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f+h fördern und heben 4/2026

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2884

04

Mai 2026

€ 20,00

1951–2026

TITEL

MCP Play verdoppelt

22 Ringanas Versandleistung

MES und AMR verschmelzen

28 zur autonomen Fertigung

Humanoide Roboter:

42 Vom Hype zur Einsatzreife

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AUTOMATISIEREN HEISST

INTEGRIEREN

INTEGRATION ENTSCHEIDET

ÜBER TEMPO, TRANSPARENZ

UND EFFIZIENZ VOR ORT

EDITORIAL

In der Intralogistik spricht man gern über Robotik, KI, autonome

mobile Systeme und smarte Software. Doch der eigentliche Engpass

liegt oft nicht in der fehlenden Technik, sondern im fehlenden

Zusammenspiel. Wer heute isolierte Einzelsysteme beschafft, ohne

sie zu integrieren, automatisiert im Zweifel vor allem die

Komplexität.

2026 entscheidet nicht die spektakulärste Lösung über die

Leistungsfähigkeit eines Standorts, sondern die Qualität der

Integration. Erst wenn WMS, ERP, Materialflusssteuerung, Fördertechnik,

Robotik und Sensorik

nahtlos miteinander kommunizieren,

wird aus Automatisierung

ein belastbarer Prozess.

Fehlt diese Klammer, entstehen Datenlücken, Medienbrüche und

manuelle Eingriffe – also genau die Reibungsverluste, die moderne

Technik eigentlich beseitigen soll.

Integration ist keine IT-Randfrage, sondern die strategische Kernaufgabe

der Intralogistik. Sie entscheidet über Tempo, Transparenz,

Skalierbarkeit und Resilienz – und damit über die Effizienz vor Ort.

Ein Lager wird nicht dadurch zukunftsfähig, dass dort mehr Technik

steht. Zukunftsfähig wird ein Lager, wenn Daten in Echtzeit fließen,

Systeme interoperabel arbeiten und Entscheidungen auf einer

verlässlichen Informationsbasis fallen.

Die nächste Ausbaustufe heißt daher nicht einfach mehr Automatisierung,

sondern bessere Orchestrierung. Wer Robotik, Software

und Daten konsequent zusammenführt, gewinnt Produktivität,

Robustheit und

Handlungsspielraum. Wer

das nicht tut, baut digitale

Inseln. Der Satz ist nicht

neu – aber 2026 gilt er

mehr denn je.

Herzlichen

Glückwunsch,

fördern und heben

75 JAHRE STARKE IMPULSE –

und seit jeher ein

geschätzter Begleiter in

unserer über 200-jährigen

Unternehmensgeschichte.

1953

1978

Winfried Bauer

– Chefredakteur –

w.bauer@vfmz.de

2011


INHALT

EDITORIAL

03 Automatisieren heißt integrieren

32

LOGIMAT-NACHLESE

06 Fachmesse mit Bestmarken bei Ausstellern,

Fläche und Besuchern

Logimat 2026 setzt neue Maßstäbe

08 F+H NACHGEFRAGT bei Rémy El Abd

„Software ist das Herz und Gehirn jedes

modernen Lagers“

10 Strategiewechsel bei SSI Schäfer

Nicht die Technologie entscheidet – sondern ihre

Integration

12 Software- und KI-Offensive für das Fulfillment

AutoStore will den Cube intelligenter machen

75 JAHRE F+H SERIE

14 Business-Lunch in Stuttgart mit Wegbegleitern

aus der Branche

Rückblick mit Haltung, Ausblick mit Substanz

16 Krane und Hebezeuge

JAHRE

Blick zurück und nach vorn

IMPULSE

20 Energieführungssysteme

Additive Fertigung beschleunigt

Energiekettenentwicklung

36 Intelligente Datenerfassung im Lager

Softwarebasiertes Scannen und visuelle Führung

beschleunigen Prozesse

PRODUKTE UND SYSTEME

22 TITELSTORY Interroll-Steuerungsplattform MCP Play

im Praxiseinsatz

Wie Ringana seine Versandleistung mehr als

verdoppelte

28 MES und AMR im Zusammenspiel

Vom Fertigungsauftrag zum Fahrbefehl

32 Software-Modernisierung statt Neuanlage

Materialfluss automatisiert – für ein Fünftel der

Ersatzinvestition

34 Machine Vision ersetzt manuelle Palettenkontrolle

bei Goldschmaus

Automatisierte Qualitätsprüfung sichert Artikelund

Chargenreinheit

40 Digitale Highlights

PERSPEKTIVEN

02

26

4 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de

26 F+H VOR ORT Still-Weltpremiere im Vorfeld der

Logimat 2026

Der blinde Fleck an der Laderampe ist Geschichte

42 Humanoide Roboter in der Intralogistik

Zwischen technologischem Fortschritt und

praktischer Einsatzreife


SUPPLY CHAIN MANAGEMENT

ANZEIGE

46 Digitale Frachtbriefe als Datenübertragungssystem

in der Logistik

eCMR, eFTI und eCIM im Zusammenspiel

TITELBILD

Interroll

42

SERVICE

45 Impressum

51 Vorschau auf Heft f+h 05/2026

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LOGIMAT-NACHLESE

FACHMESSE MIT BESTMARKEN BEI AUSSTELLERN, FLÄCHE UND BESUCHERN

LOGIMAT 2026 SETZT NEUE MASSSTÄBE

Mit Rekorden bei Aussteller- und Besucher zahlen,

Ausstellungsfläche und Inter natio nalisierungsgrad

ist die Logimat 2026 zu Ende gegangen. Drei Tage

lang zeigten 1.671 Aussteller aus 46 Ländern ihre

Neu heiten für die Intralogistik – darunter mehr als

120 Welt- und Europapremieren. Die Fachbesucher

kamen mit klaren Investitionsabsichten.

Die Logimat 2026, Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen

und Prozessmanagement, hat nach drei

Messetagen in Stuttgart neue Bestmarken in allen relevanten

Kennzahlen erzielt. 1.671 Aussteller aus 46 Ländern

– darunter 296 Erstaussteller – präsentierten auf einer Nettoausstellungsfläche

von rund 69.000 Quadratmetern ihre Neuentwicklungen.

Mit 69.856 Fachbesuchern übertraf die Veranstaltung

die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2024 um rund 2.400.

Der Auslandsanteil unter den Ausstellern stieg auf 37 Prozent,

wobei jedes fünfte internationale Unternehmen seinen Sitz in

Übersee oder Asien hat. Von den Besuchern reisten 26,7 Prozent

aus dem Ausland an – ein Plus von 3,6 Prozentpunkten gegenüber

dem Vorjahr. Das Gros der Fachbesucher (42 Prozent) reiste

mehr als 300 km an.

Am stärksten unter den Ausstellern vertreten waren die Segmente

Förder- und Lagertechnik (38,2 Prozent), Software für

Simulation, Lagersysteme und Bestandsmanagement (37,1 Prozent)

sowie Flurförderzeuge und Zubehör (34,8 Prozent; Mehrfachnennungen

möglich). 30,2 Prozent der Aussteller zeigten

Exponate aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnik,

28,2 Prozent präsentierten fahrerlose Transportfahrzeuge

und autonome mobile Roboter.

ENTSCHEIDER MIT KONKRETEN

INVESTITIONSVORHABEN

Den Auswertungen des Marktforschungsinstituts Wissler & Partner

zufolge waren 56 Prozent der Fachbesucher als Entscheider

vor Ort. 35,9 Prozent kamen mit konkreten Investitionsvorhaben

nach Stuttgart, 25,3 Prozent gaben an, auf der Messe Aufträge er-

teilt zu haben oder dies unmittelbar danach zu tun. Entsprechend

zahlreich fielen die Vertragsabschlüsse aus: Der norwegische

Sensorhersteller Sonair, Preisträger des „Logimat Best Product“,

vereinbarte den Ersteinsatz seines Adar-Sensors in einem

autonomen Roboter. Wiferion liefert induktive Ladetechnik an

Seer Robotics aus China, und der niederländische Systemintegrator

Syncore einigte sich mit dem Stuttgarter KI-Robotik-Unternehmen

Sereact auf den Rollout von 100 KI-gesteuerten Robotersystemen.

HUMANOIDE ROBOTIK UND NEUE FORMATE

Als richtungsweisend erwies sich die frühzeitige Integration des

Themas humanoide Robotik. Mehrere Aussteller zeigten erste

Entwicklungen in intralogistischer Umgebung, das Fraunhofer

IML stellte eine aktuelle Studie dazu vor. Das Rahmenprogramm

wurde unter anderem um eine zweite Logimat-Arena im ICS erweitert.

Mit den Formaten Young Innovators, einem Start-up-

Wettbewerb sowie dem Logimat-Karrieretag setzte die Veranstaltung

Impulse gegen den Fachkräftemangel. Begleitend erschien

die Studie „Arbeitswelt (Intra)Logistik“ der Initiative „Die Wirtschaftsmacher“.

Messeleiter Michael Ruchty von Euroexpo resümierte:

„Im Markt hat sich das Bewusstsein durchgesetzt, dass in

Krisenzeiten antizyklisch investiert werden sollte. Das interessierte

und investitionsbereite Fachpublikum hat zu einem außerordentlich

positiven Gesamtergebnis geführt.“

Fotos: Euroexpo, Nicolas Maack

www.logimat-messe.de

6 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


LOGIMAT-NACHLESE

UMLAUFFÖRDERER ÜBERBRÜCKT BIS ZU 80 METER HÖHE

Kontinuierlicher Behälterfluss, Automatisierung und hohe Förderleistung kennzeichnen den Umlaufförderer von Gilgen Logistics.

Das System überbrückt vertikale Distanzen von bis zu 80 m und benötigt dabei wenig Stellfläche. Die Übergabe oder -nahme der

Transportbehälter läuft automatisch ab. Über standardisierte Schnittstellen lässt sich die Anlage an unterschiedliche Lösungen zur

horizontalen Förderung anbinden.

Integrierte Sensorik und Schachttüren sorgen für einen sicheren und

geräuscharmen Betrieb. Einsatzbereiche sind Kliniken, Pharmabetriebe

sowie FMCG-Umgebungen, in denen Behälter diskret zwischen Ebenen

bewegt werden müssen.

Ergänzend bietet der Hersteller mit dem Fördersystem mecom eine

Komplettlösung für die horizontale Förderung von Behältern, Paketen,

Gebinden und Kleingütern an. In Kombination mit Kleingüteraufzügen

und Umlaufförderern entsteht eine durchgängige Verbindung aus vertikaler

und horizontaler Fördertechnik, die sich für leistungsfähige Knotenpunkte

in der Intralogistik eignet.

www.gilgen.com

LENKRAD VERBESSERT

ERGONOMIE

Das E-Steer-Lenkrad ist ein

neues Bedienelement für die

Niederhub-Kommissionierer der

Optio-L-Serie von Toyota

Material Handling. Mit dem

System, das sich an der Bedienlogik

eines Pkw orientiert,

lassen sich Beschleunigung,

Bremsen, Lenkung sowie

Gabelsteuerung einhändig

ausführen.

Eine ergonomisch geformte

Kontur und ein interaktives

Farb-Touchdisplay bilden die

Tight project

timelines?

Ready-to-use

systems...

zentralen Neuerungen. Über das

Display erhalten Bediener

Zugriff auf den Pre-Operation-

Check, den PIN-Code-Zugang

sowie auf individuelle Fahrereinstellungen.

Optional steht

eine integrierte Lenkradheizung

zur Verfügung. Bei der Optio-L-

Serie haben Anwender die Wahl

zwischen dem neuen E-Steer-

Lenkrad und der bisherigen

E-Man-Deichsel.

Ziel der Entwicklung ist eine

geringere körperliche Belastung

bei wiederkehrenden Kommissionieraufgaben

– bei gleichbleibender

Produktivität. Die

Optio-Modelle mit E-Steer sind

ab sofort verfügbar.

www.toyota-forklifts.de

Mehr unter:

www.lenze.com


LOGIMAT-NACHLESE

MENSCHEN UND MÄRKTE

„SOFTWARE IST DAS HERZ UND

GEHIRN JEDES MODERNEN LAGERS“

Rémy El Abd hat Anfang 2026 die Verantwortung als Vice President Germany & Middle

East bei Element Logic, Bad Friedrichshall, übernommen. Auf der Logimat 2026 sprach

f+h mit ihm über Markteindrücke, die strategische Neuausrichtung, die Expansion in

den Nahen Osten und die Rolle von Software im Systemintegrationsgeschäft.

Herr El Abd, welches Fazit ziehen Sie nach den ersten

Messetagen der Logimat?

Rémy El Abd: Die Energie hier ist beeindruckend – man spürt,

dass die Branche nach vorne will. Unser Stand war jeweils kurz

nach neun Uhr voll. Es kommen Bestands- und Neukunden mit

konkreten Projekten, Planungsbüros, Zulieferer und Unternehmen,

die ihre Automatisierungsreise gerade erst beginnen. Das

Spektrum der Anfragen reicht von der Erstautomatisierung bis

zum Brownfield-Upgrade. Ein zentrales Thema in nahezu allen

Gesprächen ist Effizienz: Die Wachstumsraten im deutschen

Markt sind nicht mehr so hoch wie in früheren Jahren, deshalb

wird branchenübergreifend automatisiert.

Welche Rolle spielt neben der Effizienz das Thema Resilienz in

den Kundengesprächen?

Rémy El Abd: Eine zunehmend wichtige. Bei herkömmlichen

Automatisierungskonzepten erforderten Nachfragesprünge

häufig umfangreiche Bauprojekte – ganze Gassen anbauen,

komplexe Eingriffe in die laufende Logistik. Die Lösungen, die

wir im Kern anbieten, etwa auf Basis des Lager- und Bereitstellungssystems

AutoStore, sind so flexibel, dass Erweiterungen

innerhalb weniger Wochen möglich sind: Behälter hinzunehmen,

Roboter oder Arbeitsplätze ergänzen. Das macht unsere

Kunden deutlich reaktionsfähiger und schafft Handlungssicherheit

in einem volatilen Umfeld.

Element Logic positioniert sich als End-to-End-Lösungsanbieter.

Wie weit reicht das Leistungsspektrum konkret?

Rémy El Abd: Wir liefern als Generalunternehmer alles aus

einer Hand: Fördertechnik, Sortiertechnik, Verpackungstechnik,

Regalsysteme, fahrerlose Transportsysteme sowie autonome

mobile Roboter und Software. Genauso wichtig: Wir decken die

gesamte Wertschöpfungskette vom Consulting über Design,

Engineering und Realisierung bis hin zu Service und kontinuierlicher

Weiterentwicklung ab. AutoStore ist ein zentraler Baustein,

aber vor und nach diesem System gibt es zahlreiche weitere

Gewerke, die wir über globale Technologiepartnerschaften

mit standardisierten Lösungen abbilden. Ein weiterer wichtiger

Hebel ist unser Modell Automation-as-a-Service. Mit diesem

Modell lässt sich die Einstiegshürde erheblich senken, weil Automatisierung

nicht als Investition, sondern als laufende Ausgabe

geführt wird. Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen

öffnet das eine Tür, die bisher verschlossen war.

8 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


MENSCHEN UND MÄRKTE LOGIMAT-NACHLESE

Sie haben Ihre Position als Vice President Anfang des Jahres

übernommen. Welche Prioritäten haben Sie gesetzt?

Rémy El Abd: Zunächst habe ich vor allem zugehört – mit Mitarbeitern

gesprochen, Kunden besucht, Ideen und Herausforderungen

aufgenommen. Daraus haben sich die Prioritäten rasch

klar ergeben. Mein Vorgänger Manfred Schleicher hat Element

Logic in Deutschland von einem AutoStore-Vertriebspartner zu

einem Systemintegrator weiterentwickelt – mit Referenzen wie

dem größten AutoStore-System Deutschlands bei Thalia oder

Projekten mit Hunderttausenden Behältern bei Fiege und Breuninger.

Auf diesem Fundament vollziehen wir jetzt den nächsten

Schritt zum End-to-End-Solution-Provider. Dabei hilft uns die

Erfahrung aus mehreren Akquisitionen, darunter SDI und ABCO

in den USA, BS Handling in UK, S&P in Deutschland und Safer

Storage Systems in Australien. Eine zentrale Erkenntnis daraus:

Kulturarbeit ist wichtiger als jeder Integrationsplan auf dem

Papier – Menschen machen den Unterschied. Ich bringe bald 20

Jahre Erfahrung in der Intralogistik und im Software-Umfeld

mit. Entscheidend ist für mich, dass das Team hungrig bleibt

und wir Wachstum mit Pragmatismus, Professionalität und Zuverlässigkeit

verbinden.

01 Bei Teveo verzahnt Element Logic AutoStore, Wareneingang und

Fördertechnik zu einer durchgängigen Intralogistiklösung

Sie verantworten auch die Region Middle East. Warum wird

diese aus Deutschland heraus geführt?

ICH DENKE VOM

PROZESS HER, NICHT

VON DER MASCHINE –

DAS IST ZENTRAL

RÉMY EL ABD, Vice President Germany

& Middle East bei Element Logic

Rémy El Abd: Wir verfügen in Bad Friedrichshall über ein Kompetenzzentrum

mit allen Funktionen – von Sales über Design

und Engineering bis zum Projektmanagement. Die Entscheider

in der Region Middle East schätzen die Zusammenarbeit mit

deutschen Teams wegen deren Ruf in puncto Qualität und Ausführung.

Gleichzeitig machen wir uns keine Illusionen: Ohne

lokale Präsenz funktioniert es nicht. Geschäftsbeziehungen basieren

dort wesentlich stärker auf persönlichem Vertrauen, dazu

kommen regulatorische Anforderungen und lokale Standards.

Den Aufbau mit eigenen Ressourcen und durch Partnerschaften

treiben wir deshalb in diesem Jahr konsequent voran – mit lokalen

Partnern und dem Ziel, eine eigene Präsenz in der Region

aufzubauen. Wir haben bereits erste Projekte in Israel und Saudi-Arabien

realisiert und werden jetzt in den Vereinigten Arabischen

Emiraten weiter aufbauen. Die Pipeline wächst, wir bearbeiten

konkrete Anfragen und erwarten Auftragseingänge noch

in diesem Jahr.

Wie abhängig ist Ihr Geschäftsmodell von AutoStore?

Rémy El Abd: AutoStore ist ein zentraler Baustein unseres Portfolios

– wir sind der weltweit erste und größte Partner. Aber unser

Geschäftsmodell geht deutlich darüber hinaus. Unsere Software

steuert nicht nur AutoStore, sondern die komplette Intralogistik:

Fördertechnik sowie Sorter und Robotik. Wir beraten

innerhalb unseres Portfolios ergebnisoffen und kommunizieren

klar, wo AutoStore die richtige Lösung ist – und empfehlen bei

Bedarf alternative Technologien aus unserem Partnernetzwerk.

02 An einem Produktionsstandort verbindet eine AutoStore-Anlage

intelligente Materialflüsse mit der Zusammenstellung von Montagekits

an Kombi-Arbeitsplätzen im Obergeschoss

Das schafft Vertrauen. Meine Überzeugung lautet: Software ist

das Herz und Gehirn jedes modernen Lagers. Wir denken vom

Prozess her, nicht von der Maschine. Viele Integratoren verkaufen

primär Hardware und docken Software an – wir drehen das

um. Die Software orchestriert die Automatisierungskomponenten.

Wir investieren erheblich in eigenes Produktmanagement

sowie Forschung und Entwicklung – von der Arbeitsplatzgestaltung

über intelligente Lösungen an den Übergabestellen zwischen

Komponenten bis hin zu unterstützenden Technologien

für den Kommissionierprozess. Kein anderer AutoStore-Partner

investiert derzeit so viel in diesen Bereich. Das beginnt sich

auszuzahlen.

Wenn wir uns in einem Jahr auf der Logimat wiedertreffen

– woran messen Sie den Erfolg Ihres ersten Jahres?

Rémy El Abd: An vier Kriterien. Erstens: Wachstum in den etablierten

Kernmärkten meiner Sub-Region Deutschland, Schweiz

und Israel – verbunden mit dem Anspruch, für Bestandskunden

ein permanenter Sparringspartner bei der kontinuierlichen Verbesserung

zu sein. Zweitens: In den Märkten im Nahen Osten

Fuß gefasst haben, mit ersten signifikanten Projekten in der

Umsetzung. Drittens: Unser As-a-Service-Modell als echte Alternative

zum klassischen Kaufmodell etabliert haben. Und viertens:

Das Team ist gewachsen – an Köpfen und an Kompetenz.

Ganz persönlich wäre der größte Erfolg, wenn unsere Kunden

bestätigen, dass wir nicht nur geliefert, sondern echten Mehrwert

geschaffen haben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview mit Rémy El Abd, Vice President Germany & Middle East bei

Element Logic, Bad Friedrichshall, führte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h

Fotos: Element Logic

www.elementlogic.net/de

www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 9


LOGIMAT-NACHLESE

PERSPEKTIVEN

STRATEGIEWECHSEL BEI SSI SCHÄFER

NICHT DIE TECHNOLOGIE ENTSCHEIDET –

SONDERN IHRE INTEGRATION

Systemintegration wird in der Intralogistik zum

entscheidenden Differenzierungsmerkmal.

SSI Schäfer zeigte auf der Logimat 2026, wie das

Unternehmen diesen Wandel konkret gestaltet:

mit selektiven Technologiepartnerschaften,

durchgängiger Lifecycle-Verantwortung und

einer geöffneten Softwarearchitektur – weg vom

Komponentenanbieter, hin zum ganzheitlichen

Lösungspartner, auch bei der Integration von

Partnertechnologien.

Wer über die Logimat 2026 lief, wurde von Technologie

förmlich erschlagen. An fast jedem Stand fuhren

Shuttles, Roboter hoben Behälter, autonome Fahrzeuge

navigierten durch nachgebaute Lagergassen.

Die Faszination der Einzeltechnologie zog die Blicke auf sich –

doch sie verstellte mitunter den Blick auf die eigentliche Herausforderung:

Wie wird aus einzelnen Technologiebausteinen ein

belastbares System, das über Jahre und Jahrzehnte zuverlässig

funktioniert?

Genau diese Frage stellte SSI Schäfer (Neunkirchen/Siegerland)

auf der Logimat 2026 in den Mittelpunkt. Auf der Messe lasse

man sich schnell von einzelnen Technologien faszinieren, sagte

Markus Külken, Vice President Partner Business bei SSI Schä-

fer, auf der Pressekonferenz des Unternehmens. „Zu wenig Beachtung

finde dabei jedoch häufig die Integrationsreise, die

später über den Systemverbund und die Leistung des Systems

entscheidet.“ Seine Botschaft: Nicht die einzelne Technologie bestimme

den Projekterfolg, sondern die durchgängige Lösungsund

Systemarchitektur.

VOM GESCHLOSSENEN SYSTEM ZUM OFFENEN

INTEGRATOR

Was zunächst wie eine branchenübliche Aussage klingt, markiert

für SSI Schäfer einen tiefgreifenden strategischen Wandel. Denn

das Unternehmen war über Jahrzehnte dafür bekannt, weitgehend

auf eigene Produkte zu setzen – und Partnerunternehmen im

Zweifelsfall eher zu integrieren als dauerhaft mit ihnen zu kooperieren.

