HANSA 06-2026
Spotlight on new ships | People & Podcast | Märkte | Markets | Finanzierung | Breakbulk Europe 2026 | Schifffahrt | Shipping | DEUTSCHES MARITIMES ZENTRUM@HANSA | Schiffstechnik | Ship Technology | GREEN HUB | DIGITAL HUB | Häfen | Ports | Offshore | Termine
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Est. 1864 06 | 2026
International
Maritime
Journal
MPP-Schifffahrt
Großer Report zum Highlight
»Breakbulk Europe« mit
Flotten, Carriern, Neubauten
50 Jahre Hanse Bereederung
Claudia Paschkewitz und Michael
Zankl geben exklusive Einblicke
zum Jubiläum der Schoeller-Tochter
HANSA & DMZ
Neue Kooperation für Insights
aus dem Deutschen Maritimen
Zentrum. Teil 1: Fachkräfte
163. Jahrgang
ISSN 0017-7504 | € 23,-
www.hansa-online.de
EDITORIAL
Sorge vor der Berliner Warteschleife
Erinnern Sie sich daran, was vor nur wenigen Wochen eines der
bestimmenden Themen der maritimen Branche in Deutschland
war? In der schnelllebigen Welt wechselnder Herausforderungen
ist es fast schon wieder etwas aus der Wahrnehmung gerutscht.
Gemeint ist die 14. Nationale Maritime Konferenz, zu
der die Spitzen der deutschen Politik mit der Wirtschaft in Emden
zusammengekommen waren, um über die »Begleitung«
der Branche zu sprechen: Der Kanzler war da, zahlreiche Minister
und Ministerpräsidenten und noch zahlreichere Behördenvertreter.
Es war zudem auffällig, dass sehr viele sehr hochrangige
Vertreter der maritimen Wirtschaft vor Ort waren – neben
dem Schiffbau und der Zuliefererindustrie auch aus Häfen und
Reedereien. Und zwar nicht nur über die Verbände. Offenbar
wird durchaus ein Bedarf und ein Sinn in der NMK gesehen. Die
Nachfrage war groß, viele Akteure konnten angesichts der begrenzten
Kapazitäten kein Einlass-Ticket ergattern.
Die Sorge vor einer »Palaver-Runde« war im Vorfeld groß,
ebenso wie die Hoffnungen. Nun haben wir die vieldiskutierte
NMK hinter uns. Und was bleibt?
Eine sehr gute Rede des Emder Oberbürgermeisters, ein
guter Gastgeber Emden, ein sehr engagierter Organisator
Christoph Ploß als Maritimer Koordinator der Bundesregierung
– aber auch weniger inspirierte und inspirierende Reden des
Bundeskanzlers oder der Bundeswirtschaftsministerin. Die Bewertung
im Nachgang fiel so unterschiedlich aus wie erwartet.
Von »guter Zusammenkunft« bis hin zu der Frage, ob eine solche
Veranstaltung angesichts der politischen Inhaltsleere überhaupt
noch in diesem Umfang nötig ist.
Man sollte sich bei der Bewertung aber vor Augen halten,
dass es ja eigentlich auch um die Arbeit der untergeordneten
Behörden und Fachabteilungen in den Ministerien geht.
Und deren Vertreter zeigten sich durchaus informiert und gesprächsbereit.
Mit klaren Worten, aus denen geschlossen wird,
dass sie wissen, worum es geht. Oft wurden das »Gemeinsame«
und der Bedarf an »Zusammenarbeit« betont. Jetzt geht
es dann nur noch darum, die Kräfte zu bündeln. Einerseits, um
schlagkräftig handeln zu können. Andererseits aber auch, um
überhaupt voranzukommen.
Der ganz große Wurf war das Event wohl nicht. Entschieden
oder verkündet wurde nicht wirklich etwas. Aber das war vielleicht
auch so nicht zu erwarten. Vielleicht müssen wir einfach (noch)
ein bisschen geduldiger sein. Es ist eine sehr komplexe Lage, in
der sich die maritime Wirtschaft und auch die Politik derzeit befinden.
Diese komplexe Situation erfordert eben entsprechend
komplexe politische Detailarbeit. Beim Thema Hafenfinanzierungen
geht es beispielsweise nicht zuletzt auch um verfassungsrechtliche
Fragen. Beim Thema Sicherheit müssen eine Vielzahl
an Behörden an einen Tisch gebracht werden.
Eine komplexe Situation, auf die man sich einstellen muss. Ob
man politisch besser darauf vorbereitet hätte sein können oder
ob schon früher einiges verschlafen wurde, was Politikern und
Behörden jetzt auf die Füße fällt? Möglich.
Michael Meyer
Chefredakteur
Nun, es ist wie es ist. Daher muss man der Politik wohl noch
ein wenig Zeit geben. Man mag das Zweckoptimismus nennen
– oder einen den Erfahrungen der Vergangenheit angepassten
Pragmatismus. Christoph Ploß hatte schon im Vorfeld der NMK
den Wunsch geäußert, zum Ende der Legislaturperiode sagen zu
können, dass nach der NMK einiges in die Wege geleitet wurde.
Hoffen wir, dass nun auch wirklich an konkreten Weichenstellungen
gearbeitet wird. In einer Zeit, in der die Bundespolitik
von einer Vielzahl wichtiger Themen dominiert wird, darf die
maritime Wirtschaft nicht in die Warteschleife rutschen. Dafür
ist sie zu wichtig – mit zu vielen Auswirkungen auf zu viele gesellschaftliche
Bereiche. Es geht um Resilienz, kritische Infrastruktur,
Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, die Energiewende und und
und … (Übrigens, ein kleiner Hinweis »in eigener Sache« mag hier
erlaubt sein: Auch für uns war die NMK ein sehr wichtiger Termin.
An dieser Stelle möchte ich einen großen Dank an das gesamte
Team des Schiffahrts-Verlag HANSA richten: Ihr habt im Vorfeld
und vor Ort einen tollen Job gemacht!)
Wir blicken auf die NMK in dieser Ausgabe. Aber auch auf
eine weitere wichtige Veranstaltung: Die »Breakbulk Europe«
findet in diesen Tagen wieder in Rotterdam statt. Für die MPP-
Schifffahrt, in der eine große Anzahl deutscher Akteure engagiert
ist. Wir blicken voraus mit Marktberichten und Artikeln
über Flotten und Unternehmen sowie zwei kleine, aber doch
bemerkenswerte Jubiläen.
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
3
INHALT | CONTENTS
06 2026
3 EDITORIAL
3 – Sorge vor der Berliner Warteschleife
6 SPOTLIGHT ON NEW SHIPS
6 – Bulk, Tank, Wind: »Baltazar« auf neuen Wegen
8 MOMENTAUFNAHME
10 PEOPLE & PODCAST
12 MÄRKTE | MARKETS
12 – Knappe Tonnage bremst Recyclingmarkt
12 – Orders & Sales | Indizes
14 – Raten & Fixtures
16 FINANZIERUNG
16 – Unter welchen Bedingungen wird Schifffahrt
langfristig beherrschbar finanzierbar?
18 BREAKBULK EUROPE 2026
18 – Offene Fragen in der MPP-Flotte
24 – Dship geht neue Wege mit D500-Serie
26 – 10 Jahre TMI: »Es hat funktioniert«
27 – Jubiläum für Heavy Lift Exchange Forum
28 – Mosolf will Breakbulk zur eigenen Geschäftssäule
ausbauen
30 – Breakbulk bleibt »echte Bank« für Bremen
32 SCHIFFFAHRT | SHIPPING
32 – Nationale Maritime Konferenz 2026:
Breiter Konsens, aber offene Umsetzungsfragen
36 – 50 Jahre Hanse Bereederung:
Klein im Team, breit im Markt
40 – Weniger Risiken durch »intelligenten Ausguck«
42 – Fabian von Pfeil | RINA:
»Batterie-Projekte sind Alltag geworden«
44 – Shortsea Shipping: The electric revolution at sea
46 DEUTSCHES MARITIMES ZENTRUM@HANSA
46 – Maritime Branche wieder auf Kurs –
Aber woher kommt die Crew von morgen?
50 SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
50 – Erst der Reeder, dann die Werft:
Neues Notfall-Schiff für die Ostsee ist da
52 – Siemer Werft:
Polizeistandard vom Fehn-Kanal
54 – Per Elektro-Trimaran durch
Norwegens Fjord-Galaxie
56 – »Windkeeper«-Flotte: Effizienz auf neuer Welle
58 – HIPER Preview: Fresh Winds for Decarbonization
60 – Hefring and Ecomar collaborate on
safety in electric operations
61 – Chris-Marine launches Engine Insights
62 GREEN HUB
64 DIGITAL HUB
66 HÄFEN | PORTS
66 – IMO startet KI-Pilot in Mexiko
68 – Das Binnenschiff als Resilienzfaktor für
Deutschlands Seehäfen
70 OFFSHORE
70 – Eine Zeitreise als Appell:
Größte Offshore-Exkursion seit 15 Jahren
72 TERMINE
73 IMPRESSUM
74 LETZTE SEITE
74 – Die DDR ging als Erste in die Antarktis:
50 Jahre Georg-Forster-Station
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4 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
©wab
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SPOTLIGHT
Spotlight on
new ships
»Baltazar« wurde von der Werft New Yangzi
Shipbuilding in China gebaut
© Bound4Blue
Bulk, Tank, Wind:
Spezialschiff »Baltazar« auf neuen Wegen
Die Reederei Klaveness ist mit ihren »Combination Carriers« für
gewisse Spezialschiff-Typen (Cabu und Cleanbu) bekannt. Nun
gehen die Norweger noch einmal einen neuen Weg und setzen
dabei auf die Kraft des Windes.
Der 83.300-Tonner »Baltazar« ist das dritte Schiff der neuen
Cabu-Serie. Anders als die Schwestern »Balder« und »Bastion«
bekommt er zu seiner geplanten Indienststellung im Juli eine zusätzliche
Antriebsunterstützung – so zumindest die Hoffnung.
Denn im Bugbereich der »Baltazar« wurden zwei sogenannte
»E-Sails« des spanischen Unternehmens Bound4Blue installiert.
Inklusive des jüngsten Neubaus umfasst die Flotte von Klaveness
Combination Carriers 19 Schiffe. Darunter sind auch acht
Cabu-Einheiten vorheriger Generationen, die schrittweise ersetzt
werden sollen. »Baltazar« und ihre Schwestern sind für den
Transport von sowohl flüssiger als auch trockener Ladung konzipiert.
Zum Einsatz kommen sollen sie für den Transport von
Natronlauge (Caustic Soda) nach Australien und von Drybulk-Ladungen
auf dem Weg zurück. Bei der Unterzeichnung der ersten
Absichtserklärung mit der Werft New Yangzi Shipbuilding
in China war von einem Baupreis von 60,5 Mio. $ pro Schiff die
Rede. Zur Finanzierung gab es eine Privatplatzierung durch die
Ausgabe neuer Aktien.
Die Schiffe sollten eine »25-30 % höhere Ertragskapazität und
rund 35 % geringere CO 2
-Emissionen aufgrund der höheren
Ladekapazität und einem wesentlich geringeren Kraftstoffverbrauch«
aufweisen. Sie seien für das Unternehmen »von zentraler
Bedeutung« mit Blick auf die erwarteten wachsenden Natronlauge-Importvolumen
nach Australien.
Zur Steigerung der Energieeffizienz setzt Klaveness unter
anderem auf ein System zur Luftschmierung unter dem Rumpf
(»Air Lubrication«), einen effizienten Wellengenerator, optimierte
Motoren und eine Mewis-Düse. Zudem seien die Schiffe vorbereitet
für die Nutzung von Landstrom und eine Umrüstung auf
alternative Kraftstoffe.
Die jetzt installierten Saugsegel sind 24 m hoch und sollen
durch die Nutzung von Windkraft signifikante Kraftstoffeinsparungen
ermöglichen. Für Bound4Blue ist es ein »Meilenstein«:
das erste Projekt mit in China gefertigten Saugsegeln. José
Miguel Bermúdez, CEO und Mitbegründer von Bound4blue,
sagte. »Das Projekt zeigt, wie bereits effiziente Schiffsdesigns
durch kostenlose, leicht zugängliche und sofort verfügbare
Windenergie weiter optimiert werden können und dadurch
ökologische, wirtschaftliche und regulatorische Vorteile entstehen.«
Die E-Sail-Einheiten nutzen ein internes Lüftersystem, um
den Luftstrom über eine aerodynamisch optimierte Oberfläche
zu beschleunigen und so einen laut Herstellerangaben »bis zu
siebenmal höheren Vorwärtsschub« als herkömmliche starre
Segel gleicher Größe zu erzeugen. So sollen Motoren entlastet
sowie Kraftstoffverbrauch und Treibhausgasemissionen reduziert
werden.
MM
6 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
Wissen, was den Kurs bestimmt – Seit 1864
»Warum ich die HANSA lese?
Weil sie die komplexen Entwicklungen der
maritimen Industrie verlässlich einordnet und
aktuelle Themen der Branche konsequent
aufgreift. Als Konferenzpartner des SMM
Maritime Future Summit trägt die HANSA mit
ihrer Expertise aktiv dazu bei, frühzeitig
Zukunftsthemen der maritimen Industrie auf die
Bühnen der SMM zu bringen.«
CLAUS ULRICH SELBACH
Vice President Exhibitions Maritime & Energy
Hamburg Messe und Congress GmbH
Vernetzung auf höchstem Niveau: Die HANSA bringt, genau wie die SMM, die entscheidenden
Köpfe und Themen der maritimen Welt zusammen. Für Claus Ulrich Selbach ist sie daher ein
unverzichtbarer medialer Anker – sowohl als Fachmagazin als auch als Herausgeber der offiziellen
Messezeitung „SMM Daily Newswire“. Scannen Sie den QR-Code für weitere Statements –
erfahren Sie, warum die HANSA als Leitmedium den Kurs für eine erfolgreiche maritime
Vernetzung bestimmt.
hansa-online.de/testimonial
MOMENTAUFNAHME MOMENTAUFNAHME
Nordische Schönheiten an der Costa del Sol
Das südspanische Málaga ist ein Touristenmagnet für jährlich mehrere Millionen Menschen. Kein Wunder: bietet die an der
Costa del Sol gelegene Metropole doch zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Die im 8. Jahrhundnert vor Christus von den Phöniziern
gegründete Stadt hat sich über die Jahrhunderte zu einem der wichtigsten wirtschaftliche und kulturellen Zentren
Andalusiens entwickelt. Wer durch die Stadt schlendert, passiert etwa die Überreste eines römischen Theaters, eine mächtige
Mittelalter-Festung, eine imposante Basilika aus der Renaissance sowie eine Stierkampfarena aus dem 19. Jahrhundert.
Bewegt man sich Richtung Hafen, lassen sich aber auch zeitgenössische Schiffbau-Meisterwerke aus Norddeutschland und
Nordeuropa entdecken. Vis-à-vis der Altstadt liegt der Yachthafen. Dort waren kürzlich moderne Touristen-Magnete zu sehen:
die bei der Lürssen-Werft gebaute, 78 m lange »Odisea«, die bei der Peters Werft entstandene, 100 m lange »I Dynasty« sowie
die ebenfalls 100 m lange »Moonrise« von der niederländischen Feadship-Werft.
Foto: Anna Wroblewski
8 HANSA – International Maritime Journal 06 | 2026
MOMENTAUFNAHME
Liebe Leser, wenn auch Sie eine maritime Moment aufnahme eingefangen haben,
schicken Sie uns gern das Foto mit ein paar erklärenden Zeilen an: redaktion@hansaonline.de.
Hinweis: Der Verlag behält sich das Recht vor, eingegangene Fotografien
für redaktionelle Zwecke weiterzuverwenden.
HANSA – International Maritime Journal 06 | 2026
9
PEOPLE & PODCAST
■ DANBULK: Martin Egvang ist dem
neu gegründeten Unternehmen Danbulk
als Vorsitzender
des Verwaltungsrats
beigetreten. Zuletzt
war er seit 2024
Chef der dänischen
Reederei Lauritzen
Bulkers, trat aber im
März letzten Jahres
zurück und nahm eine Auszeit. Bevor
er zu Lauritzen kam, war er seit 2014
als Gründer und CEO für Integrity Bulk
tätig.
■ RWE OFFSHORE: Tobias Keitel
wird zum 1. Oktober neuer CEO von
RWE Offshore. Er
folgt auf Sven Utermöhlen,
der seinen
Vertrag nicht verlängert,
aber dem
Unternehmen noch
beratend zur Seite
stehen wird. Der derzeitige CTO Keitel
ist seit September 2025 Mitglied der
Geschäftsführung, zuvor war er unter
anderem Präsident von Voith Hydro.
Personalie des Monats: NoordenJones macht sich selbstständig
■ NOORDENJONES: Die gesamte Partnerschaft des Hamburger Büros von Clyde
& Co verlässt gemeinsam mit nahezu dem gesamten Team den Standort und hat
zum 1. Mai die selbständige Kanzlei »NoordenJones Partnerschaft von Rechtsanwälten
und Solicitors« (NoordenJones) gegründet. Sie berät Mandanten im deutschen
und englischen Recht. Man greife auf ein über Jahrzehnte gewachsenes Netzwerk
unabhängiger Kanzleien in zentralen Jurisdiktionen zurück, heißt es seitens der neuen
Partner in einem aktuellen Statement. Die Partnerschaft besteht aus (v.l.): Jakob
Haas, Clemens Hillmer, Daniel Jones, Volker Lücke, Tim Schommer, Anna-Sophie
Waldmann, Stefan Ullrich, Eckehard Volz und Rory Duncan.
■ VIKING: Leah Talactac ist neue
CEO der Kreuzfahrtreederei Viking. Sie
folgt auf Torstein Hagen,
der das Unternehmen
künftig als
Executive Chairman
begleiten wird. Talactac
ist bereits seit
2006 für Viking tätig,
zuletzt als CFO und
Präsidentin. 2024 leitete sie gemeinsam
mit Hagen den Börsengang der Reederei
ein.
■ ZDS: Andre Lehmann ist neuer Vertreter
des Zentralverbands der deutschen
Seehafenbetriebe in
Berlin. Er wird dort
die Interessen der
deutschen Hafenwirtschaft
gegenüber Politik,
Verwaltung und
relevanten Akteuren
vertreten. Lehmann
verfügt über Erfahrung in parlamentarischen
Abläufen sowie der politischen
Arbeit in Berlin und Brüssel.
■ VOITH: Denise Kurtulus wird zum September
neue Vorsitzende der Geschäftsleitung
von Voith Turbo
sowie Mitglied der
Kerngeschäftsführung
der Voith Group. Sie
folgt auf Cornelius
Weitzmann, der das
Unternehmen Ende
2025 verließ. Kurtulus
wechselt von Rolls-Royce Power Systems,
wo sie zuletzt für die Bereiche Schifffahrt
und Bergbau verantwortlich war.
■ ANGLO-EASTERN: Martin Rowe,
Vice President of Business Development
bei Anglo-
Eastern, wechselt
von Hongkong zum
Büro in Athen. Damit
unterstreicht das
Unternehmen sein
Engagement in Griechenland,
nachdem es 2024 Euronav
Ship Management Hellas übernommen
hat. Rowe besitzt mehr als drei Jahrzehnte
in der maritimen Industrie mit.
■ BERG PROPULSION: Philip Chaa bane
ist neuer CEO des auf Schiffsantriebe spezialisierten
Unternehmens
Berg Propulsion;
sein Vorgänger Stefan
Sedersten wird künftig
als Executive Chairman
tätig sein und
sich auf Initiativen zur
weiteren Entwicklung konzentrieren. Jon
Töyrä wechselt vom CFO zum CCO, neu in
der Leitung ist außerdem Helena Lennerstedt
als Supply Chain Director.
■ DET: Martin Meurers hat die Position
des COO der Deutsche Energy Terminal
GmbH (DET)
übernommen. Er
wird insbesondere
für die Kapazitätsvermarktung
sowie den
sicheren Betrieb der
staatlichen LNG-Terminals
zuständig sein. Meurers leitete
seit 2022 das Referat für Grundsatzfragen
der Energiesicherheit im Bundesministerium
für Wirtschaft und Energie.
10 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
PEOPLE & PODCAST
Prominente Gäste
im maritimen Talk
BSH
Helge Heegewaldt
BSH-Präsident Helge Heegewaldt warnt im HANSA-Podcast vor
den Risiken der Schattenflotte in der Ostsee. »Die Gefahr ist real
– insbesondere für Umwelt und Küste«, so der Chef des Bundesamts
für Seeschifffahrt und Hydrographie. Viele dieser Schiffe
seien alt, hätten unklare Besitzstrukturen und erfüllten teils nicht
mehr die Standards, die deutsche Reeder akzeptieren würden.
Rechtlich sei der Umgang schwierig, weil Schiffe die Ausschließliche
Wirtschaftszone grundsätzlich passieren dürften. Das Thema
zeigt, wie stark sich die Lage auf Nord- und Ostsee verändert hat. Das BSH sei zwar
eine zivile Behörde, Sicherheitsthemen seien aber deutlich stärker in den Fokus gerückt.
Dazu zählen der Schutz von Offshore-Infrastruktur, Datenkabeln und Energieanlagen
ebenso wie die Zusammenarbeit mit Marine, Bundespolizei und weiteren
Sicherheitsbehörden.
KLOSKA GROUP
Nadine Kloska
Ist Kloska eine Art Amazon der Schifffahrt? Die Frage mag zugespitzt
sein, falsch ist sie aber offenbar nicht. »Bei uns gibt es ja so
ziemlich alles, was ein Schiff braucht«, erklärt Nadine Kloska. Die
geschäftsführende Gesellschafterin der Kloska Group spricht im
HANSA-Podcast über ein Geschäft, das im Hintergrund läuft, aber
für den Schiffsbetrieb von entscheidender Bedeutung ist.
Das Bremer Familienunternehmen wurde 1981 von ihrem Vater
Uwe Kloska gegründet und hat sich seitdem zu einem großen Systemlieferanten
für Schifffahrt, Werften, Offshore und die Industrie
entwickelt. »Meine Eltern haben das Unternehmen zusammen gegründet – mit
nur einem Mitarbeiter.« Heute beschäftigt die Gruppe mehr als 800 Angestellte an
30 Standorten. Nadine Kloska ist 2007 in das Unternehmen eingestiegen. Im Podcast
erzählt sie, warum dieser Schritt für sie kein vorgezeichneter Weg war, wie sie sich ihre
Rolle im Familienunternehmen erarbeitet hat und weshalb flache Hierarchien für sie
zur Unternehmenskultur gehören.
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HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
MÄRKTE | MARKETS
Knappe Tonnage bremst Recyclingmarkt
Der Abbruchmarkt ist weiterhin von knapper Tonnage geprägt. Bangladesch und Pakistan zeigen
sich preislich relativ stabil, während Indien und die Türkei unter Druck geraten. Von Joshua Wygand
© IMO
Dem Schiffsrecyclingmarkt fehlt weiter frische Tonnage. Dafür nennen aktuelle Marktanalysen mehrere Gründe
Der internationale Schiffsrecyclingmarkt
tritt weiter auf der Stelle. Marktbeobachter
berichten es fehle vor allem an
frischer Tonnage. Zwar sind die Abwrackwerften
in Südasien grundsätzlich
kaufbereit, viele Schiffseigner sehen
jedoch weiter genug kommerzielle Anreize,
ältere Einheiten im Fahrtgebiet
zu halten statt sie zum Recycling zu
verkaufen.
Ein Grund sind die festen Frachtraten
in mehreren Segmenten. Besonders
im Bulker-Markt haben sich die Erträge
zuletzt verbessert. Damit bleibt der Abstand
zwischen Recyclingerlös und weiterem
Betrieb für viele Eigner groß genug,
um Verkäufe zu verschieben.
GMS, der größte Cash Buyer (Zwischenhändler)
von Schiffen und Offshore-Anlagen,
sieht den Rückstau daher
nicht mehr nur als Nachwirkung des
ersten Quartals, sondern als verhärteten
Q2-Backlog. In Indien belasten laut Best
Oasis ein schwächeres Marktumfeld, höhere
laufende Kosten, geringere Bauaktivität
und verhaltene Stahlnachfrage die
Kaufbereitschaft. Spezialisierte Einheiten
könnten für indische Recycler interessant
bleiben, insgesamt dürfte die Nachfrage
kurzfristig aber selektiv bleiben,
heißt es in einem aktuellen Marktbericht.
Bangladesch zeigt sich preislich stabiler,
Regenfälle bremsen jedoch die Aktivität.
Mehrere Werften gelten als gut versorgt,
weshalb Käufer bei frischer Tonnage zurückhaltender
auftreten.
Strukturell gewinnt Bangladesch zugleich
an Bedeutung: 17 Recyclingwerften
in Sitakunda sind laut Bericht in die
IMO-Liste unter der Hong Kong Convention
aufgenommen worden; die Genehmigungen
laufen bis Ende Oktober 2030.
Pakistan profitiert vor allem von knapper
Materialzufuhr. Begrenzte Mengen
an Schrott, HMS und Shredded Material
aus dem Nahen Osten sowie wenige
neue Recyclingkandidaten stützen die
Preisideen. Die Kaufaktivität bleibt auch
dort selektiv. In der Türkei bleibt die
Lage verhalten. Die Abwertung der Lira
belastet die Kaufbereitschaft, während
viele Werften, vor allem EU-zertifizierte
Anlagen, auf hohem Kapazitätsniveau
arbeiten. Dadurch bleibt der Spielraum
für kurzfristige Anlieferungen begrenzt.
In den kommenden Wochen dürfte
das Bild unverändert bleiben: Die Werften
brauchen Tonnage, die Preisfindung
bleibt aber schwierig. Mit dem näher
rückenden Monsunfenster in Südasien
steigt der Druck auf Käufer und Verkäufer,
ohne dass bislang ein klarer
Angebotsimpuls erkennbar ist. ■
SHORTSEA MIT »FIXBO«
Der Shortsea-Index Fixbo
wird vom Zentralverband
deutscher Schiffsmakler
weitergeführt – und wird
ab sofort auch an dieser
Stelle veröffentlicht.
Mai 2026: 36,37 €/t
Fixbo sammelt anonymisierte
Fixture-Daten
und bildet daraus einen
Frachtraten-Index für den
Shortsea-Verkehr in den
europäischen Gewässern.
12 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
MÄRKTE | MARKETS
NEUBAU Reederei Anzahl Größe Werft Ablieferung Preis in Mio $
Container
D. Oltmann 2 (+ opt. 1) 10.100 TEU HJ Shipbuilding and Construction (Korea) 2028 122,5
CU Lines 4 6.400 TEU Huangpu Wenchong (China) 2029 75,0
Griechenland 2 2.800 TEU Huanghai Shipbuilding (China) 2028 / 29 46,5
Südkorea 6 15.000 TEU k.A. 2029 203,5
Turkei 2 9.000 TEU China 2028 k.A.
China 6 (+ opt. 4) 6.150 TEU China 2029 k.A.
Bulker Capital Maritime 4 180.000 tdw Hengli (China) 2029 k.A.
Mercuria 4 82.000 tdw Wuhu Rongsheng (China) 2028 37,0
Tanker
Mercuria 2 306.000 tdw Dalian (China) 2029 123,0
Irland 2 (+ opt. 2) 40.500 tdw China 2028 / 29 44,9
Singapur 2 350 tdw China 2027 k.A.
Großbritannien 3 93.000 cbm Südkorea 2030 114,9
Korea 3 90.000 cbm Südkorea 2029 114,0
Malaysia / Petronas 1 FSRU Südkorea 2029 328,0
S & P Name Größe Baujahr Bauort Käufer Verkäufer Preis in Mio $ Typ
Container
Bulker
Tanker
KR Celebes 802 TEU 2002 Südkorea China k.A. 6,26 Feeder
Nordtiger 1.756 TEU 2014 China Mittelmeerregion k.A. 28,0 Panamax
Pantanal 1.706 TEU 2007 Deutschland Schweiz k.A. 17,5 Panamax
Joyance 175.636 tdw 2012 China k.A. k.A. 33,0
Lestari Manjung 93.200 tdw 2011 China k.A. k.A. 14,0
Elway 82.000 tdw 2012 China Blue Sea Shipping k.A. 16,2
Sirocco 82.000 tdw 2014 China k.A. k.A. über 20
Bulk Colombia 57.937 tdw 2011 Philippinen k.A. DryLog 16,7
Ecuador L 57.937 tdw 2011 Philippinen k.A. DryLog 16,7
C. Innovator 313.999 tdw 2012 China Pan Ocean SK Shipping 60,3
C. Progress 313.990 tdw 2012 Südkorea Pan Ocean SK Shipping 60,3
Stella 164.714 tdw 2011 Südkorea k.A. k.A. 67,0
Aegean Horizon 158.738 tdw 2007 Südkorea China Arcadia 50,1
Baker Spirit 156.929 tdw 2009 China Griechenland Teekay 53,5
Kmarin Reliance 109.466 tdw 2016 Südkorea k.A. k.A. 47,0
Hengli Dalian 306.000 tdw 2026 China Schweiz k.A. 163,0
DEMOLITION Name IMO-Nummer Baujahr + Land $/LDT Ziel tdw
Bulker
Tanker
Jenny Lucky 9038701 1992 Japan k.A. Pakistan 38.852
Festival 9127681 1996 Japan k.A. Bangladesch 27.908
Dong Yong No. 8 9085065 1994 Japan k.A. k.A. 5.465
Srakane 8509703 1986 Jugoslawien k.A. Brasilien 5.896
NQ Zinnia 9150327 1998 Italien k.A. Dänemark 10.127
Xiong Hai 8801515 1987 Japan k.A. Pakistan 4.738
Gas Crusader 9133549 1996 Dänemark 550 k.A. 2.347
Akritas 8020599 1982 Finnland k.A. Türkei 13.030
Stand : 23. Mai 2026 / Keine Gewähr für Vollständigkeit
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
13
MÄRKTE | MARKETS
125000
Container – Time Charter Rates
725 TEU 1000 TEU 1700 TEU 2000 TEU 2500 TEU 2750 TEU 3500 TEU
4400 TEU 6700-7000 TEU 8800-9200 TEU
100000
$ / d
75000
50000
25000
0
27.06.2025
25.07.2025
29.08.2025
26.09.2025
24.10.2025
28.11.2025
26.12.2025
30.01.2026
27.02.2026
27.03.2026
24.04.2026
15.05.2026
Container – Newbuilding Prices
725 TEU 1000 TEU 2000 TEU 2750 TEU 6600 TEU 15000 – 16000 TEU
Container – Secondhand Prices
725 TEU 1000 TEU 1700 TEU 2750 TEU 6600 TEU 9000 TEU
250,00
120,00
200,00
100,00
150,00
80,00
$ mill
$ mill
60,00
100,00
40,00
50,00
0,00
27.06.2025
25.07.2025
29.08.2025
26.09.2025
24.10.2025
28.11.2025
26.12.2025
30.01.2026
27.02.2026
27.03.2026
24.04.2026
15.05.2026
20,00
0,00
27.06.2025
25.07.2025
29.08.2025
26.09.2025
24.10.2025
28.11.2025
26.12.2025
30.01.2026
27.02.2026
27.03.2026
24.04.2026
15.05.2026
© Clarksons
Containerships (Period)
Vessel Year TEU Reefer Design Gear Period Region Charterer $/d
POST-PANAMAX
Order 1 2027 7,100 1,143 SDARI Sealion 7100 N 59-61 m Far East Hapag-Lloyd 37,000
Order 2 2027 7,100 1,143 SDARI Sealion 7100 N 59-61 m Far East Hapag-Lloyd 37,000
EA Cetus 2024 7,092 800 SDARI Sealion 7000 N 35-37 m Far East Cosco 43,000
PANAMAX / WIDEBEAM
Zhong Gu Shen Yang 2023 4,628 360 SDARI 4600 domestic N 20-24 m Far East Emirates 48,000
Northern Guard 2008 4,294 600 Hyundai 4300 N 2-3 m ISC CMA CGM 60,000
SUB-PANAMAX
Hansa Asia 2013 3,646 550 Shanghai 3600 Y 58-62 m Far East Marguisa 28,000
AS Patria 2006 2,572 440 STX 2600 Y 29-31 m Far East NGSS 26,500
Zhu Cheng Xin Zhou 2002 2,526 481 CV 2500 Y 22-24 m Far East PIL 29,000
FEEDER / HANDY
Erasmus Oasis 2008 1,049 180 DaeSun 1000 N 5-7 m Far East SITC 19,000
Hecan 2009 908 80 Wujiazhui 900 N 10-12 m Far East Panasia 15,500
MTT Semporna 2021 1,162 232 ECO 16 N 12-14 m Far East Seacon 21,000
Libertas-H 2007 724 150 CW 700 N 12-14 m Med Messina 9,850
Haian Opus 2024 1,781 258 SDARI 1800 Sealion N 24-27 m Far East Ningbo Ocean 24,400
Kyoto Tower 2007 1,708 202 Imabari 1700 N 22-24 m Far East NGSS 22,500
Kuo Lung 1998 1,471 84 CSBC 1100 N 24-28 m Far East Samudera 19,000
Ultima 2013 1,103 150 Kyokuyo 1100 N 13-15 m Far East SM Lines 18,750
Henneke Rambow 2007 862 234 Sietas 168 N 11-12 m Med CMA CGM 16,650
m = month / w = week / d = day
14 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
MÄRKTE | MARKETS
120.00
0
100.00
0
Tanker – Time Charter Rates
VLCC (310k dwt) Suezmax (150k dwt) Aframax (110-115k dwt) Panamax (74k dwt, products)
80.000
$ / d
60.000
40.000
20.000
23.05.2025
06.06.2025
20.06.2025
04.07.2025
18.07.2025
01.08.2025
15.08.2025
29.08.2025
12.09.2025
26.09.2025
10.10.2025
24.10.2025
07.11.2025
21.11.2025
05.12.2025
19.12.2025
02.01.2026
16.01.2026
30.01.2026
13.02.2026
27.02.2026
13.03.2026
27.03.2026
10.04.2026
24.04.2026
08.05.2026
Tanker – Newbuilding Prices
VLCC (320k dwt) Suezmax (157k dwt) Aframax (115k dwt) Panamax (73-75k dwt)
Tanker – Secondhand Prices
VLCC (300k dwt) Suezmax (150k dwt) Aframax (105k dwt) Panamax (70k dwt)
150,00
120,00
110,00
125,00
100,00
90,00
$ mill
100,00
$ mill
80,00
70,00
75,00
60,00
50,00
23.05.2025
06.06.2025
20.06.2025
04.07.2025
18.07.2025
01.08.2025
15.08.2025
29.08.2025
12.09.2025
26.09.2025
10.10.2025
24.10.2025
07.11.2025
21.11.2025
05.12.2025
19.12.2025
02.01.2026
16.01.2026
30.01.2026
13.02.2026
50,00
27.02.2026
13.03.2026
27.03.2026
10.04.2026
24.04.2026
08.05.2026
23.05.2025
06.06.2025
20.06.2025
04.07.2025
18.07.2025
01.08.2025
15.08.2025
29.08.2025
12.09.2025
26.09.2025
10.10.2025
24.10.2025
07.11.2025
21.11.2025
05.12.2025
19.12.2025
02.01.2026
16.01.2026
30.01.2026
13.02.2026
27.02.2026
13.03.2026
27.03.2026
10.04.2026
24.04.2026
08.05.2026
40,00
30,00
© Clarksons
35000
Bulker – Time Charter Rates
Capesize (modern) Panamax (modern) Supramax (58k dwt) Handysize (modern)
25000
$ / d
15000
23.05.2025
06.06.2025
20.06.2025
04.07.2025
18.07.2025
01.08.2025
15.08.2025
29.08.2025
12.09.2025
26.09.2025
10.10.2025
5000
24.10.2025
07.11.2025
21.11.2025
05.12.2025
19.12.2025
02.01.2026
16.01.2026
30.01.2026
13.02.2026
27.02.2026
13.03.2026
27.03.2026
10.04.2026
24.04.2026
08.05.2026
Bulker – Newbuilding Prices
Capesize (176-180k dwt) Ultramax (61-63k dwt) Handysize (32-35k dwt)
Bulker – Secondhand Prices
Capesize (170k dwt) Panamax (75k dwt) Handymax (52k dwt) Handysize (32k dwt)
80,00
60
50
$ mill
60,00
$ mill
40
40,00
30
23.05.2025
06.06.2025
20.06.2025
04.07.2025
18.07.2025
01.08.2025
15.08.2025
29.08.2025
12.09.2025
26.09.2025
10.10.2025
24.10.2025
07.11.2025
21.11.2025
05.12.2025
19.12.2025
02.01.2026
16.01.2026
30.01.2026
13.02.2026
27.02.2026
13.03.2026
27.03.2026
10.04.2026
24.04.2026
20,00
08.05.2026
23.05.2025
06.06.2025
20.06.2025
04.07.2025
18.07.2025
01.08.2025
15.08.2025
29.08.2025
12.09.2025
26.09.2025
10.10.2025
24.10.2025
07.11.2025
20
10
21.11.2025
05.12.2025
19.12.2025
02.01.2026
16.01.2026
30.01.2026
13.02.2026
27.02.2026
13.03.2026
27.03.2026
10.04.2026
24.04.2026
08.05.2026
© Clarksons
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
15
FINANZIERUNG | FINANCING
2. Teil der Serie »Investierbarkeit von Infrastruktur am Beispiel Schifffahrt«:
Ein Gastbeitrag von Olaf Krumnack – Fachkreisleiter Kapitalanlagen & Asset Management – VVB e.V.
