faktor-Magazin Sommer 2026
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21. Jahrgang Sommer 2026 12 Euro
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› DAS MAGAZIN FÜR ERFOLGSGESCHICHTEN
Erfolgsgeschichte
Sie ist Chefin der Otto Group – und bis heute treue Kundin im
Göttinger Einzelhandel. faktor sprach mit Petra Scharner-Wolff
darüber, was beides verbindet. ▸ ab Seite 36
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Liebe Leserinnen und Leser,
hohe Kosten, Unsicherheit und eine insgesamt
angespannte Konjunktur prägen die wirtschaftliche
Lage der meisten KMU in Deutschland. Umso bemerkenswerter:
Viele Entscheider im Mittelstand berichten
trotz des schwierigen Umfelds und eingetrübter Erwartungen
aktuell von hoher persönlicher Zufriedenheit in ihrer Rolle.
Der sogenannte „KMU-Glücksreport“, für den YouGov im Auftrag
der Onlinedruckerei VistaPrint 617 Unternehmer in Deutschland
aus KMU mit bis zu 100 Mitarbeitern befragt hat, liefert
konkrete Zahlen. 75 Prozent der Befragten gaben demnach an,
aktuell (eher) glücklich zu sein. In der Gen Z waren es sogar
93 Prozent. 72 Prozent aller Befragten sagten, dass sie als Selbstständige
glücklicher sind als in einer Anstellung.
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Trotz eines wirtschaftlich schwierigen Umfelds hängt das
Glücksempfinden nicht ausschließlich von äußeren Bedingungen
ab. Stattdessen nennen Unternehmer vor allem Faktoren, die unmittelbar
in ihrem unternehmerischen Alltag verankert sind und
die sie direkt beeinflussen können. Mehr als die Hälfte sagen, dass
die Freiheit, den eigenen Zeitplan zu bestimmen, ein zentraler Treiber
ihrer Zufriedenheit ist. 47 Prozent ist es wichtig, etwas zu tun,
wofür sie brennen oder das ihnen am Herzen liegt. Gut ein Drittel
hebt hervor, als Entscheider eigenständig handeln zu können.
Ein weiterer wichtiger Faktor für das Glücksempfinden ist Technologie:
Drei Viertel der Befragten verwenden KI-Tools bereits mindestens
monatlich – und 72 Prozent berichten, dass KI ihre Zufriedenheit
positiv beeinflusst (!).
In dieser Ausgabe stellen wir nicht nur diverse KI-Best-Practice-
Beispiele aus der Region vor, sondern auch die KI-Vorreiterin und
heutige CEO der Otto Group, Petra Scharner-Wolff – die übrigens
im faktor-Interview einen äußerst glücklichen Eindruck hinterließ.
Überzeugen Sie sich selbst, gern auch in unserem aktuellen Podcast
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Viel Spaß beim Schmökern!
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COVER: FLORIAN SPIEKER
Ihr
Markus Riese
Chefredakteur
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2 |2026 3
hinter den kulissen
faktor intern – Einblicke in unsere Arbeit:
Was wir beim Entstehen dieser Ausgabe erlebt haben
EIN BESONDERES FORMAT richtet der
NDR-Journalist und -referent Marco Heuer
immer mal wieder bei sich zu Hause in
Hannover-Linden aus: Beim sogenannten
„Blind Booking“ engagiert Heuer im
Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Red
Fridge“ (der namensgebende rote Kühlschrank
im Stile einer englischen Telefonzelle
ist auf dem Foto im Hintergrund zu
erahnen) vier verschiedene Künstler unterschiedlichster
Genres, die an einem Abend
in vier 30-minütigen Auftritts-Slots ihre
Arbeit vorstellen. Der Clou: Das Publikum
kauft die Tickets für den Abend „blind“.
Es weiß also nicht, welche Künstler dabei
sind und welche Genres sie bedienen.
Klingt spannend – und genau das ist es
auch. Am 10. April eröffnete faktor-Chefredakteur
Markus Riese (auf dem Foto
2. v. r.) den Abend mit einer Lesung – eigentlich
aber eher mit einem Plädoyer für
das geschriebene Wort. Als Beispiel für die
enorme Wichtigkeit der Konservierung bedeutsamer
Erinnerungen nannte er zunächst
den Holocaust-Überlebenden Leon
Weintraub und zeigte in diesem Zusammenhang
den Bericht von Stefan Liebig
über Weintraub aus faktor 1/26.
VOLLER EINSATZ FÜR DAS NEUE TITELBILD: Mit Petra
Scharner-Wolff haben wir auch in der aktuellen Ausgabe einmal
mehr eine sehr starke Persönlichkeit auf dem faktor-Titel – diese
ansprechend in Szene zu setzen, ist normalerweise die Aufgabe von
faktor-Fotograf Alciro Theodoro da Silva (in Fachkreisen Ciro genannt).
Da dieser aber zum Zeitpunkt des Interviews mit der vielbeschäftigten
CEO der Otto Group gerade verreist war,
übernahm Fotograf Florian Spieker diese Aufgabe – mit vollem
Körpereinsatz, wie unser Beweisfoto zeigt. Florian gehört zu einem
kleinen Pool von Fotografen, die neben Ciro immer mal wieder für
den faktor im Einsatz sind.
Übrigens: Nicht nur Florian war beim Interview dabei, sondern
auch Luca Söffker von unserem Videopartner Neros. Luca
zeichnete das gesamte Gespräch auf, woraus diverse Reels und
ein Video-Podcast entstanden sind. Dieser ergänzt nun die
Audio-Version der aktuellen onfire-Folge. Wer mag, kann sich
das Interview also in voller Länge anschauen – oder eben wie
gewohnt anhören.
Im Anschluss stellte Riese das Buch
„Hollywood an der Leine – Film in Göttingen“
(Schüren Verlag) vor, an dem er als
Autor und Lektor mitwirken durfte.
Mitheraus geber Sven Schreivogel hatte es
unlängst bei einem faktor-Frühstück und
im faktor-Podcast onfire thematisiert.
Der zweite Überraschungsgast des
Abends war Oliver Muziol (auf dem Foto
links), der Songs von Reinhard Mey hervorragend
imitierte und interpretierte.
Nach der Pause präsentierte Barbara Paulin
(2. v. l.) zwei durchaus beeindruckende
Kunstwerke aus ihrem Atelier, und zum
krönenden Abschluss gab es dann auch
noch feinsinnige Stand-up-Comedy von
Larissa Makou (r.).
Das Format hat definitiv seinen Reiz,
zumal man im Anschluss bei Getränken
und Snacks auch noch wunderbar mit anderen
Gästen plaudern und netzwerken
kann – dass sich der faktor-Chefredakteur
da wohlfühlte, muss wohl nicht extra
betont werden.
FOTO: MARKUS RIESE FOTO: PRIVAT
4 2 |2026
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inhalt
service
3 Editorial
4 Hinter den Kulissen
Was wir während der Produktion
dieser Ausgabe erlebt haben
10 Momentaufnahmen
Internationale Händel-Festspiele /
Göttingen Halbmarathon /
NOM MOT
16 Aktuelles
Neues vom faktor
110 faktor-Kalender
Veranstaltungstipps und Termine
112 Impressum
114 faktor-Vorschau
Schwerpunkte im nächsten Heft
mensch
22 Spielerberater Danny Bachmann
Der ehemalige Northeimer betreut
unter anderem Nick Woltemade
28 Inge Feltrinelli
Wie die spätere Verlegerin
Göttingen als Sprungbrett nutzte
32 faktor-Fragebogen
13 Fragen, 13 Antworten:
Unternehmerin Romina Wolff
36 Otto? Findet sie gut!
Die frühere Göttingerin Petra
Scharner-Wolff steht heute an der
Spitze der Otto Group
50 Gleichstellungsbeauftragte
Warum es in Göttingen ein ganzes
Büro mit acht Frauen braucht
54 faktor kompakt
Vilmantas Kaliunas wird
Chefdirigent beim GSO
102
Spektakel vor dem Dom
Die Gandersheimer
Domfestspiele stehen vor
ihrer 67. Spielzeit – und
die steht unter besonderen
Vorzeichen. Ein neuer
Geschäftsführer und eine
Reihe neuer Cast-Mitglieder
sorgen für frischen Wind.
unternehmen
56 KI im Einsatz
Erfolgsmodelle aus der Region
73 faktor kompakt
wissen
78 Spitzenforscher aus Göttingen
Das Hertha-Sponer-College verfolgt ein
deutschlandweit einzigartiges Konzept
82 Die American Colony of Göttingen
Ein Buch aus der Universitätsbibliothek
gewährt interessante Einblicke
88 Wettbewerb „Lift-Off“
Aktueller Durchgang bringt
so viele Gründungsideen wie noch nie
92 faktor kompakt
Parkinson-Forschung:
1,8 Millionen Euro für die UMG
leben
94 Große Open-Air-Locations
Die Waldbühne Northeim und die
Galopprennbahn Bad Harzburg
faktor-magazin.de
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faktor-magazin.de/
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6 2 |2026
28 Inge Feltrinellis Göttinger Zeit
36 Petra Scharner-Wolff: Die nahbare Chefin, die Göttingen im Herzen trägt
Eine Göttingerin an der Spitze eines milliardenschweren Weltkonzerns: Petra Scharner-
Wolff ist seit März 2025 Vorstandsvorsitzende der Otto Group. Mit dem faktor sprach
sie über ihren Vater Gerhard Scharner – früher Chef der Göttinger Sparkasse –, über die
Transformation eines Versandhauses zum globalen Online-Player – und über Göttinger
O-Phasen-Traditionen, die sie mit ihrem Freundeskreis bis heute pflegt.
„Ich wollte immer weiter – aber ich habe
nie vergessen, wo ich angefangen habe.“
Wer sich heute an die große Verlegerin
Inge Feltrinelli erinnert, verbindet mit
ihr vielleicht New York oder Paris. Pablo
Picasso und Ernest Hemingway zählten
sie zu ihren Vertrauten. Dass sie eine
Göttinger Vergangenheit hatte, wissen
indes nicht viele.
94 Große Stars in der Region
56 Künstliche Intelligenz im Einsatz: Wenn die KI zweimal klingelt
KI ist allgegenwärtig – und doch manchmal noch sehr abstrakt. Dabei ist Künstliche Intelligenz
keineswegs nur ein Zukunftsthema: Schon heute setzen zahlreiche Unternehmen KI-
Modelle für unterschiedlichste Anwendungen ein, auch in der Region. Vom Handwerker
bis zum Konzern: Der faktor stellt einige Best-Practice-Beispiele vor.
Es braucht keine Großstadt, um
bekannte Größen der nationalen und
internationalen Musikszene in die Region
zu locken. Das beweisen die Macher
hinter der Waldbühne Northeim und
der Galopprennbahn Bad Harzburg
eindrucksvoll. Wie machen sie das?
2 |2026 7
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Seite 1 von
Virginie Schatlo, Start-up GliTTher
Rainer Giese, VersicherungsKontor Osterode
Begegnungen, aus denen echte Verbindungen entstehen – die gibt es im faktor-Club
immer wieder. So wie diese: Als Virginie Schatlo bei einem faktor-Mittagessen im Kredo
das Start-up GliTTher vorstellte (das eine personalisierte Therapie zur Behandlung von
Glioblastomen entwickelt), war zufällig auch Rainer Giese vom VersicherungsKontor
Osterode dabei. Die beiden sahen sich am Eingang zum ersten Mal, kamen locker ins
Gespräch. Auf der Empore im Kredo saßen die beiden sich dann gegenüber, kamen nach
dem Impulsvortrag von Virginie erneut ins Plaudern. „In meiner Familie gab es viele
Krebs-Erkrankungen, deshalb hat mich das Thema sofort interessiert“, sagt Rainer.
Die beiden fanden schnell weitere Gemeinsamkeiten – etwa das Faible für guten Wein.
„Die emotionale Nähe zu dem, was wir tun, war sicher wichtig“, findet Virginie. Nach dem
Mittagessen blieben die beiden in Kontakt.
Bei einem weiteren Treffen legte sich Rainer dann fest – und investierte 20.000 Euro in
das Unternehmen. Er ist damit der erste private GliTTher-Investor abseits der öffentlichen
Hand. „Und das ist so wichtig für unser Ziel“, betont Virginie. Das Geld helfe sehr konkret,
auch bei der Überbrückung bis zur Auszahlung öffentlicher Mittel. Weitere Investoren seien
deshalb nach wie vor willkommen. Rainer weiß, dass das Geld als Risiko-Kapital zu betrachten
ist. Aber das ist für ihn gar nicht entscheidend. Er wollte einfach ein Projekt unterstützen,
in dem er „enorm viel Potenzial“ sieht – und das vielleicht irgendwann dabei helfen
kann, Menschen das Leben zu retten: „Viele Menschen laufen ja dem Glück hinterher.
Dabei muss man manchmal einfach nur stehenbleiben, um es zu sehen.“
Zum Beispiel durch eine neue Begegnung im faktor-Club. “
„Die emotionale Nähe zu dem, was wir tun, war sicher wichtig“... Virginie Schatlo
Erfolgsgeschichten in Südniedersachsen.
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momentaufnahmen
Momentaufnahmen
faktor erinnert an besondere Ereignisse des Quartals mit ausgewählten Impressionen –
festgehalten im richtigen Augenblick.
TEXT MARKUS RIESE FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
10 2|2026
momentaufnahmen
„Verlockung“ erfasst die ganze Stadt
Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen verzeichnen
erneut einen Besucherrekord: Mehr als 16.500 Musikfreunde
haben die 96 Veranstaltungen der Festspiele – diesmal unter
dem Motto „Verlockung“ – in diesem Jahr besucht, 1500 mehr
als 2025. „Schon früh war spürbar, dass Göttingen unserem
diesjährigen Programm mit großer Vorfreude entgegensah. In
diesem Jahr erfasste das Festspielfieber die gesamte Stadt“,
freute sich der Geschäftsführende Intendant Jochen Schäfsmeier.
Unser Foto zeigt Petros Magoulas als Licomede in der
Kulisse der Festspieloper Deidamia. Diese ist übrigens am
4. September beim Open-Air-Kino im Freibad Brauweg noch
einmal zu erleben.
2 |2026 11
momentaufnahmen
12 2|2026
momentaufnahmen
Es lebe der Sport
Sportliche Höhepunkte gab es in der Region in den vergangenen Wochen und
Monaten so einige – neben der Tour d'Energie und den Play-Off-Spielen der BG-
Teams beispielsweise auch den „Göttingen Halbmarathon“ des ASC am 10. Mai.
Tausende Läuferinnen und Läufer aus allen Altersklassen gingen über verschiedene
Distanzen an den Start – viele von ihnen über die vollen 21,1 Kilometer.
2 |2026 13
momentaufnahmen
Wenn Mobilität zum bunten Event wird
So viele Automarken wie nie zuvor haben sich bei der bekannten Automobilschau NOM MOT in
diesem Jahr in der Northeimer Innenstadt präsentiert. Die Veranstaltung versteht sich seit jeher aber
nicht nur als Ausstellung rund um das Thema Mobilität, sondern auch als buntes Stadtfest und Event
für die ganze Familie. Dass hier in der Tat auch Kinder ihren Spaß haben und sich kreativ austoben
konnten, zeigt unsere Momentaufnahme.
14 2|2026
momentaufnahmen
2 |2026 15
aktuelles
-News
Podcast „onfire“
Drei neue Folgen
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA
Intensives Arbeiten mit engagierten faktor-Clubmitgliedern: Sascha Riedeberger zeigt, was geht.
Künstliche Intelligenz in der Praxis
Ein „Deep Dive“ mit hohem Nutzwert
Mit einem eindrucksvollen faktor-Workshop hat Sascha Riedeberger
gezeigt, was mit KI heute wirklich möglich ist. Ein Termin mit Folgen.
FAST JEDER UNTERNEHMER hat inzwischen an vielen Stellen Berührungspunkte mit
Künstlicher Intelligenz. Doch wo manche an irgendeiner Stelle im Prozess überfordert
aufgeben, implementieren andere in Form von leistungsfähigen KI-Agenten quasi zusätzliche
Teammitglieder in der eigenen Firma. Welche Chancen und Potenziale darin liegen,
hat Sascha Riedeberger in einem faktor-Workshop demonstriert – und das mit so viel
Nutzwert und Erkenntnisgewinn, dass daraus inzwischen eine zusätzliche dreiteilige faktor-Mastermind
entstanden ist, die bereits begonnen hat. Darin lernen die Teilnehmer,
KI-Tools richtig zu nutzen, um daraus eigene Webseiten, Apps, Automationsprozesse oder
eben den eigenen KI-Agenten zu entwickeln, der im Unternehmen sofort hilft.
Neue Mitarbeiterin beim faktor
Verstärkung fürs Team
VIOLA KEMPF verstärkt ab sofort das faktor-
Team. Die 33-Jährige kümmert sich vor allem
um den Anzeigen- und Vertriebsservice und ist
Ansprechpartnerin für unterschiedlichste Werbeund
Profil-Formate im faktor. Kempf berät interessierte
Unternehmen und Start-ups gern individuell
und persönlich. Erreichbar ist sie telefonisch
unter 0551 / 30 98 39-28 oder per Mail an
kempf@faktor-magazin.de.
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA
IM FAKTOR-PODCAST ONFIRE sind drei
neue Folgen online gegangen – allesamt hörenswert.
In Folge 42 spricht die Health-Tech-Unternehmerin,
-Investorin und
-Beraterin Inga Bergen über digitale Gesundheitsinnovationen,
ihre eigene Krankheitsgeschichte
– und rebellische Zeiten in
Göttingen. Sven Schreivogel erzählt in Folge
43 über Herausforderungen während
der Entstehung des Buches „Hollywood an
der Leine – Film in Göttingen“, aber auch
über den Misserfolg seines eigenen Films
„Der Seelenspiegel“. Folge 44 stellt Petra
Scharner-Wolff vor – passend zur faktor-Titelstory
über die CEO der Otto Group.
Jetzt reinhören unter:
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-Frühstück
FOTO: MARKUS RIESE FOTO: MARKUS RIESE
Hollywood an der Leine: Wie Göttingen einst zur Filmstadt wurde
Sven Schreivogel weckt Neugier auf die lokale Filmgeschichte
Automation durch KI-Unterstützung
Wer schreibt Mails noch selbst?
FÜNF FILMZENTREN gab es in den 50er-Jahren
in Deutschland – eines davon war Göttingen.
Die regionale Filmgeschichte versucht das
Filmbüro Göttingen unter anderem durch Vorträge,
Stadtrundgänge und Filmvorführungen
lebendig zu halten – und seit Dezember auch
mit dem umfangreichen Buch „Hollywood an
der Leine – Film in Göttingen“ (Schüren Verlag).
Filmbüro-Mitbegründer Sven Schreivogel
berichtete beim faktor-Frühstück im März über
die Entstehungsgeschichte des Buches, an dem
insgesamt 27 Autorinnen und Autoren beteiligt
SONJA FIEHN VON NOTISENT hat beim faktor-Frühstück im April
eindrucksvoll beschrieben, wie E-Mails sich einfach und sicher
automatisieren lassen – und dass das eigentlich viel einfacher ist,
als manche Unternehmer vielleicht denken. Ihr KI-Tool für Outlook
zeigt dabei vor allem eines: Es geht nicht mehr darum, wie
man eine E-Mail schreibt. Sondern vor allem darum, ob man sie
überhaupt noch selbst schreiben muss.
Der Notisent-Outlook-Assistent (kurz: NOA) kann dazu jeden
Posteingang zunächst einmal klar strukturieren und vereinfachen.
Er priorisiert E-Mails und Aufgaben intelligent – in einem vollständig
datenschutzkonformen KI-System. In einer Arbeitswelt mit
ständiger Informationsflut filtert Notisent somit relevante Inhalte
heraus und hebt wichtige Nachrichten hervor.
Allerdings: Wenige Wochen nach dem Frühstück hat Notisent
das Projekt in seiner vorgestellten Form schon wieder aufgegeben
– vor dem Hintergrund, dass auch moderne KI-Agenten inzwischen
solche Aufgaben leicht übernehmen können.
18 2 |2026
waren – darunter auch faktor-Chefredakteur
Markus Riese.
Schreivogel gab fachkundige Einblicke in die
durchaus überraschende Vielfalt, die das Thema
Film in Göttingen zu bieten hat. Dass hier
acht Heinz-Erhardt-Filme und insgesamt mehr
als 100 Spielfilme entstanden sind, weckte
ebenso die Neugier der Clubmitglieder wie die
spannenden Infos zum Institut für den Wissenschaftlichen
Film (IWF), zu den in Göttingen
entstandenen Zeichentrickfilmen oder zu den
in der Stadt gedrehten Tatort-Folgen.
Argumente gegen Vorurteile
Vegane Currywurst als Alternative
WIE SCHMECKT eigentlich vegane Currywurst? Beim faktor-Frühstück
im Mai brachte Anja Walowsky von GöVegan zwar keine
Kostproben mit, dafür aber jede Menge Infos zur Idee hinter der
fleischlosen Alternative aus Göttingen.
Die Macher hinter GöVegan sind schon seit Jahrzehnten in der
Lebensmittelbranche aktiv – interessanterweise unter anderem als
Händler für Fleischereimaschinen. Sie kommen also mutmaßlich
aus der „anderen Richtung“. Planzenbasierte Alternativen fanden
sie dabei immer spannend. Allerdings konnte sie kein Produkt auf
dem Markt wirklich überzeugen – deshalb wurden die Unternehmer
selbst noch einmal zu Gründern. Denn: Häufiger auf pflanzliche
statt tierische Produkte zu setzen, sei nicht nur Zeitgeist, sondern
schlicht notwendig, um Ressourcen zu schonen. Der Schlüssel
dafür liege aber im Geschmack. Auf kritische Nachfragen und
Vorurteile der Gäste hatte Walowsky passende Antworten – sodass
viele die vegane Variante jetzt selbst mal ausprobieren wollen.
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA
-Mittagessen
aktuelles
Ein Praxisbeispiel für Künstliche Intelligenz
Robo-Hund sorgt für Begeisterung
FOTO: MARKUS RIESE
RAINER HOLLER, CEO des Technologieunternehmens VIER, sorgte
direkt zu Beginn des Mittagessens im März für staunende
Blicke der Gäste: Er brachte einen KI-gesteuerten Robotor-Hund
mit, der allerlei Kunststücke vorführen konnte. „Das an sich sieht
jetzt vielleicht erst einmal aus wie eine Spielerei, aber es zeigt auch,
was schon jetzt praktisch möglich ist“, so Holler. Sein Unternehmen
arbeitet an innovativen, KI-basierten Lösungen für effiziente
Geschäftsprozesse nach europäischen Datenschutzstandards.
Sein Impulsvortrag wurde denn auch zu einem leidenschaftlichen
Plädoyer für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Er selbst wolle die Effizienz in seiner Firma beispielsweise innerhalb
weniger Jahre um ein Mehrfaches steigern – mit der gleichen
Anzahl an Mitarbeitenden. „Es ist übrigens nicht zu spät, jetzt
damit zu starten“, ermutigte er auch die Skeptiker. Die waren unter
den Zuhörern durchaus ebenfalls präsent, wodurch sich lebhafte
und konstruktive Gespräche entwickelten.
Elisabeth Zeisberg hat viel vor
Start-ups wie am Fließband
AUFBRUCHSTIMMUNG herrscht aktuell in der regionalen Life-
Science-Szene. Mit Begeisterung und Enthusiasmus berichtete
Prof. Elisabeth Zeisberg beim Mittagessen im April von ihrer Tätigkeit
bei GOeFuture, das sich als innovatives Gründungsökosystem
für die roten und grünen Life Sciences versteht. Zeisberg sieht
ein starkes Netzwerk als wesentlichen Schlüssel für erfolgreiche
Neugründungen in diesen Bereichen, die im Bestfall irgendwann
quasi wie am Fließband generiert und gefördert werden sollen.
Dafür brauche es nachhaltige Verbindungen zwischen Wissenschaft,
Wirtschaft und Politik – auch weit über die Region hinaus,
so Zeisberg. Der Fokus liegt dabei aber ganz klar auf den vorhandenen
Stärken vor Ort: „Gemeinsam gestalten wir hier die Zukunft
der globalen Gesundheit. Wir haben jetzt die riesige Chance,
zu einem anerkannten und wirklich wahrgenommenen Life-
Science- Standort zu werden“, betont die CEO der Life Science
Valley GmbH und der GOeFuture-Gesellschaften selbstbewusst.
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA
Thorsten Richter bietet ein Kult-Party-Rezept aus den 90er-Jahren jetzt in Flaschen an
„Totti's“: Saure Kostprobe zum beliebten Kredo-Drei-Gang-Menü
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA
DAS MENÜ, welches das Team vom Restaurant
Kredo für das faktor-Mittagessen
regelmäßig zusammenstellt, kann sich immer
wieder sehen (und schmecken) lassen
– beim Mittagessen im Mai erfuhr es sogar
noch eine aperitive Aufwertung mit besonderem
Lokalbezug.
Thorsten Richter, im Hauptberuf Vermögensberater,
hat nämlich zusammen mit
einem Jugendfreund eine Kult-Idee aus den
90er-Jahren jetzt in ein kaufbares Produkt
umgewandelt: „Totti's Saurer“ war einst
als Selfmade-Mischung ein absolutes Kultgetränk
auf diversen Göttinger Partys.
Richter berichtete in einem sehr unterhaltsamen
Vortrag davon, wie es dazu
kam, das Getränk jetzt, Jahrzehnte später,
in Flaschenform zu vermarkten. Inzwischen
kann man Totti's nicht nur auf Stadtfesten
oder Partys trinken, sondern auch in
ausgewählten Geschäften und Restaurants
in der Region erwerben und genießen. Für
die faktor-Clubmitglieder hatte Richter
auch Kostproben dabei.
2 |2026 19
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PROFIL
Neues Konzept,
bewährte Qualität
Die McDonald’s-Franchise-Nehmerin Petra Hebig hat nach Weende
nun auch das Restaurant in Grone umfassend modernisiert. Das dort
realisierte IRLX-Konzept bietet zahlreiche Vorteile für die Gäste.
IRLX ist die Abkürzung für „In Real Life eXperience“.
Das moderne Restaurantkonzept soll
unter anderem Wartezeiten reduzieren und
den Service effizienter gestalten. So gibt es in
Grone jetzt deutlich mehr digitale Bestellterminals,
eine zweite Drive-In-Spur, eine optimierte
Küchentechnik mit zusätzlichen Produktionslinien
und eine völlig umgestaltete Lobby. Das
einst separierte McCafé ist dabei in die Haupttheke
integriert worden. Dies verbessert nicht
nur die Abläufe, sondern nutzt auch den Raum
optimal aus. Der gesamte Gastbereich wirkt
nun äußerst einladend und gemütlich, was
auch an den verwendeten warmen Farben liegt.
Hebig kombiniert dieses Konzept mit einem
hohen Nachhaltigkeitsanspruch; so werden
energiesparende Systeme eingesetzt, langlebige
Materialien verwendet und digitale
Lösungen gefördert, um Papier- und Verpackungsabfall
zu reduzieren.
Petra Hebig betreibt insgesamt sechs Mc-
Donald’s-Restaurants – drei in Thüringen und
drei in Niedersachsen – und beschäftigt mehr
als 300 Mitarbeitende. Mit den jüngsten Investitionen
in Weende und Grone – zusammen
deutlich mehr als zwei Millionen Euro – unterstreicht
sie ihr langfristiges Engagement für
eine moderne, nachhaltige und erlebnisorientierte
Gastronomie in der Region. Alle sechs
Restaurants sind nun auf dem neuesten Stand.
McDonald’s-Restaurants
in Göttingen
Siekweg 30
37081 Göttingen
Hannoversche Str. 38
37075 Göttingen
Inspirierend: Die „Duftorgel“
im Sensoria Holzminden.
Neuer Teamduft?
Sensoria – Haus der Düfte und Aromen in
Holzminden verbindet Kultur, Genuss und
gemeinsame Erlebnisse.
FOTO: SENSORIA / PISARSKY FILMS
Erfolgreiche Teams entstehen nicht nur durch
gemeinsame Projekte, sondern auch durch
Gruppenerlebnisse, die inspirieren. Sensoria
bietet dafür ein besonderes Umfeld.
Aktuell läuft bis zum 31. Oktober die Sonderausstellung
„Hungry Eyes – Food-Fotografien
riechen, hören, fühlen“. Düfte, Klänge
und haptischen Elemente begleiten die
farbintensiven Bilder des britischen Fotografen
Ellis Parrinder. So werden seine Werke
auf überraschende Weise erlebbar.
