04.06.2026 Aufrufe

architektur FACHMAGAZIN Ausgabe 2 2026

Gebäudehüllen müssen heute mehr können als je zuvor. Sie sollen Energie sparen oder erzeugen, Ressourcen schonen, Hitze puffern, Identität stiften, auf Bestand reagieren und im besten Fall auch noch gut altern. Dass aus dieser Vielzahl an Anforderungen auch ein architektonisches Potenzial entsteht, ist eine der spannendsten Entwicklungen des gegenwärtigen Bauens. Denn genau dort, wo Anforderungen aufein­andertreffen, wird Architektur interessant. An der Hülle entscheidet sich, wie ein Gebäude auf Klima und Kontext antwortet, wie es seine Nutzung organisiert, wie es sich im Stadtraum behauptet – und welche Geschichte es über sich selbst erzählt. Die Hülle ist damit nicht einfach Verpackung, sondern eine der produktivsten Zonen des Entwurfs. Die Beiträge dieser Ausgabe spannen einen Bogen von leichten, materialeffizienten Konstruktionen bis zu komplexen Hochleistungsfassaden.

Gebäudehüllen müssen heute mehr können als je zuvor. Sie sollen Energie sparen oder erzeugen, Ressourcen schonen, Hitze puffern, Identität stiften, auf Bestand reagieren und im besten Fall auch noch gut altern. Dass aus dieser Vielzahl an Anforderungen auch ein architektonisches Potenzial entsteht, ist eine der spannendsten Entwicklungen des gegenwärtigen Bauens.
Denn genau dort, wo Anforderungen aufein­andertreffen, wird Architektur interessant. An der Hülle entscheidet sich, wie ein Gebäude auf Klima und Kontext antwortet, wie es seine Nutzung organisiert, wie es sich im Stadtraum behauptet – und welche Geschichte es über sich selbst erzählt. Die Hülle ist damit nicht einfach Verpackung, sondern eine der produktivsten Zonen des Entwurfs.
Die Beiträge dieser Ausgabe spannen einen Bogen von leichten, materialeffizienten Konstruktionen bis zu komplexen Hochleistungsfassaden.

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FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Vösendorf, Verlagspostamt 2331 Vösendorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

02

www.architektur-online.com

März/Apr. 2026

Gebäudehüllen

© Namgoong Sun


Starke

ORIGINALE.

Ein SYSTEMANBIETER.

VERTRIEBSPARTNER Österreich

0343SBAMAY0326

www.ardex.at


www.architektur-online.com

Gebauter Übergang

3

Editorial

Gebäudehüllen müssen heute mehr können als je zuvor. Sie sollen Energie sparen

oder erzeugen, Ressourcen schonen, Hitze puffern, Identität stiften, auf Bestand

reagieren und im besten Fall auch noch gut altern. Dass aus dieser Vielzahl an

Anforderungen auch ein architektonisches Potenzial entsteht, ist eine der spannendsten

Entwicklungen des gegenwärtigen Bauens.

Denn genau dort, wo Anforderungen aufeinandertreffen,

wird Architektur interessant.

An der Hülle entscheidet sich, wie ein Gebäude

auf Klima und Kontext antwortet, wie

es seine Nutzung organisiert, wie es sich

im Stadtraum behauptet – und welche Geschichte

es über sich selbst erzählt. Die Hülle

ist damit nicht einfach Verpackung, sondern

eine der produktivsten Zonen des Entwurfs.

Die Beiträge dieser Ausgabe spannen einen

Bogen von leichten, materialeffizienten

Konstruktionen bis zu komplexen Hochleistungsfassaden:

In der Bretagne wird ein

Sport- und Kulturzentrum unter einer textilen

Dachlandschaft aus Holz und Membran

organisiert, die mit ausgetüftelter Geometrie

viel Raum mit wenig Material schafft. In

Valldal wiederum wird eine alte Scheune zur

Hülle für ein Restaurant, dessen eingepasster

Holzkern so gefügt ist, dass die historische

Substanz unangetastet und der Eingriff

reversibel bleibt. Auch die Vila Muhr am

Bohinjer See begreift die Hülle als Schichtung

ihrer Geschichte, in der sich historische

Fragmente, Rekonstruktion und zeitgenössische

Konstruktion zu einem neuen architektonischen

Zusammenhang verbinden.

Demgegenüber stehen Projekte, in denen

die Hülle als technisch verdichtetes System

erscheint. Am Cyber Valley in Tübingen

verbindet eine zweischichtige Fassade

Sonnenschutz, Photovoltaik und Wartung

zu einem integralen Ganzen; in Hongkong

vereint The Henderson skulpturale Form

mit thermischer Leistung, natürlicher Belüftung

und Widerstandsfähigkeit gegenüber

Taifunen. Das Photo-SeMA in Seoul

schließlich rückt die Wahrnehmung selbst

in den Mittelpunkt und übersetzt die Beziehung

von Architektur und Fotografie in eine

plastische, leicht verdrehte Gebäudeform

aus Licht, Bewegung und Blick.

Ergänzt wird diese Ausgabe durch aktuelle

Produktneuheiten und zahlreiche weitere

Projektberichte. Darüber hinaus erhält auch

die Retailarchitektur wieder eigenen Raum,

wobei diesmal unter anderem die Kioskarchitektur

im Fokus steht.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre

dieser Ausgabe.

Andreas Laser

Fenster-Markisen als Designelement:

Textiler Sonnenschutz

Ton in Ton mit der Fassade

/ Charakterstarke Produkte für zeitgenössische Architektur*

/ Nachhaltige, windstabile Verschattungslösungen

/ Einfache Sonnenschutz-Planung dank digitalisierter Prozesse

Mehr erfahren: www.warema.at/architekten

* Ritterstraße 16, Berlin: In geschlossenem Zustand verwandeln die außenliegenden Markisen das kreative

Bürogebäude in ein homogenes Betonrelief aus strahlendem Weiß. Foto: Schnepp Renou


architektur FACHMAGAZIN

4

Inhalt

Editorial 03

Start 06

What a Hut

Magazin 10

Wettbewerbe & Awards 22

Volksschule Patrizigasse, Wien

Grundschule Rathenow, Brandenburg

Wohnbebauung Velden Bahnweg

Der Stoff, aus dem 30

die Hallen sind

Centre sportif et culturel Marie-José Pérec,

Salle de danse Joséphine Baker /

La Bouëxière, Frankreich /

Onze04 Architectes

Alte Hülle, reversibler Kern 36

Nikkakjøkken Restaurant /

Valdall, Norwegen / Office Inainn

Zeit(ge)schichten 42

Vila Muhr / Bohinj, Slovenien /

OFIS ARHITEKTI

Im Spiel des Lichts 48

Innovationscampus Cyber Valley /

Tübingen, Deutschland / heinlewischer

Präzision und Dramaturgie 54

Photographic Seoul Museum of Art /

Seoul / Jadrić Architektur & 1990uao

Fließende Hülle 60

The Henderson / Hongkong, China /

Zaha Hadid Architects

RETAILarchitektur 66

Produkt News 78

Exoskelette 96

Smarte Power fürs Bauhandwerk

30

42

54

36

60

48

KLARSTELLUNG:

In Ausgabe 06/2025 wurde in einem Beitrag über OFROOM auf S. 6 die Bezeichnung „Architektin“ redaktionell irrtümlich verwendet.

Wir stellen klar, dass die Berufsbezeichnung „Architekt:in“ in Österreich gesetzlich geschützt ist und gemäß § 35 Ziviltechnikergesetz

2019 nur von Personen geführt werden darf, denen eine entsprechende Befugnis verliehen wurde.

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Ortsstraße 212/2/5, 2331 Vösendorf, Österreich

CHEFREDAKTION Andreas Laser (andreas.laser@laserverlag.at) • REDAKTION DI Linda Pezzei, Roland Kanfer, Gertraud Gerst, DI Marian Behaneck

LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14 • RESSORT WETTBEWERBE Roland Kanfer (wettbewerbe@architektur-online.com)

GRAFISCHE GESTALTUNG & WEB Andreas Laser • LEKTORAT Mag. Heidrun Schwinger • DRUCK Bauer Promotion

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at)

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 109,- / Ausland: € 133,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 75,- / Ausland: € 105,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 15,- / Ausland € 20,- • ABOSERVICE office@laserverlag.at

BANKVERBINDUNG Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000 IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUTWW

UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; • ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied der Redaktion gekennzeichnet

sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.


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architektur FACHMAGAZIN

6

Start

Tiny Heat

Mobile Saunen entwickeln sich vom Wellness-Accessoire zur Mikroarchitektur.

What a Hut aus Zlín zeigt, wie lokales Holz, maßgenaue CNC-Fertigung und ein

perforiertes Signature-Detail einem kleinen Volumen eine klare architektonische

Handschrift verleihen.

Text: Linda Pezzei Fotos: Julius Filip, Adéla Bačová

Saunieren ist schon lange kein exklusives

Wellnessritual mehr. Zwischen Immunboost,

Natursehnsucht und dem Bedürfnis nach

informellen Treffpunkten wird der Schwitzraum

zur kleinmaßstäblichen Architektur mit

erstaunlicher gesellschaftlicher Relevanz.

Mobile Modelle umgehen komplexe Genehmigungsverfahren,

sind oft rückbaubar und

fügen sich unauffällig in die Landschaft ein.

Zugleich können sie als private Rückzugsorte

oder temporäre Community-Hubs genutzt

werden. In dieser Schnittmenge ist das

tschechische Label What a Hut zu verorten:

Es entwirft Saunen als Mikroarchitekturen

aus Holz und versteht Reduktion nicht als

Stilmittel, sondern als räumliche Essenz.

What a Hut wurde 2021 in Zlín gegründet

und fokussierte sich zunächst auf typisierte

und maßgefertigte Holzcabins. Aus diesen

kleinen Häusern entwickelte sich rasch ein

Schwerpunkt auf Saunen, ein Bereich, der

im Design gestalterisch wie atmosphärisch

mehr Spielraum bot. Alle Modelle stammen

von der multidisziplinären Designerin Adéla

Bačová, die als Art Directorin auch die visuelle

Sprache der Marke prägt. Die Saunen

bestehen aus massiven Fichtenpaneelen,

deren Holz aus Regionen wie den Beskiden,

dem Prostějov-Gebiet und dem Elbegebiet

stammt und in Tschechien zu großformatigen

Platten verarbeitet wird.

Die Materialwahl knüpft an die Tradition

an, Saunen aus heimischem Holz zu bauen.

Die Verarbeitung hingegen ist klar im Heute

verankert: CNC-gefräste Paneele treffen

in der Werkstatt auf handwerkliche Montage.

Statt auf eine Lieferung in Einzelteilen

setzt What a Hut auf mobil transportierbare,

fertig montierte Saunen. Vor Ort sind

nur noch Anschlussarbeiten notwendig.

Gestalterisch sind sie als Räume für eine

„Essential Experience“ konzipiert. Visuelle

Reize werden bewusst gedimmt, damit Körper,

Gespräch und Stille in den Vordergrund

rücken können.

u


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7

Start

about What a Hut

Adéla Bačová studierte Industrial Design an der Tomas Bata University

in Zlín und gründete während dieser Zeit die Zlín Design Week. Anschließend

arbeitete sie unter anderem bei Koma Modular, wo sie eine prämierte

modulare Kollektion entwickelte. Bei What a Hut verantwortet sie die

Produktentwicklung und die visuelle Identität. Ihre Entwürfe sind von der

Klarheit und konstruktiven Ehrlichkeit des 20.‐Jahrhundert‐Modernismus

geprägt. Gemeinsam mit Lenka Sršňová, die Marketing, Markenstrategie

und internationale Expansion steuert, formt sie eine Marke, die Design,

Architektur und Natur als gleichberechtigte Parameter versteht.

Geschützter,

ökologischer,

regionaler,

visionärer

ist vermutlich

Signature und Kontext

Ein zentrales Motiv ist die perforierte Wand,

keiner.

die sowohl spielerisch als auch funktional

gestaltet ist. Sie lässt Tageslicht in

den Innenraum, schützt aber die Intimität

Wenn Dämmung,

der Nutzerinnen und Nutzer. Nachts wird

die Sauna dann zum Bauder. leuchtenden Körper in der

Landschaft, wenn ein Lichtschimmer von

den glühenden Kohlen oder dem LED-Band

nach außen dringt. Dieses Detail hat sich

zum Wiedererkennungsmerkmal der Marke

entwickelt: eine kleine architektonische

Geste, die Privatheit und Landschaftsbezug

austariert. Da Saunen klaren physikalischen

Regeln unterliegen – Hitze, Feuchte und

Wer klug dämmt, baut auf Bauder. Bauder

Materialspannung

PIR und Bauder

–,

ECO

werden

bieten

sie für Gestalter

höchste Dämmwerte und sparen Platz, Zeit und

oft zu

Geld:

wahren

weil

Laborräumen:

Bauhöhen

im Mittelpunkt

gering bleiben, die Lieferzeiten kurz und die Verarbeitung

stehen das kleine

einfach

Volumen,

sind

eine hohe

und weil die Energiekosten stark reduziert

atmosphärische

werden. Das ist

Dichte

heimische

und wenige, aber

Qualität vom Dachprofi, der die Zukunft nachhaltig

durchdachte

gestaltet.

Details.

Seit mehr als 40 Jahren in Österreich.

What a Hut bietet drei Grundmodelle mit

unterschiedlichen Konfigurationen: von

großflächiger Verglasung für einen maximalen

Landschaftsbezug bis zu stärker

geschlossenen Varianten für eine intimere

Atmosphäre. Parallel dazu entsteht eine

neue Typologie der „Community Sauna“.

Mit einer mobilen Version, die intern „Mascot

on Wheels“ genannt wird, testet What a

Hut temporäre Standorte in Dörfern und bei

Events. So können Gemeinden ausprobieren,

ob sich eine dauerhafte Sauna als sozialer

Treffpunkt etablieren ließe. Die Sauna

wird so auch zur sozialen Infrastruktur im

Kleinformat: demokratisch, niedrigschwellig

und sensibel im Umgang mit ihrem jeweiligen

Standort.

bauder.at


architektur FACHMAGAZIN

8

Start

Project Spotlight: Sauna Mini

Mit einer Grundfläche von nur 3 m² ist die Sauna

Mini für Grundstücke mit begrenztem Platzangebot

konzipiert. Ihre großflächige, dreigeteilte

Verglasung – eine Sektion fungiert als Tür – prägt

die Fassade und rahmt den Blick ins Grün. Eine

ausziehbare untere Bank dient als Trittstufe und

zusätzliche Sitz- beziehungsweise Liegefläche für

bis zu drei Personen. Vier Farbvarianten – Natur,

Schwarz, Rot und Grün – erlauben eine Bandbreite

von zurückhaltend bis bewusst akzentuiert. Konstant

bleibt das Prinzip: lokales Holz, kompakte

Konstruktion, maximale atmosphärische Wirkung.

Q&A – Design jenseits von heißem Dampf

Wann ist eine Sauna Ihrer Meinung nach

„architektonisch gelungen“?

Wenn sie mehr ist als ein technisches Objekt. Sie muss

Atmosphäre erzeugen – nicht über Effekte, sondern

über Proportion, Licht und Materialehrlichkeit.

Welche Rolle spielt die Technologie im Hintergrund?

Sie ist essenziell, darf aber nie sichtbar dominieren.

Verbesserungen betreffen meist konstruktive Details

oder die thermische Performance, während die Eingriffe

ästhetisch nahezu unsichtbar bleiben.

Was war die größte Herausforderung, was das

Mini-Modell anbelangt?

Eine wirtschaftliche Produktion mit echter Liegelänge

für eine Person zu verbinden – und gleichzeitig eine

Form zu entwickeln, die sich trotz großer Verglasung

klar von Lösungen von Mitbewerbern unterscheidet.

Wie definiert sich Ihre Zielgruppe?

Inzwischen wissen wir sehr genau, für wen wir entwerfen

– und für wen nicht. Diese Klarheit erleichtert

Entscheidungen im Designprozess enorm.

Wohin entwickelt sich das Thema Sauna in Europa?

Die nordischen Länder sind kulturell weiter, aber

auch in Mitteleuropa verändert sich die Wahrnehmung

rasant. Saunen wandern vom Luxusprodukt in

den selbstverständlichen Bestandteil eines gesundheitsbewussten

Alltags.


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9

Magazin

Beleuchtet den Weg,

nicht die Nacht

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schützt den Nachthimmel und nachtaktive Tiere. Optional erhältlich mit

BEGA BugSaver® Technologie zur Umschaltung der Farbtemperatur

auf einen Amber-Farbton. Pollerrohre wahlweise auch aus nachhaltigem

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Das gute Licht.


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10

Magazin

Weiche Schalen

In einem chinesischen Reistal treffen Stahlcontainer auf pneumatische Wolken

und verschieben damit die Definition der Gebäudehülle hin zu einem körpernahen,

klimatischen und kulturellen Interface.

Text: Linda Pezzei Fotos: Cloe Yun Wang

Mitten in der Reisfeldlandschaft von Dun’ao Village

bei Ningbo haben Practice on Earth und Increments

Studio ein Projekt realisiert, das weniger die Gebäude

selbst als vielmehr deren Hüllen erforscht. Unter

dem Titel „Down in the Clouds“ wurden aufgegebene

Werbeflächen, Lager- und Nebengebäude durch drei

Interventionen ersetzt: das Cloud Café, das Leaning

Cinema und den Secret Reading Room. Dem Feld

wurde auf diese Weise eine poetische, kulturtouristische

Schicht hinzugefügt.

Der Kontext ist fragil: ein ländliches Tal, geprägt von

Abwanderung, ökonomischem Druck und dem schleichenden

Verlust kultureller Identität. Anstelle massiver

Neubauten setzten die Architekten auf minimale

Eingriffe mit maximaler gestalterischer Wirkung.

Der rote Faden ist die Gebäudehülle als Hybrid aus

robuster, serieller Containerstruktur und weichen,

pneumatischen Volumen. Gegensätze wie Dauerhaftes

und Temporäres, Technik und Ästhetik sowie

Industrie und spielerische Leichtigkeit wurden nicht

gegeneinander ausgespielt, sondern überlagert.

Harter Kern, weiche Körper

Die Grundlage aller drei Baukörper bilden maßgeschneiderte

Stahlcontainer. Anstatt als standardisierte

Frachtmodule zu fungieren, werden sie mit

genormten Stahlprofilen zu begehbaren Architekturen

adaptiert. Sie bündeln Tragwerk, Technik, Klimatisierung

und Servicefunktionen, also jene Aspekte,

die Betriebssicherheit und Dauerhaftigkeit erfordern.

Darüber oder daneben entfalten sich aufblasbare

PVC-Hüllen. Wolken, Ringe, Kugeln. Was üblicherweise

temporären Installationen vorbehalten bleibt, wird

hier als permanenter Bestandteil der Architektur gedacht.

Die Hülle ist damit nicht länger eine statische

Grenzfläche, sondern ein aktives, „atmendes” System.


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11

Magazin

Beim Cloud Café wächst aus einem 3 × 3 × 7 Meter

messenden Containerturm eine großmaßstäbliche,

kontinuierlich belüftete PVC-Membran. Zwei Gebläse

halten den Innendruck stabil, während Luftöffnungen

das Materialgewicht reduzieren und die Standfestigkeit

sichern – selbst bei Beschädigung. Unter der

„Wolke” entsteht ein auskragender, schattiger Aufenthaltsraum,

der als Landmarke und Mikroklimamaschine

dient. Die Hülle filtert Licht, spendet Schutz

und ist so konzipiert, dass der Reisanbau nicht gestört

wird.

Inszenierte Last und Leichtigkeit

Das „Leaning Cinema“ übersetzt das Spannungsverhältnis

von Masse und Luft in eine beinahe ironische

Statik. Ein Container wurde um 15 Grad geneigt und

ruht nur auf zwei Stützen, um die Belastung des

Geländes zu minimieren. Diese Stützen sind von

ringförmigen Luftkissen ummantelt. So scheint die

massive Box lässig gegen die ballonartigen Formen

zu lehnen, was einen irritierenden Maßstabskontrast

erzeugt und die Schwere des Containers relativiert.

Innen übernimmt die Hülle eine zweite Funktionsebene.

Holzwolleplatten wirken akustisch und atmosphärisch

zugleich, während ergonomisch geformte

Rückenlehnen die weichen Außenformen in den Körpermaßstab

übersetzen. Die Gebäudehülle wird zur

doppelten Membran: außen Inszenierung und Zeichen,

innen präzise Klimabox.

Durchdringbare Fassaden

Der Secret Reading Room formuliert die Idee einer

physischen Hülle am radikalsten. Sieben kugelförmige,

vollversiegelte PVC-Inflatables bilden eine ringförmige

Wand ohne Tür. Der Eintritt erfolgt durch

das physische Auseinanderschieben der Kugeln. Die

Fassade wird so zur taktilen Erfahrung – zur Schwelle,

die sich nicht öffnet, sondern nachgibt. Im Inneren

kontrastieren eine Aluminium-Paneeldecke, Schreibtische

aus Edelstahl und ein Gitterrostboden mit der

glatten, weißen Außenhaut. Gefiltertes Licht dringt

ein, wird an der halbglänzenden Decke reflektiert

und zeichnet wechselnde Lichtfelder, die sich mit

Wetter und Tageszeit verändern. Bei Hitze werden

die Kugeln praller – das Klima schreibt sich unmittelbar

in die Form ein.

u


architektur FACHMAGAZIN

12

Magazin

Prototyping als Fassadenforschung

Da die pneumatischen Systeme hier dauerhaft eingesetzt

werden, war eine intensive Materialforschung

erforderlich. Vom handgefertigten Modell über Prototypen

im Zwischenmaßstab bis hin zur 1:1-Realisierung

wurden Gewicht, Luftvolumen, Dichtigkeit und

Montageabläufe schrittweise getestet. Besonders

die ringförmigen Abschlüsse des Kinos stellten eine

konstruktive Herausforderung dar. Durchhängen

und Undichtigkeiten mussten durch Anpassungen

von Geometrie, Materialstärke und Fertigungsdetails

behoben werden. Obwohl die Container und Luftkörper

vorgefertigt wurden, verlangten die Montage, die

Geländer, die Decken und die Installation der Inflatables

eine enge Abstimmung vor Ort. Die anfängliche

Skepsis gegenüber der unkonventionellen Bauweise

wich mit dem Baufortschritt einer wachsenden Identifikation

mit dem Ergebnis – ein nicht zu unterschätzender

sozialer Aspekt im ländlichen Kontext.

Die Hülle als kulturelle Strategie

„Down in the Clouds“ ist mehr als nur ein Ensemble

aus drei Pavillons. Es ist eine Untersuchung der

Gebäudehülle als kulturelles Instrument. Der minimale

Footprint – Punktauflager, Auskragungen und

erhöhte Plattformen – respektiert die Logik des

Reisanbaus. Gleichzeitig erzeugen die weißen, voluminösen

Formen eine starke visuelle Präsenz in

der Landschaft. Die Kombination aus industrieller

Containerlogik und atmosphärischer Luftarchitektur

verhandelt Fragen nach Dauerhaftigkeit, Reparierbarkeit

und Wartung ebenso wie nach Körpernähe,

Leichtigkeit und Poesie. In einem Umfeld, das vom

Verlust ländlicher Identität geprägt ist, wird die Hülle

zum Medium der Revitalisierung – nicht als massiver

Neubau, sondern als sanfte, experimentelle Setzung

zwischen Land Art und Infrastruktur.

