BS 06-2026
Nachrichten | Politik | Regulierung | Schifffahrt | Schiffstechnik | Wasserstraßen | Häfen | Logistik | Seehäfen | Shortsea | BDS
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Minister Tonne im Interview
Neue Folge »Binnenschifffahrt
trifft ...« mit Niedersachsens
Verkehrsminister
Frühjahrsboom an der Elbe
Stabile Wasserstände führen
zu mehr Umschlag bei Häfen in
Sachsen und Tschechien
Autonome Schifffahrt
Praxis-Studie liefert erstmals
Kennzahlen für den Einsatz von
Automation auf Schiffen
06
Juni 2026 | 81. Jahrgang
ISSN 0939-1916 | C 4397 D | 13,-
www.binnenschiffahrt-online.de 2026
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EDITORIAL
Und sie bewegt sich doch…
Peter Kleinort
Verantwortlicher Redakteur
Deutschland hat ein massives Problem:
Unsere Wirtschaft stagniert. Trotz der
konjunkturellen Verwerfungen, die aus
den vielfältigen internationalen Krisen
resultieren, wachsen die Volkswirtschaften
unserer Mitbewerber stärker
– vor allem in den Schlüsselindustrien
und Zukunftslandschaften. Und das,
obwohl durch den Brandherd im Nahen
Osten, den Krieg der USA und Israels
gegen den Iran samt der Blockade
an der Straße von Hormus, den seit
über vier Jahren andauernden Angriffskrieg
Russlands gegen die Ukraine und
das aggressive Agieren Chinas erhebliche
Risiken für die Weltwirtschaft existieren.
Allein: Unsere europäischen
Nachbarn scheinen hier erheblich resilienter
zu sein als die Bundesrepublik.
Viele traditionelle Industrien wandern
ab – ins europäische Ausland oder
in andere Regionen der Welt. In etablierten
Branchen haben wir die Technologieführerschaft
längst verloren; in
neuen Schlüsseltechnologien sind wir
vergleichsweise schwach aufgestellt.
Man betrachte nur die schleppende
Glasfaserabdeckung oder die mangelhafte
Leistungsfähigkeit der Mobilfunknetze.
Ein Grund ist unbestreitbar, dass
sich die Bundesregierungen der vergangenen
Jahre in einer reinen Besitzstandswahrung
bequem eingerichtet
haben. Man könnte auch sagen: Notwendige
Weiterentwicklungen und Investitionen
wurden schlicht verschlafen.
Am schmerzhaftesten manifestiert
sich das in unserer Infrastruktur.
Nachdem die Bildung der neuen
Bundesregierung vor rund einem Jahr
kein Bündnis der Zuneigung, sondern
eine reine Zweckgemeinschaft war, um
politisch Schlimmeres zu verhindern,
schien das Bewusstsein für eine schnelle
Sanierung der Verkehrswege endlich
parteiübergreifender Konsens zu sein.
Beim genaueren Hinsehen offenbart
sich jedoch, dass die Versäumnisse der
Vergangenheit nahezu unverändert
fortgesetzt werden: Die einseitige Fokussierung
auf Straße und Schiene
bleibt das oberste Primat der Politik.
Und doch: Blickt man auf diese Ausgabe
der Binnenschifffahrt, sieht man
sie eben doch: die Investitionen in Wasserstraßen,
die anlaufenden Schleusensanierungen
und die beeindruckenden
technischen Innovationen in
der Flotte. Insbesondere die Wirtschaft
versucht, das Beste aus der gegebenen
Situation zu machen und den Anschluss
nicht zu verlieren. In Anlehnung
an den italienischen
Universalgelehrten Galileo Galilei lässt
sich also konstatieren: »Und sie bewegt
sich doch!«
Gleichwohl mogelt sich aber die Politik
aus der Verantwortung. Da werden
dringend notwendige Bestandserhaltungen
oder seit Jahren verschleppte
Ausbauvorhaben plötzlich als große
Infrastruktur-Offensiven im neuen
»Deutschland-Tempo« verkauft. Also,
bewegt sich die Sache ja doch ein wenig?
Wir könnten uns nun zufrieden
zurücklehnen und sagen: »Na immerhin,
es geht doch voran!« Vielmehr
aber müssen wir weiterhin unzufrieden
bleiben. Deutschland muss mehr können,
muss mehr schaffen. Damit aus
einer zaghaften Millimeterbewegung
endlich eine schwungvolle Vorwärtsbewegung
für die Wasserstraße wird.
Herzlich, Ihr
Binnenschifffahrt 06 | 2026
SCHIFFBAU IST...
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HITZLER
Neubau - Konstruktion - Reparatur
HITZLER WERFT
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info@hitzler-werft.de
Bahnhofstr. 4-12
21481 Lauenburg/Elbe
INHALT
06 2026
18 28
3 EDITORIAL
3 Und sie bewegt sich doch …
5 PERSONALIEN
6 MOMENTAUFNAHME
8 NACHRICHTEN
12 POLITIK | REGULIERUNG
12 »Die Energiewende endet nicht an der Küste
16 ZKR schafft rechtliche Leitplanken
für Spurführungsassistenten
17 Mittel aus dem Sondervermögen für den
Ausbau der Wasserstraßen nutzen
18 Baurecht für den Donau-Engpass:
Ein Meilenstein mit Beigeschmack
20 SCHIFFFAHRT
20 Elbe-Pegel sorgen für »Frühjahrsboom«
im Schwergutsegment
22 Historischer Raddampfer wird versteigert
24 SCHIFFSTECHNIK
24 Menzel: »Die Schifffahrt ist für uns ein stark
wachsendes Geschäftsfeld«
26 Studie quantifiziert Potenziale der
autonomen Schifffahrt
28 Dieselelektrisch in eine neue Zukunft
31 In einem Tag zum elektrischen Schiff
32 WASSERSTRASSEN | HÄFEN
32 Fakten und Zukunftssicherheit statt politischer
Monokausalität an der Weser
34 Ausbau stärkt trimodalen Knotenpunkt am
Niederrhein
36 Wesertag 2026: Stärkung der Oberweser
38 Berlin hat neue Leitzentrale
39 Technik-Einsatz beim Donauausbau
40 Niedrigwasser drückt auf Wirtschaftlichkeit
42 Häfen rüsten sich gegen Extremwetter
44 Logistisches Rückgrat für das
Molekül der Zukunft
46 LOGISTIK
46 Das logistische Herz an der Weser
48 Fehlende Kennzahlen bremsen viele
Logistikbetriebe aus
50 Vor 60 Jahren begann eine neue Ära in der
Logistik
52 SEEHÄFEN | SHORTSEA
52 Bremerhaven richtet digitales Testfeld ein
54 BUYER’S GUIDE
58 BDS
58 Jubiläen und andere Déjà-vus
59 IMPRESSUM
Herausgeberverbände der Zeitschrift
Verein für europäische
Binnenschifffahrt und
Wasserstraßen e.V.
4 Binnenschifffahrt 06 | 2026
PERSONALIEN
■ ANTWERPEN: Rob Smeets ist neuer
CEO des belgischen Doppelhafens
Antwerpen-Brügge.
Der Verwaltungsrat
der Hafenbehörde
Port of Antwerp-
Bruges ernannte ihn
zum Nachfolger von
Jacques Vandermeiren,
der im April seinen
Rücktritt bekannt gab. Smeets war
zuletzt COO und hatte bereits interimsweise
den CEO-Posten übernommen.
Personalie des Monats: Neuer CEO für Neptun Werft
■ SWK: Niklas Walbröl übernimmt
in den Stadtwerken Koblenz (SWK) die
Führungsebene im
Rheinhafen und
wird den Hafen- und
Bahnbetrieb zusammen
mit dem langjährigen
Bereichsleiter
Ulrich Gramsch
leiten. Der Fachwirt
für Güterverkehr und Logistik bringt Erafhrung
in den Binnenhäfen von Andernach
und Bonn mit.
■ NEPTUN WERFT: Leif Eisenheim wird neuer CEO der Werft in Rostock-Warnemünde.
Er soll die Position zum 1. Dezember 2026 übernehmen, gegebenenfalls auch
früher. Er folgt auf Stephan Happe, der zum Jahresende aus der Geschäftsführung
ausscheidet. Damit soll ein geregelter Übergang gewährleistet werden. Eisenheim
war zuletzt als Senior Vice President bei der DB Fahrzeuginstandhaltung tätig und
leitete die Werke in Dessau und Chemnitz. Zuvor arbeitete er 16 Jahre lang bei Airbus
Operations. Sein Vorgänger Happe, der aus dem Umfeld des Restrukturierungsteams
»Schmitz & Partner« kommt, hatte den CEO-Posten erst im Januar 2026 übernommen,
nachdem Stephan Schmees um die Auflösung seines Vertrages gebeten hatte.
■ SCYLLA: Raymon Berkhout ist
neuer Strategic Nautical Consultant bei
der Schweizer Fährreederei
und soll
das zukunftsfähige
Wachstum der Flotte
unterstützen. Der
gebürtige Niederländer
bringt mehr als
20 Jahre Erfahrung in
der Binnenschifffahrt mit, unter anderem
zehn Jahre beim südholländischen
Unternehmen Dari – zuletzt als CEO.
■ DGZRS: Michael Ippich ist zum
neuen Vorsitzer des Vorstands der Deutschen
Gesellschaft
zur Rettung Schiffbrüchiger
gewählt
worden. Er folgt auf
Ingo Kramer. Ippichs
Stellvertreter sind
Lars Carstensen und
Dettmer-Geschäftsführer
Andreas Niemeyer, der als neues
Mitglied in den ehrenamtlichen Vorstand
der Seenotretter berufen wurde.
■ ZDS: Andre Lehmann ist neuer
Vertreter des Zentralverbands der deutschen
Seehafenbetriebe
in Berlin. Er
wird dort die Interessen
der deutschen
Häfen gegenüber Politik,
Verwaltung und
relevanten Akteuren
vertreten. Lehmann
verfügt über Erfahrung in parlamentarischen
Abläufen sowie der politischen
Arbeit in Berlin und Brüssel.
Binnenschifffahrt 06 | 2026
5
MOMENTAUFNAHME
6 HANSA – International Maritime Journal 06 | 2026
MOMENTAUFNAHME
Wo das Licht die Nacht
begrüßt
Es ist dieser eine, flüchtige Moment zwischen
Tag und Nacht, in dem die Logistik
zur Poesie wird. Eingefangen am Rande
einer Tagung im Neusser Zollhafen, hält er
genau diesen Zauber fest. Während im Vordergrund
die Flagge leise im Abendwind
weht, scheinen die Kräne und Silos am Kai
wie schweigende Wächter einer neuen
Epoche. Das Wasser wird zum Spiegel der
blauen Stunde, fängt das warme Leuchten
der Scheinwerfer auf und verwischt die
harten Konturen der industriellen Realität
zu einem sanften Gemälde. Ein Beweis
dafür, dass der Arbeitsplatz Wasserstraße
auch nach Feierabend noch die Kraft besitzt,
uns ins Träumen zu versetzen.
Foto: Peter Kleinort
Liebe Leser, wenn auch Sie eine maritime Moment aufnahme eingefangen haben, schicken Sie uns gern das
Foto mit ein paar persönlichen oder erklärenden Zeilen an: redaktion@binnenschifffahrt-online.de. Hinweis:
Der Verlag behält sich das Recht vor, eingegangene Fotografien für redaktionelle Zwecke weiterzuverwenden.
HANSA – International Maritime Journal 06 | 2026
7
NACHRICHTEN
STATISTIK BADEN-WÜRTTEMBERG
Binnenschiffe ersetzen 1,24 Mio. Lkw
Der Güterumschlag auf den Wasserstraßen
Baden-Württembergs hat im
Jahr 2025 die vorangegangene mehrjährige
Durststrecke überwunden. Wie
das Statistische Landesamt im Mai mitteilte,
stieg das Transportvolumen auf
den Wasserwegen im Vergleich zum Vorjahr
um 2,1 % auf rund 24,9 Mio. t. Die
Schifffahrt leistete damit einen massiven
Beitrag zur Entlastung der Infrastruktur
an Land: Rechnerisch ersparten die
Transporte den Straßen in Baden-Württemberg
weit mehr als eine Million Lkw-
Fahrten. Insgesamt wurden auf dem
rund 550 km langen Landeswassernetz
30.216 Schiffe registriert (plus 22,6 %),
wovon mit 57,6 % die Mehrheit unter
niederländischer Flagge verkehrte.
Bei den Ladungsarten stieß der Transport
von Kohle mit einem Plus von 44,9 %
(plus 0,93 Mio. t) in eine Sonderkonjunktur
vor. Im Gegensatz dazu schwächelte
das Containersegment und büßte trotz
Wichtiger Entlastungseffekt: Der Güterumschlag auf Baden-Württembergs Wasserstraßen
legte 2025 um 2,1 % zu
des Aufwärtstrends rund 10,2 % ein,
was einem Transportvolumen von rund
150.300 TEU entspricht. Schwach waren
auch chemische Erzeugnisse (minus
13,8 %) und Mineralölerzeugnisse (minus
12,0 %). Das Umschlaggeschehen
konzentriert sich weiterhin auf die fünf
größten Häfen Karlsruhe, Mannheim,
Kehl, Heilbronn und Stuttgart, die zusammen
rund 77 % des gesamten baden-württembergischen
Güteraufkommens
abwickelten.
PK
© Bundesanstalt für Wasserbau/CC BY 4.0
NADELÖHR IM NORDWESTEN
Baubeginn für neue Huntebrücke
© Deutsche Bahn / Jonas Wresch
Gründungsarbeiten für die künftigen Pfeiler der neuen Huntebrücke
Seit Februar 2024 ist die Huntebrücke
bei Elsfleth ausgefallen. Der Bahnverkehr
kam zum Erliegen, die Schifffahrt ist nur
eingeschränkt möglich. Nun haben die
Arbeiten am Ersatzneubau begonnen.
Eine neue Hub-Drehbrücke soll künftig
für uneingeschränkten Bahn- und Schiffsvekehr
sorgen. Einen wichtigen Teil der
Umsetzung übernimmt die Dach-ARGE EÜ
Elsfleth – Los 3, bestehend aus Eiffage Infra
Nordwest und PORR Spezialtiefbau im
Auftrag der DB InfraGO. Bis 2028 soll die
neue Brücke fertig sein. Die Region stand
seit dem Ausfall der Huntebrücke vor »erheblichen
Herausforderungen«, teilten
die Unternehmen mit. Eine kurzfristig errichtete
Behelfsbrücke konnte zwar den
Bahnverkehr aufrecht erhalten, doch für
die Schifffahrt war die Hunte damit nicht
nutzbar.
Mit dem Neubau entstehe nun eine
nachhaltige Lösung, die beide Verkehrswege
langfristig sichert. Das Leistungsspektrum
ist breit und technisch anspruchsvoll:
Neben umfassenden Spezialtiefbauarbeiten
realisiert das Team Trogbauwerke,
führt Baugrundverbesserungen durch,
übernimmt Kabeltiefbauarbeiten und errichtet
Lärmschutzanlagen. Neben den
technischen Anforderungen werde die
Projektumsetzung auch durch örtliche Gegebenheiten
geprägt. Auf der Nordseite
beeinflusst eine Hochspannungsleitung
die Bauabläufe, während auf der Südseite
enge Zufahrten die Logistik erschweren.
Gleichzeitig muss in unmittelbarer Nähe
zum laufenden Bahnbetrieb gearbeitet
werden.
JW
8
Binnenschifffahrt 06 | 2026
NACHRICHTEN
UMSETZUNG DER RED-III-RICHTLINIE
Binnenschifffahrt bleibt von THG-Quote befreit
Der von der Binnenschifffahrt genutzte
Dieselkraftstoff unterliegt auch zukünftig
nicht der Treibhausgasminderungs-
Quote. Nach dem vorangegangenen
Beschluss des Bundestages im April hat
der Bundesrat im Mai das entsprechende
Gesetz zur Weiterentwicklung der
THG-Quote verabschiedet. Mit der Entscheidung
greift der Gesetzgeber eine
Kernforderung des Bundesverbandes
der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB)
auf. Der Verband hatte sich dafür eingesetzt,
die Güter- und Fahrgastschifffahrt
aus dem Quotensystem auszuklammern,
da mangels serienreifer und flächendeckend
verfügbarer Alternativen
zum Dieselantrieb auf Langstrecken keine
klimaschützende Lenkungswirkung
erzielt worden wäre. Eine Einbeziehung
hätte stattdessen lediglich zu einer Verteuerung
des Wassertransports geführt.
Entlastung für die Bunkerstationen (hier die Anlage von Hoyer Marine in Hamburg): Eine Quotenpflicht
hätte die Schiffs-»Tankstellen« vor enorme bürokratische Hürden gestellt
Wie der BDB betont, verhinderte die
Ausnahme zudem massive strukturelle
und bürokratische Belastungen für die
Bunkerbetriebe. Erste gesetzgeberische
Absichten sahen vor, die Bunkerstationen
als Erstinverkehrbringer des Treibstoffs
für die Einhaltung der THG-Quote
verantwortlich zu machen. PK
© BDB/Hoyer
SCHLEUSE ERLANGEN
500 Mio. € für Neubau
Ein wichtiges Infrastrukturvorhaben im deutschen Binnenwasserstraßennetz
nimmt konkret Gestalt an: Das Wasserstraßen-
Neubauamt (WNA) Aschaffenburg hat den offiziellen Zuschlag
für den Ersatzneubau der Schleuse Erlangen erteilt. Weil eine Instandsetzung
der bestehenden, gealterten Substanz technisch
nicht mehr möglich ist, wird das Bauwerk im Unterwasser nördlich
der Altschleuse komplett neu errichtet.
Den Zuschlag für das Großprojekt sichere sich eine Bietergemeinschaft
bestehend aus Ed. Züblin, Strabag, Züblin Spezialtiefbau
sowie Bauer Spezialtiefbau. Das Bruttobauvolumen
beläuft sich auf rund 500 Mio. €. Um Unwägbarkeiten während
der veranschlagten siebenjährigen Bauzeit abzufedern, wurden
vertraglich bereits Anpassungsoptionen für Lohn- und Materialkosten
vereinbart.
»Zwei Jahre nach dem erfolgreichen Baubeginn der Schleuse
Kriegenbrunn starten wir nun auch mit dem Neubau der
Schwesterschleuse Erlangen«, so WNA-Amtsleiterin Mareike
Bodsch. Nach den jetzt anstehenden Detailplanungen und logistischen
Vorbereitungen im laufenden Jahr sollen die Hauptbauleistungen
pünktlich mit Beginn des Jahres 2027 starten.
Die Schleuse zählt zu den 16 Anlagen des Main-Donau-Kanals,
die zusammengenommen einen Höhenunterschied von 243 m
bewältigen. Als Teil der 3.500 km langen Wasserstraßenverbindung
zwischen Rotterdam und Constanța ist der Kanal ein Eckpfeiler
für den internationalen Güter- und Spezialtransport. Jährlich
passieren mehr als 4 Mio. t Ladung die Route. PK
Frachtpreise im Mai
ARA 1.500 – 8.000 t
Monat Mai Durchschnitt Monatstief Monatshoch
im Hafengebiet 2,50 € 2,00 € 3,00 €
Rotterdam - Antwerp/Amsterdam 3,46 € 3,00 € 4,00 €
Antwerp - Amsterdam 4,45 € 4,00 € 5,00 €
Flushing - Antwerp 3,50 € 3,10 € 3,95 €
Flushing - Rotterdam 4,43 € 3,60 € 4,70 €
Flushing - Amsterdam 4,99 € 4,30 € 5,50 €
Ghent - Flushing 3,40 € 3,00 € 4,50 €
Ghent - Antwerp 3,92 € 3,75 € 4,51 €
Ghent - Rotterdam 4,81 € 4,50 € 5,80 €
Ghent - Amsterdam 5,12 € 4,85 € 5,85 €
Rhein 0 – 2.500 t
Monat Mai Durchschnitt Diesel Benzin
Duisburg 12,48 € 11,98 € 12,98 €
Dortmund 14,15 € 13,65 € 14,65 €
Köln 18,30 € 17,80 € 18,80 €
Koblenz 20,38 € 19,88 € 20,88 €
Frankfurt 28,98 € 28,48 € 29,48 €
Mannheim 29,76 € 29,26 € 30,26 €
Karlsruhe 31,79 € 31,29 € 32,29 €
Strasbourg 33,30 € 32,80 € 33,80 €
Basel EUR 38,23 € 37,73 € 38,73 €
Basel CHF 35,03 CHF 34,53 CHF 35,53 CHF
In Kooperation mit
Binnenschifffahrt 06 | 2026
9
NACHRICHTEN
SEEHÄFEN UND SHORTSEA
BLG stärkt Schwergutlogistik in Bremerhaven
Die BLG Logistics Group hat im Bremerhavener
Südhafen den neuen Standort
»Südhafen Roter Sand« offiziell in Betrieb
genommen. Auf dem rund 60.000 m 2
großen Areal im Bremerhavener Südhafen
wurde eine leistungsstarke Infrastruktur
für die Abwicklung von schweren
und großvolumigen Gütern geschaffen.
Das Terminal soll als Drehscheibe für die
sogenannte High-&-Heavy-Logistik dienen,
die unter anderem durch den Ausbau
der On- und Offshore-Windenergie
stark wächst.
Für den Umschlag von Projekt- und
Schwergutladung wurden die Flächen
umfassend ertüchtigt, um den enormen
Achs- und Punktlasten der Spezialfahrzeuge
und Krananlagen standzuhalten.
Bremens Senatorin Kristina Vogt betonte
bei der Eröffnung die strategische
Bedeutung des Standorts für das Land
Bremen, um die regionale Hafenwirtschaft
zukunftsfähig aufzustellen und
Dennis Ewert, BLG, Axel Krichel, COO von BLG, Senatorin Kristina Vogt, Matthias Magnor, CEO
von BLG, Victoria Prokopp, BLG, (v. l.) bei der Feierstunde
Arbeitsplätze zu sichern. Auch wenn das
neue Gelände primär auf den Seeverkehr
ausgelegt ist, stärkt die Investition
die gesamte maritime Logistikkette. Die
Bewältigung massiver Projektladungen
erfordert leistungsfähige Verkehrsträger
für den Zu- und Ablauf. Da Schwergutund
Projektladung als eines der größten
Wachstumsfelder für die Binnenschifffahrt
gilt, bietet das Terminal eine wichtige
Schnittstelle für künftige intermodale
Logistikkonzepte.
PK
© BLG
SIGNAL FÜR DIE BINNENHÄFEN
Ploß zu Gast bei Schifferbörse
Duisburg wird 2028 zum Schauplatz Nationalen Maritimen Konferenz,
zu der knapp 1.000 Teilnehmer erwartet werden. Einen
ersten Vorgeschmack auf den politischen Fokus gab nun der Besuch
von Christoph Ploß, dem Koordinator der Bundesregierung
für maritime Wirtschaft und Tourismus. Er war Gast beim traditionellen
Hafenfrühstück der Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort,
um mit Unternehmern über die Zukunft und den anstehenden
Wandel der Flusslogistik zu diskutieren.
Vorstand und Gastgeber Frank Wittig nutzte den feierlichen
Anlass des 125-jährigen Bestehens der Institution, um ein
deutliches Signal nach Berlin zu senden. Die nordrhein-westfälischen
Häfen stünden mit einem jährlichen Umschlag von
rund 100 Mio. t auf Augenhöhe mit dem Hamburger Seehafen,
weshalb die maritime Wirtschaft weit mehr als nur die Küstenregionen
umfasse. Angesichts eines spürbaren Sanierungsstaus
– jede dritte Schleuse in Deutschland ist älter als 100 Jahre – forderte
Wittig vehement eine Aufstockung der Finanzmittel und
verstärkte Investitionen in die Wasserstraßen, um die Planungssicherheit
für die Unternehmen langfristig zu garantieren. Ploß
zeigte sich beeindruckt vom Innovationsgeist am größten Binnenhafen
der Welt, insbesondere mit Blick auf Automatisierung
und Digitalisierung. Die Zusage der Konferenz für 2028 unterstreiche
die tragende Rolle der Binnenwasserstraßen für die nationale
Versorgungssicherheit und Verteidigungsfähigkeit. RD
ELEKTROMOBILITÄT IN NORWEGEN
Cityboat bestellt E-Fähre bei Hyke
Das neu gegründete norwegische Joint Venture Cityboat – ein
Zusammenschluss des Schnellbootbetreibers Rødne und des
Tourismusanbieters Viking Adventure – hat eine vollelektrische
Passagierfähre bestellt. Das 15 m lange Schiff vom Typ »Hyke
F-15 Shuttle« wird von der Werft Herde Kompositt in Hardanger
gebaut und soll Ende 2026 abgeliefert werden. Bis zur Fertigstellung
des Neubaus wird der Betrieb vor Ort bereits mit einem
geleasten Schwesterschiff aufgenommen.