Darüber hinaus bietet Sensoria zahlreiche
Möglichkeiten für gemeinsame Auszeiten:
Ob Whisky-Tasting, Champagner-Workshop,
Konzertabend oder die Kunst des Pralinenmachens
– das Veranstaltungsprogramm verbindet
Genuss, Kreativität und gemeinsame
Erlebnisse.
Ein Highlight: In Parfum-Workshops sowie
an der Duftorgel entstehen individuelle Duftkompositionen
oder ein gemeinschaftlicher
Teamduft. Perfekt für ein außergewöhnliches
und kreatives Team-Building. Für Gruppen
empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung –
online oder direkt vor Ort.
Sensoria – Haus der Düfte und Aromen
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PROFIL
Schaffen mit KI neue Angebote für
Marktforschungskunden (v.l.n.r.): Christian
Lutsch, Frank Ohrenschall, Julius Stropel,
Harald Tingelhoff, Robert Möslein, Michael
Zielinski, Eduard Kunz, Joachim Haag, Ralf
Mackowiak, Stephan Guthahn.
Neue Geschäftsmodelle mit KI
Wie isi die Marktforschung mit künstlicher Intelligenz weiterentwickelt
Das Marktforschungsinstitut isi sensory
futures – kurz: isi – aus Rosdorf integriert
mit dem Göttinger KI-Spezialisten
Arineo GmbH zunehmend künstliche
Intelligenz in seine internen Prozesse und
sein Leistungsangebot. Ziel ist es, den wachsenden
Anforderungen der internationalen
Kundschaft von isi noch besser zu begegnen.
Die Transformation beginnt mit drei Pilotprojekten
in strategisch ausgewählten Anwendungsfeldern.
Sie zeigen, wie künstliche
Intelligenz die Arbeit von Marktforschenden
verändert – und wie daraus neue Mehrwerte
für die Kundenunternehmen von isi entstehen.
So wird die Erstellung von Fragebögen,
bislang eine manuelle und erfahrungsbasierte
Aufgabe, künftig durch KI unterstützt. Die
KI greift auf vorhandene Studien zurück, analysiert
die Wirksamkeit einzelner Fragen und
generiert automatisiert neue Fragebögen.
„Diese KI-Vorschläge werden dann von unseren
erfahrenen Mitarbeitenden kuratiert und
angepasst – ganz im Sinne des KI-Exzellenzansatzes
Human-in-the-loop“, erklärt Robert
Möslein, Geschäftsführer der isi GmbH.
Ein zweites Feld betrifft die Interpretation
der Ergebnisse. Die künstliche Intelligenz erkennt
Muster, Trends und Zusammenhänge
und unterstützt die Projektleiter:innen dabei,
die Ergebnisse verständlich zusammenzufassen
und strategisch nutzbar zu machen. Der
dritte Anwendungsfall geht noch einen Schritt
weiter: Künftig sollen alle Studiendaten eines
Kundenunternehmens intelligent verknüpft und
bei Bedarf mit Daten aus der Beobachtung vordefinierter
externer Quellen wie Social Media
angereichert werden. So können Unternehmen
nicht nur Metaanalysen durchführen, sondern
auch neue Produktideen frühzeitig hinterfragen.
Der Ideenpool für die strategische Nutzung
von KI ist gut gefüllt: In Zukunft könnte
isi zum Beispiel Algorithmen zur Analyse von
Videoaufnahmen aus Sensoriktests einsetzen.
„Wir sehen KI nicht als Ersatz für unsere Expertise,
sondern als Verstärkung“, betont Joachim
Haag, Geschäftsführer der isi GmbH,
„die KI erkennt Muster in der Mimik oder der
Gestik und kann in kurzer Zeit und ohne Ermüdungserscheinungen
Massen an Daten
analysieren. Davon profitieren unsere Kundinnen
und Kunden unmittelbar.“
Um den Wandel erfolgreich zu gestalten,
werden die neuen KI-Modelle schrittweise
und iterativ im Unternehmen eingeführt. Mit
jeder KI-Neuerung betrachten isi und Arineo
auch die Auswirkungen auf Organisation und
Kultur und verankern notwendige Änderungen.
So stellen das 1995 gegründete Marktforschungsinstitut
und sein KI-Partner Arineo
GmbH sicher, dass künstliche und menschliche
Intelligenz sich gewinnbringend ergänzen.
Arineo GmbH
Paulinerstr. 12
37073 Göttingen
Tel. 0551 521380
info@arineo.com
www.arineo.com
mensch
Der Mann hinter
dem Woltemade-Deal
Danny Bachmann arbeitet anders als die großen Spielerberater-Agenturen.
Der frühere Northeimer und Alumnus der Uni Göttingen steht plötzlich
im Zentrum eines Millionen-Transfers.
TEXT RUPERT FABIG
Der Auftritt beginnt durch die Drehtür. Mit
zwei Minuten Verspätung, für die er vorab
und beim Händeschütteln noch mal
um Verzeihung bittet, kommt Danny
Bachmann im Parkhotel Bremen an. Trainingsjacke,
Turnschuhe, die Brille wird er später punktuell
absetzen. Bachmann bestellt Tee, die Kekse des Hauses
schmecken lecker, er versinkt souverän im etwas zu
großen Sessel. So sieht also jemand aus, der seinen
Traum lebt.
Bachmann winkt direkt ab. Er mag kein großes Gewese
um seine Person. Ihn zum Interview zu bewegen, war
herausfordernd. „Mache ich eigentlich nicht“, sagt der
48-Jährige, von dem im Internet lediglich zwei, drei unscharfe
Fotos existieren. Von ihm, dem großen Strippenzieher,
dem großen Zampano. Bachmann würde diese
Bezeichnungen strikt ablehnen, auch weil sie inhaltlich
sein Profil weit verfehlen.
GROSS IST BEI IHM ANDERES. Das Arbeitsethos, die
Empathie, der bekannteste Klient. 1,98 Meter, um genau
zu sein: Nick Woltemade, Fußballnationalspieler und
Hoffnungsträger bei der Weltmeisterschaft in den USA,
Kanada und Mexiko, wird von Bachmann beraten. Der
Wechsel des 24-Jährigen vom VfB Stuttgart zu Newcastle
United machte auch seinen doppelt so alten Agenten
auf einen Schlag bekannt. Damals musste Bachmann
ein-, zweimal medial auftreten. Als alles erledigt war, zog
er sich wieder zurück.
NUR UNTER EINER BEDINGUNG stimmte er dem Termin
mit dem faktor zu: Es solle hierbei nicht um ihn als
Person gehen. Aber nach Südniedersachsen habe er
schließlich eine positive Beziehung; wenn er damit einigen
jungen Menschen aus seiner alten Heimat auf ihrem
Weg helfen könne, dann gern. Denn einen wie ihn hätte
der Geschäftsführer der Spielerberatungsagentur Headtrick
früher selbst gebrauchen können.
Bachmann, aufgewachsen in Northeim, wollte Fußballprofi
werden und wurde Sozialversicherungsfachangestellter
bei der DAK. Eine schwere Verletzung mit
Anfang zwanzig bremste ihn aus. Bis dahin hatte er bei
Göttingen 05 in der Regionalliga gespielt, in der letzten
richtigen Hochphase des Vereins. Mit 26 – und dieser
Ritt durch die Biografie muss zur Kontextualisierung bei
aller Bescheidenheit gestattet sein – schrieb sich Bachmann
an der Georg-August-Universität ein. Dort studierte
er Sport und Betriebswirtschaftslehre im Magister,
Schwerpunkt Sportmanagement, machte parallel seine
Trainer-A-Lizenz. Die Anstellung bei der Krankenkasse
hatte er inzwischen gegen Studentenjobs eingetauscht.
DIE ERSTE „RICHTIGE“ ARBEIT im Fußball ist dann die
des sportlichen Leiters bei Eintracht Northeim; vorab
hilft Bachmann dabei, den JFC Roswitha-Stadt mit aufzubauen.
Bei einem Trainerlehrgang lernt er Ex-Bundesligaprofi
und -coach André Breitenreiter (unter anderem
Hannover 96, FC Schalke 04) kennen, der seinerzeit jemanden
suchte, der Toptalente herausfiltert und in ▸
22 2 |2026
FOTO: BJÖRN HAKE / ACHIMER KURIER
mensch
Spielerberater Danny Bachmann, der ursprünglich aus Northeim
stammt, sagt über seine Klienten: „Ich muss den Spieler als Fußballer
und Mensch kennen.“
22|2026 23
mensch
Kontakt mit Beratungsagenturen tritt. Am 1. Januar
2014 wird schließlich selbst ein Spielerberater aus Bachmann,
der sich selbstständig macht und es bis heute ist.
Also doch: Traumberuf gefunden, Traum leben. Ganz
einfach, oder? Bachmann, der sehr viel reden kann, dabei
aber nie ins Belanglose weggleitet, überlegt kurz. „Es
war ein Stück weit Naivität von mir. Wenn ich da rational
herangegangen wäre ... Also, ich tue mich jedenfalls
schwer damit, den Leuten diesen Beruf uneingeschränkt
zu empfehlen.“
DIE BRANCHE SEI UNHEIMLICH AGGRESSIV. Große
Agenturen kommen mit viel Power, teilen sich die Filetstücke
untereinander auf. Dazu kann man Spieler nicht
vertraglich binden, man könnte nahezu jederzeit aus
dem Vertrag mit dem Berater aussteigen. Es gibt überhaupt
keine Sicherheit. „Ich habe unfassbares Glück,
dass ich immer Jungs hatte und habe, die sehr loyal waren
beziehungsweise sind, die ein Wertesystem haben“,
sagt Bachmann. Wenn man den Spieler kenne, kenne
man meist auch den Berater – und umgekehrt. Was zugleich
einiges über Bachmann aussagt.
Der beschreibt vor allem die ersten fünf, sechs Jahre
als sehr hart. Die Macht der großen Agenturen bestehe
vor allem in ihrer Manpower, der Beherrschung der lukrativen
Märkte, der Einflussnahme auf Vereine. „Inhaltlich
sehe ich keine Vorteile“, sagt Bachmann. Und beweist
es: Nicht nur unterstützt er Woltemade dabei, beim
VfB Stuttgart zum Topstürmer zu reifen. Er fädelt auch
den Transfer nach Newcastle mit seinem Team ohne Hilfe
von außen ein. Rund 75 Millionen Euro plus Zusatzzahlungen
sollen laut einschlägiger Portale von England
nach Schwaben geflossen sein. Das Gehalt Woltemades
liege entsprechenden Berichten nach angeblich bei gut
acht Millionen Euro pro Saison. Als Berater erhielt auch
Bachmann eine beachtliche Summe.
NATÜRLICH GEHT ES IM JOB AUCH DARUM, gut zu
verdienen – und das zu verdienen, was man sich verdient
hat. Bachmann, der mittlerweile in der Nähe von Bremen
lebt, geht es um mehr. „Ich habe mich gefreut, dass
am Ende doch Fleiß, Ausdauer und Leistung zählen. Es
ist ein Irrglaube, dass nur die großen Agenturen große
Verträge machen. Ich hoffe, unser Weg hat kleineren
Agenturen Mut gemacht.“
ER SELBST BLIEB SICH DANACH TREU. Es sei ja nicht
das Geld der primäre Antrieb, sondern das Berufsbild,
das ihn regelrecht gepackt habe: „Mit jungen Leuten zu
arbeiten, sie zu begleiten, zu entwickeln und zu unterstützen,
in ihrem Job und in der Kommunikation zu
stärken, gemeinsam maximal erfolgreich zu sein.“ Mit
Woltemade ist er genauso oft im Austausch wie mit den
rund 25 weiteren Spielern, die Headtrick vertrauen. Der
eine braucht ein wenig mehr Zuwendung, dem anderen
reichen ein, zwei Besuche im Jahr.
Nach wie vor ist er von Freitag bis Sonntag fast immer
unterwegs, unter der Woche durchforstet Bachmann
Videos oder schaut Live-Spiele in sogenannten englischen
Wochen. Zwei Scouts unterstützen ihn. Seine
„Jungs“ spielen in ganz Deutschland, Dänemark – oder
eben in Newcastle. „Durch die regelmäßige Begleitung
kann ich sie in Vertragsgesprächen bestmöglich vertreten.
Ich muss den Spieler als Fußballer und Mensch kennen“,
sagt Bachmann. In den Stadien und Sportplätzen
unterhält er sich zudem mit den Verantwortlichen der
Vereine. Er beobachtet seine Akteure in den Spielen,
auch um ein Gespür dafür zu bekommen, welche seiner
Klienten vielleicht ins Profil eines Vereins passen könnten.
Es geht ums Netzwerk und die Marktkenntnis.
WICHTIG DABEI: „Immer transparent und ehrlich mit
dem Spieler umgehen. Wenn du anfängst, ihnen etwas zu
erzählen, weil du Angst hast, du könntest sie verlieren,
dann ist das der falsche Weg.“ Was dem allgemeinen Fan
nicht gefallen wird: Es geht binnen einer begrenzten
Karrierezeit immer auch um Geld. Bachmann würde
trotzdem grundsätzlich stets zur sportlich klügsten Entscheidung
raten, daraus ergebe sich das Monetäre oftmals
langfristig viel besser. „Auch wenn es immer Ausnahmen
gibt, glaube ich, wenn man die sportlich beste Entscheidung
trifft, folgt der wirtschaftliche Erfolg automatisch.“
APROPOS GELD: Nach dem Woltemade-Deal habe er
sich mal etwas gegönnt, erzählt Bachmann. Ein neues
Dienstauto, das mit gut 80.000 Kilometern pro Jahr ohnehin
so etwas wie sein fahrendes Büro ist. Darüber
musste er lange nachdenken. Er wollte ja nicht das Klischee
des abgehobenen Beraters bedienen, der plötzlich
die Protzkarre fährt. Aber verdient ist verdient. Der Blick
über den Hotelparkplatz später wird zugleich verraten: ▸
24 2 |2026
mensch
» Durch die regelmäßige Begleitung kann ich sie in
Vertragsgesprächen bestmöglich vertreten. Ich muss
den Spieler als Fußballer und Mensch kennen.«
FOTO: PICTURE ALLIANCE / GES / MARKUS GILLIAR
Bachmann-Klient Nick Woltemade jubelt nach einem Treffer für die Nationalmannschaft im WM-Qualifikationsspiel in Luxemburg am 14. November 2025.
2|2026 25
mensch
»Um sein Profil zu schärfen und herauszufinden, worin
man gut ist, muss man einfach ins Machen kommen.«
Der neue Wagen ist zwar komfortabel und edel, würde
in einem halbwegs gehobenen Stadtteil aber niemandem
gesondert ins Auge stechen.
FÜR BACHMANN ist die Anschaffung auch mit einer
gewissen Symbolik verbunden, wie weit seine Reise
schon fortgeschritten ist – im Wortsinn. In den Anfangsjahren
tingelte er mit dem Wochenendticket in
Regionalzügen durchs Land, übernachtete in Jugendherbergen.
„Ich wurde manchmal belächelt, wenn ich
mit meinem kleinen Koffer auf dem Sportplatz stand“,
erinnert sich der Familienvater. Ganz so lustig sei es
allerdings nicht, täglich Existenzdruck zu verspüren.
Zehn Jahre lang habe er eine wirtschaftliche Perspektive
von maximal zwei Jahren gehabt, beschreibt Bachmann.
Wenn Vereine, Fans und Medien behaupten,
Spieleragenten würden zu viel verdienen, sei das differenziert
zu sehen. Die übliche Marge, die Clubs für die
Vermittlung zahlen, beträgt ungefähr zehn Prozent des
Bruttojahresgrundgehalts des Profis. Durchschnittlich
verdient ein Drittligaspieler um die 8000 Euro brutto
im Monat, in der 2. Bundesliga sind es gut 15.000 Euro.
Es ist kein Leistungskurs Mathematik notwendig, um
die Rechnung zu verstehen: Man braucht schon ein
paar Spieler in der Betreuung, um sich finanziell behaupten
zu können.
„WO BERATUNG UND BEGLEITUNG extrem wichtig
sind, ist vor allem in der dritten und vierten Liga. Damit
verdienst du bloß nichts. Aus unternehmerischer
Sicht müsste ich sagen, dass ich unterhalb der zweiten
Liga nichts mache.“ Die Wahrheit sieht so aus, dass
Bachmann nach dem Interview in Bremen in die
11.000-Einwohner-Gemeinde Drochtersen fährt, um
dort zwei seiner Klienten in der Regionalliga zu beobachten.
„Ich bin total gern auf dem Niveau unterwegs,
zudem erdet es einen“, sagt er.
Es sei eben eine Mischkalkulation in seiner Agentur:
„Die Jungs, die erfolgreich sind, geben uns die Möglichkeit,
diejenigen zu betreuen, die noch nicht auf diesem
Niveau sind. Die Loyalität“, ein Lieblingswort Bachmanns,
„betrifft eben beide Seiten.“ Aber nochmal:
Sicherheiten gibt es nicht. Man sollte sich den Schritt
zur eigenen beruflichen Existenz also gut überlegen.
DIE ZEIT DER AN DER UNIVERSITÄT GÖTTINGEN habe
ihn gelehrt, selbstständig zu arbeiten, sich zu organisieren,
seine Teamfähigkeit in der Interaktion mit Kommilitonen
zu verbessern. Auch fachlich half das Studium,
sich im Management auf einen theoretisch maximal guten
Stand zu bringen. Studenten empfiehlt Bachmann,
dem nachzueifern, womit man sich gern beschäftigt, und
„weniger der Frage nachzugehen, wie realistisch es ist,
dass der Markt diesen Job hat“.
Der wichtigste Ratschlag des gebürtigen Schwaben ist
jedoch der, in die Umsetzung zu kommen, „ins Machen“,
wie er sagt. „Um sein Profil zu schärfen und herauszufinden,
worin man gut ist, muss man einfach ins Machen
kommen“, so Bachmann. Mit einer kleinen Einschränkung:
„Ein bisschen mehr Rationalität als ich sie hatte
tut sicher gut.“ Die Drehtür kann einen auch ganz
schnell wieder vor die Tür befördern. ƒ
26 2 |2026
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mensch
FOTO: INGE SCHOENTHAL FELTRINELLI
Sie hatte einfach nicht locker gelassen und wurde – wie so oft in ihrem Leben – belohnt: Selbst zum für viele nicht erreichbaren Picasso
baute Inge Feltrinelli eine innige und lange Beziehung auf.
Die Welt von Inge Feltrinelli:
Wie alles in Göttingen begann
1930 kommt Inge Schönthal in Essen zur Welt. Damals ahnt noch niemand, dass sie einmal
von Göttingen aus zu einer echten Weltkarriere durchstarten würde – als Inge Feltrinelli. Ihre
sympathische, oft draufgängerische Art lässt sie sogar zur Vertrauten von Ernest Hemingway
und Pablo Picasso werden.
28 2 |2026
mensch
TEXT STEFAN LIEBIG
Im Leben eines Journalisten gibt es besondere Zufälle
und Themen, die in Erinnerung bleiben und dann auf
einmal wieder auftauchen. So etwa eine Veranstaltung
mit anschließendem Interview mit Inge Feltrinelli
– geführt im Literarischen Zentrum (LZ) im Jahr
2010. Die 80-Jährige, die damals etwa 80 eigene Fotos im
Alten Rathaus ausstellte, strahlte eine imponierende Tatkraft
aus. Die Zuhörer hingen fasziniert an ihren Lippen,
als sie aus ihrem facettenreichen Leben erzählte. Die
Fotografin, Verlegerin und Journalistin starb acht Jahre
später. 20 Jahre zuvor hatte sie den Familienverlag in die
Hände ihres Sohnes Carlo übergeben. Sie selbst leitete
ihn seit dem Tod ihres Ex-Mannes Giangiacomo Feltrinelli
im Jahre 1972. Ende der 1960er-Jahre hatte sie sich
von dem Verlagsgründer wegen seiner kommunistischen
Aktivitäten getrennt.
SOHN CARLO FÜHRT JAHRZEHNTE später nicht nur
den Verlag weiter, sondern auch die herzliche Verbindung
der Familie nach Göttingen. Aus diesem Grund
agierte er als Initiator und einer von drei Protagonisten
des vom LZ kürzlich veranstalteten „Abend für Inge
Feltrinelli“ – und schloss so den Bogen zur eingangs erwähnten
Veranstaltung. Vor vollem Hause sprach er mit
dem schweizerischen Inge-Feltrinelli-Biografen Marco
Meier und dem Schriftsteller und jahrzehntelangen Weggefährten
der Verlegerin, Michael Krüger. Letzterer lernte
Inge Feltrinelli Ende der 1960er-Jahre als „schrillste
Frau auf der Büchermesse“ kennen.
Im improvisierten und mal nachdenklich stimmenden,
mal höchst amüsanten und für Zuschauerfragen offenen
Dreiergespräch erfuhren die Menschen, warum Carlo
Feltrinelli noch heute ein inniges Gefühl für die Gänseliesel-Stadt
hegt: Als Jugendlicher weilte er des Öfteren im
Ostviertel und lernte die Stadt lieben. Sehr viel mehr wollte
er dazu aber auch auf Nachfrage nicht sagen und überließ
lieber dem Biografen und dem Schriftsteller an seiner
Seite das Wort.
KRÜGER SCHILDERTE OFT augenzwinkernd und sehr
fesselnd, wieso es die junge Inge überhaupt nach Göttingen
verschlug. Denn eigentlich hatte die Familie Schönthal
eine wirklich gute soziale Stellung in der Ruhrpottmetropole
Essen. Doch der erstarkende Nationalsozialismus ▸
New York, Havanna,
Paris: » Göttingen
wurde mir zu eng.«
Inge Feltrinelli auf einer ihrer vielen Reisen rund um die Welt im Jahr 1958.
FOTO: INGE SCHOENTHAL FELTRINELLI
2|2026 29
mensch
wird der jungen Familie zum Verhängnis: Wegen seiner
jüdischen Herkunft emigriert Inges Vater Siegfried 1938 –
auf Zureden seiner Frau Trudel – allein in die Niederlande.
Die Familie zerbricht nach mehreren riskanten Besuchen
von Inges Mutter in den Niederlanden unter dem
politischem Druck und den Repressalien. Siegfried
Schönthal wandert schließlich in die USA aus.
Inge und ihre Mutter Trudel sind fortan auf sich gestellt.
Des Öfteren fahren sie zur Verwandtschaft ins Siegerland.
Dort lenkt Inge bereits als junges Mädchen das
weitere Familienschicksal: Sie bittet – sich der Problematik
ihrer jüdischen Herkunft nicht bewusst – einen deutschen
Offizier, sie auf sein Pferd zu heben. Der Offizier
verliebt sich zunächst in die niedliche Inge, schließlich
aber auch in ihre Mutter, die Otto Heberling kurze Zeit
später heiratet. Der Weg nach Göttingen ist damit vorgezeichnet:
Inge und ihre Mutter ziehen im Jahr 1938 zum
neuen Ehemann ihrer Mutter in die Zietenkaserne. Da
Trudel nicht jüdischer Herkunft ist und ihr Ehepartner
trotz dieser Problematik überzeugt zu seiner neuen Familie
steht, entsteht eine erstaunliche Schutzsituation –
quasi in der Höhle des Löwen.
MEIER BESCHREIBT DIESE FRÜHE PHASE als einen
„biografischen Brennpunkt“, in dem sich charakterprägend
Anpassung und Widerstand, Schutz und Verlust
überlagern. Die junge Inge gilt als „Mischling ersten Grades“
und erlebt früh, was es heißt, gesellschaftlich
gebrandmarkt zu sein. Immer wieder muss die Mutter,
deren Temperament die Tochter geerbt hat, Kämpfe mit
Schulleitungen und -behörden ausfechten, damit Inge
weiterhin zur Schule gehen kann.
Die Stadt an der Leine wird für mehr als ein Jahrzehnt
zu Inges Lebensmittelpunkt. Hier besucht sie das Mädchengymnasium,
macht mit ihrer Freundin Gassy die
Kaserne „unsicher“ und verfügt angesichts ihrer in diesen
Zeiten problematischen Herkunft über schier unglaubliche
Freiheiten.
Doch diese Normalität bleibt brüchig. Kurz vor Kriegsende
wird sie doch noch vom Schulbesuch ausgeschlossen,
ihr Stiefvater sogar vor das Kriegsgericht berufen. Ein
Einschnitt, der sie prägt: „Man hat mir gesagt, ich gehöre
nicht mehr dazu“, erinnert sie sich später an diese
schmerzhafte Erfahrung der Ausgrenzung.
UND DENNOCH: Göttingen ist nicht nur Ort der Einschränkung,
sondern auch des Aufwachsens und der Persönlichkeitsbildung.
Die Universitätsstadt mit ihrem wissenschaftlichen
Milieu, ihren internationalen Einflüssen
und ihrem studentischen Leben eröffnet der kontaktfreudigen
Heranwachsenden verlockende Perspektiven. Sie
beobachtet, hört zu, bewegt sich in verschiedenen sozialen
Umfeldern. Ihr später oft beschriebenes Talent, auf Menschen
zuzugehen und Vertrauen zu gewinnen, entwickelt
„Ein Abend für Inge Feltrinelli“: Verleger Carlo Feltrinelli, Biograf Marco Meier und
Schriftsteller Michael Krüger (v. l.). Krüger präsentiert Meiers Biografie, und an der Wand
ist das Cover von Inge Feltrinellis Buch „Mit Fotos die Welt erobern“ zu sehen, auf dem
sie mit Ernest Hemingway abgebildet ist.
sich. Marco Meier beschreibt sie in diesen Jahren als „sehr
selbstbewusst, gradlinig, jemand, der Dinge tut, die er will“.
Obwohl die kaum zerstörte Leinestadt nach dem Krieg
zu einem Ort des Neuanfangs avanciert, zieht es Inge in
die Ferne. „Göttingen wurde mir zu eng“, sagt sie später
rückblickend auf diesen Wendepunkt in ihrem Leben. Mit
19 Jahren verlässt sie die Stadt, ihre geliebte Mutter, den
Stiefvater und zwei Halbgeschwister – nicht mit einem
großen Plan, sondern mit einer fixen Idee: Das Ziel ist
Hamburg, dort hatte ihr eine Bekannte einen Job in deren
neuem Fotostudio angeboten. Inge hatte, obwohl bislang
wenig mit Fotografie in Berührung gekommen, mit einem
für sie typischen „Warum nicht?!“ geantwortet. Mit ihrem
Fahrrad stellt sie sich als Anhalterin an die Straße.
Ein skurriler Lkw-Fahrer hält an, wirft ihr Fahrrad
unsanft auf die Ladefläche und weist ihr den Weg in die
unangenehm riechende Fahrerkabine. Wieder schiebt sie
die Zweifel beiseite und fährt einfach mit.
DER WUNSCH NACH FREIHEIT ist größer als die Skepsis
gegenüber dem Fahrer – und sie kommt gut an in der zerbombten
Hansestadt. Die Fähigkeit, sich in unterschiedlichen
Milieus zu bewegen, kommt ihr nun zugute: Sie
arbeitet sich in die Fotografie ein. Zunächst als Assistentin
und ohne formale Ausbildung. Doch schnell zeigt sich
ihr Talent: Sie hat ein Gespür für Situationen, für Men-
FOTO: LITERARISCHES ZENTRUM GÖTTINGEN E.V
30 2 |2026
mensch
schen, für den richtigen Moment. „Ich habe es einfach
gemacht“, sagt sie gewohnt kurz und prägnant.
Schnell wird aus dem Branchenneuling eine gefragte
Fotoreporterin. Sie arbeitet für Magazine, knüpft Kontakte
in der Medienwelt, trifft regelmäßig Größen wie
Rudolf Augstein und wird schließlich auf internationale
Reportagereisen geschickt. New York, Havanna, Paris –
die ersehnte weite Welt öffnet sich ihr. Ihre Porträts von
Persönlichkeiten wie Ernest Hemingway oder Pablo
Picasso werden ikonisch. Sie erreicht, was vielen verwehrt
bleibt: Nähe zu Menschen, die Öffentlichkeit gewohnt
sind, aber selten jemandem ihr Vertrauen schenken.
In den 1950er-Jahren – sie hat sich bereits international
einen Namen gemacht – begegnet Inge Schönthal in
Hamburg dem italienischen Verleger Giangiacomo
Feltrinelli. Es ist eine Begegnung, die ihr Leben grundlegend
verändert. Sie heiraten 1960, ziehen nach Mailand
und Inge Schönthal wird zu Inge Feltrinelli. Mit
dieser Verbindung tritt sie in eine neue Sphäre ein: die
aufblühende Welt des internationalen Verlagswesens,
politisch aufgeladen, kulturell einflussreich.
