15.06.2026 Aufrufe

Brennpunkt Gesundheit & Soziales, 8. Ausgabe

Die Infozeitung des Sozialmedizinischen Zentrums Oberwallis informiert über aktuelle Themen aus den Bereichen Soziales und Gesundheit und erscheint halbjährlich in einer Auflage von ca. 43.000 Exemplaren. In der 8. Ausgabe geht es um das Schwerpunktthema Betreuende Angehörige.

Die Infozeitung des Sozialmedizinischen Zentrums Oberwallis informiert über aktuelle Themen aus den Bereichen Soziales und Gesundheit und erscheint halbjährlich in einer Auflage von ca. 43.000 Exemplaren. In der 8. Ausgabe geht es um das Schwerpunktthema Betreuende Angehörige.

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Brennpunkt

Gesundheit & Soziales

Infomagazin des SMZO – Juni 2026

Seite 3

Pflege zu Hause

neu denken

Seite 10

Wenn Angehörige zu

Pflegepersonen werden

Seite 12

Mehr als nur eine Mahlzeit

In dieser Ausgabe:

Pflegende Angehörige

www.smzo.ch


Perspektiven

3

Editorial

Werte Leserinnen

und Leser

Pflege beginnt oft dort, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen.

Zu Hause. Im engsten Familienkreis. Im Alltag, der nicht selten

von Sorge, Organisation, Verzicht – aber auch von Nähe und Verbundenheit

geprägt ist.

Mit der aktuellen Ausgabe unseres Infomagazins widmen wir uns deshalb

einem Thema, das in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung

gewinnt: der Rolle pflegender Angehöriger.

Angesichts des demografischen Wandels und des steigenden Bedarfs

an Unterstützung im häuslichen Umfeld stehen Gesundheitswesen und

Gesellschaft vor grossen Herausforderungen. Gleichzeitig leisten unzählige

Angehörige Tag für Tag einen wertvollen Beitrag – häufig still und

im Hintergrund. Sie begleiten, unterstützen, organisieren und schenken

vor allem eines: Zeit und Verlässlichkeit.

Das Pilotprojekt zur Anstellung pflegender Angehöriger, an dem sich das

SMZ Oberwallis beteiligt, greift genau diese Realität auf. Es schafft neue

Möglichkeiten, familiäre Pflegearbeit fachlich zu begleiten, besser zu

vernetzen und sichtbar anzuerkennen. In dieser Ausgabe geben wir Einblick

in persönliche Lebensgeschichten betroffener Familien, beleuchten

die Hintergründe des Projekts und zeigen auf, welche Rolle Ausbildung,

Unterstützung und Zusammenarbeit dabei spielen.

Darüber hinaus erwarten Sie weitere Beiträge aus dem Alltag unserer

sozialmedizinischen Dienstleistungen – unter anderem zum Mahlzeitendienst

der Spitex sowie aktuelle Informationen aus der Walliser Vereinigung

der sozialmedizinischen Zentren.

Gerade Themen wie Pflege, Unterstützung und Begleitung zeigen, wie

wichtig menschliche Nähe in unserem Gesundheits- und Sozialsystem

bleibt. Denn professionelle Hilfe allein genügt oft nicht. Es braucht Menschen,

die Verantwortung übernehmen – und Strukturen, die sie dabei

unterstützen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine spannende und bereichernde

Lektüre.

Herzlich

Michael Lochmatter-Bringhen

Präsident SMZ Oberwallis

Inhaltsverzeichnis

Alles auf einen Blick

2 Editorial

3 Rolle pflegender Angehöriger:

Pflege zu Hause neu denken

6 Kurz gefragt, kurz gesagt …

Sebastian Arnold

7 Perspektiven –

Pflegende Angehörige werden Teil

der Versorgung

8 Perspektiven –

Pflege braucht Wissen

9 Unsere Lesetipps für Sie

10 Bundespolitik –

wenn Angehörige zu

Pflegepersonen werden

12 Mehr als nur eine Mahlzeit

12 Eltern-Kind-Treff in Visp

Impressum

Sozialmedizinisches Zentrum Oberwallis

Nordstrasse 30 | 3900 Brig

Gestaltung: ATTITUDE Agency GmbH – attitude.swiss

Druck: Valmedia

Hinweis: Zur besseren Lesbarkeit wird im Text die männliche

Form verwendet. Sie umfasst selbstverständlich alle Geschlechter.

Brig, Juni 2026

Anneliese Pollinger hilft ihrem Sohn Daniel.