Das technische Konzept des in Leichtbauweise gefertigten Katamarans
setzt auf maximale Energieeffizienz bei minimalen Betriebskosten.
Laut Herstellerangaben verbraucht das Schiff im
Betrieb so viel Energie wie fünf haushaltsübliche Haartrockner.
Ein besonderer Vorteil im Hinblick auf die Investitionskosten und
die Flexibilität ist das integrierte Ladesystem: Die Fähre benötigt
keine dezidierte maritime Spezialinfrastruktur, sondern kann an
straßenseitigen Pkw-Schnellladestationen sowie an gewöhnlichen
Netzanschlüssen geladen werden. Die Batteriekapazität
ist so dimensioniert, dass ein Betriebstag ohne Zwischenladung
absolviert werden kann. Das von Hyke für die Serienproduktion
konzipierte Modell hat seine Praxistauglichkeit bereits im regulären
ÖPNV-Einsatz in der norwegischen Stadt Fredrikstad unter
Beweis gestellt. Durch den Einsatz auf bestehenden Wasserwegen
sollen Städte neue und nachhaltige Verkehrsverbindungen
aufbauen können.
PK
10
Binnenschifffahrt 06 | 2026
NACHRICHTEN
DIGITALE TESTFELDER WASSERSTRASSE
Förderung für autonome Fähre
Das Innovationsprojekt »CAPTN Förde Areal III« in Kiel erhält
eine Bundesförderung in Höhe von 3,3 Mio. €. Bundesverkehrsminister
Patrick Schnieder (CDU) übergab Ende Main den entsprechenden
Bescheid aus dem Programm »Digitale Testfelder
Wasserstraße« an das Projektkonsortium in Kiel.
Hinter dem Projekt CAPTN (»Clean Autonomous Public Transport
Network«) steht das Ziel, eine vernetzte, emissionsfreie Mobilitätskette
aus autonomen Nahverkehrsträgern zu Wasser und
zu Land zu etablieren. Pendler sollen künftig via On-Demand-
Fähre die Kieler Förde queren und nahtlos in intelligente Busse
umsteigen können. Nachdem in den verschiedenen Vorläuferprojekten
bereits der Forschungskatamaran MS »Wavelab« und
die digitale Testinfrastruktur entstanden sind, konzentriert sich
die dritte Förderphase nun auf die Überführung in reale Anwendungsszenarien
unter echten Betriebsbedingungen, um die autonom
operierenden Systeme zügig zur Marktreife zu bringen.
Der aus Dänemark stammende Wirtschafts- und Verkehrsminister
Schleswig-Holsteins, Claus Ruhe Madsen, setzt sich
intensiv für moderne und intelligente Verkehrskonzepte ein. In
der Landeshauptstadt Kiel trennt die Kieler Förde das Stadtgebiet.
Eine emissionsfreie und vernetzte Personenfähre könne
den innerstädtischen Verkehr über das Wasser revolutionieren
und Kiel zum europäischen Vorreiter für maritime Innovationen
machen.
PK
MARITIMES CLUSTER NORDDEUTSCHLAND
Tagung zu kritischer Infrastruktur
Die Fachgruppe »Maritime Sicherheit« des Maritimen Clusters
Norddeutschland (MCN) hat in Bremen gemeinsam mit dem
Fraunhofer IFAM eine neue Konferenzreihe gestartet, um Kompetenzen
zum Schutz maritimer kritischer Infrastrukturen zu
bündeln. Wie Experten auf der Auftakttagung betonten, sind
maritime Objekte wie Häfen, Wasserwege, Offshore-Windparks
sowie Daten- und Pipelineverbindungen ungleich schwerer zu
sichern als Anlagen an Land.
Laut Frank Sill Torres, Leiter des DLR-Instituts für den Schutz
maritimer Infrastrukturen, erschweren große Entfernungen zur
Küste und Installationen unter Wasser eine schnelle Intervention.
Zu den größten, schwer erkennbaren Bedrohungen zählen
zudem Cyber-Attacken. Hanno Wiese vom Sicherheitsunternehmen
Cydome Security mahnte, in den Betrieben ein schärferes
Bewusstsein für digitale Gefahrenstellen zu entwickeln, da
Hacker-Angriffe auch zum Ausfall von Schiffsmaschinen führen
können. Jan Dalheimer vom Windenergieunternehmen Ørsted
kritisierte zudem fehlende rechtliche Rahmenbedingungen und
unklare Kostenregelungen bei Sicherheitsauflagen. Nach dem
Muster der Auftaktveranstaltung soll eine ganze Reihe weiterer
Tagungen folgen. Ziel der fortlaufenden MCN-Tagungsreihe ist
es, norddeutsche Technologiekompetenzen – von hydroakustischen
Sensoren bis zu autonomen Abwehrsystemen – sichtbarer
zu machen und zu vernetzen.
RD
BRANCHENTREFF IN KÖLN
Logistik im Fokus strategischer Resilienz
Die HGK Logistics and Intermodal (HGK
LI) hat in Köln den 4. Logistik Dialog
Rheinland ausgerichtet. Vor rund 250
Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft
und Politik forderte HGK-LI-CEO Markus
Krämer ein engeres Zusammenspiel
zwischen Industrie und Logistik, um die
Lieferketten angesichts konjunktureller
und geopolitischer Krisen widerstandsfähiger
zu machen. Logistik dürfe nicht
mehr nur als reiner Dienstleister, sondern
müsse als strategischer Partner
aller Stakeholder einer Lieferkette verstanden
werden.
RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt
mahnte in seiner Keynote zudem verstärkte
Infrastrukturinvestitionen anstelle
konsumptiver Staatsausgaben an,
um die Produktivität in Deutschland wieder
zu steigern.
In einer von Gesa Eberl moderierten
Podiumsdiskussion erörterten Dr. Sebastian
C. Schulte (CEO Deutz), Dr. Nicole
Grünewald (Präsidentin IHK Köln)
Diskutierten in Köln (v. l.): Carl-Philipp Sassenrath (MdB), Markus Krämer (CEO HGK LI), Nicole
Grünewald (IHK Köln), Sebastian C. Schulte (CEO Deutz) und Torsten Schmidt (RWI)
und der Bundestagsabgeordnete Carl-
Philipp Sassenrath (CDU) die aktuellen
Rahmenbedingungen. Als wesentliche
Wachstumsbremsen für den Standort
wurden dabei die hohen Energiepreise
sowie die dichte Regulierung identifiziert.
Zur Förderung intermodaler
Konzepte und der Verkehrsverlagerung
auf Schiene und Wasserstraße kündigte
die HGK LI die Auslobung eines neuen,
bundesweiten »Logistik Awards« für
Studierende an.
RD
© HGK/Constatin Ehrchen
Binnenschifffahrt 06 | 2026
11
POLITIK | REGULIERUNG
»Die Energiewende endet
nicht an der Küste«
Niedersachsens Wasserstraßennetz gilt dank seiner Kanäle als vergleichsweise robust gegen
Niedrigwasser. Dennoch drückt der Schuh beim Ausbautempo. Im großen »Binnenschifffahrt
trifft ...«-Interview fordert Minister Grant Hendrik Tonne mehr Tempo und Geld vom Bund
Niedersachsen nimmt im Gefüge der
deutschen Seeschifffahrt und der Hinterlandlogistik
eine solitäre Rolle ein. Als
einziges Bundesland verfügt es mit dem
Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven über
einen echten Container-Tiefwasserhafen,
der im vergangenen Jahr erstmals
die historische Marke von 1 Mio. TEU
Umschlag überschreiten konnte. Doch
während die seeseitigen Kapazitäten
wachsen und die Schienenanbindung
floriert, bleibt die Verzahnung mit dem
Binnenwasserstraßennetz an vielen Stellen
ein Nadelöhr. Die Herausforderungen
im Land zwischen Ems, Weser und
Elbe sind vielschichtig: Vom schleppenden
Schleusenneubau auf der Nordstrecke
des Dortmund-Ems-Kanals über die
Sanierung des Schiffshebewerks Scharnebeck
am Elbe-Seitenkanal bis hin zu
den Brückendurchfahrtshöhen am Mittellandkanal
– die Schnittstellen zur Binnenschifffahrt
verlangen nach massiven
Investitionen.
Gleichzeitig steht das Land im Zuge
der Dekarbonisierung vor einer gewaltigen
Transformation. Als künftiger Hub
für den Import von LNG und grünem
Wasserstoff müssen die niedersächsischen
Häfen als Energie-Drehscheiben
für die industriellen Kernräume Deutschlands
fungieren. In unserer Interviewserie
»Binnenschifffahrt trifft ...« spricht
Niedersachsens Minister für Wirtschaft,
Verkehr und Bauen, Grant Hendrik Tonne
(SPD), über den akuten Handlungsbedarf
in Berlin, die Lastenverteilung bei
der nationalen Hafenstrategie, den Fachkräftemangel
und die norddeutsche Kooperation
in der maritimen Logistik.
Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne
Herr Minister Tonne, Niedersachsen investiert
Milliarden in seine Häfen, fordert
aber zu Recht eine stärkere Beteiligung
des Bundes an diesen »nationalen Aufgaben«.
Wie bewerten Sie den aktuellen
Stand der Lastenverteilung – fühlen Sie
sich vom Bund bei der Finanzierung der
Binnen-Schnittstellen wie Kaimauern
oder Terminals ausreichend unterstützt?
Grant Hendrik Tonne: Die Häfen sind
systemrelevant und haben eine herausragende
nationale Bedeutung für
die Versorgungssicherheit und für die
Umsetzung der Energiewende. Gerade
mit Blick auf die Sicherheitspolitik
muss die Bundesregierung, gemeinsam
mit den Ländern, verstärkt Verantwortung
für die Hafeninfrastrukturen
übernehmen. Eine angemessene
und faire Beteiligung des Bundes an
der Finanzierung für Erhalt und Ausbau
von Hafeninfrastrukturen ist als
Bestandteil einer zukunftsorientierten
Hafenpolitik aus meiner Sicht unbedingt
erforderlich. Die Küstenländer
haben Lösungsansätze geliefert, aber
beim Bund hat sich noch nicht allzu
viel bewegt. Ich erwarte daher, dass
der Bund die Forderungen der Länder
nach einer adäquaten Erhöhung des
Bundesanteils an der Hafenfinanzierung
zukünftig ernst nimmt und sich
auf einen konstruktiven Dialog zur Erarbeitung
möglicher Lösungsoptionen
einlässt.
Sie haben ein Investitionsprogramm angekündigt.
Wie viel davon fließt explizit
in die Schnittstellen zur Binnenschifffahrt,
um die Straße zu entlasten?
Tonne: Die Infrastruktur im Land Niedersachsen
soll in den kommenden
Jahren massiv ausgebaut werden.
Mit ihren Haushaltplanungen hat die
Landesregierung die Grundlage für
das Zukunftsprogramm Infrastruktur
gelegt. Insbesondere über den Nachtragshaushalt
2025 und aus dem Anteil
am Sondervermögen für Infrastruktur
und Klimaneutralität wird Niedersachsen
zusätzlich in die Infrastruktur
investieren können. Zur Modernisierung
der Häfen werden 375 Mio. € eingeplant.
Neben dem Landesanteil für
Anleger für verflüssigte Gase (AVG)
in Wilhelmshaven sind weitere Investitionen
in Brake, Cuxhaven, Stade,
Emden, Norden/Norddeich und Wilhelmshaven
vorgesehen, die sich in
Kürze herauskristallisieren werden.
© Jonah Bublitz
12 Binnenschifffahrt 06 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
Der Ausbau der Nordstrecke des Dortmund-Ems-Kanals
(DEK) ist für den Hafen
Emden lebenswichtig. Wie bewerten
Sie das aktuelle Tempo des Bundes bei
den Schleusenneubauten, und wo muss
das Land Niedersachsen politisch in Berlin
stärker »nachstechen«?
Tonne: Ich muss offen sagen, dass ich
die aktuelle Geschwindigkeit der Bundesregierung
beim Bau der Schleusen
nicht zufriedenstellend finde. Die Verzögerungen
sind spürbar und stellen
eine erhebliche Belastung für die Wirtschaft
in der Region dar. Die ursprünglich
geplanten Zeitpläne wurden nicht
eingehalten, und die Gründe dafür
sind vielfältig. Niedersachsen hat
sich schon 2007 für den Ausbau der
Nordstrecke eingesetzt. Der Kooperationsvertrag
zwischen der Wasserstraßen-
und Schifffahrtsverwaltung des
Bundes und der Region, an dem auch
das Land beteiligt ist, ist ein Beweis
dafür. Wir haben uns damals verpflichtet,
Planungskosten zu übernehmen
und Personal bereitzuhalten, um eine
vorzeitige Fertigstellung der Schleusen
zu ermöglichen. Diese Initiative
zeigt unser Interesse an einer zügigen
Umsetzung. Allerdings reicht das bisherige
Engagement allein nicht aus.
Wir müssen in Berlin stärker nachsteuern
und die Bundesregierung zu
einer Beschleunigung der Bauarbeiten
bewegen. Konkret sehe ich die Notwendigkeit
ausreichender finanzieller
Mittel bei der Umsetzung von Wasserstraßenprojekten.
Der Elbe-Seitenkanal ist die Lebensader
für den Hamburger Hinterlandverkehr
durch Niedersachsen. Angesichts der
Bausubstanz wie am Schiffshebewerk
Scharnebeck: Wie sicher ist diese Route
für die Wirtschaft in den nächsten zehn
Jahren?
Tonne: Der Elbe-Seitenkanal ist in der
Tat eine Lebensader für den Güterverkehr
zwischen Hamburg und dem
niedersächsischen Hinterland. Er ermöglicht
eine effiziente und umweltfreundliche
Verlagerung von Gütern
auf die Wasserstraße und entlastet
damit unsere Straßen und Schienen.
Die wirtschaftliche Bedeutung ist unbestritten
und für viele Unternehmen
von entscheidender Bedeutung.
An der Sicherheit dieser Route habe
ich keinen Zweifel. Die WSV führt regelmäßige
Inspektionen und Wartungsarbeiten
durch, um die Funktionsfähigkeit
der technischen Anlagen zu
gewährleisten und potenzielle Risiken
zu minimieren. Hier macht sie einen
sehr guten Job.
Besonders erfreulich ist unsere
intensive Zusammenarbeit mit dem
Land Hamburg, der WSV und der Industrie-
und Handelskammer. Wir
haben eine wichtige Kooperationsvereinbarung
für einen vorgezogenen
Ersatzneubau der Schleuse Lüneburg
geschlossen. Dieser Neubau für größere
Schiffe ist ein entscheidender
Schritt, um die Leistungsfähigkeit des
Elbe-Seitenkanals langfristig zu verbessern.
Die Kooperation mit Hamburg
und den anderen Partnern ist dabei
ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Niedersachsen ist Vorreiter bei LNG- und
künftig Wasserstoff-Terminals. Welche
Rolle spielt das Binnenschiff in Ihrer
Strategie für die Verteilung grüner Gase
ins Hinterland?
Tonne: Die Binnenschifffahrt hat beim
Wandel hin zu einer klimaneutralen Industrie
neue Chancen. Mit dem Rück-
POLITIK | REGULIERUNG
gang klassischer Transportgüter wie
Kohle entstehen freie Kapazitäten, die
perspektivisch für alternative Energieträger
wie Wasserstoff genutzt werden
können. Das Binnenschiff wird in
einer Gesamtstrategie für den Transport
erneuerbarer Energieträger eine
deutlich stärkere Rolle spielen als bisher.
Wenn wir Flüssigerdgas-Terminals
heute und Wasserstoff‐Terminals
in Zukunft betreiben, dann ist klar:
Die Energiewende endet nicht an der
Küste. Sie braucht leistungsfähige, klimafreundliche
und verlässliche Transportwege
ins Hinterland – und genau
hier bietet die Binnenschifffahrt große
Chancen.
Unsere Häfen sind über Wasserstraßen
direkt mit den industriellen
Kernen Deutschlands verbunden. Das
entlastet Straßen- und Schienennetze.
Das Binnenschiff trägt zu einem
robusten Gesamtsystem bei und wird
künftig ein integraler Bestandteil der
Versorgungslogistik sein. Für uns ist
klar: Ohne leistungsfähige Binnenwasserstraßen
können wir die Potenziale
unserer Terminals nicht vollständig
nutzen. Das Binnenschiff ist damit
ein wichtiger Baustein für die Versorgungssicherheit,
für die Dekarbonisierung
der Industrie – und für den Erfolg
der Energiewende insgesamt.
Der Mittellandkanal (MLK) ist das Rückgrat
der deutschen Wasserstraßen.
Dennoch gibt es weiterhin Engpässe bei
Brückendurchfahrtshöhen für Containerverkehre.
Welchen Zeitplan verfolgen
Sie, um hier gemeinsam mit der WSV
Barrieren abzubauen?
Tonne: Der MLK ist eine Zentralachse
der Wirtschaft und leistet einen wesentlichen
Beitrag zur Verlagerung
von Gütern auf die Wasserstraße, was
wiederum zur Reduzierung von CO 2
-
Emissionen dient. Ein wichtiger Schritt
zur Verbesserung der Situation ist die
2022 in Kraft getretene Änderung der
Verordnung über das Landes-Raumordnungsprogramm
(LROP). Diese
Verordnung sieht nun eine flexiblere
Auslegung der Brückenhöhen für Wasserstraßenkreuzungen
vor. Konkret
bedeutet dies, dass bei Neubauten
und umfassenden Sanierungen von
Brücken die Anforderungen an die
Durchfahrtshöhe stärker an den aktuellen
und zukünftigen Bedarf des
Wasserstraßenverkehrs angepasst
werden können.
Das LROP ermöglicht es, bei der Planung
und Umsetzung von Projekten
stärker auf die Bedürfnisse der Wasserwirtschaft
einzugehen und gleichzeitig
wirtschaftliche und ökologische Aspekte
zu berücksichtigen. Die zu niedrigen
Brücken haben meistens ein mittleres
bis hohes Alter und müssen im Verlauf
der Jahre durch Neubauten ersetzt werden.
Der Ersatz der Brücken kann als
reiner 1:1-Ersatz ohne Veränderung der
Brückengeometrie oder unter Anpassung
an eine ausreichende Durchfahrtshöhe
für Containertransporte erfolgen.
Der Klimawandel trifft Niedersachsen
doppelt – durch Niedrigwasser in der
Elbe und die Notwendigkeit der Entwässerung
an der Küste. Wie will das Land
sicherstellen, dass die Binnenschifffahrt
auch bei künftigen Trockenperioden eine
verlässliche Option bleibt?
Tonne: Die Binnenschifffahrt ist ein
wichtiger Pfeiler unserer Verkehrsinfrastruktur
und trägt maßgeblich zur
wirtschaftlichen Entwicklung Niedersachsens
bei, wir sprachen bereits
über Klimafreundlichkeit und die Entlastung
von Straßen. Daher haben wir
besonders im Auge, die Verlässlichkeit
zu sichern. Ich betone, dass das
niedersächsische Wasserstraßennetz
im Vergleich zu anderen Regionen
eine relativ robuste Struktur aufweist,
denn es besteht aus Kanälen und stauregulierten
Wasserstraßen. Diese
Bauweise ermöglicht es, den Wasserstand
auch bei Trockenperioden besser
zu kontrollieren und die Schifffahrt
aufrechtzuerhalten. Die Abschnitte,
die von Niedrigwasser betroffen sein
können, sind sehr gering.
Die Häfen in Hamburg, Bremen/Bremerhaven
und Niedersachsen konkurrieren
oft, hängen aber bei der Hinterlandanbindung
am selben Tropf. Wie konkret ist
die Abstimmung mit Ihren Kollegen, um
die Binnenschifffahrt als Entlastungsstrategie
für die überlasteten Schienenkorridore
zu etablieren?
Tonne: Wir sind im norddeutschen
Verbund keine Konkurrenten, sondern
Partner, und arbeiten in verschiedensten
Themenstellungen eng zusammen.
Neben Hamburg und Bremen ge-
Spende und werde ein Teil von uns.
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14 Binnenschifffahrt 06 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
hören hierzu auch Schleswig-Holstein
und Mecklenburg-Vorpommern. Insbesondere
bei der Binnenschifffahrt
gab es seit längerer Zeit eine Zusammenarbeit
im SPC und neuerdings im
Deutschen Maritimen Zentrum (DMZ).
Das DMZ verfolgt mit dem Projekt
»Strategie für Short-Sea-Shipping« das
Ziel, den Kurzstreckenseeverkehr mit
dem Weitertransport durch das Binnenschiff
zu verknüpfen. Der Fokus
liegt dabei auf der Verlagerung von
Straßengüterverkehren, insbesondere
von Groß- und Schwertransporten,
auf Küsten- und Binnenwasserstraßen
sowie der Entwicklung innovativer Ansätze
zur Verkehrsverlagerung.
Der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven
ist ein Gigant der Meere, doch die Anbindung
an das Binnenschiffsnetz bleibt
hinter den Erwartungen zurück. Welche
konkreten Maßnahmen plant das Land,
um das Binnenschiff als echten Partner
im Hinterlandverkehr der niedersächsischen
Seehäfen zu etablieren?
Tonne: Zunächst einmal sprechen Sie
absolut richtig an, dass wir in Niedersachsen
Deutschlands einzigen Container-Tiefwasserhafen
haben, der
ideale Bedingungen für die neueste
Generation von Großcontainerschiffen
bietet. Der Eurogate Container Terminal
hat damit am Jade-Weser-Port
ein Alleinstellungsmerkmal unter den
deutschen Nordseehäfen. Seit der Beteiligung
der Reederei Hapag-Lloyd im
Jahr 2022 ist am Jade-Weser-Port eine
signifikante Erweiterung des Liniendienstangebotes
und starke Zunahme
des Containerumschlages zu verzeichnen.
Erstmalig wurde 2025 die Millionenmarke
beim Container-Umschlag
überschritten. Auch wenn es sich mit
der Anbindung des Jade-Weser-Ports
an das Binnenschiffsnetz anders als in
Traditionsstandorten wie Rotterdam
oder Duisburg verhält, so ist der Jade-
Weser-Port sehr gut an das Hinterland
über Schiene und Straße angebunden.
Mit der Elektrifizierung der Bahnstrecke
Oldenburg-Wilhelmshaven seit
Ende 2022 und der Aufnahme des in
das Netzwerk der Gemini Cooperation
von Hapag-Lloyd und Maersk ab 2025
haben auch die Bahnverkehre stark
zugenommen: Bei einer Gesamtzahl
von rund 3.100 Zügen wurden 155.000
TEU per Bahn transportiert. Das sind
22 % mehr als 2024.
Der Bund hat die Mittel für die Ausbildungsförderung
leicht angehoben.
Reicht das aus, um junge Menschen für
diesen Beruf zu begeistern, oder muss
das Land eigene Anreize setzen?
Tonne: Die Erhöhung der Bundesmittel
für die Ausbildungsförderung im
Jahr 2026 ist ein Schritt in die richtige
Richtung, aber ob sie allein ausreicht,
um junge Menschen für die Binnenschifffahrt
zu begeistern, ist fraglich.
Der Fachkräftemangel betrifft viele
Branchen und hat sich – befördert
durch den demografischen Wandel -
zu einem flächendeckenden Problem
entwickelt. Die Binnenschifffahrt steht
dabei im Wettbewerb mit anderen Berufen.
Hier ist in erster Linie die Branche
selbst gefragt, die Attraktivität des
Berufs auszugestalten, dessen Vorteile
– Unabhängigkeit, Abwechslung,
gute Verdienstmöglichkeiten, Beitrag
zur Nachhaltigkeit – hervorzuheben
und ein positives Image zu vermitteln.