DOCH DIE NÄCHSTEN GRUNDLEGENDEN Veränderungen
lassen nicht lange auf sich warten: Scheidung Ende
der 1960er-Jahre und kurz darauf, im Jahr 1972, stirbt
ihr Ex-Mann. Sie übernimmt die Leitung des Verlags –
eine Aufgabe, die sie mit bemerkenswerter Energie erfüllt:
„Ich musste mich durchsetzen.“ In einer Branche,
die von Männern dominiert ist, behauptet sie sich – mit
strategischem Geschick und kulturellem Gespür. Die
neue Verlagschefin erweitert das Programm, öffnet den
Verlag für neue Themen und baut ein Netzwerk von
Buchhandlungen auf. Sie leitet den Verlag, bis ihr Sohn
Carlo bereit ist, ihn weiterzuführen.
Trotz ihres internationalen Lebens bleibt Göttingen
ein Bezugspunkt. Die Stadt taucht in Erinnerungen auf,
in Gesprächen, in Rückblicken. Noch Jahrzehnte später
wird ihre Göttinger Zeit als prägend beschrieben – von
ihr selbst und von ihrem Biografen. Meiers Buch erzählt
nicht die Geschichte der berühmten Verlegerin,
sondern die der jungen Frau, die sie einmal war. Die
Göttinger Jahre nehmen dabei eine zentrale Rolle ein:
als Phase der Formung, als „erstes Leben“, das alles
Weitere vorbereitet.
DIE BIOGRAFIE ZEIGT, wie aus einer Jugendlichen in einer
deutschen Universitätsstadt eine Frau wird, die später
die internationale Kulturwelt mitprägt. Göttingen steht
dabei am Anfang dieser Linie – als Ort der Prägung, der
Widersprüche und der ersten Selbstbehauptung. Hier entsteht
dieser außergewöhnliche, wenn nicht einzigartige
Blick für Menschen, der sie zu einer besonderen Fotografin
macht. Hier wächst die Unabhängigkeit, die sie zur
Verlegerin befähigt.
ODER, UM ES MIT EINEM FELTRINELLI-typischen Zitat
auf den Punkt zu bringen: „Ich wollte immer weiter –
aber ich habe nie vergessen, wo ich angefangen habe.“ƒ
» Ich wollte immer weiter –
aber ich habe nie vergessen, wo
ich angefangen habe.«
Marco Meier:
INGE FELTRINELLI -
DAS ERSTE LEBEN,
Rowohlt Verlag, 24,99 Euro,
ISBN 978-3498007263,
384 Seiten im Hardcover,
2024 veröffentlicht.
2|2026 31
mensch
13 Fragen an Romina Wolff
Alter:
Position:
Zur Person:
32 Jahre
Geschäftsführerin der Haberland Möbelspedition GmbH & Storage Hero GmbH
Von der Mediaberaterin zur Unternehmerin – ohne klassischen Plan, aber mit klarer
Haltung. Romina Wolff führt heute gemeinsam mit ihrem Ehemann Benjamin Wolff
die Haberland Möbelspedition GmbH sowie zusammen mit ihm und ihrem
Geschäftspartner Nick Huntgeburth die Storage Hero GmbH. Sie lebt in Göttingen,
kommt ursprünglich aus Nordhessen und steht für Mut, Verantwortung und den
Anspruch, Dinge neu zu denken und zu gestalten.
FOTO: PRIVAT
Was motiviert Sie, auch in herausfordernden
Zeiten Verantwortung zu übernehmen und
Entscheidungen zu treffen?
Beschreiben Sie in drei Stichworten, was
Unternehmertum für Sie ausmacht.
Welche Facette des Unternehmertums
mögen Sie gar nicht – und warum?
Womit schaffen Sie sich einen Ausgleich
zum beruflichen Alltag?
Was macht Südniedersachsen für Sie zu
einem guten Wirtschaftsstandort?
Welchen Stellenwert haben (soziale)
Netzwerke für Sie?
Analytisch oder intuitiv:
Wie treffen Sie schwierige Entscheidungen?
Wie würden Sie selbst Ihren Führungsstil
beschreiben?
Welches Buch, welcher Podcast oder welches
Netzwerk-Event hat Sie zuletzt dazu gebracht,
die eigenen Routinen zu hinterfragen?
Ergänzen Sie diesen Satz: Als Kind habe ich
davon geträumt, …
Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit welchem Prominenten würden Sie gern
mal einen freien Samstag verbringen – und
was würden Sie zusammen unternehmen?
Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Mich motiviert der Prozess, auch wenn er unbequem ist. Ich glaube,
Wachstum passiert genau dann, wenn es schwierig wird. Nicht
zu entscheiden, fühlt sich oft riskanter an, als eine falsche
Entscheidung zu treffen. Verantwortung heißt: machen,
lernen, weitermachen.
Mut, Resilienz und Gestaltungswille.
Wenn aus Angst entschieden wird. Das spürt man sofort – und es kostet am Ende mehr, als es
vermeintlich spart. Und Kündigungsgespräche. Die gehören dazu, aber leicht werden sie nie.
Ein Mix aus Sport, Natur, Genuss und Gemeinschaft. Beim Hyrox oder CrossFit gehe ich komplett
an meine Grenzen – das räumt den Kopf besser auf als alles andere. Und dann gibt’s die ruhigen
Momente: Natur, gutes Essen, gute Gespräche. Genau da entstehen oft die besten Ideen.
Die Kombination aus starkem Mittelstand, kurzen Entscheidungswegen und einem gut funktionierenden
Netzwerk. Man kennt und unterstützt sich. Hier wird nicht nur geredet – hier wird gemacht.
Einen sehr hohen. Netzwerke sind für mich kein Selbstzweck, sondern Raum für ehrlichen Austausch,
neue Perspektiven und gegenseitige Unterstützung – gerade dann, wenn es schwierig wird.
Ich analysiere, aber entscheide intuitiv. Am Ende geht es für mich nicht darum, alles zu wissen,
sondern den Mut zu haben, zu handeln.
Empathisch, klar und entwicklungsorientiert. Mir ist wichtig, dass Menschen Verantwortung
übernehmen, wachsen können und gleichzeitig wissen, woran sie bei mir sind.
Das Buch „Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte“ von Robin Sharma.
... endlich erwachsen zu sein. Frei sein, die Welt erkunden, raus aus der Schule – rein ins Leben.
Mit Nachhilfeunterricht für Kinder aus meinem Heimatdorf – und später als Kassiererin neben
meinem Abitur.
Liebend gern mit Bill Kaulitz! Mich begeistern Menschen, die nicht in Schubladen passen und
ihr eigenes Ding machen. Ich kann mir gut vorstellen, wie ich mit ihm durch Göttingen flaniere,
im trink!ich einkehre und über all die Kuriositäten spreche, die er erlebt hat.
Wahrscheinlich genau da, wo ich heute noch nicht bin. Und das ist gut so – trust the process …
Sicher aber an der Seite meines Mannes, mit einem breiten Lächeln und dem Anspruch, niemals
stehen zu bleiben.
32 2 |2026
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Die nächste Generation im Familienunternehmen:
Ann Carine Gutknecht und Christoph Hamel –
Klartext GmbH.
PROFIL
Komplexität ade:
Wie intelligente Marketingportale
den Mittelstand voranbringen
Prozesse verschlanken, Mitarbeitende begeistern, Marken stärken: die Vorteile smarter Marketingportale.
Das Willkommenspaket für neue Mitarbeitende
ist unvollständig, personalisierte
Geburtstagskarten kommen
zu spät an, Schulungsunterlagen sind veraltet
oder die Arbeitskleidung nicht lieferbar – wer
kennt das nicht? Was im Kleinen wie ein Organisationsproblem
wirkt, ist im Mittelstand oft
ein handfestes strategisches Defizit.
DIE KLARTEXT GMBH hat genau hierfür ein
zentrales Instrument entwickelt: das Marketingportal
– Beschaffungslösung als SaaS.
Treibende Kräfte hinter dieser Lösung zur
Kosteneinsparung sind Christoph Hamel und
Ann Carine Gutknecht, die das Familienunternehmen
in die nächste Generation führen:
Christoph Hamel, Geschäftsführer mit Hintergrund
in Wirtschaftsingenieurwesen und
Multimedia Marketing und Ann Carine
Gutknecht als Marketing- und HR-Expertin.
ANN CARINE GUTKNECHT bringt es auf
den Punkt: „Für viele unserer Kunden ist die
effiziente Beschaffung von Marketingmaterialien
und Werbemitteln entscheidend. Es geht
darum, sie zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen
Ort und im richtigen Design verfügbar zu
haben. Das Ziel ist es, Komplexität zu reduzieren
und Klarheit zu schaffen. Die Beschaffung
und Sicherstellung eines einheitlichen Markenauftritts
ist für viele dezentral organisierte
Mittelständler ein echter Kraftakt."
Für die Verantwortlichen liefert das Portal
messbare Ergebnisse: weniger Freigabeaufwand,
Skaleneffekte bei der Beschaffung und bedarfsgerechte
Produktion. „Von der Bestellung
bis zur Lieferung ist alles automatisiert und
standardisiert. Das Portal hilft dabei, die Marke
sichtbar zu machen – nach innen wie nach außen",
so Hamel.
IM EMPLOYER BRANDING entfaltet das
Marketingportal seine Stärke. Gutknecht weiß
aus eigener HR-Erfahrung: „Neue Mitarbeitende
merken sofort, ob ein Unternehmen
sie wertschätzt. Ein professionelles Onboarding-Paket
sendet vom ersten Tag an das richtige
Signal." Das Portal macht genau das skalierbar
– personalisierte Willkommenspakete,
Geschenke für Mitarbeitende und Arbeitskleidung,
jederzeit abrufbar. „HR kann sich auf
ihre Kernaufgaben konzentrieren, während
die Beschaffung reibungslos im Hintergrund
läuft", weiß die HR-Expertin.
Die Entwicklung geht weiter. „Unsere Kunden
wollen ein System, das mitdenkt –
eines, das Marketing, Events, HR und Einkauf
verbindet", erklärt Christoph Hamel
und ergänzt: „Marketingportale werden zu
zentralen Ökosystemen, verknüpft mit HRIS,
CRM- und ERP-Systemen. Das schont Ressourcen
und sorgt dafür, dass Marken auch
morgen sichtbar sind."
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mensch
Otto?
... findet sie gut!
Eine Göttingerin an der Spitze eines milliardenschweren
Weltkonzerns: Petra Scharner-Wolff ist seit März 2025
Vorstandsvorsitzende der Otto Group. Im Gespräch mit dem
faktor verrät sie, wie sie sich von der Bekanntheit ihres Vaters
Gerhard Scharner emanzipiert hat, wie man eigentlich ein
Versandhaus ins Online-Business transformiert – und wo sie
in Göttingen bis heute gern einkaufen geht.
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mensch
22|2026 37
mensch
»Wer will, kann bei mir zu Hause vorbeikommen.
Es gibt auch was zu essen.«
TEXT MARKUS RIESE FOTOGRAFIE FLORIAN SPIEKER
Als sich Petra Scharner-Wolff vor knapp anderthalb Jahren
den Mitarbeitern per Videokonferenz als neue CEO
der Otto Group vorstellte, da mag sie den einen oder
anderen mit ihrer direkten Ansprache überrascht haben:
„Wer will, kann bei mir zu Hause vorbeikommen. Es gibt
auch was zu essen“, versprach sie augenzwinkernd. Wie
viele das Angebot bis heute angenommen haben? „Noch
keiner“, gibt sie zu. Es traut sich offenbar niemand.
„Aber es gäbe trotzdem immer was zu essen“, lächelt die
Vorstandsvorsitzende, die konzernweit für rund 35.000
Mitarbeitende verantwortlich zeichnet.
Dass die Einladung noch niemand angenommen hat,
dürfte jedenfalls nicht an ihrer zugewandten Art liegen.
Scharner-Wolff wirkt sympathisch, authentisch, freundlich,
an manchen Stellen fast schon überraschend offen
und herzlich, dabei aber gleichzeitig auch absolut klar
und strukturiert. Fast jeden Satz, den sie sagt, begleitet
sie mit einem Lächeln. Einem, das man ihr sofort abkauft,
als wäre es auf otto.de im Sonderangebot. Eine
gewisse Arroganz, die man in dieser Manager-Liga vielleicht
vermuten würde, sucht man bei ihr vergebens.
NAHBARKEIT ALS TÜRÖFFNER
In ihrer Offenheit und Bodenständigkeit will die Chefin
der Otto Group aber auch nicht zu sehr Kumpeltyp sein:
„Das würde mir jetzt einen Tick zu weit gehen, denn am
Ende des Tages müssen wir ja Geschäft machen.“ Dazu
gehöre es, datenbasiert Entscheidungen zu treffen, die
unter Umständen auch mal schwierig sein können, gerade
im Hinblick auf die soziale Verantwortung: „Deshalb
wäre mir ,Kumpel‘ einfach zu flapsig. Aber ich glaube,
Nahbarkeit hilft hier, denn sie öffnet Türen für einen
ehrlichen Dialog.“ Und der ist ihr überaus wichtig, denn
Petra Scharner-Wolff setzt darauf, dass die Menschen ihr
auch nach ihren vielen Jahren im Unternehmen auch in
ihrer jetzigen Position immer noch unverblümt die
Wahrheit sagen. Es bringe ihr nichts, wenn alle nur erzählen,
wie toll alles sei, oder wie toll sie selbst sei. Vielmehr
helfe es, „wenn sie sagen, wo es vielleicht noch
nicht reicht, wo wir andere Maßnahmen ergreifen
müssen – oder wo sie enttäuscht waren von irgendwas,
was ich gemacht habe“.
Gemacht hat sie in der Tat schon eine ganze Menge
bei der Otto Group. Schon seit Juni 2015 ist sie Mitglied
des Konzernvorstands der Otto Group. Nach Abschluss
ihres Studiums in Göttingen war die heute 55-jährige
Diplomkauffrau ab 1995 zunächst als Unternehmensberaterin
bei Nymphenburg in München tätig, bevor sie
1999 ins Controlling der Otto Group nach Hamburg
wechselte. Von 2002 an war Scharner-Wolff als Direktorin
für das Controlling aller Konzernfirmen weltweit
verantwortlich. Irgendwann mal CEO des Konzerns zu
werden, das hatte sie damals schon im Hinterkopf.
Im Jahr 2007 wurde Scharner-Wolff allerdings zunächst
in die Geschäftsführung der Schwab-Gruppe
nach Hanau berufen und wirkte dort ab Mitte 2009
auch als Sprecherin der Geschäftsführung. 2012 wechselte
sie zurück nach Hamburg und übernahm einen
Posten als Otto-Bereichsvorstand – hier nun verantwortlich
für Personal, Steuerung und IT.
38 2 |2026
mensch
AUFRICHTIGE WERTSCHÄTZUNG
Michael Otto, der das Familienunternehmen jahrzehntelang
prägte, betonte bei ihrer Ernennung zur CEO:
„Petra Scharner-Wolff ist eine sehr starke Führungspersönlichkeit
und zeichnet sich durch ihren großen Erfahrungsschatz,
unternehmerisches Geschick, ihren scharfen
Verstand und ihr empathisches Verständnis für
Mensch und Kultur aus. Als CFO hat sie in den vergangenen
Jahren an entscheidender Stelle geholfen, die Otto
Group durch äußerst herausfordernde und wechselhafte
Zeiten zu steuern. Petra Scharner-Wolff bringt alle Voraussetzungen
mit, um die Zukunft des Konzerns auch
weiterhin nachhaltig erfolgreich zu gestalten.“
Das mag an der einen oder anderen Stelle etwas
floskelhaft klingen, drückt aber aufrichtige Wertschätzung
aus für einen Menschen, der bei der Otto Group
nicht nur wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser erlebt,
sondern auch einen ganzen Systemwechsel mit begleitet
hat. Scharner-Wolff: „Wir arbeiten schon seit vielen Jahren
an einem Thema, das wir Kulturwandel nennen, wo
wir versuchen, über Hierarchiegrenzen, über Bereichsgrenzen
hinweg zu arbeiten, in unserer Kommunikation
transparenter und nachvollziehbar in unseren Entscheidungen
zu werden, aber auch Reibungen besser auszuhalten.“
Gerade in Phasen der Unsicherheit gebe es nicht
immer nur den einen Weg, der richtig sei. Dafür müsse
man auch mehr Zwischentöne zulassen. „Und dafür
wiederum ist eben Nahbarkeit, glaube ich, sehr wichtig“,
fasst die Konzernchefin zusammen.
Konstruktive Kritik ist bei ihr also nicht nur erlaubt,
sondern erwünscht: „Es darf schon klar sein in der Botschaft,
es darf auch kontrovers sein. Wir müssen uns
dann aber übrigens auch trauen, mal gegenzuhalten, ▸
Positive Ausstrahlung: Konzernchefin Petra Scharner-Wolff lacht gern, auch wenn es um herausfordernde Themen geht.
2 |2026 39
mensch
wenn wir eine andere Perspektive haben. Als wir zum
Beispiel mit dem Kulturwandel angefangen haben,
haben wir sehr viele Situationen gehabt, wo mich Menschen
angesprochen haben, die dann gesagt haben: ,Das
ist aber nicht kulturwandelkonform.‘ “ Einen Generationenkonflikt
– etwa zwischen den sogenannten Boomern
und der Generation Z – sieht Scharner-Wolff hier aber
nicht, eher ein Persönlichkeitsthema. „Wir sehen zwar,
dass der Feedbackbedarf bei den jüngeren Generationen
ausgeprägter ist, aber es ist jetzt nicht so, dass zum Beispiel
die Älteren grundsätzlich unsere Change-Prozesse
blockieren. Wir haben durch alle Altersgruppen hinweg
Leute, die klassisch vorangehen. Dann haben wir Menschen,
die sich da mitreißen lassen. Und wir haben in
allen Altersgruppen auch Mitarbeiter, die keine Lust auf
Veränderung haben.“
Dass bei rund 35.000 Mitarbeitern viele unterschiedliche
Charaktere zusammenkommen, verwundert nicht.
Zumal die Geschichte des Konzerns recht einmalig sein
dürfte: Das Unternehmen hat sich in den vergangenen
75 Jahren von einem reinen Katalogversender zu einer
international agierenden, digitalen Handels- und Dienstleistungsgruppe
mit einer Vielzahl bedeutender Unternehmen,
Marken und Beteiligungen in mehr als 30 Ländern
entwickelt. Die Plattform otto.de gilt als Kernmarke,
dazu kommen Markenkonzepte wie Bonprix, die
Witt-Gruppe oder der US-amerikanische Möbelriese
Crate and Barrel, Handelsmarken wie Manufactum oder
Limango, Dienstleister wie Hermes und EOS. Auch Teile
des einstigen Katalog-Konkurrenten Quelle gehören inzwischen
zu Otto; bis 2021 war auch der dann eingestellte
Online-Shop neckermann.de unter den Otto-
Marken zu finden.
DIE ANFÄNGE IN GÖTTINGEN
Und heute leitet den gesamten Konzern eine Frau, die in
Göttingen geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen
ist. Petra Scharner-Wolff hat auch hier studiert, und
bis heute pflegt sie Verbindungen nach Südniedersachsen.
„Ich bin hier sehr gern groß geworden“, sagt sie.
„Ich liebe die Göttinger Vielfalt, aber im Vergleich zu
Hamburg auch das Überschaubare. Und ich bin immer
noch guter Kunde des Göttinger Einzelhandels.“ Wohlgemerkt:
Das sagt die Chefin eines global erfolgreichen
Handelskonzerns, dessen Kernmarke otto.de auch gern
mal als das deutsche Amazon geadelt wird. Scharner-
Wolff schwärmt regelrecht von Göttingen als Einkaufsstadt:
„Es gibt sehr schöne Modeläden hier. Es gibt sehr
nette Pralinen, die man übrigens auch nach Hamburg
schicken lassen kann. Und ich gehe total gern auf den
Wochenmarkt. Dort in der Nähe gibt es auch sehr gute
Käseläden. Ich esse leidenschaftlich gern Käse, da muss
ich dann auch immer noch mal rein. Also es gibt schon,
wie ich finde, eine superschöne Infrastruktur an netten
Läden.“
Wenn gute Laune ansteckt: Petra Scharner-Wolff im Gespräch mit faktor-Herausgeber
Marco Böhme und faktor-Chefredakteur Markus Riese.
Was die hiesige Kultur angeht, ist Scharner-Wolff, selbst
übrigens leidenschaftliche Sängerin schon seit Göttinger
Zeiten, unter anderem Fan des Deutschen Theaters und
insbesondere der Internationalen Händel-Festspiele
(„Das schaffe ich momentan zeitlich nicht so, aber ich
finde, das ist echt ein Höhepunkt hier in der Stadt.“).
Zu den Händel-Festspielen hat sie eine persönliche Beziehung,
denn ihr Vater Gerhard Scharner hat diese seinerzeit
mit aus der Taufe gehoben. Der damalige Vorstandsvorsitzende
der Sparkasse Göttingen hat seine
einzige Tochter stark geprägt, wie sie heute sagt. „Ich
war es gewohnt, auch schon in ganz jungen Jahren, dass
mein Vater bei allen gesellschaftlichen Ereignissen in der
Stadt präsent war – und ich bin dann oft mitgenommen
worden, weil meine Mutter ihn ja auch immer begleitet
hat. Ich habe keine Geschwister, also konnten sie das
Kind ja auch nicht immer zu Hause lassen. Deshalb wurde
ich halt mitgenommen. Und ich glaube, da lernt man
sehr viel, sehr intuitiv.“ Einfach auf Menschen zuzugehen,
die man gar nicht kennt und mit ihnen zu reden –
40 2 |2026
mensch
»Ich wollte auf keinen Fall das
werden, was mein Vater ist.«
das habe sie bei vielen dieser Anlässe beispielsweise bei
ihrer Mutter beobachtet. „Ich habe mich immer gefragt,
wie sie das macht. Mittlerweile kann ich es auch, und ich
glaube, es ist sehr viel einfacher, wenn man so etwas intuitiv
lernen kann.“
Eines war Petra Scharner-Wolff früh klar: „Dass ich
auf keinen Fall das werden wollte, was mein Vater ist.“
Allerdings hatte auch sie, wie ihr Vater, ein großes Interesse
an Mathematik. Über eine klassische Studienberatung
sei sie dann zunächst bei BWL mit Nebenfach Mathe
gelandet – in sehr vollen Hörsälen zu Zeiten der
Wende, mit Frontalunterricht im negativsten Sinne.
„Dann dachte ich: Nee, das ist es irgendwie nicht.“
Also begann sie schon sehr bald ein Zweitstudium,
Politik und Wirtschafts- und Sozialpsychologie und
trat eine Assistenzstelle im Bereich Informatik an. „Das
ist übrigens etwas, was Göttingen auch sehr auszeichnet:
Die Fakultäten sind sehr breit aufgestellt und sehr
durchlässig.“ Heutigen Studierenden würde sie daher
immer empfehlen, über den Tellerrand zu schauen und
in andere Fakultäten zumindest reinzuschnuppern. Sie
selbst sagt sogar: „Wenn ich noch mal 18 wäre, dann
würde ich wohl nicht nur zwei Fächer studieren, sondern
noch viel mehr.“
Ihre Diplomarbeit hat sie im Rahmen einer Forschungsgruppe
geschrieben: „Ich habe damals an neuronalen
Netzen geforscht, die mittlerweile ernsthafte
Einsätze im Business haben. Ich will jetzt nicht sagen,
dass es an uns lag, aber vielleicht haben wir einen kleinen
Beitrag leisten können“, sagt Scharner-Wolff. Bei der
Mathematik ist sie im Studium letztlich nie wirklich
angekommen. „Aber ich war total zufrieden mit dem,
was ich gemacht habe. Und dann bin ich halt doch in
gewisser Weise relativ nah an dem Profil meines Vaters
gewesen, aber halt auf anderen Wegen.“
DAS IMAGE EINES BANKERS
Allerdings: Auf die „Tochter des Sparkassenchefs“
wollte sie nie reduziert werden. Ihr war es wichtig,
nicht aufgrund ihres familiären Hintergrundes bewertet ▸
2 |2026 41
mensch
zu werden, sondern stets anhand ihrer eigenen Leistungen:
„Ich habe meine Arbeiten immer anonym abgegeben.
Es war mir wichtig, und ich glaube, dass ist bei vielen
so, wo die Eltern eine gewisse Bekanntheit haben.“
Privat hat sie das Thema nie wirklich belastet – obwohl
sie früh erkannt hat, dass mit einem Banker in führender
Position immer ein bestimmtes Image und auch eine gewisse
Macht verbunden wird. Und vielleicht auch
manchmal höhere Sicherheitsanforderungen als bei anderen
Menschen. So lief bei Scharners zu Hause beispielsweise
immer eine Alarmanlage. Als Kind habe sie
ihren Vater ohnehin ganz anders wahrgenommen als die
Öffentlichkeit. „Aber ich glaube, dass er einfach auch
vom Typus her total anders ist als dieses Image. Von außen
wird in eine solche Rolle etwas anderes attribuiert.“
Dass sie sich dennoch ihren eigenen Weg suchen und
sich von ihrer elterlichen Prägung emanzipieren
wollte, hatte letztlich wohl auch mit ihrem Drang
nach Freiheit zu tun. Und der ließ sie in ihrem Leben
Steile Karriere: Petra Scharner-Wolff hat es nach ihrem
Studium in Göttingen bis an die Spitze eines global
agierenden Handelskonzerns geschafft.
42 2 |2026
mensch
»Wir sind dann mit Bollerwagen
immer nach Bovenden rüber.«
auch einige Male bewusst über den schon erwähnten
Tellerrand blicken. Jungen Leuten rät sie heute, so früh
wie möglich mit dem Netzwerken anzufangen: „Am besten
schon im Studium. Das ist eine echte Chance, andere
Perspektiven zu hören und neue Türen zu öffnen.“
Sie selbst ist mittlerweile eine exzellente Netzwerkerin,
unter anderem durch ihre Tätigkeit als Vizepräsidentin
des Handelsverbands Deutschlands (HDE). Dort trifft
sie regelmäßig auf andere Top-Manager, CEOs und Vorstände
aus unterschiedlichsten Handelsunternehmen –
von Ernsting‘s Family bis Deichmann und von Rewe bis
Edeka. Das sorgt für Austausch auf höchster Ebene. Oftmals
zu Themen, die den gesamten Handel umtreiben.
Und die Interessen dieser Branche wollen schließlich
auch vertreten werden – etwa gegenüber der Politik auf
Bundes- und auch auf europäischer Ebene. „Da braucht
es dann halt auch den Schulterschluss einiger Leute,
wenn wir zum Beispiel in Brüssel Impulse auslösen wollen“,
beschreibt sie.
Lobbyarbeit gehört also auch ein Stück weit zum Job.
„Wir sind eine Branche, die generell gut vernetzt ist. Wir
haben Branchen-Events, wo wir uns treffen. Wir beobachten
sehr genau, was der andere so treibt, was wir
vielleicht nachahmen sollten oder wo wir besser sein
wollen.“ Zudem kreuzen sich in der Branche auch immer
wieder die Wege: Die Modekette Ernsting’s Family
wird beispielsweise heute von einem Ex-Vorstand der
Otto Group geführt.
BOSSELN BEI BOVENDEN
Den Draht nach Göttingen – und zu ihren Göttinger
Netzwerken – hat Scharner-Wolff übrigens bis heute nie
verloren. „Bis vor Kurzem haben meine Eltern noch in
Göttingen gelebt, das war natürlich immer ein sehr willkommener
Anlass, wiederzukommen.“ Mittlerweile leben
sie in Hamburg, genau wie Scharner-Wolff und ihr
Mann, den sie übrigens in Göttingen kennengelernt hatte.
Die beiden haben selbst zwei erwachsene Kinder.
„Meine Eltern sind wahnsinnig verwurzelt gewesen in
Göttingen“, erinnert sie sich. Es sei ihnen nicht ganz
leicht gefallen, von dort wegzugehen. Allerdings brauchen
sie im Alltag mittlerweile Hilfe. „Und ich glaube,
mit dem Trost, dass wir uns jetzt häufiger sehen können
und dass unsere Kinder auch häufiger vorbeikommen
können, haben wir sie jetzt nach Hamburg gelockt.“
Aber nicht nur ihre Eltern verbinden sie mit der Heimat.