«Pflege zu Hause neu denken»

Ein Walliser Pilotprojekt mit Signalwirkung

Anneliese Pollinger hebt vorsichtig die Hand ihres Sohnes und

legt sie auf die Computermaus. «Ein bisschen nach links», sagt

Daniel ruhig. Erst als alles passt, beginnt sein Arbeitstag.

Ein paar Kilometer weiter in Glis blättert Roland Diezig in der

Zeitung, er und seine Frau Liliane verfolgen seit jeher aufmerksam

die Nachrichten.

Was beide Situationen verbindet, ist mehr als ein eingespielter

Alltag. Es ist Pflege. Täglich, verlässlich – und über viele Jahre

hinweg meist im Hintergrund geleistet. Genau hier setzt ein Pilotprojekt

des Kantons Wallis an.

Liliane und Roland Diezig besprechen das Tagesgeschehen.

Angesichts einer älter werdenden Bevölkerung und des zunehmenden

Fachkräftemangels rückt die Pflege zu Hause immer

stärker in den Fokus. Pflegende Angehörige übernehmen dabei

eine zentrale Rolle – oft über Jahrzehnte, häufig ohne Entlöhnung

und mit grosser persönlicher Verantwortung.

Ein Bundesgerichtsurteil von 2019 hat neue Möglichkeiten geschaffen:

Unter bestimmten Voraussetzungen kann Grundpflege

durch Angehörige von der obligatorischen Krankenversicherung

vergütet werden. Der Kanton Wallis greift diesen Ansatz auf und

testet ihn im Rahmen eines Pilotprojekts. Das SMZ Oberwallis

ist Teil davon.

Die Idee dahinter: Angehörige werden offiziell angestellt, fachlich

begleitet und in ein professionelles Netzwerk eingebunden. Damit

soll nicht nur die Qualität der Pflege gesichert, sondern auch die

Situation der Betroffenen nachhaltig verbessert werden.



4 Perspektiven

5

Tetraplegie / Multiple Sklerose

Tetraplegie bezeichnet eine Lähmung aller vier Gliedmassen

infolge einer Schädigung des Rückenmarks. Sie geht

häufig mit einem hohen Pflegebedarf einher.

Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung des Nervensystems,

die zu fortschreitenden Einschränkungen

führen kann. In Kombination mit weiteren Erkrankungen

– wie einer Herzinsuffizienz – kann sie die Selbstständigkeit

stark beeinträchtigen.

«Dabei wäre es für alle

ein Gewinn, wenn solche

Modelle weitergeführt

werden.»

Anneliese Pollinger pflegt ihren Sohn Daniel seit Jahrzehnten rund um die Uhr zu

Hause. Dank ihr kann er einer geregelten Arbeit nachgehen.

Roland Diezig

Roland Diezig unterstützt und pflegt seine Frau seit der

Diagnose ihrer Krankheit.

Für Anneliese Pollinger ist das nichts weniger als eine neue Form

der Anerkennung für eine Aufgabe, die sie seit Jahrzehnten erfüllt.

Ihr Sohn Daniel leidet an der seltenen Muskelkrankheit Duchenne

Muskeldystrophie und ist seit seiner Kindheit auf umfassende

Unterstützung angewiesen. «Wir haben uns dieses Leben nicht

ausgesucht», sagt er. «Aber ich bin glücklich, dass ich zu Hause

leben und arbeiten kann.»

Der Alltag der beiden ist klar strukturiert. Daniel kann sich nicht

selbst drehen, nicht selbst essen, nicht selbst aufstehen. Seine

Mutter begleitet ihn durch den Tag – vom Umlagern im Bett

über die Körperpflege bis hin zur Unterstützung bei der Arbeit am

Computer. Und doch ist sein Leben geprägt von einer bemerkenswerten

Selbstständigkeit: Er arbeitet als Programmierer, steht

im Austausch mit internationalen Teams und gestaltet seinen

Alltag aktiv mit.

Durch das Pilotprojekt hat sich an diesen Abläufen wenig verändert.

Neu ist vor allem der Rahmen: Anneliese Pollinger ist

beim SMZ Oberwallis angestellt, wird von Pflegefachpersonen

begleitet und steht im regelmässigen Austausch mit ihnen. «Man

hat immer jemanden, den man fragen kann», sagt sie. «Das gibt

Sicherheit.»

«Wenn meiner Mutter

etwas zustösst, wäre hier

schnell das Licht aus.»

Daniel Pollinger

Duchenne Muskeldystrophie

Eine seltene, genetisch bedingte Muskelerkrankung, die

bereits im Kindesalter beginnt. Sie führt zu einem fortschreitenden

Abbau der Muskulatur. Betroffene verlieren

zunehmend ihre Bewegungsfähigkeit und sind im Verlauf

der Krankheit auf umfassende Unterstützung sowie oft

auch auf eine Beatmung angewiesen. Eine Heilung ist

bisher nicht möglich.

