reisen EXCLUSIV Sommer 2026
»Hüpf dich frei!« – und zwar am liebsten gleich in den Pool des JW Marriott Crete, unserem Titelhotel dieser Ausgabe. Die Sommer-reisen EXCLUSIV ist randvoll mit Reisen, die den Kopf freiblasen: weit weg, nah dran und überraschend mittendrin. Redakteurin Jana schläft in der Serengeti unter dem Sternenhimmel Tansanias und lernt als Teilzeit-Rangerin das Busch-ABC. Reporter Peter pilgert sich durch Japan – und schafft es dabei, fast alle 500 Tempel zu besuchen. Andreas düst per Schnellzug durch Marokko, Konrad versucht in Singapur, seinen grünen Daumen zu schulen. Und wer mediterrane Gelassenheit sucht, findet sie in unserer großen Griechenland-Hotelstrecke. Näher liegt manchmal genauso viel: Bayern mit Kids im Sommerferienstress, das unterschätzte Dessau und sein Bauhaus-Erbe, eine Inselauszeit auf Norderney. Dazu ein Geheimtipp in Belgien (Antwerpen!), Städtereise nach Aarhus und Luxus pur im Sonnenalp Resort im Allgäu sowie im Almanac Vienna. Für alle, die im Sommer 2026 wirklich ankommen wollen.
»Hüpf dich frei!« – und zwar am liebsten gleich in den Pool des JW Marriott Crete, unserem Titelhotel dieser Ausgabe. Die Sommer-reisen EXCLUSIV ist randvoll mit Reisen, die den Kopf freiblasen: weit weg, nah dran und überraschend mittendrin.
Redakteurin Jana schläft in der Serengeti unter dem Sternenhimmel Tansanias und lernt als Teilzeit-Rangerin das Busch-ABC. Reporter Peter pilgert sich durch Japan – und schafft es dabei, fast alle 500 Tempel zu besuchen. Andreas düst per Schnellzug durch Marokko, Konrad versucht in Singapur, seinen grünen Daumen zu schulen. Und wer mediterrane Gelassenheit sucht, findet sie in unserer großen Griechenland-Hotelstrecke.
Näher liegt manchmal genauso viel: Bayern mit Kids im Sommerferienstress, das unterschätzte Dessau und sein Bauhaus-Erbe, eine Inselauszeit auf Norderney. Dazu ein Geheimtipp in Belgien (Antwerpen!), Städtereise nach Aarhus und Luxus pur im Sonnenalp Resort im Allgäu sowie im Almanac Vienna.
Für alle, die im Sommer 2026 wirklich ankommen wollen.
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Sommer 2026
Deutschland € 9,90
Hüpf
dich
frei
FERNWEH: Japan, Tansania, Marokko & Singapur
DAHEIM: Bayern mit Kids, Dessau, Norderney
UMS ECK: Antwerpen, Aarhus und unsere
griechischen Lieblingshotels
MIT DIESEM
LIEGT IHR
GARANTIERT RICHTIG
Podcast
TV-Moderator Jan Malte Andresen und Chefredakteurin Jenny
stellen jede Woche unterhaltsam ein Hotel vor.
editorial
HICKS!
Dies ist kein Klagelied über die Arbeitsbedingungen einer Reisejournalistin. Im Gegenteil. Es ist
eine kleine Liebeserklärung an einen Beruf, der vielseitige Talente verlangt. Schwimmen sollte
ich können. Nicht selten findet meine Recherche unter Wasser statt, im friedlichen Reich der
Fische. Reiten ist ebenfalls ein nützliches Asset, denn bekanntlich liegt das Glück der Erde auf
dem Rücken der Pferde. Wer auf dem Tenniscourt auch die Rückhand returniert bekommt, ist
genauso gut ausgestattet wie diejenigen mit einem Handicap von höchstens 24, die ein paar Golfplätze
inspizieren dürfen. Genauer inspizieren, versteht sich. Wie es sich für den Job gehört. Skifahren oder
Snowboarden gehört übrigens auch zum erweiterten Werkzeugkasten. Schließlich will der Winter auf
die Probe gestellt werden.
Und dann wäre da noch die Sache mit Magen und Gaumen. Beide können auf der einen oder anderen
Reise an ihre Grenzen geraten. Entweder weil etwas serviert wird, das eine Herausforderung darstellt. Ich
meine keine Dschungelprüfung, eher eine Ameise in Schokolade. Oder eben ein, zwei, 33 Gläser Wein. An
einem Tag. Ja, 33. Ich habe versucht, mitzuzählen. Anfangs habe ich mir die edlen Tropfen sogar notiert,
in der kindischen Hoffnung, ein persönliches Ranking zu erstellen. Nach Glas vier war diese Hoffnung
dann auf mysteriöse Weise verloren gegangen.
Stattgefunden hat dies bei »Wein am Berg«, jenem Event, das alljährlich zum Saisonende in Sölden
zelebriert wird. Hier trafen sich an vier Tagen rund 30 renommierte Weingüter aus Österreich,
Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal und Spanien. 13 Spitzenköche mit sieben Michelin-Sternen
und 22 Hauben. Und ich?
Ich bin keine Sommelière. Ich bin jemand, der sagen kann, was er mag und was nicht. Mit viel Konzentration
schmecke ich vielleicht den Kalkboden oder, mit Liebe und Glück, eine Beere. Aber Brennnessel?
Nein. Da hänge ich an den Lippen der Experten und frage mich insgeheim: Brennnessel, wie riecht die
überhaupt ohne Wein?
Foto: Rudi Wyhlidal/Das Central; Illustration: Olga Rai/shutterstock.com
Anyway. Beim ersten Abendessen wurden zu jedem Gang mehrere Gläser serviert, damit ich den
Unterschied erschmecken konnte. Pro Gang in der Regel zwei. Beim roten Fleischgang drei. Vorher gab
es noch einen spritzigen Aperitif. Und die Weinmesse vor dem Dinner habe ich noch gar nicht erwähnt.
Ein Saal voller Winzer, alle mit offenen Flaschen, alle bereit. Ich schwankte hilflos von rechts nach links.
Trinkfest? Bestimmt nicht. Trinkfest geworden? Vermutlich ja.
Am nächsten Morgen, kurz nach zehn, knallende Sonne, Mittelstation »Schwarze Schneid« am
Rettenbachferner, knapp 3.000 Meter. Erstes Gläschen. Zum Glück hatte ich diesmal entgegen aller
Gewohnheit gefrühstückt. Es folgten ein paar weitere. Warum? Der Geschmacksunterschied auf der
Höhe wollte erkundet werden. Wissenschaftlich gewissermaßen. Und tatsächlich: Da oben schmeckte
es mir hervorragend.
Sieben Gläser Wein machen übrigens mutig. Meine Höhenangst gab es plötzlich nur noch theoretisch.
Den Skywalk habe ich überquert wie einen Pariser Catwalk. Es war wunderbar. Es war exzessiv. Es war
Recherche. Ein Hoch auf den Hicks! Bitte trotzdem nicht nachmachen. Ein gepflegtes Gläschen am
Abend reicht durchaus.
Jennifer Latuperisa-Andresen
Instagram @fraumuksch
3
26BIG FIVE DRIVE
Was faucht denn da? Ein Urlaub als Teilzeit-Rangerin
in der Serengeti setzt den heimischen Alltag in neue Perspektiven.
96
VOM WINDE FERNWEHT
Wer seit den Schultagen nicht mehr auf
Norderney war, sollte in diesem Sommer
dringend einen Inselurlaub einplanen.
MEER SEHEN
Es gibt wenige Probleme, die ein Urlaub in
Griechenland nicht lösen würde. Zum Beispiel hier im
JW Marriott Crete. Übrigens auch unser Titelhotel.
68
FERNWEH
DEUTSCHLAND
Fotos: Malicky S. Boaz, Janis Meyer, Ruper Peace, Kapreski/Shutterstock.com
26 Tansania
Erste Regel bei einer Expedition zu Fuß durch
den Busch Tansanias: Whatever happens,
don’t run. Was aber hat Redakteurin Jana
im Walking Camp noch gelernt?
38 Japan
Mehr Ruhe als beim Pilgern in Japan ist
kaum möglich. Reporter Peter hat dabei
vielleicht nicht alle der fast 500 Tempel
besucht. Aber doch die meisten.
50 Marokko
Alle einsteigen, bitte! Reporter Andreas ist
mit dem Schnellzug durch Marokko gedüst.
60 Singapur
Redakteur Konrad versucht auf Reisen, seinen
grünen Daumen zu schulen. Der Trip
nach Singapur ist also eine Weiterbildung.
STANDARDS
03 Editorial
06 News
08 Take away
09 Da wollen wir hin
10 Für kleine Weltenbummler
12 Esskalation
16 Städtetipp Luxemburg
18 Was gibt’s Altes, Herr Bender?
19 Vorfreude
24 Autor:innen
114 Gewinnspiel & Impressum
68 Hotels in Griechenland
Vielleicht sollten wir alle dem Leben mit
etwas mehr mediterraner Gelassenheit
begegnen. In diesen Hotels in Griechenland
passiert das fast von allein.
76 Sonnenalp Resort
Gemütlichkeit und Luxus sind kein
Gegensatz. Schon gar nicht im Sonnenalp
Resort im Allgäu. Und dann noch
diese Landschaft!
80 Almanac Vienna
Reich an Geschichte, noch reicher an
Annehmlichkeiten. Reporter Harald hat sich
im Almanac Vienna umgesehen.
LIFESTYLE
36 Packliste
Gute Vorbereitung ist auf der Safari
das A und O. Was auf keinen Fall
fehlen darf.
75 Bettlektüre
Sommerzeit ist Lesezeit. Wir haben
unsere liebsten Romane
hervorgekramt.
84 Bayern
Hurra, endlich Sommerferien! Doch wohin
mit den lieben Kleinen, die in einer Tour
unterhalten werden wollen? Mehr als
genug Aktivitäten für Kids gibt es im
wunderschönen Bayern.
92 Dessau
Vor 100 Jahren ist das Bauhaus von
Weimar nach Dessau gezogen. Aber was
ist dort heute noch zu sehen?
96 Norderney
Das Glück auf Erden kann so simpel sein.
Manchmal reicht schon ein Trip nach
Norderney. Mit unseren Inseltipps wird der
Urlaub garantiert zur Lieblingserinnerung.
UMS ECK
102 Antwerpen
Brüssel, Brügge, schön und gut.
Unser Geheimtipp in Belgien heißt
allerdings Antwerpen.
108 Aarhus
Von wegen zweite Geige! In Dänemarks
zweitgrößter Stadt Aarhus ist selbst der
Himmel ein Kunstwerk und eine Brücke
führt in die Unendlichkeit. Mag seltsam
klingen, ist aber eine Reise wert.
5
reisenews
Pool Position
Pical Resort, Valamar Collection
Poreč zählt seit Jahrzehnten zu den
beliebtesten Ferienorten an der istrischen
Küste. Die Unesco-geschützte
Basilika, das türkisblaue Wasser und
die entspannte Atmosphäre sorgen
für reichlich Urlaubsglücksgefühle.
Nun kommt ein weiterer guter Grund
hinzu, Poreč zu besuchen: Im März hat
Valamar das Pical Resort direkt in
einer Parkanlage am Meer eröffnet,
nur wenige Gehminuten vom historischen
Zentrum entfernt. Ein Resort,
das auf dem Papier groß wirkt, sich
aber dennoch privat anfühlt: Drei
eigenständige Hotelkonzepte, 514
Zimmer und Suiten, elf beheizte Pools,
mehrere Strandbereiche und Kroatiens
erstes ESPA-Spa. Wer es besonders
exklusiv mag, bucht die V-Level-Suiten
in den Pical Suites mit Concierge-
Service. Die Zwei-Sterne-Köche Matteo
Metullio und Davide De Pra bringen
ihr Triester Restaurant Harry’s Piccolo
ins Pical, dazu kommen zehn weitere
Restaurants. Familien finden ein eigenes
Kinderareal, dazu Rooftop-Bar, der
Purobeach Club direkt am Meer und
ein Bike-Center am Parenzana-Trail
– einer ehemaligen Bahnstrecke, die
heute zu den schönsten Radwegen
Istriens zählt. Ab 315 Euro pro Nacht im
Doppelzimmer inklusive Halbpension.
www.valamar.com
Einen Papageitaucher aus
der Nähe zu sehen ist ein
Gänsehautmoment. Die
»Ultimate Puffin Experience«
von Wild Orkney Walks
bringt kleine Gruppen
direkt zu den Kolonien an
den Klippen von Westray
auf den Orkneyinseln. Los
geht es in Kirkwall, dann
90 Minuten Fähre nach
Westray, dann zu Fuß über
ruhige Küstenpfade bis zu
den Klippen – vorbei an
Wildblumen, Seevögeln und
gelegentlich Robben. Der
Höhepunkt: Juni und Juli,
wenn die Tiere ihre Jungen
füttern und kaum Notiz
von neugierigen Besuchern
nehmen. Die Tour findet
montags, mittwochs und
freitags statt, dauert den
ganzen Tag und kostet um
145 Euro pro Person.
www.wildorkneywalks.co.uk
Puffin Love
Birdwatching auf den Orkneyinseln
6
sommer 2026
Sea you later
Weltreise mit Silversea
Wer genug Zeit und die nötige Reisekasse besitzt, sollte sich den 5. Januar 2029
vormerken. An diesem Tag sticht die Silver Whisper von San Diego aus in See –
für 125 Tage, rund 60 Ziele und 19 Länder. »A Pacific Awakening« von Silversea
führt durch Polynesien, Melanesien, Australien und Südostasien. Unterwegs
warten außergewöhnliche Momente wie ein Konzert des Tasmanian Symphony
Orchestra, eine private Inselnacht auf Kalanggaman auf den Philippinen und ein
Ausflug zu den Terrakotta-Kriegern im chinesischen Xi’an. An Bord des Luxusschiffs
mit nur 392 Gästen wohnen Reisende in Suiten mit Butler-Service.
Was kostet der Spaß? Ab rund 80.000 Euro pro Person all inclusive,
inklusive Businessclass-Flügen. www.silversea.com
Text: Ulrike Herder; Fotos: Four Seasons Private Jet Experience (2), Valamar Collection, Silversea Cruises,
Jon Chapman/Shutterstock.com, Illustration: DzgnVibe/shutterstock
Einmal mit dem eigenen Jet um die Welt mit jeglichem Komfort, bitte.
Die »Private Jet Experience« von Four Seasons macht genau das möglich.
Zwei- bis dreiwöchige Themenreisen wie »Asia Unveiled« oder »World of
Adventures« verbinden Ziele wie Tokio, Bali, die Malediven, Bhutan, die
Seychellen oder Marrakesch. Geflogen wird im Airbus A321neo LR mit nur
48 Gästen, Menüs vom mitreisenden Küchenchef und Cocktails in der
Lounge. Ein Arzt reist vorsichtshalber mit, geschlafen wird in Four-Seasons-
Hotels. Der Luxus hat seinen Preis: etwa 130.000 bis 200.000 Euro pro
Person je nach Route. www.fourseasons.com
Very Important Passengers
Mit dem Four-Seasons-Jet um den Globus
reisen EXCLUSIV
7
takeaway
HANSDAMPF FÜRS HANDGEPÄCK.
Wer kennt es nicht: Der Koffer ist
ausgepackt, das Hemd zerknittert.
Der »Cirrus Lite Travel Steamer«
passt in jede Reisetasche und glättet
die Lage. Kleidungsstück einfach
aufhängen, dämpfen, fertig. Erhältlich
bei Steamery Stockholm in der Farbe
»Sky & Terra«, 90 Euro,
www.steamerystockholm.com
KETTENREAKTION.
Okay, okay, ist vielleicht
kein Schnapper! Aber
ein Hingucker. Der
Anhänger »Travel
Weekend Trip« von
NeverNot ist wie ein
goldener Kurztrip für
den Alltag. Ein Koffer
voller Fernweh, der
immer mitkommt.
Erhältlich bei Wempe,
ab etwa 4.600 Euro,
www.wempe.com
WATT WILLST DE MEER?.
Wo lässt’s sich in Norddeutschland
besonders gut stranden?
»Komm strande mit mir« aus der
Wochenender-Reihe zeigt, dass
Küste längst nicht gleich Küste
ist. Das Buch versammelt 38
Strände für alle Fälle: mal ruhig,
mal voller Trubel, für Hobbyornithologen,
Wassersportler, Strandspaziergänger
und professionelle
Nichtstuer. Macht sofort Lust,
Richtung Norden aufzubrechen.
Frenz Verlag, 112 Seiten, 16 Euro
Der neue »Chocolate Soleil Matte
Blurring Bronzer« von Too Faced duftet
nach Kakao und zaubert entspannte
Kurzurlaubsbräune ins Gesicht. 8 g,
um 40 Euro, www.toofaced.eu
TANTASTIC.
SCHALALALA.
Das Nickituch von Codello
aus reiner Seide mit
maritimen Motiven ist
der perfekte Sommerbegleiter.
Um den Hals
gegen die Klimaanlage
im Flieger oder ins Haar
gebunden am Strand.
Um 50 Euro, erhältlich in
ausgewählten Sinn-
Modehäusern,
www.sinn.com
GANZ SCHÖN MESHUGGE.
Wenn sich zwei britische Modeinstitutionen wie Barbour
und Paul Smith zusammentun, kommt eine lässige
Lieblingstasche dabei heraus. Mit fischernetzartigem
Mesh-Einsatz und feinen Lederdetails. Um 250 Euro,
www.barbour.com
Text: Ulrike Herder; Fotos: PR (6)
8
sommer 2026
da wollen wir hin
INTO THE WOODS
Wer ein Wochenende lang wohltuend wenig
von der Welt hören möchte, fährt nach
Faistenau im Salzkammergut. Am Waldrand,
nur wenige Minuten vom Hintersee entfernt,
liegt das Naturhotel Fischerwirt WaldSPA:
ein Vier-Sterne-Haus mit 24 Zimmern, Holz,
Stein und Erdtönen – und erstaunlich viel
Ruhe. Zum Hotel gehören ein ganzjährig
beheizter Outdoor-Infinitypool, Yogaplattformen
zwischen den Bäumen und private
Lodges aus Kebony-Holz mit Sauna und Ruheraum.
Die begehrteste steht frei im Wald,
mit Kamin, Panoramafenstern und eigener
Terrasse. Behandlungen mit Zirbe, Arnika
und Latschenkiefer finden auf Wunsch sogar
draußen statt. Im Restaurant setzt Gastgeberin
Marietta Ebner auf regionale Zutaten aus
maximal 50 Kilometern, darunter Wild vom
Hausberg und Fisch aus dem Fuschlsee. Die
Karte wechselt mit den Jahreszeiten, endet
aber verlässlich mit Salzburger Nockerln.
DZ mit Halbpension ab 160 Euro pro Person
und Nacht, kebonyLODGE ab 260 Euro pro
Person die Nacht. www.fischerwirt.net
FRENCH CONNECTION
Text: Ulrike Herder; Fotos: Naturhotel Fischerwirt (2), Julius Hirtzberger
Cap Ferret, die schmale Halbinsel westlich von
Bordeaux, ist seit jeher der Lieblingsort der Pariser
Schickeria. Im beschaulichen Ortskern, nur wenige
Schritte von der Bucht von Arcachon entfernt, hat
Stardesigner Philippe Starck hinter einer neoklassizistischen
Fassade aus dem 19. Jahrhundert die Villa
Colette entworfen: ein Strandhaus mit 28 Zimmern in
pudrigen Rosétönen, Mahagonimöbeln und Balkonen
oder Terrassen mit Blick auf Pinienwald, Dorf oder die
Bucht. Restaurant und Bar öffnen sich zum Wasser und
Küchenchef Benjamin Six setzt auf Austern und Fisch
aus der Region. Brunch, Teezeiten und Cocktails genießen
die Gäste unter einer Glaskuppel, die tagsüber die
Sonne und nachts die Sterne ins Haus holt. Dazu ein
kleiner Spa mit Terrasse zur Bucht – und genau jene
entspannte Eleganz, für die Cap Ferret bekannt ist.
Ab 400 Euro die Nacht, www.villacolette.com/en
sommer 2026
9
kleine weltenbummler
Waldmeisterschaft
In Warth-Schröcken wird der Familienurlaub schnell zur kleinen Mutprobe: Im
Abenteuerpark balancieren Kinder zwischen Baumwipfeln, sausen per Flying Fox
durchs Tal oder hangeln sich über wackelige Brücken. Das Programm »Outdoor Big 5
Juniors« kombiniert Klettersteig, Canyoning, Wildwasserschwimmen und jede Menge
Höhenluft. Neu dabei: der Kletterparcours Steffisalp. Der Murmele-Abenteuerweg
führt vorbei an Balancierbalken, klingenden Kuhglocken und spielerischen Stationen
rund ums Leben der Murmeltiere. www.warth-schroecken.at
Höckerchen gefällig?
Kuscheltier und Kissen in einem: Mit langen Beinen, weichem
Leinen und zotteligen Wollfransen ist das Camel-Kissen von
Ferm Living kuscheliger Reisebegleiter und Lieblingstier im
Kinderzimmer. Die Füllung besteht aus recyceltem Polyester.
55 Euro.
10
reisen EXCLUSIV
sommer 2026
Wal-kommen an Bord
Das Sweatshirt mit niedlichem Walmotiv hält kleine
Weltenbummler an kühleren Tagen angenehm warm.
Von Hessnatur aus weicher Biobaumwolle und r
ecycelten Fasern. Um 40 Euro, www.hessnatur.com
Elf Freunde
sollt ihr sein
Kleine Fußballfans aufgepasst: Jamal Musiala, Florian
Wirtz, Joshua Kimmich und Co. gibt’s jetzt auch fürs
Kinderzimmer: Die neue Playmobil-DFB-Mannschaft
bringt Stadionstimmung nach Hause und macht Lust
auf spontane Wohnzimmerturniere. Pro Figur um
5 Euro, www.playmobil.com
Text: Ulrike Herder; Fotos: PR (6), TVB Warth-Schröcken/Sebastian Stiphout, Anja Müller/Laurence King Verlag
Oh Sohle mio!
Triceratops, Diplodocus und T-Rex spazieren jetzt auch
über Spielplatz und Schulhof: Veja und das Pariser
Naturkundemuseum bringen eine Kinder-Sneaker-Edition
heraus, auf der die Urzeitgiganten im Stil wissenschaftlicher
Illustrationen die Schuhe erobern. »Esplar Leather Veja x
Muséum National d‘Histoire Naturelle Dinosaur«, 100 Euro,
www.veja-store.com
Es hat Klick gemacht
Drei Berliner Freundinnen haben ein
Konstruktionsspielzeug entwickelt,
das eher wie ein Designobjekt
aussieht. Farbige Holzstäbe
verbinden sich per Klick zu Türmen,
Figuren und kleinen Skulpturen –
ganz ohne Bauplan, dafür mit viel
Raum fürs freie Tüfteln. Minu Maju
produziert im Schwarzwald aus
recycelbarem Bioholzkomposit.
Small Pack mit 60 Sticks, 67 Euro,
Big Pack mit 150 Sticks, 110 Euro,
www.minumaju.com
Kacke am Dampfen
Kinder lieben dieses Thema
ohnehin, jetzt gibt es dazu
sogar ein Bingo-Spiel. Beim
»Tierkacke Bingo« lernen
kleine Kacka-Pipi-Liebhaber,
dass manche Hinterlassenschaften
grün sind, andere
glitzern und wieder andere
tatsächlich würfelförmig
daherkommen. Wer zuerst
seine Karte voll hat, ruft
»Bingo!«. Und lernt nebenbei
erstaunlich viel über Tiere
und Verdauung.
Ab 3 Jahren, Laurence
King Verlag, 24 Euro,
www.laurencekingverlag.de
11
esskalation
Zu viele Köche verderben normalerweise den Brei. Nicht in diesem Fall. Im Kochbuch »DNA Ducasse«
öffnet Alain Ducasse die Küchen seiner legendären Häuser: das Louis XV in Monaco, das Plaza Athénée
in Paris und das Dorchester in London – und lässt die Chefs Emmanuel Pilon, Jean-Philippe Blondet und
Amaury Bouhours erzählen. Jeder mit seiner eigenen Handschrift, alle geprägt von derselben Obsession
für Präzision, Produkt und dem fast schon genetischen Drang zur Perfektion. Herausgekommen sind
135 Rezepte. Nachkochen? Nur für sehr Ambitionierte. Aber darum geht es eigentlich gar nicht, allein
das Anschauen der Kreationen ist das Blättern wert. Matthaes Verlag, 536 Seiten, 79,90 Euro
In aller MUNDE
12
reisen EXCLUSIV sommer 2026
Mit Mühle
und Schrot
In der Würze steckt der Stil: Die
Salz- oder Pfeffermühle »Yellow
Multi Bob« von Addison Ross
bringt ordentlich Farbe auf den
Esstisch und wirkt fast wie eine
kleine Skulptur. 75 Euro,
www.addisonross.com
Text: Ulrike Herder; Fotos: PR (7), Salt and Silver (3), Leslie Hosokawa (2), Camila Novoa, Gustavo Vivanco, Privat, Foodstorymedia
Smoking Hot
Message
on a Becher
»You Look Good!« Wer möchte
das nicht gleich morgens als
Erstes hören? Die perfekte Tasse
für Morgenmuffel wie Gute-Laune-Bären.
Porzellantasse von
Chicmic, 380 ml Fassungsvermögen,
spülmaschinenfest und
mikrowellengeeignet – unkomplizierter
geht es nun wirklich nicht.
Um 18 Euro, www.chicmic.de
So lichtet sich der Nebel stilvoll: Die »Icon« von
Falmec ist eine Dunstabzugshaube, die man nicht
verstecken will. Ganz im Gegenteil: Die ultramatte
Glasoberfläche macht sie zum Blickfang in jeder
Küche. Kratzfest, pflegeleicht, individuell in Farbe
und Grafik gestaltbar. Preis auf Anfrage,
www.falmec.com
Alles fit im Schnitt
Manche Messer schneiden gut ab, aber dieses hier sieht auch
scharf auf Fotos aus. Seit fast 100 Jahren fertigt die Manufaktur
Pott in Mettmann Besteck, das viel zu schön ist, um in der
Schublade zu versauern. Ein Pott-Messer durchläuft mehr als
90 Arbeitsschritte. Einfach messerscharf! Pott 35 Tafelmesser,
98 Euro, https://pott-bestecke.de
Very Berryful
Du hast da was unter dem Schuh: Die verspielten Sommerschuhe
von Charles & Keith haben schmale Riemchen, zarte
Schleifen – und einen Erdbeerabsatz. Für beerenstarke Sommeroutfits.
