Tischler:

Marktgemeinde Wolfurt

querschnitt architekten, Wolfurt

gaisberger zt gmbh, Dornbirn

Steurer Holzbau, Buch

Tischlerei Florian Rist, Kennelbach

Nutzflächen: Dorf Nest: 245m²

KIGA-Dorf: 260m²

Mehrzweckräume: 105m²

Planungsbeginn: 10/2022

Fertigstellung: 09/2023

www.querschnitt.cc

„Das Rheintalhaus besteht seit 300 Jahren und kann in seiner neuen

Nutzung noch sehr lange Bestand haben. Bei diesem Projekt konnten

wir unserem Konzept bis ins kleinste Detail treu bleiben. Es zeigt,

was möglich ist, wenn alle – vom Auftraggeber und Besitzer bis hin

zu den Behörden und Fachplanungen, gut zusammenarbeiten.“

Simone Burtscher & Reinhard Weber

querschnitt architekten


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Alt & Neu

Upcycling

am Gipfel

Reinhold Messner Haus / Mount Elmo, Sexten, Italien / Plasma Studio

Text: Linda Pezzei Fotos: Florian Jaenicke


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Plasma Studio

Was tun mit veralteter alpiner Infrastruktur? Angesichts

von Klimawandel, neuen Tourismusmodellen

und einem wachsenden Bewusstsein für Ressourcen

wird diese Frage in den Alpen immer dringlicher.

Am Helm bei Sexten antwortet das Architekturbüro

Plasma Studio mit einem klaren Ansatz: nicht

abreißen, sondern umdenken. So wurde aus der

1981 errichteten Bergstation der Helmbahn das

Reinhold-Messner-Haus – das neue Ausstellungsgebäude

mit Skulpturen, Gemälden, Fotos, Kunstobjekten

und Ausrüstungsgegenstände von Reinhold

Messners Expeditionen ist ein Ort der Begegnung,

der seine technische Vergangenheit nicht überdeckt,

sondern zur Grundlage einer neuen architektonischen

Erzählung macht. Alt und Neu verschmelzen

hier zu einer Gestaltung, die exemplarisch für die

Zukunft alpiner Infrastruktur steht.

Infrastruktur weiterdenken

Auf 2.050 Metern Seehöhe, mitten in den Sextner

Dolomiten, steht ein Bauwerk, das lange Zeit rein

funktional war: eine Seilbahnstation aus Beton und

Stahl, die für extreme Bedingungen gebaut wurde

und über Jahrzehnte hinweg erweitert wurde, sodass

das ursprüngliche Volumen kaum mehr erkennbar

ist. Als die Pendelbahn im Jahr 2021 durch eine neue

Umlaufbahn ersetzt wurde, stellte sich die klassische

Frage: Rückbau oder Neubau?

Plasma Studio entschied sich für einen dritten Weg.

„Die bestehende Seilbahnstation war über viele

Jahre hinweg schrittweise erweitert worden”, erklärt

Projektleiterin Ulla Hell, „Dadurch wurde das

ursprüngliche Hauptvolumen – ein Baukörper von

bemerkenswerter ästhetischer Qualität – fast vollständig

verdeckt.“ Ziel war es, diese Überlagerungen

zu entfernen und gleichzeitig eine Strategie zu

entwickeln, um die abgetragenen Bauteile nicht zu

entsorgen, sondern weiterzudenken. Durch diese

Reduktion auf das Wesentliche gewann nicht nur

das Gebäude selbst an Klarheit. Auch der Kontext

des hochfrequentierten Skigebiets wurde beruhigt.

Anstelle der additiven Volumina entstand ein begehbares,

begrüntes Landschaftsdach, das sich als

künstliche Topografie selbstverständlich in die alpine

Umgebung einfügt.

u


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Alt & Neu

Die geneigte Panoramafassade folgt der bestehenden

Stahlstruktur und öffnet den Blick auf die Sextner

Dolomiten – Architektur als Beobachtungsinstrument.

Sichtbar gemachte Technik

Von Beginn an war es für Plasma Studio wichtig, das

infrastrukturelle Erbe nicht zu kaschieren, sondern es

der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Wir wollten

die technischen Komponenten des Gebäudes, die

bislang der Öffentlichkeit verborgen waren, sichtbar

und erlebbar machen“, so Hell. Das Herzstück dieser

Strategie ist der ehemalige Spannschacht: ein 17

Meter hoher Raum, in dem einst Gegengewichte die

Gondeln zwischen Tal und Berg bewegten.

Heute bildet er die zentrale vertikale Erschließung

des Hauses – roh, hoch und von leuchtenden Originalfarben

geprägt. „Dieser beeindruckende Raum

sollte nach dem Betreten des Gebäudes den ersten

Eindruck prägen“, sagt Hell. Was früher unzugänglich

war, ist heute eines der charakteristischen Elemente

des Hauses. Die technische Infrastruktur wird nicht

museal überhöht, sondern als räumliche Erfahrung inszeniert.

Seilscheiben, Stahlträger und mechanische

Details sind noch immer präsent und zeugen von der

Geschichte des Ortes als Maschine im Gebirge.

Material als Gedächtnis

Die Transformation erforderte massive Eingriffe in

den Bestand. So mussten beispielsweise bis zu 1,2

Meter starke Betonwände geöffnet werden, was einen

erheblichen konstruktiven Aufwand darstellte.

Doch auch hier wurde das Prinzip des Weiterbauens

konsequent umgesetzt. „Alles Material, das wir aus

diesen Eingriffen gewonnen haben, wurde zerkleinert

und wiederverwendet“, erklärt Hell. So entstand

der unterste Bereich des Gebäudes, jener Raum unterhalb

der ehemaligen Gondelzugänge, der zuvor

ebenfalls nicht zugänglich war.

Heute ist er der erste Ort, an dem sich der Blick in

die Weite der Dolomiten öffnet. Der Boden wurde aus

dem rezyklierten Beton der alten Struktur modelliert

– Abbruchmaterial wird hier zur topografischen

Erzählfläche. Der Entwurfsprozess glich dabei einer

architektonischen Archivrecherche. „Wir haben sehr

genau katalogisiert, welche Elemente erhalten bleiben

sollten: ganze Bauteile, Materialfragmente oder

räumliche Qualitäten“, so Hell. Diese Analyse wurde

zum konzeptionellen Treiber: Nachhaltig ist kein Zusatz.

Sie ist gestalterisches Prinzip.

Aussicht als Entwurfsmoment

Ein zentrales Thema der Transformation war der

Blick. Die große Öffnung der ehemaligen Bergstation,

die ursprünglich für die Einfahrt der Gondeln konzipiert

worden war, blieb erhalten und wurde neu interpretiert.

„Wir folgten der geneigten Linie des letzten

Trägers der bestehenden Struktur“, erklärt Hell. So

entstand ein großformatiges Fenster, das sich leicht

nach außen neigt und einen 180-Grad-Panoramablick

auf die Sextner Dolomiten freigibt.

Die Stahlkonstruktion des Hauptvolumens wurde lediglich

verstärkt, nicht ersetzt. Ebenso wichtig war

es dem Team, die ursprüngliche Fassadenschicht zu

bewahren. Während der Bauphase bedeutete dies

höchste Präzision: Neue Verstärkungsträger mussten

eingefügt werden, ohne die bestehende Verkleidung

zu entfernen. Heute dient diese alte Hülle als

verlorene Schalung. Außen ergänzen Dämmung, Hinterlüftung

und neue Bekleidung das System. Dank

einer innovativen Brandschutzplanung bleibt die

Stahlstruktur im Inneren sichtbar, was für die räumliche

Wirkung von wesentlicher Bedeutung ist. u


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Plasma Studio


architektur FACHMAGAZIN

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Alt & Neu

Architektur „by fair means“.

Das Leitmotiv des Projekts spiegelt Reinhold Messners

eigene Philosophie unmittelbar wider. „By fair

means“ – mit fairen Mitteln – beschreibt seinen alpinistischen

Ansatz ebenso wie den architektonischen Umgang

mit dem Bestand. „So wie Messner den Berg mit

Respekt und ohne künstliche Hilfsmittel erfahren will,

wollten wir das Gebäude mit architektonischer Integrität

behandeln“, sagt Hell. Anstelle von Verkleidung

oder Überformung setzt das Projekt auf Offenlegung.

Rohe Betonflächen, Originalfarben und das freigelegte

Stahlgerüst bleiben sichtbar und erzählen von der industriellen

Herkunft des Bauwerks. Neue Funktionen

wurden eingefügt, ohne den infrastrukturellen Charakter

zu negieren. Die Transformation bleibt ehrlich – minimal

in den Eingriffen, präzise im Ausdruck.

Eine neue räumliche Erzählung

Die Umwandlung eines technischen Zweckbaus in

eine kulturelle Destination erforderte eine neue Dramaturgie.

Der Rundgang ist als kontinuierlicher Weg

durch ehemals rein funktionale Räume angelegt. „Wir

mussten eine neue räumliche Erzählung schaffen“, so

Hell, „Technische Bereiche, die früher ausschließlich

der Wartung dienten, wurden Teil der Besuchserfahrung.“

So entsteht eine doppelte Narration: Einerseits

geht es um die Auseinandersetzung mit Bergkultur,

Nachhaltigkeit und Messners persönlichem Vermächtnis,

andererseits wird die Geschichte der Infrastruktur

selbst erzählt – als Zeugnis menschlicher

Erschließung und technologischen Fortschritts im

alpinen Raum.


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Plasma Studio

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Das Landschaftsdach als Resonanzraum

Den Abschluss – und zugleich einen neuen Anfang

– bildet das Landschaftsdach. Es liegt direkt am

Karnischen Höhenweg und fungiert als öffentliche

Aussichtsplattform für Wanderer und Besucher. „Es

schafft eine neue Beziehung zwischen Architektur,

Landschaft und Mensch“, beschreibt Hell. Von

hier aus entfaltet sich das Panorama der Dolomiten

in voller Breite und lädt zu bewusster Kontemplation

ein. Gleichzeitig bleiben die technischen Relikte

präsent. Diese doppelte Blickrichtung – hinaus in

die Landschaft und zurück auf das infrastrukturelle

Erbe – macht das Reinhold-Messner-Haus zu einem

Ort der Reflexion über den menschlichen Einfluss auf

die Berge.