In Niedersachsen gibt es bereits Testfelder
für automatisiertes Fahren auf dem
Wasser. Wie schätzen Sie das Potenzial
für autonom agierende Binnenschiffe
auf Kanälen wie dem Mittellandkanal
ein, um den massiven Fachkräftemangel
langfristig aufzufangen? Wird das Land
hier gezielt Reallabore fördern?
Tonne: Ein automatisiertes Fahren
könnte sicherlich den Fachkräftebedarf
reduzieren. Kanäle eignen sich
als ruhiges Fahrwasser generell gut
für eine Automatisierung. Zu beachten
ist jedoch, dass der Mittellandkanal
eine Bundeswasserstraße ist, womit
der Bund maßgeblich die Regeln des
Befahrens und der übrigen Rahmenbedingungen
festlegt. Darüber hinaus
hat der Bund aber die Bedeutung der
autonomen Schifffahrt seit mehreren
Jahren erkannt. Mit dem Förderprogramm
»Digitale Testfelder Wasserstraßen
(DTW)«, »Digitale Testfelder
Häfen (Digi Test)« wurden bereits zahlreiche
Projekte gefördert, wie beispielsweise
ein Projekt am Stichkanal
Hildesheim. Insofern ist hier momentan
eine landesbezogene Förderung
generell nicht vorgesehen.
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Binnenschifffahrt 06 | 2026
15
POLITIK | REGULIERUNG
ZKR schafft rechtliche Leitplanken für
Spurführungsassistenten
Die Automatisierung der Rheinschifffahrt erreicht die nächste Stufe. Die ZKR regelt
den Einsatz von Spurführungsassistenten (TGAIN) neu und schafft damit Rechts- und
Planungssicherheit für Reeder, Schiffsführer und Systemhersteller im Revier
Die sukzessive Digitalisierung und Automatisierung
der Binnenschifffahrt stellt
die internationalen Regulierungsgremien
vor permanente Herausforderungen.
Um mit der schnellen technologischen
Entwicklung im Bereich der Navigationsunterstützung
Schritt zu halten, hat die
Zentralkommission für die Rheinschifffahrt
(ZKR) nun ein wegweisendes Regelwerk
verabschiedet. Mit den neu in Kraft
gesetzten übergangsweisen Bestimmungen
zur Nutzung von Spurführungsassistenten
(Track Guidance Assistant for
Inland Navigation, kurz: TGAIN) reagiert
das Gremium auf das wachsende Marktangebot
und das große Interesse an teilautomatisierten
Fahrsystemen.
Die Neuregelung schließt eine regulatorische
Lücke. Bislang fehlte ein einheitlicher,
verbindlicher Rechtsrahmen, der
die technischen Mindeststandards sowie
die Pflichten des Schiffsführers beim
Einsatz solcher Systeme im täglichen
Betrieb definierte. Die temporären Vorschriften
sollen nun so lange als rechtliche
Basis dienen, bis eine dauerhafte
und vollumfängliche Integration in das
reguläre Rheinschifffahrtsrecht sowie in
die Rheinschiffsuntersuchungsordnung
(RheinSchUO) erfolgt.
Strenge Anforderungen an
Hard- und Software
Der Beschluss der ZKR knüpft die Zulassung
und den Betrieb von TGAIN-Systemen
an einen detaillierten Katalog technischer
Kriterien. Ein Kernpunkt ist die
Ausfallsicherheit und die Systemarchitektur:
Der Spurführungsassistent muss
als reines Assistenzsystem konzipiert
sein, das permanent durch den Schiffsführer
überwacht wird. Jedes System
muss zwingend über eine zuverlässige
Reger Verkehr auf dem Niederrhein bei Wesel: Für Fahrzeuge auf dem Rhein gelten seit Juni
neue Regeln zur Nutzung von Spurführungsassistenten
Übersteuerungsfunktion (»Override«)
verfügen. Das bedeutet, dass der Schiffsführer
zu jedem Zeitpunkt und ohne zeitliche
Verzögerung per manuellem Eingriff
am Ruder oder an den Fahrhebeln
die volle Kontrolle über die Kursführung
des Schiffes zurückerlangen muss.
Der Schiffsführer bleibt in
der Verantwortung
Darüber hinaus werden hohe Anforderungen
an die Sensorik und die Verknüpfung
der Geodaten gestellt. Das TGAIN-
System muss die Position des Schiffes
über hochpräzise Satellitennavigation
(GNSS) in Kombination mit Korrekturdatendiensten
sowie dem bordeigenen
Radar und Inland ECDIS abgleichen.
Zudem ist eine lückenlose optische und
akustische Alarmierung vorgeschrieben,
falls das System eine Abweichung
von der definierten Ideallinie registriert
oder Sensorausfälle die präzise Spurführung
gefährden. Betrieblich stellt die
ZKR unmissverständlich klar, dass die
Verantwortung durch den Einsatz der
Automatisierungstechnik nicht verlagert
wird. Der Schiffsführer bleibt auch bei
aktiviertem Spurhalteassistenten vollumfänglich
für die sichere Schiffsführung,
die Einhaltung der Verkehrsvorschriften
und die ständige visuelle und funktechnische
Raumbeobachtung verantwortlich.
Das System dient der kognitiven Entlastung
des Personals und zur Steigerung
der Kurspräzision – insbesondere auf
langen Distanzen oder bei anspruchsvollen
Sichtverhältnissen –, darf jedoch
nicht zur Reduzierung der geforderten
Brückenbesatzung führen.
Für die Hersteller und Reeder bedeuten
die Straßburger Beschlüsse vor allem
Planungssicherheit. Systeme, die den
neuen übergangsweisen Kriterien entsprechen,
können ab sofort legal auf dem
Rhein eingesetzt werden. Die gesammelten
Erfahrungen aus dieser Übergangsphase
sollen direkt in die Erarbeitung der
künftigen, europäisch harmonisierten
Standard-Regelwerke einfließen. PK
© Kleinort
16 Binnenschifffahrt 06 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
Mittel aus dem Sondervermögen für den
Ausbau der Wasserstraßen nutzen
Der Vorstoß des Maritimen Koordinators Christoph Ploß, das Infrastruktur-Sondervermögen
des Bundes auch für Häfen zu öffnen, stößt auf breite Zustimmung. Die Verbände fordern ein
schnelles Ende des Sanierungsstaus an den Wasserwegen
reinen regionalen Handelsdrehscheiben mehr seien, sondern
eine gesamtstaatliche, strategische Bedeutung für die nationale
Energieversorgung sowie für die Sicherheit des Landes besäßen.
Eine aktuelle ZDS-Mitgliederbefragung beziffert den Finanzierungsbedarf
der Seehafeninfrastruktur auf rund 15 Mrd. €.
Der Verband pocht darauf, dass Bund und Länder gemeinsam
Verantwortung übernehmen und das Sondervermögen nutzen,
um baureife Großprojekte sofort anzuschieben. Ploß verwies darauf,
dass die maritime Infrastruktur für die anstehenden Transformationsprozesse
– etwa den Umschlag von Wasserstoff – ein
Vielfaches an Kapital benötige.
PK
© BMWE/Tobias Koch
Der Maritime Koordinator Christoph Ploß (CDU) will das Sondervermögen
auch für Wasserstraßen öffnen
Der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Christoph
Ploß (CDU), hat sich dafür ausgesprochen, das Sondervermögen
Infrastruktur des Bundes flexibler zu handhaben und explizit
für bundespolitisch bedeutsame Hafenprojekte sowie
Bundeswasserstraßen zu öffnen. Bislang sind die veranschlagten
500 Mrd. €, die in den kommenden zwölf Jahren investiert
werden sollen, primär für Schiene und Straße reserviert. Ein
Zustand, der angesichts maroder Schleusen und schwindender
Wettbewerbsfähigkeit in der maritimen Wirtschaft auf massives
Unverständnis stößt.
Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbandes der
Deutschen Binnenschifffahrt, begrüßte die Initiative ausdrücklich
als dringend notwendigen Schritt. Schwanen warnt aber davor,
dass die Leistungsfähigkeit der Binnenschifffahrt und damit
das logistische Fundament der verladenden Industrie massiv
ausgebremst werden, wenn Schleusen und Hebewerke weiterhin
altersbedingt ausfallen oder bekannte Engpässe im Wasserstraßennetz
die Logistikprozesse im Hinterland unvorhersehbar
blockieren. Der massive Sanierungsstau an den Bundeswasserstraßen
lasse sich ohne zusätzliche Haushaltsmittel abseits der
klassischen Budgets kaum mehr zeitnah bewältigen.
Flankiert wird die Forderung vom Zentralverband der deutschen
Seehafenbetriebe (ZDS). Hauptgeschäftsführer Florian
Keisinger unterstrich, dass die deutschen Häfen längst keine
Uns ist nichts
zu schwer.
Starke Leistung
an jeder Kaje.
POLITIK | REGULIERUNG
Baurecht für den Donau-Engpass:
Ein Meilenstein mit Beigeschmack
Für den 32 km langen Teilabschnitt zwischen Deggendorf und Vilshofen liegt der
Planfeststellungsbeschluss vor. Doch in die Erleichterung über das Ende des jahrzehntelangen
Stillstands mischt sich erhebliche Kritik am finalen Kompromiss. Von Peter Kleinort
© Wiges/GDWS
Bessere Bedingungen für die Schifffahrt: Die fahrrinnentechnischen Optimierungen unterhalb von Deggendorf sollen Transportketten auf der
Donau künftig verlässlicher machen
Es ist eine Nachricht von enormer
politischer Tragweite für den transeuropäischen
Güterverkehr: Die Planfeststellungsbehörde
bei der Generaldirektion
für Wasserstraßen und
Schifffahrt (GDWS) am Standort Würzburg
hat den offiziellen Beschluss für
den intensiv diskutierten Teilabschnitt 2
des Donauausbaus erlassen. Damit
herrscht rechtliche Klarheit für den rund
32 km langen Flussabschnitt zwischen
der Isarmündung bei Deggendorf und
Vilshofen. Das Großprojekt kombiniert
fahrrinnentechnische Optimierungen
der Bundeswasserstraße mit einem umfassenden
Ausbau des regionalen Hochwasserschutzes.
Nach dem langjährigen
und komplexen Planungsverfahren sollen
nun zügig die ersten offiziellen Ausschreibungen
starten. Geht es nach den
Projektpartnern, sollen bereits im kommenden
Herbst die Bagger in Niederbayern
anrollen.
Wer die Geschichte des Donauausbaus
verfolgt, weiß, dass der nun vorliegende
Beschluss das vorläufige Ende
einer der am längsten geführten Infrastrukturdebatten
der Bundesrepublik
markiert. Bereits seit den 1980er-Jahren
stehen sich an der frei fließenden Donau
Umweltschützer, die das sensible Ökosystem
des Stroms bewahren wollen,
und die verkehrspolitischen Akteure
unversöhnlich gegenüber. Um den verhärteten
Fronten zu begegnen, einigten
sich Politik, Verbände und Ökologen vor
Jahren auf ein wissenschaftlich begleitetes
Monitoringverfahren. Auch der
Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt
(BDB) brachte hier über Jahre
hinweg enorme personelle und fachliche
Ressourcen ein, um eine tragfähige und
wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlage
zu erarbeiten.
Im Zentrum der damaligen Untersuchungen
standen zwei Hauptvarianten:
Die Variante C 280, die unter anderem
ein umweltverträgliches Stauwehr in der
Mühlhamer Schleife vorsah und eine
nahezu ganzjährige verlässliche Abladetiefe
von 2,50 m an über 300 Tagen
18 Binnenschifffahrt 06 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
versprach, sowie die rein flussregelnde
Variante A. Beide Ansätze wurden von
der damaligen Monitoringgruppe als
ökologisch ausgleichbar eingestuft. Dass
die bayerische Politik am Ende aus rein
taktischen Erwägungen und mit Blick auf
die Wählergunst in den betroffenen Anreinerkreisen
den mühsam austarierten
Expertenkompromiss verwarf, sorgt bis
heute für Nachhall.
© Wiges/GDWS
Ernüchterung in der
Schifffahrtsbranche
Aus Branchenkreisen ist im Nachgang
zum aktuellen Beschluss eine tiefe Ernüchterung
zu vernehmen. Hinter vorgehaltener
Hand sprechen langjährige
Wegbegleiter des Verfahrens von einer
beispiellosen Vergeudung von Lebenszeit
und Energie. Der Vorwurf wiegt
schwer: Man habe über Jahre hinweg
in aufwendigen Gremien um die besten
Konzepte gerungen, nur damit die Politik
am Ende ein Ergebnis präsentiert, das
sich meilenweit vom logistisch Sinnvollen
entfernt hat.
Das, was nun im Teilabschnitt 2 baulich
umgesetzt wird, stellt aus Sicht der
Binnenschiffer lediglich ein Minimalprogramm
dar. Zwar verbessern die reinen
Sohlschwellen und Buhnenmodifikationen
die Situation punktuell, im Ergebnis
führt dies im langjährigen Mittel jedoch
zu gerade einmal rund 20 zusätzlichen
Tagen im Jahr, an denen voll abgeladene
Schiffe den Abschnitt problemlos
passieren können. Zum Vergleich: Ein
mutigerer Ausbau, der die ökologischen
Belange des letzten frei fließenden Donauabschnitts
respektiert hätte, ohne
den verkehrlichen Nutzen komplett zu
beschneiden, hätte der europäischen
Logistik ein Vielfaches an Verlässlichkeit
gebracht.
Engpass im Fokus: Der rund 32 km lange Donauabschnitt zwischen Deggendorf und Vilshofen
erhält nach jahrelanger Planung endlich das ersehnte Baurecht
Kombiniertes Großprojekt: Neben den wasserbaulichen Maßnahmen für die Binnenschifffahrt
investiert der Bund massiv in moderne Hochwasserschutzanlagen für die Region
Die Reaktionen der Wirtschaft fallen
entsprechend verhalten aus. Man verbucht
den Planfeststellungsbeschluss
zwar als positiven Impuls, weil nach Jahrzehnten
des politischen Taktierens und
des faktischen Stillstands überhaupt etwas
geschieht. Für moderne, intermodale
Logistikketten, die auf präzise Taktung
und verlässliche Abladetiefen angewiesen
sind, bleibt die Donau in Niederbayern
jedoch das schwächste Glied in
der transeuropäischen Achse zwischen
Nordsee und Schwarzem Meer.
Die Projektpartner – darunter die ausbaugestaltende
Wiges, die Wasserstraßen-
und Schifffahrtsverwaltung (WSV)
sowie das Wasserwirtschaftsamt Deggendorf
– betonen indes den doppelten
Nutzen des Vorhabens. Neben den fahrrinnentechnischen
Optimierungen für
die Schifffahrt wird massiv in moderne
Hochwasserschutzanlagen investiert.
Die lokalen Gemeinden sollen künftig
flächendeckend vor einem 100-jährlichen
Hochwasser geschützt werden.
Wie komplex und sensibel das Verfahren
bis zuletzt war, zeigt die Zahl von rund
300 Einwendungen, die von der Behörde
im Vorfeld abgearbeitet werden mussten.
Der Beschluss lag Ende Mai und Anfang
Juni zur öffentlichen Einsichtnahme
aus. Ob und in welchem Umfang nun
noch Klagen von Umweltverbänden den
für Herbst geplanten Baustart verzögern
werden, bleibt abzuwarten. ■
© Wiges/GDWS
Binnenschifffahrt 06 | 2026
19
SCHIFFFAHRT
Elbe-Pegel sorgen für »Frühjahrsboom«
im Schwergutsegment
Dank stabiler Fahrrinnenbedingungen verzeichneten die Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe
(SBO) gemeinsam mit ihrer tschechischen Tochtergesellschaft CSP eine markante Belebung im
Projektgeschäft. 40 Großverladungen wurden binnen fünf Wochen realisiert
© SBO
Stabile Wasserstände an der Oberelbe ermöglichten den reibungslosen Umschlag von Projektladungen mit Stückgewichten von bis zu 225 t in
Dresden und Lovosice
Wenn der Wasserstand der Elbe mitspielt,
entfaltet die Wasserstraße ihre
volle logistische Leistungsfähigkeit. Die
Standorte Dresden und das tschechische
Lovosice blicken auf einen regelrechten
Frühjahrsboom im Schwergutsegment
zurück. Wie die Sächsische Binnenhäfen
Oberelbe (SBO) mitteilte, wickelten die
Hafengesellschaft und ihre tschechische
Tochtergesellschaft Česko-saské přístavy
(CSP) innerhalb von nur fünf Wochen insgesamt
40 komplexe Projektverladungen
im Import- und Exportgeschäft ab.
Das Spektrum der umgeschlagenen
Industrieanlagen war breit gefächert:
Schwere Transformatoren, Generatoren,
großvolumige Tanks und sogenannte
Coldboxen gehörten zum anspruchsvollen
Portfolio. Mit Stückgewichten von bis
zu 225 t stießen die Komponenten dabei
in Dimensionen vor, die auf dem Straßennetz
nur mit extremem logistischem und
bürokratischem Aufwand zu bewältigen
gewesen wären.
Insgesamt kamen 24 Binnenschiffe
zum Einsatz, um die großformatigen Güter
abzutransportieren oder anzuliefern.
Der Umschlag erfolgte größtenteils über
die leistungsstarken stationären Schwerlastkräne
der Elbhäfen. Aufgrund der
teils außergewöhnlichen Abmessungen
der Frachtstücke musste in Einzelfällen
zusätzliche Mobilkrantechnik zur Unterstützung
an die Kaikanten angefordert
werden.
Die SBO betont, dass diese positive
Bilanz die systemische Bedeutung der
Elbe als unverzichtbaren, umweltfreundlichen
Verkehrsweg für internationale
Schwerguttransporte unterstreicht – vorausgesetzt,
die Fahrrinnenbedingungen
bleiben nachhaltig stabil. Auch für
die kommenden Wochen signalisiert die
Auftragsliste der SBO-Häfen eine Fortsetzung
des positiven Trends, insofern
die Pegelstände weiterhin eine wirtschaftliche
und sichere Abladeoptimierung
der Schiffe zulassen. PK
20 Binnenschifffahrt 06 | 2026
KAISPEICHER B | KOREASTRASSE 1 | 20457 HAMBURG
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ÖFFNUNGSZEITEN: TÄGLICH 10 BIS 18 UHR
Hamburgs
maritimesmes Herz
SCHIFFFAHRT
Historischer Raddampfer sucht
eine neue Zukunft
Ein schwimmendes Denkmal der Superlative sucht per Online-Auktion eine neue Zukunft: Der
1926 als »Rheinland« erbaute, größte noch fahrbereite Schaufelraddampfer Europas wird im Juni
über das spezialisierte Auktionshaus Troostwijk versteigert. Von Peter Kleinort
Es ist eine Nachricht, die die Herzen von Traditionslinien- und
Dampfschiff-Enthusiasten nicht nur am Rhein aufhorchen lässt
und gleichzeitig Bewegung in den Markt für maritime Raritäten
bringt: Die geschichtsträchtige »De Majesteit«, besser bekannt
unter ihrem stolzen Originalnamen »Rheinland«, steht vor einem
Eigentümerwechsel. Das 1926 auf der renommierten Sachsenberg-Werft
in Köln-Deutz für die Köln-Düsseldorfer (KD) erbaute
Schiff gilt als ein Meilenstein des europäischen Schiffbaus und
war bei seiner Indienststellung der größte Raddampfer auf dem
Rhein. Mit ihren beeindruckenden Abmessungen und der eleganten
Linienführung prägte die »Rheinland« über Jahrzehnte
den gehobenen Personenverkehr auf dem Strom. Nach einer
wechselvollen Historie fand der maritime Veteran in den Niederlanden
ein neues Zuhause. In Rotterdam wurde der Dampfer
umfassend und mit viel Liebe zum Detail restauriert und lief dort
seither unter dem passenden Namen »De Majesteit« als einer
der glanzvollsten Event- und Nostalgiedampfer Europas für exklusive
Charterfahrten aus. An Bord versprühen die prachtvollen
Salons im originalen Art-déco-Stil den Charme der goldenen
Zwanzigerjahre, während im Herz des Giganten eine imposante,
offene Zweizylinder-Verbunddampfmaschine arbeitet.
Verkaufsprozess über Troostwijk Auctions
Kadlec & Brödlin GmbH
SCHIFFSELEKTRIK
KOMMUNIKATION
ELEKTRONIK
NAVIGATION
80% Förderung
Dass ein solch geschichtsträchtiges und vor allem voll funktionsfähiges
Juwel nun zum Verkauf steht, führt zu einem besonderen
Verfahren: Der Verkauf wird nicht freihändig, sondern im
Rahmen einer professionellen Online-Auktion über das namhafte
Industrie-Auktionshaus Troostwijk Auctions abgewickelt.
Troostwijk gilt als Europas größtes B2B-Auktionshaus für Industrie-
und Investitionsgüter und verfügt über die nötige globale
Reichweite, um für ein solch spezielles maritimes Kulturgut
internationale Investoren und Liebhaber anzusprechen.
Der strukturierte Auktionsprozess bietet potenziellen Käufern
maximale Transparenz. Ab Mitte Juni können nach vorheriger
Registrierung auf der Plattform von Troostwijk offizielle Gebote
für den schwimmenden Palast abgegeben werden. Um ernsthaften
Interessenten und Gutachtern die Möglichkeit zu geben,
den Zustand der Maschine und der historischen Substanz genau
unter die Lupe zu nehmen, sind im Vorfeld dedizierte Besichtigungstage
direkt am aktuellen Liegeplatz des Schiffes in
Rotterdam anberaumt.
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Rückkehr an den Rhein?
In der Branche wird bereits lebhaft darüber diskutiert, wo die
Reise für die »Rheinland« hingehen könnte. Während man in
den Niederlanden auf einen Verbleib im dortigen Eventgeschäft
hofft, träumen nicht wenige Enthusiasten am Mittel- und Niederrhein
von einer spektakulären Rückkehr des Dampfers in seine
alte Heimat. Wer auch immer im Juni bei Troostwijk den finalen
Zuschlag erhält, übernimmt nicht nur eine außergewöhnliche
Eventlocation, sondern auch die Verantwortung für ein unschätzbares
Stück europäischer Schifffahrtsgeschichte. ■
22 Binnenschifffahrt 06 | 2026
SCHIFFFAHRT
Gebote ab Juni: Das europäische Industrie-Auktionshaus Troostwijk versteigert den prachtvollen, 1926 gebauten Raddampfer in einem transparenten
Online-Verfahren
© bertknot - merwekade, CC BY-SA 2.0
Deutschlands einzige Fachmesse
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Binnenschifffahrt 06 | 2026
23
SCHIFFSTECHNIK
»Die Schifffahrt ist für uns ein stark
wachsendes Geschäftsfeld«
Menzel Elektromotoren setzt auf maßgeschneiderte Antriebslösungen für anspruchsvolle
Industrieanwendungen weltweit. Geschäftsführer Mathis Menzel spricht über Energieeffizienz,
Wachstum und die Rolle des Familienunternehmens im internationalen Markt
Herr Menzel, welchen Stellenwert hat
die Schifffahrt heute im Geschäft Ihres
Unternehmens?
Mathis Menzel: Die Schifffahrt ist für
uns ein stark wachsendes Geschäftsfeld.
Historisch waren wir vor allem in
der klassischen Schwerindustrie tätig.
Durch die immer größer werdenden
Schiffsmotoren und die zunehmende
Elektrifizierung ist die maritime Anwendung
jedoch in den vergangenen
20 Jahren zunehmend in unser Produktportfolio
hineingewachsen. Seitdem
verzeichnen wir hier ein kontinuierliches
Wachstum.
Für welche konkreten Anwendungen an
Bord liefern Sie derzeit am häufigsten
Elektromotoren?
Menzel: Am häufigsten liefern wir Motoren
für Bugstrahlruder, gefolgt von
großen Pumpenanwendungen, etwa
im Bereich Feuerlöschsysteme oder
auf Dredgern. Mittlerweile realisieren
wir auch mehr und mehr Hauptfahrantriebe.
Entfallen Ihre maritimen Projekte überwiegend
auf Neubauten oder auf Retrofit-
und Ersatzlösungen im Bestand?
