BS 05-2026
Nachrichten | Politik | Regulierung | Schifffahrt | Wasserstraßen | Häfen | Schiffstechnik | Recht | Buyer's Guide |BDS
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Minister Peter Hanke im Interview
Neue Folge »Die Binnenschifffahrt
trifft...«: Peter Kleinort im Dialog
mit Österreichs Verkehrsminister
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»Maritime Industry 2026«
Großer Schwerpunkt zur Messe
und zum Binnenschifffahrt-
Standort Niederlande
Neuer Finanzierungspartner
Elbe Financial Solutions will
mit der EU als Partner in die
Binnenschifffahrt einsteigen
05
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EDITORIAL
Wir sollten mehr Mut wagen
Peter Kleinort
Verantwortlicher Redakteur
Anfang Mai war die Bundesregierung ein
Jahr im Amt. Die Bilanz fiel sehr gemischt
aus. Schlechte Umfragewerte belegen,
dass die »Performance« der Ministerriege
sehr zu wünschen übrig lässt. Auch
die Kommunikation wird als stark verbesserungswürdig
angesehen. Auf der anderen
Seite steht mit über 180 Gesetzesvorhaben
und Gesetzesnovellen sowie
Verwaltungsveränderungen erheblich
mehr exekutives Handeln als die Vorgängerregierung
auf ihrem Konto verbuchen
konnte. Und die großen Reformen
– so hört man allenthalben aus Regierungs-
und Parlamentskreisen – stünden
ja erst noch an. Aber ist die schiere Zahl
schon aussagekräftig?
Betrachten wir die Verkehrspolitik,
dann scheint sich zumindest ein klein wenig
zu bewegen. Mit dem Sondervermögen
Infrastruktur, das noch vor der Bundestagswahl
in breiter Einmütigkeit im
Bundestag beschlossen wurde, scheint
der jahrzehntelange Sanierungsstau angegangen
zu werden. Aber: Einmal mehr
fokussiert die Regierung auf Straße und
Schiene, der Wasserweg droht, abgehängt
zu werden. Zum »Aber« gehört allerdings
auch dazu, dass neben den Verbänden
nun auch die Landesregierungen
massiv Druck auf den Bund machen, seine
dringend notwendigen Aufgaben für
die Wasserstraßen endlich wahrzunehmen.
Sie nehmen damit das beständige
Mahnen von Wirtschaftsvertretern auf,
die sich seit Jahren für Sanierung und
Ausbau der Infrastruktur und eine bessere
Förderung der Unternehmen über die
gesamte Wertschöpfungskette hinweg
einsetzen. Zuletzt Niedersachsens Ministerpräsident
Olaf Lies, der auf der NMK
in Emden meinte, man solle die Gelder
nicht in Straßen- und Schienenenprojekten
der kommenden zehn Jahre parken,
sondern sie jetzt in die maritime Infrastruktur
geben.
Häfen und Wirtschaft stellen sich der
Transformation mit Verve: ob im Energiesektor,
bei der Mobilität, dem Entwickeln
nachhaltiger Logistikkonzepte – überall
stehen Binnenhäfen und Binnenschifffahrt
in vorderster Reihe und sind tragende
Säulen für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
und die Sicherung des
Wohlstands. Der Bundesverkehrsminister
zeigt augenscheinlich Verständnis
und kommuniziert nun ein wenig konkreter
auch in Richtung der Binnenschifffahrtsbranche
– allein das politische Handeln
ist noch zu zögerlich, ja bisweilen
sogar redundant. Der geplante Stellenabbau
bei der Wasserstraßenverwaltung
ist nur ein Beleg dafür.
Dabei zeigt der Blick über die Landesgrenzen,
den wir in dieser Ausgabe anlässlich
der »Maritime Industry« im Juni in
Gornichem und unseres Themenschwerpunktes
Österreich einmal mehr wagen,
dass pragmatisches Handeln sachorientierte
Politik durchaus möglich macht.
Österreichs Infrastrukturminister Peter
Hanke hält sich im Interview mit Tipps für
seinen Kollegen in Berlin diplomatisch
zurück, zeigt aber auf, wie man sich in
Österreich nicht in Fehleranalysen verliert,
sondern Notwendigkeiten erkennt
und zielgerichtet für die Zukunft investiert.
In Anlehnung an Willi Brandts berühmte
Regierungserklärung 1969 könnte
man also sagen: Wir müssen mehr Mut
wagen, um aus Verzagtheit Handeln zu
erreichen. Vielleicht schreibt sich die
Bundesregierung das für ihr zweites Jahr
ins Hausaufgabenheft.
Klarer Kurs
durch erstklassige
Information.
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Binnenschifffahrt 05 | 2026
3
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INHALT
05 2026
14 24
3 EDITORIAL
3 Wir sollten mehr Mut wagen
8 NACHRICHTEN
8 Nationale Maritime Konferenz zieht 2028 nach
Duisburg
6 MOMENTAUFNAHME
10 POLITIK | REGULIERUNG
10 »Die Binnenschifffahrt trifft ...
Peter Kleinort im Politik-Dialog«
Peter Hanke - Österreichicher
Infrastrukturminister:
Österreichs Kurs auf der Donau
14 Rheinland-Pfalz:
Ein Herz für die Binnenschifffahrt
16 GDWS-Präsidentin Anke Leue zu Gast an der
Ems
18 SCHIFFFAHRT
18 Elbe Financial Solutions will Partner für die
Binnenschifffahrt werden
20 ZKR-Bilanz: Weniger Binnenschiffsladung in
Europa – Niederlande on top
22 WASSERSTRASSEN | HÄFEN
22 Firmen an die Donau locken
24 Hafen Linz – Sicherheit als Standortvorteil
26 EFIP für starke Europäische Hafenstrategie und
Elbe-Achse
28 Wasserstoff: Stuttgarter Hafen wird zum Power-
Hub am Neckar
30 Duisport bleibt auf Wachstumskurs
32 Niederlande: Drechtsteden formiert sich als
maritime Weltspitze
36 Weltraumspeicher im maritimen Einsatz
38 SCHIFFSTECHNIK
38 Maritime Industry 2026 in Gorinchem: 20 Jahre
Innovation und Netzwerk
42 MI 2026: BfS – Starke Finanzpartnerin für die
Binnenschifffahrt
43 MI 2026: Zentrale Plattform von Argonics
44 MI 2026: Argonav bietet Komplettlösungen
45 MI 2026: HGK Shipping – Innovationstreiber für
Europas Wasserstraßen
46 MI 2026: River Academy präsentiert modernes
Bildungskonzept
47 MI 2026: HJS präsentiert Abgasnachbehandlung
48 KLappprahm »Borken« in Meppen getauft
50 Neue IPS-Plattform von Volvo Penta
52 RECHT
52 Verjährung nach CMNI
54 BUYER’S GUIDE
58 BDS
58 BDS – Unsere Herzkammer
59 IMPRESSUM
Herausgeberverbände der Zeitschrift
Verein für europäische
Binnenschifffahrt und
Wasserstraßen e.V.
4 Binnenschifffahrt 05 | 2026
PERSONALIEN
■ EBU: Lijdia Pater-de Groot übernimmt
zum Dezember 2026 das Amt der
Generalsekretärin
der European Barge
Union (EBU) in Brüssel.
Sie folgt auf Theresia
Hacksteiner,
die in den Ruhestand
geht. Pater-de Groot
war zwei Jahrzehnte
lang als Unternehmerin in der Binnenschifffahrt
tätig. Ihre Beraterin wird
Frouwke de Vries.
Personalie des Monats: BDB stärkt Führungsebene
■ DUISPORT: Julian Schneider übernimmt
die Leitung des Strategischen
Vertriebs bei Duisport.
Auf dem neu
geschaffenen Posten
soll er den Marktauftritt
bündeln und
Kundenbeziehungen
weiterentwickeln.
Schneider war bislang Geschäftsführer
von Duisport Logistics & Port Services
und hat somit Erfahrungen im operativen
Geschäft gesammelt.
■ BDB: Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) stellt sich breiter auf.
Zum 1. April 2026 sind die langjährigen Referenten Gerit Fietze (Mitte) und Fabian Spieß
(r.) zu stellvertretenden Geschäftsführern ernannt worden. Sie bilden nun gemeinsam mit
BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen (l.) ein Führungstrio, um die Interessen des Gewerbes
gegenüber Politik und Verwaltung zu vertreten. Rechtsanwalt Fietze ist bereits seit 2018 für
den BDB tätig und verantwortet die Themenfelder Arbeit, Soziales und Tarifangelegenheiten.
Spieß, der seit Februar 2017 zum Team gehört, betreut nautisch-technische Fragen sowie die
Fahrgastschifffahrt. Als Experte für Digitalisierung und Innovation ist er an der Gestaltung
von Themen wie dem autonomen Fahren oder nachhaltigen Antriebstechnologien beteiligt.
■ KOMBIVERKEHR: Dirk Steffes wird
zum 1. Juni neuer Geschäftsführer des
Intermodal-Spezialisten
Kombiverkehr. Er
folgt auf Armin Riedl,
der das Unternehmen
über drei Jahrzehnte
prägte und es bis
2027 noch weiter beraten
wird. Steffes war
zuvor bei DB Cargo, TX Logistik und Mitsui
Rail Capital Europe tätig. Er bildet mit Heiko
Krebs künftig eine Doppelspitze.
■ HHLA: Annette Geiß tritt zum Jahresende
von ihrem Posten als Finanzvorständin
der Hamburger Hafen
und Logistik AG zurück.
Sie war seit 2024
als CFO für das Unternehmen
tätig. Frühere
Stationen waren die
Energieunternehmen
Steag und Eon. Sie wird
ihre Aufgaben bei der HHLA bis zum Jahresende
unverändert wahrnehmen und eine
geordnete Übergabe sicherstellen.
■ VOITH: Denise Kurtulus übernimmt
zum 1. September die Geschäftsleitung
von Voith Turbo und
wird Mitglied der
Konzerngeschäftsführung
der Voith Group.
Sie folgt auf Cornelius
Weitzmann, der den
Technologiekonzern
Ende 2025 verlassen
hat. Kurtulus wechselt von Rolls-Royce Power
Systems, wo sie für die Bereiche Schifffahrt
und Bergbau verantwortlich war.
Binnenschifffahrt 05 | 2026
5
MOMENTAUFNAHME
6 HANSA – International Maritime Journal 05 | 2026
MOMENTAUFNAHME
Karibikgefühle
an der Elbe
Grüne Palmen, weißer Sand unter den
Füßen, ein kühles Getränk in der Hand –
und dann schiebt sich ein Shortsea-Frachter
der niederländischen Spezialreederei
Wagenborg ins Bild. Ein kurzer Realitätsabgleich
an der idyllischen Strandbar: Die
Elbe ist hier nicht nur Kulisse, sondern
Verkehrsader, Wirtschaftsraum und Bühne
der Schifffahrt.
Wedel ist damit kein gewöhnlicher Aussichtspunkt,
sondern ein entspannter
»Logenplatz« für Schiffspotter an der
Unterelbe. Ganz nebenbei zeigt sich hier,
dass dieser Strom weit mehr ist als ein Freizeitgewässer
für Wochenendausflügler: Er
ist Arbeitsplatz, Handelsroute und zentrale
Infrastruktur für Hamburg und den
gesamten Norden.
Foto: Joshua Wygand
Liebe Leser, wenn auch Sie eine maritime Moment aufnahme eingefangen haben, schicken Sie uns gern das Foto mit ein paar
persönlichen oder erklärenden Zeilen an: redaktion@binnenschifffahrt-online.de. Hinweis: Der Verlag behält sich das Recht vor,
eingegangene Fotografien für redaktionelle Zwecke weiterzuverwenden.
HANSA – International Maritime Journal 05 | 2026
7
NACHRICHTEN
NATIONALE MARITIME KONFERENZ NMK
Gipfeltreffen zieht 2028 nach Duisburg
Es ist eine Premiere mit hoher Symbolkraft
für die Binnenschifffahrt: Die Nationale
Maritime Konferenz (NMK) verlässt
im Jahr 2028 erstmals die Küstenregionen
und wird im Hinterland ausgerichtet.
Wie der Maritime Koordinator der
Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU),
zum Auftakt des diesjährigen Treffens
in Emden bekannt gab, fiel die Wahl auf
Duisburg. Ziel der Standortwahl sei es,
die maritime Wirtschaft stärker über die
Küsten hinaus ins Binnenland zu tragen
und die Bedeutung des Hinterlandes für
die maritime Verbundwirtschaft, die Resilienz
und die Sicherheit Deutschlands
sichtbar zu machen.
Bundeskanzler Friedrich Merz, Schirmherr
der Nationalen Maritimen Konferenz,
unterstrich in seiner Eröffnungsrede
die systemrelevante Rolle der
Infrastruktur: »Die deutschen See- und
Bundeskanzler Friedrich Merk war Schirmherr der NMK in Emden
Binnenhäfen sind das Gefäßsystem der
deutschen Wirtschaft«.
Die Entscheidung für Duisburg stieß
bei den 800 Konferenzteilnehmern auf
Zustimmung. Als größter Binnenhafen
der Welt stehe der Standort für die Verzahnung
von maritimer Wirtschaft und
Hinterland.
PK
© Michael Meyer
INTERNATIONALE LOGISTIK
Rhenus übernimmt LBH Group
Die Rhenus Gruppe hat die vollständige Übernahme der
weltweit tätigen Hafenagentur LBH Group abgeschlossen.
Nachdem der Logistikdienstleister bereits seit 2023 Anteile
an dem Unternehmen hielt, wurden nun auch die verbleibenden
49 % von der Familie Lagendijk erworben. LBH ist in 24
Ländern aktiv und auf die Abwicklung von Massengut, Flüssigladung
und Containern spezialisiert. Trotz der hundertprozentigen
Eigentümerschaft durch Rhenus soll die LBH als
Marke weiterhin firmieren.
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8
Binnenschifffahrt 05 | 2026
NACHRICHTEN
METROPOLREGION RHEIN-NECKAR
Hafen-Duo sieht Chancen in Transformation und Containern
Blick auf die weitläufigen trimodalen Anlagen des Mannheimer Hafens – die aktuelle Potenzialstudie
unterstreicht die Bedeutung des Standorts als Logistikdrehscheibe für die Transformation
der regionalen Industrie
Die Häfen Mannheim und Ludwigshafen
bilden gemeinsam den zweitgrößten
Binnenhafen-Standort Deutschlands.
Trotz des massiven Rückgangs beim
Umschlag fossiler Energieträger und
der aktuellen Herausforderungen in der
Chemieindustrie attestiert eine neue
Potenzialstudie der Unternehmensberatung
Planco Consulting dem Standort
erhebliche Zukunftschancen. Im Auftrag
der IHK Pfalz und der IHK Rhein-Neckar
untersuchten die Experten die Perspektiven
bis zum Jahr 2040.
Zentrales Ergebnis der Studie: Das
wasserseitige Güteraufkommen könnte
signifikant steigen, sofern die Rahmenbedingungen
stimmen. Während die
offizielle Bundesverkehrsprognose für
Ludwigshafen ein Plus von 21 % und für
Mannheim 16 % (gegenüber 2019) voraussagt,
mahnen die Studienautoren Dr.
Till Kösters und Gunnar Platz zur Differenzierung.
Angesichts hoher Energiekosten
und regulatorischer Hürden in
der Chemie wurde ein wahrscheinlicheres
»Erholungs-Szenario« entworfen, das
ab 2030 eine wirtschaftliche Stabilisierung
vorsieht. Wachstumstreiber sind
demnach vor allem der Containerverkehr,
der bis 2040 auf bis zu 380.000 TEU
ansteigen könnte, sowie der Transport
alternativer Energieträger wie Wasserstoffderivate.
PK
© Bernhard Kunz / CC BY 2.0
OSTSEEHAFEN STRALSUND
Strategische Reserve
In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hat
die Bundesregierung die Bedeutung des viertgrößten Hafens in
Mecklenburg-Vorpommern als zentrale »strategische Reserve«
hervorgehoben. Stralsund wird dabei eine Schlüsselrolle als Umschlagplatz
im See- und Binnenverkehrs zwischen Mitteleuropa
und Skandinavien beigemessen.
■
ZUKUNFT DER ELBVERKEHRE
FRS klagt in Leipzig
Die Fährreederei FRS, die die Fährverbindung zwischen Glückstadt
und Wischhafen an der Elbe betreibt, klagt vor dem Bundesverwaltungsgericht
in leipzig gegen den Bau des Autobahntunnels
der geplanten A20 unter der Elbe. Das Unternehmen
sieht seine Geschäftsgrundlage als systemisch wichtiger Verkehrsträger
gefährdet.
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POLITIK | REGULIERUNG
Österreichs Kurs auf der Donau
Binnenschifffahrt trifft Peter Hanke: Im Exklusiv-Interview spricht Österreichs Bundesminister
über die Resilienz der Donau, den Ausbau trimodaler Häfen zu Energie-Hubs und die Balance
zwischen boomendem Tourismus und notwendiger Güterlogistik
Österreichs Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur: Peter Hanke
Wien im Frühjahr 2026. Während die
Ausflugsschiffe der DDSG vor der Kulisse
der Donau-City ihre Kreise ziehen,
blickt man im Bundesministerium für
Innovation, Mobilität und Infrastruktur
auf eine Wasserstraße im Wandel.
Das Ministerium in der Radetzkystraße
im 3. Wiener Bezirk liegt in Sichtweite
des Donaukanals, einem Arm des
Hauptstroms der Donau. Bundesminister
Peter Hanke, der als erfahrener
Wirtschaftsexperte die Geschicke des
Standorts Österreich leitet, weiß um
die Doppelrolle des Stroms in Österreich:
Er zum einen ist Sehnsuchtsort
für Millionen Touristen und gleichzeitig
aber auch die wichtigste logistische Lebensader
Richtung Südosteuropa.
Die Donau ist die bedeutendste
Schifffahrtsstraße des Landes, sowohl
für den Passagier- als auch für den
Güterverkehr. Der Personenschiffsverkehr,
der bereits in der Habsburgermonarchie
mit der Ersten Donau-
Dampfschiffahrts-Gesellschaft (DDSG)
als damals größter Binnenreederei der
Welt forciert wurde, dient heute mit
dem nachfolgeunternehmen DDSG
Blue Danube hauptsächlich dem Tourismus
und findet auch auf dem Inn
und auf den größeren Seen statt. Mit
dem Katamaran »Twin City Liner«, der
Wien mit Bratislava verbindet, existiert
eine für Berufspendler interessante
Verbindung.
Im Güterverkehr wird fast ausschließlich
die Donau genutzt, die
durch den Bau des Main-Donau-Kanals
wesentlich aufgewertet wurde und somit
Transitverkehr von der Nordsee bis
ans Schwarze Meer aufnehmen kann.
Hauptsächlich werden Schüttgüter befördert.
Die österreichischen Güterhäfen
sind Linz, Enns, Krems und Wien.
Gerade hier aber offenbart sich auch
ein Stück weit die Abhängigkeit vom
deutschen Nachbarn: Der immense Investitionsstau
bei der deutschen Infrastruktur
und der über Jahrzehnte verschleppte
Ausbau der Donau zwischen
Passau und Vilshofen hat massive Auswirkungen
auf die Schiffbarkeit und
damit auch auf die Transportvolumina.
Um den österreichischen Abschnitt
der Donau kümmert sich die dem Bundesministerium
für Innovation, Mobilität
und Infrastruktur untergeordnete
Wasserstraßen-Gesellschaft Viadonau.
Wenn man auch im Nachbarland pragmatischer
mit der Infrastruktur umgeht,
ist Via Donau doch auch dort mit
ähnlichen Problemen konfrontiert wie
die Binnenschifffahrtsbranche in anderen
Ländern Europas: Infrastruktur
© BMIMI
10 Binnenschifffahrt 05 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
auf Wasserstraßen und Häfen, Energiewende,
Fachkräftemangel und seit
neuestem die wirtschaftliche, energetische
und sicherheitspolitische Resilienz
des Verkehrsträgers, der Wirtschaft
und der Gesellschaft insgesamt.
Im Gespräch für unsere Reihe »Binnenschifffahrt
trifft …« bezieht Bundesminister
Peter Hanke klar Stellung. Es
geht ihm um mehr als nur Fahrrinnentiefen;
es geht um die Transformation
der Häfen zu Wasserstoff-Hubs, die digitale
Antwort auf den Fachkräftemangel
und die Erwartungshaltung an den
großen Nachbarn Deutschland. Wie
krisenfest ist die Donau im Jahr 2026
und darüber hinaus wirklich?
Herr Bundesminister, blicken wir auf
das Jahr 2026: Welchen strategischen
Stellenwert nimmt die Binnenschifffahrt
aktuell in der Mobilitätsplanung der österreichischen
Bundesregierung ein?
Peter Hanke: Die Schifffahrt auf der
Donau ist in Österreich ein zentrales
Element im Güterverkehr und leistet
einen wesentlichen Beitrag für eine
leistungsfähige, nachhaltige Logistik.
Mit dem Masterplan Güterverkehr
2030 und dem Aktionsprogramm
Donau 2030 setzt die Regierung gezielt
auf den Ausbau und die Weiterentwicklung
der Wasserstraße. Auch
in der Logistikstrategie des Bundesministeriums
spielt die Donau eine
besondere Rolle, insbesondere im
Hinblick auf Versorgungssicherheit,
sichere Transportwege und der Verlagerung
des Verkehrs auf klimafreundliche
Wege.
Die Theorie der Verkehrsverlagerung ist
das eine, die Marktrealität ist aber oft
ein anderes Thema. Während die Flusskreuzfahrt
in Österreich Rekorde feiert,
blieb der Güterverkehr zuletzt oft hinter
den Erwartungen zurück. Wie bewerten
Sie diese Diskrepanz?
Hanke: Tatsächlich hat sich der Güterverkehr
auf der Donau zuletzt
schwächer entwickelt als von uns erhofft.
Ein Grund dafür ist, dass die
Wasserstraße nicht überall gleich
gut ausgebaut ist. Die Donau ist ein
internationaler Verkehrsweg – und
wenn einzelne Abschnitte nicht optimal
funktionieren, bremst das das
gesamte System. Hier sind alle Anrainerstaaten
gefordert, ihre Strecken
zuverlässig in Schuss zu halten.
Dazu kommt der Klimawandel: Häufigere
Niedrigwasserperioden machen
die Schifffahrt schwieriger und teurer.
Wir arbeiten bereits an Lösungen. In
Österreich testen wir etwa neue, flexible
Maßnahmen, damit die Donau
auch bei wenig Wasser besser befahrbar
bleibt.
Klar ist: Damit mehr Güter wieder
aufs Schiff kommen, braucht es eine
verlässliche Infrastruktur, bessere internationale
Abstimmung – und innovative
Ansätze, um mit den neuen klimatischen
Bedingungen umzugehen.
Sie sprechen die Anrainer gezielt an: Die
bayerische Donau gilt für die österreichische
Wirtschaft oft als das »Nadelöhr«
Richtung Westen. Welche Signale erwarten
Sie hier von der deutschen Bundespolitik?
Hanke: Der Ausbau der bayerischen
Donau läuft offenbar bereits. Ziel ist
es, die Fahrbedingungen gerade bei
Niedrigwasser zu verbessern. Schon
kleine Verbesserungen beim Wasserstand
können viel bewirken, dadurch
wird die Route insgesamt verlässlicher
und attraktiver – besonders für Transporte
Richtung Westen.
Deutschland hat vor einiger Zeit ein Infrastrukturbeschleunigungsgesetz
verabschiedet.
Reicht dies aus Ihrer Sicht
aus, um den massiven Planungs- und
Sanierungsstau auf der deutschen Teilstrecke
zeitnah aufzulösen?
Hanke: Ich bin regelmäßig im Austausch
mit meinem Amtskollegen
Bundesminister Schnieder und weiß,
dass hier mit Zugkraft gearbeitet wird.
Darauf verlasse ich mich.
In Deutschland wird oft über eine »zerklüftete«
Finanzierung zwischen dem
Bund für die Wasserstraßen und den
Ländern für die Häfen geklagt. Was kann
man in Berlin von der österreichischen
Investitionsstrategie lernen?
