18.06.2026 Aufrufe

reisen EXCLUSIV Sommer 2026

»Hüpf dich frei!« – und zwar am liebsten gleich in den Pool des JW Marriott Crete, unserem Titelhotel dieser Ausgabe. Die Sommer-reisen EXCLUSIV ist randvoll mit Reisen, die den Kopf freiblasen: weit weg, nah dran und überraschend mittendrin. Redakteurin Jana schläft in der Serengeti unter dem Sternenhimmel Tansanias und lernt als Teilzeit-Rangerin das Busch-ABC. Reporter Peter pilgert sich durch Japan – und schafft es dabei, fast alle 500 Tempel zu besuchen. Andreas düst per Schnellzug durch Marokko, Konrad versucht in Singapur, seinen grünen Daumen zu schulen. Und wer mediterrane Gelassenheit sucht, findet sie in unserer großen Griechenland-Hotelstrecke. Näher liegt manchmal genauso viel: Bayern mit Kids im Sommerferienstress, das unterschätzte Dessau und sein Bauhaus-Erbe, eine Inselauszeit auf Norderney. Dazu ein Geheimtipp in Belgien (Antwerpen!), Städtereise nach Aarhus und Luxus pur im Sonnenalp Resort im Allgäu sowie im Almanac Vienna. Für alle, die im Sommer 2026 wirklich ankommen wollen.

»Hüpf dich frei!« – und zwar am liebsten gleich in den Pool des JW Marriott Crete, unserem Titelhotel dieser Ausgabe. Die Sommer-reisen EXCLUSIV ist randvoll mit Reisen, die den Kopf freiblasen: weit weg, nah dran und überraschend mittendrin.

Redakteurin Jana schläft in der Serengeti unter dem Sternenhimmel Tansanias und lernt als Teilzeit-Rangerin das Busch-ABC. Reporter Peter pilgert sich durch Japan – und schafft es dabei, fast alle 500 Tempel zu besuchen. Andreas düst per Schnellzug durch Marokko, Konrad versucht in Singapur, seinen grünen Daumen zu schulen. Und wer mediterrane Gelassenheit sucht, findet sie in unserer großen Griechenland-Hotelstrecke.

Näher liegt manchmal genauso viel: Bayern mit Kids im Sommerferienstress, das unterschätzte Dessau und sein Bauhaus-Erbe, eine Inselauszeit auf Norderney. Dazu ein Geheimtipp in Belgien (Antwerpen!), Städtereise nach Aarhus und Luxus pur im Sonnenalp Resort im Allgäu sowie im Almanac Vienna.

Für alle, die im Sommer 2026 wirklich ankommen wollen.

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Sommer 2026

Deutschland € 9,90

Hüpf

dich

frei

FERNWEH: Japan, Tansania, Marokko & Singapur

DAHEIM: Bayern mit Kids, Dessau, Norderney

UMS ECK: Antwerpen, Aarhus und unsere

griechischen Lieblingshotels


MIT DIESEM

LIEGT IHR

GARANTIERT RICHTIG

Podcast

TV-Moderator Jan Malte Andresen und Chefredakteurin Jenny

stellen jede Woche unterhaltsam ein Hotel vor.


editorial

HICKS!

Dies ist kein Klagelied über die Arbeitsbedingungen einer Reisejournalistin. Im Gegenteil. Es ist

eine kleine Liebeserklärung an einen Beruf, der vielseitige Talente verlangt. Schwimmen sollte

ich können. Nicht selten findet meine Recherche unter Wasser statt, im friedlichen Reich der

Fische. Reiten ist ebenfalls ein nützliches Asset, denn bekanntlich liegt das Glück der Erde auf

dem Rücken der Pferde. Wer auf dem Tenniscourt auch die Rückhand returniert bekommt, ist

genauso gut ausgestattet wie diejenigen mit einem Handicap von höchstens 24, die ein paar Golfplätze

inspizieren dürfen. Genauer inspizieren, versteht sich. Wie es sich für den Job gehört. Skifahren oder

Snowboarden gehört übrigens auch zum erweiterten Werkzeugkasten. Schließlich will der Winter auf

die Probe gestellt werden.

Und dann wäre da noch die Sache mit Magen und Gaumen. Beide können auf der einen oder anderen

Reise an ihre Grenzen geraten. Entweder weil etwas serviert wird, das eine Herausforderung darstellt. Ich

meine keine Dschungelprüfung, eher eine Ameise in Schokolade. Oder eben ein, zwei, 33 Gläser Wein. An

einem Tag. Ja, 33. Ich habe versucht, mitzuzählen. Anfangs habe ich mir die edlen Tropfen sogar notiert,

in der kindischen Hoffnung, ein persönliches Ranking zu erstellen. Nach Glas vier war diese Hoffnung

dann auf mysteriöse Weise verloren gegangen.

Stattgefunden hat dies bei »Wein am Berg«, jenem Event, das alljährlich zum Saisonende in Sölden

zelebriert wird. Hier trafen sich an vier Tagen rund 30 renommierte Weingüter aus Österreich,

Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal und Spanien. 13 Spitzenköche mit sieben Michelin-Sternen

und 22 Hauben. Und ich?

Ich bin keine Sommelière. Ich bin jemand, der sagen kann, was er mag und was nicht. Mit viel Konzentration

schmecke ich vielleicht den Kalkboden oder, mit Liebe und Glück, eine Beere. Aber Brennnessel?

Nein. Da hänge ich an den Lippen der Experten und frage mich insgeheim: Brennnessel, wie riecht die

überhaupt ohne Wein?

Foto: Rudi Wyhlidal/Das Central; Illustration: Olga Rai/shutterstock.com

Anyway. Beim ersten Abendessen wurden zu jedem Gang mehrere Gläser serviert, damit ich den

Unterschied erschmecken konnte. Pro Gang in der Regel zwei. Beim roten Fleischgang drei. Vorher gab

es noch einen spritzigen Aperitif. Und die Weinmesse vor dem Dinner habe ich noch gar nicht erwähnt.

Ein Saal voller Winzer, alle mit offenen Flaschen, alle bereit. Ich schwankte hilflos von rechts nach links.

Trinkfest? Bestimmt nicht. Trinkfest geworden? Vermutlich ja.

Am nächsten Morgen, kurz nach zehn, knallende Sonne, Mittelstation »Schwarze Schneid« am

Rettenbachferner, knapp 3.000 Meter. Erstes Gläschen. Zum Glück hatte ich diesmal entgegen aller

Gewohnheit gefrühstückt. Es folgten ein paar weitere. Warum? Der Geschmacksunterschied auf der

Höhe wollte erkundet werden. Wissenschaftlich gewissermaßen. Und tatsächlich: Da oben schmeckte

es mir hervorragend.

Sieben Gläser Wein machen übrigens mutig. Meine Höhenangst gab es plötzlich nur noch theoretisch.

Den Skywalk habe ich überquert wie einen Pariser Catwalk. Es war wunderbar. Es war exzessiv. Es war

Recherche. Ein Hoch auf den Hicks! Bitte trotzdem nicht nachmachen. Ein gepflegtes Gläschen am

Abend reicht durchaus.

Jennifer Latuperisa-Andresen

Instagram @fraumuksch

3


26BIG FIVE DRIVE

Was faucht denn da? Ein Urlaub als Teilzeit-Rangerin

in der Serengeti setzt den heimischen Alltag in neue Perspektiven.

96

VOM WINDE FERNWEHT

Wer seit den Schultagen nicht mehr auf

Norderney war, sollte in diesem Sommer

dringend einen Inselurlaub einplanen.


MEER SEHEN

Es gibt wenige Probleme, die ein Urlaub in

Griechenland nicht lösen würde. Zum Beispiel hier im

JW Marriott Crete. Übrigens auch unser Titelhotel.

68

FERNWEH

DEUTSCHLAND

Fotos: Malicky S. Boaz, Janis Meyer, Ruper Peace, Kapreski/Shutterstock.com

26 Tansania

Erste Regel bei einer Expedition zu Fuß durch

den Busch Tansanias: Whatever happens,

don’t run. Was aber hat Redakteurin Jana

im Walking Camp noch gelernt?

38 Japan

Mehr Ruhe als beim Pilgern in Japan ist

kaum möglich. Reporter Peter hat dabei

vielleicht nicht alle der fast 500 Tempel

besucht. Aber doch die meisten.

50 Marokko

Alle einsteigen, bitte! Reporter Andreas ist

mit dem Schnellzug durch Marokko gedüst.

60 Singapur

Redakteur Konrad versucht auf Reisen, seinen

grünen Daumen zu schulen. Der Trip

nach Singapur ist also eine Weiterbildung.

STANDARDS

03 Editorial

06 News

08 Take away

09 Da wollen wir hin

10 Für kleine Weltenbummler

12 Esskalation

16 Städtetipp Luxemburg

18 Was gibt’s Altes, Herr Bender?

19 Vorfreude

24 Autor:innen

114 Gewinnspiel & Impressum

68 Hotels in Griechenland

Vielleicht sollten wir alle dem Leben mit

etwas mehr mediterraner Gelassenheit

begegnen. In diesen Hotels in Griechenland

passiert das fast von allein.

76 Sonnenalp Resort

Gemütlichkeit und Luxus sind kein

Gegensatz. Schon gar nicht im Sonnenalp

Resort im Allgäu. Und dann noch

diese Landschaft!

80 Almanac Vienna

Reich an Geschichte, noch reicher an

Annehmlichkeiten. Reporter Harald hat sich

im Almanac Vienna umgesehen.

LIFESTYLE

36 Packliste

Gute Vorbereitung ist auf der Safari

das A und O. Was auf keinen Fall

fehlen darf.

75 Bettlektüre

Sommerzeit ist Lesezeit. Wir haben

unsere liebsten Romane

hervorgekramt.

84 Bayern

Hurra, endlich Sommerferien! Doch wohin

mit den lieben Kleinen, die in einer Tour

unterhalten werden wollen? Mehr als

genug Aktivitäten für Kids gibt es im

wunderschönen Bayern.

92 Dessau

Vor 100 Jahren ist das Bauhaus von

Weimar nach Dessau gezogen. Aber was

ist dort heute noch zu sehen?

96 Norderney

Das Glück auf Erden kann so simpel sein.

Manchmal reicht schon ein Trip nach

Norderney. Mit unseren Inseltipps wird der

Urlaub garantiert zur Lieblingserinnerung.

UMS ECK

102 Antwerpen

Brüssel, Brügge, schön und gut.

Unser Geheimtipp in Belgien heißt

allerdings Antwerpen.

108 Aarhus

Von wegen zweite Geige! In Dänemarks

zweitgrößter Stadt Aarhus ist selbst der

Himmel ein Kunstwerk und eine Brücke

führt in die Unendlichkeit. Mag seltsam

klingen, ist aber eine Reise wert.

5


reisenews

Pool Position

Pical Resort, Valamar Collection

Poreč zählt seit Jahrzehnten zu den

beliebtesten Ferienorten an der istrischen

Küste. Die Unesco-geschützte

Basilika, das türkisblaue Wasser und

die entspannte Atmosphäre sorgen

für reichlich Urlaubsglücksgefühle.

Nun kommt ein weiterer guter Grund

hinzu, Poreč zu besuchen: Im März hat

Valamar das Pical Resort direkt in

einer Parkanlage am Meer eröffnet,

nur wenige Gehminuten vom historischen

Zentrum entfernt. Ein Resort,

das auf dem Papier groß wirkt, sich

aber dennoch privat anfühlt: Drei

eigenständige Hotelkonzepte, 514

Zimmer und Suiten, elf beheizte Pools,

mehrere Strandbereiche und Kroatiens

erstes ESPA-Spa. Wer es besonders

exklusiv mag, bucht die V-Level-Suiten

in den Pical Suites mit Concierge-

Service. Die Zwei-Sterne-Köche Matteo

Metullio und Davide De Pra bringen

ihr Triester Restaurant Harry’s Piccolo

ins Pical, dazu kommen zehn weitere

Restaurants. Familien finden ein eigenes

Kinderareal, dazu Rooftop-Bar, der

Purobeach Club direkt am Meer und

ein Bike-Center am Parenzana-Trail

– einer ehemaligen Bahnstrecke, die

heute zu den schönsten Radwegen

Istriens zählt. Ab 315 Euro pro Nacht im

Doppelzimmer inklusive Halbpension.

www.valamar.com

Einen Papageitaucher aus

der Nähe zu sehen ist ein

Gänsehautmoment. Die

»Ultimate Puffin Experience«

von Wild Orkney Walks

bringt kleine Gruppen

direkt zu den Kolonien an

den Klippen von Westray

auf den Orkneyinseln. Los

geht es in Kirkwall, dann

90 Minuten Fähre nach

Westray, dann zu Fuß über

ruhige Küstenpfade bis zu

den Klippen – vorbei an

Wildblumen, Seevögeln und

gelegentlich Robben. Der

Höhepunkt: Juni und Juli,

wenn die Tiere ihre Jungen

füttern und kaum Notiz

von neugierigen Besuchern

nehmen. Die Tour findet

montags, mittwochs und

freitags statt, dauert den

ganzen Tag und kostet um

145 Euro pro Person.

www.wildorkneywalks.co.uk

Puffin Love

Birdwatching auf den Orkneyinseln

6

sommer 2026


Sea you later

Weltreise mit Silversea

Wer genug Zeit und die nötige Reisekasse besitzt, sollte sich den 5. Januar 2029

vormerken. An diesem Tag sticht die Silver Whisper von San Diego aus in See –

für 125 Tage, rund 60 Ziele und 19 Länder. »A Pacific Awakening« von Silversea

führt durch Polynesien, Melanesien, Australien und Südostasien. Unterwegs

warten außergewöhnliche Momente wie ein Konzert des Tasmanian Symphony

Orchestra, eine private Inselnacht auf Kalanggaman auf den Philippinen und ein

Ausflug zu den Terrakotta-Kriegern im chinesischen Xi’an. An Bord des Luxusschiffs

mit nur 392 Gästen wohnen Reisende in Suiten mit Butler-Service.

Was kostet der Spaß? Ab rund 80.000 Euro pro Person all inclusive,

inklusive Businessclass-Flügen. www.silversea.com

Text: Ulrike Herder; Fotos: Four Seasons Private Jet Experience (2), Valamar Collection, Silversea Cruises,

Jon Chapman/Shutterstock.com, Illustration: DzgnVibe/shutterstock

Einmal mit dem eigenen Jet um die Welt mit jeglichem Komfort, bitte.

Die »Private Jet Experience« von Four Seasons macht genau das möglich.

Zwei- bis dreiwöchige Themenreisen wie »Asia Unveiled« oder »World of

Adventures« verbinden Ziele wie Tokio, Bali, die Malediven, Bhutan, die

Seychellen oder Marrakesch. Geflogen wird im Airbus A321neo LR mit nur

48 Gästen, Menüs vom mitreisenden Küchenchef und Cocktails in der

Lounge. Ein Arzt reist vorsichtshalber mit, geschlafen wird in Four-Seasons-

Hotels. Der Luxus hat seinen Preis: etwa 130.000 bis 200.000 Euro pro

Person je nach Route. www.fourseasons.com

Very Important Passengers

Mit dem Four-Seasons-Jet um den Globus

reisen EXCLUSIV

7


takeaway

HANSDAMPF FÜRS HANDGEPÄCK.

Wer kennt es nicht: Der Koffer ist

ausgepackt, das Hemd zerknittert.

Der »Cirrus Lite Travel Steamer«

passt in jede Reisetasche und glättet

die Lage. Kleidungsstück einfach

aufhängen, dämpfen, fertig. Erhältlich

bei Steamery Stockholm in der Farbe

»Sky & Terra«, 90 Euro,

www.steamerystockholm.com

KETTENREAKTION.

Okay, okay, ist vielleicht

kein Schnapper! Aber

ein Hingucker. Der

Anhänger »Travel

Weekend Trip« von

NeverNot ist wie ein

goldener Kurztrip für

den Alltag. Ein Koffer

voller Fernweh, der

immer mitkommt.

Erhältlich bei Wempe,

ab etwa 4.600 Euro,

www.wempe.com

WATT WILLST DE MEER?.

Wo lässt’s sich in Norddeutschland

besonders gut stranden?

»Komm strande mit mir« aus der

Wochenender-Reihe zeigt, dass

Küste längst nicht gleich Küste

ist. Das Buch versammelt 38

Strände für alle Fälle: mal ruhig,

mal voller Trubel, für Hobbyornithologen,

Wassersportler, Strandspaziergänger

und professionelle

Nichtstuer. Macht sofort Lust,

Richtung Norden aufzubrechen.

Frenz Verlag, 112 Seiten, 16 Euro

Der neue »Chocolate Soleil Matte

Blurring Bronzer« von Too Faced duftet

nach Kakao und zaubert entspannte

Kurzurlaubsbräune ins Gesicht. 8 g,

um 40 Euro, www.toofaced.eu

TANTASTIC.

SCHALALALA.

Das Nickituch von Codello

aus reiner Seide mit

maritimen Motiven ist

der perfekte Sommerbegleiter.

Um den Hals

gegen die Klimaanlage

im Flieger oder ins Haar

gebunden am Strand.

Um 50 Euro, erhältlich in

ausgewählten Sinn-

Modehäusern,

www.sinn.com

GANZ SCHÖN MESHUGGE.

Wenn sich zwei britische Modeinstitutionen wie Barbour

und Paul Smith zusammentun, kommt eine lässige

Lieblingstasche dabei heraus. Mit fischernetzartigem

Mesh-Einsatz und feinen Lederdetails. Um 250 Euro,

www.barbour.com

Text: Ulrike Herder; Fotos: PR (6)

8

sommer 2026


da wollen wir hin

INTO THE WOODS

Wer ein Wochenende lang wohltuend wenig

von der Welt hören möchte, fährt nach

Faistenau im Salzkammergut. Am Waldrand,

nur wenige Minuten vom Hintersee entfernt,

liegt das Naturhotel Fischerwirt WaldSPA:

ein Vier-Sterne-Haus mit 24 Zimmern, Holz,

Stein und Erdtönen – und erstaunlich viel

Ruhe. Zum Hotel gehören ein ganzjährig

beheizter Outdoor-Infinitypool, Yogaplattformen

zwischen den Bäumen und private

Lodges aus Kebony-Holz mit Sauna und Ruheraum.

Die begehrteste steht frei im Wald,

mit Kamin, Panoramafenstern und eigener

Terrasse. Behandlungen mit Zirbe, Arnika

und Latschenkiefer finden auf Wunsch sogar

draußen statt. Im Restaurant setzt Gastgeberin

Marietta Ebner auf regionale Zutaten aus

maximal 50 Kilometern, darunter Wild vom

Hausberg und Fisch aus dem Fuschlsee. Die

Karte wechselt mit den Jahreszeiten, endet

aber verlässlich mit Salzburger Nockerln.

DZ mit Halbpension ab 160 Euro pro Person

und Nacht, kebonyLODGE ab 260 Euro pro

Person die Nacht. www.fischerwirt.net

FRENCH CONNECTION

Text: Ulrike Herder; Fotos: Naturhotel Fischerwirt (2), Julius Hirtzberger

Cap Ferret, die schmale Halbinsel westlich von

Bordeaux, ist seit jeher der Lieblingsort der Pariser

Schickeria. Im beschaulichen Ortskern, nur wenige

Schritte von der Bucht von Arcachon entfernt, hat

Stardesigner Philippe Starck hinter einer neoklassizistischen

Fassade aus dem 19. Jahrhundert die Villa

Colette entworfen: ein Strandhaus mit 28 Zimmern in

pudrigen Rosétönen, Mahagonimöbeln und Balkonen

oder Terrassen mit Blick auf Pinienwald, Dorf oder die

Bucht. Restaurant und Bar öffnen sich zum Wasser und

Küchenchef Benjamin Six setzt auf Austern und Fisch

aus der Region. Brunch, Teezeiten und Cocktails genießen

die Gäste unter einer Glaskuppel, die tagsüber die

Sonne und nachts die Sterne ins Haus holt. Dazu ein

kleiner Spa mit Terrasse zur Bucht – und genau jene

entspannte Eleganz, für die Cap Ferret bekannt ist.

Ab 400 Euro die Nacht, www.villacolette.com/en

sommer 2026

9


kleine weltenbummler

Waldmeisterschaft

In Warth-Schröcken wird der Familienurlaub schnell zur kleinen Mutprobe: Im

Abenteuerpark balancieren Kinder zwischen Baumwipfeln, sausen per Flying Fox

durchs Tal oder hangeln sich über wackelige Brücken. Das Programm »Outdoor Big 5

Juniors« kombiniert Klettersteig, Canyoning, Wildwasserschwimmen und jede Menge

Höhenluft. Neu dabei: der Kletterparcours Steffisalp. Der Murmele-Abenteuerweg

führt vorbei an Balancierbalken, klingenden Kuhglocken und spielerischen Stationen

rund ums Leben der Murmeltiere. www.warth-schroecken.at

Höckerchen gefällig?

Kuscheltier und Kissen in einem: Mit langen Beinen, weichem

Leinen und zotteligen Wollfransen ist das Camel-Kissen von

Ferm Living kuscheliger Reisebegleiter und Lieblingstier im

Kinderzimmer. Die Füllung besteht aus recyceltem Polyester.

55 Euro.

10

reisen EXCLUSIV

sommer 2026


Wal-kommen an Bord

Das Sweatshirt mit niedlichem Walmotiv hält kleine

Weltenbummler an kühleren Tagen angenehm warm.

Von Hessnatur aus weicher Biobaumwolle und r

ecycelten Fasern. Um 40 Euro, www.hessnatur.com

Elf Freunde

sollt ihr sein

Kleine Fußballfans aufgepasst: Jamal Musiala, Florian

Wirtz, Joshua Kimmich und Co. gibt’s jetzt auch fürs

Kinderzimmer: Die neue Playmobil-DFB-Mannschaft

bringt Stadionstimmung nach Hause und macht Lust

auf spontane Wohnzimmerturniere. Pro Figur um

5 Euro, www.playmobil.com

Text: Ulrike Herder; Fotos: PR (6), TVB Warth-Schröcken/Sebastian Stiphout, Anja Müller/Laurence King Verlag

Oh Sohle mio!

Triceratops, Diplodocus und T-Rex spazieren jetzt auch

über Spielplatz und Schulhof: Veja und das Pariser

Naturkundemuseum bringen eine Kinder-Sneaker-Edition

heraus, auf der die Urzeitgiganten im Stil wissenschaftlicher

Illustrationen die Schuhe erobern. »Esplar Leather Veja x

Muséum National d‘Histoire Naturelle Dinosaur«, 100 Euro,

www.veja-store.com

Es hat Klick gemacht

Drei Berliner Freundinnen haben ein

Konstruktionsspielzeug entwickelt,

das eher wie ein Designobjekt

aussieht. Farbige Holzstäbe

verbinden sich per Klick zu Türmen,

Figuren und kleinen Skulpturen –

ganz ohne Bauplan, dafür mit viel

Raum fürs freie Tüfteln. Minu Maju

produziert im Schwarzwald aus

recycelbarem Bioholzkomposit.

Small Pack mit 60 Sticks, 67 Euro,

Big Pack mit 150 Sticks, 110 Euro,

www.minumaju.com

Kacke am Dampfen

Kinder lieben dieses Thema

ohnehin, jetzt gibt es dazu

sogar ein Bingo-Spiel. Beim

»Tierkacke Bingo« lernen

kleine Kacka-Pipi-Liebhaber,

dass manche Hinterlassenschaften

grün sind, andere

glitzern und wieder andere

tatsächlich würfelförmig

daherkommen. Wer zuerst

seine Karte voll hat, ruft

»Bingo!«. Und lernt nebenbei

erstaunlich viel über Tiere

und Verdauung.

Ab 3 Jahren, Laurence

King Verlag, 24 Euro,

www.laurencekingverlag.de

11


esskalation

Zu viele Köche verderben normalerweise den Brei. Nicht in diesem Fall. Im Kochbuch »DNA Ducasse«

öffnet Alain Ducasse die Küchen seiner legendären Häuser: das Louis XV in Monaco, das Plaza Athénée

in Paris und das Dorchester in London – und lässt die Chefs Emmanuel Pilon, Jean-Philippe Blondet und

Amaury Bouhours erzählen. Jeder mit seiner eigenen Handschrift, alle geprägt von derselben Obsession

für Präzision, Produkt und dem fast schon genetischen Drang zur Perfektion. Herausgekommen sind

135 Rezepte. Nachkochen? Nur für sehr Ambitionierte. Aber darum geht es eigentlich gar nicht, allein

das Anschauen der Kreationen ist das Blättern wert. Matthaes Verlag, 536 Seiten, 79,90 Euro

In aller MUNDE

12

reisen EXCLUSIV sommer 2026


Mit Mühle

und Schrot

In der Würze steckt der Stil: Die

Salz- oder Pfeffermühle »Yellow

Multi Bob« von Addison Ross

bringt ordentlich Farbe auf den

Esstisch und wirkt fast wie eine

kleine Skulptur. 75 Euro,

www.addisonross.com

Text: Ulrike Herder; Fotos: PR (7), Salt and Silver (3), Leslie Hosokawa (2), Camila Novoa, Gustavo Vivanco, Privat, Foodstorymedia

Smoking Hot

Message

on a Becher

»You Look Good!« Wer möchte

das nicht gleich morgens als

Erstes hören? Die perfekte Tasse

für Morgenmuffel wie Gute-Laune-Bären.

Porzellantasse von

Chicmic, 380 ml Fassungsvermögen,

spülmaschinenfest und

mikrowellengeeignet – unkomplizierter

geht es nun wirklich nicht.

Um 18 Euro, www.chicmic.de

So lichtet sich der Nebel stilvoll: Die »Icon« von

Falmec ist eine Dunstabzugshaube, die man nicht

verstecken will. Ganz im Gegenteil: Die ultramatte

Glasoberfläche macht sie zum Blickfang in jeder

Küche. Kratzfest, pflegeleicht, individuell in Farbe

und Grafik gestaltbar. Preis auf Anfrage,

www.falmec.com

Alles fit im Schnitt

Manche Messer schneiden gut ab, aber dieses hier sieht auch

scharf auf Fotos aus. Seit fast 100 Jahren fertigt die Manufaktur

Pott in Mettmann Besteck, das viel zu schön ist, um in der

Schublade zu versauern. Ein Pott-Messer durchläuft mehr als

90 Arbeitsschritte. Einfach messerscharf! Pott 35 Tafelmesser,

98 Euro, https://pott-bestecke.de

Very Berryful

Du hast da was unter dem Schuh: Die verspielten Sommerschuhe

von Charles & Keith haben schmale Riemchen, zarte

Schleifen – und einen Erdbeerabsatz. Für beerenstarke Sommeroutfits.

