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Aquis Casa

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Ihr Magazin rund um Wohnen, Lifestyle und Immobilien in der Euregio

Architektur

Kirchenbauten der Nachkriegszeit

in der Euregio

Unterwegs

In Memoriam Carl Schneiders

Wohnen

Zu Tisch – Offene Wohnküchen

Ausgabe No 19 | Frühjahr-Sommer 2020 | 5,00 €


Occhio LED: Energieeffizienzklasse A+

a new culture of light


Sofia Boutella and Mads Mikkelsen

illuminated by Mito largo und Mito soffitto.

Watch the movie on occhio.de

Lampenfieber

Löhergraben 26

52064 Aachen

Tel: 0241 33580

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EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser! Dieses Vorwort musste

in den letzten Wochen mehrfach umgeschrieben

werden, ähnlich den Corona-Vorschriften,

-Verboten, -Erlassen, -Verfügungen und –Lockerungen.

Mit fast dreimonatiger Verspätung ist aber nun

die Ausgabe 19 endlich fertig gestellt, gedruckt, verteilt

und somit bei Ihnen gelandet. Wir hoffen, dass Sie sich

hoffentlich (wieder) bester Gesundheit erfreuen. Daher

wollen wir auch gar nicht lange paraphrasieren, sondern

kommen direkt zu den Themen der Ausgabe:

UNTERWEGS waren wir diesmal in der Galerie mit Werken

des Aachener Künstlers Carl Schneiders, die von seiner

Tochter geleitet wird, jedoch nicht allgemein

zugänglich ist. Wir durften die Räume und vor allem die

Bilder in Augenschein nehmen und berichten in dieser

Ausgabe über diesen außergewöhnlichen Maler.

Wohnküchen sind wieder aktueller denn je, denn sie bilden

das Rückgrat, das tägliche Zentrum des Familienlebens.

Sie sind multifunktional, individuell und

offenbaren die Wohn-DNA der jeweiligen BewohnerInnen.

Wir zeigen Ihnen einige gelungene Beispiele.

Kirchenbauten werden nur noch selten neu in Angriff

genommen. Über zwei Ausnahmen in Aachen, die evangelische

Genezareth-Gemeinde und die islamische

Yunus-Emre-Moschee, haben wir in der Ausgabe 13,

Sommer 2018, ausführlich berichtet. In diesem Heft beschäftigen

wir uns mit dem Bauboom im Kirchenbau der

Nachkriegszeit. Hierfür haben wir auch in unserer Region

beeindruckende Beispiele.

Finden Sie einen Moment der Entspannung mit der

neuen AQUIS CASA!

Wir wünschen Ihnen eine gute Zeit!

Marcello Vercio & Rainer Güntermann

5


INHALT

5 EDITORIAL

6 INHALT

8 SPOTS

20 CASA. KALENDER! CALENDRIER.

22 ZU TISCH

Offene Wohnküchen

33 ZEHN

Ratschläge die offene Küche

34 RECHT

Nicht ausgeführte Einzelpositionen

36 GLOSSE

Der Allestester

6


38 GARTEN

Der Küchengarten

42 VERSICHERUNGSINFORMATIONEN

Sicherheit in den eigenen vier Wänden

44 KÜCHEN-WEISHEITEN

48 BACKENZAHN & CO

Kirchenbauten der Nachkriegszeit in der Euregio

60 AKTUELLES

64 UNTERWEGS

Im Memoriam Carl Schneiders

72 BETRACHTEN. LESEN. INSPIRATION!

Bücher-Tipps

74 VORSCHAU

74 IMPRESSUM

7


QUALITÄT HAT EINEN NAMEN

KÜCHEN DIE

FREUDE BEREITEN.

Die Küche mit innovativen Technologien und faszinierender Designvielfalt.

„SOMA“ – DIE IDEE | Unendliche Möglichkeiten


KLASSISCH

GRIFFLOS UND DESIGNORIENTIERT

X-LINE | Brillantcubanit. Die Handschrift von Innenarchitektur.

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vielen Möglichkeiten.

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SPOTS

DESIGN PUR MIT DEM

DIVANO-TRIO

Das Design-Trio: Schrank DIVANO, Esstisch

DIVANO mit seinen eleganten

Edelstahlzargen und der bequeme

Freischwinger DIVANO stellt das

Zusammenspiel der Materialien in den

Vordergrund. Ausführung: Europäisch

Nussbaum massiv.

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LICHT AUS DER DOSE

Architektur wird erst durch Licht erlebbar und faszinierend. Wie mit

dem Busch-iceLight® Ambiente. Durch ihr gradliniges Design und

die zeitgemäße Gestaltung lässt sich diese effiziente LED-Leuchte

in verschiedenste Architekturkonzepte integrieren. Zum

Inszenieren, Orientieren oder für mehr Sicherheit.

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STILL, MEDIUM ODER SPRUDELND

Wann haben Sie das letzte Mal Wasser ganz bewusst

gekostet? Wann haben Sie nach dem ersten Schluck gleich

Lust auf den zweiten bekommen? Genau das passiert bei

Ihrer ersten Begegnung mit GROHE Blue Home: ein

elegantes, intelligentes System, das Trinkwasser in den

reinsten, durstlöschenden Genuss verwandelt. Und Ihre

Küche in einen Treffpunkt für Freunde, die Ihren Durst teilen.

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10


DEN KRONLEUCHTER NEU ERFUNDEN

Erstmals wurde festliches Licht mit einem Systemgedanken kombiniert. Die

Grundelemente lassen sich wie bei einer Perlenkette spielerisch

aneinanderreihen. Die Anordnung der Glasstäbe ist dabei so raffiniert, dass

ein zauberhaftes Lichtspiel entsteht. Gleichzeitig sorgt diese Konstruktion für

blendfreies Licht – und zwar von jedem Standpunkt aus.

Durchmesser Oben: Ø 79cm | Durchmesser Unten: Ø 48cm

Höhe: 20cm | Pendellänge: 3m

Neupreis: 7.973,- € | Angebotspreis: 4.400, -€

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FARBE INS SPIEL BRINGEN

Neben der Designlinie Event Klar gibt es das

formschöne Schalterprogramm in den

bestehenden Linien Gira Event und Gira Event

Opak mit jeweils eigener Anmutung des

Oberflächen-Materials. Insgesamt sind so 17

Rahmenvarianten erhältlich. Die Einsätze zu

Event gibt es in Reinweiß glänzend und

Cremeweiß glänzend sowie in Anthrazit und

der Farbe Alu.

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EMPTY

Empty ist eine Outdoorleuchte mit

vielfältiger Funktionalität, bei der sich Materie

und Licht in einem Körper vereinen. Tagsüber

ist Empty eine Skulptur und abends erstrahlt sie

in ihrer ganzen Leuchtkraft. Design von Xuclà.

Größe: 45 x 45 x 45cm

Originalpreis: 1.261,- € | Angebotspreis: 630,- €

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11


SPOTS

JAMAICA VON FOSCARINI

Die Häuser von Frank O. Gehry, die "verpackten" Installationen

von Christo und sich auftürmende Wolken am Sommerhimmel

hatte Designer Marc Sadler beim Entwurf von "Jamaica" im

Sinn. Das Ergebnis ist so schlicht wie edel. Eine Hängeleuchte

aus dem Hause Foscarini und die herrliche Mixtur von

funktioneller Beleuchtung und sinnlichem Material.

Originalpreis: 1.346,- €

Reduziertes Ausstellungsstück: 850,- €

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ELEGANT KOMBINIERT

ATELIER-FLAIR UNTER DEM DACH

Noch ein Stück mehr Flexibilität bei der Erfüllung

persönlicher Wohnträume unter dem Dach. Konzipiert

zur optimalen Ergänzung des Roto Designo R8 Klapp-

Schwingfensters, speziell oben, in den von Hand

schwer erreichbaren Einsatzbereichen. Dafür stehen

unterschiedliche Antriebe und Steuerungen zur

Verfügung.

hr Roto ProfiPartner berät Sie gerne.

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RETTANGOLO

Armaturen als elegante Blickfänger: Pure

Eleganz und hochwertige Ingenieurskunst –

die italienischen Wurzeln sind noch heute tief

in Gessi verankert. Alle Produkte bestechen

durch einzigartiges Design und avancieren zu

sinnlichen sowie makellos funktionierenden

Must-Haves für Ihr Badezimmer.

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12


AUSSTELLUNGSKÜCHE

SIEMATIC SE5005, Magnolie

Hochglanz mit Miele Geräten und

Steindesign-Arbeitsplatte

Einmaliger Sonderpreis: 9.950,- €

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DIE DOPPELTE VERBINDUNG. ENERGIE SICHER TANKEN.

Wenn Sie Ihr E-Bike mit optimalem Komfort laden möchten, ist wallbe® Dual

Bike die perfekte Lösung. Die komplette Technologie ist in einer kompakten Box

untergebracht, die überall Platz findet. Ein Dreh per Schlüssel genügt, um den

Ladevorgang bequem freizuschalten. So ist wallbe® Dual Bike der einfache und

sichere Weg zum elektrischen Radfahren.

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STILIO UNO 550

Durch die Lichtbrechung der vielen massiven Glasstäbe verbindet Stilio Uno magisches,

raffiniertes Licht mit beeindruckender Leichtigkeit. Die Stäbe aus Laborglas sind

reinweiß und Stück für Stück an den Enden geschmolzen. Hieraus resultiert die

faszinierende Lichtbrechung, die Stilio Leuchten einzigartig macht. Modernste LED

Technik und integrierte Dimmer sorgen für Freude im Alltag.

Durchmesser: Ø 55 cm | Höhe: 20 cm

Neupreis: 3.798,- € | Angebotspreis: 2.280,- €

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13


SPOTS

SOMA

MODELL SOMA | 362cm breit

in hochwertiger Ausstattung, LED-

Beleuchtung mit Fernbedienung

Exklusives Ausstellungsstück

Einmaliger Sonderpreis: 4.995,- €

www.kruettgen.de

ERPROBTE TECHNIK. VIEL KOMFORT.

Die bewährte Hoch-Schwingtechnik des Roto Designo R7 sorgt für ein

deutliches Plus an Bewegungsfreiheit und Komfort, verglichen mit vielen

anderen gängigen Schwingfenstern. Der schmale Rahmen lässt zudem

besonders viel Licht ins Innere. Auch beim Design weiß das Roto Designo

R7 zu überzeugen – der Name ist Programm.

Ihr Roto ProfiPartner berät Sie gerne.

www.jacobs-dach.de

DER EINFACHE START

So leicht und sicher ist das Laden tatsächlich: wallbe® Eco 2.0 ist anschlussfertig

für alle gewünschten Ladeleistungen erhältlich. Der praktische Griffstecker, die

integrierte Kabelhalterung und die vielseitigen Möglichkeiten zur Autorisierung

machen die kompakte Ladebox zum perfekten Einstiegsmodell für Ihre eMobilty-

Anforderungen.

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14


STARK IM DESIGN. UND IM ENERGIESPAREN.

Das Roto Designo R8 überzeugt durch seine durchdachten

Funktionen ebenso wie durch seine Energieeffizienz. Die intelligente

Roto Klapp-Schwingtechnik ermöglicht bequemstes Lüften und

Pflegen – bei maximaler Kopf- und Bewegungsfreiheit. Auch in

puncto Sicherheit und Design setzt Roto Designo R8 die Maßstäbe.

Ein echter Lichtblick – in jeder Hinsicht.

Ihr Roto ProfiPartner berät Sie gerne

www.jacobs-dach.de

ONE BY ONE

Steve Lechot schuf mit belux one by one ein spannendes Spiel

mit Licht und Schatten. Die Schichten bestehen aus

Polyestervlies, das aufgrund mehrerer Veredelungsprozesse

praktisch reissfest, alterungsbeständig und schwer entflammbar

ist. Das kräftige LED Licht leistet sowohl Emotion im gedimmten

Zustand als auch kräftiges Raumlicht.