Damit zeigt das Projekt exemplarisch, wie Gebäudehüllen

heute gedacht werden können: nicht nur als

energetische oder konstruktive Schicht, sondern

als sensibles Interface zwischen Landschaft, Klima

und Körper.


www.architektur-online.com

Wie viel ist genug?

Am 21. und 22. Mai 2026 versammelt das BIG SEE Festival

in Portorož, Slowenien, erneut Akteurinnen und Akteure aus

Architektur, Design und verwandten Disziplinen. Im Mittelpunkt

steht diesmal das Leitthema “Too much? What is just

enough?” – und damit eine Frage, die die Architektur derzeit

besonders dringlich beschäftigt: Wie viel ist notwendig, sinnvoll

und verantwortbar?

Das Festival versteht sich als Plattform für Reflexion, Austausch

und Auszeichnung. Das Konferenzprogramm nähert

sich dem Jahresthema aus unterschiedlichen Perspektiven

und diskutiert unter anderem Relevanz, Reduktion, Maßstäblichkeit

und die Verantwortung der Architektur gegenüber

Gesellschaft und gebautem Kontext. Ergänzt wird das Programm

durch die BIG SEE Awards und eine Trade Show, die

den Bogen von der inhaltlichen Debatte zur praktischen Anwendung

spannt.

BIG SEE ist international vor allem als Festival- und Awardformat

bekannt, basiert jedoch auf einem größeren, ganzjährig

aktiven Netzwerk. In Portorož verdichtet sich dieser kontinuierliche

Austausch zu einem zweitägigen Treffpunkt für die

internationale Architektur- und Designszene.

www.bigsee.eu

© Matic Dolenc

13

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Magazin

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architektur FACHMAGAZIN

14

Magazin

Energie unter Glas

Als das Neanderthal Museum im Jahr 1996 in Mettmann östlich von Düsseldorf

eröffnete, war es selbst ein Statement: ein längsovaler, geschlossener

Betonkörper, umhüllt von einer geschwungenen Glasfassade, die sich wie

ein Schleier um den Bau legt. Die spiralförmig ansteigende Rampe machte

das Museum zum architektonischen Wahrzeichen des Fundorts. Fast drei

Jahrzehnte später geriet genau diese Hülle unter Druck – technisch, bauphysikalisch

und energetisch.

Text: Linda Pezzei Fotos: Holger Neumann

Spätestens 2019 war klar: Die vorgehängte

Profilglasfassade hatte ihre Lebensdauer

erreicht. Feuchteeintrag, vermooste

und von Algen sowie Pilzen besiedelte

Oberflächen, offene Versiegelungsfugen

und verstopfte Entwässerungsbohrungen

erzeugten ein Mikroklima mit einem

„Treibhauseffekt“ innerhalb der Profilglasschalen.

Dieser beschleunigte die Schadensentwicklung

und stellte die Funktion

der Fassade als Gebäudehülle grundsätzlich

infrage. Undichte Stoßfugen und verformte

Blechverkleidungen verschärften

die Situation zusätzlich. Es folgte keine

kosmetische Reparatur, sondern eine vollständige

Demontage und Neuerrichtung

der Glasfassade. Die Stahlunterkonstruktion

konnte weitgehend erhalten bleiben

und die alukaschierte Wärmedämmung

wurde instandgesetzt sowie energetisch

verbessert. Parallel dazu wurden Dach und

Oberlichter saniert – eine ganzheitliche

Erneuerung der thermischen Hülle statt

eines bloßen Fassaden-Updates. Hier beginnt

die Geschichte: Die Fassade wurde

nicht nur ersetzt, sondern aktiviert.

BIPV als architektonische Strategie

Das ursprünglich verbaute grünliche Gussglas

war nicht mehr erhältlich. Ein Standardersatz

hätte den Charakter des Hauses

verändert. Die Lösung war eine maßgefertigte,

bauteilintegrierte Photovoltaik-Fassade

(BIPV), die die Optik und Geometrie des

Bestands exakt nachzeichnet. Insgesamt

wurden 735 Glaselemente montiert, davon

248 mit integrierten PV-Modulen. Die Module

sitzen an der Süd-, Ost- und Westseite.

Die Nordseite erhielt identisches Glas

ohne aktive Zellen, um eine homogene Erscheinung

sicherzustellen. Das Ergebnis ist

mehr als eine technische Nachrüstung: Die

matt-grünliche Fassade changiert je nach

Sonnenstand und erzeugt das vertraute

Spiel aus Licht und Tiefe – Technik und Ästhetik

bedingen hier einander.

Von der Hülle zur Infrastruktur

Mit einem erwarteten Jahresertrag von

rund 30.000 kWh deckt die Fassadenanlage

etwa ein Drittel des Strombedarfs des

Museums. Ergänzt wird sie durch eine bestehende

PV-Anlage auf dem Verwaltungsdach,

die jährlich etwa 13.000 kWh erzeugt.

Seit März 2025 ist die Fassade am Netz. Allein

in den ersten Monaten wurden rund 21

MWh Strom produziert.

Bemerkenswert ist weniger die absolute

Zahl als die Systematik: Der Strom wird genau

dann erzeugt, wenn das Museum geöffnet

ist und Verbrauchsspitzen auftreten.

Somit wird die Gebäudehülle zur aktiven

Infrastruktur für den eigenen Strombedarf.

Sie erfüllt mehrere Funktionen zugleich:

Witterungsschutz, Gestaltungselement und

Energieerzeuger.


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Lebenszyklen verlängern

Die Energiewende findet hier nicht auf der

grünen Wiese, sondern am gebauten Erbe

statt. In einer Zeit, in der der Neubau oft

reflexartig als Lösung gilt, setzt dieses

Projekt ein anderes Zeichen: Weiterbauen

statt ersetzen. Durch die Sanierung wird

die Substanz stabilisiert, die energetische

Performance gesteigert und aus einer sanierungsbedürftigen

Hülle wird ein zukunftsfähiges

Bauteil – konstruktiv, bauphysikalisch

und betrieblich.

Mit einer Gesamtinvestition von knapp

3,8 Millionen Euro, davon 258.000 Euro

für die PV-Integration, wurde das Projekt

maßgeblich durch öffentliche Fördermittel

ermöglicht – ein kulturpolitisches Signal.

Hier wird kulturelle Infrastruktur zum

Testfeld: für technische Innovation, für

gestalterische Kontinuität und für die Frage,

wie sich Lebenszyklen im Bestand klug

verlängern lassen.

Technik trifft Gestaltung

Die Leitfragen des Museums – „Woher kommen

wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?” –

erhalten eine unerwartete architektonische

Übersetzung. Die Fassade wird zur energetisch

aktiven Schicht, die die Formensprache

der 1990er-Jahre bewahrt und zugleich

fortschreibt. Aus einem Sanierungsfall entstand

ein Kraftwerkskörper. Aus einer statischen

Hülle wurde ein mitarbeitendes Bauteil

und aus einem Wahrzeichen ein Modell

für das Bauen im Bestand.

15

Magazin

Planum®

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architektur FACHMAGAZIN

16

Magazin


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17

Eine Fassade

als Kraftwerk

Magazin

Mit 550 Spencer ist in Melbourne ein Bürogebäude entstanden, das die Fassade

nicht nur als äußeren Abschluss versteht, sondern als aktiven Teil der Energieversorgung.

Der 2024 fertiggestellte Entwurf von Kennon nutzt seine Gebäudehülle

in großem Umfang zur Stromproduktion für den eigenen Betrieb und verbindet

diese technische Funktion mit einem präzise gegliederten, vertikal rhythmisierten

Fassadenbild. Es handelt sich um das erste in Australien realisierte Bürogebäude,

das seine Fassade in diesem Umfang zur Eigenstromerzeugung nutzt.

Text: Andreas Laser Fotos: Tom Ross

Zentrales Element des Projekts ist eine photovoltaisch

aktive Fassadenlösung mit insgesamt 1.182

integrierten Solarpaneelen. Die Anlage erreicht

eine Leistung von 142 kWp und erzeugt damit mehr

Energie, als das Gebäude im laufenden Betrieb verbraucht.

Die CO 2 -Emissionen sollen sich um rund 70

Tonnen pro Jahr reduzieren. Prägend ist, dass die

Stromerzeugung nicht als technische Zugabe behandelt

wird, sondern integraler Bestandteil der Fassadenkonzeption

ist. Kennon knüpft mit dem Projekt

an europäische Vorbilder im Bereich photovoltaisch

aktiver Verglasungen an und überträgt diese in Zusammenarbeit

mit lokalen Herstellern und internationalen

Fachleuten in den australischen Kontext.

Auch klimatisch ist die Gebäudehülle differenziert

ausformuliert. Auf der Nordseite kommen opake Solarpaneele

zum Einsatz, um den solaren Ertrag zu

maximieren. Die südlich orientierten, Fassadenflächen

arbeiten dagegen mit vorwiegend transparenten

Glaselementen, die den Wärmeeintrag begrenzen

und zugleich gute Licht- und Blickqualitäten sichern.

Die Fassade reagiert also gezielt auf Ausrichtung,

Komfort und Energiebedarf, anstatt als durchgehende

Standardoberfläche ausgebildet zu sein.

Weil die Energiegewinnung weitgehend an die Fassade

verlagert wurde, blieb das Dach für andere Nutzungen

frei. Dort entstand ein Garten mit gemeinschaftlich

nutzbaren Aufenthaltsbereichen, der den

Büroräumen einen zusätzlichen Freiraum zuordnet.

Bepflanzte Terrassen und plastisch geformte Sitzlandschaften

fassen den Außenraum als eigenständigen

Teil des Gebäudes.

Auch die technische und bürokratische Umsetzung

war anspruchsvoll. Für das Fassadensystem wurden

umfangreiche Brandschutzprüfungen durchgeführt

um in enger Abstimmung mit Fachingenieuren die

australischen Standards erfüllen zu können. Die

notwendige Zustimmung der Victorian Building Authority

unterstreicht, dass hier nicht nur ein gestalterischer,

sondern auch ein konstruktiver und regulatorischer

Präzedenzfall geschaffen wurde.


architektur FACHMAGAZIN

18

Magazin

Wohnen hinter

Klimafiltern

Das Büro Sanjay Puri Architects hat mit Cielo in Nagpur ein Wohngebäude entworfen,

das auf engem Grundstück und unter heißen Klimabedingungen eine präzise organisierte

Wohnform entwickelt. Der Bau umfasst zwölf Regelgeschosse über dem

Erdgeschoss und nimmt pro Etage jeweils eine einzige Vier-Zimmer-Wohnung auf.

Text: Andreas Laser Fotos: Vinay Panjwani


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19

Magazin

Sie wollen

geringe Energiekosten.

Wir reduzieren Kosten

ohne Verzicht.

Ausgangspunkt des Entwurfs ist ein nur 900 Quadratmeter

großes Grundstück. Die einzuhaltenden

Abstandsflächen auf allen Seiten begrenzen die

bebaubare Fläche pro Geschoss auf lediglich 270

Quadratmeter. Der Grundriss reagiert darauf mit

einer klaren Organisation: Drei Schlafzimmer liegen

an den Gebäudeecken, die Küche besetzt die vierte

Ecke, während die gemeinschaftlich genutzten

Wohnbereiche in die Mitte rücken. So entstehen

günstige Voraussetzungen für Querlüftung in den

wesentlichen Aufenthaltsräumen.

Die klimatischen Bedingungen in Nagpur prägen

das Projekt entscheidend. In der zentralindischen

Stadt steigen die Temperaturen über weite Teile des

Jahres auf mehr als 40 Grad Celsius. Vor diesem

Hintergrund setzt Cielo auf eine Gebäudehülle, die

Verschattung, Freiraum und Belüftung miteinander

verbindet. Jeder der Haupträume ist an zwei Balkonbereiche

angeschlossen: einen offenen und einen

abgeschirmten. Diese doppelte Pufferzone reduziert

die direkte Wärmeaufnahme und erweitert die Wohnräume

um geschützte Außenbereiche, die auch bei

starker Sonneneinstrahlung nutzbar bleiben.

Besonders prägend ist die Fassadenausbildung der

abgeschirmten Zonen. Die geschwungenen Elemente

bilden in der unteren Ebene jeweils einen Filter

und weiten sich darüber zu Balkonen auf. Horizontal

und vertikal versetzt angeordnet, erzeugen sie eine

reliefartige Gebäudehülle, die nicht nur Sonnenschutz

leistet, sondern den Wohnungen auch begrünbare

Freibereiche zuordnet. Zugleich verweist

das Motiv der gefilterten Fassaden auf regionale

Bautraditionen, in denen durchlässige Schichten

und verschattende Screens seit Jahrhunderten eine

wichtige Rolle spielen.

Auch in technischer Hinsicht verfolgt das Projekt

eine klar klimabezogene Strategie. Vorgesehen sind

eine vollständige Dachbelegung mit Solarpaneelen

sowie Systeme zur Regenwassernutzung und Wasseraufbereitung.

Zusammen mit der verschattenden

Gebäudehülle und der konsequenten natürlichen Belüftung

soll dies den Energiebedarf im Betrieb senken

und insbesondere die Abhängigkeit von mechanischer

Kühlung reduzieren.

Baumit Dämmsysteme

zahlen sich mehrfach aus.

Gemeinsam besser

Sie wünschen sich ganzjährig ein angenehmes Raumklima

bei niedrigem Energiebedarf. Mit unserer optimalen

Fassadendämmung erreichen Sie effizient wohltuende

Temperaturen, regulieren die Luftfeuchtigkeit und

schützen zugleich das Klima. Baumit Dämmsysteme helfen,

Energie zu sparen und wertvolle Ressourcen zu schonen.

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█ Energieverbrauch reduzieren

█ Wohlfühlklima erhöhen

Baumit. Ideen mit Zukunft.


architektur FACHMAGAZIN

20

Magazin

Schwebende

Reetdächer

Mit den „Under the Reed Roof Guesthouses“

realisiert das Architekturbüro

YOD Group in der Zentralukraine eine

zeitgenössische Neuinterpretation der

traditionellen ukrainischen Hata-Mazanka.

Der Entwurf greift deren prägende

Elemente auf – das markante Dach, die

klare Silhouette und die enge Beziehung

zur Landschaft – und übersetzt sie in

eine reduzierte architektonische Form.

Text: Andreas Laser Fotos: Mykhailo Lukashuk


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21

| MT01G |

Vom Konferenzraum …

Magazin

© Eric Ferguson / Getty Images

… bis zur Gebäudeautomation

© Cultura / Getty Images

Eine Plattform für Medientechnik,

Gebäudeautomation und

Entertainment: PC-based Control

Im Zentrum des Projekts steht das überdimensionierte

Reetdach, das die gesamte Erscheinung der 50 Quadratmeter

großen Gästehäuser bestimmt. Mit seiner

skulpturalen Form erzeugt es eine prägnante Silhouette,

die Assoziationen an traditionelle hohe Kopfbedeckungen

ebenso weckt wie an einen übergroßen Pilz

in der Landschaft. Das Dach wird so zum entscheidenden

architektonischen Motiv des Projekts.

Ebenso zentral ist die vollständig verglaste Gebäudehülle.

Sie übersetzt die helle, weiß verputzte Anmutung

der historischen Mazanka in eine zeitgenössische,

transparente Form. Tagsüber lösen sich die

Fassaden optisch nahezu auf, sodass der Eindruck

entsteht, das große Dach schwebe über dem Gelände.

Die Landschaft bleibt ständig präsent und wird

zum wesentlichen Teil des räumlichen Erlebnisses.

Der Grundriss ist um einen zentralen Kern organisiert,

in dem das Bad untergebracht ist; auf den beiden

Seiten liegen Schlaf- und Aufenthaltsbereich.

Die Innenseite des Dachs ist mit Holzschindeln

verkleidet und nimmt damit Bezug auf historische

Dachdeckungen in der Region. Zugleich ermöglicht

die bis zu zehn Meter hohe Dachform, technische

Systeme wie Lüftung und Klimatisierung unsichtbar

in die Architektur zu integrieren.

Medientechnik neu gedacht: Als Spezialist für PC-basierte Steuerungssysteme

ermöglicht es Beckhoff mit einem umfassenden und

industrieerprobten Automatisierungsbaukasten, Multimedia, Gebäudeautomation

sowie Entertainmentkonzepte vernetzt und integriert

umzusetzen. Mit der modularen Steuerungssoftware TwinCAT und

direkter Cloud- und IoT-Anbindung werden alle Gewerke von der

A/V-Technik über die Gebäudeautomation bis hin zu Digital Signage

Control, Device Management und Condition Monitoring, auf einer

Plattform kombiniert. Hinzu kommt die maximale Skalierbarkeit aller

Komponenten und die Unterstützung aller gängigen Kommunikationsstandards.

So schafft Beckhoff die Grundlage für neue mediale und

architektonische Erlebniswelten.

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für die AV- und

Medientechnik

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22

w / Innsbruck

Wettbewerbe & Awards

© KollektivLand - Martin König

Anforderungen erfüllt

Wettbewerb Neubau einer 17-klassigen Volksschule in Wien 21, Patrizigasse 2

Für den geplanten Neubau einer Volksschule

mit Tagesbetreuung und 17 Bildungsräumen,

aufgeteilt auf vier Bildungscluster,

wurde von der MA 56 ein offener Wettbewerb

ausgeschrieben.

Jurybeurteilung zusammengefasst:

Die neue Volksschule ergänzt die bestehende

BAFEP und den Praxiskindergarten

durch eine gestaffelte Baukörperentwicklung.

Klare Erschließung, Bildungscluster

mit Freiluftklassen, Terrassen und vielseitige

Freiräume prägen das Konzept. Eine

Holzriegelfassade mit Betonpflanztrögen

sorgt für Beschattung und langlebige Konstruktion.

Das Projekt erfüllt funktionale,

logistische und brandschutztechnische

Anforderungen.

AUSSCHREIBUNG

Auslober

Stadt Wien Magistratsabteilung 56 – Wiener

Schulen, vertreten durch WIP Wiener Infrastruktur

Projekt GmbH

Verfahrensorganisation

DI Herbert Liske, Baden bei Wien

Art des Verfahrens

Offener, einstufiger Realisierungswettbewerb für

Generalplanerleistungen

Preisgeldsumme

€ 142.800,- netto.

Preisgericht (ohne Titel)

Martin Treberspurg, Heidi Pretterhofer, Michael

Lawugger, Michaela Rebel-Burget, Franziska Graber

Preisgerichtssitzung

29./30.10.2025

1. Obergeschoss

Ansicht NO – Patrizigasse

Ansicht NW – Schulgarten

1. Preis

Projekt 50

dreiplus Architekten ZT GmbH

Graz/Innsbruck; gegründet 2001

Mitarbeiter:

Nikolaus Deichsel-Kastinger, David

Pöll, Patrick Klammer (Modell)

Stephan Hoinkes und Thomas Heil

leiten das Büro mit Standorten in

Graz und Innsbruck. Das Team

beschäftigt sich mit Bauaufgaben

unterschiedlichster Maßstäbe –

von Bildungs- und Wohnbauten,

Büro- und Gewerbestrukturen bis

hin zu einfachen Schutzhütten.

Ausgangspunkt jedes Projektes ist

eine sorgfältige Analyse von Ort,

Nutzung und programmatischen

DAS BÜRO

„Eine Schule im

Dialog mit Stadt

und Natur“

Die Architekten

Stephan Hoinkes und

Thomas Heil über

ihren Entwurf

Anforderungen. Daraus entwickelt

sich eine klare Architektursprache,

die Funktionalität, gestalterische Präzision

und den jeweiligen städtebaulichen

Kontext miteinander verbindet.

dreiplus.at


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23

Wettbewerbe & Awards

© Kronaus Mitterer Architekten

Nutzungspotenzial

Kronaus Mitterer Architekten aus Wien und Berlin gewinnen

den Wettbewerb für die neue Grundschule Rathenow

in Brandenburg.

Die Grundschule „Geschwister-Scholl“ der

Stadt Rathenow entspricht qualitativ und

quantitativ nicht mehr den Anforderungen

eines zeitgemäßen Schulbetriebs. Der

Schulneubau mit Platz für rund 450 Schüler:innen

und ca. 50 Mitarbeitende wird auf

dem Schulgrundstück östlich des bisherigen

Schulgebäudes errichtet.

Jurybeurteilung (gekürzt)

Die Grundschule ist als windmühlenartiger,

dreiflügeliger Baukörper konzipiert. Trotz

der großen Grundfläche wirkt der Baukörper

im stadträumlichen Zusammenhang

differenziert und belebt die Umgebung in

mehrere Richtungen. Der Freiraum, insbesondere

der geschützte Vorplatz mit klar

erkennbarem Eingang sowie die Verbindung

zwischen Innen- und Außenräumen,

wird positiv bewertet.

Besonders die verschattete Terrasse ermöglicht

vielfältige Lehrformate im Außenbereich.

Die Architektur überzeugt

durch eine aus dem Innenraum entwickel-

te Gebäudefigur mit identitätsstiftenden,

zweiseitig belichteten Foren, die über reine

Flurerweiterungen hinausgehen. Die flexible

Raumstruktur unterstützt zeitgemäße

Lernformen und ermöglicht vielfältige Nutzungen.

Positiv bewertet werden zudem die

funktionale Beziehung zwischen Eingangshalle

und Mensa sowie die klare Orientierung

durch die zentrale Treppe. Insgesamt

zeigt der Entwurf ein hohes architektonisches

und räumliches Nutzungspotenzial.

1. Obergeschoss

DAS PROJEKT

Neubau Grundschule „Geschwister-Scholl“ Rathenow (D)

Auslober: Stadt Rathenow

Art des Verfahrens: Offener Realisierungswettbewerb in zwei Phasen

Jury: Fachpreisrichter: Rüdiger Amend, Maria Clarke (stellv. Juryvorsitzende),

Jan Hübener, Henner Winkelmüller, Uwe Wittig (Juryvorsitzender)

Sachpreisrichter: Wolfram Bleis, Reinbern Erben, Maria Lill, Matthias Remus

Jurysitzung

29.01.2026

DAS BÜRO

Kronaus Mitterer Architekten (KMA) ist ein renommiertes Architekturbüro mit

Standorten in Wien und Berlin. Durch zahlreiche Wettbewerbserfolge im Bereich

öffentlicher Großprojekte mit multifunktionaler Raumnutzung hat KMA große mediale

Aufmerksamkeit erworben. Das Büro beschäftigt ca. 50 Mitarbeitende und

zeichnet sich durch seine ganzheitliche Herangehensweise an Planung und Umsetzung

aus.

www.kronaus-mitterer.com


architektur FACHMAGAZIN

24

Wettbewerbe & Awards

© Google Maps

Ökologische Wohnbebauung

Architekturwettbewerb „Velden Bahnweg – meine Heimat“

Die Gemeinnützige Bau-, Wohn- und

Siedlungsgenossenschaft „meine

Heimat“ plant die Errichtung einer

geförderten Wohnanlage mit leistbarem,

nachhaltigem und generationengerechtem

Wohnraum in infrastrukturell

gut erschlossener Lage

am Bahnweg in Velden am Wörther

See. Zur Erlangung qualitätsvoller

architektonischer Lösungen wurde

ein geladener Realisierungswettbewerb

durchgeführt. Dieser sollte ein

breites Spektrum an Entwurfsansätzen

hervorbringen, die sowohl städtebauliche

als auch ökologische und

soziale Anforderungen erfüllen. Der

Wettbewerb wurde als einstufiger,

geladener Architekturwettbewerb

organisiert. Geladen waren acht Architekturbüros:

Werner Thurner, Katzianka

Architektur, Toralf Fercher,

Anton Oitzinger, Helmut Dominikus,

frediani-gasser architettura, Klaura

I Horvath Lendarchitektur und Murero

Bresciano architektur.