Unter welchen Bedingungen wird Schifffahrt
langfristig beherrschbar investierbar?
Im ersten Teil dieser Serie wurde gezeigt, dass die Investierbarkeit
von Schiffsinvestments keine Frage von Renditeerwartungen
oder Marktzyklen ist, sondern eine Frage der Struktur
(HS 03/26). Historische Fehlentwicklungen waren weniger das
Ergebnis operativer Schwächen als vielmehr Ausdruck eines
grundlegenden Missverständnisses: Die Logik professioneller
Investoren wurde nicht konsequent in die Realität maritimer Infrastruktur
übersetzt.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die entscheidende Anschlussfrage:
Unter welchen Bedingungen kann Schifffahrt
heute so strukturiert werden, dass sie für Investoren nicht nur
zugänglich, sondern auch über Zyklen hinweg beherrschbar investierbar
wird? Die Antwort liegt nicht in einzelnen Parametern,
sondern in der konsequenten Ausrichtung von Erwartungen,
Struktur und operativer Umsetzung.
Erwartungsmanagement als Ausgangspunkt
Investierbarkeit beginnt nicht mit Struktur, sondern mit klar formulierten
Erwartungen – auf beiden Seiten. Auf Investorenseite
unterscheiden sich die Zielbilder erheblich: Während einige Investoren
auf stabile Ausschüttungen abzielen, stehen für andere
Wertentwicklung, steuerliche Aspekte oder die strategische
Allokation in Real Assets im Vordergrund. Auch die Bereitschaft,
unternehmerisches Risiko zu tragen oder sich aktiv einzubringen,
ist unterschiedlich ausgeprägt.
Demgegenüber steht die operative Realität der Schifffahrt: zyklische
Märkte, nicht planbare Preisentwicklungen, kurzfristige
Marktverwerfungen und die Notwendigkeit laufender Entscheidungen
– etwa bei Charterstrategien, technischen Maßnahmen
oder Opportunitäten im An- und Verkauf von Tonnage. Mismatch
entsteht daher nicht im Markt, sondern im Erwartungsbild.
Investierbarkeit setzt voraus, dass diese Perspektiven offen
adressiert und in ein konsistentes Zielsystem überführt werden.
Strategische Motivation als Anker
Auf dieser Grundlage lässt sich die strategische Motivation eines
Investments verorten. Zwei Dimensionen stehen im Vordergrund.
Langfristige Real-Asset-Allokation: Schiffe sind Teil globaler
Transportinfrastruktur. Ihr Wert liegt nicht allein im Asset, sondern
in der Fähigkeit, über Charterverträge kontinuierlich an
globalen Handelsströmen zu partizipieren. Für Investoren kann
dies eine gezielte Allokation in produktive Vermögenswerte darstellen
– mit laufenden Cashflows und langfristiger Wertentwicklung.
Dabei ist »Buy & hold« keine zwingende Strategie. Aktives
Asset Management – etwa der Verkauf bei günstigen Marktphasen
und Reinvestition – kann sinnvoll sein, sofern es im Einklang
mit den Investoren erfolgt.
Steuerliche Einordnung: Ein weiterer Aspekt ist die steuerliche
Behandlung. Die Tonnagebesteuerung ermöglicht eine
planbare steuerliche Belastung, unabhängig von kurzfristigen
Ergebnisvolatilitäten. Ergänzend kann – je nach Struktur – auch
die erbschaftsteuerliche Behandlung eine Rolle spielen. Für bestimmte
Investoren ist die Einordnung als unternehmerisches
Vermögen ein integraler Bestandteil der Gesamtbetrachtung.
Diese Aspekte sind keine isolierten Vorteile, sondern Teil der
Gesamtlogik des Investments und müssen strukturell sauber
eingebettet werden.
Die Rolle des Asset Managers
Vor diesem Hintergrund kommt dem Asset Manager eine zentrale
Rolle zu. Er ist nicht lediglich Dienstleister, sondern Übersetzer
zwischen Marktrealität und Investorenanforderung.
Kommerzielle Steuerung: Die Charterstrategie bestimmt das
Risikoprofil maßgeblich. Langfristige Verträge erhöhen Planbarkeit,
während marktnahe Strategien höhere Volatilität, aber
auch Chancen bieten. Entscheidend ist die Fähigkeit, Marktveränderungen
einzuordnen und aktiv zu steuern.
Technische Steuerung: Die technische Betriebsführung sichert
den Werterhalt des Assets. Effiziente Prozesse, gezielte
Investitionen und regulatorische Anpassungsfähigkeit sind entscheidend.
Erst das Zusammenspiel beider Ebenen ermöglicht
Steuerbarkeit über Zyklen hinweg.
Assetauswahl als strategische Entscheidung: Die Wahl des Assets
ist Ausdruck der Strategie. Schiffstyp, Größe und Technologie
bestimmen das Risikoprofil. Kleinere Einheiten bieten Flexibilität,
größere Skaleneffekte – aber auch höhere Abhängigkeit
von einzelnen Märkten.
Auch technologische Entscheidungen sind strategisch: Neue
Antriebssysteme bieten Chancen, sind aber mit Unsicherheiten
verbunden. Assetauswahl ist daher keine technische, sondern
eine strategische Entscheidung.
Struktur und Logik der Investierbarkeit
Neben dem Asset ist die Struktur entscheidend. Einzelschiffe
bieten Transparenz, bergen jedoch Klumpenrisiken. Flottenansätze
ermöglichen Diversifikation und aktives Management über
16
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
FINANZIERUNG | FINANCING
mehrere Assets hinweg. Für professionelle Investoren kann dies
ein zentraler Hebel für Investierbarkeit sein.
Investierbarkeit entsteht nicht auf Ebene einzelner Parameter.
Weder Assetwahl noch Steuerstruktur oder Managementqualität
für sich genommen entscheiden über den Erfolg. Entscheidend
ist die Passung zwischen Investor, Struktur, Strategie und
operativer Realität. Erst diese Konsistenz macht ein Investment
über Zyklen hinweg steuerbar.
Case Study: Investierbarkeit konkret gedacht
Ein Investor mit einem diversifizierten Anlagevolumen von
50 Mio. € plant eine Beimischung von 5 % in maritime Transportinfrastruktur
– konkret 2,5 Mio. € Eigenkapital. Seine Zielsetzung
ist klar:
• steuerpflichtig in Deutschland
• planbare Ertragsbesteuerung
• Nutzung erbschaftsteuerlicher Begünstigungen
• langfristige Perspektive
• stabile Cashflows
Diese Präferenzen definieren bereits den Rahmen. Eine unternehmerische
Beteiligung – etwa über eine Mitunternehmerschaft
– wird erforderlich. Klassische Produktlösungen scheiden aus, da
sie die gewünschte strukturelle Qualität nicht abbilden. Damit verschiebt
sich der Fokus: Nicht das Schiff steht im Zentrum,
sondern das Zusammenspiel von Asset, Management und
Struktur. Für diesen Investor sind insbesondere Investments mit
langfristigen Charterverträgen relevant. Planbarkeit und Stabilität
stehen vor maximaler Rendite. Gleichzeitig gewinnt das Management
zentrale Bedeutung. Die Qualität der kommerziellen
und technischen Steuerung entscheidet über die langfristige
Wettbewerbsfähigkeit.
Serie »Investierbarkeit von Infrastruktur –
am Beispiel Schifffahrt«
Schiffe sind kein Finanzprodukt. Und genau deshalb
können sie – richtig strukturiert – für bestimmte Investoren
heute interessant sein. Historische Schiffsfonds
und steuergetriebene Modelle haben Vertrauen zerstört.
Nicht der Assettyp war das Problem, sondern Struktur,
Governance und Erwartungsmanagement. Diese Artikel-
Serie setzt hier an. Die zentrale Frage ist: Unter welchen
Bedingungen ist ein Schiffsinvestment heute investierbar
und beherrschbar?
Betrachtet werden
Schiffe als produktive
Infrastruktur-
Assets des globalen
Handels – aus der
Perspektive von
unternehmerisch
denkenden Investoren,
maritimer
operativer Realität
und und strukturierter
Governance.
Der dritte Teil der
Serie erscheint im
September.
Olaf Krumnack
Auch steuerliche Rahmenbedingungen verändern die Logik:
Nicht bilanzielle Effekte, sondern operative Cashflows
rücken in den Vordergrund. Zugleich setzen steuerliche Begünstigungen
echte unternehmerische Beteiligung voraus –
und erhöhen damit die Anforderungen an Struktur, Governance
und Transparenz.
■
© privat
17
BREAKBULK EUROPE 2026
Offene Fragen in der MPP-Flotte
Die MPP- und Heavylift-Schifffahrt steht wie andere Segmente vor der entscheidenden Frage,
wie sich die aktuellen geo- und industriepolitischen Entwicklungen auf den Tonnage-Bedarf
auswirken. In der Flotte gibt es durchaus Bewegung. Von Michael Meyer
BBC
Biglift/Spliethoff
AAL
Chipolbrok
Cosco
JSI Alliance
HMM
UHL
Bahri
Dship
MACS
Ocean7
NYK
Istanbul Denizcilik
Swire
4,18%
3,78%
2,83%
2,81%
1,93%
1,78%
1,35%
1,23%
1,16%
7,60%
7,59%
8,91%
9,96%
11,02%
14,35%
Top 15 MPP-Carrier
Markanteil nach Tragfähigkeit
– ab 240 t kombinierter Krankapazität –
© Toepfer Transport / HANSA
Während die Frachtraten in vielen Fällen
zum Teil deutlich unter Druck geraten,
bleibt das Charterraten-Niveau
nach wie vor relativ stabil – und das
trotz der Turbulenzen infolge der Eskalation
im Arabischen Golf. Der Index
TMI des Hamburger Maklers Toepfer
Transport lag zuletzt Mitte Mai bei
12.841 $ und damit leicht über dem
Vormonat.
Seit Jahresbeginn verhält sich der TMI
recht stabil, mit geringen Schwankungen.
Abgebildet werden darin Zeitcharterraten
für die »Arbeitspferde« der
Branche: die F-Class-Mehrzweckfrachter
mit 12.500 tdw und 240 t Krankapazität.
In ihrer Bewertung der Situation schreiben
die Analysten von Toepfer Transport,
dass viele Reeder über den verschärften
Wettbewerb sowie die gesunkenen
Frachtraten und Auslastungsgrade auf
verschiedenen Handelsrouten klagen.
Die Nachfrage seitens China bleibe weiterhin
hoch.
Bei den mittelfristigen Charter-Erwartungen
sieht es derzeit recht positiv
aus. Für den TMI-P6 und der TMI-P12, in
denen die Erwartungen für die kommenden
sechs und zwölf Monate abgebildet
werden, wird ein Plus von 2,53 % und
2,67 % ausgewiesen.
Über die Unwissenheit oder Unsicherheit
eines Ausblicks wurde schon oft geschrieben,
auch an dieser Stelle. Aktuell
scheint es aber noch einmal schwieriger
zu sein, eine halbwegs konkrete Erwartung
an die Nachfrage nach MPP- und
Heavylift-Tonnage zu formulieren.
Schiffseigner und Carrier haben wenig
überraschend bisweilen eine andere
Sicht als Ablader und Ladungskunden.
Wie wirken sich die Kriege im Mittleren
Osten oder in der Ukraine aus? Welche
Volten könnten aus Washington, Peking
oder auch aus Brüssel anstehen und was
bedeutet das für Wirtschaftswachstum,
Infrastruktur-Investitionen und nicht zuletzt
die globale Energiewende – alles
wichtige Parameter für die MPP-Schifffahrt?
Kommt es, wie vielerorts erwartet,
zu einem Anstieg der Investitionen in die
Öl- und Gas-Industrie, weil man sich von
der Abhängigkeit von Exporteuren am
Persischen Golf wenigstens ein bisschen
lösen will? Führen die Zoll-Streitigkeiten
zwischen den USA, China, Europa und anderen
Regionen zu mehr »Nearshoring«
mit entsprechendem Aufbau von Infrastrukturen?
Wie entwickelt sich die Windindustrie?
Die jüngere Vergangenheit hat
gezeigt, dass es auf diese Fragen keine
leichten und eindeutigen Antworten gibt.
Entsprechend schwierig ist die Frage
nach Investitionen in die Flotte zu beantworten.
Und dementsprechend wird sie
auch unterschiedlich beantwortet.
Mehr Alte und mehr Junge
Ein Blick in den jüngsten Markt-Report
von Toepfer Transport zeigt, dass es
im Ranking der Carrier zuletzt lediglich
kleinere Verschiebungen gab. In der
Flotte sieht es dagegen schon etwas
anders aus.
Schiffsanzahl und Tonnage sind im
Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Das
liegt unter anderem daran, dass einige
Neubauten abgeliefert wurden, aber
nur sehr wenige Schiffe verschrottet
oder außer Dienst gestellt: seit Jahresbeginn
genau eines. Über die gesamte
Flotte wuchs das Orderbuch zum Vorjahr
deutlich von rund 80 Einheiten auf
knapp 120. Dennoch lässt sich die Orderbuch-Flotten-Ratio
mit 12,3 % nach
wie vor als »moderat« bezeichnen. Trotz
des steigenden Interesses an großen
Frachtern mit mindestens 25.000 tdw
macht das Segment zwischen 10.000
und 15.000 tdw nach wie vor den größten
Teil des Orderbuchs aus.
18 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
BREAKBULK EUROPE 2026
Wenige Abgänge und einige Neuzugänge
haben ihre Wirkung auf die Altersstruktur.
So nehmen maximal fünf Jahre
alte Schiffe aktuell 7 % der Flotte ein,
vor einem Jahr waren es 4 %. Gleichzeitig
wächst der Anteil der mindestens 20
Jahre alten Frachter von 19 auf 20 % und
der Anteil der 16-20 Jahren alten Schiffe
sogar von 20 auf 27 %, während der Anteil
der großen »Mittelschicht« zwischen
11 und 15 Jahren von 45 auf 38 % sinkt.
Reederei AAL Shipping setzt ihre Flottenmodernisierung
fort: Ein Neubau ist
getauft, zwei weitere wurden bestellt.
Auf der Werft CSSC Huangpu Wenchong
in China bekam jetzt die »AAL
Newcastle« offiziell ihren Namen. Sie
ist der siebte Neubau einer Serie an
Schiffen der Super-B-Klasse, von denen
AAL in den vergangenen Jahren sukzessive
acht Einheiten geordert hatte. AAL
nutzte die Gelegenheit der Taufe, um
eine weitere Investition zu verkünden:
Ab Anfang 2028 sollen zwei weitere
der 32.000-Tonner zur Flotte des Carriers
stoßen. Die Neubau-Aufträge für
»AAL Tianjin« und »AAL Miami« wurden
unterzeichnet.
Zu den wichtigsten Neuerungen
bei den jüngsten Neubauten zählt die
größere Krankapazität, die von 350
Sehr stabile Schiffspreise
Im Fokus des Berichts liegen auch
Schiffspreise. Die Neubau-Preise würden
maßgeblich durch den Kostendruck
der Werften bestimmt, da sowohl
die Lohnkosten als auch die Preise für
Ausrüstungsgüter weiter steigen, heißt
es. Gleichzeitig belastet der ungünstige
Wechselkurs zwischen US-Dollar und
Renminbi weiterhin die Erträge der chinesischen
Werften und schmälert deren
ohnehin schon moderate Margen
zusätzlich. »Die Werften halten dennoch
an ihrer Preisgestaltung fest und sind
im Allgemeinen nicht bereit, Preisnachlässe
zu gewähren«, so die Einschätzung.
Für einen neuen 9.000-Tonner
zahlt man weiterhin 21 Mio. $, für einen
12.500-Tonner 30,25 Mio. $ und für
einen 30.000-Tonner 50,75 Mio. $. Die
Preise auf dem Secondhand-Markt sind
ebenfalls stabil und haben sich zuletzt
nicht verändert. Für einen zehn Jahre
alten 9.000-Tonner steht der Richtwert
bei 9,75 Mio. $. Bei 12.500-Tonnern
sind es nach wie vor 14,5 Mio. $, für
die größeren Einheiten der 30.000-tdw-
Klasse steht der Preis bei 23 Mio. $.
Flotten-Aktivitäten
Nicht alle Flottenbewegungen, Indienststellungen
oder Verkäufe werden bekanntermaßen
publik gemacht. So
manches kommt aber doch an die Öffentlichkeit.
Ein kleiner – sehr wahrscheinlich
nicht vollständiger – Überblick über die
vergangenen Wochen und Monate:
AAL passt an und bestellt
Die zur Unternehmensgruppe von
Heinrich Schoeller gehörende MPP-
BREAKBULK EUROPE 2026
Altersstruktur MPP-Flotte / TDW
> 100 t Krankapazität
Altersstruktur MPP-Flotte / TDW
> 240 t Krankapazität
© Toepfer Transport / HANSA
4.567.547
27%
3.395.062
20%
1.152.953
7%
1.436.397
8%
6.448.546
38%
0 - 5 Jahre
(69 Schiffe)
6 - 10 Jahre
(73 Schiffe)
11 - 15 Jahre
(321 Schiffe)
16 - 20 Jahre
(317 Schiffe)
> 20 Jahre
(289 Schiffe)
2.091.911
27%
1.409.457
18%
913.075
12%
717.521
9%
2.629.094
34%
0 - 5 Jahre
(54 Schiffe)
6 - 10 Jahre
(41 Schiffe)
11 - 15 Jahre
(127 Schiffe)
16 - 20 Jahre
(144 Schiffe)
> 20 Jahre
(101 Schiffe)
auf 400 t pro Kran erhöht wurde. Die
Heavylifter werden 179,9 m lang sein,
eine Breite von 30 m und einen Ballasttiefgang
von 6,5 m haben, wobei
jedes Schiff bis zu 80.000 Frachttonnen
Stückgut transportieren kann. Das
Wetterdeck bietet eine freie Ladefläche
von 4.500 m², mit ausziehbaren Pontons
an der Steuerbordseite des Schiffes,
um den Stauraum an Deck noch
weiter zu vergrößern. »Da sich die
Anforderungen an die Ladung weiterentwickeln,
insbesondere im Bereich
der Offshore-Windenergie, muss sich
auch unsere Flotte weiterentwickeln«,
kommentierte Yahaya Sanusi, stellvertretender
Leiter der AAL-Ingenieurabteilung.
»Die erhöhte kombinierte Hebekapazität
des neuen Schiffes von 800 t
eröffnet Möglichkeiten, die bisher
außerhalb der Flotte lagen. Längere
Turmsegmente können nun sicher in
einem Arbeitsgang gehoben werden,
um Be- und Entladevorgänge zu beschleunigen.«
Zusätzlich zur erhöhten Krankapazität
von 400 t hat AAL weitere Designoptimierungen
an den vier neuen
Schiffen vorgenommen, um schnellere
Ladungsumschlagvorgänge zu ermöglichen
und die Decksauslastung
zu optimieren. Die Schiffe verfügen
über einen neuen 26 m langen Hebe-
Beam – eine Verbesserung gegenüber
den 20 m früherer Schiffe. »Zusätzliche
Verbesserungen an den Hauptund
Hilfshaken bieten eine um ca.
einen Meter größere Reichweite, er-
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BREAKBULK EUROPE 2026
weitern den Hebebereich und verbessern
den Umschlag von übergroßen
Projektladungen«, heißt es weiter.
MPP-Neubauten für Norden
Die dänische Bulk-Reederei Norden hat
einen Frachtvertrag mit dem Bergbauunternehmen
LKAB geschlossen. Erstmals
kommen dabei MPP-Schiffe mit Eisklasse
zum Einsatz. Der Vertrag mit dem
staatlich geführten Konzern LKAB sieht
eine Laufzeit von zehn Jahren vor und
umfasst den Transport von Bentonit aus
Griechenland nach Nordschweden. Zum
Einsatz kommen sollen zwei MPP-Schiffe,
die Norden zu diesem Zweck bei der
Wuchang Shipbuilding Industry Group
(Teil von CSSC) in Auftrag gegeben hat.
Die Ablieferung ist für 2028 geplant. Erstmals
investiert Norden damit in Schiffe,
die über eine Eisklasse verfügen. »Diese
Transaktion unterstützt unsere Strategie,
langfristig zu wachsen und stabilere
Ertragskennzahlen zu erzielen«, sagte
CEO Jan Rindbo. »Gleichzeitig erweitert
die Aufnahme von zwei eisklassifizierten
Schiffen unser Angebot an Transportlösungen
in nördlichen Gewässern.« Die
23.000-Tonner werden mit zwei Krangeschirren
zu je 80 t ausgestattet.
Ernst Russ kauft von Dship
Das Hamburger Schifffahrtsunternehmen
Ernst Russ baut seine Aktivität in
der MPP-Schifffahrt aus. Zwei Frachter
aus der Flotte der ebenfalls Hamburger
Reederei Dship wechseln den Besitzer.
Die 2021 und 2022 gebauten »Ronnie«
und »Charlie« sollen die strategische
Entwicklung der Flotte vorantreiben, teilte
die börsengehandelte Reederei mit,
deren größter Anteilseigner die Schifffahrtsgruppe
Peter Döhle ist.
Die 12.500-Tonner vom Typ F500 waren
Teil einer Neubau-Serie für Dship.
Auch künftig fahren sie weiter für die
Hamburger Reederei aus der Logistikgruppe
Deugro. Denn Ernst Russ hat
eine Charter mit einer Laufzeit von
sieben Jahren vereinbart. »Diese gesicherte
Beschäftigung für beide Schiffe
stärkt die langfristige Einnahmebasis
der Gruppe, erhöht die Visibilität künftiger
Cashflows und unterstreicht den
nachhaltigen und planbaren Charakter
der Investition«, heißt es. »Mit diesem
Deal entwickeln wir unser Portfolio gezielt
weiter und erhöhen unser Exposure
in einem attraktiven Segment. Die
aktuelle Marktsituation mit begrenztem
Angebot und robuster Nachfrage
bietet eine solide Grundlage für nachhaltige
Erträge«, sagte Joseph Schuchmann,
Co-CEO und Chief Commercial
Officer bei Ernst Russ.
(Informationen über die Neubau-Aktivitäten
von Dship Carriers finden Sie auf
Seite 28/29 dieser Ausgabe)
Briese kauft mit NRP
Die Leeraner Schifffahrtsgruppe Briese
bekommt für ihre Flotte zwei neue MPP-
Schiffe, die mit dem norwegischen Investor
NRP auf dem Secondhand-Markt
übernommen wurden. Für die Briese-
Gruppe sind es »alte Bekannte«.
»BBC Naples« und »BBC Newcastle«
wurden mit Briese als »Projekt Sponsor«
auf dem Secondhand-Markt erworben,
wie der Investor Ness, Risan & Partners
(NRP) öffentlich gemacht hat. Sie fahren
schon seit längerem bei der Briese-Tochter
BBC Chartering. Weitere Informationen
wie den Kaufpreis gaben die Norweger
nicht bekannt.
Für Briese ist es nicht die erste Transaktion
mit NRP. Schon bei einer Serie von
neuen Bulkern hatte die beiden Unternehmen
zusammengearbeitet.
»BBC Naples« und »BBC Newcastle«
wurden 2010 und 2009 gebaut. Die
Tweendecker haben eine Tragfähigkeit
von 9.800 t und zwei 60-t-Krane. Nach
Informationen der HANSA handelt es
sich ben den Schiffen um die ehemaligen
»Thorco Avantgarde« aus der Flotte von
Marship und »Unisoul« aus der Flotte der
Reederei Held Shipping, beide ansässig
in Haren an der Ems.
Briese und BBC agieren immer mal
wieder auf dem Secondhand-Markt.
Um die Flotte zu modernisieren, setzen
die Ostfriesen aber vor allem auch
BUILDING THE FLEET
OF THE FUTURE.
bbc-chartering.com
BREAKBULK EUROPE 2026
Die globale MPP-Flotte
> 100t Krankapazität
> 25.000 tdw
20.000 - 24.999 tdw
15.000 - 19.999 tdw
10.000 - 14.999 tdw
5.000 - 9.999 tdw
2.000 - 4.999 tdw
49
57
150
206
251
1
355
22
4
aktive Flotte
Orderbuch
67
© Toepfer Transport / HANSA
auf Neubauten. Aktuell werden verschiedene
Neubau-Serien sukzessive
abgeliefert.
Das Orderbuch für »Lakermax«-
Schiffe mit 13.000 tdw wurde mittlerweile
von 15 auf 21 Einheiten aufgestockt
– plus Option auf weitere
sechs. Im Segment »F500« mit rund
12.250 tdw hat Briese ebenfalls Neubauten
im Zulauf, drei von acht bestellten
Schiffen sind in Dienst gestellt.
Auch Bulker-Neubauten wurden
in den vergangenen Jahren bestellt
und in Fahrt gebracht – genauso wie
ein Dutzend Containerschiffe und für
den Carrier Briese Chartering einige
Frachter vom Typ Oteco 9.000. Für
das Geschäft mit Massengutfrachtern
wurde eigens ein neuer Geschäftsbereich
aufgesetzt.
ESL kauft und wartet
Ein Oldie ersetzt einen Oldie, bevor ein
Neubau kommt: Die MPP-Reederei ESL
hat einen 24 Jahre alten 16.600-Tonner
gekauft, um einen 20 Jahre altes
Schiff für eine Übergangszeit zu ersetzen.
Die zum Aspo-Konzern gehörende
Reederei, unter deren Dach auch
der Carrier AtoB@C fährt, hat auf dem
Secondhand-Markt ein eisgängiges
Schiff. Der 2002 gebaute 16.600-Tonner
soll künftig als »Nordis« eingesetzt
werden. Dabei handelt es sich nach
Informationen der HANSA um die ehemalige
»Tran sund« aus der Flotte der
schwedischen Reederei SOL.
Der Kaufpreis wurde nicht öffentlich
gemacht, ESL nennt die Transaktion
eine »strategische Akquisition«, die
auf den Verkauf der »Kallio« im vergangenen
Herbst folgt. Der Schritt war
seinerzeit mit der geplanten und anstehenden
Modernisierung der Flotte
begründet worden. Nun wird der
21.350-Tonner ersetzt, und zwar durch
ein Schiff, das vier Jahre älter und weniger
Tragfähigkeit hat. Offenbar gibt
es bei ESL großen Bedarf. Zum Kauf
der »Nordis« heißt es, der Neuzugang
»schließt die Kapazitätslücke, bis die
ersten Schiffe der Green-Handy-Klasse
zur Flotte stoßen«. Erwartet wird
eine Serie von 17.000-Tonnern, die
2024 für knapp 190 Mio. $ in China
bestellt worden waren.
»Happy Star«-Schwester für Biglift
Die Schwergut-Reederei Biglift aus der
niederländischen Spliethoff-Gruppe
baut ihre Flotte aus. Bei der chinesischen
Werft Dalian Shipbuilding wurde
ein Schiff mit Ablieferung im Juni 2028
bestellt. Es soll Biglifts Kapazitäten stärken,
»um die weltweit steigende Nachfrage
nach Schwergut- und Projektladungstransporten
zu decken«.
Der Auftrag beinhaltet auch eine
Option auf einen zweiten Neubau.
Konzipiert ist der jüngste Flottenzugang
als Schwester der »Happy Star«,
die 2014 in Dienst gestellt worden
war und bei 156 m Länge eine Tragfähigkeit
von 19.000 aufweist. Es soll
allerdings eine Reihe von Optimierungen
und Verbesserungen aufweisen.
Biglift sieht die Transaktion als »Untermauerung
des langfristigen Engagements
im Schwergutmarkt«. Das Schiff
mit finnisch-schwedischer Eisklasse
1A bekommt etwa Hebekapazitäten
für Tandem-Hubvorgänge von bis zu
2.200 t – mittels zwei 1.100-t-Kranen
von Huisman. Das durchgehende
Wetterdeck und das verstellbare Zwischendeck
sollen für optimalen Laderaum
sorgen.
Die Spliethoff-Tochter Biglift hatte
erst im vergangenen Jahr Neubauten
geordert – seinerzeit aus dem Deck-
Carrier-Segment und gemeinsam mit
dem koreanischen Partner CY Shipping.
Schiff und Bargen für Roll Group
Mit einem zusätzlichen Schiff und
neuen Heavylift-Bargen erweitert der
niederländische Logistiker Roll Group
seine Kapazitäten für das Geschäft
mit Projektladung. Vor allem im Fokus:
Asien und der Nahe Osten.
Neben einer Flotte an Spezialschiffen
in den Segmenten Deck Carrier, Heavylift,
RoRo und FloFlo betreiben die Niederländer
seit einiger Zeit auch eigene
Schwerlast-Bargen sowie diverse Landanlagen.
Dieser Kurs soll nun mit Investitionen
weiter fortgeführt werden. So wurden
zwei Schritte in diese Richtung bekannt
gemacht. Einerseits wurden in Indonesien
zwei Schwerlast-Bargen bestellt.
Die nach DNV-Klassifizierungsstandards
gebauten Pontons sollen »die
Fähigkeit der Roll Group verbessern,
integrierte, maßgeschneiderte Transportlösungen
für komplexe Energieund
Infrastrukturprojekte in der Region
bereitzustellen«, heißt es in einem
Statement. Sie sind jeweils 85,2 m lang,
27,4 m breit, und haben eine Tragfähigkeit
von 9.350 t auf einem Deck, das
eine Schwergut-Kapazität von 20 t pro
22 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
BREAKBULK EUROPE 2026
Quadratmeter hat. Der Bau soll noch
Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.
Darüber hinaus erweitert die Roll
Group ihre Flotte an großen Deck Carriern
für den Hochseetransport. Nach
der »Bigroll KMC Beaumont« im September
vergangenen Jahres stößt im
Rahmen der Zusammenarbeit mit der
koreanischen KMC Bluewhale ein weiteres
Charterschiff zur Flotte: »Bigroll
KMC Busan«. Damit betreibt der Logistiker
zehn Heavylift-Schiffe. Die 40 m
breite und 166 m lange »Bigroll KMC
Busan« fuhr früher als als »Dongbang
Giant No. 7«.
»Große« für drei Reeder
Wealth Shipping mit Sitz in Singapur
hat dem Vernehmen nach erneut neue
große MPP-Schiffe in China bestellt. So
soll die zu Hong Kong Pusheng Shipping
gehörende Reederei bei der Nantong
Yahua Shipbuilding Group zwei
Neubauten mit jeweils 62.000 t Tragfähigkeit
in Auftrag gegeben haben. Geplante
Ablieferung: Anfang 2028.
Damit diversifiziert Wealth Shipping
das eigene Flottenportfolio, das derzeit
aus rund 30 Frachtern besteht. Zuletzt
hatte man noch auf etwas kleinere
Schiffe und 17.400-Tonner gesetzt.
Für große und komplexe Ladungen will
man nun auch größere Schiffe anbieten
können.
Eine Reederei, die ebenfalls auf verhältnismäßig
große MPP-Schiffe setzt,
ist das staatliche chinesisch-polnische
Joint Venture Chipolbrok. So war erst
im Februar der letzte Neubau einer
Achter-Serie an 62.000-Tonnern aufgeschwommen.
