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Spielerische Allianzen

ISBN 978-3-422-80427-2

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Spielerische Allianzen

Bernsteinpolitik und

­höfische Kultur in

der Frühen Neuzeit

Herausgegeben von Fritz Backhaus,

Wolfgang Cortjaens und Thomas Weißbrich

für das Deutsche Historische Museum

Deutscher

Kunstverlag


Inhalt

6 Fritz Backhaus Vorwort

8 Wolfgang Cortjaens und Thomas Weißbrich Spielerische

Allianzen. Überlegungen zum Königsberger Bernstein-

Brettspielkasten des DHM

Kapitel 1

Spieltheorie, Wirtschafts- und Militärgeschichte

26 Mathias Herrmann Von Schachmatt bis LevelUP. Rolle und

Bedeutung des Spiels in der Gesellschaft

36 Ulrich Schädler Die Brettspielkassette. Eine erfolg- und

einflussreiche Erfindung im Spieledesign

53 Markus Laufs „… einer ernsten und rechtschaffenen

Feld=Schlacht sinreiche und lustige Abbildung“. Bilder von Krieg,

Militär und Gewalt in Augusts Das Schach= oder König=Spiel

69 Thomas Weißbrich Waffenhandlung. Schachspiel und

Kriegführung um 1600

84 Wolfgang Cortjaens Ein Kunstkammerobjekt als „Denk-

Raum“. Die Königsberger Brettspielkassette des DHM

104 Klaus Weber Der Ostseehandel vom Mittelalter bis

ins 17. Jahrhundert

4


Kapitel 2

Objektgeschichten

122 Wolfgang Cortjaens Mythen, Fakten, Simulationen.

Zu Provenienz und Entstehungskontext des Berliner

Brettspielkastens

143 Rahul Kulka Die preußische „Bernsteindiplomatie“.

Staatsgeschenke im Spiegel dynastischer Netzwerke

159 Antje Scherner Spiel und Wissen. Zu Inschriften und

Bildprogramm am Beispiel von drei Kasseler Brettspielkästen

185 Katharina Küster-Heise Mit Ovid und Livius zum Sieg.

Ein Brett spielkasten von 1606 im Landesmuseum Württemberg

201 Valeria Butera Gesprengte Dimensionen. Zu den grafischen

Vorlagen der Mikroschnitzereien des Berliner Brettspielkastens

220 Verena Wasmuth Schwebende Schatzkunst. Ein Kronleuchter

aus Bernstein

237 Sabine Witt Schwarz und Weiß – Spielen mit Kaisern

und Königinnen. Beobachtungen an zwei Konvoluten

früh neuzeitlicher Brettsteine in der Sammlung des DHM

Anhang

250 Bildnachweis

252 Autorinnen und Autoren

256 Impressum

5


Fritz Backhaus

Vorwort

Eine spektakuläre Erwerbung gelang 2021 dem Deutschen Historischen Museum

(DHM): ein kostbarer Brettspielkasten für Schach, Mühle und Tric Trac

aus Bernstein, 1607 in Königsberg angefertigt und mit einem reichen ikonografischen

Programm gestaltet. Als Kunstkammerobjekt ist es ein Zeugnis

höfischer Repräsentation und diplomatischer Verbindungen zwischen dem

Herzogtum Preußen, Kurbrandenburg und der englischen Krone. Es eröffnet

aber auch einen Blick in die reiche kunsthandwerkliche Tradition Königsbergs

und führt als Handelsobjekt in den Ostseeraum, eine europäische Wirtschaftsregion,

die Teil des globalen Handels der Frühen Neuzeit war. Der

Spielkasten zeigt sich dem Betrachter vor allem als ein Schauobjekt von hohem

ästhetischem Reiz, das mit seinen zahlreichen Inschriften und seinem

Bildprogramm den Bildungshorizont der Zeit visualisiert. Um diesen und

weiteren Dimensionen des Brettspielkastens nachzuspüren und diese zu entschlüsseln,

fand 2024 die interdisziplinäre Tagung Spielerische Allianzen.

Staatskunst, Kriegskunst und Fortuna in der Frühen Neuzeit im DHM statt.

Die Vorträge machten eindrucksvoll sichtbar, wie ein einzelnes Objekt in

seiner Materialität, Provenienz, Nutzung und Gestaltung ganz unterschiedliche

Einblicke in die Welt der Frühen Neuzeit eröffnen kann. Wir haben uns

daher entschieden, die Tagungsbeiträge zu veröffentlichen, als Anregung für

die weitere Forschung, aber auch als ein herausragendes Beispiel für die

Multidimensionalität eines einzigen Sammlungsobjektes.

Für die Vorbereitung des Symposiums und der vorliegenden Publikation

ist in erster Linie den beiden Organisatoren der Tagung und Herausgebern

dieses Bandes, Dr. Wolfgang Cortjaens und Dr. Thomas Weißbrich,

zu danken. Sie trieben das Vorhaben mit leidenschaftlichem Einsatz und

großer wissenschaftlicher Expertise voran. Allen Autorinnen und Autoren

des Bandes sei für die Ausarbeitung ihrer Beiträge und den fruchtbaren wissenschaftlichen

Austausch gedankt, der manch neue Erkenntnis zur Reich-

6


weite der preußischen „Bernstein-Diplomatie“ um 1600 gezeitigt hat. Zahlreiche

Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedenen Abteilungen des

DHM unterstützten das Projekt mit Tatkraft und nicht nachlassendem Engagement.