Höhe: 150 cm | Länge und Breite: 29 x 29 cm

Neupreis: 1.699,- € | Angebotspreis: 1.189,- €

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BETTE

Fließend und natürlich ergibt sich das Design der BetteLux aus

einer organischen Grundform und extrem filigranen

Außenkanten. Elegant fügt sie sich in jede Umgebung ein. Ihr

acht Millimeter dünner, gefalzter Wannenrand ermöglicht einen

flächenbündigen Einbau. Der großzügige Innenkörper bietet

einzigartigen Liegekomfort.

www.installationen-deutz.de

15


SPOTS

SCHWEBENDE EXKLUSIVITÄT

IN LEDER UND STOFF

Höchste Ansprüche an Sitzkomfort und

Konfigurationsmöglichkeiten! Filigrane

Füße tragen es förmlich schwerelos. Die

stufenlos verstellbaren Armlehnen

unterstreichen die Eleganz dieses

Designersofas. Made in Germany

CL 220

www.kruettgen.de

TERRASSENÜBERDACHUNGEN AUS GLAS & STAHL

Bis zu 6 Meter Spannweite mit nur zwei Standpfosten.

Doppel-T-Träger an der Vorderseite der Überdachung.

Die komplette Unterkonstruktion ist feuerverzinkt und pulverbeschichtet.

Nahtlose Belegung mit Verbund-Sicherheitsglas bis zu 3,20 Metern Länge.

Optional: Integrierte Beleuchtung durch LED-Module.

Preis ab 240 Euro pro Quadratmeter

www.hennicken.de/stahl

EINE WIRKLICH SICHERE

WOHNUNG

Stellen Sie sicher, dass zu Hause alles in

Ordnung ist. Mit der JABLOTRON 100+

Gefahrenmeldeanlage können Sie Ihre

Wohnung schützen sowie das Licht

einschalten oder die Jalousien schließen.

Dank der MyJABLOTRON Anwendung

können Sie sie auch aus der Ferne steuern.

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16


DIE ZUKUNFT DES TRINKWASSERS

Smart Home-Anwendungen liegen im Trend – mit

GROHE Blue Home wird intelligenter Wassergenuss

jetzt noch einfacher. Wohlschmeckendes, gefiltertes

und auf die optimale Trinktemperatur gekühltes

Wasser in den Varianten still, medium und

sprudelnd kommt direkt aus der eleganten

Küchenarmatur.

www.installationen-deutz.de

DIMMBARE DECKENLEUCHTE

Die ausgefallene Deckenlampe HULA HOOP von dem Designer

Marco Pagnoncelli ist mehr als nur eine Leuchte: sie fasziniert

durch Kreativität und Minimalismus zugleich. In spielerischer Art

und Weise erfolgt hier die Komposition mehrerer Ringe zu einem

schwebendem "Leuchtobjekt" und macht sich dabei nur einer

Grundform zu eigen, nämlich der des Kreises.

Reflektor: Ø 75 cm | Höhe: 50 cm

Sonderpreis: 1.130,- €

www.lampenfieber.de

AUSSENROLLLADEN

BESTE BEDINGUNGEN ZU

JEDER JAHRESZEIT

Der Rollladen von Roto sorgt mit seinen doppelwandigen

Lamellen ganzjährig für optimale Verhältnisse. Im Sommer hält

er die Hitze weitgehend fern. Und im Winter verhindert er, dass

Kälte oder Schnee auf die Fensterscheibe gelangen. Ihr Roto

ProfiPartner berät Sie gerne.

www.jacobs-dach.de

17


SPOTS

ZUHAUSE IST

ES AM SCHÖNSTEN

Höchste Ansprüche an Sitzkomfort und

Konfigurationsmöglichkeiten! Filigrane

Füße tragen es förmlich schwerelos. Die

stufenlos verstellbaren Armlehnen

unterstreichen die Eleganz dieses

Designersofas. Made in Germany

CL 990

www.kruettgen.de

STAHL-HOLZREGAL

Cortenstahl Holzregal 2 x 2 x 3,5 Meter mit Sichtfenster 1,3 x 0,4 Meter,

3-seitig umlaufend abgekantet nach innen mit 70 mm Steg, Sockelbereich

100 mm nach außen gekantet. Das Aufstellen kann ohne zusätzliche

Befestigung erfolgen bei einem geraden und verdichteten Untergrund.

www.hennicken.de/stahl

SCHLANKES DESIGN MIT DEM SIE

SICHTBAR BESSER LADEN

So kann man zeigen, wie elegant modernste

Ladetechnologie aussieht. wallbe® Premium überzeugt

durch seine reduzierte Form und den geringen

Platzbedarf. Die hochwertige Ausführung und die

individuellen Gestaltungsmöglichkeiten machen dieses

Modell zu einer Ladesäule mit echtem Premium-

Charakter.

www.ElektroEckstein.de

18


MASSGESCHNEIDERTER

KOMFORT DER EINFACH

BEGEISTERT

Nach Maß planbar. In drei Sitzqualitäten.

Kopfstützen und Armlehnen verstellbar.

Manueller Sitzvorzug. Vier Fußvarianten.

In Stoff ab 2.798,- €

In Leder ab 3.998,- €

www.kruettgen.de

FEUERSTELLE

Edelstahl-Feuerstelle 700 mm Ø

mit Aschefach 350 x 350 x 50 mm

2 Stk. Standpfosten in 60 mm Ø

1 Stk. Standpfosten in 150 mm Ø

www.hennicken.de/stahl

GERMAN DESIGN AWARD 2020

FÜR DIE MARINE VON MARCELLO C

Die Marine von Marcello C ist ein nautischer Zeitmesser und trotzt dem

Wasserdruck bis 200 Meter Tauchtiefe wie eine fest verschlossene Schiffsluke.

Drei solide Bolzen verbinden das dreiteilige Gehäuse zu einer wasserdichten

Einheit mit einem Mittelteil aus gestrahltem Edelstahl.

Die Lünette gibt es wahlweise vergoldet oder mit schwarzer

PI-Beschichtung. Bei einem Durchmesser von 40 Millimetern

ist die Marine mit einer Höhe von nur 9 Millimetern flach

und komfortabel.

www.marcelloc.de

19


INZWISCHEN SIND DIE MEISTEN MU-

SEEN WIEDER GEÖFFNET, JEDOCH

SEHR OFT MIT GEÄNDERTEN AUS-

STELLUNGEN ODER AUSSTELLUNGS-

TERMINEN. DA BEI

REDAKTIONSSCHLUSS NOCH VIELE

ECKDATEN UNSICHER WAREN, FOLGT

HIER NUR EINE KLEINE, GESICHERTE

AUSWAHL.

Noch bis zum 13. September 2020

ROBERT LEBECK

Mit dieser Ausstellung wird an den herausragenden

Fotojournalisten Robert

Lebeck (1929 – 2014) erinnert, welcher

vor allem durch seine Fotos von Prominenten

für die Zeitschrift Stern berühmt

geworden war. Unter den circa

130 Schwarz-Weiß-Fotografien sind

auch viele bislang unveröffentlichte zu

sehen.

KUK, Kunst- und Kulturzentrum der

Städteregion, Monschau

www.kuk-monschau.de

Noch bis zum 08. November 2020

KÄTHE KOLLWITZ

Die immer gesellschaftskritischen Arbeiten

der Anfang des 20. Jahrhunderts in

Berlin lebenden und wirkenden Künstlerin

sind in dieser Ausstellung auf das

Thema Mutter und Kind fokussiert.

Dank vieler Leihgaben aus Privatbeständen

ist dem Leiter des privaten

Museums Rote Burg, Herrn Jörg von

der Laage, wieder einmal eine beeindruckende

Zusammenstellung gelungen,

welche die Ausdruckskraft der

Werke dieser engagierten Frau einmal

mehr herausstellt.

ROTE BURG, Büchelmuseum, Aachen

www.roteburg-buechelmuseum.de

CASA.

KALENDER!

CALENDRIER.

AUCH IN DIESER AUSGABE HABEN WIR FÜR SIE ALLE SEHENSWERTEN UND

WICHTIGEN AUSSTELLUNGEN, FÜHRUNGEN, MESSEN UND MÄRKTE AUS

DER REGION ZUSAMMENGESTELLT. WIR WÜNSCHEN VIEL SPASS UND NEUE

INSPIRATIONEN BEIM BESUCH.

Romy Schneider in Quiberon, 1981

© Robert Lebeck

Noch bis zum 13. September 2020

BLUMENSPRENGUNG

Vor genau 50 Jahren eröffnete der Aachener

Fabrikant und Kunstsammler

Peter Ludwig im alten Kurhaus die

Neue Galerie Sammlung Ludwig. Das

Couven-Gebäude wurde ihm seitens der

Stadt zur Verfügung gestellt, um seine

einzigartige Sammlung adäquat präsentieren

und somit in Aachen halten

zu können. Die Rechnung ging auf, da

Aachen von jetzt auf gleich eines der

führenden Zentren für Gegenwartskunst

in Europa wurde. Die Aachener

Bevölkerung war zwar weitgehend

überfordert mit den progressiven

Kunstwerken wie Installationen, aber

Kunstinteressierte aus ganz Europa

strömten plötzlich nach Aachen. Der

Titel dieser Jubiläumsausstellung mit

Werken ausschließlich von Künstlerinnen

aus dem Sammlungsbestand im

Nachfolge-Quartier seit 1991 ist angelehnt

an Kunstaktionen von Annette

Wehrmann, die seinerzeit Böller in Blumenbeeten

zur Detonation brachte.

LUFO, LUDWIG FORUM FÜR INTERNA-

TIONALE KUNST, Aachen

www.ludwig-forum.de

20


BLEU-ROSÉ

0-16 Jahre

AM DOM

JEANS SPORTS

CLASSICS

Noch bis zum 31.12.2020

YOU ARE HERE – KÜNSTLERINNEN

AUS NRW AUF REISEN

Kunstschaffen bedeutet Bewegung:

Viele KünstlerInnen in NRW haben eine

internationale Biografie, sie wechseln

zwischen den Orten, entwickeln auf

den Stationen ihrer Reisen eigene

Künstleridentitäten und realisieren ortsbezogene

Arbeiten. Die Gruppenausstellung

»you are here – KünstlerInnen

aus NRW auf Reisen«, kuratiert von

Elke Kania, widmet sich in sechs KünstlerInnenräumen

mit für das Kunsthaus

konzipierten Installationen, Gemälden,

Fotografien und zeitbasierten Arbeiten

den Ausformungen von Mobilität: von

reisenden Kunstwerken und KünstlerInnen

über die künstlerische Forschung

zur ehemaligen Reichsabtei als Pilgerort

bis hin zu Zeitreisen und dem Navigieren

durch die digitale und reale Welt.

In diesem außergewöhnlichen Jahr bietet

die Ausstellung »you are here« die

Chance, visuell und in Gedanken auf

Reisen zu gehen. Reisen ermöglicht Interaktion

und die Sicht auf Neues – all

das kann im Begehen der Künstlerräume

individuell erfahrbar werden.

KUNSTHAUS NRW, Aachen-Kornelimünster

www.kunsthaus.nrw

Blumensprengung, 1992-1995

© Annette Wehrmann

EP

EDDIE PEN ®

KARL

by Karl Lagerfeld

L O N D O N

®

WOOLRICH ®

EST.1830

www.bleu-rose.de

guentermann@unitedtelecom.be

21


22

ZU TISCH

Offene Wohnküchen


19

Wohnen

Foto: AMK

23


24

Foto: AMK


Seit mehreren Jahren bereits kann man die

Renaissance der Wohnküche konstatieren. Was

bis in die 1940er Jahre hinein selbst in

Mietwohnungen Standard war, wird heute

erneut zur Selbstverständlichkeit: Eine

geräumige und gemütliche Küche, die nicht nur

zum Kochen dient, sondern der Mittelpunkt des

Familienlebens ist.

TEXT: Rainer Güntermann

Nachdem mangels vorhandener Bausubstanz im

Nachkriegsdeutschland überall neue Siedlungsbauten

unter den Prämissen schnell, kostengünstig

und Flächen sparend aus dem Boden gestampft

worden waren, verkam die Küche jahrzehntelang zu einem

winzigen , schmalen Schlauch mit einseitig eingebauter Arbeitszeile

mitsamt aller Geräte. Allenfalls ein ebenso winzigschmales

Tischchen für ein Minimum an Sitzmöglichkeit

hatte noch Platz. Es war die Geburtsstunde der neuen „Essgruppe“

im Wohnzimmer. Ein möglichst freistehender Tisch

mit vier passenden Stühlen rund herum und oft unpassender

Deckenleuchte mit einer sogenannten Affenschaukel darüber.