Jetzt hat die Reederei
erneut Neubauten bekommen, allerdings
offenbar eher für die Bulk-Schifffahrt.
In China wurden die 63.500-Tonner
»Chipol Anshun« und »Chipol
Ankang« übernommen. Sie passen
eher in die vor einiger Zeit publik gemachte
Strategie, neben dem Breakbulk-Geschäft
verstärkt auch den Bulk-
Markt mit eigenen Schiffen bedienen
zu wollen.
Mit Fujian Highton hat darüber hinaus
ein weiterer Akteur auf dem Markt
mit Neubau-Plänen auf sich aufmerksam
gemacht. Im Januar waren bereits
drei 62.000-Tonner in Auftrag gegeben
worden, nun folgt eine weitere Order.
So gab die hundertprozentige Tochtergesellschaft
Highton International
Shipping bekannt, dass ein Vertrag mit
Taizhou Kouan Shipbuilding über vier
Mehrzweck-Schwergutfrachter mit je
62.000 tdw unterzeichnet wurde.
Für Fujian Highton ist es ein weiterer
Schritt auf den MPP-Markt, bislang
war die börsengelistete Reederei vor
allem für ihre Bulk-Aktivitäten bekannt.
Im Blick hat man nun dem Vernehmen
nach vor allem Projektladungen und
chinesische Anlagen-Exporte. Die Ablieferung
wird offenbar erst ab 2030
erwartet.
Meriaura investiert
Mit einem Open-Deck-Neubau will die
finnische Shortsea- und MPP-Reederei
Meriaura ihre Flotte modernisieren. Sie
hat einen Neubau-Vertrag mit der chinesischen
Werft Jiangsu Zhenjiang Shipyard
unterzeichnet. Dabei geht es um
eine Open-Deck-Carrier mit 6.800 tdw.
Die Ablieferung des 120 m langen und
21,6 m breiten Frachters mit Eisklasse
1A ist für die Anfang 2028 geplant.
CEO Beppe Rosin zeigte sich anlässlich
der Vertragsunterzeichnung
regelrecht euphorisch: »Dieser Auftrag
ist ein bedeutender Meilenstein
in unserem laufenden Flottenerneuerungsprogramm
und unterstreicht
unser Engagement in beiden Segmenten.
Ein eisklassifizierter, unter finnischer
Flagge fahrender offener Deck
Carrier ist zudem ein wertvolles Gut
zur Sicherung der finnischen Versorgungssicherheit.
Mit etwas größeren
Schiffsgrößen, wie sie derzeit bei den
Eco Traders im Bau sind, wollen wir
noch besser auf die Bedürfnisse unserer
Kunden eingehen – flexibler und in
einem größeren Einsatzgebiet.«
Meriaura ist im nordeuropäischen
Shortsea-Markt aktiv, unter anderem
mit Schütt-, Breakbulk- und Projektladungen.
Zur Flotte gehören 17 Schiffe,
darunter zwei Deck-Carrier.
Eingesetzt werden soll der Neubau,
wie die übrige Flotte, hauptsächlich
im Kurzstreckenseeverkehr. Er ist für
schwere Projektladungen und Spezialladungen
optimiert und speziell
auf anspruchsvolle RoRo-Operationen
ausgelegt. »Mit Merkmalen wie dynamischer
Positionierung, einer großen
Deckfläche und exzellenter technischer
und betrieblicher Leistung eignet sich
das Schiff ganzjährig für vielfältige Projektanforderungen.
Es ermöglicht zudem
den Zugang zu anspruchsvollen
Standorten mit geringem Tiefgang,
unzureichender Infrastruktur oder begrenztem
Platz«, so die Reederei, die
nach einem größeren Aktien-Deal im
vergangenen Jahr mittlerweile wieder
als privates Familienunternehmen geführt
wird.
■
Die globale MPP-Flotte
> 240t Krankapazität
> 25.000 tdw
20.000 - 24.999 tdw
15.000 - 19.999 tdw
10.000 - 14.999 tdw
5.000 - 9.999 tdw
2.000 - 4.999 tdw
10
18
74
83
96
1
186
22
aktive Flotte
Orderbuch
46
© Toepfer Transport / HANSA
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
23
BREAKBULK EUROPE 2026
Dship geht neue Wege mit D500-Serie
15.000 t Tragfähigkeit, bis zu 500 t kombinierte Krankapazität und ein ungewöhnliches Design
für die Brückenaufbauten: Die Hamburger MPP-Reederei Dship Carriers bekommt sechs neue
Schiffe des D500-Typs und will damit einen »Innovationssprung« schaffen
»John« ist der Name des ersten Neubaus,
der in diesen Tagen von der China
Merchants Jinling Shipyard abgeliefert
wird. Fünf weitere Schiffe sollen bis Mitte
2027 folgen. »Wir wollen mit dem Design
einen anderen Weg gehen«, sagte CEO
Lars Feller kürzlich im HANSA Podcast,
wo er gemeinsam mit NSB-Chef Tim Ponat
das neue Joint Venture Hinode Shipmanagement
publik machte, das sich
um die Neubau-Serie kümmern wird. Ein
großer Fokus liegt auf »Renewables«-Ladungen
für die Windenergie-Industrie,
aber auch auf dem Geschäft mit der Ölund
Gas-Industrie.
Nach den letzten Neubauten des Typs
F500 ist der D500 ein neues Projekt für
Dship – von der ersten Zeichnung bis zur
Ablieferung. Bei der Entwicklung ging es
neben der Optimierung der Energieeffizienz
vor allem auch um die Maximierung
des Intake. »Erst der Laderaum, dann das
Schiff drumherum«, heißt es seitens des
Carriers. Auch an Deck soll möglichst viel
Ladung transportiert werden können,
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daher entschied sich Dship für ein spezielles
Design: Die Brückenaufbauten sind
im Vorschiff-Bereich angeordnet. Diesen
Weg sind auch schon andere Reeder gegangen,
um besonders lange Ladungen
WALLM A
13
ha
5,5
ha
NN&CO
SEAPORT HUB
13m
besser stauen zu können, etwa Wind Blades
der neuesten Generationen. Neu ist,
dass die Aufbauten sich nicht über die
gesamte Schiffsbreite ziehen, sondern
wie ein Würfel an der Steuerbord-Seite
angeordnet sind. Gleichzeitig wurde
Wert auf Flexibilität gelegt. Parcelling im
Spotmarkt sei ohne Probleme möglich,
auch wenn ein Schwerpunkt auf Kontraktladung
gelegt wird.
Schon bei der Auftragsvergabe im
Frühjahr 2024 hatte das Hamburger
Unternehmen davon gesprochen, mit
den D500-Schiffen die nächste Generation
der 15.000-Tonnen-Klasse einzuführen.
Bislang setzt die Reederei – die
sich zuletzt mit Neubauten etwas zurückgehalten
hatte – vor allem auf die
traditionell im Weltmarkt weit verbreiteten
12.500-Tonner mit unterschiedlichen
Krankapazitäten. Das D500-Projekt stelle
»einen Innovationssprung dar, bei dem
Effizienz und Leistung im Vordergrund
stehen«, hieß es seinerzeit. Sie weisen
den Angaben zufolge rund 50 % mehr
Laderaum- und Deckskapazität auf.
Bei einer Länge von 149,95 m und einer
Breite von 23,5 m gibt es 3.056 m 2 bezie-
© Dship Carriers
24 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
BREAKBULK EUROPE 2026
hungsweise 141,55 x 23,5 m freie Decksfläche.
Die Belastungsgrenze liegt bei
20 t/m 2 auf dem Tank Top, 5 t/m 2 auf dem
Zwischendeck und bis zu 8 t/m 2 auf dem
Wetterdeck. Die bis zu 14,1 kn fahrenden
Frachter mit geradem Vordersteven sind
»Lakes fitted« und haben einen verstärkten
Rumpf für die Eisklasse 1A. MM
Dship-CEO Lars Feller hat im HANSA Podcast
gemeinsam mit NSB-CEO Tim Ponath
über die neuen D500-Schiffe gesprochen.
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sich die Episode an, um weitere Hintergründe
für das Projekt sowie das gemeinsam
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»John« bekommt ein eher ungewöhnliches Design für die Brückenaufbauten. Insgesamt sechs
Schiffe vom Typ D500 wurden bislang bestellt
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Markt-Analysen und Indizes gehören heute in diversen Bereichen
der Schifffahrt zum festen Portfolio. Die Containerschifffahrt
sticht hier sicherlich mit einer Vielzahl an Richtwerten heraus.
In der internationalen MPP-Schifffahrt gab es so etwas lange
Zeit nicht. Ein auf »Zahlen« basierter Blick auf Charterraten war
schwierig. Vor zehn Jahren änderte sich das, als der Hamburger
Makler Toepfer Transport begann, seinen heute also »TMI« weithin
bekannten Index herauszugeben: Der Toepfer Multipurpose
Shipping Index ist ein monatlicher, panel-basierter Benchmark
für den Multipurpose- und Schwerlastschifffahrtssektor, der sich
seither zu einer der meistzitierten Referenzgrößen der Branche
entwickelt hat. 2026 feiert er Jubiläum.
Als Maklerunternehmen hatte Toepfer Transport einen großen
Teil der Analysearbeit bereits inhouse erledigt. Wie fällt
die Bilanz bei den »Machern« aus? »Uns war klar, dass wir mit
dem TMI eine Lücke schließen, die von den großen Analysehäusern
nicht bedient wurde, da die Zielgruppe schlicht zu klein ist.
Gleichzeitig war uns bewusst, dass in einer sich stark wandelnden
Schifffahrtswelt mehr Transparenz und eine unabhängige
Drittmeinung unabdingbar waren, um den Markt für neue Investoren
und Finanzierer interessant und erklärbar zu machen«, sagen
Geschäftsführer Hannes Holländer und Yorck Niclas Prehm,
Head of Market Intelligence, gegenüber der HANSA.
Basis ist das sogenannte »Arbeitstier« der Branche: Der TMI
bildet die monatliche durchschnittliche Zeitcharterrate für ein
12.500-dwt-MPP/HL-F-Type-Schiff auf Basis einer 6- bis 12-monatigen
Charter ab. Ein Panel aus zehn bis 25 MPP-Reedereien,
Operateuren und Schiffsmaklern übermittelt dafür seine Einschätzungen.
Ausreißer werden geprüft und müssen ihre Abweichung
begründen. Die höchsten und niedrigsten Werte werden
aus der Berechnung herausgenommen. Es bleibt ein arithmetisches
Mittel.
Neben dem TMI veröffentlicht Toepfer Transport auch den
TMI-P6 und den TMI-P12 – Projektionsindizes, die widerspiegeln,
wo das Panel die Raten in sechs und zwölf Monaten erwartet.
Der TMI ist also nicht nur ein Rückspiegel – er ist auch ein Blick
nach vorn.
»Als wir den TMI vor zehn Jahren eingeführt haben, haben
manche freundlich genickt und gesagt, das sei eine interessante
Idee. Was sie damit natürlich meinten, war, dass sie nicht sicher
waren, ob es funktionieren würde. Ich glaube, wir können heute
sagen: Es hat funktioniert«, so Holländer, der gleichzeitig betont,
dass der Index ohne das Engagement der Panel-Mitglieder nur
eine Tabellenkalkulation wäre.
Akzeptanz und Teilnahmebereitschaft werden als »gleichbleibend
hoch« beschrieben, auch wenn das Panel aufgrund von
Insolvenzen, Konsolidierungen und Umstrukturierungen immer
wieder angepasst werden musste. Überrascht hat die Verantwortlichen,
wie sehr der Markt den Index angenommen und mitgetragen
hat. »Das ging weit über das erhoffte Niveau hinaus und
hat dazu geführt, dass unser Market-Intelligence-Bereich zu einer
ausgewachsenen Abteilung mit drei Mitarbeitern geworden ist«.
Der Index war ursprünglich nur als Indikator für die allgemeine
Marktentwicklung gedacht. Und obwohl Frachtraten etwa anderen
Mechanismen folgen als Charterraten, verwenden einige
große Ablader den TMI in großen Industrieprojekten. »Es überrascht
uns immer wieder, wie oft unsere Indizes in Verträgen als
Berechnungsgrundlage für Vertragsanpassungen verwendet
werden«, so Prehm. Der Analyst berichtet darüber hinaus: »Ich
werde manchmal gefragt, was das Geheimnis des TMI ist. Und
ich sage jedes Mal dasselbe: Es gibt kein Geheimnis. Wir bitten
ernsthafte Leute um ihre ehrliche Einschätzung und gehen sorgfältig
mit den Zahlen um.« Wichtig ist ihm und seinen Kollegen,
dass man sich der Verantwortung, die mit der hohen Akzeptanz
einhergeht, bewusst macht: Definition und Methodik des Index
werden transparent offen gelegt, bei Bedarf Anpassungen vorgenommen,
ohne dabei den Kern des TMI zu verändern.
Zu den Anpassungen gehört auch ein Blick auf die Entwicklungen
in der Flotte: Der F-Typ erreicht langsam eine Altersgrenze,
die mittelfristig die Einführung eines TMI 2.0 erforderlich mache.
Als »Zwischenlösung« will Toepfer Transport noch Mitte 2026
damit beginnen, eine Indexrate für den F500-Typ zu veröffentlichen:
»Wir haben also noch viel vor und freuen uns sehr, unsere
Angebote zusammen mit dem Markt weiterzuentwickeln.« RD
26 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
BREAKBULK EUROPE 2026
JUBILÄUM FÜR DIE MPP-SCHIFFFAHRT II
Austausch und Analyse: Zehn Jahre »Heavy Lift Exchange Forum«
Das »Jubiläumstreffen« des Heavy Lift Exchange Forum in den DNV-
Räumlichkeiten in Hamburg
Wenn es um die Beobachtung des Status Quo und Erwartungen
an künftige Entwicklungen geht, ist der fachliche Austausch
unter relevanten Akteuren eines Marktes ein wichtiger
Gradmesser. Das gilt auch für die MPP-Schifffahrt. Unter anderem
aus diesem Grund hat sich vor einiger Zeit eine Gruppe
von Unternehmen und Experten gefunden, die in regelmäßigen
Abständen zu einem solchen Austausch zusammenkommt:
Das »Heavy Lift Exchange Forum« (HLEF).
Abseits großer PR-Kampagnen und Konkurrenzbedenken
treffen sich hier hinter verschlossenen Türen unter anderem
Schiffseigner und Carrier aus dem Segment von Schiffen mit
mindestens 2 x 250 t Krankapazität. Vor wenigen Tagen stand
ein Jubiläum an: der 10. »Geburtstag«. In den Hamburger Räumlichkeiten
der ebenfalls im Arbeitskreis vertretenen Klassifikationsgesellschaft
DNV fand das 20. Treffen statt. Die Beteiligten
nahmen das Jubiläum zum Anlass, gegenüber der HANSA etwas
aus der »Nicht-Öffentlichkeit« herauszutreten.
Thomas Cord, Geschäftsführender Gesellschafter der Reederei
Eckship und aktuell Chairman des HLEF, sagte: »Das Heavy
Lift Exchange Forum ist eine einzigartige Plattform für Eigner
und Operator von Schwergutschiffen, um Informationen über
diverse Branchentrends zu erhalten und sich auszutauschen –
von technischen und operativen Herausforderungen über Entwicklungen
bei Flotten und Schiffsdesigns bis hin zu neuen Regeln
und Vorschriften.«
Ein konkretes Ergebnis des Forums sei eine Richtlinie zur Beurteilung
der Stabilität bei kritischen Hebevorgängen, die vor
etwa zwei Jahren veröffentlicht wurde. »Der Hauptgrund für
den Erfolg des HLEF liegt darin, dass Themen und Referenten
von den Mitgliedern selbst vorgeschlagen werden; dies stellt
sicher, dass das Forum stets relevant und wertvoll bleibt«, so
Cord weiter.
Das Kernanliegen ist der Informationsaustausch zu technischen,
regulatorischen und operativen Themen von gemeinsamem
Interesse – die Ergebnisse werden nicht nach außen
kommuniziert, es gibt keine Sitzungsprotokolle, kommerzielle
Themen werden nicht besprochen. Je nach Bedarf können
© DNV
auch weitere Interessengruppe fallweise in ein Meeting eingebunden
werden, beispielsweise Verlader, Flaggen, Versicherer,
Ingenieure oder Hersteller von Heavylift-Equipment. Der DNV
übernimmt die Moderation sowie die organisatorische Abwicklung
und kann zu ausgewählten Themen Input liefern. Im
Allgemeinen wird jedoch erwartet, dass Themen und Beiträge
aus der Gruppe selbst kommen.
Zum Jubiläumstreffen gab es neben den Diskussionen Präsentationen
von der Reederei SAL, Becker Marine Systems
und Toepfer Transport. Für den HLEF-Secretary Jost Bergmann
vom DNV hängt der Erfolg des Arbeitskreises von der Bereitschaft
der Mitglieder ab, sich zu öffnen und sowohl positive als
auch negative Erfahrungen zu teilen – beispielsweise Herausforderungen,
die während des Ladungsumschlags oder des
Transports aufgetreten sind. »Davon kann jeder lernen, was
wiederum dazu beiträgt, das hohe Sicherheitsniveau in der
Branche aufrechtzuerhalten. Diese Offenheit lässt sich nur dadurch
erreichen, dass man sich im Laufe der Zeit gegenseitig
kennenlernt und erkennt, dass letztlich jeder ›nur mit Wasser
kocht‹«, so Bergmann.
RD
Uns ist nichts
zu schwer.
Starke Leistung
an jeder Kaje.
BREAKBULK EUROPE 2026
Mosolf will Breakbulk zur eigenen
Geschäftssäule ausbauen
Der Automotive-Logistiker baut das Geschäft mit Breakbulk- und High-&-Heavy-Ladung aus. Mit der
Transport Overseas Group will die Firma stärker in projektgetriebene Transportketten hineinwachsen
© Mosolf / TO Group
Breakbulk und High & Heavy sollen bei Mosolf künftig eine größere Rolle spielen. Das Unternehmen ist bislang vor allem in der Autologistik tätig
Mosolf war vielen bisher vor allem als
Automotive-Logistiker bekannt: Fahrzeugtransporte,
Hafenlogistik, große Volumina,
eingespielte Prozesse. Doch das
Unternehmen will sein Profil erweitern.
Neben dem klassischen Automotive-Geschäft
rückt ein Segment stärker in den
Fokus, das deutlich weniger standardisiert
ist: Breakbulk und High & Heavy.
Dahinter steht mehr als ein ergänzendes
Zusatzgeschäft. Mosolf sieht in
projektgetriebenen, nicht containerisierbaren
Gütern ein strategisches Wachstumsfeld.
Treiber sind vor allem Energieund
Infrastrukturprojekte, industrielle
Anlagenteile sowie Ladungen, die besondere
Anforderungen an Planung, Umschlag,
Flächenmanagement und Transportsteuerung
stellen. Mittelfristig soll
Breakbulk zu einer eigenständigen Säule
im Portfolio werden.
Christian Weber, Geschäftsführer der
TO Group, begründet den Einstieg mit
veränderten Marktbedingungen. »Die
globalen Warenströme verschieben sich
zunehmend in Richtung projektgetriebener,
nicht containerisierbarer Güter,
sagt er. Insbesondere die Energie- und
Infrastrukturtransformation führe zu Ladungsstrukturen,
die klassische Containerlogik
nicht abbilden könne. Für Mosolf
entstehe damit ein Markt, in dem operative
Hafenlogistik, Flächenverfügbarkeit
und Prozesssteuerung stärker wertschöpfend
eingesetzt werden könnten.
Zugleich geht es um Diversifizierung.
Die Automobilindustrie bleibt zwar ein wesentliches
Feld für Mosolf, ist aber zyklisch
geprägt. Breakbulk und High & Heavy sollen
das Portfolio breiter aufstellen. Weber
formuliert es klar: »Breakbulk ist perspektivisch
als eigenständige Geschäftssäule
angelegt.« Ziel sei ein ausgewogenes
Portfolio zwischen standardisierten Volumengeschäften
und projektgetriebenen,
margenstärkeren Transporten.
Brücke zur Projektlogistik
Ein zentraler Baustein dieser Strategie
ist die Transport Overseas Group. Mit
ihrer Integration will Mosolf die operative
Hafenlogistik enger mit internationaler
Projektlogistik verbinden. Steffen Klatte,
Geschäftsführer Mosolf Port & Logistics
Services, spricht von einer gezielten Brücke
»von der operativen Hafenlogistik zur
globalen Projektlogistik«.
Ausschlaggebend waren demnach
mehrere Fähigkeiten: internationale
Carrier- und Projektlogistiknetzwerke,
Engineering-Kompetenz für komplexe
Transportlösungen sowie etablierte Kundenbeziehungen
in industriellen Kernsektoren.
Aus Sicht von Klatte erweitert
Mosolf damit seine Rolle – vom operativen
Dienstleister hin zu einem Akteur,
der größere Teile globaler Lieferketten
orchestrieren kann.
Die Aufgabenverteilung zwischen Mosolf
Port & Logistics Services und der
TO Group beschreibt Klatte als vertikale
Integration. Mosolf bringe Terminalinfrastruktur,
Umschlagskompetenz und
Flächenmanagement ein. Die TO Group
übernehme internationale Transportsteuerung
und Projektabwicklung. Daraus
entstehe ein Leistungsmodell, das
von der Kaikante bis zum Bestimmungsort
reichen könne.
28 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
BREAKBULK EUROPE 2026
Für Mosolf ist dieser integrierte Ansatz
ein wichtiger Unterschied zu rein speditionellen
Modellen. Weber betont: »Eigene
Hafen- und Terminalkapazitäten sind ein
zentraler Bestandteil der Strategie.« Sie
ermöglichten mehr operative Kontrolle,
vor allem bei nicht standardisierten Ladungen,
und schafften Flexibilität in der
Abwicklung. Außerdem reduzierten sie die
Abhängigkeit von externer Infrastruktur.
Projektlogik statt
Volumengeschäft
Die Anforderungen im Breakbulk-Geschäft
unterscheiden sich deutlich von der klassischen
Automotive-Logistik. Während die
Fahrzeuglogistik volumengetrieben, hochstandardisiert
und auf wiederkehrende Prozesse
ausgelegt ist, folgt Breakbulk einer
anderen Logik. »Der entscheidende Unterschied
liegt in der Logik des Geschäftsmodells«,
so Klatte.
Automotive-Logistik sei auf Effizienz
und Skaleneffekte optimiert. Breakbulk dagegen
sei projektgetrieben. Jede Sendung
könne individuelle Anforderungen an Engineering,
Stauplanung, Ladungssicherung
und Zeitmanagement stellen. Fehlerkosten
seien deutlich höher, Planungszyklen länger
und die operative Komplexität größer. Hinzu
komme die stärkere Einbindung maritimer
Faktoren – etwa Schiffsliegezeiten, Wetterfenster
oder Hafenrestriktionen.
Trotz dieser Unterschiede kann Mosolf
nach eigener Einschätzung auf bestehenden
Strukturen aufbauen. Flächen, Terminalinfrastruktur,
operative Prozesse, Netzwerke
und Qualitätsstandards aus dem
Automotive-Bereich lassen sich in Teilen
übertragen. Gleichzeitig bleibt Anpassung
notwendig, weil Breakbulk-Projekte weniger
standardisiert sind und stärker individuell
geplant werden müssen.
Im Fokus stehen derzeit High-&-Heavy-
Ladung, projektbezogene Industriekomponenten
sowie energiebezogene Güter.
Weber nennt insbesondere Ladung für den
Ausbau erneuerbarer Energien und industrieller
Infrastruktur. Auch Maschinen- und
Anlagenbau gehören zu den wichtigen Treibern.
Diese Segmente seien anspruchsvoll
in Handling und Planung, böten aber zugleich
nachhaltige Wachstumsdynamik.
Zunehmend relevant wird nach Einschätzung
von Mosolf auch sicherheits- und
Christian Weber, Geschäftsführer
der TO Group
verteidigungsnahe Logistik in Europa. Militärische
oder dual-use Güter könnten in
Teilen ähnliche Anforderungen an Transport,
Handling und Diskretion stellen wie
klassische High-&-Heavy-Ladung. Ob und
wie Mosolf dieses Segment konkret adressiert,
hänge jedoch stark von regulatorischen
Rahmenbedingungen und der strategischen
Ausrichtung ab.
Von der Kaikante bis
zum Zielort
Ein typischer Hafenanlauf mit Breakbulk-
oder RoRo-bezogener Projektladung
beginnt bei Mosolf nicht erst am
Kai. Weber beschreibt eine detaillierte
Pre-Planning-Phase mit Staukonzept und
Umschlagsstrategie. Danach folgen die
operative Koordination zwischen Reederei,
Terminal und Transportpartnern sowie
der ladungsspezifische Umschlag – rollend
oder per Kran. Ergänzt wird dies durch
Flächenmanagement und vorbereiteten
Weitertransport.
Besonders dort, wo Projekte frühzeitig
geplant und über eigene oder eng angebundene
Hafenstandorte strukturiert
werden können, sieht Mosolf die Möglichkeit,
die gesamte Transportkette aus
einer Hand abzubilden. Klatte beschreibt
den Ansatz als integriertes Gesamtsystem:
Vorläufe werden auf Slot- und Liegezeiten
abgestimmt, Umschlagsprozesse bereits
in der Projektplanung engineeringseitig
vorbereitet und Seetransporte über Carrier-Netzwerke
der TO Group eingebunden.
© Mosolf / TO Group
Der Unterschied liegt für ihn in der
durchgängigen Steuerung. Dazu zählen
Stauplanung, Ladungssicherung, Zeitfenster-Management
und die Koordination der
Schnittstellen. Ziel ist es, Liegezeiten zu reduzieren,
Umschlagsrisiken zu minimieren
und Projektlaufzeiten stabiler zu machen.
Gerade bei Breakbulk entscheidet aus
Sicht von Mosolf die operative Basis über
Wettbewerbsfähigkeit. Geeignete Flächen,
Umschlagtechnik und stabile Prozesse seien
für nicht standardisierte Ladungen zentral.
Rein speditionelle Modelle hätten hier
weniger direkte Kontrolle über Infrastruktur
und Ablauf. Mosolf will sich deshalb über
die Kombination aus physischer Präsenz,
Umschlagskompetenz und internationaler
Steuerung positionieren.
Digitale Steuerung für
individuelle Abläufe
Auch digitale Systeme sollen im Breakbulk-
Geschäft eine größere Rolle spielen. Weber
bezeichnet sie als zentralen Enabler für komplexe
und wenig standardisierte Prozesse.
Ziel ist es, projektlogistische Abläufe digital
abzubilden – von der Transportplanung über
Echtzeit-Tracking bis zur Dokumentation und
Schnittstellenintegration. Gerade weil Breakbulk-Projekte
individuell sind, setzt Mosolf
nach eigenen Angaben auf modulare und flexible
Systemarchitekturen. Transparenz soll
geschaffen werden, ohne die notwendige
operative Flexibilität einzuschränken. Damit
adressiert Mosolf auch eine Entwicklung im
Markt. Nach Einschätzung von Klatte ist der
europäische Breakbulk-Markt durch spezialisierte
Projektlogistiker, klassische Stückgutreedereien
und terminalbasierte Anbieter
geprägt. Viele Akteure seien entweder stark
in der Transportorganisation oder in der Infrastruktur
verankert – selten jedoch in beiden
Bereichen gleichermaßen.
Genau dort will Mosolf ansetzen. »Der
Differenzierungsansatz liegt in der Kombination
aus eigener Infrastruktur, operativer
Abwicklungskompetenz und internationaler
Projektlogistik«, erklärt Klatte.
Mosolf verbinde physische Präsenz an
Logistikstandorten mit der Fähigkeit, globale
Transportketten zu steuern. Dieser
integrierte Ansatz unterscheide sich von
klassischen Modellen, die entweder stärker
speditionell oder rein infrastrukturbasiert
ausgerichtet seien.
JWY
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
29
BREAKBULK EUROPE 2026
Breakbulk bleibt »echte Bank« für Bremen
Die bremischen Häfen wollen ihre Position im Breakbulk- und Projektladungsgeschäft nicht
nur sichern, sondern gezielt ausbauen. Für die landeseigene Gesellschaft Bremenports ist das
Segment strategisch sehr wichtig
© Bremenports
Der Neustädter Hafen in Bremen zählt zu den wichtigsten Umschlagplätzen für Breakbulk- und Projektladung in den bremischen Häfen
Für Bremen und Bremerhaven ist das Breakbulk-Segment weit
mehr als nur ein Nischengeschäft. »Der Breakbulk-Markt ist
eine zentrale Säule für die Häfen in Bremen und Bremerhaven«,
verdeutlicht Bremenports-Sprecher Matthias Koch. Neben dem
Container- und Automobilumschlag trage dieses Segment »wesentlich
zur Diversifizierung des Hafenportfolios« bei und stärke
damit auch die Widerstandskraft gegenüber konjunkturellen
Schwankungen.
Eine besondere Rolle spielt dabei der Neustädter Hafen. Nach
Darstellung von Koch steht dort nach wie vor »der europaweit
größte Breakbulk-Hafen«. Das unterstreiche die Bedeutung dieses
Geschäfts für das Land Bremen. Dass sich um dieses Marktsegment
inzwischen auch ein eigenständiges Branchennetzwerk
gebildet hat, zeige zudem die noch junge Kongressmesse
»logisticConnect«. Bereits im zweiten Jahr habe sich die Veranstaltung
»als festes Treffen der Breakbulk-Szene Bremens und
darüber hinaus etabliert« und mehr als 1.200 Gäste angezogen.
Aus Sicht von Bremenports ist Breakbulk auch deshalb strategisch
relevant, weil das Geschäft andere Strukturen aufweist als
der standardisierte Containerverkehr. »Breakbulk und Projektladung
sind weniger konjunkturabhängig sowie weniger standardisiert
und damit weniger leicht verlagerbar als Containerverkehre«,
so Koch. Gerade daraus entstehe eine engere Bindung
zwischen Kunden und Standort. Hinzu komme die vergleichsweise
hohe Wertschöpfung. Nach seinen Worten generieren
beide Bereiche »insbesondere durch logistische Zusatzleistungen«
einen wichtigen wirtschaftlichen Beitrag.
Entscheidend sei dabei eine verlässliche Qualität. Gerade beim
Umschlag von Breakbulk- und Projektladung hätten die bremischen
Häfen »ein sehr hohes Niveau erreicht«. Bestätigt werde
das auch von Versicherern, »insbesondere auch im internationalen
Vergleich«. Nicht zuletzt seien diese Segmente »für den
Erhalt und die Schaffung neuer Arbeitsplätze eine echte Bank«.
Stabiler Markt mit
Ausschlägen
In den vergangenen Jahren hat sich das Geschäft offiziellen
Angaben von Bremenports robust entwickelt, trotz globaler
Herausforderungen wie etwa der Zollproblematik, zugleich
Wachstum verzeichnet. Der jährliche Umschlag wird »je nach
Abgrenzung« auf rund 6 bis 8 Mio. t beziffert.
Dass die Mengen dennoch schwanken, liegt vor allem an der
Natur des Geschäfts. Anders als im Containersegment hängen
Volumina hier stark von einzelnen Industrie- oder Energieprojekten
ab. Schwankungen ergeben sich vor allem projektbedingt,
etwa durch Großaufträge im Anlagenbau oder im Energiesektor.
30 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
BREAKBULK EUROPE 2026
Projektladung und
Windkraftkomponenten
Die Güterstruktur ist breit. Zu den wichtigsten Warengruppen
zählen nach Angaben von Bremenports Stahl und NE-Metalle,
Forstprodukte wie Holz, Zellstoff und Papier, außerdem Projektladung
und Schwergut, etwa Industrieanlagen. Hinzu kommen
Komponenten für die Windenergie. Gerade diese Vielfalt sei
eine Stärke des Standorts. Die größten zusätzlichen Marktchancen
sieht Bremenports vor allem im Zuge der Energiewende.
»Wachstumspotenziale bestehen insbesondere« bei Komponenten
für die Offshore-Windenergie sowie bei Projektladung
aus diesem Umfeld, erklärt Koch. Dabei werde neben dem Neustädter
Hafen auch der »Eco Power Port« am südlichen Teil der
Containerkaje in Bremerhaven eine »weiter zunehmende Bedeutung«
spielen.
Weitere Chancen sieht Bremenports im Segment der High-&-
Heavy-Güter für Industrieprojekte, bei Ladungen aus dem Energiesektor
wie Pipeline-Produkten sowie bei spezialisierten Stückgütern
mit erhöhtem Handlingbedarf. Der gemeinsame Nenner:
Es handelt sich um Verkehre, bei denen standardisierte Prozesse
oft nicht ausreichen und spezialisierte Hafenlogistik gefragt ist.
Im Wettbewerb will sich der Standort nicht über Masse, sondern
über Leistungsfähigkeit profilieren. Wichtige Faktoren
seien kurze Wege, spezialisierte Terminals, hohe Qualitätsstandards
und die enge Zusammenarbeit von Hafenmanagement,
Terminalbetreibern und Logistikdienstleistern.
Als klaren Wettbewerbsvorteil nennt Koch die trimodale Anbindung,
besonders im Neustädter Hafen. Über die A281 sei
dieser »direkt und staufrei an das Straßennetz angebunden«.
Mit dem im Bau befindlichen Wesertunnel werde sich diese Situation
noch weiter verbessern. Hinzu kommt die Anbindung über
Wasserstraße und Schiene. Über Weser und Mittellandkanal
bestehe ein direkter Zugang zum europäischen Wasserstraßennetz.
Auf dem Terminal und am vorgelagerten Bahnhof Bremen-
Grolland stünden rund 18 km Gleisanlagen zur Verfügung. Dadurch
könnten mehrere Ganzzüge gleichzeitig abgefertigt oder
Schienenfahrzeuge lange vor der Verschiffung angenommen
werden. Ergänzt werde das durch Linien- und Charterschiffe, die
sowohl den Neustädter Hafen als auch Bremerhaven mit Nordund
Mittelamerika, dem Mittelmeerraum und weiteren weltweiten
Destinationen verbinden.