„Alles sollte aus dem eigenen Unternehmen sein“, räumte

Peter Edelmann, CEO der SSI-Schäfer-Gruppe, offen ein. „Von dieser

Begrenzung haben wir uns jetzt gelöst.“ Und zwar nicht erst seit

gestern, wie Edelmann betonte: Vor rund zweieinhalb Jahren habe

das Unternehmen begonnen, sich gezielt zu öffnen.

Konkret bedeutet das: SSI Schäfer integriert heute bewusst und

kontrolliert Technologien externer Partner in sein Lösungsportfolio.

Zwei Beispiele zeigte das Unternehmen auf der Logimat.

Zum einen das SSI Pallet Roaming Shuttle, ein hochdynamisches

Sechs-Wege-Shuttle für die Palettenlagerung, das aus einer Partnerschaft

mit Moffett Automation stammt. Das System lässt sich

in unterschiedlichen Temperaturzonen bis hin zum Tiefkühlbereich

einsetzen, kann verschiedene Palettentypen im selben Kanal

handhaben und verspricht – unter anderem durch den Wegfall

fester Gänge – eine höhere Lagerdichte als klassische Schmal-


PERSPEKTIVEN LOGIMAT-NACHLESE

01

02

01 Unter dem Leitmotiv „Integration macht den Unterschied“

erläuterte SSI Schäfer auf der Logimat-Pressekonferenz

in Stuttgart den Wandel vom Komponentenanbieter

zum ganzheitlichen Lösungspartner

02 Ein Beispiel für das Partner Business von SSI Schäfer ist

das RackBot-System Compact bei der Transmec Group,

Logistikdienstleister aus Italien

gangkonzepte. Zum anderen RackBot-Systeme, dies sind unterschiedliche

Ware-zur-Person-Systeme auf Basis der Technologie

von Hai Robotics, die in erster Linie durch ihre Skalierbarkeit

überzeugen sollen: Betreiber können klein starten und die Anlage

mit wachsendem Bedarf schrittweise erweitern, statt von Beginn

an beispielsweise zehn Jahre vorausplanen zu müssen.

INTEGRATION ALS EIGENTLICHE

WERTSCHÖPFUNG

Külken machte an beiden Beispielen deutlich, wo er die eigentliche

Wertschöpfung von SSI Schäfer sieht: nicht im einzelnen

Shuttle oder Roboter, sondern in der Integration. „Die Technologie

bewegt die Palette oder den Behälter, aber das Entscheidende

ist das System dahinter.“ Erst das Zusammenspiel all dieser Elemente

mache eine Anlage zu einem industriell belastbaren System.

Materialflusssteuerung, Auftragsmanagement, IT-Anbindung

und Prozesslogik – all das bringe nicht die Partnertechnologie

mit, sondern werde erst durch die Systemverantwortung des

Integrators geschaffen.

Doch was genau unterscheidet diese Systemverantwortung von

der klassischen GU-Rolle, die SSI Schäfer seit Jahrzehnten ausfüllt?

Auf die Frage der Redaktion antwortete Külken differenziert:

Die bisherige GU-Verantwortung habe sich weitgehend auf

Produkte aus eigener Entwicklung und Fertigung bezogen. „Wir

wussten genau, welche Themen wir unter Kontrolle haben müssen.“

Jetzt hingegen gehe es darum, auch für das Unternehmen

neue, fremde Technologien durchgängig zu verantworten – von

der CE-Konformität über die IT-Sicherheit bis zum Ersatzteilmanagement,

und das während des kompletten Lebenszyklus. „Im

Markt wird diese umfassende Verantwortung nicht überall mit

dem gleichen Anspruch umgesetzt“, so Külken.

PARTNERSCHAFTEN AUF AUGENHÖHE – OHNE

AKQUISITIONSABSICHT

Auf die Frage, ob hinter den Partnerschaften perspektivisch

Übernahmen stehen, winkte Edelmann ab: „Das ist nicht immer

zielführend. Wir arbeiten heute daran, Partnerschaften auf Augenhöhe

zu gestalten.“ Erste Priorität sei eine nachhaltige Lösung

– nicht der Anteilserwerb. Gleichzeitig machte der CEO klar, dass

SSI Schäfer bei der Auswahl der Partner hochselektiv vorgeht:

„Wir müssen sehr genau prüfen: Kann dieser Partner den Marathon

mit uns durchstehen? Und was passiert, wenn nicht?“

Für den Betreiber soll sich die Komplexität hinter den Partnerschaften

indes nicht bemerkbar machen. „Wir sind das einzige Gesicht

in Richtung des Kunden“, stellte Külken klar. SSI Schäfer sei

Erstansprechpartner etwa bei Wartung oder Softwareerweiterungen.

Mit jedem Partner gebe es einen Wachstumsplan, wie man

schrittweise mehr Verantwortung übernehme – von der Installation

über die Inbetriebnahme bis hin zum Ersatzteilmanagement.

SOFTWARE ALS RÜCKGRAT DER

INTEGRATIONSFÄHIGKEIT

Dass die Öffnung des Systems nur funktioniert, wenn die Softwarearchitektur

mitspielt, betonte auf der Pressekonferenz auch

Florian Schneebauer, Vice President Product Line Software bei

SSI Schäfer. Mit dem Konzept Wamas Lifecycle hat das Unternehmen

ein Modell entwickelt, das die Software über den Anlagenlebenszyklus

aktuell, sicher und upgradefähig halten soll – einschließlich

proaktiver Aktualisierungen, Cyber-Security-Updates

und der Möglichkeit, neue Technologien auch Jahre nach der

Erst installation noch zu integrieren. Schneebauer: „Wir starten

oft mit kleinen Anlagen, die werden größer, da kommen weitere

Komponenten dazu. Das geht nur, wenn ich auch in der Software

flexibel bleibe.“

MEHR ALS EIN STRATEGIEANSATZ

Edelmann fasste den Kulturwandel bei SSI Schäfer in einem Satz

zusammen, der schlicht klingt, aber weitreichende Konsequenzen

hat: „Wir begleiten unsere Kunden über den gesamten

Wachstums- und Lebenszyklus.“ Wachstumszyklus – das meint

den Weg von manuell über teilautomatisiert bis hoch automatisiert

betriebenen Anlagen. Lebenszyklus – das meint die Betreuung

über Jahrzehnte. „Dieser eine simple Satz verändert zurzeit

unser Unternehmen“, sagte Edelmann. Er präge die Angebotsstruktur,

die Softwarearchitektur und das Partnermodell. Und er

definiere SSI Schäfer nicht mehr als den Anbieter, der große Anlagen

installiert und dann weiterzieht – sondern als Weggefährten,

der bleibt.

Winfried Bauer

Fotos: SSI Schäfer

INTEGRATION IST DIE EIGENT­

LICHE WERTSCHÖPFUNG –

NICHT DIE EINZELTECHNIK

www.ssi-schaefer.com

www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 11


RUBRIZIERUNGSEBENE

LOGIMAT-NACHLESE

PRODUKTE UND SYSTEME

SOFTWARE- UND KI-OFFENSIVE FÜR DAS FULFILLMENT

AUTOSTORE WILL DEN CUBE

INTELLIGENTER MACHEN

Mit CubeVerse und AutoStore Intelligence

erweitert AutoStore sein Lager- und

Bereitstellungssystem um eine cloudbasierte

Plattform und eine integrierte KI-Schicht.

Vorgestellt wurden die Neuheiten zunächst im

Stream zum Spring 2026 Product Announcement

am 19. März; auf der Logimat in Stuttgart vom

24. bis 26. März folgte dann die Einordnung am

Messestand. Ziel ist es, bestehende Anlagen

besser auszulasten, Prozesse transparenter zu

machen und den Durchsatz ohne zusätzliche

Hardware zu steigern.

Mit dem digitalen Produktauftakt im März und der anschließenden

Präsentation auf der Logimat hat der

norwegische Hersteller eine klare Botschaft gesendet:

Die nächste Ausbaustufe des eigenen Systems

soll weniger von neuer Mechanik als von Software, Daten und

künstlicher Intelligenz geprägt sein. Im Zentrum stehen dabei

nicht zusätzliche Roboter oder ein erweitertes Grid, sondern die

bessere Nutzung bereits installierter Anlagen. Für Betreiber ist

das ein relevanter Perspektivwechsel, denn Leistungsreserven im

Bestand sollen künftig stärker softwareseitig gehoben werden –

statt durch zusätzliche Hardware.

MEHR LEISTUNG IM BESTAND

Kern der Ankündigung ist die Plattform CubeVerse. Der Hersteller

beschreibt sie als cloudbasierte Daten- und Orchestrierungsplattform,

die Planung, Simulation, Inbetriebnahme, Betrieb,

Analyse und Optimierung in einer gemeinsamen Umgebung zusammenführt.

Technisch sollen darin AutoStore-Anwendungen,

mehr als zehn Datenquellen sowie über 20 proprietäre KI-Modelle

und Agenten zusammenlaufen. Für den Anwender zählt vor allem

die praktische Wirkung: Integrationen sollen einfacher werden,

Roll-outs wiederholbarer, Upgrades sicherer und der Betrieb

über mehrere Standorte hinweg konsistenter. CubeVerse ist damit

weniger ein einzelnes Produkt als vielmehr die neue digitale

Klammer für das Ökosystem des norwegischen Unternehmens.

Damit verschiebt das Unternehmen auch seine Marktansprache.

Verkauft wird nicht mehr nur ein kompaktes Cube-Storage-

System, sondern das Leitbild des „Intelligent Fulfillment“ wird in

den Vordergrund gerückt. Parth Joshi, Chief Product Officer bei

AutoStore, bringt den Anspruch auf den Punkt: „Systeme müssen

‚sense, decide, and adapt continuously‘ sein. Genau an dieser

Stelle setzt CubeVerse an: als zusätzliche Intelligenzebene, die

über den Lebenszyklus hinweg unterstützt und Entscheidungen

besser absichert.“ Für Geschäftsführer sei das in erster Linie ein

TCO-Thema, für Logistikleiter eine Frage der Skalierbarkeit und

für Lagerleiter eine Frage der operativen Beherrschbarkeit.

KI ALS OPTIMIERUNGSSCHICHT

Das eigentliche Differenzierungsmerkmal ist AutoStore Intelligence.

Dahinter verbirgt sich keine separate Software, sondern

eine fest in CubeVerse eingebettete KI-Optimierungsschicht –

ausdrücklich kein Add-on. AutoStore Intelligence basiert auf den

bereits erwähnten über 20 proprietären KI-Modellen sowie auf

mehr als 15 Terabyte Betriebs- und Simulationsdaten. Aus Sicht

12 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


PRODUKTE UND SYSTEME LOGIMAT-NACHLESE

Sichtbare Hardware, unsichtbare Intelligenz: Während am Messestand

auf der Logimat 2026 das Modul AutoCase im Vordergrund stand, lag

der inhaltliche Schwerpunkt der Ankündigungen auf CubeVerse und

AutoStore Intelligence

des Herstellers markiert das den Schritt von der statischen Automatisierung

hin zu einem System, das aus Daten lernt, Muster erkennt

und seine Leistung im laufenden Betrieb verbessert. Die

Stoßrichtung ist klar: weg von reiner Ausführung, hin zu einem

selbstoptimierenden Fulfillment-System.

Praxisnah wird das in CubeControl. Dort soll AutoStore Intelligence

Routing-Parameter anpassen und Robot Highways optimieren.

Ziel ist ein flüssigerer Verkehr auf dem Grid, weniger

Staus und damit mehr Durchsatz in Zeiten mit Auftragsspitzen.

Der Hersteller verspricht diese Effekte ausdrücklich ohne zusätzliche

Roboter und ohne Grid-Erweiterung. Für Anlagenbetreiber

liegt darin der eigentliche Reiz der Neuheit: Wenn sich Engpässe

per Software reduzieren lassen, steigt die Attraktivität von Bestandsanlagen,

ohne dass sofort in zusätzliche Hardware investiert

werden muss. Konkrete, allgemeingültige Prozentwerte für

den realisierbaren Durchsatzgewinn nennt das Unternehmen bis

dato allerdings nicht; sondern spricht diesbezüglich vor allem

von „spürbaren Durchsatzgewinnen.“

DATEN SOLLEN SCHNELLER ZU

ENTSCHEIDUNGEN FÜHREN

PARTH JOSHI, CHIEF PRODUCT

OFFICER, AUTOSTORE

Bei einem hochautomatisierten

Lager geht es nicht darum, den

Faktor Mensch aus dem operativen

Geschäft komplett zu entfernen

– sondern Reibungen aus dem

Fulfillment zu eliminieren

empfehlungen. Mit eingebetteter KI soll CubeAnalytics nicht nur

rückblickend berichten, sondern Auffälligkeiten, Risiken und

Leistungseinbußen früher sichtbar machen. So sollen unter anderem

KI-generierte Zusammenfassungen dem Betreiber zeigen,

was Aufmerksamkeit verlangt und welche Maßnahmen sich daraus

ableiten. Nach Angaben des Unternehmens spart das pro

Analyse mehr als zwei Stunden Arbeitszeit gegenüber einer manuellen

Auswertung. Für Logistik- und Lagerleiter ist relevant,

dass die Plattform ohne tiefes Spezialwissen nutzbar sein soll und

zudem Multi-Site-Transparenz sowie eine API-Anbindung bietet.

Für die IT- und Integrationsseite ist noch ein anderer Punkt

entscheidend: Der Hersteller betont ausdrücklich, dass Cube-

Verse kein WCS und kein WMS ist. Die Plattform soll also nicht in

höhere Softwareebenen hineinwachsen, sondern bestehende

Umgebungen ergänzen. Laut Unternehmensangaben arbeitet

CubeVerse mit jedem WES, WMS oder ERP zusammen und ist damit

auch für Brownfield-Standorte und Legacy-Systeme mit geringem

Eingriff gedacht. Das ist für viele Anlagenbetreiber vermutlich

die wichtigere Botschaft als das Schlagwort KI. Denn sie

signalisiert, dass die Nutzung der Plattform keinen Systembruch

fordert, sondern eine zusätzliche Schicht zur Optimierung des

Bestehenden bietet.

FAZIT

Unter dem Strich erweitert der Hersteller sein klassisches Hardwareversprechen

um einen klaren Plattformansatz. Die Hoffnung

dahinter: mehr Leistung aus der installierten Basis, mehr Transparenz

im Betrieb und langfristig der Weg zu stabileren 24/7-Abläufen.

Für die Leser aus Industrie- und Handelslogistik ist diese

Entwicklung interessant, weil sie genau an den neuralgischen

Punkten vieler Automatisierungsprojekte ansetzt: Auslastung,

Vorhersagbarkeit, Integration und Skalierung. Ob CubeVerse und

AutoStore Intelligence diese Erwartungen in der Praxis erfüllen,

wird sich erst mit belastbaren Referenzen und messbaren KPI

zeigen. In den Gesprächen der Redaktion am AutoStore-Messestand

wurden die erwarteten Effekte vor allem qualitativ beschrieben

und strategisch als nächster Schritt in Richtung „Intelligent

Fulfillment“ eingeordnet.

Winfried Bauer

Fotos: AutoStore

www.autostoresystem.com

Eine wichtige operative Rolle übernimmt CubeAnalytics. Die Anwendung

sammelt und strukturiert Betriebsdaten aus dem Lagerund

Bereitstellungssystem und

überführt sie in Dashboards,

Berichte und Handlungswww.foerdern-und-heben.de

f+h 2026/04 13


75 JAHRE F+H SERIE

BUSINESS-LUNCH IN STUTTGART MIT WEGBEGLEITERN AUS DER BRANCHE

RÜCKBLICK MIT HALTUNG,

AUSBLICK MIT SUBSTANZ

1951-2026

Mit einem Business-Lunch am Rande der

Logimat in Stuttgart hat die Fachzeitschrift

f+h ihr 75-jähriges Bestehen gemeinsam mit

langjährigen Wegbegleitern aus Industrie,

Forschung und Verbänden gefeiert. Im

Mittelpunkt standen ein persönlicher

Rückblick auf die Geschichte der Zeitschrift

und die Frage, welche Themen die

Intralogistik künftig prägen werden.

Ein Jubiläum wie dieses ist weit mehr als eine Zahl im Kalender:

75 Jahre f+h stehen zugleich für 75 Jahre Entwicklung

in Fördertechnik, Materialfluss und Intralogistik. Anlass

genug, dieses Jubiläum am 25. März 2026 im Mövenpick

Hotel Stuttgart Airport im Kreis langjähriger Partner zu begehen

– bewusst während der Logimat, dem Branchentreffpunkt der Intralogistik.

Rund 40 geladene Gäste aus Industrie, Forschung,

Verbänden und Kommunikation waren der Einladung gefolgt –

darunter Geschäftsführer, Vertriebsleiter, Fachleute aus Forschung

und Entwicklung sowie Verantwortliche für Presse- und

Öffentlichkeitsarbeit. Die Stimmung war gelöst, persönlich und

geprägt von vielen vertrauten Gesprächen. Schnell wurde deutlich,

wie eng f+h und die Branche seit vielen Jahren, häufig sogar

seit Jahrzehnten, miteinander verbunden sind. Viele Gäste kann-

14 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


Nächste Messe:

16.03.-18.03.2027 LogiMAT

ten sich aus gemeinsamen Projekten, Messeauftritten oder Redaktionsbesuchen

– manche Gespräche knüpften nahtlos daran an.

VOM WIEDERAUFBAU ZUR INTRALOGISTIK

RESILIENZ SCHLÄGT EFFIZIENZ –

UND BELASTBARES FACHWISSEN

WIRD ZUM PRODUKTIONSFAKTOR

Das

nach da?

Läuft.

Im Mittelpunkt des Lunchs standen zwei Vorträge, die das Jubiläum bewusst

nicht nur als Rückschau, sondern auch als Standortbestimmung begriffen. Reiner

Wesselowski, langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der f+h, führte

zurück in das Jahr 1951, in dem die erste Ausgabe von „Fördern und Heben“ erschien.

Er erinnerte an eine Zeit des Wiederaufbaus, in der Fördertechnik noch

stark mechanisch geprägt war und Rationalisierung im innerbetrieblichen

Transport zu den großen industriellen Aufgaben gehörte. Sein Rückblick zeigte,

wie eng die Entwicklung der Zeitschrift mit jener der Branche verknüpft ist: von

den Anfängen der Fördertechnik über Automatisierung und Materialfluss bis

hin zur heutigen Intralogistik als strategischer Funktion moderner Wertschöpfungs-

und Lieferketten.

Wesselowski machte deutlich, dass f+h diesen Wandel über Jahrzehnte nicht

nur dokumentiert, sondern fachjournalistisch eingeordnet und kritisch begleitet

hat. Beispielhaft verwies er auf frühe Innovationssprünge wie das erste

Hochregallager und auf die rasante technologische Entwicklung, die den klassischen

Maschinenbau ebenso erfasste wie die Informations- und Steuerungstechnik.

Vor allem die Verbindung von Technikgeschichte, Branchenentwicklung

und persönlicher Erfahrung verlieh seinem Vortrag besondere Tiefe – und

berührte viele Gäste auch emotional.

WAS IN ZUKUNFT WIRKLICH ZÄHLT

Den Blick nach vorn richtete anschließend f+h-Chefredakteur Winfried Bauer.

Er stellte drei Thesen zu den Entwicklungen vor, die die Intralogistik in den kommenden

Jahren prägen werden. Die erste: Automatisierung ist kein Wettbewerbsvorteil

mehr, sondern ein Hygienefaktor. Entscheidend sei heute nicht

mehr, ob automatisiert werde, sondern wie klug Systeme integriert, skaliert und

an veränderte Anforderungen angepasst werden könnten. Nicht der schnellste

Roboter, sondern die sauberste Schnittstelle werde zum Maßstab zukunftsfähiger

Lösungen.

Die zweite These setzte einen bewussten Kontrapunkt zum lange dominierenden

Effizienzdenken. Resilienz, so die Überzeugung, schlägt Effizienz. Die vergangenen

Jahre hätten gezeigt, wie verletzlich Prozesse gegenüber Pandemien,

geopolitischen Spannungen, Lieferengpässen oder Energiepreissprüngen sein

könnten. Die Fähigkeit, Störungen abzufangen, Alternativprozesse zu fahren

und auf belastbare Daten zurückzugreifen, werde damit zu einem entscheidenden

Wettbewerbsfaktor. Die dritte These rückte schließlich den Faktor Wissen in

den Mittelpunkt. In einer Zeit wachsender Komplexität und knapper Fachkräfte

werde belastbares Fachwissen zum eigentlichen Produktionsfaktor.

Daraus ergibt sich auch der Anspruch der f+h für die kommenden Jahre:

Technologien nicht nur abzubilden, sondern sie einzuordnen, Erfahrungen aus

der Praxis sichtbar zu machen und Orientierung zu geben. So wurde der Business-Lunch

dem Anlass in jeder Hinsicht gerecht: als persönliches Jubiläumstreffen,

als fachliche Standortbestimmung und als Signal, dass f+h auch nach

75 Jahren nah an der Branche, an den Menschen und an den Fragen bleibt, die

für die Intralogistik wirklich zählen.

Winfried Bauer

Fotos: f+h

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75 JAHRE F+H

SERIE

KRANE UND HEBEZEUGE

BLICK ZURÜCK

UND NACH VORN

1951-2026

Seit 75 Jahren berichtet die f+h Fördern und Heben über die Trends bei Kranen

und Hebezeugen in der Industrie. Zum Jubiläum gibt es einen Blick zurück und,

wichtiger noch, nach vorn: Wie wird die Krantechnik zum Beispiel zum

80-jährigen Geburtstag der f+h aussehen? Welche neuen Technologien

könnten Einzug in die Welt der Hebezeuge halten?

NICHT NUR DIE F+H FEIERT JUBILÄUM

Einige Beispiele: J.D. Neuhaus stellt im 19. Jahrhundert vor allem

Winden für Bergbau und Industrie her [2]. In den 1880er-Jahren

fertigt Demag unter anderem dampfbetriebene Drehscheibenkrane.

Und mit der Elektrifizierung erschließen Krane, Winden

und Hebezüge neue Einsatzbereiche. 1912 stellt Demag den ersten

Elektroseilzug für Tragkräfte bis fünf Tonnen vor und 1925 die

kleineren „Schnellhebezeuge“ der Baureihe N, von der in fünf

Jahren mehr als 40.000 Exemplare verkauft werden. Stahl produziert

ab 1897 elektrische Brückenkrane und ab 1926, als einer der

ersten Hersteller weltweit, ex-geschützte Hebezeuge – und kann

mit dieser Kompetenz jetzt hundertjähriges Jubiläum feiern. SWF

beginnt ebenfalls vor exakt hundert Jahren mit der Fertigung von

Seilwinden – zunächst für den Eigenbedarf der Süddeutschen

Waggonfabrik.

Das Titelblatt der ersten f+h-Ausgabe vom April 1951 – ein Verladekran

am Rhein vor der Kulisse des Kölner Doms. Seit 75 Jahren begleitet die

Zeitschrift die Entwicklung der Kran- und Hebetechnik

Die f+h Fördern und Heben führt die zentrale Aufgabe von

Kranen – das Heben von Lasten – schon im Titel und begleitet

die Entwicklung der Kran- und Hebetechnik seit

einem Dreivierteljahrhundert. Als das Magazin 1951 gegründet

wurde, konnten einige der auch heute noch marktführenden

Hersteller schon auf eine lange Geschichte zurückblicken,

aus der sich wesentliche Entwicklungsschritte der Krantechnik

ablesen lassen [1].