Das Kochen samt aller Begleiterscheinungen wie Töpfe, Pfannen

und Geruch blieben verborgen. Terrinen und Saucièren

zum Auftragen der Speisen, Highlights jeder Aussteuer-Porzellanserie,

ließen auch im kleinen Haushalt das Gefühl vom

hochherrschaftlichen Speisen aufkommen. Dass die seinerzeit

für die Speisenzubereitung zuständige Hausfrau ebenfalls aus

dem Blickfeld verschwand, entsprach damals leider voll und

ganz dem allgemeinen Rollenverständnis. Wenn überhaupt

war in den Küchen noch Platz vorhanden für eine Eckbank

mit geräumigem Tisch davor. Dies war lange Zeit das Epizentrum

des Familienlebens. Hier wurde gemeinsam gegessen,

mit Spielen gespielt, die unter der Sitzfläche verstaut werden

konnten. Hausaufgaben wurden hier erledigt, und Familienmitglieder

der Vorgängergeneration, sprich Oma und Opa,

halfen oft bei den Küchenarbeiten.

25


Foto: AMK

Foto: AMK

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Zurück zur Wohnküche als

Treffpunkt der Familie

Am Tisch wurde geklönt, getratscht und diskutiert.

Seit mehreren Jahren nun hält diese Küchengemütlichkeit

wieder Einzug in die Wohnungen, leider aber zuweilen

auch in Form von modernen Bank-Kreationen

mit fragwürdigem Design. In jedem Fall jedoch ist die

Richtung klar: Zurück zur Wohnküche als Treffpunkt

der Familie, aber auch von Gästen. Schließlich beginnen

und/oder enden die besten Partys in der Küche.

Aber sie tritt nicht als Raum wieder ins Rampenlicht,

sondern sie wird sehr oft auch ohne Wandabtrennung

zu dem sogenannten Wohnzimmer zugeschlagen. Es

entsteht gewissermaßen ein Multifunktionsraum, der

durch entsprechende Möblierungen in verschiedene

Nutzungszonen gegliedert ist. Die Zubereitung des Essens

und das Speisen an sich sind wieder vereint. Niemand

verschwindet zeitweilig aus dem Kontaktfeld,

Kommunikation und Interaktion sind permanent möglich.

Dank der Technik kann bei Bedarf jedoch das

Fernsehprogramm per Kopfhörer verfolgt werden, während

auf einem Bildschirm im Küchenbereich das aktuelle

Rezept per Internet aufgerufen wird. Als

vermeintlich lästig empfundene Essensgerüche werden

durch intelligente Abzugssysteme weitestgehend eliminiert.

Diese sind inzwischen auch auf dem privaten

Einsatzsektor derart effektiv, dass durchaus die Gefahr

besteht, über die Nase keine Speichel fördernde Vorfreude

mehr auf das baldige Essen vermittelt zu bekommen.

Foto: AMK

Foto: AMK

Foto: AMK


Alles ist, wie so oft, eine Frage

des verfügbaren Platzes

Foto: AMK

Foto: AMK

Waren früher als Raumteiler oft berankte Bambusgitter

oder grafisch durchbrochene Wandpaneele für diesen

Zweck beliebte Einsatzmittel, fungieren heute der Gastronomie

entlehnte Theken oder Tresen als räumliche

Begrenzung und zugleich beidseitig benutzbares Bindeglied.

Mit mobilen Hockern haben sie die Funktionen

der ehemaligen Eckbänke übernommen. In lockerer Atmosphäre

kann an ihnen gearbeitet, gegessen und gefeiert

werden. Die Ausstattung dieses Möbels ist so

unterschiedlich wie deren Nutzer. Von einseitig zum

Kochbereich angeordneten Schubfächern und einer

zum Wohnraum überstehenden Deckplatte zwecks

Sitzmöglichkeit angefangne bis zu vierseitig nutzbaren

Inseln mit Koch-, Brat-, Back- und Spülmöglichkeit

reicht die Palette. Alles ist wie so oft eine Frage des

verfügbaren Platzes, bei nachträglichen Einbauten auch

von möglichen Anschlüssen, sowie Zu- und Ableitungen.

Eine einfache Lösung, um eine neue Abflussleitung

zum vorhandenen Anschluss an einer Seitenwand

zu legen, ist die Erhöhung der gesamten eigentlichen

Küchenfläche mit Hilfe eines Podestes. Darunter finden

beliebig auch andere Leitungen Platz, die für eine multifunktionale

„Zentralstation“ notwendig werden können.

Die entsprechende Bodenfläche kann zugleich mit

einem neuen Wunschbelag versehen werden. Ein weiterer

Vorteil eines Podestes ist die damit automatisch

einhergehende höhere Sitzposition bei einer durchgehenden

Arbeitsplattenverlängerung. Es gibt so keinen

lästigen Versprung, der die Essplatte in der Tiefe einschränkt.

Das Problem nachträglich einzubauender

Entlüftung über einer mittigen Kochstation kann dank

beidseitig des Kochfeldes nach unten absaugender Lüftungstechnik

ebenfalls leicht gelöst werden.

Foto: AMK


Foto: AMK

u.v.m.

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Foto: AMK

Mit kleinem Aufwand kann

große Wirkung erzielt werden

Foto: AMK

Foto: AMK

Um den offenen Koch- und Essbereich vom eigentlichen

Wohnbereich optisch abzugrenzen, ohne ihn abzutrennen,

kommt die sogenannte Anrichte aus den

1960er Jahren wieder groß in Mode. Neben originalen

Vintage-Modellen gibt es auch wieder sehr ausgefallene

neue Modelle auf dem Markt. Eine Maßanfertigung

an dieser Stelle kann eine beidseitige Nutzung ermöglichen,

die Deckplatte eventuell bereits verwendetes Material

wieder aufnehmen und für eine homogene Optik

sorgen. Sollte nur die einseitige Nutzung benötigt werden,

bietet sich als Rückenwandersatz eine schmale

Holzständerwand an, die in verschiedenen Höhen auch

bis zur Decke reichen kann. Optisch reizvoller ist jedoch

eine noch oben offene Konstruktion, welche nur eine

leichte Erhöhung zu Anrichte aufweist, oder auch noch

Platz für ein besonderes Bild auf einer oder beiden Seiten

hat. Dieser optische Raumteiler ist zudem schnell je

nach Lust und Laune oder Jahreszeit auch mal schnell

neu tapeziert oder farbig gestrichen. Mit kleinem Aufwand

kann hier eine große Wirkung erzielt werden.

Eine weitere Möglichkeit einer verbindenden Trennwand

ist ein Kamin, welcher sich zu beiden Seiten jeweils

mit einer Glastür öffnet. Das Feuer ist also allseits

sicht- und spürbar. Diese Variante ist jedoch nur

schwerlich nachträglich zu verwirklichen. Bei einem

Neubau oder umfangreichem Umbau kann dies aber

ein sehr wirkungsvolles Element sein. In diesem Fall

kann auch über die Option nachgedacht werden, den

Wohnbereich um eine oder zwei Stufen erhöht anzulegen.

Das Kaminfeuer wäre dann auf der dem Essplatz

zugewandten Seite in Tischhöhe und böte eine sehr

ausgefallene Perspektive.

30


Marcello C

U H R M A C H E R - M E I S T E R B E T R I E B

An- & Verkauf hochwertiger mechanischer Armbanduhren, Sammlungen oder Nachlässen

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Foto: AMK

Alles eine Frage

der persönlichen Präferenz

und des Stils

Foto: AMK

Ob die inflationär zunehmenden Kochsendungen auf

allen Kanälen für eine Rehabilitation der Küche und

somit ihrer vollwertigen Integration in den offenen

Wohnbereich verantwortlich sind, ist schwierig zu sagen.

Fakt ist, dass Küchen sozusagen hoffähig geworden

sind. Natürlich trägt auch maßgeblich die neue

Generation von Küchenmöbeln zu diesem Upgrading

bei. Mobile Edelstahl-Module ähnlich denen in der

Gastronomie oder den heutigen Bedürfnissen angepasste

Buffetschränke – die Bandbreite an individuellen

Küchenlösungen ist sehr groß. Dazu kommt eine Materialvielfalt,

die eine Entscheidung für die eigene Variante

nicht eben leicht macht. Hauchdünn geschnittene

Natursteinplatten auch als vertikale Türverkleidungen

lassen einen Küchenblock monolithisch aussehen, filigran

gerahmte Glasscheiben bewirken Transparenz und

Leichtigkeit. Alles eine Frage der persönlichen Präferenz

und des Stils.

Unterm Strich bleibt zu hoffen, dass die Kombination

von Kochen und Wohnen sich auch im gelebten Alltag

niederschlägt, indem Mahlzeiten wieder gemeinsam am

Tisch als zentralem Familientreffpunkt eingenommen

werden. So erfüllt die offene Wohnküche auch einen

soziokulturellen Zweck.

Foto: AMK

32


10

Zehn Ratschläge für die offene Wohnküche

Kochen und Wohnen

n Ob Neubau oder Umbau: Erstellen Sie gemeinsam

mit allen Betroffenen jeweils eine Art Wunschliste: Was

möchte wer gerne verwirklicht sehen? Was liegt

welchem Mitbewohner besonders am Herzen? Wie

stellt man sich das Kochen und Wohnen ohne

räumliche Trennung vor?

n Eruieren Sie ebenfalls, welche Elektrogeräte und

Maschinen wirklich in Ihrem Haushalt benötigt werden.

Der entsprechende Platzbedarf kann nämlich sehr

variieren, Stichwort zum Beispiel: Doppeltürkühlschrank

n Seit flächendeckender Ausstattung mit einer

Spülmaschine wird das Spülbecken eher zum Salat

waschen oder Sammeln von schmutzigen Pfannen

benutzt. Daher ist zu überlegen, ob dieses inmitten

einer möglichen Kochinsel allseits sichtbar präsentiert

werden muss. Dagegen ist ein Wasserzulauf direkt

neben dem Kochfeld durchaus sinnvoll, zum Beispiel

zum schnellen Ablöschen oder Wasser aufsetzen.

n Klären Sie mit einem erfahrenen Fachmann

notwendige beziehungsweise mögliche Leitungen,

Rohre, Kanäle, Kabel und dergleichen ab.

n Welcher Herd-Typ sind Sie? Vielkocher oder

Aufwärmer (Mikrowellenfunktion)? Schmorer (großes

Backrohr) oder Griller (Gasanschluss)? Einzelkämpfer

oder geselliger Teamworker (freistehende Kochinsel)?

n Jetzt sollten sich Platzbedarf und Positionierung

einigermaßen herauskristallisiert haben. Planen Sie nun

den Übergang zwischen Küche und Wohnraum. Wird es

zum Beispiel eine hohe Sitztheke oder ein Essplatz mit

regulären Stühlen? Oder doch eine Anrichte oder ein

Präsentiertresen?

n Wie sieht es mit Farbe aus? Dafür bietet sich etwa

ein Fliesenspiegel oder sonstiger Wandschutz über

seitlichen Arbeitsflächen an. Oder vielleicht die

Bestuhlung?

n Bei der Wahl der Tür- und Schubladenoberflächen

sollte bedacht werden, dass sie möglichst

unempfindlich bei Fingerabdrücken reagieren sollten,

gerade bei grifflosen Ausführungen, die sich auf

Antippen öffnen. Blanke Edelstahlflächen sehen zwar

sehr profimäßig aus, Profi-Küchen werden aber auch

täglich von den jeweiligen Azubis poliert.

n Anstelle von Unterschränken mit Einlegeböden sind

große Schubladen zum Ausziehen sinnvoller. Man hat

sofort alles im Blick und kann notfalls mit nur einer

freien Hand agieren. Auch für Porzellanstapel sind sie

die effektivere Lösung.

n Hinsichtlich der Beleuchtung ist es ratsam, zweierlei

Lichtschaltungen vorzusehen. Während des Kochens ist

eine hohe Ausleuchtung aller Arbeitsbereiche wichtig.

