04.06.2026 Aufrufe

CLICK BÜHNE JUN/JUL 26

Das Kulturmagazin von arttv.ch für Theater, Musik, Literatur und Kulturgeschichte

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CB CLICK BÜHNE

Das E-Magazin für Theater | Musik | Literatur | & +

JUN/JUL 2026


GRÜEZI

Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch

HINWEIS:

Die Bildlegenden und

Copyrights zu den

verwendeten Fotos –

wenn nicht anders

vermerkt – finden sich

auf unserer Website.

«Der Farbton ‹Baker-Miller

Pink› sollte aggressive

Häftlinge beruhigen und

wurde zeitweise fast als

Wunderwaffe gefeiert. Der

durchschlagende Erfolg blieb

allerdings aus.»

Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch

Cover: Sopranistin Regula Mühlemann


Mausgrau, pink und knallgelb

Liebe CLICK-BÜHNE-Gemeinschaft

Die Ausstellung «Die Eule ist pink» im Museum der Kulturen Basel zeigt

anhand von Objekten aus aller Welt, wie eng Farben mit Emotionen,

Erinnerungen und kulturellen Bedeutungen verbunden sind. Denn Farben

sind eben nie bloss Dekoration. Blau beruhigt angeblich, Rot aktiviert, Gelb

macht glücklich. Jedenfalls erzählen uns das Werber:innen,

Farbberater:innen und Interior-Expert:innen seit Jahren. Auch in der

Tiefenpsychologie spielen Farbe eine wichtige Rolle.

Skepsis ist allerdings angebracht: Natürlich beeinflussen Farben unsere

Wahrnehmung. Aber ihre Wirkung wird bisweilen dargestellt, als handle es

sich um exakte Wissenschaft. Dabei ist die Sache komplizierter. Bestes

Beispiel sind die berühmten rosa Gefängniszellen. Der Farbton «Baker-

Miller Pink» sollte aggressive Häftlinge beruhigen und wurde zeitweise fast

als Wunderwaffe gefeiert. Der durchschlagende Erfolg blieb allerdings aus.

Offenbar lösen sich menschliche Probleme eben nicht einfach mit einem

neuen Anstrich.

Herrlich karikiert hat das Loriot in seinem legendären Sketch aus

«Ödipussi». Dort eskaliert eine harmlose Diskussion über Sofafarben zu

einer hochpräzisen Graudebatte: mausgrau, steingrau, aschgrau. Wer den

Sketch länger nicht gesehen hat, sollte das dringend nachholen. Er zeigt

wunderbar, wie ernst Menschen ihre Farbvorlieben nehmen – und wie

komisch das zugleich sein kann. Vielleicht liegt die eigentliche Macht der

Farben ohnehin weniger in ihrer objektiven Wirkung als in den Geschichten

und Gefühlen, die wir mit ihnen verbinden. Die Ausstellung in Basel möchte

ich auf alle Fälle empfehlen. Genauso wie die anderen Kulturevents, die wir

in diesem CLICK BÜHNE festgehalten haben.

Grau hin oder her – geniessen wir den Frühsommer mit seinen herrlichen

Farben. Bunt wie das aktuelle CLICK BÜHNE.

Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch


v

«L’elisir d’amore»

– Mittel und Wege

zur Liebe


Fotos zum

Artikel:

Ingo Hoehn

Ein Liebestrank, ein

schüchterner Held und

grosse Gefühle: Am

Luzerner Theater

inszeniert Lucía

Astigarraga Gaetano

Donizettis Opera buffa

neu

Das 1832 uraufgeführte Werk begeistert bis

heute mit einer Mischung aus Leidenschaft,

Poesie und Heiterkeit und legt dabei

augenzwinkernd offen, was bis heute einzig als

Rezept für die wahre Liebe zählt: Mut, zu

seinen Gefühlen zu stehen. Für die

Inszenierung kehrt mit Lucía Astigarraga eine

erfahrene Regisseurin ans Haus zurück, die

bereits 2024 mit «La Bohème» das Luzerner

Publikum überzeugte.


Donizettis liebestrunkener Held

Der schüchterne Nemorino hat sich in die attraktive,

scheinbar unerreichbare Adina verliebt, die jedoch auch

vom draufgängerischen Offizier Belcore umworben wird.

Rettung verspricht der Quacksalber Dulcamara – dieser hat

nämlich «Liebestränke» parat, die wirken sollen wie bei

«Tristan und Isolde». Und tatsächlich: Nemorino fasst neuen

Mut und riskiert sogar sein Leben, um Adinas Herz zu

gewinnen. Eine unerwartete Erbschaft tut ihr Übriges und so

ist selbst Dulcamara erstaunt, welche Energie und

Verwandlungskunst sein Betrug freisetzt.

Cecilia Bartoli



Opernklassiker mit Witz und Gefühl

«L’elisir d’amore» gehört zu den beliebtesten komischen Opern

überhaupt – und das nicht nur wegen ihrer humorvollen Handlung,

sondern auch wegen ihrer überraschend berührenden Musik. Komponiert

wurde das Werk von Gaetano Donizetti, einem der grossen Meister des

Belcanto. Die Uraufführung fand 1832 in Mailand statt. Im Mittelpunkt

steht der schüchterne Nemorino, der sich mit Hilfe eines angeblichen

Liebestranks die Liebe der klugen Adina sichern möchte. Der

«Zaubertrank» stammt allerdings vom gewieften Quacksalber Dulcamara

– und besteht in Wahrheit schlicht aus Rotwein. Dass am Ende trotzdem

alles gut ausgeht, macht den Charme der Oper aus.

Berühmte Arie und zeitlose Figuren

Rund um das Werk ranken sich einige hübsche Anekdoten. So soll

Donizetti die gesamte Oper in nur wenigen Wochen geschrieben haben –

ein unglaubliches Tempo selbst für die produktive Opernwelt des 19.

Jahrhunderts. Trotzdem wirkt die Musik nie hastig, sondern voller

Leichtigkeit und Eleganz. Die berühmteste Stelle der Oper ist Nemorinos

Arie «Una furtiva lagrima». Der Tenor singt darin von einer «verstohlenen

Träne», die ihm verrät, dass Adina ihn vielleicht doch liebt. Die Arie gilt

bis heute als Prüfstein für grosse Tenorstimmen – von Luciano Pavarotti

bis Plácido Domingo haben sich fast alle berühmten Sänger daran

versucht. Interessant ist auch, dass die Figur des Dulcamara bis heute

erstaunlich modern wirkt: ein wortgewandter Verkäufer, der mit grossen

Versprechen und geschicktem Marketing ein zweifelhaftes Produkt

anpreist. Viele moderne Inszenierungen spielen deshalb bewusst mit

aktuellen Bezügen – vom Wunderheilmittel bis zur Influencer-Werbung.

Die Mischung aus Humor, Menschlichkeit und grosser Melodie macht die

Oper bis heute zu einem Publikumsliebling – sowohl für

Opernkenner:innen als auch für Einsteiger:innen.


ARTTV

VIDEO

«L’elisir d’amore» | Luzerner

Theater | bis 21. Juni 2026


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4.7. – 25.10.2026

Carl Blechen, Meeresstudie, 1829

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Wenn Liebe

zur Rebellion

wird



Cathy Marstons

inszeniert für das

Opernhaus Zürich

«Romeo und Julia»

Kaum ein Ballett vereint Dramatik, Emotion und

musikalische Wucht so kraftvoll wie «Romeo und

Julia». Mit Sergej Prokofjews ikonischer Partitur

schuf das 20. Jahrhundert eines der intensivsten

Tanzwerke überhaupt – voller orchestraler

Energie, lyrischer Schönheit und düsterer

Vorahnung. Nun verspricht Cathy Marston den

Stoff am Opernhaus Zürich in einer neuen

choreografischen Lesart auf die Bühne zu bringen.

Eine Aufführung voller Schönheit, Schmerz und

tragischer Wucht, eine zutiefst berührende

Choreografie von «Romeo und Julia».

Unvergesslich!


Prokofjews Klanggewitter trifft auf pure Emotion

Die Geschichte von «Romeo und Julia» gehört seit Jahrhunderten

zu den grossen Liebestragödien der Weltliteratur. Doch erst

Prokofjews Musik machte daraus ein Ballett von epochaler Kraft.

Der russische Komponist schrieb die Partitur in den 1930er-

Jahren – mit eruptiven Klangflächen, brutalen Rhythmen und

einer Zartheit, die bis heute unter die Haut geht. Stücke wie der

berühmte «Tanz der Ritter» wurden längst zu musikalischen

Ikonen.

Genauso ergreifend ist die Geschichte selbst: «Romeo und Julia»

zeigt zwei junge Menschen, die in einer verhärteten Gesellschaft

um Freiheit kämpfen – und daran zerbrechen. Wer die Arbeit von

Cathy Marston kennt, kann davon ausgehen, dass sich die

Choreografin in ihrer Zürcher Inszenierung weniger für

romantischen Kitsch als für die Dynamik von Macht, Familie und

jugendlicher Radikalität interessiert.


REZENSION

Für arttv.ch gesehen haben das Ballett Georg Kling und Felix

Schenker

Wenn Liebe zur Tragödie wird: Cathy Marstons «Romeo und Julia»

geht unter die Haut

Die Basis für dieses gelungene Ballett bildet die ungeheuer vielfältige,

vom Orchester der Oper Zürich grossartig gespielte Musik von Sergei

Prokofjew: manchmal wundervoll unbeschwert und romantisch,

manchmal an die Filmmusik eines Hitchcock-Films erinnernd, manchmal

mit atonalen Zügen – und doch immer mit der heraufziehenden Tragödie

von «Romeo und Julia» im Klang.