Auch Roland und Liliane Diezig nehmen am Pilotprojekt teil. Seit

über 40 Jahren sind sie verheiratet. Liliane leidet an Multipler

Sklerose, einer Herzinsuffizienz und ist heute an Tetraplegie erkrankt.

Als sich ihr Gesundheitszustand unmittelbar nach seiner

Pensionierung stark verschlechterte, intensivierte Roland seine

Pflegeanstrengungen.

Heute ist sie rund um die Uhr auf Unterstützung angewiesen.

Ihr Mann organisiert den Alltag, hilft bei allen Verrichtungen und

sorgt dafür, dass Therapien und Arzttermine eingehalten werden.

«Wir sind ein eingespieltes Team», sagt er.

Mit dem Pilotprojekt kam eine neue Struktur in ihren Alltag. Die

Zusammenarbeit mit dem SMZ Oberwallis beschreibt er als unkompliziert

und unterstützend. Eine feste Ansprechpartnerin begleitet

sie, regelmässige Kontakte sorgen für Austausch. «Man

fühlt sich nicht mehr allein», sagt er.

Ein zentrales Element des Projekts ist die fachliche Begleitung.

Diplomierte Pflegefachpersonen besuchen die Familien einmal

monatlich und telefonieren mit ihnen zudem 14 Tage nach dem

Besuchstermin. Sie unterstützen bei Fragen, beobachten Entwicklungen

und tragen dazu bei, die Qualität der Pflege langfristig

zu sichern.

Hinzu kommt die tägliche Dokumentation. Pflegeberichte werden

elektronisch erfasst und täglich versendet. Sie dienen als

Grundlage sowohl für die Kontrolle aus der Ferne durch die Pflegefachpersonen

der Spitex als auch für die Abrechnung mit der

Krankenkasse. Für viele Angehörige ist das zunächst ungewohnt.

«Das war am Anfang eine Umstellung», sagt Anneliese Pollinger.

«Aber es gibt auch eine gute Übersicht über den Alltag.»

Trotz dieser neuen Strukturen bleibt die Pflege selbst unverändert –

intensiv, persönlich und zeitaufwendig. Und sie bleibt mit einer

grossen Verantwortung verbunden.

Auch bei den Diezigs ist die Abhängigkeit vollständig. Liliane bedarf

einer umfassenden Pflege. Für ihren Mann bedeutet das

einen grossen Einsatz – Tag für Tag. Gleichzeitig ist es für sie

von grosser Bedeutung, von ihrem Partner gepflegt zu werden.

Neben der fachlichen Begleitung bringt das Pilotprojekt eine weitere,

entscheidende Veränderung: die finanzielle Anerkennung

der Pflegearbeit.

«Die Arbeit ist die gleiche geblieben», sagt Anneliese Pollinger,

«aber es ist schön zu wissen, dass sie gesehen wird.» Für viele

Angehörige ist das mehr als ein symbolischer Schritt. Es ist eine

Entlastung – und ein Zeichen gesellschaftlicher Wertschätzung.

Auch aus gesamtgesellschaftlicher Sicht gewinnt das Modell

an Bedeutung. Die Nachfrage nach Pflegeleistungen wird in den

kommenden Jahren weiter steigen, während gleichzeitig Fachpersonal

fehlt. Die Einbindung von Angehörigen kann dazu beitragen,

das System zu entlasten.

Zudem ist die Pflege zu Hause in vielen Fällen nicht nur persönlicher,

sondern auch kostengünstiger als eine stationäre Betreuung.

Für die beteiligten Familien ist das Pilotprojekt mehr als eine

organisatorische Neuerung. Es schafft Struktur, Sicherheit und

Anerkennung – ohne den Alltag grundlegend zu verändern.

Was bleibt, ist die Nähe. Und der Wunsch, das gewohnte Leben

so lange wie möglich weiterzuführen.

Zwei unterschiedliche Lebensgeschichten. Und doch eine gemeinsame

Hoffnung – dass aus einem Pilotprojekt eine nachhaltige

Lösung wird. Damit Pflege dort stattfinden kann, wo sie

am meisten bedeutet – zu Hause.



Kurz gefragt, kurz gesagt…

Perspektiven

7

Sebastian Arnold

Gemeindepräsident Simplon

Pflegende Angehörige werden

Teil der Versorgung

Ein Pilotprojekt stärkt die häusliche Pflege im Oberwallis

Der Kanton plant aktuell die Umsetzung der Langzeitpflege

2026–2035. Hier kommt auf uns als Gesellschaft,

vor allem aber auch auf die öffentliche Hand, erheblicher

Aufwand für die künftige Versorgung zu.