Ist dies aber erledigt, und man sitzt gemeinsam am

Tisch, trägt es nicht unbedingt zur Gemütlichkeit bei,

wenn im Kochbereich immer noch alles so hell

erleuchtet ist, als würde hier noch immer am offenen

Herzen operiert werden. Außerdem wird allein schon

durch die Helligkeit der Küchenbereich vom restlichen

Wohnraum abgetrennt, was ja durch die Offenheit

eigentlich vermieden werden sollte. Es reicht dann eine

dezente Grundbeleuchtung, um eine homogene

Atmosphäre herzustellen.

33


NICHT AUSGEFÜHRTE EINZELPOSITIONEN

DAS UNTERSCHÄTZTE AUFTRAGGEBER-RISIKO

Text: Markus Cosler

Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht

Lehrbeauftragter für Baurecht an der FH Hannover

Immer wieder kommt es vor, dass Positionen

die im Rahmen eines Leistungsverzeichnisses

mit beauftragt

werden im Zuge des Baufortschritts dann

doch nicht ausgeführt werden.

Wenn es sich insoweit nicht um Eventualpositionen

handelt, so besteht – sowohl

nach BGB als auch nach VOB/B – ein

sehr erhebliches Risiko des Auftraggebers

die nicht ausgeführten Leistungen dennoch

bezahlen zu müssen. Mit Beschluss

vom 2.4.2019 hat das Oberlandesgericht

München zum Aktenzeichen 28 U

413/19 Bau dies nochmals erfreulich klar

dargestellt.

Lässt der Auftraggeber nämlich einzelne

Positionen nach Auftragserteilung nicht

vom Auftragnehmer ausführen, so liegt

insoweit keine Leistungsänderung vor,

sondern vielmehr eine Teilkündigung. In

einem solchen Fall sieht aber sowohl die

VOB/B über § 24 und § 812 (als auch das

BGB über § 648) vor, dass der Unternehmer

für diese Position sodann das ursprüngliche

Auftragsvolumen verlangen

kann, sich jedoch dasjenige anrechnen

lassen muss, was er in Folge der Aufhebung

des Vertrages an Kosten erspart

oder durch anderweitige Verwendung

seiner Arbeitskraft erwirbt oder zu erwerben

böswillig unterlässt.

Zusätzlich sieht das BGB hier die Möglichkeit

des Auftragnehmers vor im Rahmen

einer gesetzlichen Vermutung

pauschal 5 vom 100 der auf den noch

nicht erbrachten Teil der Werkleistung

entfallenden vereinbarten Vergütung zu

verlangen. Üblicherweise wird dies kalkulatorisch

darauf hinaus laufen, dass jedenfalls

allgemeine Geschäftskosten,

34


19

Paragraph

Immobilienbewertung

Verkehrswertgutachten

Kaufberatung

INGENIEURBÜRO

WITTE

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Gerhard Witte

Dipl.-Ing., Dipl. Wirt.-Ing.

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Baustellengemeinkosten und Wagnis und

Gewinn für die nicht ausgeführte Position

verlangt werden können. Dabei ist zu

beachten, dass die entsprechende Position

dann umsatzsteuerneutral zu fakturieren

ist, da Umsatzsteuer nur auf

Leistungen erhoben wird, nicht aber auf

nicht ausgeführten Leistungen. Der zu

fakturierende Umsatzsteuersatz ist also

null Prozent.

Für Auftragnehmer ist also eine Teilkündigung

durchaus abrechenbar, da ja auch

in dieser Position ursprünglich Fixkosten

mit umgelegt wurden, die dann am Ende

bei Nichtausführung zu einer Unterdeckung

im Rahmen der Nachkalkulation

führen. Für Auftraggeber ist dann eine

solche Position äußerst gefährlich, denn

es gibt kaum etwas Ärgerlicheres als faktisch

„Geld fürs Nichtstun“ bezahlen zu

müssen. Dies umso mehr, als die recht

komplexe Ausgleichsberechnung im Rahmen

einer Mengenminderung bei der

Teilkündigung nicht Anwendung findet.

35


19

Glosse

Drück mich erst, wenn ich dir gehör’!“ Dieses Schild an einem Regal für Original

Schüttelbrot in Südtirol ist der verzweifelte Versuch eines kleinen Lebensmittelhändlers,

seine Ware vor der Unbrauchbarmachung durch die

online-verwöhnte Probier-Kundschaft zu bewahren. Schüttelbrot trägt seinen Namen

ja nicht, weil der Kunde es in der durchsichtigen Packung erst zu Paniermehl zerbröseln

und dann schütteln soll. Avocados zeigen sich nach zwei- bis dreifachem Drücken

zwecks Reifeprüfung vielleicht noch resistent, nach mehrmaligem beherzten

Rundumpressen durch – vor allem – kräftige Männerhände jedoch rächen sie sich

durch braunes Fruchtfleisch im Innern. Das wiederum treibt die „Bestellen-testen-retourschicken“-Klientel

mit dem vermeintlich verdorbenen Lebensmittel wieder zurück

ins Geschäft zur Reklamation. Sogar die eigens zum direkten Verzehr, weil vorgereiften,

Exemplare in der ebenso ausgeschilderten Auslage sind nicht sicher vor dem

Drücken, Pressen und Quetschen. Melonen werden von der neuen Generation fernseh-zertifizierter

Hobbyköche von allen Seiten derart vehement beklopft, als wolle

man irgendwelche SOS-Morsesignale senden. Dringt der anschließende, Rammbockgleiche

Daumendruck am Stempelansatz auch noch erfolgreich ins Fruchtfleisch ein,

zeigt dies zwar den eigentlich gewünschten Reifegrad an, bedeutet aber für das Genussobjekt

gleichzeitig den Ausschluss vom Kauf, da man schließlich nur unversehrte

Ware durch die Kasse bugsiert. Spezielle Aufkleber wie „danke, ich bin schon beklop(f)t“

werden dabei geflissentlich übersehen, falls überhaupt verstanden.

Bei der Anprobe vom neuesten Must-Have in der Wunschgröße, die man eigentlich

schon längst aus den Augen verloren hat, wird solange versucht, sich hinein zu

schrauben, bis der Reißverschluss Veto einlegt und den Geist aufgibt. Handschuhe,

die listigerweise wahrscheinlich nur zu klein aussehen, zurrt man solange über den

Handballen, bis der Lederdaumen einzeln übrigbleibt. Beliebt sind auch der Ledertest

durch Kratzen mit dem Fingernagel, die Perlenprobe mittels kräftigem Zubeißen, die

Kristall-Klangprobe durch beherztes „Zuprosten“ zweier leerer Gläser und ebenfalls

der Silberlöffeltest in Form von Biegeversuchen beziehungsweise deren vollendeten

Ausführung.

Der kulinarische Allestester geht auf einen Mittags-Snack an die Käsetheke des Supermarktes

in der Nähe, kann sich aber in der Kürze der Pause nicht zum Kauf einer

der 25 getesteten Käsesorten durchringen. Begehrt sind in diesem Kontext jene

Märkte mit einer Probierstation für Rotweine. Leider aber liegen die beiden Theken

nicht direkt nebeneinander, was den abwechselnden Genuss etwas mühselig macht.

Wenn man Glück hat, liegt aber in der Obstabteilung allerhand Saftig-Süßes -vom

Abteilungs-Azubi fein kleingeschnitten- als Dessertvariation bereit. Dafür muss man

jedoch erst einmal wieder retour zum Eingang. Macht aber nichts, denn da liegt ja

noch die Brottheke auf dem Weg, und das „Brot des Tages“ –hoffentlich mit etwas

Butter- bietet zwangsläufig eine willkommene Abwechslung.

Für ein etwas handfesteres Testprogramm bieten Baumärkte Probebohren durch

Holz, Ziegel und Eisen an. Oder Säge-Selbsterfahrungen im Kreis oder an der Kette.

DER

ALLES

TESTER

von Rainer Güntermann

Das kann die geschundene Männerseele

oft in nullkommanix wieder auf die

Überholspur bringen, quasi als Sekundenglück

statt langfristigem Ratenkauf.

Der erfahrene Möbeltester wiederum

legt strategisch bestens ausgeklügelt

den Probe-Liefertermin für das neue

Highbord (altdeutsch: Anrichte) auf den

Tag vor dem Geburtstagsempfang. So

kann er seinen Gästen stets seinen neuesten

Zeitgeistgeschmack zeigen und

ihnen vormachen, was diese ihm alles

wert sind. Für den Blumenschmuck auf

selbigem Präsentiermöbel gibt es leider

keine Rückgabemöglichkeit. Macht aber

wieder nichts, denn die Rosen halten

bestimmt mindestens noch zwei Wochen.

Schließlich hat man vor dem Kauf

alle einzelnen Blüten auf ihre Taufrische

getestet, indem man jede mit

Daumen und Zeigefinger auf Druckfestigkeit

getestet hat.

36


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38


der

küchen

garten

19

GARTEN

Zwischenzeitlich wurde der Küchengarten beinahe

ganz aus den Gärten verbannt, musste Terrasse,

Zierteich, Blumenrabatte und Rasen weichen. Doch

ein erfreulicher Trend in den letzten Jahren brachte

eine neue Sehnsucht nach Landleben, Natur und

Bodenständigkeit mit sich und bescherte auch dem

Nutzgarten ein Comeback.

Es ist lange her, als das Wort „Garten" unweigerlich das

Bild eines vielfältigen Gemüse- und Obstgartens

hervorrief. Groß war er, praktisch angeordnet und

aufgeteilt, mit genügend Erntematerial für eine mehrköpfige

Familie. Heute ist das anders, denn die Küchengärten sind

oft wesentlich kleiner. Trotzdem möchte man auch auf wenig

Fläche eine große Ernte einfahren.

Optisch erinnert aber nichts mehr an den praktischen Flecken

Erde von früher: Wie beim Ziergarten soll auch der Küchengarten

von heute dem Auge etwas bieten. Dekorativ

gestaltet liefert er dennoch Wertvolles für den Hobbygärtner:

Die Freude, Pflanzen beim Keimen, Wachsen und Fruchten

zuzuschauen, Erntespaß und Genuss von selbst gezogenem,

In Kürze

Einfach nur praktisch war einmal: Heute

vereinen Küchengärten auf meist kleiner

Fläche eine Obst- und Gemüse-Vielfalt mit

hübscher Gestaltung.

Dekorative Figuren, schöne Rangobelisken

oder farblich ausgesuchte Pflanzen sorgen für

einen ästhetischen Eindruck.

39


frischem Gemüse und das gute Gefühl, genau zu wissen, was

drinsteckt, weil man Erde und Dünger selbst ausgewählt hat.

Etwas kleiner als damals ist der Küchengarten inzwischen

geworden. Das liegt zum einen an den kleineren Grundstücken,

aber auch daran, dass die Ernte nicht mehr der Grundversorgung

dienen muss. Außerdem spielt der Zeitfaktor

eine Rolle, denn jeder Quadratmeter mehr bedeutet natürlich

auch mehr Arbeit. So hat sich der Nutzgarten in ein

kleines, aber feines Areal verwandelt, auf dem viele Kräuter,

einige Lieblingsgemüse und oft auch etwas Obst angebaut

werden.

Wer nach den Regeln der Mischkultur

pflanzt, kann auch in kleinen Gärten eine

reiche Ernte einfahren. Positiver Effekt:

Manche Gemüsearten schützen sich gegenseitig

vor Schädlingen.

Mini-Gärten in Pflanzsäcken bieten die

Möglichkeit, auch ohne viel Platz zu gärtnern.

40



SICHERHEIT IN DEN

EIGENEN VIER WÄNDEN

19

Info

TEXT: Michael Foellmer

Haben Sie sich den Traum vom Eigenheim erfüllt?

So sollte sich dieser Traum nicht in einen

Alptraum verwandeln. Als Hausbesitzer

müssen Sie sich mit vielen Problemen auseinandersetzen.

Nur durch zweckmäßige Vorsorge lassen

sich böse Überraschungen vermeiden. Es gilt sich also

gegen Schäden abzusichern, deren Ausmaße nicht so

einfach kompensiert werden können. Wir möchten Ihre

Risiken durchleuchten und Lösungsmöglichkeiten vorstellen.