»Sonali Mules«, 75 Euro, www.charleskeith.eu/de

Wurst Case

Scenario

Ganz schön hot: Die Outdoor-

Market-Kollektion von Jasper

Morrison für Hay macht das

Grillen zum mobilen Vergnügen.

Der BBQ (oben) ist ein kompakter

Holzkohlegrill für das schnelle

Grillen unterwegs, ideal für zwei bis

vier Personen. Der Firepit (unten)

besteht aus Feuerschale, Grillrost und

Feuerkorb und kann als Grill sowie

als Feuerstelle genutzt werden. Lagerfeuerromantik

inklusive. BBQ 185 Euro,

Firepit 279 Euro, www.hay.com

13


esskalation

Hoch über dem Heiligen Tal der Inka, auf Augenhöhe

mit Kondoren und Wolken, liegt eines der außergewöhnlichsten

Restaurants Südamerikas. Das MIL

Centro von Starkoch Virgilio Martínez schmiegt sich

an die archäologischen Terrassen von Moray, als

wäre es schon immer Teil dieser Landschaft gewesen.

Das Degustationsmenü ist eine Reise durch die

Höhenlagen der Anden: Alte Kartoffelsorten, fermentierter

Mais, Wildkräuter und Forelle aus Gletscherseen

erzählen auf jedem Teller von Landschaft,

Tradition und Geschichte. Essen als Archäologie:

Martínez gräbt in den Schichten der andinen Küche,

legt Vergessenes frei und bringt alte Zutaten und

Techniken zurück auf den Teller. Guten Appetit – und

tief Luft holen nicht vergessen. www.milcentro.pe

Hochgenuss

14 reisen EXCLUSIV


restaurant tipps

Salt & Silver: Ein guter Fang in SPO

Das »Salt & Silver am Meer« macht nicht nur St.-Peter-Ording-Urlauber glücklich, sondern auch Foodies aus

Hamburg und Berlin, die quasi nur für ein Essen anreisen. Wie unsere stellvertretende Chefredakteurin Jana.

Die Geschichte von »Salt & Silver« begann vor über zehn Jahren

mit einer langen Reise zweier Freunde durch Lateinamerika.

Auf dem Programm standen damals vor allem zwei Dinge:

Surfen und sich durch die lokale Küche probieren. Heute

betreiben Thomas »Cozy« Kosikowski und Johannes »Jo«

Riffelmacher gleich mehrere Restaurants. Zwei in Hamburg.

Eins in St. Peter Ording: Das »Salt & Silver am Meer«.

Das Pfahlbau-Restaurant direkt am Böhler Strand ist in diesem

Jahr bereits in seine fünfte Saison gestartet und hat im

Laufe der Zeit nichts an Qualität eingebüßt. Im Gegenteil. Die

Fischgerichte vom Grill sind auf den Punkt und haben eine angenehm

rauchige Aromatik. Viel Schnickschnack gibt’s nicht.

Dafür knusprige Kartoffeln und Salat als Beilage. Beides aus

der Region. Unser Tipp: der Saibling im Butterfly-Cut mit Salsa

Verde (36 Euro). Und wer lieber Fleisch als Fisch mag, dem sei

das dry-aged Sirloin-Steak vom Galloway-Rind ans Herz gelegt

(14 Euro pro 100 g).

Richtig günstig ist das »Salt & Silver am Meer« nicht, dafür

bekommen Gäste aber auch beste Qualität auf den Teller

und viel Glück ins Herz. Und wir schließen uns dem Motto der

Gründer an: Life is short – make it nice!

www.saltandsilver.de

sommer 2026 15


Städtetipp

LUXEMBURG

Luxemburg? Ja, genau, das unterschätzte Juwel zwischen Belgien, Frankreich und Deutschland, das die meisten

Reisenden auf dem Weg woanders hin links liegen lassen. Ein Fehler! Die Hauptstadt im Dreiländereck hat eine

Altstadt, die verwinkelt, lebendig und überraschend cool ist. Mit einer Energie, die man nicht erwartet, aber sofort

bemerkt. Wer Städte nicht nur abhakt, sondern wirklich aufsaugt, hat hier seinen nächsten Sommerstopp gefunden.

Der schönste Abgrund Europas

Oben Altstadt, unten das Viertel Grund und dazwischen ein Abgrund, der einen kurz innehalten lässt. Bis zu 70 Meter

fällt die Felswand ab, geformt von den Flüssen Alzette und Petruss über Jahrhunderte. Was wie eine geologische

Laune wirkt, ist in Wahrheit das Herzstück der Stadt. Vom zentralen Marktplatz sind es nur wenige Schritte bis zur

Kante, wo die Oberstadt in die Tiefe blickt. Der Festungswall Corniche, von Kennern schönster Balkon Europas genannt,

ist das Panorama-Highlight. Wer in der Dämmerung noch hier oben steht, hat den richtigen Moment erwischt.

Unter Tage

Tiefer in die Geschichte der Stadt einzusteigen,

geht in Luxemburg wortwörtlich.

Die Kasematten, über Jahrhunderte in

den Fels getriebene Befestigungsgänge,

ziehen sich als weitläufiges Tunnelsystem

unter der Oberstadt hindurch, einst

so imposant, dass Luxemburg als eine

der mächtigsten Festungen Europas

galt. Heute gehört das unterirdische

Weltkulturerbe zu den eindrucksvollsten

Stopps der Stadt. Allerdings mit einem

ehrlichen Hinweis: 391 Stufen, enge Gänge

und Wendeltreppen, die aussehen,

als wären sie für besonders schlanke

Menschen mit kleinen Füßen gebaut

worden. Bei Klaustrophobie lieber oben

bleiben. Für alle anderen: unbedingt!

Tickets mit Führung: 20 Euro für Erwachsene,

10 Euro für Kinder bis zwölf.

www.visitluxembourg.com

16 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


Oben angekommen

Auf dem Kirchberg, dem Hügel gegenüber der Altstadt, ticken

die Uhren anders. Das Viertel gehört den europäischen Institutionen,

modernen Bürotürmen, und einem der architektonisch

beeindruckendsten Museen des Kontinents. Das Mudam,

Luxemburgs Museum für zeitgenössische Kunst, ist schon allein

wegen seines Gebäudes einen Besuch wert. Entworfen von

Architekturlegende Ieoh Ming Pei, steht es im Park Dräi Eechelen

auf den Grundmauern des alten Fort Thüngen, Geschichte und

Gegenwart in einem. Kunstfan oder nicht: Hier kommt niemand

gleichgültig raus. www.mudam.com/de

Nicht ohne Grund

Mit dem Panoramaaufzug Pfaffenthal geht es hinunter:

71 Höhenmeter, und plötzlich eine andere Stadt. Das Viertel

Grund liegt direkt unter der Oberstadt und könnte weiter weg

nicht wirken. Schmale Gassen, helle Hausfassaden, historische

Mauern, am Ende der Wege die Abtei Neimënster. Tagsüber

ist es hier so still, dass das Rauschen der Alzette zu hören

ist. Abends dreht sich das Bild: Entlang des Flusses füllen sich

Bars und Restaurants, Luxemburger kommen zum Entspannen

herunter. Ein Viertel, das zwei Gesichter hat, und beide lohnen

sich.

Text: Kirsten Bungart; Fotos: Kirsten Bungart (2), LoKiLeCh/ /wikipedia.de, Cedric Letsch,

Amaury Laparra, AcropolypsePhotography/Shutterstock.com

Dreimal Käse hoch!

250 Käsesorten unter einem Dach, und das ist erst der

Anfang. Die Fromagerie Cave à Vins Kaempff-Kohler in der

Rue du Curé ist eine feste Gourmet-Adresse der Stadt, einst

kleiner Familienbetrieb, heute Pflichtstation für alle, die

Luxemburgs Esskultur wirklich verstehen wollen. Von Boule

au Thym bis Tomme de Chèvre, vom Probierteller bis zum

Raclette an einem der kleinen Tische im Laden. Mittags hier

einzukehren, ist keine schlechte Idee. Es ist die beste.

www.kaempff-kohler.lu/en

Willkommen zu Hause

Tür zu, Welt aus. Die Villa Pétrusse ist keine gewöhnliche

Unterkunft, sie ist ein Zuhause auf Zeit. Das Relais & Châteaux

Hotel aus dem 19. Jahrhundert residiert unter alten Bäumen

direkt am Fluss Petruss, trotzdem mitten im Geschehen.

Baudenkmäler, Museen und Luxusboutiquen liegen nur einen

kurzen Spaziergang entfernt. Im hauseigenen Restaurant Le

Lys präsentiert Sternekoch Kim de Dood moderne Degustationsmenüs

in historischem Ambiente. Die wenigen Tische

sind schnell vergeben, rechtzeitig reservieren lohnt sich.

www.villapetrusse.lu/en

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KOLUMNE | Historische Dönekes

Erfolgreich gescheitert

Unser Redaktionshistoriker Konrad sammelt auf Tour

zwangsläufig allerhand Geschichten. Die lassen sich leider –

Anweisung der Chefredaktion – nicht immer in einer Reportage

unterbringen. Auf dieser hart erkämpften Seite darf er dafür seine

liebsten historischen Anekdoten zum Besten geben. Dönekes halt.

Was gibt’s Altes,

Herr Bender?!

August der Starke

Porzellan-Hingucker

Wir haben doch sicher alle schon mal

im Lebenslauf etwas geflunkert.

Und sei es bei den »verhandlungssicheren«

Englischkenntnissen, die Wsich beim ersten Kontakt mit Muttersprachlern in

Luft aufgelöst haben. Was sich der angehende Alchemist

Johann Friedrich Böttger Anfang des 18.

Jahrhunderts allerdings geleistet hat, ist eine andere

Hausnummer.

Böttger vollbrachte nämlich im Oktober 1701

als Geselle in einer Berliner Apotheke das Kunststück,

Silber zu Gold umzuwandeln. Zumindest

konnte er einige Zuschauer nachhaltig davon überzeugen.

Die Kunde verbreitete sich rasch in der

preußischen Hauptstadt, sogar bis ins königliche

Ohr von Friedrich I. – der ließ Böttger vorladen,

denn wer hätte nicht gerne einen Goldmacher im

Hofstaat?

Böttger allerdings türmte über die Landesgren-

ze in Richtung Sachsen. Wohl um nicht als Schar-

latan aufzufliegen. Der sächsische Kurfürst August

der Starke hatte allerdings auch schon von Böttgers

Wundertaten gehört und setzte den flüchtigen

Alchemisten kurzerhand fest. Im Austausch

für seinen »Schutz« musste Böttger sich ten, dem Kurfürsten erhebliche Mengen Gold zu

produzieren. Verdammt zum Erfolg sozusagen.

Gemeinsam mit dem Hofgelehrten Ehrenfried

verpflich-

Walther von Tschirnhaus machte Böttger sich ans

Werk. Aus lokalen Tonerden wurden Schmelztiegel

für hohe Temperaturen gefertigt. Und im Rahmen

dessen entstand im Januar 1708 ein ganz

anderes Produkt: Porzellan. Das kannten die Europäer

die längste Zeit nur als Importware aus China.

Ein teures Vergnügen. Zahlreiche Alchemisten

forschten bereits seit Jahrzehnten an der Herstellung,

um den teuren Handelsweg überflüssig zu

machen. So auch Tschirnhaus. Und nun war es

ihm gemeinsam mit Böttger gelungen.

Der Kurfürst sah die Gelegenheit. 1710 bewilligte

er die Gründung einer Manufaktur in der Albrechtsburg

zu Meißen. Die beiden Erfinder haben

vom Ruhm allerdings kaum noch etwas mitbekommen.

Tschirnhaus starb bereits 1708, kurz nach

dem Forschungsdurchbruch. Böttger wurde zwar

1714 aus seiner Gefangenschaft entlassen, 1719

starb er aber mit nur 37 Jahren. Vermutlich verursacht

durch den Kontakt mit Quarzstaub und

Quecksilber. Gold hatte er, zur Enttäuschung des

Kurfürsten, bis zuletzt keines hergestellt. Das Porzellan

aber blieb. Bis heute.

Eine Schauwerkstatt in Meißen gewährt

heute Einblick in die Porzellanproduktion, im

angegliederten Museum sind Stücke aus

300 Jahren Herstellungsgeschichte ausgestellt.

www.erlebniswelt-meissen.com

Ebenfalls empfehlenswert: Noch bis zum

20. Dezember 2026 läuft im Museum Schloss

Fürstenberg in Niedersachsen die Ausstellung

»Der edle Akt. Porzellan und Erotik«.

www.fuerstenberg-schloss.com

Text: Konrad Bender; Fotos: Louis de Silvestre/Nationalmuseum Stockholm/wikipedia.de, Makasana Photo/Shutterstock.com, C. Warneke, Illustration: Anastasiia Yurevych/Shutterstock.com

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VORFREUDE

Alles ist gut, solange du wild bist. Und auch,

wenn uns NRW manchmal reichlich verbaut

vorkommt, verbergen sich im Westen doch noch

zahlreiche Landschaften und Orte, an denen

Wildtiere das letzte Wort haben.

FREIHEIT AUF VIER HUFEN

Ab ins Münsterland (es ist aber auch schön da!): Denn westlich von Dülmen grast jahrein, jahraus

die letzte Wildpferdeherde Deutschlands. Rund 400 freiheitsliebende Wildpferde streifen hier völlig

ungestört durch den Merfelder Bruch und sorgen einfach nur durch ihre Anwesenheit für ein echtes

Wildwest-Feeling. Einmal im Jahr greift dann aber doch mal der Mensch ein: Am letzten Samstag

im Mai müssen die einjährigen Hengste von der Herde getrennt werden. Sonst wird es sogar für die

Dülmener Wildpferde zu wild. auf.reise/wildpferde

Texte: Konrad Bender; Foto: Leo Thomas/Tourismus NRW e.V.

sommer 2026

reisen EXCLUSIV

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Nanu, was machen die denn hier? Tatsächlich, im Natur- und Vogelschutzgebiet Zwillbrocker Venn,

mitten im beschaulichen Münsterland, brüten bereits seit den 1980er-Jahren Rosaflamingos.

Und gar nicht so wenige: 2025 wurden fast 100 der farbenfrohen Tiere gezählt. Damit ist der

Zwillbrocker Venn das nördlichste Brutgebiet für Flamingos weltweit! Kein Wunder, dass zahlreiche

Besucher vorbeischauen. Die kommen vor allem mit dem Fahrrad. Der mehr als 450 Kilometer

lange Fernradweg »Flamingoroute« führt nämlich direkt an den Flamingos vorbei. In der Regel sind

die Vögel von März bis Juli oder, bei Bruterfolg, manchmal auch bis in den September anzutreffen.

Im Winter fliegen sie dann ins südliche Holland. Ob da das Wetter wirklich besser ist?

www.bszwillbrock.de

20

reisen EXCLUSIV sommer 2026


Vorfreude | MÜNSTERLAND

DER

FLAMINGO-

Foto: Gerard Manders/Shutterstock.com

EFFEKT

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NATIONALPARK EIFEL | Vorfreude

Wohl an wenigen Orten in NRW ist man so weit weg von anderen Menschen wie im Nationalpark Eifel. Wer sich die

volle Packung geben will (oder einfach mal eine Pause von anderen Leuten braucht), macht sich auf den knapp 85 Kilometer

langen Wildnis-Trail einmal quer durch den Naturpark. Die vier Tagesetappen führen durch die unterschiedlichen

Naturräume des Parks, mal durch dichte Buchenwälder, mal durch wilde Bachtäler und mal über weitläufige Hochflächen.

Zwischendurch taucht immer wieder das Wasser der Rurtalsperren auf: bei Einruhr und rund um den Rursee läuft der

Weg nah an den Ufern vorbei und eröffnet weite Blicke über die Stauseen. Hauptsache, keine anderen Menschen,

dafür aber viele Wildtiere, von der Sumpfspitzmaus bis zum Rothirsch. www.nationalpark-eifel.de

Foto: Dominik Ketz/Tourismus NRW e.V.

22 reisen EXCLUSIV


hikea

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sommer 2026

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AUTOR:INNEN

Peter Pfänder

Andreas Dauerer

Harald Braun

Jana Freiberger

Konrad Bender

Peter füttert sein

Fernweh, seit er 15 ist.

Zunächst mit Radtouren

über die Alpen und

ums Mittelmeer sowie

Desert Rides durch

Ägypten, Libyen, Syrien

und Jemen. Beim ersten

Besuch Japans hat er

sich blitzverliebt. Seitdem

zog es ihn über 15-mal

zurück. Vorzugsweise

in Regionen jenseits der

touristischen Rennmeile

Tokio–Kyoto–Osaka–

Hiroshima.

»Temple Stays und Pilgern

sind ein wunderbarer Weg,

sich dem spirituellen

Genius des Lands und den

Wurzeln von Japans Kultur

aktiv, mit allen Sinnen

und hautnah zu nähern.

Unbedingt ergänzen durch

Einblicke in den Shintoismus,

der das Göttliche

(Kami) in der Natur, in

Felsen, Bäumen, Quellen

sieht und verehrt.«

Instagram @peter.pfaender

Für Andreas ist der Weg

das Ziel. So kann er fast

beiläufig ins fremde

Leben eintauchen, wo

andere noch ganz aktiv

danach suchen. Dabei ist

es ihm egal, ob Straße,

Schiene oder Luft, mit

oder ohne Motor – Hauptsache,

unterwegs, am

liebsten weit hinter dem

Horizont. Marokko im

Zug war da eine Reise wie

gemacht für ihn.

»Dass Marokko nur durch

die Meerenge Gibraltars

von Europa getrennt ist,

merkt man auf Schritt

und Tritt. Die Kultur mit

ihren französischen und

portugiesischen Einschlägen,

dazu eine herrliche

Küche – und dann noch

die massive Investition ins

Hochgeschwindigkeitsnetz.

Casablanca, Rabat

oder Tanger: alles quasi

auf dem Silbertablett

serviert. Ohne Tajine. Die

gibt’s später.«

Instagram @andreasdauerer

Gerade in Zeiten wie

diesen findet Harald es

tröstlich, eine Stadt wie

Wien zu besuchen. Die

österreichische Hauptstadt

hat es ihm angetan

mit ihrer eigentümlichen

Mischung aus

Melancholie und Lässigkeit:

Zwischen Wiener

Sängerknaben und

der Bar Grelle Forelle,

zwischen spöttischem

Schmäh und formvollendeter

Etikette, die selbst

in der heruntergekommensten

Spelunke noch

irgendwie Würde wahrt.

»Es ist, wie Gustav Mahler

schon sagte: Wenn die

Welt einmal untergeht,

ziehe ich nach Wien –

dort passiert alles fünfzig

Jahre später.«

Instagram @reisen_exclusiv

Jana liebt Abenteuer. Eine

Nacht in einem einfachen

Zelt mitten in der Serengeti

in Tansania ist genau

ihr Ding – auch wenn die

Löwen in der Nähe des

Camps sie ehrlicherweise

etwas unruhig schlafen

ließen. Deutlich ruhiger

waren die Nächte in der

Sonnenalp im Allgäu. Und

Hand aufs Herz: Hin und

wieder hat unsere stellvertretende

Chefredakteurin

auch nichts gegen

etwas mehr Komfort

einzuwenden.

»Ich weiß noch genau, wie

es sich anfühlte, als ich

mit 19 Jahren zum ersten

Mal auf einem Game Drive

im Kruger Nationalpark

war. Ich wusste nicht,

wohin mit all den neuen

Eindrücken, Gerüchen und

dem Feuerwerk an Glücksgefühlen.

Und dieser Mix

aus Demut und Freude

kam sofort zurück, als ich

dieses Mal in Tansania

wieder auf einen Sitz im

Land Cruiser kletterte.«

Instagram @stil_ohne_ziel

Meistens ist Konrad in

Europa auf Reisen. Wenn

es dann doch einmal

darüber hinausgeht, ist

die Aufregung groß. Wie

gut, dass Singapur so

eine grüne Stadt ist. Das

beruhigt die flatternden

Nerven fernab der

Heimat.

»Singapur erstaunt mich.

Klar, Singapore Sling, die

Aussicht auf die Marina

Bay, alles schön und

gut. Doch am meisten

beeindruckt mich, dass im

am dichtesten besiedelten

Stadtstaat der Welt noch

so viel Raum für Pflanzen

ist. Da wird mein Daumen

nur durch den Aufenthalt

schon etwas grüner.«

Instagram

@wiederroboterausfuturama

Fotos: privat; Illustration: rangsan paidaen/shutterstock

24 sommer 2026


FERNWEH

STERNSTUNDE

Mitten in der Nacht aufwachen, über sich nichts

als Sternenhimmel und ringsum die Geräusche der

Wildnis. Was nach Abenteuercamping klingt, gehört

bei Wilderness längst zum festen Programm:

Die »Star Bed Experiences« verlegen das Schlafzimmer

unter freien Himmel – mitten in die Savanne

Simbabwes, in die Namib-Wüste Namibias, an

den Lake Kivu in Ruanda oder tief in die Wildnis

Botswanas. Geschlafen wird erstaunlich komfortabel,

nur eben ohne Dach über dem Kopf.

www.wildernessdestinations.com

BETTHUPFERL

Von der Strandbar in Bali bis zum

Rooftop-Dinner in Marrakesch:

Das Baumwollset von Sandro reist

erstaunlich mühelos durch den Sommer.

Shorts und Hemdbluse mit feiner Perlenborte

wirken tagsüber entspannt und

abends plötzlich ziemlich elegant. Shorts

165 €, Hemdbluse 195 €,

https://de.sandro-paris.com

Fotos: PR (2), Teagan Cunniffe/Wilderness, Beto Santillan/Shutterstock.com, Nowaczyk/Shutterstock.com

FLUSSSAFARI

Das Pacaya-Samiria National Reserve im

Amazonasgebiet ist mit über zwei Millionen

Hektar das größte Nationalreservat und

eines der größten Schutzgebiete Perus:

ein Mosaik aus überfluteten Wäldern,

schwarzen Lagunen und mäandernden

Wasserläufen. Erkunden lässt sich die

Region fast nur per Boot. Unterwegs

tauchen rosa Flussdelfine, Faultiere

und mit Glück sogar ein Jaguar auf.

Bemerkenswert ist nicht nur die Wildnis

selbst, sondern auch die Art, wie

sie geschützt wird: Der Tourismus

liegt weitgehend in den Händen lokaler

Gemeinden. www.peru.travel

sommer 2026

25


V on

TierEn

uNd

T EstosTeron

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Fernweh | TANSANIA

text

Jana Freiberger

IN DER SERENGETI IN

TANSANIA ZIEHT ALLES FORT:

GNUS UND ZEBRAS IN GEWALTIGEN

HERDEN DEM WASSER NACH, DIE

TOURISTEN IN MOBILEN ZELTCAMPS

HINTERHER – UND DIE HORMONE,

NATURGEMÄSS, EBENSO.

sommer 2026

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eEin lautes Knacken reißt mich aus dem Mittagsschlaf. Jemand

ruft meinen Namen. Ich bin sofort hellwach, öffne den Reißverschluss

meines Zelts und klettere, noch etwas wackelig

auf den Beinen und mit Sandalen an den Füßen, ins Freie.

Dort wartet Jean – stämmige Erscheinung, sonnengebräunte

Haut, olivgrüne Kleidung, Safarihut – und zeigt auf etwas

Graues in der Ferne (und schaut amüsiert auf meine Schläppchen).

Als sich meine verschlafenen Augen an das grelle Sonnenlicht

gewöhnt haben, erkenne ich, was es ist. Ein Elefant!

Nein, eine ganze Herde! Nur etwa 100 Meter von uns entfernt.

Gefesselt beobachte ich die Tiere. Dann klingelt ein

Handy. Mein Wecker. Ich spüre den vorwurfsvollen Blick der

Elis, wie man hier sagt, und verschwinde schnell in meinem

Zelt, um den Alarm auszuschalten.

Das ist doch mal ein Lunch-Spot!

Dagegen kann jeder hippe Laden

in Berlin einpacken.

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sommer 2026


Fernweh | TANSANIA

Kilimandscharo

Flughafen

Wayo Walking Camp

(Serengeti)

Wilderness Usawa

Serengeti

Wayo Manyara

Green Camp

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TANSANIA | Fernweh

In Tansania gibt es etwa

60.000 wild lebende

Elefanten. Die Chance,

dass der ein oder andere

im Camp vorbeischaut,

ist groß.

Für mich ist der Elefantenbesuch im Wayo Walking Camp

im Serengeti-Nationalpark ein besonderes Ereignis. Für Jean

du Plessis, den Geschäftsführer von Wilderness Tanzania

und Gründer des Safarianbieters Wayo Africa, sind solche

Tierbegegnungen Alltag. Der 51-Jährige, der als junger

Mann als Leutnant bei der südafrikanischen Armee gedient

hat, lebt seit 1996 in Tansania und unterstützte zunächst

im Auftrag der tansanischen Regierung den Kampf gegen

Wilderer. Nach drei Jahren im Land gründete er sein erstes

Walking Camp und führt seitdem Touristen zu Fuß durch

die Savanne. Und so stehe ich Jean kurz nach der Elefantensichtung

wieder gegenüber. Ich dieses Mal in Wanderschuhen.

Er mit gefülltem Patronengürtel und Gewehr

über der Schulter.

»Whatever happens, don’t run!« Nicht rennen! Klingt

logisch, ist aber alles andere als einfach, wenn deine Urinstinkte

bei einer Begegnung mit einem großen Kätzchen

etwa genau das Gegenteil – »Run!« – schreien. Aber okay, ist

abgespeichert. »Klick, klack.« Jean lädt sein Gewehr. Dann

stiefeln wir los auf Walking Safari. Ohne Schutz durch eine

Autokarosserie. Aber voller Vertrauen in die Schießkünste

des Ex-Soldaten.

Jean führt den Gänsemarsch an, hinter ihm läuft der

ebenfalls bewaffnete Chrisple, unser Guide auf einem

Großteil der Reise. Dann folgt der fünfköpfige, schutzbedürftige

Trupp aus Europäern. Den Schluss bildet eine uns

bislang unbekannte Rangerin. Ja, es gibt in Tansania auch

Frauen, die diesen Beruf ausüben. Aber noch seien es nur

sehr wenige, berichtet Jean. Safari ist (derzeit noch) eine

Männerdomäne.

