Magazin Lepra Heute Mai 2026
Mit unserem Magazin «Lepra Heute» bleiben Sie am Ball! Lesen Sie spannende und bewegende Lebensgeschichten, Neuigkeiten aus den Lepra-Projekten, Gebetsinformationen und alles rund um die Lepra-Mission.
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LEPRA
HEUTE
Informiert sein. Engagiert bleiben.
N°2 | 2026
ERFAHRUNGSBERICHT:
Anjali – Hoffnung trotz allem
STUDIE: Dem Stigma die
Stirn bieten
KONFLIKTE: Folgen für
Lepra-Betroffene
AUF EINEN BLICK
EDITORIAL
NOVARTIS UND WHO VERLÄN-
GERN ABSICHTSERKLÄRUNG
- LEPRA-MISSION GEHT ALS
SCHLÜSSELPARTNER DIE
LETZTE MEILE
Novartis wird in Partnerschaft
mit der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) die MDT-Behandlung
für Lepra-Patienten
für mindestens fünf weitere
Jahre kostenlos bereitstellen.
Damit sollen bis 2030 eine
Million Menschen zusätzlich
behandelt und unzählige
neue Erkrankungen verhindert
werden.
Zu diesem Zweck hat das
Pharmaunternehmen mit der
WHO ein «Memorandum of
Understanding (MoU)»
abgeschlossen. Im Rahmen
dieser Absichtserklärung wird
Novartis weiterhin MDT und
Clofazimin für alle Lepra-
Patienten bereitstellen.
Die Lepra-Mission sorgt als
Partner dafür, dass die Medikamente
anschliessend bei
den Betroffenen ankommen
und Tausende Menschenleben
verändert und gerettet
werden können.
Chili
CHILE
ALS ERSTES LAND IN AMERIKA
FREI VON LEPRA
Chile hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) als zweites Land weltweit
– und als erstes Land in Amerika – Lepra eliminiert.
Die letzten sekundären Fälle wurden Ende
der 1990er Jahre behandelt. Seitdem hat Chile
seit über 30 Jahren keinen lokal erworbenen
Leprafall mehr gemeldet; der letzte Fall wurde
1993 registriert. Zwischen 2012 und 2023 wurden
in Chile 47 Fälle gemeldet, die jedoch alle
importiert waren.
Dazu beigetragen haben unter anderem ein
Programm zur Früherkennung und der universelle
Zugang zu medizinischer Versorgung.
«Dieser Meilenstein im Bereich der öffentlichen
Gesundheit ist ein eindrucksvoller Beweis dafür,
was Führung, Wissenschaft und Solidarität
erreichen können», sagte WHO-Generaldirektor
Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus. «Die Eliminierung
der Lepra in Chile sendet eine klare
Botschaft an die Welt: Mit nachhaltigem Engagement,
inklusiven Gesundheitsdiensten,
integrierten Strategien, frühzeitiger Erkennung
und universellem Zugang zur Versorgung
können wir alte Krankheiten in die Geschichte
verbannen.»
IMPRESSUM
Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,
In wenigen Tagen beginnt die Fussball-
WM 2026, und hier kommen Sie und die
in diesem Magazin porträtierten Menschen ins Spiel.
Denn Sie haben etwas mit den Star-Kickern gemeinsam:
Die drei teuersten Rasen-Athleten haben einen Marktwert
von jeweils rund 185 Millionen Schweizer Franken, einer von
ihnen ist Kylian Mbappé.
Würde man den 75 Kilogramm schweren Mbappé mit Gold aufwiegen
käme man auf «nur» 8,85 Millionen Franken; dies bei einem Gold-
Kilopreis von 118'000 Franken. Der französische Rasen-Athlet ist also
21-mal wertvoller als Gold.
Gott bemisst einen noch viel höheren Marktwert für jeden einzelnen
Menschen; auch für Sie. Für jeden einzelnen hat er seinen Sohn Jesus
gesandt, jede Person ist für ihn wertvoller als die Erde. Denn sie wird
vergehen und von Gott wieder hergestellt (Jesaja, 65,17).
Bei Gott ist somit jeder Mensch unendlich viel mehr wert als Gold.