Nehmen Sie sich etwas Zeit und überdenken

Sie Ihre Risikosituation.

DER IRRGLAUBE VON DER ALTERSVORSORGE

Die landläufige, scherzhafte Bezeichnung des eigenen

Hauses als große Sparbüchse, ist nicht so ganz aus der

Luft gegriffen. Ein eigenes Haus bietet Sicherheit – als

Altersvorsorge im klassischen Sinne kann es aber nicht

bezeichnet werden. Durch den Bezug der eigenen Immobilie

spart man natürlich zunächst einmal Miete. Es

darf hierbei allerdings nicht vergessen werden, dass ein

eigenes Haus auch instandgehalten werden muss. Speziell

dann, wenn es schon einige Jahre steht und Sie

womöglich bereits im Rentenalter sind. Ein neues

Dach, verbesserte Wärmedämmung oder neue Rohrleitungen

wachsen sich schnell zu größeren Investitionen

aus. Es ist vorteilhaft, wenn dafür frühzeitig Vorsorge

getroffen wurde.

42


FINANZIELLE ABSICHERUNG DER FAMILIE

Die meisten Hauseigentümer befinden sich in familiär

gefestigten Verhältnissen mit Partner und häufig auch

mit Kindern. Daher stellt die Schuldenlast, die der

Hausbau oftmals mit sich bringt, immer auch eine Gefahr

für die ganze Familie dar. Fällt etwa der Hauptversorger

weg und Finanzierungsraten können nicht mehr

gezahlt werden, droht die Zwangsversteigerung. Ob der

Erlös hieraus dann überhaupt ausreicht, um die offenen

Schulden begleichen zu können, ist dabei noch eine

ganz andere Frage. Wer verantwortlich handeln will, sichert

sich und seine Familie gegen alle kalkulierbaren

Risiken ab. Hier kann eine Risikolebensversicherung

oder eine Berufsunfähigkeitversicherung die notwendige

Abhilfe schaffen.

DAS A UND O - DIE GEBÄUDEVERSICHERUNG

Schäden an der Immobilie sind immer ärgerlich. Die

Reparatur sorgt für nicht eingeplante Kosten. Gut also,

wenn die Versicherung für solche Auslagen aufkommt.

Für ein Gebäude ist daher eine Gebäudeversicherung

unumgänglich. Falls Sie noch frischer Hausbesitzer sind

und das Haus von einem Vorbesitzer erworben haben,

ist grundsätzlich erst einmal davon auszugehen, dass

das Gebäude bereits über eine Gebäudeversicherung

verfügt. Diese Versicherung bleibt quasi beim Haus und

geht auf Sie als neuen Versicherungsnehmer über, damit

keine versicherungsfreie Zeit entsteht. Würde z. B.

das Haus in der Übergangszeit abbrennen, gäbe es keine

Erstattung. Von daher ist das grundsätzlich eine

sehr gute Regelung. Besteht ausreichender Versicherungsschutz?

Natürlich wissen Sie erstmal nicht, welchen

Versicherungsschutz Sie hier übernehmen.

Regelmäßig können wir die Beobachtung machen: Je

älter das Haus, desto älter die Gebäudeversicherung,

folglich schlechter und lückenhafter ist auch der Versicherungsschutz.

Oft ist nur das Feuerrisiko abgesichert

und Überspannungsschäden nicht mitversichert. Das

mag möglicherweise bei Abschluss des Vertrags keine

große Rolle gespielt haben, als das Heizöl noch täglich

per Kanne aus dem Keller geholt wurde. Mit Blick auf

die Vielzahl elektrischer Installationen, die über die

Jahre zum Standard eines Wohnhauses geworden sind,

kann man inzwischen kaum noch auf den Einschluss

der Überspannungsschäden verzichten. Und das soll

nur beispielhaft dafür stehen, was sich im Wohnleben

über die Jahrzehnte änderte und von der Versicherungsbranche

auch in Versicherungsbedingungen aufgefangen

wurde. Fehlt Ihnen dieser wichtige Schutz

bislang, sollte Sie diese wesentliche Versorgungslücke

umgehend schließen.

Alte Versicherungsbedingungen sind vor allem eines:

alt. Oft zu alt, um Sie im Schadensfall noch glücklich

machen zu können. Der Gesetzgeber hat an Probleme

dieser Art gedacht und Ihnen ein außerordentliches

Kündigungsrecht eingeräumt, von dem Sie innerhalb

eines Monats nach Grundbuchumschreibung (nicht der

Grundbuchauflassung) Gebrauch machen können. Was

aber, wenn die Frist vorbei ist? Wurde die Umschreibung

im Grundbuch bei Ihnen schon vor über einem

Monat vorgenommen, stellt dies auch keine größere

Schwierigkeit dar. Der Vertrag ist zum Ende des Versicherungsjahres

kündbar.

Alternativ können Sie, um auf Nummer sicher zu gehen,

bestehende Versicherungslücken mit Hilfe weiterer

Einschlüsse oder eines Neuvertrags schließen. Ein finanzieller

Mehraufwand ist oftmals leider nicht vermeidbar.

WICHTIG: VERSICHERUNGSSUMME PRÜFEN!

Für gewöhnlich weist die übernommene Versicherung

eine Versicherungssumme in Reichsmark aus – den

„1914er Wert“. Diese spezielle Versicherungssumme

dient als einheitliche Berechnungsbasis für Gebäude aller

Art, Größe und aller Baujahre. Eine ausreichende

Schadensleistung wird demnach garantiert, um ein

Haus gleicher Art und Güte neu aufzubauen, wenn das

Vorhandene vollständig vernichtet wurde. Wichtig ist

natürlich, dass der Wert korrekt ermittelt und angegeben

wurde. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der

Wertermittlung. Wurden also über die Jahre am Gebäude

Erweiterungen oder Verbesserungen vorgenommen,

die dem Versicherer zur Anpassung des versicherten

Werts nicht mitgeteilt wurden, droht eine Unterversicherung.

Zwar akzeptieren viele Versicherer den 1914er

Wert eines Vorversicherers – ob der Ihnen vorliegende

Wert richtig ermittelt wurde und auch wirklich jede

bauliche Veränderung beinhaltet, den das Haus über

die Jahre erfuhr, können Sie normalerweise nicht wissen.

Oft wissen dies auch die Vorbesitzer nicht. Wir

empfehlen daher dringend, unnötige Risiken einer zu

niedrigen Versicherungssumme zu vermeiden und das

Haus neu einzuwerten. Nur so stehen Sie auf der sicheren

Seite, wenn es zu einem größeren Schaden kommt.

43


KLEINE KÜCHE

MACHT DAS

HAUS GROSS.

Ist die Küche

ITALIENISCHES SPRICHWORT

schmutzig, wird der

Appetit stutzig.

DEUTSCHES SPRICHWORT

Die Fackel der

liebe wird in

der küche

gezündet

FRANZÖSISCHES SPRICHWORT

Die Küche ist eine

Welt, deren Sonne

der Kochherd ist.

IN EINER WOHNUNG KANN

VICTOR HUGO

MAN WOHNEN, BADEN, KÜCHEN

UND SCHLAFZIMMERN.

ERHARD HORST BELLERMANN

Meine Küche ist

schlicht, nur die

dekoration ist

üppig. Die Gäste

müssen ja über

etwas reden

können.

GERD KÄFER

In des Teufels Küche werden

himmlische Speisen gekocht.

WALTER LUDIN

44


Die meisten Arbeitsunfälle

passieren in der Küche – und

fast alle davon müssen wir essen.

DR. HANS JÖRG SCHELLING

IN SACHEN DAUER UND ZUFRIEDENHEIT IN EINER EHE ENTSCHEIDET

GANZ KLAR DIE KÜCHE UND NICHT DAS SCHLAFZIMMER

STEFAN WITTLIN

Eine gute Küche ist das

Fundament allen Glücks.

AUGUSTE ESCOFFIER

Warum Männer

die besseren

Köche sind?

Weil Frauen

vor und nach

Ihrer Arbeit die

Küche putzen.

ELISABETH SCHÖFFL-PÖLL

Die Verdauung

beginnt in der Küche.

DR. RENÉ-NICOLAS DESGENETTES

Die Küche ist die

schönste Zier

des ganzen Hauses

- glaube mir!

UNBEKANNT

VIELE MÄNNER

KÖNNEN WUNDERBAR

KOCHEN. DAS

PROBLEM IST, DANACH

MUSS DIE KÜCHE

RENOVIERT WERDEN.

MERYL STREEP

45


Für Sie der

starke Partner

in Aachen und

der Euregio.

Vermittlung

Architektenhäuser zum Festpreis

Bewertung



48

19

ARCHITEKTUR


BACKEN-

ZAHN & CO

KIRCHENBAUTEN DER

NACHKRIEGSZEIT IN DER EUREGIO

Foto: Marianne Majerusl | „Kleine Gärten“ | www.bjvv.de

49


St. Martin in Aldenhoven

St. Peter in Immendorf

St. Johann Baptist in Hünshoven

50


Es war einmal – eine Zeit, in der ebenso selbstverständlich wie

Wohnhäuser, Bürogebäude und öffentliche Bauten auch Kirchen-

Neubauten errichtet wurden. Es war die Zeit des Babybooms,

damals noch „geburtenstarke Jahrgänge“ genannt , die die Pfarreien

bezüglich Mitgliederzahl und räumliche Ausdehnung regelrecht

explodieren ließen. Die Kirche ließ sich nicht lumpen und

beauftragte viele namhafte Architekten, aber auch junge, noch

unbekannte Talente mit Planung und Realisierung. Auch bei uns in

der Euregio gibt es zahlreiche, eindrucksvolle Beispiele, wie wir im

Folgenden in einer kleinen Auswahl zeigen.

TEXT & FOTOS: Rainer Güntermann

In Zeiten zahlreicher Kirchenschließungen, Gemeindezusammenlegungen

und sogar Abrissen kann man sich nur

schwerlich vorstellen, dass es einmal einen akuten Bedarf

an Kirchen gegeben hat. Dieser konnte nicht durch das

schnelle Herrichten von im Zweiten Weltkrieg beschädigter

Kirchen gedeckt werden. Dazu kamen rund um alle Städte

und Gemeinden riesige Neubaugebiete, die damals ganz

selbstverständlich eine neue, eigene Kirchenbetreuung benötigten.

Zahlreiche neue Pfarreien wurden also gegründet und

für sie neue Kirchen errichtet. Da die Kirchen beziehungsweise

die Bistümer als Bauherren in ihrer langen Geschichte nie für

Kleckern, sondern eher stets für Klotzen bekannt waren, wurden

auch in den 1950er und 60er Jahren teils beeindruckende

Architekturen realisiert.

Ein fast durchgängig anzutreffendes Merkmal der damaligen

Kirchenneubauten ist der freistehende Glockenturm, gleich

dem Campanile in Venedig. Rank und schlank ragen sie ohne

Turmspitze gerade in den Himmel setzen weithin sichtbar ein

Zeichen. Manchmal ist er ebenerdig durch einen Gemeinderaum

oder die Sakristei mit dem eigentlichen Kirchenschiff

verbunden. Eine deutliche Ausnahme bildet die Kirche Sankt

Castor in Alsdorf-Mitte. Weit entrückt auf der großen Grünfläche

vor dem Haupteingang ist eine gedrungene Beton -

skulptur platziert, die fast in Augenhöhe die Glocken

beherbergt. Erbaut wurde die Kirche genau

während des drei Jahre dauernden

Zweiten Vatikanischen Konzils von 1962

bis 1965, mit den bekannten weitreichenden

Folgen für Liturgie und Altarpositionierung.

Kein Hochaltar mehr, an

dem der Priester der Gemeinde den Rücken

zukehrt, sondern ein freistehender

Abendmahltisch, der ganz neue architektonische

Lösungen zuließ. Auch der Bau

von St. Castor trägt dieser Novität Rechnung.

Ein kubistischer, sehr wuchtiger

Baukörper ohne Versprünge, mit klaren,

geschlossenen Ziegelmauern oder gänzlich

mit Betonmaßwerkfenstern ausgefüllten

Wandflächen als ultramoderner

Gegenpol zur gegenüberliegenden Burg

Alsdorf. Der Grundriss in Form eines T

mit dem Altar zentral im Querschiff, errichtet

exakt dort, wo kurz zuvor die im

Krieg zwar nicht beschädigte, jedoch inzwischen

zu klein gewordene Vorgängerkirche

abgerissen worden war.