Fast vier Stunden sind wir unterwegs. Und zunächst

scheint es, als hätten sich alle Tiere vorzeitig der sogenannten

Big Migration angeschlossen. Eine der weltweit größten,

jährlichen Tierwanderungen zwischen der Serengeti in

Tansania und der Masai Mara in Kenia. Mehr als eine Million

Gnus und Hunderttausende Zebras sind dabei auf der

ständigen Suche nach frischem Gras und Wasser.

Gedankenverloren wandern wir also durch die ausgestorbene

Steppe, als plötzlich jemand ruft: »Da! Hinter dem

Busch!« Ein Büffelkalb streckt uns verängstigt sein Köpfchen

entgegen. Vom Rest der Herde keine Spur. »Wahrscheinlich

hat es bei einem Raubtierangriff den Anschluss verloren«,

flüstert mir Chrisple ins Ohr. Kurz darauf gehen wir weiter,

wollen nicht weiter stören und erst recht nicht den Zorn

der Mutter auf uns ziehen, sollte sie doch in der Nähe sein.

Ab jetzt läuft’s mit der Tiersichtung. Mit etwas mehr

Abstand treffen wir auf Giraffen und ausgewachsene Büffel

(ich bin froh über den Abstand). Den beiden Nilpferden

kommen wir für meinen Geschmack dann fast ein bisschen

zu nahe; und genau das melden uns die grauen Kolosse auch

zurück, indem sie durch ihre riesigen Nasenlöcher kräftige

Wasserfontänen in die Luft spritzen. Löwen sehen wir

während der Wanderung nicht, dafür klingt ihr tiefes Stöhnen,

das ich nachts von meinem Zelt aus höre, bedrohlich

nahe. Mein einziger Schutz: ein dünnes Moskitonetz. Ich

lege die Wärmflasche, die mir die Crew vorm Schlafengehen

dankenswerterweise unter die Decke gelegt hat, auf

mein Gesicht. So war das sicher nicht gedacht, aber zumindest

sehe ich es so nicht, sollte einer der Löwen auf meinem

Vorplatz übernachten.

Als ich die Augen am nächsten Tag öffne, zucke ich kurz

zusammen. Da ist tatsächlich eine Katze vor meinem Eingang.

Aber eine kleine. Eine Genetta, eine kleine Ginsterkatze.

Als sich unsere Blicke treffen, ergreift das süße Tier

mit dem langen, gemusterten Schwanz die Flucht.

Anders gestaltet sich die Situation, als wir, jetzt sicher

im Land Cruiser sitzend, weiter nördlich in der Serengeti

wieder auf Katzen stoßen. Dieses Mal sind’s die großen.

Zwei Weibchen, ein Männchen. Und die scheinen keine

Sekunde an Flucht zu denken. Sie sind sogar so entspannt,

dass sich die beiden Löwinnen in unserer Anwesenheit im

Wechsel begatten lassen. Ich schrieb ja bereits, Safari, eine

Männerdomäne und so.

In diesem Teil der Serengeti werden wir dann tatsächlich

Zeuge der Big Migration. Wir sind schon eine Weile

durch das »endlose Land« (so nennen die Massai die Serengeti)

geheizt, als am Horizont die Silhouetten Tausender

Tiere zu erkennen sind. Eine scheinbar unendlich große

Gruppe Zebras zieht gerade entlang, zeitweise zwei

geteilt durch einen kleinen Fluss, den die Tiere nach und

nach und mit größter Vorsicht durchqueren. Denn Wasser

bedeutet nicht nur Leben, sondern auch große Gefahr

durch Raubtiere, die den Herden folgen. In der Hoffnung

auf ein Festmahl.

30 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


»Whatever

happens,

don’t run!«

Wichtig auf Safari: Fernglas nicht

vergessen. Sonst wirkt die Wanderung

der Gnus und Zebras einfach nur wie ein

schwarz-weißes Wimmelbild.

reisen EXCLUSIV

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TANSANIA | Fernweh

Safari

ist (noch) eine

MÄnnerdomÄne

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Im Luxuscamp Wilderness Usawa Serengeti fehlt es Gästen an

nichts. Auch romantische Stimmung am Lagerfeuer ist inklusive.

Glamping hat auch seine guten Seiten. Polarlichter

beispielsweise. Das ist garantiert besser als TV.

sommer 2026

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TANSANIA | Fernweh

Ein reich gedeckter Tisch erwartet auch uns, als wir teils

triefend nass das Luxuscamp Wilderness Usawa Serengeti

erreichen. Noch ist zwar keine Regenzeit, in Tansania ist

gerade Sommer, trotzdem hat uns ein ordentlicher Schauer

erwischt. Das gut geschulte Team ist vorbereitet, geleitet

uns mit großen Schirmen vom Auto zum Hauptzelt – und

füllt vor dem Drei-Gänge-Menü die Tanks für unsere Duschen

mit heißem Wasser. Denn einfach den Wasserhahn

aufdrehen geht hier nicht. Das Usawa ist eine mobile Unterkunft:

Die Zelte werden dort aufgeschlagen, wo die großen

Herden gerade wandern. Für das Wayo Walking Camp

gilt das Gleiche.

Von Wasserleitungen abgesehen mangelt es im Camp

wahrlich nicht an Luxus. Beim bereits angekündigten Dinner

erklärt der Koch persönlich vor jedem Gang, was genau

sich auf den Tellern befindet. Jedes der riesigen Zelte hat

ein eigenes Bad, ein Kingsize-Bett und eine bestuhlte Terrasse

mit Blick auf die weite Graslandschaft. Im Hauptzelt

wartet eine gut gefüllte Bar. Und wer in romantischer Stimmung

ist, kann am Abend am Lagerfeuer Platz nehmen, in

der Hand einen Gin Tonic, und dabei den klaren Sternenhimmel

betrachten.

In puncto Romantik legt das Wayo Manyara Green Camp

noch eine Schippe drauf. Zwischen der Serengeti und dem

internationalen Flughafen Kilimandscharo gelegen, ist es der

ideale Start- oder Endpunkt einer Safarireise. Gespeist

wird hier im Green Camp direkt am Wasser, unterhalb des

Endabash-Wasserfalls. Um den Sonnenuntergang sehen zu

können, klettern wir vor dem Abendessen barfuß die gegenüberliegende

Felswand empor. Und stehen dann in stiller

Demut – und froh, dass wir den doch sehr glitschigen Aufstieg

überlebt haben – auf einer flachen Stelle in einigen Metern

Höhe, während die letzten Sonnenstrahlen den Fluss

zum Glitzern bringen. Als wir nach einer Stunde wieder auf

sicherem Boden stehen, prasselt auch hier ein Lagerfeuer.

Einige Stunden später liege ich mit vollem Bauch in meinem

Bett und habe gerade meine Nachtlampe ausgeknipst,

da fällt mir plötzlich wieder ein, dass dieses Zelt ein besonderes

Feature hat. Meine Hand tastet im Dunkeln nach

der kleinen schwarzen Fernbedienung, ich drücke einen

der Knöpfe, dann ist ein summendes Geräusch zu hören

und schon fährt das Dach meines hölzernen Zelts vollautomatisch

zurück. Der Sternenhimmel und ich sind jetzt nur

durch ein Moskitonetz voneinander getrennt.

Am nächsten Morgen wache ich wieder auf, weil jemand

meinen Namen ruft. Der Weckservice reicht mir ein Tablett

mit Keksen und frisch gebrühtem Kaffee in mein Zelt.

Hach, vielleicht wird es Zeit für eine weitere Rangerin in

Tansania.

Fotos: Jana Freiberger (5), Wilderness (5), Malicky S. Boaz/Wilderness (4), Wayo Manyara Green Camp

Adrenalin pur: Jean du Plessis (auch unten) und Chrisple Sikawa

führen Gäste zu Fuß durch die Serengeti.

Illustration: Peter Hermes Furian/Shutterstock.com

34 reisen EXCLUSIV

frühling 2026


Shadow

hunter!

Huch, da strahlt aber jemand! Unsere stellvertretende

Chefredakteurin ist in der Wildnis ganz in ihrem Element.

Friedlich sieht es aus, wie die Elefantenherde durch die Landschaft wandert.

Zu nah sollte man den Tieren aber besser nicht kommen!

INFO

AIRLINE Discover Airlines bietet mindestens bis Oktober je Dienstag und

Samstag einen Flug von Frankfurt nach Kilimandscharo an, mit Zwischenstopp

in Mombasa.

WÄHRUNG Die Währung ist der Tansania-Schilling. Touristen sollten aber

am besten mit einem Bündel US-Dollar anreisen.

SPRACHE Die Amtssprachen in Tansania sind Swahili und Englisch.

REISEVERANSTALTER Der Premiumveranstalter Windrose, der sich

eher als Reisemanufaktur versteht und auf diesem Feld Marktführer in

Deutschland ist, bietet maßgeschneiderte Reisen in die Serengeti wie die

beschriebene an. Hier starten die Preise für eine zehntägige Reise inkl.

Business-Class-Flug bei 14.790 Euro pro Person. Das Arrangement kann

ganz nach den Wünschen der Kunden individualisiert, ergänzt und variiert

werden. Informationen unter www.windrose.de oder telefonisch unter

030 2 01 72 10. Informationen über die Camps, Touren und Arrangements

unter www.wildernessdestinations.com und https://wayoafrica.com

sommer 2026

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What to bring for a

afari

Besondere Reisen verlangen nach besonderem

Gepäck. Und kaum ein Urlaub stellt die Packliste so

auf die Probe wie eine Safari: morgens überraschend

kühl, tagsüber staubig und heiß, abends irgendwo

zwischen Lagerfeuerromantik und Mückenschutzmission.

Wir haben Dinge gesammelt, die unterwegs wirklich nützlich

sind – und dabei auch noch gut aussehen.

Text: Ulrike Herder; Fotos: PR (8), Swarovski Optik (2)

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reisen EXCLUSIV


Leuchtet ein

Erwischt!

Nächtliche Wege wirken grundsätzlich

abenteuerlich. Umso praktischer ist diese kleine,

tierisch gute Taschenlampe »Hund« von Winkee.

Wiederaufladbares LED-Licht, genug

Akkulaufzeit für lange Safari-Nächte.

Um 20 Euro.

Das »CL Companion 8x30« von

Swarovski Optik wiegt gerade einmal

550 Gramm und lässt die Savanne auf

einmal überraschend nah wirken,

inklusive jener Momente, in denen

eine ganze Elefantenfamilie aus

dem Gebüsch auftaucht. In »Desert

Orange«, 1.290 Euro.

Roll on Sun

LIFESTYLE

Der »Sun Stick SPF 30« von Mon Courage

lässt sich schnell auftragen und hinterlässt

weder weiße Spuren noch

klebrige Hände. 30 g,

21 Euro. Ein Must-have!

Schattenmanagement

Pirsch Perfect

Locker vom Hockerstoff

Unverzichtbar im offenen Jeep ist ein Hut.

Schön, wenn er zusätzlich noch stylish

aussieht. Buckethat »Asonni« von Opus

aus robustem Canvas, um 26 Euro.

Layer Player

Eleganz und Reisekomfort sind längst

keine Gegensätze mehr. Beweis:

Die »Pantalon Jackie Off White« von

Gabrielle Le Voyage. Bequem auf

Löwen-Suchfahrten und elegant genug

für ein Lodge-Dinner. 90 Euro.

Funktional muss nicht zwingend nach

Trekkingurlaub aussehen: Die Langarmbluse

»Flanko Resort« von Opus mit lockerem

Schnitt, feinen Streifen und Naturtönen

passt super in die Savanne. Und schützt

vor Sonne und Wind. Um 70 Euro.

Feder im Fokus

Tücke mit der Mücke

Die »Acker Rock 3-in-1 Jacke« von

Columbia kombiniert eine leichte Außenjacke

mit herausnehmbarer Weste und reagiert

damit ziemlich souverän und stylish auf

Temperaturschwankungen. 180 Euro.

Ohne Mückenschutz geht’s nicht! Das

Kleidungsspray von Nobite imprägniert

Hemden, Hosen oder Socken schon vor

der Reise und hält Mücken fern und verringert

so das Malaria-Risiko. 200 ml, um 28 Euro.

Die »SL3 Reporter« von Leica mit

olivgrünem Aramid-Gehäuse steckt Staub

und Hitze erstaunlich gelassen weg,

während der 60-Megapixel-Sensor selbst

weit entfernte Wildtiere detailverliebt

festhält. Ab 7.200 Euro für das Gehäuse,

Telezoom »Apo-Vario-Elmarit-SL 1:2,8–4/

90–280« um 7.200 Euro.

sommer 2026

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JAPAN | Fernweh

UNTERWEGS

ZUM

ICH

N

38 sommer 2026


text

Peter Pfänder

Spirituelles Wandern statt der neongrellen Hektik in Tokio und Osaka?

Auch das kann Japan. Wer zu Fuß unterwegs ist, findet ein anderes Land:

Pilgerwege, die zwischen 24 und 1.200 Kilometer lang sind, gesäumt von fast

500 Tempeln, die Wanderer aufnehmen und verpflegen. Eine Reise durch

diese Welt lässt sich freilich nur in Etappenunternehmen, denn wer den

längsten Weg komplett abläuft, ist zwei Monate unterwegs.

Step by step: ein Yamabushi-Bergmönch

auf dem Yudonosan, der letzten und bedeutsamsten

Station der drei heiligen Berge Dewa

Sanzan. Hier findet die Pilgerreise durch Tod

und Wiedergeburt ihren Abschluss.

39


JAPAN | Fernweh

D

Die kalte, stürmische Nacht am Berg Sakureisan endet um halb sechs.

Der Duft von Räucherstäbchen zieht durch den Schlaftrakt des Tempels

Senyu-ji auf der Insel Shikoku. Zeit für Otsutome, die allmorgendliche

Sutra-Rezitation der Priester.

Das vorabendliche Bad im Thermalwasser des Tempel-Onsen konnte

es nicht verhindern: Alles ist nach der Nacht auf der dünnen Matratze

eingeschlafen, der Rücken ist total verkrampft, die Hüfte taub, die Schultern

lahm. Da hilft nur Yoga. Also den Futon beiseitegeräumt für Paschimottanasana,

Chakravakasana und Adho Mukha Svanasana, den Hund,

der nach unten schaut. So komme ich halbwegs auf die Beine und schlurfe

in den viel zu kleinen Plastikpantoffeln zum Hondo, dem Gebetsraum

des Tempels. Die anderen Gäste laufen auch alle etwas steif ein.

Zum Glück müssen wir unsere Beine nicht zum Lotussitz verknoten.

Auf niedrigen Stühlen verfolgen wir die Zeremonie. Harmonischer

Singsang, Dröhnen einer gigantischen Klangschale. Der Priester reicht

ein rotes Büchlein und ermuntert uns, mitzusingen. Davor opfern wir

etwas Räucherpulver, gehen in die Knie, falten die Hände und verbeugen

uns. Aber: Ist das nicht schon kulturelle Aneignung? Nein, keinesfalls,

versichert mir der Priester im Anschluss. Japaner schätzen es vielmehr,

wenn Ausländer respektvoll mitmachen.

Ein Gasradiator faucht vor uns. Das erste Mal seit dem Bad im Onsen

friere ich nicht. Die Luft ist schwer vom Qualm der Räucherstäbchen,

kratzt im Hals. Jetzt nur nicht in den Gesang husten! Zum Abschluss

gibt es eine moralische Unterweisung und die Aufforderung zum nachhaltigen

Lebenswandel.

Kurz danach sitze ich, nicht erleuchtet, sondern etwas ratlos, vor

dem Frühstück: Das wird in einer Einweg-Bentobox aus dickem Plastik

serviert. Dazu schlürfe ich Do-it-yourself-Instant-Misosuppe aus der

Plastiktube. Zum Glück ist der Grüntee heiß und stark. Und kommt

nicht aus Beuteln.

40 reisen EXCLUSIV


Die doppelköpfige

Hemlout-Maske der Sulka

muss von mehreren Männern

getragen werden.

Strohhut auf, Sandalen an, und los geht’s.

Pilgern auf dem Kumano Kodo verlangt Hingabe

von Kopf bis Fuß. Das Gehen in den traditionellen

Sandalen braucht Leidensfähigkeit.

herbst sommer 2025 2026

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41


Im Pilgertempel

Rengejo-in schläft

es sich bodenständig.

Die Nacht auf

der Tatami-Matte

ist gewöhnungsbedürftig,

das

buddhistische Shojin-Ryori-Frühstück

am Morgen jede

Mühe wert.

Ohne Fleiß kein Preis: Die »Killer-Etappe« auf dem Pilgerweg Shikoku

Henro bringt selbst gut gelaunte Wanderer an ihre Grenzen, andernorts

beeindruckt auf dem heiligen Berg Koyasan die Konpon Daito,

eine der bedeutendsten Pagoden Japans.

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AUF DEM WEG DER 88 TEMPEL

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ÜBERNACHTEN IM TEMPEL

Fernweh | JAPAN

Der Shukubo-Tempel Senyu-ji, der mich rückenlahm futonierte,

ist die Nummer 58 des Pilgerwegs. Er geht auf

das Jahr 670 zurück und fiel 1947 einem verheerenden

Waldbrand zum Opfer. Nur die Statue des Mönchs Kūkai

(Begründer des japanischen Shingon-Buddhismus) und die

über 1.350 Jahre alte Statue des vielarmigen Kannon blieben

verschont.

Ausdauernde spirituelle Wanderer lieben den Pilgerweg

Shikoku Henro mit seinen 88 Tempeln und 1.200 Kilometern

Gesamtlänge auf der Insel Shikoku. Nur noch etwa

100 Kilometer der Strecke sind ungeteert. Eine dieser Etappen

will ich begehen. Die Wahl fällt auf das historisch so

bedeutende wie topografisch hinterhältige Stück zwischen

der Schutzhütte Yunami und dem Tempel Yokomine-ji,

dem am zweithöchsten gelegenen Tempel der Insel.

DIE »PILGER-KILLER«-ETAPPE

Mit über 510 Metern Anstieg auf steilen zweieinhalb Kilometern

gehört der Tempel Yokomine-ji zu den sogenannten

Nansho, den schwerer zu erreichenden Pilgerorten. Die Japaner,

die ich auf dem Weg treffe, rühmen diesen Abschnitt

als »henro korogashi« – frei übersetzt »Pilger-Killer«.

Das lässt den drahtigen alten Mann, der sich kurz mit

uns unterhält und dann über schiefe, bemooste Trittsteine

und Wurzeln den steilen Berg hochschießt, als sei der

Leibhaftige hinter ihm her, absolut kalt. Keuchend, mit

Schweiß in den Augen, blicke ich ihm ungläubig hinterher.

Etwa alle 100 Meter zeigen kleine steinerne Choishi-

Stelen die Entfernung zum Yokomine-ji an, dem Tempel

Nummer 60 des Pilgerwegs. Oft legen die Pilger an den

Choishi-Steinen Yen-Münzen, Figuren oder Steine ab. Dieses

Stück Pilgerweg spielt auch für die Anhänger des Shugendo

seit über 1.335 Jahren eine wichtige Rolle und markiert

den dritthöchsten Tempel des Shikoku Henro. Shugendo

wird oft als »Bergreligion« bezeichnet. De facto ist es eine

synkretistische Mischung aus Buddhismus, Shintoismus

und Daoismus.

Shukubo nennen Japaner die Tempelübernachtungen für

Pilger. Die Zimmer sind eher spartanisch, aber oft wartet

ein tempeleigener Onsen. Ab 35 bis 50 Euro inklusive

Abendessen und Frühstück gibt es Futons in kleinen, zugigen

Zimmern mit Tatami-Matten, einen Heizlüfter für die

kalte Jahreszeit sowie blitzsaubere Gemeinschaftsbäder

und -toiletten.

Wichtig bei Tempelübernachtungen ist der japanische

Pantoffel-Knigge. Die häufig blauen Toilettenpantoffel zieht

man beim Verlassen des WC-Bereichs und vor dem Betreten

des Gangs nicht einfach aus. Man dreht sie so hin, dass

der nächste Gast einfach hineinschlüpfen kann: mit dem

Absatz zur Türschwelle. Wer in Toilettenpantoffeln den WC-

Bereich verlässt oder damit gar in den Speisesaal marschiert,

steckt bis über beide Ohren im größtmöglichen

Fettnapf. Wer die Wanderschuhe nicht gleich am Eingang

auszieht, auch.

DIE URVEGANER

Die Mahlzeiten in den Tempeln sind meist vegetarisch,

oft sogar vegan. Und das seit Jahrhunderten. Die »Shojin

Ryori«-Küche ist eine kontemplativ-kulinarische Entdeckungsreise

mit Dutzenden von Schälchen und Tellerchen

mit kleinen Gerichten voller Raffinesse. Man isst langsamer

und bewusster. Auch weil man bei jedem Bissen grübelt, was

einem da gerade von den Essstäbchen auf den Schoß fällt.

Bei »Shojin Ryori« gibt es alle fünf Geschmacksrichtungen.

Süß, sauer, salzig, bitter – und umami, was so viel wie

herzhaft-vollmundig bedeutet. Die Zutaten spiegeln die Saison

wider. So gibt es im schwülheißen japanischen Sommer

kühlende Gurke und kalten Tofu mit Ingwer, Shiso und Sojasoße,

im Winter wärmendes Wurzelgemüse.

Wer nur kurz ins japanische Pilgerwandern hineinschnuppern

will, nimmt den 24 Kilometer langen Weg »Choishi

Michi« vom Tempel Jison-in in Kudoyama zum heiligen

Berg Koyasan unter die Wanderschuhe und bucht sich dort

für eine Nacht in einen der 50 Shukubo-Tempel ein.

sommer 2026

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Oben rechts: Buschgeister, also Geisterswesen des Waldes, symbolisieren die Verbindung von Natur, Ahnen und Gegenwart.

Unten: Die grün gewandete Frauengruppe aus dem Dorf Vairiki singt zum Erntedank das Lied »A Libung«.

In Reihe und Gelassenheit:

Mönche stehen vor der

Saito-Pagode auf dem heiligen

Berg Koyasan, die auf das Jahr

886 zurückgeht.

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sommer herbst 2026 2025


Fernweh | JAPAN

Lodernde Fackeln beim Feuerfest Nachi-no-Ogi Matsuri und ein

Superheld als Opfergabe am Rand des Shikoku Henro: Spiritualität in

Japan hat viele Gesichter.

Verschnaufpause? Der liegende Buddha im Tempel

Kosho-ji auf Shikoku liegt auf halbem Weg zwischen

Tempel 43 und 44 des Henro-Pilgerwegs.

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JAPAN | Fernweh

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HEILIGER BERG KOYASAN

Der Koyasan, der heilige Berg des Shingon-Buddhismus,

liegt gut 80 Kilometer Luftlinie südöstlich von Osaka in der

Präfektur Wakayama. Es ist ein großartiges Ensemble aus

Tempeln und einem verzauberten Friedhof unter uralten

Zedern. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen der

Tempel Kongobu-ji mit dem größten Zen-Steingarten Japans

sowie der Danjo-Garan mit der leuchtend roten Pagode

Konpon Daito und seiner majestätischen Kondo-Halle.

Stundenlang spaziert man auf dem Koyasan von Tempel

zu Tempel und über den Friedhof Okunoin. Über 200.000

moosbewachsene Grabstätten unter bis zu 600 Jahre alten

Sugi-Zedern ehren Japans größte Denker, Künstler, Feldherren,

Priester und Unternehmer.

Von den einst über 2.000 Tempeln stehen noch 117,

dort leben fast 700 Mönche. Einer der wenigen Gast-Tempel

mit eigenem Onsen ist der ruhig am Waldrand gelegene

»Rengejo-in«. In den großen Familienzimmern mit kunstvoll

bemalten Schiebetüren und Wänden und bequemen

Futons kommt man der besonderen Ästhetik der traditionellen

Wohnkultur Japans wunderbar nahe. Und man erlebt

verblüffende Kontraste: Neben dem Erker zum Garten

versteckt sich ein hochmodernes Washlet-WC. Öffnet man

die Tür, geht das Licht an, der Deckel hebt sich und das WC

wird mit UV-Licht desinfiziert.

JAPANS JAKOBSWEG

Der Kumano Kodo auf der Halbinsel Kii südlich von Osaka

besteht aus fünf Pilgerwegen. Der »kaiserliche« Kumano

Sankeimichi Nakahechi ist der bekannteste. Und den nehmen

wir unter die Sohlen.

Spirituelle Herzstücke sind die Shinto-Schreine Kumano

Hayatama Taisha, Kumano Nachi Taisha und Kumano

Hongu Taisha. Seit über 1.600 Jahren koexistieren der originär

japanische Shintoismus und der aus China importierte

Buddhismus. Die Japaner folgen beiden spirituellen

Schulen und interpretieren, ganz pragmatisch, die vielen

Shinto-Gottheiten als Manifestationen Buddhas.

Dieses Nebeneinander symbolisieren der Schrein Kumano

Nachi Taisha und der benachbarte Tempel Seiganto-ji

beim heiligen Wasserfall Nachi. Der mit 133 Metern

höchste Wasserfall Japans hinter der Sanjudo-Pagode bläst

uns Gischt um die Nase, eine willkommene Abkühlung.

Hier findet in der Nacht des 14. Juli das spektakuläre Feuerfest

Nachi-no-Ogi Matsuri statt: Riesige Fackeln werden in

einer Prozession zum Schrein hochgetragen. Daimonzaka,

die moosüberzogene, von hohen Zedern gesäumte Steintreppe

zum Schrein, wirkt wie aus einer alten Tuschemalerei.

Der Pilgerweg Kumano Sankeimichi Nakahechi führt

durch das waldige, bis zu 1.915 Meter hohe Gebirge Kii Sanchi.

Start ist im Pilgerzentrum Takijiri-oji, eine Busstunde

von der Stadt Tanabe entfernt. Erster Übernachtungsstopp

ist meist nach vier Kilometern das Dorf Takahara mit dem

ältesten Schrein des Kumano Kodo, dem mehrere Jahrhunderte

alten Takahara Kumano-jinja. Für die Nacht haben

wir eines der grasig-würzig duftenden Tatami-Zimmer in

der modernen »Kirinosato Takahara Lodge« mit hübschem

Onsen reserviert.

Am Folgetag marschieren wir durch ausgedehnte Pinien-

und Zedernwälder zum Tsugizakura Oji Schrein, der

umstanden von hohen, bis zu 800 Jahre alten Zedern ist.