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Reinhold Messner Haus

Mount Elmo, Sexten, Italien

Bauherr:

Planung:

Team:

Statik:

3 Zinnen Spa

Plasma Studio

Ulla Hell, Holger Kehne, Peter Pichler,

Andrea Cubattoli, Andrea Bellentani,

Niccoló dal Farra, Carolina Forer

Baukanzlei Sulzenbacher & Partner

Bebaute Fläche: 1.035 m²

BGF: 1.550 m²

Planungsbeginn: 2021

Baubeginn: 05/2023 - 06/2025

Fertigstellung: 06/2025

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„Bei der Entwicklung des Konzepts

lag unser Fokus darauf, die

ursprüngliche architektonische

Qualität der Seilbahnstation freizulegen

und die abgerissenen

Bauteile nachhaltig wiederzuverwenden. Durch die Transformation

technischer Infrastrukturelemente – vom beeindruckenden

Schachtbereich bis zur charakteristischen

Öffnung für die Gondeln – schaffen wir einen kulturellen

Raum, der das Erbe von Reinhold Messner bewahrt und das

majestätische Panorama der Dolomiten zum integralen Bestandteil

der Erzählung macht.“

Ulla Hell, Plasma Studio


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Alt & Neu

Zeitschichten

Brewery Yard / Sydney, Australien / Tzannes

Text: Linda Pezzei Fotos: Ben Guthrie

Manche Gebäude erzählen Geschichte – andere machen

Zeit sichtbar. Mit dem Brewery Yard im Central Park

von Sydney gelingt Tzannes eine seltene Synthese

aus industriellem Erbe, zeitgenössischer Architektur

und nachhaltiger Energieinfrastruktur. Wo einst Bier

gebraut wurde, entsteht heute ein urbanes Kraftwerk

– räumlich, kulturell und ökologisch. Der Umbau zeigt,

wie Alt und Neu nicht konkurrieren, sondern sich als

lesbare Schichtung von Zeit gegenseitig verstärken.

Architektur als Zeitmesser

„It measures time.“ Mit diesem Satz bringt Alec

Tzannes das architektonische Prinzip des Brewery

Yard auf den Punkt. Der Umbau der ehemaligen Carlton

and United Brewery versteht sich nicht als Restaurierung

im klassischen Sinn, sondern als räumliche

Chronologie: eine Architektur, die Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft zugleich lesbar macht.

Im Zentrum des 6,7 Hektar großen Central-Park-Areals

gelegen, bildet das Brewery Yard das größte zusammenhängende

Ensemble erhaltener historischer

Gebäude des Quartiers. Die Backsteinbauten aus dem

frühen 20. Jahrhundert stehen stellvertretend für rund

170 Jahre industrieller Nutzung – von den ersten Brauereien

der 1870er-Jahre bis zur Stilllegung des Areals

2005. Ihre Transformation markiert zugleich den Wendepunkt

eines vormals abgeschotteten Industrieareals

hin zu einem offenen, urbanen Lebensraum. u


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Tzannes


architektur FACHMAGAZIN

64

Alt & Neu

Überlagerung statt Kontrast

Charakteristisch für das Projekt ist der bewusste

Verzicht auf Mimikry oder formalen Bruch. Alt und

Neu begegnen sich nicht als Gegensätze, sondern

als aufeinander aufbauende Zeitebenen. Besonders

deutlich wird dies in der neuen Dachstruktur: Über

dem historischen Backstein erhebt sich eine Stahlkonstruktion,

umhüllt von gefalteten Paneelen aus

expandiertem Zinkgewebe.

Diese Hülle verbirgt nicht nur die Kühltürme und

technischen Anlagen, sondern übersetzt deren funktionale

Anforderungen in eine skulpturale Form, die

zwischen der orthogonalen Logik des Bestands und

den gekrümmten Geometrien der Technik vermittelt.

Die industrielle Materialität bleibt dabei bewusst

sichtbar – nicht als Zitat, sondern als zeitgenössische

Weiterführung des Ortes.

Auch die neue, doppelt verglaste Stahlfassade an der

Nordseite folgt diesem Prinzip. Sie legt gealtertes

Mauerwerk, Sandstein und Kupfer frei und inszeniert

Patina nicht als Makel, sondern als kulturelle Qualität.

Die Architektur erzählt hier nicht von Perfektion,

sondern von Dauer.

Produktion im Wandel

Inhaltlich setzt das Projekt die industrielle Tradition

des Ortes fort – mit anderen Mitteln. Wo früher Bier

produziert wurde, entsteht heute Energie. Die gasbetriebene

Trigenerationsanlage versorgt den gesamten

Central-Park-Bezirk sowie Teile des UTS-Campus

mit Strom sowie Heiz- und Kühlenergie. Über

eine Laufzeit von 25 Jahren sollen so rund 180.000

Tonnen CO 2 eingespart werden.

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die technische

Leistung, sondern ihre räumliche Integration: Nachhaltige

Infrastruktur wird nicht ausgelagert oder

versteckt, sondern als sichtbarer Bestandteil der

Architektur verstanden. Die Energieproduktion wird

Teil des urbanen Alltags – und damit auch Teil der

architektonischen Erzählung.

Schichten der Geschichte – Die neue Nordfassade

aus Stahl und Glas legt gealtertes

Backsteinmauerwerk frei und macht die

architektonische Zeitdimension sichtbar.


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Tzannes

Innenräume mit Erinnerung

Im Inneren wurden die historischen Gebäude neu

organisiert, Geschosse ergänzt und Raumhöhen optimiert,

um zeitgemäße Büro-, Retail- und Hospitality-Nutzungen

zu ermöglichen. Gleichzeitig bleiben

Spuren der industriellen Vergangenheit präsent:

umfunktionierte Silos, Hoppers und Braumaschinen

dienen als räumliche Marker und machen Geschichte

unmittelbar erfahrbar. So entsteht eine Arbeitswelt,

die sich bewusst von neutralen Glasbürobauten absetzt.

Charakter, Materialität und historische Tiefe

werden hier zur räumlichen Qualität – nicht als Nostalgie,

sondern als identitätsstiftendes Element.

Vom Industrieareal zur urbanen Mitte

Städtebaulich fungiert das Brewery Yard heute als

Herzstück des Central Park. Der ehemals abgesperrte

Ort ist zu einem öffentlich zugänglichen Knotenpunkt

geworden – mit hoher Aufenthaltsqualität,

direkter Anbindung an den Park und als Bühne für

öffentliche Ereignisse.

Die Architektur wirkt dabei als Bindeglied zwischen

Vergangenheit und Gegenwart, zwischen öffentlichem

Raum und Arbeitswelt. Sie zeigt, dass adaptive

Wiederverwendung nicht nur Ressourcen schont,

sondern urbane Bedeutung erzeugt.

u


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Alt & Neu

5 Fragen an Alec Tzannes

Wie wurde entschieden, welche historischen

Elemente offengelegt, verborgen

oder neu interpretiert werden sollten?

Welche Rolle spielten Gemeinde und

Stakeholder?

Der Masterplan für das 6,7 Hektar große

Central-Park-Areal wurde von Tzannes

und Cox Richardson Architects & Planners

entwickelt und von Foster + Partners

in Abstimmung mit Tzannes überarbeitet.

Die archäologische und konservatorische

Grundlage lieferte der Managementplan

von Godden Mackay Logan.

Die adaptive Umnutzung leitete Urbis,

während Tzannes die Entwurfsoptionen

vorantrieb. Urbis bewertete Maßnahmen

zur Erhaltung, Veränderung, Verlegung

oder Entfernung historischer Substanz,

identifizierte relevante Artefakte der Brauereifunktion

und genehmigte deren Umsetzung

im Heritage Impact Statement.

Daraus entstand eine gemeinsame kuratorische

Verantwortung.

Die Stadt Sydney führte das Genehmigungsverfahren,

konsultierte die Öffentlichkeit,

bewertete die Rückmeldungen unabhängig

und entschied über den Bauantrag. Sämtliche

baulichen Eingriffe – von der verglasten

Nordfassade über Erschließung, Innenraum

und Dach bis zu zusätzlichen Geschossen

und Dachbüros – wurden von Tzannes mit

Unterstützung von Urbis entworfen.

War die Zinkgitterverkleidung der Kühltürme

ein Verstecken oder die Chance für

eine ikonische Form im Dialog mit dem

industriellen Erbe?

Der Entwurf ging aus zwei Ansätzen hervor.

Zunächst wurde eine massiv wirkende Anlagenstruktur

untersucht, die sich an den

historischen Mauerwerksgeometrien orientierte

und akustische Hohlräume integrierte.

Dieser Ansatz erwies sich als zu dominant

für den Bestand. Stattdessen entstand

eine Form, die sich aus der Anordnung des

Backsteinbaus und der Dachneigung ableitet,

mit klarer Fuge zwischen Alt und Neu

und einem Übergang in die Geometrie der

Kühltürme. Zinkgewebe wurde gewählt, da

es sich biegen lässt, langlebig ist, die Belüftung

unterstützt und die akustischen Einbauten

ausreichend verdeckt.

So entwickelte sich ein gestalterischer Dialog

zwischen Alt und Neu, der Zeit, Funktionswandel

und neue Nutzungen sichtbar

macht. Als prägnantes Zeichen im Stadtraum

erfüllen die skulpturalen Formen zugleich

die Rolle eines Wahrzeichens für Park

und Stadtplatz. Zurückhaltender gestaltet

sind Dachbüros und Feuertreppe: Sie sind

vom Park aus nicht sichtbar und vermeiden

Verschattung. Je nach Qualität des Bestands

treten die neuen Elemente entweder

ruhig oder bewusst markant in Erscheinung

und stärken so den Gesamtcharakter.

Wie verändert das Design die Vorstellung

moderner Arbeitsumgebungen im städtischen

Kontext? Welche Rolle spielt die

Beziehung zwischen öffentlichem Raum,

Arbeitsplatz und Kulturerbe?

Das ehemalige Industriegelände wurde zu

einem dichten, gemischt genutzten Stadtquartier

transformiert. Im Brewery Yard

entsteht eine Arbeitsumgebung, die durch

historische Elemente und räumliche Qualität

geprägt ist. Pausenräume, Besprechungszonen

und Erschließung sind so integriert, dass

das Zusammenspiel von Alt und Neu auch

im Innenraum spürbar wird und sich deutlich

von konventionellen Büros unterscheidet.

Diese Haltung prägt das gesamte Areal.

Die Geschichte des Ortes ist ein zentrales

Element des Masterplans und verleiht

dem Quartier Identität und Zugehörigkeit.

Als Herzstück des Central Park bildet das

Brewery Yard den Rahmen für öffentliche

Nutzung und Veranstaltungen. Der kontinuierliche

Dialog zwischen historischen

Bauten und zeitgenössischer Architektur

prägt das städtische Erlebnis.

Können historische Gebäude heutige Umweltstandards

erfüllen, ohne ihre Integrität

zu verlieren? Wie wird Erfolg gemessen?

Neben der Trigenerationsanlage wurde

auch die gesamte Fensterkonstruktion erneuert

und an heutige Umweltstandards

angepasst. Die ursprünglichen Stahlrahmen

waren defekt, ein Erhalt wäre energetisch

nicht vertretbar gewesen. Da der Bestand

zwar bedeutend, aber nicht besonders fein

ausgearbeitet war, erwies sich eine neue

Verglasung als sinnvoller Kompromiss zwischen

Umweltleistung und historischem

Ausdruck. Der Erfolg zeigt sich nicht nur in

CO 2 -Werten, sondern vor allem in der Qualität

und Angemessenheit der Detailplanung

bei Eingriffen dieser Größenordnung.

Ist das Brewery Yard weltweit übertragbar?

Welche Prinzipien lassen sich ableiten?

Central Park und Brewery Yard wurden vielfach

ausgezeichnet und dienen als internationale

Fallstudien für die Umwandlung von

Brachflächen in dichte, gemischt genutzte

Stadtquartiere. Das Projekt wird häufig als

Referenz für adaptive Wiederverwendung

herangezogen. Die Weiterverwendung historischer

Bausubstanz, einschließlich der

Integration technischer und materieller Relikte,

vertieft das Verständnis für Ort und

Stadt. Ihr Verlust würde ökologische Belastungen

erhöhen und den Prinzipien der

Kreislaufwirtschaft widersprechen. Brewery

Yard und Central Park zeigen, wie nachhaltige

Stadtentwicklung sozial, wirtschaftlich

und ökologisch gelingen kann.


