architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 1 2026
Die Kunst, weiterzubauen Beim „Bauen im Bestand“ spricht man gerne von Sorgfalt, Geduld und Respekt vor dem Vorhandenen. Manchmal geht es aber schlicht darum, den Bestand loszuwerden – nur ein Abschnitt Gründerzeitfassade bleibt als dekoratives Feigenblatt stehen. Der Neubau wird nicht fertig und schließlich wieder rückgebaut, weil er plötzlich im Weg steht und kein tragfähiges Nutzungszenario mehr haben soll. In Wien wurde diese Geringschätzung an prominenter Adresse in der Mariahilfer Straße zur Lektion. Umso wichtiger sind Beispiele, die Alt & Neu nicht als Abfolge von Abriss und Ersatz, sondern als präzise Entwurfsarbeit verstehen.
Die Kunst, weiterzubauen
Beim „Bauen im Bestand“ spricht man gerne von Sorgfalt, Geduld und Respekt vor dem Vorhandenen. Manchmal geht es aber schlicht darum, den Bestand loszuwerden – nur ein Abschnitt Gründerzeitfassade bleibt als dekoratives Feigenblatt stehen. Der Neubau wird nicht fertig und schließlich wieder rückgebaut, weil er plötzlich im Weg steht und kein tragfähiges Nutzungszenario mehr haben soll. In Wien wurde diese Geringschätzung an prominenter Adresse in der Mariahilfer Straße zur Lektion. Umso wichtiger sind Beispiele, die Alt & Neu nicht als Abfolge von Abriss und Ersatz, sondern als präzise Entwurfsarbeit verstehen.
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FACHMAGAZIN
WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT
Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550
01
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Februar 2026
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3
Editorial
Die Kunst, weiterzubauen
Beim „Bauen im Bestand“ spricht man gerne von Sorgfalt, Geduld und Respekt vor
dem Vorhandenen. Manchmal geht es aber schlicht darum, den Bestand loszuwerden
– nur ein Abschnitt Gründerzeitfassade bleibt als dekoratives Feigenblatt
stehen. Der Neubau wird nicht fertig und schließlich wieder rückgebaut, weil er
plötzlich im Weg steht und kein tragfähiges Nutzungszenario mehr haben soll.
In Wien wurde diese Geringschätzung an prominenter Adresse in der Mariahilfer
Straße zur Lektion. Umso wichtiger sind Beispiele, die Alt & Neu nicht als Abfolge
von Abriss und Ersatz, sondern als präzise Entwurfsarbeit verstehen.
Die Casa BM zeigt im kleinen Rahmen, wie
aus scheinbar wertloser Substanz Bedeutung
entsteht. Errante Architetture drehen
die Logik eines 1960er-Jahre-Hauses um,
orientieren die Wohnräume weg von der
Straße hin zur Landschaft und machen die
rohe Materialität des Bestands zum Thema.
Im Reinhold-Messner-Haus folgt Plasma
Studio einem ähnlichen Prinzip im größeren
Maßstab: Die Bergstation von 1981 wird
nicht überdeckt, sondern als technische
Vergangenheit lesbar gelassen und in eine
neue kulturelle Erzählung übersetzt.
Dass „zu klein“ selten ein Argument, sondern
oft nur ein Reflex ist, beweisen zwei
Beispiele aus dem bäuerlichen Bestand.
Das niederösterreichische „HÄUSL.“ ringt
nicht mit Romantik, sondern mit Hangwasser,
Provisorien und Substanzfragen – und
findet gerade darin eine Präzision, die das
Weiterbauen zur Reparaturkunst macht. Im
Vorarlberger Dorf Nest wiederum wird der
gedrungene Maßstab des 300 Jahre alten
Schwöstorohus zur Qualität: Was Erwachsene
beengt, wird für Kinder zur Geborgenheit.
So kippt das Vorurteil über niedrige
Stuben in ein Raumangebot, das pädagogisch
und atmosphärisch trägt.
In der Stadt schließlich wird Alt & Neu
zum lesbaren Zeitprofil. Der Brewery Yard
von Tzannes verwandelt das Industrieerbe
nicht in Kulisse, sondern in Chronologie:
Backstein, neue Einschnitte und Energieinfrastruktur
erzählen zugleich von Vergangenheit
und künftiger Nutzung. Und im
Caffè Nazionale von AMAA wird der Zwischenraum
selbst zur Hauptsache: Aus der
historischen Kolonnade wird ein Aufenthaltsort,
der Brüche nicht glättet, sondern
präzise rahmt.
Von hier spannt sich der Bogen zu unserem
Restaurant- & Bardesign-Schwerpunkt, in
dem der Umgang mit Bestand ebenfalls eine
zentrale Rolle spielt. Weitere Projektberichte,
neue Produkte und eine umfangreiche
Wettbewerbsrubrik liefern darüber hinaus
viele zusätzliche Impulse.
Ich wünsche Ihnen viel Lesevergnügen.
Andreas Laser
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architektur FACHMAGAZIN
4
Inhalt
Editorial 03
Magazin 06
Wettbewerbe & Awards 18
Nordwestbahnhof
Theaterplatz der Kunstuniversität Graz
Paving Design Award 2025
Poetik des Einfachen 38
Casa BM / Paesana, Italien /
Errante Architetture
Hang, Haus, Fuge 44
Ferienhaus „HÄUSL.“ /
Waidmannsbach, Niederösterreich /
STEINBAUER architektur+design
Transformation als Kinderspiel 50
Schwöschtorohus „Dorf Nest“ /
Wolfurt, Vorarlberg /
querschnitt architekten
Upcycling am Gipfel 56
Reinhold Messner Haus /
Mount Elmo, Sexten, Italien /
Plasma Studio
Zeitschichten 62
Brewery Yard /
Sydney, Australien /
Tzannes
Im Dazwischen 68
Caffè Nazionale /
Arzignano, Italien /
AMAA
Restaurant- & Bardesign 74
Produkt News 85
edv 96
Laser-Distanzmesser
38
50
62
44
56
68
MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich
CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at) • REDAKTION DI Linda Pezzei, Roland Kanfer, Gertraud Gerst, DI Marian Behaneck
LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14 • RESSORT WETTBEWERBE Roland Kanfer (wettbewerbe@architektur-online.com)
GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser • LEKTORAT Mag. Heidrun Schwinger • DRUCK Bauer Promotion
GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at)
ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 109,- / Ausland: € 133,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):
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EINZELHEFTPREIS € 15,- / Ausland € 20,- • ABOSERVICE office@laserverlag.at
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UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; • ISSN: 1606-4550
Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied der Redaktion gekennzeichnet
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OFFENLEGUNG GEMÄSS § 25 MEDIENGESETZ:
Geschäftsführer: Silvia Laser Gegenstand des Unternehmens: Der Verlag und die Herausgabe von periodischen Druckschriften aller Art, insbesondere von Zeitungen und Zeitschriften;
Gesellschafter: Silvia Laser mit einer Beteiligung von 50%. Ing. Walter Laser mit einer Beteiligung von 50%; Richtung der Zeitschrift: Architektur Fachmagazin mit aktuellen Informationen über die Architekturszene in Österreich und
international, sowohl den Hochbau als auch die Innenarchitektur, das Design und die Haus- und Bautechnik betreffend.
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Die neue Fassadenplatte
in der NXT-Familie.
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Structure NXT weist einen feinen,
natürlichen Rhythmus auf, der durch
dezente lineare Rillen erzeugt wird.
Wenn Licht über das Material streift,
tanzen feine, vielschichtige Schatten
über die Textur und verleihen jeder
Tafel architektonische Tiefe.
Die strukturierte Oberfläche veredelt
jede Farbvariante und lässt – je nach
Tageslicht und Blickwinkel – ein lebendiges
Licht- und Schattenspiel entstehen.
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Eleganz und verbindet eine natürliche
Optik mit einem modernen Designverständnis.
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architektur FACHMAGAZIN
Vom Preis zum Alltag
Mit „The Prize Bag: Double Lives of Architecture“
eröffnet das Haus der Architektur (HDA) Graz einen
neuen Blick auf den Architekturpreis des Landes
Steiermark 2025: Nicht die Auszeichnung steht
im Zentrum, sondern das, was Architektur davor und
danach ausmacht. Kuratiert von Sevince Bayrak und
Oral Göktaş (SO? architecture and ideas, Istanbul),
verfolgt die Ausstellung die Wege der 14 nominierten
Projekte von der Idee bis zur Nutzung – und damit die
vielen Überlagerungen, Korrekturen und Aushandlungen,
die in fertigen Bildern meist verschwinden.
Fotografien, Zeichnungen, Collagen, Bauunterlagen
und Notizen machen Baustellenrealität, Entscheidungsprozesse
und Bruchstellen sichtbar. „The Prize
Bag“ erzählt Architektur als offenes System, das sich
mit jedem Schritt verändert – und im Alltag ein zweites
Leben beginnt.
© Roland Renner
6
Magazin
© INNOCAD architecture
Haus der Architektur Graz
26.02. – 15.05.2026
© Martin Mechs
Fernwirkungen
© Architekturzentrum Wien, Sammlung, Foto: Gunter Wratzfeld
Walter Hildebrand, Eckhard Schulze-Fielitz, Gunter Wratzfeld
„Habitainer“ Unterkünfte für Ingenieure der Firma Hochtief, Skikda, Algerien 1970
Mit der Ausstellung „Global – Neutral“ richtet das Architekturzentrum
Wien (Az W) den Blick auf österreichische
Architekt*innen, die zwischen 1955 und 1989
in Ländern Afrikas und Asiens tätig waren – in einer
Phase von Entkolonialisierung, Kaltem Krieg und neu
entstehenden internationalen Allianzen. Gezeigt werden
Pläne, Fotografien und Modelle aus der Sammlung
des Az W, die die komplexen Verflechtungen von Architektur,
Diplomatie, Entwicklungsprogrammen sowie
wirtschaftlichen und kulturellen Interessen sichtbar
machen. Anhand realisierter und geplanter Arbeiten
von rund 25 Architekt*innen eröffnet die Schau neue
Perspektiven auf Österreichs Rolle im globalen Architekturgeschehen
und auf die ambivalente Bedeutung
politischer Neutralität im internationalen Projektgeschäft.
Kuratorinnen: Monika Platzer, Susanne Rick.
Architekturzentrum Wien (Az W)
16.04. – 05.10.2026
Begriffe schärfen, Boden schützen
Die öffentliche Diskussion rund um Flächeninanspruchnahme
und Bodenversiegelung ist oft von
missverständlichen Begriffsverwendungen und unterschiedlichen
Interpretationen der Daten geprägt.
Um hier eine gemeinsame, einheitliche und fachlich
fundierte Sprache zu etablieren, hat die zt: Kammer
Ost das Positionspapier „Flächeninanspruchnahme
und Bodenversiegelung“ veröffentlicht. Das Papier
erklärt zentrale Begriffe kompakt, stellt die in Österreich
verwendete Methode zur Quantifizierung
von Flächeninanspruchnahme und Bodenversiegelung
vor und vergleicht sie mit ausgewählten europäischen
Ansätzen. Darüber hinaus bietet es einen
Überblick über themenspezifische Veröffentlichungen
der letzten Jahre, beantwortet zentrale Fragen
zum Bodenschutz und formuliert fünf Positionen
zum Schutz von Fläche und Boden.
wien.arching.at
www.architektur-online.com
7
Magazin
Facing
Life
Weil das Leben keine
Ausstellung ist.
Interior Pro 2.6 Horizontal
www.fundermax.com
architektur FACHMAGAZIN
Re-Recycling auf der A1
Tag für Tag nutzen tausende Fahrzeuge den Autobahnabschnitt
Mondsee–Thalgau zwischen Oberösterreich
und Salzburg. Diese starke Nutzung führte
dazu, dass ab 2023 saniert werden musste, wobei die
ASFINAG erstmals auf Re-Recycling der Betondecke
gesetzt hat: Schon bei der ersten Generalsanierung
vor mehr als 30 Jahren war die jetzt wiederverwertete
Betondecke recycelt worden.
Für die erste Generalsanierung entwickelte man damals
eine eigene Methode, bei der die bestehende
Betondecke als „Steinbruch“ für die Erneuerung diente.
Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bildeten die
Grundlage für weitere Sanierungen der A1 West Autobahn.
Jetzt wurde der Abschnitt wieder zum Vorreiter
für nachhaltige Betonfahrbahnen und erstmals in
Österreich ein Re-Recycling durchgeführt. 70 Prozent
der primären Gesteinskörnung wurden eingespart
und 24 cm Recyclingbeton im Unterbeton eingebaut.
Machbar war das, weil die Recycling-Gesteinskörnung
nach der Aufbereitung der Körnung eines normalen
Kieswerks entsprach. Für die Verarbeitung mussten
Sand, Zement und Zusatzmittel ergänzt werden.
Dieses außergewöhnliche Beispiel für die Kreislauffähigkeit
des Baustoffs Beton begeistert auch auf internationaler
Ebene und die ASFINAG wurde gemeinsam
mit den Projektpartnern Habau und Asamer
Kies- und Betonwerke von der European Concrete
Paving Association (EUPAVE) mit dem Outstanding
Project Award ausgezeichnet. „Das Re-Recycling auf
der A1 beweist, dass Beton nicht zu Abfall wird und
zentral zur Ressourcenschonung beiträgt“, so Sebastian
Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen
Zementindustrie.
www.zement.at
8
Magazin
Mehr Sichtbarkeit
für Architektinnen
Der anotHERVIEWture AWARD ist ein Format, das
Sichtbarkeit nicht als Nebenprodukt versteht, sondern
als Voraussetzung für eine zeitgemäße Baukultur.
Als internationaler, biennaler Preis würdigt
er Architektinnen und Ingenieurinnen, die mit ihren
Projekten und Positionen die Disziplin prägen – und
Fragen nach Qualität, Verantwortung und Diversität
konkret beantworten. Die Struktur des Awards mit
vier Kategorien macht unterschiedliche Rollen und
Maßstäbe in Planung und Architektur sichtbar; das
begleitende Online-Archiv sorgt dafür, dass Arbeiten
und Profile langfristig auffindbar bleiben – als Referenz,
Netzwerk und Ressource.
Einreichphase 2026: 31. März bis 30. Juni 2026
Details unter www.anotherviewture.at
www.architektur-online.com
Wettbewerb für Studierende
Die Concrete Design Competition (CDC) 2025/2026
lädt dazu ein, den Baustoff Beton neu zu denken. Angesprochen
sind Studierende der Architektur, des
Bauingenieurwesens, der Raum- und Stadtplanung,
des Designs sowie verwandter Disziplinen. Unter dem
Motto „Transform“ werden wissenschaftliche Arbeiten
gesucht, die sich innovativ mit den Materialeigenschaften
von Beton, seinem Herstellungsprozess
oder dem nachhaltigen und zukunftsfähigen Einsatz
des Baustoffs auseinandersetzen. Willkommen sind
ebenso Beiträge, die ökonomische Fragestellungen
oder gesellschaftliche Perspektiven auf Beton und
seine Anwendungen beleuchten.
Teilnahmeberechtigung & Einreichung
Einreichen können Einzelpersonen und Teams, die
2024 oder später inskribiert wurden und sich im Rahmen
des Studiums oder eigeninitiativ mit der Transformation
des Baustoffs Beton beschäftigt haben.
Für die Teilnahme ist ein Poster zu erstellen, das die
wissenschaftliche Arbeit und ihre Ergebnisse kompakt
und anschaulich präsentiert. Zusätzlich sind
eine Teilnahmeerklärung sowie eine Urheber- und
Datenschutzerklärung einzureichen.
9
Preise & Workshop
Die Sieger:innen erwarten Geldpreise im Gesamtwert
von 5.000 Euro sowie die Teilnahme an einem einwöchigen
Workshop in Wien mit Studierenden aus
Deutschland, den Niederlanden, Irland und Belgien.
Gemeinsam mit Expert:innen aus Industrie und Praxis
wird an einem konkreten Projekt aus dem Bereich
Beton gearbeitet, das im Anschluss zusammen umgesetzt
wird – mit Fokus auf Praxisbezug, Austausch
und internationale Vernetzung.
www.beton-dialog.at/concrete-design-competition
Magazin
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Magazin
Gelungener Dialog
1976 wurde in Mattersburg das erste Kulturzentrum des Burgenlands eröffnet.
Nach 37 Jahren stand der markante Brutalismusbau vor dem Abriss – bis eine
Initiative seinen architektonischen und kulturellen Wert erkannte und den Erhalt
einleitete. Das Projekt gewann den Österreichischen Betonpreis 2025 in der Kategorie
Revitalisierung.
Fotos: Wolfgang Thaler
2016 gewann Holodeck Architects das international
ausgeschriebene Verfahren zur Sanierung und Erweiterung.
Ziel war es, zwischen Schule und Kultur einen
neuen öffentlichen Raum zu schaffen und zugleich
die identitätsstiftenden Qualitäten des Bestands zu
bewahren. Baustart war 2020, abgeschlossen wurden
Revitalisierung und Erweiterung im Mai 2022.
Heute stehen den sorgfältig restaurierten, skulpturalen
Betonbaukörpern des Bestands ein flexibel nutzbarer,
teilbarer Veranstaltungssaal für 410 Personen
sowie Räumlichkeiten des Landesarchivs gegenüber.
Der Neubau zeigt eine zurückhaltende Sichtbetonstruktur;
ein transparentes Foyer aus Stahl und Glas
vermittelt als räumliches und funktionales Gelenk
zwischen den Baukörpern unterschiedlicher Epochen.
austarierten Austausch mit dem Bestand, ohne dessen
Charakter zu überformen. Auch bei der Materialwahl
wurde sorgfältig vorgegangen – 1.300 Tonnen
Sand und Kies konnten eingespart werden. Städtebaulich
setzt das Projekt mit aufgewertetem Umfeld
und besserer Einbindung in den öffentlichen Raum
einen kulturellen Anker für Stadt und Region.
Mehr Informationen:
beton-dialog.at/betonpreis2025
Respekt vor Architektur der 1970er-Jahre
Mit nachhaltigen Baustoffen, verbesserter Gebäudehülle
und zeitgemäßer Haustechnik wurde das
Kulturzentrum ökologisch auf den neuesten Stand
gebracht. Gleichzeitig wurden die Innenräume neu
organisiert und ermöglichen heute vielfältige Nutzungen
– von Konzerten und Theater über Workshops
und Ausstellungen bis zu hybriden Formaten
und Bildungsangeboten.
Die Jury würdigte den „eindrucksvollen Dialog zwischen
Alt und Neu“: Der Neubau trete in einen fein
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Magazin
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architektur FACHMAGAZIN
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Magazin
Kontaktabstand
Ein ehemaliges Sanitärgebäude aus den 1820er-Jahren wurde in ein zeitgenössisches
Künstleratelier verwandelt – jedoch nicht durch Transformation, sondern
durch bewusste Zurückhaltung. Das Butler Gallery Garden Studio in Kilkenny,
Irland zeigt eindrucksvoll, wie Alt und Neu koexistieren können, wenn die Architektur
lernt, sich zurückzunehmen.
Text: Linda Pezzei Fotos: Ros Kavanagh
Innerhalb der Anlage des ehemaligen „Evan’s Alms
House“, das heute Teil der „Butler Gallery“ ist, befanden
sich zwei dreieckige Latrinen, die in die massive
Bruchsteinmauer eingebettet waren. Eine davon
blieb als historisches Zeugnis unverändert erhalten.
Die zweite wurde von CANICE Architects zu einem
rund 30 Quadratmeter großen Atelier für das erste
Artist-in-Residence-Programm der Galerie adaptiert
– oder besser gesagt: neu eingefügt, ohne den Bestand
anzutasten.
Die maßgeblichen Entwurfsentscheidungen fielen
erst nach der Freilegung der historischen Mauern.
Ihre Fragilität, Patina und Unregelmäßigkeit machten
schnell klar, dass jede weitere Intervention nicht nur
statisch, sondern vor allem atmosphärisch problematisch
gewesen wäre. Anstatt den Bestand an heutige
Toleranzen anzupassen, wurde das Neue neu gedacht.
Eine vollständig unabhängige, innenliegende
Holzstruktur nimmt das Atelier auf und distanziert es
bewusst von den alten Mauern. Zwischen Stein und
Holz bleibt Luft – ein schmaler Raum aus Schatten,
Bewegungsspiel und Lesbarkeit.
www.architektur-online.com
13
Magazin
Dieser Berührungsabstand fungiert als zentrales architektonisches
Motiv. Die neue Struktur akzeptiert
Maßabweichungen, Setzungen und Unschärfen des
Bestands, ohne sie zu korrigieren. Anschlüsse werden
nicht kaschiert, sondern als präzise Übergänge ausgebildet.
Alt und Neu bleiben klar unterscheidbar und
bestätigen sich dadurch gegenseitig in ihrer Authentizität.
Die Konstruktion folgt einer Logik der Offenheit.
Verwendet wird schlichtes Konstruktionsholz, das
trocken gefügt und nicht verkleidet wird. Tragwerk,
Verbindungen und Fixierungen bleiben sichtbar. In
direktem Dialog mit den jahrhundertealten Steinmauern
wird Konservierung hier nicht als nostalgische
Disziplin lesbar, sondern als zukunftsgerichtete Praxis:
ressourcenschonend, adaptierbar und nachvollziehbar.
Die Architektur erklärt sich durch Nutzung,
Berührung und Beobachtung selbst.
Das einzige Element, das über die historische Mauerkrone
hinausragt, ist eine dreieckige Dachöffnung.
Sie entstand zunächst aus funktionaler Notwendigkeit,
um Tageslicht und Orientierung in einem fensterlosen
Volumen zu ermöglichen. Erst im weiteren
Entwurfsprozess wurde ihre narrative Dimension
deutlich. Auf dem Areal befand sich im 13. Jahrhundert
St John’s Priory, auch bekannt als die „Lantern
of Ireland“. Die neue Laterne greift diese Geschichte
auf und übersetzt sie in eine abstrahierte, zeitgenössische
Form. Tagsüber lenkt sie Licht tief in den
Raum, nachts wird sie zu einem stillen Zeichen nach
außen – weniger ein Signal im Stadtraum als ein Marker
für innere Aktivität.
Dass ein ehemaliger Ort der Notdurft heute Raum für
künstlerische Arbeit bietet, ist mehr als eine funktionale
Umnutzung. Mit dem Garden Studio erweitert
die Butler Gallery ihr Programm erstmals um eine Artist
Residency und macht sichtbar, welches Potenzial
selbst marginale Bestandsbauten entfalten können
– vorausgesetzt, Architektur versteht sich nicht als
Korrektiv, sondern als präziser Begleiter. Im Kontext
von Alt und Neu ist das Butler Gallery Garden Studio
ein bewusst leises Projekt. Es erzählt nicht von Transformation
durch Eingriff, sondern von Innovation
durch Verzicht. Alt bleibt alt, Neu bleibt neu – dazwischen
entsteht ein Raum, der zeigt, dass architektonische
Haltung oft dort am klarsten wird, wo man sich
entscheidet, nichts zu tun, was nicht notwendig ist.
architektur FACHMAGAZIN
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Magazin
Halle mit Herz
Im 20. Wiener Gemeindebezirk, unweit des Nord-Westbahnhofsareals, realisierte
cy architecture in einem ehemaligen Lagergebäude samt zugehöriger Garage
eine neue Boulderhalle: das flash. Ausgangspunkt des Projekts war ein Bestand,
der nicht geglättet oder überformt, sondern bewusst weitergeschrieben werden
sollte. Das zentrale Anliegen der Planung lag darin, ressourcenschonendes,
nachhaltiges Bauen mit klarer Funktionalität und einem präzisen Gestaltungskonzept
zu verbinden.
Text: Andreas Laser Fotos: Michael Goldgruber
Der Bestand bleibt nach der Fertigstellung in allen
Bereichen spürbar – als Oberfläche, Struktur und Atmosphäre.
Wo kein zwingender Eingriff erforderlich
war, wurden Garage und Lager im vorgefundenen
Zustand belassen. „Das ungedämmte Bestandsgebäude
erweist sich, auch ohne eine vollumfassende
Sanierung, als erstaunlich gut geeignet. Eine solche
wäre extrem aufwändig und käme in ihrer Tragweite
einem Neubau gleich. Schwierig war vielmehr, überhaupt
einen Bestand zu finden, der die passenden
Dimensionen hat und gleichzeitig widmungsrechtlich
so geeignet ist, dass Baurecht und OIB-Richtlinien
keine Komplettsanierung verlangen“, fasst Architekt
Christoph Köhler zusammen.
Auch energetisch wurde der Bestand konsequent
aktualisiert: Die alte Ölheizung wurde verfüllt und
durch eine Heiz- und Kühlanlage auf Wärmepumpenbasis
ersetzt. Ebenso arbeitet die Lüftungsanlage
mit Wärmepumpe. Eine Photovoltaikanlage
ist bereits eingeplant und wird in einem nächsten
Schritt nachgerüstet. Damit wird der Betrieb langfristig
auf eine zeitgemäße, effiziente und zukunftsfähige
Basis gestellt.
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Magazin
Klar gegliedert
Die räumliche Organisation folgt einer klaren Strukturierung,
die Orientierung im Gebäude erleichtert
und gleichzeitig eine angenehme, offene Atmosphäre
erzeugt. Die Gestaltung setzt auf eine einfache,
funktionelle Formensprache: Helles Holz und eine
Farbwelt aus Rot- und Grüntönen ziehen sich als wiederkehrendes
Motiv durch alle Zonen und schaffen
Zusammenhalt zwischen Sportbereich, Nebenräumen
und Gastronomie.