MEILENSTEINE AUS 75 JAHREN

MARKTWACHSTUM

Das Gründungsjahr der f+h passt ins Bild, weil die 1950er-Jahre

als die Zeit des Wirtschaftswunders gelten. Die Industrieproduktion

wuchs genauso wie der Export, und sowohl bei Seil- und Kettenzügen

als auch bei Komplettkranen nimmt die Produktion

schnell Fahrt auf.

Einige Meilensteine von 1951 bis heute aus Sicht der Hersteller:

Demag führt 1963 mit dem KBK-System den Systemgedanken

der Arbeitsplatzkrane ein, das bis heute stark gefragt ist. Im

Jahr 2000 bringt SWF die Nova-Seilzugreihe auf den Markt, 2024

folgt der Elektroseilzug Nova2rope mit innovativen Werkstoffen,

intelligenter Steuerung und optimierter Wartung. Konecranes

entwickelt in den 1950er-Jahren eine modulare Produktarchitektur

für Elektroseilzüge, Krane und spezialisierte Hebelösungen

und etabliert schon in den 1960er-Jahren systematische Lifecycle-Services,

die als Vorläufer eines modernen Condition Monitoring

gelten können. Zu den Kennzeichen der aktuellen Produktplattformen

gehören hochfeste synthetische Seile zur Reduktion

bewegter Massen, optimierte Tragwerksstrukturen und integrierte

Steuerungs- und Automatisierungssysteme für digitalisierte

Krane.

Bang hat sich seit der Unternehmensgründung vor 37 Jahren

vom Serviceunternehmen zum Spezialisten für die Entwicklung

und Fertigung von hochkomplexen, automatisierten Prozesskranen

entwickelt. Diese Krane – mit Tragkräften von bis zu mehreren

hundert Tonnen – positionieren zentimetergenau in automatisierten

Produktionslinien.

16 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


01

02

01 Schon 1953 fertigte Stahl Hebezüge

für explosionsgefährdete Bereiche – eine

Kompetenz, die das Unternehmen seit

fast 100 Jahren auszeichnet

03

02+03 Mit dem 1963 eingeführten

KBK-System etablierte Demag den

Systemgedanken bei Arbeitsplatzkranen

– ein bis heute nachgefragtes Konzept

HELFER AM ARBEITSPLATZ

In einem anderen Anwendungsbereich von Kranen begann sich in den 1950er-Jahren ein Konzept

durchzusetzen, das inzwischen in der Industrie weit verbreitet ist – und positive Auswirkungen auf

den Gesundheitsschutz hat: Baukastensysteme für das Fördern, Heben und Handhaben von Lasten

am Arbeitsplatz. Bestes Beispiel: Der Demag-Kranbaukasten KBK, 1963 erstmals vorgestellt

mit dem Kettenzug PK als Junior System. Christoph Kreutzenbeck, Demag Marketing: „Mit dem

KBK-System hat Demag seinerzeit modulare, hochflexible und leichtgängige Kranlösungen für die

Handhabung von Lasten am Arbeitsplatz anbieten können. Das war ein Meilenstein in der Branche

und hat bis heute den Materialfluss in vielen Produktionsumgebungen mitgeprägt.“

Abnehmer der ersten Stunde war vor allem die Automobilindustrie. Sie in den 1960er-Jahren

einen rasanten Aufschwung erfuhr und nach Handhabungslösungen suchte – um die stark ansteigende

Automobilproduktion effizienter auszurichten und die Mitarbeiter bei ihrer immer komplexeren

werdenden Arbeit zu unterstützen.

DIE DRITTE DIMENSION FÜR DEN TRANSPORT NUTZEN

Das Konzept war und ist einfach: Der klassische Arbeitsplatzkran erhält zusätzliche Freiheitsgrade

und kann aus einem Systembaukasten heraus an nahezu jede räumliche Gegebenheit und jede hebe-

und handhabungstechnische Aufgabe angepasst werden. Damit lassen sich unter anderem

Ein- und Zweiträger-Hängekrane, Hängebahnen, Schwenk- und Drehkrane sowie Portal- und Stapelkrane

realisieren, als Einzelplatzlösung über Einschienenbahnen und linienförmige Förderstrecken

bis zu flächendeckenden Handhabungssystemen. So ist die dritte Dimension systematisch

für den Materialtransport nutzbar, und das System wurde und wird kontinuierlich ergänzt

und weiterentwickelt. Eine aktuelle Neuheit, die Demag auf der Logimat 2026 erstmals zeigte, ist

das Free-Standing-Profile FSS – eine standardisierte und vollständig berechnete Tragstruktur auf

KBK-Basis zur Aufstellung auf dem Hallenboden.

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JUNGGEBLIEBENEN UNTERNEHMEN

Überraschung bei der Recherche für diesen Beitrag: Das Durchschnittsalter von acht

führenden deutschen Unternehmen der Krantechnik liegt bei 134 Jahren. Den Rekord

halten J.D. Neuhaus (281 Jahre) und Demag (207 Jahre). Auch wenn man berücksichtigt,

dass Krane oft nicht von Beginn an zum Portfolio gehört haben, ist das beachtlich. Zum

Vergleich: Laut einer Untersuchung der Universität Rostock werden Unternehmen im

Schnitt nur zwölf Jahre alt [3].

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RUBRIZIERUNGSEBENE

75 JAHRE F+H SERIE

05

04

06

BEDIENUNG OHNE BEDIENEINHEIT

Deutliche Entwicklungsschritte, über die in der f+h regelmäßig

berichtet wurde, hat auch die Kran-Bediener-Schnittstelle gemacht,

und diese Entwicklungen lassen sich gut an Systemen wie

dem KBK aufzeigen. Der Ersatz von kabelgebundenen Bedieneinheiten

durch Funkfernsteuerungen hat sich schon vor Jahrzehnten

etabliert. Neuer sind Konzepte, die den Verzicht auf eine

separate Bedieneinheit erlauben, zum Beispiel der E-Balancer

DCBS von Demag. Hier führt der Bediener einfach die Last in die

75 JAHRE KRANTECHNIK:

VOM TRADITIONELLEN STAHL-

BAU ZUM DIGITALEN SYSTEM

gewünschte Richtung auf der x- oder y-Achse. Sensoren erkennen

den Bedienerwunsch und geben entsprechende Signale an

die Antriebe – eine große Arbeitserleichterung. So lässt sich die

Last intuitiv führen.

DER BEITRAG DER ZULIEFERER

Auch wenn die Fertigungstiefe bei Kranen traditionell hoch ist –

der Anteil der Zulieferer am Fortschritt der Krantechnik ist nicht

zu unterschätzen und wird in der f+h umfassend gewürdigt. Ein

bekanntes Beispiel: igus hat speziell für bewegliche Anwendungen

Energieketten und Leitungen entwickelt, die 1998/99 erstmals

an einem Ship-to-Shore-Kran im Hafen Rotterdam installiert

wurden. Heute sind viele Prozess- und Hafenkrane weltweit

mit igus-Energieketten oder auch Rotationsmodulen ausgerüstet,

und die Ketten übernehmen auch die Funktion des „Datensammlers“

zur Steigerung der Verfügbarkeit des Krans.

IM TREND: AUTOMATISIERUNG UND

D IGITALISIERUNG

Die f+h hat sich von Beginn an für das komplette Spektrum der

Krantechnik interessiert. Dazu gehörten auch die Fahrzeug- oder

Mobilkrane, für die es zum Beispiel alljährlich eine Marktübersicht

gab. Heute fokussiert sich das Magazin auf stationäre Krane,

deren Markt sich stark ausdifferenziert hat. Stahlbau und Grundkonzept

mögen ähnlich sein wie vor 75 Jahren. Aber Funktionen

wie Synchronlauf, Automatikbetrieb, selbsttätiges Umfahren von

Hindernissen, Führen der Last durch Handbewegung und viele

andere erhöhen die Komplexität des Systems Kran und bieten

immer wieder spannende und zukunftsorientierte Themen, die

Kranhersteller und Zulieferer in der f+h vorstellen.

BLICK IN DIE ZUKUNFT: DIE TREND-THEMEN

DER KRANTECHNIK

Ein Jubiläum gibt immer auch Anlass, nach vorn zu schauen: Was

werden die Trend-Themen der f+h-Berichterstattung in den kommenden

Jahren sein? Hierzu hat die Redaktion einige Hersteller

befragt. Thomas Kraus, Sales Director von Stahl: „Der Kran der

Zukunft verbindet Mechanik, Elektrik und Software zu einem vernetzten

Gesamtsystem. Modulare Plattformen mit digitalen Steuerungen

und Assistenzfunktionen sind aus unserer Sicht die Voraussetzung

dafür, Krane an unterschiedliche Anwendungen und

Lebenszyklen anzupassen.“

Bei SWF Krantechnik stehen drei Aufgabenfelder im Fokus: intuitive

Bedienung, höhere Effizienz und Sicherheit. Christian

Heid, Managing Director, nennt CAN-Bus-Technologie, automatisch

erfasste Seilwinkel und appgestützte Diagnose als Bausteine

eines stärker vernetzten Krans. „Hinzu kommen Sicherheitskonzepte

wie geschlossene Seilführungen und ergonomisch gestaltete

Hakenflaschen. Modulare Bauweisen und neue Werkstoffe wie

synthetische Lastseile reduzieren zudem das Eigengewicht und

vereinfachen Wartung und Austausch.“

DER KRAN ALS CYBER-PHYSISCHES SYSTEM –

VERNETZT UND AUTONOM

Aus Sicht von Konecranes prägen drei Trends die künftige Entwicklung

von Kran- und Hebesystemen. Erstens die datenbasierte

Zustandsüberwachung: Sensorik, Edge-Computing und

Cloud-Analyse erfassen Betriebszustände permanent und schaffen

die Grundlage für Predictive Maintenance. Zweitens die Automatisierung

bis hin zum autonomen Kran, die vor allem in Hafen-

und Logistikanwendungen an Bedeutung gewinnt. Drittens

Energieeffizienz und nachhaltige Konstruktion. Dazu Nicole

Koch, Manager Marketing & Communications EMEA Central bei

Konecranes: „Energieeffiziente Antriebe, frequenzgeregelte Motoren

und regenerative Bremskonzepte speisen Energie ins Netz

zurück. Hinzu kommen Leichtbau und optimierte Strukturdesigns,

die den Materialeinsatz reduzieren.“

Der Kran der Zukunft, so das Fazit von Konecranes, ist ein cyber-physisches

System: vernetzt, selbstüberwachend und zunehmend

autonom. Koch: „Er wird zu einem aktiven Bestandteil digitaler

Produktions- und Logistiknetzwerke.“

BANG: KOGNITIVE AUTONOMIE UND

DIGITALER ZWILLING

Bang sieht den Kran der nahen Zukunft als Maschine, die weit

über das bloße Heben hinausgeht. Christoph Bang, Geschäftsführer

der Bang Kransysteme GmbH & Co. KG: „Der Kran der Zu-

18 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


SERIE

75 JAHRE F+H

07

04 Der 2024 vorgestellte Elektroseilzug Nova2rope von

SWF kombiniert neue Werkstoffe mit digitaler Steuerung

und reduziertem Wartungsaufwand

05 Sensorik, Edge-Computing und Cloud-Analyse:

Konecranes sieht die datenbasierte Zustandsüberwachung

als zentralen Trend der künftigen Krantechnik

06 Automatisierte Prozesskrane für Tragkräfte von

mehreren 100 Tonnen zählen zum Spezialgebiet der 1989

gegründeten Bang Kransysteme

07 Sensorintegrierte Energieketten von igus erfassen

Verschleiß und Belastung direkt an der Komponente und

liefern die Datenbasis für Predictive Maintenance

kunft wird über kognitive Autonomie verfügen. Er wird ‚hören‘,

‚sehen‘ und lernen, sein Umfeld mit KI-gestützter Sensorik in

Echtzeit erfassen und Kollisionen vermeiden.“ Parallel dazu arbeite

das Unternehmen an Energierückgewinnung und Leichtbau,

um den CO 2

-Fußabdruck der Anlagen über den Lebenszyklus

zu senken. Als dritten Trend nennt Bang den digitalen Zwilling:

„In naher Zukunft wird kein Kran mehr ohne digitales Ebenbild

ausgeliefert. Der Kran erkennt seinen Wartungsbedarf, bevor

ein Stillstand entsteht.“

DAS ZIEL: INTELLIGENZ IN DEN KRAN BRINGEN

SENSORIK UND KI VERÄNDERN

DIE WELT DER INDUSTRIELLEN

HEBEZEUGE GRUNDLEGEND

Aus Sicht von igus wird sich der Kran der Zukunft nicht mehr über

Größe oder Traglast definieren, sondern über Intelligenz, Vernetzung

und Datenkompetenz. Richard Habering, Geschäftsbereichsleiter

smart plastics: „Moderne Hebesysteme entwickeln sich zu

cyber-physischen Plattformen, die ihren Zustand permanent überwachen

und Wartungsbedarfe vorausschauend melden.“ Eine zentrale

Rolle spielen dabei sensorintegrierte Energieketten, Leitungen

und Lager, die Verschleiß und Kräfte direkt an der Komponente

erfassen. Aus passiven Bauteilen würden so aktive Datenquellen,

die Condition Monitoring und Predictive Maintenance

vor allem bei hochbelasteten STS-Kranen wirtschaftlich tragfähig

machen. Im nächsten Schritt, so Habering, werden Machine-

Learning-Modelle Verschleißmuster erkennen und die Grundlage

für digitale Zwillinge mit Handlungsempfehlungen bilden.

GEMEINSAMER NENNER: DER KRAN ALS

DATENKNOTEN

So unterschiedlich die Perspektiven von Herstellern und Zulieferern

ausfallen – ein gemeinsamer Nenner ist erkennbar: Der Kran

der Zukunft wird als cyber-physisches System gedacht, das permanent

Daten erfasst, auswertet und für vorausschauende Wartung

nutzt. Modulare Plattformen, Energieeffizienz und der digitale

Zwilling tauchen in nahezu allen Statements auf. Die Akzente

unterscheiden sich allerdings je nach Marktposition: Stahl und

SWF betonen die Plattform- und Bedienungsperspektive für den

breiten Industrieeinsatz, Konecranes und Bang rücken Autonomie

und KI-gestützte Steuerung in den Vordergrund – Konecranes

mit Blick auf Hafen- und Logistikanwendungen, Bang für

hochkomplexe Prozesskrane. igus schließlich verlagert die Intelligenz

in die Komponente selbst und macht damit Condition Monitoring

auch dort praktikabel, wo bisher keine Sensorik vorgesehen

war. Für Betreiber bedeutet das: Die Investitionsentscheidung

verschiebt sich vom reinen Stahlbau zur Frage, welche Datenarchitektur

ein Kran mitbringt – und wie offen sie für die

Integration in bestehende Produktions- und Logistik-IT ist.

DIE AUFGABE BLEIBT, DIE MITTEL

VERÄNDERN SICH

75 Jahre Berichterstattung über Krane und Hebezeuge zeigen:

Der grundsätzliche Auftrag – Lasten sicher und präzise zu bewegen

– ist geblieben. Verändert haben sich die Mittel. Wo früher

Stahlbau, Antrieb und Steuerung im Mittelpunkt standen, treten

heute Sensorik, Datenanalyse und KI-gestützte Assistenz hinzu.

Wenn die f+h in fünf Jahren ihr 80-jähriges Bestehen feiert, dürfte

der Kran ein Stück weiter auf dem Weg zum autonom agierenden,

in digitale Wertschöpfungsketten eingebundenen System sein.

Die Redaktion wird diesen Weg weiter begleiten.

Literatur- und Quellenangaben:

[1] Ruckdeschel, W.: Faszination Hebetechnik. Vereinigte Fachverlage GmbH,

Mainz, 1991

[2] Sobotka, B. J.: Fortschritt aus Tradition – 250 Jahre J.D. Neuhaus-Hebezeuge

in Witten-Heven. Witten, 1995

[3] „Rostocker Wissenschaftler erforschen Lebensdauer von Unternehmen“.

Presse-Info der Universität Rostock vom 6. April 2023, https://www.uni-rostock.de/universitaet/kommunikation-und-aktuelles/medieninformationen/

detailansicht/n/rostocker-wissenschaftler-erforschen-lebensdauer-von-unternehmen/,

abgerufen am 16. April 2026

Autor: Gerald Scheffels, freier Fachjournalist, Wuppertal

Fotos: Aufmacherfoto f+h-Archiv, 01 Stahl, 02, 03 Demag, 04 SWF, 05 Konecranes,

06 Bang, 07 igus

75 JAHRE F+H –

DIE JUBILÄUMSSERIE

Anlässlich unseres 75-jährigen Bestehens beleuchten wir

in jeder Ausgabe dieses Jahres einen Themenschwerpunkt

aus der Welt der Intralogistik. In Ausgabe 5

widmen wir uns der Fördertechnik sowie den Flurförderzeugen

und Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) – freuen

Sie sich auf einen spannenden Rückblick und Ausblick.

In Ausgabe 3 haben wir bereits die Geschichte der

Lagertechnik nachgezeichnet. Sie haben den Beitrag

verpasst? Im E-Paper können Sie ihn jederzeit nachlesen:

bitl.ly/fuh-26-lt

www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 19


IMPULSE

ENERGIEFÜHRUNGSSYSTEME

ADDITIVE FERTIGUNG BESCHLEUNIGT

ENERGIEKETTENENTWICKLUNG

Steigende Automatisierungsgrade in der

Intralogistik erhöhen die Anforderungen an

Energieführungssysteme. Tsubaki Kabelschlepp

mit Sitz in Wenden nutzt selektives Lasersintern

(SLS) und 3D-Scanning, um Entwicklungszyklen

zu verkürzen, Iterationsschleifen zu reduzieren

und anwendungsspezifische Lösungen

wirtschaftlicher umzusetzen. Ein Praxisbeispiel

zeigt, was das konkret bringt – und wo die

Grenzen liegen.

Energieketten gehören zu den zentralen Komponenten in

der Intralogistik. In Kranen, Förderanlagen, Robotikanwendungen

und automatisierten Lagersystemen führen und

schützen sie Energie- und Datenleitungen unter dynamischen

Belastungen. Wo Güter automatisiert befördert werden und

ein definierter Verfahrweg besteht, übernehmen Energieketten

eine systemkritische Funktion. Ungeplante

Stillstände – etwa ein

Kranausfall in einem Hafenterminal

– verursachen

innerhalb kurzer Zeit

erhebliche Folgekosten.

Die Energiekette

PETER PÜTZ, VICE PRESIDENT

MARKETING & INNOVATION,

TSUBAKI KABELSCHLEPP

Die Herausforderung ist der steigende

Automatisierungsgrad – verbunden

mit der Notwendigkeit, immer mehr

Leitungen sicher zu führen

minimiert dieses Risiko, indem sie Leitungen gegen äußere Einflüsse

und mechanische Beanspruchung schützt.

Mit dem wachsenden Automatisierungsgrad steigt zugleich die

Zahl der Leitungen, die zuverlässig geführt werden müssen. „Die

Herausforderung ist der immer weiter steigende Automatisierungsgrad“,

beschreibt Peter Pütz, Vice President Marketing & Innovation

bei Tsubaki Kabelschlepp, die Ausgangslage. „Damit

verbunden, müssen immer mehr Daten sicher übertragen und

entsprechend mehr Leitungen sicher geführt werden.“ Gleichzeitig

wachsen die Anforderungen an Variantenvielfalt, Bauraumintegration

und Lebensdauer. Konventionelle Entwicklungsprozesse

stoßen dabei an Grenzen – ein Grund, weshalb das Unternehmen

additive Fertigung und 3D-Scanning als Entwicklungswerkzeuge

einsetzt.

ZWEI BAUREIHEN PARALLEL IN UNTER

SECHS MONATEN

Welchen Effekt das hat, zeigt die Entwicklung der Energiekettenbaureihen

TKHP 85 und TKHP 90. Beide Serien entstanden parallel

in weniger als sechs Monaten – ein Zeitrahmen, der mit konventionellen

Methoden kaum erreichbar gewesen wäre. Möglich

wurde dies, weil im SLS-Verfahren gedruckte Muster bereits in

frühen Entwicklungsphasen mechanisch belastet, zusammengefügt

und im realen Einbauzustand getestet werden konnten. Passungen,

Rastmechanismen und Biegeradien ließen sich ohne

Werkzeuganpassung iterieren, bis das Gesamtsystem einwandfrei

zusammenwirkte.

Zusätzlich beschleunigte 3D-Scanning den Abgleich zwischen

Soll- und Ist-Geometrie. Statt jede Optimierungsstufe mit aufwendigen

taktilen Messreihen zu verifizieren, wurden Muster

vollständig gescannt und automatisch mit den CAD-Daten überlagert.

Abweichungen erkennt das System unmittelbar. „Kunststoff

schrumpft, wölbt sich und verhält sich an kritischen Stellen

nicht immer so, wie es die Theorie verspricht“, erläutert Pütz. „Mit

dem Scan sehen wir das sofort.“

Die Ergebnisse sind quantifizierbar: Die Zahl der Iterationsschleifen

sank von acht bis neun auf vier. Der Materialeinsatz bei

Prototypen reduzierte sich um 60 bis 80 Prozent gegenüber kon-

20 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


IMPULSE

01

02 03

01 Die Energiekettenbaureihen TKHP 85 und TKHP 90 entstanden

unter durchgängigem Einsatz von 3D-Druck und 3D-Scanning. In der

Serie kommt Spritzguss zum Einsatz

02 Die additive Fertigung ist als Containerlösung organisiert:

Drucker, Pulveraufbereitung und Peripherie in einem klimatisierten

Allwettercontainer mit ERP-Anbindung

03 3D-Scanning schafft die Voraussetzungen für den automatischen

Abgleich zwischen gefertigtem Muster und CAD-Sollgeometrie und

ersetzt aufwendige taktile Messreihen

ventionellen Verfahren. Kostenintensive Werkzeuganpassungen

in frühen Entwicklungsphasen entfielen. In der Serie bleibt der

Spritzguss bei der TKHP allerdings das Verfahren der Wahl.

EINSATZGRENZEN BEI MECHANISCHER

BELASTUNG

Das SLS-Verfahren arbeitet schichtweise mit Schichtdicken von

0,1 bis 0,15 mm bei Maßtoleranzen im Bereich von ±0,2 mm.

Charakteristisch ist der Verzicht auf Stützstrukturen, wodurch

sich auch komplexe Geometrien ohne zusätzlichen Fertigungsaufwand

realisieren lassen. Für die Konstruktion von Energieketten

eröffnet dies Freiheitsgrade – etwa bei integrierten Funktionen

oder geometrisch optimierten Bauteilen. Gleichzeitig bleibt

die Prozessführung anspruchsvoll: Materialhandling, Temperaturführung

und Bauraumauslastung beeinflussen die Bauteilqualität

maßgeblich.