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Tzannes

New Fabric

Brewery Yard Axonometric |

New Fabric

OG 1

Heritage Interpretations Brewery Yard Level 1 Floor Plan |

SOLAR PLANE

CENTRAL PARK AVENUE

CHIPPENDALE

GREEN

CENTRAL PARK

AVENUE

New Fabric

Heritage Interpretations

Brewery Yard Section |

New Fabric

EG

Heritage Interpretations Brewery Yard Ground Floor Plan |

Brewery Yard

Sydney, Australien

Bauherr:

Planung:

Project Director:

Project Lead:

Team Members:

Frasers Property Australia

and Sekisui House Australia / IP Generation

Tzannes

Alec Tzannes, Ben Green

James Marrinan

Allison Cronin, Amanda Cooper, Antoinette Cano,

Bruce Chadlowe, Carl Holder, Derek Chin, Nadia Zhao,

Yi-han Cao, Kevin Mak, Matilda Gollan, Vicky Feng,

Arddy Berylian, George Korban, Lily Tandeani, John Suh,

Tasman Shen, Juliana Conceicao, Nicole Larkin,

Daniel Gullan, Connor Denyer, Amanda Roberts,

Amanda Cooper, Katharine Turner, Nico Locane, Iris Zhu

Konstruktion / Fassade: Meinhardt / Stantec

BGF: 6.185 m²

Fertigstellung: 01/2024

www.tzannes.com.au

„Wenn ein Gebäude es zulässt, kann eine kühne

neue Struktur im Kontext funktionieren. Der

Brewery Yard beweist, dass sich zeitgenössisches

Design und historische Bausubstanz nicht

ausschließen, sondern dass sie miteinander

existieren können – nicht durch Nachahmung,

sondern indem sie die Zeit sichtbar machen.“

Alec Tzannes


architektur FACHMAGAZIN

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Alt & Neu

Im Dazwischen

Caffè Nazionale / Arzignano, Italien / AMAA

Text: Linda Pezzei Fotos: Mikael Olsson

AMAA transformiert die

Kolonnade des historischen

Rathauses von

Arzignano mit dem Caffè

Nazionale in einen sozialen

Resonanzraum. Durch

szenografische Präzision

und einen bewussten

Umgang mit dem Unfertigen

entsteht ein Ort, an

dem Alt und Neu nicht

versöhnt werden, sondern

gleichzeitig präsent

bleiben.

Die Architekturgeschichte kennt viele Schwellen,

aber nur wenige, die wirklich bewohnt werden. Im

Caffè Nazionale liegt der entscheidende Entwurf

nicht in einer einzelnen Geste, sondern im Dazwischen:

zwischen Piazza und Innenraum, zwischen

Denkmal und Alltag, zwischen historischer Tiefe und

zeitgenössischer Präsenz. Was früher eine durchquerte

Kolonnade war, wird nun zu einem Ort, an

dem man verweilt. AMAA begreift den Bestand nicht

als zu schützendes Objekt, sondern als lebendiges

Gefüge aus Spuren, Brüchen und Überlagerungen.

Der Umbau des Caffè Nazionale im Palazzo Municipale

von Antonio Caregaro Negrin (1877–79) ist daher

kein Akt der Restaurierung im klassischen Sinne,

sondern eine kultivierte Neuverhandlung von Zeit.

Geschichte wird nicht rekonstruiert, sondern lesbar

gemacht – als Palimpsest, das den Alltag aufnimmt,

statt ihn zu musealisieren.

u


www.architektur-online.com

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AMAA


architektur FACHMAGAZIN

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Alt & Neu

Der Zugang zum Caffè liegt zentral in der Kolonnade

des Rathauses und markiert den Übergang von der

öffentlichen Piazza Libertà zu einer Abfolge räumlicher

Szenen. Diese Sequenz – vom Platz über den

Hauptsaal bis zum Innenhof – ist als bewusst inszenierte

Dramaturgie angelegt. Hier wird Architektur

zur Bühne des Alltags. Im Inneren koexistieren

Fragmente unterschiedlicher Epochen: freigelegte

Fresken, polychrome Mosaikböden und verwitterte

Oberflächen. Nichts davon wird geglättet oder vervollständigt.

Stattdessen konsolidiert AMAA den

Bestand und akzeptiert seine Unschärfen als Teil der

räumlichen Erzählung. Das Unfertige ist dabei kein

ästhetischer Effekt, sondern Ausdruck einer Haltung,

die Authentizität über Perfektion stellt.

Plissierte Stahlwand als Szenografie: Die mikroperforierte

Stahlwand übersetzt den Rhythmus

der Fassade ins Innere und inszeniert den Dialog

zwischen Bestand und Intervention.


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AMAA

Zeitgenössische Eingriffe sind klar erkennbar, ohne

aufdringlich zu wirken. Die plissierte, mikroperforierte

Stahlwand funktioniert wie ein Vorhang: Sie

übersetzt den Rhythmus der Kolonnade ins Innere,

erzeugt Tiefe und filtert den Blick zum Innenhof. Dahinter

liegende Plakate des Künstlers Stefan Marx

verstärken die theatrale Dimension – temporär, austauschbar

und bewusst nicht abgeschlossen. Auch in

den Details setzt sich diese Logik fort. Maßgefertigte

Möbel aus Okumé-Sperrholz, eine Holzkassettendecke

mit integrierter Akustik und Beschallung sowie

der von Nero/Alessandro Neretti entworfene Türgriff

aus grünem Serpentin werden nicht als Designobjekte

inszeniert, sondern als zeitgenössische Ornamente

verstanden. Wie Friese und Dekore im 19. Jahrhundert

Teil der Architektur waren, verschmelzen hier

künstlerische Interventionen mit dem Raum.

Entscheidend ist jedoch die soziale Dimension des

Projekts. Die Kolonnade wird nicht länger als Randzone

wahrgenommen, sondern als urbaner Aufenthaltsraum

– als Schwelle, die nicht abgrenzt, sondern

anknüpft. So wird das Caffè Nazionale erneut zu dem,

was italienische Cafés historisch waren: ein Ort des

Austauschs, der Beobachtung und der Zugehörigkeit.

Hier begegnen sich Alt und Neu nicht im Kontrast,

sondern in einer gemeinsamen Gegenwart. u

Spuren statt Rekonstruktion: Freigelegte

Fresken, verwitterte Oberflächen und neue

Einbauten bilden ein bewusst unvollendetes

Palimpsest aus Zeit und Nutzung.


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Alt & Neu

Die besondere Ästhetik des Caffè

Nazionale liegt im Unperfekten

und Unfertigen, im Dazwischen.

Nachgefragt bei Marcello Galiotto und Alessandra Rampazzo

Das Caffè Nazionale wird als „lebendiges

Palimpsest“ beschrieben, in dem Vergangenheit

und Gegenwart nebeneinander

existieren. Wie sind Sie bei der Auswahl der

zu erhaltenden, zu überarbeitenden und zu

entfernenden Schichten vorgegangen?

Dies mit der Soprintendenza (Anm.: der italienischen

staatlichen Behörde für Denkmalpflege

und Kulturerbe) zu verhandeln, ist

immer ein heikles Thema. Die Entscheidung

ist nicht rein wissenschaftlich, denn sie basiert

nicht nur auf der Datierung von Mate-

rialien oder chemischen Analysen, sondern

vor allem auf einem tiefen Verständnis des

Gebäudes und seiner physischen wie räumlichen

Veränderungen im Laufe der Zeit.

Dieses Wissen eröffnet eine Vielzahl von

Möglichkeiten und begründet die Entscheidungen,

die von einer historischen Schicht

zur nächsten getroffen werden. Ziel ist es,

jeden Fetischismus zu vermeiden und zugleich

eine kultivierte, sinnvolle Transformation

des Ortes zu ermöglichen – eine

Haltung, die manchmal Opfer zugunsten

anderer, höherer Werte verlangt.

Die Theatralik des Raums spielt in Ihrem

Entwurf eine wichtige Rolle, etwa durch die

plissierte Stahlwand. Wie unterstützt dieser

Ansatz den Dialog zwischen Alt und Neu?

Die plissierte Wand funktioniert wie eine

Szenografie, die den Rhythmus der Platzfassade

aufnimmt und in den Innenraum

überträgt. So erweitert sie den Dialog zwischen

Innen und Außen, stärkt die räumliche

Kontinuität und betont die soziale Dimension

des Ortes.

Sie verzichten bewusst auf ein poliertes,

„fertiges” Erscheinungsbild und behalten

Spuren des Verfalls sowie rohe Oberflächen

bei. Was bedeutet für Sie das „Unfertige“

in diesem Projekt?

Auch hier gibt es keine strenge wissenschaftliche

Trennung der Elemente – mit

Ausnahme der neuen Wände. In einem

denkmalgeschützten Gebäude erfordert die

Arbeit einen sensiblen, maßvollen Ansatz,

der die Authentizität des Raumes bewahrt,

ohne in Fälschung zu verfallen. Mitunter

müssen neue Oberflächen eher in Harmonie

als im bewussten Kontrast eingeführt werden,

mit Farbtönen, die eine subtile Kontinuität

schaffen und die historische Substanz

auf leise, respektvolle Weise würdigen.

Vom eigens entworfenen Griff bis zu

maßgefertigten Möbeln und der Decke

mit integrierter Beschallung: Wie hat

die Zusammenarbeit mit Künstlern und

Handwerkern die Transformation des Caffè

Nazionale geprägt?

Diese Zusammenarbeit ist für jedes ortsspezifische

Projekt grundlegend und findet

auf verschiedenen Ebenen statt. Manchmal

durchdringt das Kunstwerk den Raum und

wird zu einem integralen Bestandteil, der

Urbanität erzeugt – wie das Plakat von

Stefan Marx. In anderen Fällen erscheint

es als Detail, wie der maßgefertigte Griff

von Nero/Alessandro Neretti – die letzte

Design-Geste und zugleich das Erste,

was man beim Betreten berührt. All diese

Elemente verschmelzen mit der Architek-


AMAA

www.architektur-online.com

10 m

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AMAA

0 1 2

5 m

GROUND FLOOR PLAN

erVersion 0.99.100.14500

tur und werden eins mit ihr. So wie im 19.

Jahrhundert Friese und Ornamente in die

Bausubstanz eingeschrieben wurden, wird

der zeitgenössische Eingriff des Künstlers

zum erklärten Ornament – und nicht länger

zum Vergehen erklärt.

Kolonnade und Innenhof verwischen die

Grenze zwischen öffentlichem und privatem

Raum. Welche Rolle spielt diese räumliche

Durchlässigkeit in Ihrer Vorstellung

davon, wie alte Strukturen heute Teil des

städtischen Lebens werden können?