Ein wesentliches Element der Organisation ist die
thermisch und akustisch wirksame Glastrennung
zwischen dem Garderobentrakt mit Bar und der Boulderhalle.
Sie schafft nicht nur klimatisch angenehme
Bedingungen, sondern reduziert auch Staub- und
Magnesiumpartikel im Bistrobereich. Gleichzeitig ermöglicht
sie zwei getrennte Beschallungszonen.
Sozialer Ankerpunkt
Der Empfangsbereich mit Bar bildet das Herzstück
des Bistros und ist als erstes Element beim
Betreten der Halle präsent. Er fungiert als gemeinsame
Anlaufstelle – unabhängig davon, ob es um
Anmeldung, Snack oder Getränk geht. In Materialität
und Farbgebung nimmt das Möbelstück das
Gesamtkonzept der Halle auf und verbindet dabei
räumliche Prägnanz mit Alltagstauglichkeit.
Ergänzt wird dies durch ein bewusst ressourcenschonendes
Mobiliar: Tische und Stühle stammen
größtenteils aus zweiter Hand und wurden gemeinsam
mit den Auftraggeber*innen ausgewählt. Auch
der Gastgarten ist bereits begrünt und möbliert und
erweitert das Nutzungsspektrum der Halle nach
außen. Der Gastbereich in der ehemaligen Garage,
wird regelmäßig auch kulturell genutzt: Mit kostenlosen
„Wohnzimmerkonzerten“ hat sich der Raum
als überraschend geeignet für Musik erwiesen, auch
wenn in Puncto Gesprächsakustik noch etwas Verbesserungsbedarf
besteht. Hier sollen, nach Wunsch
der Architekt:innen, in Zukunft dämpfende Vorhänge
oder Deckenpaneele Abhilfe schaffen.
u
architektur FACHMAGAZIN
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Magazin
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17
Magazin
Rohheit als Gestaltungsmittel
Eine emissions- und lösungsmittelfreie, PU-verstärkte
Einkomponenten-Acrylbeschichtung macht den
Boden robust, ohne den Bestand zu überdecken:
Wo erforderlich, wurden die Betonflächen nur angeschliffen,
grundiert und dünnschichtig beschichtet –
Spuren und Strukturen bleiben sichtbar. Technische
Installationen wie Lüftung, Kühlung, Elektrik und Beleuchtung
sind – als pragmatische Konsequenz einer
ressourcenschonenden Planung – offen geführt.
Die Massivholzelemente der Galerie bleiben überwiegend
unverkleidet; darunter sind die Nebenräume
kompakt zusammengefasst. Roh belassene Bestandselemente
und robuste Oberflächen bilden die
Grundlage, präzise Farbakzente strukturieren den
Bereich. Fliesen und Glasrahmen führen das Farbkonzept
als verbindende Klammer durch und geben
dem Bestand eine klare gestalterische Ordnung.
Kernstück des Projekts sind die Boulderwände und
der Trainingsbereich. Die Kletteranlage wurde gemeinsam
mit den Auftraggeber*innen entwickelt – mit
sorgfältig abgestimmten Neigungswinkeln, klar definierten
Absprungbereichen sowie Aufenthalts- und
Ruhezonen, die nicht nur den Sport, sondern auch das
soziale Miteinander unterstützen. Die Trainingsgalerie
ergänzt das Angebot und bildet den allgemeinen
Trainingsbereich räumlich eindeutig aus. Zwischen
Bewegung und Pause entstehen bewusst gesetzte
Übergänge, die den Alltag in der Halle prägen. So entsteht
ein Ort, der im täglichen Betrieb überzeugt – als
Sportstätte, Treffpunkt und Teil des Grätzls. •
architektur FACHMAGAZIN
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Wettbewerbe & Awards
Nordwestbahnhof
1200 Wien, Bauträgerwettbewerb Phase 1
Der Wiener Nordwestbahnhof mit großem
Empfangsgebäude aus dem 19. Jahrhundert
wurde im Laufe der Zeit vor allem als Güterterminal
genutzt. Nach Ende der Bahnnutzung
wurde das Gelände zum letzten großen
innerstädtischen Entwicklungsgebiet mit
rund 44 Hektar, das bis etwa 2035 zu einem
neuen, sozial gemischten und klimafreundlichen
Stadtteil umgestaltet wird, der urbanes
Wohnen und Arbeiten mit Freizeit- und
Erholungswert vereint und der die beiden
durch den Bahnhof getrennten Bezirkshälften
durch einen neuen Stadtteil miteinander
verbindet.
Im Zuge dieser Umnutzung wurde ein Realisierungswettbewerb
für die Gestaltung des
öffentlichen Raums sowie 2023 für einen
Schulcampus ausgeschrieben. Parallel dazu
lief ab 2024 ein dialogorientierter, zweistufiger,
nicht anonymer Bauträgerwettbewerb
für die erste Phase der Bebauuung mit qualitätsvollem,
gefördertem sowie freifinanziertem
Wohnbau und für Gemeindebau NEU
nach einem Vier-Säulen-Modell Architektur,
Ökologie, Ökonomie, soziale Nachhaltigkeit.
Wettbewerbsareal Phase 1:
© GBStern Grote
Geförderter Wohnbau: Bauplätze 4, 5, 10 (türkis), Gemeindebau NEU:
Bauplätze 8, 9 (orange), freifinanzierter Wohnbau: Bauplätze 6, 11
(rosa), Bildungscampus: (blau)
AUSSCHREIBUNG
© ÖBB Redl Janousek Havlicek.cz
Bauplätze 4, 5, 10 (geförderter
Wohnbau), 6, 11 (freifinanzierter Wohnbau)
und 8, 9 (Wiener Wohnen)
Wettbewerbsart: Zweistufiger dialogorientierter
Bauträgerwettbewerb
Auslober: ÖBB-Infrastruktur AG,
vertreten durch die ÖBB-Immobilienmanagement
GmbH in Kooperation mit
wohnfonds_wien
Verfahrensorganisation:
Attacca Projektmanagement GmbH und
ZT DI in Andrea Hinterleitner, Wien
Jurysitzungen:
Bauträgerwettbewerb:
1. Stufe 05./06. November 2024
Qualitatives Bestbieterverfahren:
07. November 2024
2. Stufe 06. November 2025
Jurymitglieder (ohne Titel):
Rudolf Scheuvens, Karl Dwulit, Bertram
Ernst, Regina Freimüller-Söllinger, Ljuba
Goger, Kurt Hofstetter, Bernadette Luger,
Doris Österreicher, Michael Pech, Gregor
Puscher, Isolde Rajek, Lina Streeruwitz,
Martin Scheiflinger, Klaus Wolfinger
Gefördertes Wohnen am Nordwestbahnhof –
Fokus Kreislaufwirtschaft
„Das bewährte Qualitätsinstrument des Bauträgerwettbewerbs
des wohnfonds_wien setzt mittlerweile
ganz selbstverständlich einen klaren Schwerpunkt auf
die klimafitte Entwicklung zukunftsfähiger Stadtquartiere.
Darüber hinaus wird am Areal des Nordwestbahnhofs
die Planung konsequent nach kreislaufwirtschaftlichen
Prinzipien gedacht und von Beginn an in
den gesamten Entwicklungsprozess integriert. Ergänzend
zum Bauträgerwettbewerb kommt hier auch das
Qualitätssicherungsinstrument des Qualitätsbeirats
des wohnfonds_wien zum Einsatz: In diesem Rahmen
arbeiten sämtliche Projektteams des Areals – von den
im Bauträgerwettbewerb geförderten Projekten über
freifinanzierte Vorhaben bis hin zum Gemeindebau
NEU – gemeinsam an qualitätssichernden Prozessen.
Auf diese Weise wird eine abgestimmte, ganzheitliche
und langfristig nachhaltige Quartiersentwicklung
gewährleistet“, so wohnfonds_wien-Geschäftsführer
Gregor Puscher.
Informationen:
wohnfonds.wien.at/neubau_qualitaetssicherung
© Wilke
architektur FACHMAGAZIN
19
Wettbewerbe & Awards
Vom Frachtenbahnhof
zum Zukunftsquartier
Der Nordwestbahnhof ist eines der letzten großen innerstädtischen Stadtentwicklungsgebiete
Wiens. Gemeinsam mit der Stadt Wien entwickelt die ÖBB ein
gemischt genutztes Stadtquartier für rund 16.500 Menschen.
Wohnraum, Bildungs- und Infrastrukturangebote
sowie rund 4.700 Arbeitsplätze,
verbunden durch die zentrale „Grüne Mitte“:
Ziel ist es, einen Ort zum Leben, Lernen,
Arbeiten und Begegnen zu schaffen.
Ein Areal mit Geschichte
Der Nordwestbahnhof blickt auf eine über
150-jährige Geschichte zurück. Errichtet
als Bahnhof für den Personenverkehr,
wurde das Areal nach der Zerstörung im 2.
Welt krieg ab 1952 als Frachtenbahnhof genutzt
und später zu einer modernen Logistik-Drehscheibe
ausgebaut. 2005 begann
die städtebauliche Entwicklung des Areals
mit einem Leitbild.
Vorzeigeprojekt moderner
Stadtentwicklung
„Für mich persönlich ist der Nordwestbahnhof
eines der spannendsten innerstädtischen
Stadtentwicklungsprojekte in
Wien. Hier entsteht ein lebendiges Quartier
mit leistbarem Wohnraum, innovativen Bildungsangeboten,
großzügigen Grünräumen
und modernster Infrastruktur. Die Kombination
aus Geschichte, moderner Architektur
und nachhaltiger Bauweise macht das Areal
zu einem Vorzeigeprojekt, auf das wir als
ÖBB besonders stolz sind. Es zeigt, wie wir
als Stadtentwicklungspartner gemeinsam
mit der Stadt Wien neue Maßstäbe für die
Zukunft der Stadt setzen“, so Silvia Angelo,
Vorständin der ÖBB-Infrastruktur AG.
Der erste Abschnitt
Die erste Entwicklungsstufe im Südosten
des Areals wird voraussichtlich im Zeitraum
von 2026 bis 2030 umgesetzt. Geförderter
Wohnbau, freifinanzierte Wohnungen und
ein Bildungscampus bilden den Auftakt für
das neue Quartier.
Geförderter Wohnbau
und Gemeinde bauten
Für die Bauplätze 4, 5 und 10 wurde 2024 ein
zweistufiger Bauträgerwettbewerb durchgeführt.
Diese Bauplätze wurden im Baurecht
vergeben. Rund 530 geförderte Wohneinheiten
entstehen auf Basis der Siegerprojekte.
Ergänzend werden auf den Baufeldern 8 und
9 Gemeindebauten realisiert.
Sozialer Wohnbau
„Der soziale Wohnbau in Wien ist eines der
besten Beispiele dafür, wie kluge, langfristige
Planung und gezielte Förderung nachhaltig
wirken können. Er sorgt nicht nur seit
Jahrzehnten für leistbare und qualitativ
hochwertige Wohnungen, sondern leistet
auch einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen
Stabilität und zum sozialen
Zusammenhalt unserer Stadt. Als soziale
Klimamusterstadt gehen wir am Areal des
ehemaligen Nordwestbahnhofs bewusst
neue Wege: Mit innovativen Konzepten,
den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und
einem verantwortungsvollen Umgang mit
Ressourcen setzen wir Maßnahmen um, die
den Menschen unmittelbar zugutekommen.
So schaffen wir nicht nur heute, sondern
auch für kommende Generationen leistbaren
Wohnraum und hohe Lebensqualität“,
so Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin
Kathrin Gaál.
Kathrin Gaál, Wiener Wohnbaustadträtin
das Herzstück des Quartiers: Barrierefreie
Spiel- und Bewegungsflächen, urbane Esplanaden,
Schwammstadt-Prinzipien für
die Quartiersstraßen und naturnahe Parks
schaffen Aufenthaltsqualität.
Zirkuläres Planen
ÖBB und Stadt Wien setzen auf kreislauforientiertes
Bauen: Materialien und Bauteile
werden bereits in der Planung so ausgewählt,
dass sie später wiederverwendet oder
recycelt werden können. Dies minimiert Abfall,
schont Ressourcen und setzt Maßstäbe
für klimaresiliente Quartiersentwicklung.
ÖBB setzt Maßstäbe
Dieses Projekt reiht sich in eine Serie erfolgreicher
Stadtentwicklungen der ÖBB
ein. In Wien entstehen mit dem Neuen
Landgut, dem Nordbahnhof und dem Nordwestbahnhof
neue, lebendige Stadtteile mit
internationaler Beachtung. Auch in Krems,
Linz, Villach und Wiener Neustadt werden
ehemalige Bahnareale in nachhaltige Quartiere
transformiert.
© fotografiefetz
© ÖBB Hauswirth
Silvia Angelo, Vorständin ÖBB-Infrastruktur AG
Bildung, Grünraum & Identität
Auf Baufeld 13 entsteht ein Bildungscampus
für bis zu 1.600 Kinder, Fertigstellung
ist für 2028 geplant.
Zwei historische Backsteinhallen bleiben
als identitätsstiftende Elemente sichtbar.
Die elf Hektar große „Grüne Mitte“ bildet
architektur FACHMAGAZIN
20
Wettbewerbe Wettbewerbe & Awards
Baufeld 12 / Bauplatz 4
Projekt 04-6 „Inside Out“
Bauträger: Familienwohnbau
Architektur:
Dietrich | Untertrifaller
Freiraum: YEWO landscape
Soziale Nachhaltigkeit:
art:phalanx
Aus der Jurybeurteilung
Architektur
Das Projekt überzeugt durch die
gelungene Vermittlung zwischen
städtebaulicher Setzung und innerer
Gliederung. Vor-, Rücksprünge und
Einschnitte sind zur Straße wie zum
Hof nicht Selbstzweck, sondern bilden
Eingänge und Vorplätze, wobei
Erschließungsräume in Dialog mit
öffentlichen und halböffentlichen
Bereichen treten. Die Erdgeschosszone
zur Rebhanngasse ist im Unterschied
zur Stichstraße noch wenig
präzise, zugleich fehlt den Wohnungen
an der Stichstraße eine klare
Adressbildung, da sie nur über einen
Umweg erschlossen sind. Die Fassaden
zeigen konstruktive Klarheit mit
ReUse-Sockel und differenzierten
Holzfassaden zwischen horizontaler
Prägung mit PV-Integration und vertikalem
Abschluss. Die gewünschte
Differenzierung der Baukörper
ist noch zurückhaltend und könnte
stärker ausfallen, ohne plakativ zu
wirken. Der konsequente Holzbauraster
von ca. 3,5 m ermöglicht hohe
Lageplan
Pflanzentröge mit PV und Sonnenschutz
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21
Wettbewerbe & Awards
Flexibilität, Erschließungsflächen
weiten sich zu gemeinschaftlichen
Bereichen. Die Wohnungen nutzen
den Raster vielfältig und sind zweiseitig
belüftet, wobei dies im schmalen
Trakt teils bezweifelt wird.
Ökologie
Die gestalterische Reduktion und
Abstimmung mit Nachbarbauplätzen
werden positiv bewertet. Der
Schulvorplatz soll mit der Straße
qualitätvoll gestaltet und begrünt
werden, Vorbereiche nur minimal
versiegelt. Eine Abstimmung zu
ReUse-Bodenbelägen wird angeregt,
der Jokerplatz soll verbindend wirken.
Passive Maßnahmen und Querlüftung
werden sehr positiv beurteilt.
Das Energiekonzept übernimmt die
Quartierslösung mit hohem PV-Anteil,
Speicher und gelungener PV-Integration
in Balkonbrüstungen. Die
energetischen Maßnahmen weisen
hohe Qualität auf.
Erdgeschoss
Soziale Nachhaltigkeit
Die Free-People-School bleibt zentrale
Nutzerin, ergänzt durch einen
zweigeschossigen Mehrzweckraum
für kulturelle Nutzung. Der täglich
besetzte Volkshilfe-Stützpunkt
stärkt Nachbarschaft und Kommunikation.
Multifunktionale Gemeinschaftsräume
fördern Austausch
und Vernetzung, kreative Projekte
mit Schule und Bewohner:innen werden
positiv bewertet. Für Alleinerziehende
und ältere Menschen entstehen
Synergien mit Garconnieren
der Schüler:innen.
Ökonomie
Vorgesehen sind 136 geförderte
Wohnungen, davon 45 Norm- und
91 SMART-Wohnungen sowie 8 Geschäftslokale
mit 11.182,81 m² förderbarer
Nutzfläche. Holzfenster und
Holzparkett werden positiv bewertet.
Regelgeschoss
Zusammenfassende Beurteilung
Der Entwurf zeigt sich sozial, architektonisch
und ökologisch ausgewogen
und erfüllt die Anforderungen
an zukunftsfähiges, gemeinschaftsorientiertes
Wohnen. Besonders
hervorzuheben sind Holzbauweise,
Energiekonzept, Kommunikationsräume
und die sozialinnovative Programmierung.
Typ A smart
Typ B
Typ D
Typ C
Wohnungstypen
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22
Wettbewerbe & Awards
Renderings © querkraft - Patricia Bagienski-Grandits (2)
Baufeld 12 / Bauplatz 5
Projekt 05-7 „luv + lee zukunftsfit
lebendig kühl“
Bauträger: ARWAG
Architektur: querkraft
architekten
Freiraum: Green4Cities
Soziale Nachhaltigkeit: Caritas
Stadtteilarbeit
Aus der Jurybeurteilung
Architektur
Insgesamt hat sich das Projekt in der
Vertiefung sehr gut weiterentwickelt
und die in der ersten Stufe präsentierten
Qualitäten beibehalten. Städtebaulich
wird es durch zwei Hochpunkte
entlang der Esplanade und
einen Einschnitt zum Riegel an der
Rebhanngasse gegliedert, der das
Atrium über Gemeinschaftsräume
belichtet. Die Baumasse wird über
die Fassadengestaltung differenziert,
farbig lasierte Holzlattungen
setzen Akzente, während das homogene
Balkonband diese Differenzierung
abschwächt. Die Ausweitung
des Atriums ermöglicht indirekte
Querlüftung auch im Rebhanngassen-Trakt.
Die begleitende Simulation
mit einem Temperaturunterschied
von 5 °C wird sehr positiv
bewertet. Die Wohnungen überzeugen
durch Organisation, Flexibilität,
hohe Qualität, durchgehende Querlüftung
und das Vermeiden reiner
Nordwohnungen. Das Tragsystem
Lageplan
architektur FACHMAGAZIN
23
Wettbewerbe & Awards
als Stützraster mit Kernen ist robust,
die Reduktion von Stützen und
Stahlbeton wird begrüßt.
Ökologie
Die ökologischen Themen wurden
konsequent weiterentwickelt und
mit Nachbarbauplätzen abgestimmt.
Sehr positiv beurteilt werden Querlüftung,
2,8 m Raumhöhe und außenliegender
Sonnenschutz. Die
Anbindung an die Quartiersenergie
wird begrüßt, ein hoher PV-Anteil
zur Eigenstromversorgung ist anzustreben.
Insgesamt weisen die Maßnahmen
hohe Qualität auf.
Soziale Nachhaltigkeit
Der Fokus auf größere Wohnungen
wird begrüßt. Kulturelle Nutzungen
mit Jokerraum, Café, Buchladen und
Atelier werden durch ein Kunstprojekt
zur Ortsgeschichte ergänzt, was
als sehr guter Ansatz gilt. Das Kommunikationskonzept
fördert Orientierung,
Nachbarschaft, Aneignung
von Gemeinschaftsflächen und gemeinsame
Aktivitäten, in Kooperation
mit dem Stadtteilmanagement.
Angebote für Schichtarbeitende, Alleinerziehende
und ältere Menschen
wurden sinnvoll weiterentwickelt.
Ökonomie
Vorgesehen sind 113 geförderte
Wohnungen, davon 45 Norm- und
68 SMART-Wohnungen sowie eine
Heim einheit und ein Geschäftslokal,
zusätzlich 7 freifinanzierte Lokale.
Die Bauausstattung mit Holzfenstern
mit Aludeckschale und Holzparkett
wird sehr gut bewertet.
Zusammenfassende Beurteilung
Die Jury würdigt das Projekt als sehr
gelungenen und ganzheitlich durchdachten
Beitrag mit hoher architektonischer,
sozialer und ökologischer
Qualität. Besonders positiv hervorgehoben
werden die kulturellen
Nutzungen, die hohe Wohnqualität,
das robuste und nachhaltige Tragwerkssystem
sowie die konsequent
verfolgte ökologische und energetische
Strategie.
Erdgeschoss und Freiraum
Sockel Regelgeschoss
Häufigster Wohnungstyp C:
Esplanadentrakt mit durchgesteckten
Wohnungen
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24
Wettbewerbe & Awards
Baufeld 14 / Bauplatz 10
Projekt 10-2 „Wiener Luft“
Bauträger: EGW und
SCHÖNERE ZUKUNFT
Architektur:
eins:eins architektur
und feld72 Architekten
Freiraum: EGKK
Landschaftsarchitektur
Soziale Nachhaltigkeit:
Collective Wisdom und
Caritas Stadtteilarbeit
Schnitt A-A
Aus der Jurybeurteilung
Architektur
Das Projekt hat sich sehr gut weiterentwickelt.
Drei große Häuser besetzen
selbstbewusst die Bauplatzränder
und lassen innen einen großen
Freiraum, wodurch eine markante
Präsenz im öffentlichen Raum entsteht.
Die kompakteren Baukörper
reagieren gut auf die Nachbarbebauung,
größere Abstände schaffen Luftigkeit
und Durchsicht. Gliederung,
Materialisierung und Farbgebung der
Fassaden sind stimmig weiterentwickelt.
Entlang der Esplanade sind im
ersten Obergeschoss leitbildgemäß
keine Balkone oder Ausladungen
vorgesehen. Passive Maßnahmen
zu Beschattung und Belüftung zeigen
hohe baukünstlerische Qualität.
Holzskelettbau und Holzwände aus
der ersten Stufe bleiben, Stroh- und
Lehmbaustoffe sollen weiterverfolgt
werden. Die Neuorganisation im Erdgeschoss
mit zwei klaren Entrées ist
gelungen. Das Lüftungskonzept wird
durch Verteilung kühler Luft aus dem
Untergeschoss verbessert. Um zentrale
Eingänge entstehen vielfältige,
mehrseitig orientierte Wohnungen.
Schnitt B-B
Ökologie
Der Freiraumentwurf überzeugt
durch Qualität, Klimawirkung und
Identität. Die Nutzbarkeit des hängenden
Gartens ist durch dichte
Bepflanzung etwas eingeschränkt.
Querlüftung und außenliegender
Sonnenschutz werden sehr positiv
beurteilt. Klimarelevante Elemente
wie Klimabrunnen und Frischluftzufuhr
über das Untergeschoss sind
zukunftsweisend und weiterzuverfolgen.
Das Energiekonzept baut auf der
Quartierslösung auf und wird durch
PV und Batterien ergänzt, ein hoher
Eigenstromanteil wird empfohlen. Ein
begleitendes Forschungsprojekt ist
vorgesehen. Insgesamt weisen die
Maßnahmen hohe Qualität auf. u
Schnitt C-C
Lageplan
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25
Wettbewerbe & Awards
© Luiza Puiu
Qualität wird
neu definiert
Leistbarer Wohnbau ist für die EGW seit fast 120 Jahren ein gemeinnütziger
Auftrag. Unsere Projekte folgen dabei einem konstanten
Anspruch: architektonische Qualität, Alltagstauglichkeit
und die Bedürfnisse der Bewohner:innen konsequent zusammenzudenken.
Dieser Zugang hat sich über Jahrzehnte bewährt – steht
heute jedoch vor neuen, zusätzlichen Anforderungen.
Nun ist ein Zeitpunkt gekommen, an dem wir unser Handeln in Hinblick
auf Ressourcenschonung neu denken müssen. Es gilt, planetare
Grenzen einzuhalten und somit nicht nur im Betrieb, sondern
auch in der Errichtung der Gebäude eine Bauart zu wählen, die
CO 2
-Neutralität ermöglicht. Ebenfalls wird der Faktor der Kreislaufwirtschaft
und Klimawandelanpassung immer wichtiger.
Karin Kieslinger, Fritz Kittel
Geschäftsführung EGW
Neue Maßstäbe
Mit unserem Projekt Wiener
Luft am Nordwestbahnhof
können wir alles vereinen:
leistbare, geförderte Wohnungen,
die durch den Einsatz von
nachwachsenden Rohstoffen
CO 2
-neutral errichtet werden.
Gleichzeitig setzten wir hier
gemeinsam mit unserem Partner
Schönere Zukunft neue
Maßstäbe, was die soziale
Nachhaltigkeit angeht. Verschiedene
gemeinschaftliche
Wohnformen und Gewerbezonen
ergänzen klassische
Wohnungen und ermöglichen
so ein gut durchmischtes lebendiges
Gebäude.
Die Aufgabenstellung für gemeinnützige Bauträger ist komplex und
die aktuellen Herausforderungen sind erheblich. Umso wichtiger ist
es, Verantwortung nicht nur zu formulieren, sondern konsequent umzusetzen.
Innovation, der Einsatz neuer Materialien und der Mut zur
Veränderung sind dabei keine Optionen, sondern Voraussetzungen.
Die EGW versteht nachhaltigen Wohnbau als kontinuierlichen Prozess
– mit dem Ziel, leistbares Wohnen auch unter veränderten
Rahmenbedingungen langfristig möglich zu machen.
Soziale
Verantwortung
Die im Jahr 1952 gegründete SCHÖNERE ZUKUNFT GesmbH mit
Sitz in St. Pölten und einem Standort in Wien errichtet als gemeinnütziger
Bauträger in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen
seit mehr als 70 Jahren leistbaren Wohnraum. Das Unternehmen
realisiert hochwertige und zukunftsorientierte Wohnprojekte, die
modernes Wohnen mit Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung
verbinden. Ziel ist es, Menschen ein Zuhause zu schaffen, das Lebensqualität,
Funktionalität und Leistbarkeit vereint.