Grundansatz des Siegerentwurfes

der Architekten Werner Thurner

und Stefan Thalmann ist der Versuch,

im Rahmen der Vorgaben des

Bebauungsplanes eine strukturierte,

hofbildende Gebäudeabfolge

zu entwickeln, die eine zeitgemäße

Umsetzung einer Wohnbebauung

ermöglicht. Das Siegerteam hat

einen ökologischen und ökonomischen

Wohnbau entwickelt, der

trotz der geforderten Kubaturen

adäquate und spannende Raumabfolgen

bietet. Es werden klar geordnete

Außenräume angeboten, die

das Areal zwischen halböffentlichen

Bereichen und privaten Gärten zonieren

und durch die Anlage leiten.

Großes Augenmerk liegt dabei am

Bereitstellen von Gemeinschaftsbereichen

und Treffpunkten. Der Entwurf

soll zu einem Miteinander der

Bewohner beitragen.

u

Auslober

Gemeinnützige Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft

GesmbH meine Heimat,

Villach

Wettbewerbsbetreuung

DI Gerhard Alberer, St. Veit an der Glan

Art des Verfahrens

Geladener einstufiger Architekturwettbewerb

mit acht Teilnehmern

Beurteilungskriterien

Lösung des Spannungsfeldes zwischen

architektonischer Qualität und wirtschaftlicher

Optimierung, sinnvolle Erschließung,

Realisierung in einzelnen Abschnitten,

Zweckmäßigkeit der Grundrisslösungen und

des Tragsystems, Wirtschaftlichkeit, energieeffizientes

Gebäude, Barrierefreiheit

Integration in das gesamte Grünraumkonzept

Gestaltung unter Rücksichtnahme auf die

Beziehungen zur Umgebung

Innovative Potenziale des Projektansatzes

AUSSCHREIBUNG

Preisgericht (ohne Titel)

Arch. Alexandra Stingl-Enge (Juryvorsitzende),

Arch. Werner-Lorenz Kircher, Arch. Oliver

Sterl, Helmut Rainer-Marinello, Martin Lepuschitz,

Helmut Kusternik, Arnold Muschet,

Helmut Steiner (Vizebgm.)

Preisgerichtssitzung

09.07.2025

Preisgeld

je TeilnehmerIn: € 3.500,-, zusätzlich:

1. Preis € 2.000,-

2. Preis € 1.500,-

3. Preis € 1.250,-

© Google Maps


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25

Wettbewerbe & Awards

meine Heimat-Mission:

Wir bauen für Menschen, die sich

Wohnungen sonst nicht leisten können.

Die Baugenossenschaft meine Heimat aus Villach steht seit nahezu 120 Jahren

für Verlässlichkeit, Kontinuität und Handschlagqualität. Gegründet im Jahr 1908,

hat sich die Genossenschaft von Anfang an als verlässlicher Partner für Menschen

etabliert, die sich hochwertige Wohnungen am freien Markt oft nicht leisten können.

Heute gehört meine Heimat zu den erfolgreichsten Wohnbaugenossenschaften

Österreichs und ist in Kärnten führend, wenn es um bezahlbares, hochwertiges

und innovatives Wohnen geht.

Wohnen bei meine Heimat bedeutet mehr als nur ein Dach

über dem Kopf zu haben. Es eröffnet ganzheitliche Wohnerlebnisse,

in denen außergewöhnliche Architektur, großzügige

Bauweise mit großen Balkonen und Terrassen, durchdachte

Grundrisse und eine zukunftsweisende Energieversorgung

auf gefördertes Wohnen treffen. Dadurch entstehen Wohnungen,

die nicht nur modern aussehen, sondern auch nachhaltige

und eindrucksvolle Lebensqualität liefern – und das zu

Mieten, die angesichts der allgemeinen Kostensteigerungen

dank gemeinnütziger Ausrichtung deutlich unter dem privaten

Markt liegen.

Wohnen mit Würde

Ein zentrales Prinzip bleibt dabei neben einer nachhaltigen

und innovativen Bauweise auch die sinnvolle Flächennutzung

statt Flächenverbrauch. Ein aktuelles Projekt in Villach

zeigt, wie beispielsweise zusätzlicher Wohnraum geschaffen

werden kann, ohne versiegelte Böden zu vergrößern.

Solche Projekte bewahren Grünflächen, erhalten städtische

Lebensqualität und demonstrieren, dass Qualität, Planungssicherheit

und ökologische Verantwortung Hand in Hand gehen.

Meine Heimat verknüpft damit eine klare und zukunftsweisende

Vision: Wohnen mit Würde und Nachhaltigkeit zu

fairen Konditionen, ohne Kompromisse bei Architektur oder

Energieeffizienz.

Blick in die Zukunft

Die Genossenschaft setzt auch künftig auf Wachstum, Innovation

und soziale Verantwortung. Nachhaltigkeit bleibt

das Leitprinzip, begleitet von sozialer Inklusion und stabilen

Mietpreisen. Es werden kontinuierlich Konzepte entwickelt,

um weiteren bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, der den

hohen Standards in Architektur, Lebensqualität und Energieeffizienz

gerecht wird. Familien, Singles und ältere Menschen

finden so eine verlässliche Perspektive bei einer Wohnbaugenossenschaft,

die Lebensqualität und Verantwortung füreinander

in den Mittelpunkt stellt.

Helmut Kusternik, Vorstandsvorsitzender meine Heimat

Soziale Verantwortung

Die Baugenossenschaft meine Heimat aus Villach steht damit

seit nahezu 120 Jahren für Verlässlichkeit, Kontinuität und

Handschlagqualität. Mit der Mission, bezahlbares, hochwertiges

Wohnen für jene zu ermöglichen, die es am freien Markt

schwer haben, setzt sie besondere Maßstäbe in Architektur,

Energieeffizienz und sozialer Verantwortung. Besonderes Plus:

Sämtliche Neubauten erfolgen in diesem Kontext unter Berücksichtigung

architektonischer Qualität – das heißt: Architektenwettbewerbe

werden bei allen Neubauprojekten durchgeführt,

um innovative Ideen möglichst umfassend zu integrieren. Ganz

aktuell entsteht in Velden/Bahnweg ein Wohnbauprojekt, bei

dem genau diese meine Heimat-Vorgaben umgesetzt werden,

den neuen Mieterinnen und Mietern somit in Zukunft ein schönes,

zufriedenes, modernes und vom Land Kärnten gefördertes

Wohnen zu ermöglichen, das auch in herausfordernden Zeiten

leistbar ist.

© meine Heimat


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26

Wettbewerbe & Awards

1. Rang

Projekt 1

ARGE Thurner/ Thalmann

Arch. DI Werner Thurner

Villach

architekt-thurner.at

Arch. DI Stefan Thalmann

Berg im Drautal

okaipage.at/home

weils nach Süden orientiert und mit

Flachdächern überdeckt sind. Die

viergeschossigen Teile orientieren

sich nach Westen und sind mit Satteldächern

überdeckt. Die vertikale

Erschließung erfolgt über drei Stiegenhäuser

und Aufzüge, angeordnet

an den Gelenken bzw. an der Nordseite

der Baukörper. Die Tiefgarage

wird von Westen erschlossen und

lässt durch ihre günstige Lage am

Grundstück großzügige Grünflächen

für Baumpflanzungen zwischen den

Häusern frei. Oberirdische Stellplätze

befinden sich an der westlichen

und südlichen Erschließungsstraße.

Alle Wohnungen sind nach Süden

bzw. Westen orientiert und verfügen

über die gesamte Fassadenlänge

durchgehende Balkone, die jeweils

Jurybeurteilung

Drei L-förmige Baukörper gruppieren

sich um einen zentralen Freiraum,

der sich nach Süden öffnet.

Die L-förmigen Baukörper bestehen

jeweils aus einem drei- und einem

viergeschossigen Teil, wobei die

dreigeschossigen Gebäudeteile jevor

den Wohnräumen tiefer werden.

Das Projekt zeichnet sich durch die

Anordnung der Baukörper, die dadurch

erzielten Außenräume und die

Formensprache aus: Den höheren

Nord-Süd ausgerichteten Baukörpern

mit Satteldächern werden Baukörper

mit Flachdach winkelförmig

angefügt.

Die städtebauliche Lösung, die Baukörpersetzung,

die Körnung der

Volumina, Erschließung des Grundstücks

und die Außenraumgestaltung

werden sehr positiv gesehen.

Hervorgehoben wird der Ansatz eines

Niveauunterschiedes zwischen

Dorfplatz und südlicher Wohnstraße.

Formal bietet die Lösung ein Erscheinungsbild,

das dem Ort als angemessen

beschrieben wird.

Erdgeschoss


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FACHMAGAZIN

27

Wettbewerbe Wettbewerbe & Awards

Ansicht Süd

Regelgeschoß

Lageplan

Empfehlung der Jury:

Sofern möglich sollten die Engstellen

der Balkone aufgeweitet werden, um

mehr nutzbare Freiflächen zu erhalten

und einen konstruktiven Sonnenschutz

zu gewährleisten. Für die

Situierung des Müllraumes im Osten,

am Ende der südlichen Straße muss

ein neuer Standort gefunden werden.

Die Ausformulierung des Höhensprungs

vom Dorfplatz zur südlichen

Straße, sollte so erfolgen, dass

keine Absturzsicherung (z.B. durch

Abstufung) notwendig ist. u

Schnitt West

Ansicht West


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28

Wettbewerbe & Awards

Ansicht Süd

Ansicht Südwest

Ansicht West

2. Rang

Projekt 3

Arch. DI Toralf Fercher

Villach

arch-fercher.com

Jurybeurteilung

Das Projekt überzeugt, weil es trotz

des engen Korsetts des Bebauungsplans

eine sehr interessante und

eindrucksvolle Lösung aufzeigt. Es

setzt sich aus sieben Hauptbaukörpern

zusammen. Jeder der Baukörper

besteht aus zwei langgestreckten,

schmalen Gebäudeteilen, die mit

Satteldächern überdeckt sind und

über einen mittig angeordneten Erschließungskern

verbunden sind. Die

Firstrichtung aller Dächer verläuft

von Nord nach Süd. Sechs der Häuser

sind dreigeschossig, das siebente

ganz im Osten ist zweigeschossig.

Die städtebauliche Setzung der

Baukörper folgt einem stringenten

Muster und überzeugt durch Klarheit

und Differenzierung. So entstehen

kleinteilige Außenräume. Die Fassaden

sind strukturiert gestaltet, die

Grundrisse überzeugend funktional.

Die Parkierung erfolgt an der westlichen

und südlichen Erschließungsstraße.

Der Ansatz, mit kleinteiliger

Dimensionierung der Baukörper entsprechend

auf den Ort zu reagieren,

wird gewürdigt, die stringente Baukörperanordnung

wirkt dabei jedoch

konstruiert. Durch eine Vielzahl an

Baukörpern sind die Baukosten zu

hinterfragen.

Grundrisse

Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

Schnitt Ost-West


architektur FACHMAGAZIN

29

Wettbewerbe & Awards

Schnitt-Ansicht West

3. Rang

Projekt 6

Klaura I Horvath

Lendarchitektur ZT GmbH

Klagenfurt

lendarchitektur.at

Jurybeurteilung

Drei zweihüftige Baukörper, jeweils

zusammengesetzt aus sieben kleinteiligen

Volumen, gruppieren sich

um einen Binnenraum mit Dorfplatz.

Die Erschließung erfolgt von Westen;

Parkplätze sind im Westen und Süden

an der Erschließungsstraße situiert.

Die räumliche Gesamtstruktur

ist städtebaulich klar und innovativ,

jedoch energetisch ineffizient. Großflächige

überdachte Freiräume im

Erdgeschoss prägen das Projekt. Der

Ansatz ist insgesamt sehr urban. Die

inneren Erschließungszonen – ohne

adäquate Begegnungszonen – wirken

weitgehend nicht entsprechend

dimensioniert und willkürlich. •

Erdgeschoss

Ansicht Süd


architektur FACHMAGAZIN

30

Gebäudehüllen

Der Stoff, aus dem

die Hallen sind

Centre sportif et culturel Marie-José Pérec, Salle de danse Joséphine Baker /

La Bouëxière, Frankreich / Onze04 Architectes

Text: Gertraud Gerst Fotos: Juan Cardona

Textildächer kannte man bislang hauptsächlich

für den Sonnenschutz im Außenbereich.

Dass sie auch gebäudefähig sind,

zeigt ein neues Sport- und Kulturzentrum

in der Bretagne. Durch die Aufteilung

in zwei Volumen konnten Bauweise und

Gebäudetechnik den jeweiligen Funktionen

angepasst werden. Die stoffbespannte

Holzkonstruktion basiert auf einer ausgetüftelten

Geometrie, die viel Raum mit

wenig Material schafft.


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31

Onze04 Architectes

Hinter den Wohnhäusern von La Bouëxière, einer Gemeinde

in der Bretagne, ragen seit kurzem vier weiße

Spitzen in die Höhe. Sie sind zwischen 13 und 28

Meter hoch und gehören zum markanten Dach des

neuen Sport- und Kulturzentrums, das von weithin

sichtbar ist und einen blinden Fleck der Stadtplanung

füllt. Die mit einer Textilmembran bespannte

Struktur hält sich untertags im Hintergrund und bildet

einen leeren Canvas, vor dem sich das kleinstädtische

Leben abspielt.

Der Neubau nach den Plänen des 2006 in Barcelona

gegründeten Büros Onze04 Architectes ist zuallererst

eine städtebauliche Intervention. Die Architekten

verlegten die im Flächennutzungsplan vorgesehene

Wegführung und schafften so eine neue Achse,

die zwei bestehende Freizeiteinrichtungen mit dem

neuen Zentrum verbindet und an das dahinterliegende

Wohngebiet anschließt. Auf diese Weise ist ein

neuer Freizeit-Hub entstanden, der sich den Bewohnern

auf natürliche Weise erschließt.

Zwei Volumen, zwei Bauweisen

Die geschaffene Erschließungsachse führt mitten

durch das neue Gebäude und teilt es in zwei konträre

Volumen. Der Nutzungsbedarf, den die Kommunalverwaltung

mit dem Neubau abdecken wollte, war

sehr umfassend und komplex. Auf der einen Seite

sollten hier überregionale Sportturniere und kulturelle

Großveranstaltungen stattfinden, auf der anderen

Seite wollte man auch ein Raumangebot für Sportvereine

und private Trainingsmöglichkeiten schaffen.

„Diese unterschiedlichen Anforderungen führten zur

Entwicklung zweier Baukörper mit jeweils eigener

Konstruktionslogik: einer großen, nicht permanent

beheizten Mehrzweckhalle, die mit einer Textilmembran

überzogen ist, und eines kompakten Betonbaukörpers,

der für bestimmte Aktivitäten einen stabilen

thermischen Komfort bietet“, erläutert der leitende

Architekt Gustavo Silva-Nicoletti das Konzept.

Der südliche Teil des zweigeteilten Ensembles ist

nach der berühmten Tänzerin der 1920er-Jahre,

Josephine Baker, benannt und beherbergt einen

Tanzsaal, Squash-Courts und einen Fitnessraum.

Da diese Sportarten ganzjährig konstante Temperaturen

erfordern, ist der Baukörper entsprechend

komprimiert und auf Energieeffizienz getrimmt. Der

Teil des Gebäudes, in dem sich die Umkleiden und

die Technik befinden, ragt als generischer Sockel in

die Halle hinein und bildet dort eine Tribüne mit 600

Sitzplätzen aus. Über einen Biomassekessel wird der

Betonbau mit Warmwasser und Heizung versorgt. An

den kältesten Tagen, die im sehr gemäßigten Winter

der Bretagne die Null-Grad-Grenze nur selten unterschreiten,

sorgen Heizung und Infrarot-Paneele auch

in der multifunktionalen Halle für eine angenehme

Betriebstemperatur.

Das restliche Jahr über kommt die nördliche, um ein

Vielfaches größere Kubatur ganz ohne Heizung aus.

Der Name der Halle liefert auch in diesem Fall einen

Hinweis auf die ausgeübte Sportart. Benannt nach

der olympischen Ausnahme-Athletin Marie-José

Perec, die in den 1990er-Jahren den Langsprint dominierte,

sind hier all jene Sportarten untergebracht,

die zwar Witterungsschutz, aber nicht allzu viel Klimatisierung

erfordern.

u


architektur FACHMAGAZIN

32

Gebäudehüllen

Viel Raum mit wenig Material

Die Stofffassade hat von außen die Anmutung von

straff gespannten Segeln und kommt im Gegensatz

zum gedrungenen Flachbau sehr luftig daher. Die

Bauweise basiert auf einer Brettschichtholz-Konstruktion,

die an einem zentralen Fachwerkträger

aus Stahl aufgespannt ist. Die gebogenen Leimbinder

bilden im Inneren einen imaginären Schiffsrumpf,

der über den Sportflächen zu schweben scheint. Im

Austüfteln der exakten Geometrie des vierfach gekrümmten

Daches lag laut Gustavo Silva-Nicoletti

die größte Herausforderung des Bauprojekts: „Die

Dachform basiert auf Kettenlinien mit einer leichten

zentralen Krümmung, wodurch eine gleichmäßige

Spannung über die gesamte Membran erzielt wird.“

Mit sogenannten Kettenlinien-Strukturen lassen sich

im Holzbau expressive Kubaturen und hocheffiziente

Tragwerke schaffen. Sie folgen der Form einer

frei hängenden Kette und nutzen die elastomechanischen

Eigenschaften von Holz optimal aus, um weitgespannte

Räume mit einem Minimum an Material zu

schaffen. Diese Raffinesse der Lastabtragung nutzte

bereits Frei Otto, der Großmeister der Freiformkonstruktionen.

Vor knapp 40 Jahren konstruierte er für

den deutschen Möbelhersteller Wilkhahn zwei Zeltdach-Pavillons,

die bis heute als ingenieurtechnische

Meisterleistung und als Inbegriff für eine humanisierte

Fabriksarchitektur gelten. Während der visionäre

Bauingenieur physische Modelle wie Seifenblasen

nutzte, um seine Tragwerke zu berechnen, übernehmen

das heute die Algorithmen der digitalen Planungswerkzeuge.


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33

Onze04 Architectes

Frankreich setzt auf Holzbau

Weniger Massiv- und mehr Leichtbau senkt den Bedarf

an Rohstoffen und gilt heute als Schlüssel für

die Bauwende. Auch Frankreich setzt auf diese Strategie

und nutzt Holz als zentralen Hebel für die Dekarbonisierung

des Bausektors. Seit 2022 ist eine der

weltweit strengsten Umweltverordnungen in Kraft,

die unter anderem vorschreibt, dass alle öffentlichen

Neubauten zu mindestens 50 Prozent aus Holz oder

anderen biobasierten Baustoffen bestehen müssen.

Laut dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik können

innovative Leichtbauweisen den Materialbedarf um

mehr als 40 Prozent senken. Und weniger Material

bedeutet auch weniger graue Energie. Potenzial für

den Membranbau in der zeitgenössischen Architektur

sieht Silva-Nicoletti auch abseits von Sportanlagen:

von überdachten Märkten bis hin zu großen

Konzerthallen. Aber auch in der Katastrophenhilfe

können mobile Unterkünfte und Krankenhäuser von

seinem geringen Transportgewicht profitieren. u


architektur FACHMAGAZIN

34

Gebäudehüllen

Es werde Licht

Besucher, die über den leicht abgesenkten Haupteingang

das erste Mal die hohe Halle betreten, erleben

meist einen Wow-Moment, beschreibt der Architekt

das räumliche Erlebnis. Holztragwerk, Lüftungstechnik

und Lichtführung sind in der Halle offen ablesbar

und wirken durch die lichtdurchlässige Stoffmembran

leichtfüßig, ja fast schwerelos. An den häufig bewölkten

Tagen in der Bretagne maximiert die transluzente

Hülle das natürliche Tageslicht und senkt den Bedarf

an künstlicher Beleuchtung.

„Das gefilterte Licht ist gleichmäßig gestreut, selbst

an sehr sonnigen Tagen, und erzeugt so eine fast

entrückte Stimmung“, schwärmt der Architekt. Wenn

es Nacht wird in La Bouëxière, kehrt sich der Lichtfluss

um. Dann strahlt der vielfach prämierte Sportund

Kulturbau von innen nach außen und wird zur

weithin leuchtenden Landmarke.

Der bretonische Neubau zählt zu den sieben Finalisten

des EU Mies Awards 2026. Die Architektur

lege den Fokus auf die menschliche Dimension

und bereichere den Alltag, so die Jury.

Eine Form, die kühlt

Derartige Sporthallen, die auf einer textil bespannten

Leichtkonstruktion aus Holz basieren, sind in der

Bretagne nichts Neues. Sie sind nicht nur schnell gebaut

und gut in der Ökobilanz, sie erzielen dabei auch

enorme Spannweiten von über 80 Metern. Sportarten,

die sonst nur im Freien stattfinden, können so

das ganze Jahr über ausgeübt werden. „Kritisch wird

es in der Regel nur im Sommer, da können niedrige,

schlecht belüftete Volumen leicht überhitzen“, sagt

Silva-Nicoletti. „Aus diesem Grund bildet das Dach

der Halle vier Spitzen aus. Dadurch entsteht ein großes

Volumen, das natürliche Belüftung und thermischen

Komfort fördert.“

Die skulpturale Form der Halle ist also nicht bloß

ästhetischer Ausdruck eines öffentlichen Baus, der

markant in Szene gesetzt ist. Vielmehr sorgen die

hochgezogenen Eckpunkte für passive Kühlung im

Inneren. Das Prinzip ist einfach, effizient und kommt

ganz ohne High-Tech aus. Warme Luft steigt auf und

kann über Öffnungen entweichen, während kühlere

Luftmassen nachströmen. Was in der traditionellen

persischen Architektur seit Jahrhunderten Usus ist,

gewinnt heute in der klimafreundlichen Gebäudetechnik

zunehmend an Bedeutung.


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Onze04 Architectes

Centre sportif et culturel Marie-José Pérec, Salle de danse Joséphine Baker

La Bouëxière, Frankreich

Bauherr:

Commune de La Bouëxière

Architektur:

Onze04 Architectes, Barcelona, Spanien

Bauingenieur:

EVEN

Textile Architektur: Asteo

Umweltingenieur: SOLAB

Nutzfläche: 2.505 m²

Planungsbeginn: 2020

Fertigstellung: 2025

www.onze04.fr

„Das diffuse Licht im Inneren lässt den Baukörper

beinahe immateriell erscheinen und erzeugt eine

kathedralenartige Atmosphäre. Die rückbau- und

recycelbare Konstruktion ermöglicht große Volumina

bei minimalem Materialeinsatz und eröffnet so neue

Möglichkeiten für die Gestaltung zeitgenössischer

öffentlicher Räume.“

Gustavo Silva-Nicoletti, Onze04 Architectes


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Gebäudehüllen

Alte Hülle,

reversibler Kern

Nikkakjøkken Restaurant / Valdall, Norwegen / Office Inainn

Text: Gertraud Gerst Fotos: Mathias Sæther

Eine alte Scheune bildet die Hülle, ein

eingepasster Holzkern den Innenraum für

das Restaurant Nikkakjøkken in Norwegens

Valldal, einem fruchtbaren Tal am Norddalsfjord.

Der Modulbau ist so gefertigt, dass er

bei einem späteren Rückbau ohne Beschädigung

der historischen Substanz wieder

entfernt werden kann. Durch die sensible

Verknüpfung von Alt und Neu ist ein Ort

entstanden, der mit seinem einzigartigen

Charakter zum Placemaker wird.