Hanke: Die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur
ist in den EU-Mitgliedstaaten
unterschiedlich ausgestaltet
und unterliegt jeweils eigenen
rechtlichen, wirtschaftlichen und institutionellen
Rahmenbedingungen.
Vor diesem Hintergrund ist es schwer,
die Systeme zu vergleichen und ich will
hier keine großen Ratschläge geben.
Unsere Strategie verbindet Innovation
und Nachhaltigkeit auf der Wasserstraße
– das zahlt sich langfristig aus,
nicht nur in Österreich.
Wo wünschen Sie sich eine engere Verzahnung
zwischen der Via Donau und der
deutschen Wasserstraßen-Verwaltung?
Hanke: Bereits jetzt gibt es einen regelmäßigen
und etablierten Austausch
zwischen Viadonau und der deutschen
WSV, auf Expertenebene und durch
das Job-Rotation-Programm. Damit
haben wir aus meiner Sicht eine sehr
Zur Person
Peter Hanke ist seit 2024 österreichischer
Bundesminister für
Innovation, Mobilität und Infrastruktur.
Zuvor prägte er als
Wirtschaftsstadtrat in Wien die
Modernisierung der städtischen
Infrastruktur und des Hafens Wien.
In seiner jetzigen Rolle gilt er als
Architekt der österreichischen
Logistikstrategie 2030, die einen
besonderen Fokus auf die Resilienz
der Donau-Achse legt.
Binnenschifffahrt 05 | 2026
11
POLITIK | REGULIERUNG
gute und verlässliche Grundlage, um
Aktivitäten und Strategien im Wasserstraßen-Management
optimal
aufeinander abzustimmen.
Die Häfen in Wien, Linz und Enns wandeln
sich derzeit massiv. Welche Rolle
spielen diese Standorte in Ihrer nationalen
Wasserstoffstrategie? Sehen Sie
hier das Potenzial für eine grenzüberschreitende
»H2-Aorta« auf dem Wasser?
Hanke: Die österreichischen Donauhäfen
sind in der nationalen Wasserstoffstrategie
implizit ein wichtiger
Baustein in der Infrastruktur- und
Importstrategie. Österreich ist künftig
auf Importe von grünem Wasserstoff
angewiesen und wird dafür internationale
Partnerschaften sowie
entsprechende Transportwege benötigen.
Hier kommt der Wasserstraße
Donau und den österreichischen
Donauhäfen als Umschlagspunkte
und Versorgungsdrehscheiben für
den Wasserstoff eine wichtige Rolle
zu. Zudem wurde der Ausbau von
Landstromanlagen massiv vorangetrieben.
Welche Bundesmittel fließen aktuell in
die trimodalen Standorte Wien, Linz
und Enns, um sie als resiliente Knotenpunkte
zu stärken?
Hanke: Aktuell fließen Bundesmittel
über mehrere Förderlinien, die
genau diese trimodalen Standorte
adressieren und von ihnen genutzt
werden können: Neben dem »Anschlussbahn-
und Terminalförderprogramm
(ATF)« gibt es noch das
»Investitionsförderprogramm Kombinierter
Güterverkehr (IKV)«.
Der Ausbau von Landstromanlagen
in den letzten Jahren wurde
außerdem von den Häfen massiv vorangetrieben,
unter anderem durch
europäische Fördermittel aus dem
Connecting Europe Facility CEF.
In Deutschland gilt die Schiene oft als
»Verbündeter« der Schifffahrt gegen
den Lkw. Da die Donau Österreichs einzige
Wasserstraßen-Achse ist, konkurriert
sie dort direkt mit starken Schienen-Transversalen.
Wie moderieren Sie
dieses Spannungsfeld?
Hanke: Die Schiene fungiert neben
der Wasserstraße in Österreich als
umweltfreundlicher Verkehrsträger,
um den Güterverkehr auf der Straße
zu entlasten. In Österreich fördern
wir daher beide Verkehrsträger.
Zentrales Ziel der österreichischen
– aber auch europäischen Verkehrspolitik
– ist das Thema Resilienz.
Dafür braucht es sowohl ein starkes
Schienen- als auch ein Wasserstraßennetz,
das akute Krisen und langfristige
Veränderungen gemeinsam
bewältigen kann. Ein entsprechender
Wettbewerb zwischen Verkehrsträgern
fördert das Gesamtsystem
und nicht zuletzt auch den Wirtschaftsstandort
Österreich.
Ein wichtiger Aspekt der Resilienz ist
aber auch die Sicherheitspolitik. Österreich
ist zwar EU-Mitglied, aber neutral
und logistisch eng mit dem Nato-Raum
verzahnt. Welche Rolle spielt die Donau
in Ihren Überlegungen zur zivilen und
militärischen Versorgung im Krisenfall?
Hanke: Die Wasserstraße Donau
ist in diese Überlegungen eingebunden
und soll im Krisenfall einen
entsprechenden Beitrag leisten. Österreich
ist aber ein neutrales Land
© Nicko Cruises
Flusskreuzfahrten boomen in Österreich – hier Krems an der Donau – nicht zuletzt wegen der touristischen Attraktivität
12 Binnenschifffahrt 05 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
im Herzen Europas. Das heißt, dass
in diesen Fragen immer auf die verfassungsrechtlichen
Besonderheiten
Österreichs geachtet werden muss.
Das Thema liegt letztlich auch in der
Zuständigkeit des Ministeriums für
Landesverteidigung.
Wenn wir über den Klimawandel sprechen,
ist auch die Dekarbonisierung
des Verkehrs ein wichtiger Aspekt. Welche
Projekte für alternative Antriebe
treiben sie aktuell voran?
Hanke: Aktuell gibt es in Österreich
seitens des BMIMI das Förderprogramm
»Klima- und umweltfreundliche
Schifffahrt 2022–2026«, das
finanzielle Anreize für Investitionen
in umweltfreundliche Technologien
und Maßnahmen für die Binnenschifffahrt
vorsieht. Viadonau beteiligt
sich außerdem an europäischen
Forschungsprojekten zu alternativen
Antriebstechnologien für die Binnenschifffahrt.
Natürlich müssen derartige
Investitionen auch für die Schifffahrtsunternehmen
leistbar sein.
Unterstützen Sie auch die Häfen bei
der Dekarbonisierung ihrer eigenen
Abläufe, beispielsweise bei hafeneigenen
Logistikflotten oder der Installation
von Photovoltaik?
Hanke: Die österreichischen Donauhäfen
haben in den letzten Jahren vor
allem in Landstromanlagen für die
in den Häfen liegenden Güter- und
Kreuzfahrtschiffe errichtet. Diese
Maßnahmen wurden durch entsprechende
europäische Förderprogramme
kofinanziert.
Stichwort Kreuzfahrt und Tourismus:
Wie bewerten Sie die ökonomische
Bedeutung dieses Segments im
Vergleich zur Güterschifffahrt?
Hanke: Die Kreuzfahrtschifffahrt auf
der Donau wächst seit 20 Jahren stetig,
die Donau wird offenbar als sehr
attraktives touristisches Ziel wahrgenommen.
Mittlerweile hat die Kreuzfahrtschifffahrt
den Güterschiffsverkehr
mengenmäßig überholt.
Amsterdam hat jüngst mit der IG River
Cruise Vereinbarungen getroffen, um
die Belastung der Stadt zu reduzieren.
Besteht auch an österreichischen Hotspots
die Gefahr eines »Overtourism«?
Planen Sie für Wien oder die Wachau
ähnliche Leitplanken?
Hanke: Die Kreuzschifffahrt hat in
Österreich mit den Städten Wien und
Linz sowie der Wachau einige touristische
Highlights zu bieten. Die Betreiber
dieser Länden als auch die Kommunen
haben das Thema im Blick
und überlegen sich entsprechende
Maßnahmen. Aktuell sind vom Bund
keine zusätzlichen regulatorischen
Leitplanken geplant. Wir setzen eher
auf Initiativen wie das einheitliche
Landstromsystem, um Emissionen
und Lärm in den Städten zu minimieren.
Das Feedback ist durchwegs
positiv: weniger Lärm, bessere Luft
– und ein spürbarer Gewinn für Anwohner:innen
und Umwelt.
Welche Initiativen gibt es zur Ausstattung
der Anlegestellen mit Landstrom,
um Emissionen und Lärm in den Städten
zu minimieren?
Hanke: Gemeinsam mit Partnern
hat das BMIMI die Entwicklung eines
einheitlichen, international kompatiblen
Landstromsystems für die
Großschifffahrt entlang der österreichischen
Donau initiiert. In den
letzten Jahren gab es außerdem erhebliche
Investitionen in den Ausbau
von Landstromanlagen.
Besonders für Kreuzfahrtschiffe
gibt es bereits klare Vorgaben und
gut ausgebaute Standorte, etwa in
Linz, Wien oder der Wachau. Energieversorger
übernehmen dabei Bau
und Betrieb, unterstützt durch EU-
Förderungen. Schon jetzt ist einiges
umgesetzt: Über 30 Anlagen sind im
Sommer in Betrieb, weitere kommen
für den Winterbetrieb dazu. Auch in
der Güterschifffahrt wird ausgebaut
– hier gibt es bereits mehrere Standorte,
und weitere sind geplant.
Das Feedback ist durchwegs positiv:
weniger Lärm, bessere Luft – und
ein spürbarer Gewinn für Anwohner
und Umwelt.
Schauen wir abschließend noch auf die
Menschen, die die Binnenschifffahrt mit
Leben erfüllen. Ist der Personalmangel
in der österreichischen Schifffahrts- und
Logistikbranche ähnlich dramatisch
ausgeprägt wie in Deutschland?
Hanke: Unsere Herausforderung ist
es, gut geschulte Logistikfachkräfte
und ausreichend qualifiziertes nautisches
Personal am Arbeitsmarkt zu
etablieren. Dabei setzen sämtliche
Unternehmen die mit der Wasserstraße
zu tun haben, zum Beispiel
DDSG Blue Danube, Via Donau und
Verbund gezielte Ausbildungsmaßnahmen,
die auch gut wirken.
Der deutsche Bundesverband der Deutschen
Binnenschifffahrt (BDB) versucht
mit der Initiative »PRO Binnenschifffahrt«,
junge Menschen für die Arbeit
auf dem Schiff zu begeistern. Der Fachkräftemangel
ist sicherlich auch bei
Ihnen ein Thema. Inwieweit kooperiert
Österreich hier mit deutschen Verbänden,
oder braucht es vielleicht eine eigenständige
»Donauraum-Offensive«
für den Nachwuchs?
Hanke: Durch nationale und transnationale
Kooperationen mit Bildungseinrichtungen
und Sozialpartnern
arbeiten wir laufend an Wissensvermittlung
und der Attraktivierung des
Berufsbildes der Binnenschiffer. Das
schließt deutsche Verbände natürlich
ein, ein besonderer Schwerpunkt
ist das aber bereits in der EU-Donauraumstrategie,
wo wir uns aktiv
einbringen, um den Sektor für den
Nachwuchs attraktiver zu gestalten.
Abschließend zum Faktor Mensch: Der
Personalmangel ist das größte Wachstumshemmnis.
Kann das autonome
Fahren hier langfristig die Lösung sein?
Hanke: Erste teilautomatisierte Systeme
sind bereits im Einsatz, aktuell
jedoch vor allem als Unterstützung
des nautischen Personals. Vielversprechend
ist die Kombination solcher
Assistenzsysteme mit der Fernsteuerung
von Schiffen aus zentralen
Leitstellen. Vollautonome Schiffe
sind derzeit jedoch, nicht zuletzt
aufgrund der vergleichsweise kleinen
Flotte, der höheren Komplexität
einer freien Fließstrecke Donau und
der langen Lebensdauer von Schiffen,
noch nicht absehbar.
Interview: Peter Kleinort
Binnenschifffahrt 05 | 2026
13
POLITIK | REGULIERUNG
Ein Herz für die Binnenschifffahrt
Nach den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz setzen CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag ein
starkes Signal für die Wasserstraße. Der BDB begrüßt die klaren Bekenntnisse zum Ausbau der
Moselschleusen und zur Abladeoptimierung am Mittelrhein. Von Peter Kleinort
Es ist eine seltene Einmütigkeit, mit der
die Branche auf politische Weichenstellungen
reagiert. Doch der neue Koalitionsvertrag
zwischen CDU und SPD
in Rheinland-Pfalz für die Jahre 2026 bis
2031 scheint den Nerv der Binnenschifffahrt
präzise getroffen zu haben. Insbesondere
die klaren Forderungen in Richtung
des Bundes sorgen für Optimismus
beim Bundesverband der Deutschen
Binnenschifffahrt (BDB).
»Manchmal haben wir beim BDB echten
Grund zur Freude«, kommentierte
Verbandsgeschäftsführer Jens Schwanen
die Einigung in Mainz via LinkedIn.
Dass die berechtigten Forderungen zur
Verbesserung der Rahmenbedingungen
ohne »viel Palaver oder Bedenkenträgerei«
aufgegriffen wurden, wertet der Verband
als großen Erfolg.
In dem 104-seitigen Dokument widmet
die neue Koalition der Wasserstraße
eine prominente Rolle innerhalb der
Infrastrukturplanung. Das Land will sich
beim Bund für eine verlässliche Finanzierung
und schnellere Planungs- und
Genehmigungsverfahren stark machen.
Besonders der Ausbau der Moselschleusen
wird als prioritäres Ziel definiert. Die
Forderung an den Bund ist deutlich: Es
bedarf einer Resilienzstrategie, um den
reibungslosen Betrieb der Schifffahrt
dauerhaft zu gewährleisten – eine direkte
Antwort auf die zunehmenden Ausfallzeiten
durch marode Bausubstanz und
Personalmangel in der Wasserstraßenund
Schifffahrtsverwaltung.
Personelle Engpässe
Dies zielt direkt auf die zunehmenden
Ausfallzeiten durch marode Bausubstanz
ab. Doch Infrastruktur besteht nicht
nur aus Beton: Die Branche hofft, dass
sich das politische Mainz in Berlin auch
gegen den Stellenabbau in der Wasserstraßen-
und Schifffahrtsverwaltung
Der Landtag in Mainz liegt direkt am Rhein. Die neue Regierungskoalition will die Binnenschifffahrt
fördern
(WSV) einsetzt. Denn ohne ausreichendes
Personal nützen auch beschleunigte
Planungsverfahren wenig, wenn die Revierzentralen
und Schleusen nicht mehr
durchgehend besetzt werden können.
Ein weiterer Kernpunkt des Koalitionsvertrages
betrifft das »Nadelöhr« Mittelrhein.
Die Koalitionäre versprechen, sich
für eine zügige Umsetzung der Abladeoptimierung
im Mittelrheintal einzusetzen.
Ziel ist es, die Zuverlässigkeit des
Verkehrsträgers auch bei Extremwetterereignissen
wie Niedrigwasser zu stärken
und so die Versorgungssicherheit
der Industrie entlang der Rheinschiene
zu garantieren.
Trotz der Euphorie bleibt der Blick auf
die Realität geschärft. »Liebe Landesregierung,
nun bitte ganz schnell in die
Umsetzung gehen«, mahnt Schwanen.
Denn während die strategische Ausrichtung
in Mainz nun festgeschrieben ist,
liegt die finanzielle und exekutive Last
für die Bundeswasserstraßen weiterhin
in der Verantwortung des Bundesverkehrsministeriums.
Die Aufgabe der
neuen rheinland-pfälzischen Landesregierung
unter Führung der CDU wird es
sein, diesen Worten in Berlin das nötige
politische Gewicht zu verleihen.
Nachdem CDU und SPD Anfang Mai
auf getrennten Parteitagen in Mainz und
Nieder-Olm den Koalitionsvertrag genehmigt
hatten, können Konstituierung
des Landtages und die Wahl des neuen
Ministerpräsidenten nun angesetzt
werden. Neuer Regierungschef dürfte
demnach der CDU-Vorsitzende Gordon
Schnieder werden.
Rolle in der Transformation
Für die Branche ist das Signal aus Mainz
dennoch ein Meilenstein. In Zeiten der
Transformation zu klimaneutralen Logistikketten
ist die Wasserstraße für Rheinland-Pfalz
– mit seinen bedeutenden Häfen
in Ludwigshafen, Mainz und Koblenz
sowie der Mosel als Lebensader – unverzichtbar.
Der Koalitionsvertrag bildet nun
das Fundament, auf dem die Branche in
den kommenden fünf Jahren aufbauen
kann. ■
© Landtag RLP/Torsten Silz
14 Binnenschifffahrt 05 | 2026
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POLITIK | REGULIERUNG
GDWS-Präsidentin an der Ems zu Gast
Seit gut einem halben Jahr ist Anke Leue Präsidentin der Generaldirektion Wasserstraßen
und Schifffahrt (GDWS). Anfang April bereiste sie den Nordwesten, traf dort auf Vertreter der
Schifffahrtsbranche und hörte sich deren Probleme an. Von Hermann Garrelmann
An Themen sollte es nicht mangeln, als Anke Leue sich auf Einladung
örtlicher Bundestagsabgeordneter in Richtung Dortmund-
Ems-Kanal aufmachte. Auf der Nordstrecke dieser Wasserstraße
sollen fünf Schleusen neu gebaut und für Binnenschiffe mit bis
zu 135 m Länge und 11,45 m Breite nutzbar gemacht werden.
Zahlreiche Brückenbauwerke stehen zur Modernisierung an
und der Küstenkanal ist eine Daueraufgabe. Weiter im Norden
prägen Themen wie Masterplan Ems und Emssperrwerk Gandersum
die Diskussion.
Beim ersten Stopp standen die Schleusenneubauten im Mittelpunkt.
Schon seit 2007 ist das in der Region ein Thema. Trotz
kommunaler Hilfestellung, mit der zusätzliche Ingenieurstellen
im Wasserstraßen-Neubauamt in Datteln finanziert wurden,
hinken die Projekte dem ursprünglichen Zeitplan hinterher. Bislang
ist einzig die Schleuse Gleesen fertig. Wobei das als relativ
anzusehen ist, denn in Betrieb gegangen ist sie nicht. Diverse
Mängel und Herausforderungen, darunter Probleme mit einem
Schleusentor, notwendige Umsiedlungen von Fledermäusen im
Zulaufkanal und allgemeine Bauverzögerungen ziehen die Inbetriebnahme
hinaus. Der Abschluss der gesamten Bauarbeiten
ist nun für 2027 vorgesehen.
Für die weiteren Neubauten in Bevergern, Rodde, Venhaus
und Hesselte wird wohl ein neuer Zeitplan nötig sein. Aus der
ursprünglich geplanten Deadline für das Jahr 2017 wird nun
als Zieldatum 2035 werden. Diese Perspektive begründete die
GDWS-Präsidentin beim Besuch an der Schleuse Venhaus mit
mangelnden Geldmitteln und fehlendem Fachpersonal, vor allen
an Ingenieuren.
Einen weiteren Lichtblick gibt es auch für die im Mai 2000 von
einem Binnenschiff angefahrene und dadurch zerstörte Brücke
im Bereich Moorlage. Schon in diesem Sommer werde mit dem
Ersatzbau begonnen, der mit 5,25 m Durchfahrtshöhe auch
zweilagige Containerschiffe auf dem DEK zulasse. Gleichwohl
gibt es noch Flaschenhälse mit niedrigeren Brücken. Die anzuheben,
sei keine einfache Aufgabe, da für längere Anrampungen
planungsrechtliche und eigentumsrechtliche Probleme zu lösen
seien. Gerade Bahnbrücken könne man nicht einfach anheben,
erklärte Leue und verweis auf die dabei maximal zulässigen Steigungen.
Für bestimmte Vorhaben bemühe man sich um Gelder bei
der Deutschen Bahn und dem Verteidigungsministerium. Zwar
könne man mit derartigen Ersatzquellen keine Schleusen finanzieren,
aber Brücken zu optimieren sei ja auch im militärischen
Sinn wichtig.
Im Austausch mit Binnenschiffern in Haren wurden eher
praktische Fragen angesprochen. Ob es denn sein müsse, dass
zeitgleich sowohl die Schleuse Dörpen als auch die Mittelweser
gesperrt seien und der Hafen Bremen deshalb nicht erreichbar
sei, fragte ein Praktiker. Sie könne die Kritik verstehen, sagte
Leue. Für solche parallelen Arbeiten gebe gebe es vielfältige
Gründe: Manchmal ginge es schlicht um die Verfügbarkeit von
ausführenden Firmen, die dann zu Überschneidungen führten.
Hermann Poppen, Chef des WSA Ems-Nordsee, ergänzte, dass
speziell an der Schleuse Dörpen viele Abstimmungen nötig seien.
Im Rahmen des noch gerade machbaren habe man auch
zwischenzeitlich, vor allem am Wochenende Verkehre durchlassen
können. »Was eben geht, machen wir«, erklärte der Amtsleiter,
dem ein eher pragmatischer Arbeitsstil bestätigt wurde. Das
gelte auch für die alle sechs Jahre fälligen Schleusenprüfungen,
wo die Kritik an sequenziellen Schleusensperrungen nicht ganz
unbegründet sei. Poppen: »Wir sind da dran, aber um zum Beispiel
mehr Schleusen gleichzeitig trockenlegen zu können, fehlt
es uns im Moment noch an Equipment, sprich an Dammtafeln
und so weiter.« Die Schleusen an der Ems wolle man künftig zeitgleich
prüfen: »So ist es nur einmal zu und nicht alle sechs Wochen
eine Schleuse«, erklärte Poppen.
Gitta Connemann, die örtliche Bundestagsabgeordnete und
parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium,
GDWS-Präsidentin Anke Leue bei ihrem Besuch an der Ems
© Garrelmann
16 Binnenschifffahrt 05 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
bekannte: »Wir wissen, wir sind zu langsam. Wir sind zu kompliziert.
Wir sind zu bürokratisch. Wir erkennen das und wenn wir
das Schiff Deutschland nach vorne bringen wollen, müssen wir
schneller unkomplizierter werden.«
Mit der Meyer-Werft gibt es an der Ems einen weiteren großen
Player, der die Wasserwege intensiv nutzt. Nicht nur für die
Ablieferung fertiger Schiffe sondern auch, wie Dirk Wobken von
der Werft erklärte, für die Anlieferung der Rohstoffe. In diesem
Zusammenhang spielt auch das Thema Außenemsvertiefung
eine Rolle. Nachdem die Vorgängerregierung neue Kriterien
bei der Bewertung bei Projekten eingeführt hatte, war sie auch
die diesem Vorhaben zu einer anderen Kosten-Nutzen-Relation
gekommen. Die Erkenntnis, dass die Außenems-Vertiefung notwendig
sei, um Schiffsüberführungen vorzunehmen, habe sich
inzwischen durchgesetzt, so Gitta Connemann. Die Tidesteuerung
soll die Schlickbelastung der Ems verringern, hat aber auch
Auswirkungen auf die Wasserstände, was eine große Herausforderung
darstellt – zum Beispiel an den Schleusen und Häfen an
der Unterems.
Auf mögliche Ungerechtigkeiten bei der Förderung der Ausbildung
für Binnenschiffer machte Reeder Martin Deymann
aufmerksam. Dass die Reederei diesem Thema eine große Bedeutung
zumisst, konnte Anke Leue vor Ort erkennen. Sie hatte
die Möglichkeit, das reedereieigene Ausbildungsschiff »Rolf
Deymann« zu besichtigen, das Teil der Flussakademie ist. Gern
würde man, so der Reedereichef, mehr Auszubildende auf den
Beruf vorbereiten. »Ich würde gerne 20 Leute ausbilden, bekomme
aber nur fünf gefördert«, benannte Deymann das Problem.
Um Fördermittel und die dafür notwendigen Zeitspannen
ging es bei einem weiteren angesprochenen Punkt. Prozesse
dauern zu lange und seien zu komplex Diese Kritik stieß bei
Anke Leue auf offene Ohren. Man sei gerade dabei, interne Abläufe
auf Optimierungen zu prüfen. Dabei gehe es um Fragen,
ob es Dopplungen bei den Vorgängen gebe, ob frühzeitigere
Bescheide möglich seien oder ob man auf Fachebene »immer
alles totdiskutieren« müsse. »All das ist derzeit in der Mache«, so
Leue. Es gebe verschiedene Ansätze, die Mitarbeiter im Hause
zu motivieren, »auch mal links und rechts zu denken und kreativ
zu werden und nicht nur in Verwaltungsdenken zu verharren.«
Manchmal könne man auch mit einer 80-prozentigen Lösung
zu guten Ergebnissen kommen. Sie selbst reklamierte für sich,
auch in der beruflichen Vergangenheit immer wieder kreative
Ideen gehabt zu haben, die »dann auch noch funktioniert«
hätten. Dieses Denken und den Mut zum ausprobieren neuer
Lösungen versuche man in der Dienststelle zu verbreiten. »Die
müssen auch mal Spaß haben, etwas auszuprobieren«, so Leue.
