LE-2-2026-Journal Intralogistik & E-Commerce
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LOGISTIK EXPRESS JOURNAL 2/2026
INTRALOGISTIK & ECOMMERCE
AI & Automatisierung –
Motor der Intralogistik
LOGISTIK EXPRESS INFORMIERT
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S2
Journal I&E 2/26
04 Innovationen, Trends und Zukunftsperspektiven
08 Drei Erfolgsfaktoren für resilientere Lieferketten
10 Der Digitale Produktpass als Transformationsaufgabe
12 Vier Wahrheiten über Updates in der IT
14 Chinas Plattformen kontern europäische Zollreform
18 Element Logic stärkt Automatisierung in Südosteuropa
20 Arvato startet neuen Omnichannel-Hub für Tom Tailor
22 Wie KiSoft Delivery Solution die Zustellung revolutioniert
24 Gebrüder Weiss eröffnet Logistik- und IT-Center
26 DHL Robotiklösungen für Automatisierung
28 Physical-AI-Robotik für autonome Fulfillment-Prozesse
30 Lagerorganisation bei Alex Sweets: Klare Kennzeichnung
32 ID Logistics Germany stärkt E-Commerce-Standort
34 Die Roboter kommen
36 Humanoide Roboter als Billionen-Dollar-Industrie
38 Stationäre Roboter oder Cobots? Welche Roboter
arbeiten in der Fabrik der Zukunft?
40 Made in Europe: Umsteuern, bevor der Engpass kommt
42 Metalltechnische Industrie: Risiken belasten
44 VDA 5050: Welche Flottensteuerung hat eine Zukunft?
LE 2/2026
IMPRESSUM
LOGISTIK express / MJR MEDIA
Donauwörther Str. 27a/7/4
A-2380 Perchtoldsdorf
Medieninhaber, Herausgeber:
Markus Jaklitsch
+43 676 7035206 / info@logistik-express.at
www.logistik-express.com
Foto: istockphoto.com, Depositphotos.com
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S4
Innovationen, Trends und
Zukunftsperspektiven
Die Intralogistik ist das Herzstück moderner
E-Commerce- und Industrieprozesse. Mit
dem rasanten Wachstum des Online-Handels
steigen die Anforderungen an effiziente, flexible
und skalierbare Logistiksysteme.
Die Intralogistik bildet das Rückgrat
moderner E-Commerce- und
Industrieprozesse. Mit der rasanten
Zunahme des Online-Handels steigen
die Anforderungen an effiziente, flexible
und skalierbare Logistiksysteme. Die Intralogistik
umfasst dabei alle innerbetrieblichen Materialflüsse
– von der Warenannahme über Lagerung,
Kommissionierung bis hin zum Versand.
Die Branche erlebt derzeit eine tiefgreifende
Transformation, geprägt von Digitalisierung,
Automatisierung und nachhaltigen Konzepten,
um den steigenden Kundenanforderungen
gerecht zu werden und ihre Wettbewerbsfähigkeit
zu sichern.
Aktuelle Innovationen in der Intralogistik
Ein zentraler Treiber der Prozessoptimierung ist
die Künstliche Intelligenz (KI). KI-basierte Systeme
ermöglichen ein umfassendes Verständnis
von Abläufen und Daten, verbessern Prognosen
und erlauben eine vorausschauende
Wartung von Anlagen. So lassen sich Materialflüsse
flexibler und effizienter steuern. Zudem
setzen viele Unternehmen auf flexible Mietund
Abrechnungsmodelle sowie umfassende
Maintenance-Services, um Investitions- und
Betriebskosten zu senken und den Einstieg in
moderne Intralogistik zu erleichtern. Das Produktspektrum
innovativer Lösungen ist breit
gefächert: Autonome mobile Roboter (AMRs),
automatisierte Lager- und Kommissioniersysteme
sowie smarte Flurförderzeuge sind nur
einige Beispiele für die Dynamik und Innovationskraft
der Branche.
Schlüsseltechnologien und Trends
Die Digitalisierung und Automatisierung prägen
die Intralogistik maßgeblich:
• Automatisierung & Robotik: AMRs und fahrerlose
Transportfahrzeuge erhöhen die
Flexibilität und Geschwindigkeit innerbetrieblicher
Transporte. Robotergestützte
Kommissionierungssysteme steigern die
Genauigkeit und reduzieren Fehler.
• Digitale Vernetzung & Industrie 4.0: IoT-Sensoren,
Cloud-Technologien und datengetriebene
Steuerungssysteme ermöglichen
die Echtzeit-Überwachung von Prozessen
und eine vorausschauende Wartung
• Autonome Flurförderzeuge: Elektrische und
autonome Stapler verbessern Produktivität
und Arbeitssicherheit.
• Modulare & skalierbare Systeme: Sie bieten
die notwendige Flexibilität, um auf dynamische
E-Commerce-Anforderungen schnell
zu reagieren.
• Nachhaltigkeit: Elektromobilität und intelligentes
Energiemanagement tragen zur
Reduzierung des CO2-Fußabdrucks bei.
• Augmented Reality (AR) & Wearables: Diese
Technologien unterstützen Mitarbeiter bei
der Kommissionierung und Schulung.
• Integration in den E-Commerce: Automatisierte
Sortier- und Kommissioniersysteme
ermöglichen eine schnelle und fehlerfreie
Auftragsabwicklung.
• Softwarelösungen: Cloudbasierte Lagerverwaltungssysteme
und intelligente Steuerungen
optimieren Planung, Analyse und
Steuerung der Logistikprozesse.
• Smarte Verpackungslösungen: Umweltfreundliche
Materialien und Recyclingangebote
erfüllen zunehmend regulatorische
Vorgaben und verbessern die Nachhaltigkeit.
Zukunftsperspektiven der Intralogistik
Die Intralogistik der Zukunft zeichnet sich durch
eine noch engere Verzahnung von Automatisierung,
Digitalisierung und Nachhaltigkeit aus.
Dabei spielen folgende Aspekte eine zentrale
Rolle:
LOGISTIK express
informiert
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substanziellen
Wettbewerbsvorsprung
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› Handel & Distanzhandel
› Transport & Logistik
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LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S6
• Vollautomatisierte, KI-gesteuerte Lagerwelten:
Autonome Roboter und Fahrzeuge
arbeiten unter einer zentralen KI-Plattform,
die Abläufe in Echtzeit optimiert.
• Hypervernetzte Supply Chains: IoT, Blockchain
und Cloud-Technologien sorgen für
lückenlose Transparenz und Rückverfolgbarkeit
entlang der gesamten Lieferkette.
• Nachhaltige, klimaneutrale Logistikzentren:
Energieautarke Einrichtungen mit emissionsfreien
Fahrzeugen und Kreislaufwirtschaft
werden zum Standard.
• Mensch-Maschine-Kollaboration: AR, Wearables
und Exoskelette unterstützen Mitarbeiter
in neuen, ergonomisch optimierten
Rollen.
• Adaptive, modulare und mobile Systeme:
Flexible, cloudbasierte Lösungen passen
sich schnell an Marktveränderungen an.
• Automatisierte Mikrologistik und urbane
Zentren: Kompakte Lager in Stadtzentren
mit autonomen Lieferrobotern ermöglichen
eine schnelle und nachhaltige Zustellung.
Praxisbeispiele: Kommissionierroboter,
passgenaue Verpackungssysteme und
KI-gestützte Lieferplanungen
Kommissionierroboter übernehmen das
gezielte Zusammenstellen von Bestellungen.
Sie kombinieren Robotik mit intelligenter Software,
die Aufträge priorisiert und Wege optimiert.
Das erhöht die Geschwindigkeit, minimiert
Fehler und entlastet Mitarbeiter.
Passgenaue Verpackungssysteme reduzieren
Materialverbrauch und Versandkosten, indem
sie exakt auf Produktgröße und -form abgestimmt
sind. Automatisierte Verpackungsmaschinen
mit Sensorik und KI ermitteln die optimale
Verpackungsgröße und verbessern so die
Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz.
KI-gestützte Lieferplanungen analysieren
Daten zu Aufträgen, Verkehr, Wetter und Kapazitäten,
um optimale Lieferpläne zu erstellen.
Dadurch werden Leerfahrten reduziert, die Termintreue
verbessert und Engpässe frühzeitig
erkannt. Führende Anbieter integrieren solche
Planungswerkzeuge in ihre Software, um Lieferketten
effizienter und resilienter zu gestalten.
Fazit: Die Intralogistik im E-Commerce befindet
sich in einem tiefgreifenden Wandel, der von
Künstlicher Intelligenz, Robotik, IoT und nachhaltigen
Konzepten getrieben wird.
Die Intralogistik der Zukunft wird hochgradig
automatisiert, digital vernetzt und nachhaltig
sein. Sie passt sich flexibel an wechselnde
Marktbedingungen an und integriert den Menschen
als wertvollen Partner in einem technologisch
unterstützten Arbeitsumfeld.
Mit innovativen Technologien wie Kommissionierrobotern,
passgenauen Verpackungssystemen
und KI-gestützter Lieferplanung wird die
Logistik von morgen schnell, flexibel, nachhaltig
und intelligent. Unternehmen, die auf skalierbare
und digital vernetzte Systeme setzen, sowie in
KI, Robotik, modulare Systeme und nachhaltige
Konzepte investieren, sichern sich einen Wettbewerbsvorteil.
(RED)
Austrian Summit
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Branded Goods
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TAG DESGMUNDEN (OÖ)
HANDELS
TOSCANA
CONGRESS,
2026
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S8
Drei Erfolgsfaktoren für
resilientere Lieferketten
Neue Regulierungen und geopolitische Spannungen
erhöhen die Komplexität globaler Lieferketten.
Was dabei oft übersehen wird: Operative
Entscheidungen haben unmittelbare
steuerliche und finanzielle Folgen.
Fragmentierte Märkte, geopolitische
Spannungen und zunehmende staatliche
Eingriffe verändern die Rahmenbedingungen
in globalen Lieferketten
grundlegend. Der Global Trade Alert hatte allein
für das Jahr 2025 bereits mehr als 3.000 neue
handels- und industriepolitische Maßnahmen
erfasst. Rund 3,5-mal so viele wie im Jahr 2016.
Diese neuen Regulierungen greifen in bestehende
Warenströme ein und erzwingen kurzfristige
Anpassungen. Das erhöht die Komplexität,
reduziert die Planbarkeit und steigert die Anfälligkeit
von Lieferketten.
Mit diesen Veränderungen gewinnen auch
steuerliche und finanzielle Auswirkungen operativer
Entscheidungen deutlich an Bedeutung.
Insbesondere in der Logistik und im E-Commerce,
wo Warenbewegungen, Lagerkonfigurationen
und Fulfillment-Prozesse hochdynamisch
sind. Neue Warenströme können
zusätzliche Zollabgaben auslösen, veränderte
Lagerstandorte schaffen neue Registrierungspflichten
und alternative Distributionsmodelle
beeinflussen Umsatzsteuer und Cashflow. Um
potenzielle Auswirkungen frühzeitig zu erkennen,
braucht es deshalb Mechanismen, die
operative und steuerliche Perspektiven zusammenführen.
CHRIS HALL
1. Datensilos auflösen
Die Grundlage für resiliente Lieferketten ist ein
integriertes, unternehmensweites Datenfundament.
In vielen Unternehmen liegen relevante
Informationen verteilt vor, etwa in ERP-Systemen,
Lagerverwaltung, Transportmanagement,
Finanzbuchhaltung oder Steuertechnologien.
Diese Fragmentierung erschwert eine durchgängige
Sicht auf Prozesse, Risiken und ihre
finanziellen sowie steuerlichen Auswirkungen.
Ein zentraler Datenpool führt quantitative Daten
wie Finanz- und Steuerinformationen, operative
Kennzahlen und Prozessmetriken zusammen.
Gleichzeitig ermöglicht diese Struktur,
Daten zu korrigieren oder anzureichern, die in
ihrer ursprünglichen Form für nachgelagerte
Prozesse nicht ausreichend sind. Ergänzend
lassen sich qualitative Informationen einbeziehen,
etwa Auditberichte oder Lieferantenbewertungen.
Mit einem solchen Datenmodell
können Unternehmen Abweichungen frühzeitig
erkennen und Zusammenhänge systematisch
analysieren.
Das ist besonders relevant, wenn sich Lieferketten
dynamisch verändern. Anpassungen bei
Lagerstandorten, Bestandsverlagerungen oder
neue Fulfillment-Strukturen wirken sich unmittelbar
auf steuerliche Verpflichtungen aus.
Dadurch entstehen beispielsweise zusätzliche
Registrierungspflichten oder neue Reporting-
Anforderungen. Entscheidend ist letztendlich
aber ein pragmatischer Projektstart. Statt alle
Datenquellen gleichzeitig zu integrieren, sollten
Unternehmen zunächst mit einem klar abgegrenzten,
qualitativ hochwertigen Datensatz
beginnen. ERP- und Qualitätsmanagementsysteme
bieten sich als Ausgangspunkt an, da sie
zentrale operative, finanzielle und steuerlich
relevante Informationen bündeln.
2. KI als Frühwarnsystem
Auf einer integrierten Datenbasis kann künstliche
Intelligenz ihr volles Potenzial entfalten.
Während klassische Systeme vor allem regelbasiert
arbeiten, erkennt der intelligente Helfer
Muster und Zusammenhänge über Prozessund
Systemgrenzen hinweg.
Gerade in komplexen Lieferketten entstehen
Risiken selten isoliert. Wiederkehrende Lieferverzögerungen
können auf strukturelle
Probleme bei einem Lieferanten hinweisen.
Diese wiederum können Qualitätsmängel,
Bestandsengpässe oder zusätzliche Prüf- und
Zollaufwände nach sich ziehen. KI-gestützte
Analysen machen solche Zusammenhänge
frühzeitig sichtbar und bewertbar. Der maßgebliche
Mehrwert ergibt sich aus der Ableitung
konkreter, umsetzbarer Warnsignale. Statt
allgemeiner Hinweise sollten Systeme gezielt
auf spezifische Risikoszenarien hinweisen.
Dazu gehört etwa die erhöhte Wahrscheinlichkeit,
dass ein Lieferant kritische Komponenten
nicht rechtzeitig liefern kann oder dass eine
Umlagerung zusätzliche Abgaben und Compliance-Anforderungen
auslöst. Damit diese
Systeme verlässlich arbeiten, ist eine präzise
Kalibrierung unerlässlich. Unscharfe Modelle
führen schnell zu Fehlalarmen, die im operativen
Alltag an Relevanz verlieren. Der Fokus
sollte daher auf klar definierten, geschäftsrelevanten
Anwendungsfällen liegen, die direkt in
Entscheidungsprozesse integriert sind.