Ihnen allen ist herzlich zu danken, namentlich Ilka Linz für die

Gestaltung und Betreuung der Publikation, Christina Behrendt und Jenny

Jakubik für die Durchführung der Tagung, Mario Russo für die redaktio nelle

Unterstützung bei der Vorbereitung des Bandes.

Besonderer Dank gilt dem Museumsverein des DHM, der die Ausrichtung

der Tagung mit einem großzügigen Zuschuss erst ermöglicht hat.

Schließlich danken wir dem Deutschen Kunstverlag für die Aufnahme des

Bandes in sein Verlagsprogramm.

Erstmals wird das DHM seine Neuerwerbung des Königsberger Bernstein-Brettspielkastens

in der Sonderausstellung Objekte. Ge schichte. Geschichten

(8. Mai 2026 bis 31. Oktober 2027) der Öffentlichkeit vorstellen.

7


Wolfgang Cortjaens und Thomas Weißbrich

Spielerische Allianzen

Überlegungen zum Königsberger

Bernstein-Brettspielkasten des DHM

„Finderglück“ nannte der Gründungsdirektor des Deutschen Historischen

Museums (DHM) Christoph Stölzl das, was man bei der Museumsarbeit

haben müsse. 1 Und tatsächlich: Zu einem dieser Glücksfunde kam es im Jahr

2021, als ein kunst- und kulturhistorisch bedeutender Königsberger Brettspielkasten

des frühen 17. Jahrhunderts für die Sammlung des DHM erworben

werden konnte (Abb. 1). 2 Es handelt sich dabei um eine Sonderform des

Brettspiels, eine sogenannte Drei-Spiele-Kassette: Die Vorderseite zeigt ein

Mühlespiel, die Rückseite ein Schachbrett, in aufgeklapptem Zustand öffnet

sich ein Diptychon mit zwei Tric-Trac-Feldern, einer älteren französischen

Variante des Backgammon. Vor über 400 Jahren zu Zwecken höfischer Repräsentation

geschaffen, fand das so kostbare wie seltene Kunstkammerobjekt

seinen Weg über geistliche und adelige Privatsammlungen in den internationalen

Kunsthandel und von dort in ein öffentliches Museum, wo es

künftig nicht mehr nur von einem kleinen, exklusiven Publikum bestaunt

werden kann, sondern von der breiten Öffentlichkeit.

Historische Museen wie das DHM sind Orte, an denen die mit den

Exponaten verbundenen Geschichten nicht nur präsentiert, sondern auch

erforscht und immer wieder neu gelesen werden. Hier können geschichtswissenschaftliche,

kunst- und kulturhistorische Diskurse zusammenfließen

und um Dinge kreisen, seien sie nun so einzigartig wie der Bernstein-Brettspielkasten

oder so unscheinbar wie massenhaft hergestellte Gegenstände der

gegenwärtigen Alltagskultur. Mit dem Erwerb der Kassette stellte sich dem

DHM die Aufgabe, ein bis dato nur oberflächlich beforschtes Objekt in seinem

historischen Kontext zu verorten und zugleich auf seine Verwendungsmöglichkeiten

im Rahmen der künftigen ständigen Ausstellung des Museums

sowie von Sonder ausstellungen hin zu befragen.

Der konservatorisch exzellent erhaltene Berliner Brettspielkasten steht

weltweit in einer Reihe mit nur wenigen Museumsstücken ähnlicher Qualität.

8


1 Brettspielkasten, Königsberg, 1607, Hans Klingenberg oder Georg Schreiber

(zugeschrieben), Bernstein, verschiedenfarbig, Elfenbein (?), Ebenholz, Silber,

Metallfolie, mehrfarbig, 34,5 ❌ 69 cm (geöffnet), Berlin, Deutsches Historisches

Museum, Inv.-Nr. KG 2021/15

Vergleichsstücke finden sich unter anderem in Kassel, 3 Stuttgart, 4 München 5

und New York 6 sowie ein fragmentarisch erhaltenes Exemplar in Uppsala. 7

In seiner kunsthistorischen Bedeutung vergleichbar ist er weiterhin mit dem

(zeitlich spä teren) Prunkschachspiel aus Elfenbein, Ebenholz, Schildpatt und

Silber, welches vor wenigen Jahren das Grüne Gewölbe im Dresdner Residenzschloss

erwarb. 8

An den Bernstein-Brettspielen faszinieren damals wie heute ihr Material

und ihre Gestaltung. Bernstein (lat. succinit, auch: Agtstein, Bornstein),

ein vor allem entlang der Ostseeküste vorkommendes fossiles Baumharz, vermag

aufgrund seiner stofflichen Beschaffenheit, seines rätselhaften, legenden-

9


2 Glasstandgefäß mit weißem Bernstein und Bernsteinkette,

18. Jahrhundert, Heidelberg, Deutsches

Apotheken Museum, Inv.-Nrn. II A 0299, I A 0745

umwobenen Ursprungs und der ihm zugeschriebenen medizinischen Heilkraft

(so in der Naturgeschichte Plinius’ des Älteren, 23/24–79 n. Chr.) seit jeher

die Menschen zu faszinieren. Bernstein war Arzneidroge (Abb. 2), Handelsware

und wurde schon im alten Ägypten kunstvoll bearbeitet. Seine vielfältigen

Erscheinungsformen laden zum Betrachten ein – das Farbspektrum der

verschiedenen Bernsteinarten reicht von Hellgelb und Rotbraun bis zu Elfenbein,

von halbtransparent bis zu opak. Bernstein ist indes nicht das einzige

kostbare Material der Berliner Neuerwerbung: Der Korpus des Brettspielkastens

besteht aus einem Ebenholzkern, die durchbrochenen Scharniere aus

Silber. Farbig eingefärbte, mit vergoldeten Arabesken aus Goldpapier verzierte

Folien, beim Tric Trac zusätzlich schmale Silberstreifen als Trennelemente

zwischen den Spielfeldern, erzeugen im Zusammenspiel mit dem

verschiedenfarbigen Bernstein einen Nuancenreichtum und eine Leuchtkraft

von höchster ästhetischer Vollendung und Sinnlichkeit.