Im Ergebnis zeigte sich, dass die Exkursion der Führungsebene
des GDWS in den Nordwesten eine Win-Win-Situation ergab.
Partikuliere, Vertreter von regionalen Schifffahrtsverbänden und
dem maritim verbundenen Gewerbe konnten niedrigschwellig
ihre Erfahrungen vortragen, die Behördenseite konnte deutlich
machen, dass man eine Dienststelle nicht wie eine Firma führen
und agieren lassen kann. Gleichwohl ist der Appell von Reeder
Martin Deymann nach »mehr unbürokratischem Pragmatismus«
sicher auch an der richtigen Stelle angekommen. Von derartigen
Erkenntnisgewinnen können nur alle Beteiligten profitieren,
zum Wohl der gesamten Binnenschifffahrt.
■
Der argoBridgePilot ist ein
neues System zur Warnung vor
Brückenkollisionen bei
Binnenschiffen.
Binnenschifffahrt 05 | 2026
17
SCHIFFFAHRT
Elbe Financial Solutions will Partner für
die Binnenschifffahrt werden
Die Hamburger Firma Elbe Financial Solutions will mit einem neuen Kreditfonds in das
Finanzierungsgeschäft für die Binnenschifffahrt einsteigen. Dafür hat sie namhafte Partner
– wie zum Beispiel die Europäische Union – an Bord. Der Kernpunkt ist die Verringerung
von Emissionen. Möglich sind neben Neubauten und Retrofits auch Investitionen in die
landseitige Infrastruktur
Sie sind bereits in einigen Schifffahrtssegmenten aktiv. Warum
wollen Sie mit Elbe Financial Solutions nun auch in die Binnenschifffahrt?
Jens Mahnke: Wir sehen in der Binnenschifffahrt großes Potenzial,
weil es großen Bedarf an einer Modernisierung der
Flotte und an entsprechender Finanzierung gibt. Genau da
setzt unser Finanzierungsfonds an, den wir noch breiter aufstellen
möchten.
Ist der Faktor »grün« bei Ihren Finanzierungen der ausschlaggebende
Faktor?
Mahnke: Ja, es geht darum, den CO 2
-Ausstoß des Schiffes
zu verringern. Der ESMI-Fonds ist ein Kreditfonds, der zum
größten Teil – etwa ein Drittel – von der Europäischen Union
finanziert wird. Und ihr Auftrag an uns ist es, die »grüne
Schifffahrt« zu unterstützen. Wir entscheiden dann von Projekt
zu Projekt, ob wir eine Finanzierung bereitstellen können.
Das Schiff ist dann für uns die Sicherheit.
Haben Sie bei den möglichen Antriebsarten eine Präferenz?
Dirk Lammerskötter: Nein, wir sind da komplett agnostisch.
Es kann auch ein konventionell angetriebenes Schiff sein,
wenn es sehr modern ist und über andere Maßnahmen als
den Kraftstoff geringere Emissionen aufweist, beispielsweise
über das Schiffsdesign
Batterie-Technologie könnte eine große Rolle spielen – gerade in
der Binnenschifffahrt …
Lammerskötter: Ja, bei der Batterietechnik große Leistungssprünge
gegeben in letzter Zeit, und Binnenschifffahrt passt
viel besser zu einem solchen Antrieb als Hochseeschifffahrt.
Es kann also langsam wirklich Sinn ergeben, auf Flüssen
elektrisch zu fahren. Ich glaube, in den nächsten fünf bis
zehn Jahren wird diesbezüglich eine Menge passieren.
Dafür ist aber natürlich auch eine entsprechende Infrastruktur
an Land notwendig …
© EFS
© EFS
Jens Mahnke – CEO – Elbe Financial Solutions
Dirk Lammerskötter – Managing Partner – Elbe Financial Solutions
18 Binnenschifffahrt 05 | 2026
SCHIFFFAHRT
Lammerskötter: Wir können uns auch am Aufbau einer
entsprechenden Infrastruktur beteiligen, solange sie zur
Dekarbonisierung beiträgt.
Mahnke: Dabei kann es um Ladestationen, Carbon Capture
oder zum Beispiel auch Cold Ironing gehen.
Lammerskötter: Es gibt weitere Trends, die wir unterstützen
können. Beispielsweise das autonome oder teil-autonome
Fahren, wenn sich dadurch die Effizienz des Schiffs
und damit die Emissionen senken lassen können. Ähnliches
gilt für flachwassertaugliche Schiffe, die zu einer Verkehrsverlagerung
von der Straße beitragen können und
ohnehin mit niedrigeren Wasserständen relevant werden.
Haben Sie bei Schiffen vor allem Neubauten im Blick oder
auch Retrofits?
Mahnke: Beides passt in unseren Investmentbereich. Wir
sind dabei sehr flexibel und freuen uns auf erste Gespräche
mit Binnenschiffsreedern – und zwar europaweit und
für alle Schiffstypen.
Lammerskötter: Neben Deutschland kann dabei zum Beispiel
der niederländische Markt eine große Rolle spielen.
Dort haben wir bereits einige Projekte im Bereich Seeschifffahrt
finanziert.
Ist der Werftstandort wichtig?
Mahnke: Nein, das hat für die Finanzierungszusage keine
Relevanz. Wir haben auch schon Schiffe finanziert, die in
China oder der Türkei gebaut wurden.
Die Binnenschifffahrt hat eine etwas andere Struktur als
die Seeschifffahrt, in der Sie bislang aktiv sind. Es gibt viele
kleinere Unternehmen, Partikuliere und wenige sehr große
Reedereien. Haben Sie eine Präferenz für Ihre Arbeit mit der
Branche?
Mahnke: Nein, überhaupt nicht. Wir sind gerade auch in
der Lage, kleinere Reedereien zufinanzieren, weil wir andere
Sicherheitsprofile haben als Banken. Dadurch sind
wir unserer Ansicht nach flexibler. Außerdem haben wir
andere Ansätze als Banken bei der Kreditwürdigkeit. Und
nicht zuletzt unterliegen wir nicht der Basel-III-Regulierung
oder ähnlichen Restriktionen.
Welche Ticket-Größen und Laufzeiten haben Sie im Blick?
Mahnke: Wir sprechen von Laufzeiten bis zu 10 Jahren und
Ticketgrößen bis 25 Mio. €.
Lammerskötter: Möglich sind dabei Finanzierung bis zu
75 % oder sogar 85 %.
Nutzen Sie dafür den bestehenden ESMI-Fonds?
Mahnke: Ja, es geht um den zweiten Fonds, den wir Ende
letzten Jahres aufgelegt haben und der aktuell eine Gesamtgröße
von 220 Mio. € hat.
Haben Sie eine Grenze, bis zu der die Mittel für Binnenschiffe
»reserviert« sind?
Mahnke: Nein, die Aufteilung auf See- und Binnenschiffe
ist nicht festgelegt.
EFS & ESMI
2022 hatte EFS mit dem Investment-Manager Eurazeo
den ersten »Eurazeo Sustainable Maritime Infrastructure«
Fonds aufgelegt und einige Projekte im Seeschiffbereich
finanziert. Anfang 2026 folgte die zweite Auflage, den EFS
als unabhängiger Investment Advisor begleitet.
Das offizielle Ziel des ESMI II: »Unterstützung der Dekarbonisierung
und Energiewende im europäischen maritimen
Sektor durch senior gesicherte, asset-basierte Finanzierungslösungen«.
Der Fonds wird durch den European
Investment Fund (EIF) als Ankerinvestor unterstützt. Der
Fonds richtet sich an kleine und mittelgroße europäische
Reeder sowie maritime Stakeholder.
Adressiert werden soll der wachsende Bedarf an langfristigem
Kapital für Investitionen, die durch ökologische
Anforderungen und regulatorische Entwicklungen zunehmend
komplex und kapitalintensiv werden.
Der Schwerpunkt liegt auf nachhaltigem maritimem
Transport, Offshore-Wind und Hafeninfrastruktur, insbesondere
auf Schiffen mit aktuellen Designs und nachhaltigen
Technologien.
Bislang läuft die Finanzierung für Binnenschiffe vor allem
über Banken. Da könnte einem Fonds als Kapitalpartner
durchaus Skepsis entgegenschlagen. Wie wollen Sie dieser
Skepsis begegnen?
Mahnke: Wir haben mit dem ersten Fonds ESMI 1 bereits
mit namhaften Reedereien gearbeitet. Insofern hoffe ich,
dass man uns die Chance auch in der Binnenschifffahrt
gibt. Das ist kein Hexenwerk und wir sind auch kein Hedgefonds
oder so, sondern eine sehr seriöse Finanzierungsform.
Kreditfonds sind in vielen Branchen eine etablierte
Alternative zu Banken, so auch in der Schifffahrt. Unsere
Finanzierungsform bringt auch einige Vorteile mit sich,
wie zum Beispiel eine höhere Leverage sowie eine »Fixed
Marge«, und wir sind flexibel und schnell.
Lammerskötter: Wir haben sehr seriöse Geldgeber, zum
einen sogar die EU und zum anderen renommierte Unternehmen
wie Versicherungen, Pensionskassen oder zum
Beispiel auch die französische Nationalbank. Daher hoffen
wir, dass man uns auch in der Binnenschifffahrt als alternative
Finanzierungsform in Betracht zieht.
Sind diese Kapitalpartner explizit offen für die Binnenschifffahrt?
Mahnke: Ja, absolut. Unser Auftrag ist es, jeglichen Bereich
der Schifffahrt zu unterstützen.
Könnten Sie sich vorstellen, einen dritten ESMI-Fonds aufzulegen,
der ganz dezidiert für die Binnenschifffahrt ausgelegt ist?
Mahnke: Wenn das Interesse groß genug ist und wir den
Bedarf sehen, ist das definitiv eine Option.
Interview: Michael Meyer
Binnenschifffahrt 05 | 2026
19
SCHIFFFAHRT
Weniger Binnenschiffsladung in Europa –
Niederlande on top
Auch die europäische Binnenschifffahrt bleibt von den Effekten der Geopolitik nicht verschont.
Die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt hat ihren neuen Bericht vorgelegt und konstatiert
ein deutliches Transport-Minus. Ein besonderer Fokus wird auf die Niederlande gelegt
Die ZKR erstellt in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission
regelmäßige Analysen für die europäischen Binnenschifffahrt.
Vor wenigen Tagen wurde die Bilanz für das erste
Halbjahr 2025 publik gemacht. Demnach belief sich die Transportleistung
der Binnenschifffahrt in der EU auf 58,7 Milliarden
Tonnenkilometer (TKM). Das waren 4,6 % weniger als gleichen
Vorjahreszeitraum (siehe Binnenschifffahrt 05/2025). Die meisten
europäischen Länder verzeichneten einen Rückgang.
Auf dem Rhein belief sich das Frachtvolumen auf 135 Mio. t, was
einem Rückgang von 6 %. Nahezu alle Frachtsegmente trugen zu
diesem Rückgang bei. Der Abwärtstrend wird mit einer »Kombination
aus makroökonomischen und industriellen Faktoren« erklärt,
die wiederum hauptsächlich auf Probleme in der Stahl- und
Chemieindustrie zurückgeführt wird – sowie durch »geopolitische
Faktoren«. Darüber hinaus trug eine leichte Niedrigwasserperiode
im April 2025 ebenfalls zu diesem negativen Trend bei.
Der Kohle- und der Containertransport bilden hier die Ausnahmen,
wobei ersterer um 10,9 % zulegte. Allerdings: Tatsächlich
hing der als »vorübergehend« angesehene Anstieg des Kohletransports
mit der Wiederauffüllung der Lagerbestände, niedrigen
Kohlepreisen und einem vorübergehenden Rückgang der
Produktion alternativer Energien zusammen. Dennoch bleibt der
langfristige Trend für dieses Segment weiterhin rückläufig.
Der Containerverkehr profitierte in der ersten Hälfte des Jahres
2025 von der so bezeichneten »Widerstandsfähigkeit des
Welthandels« und stabilisierte sich etwas bei +0,9 %. Auch hier
folgt jedoch eine Einschränkung: Der Boxen-Transport blieb
nämlich »deutlich hinter dem Ergebnis früherer Jahre« zurück.
© ZKR
Die Verkehrsleistung in den europäischen Ländern im Halbjahresvergleich (in Mio. km). Zur Einordnung: Für die Ukraine, Großbritannien und
Italien liegen keine Quartalsdaten vor. Das starke Wachstum in Kroatien erklärt sich dadurch, dass das Land bis 2024 keine Transitdaten für die
Quartalsdaten gemeldet hat. In Kroatien entfallen etwa 98 % des gesamten Aufkommens auf den Transitverkehr.
20 Binnenschifffahrt 05 | 2026
SCHIFFFAHRT
Der Donaumarkt sah sich der Analyse zufolge mit zahlreichen
Herausforderungen konfrontiert: Die Angriffe auf die ukrainische
Donauinfrastruktur verschärften sich infolge des anhaltenden
russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, während sich die
makroökonomischen und hydrologischen Bedingungen im Vergleich
zum gleichen Vorjahreszeitraum verschlechterten. Infolgedessen
ging der Güterverkehr auf der Donau erheblich zurück.
Was den Passagierverkehr betrifft, so bestätigen die Halbjahreszahlen
für den Flusskreuzfahrtverkehr auf dem Rhein im Zeitraum
2013–2025 den starken Wachstumstrend in dieser Branche.
Sie zeigen, dass sich die Flusskreuzfahrtaktivität auf dem
Rhein in nur zwölf Jahren verdoppelt hat. Auf der Donau war ein
noch stärkeres Wachstum bei der Zahl der Flusskreuzfahrtschiffe
und der Passagierzahlen zu verzeichnen, insbesondere auf
der Oberen Donau in Deutschland und Österreich.
Nachdem die Frachtraten im ersten Quartal 2025 auf dem
Niveau eines mehrjährigen Durchschnitts geblieben waren, stiegen
sie im zweiten Quartal an, was auf eine Tendenz zu Niedrigwasser
auf dem Rhein zurückgeführt wird. Die Öl- und Treibstoffpreise
entwickelten sich rückläufig. Bei der ZKR wird erwartet,
»dass die Treibstoffpreise in der Binnenschifffahrt in der zweiten
Jahreshälfte 2025 sowie in den Jahren 2026 und 2027 aufgrund
eines erwarteten Rückgangs der Ölpreise weiter sinken werden«.
Wie üblich legen die ZKR und die EU in ihrem Bericht einen besonderen
Fokus auf einen bestimmten Markt. In diesem Jahr sind
es die Niederlande. Dort hatte 2024 das Gesamtvolumen der auf
Binnenwasserstraßen beförderten Güter (332,4 Mio. t) und der
Containerverkehr (41 Mio. t) die höchsten Werte in der EU aufgewiesen.
Darüber hinaus bildeten Sand, Steine, Kies und Baustoffe
das größte Gütersegment im Binnenschiffsverkehr, gefolgt von
den Segmenten Mineralöl und chemische Erzeugnisse.
Trotz eines insgesamt positiven Trends bei Flüssiggütern
verzeichnete das Segment Sand, Steine, Kies und Baustoffe
in den letzten Jahren einen Rückgang. Tatsächlich haben viele
Gütersegmente seit 2022 unter den ungünstigen makroökonomischen
Bedingungen in den Rheinanrainerstaaten gelitten,
die auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zurückgeführt
werden. Hinzu komme, so der Bericht, dass der Kohletransport
– mit Ausnahme der Jahre 2021 und 2022 – infolge der
Energiewende einen negativen Trend verzeichnete.
Der Hafen von Rotterdam ist nicht nur der größte Seehafen
der Niederlande, sondern auch der EU. Sein Hinterlandverkehr
konzentriert sich stark auf den Rhein. 2024 wurden 142 Mio. t im
Binnenschifffahrtsverkehr verzeichnet.
Rotterdam liegt in der NUTS2-Region Südholland. Sie weist
das höchste Binnenschifffahrtsaufkommen des Landes auf. Im
Jahr 2024 waren es 107,5 Mio. t – 48 % aller in den Niederlanden
per Binnenschiff verladenen Güter. Insgesamt hatte die Binnenschifffahrt
einen Anteil von 40,4 % am gesamten Güterumschlag.
Damit liegt das Segment – leicht rückläufig – auf Rang 2, der Straßentransport
machte 52,9 %, der Schienentransport 6,7 % aus.
45 % der gesamten in Rotterdam verladenen Binnenschiffsladung
gingen nach Deutschland, 32 % verblieben in den Niederlanden,
22 % nach Belgien, je 1 % nach Frankreich und in die Schweiz.
Vom gesamten Gütervolumen, das im Rotterdamer Hafen von
Binnenschiffen entladen wurde, stammten 48,3 % aus Regionen
der Niederlande und 51,7 % aus Regionen anderer Länder.
Binnenschifffahrtsunternehmen in den Niederlanden
Deutschland und Belgien sind die beiden wichtigsten Herkunftsländer,
mit 24,5 % und 24,9 %. Die deutsche Region, die mit Abstand
den größten Teil – 70,9 % – erhält, ist der Landkreis Düsseldorf
in Nordrhein-Westfalen. Das wichtigste Exportgut zwischen
Rotterdam und deutschen Regionen sind Mineralölprodukte
(23 %) gefolgt von Erzen (19 %), Chemikalien (18 %), Containern
(14 %) und Kohle (13 %). MM
© ZKR
Binnenschifffahrt 05 | 2026
21
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Firmen an die Donau locken
Österreichs staatliche Wasserstraßengesellschaft Viadonau versucht Unternehmen zu
animieren, sich entlang der Donau anzusiedeln. Das Ziel ist, mehr Güter auf dem Wasser zu
befördern. Von Josef Müller
© Ennshafen
Der Ennshafen ist eine wichtiger Hub an der Münndung der Enns in die Donau in Österreich
Ein Standort an der Wasserstraße bietet
strategische Vorteile: Neben dem Fluss
als nachhaltigem Transportweg ermöglichen
Schienenanbindungen wertvolle
logistische Synergien. In einem Workshop
der österreichischen Wasserstraßengesellschaft
Via Donau diskutierten
jüngst Fachleute aus der verladenden
Wirtschaft das Potenzial des niederösterreichischen
Donauabschnitts.
Nicht nur die Personenschifffahrt
floriert: Zahlreiche Unternehmen im
Einzugsgebiet der Donauhäfen setzen
verstärkt auf das Binnenschiff als Logistik-Rückgrat.
Der Workshop untersuchte,
wie sich die daraus resultierenden
Chancen für die Wirtschaft künftig noch
gezielter ausschöpfen lassen. Via Donau-Geschäftsführer
Hans-Peter Hasenbichler
und Bettina Matzner, Expertin für
Donaulogistik, eröffneten den Workshop
mit einer Vorstellung des Unternehmens
und des Sektors inklusive traditioneller
Produkte für den Güterschifftransport,
Vorteilen des Zugangs zur Wasserstraße
und Weiterentwicklungen der vergangenen
Jahre.
Andreas Kirisits von ecoplus, der Wirtschaftsagentur
des Landes Niederösterreich,
erläuterte die Rahmenbedingungen
von Wirtschaftsparks und die
Serviceleistungen des Investorenservices
des Unternehmens. Im Zuge dessen
präsentierte er Anfragen mit Wasserbezug
der vergangenen Jahre. Dabei
wurde bekannt, dass es eine Vielzahl
positiver Beispiele für die Betriebsansiedelungen
an der Donau in Niederösterreich
gibt und aktuell einige Unternehmen
konkrete Pläne hegen, mehr Fracht
auf die Donau zu bringen, indem sie sich
nahe am Wasser niederlassen. Der Vorteil:
Aus der Wassernähe ergeben sich
zahlreiche Synergien, vielfach werden
Wassertransporte als backup zu bestehenden
Landverkehren neu entwickelt.
Die Via Donau-Experten für den Bereich
Liegenschaften Harald Beutl, Markus
Hofbauer und Anna Stippel illustrierten
Liegenschaftsentwicklung und
-management anhand konkreter Beispiele.
So etwa nutzt das Unternehmen
Garant Tiernahrung an den Standorten
Pöchlarn und Aschach die Donau für
ihre Rohstoffzulieferungen für die Tiernahrungsproduktion.
Aber auch andere
Firmen nutzen das Binnenschiff für ihre
Rohstoff-Inbound-Logistik.
Gerhard Gussmagg vom Rhenus Donauhafen
Krems vermittelte in seinem
Vortrag einen Überblick über die im Hafen
Krems angebotenen Services, wo für
Unternehmen potenzielle Ansiedelungsflächen
von 25.000 m 2 zur Verfügung
stehen. Neben einer top-entwickelten
Hafeninfrastruktur, die den logistischen
Herausforderungen von morgen gewachsen
sein müsse, verdienen laut
Gussmagg der Schüttgüter und Transporte
rund um das Thema Windkraft besondere
Aufmerksamkeit, weil sie potenzielle
Wachstumsmärkte repräsentieren.
22 Binnenschifffahrt 05 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Österreichs Donauhäfen
Die österreichischen Häfen sind das Rückgrat der Donaulogistik. Trotz schwankender
Marktlagen investieren die Standorte kontinuierlich in ihre Umschlagskapazitäten
und trimmen ihre Infrastruktur auf Multimodalität.
Hafen Wien (Freudenau, Albern, Lobau)
Der Wiener Hafenverband ist das größte Logistikzentrum in Ostösterreich.
Güterumschlag: Im Jahr 2024 verzeichnete der Hafen Wien ein deutliches Plus
von 11,1 % auf rund 1,1 Mio. t wasserseitigen Umschlag.
Profil: Fokus auf Containerlogistik (Terminal Freudenau), Massengut (Albern)
und den Umschlag von Erdölerzeugnissen im Ölhafen Lobau.
Hafen Linz (Stadthafen & Voestalpine Werkshafen)
Linz bleibt der mengenmäßig stärkste Standort an der österreichischen Donau.
Werkshafen Voestalpine: Mit ca. 2,4 Mio. t wasserseitigem Umschlag entfallen
allein 41,8 % des gesamten österreichischen Donau-Hafenumschlags auf diesen
spezialisierten Industriestandort.
Stadthafen (Linz Service GmbH): Ein moderner Handelshafen mit Fokus auf
Containerumschlag, Kühllogistik und Gefahrgutlagerung. Zusammen mit dem
Ölhafen bildet er eine zentrale Logistikdrehscheibe in Oberösterreich.
Ennshafen (OÖ / NÖ)
Der Ennshafen gilt als modernster öffentlicher Binnenhafen Europas und liegt an
der Grenze zwischen Ober- und Niederösterreich.
Güterumschlag: Nach einem Einbruch im Vorjahr konnte der Standort 2024 eine
signifikante Erholung mit einem Plus von 21,5 % verzeichnen.
Infrastruktur: Das Areal umfasst rund 350 ha Gesamtfläche und verfügt
über ein leistungsfähiges Containerterminal mit einer Kapazität von bis zu
500.000 TEU sowie ein spezialisiertes Ro/Ro-Terminal.
Neues Rekordtief
So sehr bei diesem Workshop Zuversicht
und der Wille potenzieller Verlader zu
mehr Wassertransport spürbar war, die
Realität ist freilich eine andere. Nämlich:
Im Jahr 2025 wurden auf dem österreichischen
Donauabschnitt deutlich
weniger Güter transportiert als in den
Jahren zuvor. Mit 5,8 Mio. t waren es beinahe
12 % (800.000 t) weniger als 2024,
rechnet die Statistik Austria in ihrem Jahresbericht
über den Donauverkehr 2025
vor. Das Transportaufkommen fiel damit
unter den bisherigen historischen Tiefstand
von 2023 (6 Mio. t).
Der Einbruch der transportierten
Menge ist vor allem auf Rückgänge im
grenzüberschreitenden Empfang sowie
im Transitverkehr zurückzuführen.