Alles liegt in der Schwelle. Das Projekt verwandelt

einen zuvor nur durchquerten Raum

in einen belebten Ort mit neuer Tiefe und Vitalität

– ähnlich wie bei unserem Projekt der

Kunstgalerie Atipografia in Arzignano. •

Caffè Nazionale

Arzignano, Italien

Bauherr: MAM Srl (Marco Mettifogo – Andrea Poli – Marcello Galiotto)

+ Gemeinde Arzignano

Planung:

AMAA Collaborative Architecture Office

For Research And Development

Verantwortlicher Partner: Marcello Galiotto

Projektmanagement: Francesca Fasiol

Designteam:

Marcello Galiotto, Francesca Fasiol,

Eleonora Folli, Virna Rossetto

Statik:

Simone Michelotti

Nutzfläche:

565 m² (Garten: 130 m², Außenkolonnade: 110 m²,

Erdgeschoss: 325 m²)

Planungsbeginn: Juni 2023

Bauzeit: Januar - November 2024

Baukosten:

1.6 Mio. Euro

www.amaa.studio

© Mikael Olsson

„Das Projekt versteht das Café als

superöffentlichen, supersozialen

Stadtraum, in dem sich Alt und Neu

überlagern wie in einem architektonischen

Palimpsest. Durch eine ablesbare

Schichtung von historischen

Spuren und neuen, szenografischen

Elementen entsteht eine räumliche

Bühne, die die Erinnerung an den Ort

kontinuierlich weiterschreibt.“

Marcello Galiotto und

Alessandra Rampazzo, AMAA


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Restaurant- & Bardesign

Stein trifft Schale

Die Cukiernia in Lwiw, Ukraine, besteht seit 2000 und ist als Konditorei im Erdgeschoss

eines historischen Gebäudes in der Altstadt fest in der lokalen Esskultur

verankert. YOD Group nahm die Neugestaltung zum Anlass, den Ort nicht nur zu

modernisieren, sondern seine Identität neu zu schärfen: Gesucht waren zeitgemäße

Bezüge und Motive, die die gewachsenen Qualitäten – Präzision, Noblesse,

Kontinuität – weniger ersetzen als vielmehr behutsam fortschreiben. Entstanden

ist ein ruhiges, reduziertes Interieur, das emotional angenehm bleibt und den Blick

nicht von der Hauptsache abzieht: der Konditorei und ihren Produkten.

Fotos: Yevhenii Avramenko

Material als Narrativ

Das Projekt arbeitet mit Monomaterialität und feinen

Abstufungen. Zwei Hauptmaterialien prägen den

Raum: italienischer Marmor und ein eigens entwickelter

Eierschalen-Bioputz – helles Holz und Messing

ergänzen als zurückhaltende Akzente. Der Marmor in

warmen, cremig-braunen Tönen bestimmt Boden und

Theken. Seine karamelligen Adern spielen subtil auf

Creme und Karamell an, während Haptik, Gewicht und

die akustische Präsenz des Natursteins ein spürbares

Gefühl von Wertigkeit erzeugen. Den stärksten Bezug

zum Produkt stellt jedoch der Wandputz her: Aus Eier-

schalen entstand eine maßgeschneiderte Oberfläche.

Mehr als eine Tonne Schalen wurde gesammelt, gereinigt,

getrocknet und in definierter Körnung zerkleinert;

in Versuchsreihen wurden Rezeptur und Auftrag

so optimiert, dass die Schale visuell erkennbar bleibt,

ohne unangenehm rau oder zu reliefiert zu wirken. Für

die gewünschte warme Tonalität mischte man 1.300

Kilogramm weiße Schalen mit 200 Kilogramm dunkleren

Schalen, die während des laufenden Betriebs aus

der Produktion gesammelt wurden.


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Restaurant- & Bardesign

Von Saal zu Saal

Die 165 m² große Cukiernia gliedert sich in drei Säle. Im

ersten Raum steht eine mehrstufige, umlaufbare Vitrine,

die den Auswahlprozess strukturiert; eine Treppe

mit dynamisch gerundeten Holzgeländern führt weiter.

Der zweite Saal wird von einer Barinsel geprägt,

die konstruktiv an die Vitrine anknüpft und so ein wiederkehrendes

Motiv etabliert; dazu kommen Stühle

der ukrainischen Marke Woo. Der dritte, größte Raum

bietet unterschiedliche Sitzsituationen – kleine Tische

ebenso wie eine lange Gemeinschaftstafel. Da der Bestand

wenig Tageslicht aufweist, setzt das Konzept

auf eine helle Palette und bogenförmige Nischenöffnungen,

die die Säle visuell verbinden und dem Raum

zusätzliche Weite geben; Pendelleuchten von Aromas

del Campo führen die Rundungen in der Lichtgestaltung

fort. Entscheidend für die Kontinuität ist zudem

der respektvolle Umgang mit vorhandenen Elementen:

Bugholzstühle aus dem früheren Interieur wurden restauriert

und teilweise weiß gefasst – wie mit Glasur

überzogen –, die hölzernen Tischuntergestelle blieben

erhalten und erhielten runde Marmorplatten. Ein massiver

antiker Schrank aus der Lwiw-Sezession, aus der

Privatsammlung des Eigentümers, verankert schließlich

die Traditionsebene als authentisches Einzelstück.

So entsteht ein präzise komponierter Innenraum, der

Erneuerung über Material, Proportion und Atmosphäre

formuliert – und die Cukiernia als Ort handwerklicher

Kontinuität zeitgemäß weiterdenkt.


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Restaurant- & Bardesign

Schwarze Bühne,

roter Ziegel

In der Linzer Tabakfabrik haben die Haubenköche Sebastian Rossbach und

Marco Barth ihre Pizzeria 22k eröffnet. Der Name spielt augenzwinkernd auf die

Ablösesumme des Lokals an und setzt damit schon vor dem ersten Gang einen

Ton zwischen Ironie und Präzision. Für das Interior zeichnet destilat verantwortlich

– und die Entwurfsentscheidung ist so klar wie konsequent: Aus einem nur

50 m² großen Raum wird eine pointierte, fast bühnenhafte Kulisse für eine lässige

kulinarische Spielwiese.

Fotos: Jürgen Grünwald

Die denkmalgeschützte Hülle setzte klare

Grenzen: Am Grundriss durfte aufgrund

strikter Auflagen nichts verändert werden.

Genau daraus entwickelt das Konzept seine

Präzision. Statt Eingriffe zu kaschieren,

wird der Bestand als Rahmen akzeptiert

– und der Raum über Oberflächen, Materialkontraste

und Lichtführung neu „programmiert“.

Der vorhandene gegossene

Asphaltboden bleibt, bildet die robuste

Grundlage und wird Teil einer konsequenten

Inszenierung, die den kleinen Maßstab

nicht versteckt, sondern schärft.

destilat taucht den Raum von oben bis unten

in tiefes Schwarz. Dieses Monochrom

ist nicht Kulisse, sondern Bühne: Neu eingesetzte

Holzelemente werden nach der

japanischen Shou-Sugi-Ban-Technik verkohlt

– eine traditionelle Veredelung, die

das Material konserviert, wasserresistent

macht und in fein abgestuften Dunkelheiten

schimmern lässt. Im schwarzen Feld

wirkt jede Kante, jede Textur, jedes Licht

umso deutlicher; die Oberfläche wird zum

eigentlichen Ornament.

Als räumlicher Anker setzt die Bar einen

Gegenakzent: rote Planziegel mit charakteristischer

Wabenstruktur sind auf Sicht

gestapelt, mit dunkler Fugenmasse ausgekleidet

und geschliffen; Schwarzblech

fasst die Konstruktion, eine Hinterleuchtung

modelliert Tiefe und Rhythmus. So

erhält der rohe Werkstoff – im Zusammenspiel

mit dem strengen Schwarz – einen

beinahe musealen Auftritt. Ergänzt wird

die Szenerie durch elegant schwarze Thonet-Bestuhlung,

die das Thema der dunklen

Kontur weiterführt und den Ziegelkörper

als farblichen Solisten freistellt.


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Restaurant- & Bardesign


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Restaurant- & Bardesign

Ursprung als Methode

Archaisch denken, zeitgenössisch bauen. Mit YERA im FORESTIS in der Provonz

Bozen in Südtirol entsteht kein nostalgischer Rückzugsort, sondern ein architektonisches

Statement: ein in den Berg gegrabener Raum. Hier werden archaische

Prinzipien nicht zitiert, sondern als Zukunftsstrategie übersetzt.

Text: Linda Pezzei Fotos: Charlotte Lapalus / FORESTIS

Im YERA wird der Diskurs zwischen Alt und Neu nicht

über Kontraste, sondern über Kontinuität geführt. Es

wurde weniger Bestand transformiert als vielmehr

Ursprung freigelegt. Tief im Berg des Peitlerkofels

haben die Architekten von ASAGGIO ein unterirdisches

Restaurant realisiert, das sich nicht als Eingriff

versteht. Es ist eine logische Konsequenz des Ortes.

Die Wände und Böden bestehen aus roter Erde – aus

demselben Berg, der seit über 3.000 Jahren als keltischer

Siedlungsort gilt. Materialität ist hier keine

Oberfläche, sondern Substanz. Architektur entsteht

nicht im Kontext, sondern aus ihm heraus.

Der Berg als Bauherr

Von außen bleibt YERA unsichtbar. Eine schwere

Tür markiert den Übergang von der Landschaft zum

Raum, von außen nach innen. Es gibt keine Fenster,

visuelle Ablenkung ebenfalls nicht. Die Architektur

verweigert sich dem Bild und fordert Präsenz. Wände

und Böden bestehen aus dem freigelegten Erdmaterial

und sind roh belassen und unverstellt. Darüber spannt

sich eine hölzerne Deckenkonstruktion in Form eines

umgedrehten Schiffsrumpfs, die archaisch anmutet,

aber präzise ausgeführt ist. Erde und Holz bilden ein

bewusstes Spannungsfeld: schwer und leicht, dunkel

und warm, schützend und offen zugleich.


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Restaurant- & Bardesign

Archaische Prinzipien

Der Raum folgt dem Kreis. Im Zentrum steht das Feuer

– nicht als Symbol, sondern als ordnendes Element.

Kochen, Sitzen und Essen gehen ineinander über und

bilden eine einzige räumliche Situation. Die Architektur

wird zur sozialen Struktur und nicht zur Kulisse.

Diese Reduktion ist keine Einschränkung, sondern

eine Entwurfshaltung. Der Raum ist auf Konzentration,

Dauer und Gemeinschaft ausgelegt. ASAGGIO

Architekten entschieden sich statt einer formalen

Rückschau für eine zeitgenössische Übersetzung archaischer

Bauprinzipien wie Schutz, Nähe und Ritual.

Kulinarik als räumliche Logik

Auch wenn der Fokus klar auf der Architektur liegt,

ist das kulinarische Konzept ein integraler Bestandteil

des Entwurfs. Küchenchef Roland Lamprecht

versteht Kochen über offenem Feuer, Fermentieren

und Bewahren als kulturelle Praxis. Die Küche folgt

dabei denselben Prinzipien wie der Raum: zyklisch,

reduziert und ortsgebunden. Die Architektur schafft

die entsprechenden Bedingungen. Sie ist kein neutraler

Container, sondern ein Resonanzraum für Hitze,

Geruch, Zeit und Rhythmus. Architektur, Material

und Kulinarik bilden ein kohärentes System – der Ort

selbst wird zum Medium.