3. Risikomanagement unterstützen
Frühwarnsignale allein reichen jedoch nicht aus.
Vielmehr kommt es darauf an, dass erkannte
Risiken in konkrete Maßnahmen übersetzt werden.
Viele Unternehmen beschränken ihr Risikomanagement
auf die Klassifikation, identifizieren
und bewerten Risiken, ohne daraus klar
definierte und operationalisierte Maßnahmen
abzuleiten.
Ein wirksames Frühwarnsystem verbindet Risikoerkennung
direkt mit konkreten Handlungsschritten.
Für jedes identifizierte Risiko sollten
Verantwortlichkeiten, Prozesse und nächste
Schritte eindeutig festgelegt sein, im Sinne
des „Next Best Action“-Prinzips. In der operativen
Umsetzung bedeutet das: Erkennt ein
System eine potenzielle Störung, etwa eine
Verzögerung in der Zulieferung, muss unmittelbar
klar sein, welche Maßnahmen einzuleiten
sind. Das kann die Nutzung alternativer Lagerstandorte,
die Umverteilung von Beständen
oder die Anpassung von Lieferantenstrukturen
umfassen. Zudem sind finanzielle und steuerliche
Auswirkungen zu berücksichtigen, etwa
zusätzliche Registrierungspflichten oder veränderte
Zollabgaben. Unternehmen müssen
erkannte Sachverhalte konsequent nachverfolgen,
prüfen und dokumentieren. Nur so bauen
sie ein lernendes System auf, das die Lieferkette
kontinuierlich präziser steuert.
Fazit: Steuerabteilungen werden zunehmend
zu einer zentralen Rolle für resilientere Lieferketten,
indem sie ihre Expertise in ERP-Daten,
Analytik, KI und Risikomanagement einbringen.
In einem Umfeld anhaltender Störungen ist eine
enge Zusammenarbeit zwischen Steuer- und
Supply-Chain-Funktionen entscheidend, um
Risiken frühzeitig zu erkennen und wirksam zu
steuern. (RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S10
Der Digitale Produktpass
als strategische
Transformationsaufgabe
Mit dem Digitalen Produktpass entsteht ein
neues Transparenzniveau entlang der gesamten
Wertschöpfungskette. Auch wenn viele
Detailanforderungen noch definiert werden,
ist bereits klar.
Im Zentrum steht dabei der Digitale Produktpass
(DPP), ein digitales Instrument, das Informationen
zu Materialzusammen-setzung, Herkunft,
Reparaturfähigkeit und Recyclingfähigkeit
entlang des gesamten Produktlebenszyklus
bereitstellen soll. Er wird klar regulatorisch
getrieben und nicht primär marktgetrieben
definiert werden und soll insbesondere der
Umsetzung europäischer Vorgaben im Kontext
der Circular Economy sowie sektorspezifischer
Regulierungen wie beispielsweise der EU-
Batterieverordnung dienen. Derzeit befindet
sich der DPP jedoch noch in der Ausarbeitung:
Inhalte, technische Umsetzung und konkrete
Datensätze werden in den kommenden Jahren
erst schrittweise pro Sektor definiert. Firmen
stehen aber schon heute vor der Herausforderung,
sich frühzeitig vorzubereiten.
Standardisierung als Schlüssel der zukunftssicheren
Datenstruktur
Kern dieser Vorbereitung ist eine zentrale Frage:
Wie können Produktdaten so strukturiert werden,
dass sie zukünftige regulatorische Anforderungen
erfüllen und gleichzeitig in der Praxis
effizient genutzt werden können?
Die Antwort liegt in Standards. Individuelle
Datenmodelle und proprietäre Lösungen mögen
zwar kurzfristig pragmatisch erscheinen, führen
jedoch langfristig zu Problemen. Unterschiedliche
Partner, eigene Formate, Excel-Listen oder
PDFs erschweren maschinenlesbare Datenflüsse,
verursachen Konvertierungsaufwand
und verhindern eine einfache Skalierbarkeit.
Ohne strukturierte, standardbasierte
Produktdaten wird eine effiziente
Umsetzung nicht möglich sein.
Unternehmen stehen daher vor der
strategischen Aufgabe, ihre Datenarchitektur
frühzeitig regulatorisch anschlussfähig und
interoperabel auszurichten. Wer jetzt handelt,
schafft nicht nur Compliance-Sicherheit, sondern
auch die Grundlage für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.
Seit Sommer 2024 gilt die
Ecodesign for Sustainable Products Regulation
(ESPR) für nahezu alle physischen Produkte in
der EU. Mit ihr erhalten Unternehmen klare Vorgaben
für Nachhaltigkeit, Reparierbarkeit und
Kreislaufwirtschaft.
Zudem birgt fehlende Standardisierung ein
erhebliches Wettbewerbsrisiko, da Unternehmen
bei zunehmender Regulierung schnell an
Integrationsgrenzen stoßen können. So werden
mit wachsender Produktvielfalt, komplexeren
Lieferketten und sich ändernden regulatorischen
Anforderungen proprietäre Formate
schnell zu einer Sackgasse, da jeder Partner
eigene Konvertierungen oder Schnittstellen
benötigt. Offene Standards hingegen schaffen
eine gemeinsame Struktur, die interoperabel,
maschinenlesbar und zukunftssicher ist. Neue
Anforderungen, etwa CO2-Bilanzen oder Rezyklatanteile,
lassen sich in bestehende Modelle
einpflegen, ohne jedes System neu programmieren
zu müssen.
Globaler-GS1-Standard als Fundament des DPP
Als einer der weltweit führenden Anbieter von
Standards im Bereich Produktkennzeichnung
und -daten hat sich GS1 etabliert. GS1 liefert
ein konsistentes Vokabular für Produktinformationen,
das bereits global genutzt wird. Zudem
gehen Branchenexperten davon aus, dass der
Digitale Produktpass GS1-Standards berücksichtigen
wird, um internationale Interoperabilität
und Skalierbarkeit sicherzustellen.
EPCIS als technischer Backbone
Eine zentrale technische Komponente für die
Umsetzung des Digitalen Produktpasses wird
vermutlich der Standard EPCIS (Electronic Product
Code Information Services) werden. EPCIS
wurde von GS1 entwickelt, um Produkt- und
Ereignisdaten entlang der Lieferkette digital
zu erfassen und auszutauschen. Während GS1
Web Vocabulary die Struktur und Eigenschaften
von Produktinformationen beschreibt –
etwa Materialzusammensetzung, Maße oder
Zertifikate – bildet EPCIS zusätzlich die dynamischen
Prozessinformationen ab: Wo befand
sich ein Produkt zu welchem Zeitpunkt? Welche
Produktions- oder Transportprozesse hat
es durchlaufen? Welche Umverpackungen oder
Zusammenstellungen sind erfolgt?
Diese Ereignisdaten sind essenziell, um Transparenz
über den gesamten Produktlebenszyklus
zu schaffen und regulatorische Anforderungen
wie die ESPR effizient zu erfüllen. Durch
den einheitlichen EPCIS-Standard können
verschiedene Akteure in der Lieferkette, vom
Hersteller über Logistikdienstleister bis zum
Händler, ihre Informationen strukturiert und
interoperabel austauschen. So werden Datensilos
vermieden, und Informationen bleiben
jederzeit maschinenlesbar und nachvollziehbar.
Um Implementierungen standardkonform
zu prüfen, spielen für die Qualitätssicherung
und Interoperabilität zudem GS1-Test-Suiten
eine wichtige Rolle.
Von APIs bis ERP-Anbindung
OpenEPCIS von benelog ergänzt diesen Ansatz,
indem es eine offene, quelloffene Implementierung
des EPCIS-Standards bereitstellt.
Unternehmen sind damit nicht auf proprietäre
Software oder Plattformen angewiesen, sondern
können EPCIS flexibel in ihre bestehende
IT-Landschaft integrieren – einschließlich ERPund
SRM-Systemen über standardisierte APIs
– eigene Erweiterungen vornehmen und die
volle Kontrolle über ihre Daten behalten. Diese
Offenheit fördert Innovationen, senkt langfristig
Kosten und verhindert Vendor-Lock-ins –
ein wichtiger Aspekt gerade bei regulatorisch
getriebenen, langfristigen Investitionen wie
dem Digitalen Produktpass. Erst im Zusammenspiel
von EPCIS und dem GS1 Web Vocabulary
entsteht ein durchgängiges, regulatorisch
belastbares Datenmodell. Während EPCIS
die prozessuale und zeitliche Dimension eines
Produkts abbildet, sorgt das Web Vocabulary
für die eindeutige semantische Beschreibung
seiner Eigenschaften. So wird der Digitale Produktpass
nicht zu einer isolierten Dokumentationslösung,
sondern zu einem integralen
Bestandteil der digitalen Wertschöpfungskette
– skalierbar, interoperabel und anschlussfähig
an bestehende Systeme sowie zukünftige
regulatorische Anforderungen.
Datenräume und Automotive-Perspektive
Neben EPCIS werden im Kontext des Digitalen
Produktpasses auch datenraum-basierte Plattformansätze
diskutiert, etwa im Automotive-
Umfeld. Diese setzen typischerweise auf eine
hub-basierte Datenhaltung, bei der Informationen
innerhalb einzelner Plattformen aggregiert
und kontrolliert freigegeben werden. Was
zunächst nach Datensouveränität klingt, führt
in der Praxis häufig zu neuen Datensilos —
intern konsistent, aber schwer über Organisations-
und Systemgrenzen hinweg vernetzbar.
Fazit: Unternehmen, die sich mittels weltweit
gültiger Standards vorbereiten, sichern
sich entscheidende Wettbewerbsvorteile: Sie
können Produktdaten langfristig konsistent
und nachvollziehbar managen, regulatorische
Compliance effizient umsetzen und ihre Lieferketten
digital vernetzen – ohne Abhängigkeit
von Plattformen oder Anbietern. Der Digitale
Produktpass wird damit zwar zum Differenzierungsmerkmal
im Wettbewerb, bleibt jedoch
in seinem Ursprung ein regulatorisches Instrument.
Wer auf offene Standards, interoperable
Plattformarchitekturen und dezentrale Datenräume
setzt, minimiert Risiken und schafft
die Grundlage für skalierbare, zukunftsfähige
Umsetzung. (RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S12
Vier Wahrheiten über
Updates in der IT, die sich
selbst widersprechen
Software-Updates können bei IT-Experten
eine ganze Bandbreite an Emotionen
auslösen, von Kopfschmerzen durch die
ungewissen Folgen, über Stress durch
akuten Handlungsdruck, bis hin zu Erleichterung,
wenn kritische Lücken endlich
geschlossen sind.
Der IT-Dienstleister Avision hat
sich genauer angeschaut, warum
Updates eigentlich so eine paradoxe
Wirkung haben und wie mögliche
Best Practices aussehen könnten. Das Einspielen
von Software-Updates ist essenziell für die
IT-Sicherheit und gilt zu Recht als universeller
Königsweg. Gleichzeitig stellt es aber auch
einen nicht zu unterschätzenden Risikofaktor
dar, der zu neuen Schwachstellen führen kann.
Was also tun? Weil die meisten Updates alternativlos
sind, sollten sich Unternehmen genau
über die Vor- und Nachteile im Klaren sein, um
mit dem bestmöglichsten Risikomanagement
ein wehrhaftes Schutzniveau zu erreichen. Bei
dem Balanceakt zwischen Risiko und Sicherheit
gibt es bei genauerem Hinsehen naturgemäß
einige Widersprüche:
1. Updates schließen Sicherheitslücken –
und öffnen neue
Jedes Update reduziert ein bekanntes Risiko
und führt im gleichen Zuge eventuell ein neues,
unbekanntes ein. Denn jede Änderung an
bestehender Software, sei es durch neue Funktionen,
Anpassungen oder Fehlerkorrekturen,
kann unerwartete Nebenwirkungen und neue
Angriffsflächen erzeugen. Sicherheit wird nicht
einmalig durch einen neuen Patch hergestellt,
sie muss mit jedem Update neu austariert werden.
2. Je bekannter die Schwachstelle,
desto größer das Risiko
Wird eine Schwachstelle entdeckt und ein entsprechender
Patch geliefert, ist das erstmal eine
gute Nachricht. Gleichzeitig beginnt jedoch ein
Wettlauf gegen die Zeit. Angreifer analysieren
Updates gezielt, um daraus Exploits abzuleiten.
Fälle wie CrackArmor zeigen, wie klein das Zeitfenster
zwischen Veröffentlichung und Angriffen
dabei sein kann.
NADINE RIEDERER
3. Die sichersten Tools sind oft die riskantesten
Sicherheitssoftware benötigt weitreichende
Systemrechte, um ihre Aufgabe erfüllen zu
können. Leider macht genau dieser Umstand
ihre Updates besonders kritisch, wie das Beispiel
von Trivy deutlich gezeigt hat. Jeder Patch
verändert nicht nur eine Anwendung, sondern
potenziell einen hochsensiblen Zugriffspunkt
im System. Wird ein Update fehlerhaft oder
sogar manipuliert eingespielt, kann sich der
Effekt sofort systemweit ausbreiten.
4. Fehlerhafte Updates können
mehr Schaden anrichten als Angriffe
Während Cyberattacken oft gezielt einzelne
Systeme ins Visier nehmen, können fehlerhafte
Updates ganze Infrastrukturen gleichzeitig in
die Knie zwingen. Der CrowdStrike-Vorfall im
Jahr 2024 hat eindrucksvoll vor Augen geführt,
welche Auswirkungen ein einzelner fehlerhafter
Rollout auf globale IT-Systeme haben kann.
Der Unterschied: Ein Angriff nutzt bestehende
Schwächen aus, während ein fehlerhaftes
Update verschiedene Systeme gleichzeitig
destabilisieren kann. Dadurch entsteht ein
systemisches Risiko, das schwer vorhersehbar
und kaum isolierbar ist. So weit, so widersprüchlich.
Nadine Riederer, CEO von Avision,
ordnet diese Fakten ein: „Auch wenn es keine
ultimative Lösung für das allgemeine Update-
Paradoxon gibt, so können Unternehmen dennoch
einige Best Practices aus vergangenen
Vorfällen ableiten. Dazu gehört etwa die Absicherung
größerer Updates durch Backups
sowie die Möglichkeit, im Fehlerfall schnell auf
eine vorherige Version zurückzukehren.