So fröhlich, leicht und bunt verliebt die Geschichte der Montagues und

Capulets beginnt, so schnell kippen die Emotionen in Gewalt,

Verzweiflung und Unausweichlichkeit. Die Farben verschwinden, der Tod

kommt unerbittlich.

Die Geschichte wird nicht nur getanzt, sondern in Cathy Marstons

Choreografie auch ausgesprochen vielfältig erzählt. Marston verbindet

gekonnt klassischen Tanz mit modernem Tanztheater und lässt den

Emotionen viel Raum. Die Kälte der Familie Capulet irritiert, unterstreicht

aber gleichzeitig die starken Gefühle der Protagonist:innen. Das reisst

mit und berührt.

Fazit:

Cathy Marston gelingt am Opernhaus Zürich ein intensiver,

emotionaler und visuell eindringlicher Ballettabend, der Prokofjews

monumentale Musik mit grosser erzählerischer Kraft verbindet.


VIDEO

Ballett «Romeo und Julia» | Opernhaus Zürich

| Die Aufführungen von «Romeo und Julia»

am Opernhaus Zürich laufen in der Saison

2025/26 bis zum 26. Juni 2026. Bis auf

Restkarten sind – inklusive Zusatzvorstellung

– alle Termine ausgebucht.

Das Publikum hat jedoch im Rahmen des

Open-Air-Formats «Opernhaus für alle» die

Gelegenheit, das Ballett am 26. Juni 2026 um

19 Uhr kostenlos auf Grossleinwand zu sehen.

Neben «Romeo und Julia» stehen auch

Richard Wagners Oper «Tannhäuser» (27. Juni,

18 Uhr) sowie ein Open-Air-Konzert (28. Juni,

20 Uhr) auf dem Programm.


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Cut it!

Nicolas Bernière, Ursula Rutishauser

und Bruno Weber

21. März bis 14. Juni 2026

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15.3.–

31.10.2026

FILM

AB!

100 JAHRE

KINO SCHWANEN


Tanz als

v

Erinnerung,

Widerstand und

Zukunft


links: White Space

A.I.M by Kyle Abraham

© Carrie Schneider

Das Lugano Dance

Project machte

Lugano fünf Tage

lang zum Hotspot

des internationalen

zeitgenössischen

Tanzes

Wenn Körper und Bewegung zur Sprache einer

ganzen Generation werden, dann ist wieder Zeit

für das Lugano Dance Project: Vom 10. bis 14.

Juni 2026 bringt das Festival internationale Ikonen

und radikale neue Stimmen des zeitgenössischen

Tanzes ins Tessin – mit Performances, Workshops,

Gesprächen und Uraufführungen, die

Vergangenheit und Gegenwart auf explosive

Weise miteinander verbinden. Eine gute

Gelegenheit, dem südlichsten Schweizer Kanton

einen Besuch abzustatten.


The Gathering: Soul(s) Power

Hamdi Dridi | © bayremjpg


Tanz und kulturelles Erbe

Die dritte Ausgabe des Lugano Dance Project widmet sich einem

hochaktuellen Thema: dem Verhältnis von Tanz und kulturellem Erbe. In

einer Welt voller Krisen, Konflikte und gesellschaftlicher Umbrüche fragt

das Festival danach, was wir weitergeben – und wie sich Erinnerungen im

Körper einschreiben. Kuratiert von Lorenzo Conti und entstanden aus

einer Idee von Carmelo Rifici und Michel Gagnon, versteht sich das

Festival nicht nur als Plattform für zeitgenössischen Tanz, sondern als

Labor für Identität, Geschichte und kollektive Erfahrung. Dabei wird

Lugano selbst zur Bühne. Zwischen dem LAC, dem Teatro Foce, dem

Palazzo dei Congressi und öffentlichen Plätzen entstehen Begegnungen

zwischen Künstler:innen und Publikum, die klassische

Aufführungsformate bewusst sprengen. Internationale Grössen wie Kyle

Abraham, Trajal Harrell oder Omar Rajeh treffen auf neue Perspektiven

und intime Arbeiten, die den Körper als Speicher von Erinnerung und

gesellschaftlicher Realität begreifen.

Pina Bausch lebt weiter – und neue Stimmen setzen Zeichen

Einer der emotionalen Höhepunkte des Festivals ist die Schweizer

Erstaufführung von «Kontakthof – Echoes of ’78» von Meryl Tankard. Fast

fünf Jahrzehnte nach der legendären Uraufführung von Pina Bausch

kehren ehemalige Tänzer:innen zurück und treten in einen bewegenden

Dialog mit Archivbildern und ihrer eigenen Vergangenheit. Tanz wird hier

zu Zeitreise, Spurensuche und Hommage zugleich. Daneben setzt das

Festival auf starke zeitgenössische Positionen: Trajal Harrell präsentiert

mit «Music Music Histoire(s) du Théâtre VII» ein intensives Solo über

Transformation und künstlerische Erinnerung, während Kyle Abraham mit

der Weltpremiere von «White Space» den Abschluss des Festivals

markiert. Seine Verbindung aus klassischem Tanz, Contemporary und

Hip-Hop gilt seit Jahren als eine der spannendsten choreografischen

Handschriften weltweit.


Auch intime und experimentelle Arbeiten prägen das Programm:

Camilla Parini performt in einer Eisbärenhaut zwischen Identitätskrise

und Selbstinszenierung, Yasmine Hugonnet erforscht neue Formen

gemeinsamer Präsenz und «Parentèle – Première relation» bringt

Choreografinnen gemeinsam mit ihren Kindern auf die Bühne – ein

sensibles Statement über Kunst, Mutterschaft und gesellschaftliche

Rollenbilder.

Ein Festival, das Grenzen auflöst

Das Lugano Dance Project versteht Tanz nicht als elitäre Kunstform,

sondern als sozialen Raum. Workshops zu libanesischem Dabke,

Diskussionen über Tanzdramaturgie oder Panels zu kulturellem Erbe

öffnen das Festival

bewusst für Austausch

und Teilhabe.

Besonders der

Samstag mit Omar

Rajehs «The

Gathering» entwickelt

sich dabei zu einem

performativen

Ausnahmezustand

zwischen politischer

The Gathering: Dance People Omar Rajeh | © Tommy Ga Ken Wan

Reflexion, urbanem

Tanz und kollektiver Ekstase. Mit Künstler:innen aus

unterschiedlichsten kulturellen Kontexten entsteht ein Festival, das

Bewegung als universelle Sprache begreift – roh, poetisch und

hochpolitisch zugleich. Das Lugano Dance Project 2026 zeigt somit,

dass Tanz weit mehr sein kann als ästhetische Form: nämlich

Erinnerung, Widerstand und Zukunft in einem einzigen Körper.


Kontakthof – Echoes of ‘78

Pina Bausch / Meryl Tankard

© Ursula Kaufmann

Fast fünf Jahrzehnte nach der

legendären Uraufführung von

Pina Bausch kehren

ehemalige Tänzer:innen

zurück und treten in einen

bewegenden Dialog mit

Archivbildern und ihrer

eigenen Vergangenheit.

VIDEO

LAC | Lugano Dance Project | 10.–14. Juni

2026


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«Der Besuch der

alten Dame»:

Schwyz wurde zum

Schauplatz eines

moralischen Deals



Zum 60-Jahr-Jubiläum

verwandelte die Bühne

66 Schwyz Dürrenmatts

berühmte Tragikomödie

in ein Heimspiel mit

unheimlicher Nähe zur

Gegenwart

Was passiert, wenn eine ganze Gemeinschaft

plötzlich die Chance bekommt, ihre Zukunft zu

kaufen – um den Preis eines Menschenlebens?

Friedrich Dürrenmatts «Der Besuch der alten

Dame» gehört zu jenen Stücken, die ihre

Sprengkraft nie verlieren, weil sie nicht von

einzelnen Täter:innen handeln, sondern von einer

Gesellschaft, die sich korrumpieren lässt. Für ihr

Jubiläum brachte die Bühne 66 Schwyz genau

diesen Klassiker in Mundart auf die Bühne – und

machte aus dem fiktiven Güllen kurzerhand den

Hauptort selbst.


Wenn Moral verhandelbar wird

Die Geschichte ist ebenso einfach wie erschütternd:

Claire Zachanassian kehrt als unermesslich reiche Frau in

ihre verarmte Heimat zurück. Ihr Angebot an die

Bevölkerung ist brutal klar: eine Milliarde für den Tod

ihres ehemaligen Liebhabers Alfred Ill. Was zunächst wie

eine absurde Provokation wirkt, entfaltet langsam eine

tödliche Logik. Dürrenmatt zeigt mit bitterer Ironie, wie

schnell moralische Prinzipien erodieren, sobald

wirtschaftliche Not und Verlockung zusammentreffen. Das

Stück stellt nicht die Frage, ob die Tat geschieht, sondern

wann und wie die Gemeinschaft sich selbst dafür

rechtfertigt.


Aus Güllen wird Schwyz

Regisseur Stefan Camenzind, selbst in der Region aufgewachsen,

übersetzte das Stück nicht nur in Schwyzer Mundart, sondern

verankerte es bewusst im lokalen Umfeld. Die Bewohner:innen von

Güllen tragen plötzlich vertraute Züge, Anspielungen auf den Hauptort

schaffen eine

beunruhigende Nähe,

und der Abend beginnt

bereits im Foyer: Dieses

verwandelte sich in ein

Bahnhofbuffet mit

«Güllen-Bar». Damit

wurde klar, dass die

Geschichte nicht

irgendwo spielt,

sondern potenziell

überall.