Die durchschnittliche Auslastung
je Beförderung reduzierte sich auf
54 % (2024: 66 %). Multipliziert man
die beförderte Tonnage mit den
zurückgelegten In- und Auslandsstrecken,
ergibt sich für 2025 eine Gesamttransportleistung
von 5,2 Mrd. tkm. Das
sind 20 % oder 1,3 Mrd. tkm weniger
als 2024. Wie schon 2024 wurde auch
2025 der größte absolute Rückgang
des Transportaufkommens auf dem
Fluss im grenzüberschreitenden Empfang
bei Beförderungen aus Rumänien
mit -59 % und die größte Zunahme
bei Beförderungen aus der Ukraine
mit +47 % verzeichnet. Der Anstieg im
grenzüberschreitenden Versand ist
auf Transporte in die östlichen Donau-
Länder (Ungarn, Slowakei, Serbien,
Rumänien, Kroatien, Ukraine und Bulgarien)
zurückzuführen. Der Transitverkehr
auf der österreichischen Strecke
sank im Vojahr um 44 % oder 500.000 t,
der mengenmäßig weniger bedeutende
Inlandverkehr verzeichnete ein leichtes
Plus um beinahe 7 % auf 400.000 t.
Minus in den Häfen
Der wasserseitige Güterumschlag,
also die Summe der zu Wasser einund
ausgeladenen Güter in den der
österreichischen Donauhäfen lag 2025
mit 5,5 Mio. t um 3,4 % unter dem Wert
von 2024. In den einzelnen Donauhäfen
zeigten sich unterschiedliche Entwicklungen.
Der Linzer Hafen verzeichnete
ein Minus von mehr 6 % auf 2,8 Mio. t
und der Hafen Enns ein Minus von 25 %
auf 400.000 t. Die drei Wiener Häfen Lobau,
Albern und Freudenau legten um
8 % auf 1,3 Mio. t zu und im Hafen Krems
erhöhte sich das Volumen um knapp
mehr als 2 % auf 300.000 t. Alle übrigen
Häfen entlang des Donaustroms kamen
zusammen auf 800.000 t, was einer Zunahme
von rund 3 % entspricht. ■
© Statistikamt Österreich
Binnenschifffahrt 05 | 2026
23
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Sicherheit als Standortvorteil
Der Linzer Hafen ist nicht nur einer der größten Umschlagplätze an der oberen Donau,
sondern seit kurzem auch einer der sichersten. Mit dem Projekt »Save Port of Linz« wurde
ein Hochwasserschutzsystem realisiert, das weit über die Hafengrenzen hinaus wirkt. Dieser
innovative Ansatz zur Klimawandelanpassung wurde nun mit dem österreichischen Staatspreis
ausgezeichnet. Von Peter Kleinort
© Linz AG/Fotokerschi
Präzisionsarbeit am Hafeneingang: Das 26 m breite Tor ist das Herzstück des »Save Port«-Konzepts und ein Meilenstein für den Hochwasserschutz
an der oberen Donau
Wenn die Donau über die Ufer tritt, zählt
jede Minute. Die Hochwasserereignisse
der Jahre 2002 und 2013 haben deutlich
gezeigt, wie verwundbar die kritische
Infrastruktur in Flussnähe ist. Für einen
trimodalen Logistikknoten wie den Linzer
Hafen, der jährlich rund 4,5 Mio. t
Güter umschlägt, bedeuten Überflutungen
nicht nur Sachschäden in Millionenhöhe,
sondern auch den Stillstand einer
zentralen Wirtschaftsschlagader. Mit der
Fertigstellung des »Save Port of Linz« gehört
dieses Gefährsdungsszenario der
Vergangenheit an.
Um die Dimension dieses Schutzprojektes
zu verstehen, muss man die
Bedeutung des Linzer Hafens betrachten.
Als einer der leistungsfähigsten
Logistik-Hubs im Donauraum ist er das
Tor zur Welt für die oberösterreichische
Industrie. Ob Stahlprodukte der benachbarten
Voestalpine, pharmazeutische
Erzeugnisse oder sensible Tiefkühlware
– der Hafen Linz fungiert als Bindeglied
zwischen den Verkehrsträgern Wasser,
Schiene und Straße. Die Linz AG hat das
Areal in den vergangenen Jahren konsequent
zu einem modernen Dienstleistungszentrum
ausgebaut, in dem
die Logistiktochter Donaulager Logistics
eine Schlüsselrolle einnimmt. Ein Ausfall
dieser Infrastruktur durch Hochwasser
hätte unmittelbare Auswirkungen auf die
Lieferketten in ganz Mitteleuropa. »Save
Port« ist daher nicht nur eine bauliche
Maßnahme, sondern eine Versicherung
für den Wirtschaftsstandort.
Das Herzstück des Projekts ist eine
technische Meisterleistung: Eine massive
Hafentoranlage an der Einfahrt zum
Becken 2. Mit einer Durchfahrtsbreite
von 26 m ermöglicht sie im Normalbetrieb
den ungehinderten Schiffsverkehr,
kann aber im Ernstfall binnen kürzester
Zeit geschlossen werden. Damit ist der
Handelshafen vor einem sogenannten
300-jährlichen Hochwasser (HQ300) geschützt.
Doch die Wirkung des Systems reicht
weit über das Hafenbecken hinaus. Insgesamt
werden rund 560 ha Fläche
24 Binnenschifffahrt 05 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
– vom Industriegebiet bis weit in das
Linzer Stadtzentrum – vor den Fluten
gesichert. »Das innovative und zukunftsorientierte
Projekt ist ein sichtbares
Zeichen für nachhaltiges Handeln zum
Schutz unseres Lebensraums und unserer
Infrastruktur«, betont Dr.-Ing. Erich
Haider, Generaldirektor der Linz AG, der
Betreiberin des Hafens.
Relilienz als neuer Standard
Das Projekt in Linz steht exemplarisch
für eine Entwicklung, die die gesamte
Binnenschifffahrt betrifft. Der Klimawandel
äußert sich auf den Wasserstraßen
nicht nur durch extreme Niedrigwasserperioden,
sondern auch durch häufigere
und heftigere Starkregen- und Hochwasserereignisse.
Für die Binnenschifffahrt
ist Klimaresilienz daher zum Überlebensfaktor
geworden. Investitionen in den
Hochwasserschutz, wie sie nun in Linz
mit Unterstützung der Europäischen
Union realisiert wurden, sind essenziell,
um die Verlässlichkeit des Verkehrsträgers
Wasser zu garantieren. Nur wenn
Häfen auch bei extremen Wetterlagen
sicher anfahrbar und schlagkräftig bleiben,
kann die politisch gewollte Verlagerung
von Gütern auf das Schiff dauerhaft
gelingen. Linz sendet hier ein starkes
Signal an die verladende Wirtschaft: Der
Hafen ist bereit für die Herausforderungen
der Zukunft.
Tore, Pumpen, Dämme
Das Schutzkonzept basiert auf einer
Kombination aus stationären und mobilen
Elementen.
Das Projekt in Zahlen
Schutzbereich: 560 ha (Hafen, Industrie & Innenstadt)
Schutzniveau: HQ300 (Schutz vor einem 300-jährlichen Ereignis)
Hafentor: 26 m Durchfahrtsbreite
Mobile Elemente: ca. 900 m Länge
Investitionspartner: Linz Service (Bereich Hafen) und die IG Winterhafen (u.a.
ÖSWAG, Plasser & Thurer)
Auszeichnung: 3. Platz CliA Staatspreis 2026
Sicherheit durch Technik: Die neue Hafentoranlage in Linz schützt das Areal vor einem
300-jährlichen Hochwasser und sichert die Funktionsfähigkeit der Logistikdrehscheibe
Die Hafentoranlage: Das Stahltor
wird hydraulisch bewegt und riegelt das
Hafenbecken gegen den Wasserdruck
der Donau ab.
Pumpwerk: Integrierte Hochleistungspumpen
sorgen dafür, dass Niederschlagswasser
und Binnenwasser,
das sich bei geschlossenem Tor im Hafenbecken
sammelt, über den Damm
zurück in die Donau gepumpt werden
kann.
Mobile Schutzelemente: Auf einer
Länge von rund 900 m kommen mobile
Barrieren zum Einsatz, die im Bedarfsfall
von den Hafentechnikern schnell aufgebaut
werden können.
Trenndamm & Notlände: Der bestehende
Trenndamm wurde massiv
verstärkt und abgedichtet. Zudem wurde
eine Notlände integriert, die Schiffen
auch bei extremen Bedingungen einen
sicheren Zufluchtsort bietet.
Dass dieser technische Aufwand nicht
nur funktional, sondern auch strategisch
wegweisend ist, wurde im März 2026 offiziell
gewürdigt. Das Projekt errang den
dritten Platz beim »CliA – Österreichischer
Staatspreis für Klimawandelanpassung«
in der Kategorie Hochwasser und
Starkregen.
Der Preis, der unter anderem vom
Bundesministerium für Klimaschutz vergeben
wird, würdigt Projekte, die die
Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimafolgen
stärken. In Linz ist dies eindrucksvoll
gelungen: Durch die Vermeidung
von Hochwasserschäden wird nicht nur
Kapital geschützt, sondern auch die Verlässlichkeit
des Hafens als Partner für die
verladende Wirtschaft garantiert – ein
Standortvorteil im Wettbewerb der Donauhäfen.
Die Auszeichnung verdeutlicht,
dass der Hafen eine Vorreiterrolle
einnimmt, die über den rein baulichen
Schutz hinausgeht. Für die kommenden
Jahre ist geplant, die gewonnenen
Sicherheitsspielräume für eine weitere
Digitalisierung der Logistikprozesse
zu nutzen. Durch die Verknüpfung der
Hochwasserschutz-Daten mit modernen
Hafenmanagementsystemen soll die Resilienz
nochmals gesteigert werden. ■
© Linz AG/Fotokerschi
Binnenschifffahrt 05 | 2026
25
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
EFIP für starke Europäische
Hafenstrategie und Elbe-Achse
Die European Federation of Inland Ports (EFIP) ein klares Signal an die Politik gesendet.
Im Zentrum der Beratungen standen die neue EU-Hafenstrategie der Europäischen
Kommission sowie die strategische Bedeutung des Elbe/Labe-Korridors. Die Botschaft ist
deutlich: Ohne eine starke Integration der Binnenwasserstraßen wird die Dekarbonisierung
der Logistikketten scheitern
© Duisport/Hans Blossey
Häfen gelten als Schlüssel der Energiewende - hier der Logport VI mit dem Steag Kraftwerk Walsum
Die Wahl des Tagungsortes war kein Zufall.
Prag, als wichtiger Knotenpunkt am Elbe-
Labe-Korridor, bildete die perfekte Kulisse
für eine Debatte über den Verkehrsträger
Wasserstraße, die weit über regionale Interessen
hinausgeht. In einer Zeit, in der die
Europäische Kommission ihre neue Hafenstrategie
(European Ports Strategy) vorstellte,
forderten die Mitglieder der EFIP eine
Gleichstellung von See- und Binnenhäfen in
der strategischen Planung der EU.
Die Anfang März von der EU-Kommission
vorgestellte Europäische Hafenstrategie
zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit,
Sicherheit und Nachhaltigkeit der europäischen
Häfen zu stärken. Die EFIP begrüßt
diesen Vorstoß ausdrücklich, warnt jedoch
vor einer zu starken Fokussierung auf die
großen Seehäfen.
Binnenhäfen sind längst keine reinen Umschlagplätze
mehr; sie haben sich zu multimodalen
Logistik-Hubs, Energiezentren
und Enablern der Kreislaufwirtschaft entwickelt.
»Die Anerkennung der Häfen als strategische
Vermögenswerte ist ein entscheidender
Schritt«, heißt es aus den Reihen der
EFIP. Dennoch müsse sichergestellt werden,
dass die regulatorischen Rahmenbedingungen
auch die Besonderheiten der Binnenschifffahrt
berücksichtigen. Insbesondere
bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten
im Rahmen der Fazilität »Connecting
Europe« (CEF) fordern die Häfen eine stetige
und verlässliche Unterstützung.
Lebensader im Wandel
Ein zweiter Schwerpunkt der Tagung lag auf
der Zukunft der Elbe als Wasserweg. Die
Verbindung zwischen Tschechien, Deutschland
und den Nordseehäfen gilt als einer der
wichtigsten, aber auch herausforderndsten
Korridore im TEN-V-Kernnetz.
Die EFIP-Mitglieder betonten in Prag die
Notwendigkeit, den Elbe-Labe-Korridor resilienter
gegenüber dem Klimawandel zu
machen. Dies erfordere nicht nur bauliche
26 Binnenschifffahrt 05 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Die drei Säulen der EU-Hafenstrategie
Im März 2026 legte die EU-Kommission ein umfassendes Strategiepapier vor,
um die europäische Hafenlandschaft fit für die geopolitischen und ökologischen
Herausforderungen zu machen. Die EFIP drängt darauf, dass die Umsetzung die
Binnenhäfen als gleichwertige Akteure begreift.
1. Wettbewerbsfähigkeit & Governance: Die Strategie sieht vor, administrative
Hürden abzubauen und die Finanzierung durch EU-Mittel (wie CEF) zu verstetigen.
Die EFIP fordert hierbei einen »Inland-Port-Check«, damit neue Regeln nicht
einseitig auf Seehäfen zugeschnitten werden.
2. Sicherheit & Resilienz: Ein zentraler Punkt ist der Schutz kritischer Infrastruktur
vor ausländischer Einflussnahme und Cyberangriffen. Binnenhäfen sollen als
strategische Knotenpunkte in die nationalen Sicherheitsarchitekturen integriert
werden, ohne die operative Flexibilität zu verlieren.
3. Nachhaltigkeit & Energiewende: Häfen sollen sich zu »Energy Hubs« entwickeln.
Dies umfasst den Aufbau von Wasserstoff-Infrastruktur, Landstromanlagen
und Kapazitäten für die Kreislaufwirtschaft. Die Strategie fordert hierfür
schnellere Genehmigungsverfahren für grüne Investitionen.
Maßnahmen an der Wasserstraße, sondern
auch eine bessere digitale Vernetzung der
Häfen entlang der Achse. Ziel ist es, die Elbe
als stabilen Transportweg für großvolumige
Güter und Schwerguttransporte zu erhalten,
während gleichzeitig moderne Konzepte
für die »City-Logistik« auf dem Wasser
entwickelt werden. Der Austausch mit den
tschechischen Partnern verdeutlichte, dass
die grenzüberschreitende Kooperation der
Schlüssel ist, um die bürokratischen und
technischen Hürden abzubauen.
Angesichts der geopolitischen Lage
rückte in Prag auch das Thema Sicherheit
in den Fokus. Die EU-Hafenstrategie sieht
verstärkte Maßnahmen gegen die Einflussnahme
ausländischer Akteure auf kritische
Infrastrukturen vor. Die EFIP unterstützt diese
Sicherheitsarchitektur, mahnt jedoch an,
dass Sicherheitsvorgaben nicht zu einem
Wettbewerbsnachteil gegenüber außereuropäischen
Standorten führen dürfen.
Cyber-Sicherheit und der Schutz physischer
Anlagen müssen Hand in Hand gehen mit
einer Vereinfachung der Genehmigungsverfahren
für grüne Technologien.
Ein zentrales Thema der Prager Gespräche
war die Finanzierungslücke bei der
Instandhaltung der Wasserstraßen-Infrastruktur.
Während die EU-Hafenstrategie
ehrgeizige Ziele formuliert, mahnen die
EFIP-Mitglieder an, dass die physische Basis
– insbesondere im Elbe-Labe-Korridor – oft
nicht Schritt hält. Marode Schleusen und
unzureichende Fahrrinnentiefen konterkarieren
die Bemühungen der Häfen, neue
Gütergruppen für das Schiff zu gewinnen.
Die EFIP fordert daher eine Zweckbindung
von Einnahmen aus dem EU-Emissionshandel
(ETS) für den Ausbau der grünen
Hafeninfrastruktur. „Wir brauchen nicht nur
Strategiepapiere, sondern eine Investitionsoffensive,
die auch die kleineren, aber systemrelevanten
Standorte entlang der Elbe
erreicht“, so die einhellige Meinung in Prag.
Häfen als Energieknoten
Die Zukunft der Binnenhäfen liegt in ihrer
Rolle als Energieknotenpunkte. Ob Wasserstoff-Importe,
Landstromversorgung oder
Recycling – die Häfen bieten Raum für die
Energiewende. Um dieses Potenzial, fordert
der Verband eine flexiblere Auslegung der
Beihilfevorschriften für Infrastrukturinvestitionen,
die den Klimazielen dienen. PK
© Rolf-Dresden/CC BY 2.5
Die Elbe bei Ústí nad Labem. Tschechien setzt auf einen belastbaren Wasserweg
Binnenschifffahrt 05 | 2026
27
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Stuttgarter Hafen wird zum
Power-Hub am Neckar
Der Stuttgarter Hafen wandelt sich zum Innovationsknotenpunkt: Mit dem Green Hydrogen Hub
realisieren die Stadtwerke Stuttgart eine 12-Megawatt-Anlage, die ab 2026 grünen Wasserstoff
für die Region liefert – trimodal vernetzt und direkt am Kai. Von Peter Kleinort
© KI-generiertes Symbolbild auf Basis einer Vorlage der Stadtwerke Stuttgart
Der Green Hydrogen Hub im Hafen Stuttgart soll eine wesentliche Säule für die Versorgung der Region werden
Seit 2020 entwickeln die Stadtwerke Stuttgart (SWS) das Konzept
für den Green Hydrogen Hub. Dass die Wahl auf den Hafen fiel,
ist eine strategische Weichenstellung. Frank Hägele, Abteilungsleiter
Strategische Projekte bei den SWS, betont im Gespräch
mit der Binnenschifffahrt die Bedeutung der Trimodalität: »Wir
haben dort Wasserstraße,
Schiene und
Straße – also alle
Der Hub in Zahlen
Leistung: 12 MW (4x 3 MW Elektrolyseure)
Produktion: ca. 900 t/Jahr (Ziel:
1.200 t)
Druckstufen: Pipeline (30 bar),
Trailer (200, 300, 380 bar)
Zertifizierung: RFNBO-Standard
(EU-konform)
Verkehrsmöglichkeiten
intermodal«.
Ursprünglich war
ein Standort an
einem bestehenden
Tanklager geplant,
doch die größere
Fläche und die unmittelbare
Nähe zu
einem Umspannwerk
gaben den
Ausschlag für das jetzige Areal. Dieser Umzug war entscheidend,
um lange Zuleitungswege für den benötigten Grünstrom zu vermeiden
und die Resilienz der Anlage zu erhöhen. Zudem bietet
der Hafen als reines Industriegebiet einen entscheidenden
Akzeptanzvorteil: Während Infrastrukturprojekte andernorts oft
auf Widerstand stoßen, erfuhrt das Wasserstoff-Vorhaben beim
jüngsten Hafenfest breite Zustimmung.
In der Endstufe wird die Anlage über eine Leistung von 12 MW
verfügen, aufgeteilt auf vier Elektrolyseure à 3 MW. Die Produktion
ist auf höchste Reinheit (Brennstoffzellen-Qualität) ausgelegt
und wird nach EU-Richtlinien als RFNBO-Wasserstoff (Renewable
Fuels of Non-Biological Origin) zertifiziert – ein wichtiges Kriterium
für Industriekunden und deren Nachweisprozesse.
Um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen, setzen die SWS auf
ein hybrides Speicherkonzept. Neben Batteriespeichern für
Elektronen nutzt der Hub Wasserstoff-Pufferspeicher für die
gasförmigen Moleküle. »Wir können am Energiemarkt agieren
und zwischen Elektronen und Molekülen sozusagen hin und her
wandern«, erklärt Hägele. Eine KI-Steuerung übernimmt dabei
28 Binnenschifffahrt 05 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
die Optimierung: Produziert wird vorzugsweise dann, wenn der
Strompreis günstig ist oder ein Überangebot an Wind- und Sonnenenergie
herrscht.
Wo die Batterie an Grenzen stößt
Für Hägele ist Wasserstoff keine Konkurrenz zur Elektromobilität,
sondern deren notwendige Ergänzung in Nischen, in denen
Batterien aufgrund von Gewicht oder Ladezeiten scheitern. Er
verweist auf Beispiele wie den Schwerlastverkehr oder Spezialfahrzeuge
am Flughafen, wo Diesel-Aggregate oft noch unverzichtbar
sind, weil die benötigte Ladeinfrastruktur den Betrieb
blockieren würde. Auch Kühltransporte im Lebensmittelbereich,
die im Sommer enorme Energie für die Aufrechterhaltung der
Kühlkette benötigen, sind prädestiniert für den Wasserstoffantrieb.
Die Liste der potenziellen Abnehmer im und um den Hafen
ist lang. Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) werden künftig per
Pipeline an den Hub angeschlossen. Doch auch die private Wirtschaft
signalisiert starkes Interesse. »Wir sprechen mit Schrotthändlern,
Stahlbeißern und Entsorgungsunternehmen«, so Hägele.
Insbesondere Müllfahrzeuge mit ihren energieintensiven
Pressaggregaten sind ideale Anwendungsfälle. Zudem liegen
Schwergewichte wie Daimler Truck, Bosch oder Mahle in ȟberschaubarer
Reichweite« und stehen im Austausch mit den Stadtwerken.
Der Weg zum Hub war nicht ohne Stolpersteine. Das Projekt
musste den Wegfall von rund 5,5 Mio. € an Fördermitteln aus
dem Klima- und Transformationsfonds des Bundes verkraften.
Dennoch hielten die Stadtwerke am Vorhaben fest und schlossen
die Finanzierungslücke eigenständig. Auch die enge Verflechtung
der »drei Schwestern« – Stadtwerke, Hafen und SSB –
hilft bei der Umsetzung, wenngleich der angespannte städtische
Haushalt die Investitionsbereitschaft dämpft.
Ein Blick in die Zukunft zeigt weiteres Potenzial: Eine gegenüberliegende
Entwicklungsfläche ist bereits avisiert, hängt jedoch
noch von den Baufortschritten rund um Stuttgart 21 ab. ■
Der Hafen Stuttgart in Zahlen
Trimodalität: Nahtlose Verknüpfung der Verkehrsträger
Binnenschiff, Eisenbahn und Lkw.
Güterumschlag: Jährlich ca. 3,2 Mio. t Gesamtumschlag
(davon entfallen ca. 1 Mio. t auf das Schiff und 2,2 Mio. t
auf die Hafenbahn).
Grüner
Wasserstoff
aus dem Hafen Stuttgart
für die Region Stuttgart
Das Wasserstoffprojekt der Stadtwerke
Stuttgart im Stuttgarter Hafen ist ein
Schlüssel für das Gelingen der Energiewende.
Dort erzeugen wir aus grünem überschüssigem
Strom wertvollen Wasserstoff, transportieren
ihn via Pipeline und Trailer zu Kundinnen und
Kunden und erproben zukunftsweisende
Anwendungen für Industrie und Mobilität.
Betriebsfläche: Rund 65 ha im Herzen der Industrieregion.
Kernbranchen: Schwerpunkt auf Baustoffen, Mineralölerzeugnissen
sowie der starken regionalen Schrott- und
Stahlwirtschaft.
Strategischer Vorteil: Unmittelbare Nähe zu den Produktionszentren
der Automobil- und Zulieferindustrie (z.
B. Daimler Truck, Bosch).
Mehr Informationen
zum Projekt
Zukunftspotenzial: Sicherung von Erweiterungsflächen
nach Abschluss der »Stuttgart 21«-Baumaßnahmen im
Hafenumfeld.
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Duisport bleibt auf Wachstumskurs
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen konnte die Duisport-Gruppe ihre Ziele im Jahr 2025
erreichen. Die angespannte Weltpolitik und die schwache Konjunktur in Deutschland trüben
jedoch den Ausblick aufs laufende Jahr
»2025 war für Duisport ein sehr erfolgreiches
Jahr«, sagte CEO Markus Bangen
im Rahmen der jährlichen Bilanzvorlage.
