f+h fördern und heben 4/2026
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2884
04
Mai 2026
€ 20,00
1951–2026
TITEL
MCP Play verdoppelt
22 Ringanas Versandleistung
MES und AMR verschmelzen
28 zur autonomen Fertigung
Humanoide Roboter:
42 Vom Hype zur Einsatzreife
foerdern-und-heben.de
Präzision und Performance.
Demag Kettenzug DCS-II
QUALITÄT. PERFORMANCE. DC-II: DIE 2. GENERATION.
Der Demag Kettenzug DC-II führt die erfolgreiche DC-Generation
konsequent fort und setzt erneut Maßstäbe in Qualität und Wirt-
schaftlichkeit. Die stufenlosen DCS-Com II und DC-Pro II ermöglichen
hochpräzises und sicheres Heben und Positionieren - inklusive
schneller Hubbewegungen dank nahezu doppelter Nenngeschwindigkeit
im Teillastbereich.
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AUTOMATISIEREN HEISST
INTEGRIEREN
INTEGRATION ENTSCHEIDET
ÜBER TEMPO, TRANSPARENZ
UND EFFIZIENZ VOR ORT
EDITORIAL
In der Intralogistik spricht man gern über Robotik, KI, autonome
mobile Systeme und smarte Software. Doch der eigentliche Engpass
liegt oft nicht in der fehlenden Technik, sondern im fehlenden
Zusammenspiel. Wer heute isolierte Einzelsysteme beschafft, ohne
sie zu integrieren, automatisiert im Zweifel vor allem die
Komplexität.
2026 entscheidet nicht die spektakulärste Lösung über die
Leistungsfähigkeit eines Standorts, sondern die Qualität der
Integration. Erst wenn WMS, ERP, Materialflusssteuerung, Fördertechnik,
Robotik und Sensorik
nahtlos miteinander kommunizieren,
wird aus Automatisierung
ein belastbarer Prozess.
Fehlt diese Klammer, entstehen Datenlücken, Medienbrüche und
manuelle Eingriffe – also genau die Reibungsverluste, die moderne
Technik eigentlich beseitigen soll.
Integration ist keine IT-Randfrage, sondern die strategische Kernaufgabe
der Intralogistik. Sie entscheidet über Tempo, Transparenz,
Skalierbarkeit und Resilienz – und damit über die Effizienz vor Ort.
Ein Lager wird nicht dadurch zukunftsfähig, dass dort mehr Technik
steht. Zukunftsfähig wird ein Lager, wenn Daten in Echtzeit fließen,
Systeme interoperabel arbeiten und Entscheidungen auf einer
verlässlichen Informationsbasis fallen.
Die nächste Ausbaustufe heißt daher nicht einfach mehr Automatisierung,
sondern bessere Orchestrierung. Wer Robotik, Software
und Daten konsequent zusammenführt, gewinnt Produktivität,
Robustheit und
Handlungsspielraum. Wer
das nicht tut, baut digitale
Inseln. Der Satz ist nicht
neu – aber 2026 gilt er
mehr denn je.
Herzlichen
Glückwunsch,
fördern und heben
75 JAHRE STARKE IMPULSE –
und seit jeher ein
geschätzter Begleiter in
unserer über 200-jährigen
Unternehmensgeschichte.
1953
1978
Winfried Bauer
– Chefredakteur –
w.bauer@vfmz.de
2011
INHALT
EDITORIAL
03 Automatisieren heißt integrieren
32
LOGIMAT-NACHLESE
06 Fachmesse mit Bestmarken bei Ausstellern,
Fläche und Besuchern
Logimat 2026 setzt neue Maßstäbe
08 F+H NACHGEFRAGT bei Rémy El Abd
„Software ist das Herz und Gehirn jedes
modernen Lagers“
10 Strategiewechsel bei SSI Schäfer
Nicht die Technologie entscheidet – sondern ihre
Integration
12 Software- und KI-Offensive für das Fulfillment
AutoStore will den Cube intelligenter machen
75 JAHRE F+H SERIE
14 Business-Lunch in Stuttgart mit Wegbegleitern
aus der Branche
Rückblick mit Haltung, Ausblick mit Substanz
16 Krane und Hebezeuge
JAHRE
Blick zurück und nach vorn
IMPULSE
20 Energieführungssysteme
Additive Fertigung beschleunigt
Energiekettenentwicklung
36 Intelligente Datenerfassung im Lager
Softwarebasiertes Scannen und visuelle Führung
beschleunigen Prozesse
PRODUKTE UND SYSTEME
22 TITELSTORY Interroll-Steuerungsplattform MCP Play
im Praxiseinsatz
Wie Ringana seine Versandleistung mehr als
verdoppelte
28 MES und AMR im Zusammenspiel
Vom Fertigungsauftrag zum Fahrbefehl
32 Software-Modernisierung statt Neuanlage
Materialfluss automatisiert – für ein Fünftel der
Ersatzinvestition
34 Machine Vision ersetzt manuelle Palettenkontrolle
bei Goldschmaus
Automatisierte Qualitätsprüfung sichert Artikelund
Chargenreinheit
40 Digitale Highlights
PERSPEKTIVEN
02
26
4 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
26 F+H VOR ORT Still-Weltpremiere im Vorfeld der
Logimat 2026
Der blinde Fleck an der Laderampe ist Geschichte
42 Humanoide Roboter in der Intralogistik
Zwischen technologischem Fortschritt und
praktischer Einsatzreife
SUPPLY CHAIN MANAGEMENT
ANZEIGE
46 Digitale Frachtbriefe als Datenübertragungssystem
in der Logistik
eCMR, eFTI und eCIM im Zusammenspiel
TITELBILD
Interroll
42
SERVICE
45 Impressum
51 Vorschau auf Heft f+h 05/2026
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LOGIMAT-NACHLESE
FACHMESSE MIT BESTMARKEN BEI AUSSTELLERN, FLÄCHE UND BESUCHERN
LOGIMAT 2026 SETZT NEUE MASSSTÄBE
Mit Rekorden bei Aussteller- und Besucher zahlen,
Ausstellungsfläche und Inter natio nalisierungsgrad
ist die Logimat 2026 zu Ende gegangen. Drei Tage
lang zeigten 1.671 Aussteller aus 46 Ländern ihre
Neu heiten für die Intralogistik – darunter mehr als
120 Welt- und Europapremieren. Die Fachbesucher
kamen mit klaren Investitionsabsichten.
Die Logimat 2026, Internationale Fachmesse für Intralogistik-Lösungen
und Prozessmanagement, hat nach drei
Messetagen in Stuttgart neue Bestmarken in allen relevanten
Kennzahlen erzielt. 1.671 Aussteller aus 46 Ländern
– darunter 296 Erstaussteller – präsentierten auf einer Nettoausstellungsfläche
von rund 69.000 Quadratmetern ihre Neuentwicklungen.
Mit 69.856 Fachbesuchern übertraf die Veranstaltung
die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2024 um rund 2.400.
Der Auslandsanteil unter den Ausstellern stieg auf 37 Prozent,
wobei jedes fünfte internationale Unternehmen seinen Sitz in
Übersee oder Asien hat. Von den Besuchern reisten 26,7 Prozent
aus dem Ausland an – ein Plus von 3,6 Prozentpunkten gegenüber
dem Vorjahr. Das Gros der Fachbesucher (42 Prozent) reiste
mehr als 300 km an.
Am stärksten unter den Ausstellern vertreten waren die Segmente
Förder- und Lagertechnik (38,2 Prozent), Software für
Simulation, Lagersysteme und Bestandsmanagement (37,1 Prozent)
sowie Flurförderzeuge und Zubehör (34,8 Prozent; Mehrfachnennungen
möglich). 30,2 Prozent der Aussteller zeigten
Exponate aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnik,
28,2 Prozent präsentierten fahrerlose Transportfahrzeuge
und autonome mobile Roboter.
ENTSCHEIDER MIT KONKRETEN
INVESTITIONSVORHABEN
Den Auswertungen des Marktforschungsinstituts Wissler & Partner
zufolge waren 56 Prozent der Fachbesucher als Entscheider
vor Ort. 35,9 Prozent kamen mit konkreten Investitionsvorhaben
nach Stuttgart, 25,3 Prozent gaben an, auf der Messe Aufträge er-
teilt zu haben oder dies unmittelbar danach zu tun. Entsprechend
zahlreich fielen die Vertragsabschlüsse aus: Der norwegische
Sensorhersteller Sonair, Preisträger des „Logimat Best Product“,
vereinbarte den Ersteinsatz seines Adar-Sensors in einem
autonomen Roboter. Wiferion liefert induktive Ladetechnik an
Seer Robotics aus China, und der niederländische Systemintegrator
Syncore einigte sich mit dem Stuttgarter KI-Robotik-Unternehmen
Sereact auf den Rollout von 100 KI-gesteuerten Robotersystemen.
HUMANOIDE ROBOTIK UND NEUE FORMATE
Als richtungsweisend erwies sich die frühzeitige Integration des
Themas humanoide Robotik. Mehrere Aussteller zeigten erste
Entwicklungen in intralogistischer Umgebung, das Fraunhofer
IML stellte eine aktuelle Studie dazu vor. Das Rahmenprogramm
wurde unter anderem um eine zweite Logimat-Arena im ICS erweitert.
Mit den Formaten Young Innovators, einem Start-up-
Wettbewerb sowie dem Logimat-Karrieretag setzte die Veranstaltung
Impulse gegen den Fachkräftemangel. Begleitend erschien
die Studie „Arbeitswelt (Intra)Logistik“ der Initiative „Die Wirtschaftsmacher“.
Messeleiter Michael Ruchty von Euroexpo resümierte:
„Im Markt hat sich das Bewusstsein durchgesetzt, dass in
Krisenzeiten antizyklisch investiert werden sollte. Das interessierte
und investitionsbereite Fachpublikum hat zu einem außerordentlich
positiven Gesamtergebnis geführt.“
Fotos: Euroexpo, Nicolas Maack
www.logimat-messe.de
6 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
LOGIMAT-NACHLESE
UMLAUFFÖRDERER ÜBERBRÜCKT BIS ZU 80 METER HÖHE
Kontinuierlicher Behälterfluss, Automatisierung und hohe Förderleistung kennzeichnen den Umlaufförderer von Gilgen Logistics.
Das System überbrückt vertikale Distanzen von bis zu 80 m und benötigt dabei wenig Stellfläche. Die Übergabe oder -nahme der
Transportbehälter läuft automatisch ab. Über standardisierte Schnittstellen lässt sich die Anlage an unterschiedliche Lösungen zur
horizontalen Förderung anbinden.
Integrierte Sensorik und Schachttüren sorgen für einen sicheren und
geräuscharmen Betrieb. Einsatzbereiche sind Kliniken, Pharmabetriebe
sowie FMCG-Umgebungen, in denen Behälter diskret zwischen Ebenen
bewegt werden müssen.
Ergänzend bietet der Hersteller mit dem Fördersystem mecom eine
Komplettlösung für die horizontale Förderung von Behältern, Paketen,
Gebinden und Kleingütern an. In Kombination mit Kleingüteraufzügen
und Umlaufförderern entsteht eine durchgängige Verbindung aus vertikaler
und horizontaler Fördertechnik, die sich für leistungsfähige Knotenpunkte
in der Intralogistik eignet.
www.gilgen.com
LENKRAD VERBESSERT
ERGONOMIE
Das E-Steer-Lenkrad ist ein
neues Bedienelement für die
Niederhub-Kommissionierer der
Optio-L-Serie von Toyota
Material Handling. Mit dem
System, das sich an der Bedienlogik
eines Pkw orientiert,
lassen sich Beschleunigung,
Bremsen, Lenkung sowie
Gabelsteuerung einhändig
ausführen.
Eine ergonomisch geformte
Kontur und ein interaktives
Farb-Touchdisplay bilden die
Tight project
timelines?
Ready-to-use
systems...
zentralen Neuerungen. Über das
Display erhalten Bediener
Zugriff auf den Pre-Operation-
Check, den PIN-Code-Zugang
sowie auf individuelle Fahrereinstellungen.
Optional steht
eine integrierte Lenkradheizung
zur Verfügung. Bei der Optio-L-
Serie haben Anwender die Wahl
zwischen dem neuen E-Steer-
Lenkrad und der bisherigen
E-Man-Deichsel.
Ziel der Entwicklung ist eine
geringere körperliche Belastung
bei wiederkehrenden Kommissionieraufgaben
– bei gleichbleibender
Produktivität. Die
Optio-Modelle mit E-Steer sind
ab sofort verfügbar.
www.toyota-forklifts.de
Mehr unter:
www.lenze.com
LOGIMAT-NACHLESE
MENSCHEN UND MÄRKTE
„SOFTWARE IST DAS HERZ UND
GEHIRN JEDES MODERNEN LAGERS“
Rémy El Abd hat Anfang 2026 die Verantwortung als Vice President Germany & Middle
East bei Element Logic, Bad Friedrichshall, übernommen. Auf der Logimat 2026 sprach
f+h mit ihm über Markteindrücke, die strategische Neuausrichtung, die Expansion in
den Nahen Osten und die Rolle von Software im Systemintegrationsgeschäft.
Herr El Abd, welches Fazit ziehen Sie nach den ersten
Messetagen der Logimat?
Rémy El Abd: Die Energie hier ist beeindruckend – man spürt,
dass die Branche nach vorne will. Unser Stand war jeweils kurz
nach neun Uhr voll. Es kommen Bestands- und Neukunden mit
konkreten Projekten, Planungsbüros, Zulieferer und Unternehmen,
die ihre Automatisierungsreise gerade erst beginnen. Das
Spektrum der Anfragen reicht von der Erstautomatisierung bis
zum Brownfield-Upgrade. Ein zentrales Thema in nahezu allen
Gesprächen ist Effizienz: Die Wachstumsraten im deutschen
Markt sind nicht mehr so hoch wie in früheren Jahren, deshalb
wird branchenübergreifend automatisiert.
Welche Rolle spielt neben der Effizienz das Thema Resilienz in
den Kundengesprächen?
Rémy El Abd: Eine zunehmend wichtige. Bei herkömmlichen
Automatisierungskonzepten erforderten Nachfragesprünge
häufig umfangreiche Bauprojekte – ganze Gassen anbauen,
komplexe Eingriffe in die laufende Logistik. Die Lösungen, die
wir im Kern anbieten, etwa auf Basis des Lager- und Bereitstellungssystems
AutoStore, sind so flexibel, dass Erweiterungen
innerhalb weniger Wochen möglich sind: Behälter hinzunehmen,
Roboter oder Arbeitsplätze ergänzen. Das macht unsere
Kunden deutlich reaktionsfähiger und schafft Handlungssicherheit
in einem volatilen Umfeld.
Element Logic positioniert sich als End-to-End-Lösungsanbieter.
Wie weit reicht das Leistungsspektrum konkret?
Rémy El Abd: Wir liefern als Generalunternehmer alles aus
einer Hand: Fördertechnik, Sortiertechnik, Verpackungstechnik,
Regalsysteme, fahrerlose Transportsysteme sowie autonome
mobile Roboter und Software. Genauso wichtig: Wir decken die
gesamte Wertschöpfungskette vom Consulting über Design,
Engineering und Realisierung bis hin zu Service und kontinuierlicher
Weiterentwicklung ab. AutoStore ist ein zentraler Baustein,
aber vor und nach diesem System gibt es zahlreiche weitere
Gewerke, die wir über globale Technologiepartnerschaften
mit standardisierten Lösungen abbilden. Ein weiterer wichtiger
Hebel ist unser Modell Automation-as-a-Service. Mit diesem
Modell lässt sich die Einstiegshürde erheblich senken, weil Automatisierung
nicht als Investition, sondern als laufende Ausgabe
geführt wird. Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen
öffnet das eine Tür, die bisher verschlossen war.
8 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
MENSCHEN UND MÄRKTE LOGIMAT-NACHLESE
Sie haben Ihre Position als Vice President Anfang des Jahres
übernommen. Welche Prioritäten haben Sie gesetzt?
Rémy El Abd: Zunächst habe ich vor allem zugehört – mit Mitarbeitern
gesprochen, Kunden besucht, Ideen und Herausforderungen
aufgenommen. Daraus haben sich die Prioritäten rasch
klar ergeben. Mein Vorgänger Manfred Schleicher hat Element
Logic in Deutschland von einem AutoStore-Vertriebspartner zu
einem Systemintegrator weiterentwickelt – mit Referenzen wie
dem größten AutoStore-System Deutschlands bei Thalia oder
Projekten mit Hunderttausenden Behältern bei Fiege und Breuninger.
Auf diesem Fundament vollziehen wir jetzt den nächsten
Schritt zum End-to-End-Solution-Provider. Dabei hilft uns die
Erfahrung aus mehreren Akquisitionen, darunter SDI und ABCO
in den USA, BS Handling in UK, S&P in Deutschland und Safer
Storage Systems in Australien. Eine zentrale Erkenntnis daraus:
Kulturarbeit ist wichtiger als jeder Integrationsplan auf dem
Papier – Menschen machen den Unterschied. Ich bringe bald 20
Jahre Erfahrung in der Intralogistik und im Software-Umfeld
mit. Entscheidend ist für mich, dass das Team hungrig bleibt
und wir Wachstum mit Pragmatismus, Professionalität und Zuverlässigkeit
verbinden.
01 Bei Teveo verzahnt Element Logic AutoStore, Wareneingang und
Fördertechnik zu einer durchgängigen Intralogistiklösung
Sie verantworten auch die Region Middle East. Warum wird
diese aus Deutschland heraus geführt?
ICH DENKE VOM
PROZESS HER, NICHT
VON DER MASCHINE –
DAS IST ZENTRAL
RÉMY EL ABD, Vice President Germany
& Middle East bei Element Logic
Rémy El Abd: Wir verfügen in Bad Friedrichshall über ein Kompetenzzentrum
mit allen Funktionen – von Sales über Design
und Engineering bis zum Projektmanagement. Die Entscheider
in der Region Middle East schätzen die Zusammenarbeit mit
deutschen Teams wegen deren Ruf in puncto Qualität und Ausführung.
Gleichzeitig machen wir uns keine Illusionen: Ohne
lokale Präsenz funktioniert es nicht. Geschäftsbeziehungen basieren
dort wesentlich stärker auf persönlichem Vertrauen, dazu
kommen regulatorische Anforderungen und lokale Standards.
Den Aufbau mit eigenen Ressourcen und durch Partnerschaften
treiben wir deshalb in diesem Jahr konsequent voran – mit lokalen
Partnern und dem Ziel, eine eigene Präsenz in der Region
aufzubauen. Wir haben bereits erste Projekte in Israel und Saudi-Arabien
realisiert und werden jetzt in den Vereinigten Arabischen
Emiraten weiter aufbauen. Die Pipeline wächst, wir bearbeiten
konkrete Anfragen und erwarten Auftragseingänge noch
in diesem Jahr.
Wie abhängig ist Ihr Geschäftsmodell von AutoStore?
Rémy El Abd: AutoStore ist ein zentraler Baustein unseres Portfolios
– wir sind der weltweit erste und größte Partner. Aber unser
Geschäftsmodell geht deutlich darüber hinaus. Unsere Software
steuert nicht nur AutoStore, sondern die komplette Intralogistik:
Fördertechnik sowie Sorter und Robotik. Wir beraten
innerhalb unseres Portfolios ergebnisoffen und kommunizieren
klar, wo AutoStore die richtige Lösung ist – und empfehlen bei
Bedarf alternative Technologien aus unserem Partnernetzwerk.
02 An einem Produktionsstandort verbindet eine AutoStore-Anlage
intelligente Materialflüsse mit der Zusammenstellung von Montagekits
an Kombi-Arbeitsplätzen im Obergeschoss
Das schafft Vertrauen. Meine Überzeugung lautet: Software ist
das Herz und Gehirn jedes modernen Lagers. Wir denken vom
Prozess her, nicht von der Maschine. Viele Integratoren verkaufen
primär Hardware und docken Software an – wir drehen das
um. Die Software orchestriert die Automatisierungskomponenten.
Wir investieren erheblich in eigenes Produktmanagement
sowie Forschung und Entwicklung – von der Arbeitsplatzgestaltung
über intelligente Lösungen an den Übergabestellen zwischen
Komponenten bis hin zu unterstützenden Technologien
für den Kommissionierprozess. Kein anderer AutoStore-Partner
investiert derzeit so viel in diesen Bereich. Das beginnt sich
auszuzahlen.
Wenn wir uns in einem Jahr auf der Logimat wiedertreffen
– woran messen Sie den Erfolg Ihres ersten Jahres?
Rémy El Abd: An vier Kriterien. Erstens: Wachstum in den etablierten
Kernmärkten meiner Sub-Region Deutschland, Schweiz
und Israel – verbunden mit dem Anspruch, für Bestandskunden
ein permanenter Sparringspartner bei der kontinuierlichen Verbesserung
zu sein. Zweitens: In den Märkten im Nahen Osten
Fuß gefasst haben, mit ersten signifikanten Projekten in der
Umsetzung. Drittens: Unser As-a-Service-Modell als echte Alternative
zum klassischen Kaufmodell etabliert haben. Und viertens:
Das Team ist gewachsen – an Köpfen und an Kompetenz.
Ganz persönlich wäre der größte Erfolg, wenn unsere Kunden
bestätigen, dass wir nicht nur geliefert, sondern echten Mehrwert
geschaffen haben.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview mit Rémy El Abd, Vice President Germany & Middle East bei
Element Logic, Bad Friedrichshall, führte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h
Fotos: Element Logic
www.elementlogic.net/de
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 9
LOGIMAT-NACHLESE
PERSPEKTIVEN
STRATEGIEWECHSEL BEI SSI SCHÄFER
NICHT DIE TECHNOLOGIE ENTSCHEIDET –
SONDERN IHRE INTEGRATION
Systemintegration wird in der Intralogistik zum
entscheidenden Differenzierungsmerkmal.
SSI Schäfer zeigte auf der Logimat 2026, wie das
Unternehmen diesen Wandel konkret gestaltet:
mit selektiven Technologiepartnerschaften,
durchgängiger Lifecycle-Verantwortung und
einer geöffneten Softwarearchitektur – weg vom
Komponentenanbieter, hin zum ganzheitlichen
Lösungspartner, auch bei der Integration von
Partnertechnologien.
Wer über die Logimat 2026 lief, wurde von Technologie
förmlich erschlagen. An fast jedem Stand fuhren
Shuttles, Roboter hoben Behälter, autonome Fahrzeuge
navigierten durch nachgebaute Lagergassen.
Die Faszination der Einzeltechnologie zog die Blicke auf sich –
doch sie verstellte mitunter den Blick auf die eigentliche Herausforderung:
Wie wird aus einzelnen Technologiebausteinen ein
belastbares System, das über Jahre und Jahrzehnte zuverlässig
funktioniert?