Jubiläum eines Theater-Phänomens

Seit 1966 steht die Bühne 66 für ambitioniertes Laientheater, das weit

über den Amateurstatus hinausreicht. Sechs Jahrzehnte

kontinuierlicher Theaterarbeit haben das Ensemble zu einem festen

Bestandteil der Zentralschweizer Kulturlandschaft gemacht. Präsidentin

Andrea Schuler bezeichnete dann auch das Stück als ideale Wahl zum

Jubiläum: zeitlos, aktuell und darstellerisch extrem fordernd.


ARTTV

VIDEO

«Der Besuch der alten Dame» | Bühne 66

Schwyz | leider bereits Geschichte


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DER

GEGENWART

Innen und Aussen

28.5.2026

24.8.2026

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MUSEUM

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www.verkehrshaus.ch/hansernimuseum © 2026 Werk: Miranda Fierz, Luzern


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June

16 – 21

2026

© PUTPUT Popsicles 2024

Switzerland‘s first

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Volkshaus Basel

Rebgasse 12-14

4058 Basel

Switzerland

photo-basel.com


40 Jahre momoll –

Theater für

Generationen


Einblicke in vier

Jahrzehnte Theaterarbeit

zwischen Bühne,

Nachwuchsförderung

und Vermittlung

1985 als freie Theatergruppe gegründet,

hat sich das momoll theater zu einem

etablierten Kompetenzzentrum für

Theaterschaffende in der Ostschweiz

entwickelt. Gegründet von

Absolvent:innen der Schauspielakademie

Zürich (ZHdK), wirkt es heute regional

vernetzt an mehreren Orten und vereint

Produktion, Kurse, Theaterpädagogik

und Beratung. Zum 40-jährigen Jubiläum

stattete arttv.ch der Theaterproduktion

«Jeanne oder die Lerche» in Wil einen

Besuch ab.


40 Jahre momoll

Seit den ersten Freilichtproduktionen in den 1980er-Jahren

hat momoll sein Schaffen kontinuierlich erweitert und

professionalisiert. Bereits früh wurden ambitionierte Stoffe für

ein junges Ensemble und ein junges Publikum erarbeitet –

begonnen 1986 mit «Warten auf Godot». In den 1990ern

folgten Tourneen, Uraufführungen und erste Jugendprojekte,

später feste Angebote in der Theaterpädagogik und

Ausbildung. Das momoll theater ist ein Netzwerk

professioneller

Theaterschaffenden, die –

vorwiegend in der

Ostschweiz – verschiedene

theatrale Angebote zum

Anschauen und zum

Mitmachen realisieren.

Einen zentralen Bestandteil

bildet die

Nachwuchsarbeit: Bei den

jährlich zwei neuen Produktionen (eine in Wil, eine in

Schaffhausen) proben Jugendliche im Alter von 13 bis 19

Jahren über mehrere Monate hinweg, improvisieren und

spielen unter professioneller Leitung. So wird gemeinsam ein

Stück für mehrere Abendaufführungen erarbeitet. Ergänzt wird

dies durch Intensivproben und die Teilnahme an

Jugendtheatertreffen wie «Rampenfieber Ost». In 40 Jahren

Theaterschaffen hat momoll so Generationen junger

Menschen an die Bühnenkunst herangeführt und die regionale

Theaterszene nachhaltig geprägt.


ARTTV

VIDEO

momoll Jugendtheater Wil | arttv.ch hat das

romoll Theater während den Proben zu

«Jeanne oder die Lerche» des französischen

Autors und Dramatikers Jean Anouilh aus

dem Jahr 1953 besucht.


Tankstelle Bühne

2026 bringt neue

Stimmen auf die

Bühnen der

Zentralschweiz



Drei Kurzprojekte

zwischen Tanz, Hype

und Entschleunigung

zeigen, wie präzise der

Bühnennachwuchs

gesellschaftliche

Dynamiken verhandelt

Seit 2013 versteht sich die Tankstelle Bühne

als Plattform für junge Künstler:innen aus

Theater, Tanz, Musik und Performance. Das

Projekt setzt nicht auf fertige Grossformate,

sondern auf konzentrierte, eigenständige

Arbeiten, die neue ästhetische

Handschriften sichtbar machen. Auch 2026

bringt das Format drei Kurzprojekte auf

verschiedene Bühnen der Zentralschweiz

und schafft zugleich Vernetzung mit lokalen

Veranstalter:innen.


Drei Projekte, drei Zugänge zur Gegenwart

Die diesjährige Ausgabe vereint Arbeiten, die gesellschaftliche

Dynamiken aus unterschiedlichen Perspektiven befragen. Die Third

Shore Company mit Nina Ritter und Zhiyelun Qi widmet sich in «Ferne

Wärme» transkulturellen Prägungen und übersetzt sie in ein Duett aus

zeitgenössischem Tanz und selbst komponierter Musik. Tiziana Greco

und Ramon Juchli richten den Blick mit «YULAEC» auf die Mechanismen

eines Hypes, der sich über Pausenplätze, soziale Medien und

Feuilletons ausbreitet – und ebenso schnell wieder verschwinden kann.

Das Kollektiv um Elisa Bruder, Sophie Oetinger, Mila Lyutskanova,

Pearlie Frisch und Rahel Weber setzt mit «Fermentierte Welten –

Ökologie der Reifung» auf eine ästhetische Form der Verlangsamung

und stellt dem Diktat von Effizienz und Kontrolle eine andere Zeitlichkeit

entgegen.

Tanz, Hype und Fermentation als künstlerische

Versuchsanordnungen

Besonders spannend ist, wie unterschiedlich die drei Produktionen ihre

Themen nicht nur benennen, sondern formal fassen. «Ferne Wärme»

arbeitet mit Bewegung, Klang und Körperwissen und schöpft dabei aus

Einflüssen wie Tai Chi und Martial Arts – kulturelle Prägungen werden

hier nicht diskutiert, sondern körperlich erfahrbar gemacht. Was wird

kollektiv begehrt, zirkuliert plötzlich überall – und kippt im nächsten

Moment in Leere? Die Dynamik ist bekannt: Noch gestern drehen alle

denselben TikTok-Tanz, heute wirkt er bereits abgestanden. Digitale

Trends wie BeReal versprechen kurzzeitig Authentizität und

verschwinden ebenso schnell wieder aus dem Alltag. Und selbst

materielle Phänomene wie der Fidget Spinner zeigen, wie rasant sich

Begehrlichkeiten aufbauen – und wieder entladen. «YULAEC» greift

genau dieses Prinzip auf und übersetzt es in eine audiovisuelle

Performance, die den Hype nicht nur beobachtet, sondern als


Eines der drei Projekte: «YULAEC»

von und mit Tiziana Greco und Ramon

Juchli

TikTok-Tänze, Labubus, Dubai-Schoggi. Es

gibt Hypes, die sich von Social Media über

Pausenplätze bis in die Feuilletons

ausbreiten. So auch das Trendprodukt

Yulaec. Doch was, wenn Hype so schnell

wieder verschwindet, wie er aufgetaucht ist?

Tiziana Greco und Ramon Juchli zeigen die

Mechanismen von Hypekultur als

audiovisuelle Performance.


gesellschaftlichen Reflex sichtbar macht. «Fermentierte

Welten» schliesslich denkt Fermentation als künstlerisches

und politisches Modell: ein Prozess, der Zeit braucht,

Transformation zulässt und sich der Logik sofortiger

Verwertbarkeit entzieht. Flüssig wird fest, Rohstoff wird

Nahrung – und Gegenwart wird zu etwas, das Geduld

verlangt.

Nachwuchsförderung als kulturelle Infrastruktur

Dass die Tankstelle Bühne solche Arbeiten nicht nur

präsentiert, sondern in der Region sichtbar macht, ist mehr

als ein Förderformat – es ist kulturelle Infrastruktur.

Nachwuchsförderung bedeutet hier konkrete Bedingungen:

Bühnen, Begegnung, Öffentlichkeit und die Möglichkeit,

unterschiedliche Kontexte in der Zentralschweiz zu

bespielen. So entsteht ein Format, das lokale Verankerung

mit offener künstlerischer Suche verbindet.

Drei Kurzprojekte | Tankstelle Bühne

Kommende Aufführung: 10. Juni um

20 Uhr im Kleintheater Luzern


Frauenschicksale

auf der Chössi-

Bühne


Ein Theaterstück

über junge Frauen

zwischen Fabrik und

Fremdbestimmung

Mit «Spind’l … Sp’ich’r – Still‘» widmete

sich das Chössi-Theater einem

düsteren Kapitel der Toggenburger

Geschichte. Im Mittelpunkt standen

junge Frauen, die in den 1950er- und

1960er-Jahren in einer Textilfabrik in

Dietfurt arbeiten mussten. Das Stück

erzählt von Ausbeutung, Kontrolle und

unterdrückten Stimmen – und davon,

wie sich die Betroffenen nach Freiheit

und Liebe sehnten.


Zwischen Fabrikarbeit und Fürsorge

Die Handlung führt in eine Textilfabrik im Toggenburg. Dort arbeiten

sogenannte «gefallene Mädchen» unter strenger Aufsicht an den Maschinen.