Durch Jesus Christus ermöglicht er sogar den Zugang zu sich und
sucht Kontakt zu Ihnen. Somit haben Sie bei Gott den genau gleichen
«Marktwert» wie Kylian Mbappé. Und wie Anjali, die in diesem Magazin
vorgestellt wird. Wegen Lepra war sie von ihrem Grossvater
ausgesetzt worden; doch sie hat genau den gleichen «Marktwert»:
In Gottes Augen sind wir alle genau gleich wertvoll.
Herzliche Grüsse,
Daniel Gerber
Die Lepra-Mission Schweiz ist eine christlich-humanitäre
Organisation, die sich weltweit für die Beseitigung
der Ursachen und Folgen von Lepra engagiert.
Das Ziel ist die Heilung und Integration der Ärmsten
zurück in die Gesellschaft. Der Verein ist steuerbefreit.
Spenden können bei den Steuern in Abzug gebracht
werden. Sollten mehr Spenden für ein bestimmtes
Projekt/Aktivität zusammenkommen, setzen wir sie
gemäss unseren Statuten für ähnliche Projekte ein.
Lepra Heute ist das Mitteilungsblatt für
Gönner und Mitglieder · ISSN 2297-2161
Verlag, Redaktion und Copyright:
Lepra-Mission Schweiz
Redaktion: Daniel Gerber, Helen Woldu
Layout: Sonja Räss · Druck : Jordi AG, Belp
Lepra-Mission Schweiz
Bernstrasse 15A · 3360 Herzogenbuchsee
Tel. 062 961 83 84 · info@lepramission.ch
lepramission.ch
Spendenkonto: IBAN CH15 0900 0000 5001 6000 6
Fotos: Sabrina Dangol, Lepra-Mission,
© MONUSCO/Aubin Mukoni (UNO)
Mitglied der
2 Titelbild: Indien: Anjali träumt von einem Neuanfang Evangelischen Allianz
3
LEBENSBERICHT AUS INDIEN
Hoffnung trotz allem: Wie Anjali
den Kreislauf durchbricht
Anjalis Leben geriet bereits in der Kindheit aus den Fugen, weil die Krankheit zu spät diagnostiziert
und nicht behandelt wurde. Ihre bewegende Geschichte veranschaulicht die
verheerenden Auswirkungen von Lepra, wenn die Krankheit nicht rechtzeitig erkannt wird,
aber auch die Folgen von Angst und Diskriminierung.
Ihre Lebensgeschichte macht deutlich, wie
wichtig Aufklärung sowie ein frühzeitiger Zugang
zu medizinischer Versorgung sind, um
irreversible Schäden zu vermeiden.
DIE ERSTEN IGNORIERTEN ANZEICHEN
Das indische Mädchen Anjali war gerade einmal
elf Jahre alt, als sie die ersten hellen
Flecken in ihrem Gesicht und auf ihrem Körper
bemerkte. Anfangs versuchte sie, diese zu
ignorieren, doch Woche für Woche kamen
neue Hautverfärbungen hinzu.
Allmählich setzte die Angst ein. Ihre besorgte
Mutter beschloss, sie ins Krankenhaus zu bringen.
Die Diagnose lautete: Anjali litt an Lepra.
Eine Krankheit, von der sie noch nie etwas
gehört hatte und die in ihrer Familie noch nie
aufgetreten war. Trotz diesem Befund erhielt
sie keine Behandlung. Dies markierte einen
tragischen Wendepunkt: Ohne schnelle medizinische
Versorgung konnte die Krankheit
ungehindert fortschreiten und irreversible
Schäden verursachen. Lepra ist, wenn sie früh
erkannt wird, gut behandelbar. Doch im Fall
von Anjali wurde diese Chance verpasst.
WENN DER KÖRPER NICHT MEHR WARNT
Drei Jahre später wurden die Folgen sichtbar
und erschreckend. Mit 14 Jahren liess Anjali
beim Zubereiten des Familienessens einen
Topf mit kochendem Reis fallen. Sie erwartete
starke Schmerzen, doch es geschah nichts.
Ihre Nerven waren geschädigt. Sie konnte
keinen Schmerz mehr empfinden. Dieses
Symptom ist typisch für fortgeschrittene Lepra
und häufig die Ursache schwerer Behinderungen.