Schwerlastinfrastruktur
im Neustädter Hafen
Bei den konkreten Standortvorteilen verweist Bremenports auf
mehrere klassische Stärken: »Seeschiffstiefe und gute nautische
Erreichbarkeit«, große zusammenhängende Logistikflächen,
spezialisierte Umschlagunternehmen und -anlagen für Schwergut
sowie leistungsfähige Hinterlandanbindungen per Schiene,
Straße und Binnenschiff.
Eine zentrale Rolle spielen dabei die vorhandenen Infrastrukturen
im Neustädter Hafen. Koch nennt insbesondere »spezialisierte
Stückgutterminals und Schwerlastflächen«. Ebenso wichtig
seien »multifunktionale Kajenanlagen sowie Industrie- und
Der Neustädter Hafen gilt als eines der wichtigsten Terminals für
konventionellen Umschlag in Bremen
Logistikflächen im Hafenumfeld«, weil sie für die Abwicklung
komplexer Projekte benötigt würden. Engpässe sieht Bremenports
derzeit nicht. Zwar werde die Flächennachfrage größer,
»insbesondere für großvolumige Projektladungen«. Gegenwärtig
seien jedoch »Engpässe nicht zu verzeichnen«.
Flexibilität und
Nachhaltigkeit gefragt
Die Anforderungen der Verlader und Projektkunden haben sich
nach Beobachtung von Bremenports weiterentwickelt. »Gefragt
sind vor allem hohe Flexibilität und Zuverlässigkeit«, sagt Koch.
Hinzu kämen »individuelle Logistiklösungen möglichst aus einer
Hand«, digitale Transparenz entlang der Lieferkette sowie eine
nachhaltige und klimafreundliche Abwicklung.
Gerade beim Thema Offshore-Wind und Energiewende sieht
Bremenports einen strukturellen Treiber für die kommenden
Jahre. Diese Felder seien »ein zentraler Wachstumstreiber«. Die
Häfen profitierten von ihrer Rolle »als Logistikdrehscheiben für
Windkraftkomponenten sowie für weitere Infrastrukturprojekte
im Zuge der Energiewende«.
Belastungsfaktoren bleiben anspruchsvoll
Trotz der positiven Perspektiven bleibt das Geschäft anspruchsvoll.
Zu den derzeit drängendsten Herausforderungen zählt Koch »geopolitische
Unsicherheiten«, schwankende Projektvolumina, Infrastrukturprobleme
im Hinterland, Flächenkonkurrenz innerhalb der
Häfen sowie die steigenden Anforderungen an Dekarbonisierung
und Nachhaltigkeit. Bremenports reagiert nach eigenen Angaben
mit Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung: »Es wird kontinuierlich
in die Modernisierung von Kajenanlagen, Schwerlastinfrastruktur
und in die Digitalisierung der Systeme investiert« JWY
© Bremenports
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
31
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
NMK 2026: Breiter Konsens,
aber offene Umsetzungsfragen
Die 14. Nationale Maritime Konferenz (NMK) in Emden stand erstmals deutlich unter
sicherheitspolitischen Vorzeichen. Was früher vor allem als zentrales Treffen von
Hafenwirtschaft, Schiffbau und maritimer Industrie mit der Politik galt, entwickelte sich in
diesem Jahr zu einer Standortbestimmung der deutschen maritimen Sicherheitspolitik
Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen, Marine, Bundespolizei
See, Behörden und Wirtschaft traten auffallend geschlossen
auf. Doch gerade diese Einigkeit legt das eigentliche Problem
offen: Deutschland weiß inzwischen, was auf See auf dem Spiel
steht. Offen bleibt die Umsetzung. In diesem Jahr pilgerten
rund 800 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft
und Verbänden nach Emden.
Schon die politische Präsenz zeigte, dass die Bundesregierung
die maritime Wirtschaft nicht mehr nur als industrie- oder
verkehrspolitisches Segment behandelt. Bundeskanzler Friedrich
Merz war genauso gekommen wie Wirtschaftsministerin
Katherina Reiche, Verkehrsminister Patrick Schnieder und mehrere
Ministerpräsidenten. Verteidigungsminister Boris Pistorius
wurde zugeschaltet. Der Maritime Koordinator der Bundesregierung,
Christoph Ploß, kam seiner Rolle als Scharnier zwischen
Branche, Ländern und Ressorts nach.
Das Motto »mariTeam Deutschland: Mit Sicherheit voraus«
prägte die inhaltliche Struktur. Am ersten Tag standen maritime
Industrie, Wettbewerbsfähigkeit, Souveränität und Resilienz
im Mittelpunkt. Am zweiten Tag wurde der Sicherheitsrahmen
gesetzt: Maritime Verteidigung und der Schutz kritischer maritimer
Infrastruktur wurden als Voraussetzung für wirtschaftliche
Stabilität diskutiert. In den Fachforen zu Schifffahrt, Häfen,
Offshore‐Wind, maritimer Technik und Marineschiffbau wurde
deutlich, dass die maritime Wirtschaft zunehmend gesamtheitlich
als Teil eines Versorgungs‐, Industrie‐ und Sicherheitssystems
betrachtet wird.
Emden als Probe aufs Exempel
Politisches Stelldichein in Emden: Die Politik war zahlreich vertreten,
unter anderem mit (v.l.): Christoph Ploß (Maritimer Koordinator der
Bundesregierung), Gitta Connemann (Parlamentarische Staatssekretärin
im Bundeswirtschaftsministerium), Niedersachsens Ministerpräsident
Olaf Lies, Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundeswirtschaftsministerin
Katherina Reiche, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder
und Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff
Inhaltlich herrschte in Emden ein ungewöhnlich breiter sicherheitspolitischer
Konsens. Am Ende der Konferenz steht der
Befund: Deutschland hat in maritimen Fragen kein Erkenntnisproblem
mehr. Dass Seewege, Häfen, Offshore‐Infrastruktur,
Unterseekabel, militärische Mobilität und industrielle Lieferfähigkeit
zusammengehören, ist bei Politik und Branche angekommen.
Vertreter des Verbands Deutscher Reeder hatten bereits
im Vorfeld den sicherheitspolitischen Evergreen bemüht,
dass im Krisenfall rund 90 % militärischer Transporte über See
abgewickelt würden – überwiegend mit zivilen Schiffen.
Tim Kruithoff, Emder Oberbürgermeister, brachte in seiner
vielbeachteten und gelobten Rede die sicherheitspolitischen
Schlagworte der Konferenz auf die Arbeitsebene einer Hafenstadt
zurück. Er übersetzte maritime Strategie in konkrete Vorhaben:
Hafeninfrastruktur, Emsvertiefung, neue Liegeplätze,
Sanierung der Großen Seeschleuse, Offshore‐Anbindung und
potenzielle militärische Nutzung. Für Emden sind dies keine
abstrakten Zielbilder, sondern Projekte mit Planungsständen,
Zuständigkeiten, Finanzierungsfragen – und Blockaden.
Kruithoff griff ein Zitat aus dem NMK-Sonderheft der HANSA
auf – »Goldmedaillen gibt es nicht fürs Reden« – und machte
deutlich, dass Wettbewerbsfähigkeit und Transformation der
maritimen Wirtschaft nur mit klaren Entscheidungen und verlässlichen
Rahmenbedingungen zu sichern sind. Deutschland
brauche »endlich eine neue Geschwindigkeit: Nicht beim Reden,
sondern beim Handeln.« Die maritime Industrie sei eine
Schlüsselindustrie, »und so muss sie auch behandelt werden«,
so Kruithoff. Dazu zählt für ihn unter anderem auch eine maritime
Sicherheitsstrategie, »die ihren Namen verdient«.
Emden stehe bereit, seinen Beitrag für Hafenwirtschaft und
Hinterland zu leisten. Über die Außenems – längst ein regionales
Symbol der Umsetzungslücke – hatte er Kanzler Merz
bereits im Vorfeld informiert. Die seit über 20 Jahren laufenden
Planungen seien den Menschen in der Region kaum noch vermittelbar.
© Schlüter
32 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
Die Außenems wirkt damit wie ein Brennglas für den Umgang
Deutschlands mit maritimer Souveränität, verteidigungsfähigen
Häfen und resilienter Infrastruktur. Wer maritime Sicherheit
ernst nimmt, kann Planungsdauer, Zuständigkeitskonflikte und
Finanzierungsmodelle nicht als technische Details behandeln.
Sie sind Teil des Sicherheitsproblems – nicht dessen Randerscheinung.
Merz griff diese Spannung auf. Er sprach sich für verlässliche
Rahmenbedingungen, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren
und den Ausbau der Häfen aus. Als »Gefäßsystem
der deutschen Wirtschaft« seien sie nicht nur für Handel,
Logistik und Industrie wichtig, sondern auch für die Verteidigungsfähigkeit:
»Wir haben uns in den letzten Jahren erlaubt,
das Thema Sicherheit aus den Augen zu verlieren. Sicherheit
und Wettbewerbsfähigkeit sind aber zwei Seiten der selben
Medaille.«
Zugleich dämpfte er Erwartungen an eine deutliche Aufstockung
des Hafenlastenausgleichs: Den Beitrag könne man nicht
einfach erhöhen; der Bund könne seiner Verantwortung aber
»anders nachkommen«. Mit Blick auf Außenweser und Ems forderte
der Kanzler, Bund, Länder und Gemeinden müssten an
einem Strang ziehen, damit zentrale Hafen- und Wasserstraßenprojekte
nicht weiter verzögert werden. Mit einem generellen
Blick sagte Merz: »Nicht das fehlende Geld ist das Problem,
sondern die zu langen Genehmigungsverfahren.«
Gerade hier setzte die Kritik aus der Branche an. Der Zentralverband
der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) und die Küstenländer
beklagen seit Jahren eine strukturelle Unterfinanzierung
der Seehäfen. Der Bund stellt bislang jährlich 38,3 Mio. €
im Hafenlastenausgleich bereit, der ZDS fordert 500 Mio. € pro
Jahr. Nach der Kanzlerrede überwog deshalb Ernüchterung: Das
erhoffte Aufbruchsignal beim zentralen Thema Seehafenfinanzierung
sei ausgeblieben. Statt einer strukturellen Neuordnung,
so die Kritik, werde faktisch der Status quo zementiert.
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher steht für diese
Finanzierungsfrage in ihrer schärfsten Form. Seine Linie: Die nationale
Hafenstrategie ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund
und Ländern. Die Größenordnung übersteige die Möglichkeiten
der Küstenländer. Damit wird die Hafenfrage zum Testfall für
die neue Sicherheitsrhetorik: Wenn Häfen nicht mehr nur Umschlagplätze,
sondern zugleich Energiehubs, Knoten kritischer
Infrastruktur, militärische Mobilitätsdrehscheiben und Garanten
der Versorgungssicherheit sind, reicht die alte Finanzierungslogik
nicht mehr aus. Er betonte, die Länder würden ihre eigene
Finanzierung unvermindert fortführen, forderte aber von Berlin
eine Lösung.
Föderales Ping-Pong
Der Bund erkennt zwar die strategische Bedeutung der Häfen
an, verweist aber auf verfassungsrechtliche und finanzielle
Grenzen klassischer Hafenfinanzierung. Länder und Küstenkommunen
reklamieren nationale Bedeutung und fordern eine
gesamtstaatliche Beteiligung. Die Branche drängt auf planbare
Investitionen, während jeder Standort gute Gründe für die eigene
Priorität vorbringen kann. So entsteht eine paradoxe Lage:
Alle sprechen von nationaler maritimer Sicherheit, doch die Umsetzung
bleibt in Zuständigkeiten, Haushaltslogiken und Standortkonkurrenz
aufgeteilt. Was als gesamtstaatlicher Ansatz
angekündigt wird, droht in der Praxis wieder zwischen Bund,
Ländern, Kommunen und Ressorts hin- und herzuwandern.
Diese Konkurrenz ist nicht per se falsch. Bremerhaven verweist
auf militärische Infrastruktur, Hamburg auf die Rolle als
logistisches und industrielles Zentrum, Emden auf Automobilumschlag,
Offshore-Bezug, Ems-Anbindung und Hafenhinterland,
Wilhelmshaven auf Tiefwasserfähigkeiten, Cuxhaven auf
maritime Sicherheitsarchitektur und Offshore-Bezug, Duisburg
auf den Binnenknoten. Diese Vielfalt ist eine Stärke – solange
sie koordiniert wird. Ohne Rollenklärung wird sie zum Hemmnis.
Dann konkurrieren Standorte um Aufmerksamkeit, Mittel
und strategische Etiketten, während das Gesamtsystem zu
langsam bleibt.
Operative Sicherheit vor der Eskalation
Der zweite Konferenztag verdeutlichte die operative Dimension
maritimer Sicherheit. In dem Panel »Sicherheit beginnt auf See«
beschrieb der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian
Kaack, die Marine als dauerhaft geforderten Akteur an der Nato-
Nordflanke. Er machte deutlich, wie anfällig maritime Systeme
für Störungen sind – bis hin zur Blockade ganzer Seegebiete
durch Desinformation. Maritime Sicherheit beginne deshalb
lange vor militärischer Eskalation, etwa bei Versicherbarkeit,
Lagebildern, Meldeketten und staatlicher Handlungsfähigkeit.
»Freie Seewege sind kein Naturzustand – das haben wir gelernt«,
sagte etwa Christian Hirte, parlamentarischer Staatssekretär
im Bundesverkehrsministerium bei der NMK. Wenn
mehrere Seewege gleichzeitig von Bedrohungen betroffen
sind, »stehen wir vor einem systemischen Schock«, machte er
deutlich. Sein »Dienstherr« Minister Schnieder sagte: »Die Freiheit
der Schifffahrt ist eingeschränkt«, internationales Seerecht
werde etwa durch den Iran gebrochen. Für Deutschland müsse
es heißen: »Mehr Meer, mehr Schutz, mehr Souveränität.«
Immer wieder wird und wurde bei der NMK ein stärkerer
militärischer Schutz der zivilen Schifffahrt debattiert. Rolf Habben
Jansen, CEO von Hapag-Lloyd – fünftgrößte Containerlinienreederei
der Welt – betonte, dass eine längerfristige Perspektive
nötig sei: »Wir begrüßen jede Form der militärischen
Abschreckung. Aber wir sind uns bewusst, dass das keine
Dauerlösung ist.«
Der Leiter der Bundespolizei See, Nils von Waaden, warb im
Sicherheits-Panel für eine weiter verbesserte Zusammenarbeit
zwischen Bundespolizei See und Marine. Gerade im Schutz
maritimer Infrastruktur, bei Lagebildern, Meldewegen und Reaktionsfähigkeit
entscheidet sich, ob der oft beschworene gesamtstaatliche
Ansatz im Einsatzfall tatsächlich trägt.
Hinzu kommt, dass Sicherheit längst tief in zivile Fachbehörden
hineinreicht. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
(BSH) steht beispielhaft für diese Verschiebung. Es ist
keine Sicherheitsbehörde im engeren Sinn, doch seine Aufgaben
berühren zunehmend den sicherheitspolitischen Unterbau
des maritimen Raums: hydrographische Daten, digitale Seekar-
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
33
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
ten, Navigationssicherheit, Offshore-Planung, Lageinformationen,
Datenqualität und der Umgang mit Störungen. Autonome
Systeme, KI-gestützte Auswertung und digitale Produkte verändern
zusätzlich das Kompetenzprofil.
Damit wird maritime Sicherheit endgültig zu einem Ökosystem.
Marine und Bundespolizei sind zentrale Akteure, aber
nicht die einzigen. Reedereien, Hafenbetreiber, Werften, Offshore-Industrie,
Wasserstraßenverwaltung, BSH, Maritimes Sicherheitszentrum,
Zoll, Küstenländer, Kommunen, Versicherer
und Betreiber kritischer Infrastruktur gehören dazu. Jeder Akteur
verfügt über eigene Zuständigkeiten, Rechtsgrundlagen,
Haushaltslogiken, Datenbestände und Prioritäten. Genau deshalb
reicht ein »gesamtstaatlicher Ansatz« als Formel nicht. Er
muss in Verfahren, Budgets, Zuständigkeiten und Übungsrealität
übersetzt werden.
Aktionsplan als Lackmustest
Der 15-Punkte-Aktionsplan der Bundesregierung gewinnt vor
diesem Hintergrund seine eigentliche Bedeutung. Er soll maritime
Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit stärken. Genannt
werden unter anderem der Schutz kritischer Infrastrukturen
wie Seekabel, Pipelines und Häfen, die Ertüchtigung der Seehäfen
für einen möglichen Konfliktfall, klimafreundliche Antriebe
und Kraftstoffe, Konverterplattformen für Offshore-Windenergie,
die Ausweitung der Tonnagesteuer auf Offshore-Schiffe,
die Optimierung des Offshore-Ausbaus sowie die Beschaffung
von Behördenschiffen als sicherheitsrelevante Schlüsseltechnologie.
Hinzu kommen Investitionen in maritime Forschung und
das Großbürgschaftsprogramm für den Schiffbau.
Das ist politisch nicht wenig. Aber es beantwortet noch nicht
die entscheidende Frage: Wird aus diesem Plan eine verbindliche
Priorisierung? Oder bleibt er ein Sammelbecken richtiger
Punkte? Für eine sicherheitspolitische Bewertung reicht
es nicht, dass die Begriffe stimmen. Entscheidend ist, ob der
Aktionsplan die bisherige Trennung zwischen Wirtschafts-, Verkehrs-,
Energie-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik praktisch
überwindet.
Das gilt besonders für Schiffbau und Meerestechnik. Die maritime
Industrie ist nicht nur Beschäftigungs- und Exportbranche,
sondern technologische Souveränitätsbasis. Der Schiffbauverband
VSM und die Gewerkschaft IG Metall Küste hatten vor
der NMK klare Prioritäten und verlässliche Rahmenbedingungen
gefordert. Wer Behörden-, Forschungs-, Offshore-, Spezialund
Marineschiffe im eigenen Land bauen will, müsse Aufträge,
Finanzierung, Forschung, Zulieferketten, Genehmigungen und
Produktionskapazitäten kohärent zusammendenken. Es genüge
nicht, Marineschiffbau als Schlüsselindustrie zu bezeichnen,
wenn zivile Werftkapazitäten, Meerestechnik, Offshore-Plattformbau,
Behördenschiffe und maritime Forschungsprogramme
nicht in derselben strategischen Logik behandelt werden.
Auch die Handelsflotte gehört in diese Betrachtung. Wenn
im Krisenfall große Teile militärischer Ausrüstung und Hilfsgü-
NMK 2026
Der maritime Koordinator der Bundesregierung zieht Bilanz
Eine stärkere deutsche Flagge, Tonnagesteuer
für Offshore-Schiffe, mehr
maritime Forschungsprogramme,
100.000 neue Jobs schaffen – das waren
die Kernbotschaften des maritimen
Koordinators der Bundesregierung,
Christoph Ploß, auf der NMK in Emden.
»Wir brauchen mehr Investitionen in
maritime Infrastruktur und wir brauchen
mehr Wettbewerbsfähigkeit«,
sagte Ploß. »Wir haben bei der NMK
deswegen angekündigt, dass wir die
Tonnagesteuer auf Offshore-Schiffe
ausweiten. Das wird die Offshore-Industrie
im Norden nachhaltig stärken.«
Die maritime Industrie ist für Ploß
»eine echte Wachstumsbranche in
Deutschland, die boomt«. Das wolle
die Regierung mit verschiedenen politischen
Maßnahmen untermauern und
fördern. Als Beispiel nannte der Koordinator
die Ausweitung der maritimen
Christoph Ploß auf der NMK in Emden
© Wroblewski
Forschungsprogramme oder die Aufnahme
der Werften in das Großbürgschaftsprogramm
des Bundes. Die
Botschaft dabei ist, »die maritime Wirtschaft
ist besonders wichtig für unser
Land«, so Ploß in seiner Bilanz. »Für uns
als Exportnation, für unsere Energieversorgung
aber auch in Hinblick auf
die Sicherheit unseres Landes.«
Das Wachstumspotenzial machte mit
der Aussage deutlich, dass man in den
nächsten fünf bis sechs Jahren mit über
100.000 zusätzlichen Jobs rechne. »Das
ist eine enorme Zahl, die das ganze
Potenzial der maritimen Wirtschaft veranschaulicht.
Dafür brauchen wir mehr
Fach- und Arbeitskräfte als es bisher
der Fall ist.«
Deswegen wolle es sich dafür einsetzen,
dass es neue Studiengänge an
den verschiedenen technischen Universitäten
gibt und dass Unternehmen
noch mehr in die Ausbildung investieren.
Man habe dazu sehr gute Gespräche
gehabt zwischen den Unternehmen,
den Wirtschaftsverbänden und
den Gewerkschaften. Er habe den Eindruck,
dass hier alle an einem Strang
ziehen wollen, damit sich noch mehr
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HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
ter über Handelsschiffe transportiert werden, ist sie nicht bloß
Wirtschaftsfaktor, sondern Teil strategischer Resilienz. Damit
verschiebt sich die Debatte über Wettbewerbsfähigkeit. Sie
betrifft nicht allein Kosten, Flaggenrecht, Tonnagesteuer oder
Regulierung, sondern die Frage, ob Deutschland im Krisenfall
über verlässliche maritime Transportkapazitäten verfügt.
Offshore-Wind steht exemplarisch für die neue Mehrfachrolle
maritimer Infrastruktur. Offshore-Anlagen sind Energieinfrastruktur,
industriepolitisches Zukunftsfeld, Flächennutzer, logistischer
Treiber, Schutzobjekt und Teil des maritimen Lagebilds.
Damit lässt sich Offshore nicht mehr nur als energiepolitisches
Ausbauziel behandeln. Es ist zugleich eine Frage von Häfen,
Schiffen, Spezialtechnik, Seeraumordnung, Schutzkonzepten,
Daten, Sensorik und Zuständigkeiten.
Maritimer Raum als Gesamtsystem
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst war nach
Emden gekommen, um für die nächste NMK einzuladen: Sie findet in
Duisburg statt
© Schlüter
Die 14. NMK hat gezeigt, dass der sicherheitspolitische Konsens
steht. Maritime Wirtschaft, Verteidigungsfähigkeit, Energiewirtschaft,
industrielle Souveränität und Resilienz werden inzwischen
zusammengedacht. Der maritime Raum ist enger, dichter
und politischer geworden. Handelsverkehr, Energieinfrastruktur,
Offshore-Windparks, militärische Mobilität, zivile Schifffahrt,
Unterwasserinfrastruktur, Umweltauflagen, Küstenschutz, Häfen,
Werften und Sicherheitsbehörden operieren nicht nebeneinander,
sondern im selben Raum. Offen bleibt, ob daraus eine
verbindliche Priorisierung der jeweiligen Rollen, eine neue Finanzarchitektur,
beschleunigte Genehmigungspraxis und eine
belastbare gesamtstaatliche Führungslogik entstehen.
Mit der Ausprägung des Gesamtverständnisses entscheidet
sich, ob maritime Sicherheit nur als neues Konferenzthema auftaucht
oder tatsächlich zur Organisationslogik des Staates wird.
Womit sich dann auch bewerten lässt, ob Emden retrospektiv
als Wendepunkt gelesen werden kann – oder nur als Konferenz,
auf der endlich alle das Richtige gesagt haben. hum/MM
Menschen für die maritime Wirtschaft
entscheiden. »Meine Botschaft ist:
Jeder, der das tut, geht in eine richtig
wachsende Zukunftsbranche.«
Neben der Stärkung der Ausbildung
sprach sich Ploß auch für die Stärkung
der deutschen Flagge aus. Das Ziel sei
hier, die deutsche Flotte auf mindestens
2.000 Schiffe zu erhöhen.
Man habe außerdem in den letzten
Monaten bereits konkrete Beschlüsse
für eine Verbesserung der Hafenfinanzierung
gefasst. Dazu zähle beispielsweise
ein 400 Mio. €-Programm für die
Häfen. Darüber hinaus soll auch deutlich
in die Hinterlandanbindungen investiert
werden, beispielsweise wird die
A20 weitergebaut. »Ich hoffe, dass wir
auch in diesem Jahr dann das Planrechtrecht
für die A26 Ost bekommen werden,
sodass die dann hoffentlich bald
auch gebaut werden kann. Und wir
haben nochmal deutlich gemacht, dass
der Bund den Bau der Köhlbrandbrücke
unterstützen wird. Auch da brauchen
wir schnell Planrecht«, so Ploß.
»Der Bund macht sehr viel, wir werden
aber mit den Ländern sprechen
müssen, wie die Grundfinanzierung
noch verbessert werden kann. Denn
der Investitionsbedarf, der ist enorm,
grade vor dem Hintergrund, dass die
Häfen jetzt auch sehr wichtig Sicherheitsanforderungen
erfüllen müssen,
braucht es noch mehr Investitionen als
in der Vergangenheit«, sagte der maritime
Koordinator.
Was davon umgesetzt werden wird,
wird man vielleicht schon in zwei Jahren
bei der nächsten NMK in Duisburg
sehen. Der Standort des größten
europäischen Binnenhafens wurde in
Emden als nächster Veranstaltungsort
bekanntgegeben. »Wir Nordrheinwestfalen
auch deswegen ausgewählt, weil
wir die wichtigen Themen der maritimen
Wirtschaft auch über den Norden
hinaus ins ganze Land tragen«, erläuterte
Ploß die Standortwahl.
Die Bedeutung der maritimen Branche
für das ganze Land sein auf der
NMK in Emden von mehrfach hervorgehoben
worden. »Das sind Themen,
die gehen das ganze Land an. Wenn
die maritime Wirtschaft in Deutschland
schwächelt oder nicht ausreichend
finanziert ist und die Wettbewerbsbedingungen
nicht gut sind, dann gefährdet
das die Sicherheit Deutschlands.
Deswegen geht von Emden das Signal
aus: wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit
der maritimen Wirtschaft weiter
verbessern und wir wollen vor allem
auch über den Norden hinaus diese
Themen platzieren«, sagte der CDU-Politiker
abschliend.
AW
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
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SCHIFFFAHRT | SHIPPING
Der 149 m lange und 2011 gebaute Schwergutfrachter »AAL Nanjing« steht in der Betreuung von Hanse Bereederung
50 Jahre Hanse Bereederung:
Klein im Team, breit im Markt
Aus der Bereederung kleiner MPP-Carrier ist über fünf Jahrzehnte ein Unternehmen für Chartering, Pool-
Management und S&P entstanden. Die Geschichte von Hanse Bereederung ist mit Marktumbrüchen,
Beziehungen und der Einbindung in die Columbia Group verknüpft. Von Joshua Wygand
© Hanse Bereederung
Wenn ein Schifffahrtsunternehmen auf
50 Jahre Geschichte zurückblickt, geht
es meist nicht nur um Wachstum, sondern
vor allem um Anpassungsfähigkeit.
Für Hanse Bereederung gilt das
in besonderem Maße. Das Hamburger
Unternehmen hat sich seit seiner Gründung
von der Bereederung kleinerer
Mehrzweckschiffe zu einer spezialisierten
Plattform für Chartering, Pool-Management,
Operations und An- und
Verkauf entwickelt. Die Mannschaft ist
mit neun Mitarbeitern bewusst kompakt
geblieben. Das Geschäftsfeld dagegen
hat sich über die Jahrzehnte deutlich
verbreitert.
Die »Sunny Christina« war eines der ersten
Schiffe in der Flotte von Hanse Bereederung
© IMMH / HANSA
Am Anfang stand die kommerzielle Betreuung
kleinerer Mehrzweckschiffe. Ein
Beispiel aus der frühen Zeit ist die »Sunny
Christina«, ein Schiff mit knapp 5.000 tdw
und 220 TEU. In dieser »Größen«-Ordnung
bewegte sich Hanse Bereederung in
den Anfangsjahren. Der Markt war überschaubar,
die Zahl der betreuten Einheiten
begrenzt. Dass daraus über die Jahre ein
deutlich breiter aufgestelltes Unternehmen
werden würde, war damals kaum absehbar.
Der Einstieg von Schoeller
als prägende Wegmarke
Ein erster wesentlicher Einschnitt folgte
im Jahr 1982. In diesem Jahr übernahm
Heinrich Schoeller 50 % der Anteile an
Hanse Bereederung. Die Verbindung soll-
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SCHIFFFAHRT | SHIPPING
© HANSA
Gute und schwierige Zeiten: In der 50-jährigen Firmengeschichte der Hanse Bereederung gab es viele prägende Ereignisse
te für das Unternehmen über viele Jahre
prägend werden. Das exklusive Geschäft
mit Schoeller-Tonnage bildete lange das
Rückgrat der Aktivitäten. Später übernahm
Schoeller auch die übrigen Anteile
des Unternehmens. Aus Sicht von Hanse
Bereederung war das mehr als ein Gesellschafterwechsel:
Es war die Grundlage für
eine langfristige Bindung an kontrollierte
Tonnage und für eine stabile Position im
Markt.
Ausbau der Befrachtung und
neue Kundenbeziehungen
Einen zweiten markanten Entwicklungsschub
gab es ab Mitte der 1980er Jahre.
Im Juni 1986 wurde die Befrachtung im
Haus ausgebaut und das »Competitive«-
Geschäft ausgeweitet. Schon im ersten
Halbjahr kamen 44 Abschlüsse zustande.
Im Oktober desselben Jahres folgte
dann ein Geschäft, das im Rückblick
eine besondere Bedeutung erhielt: Für
die Bengal Tiger Line wurde die »Auriga«
geschlossen, ein Schiff mit 392 TEU,
8.500 tdw und fünf Ladegeschirren zu je
30 t. Aus diesem Abschluss entwickelte
sich eine enge, über Jahrzehnte tragende
Zusammenarbeit.
Mit dem Ausbau des kommerziellen Geschäfts
änderte sich auch das Profil von
Hanse Bereederung. Über viele Jahre war
das Unternehmen stark von exklusiv betreuter
Tonnage geprägt. Parallel gelang
es aber, sich im offenen Markt ein zweites
Standbein aufzubauen. Pooling-Modelle
halfen dabei, neue Kunden zu gewinnen
und zusätzliche Volumina zu bündeln.
Später kam mit dem Aufbau des S+P-
Desks ein weiterer Baustein hinzu, der das
Leistungsspektrum nochmals erweiterte.
Wachstum, Krise und
ein schwankender Markt
Wie stark Hanse Bereederung dabei jeweils
vom Marktumfeld abhängig war,
zeigt der Blick auf die Flottenentwicklung.
Die Zahl der exklusiv kontrollierten Schiffe
schwankte im Verlauf der Jahre erheblich.
In schwachen Marktphasen bewegte sie
sich nur bei einer Handvoll Schiffen, in
anderen Zeiten näherte sie sich der Marke
von 100 Einheiten. Heute liegt die Zahl
nach Unternehmensangaben wieder gefestigt
bei rund 50 Schiffen.
Dabei spiegelt die Flotte auch den Strukturwandel
in der Schifffahrt wider. In der
Zeit des deutschen KG-Systems kamen immer
mehr Schiffe in den Markt. Hanse Bereederung
wuchs mit. Inzwischen hat sich
das Umfeld konsolidiert. Heute besteht die
Mehrheit der von Hanse betreuten Schiffe
aus Mehrzwecktonnage, die vor allem bei
der MPP-Reederei und Schoeller- Tochter
AAL eingesetzt wird. Außerdem befrachtet
Hanse Bereederung auch Kamsarmax-
Massengutschiffe. Die frühere starke Containerorientierung
ist damit einer breiteren
Aufstellung gewichen.
9/11 als tiefer Einschnitt
für Hanse Bereederung
Zu den einschneidenden Erfahrungen
der Unternehmensgeschichte zählen verschiedene
Krisenphasen der Schifffahrt.
Besonders deutlich ist den Verantwortlichen
bis heute die Zeit nach den Anschlägen
vom 11. September 2001 in Erinnerung
geblieben. Während der Markt
Das aktuelle Team hinter dem bereits 50 Jahre anhaltenden Erfolg von Hanse Berederung (v.l.):
Alexandros Karydis, Michael Zankl, Lucius Rein, Alexa Drewitz, Alexander Bock, Miles Gerdes,
Hendrik Sindt, Nikolas Diakomichalis und Claudia Paschkewitz
© Hanse Bereederung
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SCHIFFFAHRT | SHIPPING
schon zuvor zyklisch war, markierte 9/11
aus ihrer Sicht eine Ausnahmesituation.
Das Neugeschäft brach ein, die Raten gerieten
unter massiven Druck, teils unabhängig
von Schiffsgröße und Einsatzprofil.
In der Folge entstanden kaum noch auskömmliche
Beschäftigungen. Gerade aus
dieser Erfahrung heraus entwickelte Hanse
Bereederung die Idee, Einnahmepools
aufzubauen. Sie sollten helfen, Erlöse zu
bündeln und Volatilität abzufedern.
Eine Nische im konzentrierten
Maklermarkt
Solche Reaktionen auf Marktdruck erklären
viel von dem, wofür Hanse Bereederung
heute steht. Das Unternehmen
beschreibt sich als spezialisierte, eher
boutique-orientierte Plattform. Gemeint
ist damit kein Rückzug in die Nische, sondern
ein bewusst fokussiertes Geschäftsmodell:
ein kleines, erfahrenes Team, kurze
Wege, enge Kundenkontakte und eine
tiefe Kenntnis einzelner Marktsegmente.
Gerade in einem Umfeld, in dem sich immer
mehr Geschäft auf große Brokerhäuser
konzentriert, sieht Hanse darin einen
Vorteil. Persönliche Beziehungen und
Kontinuität bleiben im Chartering- und
S+P-Geschäft ein Wettbewerbsfaktor.
Die Einbindung in die
Columbia Group
Dass das Unternehmen diesen Ansatz
trotz seiner überschaubaren Größe halten
kann, hängt auch mit der Einbindung in
die Columbia Group zusammen. Für Hanse
Bereederung ist diese Verbindung inzwischen
ein zentraler Teil der eigenen Positionierung.
Das Unternehmen bleibt mit
seinem Hamburger Team eigenständig im
Auftreten, profitiert aber von internationalen
Strukturen, Ressourcen und einem
breiteren Netzwerk innerhalb der Gruppe.
Aus einem früher vor allem auf exklusive
Tonnage ausgerichteten Befrachtungshaus
ist damit ein Unternehmen geworden,
das innerhalb der Gruppe auch in
anderen Bereichen unterstützen kann.