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Office Inainn

Nikoline Myren Grønnings, kurz „Nikka“ genannt,

war eine bekannte Persönlichkeit in Norwegen. Als

Hüterin der regionalen Esskultur ihrer Heimatgemeinde

Valldal, war sie regelmäßig im norwegischen

Staatsfernsehen NRK zu Gast. Die Zubereitung von

traditionellen Backwaren wie Hardangerlefse – eine

Art weihnachtlicher Pfannkuchen – war ihre besondere

Leidenschaft. Bis ins hohe Alter von knapp 107

Jahren gab sie dieses Wissen in Kursen weiter und

sorgte dafür, dass das kulinarische Erbe erhalten

blieb. Das weiß gestrichene Holzhaus mit den grünen

Fensterrahmen, in dem sie über viele Jahrzehnte

gelebt hatte, wurde zum charmanten Ferienhaus Nikkahuset

ausgebaut, dessen Name heute noch an sie

erinnert. Nun hat ihr der neue Besitzer des Anwesens

ein weiteres Denkmal gesetzt. Die ehemalige Scheune

hinter dem Wohnhaus ließ er von Office Inainn zu

einem Restaurant und Spa umbauen und gab ihm

den Namen Nikkakjøkken – Nikkas Küche. u


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Gebäudehüllen

Geplant für den Rückbau

Der hohe Luftraum verleiht dem Speisesaal einen

Loft-artigen Charakter. Mit den runden Tischen und

den Designstühlen des norwegischen Möbelbauers

Fjordfiesta ist das Interior auf das Wesentliche beschränkt,

während das historische Holztragwerk

und die Gebirgslandschaft des Tafjordfjella zu den

Hauptprotagonisten avancieren. Die verglaste Giebelwand

öffnet den Raum zur Natur hin und macht

die Dachkonstruktion so auch von außen ablesbar.

Die übrigen Fenster des Bestands wurden nicht vergrößert,

sondern lediglich kalibriert, um die Aussicht

entsprechend zu rahmen.

Damit die Spannweite des Raumes möglichst frei

bleibt und die bestehende Fachwerkkonstruktion

ihre räumliche Wirkung entfalten kann, wurden die

Nebenräume im Gebäudekern zusammengefasst.

Der modulare Holzbau ist so in die bäuerliche Substanz

eingesetzt wie ein Einlegeraum in einem Werkzeugkasten.

Nassarbeiten wurden so weit wie möglich

vermieden, stattdessen setzte man auf möglichst

einfache, trockene Verbindungen. „Der gesamte

Einbau ist so konzipiert, dass er später einmal ohne

Beschädigung der historischen Hülle demontiert

werden kann“, erklärt Sawicki das zirkuläre Rückbau-Konzept.

Ein leichter, modularer Einbau

Genauso, wie es der passionierten Köchin ein Anliegen

war, das regionale Kulturgut zu bewahren, ging

man auch an die Transformation des Bestands heran.

Die historische Scheune sollte ihre Struktur, Anmutung

und Identität behalten und gleichzeitig den

Anforderungen eines modernen Gastronomiebetriebes

gerecht werden. „Der wichtigste Eingriff bestand

darin, das Restaurant als eigenständiges, leichtes

Holzmodul zu entwerfen und es behutsam in die

bestehende Gebäudehülle einzufügen“, beschreibt

Maksymilian Sawicki, Architekt und Büroinhaber von

Office Inainn, seinen Lösungsansatz. „Um den Charakter

der Substanz zu erhalten, haben wir nur das

hinzugefügt, was für die neue Nutzung unbedingt

notwendig war.“

Im Zuge der Transformation des Wirtschaftsgebäudes

wurden alle drei Geschosse aktiviert und generalsaniert.

Auf der untersten Ebene befindet sich der

Eingang für die Betriebs- und Funktionsräume des

Hauses, und das erste Geschoss wurde zu einem

Sauna- und Spabereich ausgebaut. Das Restaurant

samt Küche ist im alten Heuboden, direkt unter dem

historischen Dachgebälk untergebracht. Besucher,

die zum Essen kommen, gelangen über die alte Heurampe

nach oben. Ein stilgerechter Eingang, der

noch dazu barrierefrei ist.


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Office Inainn

Wie ein Restaurant zum Placemaker wird

Durch die kreative Umnutzung des Bestands wurde

so ein Stück regionaler Baukultur erhalten und für die

Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Abgesehen von

der besseren Ökobilanz, die das Bauen im Bestand

mit sich bringt, bewahrt es auch lokale Identität, die

im kollektiven Bewusstsein verankert ist. Auf diese

Weise entstehen Orte, die dazu beitragen, das Gemeinschaftsgefühl

zu stärken.

Mit der zunehmenden Digitalisierung und sozialen

Vereinzelung kommt diesen Prinzipien des Placemakings

in der Architektur eine immer größere Rolle zu.

Nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch im gewerblichen

Bereich gilt: Alles, was sich standardisieren

und reproduzieren lässt oder zu sehr auf Effizienz

getrimmt ist, wird es künftig schwerer haben, gegen

das wachsende Angebot der digitalen Bedürfnisbefriedigung

anzukommen, so die Trendforschung.

Dagegenhalten können in der analogen Welt nur

Orte, die all das verkörpern, was sich nicht digitalisieren

lässt: Authentizität, Atmosphäre, Charakter. In

dieser Entwicklung werden auch gewerbliche Bauwerke

verstärkt zu Placemakern, die den Genius Loci

destillieren und zu ihrem Alleinstellungsmerkmal machen.

„Ein Neubau erzählt in der Regel eine einzige,

homogene Geschichte. Hier aber ist die Identität vielschichtig.

Während die Silhouette in der Landschaft

unverändert bleibt, bildet der neue Holzbau eine

zweite Ebene, die mit der bestehenden Hülle in einen

Dialog tritt“, so der Gründer von Office Inainn, das es

mit seinen ortssensiblen Arbeiten in das Ranking der

AD100 geschafft hat.

u


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Gebäudehüllen

Vom Stiefkind zur Königsdisziplin

Die alten Fachwerkbalken mit dem sichtbaren Zickzack

der historischen Sägegatter werden von der

dunkel lasierten, schlichten Holzlattung der Innenwände

wie selbstverständlich flankiert. Die massiven

Holzwürfel-Beisteller schlagen in dieselbe handwerklich

rohe Kerbe und vereinen das neue Mobiliar mit

der alten Holzkonstruktion zu einem einheitlichen

Ganzen. Im Zusammenspiel zwischen Alt und Neu

wirkt nichts aufgesetzt oder bemüht. Alles, was da

ist, hat seine Berechtigung und befeuert das Narrativ,

das die Geschichte des Ortes vorgibt.

Seit 2022 versucht man in Norwegen die Hürden

für kreative Umnutzungen zu senken. Grundsätzlich

müssen alle umgenutzten Bestandsgebäude die

strengen Anforderungen der bautechnischen Vorschriften

2017 (TEK17) erfüllen. Vor allem bei historischen

Gebäuden kann es mitunter komplex oder

sehr kostspielig werden, sie in Sachen Brandschutz,

Energieeffizienz und Barrierefreiheit auf den aktuellen

Stand zu bringen. Wer eine Treibhausgasbilanz

vorlegt, die zeigt, wieviel graue Energie durch das

Bauen im Bestand erhalten bleibt, hat es leichter, an

eine Sondergenehmigung zu kommen.

Skandinavischer Minimalismus

trifft bäuerliche Bausubstanz: Der

neue Holzboden passt sich mit seinen

unterschiedlich breiten Dielen

an den historischen Bestand an.


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41

Office Inainn

Aber das Bauen im Bestand ist weit mehr als die

Summe der eingesparten Emissionen. „Sanierung

und Umnutzung werden zunehmend als primäre architektonische

Strategie und nicht als sekundäre

Dienstleistung betrachtet – weil sie kulturelle Kontinuität

mit einem greifbaren ökologischen Wert

verknüpfen und ein hohes Maß an Präzision im Umgang

mit dem bereits Vorhandenen erfordern“, sagt

Maksymilian Sawicki. War das Erneuern von Altem

früher ein rein technisches oder wirtschaftliches Mittel

zum Zweck, zählt es heute zur Königsdisziplin der

innovativen Entwürfe. Das bereits Vorhandene mit

dem Neuen möglichst organisch zu verknüpfen wird

dabei zur kreativen und intellektuellen Challenge.

Im Fall des Restaurants Nikkakjøkken am Fuß des

Trollstigen-Gebirges wurde so eine ortsbildprägende

Struktur revitalisiert und für die Nachwelt erhalten.

Nikka Myren Grønnings hat dem Land seine kulinarischen

Traditionen ins Gedächtnis gerufen, und wurde

dafür am Ende ihres Lebens mit der Verdienstmedaille

des Königs ausgezeichnet. Ihre persönliche Geschichte

lebt nun an diesem Ort als immaterielles Erbe

weiter, und das wohl auch auf der Speisekarte. Auch

wenn das Restaurant noch nicht geöffnet ist, wird es

kulinarisch vermutlich auf dem aufbauen, was in der

Region seit vielen Generationen überliefert wird. •

21-24 Nikkakjøkken Restaurant

Valdall, Norwegen

Bauherr: Nikkahuset

Architektur: Office Inainn, Ålesund, Norwegen

Bauunternehmen: Valldal Høvleri AS

Holzbau: Hunton, Hunton Fiber

Fassade: Talgø MøreTre AS

Holzfenster: NorDan

Möbel:

Fjordfiesta

Nutzfläche: 675m²

Planungsbeginn: 2021

Fertigstellung: 2025

www.inainn.eu

„Es ist uns gelungen, ein funktionales,

zeitgemäßes Restaurantkonzept

innerhalb einer bestehenden

Struktur zu realisieren. Die

freiliegende Konstruktion und der

räumliche Rhythmus unter dem

Fachwerk blieben als primäres Erlebnis

erhalten, während Altes und

Neues mit minimaler visueller Unruhe

ineinandergreifen konnten.“

Maksymilian Sawicki,

Office Inainn


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Gebäudehüllen

Zeit(ge)schichten

Vila Muhr / Bohinj, Slovenien / OFIS ARHITEKTI

Text: Linda Pezzei Fotos: Miran Kambic

Im Jahr 2014 stürzte eine Villa ein, die einst als Jagdsitz und

später als Residenz des jugoslawischen Königs Aleksandar

Karađorđević diente. Später wurde sie als Augenklinik und

Erholungsheim genutzt, bevor sie schließlich als Hotel-Annex

Verwendung fand. Übrig blieb ein fragmentierter Steinsockel

als Relikt einer mondänen Vergangenheit am Bohinjer

See. Was zunächst wie ein Verlust erschien, wurde zum

architektonischen Ausgangspunkt: Das Büro OFIS arhitekti

rekonstruierte die 1902 von Franz Ritter von Neumann für

Adolf Muhr errichtete Vila Muhr als vielschichtige Gebäudehülle,

in der historische Substanz, zeitgenössische Konstruktion

und alpines Klima aufeinander treffen.

Historische Spurensicherung

Die Vila Muhr wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts

als Jagdvilla für den Wiener Industriellen Adolf Muhr

errichtet. Im Laufe der Jahrzehnte wechselten die

Rollen: Residenz, medizinische Nutzung, Erholung,

später Nebenbetrieb. Nach dem Einsturz im Jahr

2014 überdauerte vor allem der Steinsockel als topografische

Spur. Bei der Rekonstruktion wurden Kubatur,

Orientierung und Proportion des Vorgängers

wieder aufgenommen – jedoch nicht als Rückgriff auf

ein „Originalbild“, sondern als Weiterführung alpiner

Bautypologien unter heutigen Bedingungen: Die Rekonstruktion

ist langlebig, anpassungsfähig und materiell

klar gedacht.

Die Hülle als konstruktive Schichtung

Der zentrale Entwurfsansatz bestand darin, die

Schichtungen konstruktiv offenzulegen. Rund 70

Prozent der Mauersteine im Erdgeschoss stammen

aus der Originalsubstanz. Jeder Stein wurde geprüft

und entsprechend seiner Tragfähigkeit wieder eingesetzt.

Das historische Mauerwerk fungiert heute als

selbsttragende äußere Schale. Dahinter befindet sich

eine neue, gedämmte Holzkonstruktion, die aktuelle

thermische und bauphysikalische Anforderungen erfüllt,

ohne das alte Material strukturell zu überformen.

Entscheidend sind die Details: Die Anschlüsse sind

reversibel ausgeführt und bleiben ablesbar – starre

Verbundsysteme wurden vermieden. So wird die Fassade

nicht zur Kulisse, sondern zum sorgfältig gefügten

Bindeglied zwischen Bestand und Gegenwart. u


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OFIS ARHITEKTI


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44

Gebäudehüllen

Karbonisierte Holzhaut

Über dem mineralischen Sockel erheben sich Obergeschosse

aus slowenischer Fichte und Lärche. Die

Bretter wurden traditionell karbonisiert, das heißt

kontrolliert verkohlt, gebürstet und geölt – ganz

ohne chemische Zusätze. Das erhöht die Resistenz

gegenüber UV-Strahlung, Pilzbefall und Schlagregen,

während die Holzhaut diffusionsoffen bleibt.

Unter den alpinen Bedingungen Bohinjs ist die Fassade

auf minimalen Wartungsaufwand ausgelegt.

Anstelle periodischer Beschichtungszyklen sind Inspektionsintervalle

vorgesehen. Die dunkle, samtige

Oberfläche schärft visuell den Kontrast zum hellen

Steinsockel und markiert die neue Schicht, ohne sie

als „neu“ zu verstecken.

Die Balkone übernehmen die Proportionen, den

Rhythmus und die Tiefe der historischen Vorbilder.

Konstruktiv folgen sie jedoch einer anderen Logik:

Verdeckte Stahlunterkonstruktionen, die in den

Holzrahmen integriert sind, ermöglichen schlankere

Profile bei höherer Tragfähigkeit. So bleibt die ikonische

Figur der Villa erhalten – bei gleichzeitig zeitgemäßen

Anschlussdetails und Sicherheitsstandards.

Rhythmus und Proportion orientieren sich am

Vorbild von 1902, konstruktiv folgen die Balkone

jedoch einer neuen Logik: verdeckte Stahlunterkonstruktionen

ermöglichen schlanke Profile und

erfüllen aktuelle Sicherheitsanforderungen.


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OFIS ARHITEKTI

Öffnungen und thermische Performance

Anstelle einer flächigen Verglasung folgt die Fassade

einer differenzierten Strategie: Es gibt Panoramafenster

an den Stellen, an denen historisch Landschaftsbezüge

angelegt waren, und in den sekundären Bereichen

sind die Öffnungen zurückhaltender. Die

Dreifachverglasungen mit thermisch optimierten Holzrahmen

sind tief in die Fassade zurückgesetzt, sodass

Leibungstiefe und Verschattung erhalten bleiben. In

Kombination mit kapillaraktiver Dämmung entsteht

eine Hülle, die auch unter alpinen Winterextremen ein

robustes thermisches Verhalten aufweist und zugleich

die Proportionen des Vorgängerbaus respektiert.

Programmatische Verdichtung

Heute beherbergt die Vila Muhr ein Restaurant, einen

Konferenzraum sowie vier Suiten. Das von OFIS

in Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern entwickelte

Interieur führt die Materiallogik der Hülle fort

und umfasst Altholz, maßgefertigte Möbel und keramische

Unikate. Ein reaktivierter unterirdischer Tunnel,

der einst als Verbindung zum Hotel diente, wird

nun als kuratierter Ausstellungsraum genutzt, in dem

die wechselvolle Geschichte des Ortes inszeniert

wird. Während sich die Zeitschichten oberirdisch in

Material und Konstruktion zeigen, wird Zeit unterirdisch

räumlich erzählt.

u


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Gebäudehüllen

Im Gespräch mit Rok Oman

Was war für Sie der entscheidende Moment

in der Rekonstruktion: Geschichte zu

„wiederholen“ – oder sie bewusst nebeneinanderstehen

zu lassen?

Entscheidend war, die vorhandenen Spuren

nicht zu glätten. Der Steinsockel blieb als

reale Schicht präsent, neue Eingriffe sollten

klar als zeitgenössisch erkennbar sein.

So entsteht ein Nebeneinander ohne Hierarchie

– die Fassade wird zur Schichtung,

nicht zur Rekonstruktion eines Bildes.

Wo lagen die größten technischen Risiken

beim Arbeiten mit wiederverwendetem

Naturstein?

Bei den Toleranzen. Jeder Stein ist anders,

und genau diese Unregelmäßigkeit muss

konstruktiv aufgenommen werden. Zusätzlich

war die Kontrolle der Feuchtigkeitsmigration

unter Frost-Tau-Bedingungen

wesentlich – dafür haben wir kapillaraktive

Dämmschichten integriert und die Details

so gelöst, dass sie reversibel bleiben.

Die Holzoberflächen wirken fast wie ein

Schutzpanzer. Was leistet die Karbonisierung

konstruktiv – und was ökologisch?

Karbonisierung ist eine chemiefreie Schutzschicht,

deren Brenntiefe wir präzise steuern

konnten. Sie verbessert die Resistenz

gegen UV, Pilz und Schlagregen, bleibt aber

dampfdurchlässig. Das reduziert Wartung

und vermeidet ökologische Lasten typischer

Beschichtungssysteme.

Was war Ihnen bei den Balkonen wichtiger:

die historische Bildhaftigkeit oder die

konstruktive Logik?

Beides – aber mit klarer Rollenverteilung.

Die Bildhaftigkeit entsteht über Rhythmus

und Proportion. Die Logik dahinter

musste neu sein: verdeckte Stahlunterkonstruktionen

im Holzrahmen erlauben

schlanke Profile und erfüllen heutige

Sicherheitsanforderungen, ohne visuell

schwer zu werden.

Wie definieren Sie „Nachhaltigkeit“ bei

einer Gebäudehülle, die so stark auf Materialgeschichte

setzt?

Über Performance und Identität zugleich.

Jeder Stein wurde geprüft und selektiv

wiederverwendet – das reduziert Emissionen

und Transport. Gleichzeitig bleibt

die lokale Materialität sichtbar. Für uns ist

Nachhaltigkeit auch kulturell: Historische

Substanz ist nicht nur Erinnerung, sondern

Teil der Funktionsschicht.


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OFIS ARHITEKTI

0 1 2

0 1 2

OG 2

EG

0 1 2

0 1 2

OG 1

OG 3

Vila Muhr

Bohinj, Slovenien

0 1 2

0 1 2

Bauherr:

Planung:

Team:

Statik:

Bebaute Fläche: 1.100 m²

Planungsbeginn: 2022

Baubeginn: 2023

Fertigstellung: 2025

www.ofis.si

Alpinia

OFIS ARHITEKTI

Rok Oman, Špela Videčnik, Janez Martinčič, Andrej Gregorič,

Rok Dolinšek, Matej Krajnc, Borut Bernik, Amadej Mravlak,

Giulia Sgrò, Nada Kodela, Deniz Itak, Juan Pablo Orbea

Project PA

„Die Qualität lag für uns in der Präzision

der Übergänge: alte Steine mit ihren Toleranzen,

eine unabhängige gedämmte Holzstruktur,

reversible Details. So bleibt nicht

nur die Geschichte ablesbar, sondern auch

die Arbeit – von Kon struk tion bis Handwerk

– sichtbar in der Gebäudehülle.“

Rok Oman, OFIS arhitekti


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Gebäudehüllen

Im Spiel

des Lichts

Innovationscampus Cyber Valley / Tübingen, Deutschland / heinlewischer

Text: Andreas Laser Fotos: Brigida González

Für den Innovationscampus

Cyber Valley in Tübingen, an dem

Forschung im Bereich Künstliche

Intelligenz und Robotik räumlich

gebündelt wird, hat heinlewischer

einen Neubau mit klar gegliedertem

Raumprogramm entworfen.

Prägendes Element ist eine

zweischichtige Fassade, in der

Sonnenschutz, Wartung und Photovoltaik

zu einem integrierten

System verbunden sind.


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49

heinlewischer

Mit dem ersten Bauabschnitt des Innovationscampus

Cyber Valley nimmt im Wissenschafts- und Technologiepark

Tübingen ein Forschungsstandort Gestalt

an, der verschiedene Bereiche aus Wissenschaft und

anwendungsnaher Entwicklung räumlich zusammenführt.

Der Neubau vereint Arbeitsräume, Hörsäle,

Labore und Flächen für Austausch, Präsentation und

Start-ups und markiert den Auftakt für den weiteren

Ausbau des Campus. Nutzer sind das AI Center der

Universität Tübingen und das Max-Planck-Institut

für Intelligente Systeme.

Der von heinlewischer geplante Baukörper entwickelt

sich aus einem nahezu quadratischen Grundriss

mit trapezförmigem Sockel. Im Zentrum liegt ein

Atrium, das von einer ETFE-Membran überspannt

wird und die innere Organisation zusammenbindet.

Im Erdgeschoss sind Hörsäle, Seminarräume, Sonderlabore

und ein Pressebereich mit Experimentierlabor

angeordnet; in den Obergeschossen reihen

sich kleinteilige Büros entlang der Fassade, während

sich zur Mitte hin Labore, Besprechungszonen

und offene Arbeitsbereiche orientieren. Das Dachgeschoss

ergänzt das Raumprogramm um Aufenthalts-

und Besprechungsräume sowie den Zugang

zur begrünten Dachterrasse.

u


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50

Gebäudehüllen

Mit ihrer vorgelagerten

Konstruktion reguliert die

Fassade Licht und Einblicke,

ohne die Innenräume

vom Außenraum abzuschirmen.

Die feststehenden

Photovoltaik-Module

sind in die Fassadenstruktur

integriert und werden

vollständig für den

Eigenbedarf des Hauses

genutzt.

Die aktive Hülle

Eine besondere Bedeutung kam im Entwurfsprozess

der Fassade zu. Sie sollte den funktional organisierten

Baukörper nicht einfach verkleiden, sondern

ihm eine zusätzliche Ebene geben, die technische

Anforderungen, Wartung und Erscheinungsbild zusammenführt.

Bereits früh war eine zweite Hülle vorgesehen,

zunächst noch ohne Photovoltaik, aber mit

außenliegendem Sonnenschutz und dem Gedanken

an intelligente Steuerungssysteme. Im Verlauf der

Planung und Bauausführung wurde dieses Konzept

um PV-Module erweitert. Aus einer sekundären Fassadenebene

wurde so ein mehrschichtiges System,

das Energiegewinnung, Verschattung und Zugänglichkeit

miteinander verknüpft.

Konstruktiv besteht die thermische Hülle aus einer

Pfosten-Riegel-Konstruktion zwischen massiven

Sturz- und Brüstungselementen. Diese sind mit einer

hinterlüfteten Vorhangfassade verkleidet und tragen

die vorgesetzten Wartungsbalkone. An deren Konsolen,

die thermisch getrennt am Rohbau befestigt

sind, sitzt über Tragprofile die abgewinkelte zweite

Fassadenebene. In dieser sind die Photovoltaik-Module

und der textile Sonnenschutz angeordnet. Unterschiedliche

Prismenwinkel von 15 und 30 Grad

erzeugen eine abgestufte Fassadenstruktur und brechen

die Strenge des horizontalen Fassadenbilds.


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heinlewischer

Rund 1.000 Quadratmeter

Photovoltaik auf dem

Dach ergänzen die aktive

Gebäudehülle. Gleichzeitig

setzt die intensiv

begrünte Dachterrasse

einen nutzbaren Freiraum

an den oberen Abschluss

des Gebäudes.