Untergebracht waren sie im Marienheim in Dietfurt, einem von katholischen

Ordensschwestern geführten Heim, in dem bis zu 100 Mädchen lebten und

für ihren Unterhalt in der Fabrik arbeiten mussten. Hinter dem Versprechen

von Fürsorge und Schutz verbarg sich ein System aus Kontrolle,

Überwachung und Schweigen. Das Stück unter der Regie von Simon Keller

beleuchtet unterschiedliche Perspektiven: jene des Dorfes, der Heimleitung

und der Fabrikdirektion – vor allem aber jene der jungen Frauen selbst. Den

meisten von ihnen wurden Dinge vorgeworfen, die damals als unsittlich

galten, heute jedoch anders beurteilt würden.

Recherche und persönliche Begegnungen

Für seine Recherche sprach der Autor Alexander Stutz mit Zeitzeuginnen und

tauchte in Archive ein. Daraus entstand eine authentische Aufarbeitung der

Zeit, in der das Schicksal der «gefallenen Mädchen» im Mittelpunkt steht. Ihre

Gedanken, Wünsche und Ängste stehen im Zentrum der Inszenierung.

Zwischen Fabriklärm und gesellschaftlichem Druck träumen sie von einem

anderen Leben. Auch für die Laiendarstellerinnen wurde die Mitarbeit an

«Spind’l … Sp’ich’r – Still‘» zu einem intensiven Erlebnis. Teilweise war es

ihnen möglich, mit den Frauen von damals Gespräche zu führen und

traumatisierende Erfahrungen aus erster Hand erzählt zu bekommen.

Ein verdrängtes Kapitel der Regionalgeschichte

Das kleine Ensemble junger Frauen gibt den «gefallenen Mädchen» von

damals eine Stimme zurück, die lange ungehört blieb. Durch das Stück wird

ein dunkles Kapitel der Toggenburger Industrie- und Sozialgeschichte wieder

erfahrbar – ein Teil der regionalen Vergangenheit, der sich in unmittelbarer

Nähe des Aufführungsorts abgespielt hat und lange Zeit verdrängt wurde.


ARTTV

VIDEO

«Spind’l … Sp’ich’r – Still’» | Chössi Theater,

Lichtensteig, SG | Die Aufführungen fanden

vom 22. bis 31. Mai 2026 statt.


«GREASE» in Thun: Rock’n’Roll,

Sommerliebe und pure Highschool-

Energie

Vom 8. Juli bis 22. August 2026 präsentieren die

Thunerseespiele das Kultmusical auf der

Openairbühne.

Das temporeiche Spektakel voller Rock’n’Roll,

Rebellion, Lebensfreude und Romantik begeistert

wohl auch 54 Jahre nach der Broadway-Premiere

Zuschauende jeden Alters. Schliesslich engagierten

die Thunerseespiele 26 Profis – darunter Jeannine

Michèle Wacker, Sandra Bitterli und Matt Posada in

den Hauptrollen. Ebenfalls mit dabei sind Patricia

Hodell und Philipp Hägeli. Derzeit laufen die

Vorbereitungen auf Hochtouren.

MEHR AUF ARTTV.CH


Das Freilichttheater Staufberg bringt

die Hero-Saga auf die Bühne

«Hero – Geschichten mit Herz» erzählt von einer

Zeit, die viele Menschen aus der Region Lenzburg

miterlebt und mitgestaltet haben.

Von der ersten Dose bis zur letzten Produktion:

Das Theaterstück folgt den Spuren von Giovanni

und Linda, die als «Mitarbeiter:innen der ersten

Stunde» tief in die Geschichte der Hero

eintauchen. Sie lassen Erinnerungen aufleben: die

Anfänge, die ersten Erfolge, den besonderen

Umgang mit den Mitarbeitenden und die

Herausforderungen, die Hero zu dem gemacht

haben, was sie war – eine Firma mit Herz.

MEHR AUF ARTTV.CH


«Mamma Mia! – Das Musical» ist

zurück in der Schweiz, auf

Schweizerdeutsch

Die Songs von ABBA gehören seit Jahrzehnten

zum kollektiven Popgedächtnis.

Mit «Mamma Mia!» wurden aus den ABBA-Songs

eine weltweite Musical-Erfolgsgeschichte. Nun

bringt MAAG Moments die Mundartfassung zurück

nach Zürich. Bis zum 14. Juni 2026 wird gesungen,

getanzt und geliebt – mit viel Dialekt, Spielfreude

und erstaunlich wenig Nostalgiekitsch. Eine durch

und durch gelungene Produktion, einmal mehr

auch dank der Regiearbeit von Dominik Flaschka

und einer grossartigen Sandra Studer.

MEHR AUF ARTTV.CH


Volle Fahrt voraus mit Anne Bonny

Piraten, Irish Folk und ein Schiffswrack am

Bodenseeufer …

Im Sommer 2026 bringt das See-Burgtheater mit

«Die Legende von Anne Bonny» eine actionreiche

Piratengeschichte auf die Kreuzlinger Seebühne.

Das Stück von Rahel Wohlgensinger und Simon

Engeli erzählt die Geschichte der wohl

berühmtesten Piratin ihrer Zeit zwischen Fakten

und Fiktion neu. Livemusik, Luftakrobatik,

Kampfchoreografien und Puppenspiel verwandeln

das Freilichttheater in ein abenteuerliches

Spektakel.

MEHR AUF ARTTV.CH


Festival da Jazz

St. Moritz 2026:

Intimität,

Weltstars und

Sonnenaufgang

am See



Titelbild: Letztes Jahr noch

als Hidden Session, dieses

Jahr bereit auf der Main

Stage des Festivals im

Dracula Club: Camille

O’Sullivan.

Der bekannte Bündner

Ferienort wird im Juli

einmal mehr zur

intimsten Bühne des

internationalen Jazz

Das Festival da Jazz bleibt ein

Gegenentwurf zu grossen Open-Air-Events:

keine Massen, kein Lärm, sondern Nähe,

Präzision und Atmosphäre. Im legendären

Dracula Club, wo kaum 200 Gäste Platz

finden, verschwindet die Distanz zwischen

Künstler:innen und Publikum fast

vollständig. Das macht den Reiz aus und

erklärt wohl auch, warum seit Jahren

Weltstars hier auftreten, als würden sie im

eigenen Wohnzimmer spielen.


Vielfältig, solange die Qualität stimmt

Das Programm 2026 setzt erneut auf diese Mischung aus Klasse und

Entdeckung: Namen wie Diana Krall, Dee Dee Bridgewater, Tom

Jones oder Till Brönner treffen auf kuratierte Projekte, Tribute-Abende

und junge Talente aus dem JazzLab. Stilistisch bleibt, wie die

Macherinnen des Festivals betonen, alles offen – von klassischem Jazz

über Soul bis Pop –, solange für die Initiant:innen um Christian J.

Jenny die Qualität stimmt. Diese Mischung zieht seit Jahren

internationale Grössen ins Engadin – oft in Konstellationen, die man

nicht oft erlebt. Viele der Künstler:innen nutzen die intime

Atmosphäre bewusst für besondere Sets, überraschende

Arrangements oder spontane musikalische Begegnungen abseits ihrer

grossen Tourneen. Das Resultat ist dann tatsächlich auch kein Line-up

zum Abhaken, sondern ein musikalischer Flow während des gesamten

Festivals.

Luxus neu definiert

Was das Festival endgültig besonders macht, sind seine Spielorte:

Konzerte am Lej da Staz bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang

wirken fast surreal: Jazz, der sich im Wasser spiegelt, während das

Engadin langsam erwacht oder zur Ruhe kommt. Dazu kommen

offene Formate auf der Hauser Terrasse oder spontane Late-Night-

Sessions in der Sunny Bar, wo die Musik oft erst richtig beginnt, wenn

andere längst gegangen sind. Viele dieser Momente sind frei

zugänglich und bilden den bewussten Kontrast zur exklusiven

Clubbühne. Gleichzeitig setzt das Festival mit Initiativen wie «Women

in Jazz» und der Nachwuchsförderung klare Akzente über die Musik

hinaus. Das Ergebnis ist ein Festival, das Luxus neu definiert – nicht

über Grösse, sondern über Intensität.


Cover des ersten Albums auf dem auch der

Megahit «The Captain Of Her Heart» aus dem

Jahr 1986 vertreten ist.

Kurt Maloo eröffnet das Festival

Ein hypnotischer Drumbeat, eine einprägsame Klaviermelodie, ein

paar luftige Saxophon-Phrasierungen und eine entspannte Bariton-

Stimme waren die schlichten Zutaten für Doubles weltweiten Megahit

«The Captain Of Her Heart» aus dem Jahr 1986. Der Name Double

war ein Wortspiel: Das Duo aus Zürich nahm die meisten seiner

Instrumentalparts selbst auf – und verdoppelte sich damit sozusagen

selbst. Das Coverfoto des ersten Albums inszenierte das Duo so, dass

es wie ein Quartett aussah. Quasi zum 40-jährigen Jubiläum bestreitet

Kurt Maloo die Opening Night des 19. Festival da Jazz.


Mit dabei und erst noch freier Eintritt: Sam Greenfield

Der in Philadelphia geborene und in Brooklyn lebende Künstler Sam Greenfield ist ein

dynamischer Saxophonist und Bandleader, der seine Wurzeln in der Zusammenarbeit mit

Spitzenkünstlern wie Cory Wong, Ed Sheeran, John Legend, Mariah Carey und Joss Stone

hat. Dracula Club, 3. Juli 2026, 23.30 Uhr

St. Moritz 2026 | Festival da Jazz | bis 26. Juli

2026 | arttv.ch wird auch dieses Jahr vor Ort

sein und berichten.