Ohne das Warnsignal Schmerz verschlimmern
sich Verletzungen, Infektionen nehmen
zu und die Schäden werden dauerhaft.
Doch ihre verzweifelte Mutter suchte weiterhin
Hilfe bei traditionellen Heilern … ohne Erfolg.
Das Fehlen einer frühzeitigen medizinischen
Behandlung führte dazu, dass Anjali mit vermeidbaren
Behinderungen leben musste.
ANGST ZUHAUSE: WENN OPA ZUR GEFAHR WIRD
Während ihre Mutter versuchte, sie zu
schützen, wuchs im Schatten eine weitere
Bedrohung heran: ihr eigener Grossvater. Als
autoritäres Familienoberhaupt betrachtete
er ihre Krankheit als Schande. Schon bald
wurden seine Worte zu Drohungen.
Angst wurde zum Alltag des Mädchens. Sie
berichtet, vergiftet, vor einen fahrenden Zug
gestossen und ständig bedroht worden zu
sein. Ihre Mutter war machtlos gegenüber der
Autorität dieses Mannes und konnte nur besorgt
sein, ohne wirksam eingreifen zu können.
Diese Gewalt zeigt eine noch immer weit
verbreitete Realität: Unwissen über Lepra
schürt Angst, die wiederum zu Ausgrenzung
und Misshandlung führt. Die Krankheit ist
nicht nur körperlich, sondern wird auch sozial.
IM STICH GELASSEN, ABER NICHT BESIEGT
Eines Tages kündigte ihr Grossvater an, sie
ins Krankenhaus zu bringen. Nach einer
mehrstündigen Fahrt liess er sie jedoch in
einer Siedlung für Menschen mit Lepra
zurück, weit entfernt von ihrem Zuhause.
Anjali erlebte erneut einen Wendepunkt in
ihrem Leben, als sie allein und verzweifelt
zurückgelassen wurde. Glücklicherweise
half ihr ein älteres Ehepaar und nahm sie bei
sich auf.
Trotz ihrer behinderten Hände, fehlender
Mittel und begrenzter Perspektiven baute sie
sich nach und nach ein neues Leben auf. Mit
19 Jahren heiratete sie einen Mann, der
ebenfalls in einer solchen Siedlung lebte.
Gemeinsam bekamen sie zwei Söhne.
DEN KREISLAUF DURCHBRECHEN: HOFFNUNG
FÜR DIE NÄCHSTE GENERATION
Heute lebt Anjali in grosser Armut in einem
baufälligen Haus. Doch sie bleibt entschlossen,
ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen,
indem sie sie zur Schule schickt.
Ihre Geschichte macht deutlich, wie wichtig
eine frühzeitige Lepra-Diagnose ist, um
Folgeschäden zu vermeiden, und wie notwendig
Aufklärung ist, um Vorurteile zu bekämpfen.
Denn die Diskriminierung hat ihr Leben
noch stärker geprägt als die Krankheit selbst.
4
5
STUDIE
Gegen das Stigma: Wie Lepra-
Betroffene sich verteidigen
Lange Zeit mit falschen Vorurteilen und Mythen verbunden, ist Lepra noch immer eine
Quelle von Angst und Diskriminierung. In Mosambik beleuchtet eine von Dr. Arianna Bobba
(Lepra-Mission International) durchgeführte Studie die Art und Weise, wie die betroffenen
Personen diese Stigmatisierung erleben und vor allem, wie sie ihr im Alltag widerstehen.
Lepra ist nach wie vor von
hartnäckigen Vorurteilen geprägt.
Für die Betroffenen
prägt die Stigmatisierung
oder sogar Ablehnung noch
immer tief das soziale, familiäre
und berufliche Leben. Dr.
Dr. Arianna Bobba
Arianna Bobba, die Programmberaterin der
Internationalen Lepra-Mission, wollte verstehen,
wie diese Personen reagieren, sich
anpassen und bewusste oder unbewusste
Strategien anwenden, um ihre Würde zu bewahren.
