Katalog der fotoK-Diplomklasse 2009 - BüRO MARKUS/ZAHRADNIK

zahradnik.at

Katalog der fotoK-Diplomklasse 2009 - BüRO MARKUS/ZAHRADNIK

Klaus Bock

Susanne Buchinger

Elisabeth Gruber

Mira Horvath

Thomas Linton

Laurent Nostitz

Gabriele Paar

Natalie Petrynko

Markus Sepperer

Anne-Sophie Wass

Markus Zahradnik

Katalog der fotoK-Diplomklasse 2009


Katalog der fotoK-Diplomklasse 2009

Klaus Bock

Susanne Buchinger

Elisabeth Gruber

Mira Horvath

Thomas Linton

Laurent Nostitz

Gabriele Paar

Natalie Petrynko

Markus Sepperer

Anne-Sophie Wass

Markus Zahradnik


Impressum:

Herausgeber & Gestaltung:

BÜRO MARKUS/ZAHRADNIK

1020 Wien, Sebastian-Kneipp G. 9/1-2

buero@zahradnik.at

www.zahradnik.at

Für den Inhalt verantwortlich:

Diplomklasse 2009 des fotoK-Lehrgangs für künstlerische Fotografie (Klaus Bock, Susanne Buchinger, Elisabeth Gruber,

Mira Horvath, Thomas Linton, Laurent Nostitz, Gabriele Paar, Natalie Petrynko, Markus Sepperer, Anne-Sophie Wass,

Markus Zahradnik), c/o fotoK (Grang. 5, 1150 Wien)

Coverfoto: Laurent Nostitz

Druck: Gugler GmbH, Melk

Veröffentlichungen aus diesem Katalog – auch auszugsweise – sind nur mit Genehmigung des jeweiligen Künstlers/

der jeweiligen Künstlerin gestattet.


Inhalt

Vorworte

Elisabeth M. Gottfried 5

Martin Scholz-Jakszus 7

DIplomarbeIten

Susanne Buchinger 8

Thomas Linton 14

Klaus Bock 20

Gabriele Paar 26

Markus Sepperer 32

Anne-Sophie Wass 38

Markus Zahradnik 44

Mira Horvath 50

Laurent Nostitz 56

Elisabeth Gruber & Natalie Petrynko 62

KurzbIogaphIen 74


4 ı 5


elIsabeth m. gottfrIeD

KUNST IST DANN GUT,

WENN SIE EHRLICH IST

fotoK meint vielleicht fotoKunst, oder fotoKreativität, vielleicht auch schlicht fotoKurs. Doch eines heißt fotoK gewiss

nicht: fotoKrise. Im Gegenteil!

fotoK ist eine Schulungseinrichtung, die im 15., in der Grangasse, mit einem wunderschönen Innenhof lockt, in

dem man den einen oder anderen fotoKaffee genießen will. So ging es mir jedenfalls, als ich im Juni eingeladen

war, die diesjährigen Diplome zu jurieren. Es war das erste mal, dass externe Foto-Experten, oder besser gesagt

-Begeisterte, zu dem Diplomrundgang gebeten wurden, um sich ihre Meinung zu bilden und die einzelnen Projekte

zu bewerten. Es gab auch Auszeichnungen, weil manche der Arbeiten rundum schlüssig aufgetreten sind. Und

trotzdem mochte man keine Noten vergeben. So wie es Schulen für Allgemeinbildung gibt, in denen nicht benotet

wird, sondern vielmehr das jeweilige Potential der Schüler ausgelotet und angeregt wird, operiert auch das Team

von fotoK. Kompetenz und Leidenschaft sowie Technik auf höchstem Niveau beschreiben die Ausrüstung, derer

sich die Kursteilnehmer in den beiden Ausbildungsjahren bedienen durften. Küchen und Fußballkäfige waren nur

zwei der medialen Orte, zu deren Besuch die Jury eingeladen war, China und Finnland Länder, die bereist werden

konnten. Real führten die Diplomanden durch die einzelnen Ausstellungsräume, um vor der eigenen Arbeit über

jene zu erzählen. Diese Darstellungen waren wesentliche Momente, denn den Künstler, den Menschen, mitzudenken,

heißt, das Wesen einer Arbeit noch besser zu begreifen.

Die anschließende Diskussion der Juroren unter „Ausschluss der Öffentlichkeit“ zeigte wie inspirierend und

anregend die Arbeiten allesamt waren. Die Individualität der einzelnen Projekte deutet darauf hin, wie subtil die

Kursleitung die Teilnehmer führte, aber auch darauf, welch vielfältige Möglichkeiten die Fotografie offen hält,

wenn man sich nicht an Grenzen stößt, sondern mit Begeisterung darüber hinwegsteigt. Es gab natürlich gewisse

Kriterien, die es für die Diplomanden zu erfüllen und von der Jury zu beurteilen galt. Aber es gibt einen einfachen

Grundsatz, der meine persönliche Beurteilung immer mitträgt: Kunst ist dann gut, wenn sie ehrlich ist.

Der 3. Juni, der Tag, an dem die Diplome präsentiert, juriert und unterzeichnet wurden, bleibt ein unvergessliches

Erlebnis, für das der vorliegende Katalog das beste Zeugnis ist und für das ich mich beim gesamten Team

von fotoK, den Mitjuroren und vorallem den Künstlern von Herzen bedanke.

Elisabeth M. Gottfried ist Chefredakteurin von Eikon – Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst


6 ı 7


martIn scholz-JaKszus

11 KÜNSTLERINNEN – 10 ARBEITEN

Nun sind sie da, die zehn Diplomarbeiten von elf AutorInnen. Gut gerahmt und an die Wand gehängt, im Raum installiert

oder mit Licht projiziert, mit Titel und Text ausgestattet und fein in einen Katalog verpackt. Und verbreiten

ihre Aura. Sie sind da, um uns zu verführen, um uns mit neuen Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen auszustatten,

sie mischen sich ab nun ein, sprechen mit uns.

Aber diese Arbeiten haben nicht nur eine Aura, ein hier und jetzt, wo sie mit uns als Betrachter kommunizieren,

sie haben auch eine Geschichte. Diese Geschichte ist natürlich eng mit der Biographie der jeweiligen KünstlerInnen

verbunden, aber sie beginnt auch vor drei Jahren mit dem Entschluss eine Ausbildung für künstlerische

Fotografie zu absolvieren. Was ist passiert, dass nun Küchen stillstehen, sich eine Frau fragmentiert, Träume

zu Bildern werden und die Globalisierung zu einer Verschichtung, dass wir die Dorfjugend kennen lernen, dass

Privates öffentlich gemacht wird, dass uns Weltverbesserer anblicken, dass Natur fühlbar wird, Käfige objekthaft

erscheinen und das Geheimnis des Schlafs erforscht wird, kurzum, dass es nun zehn Arbeiten und die elf UrheberInnen

dazu gibt.

Kunst ist, sagt ein doch recht überzeugender Erklärungsansatz, das, was KünstlerInnen machen. Kunst ist

demnach nicht von ihrer Form, von ihrem Inhalt oder vom Umfeld abzuleiten, sondern von der Person, die dahinter

steckt. Und das ist auch unser Ansatz der Ausbildung und Zusammenarbeit mit den StudentInnen. Sie selbst sind

Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeiten – mit ihren Vorstellungen, Sichtweisen, Gefühlen, Gedanken, Erfahrungen...

und wir zeigen Wege und Möglichkeiten auf, die Fotografie als Ausdrucksmedium zu verwenden und Arbeiten

aufzubauen. Im Laufe dieses Prozesses gibt es natürlich viel Austausch, Reibung und Spaß, Enttäuschung

und Freude, Überraschungen und Verwunderungen. Und vor allem waren die drei Jahre, die wir gemeinsam mit

den elf KünstlerInnen gearbeitet haben, nie langweilig.