Video-Porträt

Regula Mühlemann

– eine Stimme

voller Klarheit und

Ausdruck


Zwischen internationaler

Karriere und

künstlerischer Präzision

gehört die Luzernerin zu

den profiliertesten

Sopranistinnen ihrer

Generation

Wir treffen die Sopranistin Regula

Mühlemann in Zürich – nicht im Rampenlicht

eines Konzertabends, sondern während der

Probenarbeit. In der Tonhalle bereitet sie

sich gemeinsam mit dem Orchester der

Oper Zürich auf ein anspruchsvolles

Programm vor, das unter der Leitung von

Gianandrea Noseda steht. Es ist ein

konzentrierter Moment vor der Aufführung –

und ein idealer Zeitpunkt, um der Künstlerin

näher zu kommen.


Nahbar und reflektiert – eine grosse Künstlerin ohne Distanz

Trotz ihrer internationalen Karriere ist Regula Mühlemann

bemerkenswert zugänglich geblieben. Im persönlichen Gespräch und

im Videoporträt zeigt sie sich offen und ohne jede Attitüde. Gerade

diese Bodenständigkeit prägt den Eindruck, den man von ihr gewinnt:

keine unnahbare Operndiva, sondern eine Künstlerin, die ihren Beruf

ernst nimmt und zugleich ganz bei sich bleibt. Diese Haltung spiegelt

sich auch in ihrer Arbeitsweise. Mühlemann nähert sich ihren Partien

mit grosser Sorgfalt, entwickelt musikalische Linien bewusst und legt

Wert auf Präzision im Detail. Ihre Interpretationen entstehen nicht aus

blosser Routine, sondern aus einem stetigen Prozess des

Hinterfragens und Verfeinerns. Dass sie dabei eine unmittelbare

Verbindung zum Publikum herstellen kann, wirkt überhaupt nicht

kalkuliert als vielmehr selbstverständlich.


Vom Luzerner Talent zur internationalen Stimme

Geboren in der Zentralschweiz, führte Regula Mühlemanns Weg früh

zur Musik, auch wenn – wie sie im Videoporträt betont – ihr nach der

Matura noch nicht ganz klar war, wohin ihr beruflicher Weg sie führen

wird. Ihre Ausbildung an der Hochschule Luzern legte dann aber das

Fundament für eine Karriere, die sich Schritt für Schritt entwickelte. Ein

wichtiger Abschnitt war ihre Zeit am Opernhaus Zürich, wo sie als

Ensemblemitglied zentrale Bühnenerfahrung sammelte und ihr

Repertoire kontinuierlich ausbaute. Inzwischen ist sie auf den grossen

internationalen Bühnen präsent, darunter die Teatro alla Scala in

Mailand oder

die Wiener

Staatsoper. Ihr

Schwerpunkt

liegt dabei auf

einem

Repertoire,

das ihrer

Stimme

besonders

entspricht:

Werke der

Klassik und des Barock, in denen sich ihre Klarheit, Beweglichkeit und

feine Klangkultur entfalten können. Regula Mühlemann steht für eine

Generation von Sängerinnen, die technische Perfektion mit

stilistischem Bewusstsein verbinden. Ihre Stärke liegt nicht im Effekt,

sondern in der Gestaltung – in der Fähigkeit, Musik verständlich,

durchlässig und zugleich persönlich erfahrbar zu machen. Es war für

arttv.ch eine Bereicherung, die sympathische Sängerin zu treffen.


Regula Mühlemann wurde 1986 in Luzern

geboren und wuchs in der Zentralschweiz auf.

Nach der Matura begann sie ihr Gesangsstudium

an der Hochschule Luzern. Ihr erstes festes

Engagement führte sie an das Opernhaus Zürich,

wo sie von 2012 bis 2016 Ensemblemitglied war.

In dieser Zeit erarbeitete sie sich ein breites

Repertoire und machte erstmals international auf

sich aufmerksam. Seither ist sie regelmässig an

führenden Opernhäusern und bei renommierten

Festivals zu Gast, darunter die Teatro alla Scala

in Mailand, die Wiener Staatsoper sowie die

Salzburger Festspiele. Neben ihrer Operntätigkeit

ist Regula Mühlemann auch eine gefragte

Konzert- und Liedsängerin. Ihr Repertoire

umfasst Werke vom Barock bis zur Klassik mit

einem besonderen Schwerpunkt auf Mozart.


ARTTV

VIDEO

Video-Interview | Regula Mühlemann | Unser

Beitrag entstand anlässlich der Probe zu

«Mühlemann & Noseda». Auf dem Programm

standen geistliche Arien von Giovanni

Battista Pergolesi und Wolfgang Amadeus

Mozart, Joseph Haydns «L’Introduzione» und

«Sonata VI: Consummatum est!» aus den

«Sieben letzten Worten unseres Erlösers am

Kreuze» sowie die «Orchestersuite» aus

Sergej Prokofjews Ballett «Romeo und Julia».


classicAscona – ein

traditionsreiches

Klassik-Event erfindet

sich neu


Ab Herbst 2026 schlagen

die Settimane Musicali

Ascona ein neues Kapitel

auf: mit internationalem

Anspruch und starkem

Fokus auf

Nachwuchsförderung

Über achtzig Jahre Geschichte sind kein Ballast,

sondern ein Fundament: Mit der 81. Ausgabe

wagen die Settimane Musicali Ascona einen

selbstbewussten Neustart. Ab September 2026

tritt das renommierte Tessiner Festival als

classicAscona auf – klarer profiliert,

professioneller organisiert und inhaltlich breiter

gedacht. Der neue Name steht für Kontinuität

ebenso wie für Erneuerung: höchste

künstlerische Qualität, verbunden mit neuen

Formaten, neuen Spielorten und einer stärkeren

internationalen Ausstrahlung.


Neue Struktur und klares Festivalprofil

Die Umbenennung markiert eine strategische Weiterentwicklung.

Organisation, Kommunikation, Marketing und Sponsoring werden

schrittweise professionalisiert, getragen von öffentlichen

Institutionen, Stiftungen, Mäzen:innen und privaten Partnern. Mit

einem Gesamtbudget von rund 1,7 Millionen Franken will sich

classicAscona langfristig als nachhaltiges und wettbewerbsfähiges

Kulturprojekt im Schweizer und europäischen Musikleben verankern.

Ab 2026 übernimmt Christoph Müller die künstlerische Leitung. Das

neue Festivalformat ist verdichtet und klar strukturiert: Vom 18.

September bis 10. Oktober 2026 finden rund 50 Veranstaltungen an

über 20 Spielstätten im Locarnese statt – konzentriert auf drei

Wochen und vier Wochenenden. Aus einer Konzertreihe wird ein

umfassendes Festival.

Musikalische Exzellenz und neue Öffnungen

Dem Erbe der Settimane Musicali bleibt classicAscona eng

verbunden, insbesondere mit den Concerti d’eccellenza an

historischen Orten wie dem Collegio Papio in Ascona oder der

Kirche San Francesco in Locarno. Erwartet werden führende

internationale Ensembles wie Die Deutsche Kammerphilharmonie

Bremen, Camerata Salzburg, Kammerorchester Basel, Orchestra

della Svizzera italiana sowie I Barocchisti unter der Leitung von

Diego Fasolis. Gleichzeitig öffnet sich das Festival neuen,

interdisziplinären Formaten, die Musik mit Literatur, Kulinarik und

Architektur verbinden – an ikonischen Orten der Region wie dem

Monte Verità oder der von Mario Botta entworfenen Kirche in

Mogno.


Nachwuchs, Academy und internationale Perspektive

Ein zentrales Element des Neuanfangs ist die classicAscona academy

& Next Generation. Sie bündelt sieben Ausbildungs- und

Förderformate – von Meisterkursen über Chor- und

Barockakademien bis zu Open-Air-Konzerten,

Jugendprojekten und der Reihe Costellazione

giovani für aussergewöhnliche internationale

Talente. Prägend sind zudem die drei Artists in

Residence: Julia Lezhneva, Vilde Frang und Sol

Gabetta. Mit Konzerten, Meisterkursen und

intensiver Präsenz schlagen sie die Brücke zwischen

internationaler Spitzenklasse und gezielter

Nachwuchsförderung – und geben classicAscona

ein starkes, zukunftsgerichtetes Profil.

Klassikfestival | classicAscona |

18. September bis 10. Oktober 2026 |

Die künstlerische Leitung

übernimmt ab 2026 Christoph

Müller. Das neue Festivalformat ist

verdichtet und klar strukturiert: Es

finden rund 50 Veranstaltungen an

über 20 Spielstätten im Locarnese

statt – konzentriert auf drei Wochen

und vier Wochenenden. Aus einer

Konzertreihe wird somit ein

umfassendes Festival.


Anuk

Schmelcher:

Die Musik im

Vordergrund


Zeit für Tiefe und

Fokus –

Recherchephase

für neue Musik

Musikerin, Produzentin und

Klangkünstlerin Anuk Schmelcher

schreibt, spielt und produziert ihre Musik

selbst – und verfolgt dabei konsequent

eine eigenständige Produzentinnen-

Praxis mit klarem Schwerpunkt auf

Studioarbeit, Recording und Sound

Design. Der Produktionsprozess ist bei ihr

kein Mittel zum Zweck, sondern zentraler

Teil der künstlerischen Aussage.

Mit der Veröffentlichung ihres

Debütalbums «Something Else» richtet

sie den Blick nun bewusst nach vorne.