Ebenso sinnvoll ist es, Release Notes und Rückmeldungen
aus der Community zu prüfen, um
bekannte Probleme frühzeitig zu erkennen,
sowie Updates zunächst in sicheren Testumgebungen
zu validieren. Aber auch eine risikobasierte
Bewertung ist entscheidend: Kritische
Systeme sollten in der Regel schnell aktualisiert
werden, während weniger exponierte Systeme
gegebenenfalls beobachtet und zeitlich gestaffelt
aktualisiert werden können. Im Nachhinein
lassen sich Entscheidungen meist einfach
bewerten, in der Praxis bleibt es jedoch weiterhin
eine kontinuierliche Abwägung zwischen
Sicherheit, Stabilität und Verfügbarkeit.“
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S14
Chinas Plattformen
kontern europäische
Zollreform
Mit dem Ende der Zollfreigrenze für Kleinsendungen
greift die EU tief in den grenzüberschreitenden
Onlinehandel ein.
Aus einer fiskalischen Korrektur
resultiert ein Strukturwandel für
E-Commerce, Logistik und europäische
Händler. Plattformen wie
Temu und Shein reagieren mit neuen Strategien,
während regionale Fulfillment-Strukturen
an Bedeutung gewinnen. Ab dem 1. Juli 2026
erhebt die EU neue Abgaben auf Kleinsendungen
aus Drittländern. Damit endet ein Modell,
das den Direktversand günstiger Waren aus
China über Jahre begünstigte. Für chinesische
Online-Händler war dies ein zentraler Wachstumstreiber,
nun steigen Kosten, Dokumentationspflichten
und operative Anforderungen
deutlich. Die Reform betrifft einen Markt erheblicher
Größenordnung: 2025 erreichten laut
Europäischer Kommission rund 5,8 Milliarden
Kleinsendungen die EU – mehr als viermal so
viele wie 2022 (1). Rund neun von zehn Sendungen
stammten dabei aus dem Land der Mitte.
Das Ende eines hocheffizienten
Direktversandmodells
Das bisherige Geschäftsmodell vieler Plattformen
war einfach: Bestellung in Europa, Kommissionierung
in China, Direktversand an Endkunden.
Niedrige Produktionskosten, hohe
Skalierung und günstige Paketabwicklung
ermöglichten aggressive Endpreise. Besonders
im Niedrigpreissegment entstand so ein Vorteil,
mit dem klassische Händler oft kaum konkurrieren
konnten. Mit den neuen EU-Regeln verändert
sich diese Kalkulation deutlich. Ab Juli
2026 fällt für Kleinsendungen unter 150 € eine
pauschale Zusatzabgabe von 3 € pro Paket an.
Zusätzlich erwägt die EU Bearbeitungsgebühren
von 2 € für Direktsendungen sowie 0,50 €
für über EU-Lager abgewickelte Sendungen (2).
Gerade bei Billigartikeln ist die Wirkung erheblich.
Kostet ein T-Shirt 8 €, erhöht sich der Preis
durch 19 % Mehrwertsteuer jn Deutschland auf
9,52 €. Mit der neuen 3-€-Abgabe steigt er
auf 12,52 € – ohne Versand- und Handlingskosten.
Der bisherige Preisvorteil vieler Direktversender
schrumpft damit spürbar. Besonders
betroffen sind Warenkörbe mit mehreren Kleinartikeln,
die bislang einzeln versendet wurden,
um Lieferzeiten kurz zu halten und Kaufimpulse
zu maximieren. Genau dieses Modell verliert an
Attraktivität, wenn jede Sendung separat belastet
wird.
Für die chinesischen Plattformen ist dies strategisch
relevanter als für klassische Händler, da
ihr Wachstum stark auf hohen Volumina kleiner
Warenkörbe basiert. Zugleich steigen Anforderungen
an Zollanmeldung, Produktsicherheit,
Datentransparenz und Herkunftsnachweise.
Compliance wird damit zu einem eigenständigen
Wettbewerbsfaktor.
Konsolidierung ersetzt Einzelpakete
Für die Logistik bedeutet dies eine Verschiebung
vom Einzelpaket zur gebündelten Warenbewegung.
Statt Millionen kleinteiliger Direktsendungen
gewinnt der Transport größerer
Volumina in europäische Hubs an Attraktivität.
Produkte werden vermehrt containerweise
oder in Sammelsendungen importiert, zentral
verzollt und anschließend innerhalb Europas
distribuiert. Der Wandel reduziert Stückkosten,
weil Transport, Verzollung und Distribution
nicht mehr je Einzelpaket, sondern gebündelt
über größere Warenströme abgewickelt werden.
Zudem verbessert es die Planbarkeit und
verkürzt Lieferzeiten. Gleichzeitig steigt die
Bedeutung leistungsfähiger Lagerstandorte,
Sortierzentren und IT-Systeme. Wer hohe Mengen
effizient kommissionieren und flächendeckend
distribuieren kann, verschafft sich operative
Vorteile. Für chinesische Plattformen wird
genau dieses Modell zur naheliegenden Antwort
auf die Zollreform. Der Wettbewerb verlagert
sich damit teilweise vom Online-Marketing
zurück in die physische Lieferkette. Sichtbarkeit
allein reicht nicht mehr, wenn Liefergeschwindigkeit,
Retourenfähigkeit und operative Effizienz
über Marktanteile entscheiden.
Europa wird operativer Kernmarkt
Bereits 2025 bauten Akteure wie JD.com, Temu,
Shein oder Goodcang ihre Präsenz in Europa
deutlich aus. Neue Lagerflächen, regionale
Umschlagpunkte und lokale Retourenprozesse
entstanden in strategischen Regionen. Europa
wurde damit nicht nur Absatzmarkt, sondern
operativer Bestandteil globaler Expansionsstrategien
(3).
Diese Tendenz dürfte sich nun beschleunigen.
Denn wer Ware bereits in Europa lagert, kann
regulatorische Risiken senken und Lieferzeiten
deutlich verkürzen. Gleichzeitig lassen
sich Retouren wirtschaftlicher abwickeln, was
gerade im Mode- und Elektroniksegment ein
zentraler Erfolgsfaktor bleibt.
Europäische Lager ermöglichen zudem datenbasierte
Sortimentssteuerung. Schnell drehende
Produkte können lokal bevorratet werden,
während langsamere Artikel weiterhin
über internationale Kanäle laufen. Dadurch
entstehen flexible Hybridmodelle.
Temu als Vorbild für hybride Netzwerke
Besonders sichtbar ist diese Transformation bei
Temu. Das Unternehmen entwickelt sein Modell
zunehmend von reinem Direktversand hin zu
hybriden Strukturen mit lokalen Lagerbeständen,
datengetriebener Steuerung und Partnerschaften
mit Zustellnetzwerken. Nach Analysen
aus dem Marktumfeld betreibt Temu bereits
mehrere Self-operated-Warehouses in Europa
und anderen Regionen. Ziel ist eine Kombination
aus Kostenvorteilen globaler Beschaffung
und Geschwindigkeit lokaler Zustellung.
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S16
Für die Branche ist das bemerkenswert. Denn
damit entsteht ein Modell, das traditionelle
Grenzen zwischen Plattform, Händler und Logistikdienstleister
auflöst. Plattformen werden
zunehmend zu Supply-Chain-Orchestratoren
mit direktem Einfluss auf Lagerbestände, Routing
und Zustellperformance. Auch europäische
Händler werden sich an dieser Entwicklung orientieren
müssen. Wer die chinesischen Plattformen
nur als Preiswettbewerber versteht,
unterschätzt deren operative Innovationskraft.
Druck auf europäische Händler bleibt hoch
Die Zollreform stärkt europäische Händler nur
bedingt. Zwar verlieren asiatische Direktversender
einen Teil ihres Kostenvorteils. Gleichzeitig
bleiben chinesische Plattformen hochgradig
anpassungsfähig, kapitalstark und
technologisch effizient. Viele europäische
Händler kämpfen dagegen mit fragmentierten
IT-Landschaften, geringerer Skalierung und
höheren Fixkosten. Wer von der neuen Situation
profitieren will, muss Fulfillment-Prozesse
modernisieren, Bestände präziser steuern und
Servicelevel erhöhen. Die eigentliche Herausforderung
bleibt daher nicht der Zollsatz,
sondern die operative Wettbewerbsfähigkeit.
Zusätzlich steigt der Druck auf Margen. Höhere
Kundenansprüche bei Lieferzeit, Transparenz
und Retouren treffen auf ein Umfeld intensiven
Preiswettbewerbs. Unternehmen benötigen
daher robuste Prozesse und klare Positionierung.
Mehr Komplexität für Zoll und Abwicklung
Hinzu kommt ein oft unterschätzter Punkt. Auch
Behörden geraten unter Druck. Bereits heute
sind viele Zollsysteme an Belastungsgrenzen.
Zusätzliche Kontrollen, Datenverarbeitung und
neue Gebührenmodelle erhöhen die Komplexität
weiter. Experten warnen deshalb davor, dass
höhere Abgaben allein den Warenstrom nicht
automatisch bremsen werden. Vielmehr drohen
Umgehungsstrategien, neue Versandrouten
und zusätzliche Bürokratie. (1)
Neue Chancen – aber unter Plattformregie
Die Zollreform schafft zusätzliche Nachfrage
nach Lagerflächen, Zustellung, Retourenmanagement
und Zollabwicklung in Europa.
Allerdings bringen Plattformen wie Temu oder
JD.com eigenes Logistik-Know-how, datengetriebene
Steuerung und klare Prozessstandards
mit. Europäische Dienstleister profitieren
daher vor allem dort, wo lokale Infrastruktur,
regulatorische Kompetenz und leistungsfähige
Last-Mile-Netze gefragt sind. Die strategische
Steuerung von Warenströmen, Beständen und
Prozessvorgaben dürfte jedoch vielfach bei den
Plattformen selbst verbleiben. Chancen entstehen
somit vor allem für Partner, die hohe operative
Qualität mit schneller Skalierbarkeit verbinden
können.
Die EU-Zollreform verändert die ökonomische
Logik des grenzüberschreitenden Onlinehandels:
Auf das Zeitalter des nahezu friktionslosen
Billigpakets folgen regionale Lagerhaltung,
hybride Lieferketten und höhere Compliance-
Anforderungen. Gewinner werden jene Unternehmen
sein, die Logistik als strategischen
Wettbewerbsvorteil nutzen und Geschwindigkeit,
Transparenz sowie Effizienz verbinden.
(RED)
Gamechanger
ecommerce-day.at
11. JUNI
eCOMMERCE
DAY2026
ARIANA SEESTADT, WIEN
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S18
Element Logic stärkt
Automatisierungsführerschaft
in Südosteuropa
Mit über 30 installierten AutoStore-Systemen,
innovativer Fördertechnik, Software
und Peripheriegeräten steigert der globale
#1-AutoStore-Systemintegrator den Automatisierungsgrad
der Intralogistik bei marktführenden
Unternehmen in Südosteuropa.
Die Neustrukturierung der Geschäftsführung
und der Marktfokus aus
Graz treiben intelligentes Wachstum
und Kundennähe voran. Die Region
Südosteuropa (SEE) gewinnt für die Automatisierung
der Intralogistik zunehmend an Bedeutung.
Element Logic, der weltweit führende
AutoStore-Systemintegrator, hat diesen Markt
bis 2023 aus Deutschland betreut und bereits
2020/2021 die ersten AutoStore-Anlagen in
Rumänien, Slowenien, Serbien und Ungarn installiert.
Seit 2023 erfolgt die Marktbearbeitung
aus Graz, wo mit der Eröffnung eines Büros im
Sommer 2025 der Grundstein für die neue Sub-
Region SEE gelegt wurde. Mittlerweile sind in
dieser Region über 30 AutoStore-Systeme in
Betrieb, mit stetigem Wachstum.
Ziel der Neustrukturierung ist es, die Marktpräsenz
und Kundennähe zu stärken, insbesondere
im Bereich der Aftermarket Services. Seit
Januar 2026 verantwortet Manfred W. Schleicher
als Vice President South East Europe die
strategische Marktbearbeitung von Graz aus.
Die Region umfasst neben Österreich, Ungarn,
Slowenien, Kroatien, Serbien, Bulgarien und
Rumänien auch Griechenland und die Türkei.
Unterstützt wird er von Marco Dewitz als Sales
Director Austria und Peter Kahlen als Country
Manager der neu gegründeten Element Logic
Austria GmbH. Schleicher betont: „Es geht nicht
um Einsparungen, sondern um intelligenteres
Wachstum mit klarer Führung und lokaler
Stärke.“
Die Automatisierungslösungen von Element
Logic setzen in der Region neue Maßstäbe. So
konnte der ungarische Werkzeug-Distributor
Fétis Kft. mit einer AutoStore-Anlage in Buda-
pest die Lagerkapazität auf gleicher Fläche um
den Faktor 4 erhöhen, die Kommissionierfehler
nahezu eliminieren und die Effizienz deutlich
steigern. Die Flexibilität und Skalierbarkeit
der AutoStore-Technologie bieten langfristige
Investitionssicherheit.
Auch bei der Milšped Group in Serbien revolutioniert
ein AutoStore-System mit 50.000
Behälterstellplätzen und 44 Robotern die Intralogistik,
ermöglicht 24/7-Bestellabwicklung
und Echtzeitversorgung. In Bulgarien halbierte
der Logistikdienstleister Transpress mit einer
AutoStore-Anlage die Bearbeitungszeit von
Sendungen und minimierte Fehlerquoten, was
den Wettbewerbsvorsprung sichert.
Diese Beispiele zeigen, dass Automatisierung
in den SEE-Märkten ein entscheidender
Erfolgsfaktor für Logistik-, Handels- und Industrieunternehmen
ist. Element Logic hat sich
als verlässlicher Partner für anspruchsvolle
Automationsprojekte etabliert und baut seine
Marktposition durch die Stärkung des Standortes
Graz und erweiterte Präsenz weiter aus.
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S20
Arvato startet neuen
Omnichannel-Hub für
Tom Tailor
Erweiterte Partnerschaft optimiert B2B-Nachversorgung,
vereinfacht Prozesse und steigert
Geschwindigkeit durch Automatisierung und
zentrale Steuerung von B2C und B2B.