Menzel: Historisch waren wir – auch
dank unseres sehr großen Lagerbestands
und unserer schnellen Lieferfähigkeit
– stark im Retrofit- und Ersatzgeschäft
dabei. Insbesondere im
Bereich oberhalb der Normmotoren,
also in der Regel über 300 kW, verfügen
wir über einen weltweit nahezu
einzigartigen Lagerbestand.
Dadurch können wir häufig sehr
kurzfristig Lösungen anbieten. Seit
etwa zehn Jahren sind wir auch zunehmend
in Neuprojekten aktiv,
die wir natürliche genauso gern
bedienen.
Mathis Menzel
Geschäftsführer bei Menzel Elektromotoren
Welche technischen Besonderheiten
unterscheiden maritime Elektromotoren
von industriellen Standardantrieben?
Menzel: Wenn Sie an Land hochwertige
Motoren für anspruchsvolle Anwendungen
bauen, sind die Unterschiede
gar nicht so groß. Verglichen mit maritimen
Anwendungen, spielen Gewicht
und Volumen an Bord eines Schiffes
eine deutlich größere Rolle als in stationären
Industrieanlagen.Ansonsten
sind viele Anforderungen vergleichbar.
Beispielsweise sind die Anforderungen
an den Korrosionsschutz in einer Chemiefabrik
durchaus mit denen an Bord
eines Schiffes vergleichbar.
Welche Rolle spielen Schutzarten, Kühlkonzepte
und Korrosionsschutz bei der
Auslegung Ihrer Motoren?
Menzel: See- und Landanwendungen
sind hier sehr ähnlich: es gibt keine
pauschale Standardlösung bei uns. Für
jede Anwendung finden wir gemeinsam
mit dem Kunden die passende
© Pradella/ Menzel
Ausführung. Genau darin liegt unser
Mehrwert als mittelständisches Unternehmen.
Wir hören unseren Kunden
zu und entwickeln die technisch und
wirtschaftlich bestmögliche Lösung
für den jeweiligen Einsatzfall.
In welchem Umfang beeinflussen Klassifikationsgesellschaften
Konstruktion,
Dokumentation und Tests?
Menzel: Auf Konstruktion und Dokumentation
haben Klassifikationsgesellschaften
aus unserer Sicht vergleichsweise
wenig Einfluss – hier sind
erfahrene Kunden und unsere eigene
technische Expertise häufig deutlich
strenger. Bei Tests hingegen ist der
Einfluss sehr groß, weil sie für die Abnahme
vorgeschrieben sind. An Land
sind vergleichbare Abnahmen nicht
zwingend erforderlich – selbstverständlich
halten wir aber auch dort alle
Vorgaben und vereinbarten Leistungswerte
ein.
Welche Bedeutung hat Ihr Lastprüffeld
in Hennigsdorf für maritime Kunden und
Abnahmen?
Menzel: Eine sehr große! Es ist für den
Kunden zwar wichtig, dass wir kurzfristig
einen passenden Großmotor
liefern können, ohne die entsprechende
Abnahme durch die Klassifikationsgesellschaft
ist ein Einsatz ja aber nicht
möglich. Wir sind hier sehr flexibel und
schnell; Terminabstimmungen hängen
in der Regel eher von der Verfügbarkeit
des Surveyors als von unserer Seite
ab. Wir verfügen beispielsweise auch
über ein Winkelgetriebe, mit dem wir
vertikale Motoren – wie sie typischerweise
bei Bugstrahlrudern eingesetzt
werden – auch in vertikaler Einbaulage
unter Last prüfen können. Das ermöglicht
natürlich eine deutlich realisti-
24 Binnenschifffahrt 06 | 2026
SCHIFFSTECHNIK
schere Messung als eine horizontale
Testaufstellung.
Können Sie ein aktuelles Projekt nennen,
das exemplarisch für Ihre Arbeit im Marinebereich
steht?
Menzel: Ein Projekt, das exemplarisch
für unsere Arbeit im Marinebereich
steht, war die Lieferung von zwei Motoren
für einen norwegischen Kunden,
die in einem Azimuth Thruster eingesetzt
werden. Die besondere Herausforderung
bestand darin, dass die
Motoren nach den Vorgaben zweier
Klassifikationsgesellschaften – BV
und DNV – ausgeführt werden mussten.
Die Aggregate haben jeweils zwei
Flansche, einen auf der A-Seite und
einen auf der B-Seite. Aufgrund der hohen
Kräfte, die durch die Krängung des
Schiffes auf das Motorgehäuse wirken,
haben wir eigens ein neues Gehäuse
konstruiert, um diesen mechanischen
Belastungen dauerhaft standzuhalten.
Ein anderes Beispiel ist die Lieferung
von zwei wassermantelgekühlten Motoren
an einen italienischen Kunden
mit Rina-Abnahme. Hier lag der Fokus
insbesondere auf der Schwingungsfestigkeit.
Für eine italienische Werft fertigen
wir eine Reihe von Motoren mit
unterschiedlichen Lieferterminen über
einen Zeitraum von rund 18 Monaten.
Um Kosten und Prozesse zu optimieren,
haben wir alle Aggregate gemeinsam
produziert und geprüft. Der Kunde ruft
die Motoren nun entsprechend seinem
Baufortschritt ab und legt dabei Details
fest, die nicht fertigungskritisch sind –
etwa die Lackfarbe oder bestimmte
Ausführungen der Kabeleinführungen.
Diese setzen wir flexibel und kurzfristig
um. Solche Projekte zeigen die Vorteile
eines flexiblen Mittelständlers
gegenüber einem Großkonzern sehr
eindrücklich.
Wie hat sich der Wettbewerb im Markt
für maritime Elektromotoren in den letzten
Jahren verändert?
Menzel: Wir bewegen uns in einer klar
definierten Nische, üblicherweise im
Leistungsbereich zwischen 500 und
5.000 kW im Marinebereich. Bei kleineren
Standardmotoren sind wir preislich
in der Regel nicht wettbewerbsfähig.
Unsere Stärke liegt dort, wo große
Die Produktionshalle von Menzel. Das Unternehmen baut seit rund 90 Jahren Elektromotoren
Anbieter – ob aus Europa oder Asien
– keine individuell angepasste Lösung
mit dem erforderlichen technischen
Support bieten können. In Europa begegnen
uns im Wesentlichen die gleichen
Wettbewerber wie seit Jahren.
Hinzugekommen sind einige Händler,
aus Belgien oder Italien, die meist
auf einem anderen Preisniveau agieren.
Wenn ein Kunde mit Qualität und
Support zufrieden ist, ist es schwierig,
allein über den Preis zu punkten.
Spüren Sie verstärkten Druck durch chinesische
Anbieter – etwa bei Preisen, Lieferzeiten
oder Projektskala?
Menzel: Chinesische Anbieter sind
selbstverständlich zunehmend präsent.
Preislich können wir in diesen Segmenten
ehrlich gesagt nicht mithalten. Bei
Projekten, in denen ausschließlich der
Preis entscheidet und diese Wettbewerber
vom Kunden akzeptiert werden,
ziehen wir uns bewusst zurück. Wir konzentrieren
uns auf Nischen, in denen
Kunden unsere Kompetenz, unseren
Support und unsere Qualität schätzen
und bereit sind, die entsprechenden
Mehrkosten zu tragen. Wenn ein Wettbewerber
20, 30 oder gar 50 % günstiger
ist, müssen zwangsläufig Abstriche gemacht
werden. Zaubern kann niemand.
Wo sehen Sie heute noch klare Unterschiede
zwischen europäischen und asiatischen
Herstellern?
Menzel: Dem Feedback unserer Kunden
nach liegen die Unterschiede vor allem
in Reaktionsgeschwindigkeit, Kundenorientierung
und Zuverlässigkeit – vom
Angebot über die Projektbetreuung bis
hin zum After-Sales-Service. Viele Kunden
haben Erfahrungen mit großen
Massenherstellern weltweit gemacht
und bemängeln häufig den fehlenden
direkten Zugang zu Konstruktion und
Engineering. Gerade dieser kurze Draht
ist für viele Projekte entscheidend.
Die Produktqualität lässt sich pauschal
nicht bewerten – da ist die Bandbreite
groß. Anbieter mit sehr hoher Qualität
bewegen sich preislich allerdings häufig
nicht weit unter europäischem Niveau.
Letztlich wird überall auf der Welt mit
Wasser gekocht.
Welche Rolle werden Elektromotoren
künftig bei elektrifizierten oder hybriden
Schiffssystemen spielen?
Menzel: Das ist eine schnelle Antwort:
eine elementare – ohne Elektromotoren
sind elektrifizierte oder hybride Schiffssysteme
schlicht nicht denkbar. Sie sind
ein wesentlicher Bestandteil dieser Entwicklung.
Unser Anspruch ist aber, dass
unsere Kunden unsere Motoren nach
dem Einbau möglichst »vergesse«, im
positiven Sinne. Sie sollen über viele
Jahre zuverlässig und störungsfrei arbeiten.
Und falls es doch einmal Fragen
oder Herausforderungen gibt, stehen
unsere Kunden jederzeit erfahrene Ingenieure
und ein qualifiziertes Serviceteam
kurzfristig zur Verfügung.
Interview: Joshua Wygand
© Menzel Motors
Binnenschifffahrt 06 | 2026
25
SCHIFFSTECHNIK
Studie quantifiziert Potenziale der
autonomen Schifffahrt
Die autonome Binnenschifffahrt ist keine Zukunftsmusik mehr. Eine neue Studie des
Technologieanbieters Seafar liefert nun konkrete Kennzahlen, wie die Fernsteuerung aus
Kontrollzentren die operative Effizienz und Flexibilität im Revier steigert
Die Debatte um die Automatisierung
der Binnenschifffahrt wurde in der Vergangenheit
oft von theoretischen Überlegungen
und Machbarkeitsstudien dominiert.
Nun liegen erstmals belastbare
Daten vor, welche die wirtschaftlichen
und operativen Vorteile der Technologie
konkret beziffern. Der Technologieanbieter
Seafar, der bereits ferngesteuerte
und teilautomatisierte Binnenschiffe im
kommerziellen Betrieb auf westeuropäischen
Wasserstraßen einsetzt, hat in
einer Studie die Potenziale dieser Betriebsform
quantifiziert. Die Ergebnisse
zeigen deutlich, dass die Technologie
reife Antworten auf die drängendsten
Probleme der Branche liefert.
Ein Fokus der Untersuchung liegt auf
der Bewältigung des akuten Fachkräftemangels.
Durch die Verlagerung des
Arbeitsplatzes vom Schiff in ein landseitiges
Kontrollzentrum (Remote Control
Center, RCC) verbessert sich die Attraktivität
des Berufsbildes erheblich. Der
Wegfall wochenlanger Abwesenheiten
von Zuhause erleichtert die Mitarbeitergewinnung
und die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf.
Massive Steigerung der
operativen Flexibilität
Die statistischen Auswertungen der Studie
belegen signifikante Effizienzgewinne
im täglichen Flottenbetrieb. Durch
die Möglichkeit, Schiffe in bestimmten
Streckenabschnitten temporär im sogenannten
»Remote-Betrieb« von Land
aus zu steuern, lassen sich starre Besatzungsstrukturen
aufbrechen und Betriebszeiten
flexibilisieren. Demnach ermöglicht
der Einsatz der Fernsteuerung
eine Ausweitung der täglichen Fahrzeiten,
ohne dass hierfür unmittelbar zusätzliche,
physisch an Bord befindliche
Im Remote Control Center (RCC) überwachen und steuern Operatoren mehrere Binnenschiffe
gleichzeitig über hochauflösende Kameratransmissions- und Radarsysteme
Besatzungsmitglieder rekrutiert werden
müssen.
Laut den Daten der Seafar-Studie führt
die gesteigerte Auslastung der Schiffsraumeinheiten
zu einer messbaren Reduktion
der operativen Kosten pro Tonnenkilometer.
Gleichzeitig sinken durch
die softwaregestützte Kursführung und
die permanente Überwachung durch die
Operatoren an Land die Ausfallrisiken
und Havarieraten. Die Algorithmen unterstützen
die Schiffsführung zudem bei
der treibstoffeffizienten Fahrweise, was
die CO₂-Bilanz pro Transportleistung weiter
verbessert. Während die technischen
und wirtschaftlichen Vorteile durch die
Studie nun schwarz auf weiß belegt sind,
bleibt der regulatorische Rahmen die
größte Hürde für einen flächendeckenden
Rollout. Aktuell basiert der Einsatz
der Seafar-Technologie vor allem auf nationalen
Ausnahmegenehmigungen in
Belgien, den Niederlanden und vereinzelten
Testfeldern in Deutschland.
Rahmenbedingungen hinken
massiv hinterher
Die Studienautoren betonen, dass für
eine vollständige Ausschöpfung der Potenziale
eine rasche, international harmonisierte
Anpassung der Besatzungsvorschriften
und Rheinschifffahrtsregeln
zwingend erforderlich ist. Erst wenn der
Gesetzgeber den landseitigen Operator
rechtlich als vollwertiges Äquivalent zu
Teilen der herkömmlichen Brückenbesatzung
anerkennt, kann die Technologie
ihre volle skalenökonomische Wirkung
zur Entlastung des Verkehrsträgers
entfalten.
PK
© Seafar
26 Binnenschifffahrt 06 | 2026
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SCHIFFSTECHNIK
Dieselelektrisch in eine neue Zukunft
Beharrlichkeit, langer Atem und eine deutliche Perspektive, mit diesen Zutaten hat die Harener
Reederei Deymann Ende April in Werkendam den Komplettumbau des Containerschiffes
»Hirschhorn« zur neuen »Leonie Deymann« abgeschlossen. Von Hermann Garrelmann
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»Hirschhorn« fährt nach einem umfangreichen Refit nun als »Leonie Deymann«
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Zur Taufe an der Kaje der Concordia Damen Werft in Werkendam
stimmte alles. Vom strahlenden Sonnenschein über gut gemal
den Werdegang des Projektes. Fläche
Segen »von oben« erbat, skizzierte Martin Deymann noch einlaunte
Gäste bis hin zu einem zufriedenen Reeder passten die Vor der Kulisse der neuen »Leonie Deymann«, einem Containerschiff,
das noch die Ballastladung Fläche
Fläche
Voraussetzungen. Bevor Taufpatin Leonie Deymann, eine Reederstochter,
zum zweiten Mal ein Schiff auf ihren Namen taufte hatte, ging der Reeder fünf Jahre zurück. Damals habe man sich
der Probefahrt an Bord
und der Binnenschifffahrts-Seelsorger Pater Van Welzenes den entschieden, die 2000 gebaute »Hirschhorn« als Förderprojekt
© Reederei Deymann
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28 Binnenschifffahrt 06 | 2026
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SCHIFFSTECHNIK
anzumelden. Das Ziel: Verbesserte Einsatzfähigkeit bei Niedrigwasser
auf den Flüssen, eine Reaktion auf den Klimawandel. »Es
gab ein Förderprogramm und wir haben im Juni 2021 dieses
Förderprogramm zur Verfügung gestellt bekommen. Dieses
Schiff konnte mit 1,60 m Tiefgang noch fahren.« Das sei in den
letzten Jahren immer kritischer, gerade in kleinen Wasserphasen.
Deymann: »Deswegen haben wir hier den Doppelschraubenantrieb
gewählt und diese Elektrik gewählt. Und wir können mit
diesem Schiff jetzt nicht mehr nur mit 1,60 m oder 1,70 m Tiefgang
fahren, wir können mit diesem Schiff mit 1,25 m, vielleicht
1,30 m, aber wir wollen sogar 1,25 m Tiefgang fahren, also auch
in den wirklich extremen Niedrigwassersituationen, die wir immer
wieder haben«.
Im Mai 2022 seien Meetings mit der GDWS, der Vergabestelle
der Fördermittel und der DST in Duisburg erfolgt. Im September
2022 wurde der Förderantrag gestellt. »Bis dahin hatten
wir schon rund 50.000 € investiert, ganz viel Hirnschmalz reingesteckt,
viel Kapazität gebunden, um diesen Antrag überhaupt
stellen zu dürfen. Ohne Aussicht auf Erfolg«. Das seien extrem
große Hindernisse gewesen. Vielleicht auch ein Grund, dass nur
zwei Schiffe gefördert wurden.
Hohe Investition trotz Förderung
Der Förderbescheid sei Ende 2023 eingetroffen, mit einer Fördersumme
von 4,5 Mio. €. Deymann: »Ich bin da sehr dankbar
und wirklich froh, dass wir das erreicht haben und dass wir das
konnten. Mit langem Atem und ein bisschen Geduld ging es voran.
Aber: Zusätzlich mussten wir noch weitere 3 Mio. € investieren,
um das Schiff heute so zu präsentieren, wie es hier liegt.«
Mit der umfassenden Modernisierung wurde das Frachtschiff
gezielt für die gestiegenen Anforderungen der modernen
Binnenschifffahrt weiterentwickelt. Das Refit beinhaltet eine
radikale Optimierung für Niedrigwasserbedingungen sowie
die Umstellung auf ein diesel-elektrisches Antriebskonzept mit
einem neuen, hydrodynamisch verbesserten Achterschiff. Dies
sorgt nicht nur für eine deutlich gesteigerte Effizienz und Umweltfreundlichkeit,
sondern verbessert auch die CO₂-Bilanz im
Taufpatin, Geistlicher Beistand und Reedereichef wünschten dem
neuen Schiff allzeit gute Fahrt
laufenden Betrieb spürbar. Gleichzeitig wurden modernisierte
Wohn- und Arbeitsbereiche für die Besatzung geschaffen, um
den Komfort und die Leistungsfähigkeit an Bord langfristig zu
erhöhen.
Gern würde man noch weitere baugleiche Schiffe umbauen,
aber der nächste Antrag sei dann gekürzt und weitere abgelehnt
worden. Es gebe keine Haushaltsmittel mehr für dieses
Programm, so Deymann weiter.
Der weitere Ablauf für das Projekt habe dann so ausgesehen:
2024 die europaweite öffentliche Ausschreibung, die Concordia
Damen aus Werkendam in den Niederlanden für sich entscheiden
konnte. Von einer deutschen Werft habe man kein Angebot erhalten.
Der Bauvertrag sei im April 2024 unterschrieben worden. Das
in China gebaute Kasko des neuen Achterschiffes wurde im Februar
2026 gegen das alte Heck ausgetauscht, die nachfolgenden
Ausbauarbeiten zügig durchgeführt worden. Am Projekt beteiligt
waren neben dem Ingenieurbüro Buchloh und der Bauwerft auch
die CCM3 in gleich mehreren Gewerken. Die Innenarbeiten im Ruderhaus
und die komplette Wohnungsausstattung kommen von
der Tischlerei & Alubau Wessels aus Haren.
© Deymann
Binnenschifffahrt 06 | 2026
29
SCHIFFSTECHNIK
© Garrelmann
Die ehemalige »Hirschhorn« wurde während des refits in verschiedene Segmente zerlegt
Viele beteiligte Gewerke
Mit dem Ergebnis sei er sehr zufrieden, lobte der Harener Reeder.
»Danke für die tolle Arbeit hier«, richtet er seinen Dank an
Werftchef Chris Kornet. »Danke natürlich auch an alle Zulieferer,
denn so ein Schiff ist ja ein Gewerk von ganz vielen verschiedenen
Zulieferern.« Er habe, so Deymann, sich vom Ergebnis
selbst überzeugt: »Die erste Werftprobefahrt habe ich in der
letzten Woche gemacht. Ich kann alle beruhigen: es funktioniert.«
Die Entscheidung für den dieselelektrischen Antrieb sei
richtig gewesen.
»Mit der ›Leonie Deymann‹ führen wir ein bewährtes Schiff in
eine neue, zukunftsorientierte Ära«, unterstrich der geschäftsführende
Gesellschafter am Rande der feierlichen Zeremonie,
zu der neben zahlreichen Unternehmensvertretern auch viele
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internationale Geschäftspartner der Einladung nach Werkendam
gefolgt waren.
Beeindruckt zeigte sich der Reedereichef von der Komplexität
der elektrischen Anlage: »Wir haben mal gezählt: wir haben 26
Schränke für die Elektrik.« Immerhin müssen drei Gensets, bestehend
aus Volvo-Maschinen mit 500 kW und Generatoren mit
je 522 kW die beiden Oswald Antriebsmotoren mit Permanentmagnet
und hohem Wirkungsgrad von je 630 kW versorgen. Ein
weiteres Hafengenset mit 50 kW steht für weiteren Energiebedarf
zur Verfügung.
Zukünftig wird die neue »Leonie Deymann« in fester Charter
für das Logistikunternehmen Haeger & Schmidt Logistics die
stark frequentierte Mittelrhein-Oberrhein-Strecke zwischen Andernach
und Basel befahren und dort den verlässlichen Containertransport
sicherstellen. Mit 135 m Länge und 11,45 m Breite
kann das Schiff im Volllastbetrieb bis zu 3.200 t tragen und maximal
333 Container (TEU) laden.
Dank der extremen Flachwassereigenschaften könne man
bei kritischen, niedrigen Wasserständen bis zu 500 t mehr an
Ladung mitnehmen als vergleichbare Einheiten im Stromgebiet.
Dabei käme eine vier- bis fünfköpfige Besatzung zum Einsatz.
Die bekam vom Firmenchef die besten Wünsche mit auf die
kommenden Reisen: »Behandelt das Schiff gut. Fahrt ordentlich
und sauber, keine Havarien bitte!«
Dem schloss sich Chris Kornet von der Concordia Damen
Werft gern und mit Dank für die gute Zusammenarbeit an. Patin
Leonie Deymann ließ dann auf den ersten Anhieb die Champagnerflasche
am Bug des Schiffes zerschellen, bevor Pater Bernhard
van Welzenes das überschüssige Weihwasser durch den
Reedereichef auf den Schiffsbug schütten ließ. Den Wünschen
des Geistlichen: »Möge die ›Leonie Deymann‹ mit ihrer neuen
Ausstattung eine gute Position in der Transportkette einnehmen.
Und, lass uns Menschen sein, mit Verantwortung für die
Ökologie und die Nachhaltigkeit der Wasserstraßen«, konnten
sich alle Taufgäste anschließen.
■
30 Binnenschifffahrt 06 | 2026
SCHIFFSTECHNIK
In einem Tag zum elektrischen Schiff
Das in Rotterdam ansässige Technologieunternehmen Wattlab hat das Batteriesystem
»Westack« für Binnenschiffe vorgestellt. Durch standardisierte Prozesse soll es sich deutlich
schneller und günstiger an Bord installieren lassen als vergleichbare Lösungen
Mit der Einführung von »Westack« plant Wattlab laut eigener Aussage,
eine der größten Hürden für die Dekarbonisierung der Branche
zu beseitigen. Herkömmliche maritime Batteriesysteme seien mit
hohen Kosten und langen Installationszeiten verbunden – Westack
hingegen soll »innerhalb eines Arbeitstages« an Bord installiert werden
können.
Der Schlüssel dazu liegt in der Standardisierung des Systems. Bestehende
Batterieanlagen müssten laut Wattlab häufig individuell
angefertigt und an das Schiff angepasst werden. Westack hingegen
werde »vollständig in der Werkstatt von Wattlab montiert und getestet«.
An Bord müsse das System lediglich angeschlossen werden.
Für die Binnenschifffahrt bedeute dies eine große Chance. »Generatoren
auf Schiffen laufen die meiste Zeit mit lediglich 10 bis 15
% ihrer Kapazität«, sagt Bo Salet, Gründer und CEO von Wattlab.
»Das ist äußerst ineffizient. Bei geringer Last verbraucht ein Generator
verhältnismäßig viel Kraftstoff. Durch die Integration eines
Batteriesystems kann der Generator die Batterie im optimalen Leistungsbereich
laden, während anschließend die Batterie die Stromversorgung
des Schiffes übernimmt.«
Der Einbau von Westack-Batterien soll die Betriebsstunden von
Dieselgeneratoren um 80 bis 90 % reduzieren können. Laut Wattlab
führt dies zu erheblichen Kraftstoffeinsparungen, geringeren Wartungskosten
und einer deutlichen Reduzierung der CO₂-Emissionen.