Aber Kunst ist nicht nur die Erforschung der eigenen Person, das wäre zu wenig. Kunst bedeutet auch Kommunikation.

Denn erst wenn die Arbeiten eine Öffentlichkeit finden, wenn sie ausgestellt, gedruckt oder um die

wwwWelt geschickt werden, fangen sie richtig an zu leben. Und wenn wir diese hier vereinten Arbeiten glücklich

betrachten, dann sehen wir eine große Eigenständigkeit und Persönlichkeit der Arbeiten, dann sehen wir unterschiedlichste

Ansätze die Fotografie zu verwenden, dann sehen wir gelungene handwerkliche Umsetzungen und

dann sehen wir elf KünstlerInnen, die mit Selbstbewusstsein ihre Arbeiten vertreten.

Kurzum, dann sehen wir Fotoarbeiten, die für sich sprechen.

Martin Scholz-Jakszus leitet gemeinsam mit Pascal Petignat den fotoK-Lehrgang für künstlerische Fotografie


susanne buchInger

JUGENDTREFF.

70 C-PRINTS ALS DIASCHAU PRäSENTIERT*

Meine Absicht ist, den Blick des Betrachters in die Welt junger Menschen zu führen. Über die Dokumentation

einer Lebensrealität hinaus interessiert mich bei meiner Arbeit, ob sich mir mit der Kamera

Zugang zu den Menschen und ihren Geschichten erschließt.

Das Verwenden einer analogen Mittelformatkamera bedeutet für die Jugendlichen, die im digitalen

Zeitalter aufwachsen, eine für sie ungewöhnliche Konzentriertheit auf einen besonderen Augenblick.

Die fotografische Auseinandersetzung mit dieser Zielgruppe, die ich seit einigen Jahren in Neusiedl

(Niederösterreich), meinem Heimatort und im Nachbarort Pernitz betreibe, werde ich fortsetzen.

* Die Arbeit besteht ursprünglich aus 70 C-Prints 20x20 cm. Sie wird in Form einer Diaschau präsentiert und in

weiterer Folge soll daraus ein Buch entstehen.

8 ı 9


10 ı 11


12 ı 13


thomas lInton

KäFIGE ZUM SPIELEN

SILBERGELATINE-PRINT 22,5 x 28 CM

Jedes architektonische Element im urbanen Raum unterliegt Regeln, Funktionen und Bestimmungen.

Spielkäfige erlauben uns eine gewisse Freiheit auszuleben, welche meist im angrenzenden Raum des

städtischen Zusammenlebens nicht möglich ist. Ironischerweise wird uns diese Freiraum in Form

eines Käfigs angeboten.

Neben der Wahrnehmung dieser grundlegenden Thematik steht das Spiel des von außen Sehens

sowie des Hinein- und des Hindurchsehens im Mittelpunkt meiner Arbeit. Die Spielkäfige scheinen einerseits

als festes formales Element dominant im Raum zu stehen und andererseits wirken sie durch

ihre Eigenschaften der Materialien zugleich transparent und teilweise auflösend. Dieses Wechselspiel

der visuellen Wahrnehmung ermöglicht es dem Betrachter sich auf ein neues Spiel einzulassen, welches

keinen vorgesehenen Bestimmungen der Spielkäfige unterliegt.

14 ı 15


16 ı 17


18 ı 19


Klaus bocK

ARBEITEN 2009

selbstgestaltung I-VIII (2009) – rechte Seite

Ich habe Portraits von Personen aus meinem Bekanntenkreis (Freunde, Arbeitskollegen, Bekannte,…)

angefertigt und ihnen diese Bilder für ca. einen Monat zur freien Gestaltung überlassen. Bezüglich

der Art der Bearbeitung wurden keinerlei Vorgaben gemacht, es war auch zulässig, die Fotografien

völlig zu zerstören. Einzige Bedingung: Nach einem Monat mussten mir die Ergebnisse retourniert

werden.

Ziel war es, einen Beitrag zur lang gehegten Debatte in der Portraitfotografie, ob ein fotogra¬fisches

Bild bloße Oberfläche ist (vermeintlich lt. Thomas Ruff), oder ob es eine Aussage über die abgebildete

Person treffen kann, beizusteuern. Durch die Bearbeitung erhielt das Bild objekthaften Charakter, es

wird die Frage nach der Autorenschaft aufgeworfen und die Beziehung dieser Personen zu mir wird

thematisiert. Die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild, Wünsche bezüglich der Wahrnehmung

der eigenen Person durch Andere sowie Sendungsbewusstsein und Seelenschau werden in dieser

Arbeit thematisiert. Die entstandenen Bilder/Objekte sind Ergebnis eines Wechselspiels zwischen mir

und den Portraitierten, ein Austausch gegenseitiger Wahrnehmung.

abweIchung I-XII (2009) – nächste Doppelseite

Begonnen hat diese Arbeit während eines China-Aufenthaltes als Auseinandersetzung mit dem Thema

Devianz in einem sozio-kulturellen Kontext, der von mir als sehr stark auf Konformität ausgerichtet

wahrgenommen wurde. Devianz sollte, wenn nicht unmittelbar beobachtbar, durch die Devianz

des Lichtes, die Unschärfe, erzeugt werden. Durch Unschärfe werden die starren Strukturen der

Hochhäuser, die vorgefertigten Lebensentwürfe (siehe dazu die Arbeit von Markus Krottendorfer „the

three gorges project“) zu Mustern abstrahiert. Im Laufe der Produktion des Bildmaterials erschien

mir dieses Konzept jedoch zunehmend vage. Die zugrunde liegenden konzeptuellen Überlegungen traten

schlussendlich zugunsten ästhetischer Kriterien in den Hintergrund.

20 ı 21


22 ı 23


party (2009)

Der Konstruktion von Wirklichkeit 1 , der Schaffung eines kollektiven Gedächtnisses in Hinblick auf das Ereignis „Party“

widmet sich diese Arbeit. Den „Wahrheitsgehalt“ von Party-Fotografien zu hinterfragen, sie als teils bewusste Täuschung,

als zielgerichtete Gestaltung einer Außen- (nicht beteiligte) aber auch Innenwahrnehmung (TeilnehmerInnen

der Veranstaltung) 2 sowie die Genese des Selbst- und Fremdbildes nachzubilden, war die Intention von „Party“.

Teil des Vorganges der Wirklichkeitskonstruktion ist die Verbreitung der künftigen kollektiven „Wahrheit“, etwa

via „Facebook“. Neben den Fotografien ist auch der „Facebook-Account“ in „Party“ fiktiv. Es handelt sich also um

eine Konstruktion auf zwei Ebenen: der des Bildes und jener der Präsentation. Natürlich drängt sich in Hinblick auf

die Motivwahl die Frage auf, warum Personen sich selbst oder andere diesem Exhibitionismus aussetzen, wodurch

dieses Mitteilungsbedürfnis generiert wird.

„Party“ ist im Kontext der zahlreichen zeitgenössischen künstlerischen Positionen (z.B. Wolfgang Tillmans‘ Arbeit der

späten 80er Jahre über die „Acid House Explosion“ 3 ) zu betrachten, die sich mit Jugend- und Party-Kultur beschäftigen.

Nicht zuletzt kann diese Arbeit als satirischer Seitenhieb auf derlei „dokumentarische“ Fotografie verstanden werden.