Wie blicken Sie den nächsten Jahren entgegen?

Die Herausforderungen in diesem Bereich für die Gesellschaft

sind gross und wurden aus meiner Sicht in der Planung der Langzeitpflege

auch erkannt und aufgezeigt. Wie in vielen Bereichen

gilt es auch hier für die öffentliche Hand, die Ausgangslage mit

allen involvierten Parteien sorgfältig zu analysieren und dann

die Herausforderungen gemeinsam anzupacken. Synergien sind

frühzeitig zu erkennen und effizient zu nutzen. Beispielsweise

lassen sich neue betreute Wohnformen vielfach nur im regionalen

Verbund mehrerer Gemeinden sowie in enger räumlicher und

organisatorischer Anbindung an bestehende Alters- und Pflegeheime

sinnvoll realisieren. Neben den erforderlichen finanziellen

Ressourcen scheint mir auch der Bedarf an pflegendem Personal

ein zentraler Punkt zur Lösungsfindung zu sein.

Inwiefern unterscheiden sich die künftigen Bedürfnisse

in der Langzeitpflege in Bergregionen von jenen in der

Agglomeration?

Die Versorgungsmodelle in peripheren Regionen funktionieren

anders als in urbanen Gebieten. Grosse Distanzen, kleine Einzugsgebiete

und eine geringere Bevölkerungsdichte führen dazu,

dass ambulante Angebote sowie Tagesstrukturen deutlich höhere

organisatorische und finanzielle Aufwände verursachen können.

Gleichzeitig ist zu beachten, dass die starke Verwurzelung älterer

Menschen in ihrem lokalen Umfeld in den Bergregionen den Umzug

in andere Wohnformen zusätzlich erschweren können. Die

Planung der Langzeitpflege sollte deshalb regionale Unterschiede

stärker berücksichtigen und flexible, an die Gegebenheiten von

Bergregionen angepasste Umsetzungsmodelle vorsehen.

Das Modell, pflegende Angehörige durch Spitexorganisationen

anzustellen, ist derzeit in aller Munde

und sorgt schweizweit für Schlagzeilen – vor allem

hinsichtlich der Kostenentwicklung. Wie beurteilen Sie

dieses Modell?

Die Kostenfolgen sind schwierig abzuschätzen. Einerseits kann

mit diesem Ansatz der Fachkräftemangel abgemindert, die Wege

der Pflegenden reduziert und dadurch die pflegende Fachkraft

effizienter eingesetzt werden und andererseits erhöht sich dadurch

sicher der organisatorische Aufwand.

Das SMZO plant, das Pilotprojekt auszuweiten und dies

zu einem festen Bestandteil der Pflege zu Hause zu festigen.

Eine gute Idee?

Für die Bergregionen überwiegen aus meiner Sicht die Vorteile,

da mit diesem Ansatz die Pflege länger zu Hause möglich ist,

Wege und damit der Zeitaufwand von Fachpersonal reduziert

werden und die pflegenden Angehörigen neben der angemessenen

Entschädigung auch eine Wertschätzung für ihre wertvolle

Arbeit erhalten.

Die Pflege zu Hause gewinnt im Gesundheitswesen zunehmend

an Bedeutung. Mit der demografischen Entwicklung steigt die

Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen, gleichzeitig verschärft

sich der Fachkräftemangel. Der Kanton Wallis testet

deshalb neue Versorgungsmodelle – darunter die Anstellung

pflegender Angehöriger im Rahmen eines Pilotprojekts. Das

SMZ Oberwallis beteiligt sich daran und zieht nach dem ersten

Projektjahr eine positive Zwischenbilanz.

Über 7400 Pflegestunden

zu Hause geleistet

Im Februar 2025 startete das Pilotprojekt im Oberwallis mit 17

pflegenden Angehörigen. Die Teilnehmenden sind zwischen 32

und 84 Jahre alt. Pflege durch Angehörige betrifft damit Menschen

in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen.

Regional verteilt sich die Teilnahme wie folgt: Zwei Personen

stammen aus dem Saastal, vier aus Leuk/Steg, vier aus Visp

sowie sieben aus Brig/Goms. Der Unterstützungsbedarf zeigt

sich damit im gesamten Oberwallis.

Bis Ende 2025 leisteten die beteiligten Angehörigen insgesamt

7427 Pflegestunden. Dabei handelt es sich um definierte Leistungen

der Grundpflege im häuslichen Umfeld.