Unsere Philosophie: Wohnen am Puls der Zeit
Seit mehr als sieben Jahrzehnten stehen wir für Gemeinnützigkeit
sowie für soziale, innovative und krisensichere Kompetenz. In dieser
Zeit konnten wir knapp 9.000 Wohnungen, Reihenhäuser, Seniorenwohnheime
und Kindergärten errichten. Damit zählen wir
zu den Top 10 der gemeinnützigen niederösterreichischen Wohnbaugesellschaften
und sind auch im Bundesland Wien vertreten.
Unabhängig vom Standort unserer Bauprojekte legen wir größten
Wert auf einen modernen Bau- und Ausstattungsstandard sowie
auf höchste Qualität. Unser Anspruch ist es, leistbaren Wohnraum
zu schaffen, der den Anforderungen der Gegenwart gerecht wird
und zugleich zukunftsorientierte Lösungen bietet.
„Mit dem Projekt Wiener Luft am ehemaligen Wiener Nordwestbahnhof
zeigen wir, wie Zukunft gestaltet werden kann. Gemeinsam
mit der EGW als gemeinnützige Partnerin und einer Baugruppe entsteht
ein ökologisch, ökonomisch und sozial richtungsweisendes
Vorzeigeprojekt. Als gemeinnützige
Bauvereinigung stehen
wir für leistbaren Wohnraum,
nachhaltige Lösungen
und ein starkes Miteinander.
Unser Anspruch ist es, Lebensräume
zu schaffen, die
heute begeistern und morgen
Bestand haben – für eine Zukunft,
die lebenswert bleibt.
Darum heißt es für uns gemeinsam
Zukunft schaffen!“
Emanuel Obentraut (li.),
Stefan Haertl Geschäftsführer SZ
© Johannes Brunnbauer
www.architektur-online.com
FACHMAGAZIN
26
Wettbewerbe Wettbewerbe & Awards
Soziale Nachhaltigkeit
Es gibt zahlreiche Gemeinschaftsräume
wie hofseitige Zonen, Gemeinschaftsküche,
Werkstatt, Flex-,
Kinder- und Jugendräume, teils
auch offen für Haus- und Gewerbenutzer*innen
sowie das Quartier.
Kulturelle Empfehlungen wurden
mit Werkstatt, Buchhandlung und
KÖR-Projekt zu Ortsartefakten umgesetzt
und als sehr guter Ansatz bewertet.
Über alle Geschosse verteilte
Plusräume fördern Nachbarschaft
und werden mit Kinderbetreuung ergänzt.
Die offene Zugänglichkeit der
Gemeinschaftsräume wird begrüßt.
Für Alleinerziehende und ältere Menschen
gibt es passende Angebote,
unterstützt durch Plusräume.
Ökonomie
Vorgesehen sind 162 geförderte
Wohnungen, davon 109 Normwohnungen
(57 für die Baugruppe, 52
ohne Kaufoption), 53 SMART-Wohnungen,
zwei Heimeinheiten und
sieben Geschäftslokale mit 15.484,35
m² förderbarer Nutzfläche. Holz-Alu-
Fenster und Holzparkett werden
sehr positiv bewertet.
Zusammenfassende Beurteilung
Die Jury sieht einen überzeugenden,
ganzheitlich durchdachten Beitrag
mit hoher architektonischer, sozialer
und ökologischer Qualität. Besonders
hervorgehoben werden die Vielfalt
der Gemeinschaftsräume, die architektonische
Weiterentwicklung, der
Einsatz nachhaltiger Baustoffe sowie
zukunftsweisende Klima- und Energiekonzepte.
Das Projekt überzeugt
durch klaren Ausdruck, hohe Wohnqualität
und soziale Durchmischung
und leistet einen wichtigen Beitrag zur
nachhaltigen Quartiersentwicklung.
Erdgeschoss
Sockel Regelgeschoss
Frischluftschneisen / Luftzirkulation Vertical Loft im Staffelgeschoss Arkaden über Eck Verbindungsbrücken
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27
Wettbewerbe & Awards
Gemeindebau NEU
Wettbewerbsart: einstufiger
Architekturwettbewerb
Jurysitzungen: 18./19.09.2024
Baufeld 14 / Bauplatz 8
„Stadt Blume“
Bauträger: Stadt Wien – Wiener
Wohnen
Architektur: Hohensinn
Architektur
Freiraum: studio boden
Jurysitzung: 18./19.09.2024
Aus der Jurybeurteilung
Der Beitrag überzeugt durch vier
klar gegliederte Baukörper, eine
qualitätsvolle Straßenfassade und
hochwertige, farblich differenzierte
Fassaden. Tragsystem und Wohnungsgrundrisse
sind zu optimieren.
Die ökologischen Maßnahmen sind
solide, bieten jedoch noch Spielraum
für Optimierungen. Insgesamt handelt
es sich um ein Projekt mit starker
städtebaulicher Setzung, das in
der architektonischen und ökologischen
Detaillierung noch deutlich an
Tiefe gewinnen muss.
Detailgrundriss
Lageplan
Baufeld 14 / Bauplatz 9
Bauträger: Stadt Wien – Wiener
Wohnen
Architektur: Kronaus
Mitterer Architekten
Freiraum:
SI landschaftsarchitektur
Aus der Jurybeurteilung
Das Projekt bestätigt seine städtebaulichen
Qualitäten, zeigt jedoch
Schwächen in der architektonischen
Umsetzung, insbesondere bei den
zu gleichförmigen Fassaden und
den unzureichend belichteten Erschließungsbereichen.
Es wird eine
deutliche Reduzierung der Nutzkonditionen
in der Überarbeitung erwartet.
Die Maßnahmen im Bereich der
sozialen Nachhaltigkeit werden als
durchschnittlich bewertet. Die ökologischen
Maßnahmen und das Energiekonzept
sind solide, bieten jedoch
noch Spielraum für Optimierungen.
Die Jury schlägt ein vertiefendes Abstimmungsgespräch
mit dem Projektteam
vor, um gemeinsam die erforderlichen
Anpassungen zu erarbeiten.
Regelgeschoss OG 1 - 5
Lageplan
www.architektur-online.com
Freifinanzierter Wohnbau
Wettbewerbsart: einstufiger
Architekturwettbewerb und
qualitatives Bestbieterverfahren
mit dialogorientiertem Verfahren.
Baufeld 12 / Bauplatz 6 und
Halle Süd
Projekt: BAG 1-3
Bauträger: RE Wohnraum
GmbH
Architektur: AllesWirdGut
Freiraum: Lindle+Bukor
Soziale Nachhaltigkeit:
wohnbund:consult
28
Wettbewerbe & Awards
Aus der Jurybeurteilung
Das Projekt überzeugt durch eine
anspruchsvolle Lösung auf städtebaulicher
und architektonischer
Ebene. Insbesondere wird die Öffnung
des Freiraums nach Westen mit
resultierender Verbindung mit den
geförderten Bauplätzen begrüßt. Die
Verengung schafft eine subtile, den
übergreifenden Freiraum strukturierende
Schwelle. Die rasterförmige
Staffelung im Grundriss schafft eine
Vielzahl von Mehrfachorientierungen.
Die gegliederte Fassade mit
französischen Fenstern bietet einen
adäquaten Ausdruck Richtung Park.
Erdgeschoss
Baufeld 14 / Bauplatz 11
und Halle Nord
Projekt: BAG 2-1
Bauträger: win4wien
Architektur: Rüdiger Lainer
& Partner
Freiraum: PlanSinn
Soziale Nachhaltigkeit:
stadtland
Aus der Jurybeurteilung
Das Projekt findet eine ansprechende
städtebauliche Lösung durch
die Gliederung in fünf punktförmige,
Richtung Esplanade verbundene
Baukörper. Der polygonale Zuschnitt
reduziert die Baumasse in der Außenwahrnehmung,
gleichzeitig bietet er
eine Vielzahl von Durchblicken. Besonders
begrüßt wird das Angebot
großer, zum Teil über Eck orientierter
oder durchgesteckter Wohnungen.
Die differenzierte Ausbildung der Fassaden
wird sehr positiv beurteilt. Die
Nutzungen im Erdgeschoss bieten
ein abwechslungsreiches Gesamtbild.
Der zurückhaltende Umgang mit der
Bestandshalle wird begrüßt.
Lageplan
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29
Wettbewerbe & Awards
AUSSCHREIBUNG
Bildungscampus
Nordwestbahnhof
EU-weiter, offener, zweistufiger,
anonymer Realisierungswettbewerb
Auslober: Stadt Wien, vertreten durch
die Abteilung Architektur und Stadtgestaltung
Verfahrensorganisation:
ZT in DI in Andrea Hinterleitner, Wien
Jurymitglieder (ohne Titel):
Fachjuroren: August Sarnitz (Vorsitzender),
Verena Mörkl, Carla Lo,
Franz Kobermaier, Herwig Kroat, Karin
Schwarz-Viechtbauer
Sachjuroren: Judith Frank, Astrid Konrad,
Karl Dwulit, Brigitta Schwarz, Michael
Habitzl
Jurysitzungen:
21. Februar 2023 (1. Stufe),
23. Mai 2023 (2. Stufe)
1. Rang
Projekt 11
Klammer Zeleny Architekten
Wien; gegründet 2015
klammerzeleny.at
Kronaus Mitterer Architekten
Wien/Berlin; gegründet 2021
kronaus-mitterer.com
Jurybeurteilung zusammengefasst:
Das Projekt besitzt ein identitätsstiftendes
Alleinstellungsmerkmal, was gerade in einem
sich neu entwickelnden Stadtteil einen
besonderen Mehrwert darstellt. Es zeichnet
sich durch die Situierung des Baukörpers
entlang der nördlichen Stichstraße aus.
Hier wird eine breite städtische Vorzone
geschaffen, die, durch Auskragungen zoniert,
sämtliche Eingänge beinhaltet. Durch
die versetzte Baukörperanordnung und das
Abtreppen nach Süden entsteht ein differenzierter
Baukörper, der sowohl im Inneren
als auch im Freibereich unterschiedliche
Raumqualitäten generiert. Dadurch entstehen
gut geschnittene Bildungsbereiche
und gut nutzbare Erschließungsräume.
Architektonisch tritt das Gebäude durch
einen transparenten, begrünten Sockel mit
einem umlaufenden Betonband in Erscheinung.
Auf diesen Sockel werden die farblich
einheitlich akzentuierten Kuben aufgesetzt.
Die Wahl der Außenwandkonstruktion
(Holz-Elemente) in den Obergeschossen
ist schlüssig, das Fassadenmaterial Keramik
bedarf einer weiteren ökologischen
und wirtschaftlichen Darstellbarkeit. Im Zusammenspiel
mit der engagierten Baukörperkonfiguration
und dem architektonisch
ausdifferenzierten Erscheinungsbild stellt
das Projekt einen würdigen ersten Baustein
im neuen Stadtquartier dar. Der Freiraum
besticht durch eine differenzierte Qualität
und klare Zonierung in urbane Vorzone,
belebte Innenhöfe und grünen Süden mit
Spielwiese. Das Projekt verbindet Erweiterbarkeit
und kreislaufgerechte Planung mit
klarer architektonischer Identität.
Ökologischer Freiraum
Lageplan
www.architektur-online.com
30
Wettbewerbe & Awards
AUSSCHREIBUNG
Grün- und Freiräume
Nordwestbahnhof
EU-weiter, offener, zweistufiger,
anonymer Realisierungswettbewerb
Auslober: Stadt Wien –
MA 42 (Wiener Stadtgärten)
Verfahrensbegleitung:
Raumposition GmbH, Wien
Jurymitglieder (ohne Titel):
Fachjuroren: Peter Wich, Bertram Ernst,
Isolde Rajek, Johannes Wohofsky, Ursula
Dominikus, Elisabeth Irschik, Ljuba
Goger
Sachjuroren: Florian Schmid, Petia Hristova,
Sonja Kraus, Manfred Schönwälder,
Manuela Buxbaum, Karl Dwulit
Jurysitzungen: 29./30. Juli 2025
1. Rang
Projekt 07
TREIBHAUS Landschaftsarchitektur
Hamburg; gegründet 2005
treibhaus.land
Jurybeurteilung zusammengefasst:
Das Projekt „Neue Horizonte“ greift die
räumlichen Voraussetzungen und den linearen
Charakter des Nordwestbahnhofareals
auf und entwickelt daraus eine Parklandschaft
der Weite und Offenheit. Die
Leitidee der Suffizienz wird ganzheitlich
umgesetzt und leistet einen Beitrag zur
Ressourcenschonung bei gleichzeitig hohem
Wiedererkennungswert. Auf Basis des
bestehenden Bodens werden unterschiedliche
Hainstrukturen von Pionier- bis Stadthainen
entwickelt, die eine klare Gliederung
des Parks ermöglichen. Positiv bewertet
wird die reduzierte Durchwegung in Nord-
Süd-Richtung. Zentrales Gestaltungselement
sind die Schotterstreifen in der
Parkmitte mit starker raumbildender und
strukturierender Wirkung. Besonders gelungen
ist der Übergang zwischen Esplanade
und Park mit Stufen, befahrbarem Weg
und hoher Aufenthaltsqualität durch dichten
Baumbestand. Die Stichstraßen sollten
zugunsten höherer Aufenthaltsqualität
überarbeitet werden. Die wassergebundene
Decke wird kritisch gesehen und ihr Einsatz
reduziert empfohlen. Die Parkzonierung ist
insgesamt stimmig. Positiv hervorgehoben
werden die Kombination aus Marktplatz,
Gemeinschaftsgarten und Obstwiese im
Norden sowie das Feuchtbiotop im Süden
als attraktiver Parkeingang. Spiel- und
Sportangebote sind schlüssig, insbesondere
der „Bruchspielplatz“ mit Recyclingmaterialien
und die „Grüne Halle“ mit beschattenden
Stahlgerüsten. Insgesamt entsteht
ein präziser, naturnaher und atmosphärisch
starker Park.
•
Lageplan
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31
Wettbewerbe & Awards
© KollektivLand - Martin König
AUSSCHREIBUNG
Auftraggeberin
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz
Ein Platz, drei Qualitäten
Wettbewerb Neugestaltung Theaterplatz – Kunstuniversität Graz:
1. Rang KollektivLand | Landschaftsarchitektur, DI (FH) Martin König
Schnittansicht Palais Meran
Verfahrensorganisation
Architekt Heyszl, Graz
Art des Verfahrens
Geladener, einstufiger Realisierungswettbewerb
Teilnehmer
balloon architekten ZT-OG, KollektivLand,
.tmp architekten, gr-mp:architecture
Preisgericht (ohne Titel)
Arch. Michael Heil, Arch. Eva Kuss, Florian Frühwirth
(BIG), Markus Bogensberger (Baukultur Steiermark),
Marie-Theres Holler, Werner Strenger (KUG)
Preisträger
1. Rang KollektivLand, 2. Rang balloon architekten,
3. Rang .tmp architekten, 4. Rang gr-mp:architecture
Preisgerichtssitzung
17. April 2025
Schnittansicht TiP Leonhardstraße
Schnittansicht TiP Theaterplatz
In Hinblick auf die Intention der Universität
für Musik und darstellende Kunst Graz,
Standorte zu entwickeln, die mit den Stadtbewohnern
interagieren, wird der Platz
zwischen dem denkmalgeschützten Palais
Meran, dem TiP (Theater in den ehemaligen
Stallungen) und dem MUMUTH im Norden
nur wenig genutzt. Der Platz soll eine vielschichtige
funktionale Aufwertung erfahren,
um den unterschiedlichen Nutzungen
gerecht werden zu können: Begegnung,
Verweilen/Erschließung der Gebäude, Anlieferung/Veranstaltungen,
Unterricht/Identitätsbildung,
Displays für Kommunikation
mit Publikum und Studierenden.
Jurybeurteilung (gekürzt)
Das Projekt ordnet den Platz mit Bepflanzungen
und entsiegelten Flächen neu und
schafft eine klare Zonierung. Der Grünraum
der Leonhardstraße wird in den Platz gezogen,
ein schwebender Ring um einen Baum-
hain dient zur Beleuchtung, Nebelkühlung
und als Aufführungsfläche. Fassaden, Eingänge
und Vorzonen werden begrünt und
mit Sitzbereichen ergänzt. Ankündigungstafel
und gedrehte Schaukästen stärken
den Empfang. Die Raumpartitur wird wie
selbstverständlich in die Gestaltung integriert.
Insgesamt entsteht eine gelungene
neue Zonierung des Platzes, ohne die vorhandenen
gestalterischen Qualitäten des
Platzes zu verlieren. Die Gestaltung nimmt
einen Dialog mit den platzbildenden Gebäuden
auf.
KollektivLand ist ein Büro für Landschaftsarchitektur,
räumliche Transformation und kollaborative Planungsprozesse
mit Standorten in Graz und London.
Wir gestalten zukunftsfähige Freiräume unterschiedlichen
Maßstabs und entwickeln innovative Konzepte
für Bauwerksbegrünung, Stadtökologie und Klimaresilienz.
Unsere Projekte verknüpfen klimapositive
DAS BÜRO
Designstrategien mit zirkulären Planungsprinzipien
und biodiversitätsfördernden Maßnahmen. Auf diese
Weise entstehen nachhaltige Lebensräume, die lebendig
und vielfältig sind und Natur sowie Gemeinschaft
stärken.
www.kollektivland.at
www.architektur-online.com
32
Wettbewerbe & Awards
Paving Design
Award 2025
Studierende der Universität für Bodenkultur Wien widmeten sich im
Rahmen des vom Forum Qualitätspflaster ausgelobten Awards der
umfassenden Neugestaltung des Reisenberger Hauptplatzes.
In der Gemeinde Reisenberg, Bezirk Baden (Niederösterreich)
wurden Lösungen für die Neugestaltung
des Hauptplatzes gesucht. Der Wettbewerb richtete
sich an alle Studierenden, die interessiert sind,
mit anderen Disziplinen zusammenzuarbeiten und
gemeinsam Lösungen zu themenübergreifenden
Fragestellungen zu entwickeln. Mitzubringen waren
Engagement und Kenntnisse zur Verkehrsplanung
bzw. zum landschaftsarchitektonischen Entwerfen
und zur Bautechnik (insbesondere Pflasterungen
und Aufbauten). Die Gemeinde Reisenberg plant die
Umsetzung des Siegerprojekts in Kooperation mit
einem befugten Planungsbüro unter Einbindung der
Preisträger.
Was die Jurymitglieder
über die Projekte sagen:
Carla Lo: Es hat mich erstaunt, wie die Studierenden
es geschafft haben, ihre Ideen und Visionen verständlich
und realitätsnah umzusetzen.
Bürgermeister Günter Sam: Die Wettbewerbsteilnehmer
haben viele mögliche Realisierungsmaßnahmen
aufgezeigt, um unseren Hauptplatz lebenswerter
zu gestalten.
Oliver Barosch: Überraschend ist, dass ein Wettbewerbsgebiet
so unterschiedliche Herangehensweisen
auslöst und so die vielfältigen Potenziale des
Ortes aufgezeigt werden.
Helmut Koch: Die Resultate zeigen, dass hier eine
engagierte und hoch qualifizierte Generation von
Planerinnen und Planern heranwächst.
Eduard Leichtfried: Überrascht hat mich die hohe
Qualität der eingereichten Projekte, die es der Jury
nicht einfach machten.
Helmut Prankl: Die Wettbewerbsbeiträge waren vom
Niveau her hochwertig und von schlüssigen Motiven
gekennzeichnet.
Franz Biedermann: Fragen wie Flächenentsiegelung
und natürliche Beschattung haben die Wettbewerbsteilnehmer
auf sehr vielfältige Weise gebührend
Rechnung getragen.
Stefan Weissenböck: Besonders bemerkenswert ist
die Vielfalt an Zugängen zu ein und derselben Gestaltungszone
und wie sehr in den letzten Jahren
ökologische Themen wie standortgerechte und regionale
Lösungen mit berücksichtigt werden.
Heinz Horvath: Von den eingereichten Projekten waren
wir allesamt begeistert.
Sarah Gstöttenbauer, Karl Grimm (Vorprüfer, Landschaftsarchitekten):
Der diesjährige Ideenwettbewerb
hat uns hinsichtlich der präzisen Ausarbeitung
der Wettbewerbsbeiträge beeindruckt, die ein klares
Verständnis für den bestehenden Raum zeigen. Alle
fünf Beiträge zeichnen sich durch eine hohe Qualität
und Vielfalt aus.
u
AUSSCHREIBUNG
Art des Wettbewerbs
Studentischer Ideenwettbewerb
für Studierende der Masterstudien
Landschaftsplanung & Landschaftsarchitektur
und Kulturtechnik &
Wasserwirtschaft
Preisgeldsumme: € 6.000, –
Beteiligung: 5 Projekte
Jurysitzung: 14.11.2025
Jurymitglieder (ohne Titel)
Carla Lo (Landschaftsarchitektin),
Juryvorsitzende; Oliver Barosch
(Landschaftsarchitekt); Helmut
Koch (Verkehrsplaner); Stefan
Weissenböck (Vorstandsvorsitzender
FQP); Eduard Leichtfried
(Ehrenvorstand FQP); Helmut
Prankl (Innung Pflasterer); Bürgermeister
Günter Sam; Gemeinderat
Heinz Horvath; Gemeinderat Franz
Biedermann
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33
Wettbewerbe & Awards
Pflasterflächen, die viel
mehr können als „schön“
Wie das Forum Qualitätspflaster für Planungssicherheit im Freiraum sorgt.
Gute Architektur endet nicht an der Fassade. Sie setzt
sich im Freiraum fort, wo Gestaltung, Nutzung, Barrierefreiheit,
Mikroklima und Baupraxis auf engstem Raum
zusammenkommen. Pflasterflächen rücken dabei wieder
stärker in den Fokus. Fachmedien, Kommunalberichte
und Praxisbeispiele zeigen zunehmend, wie sehr sich
Ortsbilder durch hochwertige Pflasterlösungen prägen
lassen, wie sich Aufenthaltsqualität schaffen lässt und
wie klimaaktive Strategien unterstützt werden können.
Partner der Projektteams
Das Forum Qualitätspflaster (FQP) ist Ihr Kompetenznetzwerk
für hochwertigen Pflasterbau – eine unabhängige
Qualitätsgemeinschaft für die Flächengestaltung
mit Pflastersteinen und -platten. Als neutrales Kompetenzzentrum
rund um den Pflasterbau unterstützen wir
Sie bei Ihrem Pflasterprojekt. Wir stellen privaten Bauherren,
Unternehmen sowie Kommunen fachkundige,
produktneutrale Beratung und Begleitung für Pflasterlösungen
aller Art zur Verfügung – von der ersten Idee
über die Planung bis zur Umsetzung.
Denn die entscheidenden Weichenstellungen passieren
häufig sehr früh: Welche Bauweise passt zur realen Nutzung?
Wie werden Übergänge, Einbauten, Anschlüsse
und Randeinfassungen so gelöst, dass Optik und Funktion
dauerhaft zusammenfinden? Wie gelingt Berollbarkeit,
Orientierung und Wasserführung, ohne die kreative
Freiheit einzuschränken? Genau hier stärkt das FQP
Projektteams – nicht als „Besserwisser“, sondern als verlässlicher
Partner, der technische Klarheit schafft, Details
präzisiert und den Stand der Technik in umsetzbare
Entscheidungen übersetzt. Ein Satz, der in der Praxis oft
mehr wert ist als jede Theorie, lautet: „Qualität entsteht
dort, wo Details nicht dem Zufall überlassen werden.“
Wissensbündelung
Wir bündeln Wissen aus Planung, Ausführung, Forschung
und Praxis – normorientiert, unabhängig und
anwendungsnah. Mit Richtlinien, Checklisten, Schulungen
und projektbegleitender Qualitätssicherung helfen
wir, Risiken zu minimieren und Potenziale auszuschöpfen.
Bauweisen werden passend gewählt – ungebunden,
gebunden oder gemischt –, Detailpunkte werden sauber
definiert und die Pflasterfläche wird so geplant, dass sie
langlebig, wirtschaftlich und gestalterisch stark bleibt.
So entstehen Lösungen, die nicht nur im Rendering, sondern
auch nach Jahren der Nutzung überzeugen.
© Matthias Schmitt / smatthias
Bürgermeister Günther Sam, Juryvorsitzende Carla Lo,
Siegerteam Jana Bredenbeck und Wolfgang Jetschgo,
Stefan Weissenböck, Forum Qualitätspflaster (v. l. n. r)
Studentischer Ideenwettbewerb
Dass wir diese Haltung konsequent in die Ausbildung
tragen, zeigt der Paving Design Award. In diesem studentischen
Ideenwettbewerb entwickeln Studierende
Konzepte für reale kommunale Aufgabenstellungen
und setzen sich früh mit Flächenentsiegelung, klimaaktiver
Gestaltung und hochwertigen Pflasterlösungen
auseinander. Im Jahr 2025 stand in Reisenberg die
Neugestaltung eines 6.650 m² großen Hauptplatzes
mit Durchzugsstraße und anspruchsvoller Topografie
im Fokus. Ausgezeichnet wurde ein Projekt, das unter
anderem durch eine homogene Oberflächengestaltung,
konsumfreie Aufenthaltszonen und die Anwendung
zeitgemäßer Freiraumprinzipien überzeugte.
