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50 Jahre SK Stiftung Kultur (Teil zwei)

1990-2005 Neues Denekn, neue Räume

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SK STIFTUNG KULTUR

Die SK Stiftung Kultur

1990–2005

50

Jahre

Foto: Stiftungsarchiv

KOMED Gebäude, 1996

Neues

Denken,

neue

Räume

TEIL

ZWEI

Spätestens mit der Schließung des alten

„City-Treff-Cafés“ am Rudolfplatz 1991 verlegte

sich das Wirken unserer Stiftung auf neue

Themen, Veranstaltungsformate und Orte. Ein

Meilenstein in der Geschichte war 1992 der Erwerb

des künstlerischen Nachlasses von August

Sander (1876–1964). Der damaligen Stadtsparkasse

Köln war es damit gelungen, das Erbe des berühmten,

lange in der Domstadt wirkenden Photographen

für Köln und Deutschland zu sichern

und zu verhindern, dass dieses Konvolut etwa in

die USA abwanderte. Der Photograph war bereits

zu Lebzeiten in Amerika berühmter als in seinem

Heimatland. Dort setzte die Emanzipation der

Photographie als eigenständige Gattung innerhalb

der bildenden Künste viel früher ein als in

Europa. Bereits 1955 waren Werkgruppen von

August Sander in der Ausstellung „The Family of

Man“ im MoMA New York und an weiteren Sta -

tionen vertreten. Gemeinsam mit der ebenfalls

angekauften Sammlung der Deutschen Gesellschaft

für Photographie war der Grundstein für

die Photographische Sammlung gelegt.

August Sander: Photograph

[August Sander], 1925

© Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur –

August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn, 2026


1990–2005

Foto: Herman Sorgeloos

RosasdanstRosas, 1997

Bereits 1991 war neben der schon etablierten Akademie för

uns kölsche Sproch und dem Deutschen Tanzarchiv Köln das Referat

für Videotanz entstanden. Den Impuls dafür gab der Aufbau

der Filmsammlung des Tanzarchivs. Mit regelmäßigen Screenings

richtete die Reihe „Tanzgeschichten“ die Aufmerksamkeit

auf den Tanz im Film und ein zuvor weniger beachtetes Genre,

die Choreographie für die Kamera. Auffällig ist die Verbindung zu

den ab der 1980er Jahre aufkommenden Musikvideos. Auch hier

spielte der Tanz eine wichtige Rolle, man denke nur an Michael

Jackson. Die „Hochkultur“ hatte diese Technik damals für sich

entdeckt. Choreographen inszenierten ihre Stücke jetzt nicht

(nur) für die Bühne, sondern auch für die Kamera. Ein besonders

einprägsames Beispiel hierfür ist die von der belgischen Choreographin

Anne Teresa De Keersmaeker geleitete Kompagnie

„Rosas“. Die von Thierry de Mey realisierten filmischen Umsetzungen

ihrer originären Bühnenchoreographien wirkten wiederum

auf die populäre Kultur ein. Beyoncé musste sich Vorwürfe

gefallen lassen, dass sie in ihrem Clip „Countdown” Bewegungen

wie Filmeinstellungen von „Rosas danst Rosas” (1997) und

„Achterland” (1994) „geklaut“ habe. So gehörten auch diese bei-

Videotanzreferat holt

„dance screen ’99“

nach Köln

„Eine postapokalyptische Wüstenlandschaft

und eine einsame Frau im Badeanzug ... die Kraft

der Bilder, der Rhythmus der Schnitte, Großaufnahmen

des Körpers“, so beschreibt die Kölner

Rundschau den Film „Dust“, der „dance screen

’99“. Das größte Festival für die gesamte Breite

des Tanzfilmschaffens – Dokumentarfilme, Bühnenaufzeichnungen,

Tanz für die Kamera und Musikvideos,

initiiert vom Internationalen Musikzentrum

Wien, fand dank des engagierten und

interna tional gut vernetzten Referats Videotanz

in Köln statt. Die siebte Ausgabe des Festivals

verstand sich zugleich als Messe, Ausstellung und

Wettbewerb und war in diesem Jahr Teil des kulturellen

Rahmenprogramms des Weltwirtschaftsgipfels.