FORESTIS als konzeptueller Rahmen

YERA ist die konsequente Weiterentwicklung der

seit Jahren bestehenden FORESTIS-Philosophie, die

sich mit der Beziehung von Natur, Spiritualität und

gebauter Form beschäftigt. Während das Hauptgebäude

vertikal im Wald agiert, zieht sich YERA horizontal

in den Berg zurück. Nicht höher, sondern tiefer.

Dabei werden Alt und Neu nicht gegeneinander

ausgespielt. Vergangenheit wird nicht musealisiert,

vielmehr wird sie als Wissensspeicher verstanden.

Die Zukunft entsteht aus der Rückbindung an grundlegende

menschliche Bedürfnisse.

Der entscheidende Twist liegt in der Grundhaltung:

YERA betrachtet den Ursprung nicht romantisiert,

sondern methodisch. Archaische Prinzipien werden

aktiviert, nicht imitiert. In einer Zeit permanenter

Beschleunigung setzt dieses Projekt auf Materialität,

Präsenz und Dauer. YERA zeigt, dass Architektur

nicht immer neu erfunden werden muss – manchmal

genügt es, sich zu erinnern. Und genau darin liegt

ihre Zukunft.


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Restaurant- & Bardesign


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Restaurant- & Bardesign

Kapitel Rauch

Die klassische Raucherlounge galt lange Zeit als charakteristischer Rückzugsort

der Grand Hotellerie: ein Raum für Rituale, Debatten, Portwein und Zigarren. Heute

ist sie selten geworden, unterliegt Regulierungen und ist technisch aufwendig

– und doch ist sie ein faszinierender Ort mit einzigartiger Atmosphäre. Mit „The

Council” haben Herzog & de Meuron im Grand Hotel Les Trois Rois in Basel eine

neue Version dieser Typologie eröffnet: radikal, sinnlich, handwerklich.

Text: Linda Pezzei Fotos: Kostas Maros, Andreas Stephany

Räume, in denen geraucht werden darf, bewegen sich

zwischen Gesetz, Technik und Erwartung – und genau

in diesem Spannungsfeld entsteht mit „The Council”

etwas völlig Unerwartetes. Im 19. Jahrhundert waren

Fumoirs mehr als nur Rauchzimmer: Sie waren soziale

Schleusen und maskuline Nischen, in denen die

Herren nach dem Dinner debattierten, Geschäfte

abschlossen oder strategisch Portwein und Cognac

kombinierten. In einer Epoche strenger Etikette galt

das Rauchen in Anwesenheit der Damen als Fauxpas.

Es war eine Geste des Rückzugs, des Ausschlusses

und des Austauschs hinter samtigen Vorhängen und

dunklen Holzpaneelen. Die Architektur dieser Räume

folgte klaren Codes: mahagoniverkleidete Wände, tiefe

Sofas, Samtvorhänge, schwere Teppiche – Materialität

als Schutz vor Rauch und zugleich als Statement gesellschaftlicher

Zugehörigkeit.

Mit den Rauchverboten der 2000er-Jahre verschwand

dieses Raumangebot fast vollständig aus dem öffentlichen

Leben. Übrig blieben High-End-Cigar-Lounges:

technisch hochgerüstet, belüftet und vom Alltag sowie

den Gesetzen entkoppelt. Die Lounge wurde zum

Luxusprodukt, nicht mehr allein zum Bedürfnis. Aus

der Notwendigkeit wurde ein Statement.

Im Grand Hotel Les Trois Rois, einem der ältesten

Stadthotels Europas, markiert The Council eine Zäsur

in dieser Entwicklung. Im Annexbau an der Schifflände

entfernten Herzog & de Meuron zunächst eine ganze

Zwischendecke – ein radikaler Eingriff in die bestehende

Struktur.

Anstelle von zwei niedrigen Ebenen entsteht ein beeindruckend

hoher Raum von über sieben Metern

Höhe auf lediglich rund 40 Quadratmetern Grundfläche.

Die vertikale Dimension schafft eine Sakralität,

die man einer Raucherlounge kaum zutrauen würde.

Dieser Eingriff ist kein ästhetisches Gimmick, sondern

Teil eines räumlichen Experiments: Ein hoher, schlanker

Raum, der den Rauch, das Licht und die Bewegung

des Körpers nach oben lenkt, als wäre er ein architektonischer

Kamin.

Jacques Herzog, der persönlich in den Entwurfsprozess

der Keramikplatten involviert war, beschreibt

diese Nähe zum Material als bewusste Haltung: „Ich

habe alle Platten selbst geformt. Das sind außergewöhnliche

Dinge, die nur hier entstehen konnten. Bei

den meisten anderen Fünfsternehotels ist diese Exklusivität

durch viele Dinge geteilt, viel repetitiver. Hier

ist jedes einzelne Ding wirklich exklusiv.“ Diese Worte

treffen den Kern der Intervention: Handwerk als Luxus,

Unwiederholbarkeit als Qualität.

u


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Restaurant- & Bardesign

Diese Philosophie ist in jedem Detail des Raums spürbar.

Die Wände sind mit 570 handgefertigten Keramikelementen

verkleidet. Diese wurden in Zusammenarbeit

mit der Keramikerin Esther Lattner und dem

Kunstbetrieb AG in Münchenstein entwickelt. Keine

Fliese gleicht der anderen. Jede Glasur und jede Form

zitieren Feuer, Glut und Transformation. Es handelt

sich nicht um ornamentale Elemente, sondern um haptische

Erzählflächen. Daneben befinden sich geflammte

und gefräste Eichenpaneele sowie gegossene und

patinierte Bronzeplatten, die das archaische Thema

weiterführen. Holz, Metall und Keramik korrespondieren

miteinander und erzeugen eine taktile, beinahe

körperliche Präsenz.

Auch das Mobiliar ist integraler Bestandteil des architektonischen

Entwurfs: Umlaufende Sofas und Hocker

aus dunklem Nussbaumholz, die mit rotem Velours

bezogen sind, ordnen sich entlang der Längswände

und schaffen eine kommunikative, beinah zeremonielle

Sitzfolge. Die maßgefertigten Tische aus Nussbaum

und die eigens entwickelten „Rotkäppchen“-Leuchten

von Artemide setzen intime Lichtinseln in der vertikalen

Großform, ohne deren Idee zu brechen.

Zwei offene Cheminées verankern das Thema Feuer

physisch im Raum. Sie erzeugen Wärme, Gerüche und

Atmosphäre und stehen zugleich in einem spannungsreichen

Verhältnis zur modernen Lüftungstechnik, die

im Hintergrund arbeitet. Die enorme Raumhöhe fungiert

dabei nicht nur als atmosphärischer Gewinn,

sondern unterstützt auch den natürlichen Abzug des

Rauchs. So wird ein Zwischenweg zwischen sinnlicher

Erfahrung und technischer Notwendigkeit geschaffen.

Für Herzog ist der Bestand weniger Hindernis als vielmehr

Katalysator: „Mit dem Bestand etwas zu machen,

finde ich das Normalste der Welt. […] Jetzt hast du

diese schweren Steine, diese groben Schichten – wie

kannst du das zu neuem Leben erwecken?” In „The

Council” wird dieser Ansatz sichtbar: kein Konservieren,

kein hybridisierter Historismus, es ist ein radikales

Weiterdenken einer Typologie im Kontext heutiger Anforderungen

und Empfindlichkeiten.

The Council ist somit mehr als nur eine Ruhestätte für

Tabakgenießer. Es ist ein Manifest für eine Architektur,

die den Respekt vor dem Alten nicht als nostalgisches

Postulat, sondern als kreativen Zünder nutzt. Die Geschichte

der Raucherlounge wird nicht wiederholt, sie

wird transormiert: durch rigorose Vertikalität, handwerkliche

Materialität und eine atmosphärische Dichte,

die es ermöglicht, Körper, Licht, Rauch und Raum

simultan zu erleben. In einer Zeit, in der Grand Hotels

zunehmend austauschbare Erlebnisräume schaffen,

ist dies eine bemerkenswerte, leise und unverwechselbare

Geste.


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Restaurant- & Bardesign

Langlebig

und windstabil

Sonnenschirmspezialist Glatz ersetzt seine bewährte

F-Linie durch die neue F-Linie Pro: Die

eleganten, puristisch designten Sonnenschirme

mit flachem Schirmdach – FORTINO® Pro,

FORTERO® Pro und FORTELLO® Pro – überzeugen

durch hochwertige Materialien, hohe Windstabilität

und besonders einfache Bedienung.

Die charakteristisch große Auswahl von 70 Farbnuancen

für den in den Stoffqualitäten 5, 4 und 2 erhältlichen

Bezugsstoff ermöglicht dabei die Erfüllung

von vielfältigen Farbwünschen. Weitere Pluspunkte

der Serie sind Masten, die sich verlängern oder verkürzen

lassen sowie der Einsatz von robusten, glasfaserverstärkten

Kunststoffteilen und die Verwendung

von Schrauben und Nieten aus Edelstahl. Bei den

Maßen des Schirmdachs können Kunden von etwas

kleinerem Umfang mit 250 Zentimetern Durchmesser

über verschiedene Größen und Formen bis zum

FORTELLO® Pro in 400 x 400 Zentimetern wählen.

Und das Öffnen funktioniert bei allen Typen über den

optimierten Spannhebel einfach und schnell, wobei

sich die Schutzhüllen der Schirme bei Nichtgebrauch

ganz einfach mit einem stabilen Aluminiumstab überziehen

lassen.

Glatz AG

T +41 52 723 64 64

info@glatz.com

www.glatz.com


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84

Produkt News

Fotos: Elisabeth Fransdonk

Ein Mittel der Signaletik

Die Berner Fachhochschule erprobt an ihren Standorten Falkenplatz und Dammweg

in Bern die neue Arbeitswelt mit Multispace-Konzept: Den Mitarbeitenden

stehen anstatt Zellen- und Großraumbüros unterschiedliche Arbeits- und

Aufenthaltsbereiche für spezifische Tätigkeiten zur Verfügung. Wesentliche

Voraussetzung für dieses Konzept ist die rasche und eindeutige Erkennbarkeit

des jeweiligen Standorts und seiner Funktion.

Im Co-Working-Bereich kommen deshalb Rottöne

zum Einsatz, die Aktivität und Dynamik symbolisieren.

Im Bereich des stillen Arbeitens werden dagegen

Blautöne verwendet, welche für Ruhe und Stabilität

stehen. Das Konzept in Bern wurde in bestehenden

Räumlichkeiten mit größtenteils vorhandenem Mobiliar

umgesetzt. Am Dammweg diente – nebst farblich

abgestimmten Wänden – der Boden für die beabsichtigte

Orientierung: aus dem bestehenden anthrazitfarbigen

Kugelgarn®-Belag von Fabromont konnten

problemlos Partien herausgeschnitten und durch farbige

Inlays ersetzt werden, ohne damit die homogene

Gesamtwirkung zu beeinträchtigen. Kugelgarn® ist

durch seine Schnittfestigkeit und Nahtlosigkeit für

solche Einsätze prädestiniert.