51


St. Johann Baptist in Hücheln

St. Herrn Josef auf der Liester in Stolberg

St. Franziskus in Stolberg

52


Das stringent modern gehaltene Innere beherbergt

einen direkt ins Auge fallenden Kunstschatz.

Gänzlich ohne Glockenturm, sondern nur mit einem großen

Kreuz aus einer durchbrochenen Eisenkonstruktion auf dem

Dach kommt Sankt Johann Baptist in Eschweiler – Hücheln

aus. Bereits 1962 eingeweiht, war die Kirchenarchitektur der

Zeit weit voraus und hatte weitere Besonderheiten aufzuweisen.

So betritt man den rechteckigen Kubus nicht an der

Kopfseite, sondern auf der linken Hälfte der Längsseite, um

nach Betreten direkt gegenüber auf den Altar zu stoßen, hinter

dem sich eine kleine, nach außen ragende Apsis befindet.

Abgesehen von diesem historischen Architekturzitat erscheint

der Baukörper mit seinen Betonfertigteilfenstern eher wie eine

Turnhalle oder ein Konzertsaal aus dieser Zeit. Im Innern finden

sich neben dem vom Aachener Architekten Elmar Lang

entworfenen Marmoraltar und Ambo auch Tabernakel und Altarkreuz

aus dem Atelier vom Würselener Künstler Albert Sous.

Der Architekt war auch Schöpfer der Kirche Sankt Martin in

Aachen in der Liebigstraße aus dem Jahr 1954, die inzwischen

an die Vineyard Glaubensgemeinschaft abgegeben wurde.

Ebenfalls ohne Campanile ist Sankt Andreas in der Aachener

Soers. Die 1968 konsekrierte Kirche steht mit ihrer Architektur

für eine äußerst konsequente Umsetzung der Konzilsreformen.

Der Altar steht mittig in der sternförmigen Rundkirche, die

Gemeinde sitzt gemeinsam mit dem Klerus rund herum, letzterer

nur durch eine Stufe erhöht. Das Dach über dem zentralsymmetrischen

Oktogon besteht aus einer Kronen-ähnlichen

Faltkonstruktion mit einem mittigen Kreuz darauf. Bewusst

sind vom Erbauer architektonische Assoziationen gewählt

worden wie das Oktogon Karls des Großen, die Dornenkrone

Jesu oder das Abendmahl unter einem Gotteszelt.

Ein weiteres, sehr konsequentes Beispiel für den Nachkriegs-

Kirchenneubau in Aachen ist Sankt Bonifatius in Aachen-

Forst. Es ist nach der noch heute spektakulär anmutenden

Kirche St. Fronleichnam im Aachener Osten aus dem Jahr

1929 der zweite in Aachen realisierte Sakralbau des international

berühmten Architekten und ehemaligen Leiters der Aachener

Kunstgewerbeschule Rudolf Schwartz (siehe auch

BUCHTIPPS in dieser Ausgabe). Der an eine Fabrikhalle erinnernde

Längsbau aus einem mit Ziegelfeldern ausgefachten

Betonskelett ist in drei Längssegmente aufgeteilt mit einem

erhöhten Mittelteil, ähnlich den klassischen dreischiffigen Kirchen.

Die mittige Erhöhung wirkt wie ein offenes Dach, da sie

zusätzlich zu den rundum laufenden Fensterbändern zwischen

Wänden und Dach ein weiteres Glasband

mit Lichteinfall aufweist. An der Innenausstattung

waren vor allem Künstler aus

der Umgebung beteiligt. So stammt der

Tabernakel von Peter Bücken aus Kohlscheid,

die Madonna aus Beton von der

Aachenerin Erika Vonhoff. Die feierliche

Kirchweihe des 1960 begonnenen Baus

fand 1964 statt, drei Jahre nach dem

frühen Tod des Architekten.

Die Kirche Sankt Martin in Aldenhoven

wartet statt mit einem Glockenturm mit

zwei Spitztürmen aus Kupfer über den

offenen Glockenaufhängungen oberhalb

der Portalwand auf. Entworfen wurde sie

1951 von Alfons Leitl, dem ehemaligen

Leiter des Deutschen Werkbundes. Mit

seinem Kölner Architekturbüro verwirklichte

er zwischen 1948 und 1972 mehr

als 50 Sakralbauten, darunter auch Synagogen.

1953 noch vor dem Konzil geweiht,

befindet sich am Ende des

geradlinigen Hallen-Skelettbaus noch

eine halbrunde Apsis für die alte Liturgieform.

Das stringent modern gehaltene

Innere beherbergt einen direkt ins Auge

fallenden Kunstschatz, das Antwerpener

Retabel. Dieser Altar aus dem Jahr 1510

war Bestandteil des Vorgängerbaus an

selbiger Stelle, der von der deutschen

Wehrmacht vor den anrückenden amerikanischen

Truppen noch im Jahr 1944 in

die Luft gesprengt worden war. Die imposanten

Fensterfelder an den beiden

Längsseiten wurden erst nach 1961 nach

Entwürfen des bekannten Aldorfer Glasmalers

Ludwig Schaffrath gestaltet.

Ebenfalls von Alfons Leitl stammt die

1954 benedizierte Kirche Sankt Sebastian

auf der Aachener Hörn. Die das Längsschiff

krönenden Fensterbögen von Aldenhoven

werden hier noch einmal

53


St. Sebastian auf der Hörn in Aachen

St. Apollonia in Eilendorf

St. Andreas in der Soers

54


weiterentwickelt und formen das gesamte Dach zu einem

Wellengebilde, weswegen man im Öcher Volksmund rasch von

St. Lockwell oder St. Ondulett sprach. Die Fensterflächen sind

jedoch hier reduziert auf die Bogenfelder an sich, der Baukubus

darunter besteht aus nahezu geschlossenen Ziegelmauern.

Selbst der freistehende Glockenturm hat untypischer Weise ein

Bogendach. Das Hauptportal unter einem konischen Rundbogen

befindet sich wie in Eschweiler-Hücheln auf der Längsseite

des Gemeinderaums, der dahinter folgende Altarbereich

weist ein höhere Decke und ein ebenso hohes, großes Seitenfenster

auf. Die Bogenfenster über dem Eingangsportal und

unter dem Betonschalendach sind wie in Aldenhoven von

Ludwig Schaffrath.

Schaffrath-Fenster finden wir auch in Sankt Apollonia in Eilendorf.

Nach ihrer Weihe 1961 fanden auch weitere Arbeiten

des Würselener Künstlers Albert Sous ihren Platz, wie 1968

Tabernakel und Ambo und 1969 der Osterleuchter. Entworfen

vom Aachener Architekten Peter Salm weist die Kirche noch

typische Merkmale der 1950er Jahre auf wie konisch verlaufende

Öffnungen zum Beispiel am Campanile. Die seitlichen

Fensterfelder nehmen die zum Altarbereich abfallende Neigung

des Satteldachs auf. Die Eingangswand ist konvex geschwungen

und durchgehend aus Ziegelmauerwerk. Über dem

Portal wacht eindrucksvoll Apollonia, die Schutzheilige der

Zahnärzte.

Ein gänzlich anderes Erscheinungsbild bietet Sankt Franziskus

in der Stolberger Unterstadt. Ein mächtiger, geradliniger Glockenturm

thront oberhalb des am Hang gelegenen Kirchenbaus.

Dieser steht auf quadratischem

Grundriss mit einem über Eck geneigten

Satteldach. Der schon 1923 angedachte

Neubau einer Gemeindekirche konnte

erst 1965 begonnen werden. Den Entwurf

lieferte der Aachener Architekt Hans

Heinemann, die Einweihung fand

schließlich im Jahr 1967 statt. Zwischen

der Dachkonstruktion und den Ziegelwänden

ist ein umlaufendes, monochromes

Fensterband mit christlichen

Motiven, welches vom Aachener Künstler

Peter Hodiamont geschaffen wurde. Passend

zur Kupferstadt Stolberg ist der Tabernakel

aus eben diesem Material

gearbeitet, versehen mit mehreren Bergkristallen.

Der Altar in der Südecke besteht

aus belgischem Blaustein.

Ebenfalls auf quadratischem Grundriss

basiert Sankt Hermann Josef in Stolberg-

Liester, wobei Eingangsportal und Chorraum

jeweils leicht herausgezogen sind.

Dadurch entsteht der Eindruck eines

klassischen dreischiffigen Kirchenbaus, jedoch

unter einheitlichem Dach. Ansonsten

weist der wieder kubistisch

geradlinige Bau keinerlei dekoratives Detail

auf, sodass ohne den Campanile auch

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55


St. Thekla in Herzogenrath

St. castor in Alsdorf

St. Hubertus

56


Der Tabernakel stammt aus der Werkstatt des

Aachener Goldschmieds Gerd Thewis.

eine Lagerhalle assoziiert werden könnte. Die Konsekration der

vom Eschweiler Architekten Heinz Kaldenbach entworfenen

Kirche fand im Jahr 1967 statt. Zum Interieur steuerte der

Stolberger Künstler Ludwig Mohnen das Altarkreuz und den

Tabernakel bei, der Bildhauer Hermann Pier aus Mulartshütte

den Altar.

Zwei Kleinode der Nachkriegs-Kirchenarchitektur finden sich

in Übach-Palenberg und Alsdorf. Sankt Maria Heimsuchung

im Palenberger Stadtteil Marienberg ist auf integrierten Mauerresten

des 1944 zerstörten Vorgängerbaus aufgebaut und

offeriert die 1950er Formensprache par Excellence. Abgerundete

Trapezformen bilden Fensteröffnungen sowohl in der

Giebelwand als auch im Glockenturm. 1961 konsekriert weist

sie aber auch schon an den Längsseiten des einfachen Ziegelstein-Baukörpers

mit Satteldach Betonmaßwerk-Fenster auf.

Sankt Wendelin in Alsdorf-Bettendorf steht mitten auf einer

großen Grünfläche wie eine Ziegelstein-Plastik. Der abgerundete

Trapez-Grundriss leitet galant zum freistehenden Glockenturm

mit ebenfalls abgerundeten Ecken über. Dieser

nimmt in seiner Höhe zusätzlich die gegenüberliegende Schräge

des Satteldachs auf. Die 1964 geweihte Kirche fokussiert

aufgrund der konischen Mauerführung die Gemeinde auf den

Altar, der wiederum von einem Oberlicht in der spiralförmig

hochgezogenen Chorrundung angestrahlt wird.

Mächtig und selbstbewusst thront mitten in Geilenkirchen-

Immendorf die Kirche Sankt Peter. Allein der mächtige Campanile

mit seinen typischen Öffnungen im Glockenbereich

weist von Weitem den Weg. Aber auch der 1960 benedizierte,

stattliche Langbau, der auf Resten der dreischiffigen, im Krieg

teilweise zerstörten Vorgängerkirche hochgezogen wurde,

kann beeindrucken. Betreten wird er durch einen zweigeschossigen

Verbindungsbau zum Turm. Durch die Skelettbauweise

wird trotz einheitlicher Deckenhöhe Bezug genommen

auf die ehemaligen drei Längsschiffe. Die beiden Seitenwände

sind komplett mit bunten Fenstern zwischen Betonstreben

verglast. Sie leuchten mit den gelb-violetten Glasleuchten fast

um die Wette. Auch hier wird schon die neue Liturgie-Reformbewegung

des Einraumsaals vorweggenommen. Gemeinde

und Priester finden sich unter einem gemeinsamen Dach in

schlichter Umgebung zum Abendmahl ein.

Ebenfalls stattlich, aber schlicht in den Grundformen zeigt

sich Sankt Thekla in Herzogenrath-Merkstein. Ein schlanker

und hoher Quader aus Beton als Glockenturm und ein liegender

Quader aus Ziegelstein mit einem minimal geneigten Satteldach

bilden die Architektur-Bausteine. Rundbogenfenster à

la Palladio als umlaufendes Element unter der Dachkonstruktion

und vertikale Lisenen dazwischen strukturieren einheitlich

die Außenwände. 1968 war ihre Kirchweihe.