Filmschaffende und Fernsehverantwortliche

nutzten es als Plattform für Austausch und

Vernetzung. Besonders positiv aufgenommen

wurde, dass das Festival in Köln erstmals auch

der breiten Öffentlichkeit mit einem eigenen Filmprogramm

im Cinedom zugänglich war.

poetic mail

Freitags und

montags kein Gedicht,

das vom Tod spricht

Szene aus dem Film „Dust“, 1999

Foto: Anthony Atanasio

„Was wahr ist, streut nicht Sand in deine Augen,

was wahr ist, bitten Schlaf und Tod dir ab

als eingefleischt, von jedem Schmerz beraten,

was wahr ist, rückt den Stein von deinem Grab.“

Beispielsweise mit diesen Worten von Ingeborg Bachmann

begann ein Bürotag, wenn man zu den Abonnent*innen

von „poetic mail“ gehörte. 1997 abonnierten 600 Interessierte

diesen außergewöhnlichen Dienst, jeden Morgen

ein zeitgenössisches Gedicht im E-Mail-Postfach vorzufinden.

Seinerzeit bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Kultur

und Wirtschaft waren zuvor nach ihren Lieblingsgedichten

gefragt worden, darunter Oberbürgermeister Norbert Burger

oder der WDR-Intendant Fritz Pleitgen. Selbst auferlegte

Vorgabe war: An Freitagen und Montagen wurde nicht vom

Tod geschrieben. Die Rückmeldungen waren oft lebhaft und

reichten von empört bis begeistert. Nicht alle verstanden sofort

das Konzept und es kam vor, dass Gedichte von „begabten“

Verwandten eingeschickt wurden mit der Bitte, die doch

auch gerne publik zu machen.

Wer findet die

richtige Kombination?

Die dokumentarische Photographie von Bernd

und Hilla Becher findet ihren einzigartigen Ausdruck

nicht zuletzt in der richtigen Kombination

und Reihenfolge der Bilder. Die Aufregung war

groß, als die Mitarbeiterinnen der Photographischen

Sammlung einen alarmierenden Anruf vom

Aufsichtsteam bekamen, in der laufenden Ausstellung

hänge jemand Exponate ab und um. Sofort

liefen die Verantwortlichen zum „Tatort“. Dort

fanden sie Bernd Becher höchstpersönlich, der

feststellte: „Ich wollte nur mal ausprobieren, ob

es nicht anders besser aussieht.“


Foto: Hubert Brand

Verleihung der Kölner Theaterpreise 1991: Publikumspreis

für Walter Bockmeyer (3.v.l.) und Ralph Morgenstern (r.)

den Produktionen von De Keersmaeker/De Mey zu den

Highlights, die im Rahmen der „Tanzgeschichten“ präsentiert

wurden. Zwischen 1997 und 2001 lobte die Stiftung

zudem den mit 80.000 DM dotierten Deutschen Videotanzpreis

aus. Ebenso entstand das Referat Literatur- und

Leseförderung in dieser Zeit, lange bevor die PISA-Studie

alarmierende Ergebnisse zur sinkenden Lesekompetenz

von Kindern feststellte. Ein wichtiges Projekt waren

die Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen, die ab

1996 jeweils mit einem anderen Gastland als Schwerpunkt

stattfanden.

Das für die freie Szene bis heute wichtige Förderinstrument,

die Kölner Tanz- und Theaterpreise, wurden 1990 von

der SK Stiftung Kultur ins Leben gerufen. Gewürdigt wird

damit bis heute die Vielfalt und Qualität der Inszenierungen

der freien Szene. Als Gütesiegel helfen die Theaterpreise

Künstler*innen, Geld und Anerkennung zu gewinnen. Die

Preisgelder werden seit jeher von Kölner Wirtschaftsunternehmen

bereitgestellt. Die heutige Schauspielgröße Annette

Frier war die erste, die 1999 den Nachwuchspreis Puck

gewann. Unter dem Motto „Open Air und Eintritt frei!“ rief

die SK Stiftung Kultur gemeinsam mit der Stadt Köln 1992

den „Sommer Köln“ ins Leben, der ebenfalls durch finanzielle

Unterstützung von Sponsoren ermöglicht wurde. Mit

kostenlosem Straßentheater, Musik, Tanz und Filmvorführungen

entstand ein niedrigschwelliges Kulturangebot für

alle, die während der Sommerferien in der Stadt bleiben.