1 vgl. LÜTHE, Rolf: Die Wirklichkeit der Bilder. Philosophische Überlegungen zur Wahrheit bildlicher Darstellung. In: LIEBERT und METTEN (Hrsg.):

Mit Bildern lügen. Halem Verlag: Köln 2007

2 vgl. ALBRECHT, Clemens: Wörter lügen manchmal, Bilder immer. Wissenschaft nach der Wende zum Bild. In: LIEBERT und METTEN (Hrsg.):

Mit Bildern lügen. Halem Verlag: Köln 2007

3 Contacts. Les plus grands photographes dévoilent les secrets de leurs images. Volume 3, arte Vidéo 2004

24 ı 25


If you want to Do busIness In chIna…

Als ich im Februar 2009 zwei Freunde in China besuchte, hatte ich das Ziel, eine Reportage über europäische

Geschäftsleute in Shanghai zu produzieren. Ich habe die Protagonisten zu diesem Zweck fast rund um die Uhr

begleitet, ihren eintönig anmutenden Alltag minutiös festgehalten. Sehr bald jedoch kam ich zu dem Schluss,

dass meine genaue Kenntnis der handelnden Personen sowie meine Freundschaft zu ihnen den Versuch einer

Außensicht absurd erscheinen lässt. Vielmehr ist ein relativ intimes Portrait von Personen in ihrem mehrheitlich

privatem Umfeld entstanden. Ich habe den Protagonisten die Bilder als „Slideshow“ elektronisch zukommen lassen

und sie gebeten, spontan einen Kommentar dazu abzugeben.

Was dadurch entstand, ist eine Arbeit, die die sichtbaren äußeren Lebensumstände thematisiert, allerdings

durch die mündlichen Kommentare in einem Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdbild positioniert, was in

Form der Diskrepanz zwischen der „Subjektivität“ der Tonaufnahme und der Klarheit der Bildsprache zum Ausdruck

gebracht wird. Das Selbstbild wird mit dem von mir erzeugtem Fremdbild kontrastiert, wodurch die Betrachter

Zeugen des Moments des „Selbst-Erkennens“ oder „Selbst-Nicht-Erkennens“ sowie des Gedankenaustausches

über die Lebensbedingungen der Protagonisten werden. Die Bilder werden dadurch zum Spielball zwischen mir

und den Protagonisten, ich treffe visuelle Aussagen über sie und ihre Lebenswelt, denen sie Gesprochenes gegenüberstellen,

das (gegen Ende der Aufnahme sogar wörtlich) an mich re-adressiert wird. Die Wechselseitigkeit

der Beziehung zwischen dem Fotografen und dem Fotografierten wird damit angesprochen.


gabrIele paar

HALF LIGHT

C-PRINTS, SILBERGELATINEPRINTS, UNTERSCHIEDLICHE GRÖSSEN

Die Auseinandersetzung mit Träumen bildet das Thema dieser Fotoarbeit. Der Traum ist ein Ort, an

dem Phantasien keine Grenzen gesetzt sind, Zeitsinn verloren geht und moralische Vorstellungen

verschwimmen. Harmlose Situationen können im Traum als bedrohlich empfunden werden, während

manche Erlebnisse zum Zeitpunkt des Träumens normal erscheinen, sich aber im Wachzustand rationaler

Erklärungsversuche entziehen.

In Form von chaotisch aufflackernden Bildern treten unbewusste Aspekte des Alltags im Traum

zum Vorschein, welche die Möglichkeit bieten sich selbst besser kennenzulernen.

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um immer wieder kehrende symbolische Bilder aus meinen

Träumen, Aufnahmen mir nahestehender Menschen, sowie Selbstinszenierungen, die das Gefühl

des Träumens zeigen.

26 ı 27


28 ı 29


30 ı 31


marKus sepperer

VERSCHICHTET – GLOBAL #x

TINTENSTRAHLDRUCKE AUF FINE ART PAPIER, 150 x 100 CM

Im spannungsfelD Von KommunIsmus unD KapItalIsmus

Meine Arbeit versucht mit Hilfe komplexer Bildkonstruktionen Globalisierungsprozesse und gesellschaftliche

Folgeerscheinungen, an der Schnittstelle von Hongkong und Südchina zu interpretieren. Fotografien

werden digital übereinander geschichtet und nach bestimmten Gesichtspunkten, welche sowohl den

einzelnen Fotos eingeschrieben sind, sich aber auch nach der gesamt formalen Komposition richten,

miteinander verwoben. Einerseits werden jeweils ganze, unterschiedliche Fotografien deckungsgleich

übereinandergelagert, das darauf folgende Ordnen der Bildinhalte schafft eine neue Schnittmenge aus

den verschichteten Einzelfotos. Der Versuch immer neue Konstruktionsmöglichkeiten zu finden, ist wichtiger

Teil der Arbeit und ein wesentlicher Motor während des Entstehungsprozesses.

Der 2. Teil der Arbeit besteht aus Collagen, welche bewusst komponiert sind. Bildinhalte werden

gezielt in Räume gesetzt und gehen auf einer inhaltlichen Metaebene neue Beziehungen ein. Nach malerischem

Vorbild entstehen Räume, verzerrte Dimensionen, sich selbst entfremdete Protagonisten,

un/mögliche Realitätskonstrukte. In dieser Serie steht nicht Konstruktion versus Zufall im Mittelpunkt,

sondern der Versuch einer Neuinterpretation des von mir vorgefundenen Systems, dessen Komplexität

für den Einzelnen nur schwer zu verstehen ist. Dabei stehen kritisches Beobachten und die

Verdichtung der Eindrücke im Vordergrund.

Die komplexen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, welche sich sowohl global,

als auch zwischen dem chinesischen Festland und der vorgelagerten, britisch geprägten Inselgruppe

Hongkongs ergeben, wurden die Inspirationsträger meiner Arbeitsweise. Das visuelle Gestalten und

die Konstruktion sprechen somit jene Sprache, welche sie inhaltlich abzubilden versuchen.

32 ı 33


34 ı 35


36 ı 37


anne-sophIe wass

FRAUENZIMMER

C-PRINTS, 2009, FORMATE VARIABEL

wir umarmen uns und sehen dabei fern.

alles im griff ? – es tun sich weiten auf,

die hinter zwei rücken für spannung sorgen.

aus dem bauch heraus:

zeit für BODY–ZAPPING!

38 ı 39


wunder der ZEIT, die bleibt,

da sie bereits vergangen ist, und nie in

vergessenheit gerät,

weil sie unser ist.

40 ı 41


unser LICHT, nicht unsere dunkelheitruft

übelkeit,

den geschmack von

angst hervor.

wer sind wir, uns brillant, talentiert, phantastisch zu nennen?

und wer sind wir uns nicht so zu nennen?

42 ı 43


marKus zahraDnIK

WELTVERBESSERER

11 C-PRINTS, 40 x 50 CM

Der eigentlich positive Begriff ‚Weltverbesserer‘ hat in den letzten Jahren einen negativen Beigeschmack

bekommen. Das mediale Boulevard setzt ihn zynisch ein, um kritische und engagierte Menschen

in ein weltfremdes, eigenbrötlerisches Eck zu schieben. Damit wurde aber auch ein Überbegriff

geschaffen, der die unterschiedlichsten Menschen zusammenfasst: Von SozialarbeiterInnen über

Öko-AktivistInnen bis hin zu Jung-Linken.

Die Arbeit zeigt die ProtagonistInnen sehr direkt und stellt sie als Personen – und nicht, wie sonst

üblich, ihre Organisation oder ihr Anliegen – in den Mittelpunkt. Die übergroße Darstellung der Köpfe und

die Wahl der Kameraposition führen zu einer gewissen Überhöhung/Heroisierung der porträtierten Personen.

Die Bilder entstanden alle am Arbeitsplatz der Fotografierten und zeigen diese nahe und ungeschönt.

Losgelöst von den jeweiligen inhaltlichen Anliegen der Porträtierten stellen sich beim Betrachter

Fragen nach dem Sinn, der Mühsal aber auch nach der Befriedigung durch ihr Engagement.

ADI HASCH, Grüner „Basisarbeiter“ seit es die Grünen gibt und seit 2005 Bezirksvorsteher Stellvertreter in Wien Leopoldstadt.