Auf den nächsten Seiten zeigen wir Ihnen, wie aus
Gestaltungsideen und technischem Know-how praxistaugliche
Pflasterflächen entstehen – und warum diese
Lösung heute mehr leisten kann, als viele erwarten.
Wenn Sie bei kommenden Freiraumprojekten zusätzliche
Sicherheit, Qualität und Klarheit gewinnen möchten,
freuen wir uns über den Austausch mit Ihnen.
fqp.at
Der Paving Design Award wurde mit freundlicher Unterstützung folgender Sponsorpartner ermöglicht:
Hauptsponsoren: Weissenböck Baustoffwerk GmbH, Friedl Stein werke GmbH, Beton-Dialog Österreich.
Weitere Sponsoren: Stein & Gartendesign Pflasterungs GmbH, Profibaustoffe Austria GmbH, Granitwerk Kammerer GmbH
architektur FACHMAGAZIN
34
Wettbewerbe & Awards
1. Preis
Verbundene Vielfalt
Jana Bredenbeck (Landschaftsarchitektur
und Landschaftsplanung)
Selina Kohl (Landschaftsarchitektur und
Landschaftsplanung)
Wolfgang Jetschgo
(Kulturtechnik & Wasserwirtschaft)
Haltestelle
Verbundene Vielfalt – Leben
und Bewegen am Hauptplatz
Überzeugt hat die fundierte Analyse
des Orts und ein bis ins Detail
nachvollziehbares Höhenkonzept.
Das ermöglicht eine konsequente
Verkehrslösung. Die Qualitäten und
Potenziale des Planungsgebietes
werden erkannt und gestalterisch
hochwertig umgesetzt. Positiv wird
die Homogenität der Oberflächen
und eine durchgehende Gestaltung
diskutiert, die eine sehr ruhige Fläche
schafft, sich aber in der Varianz
der Muster und Formate unterscheidet.
Es werden klare Prioritäten zugunsten
eines neuen Zentrums für
Reisenberg gesetzt. In Kombination
mit dem Schanigarten entsteht
eine öffentliche und konsumfreie
Platzfläche mit lichten Schatten und
zahlreichen Aufenthaltsmöglichkei-
Ansicht West
ten. Positiv wird auch der Einsatz
des Schwammstadt-Prinzips für die
Baumpflanzungen in der befestigten
Fläche gesehen. Kontrovers wurde
der Grünpuffer als Abschluss zum
Gastgarten diskutiert. Eine Reduktion
auf der Seite der Wiese wird angeregt,
um eine pflanzliche Trennung
zu vermeiden. Gewünscht werden
an dieser Stelle eine stärkere Verwebung
und keine Trennung.
Verkehrskonzept
Das Projekt greift weitreichend in
die bestehenden Straßenräume und
Verkehrsflächen ein. Die Anbindung
der „Kindergartenstraße“ erfolgt
gemeinsam mit der Straße zum Gemeindeamt
etwa in Platzmitte. Dadurch
können die Flächen für den
motorisierten Verkehr deutlich verringert
werden und im Bereich des
Gasthauses entsteht eine größere
attraktive Grünfläche (Gastgarten).
Die Lösung erscheint verkehrstechnisch
schlüssig, auch wenn Darstellungen
von Schleppkurven fehlen.
Die Anordnung der Bushaltestellen
westlich der neuen Kreuzung ist logisch.
Interessant ist auch der Vorschlag,
einen neuen Standort für den
Hol- und Bringverkehr des Kindergartens
einzurichten. Zu überlegen
wäre, die Landesstraße mehr in die
www.architektur-online.com
35
Wettbewerbe & Awards
Verkehrsberuhigung einzubeziehen,
zum Beispiel durch ergänzende Gestaltungsmaßnahmen
zur Geschwindigkeitsdämpfung.
In diesem Zusammenhang
ist die Randbepflanzung
mit Stauden im östlichen Bereich
(Trennwirkung, beschleunigende
Wirkung für den Kfz-Verkehr) kritisch
zu sehen.
Pflasterung
Die vorgesehenen Steinformate
bzw. Pflasterplatten (24–44/16–28/8
und 40–60/40/14) sind nach RVS
03.08.63 sowie EN 1339 zu bemessen,
da es sich hier um Plattenbeläge
handelt. Nur bei Einhaltung dieser
Vorgaben ist eine technisch richtige
und dauerhaft funktionierende Pflasterkonstruktion
sicherzustellen.
Im Zuge der Materialwahl wurde der
Oberflächengestaltung besondere
Bedeutung beigemessen. Die Fugen
sollten im Fahrbahnbereich möglichst
schräg zur Fahrtrichtung verlaufen,
da durch diese Verlegeart das
Abrollgeräusch reduziert und der
Aufwand für spätere Fugenerhaltung
verringert wird.
u
Pflastersteine der Wege
Sitzstufen
Trittsteininsel
Handlauf mit LED-Leiste
Rundbänke mit Holzauflage
Schwammstadt nach dem Stockholm-Modell
Pflaster Straße nach RVS 03.08.68 Pflaster Platz nach RVS 08.18.01 Punkt 5.11
Rinne
Einlaufschacht mit Überlauf
Verteilung:Teilsickerrohr DN150
Ableitung: Vollrohr DN200
Schnitt mit Schwammstadtkonzept
architektur FACHMAGAZIN
36
Wettbewerbe & Awards
Schnitt
2. Preis
FLURISCH - Historische Wege
in Flurstruktur
Geraldine Hilber (Landschaftsarchitektur
und -planung)
Lea Braungart (Landschaftsarchitektur
und -planung)
Anabel Haller (Landschaftsarchitektur
und -planung)
Lisa Wendl (Landschaftsarchitektur
und -planung)
Fahrradrampe
und Seniorentreff
Das Projekt greift mit einer klaren
Idee die historische Achse auf und
setzt auf hochwertige, langlebige und
wiederverwendbare Materialien. Die
bewusste Beschränkung intensiver
Umgestaltungen auf wesentliche Bereiche
stellt einen zeitgemäßen und
ressourcenschonenden Umgang dar.
Die Auseinandersetzung mit Bestand
und Ortsgeschichte zeigt neue Potenziale
für die Gemeinde. Trockensteinmauern
werden als stimmige Antwort
für die Weinbauregion bewertet, während
Natursteinpflasterformate und
Bepflanzung teilweise zu urban wirken.
Kritisch gesehen wird, dass das
Ende der Achse zwar historisch nachvollziehbar
ist, jedoch keinen Bezug
zur bestehenden Bebauung nimmt.
Das Projekt eignet sich gut für eine
schrittweise Umsetzung.
Verkehrskonzept
Der Fokus liegt auf einer attraktiven
Achse für aktive Mobilität zwischen
Kindergarten, Gasthaus und
Gemeindeamt. Die durchgehende
Pflasterung setzt diesen Ansatz
konsequent um und bindet auch die
Landesstraße durch gestalterische
Maßnahmen wie Tempo 30 ein. Mit
vergleichsweise geringem Eingriff
entsteht eine deutliche Aufwertung
und Verbindung der wichtigsten
Punkte. Die Anbindung der Bushaltestellen
ist schlüssig, ebenso der
Vorschlag eines neuen Schutzweges
beim Gasthaus. Kritisch bleibt die
Querung der Landesstraße, da die
Abgrenzung zwischen Pflaster- und
Asphaltflächen unklar ist.
Ausstattung Stadtmobiliar
Hartberger Granit
Edelstahl
Aluminium
Pflasterung
Die Dimensionierung der Pflastersteine
und Natursteinplatten ist gemäß
RVS 03.08.63 sowie EN 1341 und
EN 1342 vorzunehmen, um eine langfristig
funktionsfähige Bauweiswe sicherzustellen.
Das Format 19,5/60/14
cm entspricht diesen Anforderungen
nicht und ist auszuschließen.
Bettung und Fugenmaterial sind
nach RVS 08.18.01 festzulegen, da
nur mit normgerechten Materialien
Tragfähigkeit, Stabilität und Dauerhaftigkeit
der Pflasterkonstruktion
gewährleistet werden können.
Resysta Jatoba FSC Thermoholz
www.architektur-online.com
37
Wettbewerbe & Awards
2. Preis ex aequo
Grün verbindet –
Pflaster schafft Platz
Elisabeth Maria Kortmann
(Landschaftsarchitektur und
Landschaftsplanung)
Masha Rusack (Landschaftsarchitektur
und Landschaftsplanung)
Niclas Alexander Schneider
(Landschaftsarchitektur und
Landschaftsplanung)
Das Projekt überzeugt durch die Idee
der Verwebung mittels einheitlichem
Pflasterbelag und verbindendem
Blätterdach. Themen wie Beschattung
und Materialwiederverwendung
werden selbstverständlich integriert.
Mit wenigen klaren Mitteln wird eine
realistische Umsetzung gezeigt. Aufenthaltsbereiche
unter Bestandsbäumen
und Neupflanzungen entstehen,
besonders der Marktplatz unter den
Beläge
Gleditsien steigert die Aufenthaltsqualität.
Kritisch gesehen werden die
zu urban wirkenden Sitzstufen, die
begrenzte Qualität gegenüber der
Bestandsbebauung sowie der Einsatz
von Rasengittersteinen in stark
frequentierten Bereichen.
Verkehrskonzept
Positiv ist die Verkehrsberuhigung
des Hauptplatzes inklusive Landesstraße.
Durch die Verschwenkung
nach Norden entsteht eine neue
Grünfläche vor dem Gasthaus. Bushaltestellen
werden platzsparend
geplant, Parkplätze reduziert und
die Straße zum Kindergarten als Begegnungszone
gestaltet. Kritisch ist
die neue Anbindung der Kindergartenstraße,
da Flächen zu klein und
Höhenlagen sowie Übergänge nicht
schlüssig dargestellt sind.
Blick nach Osten
Betonpflaster 10cm
10x30cm, 20x30cm, 60x30cm
Betonpflaster 16cm
10x30cm, 20x30cm
Pflasterung
Die Steinformate sind nach ÖNORM
B 3258 sowie EN 1338 und EN 1339
zu dimensionieren, um eine dauerhaft
belastbare Ausführung zu sichern.
Wichtig ist, dass die Steindicke die
kleinste Seitenlänge nicht übersteigt.
Bettung, Fugen und Tragschichten
sind gemäß RVS 08.18.01 auszuführen.
Die diagonale Verlegung im Fahrbahnbereich
ist funktional sinnvoll,
da sie Rollgeräusche mindert und
den Wartungsaufwand reduziert. •
Drainagefähiges Pflaster 12cm
10x30cm, 20x30cm, 60x30cm
Sickerfähiges Betonpflaster 12cm
10x30cm, 20x30cm, 60x30cm
architektur FACHMAGAZIN
38
Alt & Neu
Poetik des Einfachen
Casa BM / Paesana, Italien / Errante Architetture
Text: Linda Pezzei Fotos: Luca Giraudo, Luca Bosco
www.architektur-online.com
39
Errante Architetture
Am Rande von Paesana, am Eingang des Po-Tals, steht
ein Haus, das sich der Logik seiner Umgebung entzieht.
Nicht durch lautstarke Präsenz, sondern durch
Andersartigkeit. Casa BM von Errante Architetture
ist das Ergebnis einer radikalen, zugleich aber leisen
Geste: der bewussten Umkehrung räumlicher, sozialer
und materieller Hierarchien. Das Projekt zeigt, wie aus
scheinbar wertloser Substanz architektonische Bedeutung
entstehen kann.
Architektur als Gegenentwurf
Casa BM befindet sich in einem für viele Teile der
italienischen Peripherie typischen Kontext: Alpine
Idylle trifft auf die Spuren einer ungeordneten Nachkriegsentwicklung
– Apartmentblocks, maßstäblich
unangepasste Einfamilienhäuser und bauliche Vernachlässigung.
Errante Architetture begegnen dieser
Situation jedoch nicht mit Ablehnung, sondern
mit Hingabe.
Die zentrale Entwurfsidee ist die Umkehrung. Das
ursprüngliche Haus aus den 1960er-Jahren war zur
nördlichen Talstraße orientiert, sodass Küche und
Wohnräume auf Asphalt statt auf die Landschaft
blickten. Errante Architetture kehren diese Logik um.
Die ehemalige Rückseite wird zum Zentrum des Hauses:
Sie ist offen zur Landschaft und geschützt vor
Straße und Nachbarschaft. Küche, Essplatz, Wohnraum
und Lesebereich sind nun nach Süden ausgerichtet
– zur Weite des Tals, zum Monviso und zum
Garten. Das Haus positioniert sich als „Elsewhere“,
ein „Anderswo“, das sich zwischen Öffnung und Abschirmung,
Nähe und Distanz bewegt. Architektur
wird hier nicht als Anpassung verstanden, sondern
als bewusstes In-Beziehung-Setzen.
u
architektur FACHMAGAZIN
40
Alt & Neu
Das Gewöhnliche als Ressource
Die Materialität von Casa BM verweigert sich jeder
Veredelungsrhetorik. Sichtbeton, Kiefernsperrholz,
Standardlatten, wiederverwendete Bauteile und industrielle
Halbzeuge prägen das Erscheinungsbild.
Regenrinnen, Geländer, Verstrebungen oder der alte
Firstbalken werden nicht versteckt, sondern bewusst
inszeniert. Dieser Umgang mit dem Gewöhnlichen
erinnert an die Arte Povera: Die Materialien
bleiben, was sie sind – Träger von Gebrauch, Zeit
und Spuren. Gleichzeitig schwingt in der experimentellen
Lust an Abweichung eine Nähe zu Carlo
Mollino mit, nämlich das Interesse am Unerwarteten
und an der Transformation des Alltäglichen durch
Konstruktion und Setzung.
u
Die neue Glasfassade öffnet den
ehemalig rückwärtigen Teil des
Hauses zur Landschaft und macht
ihn zum Zentrum des Wohnens.
Schichtung statt Ersatz
Im Sinne von „Alt und Neu” ist Casa BM kein klassisches
Sanierungsprojekt. Im Wesentlichen bleibt
die äußere Hülle des Bestands erhalten. Ihre monochrome
Putzoberfläche markiert diese historische
Schicht klar und deutlich. Im Inneren hingegen
erfolgt eine rigorose Neuordnung: Decken und
Dach werden ersetzt, Raumfolgen neu gedacht und
Blickachsen verschoben. An der Südseite durchbricht
eine gebäudehohe Glasfassade die massive
Hülle und verbindet Innenraum, Garten und Landschaft.
Im Osten hingegen schirmt eine nahezu fensterlose
Stahlbetonwand das Haus bewusst von der
unmittelbaren Nachbarschaft ab. Statt zueinander in
Konkurrent zu treten, bleiben überlagerte Schichten
präsent - roh, ehrlich und unabgeschlossen.
www.architektur-online.com
41
Errante Architetture
architektur FACHMAGAZIN
42
Alt & Neu
Sichtbeton und Kiefernsperrholz bleiben im
Innenraum roh und ehrlich belassen – Material
als Träger von Zeit und Nutzung.
Autocostruzione als kulturelle Praxis
Ein entscheidender Moment im Projekt war eine unerwartete
Budgetkürzung. Was als Einschränkung
begann, wurde zur produktiven Krise. Errante Architetture
reagierten mit Eigenbau – weniger als Sparmaßnahmen
denn vielmehr als kulturelles Statement.
Die Detaillösungen wurden so entwickelt, dass
sie von den Bauherren, lokalen Handwerkern oder
den Architekten selbst umgesetzt werden konnten.
Durch diese physische Teilhabe veränderte sich die
Beziehung zwischen Planern, Bewohnern und Ort
grundlegend. Architektur wird hier nicht konsumiert,
sondern angeeignet. Das Haus bleibt ein offener Organismus:
reparierbar, veränderbar und lernfähig.
Würde der Peripherie
Casa BM ist kein Statement gegen, sondern für die
Peripherie. Errante Architetture sprechen vom “respectum”,
dem achtsamen Hinsehen auf das, was bereits
vorhanden ist. Das Gewöhnliche wird dabei
nicht abgewertet, es wird ernst genommen. Maßstab,
Budget oder Lage entscheiden nicht über architektonische
Relevanz. So entsteht eine Architektur
jenseits des Spektakels, die Würde nicht behauptet,
sondern durch Sorgfalt herstellt. Weniger Neubau,
mehr Transformation. Weniger Ersatz, mehr Pflege.
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43
Errante Architetture
3 Fragen an Sarah Becchio und Paolo Borghino
Was bedeutet Umkehrung im Casa BM?
Die Umkehrung ist eine bewusste Distanzierung
von suburbanen Klischees.
Indem wir die Rückseite zur Hauptseite
machen, entsteht ein geschützter
Raum, der sich zur Landschaft öffnet
und gleichzeitig Nähe und Distanz neu
verhandelt.
Warum haben Sie so viel
vom Bestand belassen?
Weil der Bestand Teil der Geschichte ist.
Die äußere Hülle trägt Erinnerung. Durch
minimale Eingriffe bleibt diese Schicht
lesbar, während das Innere Raum für
zeitgenössisches Leben schafft.
Welche Rolle spielt Selbstbau
für Ihre Arbeit generell?
Selbstbau ist für uns eine Haltung.
Er stärkt die Beziehung zwischen
Mensch, Material und Ort – und hinterfragt
die Rolle des Architekten als
alleinigen Autor.
•
Casa BM
Paesana, Italien
Bauherr:
Planung:
Team:
Statik:
BGF:
privat
ErranteArchitetture
Sarah Becchio and Paolo Borghino
mit Andrea Loi, Francesco Sordo, Ilaria Boggiatto,
Emma Colella, Margherita Randazzo
Fabio Borello
320 m² für das bestehende Gebäude (inkl. DG und Keller)
130 m² für den Pavillon
140 m² für das bestehende Gebäude, 50 m² für den Pavillon
Nutzfläche:
Planungsbeginn: 12/2016
Bauzeit: 10/2019 - 01/2025
Fertigstellung: 2025
www.studioerrantearchitetture.com
© Luca Giraudo
„Wir verstehen Architektur als einen Prozess
des Pflegens statt Ersetzens. Bestehende Gebäude
sind für uns keine Hindernisse, sondern
Ressourcen – Träger von Zeit, Material und
Erinnerung. Casa BM zeigt, wie durch Schichtung,
Umkehrung und sorgsame Transformation
neue Lebensmöglichkeiten entstehen können,
ohne das Vorhandene auszulöschen.“
Sarah Becchio & Paolo Borghino,
Errante Architetture
architektur FACHMAGAZIN
44
Alt & Neu
Hang, Haus, Fuge
Ferienhaus „HÄUSL.“ / Waidmannsbach, Niederösterreich /
STEINBAUER architektur+design
Text: Andreas Laser Fotos: MW-Architekturfotografie
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45
STEINBAUER architektur+design
Zwischen Bachufer und Wald, am Ende einer Streusiedlung
in den niederösterreichischen Kalkalpen, steht
ein kleines Bauernhaus mit rund zweihundertjähriger
Geschichte. In der Besitzerfamilie wird es liebevoll
„HÄUSL.“ genannt. Über Generationen als Ferienhaus
genutzt, immer wieder ergänzt und notdürftig instandgesetzt,
hatte sich die bauliche Situation zuletzt zu
einem Bündel aus Substanzproblemen, provisorischen
Zubauten und einem dauerhaft wirksamen Gegner
verdichtet: drückendem Hangwasser.
Als Architekt Oliver Steinbauer 2023 erstmals vor Ort
war, zeigte sich ein ambivalentes Bild. Die Lage war
außergewöhnlich, mit einer Atmosphäre, die gerade
im Spätsommer und Herbst an die Gemälde Friedrich
Gauermanns erinnert – einem Maler des 19. Jahrhunderts,
der aus der Region stammt und bekannt
ist für ländliche Szenen, die er in dramatischem Licht
festhielt. Die bauliche Realität hingegen war prekär.
In den 1970er- und 80er-Jahren waren hangseitig unsachgemäße
Zubauten entstanden, und eine Hangnarbe
hinter dem Gebäude hatte sich über Jahrzehnte
vertieft. Drückendes Hangwasser durchfeuchtete
das Mischmauerwerk; letztlich kam es zu Schimmelbelastung
im Innenraum. Provisorische, von außen
zugängliche Sanitärlösungen entsprachen darüber
hinaus weder funktional noch bauphysikalisch heutigen
Anforderungen. Authentisch geblieben waren
vor allem die ältesten Bauteile – das Mischmauerwerk,
die Proportionen der Stube, die Kastenfenster,
das Fichtenaltholz. Sie definierten die räumliche
Struktur und Materialität des Bestands und wurden
damit zum Ausgangspunkt der weiteren Planung. u
architektur FACHMAGAZIN
46
Alt & Neu
Die Stube bleibt der Mittelpunkt des Hauses, während
der Zubau hangseitig eine neue Schicht hinzufügt.
Der Zubau als Sicherungsbauwerk
Aus dieser Situation ergaben sich drei Anforderungen,
die zunächst nebeneinander standen: Hangsicherung,
Sanierung und Trockenlegung des Bestands
sowie die Erweiterung (insbesondere zeitgemäße
Sanitärbereiche und mehr Nutzfläche). Gleichzeitig
war absehbar, dass eine sequenzielle Abarbeitung –
zuerst Hangsicherung, dann Sanierung – das Budget
für eine Erweiterung weitgehend aufbrauchen würde.
Die entscheidende Weichenstellung lag daher in
der Kopplung der Aufgaben: Der Zubau sollte gleichzeitig
die Hangkante sichern und den Bestand vom
Hangwasser entlasten.
Dem Umbau ging ein konsequenter Rückbau voraus:
Nachträgliche Zubauten wurden entfernt, der Bestand
bis auf seine tragfähige Substanz freigelegt.
Dadurch konnte der hangseitige Abschluss als eine
zusammenhängende Einheit gedacht werden. Konstruktiv
führte diese Entscheidung zu einem klaren
Schnitt in der bestehenden Struktur: Die bergseitige
Längswand – bereits stark geschädigt – wurde
entfernt, unterfangen und über die gesamte Länge
durch den neuen Baukörper ersetzt. Mit einer Länge
von rund 15 Metern und einer konstruktiven Tiefe
von etwa 2,40 Metern (innen rund 1,80 Meter nutzbar)
legt sich die Betonstruktur wie ein schützender
Rücken an das alte Haus. Sie übernimmt den Erddruck,
leitet Hang- und Gebäudelasten kontrolliert in
den Untergrund ab und entlastet den Bestand dauerhaft.
Die vormals offene Hangnarbe wird geschlossen;
Wasser wird über ein Drainagesystem erfasst,
gesammelt und gezielt abgeführt. Der lineare Neubaukörper
nimmt zudem die beiden neuen Sanitärräume
der Schlafzimmer auf und ordnet im Bereich
der Stube eine kompakte Küchenzeile an. Damit werden
sämtliche haustechnisch intensiven Funktionen
aus dem historischen Kern ausgelagert und im Neubau
konzentriert.
Die Stube als Zentrum
Parallel zur technischen Lösung wird der Bestand
organisatorisch bereinigt: Die Planung zielt darauf,
die über die Jahrzehnte entstandene Unübersichtlichkeit
auf eine kompakte Ordnung zurückzuführen.
Die Stube bildet wie gehabt das Zentrum. Von ihr aus
erschließen sich zwei nahezu baugleiche Schlafräume
im Norden und Süden. Die Symmetrie ist weniger
formales Programm als Ergebnis der vorhandenen
Struktur und des beibehaltenen Zugangs. Durch die
hangseitige Erweiterung um knapp zwei Meter gewinnen
die Räume an Tiefe und Nutzbarkeit, ohne
ihre Typologie zu verlieren. Insgesamt entsteht ein
kompakter, aber funktional deutlich verbesserter
Grundriss: 50 m² im Bestand und 25 m² im Zubau –
ausreichend auch für Aufenthalte mit Gästen oder
einer befreundeten Familie.
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47
STEINBAUER architektur+design
Entlang der Fuge kippt
der Raum von der Materialwelt
des Bestands
in jene des Zubaus.
Der Wechsel wird nicht
kaschiert, sondern als
präzise Linie im Alltag
erfahrbar. Zenitales Licht
fällt über streng angeordnete
Flachdachverglasungen
in den Neubau.
Eine klare Silhouette
Außen bleibt die Erweiterung bewusst im Hintergrund:
Der Zubau versteckt sich hinter dem Bestand,
hat zwar mehr Raumhöhe, bleibt aber deutlich
unter dessen Dachkante – die Silhouette des Altbaus
bleibt damit maßgebend. Aus Kostengründen
und weil es bereits in den letzten Jahrzehnten das
Erscheinungsbild prägte, setzt das Projekt erneut
auf ein robustes Dach aus Faserzementplatten statt
auf Holzschindeln, die vermutlich die ursprüngliche
Deckung waren. Das neue Verlegemuster wurde
jedoch besser an die exponierte Lage des Hauses
angepasst und sorgt für eine ruhige, zurückhaltende
Optik bei robustem Schutz gegen die Elemente.
Ergänzend wurde die vorhandene Holzscheune stabilisiert
und von der Front an die Südseite versetzt. In
einem 45-Grad-Winkel zum Haus platziert, entstand
eine einladende Hofsituation – die Front wurde freigespielt,
und die Blickachsen auf das Haus sowie aus
den Innenräumen wurden wieder geöffnet. u
architektur FACHMAGAZIN
48
Alt & Neu
Die Schlafzimmer bleiben
in Material und Maßstab
dem Bestand verpflichtet.
Die Bäder liegen als
additive Schicht im Zubau
und sind diesen direkt
zugeordnet.