»Sonali Mules«, 75 Euro, www.charleskeith.eu/de
Wurst Case
Scenario
Ganz schön hot: Die Outdoor-
Market-Kollektion von Jasper
Morrison für Hay macht das
Grillen zum mobilen Vergnügen.
Der BBQ (oben) ist ein kompakter
Holzkohlegrill für das schnelle
Grillen unterwegs, ideal für zwei bis
vier Personen. Der Firepit (unten)
besteht aus Feuerschale, Grillrost und
Feuerkorb und kann als Grill sowie
als Feuerstelle genutzt werden. Lagerfeuerromantik
inklusive. BBQ 185 Euro,
Firepit 279 Euro, www.hay.com
13
esskalation
Hoch über dem Heiligen Tal der Inka, auf Augenhöhe
mit Kondoren und Wolken, liegt eines der außergewöhnlichsten
Restaurants Südamerikas. Das MIL
Centro von Starkoch Virgilio Martínez schmiegt sich
an die archäologischen Terrassen von Moray, als
wäre es schon immer Teil dieser Landschaft gewesen.
Das Degustationsmenü ist eine Reise durch die
Höhenlagen der Anden: Alte Kartoffelsorten, fermentierter
Mais, Wildkräuter und Forelle aus Gletscherseen
erzählen auf jedem Teller von Landschaft,
Tradition und Geschichte. Essen als Archäologie:
Martínez gräbt in den Schichten der andinen Küche,
legt Vergessenes frei und bringt alte Zutaten und
Techniken zurück auf den Teller. Guten Appetit – und
tief Luft holen nicht vergessen. www.milcentro.pe
Hochgenuss
14 reisen EXCLUSIV
restaurant tipps
Salt & Silver: Ein guter Fang in SPO
Das »Salt & Silver am Meer« macht nicht nur St.-Peter-Ording-Urlauber glücklich, sondern auch Foodies aus
Hamburg und Berlin, die quasi nur für ein Essen anreisen. Wie unsere stellvertretende Chefredakteurin Jana.
Die Geschichte von »Salt & Silver« begann vor über zehn Jahren
mit einer langen Reise zweier Freunde durch Lateinamerika.
Auf dem Programm standen damals vor allem zwei Dinge:
Surfen und sich durch die lokale Küche probieren. Heute
betreiben Thomas »Cozy« Kosikowski und Johannes »Jo«
Riffelmacher gleich mehrere Restaurants. Zwei in Hamburg.
Eins in St. Peter Ording: Das »Salt & Silver am Meer«.
Das Pfahlbau-Restaurant direkt am Böhler Strand ist in diesem
Jahr bereits in seine fünfte Saison gestartet und hat im
Laufe der Zeit nichts an Qualität eingebüßt. Im Gegenteil. Die
Fischgerichte vom Grill sind auf den Punkt und haben eine angenehm
rauchige Aromatik. Viel Schnickschnack gibt’s nicht.
Dafür knusprige Kartoffeln und Salat als Beilage. Beides aus
der Region. Unser Tipp: der Saibling im Butterfly-Cut mit Salsa
Verde (36 Euro). Und wer lieber Fleisch als Fisch mag, dem sei
das dry-aged Sirloin-Steak vom Galloway-Rind ans Herz gelegt
(14 Euro pro 100 g).
Richtig günstig ist das »Salt & Silver am Meer« nicht, dafür
bekommen Gäste aber auch beste Qualität auf den Teller
und viel Glück ins Herz. Und wir schließen uns dem Motto der
Gründer an: Life is short – make it nice!
www.saltandsilver.de
sommer 2026 15
Städtetipp
LUXEMBURG
Luxemburg? Ja, genau, das unterschätzte Juwel zwischen Belgien, Frankreich und Deutschland, das die meisten
Reisenden auf dem Weg woanders hin links liegen lassen. Ein Fehler! Die Hauptstadt im Dreiländereck hat eine
Altstadt, die verwinkelt, lebendig und überraschend cool ist. Mit einer Energie, die man nicht erwartet, aber sofort
bemerkt. Wer Städte nicht nur abhakt, sondern wirklich aufsaugt, hat hier seinen nächsten Sommerstopp gefunden.
Der schönste Abgrund Europas
Oben Altstadt, unten das Viertel Grund und dazwischen ein Abgrund, der einen kurz innehalten lässt. Bis zu 70 Meter
fällt die Felswand ab, geformt von den Flüssen Alzette und Petruss über Jahrhunderte. Was wie eine geologische
Laune wirkt, ist in Wahrheit das Herzstück der Stadt. Vom zentralen Marktplatz sind es nur wenige Schritte bis zur
Kante, wo die Oberstadt in die Tiefe blickt. Der Festungswall Corniche, von Kennern schönster Balkon Europas genannt,
ist das Panorama-Highlight. Wer in der Dämmerung noch hier oben steht, hat den richtigen Moment erwischt.
Unter Tage
Tiefer in die Geschichte der Stadt einzusteigen,
geht in Luxemburg wortwörtlich.
Die Kasematten, über Jahrhunderte in
den Fels getriebene Befestigungsgänge,
ziehen sich als weitläufiges Tunnelsystem
unter der Oberstadt hindurch, einst
so imposant, dass Luxemburg als eine
der mächtigsten Festungen Europas
galt. Heute gehört das unterirdische
Weltkulturerbe zu den eindrucksvollsten
Stopps der Stadt. Allerdings mit einem
ehrlichen Hinweis: 391 Stufen, enge Gänge
und Wendeltreppen, die aussehen,
als wären sie für besonders schlanke
Menschen mit kleinen Füßen gebaut
worden. Bei Klaustrophobie lieber oben
bleiben. Für alle anderen: unbedingt!
Tickets mit Führung: 20 Euro für Erwachsene,
10 Euro für Kinder bis zwölf.
www.visitluxembourg.com
16 reisen EXCLUSIV
sommer 2026
Oben angekommen
Auf dem Kirchberg, dem Hügel gegenüber der Altstadt, ticken
die Uhren anders. Das Viertel gehört den europäischen Institutionen,
modernen Bürotürmen, und einem der architektonisch
beeindruckendsten Museen des Kontinents. Das Mudam,
Luxemburgs Museum für zeitgenössische Kunst, ist schon allein
wegen seines Gebäudes einen Besuch wert. Entworfen von
Architekturlegende Ieoh Ming Pei, steht es im Park Dräi Eechelen
auf den Grundmauern des alten Fort Thüngen, Geschichte und
Gegenwart in einem. Kunstfan oder nicht: Hier kommt niemand
gleichgültig raus. www.mudam.com/de
Nicht ohne Grund
Mit dem Panoramaaufzug Pfaffenthal geht es hinunter:
71 Höhenmeter, und plötzlich eine andere Stadt. Das Viertel
Grund liegt direkt unter der Oberstadt und könnte weiter weg
nicht wirken. Schmale Gassen, helle Hausfassaden, historische
Mauern, am Ende der Wege die Abtei Neimënster. Tagsüber
ist es hier so still, dass das Rauschen der Alzette zu hören
ist. Abends dreht sich das Bild: Entlang des Flusses füllen sich
Bars und Restaurants, Luxemburger kommen zum Entspannen
herunter. Ein Viertel, das zwei Gesichter hat, und beide lohnen
sich.
Text: Kirsten Bungart; Fotos: Kirsten Bungart (2), LoKiLeCh/ /wikipedia.de, Cedric Letsch,
Amaury Laparra, AcropolypsePhotography/Shutterstock.com
Dreimal Käse hoch!
250 Käsesorten unter einem Dach, und das ist erst der
Anfang. Die Fromagerie Cave à Vins Kaempff-Kohler in der
Rue du Curé ist eine feste Gourmet-Adresse der Stadt, einst
kleiner Familienbetrieb, heute Pflichtstation für alle, die
Luxemburgs Esskultur wirklich verstehen wollen. Von Boule
au Thym bis Tomme de Chèvre, vom Probierteller bis zum
Raclette an einem der kleinen Tische im Laden. Mittags hier
einzukehren, ist keine schlechte Idee. Es ist die beste.
www.kaempff-kohler.lu/en
Willkommen zu Hause
Tür zu, Welt aus. Die Villa Pétrusse ist keine gewöhnliche
Unterkunft, sie ist ein Zuhause auf Zeit. Das Relais & Châteaux
Hotel aus dem 19. Jahrhundert residiert unter alten Bäumen
direkt am Fluss Petruss, trotzdem mitten im Geschehen.
Baudenkmäler, Museen und Luxusboutiquen liegen nur einen
kurzen Spaziergang entfernt. Im hauseigenen Restaurant Le
Lys präsentiert Sternekoch Kim de Dood moderne Degustationsmenüs
in historischem Ambiente. Die wenigen Tische
sind schnell vergeben, rechtzeitig reservieren lohnt sich.
www.villapetrusse.lu/en
reisen EXCLUSIV
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KOLUMNE | Historische Dönekes
Erfolgreich gescheitert
Unser Redaktionshistoriker Konrad sammelt auf Tour
zwangsläufig allerhand Geschichten. Die lassen sich leider –
Anweisung der Chefredaktion – nicht immer in einer Reportage
unterbringen. Auf dieser hart erkämpften Seite darf er dafür seine
liebsten historischen Anekdoten zum Besten geben. Dönekes halt.
Was gibt’s Altes,
Herr Bender?!
August der Starke
Porzellan-Hingucker
Wir haben doch sicher alle schon mal
im Lebenslauf etwas geflunkert.
Und sei es bei den »verhandlungssicheren«
Englischkenntnissen, die Wsich beim ersten Kontakt mit Muttersprachlern in
Luft aufgelöst haben. Was sich der angehende Alchemist
Johann Friedrich Böttger Anfang des 18.
Jahrhunderts allerdings geleistet hat, ist eine andere
Hausnummer.
Böttger vollbrachte nämlich im Oktober 1701
als Geselle in einer Berliner Apotheke das Kunststück,
Silber zu Gold umzuwandeln. Zumindest
konnte er einige Zuschauer nachhaltig davon überzeugen.
Die Kunde verbreitete sich rasch in der
preußischen Hauptstadt, sogar bis ins königliche
Ohr von Friedrich I. – der ließ Böttger vorladen,
denn wer hätte nicht gerne einen Goldmacher im
Hofstaat?
Böttger allerdings türmte über die Landesgren-
ze in Richtung Sachsen. Wohl um nicht als Schar-
latan aufzufliegen. Der sächsische Kurfürst August
der Starke hatte allerdings auch schon von Böttgers
Wundertaten gehört und setzte den flüchtigen
Alchemisten kurzerhand fest. Im Austausch
für seinen »Schutz« musste Böttger sich ten, dem Kurfürsten erhebliche Mengen Gold zu
produzieren. Verdammt zum Erfolg sozusagen.
Gemeinsam mit dem Hofgelehrten Ehrenfried
verpflich-
Walther von Tschirnhaus machte Böttger sich ans
Werk. Aus lokalen Tonerden wurden Schmelztiegel
für hohe Temperaturen gefertigt. Und im Rahmen
dessen entstand im Januar 1708 ein ganz
anderes Produkt: Porzellan. Das kannten die Europäer
die längste Zeit nur als Importware aus China.
Ein teures Vergnügen. Zahlreiche Alchemisten
forschten bereits seit Jahrzehnten an der Herstellung,
um den teuren Handelsweg überflüssig zu
machen. So auch Tschirnhaus. Und nun war es
ihm gemeinsam mit Böttger gelungen.
Der Kurfürst sah die Gelegenheit. 1710 bewilligte
er die Gründung einer Manufaktur in der Albrechtsburg
zu Meißen. Die beiden Erfinder haben
vom Ruhm allerdings kaum noch etwas mitbekommen.
Tschirnhaus starb bereits 1708, kurz nach
dem Forschungsdurchbruch. Böttger wurde zwar
1714 aus seiner Gefangenschaft entlassen, 1719
starb er aber mit nur 37 Jahren. Vermutlich verursacht
durch den Kontakt mit Quarzstaub und
Quecksilber. Gold hatte er, zur Enttäuschung des
Kurfürsten, bis zuletzt keines hergestellt. Das Porzellan
aber blieb. Bis heute.
Eine Schauwerkstatt in Meißen gewährt
heute Einblick in die Porzellanproduktion, im
angegliederten Museum sind Stücke aus
300 Jahren Herstellungsgeschichte ausgestellt.
www.erlebniswelt-meissen.com
Ebenfalls empfehlenswert: Noch bis zum
20. Dezember 2026 läuft im Museum Schloss
Fürstenberg in Niedersachsen die Ausstellung
»Der edle Akt. Porzellan und Erotik«.
www.fuerstenberg-schloss.com
Text: Konrad Bender; Fotos: Louis de Silvestre/Nationalmuseum Stockholm/wikipedia.de, Makasana Photo/Shutterstock.com, C. Warneke, Illustration: Anastasiia Yurevych/Shutterstock.com
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VORFREUDE
Alles ist gut, solange du wild bist. Und auch,
wenn uns NRW manchmal reichlich verbaut
vorkommt, verbergen sich im Westen doch noch
zahlreiche Landschaften und Orte, an denen
Wildtiere das letzte Wort haben.
FREIHEIT AUF VIER HUFEN
Ab ins Münsterland (es ist aber auch schön da!): Denn westlich von Dülmen grast jahrein, jahraus
die letzte Wildpferdeherde Deutschlands. Rund 400 freiheitsliebende Wildpferde streifen hier völlig
ungestört durch den Merfelder Bruch und sorgen einfach nur durch ihre Anwesenheit für ein echtes
Wildwest-Feeling. Einmal im Jahr greift dann aber doch mal der Mensch ein: Am letzten Samstag
im Mai müssen die einjährigen Hengste von der Herde getrennt werden. Sonst wird es sogar für die
Dülmener Wildpferde zu wild. auf.reise/wildpferde
Texte: Konrad Bender; Foto: Leo Thomas/Tourismus NRW e.V.
sommer 2026
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Nanu, was machen die denn hier? Tatsächlich, im Natur- und Vogelschutzgebiet Zwillbrocker Venn,
mitten im beschaulichen Münsterland, brüten bereits seit den 1980er-Jahren Rosaflamingos.
Und gar nicht so wenige: 2025 wurden fast 100 der farbenfrohen Tiere gezählt. Damit ist der
Zwillbrocker Venn das nördlichste Brutgebiet für Flamingos weltweit! Kein Wunder, dass zahlreiche
Besucher vorbeischauen. Die kommen vor allem mit dem Fahrrad. Der mehr als 450 Kilometer
lange Fernradweg »Flamingoroute« führt nämlich direkt an den Flamingos vorbei. In der Regel sind
die Vögel von März bis Juli oder, bei Bruterfolg, manchmal auch bis in den September anzutreffen.
Im Winter fliegen sie dann ins südliche Holland. Ob da das Wetter wirklich besser ist?
www.bszwillbrock.de
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reisen EXCLUSIV sommer 2026
Vorfreude | MÜNSTERLAND
DER
FLAMINGO-
Foto: Gerard Manders/Shutterstock.com
EFFEKT
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NATIONALPARK EIFEL | Vorfreude
Wohl an wenigen Orten in NRW ist man so weit weg von anderen Menschen wie im Nationalpark Eifel. Wer sich die
volle Packung geben will (oder einfach mal eine Pause von anderen Leuten braucht), macht sich auf den knapp 85 Kilometer
langen Wildnis-Trail einmal quer durch den Naturpark. Die vier Tagesetappen führen durch die unterschiedlichen
Naturräume des Parks, mal durch dichte Buchenwälder, mal durch wilde Bachtäler und mal über weitläufige Hochflächen.
Zwischendurch taucht immer wieder das Wasser der Rurtalsperren auf: bei Einruhr und rund um den Rursee läuft der
Weg nah an den Ufern vorbei und eröffnet weite Blicke über die Stauseen. Hauptsache, keine anderen Menschen,
dafür aber viele Wildtiere, von der Sumpfspitzmaus bis zum Rothirsch. www.nationalpark-eifel.de
Foto: Dominik Ketz/Tourismus NRW e.V.
22 reisen EXCLUSIV
hikea
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k
sommer 2026
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AUTOR:INNEN
Peter Pfänder
Andreas Dauerer
Harald Braun
Jana Freiberger
Konrad Bender
Peter füttert sein
Fernweh, seit er 15 ist.
Zunächst mit Radtouren
über die Alpen und
ums Mittelmeer sowie
Desert Rides durch
Ägypten, Libyen, Syrien
und Jemen. Beim ersten
Besuch Japans hat er
sich blitzverliebt. Seitdem
zog es ihn über 15-mal
zurück. Vorzugsweise
in Regionen jenseits der
touristischen Rennmeile
Tokio–Kyoto–Osaka–
Hiroshima.
»Temple Stays und Pilgern
sind ein wunderbarer Weg,
sich dem spirituellen
Genius des Lands und den
Wurzeln von Japans Kultur
aktiv, mit allen Sinnen
und hautnah zu nähern.
Unbedingt ergänzen durch
Einblicke in den Shintoismus,
der das Göttliche
(Kami) in der Natur, in
Felsen, Bäumen, Quellen
sieht und verehrt.«
Instagram @peter.pfaender
Für Andreas ist der Weg
das Ziel. So kann er fast
beiläufig ins fremde
Leben eintauchen, wo
andere noch ganz aktiv
danach suchen. Dabei ist
es ihm egal, ob Straße,
Schiene oder Luft, mit
oder ohne Motor – Hauptsache,
unterwegs, am
liebsten weit hinter dem
Horizont. Marokko im
Zug war da eine Reise wie
gemacht für ihn.
»Dass Marokko nur durch
die Meerenge Gibraltars
von Europa getrennt ist,
merkt man auf Schritt
und Tritt. Die Kultur mit
ihren französischen und
portugiesischen Einschlägen,
dazu eine herrliche
Küche – und dann noch
die massive Investition ins
Hochgeschwindigkeitsnetz.
Casablanca, Rabat
oder Tanger: alles quasi
auf dem Silbertablett
serviert. Ohne Tajine. Die
gibt’s später.«
Instagram @andreasdauerer
Gerade in Zeiten wie
diesen findet Harald es
tröstlich, eine Stadt wie
Wien zu besuchen. Die
österreichische Hauptstadt
hat es ihm angetan
mit ihrer eigentümlichen
Mischung aus
Melancholie und Lässigkeit:
Zwischen Wiener
Sängerknaben und
der Bar Grelle Forelle,
zwischen spöttischem
Schmäh und formvollendeter
Etikette, die selbst
in der heruntergekommensten
Spelunke noch
irgendwie Würde wahrt.
»Es ist, wie Gustav Mahler
schon sagte: Wenn die
Welt einmal untergeht,
ziehe ich nach Wien –
dort passiert alles fünfzig
Jahre später.«
Instagram @reisen_exclusiv
Jana liebt Abenteuer. Eine
Nacht in einem einfachen
Zelt mitten in der Serengeti
in Tansania ist genau
ihr Ding – auch wenn die
Löwen in der Nähe des
Camps sie ehrlicherweise
etwas unruhig schlafen
ließen. Deutlich ruhiger
waren die Nächte in der
Sonnenalp im Allgäu. Und
Hand aufs Herz: Hin und
wieder hat unsere stellvertretende
Chefredakteurin
auch nichts gegen
etwas mehr Komfort
einzuwenden.
»Ich weiß noch genau, wie
es sich anfühlte, als ich
mit 19 Jahren zum ersten
Mal auf einem Game Drive
im Kruger Nationalpark
war. Ich wusste nicht,
wohin mit all den neuen
Eindrücken, Gerüchen und
dem Feuerwerk an Glücksgefühlen.
Und dieser Mix
aus Demut und Freude
kam sofort zurück, als ich
dieses Mal in Tansania
wieder auf einen Sitz im
Land Cruiser kletterte.«
Instagram @stil_ohne_ziel
Meistens ist Konrad in
Europa auf Reisen. Wenn
es dann doch einmal
darüber hinausgeht, ist
die Aufregung groß. Wie
gut, dass Singapur so
eine grüne Stadt ist. Das
beruhigt die flatternden
Nerven fernab der
Heimat.
»Singapur erstaunt mich.
Klar, Singapore Sling, die
Aussicht auf die Marina
Bay, alles schön und
gut. Doch am meisten
beeindruckt mich, dass im
am dichtesten besiedelten
Stadtstaat der Welt noch
so viel Raum für Pflanzen
ist. Da wird mein Daumen
nur durch den Aufenthalt
schon etwas grüner.«
@wiederroboterausfuturama
Fotos: privat; Illustration: rangsan paidaen/shutterstock
24 sommer 2026
FERNWEH
STERNSTUNDE
Mitten in der Nacht aufwachen, über sich nichts
als Sternenhimmel und ringsum die Geräusche der
Wildnis. Was nach Abenteuercamping klingt, gehört
bei Wilderness längst zum festen Programm:
Die »Star Bed Experiences« verlegen das Schlafzimmer
unter freien Himmel – mitten in die Savanne
Simbabwes, in die Namib-Wüste Namibias, an
den Lake Kivu in Ruanda oder tief in die Wildnis
Botswanas. Geschlafen wird erstaunlich komfortabel,
nur eben ohne Dach über dem Kopf.
www.wildernessdestinations.com
BETTHUPFERL
Von der Strandbar in Bali bis zum
Rooftop-Dinner in Marrakesch:
Das Baumwollset von Sandro reist
erstaunlich mühelos durch den Sommer.
Shorts und Hemdbluse mit feiner Perlenborte
wirken tagsüber entspannt und
abends plötzlich ziemlich elegant. Shorts
165 €, Hemdbluse 195 €,
https://de.sandro-paris.com
Fotos: PR (2), Teagan Cunniffe/Wilderness, Beto Santillan/Shutterstock.com, Nowaczyk/Shutterstock.com
FLUSSSAFARI
Das Pacaya-Samiria National Reserve im
Amazonasgebiet ist mit über zwei Millionen
Hektar das größte Nationalreservat und
eines der größten Schutzgebiete Perus:
ein Mosaik aus überfluteten Wäldern,
schwarzen Lagunen und mäandernden
Wasserläufen. Erkunden lässt sich die
Region fast nur per Boot. Unterwegs
tauchen rosa Flussdelfine, Faultiere
und mit Glück sogar ein Jaguar auf.
Bemerkenswert ist nicht nur die Wildnis
selbst, sondern auch die Art, wie
sie geschützt wird: Der Tourismus
liegt weitgehend in den Händen lokaler
Gemeinden. www.peru.travel
sommer 2026
25
V on
TierEn
uNd
T EstosTeron
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Fernweh | TANSANIA
text
Jana Freiberger
IN DER SERENGETI IN
TANSANIA ZIEHT ALLES FORT:
GNUS UND ZEBRAS IN GEWALTIGEN
HERDEN DEM WASSER NACH, DIE
TOURISTEN IN MOBILEN ZELTCAMPS
HINTERHER – UND DIE HORMONE,
NATURGEMÄSS, EBENSO.
sommer 2026
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eEin lautes Knacken reißt mich aus dem Mittagsschlaf. Jemand
ruft meinen Namen. Ich bin sofort hellwach, öffne den Reißverschluss
meines Zelts und klettere, noch etwas wackelig
auf den Beinen und mit Sandalen an den Füßen, ins Freie.
Dort wartet Jean – stämmige Erscheinung, sonnengebräunte
Haut, olivgrüne Kleidung, Safarihut – und zeigt auf etwas
Graues in der Ferne (und schaut amüsiert auf meine Schläppchen).
Als sich meine verschlafenen Augen an das grelle Sonnenlicht
gewöhnt haben, erkenne ich, was es ist. Ein Elefant!
Nein, eine ganze Herde! Nur etwa 100 Meter von uns entfernt.
Gefesselt beobachte ich die Tiere. Dann klingelt ein
Handy. Mein Wecker. Ich spüre den vorwurfsvollen Blick der
Elis, wie man hier sagt, und verschwinde schnell in meinem
Zelt, um den Alarm auszuschalten.
Das ist doch mal ein Lunch-Spot!
Dagegen kann jeder hippe Laden
in Berlin einpacken.
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sommer 2026
Fernweh | TANSANIA
Kilimandscharo
Flughafen
Wayo Walking Camp
(Serengeti)
Wilderness Usawa
Serengeti
Wayo Manyara
Green Camp
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TANSANIA | Fernweh
In Tansania gibt es etwa
60.000 wild lebende
Elefanten. Die Chance,
dass der ein oder andere
im Camp vorbeischaut,
ist groß.
Für mich ist der Elefantenbesuch im Wayo Walking Camp
im Serengeti-Nationalpark ein besonderes Ereignis. Für Jean
du Plessis, den Geschäftsführer von Wilderness Tanzania
und Gründer des Safarianbieters Wayo Africa, sind solche
Tierbegegnungen Alltag. Der 51-Jährige, der als junger
Mann als Leutnant bei der südafrikanischen Armee gedient
hat, lebt seit 1996 in Tansania und unterstützte zunächst
im Auftrag der tansanischen Regierung den Kampf gegen
Wilderer. Nach drei Jahren im Land gründete er sein erstes
Walking Camp und führt seitdem Touristen zu Fuß durch
die Savanne. Und so stehe ich Jean kurz nach der Elefantensichtung
wieder gegenüber. Ich dieses Mal in Wanderschuhen.
Er mit gefülltem Patronengürtel und Gewehr
über der Schulter.
»Whatever happens, don’t run!« Nicht rennen! Klingt
logisch, ist aber alles andere als einfach, wenn deine Urinstinkte
bei einer Begegnung mit einem großen Kätzchen
etwa genau das Gegenteil – »Run!« – schreien. Aber okay, ist
abgespeichert. »Klick, klack.« Jean lädt sein Gewehr. Dann
stiefeln wir los auf Walking Safari. Ohne Schutz durch eine
Autokarosserie. Aber voller Vertrauen in die Schießkünste
des Ex-Soldaten.
Jean führt den Gänsemarsch an, hinter ihm läuft der
ebenfalls bewaffnete Chrisple, unser Guide auf einem
Großteil der Reise. Dann folgt der fünfköpfige, schutzbedürftige
Trupp aus Europäern. Den Schluss bildet eine uns
bislang unbekannte Rangerin. Ja, es gibt in Tansania auch
Frauen, die diesen Beruf ausüben. Aber noch seien es nur
sehr wenige, berichtet Jean. Safari ist (derzeit noch) eine
Männerdomäne.