(diese Doppelseite rechts)

Gemeinsam mit Freundinnen gründete GERDA THEMEL 2004 den Verein „Women‘s Cooperation International“ und unterstützt bzw.

ermöglicht so Frauen-Projekte in Sri Lanka, Kenia, Indien, Kamerun und Uganda. (nächste Doppelseite links)

MUSTAFA YENICI begann seine politsche Laufbahn bei der Sozialistischen Jugend. Derzeit arbeitet der türkischstämmige Wiener für

die SPÖ in Wien Naubau. (nächste Doppelseite rechts)

ULRICH EICHELMANN engagiert sich quasi schon immer im Naturschutz. Er leitete beim WWF Österreich u.a. die Kampagne zur

Durchsetzung des Nationalparks Donau-Auen. In den letzten beiden Jahren stand die Verhinderung des Mega-Staudamms Ilisu in

der Türkei im Mittelpunkt seiner Aktivitäten.

ELKE SCHLITZ war bis 31. August 2009 Geschäftsführerin der Aids Hilfe Wien. Seit 1989 war sie in verschiedenen NPOs (u.a. Frauengesundheitszentrums

Graz oder Landesverband der Lebenshilfe Steiermark) in leitender Position tätig. (übernächste Doppelseite links)

44 ı 45


46 ı 47


48 ı 49


mIra horVath

NACHTGESICHTER

7 BARYTPRINTS, 90 x 130 CM

Ich dringe mit der Kamera in die intimen Schlafräume von Freunden und Bekannten vor, in ihre entrückten

Zustände in denen sie gleichsam verletzlich und ungeschützt sind. Durch die Dunkelheit

schleichend nehme ich ein Bild von ihnen auf.

Durch die Finsternis und der damit verbundenen hohen Lichtempfindlichkeit des Filmes weisen die

Fotografien eine starke Körnung auf. Die Verwendung eines Schwarz-Weiß-Filmes korrespondiert

auch mit dem menschlichen Sehsystem, da der Mensch bei Dunkelheit nur fähig ist in Graustufen zu

sehen.

In den altindischen „Upanishaden“ wird der Schlaf mit dem eigentlichen Selbst in Zusammenhang

gebracht. Roland Barthes sieht in einem fotografischen Portrait ein geschlossenes Kräftefeld, in dem

vier imaginäre Größen aufeinander treffen: der Portraitierte ist zugleich der, für den er sich hält, der,

für den er gehalten werden will, der, für den der Fotograf ihn hält und der, dessen er sich bedient sein

Können vorzuzeigen. Dadurch, dass die Fotografierten sich im Zustand des Schlafes befinden, wird

die Ebene der Selbstinszenierung ausgeschaltet. Entsteht dadurch ein „wahres“ Bild einer Person?

Durch die geschlossenen Augen wird den Portraitierten die Möglichkeit genommen, den Blick der

Betrachter zu erwidern. Sie sind ohne Interesse am Betrachter. Wovon sie wohl gerade träumen?

50 ı 51


52 ı 53


54 ı 55


LAURENT NOSTITZ

Küchen Im stIllstanD

10 D-PRINTS, 60 x 80 CM

Der Begriff „Küche“ leitet sich wahrscheinlich vom altdeutschen chuchina ab, welches wiederum über

das spätlateinische cocina vom lateinischen coquere (kochen) ableitet.

Ich habe in meinen Bekanntenkreis aufgeräumte Küchen aus den Baujahren 1950–1970 fotografiert.

Das Alter dieses „zentralen Ortes der Wohnung“, gibt der Küche Individualität. Die Küchen sind

„gebraucht“. Zeit formt Charakter und hinterlässt Spuren. Sie sind in keinen Einrichtungshäusern

zu finden. Ich zeige Einbauküchen und Küchen aus Fragmenten bestehend. Reduzierte und ergänzte

Einrichtung. Verschiedene Einzelmöbel.

In meiner Arbeit geht es um den Stillstand innerhalb eines immer wiederkehrenden Kreislauf. Der

Kreislauf beschreibt grob gesagt 3 Aktionen: kochen – essen – saubermachen und dazwischen immer

der „Stillstand“

Ich hab sie bei Tageslicht fotografiert, um den Räumen ein natürliches Licht zu geben. Die Küchen

vereint der gleiche Zustand. Sie sind eingefroren, verlassen, aufgeräumt. Küchen im „Standby“. Immer

bereit für die Intervalle der 3 Episoden. Eine der in die Aktionen eingebetteten Zustand. Küche als

Ausdruck des persönlichen Lebensstils.

technik

Der hier verwendete Panorama-Adapter ermöglicht das parallaxefreie, horizontale und vertikale

Schwenken um den Nodalpunkt des Objektives. 9 Fotografien werden mit dem Nodalpunkt–Adapter

aufgenommen, und digital zu einem Bild zusammengesetzt. Daraus folgt eine wesentlich höhere Auflösung

und ein erheblich größerer Bildwinkel.

56 ı 57


58 ı 59


60 ı 61


elIsabeth gruber & natalIe petrynKo

KALEVA JA POHJOLA

INTERDISZIPLINäRER VERSUCH

ein finnischer schöpfungsakt

„Am Grund der Dinge ist das Wilde, das Unbekannte, das Chaotische.“

Die beiden KünstlerInnen bieten mit ihrer Arbeit unmittelbar Erlebtem und mythisch Tradiertem in

bildlichen und plastischen Symbolen Unterkunft.

Photographie ist hier eine zentrale Technik der Vermittlung zwischen Licht und Dunkelheit. Der

Mensch wirkt als ihr Medium; sie schöpfend, durch sie schaffend und empfangend zugleich.

Durch die Entstehungsgeschichten hin zur Ausstellung ihrer Arbeit werden die beiden Photographinnen

zu Mittlerinnen zwischen den Welten. Ihre wesentliche Performance liegt in der Aktualisierung

archaischer Bedeutungsräume – durch den optisch geschärften Blick ihrer Augen bieten sie

anderen die Möglichkeit sehen zu lernen.

wir, unterwelt und oberwelt

Jeder dreidimensionale Ausstellungsraum besteht aus diversen Innenräumen und Außenräumen – die

einen inszenieren sich in den anderen. Photographie als Blick in innere Räume, inszeniert Innenräume

im Außenraum in dem sie sich befindet. Durch ein Photo blicken wir aus dem eigenen Innenraum durch

den Außenraum in weitere Innenräume hinein.

Das Leben ist Kommunikation und umfangen sein von diesen beiden Dimensionen, Innen und Außen –

Unterwelt und Oberwelt, und der Weg der sich zwischen den beiden befindet, auf dem wir uns immer

wieder hin und her bewegen müssen, um Zeit und Information transportieren zu können.

Die Unterwelt wird – oftmals als Überrest der Vergangenheit – in den Tag ans Licht gebracht.

Transformation findet dort statt, wo die Zeit still steht. MeisterInnen der Zeit verstehen es Zeit zu

modulieren, Zeitraum zu verwandeln! Überall, wo die Stille zu uns spricht, ist Mystik, ist das Geheimnis,

das am besten gehütete und zugleich offensichtlichste, frei zugängliche.

Stille ist die Dunkelheit des Klangs. Da gibt es einen Weg durch die Dunkelheit, durch das Land des

Todes – das Gegenteil von Leben. Der Winter, die Dunkelheit und eine Angst, die da ist. Es gilt einen Weg

durch ein unbekanntes Land zurückzulegen.

Die lebende natur

Natur spiegelt sich in den Fenstern der Häuser, ist das Einzige das uns umgibt – eine erschreckende

Macht neben der wir uns klein und zerbrechlich fühlen. Das warme Innere eines Hauses (oder Dachbodens),

das im Kalten und Dunkeln wohnt wird zu einem vielgestaltigen Symbol.

„Es kommt einem Sterben gleich, alles zu vergessen was man wusste um das Alte neu zu erfinden.“

Die vergangene Zeit ist das Wilde, menschenlose Zeit ist wild, die Gegenwart ein Versuch der Ordnung.

Das Wilde flüchtet diese Begegnung – seine Liebe ist zu groß; nicht wir lieben die Natur, sondern vielmehr

sie uns!