Materialdialog
Ein zentrales Thema des Projekts ist die durchgehende
Lesbarkeit der Intervention. Der Kontrast zwischen
Altbau und Zubau wird nicht nur außen, sondern in
allen Räumen über eine klar geführte Linie sichtbar
gehalten: Entlang dieser Trennfuge kippt das Haus
konsequent von der Materialwelt des Bestands in jene
des Zubaus. Im Bestand prägen weiß gekalkter Putz
mit Kalkschlämme, der genagelte Schiffsboden aus
recyceltem Altholz sowie die neu eingezogene, jedoch
in Materialität und Proportion authentisch wirkende
Fichtendecke das Erscheinungsbild. Die Eingriffe
bleiben hier optisch zurückhaltend und orientieren
sich an der handwerklichen Logik des ursprünglichen
Hauses. Der Zubau setzt dem eine reduzierte, konstruktive
Materialität entgegen: gestrahlter Beton mit
sichtbarem Rundkorn, schwarzer Gussasphalt und
Einbauten aus verzinktem Stahl.
Zwischen Kastenfenster und Oberlicht
Die Belichtung folgt zwei unterschiedlichen Prinzipien,
die sich im Alltag ergänzen: Im Bestand bleibt
das Licht an die instandgesetzten Kastenfenster
gebunden, im Zubau kommt es über streng angeordnete
Flachdachverglasungen von oben. Aus dem
Zusammenspiel ergeben sich Querdurchlüftung und
eine großzügige Belichtung aller Räume. Die Heizstrategie
reagiert auf die Nutzung als Ferienhaus.
Eine ganzjährige Vollbeheizung ist nicht vorgesehen.
Hauptwärmequelle während der Aufenthalte ist der
instandgesetzte Holzofen in der Stube, der sowohl
atmosphärisch als auch funktional das Zentrum des
Hauses bildet. Ergänzend dient eine elektrische Fußbodenheizung
als Komfort- und Temperierungssystem.
Die massiven Bauteile des Neubaus und des Bestands
fungieren dabei als Speichermasse und tragen
zu einer trägen, ausgeglichenen Wärmeabgabe bei.
So entsteht ein Haus, das im Alltag nicht nur heller
und komfortabler, sondern vor allem verlässlicher
funktioniert. Damit schließt sich der Bogen zur eigentlichen
Aufgabe des Umbaus – der dauerhaften Sicherung
des Bestands in seiner exponierten Lage. •
www.architektur-online.com
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STEINBAUER architektur+design
häusl. l längsschnitt
1m
häusl. l querschnitt
1m
häusl. l west
1m
häusl. l grundriss
1m
Ausgangslage
Ferienhaus „HÄUSL.“
Waidmannsbach, Niederösterreich
Bauherr:
Planung:
Baumeister & Statik:
häusl. l bestand
Privat
STEINBAUER architektur+design
Sperhansl Bau
1m
© vic.schwarz
Grundstücksfläche: 648 m²
Nutzfläche: Bestand 50 m² / Zubau 25 m²
Planungsbeginn: 2023
Bauzeit: 2024 - 2026
Dachschindeln:
Swisspearl
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„Der Umbau verändert den Ort nicht – er festigt
ihn. Das „HÄUSL.“ bleibt, was es immer
war: ein kleines Bauernhaus am Ende des
Weges – ergänzt um einen neuen, unaufdringlichen
Rücken, der es stabilisiert.“
Oliver Steinbauer
architektur FACHMAGAZIN
50
Alt & Neu
Transformation als
Kinderspiel
Schwöschtorohus „Dorf Nest“ / Wolfurt, Vorarlberg / querschnitt architekten
Text: Gertraud Gerst Fotos: Philipp Salzgeber
www.architektur-online.com
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querschnitt architekten
Die kleinen, niedrigen Räume von alten Bauernhäusern
eignen sich nicht für die Nachnutzung? Ein Trugschluss,
wie das 300 Jahre alte „Schwöstorohus“ in Vorarlberg
zeigt. Mit seiner jüngsten Transformation zur Kinderkrippe
Dorf Nest hat das baukulturelle Erbe eine
neue Bestimmung gefunden, die besser nicht passen
könnte. Der gedrungene räumliche Maßstab war laut
querschnitt architekten geradezu ideal für die Bedürfnisse
der Kleinkinder.
Der Anblick der knorrigen Deckenbalken und der
rustikalen Wände in Blockbauweise lässt einen nicht
automatisch an eine öffentliche Einrichtung für Kinderbetreuung
denken. Wo sind die gewohnten farbigen
Wände, die praktischen Plastikauflagen und die
allergikerfreundlichen Kunststoffbezüge? Die findet
man in der neuen Wolfurter Kinderkrippe, dem Dorf
Nest, nicht. Den Backdrop bildet hier stattdessen die
über 300 Jahre alte Holzstruktur des traditionellen
Rheintalhauses, das mit hellem Massivholz adaptiert
und ausgebaut wurde. Die Fugen im Dielenboden und
das Knarren, das die Türschwellen beim Betreten von
sich geben, erzählen von der langen, wechselhaften
Geschichte des Hauses.
Im Ortskern der Vorarlberger Marktgemeinde Wolfurt
um 1700 als Bauernhaus erbaut, beherbergte
es mehrere Generationen einer Familie, deren Leben
vom Rhythmus der Jahreszeiten und von den
Gesetzen der Natur geprägt war. Als es die einstige
Besitzerin 1921 den Barmherzigen Schwestern als
Wohnhaus stiftete, war es fortan unter den Dorfbewohnern
als „Schöstorohus“ bekannt. Diese Ordensschwestern
waren fest im Dorfleben verankert und
kümmerten sich über viele Jahrzehnte um den Schulunterricht
und die Krankenpflege im Ort.
Eine kindgerechte Matrix
In der jüngeren Ortsgeschichte begann die Suche
nach einer passenden Nachnutzung für dieses Monument
ländlicher Baukunst, zu dessen Erhalt sich die
Marktgemeinde verpflichtet hat. Nachdem der hintere
Wirtschaftsteil 1991 von Dietrich Untertrifaller zum
öffentlichen Kindergarten umgebaut wurde, durchlief
das Haupthaus mehrere Nutzungen. Eine Zeit lang
war hier ein Spielzeug- und Puppenmuseum untergebracht,
später dann eine ärztliche Ordination.
„Es ist beachtlich, welche Nutzungen hier tatsächlich
möglich waren. Allerdings war keine inhaltlich so
schlüssig wie die jetzige“, erklärt Architektin Simone
Burtscher vom Wolfurter Büro querschnitt architekten.
Immerhin bestehe zu den Schulschwestern ein
Bildungsbezug, und die Kombination mit dem Kindergarten
sorge zudem für Synergien. „Das Ergebnis
lieben alle, erst recht die Kinder, die das Haus sofort
vereinnahmt haben.“
Tatsächlich sind die Räume wie für Kinder gemacht.
Behaglich, kleinteilig, und dank der zusätzlich eingebauten
Fenster mit natürlichem Tageslicht gut ausgeleuchtet.
Gilt die gegebene Raumhöhe von 1,90 bis
2 Meter üblicherweise als Totschlagargument gegen
eine zeitgemäße Nachnutzung, so lieferte sie für die
Krabbelstube die optimale, kindgerechte Matrix. Und
auch die MitarbeiterInnen müsse man nicht nach ihrer
Größe auswählen, schmunzelt Burtscher. u
architektur FACHMAGAZIN
52
Alt & Neu
Stärkung des Ortskerns
Mit dem Einzug der Kinderkrippe in das Haupthaus
hat man eine soziale Infrastruktur mit wirtschaftlichem
und kulturellem Mehrwert geschaffen. Der
Garten wird nun von Vorschulkindern aller Altersstufen
gemeinsam genutzt, während der sanierte
Rheintalhof das geschichtliche Erbe bewahrt und
zur Stärkung des Ortskerns beiträgt. Während sich
in den 1960er- und 1970er-Jahren vor allem entlang
der Verbindungsachse L3 eine hohe Bautätigkeit
entwickelte, blieben die alten Rheintalhäuser in der
„oberen Straße“ weitgehend erhalten.
Dass die Gemeinde Wolfurt den Wert der alten Bausubstanz
zu schätzen weiß und ihr Potenzial für die
Gemeinschaft erkennt, ist angesichts des grassierenden
Ortskernsterbens hoch anzurechnen. Die
kreative Umnutzung des Schwesternhauses war
ein großes Anliegen der Wolfurter Bürgermeisterin
Angelika Moosbrugger und fiel – trotz der widrigen
Strukturen – keiner Paragraphenreiterei zum Opfer.
Auch die Landesreferentin für Elementarpädagogik
schätzte die beherzte Initative zum Bauen im Bestand
und gab sofort grünes Licht für das außergewöhnliche
Sanierungsprojekt.
Der alte Kachelofen im Esszimmer
der Kinderkrippe blieb erhalten, auch
wenn er nicht mehr in Betrieb ist.
Geheizt wird heute über das Nahwärmenetz
der Gemeinde.
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53
querschnitt architekten
Viel Ruhe im Bestand
Die Umbauten zur Betreuungseinrichtung dauerten
lediglich vier Monate. Durch den Ausbau des Dachbodens
zum Bewegungsraum konnte man die Nutzfläche
maximieren und alle drei Ebenen des Hauses
aktivieren. Ein weiterer Raum ist durch das teilweise
Schließen der Bestandsgalerie hinzugekommen. Ein
Raum, den die Kinder aufgrund der Dachschräge besonders
lieben, denn die für sie sonst unerreichbare
Decke ist hier zum Greifen nah, weiß Burtscher von
ihren Besuchen im Haus zu berichten.
Auch wenn man Raumkonzepte für Kindergärten
heute üblicherweise offen und flexibel plant, kommt
der gedrungene Maßstab des Bestands der pädagogischen
Nutzung zugute. Durch die eher kleinteilige
Zonierung entfiel die sonst gängige Pflichtübung, die
großen Räume durch Rückzugsorte und Kuschelecken
auf ein kindgerechtes Maß herunterzubrechen.
„Es ist erstaunlich: Obwohl sich die Kinder durch das
gesamte Gebäude frei bewegen dürfen, herrscht eine
unglaubliche Ruhe im Haus“, schildert die Architektin
ihren Eindruck.
u
Nach dem pädagogischen Konzept des Offenen Hauses
können sich die Kinder frei im Gebäude bewegen. Mit einer
möglichst transparenten Zonierung haben querschnitt
architekten dafür die idealen Bedingungen geschaffen.
architektur FACHMAGAZIN
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Alt & Neu
Nachhaltig ausgestattet,
klimafreundlich beheizt
Auch wenn das Rheintalhaus nicht unter Denkmalschutz
steht, gingen die Architekten genauso sorgsam
mit dem Erbe um. Dass nach den achtsamen
Adaptierungen und den stimmigen Holzeinbauten
durch heimische Handwerksbetriebe nicht das Plastik
die Oberhand gewinnt, darüber hat sich Burtscher
mit Kindergartenleitung und Gemeinde verständigt.
Trotz begrenzter Mittel für den Umbau gibt es daher
Teppiche, Wickelauflagen und Schlafpolster aus einer
heimischen Korkmanufaktur, und statt Flüssigseife
aus Plastikspendern feiert beim Händewaschen die
gute alte Festseife ein hygienisches Revival. Diesen
stringenten Ansatz in der Materialität hat auch die
Jury des Vorarlberger Holzbaupreises gelobt, die das
„Schöstorohus“ 2025 mit einer Anerkennung ausgezeichnet
hat.
Der alte Kachelofen im Essbereich der Kinder zählt
heute zum atmosphärischen Inventar des Hauses.
Beheizt werden die Räume mittlerweile über ein klimafreundliches
Nahwärmenetz, das die Gemeinde
Wolfurt in den kommenden Jahren stufenweise ausbauen
will. Dabei setzt man auf die Wärmegewinnung
durch Biomasse sowie die Nutzung von Abwärme lokaler
Betriebe.
Die Transformation zum Dorf Nest hat das baukulturelle
Erbe fit für die Zukunft gemacht und mitten
ins Zentrum des Dorflebens gerückt. Statt es museal
zu konservieren sorgen heute die jüngsten Mitglieder
der Gemeinde dafür, dass das 300 Jahre alte Bauernhaus
bis unter das Dach mit Leben gefüllt ist. •
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querschnitt architekten
EG OG DG
GESCHOSS ERDGESCHOSS | MITTAGTISCH ERDGESCHOSS | MITTAGTISCH | MITTAGTISCH OBERGESCHOSS OBERGESCHOSS | RÜCKZUG OBERGESCHOSS | RÜCKZUG | RÜCKZUG DACHGESCHOSS DACHGESCHOSS | BEWEGUNG DACHGESCHOSS | BEWEGUNG| BEWEGUNG
Schwöschtorohus „Dorf Nest“
Wolfurt, Vorarlberg
Bauherr:
Architektur:
Statik:
Holzbau:
Tischler:
Marktgemeinde Wolfurt
querschnitt architekten, Wolfurt
gaisberger zt gmbh, Dornbirn
Steurer Holzbau, Buch
Tischlerei Florian Rist, Kennelbach
Nutzflächen: Dorf Nest: 245m²
KIGA-Dorf: 260m²
Mehrzweckräume: 105m²
Planungsbeginn: 10/2022
Fertigstellung: 09/2023
www.querschnitt.cc
„Das Rheintalhaus besteht seit 300 Jahren und kann in seiner neuen
Nutzung noch sehr lange Bestand haben. Bei diesem Projekt konnten
wir unserem Konzept bis ins kleinste Detail treu bleiben. Es zeigt,
was möglich ist, wenn alle – vom Auftraggeber und Besitzer bis hin
zu den Behörden und Fachplanungen, gut zusammenarbeiten.“
Simone Burtscher & Reinhard Weber
querschnitt architekten
architektur FACHMAGAZIN
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Alt & Neu
Upcycling
am Gipfel
Reinhold Messner Haus / Mount Elmo, Sexten, Italien / Plasma Studio
Text: Linda Pezzei Fotos: Florian Jaenicke
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Plasma Studio
Was tun mit veralteter alpiner Infrastruktur? Angesichts
von Klimawandel, neuen Tourismusmodellen
und einem wachsenden Bewusstsein für Ressourcen
wird diese Frage in den Alpen immer dringlicher.
Am Helm bei Sexten antwortet das Architekturbüro
Plasma Studio mit einem klaren Ansatz: nicht
abreißen, sondern umdenken. So wurde aus der
1981 errichteten Bergstation der Helmbahn das
Reinhold-Messner-Haus – das neue Ausstellungsgebäude
mit Skulpturen, Gemälden, Fotos, Kunstobjekten
und Ausrüstungsgegenstände von Reinhold
Messners Expeditionen ist ein Ort der Begegnung,
der seine technische Vergangenheit nicht überdeckt,
sondern zur Grundlage einer neuen architektonischen
Erzählung macht. Alt und Neu verschmelzen
hier zu einer Gestaltung, die exemplarisch für die
Zukunft alpiner Infrastruktur steht.
Infrastruktur weiterdenken
Auf 2.050 Metern Seehöhe, mitten in den Sextner
Dolomiten, steht ein Bauwerk, das lange Zeit rein
funktional war: eine Seilbahnstation aus Beton und
Stahl, die für extreme Bedingungen gebaut wurde
und über Jahrzehnte hinweg erweitert wurde, sodass
das ursprüngliche Volumen kaum mehr erkennbar
ist. Als die Pendelbahn im Jahr 2021 durch eine neue
Umlaufbahn ersetzt wurde, stellte sich die klassische
Frage: Rückbau oder Neubau?
Plasma Studio entschied sich für einen dritten Weg.
„Die bestehende Seilbahnstation war über viele
Jahre hinweg schrittweise erweitert worden”, erklärt
Projektleiterin Ulla Hell, „Dadurch wurde das
ursprüngliche Hauptvolumen – ein Baukörper von
bemerkenswerter ästhetischer Qualität – fast vollständig
verdeckt.“ Ziel war es, diese Überlagerungen
zu entfernen und gleichzeitig eine Strategie zu
entwickeln, um die abgetragenen Bauteile nicht zu
entsorgen, sondern weiterzudenken. Durch diese
Reduktion auf das Wesentliche gewann nicht nur
das Gebäude selbst an Klarheit. Auch der Kontext
des hochfrequentierten Skigebiets wurde beruhigt.
Anstelle der additiven Volumina entstand ein begehbares,
begrüntes Landschaftsdach, das sich als
künstliche Topografie selbstverständlich in die alpine
Umgebung einfügt.
u
architektur FACHMAGAZIN
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Alt & Neu
Die geneigte Panoramafassade folgt der bestehenden
Stahlstruktur und öffnet den Blick auf die Sextner
Dolomiten – Architektur als Beobachtungsinstrument.
Sichtbar gemachte Technik
Von Beginn an war es für Plasma Studio wichtig, das
infrastrukturelle Erbe nicht zu kaschieren, sondern es
der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Wir wollten
die technischen Komponenten des Gebäudes, die
bislang der Öffentlichkeit verborgen waren, sichtbar
und erlebbar machen“, so Hell. Das Herzstück dieser
Strategie ist der ehemalige Spannschacht: ein 17
Meter hoher Raum, in dem einst Gegengewichte die
Gondeln zwischen Tal und Berg bewegten.
Heute bildet er die zentrale vertikale Erschließung
des Hauses – roh, hoch und von leuchtenden Originalfarben
geprägt. „Dieser beeindruckende Raum
sollte nach dem Betreten des Gebäudes den ersten
Eindruck prägen“, sagt Hell. Was früher unzugänglich
war, ist heute eines der charakteristischen Elemente
des Hauses. Die technische Infrastruktur wird nicht
museal überhöht, sondern als räumliche Erfahrung inszeniert.
Seilscheiben, Stahlträger und mechanische
Details sind noch immer präsent und zeugen von der
Geschichte des Ortes als Maschine im Gebirge.
Material als Gedächtnis
Die Transformation erforderte massive Eingriffe in
den Bestand. So mussten beispielsweise bis zu 1,2
Meter starke Betonwände geöffnet werden, was einen
erheblichen konstruktiven Aufwand darstellte.
Doch auch hier wurde das Prinzip des Weiterbauens
konsequent umgesetzt. „Alles Material, das wir aus
diesen Eingriffen gewonnen haben, wurde zerkleinert
und wiederverwendet“, erklärt Hell. So entstand
der unterste Bereich des Gebäudes, jener Raum unterhalb
der ehemaligen Gondelzugänge, der zuvor
ebenfalls nicht zugänglich war.
Heute ist er der erste Ort, an dem sich der Blick in
die Weite der Dolomiten öffnet. Der Boden wurde aus
dem rezyklierten Beton der alten Struktur modelliert
– Abbruchmaterial wird hier zur topografischen
Erzählfläche. Der Entwurfsprozess glich dabei einer
architektonischen Archivrecherche. „Wir haben sehr
genau katalogisiert, welche Elemente erhalten bleiben
sollten: ganze Bauteile, Materialfragmente oder
räumliche Qualitäten“, so Hell. Diese Analyse wurde
zum konzeptionellen Treiber: Nachhaltig ist kein Zusatz.
Sie ist gestalterisches Prinzip.
Aussicht als Entwurfsmoment
Ein zentrales Thema der Transformation war der
Blick. Die große Öffnung der ehemaligen Bergstation,
die ursprünglich für die Einfahrt der Gondeln konzipiert
worden war, blieb erhalten und wurde neu interpretiert.
„Wir folgten der geneigten Linie des letzten
Trägers der bestehenden Struktur“, erklärt Hell. So
entstand ein großformatiges Fenster, das sich leicht
nach außen neigt und einen 180-Grad-Panoramablick
auf die Sextner Dolomiten freigibt.
Die Stahlkonstruktion des Hauptvolumens wurde lediglich
verstärkt, nicht ersetzt. Ebenso wichtig war
es dem Team, die ursprüngliche Fassadenschicht zu
bewahren. Während der Bauphase bedeutete dies
höchste Präzision: Neue Verstärkungsträger mussten
eingefügt werden, ohne die bestehende Verkleidung
zu entfernen. Heute dient diese alte Hülle als
verlorene Schalung. Außen ergänzen Dämmung, Hinterlüftung
und neue Bekleidung das System. Dank
einer innovativen Brandschutzplanung bleibt die
Stahlstruktur im Inneren sichtbar, was für die räumliche
Wirkung von wesentlicher Bedeutung ist. u
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Plasma Studio
architektur FACHMAGAZIN
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Alt & Neu
Architektur „by fair means“.
Das Leitmotiv des Projekts spiegelt Reinhold Messners
eigene Philosophie unmittelbar wider. „By fair
means“ – mit fairen Mitteln – beschreibt seinen alpinistischen
Ansatz ebenso wie den architektonischen Umgang
mit dem Bestand. „So wie Messner den Berg mit
Respekt und ohne künstliche Hilfsmittel erfahren will,
wollten wir das Gebäude mit architektonischer Integrität
behandeln“, sagt Hell. Anstelle von Verkleidung
oder Überformung setzt das Projekt auf Offenlegung.
Rohe Betonflächen, Originalfarben und das freigelegte
Stahlgerüst bleiben sichtbar und erzählen von der industriellen
Herkunft des Bauwerks. Neue Funktionen
wurden eingefügt, ohne den infrastrukturellen Charakter
zu negieren. Die Transformation bleibt ehrlich – minimal
in den Eingriffen, präzise im Ausdruck.
Eine neue räumliche Erzählung
Die Umwandlung eines technischen Zweckbaus in
eine kulturelle Destination erforderte eine neue Dramaturgie.
Der Rundgang ist als kontinuierlicher Weg
durch ehemals rein funktionale Räume angelegt. „Wir
mussten eine neue räumliche Erzählung schaffen“, so
Hell, „Technische Bereiche, die früher ausschließlich
der Wartung dienten, wurden Teil der Besuchserfahrung.“
So entsteht eine doppelte Narration: Einerseits
geht es um die Auseinandersetzung mit Bergkultur,
Nachhaltigkeit und Messners persönlichem Vermächtnis,
andererseits wird die Geschichte der Infrastruktur
selbst erzählt – als Zeugnis menschlicher
Erschließung und technologischen Fortschritts im
alpinen Raum.
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Plasma Studio
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03
06
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03
06
Das Landschaftsdach als Resonanzraum
Den Abschluss – und zugleich einen neuen Anfang
– bildet das Landschaftsdach. Es liegt direkt am
Karnischen Höhenweg und fungiert als öffentliche
Aussichtsplattform für Wanderer und Besucher. „Es
schafft eine neue Beziehung zwischen Architektur,
Landschaft und Mensch“, beschreibt Hell. Von
hier aus entfaltet sich das Panorama der Dolomiten
in voller Breite und lädt zu bewusster Kontemplation
ein. Gleichzeitig bleiben die technischen Relikte
präsent. Diese doppelte Blickrichtung – hinaus in
die Landschaft und zurück auf das infrastrukturelle
Erbe – macht das Reinhold-Messner-Haus zu einem
Ort der Reflexion über den menschlichen Einfluss auf
die Berge.
•
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Reinhold Messner Haus
Mount Elmo, Sexten, Italien
Bauherr:
Planung:
Team:
Statik:
3 Zinnen Spa
Plasma Studio
Ulla Hell, Holger Kehne, Peter Pichler,
Andrea Cubattoli, Andrea Bellentani,
Niccoló dal Farra, Carolina Forer
Baukanzlei Sulzenbacher & Partner
Bebaute Fläche: 1.035 m²
BGF: 1.550 m²
Planungsbeginn: 2021
Baubeginn: 05/2023 - 06/2025
Fertigstellung: 06/2025
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„Bei der Entwicklung des Konzepts
lag unser Fokus darauf, die
ursprüngliche architektonische
Qualität der Seilbahnstation freizulegen
und die abgerissenen
Bauteile nachhaltig wiederzuverwenden. Durch die Transformation
technischer Infrastrukturelemente – vom beeindruckenden
Schachtbereich bis zur charakteristischen
Öffnung für die Gondeln – schaffen wir einen kulturellen
Raum, der das Erbe von Reinhold Messner bewahrt und das
majestätische Panorama der Dolomiten zum integralen Bestandteil
der Erzählung macht.“
Ulla Hell, Plasma Studio
architektur FACHMAGAZIN
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Alt & Neu
Zeitschichten
Brewery Yard / Sydney, Australien / Tzannes
Text: Linda Pezzei Fotos: Ben Guthrie
Manche Gebäude erzählen Geschichte – andere machen
Zeit sichtbar. Mit dem Brewery Yard im Central Park
von Sydney gelingt Tzannes eine seltene Synthese
aus industriellem Erbe, zeitgenössischer Architektur
und nachhaltiger Energieinfrastruktur. Wo einst Bier
gebraut wurde, entsteht heute ein urbanes Kraftwerk
– räumlich, kulturell und ökologisch. Der Umbau zeigt,
wie Alt und Neu nicht konkurrieren, sondern sich als
lesbare Schichtung von Zeit gegenseitig verstärken.
Architektur als Zeitmesser
„It measures time.“ Mit diesem Satz bringt Alec
Tzannes das architektonische Prinzip des Brewery
Yard auf den Punkt. Der Umbau der ehemaligen Carlton
and United Brewery versteht sich nicht als Restaurierung
im klassischen Sinn, sondern als räumliche
Chronologie: eine Architektur, die Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft zugleich lesbar macht.