10


Der Berliner Brettspielkasten im kulturgeschichtlichen

Kontext

Als Quelle und Bezugspunkt für Geschichte und materielle Kultur der Frühen

Neuzeit lässt sich die Bernstein-Kassette des DHM in verschiedene Zusammenhänge

setzen. Sie ist durch eine Inschrift auf den Tag genau datiert:

„ANNO 1607 / DEN 5. APRILIS“ (Abb. 3). Welches Ereignis das Datum bezeichnet,

ist unbekannt. Unstrittig dagegen ist der Entstehungsort Königsberg

(heute Kaliningrad, Russische Föderation), zu dieser Zeit Residenzstadt des

jenseits der Grenzen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation gelegenen

Herzogtums Preußen und neben Danzig eine Drehscheibe des Bernsteinhandels.

Nachdem nach Auflösung des Deutschen Ordens im Jahr 1561

das Bernstein-Monopol auf das Herzogtum Preußen übergegangen war, spezialisierten

sich im Umfeld des Königsberger Hofes Kunsthandwerker und

Künstler auf die Verarbeitung von Bernstein. Sie ersannen im Fortgang immer

raffiniertere Bearbeitungstechniken, um dem fragilen Material neue Aspekte

abzuringen: Filigrane figürliche Mikroschnitzereien, hauchdünn geschnittene

Plättchen aus durch Sieden geklärtem transparentem Bernstein oder Ornament-

und Textfelder aus eingelegter Metallfolie zeugen von renaissancezeitlichem

Erfindungsreichtum und der Freude an der Verwandlung und

Veredelung von Materialien.

Der Hersteller des Brettspielkastens ist nicht eindeutig identifizierbar.

Infrage kommen der ab 1585 in Danzig und zwischen 1593 und 1635 in

Königsberg nachgewiesene Hans Klingenberg oder Georg Schreiber (1586 –

nach 1648). 9 Ihre Werke weisen derart große Ähnlichkeiten auf, dass von

3 Brettspielkasten, Königsberg, 1607 (wie Abb. 1),

Detail der Mühleseite: Plättchen mit Datumsangabe

11


4 Brettspielkasten, Königsberg, 1607

(wie Abb. 1), Detail des Außenrandes:

ameliertes Ornamentplättchen

mit Blumen und Vögeln

5 Bernstein-Kästchen, Königsberg,

Anfang 17. Jahrhundert, signiert

Hans Klingenberg, Detail eines

Ornamentplättchens, Hamburg,

Altonaer Museum

einem engen Kontakt beider Meister ausgegangen werden kann. 10 Doch auch

materialkundliche Vergleiche haben ihre Grenzen, denn oft bezogen die Bernsteindreher

vorgefertigte Teile aus lokalen oder auswärtigen Werkstätten. So

erlauben etwa die Bildplättchen mit amelierten Pflanzen- und Vogeldarstellungen

an den Außenseiten des Berliner Brettspielkastens, zu denen sich identische

Amelierungen an einem Klingenberg zugeschriebenen Kästchen im

Altonaer Museum finden (Abb. 4, 5), keineswegs eine Zuschreibung an diesen

Meister, könnte es sich dabei doch ebenso gut um Importware einer der

Augsburger oder Nürnberger Goldarbeiterwerkstätten handeln, die sich auf

diese spezielle, aus der Hinterglasmalerei abgeleitete Fertigungs- und Dekortechnik

in Blattgold oder Metallfolie spezialisiert hatten. 11

Sowohl Hans Klingenberg als auch Georg Schreiber haben für den

Königsberger Hof gearbeitet. Die ab den 1560er-Jahren in fürstlichen Inventaren

und in den Ausgabenbüchern der preußischen Herzöge urkundlich

nachgewiesenen Bernstein-„Brettspiele“ (Abb. 6) waren vor allem Repräsentationsstücke,

zu bewundern in den Kunstkammern und Privatgemächern

der Herrschenden. In diesen nur ausgewählten Personen zugänglichen Räumen

fürstlicher Repräsentation befanden sich neben kunsthandwerklichen

Preziosen auch naturwissenschaftliche Fund- und Schaustücke aus den Bereichen

Botanik, Zoologie, Mineralogie und Archäologie. 12 Die Sammlungen

waren Teil der Selbstdarstellung des Adels, der sich in einem ständigen Konkurrenzverhältnis

und Überbietungswettbewerb befand.

12


6 Ausgabenbuch der herzoglichen Familie für das Jahr 1610, darin: Erwähnung

eines von Hans Klingenberg im Auftrag des Herzogs Albrecht Friedrich von

Preußen gefertigten Brettspiels aus Bernstein, Elfenbein und Silber, 19. Februar

1610, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA PK), XX. HA Ostpr.

Fol., Nr. 13521

13


Nichtsdestoweniger wurde an den Höfen und in den Trink- und Zunftstuben

der Frühen Neuzeit auch tatsächlich gespielt. Der Adel und das Stadtpatriziat

kultivierten das Spielen sowohl von strategischen Spielen wie Schach,

Mühle und Tric Trac als auch von Glücksspielen mit Karten oder Würfeln

(Abb. 7). 13 Insbesondere Schach genoss als „Spiel der Könige“ hohes Ansehen.