„Bis vor Kurzem haben wir uns einmal im Jahr mit
der alten O-Phasen-Gruppe, aus der echte Freundschaften
entstanden sind, in Göttingen zum Boßeln getroffen.
Wir sind dann mit Bollerwagen – und was halt noch so
dazugehört – immer nach Bovenden rüber und haben da
unsere Boßelstrecke gehabt.“ Jetzt habe die Gruppe das
jährliche Boßeltreffen allerdings nach Hamburg verlegt:
„Und das ist eine Katastrophe. Wir haben noch keine optimale
Strecke gefunden. Aber mal sehen.“
Dass Petra Scharner-Wolff heute einen Konzern leitet,
macht sie durchaus stolz. Hoch hinaus wollte sie schon
immer; als Kind wollte sie sogar mal Bundeskanzlerin
werden. Heute würde sie das nicht mehr wollen. Sie sagt
sogar: „Ich bin sehr froh, dass ich nicht Bundeskanzlerin
bin.“ Denn: In einem Familienunternehmen wie der
Otto Group gehe es um langfristige Veränderungsprozesse,
nicht um kurzfristige Optimierungen wie in der
Politik: „Wir kommen ja ursprünglich aus dem Kataloggeschäft
und haben einen großen Schritt in Richtung
E-Commerce gemacht in den letzten 20, 25 Jahren. Jetzt
machen wir den nächsten Schritt mit der Künstlichen Intelligenz.“
Solche Veränderungsprozesse bräuchten teilweise
viele Jahre – deutlich mehr Zeit, als Politik in einer
Legislaturperiode zur Verfügung steht. „Diese Prozesse
sind teilweise auch schmerzhaft, sowohl in der Veränderung
der Profile der Mitarbeiter als auch in den monetären
Auswirkungen“, räumt Scharner-Wolff ein. Allerdings
sei es schon ein Vorteil, nicht alle paar Jahre um
Wählerstimmen werben zu müssen, um solche Prozesse
langfristig zum Erfolg führen zu können. Natürlich müsse
sie Ergebnisse liefern, weil ihr Vertrag als CEO sonst
nicht verlängert werde. „Aber ich glaube, gerade in so
anspruchsvollen Zeiten des Umbruchs ist das eine deutlich
angenehmere Rahmenbedingung. Außerdem ist die
Komplexität meiner Aufgabe geringer als die eines Bundeskanzlers.“
Wenn man ihr zuhört, bekommt man schnell das Gefühl,
dass sie angekommen ist in ihrem Traumjob. Dass
sie die erste Frau an der Spitze des 1949 gegründeten
Unternehmens ist, hängt sie dabei nicht allzu hoch: ▸
2 |2026 43
mensch
„Ich habe versucht, das nicht so sehr zu betonen, weil ich
mich selbst ja nicht über mein Geschlecht definiere, sondern
über meinen Inhalt. Aber wenn es andere ermutigt,
Wege zu gehen und zu zeigen, dass das für beide Geschlechter
gut möglich ist, liegt mir das natürlich am
Herzen.“ Aus ihrer Sicht hat die Gesellschaft zwar schon
Fortschritte in der Gleichberechtigung gemacht – es
gäbe aber durchaus „noch ein bisschen Ausbaupotenzial“.
Bei der Otto Group gibt es neben Scharner-Wolff
noch eine weitere Frau im Vorstand.
TEILZEIT FÜR FÜHRUNGSKRÄFTE
Und auch an anderen Stellen will der Konzern Vorreiter
sein: Führungspositionen werden beispielsweise immer
mit der Option auf Teilzeit ausgeschrieben. „Das ist
eines der Experimente, die wir ungefähr vor zwei Jahren
begonnen haben. Wenn wir uns angucken, wie die Karrieren
verlaufen, dann sehen wir im klassischen Modell
mit dem Beginn der Familiengründungsphase häufig
Veränderungen in den Karrierewegen – je nachdem,
welcher Partner sich mehr um die Kinder kümmert und
dann die eigene Karriere verlangsamt.“ Teilzeit soll zur
Normalität werden, um die nicht extra gebeten werden
muss – unabhängig vom Geschlecht. Scharner-Wolff sieht,
dass das schon angenommen wird, allerdings: „Es hat
jetzt noch nicht die totale Veränderung gebracht, aber
ich glaube, es braucht viele kleine Mosaiksteine, um sich
langsam als Gesellschaft weiterzuentwickeln – und das
ist halt einer davon.“ Bei der Otto Group experimentiere
man halt auch gern. Und trifft Entscheidungen, die
anderswo so vielleicht nicht getroffen worden wären.
Genau das dürfte auch ein wesentlicher Grund dafür
gewesen sein, dass Otto als einziger ehemaliger Katalogversand-Riese
überlebt hat. „Wir haben sehr früh mit
der Transformation begonnen, auch in Phasen, als
E-Commerce noch keine Relevanz hatte. Dadurch hatten
wir schon ein bisschen Land gemacht, als unsere
deutschen Mitbewerber irgendwann relativ schnelle
Schritte in der Transformation gegangen sind, weil sie
sie aufgrund von wirtschaftlichem Druck gehen mussten“,
blickt Scharner-Wolff zurück. Dabei sei es für Otto
nicht nur um die Frage gegangen, ob man jetzt mehr
Geld in IT-Themen oder weiterhin in viel Papier investieren
soll. „Es hatte auch etwas damit zu tun, wie die Mitarbeiter
sich in ihren Fähigkeiten weiterentwickeln oder
wie wir Kundenbestände in Richtung E-Commerce aufbauen
konnten. Das ist uns aufgrund der langfristigen
Transformation besser gelungen als den Wettbewerbern,
wobei ich mich fast gefreut hätte, wenn andere es auch
geschafft hätten. Ich glaube, das hätte dem deutschen
Markt eigentlich ganz gut getan.“
Von den anderen einstigen Katalog-Giganten ist heute
nicht mehr viel übrig. Zu einer wirklich relevanten und
starken Plattform auf dem deutschen Markt wurde
einzig otto.de.
Wer dort zum Beispiel eine Waschmaschine bestellt,
schätzt laut Scharner-Wolff nicht nur die Vielfalt an
Marken, sondern auch die zusätzlichen angebotenen
Dienstleistungen – von der Beratung durch KI-Assistenten
über die Lieferung und den Anschluss direkt vor Ort
bis hin zur optionalen Ratenzahlung. Und gar nicht wenige
unterstützen offenbar auch sehr bewusst ein deutsches
Unternehmen, welches sich zudem nachhaltig auszurichten
versucht.
INTERNATIONALER ERFOLG
Dass die Otto Group längst nicht mehr nur auf dem
deutschen Markt unterwegs ist, wird hierzulande allerdings
oft kaum wahrgenommen. Dabei ist der Konzern
mit seinen verschiedenen Marken längst global aufgestellt.
In den USA und in Kanada wächst sogar der stationäre
Möbelhandel weiter. Omni-Channel-Strategien
und Crossover-Effekte zwischen physischen Läden und
Online-Konzepten – damit experimentiert die Otto
Group immer wieder gern. Das muss nicht immer klappen,
bringt aber häufig gewisse Erkenntnisse. Auch in
Deutschland: „Wir haben zum Beispiel bei Bonprix
zwischendurch mal mit Filialen gearbeitet, das hat aber
nicht so funktioniert.“ Anders als zum Beispiel bei Witt,
einer der älteren Marken des Konzerns: „Da gibt es ein
bestehendes Filialnetz mit relativ kleinen Filialen. Gerade
viele ältere Kunden schätzen es, da noch reinzukommen
und beraten zu werden.“
Eigentlich sind es aber ganz andere Themen, die Petra
Scharner-Wolff gerade umtreiben. Etwa beim erwähnten
Möbelgeschäft, insbesondere in Nordamerika mit Crate
and Barrel, dessen Filialnetz weiter ausgebaut werden
soll. Aber nicht nur das: „Mit Künstlicher Intelligenz
können wir Einrichtungen jetzt schon visualisieren, aber
das wird noch mal einen Sprung nach vorne machen.
Dann können Sie Ihr Wohnzimmer zu Hause fotografieren,
wir stellen live unsere Möbel hinein und schieben
sie hin und her. In ein paar Jahren können Sie sich wahrscheinlich
noch virtuell draufsetzen.“ Aber auch Bestellund
Bezahlprozesse will Scharner-Wolff mithilfe von KI
immer nahtloser und einfacher machen.
Eine nicht ganz unwesentliche Frage in diesem Zusammenhang
dürfte sein, inwieweit sich diese Entwicklung
auf die Mitarbeitschaft auswirken wird. Der NDR
hatte zu Beginn des Jahres beispielsweise berichtet, dass
allein am Standort Hamburg gerade 460 Beschäftigte
eingespart werden sollen. Wird die KI dies noch be-
44 2 |2026
mensch
Menschen sollen nicht durch KI ersetzt werden, müssen sich aber auf Veränderungen einlassen – sagt Petra Scharner-Wolff.
»Wir haben sehr früh mit der
Transformation begonnen, auch
in Phasen, als E-Commerce
noch keine Relevanz hatte.«
schleunigen? „Die jetzigen Veränderungen sind nicht primär
KI-getrieben“, betont Scharner-Wolff. Zwar gebe es
ein paar Auswirkungen, KI sei hier aber nicht der Hauptauslöser.
„Bei einem starken Umbau des Geschäftsmodells
würde man sich natürlich immer wünschen, dass
man organisch auch die Fähigkeiten, die man braucht, in
den verschiedenen Berufsgruppen mitentwickelt. Leider
klappt das nicht immer“, weiß die CEO. Der Ansatz bei
der Otto Group sei es nicht, Menschen durch KI zu ersetzen.
Allerdings müssen die Menschen, die im Konzern arbeiten,
sich auf Veränderungen einlassen.
Und dabei will Scharner-Wolff durchaus helfen: „Wir
sind jetzt sehr aktiv dabei, allen Mitarbeitern einen guten
Zugang zu den Weiterbildungsthemen zu geben, die
man braucht, um sich mit den Möglichkeiten, aber halt
auch mit den Gefahren der Künstlichen Intelligenz zu
beschäftigen.“ Das geschehe auf vielfältige Weise, etwa
über digitale Weiterbildungen oder auch über ein konzerneigenes
ChatGPT in einer gekapselten Umgebung,
das Tausende Mitarbeitende täglich nutzen können. Die
Konzernchefin setzt auch darauf, dass sich Kollegen dabei
gegenseitig unterstützen, um etwa im Prompting ▸
2 |2026 45
mensch
Stolz auf Vergangenes und motiviert für neue Ziele: Petra Scharner-Wolff setzt mit der Otto Group weiterhin auf Wachstum und steigende Umsätze.
46 2 |2026
mensch
» Es gibt auch Unternehmen, die wir jetzt nicht gegen
die Marktentwicklung in Richtung Wachstum pushen.«
voranzukommen. „Ich halte es für total wichtig, diese
Zugänge zum Lernen und zur Weiterbildung zu ermöglichen.
Natürlich sind wir darauf angewiesen, dass viele
auch Lust darauf haben. Zum Glück sind sehr viele sehr
begeistert dabei, aber natürlich gibt es auch eine gewisse
Gruppe von Leuten, die so viele Veränderungen vielleicht
gar nicht in der Geschwindigkeit wollen.“ Weil
aber ohnehin jeder ein Smartphone habe, seien die Veränderungen,
die die KI gerade mit sich bringt, aus Sicht
von Scharner-Wolff sogar vergleichsweise niedrigschwellig:
„Ich finde das gerade einfacher als die Prozesse, die
wir am Anfang des E-Commerce hatten. Die waren nicht
so intuitiv, eben weil wir das aus unserem Alltag noch
nicht kannten.“
SEIT JEHER BREIT AUFGESTELLT
Was hingegen immer schon galt: Das Unternehmen war
als Gruppe stets relativ breit aufgestellt, auch schon zu
den Hochzeiten der berühmten Otto-Kataloge. Und das
hat zu einer gewissen Stabilität geführt, die sicher auch
als Wettbewerbsvorteil gegenüber den damaligen Konkurrenten
gelesen werden darf. „Klassischerweise ist unser
Finanzdienstleistungsgeschäft immer sehr stabil gewesen,
wohingegen der Handel stark schwankt. In der
Corona-Zeit waren zum Beispiel die Abverkaufsstrukturen
in den Sortimenten komplett anders als in der
Nach-Corona-Phase. Und der Handel ist ja auch generell
ein Geschäftsmodell, das stärkeren saisonalen Schwankungen
unterliegt.“ Deshalb sei es gut, wenn man einerseits
Unternehmen im Portfolio habe, die eher die Kontinuität
bedienen, und andere, die eher auf Saisonalität
und Unterschiedlichkeit setzen.
Scharner-Wolff betrachtet die einzelnen Unternehmen
und Konzernbereiche daher durchaus differenziert. „Einige
Unternehmen haben einen klaren Wachstumskurs eingeschlagen.
Und es gibt auch Unternehmen, die wir jetzt
nicht gegen die Marktentwicklung in Richtung Wachstum
pushen, sondern die wir dann eher ergebnisorientiert oder
qualitätsorientiert führen.“ Natürlich, ohne dabei die Gesamtstrategie
aus den Augen zu verlieren. ▸
2 |2026 47
mensch
» Wir haben eine Neigung,
uns immer selber zu disruptieren.«
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung von otto.de.
Der Wandel von einem normalen Online-Shop mit rund
zwei Millionen Artikeln hin zu einem Mega-Marktplatz
mit mittlerweile 19 Millionen verfügbaren Produkten
war eine Art Gamechanger, auch im Hinblick auf die
Außenwahrnehmung. Scharner-Wolff blickt zurück: „Ich
weiß nicht genau, ob wir es sonst nicht überlebt hätten,
aber es war zumindest ein sehr guter strategischer Schritt,
weil wir ganz klar gesehen haben, dass der Markt stärker
in Richtung Plattform geht.“ Auch wenn sie es vermeidet,
Amazon als Vorbild zu nennen: Die fehlende Breite des
ursprünglichen Sortiments war intern zumindest als
Wettbewerbsnachteil erkannt worden – also schien die
Öffnung des Portals zum Marktplatz fast logisch.
Die Herausforderungen, die sich daraus ergaben, wirken
aus heutiger Sicht beinahe niedlich: „Das sind teilweise
ganz banale Sachen, an die man von außen nicht
denkt. Wir hatten zum Beispiel nur eine bestimmte Anzahl
von Artikelnummern zur Verfügung, und wenn
man dann die nächste Dimension erreichen will, muss
halt einfach das System auch längere Artikelnummern
verarbeiten können.“ Manchmal sind es eben Banalitäten,
die eine Transformation antreiben können.
DAS DEUTSCHE AMAZON?
„Wir wussten auch, dass es aus Sicht möglicher Partner
total attraktiv ist, mehrere starke Plattformen in
Deutschland zu haben und nicht von einer abhängig zu
sein. Deshalb haben wir schon geahnt, dass es ein großes
strategisches Interesse geben wird, Zugang zu unseren
inzwischen mehr als zwölf Millionen Kundinnen
und Kunden bei Otto zu bekommen – und das war dann
auch so.“ Der Zulauf an Partnern war enorm, ging sehr
schnell und hat dementsprechend einen zügigen und
umfassenden Umbau im Geschäftsmodell erfordert:
„Da hat es auch schon noch mal ein bisschen geruckelt.
Wir mussten uns in allem, was wir tun, anpassen.“
Heute gibt es dadurch auch einige Alleinstellungsmerkmale.
Anders als bei der Konkurrenz können Kunden
ihren Warenkorb bei otto.de aus einer Hand bezahlen
und bekommen auch nur eine Rechnung – egal, bei
welchen Partnern auf dem Marktplatz sie Waren bestellen.
Dafür brauchte es schon aus formaljuristischen
Gründen eine eigene Paymentgesellschaft. Hier wiederum
kamen Otto die Erfahrungen mit eigenen Finanzdienstleistern
zugute. „Auf vieles waren wir gut vorbereitet,
bei anderen Dingen wurden wir durch die Geschwindigkeiten
dann aber doch noch ein bisschen
überrascht und mussten nachjustieren“, blickt Scharner-Wolff
zurück. So ist das eben mit großen
Veränderungsprozessen.
Und Veränderungen gab es bei der Otto Group immer
wieder. So war zwischenzeitlich mit About You eine der
erfolgreichsten Fashion-Marken am Markt aus dem eigenen
Konzern heraus aufgebaut worden – um dann
schließlich für viel Geld an Konkurrent Zalando abgegeben
zu werden. „Wir haben eine Neigung, uns immer
selber zu disruptieren“, gewährt Scharner-Wolff einen
Einblick in die vielleicht etwas eigenwillige Unternehmens-DNA.
Und nennt direkt ein weiteres Beispiel: „Wir
haben vor vielen Jahren Bonprix gegen Otto laufen lassen
im Bereich Fashion. Und als wir angefangen haben
mit About You, wussten wir noch gar nicht, in welche
Richtung sich das Otto-Geschäft entwickelt.“ Sie erinnert
sich: „Ich war zu dem Zeitpunkt gerade Otto-
Bereichsvorständin, als diese zarte Pflanze About You
überall Vorfahrtsrechte bekommen hat. Das war sehr
schmerzhaft, aber es war aus heutiger Sicht ein guter
strategischer Move. Viele haben die spätere Entwicklung
damals nicht für möglich gehalten, weil zu dem Zeitpunkt
Zalando schon sehr am Markt etabliert war.“
DER 450-MILLIONEN-DEAL
Aber About You hatte vielleicht auch so etwas wie die
Gunst der späten Geburt: „Die sind Mobile First gestartet
und waren schon im nächsten Level der IT-Infrastruktur,
die sie sich komplett selbst aufgebaut haben.
Das Unternehmen hatte von Anfang an einen sehr starken
technologischen Nukleus und war nicht – so wie wir
– aus der Ware und dem Vertrieb in die Technik gekommen.“
About You hatte früh auf junge Zielgruppen, eine
emotionale Kundenansprache und die Zusammenarbeit
mit Fashion-Influencern gesetzt. Mit Erfolg, wie sich
später herausstellen sollte. „Da ist ein echtes Können
48 2 |2026
mensch
von uns, so viel Raum zu lassen, dass so etwas wie About
You neben dem etablierten Geschäft entstehen kann.“
Einige Partnerschaften und Skalierungen später entschied
man sich dann aber doch für den Ausstieg – und
erzielte damit etwa 450 Millionen Euro. Kein schlechter
Deal: Die Otto Group generierte frisches Kapital, und
Zalando will sich damit vor allem gegen internationale
Konkurrenzen besser behaupten.
Dieses Beispiel zeigt: Die Otto Group erfindet sich immer
wieder neu, und wohl auch deshalb passt Petra
Scharner-Wolff bestens zur Firmenphilosophie – obwohl
oder gerade weil sie insgesamt schon seit mehr als
25 Jahren im Konzern tätig ist. Sie selbst sagt: „Ich habe
total viel Freude, Neues zu entdecken. Und deshalb empfinde
ich es als so große Gunst, dass ich in meinem
beruflichen Alltag so viele Impulse bekomme und dass
ich so viele tolle Leute treffen darf, die so viel Expertenwissen
haben – und auch Lust darauf, ihr Wissen zu teilen.“
Es sei ein Privileg, sich im eigenen Job auch immer
wieder weiterentwickeln und neu erfinden zu dürfen.
Der Kontakt mit so vielen unterschiedlichen Menschen
gebe ihr dabei sehr viel Energie: „Das ist sozusagen meine
Tankstelle.“
KEIN TYP FÜR AUSZEITEN?
Ob sie in ihrem Leben rückblickend etwas anders machen
würde? Sie überlegt nur kurz: „Was ich immer auf der
Liste hatte und nie geschafft habe: Ich würde während des
Studiums ins Ausland gehen. Und ich habe mir in meinem
Leben nie Pausen für irgendwas genommen und Auszeiten
gemacht. Vielleicht würde ich das machen.“
Vielleicht würde aber eine Auszeit auch gar nicht zu
ihrer Persönlichkeit passen – viel zu groß wäre doch
schließlich die Gefahr, einen inspirierenden Austausch
mit einem hoch motivierten Mitarbeiter aus dem eigenen
Hause zu versäumen, der vielleicht die nächste genia le
Idee für die Otto Group mit ihr besprechen möchte. Vielleicht
ja sogar bei ihr zu Hause, beim Mittagessen? Die
Einladung steht ja noch. Und Petra Scharner- Wolff lächelt
einmal mehr: „Man kann übrigens auch bei mir im
Büro vorbeikommen. Wenn man sich da anmeldet, würde
ich auch was zu essen mitbringen.“ ƒ
Immer die nächste große Idee für die Otto Group im Blick: Petra Scharner-Wolff.
DAS KOMPLETTE INTERVIEW
mit Petra Scharner-Wolff ist als
aktuelle Folge im faktor-Podcast
onfire zu hören unter
www.faktor-magazin.de/onfire-podcast.
2 |2026 49
mensch
Warum es
acht Frauen braucht
Sind wir alle gleich? Haben Frauen und Männer im Leben und in der
Arbeitswelt wirklich die gleichen Chancen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich
die Gleichstellungsbeauftragten der Kommunen. In der Stadt Göttingen gibt es
dazu gleich eine ganze Abteilung mit acht Frauen – warum eigentlich?
TEXT CAROLIN KÖPP FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
Wer im Internet nach der Gleichstellungsbeauftragten
für Göttingen sucht, findet tatsächlich
acht Ansprechpartnerinnen. Angesichts der
angespannten Finanzlage Göttingens mag das zunächst
irritieren. Der Grund ist allerdings recht simpel, denn
der Suchende landet auf der Seite des hiesigen Gleichstellungsbüros.
Was in anderen Städten auf verschiedene
Ressorts verteilt wird, ist im Göttinger Gleichstellungsbüro
zusammengefasst. Denn: Die einzelnen
Mitarbeiterinnen haben inzwischen eine ganze Reihe
von Aufgaben zu erfüllen.
CHRISTINE MÜLLER leitet das Büro. Sie ist die eigentliche
Gleichstellungsbeauftragte für die Stadt Göttingen
und – das ist hier etwas Besonderes – sie ist auch für die
Umsetzung des Niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetzes
in der Stadtverwaltung zuständig, bei ihrem
Arbeitgeber also. Außerdem wird das Frauenforum
Göttingen von ihr koordiniert – ein feministischer
Zusammenschluss von Menschen, die sich als Frauen
und/oder als weiblich identifizieren. Gemeinsam mit
dem Gleichstellungsbüro veranstaltet das Frauenforum
beispielsweise eine öffentliche Gesprächsrunde zur diesjährigen
Oberbürgermeisterwahl, bei der es um die
gleichstellungs politischen Schwerpunkte der Kandidaten
geht. Müller ist Mitglied im Netzwerk kommunaler
Gleichstellungsbeauftragter und Ansprechpartnerin bei
Fragen zur Integration insbesondere von Frauen.
MÜLLERS STELLVERTRETERIN BRITTA THÜR überwacht
die Einhaltung des sogenannten „Gender Mainstreaming“
in der Kinder- und Jugendarbeit. Dabei geht
es um die Frage, ob in allen gesellschaftlichen und politischen
Vorhaben die unterschiedlichen Auswirkungen auf
Mädchen und Jungen grundsätzlich beachtet werden.
Thür ist Ansprechpartnerin für die Kompetenzförderung
von Mädchen durch Sport. Sie koordiniert Mädchenarbeitskreise,
die unter anderem eine Beratungsstellen
Rallye für Schüler und Multiplikatoren anbieten, in denen
spielerisch darüber aufgeklärt wird, welche vielfältigen
Freizeitangebote und Unterstützungsmöglichkeiten es für
Jugendliche gibt. Dabei können Themen wie die Berufsund
Lebensplanung, Stress mit Freunden und Eltern,
sexualisierte und häusliche Gewalt, ungewollte Schwangerschaft,
die sexuelle Identität, Essstörungen oder
geschlechtsspezifische Angebote angesprochen werden.
50 2 |2026
mensch
In anderen Kommunen gibt es in der Regel eine Gleichstellungsbeauftragte – in Göttingen gibt es dafür gleich eine ganze Abteilung.
DIE ISTANBUL-KONVENTION
Das Übereinkommen des Europarats zur
Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen
Frauen und häuslicher Gewalt von 2011 ist ein
völkerrechtlich bindendes Instrument zur umfassenden
Bekämpfung von Gewalt gegen
Frauen und Mädchen. Dazu gehören Opferschutz,
Prävention und Strafverfolgung sowie
die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter
in den Verfassungen und Rechtssystemen.
Die 81 Artikel der Istanbul-Konvention enthalten
umfassende Verpflichtungen zur Prävention
und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und
häuslicher Gewalt, zum Schutz der Opfer und
zur Bestrafung der Täter (www.unwomen.de).
NATALIA HEFELE leitet die Koordinierungsstelle „Frauen
& Wirtschaft“, die Frauen bei allen Fragen rund um Beruf
und Familie berät. Das geht von der Regelung der Elternzeit
bis zur Rückkehr in den Beruf. Zu ihren Aufgaben
gehört auch die Beratung von Frauen in Führungspositionen.
Sie ist die Geschäftsführerin des Unternehmensverbundes
„Frau & Betrieb“ e. V., dessen Mitglieder sich für
familienfreundliche Beschäftigungsstrukturen, flexibles
Personalmanagement und zukunftsorientierte Personalplanung
engagieren. Auch die Organisation und Durchführung
von Fach- und Informationsveranstaltungen, auf
denen sich Frauen in Führungspositionen über ihre Rechte
und Möglichkeiten in der Wirtschaftswelt informieren
können, gehört zu Hefeles Aufgabenbereichen. Hier geht
es um Themen wie die Anerkennung der Elternzeit oder
Führungsposten in Teilzeitarbeit.
JANNY DE WALL kümmert sich als Projektassistentin
von Natalia Hefele um das Sekretariat, die Finanzen und
die Organisation von Veranstaltungen.
HEIKE SIEBER ist Netzwerkkoordinatorin der Antidiskriminierungsstelle
für die Stadt und den Landkreis ▸
2|2026 51
mensch
Göttingen. Ihre Aufgabe ist die Umsetzung des Allgemeinen
Gleichbehandlungsgesetzes. Um dabei ein möglichst
großes Publikum anzusprechen, betreut sie die Organisation
von Arbeitsgruppen – etwa zur Sensibilisierung
der Öffentlichkeit für Diskriminierung. Ebenso ist sie für
den Ausbau der Erst- und Verweisberatungsstrukturen
zuständig, bei denen hilfe- oder ratsuchende Menschen
Unterstützung finden und erfahren, an wen sie sich in
ihrer individuellen diskriminierenden Situation wenden
können.
ALICE PFAFFENROT koordiniert die Arbeit der Antidiskriminierungsstelle
der Stadt Göttingen. Hier geht es
um die Belange von Opfern jeglicher Art von Diskriminierung.
Pfaffenrot leitet das Projekt „Vielfalt sichert
Zukunft – Chancengleichheit als Investment für Wirtschaft
und Gesellschaft in der Region Göttingen“ und
kümmert sich um das Berichtswesen und die Öffentlichkeitsarbeit.
Sie hat die Aufgabe, strukturelle Veränderungen
zur Verringerung von Diskriminierung anzuregen.
FRAUEN & WIRTSCHAFT
Ziel dieser Koordinierungsstelle ist es, die
gleichberechtigte Teilhabe an Führung und
damit auch den gleichberechtigten Partner Einfluss für auf Mittelstand und Industrie!
die Strukturen und die Kultur von Organisationen
zu erreichen. Insbesondere mit der Institutionalisierung
der Gleichstellungsfrage in den
80er- und 90er-Jahren wurde dem Öffentlichen
Dienst eine Vorbildfunktion zugewiesen – der
dieser nur bedingt gerecht wird. (aus: „Mehr
Frauen in Führung: So könnte es gehen ...“)
ANTIDISKRIMINIERUNGSARBEIT
Sie begegnet Diskriminierung, Benachteiligungen
und Ausgrenzungen aktiv. Im besonderen
Maße gilt dies für die im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzt
(AGG) genannten Dimensionen:
Herkunft und rassistische Zuschreibung,
Geschlecht, Religion und Weltanschauung,
sexuelle Identität, Lebensalter, chronische
Erkrankung und Behinderung. Die Antidiskriminierungsstelle
der Stadt Göttingen strebt strukturelle
Veränderungen in Verwaltung und Kommune
an. (www.goettingen.de)
ANNA MAIERL betreut die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit
zum Thema Gewalt gegen Frauen und koordiniert
das Netzwerk von lokalen Fachstellen sowie
verschiedenen Hilfsdiensten, Jobcentern und Ausländerbehörden.