Forschung statt Verwertung

Nach dem Album ist vor der nächsten Entscheidung. Dank dem

Projekt «Get Going!» der FONDATION SUISA bekommt die Musikerin

den Freiraum und die nötige monetäre Unterstützung ihre

Recherchephase anzutreten. Statt sofort neue Veröffentlichungen zu

planen, schafft sich Anuk Schmelcher Zeit und Raum für künstlerische

Weiterentwicklung. Der Fokus liegt klar auf dem Schreiben und

Produzieren neuer Musik – ohne Erwartungsdruck, ohne unmittelbare

Verwertungslogik. Im Zentrum steht die Vertiefung der Arbeit mit

klassischen Instrumenten wie Drums, Synthesizer, Gitarre und Bass.

Parallel dazu entwickelt Schmelcher neue Ansätze im Recording und

Sound Design, experimentiert mit Klangfarben, Texturen und

Produktionsmethoden, um ihr musikalisches Profil weiter zu schärfen.

Das Studio als künstlerischer Ort

Die Recherchephase versteht sich als offenes Labor. Unterschiedliche

Formate dürfen ausprobiert, verworfen oder weitergedacht werden.

Gleichzeitig geht es um grundlegende Fragen: Wie soll das Projekt

künftig zum Publikum finden? Welche Formen passen zur eigenen

Haltung? Welche Arbeitsweisen tragen langfristig? Das Studio wird

dabei zum zentralen Denk- und Erfahrungsraum. Klang entsteht hier

nicht zufällig, sondern aus Präzision, Aufmerksamkeit und bewusster

Entscheidung. Anuk Schmelchers Arbeit zeigt, wie stark musikalische

Identität an Produktionsprozesse gekoppelt sein kann – und wie viel

künstlerische Freiheit genau dort entsteht.

Sichtbarkeit für Produzentinnen

Die Jury lobte die berührende Musik und würdigte die hohe Qualität

der Produktion, die klare künstlerische Haltung sowie den

konsequenten Fokus auf die Arbeit im Studio. Besonders betont

wurde die Bedeutung solcher Beiträge für Produzentinnen: Zeit,

finanzielle Mittel und Sichtbarkeit sind entscheidend, um

eigenständige künstlerische Positionen nachhaltig

weiterzuentwickeln. Ihre Recherchephase für neue Musik ist damit

kein Zwischenschritt, sondern ein bewusst gesetzter Moment der

Konzentration. Ein Innehalten, das nicht bremst, sondern vorbereitet –

auf Klänge, die noch nicht festgelegt sind, aber umso genauer gehört

werden wollen.


ARTTV

VIDEO

Anuk Schmelcher | Musiker:innen-

Porträt

Dieser Beitrag wird unterstützt von:


Lake and Sound:

Ein neues Boutique-

Festival feiert

Premiere


Drei Tage Musik,

Kulinarik und

Sommerstimmung

direkt am Zürichsee

Vom 19. bis 21. Juni 2026 verwandelt sich

die Seepromenade von Rapperswil-Jona

erstmals in eine grosse Bühne und

vielfältige Begegnungszone. Mit dem

neuen Lake and Sound Festival entsteht

ein generationenübergreifendes Boutique-

Festival, das Konzerte, Street-Food und

Kunst in einer schmucken Umgebung

direkt am Zürichsee vereint. Hinter dem

Projekt steht der bekannte Schweizer

Musiker Marc Sway.


Marc Sway als Gastgeber am Zürichsee

Initiiert und kuratiert wird das Festival von Marc Sway. Der in

Männedorf aufgewachsene Musiker bezeichnet sich selbst als

«Seebueb» und sieht das Boutique-Festival als Herzensprojekt. «Es ist

toll, anderen Künstler:innen eine Bühne geben zu können und diesen

wunderschönen Ort direkt am See zu einer musikalischen, kulturellen

Begegnungszone zu machen», sagt er. Musikalisch setzt die Premiere

auf eine Mischung aus internationalen und Schweizer Acts. Zu den

Höhepunkten zählen Parov Stelar, Milow, Lo & Leduc sowie Marc

Sway & Friends. Insgesamt stehen an den beiden Haupttagen 14

Konzerte auf zwei Bühnen auf dem Programm. Ergänzt wird das

Angebot durch einen Day Dance am Kapuzinerzipfel mit

elektronischer Musik. Mit dabei sind unter anderem Kid Simius Live

und Animal Trainer Live.

Ein Festival für alle Generationen

Der Sonntag gehört ganz den Familien. Auf dem Fischmarktplatz

sorgen die ChinderHelde für Unterhaltung, während der

Schwiizergoofe-Workshop Kinder und Erwachsene zum gemeinsamen

Singen, Tanzen und Mitmachen einlädt. Ergänzt wird das Programm

durch Kinderschminken, Bastelangebote und weitere Aktivitäten.

Damit will Lake and Sound bewusst verschiedene Generationen

ansprechen und ein Festivalerlebnis schaffen, das weit über klassische

Konzertformate hinausgeht.

Kulinarik und Kunst direkt am See

Auch kulinarisch setzt das Festival auf Qualität. Mit Stefan Heilemann,

Küchenchef des Widder Hotels Zürich und Träger von zwei Michelin-

Sternen, konnte ein bekannter Schweizer Spitzenkoch verpflichtet

werden. Die von seiner Küche inspirierten Gerichte werden vor Ort

von Miguel Marques, Chef de Cuisine des Restaurants «Soï 28» der

Gruppe The Living Circle, serviert. Ergänzt wird das Angebot durch

rund 20 ausgewählte Street-Food-Stände. Abgerundet wird das

Festival durch verschiedene Street-Art-Installationen, die das Gelände

visuell beleben und den Boutique-Charakter von Lake and Sound

unterstreichen. So verspricht das neue Festival, Musik, Kulinarik und

Kunst zu einem ganzheitlichen Erlebnis direkt an der Seepromenade

von Rapperswil-Jona zu verbinden.


Ist der Kopf und Initiator

des Festivals: Marc Sway

Lake and Sound | Rapperswil-Jona |

19.–21. Juni 2026


«Das Leben der

Stellvertreter» – ein

Roman über Macht,

Liebe und die

gnadenlose Logik

des Marktes


Mit seinem neuen Buch

entwirft der Schweizer

Autor Hans Jürg Zinsli

ein vielschichtiges

Panorama einer

Gesellschaft im

Ausverkaufsmodus

Der Roman erzählt von Menschen, die

zwischen Karriere, Begehren und

Systemzwängen ihren Platz suchen. Vor

der Kulisse eines gigantischen

Einkaufszentrums in einem abgelegenen

Tal entfaltet Hans Jürg Zinsli ein ebenso

präzises wie beklemmendes Bild einer

Gesellschaft, in der wirtschaftlicher

Erfolg zum Mass aller Dinge geworden

ist und persönliche Entscheidungen

zunehmend unter dem Druck globaler

Marktmechanismen stehen.


Wenn der Aufstieg zur Endlosschleife wird

Die Millenniums-Euphorie ist verflogen, Ernüchterung macht sich

breit: In den frühen Nullerjahren entsteht eine Welt, in der

globalisierte Finanzstrukturen, aggressiver Wettbewerb und

permanente Optimierung das Leben bestimmen. Genau in diese

Atmosphäre versetzt Zinsli seinen Roman «Das Leben der

Stellvertreter». Schauplatz ist Füllendorf, ein abgeschiedenes Tal

zwischen zwei Schluchten – und zugleich

Standort eines gigantischen Einkaufszentrums,

das wie ein Fremdkörper in der Landschaft steht.

Hinter seiner Erfolgsgeschichte stecken ein

osteuropäischer Investor und eine

geheimnisvolle Bruderschaft, die den totalen

Ausverkauf zur Strategie erhoben hat.

Ein Mann zwischen Anpassung und Flucht

Im Zentrum steht Max Blank, stellvertretender

Filialleiter eines Modegeschäfts in der Mall. Er ist

ein typischer Vertreter einer Generation, die

funktionieren soll: ehrgeizig, belastbar,

austauschbar. Die Zielvorgaben steigen, der

Druck nimmt zu, und mit dem angekündigten

grossen Ausverkauf droht eine Eskalation der

Anforderungen. Blank steht vor existenziellen

Fragen: Darf er sich persönliche Wünsche leisten

– etwa seine Gefühle für die Kollegin Poulson?

Oder muss er sich dem System vollständig

unterordnen, um aufzusteigen? Der Roman

zeichnet das Porträt eines Mannes, der nicht nur

beruflich, sondern auch emotional an Grenzen stösst.

Macht, Geld und eine andere Welt

Parallel dazu lebt hoch über dem Tal der Tresorfabrikant Flurin Mark,

ein wohlhabender Unternehmer und Schlossherr. Er verfügt über

Einfluss und Netzwerke, doch körperliche Schwäche und emotionale

Distanz isolieren ihn zunehmend. Seine Tochter Hanna, impulsiv und

unstet, taucht nur dann im Elternhaus auf, wenn ihre finanziellen

Mittel erschöpft sind. Als Hanna und Max einander begegnen, prallen

zwei soziale Sphären aufeinander, und zugleich entsteht die

Möglichkeit einer Verbindung, die die starren Grenzen zwischen den

Klassen infrage stellt.


Liebe im Schatten der Marktlogik

Zinsli erzählt diese Annäherung nicht als romantisches Märchen, sondern

als fragile Konstellation in einer Welt, die von ökonomischen Interessen

geprägt ist. Kann eine persönliche Beziehung gegen strukturelle

Machtverhältnisse bestehen? Oder werden auch Gefühle letztlich den

Mechanismen von Nutzen, Status und Kapital untergeordnet? Der Roman

stellt diese Fragen ohne einfache Antworten zu liefern und entfaltet dabei

ein dichtes Bild gesellschaftlicher Dynamiken.