Hier nun schließt sich der Kreis: out of chaos comes order!

Text: Mag. phil. Martin A. Luger (Anthropologe/Bewusstseinsforscher)

62 ı 63


64 ı 65


66 ı 67


68 ı 69


70 ı 71


72 ı 73


KurzbIographIen

susanne buchInger

JUGENDTREFF.

70 C-PRINTS ALS DIASCHAU PRäSENTIERT*

Meine Absicht ist, den Blick des Betrachters in die Welt junger Menschen zu führen. Über die Dokumentation

einer Lebensrealität hinaus interessiert mich bei meiner Arbeit, ob sich mir mit der Kamera

Zugang zu den Menschen und ihren Geschichten erschließt.

Das Verwenden einer analogen Mittelformatkamera bedeutet für die Jugendlichen, die im digitalen

Zeitalter aufwachsen, eine für sie ungewöhnliche Konzentriertheit auf einen besonderen Augenblick.

Die fotografische Auseinandersetzung mit dieser Zielgruppe, die ich seit einigen Jahren in Neusiedl

(Niederösterreich), meinem Heimatort und im Nachbarort Pernitz betreibe, werde ich fortsetzen.

8 9

susanne buchInger

geboren 1963 in Neunkirchen , verheiratet, 2 Kinder, lebt in Neusiedl/Niederösterreich

2006–2009 Lehrgang für künstlerische Fotografie, fotoK Wien

einzelausstellungen:

2001 „Natur pur“ in Pernitz , Oktober 2001

2008 „Dorfbewohner“ im Gemeindeamt Neusiedl, April 2008

2009 „Jugend“ im Gemeindeamt Neusiedl, April 2009

gruppenausstellungen:

2007 „vorm Haus“ im Rahmen der fotoK Jahresausstellung „developper part B“, Juni 2007

2008 „cool running“ im Rahmen der Projektausstellung „ästhetika-Anästhetika“ (mit Dr. Gerhard Kozar), März 2008

„Passanten-Paare“ im Rahmen der Ausstellung zum Workshop „das subjektive Bild“ (mit Markus Krottendorfer), April 2008

„Dorffest“ im Rahmen der Ausstellung „speed08“, Mai 2008

2009 Diplomausstellung fotoK, „Jugendtreff.“, September 2009

Kontakt:

susi.buchinger@aon.at

thomas lInton

KäFIGE ZUM SPIELEN

SILBERGELATINE-PRINT 22,5 x 28 C M

Jedes architektonische Element im urbanen Raum unterliegt Regeln, Funktionen und Bestimmungen.

Spielkäfige erlauben uns eine gewisse Freiheit auszuleben, welche meist im angrenzenden Raum des

städtischen Zusammenlebens nicht möglich ist. Ironischerweise wird uns diese Freiraum in Form

eines Käfigs angeboten.

Neben der Wahrnehmung dieser grundlegenden Thematik steht das Spiel des von außen Sehens

sowie des Hinein- und des Hindurchsehens im Mittelpunkt meiner Arbeit. Die Spielkäfige scheinen einerseits

als festes formales Element dominant im Raum zu stehen und andererseits wirken sie durch

ihre Eigenschaften der Materialien zugleich transparent und teilweise auflösend. Dieses Wechselspiel

der visuellen Wahrnehmung ermöglicht es dem Betrachter sich auf ein neues Spiel einzulassen, welches

keinen vorgesehenen Bestimmungen der Spielkäfige unterliegt.

14 15

thomas lInton

geboren 1975, lebt und arbeitet in Kritzendorf. Mehrjährige Auseinandersetzung mit Fotografie als künstlerisches Medium. Seit 2006

Student von fotoK. Seit 2008 Mitglied von Lumenx - Verein zur Optimierung und Vernetzung künstlerischer Arbeitsmethoden

im medialen Raum.

ausstellungen:

2007 Gruppenausstellung: „Idee-Materie-Realität“, Wien, fotoK

2008 Gruppenausstellung; „Das subjektive Bild“, Wien, fotoK, April 2008

Gruppenausstellung: „speed 08“, fotoK, Mai 2008

Einzelausstellung: „Beauty Revealed“, Wien, Bildetage, November 2008

2009 Gruppenausstellung: „Über (die) Wien“, Wien, Cafe Orient, Mai 2009

Kontakt:

th.linton@gmail.com

74 ı 75

10 11

16 17

12 13

18 19


Klaus bocK

ARBEITEN 2009

selbstgestaltung I-VIII (2009) – rechte Seite

Ich habe Portraits von Personen aus meinem Bekanntenkreis (Freunde, Arbeitskollegen, Bekannte,…)

angefertigt und ihnen diese Bilder für ca. einen Monat zur freien Gestaltung überlassen. Bezüglich

der Art der Bearbeitung wurden keinerlei Vorgaben gemacht, es war auch zulässig, die Fotografien

völlig zu zerstören. Einzige Bedingung: Nach einem Monat mussten mir die Ergebnisse retourniert

werden.

Ziel war es, einen Beitrag zur lang gehegten Debatte in der Portraitfotografie, ob ein fotogra¬fisches

Bild bloße Oberfläche ist (vermeintlich lt. Thomas Ruff), oder ob es eine Aussage über die abgebildete

Person treffen kann, beizusteuern. Durch die Bearbeitung erhielt das Bild objekthaften Charakter, es

wird die Frage nach der Autorenschaft aufgeworfen und die Beziehung dieser Personen zu mir wird

thematisiert. Die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild, Wünsche bezüglich der Wahrnehmung

der eigenen Person durch Andere sowie Sendungsbewusstsein und Seelenschau werden in dieser

Arbeit thematisiert. Die entstandenen Bilder/Objekte sind Ergebnis eines Wechselspiels zwischen mir

und den Portraitierten, ein Austausch gegenseitiger Wahrnehmung.

abweIchung I-XII (2009) – nächste Doppelseite

Begonnen hat diese Arbeit während eines China-Aufenthaltes als Auseinandersetzung mit dem Thema

Devianz in einem sozio-kulturellen Kontext, der von mir als sehr stark auf Konformität ausgerichtet

wahrgenommen wurde. Devianz sollte, wenn nicht unmittelbar beobachtbar, durch die Devianz

des Lichtes, die Unschärfe, erzeugt werden. Durch Unschärfe werden die starren Strukturen der

Hochhäuser, die vorgefertigten Lebensentwürfe (siehe dazu die Arbeit von Markus Krottendorfer „the

three gorges project“) zu Mustern abstrahiert. Im Laufe der Produktion des Bildmaterials erschien

mir dieses Konzept jedoch zunehmend vage. Die zugrunde liegenden konzeptuellen Überlegungen traten

schlussendlich zugunsten ästhetischer Kriterien in den Hintergrund.

20 21

Klaus bocK

geboren 1981 in Linz, lebt und arbeitet in Wien

seit 2008 Studium „Kunst und Kommunikative Praxis“ und „Textiles Gestalten“, Universität für Angewandte Kunst

einzelausstellungen:

2007 „Der See“ - Bildetage

2008 „Wien im Licht der Nacht“, Ausstellung und Buchpräsentation

gruppenausstellungen:

2007 Wien-New York-Istanbul, Bildetage

2008 ästhetika-Anästhetika“, fotoK ı „Raum im Bild“, fotoK ı „Speed08“, fotoK

2009 „Preview Night“, Universität für Angewandte Kunst

publikation:

2008 „Wien im Licht der Nacht“, Parthas Verlag

Kontakt:

klausbock@hotmail.com

gabrIele paar

HALF LIGHT

C-PRINTS, SILBERGELATINEPRINTS, UNTERSCHIEDLICHE GRÖSSEN

Die Auseinandersetzung mit Träumen bildet das Thema dieser Fotoarbeit. Der Traum ist ein Ort, an

dem Phantasien keine Grenzen gesetzt sind, Zeitsinn verloren geht und moralische Vorstellungen

verschwimmen. Harmlose Situationen können im Traum als bedrohlich empfunden werden, während

manche Erlebnisse zum Zeitpunkt des Träumens normal erscheinen, sich aber im Wachzustand rationaler

Erklärungsversuche entziehen.