In der Umsetzung stellte insbesondere die Integration

der Photovoltaik hohe Anforderungen an Statik,

Detailplanung und Montage. Die Unterkonstruktion

musste auf Gewicht und Befestigung der Module

abgestimmt werden; zugleich waren Leerrohrführung,

Wechselrichterstandorte und die Einspeisung

in Hausnetz und öffentliches Netz mit TGA und

Bauphysik zu koordinieren. Auch die Durchdringungen

der Dämmebene wurden bauphysikalisch

untersucht. Mock-ups und ein Fassadenmodul im

Maßstab 1:1 dienten dazu, Neigung, Verschattung,

Unterkonstruktion und die Integration des Sonnenschutzes

zu überprüfen.

Licht, Energie, Steuerung

Energetisch ist die Fassade Teil eines übergeordneten

Konzepts, bei dem sie mit etwa 1.000 m² PV auf

dem Dach ergänzt wird. So wird ein Jahresertrag von

rund 78.000 kWh erreicht. Im Gebäude selbst wird

der erzeugte Strom vollständig genutzt, unter anderem

für einen sehr energieintensiven Serverbereich.

Dessen Abwärme wird wiederum in die Beheizung integriert.

Nach Angaben des Architekturbüros deckt

der PV-Ertrag damit zu rund zehn Prozent den Energiebedarf

des laufenden Betriebs.

Ein weiterer Bestandteil des Fassadenkonzepts ist

der textile Sonnenschutz. Zentral gesteuert über

Wetterdaten und Bewegungsmelder, reagiert er auf

Sonnenstand, Temperatur, Wind und Raumbelegung,

kann jedoch von den Nutzerinnen und Nutzern bei

Bedarf übersteuert werden. Die zweite Fassadenebene

reguliert den Lichteintrag, ohne den Raumcharakter

im Inneren einzuschränken. Durch den

Abstand zur Primärfassade bleibt ihre räumliche Offenheit

erhalten, während spezielle Behänge auch in

geschlossenem Zustand den Außenbezug wahren.

So verändert sich das Erscheinungsbild des Hauses

im Tagesverlauf, ohne die Innenräume von ihrer Umgebung

abzuschirmen.

u


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52

Gebäudehüllen

Das Atrium ist nicht nur Erschließungsraum,

sondern auch Fläche für Austausch, Präsentation

und Begegnung. Durch die Anbindung

an die Hörsäle lässt es sich in das Veranstaltungsprogramm

des Hauses einbeziehen.


Universität Tübingen

November 2025

Neubau Innovationscampus Cyber Valley (1. Bauabschnitt)

Grundriss Erdgeschoss M 1:500

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Universität Tübingen

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Neubau Innovationscampus Cyber Valley (1. Bauabschnitt)

Grundriss Regelgeschoss M 1:500

heinlewischer

2. BA Bestand

2. BA Bestand

EG OG 1

Die Hülle im Unterhalt

Auch im Betrieb ist die Fassade auf Dauerhaftigkeit

und Wartbarkeit ausgelegt. Die Wartungsbalkone

erleichtern Reinigung, Inspektion und den Zugang

zu den PV-Modulen und sind damit Teil einer Konstruktion,

die auf langfristige Betriebssicherheit angelegt

ist. Auch im Lebenszyklus bleibt die Hülle durch

diese zugänglichen und kontrollierbaren Schichten

dauerhaft gut handhabbar. Trennbare Aufbauten

und recyclingfähige Materialien wurden dabei mitgedacht,

ohne dass hierfür projektspezifische Sonderanforderungen

formuliert wurden.

Mehr als ein Solitär

Im städtebaulichen Zusammenhang ist der Bau als

Teil eines Ensembles gedacht. Gemeinsam mit dem

benachbarten und im Ausbau befindlichen zweiten

Bauabschnitt fasst er die Straßenräume entlang der

Maria-von-Linden-Straße und bis zum Parkhaus. Die

Fassadenkonstruktion soll dort erneut aufgegriffen,

jedoch farblich variiert werden, sodass ein Zusammenhang

aus verwandten Gebäuden entsteht, der

den neuen Campus räumlich und visuell prägen wird.

Der Neubau markiert damit den Beginn einer Campusstruktur,

deren Wirkung sich erst mit dem weiteren

Ausbau vollständig entfalten wird. Gerade darin

liegt seine besondere Stellung: Er behauptet sich als

erster Baustein und bleibt zugleich anschlussfähig

für das, was folgen wird.

Innovationscampus Cyber Valley

Tübingen, Deutschland

Bauherr:

Planung:

Team:

Tragwerksplanung:

Bauphysik:

TGA-Planung:

Fassadenplanung:

Pfosten-Riegel-Fassade:

Metallbau:

Planungsbeginn: 11/2018

Bauzeit: 01/2022 - 10/2025

Nutzungsfläche: 7.010 m²

www.heinlewischer.de

Land Baden-Württemberg, vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen

heinlewischer, Stuttgart

Till Behnke (verantwortlicher Partner), Steffen Walter (verantwortlicher Partner/Projektleiter),

Heide Nerger, Annelaure Thuault, Saniye Kocak, Anastasia Kozhevnikova, Maria Shelkovska,

Afsaneh Sheikhzeinoddin, Matthias Holtkamp, Mathilde Richard

wh-p Ingenieure, Stuttgart

Müller BBM, Stuttgart

Planungsgruppe M+M AG, Böblingen (HLSK)

Müller und Bleher, Filderstadt (ELT)

G-Plan, Bühl

Wicona

HW Heinrich Würfel Metallbau

„Die Hülle sollte dem Gebäude ein einzigartiges

Gesicht verleihen und darüber hinaus ein klares

Statement für Technik und Innovation setzen.

Steffen Walter

Verantwortlicher Partner & Projektleiter


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Gebäudehüllen

Präzision und

Dramaturgie

Photographic Seoul Museum of Art / Seoul / Jadrić Architektur & 1990uao

Text: Roland Kanfer Fotos: Namgoong Sun, Yasutake Kojima, Image Joom

Mit dem Photographic Seoul Museum of Art

(Photo-SeMA) erhält Südkorea erstmals ein

Museum, das sich ausschließlich der Fotografie

widmet. Das Gebäude ist Teil einer umfassenden

städtebaulichen Strategie.

Chang-dong, der nordöstliche Bezirk der südkoreanischen

Hauptstadt Seoul, soll durch eine neue Kulturachse

aufgewertet werden, die Kunstinstitutionen,

Kreativwirtschaft und öffentliche Räume miteinander

verknüpft. Das Photographic Seoul Museum nimmt

innerhalb dieser Entwicklung eine Schlüsselrolle

ein. Zwischen dem Seoul Arena Theatre im Nordosten

und dem Bahnhof Chang-dong im Südwesten,

eingebettet in den groß angelegten Stadtentwicklungsplan

zur Erneuerung des Quartiers Sanggye

in Chang-dong, fungiert der Bau als Ankerpunkt. In

unmittelbarer Nachbarschaft entstehen weitere öffentliche

Einrichtungen, darunter ein Robot Science

Museum. Ziel der Stadt ist es, ein lebendiges kulturelles

Umfeld zu schaffen.

Der Bau des Photo-SeMA geht auf einen internationalen

Architekturwettbewerb zurück, den die Stadt

Seoul 2019 auslobte. Ziel war es, die kulturelle Infrastruktur

des dicht besiedelten Bezirks Dobong-gu

zu stärken und zugleich einen Impuls für die Entwicklung

einer Kunstszene zu setzen. Da es in Korea

bislang kein eigenständiges Museum für Fotografie

gab, existierten keine architektonischen Vorbilder,

an denen sich das Programm orientieren konnte. Das

internationale Interesse war groß: 128 Entwürfe aus

aller Welt wurden eingereicht, zehn Büros gelangten

in die engere Auswahl.

u


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Jadrić Architektur & 1990uao


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56

Gebäudehüllen

Architektur als Metapher

Der siegreiche und letztlich umgesetzte Entwurf

von Jadric Architektur aus Wien und dem südkoreanischen

Büro 1990uao, ein Stahlbetongebäude mit

vier Ober- und zwei Untergeschossen, interpretiert

die Beziehung zwischen Architektur und Fotografie

als ein Spiel von Licht, Bewegung und Wahrnehmung.

Statt eines konventionellen Museumsgebäudes präsentiert

sich eine plastische, leicht verdrehte Skulptur,

die wie eine in Fotografie eingefrorene Bewegung

wirkt. Besonders im Übergang zum Stadtraum wird

diese Bewegung sichtbar. Eine großzügige Treppenlandschaft

steigt vom Platz zum Gebäude an. Sie

ist nicht nur Erschließungselement, sondern auch

öffentlich nutzbar. Besucher können auf den Stufen

verweilen, den Platz überblicken oder die Fassade als

begehbare Landschaft nutzen. Das Museum erweitert

damit den öffentlichen Raum, anstatt sich von

ihm abzuschotten.

Die Aluminiumlamellen

der Fassade erzeugen

beim Näherkommen visuelle

Bewegungen.


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57

Jadrić Architektur & 1990uao

Fassade als Filter

Das prägnanteste Merkmal des Photo-SeMA ist seine

aus horizontalen Lamellen aufgebaute Außenhülle.

Die dicht übereinanderliegenden Aluminiumelemente

formen eine rhythmisierte Oberfläche, die das

Gebäude wie ein schützender Mantel umgibt. Aus

der Distanz wirkt die Fassade nahezu geschlossen

und monolithisch, beim Näherkommen erzeugen die

Lamellen jedoch eine visuelle Bewegung, die sich mit

dem Tageslicht verändert. Je nach Blickwinkel und

Sonnenstand entsteht ein fein abgestuftes Spiel aus

Schatten, Linien und Tiefen mit unterschiedlichen

Wahrnehmungen des Gebäudeumrisses. Gleichzeitig

reguliert die Konstruktion wie ein Filter das Licht, das

in die Innenräume gelangt und dem Baukörper technische

Präzision verleiht. Unterhalb der massiven

Lamellen öffnet sich das Gebäude mit einer transparenten

Glasfront zum Platz. Der Eingang liegt in

einer zurückgesetzten Zone unter der aufsteigenden

Treppenlandschaft. Diese Kombination aus schwerer,

geschlossener Hülle und leichtem, transparentem

Sockel schafft einen starken Kontrast – auch hier

lässt sich das architektonische Pendant zum fotografischen

Hell-Dunkel erkennen.

u


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58

Gebäudehüllen

Im Gegensatz zur

Dynamik der äußeren

Gestaltung zeigt sich die

Innenarchitektur bewusst

zurückhaltend.

Monochrome Innenräume

Während die äußere Gestalt des Museums Bewegung

und Dynamik ausdrückt, setzt die Innenarchitektur

auf Zurückhaltung. Das Raumkonzept folgt

einer klaren Organisation, die eine intuitive Orientierung

durch die Ausstellungsebenen ermöglicht. Ein

zentraler Kern aus dunkel gehaltenem Beton bildet

das räumliche Rückgrat des Gebäudes und verbindet

die verschiedenen Funktionsbereiche. Dieses dunkle

Zentrum steht im Kontrast zu den hellen Ausstellungssälen.

Die neutralen Räume lassen unterschiedlichste

Präsentationsformen zu, von historischen

Fotografien bis zu zeitgenössischen Video- und Medieninstallationen.

Wände, Decken und Bodenflächen

sind reduziert gestaltet, um die Werke selbst in den

Vordergrund treten zu lassen.

Das Materialkonzept spielt mit Gegensätzen: glatte

und raue Oberflächen, matte und reflektierende Materialien

sowie natürliche und technische Texturen

treffen aufeinander. Glas, Beton und Metall prägen

die Atmosphäre. Diese Kombination erzeugt eine zurückhaltende,

fast monochrome Umgebung.

Die Ausstellungsebenen sind so angeordnet, dass

sich Besucher durch eine Abfolge von Räumen unterschiedlicher

Größe und Lichtstimmung bewegen.

Flexible Trennwände erlauben es, mehrere Räume

miteinander zu verbinden und so auf wechselnde Anforderungen

zu reagieren. Neben den Ausstellungsflächen

erweitern Bildungsräume, Medienbereiche

und öffentliche Zonen das klassische Museumsangebot,

um Raum für Workshops, audiovisuelle Formate

und digitale Inhalte zu schaffen.

Kultureller Impuls

Das Projekt Photo-SeMA wurde in enger Kooperation

zwischen europäischen und koreanischen

Architekturbüros sowie zahlreichen Fachdisziplinen

entwickelt, wodurch lokale städtebauliche Anforderungen

mit modernen Museumstypologien in

Einklang gebracht werden konnten. Die skulpturale

Form, die prägnante Lamellenfassade und die offenen

öffentlichen Räume machen das Gebäude zu

einem identitätsstiftenden Ort innerhalb der neuen

Kulturmeile. Als Institution soll das Museum die

Entwicklung der koreanischen Fotografie dokumentieren

und gleichzeitig den internationalen Dialog

fördern. In architektonischer Hinsicht verbindet das

Projekt die technische Präzision des Mediums Fotografie

mit einer räumlichen Dramaturgie aus Licht,

Bewegung und Wahrnehmung.


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A-305

59

Jadrić Architektur & 1990uao

지붕 FL

GL+22,900

지상 4층 FL

GL+18,550

지상 3층 FL

GL +12,250

지상 2층 FL

GL +6,250

지상 1층 FL

EL +25.40

EL +25.55

EL +26.

GL ±0

EL +25.55

지하 1층 FL

EL +21.00

GL -4,550

지하 2층 FL

GL -8,200

GL -7,600

EL +17.35

GL -8,200

1:200

지붕 FL

GL+22,900

OG 1

지상 4층 FL

GL+18,550

지상 3층 FL

GL +12,250

지상 2층 FL

GL +6,250

지상 1층 FL

GL ±0

EL +25.55

지하 1층 FL

GL -4,550

지하 2층 FL

GL -8,200

1:200

EG

Photography Seoul Museum of Art

Chang-dong, Seoul, Südkorea

Bauherr:

Planung:

Statik:

Landschaftsplanung:

Seoul Metropolitan Infrastructure Headquarters

Jadric Architektur ZT GmbH, 1990uao

Eden Structure Consultant

ALIVEUS

Grundstücksfläche: 3.167 m 2

Bruttogeschoßfläche: 7.049 m 2

Baukosten:

21,2 Millionen Euro

Entwurf: 3/2020-8/2021

Bauphase: 11/2021-9/2024

Fertigstellung: 9/2024

www.jadricarchitektur.at

„Während des gesamten Projekts haben wir uns

verpflichtet, alle Bereiche von Missverständnissen

oder Schwierigkeiten gründlich anzusprechen,

ohne sie zu beschönigen. Aktives Zuhören und kulturelle

Sensibilität waren wichtig für eine erfolgreiche

interkulturelle schöpferische Zusammenarbeit.“

Mladen Jadric und Yoon Geun Ju


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60

Gebäudehüllen

Fließende Hülle

The Henderson / Hongkong, China / Zaha Hadid Architects

Text: Linda Pezzei Fotos: Virgile Simon Bertrand

Mitten im dichten Gefüge des Central District setzt The Henderson auf eine ungewöhnlich

weiche architektonische Geste. Statt strenger Raster prägen geschwungene Linien,

doppelt gekrümmte Glasflächen und die Anmutung einer aufbrechenden Blütenknospe

den 190 Meter hohen Bau von Zaha Hadid Architects. Hinter der skulpturalen Erscheinung

steckt jedoch mehr als eine ikonische Form: eine hochentwickelte Gebäudehülle,

ausgelegt auf maximale thermische Leistung, Widerstandsfähigkeit gegenüber

Taifunen, natürliche Belüftung und eine stärkere Verzahnung mit dem Stadtraum. The

Henderson zeigt, wie sich Hightech-Engineering, biomorphe Gestaltung und intelligente

Gebäudetechnik zu einer neuen Generation urbaner Architektur verbinden.

Im Herzen des Hongkonger Finanzzentrums, umgeben

von einigen der bekanntesten Hochhäuser der

Stadt, verfolgt The Henderson eine Architektur der

Bewegung. Der Turm erhebt sich an der Murray Road

zwischen den MTR-Stationen Central und Admiralty

– genau dort, wo das dichte Netz der erhöhten

Fußgängerwege den Central District durchzieht. Auf

dem Grundstück, das lange von einem Parkhaus besetzt

war, entstand ein Gebäude, das sich bewusst

nicht als isolierter Solitär versteht, sondern als Teil

eines städtischen Gefüges aus Wegen, Grünräumen

und öffentlichen Übergängen. Zaha Hadid Architects

(ZHA) beschreibt das Projekt entsprechend als Architektur,

die „neue, von Natur umgebene öffentliche

Plätze“ schafft.

Ein organischer Kontrapunkt

Gerade in diesem Kontext wirkt die organisch modellierte

Silhouette wie ein bewusster Gegenentwurf.

Zwischen dem Bank of China Tower von I. M. Pei, Norman

Fosters HSBC-Gebäude und dem Lippo Centre

reagiert The Henderson nicht mit weiterer geometrischer

Strenge, sondern mit einer weich modellierten

Figur, die der vertikalen Skyline eine andere Rhythmik

entgegensetzt. Ausgangspunkt des Entwurfs ist

die Bauhinia x blakeana, die Hongkong-Orchidee, die

sowohl auf der Flagge der Stadt erscheint als auch

erstmals in den Botanischen Gärten oberhalb des

Murray-Road-Grundstücks kultiviert wurde. ZHA

übersetzt dabei nicht die geöffnete Blüte, sondern

die gespannte Form einer Knospe kurz vor dem Aufbrechen

in Architektur: Schichtungen, Einschnürungen

und eine Außenhaut, die wirkt, als sei sie von

innen heraus geformt.

Diese botanische Referenz bleibt nicht bloß Bild,

sondern prägt den gesamten Baukörper. Der vertikale

Kern wurde bewusst an die Ostseite verlegt,

sodass sich die Büroflächen nach Westen zum Chater

Garden und zur Skyline öffnen. Eine hochfeste

Stahlstruktur ermöglicht Spannweiten von bis zu 26

Metern und vollständig stützenfreie Büroflächen mit

fünf Metern Geschosshöhe. Die plastische Gestalt

steht damit in direkter Beziehung zu Struktur, Aussicht

und Nutzungsflexibilität.

u


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61

Zaha Hadid Architects


architektur FACHMAGAZIN

62

Gebäudehüllen

Mehr als nur eine Hülle

Ihre eigentliche Ausdruckskraft entfaltet die Architektur

jedoch über die Gebäudehülle. Bei The Henderson

ist sie weit mehr als Oberfläche: Sie verbindet Klimafunktion,

konstruktive Leistung und gestalterische

Wirkung. Die vierlagigen, doppelt laminierten und doppelt

gekrümmten Isolierglas-Elemente – laut ZHA die

ersten ihrer Art in Hongkong – bilden eine hochperformante

Außenhaut, die sowohl thermische Effizienz als

auch Widerstandsfähigkeit gegenüber den extremen

Wetterbedingungen der Region gewährleisten muss.

Entwickelt wurde das komplexe Fassadensystem unter

anderem von den Glas- und Fassadenspezialisten

sedak und seele, die große Teile der maßgefertigten

gebogenen Verglasung realisierten.

Gerade diese technische Komplexität verleiht dem

Gebäude seine besondere Wirkung. Die mehrfach

gekrümmten Glasflächen lassen den Turm je nach

Lichteinfall, Wetter und Blickwinkel unterschiedlich

erscheinen: mal kühl und stringent, mal beinahe

weich und textil. Besonders im Podiumsbereich

(Ebenen 3 bis 6) sowie an der Turmkrone, wo unter

anderem ein verglaster Bankettsaal realisiert wurde,

wird diese Wirkung verstärkt. Hier treffen gebogene

Gläser, großformatige Ganzglasfassaden und exakt

gefertigte Metallverkleidungen aufeinander und

akzentuieren Eingangsbereiche, Lobbys und obere

Ebenen. Die Gebäudehülle wird damit zum eigentlichen

Medium der Architektur.


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63

Zaha Hadid Architects

Zwischen Hochhaus und Garten

Parallel dazu versucht das Projekt, das Hochhaus

stärker mit der Landschaft zu verzahnen. Unter dem

angehobenen Baukörper und entlang der Zugänge

entstehen begrünte Vorzonen, die den benachbarten

Chater Garden räumlich erweitern. Im Inneren

setzt sich diese Idee in lichtdurchfluteten, organisch

geformten Räumen fort. Besonders deutlich

wird diese Haltung im Sky Garden, einem Freiraum

auf dem sogenannten Refuge Floor – einer brandschutztechnisch

vorgeschriebenen Fluchtebene –,

der hier zu einem Aufenthalts- und Grünraum transformiert

wurde. Ein integriertes Aquaponik-Pflanzsystem

wirkt laut Projektangaben als biologischer

Luftfilter und verbessert die Luftqualität der angrenzenden

Büroetagen.

u

Die dynamische, schwungvolle Formensprache der Außenhaut

setzt sich auch im Inneren konsequent fort und spielt dabei mit

der gewohnten Wahrnehmung von Material und Oberfläche.


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64

Gebäudehüllen

Mehr als ein Büroturm

Auch programmatisch überschreitet das Gebäude

die klassische Bürotypologie. Neben attraktiven Arbeitsflächen

beherbergt es den Asia-Pacific-Hauptsitz

des Auktionshauses Christie’s sowie das „AP

House at The Henderson“ von Audemars Piguet. Hinzu

kommt mit Cloud 39 eine Skylounge mit Terrasse,

die den Turm nach oben öffnet und ihn zugleich als

urbanen Treffpunkt positioniert.

Zwischen Chater Garden, erhöhtem Fußgängernetz und

Skyline inszeniert The Henderson das Hochhaus nicht nur

als Office-Tower, sondern als vertikalen Stadtraum mit

öffentlichen Plätzen, Sky Garden und Cloud 39.


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65

Zaha Hadid Architects

Neben seiner formalen Präsenz versteht sich The

Henderson als hochentwickeltes Smart Building. Das

Gebäude hat unter anderem LEED Platinum, WELL

Platinum und BEAM Plus Platinum erreicht und zählt

damit zu den nachhaltigsten Büroprojekten Hongkongs.

Intelligente Managementsysteme steuern die

natürliche Belüftung, ergänzen sie bei Bedarf durch

Entfeuchtung und Filtration und passen Raumtemperatur,

Luftfeuchtigkeit sowie Frischluftzufuhr automatisch

an die tatsächliche Nutzung an. Gleichzeitig

analysieren die Systeme Belegungsmuster, um Betrieb

und Energieverbrauch kontinuierlich zu optimieren.

Gerade darin liegt die eigentliche Stärke des Projekts.

The Henderson versteht sich nicht nur als

ikonisches Hochhaus, sondern als Versuch, Form,

Struktur, Klima und Stadt miteinander zu verbinden.

Die florale Referenz wird dabei zu einem räumlichen

Prinzip: Die Gebäudehülle fungiert zugleich als Ausdruck,

Klimafilter und Identitätsträger – und verleiht

dem Turm eine bemerkenswert weiche Präsenz in

einer Skyline, die sonst von rationalen Glasfassaden

geprägt ist.