DIE MECHANISMEN DER STIGMATISIERUNG
VERSTEHEN
Ihre Studie wurde in der Provinz Cabo Delgado
in Mosambik durchgeführt. In diesem
Land ist Lepra noch immer präsent und kulturelle
Überzeugungen beeinflussen die
Wahrnehmung der Krankheit stark.
DIE FORMEN DER STIGMATISIERUNG
Drei Hauptdimensionen treten hervor:
• Erwartet: die Angst, abgelehnt zu werden.
• Verinnerlicht: die von der Person selbst
übernommene Scham oder Schuld.
• Vollzogen: die tatsächliche Diskriminierung,
die von der Familie, den Nachbarn
oder öffentlichen Diensten ausgeht.
GLAUBE UND SPRACHE VERSTÄRKEN
DIE ABLEHNUNG
Kulturelle Vorstellungen spielen eine entscheidende
Rolle. Die Studie zeigt mehrere
fortbestehende Überzeugungen:
• Lepra wird manchmal als göttliche Strafe
für unmoralisches Verhalten betrachtet;
• einige Menschen glauben noch immer,
dass der Kontakt mit Menstruationsblut
die Krankheit überträgt;
• beleidigende Begriffe werden verwendet,
um die betroffenen Personen zu bezeichnen.
Diese Überzeugungen können die Stigmatisierung
selbst nach der Heilung aufrechterhalten.
ZWISCHEN PFLEGE UND DISKRIMINIERUNG
IM GESUNDHEITSSYSTEM
Gesundheitsfachkräfte haben einen grossen
Einfluss auf die Wahrnehmung der Krankheit.
Die Studie zeigt:
• den fortbestehenden Gebrauch stigmatisierender
Begriffe;
• 26 Prozent der Patienten befürchten, bei
Konsultationen diskriminiert zu werden;
• einige Pflegekräfte vermeiden Körperkontakt
oder bieten unvollständige Pflege an.
Der Mangel an Ausbildung verstärkt somit
die Vorurteile und schwächt das Vertrauen
zwischen Pflegekräften und Patienten.
UNGLEICHE WEGE, TROTZ GLEICHER DIAGNOSE
Die Ablehnung ist stärker, wenn sichtbare
Beeinträchtigungen auftreten. Ein prägnantes
Beispiel erwähnt zwei diagnostizierte
Brüder:
• der eine zeigt keine Folgeschäden und
kann ein normales Leben führen;
• der andere leidet an Schäden an Augen,
Händen und Füssen, was zu Ablehnung,
Statusverlust und wirtschaftlichen Schwierigkeiten
führt.
Die Art und Weise, wie die Gesellschaft die
Krankheit wahrnimmt, kann daher schwerer
wiegen als die Krankheit selbst.
WIE GEHEN BETROFFENE DAMIT UM?
Die Studie identifiziert drei Ebenen des Umgangs.
1. Persönliche Strategien
Um ihre Würde zu bewahren und Diskriminierung
zu begrenzen, wenden die Personen
insbesondere folgende Strategien an:
• eine sehr sorgfältige Hygiene;
• Halt im Glauben finden;
• die strikte Einhaltung der Behandlung;
• manchmal die Verheimlichung der Dia gnose.
2. Gegenseitige Unterstützung
unter Betroffenen
Dies geschieht beispielsweise durch:
• diskrete Hilfe zwischen betroffenen Personen;
• das Teilen von Informationen nur mit vertrauenswürdigen
Personen.
3. Öffentliche Aktionen
Diese sichtbareren Massnahmen zielen darauf
ab, die Wahrnehmung zu verändern:
• Sensibilisierung und Korrektur falscher
Vorstellungen;
• Teilnahme an Selbsthilfe- oder Selbstversorgungsgruppen;
• Einsatz gegen Diskriminierung.
EINE INSPIRIERENDE RESILIENZ
Die Studie hebt die Stärke und Resilienz von
Menschen hervor, die sich trotz Hindernissen
organisieren, sich gegenseitig unterstützen
und ihren Platz in der Gesellschaft einfordern.
Sie macht deutlich, wie wichtig es ist, die Anstrengungen
in den Bereichen Sensibilisierung,
Ausbildung und Bekämpfung von Vorurteilen
fortzusetzen. Die Reduzierung der
Stigmatisierung bedeutet einerseits, die betroffenen
Personen zu schützen, andererseits
stärkt sie den Zusammenhalt und die Gerechtigkeit
innerhalb der Gemeinschaften.