Im Vergleich zum spritzgegossenen, glasfaserverstärkten Polyamid

bestehen bei additiv aus Polyamid 12 gefertigten Komponenten

jedoch Unterschiede – vor allem bei der Oberflächenqualität

und der Dauerfestigkeit unter zyklischer Belastung. „Eine

Hochleistungsenergiekette sollte man nicht im 3D-Druck fertigen“,

stellt Pütz klar. „Aber überall dort, wo die mechanische Belastung

nicht extrem hoch ist, lassen sich 3D-gedruckte Teile einsetzen.“

Funktions- und Montagetests ließen sich demnach zuverlässig

mit additiv gefertigten Bauteilen durchführen. Auch

Komponenten mit Führungs- oder Haltefunktionen seien realisierbar.

In hochdynamischen Intralogistik-Anwendungen bleibt

der Spritzguss aufgrund seiner überlegenen Langzeitstabilität jedoch

das Serienverfahren.

INDUSTRIELLE EINBINDUNG ALS

CONTAINERLÖSUNG

Organisatorisch hat Tsubaki Kabelschlepp die additive Fertigung

als Containerlösung umgesetzt: Drucker, Pulveraufbereitung und

Peripherie sind in einem klimatisierten Allwettercontainer zusammengefasst,

der prozessual wie eine Spritzgussmaschine verwaltet

wird – inklusive ERP-Anbindung. Rückverfolgbarkeit und

Kalkulation entsprechen den Standards der etablierten Fertigungslinien.

Nicht versintertes Pulver wird aufbereitet und dem

Prozess wieder zugeführt. Die Kapazitäten sind auf Muster, Vorserien

und projektspezifische Komponenten wie Zugentlastungsblöcke

ausgelegt.

ADDITIVE FERTIGUNG UND

NACHHALTIGKEIT

Ob additive Fertigung grundsätzlich nachhaltiger ist als

Spritzguss, lässt sich nicht pauschal beantworten.

Entscheidend ist die Gesamtbilanz aus Zeit, Ressourcen

und Qualität.

Entwicklungszeit reduzieren: Kürzere Entwicklungszyklen

senken den Energie- und Materialverbrauch. Weniger

Iterationsschleifen bedeuten kürzere Transportwege für

Muster und geringeren Aufwand in begleitenden Prüfprogrammen.

Materialkreislauf schließen: Im pulverbettbasierten

SLS-Verfahren fällt kaum Abfall an. Nicht versintertes

Pulver wird aufbereitet und wiederverwendet. Stützstrukturen

sind nicht erforderlich.

Werkzeugbau vermeiden: Werkzeugbau ist energie- und

materialintensiv. Bei Kleinserien, Anlaufmustern oder

Sonderlösungen spart der Verzicht auf Werkzeuge

Ressourcen.

Grenzen anerkennen: „Dass der 3D-Druck den Spritzguss

ablöst, davon sind wir weit entfernt“, ordnet Pütz ein.

„Kunststoffeigenschaften, Stückzahlen, Oberflächenanforderungen

oder Zykluszeiten sprechen in der Serie oft

weiterhin für den Spritzguss.“

MEHRWERT UND EINSCHRÄNKUNGEN FÜR

INTRALOGISTIK-ANWENDER

Für Betreiber intralogistischer Anlagen wirkt sich das Verfahren

vor allem auf die Projektgeschwindigkeit aus: Muster stehen innerhalb

weniger Tage bereit und lassen sich unmittelbar im Anlagenkontext

testen. Das reduziert Projektrisiken – in erster Linie

bei komplexen Einbausituationen oder Retrofit-Vorhaben. Anwendungsspezifische

Komponenten sind ohne hohe Werkzeugkosten

realisierbar, was bei kleineren Stückzahlen oder häufig

wechselnden Anforderungen vorteilhaft ist.

Gleichwohl bleibt die additive Fertigung ein ergänzendes Verfahren

mit definierten Einschränkungen: Die Materialpalette ist

begrenzt, die Oberflächenqualität erfordert häufig Nachbearbeitung,

und bei hohen Stückzahlen ist der Spritzguss wirtschaftlich

überlegen. „Das Fertigungsverfahren folgt der Aufgabenstellung“,

fasst Pütz zusammen. „Wenn additive Fertigung die beste

Lösung ist, setzen wir sie ein. Wenn Spritzguss überlegen ist,

spritzen wir.“

WB

Fotos: Cimcorp, Tsubaki Kabelschlepp

www.tsubaki-kabelschlepp.com

Quelle: Tsubaki Kabelschlepp

www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 21


INTERROLL-STEUERUNGSPLATTFORM MCP PLAY IM PRAXISEINSATZ

WIE RINGANA SEINE VERSANDLEISTUNG

MEHR ALS VERDOPPELTE

Wer heute Intralogistiksysteme plant, steht

unter doppeltem Druck: Anlagen sollen

leistungsstärker, flexibler und skalierbarer sein

– und gleichzeitig schneller realisiert werden. Vor

allem bei Modernisierungen im Bestand sind die

Anforderungen hoch, weil vorhandene

Strukturen weitergenutzt, mit neuen Prozessen

verbunden und auf höhere Durchsätze ausgelegt

werden müssen. Mit der Steuerungsplattform

MCP Play will Interroll an genau diesen Punkten

ansetzen. Ein Modernisierungsprojekt beim

Frischekosmetikhersteller Ringana zeigt, was

sich damit in der Praxis erreichen lässt.

Die Anforderungen an die Intralogistik verändern sich rasant.

E-Commerce, kürzere Lieferzeiten, schwankende

Mengen und steigende Erwartungen an Verfügbarkeit

und Transparenz führen dazu, dass Unternehmen ihre

Materialflusssysteme häufiger erweitern oder modernisieren

müssen. Hier setzt Interroll mit MCP Play an: Die Steuerungsplattform

ergänzt die Modular Conveyor Platform (MCP) um eine

dezentrale Ebene der Anlagensteuerung und soll Integratoren

das Einbinden von Fördertechnik in bestehende oder neue Systemlandschaften

erleichtern. Für Anwender soll der Weg von der

Planung bis zum produktiven Betrieb kürzer und spätere Anpassungen

einfacher werden.

HÖHERE LEISTUNG AUF VORHANDENER FLÄCHE

Relevant ist dieser Ansatz bei Projekten im Bestand. Hier treffen

ambitionierte Leistungsanforderungen auf räumliche und technische

Grenzen, die sich nicht beliebig verschieben lassen. Vorhandene

Komponenten müssen oft weitergenutzt werden, während

andere Anlagenteile modernisiert oder ersetzt werden. Ge-

22 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


TITELSTORY PERSPEKTIVEN

01

01 Herzstück der Anlage ist der Hochleistungssorter mit Lesetunnel,

integrierter Volumenmessung und Waage. Versandetiketten werden

während des Transports ausgelesen und gemeinsam mit Gewichts- und

Volumendaten an das Sortersystem übergeben

02 Modernisierung ohne Stillstand: Fb Industry Automation baute die

Förder- und Sortiertechnik bei laufendem Betrieb um – somit konnte

Ringana seine Kunden während der Projektphase weiter beliefern

nau ein solches Szenario bot das Modernisierungsprojekt von

Ringana in St. Johann in der Haide. Der 1996 gegründete Frischekosmetikhersteller

plante einen Ausbau seines 2017 eröffneten

Logistikzentrums, um den Versand leistungsfähiger aufzustellen.

Entscheidend ist, wie schnell sich Anlagen projektieren,

integrieren und in Betrieb nehmen lassen – und

wie flexibel sie sich an neue Rahmenbedingungen

anpassen können

FLORIAN PÖSINGER,

Key Account Sales Manager, Fb Industry Automation

Ausgehend von einer bisherigen Leistung von rund 1.000 Paketen

pro Stunde sollte die Anlage nach dem Umbau bis zu 2.600 Pakete

pro Stunde bewältigen.

Mit der Umsetzung beauftragte Ringana den ebenfalls in Österreich

ansässigen Systemintegrator Fb Industry Automation aus

Albersdorf-Prebuch in Gleisdorf. Mit ihm hatte der Frischekosmetikhersteller

bereits die Intralogistikanlage im Versandzentrum

in Neufahrn bei München modernisiert.

Im Zentrum des Umbaus stand der Hochleistungssorter. Die

Bandfördertechnik wurde größtenteils durch Interroll-Rollenfördertechnik

ersetzt, einzelne Bereiche – etwa die Arbeits- und Verpackungsplätze

sowie Teile der Fördertechnik – bleiben weiterhin

im Einsatz. Möglich wird das durch den modularen Aufbau

der Plattform: Vorhandene Strukturen lassen sich einbinden,

statt sie vollständig zu ersetzen.

02

Die einzelnen Förderzonen werden dezentral über Interroll-MultiControl-Einheiten

gesteuert und kommunizieren direkt mit der

übergeordneten Logik. Das vereinfacht die Integration und beschleunigt

die Inbetriebnahme – bei Ringana lief sie parallel zum

Tagesgeschäft. Vor allem in Projekten mit engen Zeitfenstern ist

das ein entscheidender Faktor.

EFFIZIENZ IM ZUSAMMENSPIEL

Kunden wollen Leistung ohne Komplexität, und

Systemintegratoren benötigen ebenfalls Lösungen,

die Design, Integration und Betrieb vereinfachen

MARKUS ASCH, CEO, Interroll

Für den Frischekosmetikhersteller zählt in erster Linie die Leistung

im Alltag. Die Förder- und Sortiergeschwindigkeit liegt

heute bei 1,0 bis 1,39 m/s und hat sich gegenüber der alten Anlage

verdoppelt. Die an den acht Verpackungslinien fertiggestellten

Pakete werden über Merge-Bereiche zusammengeführt

und gelangen über Zentralbänder in zwei Ebenen übereinander

zum Sorter. Ergänzende Taktbänder sorgen für definierte För-


PERSPEKTIVEN

TITELSTORY

03 Stellten MCP Play und das Ringana-Projekt auf der Logimat

vor (v. l. n. r.): Ulrich Engenhardt (CTO, Interroll), Florian Pösinger

(Key Account Sales Manager, Fb Industry Automation) und

Markus Asch (CEO, Interroll)

Quelle: Interroll

STEUERUNGSPLATTFORM

MCP PLAY IM ÜBERBLICK

Mit MCP Play hat Interroll eine autonome Steuerungslösung

für seine modulare Behälter- und Kartonfördertechnik-Plattform

MCP entwickelt. Das dezentrale

Steuerungskonzept setzt auf die Interroll-MultiControl

der neuen Generation und macht eine SPS verzichtbar.

Architektur und Schnittstellen

n Dezentrale Steuerung über MultiControl-Einheiten

direkt an jeder Förderzone

n Offene MQTT-Schnittstelle und WMS-Anbindung

n Über MQTT als Übertragungsprotokoll – im VDA-

5050-Standard definiert – kommuniziert die Anlage

mit anderen Automatisierungstechnologien wie

autonomen mobilen Robotern (AMR)

n Direkte Kommunikation zwischen den Controllern

reduziert die Komplexität der IT-Strukturen

Funktionen

n „Adjust to Gap“: reduzierte Abstände zwischen

Packstücken

n „Flowing Merge“: kontinuierliches Zusammenführen

mehrerer Förderlinien ohne Stopp

n Präzise Lokalisierung aller Packstücke auf der Förderstrecke

n Frei skalierbare Zonengrößen

n Nahtloser Wechsel zwischen Betriebsmodi (zum

Beispiel maximale Energieeffizienz oder maximaler

Durchsatz)

Software-Werkzeuge

n Digitale Layoutgestaltung

n PC-gestützte Vorinbetriebnahme und Vorkonfiguration

n Betriebsüberwachung mit schnellem Auffinden

fehlerhafter Module

Leistungsdaten

n Geeignet für Packstücke bis 50 kg

n Bis zu 100 % höhere Durchsätze gegenüber konventionellen

Lösungen

n Bis zu 30 % Energieeinsparung

Auszeichnung: Ifoy Award 2025 in der Kategorie „Special

of the Year“

derfenster, damit die nachfolgenden Prozesse präzise gesteuert

werden können.

Ein weiterer Punkt ist die Datenerfassung direkt im Materialfluss:

Der neue Hochleistungssorter ist mit einem Lesetunnel, einer

Volumenmessung und einer integrierten Waage ausgestattet.

Versandetiketten werden während des Transports ausgelesen

und gemeinsam mit Gewicht und Volumen an das Sortersystem

übergeben. So entsteht eine durchgängige Informationskette, die

die Sortierung beschleunigt und die Nachverfolgbarkeit der Sendungen

verbessert.

Rollenweichen schleusen die Pakete auf die jeweiligen

Versand rampen aus. Zusätzlich wurde eine sechste Versandrampe

integriert, die flexibel zugeordnet werden kann. Das schafft

Spielraum für unterschiedliche Versandanforderungen und lässt

Reserven für künftiges Wachstum.

SKALIERBARKEIT FÜR DIE NÄCHSTEN

WACHSTUMSSCHRITTE

Play ist im Wesentlichen ein Echtzeit-digitaler

Zwilling des Materialflusses. Systeme lassen sich

anhand von Layout- und Flusslogik konfigurieren und

anpassen, anstatt durch klassische Zone-für-Zone-

SPS-Programmierung

ULRICH ENGENHARDT, CTO, Interroll

Mit dem Ausbau des Logistikzentrums wurden die Versandprozesse

für weiteres Wachstum ausgelegt. Der Frischekosmetikhersteller

kann nun 2.600 – in Spitzenzeiten bis zu 3.400 Kartons pro

Stunde – und bis zu 50.000 Pakete pro Tag versenden. Von der

Angebotserstellung bis zur Implementierung vergingen sieben

Monate.

Die Modularität bleibt dabei auch über das aktuelle Projekt hinaus

relevant: Eine Anlage, die sich dezentral steuern und modular

erweitern lässt, kann an veränderte Marktanforderungen angepasst

werden, ohne jedes Mal grundlegend neu geplant werden

zu müssen. Für die Innovation MCP Play erhielt Interroll den

Ifoy Award in der Kategorie „Special of the Year 2025“.

„Mit der Modular Conveyor Platform von Interroll und der

neuen Play-Funktionalität konnten wir die Planungs- und Inbetriebnahmezeiten

deutlich verkürzen und dadurch erhebliche

Kosteneinsparungen in unseren Projekten erzielen“, erklärt Florian

Pösinger, Key Account Sales Manager bei Fb Industry Automation.

„Nachdem wir im ersten Projekt umfassende Unterstützung

von Interroll erhalten hatten, konnten wir das zweite Projekt eigenständig

umsetzen – ein Beleg dafür, wie intuitiv sich das System

bedienen lässt.“

Autorin: Anja Seemann, freie Fachjournalistin, Heiligenhaus

Fotos: Fb Industry Automation, Interroll

www.interroll.com

24 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


MARKTPLATZ

DEZENTRALER ANTRIEB

STEIGERT EFFIZIENZ

LINEARANTRIEBE KOMPLETTIEREN HOCHLEISTUNGSPROGRAMM

Auf der Hannover Messe 2026 komplettierte Schaeffler seine Baureihe elektromechanischer

EWELLIX-Linearantriebe: Mit den neuen Baugrößen EMA-50 und EMA-60 decken die Hochleistungsaktuatoren

dynamische Lasten von einer und zwei Tonnen ab – als ölfreie, wartungsarme

Alternative zu Hydraulik und Pneumatik. Die kompakten Antriebe eignen sich für mobile

Maschinen, die Lebensmittelindustrie sowie für Handlingaufgaben

in der Intralogistik.

Mit einem Querschnitt von 50 mm beim EMA-50 und 65 mm beim

EMA-60 erreichen die Aktuatoren eine hohe Leistungsdichte. Kraft

und Geschwindigkeit lassen sich über drei Getriebeübersetzungen

flexibel abstimmen. Über Adapter lassen sich handelsübliche

Motoren inklusive Resolver-System und Bremse anbinden. Ergänzend

zu den verfügbaren Stirnradgetrieben befinden sich Zahnriemengetriebe

für höhere Verfahrgeschwindigkeiten in Entwicklung.

www.schaeffler.com

Höhere Durchsätze, mehr

Flexibilität und ein optimierter

Energiebedarf prägen die

Anforderungen von Verpackungs-

und Förderanlagen. Mit

der Antriebseinheit Movione

erweitert SEW-Eurodrive sein

Portfolio dezentraler Antriebslösungen

um eine standardisierte

Variante für Materialflussanwendungen.

Auf der

Interpack 2026 zeigte der

Hersteller die kompakte Einheit,

die sich mit IE3- oder IE5-Motoren

sowie als eigenständiger

dezentraler Umrichter einsetzen

lässt. Geeignet ist die

Lösung für Rollen-, Gurt- und

Kettenförderer in Neuanlagen

wie auch in Nachrüstungen. Als

Bestandteil des Automatisierungsbaukastens

Movi-C lässt

sich Movione über eine standardisierte

Schnittstelle in bestehende

Anlagenkonzepte

integrieren. Die Bauweise

unterstützt eine schnelle

Inbetriebnahme.

www.sew-eurodrive.de

NEUE CIJ-DRUCKER

SENKEN KOSTEN

Eine neue Generation von

Continuous-Inkjet-Druckern

reduziert Komplexität und

Betriebskosten in der industriellen

Produktkennzeichnung. Die

Linx-9900-Serie von Bluhm

Systeme verfügt serienmäßig

über die PrintProtect-Batterie,

die den Drucker bei Stromausfall

bis zu drei Minuten weiterbetreibt

und anschließend

einen kontrollierten Abschaltvorgang

inklusive automatischer

Druckkopfreinigung (Linx

AutoFlush) einleitet. Über die

Schnittstelle QuickSwitch

lassen sich Produktwechsel

vornehmen.

www.bluhmsysteme.com


STILL-WELTPREMIERE

IM VORFELD DER LOGIMAT 2026

DER BLINDE FLECK AN DER

LADERAMPE IST GESCHICHTE

Hochregallager, Fördertechnik, innerbetriebliche

Transporte – in vielen Unternehmen sind diese

Bereiche längst automatisiert. Doch an der

Laderampe endete die Automatisierungskette

bislang. Mit dem AXL 15 iGo präsentierte Still

im Vorfeld der Logimat 2026 eine serienreife

Lösung, die diese letzte Lücke schließen soll

– und dabei ohne stationäre Sicherheitstechnik

in der Ladezone auskommt.

Der Dockbereich zählt zu den anspruchsvollen Umgebungen

in der Intralogistik. Zeitdruck, wechselnde Trailer-

Geometrien, schwankende Witterungsbedingungen und

enge Platzverhältnisse treffen hier auf hohe Sicherheitsanforderungen

und zunehmenden Personalmangel – in einem

Arbeitsbereich, der zudem körperlich besonders belastend ist.

Hinzu kommt, dass in Europa eine große Vielfalt an Trailer-Typen

unterwegs ist: von Wechselbrücken über Koffer bis hin zu Planenaufliegern.

Diese Heterogenität machte eine standardisierte

Automatisierung des Be- und Entladevorgangs bislang nahezu

unmöglich.

Wie wirtschaftlich drängend das Thema ist, verdeutlichen zwei

Kennzahlen: Laut Erkenntnissen von Still beträgt der Anteil der

Be- und Entladeprozesse an den Gesamtlagerkosten rund 20 Prozent.

Zugleich wächst die Nachfrage nach Automatisierungslösungen

branchenweit rasant – bei Still stiegen die Vertriebsanfragen

in diesem Segment im vergangenen Jahr um mehr als 50 Prozent.

Der Hamburger Intralogistikspezialist nutzte ein Presseevent

in Kernen im Remstal, um Fachjournalisten aus zwölf

Ländern den autonomen Niederhubwagen AXL 15 iGo vorzustellen

– nach Unternehmensangaben die erste in Serie gefertigte Lösung

für die autonome Lkw-Be- und -Entladung ohne stationäre

Sicherheitstechnik.

„Mit dem AXL 15 iGo erschließen wir einen bislang blinden

Fleck der Intralogistik und machen die automatisierte Be- und

Entladung von Lkw erstmals massentauglich“, erklärte Dr. Florian

››

WINFRIED BAUER,

CHEFREDAKTEUR F+H

Die Lkw-Beladung galt als letzte Bastion

manueller Arbeit im Materialfluss. Dass Still

diese mit einer serienreifen, infrastrukturunabhängigen

Lösung adressiert, könnte den

Automatisierungsgrad in der Intralogistik

spürbar nach vorne bringen

Heydenreich, Geschäftsführer Sales & Service bei Still. Durch die

Standardisierung der Abläufe an der Rampe entstünden reproduzierbare

Prozesse, die Stabilität und Transparenz im Wareneinund

-ausgang deutlich steigerten.

DOPPELTE SENSORSTRATEGIE STATT

STATIONÄRER INFRASTRUKTUR

Die technische Besonderheit des AXL 15 iGo liegt in der Kombination

zweier Lokalisierungstechnologien, die je nach Einsatzumgebung

automatisch wechseln. Außerhalb des Trailers navigiert

das Fahrzeug mithilfe von 3D-Visual-SLAM-Technologie:

Kameras erfassen die Umgebung, identifizieren charakteristische

Merkmale wie Kanten und Objekte und bestimmen daraus Position

sowie Ausrichtung des Flurförderzeugs in Echtzeit. Eine Anpassung

der vorhandenen Infrastruktur – etwa durch Reflektoren

oder Bodenmarkierungen – ist nicht erforderlich, was die Ersteinrichtung

deutlich vereinfacht.

26 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


PERSPEKTIVEN

01 Der autonome Niederhubwagen AXL 15 iGo beim Beladen eines

Trailers. Das Fahrzeug navigiert im Laderaum per LiDAR-basierter

Lokalisierung und arbeitet ohne stationäre Sicherheitstechnik

Quelle: Still

02 Aus der Bodenperspektive wird sichtbar, wie der autonome

Niederhubwagen eine Palette in den Trailer transportiert.

Die visuellen Warnsignale des Flurförderzeugs sind

Teil des mehrschichtigen Sicherheitskonzepts

Beim Einfahren in den Trailer schaltet das System automatisch

auf eine LiDAR-basierte Lokalisierung um. Damit arbeitet das

Fahrzeug auch unter den beengten und geometrisch variierenden

Verhältnissen verschiedener Trailer-Typen zentimetergenau.

Die Entwickler haben sich dabei nach eigenen Angaben eng am

menschlichen Fahrverhalten orientiert: Wie nah fährt ein erfahrener

Bediener an die Bordwand heran? Wann nimmt er einen

Kontakt mit der Bordwand in Kauf? Dieses Erfahrungswissen

wurde in Algorithmen überführt, um ein effizientes und zugleich

materialschonendes Handling zu erreichen, ohne die Geschwindigkeit

zugunsten übermäßiger Vorsicht zu opfern.

Ergänzt wird das Navigationskonzept durch ein mehrschichtiges

Sicherheitspaket: LiDAR-Sicherheitsscanner und Kamerasysteme

erkennen Personen und Hindernisse auch auf engstem

Raum, visuelle und akustische Warnsignale informieren das Umfeld.

Eine integrierte 3D-Palettenerkennung erlaubt die sichere

Handhabung auch leicht versetzter Paletten. Darüber hinaus erkennen

Sensoren zuverlässig, wenn ein Lkw während des Beladevorgangs

unerwartet von der Rampe wegfährt, und stoppen das

Flurförderzeug automatisch.