»Wir haben unsere wirtschaftlichen Ziele
erreicht und gezeigt, dass der Duisburger
Hafen auch unter anspruchsvollen
Rahmenbedingungen leistungsfähig
und wirtschaftlich stabil ist.«
Die Gesamtleistung der Gruppe stieg
2025 auf 390,5 Mio. € – ein deutliches
Plus im Vergleich zum Vorjahreswert von
356,3 Mio. €. Wesentliche Treiber waren
insbesondere die Bereiche Infra- und
Suprastruktur sowie Verkehr und logistische
Dienstleistungen, die beide weiter
zulegen konnten. Die Entwicklung der
Industrielogistik spiegle hingegen die
anhaltende Schwäche der Konjunktur im
Maschinen- und Anlagenbau wider.
Die Infrastruktur im Hafen Duisburg soll mit rund 80 Mio. € modernisiert werden
© Duisport / Hans Blossey
80 Mio. € an Investitionen
Auch das Ergebnis der Duisport-Gruppe
entwickelte sich positiv: Das EBIT stieg
auf 27 Mio. € (Vorjahr: 22,6 Mio. €). Das
Ergebnis vor Steuern lag bei 23,4 Mio. €
(Vorjahr 19,8 Mio. €). Gleichzeitig habe
© Duisport
man wie geplant in die Zukunftsfähigkeit
des Hafens investiert: 2025 flossen fast
80 Mio. € in die Modernisierung der Infrastruktur
sowie die Weiterentwicklung
von Terminals und Logistikflächen.
»Die Zahlen unterstreichen die hohe
Leistungsfähigkeit unseres Hafenbetriebs«,
sagte Lars Nennhaus, Duisport-
Vorstand für Technik und Vertrieb. »Mit
einer stabilen Infrastruktur, verlässlichen
Abläufen und gezielten Investitionen haben
wir 2025 die Voraussetzungen geschaffen,
um den Duisburger Hafen auch
unter schwierigen Rahmenbedingungen
sicher und effizient zu betreiben.«
Im vergangenen Jahr wurde außerdem
das Terminal im türkischen Kartepe
fertiggestellt, der erste Zug in Richtung
Duisburg kam Anfang April an. Künftig
soll er viermal die Woche fahren. Die
Duisport-Gruppe plant, das Terminalnetzwerk
weiter auszubauen – nicht nur
international, sondern auch in der Region
selbst. Es gehe darum, möglichst viel
Wertschöpfung in NRW zu halten. »Es
wird nicht an der logistischen Anbindung
scheitern«, teilten die Duisport-Vorstände
dazu mit.
Kohle-Rückgang kompensiert
Die Bereiche Infra- und Suprastruktur sowie Verkehr und Logistik konnten in den vergangenen
Jahren besonders deutlich zulegen
Im operativen Geschäft konnte sich Duisport
als leistungsfähiger Logistikstand-
30 Binnenschifffahrt 05 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
ort behaupten. Der Containerumschlag
erhöhte sich auf rund 4,1 Mio. TEU
(Vorjahr: 3,9 Mio. TEU). Der Gesamtgüterumschlag
blieb mit 50,8 Mio. t stabil
– auch in den Vorjahren war dieses Ergebnis
erzielt worden. Dies bestätige
die Widerstandsfähigkeit des Hafens in
einem wechselhaften Marktumfeld. Der
Gesamtgüterumschlag aller Duisburger
Häfen lag wieder bei über 100 Mio. t.
»Der Vorstand freut sich darüber ein
Loch in den Bauch«, sagte Bangen, der
erst im Dezember für weitere fünf Jahre
im Amt als CEO bestätigt worden ist.
Es sei gelungen, die zurückgehenden
Mengen an Kohle, Baustoffen und Erden
zu kompensieren. Früher wurden
in Duisburg ca. 20 Mio. t an Kohle umgeschlagen,
heute sind es nur noch etwa
600.000 t. Dennoch blieben die ingesamten
Umschlagsmengen gleich. »Wir
wachsen also weiter«, schloss Bangen
aus dieser Entwicklung.
Vorsichtiger Ausblick
Für das laufende Jahr stelle sich der Vorstand
auf weiterhin herausfordernde
und unbeständige Rahmenbedingungen
ein. Gründe für diese Unsicherheit sind
internationale Konflikte, Handelshemmnisse
und die anhaltende Schwäche der
deutschen Industrie. In Duisburg will
Duisport-Vorstand (v.l.): Lars Nennhaus, Markus Bangen und Giordana Sperling-Doppstadt
man daher auf umsichtiges Handeln
und hohe Anpassungsfähigkeit setzen.
»Schwarzmalerei gilt nicht«, sagte Bangen,
doch es sei mit negativen Auswirkungen
zu rechnen.
Neben einem resilienten Geschäftsmodell
und einer belastbaren Infrastruktur
bleibe dabei der Faktor Mensch von
zentraler Bedeutung. »Die Stabilität von
Duisport basiert nicht zuletzt auf dem
Engagement unserer Mitarbeitenden. In
unsicheren Zeiten sind Kompetenz, Flexibilität
und eine verlässliche Unternehmenskultur
entscheidend, um Veränderungen
aktiv gestalten zu können«, sagte
Giordana Sperling-Doppstadt, Chief People
& Corporate Services Officer.
Die Duisport-Gruppe werde daher an
ihrem strategischen Kurs festhalten, um
die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie
zu stärken und den Duisburger Hafen
weiterzuentwickeln.
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Binnenschifffahrt 05 | 2026
31
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Drechtsteden formieret sich als
maritime Weltspitze
Mit dem ambitionierten »De Witt Toekomstpact«, Milliardeninvestitionen und wegweisenden
Robotisierungsprojekten wie »Stream« stellt die niederländische Region Drechtsteden die
Weichen für das nächste Jahrzehnt. Das Ziel ist klar: Die Transformation zur führenden
Innovationsregion für die maritime Fertigungsindustrie in Europa. Von Hermann Garrelmann
Ein maritimes Zentrum im Delta: Die Holland Shipyard (Bildmitte) ist eine der zahlreichen Werften und maritimen Betriebe, die sich in der Region
Drechtsteden angesiedelt haben
© Region Drechtsteden
Drechtsteden – so nennen sich die sieben
Gemeinden im Süden der niederländischen
Provinz Südholland, die im strategisch
günstigen Delta der Flüsse Oude
Maas, Noord und Beneden-Merwede
liegen. Zu diesem Verbund gehören Dordrecht,
Zwijndrecht, Papendrecht und
Sliedrecht, ebenso wie Alblasserdam,
Hendrik-Ido-Ambacht und Hardinxveld-
Giessendam. Gemeinsam mit den Partnern
in Gorinchem und Werkendam
bilden sie ein maritimes Kraftzentrum,
das nun den nächsten großen Entwicklungsschritt
einleitet. In dieser Region
schlägt das Herz des niederländischen
Schiffbaus, und von hier aus sollen die
Impulse für die gesamte europäische
Branche kommen.
Unter dem Namen »De Witt Toekomstpact
2035« haben Wirtschaft, Politik und
Wissenseinrichtungen einen strategischen
Schulterschluss vollzogen. Der
Name dieser Vereinbarung wurde dabei
nicht zufällig gewählt: Er ehrt Johan de
Witt (1625 – 1672), den bedeutenden
Staatsmann des niederländischen »Goldenen
Zeitalters«, der im 17. Jahrhundert
von Dordrecht aus die maritime Stärke
der Republik prägte. Diese historische
Inspiration dient nun als Blaupause für
32 Binnenschifffahrt 05 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
eine moderne maritime Strategie im 21.
Jahrhundert.
Dieser Zukunftspakt ist keine kurzfristige
Initiative, sondern ein auf zehn
Jahre angelegtes Investitions- und Umsetzungsprogramm
mit einem geplanten
Volumen von 1,5 bis 2 Mrd. €. Es ist
die Antwort der Region auf die tiefgreifenden
Herausforderungen unserer Zeit:
Die Digitalisierung verändert klassische
Produktionsprozesse, der Klimawandel
verlangt nach emissionsfreien Antrieben
auf Wasserstoff- oder Batteriebasis, und
der internationale Wettbewerb – insbesondere
aus Fernost – verschärft sich
kontinuierlich.
Innovationnen durch
vertiefte Kooperation
Die Vision ist deutlich formuliert: Die
Provinz Südholland soll zum zentralen
Innovationsdistrikt der maritimen Fertigungsindustrie
der Zukunft in den Niederlanden
werden. Innerhalb von zehn
Die »Stream«-Allianz – Neun Werften für die Zukunft
Das Projekt »Stream« (Sensor Technology, Robotics and Advanced Manufacturing)
ist kein isoliertes Forschungsprojekt, sondern ein industrielles Bündnis. Folgende
Partner bündeln ihre Kompetenzen, um den Schiffbau zu revolutionieren:
Damen Shipyards Group: Der Branchenriese bringt seine globale Erfahrung in
der Serienfertigung ein.
Neptune Marine: Spezialist für Arbeitsboote und Pontons; hier findet die praktische
Erprobung der neuen Robotersysteme statt.
Royal IHC: Weltmarktführer bei komplexen Baggerschiffen, fokussiert auf die
Integration von KI in schwere Fertigungsprozesse.
Holland Shipyards Group: Vorreiter bei hybriden und elektrischen Fähren,
bringt Expertise in der grünen Systemintegration mit.
Kooiman Marine Group: Bekannt für innovative Neukonstruktionen und komplexe
Umbauten im Bereich der Binnenschifffahrt.
Den Breejen Shipyard: Spezialisiert auf den hochpräzisen Sektor der Flusskreuzschifffahrt.
Scheepswerf Slob: Ein Experte für den Kaskobau im Superyacht-Segment, wo
höchste Präzision gefragt ist.
Oceanco Group: Bringt High-End-Technologie aus dem Luxusyachtbau in den
Verbund ein.
De Haas Shipyards: Fokus auf spezialisierte Einsatzfahrzeuge und komplexe
Instandhaltung.
Begleitet wird die Allianz durch das Wissen der TU Delft (Fieldlabs SAM XL und
Robo House) sowie die regionale Entwicklungsgesellschaft Innovation Quarter.
Treiber der „Werft der Zukunft“: Der maritime Spezialist Neptune Marine in Hardinxveld-Giessendam
ist Partner im Innovationsprojekt »Stream«
Jahren soll in diesem Innovations- und
Writschaftscluster der Umsatz der Unternehmen
verdoppelt und Tausende
hochwertige neue Arbeitsplätze geschaffen
werden.
Dass dies keine bloßen Absichtserklärungen
sind, zeigt die Einbindung in nationale
und europäische Strategien. Der
Pakt versteht sich als konkreter Beitrag
zur nationalen Industriepolitik der Niederlande
und ist eng mit dem »Maritiem
Masterplan« verzahnt. »Anstatt nur von
Digitalisierung oder Fachkräftemangel
zu sprechen, setzt der Pakt auf konkrete
Projekte und messbare Ziele«, betonten
Vertreter der Region beim jüngsten
Maritimen Kongress in der »Duurzaamheidsfabriek«
in Dordrecht.
Ein zentraler Pfeiler ist dabei die ökologische
Verantwortung. Es geht nicht
mehr nur darum, Schiffe zu bauen, sondern
diese müssen nachhaltig, zirkulär
und autonom einsetzbar sein. Der »De
Witt Toekomstpact« fungiert hierbei als
Katalysator, der regionale Stärken mit
globalen Trends bündelt. Die Zusammenarbeit
erstreckt sich dabei weit über
die Gemeindegrenzen hinaus bis nach
Rotterdam, um eine geschlossene Front
im globalen Wettbewerb zu bilden.
Wie diese automatisierte Zukunft konkret
aussieht, demonstriert das Projekt
»Stream« (Sensor Technology, Robotics
and Advanced Manufacturing). Als eines
der ersten Umsetzungsprojekte inner-
© Garrelmann
Binnenschifffahrt 05 | 2026
33
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
© Garrelmann
Saisonale Hochkonjunktur: In den Wintermonaten sind viele Betriebe in den Drechtsteden ein wichtiger Anlaufpunkt für die Revision und Modernisierung
der europäischen Flusskreuzfahrtflotte
halb der Kooperation »Werft der Zukunft
Drechtsteden-Rotterdam« wurde
es kürzlich im Beisein von Vincent Karremans,
dem niederländischen Minister
für Wirtschaft, auf der Werft von Neptune
Marine in Hardinxveld-Giessendam
offiziell gestartet.
»Stream« ist eine Allianz aus neun
führenden Werften, darunter Schwergewichte
wie die Damen Shipyards Group,
Royal IHC, die Kooiman Marine Group,
Holland Shipyards Group, Den Breejen,
Scheepswerf Slob, Oceanco und De Haas
Shipyards. Unterstützt von den Fieldlabs
»Sam XL« und »Robo House« der TU
Delft, liegt der Fokus auf der Entwicklung
selbstlernender Produktionsstraßen.
Effizienz durch Robotisierung
Das technische Ziel von »Stream« ist
hochkomplex: Durch den Einsatz von
fortschrittlichen Schweißautomaten,
Cobots (kollaborativen Robotern) und
KI-gestützter Sensorik sollen die Arbeitstermine
bei der Fertigung von Schiffskaskos
bis zum Jahr 2030 um 10 bis 15 %
gesenkt werden. Dabei geht es nicht darum,
den Menschen zu ersetzen, sondern
die Produktivität in Bereichen zu steigern,
in denen händeringend Personal
gesucht wird.
»Dies ist ein schönes Beispiel dafür,
wie die Sektoragenda für die maritime
Fertigungsindustrie in der Praxis Gestalt
annimmt«, betonte die Kabinettsgesandte
Marja van Bijsterveldt beim Arbeitsbesuch
in Hardinxveld-Giessendam.
Die Robotisierung dient dabei als
Überlebensstrategie für den Standort
Europa. Sie macht den Sektor zukunftssicherer,
indem sie die Abhängigkeit von
manueller Arbeit in körperlich schweren
Produktionsphasen reduziert. Die
Werften investieren hier gemeinsam in
Wissen, das für einen einzelnen Betrieb
kaum zu finanzieren wäre.
Ein oft unterschätzter Teil des Zukunftspakts
ist die Bildungskomponente.
In der Region Drechtsteden ist man sich
einig: Innovation ohne Köpfe ist nicht
möglich. Deshalb ist es ein erklärtes Ziel
des Pakts, Ausbildung, Weiterbildung
und Industrie enger zu verzahnen. Die
»Duurzaamheidsfabriek« (Nachhaltigkeitsfabrik)
in Dordrecht spielt hierbei
eine Schlüsselrolle als Ort, an dem Schüler,
Studierende und Fachkräfte direkt
an den Maschinen der Zukunft geschult
werden.
Es geht darum, neue Zielgruppen
zu gewinnen und langfristige Karriereperspektiven
im Schiffbau zu schaffen.
Der Sektor soll für junge Talente wieder
attraktiv werden – nicht mehr als »Dirty
Business«, sondern als High-Tech-
Schmiede für die Energiewende auf dem
Wasser.
Achse nach Rotterdam
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg
des »De Witt Toekomstpact« ist die
enge Verzahnung mit dem Hafen Rotterdam.
Die Region versteht sich nicht als
Konkurrent zum größten europäischen
Seehafen, sondern als dessen industrielle
Werkbank und Innovationsschmiede.
Während in Rotterdam der Umschlag
und die Logistik dominieren, liefert das
Hinterland der Drechtsteden das technische
Know-how und die Schiffbaukapazitäten.
Diese Symbiose ist essenziell, um
die ambitionierten Ziele des »Maritimen
Masterplans« der Niederlande umzuset-
34 Binnenschifffahrt 05 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Der Fahrplan des »De Witt Toekomstpact«
Der Zukunftspakt definiert klare Kennzahlen (Key Performance Indicators), an
denen sich die Region bis zum Jahr 2035 messen lassen will. Die Strategie ruht
auf vier Säulen:
Wirtschaftliche Kraft: Verdopplung des maritimen Umsatzes in der Region
durch die Erschließung neuer Märkte in der Green Economy (z. B. Offshore-
Wind-Service-Schiffe und Wasserstoff-Tanker).
Technologische Souveränität: Aufbau eines »Innovationsdistrikts«, der als
europäisches Zentrum für autonome Schifffahrt und robotergestützte Fertigung
fungiert. Ziel ist eine Senkung der Produktionskosten um bis zu 15 %.
Humankapital: Schaffung von über 5.000 neuen Arbeitsplätzen im High-Tech-
Sektor. Durch die »Duurzaamheidsfabriek« sollen jährlich Hunderte Fachkräfte
für die neuen digitalen Berufsbilder im Schiffbau qualifiziert werden.
Nachhaltigkeit: Die Drechtsteden sollen zum ersten klimaneutralen maritimen
Cluster Europas werden. Dies umfasst nicht nur die produzierten Schiffe, sondern
die gesamte zirkuläre Wertschöpfungskette der Werften vor Ort.
zen, der den Bau von 40 emissionsfreien
Schiffen bis zum Jahr 2030 vorsieht.
Durch die räumliche Nähe können Prototypen,
die in den Fieldlabs der TU Delft
entwickelt wurden, direkt auf den Werften
in Hardinxveld-Giessendam oder
Sliedrecht unter realen Bedingungen getestet
werden.
Die Initiative der Drechtsteden strahlt
weit über die Landesgrenzen hinaus. In
einer Zeit, in der auch in Deutschland
intensiv über die Resilienz der kritischen
Infrastruktur und die Sicherung industrieller
Kerne diskutiert wird – man denke
an die jüngsten Debatten auf der Nationalen
Maritimen Konferenz (NMK) –, liefern
die Niederländer ein Praxisbeispiel
für proaktive Industriepolitik. Statt auf
staatliche Subventionen allein zu setzen,
forcieren sie die Eigenkapitalstärkung
durch technologische Überlegenheit.
Die Robotisierung im Projekt »Stream«
ist dabei der Schlüssel, um die Lohnkostenvorteile
asiatischer Werften durch Effizienz
und Präzision auszugleichen.
Von der Vision zur Wirkung
Der »De Witt Toekomstpact 2035« markiert
zusammen mit Projekten wie »Stream«
einen Wendepunkt. Die Drechtsteden
zeigen, wie man regionale Stärken
– von traditionsreichen Familienbetrieben
wie Da Capo bis hin zu global agierenden
Konzernen wie Damen – bündelt,
um den industriepolitischen Motor am
Laufen zu halten.
In einer Zeit, in der Zukunftsentwürfe
häufig in bürokratischen Papieren stecken
bleiben, beweisen die Drechtsteden,
wie man Visionen in reale Wirkung
verwandelt. Die Region positioniert sich
nicht nur als Standort für Schiffbau,
sondern als technologisches Herzstück
einer grünen und digitalen Ära. Für die
Branche in den gesamten Niederlanden
und darüber hinaus ist dies ein Signal:
Die Zukunft der Industrie wird im Delta
entschieden.
■
© Garrelmann
Spezialist für den Fluss: Die Werft Da Capo in Hardinxveld-Giessendam ist weit über die Grenzen der Region für den Bau und Ausbau von Flusskreuzfahrtschiffen
bekannt
Binnenschifffahrt 05 | 2026
35
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Weltraumspeicher im maritimen Einsatz
Die zunehmende Elektrifizierung zentraler Logistikprozesse von Häfen stellt Stromnetze auf die
Probe. Der niederländische Spezialist Quinteq setzt dafür auf Schwungrad-Speicher aus einer
»Weltraum-Entwicklung« mit Steuerung von Bachmann Electronic aus Deutschland
Elektrisch betriebene Hochleistungsanlagen
wie Schwerlastkräne verursachen
enorm hohe und volatile Leistungsspitzen.
Mit schnellen Speicherlösungen
lassen sich diese Spitzen glätten und
das Stromnetz entlasten. Quinteq aus
Culemborg in den Niederlanden perfektionierte
eine ursprünglich für den Weltraum
entwickelte Schwungrad-Speichertechnologie
und macht diese als mobile
Containerlösung nutzbar. Damit wollen
die Niederländer die Elektrifizierung von
Häfen auf der ganzen Welt deutlich erleichtern:
Die elektrische Kapazität lasse
sich so ohne teuren und zeitaufwändigen
Netzausbau jederzeit erweitern.
Immer mehr
Batteriespeicher-Systeme
© Quinteq
Die Verbreitung von Batteriespeichersystemen
nimmt rasant zu. Aus vielen Anwendungen
sind sie heute kaum mehr
wegzudenken. Technologisch bedingt
bringen serienreife Lithium-Ionen-Speicher
jedoch einige Nachteile mit sich
– etwa ihre begrenzte Anzahl an Ladezyklen,
die hohe Entflammbarkeit oder die
Abhängigkeit von empfindlichen Lieferketten.
Mit ihrer Schwungrad-Lösung entwarfen
die Spezialisten von Quinteq einen kinetischen
Speicher, der viele dieser Nachteile
beseitigen soll: »Unser Schwungrad
ist praktisch frei von seltenen Erden. Es
kommt ohne elektrochemische Zellen
aus und erhöht damit die Betriebssicherheit.
Der Speicher ist nahezu wartungsfrei
und erlaubt über 350.000 Ladezyklen
bei einer Betriebsdauer von 15 Jahren
und mehr«, sagt New Business Development
Manager Timo Pauel.
Quinteq setzt bei seinem Schwungraddesign
auf Geschwindigkeit anstatt auf
Masse: »Die speicherbare Energie hängt
zwar linear mit der Masse des Schwungrads
zusammen. Die Geschwindigkeit
Das Schwungrad von Quinteq ist modular aufgebaut und kann in Containern zu größeren Energiespeichersystemen
kombiniert werden. Kapazität sowie Lade- und Entladeverhalten lassen
sich genau an den lokalen Energiebedarf anpassen
geht jedoch quadratisch in die Speicherleistung
ein«, erklärt Pauel die physikalischen
Grundlagen. Dank der hohen Rotationsgeschwindigkeit
von weit mehr
als 10.000 Umdrehungen pro Minute
könne der Durchmesser der Schwungräder
kompakt ausfallen. Das ermöglicht
den Einsatz in mobilen Containern, die
sich an verschiedensten Orten temporär
oder permanent zur Minderung von
Lastspitzen einsetzen lassen.
Anpassung für
irdische Verhältnisse
Bis die ausgeklügelte Speichertechnologie
den Weg zu ihren ersten Anwendungen
an den Küsten der Niederlande
fand, war es eine weite Reise.
Ursprünglich wurde sie von Boeing für
den Einsatz im Weltraum entwickelt.
Im Jahr 2016 musste die Entwicklungsabteilung
des Unternehmens das Projekt
jedoch abbrechen, da es von der
amerikanischen Regierung nicht mehr
weiterverfolgt wurde. Quinteq erwarb
in der Folge von Boeing rund 200 Patente
und entwickelte das Konzept bis
heute weiter.
»Der Einsatz im Weltraum stellt in
puncto Kompaktheit und Sicherheit
extrem hohe Anforderungen an die
Speicherlösung. Funktionalität geht
vor, die Kosten sind hier zweitrangig.
Letzteres ist auf der Erde nicht der
Fall«, schmunzelt Pauel. »Wir setzten
deshalb alles daran, die Komplexität zu
reduzieren, die Kosteneffizienz zu verbessern
und die Leistungsabgabe bei
nahezu vergleichbaren Dimensionen
des Schwungrads zu erhöhen.«
36 Binnenschifffahrt 05 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Erfolgreiche Pilotprojekte in
den Niederlanden
In mehreren Pilotprojekten stellte Quinteq
die entwickelte Technologie in der
Praxis auf die Probe und optimierte fortlaufend
das Design. In Rotterdam unterstützte
etwa ein Schwungrad-Speicher
mit 400 kVA die Hauptstromversorgung
des Hafens. Dort werden drei elektrische
Kräne betrieben, die beim Be- und Entladen
hohe Lastspitzen verursachen. Man
habe den Leistungsbezug vom Netz im
Pilotprojekt um 65 % reduzieren und die
Lastspitzen erfolgreich glätten können,
heißt es.
Bei einer weiteren Installation entlastete
das Schwungrad das Netz in
Moerdijk. Der Betreiber erweiterte den
dortigen Hafen um einen weiteren Umschlagbereich
und einen zusätzlichen
Schwerlastkran. Im Pilotprojekt konnte
der Spitzenleistungsbezug um mehr als
70 % reduziert werden. Dank der Speicherlösung
könnten nun beide Kräne
parallel betrieben werden, ohne das
vertraglich definierte Anschlusslimit zu
überschreiten.