Die Fürsten gaben sich als Schachspieler, nicht nur, um sich beim Spielen

zu unterhalten, sondern auch, um ihre intellektuellen Fähigkeiten zu veranschaulichen.

Für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war die Zeit um

1600 eine Krisenzeit, geprägt von Umwelt- und Wirtschaftskrisen, von sozialen

und konfessionellen Konflikten. 14 Die im Augsburger Religionsfrieden

von 1555 ausgehandelten Lösungen im territorial und konfessionell heterogenen

Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation verloren zunehmend an

Wirksamkeit. Im Mai 1608 führte die vom bayerischen Herzog Maximilian

I. (1573–1651) betriebene Rekatholisierung der Freien Reichsstadt

Donauwörth zur Gründung der Protestantischen Union. Diesem Defensivbündnis

süddeutscher Fürstentümer traten in den folgenden Jahren mehrere

Freie Reichsstädte sowie weitere Fürstentümer bei, darunter auch das Kurfürstentum

Brandenburg (1610). Im Gegenzug schlossen sich katholische

Reichsstände im Juli 1609 in München zur Katholischen Liga zusammen.

Die Heterogenität des Reiches machte es im Innern wie von außen

anfällig für konfessionelle, ökonomische und politische Interessen verschiedener

Mächte. Der 1609 aufflammende Jülich-Klevische Erbfolgestreit zwischen

Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg (1572–1619) und

Pfalzgraf Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg (1547–1614) lud sich rasch

konfessionell und dynastisch auf – die Niederlande, Frankreich und England

waren einbezogen – und hätte fast einen großen europäischen Krieg

ausgelöst. 15

Von Konkurrenzkämpfen betroffen war auch der Ostseeraum, um den

die Königreiche Dänemark-Norwegen, Schweden und Polen-Litauen rangen.

Das Herzogtum Preußen, ein Lehen der polnischen Krone, verwalteten seit

1568 Administratoren aus dem Hause Hohenzollern, 1618 fiel es durch Erbschaft

an den brandenburgischen Kurfürsten Johann Sigismund.

Da es sich bei der Bernsteinkassette entweder um ein diplomatisches

Geschenk oder um eine auf Bestellung der Erstbesitzerin – nach neuesten

Erkenntnissen Anna von Dänemark (1574–1619), die Gattin des englischen

Königs Jakob I. (1566–1625) – 16 gefertigte Auftragsarbeit handelte, verweist

14


7 „Augsburger Monatsbilder“. Eine dynastische Bilderfolge des Hans Fugger

(Bild 1: Januar, Februar, März), Augsburg, um 1580/82, unbekannte Werkstatt,

Öl auf Leinwand, 234,8 ❌ 366 cm, Detail: Patrizierstube. Festliche Tischgesellschaft

mit Backgammon-Spielern und an der Wand hängendem Schachbrett,

Berlin, Deutsches Historisches Museum, Inv.-Nr. 1990/185.1

das Objekt beispielhaft auf die dynastischen Beziehungen und fürstlichen

Bündnisse. Ob der Königsberger Hof unmittelbar involviert war und ob mit

der Bestellung ein über das Reich hinausgreifendes konfessionelles oder dynastisches

Bündnis geknüpft werden sollte, muss Spekulation bleiben.

15


In den Kulturwissenschaften findet die materielle Kultur der Frühen

Neuzeit seit mehreren Jahren größere Aufmerksamkeit; ein Kernpunkt ist

dabei die Erforschung symbolischer Kommunikation. Gesten und Zeichen

hatten für die Gesellschaft des Mittelalters und der Frühen Neuzeit sinnstiftende

und ordnende, aber auch infrage stellende Bedeutung. 17 Eine wichtige

Rolle kam nolens volens Artefakten zu, die nun nicht mehr nur hinsichtlich

ihrer Ästhetik untersucht wurden, sondern auch auf ihren Gebrauch und ihre

Funktion in sozialen Praktiken. 18

Die materielle Kultur hatte immense Bedeutung für das Selbstverständnis

der Herrschenden. Die Ausstattung von Schlössern, das Anlegen von

Kunstsammlungen und Naturalienkabinetten, äußere Erscheinung sowie

Zeremoniell und Patronage waren stets auch Ausdruck kultureller und diplomatischer

Bemühungen. Das europaweite Forschungs- und Ausstellungsprojekt

Bellum et Artes zeigte nicht nur die der offenen oder subtilen Propaganda

dienende fürstliche Auftragskunst während des Dreißigjährigen Krieges,

sondern hob auch hervor, dass insbesondere die wertvollen Kunstwerke eine

begehrte Kriegsbeute waren und in der Folge viele Objekte gewaltsam disloziert

wurden. 19

Kulturwissenschaftliches Interesse riefen in jüngerer Zeit verstärkt

jene Gegenstände hervor, die als diplomatische Geschenke fungierten. 20 In

der politischen und diplomatischen Kultur der Frühen Neuzeit kam diesen

hoher Stellenwert zu. 21 Ihr Spektrum war breit, es reichte von speziell angefertigten

Kunstwerken bis zu lebenden Tieren. Geschenke waren Teil des

höfischen Zeremoniells, von dessen ephemeren Akten sie materielle Spuren

hinterließen. Die Wahl des Geschenks geschah bewusst und war von entscheidender

Bedeutung. In der streng hierarchischen und auf Repräsentation

bedachten Hofkultur musste es hinsichtlich des Schenkers wie des

Beschenkten dem Rang und dem Anlass gerecht werden und angemessen

sein. Das Schenken fand bei Empfängen, Besuchen und Zusammentreffen,

bei Verhandlungen, Bündnissen, Verträgen und bei Friedensschlüssen statt.