Foto: Sabine Große-Wortmann

Die Welt zu Gast in

Kölner Schulen

„Das verstehe ich, so wird bei uns zu Hause

auch gesprochen!“ Stolz und begeistert reagierten

die Schüler*innen, wenn bei den Internationalen

Jugendbuchwochen Autor*innen aus den Ursprungsländern

ihrer Familien zu Gast waren. Da

wurde auch schon mal spontan von den Kindern

für Mitschüler*innen vom Türkischen ins Deutsche

übersetzt. 1996 startete das Kooperationsprojekt

der SK Stiftung Kultur, das Lesefreude und kulturellen

Austausch förderte. Jedes Jahr stand die Kinder-

und Jugendliteratur eines anderen Landes im

Mittelpunkt, darunter Frankreich, Belgien, Norwegen,

Israel oder Kanada. Um kulturelle und interkulturelle

Bildung miteinander zu verbinden, wurde bei

den Buchpräsentationen nicht nur gelesen, sondern

auch lebhaft diskutiert. Die Kinder und Jugendlichen

nutzten die Gelegenheit, den Autor*innen

und Illustrator*innen Fragen zu stellen und

auch die internationalen Gäste waren neugierig auf

die Sichtweisen der Schüler*innen. „Sind die Straßen

in Amerika wirklich so breit und die Autos so

groß?“ war genauso interessant für die Kinder, wie

die Frage, ob die Autorin Haustiere und Kinder habe.

Isländische Buchwochen: Kristin Steinsdottir

Das World Wide Web

erreicht die Wohnzimmer

Im Mai 1996 launchte die SK Stiftung Kultur

ihre Webseite und war damit eine der ersten deutschen

Kulturstiftungen mit eigener Internetpräsenz.

Mit der Begeisterung der Pionierin wurde

beschrieben, was nun alles möglich war. Neben

allgemeinen Infos zu den Angeboten waren auch

die Bestände der Archive jetzt für Recherchierende

standortunabhängig einzusehen. Als größter

Fortschritt gegenüber Print wurde die ständige

Möglichkeit der Aktualisierung und Erweiterung

der Inhalte gepriesen.

»Sie brauchen

einen Computer,

einen Telefonanschluß

und

ein Modem, um

auf dem Meer der

Informa tionen

im Internet zu

‚surfen’...«

Steinzeit des Internets: Erste

Homepage der Stiftung, 1996


1990–2005

Blick ins Tanzmuseum, um 2000

Die Stiftung findet eine neue Heimat

1996 fand die SK Stiftung Kultur mit zunächst drei Abteilungen

eine neue Heimat im Mediapark, die Akademie folgte 1999. Passend

zum neuen Standort und zur neuen Ausrichtung erfolgte die Umbenennung

von Stiftung City-Treff zu SK Stiftung Kultur. Mit dem

Umzug in den Mediapark begann für die Photographische Sammlung

eine neue Ära. Neben dem Archiv gab es nun ein Büro, einen

Studienraum, um Gäste zu empfangen und eigene Ausstellungsflächen.

Auch für das Deutsche Tanzarchiv Köln bedeutete der Umzug

eine große Veränderung. Neben den Präsentationsflächen, die es

sich in den ersten Jahren mit der Photographischen Sammlung

teilte, gab es nun ein eigenes Tanzmuseum mit einer ständigen

Ausstellung. Sonderausstellungen gab es beispielsweise, wenn

Nachlässe weltbekannter Tänzer*innen und Choreograph*innen

aufgenommen wurden, wie die von den Sacharoffs oder von Kurt

Jooss, dem Lehrer von Pina Bausch. Seit 1995 legt das Tanzarchiv

einen Schwerpunkt auf das Genre „Tanzfotografie“ und stellt dabei

die bildkünstlerische Perspektive der Fotograf*innen (also nicht

die fotografische Dokumentation) in den Mittelpunkt. Dies war die

Voraussetzung für den späteren archivischen Schwerpunkt „Tanzfotografie“

/ „Nach-/Vorlässe von Fotograf*innen“ wie auch für die

Kreation einer Tanzfotografie-Ausstellung für das Goethe-Institut.