Der entscheidende Differenzierungspunkt gegenüber bisherigen

Ansätzen am Markt: Das Sicherheitskonzept ist vollständig

fahrzeugseitig implementiert. Stationäre Installationen an der

Verladestelle oder im Trailerbereich – ein Safety-at-the-Gate-

Konzept – entfallen vollständig. Das macht die Lösung standortunabhängig

einsetzbar und verkürzt die Implementierungszeit

erheblich. In der Praxis verladen zwei AXL 15 iGo bis zu 30 Epal-

Paletten in rund 35 Minuten.

PRAXISERPROBT – MIT EHRLICHER

EINSCHÄTZUNG DER GRENZEN

Dass Still kein Konzeptfahrzeug, sondern ein serienreifes Produkt

vorstellen konnte, ist maßgeblich das Ergebnis einer vierjährigen

Still AXL 15 iGo

Abmessungen und technische Daten

Fahrzeugtyp

Tragfähigkeit

Fahrgeschwindigkeit

Beladeleistung

Navigation außerhalb

Trailer

Navigation im Trailer

Sicherheitssysteme

Stationäre Sicherheitstechnik

Trailer-Typen

Flottenintegration

Zielbranchen

Verfügbarkeit

Autonomer Niederhubwagen

bis zu 1.500 kg

bis zu 2 m/s

30 Epal-Paletten in ca. 35 min (zwei Fahrzeuge,

kurze Palettenseite vorne)

3D-Visual-SLAM (kamerabasiert)

LiDAR-basierte Lokalisierung

LiDAR-Sicherheitsscanner, Kamerasysteme,

3D-Palettenerkennung, visuelle/akustische

Warnsignale, Not-Aus

nicht erforderlich

keine Einschränkung

VDA 5050, offene API zu WxS-Systemen

3PL, Lebensmittel-/Einzelhandelslogistik,

produzierende Industrie

ab sofort

01

02

Entwicklungspartnerschaft mit dem belgischen Handelskonzern

Colruyt. Seit zwei Jahren ist der AXL 15 iGo dort im Realbetrieb

im Einsatz – nicht unter Laborbedingungen, sondern mit Retailpaletten

in einer operativen Lagerumgebung. Jasper Van Gool,

bei Still als Programmmanager für die Trailer-Lösung verantwortlich,

betonte: „Diese Lösung ist nicht isoliert in unserer Entwicklungsabteilung

entstanden. Colruyt hat uns mit seinem Wissen

aus dem operativen Alltag vorangetrieben, und wir haben

unsere Expertise in der Geräteindustrialisierung eingebracht.“

Während der Präsentation des AXL 15 iGo kommunizierte Still

bemerkenswert offen die Grenzen der aktuellen Lösung. Der

Marktstart konzentriert sich bewusst auf die Lkw-Beladung. Das

Entladen ist technisch zwar grundsätzlich möglich, doch die Ausgangslage

unterscheidet sich fundamental: Paletten können sich

während des Transports verschieben, und die Ladungssicherung

verändert die Situation im Laderaum zusätzlich. Für einen zuverlässigen

autonomen Entladevorgang reicht der aktuelle Entwicklungsstand

daher noch nicht aus. Still fokussiert sich deshalb zunächst

auf Szenarien, in denen der Betreiber die Ausgangslage im

Trailer kontrolliert.

Auch hinsichtlich der Leistungsfähigkeit in zeitkritischen Umgebungen

positionierte sich das Unternehmen realistisch. An Retail-Rampen

mit engen Zeitfenstern von teils nur 30 Minuten pro

Lkw könne die autonome Lösung an ihre Grenzen stoßen – die

reine Beladezeit für 30 Epal-Paletten liegt mit rund 35 Minuten

bereits über einem solchen Zeitfenster. Allerdings gebe es zahlreiche

Einsatzszenarien – in der Produktion mit kontinuierlichem

Warenausgang ebenso wie bei Logistikdienstleistern mit planbarem

Palettenumschlag –, in denen die Taktung ausreiche. Mischbetrieb

ist zudem ausdrücklich vorgesehen: Ein Betreiber könnte

beispielsweise drei von zehn Rampen automatisieren und die übrigen

weiterhin manuell bedienen.

Die Flottenintegration geschieht über die Standardschnittstelle

VDA 5050 sowie offene API zu Lagerverwaltungssystemen, was

die Einbindung in bestehende Systemlandschaften erleichtert.

Die Basisfahrzeuge fertigt Still im Werk in Frankreich, die Automatisierungsausstattung

wird am Standort Antwerpen aufgebracht.

Das Fahrzeug ist ab sofort verfügbar – laut Still nicht nur

als Einzelgerät, sondern als skalierbare Flottenlösung für Branchen

mit hohem Palettenumschlag.

Winfried Bauer

Fotos: f+h, Still, Karte auf S. 26: Stepmap, 123map. Daten: Openstreetmap,

Lizenz: ODbL 1.0

www.still.de

www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 27


PRODUKTE UND SYSTEME

MES UND AMR IM ZUSAMMENSPIEL

VOM FERTIGUNGSAUFTRAG

ZUM FAHRBEFEHL

Autonome Mobile Roboter (AMR) erobern neue

Einsatzbereiche im innerbetrieblichen Transport

– zum Beispiel bei der Beschickung von

Werkzeugmaschinen. Voraussetzung dafür ist

eine Transportsteuerung, die an das ERP andockt

und auch heterogene AMR-Flotten steuern kann.

Dass der Markt für fahrerlose Transportfahrzeuge in der

Intralogistik kontinuierlich wächst, hat seinen Grund in

der zunehmenden Autonomie und Flexibilität dieser

Geräte, die sich von fahrerlosen Transportsystemen

(FTS) zu autonomen mobilen Robotern (AMR) entwickeln. Das

heißt: Sie haben keine festen Fahrwege mehr, sondern navigieren

frei im Raum und lassen sich flexibel dirigieren. Damit eignen

sich diese Flurförderzeuge nicht nur für die Großserienproduktion

zum Beispiel in der Automobilindustrie, sondern auch für

mittelständisch geprägte Branchen wie die Metallbearbeitung.

Hier können sie (Werkzeug-)Maschinen mit Material versorgen

oder allgemeine Transportaufgaben übernehmen. So kann der

Anwender einen automatisierten Materialfluss realisieren und

zugleich die bei kleineren Fertigungs-Losgrößen nötige Flexibilität

bewahren.

Die Fähigkeit zum autonomen Navigieren ist allerdings nur eine

von mehreren Voraussetzungen für den Einsatz von AMR zum

Beispiel in der spanenden Fertigung. Eine andere ist die zentrale

Steuerung der Fahrzeuge und eine weitere die Integration dieser

Steuerung in die jeweilige IT-Infrastruktur (ERP, MES…). Häufig

sollen auch Fahrzeuge verschiedener Hersteller in das Flottenmanagement

integriert werden. Dafür gibt es mit der Kommunikationsschnittstelle

VDA 5050 einen Standard, der FTS und AMR

auf der Daten- und Steuerungsebene in den Materialfluss einbindet.

Für die Integration der Fahrzeuge in die innerbetriebliche

Materialflusssteuerung steht jetzt ein neuer Softwarebaustein auf

der EVO-Plattform zur Verfügung, der über mehrere Jahre entwickelt

wurde und nun in ersten Anwendungsfällen zum Einsatz

kommt.

AUFGABE: DIE „ORCHESTRIERUNG“ DER

INTRALOGISTIK

Als Leitsystem überwacht der Softwarebaustein mit der Produktbezeichnung

EVOorchestration alle laufenden Transportaufträge

zwischen Maschinen, Lager- und Montagebereichen und entscheidet,

welchem Roboter – oder auch welchem Mitarbeiter –

die jeweilige Aufgabe übergeben werden kann. Dazu zählen die

Anlieferung von Material, der Weitertransport von Halbfertigteilen

zur nächsten Arbeitsstation sowie der Abtransport fertiger

Teile ins Lager.

Am Fahrziel angekommen, meldet der Roboter der Leitzentrale,

dass die Transportaufgabe abgeschlossen ist. Ist der Auftrag einem

Logistikmitarbeiter zugewiesen, meldet dieser zum Beispiel

per Tablet, dass er die Aufgabe erledigt hat und neue Aufgaben

übernehmen kann.

DEMO-PROJEKT: FAHRBEFEHLE AUS DEM

MES ERZEUGT

Um einem größeren Publikum die Funktionsweise der Kombination

von MES bzw. ERP und integrierter FTS-/AMR-Steuerung

vorzustellen, ging ein solches Projekt kürzlich mit einem frei navigierenden

AMR in der Demofabrik Smart Factory in Schwäbisch

Gmünd erstmals in Betrieb.

Statt Maschinen und Übergabestationen mit hohem Engineeringaufwand

über eine komplexe Sensorintegration individuell

anzubinden, erhält die AMR-Steuerung ihre Fahrbefehle direkt

über das MES EVOperformance. Das MES überwacht Maschinen

und Fertigungsfortschritt in Echtzeit und löst damit automatisch

Transportaufträge aus.

KOMMUNIKATION ÜBER INDUSTRIE-WLAN,

INBETRIEBNAHME AN EINEM TAG

In der Praxis können diese vom MES weitergegebenen Aufträge

zum Beispiel die Voraussetzung dafür schaffen, dass auch in Spätund

Nachtschichten oder in mannlosen (Wochenend-)Schichten

28 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


EVOORCHESTRATION VERNETZT

AMR, FTS UND PERSONAL IM

MATERIALFLUSS

Maschinen und Werkstationen automatisiert versorgt werden

können. Dabei können nicht nur Teile, sondern auch Werkzeuge

bereitgestellt oder Späne automatisiert entsorgt werden.

Die Demofabrik stellte keine besonderen Anforderungen an

die Infrastruktur: Das bereits vorhandene WLAN übernimmt die

Kommunikation mit dem AMR, und die smarten Endgeräte der

Anwender sind mit einer entsprechenden App ausgestattet. Auch

eine Vorbereitung der Umgebung – etwa durch Navigationsmarken

– war nicht nötig. Stattdessen wird der mobile Roboter einmalig

durch die Halle bewegt, zeichnet dabei Objekte und Wände

auf und navigiert anschließend frei im Arbeitsbereich. Die Übergabestationen

werden während der Inbetriebnahme in der Administrationssoftware

definiert – das Ergebnis: ein betriebsbereites

System nach einem Tag.

Aktuell liegen noch keine Daten zum Durchsatz und zu Zeitoder

Rationalisierungsgewinnen vor. Gezeigt wurde aber schon,

dass sich ein solches System schnell implementieren lässt und

sich gut in IT- und Materialflussprozesse einfügt. Wie hoch der

konkrete Produktivitätsvorteil ausfällt, hängt unter anderem von

der Anzahl der eingesetzten Roboter, der Transportfrequenz und

den Streckenlängen ab. Gegenüber der Verkettung mit stationärer

Fördertechnik bietet die AMR-basierte Lösung den Vorteil, dass

sich Routen und Abläufe ohne bauliche Eingriffe anpassen lassen.

KONNEKTIVITÄT – PER VDA 5050, API ODER ERP

Das beschriebene Leitsystem unterstützt derzeit verschiedene

Kommunikationsschnittstellen für Mobilroboter, darunter eine

VDA-5050-konforme Schnittstelle, eine REST- oder SOAP-API sowie

die Integration in das ERP-System des Anwenders. Über diese

dokumentierten Schnittstellen kann das Leitsystem mit Flottenmanagern

anderer Hersteller sowie mit den Lösungen von Integratoren

gekoppelt werden. Von EVO entwickelte Konnektoren integrieren

die Transportsteuerung in den übergeordneten Fertigungsprozess

– vom Fertigungsauftrag bis zur Fertigmeldung.

VERNETZUNG VON MENSCH, MASCHINE UND

ROBOTER

Zu den Besonderheiten von EVOorchestration gehört, dass Fahraufträge

sowohl an den FTS-/AMR-Flottenmanager als auch an

Mitarbeiter vergeben werden können, die beispielsweise per

Hubwagen eine Palette mit Rohteilen zur Werkzeugmaschine

transportieren. So lassen sich bemannte Tagschichten ebenso

wie mannlose Nacht- oder Wochenendschichten mit ein und

demselben System abbilden. In beiden Fällen sorgt EVOorchestration

für einen durchgängigen Material- und Informationsfluss

www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 29


PRODUKTE UND SYSTEME

01 02

01 Die Transportsteuerung – hier ein Fahrauftrag – ist mit der

übergeordneten IT-Infrastruktur verbunden

02 Ein erster „Use case“ der ins MES integrierten Transportsteuerung

für AMR wurde kürzlich in der Demofabrik Smart Factory in Schwäbisch

Gmünd umgesetzt

im Produktionsumfeld. Die Software kann eigenständig betrieben,

aber auch mit vorhandenen ERP- oder PPS-Lösungen gekoppelt

werden. In jedem Fall fungiert sie als herstellerübergreifende

Aufgabensteuerung, die die in der Fertigung anfallenden

Transportaufgaben koordiniert und AMR-Flotten und Mitarbeitern

zuweist – und das so einfach, dass auch kleine und mittelgroße

Fertigungsbetriebe mit einem einzelnen Transportfahrzeug

einsteigen können. Da die Transportaufgaben automatisiert

zugewiesen werden, können sich die Mitarbeiter auf wertschöpfende

Prozesse konzentrieren.

PERSPEKTIVE: DIE AUTONOME FERTIGUNG

Die Integration von AMR-/FTS-Leitsystemen in die MES- oder

ERP-Plattform (bzw. die Konnektivität zwischen den beiden Systemen)

lässt sich noch weiterdenken: Automatisierte Werkzeugmaschinen

erhalten ihre Fertigungsaufträge per MES, das auch

die Prozesse überwacht und – zum Beispiel in Richtung Einkauf

und Auftragsbearbeitung – mit dem ERP verbunden ist. Das Leitsystem

organisiert den innerbetrieblichen Transport nach den

Vorgaben von MES und ERP. Mit dieser Architektur kann der Anwender

eine autonome Produktion realisieren.

DER EINSTIEG IN DIE MOBILROBOTIK

Aus Anwendersicht stellt sich die Frage, wie man ein Mobilrobotik-Projekt

aufsetzen oder beginnen sollte. Experten raten dazu,

als ersten Schritt eine Potenzialanalyse in Auftrag zu geben und –

im besten Falle – mit dem gewählten Partner eine eher einfache

Automatisierungs- oder Transportaufgabe zu identifizieren und

umzusetzen. Wenn sich dies als erfolgreich erweist, kann – wenn

vorhanden – ein komplexeres Projekt folgen, bei dem man unter

Umständen Teile der vorhandenen Plattformstruktur nutzen

kann. Ein weiterer Vorteil dieser Vorgehensweise: Ein solches Erstprojekt

nimmt Mitarbeitern die Angst und fördert die Akzeptanz.

Einige AMR-Anbieter sind inzwischen auch bereit, auf Testoder

Mietbasis erste Pilotprojekte zu starten, damit der Anwender

zu belastbaren Ergebnissen kommt, bevor er die Investition

in autonome Robotik tätigt.

Autor: Jürgen Widmann, Geschäftsführer, EVO Informationssysteme GmbH,

Durlangen

Fotos: EVO Informationssysteme

www.evo-solutions.com

AUF EINEN BLICK

n Das Leitsystem EVOorchestration integriert die AMR-/

FTS-Steuerung direkt in MES und ERP – Transportaufträge

werden automatisch aus dem Fertigungsfortschritt

abgeleitet.

n Über eine VDA-5050-konforme Schnittstelle lassen sich

Fahrzeuge verschiedener Hersteller in ein gemeinsames

Flottenmanagement einbinden.

n Das System orchestriert automatisierte AMR-Transporte

ebenso wie manuelle Transportaufgaben durch

Mitarbeiter. Reguläre Tagschichten und mannlose

Nacht- oder Wochenendschichten lassen sich so mit

derselben Plattform abbilden.

n Die Inbetriebnahme ist innerhalb eines Tages möglich,

ohne bauliche Eingriffe oder Navigationsmarken – ein

niedrigschwelliger Einstieg auch für kleine und mittelgroße

Fertigungsbetriebe.

30 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


MARKTPLATZ

PICK-BY-LIGHT-SYSTEME: KAPAZITÄTEN UND TERMINE IM BLICK

Vor allem zu saisonalen Spitzenzeiten kommt es auf eine fehlerfreie, schnelle Kommissionierung an, um das erhöhte Auftragsvolumen

zu bewältigen und pünktliche Lieferzeiten einzuhalten. Die Modularität und Skalierbarkeit der Pick-by-Light-Systeme der KBS

Industrieelektronik GmbH lassen sich an Auftragsmengen oder wechselnde Anforderungen anpassen. Aufgrund klarer, visueller

Führung und Auftragsgruppierung in Batches lassen sich mehrere Aufträge in einem Lauf bearbeiten, oftmals in Kombination mit

einem Kommissionierwagen. Das System fügt sich über standardisierte Schnittstellen in

Softwarelösungen ein und lässt sich im laufenden Betrieb implementieren. Pick-to-Light-Displays

mit geteilter Blickfangleuchte schaffen durch getrennte Ansteuerung die Voraussetzungen

für eine exakte Fachzuweisung sowie für gleichzeitiges Arbeiten von zwei Kommissionierern

in derselben Zone. Sensortechnologie bei der Auftragsquittierung beschleunigt zusätzlich

den Kommissionierprozess. Echtzeit-Monitoring sorgt für Transparenz und Sicherheit hinsichtlich

Auftragsstatus und Bestand. Das System ist einfach und intuitiv zu bedienen, sodass

saisonale Aushilfskräfte ohne langes Training kurzfristig und effizient einsetzbar sind.

www.kbs-gmbh.de

HALTEBREMSE

SICHERT ACHSEN

Schwerkraftbelastete Achsen

gegen unkontrolliertes

Abstürzen zu sichern ist eine

zentrale Anforderung im

Maschinenbau. Mit der

stufenlosen Haltebremse

(SHB) bietet Leantechnik ein

pneumatisches Klemmsystem,

das Lasten spielfrei und mit

hoher Steifigkeit direkt auf der

Driving the world

Wenn Fördertechnik

einfach läuft.

Linearführung fixiert. Im

drucklosen Zustand drückt

eine Tellerfeder das Klemmelement

auf die Profilschiene und

fixiert so die Last.

Verfügbar ist die SHB in zwei

Ausführungen: mit 6 bar und

einer Nenn-Haltekraft bis

12.000 N sowie mit 20 bar und

bis zu 30.000 N über einen

mechanischen Druckbooster.

Dieser steigert den Systemdruck

kostengünstig, ohne

dass die Druckluftversorgung

angepasst werden muss.

Konzipiert wurde die Bremse

für den Einsatz an lifgo-Zahnstangengetrieben.

Eine

Fail-Safe-Funktion sorgt auch

bei Pneumatik-Ausfall für eine

sichere Fixierung. Gegenüber

Stangen- oder Bandbremsen

erreicht die SHB laut Herstellerangaben

die dreifache

Steifigkeit.

www.leantechnik.com

Jetzt umsteigen auf störungsfreien Betrieb – mit ECDriveS®!

Der smarte Antrieb für Ihre Leichtlastfördertechnik.

In der Logistik zählt jede Sekunde. Mit ECDriveS® sichern Sie sich maximale Anlagenverfügbarkeit

– ganz ohne Kompromisse. Ob 24 V oder 48 V: Unsere Motorrollen und Bandantriebe

sorgen für einen reibungslosen Materialfluss – effizient, leise und langlebig.

Ihre Vorteile:

– bis zu 65 W Leistung mit 220 % Überlastfähigkeit

– digitale Integration mit Auto-Start und Condition-Monitoring

– robuste Vollmetall-Getriebe für maximale Lebensdauer

– steckkompatibel und flexibel – ideal für Retrofit und Neuanlagen

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PRODUKTE UND SYSTEME

SOFTWARE-MODERNISIERUNG STATT NEUANLAGE

MATERIALFLUSS AUTOMATISIERT – FÜR EIN

FÜNFTEL DER ERSATZINVESTITION

Das Ende des Windows-10-Supports stellte den

Faltschachtelhersteller LGR Reine Emballages vor

eine grundlegende Entscheidung: Die gewachsene

Fördertechnik am Standort Oyonnax in Frankreich

ließ sich nicht auf das neue Betriebssystem

migrieren. Statt die Anlage für geschätzt

900.000 Euro zu erneuern, wählte das

Unternehmen den Weg einer Software-

Neuentwicklung auf Basis aktueller Werkzeuge.

Was als erzwungenes Update begann, wurde zum

Automatisierungsprojekt mit messbarem Nutzen.

Als Microsoft im Herbst 2025 den Support für Windows 10

einstellte, waren zahlreiche Betreiber älterer Intralogistikanlagen

betroffen – so auch LGR Packaging. Das Unternehmen

mit Hauptsitz im französischen Oyonnax gehört

zu den großen europäischen Herstellern bedruckter Faltschachteln,

unter anderem für die Pharmaindustrie. Am Standort

Rheine betreibt LGR eine umfangreiche Fördertechnik von Krifft

& Zipsner (Steinebach), die als Pufferlager zwischen Druckerei

und Stanzerei dient. Die Anlage umfasst 76 Förderlinien auf zwei

Ebenen mit einer Kapazität von 35 Stapeln pro Stunde in der Druckerei

sowie 42 Förderlinien auf einer Ebene in der Stanzerei. Er-

gänzt wird das System durch fünf Transferwagen, eine Dreheinheit

und zwei Stapelwender.

In den 25 Jahren seit der Erstinstallation wurde die Anlage wiederholt

erweitert und umgebaut. Die zugehörigen HMI-Applikationen

(Human-Machine-Interface) waren dabei an ältere Hardware

und Entwicklungsumgebungen gebunden, die sich nicht

auf Windows 11 übertragen ließen. Eine einfache Betriebssystem-Migration

schied damit aus.

Die Alternative – ein Komplettaustausch von Verkabelung,

Steuerschränken und Programmierung – hätte eine Investition

von geschätzt 800.000 bis 900.000 Euro erfordert. Der gewählte

Ansatz, die Steuerungssoftware mit aktuellen Entwicklungswerkzeugen

von Grund auf zu erstellen und die vorhandene Hardware

weiterzunutzen, lag mit rund 170.000 Euro bei weniger als einem

Fünftel dieser Summe.

SOFTWARE FÜR BESTEHENDE STEUERUNGS-

ARCHITEKTUR

Krifft & Zipsner implementierte die eigene Lösung KriZiTrans-

Desk in den Varianten Professional und Web. Die Software steuert

den Materialfluss zwischen den Fertigungsbereichen und ist

über eine MS-SQL-Datenbank an die betriebseigene Datenerfassung

sowie das ERP-System von LGR angebunden.

Die technische Integration stellte besondere Anforderungen:

Insgesamt waren 17 Siemens-S7-300-Steuerungen über MPI-

Schnittstellen einzubinden, dazu die angeschlossenen Fertigungsmaschinen

– ein Querschneider, drei Druckmaschinen,

vier Stanzen und drei Kaschiermaschinen. Unverrückbare Vorgabe

war, dass die bestehenden Datenstrukturen auf S7-Seite nicht


PRODUKTE UND SYSTEME

Die KriZiTransDesk-

Oberfläche bildet Förderlinien,

Transferwagen und

RFID-Auftragsdaten der

Stanzerei in Echtzeit ab.

Der Automatisierungsgrad

lässt sich über

drei Betriebsmodi

steuern

verändert werden durften. Der Einsatz moderner S7-1500-Steuerungen

als zentrale Schnittstelle wäre technisch eleganter gewesen,

hätte jedoch umfangreiche Änderungen am gewachsenen

Steuerungsnetzwerk erfordert und den Kostenrahmen deutlich

überschritten.