So verschieden die Geschenkanlässe waren, so unterschiedlich waren die

Gründe und die implizit oder explizit formulierten Botschaften wie Dank

oder Bitte, Sympathie und Freundschaft, versteckte Forderungen oder auch

Bestechungsversuche.

Bei Untersuchungen zur Herkunft und zum Verbleib frühneuzeitlicher

Stücke bestehen besondere Herausforderungen. Als Quellen für die Biografie

von Objekten können – wie im Fall des Berliner Brettspielkastens gleich

16


zweifach – Inventare dienen. 22 Eine andere Quelle bilden Texte, die im Rahmen

des höfischen Zeremoniells entstanden, beispielsweise die Schilderungen

von Geschenkübergaben durch Gesandte oder Kunstagenten. In vielen Fällen

lassen sich jedoch trotz intensiver Recherchen keine sicheren Nachweise führen

und Spuren erkennen; oft fehlen präzise Angaben, anhand derer sich

Objekte sicher identifizieren ließen.

Bei der Beschäftigung mit exklusiven Artefakten der Hofkultur sollte

nicht außer Acht gelassen werden, dass individueller materieller Besitz in der

Frühen Neuzeit ständespezifisch und insgesamt relativ gering war. 23 Hier setzt

die Erforschung der Alltagskultur der unteren Stände einen Kontrapunkt. Im

Gegensatz zu den Luxusobjekten des Adels sind die aus einfachen Materialien

gefertigten Spiele der unteren Schichten, zu denen neben verschiedenen

Brettspielen vor allem Glücksspiele mit Würfeln und Karten zählten, jedoch

kaum erhalten. Sie waren Gebrauchsgegenstände, die als solche nur in Ausnahmefällen

aufbewahrt und überliefert worden sind. Die wenigen Fälle vermögen

indes bemerkenswerte Einblicke zu bieten, etwa eine „subversive

Spielkarte“ aus dem England des späten 16. Jahrhunderts. 24

Um die oben skizzierten Impulse aufzugreifen und zu vertiefen, veranstaltete

das DHM am 29. Februar und 1. März 2024 die interdisziplinäre

Tagung Spielerische Allianzen. Staatskunst, Kriegskunst und Fortuna in der

Frühen Neuzeit.

Die Beiträge

Der vorliegende Band versammelt die schriftlichen Ausarbeitungen der Tagungsvorträge,

in welche zahlreiche erhellende neue Erkenntnisse eingeflossen

sind. 25 Die Beiträge des ersten Teils eröffnen verschiedene Kontexte rund

um die Spielkassette: den spielerischen, den höfischen, den militärischen und

den ökonomischen.

Mathias Herrmann (Technische Universität Dresden) beleuchtet die

kulturgeschichtliche Entwicklung von Brett- und Gesellschaftsspielen. Er

markiert das Spielen als anthropologische Konstante und kulturelles Phänomen.

Zum Lern- und Bildungsmedium können Spiele werden, wenn sie geschichtliches

Wissen vermitteln, wie beispielsweise Brettspiele des späten

19. Jahrhunderts oder digitale Spiele des frühen 21. Jahrhunderts.

Ulrich Schädler (Université de Fribourg) wendet sich dem Design

von Spielen zu und entwirft eine Geschichte des „Drei-Spiele-Kastens“ für

17


Backgammon, Mühle/Dame und Schach. Waren in der Antike zweifache

Spielkästen weit verbreitet, ist die Dreier-Variante eine Erfindung des 15. Jahrhunderts.

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts fand die kunstvoll gearbeitete

Brettspielkassette als höfisches Geschenk weite Verbreitung, wie Schädler an

bedeutenden Exemplaren nachzeichnet.

Markus Laufs (Deutsches Historisches Museum, Berlin) beleuchtet

anhand des ersten deutschsprachigen Schachlehrbuchs, des 1616 erschienenen

Schach= oder König=Spiel von August dem Jüngeren, Herzog von

Braunschweig-Lüneburg, sowie vorgängigen Schachtraktaten die frühneuzeitlichen

Darstellungen zu den damals vermuteten kriegerischen Ursprüngen

des Schachspiels sowie das zur Beschreibung des Spiels genutzte militärische

Vokabular.

Den bei solchen Darstellungen im Hintergrund stehenden militärischen

Kontext erörtert Thomas Weißbrich (Deutsches Historisches Museum, Berlin).

Die um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert als Oranische Heeresreform

bekannt gewordenen militärischen Innovationen wurden unter anderem mit

dem 1607 in Den Haag erschienenen Buch Wapenhandelinghe („Waffenhandlung“)

von Jacob de Gheyn verbreitet. Die in Abhandlungen über das Schachspiel

gezogenen Verbindungen von strategischen und taktischen Ideen erwiesen

sich in der konkreten militärischen Anwendung jedoch als irrelevant.

Wolfgang Cortjaens (Deutsches Historisches Museum, Berlin) behandelt

die Ordnungsprinzipien der frühneuzeitlichen Kunst- und Naturalienkabinette,

die sich heute meist nur noch mithilfe bildlicher und textlicher

Quellen rekonstruieren lassen. Die Anordnung der Gegenstände im Raum

und deren Gestaltung gaben die damals bestimmenden Vorstellungen von

Natur und Kosmos wieder. Davon ausgehend deutet Cortjaens die Brettspielkästen

als architektonisch zu lesende, begehbare „Denk-Räume“, deren Aufbau

und Ikonografie Bezüge zur Gestaltung höfischer Repräsentationsbauten

aufwiesen.