In Form von chaotisch aufflackernden Bildern treten unbewusste Aspekte des Alltags im Traum

zum Vorschein, welche die Möglichkeit bieten sich selbst besser kennenzulernen.

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um immer wieder kehrende symbolische Bilder aus meinen

Träumen, Aufnahmen mir nahestehender Menschen, sowie Selbstinszenierungen, die das Gefühl

des Träumens zeigen.

26 27

gabrIele paar

geboren 1980, lebt und arbeitet in Wien

seit 2006 Fotoassistenz bei Michael Inmann

2006–2009 fotoK

ausstellungen:

2007 „Bekanntmachung“, Jahresausstellung, fotoK, Juni 2007

2008 „Reality – is it?“, im Rahmen des Projekts „ästhetika-Anästhetika“ geleitet von Gerhard Kozar, fotoK, März 2008

„Privat“, im Rahmen des Workshops „Raum im Bild“ unter der Leitung von Jutta Strohmaier, fotoK, April 2008

„Traumwelten“, Jahresausstellung im Rahmen von „speed08“, fotoK, Mai 2008

2009 „Half Light“, Diplomausstellung, fotoK, September 2009

Kontakt:

gabrielepaar@yahoo.com

22 23

28 29

party (2009)

Der Konstruktion von Wirklichkeit , der Schaffung eines kollektiven Gedächtnisses in Hinblick auf das Ereignis „Party“

widmet sich diese Arbeit. Den „Wahrheitsgehalt“ von Party-Fotografien zu hinterfragen, sie als teils bewusste Täuschung,

als zielgerichtete Gestaltung einer Außen- (nicht beteiligte) aber auch Innenwahrnehmung (TeilnehmerInnen

der Veranstaltung) sowie die Genese des Selbst- und Fremdbildes nachzubilden, war die Intention von „Party“.

Teil des Vorganges der Wirklichkeitskonstruktion ist die Verbreitung der künftigen kollektiven „Wahrheit“, etwa

via „Facebook“. Neben den Fotografien ist auch der „Facebook-Account“ in „Party“ fiktiv. Es handelt sich also um

eine Konstruktion auf zwei Ebenen: der des Bildes und jener der Präsentation. Natürlich drängt sich in Hinblick auf

die Motivwahl die Frage auf, warum Personen sich selbst oder andere diesem Exhibitionismus aussetzen, wodurch

dieses Mitteilungsbedürfnis generiert wird.

„Party“ ist im Kontext der zahlreichen zeitgenössischen künstlerischen Positionen (z.B. Wolfgang Tillmans‘ Arbeit der

späten 80er Jahre über die „Acid House Explosion“ ) zu betrachten, die sich mit Jugend- und Party-Kultur beschäftigen.

Nicht zuletzt kann diese Arbeit als satirischer Seitenhieb auf derlei „dokumentarische“ Fotografie verstanden werden.

24 25

30 31

If you want to Do busIness In chIna…

Als ich im Februar 2009 zwei Freunde in China besuchte, hatte ich das Ziel, eine Reportage über europäische

Geschäftsleute in Shanghai zu produzieren. Ich habe die Protagonisten zu diesem Zweck fast rund um die Uhr

begleitet, ihren eintönig anmutenden Alltag minutiös festgehalten. Sehr bald jedoch kam ich zu dem Schluss,

dass meine genaue Kenntnis der handelnden Personen sowie meine Freundschaft zu ihnen den Versuch einer

Außensicht absurd erscheinen lässt. Vielmehr ist ein relativ intimes Portrait von Personen in ihrem mehrheitlich

privatem Umfeld entstanden. Ich habe den Protagonisten die Bilder als „Slideshow“ elektronisch zukommen lassen

und sie gebeten, spontan einen Kommentar dazu abzugeben.

Was dadurch entstand, ist eine Arbeit, die die sichtbaren äußeren Lebensumstände thematisiert, allerdings

durch die mündlichen Kommentare in einem Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdbild positioniert, was in

Form der Diskrepanz zwischen der „Subjektivität“ der Tonaufnahme und der Klarheit der Bildsprache zum Ausdruck

gebracht wird. Das Selbstbild wird mit dem von mir erzeugtem Fremdbild kontrastiert, wodurch die Betrachter

Zeugen des Moments des „Selbst-Erkennens“ oder „Selbst-Nicht-Erkennens“ sowie des Gedankenaustausches

über die Lebensbedingungen der Protagonisten werden. Die Bilder werden dadurch zum Spielball zwischen mir

und den Protagonisten, ich treffe visuelle Aussagen über sie und ihre Lebenswelt, denen sie Gesprochenes gegenüberstellen,

das (gegen Ende der Aufnahme sogar wörtlich) an mich re-adressiert wird. Die Wechselseitigkeit

der Beziehung zwischen dem Fotografen und dem Fotografierten wird damit angesprochen.


KurzbIographIen

marKus sepperer

VERSCHICHTET – GLOBAL #x

TINTENSTRAHLDRUCKE AUF FINE ART PAPIER, 150 x 100 C M

Im spannungsfelD Von KommunIsmus unD KapItalIsmus

Meine Arbeit versucht mit Hilfe komplexer Bildkonstruktionen Globalisierungsprozesse und gesellschaftliche

Folgeerscheinungen, an der Schnittstelle von Hongkong und Südchina zu interpretieren. Fotografien

werden digital übereinander geschichtet und nach bestimmten Gesichtspunkten, welche sowohl den

einzelnen Fotos eingeschrieben sind, sich aber auch nach der gesamt formalen Komposition richten,

miteinander verwoben. Einerseits werden jeweils ganze, unterschiedliche Fotografien deckungsgleich

übereinandergelagert, das darauf folgende Ordnen der Bildinhalte schafft eine neue Schnittmenge aus

den verschichteten Einzelfotos. Der Versuch immer neue Konstruktionsmöglichkeiten zu finden, ist wichtiger

Teil der Arbeit und ein wesentlicher Motor während des Entstehungsprozesses.

Der 2. Teil der Arbeit besteht aus Collagen, welche bewusst komponiert sind. Bildinhalte werden

gezielt in Räume gesetzt und gehen auf einer inhaltlichen Metaebene neue Beziehungen ein. Nach malerischem

Vorbild entstehen Räume, verzerrte Dimensionen, sich selbst entfremdete Protagonisten,

un/mögliche Realitätskonstrukte. In dieser Serie steht nicht Konstruktion versus Zufall im Mittelpunkt,

sondern der Versuch einer Neuinterpretation des von mir vorgefundenen Systems, dessen Komplexität

für den Einzelnen nur schwer zu verstehen ist. Dabei stehen kritisches Beobachten und die

Verdichtung der Eindrücke im Vordergrund.

Die komplexen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, welche sich sowohl global,

als auch zwischen dem chinesischen Festland und der vorgelagerten, britisch geprägten Inselgruppe

Hongkongs ergeben, wurden die Inspirationsträger meiner Arbeitsweise. Das visuelle Gestalten und

die Konstruktion sprechen somit jene Sprache, welche sie inhaltlich abzubilden versuchen.

32 33

marKus sepperer

geboren 1978 in Spittal/Drau, lebt und arbeitet in Wien.