Dabei ist es wichtig, Mitarbeiter solcher Einrichtungen
dafür zu sensibilisieren, Anzeichen, die auf
Gewalteinwirkung hinweisen könnten, bei ihren Klienten
wahrzunehmen und bei Bedarf Hilfe anzubieten.
Folglich ist sie auch die Ansprechpartnerin für die
Umsetzung und Einhaltung der sogenannten Istanbul
Konvention (siehe separater Infotext).
ILSE LAGERHAUSEN unterstützt alle Ansprechpartnerinnen
des Gleichstellungsbüros. Sie leitet das Sekretariat,
sorgt für einen reibungslosen Arbeitsablauf, verwaltet
die Finanzen und organisiert Veranstaltungen.
Diese Übersicht bildet (schon aus Platzgründen) naturgemäß
nur einen kleinen Teil der Arbeit des Gleichstellungsbüros
ab – und sie lässt zumindest erahnen, warum
es tatsächlich eine ganze Abteilung mit acht Mitarbeiterinnen
dafür braucht. In einer idealen Welt wäre überhaupt
keine übergeordnete Instanz zum Schutz von
Menschen, egal in welcher Lebenslage, nötig. ƒ
WAS IST DISKRIMINIERUNG?
Eine Diskriminierung im rechtlichen Sinne ist jede ungerechtfertigte
Ungleichbehandlung aufgrund von „Rasse“,
ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung,
Behinderung, Alter oder sexueller Orientierung.
Diskriminierungen können bewusst oder unbewusst
erfolgen. (www.integrationsbeauftragte.de)
52 2 |2026
unternehmen
Osterode / Sylt
Partner für für Mittelstand und und Industrie!
Partner für Mittelstand und Industrie!
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Vertrauen. Verlässlichkeit. Loyalität. Diese
Werte sind unsere Mission. Und auf ihnen
beruht unser tägliches Handeln. Denn wir
wollen für unsere Kunden Versicherungslösungen,
die wirklich einen Unterschied machen.
Als inhabergeführtes Familienunternehmen mit
über 30 35 Jahren Erfahrung suchen wir zusammen
mit unseren Kooperationspartnern – – unter unter ande-
anderem
mit mit Leue Leue & Nill &– Nill nach und den Lauff bestmöglichen & Bolz – nach Versicherungslösungen
den bestmöglichen für Versicherungslösungen unsere Kunden. für
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Unsere Heimat ist die Region Südniedersachsen.
Von hier aus versichern wir Unternehmen, die
national und weltweit agieren. Und mehr noch:
Wir begleiten sie auf ihrem Weg.
Was wir dabei mit mittelständischen Betrieben
und Industrieunternehmen kreieren, sind innovative
und individuelle Versicherungslösungen. Lösungen. Wir erkennen Wir
Risiken erkennen und Risiken bewerten und sie bewerten gemeinsam. sie gemeinsam.
Dabei treibt uns uns vor vor allem allem eines eines an: an: Uns IHR
Vertrauen Uns IHR Vertrauen verdienen. verdienen. Jeden Tag aufs Neue – mit
Leidenschaft Jeden Tag aufs und Neue Begeisterung. – mit Leidenschaft
und Begeisterung.
Ihr Rainer Giese
Ihr Rainer Giese
| Sylt
Wir sind Partner!
4 |2025 45
mensch
kompakt
FOTO: SARTORIUS
Sartorius-Vorstand
Fáber bleibt bis 2031
DER AUFSICHTSRAT DER SARTORIUS AG
hat beschlossen, die Bestellung von
René Fáber als Mitglied des Vorstands um
fünf Jahre bis zum 31. Dezember 2031 zu
verlängern. René Fáber (50), der an der
Technischen Universität München in
Polymerchemie promoviert hat, kam 2002
als Wissenschaftler zu Sartorius. Er hatte
mehrere Managementpositionen inne, bevor
er im Januar 2019 in den Vorstand berufen
wurde. In dieser Funktion ist er für die
Sparte Bioprocess Solutions verantwortlich.
René Fáber bleibt bis 2031 Sartorius-Vorstand.
FOTO: THEODORO DA SILVA (ARCHIV)
OBERSTLEUTNANT Florian Grewe ist jetzt Leiter
des KVK Göttingen.
Personalie bei der Bundeswehr
Grewe leitet Kommando
FAKTOR-MITGRÜNDER UND OBERST-
LEUTNANT FLORIAN GREWE hat die
Leitung des hiesigen Kreisverbindungskommandos
(KVK) Göttingen der Bundeswehr
übernommen.
Ein KVK ist das zentrale Bindeglied
zwischen militärischen und zivilen Stellen
auf Ebene des Landkreises und der kreisfreien
Städte. Es berät unter anderem zivile
Behörden zu Möglichkeiten und Grenzen
der Amts- und Nothilfe durch die Bundeswehr
und koordiniert bei Bedarf entsprechende
Unterstützungsleistungen – etwa
bei Naturkatastrophen, Pandemien oder
anderen schweren Schadenslagen.
Entscheidung gefallen
Kaliunas dirigiert GSO
VILMANTAS KALIUNAS wird neuer Chefdirigient
des Göttinger Symphonieorchesters
(GSO). Er soll sein Amt zur Spielzeit
2027/28 antreten. Eine Findungskommission
hatte sich für den renommierten litauischen
Dirigenten ausgesprochen, der aktuell
in Hamburg lebt.
„Mit Vilmantas
Kaliunas gewinnt
das Göttinger Symphonieorchester
eine
vielseitige und international
erfahrene
Künstlerpersönlichkeit“,
schreibt das
GSO in einer Pressemitteilung
zur Vorstellung. Er sei „ein Dirigent,
der musikalische Energie nicht nur
sucht, sondern spürbar macht.“ Sein Dirigerstudium
hat Kaliunas in Weimar absolviert;
heute arbeitet er mit Klangkörpern
wie dem Deutschen Symphonieorchester
Berlin, dem MDR-Sinfonieorchester Leipzig,
dem litauischen Nationalorchester
oder dem Elbphilharmonieorchester der
Staatsoper Hamburg.
FOTO: MARKUS RIESE
Prof. Dr. Johannes Wessels einstimmig gewählt
Ein „Rektor des Jahres“ wird Präsident der Universität Göttingen
PROF. DR. JOHANNES WESSELS wird
Präsident der Universität Göttingen. Seine
sechsjährige Amtszeit beginnt voraussichtlich
gegen Ende des Jahres. Senatssprecher
Ramin Yahyapour erklärte nach der einstimmigen
Wahl: „Johannes Wessels bringt
nach zehn Jahren an der Spitze des Rektorats
einer Volluniversität die besten Voraussetzungen
mit, um die Universität Göttingen
strategisch neu auszurichten.“
Wessels, Jahrgang 1962, studierte Physik
an der Universität Heidelberg, wo er 1990
promovierte. Als Postdoktorand war er bei
der Gesellschaft für Schwerionenforschung
in Darmstadt tätig, an der State University
in Stony Brook, New York, und an der Universität
Heidelberg. Dort habilitierte er sich
im Jahr 2000. Seit 2003 ist er Professor an
der Universität Münster und Direktor des
Instituts für Kernphysik. Von 2005 bis
2006 war er dort Prodekan und von 2006
bis 2010 Dekan des Fachbereichs Physik.
Im Oktober 2016 wurde er zum Rektor
der Universität Münster gewählt; seit 2022
ist er Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz
Nordrhein-Westfalen. Der Deutsche
Hochschulverband wählte Wessels 2018
zum „Rektor des Jahres“.
Er selbst kommentierte seine Wahl so:
„Zum Präsidenten der Universität Göttingen
gewählt zu werden, ist mir eine große
Ehre. Auf der guten Basis meines Vorgängers
Axel Schölmerich werde ich aufbauen,
um die Universität Göttingen gemeinsam
mit ihren Angehörigen und Einrichtungen
zukunftsfähig aufzustellen.“
FOTO: UNI GÖTTINGEN
54 2 |2026
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PROFIL
Das Ziehen eines Lkw als Team-Aufgabe.
Jan Oberdieck setzt bei seinen Coachings voll auf
Vertrauen.
Vertrauen ist der Schlüssel
Wer Jan Oberdieck heute in einem Strategie- oder Team-Workshop erlebt, sieht einen Coach, der genau hinhört. Wer
seinen Weg verstehen will, muss dorthin schauen, wo Zusammenarbeit keine Option, sondern Überlebensstrategie ist.
Erfahrungen als Soldat und Footballspieler
legten das Fundament für das, was
heute unter dem Namen TEAM2TRUST
regionale Unternehmen dabei unterstützt, aus
Teams echte Einheiten zu machen.
„Im Football oder im Einsatz lernt man
schnell: Vertrauen ist kein weicher Wohlfühlfaktor,
sondern die härteste Währung eines
Teams“, erklärt er. „Wenn die Last schwer wird,
reicht es nicht, sich nett zu finden. Man muss
wissen, dass der andere hält, was er verspricht.“
DIE LÜCKE ZWISCHEN SEMINARRAUM
UND REALITÄT
In seiner langjährigen Tätigkeit als Coach und
Mediator in Göttingen und der Region beobachtete
er immer wieder dasselbe: In Konferenzräumen
wird viel über Leitbilder und
Werte gesprochen. Im stressigen Arbeitsalltag
verpuffen diese Vorsätze jedoch oft. Auch
klassische Teamevents – vom Bowling bis
zum gemeinsamen Kochen – bringen meist
nur kurzzeitig gute Laune, verändern aber selten
die Zusammenarbeit nachhaltig.
Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee für
TEAM2TRUST. Seine Vision: Erlebnisse zu
schaffen, die sich tief ins kollektive Gedächtnis
eines Teams einprägen. „Wir brauchen
Herausforderungen, die uns wirklich fordern
– physisch und mental“, so der Gründer. Seine
Leidenschaft für Outdoor-Erlebnisse und für
„schweres Gerät“ führte schließlich zu einem
einzigartigen Konzept.
22 TONNEN ALS SPIEGEL
DER ZUSAMMENARBEIT
Bei TEAM2TRUST wird Vertrauen greifbar –
etwa in Form eines 22-Tonnen-Lkw oder komplexer
Kletteraufgaben. Wenn ein Team einen
tonnenschweren Koloss bewegen oder präzise
Manöver mit schwerem Gerät durchführen
soll, fallen die Masken. Dann zählen weder
Status noch reines Fachwissen, sondern Abstimmung,
klare Kommunikation und das
bedingungslose Verlassen auf den Nächsten.
Doch die Action ist nie Selbstzweck. Das
Herzstück ist die anschließende Reflexion.
„Der Lkw ist nur das Medium – die Magie
passiert in der Auswertung. Wir besprechen
gemeinsam die Aktionen und übertragen das,
was das Team über sich gelernt hat, direkt in
den Büroalltag.“ So entstehen durch Erlebnis
und Analyse nachhaltige Erfahrungen: Teams
lernen nicht nur, wie sie einen Lkw bewegen,
sondern wie sie gemeinsam Großes erreichen,
wenn der Widerstand wächst.
TEAM2TRUST
Jan Oberdieck
Werner-von-Siemens-Straße 3
37077 Göttingen
Tel. 01520 4365707
moin@team2trust.de
www.team2trust.de
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PROFIL
Moderne Herzbildgebung
in der Diagnostik-Praxis am
Göttinger Bahnhof
Die Spezialisten für Früherkennung haben ihr Spektrum personell und methodisch erweitert.
Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
stellen in der westlichen Welt die
häufigsten Todesursachen darf. Die
Früherkennung von bösartigen Tumorerkrankungen
stellt daher seit vielen Jahren einen
Schwerpunkt der Diagnostischen Praxis am
Göttinger Bahnhof dar. Mit Dr. Katharina Kersting
wird das medizinische Team seit Ende
2025 durch eine Spezialistin verstärkt, die seit
vielen Jahren schwerpunktmäßig bildgebende
Diagnostik zur Früherkennung und Abklärung
von Herzerkrankungen durchführt.
Die moderne Schnittbildgebung spielt in
der Diagnostik und dem Management der
chronischen Koronaren Herzkrankheit eine
wichtige Rolle. Der Radiologie stehen hierfür
hauptsächlich zwei Untersuchungsverfahren
zur Verfügung: Die CT Angiographie der Herzkranzgefäße
(Herz-CT, CCTA oder Kardio-CT)
und die Magnetresonanztomographie des
Herzens (Kardio-MRT).
HERZ-CT IM BLICKPUNKT
Die Herz-CT wird in der nationalen S3-Leitlinie
der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
initial zur Abklärung von Brustschmerz empfohlen.
Ursache hierfür kann eine Koronare
Herzkrankheit (KHK) mit gefährlichen Verengungen
von Herzkranzgefäßen sein. Das Ziel
ist es, relevante Engstellen der Herzkrankgefäße
frühzeitig zu erkennen, um so präventiv
durch Anpassung des Lebensstils und Optimierung
der medikamentösen Therapie in den
Krankheitsprozess einzugreifen. Dadurch können
Herzinfarkt, Herzschwäche und andere
schwere Folgeschäden verhindert werden.
WIE LÄUFT EINE HERZ-CT AB?
Die CT in der Praxis für Moderne Schnittbilddiagnostik
nutzt neueste Technologie mit
niedriger Dosis. Um die Herzkranzgefäße
optimal darstellen zu können, werden während
der etwa zehnminütigen Untersuchung
ein jodhaltiges Kontrastmittel sowie ein Betablocker
und Nitrospray bei erhöhter Herzfrequenz
verabreicht. Der Herzschlag wird
durch ein EKG überwacht, damit das schlagende
Herz in der Herzruhephase abgebildet
werden kann. Die hier entstehenden Bilder
werden dreidimensional nachbearbeitet und
ausgewertet, sodass die Gefäße optimal
visualisiert werden können. Auch
wenn Patienten bereits einen
Herzschrittmacher, einen
implantierten Defibrillator
oder künstliche Herzklappen
haben, kann die
ntersuchung durchgeführt
werden. Ebenso wenig
stören vorhandene Stents
oder Bypässe.
MRT ERMÖGLICHT DEN BLICK AUF DAS
SCHLAGENDE HERZ
Die MRT des Herzens ist ebenso wie die CT
ein unverzichtbarer Pfeiler der nicht-invasiven
Herzdiagnostik. Die Stärke der MRT liegt in
der Sichtbarmachung von Auffälligkeiten des
Herzmuskels. So können Narben nach einem
Herzinfarkt dargestellt oder auch Herzmuskelentzündungen
und andere strukturelle
Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathien)
diagnostiziert werden. Die Kernspintomographie
kommt ohne Röntgenstrahlung
aus, das venös verabreichte Kontrastmittel ist
gadoliniumhaltig.
Das Herz wird dreidimensional
in sämtlichen Phasen
der Herzaktion dargestellt,
sodass der Eindruck eines
schlagenden Herzens
entsteht. Auf
diese Weise können
auch funktionelle Einschränkungen,
also
eine Verminderung
der Schlagfähigkeit
des Herzens oder
Undichtigkeiten von
Herzklappen genau
beurteilt werden. Die Kernspintomographie
beruht auf
elektromagnetischen
Strahlen, so dass Untersuchungen
bei
Patienten mit
Dr. med. Katharina Kersting: „Die CT-Angiographie des Herzens
ermöglicht ein frühes Erkennen von Gefäßveränderungen bei
minimaler Belastung für die Patienten.“
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WARNZEICHEN UND RISIKEN DER ANGINA PECTORIS
Der häufigste Grund für die Durchführung einer Herz-CT ist die sogenannte
Angina pectoris. Sie beschreibt den Brustschmerz, der für die Sauerstoffunterversorgung
des Herzmuskels typisch ist. Da die Symptome einer
Koronaren Herzkrankheit aber nicht immer gleichförmig sind, können
auch Luftnot oder etwas untypische Beschwerden die Durchführung einer
Herz-CT sinnvoll machen. Risikofaktoren für eine KHK sind hoher Blutdruck,
hohe Cholesterinwerte, Rauchen, Diabetes und eine positive familiäre
Vorgeschichte. Wird eine hochgradige Enge eines Herzkrankgefäßes
festgestellt, kann eine Herzkatheteruntersuchung folgen, um das verengte
Gefäß zu eröffnen und den Blutfluss wieder herzustellen. Hier ist die Zusammenarbeit
zwischen Radiologie und Kardiologie essenziell.
PROFIL
Herzinfarktnarbe in der MRT.
3D Darstellung der Herzkranzgefäße in der Herz-CT.
Verlauf der drei
Koronararterien in einer
Ebene.
Minderdurchblutung der Herzscheidewand in der
Stress-MRT.
Implantaten wie beispielsweise Herzschrittmachern,
mechanischen Herzklappen oder
Cochleaimplantaten nicht erlaubt sind. Die
Herz-MRT dauert mit etwa 45 Minuten deutlich
länger als ein Herz-CT.
DIE STRESS-MRT ERLAUBT DIE SICHERUNG
EINER MINDERDURCHBLUTUNG
Wenn in der Herz-CT eine deutliche Engstelle
diagnostiziert wurde, müssen weitere Untersuchungen
folgen. Es ist wichtig zu testen,
ob die Engstelle den Blutfluss relevant behindert
und zu einer Minderdurchblutung
(Ischämie) führt. Hierfür stehen heutzutage
einerseits die sogenannte Stress-Herz-MRT
(Perfusions-Stress-MRT) und andererseits
die Myokardszinigraphie zur Verfügung.
Die Myokardszintigraphie ist eine nuklearmedizinische
Untersuchung und nutzt
radioaktive Substanzen zur Darstellung der
Herzdurchblutung und Vitalität. Die Stress-
MRT läuft grundsätzlich wie eine normale
Herz-MRT ab, wird aber durch einen zusätzlichen
Baustein ergänzt. Es wird ein Medikament
injiziert, dass das Herz pharmakologisch
belastet und die Blutgefäße erweitert.
Durch die medikamentöse Erweiterung der
Herzkranzgefäße wird die körperliche Betätigung
simuliert. So kann eine Minderdurchblutung
des Herzmuskels in der Folge
verengter Herzkranzgefäße dargestellt und
auf zeitlich dynamischen Schnittbildern dokumentiert
werden. Zeigen sich schlecht durchblutete
Bereiche, kann dies eine anschließende
Herzkatheteruntersuchung rechtfertigen.
Gleichwohl kann auf einen Herzkatheter
verzichtet werden, wenn die Stressuntersuchung
keine Minderdurchblutung zeigt. So
können Patienten optimal versorgt und unnötige
invasive Untersuchungen verhindert
werden.
Für die Herz-MRT steht in der Praxis für
Schnittbilddiagnostik seit Jahren ein modernes
3-Tesla-Gerät zum Einsatz bereit. Seit
Anfang 2026 ergänzt die Herz-CT das Präventionsangebot
der Diagnostikpraxis am
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Das Team aus der Praxis berät Sie gern über
weitere Details.
Praxis für moderne Schnittbilddiagnostik
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Foto: Pixabay (KI-generiert)
KI in der Praxis:
Was heute schon geht
Künstliche Intelligenz ist in aller Munde – und bei vielen Entscheidern in
der Region längst Teil des unternehmerischen Alltags. faktor stellt einige
Best-Practice-Beispiele aus Südniedersachsen und dem Umland vor.
TEXT MARKUS RIESE & MARKUS HARTWIG
58 2 | 2026
unternehmen
» Wie weit echte Vollautomatisierung am Ende wirklich
tragen kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Die ersten Bausteine sind jedenfalls klar erkennbar.«
Patrick Harms
Es gibt kaum eine Branche, in der KI-Anwendungen
heute nicht zumindest erprobt werden.
Was bei manchen als Hype verschrien ist, unterstützt
andernorts bei der Optimierung von
Prozessen, bei der Reorganisation von Betriebsabläufen
– oder schlicht bei der Steigerung der Effizienz im Unternehmen.
Künstliche Intelligenz bietet unzählige Chancen,
birgt aber hier und da auch gewisse Risiken. Wie gehen
Entscheider aus der Region damit um? Welche KI-Tools
nutzen sie bereits aktiv, woran arbeiten sie, was ist in Planung?
Wir haben uns im faktor-Gebiet umgehört, gezielt
nachgefragt – und sehr spannende Antworten erhalten.
DER UX-EXPERTE: PATRICK HARMS
Zum Beispiel von Patrick Harms, Professor für „Usability“
an der Technischen Hochschule Nürnberg und Geschäftsführer
der SimPaFee UG in Göttingen, mit der er vor einigen
Jahren eine Bar-App für das Stadtgebiet entwickelt
hat. Früher wirkte Harms auch an der Georg-August-Universität,
unter anderem am Institut für Informatik.
Inzwischen ist er unter anderem Mitglied im Arbeitskreis
„Künstliche Intelligenz“ der German User Experience
Professional Association (gUPA).
Und genau in diesem Bereich – User Experience
(kurz: UX) – sieht Harms für KI-Anwendungen großes
Potenzial: „User Experience Design setzt sich aus vielen
unterschiedlichen Methoden zusammen, die jeweils an
bestimmten Stellen im Designprozess ihren Platz haben,
und nahezu jede dieser Methoden lässt sich mittlerweile
durch KI unterstützen“, sagt Harms. Es gebe
bereits KIs, die eigenständig Interviews führen, per
Chatbot statt im persönlichen Gespräch, und die Ergebnisse
anschließend auswerten. Auch beim Generieren
von Nutzerschnittstellen passiere vieles inzwischen
auto matisch. „Wie weit echte Vollautomatisierung am
Ende wirklich tragen kann, wird sich in den kommenden
Jahren zeigen. Die ersten Bausteine sind jedenfalls
klar erkennbar“, sagt Harms.
Dass UX-relevante Experten wie Designer, Entwickler,
Produktmanager oder Marketingspezialisten demnächst
arbeitslos werden, sieht Harms nicht: „Auf
keinen Fall. Diese Berufe werden sich verändern, sicher
auch verschieben und sie werden effizienter ausgeführt
werden. Aber kein einziger dieser Berufszweige wird
komplett verschwinden.“
Der KI-Experte ist übrigens nicht nur Fan, sondern
auch Kritiker der neuen Möglichkeiten: „Das Kernproblem
ist die Validität der Ergebnisse und die Tatsache,
dass viele sich darüber gar keine Gedanken machen, weil
sie nicht tief genug im Thema stecken“, findet er. „Heute
wissen wir noch nicht genau, wie generative KI eingesetzt,
also wie sie konkret geprompted werden muss, damit zum
Beispiel Interviewauswertungen tatsächlich belastbar
werden. Und selbst wenn wir das im Griff hätten, bleibt
die Folgefrage offen: Wie überprüfen wir automatisiert,
ob ein KI-generiertes Ergebnis wirklich gut ist?“
Dazu komme ein altes Missverständnis: UX werde
häufig mit „etwas hübsch machen“ verwechselt. In
Wirklichkeit gehe es aber um viel mehr – etwa um das
gewählte Wording, die richtigen Elemente an der richtigen
Stelle oder um die Struktur eines Ablaufs. „Wenn
jemand mit einer KI eine Oberfläche generiert, die einigermaßen
schick aussieht, glaubt er schnell, das Ziel sei
erreicht. Ist es aber nicht“, betont Harms. ▸
2 |2026 59
unternehmen
Ein Vergleich aus dem Handwerk verdeutliche dies:
Wenn ein Elektriker sagt, dass eine bestimmte Verkabelung
das Haus in Brand setzen wird, glaube man das
sofort. Wenn UX-Fachleute auf Probleme hinweisen,
glauben Außenstehende ihnen laut Harms oft nicht –
weil viele Menschen meinen, sie hätten ein gutes Bauchgefühl
für gute UX. „Genau das ist der Punkt: Würde
eine KI die Stromleitungen verlegen, wären wir alle
skeptisch. Wenn eine KI dagegen eine Nutzerschnittstelle
generiert, die schick aussieht, gehen wir wie selbstverständlich
davon aus, dass auch die UX dahinter
stimmt. Dieses Missverständnis nach außen aufzulösen,
halte ich für unsere größte Herausforderung.“
Kritisch wird Harms also vor allem dann, wenn Menschen
die Ergebnisse einer KI nicht mehr
fundiert bewerten können. „Und
richtig heikel wird es, wenn KI
für Aufgaben eingesetzt wird,
von denen die Person eigentlich
keine Ahnung hat – also
genau dort, wo das fachliche
Urteilsvermögen fehlt.“
DER HANDWERKER:
ROCCO FUNKE
Fachliches Urteilsvermögen
kann Rocco Funke
in jedem
Fall vorweisen. Als der Diplom-Ingenieur 2021 die
Vier-Tage-Woche in seinem Unternehmen einführte, war
das zunächst keine Digitaloffensive. Der Geschäftsführer
des Eichsfelder Leckortung- und Bautrocknungs-
Service (ELBS) in Hundeshagen nahe Worbis suchte
nach einem anderen Arbeitsmodell – effizienter, planbarer
und familienfreundlicher. Nach den Corona-
Jahren wollte er Abläufe neu ordnen und zugleich mehr
Zeit für seine Familie gewinnen. „Wie es sich heute
darstellt, war es nicht geplant“, sagt der 54-Jährige
rück blickend. Heute sieht er die Entscheidung als wichtigen
Wendepunkt für den Betrieb.
Schnell wurde klar: Ein Arbeitstag weniger funktio -
niert nicht durch mehr Tempo an den verbleibenden
Tagen. „Einen Tag einfach zu streichen, ist nicht die
Lösung“, sagt Funke. Stattdessen begann ELBS damit,
Prozesse grundlegend zu überarbeiten und stärker zu
digitalisieren. Künstliche Intelligenz spielt dabei inzwischen
eine zentrale Rolle.
Ein erster Schritt war die Neugestaltung der Webseite
samt neuem Kontaktformular. Dahinter arbeitet heute
ein KI-gestütztes System, das Kundenanfragen automatisiert
verarbeitet. Wer online seine Angaben eingibt, erhält
auf Basis dieser Daten direkt ein individuell erstelltes
Projektangebot. Für Kunden verkürzt sich damit die
Zeit zwischen Anfrage und Entscheidung deutlich.
Der Einsatz der Technologie beschränkt sich bei
ELBS nicht nur auf die Kommunikation mit Kunden.
Im Unternehmen entstehen derzeit weitere digitale
Module, die Verwaltungs- und Organisationsaufgaben
vereinfachen sollen. Dazu gehören Anwendungen für
die E-Mail-Ablage oder Buchungsvorgänge ebenso
wie ein KI-Assistent für die Einsatzplanung.
Künftig sollen Mitarbeiter direkt vor Ort per
Tablet zusätzliche Handwerker anfordern und
ihre Projekte realisieren können. Die KI erstellt
dafür auf Grundlage des jeweiligen
Einsatzortes und der benötigten Leistungen
passende Vorschläge. Für Funke
ist genau das der entscheidende
Punkt: Der Einsatz von KI soll
den Arbeitsalltag vereinfachen,
nicht Personal ersetzen. Die
digitale Unterstützung schaffe
Freiräume, reduziere ▸
FOTO: PRIVAT
UX-Experte Patrick Harms ist gleichermaßen KI-Fan
wie KI-Kritiker – er sieht viele Chancen, aber auch einige
Gefahren bei der Nutzung Künstlicher Intelligenz.
60 2 | 2026
wissen
unternehmen
FOTO: MARKUS HARTWIG
Trotz Implementierung digitaler (KI-)Prozesse vertraut Unternehmer Rocco Funke an manchen Stellen doch lieber noch analoger Ordnung.
den Abstimmungsaufwand und beschleunige viele
Routineprozesse.
Die technischen Veränderungen wirken sich inzwischen
direkt auf die Organisation des Unternehmens
aus. ELBS arbeitet heute in einer „echten“ Vier- Tage-
Woche – ohne regelmäßige Nachtschichten oder Sonntagsarbeit.
Möglich werde das vor allem durch klarere
Prozesse und einen höheren Grad an Eigenverantwortung
im Team.
Trotz aller Automatisierung bleibt aber auch Funke
beim Thema KI pragmatisch. Die Technik könne vieles
erleichtern und ökonomischer machen, sagt er. „Blind
überlassen sollte man ihr aber nicht alles.“ Für ELBS ist
Künstliche Intelligenz deshalb vor allem ein Werkzeug,
um Arbeitsabläufe sinnvoll zu unterstützen.