Fabromont AG

T +41 26 497 88 11

kontakt@fabromont.ch

www.fabromont.com


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85

Produkt News

Oberflächen mit Anspruch

Fundermax erweitert sein Interior-Programm um die Interior Pro 2.6 Horizontal

Kollektion, die speziell für Arbeits- und Waschtischplatten in Küche und Bad entwickelt

wurde. Besonders Augenmerk wurde dabei auf reale Anwendungen, eine

klare Dekorlogik und abgestimmte Kernfarben für konsistente Kantenbilder gelegt.

Die neue Kollektion erfüllt zentrale Anforderungen

der Küchen- und Badezimmerbranche: widerstandsfähige,

reinigungsfreundliche Oberflächen, formstabile

Träger, reproduzierbare Ergebnisse in der Verarbeitung,

wobei die nichtporöse Oberfläche die Pflege

erleichtert und Feuchte wie auch Hitze standhält.

Die 12mm-Platten basieren auf Max Compact Interior

und eignen sich speziell für horizontale Beanspruchung.

Zugeschnittene Formate und abgestimmte

Kernfarben unterstützen dabei ein ruhiges Fugenbild

und Übergänge zwischen Platte und Kante.

Das Angebot deckt ein breites Spektrum an Steinund

Mineraloptiken ab – von hellen Graunuancen

bis zu wärmeren Greige-Tönen sowie dunkleren

Akzenten. Aderungen und kristalline Strukturen ermöglichen

puristische ebenso wie ausdrucksstarke

Design konzepte. Neben den haptischen Profilen SX

Saxum (tief strukturiert, Anti-Fingerprint), AP Aptico

(matt, Anti-Fingerprint) und GA Grafica (mineralisch-matt)

ist APEX das Highlight der Kollektion:

eine synchron geprägte Oberfläche, deren Struktur

exakt zum Dekor verläuft und Matt-Glanz-Effekte mit

Soft-Touch und hoher Abrieb- und Kratzfestigkeit

verbindet. Durch diese Eigenschaften ermöglicht die

Kollektion eine klare Übersetzung beliebter Materialbilder

(Marmor, Travertin, Quarzit, Beton) in industriell

verfügbare Dekore.

Fundermax GmbH

T +43 (0)5 9494-0

www.fundermax.at

office@fundermax.at


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Produkt News

Fotos: Heidemarie Pleschko

Ein Haus mit Geschichte

Das „Bäckerhaus“ – ein Gebäude mit Geschichte, das seit der zweiten Hälfte

des 18. Jahrhunderts besteht – wurde mit viel Liebe, Feingefühl und Respekt

vor seiner Vergangenheit restauriert. Die historische Fassadenstruktur wurde

behutsam durch präzise Stuckarbeiten und eine harmonische Neuaufteilung der

Fenster nachgebildet.

Gerade die Fenster spielen hier eine Schlüsselrolle:

Ihre Proportionen, Tiefe, die Sprossen und die helle

Farbe fügen sich nahtlos in die klassische Gestaltung

ein und betonen den ruhigen, ausgewogenen Rhythmus

der Fassade. Bei der Auswahl der Fenster fiel die

Entscheidung bewusst auf Josko. Ursprünglich war

geplant, klassische Kastenfenster einzubauen, doch

der Wunsch, die historischen Laibungen zu erhalten,

führte zu einer anderen Lösung. Das gewählte Fenstermodell

Amber ist mit seinen besonders schlanken

und proportional ausgewogenen Rahmen ideal für

Sanierungen und vereint die Wärme von Holz im Innenraum

mit der Langlebigkeit von Aluminium außen.

Josko Fenster & Türen GmbH

T +43 (0)7763 2241-0

office@josko.at

www.josko.at


www.architektur-online.com

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Produkt News

Sanierung mit Verantwortung

Ein großer Teil des heimischen Gebäudebestands entstand in Zeiten, in denen

Energieeffizienz, sommerlicher Hitzeschutz oder ein gesundes Raumklima noch

eine untergeordnete Rolle spielten. Heute steht die Architektur vor einer klaren

Aufgabe: Bestehende Gebäude behutsam weiterzuentwickeln und gleichzeitig auf

die Anforderungen der Zukunft auszurichten. Gerade im Dachgeschoss liegt dabei

enormes Potenzial, ein zentrales Element dieser Entwicklung sind zeitgemäße

Dachfensterlösungen.

Mit der Dachfensterlinie GREENVIEW verfolgt FAKRO

einen Sanierungsansatz, der Energieeffizienz, Komfort

und Nachhaltigkeit konsequent miteinander verbindet.

Die Fenster wurden speziell für den Einsatz

im Bestand entwickelt und berücksichtigen sowohl

heutige bauphysikalische Anforderungen als auch

ökologische Aspekte. Verbesserter Wärmeschutz,

eine automatische Dauerlüftung für ein gesundes

Raumklima sowie langlebige Konstruktionen tragen

dazu bei, bestehende Gebäude nachhaltig aufzuwerten.

Gleichzeitig ermöglichen sie eine bessere Tageslichtversorgung

und steigern so die Qualität neu

geschaffener Wohnräume unter dem Dach. Sanierung

wird damit zu einem bewussten Planungsprozess – im

Spannungsfeld zwischen Vergangenheit, Verantwortung

und Zukunft.

FAKRO Dachflächenfenster GmbH

T +43 (0)2576 307 00-0

office@fakro.at

www.fakro.at


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Nachhaltige Screens

Twilight von Sattler steht für eine neue Generation PVCfreier ScreenGewebe,

die architektonische Klarheit, hohe technische Performance und nachhaltige

Materialstandards vereinen. Die Kollektion richtet sich besonders an Planer

und Architekten, die Fassaden, Innenräume und hybride Beschattungssysteme

gestalterisch und funktional anspruchsvoll ausstatten wollen.

Technisch ist Twilight speziell für moderne Fassadenlösungen,

ZIPSysteme, Pergolen und Wintergärten

entwickelt: Hohe Formstabilität, robuste Materialkombinationen

und ein prozesssicheres Handling

erleichtern dabei die Umsetzung im Objekt und reduzieren

Fehlerrisiken. Im Mittelpunkt der in den drei

Qualitäten „Twilight Elements“, „Twilight Comfort“

und „Twilight Pearl“ erhältlichen Kollektion steht

eine homogene, moderne Farbwelt, die sich über alle

Funktionsstufen hinweg konsistent einsetzen lässt

– ein wesentlicher Vorteil für ganzheitliche Gestaltungskonzepte.

Alle Varianten sind dabei PVCfrei,

verfügen über ein PFASfreies Finish und tragen das

OEKOTEX® Made in GreenLabel. Damit sind sie ebenso

für Innenräume geeignet und erfüllen zunehmend

relevante Nachhaltigkeitsanforderungen in Zertifizierungssystemen.

SATTLER SUN-TEX GmbH

T +43 (0)316 4104-550

mail@sattler.com

suntex.sattler.com

www.sattler-twilight.com


www.architektur-online.com

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Produkt News

Tradition bewahren, Zukunft integrieren

Der Wertstoff Holz erlebt gerade ein beeindruckendes Comeback durch

das wachsende Bewusstsein für Ökologie, Nachhaltigkeit sowie verantwortungsbewusstes

Bauen und Renovieren. Moderne Holzfenster punkten

dabei durch ein ausgefeiltes Design, beste Dämmwerte und dauerhafte

Wetterbeständigkeit.

Wie die neue Fenstergeneration von KNEER Südfenster,

die bei bekannt gutem Preis-Leistungs-Verhältnis

höchsten Ansprüchen gerecht wird: Einbruchschutz,

Schallschutz, Schlagregendichtheit und Barrierefreiheit

erreichen hier ein neues Niveau. Die Rahmenprofile

aus hochwertigem Kiefer-, Meranti-, Lärchen-, Eiche-

oder Fichtenholz sind in zahlreichen Oberflächen

und Farben erhältlich. Die Vielfalt an Sprossen und

Zubehör ermöglicht es, Fenster individuell anzupassen

und so den Charakter eines Gebäudes zu betonen.

Alle Denkmalschutzvarianten gleichen durch ihre

schmalen Profile den historischen Vorbildern, entsprechen

aber den modernen technischen Ansprüchen.

Ein technisches Highlight ist der vollständig

integrierte Wetterschenkel, ganz ohne sichtbare Wartungsfuge.

Er schützt zuverlässig vor eindringender

Nässe, verbessert die Langlebigkeit und wird so zum

funktionalen Gestaltungselement.

Holzdenkmal Fenster von KNEER Südfenster überzeugen

durch höchste handwerkliche Präzision – von

Doppelfalz über die Rahmen-Eck-Verbindung bis zur

raumseitig angeordneten Glashalteleisten: Optional

einbruchsicher bis Stufe E.

Süd-Fensterwerk GmbH & Co. Betriebs KG

T +49 (0)7950 81 0

info@suedfenster.de

www.kneer-suedfenster.de

++


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Teylers Museum, NL

Präzise Lichtregie

Individuelle Lichtszenen, zeitliche Abläufe und dynamische Sequenzen ermöglichen

es, Architektur im Wandel zu zeigen: repräsentativ am Abend, zurückhaltend

in der Nacht, präsent bei besonderen Anlässen. Mit dem Lichtmanagementsystem

BEGA Connect wird Lichtsteuerung zum Instrument architektonischer Gestaltung:

Licht wird choreografiert – nicht technisch verwaltet.

Die browserbasierte Web-Oberfläche ermöglicht

eine komfortable Konfiguration. Zonen, Gruppen, Automationen

und Sequenzen lassen sich übersichtlich

strukturieren und präzise aufeinander abstimmen.

Gleichzeitig bleibt die Steuerung mobil verfügbar –

für maximale Flexibilität in Planung, Inbetriebnahme

und Betrieb.

Dank unterschiedlicher Connector-Varianten ist

die Lichtsteuerung sowohl in urbanen als auch in

infrastrukturell anspruchsvollen Umgebungen einsetzbar.

Selbst abgelegene Standorte lassen sich

zuverlässig in die Cloud einbinden. Sicherheits- und

Funktionsupdates erfolgen kontinuierlich – das

System bleibt zukunftsfähig und wartungsarm. Dabei

kommt BEGA Connect ohne Lizenzgebühren

pro Leuchte oder laufende Abonnements aus. Die

Investition bleibt kalkulierbar, unabhängig von der

Größe oder späteren Erweiterung einer Anlage. Für

Bauherren und Planer bedeutet das langfristige Planungs-

und Betriebssicherheit.

BEGA Leuchten GmbH

Competence Center Innsbruck

T +43 (0)512 343150

info-austria@bega.com

www.bega.com

Skywalk auf dem Kueser Plateau, D


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Produkt News

Lamellendach mit Mehrwert

Die positive Trendwende in der Baubranche soll 2026 auch in der Sonnenschutzbranche

wirken und vor allem die Prognosen für den Outdoor-Living-Bereich sind

optimistisch. Um der erwarteten Nachfragesteigerungen zeitnah und nachhaltig

gerecht zu werden, bringt der Sonnenschutzspezialist HELLA eine komplett neue

Version seines Lamellendachs auf den Markt.