2006–2009 Studium künstlerische Fotografie - fotoK

2008/09 Gastmusiker im HongKong New Music Ensemble

2007/09 Musiker im österreichischen Ensemble für Neue Musik

2006/09 Mitarbeiter bei der Tageszeitung Der Standard

1997–2004 Musikstudium in Wien, Salzburg, Leipzig, London

ausstellungen :

verschichtet-global #x, part2, Galerie Artbits, Wien – 4. 6.–27. 7. 2009

verschichtet-global #x, part1, Bildetage, Wien – 18. 1.–31. 1. 2009

Siegerausstellung Epson Art-Photo Award, Art Cologne, Köln

Democratic Jungle, fotoK , Wien

Crossing Borders, part2, Culture Club Gallery, Hongkong

Crossing Borders, part1, Oxwarehouse, Macau

Kontakt:

markus.sepperer@gmx.at

anne-sophIe wass

FRAUENZIMMER

C-PRINTS, 2009, FORMATE VARIABEL

wir umarmen uns und sehen dabei fern.

alles im griff ? – es tun sich weiten auf,

die hinter zwei rücken für spannung sorgen.

aus dem bauch heraus:

zeit für BODY–ZAPPING!

38 39

anne-sophIe wass

Anne-Sophie Wass wird am 8. Dezember 1983 in Hallein geboren, wächst in Salzburg auf und zieht 2002 nach Wien.

Sie lebt und arbeitet in Wien, hatte diverse Ausstellungen in Wien, Salzburg und Mexico D.F..

2006 Diplomabschluss an der ‚wiener kunst schule‘, Fachrichtung ‚Räumliches Gestalten‘

seit 2005 Fotoassistenz bei u.a. David Sailer und Arnd Ötting

2007 Einladung und Stipendium durch ‚Casa Vecina‘ und ‚rockin‘ femmes project productions‘ nach Mexico City,

Kurator: Ivan Edeza

2006 Organisationsteam des ‚work-in-progress-festivals‘, ‚Schmiede06-playground of ideas‘

2006–2009 fotoK Lehrgang für Fotografie und Kunst

Kontakt:

anne_sophie_wass@gmx.at

76 ı 77

34 35

wunder der ZEIT, die bleibt,

da sie bereits vergangen ist, und nie in

vergessenheit gerät,

weil sie unser ist.

40 41

36 37

unser LICHT, nicht unsere dunkelheitruft

übelkeit,

den geschmack von

angst hervor.

wer sind wir, uns brillant, talentiert, phantastisch zu nennen?

und wer sind wir uns nicht so zu nennen?

42 43


marKus zahraDnIK

WELTVERBESSERER

11 C-PRINTS, 40 x 50 C M

Der eigentlich positive Begriff ‚Weltverbesserer‘ hat in den letzten Jahren einen negativen Beigeschmack

bekommen. Das mediale Boulevard setzt ihn zynisch ein, um kritische und engagierte Menschen

in ein weltfremdes, eigenbrötlerisches Eck zu schieben. Damit wurde aber auch ein Überbegriff

geschaffen, der die unterschiedlichsten Menschen zusammenfasst: Von SozialarbeiterInnen über

Öko-AktivistInnen bis hin zu Jung-Linken.

Die Arbeit zeigt die ProtagonistInnen sehr direkt und stellt sie als Personen – und nicht, wie sonst

üblich, ihre Organisation oder ihr Anliegen – in den Mittelpunkt. Die übergroße Darstellung der Köpfe und

die Wahl der Kameraposition führen zu einer gewissen Überhöhung/Heroisierung der porträtierten Personen.

Die Bilder entstanden alle am Arbeitsplatz der Fotografierten und zeigen diese nahe und ungeschönt.

Losgelöst von den jeweiligen inhaltlichen Anliegen der Porträtierten stellen sich beim Betrachter

Fragen nach dem Sinn, der Mühsal aber auch nach der Befriedigung durch ihr Engagement.

44 45

marKus zahraDnIK

1979 in Wien geboren, arbeitet seit knapp 10 Jahren als Grafikdesigner. Seit zirka 5 Jahren ist er künstlerisch tätig, seit 4 Jahren

studiert er am Wiener fotoK künstlerische Fotografie, wo er im Sommer 2009 mit der in diesem Katalog gezeigten Arbeit sein Diplom

abgelegt hat.

ausstellungen

Teilnahme an mehreren Ausstellungen im Rahmen seiner Ausbildung (unter anderem beim Monat der Fotografie 2006), sowie an

Gemeinschaftsausstellungen der Gruppe ‚wasistkunst‘ im Wasserturm Favoriten (2008), folgeeins (2006), Atelier M&G (2005). Außerdem

gestaltete er gemeinsam mit Richard Fürstner die Installation 200x200x200 im Hof des Museumsquartiers in Wien (Sommer

2006 und 2007).

Kontakt:

markus@zahradnik.at

mIra horVath NACHTGESICHTER

BARYTPRINTS

Ich dringe mit der Kamera in die intimen Schlafräume von Freunden und Bekannten vor, in ihre entrückten

Zustände in denen sie gleichsam verletzlich und ungeschützt sind. Durch die Dunkelheit

schleichend nehme ich ein Bild von ihnen auf.

Durch die Finsternis und der damit verbundenen hohen Lichtempfindlichkeit des Filmes weisen die

Fotografien eine starke Körnung auf. Die Verwendung eines Schwarz-Weiß-Filmes korrespondiert

auch mit dem menschlichen Sehsystem, da der Mensch bei Dunkelheit nur fähig ist in Graustufen zu

sehen.

In den altindischen „Upanishaden“ wird der Schlaf mit dem eigentlichen Selbst in Zusammenhang

gebracht. Roland Barthes sieht in einem fotografischen Portrait ein geschlossenes Kräftefeld, in dem

vier imaginäre Größen aufeinander treffen: der Portraitierte ist zugleich der, für den er sich hält, der,

für den er gehalten werden will, der, für den der Fotograf ihn hält und der, dessen er sich bedient sein

Können vorzuzeigen. Dadurch, dass die Fotografierten sich im Zustand des Schlafes befinden, wird

die Ebene der Selbstinszenierung ausgeschaltet. Entsteht dadurch ein „wahres“ Bild einer Person?

Durch die geschlossenen Augen wird den Portraitierten die Möglichkeit genommen, den Blick der

Betrachter zu erwidern. Sie sind ohne Interesse am Betrachter. Wovon sie wohl gerade träumen?

50 51

mIra horVath

1987 geboren in Graz, derzeit wohnhaft in Wien.

Seit 2006 Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft

und im Zeitraum von 2006-2009 Besuch des Lehrgangs für künstlerische Fotografie bei fotoK, mit Diplom abgeschlossen.

ausstellungen:

2008 „Schattenspiel“, Jahresausstellung „speed 08 – developer part B“, fotoK, Mai 2008

„Traumorte“, Ausstellung „Raum im Bild“, entstanden im Rahmen eines Workshops mit Jutta Strohmaier, fotoK März 2008

2007 „beziehungsweise“, Jahresausstellung “Idee - Materie - Realitäten“, fotoK, Juni 2007

Kontakt:

mira.horvath@gmx.at

46 47

52 53

48 49

54 55


KurzbIographIen

LAURENT NOSTITZ

Küchen Im stIllstanD

10 D-PRINTS, 60 80 x C M

Der Begriff „Küche“ leitet sich wahrscheinlich vom altdeutschen chuchina ab, welches wiederum über

das spätlateinische cocina vom lateinischen coquere (kochen) ableitet.

Ich habe in meinen Bekanntenkreis aufgeräumte Küchen aus den Baujahren 1950–1970 fotografiert.

Das Alter dieses „zentralen Ortes der Wohnung“, gibt der Küche Individualität. Die Küchen sind

„gebraucht“. Zeit formt Charakter und hinterlässt Spuren. Sie sind in keinen Einrichtungshäusern

zu finden. Ich zeige Einbauküchen und Küchen aus Fragmenten bestehend. Reduzierte und ergänzte

Einrichtung. Verschiedene Einzelmöbel.