Das Westack-System ist in vier standardisierten Kapazitäten erhältlich:
100, 200, 300 und 400 kWh. Es wird auf dem Achterdeck
Das »Westack«-System soll auf einer Vielzahl von Schiffstypen einsetzbar
sein
installiert und eignet sich laut Wattlab sowohl für Neubauten als
auch für Nachrüstungsprojekte. Nach Angaben kann das System
auf einer Vielzahl von Binnenschiffen eingesetzt werden: von älteren
Frachtschiffen bis hin zu modernen Tankern und kleinen Küstenfrachtern.
Neben den direkten Kraftstoffeinsparungen sieht Wattlab auch
eine wichtige Rolle für Batteriesysteme im Zusammenhang mit zukünftigen
Emissionsvorschriften und Hafenanforderungen. »Immer
mehr Häfen möchten Emissionen und Lärmbelastung reduzieren«,
sagt Salet. »Mit einem Batteriesystem können Schiffe deutlich länger
geräuschlos und emissionsfrei betrieben werden, ohne auf
Landstrom angewiesen zu sein.«
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Binnenschifffahrt 06 | 2026
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WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Fakten und Zukunftssicherheit statt
politischer Monokausalität an der Weser
Die geplante Fahrrinnenanpassung von Außen- und Unterweser steht unter erheblichem
politischen Druck. Der Wirtschaftsverband Weser fordert nun vehement eine Rückkehr zu einer
sachlichen, rein rechtsstaatlichen und faktenbasierten Debatte für die Häfen. Von Peter Kleinort
© J. Müller Weser/Wirtschaftsverband Weser
Die zuverlässige Erreichbarkeit des Hafens Brake und der Anschluss an die Mittelweser sind entscheidend für die Binnenschifffahrt im gesamten
nordwestdeutschen Wirtschaftsraum
Die langanhaltenden Diskussionen zwischen
Politik, Wirtschaft und Interessenverbänden
um den Ausbau der Bundeswasserstraße
Weser insbesondere in
ihrem Unterlauf verschärfen sich zusehends.
Immer wieder versuchen Kritiker,
komplexe ökologische Veränderungen
des Flusssystems pauschal und monokausal
der geplanten Fahrrinnenanpassung
zuzuschreiben. Der Wirtschaftsverband
Weser warnt nun eindringlich vor
den wirtschaftlichen Folgen einer solchen
diskursiven Zuspitzung. Das Infrastrukturvorhaben
sei kein Partikularinteresse
einzelner Unternehmen, sondern
ein vom Bund getragenes und mit breiter
demokratischer Mehrheit beschlossenes
Projekt zur Sicherung der Souveränität
der deutschen Außenwirtschaft. Die Bedeutung
von Häfen und Wasserstraßen
für die energetische Transformation
und die umfassende wirtschaftliche und
sicherheitspolitische Resilienz Deutschlands
und Europas wird aktuell immer
wieder betont.
Existenzerhalt für die Seeund
Binnenhäfen
Die Anpassung der Unterweser Nord
und der Außenweser ist nach aktuellen
Berechnungen der Bundesverwaltung
wirtschaftlich hochgradig rentabel. Ziel
der Generaldirektion für Wasserstraßen
und Schifffahrt (GDWS) ist es, die
Zufahrten zu den internationalen Umschlagplätzen
Bremerhaven und Brake
verlässlich erreichbar zu halten. Wer
leistungsfähige Häfen im internationalen
Wettbewerb fordert, muss auch deren
maritime Zufahrten garantieren. Ohne
diese Anpassungen geraten Fahrpläne,
Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur
und letztlich zehntausende Arbeitsplätze
in der gesamten Region massiv
unter Druck.
Der Verband weist Behauptungen
zurück, dass ökologische und wasserwirtschaftliche
Belange bei den Planungen
ignoriert würden. Die Wasserstra-
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ßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV)
ist rechtlich an strenge europäische
und nationale Umweltauflagen wie die
Wasserrahmenrichtlinie, die FFH- und
Vogelschutzrichtlinie sowie das Artenschutzrecht
gebunden. Eventuelle Umweltwirkungen
werden im laufenden
Planfeststellungsverfahren detailliert
untersucht und durch entsprechende
Maßnahmen kompensiert. Die pauschale
Schuldzuweisung für Phänomene wie
Verschlickung, erhöhten Salzgehalt oder
allgemeine Klimafolgen wird der Realität
nicht gerecht. Ein Ästuar ist ein hochkomplexes
Gefüge, in dem Tidenhub,
Oberwasserabfluss, Sedimentbewegungen
und der Meeresspiegelanstieg untrennbar
zusammenwirken.
Kritische Stimmen und Einwände, wie
sie zuletzt verstärkt aus dem Landkreis
Cuxhaven laut wurden, gehören in das
dafür vorgesehene, rechtsstaatliche
Verfahren und müssen dort über engmaschiges
Monitoring und technische
Lösungen beantwortet werden. Um die
Interessen der Landwirtschaft zu wahren
Die Weseranpassung
Das vom Bund getragene Infrastrukturprojekt
zur Fahrrinnenanpassung
der Außen- und
Unterweser (Nord) wird von der
Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung
(WSV) umgesetzt. Es
umfasst im Kern zwei Abschnitte.
Die Außenweser: Hier ist eine
Vertiefung der Fahrrinne geplant,
um den Containerschiffen der
neuesten Generation eine tideunabhängige
Zufahrt zum Containerterminal
Bremerhaven zu ermöglichen.
Die Unterweser Nord: Der Abschnitt
zwischen Bremerhaven und
Brake soll so angepasst werden,
dass Großschiffe den Hafen Brake
mit einem tieferen Tiefgang und
damit deutlich höherer Ladungskapazität
anlaufen können.
Das Ziel: Die Herstellung von verlässlichen
und zukunftssicheren
Rahmenbedingungen für die maritime
Wirtschaft, den Außenhandel
und die nachgelagerte Hinterlandlogistik
im gesamten Nordwesten.
und die Süßwasserverfügbarkeit in der
Wesermarsch zu sichern, hat das Land
Niedersachsen bereits einen mittleren
zweistelligen Millionenbetrag für den
»Generalplan Wesermarsch« bereitgestellt
– Mittel, die vom Bund weiter aufgestockt
werden sollen.
Der Brückenschlag zur
Mittelweser
Die Debatte greift jedoch weit über die
Küstenregion hinaus. Die Erreichbarkeit
der Seehäfen steht in direkter Wechselwirkung
mit der Leistungsfähigkeit des
Hinterlandes. Das gilt insbesondere für
das Großprojekt zur Anpassung der Mittelweser
zwischen Bremen und Minden.
Erst das reibungslose Ineinandergreifen
von tiefen seeseitigen Zufahrten und einem
zukunftssicheren Anschluss an das
kontinentale Westdeutsche Kanalnetz
garantiert einen durchgehenden, wirtschaftlichen
Transport per Binnenschiff.
Logistikzentren im Binnenland, allen
voran der trimodale Knotenpunkt in Minden,
hängen existenziell davon ab, dass
Güterströme aus Brake und Bremerhaven
ohne logistische Brüche bis tief
in das industrielle Hinterland transportiert
werden können. Jede Verzögerung
an der Unterweser gefährdet somit die
Transportketten des kombinierten Verkehrs
und blockiert den politisch gewollten
Modal Split auf der Wasserstraße.
Die Region braucht keine ideologische
Zuspitzung, sondern verlässliche Investitionen
in die Resilienz der gesamten
Transportachse.
Hierbei darf nicht übersehen werden,
dass die Anpassung der Unterweser das
Fundament für die gesamte Wertschöpfungskette
der Binnenschifffahrt im
Nordwesten bildet. Wenn die seeseitigen
Hubs an Attraktivität verlieren, weil Reeder
ihre Routen aufgrund von Tiefgangsbeschränkungen
an andere europäische
Häfen verlagern, trocknen langfristig
auch die Ladungsströme für die Binnenwasserstraßen
aus. Der Ausbau ist somit
kein isoliertes Küstenprojekt, sondern
sichert direkt das Transportaufkommen
für die mühsam modernisierten Schleusen
und Kanäle im Binnenland.Umso
dringlicher fordern die Wirtschaftsverbände
nun Planungssicherheit. ■
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Wesertag 2026: Verbände fordern
Stärkung der Oberweser
Die Zukunft der Oberweser stand im Mittelpunkt des Wesertags 2026 in Hameln.
Wirtschaftsverband Weser und Weserbund fordern verlässliche Wasserstände, klare
Zuständigkeiten und politische Unterstützung für den Erhalt der Bundeswasserstraße
© Wirtschaftsverband Weser
Für ihre Betonprodukte nutzt die AHE-Unternehmensgruppe Weserkies und Wesersand aus eigenen Lagerstätten im Wesertal bei Rinteln.
Die Rohstoffe werden per eigener Flotte vollständig per Schiff zur Weiterverarbeitung transportiert
Beim Wesertag 2026 im niedersächsischen
Hameln haben der Wirtschaftsverband
Weser und der Weserbund die
Bedeutung der Oberweser für Binnenschifffahrt,
Wirtschaft und regionale
Entwicklung betont. Unter dem Leitthema
»Die Oberweser als leistungsfähige
Binnenwasserstraße – Wirtschaft, Wasserhaushalt,
Klimaresilienz« diskutierten
zahlreiche Vertreter aus Politik, Wissenschaft,
Wirtschaft und Kommunen über
die weitere Entwicklung des wichtigen
Flusses.
Die Oberweser ist ein frei fließender,
niedrigwasserregulierter Fluss, der nach
Entwürfen aus dem Jahr 1916 ausgebaut
wurde. Zur Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse
entstanden im Zuge
dieses Ausbaus mehr als 3.000 Buhnen
sowie zahlreiche Deckwerke und Leitwerke.
In Flussabschnitten mit Übertiefen
wurden zudem Grundschwellen eingebaut.
In den Sommermonaten wird
bei Niedrigwasser Zuschusswasser aus
der Edertalsperre abgegeben.
Uwe Beckmeyer, Vorsitzender des Vorstands
von Wirtschaftsverband Weser
und Weserbund, verwies auf die Rolle
der Oberweser innerhalb der gesamten
Weserachse. »Die Oberweser ist kein
romantisches Nebenthema, sondern
Teil einer starken Weserachse. Wer Versorgungssicherheit,
Schwertransporte
und Resilienz ernst nimmt, darf die Wasserstraße
nicht vernachlässigen«, sagte
Beckmeyer. Ziel müsse es sein, die Oberweser
als Bundeswasserstraße mit einer
Mindestfahrwassertiefe von 1,20 m zu
sichern.
Region erkennt
wirtschaftliche Bedeutung an
Auch Vertreter der Region hoben die Bedeutung
der Oberweser hervor. Landrat
Dirk Adomat verwies auf die Relevanz
des Flusses für Hameln-Pyrmont. Emmerthals
Bürgermeister Dominik Petters
stellte die überregionale Funktion der
Wasserstraße heraus. Am Beispiel Emmerthal
werde sichtbar, wie sehr eine
funktionsfähige Wasserstraße Standortentwicklung,
Schwertransporte und
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wirtschaftliche Perspektiven unterstütze,
sagte Petters.
Konkret verwies Petters dabei auch
auf mögliche Schwertransporte im Zusammenhang
mit dem Rückbau des
stillgelegten Atomkraftwerks Grohnde.
Auch bei der Einrichtung des geplanten
großen Batteriespeichers in Emmerthal
könnten entsprechende Transporte eine
Rolle spielen.
Für die Wirtschaft forderte Sascha
Wagener, Geschäftsführer der AHE-Unternehmensgruppe,
verlässliche Rahmenbedingungen.
Wer Produktionssicherung
und stabile Logistikketten
wolle, müsse die Wasserstraße funktionsfähig
halten.
Wasserbewirtschaftung
bleibt zentrale Aufgabe
Dirk Schwardmann, Leiter der Bundesanstalt
für Gewässerkunde, erläuterte
den Zusammenhang zwischen Schifffahrt
und Wasserbewirtschaftung an
der Oberweser. Die Wasserstraßen- und
Schifffahrtsverwaltung verbessere die
Schifffahrtsbedingungen unter anderem
durch die tägliche Steuerung der Ederund
Diemeltalsperre. Ziel der Normalbewirtschaftung
sei eine verlässliche
Aufhöhung des Pegels Hann.
»Ohne diese Stützung drohen in
Niedrigwasserzeiten erhebliche Einschränkungen
bis hin zum Stillstand der
Schifffahrt auf der Oberweser«, sagte
Schwardmann. Zugleich warnte er, dass
der Klimawandel bestehende Nutzungskonflikte
weiter verschärfen werde.
Innovation und Ökologie
im Blick
Lars Stemmler von der Hafenmanagementgesellschaft
Bremenports verwies
auf Chancen durch Innovation und Digitalisierung
in der Binnenschifffahrt. Die
Wasserstraße brauche nicht nur Unterhalt,
sondern auch neue Ideen und
Projekte.
Niedersachsens Umweltminister
Christian Meyer betonte die ökologische
Dimension der Debatte. Eine leistungsfähige
Oberweser und eine saubere Weser
schlössen einander nicht aus, sagte
Die Edertalsperre spielt eine wichtige Rolle für die Wasserführung der Oberweser: In Niedrigwasserphasen
kann aus dem Edersee Zuschusswasser in das Wesersystem abgegeben werden
Meyer. Beide Ziele müssten zusammen
gedacht werden.
In der Diskussion wurden auch Weserversalzung,
Klimaresilienz und Nutzungskonflikte
an der Oberweser aufgegriffen.
In der abschließenden Talkrunde wurde
deutlich, dass die Oberweser aus
Sicht der Teilnehmer verlässliche Wasserstände,
eindeutige Zuständigkeiten
und entschlossenes politisches Handeln
benötigt. Der Wesertag 2026 in Hameln
setzte damit ein Signal für den Erhalt
und die Weiterentwicklung der Oberweser
als systemrelevante Bundeswasserstraße.
Mit Blick auf die Oberweser ordnet der
Wirtschaftsverband Weser seine Forderungen
in ein breiteres Verständnis der
gesamten Weserregion ein. Der Verband
agiert nach eigenen Angaben unabhängig
von Länder- und Verwaltungsgrenzen
und vertritt die maritimen Interessen
einer Region, zu der neben der Weser
auch Jade, Hunte, Werra und Fulda sowie
der Küstenkanal und der Mittellandkanal
gehören. Damit versteht sich der Wirtschaftsverband
als Stimme einer wasserstraßengeprägten
Wirtschaftsregion,
in der die Oberweser nicht isoliert betrachtet
wird, sondern als Teil eines größeren
Verkehrs- und Wirtschaftsraums.
In dem Verband sind gut 90 Unternehmen
organisiert, deren Aktivitäten direkt
oder indirekt der maritimen Wirtschaft
im Nordwesten zuzurechnen sind. Gegründet
wurde der Wirtschaftsverband
Weser im November 1999 mit dem Ziel,
die ökonomische Bedeutung des maritimen
Wirtschaftssektors in der nordwestdeutschen
Küstenregion gegenüber EU,
Bund und Ländern zu kommunizieren.
Von Politik und Verwaltung fordert der
Verband eine zukunftsorientierte Wirtschafts-
und Verkehrspolitik, die wettbewerbsfähige
Standortbedingungen in
Nordwestdeutschland sichert.
Für die Oberweser bedeutet dies vor
allem, dass Fragen der Erreichbarkeit,
der Leistungsfähigkeit und der langfristigen
Sicherung der Wasserstraße in
den übergeordneten Zusammenhang
der Weserachse gestellt werden. Der
Verband verweist dabei auf seine Rolle
als Ansprechpartner für die Generaldirektion
Wasserstraßen und Schifffahrt
(GDWS) sowie die Wasserstraßen- und
Schifffahrtsämter in maritimen Verkehrsthemen
der Nordwest-Region und führt
Gespräche mit Politik und Verwaltungen
auf Bundesebene sowie in den Ländern
Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen
zur Optimierung der
Schifffahrtsstraße Weser.
JWY
© Pixabay
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WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Ausbau stärkt trimodalen Knotenpunkt
am Niederrhein
Mit einer neuen Containerbrücke und einer erweiterten Terminalfläche stellt der
landesbedeutsame Hafen Emmerich die Weichen auf Zukunft. Die 20-Mio.-€-Investition sichert
wichtige Lieferketten im deutsch-niederländischen Grenzraum. Von Peter Kleinort
Moderne Umschlagtechnik am Niederrhein: Die neue Containerbrücke im Hafen Emmerich optimiert die Abwicklung des Umschlags zwischen
Schiff, Schiene und Straße
© Port Emmerich
Der trimodale Hafen Emmerich hat ein
zentrales Infrastrukturprojekt erfolgreich
abgeschlossen. Im Rahmen einer
feierlichen Übergabe an Bord des elektrisch
betriebenen Veranstaltungsschiffs
»Oceandiva Futura« wurde Mitte Mai
eine neue, moderne Containerbrücke
symbolisch an die Betreibergesellschaft
Contargo Rhein-Waal-Lippe (CRWL)
übergeben. Die Neuinvestition ersetzt
eine überalterte Anlage und optimiert
den Containerumschlag im Hinterlandverkehr
der großen Seehäfen nachhaltig.
Die baulichen Maßnahmen, die vollständig
bei laufendem Terminalbetrieb
umgesetzt wurden, umfassten neben
dem Aufbau der Containerbrücke auch
die Neu-Errichtung der landseitigen sowie
die Sanierung der wasserseitigen
Kranbahn. Bereits im Vorfeld war das
Containerterminal der Hafeneigentümerin
Port Emmerich (PE) um insgesamt
12.000 m 2 erweitert worden. Die Investitionen
in Kranbahn und Containerbrücke
belaufen sich auf rund 12 Mio. €; das
Gesamtvolumen der Infrastrukturmaßnahmen
liegt bei rund 20 Mio. €. Gefördert
wurde das Projekt im Rahmen der
KV-Richtlinie durch die Generaldirektion
Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) in
Münster.
Als landesbedeutsamer, trimodaler
Standort verbindet der Emmericher Hafen
die Verkehrsträger Wasserstraße,
Schiene und Straße direkt miteinander
und nimmt eine Schlüsselrolle im regionalen
und im überregionalen Güterverkehr
ein. In der eng vernetzten Grenzregion
zwischen Deutschland und den
Niederlanden fungiert der Standort zunehmend
als bedeutender Logistik-Hot-
Spot. Durch seine Lage am Rhein sichert
er nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit
der regionalen Wirtschaft und des Mittelstands,
sondern garantiert auch die
zuverlässige Versorgung mit Rohstoffen,
Waren und Energie.
Jeder verlagerte Container entlastet
zudem die hochfrequentierte Straßeninfrastruktur
im hoch verdichteten
Nordrhein-Westfalen und leistet einen
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WASSERSTRASSEN | HÄFEN
© Port Emmerich
Weithin sichtbares Signal: Der neue Großkran setzt ein Zeichen für den Ausbau des kombinierten
Verkehrs
direkten Beitrag zur CO₂-Reduzierung im
kombinierten Verkehr.
Politischer Rückenwind für
den Ausbau
Die strategische Tragweite des Projekts
spiegelte sich auch in der prominenten
Gästeliste wider. Nordrhein-Westfalens
Verkehrsminister Oliver Krischer hob
hervor, dass trimodale Binnenhäfen wie
der in Emmerich zentrale Knotenpunkte
der Logistik seien, die Wirtschaftsräume
effizient verbinden, die Straßen entlasten
und einen entscheidenden Beitrag
zur Verkehrswende leisten. Stefan Rouenhoff,
Parlamentarischer Staatssekretär
beim Bundesminister für Wirtschaft
und Energie, betonte die Bedeutung
funktionierender Lieferketten für das
exportorientierte Deutschland. Emmerichs
Bürgermeisterin Claudia Lindlahr
bezeichnete den Hafen als »wirtschaftliches
Rückgrat« der gesamten Region.
Für den Betreiber Contargo stellt die
Neuinvestition am Niederrhein einen
weiteren wichtigen Baustein in der langfristigen
Netzwerkstrategie dar. Jürgen
Albersmann, CEO der Contargo-Gruppe
und Mit-Gesellschafter der CRWL, erklärte
im Rahmen des Festakts: »Die Investition
zielt direkt auf die Effizienz im Terminalbetrieb
ab. Der Standort Emmerich
spielt eine wichtige Rolle im Hinterlandverkehr
der großen Seehäfen und ist zudem
Grundlage für die Entwicklung der
Grenzregion zwischen Deutschland und
den Niederlanden als Logistik-Hot-Spot.«
Wie tief der Emmericher Terminalstandort
in die kontinentaleuropäischen
Warenströme integriert ist, verdeutlichen
die Strukturdaten des Mutterkonzerns:
Mit einem jährlichen Transportvolumen
von rund 1,9 Mio. TEU zählt Contargo zu
den führenden Container-Logistik-Netzwerken
in Europa. Das Unternehmen
verknüpft im täglichen Betrieb den Containerverkehr
zwischen den westlichen
Seehäfen, den deutschen Nordseehäfen
und dem weitverzweigten europäischen
Hinterland.
Dafür sind mehr als 1.500 Mitarbeiter
an über 25 Terminals in Deutschland,
Österreich, Frankreich und der Schweiz
im Einsatz. Ergänzt wird die Infrastruktur
durch Standorte in den Niederlanden,
Belgien und Polen sowie durch
den Betrieb eigener Schiffs- und Bahnlinien.
Dass bei dieser Logistikkompetenz
die ökologische Komponente nicht
zu kurz kommt, zeigt ein Blick auf die
jüngere Unternehmensgeschichte: Für
sein Engagement im Bereich der CO₂reduzierten
Transportketten wurde das
Netzwerk mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis
ausgezeichnet. ■
Fachgespräch an Bord: Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung diskutierten über die
Beschleunigung von Infrastrukturprojekten im Binnenland
© Port Emmerich
Binnenschifffahrt 06 | 2026
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Berlin hat neue Leitzentrale
Die neue Leitzentrale Berlin-Grünau bündelt künftig die Fernbedienung verkehrswasserbaulicher
Anlagen. Rund 20 Mio. € wurden in den nachhaltigen Neubau investiert, von dem aus
schrittweise mindestens 38 Schleusen und Wehre gesteuert werden
© WSV
Die Leitzentrale Berlin-Grünau nimmt nach rund 20 Mio. € Investition ihren regulären Dienst auf
Die Schifffahrtsinfrastruktur im Osten
Deutschlands wird durch ein Digitalisierungsprojekt
modernisiert. Ende Mai
wurde die neue Leitzentrale in Berlin-
Grünau offiziell in Betrieb genommen.
Der auf dem Berliner Bauhof errichtete
Neubau ersetzt ältere Strukturen und
bildet ein Kernstück des Automatisierungsprogramms
der Wasserstraßenund
Schifffahrtsverwaltung (WSV). Nach
der schlüsselfertigen Übergabe des Gebäudes
vom Wasserstraßen-Neubauamt
Berlin an das zuständige Wasserstraßenund
Schifffahrtsamt (WSA) Spree-Havel
Im Januar lief zunächst ein Probebetrieb
an, bei dem die ersten fernwirksamen
Systeme erfolgreich getestet wurden.
Nun erfolgt die sukzessive Aufschaltung
weiterer Anlagen.
Anke Leue, Präsidentin der Generaldirektion
Wasserstraßen und Schifffahrt
(GDWS), sieht in der Inbetriebnahme
ein wichtiges Signal: »Ich sehe in diesem
Neubau eine klare Botschaft des Bundes
an die Region: Anerkennung für die Leistung
und Vertrauen in die Zukunft. Die
Leitzentrale schafft Impulse für Berlin-
Grünau, unterstützt meine Kolleginnen
und Kollegen mit moderner digitaler
Technik und stärkt zugleich die Wasserstraßen
für Wirtschaft und Mobilität.«
Das technologische Konzept der Leitzentrale
zielt darauf ab, Schleusen- und
Wehranlagen aus einer zentralen Betriebsumgebung
heraus fernzusteuern
und zu überwachen. Dadurch entfällt die
Notwendigkeit, einzelne Betriebspunkte
permanent mit Personal vor Ort zu besetzen.
Die installierte Steuerungstechnik
verfügt über integrierte Sicherheitsmechanismen,
die im Störungs- oder
Notfall schnelle Reaktionen gewährleisten
sollen. Im neu geschaffenen Wartenraum
sind 18 digitale Bedienstände sowie
zwei dedizierte Servicearbeitsplätze
eingerichtet worden.