Genau diese Frage stellte SSI Schäfer (Neunkirchen/Siegerland)
auf der Logimat 2026 in den Mittelpunkt. Auf der Messe lasse
man sich schnell von einzelnen Technologien faszinieren, sagte
Markus Külken, Vice President Partner Business bei SSI Schä-
fer, auf der Pressekonferenz des Unternehmens. „Zu wenig Beachtung
finde dabei jedoch häufig die Integrationsreise, die
später über den Systemverbund und die Leistung des Systems
entscheidet.“ Seine Botschaft: Nicht die einzelne Technologie bestimme
den Projekterfolg, sondern die durchgängige Lösungsund
Systemarchitektur.
VOM GESCHLOSSENEN SYSTEM ZUM OFFENEN
INTEGRATOR
Was zunächst wie eine branchenübliche Aussage klingt, markiert
für SSI Schäfer einen tiefgreifenden strategischen Wandel. Denn
das Unternehmen war über Jahrzehnte dafür bekannt, weitgehend
auf eigene Produkte zu setzen – und Partnerunternehmen im
Zweifelsfall eher zu integrieren als dauerhaft mit ihnen zu kooperieren.
„Alles sollte aus dem eigenen Unternehmen sein“, räumte
Peter Edelmann, CEO der SSI-Schäfer-Gruppe, offen ein. „Von dieser
Begrenzung haben wir uns jetzt gelöst.“ Und zwar nicht erst seit
gestern, wie Edelmann betonte: Vor rund zweieinhalb Jahren habe
das Unternehmen begonnen, sich gezielt zu öffnen.
Konkret bedeutet das: SSI Schäfer integriert heute bewusst und
kontrolliert Technologien externer Partner in sein Lösungsportfolio.
Zwei Beispiele zeigte das Unternehmen auf der Logimat.
Zum einen das SSI Pallet Roaming Shuttle, ein hochdynamisches
Sechs-Wege-Shuttle für die Palettenlagerung, das aus einer Partnerschaft
mit Moffett Automation stammt. Das System lässt sich
in unterschiedlichen Temperaturzonen bis hin zum Tiefkühlbereich
einsetzen, kann verschiedene Palettentypen im selben Kanal
handhaben und verspricht – unter anderem durch den Wegfall
fester Gänge – eine höhere Lagerdichte als klassische Schmal-
PERSPEKTIVEN LOGIMAT-NACHLESE
01
02
01 Unter dem Leitmotiv „Integration macht den Unterschied“
erläuterte SSI Schäfer auf der Logimat-Pressekonferenz
in Stuttgart den Wandel vom Komponentenanbieter
zum ganzheitlichen Lösungspartner
02 Ein Beispiel für das Partner Business von SSI Schäfer ist
das RackBot-System Compact bei der Transmec Group,
Logistikdienstleister aus Italien
gangkonzepte. Zum anderen RackBot-Systeme, dies sind unterschiedliche
Ware-zur-Person-Systeme auf Basis der Technologie
von Hai Robotics, die in erster Linie durch ihre Skalierbarkeit
überzeugen sollen: Betreiber können klein starten und die Anlage
mit wachsendem Bedarf schrittweise erweitern, statt von Beginn
an beispielsweise zehn Jahre vorausplanen zu müssen.
INTEGRATION ALS EIGENTLICHE
WERTSCHÖPFUNG
Külken machte an beiden Beispielen deutlich, wo er die eigentliche
Wertschöpfung von SSI Schäfer sieht: nicht im einzelnen
Shuttle oder Roboter, sondern in der Integration. „Die Technologie
bewegt die Palette oder den Behälter, aber das Entscheidende
ist das System dahinter.“ Erst das Zusammenspiel all dieser Elemente
mache eine Anlage zu einem industriell belastbaren System.
Materialflusssteuerung, Auftragsmanagement, IT-Anbindung
und Prozesslogik – all das bringe nicht die Partnertechnologie
mit, sondern werde erst durch die Systemverantwortung des
Integrators geschaffen.
Doch was genau unterscheidet diese Systemverantwortung von
der klassischen GU-Rolle, die SSI Schäfer seit Jahrzehnten ausfüllt?
Auf die Frage der Redaktion antwortete Külken differenziert:
Die bisherige GU-Verantwortung habe sich weitgehend auf
Produkte aus eigener Entwicklung und Fertigung bezogen. „Wir
wussten genau, welche Themen wir unter Kontrolle haben müssen.“
Jetzt hingegen gehe es darum, auch für das Unternehmen
neue, fremde Technologien durchgängig zu verantworten – von
der CE-Konformität über die IT-Sicherheit bis zum Ersatzteilmanagement,
und das während des kompletten Lebenszyklus. „Im
Markt wird diese umfassende Verantwortung nicht überall mit
dem gleichen Anspruch umgesetzt“, so Külken.
PARTNERSCHAFTEN AUF AUGENHÖHE – OHNE
AKQUISITIONSABSICHT
Auf die Frage, ob hinter den Partnerschaften perspektivisch
Übernahmen stehen, winkte Edelmann ab: „Das ist nicht immer
zielführend. Wir arbeiten heute daran, Partnerschaften auf Augenhöhe
zu gestalten.“ Erste Priorität sei eine nachhaltige Lösung
– nicht der Anteilserwerb. Gleichzeitig machte der CEO klar, dass
SSI Schäfer bei der Auswahl der Partner hochselektiv vorgeht:
„Wir müssen sehr genau prüfen: Kann dieser Partner den Marathon
mit uns durchstehen? Und was passiert, wenn nicht?“
Für den Betreiber soll sich die Komplexität hinter den Partnerschaften
indes nicht bemerkbar machen. „Wir sind das einzige Gesicht
in Richtung des Kunden“, stellte Külken klar. SSI Schäfer sei
Erstansprechpartner etwa bei Wartung oder Softwareerweiterungen.
Mit jedem Partner gebe es einen Wachstumsplan, wie man
schrittweise mehr Verantwortung übernehme – von der Installation
über die Inbetriebnahme bis hin zum Ersatzteilmanagement.
SOFTWARE ALS RÜCKGRAT DER
INTEGRATIONSFÄHIGKEIT
Dass die Öffnung des Systems nur funktioniert, wenn die Softwarearchitektur
mitspielt, betonte auf der Pressekonferenz auch
Florian Schneebauer, Vice President Product Line Software bei
SSI Schäfer. Mit dem Konzept Wamas Lifecycle hat das Unternehmen
ein Modell entwickelt, das die Software über den Anlagenlebenszyklus
aktuell, sicher und upgradefähig halten soll – einschließlich
proaktiver Aktualisierungen, Cyber-Security-Updates
und der Möglichkeit, neue Technologien auch Jahre nach der
Erst installation noch zu integrieren. Schneebauer: „Wir starten
oft mit kleinen Anlagen, die werden größer, da kommen weitere
Komponenten dazu. Das geht nur, wenn ich auch in der Software
flexibel bleibe.“
MEHR ALS EIN STRATEGIEANSATZ
Edelmann fasste den Kulturwandel bei SSI Schäfer in einem Satz
zusammen, der schlicht klingt, aber weitreichende Konsequenzen
hat: „Wir begleiten unsere Kunden über den gesamten
Wachstums- und Lebenszyklus.“ Wachstumszyklus – das meint
den Weg von manuell über teilautomatisiert bis hoch automatisiert
betriebenen Anlagen. Lebenszyklus – das meint die Betreuung
über Jahrzehnte. „Dieser eine simple Satz verändert zurzeit
unser Unternehmen“, sagte Edelmann. Er präge die Angebotsstruktur,
die Softwarearchitektur und das Partnermodell. Und er
definiere SSI Schäfer nicht mehr als den Anbieter, der große Anlagen
installiert und dann weiterzieht – sondern als Weggefährten,
der bleibt.
Winfried Bauer
Fotos: SSI Schäfer
INTEGRATION IST DIE EIGENT
LICHE WERTSCHÖPFUNG –
NICHT DIE EINZELTECHNIK
www.ssi-schaefer.com
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 11
RUBRIZIERUNGSEBENE
LOGIMAT-NACHLESE
PRODUKTE UND SYSTEME
SOFTWARE- UND KI-OFFENSIVE FÜR DAS FULFILLMENT
AUTOSTORE WILL DEN CUBE
INTELLIGENTER MACHEN
Mit CubeVerse und AutoStore Intelligence
erweitert AutoStore sein Lager- und
Bereitstellungssystem um eine cloudbasierte
Plattform und eine integrierte KI-Schicht.
Vorgestellt wurden die Neuheiten zunächst im
Stream zum Spring 2026 Product Announcement
am 19. März; auf der Logimat in Stuttgart vom
24. bis 26. März folgte dann die Einordnung am
Messestand. Ziel ist es, bestehende Anlagen
besser auszulasten, Prozesse transparenter zu
machen und den Durchsatz ohne zusätzliche
Hardware zu steigern.
Mit dem digitalen Produktauftakt im März und der anschließenden
Präsentation auf der Logimat hat der
norwegische Hersteller eine klare Botschaft gesendet:
Die nächste Ausbaustufe des eigenen Systems
soll weniger von neuer Mechanik als von Software, Daten und
künstlicher Intelligenz geprägt sein. Im Zentrum stehen dabei
nicht zusätzliche Roboter oder ein erweitertes Grid, sondern die
bessere Nutzung bereits installierter Anlagen. Für Betreiber ist
das ein relevanter Perspektivwechsel, denn Leistungsreserven im
Bestand sollen künftig stärker softwareseitig gehoben werden –
statt durch zusätzliche Hardware.
MEHR LEISTUNG IM BESTAND
Kern der Ankündigung ist die Plattform CubeVerse. Der Hersteller
beschreibt sie als cloudbasierte Daten- und Orchestrierungsplattform,
die Planung, Simulation, Inbetriebnahme, Betrieb,
Analyse und Optimierung in einer gemeinsamen Umgebung zusammenführt.
Technisch sollen darin AutoStore-Anwendungen,
mehr als zehn Datenquellen sowie über 20 proprietäre KI-Modelle
und Agenten zusammenlaufen. Für den Anwender zählt vor allem
die praktische Wirkung: Integrationen sollen einfacher werden,
Roll-outs wiederholbarer, Upgrades sicherer und der Betrieb
über mehrere Standorte hinweg konsistenter. CubeVerse ist damit
weniger ein einzelnes Produkt als vielmehr die neue digitale
Klammer für das Ökosystem des norwegischen Unternehmens.
Damit verschiebt das Unternehmen auch seine Marktansprache.
Verkauft wird nicht mehr nur ein kompaktes Cube-Storage-
System, sondern das Leitbild des „Intelligent Fulfillment“ wird in
den Vordergrund gerückt. Parth Joshi, Chief Product Officer bei
AutoStore, bringt den Anspruch auf den Punkt: „Systeme müssen
‚sense, decide, and adapt continuously‘ sein. Genau an dieser
Stelle setzt CubeVerse an: als zusätzliche Intelligenzebene, die
über den Lebenszyklus hinweg unterstützt und Entscheidungen
besser absichert.“ Für Geschäftsführer sei das in erster Linie ein
TCO-Thema, für Logistikleiter eine Frage der Skalierbarkeit und
für Lagerleiter eine Frage der operativen Beherrschbarkeit.
KI ALS OPTIMIERUNGSSCHICHT
Das eigentliche Differenzierungsmerkmal ist AutoStore Intelligence.
Dahinter verbirgt sich keine separate Software, sondern
eine fest in CubeVerse eingebettete KI-Optimierungsschicht –
ausdrücklich kein Add-on. AutoStore Intelligence basiert auf den
bereits erwähnten über 20 proprietären KI-Modellen sowie auf
mehr als 15 Terabyte Betriebs- und Simulationsdaten. Aus Sicht
12 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME LOGIMAT-NACHLESE
Sichtbare Hardware, unsichtbare Intelligenz: Während am Messestand
auf der Logimat 2026 das Modul AutoCase im Vordergrund stand, lag
der inhaltliche Schwerpunkt der Ankündigungen auf CubeVerse und
AutoStore Intelligence
des Herstellers markiert das den Schritt von der statischen Automatisierung
hin zu einem System, das aus Daten lernt, Muster erkennt
und seine Leistung im laufenden Betrieb verbessert. Die
Stoßrichtung ist klar: weg von reiner Ausführung, hin zu einem
selbstoptimierenden Fulfillment-System.
Praxisnah wird das in CubeControl. Dort soll AutoStore Intelligence
Routing-Parameter anpassen und Robot Highways optimieren.
Ziel ist ein flüssigerer Verkehr auf dem Grid, weniger
Staus und damit mehr Durchsatz in Zeiten mit Auftragsspitzen.
Der Hersteller verspricht diese Effekte ausdrücklich ohne zusätzliche
Roboter und ohne Grid-Erweiterung. Für Anlagenbetreiber
liegt darin der eigentliche Reiz der Neuheit: Wenn sich Engpässe
per Software reduzieren lassen, steigt die Attraktivität von Bestandsanlagen,
ohne dass sofort in zusätzliche Hardware investiert
werden muss. Konkrete, allgemeingültige Prozentwerte für
den realisierbaren Durchsatzgewinn nennt das Unternehmen bis
dato allerdings nicht; sondern spricht diesbezüglich vor allem
von „spürbaren Durchsatzgewinnen.“
DATEN SOLLEN SCHNELLER ZU
ENTSCHEIDUNGEN FÜHREN
PARTH JOSHI, CHIEF PRODUCT
OFFICER, AUTOSTORE
Bei einem hochautomatisierten
Lager geht es nicht darum, den
Faktor Mensch aus dem operativen
Geschäft komplett zu entfernen
– sondern Reibungen aus dem
Fulfillment zu eliminieren
empfehlungen. Mit eingebetteter KI soll CubeAnalytics nicht nur
rückblickend berichten, sondern Auffälligkeiten, Risiken und
Leistungseinbußen früher sichtbar machen. So sollen unter anderem
KI-generierte Zusammenfassungen dem Betreiber zeigen,
was Aufmerksamkeit verlangt und welche Maßnahmen sich daraus
ableiten. Nach Angaben des Unternehmens spart das pro
Analyse mehr als zwei Stunden Arbeitszeit gegenüber einer manuellen
Auswertung. Für Logistik- und Lagerleiter ist relevant,
dass die Plattform ohne tiefes Spezialwissen nutzbar sein soll und
zudem Multi-Site-Transparenz sowie eine API-Anbindung bietet.
Für die IT- und Integrationsseite ist noch ein anderer Punkt
entscheidend: Der Hersteller betont ausdrücklich, dass Cube-
Verse kein WCS und kein WMS ist. Die Plattform soll also nicht in
höhere Softwareebenen hineinwachsen, sondern bestehende
Umgebungen ergänzen. Laut Unternehmensangaben arbeitet
CubeVerse mit jedem WES, WMS oder ERP zusammen und ist damit
auch für Brownfield-Standorte und Legacy-Systeme mit geringem
Eingriff gedacht. Das ist für viele Anlagenbetreiber vermutlich
die wichtigere Botschaft als das Schlagwort KI. Denn sie
signalisiert, dass die Nutzung der Plattform keinen Systembruch
fordert, sondern eine zusätzliche Schicht zur Optimierung des
Bestehenden bietet.
FAZIT
Unter dem Strich erweitert der Hersteller sein klassisches Hardwareversprechen
um einen klaren Plattformansatz. Die Hoffnung
dahinter: mehr Leistung aus der installierten Basis, mehr Transparenz
im Betrieb und langfristig der Weg zu stabileren 24/7-Abläufen.
Für die Leser aus Industrie- und Handelslogistik ist diese
Entwicklung interessant, weil sie genau an den neuralgischen
Punkten vieler Automatisierungsprojekte ansetzt: Auslastung,
Vorhersagbarkeit, Integration und Skalierung. Ob CubeVerse und
AutoStore Intelligence diese Erwartungen in der Praxis erfüllen,
wird sich erst mit belastbaren Referenzen und messbaren KPI
zeigen. In den Gesprächen der Redaktion am AutoStore-Messestand
wurden die erwarteten Effekte vor allem qualitativ beschrieben
und strategisch als nächster Schritt in Richtung „Intelligent
Fulfillment“ eingeordnet.
Winfried Bauer
Fotos: AutoStore
www.autostoresystem.com
Eine wichtige operative Rolle übernimmt CubeAnalytics. Die Anwendung
sammelt und strukturiert Betriebsdaten aus dem Lagerund
Bereitstellungssystem und
überführt sie in Dashboards,
Berichte und Handlungswww.foerdern-und-heben.de
f+h 2026/04 13
75 JAHRE F+H SERIE
BUSINESS-LUNCH IN STUTTGART MIT WEGBEGLEITERN AUS DER BRANCHE
RÜCKBLICK MIT HALTUNG,
AUSBLICK MIT SUBSTANZ
1951-2026
Mit einem Business-Lunch am Rande der
Logimat in Stuttgart hat die Fachzeitschrift
f+h ihr 75-jähriges Bestehen gemeinsam mit
langjährigen Wegbegleitern aus Industrie,
Forschung und Verbänden gefeiert. Im
Mittelpunkt standen ein persönlicher
Rückblick auf die Geschichte der Zeitschrift
und die Frage, welche Themen die
Intralogistik künftig prägen werden.
Ein Jubiläum wie dieses ist weit mehr als eine Zahl im Kalender:
75 Jahre f+h stehen zugleich für 75 Jahre Entwicklung
in Fördertechnik, Materialfluss und Intralogistik. Anlass
genug, dieses Jubiläum am 25. März 2026 im Mövenpick
Hotel Stuttgart Airport im Kreis langjähriger Partner zu begehen
– bewusst während der Logimat, dem Branchentreffpunkt der Intralogistik.
Rund 40 geladene Gäste aus Industrie, Forschung,
Verbänden und Kommunikation waren der Einladung gefolgt –
darunter Geschäftsführer, Vertriebsleiter, Fachleute aus Forschung
und Entwicklung sowie Verantwortliche für Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit. Die Stimmung war gelöst, persönlich und
geprägt von vielen vertrauten Gesprächen. Schnell wurde deutlich,
wie eng f+h und die Branche seit vielen Jahren, häufig sogar
seit Jahrzehnten, miteinander verbunden sind. Viele Gäste kann-
14 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
Nächste Messe:
16.03.-18.03.2027 LogiMAT
ten sich aus gemeinsamen Projekten, Messeauftritten oder Redaktionsbesuchen
– manche Gespräche knüpften nahtlos daran an.
VOM WIEDERAUFBAU ZUR INTRALOGISTIK
RESILIENZ SCHLÄGT EFFIZIENZ –
UND BELASTBARES FACHWISSEN
WIRD ZUM PRODUKTIONSFAKTOR
Das
nach da?
Läuft.
Im Mittelpunkt des Lunchs standen zwei Vorträge, die das Jubiläum bewusst
nicht nur als Rückschau, sondern auch als Standortbestimmung begriffen. Reiner
Wesselowski, langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der f+h, führte
zurück in das Jahr 1951, in dem die erste Ausgabe von „Fördern und Heben“ erschien.
Er erinnerte an eine Zeit des Wiederaufbaus, in der Fördertechnik noch
stark mechanisch geprägt war und Rationalisierung im innerbetrieblichen
Transport zu den großen industriellen Aufgaben gehörte. Sein Rückblick zeigte,
wie eng die Entwicklung der Zeitschrift mit jener der Branche verknüpft ist: von
den Anfängen der Fördertechnik über Automatisierung und Materialfluss bis
hin zur heutigen Intralogistik als strategischer Funktion moderner Wertschöpfungs-
und Lieferketten.
Wesselowski machte deutlich, dass f+h diesen Wandel über Jahrzehnte nicht
nur dokumentiert, sondern fachjournalistisch eingeordnet und kritisch begleitet
hat. Beispielhaft verwies er auf frühe Innovationssprünge wie das erste
Hochregallager und auf die rasante technologische Entwicklung, die den klassischen
Maschinenbau ebenso erfasste wie die Informations- und Steuerungstechnik.
Vor allem die Verbindung von Technikgeschichte, Branchenentwicklung
und persönlicher Erfahrung verlieh seinem Vortrag besondere Tiefe – und
berührte viele Gäste auch emotional.
WAS IN ZUKUNFT WIRKLICH ZÄHLT
Den Blick nach vorn richtete anschließend f+h-Chefredakteur Winfried Bauer.
Er stellte drei Thesen zu den Entwicklungen vor, die die Intralogistik in den kommenden
Jahren prägen werden. Die erste: Automatisierung ist kein Wettbewerbsvorteil
mehr, sondern ein Hygienefaktor. Entscheidend sei heute nicht
mehr, ob automatisiert werde, sondern wie klug Systeme integriert, skaliert und
an veränderte Anforderungen angepasst werden könnten. Nicht der schnellste
Roboter, sondern die sauberste Schnittstelle werde zum Maßstab zukunftsfähiger
Lösungen.
Die zweite These setzte einen bewussten Kontrapunkt zum lange dominierenden
Effizienzdenken. Resilienz, so die Überzeugung, schlägt Effizienz. Die vergangenen
Jahre hätten gezeigt, wie verletzlich Prozesse gegenüber Pandemien,
geopolitischen Spannungen, Lieferengpässen oder Energiepreissprüngen sein
könnten. Die Fähigkeit, Störungen abzufangen, Alternativprozesse zu fahren
und auf belastbare Daten zurückzugreifen, werde damit zu einem entscheidenden
Wettbewerbsfaktor. Die dritte These rückte schließlich den Faktor Wissen in
den Mittelpunkt. In einer Zeit wachsender Komplexität und knapper Fachkräfte
werde belastbares Fachwissen zum eigentlichen Produktionsfaktor.
Daraus ergibt sich auch der Anspruch der f+h für die kommenden Jahre:
Technologien nicht nur abzubilden, sondern sie einzuordnen, Erfahrungen aus
der Praxis sichtbar zu machen und Orientierung zu geben. So wurde der Business-Lunch
dem Anlass in jeder Hinsicht gerecht: als persönliches Jubiläumstreffen,
als fachliche Standortbestimmung und als Signal, dass f+h auch nach
75 Jahren nah an der Branche, an den Menschen und an den Fragen bleibt, die
für die Intralogistik wirklich zählen.
Winfried Bauer
Fotos: f+h
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75 JAHRE F+H
SERIE
KRANE UND HEBEZEUGE
BLICK ZURÜCK
UND NACH VORN
1951-2026
Seit 75 Jahren berichtet die f+h Fördern und Heben über die Trends bei Kranen
und Hebezeugen in der Industrie. Zum Jubiläum gibt es einen Blick zurück und,
wichtiger noch, nach vorn: Wie wird die Krantechnik zum Beispiel zum
80-jährigen Geburtstag der f+h aussehen? Welche neuen Technologien
könnten Einzug in die Welt der Hebezeuge halten?
NICHT NUR DIE F+H FEIERT JUBILÄUM
Einige Beispiele: J.D. Neuhaus stellt im 19. Jahrhundert vor allem
Winden für Bergbau und Industrie her [2]. In den 1880er-Jahren
fertigt Demag unter anderem dampfbetriebene Drehscheibenkrane.