In meiner Arbeit geht es um den Stillstand innerhalb eines immer wiederkehrenden Kreislauf. Der

Kreislauf beschreibt grob gesagt 3 Aktionen: kochen – essen – saubermachen und dazwischen immer

der „Stillstand“

Ich hab sie bei Tageslicht fotografiert, um den Räumen ein natürliches Licht zu geben. Die Küchen

vereint der gleiche Zustand. Sie sind eingefroren, verlassen, aufgeräumt. Küchen im „Standby“. Immer

bereit für die Intervalle der 3 Episoden. Eine der in die Aktionen eingebetteten Zustand. Küche als

Ausdruck des persönlichen Lebensstils.

technik

Der hier verwendete Panorama-Adapter ermöglicht das parallaxefreie, horizontale und vertikale

Schwenken um den Nodalpunkt des Objektives. 9 Fotografien werden mit dem Nodalpunkt–Adapter

aufgenommen, und digital zu einem Bild zusammengesetzt. Daraus folgt eine wesentlich höhere Auflösung

und ein erheblich größerer Bildwinkel.

56 57

laurent nostItz

geboren am 17. 12. 1977 in Wien lebt und arbeitet in Wien.

ausbildung:

2002- 2009 diverse Kurse an der Wiener Kunstvolkshochschule, 1090 Lazarettgasse

2006–2009 fotoK, Wien

ausstellungen

2001 Ausstellung und Kurator: Das ungeschöpfte kreative Potential (in den Räumen von Sothebys)

2004 Cafe Kandinsky Gruppenausstellungen

2006–2009 Gruppenausstellungen fotoK

Kontakt:

laurent.nostitz@hotmail.com

elIsabeth gruber & nata l Ie petrynKo

KALEVA JA POHJOLA

INTERDISZIPLINäRER VERSUCH

ein finnischer schöpfungsakt

„Am Grund der Dinge ist das Wilde, das Unbekannte, das Chaotische.“

Die beiden KünstlerInnen bieten mit ihrer Arbeit unmittelbar Erlebtem und mythisch Tradiertem in

bildlichen und plastischen Symbolen Unterkunft.

Photographie ist hier eine zentrale Technik der Vermittlung zwischen Licht und Dunkelheit. Der

Mensch wirkt als ihr Medium; sie schöpfend, durch sie schaffend und empfangend zugleich.

Durch die Entstehungsgeschichten hin zur Ausstellung ihrer Arbeit werden die beiden Photographinnen

zu Mittlerinnen zwischen den Welten. Ihre wesentliche Performance liegt in der Aktualisierung

archaischer Bedeutungsräume – durch den optisch geschärften Blick ihrer Augen bieten sie

anderen die Möglichkeit sehen zu lernen.

wir, unterwelt und oberwelt

Jeder dreidimensionale Ausstellungsraum besteht aus diversen Innenräumen und Außenräumen – die

einen inszenieren sich in den anderen. Photographie als Blick in innere Räume, inszeniert Innenräume

im Außenraum in dem sie sich befindet. Durch ein Photo blicken wir aus dem eigenen Innenraum durch

den Außenraum in weitere Innenräume hinein.

Das Leben ist Kommunikation und umfangen sein von diesen beiden Dimensionen, Innen und Außen –

Unterwelt und Oberwelt, und der Weg der sich zwischen den beiden befindet, auf dem wir uns immer

wieder hin und her bewegen müssen, um Zeit und Information transportieren zu können.

Die Unterwelt wird – oftmals als Überrest der Vergangenheit – in den Tag ans Licht gebracht.

Transformation findet dort statt, wo die Zeit still steht. MeisterInnen der Zeit verstehen es Zeit zu

modulieren, Zeitraum zu verwandeln! Überall, wo die Stille zu uns spricht, ist Mystik, ist das Geheimnis,

das am besten gehütete und zugleich offensichtlichste, frei zugängliche.

Stille ist die Dunkelheit des Klangs. Da gibt es einen Weg durch die Dunkelheit, durch das Land des

Todes – das Gegenteil von Leben. Der Winter, die Dunkelheit und eine Angst, die da ist. Es gilt einen Weg

durch ein unbekanntes Land zurückzulegen.

Die lebende natur

Natur spiegelt sich in den Fenstern der Häuser, ist das Einzige das uns umgibt – eine erschreckende

Macht neben der wir uns klein und zerbrechlich fühlen. Das warme Innere eines Hauses (oder Dachbodens),

das im Kalten und Dunkeln wohnt wird zu einem vielgestaltigen Symbol.

„Es kommt einem Sterben gleich, alles zu vergessen was man wusste um das Alte neu zu erfinden.“

Die vergangene Zeit ist das Wilde, menschenlose Zeit ist wild, die Gegenwart ein Versuch der Ordnung.

Das Wilde flüchtet diese Begegnung – seine Liebe ist zu groß; nicht wir lieben die Natur, sondern vielmehr

sie uns!

Hier nun schließt sich der Kreis: out of chaos comes order!

62 63

68 69

elIsabeth gruber & natalIe petrynKo

sind 1982 in Sao Paolo und 1983 in Wien geboren

Feldenkrais/Kultur- und Sozialanthropologie

2005 Aufeinandertreffen in den Räumen des fotoK

Seit 2007 gemeinsames und individuelles Reisen und Leben in Nordkarelien, Finnland. Unsere Gemeinschaft ließ verschiedenste Arbeiten

entstehen, die sich immer wieder neu formten und zusammensetzten. Während dieses Entstehungsprozesses wurde die Arbeit

unter verschiedenen Titeln immer wieder in Finnland präsentiert und erhielt so ihre derzeitige Form. Der prozesshafte Charakter

dieser Arbeit lässt sie immer wieder neu entstehen und weiterentwickeln.

Kontakt:

kalevajapohjola@gmail.com

78 ı 79

58 59 60 61

64 65

70 71

66 67

72 73


Mit freundlicher Unterstützung von:

www.cachil.com

le groupe soleil

film & multimediaproduktions gmbH

www.legroupesoleil.net

Ein einzigartiges Schwimmbadwasser-Pflegemittel

stabilisiert den pH-Wert ı kontrolliert Algen ı klärt das Wasser ı 50% weniger Chlor nötig

ecocrystal@algarine.com ı www.algarine.com

Besonderer Dank an:

Rupert Schmied


80 ı 81

Betrachten Sie die Kommunikation

Ihres Unternehmens mit neuen Augen

Werfen Sie einen Blick auf die neue Welt der Unternehmenskommunikation und lassen Sie sich von unserer Arbeit überzeugen!

Als größter herstellerunabhängiger Systemintegrator implementieren wir maßgeschneiderte Kommunikationslösungen für

Unter nehmen aller Branchen und öffentliche Organisationen: konvergente Sprach- und Datennetzwerke (Unified Communications),

Business Protection (Security), Mobility, Multimedia Contact Center, CRM und Managed Services. Unser Service Angebot deckt

den gesamten Lebenszyklus einer Kommunikationslösung ab: Projektmanagement und Beratung für die Netzwerkarchitektur;

Integration und Wartung; Services für den laufenden Betrieb der Kommunikationslösung.

Riskieren Sie einen Blick: www.nextiraone.at

The Communications Experts


Schlägt man in einem Wörterbuch das englische Wort ‚frame’ nach, so findet man zahlreiche

mögliche Bedeutungen. Neben dem ‚(Bilder-)Rahmen’, an den wohl fast jeder von uns zuerst

denkt, kommt man auf so unterschiedliche Begriffe wie ‚nutzbare Bildfläche’ oder aber auch

‚Gerüst’ oder ‚Skelett’. Beim Verb ‚to frame’ ist die Bandbreite ähnlich groß: von ‚etwas ausarbeiten’

oder ‚gestalten“ über das nahe liegende ‚rahmen’ bis hin zu ‚etwas zusammensetzen’.

ım Spannungsfeld dieser Mehrdeutigkeit bewegen sich neun Einzel- und eine Gemeinschaftsarbeiten

der fotoK-Diplomklasse 2009.

82 ı MF frame@schraegstrich.com

Ähnliche Magazine