Arvato, führender Anbieter von
Supply-Chain- und E-Commerce-
Lösungen, baut die langjährige
Partnerschaft mit der Mode- und
Lifestyle-Marke Tom Tailor weiter aus und
übernimmt künftig neben dem bestehenden
B2C-Geschäft auch Teile des B2B-Geschäfts.
Im Zuge dieser Erweiterung entsteht am Standort
Kamen ein integrierter Omnichannel-Hub,
in dem sämtliche performancebasierte Fulfillment-Aktivitäten
zentral gebündelt werden.
Arvato erbringt bereits seit 2012 umfassende
E-Commerce-Fulfillment-Dienstleistungen
für Tom Tailor, darunter Warehousing, Transport
Management, Finanzdienstleistungen und
Kundenservice. Mit der neuen Struktur werden
künftig auch die abverkaufsbasierte Nachversorgung
von Filialen sowie B2B-Verkaufsflächen
aus dem Omnichannel-Hub gesteuert.
Dadurch entsteht ein durchgängiges Fulfillment-Modell,
das eine präzisere Steuerung der
Bestände und eine deutlich höhere Reaktionsfähigkeit
auf Nachfrage ermöglicht. Der bestehende
Standort in Kamen bildet die Grundlage
für den neuen Hub. Mit einer Lagerfläche von
rund 35.000 Quadratmetern und einer Gesamtnutzfläche
von etwa 60.000 Quadratmetern
bietet er die notwendige Skalierbarkeit für weiteres
Wachstum.
„Die Konsolidierung des B2C- und Teilen des
B2B-Fulfillments in einem zentralen Hub ist
ein entscheidender Hebel, um Komplexität zu
reduzieren und gleichzeitig Geschwindigkeit zu
erhöhen“, sagt Isabel Westermann, Verantwortliche
für Tom Tailor bei Arvato. „Genau das setzen
wir hier gemeinsam mit Tom Tailor um und
schaffen damit die Grundlage für ein skalierbares,
zukunftsfähiges Fulfillment-Modell.“
Der Standort verfügt bereits über eine leistungsfähige
logistische Infrastruktur, die
gezielt durch Automatisierungslösungen
erweitert wird. Dazu zählen unter anderem
automatisierte Kommissionierungssysteme
sowie optimierte Verpackungsprozesse. Ziel ist
es, Durchlaufzeiten weiter zu reduzieren, die
Prozessstabilität zu erhöhen und eine konstant
hohe Servicequalität sicherzustellen. Im März
2026 wurde in einem ersten Schritt das bestehende
B2C-Geschäft vom Standort Dortmund
nach Kamen verlagert. Bis Ende 2026 wird der
Standort schrittweise für die erweiterten Anforderungen
ausgebaut. Perspektivisch entstehen
in diesem Zuge rund 100 neue Arbeitsplätze.
Mit dem Ausbau der Zusammenarbeit reagieren
Arvato und Tom Tailor auf steigende Anforderungen
an Geschwindigkeit, Flexibilität und
kanalübergreifende Steuerung in der Fashion-
Logistik. Durch die Integration von B2C- und
B2B-Prozessen in einem zentralen Setup werden
Warenflüsse effizienter gesteuert, Reaktionszeiten
verkürzt und die operative Komplexität
reduziert.
„Mit dem neuen Omnichannel-Hub schaffen
wir die Voraussetzungen, um unsere Logistik
noch stärker an den Anforderungen eines
dynamischen Marktes auszurichten“, sagt
Vanessa Spiegel, Director Operations bei Tom
Tailor. „Gemeinsam mit Arvato entwickeln wir
ein Setup, das Geschwindigkeit, Flexibilität und
Servicequalität nachhaltig verbessert.“
(RED)
#ECOMLOG26
ECOM-
LOG26
E-COMMERCE
LOGISTIK-DAY
SAVE THE DATE:
21.09. 2026
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S22
Wie KiSoft Delivery
Solution von KNAPP die
Zustellung revolutioniert
Mit intelligenter Vernetzung, KI-gestützter
Planung und Echtzeit-Transparenz optimiert
KNAPP die Extralogistik – für schnellere Lieferungen,
geringere Kosten und mehr Nachhaltigkeit.
Als Innovationsführer im Bereich
Logistiksoftware und Automatisierung
treibt KNAPP mit seiner KiSoft
Delivery Solution die Transformation
der letzten Meile konsequent voran.
Same-Day-Delivery steigen die Anforderungen
an Geschwindigkeit, Flexibilität und Zuverlässigkeit.
Zugleich verursachen Zustellungen bis
zu 75 Prozent der Logistikkosten pro Artikel.
KNAPP erkennt diese Herausforderung frühzeitig
und entwickelt mit der KiSoft Delivery Solution
eine Antwort, die Unternehmen zukunftssicher
macht.
Warum die letzte Meile so komplex ist
Die letzte Meile ist teuer, zeitkritisch und ressourcenintensiv.
Klassische, starre Planungsmodelle
stoßen an ihre Grenzen, denn die
Realität verlangt heute dynamische, bedarfsorientierte
Lösungen. Unternehmen wissen oft erst
kurzfristig, welche Touren sie fahren müssen –
und genau diese Flexibilität ist der Schlüssel.
Dynamische Planung ermöglicht es, schnell
auf Bestellungen, Verkehrslage und verfügbare
Ressourcen zu reagieren. Hier setzt KNAPP mit
seiner innovativen KiSoft Delivery Solution an
und bietet eine intelligente, ganzheitliche Softwarelösung,
die Lager, Transport und Zustellung
in Echtzeit verbindet.
Die letzte Meile – der entscheidende
Wettbewerbsvorteil
Die finale Meile der Lieferkette ist heute eine
der größten Herausforderungen für Handelsund
Logistikunternehmen. Während früher
der Fokus vor allem auf den Lagerprozessen
lag, zeigt sich zunehmend: Der entscheidende
Wettbewerbsvorteil entsteht bei der Zustellung
zum Endkunden. Mit dem rasanten Wachstum
von E-Commerce, Omni-Channel-Handel und
KiSoft Delivery Solution: Intelligenz
für die letzte Meile von KNAPP
Die KiSoft Delivery Solution von KNAPP ist mehr
als nur eine Software – sie ist ein integraler
Bestandteil moderner Logistikstrategien. Sie
schafft eine lückenlose Transparenz über die
gesamte Wertschöpfungskette und richtet sich
an Unternehmen, die ihre Lieferprozesse optimieren,
Kosten senken und die Kundenzufriedenheit
nachhaltig steigern wollen.
Die Lösung besteht aus drei
leistungsstarken Modulen:
• KiSoft Analytics: Analysiert umfangreiche
Datenmengen für umfassende Transparenz
und präzise Prognosen.
• KiSoft Delivery Management: Verplant Ressourcen
und Fuhrpark, berechnet Abholund
Zustellzeitfenster und optimiert Tourenund
Routenplanung dynamisch.
• KiSoft Driver App: Unterstützt Fahrer mit
Navigation, Barcode-Scanning und Echtzeit-Tracking.
Was KiSoft Delivery Solution von
KNAPP einzigartig macht
Im Gegensatz zu klassischen Transportation
Management Systemen, die den Transport
isoliert betrachten, vernetzt die KiSoft Delivery
Solution von KNAPP Lager, Transport und
Zustellung in Echtzeit. Diese durchgängige
Verbindung sorgt für eine gemeinsame Datenbasis
aller Beteiligten und ermöglicht eine
KI-gestützte, dynamische Planung. Zustellzeitfenster,
Routen und Ressourcen werden
kontinuierlich an aktuelle Bedingungen wie
Verkehr, Ladevolumen und Nachfrage angepasst.
Das Ergebnis: weniger Leerfahrten, kürzere
Wege, präzise Be- und Entladezeiten,
signifikante Kosteneinsparungen und eine
spürbare CO2-Reduktion. Zudem verbessert
die Lösung die Arbeitsbedingungen der Fahrer
durch optimierte Abläufe und weniger Stress.
Ein KNAPP-Experte fasst zusammen: „Das Lager
kann besser optimieren und auf Ausnahmen
reagieren, da volle Transparenz zwischen den
Systemen herrscht. So lassen sich Ressourcen
in Intra- und Extralogistik einsparen. Next- und
Same-Day-Delivery sind heute keine Utopie
mehr.“
Marktrelevanz und gesellschaftlicher
Mehrwert durch KNAPP
Die Vorteile der KiSoft Delivery Solution von
KNAPP gehen weit über reine Kostensenkungen
hinaus. Jede optimierte Route und effiziente
Beladung reduziert Leerfahrten, Fahrzeugeinsatz
und CO2-Emissionen. Gleichzeitig
steigert sie das Kundenerlebnis durch präzise
Lieferzeitfenster und flexible Zustelloptionen.
Damit adressiert KNAPP nicht nur wirtschaftliche,
sondern auch soziale Herausforderungen
wie den Fachkräftemangel und Nachhaltigkeit
– und positioniert sich als verantwortungsvoller
Partner für die Logistik von morgen.
Praxisbeispiel: Erfolg in Zahlen mit KNAPP
Ein führender Lebensmittelhändler in Spanien
zeigt eindrucksvoll, wie die KiSoft Delivery
Solution von KNAPP wirkt: Die Zustellfenster
konnten von 12 auf nur 6 Stunden halbiert werden,
was die Kundenzufriedenheit deutlich steigerte.
Die Anzahl der benötigten LKW-Docks
sank um über 50 %, was Platz und Kosten spart
und die Abläufe am Warenausgang beschleunigt.
Zudem wurde der Fahrzeugbedarf um rund
25 % reduziert. Diese Erfolge verdeutlichen,
wie die intelligente Vernetzung von Lager und
Transport durch KNAPP Effizienz und Nachhaltigkeit
gleichermaßen fördert.
Vorteile der KiSoft Delivery Solution
von KNAPP im Überblick:
• Volle durchgehende Transparenz vom Lager
bis zur Zustellung
• Dynamische, KI-gestützte Planung für Nextund
Same-Day-Delivery
• Deutliche Kostenersparnis durch optimierte
Routen und reduzierte Dock-Zeiten
• Höhere Kundenzufriedenheit durch präzise
Zustellzeitfenster
• Weniger Leerfahrten und CO2-Ausstoß
• Entlastung des Fahrpersonals und bessere
Arbeitsbedingungen
Fazit: Die letzte Meile als strategischer Erfolgsfaktor
– mit KNAPP an der Spitze
Die Optimierung der letzten Meile ist heute
mehr als eine operative Herausforderung – sie
ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Mit
der KiSoft Delivery Solution bietet KNAPP eine
innovative Lösung, die Unternehmen befähigt,
flexibel, effizient und nachhaltig zu agieren.
Next- und Same-Day-Delivery sind keine
Zukunftsvision mehr, sondern gelebte Realität.
Wer die letzte Meile meistert, sichert sich die
Kundenzufriedenheit von morgen – mit KNAPP
als verlässlichem Partner für die Logistik der
Zukunft.
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S24
Gebrüder Weiss eröffnet
hochmodernes Logistikund
IT-Center in Wolfurt
Mit modernster Automatisierung, nachhaltigen
Technologien und direkter Anbindung an
den Güterbahnhof setzt der neue Standort in
Wolfurt Maßstäbe für effiziente und umweltfreundliche
Logistik.
Ende 2025 hat Gebrüder Weiss mit der
Inbetriebnahme seines neuen Logistik-
und IT-Centers in Wolfurt (Vorarlberg)
ein bedeutendes Infrastrukturprojekt
erfolgreich abgeschlossen. Der
Neubau vereint modernste Logistikprozesse
mit leistungsfähigen IT-Systemen und setzt
dabei auf höchste Nachhaltigkeitsstandards.
Modernste Infrastruktur für effiziente Logistik
Auf einem rund 30.000 Quadratmeter großen
Grundstück an der Senderstraße entstand ein
vollautomatisiertes Hochregallager mit 60.000
Palettenstellplätzen. Ergänzt wird dieses durch
ein manuelles Lager sowie ein angrenzendes
Bürogebäude, in dem die IT-Abteilung des
Unternehmens untergebracht ist. Die Kombination
aus digitaler und physischer Kompetenz
ermöglicht es Gebrüder Weiss, flexibel und
schnell auf Kundenbedürfnisse zu reagieren.
Nachhaltigkeit im Fokus
Das neue Logistikzentrum setzt Maßstäbe in
Sachen Nachhaltigkeit: Neben einer Photovoltaikanlage
zur umweltfreundlichen Energiegewinnung
wurde das Dach begrünt, um das
Mikroklima zu verbessern und Regenwasser
zu speichern. Zudem sind Ladestationen für
Elektro-Lkw und Elektro-Pkw installiert, um die
Nutzung emissionsfreier Fahrzeuge zu fördern.
Strategische Lage mit Bahnanschluss
Die unmittelbare Nähe zum Güterbahnhof
Wolfurt ist ein großer Vorteil. Sie erlaubt
eine effiziente Kombination von Verkehrswegen
und die Verlagerung von Transporten
auf die umweltfreundliche Schiene. Dies
verkürzt Transportwege und reduziert den
CO2-Ausstoß. „Der Standort bringt unsere
IT-Teams näher zusammen und ermöglicht
gleichzeitig eine nachhaltige und effiziente
Logistik“, erklärt Wolfram Senger-
Weiss, Vorsitzender der Geschäftsleitung.
Arbeitsplatzmotor für die Region
Mit rund 300 Mitarbeitenden in der IT und
etwa 50 in der Logistik schafft der neue
Standort hochwertige Arbeitsplätze in der
Marktgemeinde Wolfurt. Die Gemeinde profitiert
somit von einer zukunftsorientierten
Ansiedlung, die auch die Entwicklung des
Industriegebiets Hohe Brücke vorantreibt.
Gebrüder Weiss: Tradition trifft Innovation
Die Gebrüder Weiss Holding AG mit Sitz in Lauterach
ist ein weltweit agierender Full-Service-
Logistiker mit rund 8.600 Mitarbeitenden und
180 firmeneigenen Standorten. Das Familienunternehmen
blickt auf eine über 500-jährige
Geschichte im Transportwesen zurück und gilt
heute als Vorreiter in nachhaltigem Wirtschaften.
Mit einem Jahresumsatz von 2,73 Milliarden
Euro bietet Gebrüder Weiss umfassende Transport-
und Logistiklösungen, digitale Services
und Supply Chain Management aus einer Hand.