Nach 13 Kilometern und 1.400 Höhenmetern bergauf und

bergab erreichen wir Nonaka. Am dritten Tag sind es knapp

zehn Stunden und 22 Kilometer bis zum Schrein Kumano

Hongu Taisha. Die Belohnung für die rund 40 Kilometer

Pilgerwandern auf dem Nakahechi? Ein Bad im Yunomine

Onsen, zu dem wir uns ein Taxi gönnen. Was für eine

Wohltat für die müden Muskeln, nach gründlicher Reinigung

ins heiße Thermalwasser einzutauchen.

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sommer 2026


Aktiv Afrika | PATAGONIEN

| ANGOLA

Ein echter Reinfall? Ganz im Gegenteil:

Der 133 Meter hohe Wasserfall hinter dem

Tempel Seiganto-ji gilt als heilig.

Bast, Rinde, Körperbemalungen

und windanfällige Kopfaufbauten –

der Maskenreichtum der Papuas ist

unerschöpflich.

herbst 2025

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Seit 1369 tief verwurzelt: die Gojunoto-Pagode im Zedernwald des Bergs Haguro, einem der drei

heiligen Berge des Dewa Sanzan. Auf diesen Pilgerwegen sind Yamabushi-Bergmönche seit

Jahrhunderten unterwegs. Schritt für Schritt der Wiedergeburt entgegen.


Fernweh | JAPAN

DIE REISE DER WIEDERGEBURT

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DER SCHÖNSTE BERGTEMPEL

Fotos: Peter Pfänder (6), Wakayama Tourism Federation (4), Japan National Tourism Organization (2), Tohoku Tourism

800 Kilometer weiter nördlich warten die »Reise der Wiedergeburt«

und lange Zeit Japans längste Treppe. Spirituelles

Zentrum des Shugendo, einer alten Bergreligion, sind

die drei heiligen Berge von Dewa (Dewa Sanzan): Hagurosan,

Gassan und Yudonosan. Sie verbindet die »Reise der

Wiedergeburt«, eine Pilgerroute auf den Spuren der Yamabushi-Bergmönche.

Hinter dem Tempel Shozen-in beginnt die 2.446 Stufen

starke Treppe. Hunderte hohe, uralte Zedern säumen den

Weg. Nur wenige Schritte von der fünfstöckigen Pagode

Gojunoto entfernt ragt die gut 1.000 Jahre alte »Opa-Zeder«

Jiji-sugi in die Höhe. Beim Abstieg kommen uns Dutzende

Pilger in weißen Yamabushi-Gewändern entgegen. Nach

insgesamt vier Stunden und 4.892 Stufen bergauf und bergab

stehen wir wieder vor dem Koganedo, der goldenen

Haupthalle des Tempelkomplexes.

Symbolisiert der Hagurosan Geburt und Gegenwart,

steht der 1.948 Meter hohe Gassan für den Tod. Der sechs

Kilometer lange Weg zum Gipfel fordert mit 600 Höhenmetern

etwas Kondition. Letzte Station ist der 1.500 Meter

hohe Yudonosan. Er steht für die Wiedergeburt. Dort ist

kein Schrein das Ziel der Pilger, sondern der heilige Felsen

Goshintai, aus dem Thermalwasser fließt.

Dieses Wasser füllt den hölzernen Onsen der »Yudono

Sanrojo Lodge« zu Füßen des Yudonosan. Die Nacht im großen

Tatami-Zimmer mit Gemeinschaftsbad, Shojin-Ryori-

Dinner und Nutzung des Onsen kostet rund 75 Euro, ein

so authentisches wie günstiges Erlebnis. Und sehr entspannend.

70 Kilometer südlich liegt das Bergdorf Yamadera. Der Name

bedeutet »Bergtempel«. Dort zieht sich die weitläufige

Tempelanlage Risshaku-ji aus dem 9. Jahrhundert einen steilen

Berghang hinauf. Die Halle Konpon Chudo bildet das

spirituelle Zentrum am Fuß des Bergs. Dessen heilige

Flamme brennt der Legende nach seit 860 ohne Unterbrechung.

Ein steiler Weg führt über 1.000 Stufen durch einen verwunschenen,

dichten Wald und das Niomon-Tor mit kunstvollen

Schnitzereien hoch zum Gipfelplateau. Beim Aufstieg

passiert man bemooste Buddha-Statuen und Steinlaternen

zwischen Ahornbäumen und Zypressen. Ein inspirierendes

Erlebnis, das auch den großen Haiku-Meister Matsuo Basho

nicht unberührt ließ. Eines seiner bekanntesten Haiku-Gedichte

soll 1689 entstanden sein, als er diesen Weg ging:

»Ruhe und Gelassenheit. Der Klang der Zikade. Durchdringt

den Fels.«

INFO

ANREISE Flüge nach Tokio z.B. mit Finnair via Helsinki, mit KLM

via Amsterdam oder direkt mit Lufthansa und ANA All Nippon

Airlines. Vor der Reise bei Visit Japan Web anmelden, dann geht

die Einreise viel schneller. www.vjw.digital.go.jp/main

SHUKUBO Übernachtung im Senyu-ji auf der Insel Shikoku ab

45 Euro. Im Tempel Fukuchi-in auf dem Koyasan kostet die

Nacht je nach Saison 150 bis 300 Euro, im schicken Rengejo-in,

ebenfalls auf dem Koyasan, je nach Saison und Zimmerkategorie

180 bis 600 Euro. Die Nacht in der Yudono Sanrojo Lodge kostet

ab 75 Euro. Alle Preise mit Halbpension.

Weitere Auskünfte unter japan.travel/de/de

Wer sich optimal vorbereiten will,

liest unseren Japan-Guide online:

auf.reise/japan-guide

sommer 2026

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text & fotos

Andreas Dauerer

MAROKKO IST EIN LAND DER EXTREME.

JAHRTAUSENDEALTE KULTUR AUF DER

EINEN, GRAFFITI UND STREETART AUF DER

ANDEREN SEITE. DAZWISCHEN LIEGEN

SOUKS, TAJINE, TEE UND JEDE MENGE

FUSSBALL. WER IN DIESEM FASZINIERENDEN

LAND SCHNELL VORANKOMMEN MÖCHTE,

NIMMT DEN NEUEN SCHNELLZUG AL BORAQ,

DER IMMER MEHR STÄDTE MITEINANDER

VERBINDET.

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Fernweh | MAROKKO

MaRoKkO

sommer 2026

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MAROKKO | Fernweh

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Platsch. Ein unvermutetes Geräusch, das nicht vom Zucker stammen kann,

der in die kleine Teetasse plumpst. Aber irgendwie doch ähnlich. Mein Blick

wandert zum Wasser. Ein Ausflugsboot schaukelt sanft auf dem Fluss Oum

er-Rbia, bunt bemalt und mit gelangweiltem Kapitän, der auf sein Handy

starrt. Dahinter treibt ein Fußball herrenlos im Fluss. Ich drehe den Kopf

um 180 Grad. Oben an der Mauer sehe ich erst drei, vier, dann acht, neun,

fünfzehn Köpfe, vornehmlich Teenager, die noch vor einer halben Minute

das Afrika-Cup-Finale auf dem Asphalt des Städtchens Azemmour nachgespielt

haben. Zumindest fast. Kurz darauf ertönt ein Stimmengewirr aus

Arabisch und Französisch (das ich nicht oder nur rudimentär verstehe),

aus breitem, vergnügtem Lachen (verstehe ich gut) und, man möge es

mir verzeihen, schadenfrohem Gelächter (verstehe ich auch). Noch einmal

eine halbe Minute später und ein Dutzend Fußballer versammeln sich an

der Kaimauer und blicken dem Fußball sehnsüchtig hinterher, wie er langsam,

aber doch unaufhaltsam Richtung Atlantik schwimmt. Ein Mutiger

fragt den Kapitän, doch der winkt ab. Kein Geld, kein Fußballrettungsversuch.

Die Diskussionen werden lauter, die Verzweiflung auch – und

nebenbei der Fußball immer kleiner. Ein netter Tourist hat schließlich Erbarmen,

gibt dem Kapitän 50 Dirham, also umgerechnet etwa fünf Euro,

damit die bunt zusammengewürfelte Mannschaft ihr Spielgerät wieder

aufsammeln kann. Jubelschreie, Ausgelassenheit. Aber von Eile ist jetzt

nicht mehr ganz so viel zu sehen bei den jungen Kickern. Im Gegenteil.

Erst mal muss die Kunde zu der Handvoll Jungs geschrien werden, die

immer noch oben an der Balustrade weilen, ehe sich dann zehn Spieler auf

das Boot zwängen, um den Ball einzuholen. Doch der hat mittlerweile so

viel Rechtsdrall bekommen, dass das Boot gar nicht mehr auslaufen müsste.

Einer der jüngsten macht sich auf, klettert über die Steine am Ufer, um

den Ball wenig später in Sicherheit zu bringen. Der Kapitän allerdings ist

jetzt unter Zugzwang, bezahlt ist bezahlt. Also nimmt er die Jungs mit hinaus

auf den Fluss, wo sie dann nacheinander freudig ins Wasser springen.

Wieder an Land, tropfnass und strahlend, geht das Spiel weiter. Als wäre

nichts gewesen.

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Wer beobachtet hier wen? Ein Graffito behält die Spaziergänger im Blick,

dahinter erhebt sich der Turm der Moschee Al Masjid Al Atiq.

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In Marokko geht Kultur durch den Magen, ins Ohr und macht

Eindruck: knuspriges Fladenbrot, süße Chebakia mit Honig und

Sesam, meisterhaft gebaute Ouds, also orientalische Lauten, und

die so typischen schwungvollen Türen.

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Fernweh | MAROKKO

Ein »Les billets s’il vous plaît« katapultiert mich ins Hier

und Jetzt. Ich bin im Zug, oder besser: im Al Boraq, dem

Highspeed-Zug und gleichzeitigen Verkehrsvorzeigeprojekt

der marokkanischen Regierung. Pünktlich ist er auf die

Minute. Und verdammt schnell. Mit bis zu 320 Kilometern

die Stunde heizt er etwa von Casablanca nach Rabat und

anschließend weiter in Richtung Tanger. Das Ganze in nur

etwas mehr als zwei Stunden für knapp 350 Kilometer.

Dem Schaffner im schwarz-grünen Kostüm scheint die

Schnelligkeit seines Zugs aber gerade ziemlich egal zu sein.

Er möchte meine Fahrkarte sehen, die ich etwas schlaftrunken

aus der Hosentasche krame. »Merci, bon voyage«,

garniert mit einem fröhlichen Lächeln, schon ist er auch

wieder weg. Und ich für einen kurzen Moment allein mit

der Landschaft, die heute grau am Fenster vorbeirast, weil

über dem Atlantik ein ordentliches Tief den Regen ans

Fenster peitscht. Als bahngeplagter Tourist aus Deutschland

ist so eine Zugreise in Marokko aber doch ziemlich

spannend. Also, dass es nicht nur schnell gehen kann,

sondern auch pünktlich. Wer könnte das besser skizzieren

als Ahmed Bouhaltit, technischer Direktor der staatlichen

Eisenbahngesellschaft ONCF, den ich im Zug zum Gespräch

treffe. Rundes Gesicht, Brille, feiner Anzug und ungemein

blitzende Augen, gerade wenn er über seinen Al

Boraq spricht. Wenig später weiß ich, was ich schon längst

ahnte: Das marokkanische Schnellzugprojekt ist ein voller

Erfolg – und das Streckennetz, insbesondere im Hinblick auf

die nahende Fußball-WM 2030, im totalen Ausbau. Künftig

soll die Schnellstrecke bis zum Flughafen Casablanca ausgebaut

werden, damit der Zug auch da die 320 Kilometer

pro Stunde ausreizen kann und nebenher werden weitere

Strecken erschlossen. Bis nach Marrakesch im Süden und Fès

im Landesinneren wird unter anderem geplant. Für die Marokkaner

eröffnen sich so ganz andere Möglichkeiten, gerade

im Pendelverkehr. Und für Touristen ist es eine willkommene

wie zeitsparende Alternative zu Auto oder Flug.

Für die Fußballjungs im kleinen Ort Azemmour wird das

Thema Schnelligkeit vorerst keine allzu große Rolle spielen.

Zum einen schon allein wegen der Nachbarschaft zur

Hafenstadt El Jadida mit ihrer alles überstrahlenden portugiesischen

Zitadelle und der Nähe zu Casablanca, wo man

ohnehin in den Al Boraq steigen kann. Zum anderen, da darf

ich ganz ehrlich sein, weil Schnelligkeit in Azemmour gänzlich

kontraproduktiv wäre – gerade für mich als gemeinen

Marokko-Reisenden, der hier so wunderbar zur Ruhe kommen

kann. Es gibt keine Sehenswürdigkeiten im klassischen

Foto: Mounir Taha/Shutterstock.com

Zukunftsmusik: Vom Mausoleum fällt der Blick auf das

futuristische Theater von Architektin Zaha Hadid in Rabat.

Sinn. Sondern eine reizvolle kleine Stadt am Fluss, die einen

ungewohnt spröden Charme versprüht. Die Medina wirkt

so ursprünglich, rau, fast aus der Zeit gefallen. Marode

Mauern, stille Gassen, dafür immer wieder riesige Graffiti,

weil einmal im Jahr ein Streetart-Festival stattfindet, das

bunte Spuren hinterlässt. Wer sich treiben lässt, wird belohnt.

Zumindest ist das bei mir der Fall. Entlang unzähliger

blau getünchter Wände und kleiner Eingänge mit den

markanten eisernen Türklopfern lande ich schließlich direkt

am Fluss im L’Oum Errebia, einem kleinen Restaurant

mit angeschlossenem Hotel. Einen Augenblick später stehen

Wein und Nüsse auf dem Tisch und kurz darauf auch

die Lamm-Tajine mit Pflaumen. Ein Gedicht.

»La prochaine destination: Rabat-Ville«, säuselt es durch

den Lautsprecher. Ankunft in der Hauptstadt. Rabat verbindet

politische Bedeutung mit einer, zu meiner Überraschung,

großen Portion Lässigkeit. Zu den markantesten

Sehenswürdigkeiten zählt der Hassan-Turm, von dem König

Mohammed V. dereinst das erste Freitagsgebet nach der verkündeten

Unabhängigkeit abhielt. Ein imposantes, wenn

auch unvollendetes Monument aus dem 12. Jahrhundert,

flankiert von einem Feld aus steinernen Säulen. Direkt daneben

liegt das Mausoleum von Mohammed V., ein architektonisches

Meisterwerk mit filigranen Verzierungen und

an jedem der vier Eingänge eine bunt gewandete Wache.

Archaisch sieht das aus, aber auch ziemlich toll. Von hier

oben hat man auch einen guten Blick hinüber auf das Große

Theater, eines der letzten Bauwerke der preisgekrönten Architektin

Zaha Hadid.

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MAROKKO| Fernweh

Gewürze auf dem Markt, Tee im Restaurant und natürlich das Schmorfleisch

aus der Tajine: Hier ist jeder Schluck und Bissen eine Entdeckung.

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frühling 2026


Verlaufen erlaubt!

Und in den hübschen

Gassen von Tanger

sogar ausdrücklich

empfohlen.

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reisen EXCLUSIV 57


MAROKKO | Fernweh

Kerzengerade: Eine Wache vor dem Mausoleum von Mohammed V. Die Mauern der

Kasbah von Rabat (unten) stehen seit Jahrhunderten ebenso unbeirrbar.

Tanger ehrt seinen berühmtesten Sohn mit einem eigenen

Museum: Ibn Battūta, der als Marco Polo Marokkos gilt.

Illustration: Peter Hermes Furian/Shutterstock.com

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frühling 2026


Ganz anders dazu präsentiert sich die Kasbah des Oudaïas:

ein fast mediterranes Ensemble aus weiß-blauen Häusern,

engen Gassen und spektakulären Ausblicken auf den Atlantik.

Neben Touristen verfolgen einen auch Katzen auf

Schritt und Tritt. Da sie ihre Bewohner in der Vergangenheit

vor Feuer und Erdbeben gewarnt haben, hat jeder

Riad mindestens zwei Tiere im Haushalt. Die Medina

wiederum ist überschaubar, was für Besucher den Vorteil

hat, dass alles entspannter und weniger aufdringlich ist.

Wie selbstverständlich flaniert man durch die kleinen Gassen,

vorbei an Schafsköpfen, gerupften Hühnern und allerlei

Fisch, aber auch Gewürzen, Süßigkeiten und jeder Menge

Textilien, sodass man auch selbst einmal in die Dschellaba,

den traditionellen marokkanischen Kapuzenmantel

aus Schurwolle schlüpfen kann.

Irgendwie muss ich der Zugmonotonie doch ein wenig

Tribut gezollt haben, aber als der Boraq spürbar langsamer

wird, schlage ich die Augen auf. Ein Blick auf das Display

verrät: »Arrivée à Tanger: 12:55«. Letzte Station also, Tanger.

Die ehemalige spanische Enklave entpuppt sich trotz des

Nieselregens als extrem lebendige Stadt. Die Bars und Restaurants

sind voll. Kein Wunder, versammeln sich doch hier

auch jede Menge Tagesausflügler, die mit Schnellboten aus

Gibraltar herüberkommen. Von vielen Punkten der Stadt

aus sieht man Europa am Horizont – ein Blick, der Tanger

seit jeher geprägt hat. Der Petit und der Grand Socco bilden

das pulsierende Tor zwischen alter und neuer Stadt.

Es scheint fast so, als wäre Tanger ein Kleinod aus weiß

getünchten Häusern vor einem blauen Meer, das ständig

in Bewegung ist. Ein Ort des Ankommens und gleichzeitig

des Wegfahrens. Ein Sohn der Stadt, dem das besonders gut

gelungen ist, war Ibn Battūta. Ein Rechtsgelehrter Anfang

20, der sich im 14. Jahrhundert aufmachte, um andere

Länder und ihre Menschen zu erkunden, zu verstehen, kennenzulernen.

In Abwesenheit heutiger Reisemöglichkeiten

musste er sich jedoch auf seine Beine, Esel, Pferde und mitunter

auch Schiffsfahrten beschränken. Nach 24 Jahren kam

er von seiner ersten Reise zurück, die ihn entlang der nordafrikanischen

Küste, unter anderem durch Persien und die

arabische Halbinsel, bis hinunter ins heutige Kenia und Tansania

geführt hatte. Im zweiten Anlauf reiste er sogar bis

nach Indonesien und China, diesmal jedoch lediglich zwölf

Jahre. Das gleichnamige Museum widmet sich Battutas Wirken,

das man dort multimedial und sehr gut aufbereitet

noch einmal nachgezeichnet hat. Am Ende der Reise ist es

vielleicht genau das, was man sich vor Augen halten sollte.

Wegfahren, um anzukommen, andere Kulturen erfahren und

Menschen einfach zuhören wollen. Damit wäre vielem schon

gedient, in ganz vielerlei Hinsicht. Für diese Erkenntnis allein

müsste ich freilich nicht nach Marokko fliegen. Doch

jede Reise bildet und hallt nach. Hier vor allem mit leckerer

Tajine und einem Hochgeschwindigkeitszug, der auch noch

pünktlich ans Ziel gelangt. Das ist doch mal was.

Übersprudelnd schön: Einer der vielen verzierten Brunnen, die

Marokkos Gassen seit Jahrhunderten schmücken.

INFO

Allgemeine Infos über Marokko gibt’s wie gewohnt beim

Fremdenverkehrsamt www.visitmorocco.com/de

Nach Casablanca etwa unterhalten die Lufthansa oder die

Royal Air Maroc tägliche Verbindungen von Frankfurt aus.

Viermal die Woche fliegt Royal Air Maroc auch von München

nach Casablanca. Alternativ kann man mit Air France/KLM

via Paris bzw. Amsterdam nach Casablanca kommen.

Alle Informationen zum Zugverkehr im Allgemeinen und

dem Al Boraq im Speziellen gibt es bei der staatlichen

Eisenbahngesellschaft www.oncf-voyages.ma

Übernachten kann man in El Jadida etwa im weitläufigen

Magazan Beach & Golf Resort. Den Ocean View Patio

Room gibt es ab etwa 450 Euro inklusive Frühstück.

www.mazaganbeachresort.com

In Rabat ist das moderne Fairmont La Marina Rabat-Salé

samt Rooftop-Pool unweit des Flusses eine feine Adresse.

In der Junior-Suite ab etwa 450 Euro inklusive Frühstück.

auf.reise/fairmont-rabat

Online verraten wir unseren absoluten

Marokko-Geheimtipp:

auf.reise/marokko-geheimtipp

sommer 2026

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Grüner

Daumen

gesucht

JEDES JAHR AUFS NEUE NIMMT REDAKTEUR KONRAD SICH VOR,

DEN HEIMISCHEN BALKON ENDLICH MAL AUF VORDERMANN ZU BRINGEN –

UM DIESEN VORSATZ DANN DOCH WIEDER ZU BRECHEN. DIESES JAHR

KÖNNTE ES ABER WAS WERDEN. INSPIRATION DAFÜR HAT ER IN SINGAPUR

GEFUNDEN, EINER DURCH UND DURCH GRÜNEN STADT.

text

Konrad Bender

60 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


Fernweh | SINGAPUR

Dem Himmel so nah: Im Mandai

Wildlife Reserve stehen eigentlich

die Tiere im Mittelpunkt. Bei so

einer Fotogelegenheit darf es

aber auch mal der Reiseredakteur

selbst sein.

Pilger auf der »Reise der

Wiedergeburt«. Schritt für Schritt vom

Berg Hagurosan zum Yudonosan

in der Region Tohoku.

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Rot im Doppel: Ob Ibisse

oder Zukunftshotel, Singapur

zeigt sich erfrischend

kontrastreich.

»Whoosch!« macht es über meinem Kopf, als der rote Ibis mit Tempo

über mir hinwegzieht. Ich drücke den Auslöser meiner Kamera –

und bin enttäuscht, dass das Bild erneut unscharf ist. Ein guter Naturfotograf

wird aus mir in diesem Leben wohl nicht mehr. Macht

aber nichts, dann wende ich mich eben den im Wasser stehenden

und damit für meine Kamera ruhigeren Tieren zu, die im Bird Paradise

zu sehen sind.

Mehr als 3.500 Tiere leben auf dem gut 17 Hektar großen Gelände

des Vogelparks, eingeteilt in unterschiedliche Lebensräume.

Im Bereich »Hong Leong Foundation Crimson Wetlands« sind vorrangig

Vögel aus den Regenwäldern Südamerikas untergebracht, 16

verschiedene Arten. Darunter auch die roten Ibisse, die unter dem

auf den ersten Blick kaum sichtbaren Netz ihre Runden drehen. Der

Übergang nach außen ist für das Auge fließend, denn der Vogelpark

ist als Teil des Mandai Wildlife Reserve umgeben von dichtem,

grünem Wald. Die gesamte Anlage liegt in einem der größten noch

erhaltenen Regenwaldgebiete der Insel.

Aber Moment mal! Ist Singapur nicht dafür bekannt, der nach

Monaco am dichtesten besiedelte Staat der Erde zu sein? Mehr als

sechs Millionen Menschen leben auf der Insel, nicht größer als Rügen,

an der Spitze der Malaiischen Halbinsel. Kann es da überhaupt

noch ein Fleckchen Land geben, das nicht komplett bebaut ist?

Zwar habe ich auf der Fahrt vom Flughafen bis zu meinem Hotel

nicht wenig grünen Bewuchs am Strand gesehen. Doch vor allem

fielen mir die unzähligen Hochhäuser und Wohnblocks ins Auge,

die das Stadtbild prägen. Bei genauerem Hinsehen stachen zwischen

den weißen und grauen Gebäuden aber immer wieder auch

markante, grüne Flecken hervor.

Einer davon ist mein Hotel, das Oasia Downtown. Wie ein roter

Zylinder schraubt sich das Bauwerk in die Höhe. Doch die Gitterfassade

ist über und über von grünen Kletterpflanzen überwuchert,

die das Gebäude gänzlich unter sich begraben scheinen zu wollen.

Das ist nicht etwa das Werk von nachlässigen Hausmeistern, sondern

so gewollt. Und zwar von ganz oben. Denn Singapur ist als Inselstaat

besonders von der Klimakrise betroffen. Nach dem »Singapore

Green Plan 2030«, einem umfassenden Nachhaltigkeitsplan

der Regierung, müssen Neubauten daher so viel Begrünung vorweisen,

wie an Grundfläche versiegelt wird. Ob an der Fassade, auf

Balkonen oder auf dem Dach. Im Fall des Oasia Downtown ist es

mehr als das Zehnfache an Begrünung. Der Effekt ist beim Gang um

das Gebäude spürbar, die Temperatur fühlt sich merklich kühler an.

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reisen EXCLUSIV

sommer 2026


Fernweh | SINGAPUR

Ein Grün im Häuschen: Der Stadtstaat wird mit jedem Jahr grüner, und das mit Konzept.

Ob als »Sky Garden« über den Dächern der Stadt oder im »Gardens by the Bay« mit

Supertrees, direkt am Meer – bis zur nächsten Oase ist es nie weit.

Strohhüte schützen die Pilgerinnen auf dem

Kumano Kodo vor der Sonne. Das Gehen in den

traditionellen Sandalen mutet wie ein

orthopädisches Abenteuer an.

reisen EXCLUSIV

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Oben: Pilger auf der »Killer-Etappe« des Shikoku Henro zwischen

Yunami und dem Yokomine-ji. Ein Weg, der alles abverlangt.

Unten: Die Große Pagode (Konpon Daito) auf dem Koyas, eine

der bedeutendsten Pagoden Japans.

Grünes Erbe: Der botanische Garten

wurde noch unter britischer Herrschaft

gegründet. Seit 2015 zählt er zum

Unesco-Weltkulturerbe und beherbergt

unter anderem den größten

Orchideengarten der Welt.

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Fernweh | SINGAPUR

Lehrreich: Im »City

Sprouts« zeigt Khor,

wie man schnell an das

süße Innenleben eines

frischen Zuckerrohrs

kommt.

Was in Deutschland vermutlich auf direktem Weg einen

Innovationspreis gewinnen würde, ist in Singapur nur der

Anfang. Nur einen guten Kilometer Luftlinie vom Hotel entfernt,

mitten im Financial District, liegt der Capita-Spring-

Wolkenkratzer; mit 280 Metern das zweithöchste Gebäude

der Stadt. Und ganz oben, auf der Dachterrasse, herrscht

Justin über sein grünes Reich. Der junge Gärtner hegt und

pflegt dort den höchsten Garten der Stadt, den trefflich benannten

»Sky Garden«. Nachdem ich die 51 Stockwerke im

Aufzug hochgerauscht bin, geht es zunächst durch die kleine

Rooftop-Bar und dann nahtlos in die Urban Farm. In grüner

Gärtnerklamotte und mit Patagonia-Sonnenhut (vorbildlich)

gekleidet, gibt Justin einen herrlichen Kontrast zu den geschäftigen

Casual-Chic-Besuchern der Bar ab.