Eine Ausnahme bezüglich des freistehenden

Glockenturms weist Sankt Andreas in

Baesweiler-Setterich aus. Hier ist sein

Grundriss nicht quadratisch, sondern

rund, und mit schachbrettartigem Wechsel

zwischen offenen Betonwerksteinen

und geschlossenen Ziegelfeldern im Glockenbereich

setzt er ein eigenwilliges Zeichen.

Nur zwei Jahre vergingen zwischen

Planung und Einsegnung im Jahr 1961.

Architekt war Stefan Leuer, ein ehemaliger

Mitarbeiter im Büro Mies van der Rohes

und ab 1946 Assistent von Hans

Schwippert an der RWTH Aachen, wo er

auch studiert hatte. Auch die eigentliche

Kirche ist rund, allerdings ellipsenförmig

und steht an der selben Stelle, wo auch

die Ende 1944 vollständig zerstörte, neugotische

Vorgängerkirche gestanden hatte.

Zum Interieur hat der Architekt auch

den Altar aus Trachyt beigesteuert. Der

Tabernakel stammt aus der Werkstatt des

Aachener Goldschmieds Gerd Thewis, die

Fenster wurden 1967 von Ludwig Schaffrath

geschaffen.

Ein weiterer Sakralbau von Stefan Leuer

ist Sankt Gregorius in Aachen-Steinebrück.

Auch hier hat der Kirchensaal runde

Formen, dieses Mal in Form einer

konvex geschlossenen Parabel. Der Campanile

nimmt den Grundriss in entgegengesetzter

Richtung auf, wobei die gerade

Schlusswand komplett mit Betonmaßwerk

versehen ist. Das Portal liegt an der

nach außen gewölbten Schlusswand, der

Altar steht in der Parabelspitze, zwei Stufen

von der Gemeindeebene erhöht.

Nicht nur die hierhin zulaufenden Seitenwände

lenken den Blick auf ihn, sondern

auch das von gut fünf Metern am Eingang

auf fast 14 Metern über dem Altar

empor schießende Flachdach mit Lichtkuppeln

über dem Altarbereich. Das

Hanggrundstück wurde gekonnt instrumentalisiert,

indem der Eingang mit klei-

57


St. Maria in Übach-Palenberg

st. dionysius in Frelenberg

St. Gregorius

58


Das Material darf ruhig im Kontrast zum Gebäude stehen

um seine Eigenständigkeit zu unterstreichen.

nem Vorplatz gegen den Hügel gesetzt wurde, so dass zur unteren

Straße automatisch eine Art Souterrain unter dem Altar

entstand. Hier fanden ein Gemeinderaum und eine Krypta

nach klassischem Vorbild Platz, die neuerdings als Kolumbarium

genutzt wird (siehe auch AKTUELLES in diesem Heft). Der

einem Schiffsbug ähnelnde Baukörper ist bis auf die Eingangswand

rundum geschlossen mit Waschbetonplatten verkleidet.

Lediglich im Bereich der ehemaligen Krypta sind

kleine, quadratische Fensteröffnungen und ein separater Zugang,

welcher heute ins Kolumbarium führt. Der Hauptsaal

wird durch die erwähnten Lichtkuppeln und 160 kleine Fenster

in der Portalwand erhellt. Letztere wurden wieder von Ludwig

Schaffrath entworfen, aber auch das Außenkreuz über der

höchsten Parabelkurve und der Wetterhahn auf dem Glockenturm.

Die Konsekration fand 1967 statt, seit 2018 steht die

Kirche unter Denkmalschutz.

Zuletzt seien zwei Kirchen genannt, die unterschiedlicher

kaum sein könnten, obwohl sie aus einer Architektenfamilie

stammen. Sankt Johann Baptist in Geilenkirchen-Hünshoven

von Dominikus Böhm und Sankt Hubert in Aachen am Kronenberg

vom Sohn Gottfried Böhm. Erstere wurde an die

Überreste einer einschiffigen Kirche aus dem 15. Jahrhundert

angebaut, welche nun als Eingang fungieren. Das neue Langhaus

mit einfachem Satteldach mündet in einem halbrunden

Chor, der vertikal durch raumhohe, schmale Buntglas-Felder

gegliedert wird. Obwohl schon 1951 eingeweiht, weist der Sakralbau

bereits das Element des freistehenden Glockenturms

auf, wenngleich noch relativ gedrungen und mit gänzlich offenen

Glocken. Im Innern beeindruckt die zeltartig gespannte

Deckenkonstruktion aus Betongewebe, die der Sohn von Dominicus

Böhm, der spätere Aachener Architekturprofessor

Gottfried Böhm, nachher bei seinen allein entworfenen Sakralbauten

in zahlreichen Variationen zu wagemutigen, Skulpturen-gleichen

Innen- und Außenräumen weiter entwickelte. Ein

international bekanntes Zeugnis dieser Böhm-typischen Architektur

ist Sankt Hubertus, im Öcher Volksmund auch Backenzahn

genannt, was nicht sehr schmeichelhaft für den

eigentlich symbolisierten Bergkristall ist. Dieser Halbedelstein

findet sich auch im Altarkreuz wieder und steht für Klarheit in

jeder Hinsicht. 1964 wurde dieser amorphe Baukörper, der

oberhalb eines Waschbetonsockels komplett mit schwarzem

Schiefer verkleidet ist, seiner Bestimmung übergeben. Schon

ohne externen Glockenturm, mit einem beinahe brutal nüchternen

Innenraum, der allein durch die wenigen Lichteinfälle

auf die gefalteten Rohbetonwände und –decken besticht. Die

Blicke richten sich fast unweigerlich in die obersten Spitzen

und Ecken der an Origami erinnernden Raumskulptur. Zur Zeit

wird aufgrund immer kleiner werdenden

Gemeinden auch hier an eine Umnutzung

gedacht. Es liegen bereits einige

Studentenentwürfe vor, die bekanntlich

oft die besten, weil unkonventionellsten

und von jeglichen Zwängen unbelasteten

sind.

Gottfried Böhm zeichnet noch für drei

andere bedeutende Kirchenbauten in der

Euregio verantwortlich: Sankt Rochus in

Jülich, Sankt Anna in Düren und Sankt

Gregorius de Grote im niederländischen

Brunssum. Jede für sich ein Gesamtkunstwerk,

dabei völlig unterschiedlich,

aber dennoch mit einer Handschrift – typisch

Böhm eben. Von den circa 6000

christlichen Kirchen in NRW werden in

den nächsten Jahren etwa 30 Prozent

nicht mehr benötigt werden. Die Gründe

hierfür sind hinlänglich bekannt. Wichtig

ist aber, dass bei Kirchen von anerkannt

architektonischem Wert besondere Sorgfalt

bei einer Nachfolgenutzung walten

muss, damit diese Kulturzeugnisse komplett

erhalten werden können. Sie stehen

für eine ganz besondere Zeit des Aufbruchs,

nicht nur in klerikaler Hinsicht. Es

ist ratsam, dies bei allen Entscheidungen

immer vor Augen zu haben.

St. Andreas in Setterich


AKTUELLES

01

NEUES KURHAUS | EHEMALIGES SPIELCASINO AACHEN

Umfangreiche und aufwendige Kernsanierung des neoklassizistischen Gebäudes

Faites vos jeux“ – Machen sie ihr Spiel! Diese

Croupier-Aufforderung setzt die Stadt Aachen

nun in die Tat um. Dort, wo sich zwischen 1976

und 2015 nicht nur die Roulettekugeln drehten, im

ehemaligen Spielcasino an der Aachener Monheimsallee,

pumpt sie als neue Eigentümerin die ungeheure

Summe von 50 Millionen Euro in eine äußerst umfangreiche

und aufwändige Kernsanierung des neoklassizistischen

Gebäudes. Diese Summe stellt alle bisherigen

Großinvestitionen an Aachener Baudenkmälern in den

Schatten. Aber wie sagte Lothar Lammers, der Erfinder

vom 6aus49-Lotto und Initiator des ersten Spielcasinos

in Nordrhein-Westfalen, schon anlässlich der auch damals

geführten Diskussionen um die luxuriöse Neu-

Ausstattung des ehemaligen Kurhauses: „Auf Pepita

kann man kein Schach spielen.“ Also kein Klein-Klein,

sondern ein beherzter Griff mit beiden Händen in die

Vollen ist angesagt. Zu den Anfangszeiten des Glücksspiel-Palastes

ist das Konzept ja auch aufgegangen.

Neuer Nutznießer jetzt soll vor allem der benachbarte

Eurogress sein, welcher das komplette Erdgeschoss als

Erweiterung für seine Kongresse und sonstigen Veranstaltungen

belegen möchte. Dazu zählt auch der große

zentrale Saal, der wieder weitgehend in den Ursprungszustand

zurückversetzt werden soll. Mit seiner hohen

Stuckdecke und den beiden seitlichen Sitzgalerien war

er nach seiner Einweihung im Jahr 1916 ein beliebter

Konzertsaal gewesen. Links und rechts vom repräsentativen

Foyer soll es zwei weitere Veranstaltungssäle geben,

und auch die Küche der ehemaligen Gastronomie

–ja, ja, es gab dort mal ein 2-Sterne-Restaurant namens

GALA mit einer atemberaubenden Innenarchitektur-

soll wiederbelebt werden. Auf der Fläche des

ehemaligen Lenné-Glaspavillons ist eine große Außenterrasse

geplant. Und im Keller, ehemals Heimat des

CLUB ZERO, soll es auch wieder Musik geben, jedoch

mehr Richtung Kleinkunst statt Disco. Ein genaues

Konzept und vor allem ein Betreiber fehlen bislang jedoch

noch.

Bis zur geplanten Wiedereröffnung im Jahr 2023 ist

also noch viel zu tun, und dieses „viel“ ist ebenfalls

noch undefinierbar, da es bei Sanierungen erfahrungsgemäß

immer viele Unwägbarkeiten und Überraschungen

gibt. Bleibt nur zu hoffen, dass der Stadt Aachen

das Glück an dieser Stelle hold ist und am Ende nicht

zuviel Geld verspielt worden ist, oder es gar heißt:

„Rien ne va plus“ – Nichts geht mehr.

Der Autor jedenfalls trauert immer noch dem legendären

Kettenhimmel nach, welcher als Paradebeispiel für

die 1970er-Jahre-Architektur leider nicht unter Denkmalschutz

gestellt worden ist. Er würde auch heute

jede noch so vergoldete Stuckdecke in den Schatten

stellen...

Fotos: Stadt Aachen / Stefan Herrmann

60


02

KOLUMBARIUM ST. GREGORIUS

Urnengrabstätte ist eingeweiht worden

Nun ist es soweit: Wie bereits in unserer letzten

Ausgabe angekündigt, ist nunmehr die Urnengrabstätte

in der Krypta der Kirche Sankt Gregorius

in Aachen eingeweiht worden. In drei großen

Kreissegmenten aus Buchenschichtholz stehen 780 Urnenplätze

zur Verfügung. Vor jeder der einheitlich gestalteten

Urnenwürfel aus geschwärztem Stahl mit

goldener Beschriftung können Kerzen angezündet werden,

und an einer gesonderten Stelle ist Platz für zugedachte

Blumen vorgesehen. Zudem ist ein Trauerbuch

für besinnliche Gedanken ausgelegt. Einer der Durchgänge

führt zum Durchblick auf das Aeternum, der

Stelle, an der nach Ablauf der Zeit im Kolumbarium die

Asche der Verstorbenen für immer verbleibt. Diese Stelle

ist zwischen dem markanten Waschbetonrund des

Altarraumes beziehungsweise der ehemaligen Krypta

und der neuen, vorgelagerten und ebenso augenfälligen

Stampflehmwand, die sich durch natürliche Witterungseinflüsse

farblich an das Äußere der Kirche

angleichen wird. Das Buchenschichtholz der Urnenfächer

verströmt einen sehr angenehmen und beruhigenden

Geruch. Zusammen mit einigen brennenden

Kerzen und in Wandvasen duftenden Blumen ergibt

sich eine zutiefst sinnliche Note. Zur Kirche Sankt Gregorius

siehe auch unsere gesonderte Reportage in diesem

Heft.