6
AUSBILDUNGSZENTRUM WIRD ZUM LEUCHTTURM
Die Lepra-Diagnose
hatte nicht das letzte Wort
Die Diagnose «Lepra» stürzte Dipendu in eine Depression. Doch durch die Behandlung und die
Berufsschule der Lepra-Mission blühte der junge Inder wieder auf. Nun ist er entschlossen, zu
beweisen, dass eine Lepra-Diagnose nicht über die Zukunft eines Menschen entscheiden muss.
Aufgewachsen in einer armen Familie in einem
Lehmhaus, erlebte Dipendu (20) schon
früh viele Entbehrungen. Sein Vater, ein Tagelöhner,
versorgte seine Frau sowie Dipendu
und dessen jüngeren Bruder mit einem Jahreseinkommen
von nur 60'000 Rupien; was
rund 520 Franken entspricht. So kamen sie
kärglich über die Runden.
Trotz dieser Einschränkung trug Dipendu immer
einen Kindheitstraum in sich: Er wollte
Elektriker werden.
LEPRA-DIAGNOSE MÜNDETE IN DEPRESSION
Im Jahr 2023 nahm sein Leben eine drastische
Wende, als er weisse Flecken an seinem
rechten Bein bemerkte. Er wusste nicht, was
sie zu bedeuten hatten. Er war tief bestürzt
und verwirrt. Nach einer ärztlichen Untersuchung
im Krankenhaus der Lepra-Mission in
Purulia wurde bei ihm Lepra diagnostiziert.
Diese unerwartete Diagnose erschütterte ihn
zutiefst.
Die Last von Stigma und Angst mündete in
eine Depression. Früher hatte er die einfachen
Freuden des Lebens genossen; besonders
den Winter und seine Lieblingsspeise:
heisse Hühnersuppe an kalten Abenden. Nun
zog er sich zunehmend von allem zurück,
was er früher liebte.
IM ZENTRUM DER HOFFNUNG
Er begann die Multi-Drug-Therapy (MDT), litt
jedoch häufig unter schweren Nebenwirkungen,
die es ihm manchmal unmöglich
machten, die Medikamente zu nehmen. Sein
Selbstvertrauen schwand und seine Träume
schienen zu verblassen.
Doch dann keimte Hoffnung auf, als er im
Lepra-Spital vom Vocational Training Centre
(VTC) erfuhr, einer Berufsbildungsstätte
der Lepra-Mission. Ermutigt und an seinen
Kindheitstraum glaubend, wagte Dipendu
einen mutigen Schritt: Er schrieb sich im
Elektriker-Ausbildungszweig des VTC ein,
obwohl er noch nie mit technischen Werkzeugen
oder Geräten gearbeitet hatte.
DAS UNERREICHBARE ERREICHT
Am VTC erhielt er nicht nur eine technische
Ausbildung, sondern auch emotionale Unterstützung,
Mentoring und das Gefühl der Zugehörigkeit.
Besonders motivierend wirkte auf ihn die
neue, moderne Infrastruktur, zu der ein Computerlabor
und ein Smart Classroom gehörten.
Für jemanden, der zuvor noch nie einen
Rechner benutzt hatte, war es ein aufregendes
Erlebnis, den Umgang damit zu lernen.
Heute nutzt Dipendu dieses Gerät ganz
selbstverständlich; eine Fähigkeit, die noch
vor einem Jahr unerreichbar schien.
«TEIL DER NEUEN GENERATION SEIN»
«Der Smart Classroom gibt mir das Gefühl,
Teil der neuen Generation zu sein», sagt Dipendu
stolz. Er ist sehr dankbar gegenüber
der Lepra-Mission.
DIE AUSBILDUNG
STÄRKEN, UM LEBEN
ZU VERÄNDERN:
Ravi Anthony ist Schulleiter des VTC in
Bankura. Er nahm kürzlich online an der
Weiterbildung «Vocational education
and training (VET) - between Poverty
Alleviation and Economic Development»
der ETH Zürich teil.