Aber was wird hier eigentlich angebaut? »Der Garten ist

in mehrere Bereiche aufgeteilt«, erklärt mir Justin. Und diese

Bereiche sind hauptsächlich nach Regionen geordnet. So

liegt etwa der mediterrane Abschnitt mit Rosmarin, Thymian

und Basilikum auf der sonnenstarken Seite der Terrasse.

Anderswo wachsen wunderschöne Blumen oder auch mal

ein bescheidener Fenchel. Die Einteilung hat System, teilweise

arbeiten Justin und sein Team auch mit Fruchtfolge.

Also dem regelmäßigen Wechsel unterschiedlicher Pflanzen

im selben Boden, um dessen Nährwerte nicht über Maß zu

beanspruchen.

Die Gartenarbeit so weit oben ist aber nicht ohne Herausforderungen.

»Auf dieser Höhe fliegen keine Vögel den

Garten an. Insekten hingegen werden oft vom Wind hinaufgetragen«,

berichtet der Gärtner. Und so kann sich schonmal

eine Heuschrecke oder ein anderer Schädling in den

51. Stock verirren. Ohne die Hilfe von hungrigen Vögeln

müssen diese dann aufwendig von Hand entfernt werden.

Pestizide kommen nicht zum Einsatz. Und das ist auch gut

so. Denn viele der Kräuter und Blüten werden unmittelbar

in einem der beiden Restaurants im 51. Stockwerk weiterverarbeitet.

Regionaler geht es kaum.

Die Natur im »Sky Garden« ist also akkurat geplant und

gepflegt, kein Grashalm tanzt aus der Reihe, ebenso wenig

wie im Mandai Wildlife Reserve oder ganz generell in Singapur.

Ganz Singapur? Nicht ganz! Ein kleines Naturprojekt

inmitten des Stadtstaats gibt sich unbeugsam. Denn auf

dem Gelände von »City Sprouts« im Stadtteil Tiong Bahru

wachsen Büsche, Stauden, Kräuter und Bäume munter drauf

los, in alle nur erdenklichen Richtungen. Ein System steckt

trotzdem dahinter, nämlich die lokale Gemeinschaft des

Viertels. »Fostering Communities Through Shared Discovery«

prangt in verspielten Lettern auf dem grünen Shirt

von Khor, der mich über das ehemalige Schulgelände führt.

Wo früher Kinder lernten und spielten, stehen jetzt zu Lagerstätten

umfunktionierte Container mit Gartenwerkzeugen

und unzählige kleine Gewächshäuser, die die Hitze der

tropischen Sonne einfangen.

»Wir wollen die Menschen in Singapur wieder mit der

Natur verbinden«, erklärt mir Khor. »Insbesondere mit dem

Anbau von Lebensmitteln.« Vor dem Eingang in den wahrhaftigen

Irrgarten zwischen den Gewächshäusern entdecke

ich ein großes Reisfeld, ganz traditionell. In einem Gewächshaus

gleich daneben wachsen Pflanzensprösslinge aus langen,

übereinandergestapelten Kunststoffrohren. Auch wenn

es ungewöhnlich aussehen mag: Die Pflanzen gedeihen

prächtig. »Durch den augenscheinlichen Gegensatz lernen

Kinder, dass für klassische Landwirtschaft in Singapur

schlicht die Fläche fehlt. »Gleichzeitig vermitteln wir, dass

der Anbau von Nutzpflanzen nicht immer nur die Arbeit

auf dem Feld ist. Sondern eben auch Ingenieursarbeit«, sagt

Khor.

Doch nicht nur Kinder besuchen die Farm mitten in der

Stadt. Zum Konzept gehört auch, die verschiedenen Generationen

Singapurs zusammenzuführen. Als ein soziales Unternehmen,

das von der Stadt finanziell unterstützt wird, ist

»City Sprouts« der Gemeinschaft verpflichtet. Die Bewohner

des nahe gelegenen Altenheims sind daher ebenso oft

vor Ort wie die kleinen Besucher – gerne auch gemeinsam.

Die Kinder können sich an der Gartenarbeit versuchen, die

Älteren bringen ihre traditionellen Rezepte mit, die dann gemeinsam

zubereitet und gegessen werden. Hochbeete sorgen

zudem dafür, dass sich auch Menschen im Rollstuhl

unkompliziert am Gartenbau beteiligen können. So haben

sich die »City Sprouts« bereits in fünf Vierteln zu sozialen

Zentren etabliert. Die Idee des Programms ist aber noch

größer. »Wenn wir den Kindern aus der Stadt die Liebe zur

Natur beibringen, dann schützen sie später genau diese

Natur«, hofft Khor.

Das ist noch nicht das Ende der grünen Fahnenstange.

Ob die imposanten »Gardens by the Bay«, die futuristischen

Supertrees am Meer, die begrünten Fassaden im Stadtzentrum

oder die riesige Orchideensammlung im botanischen

Garten – an allen Ecken und Enden überrascht mich Singapur

mit seiner Pflanzenvielfalt, die ich hier so nicht erwartet

hätte. Da wäre es doch gelacht, wenn ich meinen heimischen

Balkon in diesem Jahr nicht auch ein bisschen begrünen

kann. Es muss ja nicht gleich ein Reisfeld sein.

sommer 2026

reisen EXCLUSIV

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Zum chinesischen

Neujahr ist die ganze

Stadt geschmückt.

Vormerken: 2027

starten die Festivitäten

am 6. Februar.

Alles nur Fassade? Sogar ohne Begrünung sind

viele Gebäude in der Stadt echte Hingucker.

INFO

ANREISE Singapore Airlines fliegt teils

mehrfach täglich direkt von München und

Frankfurt bis Singapur, www.singaporeair.com

HOTELS

Das Oasia Downtown ist nicht nur architektonisch

beeindruckend, sondern auch idealer

Ausgangspunkt für Ausflüge ins nahe gelegene

Chinatown. Im 21. Stockwerk lockt die Club

Lounge mit großer Terrasse und fantastischem

Ausblick, auf dem Dach wartet ein Outdoor-

Swimmingpool. Ab etwa 160 Euro,

www.oasiahotels.com

Im METT Singapore zeigt sich Singapur von

seiner besonders grünen Seite. Das Luxushotel

ist in einer alten britischen Militärakademie

untergebracht und liegt prominent mitten im

Fort Canning Park, der höchsten natürlichen

Erhebung auf der Insel. Ab etwa 250 Euro,

www.metthotelsandresorts.com

GRÜNE ORTE

Das Mandai Wildlife Reserve im Norden der

Stadt besteht aus fünf Bereichen, darunter das

Bird Paradise und der Zoo. Tickets gibt es für

jeden Einzelbereich ab etwa 32 Euro oder als

Kombiticket für alle Bereiche ab 165 Euro.

www.mandai.com

Der »Sky Garden« im Capita-Spring-Gebäude

ist kostenfrei zugänglich, Besucher müssen

allerdings einen Slot vorab buchen. Gelegentlich

ist der Bereich aufgrund privater Events nicht

zugänglich. www.1-arden.sg

Auf Hotelsuche? Konrads

Eindrücke zum METT

Singapore gibt’s in unserem

Podcast »Hotel der Woche«:

auf.reise/mett-singapur

Fotos: Konrad Bender (10), pornpawit/Shutterstock.com, Rahmad photograpy16021996/Shutterstock.com, Visun Khankasem/Shutterstock.com, Mandai Wildlife Group

66 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


HOTEL

SOFA.

SO GOOD.

TRÄUMCHEN

Als Schuhdesigner Christian Louboutin auf

dem Weg zwischen Lissabon und der Algarve

durch das Dorf Melides kam, blieb er hängen,

fasziniert von Kiefernwald, Dünen und

tintenblauer Lagune. Hier wollte er bleiben.

Aus einem Haus im Ort wurde Jahre später

das Vermelho, sein erstes eigenes Hotel:

13 Zimmer und Suiten, alle unterschiedlich,

voll Fresken, Antiquitäten und handverlesener

Kunst. Außen fügt es sich in die weiße Architektur

von Melides ein, innen ist es ein eigenes

Designuniversum. Preise ab rund 400 Euro pro

Nacht. www.vermelhohotel.com

Fotos: PR, Dario Borruto Fotografie, Margual Hotel Management

Es sich draußen gemütlich machen, war nie

schöner: Das Sofa »Loop«, entworfen von Elena

Salmistraro für die italienische Outdoormarke

Ethimo, verbindet organische Formen zu einem

endlosen Sitzerlebnis. Toll als Sofa, aber ebenso

als Skulptur – ob nun im heimischen Garten

oder in der Lobby eines Fünf-Sterne-Hotels.

Preis auf Anfrage, www.ethimo.com/en

FELL THE HEEL

Besonders bei Jetlag

ein treuer Begleiter: Das

Sleep Spray von Alpinulin

kombiniert Melatonin mit

Ashwagandha-Wurzel-

extrakt und unterstützt

so den natürlichen rhythmus. Gute Nacht!

Schlaf-

30 ml, 39 Euro,

https://alpinulin.com

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GRIECHENLAND | Hotel

text

Jennifer Latuperisa-Andresen

KALIMERA

LUXUS

MANDARIN ORIENTAL, COSTA NAVARINO

Wenn die Sonne über der Bucht von Navarino versinkt und der letzte Putt

im Olivenhaingrün rollt, warten im Mandarin Oriental schon der

erste Aperitif und ein Dinner auf Sterneniveau.

Wo liegt es? An der Südwestküste der Peloponnes, in der Region Messenien:

eine der historisch dichtesten Ecken Griechenlands. In Sichtweite: Pylos, die

venezianische Festung Methoni und der Strand von Voidokilia, ein perfekter

Halbmond aus weißem Sand, regelmäßig auf den Listen der schönsten Strände

Europas. Athen liegt vier Autostunden entfernt, der Flughafen Kalamata gerade mal

50 Minuten.

Was du übers Hotel wissen musst: Das Resort versammelt 99 Suiten und Villen am

Hang, die meisten mit eigenem Pool. Naturstein und Terrakotta dominieren, schattige

Innenhöfe spenden Kühle, wenn die Mittagssonne über Messenien steht. Wer die gesamte

Familie mitnehmen möchte, bucht am besten die Royal Villa mit fünf Schlafzimmern. Im

Restaurant Oliviera interpretiert Executive Chef Bertrand Valegeas die griechisch-mediterrane

Küche so gut, dass im Koffer auf jeden Fall Platz für Olivenöl und Kräuter sein sollte.

Warum hierhin? Wegen der vier Championship-Golfplätze des umliegenden Costa-Navarino-

Areals, darunter The Dunes Course und The Bay Course, beide regelmäßig unter den besten

Plätzen Europas gelistet. Dazu die »Stirring Stars«: Im Private-Kitchen-Format kochen im Wechsel

Sterneköche, Namen wie Andreas Caminada oder Pascal Barbot waren bereits zu Gast.

Was kostet es? Doppelzimmer ab 430 Euro pro Nacht. www.mandarinoriental.com/costa-navarino

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sommer 2026


DAS LICHT WIRD HONIGFARBEN, IRGENDWANN SETZEN DIE

ZIKADEN EIN. AUF DEM TISCH STEHT EINE KARAFFE WEIN,

DANEBEN WARME PITA, OLIVENÖL GLÄNZT AUF DEM BROT.

HINTER DEM PINIENWALD SINKT DIE SONNE INS MEER.

SOLCHE ABENDE STELLEN SICH NICHT ÜBERALL IN

GRIECHENLAND VON SELBST EIN. IN DEN SIEBEN

HOTELS, DIE WIR AUSGEWÄHLT HABEN, IST DAS

EINE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT.

reisen EXCLUSIV

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GRIECHENLAND | Hotel

SANI RESORT, CHALKIDIKI

Ein eigenes Universum auf gut 400 Hektar Naturschutzgebiet, fünf

Hotels, eine Marina, 40 Restaurants und Bars sowie Sportakademien

mit Rafael Nadal und dem Chelsea FC. Das Sani spielt nicht in der

Liga normaler Resorts, es ist eine Liga für sich.

Wo liegt es? Auf der Halbinsel Kassandra, der westlichsten der drei

»Finger« Chalkidikis im Norden Griechenlands. Thessaloniki und

sein Flughafen liegen rund 70 Autominuten nördlich. Das Gelände

erstreckt sich auf gut 400 Hektar geschützten Lands, durchzogen

von Pinienwäldern, Feuchtgebieten und sieben Kilometern Privatstrand.

Sani ist Griechenlands erstes klimaneutrales Resort.

Was du übers Hotel wissen musst: Fünf eigenständige Häuser,

jedes mit eigenem Charakter: Sani Beach (klassisch), Sani Club

(Hanglage), Porto Sani (familienorientiert mit Marina), Sani Asterias

(das exklusivste, mit Residential-Konzept direkt am Strand) und Sani

Dunes (Erwachsene). Mehr als 40 Restaurants und Bars verteilen

sich übers Areal, darunter das Restaurant Water im Sani Asterias,

wo der Zwei-Sterne-Koch Bruno Oger französisch-mediterran kocht

und seine bretonischen Wurzeln einbringt. Im El Puerto berät Andoni

Luis Aduriz als Consultant Chef, einer der einflussreichsten Köpfe

der zeitgenössischen Küche.

Warum hierhin? Wegen der Sport-Infrastruktur. Das Rafa Nadal

Tennis Center bietet Trainings nach der Methode des spanischen

Champions, die Fußballschule kooperiert mit dem Chelsea FC, die

Bear Grylls Survival Academy lehrt Survival-Techniken in Wald und

Wasser. Wer es kulturell mag: Das Sani Festival, Griechenlands

erstes nachhaltiges Musikfestival, lädt im Sommer samstags zu

Konzerten auf dem Sani Hill mit Blick auf die Ägäis.

Was kostet es? Ab 644 Euro pro Person, pro Nacht.

www.sani-resort.com

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AMOH, A LUXURY

COLLECTION RESORT, RHODOS

An der Südostküste von Rhodos, eine kurze Fahrt vom

weiß getünchten Bergdorf Lindos entfernt, hat im April das

Amoh mit zwei eigenen Sandstränden eröffnet.

Wo liegt es? In der Bucht von Pefki auf Rhodos. Das Resort liegt

leicht erhöht auf einer ruhigen Halbinsel, davor öffnet sich die Ägäis,

dahinter steigt die Landschaft sanft an. Zwei eigene Sandstrände, Kavos

und Kymata, gehören zum Haus. Das berühmte Lindos mit seiner Akropolis

und den engen Gassen liegt rund 20 Autominuten entfernt. Ideal für einen

Tagesausflug, wenn es auf der Sonnenliege mal langweilig wird.

Was du übers Hotel wissen musst: 197 Zimmer und Suiten, viele mit Privatpool und

freiem Meerblick. Das Design stammt vom Londoner Studio Lost und ist von griechischer

Steinmetzkunst inspiriert: warme Mineraltöne, haptische Oberflächen, skulpturale Steinelemente

aus einem benachbarten antiken Kalksteinbruch. Acht Restaurants und Bars, vom

mediterranen Hauptrestaurant Lithos bis zur Patisserie Oniro mit hausgemachtem griechischem

Gebäck. Highlight ist die Rhoda Presidential Suite mit eigenem Pool und großzügiger Privatterrasse.

Warum hierhin? Wegen der »Olive Grove Experience«: tägliche Verkostung von sechs verschieden

veredelten Olivenölen mit Einblick in Herkunft und Verarbeitung. Dazu wöchentlich der Sunset Aperitivo

mit griechischen Meze rund um die Feuerstelle.

Was kostet es? Doppelzimmer ab 428 Euro pro Nacht. www.amoh.com

sommer 2026

reisen EXCLUSIV

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GRIECHENLAND | Hotel

ONE&ONLY KÉA ISLAND

45 Minuten per Schnellboot von Athen entfernt, liegt eine der

unbekanntesten Kykladeninseln und auf ihr eines der edelsten

Villenresorts Griechenlands.

Wo liegt es? Auf Kéa, einer Insel, die viele Athener am Wochenende

ansteuern, internationale Gäste aber kaum kennen. Das Resort

thront oberhalb eines 100 Meter langen Sandstrands an der Bucht

von Vroskopos. Pfade winden sich zwischen hohen Aleppo-Kiefern

und griechischen Amphoren hinunter zum Bond Beach. Antike

Ruinen, 14 versteckte Buchten und einige der spektakulärsten

Schiffswracks der Ägäis liegen vor der Tür, darunter das Wrack

der Britannic.

Was du übers Hotel wissen musst: Ein reines Villenresort, jede mit

privatem Pool und fließenden Übergängen zwischen drinnen und

draußen. Neu sind die zweigeschossigen Grand Seafront Villas mit

drei oder vier Schlafzimmern direkt am Wasser, ideal für Mehrgenerationenreisen.

Im Bond Beach Club mischen die Köche japanische

und mediterrane Aromen, etwa Wolfsbarsch-Ceviche mit Yuzu,

Jalapeños und knuspriger Lotuswurzel. An der Bar gibt es den

Signature Drink »Local Matters«, einen Drink auf Metaxa-Basis mit

wildem Thymian und Honig, geschüttelt, nicht gerührt.

Warum hierhin? Wegen der geführten Wanderung zu den sonnengebleichten

Ruinen des antiken Karthéa: Ein Archäologe erklärt

unterwegs, was es mit dem Tempel für Athena und Apollo auf sich

hat, danach erfrischendes Bad und Bootsfahrt zurück zum Resort.

Wer lieber unter Wasser unterwegs ist, taucht zur Britannic, dem

Schwesterschiff der Titanic.

Was kostet es? Ab etwa 1.280 Euro pro Nacht für zwei Erwachsene

in einer Panoramic Cliff Villa mit Frühstück.

www.oneandonlyresorts.com/de/kea-island

72 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


SANTA IRINI RETREAT, THIRASIA

Während sich auf Santorin die Kreuzfahrtgäste durch das

Küstendorf Oia schieben, wartet eine kurze Bootsfahrt entfernt

das genaue Gegenteil: ein historisches Anwesen für 18 Gäste

auf einer fast vergessenen Kykladeninsel.

Fotos: Sani Resort (2), Chris Drazos Photography (2), Santa Irini (2), Kapreski/Shutterstock.com, George Apostolidis Photograohy,

Rupert Peace, One & Only Kéa Island, JW Mariott Crete, Mary Katrantzou/Madarin Oriental Cosa Navarino, Perianth

Wo liegt es? Auf Thirasia, der kleinen Schwesterinsel von Santorin,

gegenüber der weltberühmten Caldera. Nur wenige hundert Menschen

leben hier, kein Massentourismus, keine Hotelketten, dafür

Steinhäuser, Esel und ein paar Tavernen. Die Anreise erfolgt per

Boot von Santorin, wodurch sich der Übergang vom Trubel zur

Stille auch räumlich vollzieht. Vom Pool des Retreats schweift der

Blick direkt auf die Vulkanflanken der gegenüberliegenden Insel.

Was du übers Hotel wissen musst: Das Anwesen gruppiert sich

um die kleine Kapelle Agia Irini, die Santorin einst ihren Namen

gab. Vier Suiten und zwei traditionelle, in den Fels gebaute

Räume bieten Platz für maximal 18 Gäste in zwei Gebäuden. Die

Architektur ist minimalistisch kykladisch: weiß getünchte Mauern,

Holzbalken, schmale Fenster mit Blick aufs Meer. Im Zentrum

steht eine offene Küche mit Holzofen, in der traditionelle Gerichte

entstehen, viele Zutaten kommen aus dem hauseigenen Gemüsegarten

und vom jungen Weinberg.

Warum hierhin? Wegen der Exklusivität. Wer das ganze Anwesen

bucht, hat die Insel praktisch für sich. Dazu Yoga-Retreats unter

erfahrener Anleitung, Kochkurse am Holzofen, Weinverkostungen,

Segelausflüge in die Caldera. Slow Living, das diesen Namen

verdient.

Was kostet es? Doppelzimmer ab 290 Euro die Nacht.

www.santairini.gr

herbst 2020

reisen EXCLUSIV

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JW MARRIOTT CRETE RESORT & SPA, KRETA

Wer hier eincheckt, merkt schnell, warum Kreta gerade als

leiser Gegenentwurf zu den Kykladen gehandelt wird.

PERIANTH HOTEL, ATHEN

Mitten in Athen, an einem byzantinischen Platz, haben drei

Geschwister aus Reederei, Kunst und Mode ein 1930er-

Jahre-Gebäude in eines der eigenwilligsten Stadthotels

Griechenlands verwandelt.

Wo liegt es? An der Agia Irini, einem kleinen Platz im Herzen

der Athener Altstadt, etwas abseits der ausgetretenen Touristenpfade,

aber in Laufnähe zu Plaka, Monastiraki und der

Akropolis. Die Gegend gilt als Athener »Blumenplatz«, daher

auch der Name des Hauses: Perianth bezeichnet im Griechischen

die Blütenhülle, die die Knospe umschließt.

Was du übers Hotel wissen musst: Die graue Originalfassade

aus den späten 1930er-Jahren stammt aus der Streamline-

Modern-Bewegung, das griechische Stardesignbüro K-Studio

(auch für den Beachclub Scorpios Mykonos verantwortlich)

hat das Innere komplett neu gedacht. 38 Zimmer zwischen 21

und 46 Quadratmetern, alle mit Balkon, dazu geschwungene

Wände, schwarzer Pietra-Marmor, Messing und Walnussholz.

Glasbausteine bringen weiches Tageslicht aus dem Atrium

in die Etagenlounges. Highlight: das 116 Quadratmeter große

Penthouse mit privater Veranda und freiem Blick auf die

Akropolis.

Warum hierhin? Wegen des Restaurants Anther im Erdgeschoss.

Chef Nasos Tsironikos, zuvor im legendären Milos in

Athen und New York, kocht zeitgenössisch griechisch, etwa

Egg Staka Butter nach kretischem Vorbild oder Oxtail Giouvetsi.

Serviert wird auf handbemaltem Porzellan der Künstlerin

Valinia Svoronou, an den Wänden hängt ein Wandgemälde

von Eleni Bagaki, das sich an den minoischen Landschaftsmalereien

aus Knossos orientiert.

Was kostet es? Doppelzimmer ab 126 Euro pro Nacht.

www.perianthhotel.com

Wo liegt es? Eine Viertelstunde vom Flughafen Chania entfernt,

hoch über der Bucht von Marathi an Kretas Nordküste. Der Blick

schweift über die Ägäis. Es gibt einen eigenen Strandzugang

und hinter dem Resort beginnen Wanderpfade ins kretische Hinterland.

Die Altstadt von Chania mit ihrem venezianischen Hafen

ist in einer halben Stunde erreichbar.

Was du übers Hotel wissen musst: 160 Zimmer, Suiten und

Villen, alle nach Süden zum Meer ausgerichtet, mit privaten

Terrassen, manche mit eigenem Pool. Die Architektur arbeitet

mit Naturstein und offenen Übergängen zwischen innen und außen.

Vier Restaurants verteilen sich übers Gelände: das Ōnalos

serviert beispielsweise Fisch direkt überm Wasser, das Anöee

interpretiert kretische Küche mit Olivenöl aus familiären Hainen

und Kräutern aus dem hauseigenen JW Garden.

Warum hierhin? Wegen des Wellnesskonzepts. Das Yoga-Deck

steht offen zum Meer, jeden Morgen Sunrise Session, dazu ein

wechselndes Programm aus Sound Healing, Atemarbeit und

Bewegungspraktiken mit Gastlehrern. 2026 zudem perfektes

Timing: Kreta ist Europäische Region der Gastronomie.

Was kostet es? Doppelzimmer ab 320 Euro inklusive Frühstück

die Nacht (Nebensaison). Ab Juni kostet die Nacht ab 400 Euro.

www.jwmarriottcrete.com

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reisen EXCLUSIV

frühling 2023


LIFESTYLE

Bettgeflüster

Diese sechs Titel gehören in jeden Koffer –

und ans Bett, egal wo auf der Welt.

Text: Ulrike Herder, Fotos: Jennifer Latuperisa-Andresen, Create Hot Look/Shutterstock.com

Ein junger Mann rekonstruiert den Stammbaum seiner Familie,

geprägt von psychischen Krankheiten, Sucht und Obsession, und fragt

sich, ob Wahnsinn erblich ist. Ein eindringlicher und berührender

Roman über die Angst vor der eigenen Herkunft und den mühsamen

Weg, sie anzunehmen. Leon Engler, »Botanik des Wahnsinns«,

DuMont, 208 S., 23 Euro

Was Eltern uns verschweigen, hinterlässt Lücken. Marina will in den

späten Sowjetjahren ausbrechen. Jahre später versuchen ihre Töchter,

die Erinnerung daran mit Fantasie und Humor zusammenzusetzen.

Eine poetische, kluge Familiengeschichte über das, was zwischen den

Generationen ungesagt bleibt. Yulia Marfutova, »Eine Chance ist ein

höchstens spatzengroßer Vogel«, Rowohlt, 144 S., 22 Euro

Zwei ausgebrannte Unternehmer werfen mit ihren Kindern alles hin,

ziehen in einen selbst ausgebauten Lkw und fahren von Kanada bis

Guatemala. Als die Pandemie sie am Atitlán-See festsetzt, wird der

Roadtrip zur Reise nach innen. Ein inspirierender Reportage-Roman

voll Fernweh und Familienchaos.

Anja Kocherscheidt, »Lasterleben«, BoD, 386 S., 28,99 Euro.

Zu bestellen bei www.lasterleben.com

Drei Generationen hochgewachsener Frauen im Schwarzwald,

zu groß für ihr Dorf, zu eigen für die Welt. Ein

dunkles, zartes Epos über Mütter, Töchter und die Kraft

des Waldes, das lange im Kopf bleibt. Hannah Häffner,

»Die Riesinnen«, Penguin, 416 S., 24 Euro

Zehn Frauen, zehn Männer, Kameras überall. Was wie eine

Datingshow beginnt, wird zum Kampf ums Überleben. Ein

packender Thriller, nervenaufreibend bis zur letzten Seite.