The Henderson

Hongkong, China

Bauherr:

Planung:

Design:

Architekt vor Ort:

Statik und Geotechnik:

Fassadentechnik:

Höhe:

190 m

Bruttogeschossfläche: 43.200 m²

Planungsbeginn: 2018

www.zaha-hadid.com

Henderson Land

Zaha Hadid Architects

Patrik Schumacher

Ronald Lu & Partners

LERA Consulting Structural Engineers (Stahlbau)

C M Wong & Associates

Eckersley O’Callaghan Asia (Fußgängerbrücken

und Bankettsaal)

Group 5F; Meinhardt Facade Technology

Von der Financial Times als „organisch und fließend,

ein bedeutender und eleganter Turm“ beschrieben,

schafft der Entwurf von Zaha Hadid

Architects für Henderson Land mit dem Namen

„The Henderson“ neue, von Natur umgebene öffentliche

Plätze. Die vierfach verglasten, doppelt

laminierten, doppelt gekrümmten Isolierglasfassaden

von The Henderson sind so konzipiert,

dass sie höchste thermische Leistung bieten

und den starken Sommertiefstürmen der Region

standhalten. Der Sky Garden des Turms ist

ein Freizeitbereich im Freien mit einem Aquaponik-Pflanzennetzwerk,

das als wirksamer biologischer

Luftreinigungsfilter fungiert, indem es

Schadstoffe abbaut.

Zaha Hadid Architects


architektur FACHMAGAZIN

66

RETAILarchitektur

Apfel im Glashaus

Mit „Apple The Exchange TRX“ hat Apple im Zentrum von Kuala Lumpur seinen

ersten Store in Malaysia eröffnet. Entworfen von Foster + Partners, liegt das

Projekt im neuen Stadtquartier Tun Razak Exchange (TRX), das als internationales

Finanz- und Geschäftsviertel entwickelt wurde. Der Store ist Teil des gemischt

genutzten Komplexes The Exchange TRX und vermittelt zwischen Einkaufszentrum

und dem rund vier Hektar großen TRX City Park. Damit ist er nicht nur

Verkaufsort, sondern auch räumlicher Übergang zwischen Innenraum, Freifläche

und öffentlicher Erschließung.

Text: Andreas Laser Fotos: Nigel Young, Foster + Partners

Prägendes Element des Gebäudes ist eine verglaste

Kuppel mit einer Grundfläche von rund 31 x 31 Metern

und einer Höhe von etwa 10 Metern. Sie wurde

als Glas-Stahl-Konstruktion mit gebogenen und geraden

Glaselementen realisiert. Acht spiegelpolierte

Edelstahlstützen und acht verkleidete Stahlsäulen

übernehmen die Lastabtragung. Umlaufende, horizontal

geschichtete Aluminiumlamellen reduzieren

die direkte Sonneneinstrahlung und geben dem

Baukörper seine markante, schichtweise aufgebaute

Erscheinung. Nach oben wird die Dachstruktur

durchlässiger; ein zentraler, verglaster Oculus bringt

Tageslicht tief in das Innere. Ergänzend sind im Bereich

der Dachspitze öffenbare Elemente für die natürliche

Entlüftung integriert.

Der Store reagiert damit präzise auf die klimatischen

Bedingungen in Kuala Lumpur. Die Lamellen steuern

die solare Einstrahlung, schützen die Glasfassaden

und bilden zugleich einen überdeckten Umgang entlang

des Gebäuderands. Die Kuppel vermittelt geometrisch

zwischen einer quadratischen Basis und

einer runden Dachform, wodurch ein klar lesbarer

Baukörper entsteht, der aus verschiedenen Blickwinkeln

unterschiedlich in Erscheinung tritt.

Im Inneren ist der Store über drei Ebenen organisiert.

Ein oberes Deck bindet direkt an den Park an und

bringt Tageslicht sowie die umliegende Vegetation in

die Raumfolge ein. Die Verkaufsflächen auf der unteren

Ebene stehen in direkter Verbindung zum Mall-Bereich.

Dazwischen verknüpfen eine skulpturale Treppe

aus Quarz und Glas sowie ein verglaster Aufzug die

Geschosse. Gestaffelte Podeste und Öffnungen schaffen

dabei gezielte Sichtbeziehungen durch den Raum.


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67

RETAILarchitektur

PRODUCT | LON HEXAGON

mit Akustikeinsatz

PROJECT | EDEKA, REGENSBURG

Design: Ben Elmecker

Materialseitig setzt das Projekt auf eine zurückhaltende,

hochwertig ausgeführte Palette: Natursteinwände,

polierte Edelstahlstützen, helle Terrazzo-Böden und

eine Holzdecke mit integrierter Beleuchtung prägen

den Innenraum. Vor allem im Zusammenspiel mit dem

gefilterten Tageslicht aus dem Oculus entsteht eine

helle, gleichmäßige Innenraumatmosphäre.

Auch die innere Fassadenlösung ist technisch bemerkenswert.

Die Retail-Fassade zum Mall-Bereich

wurde als Ganzglaskonstruktion mit einer Breite von

18 Metern und einer Höhe von 10 Metern aus nur

sieben großformatigen Glaselementen ausgeführt.

Hinzu kommen eine zentrale Eingangstür sowie zwei

verglaste Seitentüren.

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68

RETAILarchitektur

Brutalistische

Provokation

Ein Supermarkt als Installation: In Port de Pollença hat Minimal Studio den Nahversorger

in eine radikale Materialstudie aus Beton und recyceltem Kunststoff

verwandelt und damit den Akt des Einkaufens in eine räumlich choreografierte

Erfahrung umgewandelt.

Text: Linda Pezzei Fotos: Leonardo Condor

Mit „Plastic Box“ inszeniert Minimal Studio auf 193 m²

einen Perspektivwechsel: Der Supermarkt wird von

einem funktionalen Versorger zu einer architektonischen

Versuchsanordnung. „Plastic Box“ sei aus einem

Zusammenprall von Beton-Brutalität und transparenter

Fragilität entstanden, erklärt Juan David

Martínez Jofre, Gründer und Geschäftsführer des

Studios. Der Entwurf versteht sich als bewusster Widerspruch:

„Die Anmutung von Rohheit, Schwere und

Permanenz trifft auf etwas Leichtes, Reflektierendes,

beinahe Ephemeres.“

Von außen erscheint der Markt als reduzierter Sichtbetonkubus,

eine rohe, ornamentlose Hülle mit dunklen

Portalen, die den Übergang ins Innere effektvoll

inszenieren. Dort setzt sich die monolithische Sprache

in Form von polierten Betonböden, massiven

Betontischen und Stahlregalen fort. Lichtkontraste

und Schatten übernehmen die Inszenierung der

Produkte anstelle grafischer Signaletik. „Wenn jedes

Detail einen Grund hat zu existieren, wird Ästhetik

strukturell“, so Martínez Jofre. „Die Balance zwischen

Schönheit und Funktion ist kein Kompromiss, sondern

Kohärenz.“


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69

RETAILarchitektur

Das ikonische Element des Projekts ist eine zweite,

innere Hülle in Form einer Decke aus über tausend

recycelten Industrie-Plastikkisten. Rasterförmig angeordnet,

filtern sie Tageslicht, integrieren LED-Beleuchtung

und nehmen Lüftungs- sowie weitere

Haustechnik auf. „Der Kunststoff, der oft als Wegwerfmaterial

abgetan wird, bekommt hier ein zweites

Leben“, sagt Martínez Jofre. „Er wird aufgearbeitet,

neu interpretiert und zur Architektur erhoben.“ Die

transluzenten Module werfen geometrische Schatten,

die sich im Tagesverlauf verändern und den

Raum in eine Lichtmaschine verwandeln.

Auch die Wegeführung folgt keiner konventionellen

Logik aus Regalachsen und Effizienzdiagrammen.

„Wir behandeln die Zirkulation wie eine Choreografie.

Bewegung wird nicht diktiert, sondern komponiert.“

Anstelle klassischer Zonen entsteht eine Abfolge unterschiedlicher

„emotionaler Temperaturen“: Kälte,

Helligkeit und Stille. Der Weg wird so zur narrativen

Sequenz. „Der Supermarkt ist für uns eine atmosphärische

Maschine“, so Martínez Jofre. „Zwischen

Regalwiederholung und Produktdichte entsteht ein

stiller Dialog zwischen Nutzer, Geometrie und Licht.“

Im touristisch geprägten Norden Mallorcas gewinnt

diese Überhöhung der Alltagstypologie an Schärfe.

Der Nahversorger wird zur Bühne, auf der Konsum

organisiert und zugleich reflektiert wird. Dabei ist die

bewusste Provokation des Materials zentral. „Unsere

Absicht war nie, Plastik zu glorifizieren, sondern sein

Potenzial jenseits des Konsums sichtbar zu machen.“

Indem das Material konstruktiv und räumlich aufgewertet

wird, verschiebt sich seine Symbolik vom

Zeichen des Überflusses zum Träger von Dauerhaftigkeit

und Licht. „Nachhaltigkeit ist hier nicht dekorativ,

sondern existenziell“, betont Martínez Jofre.

„Es ist eine Provokation in Präzision – eine Kritik, die

nicht predigt, sondern verführt.“

Trotz der konzeptuellen Schärfe bleibt das Projekt

ein hoch regulierter Einzelhandelsraum. Lichtplanung,

Ergonomie und Toleranzen verlangen technische

Präzision. Für Minimal Studio ist diese Disziplin

kein Widerspruch zur künstlerischen Handschrift:

„Retail verlangt Kontrolle. Für uns sind diese Regeln

wie eine Partitur, die Ausdruck durch Disziplin ermöglicht.“

Die Stärke des Projekts liegt in der physischen

Schwere des Betons und der Präzision der

Details. „Minimalismus bedeutet hier nicht Abwesenheit,

sondern perfekt kalibrierte Spannung.“

So wird die Plastic Box zu einem architektonischen

Kommentar über Konsum und Nachhaltigkeit und zu

einer gebauten These, dass selbst ein Supermarkt

eine räumliche Erzählung sein kann.


architektur FACHMAGAZIN

70

RETAILarchitektur

Sinnliche Substanz

Am Neuen Wall in Hamburg hat Polène seine erste deutsche Boutique eröffnet

– ein haptisches Erlebnis, gestaltet von Snøhetta. Für Peter Girgis, Senior Interior

Architect und Project Lead bei Snøhetta, begann der Entwurfprozess mit der

Stofflichkeit selbst. Eine „transdisziplinäre Materialsprache“ verbinde, so Girgis,

sinnliche Erfahrung, emotionale Resonanz und Kontext. Oberflächen seien nie bloße

Hülle, sondern Träger von Funktion, Atmosphäre und Narrativ.

Text: Linda Pezzei Fotos: Benoit Florençon

Im Hamburger Store wird diese Idee greifbar. Die weich

modellierten Lehmwände sind laut Girgis „inspiriert

vom menschlichen Körper und von der Beziehung der

Stadt zum Wasser“. Ziegel zitieren das hanseatische

Stadtbild, dunkles Holz führt in das Polène-Universum.

Das Ziel war eine Gestaltung, die Körper, Marke und urbanen

Kontext miteinander verschränkt. Dabei spielte

der Ort eine zentrale Rolle. „Der erste Impuls ergab

sich beim Durchstreifen der Stadt.“ Straßenräume,

Nachbarschaft und Lichtstimmungen flossen in

Form und Stofflichkeit ein. Ziel war ein Flagship-Store

mit unverwechselbarer lokaler Verankerung.

Der Ziegelboden greift die Straßenbeläge Hamburgs

auf und holt ein Stück des öffentlichen Stadtraums

ins Innere. Er bildet im Eingangsbereich einen gezielten

Kontrast zum sonst eleganten Markenraum

definiert den Übergang zur rauen Hafenstadt. Während

Cortenstahl-Säulen industrielle Motive zitieren,

erzeugen gerundete Wandnischen und organisch

geformte Einbauten Ruhe. Das zurückhaltende Licht

modelliert Texturen und Vertiefungen, ohne dabei Effekte

zu suchen. Die Atmosphäre wirkt konzentriert

und beinahe entschleunigt.

Ein prägender Aspekt ist der Einsatz von Upcycling.

„Upcycling verändert die Hierarchie im Interieur, indem

es den Wert von Neuheit hin zu Kreativität und

Bedeutung verschiebt“, erklärt Girgis. In der spanischen

Manufaktur Ubrique wurden 488 Kilogramm

Lederreste aus den Archiven des Hauses zu Theken

und Möbeln verarbeitet. Die geschichteten Oberflächen

in Beige-, Camel- und Cognactönen erinnern an

geologische Sedimente.


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71

RETAILarchitektur

„Anstatt polierte, kostspielige Materialien dominieren

zu lassen, gewinnen wiederverwendete Elemente

durch ihre Geschichte und Textur an Präsenz.“

Das recycelte Leder steht dabei im Zentrum und ist

sowohl sichtbar als auch haptisch erfahrbar. Auch

das Handwerk bleibt präsent. „Letztlich sind es die

Produzenten und Handwerker, die unseren Entwürfen

ihren finalen Eindruck geben.“ Eine eigens eingerichtete

Werkstattzone macht die Verarbeitung

nachvollziehbar. Werkzeuge, Materialproben und

Maschinen wie Walke oder Flexometer verweisen

auf den Herstellungsprozess. Nussbaum und Edelstahl

im Boden markieren die Schwelle zwischen

Werkstatt und Verkaufsfläche.

Für Girgis ist Authentizität der Schlüssel zeitgenössischer

Markenarchitektur. Ein Store müsse heute

mehr sein als eine reine Verkaufsfläche, er solle sich

über Licht, Haptik und Atmosphäre einprägen. Der

Polène Store in Hamburg übersetzt dieses Prinzip in

ein sinnliches Einkaufserlebnis, das nicht auf Inszenierung,

sondern auf Substanz setzt. Es ist ein Ort,

der zur Verlangsamung und zur bewussten Begegnung

mit Material und Handwerk einlädt.


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72

RETAILarchitektur

Stadt im Kleinen

Der Kiosk – Als Schnittstelle zwischen Stadtmöbel, Pavillon und Infrastruktur

bündelt er konstruktive, funktionale und soziale Fragen im Miniaturmaßstab. Von

modularen Klassikern wie dem K67 bis zu aktuellen Beispielen in Cannes, Berlin,

Luxem burg und Thüringen zeigt sich: Mikroarchitektur ist heute ein vielversprechendes

Testfeld für reversible, nachhaltige und mehrfach nutzbare Stadtbausteine.

Text: Linda Pezzei

Prüfstein im Kleinen

Kaum eine Bauaufgabe verdichtet so viele Anforderungen

auf so wenig Fläche wie der Kiosk. Er muss

sichtbar sein und robust, offen und sicher, effizient im

Betrieb und dennoch einladend im Stadtraum. Seine

Hülle ist nicht Fassade im repräsentativen Sinn, sondern

Arbeitsgerät: Schutz, Klappe, Theke, Vordach,

manchmal Bühne. Gleichzeitig hängt die Typologie

an Infrastruktur – Strom, Wasser, Daten, Entsorgung,

Logistik – und wird damit zum kleinsten gemeinsamen

Nenner urbaner Versorgung. Genau darin liegt

seine architektonische Relevanz: Im Minimalmaßstab

wird deutlich, was Städte im Großen ausmacht – Öffentlichkeit,

Nutzungsmischung, Ressourcen, Wiederverwendbarkeit.

Eine Frage der Typologie

Der Kiosk bewegt sich im Dreieck aus Stadtmöbel,

Pavillon und Infrastruktur. Als Stadtmöbel belebt er

Plätze, Wegkanten und Zwischenräume; als Pavillon

ist er freistehend, allseitig adressiert, ein Zeichen im

Raum; als Infrastruktur organisiert er Betrieb, Technik

und Standards. Das Ergebnis ist eine Architektur

der Schwelle: nicht ganz innen, nicht ganz außen –

und genau deshalb sozial wirksam. Mikroarchitektur

kann hier schnell reagieren: temporär, teilpermanent,

adaptierbar. Für Städte ist das attraktiv, weil mit

geringem Eingriff neue Programme erprobt werden

können: von Nahversorgung über Information bis hin

zu Care-Angeboten.

Reversibel, seriell, resilient – warum jetzt?

Kioske sind heute so zeitgemäß, weil sie eine konkrete

Antwort auf drei Druckzonen geben: Klimaanpassung

(Schatten, Aufenthaltsqualität, kurze

Bauzeiten), ökonomische Unsicherheit (kleine Investitionen,

flexible Programme) und den Bedarf an

niederschwelliger sozialer Infrastruktur. Entscheidend

ist dabei weniger das „Objekt“ als das System:

Vorfertigung, modulare Bauteile, trockene Montage,

Rückbau- und Wiederaufbauoptionen.

Der Kiosk als Stadtlabor

Kioske sind keine Randnotiz der Stadtgeschichte,

sondern ein konzentriertes Versuchsfeld für ihre Zukunft.

Im Minimalmaßstab werden hier Fragen verhandelt,

die den öffentlichen Raum insgesamt betreffen.

Wie viel Permanenz braucht Infrastruktur? Wie

viel Offenheit verträgt Öffentlichkeit? Wie lassen sich

Ressourcen sparen, ohne Präsenz zu verlieren?

Die aktuellen Beispiele zeigen, wie der Kiosk heute

über den Verkauf hinaus als sozialer Katalysator,

landschaftlicher Marker oder medizinischer Versorgungsbaustein

wirken kann. Gerade weil er klein ist,

zwingt er zu architektonischer Klarheit – konstruktiv,

funktional und stadträumlich. Wer den Kiosk ernst

nimmt, nimmt die Stadt ernst.

Restauriertes K67-Modul in Berlin-Kreuzberg:

Das 1966 entwickelte, glasfaserverstärkte

System von Saša J. Mächtig zeigt bis heute die

Anpassungsfähigkeit serieller Mikroarchitektur

– hier als Café neu programmiert.

© Joe Clark


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73

RETAILarchitektur

Fotos: Aldo Amoretti

7 Kiosks, Cannes

Heams & Michel Architectes

In Cannes definieren sieben vorfabrizierte Kioske die

Allées de la Liberté als Sequenz fein gesetzter Stadtbausteine.

Trotz unterschiedlicher Funktionen – von

Fast Food über Boule bis Sanitär und Technik – war

eine einheitliche Gestaltung zentral, um einen konsistenten

Look zu erzeugen, den Raum zu strukturieren

und eine klare Identität zu schaffen. Konstruktiv sind

die Kioske als Aluminiumstruktur mit pulverbeschichteten

Paneelen und einer zusätzlichen, netzartigen

Aluminiumhülle gedacht; im Betrieb klappen zwei ge-

genüberliegende Längselemente als Vordächer auf,

unterstützt durch Gasdruckzylinder. Das Spannende

ist die stadträumliche Doppelrolle: Offen werden die

Kioske „zum Ereignis“, geschlossen wirken sie wie

rätselhafte Stadtmöbel; tags moduliert das Maschengeflecht

Licht und Schatten, nachts werden sie zur

Laterne mit umlaufenden Lichtbändern. Vorfertigung

als Trockenbau im Werk reduziert Bauzeit, Störungen

und Abfall – ein Musterbeispiel dafür, wie serielles

Bauen im Kleinen urbane Ästhetik erzeugt. u

Vorgefertigter Aluminiumkiosk mit netzartiger

Doppelfassade auf den Allées de la Liberté

in Cannes: Klappbare Fassadenelemente

transformieren das geschlossene Volumen

tagsüber in einen offenen Pavillon.


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74

RETAILarchitektur

© Ignacio Bandera

Café Leo, Berlin

Sophie & Hans

Der Kiosk auf dem Leopoldplatz in Berlin-Wedding

wird zur sozialräumlichen Infrastruktur: ein Pavillon,

der öffentliche Ordnung durch Sichtbarkeit und Begegnung

stiften will, statt auf Verdrängung zu setzen.

„Selbst der kleinste architektonische Eingriff

kann Veränderungen bewirken“, so die Architekten.

Offenheit und Transparenz machen das Haus zur

Erweiterung des Platzes; soziale Interaktion wird

sichtbar und teilbar. Bemerkenswert ist die konstruktive

Konsequenz: Als temporäre Struktur konzipiert,

setzt das Café Leo auf eine modulare Holzbauweise,

die Abbau und Wiederaufbau an einem anderen Ort

ermöglicht. Reversibilität erscheint hier als gesellschaftliche

Selbstverständlichkeit statt als technisches

Add-on: Architektur bleibt beweglich, weil sich

die Bedürfnisse ändern.

© Bryn Donkersloot

Inklusiver Holzpavillon auf dem Leopoldplatz in Berlin-Wedding: Kiosk, Café und

sozialräumliche Infrastruktur in einem transparenten, modular aufgebauten

Baukörper.

BUCHTIPP

KIOSK – The Last Modernist Booths Across Central and Eastern Europe

Zupagrafika

Das Fotobuch dokumentiert über

150 modernistische Verkaufskioske

in Mittel- und Osteuropa –

darunter ikonische Systeme wie

der K67 von Saša J. Mächtig. Die

Fotografien zeigen aktive, umgenutzte

und verfallende Exemplare

und lesen die Typologie als gebaute

Alltagsgeschichte zwischen

Spätsozialismus und Gegenwart.

Ein Essay und historische Einordnung

rahmen die „letzten modernen

Buden“ als schützenswerten

Teil urbaner Identität.

www.zupagrafika.com/kiosk


www.architektur-online.com

75

RETAILarchitektur

Gesundheitskioske Seltenrain, Thüringen

PASEL-K Architects

In der Dorfregion Seltenrain wandelt sich die Typologie

von der Waren- zur Versorgungsinfrastruktur. Im

Rahmen der IBA Thüringen sind in zentraler Ortslage,

jeweils an Bushaltestellen, fünf Gesundheitskioske

als Teil eines gemeindeübergreifenden Gesundheits-,

Pflege- und Versorgungsnetzwerks entstanden. Die

Kioske sind als eine „architektonische Familie“ konzipiert:

Sie sind zusammenhängend und doch standortspezifisch

gestaltet und tragen durch Experimente

an Dach-, Wand- und Fassadenkonstruktionen zur

Thüringer Holzbaukultur bei. Nachhaltigkeit wird

hier dreifach umgesetzt: Es handelt sich um klimaneutrale,

unbehandelte Holzbauten (inklusive Solarversorgung).

Besonders relevant ist zudem die soziale

Nachhaltigkeit, die durch kollaborative Prozesse

vom offenen Baubüro bis zum gemeinsamen Aufbau

mit den Dorfbewohnern erreicht wurde. Der Kiosk

wird so zum Prototyp einer neuen ländlichen Baukultur:

klein, identitätsstiftend und wirksam.

Teil eines gemeindeübergreifenden

Versorgungsnetzwerks: Der Holzpavillon

bündelt Beratungsraum, Wartebereich und

Mobilitätsinfrastruktur als identitätsstiftender

Baustein im Dorfzentrum.

Fotos: Thomas Müller


architektur FACHMAGAZIN

76

RETAILarchitektur

Fotos: BoysPlayNice

Lesní koupaliště – Waldschwimmbad, Liberec

Mjölk architects

Am historischen „Forest Pool“ in Liberec , Tschechien

wurde der Kiosk zum Ausgangspunkt einer umfassenden

Revitalisierung. Nach einem Brand und

jahrzehntelangem Verfall initiierten lokale Akteure

gemeinsam mit Mjölk architects die Wiederbelebung

der Anlage. Ausgangspunkt war ein einfacher, kosteneffizienter

Holzbau, der Bistro, Servicefunktionen

und Infrastruktur bündelt. Die Konstruktion kombiniert

CLT-Elemente und Holzrahmenbau mit einer

leichten, überkragenden Stahl-Dachstruktur. Diese

integriert offene Funktionen wie Duschen und Umkleiden

wie unter einem schützenden Schirm. Innenund

Außenraum gehen fließend ineinander über und

der Kiosk wird zur Schwelle zwischen Wasser, Wald

und Gemeinschaft. Bemerkenswert ist weniger die

formale Geste als die Umsetzung: phasenweise Realisierung,

partizipative Finanzierung und hohe Reversibilität.