Mit Bernstein als Handelsgut befasst sich Klaus Weber (Europa-Universität

Viadrina, Frankfurt an der Oder) in seiner wirtschaftsgeschichtlichen

Darstellung des Ostseehandels. War Bernstein für das Herzogtum Preußen,

wie bereits zur Zeit des mittelalterlichen Ordensstaates der Deutschritter,

eines der wichtigsten Exportgüter, blieb seine Bedeutung für den Handel insgesamt

gering. Bestimmender waren das durch Leibeigenschaft erwirtschaftete

Getreide, das zur Lebensmittelversorgung weiter Teile Europas beitrug,

aber auch die über die Ostsee beförderten Waren wie Holz und Hanf, welche

18


den Bau von Schiffen ermöglichten, die den Atlantik überquerten und den

globalen Seehandel vorantrieben.

Der zweite, primär kunst- und kulturhistorische Teil des Bandes stellt

den Königsberger Brettspielkasten des DHM und die nächstverwandten Vergleichsstücke

in den Mittelpunkt.

Wolfgang Cortjaens (Deutsches Historisches Museum, Berlin) zeichnet

zunächst die Überlieferungsgeschichte der Brettspielkassette des DHM nach,

um anschließend zwei Szenarien zu ihrer möglichen Verwendung als diplomatisches

Geschenk zu entwerfen. Das erste führt an die Residenz der preußischen

Herzöge in Königsberg, das zweite an den Hof des polnischen Königs

Sigismund III. Wasa in Warschau. Jüngste Forschungsergebnisse aufgreifend

wird Anna von Dänemark, die Gemahlin des englischen Königs Jakob I., als

wahrscheinliche Adressatin, wenn nicht gar Auftrag- und Konzeptgeberin

der Kassette „ins Spiel gebracht“.

Daran anknüpfend bietet Rahul Kulka (Kunsthistorisches Museum

Wien) einen Überblick über Bernstein als diplomatisches Geschenk der

preußischen Herrscher im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Kulka

betrachtet die verschiedenen Akteure wie Händler, Handwerker, Schenker

und Empfänger und zeigt, dass neben Preußen, 1701 vom Kurfürstentum

zum Königreich aufgestiegen, noch andere Staaten die sogenannte Bernsteindiplomatie

nutzten.

Drei Bernstein-Brettspielkästen aus der Sammlung Hessen Kassel

He ritage wendet sich Antje Scherner (Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung

und Museum für Byzantinische Kunst) zu und untersucht

erstmalig deren lateinisches Inschriftenprogramm und die zugrunde liegenden

Textquellen, darunter die Metamorphosen des Ovid, die Sentenzen des

Publilius Syrus und die Disticha Catonis. Alle Texte waren um 1600 in aktuellen

Veröffentlichungen bzw. Textsammlungen greifbar und sowohl Teil

des humanistischen Gelehrtenwissens als auch der Schulbildung.

Katharina Küster-Heise (Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart)

rückt die lateinischen Inschriften und Bildmotive eines Brettspielkastens

von 1606 im Landesmuseum Württemberg in den Mittelpunkt, der möglicherweise

für den französischen König Ludwig XIII. angefertigt wurde. Das

ikonografische Programm erscheint als Teil eines auf antiken Vorbildern beruhenden

fürstlichen Bildungskanons. Durch das Spielen sollte strategisches

Denken im Kontext diplomatischer Verhandlungen geschult werden. Die

Entschlüsselung gelang indes nur, wenn Leser und Betrachter über eine

19


umfassende Bildung und gute Kenntnisse der antiken römischen Literatur

verfügten.

Valeria Butera (Deutsches Historisches Museum, Berlin) erörtert das

komplexe ikonografische Programm der Mikroschnitzereien des Berliner

Brettspielkastens und identifiziert deren bis dato von der Forschung ignorierte

grafische Vorlagen. Waren für die Szenen aus Ovids Metamorphosen die

Illustrationen von Virgil Solis vorbildhaft, gehen die Tugend- und Planetendarstellungen

meist auf Drucke niederländischer Kupferstecher zurück. Das

Spielbrett erweist sich als eine visuelle Synthese humanistischer Kultur mit

teils ikonografisch verbundenen und aufeinander anspielenden politischen,

dynastischen und emblematischen Themen, teils scheinbar willkürlich aus

der zeitgenössischen Druckgrafik kompilierten Vorlagen.

Verena Wasmuth (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-

Brandenburg) untersucht die Geschichte eines Bernstein-Kronleuchters in der

Sammlung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, der möglicher weise

eine frühe Erwerbung der Kopenhagener Kunstkammer war. Neben Herkunft,

Zustand, Ikonografie und Funktion werden die Herstellungs- und

Veredelungsverfahren erörtert. Analogien zwischen Bernstein- und Glasbearbeitung

werfen ein neues Licht auf die kunsthandwerklichen Prinzipien

einer materialgerechten Manipulation transluzider Werkstoffe. Der Beitrag

überprüft, ob diese Analogien das methodische Vorgehen bei der Erforschung

frühneuzeitlicher Artefakte aus beiden Materialgruppen erweitern können.