Und mit der Elektrifizierung erschließen Krane, Winden
und Hebezüge neue Einsatzbereiche. 1912 stellt Demag den ersten
Elektroseilzug für Tragkräfte bis fünf Tonnen vor und 1925 die
kleineren „Schnellhebezeuge“ der Baureihe N, von der in fünf
Jahren mehr als 40.000 Exemplare verkauft werden. Stahl produziert
ab 1897 elektrische Brückenkrane und ab 1926, als einer der
ersten Hersteller weltweit, ex-geschützte Hebezeuge – und kann
mit dieser Kompetenz jetzt hundertjähriges Jubiläum feiern. SWF
beginnt ebenfalls vor exakt hundert Jahren mit der Fertigung von
Seilwinden – zunächst für den Eigenbedarf der Süddeutschen
Waggonfabrik.
Das Titelblatt der ersten f+h-Ausgabe vom April 1951 – ein Verladekran
am Rhein vor der Kulisse des Kölner Doms. Seit 75 Jahren begleitet die
Zeitschrift die Entwicklung der Kran- und Hebetechnik
Die f+h Fördern und Heben führt die zentrale Aufgabe von
Kranen – das Heben von Lasten – schon im Titel und begleitet
die Entwicklung der Kran- und Hebetechnik seit
einem Dreivierteljahrhundert. Als das Magazin 1951 gegründet
wurde, konnten einige der auch heute noch marktführenden
Hersteller schon auf eine lange Geschichte zurückblicken,
aus der sich wesentliche Entwicklungsschritte der Krantechnik
ablesen lassen [1].
MEILENSTEINE AUS 75 JAHREN
MARKTWACHSTUM
Das Gründungsjahr der f+h passt ins Bild, weil die 1950er-Jahre
als die Zeit des Wirtschaftswunders gelten. Die Industrieproduktion
wuchs genauso wie der Export, und sowohl bei Seil- und Kettenzügen
als auch bei Komplettkranen nimmt die Produktion
schnell Fahrt auf.
Einige Meilensteine von 1951 bis heute aus Sicht der Hersteller:
Demag führt 1963 mit dem KBK-System den Systemgedanken
der Arbeitsplatzkrane ein, das bis heute stark gefragt ist. Im
Jahr 2000 bringt SWF die Nova-Seilzugreihe auf den Markt, 2024
folgt der Elektroseilzug Nova2rope mit innovativen Werkstoffen,
intelligenter Steuerung und optimierter Wartung. Konecranes
entwickelt in den 1950er-Jahren eine modulare Produktarchitektur
für Elektroseilzüge, Krane und spezialisierte Hebelösungen
und etabliert schon in den 1960er-Jahren systematische Lifecycle-Services,
die als Vorläufer eines modernen Condition Monitoring
gelten können. Zu den Kennzeichen der aktuellen Produktplattformen
gehören hochfeste synthetische Seile zur Reduktion
bewegter Massen, optimierte Tragwerksstrukturen und integrierte
Steuerungs- und Automatisierungssysteme für digitalisierte
Krane.
Bang hat sich seit der Unternehmensgründung vor 37 Jahren
vom Serviceunternehmen zum Spezialisten für die Entwicklung
und Fertigung von hochkomplexen, automatisierten Prozesskranen
entwickelt. Diese Krane – mit Tragkräften von bis zu mehreren
hundert Tonnen – positionieren zentimetergenau in automatisierten
Produktionslinien.
16 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
01
02
01 Schon 1953 fertigte Stahl Hebezüge
für explosionsgefährdete Bereiche – eine
Kompetenz, die das Unternehmen seit
fast 100 Jahren auszeichnet
03
02+03 Mit dem 1963 eingeführten
KBK-System etablierte Demag den
Systemgedanken bei Arbeitsplatzkranen
– ein bis heute nachgefragtes Konzept
HELFER AM ARBEITSPLATZ
In einem anderen Anwendungsbereich von Kranen begann sich in den 1950er-Jahren ein Konzept
durchzusetzen, das inzwischen in der Industrie weit verbreitet ist – und positive Auswirkungen auf
den Gesundheitsschutz hat: Baukastensysteme für das Fördern, Heben und Handhaben von Lasten
am Arbeitsplatz. Bestes Beispiel: Der Demag-Kranbaukasten KBK, 1963 erstmals vorgestellt
mit dem Kettenzug PK als Junior System. Christoph Kreutzenbeck, Demag Marketing: „Mit dem
KBK-System hat Demag seinerzeit modulare, hochflexible und leichtgängige Kranlösungen für die
Handhabung von Lasten am Arbeitsplatz anbieten können. Das war ein Meilenstein in der Branche
und hat bis heute den Materialfluss in vielen Produktionsumgebungen mitgeprägt.“
Abnehmer der ersten Stunde war vor allem die Automobilindustrie. Sie in den 1960er-Jahren
einen rasanten Aufschwung erfuhr und nach Handhabungslösungen suchte – um die stark ansteigende
Automobilproduktion effizienter auszurichten und die Mitarbeiter bei ihrer immer komplexeren
werdenden Arbeit zu unterstützen.
DIE DRITTE DIMENSION FÜR DEN TRANSPORT NUTZEN
Das Konzept war und ist einfach: Der klassische Arbeitsplatzkran erhält zusätzliche Freiheitsgrade
und kann aus einem Systembaukasten heraus an nahezu jede räumliche Gegebenheit und jede hebe-
und handhabungstechnische Aufgabe angepasst werden. Damit lassen sich unter anderem
Ein- und Zweiträger-Hängekrane, Hängebahnen, Schwenk- und Drehkrane sowie Portal- und Stapelkrane
realisieren, als Einzelplatzlösung über Einschienenbahnen und linienförmige Förderstrecken
bis zu flächendeckenden Handhabungssystemen. So ist die dritte Dimension systematisch
für den Materialtransport nutzbar, und das System wurde und wird kontinuierlich ergänzt
und weiterentwickelt. Eine aktuelle Neuheit, die Demag auf der Logimat 2026 erstmals zeigte, ist
das Free-Standing-Profile FSS – eine standardisierte und vollständig berechnete Tragstruktur auf
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Überraschung bei der Recherche für diesen Beitrag: Das Durchschnittsalter von acht
führenden deutschen Unternehmen der Krantechnik liegt bei 134 Jahren. Den Rekord
halten J.D. Neuhaus (281 Jahre) und Demag (207 Jahre). Auch wenn man berücksichtigt,
dass Krane oft nicht von Beginn an zum Portfolio gehört haben, ist das beachtlich. Zum
Vergleich: Laut einer Untersuchung der Universität Rostock werden Unternehmen im
Schnitt nur zwölf Jahre alt [3].
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RUBRIZIERUNGSEBENE
75 JAHRE F+H SERIE
05
04
06
BEDIENUNG OHNE BEDIENEINHEIT
Deutliche Entwicklungsschritte, über die in der f+h regelmäßig
berichtet wurde, hat auch die Kran-Bediener-Schnittstelle gemacht,
und diese Entwicklungen lassen sich gut an Systemen wie
dem KBK aufzeigen. Der Ersatz von kabelgebundenen Bedieneinheiten
durch Funkfernsteuerungen hat sich schon vor Jahrzehnten
etabliert. Neuer sind Konzepte, die den Verzicht auf eine
separate Bedieneinheit erlauben, zum Beispiel der E-Balancer
DCBS von Demag. Hier führt der Bediener einfach die Last in die
75 JAHRE KRANTECHNIK:
VOM TRADITIONELLEN STAHL-
BAU ZUM DIGITALEN SYSTEM
gewünschte Richtung auf der x- oder y-Achse. Sensoren erkennen
den Bedienerwunsch und geben entsprechende Signale an
die Antriebe – eine große Arbeitserleichterung. So lässt sich die
Last intuitiv führen.
DER BEITRAG DER ZULIEFERER
Auch wenn die Fertigungstiefe bei Kranen traditionell hoch ist –
der Anteil der Zulieferer am Fortschritt der Krantechnik ist nicht
zu unterschätzen und wird in der f+h umfassend gewürdigt. Ein
bekanntes Beispiel: igus hat speziell für bewegliche Anwendungen
Energieketten und Leitungen entwickelt, die 1998/99 erstmals
an einem Ship-to-Shore-Kran im Hafen Rotterdam installiert
wurden. Heute sind viele Prozess- und Hafenkrane weltweit
mit igus-Energieketten oder auch Rotationsmodulen ausgerüstet,
und die Ketten übernehmen auch die Funktion des „Datensammlers“
zur Steigerung der Verfügbarkeit des Krans.
IM TREND: AUTOMATISIERUNG UND
D IGITALISIERUNG
Die f+h hat sich von Beginn an für das komplette Spektrum der
Krantechnik interessiert. Dazu gehörten auch die Fahrzeug- oder
Mobilkrane, für die es zum Beispiel alljährlich eine Marktübersicht
gab. Heute fokussiert sich das Magazin auf stationäre Krane,
deren Markt sich stark ausdifferenziert hat. Stahlbau und Grundkonzept
mögen ähnlich sein wie vor 75 Jahren. Aber Funktionen
wie Synchronlauf, Automatikbetrieb, selbsttätiges Umfahren von
Hindernissen, Führen der Last durch Handbewegung und viele
andere erhöhen die Komplexität des Systems Kran und bieten
immer wieder spannende und zukunftsorientierte Themen, die
Kranhersteller und Zulieferer in der f+h vorstellen.
BLICK IN DIE ZUKUNFT: DIE TREND-THEMEN
DER KRANTECHNIK
Ein Jubiläum gibt immer auch Anlass, nach vorn zu schauen: Was
werden die Trend-Themen der f+h-Berichterstattung in den kommenden
Jahren sein? Hierzu hat die Redaktion einige Hersteller
befragt. Thomas Kraus, Sales Director von Stahl: „Der Kran der
Zukunft verbindet Mechanik, Elektrik und Software zu einem vernetzten
Gesamtsystem. Modulare Plattformen mit digitalen Steuerungen
und Assistenzfunktionen sind aus unserer Sicht die Voraussetzung
dafür, Krane an unterschiedliche Anwendungen und
Lebenszyklen anzupassen.“
Bei SWF Krantechnik stehen drei Aufgabenfelder im Fokus: intuitive
Bedienung, höhere Effizienz und Sicherheit. Christian
Heid, Managing Director, nennt CAN-Bus-Technologie, automatisch
erfasste Seilwinkel und appgestützte Diagnose als Bausteine
eines stärker vernetzten Krans. „Hinzu kommen Sicherheitskonzepte
wie geschlossene Seilführungen und ergonomisch gestaltete
Hakenflaschen. Modulare Bauweisen und neue Werkstoffe wie
synthetische Lastseile reduzieren zudem das Eigengewicht und
vereinfachen Wartung und Austausch.“
DER KRAN ALS CYBER-PHYSISCHES SYSTEM –
VERNETZT UND AUTONOM
Aus Sicht von Konecranes prägen drei Trends die künftige Entwicklung
von Kran- und Hebesystemen. Erstens die datenbasierte
Zustandsüberwachung: Sensorik, Edge-Computing und
Cloud-Analyse erfassen Betriebszustände permanent und schaffen
die Grundlage für Predictive Maintenance. Zweitens die Automatisierung
bis hin zum autonomen Kran, die vor allem in Hafen-
und Logistikanwendungen an Bedeutung gewinnt. Drittens
Energieeffizienz und nachhaltige Konstruktion. Dazu Nicole
Koch, Manager Marketing & Communications EMEA Central bei
Konecranes: „Energieeffiziente Antriebe, frequenzgeregelte Motoren
und regenerative Bremskonzepte speisen Energie ins Netz
zurück. Hinzu kommen Leichtbau und optimierte Strukturdesigns,
die den Materialeinsatz reduzieren.“
Der Kran der Zukunft, so das Fazit von Konecranes, ist ein cyber-physisches
System: vernetzt, selbstüberwachend und zunehmend
autonom. Koch: „Er wird zu einem aktiven Bestandteil digitaler
Produktions- und Logistiknetzwerke.“
BANG: KOGNITIVE AUTONOMIE UND
DIGITALER ZWILLING
Bang sieht den Kran der nahen Zukunft als Maschine, die weit
über das bloße Heben hinausgeht. Christoph Bang, Geschäftsführer
der Bang Kransysteme GmbH & Co. KG: „Der Kran der Zu-
18 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
SERIE
75 JAHRE F+H
07
04 Der 2024 vorgestellte Elektroseilzug Nova2rope von
SWF kombiniert neue Werkstoffe mit digitaler Steuerung
und reduziertem Wartungsaufwand
05 Sensorik, Edge-Computing und Cloud-Analyse:
Konecranes sieht die datenbasierte Zustandsüberwachung
als zentralen Trend der künftigen Krantechnik
06 Automatisierte Prozesskrane für Tragkräfte von
mehreren 100 Tonnen zählen zum Spezialgebiet der 1989
gegründeten Bang Kransysteme
07 Sensorintegrierte Energieketten von igus erfassen
Verschleiß und Belastung direkt an der Komponente und
liefern die Datenbasis für Predictive Maintenance
kunft wird über kognitive Autonomie verfügen. Er wird ‚hören‘,
‚sehen‘ und lernen, sein Umfeld mit KI-gestützter Sensorik in
Echtzeit erfassen und Kollisionen vermeiden.“ Parallel dazu arbeite
das Unternehmen an Energierückgewinnung und Leichtbau,
um den CO 2
-Fußabdruck der Anlagen über den Lebenszyklus
zu senken. Als dritten Trend nennt Bang den digitalen Zwilling:
„In naher Zukunft wird kein Kran mehr ohne digitales Ebenbild
ausgeliefert. Der Kran erkennt seinen Wartungsbedarf, bevor
ein Stillstand entsteht.“
DAS ZIEL: INTELLIGENZ IN DEN KRAN BRINGEN
SENSORIK UND KI VERÄNDERN
DIE WELT DER INDUSTRIELLEN
HEBEZEUGE GRUNDLEGEND
Aus Sicht von igus wird sich der Kran der Zukunft nicht mehr über
Größe oder Traglast definieren, sondern über Intelligenz, Vernetzung
und Datenkompetenz. Richard Habering, Geschäftsbereichsleiter
smart plastics: „Moderne Hebesysteme entwickeln sich zu
cyber-physischen Plattformen, die ihren Zustand permanent überwachen
und Wartungsbedarfe vorausschauend melden.“ Eine zentrale
Rolle spielen dabei sensorintegrierte Energieketten, Leitungen
und Lager, die Verschleiß und Kräfte direkt an der Komponente
erfassen. Aus passiven Bauteilen würden so aktive Datenquellen,
die Condition Monitoring und Predictive Maintenance
vor allem bei hochbelasteten STS-Kranen wirtschaftlich tragfähig
machen. Im nächsten Schritt, so Habering, werden Machine-
Learning-Modelle Verschleißmuster erkennen und die Grundlage
für digitale Zwillinge mit Handlungsempfehlungen bilden.
GEMEINSAMER NENNER: DER KRAN ALS
DATENKNOTEN
So unterschiedlich die Perspektiven von Herstellern und Zulieferern
ausfallen – ein gemeinsamer Nenner ist erkennbar: Der Kran
der Zukunft wird als cyber-physisches System gedacht, das permanent
Daten erfasst, auswertet und für vorausschauende Wartung
nutzt. Modulare Plattformen, Energieeffizienz und der digitale
Zwilling tauchen in nahezu allen Statements auf. Die Akzente
unterscheiden sich allerdings je nach Marktposition: Stahl und
SWF betonen die Plattform- und Bedienungsperspektive für den
breiten Industrieeinsatz, Konecranes und Bang rücken Autonomie
und KI-gestützte Steuerung in den Vordergrund – Konecranes
mit Blick auf Hafen- und Logistikanwendungen, Bang für
hochkomplexe Prozesskrane. igus schließlich verlagert die Intelligenz
in die Komponente selbst und macht damit Condition Monitoring
auch dort praktikabel, wo bisher keine Sensorik vorgesehen
war. Für Betreiber bedeutet das: Die Investitionsentscheidung
verschiebt sich vom reinen Stahlbau zur Frage, welche Datenarchitektur
ein Kran mitbringt – und wie offen sie für die
Integration in bestehende Produktions- und Logistik-IT ist.
DIE AUFGABE BLEIBT, DIE MITTEL
VERÄNDERN SICH
75 Jahre Berichterstattung über Krane und Hebezeuge zeigen:
Der grundsätzliche Auftrag – Lasten sicher und präzise zu bewegen
– ist geblieben. Verändert haben sich die Mittel. Wo früher
Stahlbau, Antrieb und Steuerung im Mittelpunkt standen, treten
heute Sensorik, Datenanalyse und KI-gestützte Assistenz hinzu.
Wenn die f+h in fünf Jahren ihr 80-jähriges Bestehen feiert, dürfte
der Kran ein Stück weiter auf dem Weg zum autonom agierenden,
in digitale Wertschöpfungsketten eingebundenen System sein.
Die Redaktion wird diesen Weg weiter begleiten.
Literatur- und Quellenangaben:
[1] Ruckdeschel, W.: Faszination Hebetechnik. Vereinigte Fachverlage GmbH,
Mainz, 1991
[2] Sobotka, B. J.: Fortschritt aus Tradition – 250 Jahre J.D. Neuhaus-Hebezeuge
in Witten-Heven. Witten, 1995
[3] „Rostocker Wissenschaftler erforschen Lebensdauer von Unternehmen“.
Presse-Info der Universität Rostock vom 6. April 2023, https://www.uni-rostock.de/universitaet/kommunikation-und-aktuelles/medieninformationen/
detailansicht/n/rostocker-wissenschaftler-erforschen-lebensdauer-von-unternehmen/,
abgerufen am 16. April 2026
Autor: Gerald Scheffels, freier Fachjournalist, Wuppertal
Fotos: Aufmacherfoto f+h-Archiv, 01 Stahl, 02, 03 Demag, 04 SWF, 05 Konecranes,
06 Bang, 07 igus
75 JAHRE F+H –
DIE JUBILÄUMSSERIE
Anlässlich unseres 75-jährigen Bestehens beleuchten wir
in jeder Ausgabe dieses Jahres einen Themenschwerpunkt
aus der Welt der Intralogistik. In Ausgabe 5
widmen wir uns der Fördertechnik sowie den Flurförderzeugen
und Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) – freuen
Sie sich auf einen spannenden Rückblick und Ausblick.
In Ausgabe 3 haben wir bereits die Geschichte der
Lagertechnik nachgezeichnet. Sie haben den Beitrag
verpasst? Im E-Paper können Sie ihn jederzeit nachlesen:
bitl.ly/fuh-26-lt
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 19
IMPULSE
ENERGIEFÜHRUNGSSYSTEME
ADDITIVE FERTIGUNG BESCHLEUNIGT
ENERGIEKETTENENTWICKLUNG
Steigende Automatisierungsgrade in der
Intralogistik erhöhen die Anforderungen an
Energieführungssysteme. Tsubaki Kabelschlepp
mit Sitz in Wenden nutzt selektives Lasersintern
(SLS) und 3D-Scanning, um Entwicklungszyklen
zu verkürzen, Iterationsschleifen zu reduzieren
und anwendungsspezifische Lösungen
wirtschaftlicher umzusetzen. Ein Praxisbeispiel
zeigt, was das konkret bringt – und wo die
Grenzen liegen.
Energieketten gehören zu den zentralen Komponenten in
der Intralogistik. In Kranen, Förderanlagen, Robotikanwendungen
und automatisierten Lagersystemen führen und
schützen sie Energie- und Datenleitungen unter dynamischen
Belastungen. Wo Güter automatisiert befördert werden und
ein definierter Verfahrweg besteht, übernehmen Energieketten
eine systemkritische Funktion. Ungeplante
Stillstände – etwa ein
Kranausfall in einem Hafenterminal
– verursachen
innerhalb kurzer Zeit
erhebliche Folgekosten.
Die Energiekette
PETER PÜTZ, VICE PRESIDENT
MARKETING & INNOVATION,
TSUBAKI KABELSCHLEPP
Die Herausforderung ist der steigende
Automatisierungsgrad – verbunden
mit der Notwendigkeit, immer mehr
Leitungen sicher zu führen
minimiert dieses Risiko, indem sie Leitungen gegen äußere Einflüsse
und mechanische Beanspruchung schützt.
Mit dem wachsenden Automatisierungsgrad steigt zugleich die
Zahl der Leitungen, die zuverlässig geführt werden müssen. „Die
Herausforderung ist der immer weiter steigende Automatisierungsgrad“,
beschreibt Peter Pütz, Vice President Marketing & Innovation
bei Tsubaki Kabelschlepp, die Ausgangslage. „Damit
verbunden, müssen immer mehr Daten sicher übertragen und
entsprechend mehr Leitungen sicher geführt werden.“ Gleichzeitig
wachsen die Anforderungen an Variantenvielfalt, Bauraumintegration
und Lebensdauer. Konventionelle Entwicklungsprozesse
stoßen dabei an Grenzen – ein Grund, weshalb das Unternehmen
additive Fertigung und 3D-Scanning als Entwicklungswerkzeuge
einsetzt.
ZWEI BAUREIHEN PARALLEL IN UNTER
SECHS MONATEN
Welchen Effekt das hat, zeigt die Entwicklung der Energiekettenbaureihen
TKHP 85 und TKHP 90. Beide Serien entstanden parallel
in weniger als sechs Monaten – ein Zeitrahmen, der mit konventionellen
Methoden kaum erreichbar gewesen wäre. Möglich
wurde dies, weil im SLS-Verfahren gedruckte Muster bereits in
frühen Entwicklungsphasen mechanisch belastet, zusammengefügt
und im realen Einbauzustand getestet werden konnten. Passungen,
Rastmechanismen und Biegeradien ließen sich ohne
Werkzeuganpassung iterieren, bis das Gesamtsystem einwandfrei
zusammenwirkte.
Zusätzlich beschleunigte 3D-Scanning den Abgleich zwischen
Soll- und Ist-Geometrie. Statt jede Optimierungsstufe mit aufwendigen
taktilen Messreihen zu verifizieren, wurden Muster
vollständig gescannt und automatisch mit den CAD-Daten überlagert.
Abweichungen erkennt das System unmittelbar. „Kunststoff
schrumpft, wölbt sich und verhält sich an kritischen Stellen
nicht immer so, wie es die Theorie verspricht“, erläutert Pütz. „Mit
dem Scan sehen wir das sofort.“
Die Ergebnisse sind quantifizierbar: Die Zahl der Iterationsschleifen
sank von acht bis neun auf vier. Der Materialeinsatz bei
Prototypen reduzierte sich um 60 bis 80 Prozent gegenüber kon-
20 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
IMPULSE
01
02 03
01 Die Energiekettenbaureihen TKHP 85 und TKHP 90 entstanden
unter durchgängigem Einsatz von 3D-Druck und 3D-Scanning. In der
Serie kommt Spritzguss zum Einsatz
02 Die additive Fertigung ist als Containerlösung organisiert:
Drucker, Pulveraufbereitung und Peripherie in einem klimatisierten
Allwettercontainer mit ERP-Anbindung
03 3D-Scanning schafft die Voraussetzungen für den automatischen
Abgleich zwischen gefertigtem Muster und CAD-Sollgeometrie und
ersetzt aufwendige taktile Messreihen
ventionellen Verfahren. Kostenintensive Werkzeuganpassungen
in frühen Entwicklungsphasen entfielen. In der Serie bleibt der
Spritzguss bei der TKHP allerdings das Verfahren der Wahl.