Hier zeigt sich, dass Mikroarchitektur nicht

nur städtische Verdichtung organisieren kann, sondern

auch im Landschaftsraum als minimaler, aber

wirksamer Infrastrukturbaustein funktioniert – klein

im Maßstab, groß in der Wirkung.


www.architektur-online.com

77

| IO02G |

Kompakt, stark,

zuverlässig: die

Beckhoff Stromversorgungen

RETAILarchitektur

Schlanker Pavillon im UNESCO-geschützten

Landschaftsraum der Pétrusse-Schlucht: reversible

Holzbauweise und klare Proportionen als zurückhaltender

Eingriff zwischen Natur und Stadtraum.

Kiosk Parc Pétrusse, Luxemburg

new new / New Architekten

© New Architekten BDA

Im Parc Pétrusse wird Mikroarchitektur als konzentrierter

Eingriff in eine sensible Landschaft beschrieben

– und zugleich als Statement. Michael Weichler

formuliert dazu einen Anspruch, der über die Gestaltung

hinausgeht: Mikroarchitekturen tragen „quasi

keinen Ballast“ und können konzeptuell sowie konstruktiv

frei agieren. Genau darin liege aber auch die

Verpflichtung, den Spielraum zu nutzen, „um Wohltat

oder Stachel im Auge des Betrachters zu sein“. Diese

Haltung macht deutlich, warum der Kiosk heute wieder

relevant wird. Er ist klein genug, um schnell zu

reagieren, und groß genug, um im Stadtraum Position

zu beziehen.

lange Lebensdauer und hohe Zuverlässigkeit durch geringe

Verlustwärme

hoher Wirkungsgrad von bis zu 96,3 % durch optimierte

Konvektionskühlung

ideal für Motion-Anwendungen dank hoher Rückspeisefestigkeit

universell einsetzbare 24/48-V-DC-Geräteserien im kompakten

Gehäuse

Starten von anspruchsvollen Lasten mit kurzzeitiger

Überlastfähigkeit von 150 %

erweiterter Funktionsumfang durch Puffer-, Redundanzmodule

und DC/DC-Wandler

zusätzliche Geräteserie mit EtherCAT-Schnittstellen

Scannen und mehr

über das Portfolio

der Stromversorgungen

erfahren

Halle 27,

Stand G56


architektur FACHMAGAZIN

78

Produkt News

Ein geschwungenes Log50-Profil in grüner Oberflächenlackierung

zieht sich als durchgängiges Lichtband

über das gesamte Obst- und Gemüsesortiment und

akzentuiert diese Zone als eigenständigen Bereich.

Licht, das Produkte lebendig macht

EDEKA zählt zu den bedeutendsten Lebensmittelhändlern Deutschlands. Für die

Standorte in Regensburg und Gaimersheim entwickelt Molto Luce nun ein umfassendes

Retail-Lichtkonzept: Die Projekte verdeutlichen, wie präzise sich die spezifischen

Anforderungen des Lebensmittelhandels durch einen gezielten Einsatz der

passenden Leuchten, Spezial-Lichtfarben und Akzentuierungen einzelner Zonen

im Geschäft erfüllen lassen. Professionelle Lichtplanung führt zu individuellen Konzepten,

die sowohl funktional als auch langfristig wirtschaftlich überzeugen.

Insbesondere im Lebensmittelhandel geht es darum,

die einzelnen Warengruppen bestmöglich zu präsentieren.

Regale und Gänge sind optimal auszuleuchten,

Zonierungen müssen für zusätzliche Orientierung

der Kunden sorgen. Spezial-Lichtfarben spielen im

Frischebereich eine bedeutende Rolle, damit Fleisch,

Fisch, Obst und Gemüse sowie Brot und Backware

besonders authentisch und mit hohem Appetite Appeal

präsentiert werden. Bei Edeka kommen an den

Frischetheken MOVA Einbaustrahler zum Einsatz

-u.a. wird mit der Real Meat Lichtfarbe durch erhöhte

Rotanteile das Fleisch besonders frisch und saftig

dargestellt. Im Tiefkühlbereich sorgen VALO-Pendelleuchten

mit erhöhten Blauwerten für die Wahrnehmung

von Frische und Kühle.


www.architektur-online.com

79

Produkt News

Im EDEKA CENTER REGENSBURG wurden in der

Mall BASIC ABSORBER ROUND mit integrierten BI-

DO-Leuchten an einer 3-Phasen-Schiene montiert,

wodurch eine harmonische Deckenstruktur mit

gleichzeitig akustikverbessernder Wirkung entsteht.

Im Kassenbereich sorgen BAFFELN mit integrierten

MOVA-Strahlern für optimale Ausleuchtung.

Molto Luce GmbH

T +43 (0)7242 698-0

office@moltoluce.com

www.moltoluce.com

Faltscherenläden.

Design trifft

Individualität.

Machen Sie Ihre Fassade

zum architektonischen Highlight.

Unsere patentierten

Faltscherenläden, ausgezeichnet

als Architects’

Choice, vereinen innovative

Technik mit maximaler Gestaltungsfreiheit.

Genießen

Sie Sonne ohne Hitze. Die

verstellbaren Flügel passen

sich dank unserer smarten

Steuerung automatisch dem

Sonnenstand an. Inspired by

the Sun.


architektur FACHMAGAZIN

80

Produkt News

Schalter als

Kommunikationswerkzeug

Schalter gehören zu den meistgenutzten Elementen eines

Raums. Sie werden berührt, ohne wahrgenommen zu werden,

genutzt, ohne hinterfragt zu werden. Dabei sind sie die

Schnittstellen zwischen Menschen und Architektur; sie sind

entscheidende Momente der Interaktion. Gestaltung, Material

und Farbe bestimmen, ob die Bedienung intuitiv, klar oder

vielleicht sogar emotional wirkt.

Euro Unitech Elektrotechnik

Gesellschaft .m.b.H.

T +43 (0)1 662 72 50

office@eurounitech.at

www.eurounitech.at

Nach Kooperationen mit der Ippolito Fleitz Group,

Marie Van Eijk, GRAFT und Komo setzt JUNG die

Schalter-Reihe JUNG UNIQUE nun gemeinsam mit

dem spanischen Kreativstudio Melon Breakers fort.

In der neuen Kollektion JUNG UNIQUE x Melon Breakers

werden Farbe und Form gezielt eingesetzt, um

Funktion sichtbar zu machen, Abläufe zu strukturieren

und Technik verständlich zu übersetzen. Ausgangspunkt

des Gestaltungskonzepts ist das Tangram

– eine universelle, geometrische Formensprache,

die Logik, Klarheit und Kreativität verbindet. Die

Kollektion ist modular angelegt und umfasst unterschiedliche

Farbsysteme – von einfarbigen Akzenten

über mehrfarbige Varianten bis hin zu bewusst kräftigen,

kontrastreichen Kombinationen. Die quadratische

Grundform des JUNG Klassikers LS 990 wird

dabei konsequent weitergedacht und durch ein klar

entwickeltes ikonografisches System ergänzt mit

Symbolen zur Steuerung von Belichtung, Belüftung,

Temperatur und Sound.


www.architektur-online.com

81

Produkt News

Fotos: Bieffe Render

Das Licht der Zukunft

Auf der Light + Building 2026 präsentierte Zumtobel ein Portfolio, das

technologische Präzision mit emotionaler Raumwirkung verknüpft.

LERIMA ist eine skalierbare Lichtlösung, die architektonische

Klarheit, hohen Sehkomfort und technologische

Zukunftssicherheit für moderne Arbeits-

und Lernumgebungen vereint. Die innovative

ECLIPSE-Optik bietet eine homogene Ausleuchtung,

eine sanftere Lichtwirkung und verbessert die Wahrnehmung

bei konzentrierten Tätigkeiten. Das neu

eingeführte mountingGO-Montagesystem vereinfacht

dabei Installation, Wartung und Anpassung der

Lichtlösung erheblich.

Mit der vorgestellten Konzeptstudie MATRIX gehen

die Lichtexperten zudem weit über die Präsenzerkennung

im Büro hinaus: In der Konzeptstudie werden

verschiedene Technologien auf neuartige Weise

in einer Leuchte kombiniert, um Licht gezielt und in

Echtzeit an sich verändernde Tätigkeiten anzupassen.

Dazu werden über 100 LEDs direkt und pixelgenau

angesteuert und das Licht bedarfsgerecht in

verschiedene Richtungen gelenkt.

Und die international etablierte Weltrekord-Lichtdecke

CIELUMA erfährt mit der Sonder-Option „Move“

eine emotionale Evolution. Wo bislang statisches Licht

und optional akustische Funktionen im Mittelpunkt

standen, eröffnet CIELUMA Move eine neue Dimension

räumlicher Inszenierung: organische Bewegung.

Ebenso gezeigt wurde die Erweiterung der PANOS

III - Familie, die neue Maßstäbe in der Individualisierung

setzt. Neue dekorative Elemente für PANOS

R150 (Einbau-, Halbeinbau- und Pendelleuchten)

werden im 3D-Druckverfahren gefertigt. Das macht

auch Sonderlösungen erschwinglich und nachhaltig.

Zumtobel Lighting GmbH

T +43 (0)5572 390-0

info@zumtobel.info

www.zumtobel.com


architektur FACHMAGAZIN

82

Produkt News

Zeit, Außenräume neu zu inszenieren

Mit den ersten milden Tagen verändert sich nicht nur das Stadtbild, sondern

auch die Art, wie Räume genutzt werden. Plätze sind belebter, Terrassen öffnen,

und Außenbereiche werden erneut zu Orten des Austauschs. Auch Büro- und

Verwaltungsgebäude entdecken ihre Außenflächen neu: Dachterrassen, Innenhöfe

oder Vorzonen werden zu informellen Meetingpoints, Rückzugsorten oder

kreativen Arbeitsbereichen im Freien – nicht als saisonales Add-on, sondern als

integralen Bestandteil moderner Arbeitswelten.

Bei der Gestaltung dieser Bereiche setzen Produkte

wie twin oder crona steel Maßstäbe, da sie Funktion

und Gestaltung konsequent verbinden. Der leichte,

stapelbare Kunststoffstuhl twin eignet sich besonders

für flexible Settings auf kleineren Terrassen. In

Kombination mit einem zurückhaltend gestalteten

Bistrotisch entstehen kommunikative Zonen, die sich

mühelos an wechselnde Anforderungen anpassen

lassen. Mit crona steel wiederum wird eine prägnante

Formensprache ins Freie übertragen. Die pulverbeschichtete

Stahlkonstruktion verbindet Stabilität mit

filigraner Wirkung. Unterschiedliche Farboptionen

eröffnen Spielraum für eine präzise Abstimmung auf

Fassade, Materialität und Umgebung.

Selmer GmbH

T +43 (0)6216 20210

info@selmer.at

www.selmer.at


www.architektur-online.com

83

Produkt News

Farbtrends 2026

Die Scouts des Caparol FarbDesignStudios

kürten den intensiven Blauton „Deep Ocean“

zur Interior-Trendfarbe 2026 und stellten

ihm gleich drei variantenreiche Farbwelten

zur Seite – für spannende und hochaktuelle

Farbkompositionen. Das faszinierend tiefe

und zugleich kühle Blau übernimmt dabei

die Hauptrolle in der Trendkollektion für das

kommende Jahr und wird mit 25 fein austarierten

Farbtönen in drei Farbwelten kombiniert:

Jede ist in sich perfekt abgestimmt,

ausgestattet mit dem Potenzial, eigenständige

Farbkonzepte anzustoßen. Die Farbwelten

sind keine geschlossenen Systeme, sondern

offen für gegenseitigen Austausch und lassen

sich vielfach miteinander kombinieren.

Synthesa Chemie

Gesellschaft m. b. H.

T +43 (0)7262 560-0

office@synthesa.at

www.synthesa.at

Nachhaltige Stadtentwicklung

mit Begrünungssystemen vom Marktführer

Zunehmender Flächenversiegelung

entgegenwirken, Regenwasser

regulieren, die Kanalisation entlasten,

das Stadtklima verbessern und

Aufenthaltsorte zum Wohlfühlen

schaffen.

OPTIGRÜN macht’s möglich!

Optigrün international AG | optigruen.at


architektur FACHMAGAZIN

84

Produkt News

Nutzdach als drittes Geschoss

Oben Spiel- und Grünflächen, darunter Nahversorgung im Ortskern: Beim Neubau

des EUROSPAR in Rohrbach-Berg wurde die Dachfläche als nutzbare Ebene in das

Gesamtkonzept integriert. Anlass war eine baurechtliche Vorgabe, wonach Verkaufsflächen

über 800 m² um ein „drittes Geschoss“ mit zusätzlichem Nutzwert

ergänzt werden sollten. Im konkreten Fall wurde das Dach an das benachbarte

Schulgelände angebunden und als Freizeit- und Grünfläche ausgebildet.

Hohe Anforderungen an

Konstruktion und Ausführung

Das Projekt entstand unter komplexen Rahmenbedingungen.

Neben einem Provisoriumsmarkt, dem

Abbruch des Bestands, einer Tiefgarage sowie laufenden

logistischen Abstimmungen mit Nachbarn

und Gemeinde stellte auch der Baugrund eine Herausforderung

dar: Statt der erwarteten Bodenverhältnisse

traf man auf Mühlviertler Granit, wodurch

Sprengarbeiten erforderlich wurden.

Besondere Anforderungen ergaben sich aus der Nutzung

der Dachfläche selbst. Das Dach in Stahlbetonbauweise

wurde für hohe Lasten ausgelegt. In Teilbereichen

kamen bis zu 80 cm Substrataufbau sowie

zusätzliche Fundamente für Spielgeräte zur Ausführung.

Entsprechend sensibel waren alle Durchdringungen

und Befestigungspunkte zu behandeln, um

die Abdichtung dauerhaft zu sichern.


www.architektur-online.com

85

Produkt News

Fachdialog

Fassadenplanung

„Zukunft Fassade“

am 21. April 2026

auch im YouTube-Livestream

Informationen und Anmeldung:

www.next-studio.de

Durchgängige Planung des Dachaufbaus

Gerade bei genutzten Dächern ist die Abstimmung

zwischen den Gewerken wesentlich. Beim Projekt

in Rohrbach-Berg wurde der Dachaufbau daher als

durchgängiges System geplant – von der Dampfsperre

und Wärmedämmung über die wurzelfeste

Abdichtung bis hin zum Schichtaufbau für Schutz,

Dränage, Filterung und Vegetation.

Aus planerischer Sicht bietet ein solcher Systemansatz

vor allem Vorteile bei der Schnittstellenkoordination,

der Dokumentation und der Zuständigkeit im

Ausführungsprozess. Das kann dazu beitragen, Risiken

in Planung, Ausführung und Betrieb zu reduzieren.

BESTAND

NEU

DENKEN.

Retentionsleistung und

mikroklimatischer Beitrag

Neben der Nutzung als Aufenthaltsfläche übernimmt

das Dach auch eine wasserwirtschaftliche Funktion.

Die Kombination aus intensiver und extensiver Begrünung

dient als Retentionsfläche und trägt dazu bei,

Niederschlagswasser temporär auf dem Dach zurückzuhalten.

Darüber hinaus kann die Begrünung einen

Beitrag zum Mikroklima im Ortszentrum leisten.

Bauder GesmbH

T +43 (0)7229 69130-0

info@bauder.at

www.bauder.at

Das Projekt in Zahlen

4.364 m² Dachfläche

2.376 m² Intensiv-Gründach: 90 % Starkregenrückhalt

1.302 m² Extensiv-Gründach: 70 % Starkregenrückhalt

1.930 m² Nutzfläche EUROSPAR Markt

Jetzt Dachgespräch lesen!

Systemaufbau

Dampfsperre: Bauder Super AL-E PLUS 40

Dämmung (Plan/Gefälle): BauderPIR FA + BauderPIR FA G20

Abdichtung (2-lagig, wurzelfest): BauderTEC KSA DUO 40 /

Bauder EP 4 WSB TF / BauderPLANT E

Schutz-/Drän-/Filter-/Vegetationsaufbau:

BauderGREEN FSM 600 / DSE 40 / FV 125 / CL-I

Tiefgarage (unter Asphalt, zweilagig):

BauderPONT EP 5 GA

NACHHALTIGE

TRANSFORMATION

Am Wiener Julius-Tandler-Platz wurde das Bürogebäude

„Francis“ nicht abgerissen, sondern gezielt saniert,

aufgestockt und energetisch optimiert. Zentrales Element

sind die angepassten Verbundfenster WICLINE 115 AFS

mit integrierter Verschattung und klarer Fassadenstruktur.

Zur nachhaltigen Transformation tragen Aluminiumprofile

aus Hydro CIRCAL 75R bei – mit mindestens 75 %

recyceltem End-of-Life-Material. Eine Lösung, die

architektonische Präzision, technische Leistungsfähigkeit

und Klimaschutz verbindet.

www.wicona.at


architektur FACHMAGAZIN

86

Produkt News

Fotos: DELVA Landscape Architects

Vom Strand aufs Gründach

Mit dem Projekt SILT ist im belgischen Middelkerke ein Bauwerk entstanden,

das die Grenzen zwischen Architektur und Landschaft auf eindrucksvolle

Weise auflöst. Direkt an der Nordseeküste gelegen, erhebt sich der markante

Neubau des Casino- und Veranstaltungsensembles, dessen begehbare Dachfläche

die Topografie der umliegenden Dünen aufgreift und sie für Besucherinnen

und Besucher erlebbar macht.

Die extensive Dachbegrünung ist dabei weit mehr

als ein gestalterisches Element. Sie übernimmt

wichtige ökologische und klimatische Funktionen

und ist integraler Bestandteil des nachhaltigen Gesamtkonzepts.

Durch ihre Wasserspeicherfähigkeit

trägt sie zur Retention von Niederschlägen und zur

verzögerten Ableitung bei. Gleichzeitig verbessert

die Vegetationsschicht das Mikroklima, reduziert

die Aufheizung der Oberflächen und unterstützt

die Einbindung des Baukörpers in das sensible Küstenökosystem.

Das Projekt zeigt, wie Dachflächen zu

identitätsstiftenden Orten werden können – als begehbare

Landschaften, die Mehrwert für Stadt, Klima

und Gesellschaft schaffen.

Optigrün international AG

T +43 (0)7 20111-310

info@optigruen.at

www.optigruen.at


www.architektur-online.com

Traumhaus für

Architekt:innen

In einem sanierungsbedürftigen Wohnhaus

von 1976 erkannte ein Architekt:innenpaar

das Haus ihrer Träume und verwandelte

es in ein modernes Familiendomizil. Großflächige,

bodentiefe Fenster – tief in die

Dämmebene eingelassen – sorgen nun für

lichtdurchflutete Räume. Anthrazitfarbene

Aluminiumrahmen und außenliegende Raffstoren

von Warema in der Farbe der Fensterprofile

ergänzen das minimalistische Design.

Die Warema Produkte ließen sich dafür in ein

bereits vorhandenes Smart Home System

integrieren – ebenso der einzige Rollladen

im Schlafzimmer. Und die großzügige Südterrasse

mit Pool wird von einer 5 x 7 Meter

großen Warema Kassetten-Markise Terrea

K70 verschattet. Ein Volant-Rollo schützt

zusätzlich vor der tiefstehenden Sonne.

WAREMA Austria GmbH

T +43 (0)662 853015-0

info@warema.at

www.warema.at

87

Produkt News

JETZT

BERATEN

LASSEN!

Die unsichtbare

Dachkante für moderne

Architektur

Wenn Design und Funktion präzise verschmelzen,

entsteht moderne Architektur

DURCHDACHTES SYSTEM MIT

LANGLEBIGER QUALITÄT

RoofEtics ® setzt neue Maßstäbe in der Gestaltung moderner

Gebäude: Klare Linienführung trifft auf ausgereifte

Technik. Die einzigartige Dachkante ermöglicht es,

kubische Architektur kompromisslos und ästhetisch umzusetzen.

❯❯ Für weitere Informationen besuchen

Sie unsere RoofEtics ® Website. ❮❮

www.roofetics.at

roefix.com


architektur FACHMAGAZIN

88

Produkt News

Nachhaltige Transformation

Im Zuge der Quartiersentwicklung am Wiener Julius-Tandler-Platz wurde das

Bürogebäude „Francis“ nicht abgerissen, sondern transformiert. Der zuvor

monofunktionale Bürobau aus den 1970er-Jahren wurde im Rahmen der Quartiersentwicklung

nach einem Konzept der ARGE Josef Weichenberger Architects ZT

GmbH / Delugan Meissl Associated Architects zu einem offenen, städtisch integrierten

Gebäude umgestaltet.

Fotos: Mediashots

Prägendes Element dabei sind die rund 4.800 m²

Verbundfenster im dritten bis siebten Obergeschoss

– basierend auf einer projektspezifisch angepassten

Ausführung des Systems WICLINE 115 AFS. Die Konstruktion

kombiniert einen Innen- und Außenflügel

– in der Kavität ist ein motorisierter Sonnenschutz integriert.

Die flächenbündige Nurglasoptik unterstützt

das klare, horizontale Fassadenbild und erzeugt eine

homogene Gesamtoptik. Die gewählten Verbundfenster

erfüllen höchste Anforderungen an den Wärme-

und Schallschutz. Zudem sichern sie eine hohe

Energieeffizienz. Darüber hinaus tragen die Aluminiumprofile

aktiv zur Verbesserung der Klimabilanz bei.

Sie bestehen aus Hydro CIRCAL 75R – einer Aluminiumlegierung

mit mindestens 75 % End-of-Life-Material

und einem CO 2 -Fußabdruck von nur 1,9 kg CO 2 pro

Kilogramm Aluminium.

Hydro Building Systems Austria GmbH

T +43 (0)6212 20000

info@wicona.at

www.wicona.at


www.architektur-online.com

89

Produkt News

Historisches Erbe trifft modernen Komfort

Die historische Art-déco-Glasfassade des ehemaligen Designstudios Wilmotte &

Industries in Paris betont die Eleganz des Gebäudes. Bei der Sanierung des Ensembles

wurde nun eine Brücke zwischen dem baukulturellen Erbe und modernen Anforderungen

an Komfort, Nutzung und Langlebigkeit geschlagen.

Durch die Neuverglasung mit FINEO Vakuumisolierglas

konnte ein zeitgemäßer bauphysikalischer

Standard erreicht werden, ohne die bestehende Unterkonstruktion

zu verändern. Die zentrale Innovation

der FINEO-Verglasung liegt in dem versiegelten, vakuumierten

Raum von nur 0,1 Millimetern Dicke zwischen

zwei Glasscheiben, der sowohl eine sehr hohe

Energieeffizienz als auch eine bislang unerreichte

Schlankheit ermöglicht. Dies sorgt für eine hervorragende

Wärmedämmung mit einem Ug-Wert von 0,7

W/(m²K) bei einer Gesamtdicke von lediglich 6,7 Millimetern

in der Minimalversion, gleiches gilt für den

Schalldämmwert Rw, der in den Standard-Konfigurationen

36 Dezibel und in der Verbundglasausführung

mit dem Schallschutzglas Stratophone von AGC bis

zu 45 Dezibel erreicht.