Fast vier Stunden sind wir unterwegs. Und zunächst
scheint es, als hätten sich alle Tiere vorzeitig der sogenannten
Big Migration angeschlossen. Eine der weltweit größten,
jährlichen Tierwanderungen zwischen der Serengeti in
Tansania und der Masai Mara in Kenia. Mehr als eine Million
Gnus und Hunderttausende Zebras sind dabei auf der
ständigen Suche nach frischem Gras und Wasser.
Gedankenverloren wandern wir also durch die ausgestorbene
Steppe, als plötzlich jemand ruft: »Da! Hinter dem
Busch!« Ein Büffelkalb streckt uns verängstigt sein Köpfchen
entgegen. Vom Rest der Herde keine Spur. »Wahrscheinlich
hat es bei einem Raubtierangriff den Anschluss verloren«,
flüstert mir Chrisple ins Ohr. Kurz darauf gehen wir weiter,
wollen nicht weiter stören und erst recht nicht den Zorn
der Mutter auf uns ziehen, sollte sie doch in der Nähe sein.
Ab jetzt läuft’s mit der Tiersichtung. Mit etwas mehr
Abstand treffen wir auf Giraffen und ausgewachsene Büffel
(ich bin froh über den Abstand). Den beiden Nilpferden
kommen wir für meinen Geschmack dann fast ein bisschen
zu nahe; und genau das melden uns die grauen Kolosse auch
zurück, indem sie durch ihre riesigen Nasenlöcher kräftige
Wasserfontänen in die Luft spritzen. Löwen sehen wir
während der Wanderung nicht, dafür klingt ihr tiefes Stöhnen,
das ich nachts von meinem Zelt aus höre, bedrohlich
nahe. Mein einziger Schutz: ein dünnes Moskitonetz. Ich
lege die Wärmflasche, die mir die Crew vorm Schlafengehen
dankenswerterweise unter die Decke gelegt hat, auf
mein Gesicht. So war das sicher nicht gedacht, aber zumindest
sehe ich es so nicht, sollte einer der Löwen auf meinem
Vorplatz übernachten.
Als ich die Augen am nächsten Tag öffne, zucke ich kurz
zusammen. Da ist tatsächlich eine Katze vor meinem Eingang.
Aber eine kleine. Eine Genetta, eine kleine Ginsterkatze.
Als sich unsere Blicke treffen, ergreift das süße Tier
mit dem langen, gemusterten Schwanz die Flucht.
Anders gestaltet sich die Situation, als wir, jetzt sicher
im Land Cruiser sitzend, weiter nördlich in der Serengeti
wieder auf Katzen stoßen. Dieses Mal sind’s die großen.
Zwei Weibchen, ein Männchen. Und die scheinen keine
Sekunde an Flucht zu denken. Sie sind sogar so entspannt,
dass sich die beiden Löwinnen in unserer Anwesenheit im
Wechsel begatten lassen. Ich schrieb ja bereits, Safari, eine
Männerdomäne und so.
In diesem Teil der Serengeti werden wir dann tatsächlich
Zeuge der Big Migration. Wir sind schon eine Weile
durch das »endlose Land« (so nennen die Massai die Serengeti)
geheizt, als am Horizont die Silhouetten Tausender
Tiere zu erkennen sind. Eine scheinbar unendlich große
Gruppe Zebras zieht gerade entlang, zeitweise zwei
geteilt durch einen kleinen Fluss, den die Tiere nach und
nach und mit größter Vorsicht durchqueren. Denn Wasser
bedeutet nicht nur Leben, sondern auch große Gefahr
durch Raubtiere, die den Herden folgen. In der Hoffnung
auf ein Festmahl.
30 reisen EXCLUSIV
sommer 2026
»Whatever
happens,
don’t run!«
Wichtig auf Safari: Fernglas nicht
vergessen. Sonst wirkt die Wanderung
der Gnus und Zebras einfach nur wie ein
schwarz-weißes Wimmelbild.
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TANSANIA | Fernweh
Safari
ist (noch) eine
MÄnnerdomÄne
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Im Luxuscamp Wilderness Usawa Serengeti fehlt es Gästen an
nichts. Auch romantische Stimmung am Lagerfeuer ist inklusive.
Glamping hat auch seine guten Seiten. Polarlichter
beispielsweise. Das ist garantiert besser als TV.
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TANSANIA | Fernweh
Ein reich gedeckter Tisch erwartet auch uns, als wir teils
triefend nass das Luxuscamp Wilderness Usawa Serengeti
erreichen. Noch ist zwar keine Regenzeit, in Tansania ist
gerade Sommer, trotzdem hat uns ein ordentlicher Schauer
erwischt. Das gut geschulte Team ist vorbereitet, geleitet
uns mit großen Schirmen vom Auto zum Hauptzelt – und
füllt vor dem Drei-Gänge-Menü die Tanks für unsere Duschen
mit heißem Wasser. Denn einfach den Wasserhahn
aufdrehen geht hier nicht. Das Usawa ist eine mobile Unterkunft:
Die Zelte werden dort aufgeschlagen, wo die großen
Herden gerade wandern. Für das Wayo Walking Camp
gilt das Gleiche.
Von Wasserleitungen abgesehen mangelt es im Camp
wahrlich nicht an Luxus. Beim bereits angekündigten Dinner
erklärt der Koch persönlich vor jedem Gang, was genau
sich auf den Tellern befindet. Jedes der riesigen Zelte hat
ein eigenes Bad, ein Kingsize-Bett und eine bestuhlte Terrasse
mit Blick auf die weite Graslandschaft. Im Hauptzelt
wartet eine gut gefüllte Bar. Und wer in romantischer Stimmung
ist, kann am Abend am Lagerfeuer Platz nehmen, in
der Hand einen Gin Tonic, und dabei den klaren Sternenhimmel
betrachten.
In puncto Romantik legt das Wayo Manyara Green Camp
noch eine Schippe drauf. Zwischen der Serengeti und dem
internationalen Flughafen Kilimandscharo gelegen, ist es der
ideale Start- oder Endpunkt einer Safarireise. Gespeist
wird hier im Green Camp direkt am Wasser, unterhalb des
Endabash-Wasserfalls. Um den Sonnenuntergang sehen zu
können, klettern wir vor dem Abendessen barfuß die gegenüberliegende
Felswand empor. Und stehen dann in stiller
Demut – und froh, dass wir den doch sehr glitschigen Aufstieg
überlebt haben – auf einer flachen Stelle in einigen Metern
Höhe, während die letzten Sonnenstrahlen den Fluss
zum Glitzern bringen. Als wir nach einer Stunde wieder auf
sicherem Boden stehen, prasselt auch hier ein Lagerfeuer.
Einige Stunden später liege ich mit vollem Bauch in meinem
Bett und habe gerade meine Nachtlampe ausgeknipst,
da fällt mir plötzlich wieder ein, dass dieses Zelt ein besonderes
Feature hat. Meine Hand tastet im Dunkeln nach
der kleinen schwarzen Fernbedienung, ich drücke einen
der Knöpfe, dann ist ein summendes Geräusch zu hören
und schon fährt das Dach meines hölzernen Zelts vollautomatisch
zurück. Der Sternenhimmel und ich sind jetzt nur
durch ein Moskitonetz voneinander getrennt.
Am nächsten Morgen wache ich wieder auf, weil jemand
meinen Namen ruft. Der Weckservice reicht mir ein Tablett
mit Keksen und frisch gebrühtem Kaffee in mein Zelt.
Hach, vielleicht wird es Zeit für eine weitere Rangerin in
Tansania.
Fotos: Jana Freiberger (5), Wilderness (5), Malicky S. Boaz/Wilderness (4), Wayo Manyara Green Camp
Adrenalin pur: Jean du Plessis (auch unten) und Chrisple Sikawa
führen Gäste zu Fuß durch die Serengeti.
Illustration: Peter Hermes Furian/Shutterstock.com
34 reisen EXCLUSIV
frühling 2026
Shadow
hunter!
Huch, da strahlt aber jemand! Unsere stellvertretende
Chefredakteurin ist in der Wildnis ganz in ihrem Element.
Friedlich sieht es aus, wie die Elefantenherde durch die Landschaft wandert.
Zu nah sollte man den Tieren aber besser nicht kommen!
INFO
AIRLINE Discover Airlines bietet mindestens bis Oktober je Dienstag und
Samstag einen Flug von Frankfurt nach Kilimandscharo an, mit Zwischenstopp
in Mombasa.
WÄHRUNG Die Währung ist der Tansania-Schilling. Touristen sollten aber
am besten mit einem Bündel US-Dollar anreisen.
SPRACHE Die Amtssprachen in Tansania sind Swahili und Englisch.
REISEVERANSTALTER Der Premiumveranstalter Windrose, der sich
eher als Reisemanufaktur versteht und auf diesem Feld Marktführer in
Deutschland ist, bietet maßgeschneiderte Reisen in die Serengeti wie die
beschriebene an. Hier starten die Preise für eine zehntägige Reise inkl.
Business-Class-Flug bei 14.790 Euro pro Person. Das Arrangement kann
ganz nach den Wünschen der Kunden individualisiert, ergänzt und variiert
werden. Informationen unter www.windrose.de oder telefonisch unter
030 2 01 72 10. Informationen über die Camps, Touren und Arrangements
unter www.wildernessdestinations.com und https://wayoafrica.com
sommer 2026
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What to bring for a
afari
Besondere Reisen verlangen nach besonderem
Gepäck. Und kaum ein Urlaub stellt die Packliste so
auf die Probe wie eine Safari: morgens überraschend
kühl, tagsüber staubig und heiß, abends irgendwo
zwischen Lagerfeuerromantik und Mückenschutzmission.
Wir haben Dinge gesammelt, die unterwegs wirklich nützlich
sind – und dabei auch noch gut aussehen.
Text: Ulrike Herder; Fotos: PR (8), Swarovski Optik (2)
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reisen EXCLUSIV
Leuchtet ein
Erwischt!
Nächtliche Wege wirken grundsätzlich
abenteuerlich. Umso praktischer ist diese kleine,
tierisch gute Taschenlampe »Hund« von Winkee.
Wiederaufladbares LED-Licht, genug
Akkulaufzeit für lange Safari-Nächte.
Um 20 Euro.
Das »CL Companion 8x30« von
Swarovski Optik wiegt gerade einmal
550 Gramm und lässt die Savanne auf
einmal überraschend nah wirken,
inklusive jener Momente, in denen
eine ganze Elefantenfamilie aus
dem Gebüsch auftaucht. In »Desert
Orange«, 1.290 Euro.
Roll on Sun
LIFESTYLE
Der »Sun Stick SPF 30« von Mon Courage
lässt sich schnell auftragen und hinterlässt
weder weiße Spuren noch
klebrige Hände. 30 g,
21 Euro. Ein Must-have!
Schattenmanagement
Pirsch Perfect
Locker vom Hockerstoff
Unverzichtbar im offenen Jeep ist ein Hut.
Schön, wenn er zusätzlich noch stylish
aussieht. Buckethat »Asonni« von Opus
aus robustem Canvas, um 26 Euro.
Layer Player
Eleganz und Reisekomfort sind längst
keine Gegensätze mehr. Beweis:
Die »Pantalon Jackie Off White« von
Gabrielle Le Voyage. Bequem auf
Löwen-Suchfahrten und elegant genug
für ein Lodge-Dinner. 90 Euro.
Funktional muss nicht zwingend nach
Trekkingurlaub aussehen: Die Langarmbluse
»Flanko Resort« von Opus mit lockerem
Schnitt, feinen Streifen und Naturtönen
passt super in die Savanne. Und schützt
vor Sonne und Wind. Um 70 Euro.
Feder im Fokus
Tücke mit der Mücke
Die »Acker Rock 3-in-1 Jacke« von
Columbia kombiniert eine leichte Außenjacke
mit herausnehmbarer Weste und reagiert
damit ziemlich souverän und stylish auf
Temperaturschwankungen. 180 Euro.
Ohne Mückenschutz geht’s nicht! Das
Kleidungsspray von Nobite imprägniert
Hemden, Hosen oder Socken schon vor
der Reise und hält Mücken fern und verringert
so das Malaria-Risiko. 200 ml, um 28 Euro.
Die »SL3 Reporter« von Leica mit
olivgrünem Aramid-Gehäuse steckt Staub
und Hitze erstaunlich gelassen weg,
während der 60-Megapixel-Sensor selbst
weit entfernte Wildtiere detailverliebt
festhält. Ab 7.200 Euro für das Gehäuse,
Telezoom »Apo-Vario-Elmarit-SL 1:2,8–4/
90–280« um 7.200 Euro.
sommer 2026
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JAPAN | Fernweh
UNTERWEGS
ZUM
ICH
N
38 sommer 2026
text
Peter Pfänder
Spirituelles Wandern statt der neongrellen Hektik in Tokio und Osaka?
Auch das kann Japan. Wer zu Fuß unterwegs ist, findet ein anderes Land:
Pilgerwege, die zwischen 24 und 1.200 Kilometer lang sind, gesäumt von fast
500 Tempeln, die Wanderer aufnehmen und verpflegen. Eine Reise durch
diese Welt lässt sich freilich nur in Etappenunternehmen, denn wer den
längsten Weg komplett abläuft, ist zwei Monate unterwegs.
Step by step: ein Yamabushi-Bergmönch
auf dem Yudonosan, der letzten und bedeutsamsten
Station der drei heiligen Berge Dewa
Sanzan. Hier findet die Pilgerreise durch Tod
und Wiedergeburt ihren Abschluss.
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JAPAN | Fernweh
D
Die kalte, stürmische Nacht am Berg Sakureisan endet um halb sechs.
Der Duft von Räucherstäbchen zieht durch den Schlaftrakt des Tempels
Senyu-ji auf der Insel Shikoku. Zeit für Otsutome, die allmorgendliche
Sutra-Rezitation der Priester.
Das vorabendliche Bad im Thermalwasser des Tempel-Onsen konnte
es nicht verhindern: Alles ist nach der Nacht auf der dünnen Matratze
eingeschlafen, der Rücken ist total verkrampft, die Hüfte taub, die Schultern
lahm. Da hilft nur Yoga. Also den Futon beiseitegeräumt für Paschimottanasana,
Chakravakasana und Adho Mukha Svanasana, den Hund,
der nach unten schaut. So komme ich halbwegs auf die Beine und schlurfe
in den viel zu kleinen Plastikpantoffeln zum Hondo, dem Gebetsraum
des Tempels. Die anderen Gäste laufen auch alle etwas steif ein.
Zum Glück müssen wir unsere Beine nicht zum Lotussitz verknoten.
Auf niedrigen Stühlen verfolgen wir die Zeremonie. Harmonischer
Singsang, Dröhnen einer gigantischen Klangschale. Der Priester reicht
ein rotes Büchlein und ermuntert uns, mitzusingen. Davor opfern wir
etwas Räucherpulver, gehen in die Knie, falten die Hände und verbeugen
uns. Aber: Ist das nicht schon kulturelle Aneignung? Nein, keinesfalls,
versichert mir der Priester im Anschluss. Japaner schätzen es vielmehr,
wenn Ausländer respektvoll mitmachen.
Ein Gasradiator faucht vor uns. Das erste Mal seit dem Bad im Onsen
friere ich nicht. Die Luft ist schwer vom Qualm der Räucherstäbchen,
kratzt im Hals. Jetzt nur nicht in den Gesang husten! Zum Abschluss
gibt es eine moralische Unterweisung und die Aufforderung zum nachhaltigen
Lebenswandel.
Kurz danach sitze ich, nicht erleuchtet, sondern etwas ratlos, vor
dem Frühstück: Das wird in einer Einweg-Bentobox aus dickem Plastik
serviert. Dazu schlürfe ich Do-it-yourself-Instant-Misosuppe aus der
Plastiktube. Zum Glück ist der Grüntee heiß und stark. Und kommt
nicht aus Beuteln.
40 reisen EXCLUSIV
Die doppelköpfige
Hemlout-Maske der Sulka
muss von mehreren Männern
getragen werden.
Strohhut auf, Sandalen an, und los geht’s.
Pilgern auf dem Kumano Kodo verlangt Hingabe
von Kopf bis Fuß. Das Gehen in den traditionellen
Sandalen braucht Leidensfähigkeit.
herbst sommer 2025 2026
reisen EXCLUSIV
41
Im Pilgertempel
Rengejo-in schläft
es sich bodenständig.
Die Nacht auf
der Tatami-Matte
ist gewöhnungsbedürftig,
das
buddhistische Shojin-Ryori-Frühstück
am Morgen jede
Mühe wert.
Ohne Fleiß kein Preis: Die »Killer-Etappe« auf dem Pilgerweg Shikoku
Henro bringt selbst gut gelaunte Wanderer an ihre Grenzen, andernorts
beeindruckt auf dem heiligen Berg Koyasan die Konpon Daito,
eine der bedeutendsten Pagoden Japans.
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AUF DEM WEG DER 88 TEMPEL
S
E
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ÜBERNACHTEN IM TEMPEL
Fernweh | JAPAN
Der Shukubo-Tempel Senyu-ji, der mich rückenlahm futonierte,
ist die Nummer 58 des Pilgerwegs. Er geht auf
das Jahr 670 zurück und fiel 1947 einem verheerenden
Waldbrand zum Opfer. Nur die Statue des Mönchs Kūkai
(Begründer des japanischen Shingon-Buddhismus) und die
über 1.350 Jahre alte Statue des vielarmigen Kannon blieben
verschont.
Ausdauernde spirituelle Wanderer lieben den Pilgerweg
Shikoku Henro mit seinen 88 Tempeln und 1.200 Kilometern
Gesamtlänge auf der Insel Shikoku. Nur noch etwa
100 Kilometer der Strecke sind ungeteert. Eine dieser Etappen
will ich begehen. Die Wahl fällt auf das historisch so
bedeutende wie topografisch hinterhältige Stück zwischen
der Schutzhütte Yunami und dem Tempel Yokomine-ji,
dem am zweithöchsten gelegenen Tempel der Insel.
DIE »PILGER-KILLER«-ETAPPE
Mit über 510 Metern Anstieg auf steilen zweieinhalb Kilometern
gehört der Tempel Yokomine-ji zu den sogenannten
Nansho, den schwerer zu erreichenden Pilgerorten. Die Japaner,
die ich auf dem Weg treffe, rühmen diesen Abschnitt
als »henro korogashi« – frei übersetzt »Pilger-Killer«.
Das lässt den drahtigen alten Mann, der sich kurz mit
uns unterhält und dann über schiefe, bemooste Trittsteine
und Wurzeln den steilen Berg hochschießt, als sei der
Leibhaftige hinter ihm her, absolut kalt. Keuchend, mit
Schweiß in den Augen, blicke ich ihm ungläubig hinterher.
Etwa alle 100 Meter zeigen kleine steinerne Choishi-
Stelen die Entfernung zum Yokomine-ji an, dem Tempel
Nummer 60 des Pilgerwegs. Oft legen die Pilger an den
Choishi-Steinen Yen-Münzen, Figuren oder Steine ab. Dieses
Stück Pilgerweg spielt auch für die Anhänger des Shugendo
seit über 1.335 Jahren eine wichtige Rolle und markiert
den dritthöchsten Tempel des Shikoku Henro. Shugendo
wird oft als »Bergreligion« bezeichnet. De facto ist es eine
synkretistische Mischung aus Buddhismus, Shintoismus
und Daoismus.
Shukubo nennen Japaner die Tempelübernachtungen für
Pilger. Die Zimmer sind eher spartanisch, aber oft wartet
ein tempeleigener Onsen. Ab 35 bis 50 Euro inklusive
Abendessen und Frühstück gibt es Futons in kleinen, zugigen
Zimmern mit Tatami-Matten, einen Heizlüfter für die
kalte Jahreszeit sowie blitzsaubere Gemeinschaftsbäder
und -toiletten.
Wichtig bei Tempelübernachtungen ist der japanische
Pantoffel-Knigge. Die häufig blauen Toilettenpantoffel zieht
man beim Verlassen des WC-Bereichs und vor dem Betreten
des Gangs nicht einfach aus. Man dreht sie so hin, dass
der nächste Gast einfach hineinschlüpfen kann: mit dem
Absatz zur Türschwelle. Wer in Toilettenpantoffeln den WC-
Bereich verlässt oder damit gar in den Speisesaal marschiert,
steckt bis über beide Ohren im größtmöglichen
Fettnapf. Wer die Wanderschuhe nicht gleich am Eingang
auszieht, auch.
DIE URVEGANER
Die Mahlzeiten in den Tempeln sind meist vegetarisch,
oft sogar vegan. Und das seit Jahrhunderten. Die »Shojin
Ryori«-Küche ist eine kontemplativ-kulinarische Entdeckungsreise
mit Dutzenden von Schälchen und Tellerchen
mit kleinen Gerichten voller Raffinesse. Man isst langsamer
und bewusster. Auch weil man bei jedem Bissen grübelt, was
einem da gerade von den Essstäbchen auf den Schoß fällt.
Bei »Shojin Ryori« gibt es alle fünf Geschmacksrichtungen.
Süß, sauer, salzig, bitter – und umami, was so viel wie
herzhaft-vollmundig bedeutet. Die Zutaten spiegeln die Saison
wider. So gibt es im schwülheißen japanischen Sommer
kühlende Gurke und kalten Tofu mit Ingwer, Shiso und Sojasoße,
im Winter wärmendes Wurzelgemüse.
Wer nur kurz ins japanische Pilgerwandern hineinschnuppern
will, nimmt den 24 Kilometer langen Weg »Choishi
Michi« vom Tempel Jison-in in Kudoyama zum heiligen
Berg Koyasan unter die Wanderschuhe und bucht sich dort
für eine Nacht in einen der 50 Shukubo-Tempel ein.
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Oben rechts: Buschgeister, also Geisterswesen des Waldes, symbolisieren die Verbindung von Natur, Ahnen und Gegenwart.
Unten: Die grün gewandete Frauengruppe aus dem Dorf Vairiki singt zum Erntedank das Lied »A Libung«.
In Reihe und Gelassenheit:
Mönche stehen vor der
Saito-Pagode auf dem heiligen
Berg Koyasan, die auf das Jahr
886 zurückgeht.
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sommer herbst 2026 2025
Fernweh | JAPAN
Lodernde Fackeln beim Feuerfest Nachi-no-Ogi Matsuri und ein
Superheld als Opfergabe am Rand des Shikoku Henro: Spiritualität in
Japan hat viele Gesichter.
Verschnaufpause? Der liegende Buddha im Tempel
Kosho-ji auf Shikoku liegt auf halbem Weg zwischen
Tempel 43 und 44 des Henro-Pilgerwegs.
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JAPAN | Fernweh
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HEILIGER BERG KOYASAN
Der Koyasan, der heilige Berg des Shingon-Buddhismus,
liegt gut 80 Kilometer Luftlinie südöstlich von Osaka in der
Präfektur Wakayama. Es ist ein großartiges Ensemble aus
Tempeln und einem verzauberten Friedhof unter uralten
Zedern. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen der
Tempel Kongobu-ji mit dem größten Zen-Steingarten Japans
sowie der Danjo-Garan mit der leuchtend roten Pagode
Konpon Daito und seiner majestätischen Kondo-Halle.
Stundenlang spaziert man auf dem Koyasan von Tempel
zu Tempel und über den Friedhof Okunoin. Über 200.000
moosbewachsene Grabstätten unter bis zu 600 Jahre alten
Sugi-Zedern ehren Japans größte Denker, Künstler, Feldherren,
Priester und Unternehmer.
Von den einst über 2.000 Tempeln stehen noch 117,
dort leben fast 700 Mönche. Einer der wenigen Gast-Tempel
mit eigenem Onsen ist der ruhig am Waldrand gelegene
»Rengejo-in«. In den großen Familienzimmern mit kunstvoll
bemalten Schiebetüren und Wänden und bequemen
Futons kommt man der besonderen Ästhetik der traditionellen
Wohnkultur Japans wunderbar nahe. Und man erlebt
verblüffende Kontraste: Neben dem Erker zum Garten
versteckt sich ein hochmodernes Washlet-WC. Öffnet man
die Tür, geht das Licht an, der Deckel hebt sich und das WC
wird mit UV-Licht desinfiziert.
JAPANS JAKOBSWEG
Der Kumano Kodo auf der Halbinsel Kii südlich von Osaka
besteht aus fünf Pilgerwegen. Der »kaiserliche« Kumano
Sankeimichi Nakahechi ist der bekannteste. Und den nehmen
wir unter die Sohlen.
Spirituelle Herzstücke sind die Shinto-Schreine Kumano
Hayatama Taisha, Kumano Nachi Taisha und Kumano
Hongu Taisha. Seit über 1.600 Jahren koexistieren der originär
japanische Shintoismus und der aus China importierte
Buddhismus. Die Japaner folgen beiden spirituellen
Schulen und interpretieren, ganz pragmatisch, die vielen
Shinto-Gottheiten als Manifestationen Buddhas.
Dieses Nebeneinander symbolisieren der Schrein Kumano
Nachi Taisha und der benachbarte Tempel Seiganto-ji
beim heiligen Wasserfall Nachi. Der mit 133 Metern
höchste Wasserfall Japans hinter der Sanjudo-Pagode bläst
uns Gischt um die Nase, eine willkommene Abkühlung.
Hier findet in der Nacht des 14. Juli das spektakuläre Feuerfest
Nachi-no-Ogi Matsuri statt: Riesige Fackeln werden in
einer Prozession zum Schrein hochgetragen. Daimonzaka,
die moosüberzogene, von hohen Zedern gesäumte Steintreppe
zum Schrein, wirkt wie aus einer alten Tuschemalerei.
Der Pilgerweg Kumano Sankeimichi Nakahechi führt
durch das waldige, bis zu 1.915 Meter hohe Gebirge Kii Sanchi.
Start ist im Pilgerzentrum Takijiri-oji, eine Busstunde
von der Stadt Tanabe entfernt. Erster Übernachtungsstopp
ist meist nach vier Kilometern das Dorf Takahara mit dem
ältesten Schrein des Kumano Kodo, dem mehrere Jahrhunderte
alten Takahara Kumano-jinja. Für die Nacht haben
wir eines der grasig-würzig duftenden Tatami-Zimmer in
der modernen »Kirinosato Takahara Lodge« mit hübschem
Onsen reserviert.
Am Folgetag marschieren wir durch ausgedehnte Pinien-
und Zedernwälder zum Tsugizakura Oji Schrein, der
umstanden von hohen, bis zu 800 Jahre alten Zedern ist.