EINSATZGRENZEN BEI MECHANISCHER
BELASTUNG
Das SLS-Verfahren arbeitet schichtweise mit Schichtdicken von
0,1 bis 0,15 mm bei Maßtoleranzen im Bereich von ±0,2 mm.
Charakteristisch ist der Verzicht auf Stützstrukturen, wodurch
sich auch komplexe Geometrien ohne zusätzlichen Fertigungsaufwand
realisieren lassen. Für die Konstruktion von Energieketten
eröffnet dies Freiheitsgrade – etwa bei integrierten Funktionen
oder geometrisch optimierten Bauteilen. Gleichzeitig bleibt
die Prozessführung anspruchsvoll: Materialhandling, Temperaturführung
und Bauraumauslastung beeinflussen die Bauteilqualität
maßgeblich.
Im Vergleich zum spritzgegossenen, glasfaserverstärkten Polyamid
bestehen bei additiv aus Polyamid 12 gefertigten Komponenten
jedoch Unterschiede – vor allem bei der Oberflächenqualität
und der Dauerfestigkeit unter zyklischer Belastung. „Eine
Hochleistungsenergiekette sollte man nicht im 3D-Druck fertigen“,
stellt Pütz klar. „Aber überall dort, wo die mechanische Belastung
nicht extrem hoch ist, lassen sich 3D-gedruckte Teile einsetzen.“
Funktions- und Montagetests ließen sich demnach zuverlässig
mit additiv gefertigten Bauteilen durchführen. Auch
Komponenten mit Führungs- oder Haltefunktionen seien realisierbar.
In hochdynamischen Intralogistik-Anwendungen bleibt
der Spritzguss aufgrund seiner überlegenen Langzeitstabilität jedoch
das Serienverfahren.
INDUSTRIELLE EINBINDUNG ALS
CONTAINERLÖSUNG
Organisatorisch hat Tsubaki Kabelschlepp die additive Fertigung
als Containerlösung umgesetzt: Drucker, Pulveraufbereitung und
Peripherie sind in einem klimatisierten Allwettercontainer zusammengefasst,
der prozessual wie eine Spritzgussmaschine verwaltet
wird – inklusive ERP-Anbindung. Rückverfolgbarkeit und
Kalkulation entsprechen den Standards der etablierten Fertigungslinien.
Nicht versintertes Pulver wird aufbereitet und dem
Prozess wieder zugeführt. Die Kapazitäten sind auf Muster, Vorserien
und projektspezifische Komponenten wie Zugentlastungsblöcke
ausgelegt.
ADDITIVE FERTIGUNG UND
NACHHALTIGKEIT
Ob additive Fertigung grundsätzlich nachhaltiger ist als
Spritzguss, lässt sich nicht pauschal beantworten.
Entscheidend ist die Gesamtbilanz aus Zeit, Ressourcen
und Qualität.
Entwicklungszeit reduzieren: Kürzere Entwicklungszyklen
senken den Energie- und Materialverbrauch. Weniger
Iterationsschleifen bedeuten kürzere Transportwege für
Muster und geringeren Aufwand in begleitenden Prüfprogrammen.
Materialkreislauf schließen: Im pulverbettbasierten
SLS-Verfahren fällt kaum Abfall an. Nicht versintertes
Pulver wird aufbereitet und wiederverwendet. Stützstrukturen
sind nicht erforderlich.
Werkzeugbau vermeiden: Werkzeugbau ist energie- und
materialintensiv. Bei Kleinserien, Anlaufmustern oder
Sonderlösungen spart der Verzicht auf Werkzeuge
Ressourcen.
Grenzen anerkennen: „Dass der 3D-Druck den Spritzguss
ablöst, davon sind wir weit entfernt“, ordnet Pütz ein.
„Kunststoffeigenschaften, Stückzahlen, Oberflächenanforderungen
oder Zykluszeiten sprechen in der Serie oft
weiterhin für den Spritzguss.“
MEHRWERT UND EINSCHRÄNKUNGEN FÜR
INTRALOGISTIK-ANWENDER
Für Betreiber intralogistischer Anlagen wirkt sich das Verfahren
vor allem auf die Projektgeschwindigkeit aus: Muster stehen innerhalb
weniger Tage bereit und lassen sich unmittelbar im Anlagenkontext
testen. Das reduziert Projektrisiken – in erster Linie
bei komplexen Einbausituationen oder Retrofit-Vorhaben. Anwendungsspezifische
Komponenten sind ohne hohe Werkzeugkosten
realisierbar, was bei kleineren Stückzahlen oder häufig
wechselnden Anforderungen vorteilhaft ist.
Gleichwohl bleibt die additive Fertigung ein ergänzendes Verfahren
mit definierten Einschränkungen: Die Materialpalette ist
begrenzt, die Oberflächenqualität erfordert häufig Nachbearbeitung,
und bei hohen Stückzahlen ist der Spritzguss wirtschaftlich
überlegen. „Das Fertigungsverfahren folgt der Aufgabenstellung“,
fasst Pütz zusammen. „Wenn additive Fertigung die beste
Lösung ist, setzen wir sie ein. Wenn Spritzguss überlegen ist,
spritzen wir.“
WB
Fotos: Cimcorp, Tsubaki Kabelschlepp
www.tsubaki-kabelschlepp.com
Quelle: Tsubaki Kabelschlepp
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 21
INTERROLL-STEUERUNGSPLATTFORM MCP PLAY IM PRAXISEINSATZ
WIE RINGANA SEINE VERSANDLEISTUNG
MEHR ALS VERDOPPELTE
Wer heute Intralogistiksysteme plant, steht
unter doppeltem Druck: Anlagen sollen
leistungsstärker, flexibler und skalierbarer sein
– und gleichzeitig schneller realisiert werden. Vor
allem bei Modernisierungen im Bestand sind die
Anforderungen hoch, weil vorhandene
Strukturen weitergenutzt, mit neuen Prozessen
verbunden und auf höhere Durchsätze ausgelegt
werden müssen. Mit der Steuerungsplattform
MCP Play will Interroll an genau diesen Punkten
ansetzen. Ein Modernisierungsprojekt beim
Frischekosmetikhersteller Ringana zeigt, was
sich damit in der Praxis erreichen lässt.
Die Anforderungen an die Intralogistik verändern sich rasant.
E-Commerce, kürzere Lieferzeiten, schwankende
Mengen und steigende Erwartungen an Verfügbarkeit
und Transparenz führen dazu, dass Unternehmen ihre
Materialflusssysteme häufiger erweitern oder modernisieren
müssen. Hier setzt Interroll mit MCP Play an: Die Steuerungsplattform
ergänzt die Modular Conveyor Platform (MCP) um eine
dezentrale Ebene der Anlagensteuerung und soll Integratoren
das Einbinden von Fördertechnik in bestehende oder neue Systemlandschaften
erleichtern. Für Anwender soll der Weg von der
Planung bis zum produktiven Betrieb kürzer und spätere Anpassungen
einfacher werden.
HÖHERE LEISTUNG AUF VORHANDENER FLÄCHE
Relevant ist dieser Ansatz bei Projekten im Bestand. Hier treffen
ambitionierte Leistungsanforderungen auf räumliche und technische
Grenzen, die sich nicht beliebig verschieben lassen. Vorhandene
Komponenten müssen oft weitergenutzt werden, während
andere Anlagenteile modernisiert oder ersetzt werden. Ge-
22 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
TITELSTORY PERSPEKTIVEN
01
01 Herzstück der Anlage ist der Hochleistungssorter mit Lesetunnel,
integrierter Volumenmessung und Waage. Versandetiketten werden
während des Transports ausgelesen und gemeinsam mit Gewichts- und
Volumendaten an das Sortersystem übergeben
02 Modernisierung ohne Stillstand: Fb Industry Automation baute die
Förder- und Sortiertechnik bei laufendem Betrieb um – somit konnte
Ringana seine Kunden während der Projektphase weiter beliefern
nau ein solches Szenario bot das Modernisierungsprojekt von
Ringana in St. Johann in der Haide. Der 1996 gegründete Frischekosmetikhersteller
plante einen Ausbau seines 2017 eröffneten
Logistikzentrums, um den Versand leistungsfähiger aufzustellen.
Entscheidend ist, wie schnell sich Anlagen projektieren,
integrieren und in Betrieb nehmen lassen – und
wie flexibel sie sich an neue Rahmenbedingungen
anpassen können
FLORIAN PÖSINGER,
Key Account Sales Manager, Fb Industry Automation
Ausgehend von einer bisherigen Leistung von rund 1.000 Paketen
pro Stunde sollte die Anlage nach dem Umbau bis zu 2.600 Pakete
pro Stunde bewältigen.
Mit der Umsetzung beauftragte Ringana den ebenfalls in Österreich
ansässigen Systemintegrator Fb Industry Automation aus
Albersdorf-Prebuch in Gleisdorf. Mit ihm hatte der Frischekosmetikhersteller
bereits die Intralogistikanlage im Versandzentrum
in Neufahrn bei München modernisiert.
Im Zentrum des Umbaus stand der Hochleistungssorter. Die
Bandfördertechnik wurde größtenteils durch Interroll-Rollenfördertechnik
ersetzt, einzelne Bereiche – etwa die Arbeits- und Verpackungsplätze
sowie Teile der Fördertechnik – bleiben weiterhin
im Einsatz. Möglich wird das durch den modularen Aufbau
der Plattform: Vorhandene Strukturen lassen sich einbinden,
statt sie vollständig zu ersetzen.
02
Die einzelnen Förderzonen werden dezentral über Interroll-MultiControl-Einheiten
gesteuert und kommunizieren direkt mit der
übergeordneten Logik. Das vereinfacht die Integration und beschleunigt
die Inbetriebnahme – bei Ringana lief sie parallel zum
Tagesgeschäft. Vor allem in Projekten mit engen Zeitfenstern ist
das ein entscheidender Faktor.
EFFIZIENZ IM ZUSAMMENSPIEL
Kunden wollen Leistung ohne Komplexität, und
Systemintegratoren benötigen ebenfalls Lösungen,
die Design, Integration und Betrieb vereinfachen
MARKUS ASCH, CEO, Interroll
Für den Frischekosmetikhersteller zählt in erster Linie die Leistung
im Alltag. Die Förder- und Sortiergeschwindigkeit liegt
heute bei 1,0 bis 1,39 m/s und hat sich gegenüber der alten Anlage
verdoppelt. Die an den acht Verpackungslinien fertiggestellten
Pakete werden über Merge-Bereiche zusammengeführt
und gelangen über Zentralbänder in zwei Ebenen übereinander
zum Sorter. Ergänzende Taktbänder sorgen für definierte För-
PERSPEKTIVEN
TITELSTORY
03 Stellten MCP Play und das Ringana-Projekt auf der Logimat
vor (v. l. n. r.): Ulrich Engenhardt (CTO, Interroll), Florian Pösinger
(Key Account Sales Manager, Fb Industry Automation) und
Markus Asch (CEO, Interroll)
Quelle: Interroll
STEUERUNGSPLATTFORM
MCP PLAY IM ÜBERBLICK
Mit MCP Play hat Interroll eine autonome Steuerungslösung
für seine modulare Behälter- und Kartonfördertechnik-Plattform
MCP entwickelt. Das dezentrale
Steuerungskonzept setzt auf die Interroll-MultiControl
der neuen Generation und macht eine SPS verzichtbar.
Architektur und Schnittstellen
n Dezentrale Steuerung über MultiControl-Einheiten
direkt an jeder Förderzone
n Offene MQTT-Schnittstelle und WMS-Anbindung
n Über MQTT als Übertragungsprotokoll – im VDA-
5050-Standard definiert – kommuniziert die Anlage
mit anderen Automatisierungstechnologien wie
autonomen mobilen Robotern (AMR)
n Direkte Kommunikation zwischen den Controllern
reduziert die Komplexität der IT-Strukturen
Funktionen
n „Adjust to Gap“: reduzierte Abstände zwischen
Packstücken
n „Flowing Merge“: kontinuierliches Zusammenführen
mehrerer Förderlinien ohne Stopp
n Präzise Lokalisierung aller Packstücke auf der Förderstrecke
n Frei skalierbare Zonengrößen
n Nahtloser Wechsel zwischen Betriebsmodi (zum
Beispiel maximale Energieeffizienz oder maximaler
Durchsatz)
Software-Werkzeuge
n Digitale Layoutgestaltung
n PC-gestützte Vorinbetriebnahme und Vorkonfiguration
n Betriebsüberwachung mit schnellem Auffinden
fehlerhafter Module
Leistungsdaten
n Geeignet für Packstücke bis 50 kg
n Bis zu 100 % höhere Durchsätze gegenüber konventionellen
Lösungen
n Bis zu 30 % Energieeinsparung
Auszeichnung: Ifoy Award 2025 in der Kategorie „Special
of the Year“
derfenster, damit die nachfolgenden Prozesse präzise gesteuert
werden können.
Ein weiterer Punkt ist die Datenerfassung direkt im Materialfluss:
Der neue Hochleistungssorter ist mit einem Lesetunnel, einer
Volumenmessung und einer integrierten Waage ausgestattet.
Versandetiketten werden während des Transports ausgelesen
und gemeinsam mit Gewicht und Volumen an das Sortersystem
übergeben. So entsteht eine durchgängige Informationskette, die
die Sortierung beschleunigt und die Nachverfolgbarkeit der Sendungen
verbessert.
Rollenweichen schleusen die Pakete auf die jeweiligen
Versand rampen aus. Zusätzlich wurde eine sechste Versandrampe
integriert, die flexibel zugeordnet werden kann. Das schafft
Spielraum für unterschiedliche Versandanforderungen und lässt
Reserven für künftiges Wachstum.
SKALIERBARKEIT FÜR DIE NÄCHSTEN
WACHSTUMSSCHRITTE
Play ist im Wesentlichen ein Echtzeit-digitaler
Zwilling des Materialflusses. Systeme lassen sich
anhand von Layout- und Flusslogik konfigurieren und
anpassen, anstatt durch klassische Zone-für-Zone-
SPS-Programmierung
ULRICH ENGENHARDT, CTO, Interroll
Mit dem Ausbau des Logistikzentrums wurden die Versandprozesse
für weiteres Wachstum ausgelegt. Der Frischekosmetikhersteller
kann nun 2.600 – in Spitzenzeiten bis zu 3.400 Kartons pro
Stunde – und bis zu 50.000 Pakete pro Tag versenden. Von der
Angebotserstellung bis zur Implementierung vergingen sieben
Monate.
Die Modularität bleibt dabei auch über das aktuelle Projekt hinaus
relevant: Eine Anlage, die sich dezentral steuern und modular
erweitern lässt, kann an veränderte Marktanforderungen angepasst
werden, ohne jedes Mal grundlegend neu geplant werden
zu müssen. Für die Innovation MCP Play erhielt Interroll den
Ifoy Award in der Kategorie „Special of the Year 2025“.
„Mit der Modular Conveyor Platform von Interroll und der
neuen Play-Funktionalität konnten wir die Planungs- und Inbetriebnahmezeiten
deutlich verkürzen und dadurch erhebliche
Kosteneinsparungen in unseren Projekten erzielen“, erklärt Florian
Pösinger, Key Account Sales Manager bei Fb Industry Automation.
„Nachdem wir im ersten Projekt umfassende Unterstützung
von Interroll erhalten hatten, konnten wir das zweite Projekt eigenständig
umsetzen – ein Beleg dafür, wie intuitiv sich das System
bedienen lässt.“
Autorin: Anja Seemann, freie Fachjournalistin, Heiligenhaus
Fotos: Fb Industry Automation, Interroll
www.interroll.com
24 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
MARKTPLATZ
DEZENTRALER ANTRIEB
STEIGERT EFFIZIENZ
LINEARANTRIEBE KOMPLETTIEREN HOCHLEISTUNGSPROGRAMM
Auf der Hannover Messe 2026 komplettierte Schaeffler seine Baureihe elektromechanischer
EWELLIX-Linearantriebe: Mit den neuen Baugrößen EMA-50 und EMA-60 decken die Hochleistungsaktuatoren
dynamische Lasten von einer und zwei Tonnen ab – als ölfreie, wartungsarme
Alternative zu Hydraulik und Pneumatik. Die kompakten Antriebe eignen sich für mobile
Maschinen, die Lebensmittelindustrie sowie für Handlingaufgaben
in der Intralogistik.
Mit einem Querschnitt von 50 mm beim EMA-50 und 65 mm beim
EMA-60 erreichen die Aktuatoren eine hohe Leistungsdichte. Kraft
und Geschwindigkeit lassen sich über drei Getriebeübersetzungen
flexibel abstimmen. Über Adapter lassen sich handelsübliche
Motoren inklusive Resolver-System und Bremse anbinden. Ergänzend
zu den verfügbaren Stirnradgetrieben befinden sich Zahnriemengetriebe
für höhere Verfahrgeschwindigkeiten in Entwicklung.
www.schaeffler.com
Höhere Durchsätze, mehr
Flexibilität und ein optimierter
Energiebedarf prägen die
Anforderungen von Verpackungs-
und Förderanlagen. Mit
der Antriebseinheit Movione
erweitert SEW-Eurodrive sein
Portfolio dezentraler Antriebslösungen
um eine standardisierte
Variante für Materialflussanwendungen.
Auf der
Interpack 2026 zeigte der
Hersteller die kompakte Einheit,
die sich mit IE3- oder IE5-Motoren
sowie als eigenständiger
dezentraler Umrichter einsetzen
lässt. Geeignet ist die
Lösung für Rollen-, Gurt- und
Kettenförderer in Neuanlagen
wie auch in Nachrüstungen. Als
Bestandteil des Automatisierungsbaukastens
Movi-C lässt
sich Movione über eine standardisierte
Schnittstelle in bestehende
Anlagenkonzepte
integrieren. Die Bauweise
unterstützt eine schnelle
Inbetriebnahme.
www.sew-eurodrive.de
NEUE CIJ-DRUCKER
SENKEN KOSTEN
Eine neue Generation von
Continuous-Inkjet-Druckern
reduziert Komplexität und
Betriebskosten in der industriellen
Produktkennzeichnung. Die
Linx-9900-Serie von Bluhm
Systeme verfügt serienmäßig
über die PrintProtect-Batterie,
die den Drucker bei Stromausfall
bis zu drei Minuten weiterbetreibt
und anschließend
einen kontrollierten Abschaltvorgang
inklusive automatischer
Druckkopfreinigung (Linx
AutoFlush) einleitet. Über die
Schnittstelle QuickSwitch
lassen sich Produktwechsel
vornehmen.
www.bluhmsysteme.com
STILL-WELTPREMIERE
IM VORFELD DER LOGIMAT 2026
DER BLINDE FLECK AN DER
LADERAMPE IST GESCHICHTE
Hochregallager, Fördertechnik, innerbetriebliche
Transporte – in vielen Unternehmen sind diese
Bereiche längst automatisiert. Doch an der
Laderampe endete die Automatisierungskette
bislang. Mit dem AXL 15 iGo präsentierte Still
im Vorfeld der Logimat 2026 eine serienreife
Lösung, die diese letzte Lücke schließen soll
– und dabei ohne stationäre Sicherheitstechnik
in der Ladezone auskommt.
Der Dockbereich zählt zu den anspruchsvollen Umgebungen
in der Intralogistik. Zeitdruck, wechselnde Trailer-
Geometrien, schwankende Witterungsbedingungen und
enge Platzverhältnisse treffen hier auf hohe Sicherheitsanforderungen
und zunehmenden Personalmangel – in einem
Arbeitsbereich, der zudem körperlich besonders belastend ist.
Hinzu kommt, dass in Europa eine große Vielfalt an Trailer-Typen
unterwegs ist: von Wechselbrücken über Koffer bis hin zu Planenaufliegern.
Diese Heterogenität machte eine standardisierte
Automatisierung des Be- und Entladevorgangs bislang nahezu
unmöglich.
Wie wirtschaftlich drängend das Thema ist, verdeutlichen zwei
Kennzahlen: Laut Erkenntnissen von Still beträgt der Anteil der
Be- und Entladeprozesse an den Gesamtlagerkosten rund 20 Prozent.
Zugleich wächst die Nachfrage nach Automatisierungslösungen
branchenweit rasant – bei Still stiegen die Vertriebsanfragen
in diesem Segment im vergangenen Jahr um mehr als 50 Prozent.
Der Hamburger Intralogistikspezialist nutzte ein Presseevent
in Kernen im Remstal, um Fachjournalisten aus zwölf
Ländern den autonomen Niederhubwagen AXL 15 iGo vorzustellen
– nach Unternehmensangaben die erste in Serie gefertigte Lösung
für die autonome Lkw-Be- und -Entladung ohne stationäre
Sicherheitstechnik.
„Mit dem AXL 15 iGo erschließen wir einen bislang blinden
Fleck der Intralogistik und machen die automatisierte Be- und
Entladung von Lkw erstmals massentauglich“, erklärte Dr. Florian
››
WINFRIED BAUER,
CHEFREDAKTEUR F+H
Die Lkw-Beladung galt als letzte Bastion
manueller Arbeit im Materialfluss. Dass Still
diese mit einer serienreifen, infrastrukturunabhängigen
Lösung adressiert, könnte den
Automatisierungsgrad in der Intralogistik
spürbar nach vorne bringen
Heydenreich, Geschäftsführer Sales & Service bei Still. Durch die
Standardisierung der Abläufe an der Rampe entstünden reproduzierbare
Prozesse, die Stabilität und Transparenz im Wareneinund
-ausgang deutlich steigerten.
DOPPELTE SENSORSTRATEGIE STATT
STATIONÄRER INFRASTRUKTUR
Die technische Besonderheit des AXL 15 iGo liegt in der Kombination
zweier Lokalisierungstechnologien, die je nach Einsatzumgebung
automatisch wechseln. Außerhalb des Trailers navigiert
das Fahrzeug mithilfe von 3D-Visual-SLAM-Technologie:
Kameras erfassen die Umgebung, identifizieren charakteristische
Merkmale wie Kanten und Objekte und bestimmen daraus Position
sowie Ausrichtung des Flurförderzeugs in Echtzeit. Eine Anpassung
der vorhandenen Infrastruktur – etwa durch Reflektoren
oder Bodenmarkierungen – ist nicht erforderlich, was die Ersteinrichtung
deutlich vereinfacht.
26 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
PERSPEKTIVEN
01 Der autonome Niederhubwagen AXL 15 iGo beim Beladen eines
Trailers. Das Fahrzeug navigiert im Laderaum per LiDAR-basierter
Lokalisierung und arbeitet ohne stationäre Sicherheitstechnik
Quelle: Still
02 Aus der Bodenperspektive wird sichtbar, wie der autonome
Niederhubwagen eine Palette in den Trailer transportiert.