Aisling Rawle, »Das Spiel«, btb, 400 S., 24 Euro

Der Roman erzählt kraftvoll und präzise von vier

afrikanischen Frauen, unterschiedlich in Herkunft, Status

und Lebenssituation, und doch vereint in der Suche nach

Erfüllung, zwischen Nigeria und den USA. Sie lieben,

kämpfen und behaupten sich, und dabei bleibt stets eine

Frage präsent: Wie sehr prägen Herkunft und Entscheidungen

ein Leben? Chimamanda Ngozi Adichie,

»Dream Count«, S. Fischer, 528 S., 28 Euro

sommer 2026

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SONNENALP RESORT | Hotel

text

Jana Freiberger

DAS SONNENALP RESORT WEISS, WIE MAN EINE STAMMKUNDSCHAFT

AUFBAUT: HERZLICHKEIT UND GEMÜTLICHKEIT SIND DER SCHLÜSSEL.

UND EIN ANGEBOT AN AKTIVITÄTEN IN DIREKTER NÄHE,

DAS JEDEM KREUZFAHRTRIESEN KONKURRENZ MACHT.

76

reisen EXCLUSIV


IM WASSER

WÄR’S EIN

KREUZFAHRT-

SCHIFF

A Auch

wenn das Sonnenalp Resort mit seiner hellen Holzfassade

einen urigen und bodenständigen Eindruck vermitteln

möchte: Auf mich wirkt es auf den ersten Blick

durch das Taxifenster durchaus pompös, wie dieser makellose

Riesenbau sich vor dem Bergpanorama auftut und

dabei an ein exklusives Kreuzfahrtschiff erinnert, fest verankert

vor einer imposanten Skyline in einem Meer aus

saftig grünem Gras.

sommer 2026

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SONNENALP RESORT | Hotel

SEINEN URSPRUNG HAT DAS HOTEL, DAS AUF EINE

ÜBER 100-JÄHRIGE GESCHICHTE ZURÜCKBLICKT,

IN EINEM BESCHEIDENEN BAUERNHOF.

Ich werde während meines Aufenthalts herausfinden: Die

Sonnenalp kann beides. Gemütlichkeit und Luxus gehen

in dem Fünf-Sterne-Hotel in Ofterschwang im Oberallgäu

Hand in Hand. Denn seinen Ursprung hat das Hotel,

das auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblickt, in

einem bescheidenen Bauernhof. Gleichzeitig finden Gäste

vor Ort alle Annehmlichkeiten, die man sich im Urlaub

nur wünschen kann. Hier muss niemand »von Bord«, nicht

mal zum Shoppen.

Aber von vorne. Ich brauche nach meiner langen Anreise

eine Stärkung und mache mich auf den Weg zum

Frühstück, das in den acht Restaurantstuben serviert wird.

Da ich über keinerlei Orientierungssinn verfüge, und das

ist in diesem großen Hotel mit 224 Zimmern und Suiten

wirklich ein Problem, schlage ich zunächst zuverlässig den

falschen Weg ein. Statt eines üppigen Buffets breitet sich

eine hellblaue Poollandschaft vor mir aus. Durch eine

Glaswand schaue ich auf das große Schwimmbecken im

Inneren, eine weitere Fensterfront dahinter gibt den Blick

auf den Außenbereich mit weiteren Pools frei. Insgesamt

sind es 13, plus natürlich angelegtem Bergsee und Naturbadeteich!

Ich habe ja bereits versucht klarzumachen,

dass es ein riesiges Haus ist.

Nach meinem kurzen Irrweg endlich am Buffet angekommen,

sind der kleine Teller in meiner Hand und ich

überfordert. Zur Auswahl stehen frische Brote, Brötchen,

Laugengebäck, geräucherter Fisch, Müslis, Käseplatten,

frisch zubereitete Eierspeisen, Croissants zum Selberfüllen,

Smoothies, Honigwaben und so weiter und so fort.

Am Ende meines Rundgangs liegen Laugengebäck, eine

Avocado, gesalzene Butter, etwas Räucherfisch und ein

voller Löffel Kaviar auf meinem Teller. Ich bin mehr als

zufrieden und genieße beim Essen in der gemütlichen

Stube den Blick auf den Naturteich und die Bergwelt,

während um mich herum Familien speisen, die gleich mit

mehreren Generationen angereist sind. Dass kleine Kinder

mit Eltern und Großeltern am Tisch sitzen, ist hier

keine Seltenheit. Und nach Angaben von Anna-Maria

Fäßler, die das Hotel zusammen mit ihrem Mann Michael

führt, kommen viele davon Jahr für Jahr wieder in die

Sonnenalp. Der Anteil der Stammgäste liegt Fäßler zufolge

bei 80 Prozent!

Mit vollem Bauch mache ich mich auf den Weg zu meinem

Zimmer, na ja, das trifft es nicht ganz, zu meinem

kleinen Häuschen auf einem Hügel nur wenige Gehminuten

vom Hotel entfernt. Naturlodges heißen die fünf run-

den Tiny Houses, die das Hotel neu angeschafft hat, um damit

eine neue Zielgruppe zu erschließen. »Die Hipster aus

der Stadt.« So definiert es Anna-Maria Fäßler.

Und ja, die Naturlodges unterscheiden sich deutlich vom

Rest des Hotels. Hell und modern sind sie, statt in warmen

Farben gehalten und urig. Instagrammable, keine Frage.

Auch ich zücke immer wieder meine Kamera, um meine Unterkunft

mit der 180-Grad-Panoramaverglasung und den

Bergen im Hintergrund festzuhalten. Die Häuschen sind

einfach hübsch. Bleibt nur die Frage, ob die anvisierten

Hipster auch bereit sind, den Preis für die 28 bis 43 Quadratmeter

großen Häuschen zu zahlen. Bei 1.150 Euro geht’s

los. Champagner zur Begrüßung, Frühstück und Abendessen

inklusive. Und es gibt ein Spa mit Sauna und kleinem

Pool im Freien, zu dem nur die Gäste der Naturlodges

Zugang haben! Also schlüpfe ich schnell in meinen Badeanzug,

um mich im warmen Wasser von meinem deftigen

Mahl zu erholen.

Von meinem erhabenen Plätzchen auf dem Hügel blicke

ich direkt auf das Hofgut, wo auch Reitferien angeboten

werden. Ich höre das Wiehern der Pferde, eine Kutsche fährt

die Auffahrt entlang. Ein Paar ist seiner Ausstattung nach

auf dem Weg zu einem der drei hoteleigenen Golfplätze.

Die weißen Gipfel der umliegenden Berge, die sich perfekt

zum Wandern oder für Wintersport eignen, geben der Szenerie

einen hübschen Rahmen. Dieses kleine Becken ist für

kurze Zeit ein Ort der Glückseligkeit. Aber da war ja noch

was, hier kann man auch shoppen, hörte ich. Also ziehe ich

mir etwas Trockenes über, schlüpfe in meine Ausgeh-Loafer

und laufe zurück zum Haupthaus.

Mittlerweile ist mir die Umgebung schon vertrauter, und

so gehe ich zielstrebig meinen Weg, bis ich in der Shoppingpassage

stehe. Die Idee dazu hatte die Mutter des Inhabers.

Vor 40 Jahren fasste sie den Entschluss, dass Einkaufen zum

Urlaub einfach dazugehört und sie ihren Gästen die Möglichkeit

bieten möchte, das direkt im Hotel tun zu können.

So gibt es heute zwölf Shops, die bis auf das Juweliergeschäft

von Mitarbeitenden des Hotels geführt werden. Im

Angebot: Kinder- und Damenmode zum Beispiel. Einrichtungsgegenstände.

Und eben Schmuck.

Ich spaziere in aller Ruhe durch die Läden und als ich

mich nach der kleinen Tour auf den Weg zum hoteleigenen

Sternerestaurant Silberdistel mache, geht mir wieder der

Vergleich mit dem Schiff durch den Kopf – könnte es denn

schwimmen, dieses Hotel wäre definitiv ein beliebter Luxuskreuzer.

Fotos: Sonnenalp Resort (4), Kapreski/Shutterstock.com

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reisen EXCLUSIV

sommer 2026


Hochgefühle: Auf dem Tisch zwei Gläser Champagner, in der Ferne die

Berge. Luxus und Natur gehen in den neuen Naturlodges Hand in Hand.

INFO

Sonnenalp Resort, Sonnenalp 1, 87527 Ofterschwang/Allgäu, 224 Zimmer und

Suiten, fünf Naturlodges und sechs Alpenchalets, ab 630 Euro pro Nacht für ein

Doppelzimmer. Die Naturlodges starten bei 1.150 Euro. www.sonnenalp.de

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ALMANAC PALAIS VIENNA | Hotel

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reisen EXCLUSIV sommer 2026


text

Harald Braun

ALTE

GESCHICHTEN,

NEU ERZÄHLT

DAS ALMANAC PALAIS VIENNA RESIDIERT IN ZWEI HISTORISCHEN

PALAIS AN DER RINGSTRASSE UND BEWEIST, DASS LUXUS UMSO

ÜBERZEUGENDER WIRKT, JE WENIGER ER SICH ANSTRENGT.

S

Schon bevor ich das Almanac betrete, bin ich ein wenig

beeindruckt. Allein die Lage des Hotels! Direkt vor der

Tür zieht der berühmte Wiener Ring seine perfekte Schleife

um die Stadt, diese große Wiener Geste aus Stein und

Geschichte. Oper, Parks, Museen – all das befindet sich

in unmittelbarer Nähe des Hotels. Zwar wird niemand

behaupten, dass der Eingang selbst viel hermacht. Doch

wenn man die erste, recht unscheinbare Tür am Parkring

hinter sich gelassen hat, weitet sich der Blick auf ein

offenbar sehr fein inszeniertes Palais. Ein Palais, richtig

gelesen. Ehrlich gesagt hatte ich mich schon gefragt, ob

ich der Richtige für solch ein Etablissement bin. Ist so

ein schicker Palast nicht ein wenig zu steif und mondän

für einen Typen, der nicht mal eine Krawatte im Schrank

verwahrt?

Die Lobby ist hell, pur, nichts Plüschiges, nichts, das

sich anbiedert. Glatte Flächen, klare Linien, ein Geruch

nach Kaffee, Vanille, dazu etwas Metallisches, eine nicht

zu übersehende Skulptur in der Mitte des Raums. Trotzdem

kein Ort, der nach Aufmerksamkeit schreit – eher

einer, der sie diskret voraussetzt. Das Hotel repräsentiert

in Stein gemeißelte Geschichte: In Wahrheit handelt es sich

dabei um gleich zwei »Paläste« am Parkring 14 und 16,

dem Palais Henckel von Donnersmarck (richtig, die Familie

des Hollywoodregisseurs) und dem Palais Leitenberger.

Beide erbaut im 19. Jahrhundert, vor einigen

Jahren von neuen Besitzern entkernt, mit Stil und Gegenwart

aufgeladen und gemeinsam neu zusammengesetzt.

Entstanden ist ein zugegeben leicht labyrinthisch

anmutendes Juwel moderner Gastlichkeit (beim Versuch,

von meinem Zimmer ins Gym zu kommen, musste ich

zwar nur ein Stockwerk, aber zwei unterschiedliche Aufzüge

nutzen …). Hinter dem Konzept steht die Wiener

Familie Haselbacher, die bereits in Barcelona und Prag

Almanac-Häuser betreibt und weitere Hotels in Europa

plant (Funfact: Herbert Haselbacher ist in Wien vor allem

durch seine frühere Karriere als Basketballprofi bekannt).

Die beiden hochherrschaftlichen Palais in Wien

wurden stilistisch entstaubt. Das Ergebnis: klare, von

überflüssigem Zierrat befreite Räume, klarer Fokus auf

Funktion. »Lean Luxury« nennt man das wohl, Reduktion

auf wenig, aber effektives Design. 31 Zimmer und 80

Suiten. Manche Suiten verfügen über eine eigene Sauna,

eine davon ist stolze 200 Quadratmeter groß. Wie man

sommer 2026

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ALMANAC PALAIS VIENNA | Hotel

ES IST EINE MISCHUNG AUS

URBANER SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT

UND GEDIEGENER COOLNESS.

hört, wissen auch diverse Prominente aus aller Welt den

Schutz der Privatsphäre zu schätzen, den das Almanac

auf allen Ebenen bietet. Über Namen spricht man hier

(natürlich) nicht, aber dass etwa der Wu-Tang Clan aus

New York kein großes Geheimnis daraus macht, wo er in

Wien absteigt, können wir als Referenz anbieten. Dazu

passt, dass ich auf dem Weg durch das Hotel gleich mal

auf die Security-Leute eines nationalen VIPs treffe, eines

Stammgasts des Hauses.

Ich schlendere durch die Beletage des Almanac, auch

hier hohe Räume, große Fenster: Geschichte ohne Pathos.

Früher wurde hier repräsentiert, Hof gehalten, wenn man

so will. Heute ist die Beletage eine exklusive Bühne für

Hochzeiten, Empfänge und Veranstaltungen aller Art. Das

ist so gewollt: Die Beletage hat die Verwandlung in die zeitgenössische

Moderne verweigert und verfügt über eine

Grandezza, die nicht wegkuratiert wurde. Man bewegt sich

hier automatisch ein wenig langsamer, spricht leiser, als

hätte dieser Raum ein Gedächtnis. »Die Geschichte ist

da«, sagt Frank Spielmeyer, der Direktor des Hotels, »aber

sie bestimmt nicht den Ton.« Damit meint er zwar konkret

gerade die Beletage des Almanac, liefert aber gleichzeitig

auch ein Statement, das für sein gesamtes Haus gelten

könnte.

Auch kulinarisch überzeugt das Almanac mit bodenständiger

Exzellenz: Das hauseigene Restaurant trägt den

Namen Donnersmarkt, eine Wortspiel-Reminiszenz an die

früheren Besitzer von Donnersmarck. Es verzichtet ebenso

wie die Zimmer des Hotels auf theatralische Gesten

und lenkt den Blick auf wenige, aber spektakuläre Highlights.

Die lange Tafel etwa, die zur Geselligkeit beitragen

soll, indem sie Hotelgäste beim Essen zwangsläufig miteinander

ins Gespräch bringt. Ein Schwerpunkt der Küche

liegt auf vegetarischen oder sogar veganen Speisen,

Nachhaltigkeit auf allen Ebenen ist für das Almanac eine

Selbstverständlichkeit. Wobei kulinarische Raffinesse

durchaus gewünscht ist: Die Desserts etwa werden von

einer Patissière mit Wiener Ausbildung und internationalem

Schliff zubereitet.

Noch ein Bonus: Der Service! Das Personal gibt sich

unaufgeregt freundlich, aufmersam, aber ohne jede Form

von Aufdringlichkeit. Niemand fragt zu viel, niemand erklärt

zu lange. Dienstleistung ist hier keine antrainierte

Pose, sondern selbstverständliche Grundhaltung. Man wird

gesehen, aber nicht beobachtet – ein Unterschied, den ich

selten so klar wahrgenommen habe. Ein paar Schritte nur

vom Restaurant Donnersmarkt entfernt öffnet sich der

hauseigene Elias Coffee Shop zur Straße hin. An den Tischen

auf dem Bürgersteig sitzen junge Menschen im

Freien, augenscheinlich nicht nur Hotelgäste. Sie lehnen

sich zurück und schauen so selbstbewusst in die Stadt hinein,

als gehöre sie ihnen. Das Café Elias hat etwas lässig

New-Yorkisches. Weiß gekachelte Wände zum Beispiel wie

einst bei Dean & DeLuca in den Coffeeshops der Starck-

Hotels – diese Mischung aus urbaner Selbstverständlichkeit

und gediegener Coolness. Drinnen Espresso, draußen

Gesprächsfetzen, dazwischen eine Leichtigkeit, die dem

restlichen Haus noch ein wenig vorauseilt. Kunst in Form

von Gemälden und Skulpturen spielt zudem in jedem Bereich

des Hotels eine Rolle, ohne dabei banale Dekoration

zu sein oder sich besonders in den Vordergrund drängen

zu wollen. Kooperationen des Hotels laufen mit Belvedere,

Albertina oder etwa der Viennacontemporary. Ungewöhnlich

auch ein Kellerraum des Hauses, der als schallisolierter

Club für Sportübertragungen oder etwa Techno-Yoga

genutzt wird. Für Formate also, die man nicht sofort einem

Luxushotel zuordnen würde. Ich schlendere noch einmal

durch die Flure des Hotels, und meine bange Frage

ploppt wieder auf, bevor ich das Almanac betrat: Würde

ich mich hier wohlfühlen? Passe ich hier rein? Die Antwort

fällt leicht. Zweimal: unbedingt. Und dafür müsste ich mir

nicht mal eine Krawatte zulegen.

INFO

Almanac Palais Vienna, Parkring 14/16, 1010 Wien, Österreich.

Nacht im DZ ab 300 Euro, Nacht in der Suite ab 450 Euro,

www.almanachotels.com/de/vienna

Psssssssst! Unsere Geheimtipps für Wien

verraten wir online:

auf.reise/tipps-wien

Fotos: Almanac Palais Vienna, Erwin Wurm, Sivan Askayo, Tony Gigov Photography, Kapreski/Shutterstock.com

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reisen EXCLUSIV

sommer 2026


DEUTSCHLAND

BAROCK ’N’ ROLL

Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth ist kein Museum, sondern ein lebendiges Meisterwerk.

Ganz aus Holz gebaut, mit bemalten Leinwänden, Stuck und Schnitzereien, die seit 275 Jahren

nahezu unverändert geblieben sind, die Akustik eingeschlossen. Seit 2012 zählt das Haus zum

Unesco-Welterbe, seit 2023 ergänzt ein eigenes Museum den Besuch. auf.reise/opernhaus

Fotos: PR, Loic Lagarde, Gugu Mannschatz/Shutterstock.com

AUFGEBREZELT

Das aufwendig bestickte

Dirndl-Patch

von Mimi’s Glow

klebt auf Handyhüllen,

iPad-Cases

oder – mit etwas

Acrylkleber – auf

Taschen. Handgemacht

und längst

nicht nur zur Wiesn

tragbar. Um 9 Euro,

https://mimisglow.

com

SCHICHTWECHSEL

Seit 2016 steht die markante

Stahlskulptur namens

Saarpolygon auf der Halde

Ensdorf und erinnert an

das, was hier einmal war:

ein aktives Bergbaugebiet.

Was als Denkmal begann,

ist heute aus dem Saarland

nicht mehr wegzudenken,

mit wechselnden Perspektiven

und weitem Blick über

die Region. Vergangenheit

in Stahl gegossen.

www.urlaub.saarland

sommer 2026

reisen EXCLUSIV

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text

Konrad Bender

KINDERSPASS IN BAYERN

DER SOMMER IST DIE SCHÖNSTE ZEIT DES JAHRES. LANGE

TAGE, TOLLES WETTER UND WUNDERSCHÖNE NATUR.

GROSSE HERAUSFORDERUNG FÜR ELTERN ALLERDINGS IST,

DEN NACHWUCHS BEI GUTER LAUNE ZU HALTEN. NICHT NUR,

ABER AUCH IN BAYERN. DAMIT DAS GELINGT, HABEN WIR

EINEN BUNTEN STRAUSS AN FREIZEITTIPPS FÜR

FAMILIEN GESCHNÜRT.

84 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


Deutschland | BAYERN

MÄRCHENZAUBER

AUF SCHLOSS NEUSCHWANSTEIN

Sich einmal im Leben wie ein Prinz oder eine Prinzessin fühlen, das wollen wohl fast alle Kinder. Und

welcher Ort in Bayern wäre dafür besser geeignet als das berühmteste Bauwerk des Märchenkönigs:

Schloss Neuschwanstein. Unübersehbar thront das Baudenkmal auf einem Felsrücken oberhalb von

Schwangau und befeuert seit mehr als 130 Jahren die Fantasie der Besucher. Sogar als Vorlage für

das Disney-Schloss hat Neuschwanstein schon gedient, und 2025 ist es zu Recht ins Unesco-Welterbe

aufgenommen worden. Den besten Blick auf das Schloss haben große und kleine Märchenfans von

der Marienbrücke. Von hier präsentiert sich der Bau in seinen ganzen 150 Metern Länge. Zum Schloss

selbst geht es entweder bequem mit dem Shuttle, stilvoll mit der Kutsche oder aktiv auf 1,5 Kilometern

und ordentlicher Steigung zu Fuß. Der Zutritt zum Schloss selbst ist nur im Rahmen einer 30-minütigen

Führung möglich. Eigene Kinderführungen gibt es nicht, die kleinen Besucher können sicher aber auch

Interessantes aus den Erklärungen für Erwachsene mitnehmen. Und wenn nicht, ist es ja auch einfach

spannend, durch das prunkvolle Schloss zu laufen und vom Leben als kleinem Prinz oder kleiner

Prinzessin zu träumen. In der Sommersaison ist das Schloss täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Tickets

müssen im Ticket Center in Hohenschwangau erworben werden. Achtung: Sperrige Gegenstände wie

große Rucksäcke, Kinderwagen oder Kraxe dürfen nicht ins Schloss gebracht werden, es gibt keine

Garderobe. Tickets für 23,50 Euro, Kinder bis 17 Jahre zahlen 2,50 Euro. www.neuschwanstein.de

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Ein kurzes Stück südlich von München liegt ein Ort, an dem Träume produziert werden: die Bavaria

Filmwerke. Jahr um Jahr werden hier deutsche Fernseh- und Kinofilme sowie zahlreiche Serien

gedreht, von »Der Untergang« bis zu »Asterix und Obelix gegen Caesar«. Und damit kleine und große

Filmfans auch außerhalb des Kinos in ihre Lieblingswelten abtauchen können, hat das Studio bereits

1981 auf dem Gelände die Filmstadt eingerichtet. Ein lebendiges Museum mit zahlreichen Originalkulissen

und -requisiten. Der Zugang zur Filmstadt erfolgt im Rahmen einer Führung. Das wohl beliebteste

Fotomotiv wartet dabei direkt zu Beginn: der Drache Fuchur aus »Die unendliche Geschichte«.

Ein Ritt über den Wolken auf dem sanften Giganten gehört in jedes Familienalbum. Anschließend geht

es weiter durch die Kulissen, brandaktuell ist das Set von Michael Herbigs »Das Kanu des Manitu«.

Wer selbst einmal vor die Kamera möchte, kann das an einer der Mitmachattraktionen versuchen –

und den Film anschließend als Souvenir erwerben. Im 4D-Kino geht es schließlich mit allen Sinnen

in »Moglis Dschungelabenteuer«.

Tickets für Erwachsene 24 Euro, Kinder (6 bis 17 Jahre) 21 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben

freien Eintritt, wobei die Filmstadt für die Kleinsten nicht unbedingt geeignet ist. www.filmstadt.de

FILM AB

IN MÜNCHEN

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sommer 2026


Deutschland | BAYERN

RITTERSPASS IN COBURG

Nirgendwo in Bayern gibt es eine mächtigere als die Veste Coburg.

Ursprünglich als Burg gebaut wurde sie im Lauf der Jahrhunderte

stetig weiter verstärkt und ist in ihrer aktiven Zeit niemals eingenommen

worden. Damit auch kleine Besucher heute durch die

Veste und das dort untergebrachte Museum finden, stehen ein

griesgrämiger Drache und ein kluger Greif per Audioguide extra

für Kinder bereit. Gemeinsam mit diesen Gefährten entdecken

die kleinen Forscher die Geheimnisse hinter den Exponaten, von

Gemälden über Rüstungen bis zu barocken Schlitten. Auf der Familienführung

geht es sogar in den Geheimgang! Wer noch mehr

Burgen in Bayern besuchen möchte, sollte vor Ort unbedingt das

Burgmuseen-Mitmach-Heft des Netzwerks Burg.Museen.Bayern

einpacken. Das ist in allen teilnehmenden Häusern, auch auf der

Veste Coburg, kostenfrei erhältlich. Protagonist ist das Gespenst

Hugibald Flatterhemd, das die kleinen Leser mit viel Spaß und

Möglichkeiten zum Ausprobieren in die spannende Vergangenheit

des Freistaats entführt. Eintritt 11 Euro, unter 18 Jahre kostenlos.

veste.kunstsammlungen-coburg.de

KNOBELN IN OBERSTAUFEN

Kinder sind ganz schön schlau – fehlende

Erfahrung machen sie oft mit großer

Auffassungsgabe wett. In Oberstaufen

können sie das auf den beiden Moun-

Teens-Detektivwegen zeigen und gleichzeitig

viel Zeit in der Natur verbringen.

Ausgestattet mit einem Detektivbuch,

das es an den Talstationen der Hündleund

Imbergbahn sowie in den Touristinformationen

in Oberstaufen zu kaufen

gibt, folgen die kleinen Spürnasen den

Wanderwegen, erkunden Wald und

Wiese und machen an verschiedenen

Rätsel- und Spielstationen halt.

Mithilfe von QR-Codes im Buch lässt

sich an jeder Station ein Kapitel des

passenden Hörspiels mit dem Smartphone

abspielen. Unterwegs lösen die

Kinder knifflige Aufgaben und kleine

Geschicklichkeitstests, bis sie am

Ende prüfen können, ob sie den Fall

richtig gelöst haben – als Belohnung

wartet eine kleine Überraschung für

das ausgefüllte Detektivbuch. Zur

Wahl stehen der Erlebnisweg am

Hündle (Wanderzeit etwa zwei

Stunden, mit Rätseln rund drei

Stunden) und der Erlebnisweg

am Imberg (Wanderzeit rund

2,5 Stunden, mit Rätseln bis zu

3,5 Stunden). Die Detektivbücher

kosten etwa 3,50 Euro für den

Hündle-Weg und sechs Euro für

den Imberg-Weg,

www.oberstaufen.de/mounteens

reisen EXCLUSIV

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BAYERN | Deutschland

GOLDSCHÜRFEN IM OBERPFÄLZER WALD

Gerade noch auf der Schulbank das kleine Einmaleins gebüffelt und nun mit

beiden Füßen in einem kleinen Bach, auf der Suche nach Gold. Das Leben

kann so aufregend sein! Zum Goldsuchen müssen angehende Schürfer nicht

bis an den Yukon, es reicht schon eine Fahrt in den Oberpfälzer Wald. Bereits

im Mittelalter wurde rund um Oberviechtach nach Gold gefahndet und noch

heute findet sich das Edelmetall in den Bächen, die durch den Wald fließen.