Nach 13 Kilometern und 1.400 Höhenmetern bergauf und
bergab erreichen wir Nonaka. Am dritten Tag sind es knapp
zehn Stunden und 22 Kilometer bis zum Schrein Kumano
Hongu Taisha. Die Belohnung für die rund 40 Kilometer
Pilgerwandern auf dem Nakahechi? Ein Bad im Yunomine
Onsen, zu dem wir uns ein Taxi gönnen. Was für eine
Wohltat für die müden Muskeln, nach gründlicher Reinigung
ins heiße Thermalwasser einzutauchen.
46 reisen EXCLUSIV
sommer 2026
Aktiv Afrika | PATAGONIEN
| ANGOLA
Ein echter Reinfall? Ganz im Gegenteil:
Der 133 Meter hohe Wasserfall hinter dem
Tempel Seiganto-ji gilt als heilig.
Bast, Rinde, Körperbemalungen
und windanfällige Kopfaufbauten –
der Maskenreichtum der Papuas ist
unerschöpflich.
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Seit 1369 tief verwurzelt: die Gojunoto-Pagode im Zedernwald des Bergs Haguro, einem der drei
heiligen Berge des Dewa Sanzan. Auf diesen Pilgerwegen sind Yamabushi-Bergmönche seit
Jahrhunderten unterwegs. Schritt für Schritt der Wiedergeburt entgegen.
Fernweh | JAPAN
DIE REISE DER WIEDERGEBURT
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DER SCHÖNSTE BERGTEMPEL
Fotos: Peter Pfänder (6), Wakayama Tourism Federation (4), Japan National Tourism Organization (2), Tohoku Tourism
800 Kilometer weiter nördlich warten die »Reise der Wiedergeburt«
und lange Zeit Japans längste Treppe. Spirituelles
Zentrum des Shugendo, einer alten Bergreligion, sind
die drei heiligen Berge von Dewa (Dewa Sanzan): Hagurosan,
Gassan und Yudonosan. Sie verbindet die »Reise der
Wiedergeburt«, eine Pilgerroute auf den Spuren der Yamabushi-Bergmönche.
Hinter dem Tempel Shozen-in beginnt die 2.446 Stufen
starke Treppe. Hunderte hohe, uralte Zedern säumen den
Weg. Nur wenige Schritte von der fünfstöckigen Pagode
Gojunoto entfernt ragt die gut 1.000 Jahre alte »Opa-Zeder«
Jiji-sugi in die Höhe. Beim Abstieg kommen uns Dutzende
Pilger in weißen Yamabushi-Gewändern entgegen. Nach
insgesamt vier Stunden und 4.892 Stufen bergauf und bergab
stehen wir wieder vor dem Koganedo, der goldenen
Haupthalle des Tempelkomplexes.
Symbolisiert der Hagurosan Geburt und Gegenwart,
steht der 1.948 Meter hohe Gassan für den Tod. Der sechs
Kilometer lange Weg zum Gipfel fordert mit 600 Höhenmetern
etwas Kondition. Letzte Station ist der 1.500 Meter
hohe Yudonosan. Er steht für die Wiedergeburt. Dort ist
kein Schrein das Ziel der Pilger, sondern der heilige Felsen
Goshintai, aus dem Thermalwasser fließt.
Dieses Wasser füllt den hölzernen Onsen der »Yudono
Sanrojo Lodge« zu Füßen des Yudonosan. Die Nacht im großen
Tatami-Zimmer mit Gemeinschaftsbad, Shojin-Ryori-
Dinner und Nutzung des Onsen kostet rund 75 Euro, ein
so authentisches wie günstiges Erlebnis. Und sehr entspannend.
70 Kilometer südlich liegt das Bergdorf Yamadera. Der Name
bedeutet »Bergtempel«. Dort zieht sich die weitläufige
Tempelanlage Risshaku-ji aus dem 9. Jahrhundert einen steilen
Berghang hinauf. Die Halle Konpon Chudo bildet das
spirituelle Zentrum am Fuß des Bergs. Dessen heilige
Flamme brennt der Legende nach seit 860 ohne Unterbrechung.
Ein steiler Weg führt über 1.000 Stufen durch einen verwunschenen,
dichten Wald und das Niomon-Tor mit kunstvollen
Schnitzereien hoch zum Gipfelplateau. Beim Aufstieg
passiert man bemooste Buddha-Statuen und Steinlaternen
zwischen Ahornbäumen und Zypressen. Ein inspirierendes
Erlebnis, das auch den großen Haiku-Meister Matsuo Basho
nicht unberührt ließ. Eines seiner bekanntesten Haiku-Gedichte
soll 1689 entstanden sein, als er diesen Weg ging:
»Ruhe und Gelassenheit. Der Klang der Zikade. Durchdringt
den Fels.«
INFO
ANREISE Flüge nach Tokio z.B. mit Finnair via Helsinki, mit KLM
via Amsterdam oder direkt mit Lufthansa und ANA All Nippon
Airlines. Vor der Reise bei Visit Japan Web anmelden, dann geht
die Einreise viel schneller. www.vjw.digital.go.jp/main
SHUKUBO Übernachtung im Senyu-ji auf der Insel Shikoku ab
45 Euro. Im Tempel Fukuchi-in auf dem Koyasan kostet die
Nacht je nach Saison 150 bis 300 Euro, im schicken Rengejo-in,
ebenfalls auf dem Koyasan, je nach Saison und Zimmerkategorie
180 bis 600 Euro. Die Nacht in der Yudono Sanrojo Lodge kostet
ab 75 Euro. Alle Preise mit Halbpension.
Weitere Auskünfte unter japan.travel/de/de
Wer sich optimal vorbereiten will,
liest unseren Japan-Guide online:
auf.reise/japan-guide
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text & fotos
Andreas Dauerer
MAROKKO IST EIN LAND DER EXTREME.
JAHRTAUSENDEALTE KULTUR AUF DER
EINEN, GRAFFITI UND STREETART AUF DER
ANDEREN SEITE. DAZWISCHEN LIEGEN
SOUKS, TAJINE, TEE UND JEDE MENGE
FUSSBALL. WER IN DIESEM FASZINIERENDEN
LAND SCHNELL VORANKOMMEN MÖCHTE,
NIMMT DEN NEUEN SCHNELLZUG AL BORAQ,
DER IMMER MEHR STÄDTE MITEINANDER
VERBINDET.
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Fernweh | MAROKKO
MaRoKkO
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MAROKKO | Fernweh
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Platsch. Ein unvermutetes Geräusch, das nicht vom Zucker stammen kann,
der in die kleine Teetasse plumpst. Aber irgendwie doch ähnlich. Mein Blick
wandert zum Wasser. Ein Ausflugsboot schaukelt sanft auf dem Fluss Oum
er-Rbia, bunt bemalt und mit gelangweiltem Kapitän, der auf sein Handy
starrt. Dahinter treibt ein Fußball herrenlos im Fluss. Ich drehe den Kopf
um 180 Grad. Oben an der Mauer sehe ich erst drei, vier, dann acht, neun,
fünfzehn Köpfe, vornehmlich Teenager, die noch vor einer halben Minute
das Afrika-Cup-Finale auf dem Asphalt des Städtchens Azemmour nachgespielt
haben. Zumindest fast. Kurz darauf ertönt ein Stimmengewirr aus
Arabisch und Französisch (das ich nicht oder nur rudimentär verstehe),
aus breitem, vergnügtem Lachen (verstehe ich gut) und, man möge es
mir verzeihen, schadenfrohem Gelächter (verstehe ich auch). Noch einmal
eine halbe Minute später und ein Dutzend Fußballer versammeln sich an
der Kaimauer und blicken dem Fußball sehnsüchtig hinterher, wie er langsam,
aber doch unaufhaltsam Richtung Atlantik schwimmt. Ein Mutiger
fragt den Kapitän, doch der winkt ab. Kein Geld, kein Fußballrettungsversuch.
Die Diskussionen werden lauter, die Verzweiflung auch – und
nebenbei der Fußball immer kleiner. Ein netter Tourist hat schließlich Erbarmen,
gibt dem Kapitän 50 Dirham, also umgerechnet etwa fünf Euro,
damit die bunt zusammengewürfelte Mannschaft ihr Spielgerät wieder
aufsammeln kann. Jubelschreie, Ausgelassenheit. Aber von Eile ist jetzt
nicht mehr ganz so viel zu sehen bei den jungen Kickern. Im Gegenteil.
Erst mal muss die Kunde zu der Handvoll Jungs geschrien werden, die
immer noch oben an der Balustrade weilen, ehe sich dann zehn Spieler auf
das Boot zwängen, um den Ball einzuholen. Doch der hat mittlerweile so
viel Rechtsdrall bekommen, dass das Boot gar nicht mehr auslaufen müsste.
Einer der jüngsten macht sich auf, klettert über die Steine am Ufer, um
den Ball wenig später in Sicherheit zu bringen. Der Kapitän allerdings ist
jetzt unter Zugzwang, bezahlt ist bezahlt. Also nimmt er die Jungs mit hinaus
auf den Fluss, wo sie dann nacheinander freudig ins Wasser springen.
Wieder an Land, tropfnass und strahlend, geht das Spiel weiter. Als wäre
nichts gewesen.
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Wer beobachtet hier wen? Ein Graffito behält die Spaziergänger im Blick,
dahinter erhebt sich der Turm der Moschee Al Masjid Al Atiq.
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In Marokko geht Kultur durch den Magen, ins Ohr und macht
Eindruck: knuspriges Fladenbrot, süße Chebakia mit Honig und
Sesam, meisterhaft gebaute Ouds, also orientalische Lauten, und
die so typischen schwungvollen Türen.
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Fernweh | MAROKKO
Ein »Les billets s’il vous plaît« katapultiert mich ins Hier
und Jetzt. Ich bin im Zug, oder besser: im Al Boraq, dem
Highspeed-Zug und gleichzeitigen Verkehrsvorzeigeprojekt
der marokkanischen Regierung. Pünktlich ist er auf die
Minute. Und verdammt schnell. Mit bis zu 320 Kilometern
die Stunde heizt er etwa von Casablanca nach Rabat und
anschließend weiter in Richtung Tanger. Das Ganze in nur
etwas mehr als zwei Stunden für knapp 350 Kilometer.
Dem Schaffner im schwarz-grünen Kostüm scheint die
Schnelligkeit seines Zugs aber gerade ziemlich egal zu sein.
Er möchte meine Fahrkarte sehen, die ich etwas schlaftrunken
aus der Hosentasche krame. »Merci, bon voyage«,
garniert mit einem fröhlichen Lächeln, schon ist er auch
wieder weg. Und ich für einen kurzen Moment allein mit
der Landschaft, die heute grau am Fenster vorbeirast, weil
über dem Atlantik ein ordentliches Tief den Regen ans
Fenster peitscht. Als bahngeplagter Tourist aus Deutschland
ist so eine Zugreise in Marokko aber doch ziemlich
spannend. Also, dass es nicht nur schnell gehen kann,
sondern auch pünktlich. Wer könnte das besser skizzieren
als Ahmed Bouhaltit, technischer Direktor der staatlichen
Eisenbahngesellschaft ONCF, den ich im Zug zum Gespräch
treffe. Rundes Gesicht, Brille, feiner Anzug und ungemein
blitzende Augen, gerade wenn er über seinen Al
Boraq spricht. Wenig später weiß ich, was ich schon längst
ahnte: Das marokkanische Schnellzugprojekt ist ein voller
Erfolg – und das Streckennetz, insbesondere im Hinblick auf
die nahende Fußball-WM 2030, im totalen Ausbau. Künftig
soll die Schnellstrecke bis zum Flughafen Casablanca ausgebaut
werden, damit der Zug auch da die 320 Kilometer
pro Stunde ausreizen kann und nebenher werden weitere
Strecken erschlossen. Bis nach Marrakesch im Süden und Fès
im Landesinneren wird unter anderem geplant. Für die Marokkaner
eröffnen sich so ganz andere Möglichkeiten, gerade
im Pendelverkehr. Und für Touristen ist es eine willkommene
wie zeitsparende Alternative zu Auto oder Flug.
Für die Fußballjungs im kleinen Ort Azemmour wird das
Thema Schnelligkeit vorerst keine allzu große Rolle spielen.
Zum einen schon allein wegen der Nachbarschaft zur
Hafenstadt El Jadida mit ihrer alles überstrahlenden portugiesischen
Zitadelle und der Nähe zu Casablanca, wo man
ohnehin in den Al Boraq steigen kann. Zum anderen, da darf
ich ganz ehrlich sein, weil Schnelligkeit in Azemmour gänzlich
kontraproduktiv wäre – gerade für mich als gemeinen
Marokko-Reisenden, der hier so wunderbar zur Ruhe kommen
kann. Es gibt keine Sehenswürdigkeiten im klassischen
Foto: Mounir Taha/Shutterstock.com
Zukunftsmusik: Vom Mausoleum fällt der Blick auf das
futuristische Theater von Architektin Zaha Hadid in Rabat.
Sinn. Sondern eine reizvolle kleine Stadt am Fluss, die einen
ungewohnt spröden Charme versprüht. Die Medina wirkt
so ursprünglich, rau, fast aus der Zeit gefallen. Marode
Mauern, stille Gassen, dafür immer wieder riesige Graffiti,
weil einmal im Jahr ein Streetart-Festival stattfindet, das
bunte Spuren hinterlässt. Wer sich treiben lässt, wird belohnt.
Zumindest ist das bei mir der Fall. Entlang unzähliger
blau getünchter Wände und kleiner Eingänge mit den
markanten eisernen Türklopfern lande ich schließlich direkt
am Fluss im L’Oum Errebia, einem kleinen Restaurant
mit angeschlossenem Hotel. Einen Augenblick später stehen
Wein und Nüsse auf dem Tisch und kurz darauf auch
die Lamm-Tajine mit Pflaumen. Ein Gedicht.
»La prochaine destination: Rabat-Ville«, säuselt es durch
den Lautsprecher. Ankunft in der Hauptstadt. Rabat verbindet
politische Bedeutung mit einer, zu meiner Überraschung,
großen Portion Lässigkeit. Zu den markantesten
Sehenswürdigkeiten zählt der Hassan-Turm, von dem König
Mohammed V. dereinst das erste Freitagsgebet nach der verkündeten
Unabhängigkeit abhielt. Ein imposantes, wenn
auch unvollendetes Monument aus dem 12. Jahrhundert,
flankiert von einem Feld aus steinernen Säulen. Direkt daneben
liegt das Mausoleum von Mohammed V., ein architektonisches
Meisterwerk mit filigranen Verzierungen und
an jedem der vier Eingänge eine bunt gewandete Wache.
Archaisch sieht das aus, aber auch ziemlich toll. Von hier
oben hat man auch einen guten Blick hinüber auf das Große
Theater, eines der letzten Bauwerke der preisgekrönten Architektin
Zaha Hadid.
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MAROKKO| Fernweh
Gewürze auf dem Markt, Tee im Restaurant und natürlich das Schmorfleisch
aus der Tajine: Hier ist jeder Schluck und Bissen eine Entdeckung.
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Verlaufen erlaubt!
Und in den hübschen
Gassen von Tanger
sogar ausdrücklich
empfohlen.
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MAROKKO | Fernweh
Kerzengerade: Eine Wache vor dem Mausoleum von Mohammed V. Die Mauern der
Kasbah von Rabat (unten) stehen seit Jahrhunderten ebenso unbeirrbar.
Tanger ehrt seinen berühmtesten Sohn mit einem eigenen
Museum: Ibn Battūta, der als Marco Polo Marokkos gilt.
Illustration: Peter Hermes Furian/Shutterstock.com
58 reisen EXCLUSIV
frühling 2026
Ganz anders dazu präsentiert sich die Kasbah des Oudaïas:
ein fast mediterranes Ensemble aus weiß-blauen Häusern,
engen Gassen und spektakulären Ausblicken auf den Atlantik.
Neben Touristen verfolgen einen auch Katzen auf
Schritt und Tritt. Da sie ihre Bewohner in der Vergangenheit
vor Feuer und Erdbeben gewarnt haben, hat jeder
Riad mindestens zwei Tiere im Haushalt. Die Medina
wiederum ist überschaubar, was für Besucher den Vorteil
hat, dass alles entspannter und weniger aufdringlich ist.
Wie selbstverständlich flaniert man durch die kleinen Gassen,
vorbei an Schafsköpfen, gerupften Hühnern und allerlei
Fisch, aber auch Gewürzen, Süßigkeiten und jeder Menge
Textilien, sodass man auch selbst einmal in die Dschellaba,
den traditionellen marokkanischen Kapuzenmantel
aus Schurwolle schlüpfen kann.
Irgendwie muss ich der Zugmonotonie doch ein wenig
Tribut gezollt haben, aber als der Boraq spürbar langsamer
wird, schlage ich die Augen auf. Ein Blick auf das Display
verrät: »Arrivée à Tanger: 12:55«. Letzte Station also, Tanger.
Die ehemalige spanische Enklave entpuppt sich trotz des
Nieselregens als extrem lebendige Stadt. Die Bars und Restaurants
sind voll. Kein Wunder, versammeln sich doch hier
auch jede Menge Tagesausflügler, die mit Schnellboten aus
Gibraltar herüberkommen. Von vielen Punkten der Stadt
aus sieht man Europa am Horizont – ein Blick, der Tanger
seit jeher geprägt hat. Der Petit und der Grand Socco bilden
das pulsierende Tor zwischen alter und neuer Stadt.
Es scheint fast so, als wäre Tanger ein Kleinod aus weiß
getünchten Häusern vor einem blauen Meer, das ständig
in Bewegung ist. Ein Ort des Ankommens und gleichzeitig
des Wegfahrens. Ein Sohn der Stadt, dem das besonders gut
gelungen ist, war Ibn Battūta. Ein Rechtsgelehrter Anfang
20, der sich im 14. Jahrhundert aufmachte, um andere
Länder und ihre Menschen zu erkunden, zu verstehen, kennenzulernen.
In Abwesenheit heutiger Reisemöglichkeiten
musste er sich jedoch auf seine Beine, Esel, Pferde und mitunter
auch Schiffsfahrten beschränken. Nach 24 Jahren kam
er von seiner ersten Reise zurück, die ihn entlang der nordafrikanischen
Küste, unter anderem durch Persien und die
arabische Halbinsel, bis hinunter ins heutige Kenia und Tansania
geführt hatte. Im zweiten Anlauf reiste er sogar bis
nach Indonesien und China, diesmal jedoch lediglich zwölf
Jahre. Das gleichnamige Museum widmet sich Battutas Wirken,
das man dort multimedial und sehr gut aufbereitet
noch einmal nachgezeichnet hat. Am Ende der Reise ist es
vielleicht genau das, was man sich vor Augen halten sollte.
Wegfahren, um anzukommen, andere Kulturen erfahren und
Menschen einfach zuhören wollen. Damit wäre vielem schon
gedient, in ganz vielerlei Hinsicht. Für diese Erkenntnis allein
müsste ich freilich nicht nach Marokko fliegen. Doch
jede Reise bildet und hallt nach. Hier vor allem mit leckerer
Tajine und einem Hochgeschwindigkeitszug, der auch noch
pünktlich ans Ziel gelangt. Das ist doch mal was.
Übersprudelnd schön: Einer der vielen verzierten Brunnen, die
Marokkos Gassen seit Jahrhunderten schmücken.
INFO
Allgemeine Infos über Marokko gibt’s wie gewohnt beim
Fremdenverkehrsamt www.visitmorocco.com/de
Nach Casablanca etwa unterhalten die Lufthansa oder die
Royal Air Maroc tägliche Verbindungen von Frankfurt aus.
Viermal die Woche fliegt Royal Air Maroc auch von München
nach Casablanca. Alternativ kann man mit Air France/KLM
via Paris bzw. Amsterdam nach Casablanca kommen.
Alle Informationen zum Zugverkehr im Allgemeinen und
dem Al Boraq im Speziellen gibt es bei der staatlichen
Eisenbahngesellschaft www.oncf-voyages.ma
Übernachten kann man in El Jadida etwa im weitläufigen
Magazan Beach & Golf Resort. Den Ocean View Patio
Room gibt es ab etwa 450 Euro inklusive Frühstück.
www.mazaganbeachresort.com
In Rabat ist das moderne Fairmont La Marina Rabat-Salé
samt Rooftop-Pool unweit des Flusses eine feine Adresse.
In der Junior-Suite ab etwa 450 Euro inklusive Frühstück.
auf.reise/fairmont-rabat
Online verraten wir unseren absoluten
Marokko-Geheimtipp:
auf.reise/marokko-geheimtipp
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Daumen
gesucht
JEDES JAHR AUFS NEUE NIMMT REDAKTEUR KONRAD SICH VOR,
DEN HEIMISCHEN BALKON ENDLICH MAL AUF VORDERMANN ZU BRINGEN –
UM DIESEN VORSATZ DANN DOCH WIEDER ZU BRECHEN. DIESES JAHR
KÖNNTE ES ABER WAS WERDEN. INSPIRATION DAFÜR HAT ER IN SINGAPUR
GEFUNDEN, EINER DURCH UND DURCH GRÜNEN STADT.
text
Konrad Bender
60 reisen EXCLUSIV
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Fernweh | SINGAPUR
Dem Himmel so nah: Im Mandai
Wildlife Reserve stehen eigentlich
die Tiere im Mittelpunkt. Bei so
einer Fotogelegenheit darf es
aber auch mal der Reiseredakteur
selbst sein.
Pilger auf der »Reise der
Wiedergeburt«. Schritt für Schritt vom
Berg Hagurosan zum Yudonosan
in der Region Tohoku.
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Rot im Doppel: Ob Ibisse
oder Zukunftshotel, Singapur
zeigt sich erfrischend
kontrastreich.
»Whoosch!« macht es über meinem Kopf, als der rote Ibis mit Tempo
über mir hinwegzieht. Ich drücke den Auslöser meiner Kamera –
und bin enttäuscht, dass das Bild erneut unscharf ist. Ein guter Naturfotograf
wird aus mir in diesem Leben wohl nicht mehr. Macht
aber nichts, dann wende ich mich eben den im Wasser stehenden
und damit für meine Kamera ruhigeren Tieren zu, die im Bird Paradise
zu sehen sind.
Mehr als 3.500 Tiere leben auf dem gut 17 Hektar großen Gelände
des Vogelparks, eingeteilt in unterschiedliche Lebensräume.
Im Bereich »Hong Leong Foundation Crimson Wetlands« sind vorrangig
Vögel aus den Regenwäldern Südamerikas untergebracht, 16
verschiedene Arten. Darunter auch die roten Ibisse, die unter dem
auf den ersten Blick kaum sichtbaren Netz ihre Runden drehen. Der
Übergang nach außen ist für das Auge fließend, denn der Vogelpark
ist als Teil des Mandai Wildlife Reserve umgeben von dichtem,
grünem Wald. Die gesamte Anlage liegt in einem der größten noch
erhaltenen Regenwaldgebiete der Insel.
Aber Moment mal! Ist Singapur nicht dafür bekannt, der nach
Monaco am dichtesten besiedelte Staat der Erde zu sein? Mehr als
sechs Millionen Menschen leben auf der Insel, nicht größer als Rügen,
an der Spitze der Malaiischen Halbinsel. Kann es da überhaupt
noch ein Fleckchen Land geben, das nicht komplett bebaut ist?
Zwar habe ich auf der Fahrt vom Flughafen bis zu meinem Hotel
nicht wenig grünen Bewuchs am Strand gesehen. Doch vor allem
fielen mir die unzähligen Hochhäuser und Wohnblocks ins Auge,
die das Stadtbild prägen. Bei genauerem Hinsehen stachen zwischen
den weißen und grauen Gebäuden aber immer wieder auch
markante, grüne Flecken hervor.
Einer davon ist mein Hotel, das Oasia Downtown. Wie ein roter
Zylinder schraubt sich das Bauwerk in die Höhe. Doch die Gitterfassade
ist über und über von grünen Kletterpflanzen überwuchert,
die das Gebäude gänzlich unter sich begraben scheinen zu wollen.
Das ist nicht etwa das Werk von nachlässigen Hausmeistern, sondern
so gewollt. Und zwar von ganz oben. Denn Singapur ist als Inselstaat
besonders von der Klimakrise betroffen. Nach dem »Singapore
Green Plan 2030«, einem umfassenden Nachhaltigkeitsplan
der Regierung, müssen Neubauten daher so viel Begrünung vorweisen,
wie an Grundfläche versiegelt wird. Ob an der Fassade, auf
Balkonen oder auf dem Dach. Im Fall des Oasia Downtown ist es
mehr als das Zehnfache an Begrünung. Der Effekt ist beim Gang um
das Gebäude spürbar, die Temperatur fühlt sich merklich kühler an.
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reisen EXCLUSIV
sommer 2026
Fernweh | SINGAPUR
Ein Grün im Häuschen: Der Stadtstaat wird mit jedem Jahr grüner, und das mit Konzept.
Ob als »Sky Garden« über den Dächern der Stadt oder im »Gardens by the Bay« mit
Supertrees, direkt am Meer – bis zur nächsten Oase ist es nie weit.
Strohhüte schützen die Pilgerinnen auf dem
Kumano Kodo vor der Sonne. Das Gehen in den
traditionellen Sandalen mutet wie ein
orthopädisches Abenteuer an.
reisen EXCLUSIV
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Oben: Pilger auf der »Killer-Etappe« des Shikoku Henro zwischen
Yunami und dem Yokomine-ji. Ein Weg, der alles abverlangt.
Unten: Die Große Pagode (Konpon Daito) auf dem Koyas, eine
der bedeutendsten Pagoden Japans.
Grünes Erbe: Der botanische Garten
wurde noch unter britischer Herrschaft
gegründet. Seit 2015 zählt er zum
Unesco-Weltkulturerbe und beherbergt
unter anderem den größten
Orchideengarten der Welt.
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Fernweh | SINGAPUR
Lehrreich: Im »City
Sprouts« zeigt Khor,
wie man schnell an das
süße Innenleben eines
frischen Zuckerrohrs
kommt.
Was in Deutschland vermutlich auf direktem Weg einen
Innovationspreis gewinnen würde, ist in Singapur nur der
Anfang. Nur einen guten Kilometer Luftlinie vom Hotel entfernt,
mitten im Financial District, liegt der Capita-Spring-
Wolkenkratzer; mit 280 Metern das zweithöchste Gebäude
der Stadt. Und ganz oben, auf der Dachterrasse, herrscht
Justin über sein grünes Reich. Der junge Gärtner hegt und
pflegt dort den höchsten Garten der Stadt, den trefflich benannten
»Sky Garden«. Nachdem ich die 51 Stockwerke im
Aufzug hochgerauscht bin, geht es zunächst durch die kleine
Rooftop-Bar und dann nahtlos in die Urban Farm. In grüner
Gärtnerklamotte und mit Patagonia-Sonnenhut (vorbildlich)
gekleidet, gibt Justin einen herrlichen Kontrast zu den geschäftigen
Casual-Chic-Besuchern der Bar ab.