Bei seinen Pilot-Installationen setzt
Quinteq auf das Bachmann M200-Steuerungssystem
mit seinen Netzmess- und
Schutzfunktionen. »Beim Engineering der
Steuerung unserer Anlagen bekamen wir
von Bachmann gezielte Unterstützung.
Unsere Programmierer kamen im Zuge
der Entwicklung immer wieder mit spezifischen
Fragestellungen auf die Bachmann-
Experten zu. In kurzen Online-Sessions
gaben sie wertvolle Tipps für mögliche Lösungsansätze
– die Zusammenarbeit war
wirklich effizient«, sagt Pauel.
© Quinteq / Bachmann electronic
Das Schwungrad ist mit einer Leistung
von 300 kVA und 600 kVA verfügbar. Je
nach Anwendung vor Ort konfiguriert
Quinteq mit mehreren Schwungrädern
die passende Gesamtleistung: »Unsere
skalierbare Lösung lässt sich in 10-,
20- und 40-Fuß-Containern installieren.
In einem Container bringen wir bis zu
4 MVA Leistung unter.«
1 Motor / Generator
2 Rotor
3 Schutzabdeckung
4 Vakuumpumpe
5 Untere Magnetlager
6 Obere Magnetlager
Ein elektrischer Schwungradspeicher nutzt die Energie eines rotierenden Körpers (dem
Schwungrad), der durch einen Elektromotor beschleunigt wird und seine Bewegungsenergie
speichert. Bei Bedarf wird diese gespeicherte kinetische Energie durch denselben Motor, der
nun als Generator wirkt, wieder in elektrische Energie zurückverwandelt.
Die Container-Lösung von Quinteq,
die neben dem Schwungrad selbst
auch die Bachmann-Steuerung beinhaltet,
funktioniert »plug & play«.
Quinteq parametriert vorab präzise
das exakte Lade- und Entladeverhalten
für die jeweilige Anwendung.
Ist der Speicher ans Hafen-Netz angeschlossen,
entlastet er unmittelbar
und ohne weitere Vorbereitungsarbeiten
das Hauptnetz.
Expansion für den
weltweiten Einsatz
Serienproduktion mit
Bachmann
Nach den erfolgreich abgeschlossenen
Pilotprojekten ist die Serienproduktion
der Schwungrad-Speicher angelaufen.
Bei der Serienversion kommt
neben einer M200-Steuerung nun auch
das M100-System mit platzsparenden
UIO108 High-Density-Modulen zum Einsatz.
Diese bieten nach Angaben des
Herstellers beim selben kompakten
Formfaktor bis zu 50 % mehr Kanäle als
die Standard-I/O-Module.
»Die extrem schnellen und genauen
Netzmessungs- und Schutzfunktionen des
M200-Systems eignen sich ideal für die
Anwendung bei Hochleistungsanlagen von
Häfen mit ihren kurzzeitigen Leistungsspitzen«,
sagt Timo Pauel, New Business
Development Manager, Quinteq
© Quinteq
Die Speicherlösung werde in den nächsten
Jahren nicht nur die Netze der Häfen
in den Niederlanden entlasten, dessen
ist sich Pauel sicher: »Unsere Schwungradlösung
ebnet den Weg für den weltweiten
Einsatz dieser fortschrittlichen
Speichertechnologie – im maritimen
Sektor und darüber hinaus. Die eingesetzten
Steuerungen von Bachmann
sind ebenso robust wie die von uns entwickelte
Technologie. Damit steht auch
einem langjährigen Einsatz in klimatisch
herausfordernden Regionen der Welt
nichts entgegen.«
RD
Binnenschifffahrt 05 | 2026
37
SCHIFFSTECHNIK
Maritime Industry in Gorinchem:
20 Jahre Innovation und Netzwerk
Wenn sich Anfang des kommenden Monats, vom 2. bis 4. Juni 2026, die Tore der
Evenementenhal im niederländischen Gorinchem öffnen, ist vieles vertraut – und doch ist diese
Ausgabe der Maritime Industry 2026 eine ganz besondere. Von Hermann Garrelmann
Die Leitmesse der Binnenschifffahrt feiert ihr 20-jähriges Jubiläum.
Sie markiert damit nicht nur einen Meilenstein für die
Veranstaltung selbst, sondern für eine gesamte Branche im Umbruch.
Seit ihrer ersten Ausgabe Mitte der 2000er-Jahre hat sich
die Maritime Industry von einem regionalen Branchentreff zu
einer zentralen europäischen Plattform entwickelt. Was einst vor
allem Produktpräsentation war, ist heute ein hochverdichteter
Knotenpunkt für Innovation, Wissenstransfer und Geschäftsanbahnung.
Diese Entwicklung spiegelt den Wandel der Binnenschifffahrt
in den letzten beiden Dekaden wider: Digitalisierung, Automatisierung
und Dekarbonisierung sind keine Zukunftsvisionen
mehr sondern konkrete Handlungsfelder. Die Jubiläumsausgabe
2026 der Messe ist daher Rückblick, Standortbestimmung und
Zukunftslabor zugleich.
Das 20-jährige Bestehen wird in Gorinchem nicht separat gefeiert
sondern aktiv in das Messeerlebnis integriert. Viele Aussteller,
die von Beginn an dabei waren und die Messe geprägt
haben, werden gewürdigt und ausgezeichnet. Damit wird auch
ein Stück Kontinuität deutlich in einer Branche, die sich trotz aller
Innovation durch verlässliche Partnerschaften auszeichnet.
Gleichzeitig wächst die Messe auch physisch weiter. Mit der
erweiterten Ausstellungsfläche »Next Level« entsteht ein zusätzlicher
Bereich, der 2026 erstmals vollständig in das Gesamtkonzept
integriert ist. Für die Besucher bedeutet das: mehr Themen,
mehr Aussteller, mehr Einblicke – ohne den kompakten Charakter
der Veranstaltung zu verlieren.
Die Innovationen auf der diesjährigen Messe reichen von
der Idee zur Anwendung. Dabei geht es um Nachhaltigkeit und
Fragen zur Energiewende. Im Fokus stehen emissionsarme
Antriebssysteme und Lösungen zur Einhaltung neuer Umweltvorschriften.
Die eingeforderte Energiewende führt zu Hybridlösungen,
elektrischen Antrieben und alternativen Kraftstoffen
wie Methanol oder LNG. Das sind 2026 keine Pilotprojekte mehr,
© Garrelmann
Maritime Industry 2026
Termin: Dienstag, 2. Juni bis Donnerstag, 4. Juni 2026
Öffnungszeiten: Täglich von 13:00 bis 21:00 Uhr
Ort: Evenementenhal Gorinchem, Niederlande
Aussteller: Rund 350 Unternehmen präsentieren Innovationen aus den Bereichen Motorentechnik, Schiffsbau, Propulsionssysteme
und nachhaltige Kraftstoffe.
Themenschwerpunkt: Unter dem Motto „Next Step in Maritime“ liegt der Fokus 2026 auf der praktischen Umsetzung der
Energiewende (Zero Emission) sowie autonomen Systemen und KI in der Schifffahrt.
Infos & Tickets: www.maritime-industry.nl
38 Binnenschifffahrt 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK
sondern marktreife Technologien. Ergänzt werden sie durch
Landstromlösungen, die emissionsfreie Liegezeiten ermöglichen.
Die Botschaft ist klar: Nachhaltigkeit wird zum zentralen
Erfolgsfaktor der Branche.
Im Bereich Digitalisierung und Automatisierung werden Innovationen
in den Bereichen autonomes Fahren, digitale Vernetzung
und Automatisierungslösungen für den Schiffsbetrieb
im Mittelpunkt stehen. Moderne Schiffe werden zunehmend zu
vernetzten Systemen: Digitale Zwillinge simulieren den Betrieb,
KI analysiert Betriebsdaten in Echtzeit und vorausschauende
Wartung reduziert Ausfälle. Für Betreiber bedeutet das mehr
Effizienz und bessere Planbarkeit – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Im Steuerhaus haben smarte Navigation und Automatisierung
Einzug gehalten. Auch auf der Brücke erhöhen intelligente
Assistenzsysteme, automatisierte Navigation und moderne
Sensorik die Sicherheit und ebnen den Weg für teilautonome
Schiffe. Was vor wenigen Jahren noch experimentell war, wird zunehmend
praxistauglich.
Ein weiterer thematischer Schwerpunkt liegt auf der politisch
gewollten Verkehrsverlagerung: weg vom Lkw-Verkehr hin zur
Binnenschifffahrt, als umweltfreundliche Logistikalternative. Zu
all diesen Bereichen werden praxisnahe Lösungen gezeigt.
Ob Roboter Kai eine große Karriere vor sich hat, muss sich zeigen.
Das System mit einem humanoiden Roboter befindet sich
in der Erprobung, zunächst geht es um einfache Assistenz an
Bord einer Fähre. Ob er später automatisiert beim Festmachen
und Umschlag von Schiffen unterstützt, bleibt abzuwarten. Sensoren,
Kameras und KI sorgen für präzise Abläufe – schneller,
sicherer und mit weniger Personalaufwand.
Trotz aller Technologie bleibt ein zentraler Wert der Maritime
Industry unverändert: der persönliche Austausch. Die Messe
bringt Entscheider, Entwickler, Zulieferer und Betreiber zusammen
– und schafft damit genau den Raum, in dem Innovationen
zu Geschäftsmodellen werden.
© Garrelmann
Fachvorträge, Diskussionsrunden und ein Career Event ergänzen
die Ausstellung und greifen aktuelle Herausforderungen
wie Fachkräftemangel und Nachwuchsförderung auf. Gerade im
Jubiläumsjahr wird deutlich, wie wichtig dieser Dialog für die Zukunftsfähigkeit
der Branche ist.
Für Fachbesucher bietet die Maritime Industry 2026 einen
kompakten, aber tiefgehenden Überblick über den Markt. Innerhalb
weniger Tage lassen sich Anbieter und Lösungen direkt
vergleichen und zugleich strategische Kontakte knüpfen. Durch
die hohe Dichte an Entscheidern wird die Messe 2026 zum
Pflichttermin – gerade für alle, die Investitionen planen oder ihre
Marktposition stärken wollen.
Dabei sollen mehrere Highlights und Formate helfen:
• Innovation-Award 2026: Besucher können über die »Innovation
Route« aktiv mitbestimmen, wer die prestigeträchtige
Auszeichnung für die beste Brancheninnovation erhält.
• Innovation Area: Ein spezieller Bereich auf dem »Next Level«
der Messehalle widmet sich ausschließlich zukunftsweisenden
Technologien und Prototypen.
• Career Event: Da Fachkräftemangel ein wichtiges Thema ist,
gibt es ein integriertes Karriere-Event für den Austausch zwischen
Unternehmen und Nachwuchstalenten.
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SCHIFFSTECHNIK
© Garrelmann
• Experten: Das Rahmenprogramm bietet zahlreiche Vorträge
und Diskussionsrunden zu aktuellen Herausforderungen wie
neuen Emissionsanforderungen und Hafen-Infrastruktur.
Auch für Aussteller bietet die Jubiläumsausgabe eine besondere
Bühne. Hier treffen Profis auf ein hochspezialisiertes Publikum
mit konkretem Interesse und Entscheidungskompetenz. Die
Vorteile liegen auf der Hand:
• direkte Gespräche mit relevanten Zielgruppen
• Präsentation komplexer Technologien im Live-Kontext
• Zugang zu internationalen Märkten
Hinzu kommt die erhöhte Aufmerksamkeit durch das Jubiläum
selbst – ein idealer Moment, um Innovationen zu positionieren
und neue Partnerschaften zu etablieren. Dass die Messe in Gorinchem
stattfindet, ist kein Zufall. Die Stadt liegt im Herzen eines
der wichtigsten europäischen Wasserstraßennetze und ist
eng mit der Binnenschifffahrt verbunden. Diese Nähe zur Praxis
macht die Veranstaltung besonders authentisch – hier wird
nicht nur über die Branche gesprochen, hier wird sie gelebt.
Die Maritime Industry 2026 verbindet Vergangenheit und
Zukunft auf überzeugende Weise. Sie zeigt, wie sich eine traditionelle
Branche neu erfindet – technologisch, wirtschaft-
Nächster Ankerplatz:
Gorinchem.
Morgen kann kommen.
Wir machen den Weg frei.
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40 Binnenschifffahrt 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK
© Garrelmann
lich und strukturell. Für potenzielle Besucher oder Aussteller
stellt sich daher nicht nur die Frage, ob sich eine Teilnahme
lohnt. Sondern vielmehr, wer welche Rolle in der nächsten
Entwicklungsphase der Binnenschifffahrt spielen möchten.
Denn eines ist klar: Die Zukunft der maritimen Industrie entsteht
nicht irgendwo – sie entsteht in Gorinchem. ■
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Binnenschifffahrt 05 | 2026
41
SCHIFFSTECHNIK
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Starke Finanzpartnerin für die Binnenschifffahrt
Finanzierungen zu Wasser sind ihr Spezialgebiet: Die Bank für
Schiffahrt (BfS) ist Expertin für die Binnenschifffahrt und gefragte
Finanzpartnerin. Ihr Erfolgsgeheimnis: ausgeprägte Branchenexpertise,
tiefe Marktkenntnis und hohe Verlässlichkeit.
Aktuell umfasst das Portfolio der BfS rund 525 Tank-, Fahrgast-
und Trockengüterschiffe. Die Genossenschaftsbank begleitet
die Branche bei sämtlichen Investitionsvorhaben – vom
Kauf über Neubau bis hin zu Modernisierungen. Darüber hinaus
unterstützt sie ihre Kundschaft beim aktiven Zins- sowie Risikomanagement
und steht bei Existenzgründungen beratend
zur Seite.
Das Angebot wird durch klassische Bankdienstleistungen
komplettiert – von Geldanlageprodukten über den internationalen
und nationalen Zahlungsverkehr bis hin zu einem zeitgemäßen
Online-Banking.
Menschen und Geschäftsmodelle im Blick
»Wir beraten ganzheitlich«, sagt Dieter Schneider, Leiter der
BfS. Gemeinsam mit seinem Team behält er das große Ganze
im Blick. »Egal ob Erfolge gefeiert werden können oder Herausforderungen
gemeistert werden müssen: Wir sind an der Seite
unserer Kundinnen und Kunden«, betont Schneider.
Im Zentrum steht dabei nicht nur das jeweilige Unternehmen,
sondern auch der Mensch dahinter. »Insbesondere im Partikulier-Bereich
sind betriebliche Planung und private Lebensgestaltung
eng verzahnt«, erläutert Schneider. »Unser Ziel ist es,
für beide Seiten gemeinsam tragfähige und zukunftsorientierte
Lösungen zu finden.« Die BfS unterstützt ihre Kundinnen und
Kunden dabei, langfristig auf Kurs zu bleiben. Ein besonderer
Freuen sich auf die »Maritime Industry«: Philipp Draken, Nils Funger,
André Winkler, Andreas Griesen und Dieter Schneider
Fokus liegt auf der Transformation zur »grünen Schifffahrt«. Mit
ihrer Expertise begleitet die Bank die gezielte Nachrüstung bestehender
Schiffe mit modernen Technologien und ermöglicht
die Finanzierung klimafreundlicher Neubauten.
Präsenz auf der »Maritime Industry«
Mit Standorten in Hannover und Duisburg ist die BfS räumlich
eng mit der Branche und den angrenzenden Niederlanden verbunden.
Die Maritime Industry ist daher ein fester Ankerpunkt
im Jahreskalender. Auch 2026 ist die Genossenschaftsbank wieder
Ausstellerin auf der Fachmesse. An Messestand B13 informiert
die BfS über aktuelle Fragestellungen zur Finanzplanung
und Möglichkeiten einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.
■
© BfS
Deutschlands einzige Fachmesse für die Binnenschifffahrt
22. & 23. September 2026
Auf der Shipping Technics Logistics 2026 werden die neuesten Technologien, Produkte und Dienstleistungen der Branche vorgestellt.
Hier kommen Entscheidungsträger aus der Branche, Hersteller und Fachbesucher zusammen, um Ideen auszutauschen, zu
Netzwerken und neue Impulse zu geben. Erleben Sie zwei Tage voller Wissen und praktischer Lösungen – kompakt, zielgerichtet und
auf hohem professionellem Niveau. Nach dem ersten Messetag kommt die gesamte Branche zu einem geselligen Abend mit guten
Gesprächen und neuen Begegnungen zusammen. Für Aussteller ist der Eintritt frei! Fachbesucher sind für nur 49,50 € p.P. inklusive
aller Buffet und Getränke, herzlich willkommen.
Leon Westerhof
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42 Binnenschifffahrt 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK
AUTOMATISIERUNG IN DER SCHIFFFAHRT
Zentrale Plattform von Argonics
Die Argonics GmbH ist seit mehr als zehn Jahren Spezialist für
die Automatisierung der Binnenschifffahrt. Das bekannteste
Produkt – der Argo Track Pilot – ist auf hunderten von Schiffen
europaweit im Einsatz. Weitere Produkte wie der Argo Position
Pilot runden das Sortiment ab.
Dieses Jahr stellt Argonics auf der Maritime Industry in Gorinchem
die Argo Cloud in den Mittelpunkt – die zentrale Plattform
für alle Geräte von Argonics, Argonav und Alphatron Marine. Für
Kunden bedeutet das: alle relevanten Daten gebündelt an einem
Ort, jederzeit verfügbar und nutzbar. Die argoCloud ermöglicht
das Erfassen, Speichern und Austauschen von Mess- und Bilddaten.
Alle Daten werden über ein zentrales Dashboard dargestellt
und lassen sich gezielt auswerten. Ein besonderer Vorteil ist die
synchrone Wiedergabe mehrerer Datenquellen, die eine präzise
und ganzheitliche Auswertung einzelner Fahrten ermöglicht –
sowohl im Live-Betrieb als auch in der nachträglichen Analyse.
Umfassende Integration möglich
Alle Produkte, die Argo Cloud-ready sind, lassen sich ohne zusätzliche
Hardware integrieren.
Der Argo Track Pilot ist das weltweit erste System zur automatischen
Bahnführung von Binnenschiffen entlang vordefinierter
Leitlinien – entwickelt für maximale Präzision, Effizienz und
Zukunftssicherheit. Bereits heute erfüllt er die Anforderungen
der ES-TRIN 2027. In der aktuellen Version wurde die Schleusenwarnung
verbessert und basiert nun auf der voraussichtlichen
Ankunftszeit, wodurch eine noch sicherere Fahrt ermöglicht
wird. Zudem wurde die Track-Auswahl vollständig überarbeitet,
sodass sie jetzt deutlich intuitiver und komfortabler ist.
Die Cloud-Lösung verbindet alle Anwendungen
Der Argo Position Pilot ist eine Manövrierhilfe für Binnenschiffe
mit Ruderpropellern. Er macht die Navigation vor der Schleuse
und auch im Hafen intuitiver und sicherer. Das System übersetzt
die Eingaben des Schiffsführers über einen Joystick und
hält Position und Geschwindigkeit des Schiffs – trotz Strömung
und Wind. Zusammen mit dem Notstopp-Modus, bei dem das
Schiff aus voller Fahrt heraus schnellstmöglich aufgestoppt werden
kann, steigert der Argo Position Pilot die Sicherheit an Bord
und im Fahrbetrieb. Um die Crew optimal auf die Bedienung
dieser Assistenten vorzubereiten, bieten wir ein kostenloses Online-Training
an.
Als Teil des Forschungsprojekts »Magpie« zeigen Argonics
und Argonav einen Prototyp eines vollautonomen Containerschiffs,
das von einer Anlegestelle zur anderen fährt.
Auch dieses Jahr werden die Kunden von Argonics und Argonav
am Stand von Alphatron Marine (Messestand L03) alle Produkte
live testen und sich informieren können. ■
© Argonics
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SCHIFFSTECHNIK
NAVIGATIONSSYSTEME UND SCHIFFSSTEUERUNG
Argonav bietet Komplettlösungen
Argonav ist spezialisiert auf Inland ECDIS-Systeme und deren Erweiterungen
wie Radareinblendung und RIS-Technologien. Die
Nutzung moderner Navigationstechnologien und -sensorik wie
RTK-GNSS und LiDAR sowie die enge Verzahnung mit den Lösungen
zur automatisierten Schiffsführung von Argonics ermöglichen
leistungsfähige und umfassende Komplettlösungen für die Schiffssteuerung.
Die Produkte von Argonics, Argonav und Alphatron Marine sind
Argo Cloud-ready. Sie kommunizieren nahtlos, ohne zusätzliche
Hardware, direkt mit der Argo Cloud. Die Anzeigen des Argo Radar
Pilots, Argo Bridge Pilots und Argo Laser Pilots sowie weitere
Navigationsdaten können in die Argo Cloud geladen und zum Beispiel
einer Reedereizentrale oder anderen Nutzern zur Verfügung
gestellt werden. Im Zusammenspiel entsteht eine kosteneffiziente
VDR-Funktionalität mit Speicherung und Live-Zugriff über die Argo
Cloud.
Der Argo Radar Pilot ist ein modernes Inland-ECDIS mit benutzerfreundlicher
Anzeige und einfacher Bedienung. Es können zwei
unterschiedliche Kartenansichten auf zwei Monitoren angezeigt
werden – perfekt, um das eigene Schiff und entgegenkommende
Schiffe im Blick zu behalten. Mit dem zertifizierten Navigationsmodus
kann ein Radarbild überlagert werden. Über die Netzwerkverbindung
zum Radar JMR-611 kann dies noch einfacher und günstiger
realisiert werden. Die Routenplanung sowie die Kursdarstellung
des eigenen Schiffs wurden verbessert. Die Kursdarstellung wird
nun auch unter Berücksichtigung der Drehbewegung deutlich klarer
und präziser dargestellt.
Enge Verzahnung mit LiDAR-Messungen
Der Argo Bridge Pilot ist ein System zur Brückenkollisionswarnung
für Binnenschiffe. Er unterstützt den Schiffsführer, indem er kontinuierlich
die Höhe des Steuerhausdaches mit Hilfe von hochgenauem
RTK-GNSS misst und mit der Brückenhöhe vergleicht. In dieser
Messung werden alle Effekte berücksichtigt, die sich aus dem Wasserstand
oder dem aktuellen Tiefgang des Schiffes ergeben. Weitere
Aufbauten können berücksichtigt werden. Die hinterlegten Brückenhöhen
werden mithilfe von LiDAR-Messungen verifiziert. Der
Argo Bridge Pilot entspricht den Anforderungen der »Richtlinie zur
Förderung der nachhaltigen Modernisierung von Binnenschiffen
zur Verlagerung von Güterverkehr von der Straße auf die Wasserstraße«
des Bundesverkehrsministeriums.
Der Argo Laser Pilot erfasst die Schiffsumgebung durch LiDAR-
Sensoren. Vor allem bei Schleusenfahrten oder beim Anlegen ist
er eine perfekte Hilfe, um den Überblick zu behalten. Neu ist, dass
mehrere LiDAR-Bilder gleichzeitig angezeigt werden können. Zu
Schleusenwänden und Kaimauern werden nun automatisch Abstände
angezeigt. Außerdem gibt der Argo Laser Pilot die Abstände
per Ton aus – so kann sich der Kapitän auf die Außenansichten
konzentrieren.
Ein Vorteil der Argonav-Lösungen liegt in der intelligenten Vernetzung
der Einzelkomponenten. So profitieren Nutzer des Argo Radar
Pilot nicht nur von der verbesserten Kursdarstellung, die nun auch
Drehbewegungen des Schiffes präziser abbildet, sondern auch von
einer optimierten Routenplanung. Die Integration von RTK-GNSS-
Daten ermöglicht eine Positionsgenauigkeit im Zentimeterbereich,
was besonders in engen Fahrwassern die Sicherheit massiv erhöht.
Cloudbasierte Verifizierung
Für die Brückendurchfahrt bietet der Argo Bridge Pilot zudem eine
vorausschauende Sicherheit: Das System warnt nicht nur akustisch
und visuell vor drohenden Kollisionen, sondern ermöglicht durch
die cloudbasierte Verifizierung eine aktuelle Informationsgrundlage.
Das System berechnet die dynamischen Effekte von Beladung
und Wasserstand automatisiert und reduziert diee Arbeitsbelastung
des Schiffsführers in kritischen Passagen.