Sabine Witt (Deutsches Historisches Museum, Berlin) stellt zwei Spielstein-Konvolute

der Zeit um 1700 aus der Sammlung des DHM vor. Das sind

zum einen 24 Spielsteine aus Holz, mit Porträts europäischer Herrscherinnen

und Herrscher sowie allegorischen und erotisch konnotierten Motiven. In

Nürnberg entstanden, zeugen sie von der freien Verwendung von Motivvorlagen

aus der Medaillenkunst. Im anderen Satz schwarzer und weißer

Spielsteine mit Reliefintarsien, um 1675 im böhmischen Eger gefertigt, treten

Cäsaren der römischen Antike und Habsburger Kaiser des Spätmittelalters

und der Frühen Neuzeit gegeneinander an. Dynastische Repräsentation und

die Ableitung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vom römischen

Imperium kommen darin zum Ausdruck. Beide Konvolute runden den

Fokus mit einem Blick auf politisch-allegorische Programme und Überlegungen

zum „homo ludens“ als „homo politicus“ ab.

Dieser abschließende Beitrag soll auch das Fehlen der originalen

Spielsteine der Brettspielkassette des DHM kompensieren. Die 2012 bei der

20


Versteigerung des Kastens bei Sotheby’s London noch vorhandenen 28 Backgammon-Spielsteine

mit in Bernstein geschnittenen Profilbildnissen englischer

Königinnen und Könige wurden bedauerlicherweise vor dem Verkauf in den

deutschen Kunsthandel separat veräußert. 26

Viele der in den Beiträgen erörterten Aspekte dürften sich auch über

längere Zeiträume als den hier gewählten des frühen 17. Jahrhunderts

verfolgen lassen – beispielsweise das Thema „Krieg und Spiel“ anhand der

Erweiterungen des Schachspiels über die „Kriegsspiele“ des 18. und 19. Jahrhunderts

bis hin zu den Online-Simulationsspielen des frühen 21. Jahrhunderts

oder den Darstellungen des Schachspiels in der Malerei und Grafik. 27

Die Herausgeber des Bandes sind sich der thematischen Fokussierungen

bewusst. Doch wie das Schachspiel 64 Felder und 32 Figuren hat, so unterliegen

auch sie gewissen Begrenzungen und hoffen, dass die hier ausschnitthaft

gebotene Mischung anregend ist und Anknüpfungspunkte für weitere

Forschungen bietet.

1 Christoph Stölzl (Hg.): Bilder und Zeugnisse der deutschen Geschichte. Aus den

Sammlungen des Deutschen Historischen Museums, Berlin 1995, S. 6.

2 Brettspielkassette, Königsberg, 1607, Hans Klingenberg oder Georg Schreiber

(zugeschrieben), Bernstein, verschiedenfarbig, Elfenbein (?), Ebenholz, Silber,

Metallfolie, mehrfarbig, 34,5 ❌ 69 cm (geöffnet), Berlin, Deutsches Historisches

Museum, Inv.-Nr. KG 2021/15. Der Erwerb der Kassette und weiterer kunstgewerblicher

Objekte des 16. bis 18. Jahrhunderts wurde durch Sondermittel

ermöglicht, Auswahl und Ankauf der Objekte („Exponate aus den historischen

deutschen Siedlungsgebieten im östlichen Europa“) erfolgten in Abstimmung

mit den nach § 96 BVFG geförderten Museen.

3 Vgl. den Beitrag von Antje Scherner in diesem Band, S. 159–184.

4 Vgl. den Beitrag von Katharina Küster-Heise in diesem Band, S. 185–200.

5 Vgl. Gisela Reineking von Bock: Bernstein. Das Gold der Ostsee, München 1981,

S. 82 f., hier S. 176, Abb. 10.

6 Vgl. Wolfram Koeppe: Making Marvels. Science and Splendor at the Courts of

Europe, Ausst.-Kat. The Metropolitan Museum of Art, New York, 18. November

2019 – 1. März 2020, New York 2019, S. 96 f.

7 Vgl. Kerstin Hinrichs: Bernstein, das „Preußische Gold“ der Ostsee in Kunst- und

Naturalienkammern und Museen des 16.–20. Jahrhunderts, Diss. Humboldt-Universität

Berlin 2007, https://edoc.hu-berlin.de/items/f4815d27-747b-49ce-a1f1-

88e821d1ba47 [abgerufen 08.08.2025].

8 Vgl. Staatliche Kunstsammlungen Dresden (Hg.): Schach-Matt. Das barocke

Prunkschach im Grünen Gewölbe, Ausst.-Kat. Grünes Gewölbe, Residenzschloss

Dresden, 7. Juni – 20. Oktober 2024, Dresden 2024.

21


9 Bisher wird der Berliner Brettspielkasten aufgrund stilistischer Ähnlichkeit mit

einem 1990 im Londoner Kunsthandel angebotenen, 1616 datierten und signierten

Brettspielkasten der Werkstatt Georg Schreibers zugeschrieben, vgl. Rahul

Kulka: An Amber Games Board from 1607. Reflections of the Matters of Prussian

Amber Diplo macy Around 1600, in: Jakub Adamski (Hg.): Artistic Patronage in

Central Europe: From Private Foundations to State Art. Proceedings of the 27th

Conference of the Working Group of German and Polish Art Historians and Conservators

in Warsaw, 19.–21. September 2019, Warschau 2021, S. 129–150; Marjorie

Trusted: Baroque Ambers in Britain, in: Porta Aurea 23 (2024), S. 56–68,

hier: S. 63, Fig. 3; Rachel King: Post-Medieval Ambers in Britain, Tankards in the

British Museum and the Biographical Data of Seventeenth-Century Bernsteindreher

in Königsberg, in: Porta Aurea 23 (2024), S. 69–127, hier: S. 80 f., Anm. 25.