Aber was wird hier eigentlich angebaut? »Der Garten ist
in mehrere Bereiche aufgeteilt«, erklärt mir Justin. Und diese
Bereiche sind hauptsächlich nach Regionen geordnet. So
liegt etwa der mediterrane Abschnitt mit Rosmarin, Thymian
und Basilikum auf der sonnenstarken Seite der Terrasse.
Anderswo wachsen wunderschöne Blumen oder auch mal
ein bescheidener Fenchel. Die Einteilung hat System, teilweise
arbeiten Justin und sein Team auch mit Fruchtfolge.
Also dem regelmäßigen Wechsel unterschiedlicher Pflanzen
im selben Boden, um dessen Nährwerte nicht über Maß zu
beanspruchen.
Die Gartenarbeit so weit oben ist aber nicht ohne Herausforderungen.
»Auf dieser Höhe fliegen keine Vögel den
Garten an. Insekten hingegen werden oft vom Wind hinaufgetragen«,
berichtet der Gärtner. Und so kann sich schonmal
eine Heuschrecke oder ein anderer Schädling in den
51. Stock verirren. Ohne die Hilfe von hungrigen Vögeln
müssen diese dann aufwendig von Hand entfernt werden.
Pestizide kommen nicht zum Einsatz. Und das ist auch gut
so. Denn viele der Kräuter und Blüten werden unmittelbar
in einem der beiden Restaurants im 51. Stockwerk weiterverarbeitet.
Regionaler geht es kaum.
Die Natur im »Sky Garden« ist also akkurat geplant und
gepflegt, kein Grashalm tanzt aus der Reihe, ebenso wenig
wie im Mandai Wildlife Reserve oder ganz generell in Singapur.
Ganz Singapur? Nicht ganz! Ein kleines Naturprojekt
inmitten des Stadtstaats gibt sich unbeugsam. Denn auf
dem Gelände von »City Sprouts« im Stadtteil Tiong Bahru
wachsen Büsche, Stauden, Kräuter und Bäume munter drauf
los, in alle nur erdenklichen Richtungen. Ein System steckt
trotzdem dahinter, nämlich die lokale Gemeinschaft des
Viertels. »Fostering Communities Through Shared Discovery«
prangt in verspielten Lettern auf dem grünen Shirt
von Khor, der mich über das ehemalige Schulgelände führt.
Wo früher Kinder lernten und spielten, stehen jetzt zu Lagerstätten
umfunktionierte Container mit Gartenwerkzeugen
und unzählige kleine Gewächshäuser, die die Hitze der
tropischen Sonne einfangen.
»Wir wollen die Menschen in Singapur wieder mit der
Natur verbinden«, erklärt mir Khor. »Insbesondere mit dem
Anbau von Lebensmitteln.« Vor dem Eingang in den wahrhaftigen
Irrgarten zwischen den Gewächshäusern entdecke
ich ein großes Reisfeld, ganz traditionell. In einem Gewächshaus
gleich daneben wachsen Pflanzensprösslinge aus langen,
übereinandergestapelten Kunststoffrohren. Auch wenn
es ungewöhnlich aussehen mag: Die Pflanzen gedeihen
prächtig. »Durch den augenscheinlichen Gegensatz lernen
Kinder, dass für klassische Landwirtschaft in Singapur
schlicht die Fläche fehlt. »Gleichzeitig vermitteln wir, dass
der Anbau von Nutzpflanzen nicht immer nur die Arbeit
auf dem Feld ist. Sondern eben auch Ingenieursarbeit«, sagt
Khor.
Doch nicht nur Kinder besuchen die Farm mitten in der
Stadt. Zum Konzept gehört auch, die verschiedenen Generationen
Singapurs zusammenzuführen. Als ein soziales Unternehmen,
das von der Stadt finanziell unterstützt wird, ist
»City Sprouts« der Gemeinschaft verpflichtet. Die Bewohner
des nahe gelegenen Altenheims sind daher ebenso oft
vor Ort wie die kleinen Besucher – gerne auch gemeinsam.
Die Kinder können sich an der Gartenarbeit versuchen, die
Älteren bringen ihre traditionellen Rezepte mit, die dann gemeinsam
zubereitet und gegessen werden. Hochbeete sorgen
zudem dafür, dass sich auch Menschen im Rollstuhl
unkompliziert am Gartenbau beteiligen können. So haben
sich die »City Sprouts« bereits in fünf Vierteln zu sozialen
Zentren etabliert. Die Idee des Programms ist aber noch
größer. »Wenn wir den Kindern aus der Stadt die Liebe zur
Natur beibringen, dann schützen sie später genau diese
Natur«, hofft Khor.
Das ist noch nicht das Ende der grünen Fahnenstange.
Ob die imposanten »Gardens by the Bay«, die futuristischen
Supertrees am Meer, die begrünten Fassaden im Stadtzentrum
oder die riesige Orchideensammlung im botanischen
Garten – an allen Ecken und Enden überrascht mich Singapur
mit seiner Pflanzenvielfalt, die ich hier so nicht erwartet
hätte. Da wäre es doch gelacht, wenn ich meinen heimischen
Balkon in diesem Jahr nicht auch ein bisschen begrünen
kann. Es muss ja nicht gleich ein Reisfeld sein.
sommer 2026
reisen EXCLUSIV
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Zum chinesischen
Neujahr ist die ganze
Stadt geschmückt.
Vormerken: 2027
starten die Festivitäten
am 6. Februar.
Alles nur Fassade? Sogar ohne Begrünung sind
viele Gebäude in der Stadt echte Hingucker.
INFO
ANREISE Singapore Airlines fliegt teils
mehrfach täglich direkt von München und
Frankfurt bis Singapur, www.singaporeair.com
HOTELS
Das Oasia Downtown ist nicht nur architektonisch
beeindruckend, sondern auch idealer
Ausgangspunkt für Ausflüge ins nahe gelegene
Chinatown. Im 21. Stockwerk lockt die Club
Lounge mit großer Terrasse und fantastischem
Ausblick, auf dem Dach wartet ein Outdoor-
Swimmingpool. Ab etwa 160 Euro,
www.oasiahotels.com
Im METT Singapore zeigt sich Singapur von
seiner besonders grünen Seite. Das Luxushotel
ist in einer alten britischen Militärakademie
untergebracht und liegt prominent mitten im
Fort Canning Park, der höchsten natürlichen
Erhebung auf der Insel. Ab etwa 250 Euro,
www.metthotelsandresorts.com
GRÜNE ORTE
Das Mandai Wildlife Reserve im Norden der
Stadt besteht aus fünf Bereichen, darunter das
Bird Paradise und der Zoo. Tickets gibt es für
jeden Einzelbereich ab etwa 32 Euro oder als
Kombiticket für alle Bereiche ab 165 Euro.
www.mandai.com
Der »Sky Garden« im Capita-Spring-Gebäude
ist kostenfrei zugänglich, Besucher müssen
allerdings einen Slot vorab buchen. Gelegentlich
ist der Bereich aufgrund privater Events nicht
zugänglich. www.1-arden.sg
Auf Hotelsuche? Konrads
Eindrücke zum METT
Singapore gibt’s in unserem
Podcast »Hotel der Woche«:
auf.reise/mett-singapur
Fotos: Konrad Bender (10), pornpawit/Shutterstock.com, Rahmad photograpy16021996/Shutterstock.com, Visun Khankasem/Shutterstock.com, Mandai Wildlife Group
66 reisen EXCLUSIV
sommer 2026
HOTEL
SOFA.
SO GOOD.
TRÄUMCHEN
Als Schuhdesigner Christian Louboutin auf
dem Weg zwischen Lissabon und der Algarve
durch das Dorf Melides kam, blieb er hängen,
fasziniert von Kiefernwald, Dünen und
tintenblauer Lagune. Hier wollte er bleiben.
Aus einem Haus im Ort wurde Jahre später
das Vermelho, sein erstes eigenes Hotel:
13 Zimmer und Suiten, alle unterschiedlich,
voll Fresken, Antiquitäten und handverlesener
Kunst. Außen fügt es sich in die weiße Architektur
von Melides ein, innen ist es ein eigenes
Designuniversum. Preise ab rund 400 Euro pro
Nacht. www.vermelhohotel.com
Fotos: PR, Dario Borruto Fotografie, Margual Hotel Management
Es sich draußen gemütlich machen, war nie
schöner: Das Sofa »Loop«, entworfen von Elena
Salmistraro für die italienische Outdoormarke
Ethimo, verbindet organische Formen zu einem
endlosen Sitzerlebnis. Toll als Sofa, aber ebenso
als Skulptur – ob nun im heimischen Garten
oder in der Lobby eines Fünf-Sterne-Hotels.
Preis auf Anfrage, www.ethimo.com/en
FELL THE HEEL
Besonders bei Jetlag
ein treuer Begleiter: Das
Sleep Spray von Alpinulin
kombiniert Melatonin mit
Ashwagandha-Wurzel-
extrakt und unterstützt
so den natürlichen rhythmus. Gute Nacht!
Schlaf-
30 ml, 39 Euro,
https://alpinulin.com
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GRIECHENLAND | Hotel
text
Jennifer Latuperisa-Andresen
KALIMERA
LUXUS
MANDARIN ORIENTAL, COSTA NAVARINO
Wenn die Sonne über der Bucht von Navarino versinkt und der letzte Putt
im Olivenhaingrün rollt, warten im Mandarin Oriental schon der
erste Aperitif und ein Dinner auf Sterneniveau.
Wo liegt es? An der Südwestküste der Peloponnes, in der Region Messenien:
eine der historisch dichtesten Ecken Griechenlands. In Sichtweite: Pylos, die
venezianische Festung Methoni und der Strand von Voidokilia, ein perfekter
Halbmond aus weißem Sand, regelmäßig auf den Listen der schönsten Strände
Europas. Athen liegt vier Autostunden entfernt, der Flughafen Kalamata gerade mal
50 Minuten.
Was du übers Hotel wissen musst: Das Resort versammelt 99 Suiten und Villen am
Hang, die meisten mit eigenem Pool. Naturstein und Terrakotta dominieren, schattige
Innenhöfe spenden Kühle, wenn die Mittagssonne über Messenien steht. Wer die gesamte
Familie mitnehmen möchte, bucht am besten die Royal Villa mit fünf Schlafzimmern. Im
Restaurant Oliviera interpretiert Executive Chef Bertrand Valegeas die griechisch-mediterrane
Küche so gut, dass im Koffer auf jeden Fall Platz für Olivenöl und Kräuter sein sollte.
Warum hierhin? Wegen der vier Championship-Golfplätze des umliegenden Costa-Navarino-
Areals, darunter The Dunes Course und The Bay Course, beide regelmäßig unter den besten
Plätzen Europas gelistet. Dazu die »Stirring Stars«: Im Private-Kitchen-Format kochen im Wechsel
Sterneköche, Namen wie Andreas Caminada oder Pascal Barbot waren bereits zu Gast.
Was kostet es? Doppelzimmer ab 430 Euro pro Nacht. www.mandarinoriental.com/costa-navarino
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sommer 2026
DAS LICHT WIRD HONIGFARBEN, IRGENDWANN SETZEN DIE
ZIKADEN EIN. AUF DEM TISCH STEHT EINE KARAFFE WEIN,
DANEBEN WARME PITA, OLIVENÖL GLÄNZT AUF DEM BROT.
HINTER DEM PINIENWALD SINKT DIE SONNE INS MEER.
SOLCHE ABENDE STELLEN SICH NICHT ÜBERALL IN
GRIECHENLAND VON SELBST EIN. IN DEN SIEBEN
HOTELS, DIE WIR AUSGEWÄHLT HABEN, IST DAS
EINE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT.
reisen EXCLUSIV
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GRIECHENLAND | Hotel
SANI RESORT, CHALKIDIKI
Ein eigenes Universum auf gut 400 Hektar Naturschutzgebiet, fünf
Hotels, eine Marina, 40 Restaurants und Bars sowie Sportakademien
mit Rafael Nadal und dem Chelsea FC. Das Sani spielt nicht in der
Liga normaler Resorts, es ist eine Liga für sich.
Wo liegt es? Auf der Halbinsel Kassandra, der westlichsten der drei
»Finger« Chalkidikis im Norden Griechenlands. Thessaloniki und
sein Flughafen liegen rund 70 Autominuten nördlich. Das Gelände
erstreckt sich auf gut 400 Hektar geschützten Lands, durchzogen
von Pinienwäldern, Feuchtgebieten und sieben Kilometern Privatstrand.
Sani ist Griechenlands erstes klimaneutrales Resort.
Was du übers Hotel wissen musst: Fünf eigenständige Häuser,
jedes mit eigenem Charakter: Sani Beach (klassisch), Sani Club
(Hanglage), Porto Sani (familienorientiert mit Marina), Sani Asterias
(das exklusivste, mit Residential-Konzept direkt am Strand) und Sani
Dunes (Erwachsene). Mehr als 40 Restaurants und Bars verteilen
sich übers Areal, darunter das Restaurant Water im Sani Asterias,
wo der Zwei-Sterne-Koch Bruno Oger französisch-mediterran kocht
und seine bretonischen Wurzeln einbringt. Im El Puerto berät Andoni
Luis Aduriz als Consultant Chef, einer der einflussreichsten Köpfe
der zeitgenössischen Küche.
Warum hierhin? Wegen der Sport-Infrastruktur. Das Rafa Nadal
Tennis Center bietet Trainings nach der Methode des spanischen
Champions, die Fußballschule kooperiert mit dem Chelsea FC, die
Bear Grylls Survival Academy lehrt Survival-Techniken in Wald und
Wasser. Wer es kulturell mag: Das Sani Festival, Griechenlands
erstes nachhaltiges Musikfestival, lädt im Sommer samstags zu
Konzerten auf dem Sani Hill mit Blick auf die Ägäis.
Was kostet es? Ab 644 Euro pro Person, pro Nacht.
www.sani-resort.com
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AMOH, A LUXURY
COLLECTION RESORT, RHODOS
An der Südostküste von Rhodos, eine kurze Fahrt vom
weiß getünchten Bergdorf Lindos entfernt, hat im April das
Amoh mit zwei eigenen Sandstränden eröffnet.
Wo liegt es? In der Bucht von Pefki auf Rhodos. Das Resort liegt
leicht erhöht auf einer ruhigen Halbinsel, davor öffnet sich die Ägäis,
dahinter steigt die Landschaft sanft an. Zwei eigene Sandstrände, Kavos
und Kymata, gehören zum Haus. Das berühmte Lindos mit seiner Akropolis
und den engen Gassen liegt rund 20 Autominuten entfernt. Ideal für einen
Tagesausflug, wenn es auf der Sonnenliege mal langweilig wird.
Was du übers Hotel wissen musst: 197 Zimmer und Suiten, viele mit Privatpool und
freiem Meerblick. Das Design stammt vom Londoner Studio Lost und ist von griechischer
Steinmetzkunst inspiriert: warme Mineraltöne, haptische Oberflächen, skulpturale Steinelemente
aus einem benachbarten antiken Kalksteinbruch. Acht Restaurants und Bars, vom
mediterranen Hauptrestaurant Lithos bis zur Patisserie Oniro mit hausgemachtem griechischem
Gebäck. Highlight ist die Rhoda Presidential Suite mit eigenem Pool und großzügiger Privatterrasse.
Warum hierhin? Wegen der »Olive Grove Experience«: tägliche Verkostung von sechs verschieden
veredelten Olivenölen mit Einblick in Herkunft und Verarbeitung. Dazu wöchentlich der Sunset Aperitivo
mit griechischen Meze rund um die Feuerstelle.
Was kostet es? Doppelzimmer ab 428 Euro pro Nacht. www.amoh.com
sommer 2026
reisen EXCLUSIV
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GRIECHENLAND | Hotel
ONE&ONLY KÉA ISLAND
45 Minuten per Schnellboot von Athen entfernt, liegt eine der
unbekanntesten Kykladeninseln und auf ihr eines der edelsten
Villenresorts Griechenlands.
Wo liegt es? Auf Kéa, einer Insel, die viele Athener am Wochenende
ansteuern, internationale Gäste aber kaum kennen. Das Resort
thront oberhalb eines 100 Meter langen Sandstrands an der Bucht
von Vroskopos. Pfade winden sich zwischen hohen Aleppo-Kiefern
und griechischen Amphoren hinunter zum Bond Beach. Antike
Ruinen, 14 versteckte Buchten und einige der spektakulärsten
Schiffswracks der Ägäis liegen vor der Tür, darunter das Wrack
der Britannic.
Was du übers Hotel wissen musst: Ein reines Villenresort, jede mit
privatem Pool und fließenden Übergängen zwischen drinnen und
draußen. Neu sind die zweigeschossigen Grand Seafront Villas mit
drei oder vier Schlafzimmern direkt am Wasser, ideal für Mehrgenerationenreisen.
Im Bond Beach Club mischen die Köche japanische
und mediterrane Aromen, etwa Wolfsbarsch-Ceviche mit Yuzu,
Jalapeños und knuspriger Lotuswurzel. An der Bar gibt es den
Signature Drink »Local Matters«, einen Drink auf Metaxa-Basis mit
wildem Thymian und Honig, geschüttelt, nicht gerührt.
Warum hierhin? Wegen der geführten Wanderung zu den sonnengebleichten
Ruinen des antiken Karthéa: Ein Archäologe erklärt
unterwegs, was es mit dem Tempel für Athena und Apollo auf sich
hat, danach erfrischendes Bad und Bootsfahrt zurück zum Resort.
Wer lieber unter Wasser unterwegs ist, taucht zur Britannic, dem
Schwesterschiff der Titanic.
Was kostet es? Ab etwa 1.280 Euro pro Nacht für zwei Erwachsene
in einer Panoramic Cliff Villa mit Frühstück.
www.oneandonlyresorts.com/de/kea-island
72 reisen EXCLUSIV
sommer 2026
SANTA IRINI RETREAT, THIRASIA
Während sich auf Santorin die Kreuzfahrtgäste durch das
Küstendorf Oia schieben, wartet eine kurze Bootsfahrt entfernt
das genaue Gegenteil: ein historisches Anwesen für 18 Gäste
auf einer fast vergessenen Kykladeninsel.
Fotos: Sani Resort (2), Chris Drazos Photography (2), Santa Irini (2), Kapreski/Shutterstock.com, George Apostolidis Photograohy,
Rupert Peace, One & Only Kéa Island, JW Mariott Crete, Mary Katrantzou/Madarin Oriental Cosa Navarino, Perianth
Wo liegt es? Auf Thirasia, der kleinen Schwesterinsel von Santorin,
gegenüber der weltberühmten Caldera. Nur wenige hundert Menschen
leben hier, kein Massentourismus, keine Hotelketten, dafür
Steinhäuser, Esel und ein paar Tavernen. Die Anreise erfolgt per
Boot von Santorin, wodurch sich der Übergang vom Trubel zur
Stille auch räumlich vollzieht. Vom Pool des Retreats schweift der
Blick direkt auf die Vulkanflanken der gegenüberliegenden Insel.
Was du übers Hotel wissen musst: Das Anwesen gruppiert sich
um die kleine Kapelle Agia Irini, die Santorin einst ihren Namen
gab. Vier Suiten und zwei traditionelle, in den Fels gebaute
Räume bieten Platz für maximal 18 Gäste in zwei Gebäuden. Die
Architektur ist minimalistisch kykladisch: weiß getünchte Mauern,
Holzbalken, schmale Fenster mit Blick aufs Meer. Im Zentrum
steht eine offene Küche mit Holzofen, in der traditionelle Gerichte
entstehen, viele Zutaten kommen aus dem hauseigenen Gemüsegarten
und vom jungen Weinberg.
Warum hierhin? Wegen der Exklusivität. Wer das ganze Anwesen
bucht, hat die Insel praktisch für sich. Dazu Yoga-Retreats unter
erfahrener Anleitung, Kochkurse am Holzofen, Weinverkostungen,
Segelausflüge in die Caldera. Slow Living, das diesen Namen
verdient.
Was kostet es? Doppelzimmer ab 290 Euro die Nacht.
www.santairini.gr
herbst 2020
reisen EXCLUSIV
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JW MARRIOTT CRETE RESORT & SPA, KRETA
Wer hier eincheckt, merkt schnell, warum Kreta gerade als
leiser Gegenentwurf zu den Kykladen gehandelt wird.
PERIANTH HOTEL, ATHEN
Mitten in Athen, an einem byzantinischen Platz, haben drei
Geschwister aus Reederei, Kunst und Mode ein 1930er-
Jahre-Gebäude in eines der eigenwilligsten Stadthotels
Griechenlands verwandelt.
Wo liegt es? An der Agia Irini, einem kleinen Platz im Herzen
der Athener Altstadt, etwas abseits der ausgetretenen Touristenpfade,
aber in Laufnähe zu Plaka, Monastiraki und der
Akropolis. Die Gegend gilt als Athener »Blumenplatz«, daher
auch der Name des Hauses: Perianth bezeichnet im Griechischen
die Blütenhülle, die die Knospe umschließt.
Was du übers Hotel wissen musst: Die graue Originalfassade
aus den späten 1930er-Jahren stammt aus der Streamline-
Modern-Bewegung, das griechische Stardesignbüro K-Studio
(auch für den Beachclub Scorpios Mykonos verantwortlich)
hat das Innere komplett neu gedacht. 38 Zimmer zwischen 21
und 46 Quadratmetern, alle mit Balkon, dazu geschwungene
Wände, schwarzer Pietra-Marmor, Messing und Walnussholz.
Glasbausteine bringen weiches Tageslicht aus dem Atrium
in die Etagenlounges. Highlight: das 116 Quadratmeter große
Penthouse mit privater Veranda und freiem Blick auf die
Akropolis.
Warum hierhin? Wegen des Restaurants Anther im Erdgeschoss.
Chef Nasos Tsironikos, zuvor im legendären Milos in
Athen und New York, kocht zeitgenössisch griechisch, etwa
Egg Staka Butter nach kretischem Vorbild oder Oxtail Giouvetsi.
Serviert wird auf handbemaltem Porzellan der Künstlerin
Valinia Svoronou, an den Wänden hängt ein Wandgemälde
von Eleni Bagaki, das sich an den minoischen Landschaftsmalereien
aus Knossos orientiert.
Was kostet es? Doppelzimmer ab 126 Euro pro Nacht.
www.perianthhotel.com
Wo liegt es? Eine Viertelstunde vom Flughafen Chania entfernt,
hoch über der Bucht von Marathi an Kretas Nordküste. Der Blick
schweift über die Ägäis. Es gibt einen eigenen Strandzugang
und hinter dem Resort beginnen Wanderpfade ins kretische Hinterland.
Die Altstadt von Chania mit ihrem venezianischen Hafen
ist in einer halben Stunde erreichbar.
Was du übers Hotel wissen musst: 160 Zimmer, Suiten und
Villen, alle nach Süden zum Meer ausgerichtet, mit privaten
Terrassen, manche mit eigenem Pool. Die Architektur arbeitet
mit Naturstein und offenen Übergängen zwischen innen und außen.
Vier Restaurants verteilen sich übers Gelände: das Ōnalos
serviert beispielsweise Fisch direkt überm Wasser, das Anöee
interpretiert kretische Küche mit Olivenöl aus familiären Hainen
und Kräutern aus dem hauseigenen JW Garden.
Warum hierhin? Wegen des Wellnesskonzepts. Das Yoga-Deck
steht offen zum Meer, jeden Morgen Sunrise Session, dazu ein
wechselndes Programm aus Sound Healing, Atemarbeit und
Bewegungspraktiken mit Gastlehrern. 2026 zudem perfektes
Timing: Kreta ist Europäische Region der Gastronomie.
Was kostet es? Doppelzimmer ab 320 Euro inklusive Frühstück
die Nacht (Nebensaison). Ab Juni kostet die Nacht ab 400 Euro.
www.jwmarriottcrete.com
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reisen EXCLUSIV
frühling 2023
LIFESTYLE
Bettgeflüster
Diese sechs Titel gehören in jeden Koffer –
und ans Bett, egal wo auf der Welt.
Text: Ulrike Herder, Fotos: Jennifer Latuperisa-Andresen, Create Hot Look/Shutterstock.com
Ein junger Mann rekonstruiert den Stammbaum seiner Familie,
geprägt von psychischen Krankheiten, Sucht und Obsession, und fragt
sich, ob Wahnsinn erblich ist. Ein eindringlicher und berührender
Roman über die Angst vor der eigenen Herkunft und den mühsamen
Weg, sie anzunehmen. Leon Engler, »Botanik des Wahnsinns«,
DuMont, 208 S., 23 Euro
Was Eltern uns verschweigen, hinterlässt Lücken. Marina will in den
späten Sowjetjahren ausbrechen. Jahre später versuchen ihre Töchter,
die Erinnerung daran mit Fantasie und Humor zusammenzusetzen.
Eine poetische, kluge Familiengeschichte über das, was zwischen den
Generationen ungesagt bleibt. Yulia Marfutova, »Eine Chance ist ein
höchstens spatzengroßer Vogel«, Rowohlt, 144 S., 22 Euro
Zwei ausgebrannte Unternehmer werfen mit ihren Kindern alles hin,
ziehen in einen selbst ausgebauten Lkw und fahren von Kanada bis
Guatemala. Als die Pandemie sie am Atitlán-See festsetzt, wird der
Roadtrip zur Reise nach innen. Ein inspirierender Reportage-Roman
voll Fernweh und Familienchaos.
Anja Kocherscheidt, »Lasterleben«, BoD, 386 S., 28,99 Euro.
Zu bestellen bei www.lasterleben.com
Drei Generationen hochgewachsener Frauen im Schwarzwald,
zu groß für ihr Dorf, zu eigen für die Welt. Ein
dunkles, zartes Epos über Mütter, Töchter und die Kraft
des Waldes, das lange im Kopf bleibt. Hannah Häffner,
»Die Riesinnen«, Penguin, 416 S., 24 Euro
Zehn Frauen, zehn Männer, Kameras überall. Was wie eine
Datingshow beginnt, wird zum Kampf ums Überleben. Ein
packender Thriller, nervenaufreibend bis zur letzten Seite.