DER INDUSTRIEBETRIEB:
BORNEMANN GEWINDETECHNIK
Arbeitsabläufe sinnvoll unterstützen – das ist auch ein
wesentlicher Antrieb von Moritz von Soden, Geschäftsführer
des Gewindeherstellers Bornemann Gewindetechnik
aus Delligsen im Landkreis Holzminden, 20 Kilometer
nördlich von Einbeck. „Anfangs ging es vor allem
darum, KI als Werkzeug im Büroalltag zu verstehen:
Texte strukturieren, E-Mails vorbereiten, Recherchen
beschleunigen, Ideen sortieren. Das waren die naheliegenden
ersten Anwendungen, wie wahrscheinlich in
vielen anderen Unternehmen auch“, sagt von Soden.
Später habe man sich die Frage gestellt, ob KI nicht auch
ganze Prozessschritte entlasten könne – etwa bei der
Vorqualifizierung von Anfragen oder im Umgang mit internationalen
Website-Besuchern. Daraus seien dann die
ersten KI-Agenten entstanden, die zum Beispiel Besucher
der Bornemann-Internetseite tracken, in ihren Unternehmen
nach zuständigen Einkäufern suchen und diesen
dann automatisch Mails mit Informationen zusenden.
„Wir haben nicht von heute auf morgen ein fertiges
System eingeführt. Es war und ist ein schrittweiser Lernprozess.
Wir testen, verbessern, verwerfen Dinge auch
wieder und schauen sehr genau, wo KI wirklich Nutzen
stiftet und wo der Mensch klar überlegen bleibt“, differenziert
von Soden. „Gerade der Mittelstand muss aus
62 2 | 2026
unternehmen
» Gerade der Mittelstand muss aus meiner Sicht
stärker lernen, Dinge pragmatisch auszuprobieren,
ohne Angst vor dem Scheitern zu haben.«
Moritz von Soden
meiner Sicht stärker lernen, Dinge pragmatisch auszuprobieren,
ohne Angst vor dem Scheitern zu haben.“
Die klassische Akquise habe sich bei Bornemann inzwischen
deutlich verändert, berichtet von Soden: „Früher
war Kaltakquise häufig ein relativ grober Prozess:
Man identifiziert potenzielle Unternehmen, ruft an oder
schreibt eine E-Mail und hofft, dass das Thema dort gerade
relevant ist.“ Mit KI und Website-Signalen werde
dieser Ansatz gezielter. Wenn mehrere Mitarbeiter eines
Unternehmens die Website mehrfach besuchen und längere
Zeit auf bestimmten Produktseiten verweilen,
sei das zunächst mal ein Hinweis auf mögliches Interesse:
„Daraus wird noch kein Auftrag, aber es ist ein besserer
Anknüpfungspunkt als ein völlig kalter Kontakt.“
Der KI-Agent helfe heute dabei, schneller zu recherchieren:
Wer könnte in dem Unternehmen relevant sein
– im Einkauf, in der Entwicklung oder in der Konstruktion?
Welche Themen könnten für diesen Kontakt
interessant sein? Auf dieser Basis könne anschließend
eine deutlich gezieltere Ansprache erfolgen. „Der große
Vorteil liegt weniger darin, dass plötzlich jeder Kontakt
erfolgreich ist. Der Vorteil liegt darin, dass wir unsere
begrenzte Vertriebszeit auf die interessanteren Kontakte
konzentrieren können“, erläutert der Geschäftsführer.
Wenn auf die automatisch generierte Mail keine Antwort
eingeht, kommt bei Bornemann eine Telefon-KI
namens „Anna“ ins Spiel: „Anna ist bei uns als nächster
Schritt entstanden, weil wir gemerkt haben: Gerade international
gibt es viele Situationen, in denen ein Erstkontakt
sinnvoll wäre, aber intern fehlen dafür Zeit,
Sprachkompetenz oder schlicht die Kapazität.“ Anna
soll bei Bornemann nicht verkaufen und auch keinen
Menschen ersetzen. Sie soll transparent als KI auftreten,
kurz erklären, warum sie anruft, Interesse abfragen und
bei Bedarf einen Kontakt zu einem menschlichen Ansprechpartner
herstellen. „Das ist für mich ein wichtiger
ethischer Punkt: Der Kunde muss wissen, dass er mit
einer KI spricht“, betont von Soden.
Technisch basiert Anna auf einem modernen Sprach-
KI-System der Firma TDM, kombiniert mit Telefonieund
Weiterleitungslogik, Webseitentracking und zum
Teil auch mit Online-Marketing-Tools wie automatisierten
Mailings. Entscheidend ist dabei weniger ein einzelnes
Modell, sondern die Prozesslogik dahinter: Wann
darf angerufen werden? In welcher Sprache? Wird die
deutsche Uhrzeit berücksichtigt? An wen wird weitergeleitet?
Und wann wird bewusst nicht weitergeleitet?
„Wir haben Anna bewusst so gestaltet, dass sie sehr
menschlich wirkt. Sie antwortet nicht steril oder mechanisch,
sondern mit kleinen Pausen, manchmal mit einem
leichten Zögern oder Stottern, einem ,mmh‘, wenn sie
scheinbar nachdenkt. Man hört auch Atemgeräusche,
und sie kann in passenden Momenten sogar lachen“,
beschreibt der Chef. Das wirke beim ersten Kontakt
durchaus etwas ungewohnt, vielleicht sogar ein wenig
unheimlich – weil man merkt, wie nah diese Technologie
inzwischen an natürlicher Kommunikation ist. „Gleichzeitig
erleichtert genau das die Kommunikation enorm.
Denn niemand möchte mit einer KI sprechen, die wie ein
starrer Roboter klingt“, findet von Soden.
Bei Bornemann schauen sie auch sehr genau auf konkrete
Reaktionen: Wird das Gespräch akzeptiert? Wird
weitergeleitet? Gibt es Irritationen? Gibt es Rückmeldungen
aus dem Vertrieb? Fühlt sich das alles für den Kunden
hilfreich an – oder vielleicht doch eher aufdringlich?
Was Anna konkret kann, ist durchaus bemerkenswert:
Sie kann Gespräche in verschiedenen Sprachen führen,
Anliegen vorqualifizieren, Termine in Outlook buchen,
Rückrufbitten aufnehmen und bei Bedarf an einen passenden
menschlichen Ansprechpartner im Unternehmen
weiterleiten. „Sie ist inzwischen deutlich mehr als nur
eine Art digitale Telefonzentrale. Anna kann erklären,
was Bornemann macht, welche Arten von Gewindespindeln
wir herstellen und für welche Anwendungen
unsere Produkte typischerweise eingesetzt werden. Sie
kann auch erkennen, ob jemand aus dem Einkauf, der
Konstruktion, der Entwicklung oder der Instandhaltung
kommt und das Gespräch entsprechend einordnen“, erläutert
von Soden.
Darüber hinaus könne Anna bereits leichte technische
Beratungen übernehmen. Sie beantworte Fragen zu technischen
Details, Werkstoffen, Schmierstoffen, Toleranzen
oder grundsätzlichen Auslegungsfragen – „natürlich
immer innerhalb der Informationen und Regeln, die wir
ihr vorgeben“, betont der Geschäftsführer. In vielen Fällen
könne sie damit schon sehr viel Vorarbeit leisten: ▸
2 |2026 63
unternehmen
technische Anforderungen abfragen, Rückfragen stellen,
Informationen strukturieren und dem Kunden eine erste
Orientierung geben.
Trotzdem gibt es für von Soden klare Grenzen: „Wirklich
detaillierte technische Bewertungen, verbindliche
Auslegungen oder Fragen zu sicherheitskritischen Anwendungen
bleiben selbstverständlich bei unseren Fachleuten.“
Zudem soll Anna außerhalb der Geschäfts zeiten
keine Gespräche weiterleiten, keine Preise verhandeln,
keine verbindlichen technischen Zusagen machen, keine
Liefertermine versprechen und keine rechtlich bindenden
Aussagen treffen. Dafür brauche es auch bei Bornemann
weiterhin qualifizierte Fachleute.
Und die müssen sich deshalb auch keine Sorgen um
ihren Arbeitsplatz machen. Jona Post ist bei Bornemann
zum Beispiel im Marketing tätig, kümmert sich aber auch
um die Umsetzung KI-gestützter Automationen und Prozessoptimierungen.
Sie sagt: „Für uns ist KI kein Ersatz für
Verantwortung oder eigene Ideen, sondern ein Werkzeug,
das unterstützen kann. Die eigentliche Aufgabe besteht darin,
sinnvoll zu entscheiden, wo Automatisierung hilft und
wo der Mensch bewusst die Führung behalten muss.“
Auch sie ist überzeugt, dass KI-gestützte Automatisierungen
Kapazitäten freisetzen, die an anderer Stelle besser
genutzt werden können: „Weniger operative Fleißarbeit
bedeutet mehr Raum für Strategie und Planung,
aber auch für aktiveren und direkteren Kundenkontakt.
Das ist aus meiner Sicht besonders wichtig, weil genau
dort menschliche Einschätzung, Kommunikation und
Verantwortung weiterhin eine zentrale Rolle spielen.“
DIE STADTWERKE:
VERSORGUNGSBETRIEBE HANN. MÜNDEN
Sehr gute Erfahrungen mit einer Telefon-KI machen derzeit
auch die Versorgungsbetriebe Hann. Münden (VHM),
die sich mit der dort ansässigen Agentur Sorum professionelle
Hilfe an Bord geholt haben, um den Kundenservice
für die Zukunft fit zu machen.
Die Problemstellung war schnell umrissen: Telefonieren
reißt Mitarbeiter aus dem Fokus, bindet Ressourcen
für Routinefragen – und sorgt schlimmstenfalls für Frust
auf beiden Seiten, wenn Anrufer in der Warteschleife quasi
„verhungern“. Gemeinsam mit den VHM haben die
Spezialisten von Sorum eine Telefon-KI namens „Luna“
Webseiten-Tracking, automatisch generierte Mails und intelligente Telefon-KI:
Moritz von Soden setzt beim Gewindehersteller Bornemann konsequent auf moderne Technologien.
FOTO: BORNEMANN GEWINDETECHNIK
64 2 | 2026
unternehmen
entwickelt. Der Anspruch war, keinen statischen Anrufbeantworter
einzuführen, bei dem man „die 1 drückt“,
sondern einen intelligenten Voice-Agenten, der Dialoge
versteht und auch selbstständig führen kann.
„Wir haben Luna darauf trainiert, Routineaufgaben
komplett eigenständig zu übernehmen. Sie nimmt
Zähler stände entgegen, hilft bei Umzugsmeldungen oder
passt Abschläge an“, erklärt Micha Müller-Zitzke,
Geschäftsführer bei Sorum. Und sie tut das, während das
menschliche Team Feierabend macht, im Meeting sitzt
oder sich um komplexere Kundenanliegen kümmert.
Der Plan scheint aufzugehen – wie auch Marc Pfütz
bestätigt, Geschäftsführer der VHM: „Wir gewinnen
Zeit für persönliche Gespräche, wenn individuelle Anliegen
im Mittelpunkt stehen, und wir entlasten unser
Team.“
Ein weiterer Vorteil, der auf der Hand liegt: Luna ist
an 365 Tagen im Jahr erreichbar, rund um die Uhr, ohne
Warteschleife oder komplizierte Bandansagen. Besonders
dann, wenn zur Jahresabrechnung hunderte Anrufe
gleichzeitig eingehen, macht sich das für einen Versorgungsbetrieb
sehr schnell bezahlt.
Im Übrigen spricht Luna mehr als 30 Sprachen – von
Englisch über Ukrainisch bis Arabisch. „Damit erreichen
wir Menschen, die sich am Telefon sonst oft nicht trauen,
ihr Anliegen zu schildern“, sagt Müller-Zitzke. Luna
sei im Übrigen so gebaut worden, dass die Gespräche auf
Hochsicherheitsservern in Deutschland laufen: „Es werden
keine Audioaufnahmen dauerhaft gespeichert, sondern
nur die relevanten Daten strukturiert übergeben.“
Damit sei Luna auch datenschutzkonform – ein Thema,
das im Zusammenhang mit KI-Tools heute gerade auch
durch den EU AI Act und die sich daraus ergebenden
Pflichten immer mehr Relevanz bekommt.
DER KONZERN: SARTORIUS
Auch beim global agierenden Life-Science-Unternehmen
Sartorius spielt Künstliche Intelligenz heute natürlich
längst eine entscheidende Rolle. Konzernweit hat das
Unternehmen mittlerweile mehr als 100 KI-Applikationen
implementiert und arbeitet in großen Schritten an
immer größeren Anwendungsbeispielen und Prozessabläufen
– bis hin zu autonomen Lieferketten und KI-
Engineering. Das Ziel dahinter: Mehr Automatisierung ▸
Seltsam:
Was auch immer wir bauen,
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2 |2026 65
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soll Kosten senken und Margen steigern, aber auch die
Qualität und das Kundenerlebnis verbessern.
Das geschieht etwa durch einen jetzt schon funktionierenden
24/7-KI-Kundenservice, der derzeit in den USA
erprobt wird, die automatisierte Bearbeitung von
Kunden- Mails oder digitalisierte Arbeitspläne im Fertigungsleitsystem.
Mehr als 60 spezialisierte KI-Agenten
sind inzwischen bei Sartorius im Einsatz. Und die sind –
fast selbstverständlich – miteinander vernetzt. Torsten
Müller, der bei Sartorius die Bereiche IT & Process und
Operations verantwortet, beschreibt, wie das in der Praxis
aussehen kann: „Angenommen, es kommt eine Order
von einem Kunden rein. Der erste Agent prüft, wie wichtig
diese Order im Vergleich zu anderen ist. Der zweite
Agent schaut sich an, ob alle benötigten Materialien auf
Lager sind. Der dritte Agent checkt die Produktionskapazität.
Und alle arbeiten als Team zusammen und
kommunizieren miteinander.“ Schließlich werde dem
Kunden ein exaktes Lieferdatum mitgeteilt, auf das er
sich verlassen kann. Und das komme natürlich gut an.
Für Müller geht es letztlich auch darum, durch den Einsatz
von KI ganze Prozesse regelrecht zu revolutionieren.
Dabei spielt auch die sogenannte physical AI eine wichtige
Rolle: Maschinen können und sollen Menschen unterstützen
und wiederkehrende Aufgaben übernehmen. Die Mitarbeiter
können sich dadurch anderen Aufgaben widmen.
Noch sichtbarer wird dieser Fortschritt bei den Produkten
von Sartorius, die – so CTO Oscar-Werner Reif
– das Potenzial haben, ganze Prozesse grundlegend zu
verändern. Mit seinem Portfolio unterstützt das Unternehmen
Kunden von der Wirkstoffforschung bis zur
Produktion von Biopharmaka. „Bei unseren Biopharma-
Kunden hat KI das Potenzial, insbesondere die Entwicklung,
aber auch die Herstellung neuer Therapien massiv
zu verkürzen – so können diese schneller und kostengünstiger
zum Patienten kommen“, sagt Reif.
Ein Beispiel dafür seien die Incucyte-Systeme, die in der
Wirkstoffentwicklung zum Einsatz kommen: „Mit dem
Incucyte untersuchen Forscher lebende Zellen über einen
längeren Zeitraum hinweg, beispielsweise über zwei Wochen.
Vereinfacht gesagt: Es gibt hier in Echtzeit laufend
Bilder über ganz viele Proben hinweg. Die Datenmenge ist
enorm.“ Früher hätten Forscher die Zellen einmal am
Anfang angesehen – und dann wieder am Ende der Untersuchung.
Was zwischendurch mit den Zellen passiert war,
blieb unklar. „Mit den KI-Algorithmen, die wir entwickelt
haben, ist es jetzt möglich, sich jede Aufnahme in Echtzeit
anzuschauen und auf Änderungen zu überprüfen. Das
heißt, man bekommt plötzlich eine ganz andere Aussage
in diesen Systemen“, betont Reif.
» Künstliche Intelligenz transformiert
die gesamte Biopharmabranche und
beschleunigt unser Kerngeschäft.«
Damit werde ein bislang punktueller Blick auf Zellprozesse
zu einem kontinuierlichen Verständnis – und
Forschungsprozesse werden nicht nur transparenter,
sondern auch deutlich effizienter. Dazu komme noch,
dass KI die gesamte Dokumentation und Auswertung
übernehmen kann – eine Arbeit, in die Forscher früher
bis zu 70 Prozent ihrer Zeit investiert hätten.
Und Reif beschreibt ein weiteres Beispiel aus dem
Sartorius-Portfolio – „Pionic“ genannt und als „Plattform
der Zukunft“ beschrieben: eine Plattform, die in
der Herstellung von Biopharmaka den Übergang zu
kontinuierlichen Produktionsprozessen ermöglicht. „Sie
müssen sich das ein bisschen wie Brötchenbacken vorstellen.
Sie haben eine Rezeptur und bestimmte Parameter
wie die Temperatur oder die Lage der Brötchen im
Ofen. Wenn Sie alles einhalten, wird das Brötchen immer
halbwegs braun, nicht zu dunkel und nicht zu hell. Sie
wissen aber nicht: Ist das wirklich das optimale Brötchen?
Denn das hängt von weiteren Faktoren ab, etwa
von der Qualität des Mehls. Mit KI bewegen wir uns
nun weg von der reinen Rezeptursteuerung zu einer
dynamischen Steuerung.“ Dabei werde ein Modell auf
alle möglichen Messparameter hin trainiert – und darf
diese im Rahmen der Vorgaben selbstständig verändern,
also dynamisch steuern. „Keiner der Prozessexperten
muss hier mehr eingreifen“, erklärt Reif.
Im Prinzip wird der KI also an einem bestimmten
Punkt beigebracht: Vergiss jetzt die starre Rezeptur,
übernimm die Steuerung. In verschiedenen Anwendungs-
und Testumgebungen bei Sartorius hat genau
diese dynamische KI-Steuerung von Prozessen bereits zu
Produktivitätssteigerungen von 75 Prozent geführt.
Und so verwundert es nicht, dass auch Sartorius KI als
Motor für Wachstum, Effizienz und Wettbewerbsvorteile
betrachtet. Reif fasst das so zusammen: „Künstliche
Intelligenz transformiert die gesamte Biopharmabranche
und beschleunigt unser Kern geschäft.“ ƒ
Oscar-Werner Reif
66 2 | 2026
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PROFIL
FOTO: RE/MAX
Das RE/MAX-Team bereitet sich auf seine kommenden Aufgaben vor (von links): Ass. iur. Christian Simon, Patrik Beckmann, Jens Hochhaus, Melanie Hartmann.
Neueröffnung RE/MAX-Immobilienberatung
Mit internationalem Netzwerk und
lokalem Fokus hat RE/MAX am
21. Mai ein Büro in Göttingen eröffnet.
An der Oberen Karspüle 22 herrscht wieder
viel Betrieb – dort hat in den Räumen
der ehemaligen Gauß-Apotheke
mit RE/MAX ein neues Maklerbüro seinen
Sitz bezogen. Gleichzeitig ist mit RE/MAX eines
der weltweit größten Immobiliennetzwerke
nach Göttingen gekommen, das internationale
Strukturen mit lokaler Marktkenntnis
verbindet – und auf Ausbildung, Teamarbeit
und persönliche Beratung setzt.
EIN NEUER STANDORT IM NETZWERK
Mit der Eröffnung des Büros an der Oberen
Karspüle 22 ist das international tätige Unternehmen
nun auch in Göttingen vertreten. RE/
MAX, 1973 in Denver/Colorado gegründet, gehört
heute zu den größten Maklernetzwerken
weltweit. In Deutschland ist das Unternehmen
seit 30 Jahren aktiv und betreibt derzeit
147 Standorte.
„Im Radius von etwa 100 Kilometern gab es
bislang kein RE/MAX-Büro“, sagt Geschäftsführer
Jens Hochhaus. Mit dem neuen Standort
wolle man diese Lücke schließen und den
regionalen Markt erschließen. Dass dies ausgerechnet
in den Räumen der ehemaligen
Gauß-Apotheke geschieht, verleiht dem Neustart
einen Bezug zur Stadtgeschichte – und
setzt zugleich ein sichtbares Zeichen für Veränderung
in der Göttinger Innenstadt.
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„Unsere Kunden profitieren nicht nur
von einem Ansprechpartner, sondern vom
gesamten Netzwerk.“
STRUKTUR
UND AUSBILDUNG IM FOKUS
RE/MAX arbeitet als Franchise-System. Die
Struktur ermöglicht es selbstständigen
Maklern, unter einer gemeinsamen Marke zu
agieren und zugleich auf zentrale Ressourcen
zurückzugreifen. Dazu zählen Schulungsangebote,
technische Infrastruktur und ein
weit verzweigtes Netzwerk. „Ein wesentlicher
Bestandteil ist die Ausbildung“, sagt Büroleiter
Patrik Beckmann. Ziel sei es, qualifizierte
Makler aufzubauen und langfristig im Unternehmen
zu halten.
Im Göttinger Büro sind derzeit drei ausgebildete
Makler tätig, drei weitere befinden
sich in der Ausbildung. Beckmann verantwortet
den Aufbau und die Entwicklung des
Teams. Eine zentrale Rolle spielt dabei das
sogenannte Onboarding – ein strukturierter
Einarbeitungsprozess über 100 Tage. In dieser
Zeit werden neue Mitarbeiter systematisch
an alle Abläufe herangeführt. „Jeder Tag
ist klar strukturiert, ohne dass wir permanent
eingreifen“, so Beckmann. Der Ansatz soll
Sicherheit geben und gleichzeitig eigenständiges
Arbeiten fördern.
LOKALE MARKTKENNTNIS
ALS GRUNDLAGE
Neben der Ausbildung steht die Kenntnis des
lokalen Marktes im Mittelpunkt. Makler sollen
sich in ihrem jeweiligen Gebiet gut auskennen
– von infrastrukturellen Fragen bis hin zu konkreten
Standortfaktoren. Dazu gehören etwa
Informationen über Schulen, Kindergärten,
geplante Bauvorhaben oder Besonderheiten
einzelner Wohnlagen. Dieses Wissen fließt in
die Beratung ein und bildet eine Grundlage für
die Vermittlung von Immobilien.
Das Leistungsspektrum umfasst die Betreuung
von Verkäufern ebenso wie die von
Jens Hochhaus, Geschäftsführer
Käufern. Nach der Aufnahme eines Objekts
erfolgt zunächst eine Bewertung auf Basis
einer Vor-Ort-Besichtigung. Daraus wird ein
realistischer Marktpreis abgeleitet, mit dem
die Immobilie angeboten werden kann. Die
Präsentation erfolgt über verschiedene Kanäle
– darunter die eigene Website, Aushänge
im Büro sowie gängige Online-Plattformen.
VERMARKTUNG
UND KOMMUNIKATION
Darüber hinaus bietet das Büro ergänzende
Leistungen an, etwa im Bereich der Immobilienpräsentation
und Vermarktungsstrategie.
Dazu zählen beispielsweise professionelle Fotoaufnahmen,
Luftbilder oder virtuelle Rundgänge.
Auch klassische Maßnahmen wie die
gezielte Ansprache von Interessenten oder die
Information von Nachbarn gehören zum Portfolio.
Während der Vermarktungsphase werden
Kunden regelmäßig über den aktuellen Stand
informiert.
Ein zentrales Element des Konzepts ist die
Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerks.
So können Makler standortübergreifend agieren
und Kunden auch bei überregionalen oder
internationalen Vorhaben unterstützen. Ein
Wohnortwechsel beispielsweise lässt sich auf
diese Weise koordinieren, indem verschiedene
Büros zusammenarbeiten und ihre jeweilige
Marktkenntnis einbringen.
ZUSAMMENARBEIT IM NETZWERK
Für Geschäftsführer Jens Hochhaus liegt
darin ein wesentlicher Vorteil: „Unsere Kunden
profitieren nicht nur von einem Ansprechpartner,
sondern vom gesamten Netzwerk.“
Gleichzeitig bleibt die Arbeit vor Ort eng mit
dem lokalen Markt verbunden. Mit dem neuen
Büro in Göttingen beginnt dieser Ansatz
nun auch in der Region. Markus Hartwig
JENS HOCHHAUS:
Er kennt Göttingen aus
verschiedenen Perspektiven.
Nach seiner Ausbildung bei der Sparkasse
und vier Jahren als Zeitsoldat machte sich der
heute 53-Jährige in der Systemgastronomie
selbstständig und betrieb mehrere Standorte
in der Region. Parallel sammelte er Erfahrungen
als Immobilienmakler. Ein längerer Aufenthalt
in München folgte – dann die Rückkehr.
„Ich bin hier verwurzelt“, sagt Hochhaus. Mit
dem neuen Büro beginnt für ihn mit der Geschäftsführung
bei RE/MAX nun ein weiteres
Kapitel in Göttingen.
PATRIK BECKMANN:
Sein beruflicher Weg führt
durch mehrere Branchen:
Nach Ausbildungen bei der Sparkasse und
im Hotelgewerbe übernahm er früh Verantwortung,
unter anderem als selbstständiger
Vermögensberater, als Leiter der Immobilienabteilung
der Sparkasse Göttingen und als
Leiter des Privatkundengeschäfts der Raiffeisenbank
Baunatal. Seit drei Jahrzehnten mit
Jens Hochhaus befreundet, entstand für den
61-Jährigen aus der gemeinsamen Idee ein
neues Projekt: die Leitung des Maklerbüros
an der Oberen Karspüle / Ecke Theaterstraße.
RE/MAX
Ihre Immobilienberatung JHC GmbH
Geschäftsführung: Jens Hochhaus
Obere Karspüle 22
37073 Göttingen
Tel. +49 551 999 55 99 1
immobilienberatung-goettingen@remax.de
www.remax-göttingen.de
PROFIL
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PROFIL
KWS sät Zukunft – und das seit 170 Jahren
2026 erreicht das Einbecker Unternehmen KWS einen besonderen Meilenstein: 170 Jahre Pflanzenzüchtung, unternehmerische
Unabhängigkeit und enge Zusammenarbeit mit Landwirten weltweit. Ein Blick zurück – und nach vorn.
Was 1856 begann, als Matthias Christian
Rabbethge mit einer kleinen
Zuckerfabrik in Klein Wanzleben
den Grundstein legte, entwickelte sich
Schritt für Schritt zu einem Unternehmen,
das sich ganz der innovativen Pflanzenzüchtung
verschrieben hat. Bereits 1885 hatte die
Saatgutproduktion die Zuckerherstellung als
Kerngeschäft abgelöst und damit die Basis
für die heutige KWS geschaffen – die fundiertes,
landwirtschaftliches Fachwissen, Innovationskraft
und eine tief verwurzelte Leidenschaft
für Pflanzen vereint.
Ein bedeutender Wendepunkt folgte nach
dem Zweiten Weltkrieg: KWS musste den historischen
Standort in Klein Wanzleben verlassen
und nach Einbeck verlegen – dort befindet sich
bis heute der Hauptsitz. Trotz aller Herausforderungen
baute das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit
wieder auf und entwickelte die
Züchtungsprogramme konsequent weiter.
Von Anfang an erweiterte KWS kontinuierlich
das Kulturartenportfolio und erschloss
neue Regionen. Neben der Zuckerrübe kamen
weitere Kulturarten wie Getreide, Mais
und Gemüse hinzu. So entstand nach und
nach ein vielfältiges und widerstandsfähiges
Angebot für Landwirte. Auch die internationalen
Aktivitäten nahmen kontinuierlich zu
und stärkten die langfristige Ausrichtung des
Unternehmens.
Heute ist KWS in mehr als 70 Ländern aktiv,
beschäftigt etwa 5000 Mitarbeitende – allein
rund 2000 in Einbeck – und erzielt einen
Umsatz von 1,7 Milliarden Euro. Wichtig dabei:
KWS war, ist und bleibt ein Familienunternehmen,
das auch weiterhin auf Nähe, Zuverlässigkeit,
Weitblick und Stabilität setzt, aber
auch auf Unabhängigkeit. Gerade erst hat der
Aufsichtsrat der KWS SE beschlossen, den
zum Jahresende 2026 auslaufenden Vertrag
von Vorstandssprecher Dr. Felix Büchting (51)
um weitere sechs Jahre zu verlängern.
ÜBER GENERATIONEN HINWEG
Die Grundwerte halfen der KWS auch in der
jüngeren Vergangenheit dabei, den Blick auf die
langfristige Entwicklung zu richten, kontinuierlich
in Forschung zu investieren und vertrauensvolle
Beziehungen zu den Kunden aufzubauen
– etwas, das auch nach 170 Jahren nach wie vor
zentral für die Identität des Unternehmens ist.