Das neue Logistik- und IT-Center in Wolfurt ist
ein Meilenstein für Gebrüder Weiss – ein Beispiel
dafür, wie moderne Technologie, Nachhaltigkeit
und regionale Entwicklung Hand in Hand
gehen können. RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S26
DHL Robotiklösungen für
Automatisierung
DHL Supply Chain beschleunigt Automatisierungsprojekte
durch den Einsatz der
SOFTBOT®-Plattform von SVT Robotics.
DHL Supply Chain, der weltweit führenden
Kontraktlogistikanbieter,
setzt in seinem globalen Netzwerk
ab sofort auf die SOFTBOT® Plattform
von SVT Robotics. Bereits heute sind weltweit
mehr als 8.000 kollaborative Roboter an
Standorten von DHL Supply Chain im Einsatz.
Mit der neuen Plug-and-Play-Plattform lassen
sich Robotiklösungen künftig bis zu zwölfmal
schneller integrieren als mit klassischen, individuell
programmierten Schnittstellen. Damit
kann DHL neue Automatisierungstechnologien
deutlich schneller ausrollen. Bislang mussten
für jede einzelne Technologie eigene Schnittstellen
entwickelt werden - ein Prozess, der
sechs bis acht Wochen in Anspruch nahm und
globale Rollouts entsprechend verlangsamte
und verteuerte. Dank der vorinstallierten SOFT-
BOT-Konnektoren setzt DHL nun verstärkt auf
modulare Softwarelösungen statt auf monolithische
All-in-One-Systeme. Automatisierungslösungen
lassen sich dadurch flexibler
anpassen, wenn sich Technologien oder Kundenanforderungen
weiterentwickeln.
„Die Logistikbranche verändert sich rasant –
sei es durch neue Kundenprofile, schwankende
Volumina oder technologische Innovationen“,
sagt Sally Miller, Global CIO bei DHL Supply
Chain. „Mit der SOFTBOT-Plattform können wir
verschiedene Robotiklösungen nun sehr viel
schneller anbinden, ihre Leistung in Echtzeit
überwachen und sie problemlos auf weitere
Standorte übertragen.“
Neben der schnelleren Umsetzung von Automatisierungsprojekten
und der einfachen Einbindung
verschiedener Robotiktechnologien
bietet die SOFTBOT-Plattform ein zentrales,
standortübergreifendes Dashboard, mit dem
Systeme und Abläufe effizient gesteuert und
überwacht werden können.
„Unsere weltweiten Standorte profitieren
bereits spürbar von der Zusammenarbeit mit
SVT“, sagt Tim Tetzlaff, Global Head of Digital
Transformation bei DHL Supply Chain. „Die
SOFTBOT-Plattform ist für uns die standardisierte
Integrationsschicht – das Bindeglied
zwischen unserem Lagermanagementsystem
(WMS) und unserer strategischen Digitalisierungsagenda.
In Europa konnten wir Goods-to-
Person-Lösungen innerhalb weniger Stunden
integrieren. In Asien-Pazifik haben wir neue
Technologien sogar ohne jede Unterbrechung
des Betriebs eingebunden. Der globale Zugriff
auf Echtzeitdaten eröffnet uns zudem völlig
neue Möglichkeiten für KI-basierte Optimierungen.“
A. K. Schultz, CEO und Mitbegründer von SVT
Robotics, ergänzt: „Die Zusammenarbeit mit
DHL war für uns äußerst spannend. Mittlerweile
führt DHL die meisten Implementierungen vollständig
eigenständig durch – ohne praktische
Unterstützung durch SVT. Das beschleunigt
Rollouts weiter, reduziert Kosten und ermöglicht
dem Unternehmen, die volle Datentransparenz
unserer Plattform bestmöglich zu nutzen.
Davon profitieren auch die Kunden von DHL.“
„Damit können wir nicht nur neue Technologien
in unseren Standorten schneller testen und
einführen“, ergänzt Sally Miller. „Die Echtzeitdaten,
die synchronisierte Systemlandschaft und
die integrierten Warnmeldungen erhöhen die
Resilienz unserer Standorte und verbessern die
Steuerung unserer Netzwerke spürbar.“
Der einheitliche Datenlayer der Plattform
schafft zudem mehr Transparenz über Arbeitsprozesse
und die Performance der eingesetzten
Automatisierungstechnik. So lassen sich
Mensch-Roboter-Teams noch besser koordinieren
– für effizientere und sicherere Abläufe
ohne zusätzliche Komplexität. Die SOFTBOT®
Plattform ist bereits an 30 Standorten von DHL
Supply Chain im Einsatz. In den kommenden
drei Jahren soll sie auf mehr als 100 Standorte
weltweit ausgeweitet werden. (RED)
KOMPLEXE LAGERPROZESSE?
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LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S28
Physical-AI-Robotik für
vollständig autonome
Fulfillment-Prozesse
Locus Robotics stellt Locus Array vor – eine
neue Klasse. Ein wegweisendes, KI-gestütztes
System, das rund um die Uhr im Einsatz
ist, um den Durchsatz zu steigern und den
manuellen Arbeitsaufwand um 90 Prozent
zu reduzieren.
Locus Robotics, führend im Bereich flexibel
skalierbarer Lagerautomatisierung,
gab heute den globalen Launch
von Locus Array bekannt. Das vollständig
autonome Fulfillment-System kombiniert
mobile Robotik, einen integrierten Roboterarm
zur Kommissionierung sowie KI-gestützte
Wahrnehmung mit autonomer Ausführung, um
durchgängige Prozesse ohne manuelle Eingriffe
abzubilden. Erste Implementierungen bei
ersten Kunden im produktiven Einsatz in Nordamerika
laufen bereits, während das Unternehmen
die globale Skalierung von Locus Array in
Europa und APAC vorbereitet, um der steigenden
Nachfrage nach vollständig autonomem
Fulfillment gerecht zu werden.
„Über Jahre hinweg war autonomes Fulfillment
mehr Versprechen als Realität – bis jetzt“, sagt
Rick Faulk, CEO von Locus Robotics. „Lagerbetriebe
stehen unter zunehmendem Druck durch
Arbeitskräftemangel, steigende Kosten und
eine hohe operative Dynamik, die traditionelle
Systeme nicht bewältigen können. Locus Array
bringt Autonomie in reale Betriebsumgebungen
im großen Maßstab und verfolgt dabei einen
grundlegend neuen, systemischen Ansatz, um
diese Herausforderungen an der Wurzel zu
lösen.“
Zu den ersten Kunden, die Locus Array bereits
im Live-Betrieb einsetzen, zählt DHL Supply
Chain – ein langjähriger globaler Kunde:
„Die Einführung von Locus Array bei DHL markiert
einen entscheidenden Meilenstein in der
beschleunigten Digitalisierungsstrategie unseres
Unternehmens“, sagt Sally Miller, Global
Chief Information Officer bei DHL Supply Chain.
„Wir gehen damit über die traditionelle, assistierte
Kommissionierung hinaus und erreichen
ein neues Niveau in der sehr kompakten, autonomen
Auftragsabwicklung. Bei DHL glauben
wir, dass eine Idee nur so gut ist wie ihre Skalierbarkeit
– und unsere Partnerschaft mit Locus
Robotics hat immer wieder bewiesen, dass wir
innovative Konzepte in globale operative Standards
überführen können. Als erster Anwender
von Locus Array adressieren wir nicht nur die
aktuellen Herausforderungen rund um Arbeitskräfte
und Kapazitäten, sondern gestalten
aktiv eine agilere Lieferkette. Diese Innovation
ermöglicht es uns, den verfügbaren Raum optimal
zu nutzen und manuelle Eingriffe deutlich
zu reduzieren, sodass wir unseren Kunden weiterhin
die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit
bieten können, die sie von einem weltweit führenden
Logistikunternehmen erwarten.“
Mit Locus Array erzielen operative Einheiten:
• Hohen Durchsatz auf begrenzter Fläche
mit effizienter Auftragsabwicklung: Parallele
Bearbeitung von Aufträgen und Bündelung der
Arbeit direkt im Gang – mit 24/7-Betrieb zur
Steigerung des Durchsatzes.
• Autonome Ausführung über mehrere Prozesse
hinweg: Übernimmt Kommissionierung,
Einlagerung, Induktion, Abgabe, Slotting und
Nachschub in einem System und reduziert den
manuellen Arbeitsaufwand um 90 Prozent.
• Schnelle Wertschöpfung bei minimaler Beeinträchtigung:
Implementierung innerhalb weniger
Wochen ohne Anpassung der estehenden
Infrastruktur oder komplexe Umbauten.
https://youtu.be/qTQNCVOdK0Y
• Flexible und skalierbare Leistung in dynamischen
Umgebungen: Skaliert mit dem Volumen
und passt sich an veränderte Layouts, Artikelstrukturen
und Nachfragemuster an – ohne
Anpassung der Prozesse.
• Koordinierte Multi-Roboter-Ausführung:
Arbeitet nahtlos mit Locus Origin und Locus
Vector zusammen und deckt das gesamte
Artikelspektrum innerhalb eines einheitlichen
Systems ab – mit schneller Amortisation und
einem skalierbaren Robotics-as-a-Service-
Modell mit geringen Anfangsinvestitionen.
Einführung von Robots-to-Goods (R2G)
Diese Fähigkeiten begründen eine neue Kategorie
der Lagerautomatisierung: Robots-to-
Goods (R2G). In diesem Modell bewegen sich
intelligente robotische Systeme wie Locus
Array direkt zur Ware und führen Fulfillment-
Aufgaben innerhalb des operativen Ablaufs
aus. Durch die Integration mehrerer Prozesse
direkt im Roboter erweitert R2G die Automatisierung
über assistierte Abläufe hinaus hin zu
vollständig autonomen Prozessen.
Im Gegensatz zu traditionellen Systemen, die
Bestände durch feste Prozesse bewegen, werden
Roboter wie Locus Array dynamisch in Echtzeit
Aufgaben zugewiesen. Dadurch werden
Wege minimiert, die Verfügbarkeit von Artikeln
kontinuierlich sichergestellt und gleichzeitig
eine höhere Lagerdichte innerhalb bestehender
Lagerlayouts ermöglicht.
Angetrieben von LocusONE, der KI-gestützten
Orchestrierungsplattform, arbeitet Locus
Array als Teil einer einheitlichen Flotte gemeinsam
mit Locus Origin und Locus Vector. LocusONE
weist Aufgaben dynamisch auf Basis der
aktuellen Nachfrage zu und koordiniert Roboter,
Prozesse und Warenbewegungen als integriertes
System, das mit den Anforderungen
wächstund sich kontinuierlich anpasst. So wird
Automatisierung über sämtliche Fulfillment-
Prozesse hinweg ermöglicht und eine konsistente
Leistung sowie die notwendige operative
Sicherheit geschaffen, um auch in einem unsicheren
Umfeld erfolgreich zu agieren.
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S30
Lagerorganisation bei
Alex Sweets: Klare
Kennzeichnung als
Schlüssel zum Erfolg
Mit neuem ERP-System und systematischer
Stellplatzkennzeichnung reduziert der Süßwarengroßhändler
Suchzeiten, Fehler und
Bestandsdifferenzen im chaotischen Hochregallager.
Im November 2025 hat die Alex Sweets
GmbH in Aachen ein neues ERP-System
eingeführt, das eine umfassende Neuordnung
ihres Lagers erforderte. Die Digitalisierung
machte eine eindeutige Identifizierbarkeit
jedes Lagerplatzes zur Voraussetzung
– eine Aufgabe, die das Unternehmen an die
ONK GmbH übertrug. Das Ergebnis: Deutlich
geringere Suchzeiten, weniger Kommissionierfehler
und minimierte Bestandsdifferenzen.
Vor der Umstellung war das Lager von historisch
gewachsenen, manuellen Prozessen geprägt.
Ein- und Auslagerungen erfolgten teils papierbasiert
und über verschiedene Abteilungen,
ohne zentrale Buchungen oder Echtzeitbestände.
Zwar gab es eine Gangbeschilderung,
doch fehlte eine klare Stellplatzkennzeichnung.
Das führte zu langen Suchzeiten, Fehlern bei der
Kommissionierung und Differenzen im Bestand.
Janick Hoffmann, Geschäftsführer Operations
bei Alex Sweets, fasst zusammen: „Ziel war es,
die Prozesssicherheit zu erhöhen, Bestände
zu synchronisieren und Fehlerquellen systematisch
zu beseitigen. Ohne eine strukturelle
Neuordnung des Lagers wäre das nicht möglich
gewesen.“
Das Lager umfasst 2.000 Palettenstellplätze
in Hochregalen und arbeitet mit chaotischer
Lagerhaltung, bei der jeder freie Platz systemgeführt
belegt wird. Diese Flexibilität erfordert
eine präzise Kennzeichnung aller Stellplätze als
systemkritische Infrastruktur. ONK entwickelte
und montierte Mitte Oktober neue Kennzeichnungslösungen:
Gangschilder zur Orientierung
und mehrstufige Etiketten mit vier nebeneinander
angeordneten QR-Codes auf farblich
differenziertem Hintergrund für jede Ebene. Die
Stellplatzkoordinaten sind sowohl im Barcode
als auch in Klarschrift vermerkt, was die Prozesssicherheit
und Kontrolle im Alltag erhöht.
Besondere Anforderungen galten der Scanbarkeit
der Codes aus kurzer Distanz unter realen
Bedingungen mit Staub, wechselndem Licht
und mechanischer Belastung. Materialqualität,
Haftung und Widerstandsfähigkeit spielten
dabei eine entscheidende Rolle.
Die Zusammenarbeit mit ONK überzeugte
durch Spezialisierung und Projekterfahrung.
Nach einer gemeinsamen Begehung des
Lagers wurden Positionierung, Sichtachsen
und Scanbedingungen vor Ort analysiert. Testmuster
ermöglichten die Prüfung von Material,
Größe und Scanbarkeit im Echtbetrieb. Planung,
Abstimmung und Montage erfolgten termingerecht
und strukturiert – ein wichtiger Faktor für
den ERP-Start. Janick Hoffmann zieht ein positives
Fazit: „Wir sind sehr zufrieden mit ONK und
würden sie für ähnliche Projekte jederzeit wieder
beauftragen.“ Heute sind alle 2.000 Palettenstellplätze
digital im ERP-System erfasst
und physisch klar gekennzeichnet. Die Ein- und
Auslagerungen laufen systemgeführt, Suchzeiten
und Kommissionierfehler sind deutlich
gesunken, Bestandsdifferenzen wurden nachhaltig
reduziert. So funktioniert die chaotische
Lagerhaltung jetzt auf einer stabilen und transparenten
Datenbasis.