FINEO by AGC

www.fineoglass.eu

www.agc-yourglass.com


architektur FACHMAGAZIN

90

Produkt News

Fotos: skarDaRiz courtesy KUP-ARCH Architekten

Monolithische Schutzhülle

In der alpinen Topografie Südtirols ist Architektur oft ein Balanceakt zwischen

funktionaler Notwendigkeit und landschaftlicher Integration. Das neue

Zivilschutzzentrum für vier Rettungsorganisationen in Sarnthein, entworfen

vom Büro KUP-ARCH, löst dieses Spannungsfeld durch eine klare Formsprache

und eine außergewöhnliche Materialität auf.

Dominierendes Element ist die markante Hülle

aus dunkelgrauen Zinkblechen. Diese verleiht dem

Volumen eine monolithische Stärke, die durch ein

prägnantes, individuell gestaltetes Muster aufgebrochen

wird. Ein technisches wie ästhetisches

Highlight sind die integrierten Faltscherenläden

von Griesser (Modell SL Slim). Diese wurden maßgefertigt

und mit dem spezifischen Designmuster

der Fassade versehen. Im geschlossenen Zustand

verschmelzen sie nahezu unsichtbar mit der Gebäudehülle.

Im geöffneten oder teilgeöffneten Zustand

rhythmisiert die motorisierte Beschattung die Fassade

und verleiht dem Baukörper eine plastische

Tiefe. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie moderne

Schutzbauten durch intelligente Details und hochwertige

Sonnenschutzlösungen sowohl technische

Höchstleistung als auch architektonischen Anspruch

erfüllen können.

Griesser Austria GmbH

T +43 (0)5525 64222-0

info@griesser.at

www.griesser.at


www.architektur-online.com

91

Produkt News

Klare Kante

Das 2024 fertiggestellte Wohn- und Geschäftshaus Rohner in

Schwarzach (Vbg.) zeigt, wie der Übergang zwischen Dach

und Fassade als feine, durchgehende Linie ausgebildet

werden kann. Erstmals in Österreich wurde dort das Fassadendachkanten-System

RoofEtics® umgesetzt, bei

dem die sonst übliche Dachrandabdeckung aus Blech

entfällt. Dadurch bleibt die Fassadenfläche optisch

ungestört und die Geometrie des Baukörpers tritt

klarer hervor. Das unterstützt eine ruhige, reduzierte

Architektursprache, die ohne sichtbare

Fremdmaterialien am Dachrand auskommt.

Herzstück des Systems ist das dreiteilige,

patentierte ProAttika Profil. Es ist ideal auf

RÖFIX EPS-Fassadendämmsysteme abgestimmt

und mit Mineralwolle sowie PURoder

PIR-Dämmplatten kompatibel. Der

Übergang vom Dach zur Fassade ist hinterlaufsicher

und wärmebrückenfrei. Die

Ausführung erfolgt gewerksübergreifend

durch zertifizierte RoofEtics® Fachpartner:

Der Fassadenbauer integriert das System

in die Fassade, während der Dachdecker

den dichten und sicheren Anschluss an

das ProAttika Profil gemäß Vorgaben erstellt.

Dieser Ablauf gewährleistet Qualität

und Sicherheit und macht aus einer

architektonischen Vision eine langlebige

Lösung, die sich nahtlos in bestehende

Bauprozesse integriert.

RÖFIX AG

T +43 (0)5522 41646-0

office.roethis@roefix.com

www.roefix.com


architektur FACHMAGAZIN

92

Produkt News

Ziegel „sourced in Vienna“

Der Wiener U-Bahn-Ausbau schreibt Nachhaltigkeitsgeschichte: Durch ein Pilotprojekt

der Wiener Linien und wienerberger konnte für das Aushubmaterial der

Verlängerung der U2 eine Innovation für nachhaltiges Bauen entwickelt werden.

Der Ton aus dem U-Bahn-Bau wird für die Herstellung

von hochwertigen Ziegeln verwendet. Insgesamt

werden so aus dem bisherigen Aushub 2,8 Millionen

Stück “U-Bahn-Ziegel“ in den wienerberger-Werken

in Hennersdorf bei Wien und in Göllersdorf (NÖ)

produziert, die ab Mai im regulären Baustoffhandel

erhältlich sein werden und für sämtliche Bauprojekte

einsetzbar sind.

Das Pilotprojekt verdeutlicht, wie urbane Kreislaufwirtschaft

funktionieren kann. Das Aushubmaterial,

konkret aus der Verlängerung der U2 bis zum Matzleinsdorfer

Platz, wird nicht deponiert, sondern als

wertvoller Rohstoff genutzt: Das qualitativ hochwertige

Material wird zentral über den Matzleinsdorfer

Platz ausgehoben, zu den beiden wienerberger Ziegelwerken

transportiert und wie herkömmlicher Ton

zu Ziegeln weiterverarbeitet. Bisher wurden 35.000 m 3

hochwertiger Wiener Ton von der Tunnelvortriebsmaschine

„Debohra“ ausgegraben und an wienerberger

übergeben.

Wienerberger AG

T +43 (0)1 60192-0

office@wienerberger.com

www.wienerberger.at


www.architektur-online.com

Messbare Schritte in

Richtung Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit bleibt für Baumit auch in wirtschaftlich

herausfordernden Zeiten ein zentrales Handlungsfeld.

Messbare Fortschritte wurden unter

anderem durch den verstärkten Einsatz von Recyclingmaterialien,

neue Verfahren in der Bindemittelproduktion

sowie den weiteren Ausbau energieeffizienter

Produktionsprozesse erzielt. Unter dem

Nachhaltigkeitsdach „GO2morrow“ bündelt das Unternehmen

seine Aktivitäten in den Bereichen ökologische,

ökonomische und soziale Verantwortung. Der

Ansatz reicht dabei über das Produkt selbst hinaus

und nimmt zunehmend auch Fragen der Kreislaufwirtschaft

in den Blick.

Im Fokus stehen Konzepte für geschlossene Materialkreisläufe

entlang des gesamten Lebenszyklus

– von der Herstellung über die Nutzung bis zum

Rückbau. Erste Projekte im Rahmen von GO2morrow

zeigen, wie sich Kreislaufwirtschaft im Baustellenalltag

praktisch umsetzen lässt.

Ein weiterer Baustein folgt im Frühjahr 2026 mit

dem Rücknahme- und Recyclingkonzept „Recyceln

statt kübeln“. Ziel ist es, die Entsorgung restentleerter

Kübel für Verarbeiter deutlich zu vereinfachen.

93

Fassader und Maler sammeln leere Kübel inklusive

Deckel direkt am Lager. Die gebündelt erfassten

Gebinde werden in kompletten LKW-Ladungen an

ARAplus übergeben, dort aufbereitet und anschließend

wieder in den Recyclingprozess zurückgeführt.

Das reduziert den Entsorgungsaufwand und schont

zugleich Ressourcen.

Produkt News

Baumit GmbH

T +43 (0)501 888-0

www.baumit.com

Alperia Merano - © OskarDaRiz

Fassaden jenseits jeder Vorstellung

Jedes Projekt bekommt sein eigenes Gewand. Wir realisieren atemberaubende Fassaden mit hohem technologischem

Anspruch, die die Grenzen jeder Vorstellung sprengen. Die Zukunft ist jetzt. www.pichler.pro


architektur FACHMAGAZIN

94

Produkt News

Außenwand mit Kassette, vorgesetzter Wärmedämmung und Planum®-Fassade

Schneller Leichtbau für die Logistik

Um die Produktionsstätten zur Getränkeherstellung und -lagerung vor Regen

und Schnee zu schützen, erhielten 25 Projekte des Getränkeunternehmens

Starzinger an unterschiedlichen Standorten bereits wetterfeste Gebäudehüllen

aus DOMICO Bausystemen.

Und auch für sein neues Logistikzentrum am Stammsitz

in Frankenmarkt/Oberösterreich setzte das

Unternehmen wieder auf die Leichtbauweise mit

DOMICO Dach- und Fassadensystemen, mit denen

die hohen Anforderungen an die Statik sowie den

Schall- und Brandschutz erfüllt werden konnten: Das

neue Starzinger-Logistikzentrum erhielt mit 4.200

m² Element-Dach, 3.700 m² Planum®-Fassaden und

4.425 m² Kassetten von DOMICO den Raum und

Schutz, um zahllose Getränkepaletten für den Versand

in über 40 Länder sicher zu managen.

DOMICO erzeugt an vier Produktionsstandorten

hochwertige Dach-, Hallen- und Fassadensysteme

aus Metall: Jedes Projekt wird dabei individuell geplant

und gefertigt. Aktuell werden so jährlich 20.000

Tonnen Metall für die unterschiedlichen Dach- und

Fassadensysteme verarbeitet.

DOMICO Dach-, Wandund

Fassadensysteme KG

T +43 (0)7682 2671-0

office@domico.at

www.domico.at


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Produkt News

Versickern mit Stil

Versickerungsflächen müssen nicht langweilig aussehen: Der

Pflastersteinhersteller Friedl Steinwerke bietet ein umfassendes

Angebot an Pflastersteinen mit aufgeweiteten Fugen, die

das Planen optisch ansprechender hydroaktiver Flächen erlauben.

Etwa die Rasenplatte Verso mit ihren diagonal verlaufenden

Betonstreifen und die Rasenplatte Verde mit horizontal

verlaufenden Betonstreifen sind besondere Blickfänge. Neu

entwickelt wurde eine Gehstreifenplatte, die mit der Rasenplatte

Verde ideal kombiniert werden kann und das Markieren

von Autoabstellflächen einfach macht. Oder das neue Arret

Öko B20 VG4 Kombipflaster: Ein Sickerpflaster mit integrierten

12 mm Abstandsnoppen und Verschiebesicherung VG4.

Für die Kombipflaster werden dabei automatisch mehrere Steingrößen

geliefert, was ein abwechslungsreiches Fugenbild erzeugt.

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Exoskelette

Exoskelette

Smarte Power fürs Bauhandwerk

Tragbare Hebe- und Montagehilfen, so genannte Exoskelette, können Bauhandwerker

bei Über-Kopf-Arbeiten oder beim Heben von Lasten unterstützen.

Welche Exoskelette gibt es, was können sie und worauf sollte man bei

der Auswahl achten?

Text: Marian Behaneck

Zum Berufsbild von Bauhandwerkern gehören

körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten.

Der Transport und die Montage von Mauersteinen,

Fenstern, Heizkörpern oder Sanitärobjekten,

das Klopfen oder Fräsen von

Schlitzen, die Arbeit mit schweren Geräten

oder Werkzeugen – häufig über Kopf – beanspruchen

Schultern, Nacken, Rücken,

Muskeln und Gelenke. Eine ständige, sich

immer wiederholende Belastung dieser Körperpartien

kann sich langfristig negativ auf

die Produktivität auswirken, zu krankheitsbedingten

Fehlzeiten und gesundheitlichen

Schäden führen. Eng am Körper getragene

Hebe-, Trage-, Montage- und Arbeitshilfen,

sogenannte Exoskelette („Außenskelette“),

versprechen Abhilfe.

Welche Exoskelette gibt es

und was können sie?

Exoskelette sind künstliche Hebe- und Tragehilfen,

die man sich wie einen Rucksack

umschnallen kann. Sie verstärken, stützen

und entlasten das Skelett und den Muskelapparat

und verhindern eine Überbelastung.

Die künstlichen Hebehilfen wiegen

zwischen ein bis fünf Kilogramm, sind für

10 bis 40 Kilogramm schwere Lasten oder

mehr ausgelegt und entlasten Muskelpartien

zwischen 20 bis 75 Prozent, je nach

Hersteller und System. Über verstellbare

Gurte und Manschetten werden sie mit

Armen, Schultern, Brust und Rücken sowie

den Oberschenkeln verbunden und lassen

sich an unterschiedliche Körpergrößen

anpassen. Polster sorgen für eine gleichmäßige

Verteilung der Lasten und beugen

Druckstellen vor. Je nach System, werden

unterschiedliche Körperteile wie Schulter,

Rücken, Beine, Ellenbogen, Handgelenke

oder Finger unterstützt. Am weitesten verbreitet

sind schulter- oder rückenunterstützende

Exoskelette. Unterschieden werden

Passive oder aktive Hebe- und Montagehilfen können den Arbeitsalltag erleichtern. © Htrius

passive und aktive Exoskelette, sowie Hybridsysteme.

Passive Systeme funktionieren

mit der Kraft elastischer Bänder, mechanischer

Federn oder Gasdruckfedern auch

ohne Energiezufuhr. Sie sind leicht, kompakt

und wartungsarm. Nur aus elastischen

Materialien bestehende Soft-Exoskelette

können auch unter der Arbeitskleidung getragen

werden, unterstützen allerdings keine

Über-Kopf-Arbeiten. Aktive Exoskelette

werden elektrisch oder pneumatisch angetrieben

und sind leistungsfähiger. Den

Strombedarf liefern Akkus, die Stärke der

Unterstützung wird manuell oder automatisch

geregelt. Einige erkennen KI-gestützt

Arbeitsabläufe automatisch und passen die

Unterstützung des Trägers in Echtzeit an.

Werden aktive Exoskelette mit dem Internet

der Dinge (IoT) vernetzt, lassen sich Aktivitäten

und Belastungswerte für statistische

Zwecke zur Analyse der geleisteten Arbeit

oder für die Abrechnung von Tätigkeiten

auswerten. In Industrie 4.0-Umgebungen

können sich einige Exoskelette mit Maschinen

oder Anlagen vernetzen, um mit ihnen

zu interagieren und so die Effizienz von Arbeitsabläufen

zu steigern.

Exoskelette in der Praxis

Der Einsatz von Exoskeletten empfiehlt

sich prinzipiell an allen nicht-stationären

Arbeitsplätzen und für Tätigkeiten, die auf

Über-Kopf-Arbeiten oder das Heben und

Tragen schwerer Lasten fokussiert sind –

und die gleichzeitig den Einsatz von technischen

Hilfsmitteln wie Galgenkränen,

Hubwagen oder Hubtischen ausschließen,

etwa aufgrund enger Bau- oder Montage-


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Exoskelette

Insbesondere schwere Über-Kopf-Arbeiten können Exoskelette

aktiv oder passiv unterstützen und Überlastungen vorbeugen.

© Festool

Aktive Systeme bieten eine motorische Unterstützung, sind aber

voluminöser und benötigen einen Akku. © Suitx/Ottobock

räume. Entscheidend für die Akzeptanz

von Exoskeletten in der Praxis sind ein geringes

Gewicht, kompakte Abmessungen,

eine einfache Handhabung und ein guter

Tragekomfort, auch im Sommer. Beachten

sollte man dabei, dass Scheuerstellen an

Gurten, Manschetten oder Auflageflächen

erst nach längerem Gebrauch auftreten.

Arm- oder Beinmanschetten oder das komplette

Exoskelett sollten außerdem schnell

an- und ausgezogen werden können, pflegeleicht

oder waschbar sein. Es sollte sich

an individuelle Körperproportionen und Anforderungen

des Nutzers flexibel anpassen

lassen und eine gute, individuell dosierbare

Unterstützung bieten. Da das Anlegen und

die individuelle Einstellung „Rüst-Zeit“ erfordert,

ist ein eigenes System für jeden

Mitarbeiter empfehlenswert. Beim Gehen,

Treppen steigen, beim Heben und Arbeiten

sowie auf Leitern oder Gerüsten sollte

das Exoskelett den Träger nicht behindern

und auch durch enge Türen oder Durchgänge

passen, ohne anzuecken oder hängen

zu bleiben. Dies gilt insbesondere für

die voluminöseren aktiven Systeme. Hier

sollte man auch darauf achten, dass das

Gesamtgewicht nicht zu hoch ist und dass

der Akku möglichst lange durchhält. Im Außenbereich

kommt es zusätzlich darauf an,

dass die Konstruktion unempfindlich gegen

Nässe und Feuchtigkeit ist.

Exoskelette – pro und kontra

Laut Statistiken kommen in der Baubranche

Verletzungen vor allem an Schultern

und Oberarmen, Rumpf, Rücken und Wirbelsäule

vor. Körperliche Fehlbelastungen

beim Heben und Tragen im Beruf führen

zu Muskel- und Skeletterkrankungen und

sind in Deutschland für über 20 Prozent aller

krankheitsbedingten Fehlzeiten verantwortlich.

Exoskelette können dem vorbeugen

und dafür sorgen, dass arbeitsbedingte

Muskel-Skelett-Erkrankungen erst gar

nicht entstehen, krankheitsbedingte Ausfallzeiten

minimiert werden und Beschäftigte

gesund bleiben. Außerdem bieten technische

Assistenzsysteme Arbeitnehmern mit

Handicaps, nach Krankheiten oder Unfällen

Chancen für eine (Wieder-)Eingliederung

ins Berufsleben. Auch vor dem Hintergrund

des Fachkräftemangels und des demographischen

Wandels gibt es einen Bedarf,

Arbeiten auf dem Bau bequemer, angenehmer

und attraktiver zu gestalten. Aktuelle

Studien zur Wirksamkeit von Exoskeletten

zeigen allerdings ein zweigeteiltes Bild:

Während biomechanische Kurzzeitstudien,

beispielsweise der ETH Zürich oder der TU

Graz signifikante Entlastungen der Arbeitenden

belegen, fehlen bisher belastbare

Nachweise für eine langfristige präventive

Wirkung gegen Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Da erhöhte Belastungen an einer Stelle

meist an einer anderen Stelle wieder in den

Körper eingeleitet werden, besteht die Gefahr,

dass Überlastungen, Muskel-, Skelettoder

Gelenkschäden lediglich verlagert

werden. Insbesondere aktive Exoskelette

befähigen den Träger, mehr zu leisten – beispielsweise

sehr schwere Lasten zu heben.

Deshalb sehen Berufsgenossenschaften

die Gefahr eines missbräuchlichen und gesundheitsschädigenden

Einsatzes. Explizit

hingewiesen wird auch auf mögliche Unfallgefahren

durch Kollisionen, Hängenbleiben

oder Fehlfunktionen.

u


architektur FACHMAGAZIN

Produktbeispiele

Zahlreiche Hersteller offerieren auch für

das Bauhandwerk geeignete Exoskelette

(siehe Infokasten). Die folgenden Absätze

stellen ausgewählte Produkte beispielhaft

vor. Die Preise liegen, je nach System, zwischen

2.500 und 15.000 Euro (zzgl. MwSt.),

bei aktiven Systemen auch mehr. Der Handel

bietet teilweise auch kostenlose und unverbindliche

Tests oder Geräte-Mieten an.

Exia von German Bionic ist ein robustes,

staub- und wasserdichtes, KI-gestütztes

Exoskelett, speziell für den industriellen

Einsatz und die Logistik entwickelt. Es entlastet

den unteren Rücken bei Hebevorgängen,

Tragen und in vorgebeugter Haltung

mit bis zu 38 kg. Das System passt sich per

KI in Echtzeit an den Nutzer an und lernt

aus den Bewegungsdaten. Eine Cloud-basierte

Analyseplattform ermöglicht ergonomische

Auswertungen, das Monitoring von

Aktivitäten sowie das Flottenmanagement.

Exo-S von Hilti ist ein passives, ca. 2,2 Kilogramm

leichtes Schulter-Exoskelett für

Über-Kopf- und Wandarbeiten im ganztägigen

Einsatz. Die Unterstützung des Exoskeletts

kann per Knopf-Drehung eingestellt

werden. Das praxisorientierte Design vereinfacht

das Tragen, Einstellen und Reinigen.

Eine optionale Nackenstütze bietet

zusätzliche Entlastung bei besonders anspruchsvollen

Über-Kopf-Arbeiten.

Exo Active von Festool ist ein aktives, mit

einem 18 Volt-Akku betriebenes Exoskelett,

das sowohl Über-Kopf-Arbeiten als auch

Arbeiten an der Wand, beispielsweise das

Stemmen von Schlitzen oder die Wandmontage

von Sanitärobjekten unterstützt.

Die Unterstützungskraft kann exakt auf die

jeweilige Tätigkeit angepasst werden und

soll die Schultermuskulatur um bis zu 30

Prozent entlasten. Per App lässt sich das

ExoActive individuell einstellen.

IX Back Air von Suitx/Ottobock entlastet

die untere Rückenpartie des Trägers bei

körperlich fordernden Tätigkeiten Herstellerangaben

zufolge um bis zu 15 Kilogramm

pro Hebevorgang und reduziert Belastun-

98

gen um bis zu 75 Prozent. Das 4,8 Kilogramm

leichte aktive Exoskelett ermöglicht

ein schnelles An- und Ablegen in 30 Sekunden

und erkennt dank intelligenter Sensorik,

wie sich der Körper bewegt und unterstützt

diesen zielgerichtet.

OmniSuit vom schweizerischen Hersteller

Auxivo ist ein passives Mehrzweck-Exoskelett,

das sowohl Arme und Schultern als

auch den Rücken unterstützt. Damit eignet

sich die ca. 3 Kilogramm leichte, flexible Lösung

für Über-Kopf-Arbeiten ebenso wie

für das Heben und die Montage beispielsweise

WCs oder Waschbecken. Herstellerangaben

zufolge werden Schultermuskeln

um 40 Prozent, Rücken und Hüfte um 45

Prozent entlastet.

Auswahl und Einführung

Vor der Auswahl und Einführung sollte geprüft

werden, ob man das Arbeitsumfeld

auch mit anderen Maßnahmen ergonomischer

gestalten kann. Auch organisatorisch

lassen sich körperliche Belastungen reduzieren,

zum Beispiel mit einer Beschränkung

der Tätigkeitsdauer oder einer Verteilung

auf mehrere Mitarbeiter. Erst dann,

wenn technische und organisatorische

Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg

bringen, sollten Exoskelette eingeführt

werden. Ein wichtiges Auswahlkriterium ist

die Frage, welche Körperregion unterstützt

werden soll, denn die meisten Systeme

sind entweder für das Heben/Tragen oder

für Über-Kopf-Arbeiten optimiert, aber

nicht für beides gleichzeitig. Die Auswahl

des passenden Modells unterstützen mittlerweile

diverse Leitfäden, z.B. [1], [2] und

Web-Portale. Eine finanzielle Förderung

von Exoskeletten im gewerblichen Bereich

gibt es im Gegensatz zu Frankreich, den

Niederlanden oder Deutschland hierzulande

nicht. Vereinzelt bieten aber Organisationen,

wie zum Beispiel die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt

(AUVA) oder der

TÜV Austria Informationen, Auswahl- und

Einführungshilfen.

Exoskelette

Je nach System und Hersteller unterstützen

Exoskelette unerschiedliche Körperpartien

und Arbeitshaltungen. © Noonee/Carl Stahl

Entscheidend für die Akzeptanz durch die

Mitarbeiter sind unter anderem ein schnelles

An- und Ablegen, das Gewicht, der Tragekomfort

… © Auxivo

… sowie kompakte Abmessungen, damit man

beim Arbeiten in beengten Verhältnissen

oder auf Gerüsten nicht hängen bleibt. © Hilti

Hersteller, Literatur- und Linktipps

https://laevo-exoskeletons, www.auxivo.com, www.comau.com, www.eksobionics.com,

www.ergosante.fr/de, www.festool.at, www.germanbionic.com, www.gobio-robot.com,

www.herowearexo.com, www.hilti.at, www.htrius.com, www.hunic.com, www.noonee.com,

www.rb3d.com, www.skelex.com, www.suitx.com, www.sunaro.de

[1] Amato, P.: Exoskelette im Handwerk, Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk, Berlin, 2023

[2] DGUV (Hrsg.): Mensch und Arbeitsplatz – Auswahl und Einsatz von Exoskeletten,

DGUV-Information 208-062, Berlin, 2025

www.exoskelette.com

www.orthexo.de

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