Dazu gehören unter anderem:

– Hilfe beim Aufstehen und Zubettgehen

– Unterstützung bei der Körperpflege

– Hilfe beim An- und Ausziehen

– Mobilisation, Lagerung und Dekubitusprophylaxe

– Unterstützung beim Toilettengang

– Begleitung im Alltag

Diese Leistungen ermöglichen es vielen pflegebedürftigen Personen,

weiterhin zu Hause zu leben.

Von den ursprünglich 17 gestarteten Teilnehmenden werden 12

Angehörige das Projekt weiterführen. Dies deutet auf eine hohe

Akzeptanz und einen konkreten Nutzen für die betroffenen Familien

hin.

Das Pilotprojekt stärkt die häusliche Pflege und ermöglicht es

pflegebedürftigen Menschen, länger zu Hause betreut zu werden.

Gleichzeitig werden professionelle Angebote gezielt ergänzt und

entlastet. Zudem erhält familiäre Pflegearbeit einen offiziellen

Rahmen.

Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel könnten solche

Modelle künftig weiter an Bedeutung gewinnen. Aus Sicht des

SMZ Oberwallis zeigt das erste Projektjahr, dass die Zusammenarbeit

zwischen Angehörigen, Fachpersonen und betreuten Personen

funktioniert. Das Modell verbindet persönliche Betreuung

mit professionellen Standards und schafft für viele Familien mehr

Stabilität im Alltag.

Damit leistet das Pilotprojekt einen konkreten Beitrag zur Weiterentwicklung

der Gesundheitsversorgung im Oberwallis.

Pilotprojekt auf einen Blick

Start: Februar 2025

Teilnehmende: 17 pflegende Angehörige

Alter: 32 bis 84 Jahre

Pflegestunden 2025: 7427

Regionen: Saastal, Leuk/Steg, Visp, Brig/Goms

Weiterführung: 12 Personen

Stundenlohn: CHF 34 brutto

Begleitung: durch Fachpersonen der Spitex SMZO

KISS Region Goms

Tel. 079 579 48 87

info@kiss-region-goms.ch

www.kiss-region-goms.ch

KISS Region Belalp-Simplon

Tel. 077 404 88 87

info@kiss-belalp-simplon.ch

www.kiss-belalp-simplon.ch

Koordinierte Nachbarschaftshilfe für Jung und Alt

Sie benötigen Unterstützung im Alltag, eine helfende Hand oder einfach nur

Gesellschaft? Sie wollen andere Menschen unterstützen, ihnen Zeit schenken

und sich sinnvoll engagieren? Dann ist KISS genau das Richtige für Sie.

Wir schaffen ein Geben und Nehmen unter den Generationen.

Interessiert mehr zu erfahren?

Wir freuen uns, wenn Sie sich telefonisch oder per E-Mail bei uns melden.

KISS RegionLeuk

Tel. 077 473 59 01

info@kiss-regionleuk.ch

www.kiss-regionleuk.ch

Mitglied von:

Teilnehmen können Familienmitglieder oder nahestehende Personen,

die mit der betreuten Person zusammenleben oder in

räumlicher Nähe wohnen. Voraussetzung sind ein stabiler Gesundheitszustand,

ein regelmässiger Pflegebedarf sowie die Zustimmung

der betreuten Person. Zudem müssen die erbrachten

Leistungen digital dokumentiert werden.

Die Entlöhnung erfolgt auf Stundenbasis. Der aktuelle Bruttoansatz

beträgt 34 Franken pro Stunde.

Begleitung, Austausch und Perspektiven

Ein zentrales Element des Projekts ist die fachliche Unterstützung

durch das SMZ Oberwallis. Pflegefachpersonen übernehmen

Bedarfsabklärungen, beraten im Pflegealltag, überprüfen

die Situation regelmässig und helfen auch bei administrativen

Fragen.

Inzwischen haben drei Teamsitzungen stattgefunden. Sie dienen

dem Erfahrungsaustausch und der Weiterentwicklung des

Projekts. Ergänzend absolvieren pflegende Angehörige – sofern

noch nicht vorhanden – einen Lehrgang für pflegende Angehörige.



Perspektiven

8

Lesenswert

9

Pflege braucht Wissen

Das Rote Kreuz Wallis stärkt Angehörige im Pilotprojekt

Unsere

Lesetipps für Sie

Wer einen nahestehenden Menschen pflegt, übernimmt täglich

Verantwortung – oft ohne Ausbildung und zusätzlich zu Beruf,

Familie und eigenem Alltag. Im Pilotprojekt zur Anstellung pflegender

Angehöriger spielt Weiterbildung deshalb eine zentrale

Rolle. Diese Aufgabe übernimmt im Wallis das Rote Kreuz Wallis.