AUTOMATISIERUNG ALS EIGENTLICHER HEBEL

In den vergangenen Jahren hatte LGR am Standort Rheine neue

Fertigungsmaschinen installiert und die Kapazitäten gesteigert.

Die alte HMI-Software war jedoch nur punktuell angepasst worden,

sodass das Logistikkonzept den veränderten Anforderungen

nicht mehr entsprach. Die Folge: Bereichsleiter verbrachten einen

erheblichen Teil ihrer Schichtzeit damit, einzelne Stapel oder

Aufträge im Halbautomatik-Modus zu Maschinen transportieren

zu lassen und Umlagerungen vorzunehmen.

Mit der Software-Neuentwicklung bot sich die Gelegenheit,

diese manuellen Prozesse grundlegend zu automatisieren. Angesetzt

wurde auf mehreren Ebenen:

RFID-gestützte Stapelverfolgung: Alle fünf Transferwagen erhielten

RFID-Technik, um die Auftragszuordnung je Stapel lückenlos

sicherzustellen. Unnötige Umlagerungen, die im bisherigen

Betrieb regelmäßig anfielen, erübrigen sich durch die

konsequent auftragsreine Einlagerung.

Datenbankgestützte Auftragssteuerung: Über eine Datenbankanbindung

gibt die Fertigungsplanung die Reihenfolge der Maschinenbeschickung

direkt vor. Für Flexibilität im Tagesgeschäft

lässt sich ein Pool von bis zu fünf Aufträgen frei priorisieren.

Auch die manuelle Einzelbestellung bleibt als Rückfallebene

erhalten.

Automatische Maschinenbeschickung: Von den Bedienstationen

der Druck- und Kaschiermaschinen lassen sich Aufträge

per Order-Tool gezielt abrufen. Die angeforderten Stapel werden

anschließend automatisch zwischen den Fertigungsbereichen

transportiert. Das System beliefert die Druckmaschinen

dabei nicht mehr nach reinen Auftragsnummern, sondern

nach gleichartiger Ware – sortiert nach Länge, Breite und Kartoneigenschaften.

Automatisierter Kaschierprozess: Der Abruf aus dem Druckerei-Lager

zu den drei Kaschiermaschinen wurde so weit automatisiert,

dass die benötigten Stapel selbsttätig in ein maschinennahes

Zwischenlager mit bis zu drei Stellplätzen je

Kaschiermaschine gelangen. Ist eine Rotation der Stapel erforderlich,

fährt der Transferwagen zuvor automatisch einen

Drehtisch an und bringt den gedrehten Stapel zum Zielplatz.

Auch die Bestückung der Anleger geschieht ohne manuellen

Eingriff.

ERGEBNIS: MEHRSTUFIGER MATERIALFLUSS

OHNE MANUELLE EINGRIFFE

Der Fertigungsfluss – vom Querschneider über die Transfer wagen

in das Druckerei-Zwischenlager, von dort zu den Druckmaschinen,

weiter zu den Kaschiermaschinen und schließlich zum Zwischenlager

vor den Stanzen – läuft nun durchgängig automatisiert.

Das System arbeitet über mehrere Fertigungsstufen autark.

Die Zeitersparnis beziffert der Anlagenbetreiber auf rund drei

Stunden pro Tag in der Druckerei und rund vier Stunden pro Tag

in der Stanzerei – Kapazitäten, die zuvor für das manuelle Zusammenstellen

und Transportieren von Aufträgen gebunden waren.

Die Projektlaufzeit betrug einschließlich Test- und Inbetriebnahmephase

rund sechs Monate. Da die Ergebnisse am Standort

Rheine die Erwartungen übertrafen, wurde das Konzept bereits

auf ein weiteres LGR-Werk übertragen. Zwei zusätzliche Standorte

sollen folgen.

WB

Fotos: Krifft & Zipsner

www.krifft-zipsner.de

AUF EINEN BLICK

Auslöser: Das Ende des Windows-10-Supports machte

die gewachsene Steuerungssoftware einer 25 Jahre

alten Förderanlage unbrauchbar – eine Betriebssystem-

Migration war technisch ausgeschlossen.

Kostenvergleich: Die Software-Neuentwicklung mit

Weiternutzung der vorhandenen Hardware lag mit

rund 170.000 Euro bei weniger als einem Fünftel der

geschätzten Ersatzinvestition von 800.000 bis

900.000 Euro.

Automatisierungseffekt: Der mehrstufige Materialfluss

zwischen Druckerei, Kaschierung und Stanzerei läuft

nun durchgängig automatisiert. Die Zeitersparnis

beträgt rund drei Stunden pro Tag in der Druckerei und

vier Stunden in der Stanzerei.

Übertragbarkeit: Das Konzept wurde bereits auf ein

weiteres Werk übertragen, zwei zusätzliche Standorte

sollen folgen.

www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 33


PRODUKTE UND SYSTEME

MACHINE VISION ERSETZT MANUELLE PALETTENKONTROLLE BEI GOLDSCHMAUS

AUTOMATISIERTE QUALITÄTSPRÜFUNG

SICHERT ARTIKEL- UND CHARGENREINHEIT

Der Fleischproduzent

Goldschmaus hat die manuelle

Barcode-Erfassung palettierter

Ware durch eine Machine-

Vision-Lösung von Zetes

(Hamburg) ersetzt. Das System

prüft in wenigen Sekunden bis

zu 128 Kartons pro Palette auf

Artikel- und Chargenreinheit

– und hat den Kontrollprozess

manipulationssicher gemacht.

In der Lebensmittelindustrie entscheidet die lückenlose Rückverfolgbarkeit

über Produktsicherheit und Kundenvertrauen.

Alle Waren müssen auf artikel- und chargenreinen Paletten

den Standort verlassen. Jeder falsch zugeordnete Karton kann

aufwendige Rückrufaktionen nach sich ziehen. Die Goldschmaus-Gruppe,

einer der führenden Fleischproduzenten in

Deutschland, hat daher die Qualitätskontrolle palettierter Güter

an den Standorten Garrel und Oldenburg automatisiert – mit der

Lösung ZetesMedea ImageID.

MANUELLER PROZESS AN DER

KAPAZITÄTSGRENZE

Am Standort Garrel werden pro Monat bis zu 8.400 Paletten mit

tiefgekühlter Ware abgerufen. Jede Palette umfasst bis zu 128

Kartons, deren Barcodes einzeln erfasst und mit den im ERP-System

hinterlegten Daten abgeglichen werden müssen. Parallel

muss das tatsächliche Palettengewicht mit dem rechnerischen

Sollwert abgeglichen werden. Dieser Prozess wurde zuvor manuell

durchgeführt und band zwei bis drei Mitarbeiter pro Kontrollstation.

Neben dem hohen Personalaufwand bestand das Risiko

menschlicher Fehler – ein Zustand, der mit dem Qualitätsanspruch

des Unternehmens auf Dauer nicht vereinbar war.

AUTOMATISIERTE ERFASSUNG IN SEKUNDEN

Mit ZetesMedea ImageID hat Goldschmaus den Kontrollprozess

grundlegend verändert. Die Machine-Vision-Lösung ist darauf

ausgelegt, alle Barcodes einer Palette in einem Durchgang zu

erfassen und zu dekodieren. Gleichzeitig ermittelt das System

das Palettengewicht und leitet alle Daten an das ERP-System weiter.

Das Ergebnis erscheint auf einem Monitor in grafisch aufbereiteter

Form. Ein Ampelsystem signalisiert den Status: Grün bedeutet,

dass Artikel- und Chargenreinheit bestätigt sind – in diesem

Fall generiert die Lösung automatisch ein Summenlabel, das

auf der Palette fixiert wird. Bei einer Abweichung wird die Palette

zur Nachkontrolle ausgeleitet. Nach erfolgreicher Prüfung ist die

Ware für die Einlagerung freigegeben.

„Zetes hat sofort verstanden, worauf es uns ankommt, und hat

uns eine passende Lösung präsentiert“, sagt Geschäftsführer

Dennis Burke. „Statt zwei bis drei Mitarbeitern bindet der Vorgang

nur noch eine Arbeitskraft. In weniger als zwei Jahren wird

sich die Anschaffung amortisiert haben.“

Im laufenden Betrieb zeigt sich, dass nicht jede Palette beim

ersten Durchgang vollständig erfasst wird. Der Grund: Etiketten

sind nicht immer einheitlich längsseitig ausgerichtet, sondern

teils stirnseitig angebracht. In solchen Fällen wird die Palette

über einen integrierten Drehteller um 90° gedreht und erneut

gescannt – alle vier Seiten werden so optisch erfasst. Beschädigte

oder verdeckte Etiketten zeigt das System gezielt an, sodass

die betroffenen Barcodes manuell nacherfasst werden

können.

Mittlerweile verfügt Goldschmaus über drei Installationen von

ZetesMedea ImageID an beiden Standorten. Neben Kartonware

werden auch lebensmittelechte Euronorm-Behälter aus HDPE

gescannt. Diese Mehrwege-Pool-Behälter verfügen über einen

separaten Code, der vom System ebenfalls ausgelesen und mit

dem jeweiligen Produkt-Code verknüpft wird.

NULL-FEHLER-ZIEL ERREICHT

„Durch ZetesMedea haben wir einen nicht manipulierbaren Prozess

und unser Null-Fehler-Ziel erreicht“, fasst Gesamtbetriebsleiter

Tim Buddemeyer zusammen. Die Kombination aus automatischer

Barcode-Erfassung, Gewichtskontrolle und ERP-Anbindung

habe einen durchgängig abgesicherten Kontrollprozess

geschaffen – mit messbaren Vorteilen bei Effizienz, Qualität und

Personalplanung.

Foto: Marcus Walter

www.zetes.com

34 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


MARKTPLATZ

KENNZAHL STEUERT

FULFILLMENT-KOSTEN

TRAYSEALER-LINIE VERPACKT

MEHRERE PRODUKTE PARALLEL

Mehrere Produkte aus unabhängigen Zuführströmen

gleichzeitig auf einer Linie zu verpacken,

steigert die Auslastung in der Lebensmittelproduktion. Auf der interpack 2026 zeigte die

Multivac Group eine KI-unterstützte TX-Traysealer-Linie, die genau dieses Prinzip umsetzt. Der

Traysealer TX 720 wird parallel mit zwei Produktströmen in identischen Trays beschickt. Ein

KI-gestütztes Kennzeichnungs- und Inspektionssystem vom Typ L 310 identifiziert nach dem

Siegelprozess den jeweiligen Packungsinhalt, druckt das passende Etikett und appliziert es auf

den Tray. Anschließend trennen Packstacker die fertigen Verpackungen sortenrein.

Die KI-gesteuerte Produktidentifizierung und eine intelligente „Print & Apply“-Etikettierung

sollen die Auslastung der Traysealer-Kapazitäten erhöhen. Laut Multivac verbessert die

integrierte Linienlösung zudem Effizienz, Prozesssicherheit und Transparenz in der Produktion.

Smart Services und KI-gestützte Funktionen sollen darüber hinaus die Verfügbarkeit der

Anlage und die Produktivität steigern.

www.multivac.com

clever – creative – sustainable – smart

Volatile Rahmenbedingungen

und steigender Wettbewerbsdruck

rücken die Kosten der

Intralogistik stärker in den

Fokus. Mit der Kennzahl CoOF

(Cost of Order Fulfillment) hat

Ferag Solutions einen Ansatz

entwickelt, der alle Kosten pro

abgewickeltem Auftrag

kanalunabhängig erfasst.

Berücksichtigt werden

Arbeits-, Handling-, Platz-,

Energie-, Software-, Wartungsund

Retourenkosten.

Auf dieser Datenbasis lassen

sich Fehlerkosten, Personalbedarf

und Prozessrisiken

frühzeitig erkennen. So

machen Personalkosten häufig

mehr als die Hälfte der Kosten

der Auftragsabwicklung aus,

und Fehler in Kommissionierung

und Konsolidierung

verursachen je Auftrag bis zu

acht Euro Zusatzkosten. In der

Modebranche binden Retouren

20 bis 35 Prozent der Fulfillment-Kosten.

Vertikale

Intralogistiksysteme verbessern

die Flächeneffizienz um

bis zu 60 Prozent gegenüber

bodenbasierten Lösungen.

In der Praxis sind es oft hybride

Kombinationen unterschiedlicher

Technologien, die zu

niedrigeren Betriebskosten

führen. So lassen sich beispielsweise

autonome mobile

Roboter (AMR) zwar flexibel,

schnell und skalierbar einsetzen

– bieten im Vergleich zu

einer stationären Automatisierungslösung

aber einen

geringeren Durchsatz. Shuttle-

Systeme spielen ihre Stärken

bei hoher Lagerdichte vor

allem im E-Commerce aus – erfordern

aber hohe Anfangsinvestitionen

und weisen eine

starre Anordnung auf. Eine

flexible Alternative bieten

Taschensorter wie ferag.

skyfall, die Sortieren, Puffern

und Sequenzieren vereinen.

www.ferag.com

Utz EUROTEC MOVE.

Modular. Optimiert. Visionär. Effizient.

EUROTEC MOVE bringt mit, was Intralogistik in Zukunft bewegt:

Erstmals freies Konfigurieren der Behälter für jeden Nutzer und rutschfeste Bodenstruktur

für stressfreie Förderung bei bekannt hoher Utz Stabilität. Mit Wasserablauflöchern,

optionalen Unterteilungen und ID-Auslegung für Prozesssicherheit und volle Transparenz

im Zeitalter von KI.

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EUROTEC MOVE auf einen Blick:

Georg Utz GmbH · Nordring 67 · 48465 Schüttorf · Germany

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IMPULSE

INTELLIGENTE DATENERFASSUNG IM LAGER

SOFTWAREBASIERTES SCANNEN UND VISUELLE

FÜHRUNG BESCHLEUNIGEN PROZESSE

KI-gestützte Datenerfassung und Augmented

Reality verändern die Arbeitsabläufe im Lager.

Softwarebasierte Scanlösungen auf mobilen

Endgeräten erkennen Barcodes auch unter

schwierigen Bedingungen, während

AR-Einblendungen die Kommissionierung

beschleunigen und Fehler reduzieren. Zwei

Praxisbeispiele zeigen, welche Ergebnisse

Anwender bereits erzielen.

Moderne Lager stehen unter wachsendem Druck.

Kunden erwarten mehr Geschwindigkeit, Genauigkeit

und Transparenz – gleichzeitig erschweren

Fachkräftemangel und komplexe Lieferketten es,

diese Anforderungen zu erfüllen. In diesem Umfeld führen zwei

Technologien zu messbaren Effizienzsteigerungen: KI-gestützte

Datenerfassung und Augmented Reality (AR).

VON DER BARCODE-ERKENNUNG ZUM

KONTEXTBEZOGENEN SCANNEN

In datengetriebenen Systemen entscheidet die Qualität der Eingangsdaten

über die Leistungsfähigkeit der Anwendungen. Doch

es gibt eine zweite, oft übersehene Dimension: KI ist nicht nur ein

nachgelagerter Verarbeiter erfasster Daten, sondern verbessert in

operativen Anwendungen auch die Datenerfassung selbst – und

macht diese schneller, zuverlässiger und intelligenter.

36 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


IMPULSE

Dies spielt sich auf drei Ebenen ab. Auf der ersten Ebene entschlüsseln

Algorithmen für maschinelles Lernen Barcodes auf

mobilen Endgeräten mit integrierter Kamera – etwa Androidoder

iOS-Smartphones, Handheld-Computern oder Wearables.

Auf einer fortgeschritteneren Ebene rekonstruieren KI-gestützte

Computer-Vision-Modelle beschädigte, winzige oder

schlecht gedruckte Barcodes und lesen sie zuverlässig selbst

bei schlechten Lichtverhältnissen oder ungünstigen Winkeln.

Die dritte und komplexeste Ebene ist das kontextbezogene

Scannen – eine KI, die nicht nur erkennt, was gescannt wird,

sondern auch in welchem Kontext. In einem Lager oder einer

Produktionsumgebung erscheinen Etiketten selten einzeln,

sondern meist in Gruppen auf Regalen, Paletten und Förderbändern.

Das kontextbezogene Scannen analysiert Umgebung,

Benutzerverhalten und die Komplexität der Etiketten, um automatisch

zu erkennen, welchen Barcode der Anwender erfassen

möchte – selbst wenn sich Dutzende im Sichtfeld befinden.

Ist ein Barcode unlesbar, greift das System automatisch

auf die optische Zeichenerkennung (OCR) zurück und liest

den darunter gedruckten Text ohne manuelles Eingreifen. Enthält

ein Etikett sowohl einen Barcode als auch gedruckten Text

(zum Beispiel ein Verfallsdatum, eine Chargennummer oder

ein Gewicht), extrahiert die Datenerfassung alle Informationen

gleichzeitig.

Kurz gesagt: KI ist direkt am Ort der Datenerfassung integriert.

Sie bestimmt, welche Daten relevant sind, gleicht typische

Erfassungsfehler und Umgebungsbedingungen aus und liefert

strukturierte, validierte Informationen in Echtzeit an nachgelagerte

Systeme.

AR-EINBLENDUNGEN VERKÜRZEN EIN-

ARBEITUNG UND SENKEN FEHLERQUOTEN

Augmented Reality steigert die Effizienz operativer Lagerprozesse

durch visuelle Unterstützung. So erfassen Mitarbeiter beispielsweise

mehrere Artikel mit einem einzigen Scan. AR-Einblendungen

zeigen, welche Artikel bereits geprüft sind und welche noch

ausstehen – das Risiko von Fehllieferungen sinkt. Ebenso führt AR

das Lagerpersonal zu den richtigen Produkten und hebt genau jene

Artikel hervor, die für jede Bestellung kommissioniert werden

müssen.

Die intuitive visuelle Führung hilft Neuzugängen, Aushilfskräften,

ebenso wie erfahrenen Fachkräften, die sich in neue Prozesse

einarbeiten. Sie reduziert Einarbeitungszeit und Fehlerquote – ohne

langwierige Schulungen.

Betriebswirtschaftlich betrachtet bilden KI-gestützte Datenerfassung

und AR-basierte Führung einen geschlossenen Informationskreislauf:

Präzise Daten fließen in Echtzeit in die zentralen IT-

Systeme, während die AR-Schnittstelle den Anwendern zum richtigen

Zeitpunkt relevante Informationen zurückmeldet. Das Ergebnis

sind schnellere und zuverlässigere Abläufe mit weniger

manuellen Eingriffen.

Neben den einzelnen Arbeitsabläufen bietet die funktionsübergreifende

Transparenz einen weiteren Vorteil. In vielen Unternehmen

liegen Daten aus Produktion, Lagerhaltung, Transport und

Service nach wie vor in getrennten Silos. Oft gibt es keine einheitliche

Datenquelle, auf die alle Teams zurückgreifen können. Eine

Online konfigurieren:

Schnell und einfach zum

Wunsch-Förderband!

Erstellen Sie im Handumdrehen Ihr maßgeschneidertes

Förderband: Unser Online-Konfigurator führt Sie Schritt

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IMPULSE

KI-gestützte Datenerfassung schafft eine konsistente Datenbasis,

die bereichsübergreifend nutzbar ist. Weil Lieferketten komplexer

werden, gewinnt diese Transparenz an Bedeutung: Sie hilft,

Störungen besser zu bewältigen, und stärkt langfristig die Wettbewerbsfähigkeit.

AUS DER PRAXIS: VERSANDKONTROLLZEIT UM

85 PROZENT REDUZIERT

Dior – Auftragsabwicklung im Luxussegment

Das Luxusmodehaus Dior hat sich mit den Unternehmen Scandit

und Hardis Supply Chain zusammengetan, um seine Lagerprozesse

zu optimieren. Eine fehlerfreie Auftragsabwicklung ist für

das Kundenerlebnis entscheidend. Die Kombination aus KI-basierter

Datenerfassung und AR-gestützten Arbeitsabläufen hat

die Prozesse messbar verbessert.

Das Lagerpersonal erfasst nun mehrere Barcodes gleichzeitig

und sieht Statusinformationen in Echtzeit über AR direkt in der

Order-Preparation-App. Dadurch verbesserte sich die betriebliche

Effizienz: Die Versandkontrollzeit sank um 85 Prozent. Während

der Auftragsvorbereitung identifizieren die Mitarbeiter den

richtigen Artikel über das gleichzeitige Scannen mehrerer Barcodes

und AR-Einblendungen.

AUF EINEN BLICK

Die softwarebasierte Datenerfassung lässt sich mit

geringem Aufwand in bestehende Lagerinfrastrukturen

integrieren.

n Softwareschicht auf jedem kamerafähigen Endgerät

(Smartphones, Handheld-Computer, Wearables)

n On-Device-Verarbeitung: keine Netzwerkabhängigkeit,

minimale Latenz

n Integration über Standard-APIs und SDKs

n Codefreie App-Optionen für schnellere Bereitstellung

verfügbar

Mithilfe der KI-gestützten Datenerfassung auf Handheld-Computern

automatisieren die Beschäftigten zudem weitere Lagerabläufe.

Das System liest auch beschädigte, schlecht gedruckte und

selbst winzige Barcodes zuverlässig – das erhöht die Produktivität

und beschleunigt die täglichen Abläufe.

Elektro-Material – Bestandsverwaltung im Distributionszentrum

Der Elektrogroßhändler Elektro-Material ersetzte in seinem Distributionszentrum

den bisherigen Scanner durch eine softwarebasierte

Datenerfassung für mobile Bestellung und Bestandsverwaltung.

Die Scangeschwindigkeit stieg mit über 95.000

Scans in den ersten drei Monaten um das Fünffache, was die

Nachschubversorgung beschleunigte, und die Produktivität der

Techniker steigerte.

FAZIT: DREI ANSATZPUNKTE FÜR LOGISTIK­

VERANTWORTLICHE

KI-gestützte Datenerfassung und AR-basierte Führung liefern bereits

heute messbare Ergebnisse im Lagerbetrieb – vorausgesetzt,

beide Technologien werden als zusammengehörige Komponenten

eines integrierten Systems betrachtet. Die beschriebenen Anwendungen

zeigen drei konkrete Ansatzpunkte.

Bestehende Geräte nutzen. Softwarebasierte Datenerfassung

läuft auf vorhandenen Smartphones und Handheld-Computern.

Der Einstieg erfordert keine Spezialhardware. Standard-APIs

schaffen die Voraussetzungen für die Anbindung an bestehende

Lagerverwaltungssysteme.

Einarbeitung durch visuelle Führung verkürzen. AR-Einblendungen

reduzieren Schulungsaufwand und Fehlerquoten – relevant

bei hoher Personalfluktuation oder saisonalen Spitzen.

Datenbasis bereichsübergreifend aufbauen. Eine konsistente

Datenerfassung über alle Lagerprozesse hinweg schafft die

Grundlage für datengestützte Entscheidungen jenseits einzelner

Arbeitsschritte.