Aisling Rawle, »Das Spiel«, btb, 400 S., 24 Euro
Der Roman erzählt kraftvoll und präzise von vier
afrikanischen Frauen, unterschiedlich in Herkunft, Status
und Lebenssituation, und doch vereint in der Suche nach
Erfüllung, zwischen Nigeria und den USA. Sie lieben,
kämpfen und behaupten sich, und dabei bleibt stets eine
Frage präsent: Wie sehr prägen Herkunft und Entscheidungen
ein Leben? Chimamanda Ngozi Adichie,
»Dream Count«, S. Fischer, 528 S., 28 Euro
sommer 2026
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SONNENALP RESORT | Hotel
text
Jana Freiberger
DAS SONNENALP RESORT WEISS, WIE MAN EINE STAMMKUNDSCHAFT
AUFBAUT: HERZLICHKEIT UND GEMÜTLICHKEIT SIND DER SCHLÜSSEL.
UND EIN ANGEBOT AN AKTIVITÄTEN IN DIREKTER NÄHE,
DAS JEDEM KREUZFAHRTRIESEN KONKURRENZ MACHT.
76
reisen EXCLUSIV
IM WASSER
WÄR’S EIN
KREUZFAHRT-
SCHIFF
A Auch
wenn das Sonnenalp Resort mit seiner hellen Holzfassade
einen urigen und bodenständigen Eindruck vermitteln
möchte: Auf mich wirkt es auf den ersten Blick
durch das Taxifenster durchaus pompös, wie dieser makellose
Riesenbau sich vor dem Bergpanorama auftut und
dabei an ein exklusives Kreuzfahrtschiff erinnert, fest verankert
vor einer imposanten Skyline in einem Meer aus
saftig grünem Gras.
sommer 2026
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SONNENALP RESORT | Hotel
SEINEN URSPRUNG HAT DAS HOTEL, DAS AUF EINE
ÜBER 100-JÄHRIGE GESCHICHTE ZURÜCKBLICKT,
IN EINEM BESCHEIDENEN BAUERNHOF.
Ich werde während meines Aufenthalts herausfinden: Die
Sonnenalp kann beides. Gemütlichkeit und Luxus gehen
in dem Fünf-Sterne-Hotel in Ofterschwang im Oberallgäu
Hand in Hand. Denn seinen Ursprung hat das Hotel,
das auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblickt, in
einem bescheidenen Bauernhof. Gleichzeitig finden Gäste
vor Ort alle Annehmlichkeiten, die man sich im Urlaub
nur wünschen kann. Hier muss niemand »von Bord«, nicht
mal zum Shoppen.
Aber von vorne. Ich brauche nach meiner langen Anreise
eine Stärkung und mache mich auf den Weg zum
Frühstück, das in den acht Restaurantstuben serviert wird.
Da ich über keinerlei Orientierungssinn verfüge, und das
ist in diesem großen Hotel mit 224 Zimmern und Suiten
wirklich ein Problem, schlage ich zunächst zuverlässig den
falschen Weg ein. Statt eines üppigen Buffets breitet sich
eine hellblaue Poollandschaft vor mir aus. Durch eine
Glaswand schaue ich auf das große Schwimmbecken im
Inneren, eine weitere Fensterfront dahinter gibt den Blick
auf den Außenbereich mit weiteren Pools frei. Insgesamt
sind es 13, plus natürlich angelegtem Bergsee und Naturbadeteich!
Ich habe ja bereits versucht klarzumachen,
dass es ein riesiges Haus ist.
Nach meinem kurzen Irrweg endlich am Buffet angekommen,
sind der kleine Teller in meiner Hand und ich
überfordert. Zur Auswahl stehen frische Brote, Brötchen,
Laugengebäck, geräucherter Fisch, Müslis, Käseplatten,
frisch zubereitete Eierspeisen, Croissants zum Selberfüllen,
Smoothies, Honigwaben und so weiter und so fort.
Am Ende meines Rundgangs liegen Laugengebäck, eine
Avocado, gesalzene Butter, etwas Räucherfisch und ein
voller Löffel Kaviar auf meinem Teller. Ich bin mehr als
zufrieden und genieße beim Essen in der gemütlichen
Stube den Blick auf den Naturteich und die Bergwelt,
während um mich herum Familien speisen, die gleich mit
mehreren Generationen angereist sind. Dass kleine Kinder
mit Eltern und Großeltern am Tisch sitzen, ist hier
keine Seltenheit. Und nach Angaben von Anna-Maria
Fäßler, die das Hotel zusammen mit ihrem Mann Michael
führt, kommen viele davon Jahr für Jahr wieder in die
Sonnenalp. Der Anteil der Stammgäste liegt Fäßler zufolge
bei 80 Prozent!
Mit vollem Bauch mache ich mich auf den Weg zu meinem
Zimmer, na ja, das trifft es nicht ganz, zu meinem
kleinen Häuschen auf einem Hügel nur wenige Gehminuten
vom Hotel entfernt. Naturlodges heißen die fünf run-
den Tiny Houses, die das Hotel neu angeschafft hat, um damit
eine neue Zielgruppe zu erschließen. »Die Hipster aus
der Stadt.« So definiert es Anna-Maria Fäßler.
Und ja, die Naturlodges unterscheiden sich deutlich vom
Rest des Hotels. Hell und modern sind sie, statt in warmen
Farben gehalten und urig. Instagrammable, keine Frage.
Auch ich zücke immer wieder meine Kamera, um meine Unterkunft
mit der 180-Grad-Panoramaverglasung und den
Bergen im Hintergrund festzuhalten. Die Häuschen sind
einfach hübsch. Bleibt nur die Frage, ob die anvisierten
Hipster auch bereit sind, den Preis für die 28 bis 43 Quadratmeter
großen Häuschen zu zahlen. Bei 1.150 Euro geht’s
los. Champagner zur Begrüßung, Frühstück und Abendessen
inklusive. Und es gibt ein Spa mit Sauna und kleinem
Pool im Freien, zu dem nur die Gäste der Naturlodges
Zugang haben! Also schlüpfe ich schnell in meinen Badeanzug,
um mich im warmen Wasser von meinem deftigen
Mahl zu erholen.
Von meinem erhabenen Plätzchen auf dem Hügel blicke
ich direkt auf das Hofgut, wo auch Reitferien angeboten
werden. Ich höre das Wiehern der Pferde, eine Kutsche fährt
die Auffahrt entlang. Ein Paar ist seiner Ausstattung nach
auf dem Weg zu einem der drei hoteleigenen Golfplätze.
Die weißen Gipfel der umliegenden Berge, die sich perfekt
zum Wandern oder für Wintersport eignen, geben der Szenerie
einen hübschen Rahmen. Dieses kleine Becken ist für
kurze Zeit ein Ort der Glückseligkeit. Aber da war ja noch
was, hier kann man auch shoppen, hörte ich. Also ziehe ich
mir etwas Trockenes über, schlüpfe in meine Ausgeh-Loafer
und laufe zurück zum Haupthaus.
Mittlerweile ist mir die Umgebung schon vertrauter, und
so gehe ich zielstrebig meinen Weg, bis ich in der Shoppingpassage
stehe. Die Idee dazu hatte die Mutter des Inhabers.
Vor 40 Jahren fasste sie den Entschluss, dass Einkaufen zum
Urlaub einfach dazugehört und sie ihren Gästen die Möglichkeit
bieten möchte, das direkt im Hotel tun zu können.
So gibt es heute zwölf Shops, die bis auf das Juweliergeschäft
von Mitarbeitenden des Hotels geführt werden. Im
Angebot: Kinder- und Damenmode zum Beispiel. Einrichtungsgegenstände.
Und eben Schmuck.
Ich spaziere in aller Ruhe durch die Läden und als ich
mich nach der kleinen Tour auf den Weg zum hoteleigenen
Sternerestaurant Silberdistel mache, geht mir wieder der
Vergleich mit dem Schiff durch den Kopf – könnte es denn
schwimmen, dieses Hotel wäre definitiv ein beliebter Luxuskreuzer.
Fotos: Sonnenalp Resort (4), Kapreski/Shutterstock.com
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reisen EXCLUSIV
sommer 2026
Hochgefühle: Auf dem Tisch zwei Gläser Champagner, in der Ferne die
Berge. Luxus und Natur gehen in den neuen Naturlodges Hand in Hand.
INFO
Sonnenalp Resort, Sonnenalp 1, 87527 Ofterschwang/Allgäu, 224 Zimmer und
Suiten, fünf Naturlodges und sechs Alpenchalets, ab 630 Euro pro Nacht für ein
Doppelzimmer. Die Naturlodges starten bei 1.150 Euro. www.sonnenalp.de
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ALMANAC PALAIS VIENNA | Hotel
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reisen EXCLUSIV sommer 2026
text
Harald Braun
ALTE
GESCHICHTEN,
NEU ERZÄHLT
DAS ALMANAC PALAIS VIENNA RESIDIERT IN ZWEI HISTORISCHEN
PALAIS AN DER RINGSTRASSE UND BEWEIST, DASS LUXUS UMSO
ÜBERZEUGENDER WIRKT, JE WENIGER ER SICH ANSTRENGT.
S
Schon bevor ich das Almanac betrete, bin ich ein wenig
beeindruckt. Allein die Lage des Hotels! Direkt vor der
Tür zieht der berühmte Wiener Ring seine perfekte Schleife
um die Stadt, diese große Wiener Geste aus Stein und
Geschichte. Oper, Parks, Museen – all das befindet sich
in unmittelbarer Nähe des Hotels. Zwar wird niemand
behaupten, dass der Eingang selbst viel hermacht. Doch
wenn man die erste, recht unscheinbare Tür am Parkring
hinter sich gelassen hat, weitet sich der Blick auf ein
offenbar sehr fein inszeniertes Palais. Ein Palais, richtig
gelesen. Ehrlich gesagt hatte ich mich schon gefragt, ob
ich der Richtige für solch ein Etablissement bin. Ist so
ein schicker Palast nicht ein wenig zu steif und mondän
für einen Typen, der nicht mal eine Krawatte im Schrank
verwahrt?
Die Lobby ist hell, pur, nichts Plüschiges, nichts, das
sich anbiedert. Glatte Flächen, klare Linien, ein Geruch
nach Kaffee, Vanille, dazu etwas Metallisches, eine nicht
zu übersehende Skulptur in der Mitte des Raums. Trotzdem
kein Ort, der nach Aufmerksamkeit schreit – eher
einer, der sie diskret voraussetzt. Das Hotel repräsentiert
in Stein gemeißelte Geschichte: In Wahrheit handelt es sich
dabei um gleich zwei »Paläste« am Parkring 14 und 16,
dem Palais Henckel von Donnersmarck (richtig, die Familie
des Hollywoodregisseurs) und dem Palais Leitenberger.
Beide erbaut im 19. Jahrhundert, vor einigen
Jahren von neuen Besitzern entkernt, mit Stil und Gegenwart
aufgeladen und gemeinsam neu zusammengesetzt.
Entstanden ist ein zugegeben leicht labyrinthisch
anmutendes Juwel moderner Gastlichkeit (beim Versuch,
von meinem Zimmer ins Gym zu kommen, musste ich
zwar nur ein Stockwerk, aber zwei unterschiedliche Aufzüge
nutzen …). Hinter dem Konzept steht die Wiener
Familie Haselbacher, die bereits in Barcelona und Prag
Almanac-Häuser betreibt und weitere Hotels in Europa
plant (Funfact: Herbert Haselbacher ist in Wien vor allem
durch seine frühere Karriere als Basketballprofi bekannt).
Die beiden hochherrschaftlichen Palais in Wien
wurden stilistisch entstaubt. Das Ergebnis: klare, von
überflüssigem Zierrat befreite Räume, klarer Fokus auf
Funktion. »Lean Luxury« nennt man das wohl, Reduktion
auf wenig, aber effektives Design. 31 Zimmer und 80
Suiten. Manche Suiten verfügen über eine eigene Sauna,
eine davon ist stolze 200 Quadratmeter groß. Wie man
sommer 2026
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ALMANAC PALAIS VIENNA | Hotel
ES IST EINE MISCHUNG AUS
URBANER SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT
UND GEDIEGENER COOLNESS.
hört, wissen auch diverse Prominente aus aller Welt den
Schutz der Privatsphäre zu schätzen, den das Almanac
auf allen Ebenen bietet. Über Namen spricht man hier
(natürlich) nicht, aber dass etwa der Wu-Tang Clan aus
New York kein großes Geheimnis daraus macht, wo er in
Wien absteigt, können wir als Referenz anbieten. Dazu
passt, dass ich auf dem Weg durch das Hotel gleich mal
auf die Security-Leute eines nationalen VIPs treffe, eines
Stammgasts des Hauses.
Ich schlendere durch die Beletage des Almanac, auch
hier hohe Räume, große Fenster: Geschichte ohne Pathos.
Früher wurde hier repräsentiert, Hof gehalten, wenn man
so will. Heute ist die Beletage eine exklusive Bühne für
Hochzeiten, Empfänge und Veranstaltungen aller Art. Das
ist so gewollt: Die Beletage hat die Verwandlung in die zeitgenössische
Moderne verweigert und verfügt über eine
Grandezza, die nicht wegkuratiert wurde. Man bewegt sich
hier automatisch ein wenig langsamer, spricht leiser, als
hätte dieser Raum ein Gedächtnis. »Die Geschichte ist
da«, sagt Frank Spielmeyer, der Direktor des Hotels, »aber
sie bestimmt nicht den Ton.« Damit meint er zwar konkret
gerade die Beletage des Almanac, liefert aber gleichzeitig
auch ein Statement, das für sein gesamtes Haus gelten
könnte.
Auch kulinarisch überzeugt das Almanac mit bodenständiger
Exzellenz: Das hauseigene Restaurant trägt den
Namen Donnersmarkt, eine Wortspiel-Reminiszenz an die
früheren Besitzer von Donnersmarck. Es verzichtet ebenso
wie die Zimmer des Hotels auf theatralische Gesten
und lenkt den Blick auf wenige, aber spektakuläre Highlights.
Die lange Tafel etwa, die zur Geselligkeit beitragen
soll, indem sie Hotelgäste beim Essen zwangsläufig miteinander
ins Gespräch bringt. Ein Schwerpunkt der Küche
liegt auf vegetarischen oder sogar veganen Speisen,
Nachhaltigkeit auf allen Ebenen ist für das Almanac eine
Selbstverständlichkeit. Wobei kulinarische Raffinesse
durchaus gewünscht ist: Die Desserts etwa werden von
einer Patissière mit Wiener Ausbildung und internationalem
Schliff zubereitet.
Noch ein Bonus: Der Service! Das Personal gibt sich
unaufgeregt freundlich, aufmersam, aber ohne jede Form
von Aufdringlichkeit. Niemand fragt zu viel, niemand erklärt
zu lange. Dienstleistung ist hier keine antrainierte
Pose, sondern selbstverständliche Grundhaltung. Man wird
gesehen, aber nicht beobachtet – ein Unterschied, den ich
selten so klar wahrgenommen habe. Ein paar Schritte nur
vom Restaurant Donnersmarkt entfernt öffnet sich der
hauseigene Elias Coffee Shop zur Straße hin. An den Tischen
auf dem Bürgersteig sitzen junge Menschen im
Freien, augenscheinlich nicht nur Hotelgäste. Sie lehnen
sich zurück und schauen so selbstbewusst in die Stadt hinein,
als gehöre sie ihnen. Das Café Elias hat etwas lässig
New-Yorkisches. Weiß gekachelte Wände zum Beispiel wie
einst bei Dean & DeLuca in den Coffeeshops der Starck-
Hotels – diese Mischung aus urbaner Selbstverständlichkeit
und gediegener Coolness. Drinnen Espresso, draußen
Gesprächsfetzen, dazwischen eine Leichtigkeit, die dem
restlichen Haus noch ein wenig vorauseilt. Kunst in Form
von Gemälden und Skulpturen spielt zudem in jedem Bereich
des Hotels eine Rolle, ohne dabei banale Dekoration
zu sein oder sich besonders in den Vordergrund drängen
zu wollen. Kooperationen des Hotels laufen mit Belvedere,
Albertina oder etwa der Viennacontemporary. Ungewöhnlich
auch ein Kellerraum des Hauses, der als schallisolierter
Club für Sportübertragungen oder etwa Techno-Yoga
genutzt wird. Für Formate also, die man nicht sofort einem
Luxushotel zuordnen würde. Ich schlendere noch einmal
durch die Flure des Hotels, und meine bange Frage
ploppt wieder auf, bevor ich das Almanac betrat: Würde
ich mich hier wohlfühlen? Passe ich hier rein? Die Antwort
fällt leicht. Zweimal: unbedingt. Und dafür müsste ich mir
nicht mal eine Krawatte zulegen.
INFO
Almanac Palais Vienna, Parkring 14/16, 1010 Wien, Österreich.
Nacht im DZ ab 300 Euro, Nacht in der Suite ab 450 Euro,
www.almanachotels.com/de/vienna
Psssssssst! Unsere Geheimtipps für Wien
verraten wir online:
auf.reise/tipps-wien
Fotos: Almanac Palais Vienna, Erwin Wurm, Sivan Askayo, Tony Gigov Photography, Kapreski/Shutterstock.com
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reisen EXCLUSIV
sommer 2026
DEUTSCHLAND
BAROCK ’N’ ROLL
Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth ist kein Museum, sondern ein lebendiges Meisterwerk.
Ganz aus Holz gebaut, mit bemalten Leinwänden, Stuck und Schnitzereien, die seit 275 Jahren
nahezu unverändert geblieben sind, die Akustik eingeschlossen. Seit 2012 zählt das Haus zum
Unesco-Welterbe, seit 2023 ergänzt ein eigenes Museum den Besuch. auf.reise/opernhaus
Fotos: PR, Loic Lagarde, Gugu Mannschatz/Shutterstock.com
AUFGEBREZELT
Das aufwendig bestickte
Dirndl-Patch
von Mimi’s Glow
klebt auf Handyhüllen,
iPad-Cases
oder – mit etwas
Acrylkleber – auf
Taschen. Handgemacht
und längst
nicht nur zur Wiesn
tragbar. Um 9 Euro,
https://mimisglow.
com
SCHICHTWECHSEL
Seit 2016 steht die markante
Stahlskulptur namens
Saarpolygon auf der Halde
Ensdorf und erinnert an
das, was hier einmal war:
ein aktives Bergbaugebiet.
Was als Denkmal begann,
ist heute aus dem Saarland
nicht mehr wegzudenken,
mit wechselnden Perspektiven
und weitem Blick über
die Region. Vergangenheit
in Stahl gegossen.
www.urlaub.saarland
sommer 2026
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text
Konrad Bender
KINDERSPASS IN BAYERN
DER SOMMER IST DIE SCHÖNSTE ZEIT DES JAHRES. LANGE
TAGE, TOLLES WETTER UND WUNDERSCHÖNE NATUR.
GROSSE HERAUSFORDERUNG FÜR ELTERN ALLERDINGS IST,
DEN NACHWUCHS BEI GUTER LAUNE ZU HALTEN. NICHT NUR,
ABER AUCH IN BAYERN. DAMIT DAS GELINGT, HABEN WIR
EINEN BUNTEN STRAUSS AN FREIZEITTIPPS FÜR
FAMILIEN GESCHNÜRT.
84 reisen EXCLUSIV
sommer 2026
Deutschland | BAYERN
MÄRCHENZAUBER
AUF SCHLOSS NEUSCHWANSTEIN
Sich einmal im Leben wie ein Prinz oder eine Prinzessin fühlen, das wollen wohl fast alle Kinder. Und
welcher Ort in Bayern wäre dafür besser geeignet als das berühmteste Bauwerk des Märchenkönigs:
Schloss Neuschwanstein. Unübersehbar thront das Baudenkmal auf einem Felsrücken oberhalb von
Schwangau und befeuert seit mehr als 130 Jahren die Fantasie der Besucher. Sogar als Vorlage für
das Disney-Schloss hat Neuschwanstein schon gedient, und 2025 ist es zu Recht ins Unesco-Welterbe
aufgenommen worden. Den besten Blick auf das Schloss haben große und kleine Märchenfans von
der Marienbrücke. Von hier präsentiert sich der Bau in seinen ganzen 150 Metern Länge. Zum Schloss
selbst geht es entweder bequem mit dem Shuttle, stilvoll mit der Kutsche oder aktiv auf 1,5 Kilometern
und ordentlicher Steigung zu Fuß. Der Zutritt zum Schloss selbst ist nur im Rahmen einer 30-minütigen
Führung möglich. Eigene Kinderführungen gibt es nicht, die kleinen Besucher können sicher aber auch
Interessantes aus den Erklärungen für Erwachsene mitnehmen. Und wenn nicht, ist es ja auch einfach
spannend, durch das prunkvolle Schloss zu laufen und vom Leben als kleinem Prinz oder kleiner
Prinzessin zu träumen. In der Sommersaison ist das Schloss täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Tickets
müssen im Ticket Center in Hohenschwangau erworben werden. Achtung: Sperrige Gegenstände wie
große Rucksäcke, Kinderwagen oder Kraxe dürfen nicht ins Schloss gebracht werden, es gibt keine
Garderobe. Tickets für 23,50 Euro, Kinder bis 17 Jahre zahlen 2,50 Euro. www.neuschwanstein.de
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Ein kurzes Stück südlich von München liegt ein Ort, an dem Träume produziert werden: die Bavaria
Filmwerke. Jahr um Jahr werden hier deutsche Fernseh- und Kinofilme sowie zahlreiche Serien
gedreht, von »Der Untergang« bis zu »Asterix und Obelix gegen Caesar«. Und damit kleine und große
Filmfans auch außerhalb des Kinos in ihre Lieblingswelten abtauchen können, hat das Studio bereits
1981 auf dem Gelände die Filmstadt eingerichtet. Ein lebendiges Museum mit zahlreichen Originalkulissen
und -requisiten. Der Zugang zur Filmstadt erfolgt im Rahmen einer Führung. Das wohl beliebteste
Fotomotiv wartet dabei direkt zu Beginn: der Drache Fuchur aus »Die unendliche Geschichte«.
Ein Ritt über den Wolken auf dem sanften Giganten gehört in jedes Familienalbum. Anschließend geht
es weiter durch die Kulissen, brandaktuell ist das Set von Michael Herbigs »Das Kanu des Manitu«.
Wer selbst einmal vor die Kamera möchte, kann das an einer der Mitmachattraktionen versuchen –
und den Film anschließend als Souvenir erwerben. Im 4D-Kino geht es schließlich mit allen Sinnen
in »Moglis Dschungelabenteuer«.
Tickets für Erwachsene 24 Euro, Kinder (6 bis 17 Jahre) 21 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben
freien Eintritt, wobei die Filmstadt für die Kleinsten nicht unbedingt geeignet ist. www.filmstadt.de
FILM AB
IN MÜNCHEN
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sommer 2026
Deutschland | BAYERN
RITTERSPASS IN COBURG
Nirgendwo in Bayern gibt es eine mächtigere als die Veste Coburg.
Ursprünglich als Burg gebaut wurde sie im Lauf der Jahrhunderte
stetig weiter verstärkt und ist in ihrer aktiven Zeit niemals eingenommen
worden. Damit auch kleine Besucher heute durch die
Veste und das dort untergebrachte Museum finden, stehen ein
griesgrämiger Drache und ein kluger Greif per Audioguide extra
für Kinder bereit. Gemeinsam mit diesen Gefährten entdecken
die kleinen Forscher die Geheimnisse hinter den Exponaten, von
Gemälden über Rüstungen bis zu barocken Schlitten. Auf der Familienführung
geht es sogar in den Geheimgang! Wer noch mehr
Burgen in Bayern besuchen möchte, sollte vor Ort unbedingt das
Burgmuseen-Mitmach-Heft des Netzwerks Burg.Museen.Bayern
einpacken. Das ist in allen teilnehmenden Häusern, auch auf der
Veste Coburg, kostenfrei erhältlich. Protagonist ist das Gespenst
Hugibald Flatterhemd, das die kleinen Leser mit viel Spaß und
Möglichkeiten zum Ausprobieren in die spannende Vergangenheit
des Freistaats entführt. Eintritt 11 Euro, unter 18 Jahre kostenlos.
veste.kunstsammlungen-coburg.de
KNOBELN IN OBERSTAUFEN
Kinder sind ganz schön schlau – fehlende
Erfahrung machen sie oft mit großer
Auffassungsgabe wett. In Oberstaufen
können sie das auf den beiden Moun-
Teens-Detektivwegen zeigen und gleichzeitig
viel Zeit in der Natur verbringen.
Ausgestattet mit einem Detektivbuch,
das es an den Talstationen der Hündleund
Imbergbahn sowie in den Touristinformationen
in Oberstaufen zu kaufen
gibt, folgen die kleinen Spürnasen den
Wanderwegen, erkunden Wald und
Wiese und machen an verschiedenen
Rätsel- und Spielstationen halt.
Mithilfe von QR-Codes im Buch lässt
sich an jeder Station ein Kapitel des
passenden Hörspiels mit dem Smartphone
abspielen. Unterwegs lösen die
Kinder knifflige Aufgaben und kleine
Geschicklichkeitstests, bis sie am
Ende prüfen können, ob sie den Fall
richtig gelöst haben – als Belohnung
wartet eine kleine Überraschung für
das ausgefüllte Detektivbuch. Zur
Wahl stehen der Erlebnisweg am
Hündle (Wanderzeit etwa zwei
Stunden, mit Rätseln rund drei
Stunden) und der Erlebnisweg
am Imberg (Wanderzeit rund
2,5 Stunden, mit Rätseln bis zu
3,5 Stunden). Die Detektivbücher
kosten etwa 3,50 Euro für den
Hündle-Weg und sechs Euro für
den Imberg-Weg,
www.oberstaufen.de/mounteens
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BAYERN | Deutschland
GOLDSCHÜRFEN IM OBERPFÄLZER WALD
Gerade noch auf der Schulbank das kleine Einmaleins gebüffelt und nun mit
beiden Füßen in einem kleinen Bach, auf der Suche nach Gold. Das Leben
kann so aufregend sein! Zum Goldsuchen müssen angehende Schürfer nicht
bis an den Yukon, es reicht schon eine Fahrt in den Oberpfälzer Wald. Bereits
im Mittelalter wurde rund um Oberviechtach nach Gold gefahndet und noch
heute findet sich das Edelmetall in den Bächen, die durch den Wald fließen.