Die visuellen Warnsignale des Flurförderzeugs sind
Teil des mehrschichtigen Sicherheitskonzepts
Beim Einfahren in den Trailer schaltet das System automatisch
auf eine LiDAR-basierte Lokalisierung um. Damit arbeitet das
Fahrzeug auch unter den beengten und geometrisch variierenden
Verhältnissen verschiedener Trailer-Typen zentimetergenau.
Die Entwickler haben sich dabei nach eigenen Angaben eng am
menschlichen Fahrverhalten orientiert: Wie nah fährt ein erfahrener
Bediener an die Bordwand heran? Wann nimmt er einen
Kontakt mit der Bordwand in Kauf? Dieses Erfahrungswissen
wurde in Algorithmen überführt, um ein effizientes und zugleich
materialschonendes Handling zu erreichen, ohne die Geschwindigkeit
zugunsten übermäßiger Vorsicht zu opfern.
Ergänzt wird das Navigationskonzept durch ein mehrschichtiges
Sicherheitspaket: LiDAR-Sicherheitsscanner und Kamerasysteme
erkennen Personen und Hindernisse auch auf engstem
Raum, visuelle und akustische Warnsignale informieren das Umfeld.
Eine integrierte 3D-Palettenerkennung erlaubt die sichere
Handhabung auch leicht versetzter Paletten. Darüber hinaus erkennen
Sensoren zuverlässig, wenn ein Lkw während des Beladevorgangs
unerwartet von der Rampe wegfährt, und stoppen das
Flurförderzeug automatisch.
Der entscheidende Differenzierungspunkt gegenüber bisherigen
Ansätzen am Markt: Das Sicherheitskonzept ist vollständig
fahrzeugseitig implementiert. Stationäre Installationen an der
Verladestelle oder im Trailerbereich – ein Safety-at-the-Gate-
Konzept – entfallen vollständig. Das macht die Lösung standortunabhängig
einsetzbar und verkürzt die Implementierungszeit
erheblich. In der Praxis verladen zwei AXL 15 iGo bis zu 30 Epal-
Paletten in rund 35 Minuten.
PRAXISERPROBT – MIT EHRLICHER
EINSCHÄTZUNG DER GRENZEN
Dass Still kein Konzeptfahrzeug, sondern ein serienreifes Produkt
vorstellen konnte, ist maßgeblich das Ergebnis einer vierjährigen
Still AXL 15 iGo
Abmessungen und technische Daten
Fahrzeugtyp
Tragfähigkeit
Fahrgeschwindigkeit
Beladeleistung
Navigation außerhalb
Trailer
Navigation im Trailer
Sicherheitssysteme
Stationäre Sicherheitstechnik
Trailer-Typen
Flottenintegration
Zielbranchen
Verfügbarkeit
Autonomer Niederhubwagen
bis zu 1.500 kg
bis zu 2 m/s
30 Epal-Paletten in ca. 35 min (zwei Fahrzeuge,
kurze Palettenseite vorne)
3D-Visual-SLAM (kamerabasiert)
LiDAR-basierte Lokalisierung
LiDAR-Sicherheitsscanner, Kamerasysteme,
3D-Palettenerkennung, visuelle/akustische
Warnsignale, Not-Aus
nicht erforderlich
keine Einschränkung
VDA 5050, offene API zu WxS-Systemen
3PL, Lebensmittel-/Einzelhandelslogistik,
produzierende Industrie
ab sofort
01
02
Entwicklungspartnerschaft mit dem belgischen Handelskonzern
Colruyt. Seit zwei Jahren ist der AXL 15 iGo dort im Realbetrieb
im Einsatz – nicht unter Laborbedingungen, sondern mit Retailpaletten
in einer operativen Lagerumgebung. Jasper Van Gool,
bei Still als Programmmanager für die Trailer-Lösung verantwortlich,
betonte: „Diese Lösung ist nicht isoliert in unserer Entwicklungsabteilung
entstanden. Colruyt hat uns mit seinem Wissen
aus dem operativen Alltag vorangetrieben, und wir haben
unsere Expertise in der Geräteindustrialisierung eingebracht.“
Während der Präsentation des AXL 15 iGo kommunizierte Still
bemerkenswert offen die Grenzen der aktuellen Lösung. Der
Marktstart konzentriert sich bewusst auf die Lkw-Beladung. Das
Entladen ist technisch zwar grundsätzlich möglich, doch die Ausgangslage
unterscheidet sich fundamental: Paletten können sich
während des Transports verschieben, und die Ladungssicherung
verändert die Situation im Laderaum zusätzlich. Für einen zuverlässigen
autonomen Entladevorgang reicht der aktuelle Entwicklungsstand
daher noch nicht aus. Still fokussiert sich deshalb zunächst
auf Szenarien, in denen der Betreiber die Ausgangslage im
Trailer kontrolliert.
Auch hinsichtlich der Leistungsfähigkeit in zeitkritischen Umgebungen
positionierte sich das Unternehmen realistisch. An Retail-Rampen
mit engen Zeitfenstern von teils nur 30 Minuten pro
Lkw könne die autonome Lösung an ihre Grenzen stoßen – die
reine Beladezeit für 30 Epal-Paletten liegt mit rund 35 Minuten
bereits über einem solchen Zeitfenster. Allerdings gebe es zahlreiche
Einsatzszenarien – in der Produktion mit kontinuierlichem
Warenausgang ebenso wie bei Logistikdienstleistern mit planbarem
Palettenumschlag –, in denen die Taktung ausreiche. Mischbetrieb
ist zudem ausdrücklich vorgesehen: Ein Betreiber könnte
beispielsweise drei von zehn Rampen automatisieren und die übrigen
weiterhin manuell bedienen.
Die Flottenintegration geschieht über die Standardschnittstelle
VDA 5050 sowie offene API zu Lagerverwaltungssystemen, was
die Einbindung in bestehende Systemlandschaften erleichtert.
Die Basisfahrzeuge fertigt Still im Werk in Frankreich, die Automatisierungsausstattung
wird am Standort Antwerpen aufgebracht.
Das Fahrzeug ist ab sofort verfügbar – laut Still nicht nur
als Einzelgerät, sondern als skalierbare Flottenlösung für Branchen
mit hohem Palettenumschlag.
Winfried Bauer
Fotos: f+h, Still, Karte auf S. 26: Stepmap, 123map. Daten: Openstreetmap,
Lizenz: ODbL 1.0
www.still.de
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 27
PRODUKTE UND SYSTEME
MES UND AMR IM ZUSAMMENSPIEL
VOM FERTIGUNGSAUFTRAG
ZUM FAHRBEFEHL
Autonome Mobile Roboter (AMR) erobern neue
Einsatzbereiche im innerbetrieblichen Transport
– zum Beispiel bei der Beschickung von
Werkzeugmaschinen. Voraussetzung dafür ist
eine Transportsteuerung, die an das ERP andockt
und auch heterogene AMR-Flotten steuern kann.
Dass der Markt für fahrerlose Transportfahrzeuge in der
Intralogistik kontinuierlich wächst, hat seinen Grund in
der zunehmenden Autonomie und Flexibilität dieser
Geräte, die sich von fahrerlosen Transportsystemen
(FTS) zu autonomen mobilen Robotern (AMR) entwickeln. Das
heißt: Sie haben keine festen Fahrwege mehr, sondern navigieren
frei im Raum und lassen sich flexibel dirigieren. Damit eignen
sich diese Flurförderzeuge nicht nur für die Großserienproduktion
zum Beispiel in der Automobilindustrie, sondern auch für
mittelständisch geprägte Branchen wie die Metallbearbeitung.
Hier können sie (Werkzeug-)Maschinen mit Material versorgen
oder allgemeine Transportaufgaben übernehmen. So kann der
Anwender einen automatisierten Materialfluss realisieren und
zugleich die bei kleineren Fertigungs-Losgrößen nötige Flexibilität
bewahren.
Die Fähigkeit zum autonomen Navigieren ist allerdings nur eine
von mehreren Voraussetzungen für den Einsatz von AMR zum
Beispiel in der spanenden Fertigung. Eine andere ist die zentrale
Steuerung der Fahrzeuge und eine weitere die Integration dieser
Steuerung in die jeweilige IT-Infrastruktur (ERP, MES…). Häufig
sollen auch Fahrzeuge verschiedener Hersteller in das Flottenmanagement
integriert werden. Dafür gibt es mit der Kommunikationsschnittstelle
VDA 5050 einen Standard, der FTS und AMR
auf der Daten- und Steuerungsebene in den Materialfluss einbindet.
Für die Integration der Fahrzeuge in die innerbetriebliche
Materialflusssteuerung steht jetzt ein neuer Softwarebaustein auf
der EVO-Plattform zur Verfügung, der über mehrere Jahre entwickelt
wurde und nun in ersten Anwendungsfällen zum Einsatz
kommt.
AUFGABE: DIE „ORCHESTRIERUNG“ DER
INTRALOGISTIK
Als Leitsystem überwacht der Softwarebaustein mit der Produktbezeichnung
EVOorchestration alle laufenden Transportaufträge
zwischen Maschinen, Lager- und Montagebereichen und entscheidet,
welchem Roboter – oder auch welchem Mitarbeiter –
die jeweilige Aufgabe übergeben werden kann. Dazu zählen die
Anlieferung von Material, der Weitertransport von Halbfertigteilen
zur nächsten Arbeitsstation sowie der Abtransport fertiger
Teile ins Lager.
Am Fahrziel angekommen, meldet der Roboter der Leitzentrale,
dass die Transportaufgabe abgeschlossen ist. Ist der Auftrag einem
Logistikmitarbeiter zugewiesen, meldet dieser zum Beispiel
per Tablet, dass er die Aufgabe erledigt hat und neue Aufgaben
übernehmen kann.
DEMO-PROJEKT: FAHRBEFEHLE AUS DEM
MES ERZEUGT
Um einem größeren Publikum die Funktionsweise der Kombination
von MES bzw. ERP und integrierter FTS-/AMR-Steuerung
vorzustellen, ging ein solches Projekt kürzlich mit einem frei navigierenden
AMR in der Demofabrik Smart Factory in Schwäbisch
Gmünd erstmals in Betrieb.
Statt Maschinen und Übergabestationen mit hohem Engineeringaufwand
über eine komplexe Sensorintegration individuell
anzubinden, erhält die AMR-Steuerung ihre Fahrbefehle direkt
über das MES EVOperformance. Das MES überwacht Maschinen
und Fertigungsfortschritt in Echtzeit und löst damit automatisch
Transportaufträge aus.
KOMMUNIKATION ÜBER INDUSTRIE-WLAN,
INBETRIEBNAHME AN EINEM TAG
In der Praxis können diese vom MES weitergegebenen Aufträge
zum Beispiel die Voraussetzung dafür schaffen, dass auch in Spätund
Nachtschichten oder in mannlosen (Wochenend-)Schichten
28 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
EVOORCHESTRATION VERNETZT
AMR, FTS UND PERSONAL IM
MATERIALFLUSS
Maschinen und Werkstationen automatisiert versorgt werden
können. Dabei können nicht nur Teile, sondern auch Werkzeuge
bereitgestellt oder Späne automatisiert entsorgt werden.
Die Demofabrik stellte keine besonderen Anforderungen an
die Infrastruktur: Das bereits vorhandene WLAN übernimmt die
Kommunikation mit dem AMR, und die smarten Endgeräte der
Anwender sind mit einer entsprechenden App ausgestattet. Auch
eine Vorbereitung der Umgebung – etwa durch Navigationsmarken
– war nicht nötig. Stattdessen wird der mobile Roboter einmalig
durch die Halle bewegt, zeichnet dabei Objekte und Wände
auf und navigiert anschließend frei im Arbeitsbereich. Die Übergabestationen
werden während der Inbetriebnahme in der Administrationssoftware
definiert – das Ergebnis: ein betriebsbereites
System nach einem Tag.
Aktuell liegen noch keine Daten zum Durchsatz und zu Zeitoder
Rationalisierungsgewinnen vor. Gezeigt wurde aber schon,
dass sich ein solches System schnell implementieren lässt und
sich gut in IT- und Materialflussprozesse einfügt. Wie hoch der
konkrete Produktivitätsvorteil ausfällt, hängt unter anderem von
der Anzahl der eingesetzten Roboter, der Transportfrequenz und
den Streckenlängen ab. Gegenüber der Verkettung mit stationärer
Fördertechnik bietet die AMR-basierte Lösung den Vorteil, dass
sich Routen und Abläufe ohne bauliche Eingriffe anpassen lassen.
KONNEKTIVITÄT – PER VDA 5050, API ODER ERP
Das beschriebene Leitsystem unterstützt derzeit verschiedene
Kommunikationsschnittstellen für Mobilroboter, darunter eine
VDA-5050-konforme Schnittstelle, eine REST- oder SOAP-API sowie
die Integration in das ERP-System des Anwenders. Über diese
dokumentierten Schnittstellen kann das Leitsystem mit Flottenmanagern
anderer Hersteller sowie mit den Lösungen von Integratoren
gekoppelt werden. Von EVO entwickelte Konnektoren integrieren
die Transportsteuerung in den übergeordneten Fertigungsprozess
– vom Fertigungsauftrag bis zur Fertigmeldung.
VERNETZUNG VON MENSCH, MASCHINE UND
ROBOTER
Zu den Besonderheiten von EVOorchestration gehört, dass Fahraufträge
sowohl an den FTS-/AMR-Flottenmanager als auch an
Mitarbeiter vergeben werden können, die beispielsweise per
Hubwagen eine Palette mit Rohteilen zur Werkzeugmaschine
transportieren. So lassen sich bemannte Tagschichten ebenso
wie mannlose Nacht- oder Wochenendschichten mit ein und
demselben System abbilden. In beiden Fällen sorgt EVOorchestration
für einen durchgängigen Material- und Informationsfluss
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 29
PRODUKTE UND SYSTEME
01 02
01 Die Transportsteuerung – hier ein Fahrauftrag – ist mit der
übergeordneten IT-Infrastruktur verbunden
02 Ein erster „Use case“ der ins MES integrierten Transportsteuerung
für AMR wurde kürzlich in der Demofabrik Smart Factory in Schwäbisch
Gmünd umgesetzt
im Produktionsumfeld. Die Software kann eigenständig betrieben,
aber auch mit vorhandenen ERP- oder PPS-Lösungen gekoppelt
werden. In jedem Fall fungiert sie als herstellerübergreifende
Aufgabensteuerung, die die in der Fertigung anfallenden
Transportaufgaben koordiniert und AMR-Flotten und Mitarbeitern
zuweist – und das so einfach, dass auch kleine und mittelgroße
Fertigungsbetriebe mit einem einzelnen Transportfahrzeug
einsteigen können. Da die Transportaufgaben automatisiert
zugewiesen werden, können sich die Mitarbeiter auf wertschöpfende
Prozesse konzentrieren.
PERSPEKTIVE: DIE AUTONOME FERTIGUNG
Die Integration von AMR-/FTS-Leitsystemen in die MES- oder
ERP-Plattform (bzw. die Konnektivität zwischen den beiden Systemen)
lässt sich noch weiterdenken: Automatisierte Werkzeugmaschinen
erhalten ihre Fertigungsaufträge per MES, das auch
die Prozesse überwacht und – zum Beispiel in Richtung Einkauf
und Auftragsbearbeitung – mit dem ERP verbunden ist. Das Leitsystem
organisiert den innerbetrieblichen Transport nach den
Vorgaben von MES und ERP. Mit dieser Architektur kann der Anwender
eine autonome Produktion realisieren.
DER EINSTIEG IN DIE MOBILROBOTIK
Aus Anwendersicht stellt sich die Frage, wie man ein Mobilrobotik-Projekt
aufsetzen oder beginnen sollte. Experten raten dazu,
als ersten Schritt eine Potenzialanalyse in Auftrag zu geben und –
im besten Falle – mit dem gewählten Partner eine eher einfache
Automatisierungs- oder Transportaufgabe zu identifizieren und
umzusetzen. Wenn sich dies als erfolgreich erweist, kann – wenn
vorhanden – ein komplexeres Projekt folgen, bei dem man unter
Umständen Teile der vorhandenen Plattformstruktur nutzen
kann. Ein weiterer Vorteil dieser Vorgehensweise: Ein solches Erstprojekt
nimmt Mitarbeitern die Angst und fördert die Akzeptanz.
Einige AMR-Anbieter sind inzwischen auch bereit, auf Testoder
Mietbasis erste Pilotprojekte zu starten, damit der Anwender
zu belastbaren Ergebnissen kommt, bevor er die Investition
in autonome Robotik tätigt.
Autor: Jürgen Widmann, Geschäftsführer, EVO Informationssysteme GmbH,
Durlangen
Fotos: EVO Informationssysteme
www.evo-solutions.com
AUF EINEN BLICK
n Das Leitsystem EVOorchestration integriert die AMR-/
FTS-Steuerung direkt in MES und ERP – Transportaufträge
werden automatisch aus dem Fertigungsfortschritt
abgeleitet.
n Über eine VDA-5050-konforme Schnittstelle lassen sich
Fahrzeuge verschiedener Hersteller in ein gemeinsames
Flottenmanagement einbinden.
n Das System orchestriert automatisierte AMR-Transporte
ebenso wie manuelle Transportaufgaben durch
Mitarbeiter. Reguläre Tagschichten und mannlose
Nacht- oder Wochenendschichten lassen sich so mit
derselben Plattform abbilden.
n Die Inbetriebnahme ist innerhalb eines Tages möglich,
ohne bauliche Eingriffe oder Navigationsmarken – ein
niedrigschwelliger Einstieg auch für kleine und mittelgroße
Fertigungsbetriebe.
30 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
MARKTPLATZ
PICK-BY-LIGHT-SYSTEME: KAPAZITÄTEN UND TERMINE IM BLICK
Vor allem zu saisonalen Spitzenzeiten kommt es auf eine fehlerfreie, schnelle Kommissionierung an, um das erhöhte Auftragsvolumen
zu bewältigen und pünktliche Lieferzeiten einzuhalten. Die Modularität und Skalierbarkeit der Pick-by-Light-Systeme der KBS
Industrieelektronik GmbH lassen sich an Auftragsmengen oder wechselnde Anforderungen anpassen. Aufgrund klarer, visueller
Führung und Auftragsgruppierung in Batches lassen sich mehrere Aufträge in einem Lauf bearbeiten, oftmals in Kombination mit
einem Kommissionierwagen. Das System fügt sich über standardisierte Schnittstellen in
Softwarelösungen ein und lässt sich im laufenden Betrieb implementieren. Pick-to-Light-Displays
mit geteilter Blickfangleuchte schaffen durch getrennte Ansteuerung die Voraussetzungen
für eine exakte Fachzuweisung sowie für gleichzeitiges Arbeiten von zwei Kommissionierern
in derselben Zone. Sensortechnologie bei der Auftragsquittierung beschleunigt zusätzlich
den Kommissionierprozess. Echtzeit-Monitoring sorgt für Transparenz und Sicherheit hinsichtlich
Auftragsstatus und Bestand. Das System ist einfach und intuitiv zu bedienen, sodass
saisonale Aushilfskräfte ohne langes Training kurzfristig und effizient einsetzbar sind.
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HALTEBREMSE
SICHERT ACHSEN
Schwerkraftbelastete Achsen
gegen unkontrolliertes
Abstürzen zu sichern ist eine
zentrale Anforderung im
Maschinenbau. Mit der
stufenlosen Haltebremse
(SHB) bietet Leantechnik ein
pneumatisches Klemmsystem,
das Lasten spielfrei und mit
hoher Steifigkeit direkt auf der
Driving the world
Wenn Fördertechnik
einfach läuft.
Linearführung fixiert. Im
drucklosen Zustand drückt
eine Tellerfeder das Klemmelement
auf die Profilschiene und
fixiert so die Last.
Verfügbar ist die SHB in zwei
Ausführungen: mit 6 bar und
einer Nenn-Haltekraft bis
12.000 N sowie mit 20 bar und
bis zu 30.000 N über einen
mechanischen Druckbooster.
Dieser steigert den Systemdruck
kostengünstig, ohne
dass die Druckluftversorgung
angepasst werden muss.
Konzipiert wurde die Bremse
für den Einsatz an lifgo-Zahnstangengetrieben.
Eine
Fail-Safe-Funktion sorgt auch
bei Pneumatik-Ausfall für eine
sichere Fixierung. Gegenüber
Stangen- oder Bandbremsen
erreicht die SHB laut Herstellerangaben
die dreifache
Steifigkeit.
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PRODUKTE UND SYSTEME
SOFTWARE-MODERNISIERUNG STATT NEUANLAGE
MATERIALFLUSS AUTOMATISIERT – FÜR EIN
FÜNFTEL DER ERSATZINVESTITION
Das Ende des Windows-10-Supports stellte den
Faltschachtelhersteller LGR Reine Emballages vor
eine grundlegende Entscheidung: Die gewachsene
Fördertechnik am Standort Oyonnax in Frankreich
ließ sich nicht auf das neue Betriebssystem
migrieren. Statt die Anlage für geschätzt
900.000 Euro zu erneuern, wählte das
Unternehmen den Weg einer Software-
Neuentwicklung auf Basis aktueller Werkzeuge.
Was als erzwungenes Update begann, wurde zum
Automatisierungsprojekt mit messbarem Nutzen.
Als Microsoft im Herbst 2025 den Support für Windows 10
einstellte, waren zahlreiche Betreiber älterer Intralogistikanlagen
betroffen – so auch LGR Packaging. Das Unternehmen
mit Hauptsitz im französischen Oyonnax gehört
zu den großen europäischen Herstellern bedruckter Faltschachteln,
unter anderem für die Pharmaindustrie. Am Standort
Rheine betreibt LGR eine umfangreiche Fördertechnik von Krifft
& Zipsner (Steinebach), die als Pufferlager zwischen Druckerei
und Stanzerei dient. Die Anlage umfasst 76 Förderlinien auf zwei
Ebenen mit einer Kapazität von 35 Stapeln pro Stunde in der Druckerei
sowie 42 Förderlinien auf einer Ebene in der Stanzerei. Er-
gänzt wird das System durch fünf Transferwagen, eine Dreheinheit
und zwei Stapelwender.
In den 25 Jahren seit der Erstinstallation wurde die Anlage wiederholt
erweitert und umgebaut. Die zugehörigen HMI-Applikationen
(Human-Machine-Interface) waren dabei an ältere Hardware
und Entwicklungsumgebungen gebunden, die sich nicht
auf Windows 11 übertragen ließen. Eine einfache Betriebssystem-Migration
schied damit aus.
Die Alternative – ein Komplettaustausch von Verkabelung,
Steuerschränken und Programmierung – hätte eine Investition
von geschätzt 800.000 bis 900.000 Euro erfordert. Der gewählte
Ansatz, die Steuerungssoftware mit aktuellen Entwicklungswerkzeugen
von Grund auf zu erstellen und die vorhandene Hardware
weiterzunutzen, lag mit rund 170.000 Euro bei weniger als einem
Fünftel dieser Summe.