Für Felix Büchting ist der runde Geburtstag
auch eine Verpflichtung: „Ich sehe mich als
Verwalter und Gestalter“, sagt er. „Unser Familienunternehmen
wurde mir in der siebten
Generation anvertraut – und meine Aufgabe
ist es, gut dafür zu sorgen, damit ich es später
an die achte Generation weitergeben kann.“
Diese Haltung unterstreicht die Bedeutung
von Kontinuität und nachhaltigem Fortschritt
bei KWS: Jede Generation baut auf der vorherigen
auf und bereitet zugleich den Boden für
die nächste. Im wahrsten Sinne.
DIE WELT VERÄNDERT SICH
Während die KWS das nächste Kapitel aufschlägt,
steht die Landwirtschaft weltweit
vor tiefgreifenden Veränderungen: Klimawandel,
neue Schädlinge und Krankheiten,
Marktverschiebungen und veränderte Erwartungen
der Gesellschaft. Umso wichtiger
ist ein klarer Fokus: die Entwicklung widerstandsfähiger
und ertragsstarker Sorten für
Landwirtinnen und Landwirte weltweit. „Was
uns erfolgreich macht, ist die Fähigkeit, langfristige
Planung mit der notwendigen Anpassungsfähigkeit
zu verbinden“, sagt Büchting.
„Pflanzenzüchtung ist ein langwieriger
Prozess – vom ersten Kreuzungsschritt bis
zur Marktreife vergehen oft rund zehn Jahre.“
Innovationen wie CR+-Zuckerrübensorten,
InsectPROTECT-Raps, Fortschritte bei
Silomais und Entwicklungen beim Getreide
sowie bei nachhaltigen Futtermittellösungen
zeigen, wie genetische Verbesserungen konkrete
Herausforderungen lösen können.
DER BLICK NACH VORN
Während KWS auf 170 Jahre Geschichte zurückblickt,
ist der Blick gleichzeitig klar nach
vorn gerichtet. Neue Technologien, starke
Partnerschaften und die Bereitschaft zur
Anpassung werden die Entwicklung des Unternehmens
auch künftig prägen. Mit einer
klaren Vision setzt die KWS diesen Weg fort:
Seeding the future for generations.
Der „Speicher 4“ in Kleinwanzleben (1928), daneben
die heutige Konzernzentrale in Einbeck (s.o.)
aus der Vogelperspektive.
FOTO: KWS
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FOTO: KWS
PROFIL
„Manchmal ist es gut,
einen Schritt zurückzugehen“
Im Interview: KWS-Vorstandssprecher Dr. Felix Büchting spricht über
Erfolgsfaktoren, den Umgang mit globalen Krisen, Investitionen in den
Standort Einbeck – und über Vertrauen und Verantwortung.
Dr. Felix Büchting führt das Familienunternehmen
in siebter Generation.
FOTOS: FLORIAN SPIEKER
Herr Büchting, was macht Ihnen im internationalen
KWS-Geschäft gerade besonders
Freude?
Der Ausbau unseres Gemüsegeschäfts. Wir
sind das erste Mal mit einem Standort in
Mexiko, außerdem expandieren wir weiter in
Spanien, Italien, in der Türkei und auch in Brasilien.
Es macht Spaß zu sehen, dass wir da
Neues schaffen und jetzt auch mit den ersten
Produkten auf den Markt kommen.
Inwieweit beeinflussen die globalen Krisen
unserer Zeit Ihr Handeln?
Natürlich beschäftigt uns die geopolitische
Entwicklung – ich würde sagen, in den letzten
fünf Jahren deutlich intensiver als in den
Jahren davor. Trotzdem sage ich erst einmal:
don't panic. Also: Ruhe bewahren und die Lage
sauber analysieren. Natürlich ist es so, dass
Menschen den aktuellen Augenblick immer als
besonders intensiv erleben. Aber ich glaube,
manchmal ist es gut, einen Schritt zurückzugehen
und dann nochmal mit etwas Abstand
draufzugucken.
Im Unternehmen geht es darum, rationale und
tragfähige Entscheidungen zu treffen und dieses
emotionale Moment an der Stelle dann he-
rauszunehmen. Ja, es ist herausfordernd, und
vieles ist gerade unvorhersehbar, aber bei allen
Unsicherheiten und Schwierigkeiten können
wir auch sagen: Uns geht es sehr gut.
Das sieht man auch daran, dass Sie gerade
wieder sehr viel Geld investieren. Was dürfen
wir am Standort Einbeck denn noch erwarten?
Viel! Zunächst einmal: Einbeck ist und bleibt
Hauptsitz der KWS. Irgendjemand hat mir
mal gesagt: Solange bei KWS ein Baukran
steht, geht es der Firma gut. Wir investieren
25 Millionen Euro in die neue Phytopathologie.
Und solange nicht irgendwelche wirklich
großen geopolitischen Verwerfungen es
uns unmöglich machen, unsere Produkte,
Dienstleistungen und Forschungsleistungen
aus Deutschland heraus in die relevanten
Märkte zu tragen, wird all das auch zentral
in Einbeck bleiben. Wir würden hier gern
noch Flächen dazunehmen, und da gibt es
auch die eine oder andere, die sich noch anbieten
würde. Aber wir werden auch weiter
im Bestand modernisieren. Wir haben noch
ein paar ältere Gewächshäuser, die werden
sicherlich irgendwann verschwinden und
durch andere Gebäude ersetzt. ▸
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PROFIL
Derzeit dreht sich in der Region viel um das
Thema Life Science. Welche Rolle spielt das
für Sie?
Wir bringen uns da so gut es geht ein, weil wir
sehr daran interessiert sind, dass die Region
hier attraktiv ist, gerade auch für Fachkräfte.
Das Thema Life Science ist mit Blick auf Sartorius,
Ottobock, KWS, die Max-Planck-Institute
oder die Universitätsmedizin schon auch ein
Alleinstellungsmerkmal der Region, das uns
alle verbindet. Und ich glaube, dass wir zu
Recht sagen können: Da ist die Region stark.
Sie leben vom Vertrauen der Landwirtschaft.
Wie wollen Sie dieses Vertrauen in den kommenden
Jahren stärken?
Das geht am besten über Produkte, die immer
wieder einen Mehrwert bieten. Wenn wir
eine Innovation in den Markt bringen, die
dann womöglich auch teurer ist, dann sollte
der Landwirt natürlich davon überzeugt sein,
dass das dann gut ausgegebenes Geld war –
weil unser Produkt hält, was es verspricht.
Dazu braucht es auch einen starken Vertrieb,
der die Herausforderungen unserer Kundinnen
und Kunden erkennt, versteht und immer
wieder die Frage stellt: Wie können wir da einen
Beitrag leisten?
In der Phytopathologie geht es ja um die Erforschung
von Pflanzenkrankheiten, die durch
den Klimawandel verursacht wurden. Gehört
das letztlich auch zur Erfolgsgeschichte der
KWS? Immer auf das zu reagieren, was aktuell
gerade die Anforderungen in der Landwirtschaft
abbildet?
Ja, das würde ich so unterschreiben. Neben
dem Klimawandel ist der zweite Treiber für den
Ausbau unserer phytopathologischen Arbeiten,
dass der Bedarf größer geworden ist. Und es
hat natürlich auch mit dem sich ändernden regulatorischen
Rahmen zu tun. Durch den Wegfall
bestimmter Pflanzenschutzmittel treten
gewisse Schadinsekten häufiger auf, die dann
auch Krankheiten übertragen. Deswegen wird
es wichtiger, daran zu forschen und zu schauen,
dass wir möglichst eine genetische Toleranz
oder Resistenz entwickeln. Ich glaube schon,
dass das auch ein Erfolgsgeheimnis von KWS
ist – eben immer wieder zu schauen, in welcher
Richtung sich Landwirtschaft entwickelt
und welche Bedürfnisse unsere Kunden in den
nächsten fünf bis zehn Jahren haben werden.
Sie sagen, dass Sie sich selbst als „Verwalter“
sehen. Dieser Begriff wäre in anderen Unternehmen
möglicherweise eher negativ besetzt.
Können Sie erklären, was Sie genau meinen?
Noch besser wäre vielleicht der Begriff Treuhänder.
KWS ist ein Familienunternehmen,
meine Vorfahren haben es aufgebaut. Ich
habe zum bisherigen Erfolg nichts beigetragen.
Ich habe das Privileg, dass ich in diese Familie
geboren wurde und nun die Möglichkeit habe,
ein Familienunternehmen in siebter Generation
zu führen. Aber das ist nicht mein Verdienst.
Und insofern bin ich eben der Treuhänder, der
es jetzt verwaltet. Natürlich klingt „verwalten“
vielleicht erst mal nicht so sexy, aber es geht
ja darum, dass ich das Unternehmen KWS
im Idealfall in einem besseren Zustand an die
nächste Generation übergebe, als in dem Zustand,
in dem ich es übernommen habe.
Also geht es doch auch ums Weiterentwickeln?
Ja, aber auch um Sicherheit – für die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter hier am Standort,
die sich mittel- und langfristig keine
Sorgen machen müssen. Ich habe ja auch
eine Verantwortung für die mehr als 2000
Beschäftigten hier. Wir haben nach wie vor
eine sehr hohe durchschnittliche Betriebszugehörigkeit,
obwohl wir jedes Jahr wachsen.
Das sagt ja auch schon etwas aus.
Und Sie selbst wohnen ja auch in Einbeck.
Eine bewusste Entscheidung?
Ja, ich finde das wichtig. Wenn ich Menschen
überzeugen will, für KWS nach Einbeck zu
kommen, und ich sage dann Freitagmittag,
ich fahre jetzt mal nach Berlin, dann wäre das
nicht so überzeugend. KWS und Einbeck gehören
für mich einfach zusammen, und deshalb
unterstützen wir ja auch viele Projekte in
unserer Stadt.
Kann man aus der Art, wie Natur funktioniert,
also wie Pflanzen sich entwickeln, auch etwas
lernen, wenn es darum geht, ein Unternehmen
wie KWS zu lenken?
Ich denke ja, aber das ist natürlich eine sehr
persönliche Betrachtungsweise. Genau wie es
Pflanzen immer wieder schaffen, sich an verschiedene
Umweltbedingungen anzupassen,
genauso gilt das auch für ein Unternehmen.
Und wir sind ja auch kein starrer Organismus.
Den Unterschied machen bei uns letztlich die
richtigen Menschen am richtigen Ort. Die
Kolleginnen und Kollegen kommen mit viel
Eigeninitiative und Begeisterung zur KWS
und überlegen immer wieder neu, wie man
vielleicht etwas anders machen kann, effizienter,
schneller – oder wie sich eine neue Idee
einbringen lässt.
Wenn Sie eines Tages an die achte Generation
übergeben: Welchen Ratschlag werden Sie Ihren
Kindern mit auf den Weg geben?
Das zu machen, worauf sie Lust haben, sich
erst mal die Welt anzugucken und vielleicht in
einem anderen Bereich zu arbeiten. Und wenn
dann irgendwann Interesse da ist, im Familienunternehmen
Verantwortung zu übernehmen,
dann diesen Schritt bewusst zu gehen.
Keimlinge im Gewächshaus (links). Seit einigen Jahren gehört auch Gemüse zum Portfolio.
FOTOS: KWS
kompakt
unternehmen
Saica übernimmt
Thimm verkauft
DIE THIMM-GRUPPE aus Northeim hat
mit der im spanischen Saragossa ansässigen
Saica-Gruppe eine neue Besitzerin.
Mathias Schliep, Verwaltungsratsvorsitzender
bei Thimm, begründet den Schritt:
„Wir sind überzeugt, dass in einem hart
umkämpften Markt künftig nur wenige
große Player Marktanteile gewinnen werden.
Wir haben uns zum Verkauf an das
größte Familienunternehmen der Branche
in Europa entschlossen, um unter einem
starken Dach die Wachstumsperspektive
und damit die Zukunft für Thimm zu
sichern. Für die Mitarbeitenden ist es die
beste und vor allem stabilste Option.“
Saica ist mit 112 Standorten in Westeuro
pa, Polen und den USA weltweit vertreten.
Zur Thimm-Gruppe zählen Standorte
in Deutschland und Osteuropa. Diese
will Saica in den bestehenden Strukturen
weiterführen. Saica und Thimm arbeiten
bereits seit den 1990er-Jahren in einer strategischen
Vertriebsallianz zusammen; zudem
betreiben sie ein gemeinsames Joint
Venture in Polen. „Die Familien kennen
sich generationenübergreifend“, so Schliep.
Hann. Münden
Stiftung fürs Hospiz
MIT DER ÜBERGABE der Gründungsurkunde
ist offiziell der Startschuss für die
neue „Stiftung Hospiz Hann. Münden“ gefallen.
Ihr Ziel ist es, die Finanzierung des
AWO-Hospizes langfristig zu sichern und
auf eine breitere Basis zu stellen. Der
AWO-Bezirksverband Hannover hat unter
dem Dach der „Die Stiftungspartner
GmbH“ die Stiftung errichtet.
Während der konstituierenden Sitzung
kamen die Mitglieder des Stiftungsbeirates
erstmals zusammen. Zur Übergabe der
Gründungsurkunde kamen auch Ines
Dietze, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse
Göttingen, sowie Gabriele Schuster und
Thomas Häntzsch von der Sparkasse Göttingen,
die die Gründung der Treuhandstiftung
maßgeblich begleitet hatten.
PV-Anlage für Sternenlichter
Große Sachspende
EINE PHOTOVOLTAIKANLAGE im Wert
von 30.000 Euro hat die 1Komma5° GmbH
an das Kinder- und Jugendhospiz Sternenlichter
in Göttingen übergeben.
Nicole Zimmer, die Geschäftsführerin
der Einrichtung, zeigte sich bei der Übergabe
dankbar: „Die bedeutsame Spende
der Photovoltaikanlage ist für uns nicht
nur eine wertvolle Unterstützung, sondern
auch ein Zeichen der Solidarität und Hoffnung.“
Im Kinder- und Jugendhospiz gehe
es darum, Licht und Wärme zu schenken –
im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.
Die PV-Anlage helfe dabei, nachhaltig
Energie zu gewinnen und gleichzeitig den
schwerstkranken Kindern und ihren Familien
einen Ort der Geborgenheit zu bieten.
Zimmer: „Wir sind von dieser großzügigen
Geste tief berührt.“
Thomas Bremer, Geschäftsführer von
1Komma5° Göttingen, betonte: „Wir sind
überzeugt, dass wirtschaftlicher Erfolg immer
auch bedeutet, gesellschaftliche Verantwortung
in unserer Heimatregion zu übernehmen."
Die 1Komma5°-Gruppe betreibt
weltweit inzwischen rund 80 Standorte.
Sparkasse Göttingen
Dietze für weitere
fünf Jahre bestätigt
INES DIETZE bleibt Vorstandsvorsitzende
der Sparkasse Göttingen. Die Verbandsversammlung
des Sparkassenzweckverbandes
Göttingen hat dem einstimmigen Beschluss
des Verwaltungsrates zur Bestellung Dietzes
für weitere fünf Jahre zugestimmt.
„Mit der Verlängerung des Vertrags von
Frau Dietze würdigen wir die sehr erfolgreiche
Arbeit der vergangenen Jahre. Ines
Dietze steht für Kontinuität, Stabilität und
eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung
unserer Sparkasse“, sagte Göttingens
Oberbürgermeisterin Petra Broistedt, die
auch Vorsitzende des Verwaltungsrates ist.
Dietze steht seit dem 1. Januar 2022 an der
Spitze der Sparkasse Göttingen.
Weiterentwicklung
ClusterPlus startet
MIT DEM CLUSTERPLUS E. V. entsteht in
Göttingen ein branchenübergreifendes Unternehmensnetzwerk,
das sich gezielt auf
drei zentrale Mehrwerte konzentriert –
Kostenersparnis durch gemeinsame Einkaufsprojekte,
aktives Netzwerken sowie
praxisnahe Weiterbildung über die eigene
ClusterAkademie.
Aus dem bisherigen „VerpackungsCluster
Südniedersachsen e. V.“ soll damit jetzt
ein deutlich breiter aufgestelltes Netzwerk
werden. Im Zentrum der operativen Arbeit
stehen Tanja Köster (ClusterAkademie)
und Katja Keul (ClusterPlus). Sie verantworten
die Weiterentwicklung des Netzwerks
sowie den Ausbau der Akademie als
zentrale Plattform für Weiterbildung und
Unternehmensentwicklung.
Symrise stärkt Hauptstandort
25-Millionen-Invest
SYMRISE hat mit dem ersten Spatenstich
für die zweite Bauphase seines neuen Logistikzentrums
in Holzminden ein wichtiges
strategisches Projekt gestartet. Mit
einer Investition von rund 25 Millionen
Euro will das Unternehmen seine Logistikkapazitäten
ausbauen, die Effizienz seiner
Lieferketten steigern und den Hauptstandort
Holzminden bewusst stärken.
2 |2026 73
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PROFIL
FOTO: RE/MAX
Die TOPAS-Mitglieder beim jüngsten TOPAS-Netzwerktreffen zum Thema Ausbildung.
Ausbildung neu denken:
Wie Südniedersachsen
junge Fachkräfte begeistert
Der Wettbewerb um junge Talente hat sich grundlegend verändert.
Ausbildungsplätze werden längst nicht mehr nur nach Gehalt oder Standort
bewertet. Die Generation Z sucht Sinn, Orientierung, Entwicklungschancen
und echte Wertschätzung. Arbeitgeber in Südniedersachsen stehen deshalb vor
einer entscheidenden Frage: Wie wird Ausbildung wieder zu einem echten
Zukunftsversprechen?
Die Antwort liegt nicht in einzelnen
Maßnahmen, sondern in einer neuen
Haltung. Erfolgreiche Ausbildungsbetriebe
verstehen Ausbildung als strategische
Investition in die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens
– und als Marke mit Strahlkraft.
Die Initiative TOPAS – TOP-Arbeitgeber
Südniedersachsen macht 2026 deshalb zum
„Themenjahr Ausbildung“. Tara Brune, TO-
PAS-Projektleiterin, erläutert nachfolgend drei
Stellschrauben für eine erfolgreiche Ausbildung.
GESUNDHEIT BEGINNT AM ERSTEN
AUSBILDUNGSTAG
Auszubildende sind eine wichtige Zielgruppe
im Recruiting, sie sollten aber auch als solche
betrachtet werden, wenn sie bereits an Bord
sind. Betriebliches Gesundheitsmanagement
(BGM) wird in vielen Unternehmen noch
immer primär für erfahrene Mitarbeitende
gedacht. Dabei entscheidet gerade die Ausbildungszeit
oft darüber, wie junge Menschen
Arbeit langfristig erleben.
Auszubildende stehen unter hohem Druck:
neue Abläufe, schulische Anforderungen, Leistungsnachweise
und die Herausforderung, ihren
Platz in Unternehmen zu finden. Moder-
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ne Ausbildungsbetriebe reagieren darauf mit
speziell zugeschnittenen BGM-Angeboten.
Dazu gehören mentale Gesundheitsangebote,
Ergonomieschulungen, Resilienztrainings
oder Workshops zu Stressmanagement und
digitaler Balance.
TOP-Arbeitgeber, die Gesundheit früh fördern,
schaffen mehr als nur Wohlbefinden. Sie
erhöhen Motivation, reduzieren Abbruchquoten
und stärken die emotionale Bindung zum
Unternehmen. Vor allem aber senden sie eine
klare Botschaft: „Du bist uns wichtig.“
PROFIL
ONBOARDING IST KEIN ERSTER TAG –
SONDERN EINE STRATEGISCHE REISE
Viele Unternehmen investieren enorme Energie
in Recruitingprozesse, verlieren junge Talente
jedoch schon in den ersten Monaten. Der
Grund ist häufig ein unzureichendes Onboarding,
das sich mehr auf das fachliche und weniger
auf das emotionale Ankommen fokussiert.
Ein erfolgreicher Einstieg beginnt heute
bereits vor dem ersten Arbeitstag – etwa mit
digitalen Welcome-Paketen, persönlichen Ansprechpersonen
oder gemeinsamen Kennenlernformaten.
Entscheidend ist dabei nicht nur
die Vermittlung von Informationen, sondern
das Gefühl von Zugehörigkeit.
TOP-Ausbildungsbetriebe in Südniedersachsen
schaffen echte Orientierung. Sie
geben jungen Menschen Sicherheit, klare
Entwicklungsperspektiven, regelmäßiges
Feedback und ein WIR-Gefühl. Ausbilderinnen
und Ausbilder werden dabei zunehmend
zu Coaches und Kulturvermittelnden. Dafür
muss man diese frühzeitig mitnehmen und
im Zweifel selbst dafür sensibilisieren oder
schulen, denn sie sind die wichtigsten Multiplikatoren
eines Ausbildungsbetriebes.
Ebenso wichtig – und oft unterschätzt – ist
professionelles Offboarding. Nicht jede Ausbildung
endet mit einer Übernahme. Doch auch
der Abschied prägt das Bild eines Unternehmens
nachhaltig. Wer ehemalige Auszubildende
wertschätzend verabschiedet, Abschlussgespräche
führt und Netzwerke aufrechterhält,
gewinnt langfristige Markenbotschafter und
lernt im Zweifel auch aus vertanen Chancen.
DIE AUSBILDUNGSMARKE WIRD ZUM
WETTBEWERBSVORTEIL
Unternehmen konkurrieren heute nicht nur mit
regionalen Betrieben, sondern mit globalen
Arbeitgebermarken und völlig neuen Erwartungen
an Arbeit.
Eine starke Ausbildungsmarke entsteht deshalb
nicht durch Hochglanzbroschüren, sondern
durch Glaubwürdigkeit. Junge Menschen
wollen wissen:
TOPAS-Projektleiterin Tara Brune erläutert den Weg zu einer erfolgreichen Ausbildungsmarke.
• Was erwartet mich wirklich?
• Wie werde ich begleitet?
• Welche Entwicklungschancen habe ich?
• Wofür steht das Unternehmen?
Genau hier setzt ein klares Ausbildungsversprechen
an. TOP-Ausbildungsbetriebe formulieren
konkret, was Auszubildende erwarten
dürfen – beispielsweise persönliche Betreuung,
moderne Lernkonzepte, echte Verantwortung
oder garantierte Weiterbildungsmöglichkeiten.
Entscheidend ist dabei die gelebte Realität.
Eine Ausbildungsmarke entsteht im Alltag:
im Umgangston, in Feedbackgesprächen, in
Entwicklungsmöglichkeiten und in der Unternehmenskultur.
Gerade Südniedersachsen bietet hierfür
enormes Potenzial. Die Region verbindet
starke mittelständische Strukturen mit Innovationskraft,
Nähe und hoher Lebensqualität.
Unternehmen, die diese Stärken authentisch
kommunizieren und gleichzeitig moderne Ausbildungswelten
schaffen, positionieren sich
nachhaltig als attraktive Arbeitgeber.
AUSBILDUNG WIRD ZUR
ZUKUNFTSSTRATEGIE
Die erfolgreiche Ausbildung junger Fachkräfte
entscheidet über mehr als nur die einzelne
Stellenbesetzung. Sie entscheidet langfristig
über Innovationsfähigkeit, Unternehmenskultur
und Wettbewerbsstärke. Und sie sagt
letztlich auch viel über den Arbeitgeber aus,
schließlich hat man insbesondere für die
jüngsten Beschäftigten einen verantwortungsvollen
Auftrag.
Unternehmen, die heute in gesundheitsfördernde
Ausbildungsmodelle, professionelles
Onboarding und eine starke Ausbildungsmarke
investieren, schaffen weit mehr als Fachkräfte.
Sie entwickeln Loyalität, Identifikation
und Zukunft – TOP-Ausbildung eben!
Tara Brune
Projektleitung TOPAS
Südniedersachsenstiftung
Maschmühlenweg 105
37081 Göttingen
Tel. 0551 270 713-329
tara.brune@suedniedersachsenstiftung.de
www.suedniedersachsenstiftung.de
PROFIL
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Wertvolle Impulse
beim Anleger-Forum
Am 4. und 5. Juni lud die Sparkasse Göttingen zum
Anleger-Forum 2026 ins Sparkassen-Forum an der
Groner Landstraße ein. Zahlreiche Besucher nutzten die
Veranstaltung, um sich über aktuelle Entwicklungen an
den Kapitalmärkten zu informieren und mit Fachleuten
aus den Bereichen Finanzwirtschaft, Recht und Vorsorge
ins Gespräch zu kommen.
Wir feiern 25 Jahre Private Banking –
ein Meilenstein, eingebettet in die
225-jährige Erfolgsgeschichte der
Sparkasse Göttingen. Den Auftakt bildete
unsere beeindruckende Abendveranstaltung
mit Philipp Vorndran, der als Kapitalmarktstratege
von Flossbach von Storch mit seinem
Vortrag „Strukturbruch“ spannende
Einblicke in aktuelle Entwicklungen an den
Kapitalmärkten darstellte.
Am Donnerstagmorgen folgte das exklusive
faktor-Frühstück Spezial für Mitglieder
des faktor-Clubs. Viktoria Preuß, Wealth-Managerin
bei der DekaBank, sorgte unter der
Überschrift „Brücken bauen zwischen Familie
und Unternehmen, Lebenswerk und Generationen"
für einen interessanten Impuls, der
die Verbindung zwischen unternehmerischer
Verantwortung und langfristiger Vermögensplanung
in den Blick nahm.
Im Foyer des Sparkassenforums präsentierten
sich über beide Tage hinweg diverse Partner
an Informationsständen: Neben Finanzdienstleistern
und Vermögensverwaltern wie
Berenberg, der Frankfurter Bankgesellschaft
und der VGH, waren auch Göttinger Einrichtungen
vertreten – darunter das Göttinger
Symphonieorchester, die Bürgerstiftung Göttingen
oder das Hospiz an der Lutter. Die
Stände boten Gelegenheit zu vertiefenden
Gesprächen und zum Netzwerken zwischen
Gästen, Ausstellern und Referierenden.
Zu den Impulsgebern gehörte neben vielen anderen
Experten beispielsweise Olaf Tscherny,
Edelmetallexperte der BayernLB, der aktuelle
Marktentwicklungen zu Edelmetallen einordnete.
Rechtsanwalt Dr. Matthias Reichart hielt
an beiden Tagen Fachvorträge – u.a. mit dem
Titel „Gut geregelt statt gut gemeint“ – Testamente
klug gestalten. Die hohe Nachfrage
nach solchen und ähnlichen Themen bestätigte
einmal mehr, dass rechtliche Vorsorge zwar
häufig aufgeschoben wird, im Ernstfall jedoch
von erheblicher Bedeutung sein kann – für Familien
ebenso wie für Unternehmerinnen und
Unternehmer. Prof. Dr. Stefan Hell, ausgewiesene
Koryphäe im Bereich der Physik und
prämierten Nobelpreisträger, bereicherte das
Anleger-Forum mit spannenden Einblicken in
die Erkenntnisse der Lichtmikroskopie.
Der zweite Veranstaltungstag vertiefte die
Themen des Auftakts mit weiteren Fachbeiträgen
zu nachhaltiger Geldanlage, Nachlassplanung
und Stiftungsmanagement sowie
mit persönlichen Beratungsgesprächen direkt
vor Ort. Das breite Themenspektrum und die
Mischung aus Vorträgen, Infoständen und individuellem
Austausch spiegelten das Selbstverständnis
wider, mit dem das seit 25 Jahren
bestehende „Private Banking“-Team der Sparkasse
Göttingen die Veranstaltung konzipiert
hatte: als Forum für wertvolle Informationen
und persönliche Begegnungen – abseits des
täglichen Marktgeschehens.
Sparkasse Göttingen
Private Banking
Groner Landstraße 2
37073 Göttingen
Tel. 0551 405-3021
spk-private-banking@spk-goettingen.de
www.private-banking-goettingen.de
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Dinge neu denken
Erika Maas zeigt als Leiterin Personal, Finanzen & Marketing bei Opitz Packaging
Systems, dass Erfolg keine Frage von Alter und Geschlecht sind.
PROFIL
Mit 28 Jahren trägt Erika Maas Verantwortung
für Bereiche, an denen andere über Jahre hinweg
wachsen: Personal, Finanzen und Marketing
bei Opitz Packaging Systems in Northeim.
In dem Maschinenbauunternehmen mit rund
70 Mitarbeitenden prägt sie aktiv die Zukunftsfähigkeit
– und das in einer Branche, die traditionell
männlich dominiert ist.