Interessierte können sich in Gorinchem am Stand von Alphatron
Marine (Messestand L03) live von den Produkten der Argo-Produktfamilie
überzeugen.
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SCHIFFSTECHNIK
HGK SHIPPING
Innovationstreiber für Europas Wasserstraßen
Europas größte Binnenreederei, die HGK Shipping mit Sitz in
Duisburg, präsentiert sich auf der Maritime Industry in Gorinchem
als ganzheitlicher Logistikpartner für die Industrie. Mit einer
beeindruckenden Flotte von über 350 eigenen und gecharterten
Schiffen bewegt das Unternehmen jährlich rund 44 Mio. t
Güter quer durch den Kontinent. Dabei verbindet die Reederei
die wichtigsten Industriezentren in den Benelux-Staaten, Frankreich
und Deutschland über den Rhein sowie dessen Nebenflüsse
und Kanalsysteme.
Ein zentrales Thema am Messestand K25 ist die fortschreitende
Dekarbonisierung der Flotte. Das Unternehmen unterstreicht
in Gorinchem seine Vorreiterrolle durch das konsequente Design
und den Bau von Schiffen, die speziell auf Niedrigwasserphasen
und alternative Antriebstechnologien optimiert sind.
Beispielhaft steht hierfür die Sparte »HGK Gas Shipping«, die
mit spezialisierten Einheiten wie dem wegweisenden Gastanker
»Gas 95« neue Maßstäbe in Sachen Effizienz und Sicherheit beim
Transport verflüssigter Gase wie Ammoniak oder LPG setzt.
Digitale Vernetzung im Fokus
Über die Hardware hinaus rückt HGK Shipping in diesem Jahr
verstärkt die digitale Vernetzung der Lieferketten in den Fokus.
Durch die Tochtergesellschaft HGK Digitals entwickelt die Gruppe
intelligente Schnittstellen, die eine nahtlose Integration der
Binnenschifffahrt in die globalen Supply-Chains der verladenden
Industrie ermöglichen. In Gorinchem demonstriert das Team,
wie Echtzeitdaten zur Flottensteuerung und Wasserstandsprognosen
dazu beitragen, die Planungssicherheit für Kunden
massiv zu erhöhen und Leerfahrten sowie Wartezeiten an den
Terminals zu minimieren.
Die Präsenz auf der Messe in Gorinchem unterstreicht zudem
die enge Verbundenheit der Reederei mit dem niederländischen
Markt. Als Drehscheibe zwischen den ARA-Häfen (Antwerpen,
Rotterdam, Amsterdam) und dem Hinterland ist die Region
Am Messestand informiert HGK über die umfassende Logistik
Südholland für HGK Shipping von strategischer Bedeutung. Die
Messe bietet die ideale Plattform, um den Dialog mit Partnern
aus der maritimen Fertigungsindustrie zu vertiefen und gemeinsam
Lösungen für die Energiewende zu entwickeln. Dabei stehen
insbesondere Kooperationen im Bereich der nachhaltigen
Kraftstoffe und die Erprobung neuer Schiffsdesigns im Vordergrund,
die am Standort Gorinchem traditionell stark vertreten
sind.
Maßgeschneiderte Transportkonzepte
Auch in den Bereichen »Liquid Chemicals« und »Dry Shipping«
forciert die HGK Shipping den technologischen Wandel. Mit rund
60 Tankern für flüssige Chemikalien und einer starken Präsenz
in der Trockenschifffahrt bietet das Unternehmen maßgeschneiderte
Transportkonzepte, die durch das konzerneigene Design
Center in Duisburg stetig weiterentwickelt werden.
Besucher der Messe können sich vor Ort über die neuesten
Neubauprogramme und die strategische Ausrichtung der Reederei
informieren, die sich zunehmend als Systemanbieter für
komplexe, grüne Logistikketten positioniert.
RD
© Garrelmann
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2.–4. Juni 2026 | Gorinchem
Maritime Industry 2026
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SCHIFFSTECHNIK
ZUKUNFT DER SCHIFFFAHRT
River Academy präsentiert modernes Bildungskonzept
© River Academy
Vor Kurzem unterzeichneten Ivan Winterhalder (l.), Geschäftsführer
der River Academy, und Cor van Wijngaarden vom Bildungsanbieter
STC Next die Kooperation
Wenn sich vom 2. bis 4. Juni die Tore der Evenementenhal Gorinchem
für die Fachmesse Maritime Industry öffnen, rückt auch
die Qualifizierung von Fachkräften ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
Als einer der führenden Bildungsanbieter für die europäische
Fluss-Schifffahrt präsentiert die River Academy innovative
Trainingslösungen, die den rasanten technologischen Wandel
der Branche widerspiegeln.
Die Binnenschifffahrt steht vor großen Herausforderungen:
Digitalisierung, strengere Sicherheitsvorschriften und der wachsende
Bedarf an qualifiziertem Personal erfordern neue Wege
in der Aus- und Weiterbildung. Die River Academy begegnet diesem
Bedarf in Gorinchem mit einem Portfolio, das klassisches
nautisches Handwerk mit modernster Methodik verbindet.
Besucher erhalten Einblicke in das ganzheitliche Lehrkonzept,
das von spezialisierten ADN-Gefahrgutschulungen bis hin zu zukunftsweisenden
Simulatortrainings reicht.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf der Flexibilisierung
des Lernens. Mit hocheffizienten E-Learning-Modulen
und Quizformaten ermöglicht es die Akademie den Besatzungsmitgliedern,
Wissen ortsunabhängig direkt an Bord zu
vertiefen. Parallel dazu stärkt die Kooperation mit der Hotel Butler
Academy (HBA) die Kompetenzen im Hospitality-Bereich – ein
entscheidender Faktor für den Erfolg in der Flusskreuzfahrt, der
auf der Messe detailliert thematisiert wird.
Stichwort Kooperationen: Auch die kürzlich geschlossenen
Kooperation mit dem niederländischen Bildungsanbieter STC
Next wird natürlich in Gornichem Thema sein. Durch die enge
vertragliche Verzahnung bündelt die River Academy ihre Kompetenzen
mit dem wohl wichtigsten Bildungsanbieter der Niederlande.
Ziel der Allianz ist es, die Aus- und Weiterbildung über
nationale Grenzen hinweg zu harmonisieren und die praktischen
Anforderungen der EU-weiten CESNI-Standards konsequent
umzusetzen.
Zugang zu verschiedenen Berufsstufen
»Diese Kooperation ist ein wichtiger Schritt, um den gemeinsamen
Qualifikationsregeln in Europa gerecht zu werden«, heißt es
aus Kreisen der Akademie. Auf der Messe in Gorinchem wird das
Duo nicht nur mit einem gemeinsamen Stand, sondern auch mit
einer abgestimmten Anzeigenkampagne Flagge zeigen. Besucher
können sich vor Ort aus erster Hand darüber informieren,
wie die Partnerschaft den Zugang zu verschiedenen Berufs- und
Qualifikationsstufen vereinfacht und die maritime Karriereplanung
auf ein neues, internationales Fundament stellt.
Interessenten können vor Ort zudem Informationen zum
Standort »River Harbour« im nahegelegenen Dodewaard einholen,
der als praxisnahes Trainingszentrum die Brücke zwischen
Theorie und Bordalltag schlägt. Inmitten des Netzwerktreffens
in Gorinchem positioniert sich die River Academy damit nicht
nur als Bildungseinrichtung, sondern als strategischer Partner
für die maritime Wirtschaft, der die Besatzungen fit für die Anforderungen
von morgen macht.
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SCHIFFSTECHNIK
NACHHALTIGE ANTRIEBSLÖSUNGEN
HJS präsentiert Abgasnachbehandlung in Gorinchem
Auf der Fachmesse »Maritime Industry« in Gorinchem rückt die
HJS Emission Technology (Menden) innovative Systeme zur Emissionsminderung
in den Mittelpunkt. Das Unternehmen reagiert
damit auf die steigenden Anforderungen an die Umweltverträglichkeit
der Binnenflotte. Ein Schwerpunkt am Messestand ist
die SCRT-Technologie (Selective Catalytic Reduction Technology).
Diese Systeme sind speziell darauf ausgelegt, sowohl Stickoxide
(NO x
) als auch Partikelmasse hocheffizient zu reduzieren. Angesichts
der strengeren Grenzwerte der Stufe V (Stage V) der
Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) bietet HJS damit
Lösungen an, die sowohl für Schiffsneubauten als auch für
die Nachrüstung (Retrofit) bestehender Motoren geeignet sind.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Flexibilität der technischen
Systeme. Da Platz im Maschinenraum von Binnenschiffen
in der Regel oft Mangelware ist, hat HJS modulare Komponenten
entwickelt, die sich individuell an die baulichen Gegebenheiten
an Bord anpassen lassen. Dies erleichtert die Integration der
Abgasnachbehandlung, ohne die Wartungszugänglichkeit des
Hauptmotors einzuschränken. Zusätzlich zur Hardware präsentiert
das Unternehmen digitale Lösungen zur Überwachung
der Systemleistung. Mittels Sensortechnik und Datenlogging
HJS zeigt in Gorinchem seine modular aufgebauten SCRT-Systeme
zur hocheffizienten Abgasnachbehandlung in der Binnenschifffahrt
können Betreiber die Effizienz der Abgasreinigung in Echtzeit
kontrollieren und so die Einhaltung der Umweltstandards dokumentieren.
Besucher finden HJS am Stand, wo Experten für
technische Beratungen zu individuellen Nachrüstprojekten zur
Verfügung stehen.
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© HJS
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SCHIFFSTECHNIK
Klappprahm »Borken« in Meppen getauft
Mit der Taufe des Klappprahms »Borken« in Meppen wurde ein weiteres modernes Arbeitsgerät
für die Unterhaltung der Bundeswasserstraßen in Dienst gestellt. Von Hermann Garrelmann
© Garrelmann
Der Klappprahm »Borken« basiert auf einer bekannten Bauform. Sein Einsatzgebiet stellt besondere Anforderungen an das Schiff
Der Neubau, realisiert von der Schiffswerft
Barthel in Derben an der Elbe in
Sachsen-Anhalt, steht exemplarisch für
die kontinuierliche Weiterentwicklung
bewährter Schiffskonzepte innerhalb der
Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung
(WSV).
Am Anleger des Bauhofs des Wasserund
Schifffahrtsamts (WSA) in Meppen
hat sich an einem sonnigen Frühlingstag
eine große Gästeschar versammelt,
darunter Mitarbeiter der Wasserstraßenverwaltung
und örtliche Prominenz. Die
Zeremonie folgt einer bewährten Tradition.
Nach der Begrüßung durch den
Hausherrn, Amtsleiter Hermann Poppen
und diversen Grußworten, spenden die
beiden örtlichen Geistlichen – Probst
Franz Bernhard Lanvermeyer und Pastor
Achim Heldt – den kirchlichen Segen.
Danach richtet sich der Blick schnell auf
das, worauf es hier ankommt: Technik,
Einsatz und Zusammenarbeit.
Dr.-Ing. Corinna Barthel von der mit
dem Bau beauftragten Schiffswerft Barthel
ordnet den Neubau ein. Die »Borken«
ist kein Einzelstück, sie baut auf
einem bewährten Konzept auf.
»So ein Nachbau eines vor nicht langer
Zeit gebauten Schiffes ist auch für die
Werft etwas Schönes«, sagt sie. Die Vorlage
liefert das Schwesterschiff »Hilter«.
Der Vorteil einer solchen Serie liege für
die Werft auf der Hand: »Erkenntnisse,
die aus dem Bau und Betrieb gewonnen
wurden, konnten wir direkt beim Neubau
umsetzen.«
Barthel hebt vor allem die enge Abstimmung
mit dem Auftraggeber, dem
WSA Ems-Nordsee und der zuständigen
Fachstelle der Wasserstraßenverwaltung
in Koblenz hervor. Besonders
in der Endphase habe dann auch der
künftige Schiffsführer Christian Temmen
eine wichtige Rolle gespielt. Er
kennt das Schiff mit Baukosten von rund
3,29 Mio. € bereits aus der Praxis.
Ausgelegt auf Effizienz im
Baggerbetrieb
Die »Borken« ist für den Transport von
Baggergut konzipiert. Ihre Ladewanne
fasst 177 m³ und lässt sich hydraulisch
öffnen. Das sorgt für ein schnelles und
kontrolliertes Entladen – ein entscheidender
Faktor im laufenden Betrieb.
Mit einer Länge von 36,60 m und einer
Breite von rund 6,70 m ist das Schiff
kompakt genug auch für enge Reviere,
ohne dabei an Leistungsfähigkeit zu verlieren.
48 Binnenschifffahrt 05 | 2026
CE
nen
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Beach:
© Garrelmann
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SCHIFFSTECHNIK
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SCR-Systeme und
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ISOLIERUNGEN
Beim Antrieb setzt die »Borken« auf
einen Schottel-Navigator, kombiniert mit
einem Volvo-Dieselmotor (221 kW). Die
Einheit ist kompakt aufgebaut und verleiht
dem Weitere Arbeitsschiff Informationen
eine Geschwindigkeit
von bis zu 15 km/h. Für zusätzliche
Wendigkeit sorgt ein Bugstrahlruder
zu unseren Produkten
mit 45 kW. finden Sie hier:
Eine technische Anpassung fällt besonders
ins Gewicht: der wassergekühlte
Frequenzumrichter. »Damit konnten die
Lärmemissionen für den Aufenthaltsbereich
stark reduziert werden«, erklärt
Barthel. Eine Verbesserung, die im Arbeitsalltag
unmittelbar spürbar ist.
Mit kurzem Anlauf schreitet scr-systems dann Taufpatin
Heike Poggemann zur Tat. Die
Ehefrau des Betriebsratsvorsitzenden
Poggemann lässt die Sektflasche gleich
beim ersten Versuch zerschellen: ein
gutes Zeichen für das Schiff und die Besatzung.
Die »Borken« scr-systems
bekommt ihren
Namen und alle guten Wünsche für eine
INDUSTRIE-
»allzeit gute Fahrt«.
Das Einsatzgebiet stellt an die neue
Einheit besondere industrial Anforderungen. silencers Zahlreiche
Brücken erfordern für den betrieb
variable Lösungen. Deshalb verfügt die
»Borken« über eine Ballastwasseranlage,
mit TEHAG der sich GmbH der Tiefgang gezielt
Gutenbergstraße 42
Technische Eckdaten
Baujahr: 2025
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SCR-SYSTEME
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Baukosten: rund 3,29 Mio. Euro
Geschwindigkeit: bis 15 km/h
Stromversorgung: Dieselgenerator
(Caterpillar, 108 kW)
particulate filters Bugstrahlruder: 45 kW, elektrisch
Tiefgang: variabel bis 1,94 m
RUßPARTIKELFILTER
SCR-SYSTEME
particulate filters
anpassen lässt. Die Energieversorgung
an Bord übernimmt ein Dieselgenerator
von Caterpillar mit rund 108 kW Leistung.
Auch hier zeigt sich der Fokus auf
robuste, bewährte Technik.
Navigation aus der
Praxis gedacht
DIESEL –
Der Fahrstand ist als Ein-Mann-Arbeitsplatz
ausgelegt und mit allen relevanten
Systemen ausgestattet: Radar, AIS,
ECDIS sowie GPS und DGPS. Die Anordnung
wurde gemeinsam mit der Besatzung
entwickelt. »So dass sich eine gute
INDUSTRIE-Bedienfreundlichkeit ergibt«, so Barthel.
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Ein Detail, das im täglichen Einsatz den
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Unterschied macht.
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mit dem Baggerschiff »Emsland«
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und dem Klappprahm »Hilter«. Das Einsatzgebiet
reicht von der Ems zwischen
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Papenburg und Gleesen über den Küstenkanal
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in die westdeutschen Kanäle. Flexibilität
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wechsel: Von der Die Montage »Borken« bis zur ersetzt Wartung die »Hüntelgung
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gemäß 44. BImSchV durch.
Im Anschluss an die Zeremonie folgt eine
kurze Probefahrt mit Gästen auf dem
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Meppen und hauseigenen zurück. Kein Produktion symbolischer in Deutschland
ein mit erster höchster Eindruck qualitativer im rea-
Sorgfalt.
Akt, sondern
len Einsatzumfeld. Um dies zu Der gewährleisten, von Corinna Barthel
formulierte trieb und klassische Produktion Wunsch zertifiziert auf nach:
sind Be-
Dem Schiff wurde auch kirchlicher Segen »immer eine glückliche Rückkehr nach
• DIN ISO 9001
zuteil
Meppen«, wird • erstmals DIN EN 14001 erfüllt. ■
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SCHIFFSTECHNIK
Neue IPS-Plattform von Volvo Penta
Der Antriebsspezialist Volvo Penta will mit der neuen professionellen Platform des Inboard
Performance System (IPS) neue Größenordnungen erreichen und höhere Energieeffizienz sowie
langfristige Betriebszeiten ermöglichen. Auch Elektro-Technologien hat der Hersteller im Fokus
seiner Weiterentwicklungen
Es ist die nächste Entwicklungsstufe des
vollständig integrierten Steuerstandzu-Propeller-Angebots
– als flexible
Lösung für professionelle Schiffe und
Superyachten von 25 bis über 55 m mit
Höchstgeschwindigkeiten von 12 bis
40 kn. Die Plattform steht in einer größeren
Bandbreite von Anwendungen für
verschiedenen Wasserfahrzeugen zur
Verfügung und soll dabei mehr Komfort,
höhere Leistung sowie energieeffiziente
Lösungen bieten. Der größere und vielseitige
Volvo Penta IPS 40-Antrieb integriert
fortschrittliche Technik, ist für verschiedene
Energiequellen ausgelegt und
bietet erweiterte Unterstützung durch
innovative Funktionen. »Es entsteht in
unserem Portfolio die Möglichkeit, in völlig
neue Schiffsklassen vorzudringen«,
heißt es seitens des Herstellers.
Im Zentrum steht eine Optimierung
für einen besonders energie- bzw. kraftstoffsparenden
Betrieb. Sie umfasst die
größte und leistungsstärkste Antriebslösung
im Volvo Penta IPS-Portfolio – den
IPS 40. Dieser neue Antrieb verfügt über
ein innovatives Dual-Power-Input-Konzept,
das die Kraftübertragung ins Wasser
besonders effizient steuert und die
Nutzung unterschiedlicher Energiequellen
ermöglichen soll.
oder Vierfachantrieb installiert werden,
sodass jedes Schiff über vier bis acht
Energiequellen verfügt. Möglich seien
Einsparungen von bis zu 30 % bei Kraftstoffverbrauch
und Emissionen im Vergleich
zu herkömmlichen Antriebssystemen.
Die ECO-Mode-Funktion erlaubt
es, einzelne Motoren je nach Leistungsbedarf
automatisch ein- und auszuschalten.
Dadurch sollen Kraftstoffverbrauch
und Motorlaufzeiten optimiert
und Wartungsintervalle verlängert werden
können. Die Telematikinfrastruktur
ermöglicht vorausschauende Wartung,
Ferndiagnosen und Software-Updates –
um Ausfallzeiten zu minimieren.
Volvo Penta führt permanent interne
Tests durch, unter anderem mit einem
eigenen Hochgeschwindigkeits-Passagierfährschiff
nahe der Testanlage in
Göteborg. Zusätzlich wurden Praxistests
auf Offshore-Crew-Transfer-Schiffen
durchgeführt, um Haltbarkeit und
Leistung sicherzustellen. Die Anlagen
werden inzwischen in Serie eingebaut.
Ein neues »E-Kapitel«
Ebenfalls wichtiger Teil des Portfolio: Die
IPS Electric (E)-Reihe, eine leistungsstarke
Ergänzung zu den hybridelektrischen
Lösungen, die Anfang 2024 vorgestellt
wurden. In diesem neuen vollelektrischen
Schiffsantrieb ist der Elektromotor
direkt mit dem IPS-Antriebsstrang gekoppelt
und in Doppel-, Dreifach- oder
Vierfachkonfigurationen verfügbar. Dadurch
sollen sich neue Möglichkeiten
für eine größere Bandbreite von Schiffen
ermöglichen, die von den Kernvorteilen
des Volvo Penta IPS-Systems profitieren
– wie der elektronischen Schiffssteuerung
(EVC), der nach vorn gerichteten
Fortschritte durch Fieldtests
Seit dem Start der Serienproduktion
wird der neue Volvo Penta IPS 40 von
zwei Volvo Penta D13-Motoren angetrieben,
kombiniert mit einem kompakten
Abgasnachbehandlungssystem zur
Einhaltung der neuesten IMO Tier III-
Standards. Die Plattform ist bereits auf
zukunftsausgerichtete Energiequellen
vorbereitet – von Verbrennungsmotoren
mit erneuerbaren Kraftstoffen bis
hin zu vollelektrischen oder hybriden Lösungen.
Sie kann als Doppel-, Dreifach-
© Volvo Penta
50 Binnenschifffahrt 05 | 2026
SCHIFFSTECHNIK
© Volvo Penta
Die neue IPS-Plattform von Volvo Penta
Antriebstechnik und der herausragenden
Manövrierfähigkeit.
»Wir haben auf Basis von 20 Jahren
effizientem Betrieb mit mehr als 40.000
Volvo Penta IPS-Antriebssträngen sowie
jüngsten erfolgreichen Pilotprojekten in
der maritimen Elektrifizierung umfangreiche
Expertise aufgebaut«, sagt Anna
Müller, Präsidentin von Volvo Penta.
»Unser Ziel mit dieser neuen Reihe ist
es, eine Plug-and-Play-Lösung für elektrische
Antriebe zu liefern, die unsere
Kernkompetenzen bewahrt und gleichzeitig
so ausgelegt ist, dass sie gemeinsam
mit Drittanbietern skalierbar ist.«
Ein Effizienzsprung
Zu den wichtigsten Vorteilen der IPS-Lösung
zählt der Hersteller die nach vorn
gerichteten Propeller, mit denen das
Schiff durch das Wasser gezogen statt
geschoben wird. Weitere Effizienzgewinne
ergäben sich durch »die schnelle
Beschleunigung, den engen Wendekreis,
hervorragenden Grip und präzise
Steuerung«. Für Betreiber bedeutet dies,
leisere und ruhigere Fahrten und Reduzierung
der Umweltauswirkungen.
Ab dem vierten Quartal 2025 hat Volvo
Penta den IPS900E (bis zu 515 kW) eingeführt,
gefolgt von Modellen wie dem
IPS650E (bis zu 374 kW). Ziel ist es, alle
fünf Antriebsstränge der IPS-Reihe zu
elektrifizieren und Leistungsbereiche
von 220 kW bis 1,1 MW pro Antriebsstrang
abzudecken – skalierbar bis zu
4,5 MW bei Vierfachinstallationen.
Die vollständige elektrische Reihe bietet
eine durchgängige »Helm-zu-Prop«-
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mit Premiumfunktionen wie Joystick-
Steuerung, dynamischer Positionierung,
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sollen von einer vollständig integrierten
Schnittstelle (HMI) profitieren, die
eine nahtlose Auswahl der Betriebsmodi
und Systemüberwachung über das Energiemanagementsystem
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Verfügbare Modi sind unter anderem
rein elektrisch, hybrid-elektrisch und
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Binnenschifffahrt 05 | 2026
51
RECHT
Verjährung nach CMNI
»Revidirte Rheinschiffahrts-Acte« von 1868, Foto: ZK
Die Verjährung für Güterschäden nach CMNI beträgt nach Art. 24 CMNI ein Jahr.
Nach dem Wortlaut des Art. 21 CMNI entfallen nur Haftungsbefreiungen und Haftungsgrenzen im Fall der bewusst leichtfertigen Schadenverursachung.
Nach Auffassung des Bundesgerichtshofes ist es nicht ausgeschlossen, dass Art. 21 CMNI auch den Verjährungseinwand erfasst, sodass
bei bewusst leichtfertiger Schadenverursachung die Verjährung drei Jahre betragen könnte. Diese Auffassung wird jedenfalls in der Kommentarliteratur
vertreten und entspräche dem nationalen deutschen Transportrecht (Art. 439 Abs. 1 Satz 2) und dem dem CMNI vergleichbaren CMR
(Art. 32 Abs. 1 Satz 2).