Wie genau das funktioniert, das lernen Kinder auf dem Gold-Lehrpfad. Gut drei

Stunden geht es unter kundiger Führung über Stock und Stein und vor allem

in die goldführenden Bäche. Ausgestattet mit einer Goldwaschpfanne dürfen

die Kids dann selbst auf Goldsuche gehen. Mit etwas Geduld und einer Prise

Glück glitzert es bald schon zwischen dem gesiebten Bachschlamm. Als

Belohnung winken ein Goldwäscherdiplom und ein Goldtaler – der allerdings

aus Holz ist. Trotzdem ein tolles Andenken.

Termine der festen Touren online einsehbar, für Gruppen auch individuell

buchbar. Gummistiefel oder festes Schuhwerk nicht vergessen. Erwachsene

bezahlen 7 Euro, Kinder ab 4 Jahre 4 Euro. www.oberpfaelzerwald.de

ABFAHRT IM ARBERLAND

Fahrradfahren macht glücklich. Vor allem dann,

wenn es auf zwei Rädern über Stock und Stein

statt über Asphalt und Kopfsteinpflaster geht.

Für alle angehenden Radler ist daher der Familienbikepark

am Großen Arber eine erstklassige

Anlauf-, Verzeihung, Anfahrstelle. Denn nicht

nur wollen hier mehrere Strecken sowohl für

geübte als auch für neue Fahrer erobert werden.

Das Angebot des Parks umfasst darüber

hinaus auch Kurse für verschiedene Erfahrungs-

und Altersstufen, eingeteilt in Kinder von

sechs bis sieben Jahren, Kinder von acht bis

elf Jahren, Jugendliche von 12 bis 15 Jahren

sowie Erwachsene ab 16 Jahre. So kann die

Bikeschule allen Anforderungen gerecht werden.

Und auch für das passende Equipment ist

gesorgt, falls dies nicht selbst mitgebracht werden

kann. Mit professioneller Unterstützung

wird das richtige Velo für jeden Fahrer herausgesucht

und angepasst, damit auf der Strecke

auch garantiert nichts schiefgeht. Und wer sich

vom ganzen Gestrampel anschließend erholen

will, macht einfach einen Ausflug an den Großen

Arbersee. Wobei, auf dem Tretboot könnte

sich der Muskelkater dann doch bemerkbar

machen. Erwachsene 37 Euro, Kinder (4 bis

16 Jahre) 27 Euro je Tageskarte.

www.bikepark-arber.de

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reisen EXCLUSIV

sommer 2026


GEMÜTLICH ÜBER DIE ALTMÜHL

Bei aller Spannung im Leben brauchen auch Kinder

mal eine Auszeit. Aber Achtung: Langeweile darf

natürlich trotzdem nicht aufkommen. Eine Kanufahrt

auf der Altmühl vollbringt diesen Balanceakt, und zwar

mit Bravour. Denn die Altmühl gilt als der langsamste

Fluss Bayerns. Auf 230 Kilometern schlängelt sie sich

sanft durchs Altmühltal nördlich der Donau und ist

wie geschaffen für ausgedehnte Kanutouren mit der

ganzen Familie. Grüne Hänge und weite Auen wechseln

sich ab und ziehen die Blicke auf sich, während

die bayerische Sommersonne von oben herabscheint

(Kopfbedeckung und Sonnencreme nicht vergessen).

Entlang des Flusses können Kanus bei zahlreichen

Anbietern ausgeliehen werden, teils auch für mehrere

Tage. Für Einsteiger und Familien empfiehlt sich aber

eine Halbtagestour. Nach einer Einführung paddeln

Groß und Klein gemächlich los und lassen dabei die

bildhübsche Natur des Altmühltals an sich vorbeiziehen.

Eine Tour von Treuchtlingen nach Pappenheim,

knapp neun Kilometer, ist mit Pausen so in drei bis

vier Stunden machbar. Nach Ankunft werden die

Kanus dann vom Verleih wieder abgeholt und der Tag

kann mit einem Stadtausflug abgerundet werden.

Die Preise sind je nach Anbieter stark unterschiedlich,

im Schnitt werden für ein Boot zwischen 40 und

80 Euro pro Tag fällig. Eine gute Übersicht bietet

www.naturpark-altmuehltal.de.

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BAYERN | Deutschland

KINDGERECHT SCHLUMMERN

IN MÜNCHEN

Irgendwo muss die ganze Rasselbande ja

auch schlafen. Wer keine Jugendherbergen

mehr sehen kann, bucht sich mit den lieben

Kleinen einfach im harry’s home München

Moosach ein. Die elegante Unterkunft ist

Partner der Kinderhotels City und damit ideal

geeignet für kleine Besucher. Das fängt

schon beim Frühstück an, da wartet eine

eigene Kinderfrühstücksecke mit frischem

Obst, einer Saftbar zum Selbstzapfen, einer

großen Müsliauswahl sowie kindgerechtem

Besteck. Je nach Zimmerwahl kommen bis

zu vier Personen in den Apartments und

Studios unter. Doch das ist noch nicht alles.

Das Hotel verfügt über ein 45 Quadratmeter

großes Spielzimmer, mit reichlich Gelegenheiten

zum Malen, Bauen, Basteln und Lesen.

Warum gibt es das eigentlich nicht auch in

»normalen« Hotels? Mehr Informationen

unter www.harrys-home.com

GROSSES ABENTEUER IN DER

AUGSBURGER PUPPENKISTE

Seit fast 80 Jahren steht die Augsburger

Puppenkiste für im wahrsten Sinne des

Wortes fantastische Unterhaltung. Ob

»Urmel aus dem Eis«, »Jim Knopf und Lukas

der Lokomotivführer« oder »Räuber Hotzenplotz«

– es gibt wohl niemanden, der nicht

als Kind oder auch als Erwachsener ein

Lieblingsstück benennen könnte. Um aber

endlich einmal in echt zu sehen, wie sich der

berühmte Kistendeckel öffnet, da muss es

schon ein Besuch in Augsburg selbst sein.

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Karten

für das Theater sind heiß begehrt. Die gute:

Wer online keine mehr erhält, kann zum Theater

gehen und mit etwas Glück Restkarten

für eine Vorstellung ergattern. 2026 stehen

unter anderem »Räuber Hotzenplotz«, »Die

kleine Meerjungfrau« und »Rapunzel« auf

dem Spielplan. Etwas ruhiger geht es im

Museum der Puppenkiste zu. In der Dauerausstellung

können kleine Gäste ihre Helden

genau unter die Lupe nehmen. Die Sonderausstellung

»Abenteuer Museum« gewährt

anlässlich des 25. Jubiläums einen Blick

hinter die Kulissen des Museumsbetriebs.

Sicher nicht nur für Kinder spannend.

Karten für das Theater ab 12 Euro, für das

Museum 6 Euro für Erwachsene und

3,80 Euro für Kinder. www.puppenkiste.com

90 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


BERGPANORAMA IN BERCHTESGADEN

Fotos: Holly Vegter/Shutterstock.com, Bavaria Filmstadt, Kunstsammlungen der Veste Coburg, erlebe.bayern/Thomas Linkel, Leon Fellner, Frantic00/Shutterstock.com, r.classen/Shutterstock.

com, Harry’s Home Hotels/Daniel Zangerl Photography, Augsburger Puppenkiste/Florian Moch/Elmar Herr (2), Alexander Dummer; Illustration: Pixel-Shot/Shutterstock.com

Gibt es in den Ferien was Schöneres, als mit den Kindern aus

der Stadt rauszufahren und in die grüne Natur einzutauchen?

Mit schneebedeckten Gipfeln vor blühenden Almwiesen ist

Berchtesgaden dafür geschaffen wie kaum ein zweiter Ort.

Zudem sind im Nationalpark gleich mehrere Themenwanderungen

ausgewiesen, die unter anderem lehrreich und unterhaltsam

an der hiesigen Tier- und Pflanzenwelt vorbeiführen.

Was gibt es Spannenderes als Tiere? Eben. Und keine Sorge,

auch für Familien mit ganz kleinen Kindern sind manche der

Routen machbar. Am Maximiliansreitweg, dem Königsseer

Fußweg, dem Soleleitungsweg und rund um den Hintersee

sind eigens kinderwagenfreundliche Spaziergänge gekennzeichnet.

So steht der Erholung in der Natur nichts mehr im

Weg. Und sollte der Sinn dann noch nach etwas Aufregung

stehen, ist der Weg zur Sommerrodelbahn Hochlenzer auch

nicht weit. Und Abfahrt!

www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de

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dessau

DIE STADT

DER MODERNE

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Deutschland | DESSAU

100 JAHRE IST ES HER, DASS

WALTER GROPIUS UND KONSORTEN DIE

KUNSTHOCHSCHULE BAUHAUS VON WEIMAR

NACH DESSAU VERLEGTEN. ABER WAS IST

HEUTE IN SACHSEN-ANHALT VON DER

KUNSTBEWEGUNG NOCH ZU SEHEN?

EINE STIPPVISITE.

text

Konrad Bender

»Wie wollen wir leben?« Vor etwas mehr als

100 Jahren war dies eine der zentralen Fragen,

der schlaue Männer und Frauen an der

Kunsthochschule Bauhaus in Weimar nachgingen.

Kein Wunder, denn die 1920er-Jahre

waren von einem umfassenden Wandel geprägt.

Und der machte vor Architektur und

Gestaltung keinen Halt. Schon 1925 allerdings

entschloss sich der Gründer Walter

Gropius, die Kunsthochschule aufgrund politischen

Drucks in Thüringen nach Dessau

zu verlegen, wo sie am 4. Dezember 1926

eingeweiht wurde. Heute, 100 Jahre später,

ist die Wirkung der Kunstschule dort immer

noch spür- und vor allem sichtbar.

Der beste Startpunkt für einen ausgedehnten

Kulturtrip ist das Bauhaus-Gebäude selbst.

Der von Walter Gropius entworfene Komplex

ist dermaßen ikonisch, dass er selbst ausgewiesenen

Architekturmuffeln bekannt vorkommen

sollte. Falls nicht, hilft der unübersehbare

Schriftzug am Werkstattflügel bei

der Identifizierung. Der Mix aus Beton, Stahl

und Glas, also den Materialien der Moderne,

ist für das Bauhaus zentral.

sommer 2026

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DESSAU | Deutschland

DER

Die Fassade ausreichend bewundert? Dann rein in die

gute Stube. Das Bauhaus wird heute teilweise noch von

der Hochschule Anhalt genutzt, ganz im Sinne des Erbauers

also. Tür und Tor stehen Besuchern aber dennoch

offen. Ob mit Führung oder auf eigene Faust. Wer noch

tiefer in die Materie einsteigen will, hat sogar die Möglichkeit,

im Bauhaus zu übernachten. Einige der Zimmer, in

denen früher Studierende und Meister nächtigten, wurden

so gut wie möglich wieder in ihren Originalzustand versetzt.

Die Möbel sind dabei keine Originale, aber originalgetreu

nachgebaut. Die 24-Quadratmeter-Zimmer können

entweder einzeln oder im Doppel bezogen werden.

Es mag also noch kein Meister vom Himmel gefallen sein,

in die Federn fällt man hier aber wie einer. Immerhin.

Gleich nebenan stehen die sogenannten Meisterhäuser.

Hier wohnten unter anderem Walter Gropius, László Moholy-Nagy

und Paul Klee, die allesamt am Bauhaus wirkten.

Die Meisterhäuser sind ein Traum aus weiß getünchtem

Beton. Und das ohne jede Ironie. Schließlich konnte

sich Gropius hier als Architekt nach Lust und Laune austoben

und seine Vision gestalten. Herausgekommen ist

eine Reihe an Bungalows mit Flachdächern und großflächigen

Fenstern, völlig konträr zum damals üblichen Baustil.

Typisch Bauhaus eben. Die drei Häuser, idyllisch in

einem kleinen Kiefernwald gelegen, dienten den Meistern

des Bauhaus als Wohnstätte. Sie waren aber auch

anschauliche Beispiele dafür, wie modernes Wohnen im

20. Jahrhundert funktionieren sollte. Mit Heizung, Warmwasser

und zeitgemäßen Haushaltsgeräten.

Im Jahr 2019, zum 100-jährigen Jubiläum der Bauhaus-

Gründung in Weimar, wurde in Dessau das Bauhaus Museum

eröffnet. Auch hier ist die Architektur schön rechteckig,

viel Glas, weite Flächen, das ganze Programm.

Was dann beim Betreten des Foyers gleich auffällt: keine

Wände weit und breit. Der zweigeschossige Bau wird

von einigen wenigen Stahlträgern gehalten, der dadurch

geöffnete Raum durch keinerlei künstliche Trennwände

versperrt. Die bunte Glasfassade zieht so unverbaut alle

Blicke auf sich.

IN ORT

www.kornhaus-dessau.de

Das Foyer dient nicht nur als Empfangshalle des Museums,

sondern wird auch als Veranstaltungsstätte für

dramaturgische Aufführungen, Filmvorführungen, Gespräche

oder andere Kulturveranstaltungen genutzt. Die

Ausstellungsflächen wiederum sind im Obergeschoss

untergebracht. Die vollständige Sammlung des Museums

bringt es auf mehr als 50.000 Exponate, von denen etwa

5.000 im regelmäßigen Wechsel zu sehen sind. Ein erneuter

Besuch lohnt sich also.

Und wer dann immer noch nicht genug Ausnahmearchitektur

gesehen hat, kann sich die Trinkhalle von Bauhausdirektor

Mies van der Rohe, die Siedlung Dessau-

Törten mit dem charakteristischen Konsumgebäude oder

das Arbeitsamt näher anschauen. Denn das Bauhaus hat

überall in der Stadt seine Spuren hinterlassen. Der perfekte

Ausklang wartet allerdings im Kornhaus: Direkt an

der Elbschleife gelegen, öffnet sich aus dem Inneren oder

von der Terrasse des heute als Café betriebenen Baus

der Blick auf das grüne Umland Dessaus. Perfekt, um die

gesammelten Eindrücke zu verarbeiten.

INFO Im Bauhaus-Gebäude steht im Jubiläumsjahr alles im Zeichen von

»Glas | Beton | Metall«, den prägenden Werkstoffen der Bauhaus-

Architektur. Die Ausstellung untersucht die Verbindungen von Architekturund

Industriegeschichte im frühen 20. Jahrhundert. Noch bis zum

10.01.2027, täglich von 10 bis 17 Uhr. Einzelticket für 14 Euro.

Die Ausstellung »Bakelit | Glasur | Farbe« im Bauhaus Museum stellt

Schenkungen an die Stiftung Bauhaus in den Mittelpunkt. Von Kunstwerken

über Fotografien bis hin zu Haushaltsobjekten wie historischen

Lichtschaltern aus Bakelit ist alles dabei, was mit dem Bauhaus zu tun

hat. Noch bis zum 31.01.2027, Di–So von 10 bis 18 Uhr. Einzelticket für

10 Euro.

Die Meisterhäuser in unmittelbarer Nähe zum Bauhaus-Gebäude sind

täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Einzelticket für 10 Euro.

Die Stiftung Bauhaus Dessau hat unterschiedliche Führungen im

Programm. Für einen umfassenden Besuch lohnt das Gesamtticket für

29 Euro. Mehr Informationen unter www.bauhaus-dessau.de

Das Café im Kornhaus serviert eine ausgewählte Anzahl an Hauptspeisen

sowie kleinere Snacks und Getränke. Täglich 12–21 Uhr,

Fotos: Thomas Meyer/OSTKREUZ (3), Gunter Binsack, Yvonne Tenschert 2015

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reisen EXCLUSIV

sommer 2026


ZUKUNFT

Schon das Foyer des Bauhaus Museums ist ein Kunststück für sich. In der offenen Bauweise spiegelt sich die Gestaltungslehre

der Kunstschule. Das Gleiche gilt für die Meisterhäuser. Noch heute wirken sie wie Gebäude aus der Zukunft.

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NORDERNEY | Deutschland

lauter

NSELHITS

text Harald Braun

VON SONNENUNTERGANG

AN DER MILCHBAR BIS CROISSANTS

IM INSELLOFT, VON THALASSO-TEMPEL BIS

THEATER-ÜBERRASCHUNG: NORDERNEY

STECKT VOLLER LIEBLINGSPLÄTZE –

CHARMANT, STILVOLL, MANCHMAL SCHRÄG,

ABER IMMER BESONDERS. DIESE SIEBEN

TIPPS ZEIGEN, WO DIE INSEL IHREN

GANZ EIGENEN RHYTHMUS HAT.

96 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


1. Milkshake

Sundowner in der Milchbar

Die Milchbar ist der Fixpunkt am Westkopf der ostfriesischen Insel. Hier

treffen sich allabendlich die Sundown-Spotter beim Aperol und lauschen

den Klängen von Blank & Jones. Die Kölner DJs und Produzenten haben

vor Jahren schon eine eigene Milchbar-Compilation auf den Markt gebracht,

die beim Publikum des rundum verglasten einstöckigen Gebäudes

gut ankommt. Die Milchbar gehört zum Portfolio der Bremer Architektenfamilie

Brune, ihr Credo für diesen Ort: kleine Speisekarte nach Kantinenart

(Selbstabholer), solides Essen, kleine Preise. Funktioniert einwandfrei.

An sonnigen Tagen ist die Milchbar fast schon eine Spur zu beliebt, die Liegestühle

auf der Outdoor-Terrasse des unter Denkmalschutz stehenden

Gebäudes sind leider meistens vergeben.

97


Loft auf Inselzeit: Das Inselloft Norderney besteht aus vier historischen

Kaufmannsvillen, in denen das Hotel, das Restaurant Esszimmer und

eine Bäckerei mit den besten Croissants der Insel untergebracht sind.

Ein Besuch lohnt auch ohne Übernachtung!

Kein Sprung ins kalte Wasser, sondern Verwöhnprogramm hoch fünf:

Das bade:haus Norderney ist Deutschlands größtes Thalasso-Haus.

98 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


Deutschland | NORDERNEY

2. Wildberry Lillet

Anstossen in der Weissen Düne

Wer Norderney Böses will, vergleicht es mit Sylt. Was meistens

unfair ist, weil die Nachbarinsel von Juist nun wirklich wenig

Ansätze für solch einen Verweis bietet. Ausnahme: die Weiße

Düne. Eine geschmackvoll eingerichtete, lang gezogene Hütte

mitten in der eindrucksvollen Dünenlandschaft Norderneys.

Sie ist, so kann man das wohl sagen, schon ein wenig mit der

berühmten Sylter Sansibar vergleichbar: Sie liegt an einem

landschaftlich schicken Ort am Strand. Die Einrichtung wirkt

gleichermaßen rustikal wie stylish. Die Küche hat ein gewisses

Niveau, was man sich in der Weißen Düne auch entsprechend

bezahlen lässt, und wer auf Norderney gesehen werden will,

befindet sich hier am richtigen Ort. Das Schöne an Norderney

ist nun aber, dass es sich um eine überwiegend autofreie Insel

handelt. Den schönen Abend darf man sich also mit einer Wanderung

zur Weißen Düne verdienen. Einen Mercedes-Parkplatz

wie an der Sansibar auf Sylt gibt’s hier nicht.

3. Nordisch by Nature

Bierchen in der Weststrandbar

Früher war das bloß ein schmuckloser Unterstand in Sichtweite

eines Toilettenhäuschens, beschreibt Tobias Pape

den Ort, in dem er heute die Weststrandbar betreibt. Inzwischen

ist dieser Unterstand allerdings so etwas wie

die Hippie-Alternative zur Milchbar, lange Schlangen verweisen

bei gutem Wetter darauf, dass sich die Leute hier

wohlfühlen. Ist ja auch kein Wunder: Die Weststrandbar,

das sind ein paar schlichte Holztische, ein fantastischer

Meerblick und ein überschaubares, aber solides Getränkeangebot.

Das Bier stammt von Tobias Pape selbst, der sich

als Brauer vor einigen Jahren im Norderneyer Brauhaus

selbstständig machte und seitdem als Mikrobrauer so erfolgreich

ist, dass er seinen Gerstensaft längst in einer

großen Halle produziert und damit die halbe Insel bewirtet.

Aber nur dort, denn sein Credo lautet: »Lokal trinken, global

handeln.«

4. ITSY BITSY TEENIE WEENIE

HONOLULU STRAND BIKINI

Abtauchen im bade:haus Norderney

Schon die künstlerische Schreibweise dieses Wassertempels

weist darauf hin, dass wir es hier keineswegs mit einem schnöden

Schwimmbad zu tun haben. Wir reden über das größte

Thalasso-Haus Deutschlands, über 8.000 Quadratmeter Nassbereich

mit einem eigenen Spaßbad für Kinder und einem Pool

für sogenannte Meditationsschwimmer. Darüber hinaus kann

der geneigte Besucher sich aussuchen, welchen der meist aufwendig

inszenierten Saunen er sich anvertraut. Man kann im

Norderneyer bade:haus einen ganzen Tag verbringen, ohne all

seine Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben. Willkommener

Bonus: Das Design dieser auch von außen sehr ansehnlichen

Therme zeugt von einem gewissen Gestaltungswillen seiner Architekten.

(Momentan wird auf Norderney gleich nebenan ein

Luxushotel (Hotel Luv) gebaut, das über einen Tunnelweg mit

dem bade:haus verbunden sein wird.)

5. Island in the Sun

Übernachten im Inselloft

Nicht jeder hat das Glück, im freundlichen und kreativ gestalteten

Hotel Inselloft zu übernachten. Das heißt aber

nicht, dass man die vier miteinander verbundenen historischen

Kaufmannsvillen nicht mal besuchen könnte. In

einem dieser Häuser befindet sich die beste Bäckerei der

Insel, deren Sortiment auf der ganzen Insel beliebt ist und

frühmorgens schon einmal für Schlangenbildung auf dem

Damenpfad sorgt. Berühmt vor allem die fluffigen Croissants

und das Traube-Nuss-Brot, so etwas wie das Signature-Produkt

des Hauses. Ebenfalls einen Besuch wert

ist das zum Inselloft gehörende Restaurant Esszimmer, in

dem sich die Gäste an einer langen Tafel schon beinahe

zwangsläufig näher kommen. Die Küche ist einsehbar, die

Speisekarte jung und frisch, der Koch ein Könner. Montags

haben Bäckerei und Esszimmer Ruhetag.

99


NORDERNEY | Deutschland

6. Mensch Meier

Schlemmen in der Meierei

Vom Krabbenbrot

bis zum bayerischen

Schmankerl: In der

Meierei passt nichts

zusammen, und

genau das macht

den Laden aus.

Schwierig, diesen Ort zu beschreiben. Eklektisch

ist er auf jeden Fall, aber das hilft ja nicht

weiter. Also, erster Versuch: Die Meierei wirkt

wie das Scheidungskind eines Floristen mit einem

Faible für Kunstgewerbe und einer Feinkosthändlerin

mit Ambitionen am Herd. Immer

noch kein Bild vor Augen? Nun: Es ist eine ehemalige

Milch-Meierei, in der man Leckereien

vom Wein bis zum Käse kaufen kann, in der

viele bunte Deko-Accessoires erfolgreich verhindern,

dass man weiter als drei Meter in den

verwinkelten Raum hineinschauen kann und

wo man eine Speisekarte wie ein Wimmelbild

durchsuchen muss, um seine Wahl zu treffen.

Regionale Spezialitäten, Fleisch vom Holzkohlegrill,

Waffeln … Nichts passt zusammen, aber

das Gesamterlebnis passt und schmeckt. Unbedingt

mal vorbeischauen, es wird lebhaft!

7. Hier kommt Kur(t)

Grosses Kino im Kurtheater

Wer auf Norderney Lust auf Kultur entwickelt,

dürfte überrascht sein. Nicht unbedingt über

das allgemeine Angebot, das sich irgendwo

zwischen Kurkonzert und einem Gig der Fantastischen

Vier bewegt. Der Ort ist es, der erstaunt.

Das historische Kurtheater wurde schon 1894

im Stil eines Residenztheaters eröffnet und

wirkt von innen in rotem Plüsch so, als sei seitdem

auch nichts mehr renoviert worden. Wer

die Grandezza dieses Hauses erleben möchte,

muss sich nicht mal durch eine vierstündige

Faust-Aufführung quälen. Das Kurtheater wird

hauptsächlich als Kino genutzt und auch meistens

von einem ganz anständigen Arthaus-Programm

bespielt. Bonus: die sehr sympathische

Atelier & Art Bar im Glashaus vor dem Theater.

INFO

Milchbar. Kult-Sundowner am Westkopf, www.milchbar-norderney.com/de

Weiße Düne. Strandrestaurant in den Dünen, hochwertige Küche, www.weisseduene.com

Weststrandbar & Norderneyer Brauhaus. Lockerer Beachspot mit Inselbier, in der Saison

meist täglich etwa 12–19/21 Uhr geöffnet, witterungs- und saisonabhängig, genaue

Öffnungszeiten vor Ort checken, www.norderneyer-brauhaus.de

Inselloft & Esszimmer. Designhotel mit eigener Bäckerei und offenem Küchenkonzept,

Studios ab ca. 200 Euro pro Nacht für zwei Personen, je nach Saison und Zimmerkategorie

(Frühstück extra), www.inselloft-norderney.de

bade:haus Norderney. Thalasso-Tempel mit Spa, Sauna und Spaßbad, Spaßbad

ab 11 Euro, Thalasso-Bad ab 27 Euro, Saunawelt ab 39 Euro pro Erwachsenem,

www.norderney.de/badehaus

Kurtheater & Atelier Art & Bar. Historisches Theater plus kreative Bar, Programm unter

www.norderney.de/veranstaltungen

Meine Meierei. Eklektisches Ausflugslokal in ehemaliger Milchmeierei, täglich 11–21

Uhr geöffnet, Montag Ruhetag; Grillküche meist etwa 12–20 Uhr, www.meine-meierei.de

Fotos: Inselloft (4), Janis Meyer (3), Markus Kenschull, Nicholas Chibac,

www.norderney.de, Meierei/Instagram, ManoStudioArt/Shutterstock.

com, Suprabh Barua Hero/Shutterstock.com

100 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


UMS ECK

BADEWONNE

Ein warmes Bad in frischem Quellwasser, dazu ein Glas Kärntner Prosecco und

ringsum nichts als die Nockberge und der Millstätter See tief im Tal. Die Wirtsleute der

»AlexanderAlm« haben hoch oben auf der Millstätter Alm etwas geschaffen, das so simpel

wie außergewöhnlich ist: ein privates Bad unter freiem Himmel, zu zweit, mit Almkäse

aus der eigenen Sennerei. Herrlich! www.seeundberg.at/outdoor-badewannen/

ÖTZI-TOUR

Fotos: PR. Gert Perauer/MBN Tourismus, Thomas Grüner

PRE-DINNER-WINNER

Der Aperitivo ist kein Drink, er ist ein Ritual.

