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Wie lang ist jetzt?

Fotoessay - Mechthild Bäppler www.mbee-fotografie.de

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Wie lang ist jetzt?

Fotoessay - Mechthild Bäppler



Die Nachmittage sind jetzt oft schön

und so ein wenig verhüllt und verhalten;

und dann hat es so eine sanfte Art,

Abend zu werden. Man könnte sagen,

es gibt einen Augenblick, wo die Stunden

aufhören zu gehen, man fühlt ihren Schritt

nicht mehr, sie besteigen irgendein Tier,

das sie auf seinem breiten Rücken weiterträgt.

So ruhig halten sie sich, und nur unter ihnen

ist etwas Großes, Dunkles, das geht, vergeht,

das sie mitnimmt.

R. M. Rilke























































Wie lang ist jetzt frage ich, als ich nach einem ganzen Leben, an den Ort zurückkomme,

der einmal mehr als ein Zuhause war. Ein Ort, der mir Wurzeln bot – erdige, fruchtbare,

lebendige Heimat. Mitunter steinig und karg, aber beständig und erfahrbar mit allen

Sinnen.

Welche Weite es noch immer hat, wenn ich Stunden erinnere, in denen ich, mit meiner

Großmutter auf dem Sofa sitzend, in die Dämmerung schaue und es sanft Abend wird.

Für sie war diese Zeit eine Insel im Alltag und mich nahm sie dahin mit.

Ich kehre zurück zu flirrendem Staub in der Sonne, die durch das Fenster des Getreidespeichers

fällt. Höre fernes Läuten der Dorfglocken in das sich das Krähen des Hahnes

mischt. Rieche den modrigen Geruch des kalten Kellerbodens auf dem die Kartoffeln

lagern. Lausche den Bienen beim Summen im Himbeergarten. Es duftet nach Klaräpfeln

und das Rot der Gladiolen leuchtet zwischen grünem Salat.

Wie lang ist jetzt schießt der Gedanke in mein Bewusstsein, als ich ein Stück eines Vorhangs

entdecke, den es hier schon immer gab. Dieser Anblick trifft mich – einen Nerv,

mitten ins Herz.




@ Fotos:

Mechthild Bäppler (wenn nicht anders angegeben)

Rolf Bäppler S. 6, (23), 35, 41, 46, (61)



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