Ravi Anthony setzt auf eine gute Bedarfsanalyse
und enge Zusammenarbeit mit
der Industrie und Anspruchsgruppen, um
Ausbildung am lokalen Arbeitsmarkt zu
orientieren. In Bankura sieht er gute
Voraussetzungen für praxisnahe,
hochwertige VET-Programme mit nachhaltigen
Perspektiven für leprabetroffene
Menschen.
Die Unterstützung beruflicher Bildung ist
entscheidend, um nachhaltige Perspektiven
zu schaffen. Das VTC in Bankura
ist ein Beispiel für Projekte, die durch
gezielte Förderung Ausbildung und
Entwicklung ermöglichen.
Klassenzimmer im Berufsbildungszentrum von Bankura.
Dipendu im Informatikraum.
8 9
AKTUELL
Alltagsszene in Bukavu, einer von Konflikten geschwächten Region.
Lepra und Konflikte: Folgen und
Weg zurück zum Fortschritt
In Ländern, in denen Lepra weiterhin endemisch ist, schwächen bewaffnete Konflikte die
ohnehin schon fragilen Gesundheitssysteme zusätzlich. In der DR Kongo beeinträchtigt die
Unsicherheit die Versorgung, unterbricht Behandlungen und gefährdet die erzielten
Fortschritte in Bezug auf Inklusion und Selbstbestimmung.
Wie lässt sich die Wirkung dieser Krisen
messen und, vor allem, wie kann man nachhaltig
wieder aufbauen?
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo
erschwert die Unsicherheit die Arbeit der
Gesundheitsteams erheblich: Einige Gebiete
werden unzugänglich, die Wege sind
gefährlich und bestimmte Aufgaben
müssen an weniger gut ausgebildete lokale
Akteure übertragen werden. Das kann die
Qualität der Versorgung beeinträchtigen
und die Kosten erhöhen.
KONFLIKT BREMST GESUNDHEITSDIENSTE
Die Lieferung von Medikamenten, insbesondere
der Multi-Drug-Therapie (MDT), wird
durch unpassierbare Strassen und die
Notwendigkeit, Gebiete zu meiden, die von
bewaffneten Gruppen kontrolliert werden,
behindert. In Städten wie Bukavu bleibt der
Zugang zu den Patienten schwierig und selbst
in sichereren Gebieten ist der Bedarf
weiterhin hoch. Dies zwingt die Teams, ihre
Strategien ständig anzupassen, um Behandlungsunterbrechungen
zu vermeiden.
Die Rückkehr zu einem Versorgungsniveau
wie vor dem Konflikt bedeutet jedoch mehr,
als nur Gesundheitszentren wieder zu öffnen.
Der Wiederaufbau erfordert einen ganzheitlichen
Ansatz, der gesundheitliche, soziale
und psychologische Dimensionen integriert.
WICHTIGE PSYCHOSOZIALE HILFE
Konflikte hinterlassen tiefe Traumata. Für von
Lepra betroffene Menschen oder Menschen
mit Behinderung kommen zu diesen Belas-
tungen noch Stigmatisierung und die unsichere
Lebenslage hinzu. Oft erleben sie, dass
die über Jahre erzielten Fortschritte zusammenbrechen.
Eine verstärkte psychosoziale Begleitung ist
daher unerlässlich. Zentrale Hebel sind die
Wiederherstellung des Selbstwertgefühls,
der Aufbau von Solidaritätsnetzwerken und
der Kampf gegen Diskriminierung, um den
Betroffenen zu ermöglichen, Vertrauen und
Selbstständigkeit wiederzuerlangen.
KONFLIKT BRINGT NEUE DATENLAGE
Massive Bevölkerungsbewegungen können
die geografische Verteilung der Lepra-Fälle
verändern. Frühere Daten spiegeln die aktuelle
Realität daher nicht mehr zwingend
wider. Um zu identifizieren, wo die betroffenen
Menschen heute leben, und um angepasste
Massnahmen zu planen, ist eine neue
Kartierung der Lepra, begleitet von einer Aktualisierung
der Basisdaten, notwendig.