Die Wurzeln dieser Verbindung reichen
ebenfalls in die frühen 1980er Jahre
zurück. Mit dem Einstieg von Heinrich
Schoeller begann eine Entwicklung, an
Claudia Paschkewitz,
Geschäftsführerin von Hanse Bereederung
und Columbia Shipmanagement
(Deutschland)
deren Ende die vollständige Einbindung
in die Unternehmensgruppe stand. Für
Hanse Bereederung bedeutet das heute
vor allem eines: Die Vorteile eines kleinen,
eingespielten Teams lassen sich mit der
Reichweite einer international aufgestellten
Gruppe verbinden.
Langjährige Kunden
und breite Marktpräsenz
Auch die Kundenseite zeigt diese Mischung
aus Beständigkeit und Marktbreite.
Zu den Hauptkunden zählen Schoeller
Holdings und AAL. Hinzu kommen langjährige
Mandate wie die Salamon AG, für
die Hanse Bereederung seit den frühen
2000er Jahren Container-Tonnage kommerziell
betreut und weiterhin S+P-Aktivitäten
übernimmt.
Exklusiv betreut wird zudem nach
Unternehmensangaben die SBS in
Griechenland mit einem Nischen-Feederdienst
zwischen Griechenland und
Zypern. Insgesamt ist das Hamburger
Unternehmen heute in unterschiedlichen
Schiffstypen und Segmenten aktiv.
Hansestadt Hamburg
als Heimathafen
Der Standort Hamburg bleibt dabei identitätsstiftend.
Auch wenn sich die Zahl
klassischer Reedereien in der Stadt sich
im Laufe der vergangenen Jahrzehnte
Michael Zankl,
Managing Director Chartering
des Schifffahrtsunternehmens
Hanse Bereederung
verringert hat, sieht Hanse Bereederung
die Hansestadt weiterhin als eines der
zentralen Schifffahrtszentre in Europa,
aber auch weltweit.
Hier liegen die Wurzeln des Unternehmens,
hier ist es gewachsen, hier sitzt bis
heute das maritime Netzwerk, in dem
viele Beziehungen über Jahre und Jahrzehnte
gewachsen sind. Für ein Haus,
das stark von persönlichem Austausch
lebt, ist das mehr als nur eine Adresse.
Erfahrung, Kontinuität
und Ausbildung
Zur Geschichte des Unternehmens gehören
aber nicht nur Schiffe, Kunden und
Märkte, sondern auch personelle Kontinuität.
Geschäftsführerin Claudia Paschkewitz
ist seit 1991 mit Hanse Bereederung
verbunden. Rückblickend beschreibt sie
besonders die ersten Jahre als prägend,
als sie früh Verantwortung übernehmen
musste. Michael Zankl blickt sogar auf
knapp 38 Jahre Unternehmenszugehörigkeit
zurück. Er baute die »Competitive«-
Befrachtung mit auf und war später stark
in die Befrachtung der exklusiven Tonnage
eingebunden. Solche Biografien stehen
exemplarisch für eine Unternehmenskultur,
die von Erfahrung und Loyalität
geprägt ist.
Das zeigt sich auch beim Thema Nachwuchs.
Ausbildung und duale Studiengänge
haben für Hanse Bereederung nach eigenen
Angaben einen hohen Stellenwert.
© Joerg Boeh / Hanse Berederung
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SCHIFFFAHRT | SHIPPING
© Hanse Bereederung
2023 abgeliefert von Hanse Bereederung gemanagt: die »Vento di Bora« mit einer Stellplatzkapazität für bis zu 1.930 TEU
Innerhalb der Columbia Group wurden
über Jahre junge Talente entwickelt, von
denen etliche später dauerhaft im Unternehmen
oder in anderen Bereichen der
Gruppe Fuß fassten.
Bei Hanse Bereederung selbst haben
fünf Mitarbeiter das Ausbildungs- oder
Studienprogramm durchlaufen. Die
Spannweite reicht von einer Kollegin mit
mehr als 30 Jahren Betriebszugehörigkeit
bis zu einem neuen Zugang, der Anfang
des laufenden Jahres begonnen hat. Ausgebildet
wird in den Bereichen Schifffahrt
und Büromanagement, hinzu kommt
gemeinsam mit der Hamburg School
of Business Administration (HSBA) ein
duales Studium.
Gerade in Zeiten, in denen Nachwuchsgewinnung
schwieriger geworden ist,
wertet das Unternehmen diese Kontinuität
als strategischen Vorteil. Schulen,
Praktika und frühe Bindung an den Betrieb
spielen dabei eine wichtige Rolle. Für
Hanse Bereederung steht nicht nur die
Besetzung von Stellen im Fokus, sondern
auch die Weitergabe von Wissen, gelebter
Kultur und Verlässlichkeit über Generationen
hinweg.
Mit Stabilität in
die nächsten Jahre
Für die kommenden Jahre formuliert das
Unternehmen seine Ziele eher nüchtern
als expansiv. Im Vordergrund stehen Stabilität,
verlässliche Arbeit für die Kunden
und eine schrittweise Weiterentwicklung.
Wachstumspotenzial sieht Hanse Bereederung
vor allem im weiteren Ausbau
der An- und Verkaufsaktivitäten. Zugleich
sollen die Möglichkeiten innerhalb der
Columbia Group stärker genutzt werden,
etwa über gemeinsame Angebote und zusätzliche
Optionen für Kunden.
Nach 50 Jahren lässt sich Hanse Bereederung
damit am besten als ein Unternehmen
beschreiben, das nie auf Größe allein
gesetzt hat. Stattdessen ist es immer wieder
gelungen, aus Marktumbrüchen neue
Modelle zu entwickeln, Kundenbeziehungen
über Jahrzehnte zu halten und das
eigene Profil zwischen Spezialisierung und
Gruppenanbindung zu schärfen. In einer
Branche, die von Zyklen und Strukturwandel
geprägt ist, ist auch das eine Form von
Beständigkeit.
■
Für die »Cape Byron« aus der Schoeller Holding übernimmt Hanse Bereederung das Management
© Hanse Bereederung
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
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SCHIFFFAHRT | SHIPPING
Weniger Risiken durch
»intelligenten Ausguck«
Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz können Crews potenziell gefährliche Situationen
auf hoher See deutlich besser vermeiden. Das geht aus einer Studie hervor, in der Daten von fast
140 Schiffen mit einem installierten KI-Navigationstool gesammelt worden sind
Die Studie wurde gemeinsam von dem
Londoner KI-Unternehmen Orca AI und
dem britischen P&I-Club North Standard
durchgeführt und ist die weltweit erste
ihrer Art. Die Partner sammelten über
einen Zeitraum von zwölf Monaten Betriebsdaten
von insgesamt 139 Schiffen,
auf denen die Orca-AI-Plattform installiert
war.
Die Künstliche Intelligenz verarbeitet
Aufnahmen mehrerer an Bord angebrachter
Kameras (sogenannter »Sea-
Pods«), die die Umgebung des Schiffs
überwachen. Sie ist in der Lage, die
Objekte in unmittelbarer und weiter entfernter
Distanz – zum Beispiel andere
Schiffe oder Bojen – zu erkennen und
entsprechende Empfehlungen zu geben.
Sie sieht unter anderem auch, welche
Schiffe vor Anker liegen und welche
in Fahrt sind, und kann die Navigationsempfehlungen
entsprechend anpassen.
Das Unternehmen vermarktet die KI als
»vollautomatischen Ausguck«, der niemals
schläft und mit jeder Information
klüger wird.
Die Auswertung der Studie zeigte,
dass der Einsatz Künstlicher Intelligenz
zu deutlich vorausschauenderer Navigation
führte: Schwerwiegende Beinaheunfälle
und Ausweichmanöver nahmen
im Zeitraum der Studie um 52 % ab.
Bereits in den ersten sechs Monaten, in
der die Crews den Umgang mit der Plattform
zunächst erlernt haben, gingen die
Beinaheunfälle um 22 % zurück.
Deutlich reduzierte
»Close Encounters«
Im Rahmen der Studie wurden mehr als
10,8 Millionen zurückgelegte Seemeilen
der Schiffe untersucht. Verglichen wurden
die anfängliche Systemanpassungsphase
(die ersten drei Monate nach
der Installation von Orca AI) mit der
Phase der stabilisierten Nutzung (die
Monate zehn bis zwölf). Die wichtigste
Sicherheitskennzahl war die Häufigkeit
schwerwiegender Beinaheunfälle (High-
Severity Close Encounters), definiert
anhand objektiver Parameter. Berücksichtigt
wurden der nächstgelegene Annäherungspunkt
zweier Schiffe (Closest
Point of Approach, CPA) der Zeit bis zum
© Orca AI
Die KI erkennt anhand live erfasster Bilddaten nicht nur Objekte, sondern berechnet auch Kollisionsrisiken, sodass Crews vorausschauender
navigieren können
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SCHIFFFAHRT | SHIPPING
nächstgelegenen Annäherungspunkt
(Time to Closest Point of Approach,
TCPA), Interaktionen mit den Kollisionsverhütungsvorschriften
(KVR) und der
Verkehrsdichte.
Die Verbesserungen waren unabhängig
vom Alter der Schiffe konsistent, teilten
die Studienpartner mit. Sie würden
zeigen, dass KI-gestützte Situationserkennung
die Sicherheit unabhängig von
bestehenden Brückensystemen verbessern
kann.
Der Bericht stellte eine erhöhte Einhaltung
der SMS-Protokolle (Sicherheitsmanagementsystem)
auf offener See
fest. Auf stark befahrenen Schifffahrtskorridoren
ging die Zahl riskanter Situationen
messbar zurück: In der Nordund
Ostsee um 36 %, im Chinesischen
und Japanischen Meer um jeweils 18 %.
In diesen Gebieten identifizierte die
Analyse zudem einen deutlichen Trend
zu proaktiverem Verhalten der Crews,
der sich in einer verstärkten Nutzung
der Orca-AI-Plattform zeigte. Die Besatzungen
verließen sich in Umgebungen
mit höchster Navigationskomplexität
– wo Brückenteams dichten Verkehr,
zahlreiche Kontakte und begrenzte Entscheidungszeit
bewältigen müssen –
verstärkt auf das System.
KI als integraler Bestandteil
der Brücke
»Unter solchen Bedingungen spielt die
KI-gestützte Entscheidungsunterstützung
eine entscheidende Rolle für sichere
und zeitnahe Entscheidungen«, heißt
es seitens Orca AI und North Standard
zur Studie. »Die Ergebnisse zeigen, dass
die Besatzungen KI-gestützte Situationserkennung
aktiv nutzen, um mehrere
Kontakte zu managen, Risiken zu priorisieren
und in sich schnell entwickelnden
Situationen den Überblick zu behalten.«
Diese Kombination aus verbesserten
Ergebnissen und verstärkter Nutzung
beweise, dass KI nicht nur effektiv, sondern
auch operativ integriert ist. Zusammengenommen
deuten diese Ergebnisse
darauf hin, dass KI zu einem
integralen Bestandteil des Brückenbetriebs
wird und somit eine konsistentere,
proaktivere Entscheidungsfindung
in Umgebungen mit höchstem Risiko
An Bord installierte »SeaPod«-Kameras erfassen die Umgebung des Schiffs
und geringstem Fehlerspielraum unterstützt.
»Diese gemeinsame Analyse bestätigt
im großen Maßstab, was wir seit Jahren
bei unseren Kunden beobachten: Frühere,
fundiertere Entscheidungen auf der
Brücke führen direkt zu sichereren Reisen«,
sagte Yarden Gross, CEO und Mitbegründer
von Orca AI. »Durch die verbesserte
Erkennung, Priorisierung und
Reaktion in Echtzeit können die Besatzungen
sich entwickelnde Situationen
bewältigen, bevor sie zu risikoreichen
Begegnungen eskalieren. Sobald diese
Veränderung messbar und flottenübergreifend
konsistent ist, ist zu erwarten,
dass sie sich zunehmend in einem geringeren
Risiko widerspiegelt – und mit der
Zeit auch in der Risikobewertung der
Versicherer.«
Einsatzumfeld verzeiht
weniger Fehler
»Flottenwachstum, Personalmangel,
steigende Vermögenswerte und zunehmende
Störungen von Navigationssystemen
– einschließlich GNSS-Interferenzen
und Spoofing, die durch die jüngsten
geopolitischen Konflikte in großem Umfang
offengelegt wurden – verstärken
das Navigationsrisiko«, sagte Colin Gillespie,
Leiter der Abteilung Schadensprävention
bei North Standard.
Das heutige Einsatzumfeld sei komplexer,
unvorhersehbarer und verzeihe
weniger Fehler. »Unsere Arbeit mit Orca
AI und die nun durch diese Studie bestätigte
Erkenntnis zeigen, dass ein verbessertes
Situationsbewusstsein und eine
frühzeitige Risikoerkennung die Anzahl
von Situationen auf engstem Raum
deutlich reduzieren können. Für unsere
Mitglieder und Brückenteams bedeutet
dies unmittelbar sicherere Abläufe, ein
geringeres Navigationsrisiko und eine
konsistentere Entscheidungsfindung
unter Druck.«
JW
Maritime Future Summit
rückt KI in den Fokus
Der Maritime
Future Summit
auf der SMM
2026 in Hamburg
widmet sich der
wachsenden
Bedeutung
generativer KI in der Schifffahrt,
insbesondere ihren Auswirkungen
auf Schiffsentwurf, Betrieb und
Flotteneffizienz. Die Veranstaltung
findet am 2. September als
Open-Stage-Konferenz auf der
Messefläche statt und rückt
praxisnahe Anwendungen wie
digitale Zwillinge, intelligente
Klassifikation, autonome Systeme
und große Sprachmodelle in den
Mittelpunkt. Moderiert wird sie
von Volker Bertram von der World
Maritime University und Michael
Meyer von der HANSA.
© Orca AI
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SCHIFFFAHRT | SHIPPING
»Batterie-Projekte sind Alltag geworden«
Die italienische Klassifikationsgesellschaft RINA sieht in der Elektrifizierung einen essentiellen
Baustein der maritimen Energiewende. Fabian von Pfeil, Business Development Marine bei RINA
Germany, spricht im Interview über Gespräche mit Reedern, Chancen und Grenzen von Batterie-
Technologien, Brand-Risiken, Schiffssegmente und Leuchtturm-Projekte
Batterien und die Elektrifizierung:
Wo liegen bei RINA Schwerpunkte?
Fabian von Pfeil: Wir sehen die
Elektrifizierung als essentiellen
Baustein der maritimen Energiewende,
insbesondere in Kombination
mit hybriden Antriebssystemen.
Unsere Schwerpunkte liegen
auf der Entwicklung von Klassifikationsregeln,
der sicherheitstechnischen
Kontrolle an Bord sowie der
Unterstützung von Neubau- und
Retrofitprojekten. Auch begleiten
wir Reeder und Werften bereits in
frühen Konzeptphasen: bei Energie-Management-Systemen,
Integration
von Batterien in hybride
Antriebe oder bei der Optimierung
von Lade- und Betriebsprofilen.
2025 wurde Foreship aus Finnland übernommen. Inwieweit hat
das den »Elektro-Aktivitäten« von RINA einen Schub gegeben?
Von Pfeil: Diese Akquisition hat die Kapazitäten von RINA
Marine Consulting in den Bereichen Design, Energieeffizienz
und alternative Antriebssysteme erheblich erweitert. Foreships
führende Expertise bei maritimen Batterieprojekten
umfasst derzeit über 70 Projekte. Unterstützt durch robuste
Governance- und Compliance-Strukturen, die technische
Unabhängigkeit und Unparteilichkeit gewährleisten, ermöglicht
die Integration eine ganzheitliche Projektunterstützung
Welchen Eindruck haben Sie aus Ihren Gesprächen mit Reedern:
Wie offen sind die für Elektrifizierungs- und Batterieprojekte?
Von Pfeil: Wir sehen wachsendes Interesse, aber es bleibt
eine wirtschaftliche Entscheidung: Wenn der Business Case
schlüssig und positiv ist, materialisieren sich die Projekte im
Regelfall. Dafür erwarten die Reeder klare wirtschaftliche
und regulatorische Rahmenbedingungen, insbesondere im
Hinblick auf langfristige Investitionen und die Gesamtlebensdauer
des Schiffs.
Fabian von Pfeil – RINA Germany
Business Development Manager Marine
© RINA
Wie sind Ihre Erfahrungen speziell mit deutschen Reedern?
Von Pfeil: Deutsche Reedereien sind technisch sehr interessiert
und verfolgen Entwicklungen aufmerksam. Gleichzeitig
sind sie traditionell stark auf Wirtschaftlichkeit fokussiert
und investieren hauptsächlich in bereits ausgereifte Produkte.
Das bedeutet: Projekte und Produkte werden sehr gründlich
analysiert, insbesondere hinsichtlich
Investitions-, Betriebskosten und
regulatorischer Sicherheit.
Gibt es andere Reederei-Märkte, die besonders
offen sind?
Von Pfeil: Da diese Technologie hauptsächlich
durch Stromkosten und die
Verfügbarkeit von grünem Landstrom
bestimmt wird, sind nordeuropäische
Länder eine besonderes relevante
Region mit einer Fülle erneuerbarer
Energien. Wir haben gesehen, dass
die Energiekosten bei der Nutzung
erneuerbarer Energie im Vergleich zu
konventionellen Kraftstoffen um bis
zu 50 % gesenkt wurden. Dieser Unterschied
steigt durch den Ausbau der
erneuerbaren Energien weiter. Auch
andere Regionen, wie Singapur, wo die
Hafeninfrastruktur elektrisiert wird, gelten als Vorreiter und
vergrößern das Interesse auch auf überregionaler Ebene.
Wie offen zeigen sich öffentliche Auftraggeber?
Von Pfeil: Sie gehören zu den Treibern der Elektrifizierung,
nicht nur durch Investitionen und Förderprogramme, auch
durch Umweltauflagen und Dekarbonisierungsstrategien.
Spielen die Kosten dabei eine wesentliche Rolle?
Von Pfeil: Bei der Berücksichtigung der Kosten wird häufig der
Lebenszyklus und nicht nur die reine Investition betrachtet.
Dennoch verschieben sich Prioritäten bezüglich der Fördermittel
in einigen Ländern. So wurde zum Beispiel in Norwegen
die öffentliche Finanzierung für Bordbatterieprojekte ausgesetzt,
da die Technologie als ausreichend ausgereift gilt.
Wie bewertet RINA das Brandrisiko durch Batterietechnologien
und die Herausforderungen beim Löschen?
Von Pfeil: Brandschutz ist eines der zentralen Themen. Insbesondere
Lithium-Ionen-Batterien bringen Herausforderungen
mit sich, etwa das Risiko von Thermal Runaway und die
Komplexität bei der Brandbekämpfung. Aus Sicht von RINA
sind daher besonders wichtig: frühzeitige Detektionssysteme,
redundante Kühlung und Belüftung, klare räumliche Trennung
von Batterieräumen und spezielle Löschstrategien. Unsere Regeln
und Guidelines legen großen Wert auf ein mehrstufiges
Sicherheitskonzept und werden stetig weiterentwickelt.
42 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
Die »Aurora Botnia« hat eine größere
Batteriekapazität – die größte
auf einem RoPax-Schiff überhaupt
– bekommen. An dem Projekt war
Foreship aus Finnland beteiligt,
seit 2025 Teil der Rina-Gruppe
© Wasa Line
Gibt es aus Ihrer Sicht Bedarf, die internationale Regulierung für
die Schifffahrt in punkto Elektrifizierung und Batterie-Nutzung
anzupassen?
Von Pfeil: Die Regulatorik entwickelt sich konstant weiter,
aber nicht in der gleichen Geschwindigkeit wie die Technologien.
Daher müssen die involvierten Organisationen, wie die
International Maritime Organization (IMO) und die International
Association of Classification Societies (IACS), ihren Fokus
frühzeitig auf Innovationen richten und Entwicklungen
vorhersehen. Dies ist besonders relevant, da sich die Entwicklung
für Batteriesysteme in der Schifffahrt von anderen
Branchen entkoppelt und die Regularien anderer Industrien
nicht zwangsläufig bei uns anwendbar sind.
Batterie-Module nehmen – je nach Kapazität – vergleichsweise
viel Platz an Bord ein, der dann nicht für Ladungen oder Passagier-Bereiche
zur Verfügung steht. Erwarten Sie diesbezüglich
– oder generell – Weiterentwicklungen der Batteriehersteller?
Von Pfeil: Die Energiedichte der Batterie und deren Leistungsfähigkeit
werden kontinuierlich weiterentwickelt, was
die Wirtschaftlichkeit verbessert und die physische Größe
des Systems verringert. Batterien können oftmals Geräte ersetzen,
die sonst zusätzlich notwendig wären, wie Tanks oder
zusätzliche Motoren und in bisher ungenutzten Räumen des
Schiffs verbaut werden. Da die Entwicklung der Elektrifizierung
auf See immer noch in einem frühen Stadium steckt,
erwarten wir noch einige bedeutende Schritte.
Gibt es besondere Leuchtturm-Projekte bei RINA?
Von Pfeil: Es sind für uns mittlerweile nicht mehr nur Leuchtturm-Projekte,
sondern Alltag geworden. Nur so bleibt es
nicht bei einzelnen Erfolgen, sondern kommt es zu einer Standardisierung.
Insbesondere im Fährbereich haben nahezu alle
Projekte eine Batteriekomponente. Hervorzuheben sind die
nachgerüsteten Batteriesysteme in der RINA-klassifizierten
»Aidaprima« mit 10 MWh und in dem kürzlich von Foreship geführten
Retrofit-Projekt, bei dem die Kapazität mit verschiedenen
Batterietypen auf 12,6 MWh vergrößert wurde. Letzteres
hat wertvolke Kenntnisse zur Integration großer Batteriesysteme
geliefert – einschließlich Dual-Chemistry-Konfigurationen,
auch im Rahmen von Nachrüstungen – für den Einsatz
in hybriden Energiesystemen sowie zu den relevanten Sicherheitsanforderungen.
Diese Erfahrungen ermöglichen es uns,
zukünftige Projekte effizienter und sicherer umzusetzen.
Viele Beobachter sehe Shortsea-Fähren als erste »Anlaufstelle«
für den Einsatz von Batterie-Technologien. Stimmen Sie zu?
Von Pfeil: Absolut. Verfügbarer Landstrom, wiederholende,
kurze Routen, eine Optimierung des Batterie Energy Storage
Systems auf exakte Profile, hoher Vermögenswert, Anforderungen
an reduzierte Emissionen und hohe Sichtbarkeit für
die Öffentlichkeit machen den Sektor besonderes relevant.
Was wären weitere Schiffssegmente, bei denen Sie sich eine stärkere
Elektrifizierung vorstellen könnte?
Von Pfeil: Offshore-, Behörden-, Hafen- und Arbeitsschiffe
können relativ kurzfristig mit existierender Technologie elektrifiziert
werden, während Containerfeeder und Shortsea-
Frachter hauptsächlich von hybriden Konzepten profitieren.
Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Grenzen der Elektrifizierung?
Die Reichweite von Batterien ist sicherlich die größte Hürde,
aber gibt es aus weitere Hemmschuhe?
Von Pfeil: Die finanzielle Machbarkeit und künftige Regulierungsunsicherheiten
hemmen die Entwicklung ebenso.
Batterien sind möglicherweise nicht die effizienteste Energiequelle
für alle Schiffe oder Routen. Die Strenge der Emissionsvorschriften
wird in den kommenden Jahren zunehmen,
aber derzeit herrscht Unsicherheit über dessen Ausmaß. Das
erschwert die Quantifizierung der Batterievorteile. Dennoch
werden sich die Grenzen durch neue Konzepte, Innovationen
und veränderte Voraussetzungen weiter verschieben.
Angesichts der Kapazitätslücke: Sind hybride Antriebe eine sowohl
technisch als auch kommerziell sinnvollere Alternative?
Von Pfeil: Viele hochwertige Neubauten ziehen eine Hybridisierung
in Betracht. Das BESS kann, wenn es bereits in der
Neubau-Stufe integriert wird, kosteneffizienter umgesetzt
und die Antriebs- und Bordsysteme können optimiert werden
– zum Beispiel durch Reduzierung der installierten Leistung
und/oder der Anzahl der (Hilfs-)Motoren. Auch Batterienachrüstungen
können erhebliche Vorteile bringen, indem
sie die Sicherheit erhöhen und die Effizienz steigern.
Interview: Michael Meyer
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
43
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
The electric revolution at sea
For decades, maritime decarbonisation has been framed as a distant ambition – a grand, slow
transition that might arrive »by 2050.« Yet the first revolution is already underway
It’s happening now, along the short-sea routes and ferry corridors
that knit together Europe’s and the world’s coastal economies. In the
next few years, these ships will lead the global shift to electric propulsion.
Why? Because the physics, economics, and geography all align
in their favour. Shipping’s energy transition is often presented as a
contest between fuels, hydrogen, methanol, ammonia and biofuels.
But the real decision has already been made by physics.
To deliver 1 kWh of power at a ship’s shaft, electricity needs just
1.09 kWh of input energy. Hydrogen or methanol, by contrast, requires
4.5 to 4.9 times more due to conversion losses. No subsidy or
policy can change that ratio; it is a physical reality. Electric propulsion,
therefore, is not only the cleanest path but also the most efficient and
economical. And in an industry where margins are thin and energy
costs define competitiveness, that efficiency will shape the winners
of the next decade.
The Peel Ports Group is planning a fully electric short-sea network in
the Irish Sea, aiming to cut 10,000 t of CO₂ emissions anually
© Heysham Port
The perfect fit
Ferries, RoRo vessels, and regional cargo carriers have what longhaul
container lines lack: predictable routes and fixed schedules.
They call at the same ports daily or weekly, often at the same hour,
with dwell times long enough to recharge. This makes them perfect
candidates for electrification. These vessels also account for a disproportionate
share of in-port emissions, the »last-mile« pollution that affects
coastal towns and port cities most acutely, yet their operational
profiles make them straightforward to decarbonise.
Roughly 80 % of short-sea routes worldwide could be fully electrified
with existing technology. Most of these ships already employ
electric systems for hotel loads or hybrid battery operations; extending
this to propulsion is a logical next step. Lower maintenance, stable
energy pricing, and the elimination of bunker-fuel volatility add a
compelling commercial rationale. Across the global ferry and shortsea
sector, the message is increasingly consistent: electrification is no
longer constrained by vessels, but by infrastructure.
Until now, maritime decarbonisation efforts have been largely
port-centric. Ports install a few cold-ironing plugs and declare themselves
green. But this misses the point: ship operators plan by route,
not by port. This is where the idea of route-based electrification corridors
comes in, networks designed around commercial patterns, not
real estate. It’s the difference between a handful of isolated sockets
and a standardised connected energy ecosystem. Short-sea shipping
is the logical starting point of maritime decarbonisation.
The Internet of energy
Electrification isn’t just about plugging in ships; it’s about integrating
them into a smarter, more resilient grid. The maritime grid of the
future will look less like a one-way utility and more like an »Internet of
Energy«: distributed, connected, and data-driven.
Ports are evolving into energy hubs, balancing supply and demand
with on-site battery storage and intelligent load management. This
model not only serves vessels but also strengthens local energy resilience
by absorbing excess renewable generation and smoothing
demand peaks and granting energy security even in case of crisis.
Some ports may wish to go further, positioning themselves as
energy suppliers in their own right. Others, quite rightly, want to remain
focused on maritime operations rather than managing power
systems, losing money in the process. Ports business model is real
estate and logistics. Ports do not make money around traditional fuel
by drilling, piping, refining and reselling it, they are currently making
money renting real estate and providing logistic services to liquid
fuel. Electricity is fuel for ships, not a plug, and has to be managed
by companies with specific business model and competences. Think
of ports as living batteries, not just places where energy is used, but
where it’s stored, shared, and optimised. When that happens, shipping
stops being a problem for the grid and starts becoming part of
the solution.
The power of first movers
Going electric is a strategic advantage for shipping operators and
nations alike. By 2030, there will not be enough clean fuels or renewable
electricity to meet demand across all sectors. Aviation will pay
more for synthetic fuels; heavy industry will demand green hydrogen.
Shipping operators are entering a race for one of the industry’s scarcest
resources: access to clean, reliable power.
The investment decisions made today will shape competitiveness
for the next 25 years, the typical lifespan of a vessel. Those who secure
direct access to clean electricity early will gain a structural advantage
44 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
SCHIFFFAHRT | SHIPPING
that late adopters cannot easily match. They will lock in lower operating
costs, strengthen their appeal to cargo owners and passengers
seeking lower-emission supply chains, and build stronger relationships
with port communities demanding cleaner, quieter operations.
Countries are now competing to access and control the emerging
market of new electric ships and retrofits, a market estimated
in $ 500 billion by 2035-40, new related services and a $ 680 billion
annual market for electricity alone. The prize is economic growth for
a generation, with valuable long-term jobs, soft power by innovation,
and economic dominance in global trade logistics.
China, which builds 51 % of all ships by tonnage and owns 30 %
of the global fleet, is aiming at grabbing the leadership in the sector
in the same way it dominates electric vehicles, battery, solar panels,
and grid manufacturing. Europe/UK and China cooperation in the
maritime electrification and decarbonisation will shape the global
dominance on commerce and sustainability industrial opportunity.
Regulatory developments are designed to accelerate both country
economic advantage and shipping lines competitive advantage.
The EU ETS already applies to maritime emissions, and the UK Government
has confirmed that its own Emissions Trading Scheme will
extend to vessels calling at UK ports from July 2026. As emissions
pricing frameworks multiply and with further measures anticipated
at the IMO level, operators on short-sea routes face a clear strategic
choice: absorb rising carbon costs or reduce exposure through electrification,
a solution that is inherently less costly and less risky than
traditional fuels.
From global vision to local action
NatPower Marine is building a global network of electrified routes,
granting the service to shipping operators in strategic partnerships,
so that they can invest in their fleets with confidence. To illustrate
this point, I refer a comment from Fabrizio Zago, our Global CEO and
Founder: »What matters most for operators is certainty. They need
to know that when a vessel arrives, the power is there, the standards
are aligned and the commercial model works. That is exactly what
our projects, including the Irish Sea corridor, are designed to deliver.«
Currently this is not the case, as one CEO of a major container shipping
operator recently commented: »We have access to power in 1 %
of our port of calls, and in 80 % of cases we cannot connect because
it is the wrong place, the wrong standard or the wrong price«. Only
a global approach with local execution, and the creation of partnerships
can solve the confidence issue. Nowhere illustrates this better
than the Irish Sea, where the UK’s first electric shipping corridor is becoming
a reality, or the Greater Bay Area electrification opportunity.
In 2026, Heysham port infrastructure development for the first
berth-side shore-power connection will begin - scaling to four plugs
across all berths in the coming years. This £ 10 million project, developed
by NatPower Marine in partnership with Peel Ports Group,
will enable vessels to operate with zero emissions both at berth and
at sea. Once fully operational, the Heysham network will cut over
10,000 t of CO₂ annually, alongside dramatic reductions in nitrogen
and sulphur oxides. It forms part of a £ 100 million roll-out across all
Peel Ports locations, from Liverpool to Belfast, supporting the UK’s
ambition to become a clean-energy superpower while delivering real
industrial value to coastal regions.
What is happening on the Irish Sea can be replicated across the
world’s coastal networks. Short-sea routes in the Mediterranean, the
Baltic, and the South China Sea share similar operational patterns,
high-frequency crossings, consistent port calls, and growing public
pressure to cut emissions. Each new electric fuel station, each route
electrified, brings shipping closer to a tipping point where electricity
becomes the default maritime fuel for short-haul operations.
Author:
Stefano D. M. Sommadossi
CEO, NatPower Marine
RUD Antriebstechnik
Mögliche Anwendungsbereiche:
Deckskräne | Umschlagsysteme | Lukenabdeckungen
| Aufwickelvorrichtungen | Steinverlegungssysteme |
Gangways | uvm.
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DMZ MARITIM
Maritime Branche wieder auf Kurs –
Aber woher kommt die Crew von morgen?
Beschäftigung in der deutschen maritimen Branche 2025:
Positive Entwicklung mit strukturellen Herausforderungen.
Von Johannes Puckelwald – Referent für Häfen und Infrastruktur – Deutsches Maritimes Zentrum
Die aktuelle Beschäftigungsanalyse
des Deutschen Maritimen Zentrums
(DMZ) für die maritime Branche zeigt
einen Aufwärtstrend: Nach zwei Jahren
mit leichten Rückgängen stieg die Zahl
der Beschäftigten wieder – und auch
die Zahl der Auszubildenden entwickelt
sich positiv.
Die Untersuchung blickt jedoch nicht
nur auf die reinen Beschäftigungszahlen,
sondern auch auf die Beschäftigtenstruktur
in der maritimen Branche.
Dort zeigt sich ein komplexes Bild: Altersstruktur,
Qualifikation, Nationalität
und Geschlecht lassen Rückschlüsse
auf laufende Transformationsprozesse
und den Einfluss des demografischen
Wandels zu.
Die Daten geben damit nicht nur
Aufschluss darüber, wie viele Menschen
in der maritimen Branche arbeiten,
sondern liefern auch Hinweise
darauf, wie nachhaltig die Entwicklung
ist, wo Arbeitskräfte zukünftig fehlen
könnten und wo Potenziale für die Rekrutierung
bestehen. Die Analyse des
DMZ zeigt Antworten und Handlungsoptionen
auf.
HANSA & DMZ
Mit diesem Beitrag starten die
HANSA und das DMZ eine redaktionelle
Kooperation. In regelmäßigen
Abständen finden Sie an
dieser Stelle Analysen, Fachbeiträge
und tiefe Einblicke aus dem
Expertenkreis des DMZ.
Erholung bei Beschäftigung
und Auszubildendenzahlen
Im Juni 2025 arbeiteten in der deutschen
maritimen Branche insgesamt
rund 345.000 Personen. Das entspricht
einem Wachstum von 0,5 %
gegenüber dem Vorjahr – nach Rückgängen
2023 und 2024. Abbildung 1
zeigt, dass das Wachstum maßgeblich
durch sozialversicherungspflichtige
Beschäftigung entstand. Die geringfügige
Beschäftigung ging hingegen
zurück. Seit der COVID-19-Pandemie
2020 ist sie dauerhaft auf ein
niedrigeres Niveau von rund 30.000
Personen gesunken. Das entspricht
weniger als 10 % der Gesamtbeschäftigung.