Im Zentrum des 6,7 Hektar großen Central-Park-Areals
gelegen, bildet das Brewery Yard das größte zusammenhängende
Ensemble erhaltener historischer
Gebäude des Quartiers. Die Backsteinbauten aus dem
frühen 20. Jahrhundert stehen stellvertretend für rund
170 Jahre industrieller Nutzung – von den ersten Brauereien
der 1870er-Jahre bis zur Stilllegung des Areals
2005. Ihre Transformation markiert zugleich den Wendepunkt
eines vormals abgeschotteten Industrieareals
hin zu einem offenen, urbanen Lebensraum. u
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Tzannes
architektur FACHMAGAZIN
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Alt & Neu
Überlagerung statt Kontrast
Charakteristisch für das Projekt ist der bewusste
Verzicht auf Mimikry oder formalen Bruch. Alt und
Neu begegnen sich nicht als Gegensätze, sondern
als aufeinander aufbauende Zeitebenen. Besonders
deutlich wird dies in der neuen Dachstruktur: Über
dem historischen Backstein erhebt sich eine Stahlkonstruktion,
umhüllt von gefalteten Paneelen aus
expandiertem Zinkgewebe.
Diese Hülle verbirgt nicht nur die Kühltürme und
technischen Anlagen, sondern übersetzt deren funktionale
Anforderungen in eine skulpturale Form, die
zwischen der orthogonalen Logik des Bestands und
den gekrümmten Geometrien der Technik vermittelt.
Die industrielle Materialität bleibt dabei bewusst
sichtbar – nicht als Zitat, sondern als zeitgenössische
Weiterführung des Ortes.
Auch die neue, doppelt verglaste Stahlfassade an der
Nordseite folgt diesem Prinzip. Sie legt gealtertes
Mauerwerk, Sandstein und Kupfer frei und inszeniert
Patina nicht als Makel, sondern als kulturelle Qualität.
Die Architektur erzählt hier nicht von Perfektion,
sondern von Dauer.
Produktion im Wandel
Inhaltlich setzt das Projekt die industrielle Tradition
des Ortes fort – mit anderen Mitteln. Wo früher Bier
produziert wurde, entsteht heute Energie. Die gasbetriebene
Trigenerationsanlage versorgt den gesamten
Central-Park-Bezirk sowie Teile des UTS-Campus
mit Strom sowie Heiz- und Kühlenergie. Über
eine Laufzeit von 25 Jahren sollen so rund 180.000
Tonnen CO 2 eingespart werden.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die technische
Leistung, sondern ihre räumliche Integration: Nachhaltige
Infrastruktur wird nicht ausgelagert oder
versteckt, sondern als sichtbarer Bestandteil der
Architektur verstanden. Die Energieproduktion wird
Teil des urbanen Alltags – und damit auch Teil der
architektonischen Erzählung.
Schichten der Geschichte – Die neue Nordfassade
aus Stahl und Glas legt gealtertes
Backsteinmauerwerk frei und macht die
architektonische Zeitdimension sichtbar.
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Tzannes
Innenräume mit Erinnerung
Im Inneren wurden die historischen Gebäude neu
organisiert, Geschosse ergänzt und Raumhöhen optimiert,
um zeitgemäße Büro-, Retail- und Hospitality-Nutzungen
zu ermöglichen. Gleichzeitig bleiben
Spuren der industriellen Vergangenheit präsent:
umfunktionierte Silos, Hoppers und Braumaschinen
dienen als räumliche Marker und machen Geschichte
unmittelbar erfahrbar. So entsteht eine Arbeitswelt,
die sich bewusst von neutralen Glasbürobauten absetzt.
Charakter, Materialität und historische Tiefe
werden hier zur räumlichen Qualität – nicht als Nostalgie,
sondern als identitätsstiftendes Element.
Vom Industrieareal zur urbanen Mitte
Städtebaulich fungiert das Brewery Yard heute als
Herzstück des Central Park. Der ehemals abgesperrte
Ort ist zu einem öffentlich zugänglichen Knotenpunkt
geworden – mit hoher Aufenthaltsqualität,
direkter Anbindung an den Park und als Bühne für
öffentliche Ereignisse.
Die Architektur wirkt dabei als Bindeglied zwischen
Vergangenheit und Gegenwart, zwischen öffentlichem
Raum und Arbeitswelt. Sie zeigt, dass adaptive
Wiederverwendung nicht nur Ressourcen schont,
sondern urbane Bedeutung erzeugt.
u
architektur FACHMAGAZIN
66
Alt & Neu
5 Fragen an Alec Tzannes
Wie wurde entschieden, welche historischen
Elemente offengelegt, verborgen
oder neu interpretiert werden sollten?
Welche Rolle spielten Gemeinde und
Stakeholder?
Der Masterplan für das 6,7 Hektar große
Central-Park-Areal wurde von Tzannes
und Cox Richardson Architects & Planners
entwickelt und von Foster + Partners
in Abstimmung mit Tzannes überarbeitet.
Die archäologische und konservatorische
Grundlage lieferte der Managementplan
von Godden Mackay Logan.
Die adaptive Umnutzung leitete Urbis,
während Tzannes die Entwurfsoptionen
vorantrieb. Urbis bewertete Maßnahmen
zur Erhaltung, Veränderung, Verlegung
oder Entfernung historischer Substanz,
identifizierte relevante Artefakte der Brauereifunktion
und genehmigte deren Umsetzung
im Heritage Impact Statement.
Daraus entstand eine gemeinsame kuratorische
Verantwortung.
Die Stadt Sydney führte das Genehmigungsverfahren,
konsultierte die Öffentlichkeit,
bewertete die Rückmeldungen unabhängig
und entschied über den Bauantrag. Sämtliche
baulichen Eingriffe – von der verglasten
Nordfassade über Erschließung, Innenraum
und Dach bis zu zusätzlichen Geschossen
und Dachbüros – wurden von Tzannes mit
Unterstützung von Urbis entworfen.
War die Zinkgitterverkleidung der Kühltürme
ein Verstecken oder die Chance für
eine ikonische Form im Dialog mit dem
industriellen Erbe?
Der Entwurf ging aus zwei Ansätzen hervor.
Zunächst wurde eine massiv wirkende Anlagenstruktur
untersucht, die sich an den
historischen Mauerwerksgeometrien orientierte
und akustische Hohlräume integrierte.
Dieser Ansatz erwies sich als zu dominant
für den Bestand. Stattdessen entstand
eine Form, die sich aus der Anordnung des
Backsteinbaus und der Dachneigung ableitet,
mit klarer Fuge zwischen Alt und Neu
und einem Übergang in die Geometrie der
Kühltürme. Zinkgewebe wurde gewählt, da
es sich biegen lässt, langlebig ist, die Belüftung
unterstützt und die akustischen Einbauten
ausreichend verdeckt.
So entwickelte sich ein gestalterischer Dialog
zwischen Alt und Neu, der Zeit, Funktionswandel
und neue Nutzungen sichtbar
macht. Als prägnantes Zeichen im Stadtraum
erfüllen die skulpturalen Formen zugleich
die Rolle eines Wahrzeichens für Park
und Stadtplatz. Zurückhaltender gestaltet
sind Dachbüros und Feuertreppe: Sie sind
vom Park aus nicht sichtbar und vermeiden
Verschattung. Je nach Qualität des Bestands
treten die neuen Elemente entweder
ruhig oder bewusst markant in Erscheinung
und stärken so den Gesamtcharakter.
Wie verändert das Design die Vorstellung
moderner Arbeitsumgebungen im städtischen
Kontext? Welche Rolle spielt die
Beziehung zwischen öffentlichem Raum,
Arbeitsplatz und Kulturerbe?
Das ehemalige Industriegelände wurde zu
einem dichten, gemischt genutzten Stadtquartier
transformiert. Im Brewery Yard
entsteht eine Arbeitsumgebung, die durch
historische Elemente und räumliche Qualität
geprägt ist. Pausenräume, Besprechungszonen
und Erschließung sind so integriert, dass
das Zusammenspiel von Alt und Neu auch
im Innenraum spürbar wird und sich deutlich
von konventionellen Büros unterscheidet.
Diese Haltung prägt das gesamte Areal.
Die Geschichte des Ortes ist ein zentrales
Element des Masterplans und verleiht
dem Quartier Identität und Zugehörigkeit.
Als Herzstück des Central Park bildet das
Brewery Yard den Rahmen für öffentliche
Nutzung und Veranstaltungen. Der kontinuierliche
Dialog zwischen historischen
Bauten und zeitgenössischer Architektur
prägt das städtische Erlebnis.
Können historische Gebäude heutige Umweltstandards
erfüllen, ohne ihre Integrität
zu verlieren? Wie wird Erfolg gemessen?
Neben der Trigenerationsanlage wurde
auch die gesamte Fensterkonstruktion erneuert
und an heutige Umweltstandards
angepasst. Die ursprünglichen Stahlrahmen
waren defekt, ein Erhalt wäre energetisch
nicht vertretbar gewesen. Da der Bestand
zwar bedeutend, aber nicht besonders fein
ausgearbeitet war, erwies sich eine neue
Verglasung als sinnvoller Kompromiss zwischen
Umweltleistung und historischem
Ausdruck. Der Erfolg zeigt sich nicht nur in
CO 2 -Werten, sondern vor allem in der Qualität
und Angemessenheit der Detailplanung
bei Eingriffen dieser Größenordnung.
Ist das Brewery Yard weltweit übertragbar?
Welche Prinzipien lassen sich ableiten?
Central Park und Brewery Yard wurden vielfach
ausgezeichnet und dienen als internationale
Fallstudien für die Umwandlung von
Brachflächen in dichte, gemischt genutzte
Stadtquartiere. Das Projekt wird häufig als
Referenz für adaptive Wiederverwendung
herangezogen. Die Weiterverwendung historischer
Bausubstanz, einschließlich der
Integration technischer und materieller Relikte,
vertieft das Verständnis für Ort und
Stadt. Ihr Verlust würde ökologische Belastungen
erhöhen und den Prinzipien der
Kreislaufwirtschaft widersprechen. Brewery
Yard und Central Park zeigen, wie nachhaltige
Stadtentwicklung sozial, wirtschaftlich
und ökologisch gelingen kann.
•
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COMMERCIAL
COMMERCIAL
COMMERCIAL
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COMMERCIAL
COMMERCIAL
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COMMERCIAL
COMMERCIAL
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Tzannes
New Fabric
Brewery Yard Axonometric |
New Fabric
OG 1
Heritage Interpretations Brewery Yard Level 1 Floor Plan |
SOLAR PLANE
CENTRAL PARK AVENUE
CHIPPENDALE
GREEN
CENTRAL PARK
AVENUE
New Fabric
Heritage Interpretations
Brewery Yard Section |
New Fabric
EG
Heritage Interpretations Brewery Yard Ground Floor Plan |
Brewery Yard
Sydney, Australien
Bauherr:
Planung:
Project Director:
Project Lead:
Team Members:
Frasers Property Australia
and Sekisui House Australia / IP Generation
Tzannes
Alec Tzannes, Ben Green
James Marrinan
Allison Cronin, Amanda Cooper, Antoinette Cano,
Bruce Chadlowe, Carl Holder, Derek Chin, Nadia Zhao,
Yi-han Cao, Kevin Mak, Matilda Gollan, Vicky Feng,
Arddy Berylian, George Korban, Lily Tandeani, John Suh,
Tasman Shen, Juliana Conceicao, Nicole Larkin,
Daniel Gullan, Connor Denyer, Amanda Roberts,
Amanda Cooper, Katharine Turner, Nico Locane, Iris Zhu
Konstruktion / Fassade: Meinhardt / Stantec
BGF: 6.185 m²
Fertigstellung: 01/2024
www.tzannes.com.au
„Wenn ein Gebäude es zulässt, kann eine kühne
neue Struktur im Kontext funktionieren. Der
Brewery Yard beweist, dass sich zeitgenössisches
Design und historische Bausubstanz nicht
ausschließen, sondern dass sie miteinander
existieren können – nicht durch Nachahmung,
sondern indem sie die Zeit sichtbar machen.“
Alec Tzannes
architektur FACHMAGAZIN
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Alt & Neu
Im Dazwischen
Caffè Nazionale / Arzignano, Italien / AMAA
Text: Linda Pezzei Fotos: Mikael Olsson
AMAA transformiert die
Kolonnade des historischen
Rathauses von
Arzignano mit dem Caffè
Nazionale in einen sozialen
Resonanzraum. Durch
szenografische Präzision
und einen bewussten
Umgang mit dem Unfertigen
entsteht ein Ort, an
dem Alt und Neu nicht
versöhnt werden, sondern
gleichzeitig präsent
bleiben.
Die Architekturgeschichte kennt viele Schwellen,
aber nur wenige, die wirklich bewohnt werden. Im
Caffè Nazionale liegt der entscheidende Entwurf
nicht in einer einzelnen Geste, sondern im Dazwischen:
zwischen Piazza und Innenraum, zwischen
Denkmal und Alltag, zwischen historischer Tiefe und
zeitgenössischer Präsenz. Was früher eine durchquerte
Kolonnade war, wird nun zu einem Ort, an
dem man verweilt. AMAA begreift den Bestand nicht
als zu schützendes Objekt, sondern als lebendiges
Gefüge aus Spuren, Brüchen und Überlagerungen.
Der Umbau des Caffè Nazionale im Palazzo Municipale
von Antonio Caregaro Negrin (1877–79) ist daher
kein Akt der Restaurierung im klassischen Sinne,
sondern eine kultivierte Neuverhandlung von Zeit.
Geschichte wird nicht rekonstruiert, sondern lesbar
gemacht – als Palimpsest, das den Alltag aufnimmt,
statt ihn zu musealisieren.
u
www.architektur-online.com
69
AMAA
architektur FACHMAGAZIN
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Alt & Neu
Der Zugang zum Caffè liegt zentral in der Kolonnade
des Rathauses und markiert den Übergang von der
öffentlichen Piazza Libertà zu einer Abfolge räumlicher
Szenen. Diese Sequenz – vom Platz über den
Hauptsaal bis zum Innenhof – ist als bewusst inszenierte
Dramaturgie angelegt. Hier wird Architektur
zur Bühne des Alltags. Im Inneren koexistieren
Fragmente unterschiedlicher Epochen: freigelegte
Fresken, polychrome Mosaikböden und verwitterte
Oberflächen. Nichts davon wird geglättet oder vervollständigt.
Stattdessen konsolidiert AMAA den
Bestand und akzeptiert seine Unschärfen als Teil der
räumlichen Erzählung. Das Unfertige ist dabei kein
ästhetischer Effekt, sondern Ausdruck einer Haltung,
die Authentizität über Perfektion stellt.
Plissierte Stahlwand als Szenografie: Die mikroperforierte
Stahlwand übersetzt den Rhythmus
der Fassade ins Innere und inszeniert den Dialog
zwischen Bestand und Intervention.
www.architektur-online.com
71
AMAA
Zeitgenössische Eingriffe sind klar erkennbar, ohne
aufdringlich zu wirken. Die plissierte, mikroperforierte
Stahlwand funktioniert wie ein Vorhang: Sie
übersetzt den Rhythmus der Kolonnade ins Innere,
erzeugt Tiefe und filtert den Blick zum Innenhof. Dahinter
liegende Plakate des Künstlers Stefan Marx
verstärken die theatrale Dimension – temporär, austauschbar
und bewusst nicht abgeschlossen. Auch in
den Details setzt sich diese Logik fort. Maßgefertigte
Möbel aus Okumé-Sperrholz, eine Holzkassettendecke
mit integrierter Akustik und Beschallung sowie
der von Nero/Alessandro Neretti entworfene Türgriff
aus grünem Serpentin werden nicht als Designobjekte
inszeniert, sondern als zeitgenössische Ornamente
verstanden. Wie Friese und Dekore im 19. Jahrhundert
Teil der Architektur waren, verschmelzen hier
künstlerische Interventionen mit dem Raum.
Entscheidend ist jedoch die soziale Dimension des
Projekts. Die Kolonnade wird nicht länger als Randzone
wahrgenommen, sondern als urbaner Aufenthaltsraum
– als Schwelle, die nicht abgrenzt, sondern
anknüpft. So wird das Caffè Nazionale erneut zu dem,
was italienische Cafés historisch waren: ein Ort des
Austauschs, der Beobachtung und der Zugehörigkeit.
Hier begegnen sich Alt und Neu nicht im Kontrast,
sondern in einer gemeinsamen Gegenwart. u
Spuren statt Rekonstruktion: Freigelegte
Fresken, verwitterte Oberflächen und neue
Einbauten bilden ein bewusst unvollendetes
Palimpsest aus Zeit und Nutzung.
architektur FACHMAGAZIN
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Alt & Neu
Die besondere Ästhetik des Caffè
Nazionale liegt im Unperfekten
und Unfertigen, im Dazwischen.
Nachgefragt bei Marcello Galiotto und Alessandra Rampazzo
Das Caffè Nazionale wird als „lebendiges
Palimpsest“ beschrieben, in dem Vergangenheit
und Gegenwart nebeneinander
existieren. Wie sind Sie bei der Auswahl der
zu erhaltenden, zu überarbeitenden und zu
entfernenden Schichten vorgegangen?
Dies mit der Soprintendenza (Anm.: der italienischen
staatlichen Behörde für Denkmalpflege
und Kulturerbe) zu verhandeln, ist
immer ein heikles Thema. Die Entscheidung
ist nicht rein wissenschaftlich, denn sie basiert
nicht nur auf der Datierung von Mate-
rialien oder chemischen Analysen, sondern
vor allem auf einem tiefen Verständnis des
Gebäudes und seiner physischen wie räumlichen
Veränderungen im Laufe der Zeit.
Dieses Wissen eröffnet eine Vielzahl von
Möglichkeiten und begründet die Entscheidungen,
die von einer historischen Schicht
zur nächsten getroffen werden. Ziel ist es,
jeden Fetischismus zu vermeiden und zugleich
eine kultivierte, sinnvolle Transformation
des Ortes zu ermöglichen – eine
Haltung, die manchmal Opfer zugunsten
anderer, höherer Werte verlangt.
Die Theatralik des Raums spielt in Ihrem
Entwurf eine wichtige Rolle, etwa durch die
plissierte Stahlwand. Wie unterstützt dieser
Ansatz den Dialog zwischen Alt und Neu?
Die plissierte Wand funktioniert wie eine
Szenografie, die den Rhythmus der Platzfassade
aufnimmt und in den Innenraum
überträgt. So erweitert sie den Dialog zwischen
Innen und Außen, stärkt die räumliche
Kontinuität und betont die soziale Dimension
des Ortes.
Sie verzichten bewusst auf ein poliertes,
„fertiges” Erscheinungsbild und behalten
Spuren des Verfalls sowie rohe Oberflächen
bei. Was bedeutet für Sie das „Unfertige“
in diesem Projekt?
Auch hier gibt es keine strenge wissenschaftliche
Trennung der Elemente – mit
Ausnahme der neuen Wände. In einem
denkmalgeschützten Gebäude erfordert die
Arbeit einen sensiblen, maßvollen Ansatz,
der die Authentizität des Raumes bewahrt,
ohne in Fälschung zu verfallen. Mitunter
müssen neue Oberflächen eher in Harmonie
als im bewussten Kontrast eingeführt werden,
mit Farbtönen, die eine subtile Kontinuität
schaffen und die historische Substanz
auf leise, respektvolle Weise würdigen.
Vom eigens entworfenen Griff bis zu
maßgefertigten Möbeln und der Decke
mit integrierter Beschallung: Wie hat
die Zusammenarbeit mit Künstlern und
Handwerkern die Transformation des Caffè
Nazionale geprägt?
Diese Zusammenarbeit ist für jedes ortsspezifische
Projekt grundlegend und findet
auf verschiedenen Ebenen statt. Manchmal
durchdringt das Kunstwerk den Raum und
wird zu einem integralen Bestandteil, der
Urbanität erzeugt – wie das Plakat von
Stefan Marx. In anderen Fällen erscheint
es als Detail, wie der maßgefertigte Griff
von Nero/Alessandro Neretti – die letzte
Design-Geste und zugleich das Erste,
was man beim Betreten berührt. All diese
Elemente verschmelzen mit der Architek-
AMAA
www.architektur-online.com
10 m
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AMAA
0 1 2
5 m
GROUND FLOOR PLAN
erVersion 0.99.100.14500
tur und werden eins mit ihr. So wie im 19.
Jahrhundert Friese und Ornamente in die
Bausubstanz eingeschrieben wurden, wird
der zeitgenössische Eingriff des Künstlers
zum erklärten Ornament – und nicht länger
zum Vergehen erklärt.
Kolonnade und Innenhof verwischen die
Grenze zwischen öffentlichem und privatem
Raum. Welche Rolle spielt diese räumliche
Durchlässigkeit in Ihrer Vorstellung
davon, wie alte Strukturen heute Teil des
städtischen Lebens werden können?
Alles liegt in der Schwelle. Das Projekt verwandelt
einen zuvor nur durchquerten Raum
in einen belebten Ort mit neuer Tiefe und Vitalität
– ähnlich wie bei unserem Projekt der
Kunstgalerie Atipografia in Arzignano. •
Caffè Nazionale
Arzignano, Italien
Bauherr: MAM Srl (Marco Mettifogo – Andrea Poli – Marcello Galiotto)
+ Gemeinde Arzignano
Planung:
AMAA Collaborative Architecture Office
For Research And Development
Verantwortlicher Partner: Marcello Galiotto
Projektmanagement: Francesca Fasiol
Designteam:
Marcello Galiotto, Francesca Fasiol,
Eleonora Folli, Virna Rossetto
Statik:
Simone Michelotti
Nutzfläche:
565 m² (Garten: 130 m², Außenkolonnade: 110 m²,
Erdgeschoss: 325 m²)
Planungsbeginn: Juni 2023
Bauzeit: Januar - November 2024
Baukosten:
1.6 Mio. Euro
www.amaa.studio
© Mikael Olsson
„Das Projekt versteht das Café als
superöffentlichen, supersozialen
Stadtraum, in dem sich Alt und Neu
überlagern wie in einem architektonischen
Palimpsest. Durch eine ablesbare
Schichtung von historischen
Spuren und neuen, szenografischen
Elementen entsteht eine räumliche
Bühne, die die Erinnerung an den Ort
kontinuierlich weiterschreibt.“
Marcello Galiotto und
Alessandra Rampazzo, AMAA
architektur FACHMAGAZIN
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Restaurant- & Bardesign
Stein trifft Schale
Die Cukiernia in Lwiw, Ukraine, besteht seit 2000 und ist als Konditorei im Erdgeschoss
eines historischen Gebäudes in der Altstadt fest in der lokalen Esskultur
verankert. YOD Group nahm die Neugestaltung zum Anlass, den Ort nicht nur zu
modernisieren, sondern seine Identität neu zu schärfen: Gesucht waren zeitgemäße
Bezüge und Motive, die die gewachsenen Qualitäten – Präzision, Noblesse,
Kontinuität – weniger ersetzen als vielmehr behutsam fortschreiben. Entstanden
ist ein ruhiges, reduziertes Interieur, das emotional angenehm bleibt und den Blick
nicht von der Hauptsache abzieht: der Konditorei und ihren Produkten.
Fotos: Yevhenii Avramenko
Material als Narrativ
Das Projekt arbeitet mit Monomaterialität und feinen
Abstufungen. Zwei Hauptmaterialien prägen den
Raum: italienischer Marmor und ein eigens entwickelter
Eierschalen-Bioputz – helles Holz und Messing
ergänzen als zurückhaltende Akzente. Der Marmor in
warmen, cremig-braunen Tönen bestimmt Boden und
Theken. Seine karamelligen Adern spielen subtil auf
Creme und Karamell an, während Haptik, Gewicht und
die akustische Präsenz des Natursteins ein spürbares
Gefühl von Wertigkeit erzeugen. Den stärksten Bezug
zum Produkt stellt jedoch der Wandputz her: Aus Eier-
schalen entstand eine maßgeschneiderte Oberfläche.
Mehr als eine Tonne Schalen wurde gesammelt, gereinigt,
getrocknet und in definierter Körnung zerkleinert;
in Versuchsreihen wurden Rezeptur und Auftrag
so optimiert, dass die Schale visuell erkennbar bleibt,
ohne unangenehm rau oder zu reliefiert zu wirken. Für
die gewünschte warme Tonalität mischte man 1.300
Kilogramm weiße Schalen mit 200 Kilogramm dunkleren
Schalen, die während des laufenden Betriebs aus
der Produktion gesammelt wurden.
www.architektur-online.com
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Restaurant- & Bardesign
Von Saal zu Saal
Die 165 m² große Cukiernia gliedert sich in drei Säle. Im
ersten Raum steht eine mehrstufige, umlaufbare Vitrine,
die den Auswahlprozess strukturiert; eine Treppe
mit dynamisch gerundeten Holzgeländern führt weiter.
Der zweite Saal wird von einer Barinsel geprägt,
die konstruktiv an die Vitrine anknüpft und so ein wiederkehrendes
Motiv etabliert; dazu kommen Stühle
der ukrainischen Marke Woo. Der dritte, größte Raum
bietet unterschiedliche Sitzsituationen – kleine Tische
ebenso wie eine lange Gemeinschaftstafel. Da der Bestand
wenig Tageslicht aufweist, setzt das Konzept
auf eine helle Palette und bogenförmige Nischenöffnungen,
die die Säle visuell verbinden und dem Raum
zusätzliche Weite geben; Pendelleuchten von Aromas
del Campo führen die Rundungen in der Lichtgestaltung
fort. Entscheidend für die Kontinuität ist zudem
der respektvolle Umgang mit vorhandenen Elementen:
Bugholzstühle aus dem früheren Interieur wurden restauriert
und teilweise weiß gefasst – wie mit Glasur
überzogen –, die hölzernen Tischuntergestelle blieben
erhalten und erhielten runde Marmorplatten. Ein massiver
antiker Schrank aus der Lwiw-Sezession, aus der
Privatsammlung des Eigentümers, verankert schließlich
die Traditionsebene als authentisches Einzelstück.