IN KAZIBA: ZERSTÖRTE FORTSCHRITTE
In Kaziba im Osten der DR Kongo hatte sich die
Organisation der von Lepra betroffenen Personen
im Kongo (OPALCO) seit 2021 mit Unterstützung
von Partnern, darunter der Lepra-Mission,
strukturiert. Unter der Leitung von
Bubake Mwikaza Dieudonne umfasste die
lokale Zweigstelle mehr als 100 Mitglieder, verteilt
auf zehn Gesundheitszonen.
Dank der Finanzierungen, die 2024 und 2025
erhalten wurden, konnten zwei Geschäfte
eröffnet werden: Eines für Lebensmittel und
eines für landwirtschaftliche Betriebsmittel.
Diese einkommensgenerierenden Aktivitäten
erleichterten den Zugang zu qualitativ
hochwertigen Produkten zu erschwinglichen
Preisen und stellten eine
nachhaltige Finanzierungsquelle für die Organisation
dar. Zudem wurde lokales Knowhow
aufgewertet, etwa die Herstellung von
Seife oder Flechtarbeiten.
AUFBAU WURDE ZERSTÖRT
Die Auseinandersetzungen im März 2025
zwischen den Kräften des M23 und der regulären
Armee führten jedoch zu massiven
Vertreibungen und Plünderungen. Das Lebensmittelgeschäft
wurde vollständig geplündert
und bei neuen Kämpfen im Dezember
wurden auch die in einem anderen
Lager aufbewahrten landwirtschaftlichen
Werkzeuge gestohlen. Da die Organisation
ihrer Ressourcen beraubt wurde, musste sie
ihre letzten Bestände an die Mitglieder verteilen
und ihre Räumlichkeiten aus Mangel
an Mitteln verkleinern.
WIEDER HOFFNUNG SCHAFFEN
Um den Weg des Fortschritts wiederzufinden,
muss der Zugang zur Versorgung gesichert,
einkommensschaffende Aktivitäten
müssen wieder aufgenommen und die psychosoziale
Begleitung muss gestärkt werden.
Entscheidend sind dabei internationale
Solidarität und das Engagement der Partner,
damit Menschen, die von Lepra betroffen
sind, nicht zu den vergessenen Opfern von
Konflikten werden.
10 11
JAHRESBERICHT
Transparenz
Wir legen Wert auf einen transparenten, verantwortungs vollen Umgang mit den Finanzen
und einen wirkungsvollen Einsatz der anvertrauten Mittel. Die Rechnungs legung erfolgt
nach Swiss GAAP FER 21. Regelmässig lassen wir uns von der Zewo kontrollieren.
Hier finden Sie Diagramme zur Mittelverwendung, -einsatz und Herkunft der Gelder.
Verwendung nach
Zewo-Methode*
Von einer Spende von
100 Franken gehen
81.10 Franken in die
Projektarbeit.
PROJEKTAUFWAND
81.1%
Vorjahr 82.8%
MITTELBESCHAFFUNG
11.8%
Vorjahr 10.8%
ADMINISTRATION
7.1%
Vorjahr 6.4%
7.1%
11.8%
VERWENDUNG
NACH ZEWO
81.1%
Mitteleinsatz
Die Verteilung der
finanziellen Mittel auf
die Schwerpunktländer.
34% 18%
BANGLADESCH INDIEN
16% 16%
DR KONGO NIGER
15% 1%
NEPAL SCHWEIZ
16%
15%
16%
1%
MITTEL-
EINSATZ
18%
34%
Herkunft
der Mittel
44%
PRIVATSPENDEN
22%
LEGATE UND ERBSCHAFTEN
21%
STIFTUNGEN/
INSTITUTIONEN
13%
BEITRÄGE
ÖFFENTLICHE HAND
21%
13%
HERKUNFT
DER MITTEL
22%
44%
Die Wirkung Ihrer Spenden
im Jahr 2025
Erfahren Sie, was im vergangenen Jahr dank Ihrer Spenden in den Projekten erreicht wurde.
Die Ergebnisse sind ermutigend. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, dessen Leben positiv
verändert wurde. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.