Foto: Ridha Zouari

Wat kann die

Ungerbotz dann koste?

Wenn Sprachwissenschaftler*innen sich zu

Forschungszwecken Geschichten erzählen lassen,

wird es nicht nur interessant, sondern auch

unterhaltsam. Mit „Alles Kölsch“ wurde 1998 die

erste moderne Sprachdokumentation von der

Akademie för uns kölsche Sproch veröffentlicht.

Sie basiert auf Geschichten aus dem Alltag, die in

kölschen Wohnzimmern von Kölnerinnen und Kölnern

zwischen neun und 80 Jahren erzählt wurden.

Gigi Herr plaudert hier aus dem Nähkästchen,

wie an Wieverfastelovend nach ein paar

Schabbau zu viel ein Teil des Pippi Langstrumpf-

Kostüms nicht mehr aufzufinden war. Und ihre

Tante Trude auf die empörte Anklage des Ehemanns,

dass Gigi ohne „Botz“ nach Hause kam,

ganz trocken feststellte: „Wat kann die Ungerbotz

dann koste“?

Gigi Herr im Studio

Foto: Janet Sinica

Nicht klein beigeben

Vergleichende

Positionen

Impressum

Im Rahmen der Ausstellung „Oda Schottmüller

– Tänzerin, Bildhauerin, Nazigegnerin“,

die das Deutsche Tanzarchiv Köln gemeinsam

mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand

erarbeitet hat und die 2005 im Tanzmuseum

präsentiert wurde, war unter den

Exponaten eine kleine, von Oda Schottmüller

heimlich im Gefängnis gefertigte Katzenskulptur

aus Brotteig, die sie ihrer ebenfalls

inhaftierten Freundin Ina Lautenschläger

zustecken konnte. 2005 war Lina 89 Jahre

alt und schenkte dem Tanzmuseum Köln die

letzte Skulptur ihrer Freundin.

SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn

Geschäftsführung und Leitung:

Norbert Minwegen

Im Mediapark 7, 50670 Köln, Tel.: 0221/888 95-0,

pr@sk-kultur.de, www.sk-kultur.de

Katzenskulptur

von Oda Schottmüller

In Kooperation mit dem Känguru Colonia Verlag

www.kaenguru-colonia-verlag.de

Redaktion/Texte: Dr. Ralf Convents, Barbara Renz

Grafik: Anja Sauerland, www.paper-love.com

Als die Photographische Sammlung 1997 von ihrem ersten

Domizil in der Kreishausgalerie, St.-Apern-Straße in den

Mediapark zog, versammelte sich ein illustres „Klübchen“

um die damalige Leiterin Susanne Lange und ihr Team aus

acht Mitarbeitenden in den neuen Räumen. Dazu gehörten

Gerd Sander, der Enkel des Künstlers, Ann und Jürgen Wilde,

mit denen die Sammlungen von Blossfeldt und Renger-

Patzsch in die Stiftung gelangten. Bernd und Hilla Becher

folgten mit ihren Werken, da sie selbst Sander, Blossfeldt

und Renger-Patzsch als zentrale Vorbilder betrachteten. Vier

künstlerische Haltungen, die die dokumentarische Photographie

maßgeblich geprägt haben, wurden so an einem Ort

vereint – ein in dieser Form einzigartiges Ensemble.

Die erste Ausstellung der Sammlung trug den programmatischen

Titel „Vergleichende Positionen“ und wurde begleitet

von der kleineren Präsentation „Photographien im

Dia log“, die amerikanische Straight Photography zeigte.

Schon hier zeichnete sich das bis heute gültige Konzept ab:

Verbindungen herzustellen – vom Regionalen zum Internatio -

nalen und vom Historischen zum Zeitgenössischen.

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