Durch diesen Rückgang hat
die Gesamtbeschäftigung das Vorkrisenniveau
von vor der Pandemie bis
2025 noch nicht wieder erreicht. Die
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
lag dagegen schon 2022 über
dem Wert von 2019.
Die Trendwende von 2025 zieht sich
durch nahezu alle Teilbranchen. Schiffbau,
Schifffahrt, Offshore-Wind, Häfen
und Zulieferindustrie melden steigende
Beschäftigtenzahlen. Besonders
markant entwickeln sich Informatikund
IKT-Berufe, deren Beschäftigtenzahlen
2025 deutlich um 6,6 % wuchsen
und sich seit 2015 um knapp 44 %
vergrößert haben – ein klares Zeichen,
wie stark die Digitalisierung inzwischen
in die Branche eingewirkt hat.
Abb. 1: Anzahl und Wachstum der
Beschäftigung in der maritimen Branche
© DMZ
46
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
DMZ MARITIM
In der maritimen Wirtschaft ist die Aussicht für junge Menschen prinzipiell gut.
Am sprichwörtlichen Horizont sind aber auch Wolken sichtbar
Noch wichtiger für den Blick nach
vorn: Die Zahl der Auszubildenden
stieg 2025 deutlich um 6,1 % auf rund
11.500. Damit setzt sich die Erholung
aus 2024 fort, nachdem die Ausbildungszahlen
zwischen 2021 und 2023
Jahr für Jahr zurückgegangen waren.
Der Anstieg verlief dabei branchenweit,
wobei nur in der Hafenwirtschaft
und der Hinterlandlogistik die Zahlen
unter dem Vorjahreswert lagen.
Abbildung 2 zeigt zudem, dass die
Entwicklung analog zur Gesamtwirtschaft
und relevanten Vergleichssektoren
verläuft, das Beschäftigungswachstum
bei Auszubildenden in der
maritimen Branche jedoch zuletzt stärker
ausfiel.
Der Zuwachs bei den Auszubildenden
ist ermutigend, bleibt aber nicht
ungetrübt. Im Vergleich zu 2015 liegt
die Zahl der Auszubildenden in der
maritimen Branche noch immer rund
6 % unter dem damaligen Niveau.
Außerdem zeigen Arbeitsmarktdaten,
dass die Zahl neu abgeschlossener
Ausbildungsverträge in Deutschland
seit 2024 wieder rückläufig ist.
Es ist daher möglich, dass sich dieser
Trend – besonders vor dem Hintergrund
einer schwachen gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung – auch in der
maritimen Branche bemerkbar machen
wird.
Zudem befindet sich der Ausbildungsmarkt
in Deutschland seit Jahren
in einem strukturellen Spannungsverhältnis.
Einerseits klagen viele Betriebe,
dass sie Ausbildungsplätze nicht
besetzen können. Andererseits gehen
zahlreiche ausbildungsinteressierte
Jugendliche dennoch leer aus. Die
Arbeitsmarktforschung sieht hier sogenannte
Matching-Probleme.
Die wichtigsten Gründe: Die Attraktivität
der beruflichen Ausbildung hat
gelitten, eine große Zahl an Jugendlichen
wird von Betrieben als nicht ausbildungsreif
eingeschätzt – auch eine
negative Folge der COVID-19-Krise.
Zudem sind Prozesse der Berufsorientierung
und Berufswahlentscheidung
nicht optimal.
Konjunktureller Anschub
mit geopolitischem Booster
Der Beschäftigungsanstieg 2025
kommt nicht völlig überraschend. Er
fiel in ein Jahr, in dem sich die deutsche
Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren
leicht erholt hat.
Das Bruttoinlandsprodukt legte um
0,2 % zu und der Außenhandel zog
wieder an. Die maritime Branche, traditionell
eng mit dem deutschen Au-
© HANSA Archiv
Abb. 2: Beschäftigungsentwicklung
von Auszubildenden
in Deutschland
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026 47
DMZ MARITIM
Abb. 3: Beschäftigungsentwicklung
nach Nationalität
ßenhandel verbunden, profitierte von
dieser Entwicklung.
Zusätzlichen Antrieb gab es durch
die geopolitischen Entwicklungen des
Jahres 2025. Krisen und Unsicherheiten
belasten die Gesamtwirtschaft
zwar in der Regel, für einige maritime
Teilbranchen ergaben sich jedoch
auch positive Beschäftigungseffekte.
So entwickelten sich Geopolitik und
Sicherheit 2025 zu relevanten Nachfragetreibern
für den deutschen Marineschiffbau.
Aufträge und Rüstungsprogramme
in Deutschland und anderen
Ländern sorgten für eine hohe Nachfrage
und Werftenauslastung.
Die Zulieferindustrie profitierte darüber
hinaus von der hohen Auslastung im
internationalen Schiffbau. In der Schifffahrt
führte die Vermeidung des Suezkanals
infolge der Huthi-Angriffe auf Handelsschiffe
zu einer Verknappung der
Transportkapazitäten. Der daraus resultierende
Nachfrageüberhang bescherte
der Branche steigende Erträge.
Trotz schwacher Konjunktur und anhaltender
Risiken entwickelte sich die
maritime Branche überdurchschnittlich.
Ursächlich dafür sind vor allem ein starker
Schiffbau, öffentliche Infrastrukturinvestitionen
und die hohe geopolitische
Bedeutung der Branche. Sie hat damit
weiterhin Wachstumspotenzial, und zudem
rückt der zukünftige Fachkräftebedarf
in den Blick.
Beschäftigung ist
kein Selbstläufer
In Umfragen wird der Fachkräftemangel
als zentrale Herausforderung für
die maritime Branche identifiziert. Und
dieses Problem wird sich durch den
demografischen Wandel noch verschärfen.
Die Beschäftigungsanalyse des DMZ
dokumentiert eine strukturelle Verschiebung
der Altersstruktur in der maritimen
Branche hin zu älteren Beschäftigten.
Der Anteil der 55- bis 64-jährigen wuchs
im Zeitraum seit 2015 deutlich, ebenso
der Anteil der über 65-jährigen. 2025
setzte sich dieser Trend erstmals nicht
weiter fort. Das ist ein positives Signal,
das jedoch nicht zu voreiligen Schlüssen
führen sollte: Grundsätzlich ist nicht davon
auszugehen, dass sich die maritime
Branche langfristig von den allgemeinen
demografischen Entwicklungen entkoppeln
kann.
Drei Trends, die die maritime
Branche verändern
Das demografische Potenzial sinkt,
der Wettbewerb um gut ausgebildete
Fachkräfte nimmt zu und Transformationsprozesse
verändern die Arbeitslandschaft.
Damit stellt sich die Frage,
welche Gruppen das Beschäftigungswachstum
tragen und entstehende
Lücken kompensieren können. Die
Beschäftigungsanalyse zeigt drei deutliche
Muster.
Ausländische Beschäftigte kompensieren
den Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials
auf allen Anforderungsniveaus.
Das gesamte Beschäftigungswachstum
2025 in der maritimen Branche
geht ausschließlich auf Beschäftigte
mit ausländischer Nationalität zurück.
Ihre Zahl stieg um rund 2.200, während
die Zahl der deutschen Beschäftigten
um etwa 400 sank. Das ist Teil
eines anhaltenden Trends. Seit 2015
wächst die Zahl ausländischer Beschäftigter
jedes Jahr – und stärker als
bei deutschen. Insgesamt hat sie sich
nahezu verdoppelt (Abb. 3) und ihr Anteil
stieg von 10,3 auf 19,4 %.
Abb. 4: Beschäftigung nach Geschlecht
© DMZ
© DMZ
48 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
DMZ MARITIM
Abb. 5: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigung in der
maritimen Branche nach Arbeitszeit
© DMZ
Diese Entwicklung folgt dem gesamtdeutschen
Arbeitsmarkt. Ausländische
Arbeitskräfte sind ein zentraler Wachstumstreiber,
besonders auf Fachkraft- und
Helferniveau, zunehmend aber auch in
Spezialisten- und Expertenberufen. Für
die Branche bedeutet das: Internationale
Rekrutierung, zügige Anerkennungsverfahren,
Integrationsangebote sowie mehrsprachige
Onboarding-Prozesse werden
zu entscheidenden Hebeln der Personalgewinnung.
Unternehmen, die diese Themen
strategisch angehen, sichern sich
Vorteile im Wettbewerb um Personal.
Auch der Frauenanteil steigt – langsam,
aber kontinuierlich. 2025 lag er bei 26,1 %
und damit erneut höher als im Vorjahr.
Gemessen an einer historischen Männerdominanz
in der Branche stellt das eine
relevante Verschiebung dar. Je nach Teilbranche
zeigt sich jedoch ein sehr unterschiedliches
Bild: In Verwaltung und Verbänden
sowie in Forschung, Lehre und
Beratung liegt der Frauenanteil über 50 %,
in Schiffbau und Wasserbau unter 15 %.
Seit 2015 wuchs die Beschäftigung von
Frauen in den meisten Jahren stärker als
die der Männer (Abb. 4). Der Trend spiegelt
den Strukturwandel der Berufe: Einerseits
steigt der Anteil von Frauen in traditionell
männerdominierten Gruppen – besonders
in hochqualifizierten Tätigkeiten, die zugleich
das stärkste Beschäftigungswachstum
verzeichneten. Andererseits gingen
in mehreren großen, männlich geprägten
Berufsgruppen (u. a. Fahrzeugführung,
Metallbearbeitung) die Beschäftigtenzahlen
zurück, was das Geschlechterprofil
zusätzlich verschiebt. Daraus ergibt sich
eine Chance: Wer gezielt weibliche Talente
anspricht und passende Arbeitsbedingungen
schafft, kann profitieren.
Eng damit verbunden ist schließlich
die wachsende Teilzeitbeschäftigung.
2025 nahm sie erneut stärker zu als die
Vollzeit, auch wenn der Teilzeitanteil der
Branche mit rund 15 % weiterhin deutlich
unter dem gesamtwirtschaftlichen
Niveau liegt (2025 erstmals über 40 %).
In den letzten Jahren kam das Beschäftigungswachstum
vor allem aus Teilzeit,
während Vollzeit seit 2020 weitgehend
konstant blieb (Abb. 5). Treiber sind insbesondere
Frauen und ältere Beschäftigte,
die überdurchschnittlich häufig
in Teilzeit arbeiten. Das hat praktische
Konsequenzen: Gute Teilzeitangebote
erhöhen die Attraktivität als Arbeitgeber
– gleichzeitig bedeuten mehr Köpfe nicht
automatisch mehr Arbeitsvolumen.
Signale nutzen,
Strukturen gestalten
Die Beschäftigung in der maritimen
Branche verzeichnete 2025 eine moderate
Erholung, die im Einklang mit
der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
Deutschlands steht. Das gibt Anlass zur
Zuversicht, ist aber kein Selbstläufer.
Die strukturellen Verschiebungen bei
Qualifikation, Nationalität, Geschlecht
und Alter verweisen auf tiefgreifende
Arbeitsmarkttrends, die auch vor der
maritimen Wirtschaft nicht haltmachen.
Wer diese Entwicklungen versteht, kann
frühzeitig gegensteuern. Wer sie ignoriert,
fällt im Wettbewerb um Fachkräfte
zurück.
Die maritime Branche hat die Ressourcen
sowie die wirtschaftliche und gesellschaftliche
Relevanz, um auf einem
wettbewerbsintensiven Arbeitsmarkt
attraktiv zu sein. Dafür braucht sie kluge
Strategien rund um Ausbildung,
Rekrutierung, Arbeitsgestaltung und
Kommunikation. Die Daten des DMZ
identifizieren Handlungsbedarf in verschiedenen
Bereichen. Die Antwort darauf
liegt bei Unternehmen, Verbänden
und Politik – am besten gemeinsam. ■
Das Deutsche Maritime Zentrum
Das Deutsche Maritime Zentrum e.V. mit Sitz in Hamburg ist der Thinktank der
deutschen maritimen Branche. Als Institution setzt das DMZ auf Innovationskraft
und Zukunftsthemen, damit die Branche im internationalen Wettbewerb
auch weiterhin einen Spitzenplatz einnimmt. Autor Johannes Puckelwald
(Referent für Häfen und Infrastruktur) veröffentlicht seit 2024 jährlich ein Working
Paper zur Beschäftigung in der maritimen Branche und verbindet damit
fundierte Arbeitsmarktanalysen mit praxisnahen Impulsen.
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026 49
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Erst der Reeder, dann die Werft:
Neues Notfall-Schiff für die Ostsee ist da
Das Havariekommando hat ein neues Schiff für die Gefahrenabwehr. Bei dem Projekt wurden
neue Wege beschritten: Vor dem Auftrag wurde ein ziviler Bereederer gesucht, der seine
Erfahrungen beim Schiffsentwurf einbrachte und der die »Lütt Matten« auch für kommerzielle
Zwecke nutzen kann
© Otto Wulf
Die 8,2 Mio. € teure »Lütt Matten« wird von den Reedereien Otto Wulf und Pegasus Shipping bereedert
»Lütt Matten« heißt der Neubau, der künftig für das Havariekommando
im Einsatz ist – die in Cuxhaven ansässige gemeinsame
Einrichtung des Bundes und der Küstenländer für
das Unfallmanagement auf Nord- und Ostsee. Er wurde als
Nachfolger der »Orfe« bestellt, ein umgebautes ehemaliges
Landungsboot der Deutschen Marine. Der Leiter des Havariekommandos
Robby Renner betonte vor der Indienststellung:
»Die ›Lütt Matten‹ wird sich in ein schlagkräftiges System von
Schiffen und Geräten integrieren, das die Menschen entlang
der Küste und unsere Umwelt vor den Auswirkungen von Unfällen
schützt.«
Das Schiff vom Typ Multi Cat 2309 wurde von der niederländischen
Damen-Gruppe gebaut und operiert von Sassnitz auf
der Ostseeinsel Rügen. Es ist nach Lütt Matten benannt, der
Hauptfigur eines Kinderbuchs von Benno Pludra über einen
kleinen Jungen, der in einem Fischerdorf lebt.
Bevor es Ende 2024 zur Unterzeichnung des Bauvertrags
kam, war das Havariekommando einen neuen Weg gegangen.
Denn man wollte vor der Ausschreibung die Frage des Betreibers
geklärt wissen. Der zukünftige Betreiber sollte so während
der Entwurfsplanung eigene konstruktive Vorschläge und Ausrüstungskomponenten
einbringen. So wollte man staatliche
Vorsorge mit einem wirtschaftlichem Betrieb kombinieren und
Synergien nutzbar machen.
Die Wahl fiel schließlich auf eine Arbeitsgemeinschaft der Reedereien
Otto Wulf und Pegasus Shipping. Sie stellen den nautischen
sowie technischen Betrieb sicher und können das Schiff
im Alltag für gewerbliche Aufträge einsetzen. Dadurch sollen
50 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
die laufenden Kosten für den Staat deutlich reduziert werden.
Kommt es zu einem Einsatz in der Schadstoffunfallbekämpfung,
ist die Reederei verpflichtet, die »Lütt Matten« innerhalb von
zwei Stunden für den Einsatz bereitzustellen.
Die verhältnismäßig schnelle Ablieferung war schließlich möglich,
da die Niederländer Kaskos in Serie bauen und für konkrete
Aufträge vorhalten – in diesem Fall in Gorinchem. »Das standardisierte
Design des Schiffes hat erhebliche Vorteile gebracht. Ein
Großteil der Konstruktion war bereits vor Baubeginn optimiert
worden, und das Konzept hat sich im Einsatz bewährt«, so die
Werft. Für das Havariekommando gab es eine Reihe von spezifischen
Anpassungen, unter anderem ein Ölauffangsystem und
entsprechende Tanks, die Installation einer Schleppwinde, einer
Versorgungswinde und eines A-Frames. Joschka Böddeling, Vertriebsleiter
von Damen für Deutschland, sagte: »Wir freuen uns
sehr, zur maritimen Sicherheit Deutschlands beizutragen.«
Die »Lütt Matten« wurde speziell als Ölbekämpfungs- und
Mehrzweckarbeitsschiff konzipiert. Der rund 24 m lange
und 9 m breite Spezial-Neubau ist mit einem modernen
Ölauffangsystem samt entsprechenden Tanks sowie über
einen leistungsstarken Kran, einem Schlepphaken und einer
Schwerlastwinde ausgestattet, die unter anderem Bergungsund
Schleppaufgaben ermöglichen. Dank eines Tiefgangs von
rund zwei Metern kann er auch in flachen Küstengewässern
eingesetzt werden. Gleichzeitig eignet er sich für den täglichen
Einsatz, zum Beispiel für Aufgaben im Küstengewässermonitoring.
Hierfür verfügt das Schiff über einen Moonpool,
eine Öffnung im Rumpf des Schiffes, die das Aussetzen spezieller
Messsonden erlaubt.
Das Projekt gilt als ein zentraler Baustein der Bund-Länder-
Vereinbarung über die Bekämpfung von Meeresverschmutzungen
(BLV SUB), auf die sich das Havariekommando im Einsatzfall
beruft. Mit der »Lütt Matten« gebe es nun ein »modernes, vielseitiges
und sehr gut geeignetes Schiff, das die maritime Notfallvorsorge
in der östlichen Ostsee nachhaltig stärken wird«, heißt
es. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 8,2 Mio. €, getragen
von der Partnergemeinschaft entsprechend ihrer Anteile.
Auf das Land Mecklenburg-Vorpommern entfallen 1,4 Mio. €.
Technische Daten der »Lütt Matten«
• Bauwerft: Damen Shipyards Gorinchem
• Einsatzleitung: Havariekommando
• Bereederung: Otto Wulf und Pegasus Shipping
• Typ: Mutli Cat 2309
• Flagge: Deutschland
• Klasse: Bureau Veritas
• Länge: 23,33 m
• Breite: 9 m
• Tiefgang: 2,3 m
• Deckfläche: 100 m 2
• Deck-Last: 10 t/ m 2
• Tonnage: 162 GT
• Hauptantrieb: 2 x Volvo Penta D16 – je 551 kW@1.900 rpm
• Pfahlzug: 18,5 t
• Geschwindigkeit: 9 kn
• Kosten: 8,2 Mio. €
»Die Ostsee ist Lebensraum, Wirtschaftsraum und Naturerbe
zugleich. Gerade im Raum Rügen mit zunehmendem Schiffsverkehr
ist eine leistungsfähige maritime Notfallvorsorge von
großer Bedeutung«, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister
Till Backhaus bei der Taufe. Die Patenschaft übernahm
Sylva Rahm-Präger, Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis 34
auf Rügen und Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Klimaschutz,
Landwirtschaft und Umwelt.
Zur Taufe überbrachte Bürgermeister Leon Kräusche als Zeichen
der Verbundenheit mit dem Heimathafen ein Präsent der
Stadt – versehen mit den Koordinaten von Sassnitz. Symbolisch
soll es dem Schiff stets den Weg zurück in seinen Heimathafen
weisen: »Mit der Stationierung in unserem Hafen wird Sassnitz
einmal mehr zu einem wichtigen Standort für maritime Sicherheit
und den Schutz unserer Ostsee.«
MM
Gebaut wurde das Schiff vom Typ Multi Cat 2309 bei der
niederländischen Werftgruppe Damen nachdem es zuvor auch eine
Ausschreibung für die Bereederung gegeben hatte
© Damen Shipyards
»Lütt Matten« bekam im Heimathafen Sassnitz offiziell ihren Namen
durch Taufpatin Sylva Rahm-Präger, Landtagsabgeordnete in
Mecklenburg-Vorpommern
© Stadt Sassnitz
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
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SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Polizeistandard vom Fehnkanal
Die Spezialboote der Siemer Werft in Barßel-Reekenfeld sind in mehreren Bundesländern für die
Wasserschutzpolizei im Einsatz. Ein Gespräch mit den Geschäftsführern Alexander Siemer und
Christhard Wendt über technische Anforderungen, Fachkräfte und eine unverhoffte Nische
Im August feiert die Siemer Werft im niedersächsischen
Barßel ihr 25-jähriges
Bestehen. Von Anton Siemer als »Siemer
Jachtservice« gegründet, wurden die
ersten Boote noch im Garten der Familie
gebaut. Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit
fertigte Siemer anfangs kleine
Stahlschiffe, es folgten erste Aufträge
für Segelboote und auch für die Technik
des Forschungsschiffs »Argonavis« des
Max-Planck-Instituts.
Die Werft gewann eine Ausschreibung
für die Wasserschutzpolizei Hessen und
baute drei Einsatzboote – damals noch
nicht standardisiert. Die Ablieferung
sorgte für Aufmerksamkeit in anderen
Bundesländern: Auch Bayern, Nordrhein-Westfalen
und Sachsen-Anhalt
platzierten Aufträge am Elisabethfehnkanal.
Während von den neun Hallen und
10.000 m 2 Fläche, auf die das Unternehmen
inzwischen angewachsen ist, der
Großteil immer noch für Geschäftsbereiche
wie Winterlagerung, Inspektionen
und Wartung von Privatbooten reserviert
sind, werden auf der Werft heute vor allem
standardisierte Polizeiboote gebaut.
Wo liegen die Kernkompetenzen der Siemer
Werft, auf welche Schiffstypen sind
Sie spezialisiert?
Alexander Siemer: Wir bauen Polizeibzw.
Streifenboote aus Aluminium für
die Wasserschutzpolizeien aus mehreren
Bundesländern. Schnell aber
ökonomisch, wendig und dynamisch,
leicht und mit wenig Sog- und Wellenschlag,
speziell für die Binnenreviere,
wie Rhein, Elbe, Donau oder die Kanäle.
Für diese Anforderungen haben wir
eine eigene Serie entwickelt mit vier
Modellen von 13 bis 17 m. Kleine, trailerbare
aber robuste Boote mit Diesel-
Außenbordern in 7 bis 10 m sind seit
diesem Jahr neu in unserem Portfolio.
Aber auch bei Spezialbooten sind wir
mittlerweile im Markt vertreten, so
haben wir zum Beispiel letztes Jahr für
Vom Elisabethfehnkanal auf den Rhein: Streifenboot »WSP 9« der Siemer Werft in Barßel
ein großes Wasserbauunternehmen
ein spezielles Peilboot gebaut.
Wie ist die Werft aktuell ausgelastet?
Siemer: Aktuell sind wir für die nächsten
Monate sehr gut ausgelastet und
aktuell auch in ganz konkreten Gesprächen
mit weiteren Ländern und
Unternehmen. Wir hoffen dort erfolgreich
zu sein. Derzeit sind zwei Polizeiboote
aus der Modellreihe Siemer
14.7 für Sachsen-Anhalt in der Endfertigung,
die beide dieses Jahr noch
abgeliefert werden.
Was sind die größten technischen Herausforderungen
bei den Spezialbooten,
die Sie bauen?
Siemer: Die Streifenboote sind
schwimmende Wachen und müssen
für lange Einsätze nutzbar sein. Von
Toilette über Heizung und Herd bis
zur absoluten oder Wintertauglichkeit
birgt das ganz verschiedene Anforderungen:
Eine Crew, die oft auch im
Zwei- oder Dreischichtbetrieb an Bord
ist, zweieinhalbtausend Betriebsstunden
Stunden pro Jahr für den Motor.
Im Vergleich fahren private Eigner
vielleicht 150 Stunden im Jahr.
Hinzu kommt moderne Technik für
Bergung und Rettung, zum Beispiel
ein hochauflösendes Unterwassersonar
und Wärmebildtechnik. Beheizte
Gangborde sorgen für den sicheren
Einsatz im Winter. Die Boote müssen
leicht bedienbar sein, da die Besatzung
oft wechselt. Außerdem haben sie wenig
Tiefgang und Wellenschlag, vor
allen Dingen beim Anlegen während
der Fahrt an die Berufsschifffahrt. Sie
müssen für schnelle Einsatz- oder ruhigen
Patrouillenfahrten ausgelegt sein.
Die Geräuschbelastung im Steuerhaus
muss bei weniger als 70 db liegen, es
gibt Auflagen beim Schutz von Gasunfällen
und vieles mehr.
Auch abseits der Boote müssen wir
einigen Ansprüchen genügen: Da wir
der öffentlichen Hand gegenüber ver-
© Siemer Werft
52 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
pflichtet sind, liegen bei uns zum Beispiel
viele Ersatzteile auf Lager. Falls
ein Polizeiboot dringenden Reparaturbedarf
hat, können wir mit zwei mobilen
Einsatzteams ausrücken.
Spielen Themen wie alternative Antriebe
– z.B. Hybrid oder Elektro – bei Ihnen
eine Rolle?
Christhard Wendt: Moderne Batterietechnologie
vor allem kommt bei
langen Einsatzzeiten und hoher Geschwindigkeit
noch an ihre Grenzen.
Viele und große Batterien sorgen für
hohes Gewicht. Das und die fehlende
Ladestruktur wirken autarken Schiffen
in unserem Einsatzgebiet leider
noch entgegen.
Elektromobilität wird für die Schifffahrt
sicher ein Thema. Wir beschäftigen
uns natürlich auch konkret mit
Lösungen, vor allem bei der Hybridvariante
gibt es Möglichkeiten. Aktuell
passiert viel in der Entwicklung, um
dann auch für die sicherheitsrelevanten
Anforderungen an ein schnelles
und dauerbelastbares Streifenboot
gute Lösungen zu bieten. Je schneller
sich die Technologie aber bei den
elektrischen Pkw und Lkw entwickelt,
desto schneller werden wir auch in
der Schifffahrt eine gute und verlässliche
Lösung bekommen. Aber auch die
heute eingesetzten modernen und
sparsamen Verbrennermotoren erfüllen
schon hohe Standards bei Abgasnormen,
Verbrauch und CO 2
-Ausstoß.
Wie wichtig sind Effizienz und Nachhaltigkeit
für Ihre Kunden?
Wendt: Unsere Streifenboote sind für
gewöhnlich 30 Jahre und länger im
Einsatz. Viel mehr Nachhaltigkeit und
Effizienz geht nicht.
Geschäftsführer Christhard Wendt (l.) und Werftgründer und Inhaber Alexander Siemer (r.) bei
der Probefahrt der »WSP 9« mit NRW-Innenminister Herbert Reul am Ruder
Die Siemer Werft umfasst inzwischen neun
Hallen und 10.000 m 2 – der Großteil davon
dient dem Geschäftsbereich Jachtservice
© Siemer Werft
Wie bewerten Sie den Fachkräftemangel?
Ist es schwierig, gute Mitarbeiter zu
finden?
Wendt: Fachkräfte waren für uns immer
schon ein Thema, weil wir natürlich
ein sehr spezieller Bereich sind.
Wenn wir eine Anzeige für Tischler in
die Zeitung setzen, kommt einer, der
bisher Fenster und Türen gebaut hat,
und steht das erste Mal im Schiff vor
ganz anderen Anforderungen. Wir haben
Motorentechniker, die sehr individuell
an unseren Schiffen arbeiten,
Elektroniker für vielfältige Technik –
solche Leute gibt’s nicht von der Stange.
Wir haben also kaum Fachkräfte
auf dem freien Arbeitsmarkt, sondern
bilden unsere Angestellten selbst aus.
Aktuell haben wir zwei Auszubildende:
einen Tischler und einen Metallbauer.
Allerdings weiß der Tischler später,
wie das Schweißgerät funktioniert,
und der Metaller kann auch einen Ölwechsel
am Dieselmotor ausführen.
Generell ist die Personalfrage aber
schwieriger geworden. Die Generation
von heute hat ein anderes Verständnis
von Arbeit. Auch Bürokratie
ist ein Riesenthema bei uns. Ausschreibungen
umfassen teils 40 DIN A4-Seiten,
dazu kommen Verordnungen zu
Brandschutz und weiteren Themen,
die noch mehr Seiten füllen – und das
bindet Arbeitskraft.
Welche Bedeutung hat der Standort am
Elisabethfehnkanal für Ihre Arbeit?
Wendt: Der Elisabethfehnkanal selbst
ist für den Bau unserer Streifenboote
nicht so entscheidend, aber als Werft
ist es natürlich unabdingbar, dass man
schiffbar zu erreichen ist. Und wir liegen,
auch wenn man das zunächst
nicht meinen sollte, sehr zentral zur
Nordsee, zur Weser und sind über
den Mittellandkanal oder Dortmund-
Ems-Kanal eben auch für private Kunden
in wenigen Tagen von der Ostsee
oder dem Rhein und dem Ruhrgebiet
gut und schnell erreichbar. Derzeit ist
die Küstenkanal-Schleuse zur Ems in
Dörpen zwar gesperrt, kleinere Boote
wie unsere können die Wasserstraßen
aber trotzdem erreichen – für den
privaten Sektor ist das natürlich Gold
wert.
Der E-Fehn-Kanal hat auf den ersten
2 km, wo auch unsere Werft liegt,
einen Tiefgang von nur etwa 1,5 m.
Das limitiert uns, macht uns aber auch
zu Spezialisten! Man kommt nicht auf
dumme Gedanken, zu große Aufträge
anzunehmen. Drei bis vier Boote sind
bei uns schon eine große Order und
passen genau in unsere Nische.
Interview: Jannik Westerkamp
© Siemer Werft
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
53
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Per Elektro-Trimaran durch die
norwegische Fjord-Galaxie
Brim Explorer lässt zwei vollelektrische Trimaran-Fahrgastschiffe in Norwegen bauen.
Sie sollen hohe Reichweite, leisen Betrieb und touristische Aufenthaltsqualität verbinden
© Brim Explorer
Der vollelektrische Trimaran von Brim Explorer soll ab 2027 für Ausflugs- und Erlebnisfahrten in Norwegen eingesetzt werden
Der norwegische Tourismus- und Technikanbieter
Brim Explorer erweitert seine
Flotte um zwei vollelektrische Fahrgastschiffe.
Nach Angaben des Unternehmens
wurden die Bauverträge für zwei
Hochgeschwindigkeits-Trimarane unterzeichnet.
Die Einheiten sollen im Frühjahr
2027 abgeliefert und künftig für
Ausflugs- und Erlebnisfahrten in norwegischen
Küstenregionen eingesetzt werden.
Bau vollständig in Norwegen
Gebaut werden die beiden 24 m langen
und 11 m breiten Trimarane vollständig
in Norwegen. Die Rümpfe entstehen bei
Herde Kompositt in Hardanger. Dort setzt
man auf moderne Verbundwerkstofftechnologie,
um das Gewicht der Schiffe
möglichst niedrig zu halten. Die Endausrüstung,
einschließlich Systemintegration
und Innenausbau, übernimmt Horten
Skipsreparasjoner südlich von Oslo.
Das Investitionsvolumen für beide
Schiffe beziffert Brim Explorer auf
rund 200 Mio. NOK, umgerechnet etwa
17,8 Mio. €. Für das Unternehmen ist es
die bislang größte Einzelinvestition. Zugleich
soll der Auftrag nach Darstellung
von Brim Explorer als Referenzprojekt für
norwegische Werften und Zulieferer dienen
– insbesondere in den Bereichen Composite-Bau,
maritime Ausrüstung, Batteriesysteme,
Design und Systemintegration.
Agnes Árnadóttir, CEO und Mitgründerin
von Brim Explorer, sieht in dem Projekt
deshalb nicht nur einen Flottenausbau,
sondern auch ein industriepolitisches
Signal. »Dies ist ein Meilenstein für Brim
Explorer und die norwegische Schifffahrtsindustrie«,
so die Norwegerin. Das
Unternehmen wolle zeigen, dass emissionsfreier
Betrieb, hohe Geschwindigkeit
und große Reichweite miteinander vereinbar
seien – und dass solche Schiffe in
Norwegen mit norwegischen Zulieferern
entwickelt und gebaut werden könnten.
Kapazität für 180 Fahrgäste
Die neuen Einheiten sind für bis zu 180
Fahrgäste ausgelegt. Vorgesehen sind
unter anderem Fjordfahrten, Walbeobachtungen,
Nordlichttouren sowie exklusive
Abend- und Charterfahrten. Die
Schiffe sollen eine Geschwindigkeit von
20 kn erreichen und ohne Nachladen
54 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Technische Daten zur
neuen Brim-Explorer-Fähre
• Typ: batterieelektrische
Fahrgast-Trimaran
• Auslieferung: 2027
• Werften: Herde Kompositt /
Horten Skipsreparasjoner
• Design: Brim Trimaran von
Wind Naval Architects
• Länge: 24 m
• Breite: 11 m
• Kapazität: 180 Gäste
• Antrieb: Batterieelektrisch
• Geschwindigkeit: 20 kn
• Reichweite: 100 sm ohne
Nachladen
Brim Explorers neuer elektrischer Hochgeschwindigkeits-Trimaran – das nach eigenen
Angaben weltweit effizienteste batteriebetriebene Schiff
eine Reichweite von 100 sm haben. Damit
wären sie laut Brim Explorer die effizientesten
batteriebetriebenen Fahrgastschiffe
weltweit.
Entwickelt wurden die Trimarane von
Brim Tech, der hauseigenen Technologiesparte
des Unternehmens. Nach Angaben
von Brim Explorer folgen sie dem
Ansatz »electric by design«, sind also von
Grund auf für batterieelektrischen Antrieb
konzipiert und nicht aus konventionellen,
fossil betriebenen Konzepten abgeleitet.
Das Unternehmen verweist darauf, bereits
seit mehreren Jahren Erfahrungen
mit elektrischen und hybridelektrischen
Ausflugsschiffen zu sammeln und bestehende
Einheiten als Testplattformen
genutzt zu haben.
Design kommt von Hareide
Beim Design knüpft Brim Explorer an seine
bisherige Flotte an. Die Gestaltung der
neuen Trimarane stammt von Einar Hareide,
der bereits die bestehenden Schiffe
des Unternehmens entworfen hat.
Die Rumpflinien wurden von Wind
Naval Architects aus Norheimsun entwickelt.Die
neue Schiffsgeneration soll
damit die gestalterische Linie der bisherigen
Brim-Flotte fortführen, zugleich
aber technisch einen deutlichen Schritt
weitergehen. Während die vorhandenen
Einheiten bereits auf leisen und
emissionsarmen Betrieb ausgerichtet
sind, sollen die neuen Trimaranekonsequent
als vollelektrische Hochgeschwindigkeitsschiffe
mit großer Reichweite
ausgelegt sein.
Die Jungfernfahrten der beiden neuen
Trimarane sind für Frühjahr 2027 vorgesehen.
