Der Harz_06_26_I
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HARZKLUB
Eine Erfolgsgeschichte aus dem Harz
140 Jahre Harzklub –
von der Idee zur festen Institution
In diesem Jahr wird der Harzklub 140 Jahre alt. Das ist für
einen Verein schon eine recht lange Zeit. Viele Sportvereine,
Naturschutz- oder Umweltverbände können nicht auf ein solch
stattliches Alter zurückblicken.
Doch wie kam es zu der Entstehung: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts
als Folge der Industrialisierung und dem Bau großer Städte
begann die Sehnsucht der Bevölkerung nach Aufenthalten in der
Natur und ausgeprägten Wanderungen. Es entstand der Begriff
der Sommerfrische. Doch darauf war der Harz zunächst überhaupt
noch nicht vorbereitet.
Es gab meist nur schmale Eselspfade, oft genug belagert von
Räubern, Bettlern und Frevlern, keinerlei Beschilderung und
die verschiedenen Fürstenhäuser hatten keinerlei Interesse an
einer Veränderung und fürchteten wohl auch eine Störung ihrer
herrschaftlichen Jagdreviere.
Das Aufsuchen von Acker, Wurmberg oder gar dem Brocken gestaltete
sich zu einem großen Abenteuer und war ohne erfahrene
Bergführer überhaupt nicht machbar.
Inzwischen hatten sich andere Erholungsgebiete, wie z.B. der
Spessart oder die Alpen, längst auf den zu erwartenden Ansturm
der Sommerfrischler eingestellt. Die Zeit drängte, wollte der Harz
nicht den Anschluss verlieren.
Es waren der Eisenbahndirektor Albert Schneider aus Trautenstein
und der Buchhändler H.C. Huch aus Quedlinburg die anlässlich
einer gemeinsamen Bahnfahrt über die Bildung eines „Harz-Touristen-Vereines“
diskutierten.
Am 4.Juli 1886 lud H.C. Huch zehn gleichgesinnte Männer nach
Blankenburg ein, die dort übereinkamen, in den größten Zeitungen
des Harzes einen Aufruf mit folgendem Wortlaut zu veröffentlichen.
Aufforderung!
Die Unterzeichnenden, durchdrungen von der Notwendigkeit, im
Interesse der Besucher des schönen Harzgebietes gemeinschaftlich
wirken zu müssen, beabsichtigen, einen Harzklub zu bilden, welcher
es sich zur Aufgabe macht, nach den verschiedensten Richtungen,
ähnlich wie der Alpenklub, obigen Zweck zu verfolgen. Wir fordern
hiermit alle diejenigen, welche sich für den Harz interessieren, auf,
diesem Harzklub beizutreten, rufen zu einer Versammlung derselben
auf den 7. und 8. August 1886 nach Seesen am Harz und bitten um
recht zahlreiche Beteiligung.
Diese zehn Männer, die erkannt hatten, wie wichtig ein geschlossenes
Vorgehen für den Erfolg des neuen Vereins war, können mit
Recht als die Gründer des Harzklubs angesehen werden.
Der Aufruf fiel auf fruchtbaren Boden und als man sich am 8.
August 1886, vormittags um 11 Uhr, im Rathaus von Seesen traf,
waren bereits 62 Vertreter aus 23 Harzer Orten beteiligt. Diese
erste Sitzung wurde von Hauptmann a.D. Robert Spatzier geleitet.
H.C. Huch hatte eine Satzung ausgearbeitet und diese wurde bis
zur ersten Hauptversammlung in Kraft gesetzt. Am 20. Februar
1887 traf der provisorische Vorstand, nun schon unter der Leitung
von Albert Schneider, zu einer Beratung in Halberstadt zusammen.
Am 3. April 1887 fand die erste
Delegiertenversammlung des
Harzklubs in Goslar Im Hotel
Hannover statt. Die Versammlung
beschloss, als den Ort der
Geburt Seesen zu betrachten
und das Gründungsdatum auf
den 8.8.1886 festzuschreiben.
In den Folgejahren wuchsen sowohl
die Anzahl der Zweigvereine,
als auch die Mitgliederzahl
ständig an. Der Zweigverein
Trautenstein wurde im Jahr
1894 gegründet.
Wer war dieser Albert Schneider,
der mit Weit- und Umsicht
den Verein über 14 Jahre bis
1900 geführt hat?
Geboren als Sohn eines Pfarrers
am 30. November 1833 in
dem damals fast weltentlegenen
Harzdörfchen Trautenstein
Christoph Steingaß während seines
Kurzvortrages auf der JHV in
Trautenstein. (Foto: Axel Wolters)
lernte er alle Freuden und Nöte der Bevölkerung und alle Rauhheit
der Harznatur kennen. Das Gymnasium besuchte er in Blankenburg,
studierte Ingenieur und Maschinenbau in Braunschweig,
zog danach in die große Welt, zunächst nach Wien und später
nach Russland, wo er eine beispiellose Karriere startete. Nach 15
Jahren kehrte er in die Heimat zurück und arbeitete als Betriebsdirektor
der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn. Seine große
Leidenschaft galt der Erschließung der Harzberge mit einem völlig
neuen Prinzip, der Zahnradbahn. Wer Großes erschafft, hat auch
immer eine Anzahl von Neidern, die ihm persönliche Bereicherung
vorwarfen. Das mag, neben seiner angegriffenen Gesundheit, ein
Grund für seinen Rücktritt gewesen sein.
Seine Verbundenheit zum Harzklub erlahmte jedoch nie. Selbst
als die Beine den großen Körper nicht mehr tragen konnten, ließ
er sich, zwischen den Holmen eines fahrbaren Barrens stehend,
in den Saal der Hauptversammlung rollen, denn auch als Ehrenvorsitzender
erhob er noch seine Stimme.
Seine mit gewaltigen Orden geschmückte Brust war häufig in den
Fürstenhäusern des Harzes anzutreffen. Er liebte großes und feierliches
Auftreten und wer mit Geheimrat Schneider gesellschaftlich
verkehren wollte, musste fest stehen und einen guten Magen haben.
Der Geheime Baurat Albert Schneider verstarb am 29. April 1919
in seiner Villa in Bad Harzburg.
Die zweite wichtige Person aus der Gründerzeit des Harzklubs ist
Heinrich Conrad Huch. Eigentlich kennt niemand diesen Namen,
denn von Anfang an sprach und schrieb man nur: H.C. Huch! Er
gehört zu einem der bekanntesten und wichtigsten Männer, die der
Harzklub je in seinen Reihen hatte. H.C., das hatte Familientradition,
denn auch sein Vater und mindestens einer seiner vier Söhne trug
4 06 | 2026