Im Zuge der weiteren Umsetzung des
Modernisierungsprogramms sollen mindestens
38 Anlagen im Schifffahrtsgebiet
des WSA Spree-Havel aufgeschaltet werden,
wobei das Spektrum von klassischen
Fernbedienkonzepten bis hin zu halbund
vollautomatischen Betriebsabläufen
reicht. Dies soll sowohl die Berufsschifffahrt
als auch die touristische Nutzung
der Wasserstraßen stärken.
Neben der verkehrstechnologischen
Funktionalität wurde das Bauwerk nach
modernen ökologischen Standards realisiert.
Der Gebäudeentwurf ist konsequent
auf die Kriterien der BNB-Zertifizierung
in »Silber« des Bundesbauministeriums
ausgerichtet. Zur Eigenstromversorgung
und Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks
verfügt die Leitzentrale über eine großflächige
Photovoltaikanlage, die mit einem
eigenen stationären Energiespeicher gekoppelt
ist. Die Zusammenführung der
Betriebsabläufe an einem modernen
Standort soll zudem die betriebliche Effizienz
der WSV steigern und gleichzeitig
durch ergonomische Arbeitsplätze und
klare Prozessstrukturen die alltäglichen
Rahmenbedingungen für die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter verbessern. PK
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WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Technik-Einsatz beim Donauausbau
Der Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen zählt zu den größten deutschen
Wasserbauprojekten. Beim Sohlenabtrag und dem anschließenden Materialumschlag setzt das
beauftragte Tiefbauunternehmen Domarin auf spezialisierte Baggertechnik
Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 1,4 Mrd. € gilt
die Optimierung des Donauabschnitts Straubing–Vilshofen als
eine der bedeutendsten Infrastrukturmaßnahmen im deutschen
Wasserstraßennetz. Der im Juli 2020 gestartete und bis 2030
projektierte Ausbau soll das traditionelle Nadelöhr der Donauschifffahrt
beseitigen. Bislang können Frachtschiffe in diesem
Bereich aufgrund der unzureichenden Wassertiefen bis zu 25 %
weniger Ladung transportieren als auf den übrigen Abschnitten
des Stroms. Ziel der laufenden Maßnahmen ist es daher, die
Leistungsfähigkeit der Wasserstraße im Transitverkehr zwischen
Zentraleuropa und dem Schwarzen Meer auch bei langanhaltenden
Niedrigwasserphasen ganzjährig zu stabilisieren.
Ein zentraler Hebel des Projekts ist die gezielte Vertiefung der
Fahrrinne durch den Abtrag der Donausohle. Die Maßnahme
sieht vor, die Abladetiefe dauerhaft um 20 cm zu erhöhen, was
den Transportunternehmen pro Schiff rechnerisch rund 200 t
zusätzliche Ladungskapazität einbringt. Allein im Bauabschnitt
von Straubing bis Deggendorf umfasst der Sohlenabtrag ein Volumen
von etwa 40.000 m 3 Kies- und Sandgeschiebe. Neben der
verkehrlichen Optimierung verfolgt das Großprojekt signifikante
ökologische Ziele sowie Verbesserungen im Hochwasserschutz.
Das entnommene Material verbleibt im System und wird für den
Ausgleich von Übertiefen im Flussbett, für Schutzdeiche sowie
zur Aufschüttung künstlicher Flussinseln genutzt, die neue Lebensräume
für Flora und Fauna bieten.
2600 Lkw-Fahrten ersetzt
Um die Dimensionen dieser logistischen Herkulesaufgabe im
bayerischen Donauabschnitt zu verdeutlichen: Das Volumen des
reinen Sohlenabtrags von 40.000 m 3 entspricht der Ladung von
rund 2.600 klassischen Lkw-Muldenkippern. Statt den Flussraum
dauerhaft zu belasten, fungiert die Baggertechnik hier als Bindeglied
für den direkten, ressourcenschonenden Kreislauf vor Ort.
Das gelöste Sediment wird unmittelbar per Schiff zu den sensiblen
Einbauorten transportiert, um im Zuge des integrierten
Gesamtkonzepts gleichzeitig den Hochwasserschutz für die anliegenden
Gemeinden nachhaltig zu stärken und neue, wertvolle
Auengebiete als natürliche Überflutungsflächen anzulegen.
Schwimmender Bagger
Einsatz auf der Donau: Vom Ponton aus übernimmt der Umschlagbagger
Sennebogen 870 E den Sohlenabtrag zur Fahrrinnenvertiefung
und verlädt den Flusskies auf Transportschuten
Für die Durchführung des Dredgings und den nachgelagerten
Materialfluss setzt das beauftragte Wasserbauunternehmen Domarin
einen schwimmenden Umschlagbagger vom Typ Sennebogen
870 E ein. Die Großmaschine operiert von einem Arbeitsponton
direkt auf dem Fluss und verlädt das ausgebaggerte
Material auf Transportschuten, die anschließend von Motorschiffen
zu den Einbauorten bewegt werden.
Um den Anforderungen im Wasserbau eines so sensiblen
Umfelds gerecht zu werden, ist das Umschlaggerät mit einer
speziellen Arbeitsausrüstung, bestehend aus einem sogenannten
Banana-Ausleger und einem ULM-Stiel, ausgestattet. Diese
Kombination ermöglicht die für das Dredging erforderliche, tiefe
Reichweite unter der Wasserlinie. Ein Raupenunterwagen sorgt
für die notwendige Gewichtsverteilung auf dem Ponton, während
eine am Stiel montierte Kamera den Blindflug unter Wasser
ausgleicht und ein präzises Ablegen in den Schuten unterstützt.
Angetrieben wird die Maschine von einem Dieselmotor
mit 261 kW Leistung, der mit einem elektro-hydraulischen Rekuperationssystem
(»Green Hybrid«) zur Reduzierung der Betriebskosten
gekoppelt ist. Hierdurch soll das Umschlaggerät im
täglichen Dauereinsatz auf dem Wasser eine Kraftstoffersparnis
von bis zu 35 % erzielen und damit einen Beitrag zur Dekarbonisierung
der wasserbaulichen Infrastrukturmaßnahmen an der
Donau leisten.
RD
© Domarin
Binnenschifffahrt 06 | 2026
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WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Niedrigwasser drückt auf
Wirtschaftlichkeit
Auf der österreichischen Donau wurden im Vorjahr weniger Güter transportiert.
Viadonau-Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler spricht mit der Binnenschifffahrt über
Niedrigwasserprobleme, Einsparungen und neue Firmenzentrale in Wien. Von Josef Müller
Auf der österreichischen 370 km langen
Donaustrecke wurden 2025 mit
5,8 Mio. t rund 12 % weniger Güter transportiert
als im Jahr zuvor. Das Minus ist
eine Kombination von Faktoren wie etwa
die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in
Europa oder die drastischen Niedrigwasserverhältnisse
auf der Donau. Die österreichische
Donau war im Vorjahr immer
befahrbar, doch die Auslastung der Schiffe
war ob des Niedrigwassers deutlich
geringer im Vergleich zu den Jahren zuvor.
Die durchschnittliche Auslastung lag
im Vorjahr bei 54 %, eine Auslastung mit
80 % wäre wünschenswert, so Hans-Peter
Hasenbichler, Geschäftsführer der
österreichischen Wasserstraßengesellschaft
Viadonau im Gespräch mit der
Binnenschifffahrt. Reeder und verladende
Wirtschaft litten massiv unter dem
Hintergrund: Wer ist Viadonau?
Hans-Peter Hasenbichler,
Geschäftsführer Viadonau
Die Viadonau – Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft (kurz: Viadonau) ist
ein staatliches Unternehmen im Eigentum des Bundes. Die Gesellschaft trägt die
Verantwortung für die Betreuung, Erhaltung und den ökologischen sowie ökonomischen
Ausbau des österreichischen Donauraums.
Die Kernaufgaben im Überblick:
Infrastruktur & Schifffahrt: Gewährleistung einer sicheren, leistungsfähigen
und wirtschaftlichen Wasserstraße auf der rund 370 km langen österreichischen
Donaustrecke. Dazu gehört das Management des Erhalts und der Verfügbarkeit
des Fahrwasserbettes.
Digitalisierung & Telematik: Bereitstellung moderner Informations- und
Überwachungsdienste. Durch satellitengestützte Systeme wird der gesamte
Donauabschnitt digital überwacht, um die Positionierung von Verkehrsschildern
und Bojen lückenlos zu kontrollieren.
Nachhaltigkeit & Effizienz: Konsequente Nutzung erneuerbarer Energiequellen
(wie der Ersatz von Gas durch Hackschnitzel) sowie der Einsatz künstlicher
Intelligenz zur Optimierung interner Verwaltungs- und Technikprozesse.
Internationale Kooperation: Beteiligung an grenzüberschreitenden EU-Projekten
wie »FAIRway Danube II« zur Erprobung flexibler Niedrigwasserregulierungen
gemeinsam mit Ländern wie Kroatien, Rumänien und Bulgarien.
© Viadonau
Niedrigwasserproblem. Für Viadonau
war das Jahr 2025 ein sehr intensives,
galt es doch die enormen Hochwasserschäden
aus dem Jahr 2024 aufzuarbeiten,
zerstörte Infrastruktur wiederherzustellen
und die Donau der Schifffahrt
voll funktionsfähig zur Verfügung zu
halten. Die Beseitigung der Hochwasserschäden
schlug mit 8,5 Mio. € zu Buche.
Viadonau muss mit einem Jahresbudget
von 40 Mio. € auskommen, wobei das
angesichts der gerade laufenden staatlichen
Budget-Konsolidierung in Österreich
nicht so sicher ist, ob so viel Geld
auch künftig zur Verfügung steht. Weil
auch Viadonau von den Einsparungsplänen
der Regierung nicht verschont bleibt
und das Wiener Verkehrsministerium
eine zehnprozentige Einsparungsquote
einfordert (siehe Binnenschifffahrt 5/26).
»Fürs Sparen haben wir zwei Möglichkeiten,
in dem wir unsere hausinternen Prozesse
in Verwaltung und Technik weiter
optimieren und mit dem Einsatz künstlicher
Intelligenz produktiver werden«, so
Hasenbichler.
Was Viadonau sehr hilft ist die schon
vor Jahren forcierte Nachhaltigkeit auf
Basis eines Konzepts zur Nutzung erneuerbarer
Energiequellen. Energielieferant
Gas wurde beispielsweise durch Hackschnitzel
ersetzt. Nach Inbetriebnahme
der neuen, schwimmenden Firmenzentrale
auf der Donau in Wien im kommenden
Jahr soll der Energieverbrauch weiter
um 10 % sinken. Hasenbichler: »Wir
fahren jetzt die Ernte unseres Einsatzes
für die Nachhaltigkeit ein.«
Priorisierung der Projekte
Extern kann Viadonau bei den im Haus
betreuten Iinfrastruktur-Projekten die
Bremsen ziehen, Projekte mit weniger
schnell erzielbaren Nutzen sollen neu
gereiht, das Fördermanagement neu
strukturiert werden. Das freilich im en-
40 Binnenschifffahrt 06 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
© Viadonau
Die Ladungsmenge ist auf der Donau spürbar zurückgegangen
gen Einvernehmen mit dem Verkehrsministerium,
wie der Manager betont. Das
wäre die zweite Option zur Budgetkonsolidierung
in Richtung Bund.
Vom Viadonau-Gesamtjahresbudget
fließt rund die Hälfte in zahlreiche Projekte
wie beispielsweise das Projekt flexible
Niedrigwasserregulierung, die Viadonau
in Österreich seit zwei Jahren als ambitioniertes
Infrastruktur-Projekt laufen
hat. Das Der Clou dabei: Barges werden
auf der Donau strategisch optimiert platziert,
um Niedrigwasser auszugleichen
und die Schifffahrt möglichst an vielen
Tagen im Jahr mit einer Abladetiefe von
2,50 m sicherzustellen. Das Projekt wird
im Rahmen von »FAIRway Danube II«
von der EU kofinanziert und davon profitieren
derzeit neben Österreich auch
Kroatien, Rumänien und Bulgarien, wo
das Projekt unter realen Bedingungen
erprobt wird. Denn wenn der Güterverkehr
auf der Donau florieren soll braucht
es stabile Wasserverhältnisse nicht nur
in Österreich, sondern auch in den östlichen
Anrainerstaaten, wo im Vorjahr an
102 Tagen Niedrigwasser Faktum war.
Daher setzt sich Viadonau dafür ein,
dass Infrastrukturprojekte gerade in östlichen
Ländern mit EU-Hilfe mitfinanziert
werden. Die Donau funktionstüchtig zu
Donau-Ausbau im Fokus
Die wirtschaftlichen und hydrologischen
Herausforderungen auf der
Donau schließen nahtlos an unsere
Berichterstattung zur österreichischen
Verkehrspolitik an. Bereits
in der Ausgabe 5/25 der Binnenschifffahrt
beleuchteten wir die
strategischen Pläne Österreichs im
Interview mit dem österreichischen
Minister Peter Hanke. Hanke unterstrich
die immense Bedeutung
vorausschauender Infrastrukturmaßnahmen
und stabiler Rahmenbedingungen,
um die Verlagerung
von Güterströmen auf die Wasserstraße
im gesamten Donauraum
nachhaltig abzusichern.
halten ist in Österreich ein staatlicher
Auftrag mit dessen Umsetzung in ökologischer
und ökonomischer Hinsicht Viadonau
verantwortlich ist. In den vergangenen
Jahren wurde bereits der gesamte
Donauabschnitt digitalisiert, sprich sitzt
ein Mitarbeiter in einem Technik-Zentrum
und überwacht via Monitor ob alle
Verkehrsschilder, Bojen etc. entlang des
Stroms richtig platziert sind. Dieser Generalüberblick
ist dank Satelliten möglich.
»Für uns bedeutet dies Kosten- und
Personaleinsparungen bei gleichzeitig
höherer Produktivität«, so Hasenbichler.
Mehr Landstrom
Produktiv ist Viadonau bei der Landstromversorgung
für Güterschiffe. An
den öffentlichen Anlegestellen in Wien,
Windungsmauer und Linz sind entsprechende
Ladestellen schon vorhanden,
im Sommer dieses Jahres kommen weitere
in Wien, Krems und Aschach dazu.
Der Anspruch ist, den Güterschiffen
nach fünf Stunden Fahrzeit am Ufer eine
Ladestelle anbieten zu können. Hasenbichler
stellt eine herausfordernde Frage
in den Raum: Wir es künftig möglich
sein eine gepflegte und gehegte Donau
gratis befahrbar zu halten? Wäre da nicht
ein Finanzierungsmodell zu überlegen,
wie mit Einnahmen der Infrastrukturerhalt
finanziert werden kann. Zumal auf
der Donau täglich 200 Schiffe unterwegs
sind, darunter jede Menge Passagierschiffe,
deren Betreiber mit diesem Geschäftsmodell
wirtschaftlich profitabel
arbeiten. Hasenbichler: »Darüber sollte
man sich ‚mal Gedanken machen«. ■
Binnenschifffahrt 06 | 2026
41
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Häfen rüsten sich gegen Extremwetter
Das Interreg-Projekt »Crane« bündelt die Kräfte der sieben großen Oberrheinhäfen. Mit
wissenschaftlicher Unterstützung des Fraunhofer IAIS wappnen sich die Logistikhubs gegen
Niedrigwasser und Hitze, um die ökonomische und ökologische Resilienz der Rheinschifffahrt
langfristig zu sichern. Von Peter Kleinort
Digitale Resilienz für die Flusslogistik: Mittels datengestützter Klimasteckbriefe, hydrologischer Modellierungen und KI-Analysen wappnet die trinationale
Initiative Crane die Infrastruktur der Oberrheinhäfen gegen Extremwetter, Hitze und Niedrigwasser
© Generiertes Symbolbild OpenAI
Die fortschreitende Erderwärmung und die damit einhergehende
Häufung von Extremwetterereignissen stellen die europäische
Binnenschifffahrt vor beispiellose operative, ökonomische
und strukturelle Herausforderungen. Besonders der Rhein als
die wichtigste europäische Binnenwasserstraße reagiert hochsensibel
auf klimatische Veränderungen, wie die extremen Niedrigwasserperioden
der vergangenen Jahre eindrucksvoll unter
Beweis gestellt haben. Vor diesem Hintergrund hat das grenzüberschreitende
Interreg-Projekt »CRANE« (»Climate Resilience
and Adaption for upper Rhine ports«) in den vergangenen drei
Jahren eine fundamentale Pionierarbeit geleistet. Im Rahmen
eines gemeinsamen Austausch- und Ergebnistages, der Ende
April in den »Ateliers Éclairés« im Herzen des Straßburger Rheinhafens
stattfand, präsentierten die Projektpartner nun die abschließenden
Ergebnisse und die daraus resultierenden strategischen
Weichenstellungen für die kommenden Jahrzehnte.
Unter der Koordination des Hafens Straßburg hat das mit rund
1,44 Mio. € dotierte Projekt die sieben großen Oberrheinhäfen
– Basel, Mulhouse, Strasbourg, Kehl, Karlsruhe, Mannheim und
Ludwigshafen – in einer bislang einzigartigen Allianz zusammengeführt.
Das gemeinsame Ziel lautet: Die kritische Infrastruktur
der Binnenhäfen resilient gegen die unabwendbaren Folgen des
Klimawandels zu machen und damit die Versorgungssicherheit
für die angeschlossene Industrie und die gesamte Gesellschaft
dauerhaft zu garantieren. Wissenschaftlich flankiert wurde die
Initiative von zwei renommierten Partnern: der Bundesanstalt
für Gewässerkunde (BfG) sowie dem Fraunhofer-Institut für Intelligente
Analyse- und Informationssysteme (IAIS). Während die
BfG die komplexen hydrologischen Entwicklungen des Rheins
analysierte, zeichnete das Fraunhofer IAIS für die konkreten
Klimarisikoanalysen und die datengestützte Verwundbarkeitsbewertung
der einzelnen Hafenstandorte verantwortlich.
Ein zentraler Meilenstein des Projekts ist die Erstellung sogenannter
individueller Klimasteckbriefe für jeden der sieben
beteiligten Häfen. Diese Steckbriefe basieren auf hochentwickelten
mathematischen Klimamodellen und hydrologischen
Projektionen, die weit in die Zukunft blicken und Szenarien bis
zum Jahr 2100 abbilden. Durch diesen methodischen Ansatz ge-
42 Binnenschifffahrt 06 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
lang es den Forschern des Fraunhofer IAIS, die abstrakten globalen
Klimatrends auf die konkreten lokalen Gegebenheiten vor
Ort herunterzubrechen. Untersucht wurde dabei nicht nur die
statistische Wahrscheinlichkeit von langanhaltenden Niedrigwasserphasen,
die den Güterumschlag durch verringerte Abladetiefen
der Schiffe massiv einschränken, sondern auch das
Risiko von plötzlichen, extremen Hochwasserereignissen, die zu
temporären Sperrungen der Wasserstraße führen können.
Städtische Hitzeinseln als Gefahr
Darüber hinaus rückten die Wissenschaftler eine oft unterschätzte
Gefahr in den Fokus: die Entstehung urbaner Hitzeinseln
innerhalb der weitläufigen Hafenareale. Steigende Durchschnittstemperaturen
und intensive sommerliche Hitzewellen
belasten nicht nur die dort beschäftigten Arbeitskräfte in erheblichem
Maße, sondern beeinträchtigen auch die technische
Zuverlässigkeit von Umschlaganlagen, Kranbahnen, elektronischen
Steuerungssystemen und Lagereinrichtungen. Die im
Projekt Crane angewandte Methodik setzte bewusst auf einen
partizipativen Ansatz. In zahlreichen Workshops wurden lokale
Hafenbetreiber, Logistikunternehmen, Reedereien und verladende
Betriebe aktiv in den Analyseprozess eingebunden. Auf
diese Weise konnte das unschätzbare praktische Fachwissen der
Akteure vor Ort direkt in die wissenschaftliche Bewertung einfließen,
was gleichzeitig zu einer spürbaren Sensibilisierung des
gesamten Hafenökosystems für Klimarisiken beitrug.
Die Ergebnisse dieser Risikoanalysen bilden das Fundament
für einen umfassenden und modular aufgebauten Maßnahmenkatalog,
der nun schrittweise in den einzelnen Häfen implementiert
werden soll. Die vorgeschlagenen Anpassungsstrategien
gliedern sich in technische, bauliche und organisatorische Interventionen.
Im Bereich der Infrastruktur geht es unter anderem
um die konstruktive Anpassung von Kaimauern und Spundwänden
an schwankende Wasserstände sowie um den Hitzeschutz
für sensible technische Anlagen. Auch die Optimierung von
Schleusenbauwerken und die Anpassung von Brückendurchfahrtshöhen
bei Hochwasser spielen eine entscheidende Rolle.
Auf betrieblicher und logistischer Ebene stehen die Digitalisierung
des Hafenmanagements und die Einführung intelligenter
Vorhersagetools im Vordergrund, um Umschlagsprozesse auch
unter schwierigen hydrologischen Bedingungen flexibel steuern
zu können.
Modell für ganz Europa
Das Projekt Crane
Verbund & Partner: Grenzüberschreitender Zusammenschluss
der sieben großen Oberrheinhäfen (Basel, Mulhouse,
Strasbourg, Kehl, Karlsruhe, Mannheim, Ludwigshafen)
mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG)
und dem Fraunhofer IAIS.
Laufzeit & Budget: Das Projekt startete am 1. Juli 2023
und läuft bis zum 30. Juni 2026. Das Gesamtbudget beträgt
exakt 1.443.947,09 €.
EU-Förderung: Das Vorhaben wird zu 60 % mit Mitteln
aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung
(Efre) über das Programm Interreg Oberrhein bezuschusst
(Fördersumme: 824.368,26 €).
Kernaufgabe: Durchführung wissenschaftlicher Klimarisikoanalysen,
Erstellung individueller, lokaler Klimasteckbriefe
bis zum Prognosehorizont 2100 sowie die Entwicklung
eines universellen Leitfadens zur Klimaanpassung
für europäische Binnenhäfen.
Ein besonderer Clou des Projekts Crane ist der Wissenstransfer
über die Grenzen der Oberrheinregion hinaus. Sämtliche gewonnenen
Erkenntnisse und die praxiserprobte Methodik werden
derzeit in einem allgemeingültigen Leitfaden zusammengefasst.
Dieses Handbuch beschreibt schrittweise und anschaulich,
wie Binnenhäfen eigenständig eine fundierte Klimarisikoanalyse
durchführen und darauf aufbaute Anpassungspläne entwickeln
können. Damit fungiert das Oberrhein-Projekt als strategischer
Impulsgeber für den gesamten europäischen Binnenschiffahrtssektor.
Die Brisanz und Relevanz des Themas spiegelte sich auch
in der hochkarätig besetzten Podizmsdiskussion des Abschlusskolloquiums
wider, an der die Direktoren der Häfen von Straßburg,
Rheinland-Pfalz und den Schweizerischen Rheinhäfen teilnahmen.
Die Hafenlenker machten unmissverständlich deutlich,
dass die Transformation der Häfen zu klimaresistenten Hubs
eine zwingende Voraussetzung ist, um die Ziele des europäischen
Grünen Deals zu erreichen. Nur eine verlässliche Wasserstraße
ermöglicht die politisch geforderte Verkehrsverlagerung
von der überlasteten Straße auf das umweltfreundliche Schiff.
Enge Projekt-Kooperation
Die Verknüpfung von technischer Resilienz und unternehmerischer
Anpassung stand zudem im Mittelpunkt einer engen Kooperation
mit dem komplementären Interreg-Projekt »Clim‘Ability
Care«, das nach zehnjähriger Laufzeit zeitgleich in Strasbourg
seinen Abschluss feierte. Während Crane den Fokus auf die
harte Infrastruktur der Binnenhäfen legte, konzentrierte sich
Clim‘Ability Care auf die Sensibilisierung und Begleitung der im
Hafenraum und der Region ansässigen Unternehmen. Diese
doppelte Perspektive verdeutlicht, dass Klimaanpassung eine
Gemeinschaftsaufgabe aller so genannten Stakeholder ist, die
eine neue »Kultur des Kümmerns« (Care) erfordert, um die wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit des Oberrheins als kontinentale
Logistikdrehscheibe dauerhaft zu sichern. Mit dem Auslaufen
der aktuellen Projektphase von Crane Mitte 2026 ist die Arbeit
für die Rheinhäfen jedoch keineswegs beendet. Mithilfe des
im Projekt entwickelten Priorisierungswerkzeugs können die
Hafenbetreiber die Umsetzung der identifizierten Schutzmaßnahmen
nun strategisch steuern, budgetieren und an die realen
klimatischen Entwicklungen anpassen. Der Grundstein für den
klimafesten Hafen der Zukunft ist gelegt – nun folgt die bauliche
und organisatorische Praxis.