Mit einem gezielten Lehrgang vermittelt es Wissen, Sicherheit und

praktische Kompetenzen für die Pflege zu Hause.

Praxisnaher Lehrgang für den Pflegealltag

Während das SMZ Oberwallis für Anstellung, Begleitung und

die pflegerische Einbettung verantwortlich ist, übernimmt das

Rote Kreuz Wallis die Ausbildung der pflegenden Angehörigen.

Ziel ist es, Menschen, die bereits täglich Pflege leisten, fachlich

zu stärken.

Markus Albers

Die Optimierungslüge

Warum wir keine Zeit mehr haben,

unsere Arbeit zu machen

Das Versprechen von New Work bleibt

oft unerfüllt: Statt weniger wird mehr

gearbeitet – in Meetings, Tools und Prozessen.

Das Ergebnis: weniger Kreativität

und Sinn. Das Buch analysiert diese

Entwicklung und zeigt Wege zu zeitgemässer,

produktiverer Arbeit auf.

ISBN 978-3-9892803-0-4

Das Zertifikat Lehrgang Pflegende Angehörige SRK ist national

anerkannt und von Spitex Schweiz akkreditiert.

Der Lehrgang umfasst insgesamt 100 Lektionen. Davon übernimmt

das SMZ Oberwallis 16 Lektionen in Form von Coaching

und Einführung in die konkrete Pflegesituation. Die restlichen 84

Lektionen organisiert das SRK.

Der Unterricht besteht aus Präsenzunterricht,

praktischen Ateliers,

E-Learning-Modulen sowie

einer Lernkontrolle und einem

Reflexionsbericht. Vermittelt

werden Kenntnisse, die im Pflegealltag

direkt anwendbar sind

– etwa bei der Körperpflege,

Mobilisation, Sicherheit, Hygiene

oder im Umgang mit belastenden

Situationen.

Pflegende Angehörige geraten oft

an ihre körperlichen und psychischen

Grenzen. Viele übernehmen

über Jahre Verantwortung, häufig

ohne feste Erholungszeiten. Weiterbildung

hilft, Überlastung früh

zu erkennen und gezielt Unterstützung

zu organisieren.

«Pflegende Angehörige leisten

enorm viel. Mit dem Lehrgang

geben wir ihnen das nötige

Rüstzeug für den Alltag.»

Natalie Zurwerra, Rotes Kreuz Wallis

Die Kursteilnehmerinnen erlernen während des Lehrgangs praxisnah

vermitteltes Wissen zur Pflege zu Hause.

Lehrgang Pflegende Angehörige SRK

Umfang: 100 Lektionen

SRK Wallis: 84 Lektionen

SMZ Oberwallis: 16 Lektionen Coaching/Einführung

Themen: Körperpflege, Mobilisation, Krankheitsbilder,

Medikamentensicherheit, Selbstschutz, Kommunikation

Abschluss: National anerkanntes Zertifikat

Perspektive: Erweiterung zum Zertifikat Pflegehelfende

SRK ab 2027

Ein wichtiger Bestandteil des Lehrgangs ist deshalb auch der Schutz

der eigenen Gesundheit. Richtige Hebe- und Umlagerungstechniken

können Rückenprobleme verhindern.

Mehr Sicherheit für Angehörige und Betroffene

Von der Ausbildung profitieren auch die betreuten Personen. Wer

Risiken früh erkennt, Pflegehandlungen korrekt ausführt und strukturiert

vorgeht, kann Komplikationen vermeiden und Krisensituationen

reduzieren.

Aus Sicht des SRK ähneln sich viele Belastungen pflegender Angehöriger:

dauerhafte Verantwortung, körperliche Beanspruchung, die

Vereinbarkeit von Pflege und Familie, administrative Aufgaben sowie

soziale Isolation. Deshalb seien Austauschmöglichkeiten und Entlastungsangebote

besonders wichtig.

Der Lehrgang schafft nicht nur Sicherheit im aktuellen Alltag, sondern

eröffnet auch Perspektiven. Geplant ist, dass Absolventinnen und Absolventen

ab 2027 mit zusätzlichen Lektionen und einem Praktikum

das Zertifikat Pflegehelfende SRK erwerben können.

Das Pilotprojekt verbindet damit finanzielle Anerkennung, professionelle

Begleitung und gezielte Weiterbildung. Das SRK übernimmt

dabei eine zentrale Rolle.

Denn gute Pflege zu Hause braucht nicht nur Zeit und Engagement –

sondern auch Wissen, Sicherheit und Unterstützung.