So entsteht ein präzise komponierter Innenraum, der
Erneuerung über Material, Proportion und Atmosphäre
formuliert – und die Cukiernia als Ort handwerklicher
Kontinuität zeitgemäß weiterdenkt.
architektur FACHMAGAZIN
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Restaurant- & Bardesign
Schwarze Bühne,
roter Ziegel
In der Linzer Tabakfabrik haben die Haubenköche Sebastian Rossbach und
Marco Barth ihre Pizzeria 22k eröffnet. Der Name spielt augenzwinkernd auf die
Ablösesumme des Lokals an und setzt damit schon vor dem ersten Gang einen
Ton zwischen Ironie und Präzision. Für das Interior zeichnet destilat verantwortlich
– und die Entwurfsentscheidung ist so klar wie konsequent: Aus einem nur
50 m² großen Raum wird eine pointierte, fast bühnenhafte Kulisse für eine lässige
kulinarische Spielwiese.
Fotos: Jürgen Grünwald
Die denkmalgeschützte Hülle setzte klare
Grenzen: Am Grundriss durfte aufgrund
strikter Auflagen nichts verändert werden.
Genau daraus entwickelt das Konzept seine
Präzision. Statt Eingriffe zu kaschieren,
wird der Bestand als Rahmen akzeptiert
– und der Raum über Oberflächen, Materialkontraste
und Lichtführung neu „programmiert“.
Der vorhandene gegossene
Asphaltboden bleibt, bildet die robuste
Grundlage und wird Teil einer konsequenten
Inszenierung, die den kleinen Maßstab
nicht versteckt, sondern schärft.
destilat taucht den Raum von oben bis unten
in tiefes Schwarz. Dieses Monochrom
ist nicht Kulisse, sondern Bühne: Neu eingesetzte
Holzelemente werden nach der
japanischen Shou-Sugi-Ban-Technik verkohlt
– eine traditionelle Veredelung, die
das Material konserviert, wasserresistent
macht und in fein abgestuften Dunkelheiten
schimmern lässt. Im schwarzen Feld
wirkt jede Kante, jede Textur, jedes Licht
umso deutlicher; die Oberfläche wird zum
eigentlichen Ornament.
Als räumlicher Anker setzt die Bar einen
Gegenakzent: rote Planziegel mit charakteristischer
Wabenstruktur sind auf Sicht
gestapelt, mit dunkler Fugenmasse ausgekleidet
und geschliffen; Schwarzblech
fasst die Konstruktion, eine Hinterleuchtung
modelliert Tiefe und Rhythmus. So
erhält der rohe Werkstoff – im Zusammenspiel
mit dem strengen Schwarz – einen
beinahe musealen Auftritt. Ergänzt wird
die Szenerie durch elegant schwarze Thonet-Bestuhlung,
die das Thema der dunklen
Kontur weiterführt und den Ziegelkörper
als farblichen Solisten freistellt.
www.architektur-online.com
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Restaurant- & Bardesign
architektur FACHMAGAZIN
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Restaurant- & Bardesign
Ursprung als Methode
Archaisch denken, zeitgenössisch bauen. Mit YERA im FORESTIS in der Provonz
Bozen in Südtirol entsteht kein nostalgischer Rückzugsort, sondern ein architektonisches
Statement: ein in den Berg gegrabener Raum. Hier werden archaische
Prinzipien nicht zitiert, sondern als Zukunftsstrategie übersetzt.
Text: Linda Pezzei Fotos: Charlotte Lapalus / FORESTIS
Im YERA wird der Diskurs zwischen Alt und Neu nicht
über Kontraste, sondern über Kontinuität geführt. Es
wurde weniger Bestand transformiert als vielmehr
Ursprung freigelegt. Tief im Berg des Peitlerkofels
haben die Architekten von ASAGGIO ein unterirdisches
Restaurant realisiert, das sich nicht als Eingriff
versteht. Es ist eine logische Konsequenz des Ortes.
Die Wände und Böden bestehen aus roter Erde – aus
demselben Berg, der seit über 3.000 Jahren als keltischer
Siedlungsort gilt. Materialität ist hier keine
Oberfläche, sondern Substanz. Architektur entsteht
nicht im Kontext, sondern aus ihm heraus.
Der Berg als Bauherr
Von außen bleibt YERA unsichtbar. Eine schwere
Tür markiert den Übergang von der Landschaft zum
Raum, von außen nach innen. Es gibt keine Fenster,
visuelle Ablenkung ebenfalls nicht. Die Architektur
verweigert sich dem Bild und fordert Präsenz. Wände
und Böden bestehen aus dem freigelegten Erdmaterial
und sind roh belassen und unverstellt. Darüber spannt
sich eine hölzerne Deckenkonstruktion in Form eines
umgedrehten Schiffsrumpfs, die archaisch anmutet,
aber präzise ausgeführt ist. Erde und Holz bilden ein
bewusstes Spannungsfeld: schwer und leicht, dunkel
und warm, schützend und offen zugleich.
www.architektur-online.com
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Restaurant- & Bardesign
Archaische Prinzipien
Der Raum folgt dem Kreis. Im Zentrum steht das Feuer
– nicht als Symbol, sondern als ordnendes Element.
Kochen, Sitzen und Essen gehen ineinander über und
bilden eine einzige räumliche Situation. Die Architektur
wird zur sozialen Struktur und nicht zur Kulisse.
Diese Reduktion ist keine Einschränkung, sondern
eine Entwurfshaltung. Der Raum ist auf Konzentration,
Dauer und Gemeinschaft ausgelegt. ASAGGIO
Architekten entschieden sich statt einer formalen
Rückschau für eine zeitgenössische Übersetzung archaischer
Bauprinzipien wie Schutz, Nähe und Ritual.
Kulinarik als räumliche Logik
Auch wenn der Fokus klar auf der Architektur liegt,
ist das kulinarische Konzept ein integraler Bestandteil
des Entwurfs. Küchenchef Roland Lamprecht
versteht Kochen über offenem Feuer, Fermentieren
und Bewahren als kulturelle Praxis. Die Küche folgt
dabei denselben Prinzipien wie der Raum: zyklisch,
reduziert und ortsgebunden. Die Architektur schafft
die entsprechenden Bedingungen. Sie ist kein neutraler
Container, sondern ein Resonanzraum für Hitze,
Geruch, Zeit und Rhythmus. Architektur, Material
und Kulinarik bilden ein kohärentes System – der Ort
selbst wird zum Medium.
FORESTIS als konzeptueller Rahmen
YERA ist die konsequente Weiterentwicklung der
seit Jahren bestehenden FORESTIS-Philosophie, die
sich mit der Beziehung von Natur, Spiritualität und
gebauter Form beschäftigt. Während das Hauptgebäude
vertikal im Wald agiert, zieht sich YERA horizontal
in den Berg zurück. Nicht höher, sondern tiefer.
Dabei werden Alt und Neu nicht gegeneinander
ausgespielt. Vergangenheit wird nicht musealisiert,
vielmehr wird sie als Wissensspeicher verstanden.
Die Zukunft entsteht aus der Rückbindung an grundlegende
menschliche Bedürfnisse.
Der entscheidende Twist liegt in der Grundhaltung:
YERA betrachtet den Ursprung nicht romantisiert,
sondern methodisch. Archaische Prinzipien werden
aktiviert, nicht imitiert. In einer Zeit permanenter
Beschleunigung setzt dieses Projekt auf Materialität,
Präsenz und Dauer. YERA zeigt, dass Architektur
nicht immer neu erfunden werden muss – manchmal
genügt es, sich zu erinnern. Und genau darin liegt
ihre Zukunft.
architektur FACHMAGAZIN
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Restaurant- & Bardesign
www.architektur-online.com
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Restaurant- & Bardesign
Kapitel Rauch
Die klassische Raucherlounge galt lange Zeit als charakteristischer Rückzugsort
der Grand Hotellerie: ein Raum für Rituale, Debatten, Portwein und Zigarren. Heute
ist sie selten geworden, unterliegt Regulierungen und ist technisch aufwendig
– und doch ist sie ein faszinierender Ort mit einzigartiger Atmosphäre. Mit „The
Council” haben Herzog & de Meuron im Grand Hotel Les Trois Rois in Basel eine
neue Version dieser Typologie eröffnet: radikal, sinnlich, handwerklich.
Text: Linda Pezzei Fotos: Kostas Maros, Andreas Stephany
Räume, in denen geraucht werden darf, bewegen sich
zwischen Gesetz, Technik und Erwartung – und genau
in diesem Spannungsfeld entsteht mit „The Council”
etwas völlig Unerwartetes. Im 19. Jahrhundert waren
Fumoirs mehr als nur Rauchzimmer: Sie waren soziale
Schleusen und maskuline Nischen, in denen die
Herren nach dem Dinner debattierten, Geschäfte
abschlossen oder strategisch Portwein und Cognac
kombinierten. In einer Epoche strenger Etikette galt
das Rauchen in Anwesenheit der Damen als Fauxpas.
Es war eine Geste des Rückzugs, des Ausschlusses
und des Austauschs hinter samtigen Vorhängen und
dunklen Holzpaneelen. Die Architektur dieser Räume
folgte klaren Codes: mahagoniverkleidete Wände, tiefe
Sofas, Samtvorhänge, schwere Teppiche – Materialität
als Schutz vor Rauch und zugleich als Statement gesellschaftlicher
Zugehörigkeit.
Mit den Rauchverboten der 2000er-Jahre verschwand
dieses Raumangebot fast vollständig aus dem öffentlichen
Leben. Übrig blieben High-End-Cigar-Lounges:
technisch hochgerüstet, belüftet und vom Alltag sowie
den Gesetzen entkoppelt. Die Lounge wurde zum
Luxusprodukt, nicht mehr allein zum Bedürfnis. Aus
der Notwendigkeit wurde ein Statement.
Im Grand Hotel Les Trois Rois, einem der ältesten
Stadthotels Europas, markiert The Council eine Zäsur
in dieser Entwicklung. Im Annexbau an der Schifflände
entfernten Herzog & de Meuron zunächst eine ganze
Zwischendecke – ein radikaler Eingriff in die bestehende
Struktur.
Anstelle von zwei niedrigen Ebenen entsteht ein beeindruckend
hoher Raum von über sieben Metern
Höhe auf lediglich rund 40 Quadratmetern Grundfläche.
Die vertikale Dimension schafft eine Sakralität,
die man einer Raucherlounge kaum zutrauen würde.
Dieser Eingriff ist kein ästhetisches Gimmick, sondern
Teil eines räumlichen Experiments: Ein hoher, schlanker
Raum, der den Rauch, das Licht und die Bewegung
des Körpers nach oben lenkt, als wäre er ein architektonischer
Kamin.
Jacques Herzog, der persönlich in den Entwurfsprozess
der Keramikplatten involviert war, beschreibt
diese Nähe zum Material als bewusste Haltung: „Ich
habe alle Platten selbst geformt. Das sind außergewöhnliche
Dinge, die nur hier entstehen konnten. Bei
den meisten anderen Fünfsternehotels ist diese Exklusivität
durch viele Dinge geteilt, viel repetitiver. Hier
ist jedes einzelne Ding wirklich exklusiv.“ Diese Worte
treffen den Kern der Intervention: Handwerk als Luxus,
Unwiederholbarkeit als Qualität.
u
architektur FACHMAGAZIN
82
Restaurant- & Bardesign
Diese Philosophie ist in jedem Detail des Raums spürbar.
Die Wände sind mit 570 handgefertigten Keramikelementen
verkleidet. Diese wurden in Zusammenarbeit
mit der Keramikerin Esther Lattner und dem
Kunstbetrieb AG in Münchenstein entwickelt. Keine
Fliese gleicht der anderen. Jede Glasur und jede Form
zitieren Feuer, Glut und Transformation. Es handelt
sich nicht um ornamentale Elemente, sondern um haptische
Erzählflächen. Daneben befinden sich geflammte
und gefräste Eichenpaneele sowie gegossene und
patinierte Bronzeplatten, die das archaische Thema
weiterführen. Holz, Metall und Keramik korrespondieren
miteinander und erzeugen eine taktile, beinahe
körperliche Präsenz.
Auch das Mobiliar ist integraler Bestandteil des architektonischen
Entwurfs: Umlaufende Sofas und Hocker
aus dunklem Nussbaumholz, die mit rotem Velours
bezogen sind, ordnen sich entlang der Längswände
und schaffen eine kommunikative, beinah zeremonielle
Sitzfolge. Die maßgefertigten Tische aus Nussbaum
und die eigens entwickelten „Rotkäppchen“-Leuchten
von Artemide setzen intime Lichtinseln in der vertikalen
Großform, ohne deren Idee zu brechen.
Zwei offene Cheminées verankern das Thema Feuer
physisch im Raum. Sie erzeugen Wärme, Gerüche und
Atmosphäre und stehen zugleich in einem spannungsreichen
Verhältnis zur modernen Lüftungstechnik, die
im Hintergrund arbeitet. Die enorme Raumhöhe fungiert
dabei nicht nur als atmosphärischer Gewinn,
sondern unterstützt auch den natürlichen Abzug des
Rauchs. So wird ein Zwischenweg zwischen sinnlicher
Erfahrung und technischer Notwendigkeit geschaffen.
Für Herzog ist der Bestand weniger Hindernis als vielmehr
Katalysator: „Mit dem Bestand etwas zu machen,
finde ich das Normalste der Welt. […] Jetzt hast du
diese schweren Steine, diese groben Schichten – wie
kannst du das zu neuem Leben erwecken?” In „The
Council” wird dieser Ansatz sichtbar: kein Konservieren,
kein hybridisierter Historismus, es ist ein radikales
Weiterdenken einer Typologie im Kontext heutiger Anforderungen
und Empfindlichkeiten.
The Council ist somit mehr als nur eine Ruhestätte für
Tabakgenießer. Es ist ein Manifest für eine Architektur,
die den Respekt vor dem Alten nicht als nostalgisches
Postulat, sondern als kreativen Zünder nutzt. Die Geschichte
der Raucherlounge wird nicht wiederholt, sie
wird transormiert: durch rigorose Vertikalität, handwerkliche
Materialität und eine atmosphärische Dichte,
die es ermöglicht, Körper, Licht, Rauch und Raum
simultan zu erleben. In einer Zeit, in der Grand Hotels
zunehmend austauschbare Erlebnisräume schaffen,
ist dies eine bemerkenswerte, leise und unverwechselbare
Geste.
•
www.architektur-online.com
83
Restaurant- & Bardesign
Langlebig
und windstabil
Sonnenschirmspezialist Glatz ersetzt seine bewährte
F-Linie durch die neue F-Linie Pro: Die
eleganten, puristisch designten Sonnenschirme
mit flachem Schirmdach – FORTINO® Pro,
FORTERO® Pro und FORTELLO® Pro – überzeugen
durch hochwertige Materialien, hohe Windstabilität
und besonders einfache Bedienung.
Die charakteristisch große Auswahl von 70 Farbnuancen
für den in den Stoffqualitäten 5, 4 und 2 erhältlichen
Bezugsstoff ermöglicht dabei die Erfüllung
von vielfältigen Farbwünschen. Weitere Pluspunkte
der Serie sind Masten, die sich verlängern oder verkürzen
lassen sowie der Einsatz von robusten, glasfaserverstärkten
Kunststoffteilen und die Verwendung
von Schrauben und Nieten aus Edelstahl. Bei den
Maßen des Schirmdachs können Kunden von etwas
kleinerem Umfang mit 250 Zentimetern Durchmesser
über verschiedene Größen und Formen bis zum
FORTELLO® Pro in 400 x 400 Zentimetern wählen.
Und das Öffnen funktioniert bei allen Typen über den
optimierten Spannhebel einfach und schnell, wobei
sich die Schutzhüllen der Schirme bei Nichtgebrauch
ganz einfach mit einem stabilen Aluminiumstab überziehen
lassen.
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T +41 52 723 64 64
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architektur FACHMAGAZIN
84
Produkt News
Fotos: Elisabeth Fransdonk
Ein Mittel der Signaletik
Die Berner Fachhochschule erprobt an ihren Standorten Falkenplatz und Dammweg
in Bern die neue Arbeitswelt mit Multispace-Konzept: Den Mitarbeitenden
stehen anstatt Zellen- und Großraumbüros unterschiedliche Arbeits- und
Aufenthaltsbereiche für spezifische Tätigkeiten zur Verfügung. Wesentliche
Voraussetzung für dieses Konzept ist die rasche und eindeutige Erkennbarkeit
des jeweiligen Standorts und seiner Funktion.
Im Co-Working-Bereich kommen deshalb Rottöne
zum Einsatz, die Aktivität und Dynamik symbolisieren.
Im Bereich des stillen Arbeitens werden dagegen
Blautöne verwendet, welche für Ruhe und Stabilität
stehen. Das Konzept in Bern wurde in bestehenden
Räumlichkeiten mit größtenteils vorhandenem Mobiliar
umgesetzt. Am Dammweg diente – nebst farblich
abgestimmten Wänden – der Boden für die beabsichtigte
Orientierung: aus dem bestehenden anthrazitfarbigen
Kugelgarn®-Belag von Fabromont konnten
problemlos Partien herausgeschnitten und durch farbige
Inlays ersetzt werden, ohne damit die homogene
Gesamtwirkung zu beeinträchtigen. Kugelgarn® ist
durch seine Schnittfestigkeit und Nahtlosigkeit für
solche Einsätze prädestiniert.
Fabromont AG
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85
Produkt News
Oberflächen mit Anspruch
Fundermax erweitert sein Interior-Programm um die Interior Pro 2.6 Horizontal
Kollektion, die speziell für Arbeits- und Waschtischplatten in Küche und Bad entwickelt
wurde. Besonders Augenmerk wurde dabei auf reale Anwendungen, eine
klare Dekorlogik und abgestimmte Kernfarben für konsistente Kantenbilder gelegt.
Die neue Kollektion erfüllt zentrale Anforderungen
der Küchen- und Badezimmerbranche: widerstandsfähige,
reinigungsfreundliche Oberflächen, formstabile
Träger, reproduzierbare Ergebnisse in der Verarbeitung,
wobei die nichtporöse Oberfläche die Pflege
erleichtert und Feuchte wie auch Hitze standhält.
Die 12mm-Platten basieren auf Max Compact Interior
und eignen sich speziell für horizontale Beanspruchung.
Zugeschnittene Formate und abgestimmte
Kernfarben unterstützen dabei ein ruhiges Fugenbild
und Übergänge zwischen Platte und Kante.
Das Angebot deckt ein breites Spektrum an Steinund
Mineraloptiken ab – von hellen Graunuancen
bis zu wärmeren Greige-Tönen sowie dunkleren
Akzenten. Aderungen und kristalline Strukturen ermöglichen
puristische ebenso wie ausdrucksstarke
Design konzepte. Neben den haptischen Profilen SX
Saxum (tief strukturiert, Anti-Fingerprint), AP Aptico
(matt, Anti-Fingerprint) und GA Grafica (mineralisch-matt)
ist APEX das Highlight der Kollektion:
eine synchron geprägte Oberfläche, deren Struktur
exakt zum Dekor verläuft und Matt-Glanz-Effekte mit
Soft-Touch und hoher Abrieb- und Kratzfestigkeit
verbindet. Durch diese Eigenschaften ermöglicht die
Kollektion eine klare Übersetzung beliebter Materialbilder
(Marmor, Travertin, Quarzit, Beton) in industriell
verfügbare Dekore.
Fundermax GmbH
T +43 (0)5 9494-0
www.fundermax.at
office@fundermax.at
architektur FACHMAGAZIN
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Produkt News
Fotos: Heidemarie Pleschko
Ein Haus mit Geschichte
Das „Bäckerhaus“ – ein Gebäude mit Geschichte, das seit der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts besteht – wurde mit viel Liebe, Feingefühl und Respekt
vor seiner Vergangenheit restauriert. Die historische Fassadenstruktur wurde
behutsam durch präzise Stuckarbeiten und eine harmonische Neuaufteilung der
Fenster nachgebildet.
Gerade die Fenster spielen hier eine Schlüsselrolle:
Ihre Proportionen, Tiefe, die Sprossen und die helle
Farbe fügen sich nahtlos in die klassische Gestaltung
ein und betonen den ruhigen, ausgewogenen Rhythmus
der Fassade. Bei der Auswahl der Fenster fiel die
Entscheidung bewusst auf Josko. Ursprünglich war
geplant, klassische Kastenfenster einzubauen, doch
der Wunsch, die historischen Laibungen zu erhalten,
führte zu einer anderen Lösung. Das gewählte Fenstermodell
Amber ist mit seinen besonders schlanken
und proportional ausgewogenen Rahmen ideal für
Sanierungen und vereint die Wärme von Holz im Innenraum
mit der Langlebigkeit von Aluminium außen.
Josko Fenster & Türen GmbH
T +43 (0)7763 2241-0
office@josko.at
www.josko.at
www.architektur-online.com
87
Produkt News
Sanierung mit Verantwortung
Ein großer Teil des heimischen Gebäudebestands entstand in Zeiten, in denen
Energieeffizienz, sommerlicher Hitzeschutz oder ein gesundes Raumklima noch
eine untergeordnete Rolle spielten. Heute steht die Architektur vor einer klaren
Aufgabe: Bestehende Gebäude behutsam weiterzuentwickeln und gleichzeitig auf
die Anforderungen der Zukunft auszurichten. Gerade im Dachgeschoss liegt dabei
enormes Potenzial, ein zentrales Element dieser Entwicklung sind zeitgemäße
Dachfensterlösungen.
Mit der Dachfensterlinie GREENVIEW verfolgt FAKRO
einen Sanierungsansatz, der Energieeffizienz, Komfort
und Nachhaltigkeit konsequent miteinander verbindet.
Die Fenster wurden speziell für den Einsatz
im Bestand entwickelt und berücksichtigen sowohl
heutige bauphysikalische Anforderungen als auch
ökologische Aspekte. Verbesserter Wärmeschutz,
eine automatische Dauerlüftung für ein gesundes
Raumklima sowie langlebige Konstruktionen tragen
dazu bei, bestehende Gebäude nachhaltig aufzuwerten.
Gleichzeitig ermöglichen sie eine bessere Tageslichtversorgung
und steigern so die Qualität neu
geschaffener Wohnräume unter dem Dach. Sanierung
wird damit zu einem bewussten Planungsprozess – im
Spannungsfeld zwischen Vergangenheit, Verantwortung
und Zukunft.
FAKRO Dachflächenfenster GmbH
T +43 (0)2576 307 00-0
office@fakro.at
www.fakro.at
architektur FACHMAGAZIN
88
Produkt News
Nachhaltige Screens
Twilight von Sattler steht für eine neue Generation PVCfreier ScreenGewebe,
die architektonische Klarheit, hohe technische Performance und nachhaltige
Materialstandards vereinen. Die Kollektion richtet sich besonders an Planer
und Architekten, die Fassaden, Innenräume und hybride Beschattungssysteme
gestalterisch und funktional anspruchsvoll ausstatten wollen.
Technisch ist Twilight speziell für moderne Fassadenlösungen,
ZIPSysteme, Pergolen und Wintergärten
entwickelt: Hohe Formstabilität, robuste Materialkombinationen
und ein prozesssicheres Handling
erleichtern dabei die Umsetzung im Objekt und reduzieren
Fehlerrisiken. Im Mittelpunkt der in den drei
Qualitäten „Twilight Elements“, „Twilight Comfort“
und „Twilight Pearl“ erhältlichen Kollektion steht
eine homogene, moderne Farbwelt, die sich über alle
Funktionsstufen hinweg konsistent einsetzen lässt
– ein wesentlicher Vorteil für ganzheitliche Gestaltungskonzepte.
Alle Varianten sind dabei PVCfrei,
verfügen über ein PFASfreies Finish und tragen das
OEKOTEX® Made in GreenLabel. Damit sind sie ebenso
für Innenräume geeignet und erfüllen zunehmend
relevante Nachhaltigkeitsanforderungen in Zertifizierungssystemen.
SATTLER SUN-TEX GmbH
T +43 (0)316 4104-550
mail@sattler.com
suntex.sattler.com
www.sattler-twilight.com
www.architektur-online.com
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Produkt News
Tradition bewahren, Zukunft integrieren
Der Wertstoff Holz erlebt gerade ein beeindruckendes Comeback durch
das wachsende Bewusstsein für Ökologie, Nachhaltigkeit sowie verantwortungsbewusstes
Bauen und Renovieren. Moderne Holzfenster punkten
dabei durch ein ausgefeiltes Design, beste Dämmwerte und dauerhafte
Wetterbeständigkeit.
Wie die neue Fenstergeneration von KNEER Südfenster,
die bei bekannt gutem Preis-Leistungs-Verhältnis
höchsten Ansprüchen gerecht wird: Einbruchschutz,
Schallschutz, Schlagregendichtheit und Barrierefreiheit
erreichen hier ein neues Niveau. Die Rahmenprofile
aus hochwertigem Kiefer-, Meranti-, Lärchen-, Eiche-
oder Fichtenholz sind in zahlreichen Oberflächen
und Farben erhältlich. Die Vielfalt an Sprossen und
Zubehör ermöglicht es, Fenster individuell anzupassen
und so den Charakter eines Gebäudes zu betonen.
Alle Denkmalschutzvarianten gleichen durch ihre
schmalen Profile den historischen Vorbildern, entsprechen
aber den modernen technischen Ansprüchen.
Ein technisches Highlight ist der vollständig
integrierte Wetterschenkel, ganz ohne sichtbare Wartungsfuge.
Er schützt zuverlässig vor eindringender
Nässe, verbessert die Langlebigkeit und wird so zum
funktionalen Gestaltungselement.
Holzdenkmal Fenster von KNEER Südfenster überzeugen
durch höchste handwerkliche Präzision – von
Doppelfalz über die Rahmen-Eck-Verbindung bis zur
raumseitig angeordneten Glashalteleisten: Optional
einbruchsicher bis Stufe E.