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S32
ID Logistics Germany
stärkt E-Commerce-
Standort Aachen
Kontraktlogistiker schafft dreihundert neue
Arbeitsplätze und setzt auf wachsende Logistikstrukturen
für den Online-Handel.
Für das Kontraktlogistikgeschäft zeichnet
sich ein Trend zu immer größeren
Volumina und Strukturen im Online-
Handel ab. Vor diesem Hintergrund
meldet ID Logistics Germany einen bedeutenden
Vertragsabschluss mit einem führenden
E-Commerce-Kunden, auch hinsichtlich der
Dimension der Immobilie. Der langfristige Kontrakt
beinhaltet den Betrieb eines zentralen
Logistikzentrums mit 72.800 m2 im Großraum
Aachen, das ausschließlich der Versorgung von
Fulfillment- und Distributionszentren dient.
Geplant ist, die Bestandsimmobilie ab dem dritten
Quartal dieses Jahres sukzessive in vier
Abschnitten in Betrieb zu nehmen. Vom zweiten
Quartal 2027 an soll die Anlage mit geplanten
300 Mitarbeitenden in den Vollbetrieb gehen.
In der Spitze werden in der multifunktionalen
Immobilie täglich bis zu 50.000 Pakete umgeschlagen
sowie ein- oder ausgelagert.
„Die Größenordnung des Logistikzentrums ist
für das E-Commerce-Segment herausragend
und knüpft an unsere rasante Wachstumsentwicklung
im vergangenen Jahr an. Mit der Investition
zeigen wir außerdem, wie sich zukunftsfähige
Logistikkonzepte in Bestandsimmobilien
nachhaltig realisieren lassen. So sichern wir
einen dauerhaften Betrieb und schaffen neue
Arbeitsplätze in einer expansiven Branche,“
erläutert Robin Otto, CEO von ID Logistics Germany
die besonderen Aspekte des Kontrakts.
Insgesamt hat ID Logistics Germany 15 Mio.
EUR für das Intralogistikkonzept budgetiert,
um optimale Voraussetzungen für die punktgenaue
Abwicklung von Millionen von Paketen
in dem Hochregallager mit 11,5 m Höhe und 55
Verladerampen zu schaffen. Vorgesehen ist die
Anschaffung von Schmalganglager, gefolgt von
passgenauen Gabelstaplern sowie ergänzender
Fördertechnik.
Neben der zusammenhängenden verfügbaren
Fläche war ein weiteres Auswahlkriterium für
den Standort der gute Zugang zu qualifiziertem
Fachpersonal in der bevölkerungsstarken
Region. In den kommenden Monaten wird ID
Logistics etwa 300 Stellen schaffen – dabei
sind vielfältige Funktionen in den Bereichen IT,
Operations (wie Staplerfahrer und Kommissionierung),
Personal- und Management (Teamund
Schichtleitung) zu besetzen.
Der Bürgermeister der Stadt Alsdorf, Tim Krämer,
begrüßt die Ansiedlung von ID Logistics
ausdrücklich: „Wir heißen den innovativen
und wachsenden Logistikdienstleister herzlich
willkommen. Das Unternehmen bringt sein
Logistik-Know-how in unsere Region ein und
sichert neue Arbeitsplätze in einer zukunftsorientierten
Branche. Das stärkt unseren Wirtschaftsraum
in einem Segment mit hoher
Wertschöpfung, das sich durch einen hohen
Personalbedarf und einen modernen Technologieeinsatz
auszeichnet.“
Vermieter ist Logicor, ein führender Eigentümer,
Manager und Entwickler europäischer Logistikimmobilien.
Janica Gerecke, Managing Director,
Head of Germany bei Logicor, sagt: „Mit ID
Logistics gewinnen wir einen Mieter, der die
strategischen Qualitäten des Standorts voll
ausschöpft. Wir freuen uns auf eine langfristige
Partnerschaft und sind stolz darauf, mit diesem
Objekt die Grundlage für Wachstum und neue
Arbeitsplätze in der Region zu schaffen.”
Geografisch erschließt ID Logistics Germany
mit dem neuen Standort die Region im Dreiländereck
Deutschland–Belgien–Niederlande
für seine Kontraktlogistik, welche die starke
Präsenz im Ruhrgebiet ergänzt und ideale Voraussetzungen
für internationale Lieferketten
bietet.
Das neue Logistikzentrum fügt sich für ID Logistics
Germany in die Entwicklung ein, zunehmend
große Immobilien für die E-Commerce-
Supply-Chain mit einem hohen Personalbedarf
in Kombination mit einem starken Technologieeinsatz
zu betreiben. Davon zeugen beispielsweise
zwei Meilensteine aus 2025. Im
Logistikpark Diemelstadt in Nordhessen hat der
Kontraktlogistiker ein Fulfillment-Center mit
68.000 m2 in Betrieb genommen. Im Mittelweser
Park im Großraum Hannover erweiterte das
Unternehmen seine E-Commerce-Kapazitäten
auf 77.000 m2. (RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S34
Die Roboter kommen
Künstliche Intelligenz automatisiert längst
digitale Prozesse. Jetzt übernehmen Roboter
auch physische Routinen. Das steigert die
Effizienz von Unternehmen deutlich – aber
was bedeutet das für die Menschen?
Ein vierbeiniger Roboter bewegt sich
durch eine Fertigungshalle. Er bewältigt
Stufen, umgeht Hindernisse und
bleibt auch in unübersichtlichen
Umgebungen stabil. Sein Job: Nach einer Fehlermeldung
mit seinen Kameras und Sensoren
den Zustand der Maschinen zu prüfen. Stellt
er an einer Maschine einen überhitzten Motor
fest, benachrichtigt er einen KI-Agenten, der
wiederum erforderliche Ersatzteile beschafft
sofort einen Wartungseinsatz plant und einen
menschlichen Servicetechniker mit den passenden
Ersatzteilen losschickt.
Dieses Szenario ist keine Zukunftsmusik, sondern
bereits Realität – und steht exemplarisch
für eine allgemeine Entwicklung. Durch die
Fortschritte der Künstlichen Intelligenz werden
auch robotische Systeme immer autonomer
und anpassungsfähiger und lassen sich in
immer komplexeren Umgebungen einsetzen.
Die hybride Belegschaft von Unternehmen, die
bislang aus menschlichen und digitalen Mitarbeitern
bestand, wird zunehmend um einen
dritten Player erweitert: Roboter. Das geschieht
in immer mehr Bereichen, von Produktionslinien
über Logistik bis hin zu sensiblen Bereichen wie
Clean Rooms oder kritischen Infrastrukturen.
SÖREN MICHL
Zusätzlich zu den bereits durch KI-Agenten
automatisierten Aufgaben können nun auch
viele operative Vor-Ort-Tätigkeiten mit KI automatisiert
werden. Das ermöglicht Unternehmen
erhebliche weitere Effizienzgewinne. Um
beim Eingangsbeispiel zu bleiben: Ohne Roboter
würde ein Techniker vermutlich die Anlage
erst vor Ort prüfen, das Problem manuell erfassen,
zurückfahren, Ersatzteile organisieren und
erneut zur Maschine fahren. Durch die Robotik
wird der gesamte Prozess deutlich effizienter
und das Problem wird erkannt, bevor es sich zu
einem echten Schaden ausweitet.
Die Vorteile der intelligenten Robotik für Unternehmen
sind beträchtlich. Deshalb wird sie sich
sehr wahrscheinlich mit hoher Geschwindigkeit
weiterverbreiten. Aber was bedeutet das für die
menschlichen Mitarbeiter? Sind Arbeitsplätze
bedroht? Die übliche Annahme ist ja, dass es
weniger Menschen braucht, wenn Maschinen
Aufgaben autonom übernehmen. Es lohnt sich
aber genauer hinzuschauen, welche Tätigkeiten
von Maschinen ausgeführt werden. Genau
wie KI-Agenten übernehmen auch intelligente
Roboter vor allem repetitive Routineaufgaben.
Hochwertigere und komplexere Tätigkeiten
verbleiben bei Menschen. Natürlich könnte
man jetzt folgende Überlegung anstellen: Durch
den Wegfall der Routineaufgaben werden unter
dem Strich weniger menschliche Mitarbeiter
benötigt und die verbleibenden üben dann eben
den ganzen Tag anspruchsvolle Tätigkeiten aus.
Doch diese Rechnung ist etwas zu einfach und
wird nicht aufgehen. Niemand kann acht Stunden
am Tag ausschließlich solche Tätigkeiten
ausüben.
Wir kennen das von uns selbst: Wirklich hoch
konzentrierte, kreative und anspruchsvolle
Arbeit leisten wir nur für eine bestimmte Anzahl
an Stunden pro Arbeitstag. Der Rest besteht aus
Abstimmung, Routine und administrativen Aufgaben.
Die eigentliche Frage ist deshalb nicht,
ob weniger Menschen arbeiten werden – sondern
wie Arbeit in Zukunft zeitlich organisiert
wird. (RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S36
Humanoide Roboter als
nächste Billionen-Dollar-
Industrie
Humanoide Roboter stehen vor dem Sprung
aus der Prototypenphase in die industrielle
Skalierung. uropa benötigt eigene industrielle
Strukturen, um von den Vorteilen zu profitieren.
Humanoide Roboter stehen vor dem
Sprung aus der Prototypenphase in
die industrielle Skalierung. Die aktuelle
Roland Berger Studie Humanoid
Robots 2026 - The Convergence Moment for
a New Market zeigt: Durch Fortschritte bei KI
und Robotik-Hardware könnten humanoide
Systeme perspektivisch zu Betriebskosten von
rund zwei US-Dollar pro Stunde arbeiten. Damit
wären sie in Hochlohnländern wie Deutschland
ein entscheidender Hebel, um Wettbewerbsfähigkeit
zu sichern, neue Industrien entstehen
zu lassen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Laut der Studie dürften Robotik-Hersteller bis
2035 einen Umsatz von 300 Milliarden US-Dollar
erreichen; in optimistischeren Rechenszenarien
bis zu 750 Milliarden US-Dollar. Langfristig
könnte der Markt bis zu vier Billionen
US-Dollar erreichen, und damit das Potenzial,
eine Marktgröße wie die der Automobilindustrie
zu erlangen.
"Wir erleben gerade, wie technologische Machbarkeit
auf wirtschaftliche Notwendigkeit trifft.
Die entscheidende Frage ist also nicht mehr,
ob humanoide Roboter kommen, sondern wie
schnell sie skalieren," sagt Thomas Kirschstein,
Partner bei Roland Berger.
Milliardenchance entlang der
Wertschöpfungskette
Humanoide Roboter schaffen neue Absatzmärkte
weit über den eigentlichen Roboter hinaus:
von Motoren, Mechanik und Sensoren bis
hin zu Elektronik und Produktionsausrüstung
- eine komplexe Wertschöpfungskette, die in
großen Teilen auf bestehenden Industriekompetenzen
aufbaut.
Bis humanoide Roboter vollständig autonome
Produktionsaufgaben übernehmen können,
muss die Technik weiter fortschreiten. Während
die Hardware bereits in einem fortgeschrittenen
Stadium ist, reifen Software, Lieferketten oder
Regulierungen sukzessive nach. Der Nutzen
wird sich zunächst in klar abgegrenzten, repetitiven
Anwendungen zeigen, wie etwa Gegenstände
auspacken oder transportieren. Erst mit
wachsender Software-Reife können sich die
Tätigkeiten ausdehnen.Auch Themen wie Haltbarkeit
und Sicherheits- und Haftungsfragen
entscheiden über Geschwindigkeit und Breite
der Industrialisierung. So müssen die komplexen
Systeme einen Dauerbetrieb in teils rauen
Produktionsumgebungen aushalten.
Bestehende Sicherheitsstandards sind auf
klassische, eingezäunte Automation ausgelegt.
Humanoide Roboter arbeiten hingegen
dynamisch und bewegen sich in den gleichen
Räumlichkeiten wie Menschen. Dafür braucht
es neue Test- und Zertifizierungslogiken sowie
einheitliche Gesetzgebung.
Europa benötigt eine eigene Value Chain
Zwar verfügt Europa noch über eine starke
industrielle Basis, insbesondere in Automobilbau,
Maschinenbau und Automatisierung, doch
Investitionen, Stückzahlen und Startup-Ökosysteme
sind aktuell noch hinter den USA und
China zurück. Der Kontinent hat den Anschluss
laut der Studie noch nicht verloren, muss aber
entschlossen handeln.
Thomas Kirschstein, Partner bei Roland Berger,
sagt: "Europa hat die technologischen Fähigkeiten,
in Zukunft von humanoiden Robotern zu
profitieren. Was fehlt ist die Entschlossenheit,
in eigene Wertschöpfungsketten zu investieren
und schnell zu skalieren."
Humanoide Roboter eröffnen mit Betriebskosten
von rund zwei US-Dollar pro Stunde die
Möglichkeit, auch arbeitsintensive Produktion
wieder wirtschaftlich nach Europa zu holen.
Voraussetzung dafür ist eine europäische Wertschöpfungsstruktur:
mehr Skalierung, mehr
Investitionen und eine enge Verzahnung von
Industrie, Zulieferern und Technologieanbietern.
Gelingt das nicht, droht Europa von fremden
Technologien abhängig zu werden, obwohl
Europa heute mehr als 20 Startups für Humanoide
Roboter hat. Ohne eine eigene industrielle
Wertschöpfungskette, die mit den USA und
China mithalten kann, würde ein erheblicher
Teil der wirtschaftlichen Effekte außerhalb
Europas entstehen, wie es heute bereits in Teilen
der KI-Industrie zu beobachten ist.
(RED)
Die Studie "Humanoid Robots 2026 - The
Convergence Moment for a New Market"
analysiert Marktpotenziale, die Ökonomie
humanoider Robotik sowie technologische
und regulatorische Voraussetzungen für
die Skalierung. Sie basiert auf Marktinterviews,
Modellierungen und internen Daten
von Roland Berger. Sie beleuchtet zudem
regionale Ökosysteme sowie erste industrielle
Einsatzfelder. Die vollständige Studie
können Sie hier herunterladen: https://
bit.ly/4u86a32
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S38
Stationäre Roboter oder
Cobots? Welche Roboter
arbeiten in der Fabrik
der Zukunft?