Wie genau das funktioniert, das lernen Kinder auf dem Gold-Lehrpfad. Gut drei
Stunden geht es unter kundiger Führung über Stock und Stein und vor allem
in die goldführenden Bäche. Ausgestattet mit einer Goldwaschpfanne dürfen
die Kids dann selbst auf Goldsuche gehen. Mit etwas Geduld und einer Prise
Glück glitzert es bald schon zwischen dem gesiebten Bachschlamm. Als
Belohnung winken ein Goldwäscherdiplom und ein Goldtaler – der allerdings
aus Holz ist. Trotzdem ein tolles Andenken.
Termine der festen Touren online einsehbar, für Gruppen auch individuell
buchbar. Gummistiefel oder festes Schuhwerk nicht vergessen. Erwachsene
bezahlen 7 Euro, Kinder ab 4 Jahre 4 Euro. www.oberpfaelzerwald.de
ABFAHRT IM ARBERLAND
Fahrradfahren macht glücklich. Vor allem dann,
wenn es auf zwei Rädern über Stock und Stein
statt über Asphalt und Kopfsteinpflaster geht.
Für alle angehenden Radler ist daher der Familienbikepark
am Großen Arber eine erstklassige
Anlauf-, Verzeihung, Anfahrstelle. Denn nicht
nur wollen hier mehrere Strecken sowohl für
geübte als auch für neue Fahrer erobert werden.
Das Angebot des Parks umfasst darüber
hinaus auch Kurse für verschiedene Erfahrungs-
und Altersstufen, eingeteilt in Kinder von
sechs bis sieben Jahren, Kinder von acht bis
elf Jahren, Jugendliche von 12 bis 15 Jahren
sowie Erwachsene ab 16 Jahre. So kann die
Bikeschule allen Anforderungen gerecht werden.
Und auch für das passende Equipment ist
gesorgt, falls dies nicht selbst mitgebracht werden
kann. Mit professioneller Unterstützung
wird das richtige Velo für jeden Fahrer herausgesucht
und angepasst, damit auf der Strecke
auch garantiert nichts schiefgeht. Und wer sich
vom ganzen Gestrampel anschließend erholen
will, macht einfach einen Ausflug an den Großen
Arbersee. Wobei, auf dem Tretboot könnte
sich der Muskelkater dann doch bemerkbar
machen. Erwachsene 37 Euro, Kinder (4 bis
16 Jahre) 27 Euro je Tageskarte.
www.bikepark-arber.de
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reisen EXCLUSIV
sommer 2026
GEMÜTLICH ÜBER DIE ALTMÜHL
Bei aller Spannung im Leben brauchen auch Kinder
mal eine Auszeit. Aber Achtung: Langeweile darf
natürlich trotzdem nicht aufkommen. Eine Kanufahrt
auf der Altmühl vollbringt diesen Balanceakt, und zwar
mit Bravour. Denn die Altmühl gilt als der langsamste
Fluss Bayerns. Auf 230 Kilometern schlängelt sie sich
sanft durchs Altmühltal nördlich der Donau und ist
wie geschaffen für ausgedehnte Kanutouren mit der
ganzen Familie. Grüne Hänge und weite Auen wechseln
sich ab und ziehen die Blicke auf sich, während
die bayerische Sommersonne von oben herabscheint
(Kopfbedeckung und Sonnencreme nicht vergessen).
Entlang des Flusses können Kanus bei zahlreichen
Anbietern ausgeliehen werden, teils auch für mehrere
Tage. Für Einsteiger und Familien empfiehlt sich aber
eine Halbtagestour. Nach einer Einführung paddeln
Groß und Klein gemächlich los und lassen dabei die
bildhübsche Natur des Altmühltals an sich vorbeiziehen.
Eine Tour von Treuchtlingen nach Pappenheim,
knapp neun Kilometer, ist mit Pausen so in drei bis
vier Stunden machbar. Nach Ankunft werden die
Kanus dann vom Verleih wieder abgeholt und der Tag
kann mit einem Stadtausflug abgerundet werden.
Die Preise sind je nach Anbieter stark unterschiedlich,
im Schnitt werden für ein Boot zwischen 40 und
80 Euro pro Tag fällig. Eine gute Übersicht bietet
www.naturpark-altmuehltal.de.
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BAYERN | Deutschland
KINDGERECHT SCHLUMMERN
IN MÜNCHEN
Irgendwo muss die ganze Rasselbande ja
auch schlafen. Wer keine Jugendherbergen
mehr sehen kann, bucht sich mit den lieben
Kleinen einfach im harry’s home München
Moosach ein. Die elegante Unterkunft ist
Partner der Kinderhotels City und damit ideal
geeignet für kleine Besucher. Das fängt
schon beim Frühstück an, da wartet eine
eigene Kinderfrühstücksecke mit frischem
Obst, einer Saftbar zum Selbstzapfen, einer
großen Müsliauswahl sowie kindgerechtem
Besteck. Je nach Zimmerwahl kommen bis
zu vier Personen in den Apartments und
Studios unter. Doch das ist noch nicht alles.
Das Hotel verfügt über ein 45 Quadratmeter
großes Spielzimmer, mit reichlich Gelegenheiten
zum Malen, Bauen, Basteln und Lesen.
Warum gibt es das eigentlich nicht auch in
»normalen« Hotels? Mehr Informationen
unter www.harrys-home.com
GROSSES ABENTEUER IN DER
AUGSBURGER PUPPENKISTE
Seit fast 80 Jahren steht die Augsburger
Puppenkiste für im wahrsten Sinne des
Wortes fantastische Unterhaltung. Ob
»Urmel aus dem Eis«, »Jim Knopf und Lukas
der Lokomotivführer« oder »Räuber Hotzenplotz«
– es gibt wohl niemanden, der nicht
als Kind oder auch als Erwachsener ein
Lieblingsstück benennen könnte. Um aber
endlich einmal in echt zu sehen, wie sich der
berühmte Kistendeckel öffnet, da muss es
schon ein Besuch in Augsburg selbst sein.
Die schlechte Nachricht zuerst: Die Karten
für das Theater sind heiß begehrt. Die gute:
Wer online keine mehr erhält, kann zum Theater
gehen und mit etwas Glück Restkarten
für eine Vorstellung ergattern. 2026 stehen
unter anderem »Räuber Hotzenplotz«, »Die
kleine Meerjungfrau« und »Rapunzel« auf
dem Spielplan. Etwas ruhiger geht es im
Museum der Puppenkiste zu. In der Dauerausstellung
können kleine Gäste ihre Helden
genau unter die Lupe nehmen. Die Sonderausstellung
»Abenteuer Museum« gewährt
anlässlich des 25. Jubiläums einen Blick
hinter die Kulissen des Museumsbetriebs.
Sicher nicht nur für Kinder spannend.
Karten für das Theater ab 12 Euro, für das
Museum 6 Euro für Erwachsene und
3,80 Euro für Kinder. www.puppenkiste.com
90 reisen EXCLUSIV
sommer 2026
BERGPANORAMA IN BERCHTESGADEN
Fotos: Holly Vegter/Shutterstock.com, Bavaria Filmstadt, Kunstsammlungen der Veste Coburg, erlebe.bayern/Thomas Linkel, Leon Fellner, Frantic00/Shutterstock.com, r.classen/Shutterstock.
com, Harry’s Home Hotels/Daniel Zangerl Photography, Augsburger Puppenkiste/Florian Moch/Elmar Herr (2), Alexander Dummer; Illustration: Pixel-Shot/Shutterstock.com
Gibt es in den Ferien was Schöneres, als mit den Kindern aus
der Stadt rauszufahren und in die grüne Natur einzutauchen?
Mit schneebedeckten Gipfeln vor blühenden Almwiesen ist
Berchtesgaden dafür geschaffen wie kaum ein zweiter Ort.
Zudem sind im Nationalpark gleich mehrere Themenwanderungen
ausgewiesen, die unter anderem lehrreich und unterhaltsam
an der hiesigen Tier- und Pflanzenwelt vorbeiführen.
Was gibt es Spannenderes als Tiere? Eben. Und keine Sorge,
auch für Familien mit ganz kleinen Kindern sind manche der
Routen machbar. Am Maximiliansreitweg, dem Königsseer
Fußweg, dem Soleleitungsweg und rund um den Hintersee
sind eigens kinderwagenfreundliche Spaziergänge gekennzeichnet.
So steht der Erholung in der Natur nichts mehr im
Weg. Und sollte der Sinn dann noch nach etwas Aufregung
stehen, ist der Weg zur Sommerrodelbahn Hochlenzer auch
nicht weit. Und Abfahrt!
www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de
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dessau
DIE STADT
DER MODERNE
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Deutschland | DESSAU
100 JAHRE IST ES HER, DASS
WALTER GROPIUS UND KONSORTEN DIE
KUNSTHOCHSCHULE BAUHAUS VON WEIMAR
NACH DESSAU VERLEGTEN. ABER WAS IST
HEUTE IN SACHSEN-ANHALT VON DER
KUNSTBEWEGUNG NOCH ZU SEHEN?
EINE STIPPVISITE.
text
Konrad Bender
»Wie wollen wir leben?« Vor etwas mehr als
100 Jahren war dies eine der zentralen Fragen,
der schlaue Männer und Frauen an der
Kunsthochschule Bauhaus in Weimar nachgingen.
Kein Wunder, denn die 1920er-Jahre
waren von einem umfassenden Wandel geprägt.
Und der machte vor Architektur und
Gestaltung keinen Halt. Schon 1925 allerdings
entschloss sich der Gründer Walter
Gropius, die Kunsthochschule aufgrund politischen
Drucks in Thüringen nach Dessau
zu verlegen, wo sie am 4. Dezember 1926
eingeweiht wurde. Heute, 100 Jahre später,
ist die Wirkung der Kunstschule dort immer
noch spür- und vor allem sichtbar.
Der beste Startpunkt für einen ausgedehnten
Kulturtrip ist das Bauhaus-Gebäude selbst.
Der von Walter Gropius entworfene Komplex
ist dermaßen ikonisch, dass er selbst ausgewiesenen
Architekturmuffeln bekannt vorkommen
sollte. Falls nicht, hilft der unübersehbare
Schriftzug am Werkstattflügel bei
der Identifizierung. Der Mix aus Beton, Stahl
und Glas, also den Materialien der Moderne,
ist für das Bauhaus zentral.
sommer 2026
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DESSAU | Deutschland
DER
Die Fassade ausreichend bewundert? Dann rein in die
gute Stube. Das Bauhaus wird heute teilweise noch von
der Hochschule Anhalt genutzt, ganz im Sinne des Erbauers
also. Tür und Tor stehen Besuchern aber dennoch
offen. Ob mit Führung oder auf eigene Faust. Wer noch
tiefer in die Materie einsteigen will, hat sogar die Möglichkeit,
im Bauhaus zu übernachten. Einige der Zimmer, in
denen früher Studierende und Meister nächtigten, wurden
so gut wie möglich wieder in ihren Originalzustand versetzt.
Die Möbel sind dabei keine Originale, aber originalgetreu
nachgebaut. Die 24-Quadratmeter-Zimmer können
entweder einzeln oder im Doppel bezogen werden.
Es mag also noch kein Meister vom Himmel gefallen sein,
in die Federn fällt man hier aber wie einer. Immerhin.
Gleich nebenan stehen die sogenannten Meisterhäuser.
Hier wohnten unter anderem Walter Gropius, László Moholy-Nagy
und Paul Klee, die allesamt am Bauhaus wirkten.
Die Meisterhäuser sind ein Traum aus weiß getünchtem
Beton. Und das ohne jede Ironie. Schließlich konnte
sich Gropius hier als Architekt nach Lust und Laune austoben
und seine Vision gestalten. Herausgekommen ist
eine Reihe an Bungalows mit Flachdächern und großflächigen
Fenstern, völlig konträr zum damals üblichen Baustil.
Typisch Bauhaus eben. Die drei Häuser, idyllisch in
einem kleinen Kiefernwald gelegen, dienten den Meistern
des Bauhaus als Wohnstätte. Sie waren aber auch
anschauliche Beispiele dafür, wie modernes Wohnen im
20. Jahrhundert funktionieren sollte. Mit Heizung, Warmwasser
und zeitgemäßen Haushaltsgeräten.
Im Jahr 2019, zum 100-jährigen Jubiläum der Bauhaus-
Gründung in Weimar, wurde in Dessau das Bauhaus Museum
eröffnet. Auch hier ist die Architektur schön rechteckig,
viel Glas, weite Flächen, das ganze Programm.
Was dann beim Betreten des Foyers gleich auffällt: keine
Wände weit und breit. Der zweigeschossige Bau wird
von einigen wenigen Stahlträgern gehalten, der dadurch
geöffnete Raum durch keinerlei künstliche Trennwände
versperrt. Die bunte Glasfassade zieht so unverbaut alle
Blicke auf sich.
IN ORT
www.kornhaus-dessau.de
Das Foyer dient nicht nur als Empfangshalle des Museums,
sondern wird auch als Veranstaltungsstätte für
dramaturgische Aufführungen, Filmvorführungen, Gespräche
oder andere Kulturveranstaltungen genutzt. Die
Ausstellungsflächen wiederum sind im Obergeschoss
untergebracht. Die vollständige Sammlung des Museums
bringt es auf mehr als 50.000 Exponate, von denen etwa
5.000 im regelmäßigen Wechsel zu sehen sind. Ein erneuter
Besuch lohnt sich also.
Und wer dann immer noch nicht genug Ausnahmearchitektur
gesehen hat, kann sich die Trinkhalle von Bauhausdirektor
Mies van der Rohe, die Siedlung Dessau-
Törten mit dem charakteristischen Konsumgebäude oder
das Arbeitsamt näher anschauen. Denn das Bauhaus hat
überall in der Stadt seine Spuren hinterlassen. Der perfekte
Ausklang wartet allerdings im Kornhaus: Direkt an
der Elbschleife gelegen, öffnet sich aus dem Inneren oder
von der Terrasse des heute als Café betriebenen Baus
der Blick auf das grüne Umland Dessaus. Perfekt, um die
gesammelten Eindrücke zu verarbeiten.
INFO Im Bauhaus-Gebäude steht im Jubiläumsjahr alles im Zeichen von
»Glas | Beton | Metall«, den prägenden Werkstoffen der Bauhaus-
Architektur. Die Ausstellung untersucht die Verbindungen von Architekturund
Industriegeschichte im frühen 20. Jahrhundert. Noch bis zum
10.01.2027, täglich von 10 bis 17 Uhr. Einzelticket für 14 Euro.
Die Ausstellung »Bakelit | Glasur | Farbe« im Bauhaus Museum stellt
Schenkungen an die Stiftung Bauhaus in den Mittelpunkt. Von Kunstwerken
über Fotografien bis hin zu Haushaltsobjekten wie historischen
Lichtschaltern aus Bakelit ist alles dabei, was mit dem Bauhaus zu tun
hat. Noch bis zum 31.01.2027, Di–So von 10 bis 18 Uhr. Einzelticket für
10 Euro.
Die Meisterhäuser in unmittelbarer Nähe zum Bauhaus-Gebäude sind
täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Einzelticket für 10 Euro.
Die Stiftung Bauhaus Dessau hat unterschiedliche Führungen im
Programm. Für einen umfassenden Besuch lohnt das Gesamtticket für
29 Euro. Mehr Informationen unter www.bauhaus-dessau.de
Das Café im Kornhaus serviert eine ausgewählte Anzahl an Hauptspeisen
sowie kleinere Snacks und Getränke. Täglich 12–21 Uhr,
Fotos: Thomas Meyer/OSTKREUZ (3), Gunter Binsack, Yvonne Tenschert 2015
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sommer 2026
ZUKUNFT
Schon das Foyer des Bauhaus Museums ist ein Kunststück für sich. In der offenen Bauweise spiegelt sich die Gestaltungslehre
der Kunstschule. Das Gleiche gilt für die Meisterhäuser. Noch heute wirken sie wie Gebäude aus der Zukunft.
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NORDERNEY | Deutschland
lauter
NSELHITS
text Harald Braun
VON SONNENUNTERGANG
AN DER MILCHBAR BIS CROISSANTS
IM INSELLOFT, VON THALASSO-TEMPEL BIS
THEATER-ÜBERRASCHUNG: NORDERNEY
STECKT VOLLER LIEBLINGSPLÄTZE –
CHARMANT, STILVOLL, MANCHMAL SCHRÄG,
ABER IMMER BESONDERS. DIESE SIEBEN
TIPPS ZEIGEN, WO DIE INSEL IHREN
GANZ EIGENEN RHYTHMUS HAT.
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sommer 2026
1. Milkshake
Sundowner in der Milchbar
Die Milchbar ist der Fixpunkt am Westkopf der ostfriesischen Insel. Hier
treffen sich allabendlich die Sundown-Spotter beim Aperol und lauschen
den Klängen von Blank & Jones. Die Kölner DJs und Produzenten haben
vor Jahren schon eine eigene Milchbar-Compilation auf den Markt gebracht,
die beim Publikum des rundum verglasten einstöckigen Gebäudes
gut ankommt. Die Milchbar gehört zum Portfolio der Bremer Architektenfamilie
Brune, ihr Credo für diesen Ort: kleine Speisekarte nach Kantinenart
(Selbstabholer), solides Essen, kleine Preise. Funktioniert einwandfrei.
An sonnigen Tagen ist die Milchbar fast schon eine Spur zu beliebt, die Liegestühle
auf der Outdoor-Terrasse des unter Denkmalschutz stehenden
Gebäudes sind leider meistens vergeben.
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Loft auf Inselzeit: Das Inselloft Norderney besteht aus vier historischen
Kaufmannsvillen, in denen das Hotel, das Restaurant Esszimmer und
eine Bäckerei mit den besten Croissants der Insel untergebracht sind.
Ein Besuch lohnt auch ohne Übernachtung!
Kein Sprung ins kalte Wasser, sondern Verwöhnprogramm hoch fünf:
Das bade:haus Norderney ist Deutschlands größtes Thalasso-Haus.
98 reisen EXCLUSIV
sommer 2026
Deutschland | NORDERNEY
2. Wildberry Lillet
Anstossen in der Weissen Düne
Wer Norderney Böses will, vergleicht es mit Sylt. Was meistens
unfair ist, weil die Nachbarinsel von Juist nun wirklich wenig
Ansätze für solch einen Verweis bietet. Ausnahme: die Weiße
Düne. Eine geschmackvoll eingerichtete, lang gezogene Hütte
mitten in der eindrucksvollen Dünenlandschaft Norderneys.
Sie ist, so kann man das wohl sagen, schon ein wenig mit der
berühmten Sylter Sansibar vergleichbar: Sie liegt an einem
landschaftlich schicken Ort am Strand. Die Einrichtung wirkt
gleichermaßen rustikal wie stylish. Die Küche hat ein gewisses
Niveau, was man sich in der Weißen Düne auch entsprechend
bezahlen lässt, und wer auf Norderney gesehen werden will,
befindet sich hier am richtigen Ort. Das Schöne an Norderney
ist nun aber, dass es sich um eine überwiegend autofreie Insel
handelt. Den schönen Abend darf man sich also mit einer Wanderung
zur Weißen Düne verdienen. Einen Mercedes-Parkplatz
wie an der Sansibar auf Sylt gibt’s hier nicht.
3. Nordisch by Nature
Bierchen in der Weststrandbar
Früher war das bloß ein schmuckloser Unterstand in Sichtweite
eines Toilettenhäuschens, beschreibt Tobias Pape
den Ort, in dem er heute die Weststrandbar betreibt. Inzwischen
ist dieser Unterstand allerdings so etwas wie
die Hippie-Alternative zur Milchbar, lange Schlangen verweisen
bei gutem Wetter darauf, dass sich die Leute hier
wohlfühlen. Ist ja auch kein Wunder: Die Weststrandbar,
das sind ein paar schlichte Holztische, ein fantastischer
Meerblick und ein überschaubares, aber solides Getränkeangebot.
Das Bier stammt von Tobias Pape selbst, der sich
als Brauer vor einigen Jahren im Norderneyer Brauhaus
selbstständig machte und seitdem als Mikrobrauer so erfolgreich
ist, dass er seinen Gerstensaft längst in einer
großen Halle produziert und damit die halbe Insel bewirtet.
Aber nur dort, denn sein Credo lautet: »Lokal trinken, global
handeln.«
4. ITSY BITSY TEENIE WEENIE
HONOLULU STRAND BIKINI
Abtauchen im bade:haus Norderney
Schon die künstlerische Schreibweise dieses Wassertempels
weist darauf hin, dass wir es hier keineswegs mit einem schnöden
Schwimmbad zu tun haben. Wir reden über das größte
Thalasso-Haus Deutschlands, über 8.000 Quadratmeter Nassbereich
mit einem eigenen Spaßbad für Kinder und einem Pool
für sogenannte Meditationsschwimmer. Darüber hinaus kann
der geneigte Besucher sich aussuchen, welchen der meist aufwendig
inszenierten Saunen er sich anvertraut. Man kann im
Norderneyer bade:haus einen ganzen Tag verbringen, ohne all
seine Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben. Willkommener
Bonus: Das Design dieser auch von außen sehr ansehnlichen
Therme zeugt von einem gewissen Gestaltungswillen seiner Architekten.
(Momentan wird auf Norderney gleich nebenan ein
Luxushotel (Hotel Luv) gebaut, das über einen Tunnelweg mit
dem bade:haus verbunden sein wird.)
5. Island in the Sun
Übernachten im Inselloft
Nicht jeder hat das Glück, im freundlichen und kreativ gestalteten
Hotel Inselloft zu übernachten. Das heißt aber
nicht, dass man die vier miteinander verbundenen historischen
Kaufmannsvillen nicht mal besuchen könnte. In
einem dieser Häuser befindet sich die beste Bäckerei der
Insel, deren Sortiment auf der ganzen Insel beliebt ist und
frühmorgens schon einmal für Schlangenbildung auf dem
Damenpfad sorgt. Berühmt vor allem die fluffigen Croissants
und das Traube-Nuss-Brot, so etwas wie das Signature-Produkt
des Hauses. Ebenfalls einen Besuch wert
ist das zum Inselloft gehörende Restaurant Esszimmer, in
dem sich die Gäste an einer langen Tafel schon beinahe
zwangsläufig näher kommen. Die Küche ist einsehbar, die
Speisekarte jung und frisch, der Koch ein Könner. Montags
haben Bäckerei und Esszimmer Ruhetag.
99
NORDERNEY | Deutschland
6. Mensch Meier
Schlemmen in der Meierei
Vom Krabbenbrot
bis zum bayerischen
Schmankerl: In der
Meierei passt nichts
zusammen, und
genau das macht
den Laden aus.
Schwierig, diesen Ort zu beschreiben. Eklektisch
ist er auf jeden Fall, aber das hilft ja nicht
weiter. Also, erster Versuch: Die Meierei wirkt
wie das Scheidungskind eines Floristen mit einem
Faible für Kunstgewerbe und einer Feinkosthändlerin
mit Ambitionen am Herd. Immer
noch kein Bild vor Augen? Nun: Es ist eine ehemalige
Milch-Meierei, in der man Leckereien
vom Wein bis zum Käse kaufen kann, in der
viele bunte Deko-Accessoires erfolgreich verhindern,
dass man weiter als drei Meter in den
verwinkelten Raum hineinschauen kann und
wo man eine Speisekarte wie ein Wimmelbild
durchsuchen muss, um seine Wahl zu treffen.
Regionale Spezialitäten, Fleisch vom Holzkohlegrill,
Waffeln … Nichts passt zusammen, aber
das Gesamterlebnis passt und schmeckt. Unbedingt
mal vorbeischauen, es wird lebhaft!
7. Hier kommt Kur(t)
Grosses Kino im Kurtheater
Wer auf Norderney Lust auf Kultur entwickelt,
dürfte überrascht sein. Nicht unbedingt über
das allgemeine Angebot, das sich irgendwo
zwischen Kurkonzert und einem Gig der Fantastischen
Vier bewegt. Der Ort ist es, der erstaunt.
Das historische Kurtheater wurde schon 1894
im Stil eines Residenztheaters eröffnet und
wirkt von innen in rotem Plüsch so, als sei seitdem
auch nichts mehr renoviert worden. Wer
die Grandezza dieses Hauses erleben möchte,
muss sich nicht mal durch eine vierstündige
Faust-Aufführung quälen. Das Kurtheater wird
hauptsächlich als Kino genutzt und auch meistens
von einem ganz anständigen Arthaus-Programm
bespielt. Bonus: die sehr sympathische
Atelier & Art Bar im Glashaus vor dem Theater.
INFO
Milchbar. Kult-Sundowner am Westkopf, www.milchbar-norderney.com/de
Weiße Düne. Strandrestaurant in den Dünen, hochwertige Küche, www.weisseduene.com
Weststrandbar & Norderneyer Brauhaus. Lockerer Beachspot mit Inselbier, in der Saison
meist täglich etwa 12–19/21 Uhr geöffnet, witterungs- und saisonabhängig, genaue
Öffnungszeiten vor Ort checken, www.norderneyer-brauhaus.de
Inselloft & Esszimmer. Designhotel mit eigener Bäckerei und offenem Küchenkonzept,
Studios ab ca. 200 Euro pro Nacht für zwei Personen, je nach Saison und Zimmerkategorie
(Frühstück extra), www.inselloft-norderney.de
bade:haus Norderney. Thalasso-Tempel mit Spa, Sauna und Spaßbad, Spaßbad
ab 11 Euro, Thalasso-Bad ab 27 Euro, Saunawelt ab 39 Euro pro Erwachsenem,
www.norderney.de/badehaus
Kurtheater & Atelier Art & Bar. Historisches Theater plus kreative Bar, Programm unter
www.norderney.de/veranstaltungen
Meine Meierei. Eklektisches Ausflugslokal in ehemaliger Milchmeierei, täglich 11–21
Uhr geöffnet, Montag Ruhetag; Grillküche meist etwa 12–20 Uhr, www.meine-meierei.de
Fotos: Inselloft (4), Janis Meyer (3), Markus Kenschull, Nicholas Chibac,
www.norderney.de, Meierei/Instagram, ManoStudioArt/Shutterstock.
com, Suprabh Barua Hero/Shutterstock.com
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sommer 2026
UMS ECK
BADEWONNE
Ein warmes Bad in frischem Quellwasser, dazu ein Glas Kärntner Prosecco und
ringsum nichts als die Nockberge und der Millstätter See tief im Tal. Die Wirtsleute der
»AlexanderAlm« haben hoch oben auf der Millstätter Alm etwas geschaffen, das so simpel
wie außergewöhnlich ist: ein privates Bad unter freiem Himmel, zu zweit, mit Almkäse
aus der eigenen Sennerei. Herrlich! www.seeundberg.at/outdoor-badewannen/
ÖTZI-TOUR
Fotos: PR. Gert Perauer/MBN Tourismus, Thomas Grüner
PRE-DINNER-WINNER
Der Aperitivo ist kein Drink, er ist ein Ritual.