SOFTWARE FÜR BESTEHENDE STEUERUNGS-
ARCHITEKTUR
Krifft & Zipsner implementierte die eigene Lösung KriZiTrans-
Desk in den Varianten Professional und Web. Die Software steuert
den Materialfluss zwischen den Fertigungsbereichen und ist
über eine MS-SQL-Datenbank an die betriebseigene Datenerfassung
sowie das ERP-System von LGR angebunden.
Die technische Integration stellte besondere Anforderungen:
Insgesamt waren 17 Siemens-S7-300-Steuerungen über MPI-
Schnittstellen einzubinden, dazu die angeschlossenen Fertigungsmaschinen
– ein Querschneider, drei Druckmaschinen,
vier Stanzen und drei Kaschiermaschinen. Unverrückbare Vorgabe
war, dass die bestehenden Datenstrukturen auf S7-Seite nicht
PRODUKTE UND SYSTEME
Die KriZiTransDesk-
Oberfläche bildet Förderlinien,
Transferwagen und
RFID-Auftragsdaten der
Stanzerei in Echtzeit ab.
Der Automatisierungsgrad
lässt sich über
drei Betriebsmodi
steuern
verändert werden durften. Der Einsatz moderner S7-1500-Steuerungen
als zentrale Schnittstelle wäre technisch eleganter gewesen,
hätte jedoch umfangreiche Änderungen am gewachsenen
Steuerungsnetzwerk erfordert und den Kostenrahmen deutlich
überschritten.
AUTOMATISIERUNG ALS EIGENTLICHER HEBEL
In den vergangenen Jahren hatte LGR am Standort Rheine neue
Fertigungsmaschinen installiert und die Kapazitäten gesteigert.
Die alte HMI-Software war jedoch nur punktuell angepasst worden,
sodass das Logistikkonzept den veränderten Anforderungen
nicht mehr entsprach. Die Folge: Bereichsleiter verbrachten einen
erheblichen Teil ihrer Schichtzeit damit, einzelne Stapel oder
Aufträge im Halbautomatik-Modus zu Maschinen transportieren
zu lassen und Umlagerungen vorzunehmen.
Mit der Software-Neuentwicklung bot sich die Gelegenheit,
diese manuellen Prozesse grundlegend zu automatisieren. Angesetzt
wurde auf mehreren Ebenen:
RFID-gestützte Stapelverfolgung: Alle fünf Transferwagen erhielten
RFID-Technik, um die Auftragszuordnung je Stapel lückenlos
sicherzustellen. Unnötige Umlagerungen, die im bisherigen
Betrieb regelmäßig anfielen, erübrigen sich durch die
konsequent auftragsreine Einlagerung.
Datenbankgestützte Auftragssteuerung: Über eine Datenbankanbindung
gibt die Fertigungsplanung die Reihenfolge der Maschinenbeschickung
direkt vor. Für Flexibilität im Tagesgeschäft
lässt sich ein Pool von bis zu fünf Aufträgen frei priorisieren.
Auch die manuelle Einzelbestellung bleibt als Rückfallebene
erhalten.
Automatische Maschinenbeschickung: Von den Bedienstationen
der Druck- und Kaschiermaschinen lassen sich Aufträge
per Order-Tool gezielt abrufen. Die angeforderten Stapel werden
anschließend automatisch zwischen den Fertigungsbereichen
transportiert. Das System beliefert die Druckmaschinen
dabei nicht mehr nach reinen Auftragsnummern, sondern
nach gleichartiger Ware – sortiert nach Länge, Breite und Kartoneigenschaften.
Automatisierter Kaschierprozess: Der Abruf aus dem Druckerei-Lager
zu den drei Kaschiermaschinen wurde so weit automatisiert,
dass die benötigten Stapel selbsttätig in ein maschinennahes
Zwischenlager mit bis zu drei Stellplätzen je
Kaschiermaschine gelangen. Ist eine Rotation der Stapel erforderlich,
fährt der Transferwagen zuvor automatisch einen
Drehtisch an und bringt den gedrehten Stapel zum Zielplatz.
Auch die Bestückung der Anleger geschieht ohne manuellen
Eingriff.
ERGEBNIS: MEHRSTUFIGER MATERIALFLUSS
OHNE MANUELLE EINGRIFFE
Der Fertigungsfluss – vom Querschneider über die Transfer wagen
in das Druckerei-Zwischenlager, von dort zu den Druckmaschinen,
weiter zu den Kaschiermaschinen und schließlich zum Zwischenlager
vor den Stanzen – läuft nun durchgängig automatisiert.
Das System arbeitet über mehrere Fertigungsstufen autark.
Die Zeitersparnis beziffert der Anlagenbetreiber auf rund drei
Stunden pro Tag in der Druckerei und rund vier Stunden pro Tag
in der Stanzerei – Kapazitäten, die zuvor für das manuelle Zusammenstellen
und Transportieren von Aufträgen gebunden waren.
Die Projektlaufzeit betrug einschließlich Test- und Inbetriebnahmephase
rund sechs Monate. Da die Ergebnisse am Standort
Rheine die Erwartungen übertrafen, wurde das Konzept bereits
auf ein weiteres LGR-Werk übertragen. Zwei zusätzliche Standorte
sollen folgen.
WB
Fotos: Krifft & Zipsner
www.krifft-zipsner.de
AUF EINEN BLICK
Auslöser: Das Ende des Windows-10-Supports machte
die gewachsene Steuerungssoftware einer 25 Jahre
alten Förderanlage unbrauchbar – eine Betriebssystem-
Migration war technisch ausgeschlossen.
Kostenvergleich: Die Software-Neuentwicklung mit
Weiternutzung der vorhandenen Hardware lag mit
rund 170.000 Euro bei weniger als einem Fünftel der
geschätzten Ersatzinvestition von 800.000 bis
900.000 Euro.
Automatisierungseffekt: Der mehrstufige Materialfluss
zwischen Druckerei, Kaschierung und Stanzerei läuft
nun durchgängig automatisiert. Die Zeitersparnis
beträgt rund drei Stunden pro Tag in der Druckerei und
vier Stunden in der Stanzerei.
Übertragbarkeit: Das Konzept wurde bereits auf ein
weiteres Werk übertragen, zwei zusätzliche Standorte
sollen folgen.
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 33
PRODUKTE UND SYSTEME
MACHINE VISION ERSETZT MANUELLE PALETTENKONTROLLE BEI GOLDSCHMAUS
AUTOMATISIERTE QUALITÄTSPRÜFUNG
SICHERT ARTIKEL- UND CHARGENREINHEIT
Der Fleischproduzent
Goldschmaus hat die manuelle
Barcode-Erfassung palettierter
Ware durch eine Machine-
Vision-Lösung von Zetes
(Hamburg) ersetzt. Das System
prüft in wenigen Sekunden bis
zu 128 Kartons pro Palette auf
Artikel- und Chargenreinheit
– und hat den Kontrollprozess
manipulationssicher gemacht.
In der Lebensmittelindustrie entscheidet die lückenlose Rückverfolgbarkeit
über Produktsicherheit und Kundenvertrauen.
Alle Waren müssen auf artikel- und chargenreinen Paletten
den Standort verlassen. Jeder falsch zugeordnete Karton kann
aufwendige Rückrufaktionen nach sich ziehen. Die Goldschmaus-Gruppe,
einer der führenden Fleischproduzenten in
Deutschland, hat daher die Qualitätskontrolle palettierter Güter
an den Standorten Garrel und Oldenburg automatisiert – mit der
Lösung ZetesMedea ImageID.
MANUELLER PROZESS AN DER
KAPAZITÄTSGRENZE
Am Standort Garrel werden pro Monat bis zu 8.400 Paletten mit
tiefgekühlter Ware abgerufen. Jede Palette umfasst bis zu 128
Kartons, deren Barcodes einzeln erfasst und mit den im ERP-System
hinterlegten Daten abgeglichen werden müssen. Parallel
muss das tatsächliche Palettengewicht mit dem rechnerischen
Sollwert abgeglichen werden. Dieser Prozess wurde zuvor manuell
durchgeführt und band zwei bis drei Mitarbeiter pro Kontrollstation.
Neben dem hohen Personalaufwand bestand das Risiko
menschlicher Fehler – ein Zustand, der mit dem Qualitätsanspruch
des Unternehmens auf Dauer nicht vereinbar war.
AUTOMATISIERTE ERFASSUNG IN SEKUNDEN
Mit ZetesMedea ImageID hat Goldschmaus den Kontrollprozess
grundlegend verändert. Die Machine-Vision-Lösung ist darauf
ausgelegt, alle Barcodes einer Palette in einem Durchgang zu
erfassen und zu dekodieren. Gleichzeitig ermittelt das System
das Palettengewicht und leitet alle Daten an das ERP-System weiter.
Das Ergebnis erscheint auf einem Monitor in grafisch aufbereiteter
Form. Ein Ampelsystem signalisiert den Status: Grün bedeutet,
dass Artikel- und Chargenreinheit bestätigt sind – in diesem
Fall generiert die Lösung automatisch ein Summenlabel, das
auf der Palette fixiert wird. Bei einer Abweichung wird die Palette
zur Nachkontrolle ausgeleitet. Nach erfolgreicher Prüfung ist die
Ware für die Einlagerung freigegeben.
„Zetes hat sofort verstanden, worauf es uns ankommt, und hat
uns eine passende Lösung präsentiert“, sagt Geschäftsführer
Dennis Burke. „Statt zwei bis drei Mitarbeitern bindet der Vorgang
nur noch eine Arbeitskraft. In weniger als zwei Jahren wird
sich die Anschaffung amortisiert haben.“
Im laufenden Betrieb zeigt sich, dass nicht jede Palette beim
ersten Durchgang vollständig erfasst wird. Der Grund: Etiketten
sind nicht immer einheitlich längsseitig ausgerichtet, sondern
teils stirnseitig angebracht. In solchen Fällen wird die Palette
über einen integrierten Drehteller um 90° gedreht und erneut
gescannt – alle vier Seiten werden so optisch erfasst. Beschädigte
oder verdeckte Etiketten zeigt das System gezielt an, sodass
die betroffenen Barcodes manuell nacherfasst werden
können.
Mittlerweile verfügt Goldschmaus über drei Installationen von
ZetesMedea ImageID an beiden Standorten. Neben Kartonware
werden auch lebensmittelechte Euronorm-Behälter aus HDPE
gescannt. Diese Mehrwege-Pool-Behälter verfügen über einen
separaten Code, der vom System ebenfalls ausgelesen und mit
dem jeweiligen Produkt-Code verknüpft wird.
NULL-FEHLER-ZIEL ERREICHT
„Durch ZetesMedea haben wir einen nicht manipulierbaren Prozess
und unser Null-Fehler-Ziel erreicht“, fasst Gesamtbetriebsleiter
Tim Buddemeyer zusammen. Die Kombination aus automatischer
Barcode-Erfassung, Gewichtskontrolle und ERP-Anbindung
habe einen durchgängig abgesicherten Kontrollprozess
geschaffen – mit messbaren Vorteilen bei Effizienz, Qualität und
Personalplanung.
Foto: Marcus Walter
www.zetes.com
34 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
MARKTPLATZ
KENNZAHL STEUERT
FULFILLMENT-KOSTEN
TRAYSEALER-LINIE VERPACKT
MEHRERE PRODUKTE PARALLEL
Mehrere Produkte aus unabhängigen Zuführströmen
gleichzeitig auf einer Linie zu verpacken,
steigert die Auslastung in der Lebensmittelproduktion. Auf der interpack 2026 zeigte die
Multivac Group eine KI-unterstützte TX-Traysealer-Linie, die genau dieses Prinzip umsetzt. Der
Traysealer TX 720 wird parallel mit zwei Produktströmen in identischen Trays beschickt. Ein
KI-gestütztes Kennzeichnungs- und Inspektionssystem vom Typ L 310 identifiziert nach dem
Siegelprozess den jeweiligen Packungsinhalt, druckt das passende Etikett und appliziert es auf
den Tray. Anschließend trennen Packstacker die fertigen Verpackungen sortenrein.
Die KI-gesteuerte Produktidentifizierung und eine intelligente „Print & Apply“-Etikettierung
sollen die Auslastung der Traysealer-Kapazitäten erhöhen. Laut Multivac verbessert die
integrierte Linienlösung zudem Effizienz, Prozesssicherheit und Transparenz in der Produktion.
Smart Services und KI-gestützte Funktionen sollen darüber hinaus die Verfügbarkeit der
Anlage und die Produktivität steigern.
www.multivac.com
clever – creative – sustainable – smart
Volatile Rahmenbedingungen
und steigender Wettbewerbsdruck
rücken die Kosten der
Intralogistik stärker in den
Fokus. Mit der Kennzahl CoOF
(Cost of Order Fulfillment) hat
Ferag Solutions einen Ansatz
entwickelt, der alle Kosten pro
abgewickeltem Auftrag
kanalunabhängig erfasst.
Berücksichtigt werden
Arbeits-, Handling-, Platz-,
Energie-, Software-, Wartungsund
Retourenkosten.
Auf dieser Datenbasis lassen
sich Fehlerkosten, Personalbedarf
und Prozessrisiken
frühzeitig erkennen. So
machen Personalkosten häufig
mehr als die Hälfte der Kosten
der Auftragsabwicklung aus,
und Fehler in Kommissionierung
und Konsolidierung
verursachen je Auftrag bis zu
acht Euro Zusatzkosten. In der
Modebranche binden Retouren
20 bis 35 Prozent der Fulfillment-Kosten.
Vertikale
Intralogistiksysteme verbessern
die Flächeneffizienz um
bis zu 60 Prozent gegenüber
bodenbasierten Lösungen.
In der Praxis sind es oft hybride
Kombinationen unterschiedlicher
Technologien, die zu
niedrigeren Betriebskosten
führen. So lassen sich beispielsweise
autonome mobile
Roboter (AMR) zwar flexibel,
schnell und skalierbar einsetzen
– bieten im Vergleich zu
einer stationären Automatisierungslösung
aber einen
geringeren Durchsatz. Shuttle-
Systeme spielen ihre Stärken
bei hoher Lagerdichte vor
allem im E-Commerce aus – erfordern
aber hohe Anfangsinvestitionen
und weisen eine
starre Anordnung auf. Eine
flexible Alternative bieten
Taschensorter wie ferag.
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IMPULSE
INTELLIGENTE DATENERFASSUNG IM LAGER
SOFTWAREBASIERTES SCANNEN UND VISUELLE
FÜHRUNG BESCHLEUNIGEN PROZESSE
KI-gestützte Datenerfassung und Augmented
Reality verändern die Arbeitsabläufe im Lager.
Softwarebasierte Scanlösungen auf mobilen
Endgeräten erkennen Barcodes auch unter
schwierigen Bedingungen, während
AR-Einblendungen die Kommissionierung
beschleunigen und Fehler reduzieren. Zwei
Praxisbeispiele zeigen, welche Ergebnisse
Anwender bereits erzielen.
Moderne Lager stehen unter wachsendem Druck.
Kunden erwarten mehr Geschwindigkeit, Genauigkeit
und Transparenz – gleichzeitig erschweren
Fachkräftemangel und komplexe Lieferketten es,
diese Anforderungen zu erfüllen. In diesem Umfeld führen zwei
Technologien zu messbaren Effizienzsteigerungen: KI-gestützte
Datenerfassung und Augmented Reality (AR).
VON DER BARCODE-ERKENNUNG ZUM
KONTEXTBEZOGENEN SCANNEN
In datengetriebenen Systemen entscheidet die Qualität der Eingangsdaten
über die Leistungsfähigkeit der Anwendungen. Doch
es gibt eine zweite, oft übersehene Dimension: KI ist nicht nur ein
nachgelagerter Verarbeiter erfasster Daten, sondern verbessert in
operativen Anwendungen auch die Datenerfassung selbst – und
macht diese schneller, zuverlässiger und intelligenter.
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IMPULSE
Dies spielt sich auf drei Ebenen ab. Auf der ersten Ebene entschlüsseln
Algorithmen für maschinelles Lernen Barcodes auf
mobilen Endgeräten mit integrierter Kamera – etwa Androidoder
iOS-Smartphones, Handheld-Computern oder Wearables.
Auf einer fortgeschritteneren Ebene rekonstruieren KI-gestützte
Computer-Vision-Modelle beschädigte, winzige oder
schlecht gedruckte Barcodes und lesen sie zuverlässig selbst
bei schlechten Lichtverhältnissen oder ungünstigen Winkeln.
Die dritte und komplexeste Ebene ist das kontextbezogene
Scannen – eine KI, die nicht nur erkennt, was gescannt wird,
sondern auch in welchem Kontext. In einem Lager oder einer
Produktionsumgebung erscheinen Etiketten selten einzeln,
sondern meist in Gruppen auf Regalen, Paletten und Förderbändern.
Das kontextbezogene Scannen analysiert Umgebung,
Benutzerverhalten und die Komplexität der Etiketten, um automatisch
zu erkennen, welchen Barcode der Anwender erfassen
möchte – selbst wenn sich Dutzende im Sichtfeld befinden.
Ist ein Barcode unlesbar, greift das System automatisch
auf die optische Zeichenerkennung (OCR) zurück und liest
den darunter gedruckten Text ohne manuelles Eingreifen. Enthält
ein Etikett sowohl einen Barcode als auch gedruckten Text
(zum Beispiel ein Verfallsdatum, eine Chargennummer oder
ein Gewicht), extrahiert die Datenerfassung alle Informationen
gleichzeitig.
Kurz gesagt: KI ist direkt am Ort der Datenerfassung integriert.
Sie bestimmt, welche Daten relevant sind, gleicht typische
Erfassungsfehler und Umgebungsbedingungen aus und liefert
strukturierte, validierte Informationen in Echtzeit an nachgelagerte
Systeme.
AR-EINBLENDUNGEN VERKÜRZEN EIN-
ARBEITUNG UND SENKEN FEHLERQUOTEN
Augmented Reality steigert die Effizienz operativer Lagerprozesse
durch visuelle Unterstützung. So erfassen Mitarbeiter beispielsweise
mehrere Artikel mit einem einzigen Scan. AR-Einblendungen
zeigen, welche Artikel bereits geprüft sind und welche noch
ausstehen – das Risiko von Fehllieferungen sinkt. Ebenso führt AR
das Lagerpersonal zu den richtigen Produkten und hebt genau jene
Artikel hervor, die für jede Bestellung kommissioniert werden
müssen.
Die intuitive visuelle Führung hilft Neuzugängen, Aushilfskräften,
ebenso wie erfahrenen Fachkräften, die sich in neue Prozesse
einarbeiten. Sie reduziert Einarbeitungszeit und Fehlerquote – ohne
langwierige Schulungen.
Betriebswirtschaftlich betrachtet bilden KI-gestützte Datenerfassung
und AR-basierte Führung einen geschlossenen Informationskreislauf:
Präzise Daten fließen in Echtzeit in die zentralen IT-
Systeme, während die AR-Schnittstelle den Anwendern zum richtigen
Zeitpunkt relevante Informationen zurückmeldet. Das Ergebnis
sind schnellere und zuverlässigere Abläufe mit weniger
manuellen Eingriffen.
Neben den einzelnen Arbeitsabläufen bietet die funktionsübergreifende
Transparenz einen weiteren Vorteil. In vielen Unternehmen
liegen Daten aus Produktion, Lagerhaltung, Transport und
Service nach wie vor in getrennten Silos. Oft gibt es keine einheitliche
Datenquelle, auf die alle Teams zurückgreifen können. Eine
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IMPULSE
KI-gestützte Datenerfassung schafft eine konsistente Datenbasis,
die bereichsübergreifend nutzbar ist. Weil Lieferketten komplexer
werden, gewinnt diese Transparenz an Bedeutung: Sie hilft,
Störungen besser zu bewältigen, und stärkt langfristig die Wettbewerbsfähigkeit.
AUS DER PRAXIS: VERSANDKONTROLLZEIT UM
85 PROZENT REDUZIERT
Dior – Auftragsabwicklung im Luxussegment
Das Luxusmodehaus Dior hat sich mit den Unternehmen Scandit
und Hardis Supply Chain zusammengetan, um seine Lagerprozesse
zu optimieren. Eine fehlerfreie Auftragsabwicklung ist für
das Kundenerlebnis entscheidend. Die Kombination aus KI-basierter
Datenerfassung und AR-gestützten Arbeitsabläufen hat
die Prozesse messbar verbessert.
Das Lagerpersonal erfasst nun mehrere Barcodes gleichzeitig
und sieht Statusinformationen in Echtzeit über AR direkt in der
Order-Preparation-App. Dadurch verbesserte sich die betriebliche
Effizienz: Die Versandkontrollzeit sank um 85 Prozent. Während
der Auftragsvorbereitung identifizieren die Mitarbeiter den
richtigen Artikel über das gleichzeitige Scannen mehrerer Barcodes
und AR-Einblendungen.
AUF EINEN BLICK
Die softwarebasierte Datenerfassung lässt sich mit
geringem Aufwand in bestehende Lagerinfrastrukturen
integrieren.
n Softwareschicht auf jedem kamerafähigen Endgerät
(Smartphones, Handheld-Computer, Wearables)
n On-Device-Verarbeitung: keine Netzwerkabhängigkeit,
minimale Latenz
n Integration über Standard-APIs und SDKs
n Codefreie App-Optionen für schnellere Bereitstellung
verfügbar
Mithilfe der KI-gestützten Datenerfassung auf Handheld-Computern
automatisieren die Beschäftigten zudem weitere Lagerabläufe.
Das System liest auch beschädigte, schlecht gedruckte und
selbst winzige Barcodes zuverlässig – das erhöht die Produktivität
und beschleunigt die täglichen Abläufe.
Elektro-Material – Bestandsverwaltung im Distributionszentrum
Der Elektrogroßhändler Elektro-Material ersetzte in seinem Distributionszentrum
den bisherigen Scanner durch eine softwarebasierte
Datenerfassung für mobile Bestellung und Bestandsverwaltung.
Die Scangeschwindigkeit stieg mit über 95.000
Scans in den ersten drei Monaten um das Fünffache, was die
Nachschubversorgung beschleunigte, und die Produktivität der
Techniker steigerte.
FAZIT: DREI ANSATZPUNKTE FÜR LOGISTIK
VERANTWORTLICHE
KI-gestützte Datenerfassung und AR-basierte Führung liefern bereits
heute messbare Ergebnisse im Lagerbetrieb – vorausgesetzt,
beide Technologien werden als zusammengehörige Komponenten
eines integrierten Systems betrachtet. Die beschriebenen Anwendungen
zeigen drei konkrete Ansatzpunkte.
Bestehende Geräte nutzen. Softwarebasierte Datenerfassung
läuft auf vorhandenen Smartphones und Handheld-Computern.
Der Einstieg erfordert keine Spezialhardware. Standard-APIs
schaffen die Voraussetzungen für die Anbindung an bestehende
Lagerverwaltungssysteme.