Neue Umfrage von reichelt elektronik zeigt,
welche Roboter besonders beliebt sind und
wie sie eingesetzt werden.
oder mobile Manipulatoren ein. Darunter versteht
man rollende oder laufende Roboter, die
mit einem zusätzlichen Greifarm ausgestattet
sind. Sieben Prozent haben sogar schon in
einen humanoiden Roboter investiert – also
einem Roboter, der in Körperform und Bewegungsart
einem Menschen nachempfunden ist.
Auch die Pläne für Investitionen in Robotik zeigen
das hohe Interesse der Unternehmen. Die
meisten (41%) planen innerhalb der nächsten
zwei Jahre die Anschaffung von Cobots, während
mehr als ein Drittel (36%) über den Kauf
eines mobilen Roboters nachdenkt. Die Investition
in stationäre Roboter steht dagegen nur
bei 32 Prozent auf dem Plan. Jedes fünfte Unternehmen
(20%) möchte innerhalb der nächsten
zwei Jahre einen humanoiden Roboter kaufen.
Cobots, mobile Roboter, humanoide
Roboter – die Robotik entwickelt
sich durch neue Technologien wie
zum Beispiel Künstlicher Intelligenz
(KI) in rasender Geschwindigkeit. Ist bald sogar
die Produktion mit vollständiger Automatisierung
(Dark Factory) realistisch? Die aktuelle
Robotik-Studie von reichelt elektronik, durchgeführt
durch das unabhängige Institut OnePoll,
zeigt einen Blick in die Produktionsstätten der
deutschen Industrie: Welche Arten von Robotern
werden dort am häufigsten eingesetzt und
lösen Cobots klassische stationäre Roboter in
Zukunft ab?
Robotik in deutschen Fabriken –
der Status Quo
Als eines der Länder mit der größten Roboterdichte
weltweit ist es nicht verwunderlich,
dass 85 Prozent der befragten Unternehmen
Roboter einsetzen. Mehr als die
Hälfte (55%) nutzt stationäre Roboter,
die typischerweise festinstalliert und
automatisch in eingehausten oder
abgegrenzten Bereichen und ohne
direkte Berührung mit dem Menschen
arbeiten. Zudem haben bereits
41 Prozent kleinere, leichtgewichtigere
Modelle wie Cobots oder andere Roboterarme
im Einsatz. Diese können flexibel eingesetzt
werden und sind oft ausdrücklich für
das Arbeiten Seite an Seite mit Menschen konzipiert.
Fast ebenso viele (39%) setzten mobile
Roboter, wie etwa selbstfahrende Plattformen
Lösen Cobots die stationären Roboter ab?
Laufen Cobots den stationären Robotern
also den Rang ab? Fast zwei Drittel (63%) der
Befragten gibt an, in Zukunft Roboterarme den
stationären Robotern vorzuziehen. Diese Entscheidung
ist nicht allein dem niedrigeren Preis
geschuldet. Zwar geben 57 Prozent an, dass
ihre Entscheidung für den Cobot primär preisgetrieben
war, doch noch mehr (74%) finden,
dass Cobots Fähigkeiten bieten, die klassische
Roboter nicht haben.
„Ohne Frage erleben die kleineren, flexibel einsetzbaren
Roboterarme derzeit großes Interesse“,
kommentiert Malte Janßen, Product
Management, Robotics & Electromechanical
Components bei reichelt elektronik. „Mit den
rasant fortschreitenden technischen Neuerungen
der letzten Jahre haben sie sich einen
festen Platz in den Fabriken erworben. Besonders
für kleinere und mittelständische Unternehmen
eröffnen Cobots neue Möglichkeiten.
So zeigt die Umfrage, dass 57 Prozent keine
Roboter im Einsatz hatten, bevor sie in Cobots
investierten. Besonders für schwere Lasten
oder hohe Leistungsanforderungen wird man
stationäre Roboter zwar immer brauchen, doch
die Umfrage zeigt eindeutig (88% Zustimmung):
Cobots haben sich als wichtige Ergänzung zu
den klassischen stationären Robotern etabliert.“
Neue Technologien erweitern Einsatzgebiete
Die meisten Unternehmen setzen auf Roboter,
wenn Arbeitsschritte körperlich besonders
fordernd (53%) oder repetitiv (45%) sind. Am
häufigsten führen sie dabei Pick-and-Place-
Arbeitsschritte (46%) durch oder transportieren
Gegenstände (44%). Jedoch gibt es auch eine
Vielzahl von spezialisierteren Arbeitsschritten,
für die sie regelmäßig eingesetzt werden – darunter
Schneiden, Löten, Palettieren, Verpacken
oder Zusammenfügen. Humanoide Roboter, die
derzeit erst selten eingesetzt werden, sollen
Menschen bei physisch anstrengenden Aufgaben
unterstützen (54%) oder repetitive Aufgaben
übernehmen. Einzelne Unternehmen gaben
zudem an, humanoide Roboter in KI-gesteuerten
Testumgebungen zu nutzen, um weitere
Arbeitsschritte zu automatisieren.
Zwei Technologien haben den Unternehmen
in den letzten Jahren am meisten geholfen,
um ihren Einsatz von Robotern noch effizienter
zu gestalten: Die Nutzung von KI, durch die
Roboter noch komplexere Aufgaben ausführen
können (42%) und bessere Sensortechnologie,
die Roboter die Umgebung noch besser erkennen
lässt (auch 42%). Weitere nützliche Technologien
sind Sensoren, die Robotern einen
noch genaueren Tastsinn geben (32%) und
leistungsfähigere Software, durch die Roboter
komplexere Aufgaben umsetzen können (31%).
Dazu zählt zum Beispiel die Steuerung von
Roboterarmen mit mehreren Gelenken und in
unterschiedliche Richtungen.
Auf dem Weg zur Dark Factory –
bald zu 100 Prozent automatisch?
Heute führen Roboter in den meisten Unternehmen
(69%) bis zu 40 Prozent der Aufgaben
durch. Knapp zehn Prozent lassen mehr als 60
Prozent des Herstellungsprozesses von Robotern
ausführen. Das soll sich nach Meinung der
meisten Unternehmen ändern. Schon in fünf
Jahren, so meinen 59 Prozent der Befragten,
wird der Herstellungsprozess vollständig automatisiert
laufen. Fast ebenso viele (56%) stimmen
auch zu, dass Robotik der Schlüssel ist, um
den Fachkräftemangel jetzt und in der Zukunft
zu bekämpfen.
Bereits in den letzten Jahren hat sich das Budget
für Robotik-Investitionen in knapp jedem
dritten Unternehmen (62%) erhöht und für 16
Prozent sogar signifikant. Um noch einfacher in
Robotik investieren zu können, wünschen sich
die Unternehmen vor allem günstigere Modelle
(38%), einfachere Programmierung (28%), mehr
Möglichkeiten, Roboter für individuelle Anwendungsfälle
zu personalisieren (27%) sowie einen
einfacheren Zugang zu Fördermitteln (auch
27%). Die Umfrage wurde im März 2026 vom
Umfrageinstitut OnePoll im Auftrag von reichelt
elektronik durchgeführt. Befragt wurden 500
Entscheidungsträger aus den Bereichen Technik
und Fertigung in der deutschen Industrie.
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S40
Made in Europe:
Umsteuern, bevor der
Engpass kommt
Warum europäische Fertigung wieder zur
strategischen Aufgabe wird und „Made in
Europe“ einfacher kaufbar werden muss.
Ondrej Klbecka, Gründer von deprotech, sieht
europäische Beschaffung deshalb nicht als
Rückschritt, sondern als notwendige Korrektur:
dort, wo Nähe, Reaktionsfähigkeit und industrielle
Substanz entscheidend sind.
Warum Europa den Auftrag oft verliert
Viele europäische Hersteller verlieren Aufträge
nicht, weil ihnen die technische Kompetenz
fehlt. Sie verlieren, weil sie für Einkäufer
oft zu schwer zugänglich sind. Internationale
Anbieter haben oft früher verstanden, dass
Beschaffung nicht nur aus Maschinen, Material
und Preis besteht. Sie investieren in Sichtbarkeit,
reagieren aktiv und machen den nächsten
Schritt einfach.
Globale Lieferketten bleiben unverzichtbar.
Über Jahrzehnte haben
sich europäische Betriebe daran
gewöhnt, Fertigungskapazität weltweit
zu suchen: zuerst wegen des Preises, später
auch wegen Verfügbarkeit, Flexibilität und
professioneller Vertriebsstrukturen internationaler
Anbieter.
In Europa ist die technische Qualität vieler Fertigungsbetriebe
hoch. Der Marktzugang ist aber
häufig zu leise. Veraltete Webseiten, langsame
Angebotsprozesse und zu wenig Proaktivität
sind kein kleines Kommunikationsproblem. Sie
sind ein Wettbewerbsproblem. Denn im Alltag
gewinnt nicht immer der beste technische
Anbieter. Oft gewinnt der Anbieter, der sichtbar,
erreichbar und einfach ansprechbar ist.
Heute zeigt sich: Diese Entwicklung hatte Vorteile,
aber auch einen Preis. Wer europäische
Beschaffung zu lange nur als Kostenfrage
behandelt, riskiert Abhängigkeiten, Knowhow-Verlust
und weniger Handlungsspielraum.
Was sich ändern muss, damit Käufer
wieder in Europa kaufen
Europäische Beschaffung wird nicht stärker,
nur weil Unternehmen sie politisch oder moralisch
richtig finden. Sie wird stärker, wenn sie
praktisch funktioniert. Käufer brauchen einfache
Zugänge zu europäischen Herstellern:
klare Informationen, schnelle Rückmeldungen,
digitale Sichtbarkeit und Prozesse, die nicht in
E-Mails, Tabellen und einzelnen Lieferantenkontakten
zerfallen.
„Made in Europe“ darf kein Slogan bleiben. Es
muss kaufbar werden. Einfacher. Schneller.
Strukturierter. Dazu müssen Hersteller sichtbarer,
reaktionsfähiger und digital besser erreichbar
werden. Digitale Präsenz ist nicht nur Marketing,
sondern Zugang zum Markt. Resilienz
beginnt nicht erst in der Fertigungshalle. Sie
beginnt bei der Anfrage.
Wie die Lücke geschlossen werden kann
Europa braucht bessere Verbindungen zwischen
industrieller Nachfrage und vorhandener
Fertigungsstärke. Wenn Nachfrage und
Fertigungsstärke schneller zusammenfinden,
wird europäische Beschaffung realistischer.
Dafür braucht es strukturierte Prozesse statt
fragmentierter Anfragen. Technische Anforderungen,
Herstellbarkeit, Lieferfähigkeit, Preisoptionen
und Dokumentation müssen in einem
nachvollziehbaren Ablauf zusammengeführt
werden.
Genau hier entstehen neue Modelle für die
Beschaffung technischer Teile. deprotech setzt
auf diesen Grundsatz: europäische Fertigung
nicht nur sichtbar, sondern einfacher zugänglich
machen. Nicht als loses Verzeichnis, sondern
als strukturierter Beschaffungsweg, in
dem Anforderungen, Fertigungskapazität und
wirtschaftliche Optionen zusammenfinden. So
wird „Made in Europe“ nicht nur ein Herkunftsversprechen.
Es wird ein praktikabler Beschaffungsweg.
Wo europäische Beschaffung den
größten Hebel hat
Europäische Beschaffung ist nicht für jede
Warengruppe die richtige Antwort. Sie wird
strategisch, sobald ein Teil verstanden, abgestimmt
und zuverlässig geliefert werden muss.
Das gilt vor allem bei technischer Klärung,
engen Lieferzeiten, Qualitätsanforderungen
oder Dokumentation. Beispiele sind kundenspezifische
Bauteile, Ersatzteile, Kleinserien,
Prototypen, Baugruppen oder Spezialkomponenten.
Entscheidend ist nicht die Herkunft
allein, sondern ob europäische Beschaffung
Reibung reduziert: durch kürzere Abstimmungswege,
vertrautere Qualitätsanforderungen,
besser planbare Transporte und einfachere
Nacharbeit.
Wo globale Beschaffung weiterhin Sinn ergibt
Europäische Beschaffung darf nicht zur Ideologie
werden. Standardisierte Teile, sehr große
Serien, stark preisgetriebene Warengruppen
oder Fertigungsprozesse, die in Europa kurzfristig
nicht ausreichend verfügbar sind, werden
auch künftig international beschafft. Auch
Rohstoffe, Vorprodukte und spezialisierte Technologien
bleiben global verflochten. Ein vollständiges
Zurückholen aller Beschaffung wäre
weder realistisch noch wirtschaftlich sinnvoll.
Die Aufgabe liegt nicht im einfachen Wechsel
von „global“ zu „europäisch“. Unternehmen
müssen bestimmen, was auf europäische Fertigung
umgestellt werden kann, wo Diversifikation
sinnvoll ist und was vorerst global bleiben
muss. Das Ziel ist nicht Abschottung. Das
Ziel ist Diversifikation, damit Europas Industrie
handlungsfähig bleibt und ihre Fertigungsbasis
langfristig sichern kann.
Fazit: „Made in Europe“ muss einfacher werden
Wenn Europa weiter vor allem auf den niedrigsten
sichtbaren Stückpreis schaut, wird die Verlagerung
industrieller Nachfrage weitergehen.
Dann verliert Europa nicht nur Aufträge, sondern
Fertigungstiefe, Know-how und langfristige
Unabhängigkeit.
Käufer werden nur dann häufiger europäisch
beschaffen, wenn der Prozess einfacher,
schneller und wirtschaftlich nachvollziehbar
wird. Die Zukunft liegt nicht im Entweder-oder.
Globale Lieferketten bleiben dort wichtig, wo
sie sinnvoll und beherrschbar sind. Europäische
Fertigung muss dort gestärkt werden, wo sie
Kontrolle, Resilienz und industrielle Substanz
sichert. Resilienz entsteht nicht durch Herkunft
allein. Sie entsteht, wenn industrielle Kapazität
sichtbar, ANDREAS erreichbar AUERund kaufbar wird.
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S42
Metalltechnische
Industrie: Produktion
wächst, doch geopolitische
Risiken belasten
Produktionsplus von 2,7 % nach starkem Einbruch,
Exporte in die USA brechen ein, 10.000
Arbeitsplätze verloren – dringender Handlungsbedarf
in der Standortpolitik.
Die Metalltechnische Industrie
erzielte im Jahr 2025 ein leichtes
Produktionswachstum auf rund
47 Milliarden Euro. Das entspricht
einem Plus von 2,7 % (real, preisbereinigt). In
den beiden Rezessionsjahren 2023 und 2024
betrug der Rückgang knapp 16 %. Christian
Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische
Industrie, sagt dazu: „Die leichte Erholung
aus dem Vorjahr kann den Einbruch in den
Jahren zuvor bei Weitem nicht wettmachen.