Im Rahmen des § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO ist es ausreichend, wenn die Berufungsbegründung konkrete Anhaltspunkte bezeichnet, die Zweifel an
der Richtigkeit oder Vollständigkeit der Tatsachenfeststellungen des angefochtenen Urteils begründen und deshalb eine erneute Feststellung
gebieten; Rechtsausführungen sind nicht erforderlich .
Vorbemerkung der Redaktion
Im vorliegenden vom Bundesgerichtshof an die Berufungsinstanz
zurückverwiesenen Fall geht es um
einen Güterschaden, der während des Obhutszeitraumes
des Frachtführers eingetreten sein soll.
Die erste Instanz hatte die Klage wegen Verjährung
abgewiesen, da die Klage nicht binnen eines Jahres
nach dem Löschen des Schiffes eingereicht worden
war, wohl aber innerhalb des Zeitraums von drei
Jahren. Die Berufungsinstanz hat sich mit der Frage
der Verjährung und der Begründetheit der Klage
nicht auseinandergesetzt, sondern die Berufung als
unzulässig verworfen. Der unterlegene Kläger hatte
in der Berufung zwar Tatsachen vorgetragen, die
bewusste Leichtfertigkeit begründen könnten, er
hatte aber nicht dezidiert dargelegt, aus welchen
Rechtsgründen er die Entscheidung erster Instanz
für fehlerhaft halte.
In prozessualer Hinsicht hat der Bundesgerichtshof
entschieden, dass der Vortrag von Tatsachen ausreicht
und es Sache der Berufungsinstanz ist, die
entsprechenden Normen heranzuziehen und anzuwenden.
Insoweit ist die Entscheidung nur prozessrechtlich
interessant.
Schifffahrtsrechtlich und materiellrechtlich ist die
Entscheidung des Bundesgerichtshofes deshalb interessant,
weil der Bundesgerichtshof es für rechtlich
denkbar hält, dass die Verjährung nach CMNI
im Falle bewusst leichtfertiger Schadenverursachung
nicht ein Jahr, sondern drei Jahre beträgt.
Leider hat der Bundesgerichtshof dies nicht in einem
obiter dictum ausgeführt und seine Meinung
geäußert, sondern lediglich die Möglichkeit festgestellt,
dass man materiellrechtlich so entscheiden
könnte. Deshalb ist die Sache zum Berufungsgericht,
dem Schiffahrtsobergericht Hamm, zurückverwiesen
worden. Dieses Gericht wird nun zu entscheiden
haben, ob der Wortlaut des Art. 24 CMNI
die Auslegung zulässt, dass nicht nur Haftungsbefreiungen
und Haftungsgrenzen von dieser Vorschrift
erfasst sind, sondern auch der Einwand der
Verjährung.
Nach Auffassung des Unterzeichners kann man
den Einwand der Verjährung nicht als Haftungsbefreiung
oder Haftungsgrenze ansehen, denn er
betrifft nicht die Haftung an sich, sondern nur die
prozessuale Durchsetzbarkeit der Forderung. Es
scheint auch eher zweifelhaft, dass die Vertragsparteien
des CMNI diesen Punkt übersehen haben
könnten, zumal er im deutschen Transportrecht
und für das Straßenverkehrsrecht geltenden CMR
ausdrücklich geregelt ist. Es dürfte deshalb auch
keine ausfüllungsbedürftige Regelungslücke bestehen.
Diese Rechtsfrage ist von erheblicher wirtschaftlicher
Bedeutung, da die kurze frachtrechtliche
Verjährung in der Praxis eine bedeutende
Rolle spielt. Es bleibt daher mit größtem Interesse
abzuwarten, wie das Schiffahrtsobergericht Hamm
entscheidet, zumindest prozessual wäre sodann
eine weitere Revision oder Nichtzulassungsbeschwerde
zum Bundesgerichtshof möglichen
und angesichts der Bedeutung der Rechtsfrage
auch wünschenswert.
Rechtsanwalt Dr. Martin Fischer,
Frankfurt am Main
Beschluss des Bundesgerichtshofes vom 9. April
2026, Az.: I ZB 80/25.
Der 1. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am
9. April 2026 … beschlossen […]
Die Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch
über die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens,
an das Berufungsgericht zurückverwiesen.
[…]
I. Die M GmbH beauftragte die ursprüngliche
Beklagte (nachfolgend auch: lnsolvenzschuldnerin)
am 14. Oktober 2021 mit der Durchführung
eines Weizentransports von Vahldorf nach Wanze
in Belgien. Diese gab den Transportauftrag an
ihren Streithelfer weiter. Nachdem der Weizen in
Vahldorf auf das von dem Streithelfer zum Transport
eingesetzte Motorschiff (MS) Klena verladen
worden war, kam es am 8. November 2021
bei Kilometer 164 auf dem Mittellandkanal zu
einem Wassereinbruch, da das Schiff in die südliche
Kanalspundwand gefahren und hierdurch
beschädigt worden war. Die Reise musste deshalb
unterbrochen werden. Am 15. November
2021 wurde der Weizen im Auftrag und auf Kosten
der M GmbH umgeladen und abtransportiert,
nachdem die M GmbH der Insolvenzschuldnerin
mitgeteilt hatte, dass der Transport
abzubrechen sei.
Die klagende Assekuradeurin hat behauptet, die
MS Klena sei aufgrund einer fehlerhaften Ruderanlage
von Anfang an seeuntüchtig gewesen.
Dies sei dem Schiffseigner bekannt und bewusst
gewesen. Der M GmbH seien durch das Umladen
und den Weitertransport Kosten in Höhe
von 36.786,75 € und für die Begutachtung weitere
Kosten in Höhe von 3.065 € entstanden. Sie
habe diesen Schaden im Namen der Versicherer
der M GmbH ausgeglichen, die sie um Durchführung
des Regresses gebeten hätten.
Die lnsolvenzschuldnerin und ihr Streithelfer haben
geltend gemacht, sie hätten für den Schaden
im Rahmen der großen Haverei nicht einzustehen.
Außerdem haben sie die Einrede der
Verjährung erhoben.
Das Amtsgericht - Schifffahrtsgericht - hat die
am 31. Januar 2023 eingereichte und am 3. März
2023 zugestellte, auf Zahlung von 39.851 ‚75 €
nebst Zinsen gerichtete Klage abgewiesen (AG
Minden - Schifffahrtsgericht - Urteil vom 17. Ok-
52 Binnenschifffahrt 05 | 2026
(Sammlung Seite 2987)
RECHT
tober 2023 - 58 0 2/23 BSch, juris). Das Berufungsgericht
- Schifffahrtsobergericht - hat die
Berufung der Klägerin nach vorherigem Hinweis
gemäß § 522 Abs. 1 Satz 2 und 3 ZPO mangels
ausreichender Berufungsbegründung als unzulässig
verworfen (OLG Hamm - Schifffahrtsobergericht
- Beschluss vom 7. Mai 2024 und Beschluss
vom 25. Juni 2024 - 27 U 117/23 BSch,
jeweils in juris).
Dagegen hat die Klägerin Rechtsbeschwerde
eingelegt. Während des Rechtsbeschwerdeverfahrens
ist über das Vermögen der lnsolvenzschuldnerin
das lnsolvenzverfahren eröffnet
und der nunmehrige Beklagte (nachfolgend nur:
Beklagter) zum lnsolvenzverwalter über ihr Vermögen
bestellt worden. Die Klägerin hat die Aufnahme
des Rechtsstreits erklärt und will die Klage
mit der Maßgabe weiterverfolgen, den
Beklagten zu verurteilen, die mit der Klage geltend
gemachten Beträge im Wege der abgesonderten
Befriedigung aus der Entschädigungsforderung
der lnsolvenzschuldnerin gegen ihre
Haftpflichtversicherung zu zahlen. Der Beklagte
hat im Rechtsbeschwerdeverfahren keine Erklärungen
abgegeben.
II. Das Berufungsgericht hat angenommen, die
Berufung der Klägerin sei nicht in der gesetzlichen
Form begründet. Dazu hat es ausgeführt:
Da das Schifffahrtsgericht die Klage wegen des
Eintritts der Verjährung abgewiesen habe, habe
es der Klägerin oblegen zu begründen, weshalb
entgegen der Auffassung des Erstgerichts keine
Verjährung eingetreten sei. Die Klägerin habe
sich in ihrer Berufungsbegründung weder darauf
berufen, dass eine andere als die vom Schifffahrtsgericht
herangezogene Anspruchsgrundlage
einschlägig sei, noch habe sie geltend
gemacht, dass in Bezug auf die Anspruchsgrundlage
des Art. 16 Abs. 1 des Budapester
Übereinkommens über den Vertrag über die Güterbeförderung
in der Binnenschifffahrt (CMNI)
keine Verjährung eingetreten sei. […]
III. Die dagegen gerichtete Rechtsbeschwerde
der Klägerin hat Erfolg. Sie führt zur Aufhebung
des angefochtenen Beschlusses und zur Zurückverweisung
der Sache an das Berufungsgericht.
Dieses hat die Berufung der Klägerin zu Unrecht
als unzulässig verworfen. […]
3. Die Rechtsbeschwerde ist auch begründet.
Das Berufungsgericht hat die Anforderungen an
die Berufungsbegründung überspannt, indem
es die Berufung als unzulässig verworfen hat.
a) Gemäß § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 ZPO muss die
Berufungsbegründung die Bezeichnung der
Umstände enthalten, aus denen sich nach Ansicht
des Rechtsmittelführers die Rechtsverletzung
und deren Erheblichkeit für die angefochtene
Entscheidung ergibt. Nach § 520 Abs. 3
Satz 2 Nr. 3 ZPO muss sie konkrete Anhaltspunkte
bezeichnen, die Zweifel an der Richtigkeit
oder Vollständigkeit der Tatsachenfeststellungen
im angefochtenen Urteil begründen
und deshalb eine erneute Feststellung gebieten.
[…]
b) Nach diesen Maßstäben genügt die Berufungsbegründung
den Anforderungen aus § 520
Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 und 3 ZPO.
aa) Das Amtsgericht - Schifffahrtsgericht - hat
seine die Klage abweisende Entscheidung folgendermaßen
begründet:
Soweit die Klägerin einen abgetretenen Anspruch
aus eigenem Recht geltend mache, sei
sie prozessführungsbefugt. Ob sie auch zur Geltendmachung
von Ansprüchen aus fremdem
Recht befugt sei, könne offenbleiben. Die Klage
sei in jedem Fall unbegründet. Ein Anspruch
könne sich allenfalls aus Art. 16 Abs. 1 CMNI ergeben,
da die Beklagte als Frachtführerin für
Schäden wegen Überschreitung der Lieferfrist
zu haften habe. Ein etwaiger Anspruch nach Art.
16 Abs. 1 CMNI sei aber jedenfalls gemäß Art. 24
CMNI verjährt. Die Verjährungsfrist habe spätestens
am 15. November 2021 begonnen, da die
Umladung an diesem Tag stattgefunden habe.
Demnach sei spätestens am 15. November 2022
Verjährung eingetreten. Die Verjährung sei nicht
nach Art. 24 Abs. 3 CMNI in Verbindung mit § 204
Abs. 1 Nr. 1 BGB durch die Erhebung der Klage
gehemmt worden, da diese erst am 31. Januar
2023 anhängig geworden und der Beklagten am
3. März 2023 zugestellt worden sei.
bb) Die Klägerin hat in der Berufungsbegründung
vorgetragen, es sei vorgetragen und gegebenenfalls
unter Beweis gestellt, dass bereits
eine anfängliche Seeuntüchtigkeit vorgelegen
habe. Damit sei von einem qualifizierten Verschulden
der Beklagten auszugehen mit der Folge,
dass sich diese gemäß Art. 21 CMNI nicht auf
etwaige Haftungsbeschränkungen berufen könne.
Es liege bereits eine Kardinalpflichtverletzung
vor. Die lnsolvenzschuldnerin habe kein
zum Transport geeignetes Transportmittel gestellt.
Zu der behaupteten Seeuntüchtigkeit der
MS Klena hat die Klägerin im Einzelnen auf ihr
vorinstanzliches Vorbringen Bezug genommen
und auf ihre hierzu erfolgten Beweisangebote
verwiesen.
cc) Damit hat die Klägerin in ausreichender Form
die Umstände mitgeteilt, die aus ihrer Sicht den
Bestand des angefochtenen Urteils in Frage stellen.
(1) Nach Art. 21 Abs. 1 CMNI kann sich der Frachtführer
oder der ausführende Frachtführer nicht
auf die in der CMNl vorgesehenen oder im
Frachtvertrag vereinbarten Haftungsbefreiungen
und Haftungsgrenzen berufen, wenn nachgewiesen
wird, dass er selbst den Schaden durch
eine Handlung oder Unterlassung verursacht
hat, die in der Absicht, einen solchen Schaden
herbeizuführen, oder leichtfertig und in dem Bewusstsein
begangen wurde, dass ein solcher
Schaden mit Wahrscheinlichkeit eintreten werde.
(2) Allerdings sieht Art. 21 CMNI eine Verlängerung
der in Art. 24 CMNI vorgesehenen kurzen
Verjährungsfrist von einem Jahr im Fall eines
qualifizierten Verschuldens nicht vor (vgl. BeckOGK.HGB/Ramming,
Stand 15. Mai 2022, §
452a Rn. 298). Jedoch enthalten wichtige transportrechtliche
Regelungen Vorschriften, die zum
einen - wie Art. 21 CMNI - für Ansprüche aus einer
Beförderung eine einjährige Verjährungsfrist
vorsehen (§ 439 Abs. 1 Satz 1 HGB, Art. 32
Abs. 1 Satz 1 CMR), zum anderen eine Verlängerung
der Verjährungsfrist bei qualifiziertem Verschulden
des Frachtführers auf drei Jahre anordnen
(§ 439 Abs. 1 Satz 2 HGB, Art. 32 Abs. 1 Satz
2 CMR). Dementsprechend wird im transportrechtlichen
Schrifttum die Ansicht vertreten,
dass Art. 21 CMNI die Durchbrechung aller Haftungsbeschränkungen
und Haftungsbegrenzungen
der CMNI zur Rechtsfolge hat, mithin auch
das Eingreifen der in Art. 24 Abs. 1 CMNI normierten
kurzen Verjährungsfrist hindert
(MünchKomm.HGB/Otte, 5. Aufl., Art. 21 CMNI
Rn. 13 und Art. 24 CMNI Rn. 8; Koller, Transportrecht,
11. Aufl., Art. 21 CMNI Rn. 2 und Art. 24
CMNI Rn. 2; aA Ramming, Hamburger Handbuch
Binnenschifffahrtsfrachtrecht, § 36 Rn.
551; Trost in Hartenstein/Reuschle, Handbuch
des Fachanwalts Transport- und Speditionsrecht,
3. Aufl., Kap. 15 Rn. 95; Jaegers in Knorre/
Demuth/Schmid, TransportR-HdB, 3. Aufl., Kap.
F Rn. 37).
(3) Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung
der die Klageabweisung durch das
Amtsgericht - Schifffahrtsgericht - allein tragenden
Erwägung, dass die Klageforderung verjährt
sei, kann der Beurteilung des Berufungsgerichts
nicht zugestimmt werden, die Klägerin
habe mit ihren Ausführungen in der Berufungsbegründung
zu Art. 21 CMNI nicht hinreichend
deutlich gemacht, dass die Verjährungsvorschrift
des Art. 24 CMNI nicht eingreife, möglicherweise
hätten sich ihre Ausführungen nicht
auf die Verjährung, sondern auf andere Haftungsausschlüsse
bezogen.
Da das Amtsgericht - Schifffahrtsgericht -weder
auf vertragliche Haftungsausschlüsse noch auf
Haftungsbeschränkungen nach Art. 17 ff. CMNI
eingegangen ist, bestand für die Klägerin keinerlei
Veranlassung, hierzu im Rahmen der Berufungsbegründung
Stellung zu nehmen. Dass
sie der vom beklagten Frachtführer gegenüber
den geltend gemachten Ansprüchen gemäß Art.
16 CMNI erhobenen Einrede der Verjährung in
der Berufungsbegründung entgegengehalten
hat, diesen treffe ein qualifiziertes Verschulden,
kann unter diesen Umständen bei verständiger
Würdigung nur dahin verstanden werden, dass
mit der Berufung die Anwendung der Haftungsbeschränkung
in Gestalt der kurzen Verjährungsfrist
angegriffen werden sollte.
Ob diese rechtliche Beurteilung zutrifft, kann
vorliegend offenbleiben. Die Frage, ob qualifiziertes
Verschulden des Frachtführers zu einer
Verlängerung der kurzen frachtrechtlichen Verjährung
des Art. 21 CMNI führt, ist nicht bei der
Zulässigkeit der Berufung, sondern im Rahmen
ihrer Begründetheit zu prüfen. […]
(Sammlung Seite 2988)
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56 Binnenschifffahrt 05 | 2026
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71 Prozent unseres Planeten sind von Wasser
bedeckt – der größte Lebensraum! Doch der Mensch
hat daraus in wenigen Jahrzehnten ein globales
Krisengebiet gemacht.
Seit über 40 Jahren begibt sich Greenpeace mit
speziell ausgerüsteten Schiffen deshalb auf Flüssen
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Binnenschifffahrt 05 | 2026
57
BDS
Bundesverband der Selbständigen Abteilung Binnenschiffahrt e. V.
Vertreten durch den Vorsitzenden Torsten Stuntz, MS »Stella Maris« und die stellvertretenden Vorsitzenden
Nikolaus Hohenbild, Detlef Maiwald, Stephen Mnich, Gebr. Mnich OHG
Geschäftsstelle und Schriftleitung: Dirk-Uwe Klaas, Sekretariat Birgit Kühn
August-Bier-Str. 18 | 53129 Bonn | Tel. 0228 / 746377 | Fax 0228 / 746569 | zentrale@bds-binnenschiffahrt.de
Unsere Herzkammer
Sozialdemokraten wissen, wofür die
Herzkammer steht: satte SPD-Mehrheiten
im Ruhrgebiet, dem ehemaligen
Kern des deutschen Wirtschaftswunders.
Nach der Transformation sind die
SPD- Mehrheiten weg und die ehemalige
Volkspartei ist hier auf historischem
Tiefststand. Da ich kein Sozialdemokrat
bin, will ich lieber von unserer Herzkammer
reden, die auch im Ruhrgebiet liegt
und in einer vergleichbaren Situation ist.
Schule und Schiff
Duisburg ist mit Schulschiff und Schule
genau diese Herzkammer für unsere
Binnenschiffahrt. Zunächst einmal emotional:
Viele Akteure unseres Sektors haben
dort prägende Jahre für ihre berufliche
Karriere verbracht. Als Nicht-Nautiker
vergleiche ich das mit meiner Zeit bei der
Bundeswehr – außergewöhnlich vielseitige
Einflüsse für Persönlichkeitsentwicklung,
selbst wenn in gelegentlicher anekdotischer
Rückschau damals als schlecht
Empfundenes heute in milderes Licht
gerückt wird.
Die fachliche Qualität der Ausbildung
und ihr praktischer Wert für Führungspersönlichkeiten
unserer Branche waren
unbestritten. Die Lehrer und Ausbilder
waren aus dem Gewerbe oder haben
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sich das nötige Wissen selbst angeeignet.
Unbestritten und glasklar war Duisburg
der Kern und versorgte uns zuverlässig
mit fähigem Nachwuchs für alle
Ebenen.
Sorge um Ausbildung
Doch auch hier ändern sich die Zeiten.
Die Zustimmung für die Arbeit der Schule
hat einen Tiefpunkt erreicht. Und darunter
leiden nicht nur unsere Auszubildenden,
sondern auch diejenigen, die
dort ihr Handwerk gelernt haben und
der Schule dafür dankbar sind. Ein Termin
ist dafür bemerkenswert: der runde
Tisch zum Ausbildungsstandort Duisburg
im April. Es war beeindruckend zu
sehen, wie viele Ausbildungsbetriebe
hieran teilgenommen haben – allein das
beweist das herausragende Interesse
und die enge Verbindung zum Ausbildungsstandort.
Noch bemerkenswerter
war die substantiiert vorgetragene Sorge
um Zustand und Qualität der Ausbildung
und deren momentane Defizite.
Am aller beeindruckendsten aber: Die
erklärte Bereitschaft, an einer Verbesserung
selbst aktiv mitzuwirken. Ich kenne
keine andere Branche, die »ihre« Schule
so aktiv zu unterstützen bereit ist, mit
ganz konkreten Hilfsangeboten.
58 Binnenschifffahrt 05 | 2026
KAISPEICHER B
Die Substanz zur
Revitalisierung ist da
Weniger beeindruckend war die Reaktion
der Schulleitung. Was kann sich eine
Schule mehr wünschen als engagierte
Ausbildungsbetriebe mit ihren erfahrenen
Persönlichkeiten, die sich selbst zur
Überwindung der erkannten Defizite
mitanbietet? Bessere Voraussetzungen
für eine gemeinsame Kraftanstrengung
gibt es nicht. Mich hat die Reaktion der
Schulleitung auf konstruktiv-wohlmeinende
Kritik verbunden mit Verbesserungsvorschlägen
enttäuscht. Statt
dankbar darauf einzugehen, gab es bürokratische
Hinweise, Abwehrreflexe und
behaupteten Klärungsbedarf, wo doch
schon guter Wille und die mutige Bereitschaft
zu stärkerer Kooperation gereicht
hätten. So wurde die ausgestreckte
Hand der Branche nicht ergriffen. Damit
tut sich die Schule – nicht nur wegen der
vorhandenen Alternativen zu ihr – keinen
Gefallen. Unsere duale Berufsausbildung
wird so nicht zukunftsfähig. Meine
Hoffnung: Das Schifferberufskolleg
Rhein wird seine Haltung ändern und
unsere Herzkammer gemeinsam mit
Ausbildungsbetrieben und Branche wieder
zu neuer Bedeutung führen. Die
Substanz dafür ist da!
IMPRESSUM
Fortführung der
Binnenschiffahrt
und Wasserstraßen
Zeitschrift für Binnenschiffahrt und Wasserstraßen
(© Verein für Binnenschiffahrt und Wasserstraßen e.V.) im 130. Jahrgang
Die Binnenschifffahrt ist offizielles Organ und Mitteilungsblatt für:
Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen, Hamburg
Deutscher Fähr-Verband, Königswinter
Deutscher Wasserstraßen- und Schifffahrtsverein Rhein-Main-Donau e.V., Nürnberg
Europäische Binnenschifffahrts-Union, Brüssel, Rotterdam
Hafenschifffahrtsverband Hamburg e.V., Hamburg
Moselkommission, Trier
Permanent International Association of Navigation Congresses (PIANC)
Verein für europäische Binnenschiffahrt und Wasserstraßen e.V., Duisburg
Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, Straßburg
Inserentenverzeichnis | Index of Advertisers
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argonics GmbH........................................... 41
August Storm GmbH & Co. KG..............................38
Henkelhausen GmbH & Co. KG .............................46
HGK Shipping GmbH Zweigniederlassung . ................. 45
HJS Emission Technology GmbH & Co . .....................44
Hoyer Marine GmbH ...................................... 31
Internationales Maritimes Museum Hamburg. ..............58
Kadlec & Brödlin GmbH.................................... 39
Easyfairs Nederland BV.................................... 47
Kernwasser Wunderland Freizeitpark ....................... 42
Ostfriesische Volksbank eG OVB............................40
OSWALD Elektromotoren GmbH. .......................... 43
River Academy GmbH ...................................... 9
Schiffahrts-Verlag »Hansa« GmbH & Co. KG. .......... U2, 3, 15
Sennebogen Maschinenfabrik GmbH ...................... U4
Stadtwerke Stuttgart GmbH. .............................. 29
STEELPAINT GmbH...................................... Titel
TEHAG GmbH............................................ 49
Wessels GmbH Tischlerei und Alubau........................ 8
Wittig GmbH .............................................. 5
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Es ist kein Bestandteil des Anzeigenauftrags. Der Verlag übernimmt
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Prof. Peter Tamm †
Patricia Erb-Korn (Präsidentin), Verein für europäische
Binnenschiffahrt und Was ser stra ßen e.V.,
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Redaktion
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Patricia Erb-Korn, Geschäftsführerin KVVH in Karlsruhe,
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