Im Betrieb soll sich dann zeigen,
ob das Konzept aus Leichtbau, Trimaran-
Layout und batterieelektrischem Antrieb
die angekündigte Reichweite und Effizienz
tatsächlich erreicht.
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HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
55
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Effizienz auf neuer Welle
Mit der »Wind King« und »Wind Queen« treten 2026 zwei besonders innovative Offshore-
Serviceschiffe in Dienst. Die »Windkeeper«-Baureihe bekommt ein hybrides Antriebskonzept
für maximale Energieeffizienz. Das Energiemanagement wird von Bachmann-M200-
Automatisierungssystemen gesteuert
Die Offshore-Windindustrie steht vor der Aufgabe, Serviceeinsätze
auf See effizienter und sicherer zu gestalten. Gefragt
sind Schiffe, die auch unter schwierigen Bedingungen Kurs
und Position präzise halten und so Personal und Material zuverlässig
zu den Anlagen bringen. Mit dem Windkeeper hat die
norwegische Reederei GC Rieber Shipping ein Service Operation
Vessel (SOV) entwickelt, das genau dafür konzipiert ist: für
den energieeffizienten, sicheren und wirtschaftlichen Betrieb
von Offshore-Windparks.
Voll elektrisch, voll effizient
Das Doppelrumpfkonzept des Schiffs, ein Small Waterplane Area
Twin Hull (SWATH)-Design, reduziert die Wellenreaktion deutlich
und sorgt auch bei rauer See für außergewöhnliche Stabilität
und Steuerbarkeit. In Kombination mit dem dynamischen Positionierungssystem
(DP) soll der Windkeeper selbst bei Wellenhöhen
von bis zu vier Metern sicher auf Position bleiben. So soll ein
geschützter und komfortabler Personentransfer über die bis zu
30 m ausfahrbare Gangway auch unter anspruchsvollsten Bedingungen
ermöglicht werden.
Der Windkeeper ist für einen vollständig elektrischen und
emissionsfreien Betrieb vorbereitet. Seine Charge2Work-
Fähigkeit soll es zukünftig erlauben, das Energiesystem des
Schiffes direkt von der Offshore-Plattform zu speisen – ein
Novum in der maritimen Serviceflotte. Das reduziert nicht nur
Emissionen und Betriebskosten deutlich, sondern verlängert
auch die Einsatzdauer: Der Windkeeper wird dadurch über
Monate hinweg auf See bleiben können, ohne den Hafen anlaufen
zu müssen.
Redundanz ist oberste Pflicht
Das Energiesystem des Windkeeper ist vollständig redundant ausgelegt
(DP2). Das Herzstück bilden die »Quadro Master« von NES, die
Batterien, Generatoren und Verbraucher über einen gemeinsamen
DC-Bus verbinden
Die außergewöhnliche Konstruktion des Windkeeper stellt jedoch
höchste Anforderungen an die Energiearchitektur. Um die
komplexe Energiesystem-Topologie mit ihren zahlreichen Redundanzzonen
zu realisieren, beauftragte GC Rieber Shipping die
in Bergen ansässige Norwegian Electric Systems (NES), einen
der führenden Systemintegratoren für maßgeschneiderte AC/
DC-Energienetze und Antriebssysteme im maritimen Bereich.
»Ziel war es, die gesamte Energie- und Antriebstopologie
auf minimalen Kraftstoffverbrauch und den optional vollelektrischen
Betrieb auszulegen«, erinnert sich Andreas Solheim,
Senior System Engineer bei NES. »Gleichzeitig mussten wir ein
außergewöhnlich hohes Sicherheitsniveau der Energieversorgung
sicherstellen. Fällt ein System aus, müssen alle anderen
davon unberührt bleiben. Nur so kann gewährleistet werden,
dass das Schiff beim Andocken an die Windturbine voll dynamisch
positionierbar bleibt.« Trotz der hohen Komplexität des
Energiesystems konnten Größe, Gewicht und Anordnung der
zahlreichen Schalteinheiten im Vergleich zu konventionellen
Systemen reduziert und optimiert werden.
Intelligente Stromverteilung
Das Herzstück der Energieinfrastruktur bilden die »Quadro
Master«-DC-Schalttafeln und das »Odin’s Eye«-Gleichstromnetzsystem
von NES. »Sie sorgen als Energiezentrale dafür,
dass die Energie zuverlässig zu jedem Teil des Schiffes fließt,
vom Antrieb bis zu den kritischen Geräten an Bord«, erklärt
der NES-Ingenieur. Im Zentrum steht dabei ein vollständig gedoppeltes,
ringbasiertes DC-Stromversorgungssystem, das
mehrere Redundanzgruppen und Batterien umfasst. »Außer
der Möglichkeit des vollständig elektrischen Betriebs stellen
die Energiespeicher verlässliche Leistungsreserven bereit,
gleichen Lasten durch Peak Shaving aus und ermöglichen
reibungslose Energieübergänge bei dynamischem Betrieb«,
präzisiert Solheim. Insgesamt führe dies zu erkennbar niedrigeren
Betriebskosten und Emissionen.
Um die hohen Anforderungen an Sicherheit und Verfügbarkeit
zu erfüllen, setzt NES seit über zehn Jahren auf
© NES
56 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
© NES
© NES
33 Bachmann-M200-Systeme bilden das Rückgrat von Überwachung
und Steuerung des komplexen Energiemanagements auf dem Schiff
Der SWATH-Doppelrumpf minimiert die Wellenreaktion. Das Schiff
lässt sich zudem für einen vollständig elektrischen Betrieb erweitern
Steuerungslösungen des deutschen Spezialisten Bachmann
Electronic. Auch im Windkeeper bilden sie das Rückgrat des
Energiemanagements: Nicht weniger als 33 Steuerungssysteme
der M200-Serie sind an Bord verbaut. »Wir schätzen nicht
nur die Offenheit des Systems, sondern vor allem die außergewöhnlichen
Möglichkeiten zur Netzüberwachung und zum
Schutz«, erklärt Solheim. Die direkt auf der Steuerung integrierten
Netzmess- und Schutzsysteme der GMP- und GSP-Reihe
seien einzigartig am Markt: »Vergleichbar leistungsfähige
und zugleich zertifizierte Komponenten sucht man sonst vergeblich.«
Das GMP232/x2 ermöglicht die sichere, zuverlässige und
schnelle Messung aller relevanten Größen elektrischer Drehstromnetze.
Darüber hinaus stehen zahlreiche Überwachungsfunktionen
für den Schutz von Erzeugungseinheiten und Netz
zur Verfügung. Das GSP274-Modul erlaubt eine sichere, zuverlässige
und automatisierte Synchronisierung von Erzeugungseinheiten
mit dem Energieversorgungsnetz. Zudem stehen
zahlreiche Überwachungsfunktionen für den Generator- und
Netzschutz zur Verfügung.
Rund ein Jahr arbeitete das NES-Team an der Entwicklung
des komplexen Energiesystems. Besonders bei der Umsetzung
der steuerungstechnischen Anforderungen erwies sich Bachmann
den Angaben zufolge als verlässlicher Partner. »Wenn wir
eine Frage hatten oder eine spezielle Funktion implementieren
wollten, konnten wir uns jederzeit auf die Unterstützung der
Applikationsingenieure verlassen«, erinnert sich Solheim. »Die
Zusammenarbeit war äußerst effizient – kurze Wege, direkte
Antworten und ein offener Austausch, durch den wir unsere
Lösung kontinuierlich weiterentwickeln konnten.« RD
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SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
© Beyond the Sea
Kite installation on chemical tanker »Huemul«
Fresh winds for decarbonization
»Technologies for Future Ships and Future Shipping« is again the overarching theme for the 18th
HIPER Conference. Thinkers from research and industry will meet from June 3–5 in Erfurt to
present smart and green solutions for the decarbonization challenge. By Volker Bertram
Avantgarde engineering, creative ingenuity,
entrepreneurship and ship operators
come together at HIPER – also
this year, where again the course is set
on net zero shipping. The goal is clear;
getting there will be a journey of 10,000
steps and a manifold of contributing
technologies and smart solutions will
be invoked along the way.
Decarbonization remains unchallenged
at the top of the maritime agenda
– for good reasons. Despite some
setbacks in IMO’s regulatory calendar,
there is a spirit of »the show must go
on«. The industry has a strategic view
and many ship operators start implementing
assorted measures now, often
testing pilot applications from innovative
suppliers. Figuratively speaking, the
industry is rolling up its sleeves and
tackling the challenges head-on.
Various technologies
The practical dreamers meet again at
HIPER, and there is a spirit that sees the
challenges also as chances, focusing on
solutions rather than lamenting. The
conference is not a forum for politicians
and lobbyists, but one for engineers and
managers who get things done with ingenuity
and entrepreneurship. While
there is an impressive variety of technologies
and approaches presented, some
large trends stand out this year:
• Wind assisted propulsion is the mega-trend,
with three sessions dedicated
to its various aspects
• Alternative fuels and the associated
machinery and e-technology
• Smart »optimized« solutions for design
and operation
• Increased system thinking, often based
on digital twin technology, and increasingly
considering human factors
in implementation
In the short-term, say within the next
5-10 years, IMO’s decarbonization goals
will be achieved through tried and proven
measures, which will be implemented
just more rigorously and wider than
in the past. The industry stays within its
58 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
comfort zone, and many of the measures
to reduce CO 2
emissions pay for
themselves through fuel savings. Employing
such »conventional« measures,
significant progress in energy efficiency
can already be achieved. But continuous
developments are now giving new
twists to conventional solutions.
Beyond 2030, the industry will have to
leave the comfort zone of the tried-andproven
and adopt largely yet unknown
options including alternative fuels – and
the process of exploration has already
begun. Assorted R&D projects, on national
and EU level, are preparing the
ground and HIPER 2026 gives us some
sneak previews into the post-2030 future.
Adoption of alternative fuels
What is the first thing that comes to
your mind when you hear »decarbonization«?
For most of us, the answer is
»alternative fuels«, such as biofuels,
ammonia, methanol, or hydrogen. The
adoption of alternative fuels in shipping
has already started, but degree of adoption
and maturity of alternatives differ
considerably and are likely to shift in the
future.
Julian Waldrich (WMU and DNV) offers
»A Systematic Review of Maritime
Environmental Regulations, Alternative
Fuels, and Technologies«, where he evaluates
eleven fuels from environmental,
technological, infrastructure, and economic
perspectives. Overall, synthetic
fuels emerge as a particularly promising
pathway toward decarbonizing maritime
transport, while highlighting significant
implementation challenges.
Various papers at HIPER focus on
the system thinking in designing ships
for future requirements and alternative
fuel options. Henrique Gaspar (NTNU)
presents »A Holistic Approach to Retrofit
and Emissions Compliance«. The
holistic retrofit platform aims at a multi-dimensional
optimization of retrofit
projects, explicitly accounting for technical
interdependencies, operational
impacts, regulatory requirements, and
lifecycle sustainability.
In similar vein, Richard Marioth’s (Idealship)
»From Compliance to Strategic
Ship Efficiency« highlights the importance
of considering interdependencies
between different decarbonization
measures taken at the same time and
advocates system thinking: »Isolated
optimization efforts frequently underperform.«
Wind assistance taking off
The cheapest fuel remains the one you
don’t pay for: wind. Wind assisted ship
propulsion (WASP) has been an evergreen
topic at HIPER for years now.
This year, it has really taken off, covering
three sessions. Just three highlights
that illustrate the scope of interesting
new developments: Florence Plumacker
(Beyond the Sea) and Bas Blaak (Ultranav)
describe »Lessons Learned from
using a 100 m 2 Kite on a Chemical Tanker«.
The Chilean ship operator has had
a 22,000 dwt chemical tanker equipped
with the French kite system. It wasn’t
always straight sailing, as Blaak intriguingly
hints as at »unexpected issues«,
but the conclusion sounds positive.
Tomoki Wakabayashi (JMUC) and
Yasuhiko Inukai (Nihon Shipyard Corporation)
present an innovative WASP
concept for container ships, where in
unfavourable headwinds the rigid sail is
retracted and functions as a fairing to
Every year, HIPER brings together experts from all around the industry
streamline the airflow, thereby reducing
wind resistance acting on the container
ship. Preliminary calculations conducted
for a 14,000 TEU container vessel
indicate that the use of two such sails
may achieve a fuel-saving effect of 5 %.
Yuji Arai (Sumitomo) sets »Sail to
Green Innovation: Challenges toward
a Fully Wind-Powered Merchant Ship«.
Sumitomo envisions a fully wind-powered
cargo ship, where the wind propulsion
is also used to generate electricity
via the propeller to supply the power
for the hotel load. While still in its early
stages of basic research, the concept is
bold and fascinating.
Artificial Intelligence plays an increasingly
important role, from design to
operation of smart and green ships. It
is used for Digital Twins in design and
supports next-level voyage optimization.
And the community is exploring and
finding ever new and smart applications
for AI in the maritime context.
Both on products and services, we
can witness at HIPER a community moving
forward and shaping the future.
Not every idea presented will eventually
meet success, but many new options
are on the table contributing to achieving
the long-term net-zero goal. There
is still time to join and meet the advanced
thinkers and entrepreneurs that
shape a better future for shipping. ■
© Payer
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
59
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
Hefring and Ecomar collaborate
on safety in electric operations
A new partnership focussing on monitoring to improve safety and operational efficiency
onboard a hydrogen battery vessel has been set up by Hefring Marine and Ecomar Propulsion
© Ralph Hewitt/ Ecomar
Under the new agreement, Hefring
Marine from Iceland will install its
IMAS system aboard Ecomar‘s hydrogen
battery vessel »Dirac«. According
to the announcement, this marks
the first deployment of Hefring’s advanced
monitoring technology on an
electric vessel, »aligning both companies
with the industry’s transition toward
sustainable propulsion.«
Hefring Marine describes itself
as a leading provider of intelligent
maritime monitoring solutions. The
Icelandic marine technology company
deploys AI, sensor data and edge
computing to empower vessel operators
and fleet managers to make
informed, data-driven decisions in
real time to enhance crew safety, fuel
efficiency and vessel sustainability.
Ecomar Propulsion from Fareham,
England, is known as specialist in electric
drives and energy management
systems. The partnership covering
a strategic product development is
planned to focus on improving safety
and operational efficiency in the maritime
sector.
»We are excited to partner with Ecomar
Propulsion on this project,« said
Karl Birgir Björnsson, CEO of Hefring
Marine. »Electric and hydrogen-powered
vessels represent the future
of maritime operations, and ensuring
their crews have access to real-time
environmental and motion data is
essential for safe and efficient operations.
The ›Dirac‹ provides an ideal
platform to demonstrate how our
technology can enhance comfort and
safety in this new generation of sustainable
workboats.«
The »Dirac« is a hydrogen battery
vessel owned by Ecomar, which has
been specifically designed to test new
developments in propulsion, energy
management, and ship controls. Hefring‘s
IMAS will provide live monitoring
of sea conditions, vessel motion,
and operational parameters for the
benefit of crew safety and enhanced
decision-making by ship managers.
Powered by two 250 kW Ecomar
Kairos motors the vessel is based on a
NATO combat-ready boat. After a conversion
project it now holds 180 kWh
of Li-ion batteries supplemented by
a hydrogen fuel cell that shall extend
the range of the vessel considerably.
The hydrogen is supplied in hand-portable
BOC Genie bottles.
»We are the experts in electric
drives and energy management, and
the IMAS system complements our
core activities,« said Eugene Bari,
CEO of Ecomar Propulsion. »We are
delighted to be able to showcase this
new technology using our vessel and
believe this partnership will deliver valuable
insights for the entire industry
as we pioneer the next generation of
electric maritime operations.«
The partnership is also planned to
»underscore both companies‘ commitment
to innovation and sustainability
in the maritime sector, combining Ecomar‘s
expertise in electric propulsion
with Hefring‘s proven track record in
intelligent monitoring solutions.« ED
The hydrogen battery vessel »Dirac« has been specifically designed to test new developments
in propulsion, energy management and ship controls
60 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
T
OV
O
OVED
DNV.COM/AF
SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY
MONITORING FOR CYLINDER DATA
Chris-Marine launches Engine Insights
Malmö-based engine expert Chris-Marine
has brought »Engine Insights« on the
market, a new digital solution designed »to
convert cylinder condition measurements
into automatic, instant, standardized reports
for faster and more informed maintenance
decisions«.
The tool is planned to enable service
technicians to upload measurement data
directly from onboard tools such as LDM
(Liner Diameter Measurement), LCC, CTM
and Replica Test. »While manual reporting
today typically requires 4–6 hours of expert
work, Engine Insights reduces this process
to just a couple of minutes«, it is said. These
reports shall provide a clear basis for
evaluating cylinder condition and planning
maintenance actions. At the same time, the
platform gives fleet managers an accessible
overview of vessel condition, supporting
more efficient maintenance planning
and extended component lifetime.
»Engine Insights simplifies a critical step
in engine maintenance, automatically turning
measurement data into something immediately
usable for decision-making,« said
Leif Abildgaard, Chief Commercial Officer.
According to the company, Engine Insights
is designed to work seamlessly with
measurement data from Chris-Marine
tools, extending their value while enabling
a structured and standardized approach to
cylinder condition reporting.
Key benefits include automated generation
of standardized reports, reduction
of reporting time from hours to minutes,
improved maintenance planning, increased
component lifetime as well as insights
that support more efficient lubricant oil
usage. For more than six decades, Chris-
The new tool from Chris-Marine
Marine has designed, manufactured and
sold engine maintenance equipment for all
types of reciprocating engines and special
applications. With this launch, the Swedish
experts aim to continue to expand the portfolio
beyond physical equipment. ■
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Elektrolyseuren, Brennstoffzellenanlagen, Tankstelleninfrastruktur und industriellen Anwendungen
Die Hydac-Gruppe mit Stammsitz im
saarländischen Sulzbach baut ihre Aktivitäten
im Wasserstoffsektor aus. Das Unternehmen,
das vor allem für Hydraulik,
Fluidtechnik und Systems Engineering
bekannt ist, beschäftigt sich nach eigenen
Angaben bereits seit 2006 mit Wasserstoffanwendungen.
Aus einzelnen
Produkten ist inzwischen ein breiterer
Systemansatz entstanden.
»Wir bieten Lösungen entlang der
gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette.
Das reicht von einzelnen Komponenten
wie sicherheitszertifizierter
Drucksensorik oder leistungsfähigen Filtern
bis hin zum Subsysten«, sagt Christof
Gränitz, Leiter Hydrogen & Advanced
Solutions bei Hydac.
Zum Portfolio zählen nach Unternehmensangaben
mehr als 50 Produkte.
Dazu gehören Filter, Sensoren,
Ventile, Steuerungen, Wärmetauscher
und Befestigungstechnik. Eingesetzt
werden sie unter anderem
in Elektrolyseuren, Brennstoffzellenanlagen
und Wasserstofftankstellen.
Darüber hinaus entwickelt Hydac
Subsysteme für Thermomanagement,
Wasserstofftrocknung und Sicherheitssensorik.
Diese werden als
Teil sogenannter Balance-of-Plant-
Systeme in Elektrolyse- oder Brennstoffzellenanlagen
integriert.
Als Beispiel für den systemischen
Ansatz nennt das Unternehmen ein
Wasserstoff-MicroGrid in Geesthacht
(Schleswig-Holstein). An dem Projekt
waren neben Hydac auch das Helmholtz-Zentrum
Hereon und die Helmut-Schmidt-Universität
in Hamburg
beteiligt. Das lokal autarke Energiesystem
verbindet Elektrolyse, Wasserstoffspeicherung,
Verdichtung
und Rückverstromung über eine
Brennstoffzelle.
Hydac-Produktmanager
Helge Heinken
»Die Herausforderung war, die thermochemischen
Prozesse so zu steuern,
dass sie effizient für Elektrolyse
und Brennstoffzelle nutzbar werden.
Mit geregelten Wärmetauschern,
Kompressorkühlungen, Speichern
© Hydac
und Regeltechnik haben wir dafür
eine Lösung geschaffen«, sagt
Helge Heinken, Produktmanager
bei Hydac Hamburg/Bremen am
Standort Norderstedt.
Weitere Einsatzfelder sieht Hydac in
der Wasserstoff-Infrastruktur. Genannt
werden Komponenten für Tankstellen,
Druckregelstrecken für Verbrennungsmotoren
sowie Sicherheits- und
Steuerungssysteme für industrielle
Wasserstoffprozesse. Hinzu kommen
Anwendungen in mobilen Maschinen,
etwa in der Bau- und Landwirtschaft. Dafür
entwickelt das Unternehmen Subsysteme
für Tanksysteme, Brennstoffzellenintegration
und Motorsteuerung.
Eine Rolle spielt dabei auch die
regionale Verankerung in Norddeutschland.
Schleswig-Holstein,
Hamburg und Bremen bieten durch
erneuerbare Energien, Netzwerke
und Forschungspartner gute Voraussetzungen
für Wasserstoffprojekte,
heißt es von Hydac. Das Außenbüro
Hamburg/Bremen in Norderstedt
und Bremerhaven fungiert in diesem
Zusammenhang als technischer Anlaufpunkt
für Projekte und Partner
auch im maritimen Bereich.
Zur Bündelung der Aktivitäten
wurde die Hydac New Technologies
mit Sitz in Sulzbach gegründet.
»Künftig soll unter anderem das MicroGrid-Konzept
weiterentwickelt
und skaliert werden – sowohl für
kleinere Leistungsbereiche als auch
für industrielle Anwendungen«, sagt
Fachmann Dirk Burkhard von Hydac,
der maßgeblich an der Entwicklung
des ersten MicroGrids beteiligt war.
Parallel werden bestehende Komponenten
industrialisiert und neue
Produkte gemeinsam mit Partnern
entwickelt.
JWY
62 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
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DIGI HUB
»DIGI WESER«
Bremerhaven bekommt digitales Testfeld für »Just in Time«
Häfen stehen zunehmend vor der Aufgabe,
komplexe Abläufe, steigende Umweltanforderungen
und wirtschaftlichen
Wettbewerbsdruck miteinander zu verbinden.
In Bremerhaven werden Schiffsanläufe
bislang teils über verschiedene,
nicht durchgängig vernetzte Systeme
sowie per Telefon, per Mail oder Funk
abgestimmt. Das kann zu Informationslücken,
Verzögerungen und zusätzlichem
Aufwand führen.
»DigiWeser« setzt an dieser Schnittstelle
an. Kern des Projekts ist eine gemeinsame
digitale Plattform, über die
Behörden, Terminalbetreiber, Reedereien
und Hafendienstleister relevante Informationen
austauschen können.
Angestrebt wird eine »Just-in-Time«-Steuerung
von Schiffsanläufen,
bei der Schiffe den Hafen
möglichst ohne Wartezeit oder zusätzliche
Verholungen erreichen, sobald
Liegeplätze, Personal und Infrastruktur
verfügbar sind. Die hoheitlichen Zuständigkeiten
und wirtschaftlichen Interessen
der Beteiligten sollen dabei gewahrt
bleiben.
An der Stromkaje entsteht dafür ein
digitales Testfeld, in dem neue Technologien
und Abläufe unter realen Bedingungen
erprobt werden sollen, ohne den
laufenden Hafenbetrieb zu beeinträchtigen.
Die Plattform wird cloudbasiert
aufgebaut und über Schnittstellen unter
anderem mit dem Fachsystem »Brepos«
Schiffsanläufe sollen über »DigiWeser« digital koordinierter und effizienter gesteuert werden
der Port Authority sowie den Terminalsystemen
verbunden.
»Mit DigiWeser gehen wir einen wichtigen
Schritt in Richtung digitaler Hafen
der Zukunft«, erklärt Matthias Hinz,
Smartport-Koordinator bei Bremenports.
Durch die bessere Koordination im digitalen
Testfeld könnten Prozesse optimiert,
Ressourcen effizienter eingesetzt,
Wartezeiten auf See und im Hafen reduziert
sowie Treibstoffverbrauch und Emissionen
gesenkt werden.
Getragen wird das Vorhaben durch
das Sondervermögen Hafen. Der Bund
fördert DigiWeser im Rahmen der Förderrichtlinie
»Digitale Testfelder für
Häfen«. Die Projektleitung liegt bei Bremenports,
in enger Abstimmung mit der
Port Authority Bremen, dem Hansestadt
Bremischen Hafenamt, sowie weiteren
Akteuren aus Hafenwirtschaft und Logistik.
Datenschutz, IT-Sicherheit und klare
Zuständigkeiten sollen dabei eine zentrale
Rolle spielen. Die hoheitlichen Aufgaben
der Port Authority und des Wasserstraßen-
und Schifffahrtsamtes bleiben
unangetastet. Das Projekt ist in drei Phasen
gegliedert: Planung, technische Umsetzung
und eine abschließende zweimonatige
Testphase. Insgesamt ist eine
Laufzeit von rund 13 Monaten vorgesehen.
Die entwickelten Lösungen sollen
perspektivisch nicht nur in Bremerhaven
genutzt, sondern auch auf andere Häfen
entlang der Weser und darüber hinaus
übertragbar sein.
■
© Wygand / KI-generiert
»MARLIN CHALLENGE«
Cyberagentur und Marine suchen sichere maritime Kommunikation
Die bundeseigene Agentur für Innovation
in der Cybersicherheit und die Deutsche
Marine haben die »Marlin Challenge« gestartet.
Ziel des Wettbewerbs ist es, neue
technische Ansätze für eine sichere, vernetzte
und belastbare maritime Kommunikation
zu finden, weiterzuentwickeln
und unter realitätsnahen Bedingungen zu
erproben.
Die Ausschreibung richtet sich vor
allem an Start-ups, kleine und mittlere
Unternehmen, Forschungseinrichtungen,
Hochschulen sowie technologieorientierte
Teams aus EU- und Nato-
Staaten. Gesucht werden nach Angaben
der Initiatoren insbesondere Kompetenzen
aus den Bereichen maritime
Kommunikation, Nachrichtentechnik,
Sicherheitstechnik, Sensorik, Verteidigung,
Cybersecurity sowie Funk- und
Netzwerktechnik.
Mit dem Projekt »Marlin« sollen technologische
Potenziale für maritime Anwendungen
früher sichtbar gemacht
und anwendungsnahe Entwicklungen
gezielt vorangebracht werden. Der maritime
Raum stelle hohe Anforderungen an
robuste Kommunikations- und Technologiesysteme,
heißt es. Genau an dieser
Schnittstelle wollen die Cyberagentur
und die Marine ansetzen: Operative Anforderungen
sollen mit einem offenen,
wettbewerblichen Innovationsprozess
verbunden werden. Die Cyberagentur
wurde 2020 als vollständige Inhouse-Gesellschaft
des Bundes gegründet und soll
ressortübergreifend Innovationen für die
Innere und Äußere Sicherheit im Bereich
Cybersicherheit vorantreiben. ■
64 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
DIGI HUB
»RULE AGENT«
DNV startet KI-Tool für Regelwerke
Die international tätige Klassifikationsgesellschaft
DNV hat mit »RuleAgent« ein
KI-gestütztes Werkzeug vorgestellt, das
den Zugang zu maritimen Regelwerken
und technischen Standards vereinfachen
soll. Nutzer können dem System Fragen
in natürlicher Sprache stellen und damit
mehr als 30.000 Seiten an Regeln, Standards
und regulatorischen Dokumenten
durchsuchen.
Die Plattform greift in Echtzeit auf die
DNV-Datenbank zu, identifiziert relevante
Abschnitte und liefert Zusammenfassungen
sowie Verweise auf die offiziellen
Quellen. Damit soll die Nachvollziehbarkeit
der Antworten gewährleistet bleiben.
Wenn Schiffsdaten verfügbar sind, berücksichtigt
das System zudem Schiffstypen
und Klassennotationen, um gezieltere
regulatorische Hinweise zu geben.
»Durch den Einsatz fortschrittlicher KI
in unserem Regelwerk stärken wir die
Art und Weise, wie unsere Kunden auf
vertrauenswürdiges technisches Wissen
zugreifen«, sagt Cristina Saenz de Santa
Maria, Interim CEO Maritime bei DNV.
Dies unterstütze effizientere Entscheidungen
und helfe der Branche, sich in
einem zunehmend komplexen regulatorischen
Umfeld zurechtzufinden. RuleAgent
deckt unter anderem die Rules
for Ships, Rules for Offshore Units, Class
Guidelines, Class Programmes, Statutory
Interpretations, Standards, Offshore
Standards und Recommended Practices
ab. Nach Angaben der Klassifikationsgesellschaft
wurde das System bereits mit
ausgewählten Kunden pilotiert. ■
EMISSIONLINK
FuelEU wird digital
EmissionLink, ein Unternehmen des
Schifffahrtsunternehmens Columbia
Group, hat nach eigenen Angaben FuelEU-Maritime-Pooling-Einreichungen
für mehr als 600 Schiffe abgeschlossen.
Rund 90% der beteiligten Schiffseigner
entschieden sich demnach für ein
Pooling-Modell.
Damit zeigt sich, dass FuelEU-Compliance
zunehmend über digitale Daten,
Marktmechanismen und kommerzielle
Optimierung gesteuert wird. Neben
der regulatorischen Erfüllung spielten
laut EmissionLink auch technische Einzelfragen,
etwa bei Eisklasse-Schiffen,
eine Rolle.
Für das laufende Jahr rechnet das
Unternehmen mit einem stärker wettbewerbsgetriebenen
Pooling-Markt. Die
Preise dürften unter anderem von verfügbaren
Überschüssen, alternativen
Kraftstoffkosten und dem Zeitpunkt abhängen,
zu dem Reedereien ihre Compliance-Position
absichern. ■
HÄFEN | PORTS
IMO startet KI-Pilot zur
Kraftstoffoptimierung in Mexiko
Im Rahmen des EU-finanzierten GMN-Projekts wurde in Pichilingue ein bordeigenes System zur
KI-gestützten Leistungsüberwachung in Betrieb genommen. Es soll als Modell für den Einsatz in
Entwicklungsländern dienen. Von Joshua Wygand
© IMO
An Bord der Fähre »Cabo Star« werden Verbrauchsdaten, Fahrprofile und Leistungskennzahlen ermittelt und anschließend digital ausgewertet
Im mexikanischen Hafen Pichilingue ist ein Technologiepilot
gestartet worden, mit dem der praktische Einsatz KI-gestützter
Kraftstoffoptimierung und digitaler Leistungsmanagementsysteme
an Bord eines Schiffes erprobt wird. Das Vorhaben ist
dabei Teil des von der Europäischen Union (EU) finanzierten und
von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) umgesetzten
Projekts »Global Maritime Technology Cooperation
Centres Network« (GMN) in seiner zweiten Pilotphase.
Das bordeigene System soll Echtzeit-Kraftstoffverbrauchsüberwachung,
Leistungsanalysen sowie Unterstützung bei Wartungsund
Betriebsplanung miteinander verknüpfen, durch Künstliche
Intelligenz. Es geht im Kern darum, operative Entscheidungen
durch digitale Assistenzsysteme zu verbessern. Als Ziel definieren
die Projektpartner dabei, den Kraftstoffverbrauch deutlich
zu senken und somit schädliche Treibhausgasemissionen zu
reduzieren.
Nationaler Workshop als Rahmen
Der Pilotstart fand im Rahmen eines nationalen Workshops statt,
den das Maritime Technology Cooperation Centre (MTCC) für Lateinamerika
organisiert hatte. Unter dem Titel »Advancing Maritime
Decarbonisation in Mexico: Energy Efficiency Technology and
Innovation for a Sustainable Transition« kamen nationale Fachleute
aus der Seeschifffahrt zusammen, um Ansätze zu Energieeffizienz,
Innovation und zur Umsetzung der IMO-Treibhausgasstrategie von
2023 zu diskutieren. Als lokaler Praxispartner war Baja Ferries in den
Workshop eingebunden. Nach Angaben der Organisatoren fand der
erste Workshoptag an Bord der Fähre »Cabo Star« von Baja Ferries
am Terminal Pichilingue 1-A statt. Das RoPax-Schiff ist 193 m lang,
verfügt über Kapazität für rund 400 Passagiere und mehr als 3.000
Lademeter und verstärkt die Verbindung zwischen Mazatlán und La
Paz. Damit bot der Workshop ein praxisnahes Umfeld für Fragen zu
66 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
HÄFEN | PORTS
Kraftstoffverbrauch, Fahrprofilen, Hafenliegezeiten und digital gestützter
Betriebsoptimierung.
Warum im Fähr- und RoPax-Betrieb?
Für den Pilotversuch ist ein Fähr- und RoPax-Betrieb besonders naheliegend.
Anders als in vielen Tramp- oder Spotmärkten verkehren
Fähren auf vergleichsweise stabilen Routen, mit wiederkehrenden
Hafenanläufen, ähnlichen Fahrprofilen und planbaren Umläufen.
Genau solche Betriebsdaten sind für digitale Leistungsanalyse wertvoll:
Verbräuche lassen sich über mehrere Reisen hinweg vergleichen,
Abweichungen werden schneller sichtbar, und der Einfluss von
Geschwindigkeit, Beladung, Wetter, Liegezeiten oder technischer
Verfügbarkeit kann besser eingeordnet werden.
Die Route Mazatlán–La Paz bietet dafür ein geeignetes praktisches
Umfeld. Die »Cabo Star« ist die frühere »Eurocargo Savona«
der Grimaldi Group. Das Schiff wurde 2024 an Baja Ferries verkauft
und für den Verkehr im Golf von Kalifornien vorgesehen. Baja Ferries
rechnet auf der Verbindung mit rund 250.000 Passagieren pro Jahr;
die einfache Überfahrt wird mit etwa 14 Stunden angegeben.
Damit geht es bei dem Pilotprojekt nicht nur um die Installation
eines einzelnen digitalen Systems, sondern um die Frage, ob sich
aus einem wiederkehrenden Linienbetrieb belastbare Muster für
einen effizienteren Schiffsbetrieb ableiten lassen. Ein KI-gestütztes
System kann dabei helfen, Verbrauchsdaten, Leistungskennzahlen
und betriebliche Parameter laufend zusammenzuführen.