■
Binnenschifffahrt 06 | 2026
43
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Logistisches Rückgrat
für das Molekül der Zukunft
Der grenzüberschreitende Markthochlauf von Wasserstoff benötigt nicht nur technologische
Reife, sondern vor allem starke intermodale Knotenpunkte. Wie der Aufbau systemischer
Wertschöpfungsketten gelingen kann, diskutierten über 160 Experten auf der 5. Hydrogen Cross
Border Conference in Lingen – mit klarem Fokus auf die maritime Logistikkompetenz
© HCBC/Mariko
Grenzüberschreitender Dialog: Über 160 Branchenexperten kamen im IT-Zentrum Lingen zusammen, um den Markthochlauf von Wasserstoff
aktiv voranzutreiben
Die Dekarbonisierung von Industrie und Verkehr steht und fällt
mit der Verfügbarkeit alternativer Energieträger. Während in
der Binnenschifffahrt selbst bei den Antrieben derzeit HVO 100
sowie Batteriekonzepte in der Fahrgastschifffahrt als die wahrscheinlichsten
Optionen im Fokus stehen, ist die Rolle der Häfen
beim physischen Import und der Verteilung von Wasserstoff
(H 2
) unbestritten. Frei nach dem Credo von Frank Schnabel (Hafen
Brunsbüttel) – »Ohne die Häfen ist die Energiewende nicht
zu schaffen« – rüsten sich die Standorte als strategische Umschlagshubs.
Ob das jüngst vorgestellte Wasserstoffprojekt im
Hafen Stuttgart oder die Bestrebungen der H 2
-Allianz am Oberrhein:
Die Binnenhäfen positionieren sich als Schlüsselakteure.
Beispielhaft kann auch das Projekt EcoPort 813 unter der
federführung der DeltaPorts in Wesel gelten: Das Projekt zielt
darauf ab, Binnenhäfen im nordwestdeutschen Kanalsystem zu
modernen, nachhaltigen Logistikhubs zu transformieren. Eco-
Port 813 verbindet den klassischen trimodalen Güterumschlag
mit dem Aufbau einer grünen Energieinfrastruktur – von der Bereitstellung
von Landstrom und alternativen Antrieben für die
Schifffahrt bis hin zur Vorbereitung der Hafeninfrastruktur auf
den Umschlag und die Lagerung von Wasserstoffderivaten. Solche
Initiativen belegen, dass die Häfen im Nordwesten die Transformation
nicht nur passiv begleiten, sondern aktiv als Integratoren
für die industrielle Anwendung im Hinterland gestalten.
Markthochlauf und Price Gap
Welche enormen Herausforderungen und Chancen dabei im
grenzüberschreitenden Raum liegen, zeigte die fünfte Hydrogen
Cross Border Conference (HCBC) im IT-Zentrum Lingen.
Über 160 Expertinnen und Experten aus Industrie, Politik und
Wissenschaft diskutierten dort über den Markthochlauf und die
Überwindung wirtschaftlicher Preislücken (»Price Gap«).
Dass die Schifffahrt eine Schlüsselrolle einnimmt, wurde bereits
am Vortag beim »Maritime Special« in Haren (Ems) deut-
44 Binnenschifffahrt 06 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
lich. Rund 75 Gäste kamen in der besonderen Atmosphäre eines
Schiffes der Reederei Deymann zusammen, um über die Transformation
des Sektors zu debattieren. Eine zentrale Erkenntnis:
Wasserstoff hat nur dann eine ökonomische Zukunft, wenn die
gesamte Kette von der Produktion über den Transport und die
Speicherung bis hin zur industriellen Anwendung systemisch
optimiert wird.
Hier kommen die Wasserstraßen ins Spiel. Um die enormen
Mengen an Wasserstoff oder dessen Derivaten wie Ammoniak
und Methanol ins Hinterland zu transportieren, ist das Binnenschiff
als Massenguttransporteur prädestiniert. Lingens Oberbürgermeister
Dieter Krone unterstrich die historische und architektonische
Verbundenheit der Region zu den Niederlanden
und betonte, dass dieses gelebte Miteinander von Industrien
und Netzwerken gerade beim Wasserstoffhochlauf von fundamentaler
Bedeutung sei.
Häfen als Integratoren
Startschuss im Zeichen der Logistik: Rund 75 Fachbesucher diskutierten
beim »Maritime Special« an Bord eines Schiffes der Reederei
Deymann in Haren über die Systemintegration der Schifffahrt
Auch das Organisationsteam der Konferenz – bestehend unter
anderem aus der H 2
-Region Emsland, der Mariko und der New
Energy Coalition – zog ein eindeutiges Fazit: Die technologische
Reife ist vorhanden, um die Energiewende in die Fläche zu tragen.
Der endgültige Durchbruch entscheidet sich jedoch an der
Schnittstelle zwischen maritimer Logistik und industrieller Anwendung.
Die Binnenhäfen fungieren hierbei als Integratoren,
die Erzeugung, Import und Hinterlandlogistik nahtlos miteinander
verknüpfen.
Die nackten Zahlen verdeutlichen das Potenzial: Von den
223 deutschen Binnenhäfen liegen 121 in unmittelbarer Nähe
zum geplanten Kernnetz. Dabei sollen 54 Häfen über Neubauleitungen
und weitere 50 über umgerüstete Erdgasleitungen
direkt angeschlossen werden. Große industrielle Hotspots wie
die Rhein-Ruhr-Region, der Mittelrhein oder die Metropolregion
Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg weisen ohnehin
eine hohe Netzdichte auf. Doch gerade abseits des Kernnetzes
– etwa zur Versorgung kleinerer, dezentraler Industrieabnehmer
im ländlichen Raum – bleibt die Wasserstraße als komplementärer
Transportvektor unersetzlich. Die Häfen wandeln sich hierbei
zu strategischen Umschlagshubs, die Import, lokale Erzeugung
und Hinterlandlogistik nahtlos verknüpfen. Experten unterstreichen
deutlich, dass ohne die maritime und flusslogistische Kompetenz
der Häfen ein flächendeckender Markthochlauf nicht zu
realisieren ist. Zunächst und kurzfristig sind Binnenhäfen vor
allem für die lokale und regionale Wasserstoffversorgung wichtig,
da sie als Zentren für den Aufbau erster lokaler Wertschöpfungsketten
dienen.
Um diese Herkulesaufgabe zu bewältigen, bietet die Binnenschifffahrt
für die verschiedenen Zustandsformen des Energieträgers
spezifische Logistiklösungen. Der Transport von gasförmigem
Wasserstoff erfolgt komprimiert in Druckgasflaschen,
integriert in standardisierte Containerrahmen, die aktuell bis
zu 1.150 kg pro 40-Fuß-Container fassen. Auf Distanzen bis zu
400 km und bei täglichen Mengen im zweistelligen Tonnenbereich
ist dies die wirtschaftlichste Lösung für Regionen ohne eigenen
Pipeline-Anschluss. Der Transport lässt sich in bestehende
Container-Liniendienste oder als Beiladung auf Stückgutschiffen
integrieren. Ab Transportwegen über 400 km gewinnt hingegen
der verflüssigte Transport an Wirtschaftlichkeit. Sobald dieser in
großen Mengen an den Seehafenterminals anlandet, steht das
Binnenschiff als Massengutträger bereit, um den Weitertransport
ins Hinterland zu übernehmen.
© HCBC/Mariko
Allianz für den Nordwesten
Die Hydrogen Cross Border Conference (HCBC) fand 2026
bereits zum fünften Mal statt und hat sich als zentraler
Impulsgeber für den deutsch-niederländischen Energieraum
etabliert. Hinter der Konferenz steht ein breites,
grenzüberschreitendes Netzwerk aus der H 2
-Region Emsland,
H 2
-Ostfriesland, dem Landkreis Aurich, der Mariko,
FME, dem Oldenburger Energiecluster OLEC und der
New Energy Coalition. Ziel der Initiative ist es, bestehende
Marktunsicherheiten abzubauen, Synergien in der
Infrastruktur zu nutzen und den Mittelstand aktiv in die
regionale Wasserstoffwertschöpfungskette einzubinden.
Schifffahrt im Wandel
Die Binnenschifffahrt steht damit vor einer doppelten Transformation.
Während sie Klimafolgen wie Extremwetter und Niedrigwasserphasen
durch innovative, flachgehende Schiffstypen bewältigen
muss, bieten die freiwerdenden Transportkapazitäten
aus dem fossilen Sektor die Chance, sich als verlässliches und
umweltfreundliches Rückgrat der europäischen Energiewende
zu etablieren. Durch Investitionen in die Hafeninfrastruktur, multimodale
Schnittstellen und die Unterstützung wegweisender
Regionalinitiativen wird der Sektor zur Schlüsselkomponente für
die Versorgungssicherheit der Industrie.
PK
Binnenschifffahrt 06 | 2026
45
LOGISTIK
Das logistische Herz an der Weser
Minden präsentiert sich im Nordwesten als moderner, trimodaler Logistikhub. Durch eine
Partnerschaft mit der regionalen Wirtschaft schlägt das Logistikzentrum die Brücke zu den
deutschen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven. Von Peter Kleinort
© Hafen Minden/Kristian Meier
Minden lebt nicht nur am Wasser, die Häfen der Stadt nehmen wichtige Funktionen für die Wirtschaft ein
Wer an die Schifffahrt im Nordwesten denkt, dem kommt unweigerlich
Minden in den Sinn. Die Stadt an der Weser blickt auf eine
jahrhundertelange Schifffahrtstradition zurück. Diese historische
Wurzel ist auch heute noch an jeder Ecke spürbar, doch der Blick
der Verantwortlichen ist konsequent nach vorn gerichtet. Das moderne
Gesicht der Mindener Hafenlandschaft wird maßgeblich
durch den sogenannten Regioport OWL geprägt – ein Gemeinschaftsprojekt,
das den Hafen Minden zu einem der wichtigsten
intermodalen und trimodalen Knotenpunkte in Ostwestfalen-Lippe
(OWL) und darüber hinaus gemacht hat.
Die Struktur des Hafens ist dabei so vielschichtig wie seine Aufgaben.
»Grundsätzlich ist es ja bei den Binnenhäfen so, dass wir
irgendwie alle gleich sind und irgendwie auch nicht«, beschreibt
Sebastian Jezek, Projektkoordinator des Mindener Hafens, die
Ausgangslage. Minden agiert in einer Doppelrolle, die für viele
moderne Binnenhäfen typisch, aber in ihrer Ausprägung hier besonders
erfolgreich ist: »Grundsätzlich sind wir sowohl Landlord,
klassischer Landlord – Hafenbehörde damit dann auch –, als auch
Umschlagsbetrieb.« Während die Rolle als Hafenbehörde und
Landlord im Hintergrund die verkehrssicheren Rahmenbedingungen
sichert, konzentriert sich das operative Geschäft ganz auf den
eigentlichen Umschlag im kombinierten Verkehr. »Wir können uns
gewissermaßen auf den Umschlagsbetrieb im kombinierten Verkehr
konzentrieren«, so Jezek.
Zwei Standorte, eine Strategie
Minden verfügt insgesamt über fünf Häfen, von denen die Hafen-Gesellschaft
zwei aktiv als Umschlagsbetrieb bewirtschaftet.
Diese beiden Standorte – der Industriehafen II und der neuere
Regioport – bilden das Rückgrat der trimodalen Logistikachse. Am
Industriehafen II, der bereits seit dem Jahr 2002 im Intermodalbereich
aktiv ist, schlägt das Herz des Bahnumschlags. »Da ist der
Bahnumschlag konzentriert. Das machen wir zu 100 Prozent«, erklärt
Jezek.
Der zweite Pfeiler ist der im Jahr 2019 in Betrieb genommene
Regioport. Dieser Standort wurde gezielt für den Binnenschiffsumschlag
konzipiert, um dem steigenden Aufkommen im Containertransport
gerecht zu werden. Den Regioport betreibt die
Hafen-Gesellschaft jedoch nicht allein, sondern im Rahmen einer
strategischen Betreibergesellschaft. »Das machen wir in einer Be-
46 Binnenschifffahrt 06 | 2026
LOGISTIK
treibergesellschaft mit zwei anderen Partnern, um die Expertise
zu haben«, führt Jezek aus. Hintergrund sind die strengen Vorgaben
der KV-Förderung des Bundes. Wenn ein Terminal über diese
Fördermittel errichtet wird, darf die öffentliche Hand maximal
49 % der Anteile an der Betreibergesellschaft halten.
Diese Konstellation hat sich als Glücksfall erwiesen, da hierdurch
gebündelte Kompetenzen an einem Tisch sitzen. Neben der
Hafen-Gesellschaft, die ihre Erfahrung im Umschlag einbringt, ist
die Modal 3 Logistik mit im Boot. »Da haben wir alles zusammen:
wir mit der langjährigen Expertise im Umschlag, Bobe mit der Expertise
im KV und Modal 3 als Betreiber von Binnenschiffs- und
Bahnlinien«, unterstreicht Sebastian Jezek die Stärke dieser Allianz.
Die geografische Lage Mindens am Wasserstraßenkreuz von
Weser und Mittellandkanal bietet strategische Vorteile, bringt aber
auch spezifische Herausforderungen mit sich. Entgegen der naheliegenden
Vermutung, dass die Verbindung über die Weser nach
Bremen die wichtigste Verkehrsachse darstellt, zeigt die Realität
ein anderes Bild. »Die Rennstrecke für uns sind tatsächlich auf die
Verkehre Richtung Hamburg«, offenbart Jezek. Gleichwohl bleibt
Bremerhaven aufgrund der Weseranbindung ein wichtiger Faktor
Ein wiederkehrendes Thema im operativen Geschäft ist die regelmäßige,
temporäre Sperrung der Weser im Herbst. Jedes Jahr
führt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) dringend
notwendige Revisionsarbeiten an den Schleusen und Wasserbauwerken
durch. »Es gibt immer diese einmalige Pause im Herbst:
Für einen Monat macht das WSA die Weser dann dicht«, erklärt
Jezek. Für einen Hafen, der im Taktverkehr der Linienverkehre
operiert, bedeutet dies eine logistische Kraftanstrengung. »Das ist
natürlich für unsere Linienverkehre immer ein bisschen schwierig.«
Dank der trimodalen Aufstellung über die Schiene kann der
Hafen solche Phasen jedoch abfedern und die logistischen Ketten
für die Kunden aufrechterhalten.
Ein Binnenhafen lebt von seiner Verankerung in der regionalen
Wirtschaft. In Minden ist diese Verbindung traditionell eng. Seit
dem Start des intermodalen Containerumschlags im Jahr 2002 ist
die Spedition Bobe der Hauptkunde und ein zentraler Motor des
Hafens. Bobe tritt sowohl für den Schienen- als auch für den Binnenschiffshafen
als starker Operator auf und sichert dem Hafen
kontinuierliche Mengenströme in Ostwestfalen-Lippe und dem
angrenzenden Niedersachsen.
Doch das Netzwerk in Minden wächst weiter. Ein eindrucksvolles
Beispiel für die dynamische Entwicklung des Hafenareals ist das
Engagement der Spedition Hölkemeier unter der Flagge von LIR
im Regioport. Das Unternehmen hat in unmittelbarer Nachbarschaft
zum Regioport eine hochmoderne Logistikhalle errichtet,
die Maßstäbe setzt. Sebastian Jezek zeigt sich beeindruckt von
den Dimensionen des Neubaus, den er im Rahmen eines Jahresgesprächs
besichtigte: »Die Halle ist knapp 410 m lang und in
neun Bereiche aufgeteilt mit verschiedenen temperaturgeführten
Stufen.«
Diese spezielle Infrastruktur ist maßgeschneidert für die Anforderungen
unter anderem der regionalen Süßwarenindustrie, die
präzise klimatische Bedingungen erfordert. Solche Investitionen
von Drittunternehmen im hafenaffinen Gewerbegebiet stärken
die langfristige Position des Standorts im nationalen Logistiknetzwerk,
da sie direkte Transportwege vom Schiff ins Lager ermöglichen.
Neben der Bewältigung der täglichen Umschlagmengen
steht der Hafen Minden vor der Mammutaufgabe der Dekarbonisierung
und der energetischen Transformation. Hierbei zeigt er
sich als proaktiver Gestalter, stößt jedoch aufgrund seiner spezifischen
Struktur auch an räumliche und physikalische Grenzen.
Ein großer Vorteil: Der große Containerkran am Regioport wird
komplett elektrisch angetrieben. »Unser großer Kran ist strombetrieben.
Wir setezn da bereits auf Grünstrom«, berichtet Jezek.
Zudem bietet der Regioport umfassende Stromanschlussmöglichkeiten
für die liegenden Binnenschiffe, damit diese während
des Ladevorgangs ihre schiffseigenen Dieselgeneratoren abschalten
können und so die Lärm- und Abgasemissionen minimieren.
Schwieriger gestaltet sich die Nutzung von Solarenergie direkt
auf den Hafenflächen. Ein moderner Containerhafen besteht naturgemäß
aus großen, freien Lagerflächen und verfügt kaum über
große Dachflächen. »Das Thema Solarenergie ist schwer bei uns
umzusetzen Wir haben einen Bürocontainer und viel Lagerfläche.
Da ist jetzt nicht wirklich was, wo man Solarzellen aufstellen
könnte«, erläutert der Projektkoordinator. Umso wichtiger sind Kooperationen
mit Partnern: Die Halle von Hölkemeier ist komplett
mit Photovoltaikanlagen bestückt. Das Unternehmen geht davon
aus, zwischen April und Oktober weitgehend autark agieren zu
können.
Ein zukunftsweisendes Projekt, das der Hafen Minden derzeit
intensiv vorantreibt, ist der Aufbau einer Ladeinfrastruktur für
batterieelektrische Lkw. »Wir haben noch keine E-Ladestation für
Lkw im Regioport. Das ist aber in Planung und wir sind in der Abstimmung
mit unseren Kunden«, so Jezek. Der Bedarf steigt spürbar,
da immer mehr Speditionen im Nahbereich auf elektrisch betriebene
Zugmaschinen umstellen. Da sich die Verkehre zwischen
dem Terminal und den regionalen Logistikhallen auf eher kurze
Strecken fokussieren, ist der Einsatz von E-Lkw hier ideal. Da die
öffentliche Ladeinfrastruktur an Autobahnen noch lückenhaft ist,
geht der Trend bei den Speditionen klar zum sogenannten »Depotladen«.
Binnenhäfen wie Minden können hier als zentrale Hubs
fungieren.
■
Daten und Fakten
Betreiber: Mindener Hafen GmbH (Umschlag im Industriehafen
II zu 100 %, Regioport in einer Betreibergesellschaft
mit Bobe und Modal 3).
Infrastruktur & Standorte: Trimodale Ausrichtung
über die zentralen Standorte Industriehafen II und
Regioport.
Verkehrsanbindung: Günstige Lage am Wasserstraßenkreuz
von Weser und Mittellandkanal.
Umschlag & Equipment: Vollelektrischer Containerkran
am Regioport sowie integrierte Landstromversorgung
für Binnenschiffe.
Zukunftsprojekte: Erweiterung der hafenaffinen
Logistikflächen sowie die aktuelle Planung und Abstimmung
einer dedizierten E-Lkw-Ladeinfrastruktur zur
Förderung des grünen KV.
Binnenschifffahrt 06 | 2026
47
LOGISTIK
Fehlende Kennzahlen bremsen viele
Logistikbetriebe aus
Sinkende Margen und unklare Daten belasten viele Logistikbetriebe. Künstliche Intelligenz
schließt jetzt die digitalen Lücken im Controlling und hilft Entscheidern, auch in volatilen
Marktphasen die richtigen Beschlüsse zu fassen. Von Marcus Linnepe
© Jan Weiser
In der multimodalen Logistikkette ist die permanente Kenntnis um betriebswirtschaftliche Kennzahlen wichtig
In der logistischen Praxis stellt sich täglich die Frage, wie viele
Unternehmen ad hoc und präzise wissen, wie es um ihre eigene
Liquidität, die Marge oder die konkrete Auftragsrentabilität
steht. Betriebswirtschaftliche Kennzahlen werden in vielen Betrieben
oft nicht vollständig verstanden oder erst mit erheblicher
zeitlicher Verzögerung ausgewertet, was strategische Entscheidungen
im Alltag erschwert oder folgenschwer verzögert.
Moderne, KI-gestützte Applikationen unterstützen Logistiker
jedoch zunehmend dabei, auch in wirtschaftlich angespannten
Marktphasen nicht mehr ausschließlich nach dem sprichwörtlichen
Bauchgefühl entscheiden zu müssen, sondern sich stattdessen
auf sekundenaktuelle und belastbare Daten zu stützen.
Steigende Betriebskosten, volatile Frachtraten und eine zurückhaltende
Investitionsbereitschaft der Kunden spannen die
wirtschaftliche Situation in der Logistik zunehmend an. Eine aktuelle
Auswertung von Falkensteg zeigt, wie kritisch die Lage für
viele Betriebe ist: Die Sanierungschancen insolventer Logistikund
Transportunternehmen liegen demnach bei lediglich rund
16,7 %, ein historischer Tiefstand. In diesem Umfeld kristallisiert
sich heraus, welche Unternehmen ihre betriebswirtschaftlichen
Kennzahlen wirklich im Griff haben und welche erst handeln,
wenn die Probleme bereits sichtbar werden.
Digitale Lücken im Controlling
Wie viele Logistikunternehmen können wirklich auf Anhieb einschätzen,
wie es um ihre freie Liquidität steht? Könnten Sie spontan
beurteilen, ob sich die Anschaffung eines Flurförderzeugs
für 30.000 € wirtschaftlich tragen würde? Oder müssten Sie erst
Rücksprache mit dem Steuerbüro halten und mehrere Tage
auf eine Auswertung warten? Solche Verzögerungen sind nicht
nur zeitintensiv, sondern kosten oft auch bares Geld. Denn wer
seine finanzielle Lage nicht genau kennt, kann Marktchancen
kaum nutzen und reagiert auf Risiken häufig zu spät. Zentrale
Steuerungsaufgaben hängen stark von externen Dienstleistern
48 Binnenschifffahrt 06 | 2026
LOGISTIK
ab und zahlreiche Abläufe im Finanz- und Leistungscontrolling
sind noch immer manuell oder nur bruchstückhaft digitalisiert.
Nach Zahlen des IfM Bonn aus dem Jahr 2023 verfügen rund
42 % der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland
über kein durchgängig digitalisiertes Controlling. Das bekräftigt
eine Untersuchung von KPMG aus dem Jahr 2024, wonach lediglich
28 % der mittelständischen Unternehmen lernfähige, KI-gestützte
Systeme im Finanzbereich nutzen.
Viele Logistikunternehmen stehen vor einem strukturellen
Problem: Die wichtigsten Finanzdaten liegen oft nur in großen
Abständen vor. Zwar werden betriebswirtschaftliche Auswertungen
regelmäßig zugeschickt, doch wirklich aussagekräftige
Unterlagen wie eine detaillierte GUV oder die Jahresbilanz kommen
nur einmal im Jahr. Für die operative Steuerung nutzen diese
nachgelagerten Zahlen kaum, sind sie doch nur eine rückblickende
Momentaufnahme.
Weil die Datenbasis oft lückenhaft bleibt, stützen sich Entscheidungen
im Tagesgeschäft häufig auf Erfahrungswerte oder
Einschätzungen einzelner Führungskräfte. Gerade in der Logistik
kann das gefährlich werden, denn schwankende Liefermengen,
saisonale Spitzen und ein stark variierender Personalbedarf
verlangen eine präzise und aktuelle Übersicht über die eigene
finanzielle Situation.