Richard David Precht

Künstliche

Intelligenz und der Sinn

des Lebens

Ein Essay

Während Klimakrise und Ressourcenverbrauch

eskalieren, treibt die Menschheit

die Entwicklung immer mächtigerer KI

voran. Richard David Precht kritisiert

die Illusion einer menschenähnlichen

Maschinenmoral und erinnert daran,

dass menschliches Leben mehr ist als

berechenbare Prozesse.

ISBN 978-3-442-14274-3

Anja Förster, Peter Kreuz

Zündstoff für

Andersdenker

Mit dem richtigen Mindset zum Erfolg

Alltagsroutine, festgefahrene Denkmuster

und das gewohnte Umfeld bremsen

oft Veränderung. Anja Förster und Peter

Kreuz zeigen, wie kleine Impulse Grosses

auslösen können. Ihr Manifest liefert sieben

unkonventionelle Ansätze für mehr

Kreativität, Mut und Lebensfreude.

ISBN 978-3-442-22246-9



Hinter dem Horizont

10

11

Bundespolitik – wenn Angehörige

zu Pflegepersonen werden:

Dringender Regelungsbedarf

Im vergangenen Herbst veröffentlichte der Bundesrat einen

Bericht über die im Rahmen der obligatorischen Krankenversicherung

von pflegenden Angehörigen erbrachten Pflegeleistungen.

Debatten auf Bundesebene

Der Bundesrat hat versucht, Antworten auf die aufgeworfenen

Fragen zu geben, indem er Empfehlungen veröffentlichte, deren

konkrete Umsetzung jedoch den Kantonen und den Leistungserbringern

überliess. Ein Ansatz, der von den eidgenössischen Räten

als unzureichend erachtet wird. Vor kurzem hat der Ständerat

zwei Motionen verabschiedet, die eine Klärung der Regeln fordern

und damit den Weg für eine wahrscheinliche Anpassung des KVG

ebnen, mit einer speziellen Tarifierung und Erstattungskriterien

für Leistungen, die von pflegenden Angehörigen erbracht werden.

Der Nationalrat wird sich diesen Sommer dazu äussern müssen.

Das Wallis als Versuchsfeld

In diesem Zusammenhang fungiert das Wallis als Versuchslabor.

Das SMZ Bas-Valais (Region Chablais) und das SMZ Oberwallis

haben auf Antrag des Departements ein Pilotprojekt gestartet,

um neue Organisationsformen unter Einbeziehung von pflegen-

den Angehörigen zu erproben. Dieser Ansatz ermöglichte es,

die tägliche und oft unersetzliche Arbeit von mehreren Dutzenden

pflegenden Angehörigen zu begleiten, vor allem aber anzuerkennen

und wertzuschätzen, und gleichzeitig die Grenzen des

derzeitigen Systems aufzuzeigen.

Aufgrund der Erkenntnisse aus den Pilotstandorten hat der Kanton

Wallis beschlossen zu handeln – ohne die Entscheidungen

der eidgenössischen Kammern abzuwarten – und seine Richtlinien

für Betriebsbewilligungen für Spitexorganisationen, die

pflegende Angehörige einsetzen, anzupassen. Die SMZ sind der

Ansicht, dass dies ein Schritt in die richtige Richtung ist und

hoffen, dass die in Bern erwarteten Entscheidungen die Walliser

Initiativen unterstützen und nicht bremsen werden.

Einige Kennzahlen aus dieser Erhebung:

– Mehr als eine halbe Million Menschen unterstützen und begleiten

täglich gesundheitlich beeinträchtigte Angehörige im

Alltag.

– Im Jahr 2020 belief sich der Geldwert der unbezahlten Betreuungs-

und Pflegeleistungen von Angehörigen auf 3,4 Milliarden

Franken, davon 1,6 Milliarden für die Pflege und 1,8

Milliarden für die Betreuung.

Warum also von KVG-Leistungen sprechen, wenn die Leistungen

der Angehörigen unentgeltlich sind? Weil ein Urteil des Bundesgerichts

aus dem Jahr 2019 den Weg für die Vergütung – über die

Krankenversicherung – der von Angehörigen erbrachten Grundpflege

(Hilfe bei der Körperpflege, Mobilisierung, Ernährung…)

unter bestimmten Voraussetzungen geebnet hat.

Ein Modell in voller Expansion

Die Rechtsprechung des Bundesgerichts hat zur raschen Entstehung

privater Spitexorganisationen geführt, die pflegende

Angehörige beschäftigen und ihre Leistungen via KVG in Rechnung

stellen.