NIGER
2'734
Kontaktpersonen auf
Lepra untersucht
DR KONGO
165
Neue Leprafälle
entdeckt
INDIEN
3096
Patientinnen
und Patienten durch mobile
Kliniken erreicht
NEPAL
108'270
Medizinische und diagnostische
Leistungen erbracht
BANGLADESCH
1'360
Lepra-Patienten
behandelt
224
Neue Leprafälle
entdeckt
644
Personen geschult und
über Lepra orientiert
1769
Menschen erhielten
Spezialschutzschuhe
167
Neue Leprafälle
entdeckt
7'540
Personen sind in 537 Selbsthilfegruppen
organisiert
233
Gesundheitsfachpersonen & Freiwillige
geschult und über Lepra orientiert
2'267
Kontaktpersonen auf
Lepra untersucht
87%
aller Studierenden
schlossen die Ausbildung
erfolgreich ab
6'182
Physiotherapiesitzungen
durchgeführt
1'784
Menschen erhielten Hilfsmittel
wie Krücken oder Spezialschuhe
* www.zewo.ch/de/zewo- methode/
Den vollständigen Jahresbericht finden Sie unter lepramission.ch/jahresbericht oder
bestellen Sie ihn unter info@lepramission.ch oder Telefon 062 961 83 84.
12 13
TEIL DER GESCHICHTE WERDEN
Gönner werden: Ein dauerhaftes
Zeichen gegen Lepra
Jedes Jahr erkranken Tausende von
Menschen an Lepra – einer Krankheit,
die zwar heilbar ist, aber oft bleibende
Schäden hinterlässt. Als Gönnerin oder
Gönner leisten Sie einen wertvollen und
regelmässigen Beitrag, um Lepra zu
bekämpfen und Betroffene auf ihrem
Weg zu begleiten.
Mit Ihrem jährlichen Beitrag können wir
langfristig wirken: Früherkennung, medizinische
Versorgung, Reintegration
und Kampf gegen das Stigma. Dank
GEMEINSAM KÖNNEN WIR
LEPRA BESIEGEN. ALS
GÖNNER TUN SIE JEDES
JAHR ETWAS, DAS ZÄHLT.
Ihrer dauerhaften Unterstützung können
wir nachhaltige Projekte umsetzen und
Leben verändern.
Scannen Sie den
QR-Code, um sich direkt
auf unserer Spendenseite
zu registrieren.
Bei Fragen können Sie uns gerne kontaktieren
unter info@lepramission.ch
oder telefonisch unter 062 961 83 84.
BUCHSTABENSALAT
Die zu suchenden Wörter befinden sich in den
Schreibrichtungen …
• von links nach rechts und von rechts nach links
• senkrecht von oben nach unten
• diagonal
… kreuz und quer im Buchstabensalat.
SPIEL:
1. Diese Worte gilt es zu finden: Lepra,
Kongo, Indien, Anjali, Diagnose, Spital,
Dipendu, Nepal, Heilung, Mosambik,
Pflege, Medizin
2. Finden Sie das Wort, das doppelt im
Buchstabensalat enthalten ist.
K T H H J Q T P F W L D U
Y A U M L M O S A M B I K
E H O O H C S V T R D Z K
C Q A S P I T A L O I L F
A D L U O P O M R H P K S
N I E W I E W J K R E O B
J A P K P F L E G E N N Q
A G R O T V I D N Q D G I
L N A N B Q I N V E U O N
I O R G H T A W D Q P S A
J S D O S O Z U I I N A F
A E K G N U L I E H E V L
H N I Z I D E M G X E N E
Herzlichen Dank für Ihre wertvolle Unterstützung!
Senden Sie die Lösung bis am 30. Juni 2026 (info@lepramission.ch oder Bernstrasse 15A,
3360 Herzogenbuchsee) an uns ein. Zu gewinnen gibt es dreimal je eine Kunstkarte der
Schweizer Künstlerin Marianne Sommer.
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15
LEPRA SOLLTE IM
21. JAHRHUNDERT NICHT
MEHR EXISTIEREN!
Unterstützen Sie Menschen mit
Lepra mit einer Spende. Scannen Sie
den QR-Code mit Ihrer Kamera oder
der TWINT-App. Auf unserer Spendenseite
stehen Ihnen verschiedene
Online-Zahlungsmöglichkeiten zur
Verfügung. Herzlichen Dank!