Foto: Gero Sutmann

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IN MEMORIAM

CARL

SCHNEIDERS

1905-1975

19

UNTERWEGS

NACH MANFRED SCHIEBER (SIEHE AQUIS CASA HEFT 8 FRÜHJAHR 2017)

WIDMEN WIR UNS IN DIESER AUSGABE ZUM ZWEITEN MAL POSTHUM EINEM

AACHENER MALER. ANLÄSSLICH DES 115. GEBURTS- UND 45. TODESTAGES

VON CARL SCHNEIDERS MÖCHTEN WIR DIESEN HERAUSRAGENDEN

KÜNSTLER NOCH EINMAL GEBÜHREND INS RAMPENLICHT RÜCKEN.

TEXT: Rainer Güntermann


66


Bei meinem Vater musste immer

alles ganz schlicht und einfach

sein.“ Dieser Satz von Carl

Schneiders’ Tochter Gabriele

während unseres Rundgangs durch ihre

Privatgalerie in der Aachener Innenstadt

begleitet uns beim Betrachten jedes Bildes.

Ein strukturierter Bildaufbau, klare

geometrische Formen, grafische Flächen

und schemenhafte Menschen sind immer

wiederkehrende Elemente seiner Werke.

In mehreren meterlangen Reihen stehen

hintereinander geschichtet gerahmte Bilder.

Dazwischen zahlreiche Mappen mit

ungerahmten Arbeiten, alles fein säuberlich

abgedeckt mit weißen Laken. Eine

ebenfalls weiße Ledercouch mit einem

Tisch voller sorgfältig zusammengestellter

Ausstellungsfolder, Fotos und Veröffentlichungen

über ihren Vater – alles hier

strahlt diese Einfachheit und Schlichtheit

aus. Rundum wird alles einfasst von

Stellwänden mit exemplarischen Bildern

in Holzrahmen ohne Profil, einfach glatt

und schlicht weiß. „So sah er seine Bilder

am liebsten gerahmt“ verrät seine Tochter,

die hier den Nachlass ihres Vaters

verwaltet.

Geboren wurde Carl Schneiders 1905 als

eines von neun Kindern des sehr erfolgreichen

Aachener Architekten (Carl)Albert

Schneiders, welcher um 1900 in Aachen

als Architekt, Bauherr und Unternehmer

ganze Häuserzeilen errichtet hat, von denen

einzelne Häuser noch erhalten und

vielen bekannt sind, jedoch nur wenigen

im Zusammenhang mit dem Namen

Schneiders. Erst durch das vergangene

Bauhaus-Jubiläumsjahr mit zahlreichen

Erinnerungen an den ebenfalls gebürtigen

Aachener Architekten Mies van der

Rohe wurde eher beiläufig erwähnt, dass

dieser –noch als Ludwig Mies- von 1904

bis 1905 als junger Mitarbeiter im Büro

Schneiders angestellt war. Zunächst jedoch

nur zur Erstellung der aufwändigen

Zeichnungen für das Kaufhaus Tietz am

Aachener Markt. Diesen Großauftrag hatte

Albert Schneiders im Alter von nur 33

Jahren aufgrund seiner fachlichen Begabung

für sich ergattern können. Dieser

wiederum erkannte das Talent von Mies

und ließ ihm beim zeitgleichen Auftrag

für ein Gewerkschaftshaus in der Aachener

Alexanderstraße dann auch maßgeblich

am Entwurf mitarbeiten. Da Albert

Schneiders beim Tod seines Vaters erst

neun Jahre gewesen war, hatte sein Onkel

damals die Kosten für seine weitere

Ausbildung übernommen. Dessen eingedenk

förderte er wiederum später in seinem

Architekturbüro junge Talente. So

übernahm er auch das Schulgeld für den

Steinmetzsohn Ludwig Mies, damit dieser

Abend- und Sonntagskurse an der Kunstgewerbeschule

besuchen konnte. Aus

dem Büro Schneiders erlangten später

noch weitere Mitarbeiter Berühmtheit,

wie zum Beispiel Emil Fahrenkamp

(Shell-Haus, Berlin) und Josef Bachmann

(Schirmfabrik Brauer, heute Ludwig-Forum,

Aachen).

So wie Albert Schneiders begabten Nachwuchs

in seinem Büro förderte, so unterstützte

er auch seinen Sohn Carl, der

schon als Kind ausschließlich Maler werden

wollte. Kurz vor seinem Tod 1922

schickte er ihn daher als 17jährigen an

das Bauhaus nach Weimar, wo er bis

1923 Schüler von Paul Klee und Wassily

Kandinsky wurde. Nach einer kurzen

Rückkehr nach Aachen ging er 1924 auf

die Vereinigten Staatsschulen für Freie

und Angewandte Kunst in Berlin als

Meisterschüler von Karl Hofer. Zeitgleich

unternahm er Studienreisen nach Paris


68


und Südfrankreich. Bei mehreren Reisen

an die Mosel , wo er gerne Anglermotive

malte, lernte er auch seine Frau kennen,

die ihm nach Berlin folgte. 1931 übernahm

er ein Meisteratelier an der Preußischen

Akademie der Künste, Berlin und

nahm regelmäßig an Ausstellungen des

Vereins Berliner Künstler und der Preußischen

Akademie der Künste, Berlin teil.

Nachdem er von letzterer 1935 den Großen

Staatspreis für Maler bekommen hatte,

folgte ein Stipendium an der

Deutschen Akademie Villa Massimo in

Rom. Im Jahr seiner Rückkehr 1937 beschlagnahmten

die Nationalsozialisten

auch ein Bild von Carl Schneiders. Im folgenden

Zweiten Weltkrieg wurde er an

die Ostfront abkommandiert, wo er in

russische Gefangenschaft geriet. Nach

seiner Entlassung kehrte er nach kurzem

Aufenthalt in Trier 1948 nach Aachen

zurück und war maßgeblich am Wiederaufbau

der Werkkunstschule beteiligt, an

welcher er auch Dozent für Malen und

Zeichnen wurde.

In der Folgezeit nahm Schneiders regelmäßig

an der Großen Münchner Kunstausstellung

und an den

Winterausstellungen der Bildenden

Künstler von Nordrhein-Westfalen in

Düsseldorf teil. 1953 wurde er Mitglied

der Neuen Münchener Künstlergenossenschaft,

1957 in den Vorstand und die

Jury der Rheinischen Sezession, Düsseldorf

gewählt. Im Jahr 1959 erhielt Carl

Schneiders einen Lehrauftrag für Freihandzeichnen

in der Fachabteilung Architektur

(Reiffmuseum) an der

Rheinisch-Westfälisch-Technischen Hochschule

Aachen und wurde 1964 zum Honorarprofessor

ernannt. Während dieser

Jahre unternahm er zahlreiche Reisen an

die niederländische Küste, wo eine Vielzahl

seiner Bilder mit Schiffs-, Hafenund

Strandmotiven entstand. Die Liste

seiner Einzel- und Gruppenausstellungen

ist sehr lang, auch posthum. Derzeit ist

seine Tochter Gabriele damit beschäftigt,

ein detailliertes Werksverzeichnis zu erstellen

und alle Arbeiten fotografieren

und digitalisieren zu lassen.

Was beim Betrachten der Bilder Carl

Schneiders’ sofort auffällt, sind die strengen

Bildkompositionen. Wenngleich er

nicht dem Ansinnen seines Vaters entsprochen

hat, dessen Architekturbüro

weiterzuführen, so ist seine Malerei doch

sehr architektonisch angelegt. Durch die

Reduzierung aller dargestellten Dinge auf

Flächen oder Linien entsteht ein geometrisches

Gerüst, wodurch es wiederum ruhig

und in sich geschlossen wirkt,

obwohl die Motive oft angeschnitten

sind. Sehr sparsame Schattierungen unterstreichen

die Flächigkeit aller Darstellungen.

Alles scheint in einer Bildparallele

zu liegen, erst auf den zweiten Blick erschließt

sich eine Bildtiefe. Ein sehr exakter

Blick auf die wesentlichen Elemente

und ihre gemalte Reduzierung bewirken

diese Ruhe mit gleichzeitig hoher Ausdruckskraft.

Die Farbigkeit von Flächen

hat immer einen porösen, fast morbiden

Charakter, da Schneiders seine Leinwände

stets mit körnigem Lehm und stumpfer

Kreide grundiert hat, und diese auch immer

wieder durchscheinen. Es ist dieses

Gleichgewicht von Formen und Farben,

Linien und Flächen, schlichter Einfachheit

und klarer Aussage, welches den Betrachter

einfängt.

Carl Schneiders war nie auf der Suche

nach spektakulären Motiven. Sie sind

eher unaufgeregt. Allein die Komposition

der Grundelemente und ihre Reduzierung

auf farbige Flächen interessierten ihn.

Dabei legte er keinen Wert auf die Erkennbarkeit

von Materialien, ebenso we-


70


nig auf individuelle Züge von Menschen.

Nicht auf die Exaktheit der Realität kam

es ihm an, sondern nur auf die Vollkommenheit

des (Ab)Bildes. Die Auswahl der

Gegenstände scheint willkürlich zu sein,

alles wird einem Stillleben gleich zu einer

formalen Aussage meisterhaft zusammengestellt.

Dabei ist Schneiders aber stets ein gegenständlicher

Maler gewesen. Er hat es verstanden,

auch jenseits von Kubismus

Bilder von geometrischer und grafischer

Klarheit zu schaffen. Er hat bewiesen,

dass die Nachkriegskunst mit ihrer Flucht

in die informelle Malerei als Kontrapunkt

zur Fotografie nicht als alleinige Lösung

angesehen werden muss. Dies alles mit

einer selbstverständlich anmutenden Gekonntheit.

Meisterhaft, dabei schlicht

und einfach – das war Carl Schneiders.

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dass der Kirchenbau wieder als ein Leitthema der Architektur behandelt wird. Es ist

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durch sorgfältig ausgewählte Beispiele zu dokumentieren. In diesem Buch werden

zwanzig europäische Meisterwerke einzeln vorgestellt, wobei der Schwerpunkt auf

Sakralbauten in den deutschsprachigen Ländern und in Skandinavien liegt. Weitere

wichtige Kirchen werden im Rahmen der beiden Texte zur Architekturgeschichte und

zum Verhältnis von Liturgie und Raum präsentiert. Das gemeinsame Kennzeichen

vom Jugendstil bis hin zum Pluralismus nach dem Zweiten Weltkrieg ist eine Baukunst

aus Raum und Licht. Unter anderem werden Kirchen folgender Architekten gezeigt:

Alvar Aalto, Otto Bartning, Dominikus Böhm, Theodor Fischer, Le Corbusier,

Sigurd Lewerentz, Rudolf Schwarz, Jørn Utzon, Peter Zumthor.

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Gebundene Ausgabe, Deutscher Kunstverlag

EIN LEBEN FÜR DEN KIRCHENBAU

Maria Schwarz arbeitet seit 1949 als Architektin für die katholische Kirche. Seit 1961

ist sie selbständig tätig. Sie schuf ein umfangreiches, ungewöhnliches Werk, das den

Wandel der kirchlichen Bauaufgaben von den 1950er-Jahren bis heute exemplarisch

widerspiegelt. Maria Schwarz wirkte als Ehefrau und Mitarbeiterin von Rudolf

Schwarz an den meisten seiner Kirchenbauten mit. Für einige entwarf sie die Ausstattung,

bei anderen war sie wesentlich am Entwurf und an der Durchführung beteiligt.

Der Name Maria Schwarz ist auch mit prominenten Bauten wie dem

Gürzenich in Köln und der Paulskirche in Frankfurt verbunden. Ihr Kampf um deren

Erhalt hat wesentlich zur Diskussion um den Umgang mit den Wiederaufbauleistungen

nach dem Zweiten Weltkrieg beigetragen. Würdigung des Schaffens einer der

bedeutendsten Architektinnen des 20. Jahrhunderts. Untersuchung zur Kirchenarchitektur

der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

ANNETTE KRAPP | DIE ARCHITEKTIN MARIA SCHWARZ – Ein Leben für den

Kirchenbau, Softcover, Schnell & Steiner Verlag, 39,95 Euro

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