Der anhaltende Rückgang bei den Exporten,
vor allem in die USA, schmerzt uns besonders.
Die Folge ist ein dramatischer Jobverlust in
unserer Branche.“ Die Exportquote der Branche
beträgt 79 %. Preisbereinigt sind die Exporte
im Jahr 2025 um 2 % auf 39,1 Milliarden Euro
gesunken. Besonders groß ist der Rückgang
bei den Exporten in die USA mit knapp 23 %.
Die Exporte nach Deutschland, dem mit einem
Anteil von 27 % an den Gesamtexporten wichtigsten
Markt der Branche, sanken um 1,3 %.
Deutlich gestiegen sind hingegen die Exporte
nach China (+13 %), wobei der Anteil des chinesischen
Marktes an den Gesamtexporten nur
bei 6 % liegt. Einen deutlichen Rückgang gab es
erneut bei der Anzahl der Beschäftigten in der
Branche. Im Jahr 2025 betrug der Rückgang 4,2
%, was rund 4.700 Stellen entspricht. In den vergangenen
zwei Jahren wurden insgesamt rund
10.000 Beschäftigte abgebaut, hinzu kommen
noch etwa 4.000 Leiharbeitsstellen.
Wirtschaftliche Unsicherheiten belasten die
Unternehmensstimmung
Aufgrund der Nahost-Krise wurden kürzlich die
BIP-Prognosen für die Gesamtwirtschaft deutlich
nach unten revidiert. Auch die Unternehmen
der Metalltechnischen Industrie sind derzeit
pessimistisch eingestellt.
In einer aktuellen Umfrage von Mitte April rechnen
52 % der Mitgliedsbetriebe der Branche
mit einem Rückgang der Produktion in ihrem
Betrieb. Zwei Drittel halten einen Aufschwung
in den kommenden sechs Monaten für unrealistisch.
39 % der Befragten rechnen mit einem
negativen Betriebsergebnis für 2026. Die Folgen
dieser Entwicklung sind ein fortschreitender
Beschäftigungsrückgang: 41 % der Betriebe
gehen davon aus, dass die Beschäftigung in
den nächsten fünf Jahren abnehmen wird.
43 % meinen, sie werde konstant bleiben. Nur
15 % rechnen mit steigender Beschäftigung an
ihrem Standort. Gleichzeitig gehen 60 % der
Befragten davon aus, dass die Beschäftigung an
ihren Auslandsstandorten zunehmen wird. Das
bedeutet, dass die Unternehmen ihre Investitionen
vor allem im Ausland statt in Österreich
planen.
Obmann Christian Knill: „Die geopolitischen
Rahmenbedingungen bleiben volatil und ein
Risiko. Umso mehr müssen wir unsere Hausaufgaben
machen und die Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit
der Unternehmen stärken.
Die Bundesregierung hat mit der Industriestrategie
einen guten ersten Schritt gesetzt, wir
müssen aber rascher und dynamischer in die
Umsetzung kommen. Dringend erforderlich ist
eine Entlastung der Betriebe, vor allem bei den
Lohnnebenkosten, den Energiepreisen und dem
bürokratischen Aufwand. Nur so bekommen sie
wieder Spielraum für Investitionen in Österreich.
Die angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten
ab 2028 begrüßen wir daher. Gleichzeitig
muss das Wiedererstarken der Inflation verhindert
werden. Mit dem zweijährigen Lohnabschluss
unter der Inflationsrate haben unsere
Unternehmen und Beschäftigten bereits einen
wichtigen Schritt zur Dämpfung der Teuerung
gesetzt. Nun ist vor allem der Staat gefragt,
seine Ausgaben zu dämpfen, insbesondere bei
Pensionen, Gehältern und Gebühren.“
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S44
VDA 5050: Welche
Flottensteuerung hat
eine Zukunft?
Ein Flottenmanagement auf Basis der VDA
5050-Schnittstelle ermöglicht die gemeinsame
Steuerung von fahrerlosen Transportfahrzeugen
verschiedener Hersteller. Doch ob
eine übergeordnete Leitsteuerung für automatisierte
Prozesse überhaupt notwendig ist,
hängt vom Anwendungsfall ab.
Einsatz mobiler Transportroboter ohne
zentrale Leitsteuerung
Hersteller wie SAFELOG bieten mobile Transportroboter
unterschiedlicher Größe, passend
zu dem jeweiligen Use-Case. Die agentenbasierte
Steuerung erlaubt dabei schon bei einer
geringen Anzahl an Fahrzeugen einen rentablen
Einsatz. Über WLAN wird die Kommunikation
zwischen den Geräten realisiert. Dank Schwarmintelligenz
kann bei diesem Ansatz komplett
auf eine übergeordnete Steuerung verzichtet
werden. Auch Übergabestationen und die
umliegende Peripherieanlagen lassen sich in
das System einbinden. Hard- und Software als
Gesamtpaket ermöglichen eine einfache und
wirtschaftlich attraktive Umsetzung von automatisierten
Prozessen. Das weiß auch die Antalis
Schweiz als führender Distributor für Papier,
Verpackungslösungen, visuelle Kommunikationsmittel
sowie Hygieneartikel und Anbieter
individueller Logistikdienstleistungen zu schätzen.
Jeden Tag werden dort bis zu 1.600 Bestellungen
bearbeitet. Seine 40 Jahre alte Flotte
ersetzte das Unternehmen durch moderne
Fahrzeuge mit agentenbasierter Steuerung von
SAFELOG.
PETER UMUNDUM
Leitsteuerung ja oder nein? Nicht in
jedem Fall ist diese Art des Flottenmanagements
erforderlich. Entscheidend
sind Anwendungsfall, Prozessanforderungen
sowie die Strategie des jeweiligen
Unternehmens. Kommen beispielsweise fahrerlose
Transportfahrzeuge eines einzelnen
Herstellers für den einfachen Transport von
Kisten oder Paletten zum Einsatz, können diese
auch ohne übergeordnete Steuerung erfolgreich
miteinander kommunizieren.
Die bestehenden Übergabestationen und
Schnittstellen konnten an das neue System
angepasst und dadurch beibehalten werden.
Der Wareneingangs- und Warenausgangsbereich
wurde durch den Einsatz der mobilen
Roboter optimal miteinander verbunden. Pro
Tag werden 700 Paletten mit einer Maximallast
von circa 1.000 kg vom Wareneingang zu
verschiedenen Lagerbereichen transportiert, zu
denen ein Hochregallager, ein Autostore-Lager
sowie drei manuelle Lager gehören. Dieses Beispiel
zeigt: Ob das Bewegen von Paletten und
einzelnen Kisten oder das Ziehen ganzer Container
und Trolleys – Systeme mit einer geringen
Anzahl an AGVs können effizient ohne
übergeordneten Leitstand realisiert werden.
Auch Montagestationen lassen sich durch den
Einsatz von FTS ideal verbinden, ohne dass eine
übergeordnete Steuerung nötig wäre.
Kombination aus Schwarmintelligenz
und Leitsteuerung
Sind die automatisierten Prozesse komplexer,
bietet sich in manchen Fällen auch eine Kombination
aus Leitsteuerung und agentenbasierten
Fahrzeugen an. Die Leitsteuerung übernimmt
in diesem Fall das Ordermanagement; die
Schwarmintelligenz verantwortet den Transport
zwischen Quelle und Senke. Für ein derartiges
System entschied sich die KNOLL Maschinenbau
GmbH. In einem verbindlich getakteten
Rundkurs in der Blechfertigung wird ein mobiler
Transportroboter von SAFELOG eingesetzt,
der fünf Haltepositionen anfährt und danach
zum Blechlager zurückkehrt. Befördert wird
ein Trolley mit fünf Ablagefächern, die jeweils
einer bestimmten Station zugeordnet sind. Pro
Station wurde eine fixe Standzeit definiert, in
der die Werker das für sie bestimmte Material
entladen und bereits bearbeitete Halbzeuge auf
dem Fahrzeug verstauen können. Die Überwachung
der Taktzeiten an den einzelnen Haltepositionen
erfolgt über die SAP-Steuerungssoftware
der FLEXUS AG.
Sobald das System eine Verzögerung feststellt,
macht der Roboter den Werker durch
akustische Signale darauf aufmerksam. Weitere
mobile Transportroboter stehen an Bahnhöfen
auf Abruf zur Verfügung, um Schwerlasttrolleys
zu transportieren. Ist ein Auftrag
komplett, fordert der Werker über die SAP-
Benutzeroberfläche seines PCs die Abholung
an. Das Fahrzeug unterfährt den Trolley, dockt
an vier Verbindungspunkten an und fährt mit
dem Transportgut ins Warenlager, zur Fertigung
oder in die Versandabteilung. Dabei erfolgt die
Routenführung weitestgehend über Konturnavigation.
Ist der kürzeste Weg nicht befahrbar,
wird dies durch die Steuerungssoftware an
das AGV gemeldet und es wählt automatisch
eine andere Route aus, um möglichst effizient
ans Ziel zu gelangen. So ist KNOLL in der Lage,
täglich rund 1.000 Warenbehälter und Trolleys
zu transportieren. Doch nicht nur die Transportroboter,
sondern auch die übrigen Flurförderzeuge
und Routenzüge wurden über das Transportleitsystem
von FLEXUS eingebunden. Im
Ergebnis führt der vollständig digitalisierte Prozess
zu einer hohen Transparenz und Prozessoptimierung.
Alle Teilnehmer werden getrackt
und Zustandsmeldungen der AGVs, beispielsweise
der Ladezustand der Batterie oder Statusmeldungen
eines Transportauftrags werden
kontinuierlich erfasst.
Sinnvolle Nutzung einer Leitsteuerung
auf Basis der VDA 5050
Häufig benötigen Hersteller und Betreiber von
Lagern und Distributionszentren eine Vielzahl
spezialisierter Transportlösungen zur Automatisierung
ihrer Abläufe. Meist sind daher
Fahrzeuge von mehreren Herstellern im Einsatz.
Um die Synchronisierung dieser Geräte zu
ermöglichen, wurde die Schnittstelle VDA 5050
entwickelt. Damit lassen sich unterschiedliche
autonome Stapler, Routenzüge und mobile
Transportroboter und weitere Ressourcen über
einen zentralen Leitstand steuern. Ablauf und
Transportwege sind somit durch die Leitsteuerung
vorgegeben. Diese sammelt alle Informationen
und gibt sie an einzelne Teilnehmer
weiter. „Damit werden die mobilen Roboter mit
allen anderen Geräten auf einer untergeordneten
Ebene der Leitsteuerung unterstellt“,
sagt Mathias Behounek, CEO von SAFELOG.
„Die Transportaufträge werden zentral verteilt
und die Streckensegmente durch den Flotten-
LOGISTIK-EXPRESS I&E 2/26 | S46
PETER UMUNDUM
manager gebucht und freigegeben.“ Über die
Schnittstelle können auch Peripheriesysteme
wie Brandschutztore, Aufzüge oder Übergabestationen
mit Fördertechnik an die zentrale
Leitsteuerung angebunden werden. Da sich
mithilfe der standardisierten Kommunikationsschnittstelle
verschiedene Flottengrößen
herstellerunabhängig verwalten lassen, geht
der Trend für diese Anwendungsfälle ganz klar
in Richtung VDA 5050 Flottenmanager. Auch
SAFELOG hat bereits mehrere erfolgreiche Projekte
mit zentralem Leitstand umgesetzt, unter
anderem bei einem bekannten Automobilhersteller.
Dort werden die mobilen Roboter im
Verbund durch eine zentrale Leitsteuerung auf
Basis der VDA 5050 gesteuert. Über 27 mobile
Roboter sind im Einsatz. Eingebunden sind Peripherieanlagen
wie Brandschutztore, Aufzüge,
Übergabestationen und Förderanlagen.
VDA 5050 bietet Chancen und Möglichkeiten
„Wir werden immer wieder gefragt, ob unsere
Fahrzeuge VDA 5050 ready sind und können
ohne Einschränkungen zustimmen“, erklärt
Mathias Behounek. „Doch es gilt bei Projekten
immer abzuwägen, ob eine Leitsteuerung überhaupt
notwendig ist. Keep ist simple ist unsere
Devise.“ Denn in zahlreichen Fällen biete eine
Flottensteuerung auf Basis der Schwarmintelligenz
und ohne Leitstelle ausreichend Flexibilität
und verursacht einen deutlich geringeren
Kostenaufwand. Je einfacher der Prozess und
homogener die Gruppe, desto besser lässt sich
das System skalieren. Ist der Transportprozess
komplex und sind Fahrzeuge unterschiedlicher
Hersteller im Einsatz, eröffnen sich mit einer
VDA 5050 basierten Leitsteuerung neue Möglichkeiten.
Zudem erhöht sich die Transparenz
der Prozesse. Mittlerweile ist die VDA 5050 bei
vielen Ausschreibungen von Roboterflotten und
Leitstandsystemen festes Kriterium. Sie hat sich
von einem gemeinsamen Kommunikationsprotokoll
für einfachere Systeme wie spurgeführte
Fahrzeuge zu einer umfassenden globalen
Richtlinie entwickelt, die praxistauglich ist.
Jedes Jahr testen Unternehmen ihre Soft- und
Hardware in Verbindung mit der VDA 5050
unter besonders anspruchsvollen Rahmenbedingungen
beim TEST CAMP INTRALOGISTICS in
Dortmund. Dabei werden möglichst realistische
Prozesse aus der Lager- und Produktionslogistik
beispielhaft umgesetzt. Wenn unterschiedliche
Fahrzeuge eingesetzt werden und sich Fahrwege
im Kreuzungs- und Gegenverkehr teilen,
kommen die Stärken der VDA 5050 besonders
zum Tragen. „Der 4. AGV Mesh-up in Dortmund
hat gezeigt, dass die Roboter der acht anwesenden
Herstellern problemlos eingebunden werden
können“, so Mathias Behounek. „Weitere
haben die Schnittstelle ebenfalls schon umgesetzt
und wahrscheinlich werden es künftig
noch weit mehr, denn die VDA 5050 wird von
den entsprechenden Arbeitskreisen laufend
überarbeitet und weiterentwickelt.“ Derzeitiger
Bearbeitungsschwerpunkt ist die Integration
von Karten und Zonen, um damit auch autonome
mobile Roboter (AMR) optimal einbinden
zu können.
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