Daten werden zum Effizienzfaktor
Die Digitalisierung des Schiffsbetriebs ist auch deshalb relevant, weil
Effizienzmaßnahmen zunehmend nachweisbar sein müssen. Die
IMO hat mit EEXI, CII und dem erweiterten Ship Energy Efficiency
Management Plan regulatorische Instrumente eingeführt, die technische
und operative Effizienz stärker miteinander verknüpfen. Seit
2023 müssen betroffene Schiffe ihren Energy Efficiency Existing Ship
Index berechnen und Daten für den jährlichen Carbon Intensity Indicator
erfassen und melden.
Der CII baut auf Daten zum Kraftstoffverbrauch und dem SEEMP
als Managementinstrument auf. Für Schiffe ab 5.000 BRZ wird die
operative CO 2
-Intensität in einer Bewertungsskala von A bis E abgebildet.
Schiffe mit einem E-Rating oder drei Jahre in Folge mit D-Rating
müssen einen Korrekturmaßnahmenplan vorlegen. Für Reeder
entsteht damit ein stärkerer Anreiz, Verbrauchs- und Betriebsdaten
nicht nur nachträglich zu dokumentieren, sondern laufend für operative
Entscheidungen zu nutzen. Genau hier setzt der Mexiko-Pilot
an. KI-gestützte Assistenzsysteme können keine strukturellen
Flottenentscheidungen ersetzen, sie können aber kurzfristige Effizienzpotenziale
sichtbar machen. Dazu zählen etwa optimierte Geschwindigkeitsprofile,
bessere Reise- und Hafenplanung, Hinweise
auf Abweichungen im Maschinenbetrieb oder frühere Hinweise auf
Wartungsbedarf. Nach Angaben der IMO gehören auch Rumpfreinigung
zur Verringerung des Widerstands sowie Geschwindigkeitsund
Routenoptimierung zu den Maßnahmen, die sich auf die operative
CO 2
-Intensität auswirken können.
Teil von globalem Demonstrationsprogramm
Der Mexiko-Pilot steht nicht allein: GMN Phase II umfasst ein breites
Spektrum an Technologiedemonstrationsprojekten, die praktische
Erfahrungen generieren und den Wissenstransfer in andere Regionen
erleichtern sollen. Zu den Themenbereichen zählen unter anderem
Hafeneffizienz und Digitalisierung, der Einsatz erneuerbarer
und alternativer Energien, windbetriebene Antriebslösungen, Rumpfoptimierungen
sowie Nachrüstoptionen für bestehende Flotten.
Das Programm richtet sich gezielt an Entwicklungsländer – insbesondere
an die am wenigsten entwickelten Länder sowie an kleine
Inselentwicklungsstaaten. Über ein Netzwerk regionaler MTCCs unterstützt
GMN den Kapazitätsaufbau vor Ort und schafft die Grundlage
dafür, erprobte Technologieansätze dort zu skalieren oder auf
andere Regionen zu übertragen.
Mexiko arbeitet an Dekarbonisierungsplan
Der Pilot fügt sich zudem in einen größeren nationalen Kontext ein.
Mexiko hat 2025 mit der Entwicklung eines nationalen Aktionsplans
zur maritimen Dekarbonisierung begonnen. Der Prozess wird vom
mexikanischen Marineministerium SEMAR geführt und durch das
IMO-Programm GreenVoyage2050 technisch unterstützt. In einem
nationalen Workshop wurden unter anderem sauberere Kraftstoffe,
Hafeninfrastruktur, regulatorische Koordination, Innovation und
Qualifizierung als Handlungsfelder genannt.
Nach Angaben der IMO soll Mexiko als Nächstes eine Baseline-
Bewertung der Treibhausgasemissionen des maritimen Sektors erstellen.
Für einen solchen Prozess sind Daten aus realen Betriebsumgebungen
wichtig. Der KI-Pilot in Pichilingue kann daher auch
als Baustein verstanden werden, um aus Einzelprojekten belastbare
Erfahrungswerte für nationale Strategien, Hafenplanung und mögliche
Folgeinvestitionen abzuleiten.
JWY
Maritime Future Summit
nimmt KI in den Fokus
Der Maritime Future Summit auf der SMM 2026 in
Hamburg wird sich auf die wachsende Bedeutung
generativer KI in der Schifffahrt konzentrieren –
insbesondere auf ihre Auswirkungen auf Schiffsdesign,
Schiffsbetrieb und Flotteneffizienz. Die Veranstaltung
findet am 2. September als Open-Stage-Konferenz auf
dem Messegelände statt und beleuchtet praxisnahe
Anwendungen wie digitale Zwillinge, intelligente
Klassifikation, autonome Systeme und Large Language
Models. Moderiert wird sie von Volker Bertram von der
World Maritime University und Michael Meyer von der
HANSA.
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
67
HÄFEN | PORTS
Das Binnenschiff als Resilienzfaktor für
Deutschlands Seehäfen
Die maritime Souveränität Deutschlands entscheidet sich auch im Hinterland. Angesichts
überlasteter Korridore rückt das Binnenschiff als strategischer Resilienzpartner erneut in den
Fokus der Akteure. Doch der chronische Sanierungsstau bremst die verkehrspolitische Wende
aus. Von Peter Kleinort
Hamburg ist Deutschlands wichtigster Seehafen. Für die Anbindung des Hinterlandes benötigt er aber nicht nur Schienen und
Straßen, sondern auch gute Binnenwasserstraßen
© HHLA/Martin Elsen
Lange Zeit folgte die Debatte um die
Wettbewerbsfähigkeit der deutschen
Seehäfen einem binären Muster: Dem
seeseitigen Wachstum stand landseitig
ein permanenter Optimierungsdruck auf
Schiene und Straße gegenüber. Doch die
geopolitischen und infrastrukturellen Verwerfungen
der jüngsten Vergangenheit
haben ein Umdenken erzwungen. Auf
der 14. Nationalen Maritimen Konferenz
(NMK) im niedersächsischen Emden wurde
unmissverständlich klargestellt, dass
maritime Politik keine ausschließliche
Angelegenheit der Küstenländer ist, sondern
eine gesamtdeutsche Kernaufgabe
betrifft. Ein weithin sichtbares Signal für
diese Erkenntnis ist die Entscheidung, die
kommende 15. NMK in Duisburg – und
damit im größten Binnenhafen-Hub Europas
– auszurichten. Das Binnenland und
die Binnenschifffahrt rücken damit unübersehbar
in das Zentrum der nationalen
Logistikstrategie.
Im Zuge der aktuellen Resilienzdebatte
bietet die Einbindung der Wasserstraßen
die historische Chance, die Hinterlandanbindungen
der Küstenhubs strukturell zu
diversifizieren. Wo Schienennetze durch
Großbaustellen blockiert und Autobahnbrücken
marode sind, könnte das Binnenschiff
als verlässliches Backup fungieren.
Die Potenziale sind enorm, doch die politische
Wirklichkeit hinkt dem Anspruch hinterher.
Um mehr Güterströme nachhaltig
auf das Wasser zu verlagern, bedarf es
einer massiven Ausweitung der Bundesinvestitionen
in die lange vernachlässigte
Netzinfrastruktur.
Wie eng Seeschifffahrt und Binnenschifffahrt
miteinander verwoben sind,
zeigt sich exemplarisch an der Elbe. Hamburg,
der größte Eisenbahnhafen Europas,
versteht sich zunehmend auch als
strategischer Binnenschifffahrtsknoten.
»Die Binnenschifffahrt hat für Hamburg
eine besondere strategische Bedeutung.
Hamburg ist nicht nur Deutschlands
größter Seehafen, sondern auch einer
der stärksten Binnenhäfen am deutschen
Wasserstraßennetz«, betont Hamburgs
Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard
68 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
HÄFEN | PORTS
(SPD) in der großen Interviewserie »Binnenschifffahrt
trifft...“ unserer Schwesterpublikation
Binnenschifffahrt. Über das
märkische und westdeutsche Kanalnetz
bis nach Tschechien sichere das Binnenschiff
unverzichtbare Transportwege.
Insbesondere im Zuge der Krisenvorsorge
warnt die Senatorin davor, den Verkehrsträger
zu unterschätzen: »Gerade an
einem Logistikknoten wie Hamburg geht
es um Redundanz: Wenn Straße oder
Schiene gestört sind, können Wasserwege
Stabilität schaffen.« Das Binnenschiff fungiere
hierbei als fundamentaler Baustein
für die Industrie, die Hafenwirtschaft und
die allgemeine Versorgungssicherheit.
Finanzierungsspannung und
Ausbaudruck
Doch das zusammenhängende System
leidet unter seinen Schwachstellen. Für
die norddeutschen Verkehre bildet der Elbe-Seitenkanal
das Nadelöhr, konkret das
in die Jahre gekommene Schiffshebewerk
Scharnebeck. Hier fordern die Länder geschlossene
Rückendeckung. Wenn das
Baurecht für die Neue Schleuse Lüneburg
vorliege, komme es laut Leonhard darauf
an, dass der Bund unverzüglich die notwendigen
Haushaltsmittel bereitstellt:
»Wer mehr Güter auf das Wasser bringen
will, muss auch in die Wasserstraße investieren.«
Diesen Ball nimmt der niedersächsische
Wirtschafts- und Verkehrsminister Grant
Hendrik Tonne (SPD) direkt auf. Im Interview
ging der Minister hart mit der Prioritätensetzung
in Berlin ins Gericht. Angesichts
des schleppenden Fortgangs an
den Schleusenneubauten der Ems-Achse
fand Tonne deutliche Worte: »Ich muss
offen sagen, dass ich die aktuelle Geschwindigkeit
der Bundesregierung beim
Bau der Schleusen nicht zufriedenstellend
finde. Die Verzögerungen sind spürbar
und stellen eine erhebliche Belastung für
die Wirtschaft in der Region dar.«
Niedersachsen geht zwar mit einem
375 Mio. € schweren Modernisierungsprogramm
für seine Landeshäfen (NPorts)
voran, sieht den Bund jedoch bei den Bundeswasserstraßen
und den Schnittstellen
in der Pflicht. Die Häfen seien systemrelevant
für die Versorgungssicherheit und
die Energiewende. »Die Energiewende
Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie
Leonhard
endet nicht an der Küste«, so Tonnes zentrales
Credo. »Sie braucht leistungsfähige,
klimafreundliche und verlässliche Transportwege
ins Hinterland – und genau hier
bietet die Binnenschifffahrt große Chancen.«
Die Perspektive des Bundes
und die Rheinschiene
© Daniel Reinhardt/Senatskanzlei
Die Notwendigkeit einer beschleunigten
Modernisierung ist auch auf der administrativen
Bundesebene Konsens. Anke
Leue, Präsidentin der Generaldirektion für
Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS),
unterstreicht die fundamentale volkswirtschaftliche
Dimension einer funktionierenden
Infrastruktur. Der Seehandel und
die heimische Industrie seien direkt davon
abhängig, dass Engpässe systematisch
beseitigt werden. Die WSV stehe vor der
Herkulesaufgabe, einen historisch gealterten
Bauwerkspark – von Schleusen
bis zu Wehren – unter erheblichem Sanierungsstau
und komplexen föderalen
Rahmenbedingungen für die Zukunft aufzustellen
und zu digitalisieren.
Wie drängend dieses Problem im Westen
der Republik ist, macht Nordrhein-
Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer
(Bündnis 90/Die Grünen) deutlich.
Das Rheindelta und die Anbindung an
die Westhäfen Rotterdam und Antwerpen
bilden die am intensivsten genutzte
Wasserstraßenachse Europas. Krischer
warnt vor den volkswirtschaftlichen Konsequenzen
anhaltender Verzögerungen
bei wichtigen Infrastrukturprojekten wie
der Fahrrinnenanpassung am Mittel- und
Niederrhein. »Leistungsfähige Binnenhäfen
und verlässliche Wasserstraßen
sind die zentralen Lebensadern unserer
heimischen Industrie«, erneuert Krischer
seine Kernforderung nach einer radikalen
Planungsbeschleunigung und einer verlässlichen
Finanzierung durch den Bund.
Ohne einen massiven Kapazitätsausbau
auf dem Wasser lasse sich die dringend
benötigte Verkehrsverlagerung weg von
der Straße im bevölkerungsreichsten Bundesland
nicht realisieren.
Dass Logistik keine Landesgrenzen
kennt, zeigt auch der Blick nach Süden
und in den europäischen Transitraum.
Selbst in Regionen wie Bayern oder auf
den Donau-Korridoren Richtung Österreich,
wo Logistikentscheider die Donau-
Achse forcieren, eint die Verkehrsressorts
dieselbe Erkenntnis: Das Binnenschiff
muss aus seiner Nische geholt werden,
um die Schienenkorridore Richtung Südund
Südosteuropa spürbar zu entlasten.
Die kommende Nationale Maritime
Konferenz in Duisburg bietet die perfekte
Bühne, um den Worten Taten folgen zu
lassen. Die Küstenländer haben geliefert,
die Binnenländer stehen bereit. Nun liegt
der Fokus auf dem Bund, das Comeback
der Infrastruktur über alle Wasserstraßen
hinweg haushalterisch zu untermauern.
Redundanz und Resilienz gibt es nicht
zum Nulltarif.
■
»Binnenschifffahrt trifft ...«
Wie bewerten die Verkehrsressorts
der Bundesländer und der
benachbarten Binnenschifffahrtsanrainer
den Zustand unserer
Wasserstraßen? Dieser Frage
geht die exklusive Interviewserie
»Binnenschifffahrt trifft...« in
unserer Schwesterpublikation
Binnenschifffahrt nach. In ausführlichen
Gesprächen nehmen
Landesministerinnen und -minister
sowie Entscheider aus Politik und
Verwaltung Stellung zu drängenden
Infrastrukturfragen, dem
Sanierungsstau an Schleusen und
Kanälen sowie den logistischen
Potenzialen für die Wirtschaft. Die
Interviews lesen Sie in den aktuellen
Ausgaben der Binnenschifffahrt
sowie online unter binnenschifffahrt-online.de
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
69
OFFSHORE
Die Windpark-Industrie mit ihren
verschiedenen Aspekten soll stärker
sichtbar gemacht werden
© WAB
Eine Zeitreise als Appell:
Größte Offshore-Exkursion seit 15 Jahren
Bedeutende Wegmarken sind überschritten, aber es gibt noch Hausaufgaben und
Denmark
Notwendigkeiten für den Ausbau des deutschen offshore Offshore-Markts: tour Im Herbst steht eine große
Esbjerg
Operated by
Exkursion in deutsche Gewässer an, um sich ein besseres Bild machen zu können. Die Gäste
sollen die Industrie vor Ort zu Gesicht bekommen
Das Wichtigste vorweg: Am 31. August
geht es früh um 7 Uhr morgens in Hamburg
los: Die Messe Husum Wind will im
Schulterschluss mit der Branchenorganisationen
WAB ein »einzigartiges Offshore-
Event« ermöglichen. Es geht darum, relevante
Stakeholder zusammenzubringen,
um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen,
was hierzulande bereits geschafft
wurde, was machbar ist und nicht zuletzt
dafür, was noch nötig ist.
Es wird eine »maximal mögliche Tour«
koordiniert, heißt es seitens der Organisatoren.
Ihr Ziel ist, 25 bis 28 Windpark-Projekte
anzusteuern. An einigen
ausgewählten Stellen werden Experten
vor Ort zu den Projekten Präsentationen
zeigen und Informationen liefern.
Zudem werden Aktivitäten live zu sehen
17
NORTH SEA
Project
1 Windpark
2 Windpark
3 Windpark
4 Converter
5 Converter
6 Windpark
7 Converter
8 Converter
9 Windpark
10 Windpark
11 Converter
12 Windpark
Flensburg
18
13 Windpark
19
13
14 Windpark
Husum
14 15 2021
16 22 23 15 Converter
St. Peter-Ording
16 Converter
12 12
Kiel
Helgoland
11 10 9 24 26 27
17 Windpark
28
8
1
25
Special us
18
7 3
renewable
6 4 5 2
Brunsbüttel
19 Windpark
Netherlands
Norddeich
Emden
Wilhelmshaven
Cuxhaven
Bremerhaven
Germany
Hamburg
Route may vary depending on wind and sea conditions.
Die geplante Route der größten Exkursion der letzten 15 Jahre
© Husum Wind
20 Windpark
21 Converter
22 Windpark
23 Converter
24 Windpark
25 Windpark
26 Windpark
27 Windpark
28 PTX-Testp
70 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
OFFSHORE
© FRS Helgoline
Partner der Exkursion ist die Reederei FRS Helgoline
sein, die die Arbeit der Branche repräsentieren.
Je nach dann aktuellem Stand
in den Windparks zählen dazu beispielsweise
Einsätze von Crew-Schiffen (CTV),
Service-Schiffen (SOV), der Überstieg von
Service-Personal auf die Anlagen, Transportflüge
mittels Helikopter und speziellen
Drohnen, Bauarbeiten mit Monopile-Gründungen
oder Installationen von
Windenergieanlagen.
Zum Hintergrund der Exkursion gehören
unter anderem zwei wichtige
Wegmarker: 2025 hat die Branche das
15-jährige Jubiläum der Installation der
ersten Offshore-Windenergie-Anlagen in
der deutschen AWZ gefeiert. Seinerzeit
ging es um das Testfeld »Alpha Ventus«.
Außerdem wurde im vergangenen Jahr
die Marke von 10.000 MW überschritten,
die in den letzten 15 Jahren installiert wurden.
»Alles das sind Gründe, den aktuellen
Stand auf See mit einer großen Exkursion
zu besichtigen«, sagt Pascal Hofer, Projektleiter
der Messe Husum Wind.
Viele Tausende Personen arbeiten
für diese saubere Energieform. Nur ein
Bruchteil davon bekommt aber jemals
die Anlage auf See zu Gesicht. Zusätzlich
werden Unternehmen ihre Kunden
einladen, die den Offshore-Strom beziehen,
aber nur selten Einblicke in die
Produktionsanlagen direkt vor Ort bekommen.
Neben nationalen Fachleuten
und Geschäftskunden werden auch viele
internationale Teilnehmer erwartet. »Gerade
in der aktuellen geopolitischen Entwicklung
ist es wichtig, sich zu vernetzen
und die Entwicklung in Deutschland zu
zeigen«, so Hofer weiter. Den Veranstaltern
geht es darum, zu vermitteln, dass
das Kraftwerk »Offshore« eine sehr wichtige
Position in der Resilienzabsicherung
Deutschlands und Europas einnimmt.
Zum Hintergrund gehören aber natürlich
auch politische Notwendigkeiten.
In der Branche wünscht man sich eine
Beibehaltung des eingeschlagenen Ausbaupfades,
ein klares Commitment der
Politik, Anpassungen der Aussschreibungs-Regularien
mit ausreichenden
»Contract for Difference« (CfD) und qualitativen
Vorgaben wie einen grünen
Stahlanteil. Darüber hinaus geht es um
konkrete Unterstützung der Politik bei
der Finanzierung und den Ausbau der
Hafenstandorte sowie konkrete Unterstützung
bei der Entwicklung der Produktionsstandorte
der 2-GW-Konverterplattformen
auf deutschen Werften. Ein
weiterer wichtiger Punkt: die Einführung
von EU-Zöllen auch für ausländische Offshore-Gründungshersteller
und nicht
nur auf allgemeine Stahlprodukte.
Das Thema »Sicherheit/Kritische Infrastruktur«
sollte nach Ansicht von Hofer
»dringend« stärker in den Fokus genommen
werden: »Es müssen Zuständigkeiten
geklärt werden. Es müssen Notfall-Szenarien
entworfen, Notfall-Pläne
erstellt und geübt werden.«
Die Branche selbst muss weiter für
ihren Schutz aufrüsten – sowohl physisch
an und auf den Anlagen als auch
mit Blick auf Cyber-Angriffe. Dafür muss
mit den Behörden, der Küstenwache
und der Marine zusammengearbeitet
werden. Die Exkursion soll dabei ein Baustein
sein, die entsprechenden Akteure
zusammenzubringen. Neben Vertretern
aus der Offshore-Windenergie, deren
Zulieferern und Dienstleistern entlang
der gesamten Wertschöpfungskette erwarten
die Organisationen eine hohe Resonanz
aus der Politik und den Medien.
Viele der Akteure aus der Industrie
sind auch Aussteller auf der Messe Husum
Wind, bei der es immer mehr auch
um die Aktivitäten auf See geht. »Der
Anteil der Aussteller aus dem Bereich
Offshore hat sich über die letzten Jahre
sukzessive weiterentwickelt. Am Anfang
war es eine reine Onshore-Wind-Messe.
Mittlerweile repräsentieren rund ein
Drittel der Aussteller auch den Bereich
Offshore«, bestätigt Hofer. Und das ist
auch so gewollt: »Mit der Nordsee vor
der Haustür und Schleswig-Holstein als
Leuchtturm für Erneuerbare Energie in
Deutschland war es für uns nur eine logische
Schlussfolgerung, dass ein solches
Event ins Leben gerufen wird. Es wird die
größte Exkursion der letzten 15 Jahre in
ganz Europa.«
RD
Scannen Sie den QR-Code für weitere
Informationen oder gehen Sie
ins Netz auf www.husumwind.
com/de/offshore-exkursion
HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
71
TERMINE
freight & trade events
worldwide conferences | exhibitions | seminars for shipping, commodities, finance
Marine + Offshore
01.–05.06.2026 ATHEN
Posidonia | posidonia-events.com
05.06.2026 FLENSBURG
ISF-Tagung
www.maritimes-zentrum.de
09.–11.06.2026 SOUTHAMPTON
Seawork 2026 | www.seawork.com
01.–04.09.2026 HAMBURG
SMM | www.smm-hamburg.de
13.–14.10.2026 ROSTOCK
Rostock Large Engine
Symposium | www.rgmt.de
18.–20.11.2026 HAMBURG
STG-Hauptversammlung
www.stg-online.de
20.–21.01.2027 HAMBURG
24. STG-Tagung „Korrosionsschutz
in der maritimen Technik“
www.stg-online.de
Shipping + Logistics
16.–18.06.2026 ROTTERDAM
Breakbulk Europe
www.europe.breakbulk.com
24.–25.06.2026 BREMERHAVEN
MARESEC 2026 | maresec.org
27.07.2026 TOKYO
»Young Agents and
Brokers Award« (YOBA)
www.fonasba.com
02.09.2026 HAMBURG
Maritime Future Summit @ SMM
www.smm-hamburg.de
02.–03.09.2026 HAMBURG
all about ports |www.loginext.de
06.–07.10.2026 BRAUNSCHWEIG
DGON ISA 2026 |dgon-isa.org
24.–26.11.2026 NÜRNBERG
SPS – Smart Production Solutions
www.sps-exhibition.com
27.11.2026 HAMBURG
HANSA-FORUM
»Connecting Maritime Minds«
Commodities + Energy
02.–03.06.2026 LONDON
Gas, LNG & The Future of Energy
Conference |www.woodmac.com
16.–18.06.2026 AMSTERDAM
Electric & Hybrid Marine World
www.electricandhybridmarineworldexpo.com
17.–18.06.2026 STAMFORD
Commodity Trading Week Americas
www.americas.commoditytradingweek.com
22.–25.09.2026 HAMBURG
WindEnergy Hamburg
www.windenergyhamburg.com
20.–22.10.2026 HAMBURG
Hydrogen Technology
Expo Europe
www.hydrogen-worldexpo.com
25.–26.11.2026 DUBAI
Middle East Energy Transition
Summit
www.spglobal.com
»REIS & CURRY« UND AUSZUBILDENEN-EHRUNG
Schifffahrts-Essen in Hamburg: Eine Tradition wird gelebt
Es gibt hierzulande so einige Veranstaltungen im Kalender der
maritimen Wirtschaft. Zu den traditionsreichsten Events gehört
aber sicherlich das »Schifffahrts-Essen« des Nautischen Vereins zu
Hamburg (NVzHH). Und wie in jedem Jahr pilgerten auch in diesem
Jahr wieder zahlreiche Gäste ins Hotel Grand Elysée: über 490 Teilnehmer
aus Wirtschaft und Politik, um etwa genauer zu sein.
Aufgrund der positiven Resonanz aus 2025 hatte sich der mittlerweile
158 Jahre alte Verein dazu entschieden, das Schifffahrtsessen
wieder Anfang Mai direkt vor dem Hamburger Hafengeburtstag
zu veranstalten. Der NVzHH-Vorsitzende Christian
Suhr begrüßte unter anderem Yadir Salazar-Mejía, Botschafterin
von Kolumbien in Deutschland, für
ein Grußwort, VDR-Präsidentin Gaby
Bornheim für die Festrede sowie Robby
Renner, Leiter des Havariekommandos,
für die Kapitänsrede.
Ein Höhepunkt des Schifffahrts-
Essen ist – neben dem traditionellen
Zentraler Bestandteil:
Das »Reis & Curry« mit
seinen kulinarischen
Komponenten
© Von Pfeil
v.l.: Jan Schlichting, Abteilungsleiter Schifffahrt der Berufsschule,
Maybrit Blohm (Ausbildung bei Meerpohl & Meyer), Christian Suhr
(NVzHH) und Marvin Bremsat (Ausbildung bei Hapag-Lloyd)
»Reis & Curry« – jedes Jahr die Auszeichnung
der jahrgangsbesten Auszubildenden
aus dem Bereich der
Schifffahrtskaufleute. Geehrt wurden
auf der Bühne Maybrit Blohm für das
Segment »Tramp« und Marvin Bremsat
für »Linie«. Blohm hatte bis Januar bei Meerpohl & Meyer gelernt
und arbeitet seit Februar bei Shipping & Chartering in Jork.
Bremsat hatte ebenfalls im Januar ausgelernt und mit einer »1«
die beste Prüfung des Jahres abgelegt. Nach seiner Ausbildung
bei Hapag-Lloyd ist er in der Containerlinienreederei derzeit als
»Senior Coordinator Inland Delivery Team« für Deutschland und
Zentraleuropa tätig.
MM
© Jens Meyer
72 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
IMPRESSUM
Inserentenverzeichnis | Index of Advertisers
AAL Austral Asia Line Pte Ltd. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
Bachmann electronic GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
BBC Chartering GmbH & Co. KG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
BLG LOGISTICS GROUP AG & Co. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
Bureau Veritas SA Zweigniederlassung Hamburg. . . . . . . . . . . . 75
Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger . . . . . . . . . 73
dship Carriers GmbH & Co. KG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .Titel
Fairplay
Schleppdampfschiffs-Reederei Richard Borchard GmbH . . . . . 17
GROMEX GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Flensburg University of Applied Sciences . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
Inmarsat Global Ltd. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
Lehmann Marine GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
Marine.Media GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . U4
Messe Husum & Congress GmbH & Co. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
OnLogic B.V. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
ProfiSeal GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
RUD Ketten Rieger + Dietz GmbH + Co. KG . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
Schaffran Propeller & Service GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Schiffahrts-Verlag »Hansa« GmbH & Co. KG . . . . . . . . . . . . U2, 7, 11
Toepfer Transport . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Wallmann & Co. (GmbH & Co. KG) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Das Anzeigenverzeichnis dient der Leserorientierung.
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Verband für Schiffbau und Meerestechnik e. V. (VSM) |
AG Schiffbau-/ Offshore-Zulieferindustrie (VDMA) |
Schiffbautechnische Gesellschaft e. V. (STG) | DNV |
Normenstelle Schiffs- und Meerestechnik (NSMT) im DIN |
Deutsches Komitee für Meeresforschung und Meerestechnik e. V. |
Seeverkehrsbeirat des Bundesministers für Verkehr |
IMO-Berichterstattung (Bundesverkehrs ministerium,
Abt. Seeverkehr) |Deutscher Nautischer Verein (DNV) |
Deutsche Gesellschaft für Ortung und Navigation (DGON) |
Schutzverein Deutscher Rheder V. a. G.|
The World Association for Waterborne Transport Infrastructure
(PIANC) | Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe e. V.
(ZDS) | Berufsbildungsstelle Seeschiffahrt | Deutscher
Hochsee fischerei-Verband e.V. | Deutsche Gesellschaft
zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS)
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HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
73
LETZTE SEITE
Die DDR ging als Erste in die Antarktis:
50 Jahre Georg-Forster-Station
Am 21. April 1976 wurde in der Schirmacher-Oase
die spätere Georg-Forster-
Station der damaligen DDR eingeweiht.
Sie war die erste ganzjährig betriebene
deutsche Forschungsstation in der Antarktis
und markiert einen Meilenstein in
der Geschichte der ostdeutschen und
später gesamtdeutschen Polarforschung.
Im Juni feiern ehemalige Überwinterer
und Gäste das Jubiläum in Potsdam.
Im Oktober 1975 reisten sechs Überwinterer
mit etwa 150 t Fracht an Bord des
eisgängigen Frachters »Kapitan Markov«
der 21. Sowjetischen Antarktisexpedition
in die Antarktis. Ihre Aufgabe: Der Aufbau
einer Forschungsbasis der ostdeutschen
Akademie der Wissenschaften in
Nachbarschaft der sowjetischen Station
Aufbau der Georg-Forster-Station 1976
© AWI
Die Station mit Anbauten 1991
Im Oktober 1975 reisten sechs Überwinterer mit etwa 150 t Fracht an Bord des eisgängigen
Frachters »Kapitan Markov« der 21. Sowjetischen Antarktisexpedition (SAE) in die Antarktis.
Ihre Aufgabe: Der Aufbau einer Forschungsbasis der ostdeutschen Akademie der Wissenschaft
© Volker Strecke
© AWI
Novolazarevskaya (Novo). Nach Erreichen
des antarktischen Kontinents entlud das
Team die Fracht und transportierte sie
mit Unterstützung sowjetischer Kollegen
in die Schirmacher-Oase.
»In nur 74 Tagen, vom 6. Februar bis
20. April 1976, montierten wir die mitgebrachten
Schlittenmodule zu einer funktionsfähigen
Forschungsanlage«, beschreibt
Hartwig Gernandt den Aufbau.
Er leitete die erste Überwinterung und
blieb auch später in der deutschen Polarforschung
– zuletzt als Leiter der Logistik-Abteilung
am Alfred-Wegener-Institut,
Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
(AWI). Der rasche Aufbau
war möglich, da die Stationselemente
aus auf Schlitten montierten 20-Fuß-Container-Modulen
bestanden, die bereits
in Deutschland voll ausgebaut und eingerichtet
wurden. »Dieses Konzept, eine
Station aus Modulen, fertig ausgestattet
zur Inbetriebnahme, auf Schlitten zum
künftigen Standort zu transportieren und
die Stationsanlage vor Ort zu montieren,
war vor 50 Jahren ein neuer Ansatz, um
langwierige Aufbauzeiten bei harschen
meteorologischen Bedingungen zu minimieren«,
sagt Gernandt.
Die ersten Module waren ausgestattet
als Generatorstation für die Stromversorgung,
Labore und als Wohn- und
Schlafräum für die sechs Überwinterer.
Später wurden weitere Module als wissenschaftliche
Labore integriert, und
die Station verfügte seit dem Jahr 1987
über eine eigene Funkstation. Die Versorgung
erfolgte im Rahmen der logistischen
Kooperation mit der etwa 1,5 km
entfernten Station Novo, die auch das
sicherheitstechnische Backup bildete.
Damit markierte die Georg-Forster-
Station den Beginn permanenter Präsenz
deutscher Wissenschaftler; die
Bundesrepublik Deutschland eröffnete
erst 1981 die Georg-von-Neumayer-
Station auf dem Ekström-Schelfeis.
Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung
entstand die AWI-Forschungsstelle
Potsdam, in der Permafrost- und Atmosphärenforschung
der DDR eine neue
Heimat fanden. Auch die Verantwortung
für die Antarktisstation ging ans AWI
über, das den Betrieb bis 1992 fortführte.
Eine dauerhafte Nutzung war jedoch
nicht vorgesehen. Der Betrieb der
Georg-Forster-Station wurde in der Saison
1992/93 eingestellt. Bis 1996 wurde
die Station im Rahmen des deutsch-russischen
Projekts »Cleaning up Schirmacher
Oasis« vollständig abgetragen. Es war Teil
der Umsetzung des Umweltschutzprotokolls
zum Antarktisvertrag und wurde
als vorbildlich gewürdigt. Am ehemaligen
Standort erinnert seit 1998 eine Bronzetafel
an die Georg-Forster-Station. 2013
wurde der Ort in die Liste der »Historical
Sites and Monuments« des Antarktisvertrages
aufgenommen.
RD
74 HANSA - International Maritime Journal 06 | 2026
SMM MARITIME START-UP
SMM MARITIME START-UP
DAY NIGHT 2026
DAY & NIGHT 2026
02.09.2026
SMM 02.09.2026
HAMBURG
SMM HAMBURG
Digital Stage +++
Digital Stage +++
Hall Hall
Digital B6
B6
Stage +++
Hall B6
SMM Hamburg 2026: Opening our doors
SMM Hamburg 2026: Opening our doors
on SMM September Hamburg 2026: 2nd Opening for international our doors
on September 2nd for international
maritime on September start-ups 2nd to for showcase international
their
maritime start-ups to showcase their
newest maritime solutions. start-ups to showcase their
newest solutions.
newest solutions.
WHAT´S IN
IN
MARITIME
MARITIME
START-UP
MARITIME
MARITIME
START-UP
START-UP START-UP MARITIME
PITCHES START-UP AWARD
PITCHES START-UP MARITIME
AFTERSHOW-PARTY
AWARD AFTERSHOW-PARTY
START-UP
START-UP PITCHES START-UP AWARD AFTERSHOW-PARTY
01
01
01
02
02
02
03
03
03
04
04
04
05
05
05
REGISTER NOW
REGISTER NOW
www.maritimestartups.de
www.maritimestartups.de
www.maritimestartups.de
Win a free SMM
Win free SMM
booth Win a for free 2028 SMM
&
booth for 2028 booth a HANSA for 2028 Media&
HANSA Media
a voucher HANSA worth Media
voucher worth
voucher 10.000 Euro worth
10.000 Euro
10.000 Euro
Start-up Booth
Start-up Booth
Start-up Booth
Start-up Route
Start-up Route
Start-up Route
Start-up Pitch Day Event
Start-up Pitch Day Event
Start-up Pitch Day Event
SMM Maritime Start-up Award
SMM Maritime Start-up Award
SMM Maritime Start-up Award
Start-up Aftershow-Party
Start-up Aftershow-Party
Start-up Aftershow-Party
COOPERATION PARTNER:
SPONSOR:
MEDIAPARTNER:
COOPERATION PARTNER:
SPONSOR:
MEDIAPARTNER:
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MEDIAPARTNER:
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