Autorin: Lyndal Möller, Senior Industry Solutions Manager, Scandit, Zürich

Foto: Scandit

www.scandit.com

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Materialfluss. deTem und deTec sorgen nicht nur für

effiziente Prozesse und eine hohe Anlagenverfügbarkeit,

sondern vereinfachen darüber hinaus auf Basis von Technologien

wie NFC und IO-Link die Diagnose. Zudem liefern sie

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Prozesse. Flexible Anschlusskonzepte reduzieren den

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Prof. Dr.-Ing. R. Jansen, Dortmund;

Prof. Dr. K.-O. Schocke, Frankfurt;

Prof. Dr.-Ing. habil. L. Schulze, Hannover;

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filtern für Sie die Informationsflut und

recherchieren Inhalte mit echtem

Nutzwert für den Intralogistiker

Tagtäglich sind wir im Internet einer riesigen Informationsflut ausgesetzt. Da wird es

schwer, den Überblick zu behalten. Doch f+h hilft! Denn wir selektieren nicht nur

entsprechende Pressemeldungen, sondern durchforsten für Sie auch Websites, Business-

Netzwerke und soziale Medien und filtern spannende Dinge heraus. Ab sofort finden Sie

an dieser Stelle unsere Highlights aus der digitalen Welt der Intralogistik.

KI-ASSISTENT BESCHLEUNIGT

ENGINEERING

Der Virtual Assistant, ein KI-gestützter Assistent von Festo,

greift ausschließlich auf proprietäre Quellen wie Datenblätter,

Handbücher, CAD-Daten, Engineering-Informationen

sowie einschlägige Normen zu. So lassen sich Halluzinationen

vermeiden, wie sie bei generischen Chatbots auftreten

können. Anwender erhalten kontextbezogene Antworten

einschließlich direkter Verlinkung zu Dokumenten, CAD-

Downloads sowie Sizing- und Konfigurator-Tools. Einsatzfelder

sind Troubleshooting, Komponentenvergleich und

Inbetriebnahme. Der Dienst läuft innerhalb der Festo-Systeme,

erfüllt die Anforderungen des EU AI Act und der DSGVO

und verwendet Nutzerdaten nicht für weiteres KI-Training.

Anfragen werden zeitlich begrenzt gespeichert. Zugänglich

ist der Assistent über das bestehende Festo-Login.

WWW.FESTO.COM

DYNAMISCHE WARTUNG STATT

STARRER INTERVALLE

Die erweiterte Version des ConnectApp Guide der

KHS-Gruppe steuert die Instandhaltung von Abfüll- und

Verpackungsanlagen bedarfsgerecht. Die Anwendung

digitalisiert tägliche CILT-Routinen und führt das

Bedienpersonal als digitaler Assistent durch die

Prozesse. Mit der Funktion „dynamische Tasks“ richten

sich Wartungsaufgaben nach den tatsächlichen

Betriebsstunden. Ein ab Werk integriertes Edge Device

erfasst Maschinendaten und übermittelt diese über die

Cloud-Anbindung ConnectApp Access an das System. Sobald

Schwellenwerte erreicht werden, erscheint die

jeweilige Aufgabe automatisch auf dem Mobilgerät des

Mitarbeiters sowie in der Webanwendung. Drittanbieter-Equipment

lässt sich eigenständig einbinden.

WWW.KHS.COM

40 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


PRODUKTE UND SYSTEME

LEISTUNGSSTARKE GERÄTE MEISTERN

PRAXISTEST

Jungheinrich-Schubmaststapler der ETV-3i-Serie für

Dauereinsatz

DIE TOP

ONLINE-ARTIKEL

DER F+H WEBSITE

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen die

fünf meist gelesenen Artikel des Monats

auf unserer Internetpräsenz

Das Ranking umfasst alle Seitenaufrufe im 2-Monats-Zeitraum

bis ca. 2-3 Wochen vor Erscheinungstermin dieser Ausgabe. Die

Berechnungsbasis von 100% entspricht der Summe der fünf Plätze.

KOMPAKTER ELEKTROSTAPLER MIT

OPTIMIERTER RUNDUMSICHT

Xi-Serie von Linde: Roadster-Modell komplettiert

die Baureihe

SCHUBMASTSTAPLER: EFFIZIENT UND

KOMFORTABEL IM ROUTINEEINSATZ

Jungheinrich erweitert ETV-Schubmaststapler-Serie

um neue Modelle

LOGIMAT 2026 ÜBERTRIFFT ALLE

BESTMARKEN

Fachmesse endet mit neuen Spitzenwerten

AUTONOME MOBILE ROBOTER

Mit dem System von NEOintralogistics lassen sich

Fachbodenlager einfach automatisieren

WEBSHOP MIT RESPONSIVEM DESIGN

Rund 15.000 Produkte aus den Bereichen Sicherheits-,

Steuerungs- und Automatisierungstechnik stehen Anwendern

ab sofort über die neu gestaltete Onlineplattform der

K.A. Schmersal GmbH & Co. KG zur Verfügung. Im Zuge des

Relaunchs hat das Unternehmen Bestell- und Registrierungsprozesse

vereinfacht; bestehende Freigabeabläufe für

Geschäftskunden bleiben jedoch unverändert. Vorhandene

Zugangsdaten von Bestandskunden behalten ihre Gültigkeit;

eine Neuregistrierung ist nicht erforderlich.

Auf den Produktdetailseiten rücken technische Merkmale

und Spezifikationen stärker in den Vordergrund; ein integrierter

Produktvergleich unterstützt die Auswahl. Durch das

responsive Design passen sich Inhalte und Funktionen

automatisch an verschiedene Endgeräte an. Die Plattform

ist in rund 20 Ländern verfügbar und sorgt damit international

für ein einheitliches Einkaufserlebnis. Ergänzend bietet

das Unternehmen technische und kaufmännische Support-

Hotlines.

WWW.PRODUCTS.SCHMERSAL.COM

KI-ASSISTENT ERWEITERT IIOT-PLATTFORM

Mit einem neuen Assistenzsystem erweitert ifm die

IIoT-Plattform moneo um Funktionen auf Basis der

Large-Language-Model-Technologie. Der moneo Assistant

ist direkt in den moneo IIoT Core integriert und unterstützt

Anwender im Arbeitsalltag, indem er Fragen

beantwortet, Funktionen erklärt, durch komplexe Abläufe

führt und Informationen aus verschiedenen Quellen

bündelt. Das System verarbeitet natürlichsprachliche

Anfragen und berücksichtigt dabei den jeweiligen

Kontext. Die Software erkennt vorherige Arbeitsschritte,

leitet Zusammenhänge ab und führt bei Bedarf konkrete

Aktionen direkt im System aus. So entsteht ein dialogorientierter

Bedienansatz, der über klassische Frage-Antwort-Strukturen

hinausgeht und die User Experience der

Plattform verbessert.

ifm baut den Funktionsumfang schrittweise aus. In den

nächsten Entwicklungsstufen soll der Assistent eigenständig

Arbeitsabläufe erstellen und Automatisierungen

anbieten, sodass er sich langfristig zu einem digitalen

Agenten weiterentwickelt.

WWW.IFM.COM

www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 41


PERSPEKTIVEN

HUMANOIDE ROBOTER IN DER INTRALOGISTIK

ZWISCHEN TECHNOLOGISCHEM FORTSCHRITT

UND PRAKTISCHER EINSATZREIFE

Die humanoide Robotik entwickelt eine Dynamik, die

zunehmend auch die Intralogistik erfasst. Befeuert durch

den wachsenden Arbeitskräftemangel und begünstigt

durch die Konvergenz von Antriebstechnik, künstlicher

Intelligenz und Sensorik, erreichen erste Systeme derzeit

den Übergang von der Prototypenphase zu

Pilotanwendungen in industriellen Umgebungen. Für

Logistikverantwortliche stellt sich damit eine zentrale

Frage: Welches Potenzial bietet die Technologie tatsächlich

– und wie weit ist der Weg zur Einsatzreife?

Der Fachkräftemangel hat sich in den vergangenen Jahren zu einem

strukturellen Problem der Intralogistik entwickelt. Betreiber von Lager-

und Distributionszentren stehen vor der Herausforderung, wachsende

Auftragsvolumina mit einem schrumpfenden Arbeitskräfteangebot

zu bewältigen. Gleichzeitig stoßen etablierte Automatisierungslösungen

an Grenzen: Autonome mobile Roboter (AMR) übernehmen den Materialtransport

effizient, setzen jedoch ebene, befahrbare Flächen voraus. Cobots

kommen bei definierten Handhabungsaufgaben zum Einsatz, bleiben aber in

der Regel an einen festen Arbeitsplatz gebunden. Was beiden Technologien

fehlt, ist die Kombination aus örtlicher Flexibilität und tätigkeitsübergreifender

Einsatzfähigkeit – eine Eigenschaft, die bislang dem Menschen vorbehalten ist.

Genau in diese Lücke zielen humanoide Roboter. Dank ihres menschenähnlichen

Formfaktors – mit Rumpf, Armen, Beinen und zunehmend dexteren

Händen – agieren sie in Umgebungen, die für Menschen gestaltet wurden. Sie

überwinden Treppen und Schwellen, bedienen herkömmliche Terminals und

Handscanner und wechseln zwischen Lagerzonen, ohne dass die bestehende

Infrastruktur angepasst werden muss. Anders als spezialisierte Automatisierungslösungen

adressieren sie damit ein breites Tätigkeitsspektrum mit einem

einzigen System.

Dass diese Vision zunehmend realistisch wird, liegt an der Konvergenz mehrerer

Technologiefelder. Die Antriebstechnik liefert heute kompakte, hochdichte

Motoren und modulare Steuerungssysteme, die ursprünglich für die

kollaborative Robotik entwickelt wurden und sich nun für humanoide Systeme

adaptieren lassen. Parallel dazu haben Fortschritte in der künstlichen Intelligenz

– vor allem bei der visuellen Wahrnehmung, der Handlungsplanung und

beim Lernen durch Beobachtung – die kognitive Leistungsfähigkeit von Robotern

auf ein neues Niveau gehoben. Und nicht zuletzt stellt die Sensorik inzwischen

taktile und visuelle Feedbacksysteme bereit, die eine differenziertere Interaktion

mit der physischen Umgebung unterstützen.

Diese technologische Reife trifft auf einen Markt, der nach Lösungen sucht.

Der Übergang von Forschungsdemonstratoren zu ersten Pilotprojekten in produktionsrelevanten

Umgebungen zeichnet sich ab. Eine aktuelle Studie des

Fraunhofer IML unterstreicht diese Entwicklung: Die Forscher identifizieren

rund 80 unterschiedliche humanoide Systeme auf dem Markt – ein Beleg für

die Dynamik des Feldes, wenngleich der Markt stark fragmentiert und überwiegend

von außereuropäischen Anbietern geprägt ist [1].

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PERSPEKTIVEN

TECHNOLOGISCHE GRUNDLAGEN:

WAS HUMANOIDE ROBOTER HEUTE LEISTEN

Antriebstechnik: kompakte Kraft für bis zu 50 Achsen

Die Bewegungsfähigkeit eines humanoiden Roboters hängt maßgeblich

von seiner Antriebstechnik ab. Moderne Systeme verfügen über

30 bis 50 einzeln angesteuerte Achsen, die koordiniert in Echtzeit

zusammenarbeiten. Als technologische Basis dienen dabei vielfach

Komponenten aus der kollaborativen Robotik: hochdichte Frameless-Motoren,

kompakte Servoantriebe und modulare Steuerungssysteme.

Einen wichtigen Entwicklungsschritt markiert die Quasi-Direct-

Drive-Architektur (QDD). Anders als konventionelle Roboterantriebe

mit hohen Getriebeuntersetzungen arbeiten QDD-Antriebe mit

sehr niedrigen Übersetzungsverhältnissen. Das reduziert Trägheit

und Reibung im Antriebsstrang erheblich – mit direkten Auswirkungen

auf die Bewegungsqualität: Die Gelenke reagieren feinfühliger,

Bewegungen fallen natürlicher aus, und die inhärente Nachgiebigkeit

des Antriebs erhöht die Sicherheit bei der direkten Zusammenarbeit

mit Menschen.

Voraussetzung für diese Architektur sind Motoren mit hoher Drehmomentdichte,

die auch bei niedrigen Übersetzungen ausreichend

Kraft bereitstellen. Torque-Motoren, wie sie etwa TQ-RoboDrive für

sensitive robotische Anwendungen fertigt, liefern die notwendige

Leistung in kompaktem Bauraum und tragen dazu bei, humanoide

Gelenke leicht und dynamisch zu konstruieren.

Künstliche Intelligenz: vom Programmieren zum Lernen

Neben der Mechanik hat sich die kognitive Seite humanoider Roboter

grundlegend weiterentwickelt. Vision-Language-Action-Modelle

(VLA) verknüpfen visuelle Wahrnehmung, Sprachverständnis und

Handlungsplanung in einer integrierten KI-Architektur. Der Roboter

erfasst eine Szene, interpretiert sie im Kontext und leitet daraus eigenständig

Handlungssequenzen ab.

Für die Intralogistik, in der viele Tätigkeiten manuell und schwer

standardisierbar sind, bietet Imitation Learning einen konkreten Vorteil.

In speziellen Trainingsumgebungen – den Robot Gyms – demonstrieren

Menschen dem Roboter Tätigkeiten wie das Sortieren von Artikeln,

das Verpacken von Waren oder das Palettieren von Kartons. Der

Roboter erfasst dabei Bewegungs- und Interaktionsdaten und überträgt

die erlernten Abläufe auf neue Situationen. Konventionelle Programmierung

wird so weitgehend durch datengetriebenes Anlernen

ersetzt – ein entscheidender Faktor für die Einsatzflexibilität.

EINSATZSZENARIEN IN DER INTRALOGISTIK

Wo lassen sich humanoide Roboter in der Intralogistik konkret einsetzen?

Die naheliegendsten Anwendungen liegen dort, wo heute

manuelle Tätigkeiten dominieren und konventionelle Automatisierung

an ihre Grenzen stößt.

Kommissionierung und Einzelteilhandling zählen zu den personalintensivsten

Prozessen im Lager. Humanoide Roboter greifen einzelne

Artikel aus Regalen, entnehmen Produkte aus unterschiedlichen

Lagerzonen und transportieren sie zur Pack- oder Sortierstation.

Ihre Fähigkeit, zwischen verschiedenen Griffarten und Objektgeometrien

zu wechseln, verschafft ihnen gegenüber stationären

Pick-Robotern einen Flexibilitätsvorteil.

Beim Be- und Entladen von Förderstrecken und Transportrobotern

schließen Humanoide eine Lücke, die heute oft manuell überbrückt

wird: den physischen Übergang zwischen Fördertechnik, Regal

und mobilem Transportsystem. Ebenso kommen sie für Umlagerungsprozesse

in dynamischen Lagerbereichen und für das Einlagern

von Waren an ergonomisch ungünstigen Positionen infrage

– etwa in Bodennähe oder über Kopfhöhe.

Ein großer Vorteil zeigt sich bei Spitzenlasten. Saisonale Peaks im

E-Commerce oder erhöhtes Retourenaufkommen erfordern heute

kurzfristig zusätzliches Personal, das am Arbeitsmarkt zunehmend

www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 43


PERSPEKTIVEN

Quelle: TQ-Systems

schwer verfügbar ist. Humanoide Roboter lassen

sich ohne Umrüstung der Infrastruktur

einsetzen und flexibel zwischen Tätigkeiten

verlagern. Da sie in Umgebungen agieren,

die für Menschen ausgelegt sind, entfallen

aufwändige Anpassungen an Gebäudestruktur,

Regalsystemen oder Fördertechnik.

HERAUSFORDERUNGEN AUF DEM

WEG ZUR EINSATZREIFE

Der technologische Fortschritt darf nicht darüber hinwegtäuschen,

dass humanoide Roboter vor ihrer breiten

industriellen Nutzung noch substanzielle Hürden überwinden

müssen.

Funktionale Sicherheit steht an erster Stelle. Ein humanoider

Roboter muss die koordinierte Bewegung von 30 bis 50 Achsen in

Echtzeit sicher beherrschen – nicht nur im Normalbetrieb, sondern

auch bei Sensorausfällen, Kommunikationsverzögerungen

oder unvorhergesehenen Situationen. Die Interaktion mit Menschen

verschärft diese Anforderung: Der Roboter muss Personen

zuverlässig erkennen, Abstände korrekt einschätzen und sicherheitskritische

Entscheidungen in Millisekunden treffen. Wie Regelungstechnik

und KI in diesem Kontext verlässlich zusammenwirken,

ist noch nicht abschließend gelöst.

Mit der zunehmenden Vernetzung wächst zudem das Cybersecurity-Risiko.

Humanoide Roboter erfassen im Arbeitsumfeld

kontinuierlich Sensor- und Umgebungsdaten. Deren Schutz sowie

die Absicherung gegen Manipulation von außen erfordern Sicherheitsarchitekturen,

die mit denen in der Automobilindustrie

oder bei industriellen Steuerungssystemen vergleichbar sind.

Die Handhabung komplexer Objekte bleibt eine der größten

technischen Herausforderungen. Roboterhände mit vielen Freiheitsgraden,

taktilem Feedback und variabler Steifigkeit zu konstruieren,

ist mechanisch und regelungstechnisch anspruchsvoll.

Ohne zuverlässige dextere Manipulation bleibt das Einsatzspektrum

in der Intralogistik eingeschränkt.

Glossar – Schlüsselbegriffe der humanoiden Robotik

Begriff

Frameless-Motor

Quasi-Direct-Drive

(QDD)

VLA-Modell (Vision-

Language-Action)

Imitation Learning

Robot Gym

Locomotion

Dextere Manipulation

Erklärung

Motortyp ohne eigenes Gehäuse und Lager, der direkt in die

Gelenkstruktur eines Roboters integriert wird. Ergebnis:

kompakte und leichte Antriebslösungen.

Antriebskonzept mit sehr niedriger Getriebeuntersetzung.

Reduziert Trägheit und Reibung, was feinfühligere und

sicherere Bewegungen zur Folge hat – relevant für die

Mensch-Roboter-Interaktion.

KI-Architektur, die visuelle Wahrnehmung, Sprachverständnis

und Handlungsplanung verknüpft. Der Roboter interpretiert

Szenen und leitet daraus eigenständig Handlungen ab.

Lernverfahren, bei dem Roboter Bewegungsabläufe durch

Beobachtung menschlicher Demonstrationen erlernen, statt

konventionell programmiert zu werden.

Trainingsumgebung, in der Menschen Robotern Tätigkeiten

demonstrieren. Die dabei erfassten Bewegungs- und Interaktionsdaten

dienen als Trainingsbasis für KI-Modelle.

Die Fähigkeit eines Roboters, sich koordiniert und stabil

fortzubewegen – einschließlich Gehen, Balancieren und

Überwinden von Hindernissen.

Die Fähigkeit, Objekte mit hoher Geschicklichkeit zu handhaben

– vergleichbar mit der menschlichen Feinmotorik.

Erfordert Hände mit vielen Freiheitsgraden und taktilem

Feedback.

Torque-Motoren wie die ILM-Modelle von TQ stellen

aufgrund hoher Drehmomentdichte die notwendige

Leistung für QDD-Aktuatoren bereit

Darüber hinaus müssen humanoide Roboter in bestehende

Arbeitsprozesse integriert werden. Sie

müssen mit Menschen, Maschinen und anderen Robotern

koordiniert zusammenarbeiten, Workflows

verstehen und sich an wechselnde Anforderungen anpassen.

Dieser systemische Aspekt wird in der aktuellen

Diskussion häufig unterschätzt.

Auf der Zuliefererseite ist die Skalierbarkeit ein Engpass.

Humanoide Systeme benötigen hochspezialisierte

Komponenten, die derzeit von wenigen Herstellern in begrenzten

Stückzahlen gefertigt werden. Erst mit steigenden

Produktionsvolumina werden die Stückkosten auf ein wirtschaftlich

tragfähiges Niveau sinken.

Nicht zuletzt fehlt der regulatorische Rahmen. Für humanoide

Roboter existieren bislang keine spezifischen Normen oder Zertifizierungsverfahren.

Die ISO arbeitet derzeit mit der Arbeitsgruppe

ISO TC 299 WG12 an einem entsprechenden Regelwerk, das

technische, rechtliche und ethische Aspekte adressiert. Bis dieses

vorliegt, bewegen sich Hersteller und Betreiber in einer normativen

Grauzone. Das Fraunhofer IML empfiehlt darüber hinaus, Sicherheitsstandards

für den Mensch-Roboter-Mischbetrieb zu

entwickeln und die europäische Technologiesouveränität gezielt

zu stärken – angesichts der außereuropäischen Marktdominanz

ein industriepolitisch relevanter Aspekt [1].

AUSBLICK: WAS ENTSCHEIDER HEUTE

WISSEN SOLLTEN

Humanoide Roboter werden die Intralogistik nicht über Nacht

verändern. Der realistische Zeithorizont für erste produktive Einsätze

in kontrollierten Umgebungen liegt bei drei bis fünf Jahren.

Bis humanoide Systeme flexibel und wirtschaftlich in der Breite

arbeiten, dürfte ein Jahrzehnt vergehen –

vorausgesetzt, die beschriebenen Hürden

bei Sicherheit, Regulierung und Skalierung

werden gelöst. Diese Einschätzung deckt

sich mit den Ergebnissen der Fraunhofer-

Studie: Rund drei Viertel der dort befragten

Unternehmen erwarten einen produktiven

Einsatz humanoider Roboter innerhalb der

nächsten zehn Jahre [1].

Für Logistikverantwortliche lohnt es sich

dennoch, die Entwicklung aktiv zu verfolgen.

Wer heute seine Prozesse analysiert

und identifiziert, welche manuellen Tätigkeiten

schwer automatisierbar, personalintensiv

und ergonomisch belastend sind,

schafft die Grundlage für spätere Pilotprojekte.

Die Technologie wird kommen – die

Frage ist nicht ob, sondern unter welchen

Voraussetzungen sie wirtschaftlich tragfähig

wird.

WB

Quellenangabe:

[1] https://www.iml.fraunhofer.de/de/themenfelder/robotik-automatisierung/humanoide-robotik.

html, abgerufen am 24. April 2026

Autor: Robert Vogel, Head of Business Development

& Sales, TQ-Systems GmbH, Seefeld

Fotos: Mentee Robotics, TQ-Systems

www.tq-group.com

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MARKTPLATZ

HALTEBREMSEN SICHERN E-STAPLER

Mit der zunehmenden Elektrifizierung von Flurförderzeugen

steigen die Anforderungen an Sicherheitskomponenten im

Antriebsstrang. Kendrion hat mit den Federkraftbremsen

BFK552-12 und BFK457-14 zwei Lösungen im Programm, die

nach dem Fail-Safe-Prinzip arbeiten: federbetätigt, elektrisch

gelüftet und stromlos geschlossen.

Die BFK552-12 erreicht bei einer Bauhöhe von 43,7 mm ein

Bremsmoment von 60 Nm und eignet sich mit Schutzart

IP66 auch für den Einsatz unter rauen Umgebungsbedingungen.

Übererregung und Haltestromabsenkung reduzieren

JAHRE

Verlustleistung und Wärmeentwicklung. Als einbaufertige

Einheit minimiert die Bremse den Montageaufwand.

Höhere Leistungsanforderungen deckt die BFK457-14 ab:

Mit einem Bremsmoment von mehr als 90 Nm und der

Auslegung auf hohe Notstoppenergien ist sie auch für hohe

Fahrgeschwindigkeiten geeignet. Kompaktvarianten der

BFK457-14 erleichtern die Integration in enge Antriebsräume.