Diese liefert eine modulare Lösung, die auch mit Glaselementen

ergänzt werden kann, um jede Art von

Außenbereich optimal vor zu viel Sonne, Wind und

Regen zu schützen. Außerdem kann die gemeinsam

mit einem namhaften Designstudio entwickelte Pergola

optional mit Photovoltaik-Elementen auf den Lamellen

ausgestattet werden. Das neue Modell schließt

nahtlos an unterschiedliche Wandkonstruktionen an

oder kann freistehend montiert werden. Dazu kommen

durchdachte, revisions- und reparaturfreundliche

Details, die eine lange Lebensdauer garantieren.

Neben Produktinnovationen setzt das heimische

Unternehmen auch gezielt auf Investitionen in seine

Standorte, um ausreichend Kapazitäten für die Produktion

des neuen Lamellendachs zu schaffen, noch

mehr textile Fassadenprodukte zu produzieren und

Durchlauf- und Lieferzeiten zu verkürzen.

HELLA Sonnen- und

Wetterschutztechnik GmbH

T +43 (0)4846 6555-0

office@hella.info

www.hella.info


architektur FACHMAGAZIN

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Produkt News

Unverwechselbare Fassade

Mit Patina Structure NXT stellt Swisspearl eine Faserzementplatte vor,

deren fein strukturierte Oberfläche die Authentizität natürlicher Materialien

einfängt: Die Fassadenplatten verkörpern natürliche Oberflächen, die sowohl

ästhetisch als auch funktional überzeugen. Sie nehmen die Zeit als aktiven

Designpartner auf und entwickeln eine subtile, natürliche Patina, während sie

den Herausforderungen der Umwelt standhalten. Von Anfang an erhält die

Fassade eine unverwechselbare Präsenz, die sich im Laufe der Jahre zu einem

wirklich einzigartigen Ausdruck entwickelt.

Die Oberfläche offenbart einen raffinierten, natürlichen

Rhythmus, der durch subtile lineare Rillen geprägt

ist. Wenn das Licht auf das Material fällt, beleben

zarte Schatten die Struktur und verstärken die

architektonische Tiefe jeder Platte. Jede Farbvariante

wird durch die strukturierte Oberfläche bereichert

und bietet ein nuanciertes Zusammenspiel von Licht

und Schatten im Laufe des Tages und aus unterschiedlichen

Blickwinkeln.

Um den Designanforderungen von Architekten gerecht

zu werden, umfasst die Patina NXT-Familie vier

verschiedene Produkte, die sich jeweils durch ihre

eigene Struktur und Oberfläche auszeichnen: Patina

Original NXT, Patina Rough NXT, Patina Inline NXT

und jetzt Patina Structure NXT. Nach dem Mix &

Match-Prinzip lassen sich alle Platten nahtlos kombinieren,

um maßgeschneiderte Fassadendesigns in

einer Reihe von natürlichen Farben zu schaffen – vereint

durch eine gemeinsame Materialintegrität und

eine kohärente Architektursprache.

Swisspearl Österreich GmbH

T +43 (0)7672 707-0

info@at.swisspearl.com

www.swisspearl.com


www.architektur-online.com

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Produkt News

© LANG consulting

Klimafitte Gebäudelösung

Das Quartier „SmartCity Baumgarten“ im 14.

Wiener Gemeindebezirk umfasst einen Gebäudemix

aus unterschiedlichen Epochen,

dessen Wohneinheiten im Rahmen eines

Sanierungsprojekts über ein liegenschaftsübergreifendes

gemeinsames Versorgungsnetz

mit 100 % erneuerbarer Wärme, Kälte

und Strom versorgt werden sollte. Als eine

zukunftsweisende Alternative für Stadtgebiete

außerhalb des Fernwärmenetzes konzipiert

wurden die Bestandsgebäude des

Projekts zur Erreichung des gewünschten

Passivhaus-Standards einer umfassenden

thermischen Sanierung unterzogen.

Dabei wurde auf Hochleistungsdämmstof-

fe wie etwa die ISOVER Ultimate Fassadendämmplatten

FSP-031 aus dem Hause

Saint-Gobain gesetzt. ULTIMATE ist eine

Weiterentwicklung von Stein- und Glaswolle,

die eine besonders gute Leistung bei

Brandschutz, Dämmung und Schallschutz

bietet. Die Platten, die zur Wärmedämmung

von Außenwänden bei hinterlüfteten,

nichttransparenten Fassadenbekleidungen

konzipiert wurden, bestehen aus elastischen

Ultimate-Fasern, die eine Hinterlüftung

des Dämmstoffes an der Wand verhindert.

Zudem punkten sie mit geringem

Gewicht und lassen sich besonders schnell

verarbeiten. Zusätzlich wurde die Glaswol-

le-Dämmplatte ISOVER Multimax verwendet,

die die höchste Dämmleistung bietet,

die derzeit am Markt verfügbar ist. Die

Keller- und Garagendecken wieder wurden

mit der ISOVER Topdec Kellerdämmplatte

DP1-031 und die Steigleitungen samt Absperrungen

des neuen Wärmeverteilnetzes

mit der ISOVER Climcover ML3 Rohrschalendämmung

gedämmt.

Saint-Gobain Austria GmbH

ISOVER Austria

T +43 (0)2266 6060

isover-at.marketing@saint-gobain.com

www.isover.at


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Produkt News

Recyclinganlage in Vollbetrieb

Austrotherm, der führende Anbieter klimaschützender

Wärmedämmung in Europa, arbeitet konsequent

am Ausbau seiner Kreislaufwirtschaft. Mit einer in

dieser Form österreichweit einzigartigen Recyclinganlage

am Standort Purbach hat das Unternehmen

2025 einen weiteren Meilenstein in der Wiederverwertung

von EPS- und XPS-Dämmstoffen gesetzt.

Nach erfolgreichem Testbetrieb ist die Anlage nun

im Vollbetrieb. Für 2026 rechnet man bereits mit 100

Tonnen EPS- und XPS-Dämmstoffabfällen, die in den

Produktionskreislauf zurückgeführt werden können.

Der ökologische Nutzen ist messbar: Während bei

der Herstellung einer Tonne primären Polystyrols

rund 2,4 Tonnen CO 2 entstehen, verursacht recyceltes

Polystyrol lediglich etwa 0,5 Tonnen CO 2 .

Insgesamt hat Austrotherm rund 1,2 Millionen Euro in

das Projekt investiert, wobei die Anlage neben Produktionsabfällen

und Baustellenverschnitten künftig

auch komplette Fassaden Wärmedämmverbundsysteme

(WDVS) sowie unterschiedlich stark anhaftende

Materialien aufbereiten kann.

Austrotherm GmbH

T +43 (0)2633 401-0

info@austrotherm.at

www.austrotherm.at

Geschäftsführer Heimo Pascher freut sich über die erfolgreiche Inbetriebnahme der

österreichweit einzigartigen Recyclinganlage für EPS und XPS am Standort Purbach.

Zertifizierter Schallschutz

Solarlux hat ein vorgesetztes Fenstermodul entwickelt,

das als zertifiziertes modulares Bauteilsystem

den Anforderungen an gesundes Wohnen in verdichteten

Stadträumen gerecht wird. Das patentierte Kastenfenster

Soundline M ist Teil des Proline-Baukastensystems,

umfasst flexible Verglasungslösungen

für Balkone und Loggien und bietet eine stufenweise

anpassbare Schalldämmung gegen Verkehrslärm: Es

besteht aus einem gut durchlüfteten Aluminiumrahmen

mit integrierten Schallabsorbern und -dämpfern,

in den das Schiebe-Dreh-System Proline T oder das

Schiebe-System Proline S als außenliegende Schallschutzverglasung

vormontiert ist.

Das Modul wird vor den Rahmen des jeweiligen Fensters

gesetzt, das eine zusätzliche Schalldämpfung

benötigt. Dank seiner zweischaligen, patentierten

Konstruktion lassen sich Schallschutzanforderungen

projektspezifisch, aber dennoch standardisiert umsetzen

– mit geprüften Werten, klar definierten Montagedetails

und dauerhaft hoher Ausführungsqualität.

Solarlux Austria GmbH

T +43 512 209023

info.at@solarlux.com

www.solarlux.com

© Alek Pluta


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Produkt News

Nachhaltigkeit

und Ästhetik

In der westlichen Peripherie von Köln ist

nach Plänen des Architekturbüros Benjamin

von Pidoll ein repräsentatives Wohnhaus

entstanden, dessen klare horizontale

Gliederung mit dem auskragenden Obergeschoss

stilistisch an die Villa Savoye von Le

Corbusier erinnert. Das auf Nachhaltigkeit

ausgelegte Gebäude besticht durch eine

zurückhaltende Architektur, im Innenbereich

setzt ein offen gestalteter Grundriss,

kombiniert mit großzügigen Glasflächen,

spannende Lichtakzente. Für ein harmonisches

Zusammenspiel von Innen- und

Außenraum sorgen dabei hochwertige Aluminium-Fenster,

-Türen und -Schiebetüren

von heroal: Das Fenstersystem heroal W 72,

das Türsystem heroal D 72 und das Hebe-Schiebetürsystem

heroal S 77 SL lassen

viel Tageslicht herein und verbinden die

Räume mit der umgebenden Natur. Zudem

tragen die hochwärmegedämmten Fenster

und Türen sowie das energieeffiziente

Hebe-Schiebetürsystem maßgeblich zur

energetischen Gesamtleistung des Gebäudes

bei.

heroal – Johann Henkenjohann

GmbH & Co. KG

T +49 (0)5246 507-0

info@heroal.de

www.heroal.de/architekten

© Philip Kistner

COMIDO Kids

Gestaltung verbindet

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Stausberg Stadtmöbel GmbH

4531 Kematen a. d. Krems

Telefon +43 (0)7258 / 5711

stausberg.at


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edv

Laser-Distanzmesser

Laser-Distanzmessgeräte mit Bluetooth-Schnittstelle beschleunigen Aufmaße.

Was können aktuelle Geräte, worauf kommt es beim digitalen Messen an

und auf welche Details sollte man achten?

Text: Marian Behaneck

Laser-Distanzmesser haben viele Vorteile:

Längen, Flächen, Abzugsflächen, Höhen-

oder Diagonalmaße lassen sich damit

schneller und präziser erfassen als mit Maßband

oder Zollstock. Ablese- oder Additionsfehler,

das Durchhängen des Maßbands

oder die temperaturabhängige Längenausdehnung

des Bandmaterials spielen keine

Rolle. Mit Bluetooth-Geräten können die

Messwerte zudem drahtlos an Aufmaß-Apps

gesandt und direkt vor Ort in Aufmaßskizzen

oder Aufmaßprotokollen verarbeiten

werden. Das vermeidet typische Fehlerquellen

und beschleunigt Arbeitsabläufe.