Einarbeitung durch visuelle Führung verkürzen. AR-Einblendungen
reduzieren Schulungsaufwand und Fehlerquoten – relevant
bei hoher Personalfluktuation oder saisonalen Spitzen.
Datenbasis bereichsübergreifend aufbauen. Eine konsistente
Datenerfassung über alle Lagerprozesse hinweg schafft die
Grundlage für datengestützte Entscheidungen jenseits einzelner
Arbeitsschritte.
Autorin: Lyndal Möller, Senior Industry Solutions Manager, Scandit, Zürich
Foto: Scandit
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Materialfluss. deTem und deTec sorgen nicht nur für
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Nutzwert für den Intralogistiker
Tagtäglich sind wir im Internet einer riesigen Informationsflut ausgesetzt. Da wird es
schwer, den Überblick zu behalten. Doch f+h hilft! Denn wir selektieren nicht nur
entsprechende Pressemeldungen, sondern durchforsten für Sie auch Websites, Business-
Netzwerke und soziale Medien und filtern spannende Dinge heraus. Ab sofort finden Sie
an dieser Stelle unsere Highlights aus der digitalen Welt der Intralogistik.
KI-ASSISTENT BESCHLEUNIGT
ENGINEERING
Der Virtual Assistant, ein KI-gestützter Assistent von Festo,
greift ausschließlich auf proprietäre Quellen wie Datenblätter,
Handbücher, CAD-Daten, Engineering-Informationen
sowie einschlägige Normen zu. So lassen sich Halluzinationen
vermeiden, wie sie bei generischen Chatbots auftreten
können. Anwender erhalten kontextbezogene Antworten
einschließlich direkter Verlinkung zu Dokumenten, CAD-
Downloads sowie Sizing- und Konfigurator-Tools. Einsatzfelder
sind Troubleshooting, Komponentenvergleich und
Inbetriebnahme. Der Dienst läuft innerhalb der Festo-Systeme,
erfüllt die Anforderungen des EU AI Act und der DSGVO
und verwendet Nutzerdaten nicht für weiteres KI-Training.
Anfragen werden zeitlich begrenzt gespeichert. Zugänglich
ist der Assistent über das bestehende Festo-Login.
WWW.FESTO.COM
DYNAMISCHE WARTUNG STATT
STARRER INTERVALLE
Die erweiterte Version des ConnectApp Guide der
KHS-Gruppe steuert die Instandhaltung von Abfüll- und
Verpackungsanlagen bedarfsgerecht. Die Anwendung
digitalisiert tägliche CILT-Routinen und führt das
Bedienpersonal als digitaler Assistent durch die
Prozesse. Mit der Funktion „dynamische Tasks“ richten
sich Wartungsaufgaben nach den tatsächlichen
Betriebsstunden. Ein ab Werk integriertes Edge Device
erfasst Maschinendaten und übermittelt diese über die
Cloud-Anbindung ConnectApp Access an das System. Sobald
Schwellenwerte erreicht werden, erscheint die
jeweilige Aufgabe automatisch auf dem Mobilgerät des
Mitarbeiters sowie in der Webanwendung. Drittanbieter-Equipment
lässt sich eigenständig einbinden.
WWW.KHS.COM
40 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
LEISTUNGSSTARKE GERÄTE MEISTERN
PRAXISTEST
Jungheinrich-Schubmaststapler der ETV-3i-Serie für
Dauereinsatz
DIE TOP
ONLINE-ARTIKEL
DER F+H WEBSITE
An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen die
fünf meist gelesenen Artikel des Monats
auf unserer Internetpräsenz
Das Ranking umfasst alle Seitenaufrufe im 2-Monats-Zeitraum
bis ca. 2-3 Wochen vor Erscheinungstermin dieser Ausgabe. Die
Berechnungsbasis von 100% entspricht der Summe der fünf Plätze.
KOMPAKTER ELEKTROSTAPLER MIT
OPTIMIERTER RUNDUMSICHT
Xi-Serie von Linde: Roadster-Modell komplettiert
die Baureihe
SCHUBMASTSTAPLER: EFFIZIENT UND
KOMFORTABEL IM ROUTINEEINSATZ
Jungheinrich erweitert ETV-Schubmaststapler-Serie
um neue Modelle
LOGIMAT 2026 ÜBERTRIFFT ALLE
BESTMARKEN
Fachmesse endet mit neuen Spitzenwerten
AUTONOME MOBILE ROBOTER
Mit dem System von NEOintralogistics lassen sich
Fachbodenlager einfach automatisieren
WEBSHOP MIT RESPONSIVEM DESIGN
Rund 15.000 Produkte aus den Bereichen Sicherheits-,
Steuerungs- und Automatisierungstechnik stehen Anwendern
ab sofort über die neu gestaltete Onlineplattform der
K.A. Schmersal GmbH & Co. KG zur Verfügung. Im Zuge des
Relaunchs hat das Unternehmen Bestell- und Registrierungsprozesse
vereinfacht; bestehende Freigabeabläufe für
Geschäftskunden bleiben jedoch unverändert. Vorhandene
Zugangsdaten von Bestandskunden behalten ihre Gültigkeit;
eine Neuregistrierung ist nicht erforderlich.
Auf den Produktdetailseiten rücken technische Merkmale
und Spezifikationen stärker in den Vordergrund; ein integrierter
Produktvergleich unterstützt die Auswahl. Durch das
responsive Design passen sich Inhalte und Funktionen
automatisch an verschiedene Endgeräte an. Die Plattform
ist in rund 20 Ländern verfügbar und sorgt damit international
für ein einheitliches Einkaufserlebnis. Ergänzend bietet
das Unternehmen technische und kaufmännische Support-
Hotlines.
WWW.PRODUCTS.SCHMERSAL.COM
KI-ASSISTENT ERWEITERT IIOT-PLATTFORM
Mit einem neuen Assistenzsystem erweitert ifm die
IIoT-Plattform moneo um Funktionen auf Basis der
Large-Language-Model-Technologie. Der moneo Assistant
ist direkt in den moneo IIoT Core integriert und unterstützt
Anwender im Arbeitsalltag, indem er Fragen
beantwortet, Funktionen erklärt, durch komplexe Abläufe
führt und Informationen aus verschiedenen Quellen
bündelt. Das System verarbeitet natürlichsprachliche
Anfragen und berücksichtigt dabei den jeweiligen
Kontext. Die Software erkennt vorherige Arbeitsschritte,
leitet Zusammenhänge ab und führt bei Bedarf konkrete
Aktionen direkt im System aus. So entsteht ein dialogorientierter
Bedienansatz, der über klassische Frage-Antwort-Strukturen
hinausgeht und die User Experience der
Plattform verbessert.
ifm baut den Funktionsumfang schrittweise aus. In den
nächsten Entwicklungsstufen soll der Assistent eigenständig
Arbeitsabläufe erstellen und Automatisierungen
anbieten, sodass er sich langfristig zu einem digitalen
Agenten weiterentwickelt.
WWW.IFM.COM
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 41
PERSPEKTIVEN
HUMANOIDE ROBOTER IN DER INTRALOGISTIK
ZWISCHEN TECHNOLOGISCHEM FORTSCHRITT
UND PRAKTISCHER EINSATZREIFE
Die humanoide Robotik entwickelt eine Dynamik, die
zunehmend auch die Intralogistik erfasst. Befeuert durch
den wachsenden Arbeitskräftemangel und begünstigt
durch die Konvergenz von Antriebstechnik, künstlicher
Intelligenz und Sensorik, erreichen erste Systeme derzeit
den Übergang von der Prototypenphase zu
Pilotanwendungen in industriellen Umgebungen. Für
Logistikverantwortliche stellt sich damit eine zentrale
Frage: Welches Potenzial bietet die Technologie tatsächlich
– und wie weit ist der Weg zur Einsatzreife?
Der Fachkräftemangel hat sich in den vergangenen Jahren zu einem
strukturellen Problem der Intralogistik entwickelt. Betreiber von Lager-
und Distributionszentren stehen vor der Herausforderung, wachsende
Auftragsvolumina mit einem schrumpfenden Arbeitskräfteangebot
zu bewältigen. Gleichzeitig stoßen etablierte Automatisierungslösungen
an Grenzen: Autonome mobile Roboter (AMR) übernehmen den Materialtransport
effizient, setzen jedoch ebene, befahrbare Flächen voraus. Cobots
kommen bei definierten Handhabungsaufgaben zum Einsatz, bleiben aber in
der Regel an einen festen Arbeitsplatz gebunden. Was beiden Technologien
fehlt, ist die Kombination aus örtlicher Flexibilität und tätigkeitsübergreifender
Einsatzfähigkeit – eine Eigenschaft, die bislang dem Menschen vorbehalten ist.
Genau in diese Lücke zielen humanoide Roboter. Dank ihres menschenähnlichen
Formfaktors – mit Rumpf, Armen, Beinen und zunehmend dexteren
Händen – agieren sie in Umgebungen, die für Menschen gestaltet wurden. Sie
überwinden Treppen und Schwellen, bedienen herkömmliche Terminals und
Handscanner und wechseln zwischen Lagerzonen, ohne dass die bestehende
Infrastruktur angepasst werden muss. Anders als spezialisierte Automatisierungslösungen
adressieren sie damit ein breites Tätigkeitsspektrum mit einem
einzigen System.
Dass diese Vision zunehmend realistisch wird, liegt an der Konvergenz mehrerer
Technologiefelder. Die Antriebstechnik liefert heute kompakte, hochdichte
Motoren und modulare Steuerungssysteme, die ursprünglich für die
kollaborative Robotik entwickelt wurden und sich nun für humanoide Systeme
adaptieren lassen. Parallel dazu haben Fortschritte in der künstlichen Intelligenz
– vor allem bei der visuellen Wahrnehmung, der Handlungsplanung und
beim Lernen durch Beobachtung – die kognitive Leistungsfähigkeit von Robotern
auf ein neues Niveau gehoben. Und nicht zuletzt stellt die Sensorik inzwischen
taktile und visuelle Feedbacksysteme bereit, die eine differenziertere Interaktion
mit der physischen Umgebung unterstützen.
Diese technologische Reife trifft auf einen Markt, der nach Lösungen sucht.
Der Übergang von Forschungsdemonstratoren zu ersten Pilotprojekten in produktionsrelevanten
Umgebungen zeichnet sich ab. Eine aktuelle Studie des
Fraunhofer IML unterstreicht diese Entwicklung: Die Forscher identifizieren
rund 80 unterschiedliche humanoide Systeme auf dem Markt – ein Beleg für
die Dynamik des Feldes, wenngleich der Markt stark fragmentiert und überwiegend
von außereuropäischen Anbietern geprägt ist [1].
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PERSPEKTIVEN
TECHNOLOGISCHE GRUNDLAGEN:
WAS HUMANOIDE ROBOTER HEUTE LEISTEN
Antriebstechnik: kompakte Kraft für bis zu 50 Achsen
Die Bewegungsfähigkeit eines humanoiden Roboters hängt maßgeblich
von seiner Antriebstechnik ab. Moderne Systeme verfügen über
30 bis 50 einzeln angesteuerte Achsen, die koordiniert in Echtzeit
zusammenarbeiten. Als technologische Basis dienen dabei vielfach
Komponenten aus der kollaborativen Robotik: hochdichte Frameless-Motoren,
kompakte Servoantriebe und modulare Steuerungssysteme.
Einen wichtigen Entwicklungsschritt markiert die Quasi-Direct-
Drive-Architektur (QDD). Anders als konventionelle Roboterantriebe
mit hohen Getriebeuntersetzungen arbeiten QDD-Antriebe mit
sehr niedrigen Übersetzungsverhältnissen. Das reduziert Trägheit
und Reibung im Antriebsstrang erheblich – mit direkten Auswirkungen
auf die Bewegungsqualität: Die Gelenke reagieren feinfühliger,
Bewegungen fallen natürlicher aus, und die inhärente Nachgiebigkeit
des Antriebs erhöht die Sicherheit bei der direkten Zusammenarbeit
mit Menschen.
Voraussetzung für diese Architektur sind Motoren mit hoher Drehmomentdichte,
die auch bei niedrigen Übersetzungen ausreichend
Kraft bereitstellen. Torque-Motoren, wie sie etwa TQ-RoboDrive für
sensitive robotische Anwendungen fertigt, liefern die notwendige
Leistung in kompaktem Bauraum und tragen dazu bei, humanoide
Gelenke leicht und dynamisch zu konstruieren.
Künstliche Intelligenz: vom Programmieren zum Lernen
Neben der Mechanik hat sich die kognitive Seite humanoider Roboter
grundlegend weiterentwickelt. Vision-Language-Action-Modelle
(VLA) verknüpfen visuelle Wahrnehmung, Sprachverständnis und
Handlungsplanung in einer integrierten KI-Architektur. Der Roboter
erfasst eine Szene, interpretiert sie im Kontext und leitet daraus eigenständig
Handlungssequenzen ab.
Für die Intralogistik, in der viele Tätigkeiten manuell und schwer
standardisierbar sind, bietet Imitation Learning einen konkreten Vorteil.
In speziellen Trainingsumgebungen – den Robot Gyms – demonstrieren
Menschen dem Roboter Tätigkeiten wie das Sortieren von Artikeln,
das Verpacken von Waren oder das Palettieren von Kartons. Der
Roboter erfasst dabei Bewegungs- und Interaktionsdaten und überträgt
die erlernten Abläufe auf neue Situationen. Konventionelle Programmierung
wird so weitgehend durch datengetriebenes Anlernen
ersetzt – ein entscheidender Faktor für die Einsatzflexibilität.
EINSATZSZENARIEN IN DER INTRALOGISTIK
Wo lassen sich humanoide Roboter in der Intralogistik konkret einsetzen?
Die naheliegendsten Anwendungen liegen dort, wo heute
manuelle Tätigkeiten dominieren und konventionelle Automatisierung
an ihre Grenzen stößt.
Kommissionierung und Einzelteilhandling zählen zu den personalintensivsten
Prozessen im Lager. Humanoide Roboter greifen einzelne
Artikel aus Regalen, entnehmen Produkte aus unterschiedlichen
Lagerzonen und transportieren sie zur Pack- oder Sortierstation.
Ihre Fähigkeit, zwischen verschiedenen Griffarten und Objektgeometrien
zu wechseln, verschafft ihnen gegenüber stationären
Pick-Robotern einen Flexibilitätsvorteil.
Beim Be- und Entladen von Förderstrecken und Transportrobotern
schließen Humanoide eine Lücke, die heute oft manuell überbrückt
wird: den physischen Übergang zwischen Fördertechnik, Regal
und mobilem Transportsystem. Ebenso kommen sie für Umlagerungsprozesse
in dynamischen Lagerbereichen und für das Einlagern
von Waren an ergonomisch ungünstigen Positionen infrage
– etwa in Bodennähe oder über Kopfhöhe.
Ein großer Vorteil zeigt sich bei Spitzenlasten. Saisonale Peaks im
E-Commerce oder erhöhtes Retourenaufkommen erfordern heute
kurzfristig zusätzliches Personal, das am Arbeitsmarkt zunehmend
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 43
PERSPEKTIVEN
Quelle: TQ-Systems
schwer verfügbar ist. Humanoide Roboter lassen
sich ohne Umrüstung der Infrastruktur
einsetzen und flexibel zwischen Tätigkeiten
verlagern. Da sie in Umgebungen agieren,
die für Menschen ausgelegt sind, entfallen
aufwändige Anpassungen an Gebäudestruktur,
Regalsystemen oder Fördertechnik.
HERAUSFORDERUNGEN AUF DEM
WEG ZUR EINSATZREIFE
Der technologische Fortschritt darf nicht darüber hinwegtäuschen,
dass humanoide Roboter vor ihrer breiten
industriellen Nutzung noch substanzielle Hürden überwinden
müssen.
Funktionale Sicherheit steht an erster Stelle. Ein humanoider
Roboter muss die koordinierte Bewegung von 30 bis 50 Achsen in
Echtzeit sicher beherrschen – nicht nur im Normalbetrieb, sondern
auch bei Sensorausfällen, Kommunikationsverzögerungen
oder unvorhergesehenen Situationen. Die Interaktion mit Menschen
verschärft diese Anforderung: Der Roboter muss Personen
zuverlässig erkennen, Abstände korrekt einschätzen und sicherheitskritische
Entscheidungen in Millisekunden treffen. Wie Regelungstechnik
und KI in diesem Kontext verlässlich zusammenwirken,
ist noch nicht abschließend gelöst.
Mit der zunehmenden Vernetzung wächst zudem das Cybersecurity-Risiko.
Humanoide Roboter erfassen im Arbeitsumfeld
kontinuierlich Sensor- und Umgebungsdaten. Deren Schutz sowie
die Absicherung gegen Manipulation von außen erfordern Sicherheitsarchitekturen,
die mit denen in der Automobilindustrie
oder bei industriellen Steuerungssystemen vergleichbar sind.
Die Handhabung komplexer Objekte bleibt eine der größten
technischen Herausforderungen. Roboterhände mit vielen Freiheitsgraden,
taktilem Feedback und variabler Steifigkeit zu konstruieren,
ist mechanisch und regelungstechnisch anspruchsvoll.
Ohne zuverlässige dextere Manipulation bleibt das Einsatzspektrum
in der Intralogistik eingeschränkt.
Glossar – Schlüsselbegriffe der humanoiden Robotik
Begriff
Frameless-Motor
Quasi-Direct-Drive
(QDD)
VLA-Modell (Vision-
Language-Action)
Imitation Learning
Robot Gym
Locomotion
Dextere Manipulation
Erklärung
Motortyp ohne eigenes Gehäuse und Lager, der direkt in die
Gelenkstruktur eines Roboters integriert wird. Ergebnis:
kompakte und leichte Antriebslösungen.
Antriebskonzept mit sehr niedriger Getriebeuntersetzung.
Reduziert Trägheit und Reibung, was feinfühligere und
sicherere Bewegungen zur Folge hat – relevant für die
Mensch-Roboter-Interaktion.
KI-Architektur, die visuelle Wahrnehmung, Sprachverständnis
und Handlungsplanung verknüpft. Der Roboter interpretiert
Szenen und leitet daraus eigenständig Handlungen ab.
Lernverfahren, bei dem Roboter Bewegungsabläufe durch
Beobachtung menschlicher Demonstrationen erlernen, statt
konventionell programmiert zu werden.
Trainingsumgebung, in der Menschen Robotern Tätigkeiten
demonstrieren. Die dabei erfassten Bewegungs- und Interaktionsdaten
dienen als Trainingsbasis für KI-Modelle.
Die Fähigkeit eines Roboters, sich koordiniert und stabil
fortzubewegen – einschließlich Gehen, Balancieren und
Überwinden von Hindernissen.
Die Fähigkeit, Objekte mit hoher Geschicklichkeit zu handhaben
– vergleichbar mit der menschlichen Feinmotorik.
Erfordert Hände mit vielen Freiheitsgraden und taktilem
Feedback.
Torque-Motoren wie die ILM-Modelle von TQ stellen
aufgrund hoher Drehmomentdichte die notwendige
Leistung für QDD-Aktuatoren bereit
Darüber hinaus müssen humanoide Roboter in bestehende
Arbeitsprozesse integriert werden. Sie
müssen mit Menschen, Maschinen und anderen Robotern
koordiniert zusammenarbeiten, Workflows
verstehen und sich an wechselnde Anforderungen anpassen.
Dieser systemische Aspekt wird in der aktuellen
Diskussion häufig unterschätzt.
Auf der Zuliefererseite ist die Skalierbarkeit ein Engpass.
Humanoide Systeme benötigen hochspezialisierte
Komponenten, die derzeit von wenigen Herstellern in begrenzten
Stückzahlen gefertigt werden. Erst mit steigenden
Produktionsvolumina werden die Stückkosten auf ein wirtschaftlich
tragfähiges Niveau sinken.
Nicht zuletzt fehlt der regulatorische Rahmen. Für humanoide
Roboter existieren bislang keine spezifischen Normen oder Zertifizierungsverfahren.
Die ISO arbeitet derzeit mit der Arbeitsgruppe
ISO TC 299 WG12 an einem entsprechenden Regelwerk, das
technische, rechtliche und ethische Aspekte adressiert. Bis dieses
vorliegt, bewegen sich Hersteller und Betreiber in einer normativen
Grauzone. Das Fraunhofer IML empfiehlt darüber hinaus, Sicherheitsstandards
für den Mensch-Roboter-Mischbetrieb zu
entwickeln und die europäische Technologiesouveränität gezielt
zu stärken – angesichts der außereuropäischen Marktdominanz
ein industriepolitisch relevanter Aspekt [1].
AUSBLICK: WAS ENTSCHEIDER HEUTE
WISSEN SOLLTEN
Humanoide Roboter werden die Intralogistik nicht über Nacht
verändern. Der realistische Zeithorizont für erste produktive Einsätze
in kontrollierten Umgebungen liegt bei drei bis fünf Jahren.
Bis humanoide Systeme flexibel und wirtschaftlich in der Breite
arbeiten, dürfte ein Jahrzehnt vergehen –
vorausgesetzt, die beschriebenen Hürden
bei Sicherheit, Regulierung und Skalierung
werden gelöst. Diese Einschätzung deckt
sich mit den Ergebnissen der Fraunhofer-
Studie: Rund drei Viertel der dort befragten
Unternehmen erwarten einen produktiven
Einsatz humanoider Roboter innerhalb der
nächsten zehn Jahre [1].
Für Logistikverantwortliche lohnt es sich
dennoch, die Entwicklung aktiv zu verfolgen.
Wer heute seine Prozesse analysiert
und identifiziert, welche manuellen Tätigkeiten
schwer automatisierbar, personalintensiv
und ergonomisch belastend sind,
schafft die Grundlage für spätere Pilotprojekte.
Die Technologie wird kommen – die
Frage ist nicht ob, sondern unter welchen
Voraussetzungen sie wirtschaftlich tragfähig
wird.
WB
Quellenangabe:
[1] https://www.iml.fraunhofer.de/de/themenfelder/robotik-automatisierung/humanoide-robotik.
html, abgerufen am 24. April 2026
Autor: Robert Vogel, Head of Business Development
& Sales, TQ-Systems GmbH, Seefeld
Fotos: Mentee Robotics, TQ-Systems
www.tq-group.com
44 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
MARKTPLATZ
HALTEBREMSEN SICHERN E-STAPLER
Mit der zunehmenden Elektrifizierung von Flurförderzeugen
steigen die Anforderungen an Sicherheitskomponenten im
Antriebsstrang. Kendrion hat mit den Federkraftbremsen
BFK552-12 und BFK457-14 zwei Lösungen im Programm, die
nach dem Fail-Safe-Prinzip arbeiten: federbetätigt, elektrisch
gelüftet und stromlos geschlossen.
Die BFK552-12 erreicht bei einer Bauhöhe von 43,7 mm ein
Bremsmoment von 60 Nm und eignet sich mit Schutzart
IP66 auch für den Einsatz unter rauen Umgebungsbedingungen.