10 Noch 1626 lieferte Klingenberg Bernstein an Schreiber, vgl. Alexis Kugel, Rahul

Kulka: Amber. Treasures from the Baltic Sea. 16th–18th Century, Paris 2023,

S. 43. Ob beide zusammengearbeitet haben oder gar ein Lehrer-Schüler-Verhältnis

bestand, ist nicht überliefert.

11 Für Hinweise Dank an Antje Scherner, Berlin, und Anna Sobecka, Gdańsk.

12 Vgl. Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, Kunstmuseum des Landes

Niedersachsen (Hg.): Weltenharmonie. Die Kunstkammer und die Ordnung des

Wissens, Ausst.-Kat. Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, 20. Juli –

22. Oktober 2000, Braunschweig 2000.

13 Vgl. Rosemarie Aulinger: Das Bild des Reichstags im 16. Jahrhundert. Beiträge

zu einer typologischen Analyse schriftlicher und bildlicher Quellen, Göttingen

1980, S. 276.

14 Vgl. Georg Schmidt: Der Dreißigjährige Krieg, 5., aktualisierte Auflage, München

2002, S. 12–27; Heinz Schilling: Aufbruch und Krise. Deutschland 1517–1648

(Das Reich und die Deutschen, Bd. 5), Berlin 1988, S. 371–396.

15 Vgl. Herfried Münkler: Der Dreißigjährige Krieg. Europäische Katastrophe,

deutsches Trauma. 1618–1648, Berlin 2017.

16 Vgl. King 2024 (wie Anm. 9); Trusted 2024 (wie Anm. 9); sowie den Beitrag von

Wolfgang Cortjaens in diesem Band, S. 122–142.

17 Vgl. Barbara Stollberg-Rillinger, Tim Neu (Hgg.): Alles nur symbolisch?, Köln 2013.

18 Vgl. Annette C. Cremer: Zum Stand der Materiellen Kulturforschung in Deutschland,

in: Annette C. Cremer, Martin Mulsow (Hgg.): Objekte als Quellen der historischen

Kulturwissenschaften. Stand und Perspektiven der Forschung (Ding,

Materialität, Geschichte, Bd. 2), Köln 2016, S. 9–22.

19 Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO),

Staatliche Kunstsammlungen Dresden (Hgg.): Bellum et Artes. Mitteleuropa

im Dreißigjährigen Krieg, Ausst.-Kat. Staatliche Kunstsammlungen Dresden,

8. Juli – 4. Oktober 2021, Dresden 2021, darin vgl. Sofia Nestor: Kunst- und

Kulturgüter als Kriegsbeute. Eine schwedische Perspektive, S. 489–495.

20 Vgl. Mark Häberlein, Christof Jeggle (Hgg.): Materielle Grundlagen der Diplomatie.

Schenken, Sammeln und Verhandeln in Spätmittelalter und Früher Neuzeit,

Konstanz/München 2013.

21 Vgl. Marius Winzeler: Kunst und Diplomatie. Geschenke im Dreißigjährigen

Krieg, in: Ausst.-Kat. Dresden 2021 (wie Anm. 19), S. 444–459.

22 Vgl. Frances Maguire, Helen Smith: Material Texts, in: Catherine Richardson u. a.

(Hgg.): The Routledge Handbook of Material Culture in Early Modern Europe,

London/New York 2017, S. 206–215.

23 Vgl. Tara Hamling, Catherine Richardson (Hgg.): Everyday Objects. Medieval

and Early Modern Material Culture and Its Meanings, Surrey/Burlington 2010.

24 Vgl. Richard L. Williams: Contesting the Everyday: The Cultural Biography of a

Subversive Playing Card, in: ebd., S. 241–256.

22


25 Nicht zur Veröffentlichung gelangen die Beiträge von Annika Dix (Germanisches

Nationalmuseum Nürnberg), Jutta Nowosadtko (Helmut-Schmidt-Universität

Hamburg) und Marcus Stiebing (Universität Stuttgart). Allen dreien sei an dieser

Stelle für viele hilfreiche Hinweise gedankt.

26 Vgl. Sotheby’s, London, Auktion L12231, 05.12.2012, Lot 80; https://m-news.

artron.net/19700101/n283129.html [abgerufen 21.05.2024]. Der Verbleib der

Steine konnte bislang nicht zurückverfolgt werden. Die Zugehörigkeit der Spielsteine

zur Kassette war wegen der leicht übergroßen Proportionen, die eine

Platzierung auf den Spielfeldern schwierig erscheinen lassen, umstritten; dies

rechtfertigte seinerzeit wohl auch ihre Separierung und den anschließenden

Verkauf. Für Auskünfte und die Abdruckgenehmigung der damals angefertigten

Fotos Dank an Christopher Mason, Senior Director, Head of Sculpture Europe,

Sotheby’s London. Vgl. auch den Beitrag von Wolfgang Cortjaens in diesem

Band, S. 122–142, hier S. 123.

27 Vgl. Schach- und Kulturstiftung G.H.S. (Hg.): Von der Krone zum Bürger. Schach

in der höfischen und bürgerlichen Kultur von 1750–1850, Ausst.-Kat. Museum

der Stadt Grafing, 1. Oktober 2011 – 26. Februar 2012, Baldham/München 2011.

23



Kapitel 1

Spieltheorie, Wirtschaftsund

Militärgeschichte

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