Digitales Messen in der Praxis

Längen-, Flächen- oder Höhenmaße werden

heute rationell per Laser-Distanzmesser

erfasst: Gerätehinterkante, -vorderkante

oder Stativgewinde-Achse am Startpunkt

ausrichten, Zielpunkt mit dem Laserstrahl

anvisieren, Messtaste drücken – fertig! Der

Messwert wird millimetergenau ermittelt

und auf dem LC-Display angezeigt. Kann

man das Gerät auflegen, lassen sich Entfernungen

bis etwa 50 Meter relativ punktgenau

messen. Für größere Distanzen ist ein

im Gerät integriertes Stativgewinde und

ein separates Stativ (ca. 100 Euro), bei sehr

kleinen Messzielen zusätzlich eine Zieloptik

empfehlenswert. Ein Timer („Selbstauslöser“)

oder eine Gestensteuerung ermöglichen

verwacklungsfreie Messungen. Mit

dieser Zusatzausstattung, zu der auch

eine Zieltafel für eine optimale Reflexion

des Laserstrahls gehört, können Messdistanzen

bis 250 Meter erfasst werden. Die

erzielbaren Genauigkeiten liegen zwischen

± 1,0 und ± 3,0 Millimetern. Nachteilig ist,

dass Mess-Situationen, bei denen keine anvisierbare

Fläche vorhanden ist (etwa beim

Messen von Außenecken), entweder eine

zweite Messperson oder Einfallsreichtum

voraussetzen (z.B. Fixieren einer geeigneten

Messfläche). Dafür lassen sich per Rechenfunktion

auch Flächen oder Volumina

einfach ermitteln oder auch nicht direkt

Smarter messen: In Kombination mit einer Aufmaß-App sind bluetoothfähige Laser-Distanzmesser

sehr effizient, etwa beim Raumaufmaß. © Leica Geosystems, Hexagon

messbare Höhen per Pythagoras-Funktion

indirekt messen und anderes mehr. Praktisch

ist die Minimum- und Maximum- oder

Dauermessung, die den kleinsten oder

größten Messwert anzeigt und beispielsweise

die Messung von Raumdiagonalen

vereinfacht. Für präzise Messungen aus

einer Ecke oder Fuge heraus, verfügen

manche Geräte über ein ausklappbares

Endstück oder einen ausfahrbaren Mess-

Stift. Zwar können einige Systeme auch

dreidimensionale Daten in eingeschränkter

Form erfassen, indem der Höhenwert für jeden

Messpunkt oder raumweise mitgeführt

wird. Für ein „echtes“ 3D-Aufmaß sind spezielle

Laserdistanzmesser sinnvoller, beispielsweise

der Leica Disto X6 mit P2P-Paket,

der in CAD-Programme importierbare

2D- und 3D-DXF-Daten erzeugt.

Bluetooth beschleunigt Aufmaße

Zwei Gerätetrends sind aktuell zu beobachten:

Zum einen der einfache, kompakte und

robuste „digitale Zollstock“ mit Ein knopf-

Bedienung und wenigen Funktionen. Zum

anderen der multifunktionale „Alleskönner“

mit kabelloser Messdatenübertragung. Beide

Trends haben ihre Berechtigung: Beim

„digitalen Zollstock“ steht nicht die Funktionsvielfalt,

sondern eine einfache, intuitive

Bedienung, Robustheit und Zuverlässigkeit

im Vordergrund. Lassen sich die digitalen

Messwerte allerdings schon an Ort und

Stelle verarbeiten, so steigert das den Rationalisierungseffekt

und Zuordnungs- oder

Übertragungsfehler werden vermeiden.

Immer mehr Hersteller offerieren deshalb

auch Geräte, die Messdaten über kurze

Distanzen (bis ca. 10 Meter und mehr) per

Bluetooth-Funkstandard drahtlos an ein

Smartphone oder Tablet zur digitalen Weiterbearbeitung

übertragen können. Anbieter

von Laser-Distanzmessern, wie Bosch,

Leica Geosystems, Stabila Würth und andere

offerieren dazu kostenlose Aufmaß-Apps.

Sie ermöglichen eine sofortige Messdatenübernahme

und -verarbeitung, wahlweise

per Android- oder iOS-Mobilgerät. Damit


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edv

können zum Beispiel die erfassten Maße

Fotos zugeordnet oder Aufmaßskizzen automatisiert

erstellt werden. Auch von Drittanbietern

werden mobile Raumaufmaß-,

Angebots- oder Abrechnungsprogramme

offeriert, die eine Messdatenübernahme

von Laser-Distanzmessern unterstützen,

z.B. Magicplan (Raumaufmaß), Maxmess

(Gebäude-/Raumaufmaß), Metiscale (Fensteraufmaß)

oder MWM-Libero (Bauabrechnung).

Bei diesen Lösungen sorgen Eingabemasken,

Eingabe-Assistenten und die

grafische Ergebnisanzeige dafür, dass kein

Wert vergessen wird und fehlende oder falsche

Maße noch vor Ort erfasst oder berichtigt

werden können.

Bluetoothfähige Geräte ermöglichen eine digitale Messdatenübertragung ohne Medienbrüche

– etwa für Aufmaßskizzen oder Messprotokolle. © Stabila Messgeräte

Praxistipps: So misst man richtig

Laser-Distanzmesser sind zwar sehr einfach

in der Handhabung, dennoch sollte man in

der Praxis auf folgende Punkte achten, um

Messfehler zu vermeiden. Wichtig ist ein

korrektes Ausrichten: Gerät mit der Hinterkante,

Vorderkante oder Stativschraube

am Startpunkt ausrichten und diesen

Messmodus vorher im Bedienfeld einstellen,

sonst entstehen Messfehler! Auch das

Anvisieren will gelernt sein: Zielpunkt mit

dem Laserstrahl in der Regel waagrecht anvisieren.

Dabei die integrierte Wasserwaage

und bei Innenecken die Dauermessung

nutzen. Startknopf drücken oder Timer,

respektive eine eventuell vorhandene Gestensteuerung

nutzen, um versehentliches

Verwackeln zu vermeiden. Zum Anvisieren

ab ca. 50 Meter ein Stativ und den digitalen

Zielsucher (sofern vorhanden) verwenden.

Eventuelle Fehlermeldungen im Display beachten.

Im Zweifelsfall eine zweite und dritte

Kontrollmessung durchführen. Beim Messen

Oberflächen beachten: Messungen an Außenecken,

spiegelnden Gläsern, glänzenden

Metallen oder porösen (Dämm-) Stoffen

sind nur mit einer Reflektor- oder Zieltafel

möglich. Und – last, but not least: Sicherheit

beachten! Geräte mit Lasern der Klasse 2

bilden zwar keine Gefahr für das menschliche

Auge, dennoch sollte man nicht auf andere

Personen zielen und die Sicherheitsbestimmungen

beachten.

Worauf achten bei der Auswahl?

Zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen

zählen zunächst der Messbereich

und die Genauigkeit: Der erste Wert gibt an,

von welcher minimalen bis zu welcher u

Mit der passenden App sind beispielsweise

Aufmaßskizzen in Minutenschnelle erstellt.

© Bosch

Verarbeitung von E-Rechnungen

(XRechnung und ZUGFeRD) nach EN 16931

| ÖNORM A2063

AVA und Kostenplanung für

Architekten und Ingenieure

CaliforniaX im BIM-Prozess

digitalBAU 2026

G&W in Halle 8, Stand 420

gw-software.de

Arbeiten in

der Cloud mit

AVA4CLOUD


architektur FACHMAGAZIN

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edv

Immer wenn es um das schnelle und präzise Messen lichter Maße, von

Schrägen, Flächen … © Bosch

… oder die direkte oder indirekte Messung von Höhen geht, sind

Laser-Distanzmesser unschlagbar. © Sola Messwerkzeuge

maximalen Distanz in Metern das Gerät

messen kann (z.B. 0,05 bis 80 m). Der zweite

Wert gibt die Messgenauigkeit an (meist ±

1,0 bis ± 2,0 mm). Mehrere Faktoren haben

einen entscheidenden Einfluss auf diese Gerätedaten:

die Lichtverhältnisse, die Oberflächenstruktur,

die Farbe des Messobjektes

sowie die Temperatur, bei der gemessen

wird. Da Herstellerangaben zur Geräteleistung

meist unter optimalen Laborbedingungen

stattfinden, die mit der Realität auf

Baustellen wenig zu tun haben, wurde mit

der DIN ISO 16331-1 eine Norm geschaffen,

die technische Angaben zu Laser-Distanzmessgeräten

verschiedener Hersteller vergleichbar

machen soll. Wer sicher gehen will,

dass die Herstellerangaben mit der Praxis

übereinstimmen, sollte auf diese Norm achten.

Zu den Standardfunktionen, die fast alle

Geräte in unterschiedlichem Umfang beherrschen,

zählen Rechenfunktionen (z. B.

Fläche, Volumen, Addition, Subtraktion,

Pythagoras, Absteckmaß, Dreieck, Trapez

etc.). Zusatzfunktionen sind beispielsweise

eine integrierte digitale Wasserwaage zur

Neigungsmessung, ein Timer oder eine Gestensteuerung.

Eine Bluetooth-Datenschnittstelle

ermöglicht die drahtlose Übergabe von

Messwerten und Berechnungsergebnissen

an die Aufmaß-App des Herstellers oder an

Aufmaßprogramme von Drittanbietern (s.o.).

Neuere Bluetooth-Versionen (ab 5.0) bieten

Verbesserungen gegenüber älteren Versionen

in Bezug auf Geschwindigkeit, Reichweite,

Energieeffizienz und Stabilität der Funkverbindung.

Für eine gute Ablesbarkeit der

Messwerte, insbesondere im Außenbereich,

ist neben der Displaygröße und Auflösung

auch die Display-Helligkeit wichtig. Wird

das Gerät vorwiegend im Außenbereich eingesetzt,

sollte man auf eine Displaykamera

mit digitaler Zoomfunktion für die Zielsuche

achten. Damit lassen sich in Kombination mit

einem Stativ auch weit entfernte Ziele bei

ungünstigen Lichtverhältnissen präzise anvisieren.

Die Stromversorgung erfolgt meist

über mitgelieferte AA- oder AAA-Batterien

oder Lithium-Ionen-Akkus. Mit 3.000 bis

10.000 Messungen pro Batterie/Akkusatz

ist der Stromverbrauch sehr unterschiedlich,

wobei im Bluetooth-Betrieb diese Angaben

etwas niedriger liegen. Beim Gehäuse ist

Baustellentauglichkeit und die Schutzart

wichtig (ab IP 54 oder besser IP 65, siehe

auch: de.wikipedia.org/wiki/schutzart). Weitere

Kriterien sind Geräte-Abmessungen

und das Gewicht, die Einfachheit der Be-

dienung, eine intuitive Menüführung, die

Schnelligkeit der Messung sowie nützliche

Automatismen, wie etwa das automatische

Erkennen von ausgefahrenen Mess-Stiften

oder das zeitgesteuerte Abschalten nach

Bedienpausen. Zum Lieferumfang gehören

meist eine Tasche, Batterien/Akku, eine Trageschlaufe,

eine Bedienungsanleitung und

ein USB-Kabel. Aktuelle Produktvergleiche

und Testberichte bieten übrigens die Webseiten

laserentfernungsmesser-berater.de,

laser-entfernungsmesser.info und laserentfernungsmesser-test.de.

Anbieter Laser-Distanzmesser mit Bluetooth*

www.bosch-professional.com, www.dewalt.at, www.hilti.at, www.leica-geosystems.com,

www.sola.at, www.stabila.de, www.stanleyworks.at, www.trotec.de, www.wuerth.at

* Ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Bei größeren Entfernungen sind ein Zielsucher mit digitaler Zoomfunktion und ein optional

erhältliches Stativ zwingend. © Hilti


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