Übererregung und Haltestromabsenkung reduzieren
JAHRE
Verlustleistung und Wärmeentwicklung. Als einbaufertige
Einheit minimiert die Bremse den Montageaufwand.
Höhere Leistungsanforderungen deckt die BFK457-14 ab:
Mit einem Bremsmoment von mehr als 90 Nm und der
Auslegung auf hohe Notstoppenergien ist sie auch für hohe
Fahrgeschwindigkeiten geeignet. Kompaktvarianten der
BFK457-14 erleichtern die Integration in enge Antriebsräume.
Beide Bremsen werden in Deutschland entwickelt und
produziert.
www.kendrion.com
Dass Fördern + Heben seit 75 Jahren erfolgreich
publiziert, spricht für sich. Sie setzen auf die
fachlich fundierte Einordnung von Trends und
Technologien, geben verlässlich Orientierung und
Überblick über Marktteilnehmer und realisierte
Projekte in der Praxis. Eine Verlässlichkeit und
Fachkompetenz, die uns seit Jahrzehnten
verbindet.
Das Team der Westfalia Technologies gratuliert
herzlich zum Jubiläum!
ANDREAS GARTEMANN, Geschäftsführender
Gesellschafter, Westfalia Technologies GmbH & Co. KG
IMPRESSUM
erscheint 2026 im 76. Jahrgang,
ISSN 0341-2636 / ISSN E-Paper: 2747-8130
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www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 45
SUPPLY CHAIN MANAGEMENT
DIGITALE FRACHTBRIEFE ALS DATENÜBERTRAGUNGSSYSTEM IN DER LOGISTIK
ECMR, EFTI UND ECIM IM ZUSAMMENSPIEL
Ab Oktober 2026 verlangt Spanien ein verpflichtend digitales Transportkontrolldokument
– ein Vorbote dessen, was europaweit auf Logistikunternehmen zukommt. Mit dem
elektronischen Frachtbrief eCMR, der eFTI-Verordnung für den Behördendatenaustausch
und perspektivisch dem Bahn-Frachtbrief eCIM stehen die zentralen Bausteine für einen
durchgängigen Datenfluss bereit. Wie sie zusammenspielen, zeigt dieser Beitrag.
46 f+h 2026/04 www.foerdern-und-heben.de
SUPPLY CHAIN MANAGEMENT
Industrie IT Systeme
IT-Systeme der Behörden
« Datamodel
Transportbegleitpapiere
(eCIM, eCMR, ...)
«
« Datamodel
eFTI Common Data Set
«
IT-Systeme (TMS,
ERP, ...)
eCIM
eCMR
eFTI Platform
eFTI Gate
Metadaten
Behörden
01 Zusammenspiel von eCMR, eCIM und eFTI: Die eFTI-Plattform
verbindet die elektronischen Frachtdokumente der Industrie-IT-
Systeme mit dem eFTI-Gate, über das Behörden auf die für Kontrollen
erforderlichen Daten zugreifen
Der internationale Straßengüterverkehr basiert seit 1956 auf
dem CMR-Frachtbrief. Traditionell wird dieses Dokument in
drei Papierexemplaren für Absender, Frachtführer und Empfänger
erstellt. Die Konsequenzen sind seit Jahrzehnten dieselben:
hoher administrativer Aufwand, manuelle Dateneingaben,
Übertragungsfehler und fehlende Anschlussfähigkeit an digitale
Prozesse [2].
Mit dem Zusatzprotokoll zum CMR-Übereinkommen aus dem
Jahr 2008 wurde die rechtliche Grundlage für den elektronischen
Frachtbrief geschaffen. Mehrere europäische Staaten haben dieses
Protokoll inzwischen ratifiziert, wodurch der eCMR im internationalen
Straßengüterverkehr zunehmend praktische Anwendung
findet [3].
Der eCMR bildet die Funktionen des klassischen Frachtbriefs
digital ab. Beteiligte Parteien tauschen Transportdaten über
Plattformen oder mobile Anwendungen aus, signieren Dokumente
elektronisch und verfolgen Statusänderungen in Echtzeit.
DIGITALISIERUNGSINITIATIVEN
SCHEITERN AN SCHNITT STELLEN,
NICHT AN IT-SYSTEMEN
Viele Digitalisierungsinitiativen in Handel und Logistik
scheitern nicht an fehlenden IT-Systemen, sondern an
der mangelnden Durchgängigkeit des Datenaustauschs
zwischen den Beteiligten. An den Schnittstellen zwischen
Verlader, Frachtführer, Empfänger und Behörden entstehen
Medienbrüche, manuelle Übertragungen und uneinheitliche
Datenstände. Digitale Frachtdokumente ersetzen nicht nur Papier
– sie bilden Bausteine moderner Datenübertragungssysteme.
Kernstück ist der elektronische Frachtbrief eCMR, ergänzt
durch den regulatorischen Rahmen eFTI und künftig durch den
elektronischen Bahn-Frachtbrief eCIM für den verkehrsträgerübergreifenden
Datenaustausch [1], [2].
DER ECMR: VOM PAPIERBASIERTEN
FRACHTBRIEF ZUM DIGITALEN DATENSTANDARD
Der eCMR ist mehr als ein digitalisiertes Dokument: Er ist ein
strukturierter Datensatz, der direkt in IT-Systeme einfließt und
maschinell weiterverarbeitet wird [1].
Im Rahmen des Großforschungsprojekts Silicon Economy hat
das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML eine
Open-Source-Referenzimplementierung für den eCMR entwickelt.
Diese basiert auf dem Datenmodell von UN/CEFACT, das
für praktische Anwendungen erweitert wurde, und orientiert sich
an der Frachtbriefvorlage der International Road Transport Union
[4], [5].
2025 stellte die Open Logistics Foundation [6] auf der transport
logistic erstmals eine industriereife eCMR-Software basierend auf
den Arbeiten des Fraunhofer IML vor. Weiterentwickelt wurde sie
von 27 Mitgliedsunternehmen, vor allem von Rhenus Logistics
und dem Fraunhofer IML. Die Software basiert auf einem offenen
Datenmodell und tauscht eCMR-Dokumente über föderierte
Plattformen aus – ohne zentrale Vermittlerinstanz.
EFTI: REGULATORISCHER RAHMEN FÜR DEN
DIGITALEN DATENAUSTAUSCH MIT BEHÖRDEN
Während der eCMR den Datenaustausch zwischen Unternehmen
standardisiert, regelt die eFTI-Verordnung (EU) 2020/1056 die
Kommunikation mit Behörden. Heute werden Transportinformationen
bei Kontrollen häufig noch in Papierform vorgelegt.
eFTI etabliert einen europäischen Rechtsrahmen, der Behörden
verpflichtet, elektronisch bereitgestellte Transportinformationen
zu akzeptieren [7].
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/04 47
SUPPLY CHAIN MANAGEMENT
02 Die vom Fraunhofer IML entwickelte Open-Source-Referenzimplementierung des eCMR-Service – links der
Vorlagen-Editor, rechts die Erfassungsmaske für einen neuen elektronischen Frachtbrief. Die Eingabefelder folgen
dem UN/CEFACT-Datenmodell und der Frachtbriefvorlage der International Road Transport Union
DER ECMR IST KEIN DIGITALI-
SIERTES DOKUMENT, SONDERN
STRUKTURIERTER DATENSATZ
Die eFTI-Architektur basiert auf zwei zentralen Komponenten:
eFTI-Plattformen, auf denen Unternehmen ihre Transportinformationen
bereitstellen, und eFTI-Gates, über die Behörden kontrolliert
auf diese Daten zugreifen. Die Daten verbleiben grundsätzlich
beim Unternehmen und werden nur bei Bedarf freigegeben.
Auch hier hat das Fraunhofer IML im Rahmen der Silicon Economy
eine erste Open-Source-eFTI-Plattform entwickelt. Diese
überführt eCMR-Daten in das eFTI-Datenmodell und stellt ausschließlich
die für behördliche Kontrollen relevanten Informationen
bereit – etwa Start- und Zielort eines Transports oder die Art
der Fracht [5], [7].
Parallel zu europäischen Initiativen entstehen nationale Programme
zur Digitalisierung von Transportdokumenten. So führt
Spanien ab Oktober 2026 ein verpflichtendes digitales Transportkontrolldokument
ein, das ausschließlich elektronisch bereitgestellt
werden darf. Solche Entwicklungen erhöhen den Druck zur
Digitalisierung der zugrunde liegenden Transportdaten und fördern
die Einführung strukturierter Datensätze wie des eCMR.
ECIM: PERSPEKTIVE FÜR DEN MULTIMODALEN
DATENAUSTAUSCH
Die Digitalisierung von Frachtdokumenten beschränkt sich nicht
auf den Straßengüterverkehr. Im Schienengüterverkehr übernimmt
der elektronische Frachtbrief eCIM eine vergleichbare
Rolle. Rechtliche Grundlage ist Artikel 6 § 9 der Einheitlichen
Rechtsvorschriften CIM, der die funktionale Gleichwertigkeit
zwischen Papier- und elektronischer Form vorsieht [8].
Die Spezifikationen wurden durch das Comité international des
transports ferroviaires in Zusammenarbeit mit der International
Union of Railways und RailData entwickelt. Der Ansatz sieht eine
schrittweise Einführung vor – von elektronisch vorauseilenden Sendungsinformationen
bis hin zum vollständig digitalen Frachtbrief.
In multimodalen Transportketten werden heute häufig mehrere
Frachtdokumente parallel verwendet – etwa CMR im Straßenvorlauf
und CIM im Hauptlauf der Schiene. Digitale Varianten
wie eCMR und künftig der eCIM bilden diese Dokumente erstmals
in integrierten Datenmodellen ab.
Da die eFTI-Verordnung alle Verkehrsträger einschließt, lassen
sich Straße und Schiene künftig über dieselbe Infrastruktur anbinden.
Unternehmen mit multimodalen Lieferketten verwalten
Transportinformationen damit verkehrsträgerübergreifend in einer
konsistenten Datenstruktur und erfüllen behördliche Anforderungen
einheitlich [7].
INTEROPERABILITÄT ALS SCHLÜSSEL
Für Verantwortliche aus Handel, Logistik und IT zahlen sich digitale
Frachtdokumente erst durch den durchgängigen Datenfluss
aus – nicht durch das einzelne Dokument. Der eCMR dient als digitaler
Nachweis und Datenträger im Straßentransport, eFTI bildet
den regulatorischen Datenraum für den Austausch mit Behörden,
und eCIM erweitert diesen Ansatz im nächsten Schritt
auf den Schienengüterverkehr.
Unternehmen, die heute in offene und standardisierte Schnittstellen
investieren – etwa auf Basis frei verfügbarer eCMR-Software
– legen die Grundlage für automatisierte Prozesse wie digitale
Audit-Trails, automatisierte Freigaben oder die Integration in
Transport- und Hofmanagementsysteme.
Die Digitalisierung des Güterverkehrs wird nur dann skalieren,
wenn Datenübertragungssysteme verkehrsträgerübergreifend
gedacht werden. Mit eCMR und eFTI stehen die zentralen Bausteine
zur Verfügung und werden in der weiteren Entwicklung
durch den eCIM ergänzt.
Literaturhinweise und Quellenangaben:
[1] United Nations Economic Commission for Europe – Executive Guide on
e-CMR. https://unece.org/trade/documents/2023/10/executive-guide-e-cmr,
abgerufen am 21. April 2026
[2] Convention on the Contract for the International Carriage of Goods by
Road (CMR Convention). https://unece.org/DAM/trans/conventn/cmr_e.pdf,
abgerufen am 5. Mai 2026
[3] Additional Protocol to the CMR Convention concerning the Electronic
Consignment Note (2008). https://unece.org/DAM/trans/conventn/e-CMRe.
pdf, abgerufen am 5. Mai 2026
[4] Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML – eCMR Research
and Implementation. https://www.iml.fraunhofer.de
[5] Silicon Economy – Open Logistics Software & eCMR Implementation.
https://www.silicon-economy.com, abgerufen am 21. April 2026
[6] Open Logistics Foundation – Open Source eCMR Software.
https://openlogisticsfoundation.org, abgerufen am 21. April 2026
[7] eFTI Regulation (EU) 2020/1056 – Electronic Freight Transport Information
Regulation. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/
TXT/?uri=CELEX:32020R1056, abgerufen am 21. April 2026
[8] Comité international des transports ferroviaires – Electronic Consignment
Note CIM (eCIM). https://cit-rail.org, abgerufen am 21. April 2026
Autoren: Jens Leveling, stv. Abteilungsleiter Software & Information Engineering
und Maximilian Schellert M. Sc., Senior Scientist Automatisiertes Fahren
und Innovative Transporttechnologien, Abt. Verkehrslogistik, Fraunhofer-Institut
für Materialfluss und Logistik IML, Dortmund
Grafik/Fotos: Fraunhofer IML, Georgios Katsimitsoulias
www.iml.fraunhofer.de
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MARKTPLATZ
JAHRE
Als Systemintegrator für automatisierte
Logistiksysteme erleben wir von Unitechnik
täglich, wie wichtig fundierter Austausch
und verlässliche Informationen für den
Fortschritt unserer Branche sind. Wir danken
der f+h für die langjährige, vertrauensvolle
Partnerschaft und wünschen ihr weiterhin viel
Erfolg, Innovationskraft und viele Impulse für
eine starke Zukunft der Intralogistik.
VERDRAHTUNGSAUFWAND REDUZIEREN
Ein integriertes DC-Schienensystem kennzeichnet den neuen
Servo-Umrichter i950 DC-Link von Lenze. Das Konzept
reduziert den Verdrahtungsaufwand in Mehrachs-Anwendungen,
verkürzt Installationszeiten und verringert Fehlerquellen.
Mit einem Leistungsbereich
bis 30 kW
und erhöhter
Überlastfähigkeit
eignet sich der
Umrichter für
Regalbediengeräte
und automatisierte
Verpackungslinien.
Unterstützt werden
synchrone und
asynchrone Motoren sowie Linear- und Torquemotoren.
Hybrid-Motorsteckverbinder beschleunigen die Installation.
Über auswählbare Feldbusmodule lässt sich der Umrichter in
verschiedene Steuerungsarchitekturen einbinden. Integrierte
Sicherheitsfunktionen wie Safety-over-EtherCAT und Profisafe
ergänzen den Funktionsumfang.
Die kompakte Bauform bietet eine hohe Leistungsdichte bei
minimalem Platzbedarf im Schaltschrank. Innerhalb eines
DC-Verbunds lässt sich Bremsenergie über Rückspeiser zurückgewinnen,
was die Energieeffizienz der Anlage verbessert.
www.lenze.com
WOLFGANG CIEPLIK, Inhaber,
Unitechnik Systems GmbH
KETTENFÖRDERER PUFFERT ENDVERPACKUNG
Im italienischen Werk Ferentino setzt der Eiscremehersteller
Froneri auf das Kettenfördersystem VarioFlow plus von Bosch
Rexroth, um bereits verpackte und gefrorene Eiscreme zur
Endverpackung zu transportieren. Die modulare Lösung
befördert die Produkte von den Metalldetektoren und Waagen
zur Schrumpfverpackungsmaschine und anschließend in den
Palettierbereich. Boden- und
deckenmontierte Förderer
schaffen die Voraussetzungen
für einen Betrieb 2,4 m über
dem Hallenboden, sodass
Personen und Flurförderzeuge
die Fläche darunter nutzen
können.
Höhenunterschiede überwinden
zweispurige Spiralförderer
auf Basis von VarioFlow-plus-
Komponenten. Diese Bauweise
verdoppelt die Transportkapazität
gegenüber einspurigen
Varianten und reduziert den
Flächenbedarf. Bei Maschinenstillständen
lässt sich rund ein
Drittel der im Zulauf befindlichen Produkte auf den Spiralförderern
puffern, wodurch Unterbrechungen von ein bis drei
Minuten überbrückt werden. Die Förderkette läuft dabei
verschleißarm unter den gestauten Produkten hindurch, ohne
Aufdrucke zu beschädigen. Die Fördergeschwindigkeit lässt
sich an unterschiedliche Formate anpassen.
www.boschrexroth.com
Wir schaffen logistische Verbindungen.
Individuelle Planung und Konstruktion
direkt vom Hersteller – Made in Germany
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Typ BK - Mittelachsrampe
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MARKTPLATZ
RADIALREIFEN SENKT WÄRMEENTWICKLUNG
Für den Einsatz an AGVs, Reachstackern,
Top Loadern, schweren Gabelstaplern
und Empty Container
Handlern hat Continental einen
neuen Radialreifen konzipiert, der
hohe Laufleistungen mit Energieeffizienz
verbindet. Mit dem DockMaster
Radial erweitert das Unternehmen
sein Portfolio um einen Reifen für
anspruchsvolle Hafenanwendungen.
Ein großes Laufflächenvolumen und
eine große Aufstandsfläche tragen zu
einer langen Lebensdauer bei. Die Radialkonstruktion reduziert
die Wärmeentwicklung – in erster Linie bei längeren Einsatzstrecken.
Gegenüber V-ply-Reifen weist das Modell zudem
einen geringeren Rollwiderstand auf und unterstützt so die
Energieeffizienz im Betrieb.
Eine spezielle Gummimischung erhöht die Beständigkeit gegen
Abrieb, Schnitte und Rissbildung. Ergänzend erfasst ein
integrierter Sensor Reifentemperatur und Luftdruck und liefert
damit die Grundlage für eine zustandsbasierte Wartung.
www.continental.com
EIN MOTOR – ZWEI SYNCHRONE
BEWEGUNGEN
Zwei synchrone
Bewegungen lassen
sich mit nur einem
Antrieb realisieren: Das
neue Antriebssystem
DualGear von Faulhaber
kombiniert einen
bürstenlosen 32-mm-
Motor der BX4-Familie mit zwei beidseitig montierten
Planetengetrieben der GPT-Reihe. Die Einheit wurde gezielt
für Förderbänder sowie kompakte Radantriebe autonomer
Logistiksysteme konzipiert. In platzkritischen Umgebungen
der Intralogistik reduziert die Lösung den Integrationsaufwand
und optimiert Bauraum sowie Systemkosten.
Der BX4-Basismotor ist in zwei Längen erhältlich (42 und
68 mm), sodass sich das System flexibel an unterschiedliche
Leistungs- und Bauraumanforderungen anpassen lässt.
Hallsensoren mit Sinus-Cosinus-Ausgangssignalen erfassen
die Rotorlage präzise; in Kombination mit einem externen
Motion Controller führt der Motor exakte Positionierbewegungen
aus. Die GPT-Planetengetriebe sind mit bis zu drei
Stufen verfügbar. Durchgängig geschweißte Verbindungen
ohne Klebstoffe sorgen für eine langlebige Konstruktion der
Getriebe.
www.faulhaber.com
STAHLPALETTEN MIT ANFAHRSCHUTZ
Eine optimierte Bodengruppe soll Verformungen an Stahlpaletten
reduzieren, die beim Handling mit Flurförderzeigen
durch hartes Anfahren im Eckbereich entstehen. Das Unternehmen
Schütz hat dazu die Eckfüße und die aufliegende
Bodenwanne mit Einrastnocken versehen. Das Ergebnis ist
eine formschlüssig verstärkte Paletteneinheit mit verdrehsicheren
Eckfüßen, die
Lebensdauer und
Gesamtstabilität
erhöht und im Sinne
der Kreislaufwirtschaft
die Zahl der Umläufe
steigert.
Die neue Bodengruppe
präsentierte der
Verpackungshersteller
auf der interpack 2026 am Beispiel der 3-Kufen-Stahlpalette.
Eine zusätzliche Mittelkufe sorgt gegenüber klassischen
Stahlrahmenpaletten für eine gleichmäßige Kraftverteilung,
eine geringere Durchbiegung und eine vergrößerte Auflagefläche.
Abgesenkte Kufenkanten erleichtern die seitliche Einfahrt
mit Flurförderzeugen. Das komplette Stahlpalettenportfolio
wird sukzessive auf das neue Design mit erhöhtem Anfahrschutz
umgestellt.
www.schuetz.net
HUBPLATTFORM SCHAFFT ERGONOMIE AN
ARBEITSPLÄTZEN
Die elektrisch höhenverstellbare
Plattform von
Treston ist nach der
Maschinenrichtlinie
2006/42/EG zertifiziert; bei
einem Hub von weniger als
500 mm ist sie zudem
CE-konform. Ausgelegt ist
die Plattform auf eine
Maximallast von 400 kg
und lässt sich in Breite,
Tiefe und Hubhöhe
individuell konfigurieren. Optional sind Ablagen, Scannerhalterungen
oder Geländer verfügbar. Das Einsatzspektrum
reicht vom Wareneingang über Umpackstationen bis zur
Montage, auch in Kühlzonen.
Als Teil des hauseigenen Arbeitsplatz-Ökosystems ist die
Plattform mit Arbeitstischen, Beleuchtung, ESD-Schutz,
Transportwagen sowie Sitz- und Stehlösungen kombinierbar.
Die unabhängige Zertifizierung erleichtert die Integration in
bestehende Anlagen und verkürzt die Inbetriebnahme.
www.treston.com
SPRITZGUSS-PLATTFORMEN VERBESSERN LAUFRUHE
Überarbeitete Spritzguss-Elemente erhöhen die Flexibilität bei kontinuierlichen Vertikalförderern
und reduzieren Ruckbewegungen beim Be- und Entladen. Die Tramak GmbH hat ihren
S-Förderer weiterentwickelt, um in erster Linie kleine und leichte Fördergüter betriebssicherer
vertikal zu transportieren. Die neuen Plattformen bieten gegenüber den bisherigen Ausführungen
eine erhöhte Flexibilität beim Übergang zu anschließenden Gurt- oder Rollenförderern. Als
Träger der Plattformen kommt weiterhin die Gummi-Blockkette zum Einsatz, die die Voraussetzungen
für einen geräuscharmen und schmierungsfreien Betrieb schafft.
www.tramak.de
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VORSCHAU
IM NÄCHSTEN HEFT: 05/2026
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02
03
01 Blick in das automatische Teleskopgabellager, das Westfalia für den
Nahrungs- und Genussmittelgroßhändler Kreyenhop & Kluge realisiert hat
– ausgelegt auf präzise Übergaben und hohe Zugriffsfrequenzen
Bild: Westfalia Technologies, Anne Wirtz
02 Sensible Lebensmittel wie Cashewkerne stellen hohe Anforderungen an
Hygiene und Reinigbarkeit. Homogene Transportbänder vom Typ Siegling Fullsan
setzen hier mit geschlossener Oberfläche einen neuen Hygienestandard
Bild: Forbo Siegling
03 Grünes Licht für reibungslose Abläufe: Visuelle Signalisierung am Palettenmagazin
macht Statusinformationen auf einen Blick erfassbar und sorgt für
schnelle Orientierung im Arbeitsumfeld
Bild: item
(Änderungen aus aktuellem Anlass vorbehalten)
IHR WEG ZU UNS
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E-PAPER: digital.foerdern-und-heben.de
CHEFREDAKTION: w.bauer@vfmz.de
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was die Branche als Nächstes bewegt.