Controlling-Systeme für die Logistik
Für Logistikunternehmen wird die Fähigkeit, Entscheidungen
zügig zu treffen, zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Ob zusätzliche Fahrzeuge benötigt werden, neue Touren eingerichtet
werden sollen oder Kundenpreise anzupassen sind – nur
wer seine aktuellen Finanz- und Leistungskennzahlen im Blick
hat, kann rechtzeitig auf Marktveränderungen reagieren.
Controlling-Systeme leisten heute weit mehr als das Erfassen
von Belegen. Sie werten Finanz- und Leistungsdaten aus, ordnen
sie in historische Entwicklungen ein und beantworten zentrale
betriebswirtschaftliche Fragen verständlich und in Echtzeit.
Für Logistikunternehmen können das etwa Themen sein wie:
Welche Fixkosten und variablen Kosten sind mit den Lagerprozessen
verbunden? Oder wie hoch ist der Return on Investment
(ROI) für neue Technologieinvestitionen? Künstliche Intelligenz
kann solche Muster in Sekunden erkennen und die Ergebnisse
auf einer nachvollziehbaren, geprüften Datenlogik aufbereiten.
Aus verstreuten Informationen wird so ein Steuerungswerkzeug,
das echte finanzielle Orientierung bietet.
Controlling-Lösungen holen die Finanzsteuerung zurück in
den Arbeitsalltag. Sie bereiten Daten so auf, dass selbst Personen
ohne Controlling-Hintergrund betriebswirtschaftliche
Entwicklungen nachvollziehen können. Fragen wie: Wie wirken
sich steigende Transportkosten auf mein Ergebnis aus? Wie verändert
sich mein operativer Gewinn im Vergleich zum Vorjahr?
lassen sich damit in wenigen Sekunden beantworten.
Moderne Digitale Tools kombinieren heute geprüfte Finanzlogik
mit einer intuitiven Sprachinteraktion für die Anwender, liefern
verständliche Antworten, arbeiten insgesamt DSGVO-konform
und erkennen Abweichungen sowie Trends automatisch.
So erhalten Geschäftsführende, Disponenten und Controller in
KI-Tools helfen Unternehmen, sich nicht nur auf das »Bauchgefühl«
und den Taschenrechner zu verlassen
Unternehmen ein praxisnahes, intuitives und modernes Instrument,
das umfassende Entscheidungen unabhängig und ohne
Umwege ermöglicht.
Mit Finanzdaten im Dialog
Die zahlreichen Insolvenzen in der Transport- und Logistikbranche
machen deutlich, dass nicht nur schwankende Auftragslagen
zum Problem werden. Häufig fehlt es an einem verlässlichen
Blick auf die eigene wirtschaftliche Situation. Künstliche
Intelligenz ersetzt keine unternehmerische Verantwortung, aber
sie kann helfen, Warnsignale frühzeitig sichtbar zu machen.
Für viele Logistiker bedeutet das ein Umdenken: Finanz- und
Leistungsdaten sollten nicht nur einmal im Monat betrachtet,
sondern als fortlaufender Informationsaustausch verstanden
werden. KI-basierte Anwendungen bieten die Möglichkeit, eine
neue Offenheit im Umgang mit Zahlen zu entwickeln. Sie nehmen
die Hemmschwelle, indem sie komplexe Zusammenhänge
verständlich darstellen und damit echte Orientierung bieten.
Logistikbetriebe, die ihre Finanz- und Betriebszahlen konsequent
auswerten, verschaffen sich im Alltag einen spürbaren
Vorteil. Entscheidungen basieren nicht länger auf Vermutungen,
sondern auf belastbaren Fakten. Digitale und KI-gestützte Systeme
ersetzen dabei keine Fachkräfte im Controlling, sondern
geben ihnen mehr Überblick und erweitern ihren Handlungsspielraum.
Während große Logistikgruppen schon seit Jahren mit Live-
Dashboards und kontinuierlichen Reportings arbeiten, gewinnen
nun auch kleinere und mittlere Unternehmen Zugang zu
solchen Möglichkeiten. Über den Erfolg in der Logistik entscheidet
zunehmend die Fähigkeit, präzise und schnell auf verlässliche
Daten zuzugreifen und daraus die richtigen Schlüsse zu
ziehen.
■
© Pixabay/Steve Buissinne
Binnenschifffahrt 06 | 2026
49
LOGISTIK
Vor 60 Jahren begann eine
neue Ära in der Logistik
Am 6. Mai 1966 setzte die BLG im Bremer Überseehafen erstmals einen Container in einem
deutschen Hafen an Land – ein Moment, der die Logistikwelt grundlegend veränderte. Für die
Hafenwirtschaft markierte die Einführung des Containers den Beginn einer neuen Zeitrechnung:
Güter konnten schneller, sicherer und effizienter transportiert werden als je zuvor
© HHLA/Raetkze
Aus dem modernen Transport ist der Container nicht mehr wegzudenken. In nur knapp 60 Jahren revolutionierte er die Logistik
Auch für den Bremer Logistiker BLG Logistics war die Containerisierung
ein entscheidender Meilenstein. Das Unternehmen und
die Stadt Bremen positionierten sich früh als Pioniere für den
Containerumschlag in Europa und legten damit die Grundlage
für die bis heute starke Rolle im internationalen Seeverkehr. Was
in den 1960er Jahren mit ersten standardisierten Stahlboxen begann,
entwickelte sich zu einem globalen Erfolgsmodell und zu
einer zentralen Grundlage moderner Lieferketten.
»Der Container hat die Weltwirtschaft grundlegend verändert.
Er hat Transportprozesse standardisiert, beschleunigt und
Kosten erheblich reduziert – und damit globale Warenströme
in einer zuvor nicht erreichten Leistungsfähigkeit vernetzt«,
sagt Matthias Magnor, Vorstandsvorsitzender der BLG-Gruppe.
Heute werden nahezu alle Güter in Containern transportiert.
Weltweit sind aktuell rund 35 Mio. Container im Umlauf. Allein
im Jahr 2025 wurden in den deutschen Seehäfen rund 15 Mio.
Standardcontainer (TEU) umgeschlagen.
Mit dem Siegeszug des Containers wandelten sich auch die
Häfen. Bereits Ende der 1960er Jahre entstand im Neustädter
Hafen unter Regie der BLG ein Containerterminal. Ein entscheidender
Schritt war der Bau der ersten Containerbrücke im Jahr
1967. Sie ermöglichte erstmals einen schnellen und standardisierten
Umschlag und machte den Containerverkehr im größeren
Maßstab überhaupt erst möglich.
Spezialisierte Infrastruktur
Auf dieser Entwicklung baut auch die spätere Gründung des
Bremer Containerumschlagsgiganten Eurogate im Jahr 1999
auf, dem Joint Venture von BLG Logistics und Eurokai. Eurogate
zählt heute zu den führenden Containerterminalbetreibern in
der Nordrange und ist ein zentraler Bestandteil der deutschen
und europäischen Hafen- und Logistikinfrastruktur.
50 Binnenschifffahrt 06 | 2026
LOGISTIK
© Bremenports
1966 begann mit der Anlandung in Bremerhaven das Containerzeitalter in Deutschland
»Gleichzeitig steht die Branche erneut vor großen Veränderungen.
Themen wie Digitalisierung, Automatisierung und
Nachhaltigkeit prägen die Zukunft der Logistik. Moderne Containerterminals
arbeiten zunehmend datengetrieben, emissionsärmer
und vernetzter«, so Magnor weiter. »Die Geschichte des
Containers ist noch lange nicht zu Ende. Gerade in Zeiten globaler
Herausforderungen zeigt sich, wie wichtig resiliente Lieferketten
und leistungsfähige Häfen sind. Rund 90 % des weltweiten
Gütertransports erfolgen über den Seeweg, etwa 70 %
davon in Containern. Der Container bleibt damit das Rückgrat
des Welthandels.«
Anlässlich dieses Jubiläums blickt die BLG nicht nur auf sechs
Jahrzehnte Containerisierung zurück, sondern auch nach vorn:
Die Zukunft der Logistik wird intelligenter, nachhaltiger und internationaler
vernetzt.
Das Binnenschiff als Lebensader fürs
Hinterland
Mit dem rasanten Wachstum des containerisierten Seeverkehrs
in den vergangenen sechs Jahrzehnten stießen jedoch auch
die klassischen Verkehrsträger im Hinterland an ihre Grenzen.
Die wahre Revolution des Containers vollendete sich daher erst
auf den europäischen Wasserstraßen: Das Binnenschiff entwickelte
sich rasch zum unverzichtbaren Leistungsträger, um die
enormen Boxenströme aus den Nordrange-Häfen staufrei und
umweltfreundlich ins kontinentale Hinterland zu transportieren.
Heute bewegen moderne Containerschiffe hunderte Standardcontainer
gleichzeitig im Systemverkehr entlang des Rheins und
des Kanalnetzes.
Als entscheidendes Drehkreuz und logistisches Monument
dieser Entwicklung fungiert dabei der Duisburger Hafen. Was
in Bremen an der Seekante begann, wurde in Duisport für das
europäische Binnenland perfektioniert: Als größter Binnenhafen
der Welt entwickelte sich Duisburg zum zentralen kontinentalen
Container-Hub.
Über hochmoderne trimodale Terminals steuert der Standort
am Rhein heute nicht nur die Feinverteilung der Boxen in der
Industrieregion Rhein-Ruhr, sondern verknüpft das System Binnenschiff
über die Schiene nahtlos mit den internationalen Handelskorridoren
bis tief nach Osteuropa und mittlerweile sogar
nach Asien. 60 Jahre nach der ersten Anlandung in Bremen ist
klar: Ohne die enorme Transportkapazität der Binnenschifffahrt
wäre der globale Siegeszug der Standardbox auf der letzten
Meile logistisch kollabiert.
Gerade in Zeiten maroder Autobahnbrücken und überlasteter
Schienennetze zeigt sich die wahre Resilienz dieses Systems.
Der kombinierte Verkehr aus See- und Binnenhafen sichert die
Just-in-Time-Versorgung der Industrie und beweist täglich, dass
die grüne Transformation der Logistik ohne die Wasserstraße
nicht zu machen ist.
RD
Binnenschifffahrt 06 | 2026
51
SEEHÄFEN | SHORTSEA
Bremerhaven richtet digitales Testfeld ein
Schiffsanläufe in Bremerhaven sollen transparenter und effizienter werden. Mit dem offiziellen
Kick-off des Projekts »Digi Weser« schafft die Seestadt ein digitales Testfeld, um die Koordination
zwischen Behörden, Terminals und Reedereien auf ein neues Level zu heben. Ziel ist die »Just-in-
Time«-Steuerung, die nicht nur Kosten spart, sondern auch die Nachhaltigkeit stärkt
© Bremenports/Scheer
Strategische Allianz für den Hafen der Zukunft: Die Projektpartner beim Kick-off-Termin in Bremerhaven
Die Herausforderungen für moderne Seehäfen wachsen stetig:
Immer komplexere Logistikketten, der steigende Druck zur Dekarbonisierung
und ein intensiver internationaler Wettbewerb
erfordern innovative Ansätze. Ein kritischer Flaschenhals ist
dabei oft noch die Kommunikation rund um den Schiffsanlauf.
Bisher werden Prozesse in vielen Häfen – Bremerhaven eingeschlossen
– über verschiedene, oft nicht miteinander vernetzte
Systeme via E-Mail, Telefon oder Funk koordiniert. Die Folge sind
Informationslücken, zeitaufwendige Abstimmungsprozesse und
unnötige Wartezeiten auf See oder im Hafen.
Genau hier setzt das nun gestartete Projekt »Digi Weser« an.
Kern des Vorhabens ist der Aufbau einer gemeinsamen digitalen
Plattform als Testfeld an der Bremerhavener Stromkaje. Hier
sollen künftig alle wichtigen Beteiligten – von den Behörden
über die Terminalbetreiber bis hin zu den Reedereien und Hafendienstleistern
– ihre Informationen in Echtzeit austauschen
können. Die Plattform wird cloudbasiert aufgebaut und über
intelligente Schnittstellen mit bestehenden Systemen wie dem
Fachsystem Brepos der Port Authority und den jeweiligen Terminalsystemen
verknüpft.
Das Ziel ist eine punktgenaue »Just-in-Time«-Steuerung (JIT)
von Schiffsanläufen. Im Idealfall erreicht ein Schiff den Hafen genau
dann, wenn Liegeplatz, Personal und die notwendige Infrastruktur
für den Umschlag bereitstehen. Wartezeiten auf der Außenweser
oder zusätzliche Verholungen innerhalb des Hafens
könnten so massiv reduziert werden. »Das sorgt für einen effizienteren
Ressourceneinsatz, spart Treibstoff und senkt Emissionen
– ein Gewinn für Wirtschaft und Umwelt gleichermaßen«,
erklärt Matthias Hinz, Smartport-Koordinator bei Bremenports.
Starke Partner und klare Struktur
Die Projektleitung liegt bei Bremenports in enger Abstimmung
mit dem Hansestadt Bremischen Hafenamt (HBA). Für die technische
Umsetzung wurden namhafte Partner gewonnen: Das
Hamburg Vessel Coordination Center (HVCC) stellt die Koordinationsplattform
bereit und wird im weiteren Verlauf auch einen
überbetrieblich-koordinierenden Testbetrieb übernehmen. Parallel
dazu passt die DBH Logistics IT das bestehende System
52 Binnenschifffahrt 06 | 2026
SEEHÄFEN | SHORTSEA
Brepos an, um eine nahtlose Integration zu gewährleisten. Trotz
der tiefgreifenden digitalen Vernetzung bleiben die hoheitlichen
Aufgaben der Port Authority sowie des Wasserstraßen- und
Schifffahrtsamtes (WSA) unangetastet.
In der Praxis zielt das Projekt darauf ab, die unkoordinierten
Datenströme der verschiedenen Akteure zu bündeln. Bislang
meldeten Reedereien, Makler, Terminals und Behörden ihre Daten
isoliert. Über die neue, cloudbasierte Schnittstellenplattform
des HVCC sollen nun Ankunftszeiten (ETA), Liegeplatzverfügbarkeiten,
die Verfügbarkeit von Festmachern und Lotsen sowie
die aktuellen Abfertigungsstände der Terminals in Echtzeit zusammengeführt
und abgeglichen werden. Die DBH Logistics IT
sorgt hierbei für die technologische Brücke zum bestehenden
Hafenportalsystem Brepos. Dadurch wird sichergestellt, dass
die Nutzer keine komplett neuen Inselsysteme bedienen müssen,
sondern die optimierten Just-in-Time-Daten direkt in ihren
gewohnten Arbeitsumgebungen empfangen können.
Das Projekt ist in drei Phasen unterteilt: Nach der aktuellen
Planungsphase folgt die technische Umsetzung, die in einer
zweimonatigen Testphase unter Realbedingungen an der
Stromkaje mündet. Während dieses Live-Betriebs im ersten
Quartal 2027 werden ausgewählte Linien-Containerschiffe im
Echtzeit-Szenario über die Plattform koordiniert, um die Stabilität
der Algorithmen zu überprüfen. Insgesamt ist eine Laufzeit
von rund 13 Monaten vorgesehen, was eine erste Bilanz für den
Sommer 2027 erwarten lässt.
Gefördert wird das Vorhaben durch den Bund im Rahmen der
Förderrichtlinie »Digitale Testfelder für Häfen« (Digi Test). Dass
das Bundesverkehrsministerium das Projekt forciert, unterstreicht
die systemische Relevanz: Das Vorhaben wird unter dem
offiziellen Förderkennzeichen 24DG0016B administrativ geführt
und durch das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) als
Projektträger eng begleitet. Das Gesamtbudget spiegelt den
hohen technologischen Innovationsgrad wider. Von den veranschlagten
Gesamtkosten in Höhe von rund 546.000 € übernimmt
der Bund einen signifikanten Anteil: Die bewilligte Fördersumme
beläuft sich auf exakt 376.602 €.
Dieses finanzielle Fundament ermöglicht es den Partnern,
eine hochmoderne Cloud-Infrastruktur aufzubauen und komplexe
Algorithmen für die Anlaufprognosen zu entwickeln, ohne
die bestehenden IT-Strukturen der Hafenwirtschaft finanziell zu
überlasten.
Blaupause für den Nordwesten
Die in Bremerhaven entwickelten Lösungen sind explizit so angelegt,
dass sie nicht auf die Kaje in Bremerhaven beschränkt
bleiben. Das System fungiert als Blaupause: Eine Übertragbarkeit
auf andere Häfen entlang der Weser und darüber hinaus ist
fest eingeplant. Nach erfolgreichem Abschluss des Testlaufs mit
großen Containerschiffen ist zudem eine Ausweitung des Systems
auf andere Schiffstypen – wie Autotransporter (RoRo) und
Stückgutschiffe – angedacht, um den gesamten Hafenstandort
digital zu harmonisieren.
Damit setzt Bremerhaven ein deutliches Signal für die Region.
Die Digitalisierung endet nicht an der Kaikante der Seeschiffe,
sondern ist die Voraussetzung für eine funktionierende Hinterlandlogistik
des gesamten Hafens. Wenn Schiffsanläufe künftig
verlässlicher planbar sind, profitieren davon auch die nachgelagerten
Verkehrsträger wie die Binnenschifffahrt und die Bahn.
»Digi Weser« markiert somit einen weiteren Meilenstein auf dem
Weg zum modernen vernetzten Hafenstandort im Nordwesten
Deutschlands.
PK
Schiffsanläufe in Bremerhaven sollen künftig digital gesteuert werden. Nach Auswertung des Testlaufs könnte das System auf alle Schiffstypen
ausgedehnt werden
© Bremenports/Scheer
Binnenschifffahrt 06 | 2026
53
BUYER’S GUIDE
Buyer’s Guide
Drehscheibe von Herstellern, Dienstleistern,
Experten und Zulieferern
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2 Antriebsanlagen
3 Motorkomponenten
4 Schiffsbetrieb
5 Korrosionsschutz
6 Schiffsausrüstung
7 Hydraulik | Pneumatik
8 Bordnetze
9 Mess- | Regeltechnik
10 Navigation | Kommunikation
11 Konstruktion | Consulting
12 Umschlagtechnik
13 Container
14 Hafenbau
15 Häfen
16 Finanzen
17 Makler
18 Reedereien
19 Datenverarbeitung
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Binnenschifffahrt 06 | 2026
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Vertreten durch den Vorsitzenden Torsten Stuntz, MS »Stella Maris« und die stellvertretenden Vorsitzenden
Nikolaus Hohenbild, Detlef Maiwald, Stephen Mnich, Gebr. Mnich OHG
Geschäftsstelle und Schriftleitung: Dirk-Uwe Klaas, Sekretariat Birgit Kühn
August-Bier-Str. 18 | 53129 Bonn | Tel. 0228 / 746377 | Fax 0228 / 746569 | zentrale@bds-binnenschiffahrt.de
Jubiläen und andere Déjà-vus
Kaum zu glauben, aber wahr: ein »Doppel-Jubiläums-Wumms«
in diesem Jahr –
50 Jahre BDS und 50 Jahre Moby Dick.
1976 sind beispielhafte mutige Entscheidungen
mit prägenden Auswirkungen
auf unsere Branche getroffen worden.
Erinnern wir uns : Den Partikulieren ging
es im Windschatten der Hochkonjunktur
richtig gut. Zu Beginn der 70er Jahre erlebten
wir eine echte Blütezeit im Nachlauf
des Wirtschaftswunders.
Unser Bruttoinlandsprodukt stieg
preisbereinigt in den 50er Jahren durchschnittlich
um 8,2 %, in den 60er Jahren
um 4,4 % – eine echte Blütezeit, auf die
wir heute mit Wehmut zurückblicken.
Wir Partikuliere waren gefragt und umworben,
wichtig als Transporteur des
Wachstumsmotors. Die Frachten waren
stabil und auskömmlich. Harter Wettbewerb
mit Bahn und Straße kam erst
langsam auf. Mit Ausbruch der ersten
Ölkrise 1973 beschleunigte sich das
Ende unseres Wirtschaftsbooms im
Westen. Die Bilder autofreier Sonntage
waren dafür ein sichtbares Zeichen.
Es kamen schwierige Zeiten für uns:
Rückläufige Transportmengen, zunehmender
Kostendruck und ruinöser
Wettbewerb mit anderen Verkehrsträgern
verschlechterten unseren wirtschaftlichen
Erfolg. Da wurde vielen
Partikulieren klar, dass es im Abschwung
erst recht eine kraftvolle Lobby braucht.
Dem BDB wurde seinerzeit vorgeworfen,
von Großreedereien dominiert zu
werden. Also musste eine eigene starke
Interessenvertretung für Partikuliere
her. Deshalb gründeten selbstbewusste
Partikuliere einen eigenen Verband, der
ihre Anliegen und Forderungen wirkmächtig
vertreten sollte.
Und so wurde 1976 die Grundlage für
unseren Verband gelegt. Das gilt es zu
feiern: am 29. Oktober in Bonn auf einer
ganz besonderen Location.
Nicht nur in Deutschland wurde aufgeregt
über den gestrandeten Buckelwal
Timmy und seine (gescheiterte) Rettungsaktionen
debattiert. 1966 hatten
wir schon mal Besuch von einem Wal.
Rheinschiffer entdeckten ihn bei Duisburg.
Der weiße Belugawal genoss weltweite
Aufmerksamkeit und hörte auf den
Namen »Moby Dick«. Er schwamm über
Düsseldorf, Köln und Bonn bis nach Rolandseck.
Statt ihm die Freiheit wiederzugeben,
versuchte der Düsseldorfer Zoodirektor
ihn mit Netzen, Stangen und
Betäubungspfeilen für seinen Zoo einzufangen.
Dennoch gab es ein Happy End,
der Wal erreichte das offene Meer nahe
Hoek van Holland.
Ein Schiffer ließ sich davon zu einer
Vision inspirieren: Wäre es nicht fantastisch,
wenn Moby Dick auf Dauer den
Rhein bereichert? Nach zehn Jahren hatte
Günther Schmitz es geschafft. Mit unendlicher
Energie und Tatkraft gelang
es ihm, im Mai 1976 seine Vision Wirklichkeit
werden zu lassen. Ein Wal ging
zum ersten Mal schwimmen, die »Moby
Dick« lief vom Stapel. Die ganze Familie
hatte geholfen, mit dabei als kleines
Kind auch unser heutiges BDS-Vorstandsmitglied
Angelika Schmitz. Sie
hat die Transformation eines Fährschifffahrtsunternehmen
zu einer Fahrgast
Reederei mit fünf Schiffen und Standorten
in Köln und Bonn maßgeblich geprägt
und zum Erfolg geführt.
So feiern zwei Erfolge gemeinsam
ihre zusammen 100-jährige Geschichte
und vor allem das Meistern aller gegenwärtigen
und zukünftigen Herausforderungen.
© BDS
58 Binnenschifffahrt 06 | 2026
IMPRESSUM
Fortführung der
Binnenschiffahrt
und Wasserstraßen
Zeitschrift für Binnenschiffahrt und Wasserstraßen
(© Verein für Binnenschiffahrt und Wasserstraßen e.V.) im 130. Jahrgang
Die Binnenschifffahrt ist offizielles Organ und Mitteilungsblatt für:
Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen, Hamburg
Deutscher Fähr-Verband, Königswinter
Deutscher Wasserstraßen- und Schifffahrtsverein Rhein-Main-Donau e.V., Nürnberg
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Hafenschifffahrtsverband Hamburg e.V., Hamburg
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Permanent International Association of Navigation Congresses (PIANC)
Verein für europäische Binnenschiffahrt und Wasserstraßen e.V., Duisburg
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Internationales Maritimes Museum Hamburg. .............. 21
Kadlec & Brödlin GmbH....................................22
Kernwasser Wunderland Freizeitpark GmbH.................23
Mercy Ships Deutschland e.V. .............................. 15
Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG....................... 17
Schiffahrts-Verlag »Hansa« GmbH & Co. KG. .........U2, 33, U4
Schiffswerft Bolle GmbH................................... 29
Sennebogen Maschinenfabrik GmbH ..................... Titel
SET Schiffbau- u.Entwicklungsgesellschaft
Tangermünde mbH....................................... 28
Wessels GmbH Tischlerei und Alubau......................30
Wittig GmbH .............................................. 5
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Binnenschifffahrt 06 | 2026
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