In diesem Zusammenhang werfen bestimmte Geschäftsmodelle

Fragen auf. Die Entwicklung dieser Strukturen geht manchmal

mit hohen Margen bei der Abrechnung der Leistungen einher: Ein

erheblicher Teil der Beträge fliesst nicht direkt an die pflegenden

Angehörigen, sondern finanziert die Kosten für Struktur, Aufsicht

und Verwaltung. Die Höhe der Margen und die Transparenz hinsichtlich

ihrer Verwendung sind umstritten.

Ein unzureichend definierter Rahmen

Diese Dynamik wirft zahlreiche Fragen auf. Der Anstieg des Volumens

an Stunden in der Pflege zu Hause, der teilweise mit

diesen neuen Modellen zusammenhängt, heizt die politischen

Debatten an, während der Rahmen als zu vage angesehen wird:

Welche Leistungen können vergütet werden? Unter welchen Bedingungen?

Mit welchem Mass an Aufsicht? Mit welchen Qualitätskriterien?



SMZO vor Ort

12

Mehr als nur eine Mahlzeit

Der Mahlzeitendienst des SMZ Oberwallis sucht engagierte Freiwillige

Nicht immer lässt es der Alltag zu, sich selbst gesund und ausgewogen

zu verpflegen. Besonders ältere Menschen oder Personen

mit eingeschränkter Mobilität stehen oft vor der Herausforderung,

ihre Mahlzeiten nicht mehr eigenständig zubereiten zu können.

Genau hier setzt der Mahlzeitendienst des SMZ Oberwallis an:

Er ermöglicht eine zuverlässige Verpflegung und trägt dazu bei,

Lebensqualität, Selbstständigkeit und Sicherheit im Alltag zu erhalten.

Je nach Wohnort und persönlicher Situation können Kundinnen

und Kunden warme oder kalte Mahlzeiten beziehen. Nach einer

Anfrage prüfen die Koordinatorinnen des Mahlzeitendienstes individuell,

welches Angebot am besten passt. Für warme Mahlzeiten

erfolgt ein Abklärungsgespräch zu Hause. Zubereitet werden diese

je nach Region von Altersheimen, dem Spital oder Restaurants.

Kalte Mahlzeiten können über Casa Gusto bestellt werden und

stehen allen Interessierten offen.

Atelier Manus. Das SMZ Oberwallis ist laufend auf der Suche

nach engagierten Freiwilligen. Wer mithelfen möchte, leistet einen

wertvollen Beitrag, damit Menschen möglichst lange in ihrem

eigenen zu Hause bleiben können.

Scannen Sie den QR-Code

und erfahren Sie auf der Website mehr

über das Dienstleistungsangebot des

Mahlzeitendienstes.

Wie wichtig das Angebot ist, zeigen die Zahlen: Im Jahr 2025

wurden im Oberwallis rund 33 300 Mahlzeiten an 274 Empfängerinnen

und Empfänger verteilt. Und der Bedarf wird weiter steigen

– allein schon aufgrund der demografischen Entwicklung.

Ein grosser Teil der warmen Mahlzeiten wird von Freiwilligen

ausgeliefert. In Brig und Visp unterstützt zusätzlich ViaVelo vom

Feldstecher

Eltern-Kind-Treff in Visp

Ein Ort für Begegnung, Austausch und frühe Förderung

Gemeinsam spielen, lachen, entdecken

– und gleichzeitig Raum für

Austausch finden: Genau das bietet

der Eltern-Kind-Treff in Visp. Das

kostenfreie Angebot richtet sich an

Eltern, Grosseltern und andere Bezugspersonen

mit Kindern im Alter

von 0 bis 4 Jahren.

In entspannter und herzlicher Atmosphäre

können Kinder erste soziale

Erfahrungen sammeln, während

Erwachsene die Möglichkeit

erhalten, sich mit anderen Familien

auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Begleitet wird der

Treff von einer erfahrenen Beraterin für die frühe Kindheit, die

bei Fragen rund um Entwicklung, Erziehung und Familienalltag

unterstützend zur Seite steht.

Der Treff findet in den Räumlichkeiten «Zur Mühle» in Visp statt

– jeweils an ausgewählten Montagen von 9.00 bis 11.30 Uhr

sowie an ausgewählten Donnerstagen von 14.00 bis 16.30 Uhr.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, Familien können flexibel

vorbeikommen und das Angebot frei nutzen.

Gerade in den ersten Lebensjahren spielt der Austausch mit anderen

Familien eine wichtige Rolle. Der Treff schafft dafür einen

niederschwelligen Rahmen und stärkt gleichzeitig die frühe Förderung

sowie die soziale Vernetzung im Alltag.

Scannen Sie den QR-Code

Über den QR-Code gelangen Interessierte

direkt zum Flyer mit allen Daten

und weiteren Informationen.

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