Ein Tal als Spiegel der Gegenwart

Füllendorf ist mehr als ein fiktiver Ort: Es ist ein Mikrokosmos der

modernen Konsumgesellschaft. Das Einkaufszentrum wird zur Bühne für

Aufstiegsträume und Abstiegsängste, für Loyalität und Verrat, für

Anpassung und Widerstand. Mit präziser Beobachtungsgabe und

analytischer Schärfe zeichnet Hans Jürg Zinsli eine Welt, in der

Stellvertretung zum Lebensprinzip geworden ist: Menschen handeln im

Auftrag anderer, erfüllen Erwartungen, ersetzen einander – und verlieren

dabei leicht sich selbst.

Für uns gelesen hat das Buch Felix Schenker

ARTTV

VIDEO

«Das Leben der Stellvertreter» |

Hans Jürg Zinsli – lectorbooks Verlag |

Gebunden, Prägung Goldfolie,

Lesebändchen, 240 Seiten, 11 x 18 cm,

ISBN 978-3-907709-31-3


Robert Hunger-Bühler

und die Kunst des

Haiku


In seinem Gedichtband

«Die Blume im Mund»

findet der Schauspieler

zu einer eigenen,

poetischen und

verdichteten Sprache

Nach vielen Jahren auf der Bühne wendet sich der

Schweizer Schauspieler, bekannt für seine

Darstellung des Mephisto in Peter Steins

legendärem «Faust» sowie als Träger des

Schweizer Theaterpreises 2015, der japanischen

Dichtkunst zu. Die minimalistische Form des Haiku

– bestehend aus 3 Zeilen und 17 Silben – gibt

eine klare Struktur vor, in der Robert Hunger-

Bühler eine Analogie zum Menschsein erkennt.

arttv.ch hat den renommierten Schauspieler und

Sprachkünstler im Wildnispark Zürich Langenberg

getroffen und mit ihm über sein neues Buch «Die

Blume im Mund» gesprochen.


Robert Hunger-Bühler über sein Buch

«Wir haben gelernt, dass jegliches seine

Bedeutung haben müsse, sinnfällig und brauchbar

für unser Leben zu sein hätte. Das Belanglose,

Nichtige, Törichte haben wir nicht gelernt. In

dieser überlauten Welt wimmelnder

Bedeutungsjunkies, die uns bisweilen bis in den

Schlaf hinein verfolgt, wünsche ich mir oft, die

Sprache möge verstummen, austrocknen, sie

möge die Leere einer

Musiknote erlangen, wie

Roland Barthes das vom

Geplapper der Seelen befreite

Haiku beschreibt.

Das Haiku möchte zweimal

gesprochen werden, und in

der Wiederholung wie ein

Echo verklingen und

verschwinden. Ein kurzes

Ereignis, das in einem Zuge

seine richtige Form findet,

gleich einer mattleuchtenden

Schneeflocke oder einer

Taumeltraube, einen

Windhauch lang, unfassbar.»


ARTTV

VIDEO

«Die Blume im Mund» | Haikus |

Robert Hunger-Bühler |

Erscheinungstermin: 27. Februar 2026 |

ISBN 978-3-96639-141-2 | Secession

Verlag

www.secession-verlag.com


Verbotene Bücher


In den USA brennen

Bücher. Selten real —

wobei selbst das

inzwischen nicht mehr

ausgeschlossen scheint.

Seit dem Amtsantritt von Donald Trump und

seiner rückwärtsgewandten, autoritären Politik

erlebt die USA eine beängstigende Welle von

Zensur und Buchverboten. Mittlerweile sind rund

23 000 Titel ganz oder teilweise aus Bibliotheken

und Bildungseinrichtungen verbannt worden —

darunter Werke von George Orwell, Harry Potter

oder die Tagebücher von Anne Frank. Wer Bücher

verbietet, greift nicht nur Geschichten an, sondern

freies Denken, Bildung und letztlich die

Demokratie selbst. Das Kultur- und Eventlokal

kultSCHÜÜR setzt deshalb am Abend des 10. Juni

2026 ein bewusstes Zeichen gegen Zensur,

ideologische Bevormundung und den Versuch,

Menschen vorzuschreiben, was sie lesen, denken

oder wissen dürfen.


Gegen das Vergessen – gegen das Verstummen

Das Kultur- und Eventlokal kultSCHÜÜR setzt am Abend des 10.

Juni 2026 ein bewusstes Zeichen gegen Zensur, Verbote und das

Einschränken des freien Zugangs zu Literatur. Bücherverbrennungen

und Buchverbote stehen seit Jahrhunderten sinnbildlich für den

Versuch, Gedanken, Kritik und unbequeme Stimmen aus der

Öffentlichkeit zu verdrängen. Wo Bücher verboten oder vernichtet

werden, geraten immer auch Meinungsfreiheit, kulturelle Vielfalt

und demokratische Werte unter Druck. Gerade deshalb ist es

wichtig, sich nicht nur mit historischen Beispielen

auseinanderzusetzen, sondern auch mit aktuellen Entwicklungen,

die weltweit wieder zunehmend sichtbar werden. Im Mittelpunkt

des Abends stehen Werke, die in der USA von Zensur betroffen

sind oder deren Zugang eingeschränkt wurde. Ausgewählte Texte

werden von Andrea Worthmann und Roland Graf vorgestellt und

rezitiert. Musikalisch begleitet wird der Anlass von Gino Suter an

der Geige, der den literarischen Beiträgen eine eindringliche

Atmosphäre verleiht.

Worte in Flammen? – Freiheit verteidigen!

Die Idee zu diesem besonderen Abend stammt von Martin Willi,

Betriebsleiter des Lokals in der Kulturstadt Laufenburg. Gemeinsam

mit engagierten Mitwirkenden bringt er einen Anlass auf die Bühne,

der Kultur, Geschichte und gesellschaftliche Verantwortung

miteinander verbindet. Willi sagt dazu: «Die Gäste dürfen sich auf

einen interessanten und spannenden Abend freuen. Es ist zu hoffen,

dass sich die aktuelle Entwicklung in den USA wieder entschärft und

Bücher allen interessierten Menschen frei zugänglich

bleiben.» Ergänzt wird das Programm durch ein kurzes

Podiumsgespräch mit Grossrätin Colette Basler und dem

Buchverleger Armin Junghardt. Gemeinsam diskutieren sie über

Meinungsfreiheit, den Umgang mit Zensur und die

gesellschaftlichen Folgen von Buchverboten. Welche

Verantwortung tragen Politik und Kultur? Und was würde es

bedeuten, wenn auch in der Schweiz Bücher aus Bibliotheken oder

Schulen verschwinden würden?

Der Abend versteht sich als Einladung zum Nachdenken, zum

Austausch und als klares Bekenntnis zur Freiheit des Wortes.


Martin Willi engagiert sich als

Betriebsleiter der kultSCHÜÜR

Laufenburg intensiv für ein vielseitiges

Programm.

Verbotene Bücher |

kultSCHÜÜR Laufenburg |

10. Juni 2026 | Türöffnung und

Barbetrieb ab 19.30 Uhr


Gerhard Meister gewinnt den ZKB-

Schillerpreis 2026

Zwischen Sprachakrobatik, Alltagswahnsinn und

Weltuntergangskomik

Der diesjährige ZKB-Schillerpreis geht an den

Zürcher Autor und Spoken-Word-Pionier Gerhard

Meister. Ausgezeichnet wird sein jüngster Band

«Cha me das therapiere» – ein Werk, das den

Zeitgeist gleichzeitig zerlegt, verspottet und

seziert. Die mit 20 000 Franken dotierte

Auszeichnung der Schweizerische Schillerstiftung

wird jährlich von der Zürcher Kantonalbank

vergeben und zählt zu den wichtigsten

Literaturpreisen mit Zürich-Bezug. Die

Preisverleihung fand am 1. Juni 2026 im

Literaturhaus Zürich statt.

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Domenico Blass legt mit «Freier Fall»

seinen ersten Roman vor

Oder: Wenn der Witz kurz Pause macht.

Ein Mann, der sein Leben lang vom Witz lebte,

veröffentlicht plötzlich einen Roman über einen

Unfall, eine Familie und die Zumutung des

Weiterlebens und überrascht damit eine ganze

Branche. Ein Richtungswechsel oder ein

Boxenstopp?

MEHR AUF ARTTV.CH


Kursaal Engelberg –

von der Belle Époque

zur Neuzeit



Kaum ein Gebäude

im Klosterdorf

erzählt mehr über

Aufstieg, Wandel

und Neuerfindung

des Tourismus.

Als Mitte Mai 2026 das Luzerner Sinfonieorchester

gemeinsam mit dem Pianisten Ilya Shmukler im

Kursaal Engelberg auftrat, wurde nicht nur ein

grandioser Konzertabend geboten, sondern dem

Publikum auch eine Begegnung mit einem der

geschichtsträchtigsten Räume Engelbergs

ermöglicht. Auf dem Programm standen Werke von

Wolfgang Amadeus Mozart, Giovanni Battista

Pergolesi, Domenico Cimarosa und Sergei

Prokofjew – klassische Musik in einem Saal, der

ursprünglich genau für solche gesellschaftlichen und

kulturellen Ereignisse geschaffen wurde und heute,

integriert ins Kempinski Palace Engelberg, eine

neue Dynamik entfaltet.