Tanja Dusy und Klaus Maria Einwanger

haben es in einem Buch eingefangen:

Rezepte für Aperol Spritz, Negroni und

regionale Liköre, venezianische Happen,

Crostini und Fotografien aus Bars und

Gassen Norditaliens. Wer es aufschlägt,

ist schon halb in Italien. Gräfe und Unzer,

240 Seiten, 40 Euro

Im Schnalstal lässt sich Ötzis Welt buchstäblich begehen. Die »Ötzi Glacier Tour«

führt von Juli bis Oktober jeden Dienstag zur originalen Fundstätte am Tisenjoch

auf 3.210 Meter. Dort, wo Ötzi über 5.000 Jahre verborgen im Eis lag. Wer lieber von

oben schaut: Am Iceman Ötzi Peak, direkt an der Bergstation der Alpin Arena

Schnals, lässt sich ein Blick über diese sagenhafte Bergwelt erhaschen. auf.reise/oetzi

sommer 2026

reisen EXCLUSIV

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ANTWERPEN | Ums Eck

text Jennifer Latuperisa-Andresen

die belgische

ÜberrAschuNg

wArum ANtwerPeN

uNser sommer-citYtriP ist

102 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


brÜssel oder brÜgge, dAs keNNt doch Jeder.

wer dAs echte belgieN sucht, lANdet iN ANtwerPeN. hier trifft

NeobArocke Architektur Auf die rAdikAle modeAvANtgArde der

»ANtwerP siX« uNd deN besteN Pommes-kult des lANdes.

ob beim stÖberN durch kurAtierte viNtAge-shoPs, beim

ruhesucheN iN versteckteN gärteN oder Auf eiNeN esPresso

beim kAffeerÖster reubeN: wir hAbeN die iNsider-AdresseN,

die dieseN städtetriP Zum PflichtProgrAmm mAcheN.

reisen EXCLUSIV

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ANTWERPEN | Ums Eck

DDer erste Eindruck bleibt. Wer mit dem Zug ankommt,

steigt aus und steht plötzlich in einer Art Kathedrale aus

Glas, Stein und Licht. Der Hauptbahnhof in Antwerpen,

ein neobarocker Prachtbau aus dem frühen 20. Jahrhundert,

ist für sich schon eine Sehenswürdigkeit. Über den

Köpfen spannt sich ein hohes Gewölbe, durch das das

Licht fällt, als gehöre es selbst zur Architektur. Fast wirken

die vorbeieilenden Menschen deplatziert, viel zu laut und

zu schnell. Wer zum ersten Mal hier steht, ist leicht zu erkennen:

Das Handy gezückt, den Kopf im Nacken, schauen

sie sich staunend um. Noch bevor der Aufenthalt in Antwerpen

überhaupt begonnen hat, ist klar: Hier wird es besonders.

Zeit, die Treppe hinunterzugehen. Die Stadt wartet.

Wer weitergeht, taucht in eine Stadt voller Widersprüche

ein, die sich wunderbar ergänzen: flämische Altmeister

und internationale Modeavantgarde, mittelalterliche Gildehäuser

und hippe Concept Stores, Hafenromantik und Diamantglanz.

Rund um den Bahnhof liegt das Diamond Quarter,

wo täglich Milliardenwerte die Hände wechseln und

wo das Leben auf der Straße trotzdem ganz normal weiterläuft.

Vom Hauptbahnhof Antwerpen-Centraal schlendern

Neuankömmlinge durch eine ausgedehnte Fußgängerzone.

Genauer: Die Straßen De Keyserlei und Meir gehören

zu den bekanntesten Einkaufsstraßen Belgiens und

führen direkt in die historische Altstadt. Die Liebfrauenkathedrale,

das Rubenshuis, die ganzen klassischen Sehenswürdigkeiten,

all das hat seine Berechtigung. Aber wer

Antwerpen wirklich kennenlernen will, biegt früher ab.

Denn zuerst gibt es etwas Wichtigeres zu klären.

In Belgien sind Pommes kein Fast Food, sie sind Kulturgut.

Und wer das noch nicht verstanden hat, begreift es

spätestens beim ersten Bissen. Das Frites Atelier in der Korte

Gasthuisstraat (abseits der Meir Straat) ist wahrscheinlich

die ambitionierteste Adresse der Stadt. Neben einem

stylishen Interieur warten hochwertige Zutaten, kreative

Toppings und Soßen, die die Entscheidung schwer machen.

Durchgehend bis abends geöffnet, also kein Stress.

Klassischer und, zugegeben, ein wenig geerdeter geht’s

beim Fritkot Max direkt am Groenplaats zu. Der Laden

Heiß und fettig:

Frittiertes ist hier

kein Grund für ein

schlechtes Gewissen,

sondern Kulturgut.

ist kultig, günstig und immer gut besucht. Wer nach einem

langen Shoppingtag noch Hunger hat, findet beim Frituur’t

Stad am Melkmarkt nahe der Kathedrale bis Mitternacht sein

Glück. Und wer mit dem Zug anreist oder abreist: Das Frietatelier

De Laet am Koningin Astridplein punktet mit großer

Soßenauswahl direkt am Bahnhof. Was sollen wir sagen:

Knuspriger kann eine Stadt Besucher nicht willkommen

heißen, oder eben verabschieden.

Frisch gestärkt und mit reichlich Energie lässt es sich

hervorragend auf Entdeckungstour gehen. Antwerpen und

Mode, das ist keine zufällige Liebe. Die Stadt hat mit den

»Antwerp Six« in den 1980er-Jahren die Modewelt aufgemischt

und diesen Spirit nie verloren. Heute spürt man ihn

auf Schritt und Tritt: in den kuratierten Vintage Stores, den

kleinen Designerboutiquen und den Concept Stores, die

wie Ausstellungsräume wirken.

Wer Vintage sucht, ist in der Nationalestraat goldrichtig:

Melting Pot Kilo (Hausnummer 14) ist ideal zum Stöbern

für günstige Funde, Labels Inc. (Nummer 95) punktet

mit Designer-Secondhand, und Jutka & Riska (Nummer

87) überrascht mit bunten, auffälligen Einzelstücken.

Etwas abseits, aber absolut empfehlenswert: ENSŌ Vintage

in der Lombardenvest und das winzige State of 8 in der

Reyndersstraat, beide kuratiert, von Frauen geführt und

LGBTQ+-friendly.

In der Kammenstraat lohnt sich ein Bummel durch

Think Twice. Eine Filiale einer Secondhandkette – aber die

große Auswahl an Basics und besonderen Stücken überzeugt.

Die Straße selbst wirkt ein bisschen wie Antwerpens

lässiges Wohnzimmer. Eine schmale Gasse, dicht gesäumt

von kleinen Läden, Sneaker-Shops, Streetwear und Cafés.

Zwischen Radfahrern, Jugendlichen mit Stoffbeuteln und

Menschen mit Coffee to go schiebt sich der Alltag gemächlich

hindurch. Wirklich perfekt zum Stöbern ohne Hetze.

Für Concept-Store-Feeling: Juttu auf der Meir oder der

charmante Jacob’s Conceptstore in der Hoogstraat. Wer es

gehobener mag, betritt bei Verso in der Lange Gasthuisstraat

und Rue Blanche in der Leopoldstraat eine andere

Fashion-Welt aus großzügigem Schaufenster, viel Holz und

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reisen EXCLUSIV

sommer 2026


Noch bevor der Aufenthalt

begonnen hat, ist klar:

Hier wird es besonders.

Design, Mode und Kunst: Drei Einwohner,

die Antwerpen attraktiv machen.

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MAS-t see in Antwerpen: Das MAS, das Museum aan de Stroom, ist

Blickfang im Hafen, vom Dach gibt’s einen tollen Blick über die Stadt.

Nach dem Shopping-Marathon wird’s geschmackvoll: Im Café De

Vischmijn schmeckt das Bier verdächtig nach dem besten der Stadt.

Ein bisschen Grün schadet nie: In

Antwerpen schon gar nicht, wie der

üppige Garten im Rubenshuis zeigt.

106 reisen EXCLUSIV


Ums Eck | ANTWERPEN

Die Stadt hat

eine echte CaféKultur.

Touristische Kettenläden

sucht mAN vergebens.

Fotos: Alessandro Riggio (6), Frites Atelier, Patrick Robert Doyle, Benjamin Brolet/David Plas Agency, Ans Brys

gedämpftem Licht. Zwischen den Ständern läuft leise Musik,

es duftet nach Parfumproben und frisch gebrühtem

Kaffee.

Und dann noch die Kloosterstraat. Sonntags geöffnet,

voller Antik-, Vintage- und Interieurläden. Hier reiht sich

altes Holz an Messinglampen, Designklassiker an Trödel,

dazwischen Menschen mit eingerollten Teppichen unterm

Arm. Wer danach im anliegenden Café De Vischmijn einkehrt,

versteht, warum Locals behaupten, hier gäbe es das

beste belgische Bier der Stadt. Nach so einem Shopping-

Marathon schmeckt es jedenfalls so.

Irgendwann braucht der Körper eben eine Pause. In

Antwerpen finden sich dafür leicht gute Adressen. Die Stadt

hat eine echte Cafékultur. Touristische Kettenläden sucht

man vergebens. Dafür gibt es besondere Orte mit Charakter,

an denen man sich sofort wohlfühlt. Das Kasette Koffie

ist so ein Ort. Im Hinterhof laufen drei puschelige Hühner

herum, die Wandbilder haben längst Kultstatus, und hinter

der Theke steht Reuben, Besitzer, Röster, gelegentlicher

DJ. Er kümmert sich persönlich um jede Mischung, und

das schmeckt man. Wer nur für eine Kaffeelänge bleiben

wollte, wird schnell eines Besseren belehrt. Auch im Objekty

Café in der Anselmostraat sollten alle Pläne für die

nächsten Stunden über Bord geworfen werden. Angesagtes

Ambiente, gute Tee- und Kaffeeauswahl, kein Touristentrubel.

Viel zu gemütlich ist es hier. Also durchatmen und den

Tag bis jetzt sacken lassen.

Doch irgendwann ist es Zeit aufzubrechen. Denn auch

das kulturelle Leben Antwerpens lohnt. Pflichtstopp: Das

MAS, das »Museum aan de Stroom«, überrascht schon von

außen mit seiner markanten Silhouette am Hafen. Drinnen

führen Rolltreppen über neun Etagen nach oben, bis sich

im 10. Stock der Blick über die Stadt und den Hafen öffnet.

Und das völlig kostenlos und ohne Warteschlangen.

Wer Antwerpens Modegeschichte verstehen will, besucht

das MoMu, das gerade die legendären »Antwerp Six«

feiert. Jene sechs Absolventen der Royal Academy, darunter

Dries Van Noten und Ann Demeulemeester, die 1986 in

London die belgische Mode weltberühmt machten. Die

Ausstellung läuft noch bis Januar 2027 und ist definitiv einen

Besuch wert.

Und dann, fast versteckt hinter dem Rubenshuis: Rubens’

Garten, den Dries Van Noten mitgestaltet hat. Umgeben

von hohen Hecken, mit geometrisch angelegten Beeten

und üppiger Blumenpracht. Eine kontrollierte Opulenz,

wie man sie aus seiner Kollektion kennt. Die Stadtgeräusche

dringen nur noch ganz gedämpft ans Ohr. Wer diesen

Garten findet, der bleibt. Und kommt wieder.

INFO

Die offizielle Tourismus-Website visit.antwerpen.be/de

bietet aktuelle Veranstaltungshinweise, Stadtpläne und

Tipps auf Deutsch. Für Museumsöffnungszeiten und

Tickets lohnt sich außerdem ein Blick auf mas.be/de und

momu.be/de.

Wer die klassischen Sehenswürdigkeiten

der Stadt erkunden möchte, besucht

unseren Antwerpen-Reiseguide online:

auf.reise/antwerpen-guide

sommer 2026

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aarhus

im Rampenlicht

text Simone Sever & Ulrike Herder

108 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


Ums Eck | AARHUS

Der lichtKÜnstler James turrell hat aarhus Zur tOpKunstaDresse

eurOpas Gemacht. im sOmmer 2026 GiBt es im Kunstmuseum arOs Das

BislanG GrÖsste sKYspace-WerK Des KÜnstlers Zu BeWunDern.

aBer aarhus hat mehr Zu Bieten als Diesen einen cOup. DÄnemarKs

ZWeitGrÖsste staDt lieGt am Wasser, DenKt urBan unD ÜBerrascht

auF schritt unD tritt. FÜnF GrÜnDe, Warum sich Die reise JetZt lOhnt.

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AARHUS | Ums Eck

lichtBlicK DeluXe: Das Kunstmuseum arOs

Schon von Weitem sieht man, dass es schwebt. Das farbenfrohe und kreisrunde

Rainbow-Panorama des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson thront wie eine

Mischung aus Heiligenschein und Regenbogen über dem Gebäude des Kunstmuseums

»ARoS«. Der Besuch des »ARoS« ist aus vielerlei Gründen ein absolutes Muss. Zum

einen lockt natürlich die Kunst. Absoluter Hingucker ist die überdimensional große

Boy-Skulptur von Ron Mueck, die 500 Kilogramm schwer dauerhaft im Museum sitzt.

Aber auch das Innenleben des Hauses, das mit seiner lichten Farbgebung und seinen

fließenden Formen einen skulpturalen Innenraum erschafft, der den Besucher zu einer

erlebbaren Raumreise einlädt und ein wenig an das Guggenheim Museum in New York

City erinnert. Last, but not least und über allem schwebend wartet dann ein spektakulärer

Spaziergang durch den Regenbogen. Immer und immer wieder.

Ein weiterer triftiger Grund, Aarhus und das »ARoS« im Sommer zu besuchen:

James Turrell, einer der bedeutendsten Lichtkünstler unserer Zeit, stellt im Kunstmuseum

sein bislang größtes Skyspace-Werk aus: »As Seen Below – The Dome«.

16 Meter hoch, 40 Meter im Durchmesser. Turrell arbeitet seit Jahrzehnten mit einem

einzigen Medium: Licht. Nicht als Beleuchtung, sondern als Substanz, die den Raum

verändert, die Wahrnehmung verschiebt und Grenzen auflöst. Seine Skyspaces sind

begehbare Räume, deren Decke sich zum Himmel öffnet. Was wie ein Bild wirkt, ist in

Wahrheit ein lebendiges Erlebnis.

Der Weg in »As Seen Below« führt durch einen unterirdischen Gang, das Licht wird

weicher, die Schritte werden langsamer. Dann öffnet sich die gewaltige Kuppel und der

Blick geht nach oben durch die kreisrunde Öffnung direkt in den Himmel. Eine Wolke

schiebt sich ins Bild. Kaum merklich verändert sich die Farbe, von Blau ins Grau ins

Gold. In der Ferne flattern Vögel, millimeterklein. Ein Flugzeug zieht einen Kondensstreifen

hinter sich her, dann ist es weg. Wieder kippt das Licht, wieder entsteht ein

neues Bild. Dasselbe Werk, ein völlig anderer Moment. Faszinierend, wie Turrell mit

nichts als Licht und Himmel eine Erfahrung schafft, bei der Zeit und Raum ihre

Bedeutung verlieren.

1

Wo endet der Raum,

und wo beginnt das

Sehen? James Turrells

Lichtinstallationen im

»ARoS« lassen diese

Frage offen, und das

Auge dabei angenehm

ratlos.

110 reisen EXCLUSIV

sommer 2026


OBen Ohne: sallinG rOOFGarDen

2

Mitten im Zentrum von Aarhus steht

das Kaufhaus Salling, und wer dort nicht

aufs Dach steigt, hat etwas verpasst. Der

Salling Roofgarden überrascht: grüner und

weitläufiger als erwartet, auf mehreren

Ebenen angelegt, mit dem Gefühl einer

kleinen Oase hoch über der Stadt. Besonders

schön ist der Blick über die Stadt bei

Sonnenuntergang. Ab und zu am Cocktail

nippen und genießen. Und dann ist da

noch diese Brücke, die aussieht, als würde

sie direkt in den Himmel führen. Kostet

nichts außer Herzklopfen. Lohnt sich sehr.

Oben: Ob Schwimmen in diesem See in der

Namib-Wüste eine gute Idee ist? Egal, es war

Schwarzen Felsen, sin

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AARHUS | Ums Eck

3

hier BrODelt es: aarhus street FOOD marKet

Die Tür geht auf, und sofort liegt ein wildes Gemisch aus Gewürzen,

Grillrauch und frisch Gebratenem und Gebackenem in der Luft. Was hier

einmal ein schmuckloser Busterminal war, ist heute einer der lebendigsten

Orte der Stadt. Im Aarhus Street Food Market drängen sich rund 30 Küchen

und Bars aneinander. Klassisches dänisches Smørrebrød an einem

Stand, knusprige Tacos am nächsten, daneben geschmacksintensive

Ramen. Dazu Craftbeer vom Fass und ein Aquavit-Cocktail, der den Abend

einläutet. Denn auch wer eigentlich nur kurz reinschauen wollte, bleibt

plötzlich den ganzen Nachmittag.

reiF FÜr Die insel: Das Viertel Ø

»Ø« heißt übersetzt Insel, und wer durch das jüngste Viertel der Stadt

schlendert, versteht, warum: Kanäle rechts und links, der Hafen vor der Tür,

das Meer immer in Sichtweite. Eine eigene kleine Welt, die sich vom Rest

der Stadt deutlich absetzt. Die Promenade lädt zum Schlendern ein, die

kühne Architektur der neuen Wohnhäuser und Hotels zum Staunen.

Wer aktiver unterwegs sein möchte, paddelt per Kajak oder SUP durch

die Kanäle, wagt sich aufs Wakeboard oder testet eine der vielen Wassersportanlagen

am Aarhus Watersports Complex. Wer lieber die Seele

baumeln lässt, findet an den Uferkanten und in den Cafés entlang des

Wassers genug Gründe, einfach sitzen zu bleiben. »Ø« ist das Viertel, das

Aarhus gerade neu erfindet. Es macht Spaß, dabei zuzusehen.

4

112 reisen EXCLUSIV


Fotos: Matt Morelli, Mads Smidstrup/ARoS 2025, Kristian Eegelund, Jakob Vingtoft, Francesca Dolnier, Frame and Work, Oliver Foerstner/Shutterstock.com

spaZierGanG ins nirGenDWO:

Die unenDliche BrÜcKe

5

Einen Brückentag einlegen? In Aarhus ist das ein Muss.

Einen ganzen Tag braucht es dafür nicht, aber ein paar

Stunden an der »Uenendelige Bro« vergehen wie im

Flug. Von der Uferwiese führt ein hölzerner Steg direkt

ins Rund, ein weiter Kreis, der sich über das Meer legt

und gen Horizont führt. Mit jedem Schritt ändert sich

der Blick: mal Stadt und Segelboote, mal nur Wald,

Strand und Wasser. Die »Unendliche Brücke« kennt kein

anderes Ufer und keine Ankunft. Hier ist sprichwörtlich

der Weg das Ziel.

Ursprünglich als Kunstinstallation für das Festival

»Sculpture by the Sea« vom Architekturbüro Gjøde &

Povlsgaard Arkitekter entworfen, ist sie längst das

beliebteste Wahrzeichen der Stadt. Jedes Jahr von April

bis Oktober wird sie am Strand von Varna und Ballehage

neu aufgebaut. Ganze 188 Meter lang, 2,4 Meter

breit und mit einem Durchmesser von 60 Metern bietet

das hölzerne Ausflugsziel allerlei Möglichkeiten für

entspannte Momente. Wer mag, läuft Runde um Runde.

Wer lieber bleibt, lässt sich auf die Planken sinken,

schaut in die Bucht und baumelt die Beine über dem

klaren Wasser.

INFO

ANREISE Von Deutschland aus geht es am schnellsten

per Flug nach Aarhus Airport (AAR), dann weiter mit dem

Expressbus ins Zentrum. Alternativ per Bahn über Hamburg

und Jütland (ab Norddeutschland etwa 6–9 Stunden). Wer

mit dem Auto unterwegs ist, nimmt oft die Kombination

aus Deutschland–Dänemark-Fähre und der Inlandsfähre

Molslinjen von Sjællands Odde nach Aarhus (rund 1,5

Stunden Überfahrt).

»ARoS« Aarhus. Erwachsene bezahlen rund 27 Euro,

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei. Der neue

Skyspace »As Seen Below – The Dome« von James Turrell

ab dem 19. Juni 2026 ist im regulären Museumseintritt

enthalten und als dauerhaftes Werk angelegt.

www.aros.dk/en

Aarhus Ø & Wassersport. Eine Wakeboard-Session (eine

Stunde) an der Anlage kostet um 40 Euro, Ausrüstung

inklusive. Ein Stand-up-Paddle-Board kostet pro Tag etwa

40 Euro. www.awc.dk /en

Mehr Informationen gibt es auf der Website des Fremdenverkehrsamts

von Aarhus. www.visitaarhus.de

sommer 2026

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CHECK OUT

GEWINN-

SPIEL

IMPRESSUM

114

Ludwig meets Buddha –

Ruhe ist der neue Luxus

Wer im Ludwig Royal ankommt, merkt schnell, dass dieses Haus anders funktioniert wie viele

klassische Wellnesshotels in den Alpen. Kein überinszenierter Luxus, keine laute Erlebniswelt

– sondern Ruhe, Bergluft und das Gefühl, endlich wieder bei sich selbst anzukommen.

Das Resort liegt auf einem Sonnenplateau im Allgäu, eingebettet zwischen Wiesen, Wäldern

und den Bergen des Naturparks Nagelfluhkette. Nur 40 Zimmer und Suiten, alle mit Balkon

oder Terrasse und freiem Blick in die Natur. Besonders spürbar wird die Entschleunigung

draußen: beim Spaziergang zu den Buchenegger Wasserfällen, auf dem Weg zum Dreiländerblick

oder bei einer Wanderung auf den Hochgrat – dem Wahrzeichen des Westallgäus.

Zurück im Hotel beginnt am Abend eine andere Form von Wellness. Im 2.000 Quadratmeter

großen Spa »Ludwig meets Buddha« stehen nicht Inszenierung, sondern Regeneration

im Vordergrund. Innen- und Außenpool, Saunen, Dampfbad und Adults-Only-Bereiche sind

Rückzugsorte mit viel Ruhe. Passend dazu das Silent-Health-Konzept – eine Verbindung

aus Bewegung, bewusster Ernährung und Erholung. Die Balance Cuisine ergänzt die klassische

Alpenküche um leichte, moderne Gerichte ohne Verzicht. Das Hotel will nicht beeindrucken.

Sondern dafür sorgen, dass man sich nach ein paar Tagen anders fühlt als zuvor.

www.hotel-ludwig-royal.de

Gewinn: Zwei Übernachtungen im Doppelzimmer inklusive Gourmetpension

Für die Teilnahme am Gewinnspiel beantwortet bitte eine Frage unter:

www.reisenexclusiv.com/gewinnspiel-ludwig-royal

Einsendeschluss ist der 10.08.2026.

reisen EXCLUSIV

Fotos: 2025 Jessventurecaptures (3)

erscheint viermal im Jahr bei der

ella Verlag und Medien GmbH

Headquarters Hürth 3

50354 Hürth

Tel.: 02233 460 15-0

Fax: 02233 460 15-24

info@reisenexclusiv.com

www.reisenexclusiv.com

Chefredakteurin

Jennifer Latuperisa-Andresen

Stellvertretende Chefredakteurin

Jana Freiberger

Art Director

Alessandro Riggio

Redaktion

Konrad Bender

Jasmin Faust

Ulrike Herder

Frank Störbrauck

Marie Tysiak

Reporter:innen dieser Ausgabe

Harald Braun

Kirsten Bungart

Andreas Dauerer

Peter Pfänder

Simone Sever

Anzeigenleitung

Susanne Gorny, sg@ella-verlag.com

Anzeigen

Andrea Vogel, av@ella-verlag.com

Korrekturen

Bärbel Philipp, textperlen.de

Dokumentation

Claudia Scholz

Titelbild

JW Mariott Crete

Druck

Bonifatius, Paderborn


Bag

for

Good

Hier leeren spannende Persönlichkeiten

aus Reise, Beauty und der

Promiwelt ihre Tasche. Heute:

Bettina Faust, die Frau hinter den

PR-Strategien von Luxushotels wie

Six Senses – seit über 20 Jahren im

Business und Inhaberin der

Agentur Faust Concept PR.

Text: Ulrike Herder; Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen; Privat

Eine Tasche für alle Fälle: Die »Delfina

Tote Bag« von Charles & Keith aus

Canvas mit verspieltem Kettendetail und

abnehmbarem Schulterriemen. Sie trägt

sich am Flughafen bequem über der

Schulter und zum Dinner elegant in der

Armbeuge. 115 Euro.

Leicht wie eine zweite Haut: Der hübsche

Seidenschal von Simone Bruns ist auf

Reisen nicht nur unheimlich praktisch,

sondern versprüht auch Urlaubsfeeling.

Hellblau, mit Leo- und Flamingo-Print,

aus feiner Georgette-Seide. Als Schal,

Tuch oder Haarband macht er immer

etwas her. 299 Euro.

Bücher mitschleppen? Schon lange nicht

mehr! Stattdessen reist der »tolino shine

color« mit: Klein, federleicht und

wasserdicht zeigt er Bücher, Magazine

und Comics in Farbe. Und hält

wochenlang durch. Ab 129 Euro.

Lippenpflege ist ein Reiseutensil, über

das es nichts zu diskutieren gibt – vor

allem wenn es so pflegt und glättet wie

dieses hier. Das »Pout Preserve Peptide

Lip Treatment« von Ole Henriksen mit

Peptiden und Kokumbutter. Farbe:

Sweet Macaron, 12 ml, um 21 Euro.

Kaschiert diskret lange Flugnächte

und sieht dabei auch noch umwerfend

aus: Die oversized Sonnenbrille von Gucci

im wilden Leo-Havana-Look. Modell

»GG2039S«, um 390 Euro.

Salzwasser, Chlor und Hitze setzen

dem Haar auf Reisen ordentlich zu. Das

»Detangling Toning Mist« von Philip B.

entwirrt, glättet und verleiht seidigen

Glanz zurück. 60 ml, um 18 Euro.

Kleine Erfrischung: Das »Refreshing

Face Spa« von Shazay belebt,

hydratisiert die Haut sofort und

duftet angenehm frisch und leicht

blumig. 50 ml, 29 Euro.


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