Beide Bremsen werden in Deutschland entwickelt und

produziert.

www.kendrion.com

Dass Fördern + Heben seit 75 Jahren erfolgreich

publiziert, spricht für sich. Sie setzen auf die

fachlich fundierte Einordnung von Trends und

Technologien, geben verlässlich Orientierung und

Überblick über Marktteilnehmer und realisierte

Projekte in der Praxis. Eine Verlässlichkeit und

Fachkompetenz, die uns seit Jahrzehnten

verbindet.

Das Team der Westfalia Technologies gratuliert

herzlich zum Jubiläum!

ANDREAS GARTEMANN, Geschäftsführender

Gesellschafter, Westfalia Technologies GmbH & Co. KG

IMPRESSUM

erscheint 2026 im 76. Jahrgang,

ISSN 0341-2636 / ISSN E-Paper: 2747-8130

REDAKTION

Chefredakteur: Dipl.-Ing. (FH) Winfried Bauer (WB)

Tel.: 06131/992-321, E-Mail: w.bauer@vfmz.de

(verantwortlich i.S.d. § 18 Abs. 2 MStV / i.S.d. Presserechts)

Redakteur/innen: Felix Berthold, M.A. (be),

Dipl.-Ing. (FH) Inga Ronsdorf (iro),

Daniel Schilling, M.A. (dsc),

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Redaktionelle Mitarbeit: Dipl.-Geogr. Martina Laun (ml)

Content-Managerin: Petra Weidt, Tel.: 06131/992-371,

E-Mail: p.weidt@vfmz.de

(Redaktionsadresse siehe Verlag)

GESTALTUNG

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SALES

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www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 45


SUPPLY CHAIN MANAGEMENT

DIGITALE FRACHTBRIEFE ALS DATENÜBERTRAGUNGSSYSTEM IN DER LOGISTIK

ECMR, EFTI UND ECIM IM ZUSAMMENSPIEL

Ab Oktober 2026 verlangt Spanien ein verpflichtend digitales Transportkontrolldokument

– ein Vorbote dessen, was europaweit auf Logistikunternehmen zukommt. Mit dem

elektronischen Frachtbrief eCMR, der eFTI-Verordnung für den Behördendatenaustausch

und perspektivisch dem Bahn-Frachtbrief eCIM stehen die zentralen Bausteine für einen

durchgängigen Datenfluss bereit. Wie sie zusammenspielen, zeigt dieser Beitrag.

46 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


SUPPLY CHAIN MANAGEMENT

Industrie IT Systeme

IT-Systeme der Behörden

« Datamodel

Transportbegleitpapiere

(eCIM, eCMR, ...)

«

« Datamodel

eFTI Common Data Set

«

IT-Systeme (TMS,

ERP, ...)

eCIM

eCMR

eFTI Platform

eFTI Gate

Metadaten

Behörden

01 Zusammenspiel von eCMR, eCIM und eFTI: Die eFTI-Plattform

verbindet die elektronischen Frachtdokumente der Industrie-IT-

Systeme mit dem eFTI-Gate, über das Behörden auf die für Kontrollen

erforderlichen Daten zugreifen

Der internationale Straßengüterverkehr basiert seit 1956 auf

dem CMR-Frachtbrief. Traditionell wird dieses Dokument in

drei Papierexemplaren für Absender, Frachtführer und Empfänger

erstellt. Die Konsequenzen sind seit Jahrzehnten dieselben:

hoher administrativer Aufwand, manuelle Dateneingaben,

Übertragungsfehler und fehlende Anschlussfähigkeit an digitale

Prozesse [2].

Mit dem Zusatzprotokoll zum CMR-Übereinkommen aus dem

Jahr 2008 wurde die rechtliche Grundlage für den elektronischen

Frachtbrief geschaffen. Mehrere europäische Staaten haben dieses

Protokoll inzwischen ratifiziert, wodurch der eCMR im internationalen

Straßengüterverkehr zunehmend praktische Anwendung

findet [3].

Der eCMR bildet die Funktionen des klassischen Frachtbriefs

digital ab. Beteiligte Parteien tauschen Transportdaten über

Plattformen oder mobile Anwendungen aus, signieren Dokumente

elektronisch und verfolgen Statusänderungen in Echtzeit.

DIGITALISIERUNGSINITIATIVEN

SCHEITERN AN SCHNITT STELLEN,

NICHT AN IT-SYSTEMEN

Viele Digitalisierungsinitiativen in Handel und Logistik

scheitern nicht an fehlenden IT-Systemen, sondern an

der mangelnden Durchgängigkeit des Datenaustauschs

zwischen den Beteiligten. An den Schnittstellen zwischen

Verlader, Frachtführer, Empfänger und Behörden entstehen

Medienbrüche, manuelle Übertragungen und uneinheitliche

Datenstände. Digitale Frachtdokumente ersetzen nicht nur Papier

– sie bilden Bausteine moderner Datenübertragungssysteme.

Kernstück ist der elektronische Frachtbrief eCMR, ergänzt

durch den regulatorischen Rahmen eFTI und künftig durch den

elektronischen Bahn-Frachtbrief eCIM für den verkehrsträgerübergreifenden

Datenaustausch [1], [2].

DER ECMR: VOM PAPIERBASIERTEN

FRACHTBRIEF ZUM DIGITALEN DATENSTANDARD

Der eCMR ist mehr als ein digitalisiertes Dokument: Er ist ein

strukturierter Datensatz, der direkt in IT-Systeme einfließt und

maschinell weiterverarbeitet wird [1].

Im Rahmen des Großforschungsprojekts Silicon Economy hat

das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML eine

Open-Source-Referenzimplementierung für den eCMR entwickelt.

Diese basiert auf dem Datenmodell von UN/CEFACT, das

für praktische Anwendungen erweitert wurde, und orientiert sich

an der Frachtbriefvorlage der International Road Transport Union

[4], [5].

2025 stellte die Open Logistics Foundation [6] auf der transport

logistic erstmals eine industriereife eCMR-Software basierend auf

den Arbeiten des Fraunhofer IML vor. Weiterentwickelt wurde sie

von 27 Mitgliedsunternehmen, vor allem von Rhenus Logistics

und dem Fraunhofer IML. Die Software basiert auf einem offenen

Datenmodell und tauscht eCMR-Dokumente über föderierte

Plattformen aus – ohne zentrale Vermittlerinstanz.

EFTI: REGULATORISCHER RAHMEN FÜR DEN

DIGITALEN DATENAUSTAUSCH MIT BEHÖRDEN

Während der eCMR den Datenaustausch zwischen Unternehmen

standardisiert, regelt die eFTI-Verordnung (EU) 2020/1056 die

Kommunikation mit Behörden. Heute werden Transportinformationen

bei Kontrollen häufig noch in Papierform vorgelegt.

eFTI etabliert einen europäischen Rechtsrahmen, der Behörden

verpflichtet, elektronisch bereitgestellte Transportinformationen

zu akzeptieren [7].

www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 47


SUPPLY CHAIN MANAGEMENT

02 Die vom Fraunhofer IML entwickelte Open-Source-Referenzimplementierung des eCMR-Service – links der

Vorlagen-Editor, rechts die Erfassungsmaske für einen neuen elektronischen Frachtbrief. Die Eingabefelder folgen

dem UN/CEFACT-Datenmodell und der Frachtbriefvorlage der International Road Transport Union

DER ECMR IST KEIN DIGITALI-

SIERTES DOKUMENT, SONDERN

STRUKTURIERTER DATENSATZ

Die eFTI-Architektur basiert auf zwei zentralen Komponenten:

eFTI-Plattformen, auf denen Unternehmen ihre Transportinformationen

bereitstellen, und eFTI-Gates, über die Behörden kontrolliert

auf diese Daten zugreifen. Die Daten verbleiben grundsätzlich

beim Unternehmen und werden nur bei Bedarf freigegeben.

Auch hier hat das Fraunhofer IML im Rahmen der Silicon Economy

eine erste Open-Source-eFTI-Plattform entwickelt. Diese

überführt eCMR-Daten in das eFTI-Datenmodell und stellt ausschließlich

die für behördliche Kontrollen relevanten Informationen

bereit – etwa Start- und Zielort eines Transports oder die Art

der Fracht [5], [7].

Parallel zu europäischen Initiativen entstehen nationale Programme

zur Digitalisierung von Transportdokumenten. So führt

Spanien ab Oktober 2026 ein verpflichtendes digitales Transportkontrolldokument

ein, das ausschließlich elektronisch bereitgestellt

werden darf. Solche Entwicklungen erhöhen den Druck zur

Digitalisierung der zugrunde liegenden Transportdaten und fördern

die Einführung strukturierter Datensätze wie des eCMR.

ECIM: PERSPEKTIVE FÜR DEN MULTIMODALEN

DATENAUSTAUSCH

Die Digitalisierung von Frachtdokumenten beschränkt sich nicht

auf den Straßengüterverkehr. Im Schienengüterverkehr übernimmt

der elektronische Frachtbrief eCIM eine vergleichbare

Rolle. Rechtliche Grundlage ist Artikel 6 § 9 der Einheitlichen

Rechtsvorschriften CIM, der die funktionale Gleichwertigkeit

zwischen Papier- und elektronischer Form vorsieht [8].

Die Spezifikationen wurden durch das Comité international des

transports ferroviaires in Zusammenarbeit mit der International

Union of Railways und RailData entwickelt. Der Ansatz sieht eine

schrittweise Einführung vor – von elektronisch vorauseilenden Sendungsinformationen

bis hin zum vollständig digitalen Frachtbrief.

In multimodalen Transportketten werden heute häufig mehrere

Frachtdokumente parallel verwendet – etwa CMR im Straßenvorlauf

und CIM im Hauptlauf der Schiene. Digitale Varianten

wie eCMR und künftig der eCIM bilden diese Dokumente erstmals

in integrierten Datenmodellen ab.

Da die eFTI-Verordnung alle Verkehrsträger einschließt, lassen

sich Straße und Schiene künftig über dieselbe Infrastruktur anbinden.

Unternehmen mit multimodalen Lieferketten verwalten

Transportinformationen damit verkehrsträgerübergreifend in einer

konsistenten Datenstruktur und erfüllen behördliche Anforderungen

einheitlich [7].

INTEROPERABILITÄT ALS SCHLÜSSEL

Für Verantwortliche aus Handel, Logistik und IT zahlen sich digitale

Frachtdokumente erst durch den durchgängigen Datenfluss

aus – nicht durch das einzelne Dokument. Der eCMR dient als digitaler

Nachweis und Datenträger im Straßentransport, eFTI bildet

den regulatorischen Datenraum für den Austausch mit Behörden,

und eCIM erweitert diesen Ansatz im nächsten Schritt

auf den Schienengüterverkehr.

Unternehmen, die heute in offene und standardisierte Schnittstellen

investieren – etwa auf Basis frei verfügbarer eCMR-Software

– legen die Grundlage für automatisierte Prozesse wie digitale

Audit-Trails, automatisierte Freigaben oder die Integration in

Transport- und Hofmanagementsysteme.

Die Digitalisierung des Güterverkehrs wird nur dann skalieren,

wenn Datenübertragungssysteme verkehrsträgerübergreifend

gedacht werden. Mit eCMR und eFTI stehen die zentralen Bausteine

zur Verfügung und werden in der weiteren Entwicklung

durch den eCIM ergänzt.

Literaturhinweise und Quellenangaben:

[1] United Nations Economic Commission for Europe – Executive Guide on

e-CMR. https://unece.org/trade/documents/2023/10/executive-guide-e-cmr,

abgerufen am 21. April 2026

[2] Convention on the Contract for the International Carriage of Goods by

Road (CMR Convention). https://unece.org/DAM/trans/conventn/cmr_e.pdf,

abgerufen am 5. Mai 2026

[3] Additional Protocol to the CMR Convention concerning the Electronic

Consignment Note (2008). https://unece.org/DAM/trans/conventn/e-CMRe.

pdf, abgerufen am 5. Mai 2026

[4] Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML – eCMR Research

and Implementation. https://www.iml.fraunhofer.de

[5] Silicon Economy – Open Logistics Software & eCMR Implementation.

https://www.silicon-economy.com, abgerufen am 21. April 2026

[6] Open Logistics Foundation – Open Source eCMR Software.

https://openlogisticsfoundation.org, abgerufen am 21. April 2026

[7] eFTI Regulation (EU) 2020/1056 – Electronic Freight Transport Information

Regulation. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/

TXT/?uri=CELEX:32020R1056, abgerufen am 21. April 2026

[8] Comité international des transports ferroviaires – Electronic Consignment

Note CIM (eCIM). https://cit-rail.org, abgerufen am 21. April 2026

Autoren: Jens Leveling, stv. Abteilungsleiter Software & Information Engineering

und Maximilian Schellert M. Sc., Senior Scientist Automatisiertes Fahren

und Innovative Transporttechnologien, Abt. Verkehrslogistik, Fraunhofer-Institut

für Materialfluss und Logistik IML, Dortmund

Grafik/Fotos: Fraunhofer IML, Georgios Katsimitsoulias

www.iml.fraunhofer.de

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MARKTPLATZ

JAHRE

Als Systemintegrator für automatisierte

Logistiksysteme erleben wir von Unitechnik

täglich, wie wichtig fundierter Austausch

und verlässliche Informationen für den

Fortschritt unserer Branche sind. Wir danken

der f+h für die langjährige, vertrauensvolle

Partnerschaft und wünschen ihr weiterhin viel

Erfolg, Innovationskraft und viele Impulse für

eine starke Zukunft der Intralogistik.

VERDRAHTUNGSAUFWAND REDUZIEREN

Ein integriertes DC-Schienensystem kennzeichnet den neuen

Servo-Umrichter i950 DC-Link von Lenze. Das Konzept

reduziert den Verdrahtungsaufwand in Mehrachs-Anwendungen,

verkürzt Installationszeiten und verringert Fehlerquellen.

Mit einem Leistungsbereich

bis 30 kW

und erhöhter

Überlastfähigkeit

eignet sich der

Umrichter für

Regalbediengeräte

und automatisierte

Verpackungslinien.

Unterstützt werden

synchrone und

asynchrone Motoren sowie Linear- und Torquemotoren.

Hybrid-Motorsteckverbinder beschleunigen die Installation.

Über auswählbare Feldbusmodule lässt sich der Umrichter in

verschiedene Steuerungsarchitekturen einbinden. Integrierte

Sicherheitsfunktionen wie Safety-over-EtherCAT und Profisafe

ergänzen den Funktionsumfang.

Die kompakte Bauform bietet eine hohe Leistungsdichte bei

minimalem Platzbedarf im Schaltschrank. Innerhalb eines

DC-Verbunds lässt sich Bremsenergie über Rückspeiser zurückgewinnen,

was die Energieeffizienz der Anlage verbessert.

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WOLFGANG CIEPLIK, Inhaber,

Unitechnik Systems GmbH

KETTENFÖRDERER PUFFERT ENDVERPACKUNG

Im italienischen Werk Ferentino setzt der Eiscremehersteller

Froneri auf das Kettenfördersystem VarioFlow plus von Bosch

Rexroth, um bereits verpackte und gefrorene Eiscreme zur

Endverpackung zu transportieren. Die modulare Lösung

befördert die Produkte von den Metalldetektoren und Waagen

zur Schrumpfverpackungsmaschine und anschließend in den

Palettierbereich. Boden- und

deckenmontierte Förderer

schaffen die Voraussetzungen

für einen Betrieb 2,4 m über

dem Hallenboden, sodass

Personen und Flurförderzeuge

die Fläche darunter nutzen

können.

Höhenunterschiede überwinden

zweispurige Spiralförderer

auf Basis von VarioFlow-plus-

Komponenten. Diese Bauweise

verdoppelt die Transportkapazität

gegenüber einspurigen

Varianten und reduziert den

Flächenbedarf. Bei Maschinenstillständen

lässt sich rund ein

Drittel der im Zulauf befindlichen Produkte auf den Spiralförderern

puffern, wodurch Unterbrechungen von ein bis drei

Minuten überbrückt werden. Die Förderkette läuft dabei

verschleißarm unter den gestauten Produkten hindurch, ohne

Aufdrucke zu beschädigen. Die Fördergeschwindigkeit lässt

sich an unterschiedliche Formate anpassen.

www.boschrexroth.com

Wir schaffen logistische Verbindungen.

Individuelle Planung und Konstruktion

direkt vom Hersteller – Made in Germany

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Typ BK - Mittelachsrampe

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MARKTPLATZ

RADIALREIFEN SENKT WÄRMEENTWICKLUNG

Für den Einsatz an AGVs, Reachstackern,

Top Loadern, schweren Gabelstaplern

und Empty Container

Handlern hat Continental einen

neuen Radialreifen konzipiert, der

hohe Laufleistungen mit Energieeffizienz

verbindet. Mit dem DockMaster

Radial erweitert das Unternehmen

sein Portfolio um einen Reifen für

anspruchsvolle Hafenanwendungen.

Ein großes Laufflächenvolumen und

eine große Aufstandsfläche tragen zu

einer langen Lebensdauer bei. Die Radialkonstruktion reduziert

die Wärmeentwicklung – in erster Linie bei längeren Einsatzstrecken.

Gegenüber V-ply-Reifen weist das Modell zudem

einen geringeren Rollwiderstand auf und unterstützt so die

Energieeffizienz im Betrieb.

Eine spezielle Gummimischung erhöht die Beständigkeit gegen

Abrieb, Schnitte und Rissbildung. Ergänzend erfasst ein

integrierter Sensor Reifentemperatur und Luftdruck und liefert

damit die Grundlage für eine zustandsbasierte Wartung.

www.continental.com

EIN MOTOR – ZWEI SYNCHRONE

BEWEGUNGEN

Zwei synchrone

Bewegungen lassen

sich mit nur einem

Antrieb realisieren: Das

neue Antriebssystem

DualGear von Faulhaber

kombiniert einen

bürstenlosen 32-mm-

Motor der BX4-Familie mit zwei beidseitig montierten

Planetengetrieben der GPT-Reihe. Die Einheit wurde gezielt

für Förderbänder sowie kompakte Radantriebe autonomer

Logistiksysteme konzipiert. In platzkritischen Umgebungen

der Intralogistik reduziert die Lösung den Integrationsaufwand

und optimiert Bauraum sowie Systemkosten.

Der BX4-Basismotor ist in zwei Längen erhältlich (42 und

68 mm), sodass sich das System flexibel an unterschiedliche

Leistungs- und Bauraumanforderungen anpassen lässt.

Hallsensoren mit Sinus-Cosinus-Ausgangssignalen erfassen

die Rotorlage präzise; in Kombination mit einem externen

Motion Controller führt der Motor exakte Positionierbewegungen

aus. Die GPT-Planetengetriebe sind mit bis zu drei

Stufen verfügbar. Durchgängig geschweißte Verbindungen

ohne Klebstoffe sorgen für eine langlebige Konstruktion der

Getriebe.

www.faulhaber.com

STAHLPALETTEN MIT ANFAHRSCHUTZ

Eine optimierte Bodengruppe soll Verformungen an Stahlpaletten

reduzieren, die beim Handling mit Flurförderzeigen

durch hartes Anfahren im Eckbereich entstehen. Das Unternehmen

Schütz hat dazu die Eckfüße und die aufliegende

Bodenwanne mit Einrastnocken versehen. Das Ergebnis ist

eine formschlüssig verstärkte Paletteneinheit mit verdrehsicheren

Eckfüßen, die

Lebensdauer und

Gesamtstabilität

erhöht und im Sinne

der Kreislaufwirtschaft

die Zahl der Umläufe

steigert.

Die neue Bodengruppe

präsentierte der

Verpackungshersteller

auf der interpack 2026 am Beispiel der 3-Kufen-Stahlpalette.

Eine zusätzliche Mittelkufe sorgt gegenüber klassischen

Stahlrahmenpaletten für eine gleichmäßige Kraftverteilung,

eine geringere Durchbiegung und eine vergrößerte Auflagefläche.

Abgesenkte Kufenkanten erleichtern die seitliche Einfahrt

mit Flurförderzeugen. Das komplette Stahlpalettenportfolio

wird sukzessive auf das neue Design mit erhöhtem Anfahrschutz

umgestellt.

www.schuetz.net

HUBPLATTFORM SCHAFFT ERGONOMIE AN

ARBEITSPLÄTZEN

Die elektrisch höhenverstellbare

Plattform von

Treston ist nach der

Maschinenrichtlinie

2006/42/EG zertifiziert; bei

einem Hub von weniger als

500 mm ist sie zudem

CE-konform. Ausgelegt ist

die Plattform auf eine

Maximallast von 400 kg

und lässt sich in Breite,

Tiefe und Hubhöhe

individuell konfigurieren. Optional sind Ablagen, Scannerhalterungen

oder Geländer verfügbar. Das Einsatzspektrum

reicht vom Wareneingang über Umpackstationen bis zur

Montage, auch in Kühlzonen.

Als Teil des hauseigenen Arbeitsplatz-Ökosystems ist die

Plattform mit Arbeitstischen, Beleuchtung, ESD-Schutz,

Transportwagen sowie Sitz- und Stehlösungen kombinierbar.

Die unabhängige Zertifizierung erleichtert die Integration in

bestehende Anlagen und verkürzt die Inbetriebnahme.

www.treston.com

SPRITZGUSS-PLATTFORMEN VERBESSERN LAUFRUHE

Überarbeitete Spritzguss-Elemente erhöhen die Flexibilität bei kontinuierlichen Vertikalförderern

und reduzieren Ruckbewegungen beim Be- und Entladen. Die Tramak GmbH hat ihren

S-Förderer weiterentwickelt, um in erster Linie kleine und leichte Fördergüter betriebssicherer

vertikal zu transportieren. Die neuen Plattformen bieten gegenüber den bisherigen Ausführungen

eine erhöhte Flexibilität beim Übergang zu anschließenden Gurt- oder Rollenförderern. Als

Träger der Plattformen kommt weiterhin die Gummi-Blockkette zum Einsatz, die die Voraussetzungen

für einen geräuscharmen und schmierungsfreien Betrieb schafft.

www.tramak.de

50 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de


VORSCHAU

IM NÄCHSTEN HEFT: 05/2026

ERSCHEINUNGSTERMIN: 01. 07. 2026

ANZEIGENSCHLUSS: 16. 06. 2026

01

Werden Sie Teil der B2B-Plattform

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Bringen Sie Ihr Wissen ein,

setzen Sie Trends und knüpfen

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02

03

01 Blick in das automatische Teleskopgabellager, das Westfalia für den

Nahrungs- und Genussmittelgroßhändler Kreyenhop & Kluge realisiert hat

– ausgelegt auf präzise Übergaben und hohe Zugriffsfrequenzen

Bild: Westfalia Technologies, Anne Wirtz

02 Sensible Lebensmittel wie Cashewkerne stellen hohe Anforderungen an

Hygiene und Reinigbarkeit. Homogene Transportbänder vom Typ Siegling Fullsan

setzen hier mit geschlossener Oberfläche einen neuen Hygienestandard

Bild: Forbo Siegling

03 Grünes Licht für reibungslose Abläufe: Visuelle Signalisierung am Palettenmagazin

macht Statusinformationen auf einen Blick erfassbar und sorgt für

schnelle Orientierung im Arbeitsumfeld

Bild: item

(Änderungen aus aktuellem Anlass vorbehalten)

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