Süd-Fensterwerk GmbH & Co. Betriebs KG
T +49 (0)7950 81 0
info@suedfenster.de
www.kneer-suedfenster.de
++
architektur FACHMAGAZIN
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Produkt News
Teylers Museum, NL
Präzise Lichtregie
Individuelle Lichtszenen, zeitliche Abläufe und dynamische Sequenzen ermöglichen
es, Architektur im Wandel zu zeigen: repräsentativ am Abend, zurückhaltend
in der Nacht, präsent bei besonderen Anlässen. Mit dem Lichtmanagementsystem
BEGA Connect wird Lichtsteuerung zum Instrument architektonischer Gestaltung:
Licht wird choreografiert – nicht technisch verwaltet.
Die browserbasierte Web-Oberfläche ermöglicht
eine komfortable Konfiguration. Zonen, Gruppen, Automationen
und Sequenzen lassen sich übersichtlich
strukturieren und präzise aufeinander abstimmen.
Gleichzeitig bleibt die Steuerung mobil verfügbar –
für maximale Flexibilität in Planung, Inbetriebnahme
und Betrieb.
Dank unterschiedlicher Connector-Varianten ist
die Lichtsteuerung sowohl in urbanen als auch in
infrastrukturell anspruchsvollen Umgebungen einsetzbar.
Selbst abgelegene Standorte lassen sich
zuverlässig in die Cloud einbinden. Sicherheits- und
Funktionsupdates erfolgen kontinuierlich – das
System bleibt zukunftsfähig und wartungsarm. Dabei
kommt BEGA Connect ohne Lizenzgebühren
pro Leuchte oder laufende Abonnements aus. Die
Investition bleibt kalkulierbar, unabhängig von der
Größe oder späteren Erweiterung einer Anlage. Für
Bauherren und Planer bedeutet das langfristige Planungs-
und Betriebssicherheit.
BEGA Leuchten GmbH
Competence Center Innsbruck
T +43 (0)512 343150
info-austria@bega.com
www.bega.com
Skywalk auf dem Kueser Plateau, D
www.architektur-online.com
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Produkt News
Lamellendach mit Mehrwert
Die positive Trendwende in der Baubranche soll 2026 auch in der Sonnenschutzbranche
wirken und vor allem die Prognosen für den Outdoor-Living-Bereich sind
optimistisch. Um der erwarteten Nachfragesteigerungen zeitnah und nachhaltig
gerecht zu werden, bringt der Sonnenschutzspezialist HELLA eine komplett neue
Version seines Lamellendachs auf den Markt.
Diese liefert eine modulare Lösung, die auch mit Glaselementen
ergänzt werden kann, um jede Art von
Außenbereich optimal vor zu viel Sonne, Wind und
Regen zu schützen. Außerdem kann die gemeinsam
mit einem namhaften Designstudio entwickelte Pergola
optional mit Photovoltaik-Elementen auf den Lamellen
ausgestattet werden. Das neue Modell schließt
nahtlos an unterschiedliche Wandkonstruktionen an
oder kann freistehend montiert werden. Dazu kommen
durchdachte, revisions- und reparaturfreundliche
Details, die eine lange Lebensdauer garantieren.
Neben Produktinnovationen setzt das heimische
Unternehmen auch gezielt auf Investitionen in seine
Standorte, um ausreichend Kapazitäten für die Produktion
des neuen Lamellendachs zu schaffen, noch
mehr textile Fassadenprodukte zu produzieren und
Durchlauf- und Lieferzeiten zu verkürzen.
HELLA Sonnen- und
Wetterschutztechnik GmbH
T +43 (0)4846 6555-0
office@hella.info
www.hella.info
architektur FACHMAGAZIN
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Produkt News
Unverwechselbare Fassade
Mit Patina Structure NXT stellt Swisspearl eine Faserzementplatte vor,
deren fein strukturierte Oberfläche die Authentizität natürlicher Materialien
einfängt: Die Fassadenplatten verkörpern natürliche Oberflächen, die sowohl
ästhetisch als auch funktional überzeugen. Sie nehmen die Zeit als aktiven
Designpartner auf und entwickeln eine subtile, natürliche Patina, während sie
den Herausforderungen der Umwelt standhalten. Von Anfang an erhält die
Fassade eine unverwechselbare Präsenz, die sich im Laufe der Jahre zu einem
wirklich einzigartigen Ausdruck entwickelt.
Die Oberfläche offenbart einen raffinierten, natürlichen
Rhythmus, der durch subtile lineare Rillen geprägt
ist. Wenn das Licht auf das Material fällt, beleben
zarte Schatten die Struktur und verstärken die
architektonische Tiefe jeder Platte. Jede Farbvariante
wird durch die strukturierte Oberfläche bereichert
und bietet ein nuanciertes Zusammenspiel von Licht
und Schatten im Laufe des Tages und aus unterschiedlichen
Blickwinkeln.
Um den Designanforderungen von Architekten gerecht
zu werden, umfasst die Patina NXT-Familie vier
verschiedene Produkte, die sich jeweils durch ihre
eigene Struktur und Oberfläche auszeichnen: Patina
Original NXT, Patina Rough NXT, Patina Inline NXT
und jetzt Patina Structure NXT. Nach dem Mix &
Match-Prinzip lassen sich alle Platten nahtlos kombinieren,
um maßgeschneiderte Fassadendesigns in
einer Reihe von natürlichen Farben zu schaffen – vereint
durch eine gemeinsame Materialintegrität und
eine kohärente Architektursprache.
Swisspearl Österreich GmbH
T +43 (0)7672 707-0
info@at.swisspearl.com
www.swisspearl.com
www.architektur-online.com
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Produkt News
© LANG consulting
Klimafitte Gebäudelösung
Das Quartier „SmartCity Baumgarten“ im 14.
Wiener Gemeindebezirk umfasst einen Gebäudemix
aus unterschiedlichen Epochen,
dessen Wohneinheiten im Rahmen eines
Sanierungsprojekts über ein liegenschaftsübergreifendes
gemeinsames Versorgungsnetz
mit 100 % erneuerbarer Wärme, Kälte
und Strom versorgt werden sollte. Als eine
zukunftsweisende Alternative für Stadtgebiete
außerhalb des Fernwärmenetzes konzipiert
wurden die Bestandsgebäude des
Projekts zur Erreichung des gewünschten
Passivhaus-Standards einer umfassenden
thermischen Sanierung unterzogen.
Dabei wurde auf Hochleistungsdämmstof-
fe wie etwa die ISOVER Ultimate Fassadendämmplatten
FSP-031 aus dem Hause
Saint-Gobain gesetzt. ULTIMATE ist eine
Weiterentwicklung von Stein- und Glaswolle,
die eine besonders gute Leistung bei
Brandschutz, Dämmung und Schallschutz
bietet. Die Platten, die zur Wärmedämmung
von Außenwänden bei hinterlüfteten,
nichttransparenten Fassadenbekleidungen
konzipiert wurden, bestehen aus elastischen
Ultimate-Fasern, die eine Hinterlüftung
des Dämmstoffes an der Wand verhindert.
Zudem punkten sie mit geringem
Gewicht und lassen sich besonders schnell
verarbeiten. Zusätzlich wurde die Glaswol-
le-Dämmplatte ISOVER Multimax verwendet,
die die höchste Dämmleistung bietet,
die derzeit am Markt verfügbar ist. Die
Keller- und Garagendecken wieder wurden
mit der ISOVER Topdec Kellerdämmplatte
DP1-031 und die Steigleitungen samt Absperrungen
des neuen Wärmeverteilnetzes
mit der ISOVER Climcover ML3 Rohrschalendämmung
gedämmt.
Saint-Gobain Austria GmbH
ISOVER Austria
T +43 (0)2266 6060
isover-at.marketing@saint-gobain.com
www.isover.at
architektur FACHMAGAZIN
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Produkt News
Recyclinganlage in Vollbetrieb
Austrotherm, der führende Anbieter klimaschützender
Wärmedämmung in Europa, arbeitet konsequent
am Ausbau seiner Kreislaufwirtschaft. Mit einer in
dieser Form österreichweit einzigartigen Recyclinganlage
am Standort Purbach hat das Unternehmen
2025 einen weiteren Meilenstein in der Wiederverwertung
von EPS- und XPS-Dämmstoffen gesetzt.
Nach erfolgreichem Testbetrieb ist die Anlage nun
im Vollbetrieb. Für 2026 rechnet man bereits mit 100
Tonnen EPS- und XPS-Dämmstoffabfällen, die in den
Produktionskreislauf zurückgeführt werden können.
Der ökologische Nutzen ist messbar: Während bei
der Herstellung einer Tonne primären Polystyrols
rund 2,4 Tonnen CO 2 entstehen, verursacht recyceltes
Polystyrol lediglich etwa 0,5 Tonnen CO 2 .
Insgesamt hat Austrotherm rund 1,2 Millionen Euro in
das Projekt investiert, wobei die Anlage neben Produktionsabfällen
und Baustellenverschnitten künftig
auch komplette Fassaden Wärmedämmverbundsysteme
(WDVS) sowie unterschiedlich stark anhaftende
Materialien aufbereiten kann.
Austrotherm GmbH
T +43 (0)2633 401-0
info@austrotherm.at
www.austrotherm.at
Geschäftsführer Heimo Pascher freut sich über die erfolgreiche Inbetriebnahme der
österreichweit einzigartigen Recyclinganlage für EPS und XPS am Standort Purbach.
Zertifizierter Schallschutz
Solarlux hat ein vorgesetztes Fenstermodul entwickelt,
das als zertifiziertes modulares Bauteilsystem
den Anforderungen an gesundes Wohnen in verdichteten
Stadträumen gerecht wird. Das patentierte Kastenfenster
Soundline M ist Teil des Proline-Baukastensystems,
umfasst flexible Verglasungslösungen
für Balkone und Loggien und bietet eine stufenweise
anpassbare Schalldämmung gegen Verkehrslärm: Es
besteht aus einem gut durchlüfteten Aluminiumrahmen
mit integrierten Schallabsorbern und -dämpfern,
in den das Schiebe-Dreh-System Proline T oder das
Schiebe-System Proline S als außenliegende Schallschutzverglasung
vormontiert ist.
Das Modul wird vor den Rahmen des jeweiligen Fensters
gesetzt, das eine zusätzliche Schalldämpfung
benötigt. Dank seiner zweischaligen, patentierten
Konstruktion lassen sich Schallschutzanforderungen
projektspezifisch, aber dennoch standardisiert umsetzen
– mit geprüften Werten, klar definierten Montagedetails
und dauerhaft hoher Ausführungsqualität.
Solarlux Austria GmbH
T +43 512 209023
info.at@solarlux.com
www.solarlux.com
© Alek Pluta
www.architektur-online.com
95
Produkt News
Nachhaltigkeit
und Ästhetik
In der westlichen Peripherie von Köln ist
nach Plänen des Architekturbüros Benjamin
von Pidoll ein repräsentatives Wohnhaus
entstanden, dessen klare horizontale
Gliederung mit dem auskragenden Obergeschoss
stilistisch an die Villa Savoye von Le
Corbusier erinnert. Das auf Nachhaltigkeit
ausgelegte Gebäude besticht durch eine
zurückhaltende Architektur, im Innenbereich
setzt ein offen gestalteter Grundriss,
kombiniert mit großzügigen Glasflächen,
spannende Lichtakzente. Für ein harmonisches
Zusammenspiel von Innen- und
Außenraum sorgen dabei hochwertige Aluminium-Fenster,
-Türen und -Schiebetüren
von heroal: Das Fenstersystem heroal W 72,
das Türsystem heroal D 72 und das Hebe-Schiebetürsystem
heroal S 77 SL lassen
viel Tageslicht herein und verbinden die
Räume mit der umgebenden Natur. Zudem
tragen die hochwärmegedämmten Fenster
und Türen sowie das energieeffiziente
Hebe-Schiebetürsystem maßgeblich zur
energetischen Gesamtleistung des Gebäudes
bei.
heroal – Johann Henkenjohann
GmbH & Co. KG
T +49 (0)5246 507-0
info@heroal.de
www.heroal.de/architekten
© Philip Kistner
COMIDO Kids
Gestaltung verbindet
Generationen
ÜBER 50 JAHRE
Stausberg Stadtmöbel GmbH
4531 Kematen a. d. Krems
Telefon +43 (0)7258 / 5711
stausberg.at
architektur FACHMAGAZIN
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edv
Laser-Distanzmesser
Laser-Distanzmessgeräte mit Bluetooth-Schnittstelle beschleunigen Aufmaße.
Was können aktuelle Geräte, worauf kommt es beim digitalen Messen an
und auf welche Details sollte man achten?
Text: Marian Behaneck
Laser-Distanzmesser haben viele Vorteile:
Längen, Flächen, Abzugsflächen, Höhen-
oder Diagonalmaße lassen sich damit
schneller und präziser erfassen als mit Maßband
oder Zollstock. Ablese- oder Additionsfehler,
das Durchhängen des Maßbands
oder die temperaturabhängige Längenausdehnung
des Bandmaterials spielen keine
Rolle. Mit Bluetooth-Geräten können die
Messwerte zudem drahtlos an Aufmaß-Apps
gesandt und direkt vor Ort in Aufmaßskizzen
oder Aufmaßprotokollen verarbeiten
werden. Das vermeidet typische Fehlerquellen
und beschleunigt Arbeitsabläufe.
Digitales Messen in der Praxis
Längen-, Flächen- oder Höhenmaße werden
heute rationell per Laser-Distanzmesser
erfasst: Gerätehinterkante, -vorderkante
oder Stativgewinde-Achse am Startpunkt
ausrichten, Zielpunkt mit dem Laserstrahl
anvisieren, Messtaste drücken – fertig! Der
Messwert wird millimetergenau ermittelt
und auf dem LC-Display angezeigt. Kann
man das Gerät auflegen, lassen sich Entfernungen
bis etwa 50 Meter relativ punktgenau
messen. Für größere Distanzen ist ein
im Gerät integriertes Stativgewinde und
ein separates Stativ (ca. 100 Euro), bei sehr
kleinen Messzielen zusätzlich eine Zieloptik
empfehlenswert. Ein Timer („Selbstauslöser“)
oder eine Gestensteuerung ermöglichen
verwacklungsfreie Messungen. Mit
dieser Zusatzausstattung, zu der auch
eine Zieltafel für eine optimale Reflexion
des Laserstrahls gehört, können Messdistanzen
bis 250 Meter erfasst werden. Die
erzielbaren Genauigkeiten liegen zwischen
± 1,0 und ± 3,0 Millimetern. Nachteilig ist,
dass Mess-Situationen, bei denen keine anvisierbare
Fläche vorhanden ist (etwa beim
Messen von Außenecken), entweder eine
zweite Messperson oder Einfallsreichtum
voraussetzen (z.B. Fixieren einer geeigneten
Messfläche). Dafür lassen sich per Rechenfunktion
auch Flächen oder Volumina
einfach ermitteln oder auch nicht direkt
Smarter messen: In Kombination mit einer Aufmaß-App sind bluetoothfähige Laser-Distanzmesser
sehr effizient, etwa beim Raumaufmaß. © Leica Geosystems, Hexagon
messbare Höhen per Pythagoras-Funktion
indirekt messen und anderes mehr. Praktisch
ist die Minimum- und Maximum- oder
Dauermessung, die den kleinsten oder
größten Messwert anzeigt und beispielsweise
die Messung von Raumdiagonalen
vereinfacht. Für präzise Messungen aus
einer Ecke oder Fuge heraus, verfügen
manche Geräte über ein ausklappbares
Endstück oder einen ausfahrbaren Mess-
Stift. Zwar können einige Systeme auch
dreidimensionale Daten in eingeschränkter
Form erfassen, indem der Höhenwert für jeden
Messpunkt oder raumweise mitgeführt
wird. Für ein „echtes“ 3D-Aufmaß sind spezielle
Laserdistanzmesser sinnvoller, beispielsweise
der Leica Disto X6 mit P2P-Paket,
der in CAD-Programme importierbare
2D- und 3D-DXF-Daten erzeugt.
Bluetooth beschleunigt Aufmaße
Zwei Gerätetrends sind aktuell zu beobachten:
Zum einen der einfache, kompakte und
robuste „digitale Zollstock“ mit Ein knopf-
Bedienung und wenigen Funktionen. Zum
anderen der multifunktionale „Alleskönner“
mit kabelloser Messdatenübertragung. Beide
Trends haben ihre Berechtigung: Beim
„digitalen Zollstock“ steht nicht die Funktionsvielfalt,
sondern eine einfache, intuitive
Bedienung, Robustheit und Zuverlässigkeit
im Vordergrund. Lassen sich die digitalen
Messwerte allerdings schon an Ort und
Stelle verarbeiten, so steigert das den Rationalisierungseffekt
und Zuordnungs- oder
Übertragungsfehler werden vermeiden.
Immer mehr Hersteller offerieren deshalb
auch Geräte, die Messdaten über kurze
Distanzen (bis ca. 10 Meter und mehr) per
Bluetooth-Funkstandard drahtlos an ein
Smartphone oder Tablet zur digitalen Weiterbearbeitung
übertragen können. Anbieter
von Laser-Distanzmessern, wie Bosch,
Leica Geosystems, Stabila Würth und andere
offerieren dazu kostenlose Aufmaß-Apps.
Sie ermöglichen eine sofortige Messdatenübernahme
und -verarbeitung, wahlweise
per Android- oder iOS-Mobilgerät. Damit
www.architektur-online.com
97
edv
können zum Beispiel die erfassten Maße
Fotos zugeordnet oder Aufmaßskizzen automatisiert
erstellt werden. Auch von Drittanbietern
werden mobile Raumaufmaß-,
Angebots- oder Abrechnungsprogramme
offeriert, die eine Messdatenübernahme
von Laser-Distanzmessern unterstützen,
z.B. Magicplan (Raumaufmaß), Maxmess
(Gebäude-/Raumaufmaß), Metiscale (Fensteraufmaß)
oder MWM-Libero (Bauabrechnung).
Bei diesen Lösungen sorgen Eingabemasken,
Eingabe-Assistenten und die
grafische Ergebnisanzeige dafür, dass kein
Wert vergessen wird und fehlende oder falsche
Maße noch vor Ort erfasst oder berichtigt
werden können.
Bluetoothfähige Geräte ermöglichen eine digitale Messdatenübertragung ohne Medienbrüche
– etwa für Aufmaßskizzen oder Messprotokolle. © Stabila Messgeräte
Praxistipps: So misst man richtig
Laser-Distanzmesser sind zwar sehr einfach
in der Handhabung, dennoch sollte man in
der Praxis auf folgende Punkte achten, um
Messfehler zu vermeiden. Wichtig ist ein
korrektes Ausrichten: Gerät mit der Hinterkante,
Vorderkante oder Stativschraube
am Startpunkt ausrichten und diesen
Messmodus vorher im Bedienfeld einstellen,
sonst entstehen Messfehler! Auch das
Anvisieren will gelernt sein: Zielpunkt mit
dem Laserstrahl in der Regel waagrecht anvisieren.
Dabei die integrierte Wasserwaage
und bei Innenecken die Dauermessung
nutzen. Startknopf drücken oder Timer,
respektive eine eventuell vorhandene Gestensteuerung
nutzen, um versehentliches
Verwackeln zu vermeiden. Zum Anvisieren
ab ca. 50 Meter ein Stativ und den digitalen
Zielsucher (sofern vorhanden) verwenden.
Eventuelle Fehlermeldungen im Display beachten.
Im Zweifelsfall eine zweite und dritte
Kontrollmessung durchführen. Beim Messen
Oberflächen beachten: Messungen an Außenecken,
spiegelnden Gläsern, glänzenden
Metallen oder porösen (Dämm-) Stoffen
sind nur mit einer Reflektor- oder Zieltafel
möglich. Und – last, but not least: Sicherheit
beachten! Geräte mit Lasern der Klasse 2
bilden zwar keine Gefahr für das menschliche
Auge, dennoch sollte man nicht auf andere
Personen zielen und die Sicherheitsbestimmungen
beachten.
Worauf achten bei der Auswahl?
Zu den wichtigsten Unterscheidungsmerkmalen
zählen zunächst der Messbereich
und die Genauigkeit: Der erste Wert gibt an,
von welcher minimalen bis zu welcher u
Mit der passenden App sind beispielsweise
Aufmaßskizzen in Minutenschnelle erstellt.
© Bosch
Verarbeitung von E-Rechnungen
(XRechnung und ZUGFeRD) nach EN 16931
| ÖNORM A2063
AVA und Kostenplanung für
Architekten und Ingenieure
CaliforniaX im BIM-Prozess
digitalBAU 2026
G&W in Halle 8, Stand 420
gw-software.de
Arbeiten in
der Cloud mit
AVA4CLOUD
architektur FACHMAGAZIN
98
edv
Immer wenn es um das schnelle und präzise Messen lichter Maße, von
Schrägen, Flächen … © Bosch
… oder die direkte oder indirekte Messung von Höhen geht, sind
Laser-Distanzmesser unschlagbar. © Sola Messwerkzeuge
maximalen Distanz in Metern das Gerät
messen kann (z.B. 0,05 bis 80 m). Der zweite
Wert gibt die Messgenauigkeit an (meist ±
1,0 bis ± 2,0 mm). Mehrere Faktoren haben
einen entscheidenden Einfluss auf diese Gerätedaten:
die Lichtverhältnisse, die Oberflächenstruktur,
die Farbe des Messobjektes
sowie die Temperatur, bei der gemessen
wird. Da Herstellerangaben zur Geräteleistung
meist unter optimalen Laborbedingungen
stattfinden, die mit der Realität auf
Baustellen wenig zu tun haben, wurde mit
der DIN ISO 16331-1 eine Norm geschaffen,
die technische Angaben zu Laser-Distanzmessgeräten
verschiedener Hersteller vergleichbar
machen soll. Wer sicher gehen will,
dass die Herstellerangaben mit der Praxis
übereinstimmen, sollte auf diese Norm achten.
Zu den Standardfunktionen, die fast alle
Geräte in unterschiedlichem Umfang beherrschen,
zählen Rechenfunktionen (z. B.
Fläche, Volumen, Addition, Subtraktion,
Pythagoras, Absteckmaß, Dreieck, Trapez
etc.). Zusatzfunktionen sind beispielsweise
eine integrierte digitale Wasserwaage zur
Neigungsmessung, ein Timer oder eine Gestensteuerung.
Eine Bluetooth-Datenschnittstelle
ermöglicht die drahtlose Übergabe von
Messwerten und Berechnungsergebnissen
an die Aufmaß-App des Herstellers oder an
Aufmaßprogramme von Drittanbietern (s.o.).
Neuere Bluetooth-Versionen (ab 5.0) bieten
Verbesserungen gegenüber älteren Versionen
in Bezug auf Geschwindigkeit, Reichweite,
Energieeffizienz und Stabilität der Funkverbindung.
Für eine gute Ablesbarkeit der
Messwerte, insbesondere im Außenbereich,
ist neben der Displaygröße und Auflösung
auch die Display-Helligkeit wichtig. Wird
das Gerät vorwiegend im Außenbereich eingesetzt,
sollte man auf eine Displaykamera
mit digitaler Zoomfunktion für die Zielsuche
achten. Damit lassen sich in Kombination mit
einem Stativ auch weit entfernte Ziele bei
ungünstigen Lichtverhältnissen präzise anvisieren.
Die Stromversorgung erfolgt meist
über mitgelieferte AA- oder AAA-Batterien
oder Lithium-Ionen-Akkus. Mit 3.000 bis
10.000 Messungen pro Batterie/Akkusatz
ist der Stromverbrauch sehr unterschiedlich,
wobei im Bluetooth-Betrieb diese Angaben
etwas niedriger liegen. Beim Gehäuse ist
Baustellentauglichkeit und die Schutzart
wichtig (ab IP 54 oder besser IP 65, siehe
auch: de.wikipedia.org/wiki/schutzart). Weitere
Kriterien sind Geräte-Abmessungen
und das Gewicht, die Einfachheit der Be-
dienung, eine intuitive Menüführung, die
Schnelligkeit der Messung sowie nützliche
Automatismen, wie etwa das automatische
Erkennen von ausgefahrenen Mess-Stiften
oder das zeitgesteuerte Abschalten nach
Bedienpausen. Zum Lieferumfang gehören
meist eine Tasche, Batterien/Akku, eine Trageschlaufe,
eine Bedienungsanleitung und
ein USB-Kabel. Aktuelle Produktvergleiche
und Testberichte bieten übrigens die Webseiten
laserentfernungsmesser-berater.de,
laser-entfernungsmesser.info und laserentfernungsmesser-test.de.
•
Anbieter Laser-Distanzmesser mit Bluetooth*
www.bosch-professional.com, www.dewalt.at, www.hilti.at, www.leica-geosystems.com,
www.sola.at, www.stabila.de, www.stanleyworks.at, www.trotec.de, www.wuerth.at
* Ohne Anspruch auf Vollständigkeit
Bei größeren Entfernungen sind ein Zielsucher mit digitaler Zoomfunktion und ein optional
erhältliches Stativ zwingend. © Hilti
Ob diese Nachricht ankommt, ist fraglich.
Und wie sieht das mit Ihren Werbebotschaften aus?
Die Fachmedien des ÖZV werden von Entscheidungsträgern
genutzt und geschätzt: Sie sind für über 90 % der Entscheider
als Informationsquellen unerlässlich, wenn es um Marktentwicklungen
geht. Sie bieten somit entscheidende Informationen und
Ihrer Marke ein hochwertiges Werbeumfeld.
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Exklusiver Partner der Brunner Group