Die Erfindung des alpinen Kurortes

Um 1900 befand sich Engelberg im Wandel: Aus dem Klosterdorf wurde

zunehmend ein internationaler Ferien- und Kurort. Die Alpen galten damals

nicht nur als Landschaft, sondern als Versprechen von frischer Luft, Erholung,

gesellschaftlichem Leben und mondänem Luxus. Wie in Davos, St. Moritz oder

Montreux begann man auch in Engelberg gross zu denken. Rund um das

Benediktinerkloster entstanden Hotels, Pensionen und touristische

Infrastrukturen von erstaunlicher Dimension, und der Tourismus entwickelte sich

zu einer neuen wirtschaftlichen Grundlage des Dorfes. In dieser Phase entstand

1902 der Kursaal Engelberg. Er war weit mehr als ein Veranstaltungsraum und

bildete das gesellschaftliche Zentrum der damaligen Kurortkultur. Hier fanden

Konzerte, Tanzveranstaltungen, Empfänge und kulturelle Abende statt. Säle

dieser Art gehörten zur Selbstinszenierung der Belle Époque: Die alpinen

Ferienorte wollten nicht nur landschaftlich attraktiv sein, sondern auch kulturell

mit den europäischen Städten konkurrieren.



Grandhotels mitten in den Alpen

Mit dem Kursaal und den noblen Hotels entstand rund um Engelberg

eine eindrucksvolle Ferienwelt. Besonders prägend war der

Europäische Hof, der 1905 eröffnet wurde und zu den bedeutendsten

Hotelanlagen des Ortes gehörte. Die Architektur orientierte sich an

internationalen Grandhotels: repräsentative Fassaden, elegante Säle

und grosszügige Raumfolgen sollten ein internationales Publikum

anziehen. Diese Entwicklung wirkte für ein alpines Dorf beinahe

überdimensioniert, entsprach jedoch dem Zeitgeist jener Jahre. Die

Schweiz exportierte ihr Alpenbild in die ganze Welt, und der Tourismus

wurde zum Symbol von Fortschritt, Modernität und internationaler

Offenheit. Gleichzeitig blieb dieses Modell wirtschaftlich fragil: Viele

Hotels waren teuer im Unterhalt und stark von saisonalen Gästen

abhängig. Mit den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen des

20. Jahrhunderts geriet die grosse Belle-Époque-Welt zunehmend

unter Druck.

Feuer, Umbauten und

Verluste

Wie viele alpine

Tourismusorte erlebte auch

Engelberg zahlreiche

Umbrüche. Hotels

verschwanden, wurden

umgebaut oder verloren ihre

ursprüngliche Funktion.

Mehrere historische

Gebäude gingen durch

Brände verloren, andere

wurden während der Nachkriegszeit stark modernisiert. Auch der

Kursaal blieb von Veränderungen nicht verschont: 1953 wurde der Saal

umfassend modernisiert, allerdings nicht unbedingt zu seinem Vorteil,

was Ausstrahlung und architektonische Raffinesse betraf. Die

Architektur der Nachkriegszeit wollte sich bewusst von der dekorativen

Belle Époque absetzen. Historische Elemente verschwanden, Räume

wurden vereinfacht und funktionaler gestaltet. Erst viel später erkannte

man den kulturhistorischen Wert solcher Räume wieder neu. In

mehreren Restaurierungsphasen wurde der Kursaal schrittweise näher

an seinen ursprünglichen Charakter herangeführt.


Integration ins Kempinski Palace

Mit dem Bau des heutigen Kempinski Palace Engelberg erhielt der Kursaal

ein weiteres neues Kapitel. Der historische Saal wurde in den modernen

Hotelkomplex integriert. Diese Entwicklung löste Diskussionen aus:

Manche sahen darin die Rettung des

Gebäudes, andere befürchteten den

Verlust seiner Eigenständigkeit.

Tatsächlich steht der Kursaal heute

exemplarisch für den Umgang vieler

alpiner Tourismusorte mit ihrer

Geschichte. Historische Architektur

bleibt erhalten, wird aber gleichzeitig

in neue wirtschaftliche und

touristische Konzepte eingebunden.

Seine Geschichte bleibt sichtbar,

ohne dass der Raum seine Funktion

verloren hätte. Eine Besonderheit ist

zudem, dass der Saal zwar ins Kempinski integriert wurde, aber weiterhin

im Besitz der Einwohnergemeinde Engelberg ist, von einem Verein

betrieben wird und für jedermann zugänglich bleibt.

Ein Konzertabend als Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart

Das Konzert des Luzerner

Sinfonieorchesters am 15. Mai

2026 machte diese Verbindung

besonders deutlich. Das Publikum

erlebte einen klassischen

Konzertabend in einem Raum, der

bereits vor über hundert Jahren

genau für solche Aufführungen

geschaffen worden war. Mit

Werken von Wolfgang Amadeus

Mozart, Giovanni Battista

Pergolesi, Domenico Cimarosa und

Sergei Prokofjew spannte das

Programm einen Bogen zwischen musikalischer Tradition und virtuoser

Gegenwart. Besonders der Auftritt des Pianisten Ilya Shmukler zeigte, wie

selbstverständlich sich internationale Konzertkultur heute mit der

historischen Atmosphäre des Kursaals verbindet. Der Saal selbst wurde

dabei zum stillen Mitspieler des Abends. Seine Architektur erinnert an die

grosse Zeit der alpinen Kurorte, während seine heutige Nutzung zeigt, wie

sehr sich Engelberg verändert hat.


Ein Gebäude als Spiegel des Tourismus

Der Kursaal Engelberg ist deshalb weit

mehr als ein historischer Veranstaltungsort.

Seine Geschichte erzählt von den grossen

touristischen Hoffnungen der Belle

Époque, von wirtschaftlichen Krisen, von

Modernisierungseuphorie und von der

heutigen Suche nach einem Gleichgewicht

zwischen Denkmalpflege und

zeitgemässem Tourismus. Kaum ein

anderer Ort in Engelberg zeigt diese

Entwicklung so deutlich wie der Kursaal:

vom gesellschaftlichen Zentrum eines

Belle-Époque-Kurortes zum modernen

Kultur- und Veranstaltungsraum im Herzen

einer internationalen Tourismusdestination.


ARTTV

VIDEO

Kulturgeschichte | Kursaal Engelberg


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BRIGITTE LUSTENBERGER

A GAZE OF ONE’S OWN

www. museum-franzgertsch.ch

Robert Zandvliet, «Paradaidha Zora» [Ausschnitt / Detail], 2023

Eitempera auf Leinen / Egg tempera on linen, 270 × 450 cm

Besitz des Künstlers / Property of the artist © Robert Zandvliet



Die Eule ist pink:

Eine Reise durch die

Welt der Farben



Wie Farben

Emotionen wecken,

Geschichten

transportieren und

unseren Blick auf

die Welt prägen

Das Museum der Kulturen Basel widmet sich in

der Ausstellung «Die Eule ist pink» der

vielschichtigen Welt der Farben. Rund 200

Exponate – von Fasnachtslarven über

Batikstoffe bis hin zu bestickten ukrainischen

Wyschywanka-Blusen – zeigen, wie Farben

hergestellt und genutzt werden und welche

Rolle sie in unterschiedlichen Kontexten

spielen. Sie erzählen von kulturellen

Bedeutungen, politischen Symbolen und

persönlichen Erfahrungen.


Blick in die Ausstellung

Die Ausstellung erzählt, warum und wie Farben die

Welt und das Leben bunt machen, wobei, wie beim

Färben in der Batiktechnik, keine Mühe gescheut wird.

Ohne Farbe sind Materialien, Formen und Strukturen

zwar sichtbar. Farben jedoch machen den Unterschied:

Farben verleihen Dingen das gewisse Etwas, die

richtige Kontur, sogar Persönlichkeit. Hinter den Farben

steckt aber noch mehr. Mit ihnen bekennen Menschen

Farbe: Bunt bestickte weisse Blusen wie die

Wyschywanka in der Ukraine wurden etwa zu einem

Widerstands- und Solidaritätssymbol. Farben verbinden

Menschen und erhalten gesellschaftliche und politische

Relevanz. Das Rosa Mexicano zum Beispiel steht in

Mexiko für ein positives Lebensgefühl.


Im Farbrausch

Ob Rot, Gelb, Grün oder Blau, Farben schmücken, schützen,

verbreiten Festtagslaune, vertiefen den Glauben oder geben

Kraft. Wahrnehmung und Bedeutung können von Farbe zu

Farbe, von Mensch zu Mensch und von einem kulturellen

Kontext zum anderen unterschiedlich sein. Auch die

Farbgewinnung und -herstellung erhält Platz in der

Ausstellung. Einst kostbar, können Farbstoffe seit der Mitte

des 19. Jahrhunderts künstlich hergestellt werden, was sie

günstiger machte und Begehrlichkeiten weckte. Der Wunsch

nach Farbenpracht kurbelte den Handel an, der aber mit

Kolonialisierung verbunden war und bis heute Folgen für

Mensch und Umwelt hat.

Programm und Kooperationen

Die Ausstellung bietet interaktive Stationen sowie eine

Kreativ-Box, in der Besucher:innen eigene farbige Beiträge

gestalten können. Sie entstand in Zusammenarbeit mit

Kindern sowie mit sehbehinderten, blinden, hörbehinderten

und gehörlosen Menschen und wurde unterstützt durch die

Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG), die Emma

Schaub Stiftung, die Stiftung Denk an mich, den Swisslos-

Fonds Basel-Stadt, die SUKOA AG, Pro Infirmis sowie die

Stiftung zur Förderung des Museums der Kulturen Basel.

ARTTV

VIDEO

«Die Eule ist pink» | Museum der

Kulturen Basel | bis 24. Januar 2027


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