Tanja Dusy und Klaus Maria Einwanger
haben es in einem Buch eingefangen:
Rezepte für Aperol Spritz, Negroni und
regionale Liköre, venezianische Happen,
Crostini und Fotografien aus Bars und
Gassen Norditaliens. Wer es aufschlägt,
ist schon halb in Italien. Gräfe und Unzer,
240 Seiten, 40 Euro
Im Schnalstal lässt sich Ötzis Welt buchstäblich begehen. Die »Ötzi Glacier Tour«
führt von Juli bis Oktober jeden Dienstag zur originalen Fundstätte am Tisenjoch
auf 3.210 Meter. Dort, wo Ötzi über 5.000 Jahre verborgen im Eis lag. Wer lieber von
oben schaut: Am Iceman Ötzi Peak, direkt an der Bergstation der Alpin Arena
Schnals, lässt sich ein Blick über diese sagenhafte Bergwelt erhaschen. auf.reise/oetzi
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ANTWERPEN | Ums Eck
text Jennifer Latuperisa-Andresen
die belgische
ÜberrAschuNg
wArum ANtwerPeN
uNser sommer-citYtriP ist
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sommer 2026
brÜssel oder brÜgge, dAs keNNt doch Jeder.
wer dAs echte belgieN sucht, lANdet iN ANtwerPeN. hier trifft
NeobArocke Architektur Auf die rAdikAle modeAvANtgArde der
»ANtwerP siX« uNd deN besteN Pommes-kult des lANdes.
ob beim stÖberN durch kurAtierte viNtAge-shoPs, beim
ruhesucheN iN versteckteN gärteN oder Auf eiNeN esPresso
beim kAffeerÖster reubeN: wir hAbeN die iNsider-AdresseN,
die dieseN städtetriP Zum PflichtProgrAmm mAcheN.
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103
ANTWERPEN | Ums Eck
DDer erste Eindruck bleibt. Wer mit dem Zug ankommt,
steigt aus und steht plötzlich in einer Art Kathedrale aus
Glas, Stein und Licht. Der Hauptbahnhof in Antwerpen,
ein neobarocker Prachtbau aus dem frühen 20. Jahrhundert,
ist für sich schon eine Sehenswürdigkeit. Über den
Köpfen spannt sich ein hohes Gewölbe, durch das das
Licht fällt, als gehöre es selbst zur Architektur. Fast wirken
die vorbeieilenden Menschen deplatziert, viel zu laut und
zu schnell. Wer zum ersten Mal hier steht, ist leicht zu erkennen:
Das Handy gezückt, den Kopf im Nacken, schauen
sie sich staunend um. Noch bevor der Aufenthalt in Antwerpen
überhaupt begonnen hat, ist klar: Hier wird es besonders.
Zeit, die Treppe hinunterzugehen. Die Stadt wartet.
Wer weitergeht, taucht in eine Stadt voller Widersprüche
ein, die sich wunderbar ergänzen: flämische Altmeister
und internationale Modeavantgarde, mittelalterliche Gildehäuser
und hippe Concept Stores, Hafenromantik und Diamantglanz.
Rund um den Bahnhof liegt das Diamond Quarter,
wo täglich Milliardenwerte die Hände wechseln und
wo das Leben auf der Straße trotzdem ganz normal weiterläuft.
Vom Hauptbahnhof Antwerpen-Centraal schlendern
Neuankömmlinge durch eine ausgedehnte Fußgängerzone.
Genauer: Die Straßen De Keyserlei und Meir gehören
zu den bekanntesten Einkaufsstraßen Belgiens und
führen direkt in die historische Altstadt. Die Liebfrauenkathedrale,
das Rubenshuis, die ganzen klassischen Sehenswürdigkeiten,
all das hat seine Berechtigung. Aber wer
Antwerpen wirklich kennenlernen will, biegt früher ab.
Denn zuerst gibt es etwas Wichtigeres zu klären.
In Belgien sind Pommes kein Fast Food, sie sind Kulturgut.
Und wer das noch nicht verstanden hat, begreift es
spätestens beim ersten Bissen. Das Frites Atelier in der Korte
Gasthuisstraat (abseits der Meir Straat) ist wahrscheinlich
die ambitionierteste Adresse der Stadt. Neben einem
stylishen Interieur warten hochwertige Zutaten, kreative
Toppings und Soßen, die die Entscheidung schwer machen.
Durchgehend bis abends geöffnet, also kein Stress.
Klassischer und, zugegeben, ein wenig geerdeter geht’s
beim Fritkot Max direkt am Groenplaats zu. Der Laden
Heiß und fettig:
Frittiertes ist hier
kein Grund für ein
schlechtes Gewissen,
sondern Kulturgut.
ist kultig, günstig und immer gut besucht. Wer nach einem
langen Shoppingtag noch Hunger hat, findet beim Frituur’t
Stad am Melkmarkt nahe der Kathedrale bis Mitternacht sein
Glück. Und wer mit dem Zug anreist oder abreist: Das Frietatelier
De Laet am Koningin Astridplein punktet mit großer
Soßenauswahl direkt am Bahnhof. Was sollen wir sagen:
Knuspriger kann eine Stadt Besucher nicht willkommen
heißen, oder eben verabschieden.
Frisch gestärkt und mit reichlich Energie lässt es sich
hervorragend auf Entdeckungstour gehen. Antwerpen und
Mode, das ist keine zufällige Liebe. Die Stadt hat mit den
»Antwerp Six« in den 1980er-Jahren die Modewelt aufgemischt
und diesen Spirit nie verloren. Heute spürt man ihn
auf Schritt und Tritt: in den kuratierten Vintage Stores, den
kleinen Designerboutiquen und den Concept Stores, die
wie Ausstellungsräume wirken.
Wer Vintage sucht, ist in der Nationalestraat goldrichtig:
Melting Pot Kilo (Hausnummer 14) ist ideal zum Stöbern
für günstige Funde, Labels Inc. (Nummer 95) punktet
mit Designer-Secondhand, und Jutka & Riska (Nummer
87) überrascht mit bunten, auffälligen Einzelstücken.
Etwas abseits, aber absolut empfehlenswert: ENSŌ Vintage
in der Lombardenvest und das winzige State of 8 in der
Reyndersstraat, beide kuratiert, von Frauen geführt und
LGBTQ+-friendly.
In der Kammenstraat lohnt sich ein Bummel durch
Think Twice. Eine Filiale einer Secondhandkette – aber die
große Auswahl an Basics und besonderen Stücken überzeugt.
Die Straße selbst wirkt ein bisschen wie Antwerpens
lässiges Wohnzimmer. Eine schmale Gasse, dicht gesäumt
von kleinen Läden, Sneaker-Shops, Streetwear und Cafés.
Zwischen Radfahrern, Jugendlichen mit Stoffbeuteln und
Menschen mit Coffee to go schiebt sich der Alltag gemächlich
hindurch. Wirklich perfekt zum Stöbern ohne Hetze.
Für Concept-Store-Feeling: Juttu auf der Meir oder der
charmante Jacob’s Conceptstore in der Hoogstraat. Wer es
gehobener mag, betritt bei Verso in der Lange Gasthuisstraat
und Rue Blanche in der Leopoldstraat eine andere
Fashion-Welt aus großzügigem Schaufenster, viel Holz und
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reisen EXCLUSIV
sommer 2026
Noch bevor der Aufenthalt
begonnen hat, ist klar:
Hier wird es besonders.
Design, Mode und Kunst: Drei Einwohner,
die Antwerpen attraktiv machen.
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MAS-t see in Antwerpen: Das MAS, das Museum aan de Stroom, ist
Blickfang im Hafen, vom Dach gibt’s einen tollen Blick über die Stadt.
Nach dem Shopping-Marathon wird’s geschmackvoll: Im Café De
Vischmijn schmeckt das Bier verdächtig nach dem besten der Stadt.
Ein bisschen Grün schadet nie: In
Antwerpen schon gar nicht, wie der
üppige Garten im Rubenshuis zeigt.
106 reisen EXCLUSIV
Ums Eck | ANTWERPEN
Die Stadt hat
eine echte CaféKultur.
Touristische Kettenläden
sucht mAN vergebens.
Fotos: Alessandro Riggio (6), Frites Atelier, Patrick Robert Doyle, Benjamin Brolet/David Plas Agency, Ans Brys
gedämpftem Licht. Zwischen den Ständern läuft leise Musik,
es duftet nach Parfumproben und frisch gebrühtem
Kaffee.
Und dann noch die Kloosterstraat. Sonntags geöffnet,
voller Antik-, Vintage- und Interieurläden. Hier reiht sich
altes Holz an Messinglampen, Designklassiker an Trödel,
dazwischen Menschen mit eingerollten Teppichen unterm
Arm. Wer danach im anliegenden Café De Vischmijn einkehrt,
versteht, warum Locals behaupten, hier gäbe es das
beste belgische Bier der Stadt. Nach so einem Shopping-
Marathon schmeckt es jedenfalls so.
Irgendwann braucht der Körper eben eine Pause. In
Antwerpen finden sich dafür leicht gute Adressen. Die Stadt
hat eine echte Cafékultur. Touristische Kettenläden sucht
man vergebens. Dafür gibt es besondere Orte mit Charakter,
an denen man sich sofort wohlfühlt. Das Kasette Koffie
ist so ein Ort. Im Hinterhof laufen drei puschelige Hühner
herum, die Wandbilder haben längst Kultstatus, und hinter
der Theke steht Reuben, Besitzer, Röster, gelegentlicher
DJ. Er kümmert sich persönlich um jede Mischung, und
das schmeckt man. Wer nur für eine Kaffeelänge bleiben
wollte, wird schnell eines Besseren belehrt. Auch im Objekty
Café in der Anselmostraat sollten alle Pläne für die
nächsten Stunden über Bord geworfen werden. Angesagtes
Ambiente, gute Tee- und Kaffeeauswahl, kein Touristentrubel.
Viel zu gemütlich ist es hier. Also durchatmen und den
Tag bis jetzt sacken lassen.
Doch irgendwann ist es Zeit aufzubrechen. Denn auch
das kulturelle Leben Antwerpens lohnt. Pflichtstopp: Das
MAS, das »Museum aan de Stroom«, überrascht schon von
außen mit seiner markanten Silhouette am Hafen. Drinnen
führen Rolltreppen über neun Etagen nach oben, bis sich
im 10. Stock der Blick über die Stadt und den Hafen öffnet.
Und das völlig kostenlos und ohne Warteschlangen.
Wer Antwerpens Modegeschichte verstehen will, besucht
das MoMu, das gerade die legendären »Antwerp Six«
feiert. Jene sechs Absolventen der Royal Academy, darunter
Dries Van Noten und Ann Demeulemeester, die 1986 in
London die belgische Mode weltberühmt machten. Die
Ausstellung läuft noch bis Januar 2027 und ist definitiv einen
Besuch wert.
Und dann, fast versteckt hinter dem Rubenshuis: Rubens’
Garten, den Dries Van Noten mitgestaltet hat. Umgeben
von hohen Hecken, mit geometrisch angelegten Beeten
und üppiger Blumenpracht. Eine kontrollierte Opulenz,
wie man sie aus seiner Kollektion kennt. Die Stadtgeräusche
dringen nur noch ganz gedämpft ans Ohr. Wer diesen
Garten findet, der bleibt. Und kommt wieder.
INFO
Die offizielle Tourismus-Website visit.antwerpen.be/de
bietet aktuelle Veranstaltungshinweise, Stadtpläne und
Tipps auf Deutsch. Für Museumsöffnungszeiten und
Tickets lohnt sich außerdem ein Blick auf mas.be/de und
momu.be/de.
Wer die klassischen Sehenswürdigkeiten
der Stadt erkunden möchte, besucht
unseren Antwerpen-Reiseguide online:
auf.reise/antwerpen-guide
sommer 2026
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aarhus
im Rampenlicht
text Simone Sever & Ulrike Herder
108 reisen EXCLUSIV
sommer 2026
Ums Eck | AARHUS
Der lichtKÜnstler James turrell hat aarhus Zur tOpKunstaDresse
eurOpas Gemacht. im sOmmer 2026 GiBt es im Kunstmuseum arOs Das
BislanG GrÖsste sKYspace-WerK Des KÜnstlers Zu BeWunDern.
aBer aarhus hat mehr Zu Bieten als Diesen einen cOup. DÄnemarKs
ZWeitGrÖsste staDt lieGt am Wasser, DenKt urBan unD ÜBerrascht
auF schritt unD tritt. FÜnF GrÜnDe, Warum sich Die reise JetZt lOhnt.
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AARHUS | Ums Eck
lichtBlicK DeluXe: Das Kunstmuseum arOs
Schon von Weitem sieht man, dass es schwebt. Das farbenfrohe und kreisrunde
Rainbow-Panorama des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson thront wie eine
Mischung aus Heiligenschein und Regenbogen über dem Gebäude des Kunstmuseums
»ARoS«. Der Besuch des »ARoS« ist aus vielerlei Gründen ein absolutes Muss. Zum
einen lockt natürlich die Kunst. Absoluter Hingucker ist die überdimensional große
Boy-Skulptur von Ron Mueck, die 500 Kilogramm schwer dauerhaft im Museum sitzt.
Aber auch das Innenleben des Hauses, das mit seiner lichten Farbgebung und seinen
fließenden Formen einen skulpturalen Innenraum erschafft, der den Besucher zu einer
erlebbaren Raumreise einlädt und ein wenig an das Guggenheim Museum in New York
City erinnert. Last, but not least und über allem schwebend wartet dann ein spektakulärer
Spaziergang durch den Regenbogen. Immer und immer wieder.
Ein weiterer triftiger Grund, Aarhus und das »ARoS« im Sommer zu besuchen:
James Turrell, einer der bedeutendsten Lichtkünstler unserer Zeit, stellt im Kunstmuseum
sein bislang größtes Skyspace-Werk aus: »As Seen Below – The Dome«.
16 Meter hoch, 40 Meter im Durchmesser. Turrell arbeitet seit Jahrzehnten mit einem
einzigen Medium: Licht. Nicht als Beleuchtung, sondern als Substanz, die den Raum
verändert, die Wahrnehmung verschiebt und Grenzen auflöst. Seine Skyspaces sind
begehbare Räume, deren Decke sich zum Himmel öffnet. Was wie ein Bild wirkt, ist in
Wahrheit ein lebendiges Erlebnis.
Der Weg in »As Seen Below« führt durch einen unterirdischen Gang, das Licht wird
weicher, die Schritte werden langsamer. Dann öffnet sich die gewaltige Kuppel und der
Blick geht nach oben durch die kreisrunde Öffnung direkt in den Himmel. Eine Wolke
schiebt sich ins Bild. Kaum merklich verändert sich die Farbe, von Blau ins Grau ins
Gold. In der Ferne flattern Vögel, millimeterklein. Ein Flugzeug zieht einen Kondensstreifen
hinter sich her, dann ist es weg. Wieder kippt das Licht, wieder entsteht ein
neues Bild. Dasselbe Werk, ein völlig anderer Moment. Faszinierend, wie Turrell mit
nichts als Licht und Himmel eine Erfahrung schafft, bei der Zeit und Raum ihre
Bedeutung verlieren.
1
Wo endet der Raum,
und wo beginnt das
Sehen? James Turrells
Lichtinstallationen im
»ARoS« lassen diese
Frage offen, und das
Auge dabei angenehm
ratlos.
110 reisen EXCLUSIV
sommer 2026
OBen Ohne: sallinG rOOFGarDen
2
Mitten im Zentrum von Aarhus steht
das Kaufhaus Salling, und wer dort nicht
aufs Dach steigt, hat etwas verpasst. Der
Salling Roofgarden überrascht: grüner und
weitläufiger als erwartet, auf mehreren
Ebenen angelegt, mit dem Gefühl einer
kleinen Oase hoch über der Stadt. Besonders
schön ist der Blick über die Stadt bei
Sonnenuntergang. Ab und zu am Cocktail
nippen und genießen. Und dann ist da
noch diese Brücke, die aussieht, als würde
sie direkt in den Himmel führen. Kostet
nichts außer Herzklopfen. Lohnt sich sehr.
Oben: Ob Schwimmen in diesem See in der
Namib-Wüste eine gute Idee ist? Egal, es war
Schwarzen Felsen, sin
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AARHUS | Ums Eck
3
hier BrODelt es: aarhus street FOOD marKet
Die Tür geht auf, und sofort liegt ein wildes Gemisch aus Gewürzen,
Grillrauch und frisch Gebratenem und Gebackenem in der Luft. Was hier
einmal ein schmuckloser Busterminal war, ist heute einer der lebendigsten
Orte der Stadt. Im Aarhus Street Food Market drängen sich rund 30 Küchen
und Bars aneinander. Klassisches dänisches Smørrebrød an einem
Stand, knusprige Tacos am nächsten, daneben geschmacksintensive
Ramen. Dazu Craftbeer vom Fass und ein Aquavit-Cocktail, der den Abend
einläutet. Denn auch wer eigentlich nur kurz reinschauen wollte, bleibt
plötzlich den ganzen Nachmittag.
reiF FÜr Die insel: Das Viertel Ø
»Ø« heißt übersetzt Insel, und wer durch das jüngste Viertel der Stadt
schlendert, versteht, warum: Kanäle rechts und links, der Hafen vor der Tür,
das Meer immer in Sichtweite. Eine eigene kleine Welt, die sich vom Rest
der Stadt deutlich absetzt. Die Promenade lädt zum Schlendern ein, die
kühne Architektur der neuen Wohnhäuser und Hotels zum Staunen.
Wer aktiver unterwegs sein möchte, paddelt per Kajak oder SUP durch
die Kanäle, wagt sich aufs Wakeboard oder testet eine der vielen Wassersportanlagen
am Aarhus Watersports Complex. Wer lieber die Seele
baumeln lässt, findet an den Uferkanten und in den Cafés entlang des
Wassers genug Gründe, einfach sitzen zu bleiben. »Ø« ist das Viertel, das
Aarhus gerade neu erfindet. Es macht Spaß, dabei zuzusehen.
4
112 reisen EXCLUSIV
Fotos: Matt Morelli, Mads Smidstrup/ARoS 2025, Kristian Eegelund, Jakob Vingtoft, Francesca Dolnier, Frame and Work, Oliver Foerstner/Shutterstock.com
spaZierGanG ins nirGenDWO:
Die unenDliche BrÜcKe
5
Einen Brückentag einlegen? In Aarhus ist das ein Muss.
Einen ganzen Tag braucht es dafür nicht, aber ein paar
Stunden an der »Uenendelige Bro« vergehen wie im
Flug. Von der Uferwiese führt ein hölzerner Steg direkt
ins Rund, ein weiter Kreis, der sich über das Meer legt
und gen Horizont führt. Mit jedem Schritt ändert sich
der Blick: mal Stadt und Segelboote, mal nur Wald,
Strand und Wasser. Die »Unendliche Brücke« kennt kein
anderes Ufer und keine Ankunft. Hier ist sprichwörtlich
der Weg das Ziel.
Ursprünglich als Kunstinstallation für das Festival
»Sculpture by the Sea« vom Architekturbüro Gjøde &
Povlsgaard Arkitekter entworfen, ist sie längst das
beliebteste Wahrzeichen der Stadt. Jedes Jahr von April
bis Oktober wird sie am Strand von Varna und Ballehage
neu aufgebaut. Ganze 188 Meter lang, 2,4 Meter
breit und mit einem Durchmesser von 60 Metern bietet
das hölzerne Ausflugsziel allerlei Möglichkeiten für
entspannte Momente. Wer mag, läuft Runde um Runde.
Wer lieber bleibt, lässt sich auf die Planken sinken,
schaut in die Bucht und baumelt die Beine über dem
klaren Wasser.
INFO
ANREISE Von Deutschland aus geht es am schnellsten
per Flug nach Aarhus Airport (AAR), dann weiter mit dem
Expressbus ins Zentrum. Alternativ per Bahn über Hamburg
und Jütland (ab Norddeutschland etwa 6–9 Stunden). Wer
mit dem Auto unterwegs ist, nimmt oft die Kombination
aus Deutschland–Dänemark-Fähre und der Inlandsfähre
Molslinjen von Sjællands Odde nach Aarhus (rund 1,5
Stunden Überfahrt).
»ARoS« Aarhus. Erwachsene bezahlen rund 27 Euro,
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei. Der neue
Skyspace »As Seen Below – The Dome« von James Turrell
ab dem 19. Juni 2026 ist im regulären Museumseintritt
enthalten und als dauerhaftes Werk angelegt.
www.aros.dk/en
Aarhus Ø & Wassersport. Eine Wakeboard-Session (eine
Stunde) an der Anlage kostet um 40 Euro, Ausrüstung
inklusive. Ein Stand-up-Paddle-Board kostet pro Tag etwa
40 Euro. www.awc.dk /en
Mehr Informationen gibt es auf der Website des Fremdenverkehrsamts
von Aarhus. www.visitaarhus.de
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CHECK OUT
GEWINN-
SPIEL
IMPRESSUM
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Ludwig meets Buddha –
Ruhe ist der neue Luxus
Wer im Ludwig Royal ankommt, merkt schnell, dass dieses Haus anders funktioniert wie viele
klassische Wellnesshotels in den Alpen. Kein überinszenierter Luxus, keine laute Erlebniswelt
– sondern Ruhe, Bergluft und das Gefühl, endlich wieder bei sich selbst anzukommen.
Das Resort liegt auf einem Sonnenplateau im Allgäu, eingebettet zwischen Wiesen, Wäldern
und den Bergen des Naturparks Nagelfluhkette. Nur 40 Zimmer und Suiten, alle mit Balkon
oder Terrasse und freiem Blick in die Natur. Besonders spürbar wird die Entschleunigung
draußen: beim Spaziergang zu den Buchenegger Wasserfällen, auf dem Weg zum Dreiländerblick
oder bei einer Wanderung auf den Hochgrat – dem Wahrzeichen des Westallgäus.
Zurück im Hotel beginnt am Abend eine andere Form von Wellness. Im 2.000 Quadratmeter
großen Spa »Ludwig meets Buddha« stehen nicht Inszenierung, sondern Regeneration
im Vordergrund. Innen- und Außenpool, Saunen, Dampfbad und Adults-Only-Bereiche sind
Rückzugsorte mit viel Ruhe. Passend dazu das Silent-Health-Konzept – eine Verbindung
aus Bewegung, bewusster Ernährung und Erholung. Die Balance Cuisine ergänzt die klassische
Alpenküche um leichte, moderne Gerichte ohne Verzicht. Das Hotel will nicht beeindrucken.
Sondern dafür sorgen, dass man sich nach ein paar Tagen anders fühlt als zuvor.
www.hotel-ludwig-royal.de
Gewinn: Zwei Übernachtungen im Doppelzimmer inklusive Gourmetpension
Für die Teilnahme am Gewinnspiel beantwortet bitte eine Frage unter:
www.reisenexclusiv.com/gewinnspiel-ludwig-royal
Einsendeschluss ist der 10.08.2026.
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Fotos: 2025 Jessventurecaptures (3)
erscheint viermal im Jahr bei der
ella Verlag und Medien GmbH
Headquarters Hürth 3
50354 Hürth
Tel.: 02233 460 15-0
Fax: 02233 460 15-24
info@reisenexclusiv.com
www.reisenexclusiv.com
Chefredakteurin
Jennifer Latuperisa-Andresen
Stellvertretende Chefredakteurin
Jana Freiberger
Art Director
Alessandro Riggio
Redaktion
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Jasmin Faust
Ulrike Herder
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Marie Tysiak
Reporter:innen dieser Ausgabe
Harald Braun
Kirsten Bungart
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Peter Pfänder
Simone Sever
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Korrekturen
Bärbel Philipp, textperlen.de
Dokumentation
Claudia Scholz
Titelbild
JW Mariott Crete
Druck
Bonifatius, Paderborn
Bag
for
Good
Hier leeren spannende Persönlichkeiten
aus Reise, Beauty und der
Promiwelt ihre Tasche. Heute:
Bettina Faust, die Frau hinter den
PR-Strategien von Luxushotels wie
Six Senses – seit über 20 Jahren im
Business und Inhaberin der
Agentur Faust Concept PR.
Text: Ulrike Herder; Foto: Jennifer Latuperisa-Andresen; Privat
Eine Tasche für alle Fälle: Die »Delfina
Tote Bag« von Charles & Keith aus
Canvas mit verspieltem Kettendetail und
abnehmbarem Schulterriemen. Sie trägt
sich am Flughafen bequem über der
Schulter und zum Dinner elegant in der
Armbeuge. 115 Euro.
Leicht wie eine zweite Haut: Der hübsche
Seidenschal von Simone Bruns ist auf
Reisen nicht nur unheimlich praktisch,
sondern versprüht auch Urlaubsfeeling.
Hellblau, mit Leo- und Flamingo-Print,
aus feiner Georgette-Seide. Als Schal,
Tuch oder Haarband macht er immer
etwas her. 299 Euro.
Bücher mitschleppen? Schon lange nicht
mehr! Stattdessen reist der »tolino shine
color« mit: Klein, federleicht und
wasserdicht zeigt er Bücher, Magazine
und Comics in Farbe. Und hält
wochenlang durch. Ab 129 Euro.
Lippenpflege ist ein Reiseutensil, über
das es nichts zu diskutieren gibt – vor
allem wenn es so pflegt und glättet wie
dieses hier. Das »Pout Preserve Peptide
Lip Treatment« von Ole Henriksen mit
Peptiden und Kokumbutter. Farbe:
Sweet Macaron, 12 ml, um 21 Euro.
Kaschiert diskret lange Flugnächte
und sieht dabei auch noch umwerfend
aus: Die oversized Sonnenbrille von Gucci
im wilden Leo-Havana-Look. Modell
»GG2039S«, um 390 Euro.
Salzwasser, Chlor und Hitze setzen
dem Haar auf Reisen ordentlich zu. Das
»Detangling Toning Mist« von Philip B.
entwirrt, glättet und verleiht seidigen
Glanz zurück. 60 ml, um 18 Euro.
Kleine Erfrischung: Das »Refreshing
Face Spa« von Shazay belebt,
hydratisiert die Haut sofort und
duftet angenehm frisch und leicht
blumig. 50 ml, 29 Euro.