Seit ihrem Einstieg vor vier Jahren hat sich das
Unternehmen deutlich entwickelt. Die Mitarbeiterzahl
wuchs von etwa 45 auf heute 70 Beschäftigte.
Erika Maas gelingt es, Fachkräfte zu gewinnen,
indem sie das Handwerk neu positioniert:
modern, offen und attraktiv für junge Menschen.
Auf Ausbildungs- und Jobmessen ist sie selbst
präsent, gibt dem Unternehmen ein Gesicht
und vermittelt glaubwürdig, dass Maschinenbau
längst kein verstaubtes Umfeld mehr ist.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Teamzusammenstellung.
Statt ausschließlich auf fach-
liche Qualifikation zu achten, stellt sie die langfristige
Zusammenarbeit in den Mittelpunkt.
Teamkompatibilität und persönliche Passung
sind für sie entscheidende Faktoren, um Mitarbeitende
dauerhaft zu binden.
Parallel dazu entwickelt sie das Marketing
konsequent weiter. Mit unkonventionellen
Formaten wie Podcasts oder persönlichen
Mitarbeitendenportraits schafft sie eine authentische
Arbeitgebermarke, die sich bewusst
vom Branchendurchschnitt abhebt.
Das zahlt direkt auf die Recruiting-Erfolge ein
und stärkt die regionale Wahrnehmung des
Unternehmens.
Neben diesen sichtbaren Veränderungen
verantwortet Erika Maas auch die finanzielle
Steuerung des Wachstums. Investitionen, Liquiditätsplanung
und wirtschaftliche Stabilität
liegen in ihrer Hand – ein Spannungsfeld,
das sie souverän meistert.
Erika Maas steht exemplarisch für eine neue
Generation von Führungskräften im Handwerk:
fachlich breit aufgestellt, strategisch
denkend und bereit, bestehende Strukturen
zu hinterfragen. Ihr Weg zeigt, dass Verantwortung,
Innovationskraft und Durchsetzungsfähigkeit
keine Frage von Alter oder Geschlecht
sind – sondern von Haltung und Mut,
Dinge neu zu denken.
Opitz Packaging Systems GmbH
Detlev-Karsten-Rohwedder-Straße 8
37154 Northeim
Tel. 05553 9938 34
e.maas@opitz-ps.de
Das Mittagsessen im -Club bringt
junge Unternehmen und lokale Unternehmer
zusammen. In entspannter
Atmosphäre entstehen neue Kontakte,
spannende Gespräche und wertvolle
Kooperationen.
Freut euch von Dienstag bis Sonntag
(12:00–14:30 Uhr) auf einen täglich
wechselnden Mittagstisch mit saisonalen,
regionalen Gerichten. Die Zutaten
stammen direkt vom Kredo-Hof und von
regionalen Betrieben.
Das Kredo bietet
den idealen Rahmen
für Geschäftsessen
und Netzwerktreffen
– inklusive guter
Parkmöglichkeiten.
Mittagessen im
-Club – regionale Küche trifft Unternehmergeist.
wissen
KI-generierte Darstellung von Hertha Sponer, erstellt unter Verwendung einer gemeinfreien historischen Referenzaufnahme von 1913. Kein authentisches
historisches Foto. Quelle der Referenz: Wikimedia Commons, „Hertha Sponer 1913.jpg“, Public Domain.
78 2 |2026
wissen
Für Herz und Hirn
Im Hertha-Sponer-College (HSC) in Göttingen wächst eine neue Generation von
Spitzenforschern heran – mit einem deutschlandweit einzigartigen Konzept.
TEXT & INTERVIEW MATTHIAS BRUNNERT
Das HSC ist Teil des Exzellenzclusters „Multiscale
Bioimaging: Von molekularen Maschinen
zu Netzwerken erregbarer Zellen“
(kurz MBExC) der Georg-August-Universität
Göttingen und der Universitätsmedizin Göttingen
(UMG). Es richtet sich an Studierende und Promovierende
aus Medizin und Naturwissenschaften, an Postdoktoranden
und forschende Ärztinnen und Ärzte, die sich für
eine Karriere zwischen Grundlagenforschung und Biomedizin
interessieren.
Und im MBExC geht es um Großes: um das menschliche
Herz und das menschliche Hirn. Ziel der Forschung
ist es, neue Wege und Möglichkeiten zu finden, um zu
verstehen, wie Herz und Hirn funktionieren, was passiert,
wenn sie erkranken – und sie wieder gesunden zu
lassen. Dazu befassen sich die Forscher mit sogenannten
nanoskaligen Funktionseinheiten in elektrisch erregbaren
Herz- und Nervenzellen. Dabei handelt es sich um
Strukturen im Größenbereich von einem bis zu
100 Nano metern: Sie können bis zu 100.000-mal dünner
sein als ein menschliches Haar. Das Ziel der Forschung
am MBExC auf dem Göttinger Campus ist es,
krankheitsrelevante nanoskalige Funktionseinheiten in
elektrisch erregbaren Herz- und Nervenzellen zu verstehen
– als Grundlage für die Entwicklung neuartiger
Therapien für Erkrankungen des Herzens und des Gehirns.
Zum Cluster gehört auch das Hertha-Sponer-College.
Es trägt dazu bei, Studenten und Wissenschaftler, die sich
für eine Karriere an der Schnittstelle von biomedizinischer
Forschung und den Naturwissenschaften begeistern, zu
einer neuen Generation von Spitzenforschern auszubilden.
Zur Arbeit und zur Zukunft der Einrichtung hat der
faktor Fragen an Prof. Dr. Claudia Steinem, Prof. Dr.
Tobias Moser und Dr. Heike Conrad gestellt. Steinem
vom Institut für Organische und Biomolekulare Chemie
der Georg-August-Universität leitet das Hertha-Sponer-
College und ist stellvertretende Sprecherin des MBExC.
Moser vom Institut für Auditorische Neurowissenschaften
der UMG ist Sprecher des MBExC. Und Conrad ist
Koordinatorin des Hertha-Sponer-Colleges.
Exzellenzcluster „Multiscale Bioimaging“ – was kann man
sich eigentlich darunter vorstellen?
Tobias Moser: Das Göttinger Exzellenzcluster erforscht
die Strukturen und Funktionen von Herz und Gehirn auf
allen Ebenen – vom Molekül bis zum Organ. Erkrankungen
des Herzens und des Gehirns gehören zu den
häufigsten Todesursachen weltweit. Nicht wenige betreffen
sogar beide Organe. Beispielsweise wurde die Beziehung
zwischen Herzinfarkt, Schlaganfall und damit
verbundenen Ausfällen im Gehirn gezeigt sowie ein
erhöhtes Demenzrisiko bei kardiovaskulären Erkrankungen
bewiesen. So unterschiedlich die Organe Herz
und Gehirn auf den ersten Blick erscheinen: Ihre Zellen
weisen überraschend viele Gemeinsamkeiten auf. Beide
verwenden ähnliche Funktionseinheiten, die der Erregbarkeit
der Zellen dienen und über die sie physiologische
Leistungen als Teil von elektrisch aktiven Netzwerken
erbringen. Fehlfunktionen dieser elementaren Einheiten
können zu einer Vielzahl von Erkrankungen führen.
»Das Göttinger Exzellenzcluster erforscht die
Strukturen und Funktionen von Herz und Gehirn
auf allen Ebenen – vom Molekül bis zum Organ.«
Und was geschieht in diesem Zusammenhang in Ihrer Einrichtung?
Moser: Das MBExC verfolgt einen einzigartigen Forschungsansatz,
indem es modernste Bildgebungsverfahren
entwickelt und nutzt. Hier können wir die Ursachen
von Herz- und Hirnerkrankungen, die zu den
häufigsten Todesursachen weltweit zählen, aufdecken
und so neue Ansätze für Diagnosen und Therapien mit
gesellschaftlicher Tragweite entwickeln. Die Forschung
am MBExC eröffnet auch vielfältige Möglichkeiten für
ein fächerübergreifendes Ausbildungskonzept. ▸
Tobias Moser
2 |2026 79
wissen
Welche Rolle spielt da das Hertha-Sponer-College?
Claudia Steinem: Das College wurde im Frühjahr 2020 als
einzigartiges Ausbildungskonzept eingerichtet, das auf dem
vielschichtigen fächerübergreifenden Forschungsnetzwerk
des MBExC basiert. Es richtet sich an besonders
begabte, hoch motivierte Studierende und Nachwuchswissenschaftler
aus der Medizin und den Natur- und Lebenswissenschaften.
Das College bietet ein maßgeschneidertes
und flexibles Ausbildungsprogramm, das durch
zusätzliche Angebote zur Entwicklung einer akademischen
Forscherkarriere und umfassende Netzwerkangebote
gezielt ergänzt wird. Ziel ist es, die Begeisterung für
die Forschung an der Schnittstelle zwischen Biomedizin
und Naturwissenschaften zu wecken und zu fördern. So
soll eine neue Generation künftiger Forschungsgruppenleitungen
auf dem Weg in die frühe wissenschaftliche
Unabhängigkeit begleitet werden.
»Das HSC vereint Studierende und Nachwuchswissenschaftler
aus der Medizin und den
Natur- und Lebenswissenschaften.« Heike Conrad
Was passiert konkret?
Heike Conrad: Das Hertha-Sponer-College baut auf den existierenden
Ausbildungsstrukturen am Göttingen Campus
auf und wird den Bedürfnissen seiner Mitglieder entsprechend
kontinuierlich weiterentwickelt. Zentraler Bestandteil
sind Kurse, Workshops und Vorlesungen, in denen besondere
MBExC-relevante Techniken in der Theorie und
der Praxis erlernt werden, um sie optimal auf die eigene
Forschungsthematik anwenden und weiterentwickeln zu
können. Dazu gehören unter anderem Verfahren der modernen
Bildgebung, der Datenanalyse und der KI-gestützten
Bildauswertung. In Kleingruppenseminaren, Podiumsdiskus
sionen sowie Mentoring-Veranstaltungen und
Coachings profitieren Mitglieder des Colleges darüber
hinaus vom Erfahrungsaustausch untereinander und mit
erfahrenen Experten am Campus. Regelmäßige Netzwerkveranstaltungen
unterstützen den Aufbau eines eigenen
wissenschaftlichen und persönlichen Netzwerks. Nicht zuletzt
bietet das Hertha-Sponer-College seinen Mitgliedern
Fördergelder, die es ihnen ermöglichen, eigene Forschungsideen
unabhängig voranzutreiben oder ihr Netzwerk über
die Grenzen Göttingens hinaus zu erweitern.
Welche Einrichtungen sind beteiligt?
Moser: Das Hertha-Sponer-College baut auf dem interdisziplinären,
also fächerübergreifenden Netzwerk des
MBExC auf. Es vereint Mitglieder der verschiedenen forschenden
Einrichtungen am Göttingen Campus: der
Georg-August-Universität, der Universitätsmedizin Göttingen,
der Max-Planck-Institute für Multidisziplinäre
Naturwissenschaften und für Dynamik und Selbstorganisation
sowie der Deutschen Zentren für Neurodegenerative
Erkrankungen und für Herz-Kreislaufforschung.
Wo ist das College untergebracht?
Steinem: Das Hertha-Sponer-College ist ein virtueller
Verband, der viele forschende Einrichtungen verbindet.
Das Koordinationsbüro ist am Europäischen Neurowissenschaftlichen
Institut am Nordcampus untergebracht,
welches auch Zugang zu Infrastruktur bietet,
also zu Seminar- und Konferenzräumen, Lehrlaboren
und Sozial räumen. Regelmäßig finden Veranstaltungen
des Hertha-Sponer-Colleges auch in den Räumlichkeiten
des Max-Planck-Instituts für Multidisziplinäre Naturwissenschaften
City Campus statt, wie beispielsweise die
Vorlesungsreihe des Hertha-Sponer-Colleges, die allen
Interessierten offensteht.
Und wer sind die Kollegiatinnen und Kollegiaten?
Conrad: Das HSC vereint Studierende und Nachwuchswissenschaftler
aus der Medizin und den Natur- und
Lebenswissenschaften. Es bietet ihnen ein gemeinsames
Ausbildungskonzept, das verschiedene Karrierestufen
und -pfade zusammenführt: von Medizinstudierenden
bis zu forschungsorientierten Ärzten sowie von Bachelor-,
Masterstudierenden und Promovierenden bis hin zu
Postdoktoranden aus verschiedenen Bereichen der
Natur- und Lebenswissenschaften.
»Ziel ist es, die Begeisterung für die Forschung an der
Schnittstelle zwischen Biomedizin und Naturwissenschaften
zu wecken und zu fördern.« Claudia Steinem
Wie werden die Mitglieder ausgewählt?
Steinem: Ausgewählt werden sie in einem zweistufigen
Auswahlprozess durch Mitglieder des Leitungsgremiums.
Bewerber, die durch einen aktuellen Lebenslauf, eine Erklärung
zu ihren Forschungsinteressen sowie ein aussagekräftiges
Referenzschreiben eines MBExC-Mitglieds
überzeugen, werden zu einem persönlichen Auswahlgespräch
eingeladen. Das Leitungsgremium des Hertha-
Sponer-Colleges entscheidet über die Aufnahmen.
Was hat das College bisher erreicht?
Steinem: Bisher haben insgesamt 110 Kollegiaten von
dem forschungsorientierten Ausbildungskonzept profitiert
beziehungsweise sie profitieren noch. Daraus sind
Publikationen und Projektkooperationen entstanden,
die teilweise finanziell unterstützt wurden. Die ausgeschiedenen
Mitglieder gehören größtenteils einem wach-
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wissen
FOTO: MBEXC
Prof. Dr. Claudia Steinem.
FOTO: SWEN PFÖRTNER / MBEXC
Prof. Dr. Tobias Moser.
FOTO: SWEN PFÖRTNER / MBEXC
Dr. Heike Conrad.
WER WAR HERTHA SPONER?
Namensgebend für die Forschungs- und Ausbildungseinrichtung
ist die aus Oberschlesien stammende
deutsche Physikerin Hertha Sponer (1895 – 1968).
Sie gehörte neben Lise Meitner, Emmy Noether und
Hedwig Kohn zu den ersten Physikerinnen in Deutschland.
Nach dem Studium in Tübingen und Göttingen
promovierte Sponer als eine der ersten Frauen an der
Universität Göttingen. Die Hochschule berief sie
anschließend als eine der deutschlandweit ersten
Professorinnen ihres Faches. Während der NS-Zeit
wechselte sie an die Duke University im US-Bundesstaat
North Carolina. Im Exil heiratete sie ihren ehemaligen
Göttinger Mentor, den Nobelpreisträger James
Franck, der wie viele andere jüdische Wissenschaftler
aus Deutschland emigriert war. Die Stadt Göttingen
würdigte die Wissenschaftlerin, indem sie 2003 eine
Straße im Industriegebiet nach ihr benannte.
senden Alumni-Netzwerk an, das beispielsweise Maßnahmen
der Karriereentwicklung unterstützt. So hatten
wir beim letzten Career Day unsere erste Professorin für
Physik, die als Kollegiatin ihren akademischen Weg am
Göttingen Campus gegangen ist. Das einzigartige Konzept
des HSC ist ein Alleinstellungsmerkmal, das zunehmend
Sichtbarkeit erlangt und die Attraktivität des
Göttingen Campus für interessierte Studierende und
Nachwuchswissenschaftler außerhalb Göttingens steigert.
Wie finanziert sich das College, woher kommen die Mittel?
Moser: Aktuell wird das HSC aus Mitteln des MBExC
finanziert, das seit Januar 2019 im Rahmen der Exzellenz-Strategie
des Bundes und der Länder gefördert
wird.
Gibt es vergleichbare Einrichtungen in Deutschland?
Conrad: Eine Ausbildungsstruktur, die im Stil eines
eng lischen Colleges gleichzeitig Studierende und Nachwuchswissenschaftler
verschiedener Karrierestufen
vereint und darüber hinaus Medizin und Natur- &
Lebenswissenschaften zusammenführt, ist nach unserem
Kenntnisstand in Deutschland einmalig.
Wie geht es weiter? Hat das College eine Zukunft?
Steinem: Das HSC ist als etablierte Struktur aus dem Exzellenzcluster
MBExC hervorgegangen. Auch in der Auslaufphase
des MBExC genießt es größte Beliebtheit,
sodass davon auszugehen ist, dass es auch über die
Förderphase des MBExC hinaus am Göttingen Campus
aktiv bleibt. Darauf haben sich Universität und Universitätsmedizin
verständigt. ƒ
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wissen
Stars and stripes: In den weißen Streifen sind die Patriarchen notiert, teilweise mit den Jahreszahlen ihrer jeweiligen Amtszeit.
Die „American Colony of Göttingen“
Die USA feiern 2026 den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung. Schon früh studierten
viele Amerikaner an der Georgia Augusta: Göttingen galt als wissenschaftlicher Knotenpunkt,
der Karrieren wie die von J. P. Morgan, George Bancroft oder Edward Everett in Gang setzte.
Fast 1000 US-Studenten wurden im Laufe der Zeit Teil eines besonderen Zusammenschlusses.
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wissen
»Es folgten einige Professorenbesuche und sogar
die Aufnahme in den „Literarischen Club“, wo sie
sich jedoch zumindest anfänglich belächelt und als
„Kuriosa“ bestaunt fühlten.«
TEXT UND ABBILDUNGEN NORMAN LIPPERT
Dabei handelte es sich keinesfalls um ein Alleinstellungsmerkmal
Göttingens. Diese zumeist
informellen Zusammenschlüsse bezeichneten
sich selbst, die tatsächliche Bedeutung
des Kolonialismus ignorierend, als „Colony“.
Sie bildeten sich nicht nur in den europäischen Großstädten,
sondern auch in einigen kleinen deutschen Universitätsstädten.
Was den Fall der „American Colony of
Göttingen“ besonders macht, ist ihr in der Staats- und
Universitätsbibliothek überliefertes Buch. Hierbei handelt
es sich um eine Mischung aus Mitgliederkartei und
Tagebuch, welche einen einzigartigen Einblick in den
Alltag der amerikanischen Studenten erlaubt. Doch warum
kamen die Amerikaner überhaupt nach Göttingen?
Die 1737 eröffnete Georgia Augusta entwickelte sich
mit ihrem aufklärerischen Profil und ihrer herausragenden
Bibliothek innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer
der bedeutendsten Universitäten Europas. Dies führte
dazu, dass sich die beiden Harvard-Absolventen Edward
Everett und George Ticknor für Göttingen entschieden,
um sich hier auf ihre Professuren vorzubereiten. Sie legten
den Grundstein für die hiesige „American Colony“
und eine bis dahin wohl beispiellose Erfolgsgeschichte
des akademischen Wissenstransfers.
AM 11. AUGUST 1815 schrieben sich die beiden Wegbereiter
Everett und Ticknor an der Georgia Augusta ein und
kamen an der Weender Straße beim Philosophen Bouterwek
unter. Es folgten einige Professorenbesuche und
sogar die Aufnahme in den „Literarischen Club“, wo sie
sich jedoch zumindest anfänglich belächelt und als
„Kuriosa“ bestaunt fühlten. Ihre Begeisterung für die
Stadt, die Universität mit ihren 40 Professoren und insbesondere
die Universitätsbibliothek mit ihren mehr als
200.000 Büchern wurde davon nicht geschmälert. Everett
und Ticknor verlängerten ihren eigentlich nur für ein Jahr
geplanten Aufenthalt.
AM 1. NOVEMBER 1816 immatrikulierten sich zwei weitere
Harvard-Alumni in Göttingen: Der 30-jährige
Joseph Cogswell und der ihm unterstellte 19-jährige
Augustus Thorndike. Der deutlich Ältere, ein weit gereister
Geologe und früherer Lateinlehrer, begleitete den
Jüngeren im Auftrag von Thorndikes reichem Kaufmanns
vater. Sie fanden am Albanitor eine Bleibe und
wurden schnell als „die neuen Amerikaner“ bekannt.
Noch in Göttingen bemühte sich Everett darum, dass
mit George Bancroft ein weiterer Harvard-Absolvent
dank eines Stipendiums in seine hiesigen Fußstapfen treten
konnte. Dieser immatrikulierte sich am 22. September
1818 und bezog ebenfalls bei Philosophieprofessor
Bouterwek eine Stube.
NACHDEM BANCROFT 1820 sein Studium abschloss,
dauerte es vier Jahre, bis die nächsten amerikanischen
Studenten an die Georgia Augusta kamen. Anschließend
waren bis weit über das Jahr 1900 hinaus in jedem
Semester amerikanische Studenten an der Göttinger Universität
immatrikuliert. Ein wesentlicher Faktor war,
dass die nunmehr Professoren gewordenen Everett,
Ticknor, Cogswell und Bancroft ihre in Göttingen erworbenen
Erkenntnisse und Fähigkeiten in den Vereinigten
Staaten verbreiteten und somit für den Wissenschaftsstandort
Göttingen warben.
Wann sich die „American Colony of Göttingen“ gründete,
lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Ihr erster
Patriarch wurde der spätere Columbia-Chemieprofessor
Charles A. Joy, welcher 1852 nach Göttingen kam. Dass
sich die amerikanischen Studenten gerade in den ersten
Wochen häufig einsam fühlten, auch weil die deutsche
Sprache eine gewisse Herausforderung mit sich brachte,
ist verschiedentlich überliefert. Darüber hinaus hatten
sie natürlich einen Bedarf, sich über die hiesigen Studiums-,
Unterkunfts- sowie Freizeit- und Reisemöglichkeiten
auszutauschen. ▸
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wissen
AM 22. SEPTEMBER 1855 verfasste der dritte Patriarch
der mittlerweile etablierten „American Colony“ einen
ersten Eintrag in einem eigens hierfür angeschafften
Buch. Darin führte Ernst Hungerford aus, dass seitens
der Mitglieder auf einem sommerlichen Treffen angeregt
wurde, wesentliche historische Entwicklungen und statistische
Informationen der „American Colony of Göttingen“
für zukünftige Generationen festzuhalten.
IN DEN 1850ER-JAHREN schwankte die Mitgliedszahl
zwischen sechs und 15. In späteren Jahren wurden der
„American Colony“ zeitweise über 30 Mitglieder zugezählt,
die sich vor allem aus den amerikanischen Studenten
und Professoren an der Georgia Augusta, deren Angehörigen
und anderweitig in Göttingen verweilenden oder
durchreisenden Amerikanern zusammensetzten. Sie alle
einte ihre Nationalität und die Tatsache, dass sie sich zur
gleichen Zeit in Göttingen wiederfanden.
Neben dem Buch verfügte die „American Colony“ bald
über eine eigene Flagge, die zusammen mit Insignien von
Patriarch zu Patriarch übergeben wurde. Eine später eingeführte
Kappe sowie die Bezeichnung neuer studentischer
Mitglieder als „foxes“ belegen anschaulich, dass
sich die Amerikaner hierbei von den Göttinger Burschenschaften
inspirieren ließen. Kaum verwunderlich, waren
doch einige von ihnen selbst Burschenschafter geworden.
Die formale Übergabe des Patriarchenamtes erfolgte
durch das Aushändigen des Buches und der Flagge. Wobei
neben dem klassischen Senioritätsprinzip, also der längsten
Zeit vor Ort, auch auf die noch ausstehende Zeit in
Göttingen geachtet wurde. Die Amtszeiten der Patriarchen
unterschieden sich folglich, gelegentlich waren es
nur wenige Wochen, in einigen Fällen drei Semester.
Genauso wie sich der Zeitgeist seit jeher änderte, verschoben
sich auch die alltäglichen Vorlieben der amerikanischen
Studenten. Im Winter 1852 entwickelte sich
beispielsweise das Rheingoldt’sche Haus am Markt zu
einem beliebten Treffpunkt der „Colony“. Nicht nur
aufgrund seiner zentralen Lage, sondern weil dort gleich
vier Amerikaner wohnten, eine der drei Stuben besonders
groß war und das dortige Piano zur geselligen Unterhaltung
einlud. Doch die abendlichen und als legendär
beschrieben „tea parties“ wurden schon von der
nächsten Kohorte verschmäht, wie der damalige Patriarch
Ernst Hungerford bedauernd festhielt.
Die von der „Colony“ gemeinsam begangenen amerikanischen
Feiertage bildeten eine gewisse Konstante im
„kolonialen“ Jahreskalender, allen voran der Unabhängigkeitstag.
Es entstand dabei ein Wettbewerb, die jeweils
vorherige Generation mit den eigenen Feierlichkeiten
zu übertreffen.
DIE ÄLTESTE DOKUMENTIERTE FEIER für den Unabhängigkeitstag
am 4. Juli 1854 wirkt im Vergleich zu
späteren geradezu zurückhaltend, als man sich zu einem
gemeinsamen Frühstück in Hungerfords Zimmer traf
und anschließend unter musikalischer Begleitung mit
zwei Vierspannern nach Mariaspring fuhr. Im nächsten
Im vorliegenden Reunion-Heft lässt sich einiges nachlesen –
etwa, was es zu essen gab und welche Lieder gesungen wurden.
ZU DEN AUFGABEN DES PATRIARCHEN gehörte es, die
Mitgliederliste zu führen und das Vereinsleben zu dokumentieren.
Letzteres wurde von den Patriarchen jedoch
nicht immer gewissenhaft getan, sodass etwa die Gründungszeit
von 1852 bis 1855 sehr gut beschrieben ist und
dann immer mal wieder über mehrere Jahre hinweg keine
Berichte vorhanden sind. Die Einblicke in den Alltag der
amerikanischen Studenten bleiben daher episodenhaft.
Abgesehen von der gesprochenen Sprache unterschieden
sich der amerikanische und deutsche Studentenalltag
nur wenig. Es wurden die gleichen Vorlesungen,
lokalen Ausflugsziele und gastronomischen Einrichtungen
frequentiert. Ausgiebige Touren durch die Göttinger
Läden und Kneipen gehörten genauso wie das Besteigen
eines jeden Kirchturmes sowie der Wallmauern zu den
Einführungsriten für Neuankömmlinge. Vielleicht waren
die amerikanischen Studenten etwas ausgeh- und exkursionsfreudiger.
Hierbei spielte sicher eine Rolle, dass sie
häufig über ein größeres Budget verfügten. So wurden
etwa regelmäßig Ausfahrten nach Mariaspring, zu den
Burgen Hardenberg und Plesse, nach Reinhausen und
Witzen hausen oder in den Harz organisiert.
84 2 |2026
wissen
Der Göttinger Marktplatz mit Blick auf die Jacobikirche 1898 – festgehalten im Reunion-Heft der American Colony of Göttingen.
Jahr wurde sogar ein Komitee eingerichtet, um mit den
etwa 50 eingesammelten Talern eine günstige Feier zu
organisieren. Das abendliche Dinner der 15 Mitglieder
und zusätzlich geladenen Professoren fand in der „belle
étage“ des Ruprecht’schen Hauses am Marktplatz statt,
welche mit zwei von der Universitätsbibliothek ausgeliehenen
Büsten von Benjamin Franklin und George Washington
dekoriert war. Zur musikalischen Begleitung
wurde eigens die Northeimer Militärkapelle engagiert.
Letztlich kosteten die ausschweifenden Feierlichkeiten
mehr als 100 Taler, was der damalige Patriarch mit einer
Warnung an zukünftige Generationen kommentierte.
Der Alltag der „American Colony of Göttingen“ fand
zu keinem Zeitpunkt losgelöst von amerikanischen Ereignissen
statt, die sich aufgrund telegrafischer Verbindungen
und Tageszeitungen schnell verbreiteten.
IM SOMMER 1861 bildeten 15 Amerikaner und fünf Engländer
eine Baseballmannschaft, um auf den Maschwiesen
hinter dem Bahnhof zu spielen. Was eigentlich
eine heitere Sportveranstaltung werden sollte, wurde von
schockierenden Nachrichten aus den Vereinigten Staaten
überschattet: Nach einer viermonatigen Belagerung griffen
die Südstaaten am 12. April das Fort Sumter in der
Bucht von Charleston an und begannen damit den vier
Jahre währenden Amerikanischen Bürgerkrieg.
In den nächsten Monaten verstreute sich die damalige
„Colony“. Einige setzten ihr Studium in Clausthal, Heidelberg,
Tübingen und Paris fort, andere gingen nach
Griechenland oder Italien. Einige kehrten in die USA zurück,
um im Bürgerkrieg zu kämpfen. In diesem Jahr
wurde der amerikanische Unabhängigkeitstag nur leise
bei einem Abendessen im Hotel Krone begangen, an dem
zu diesem Anlass drei amerikanische Flaggen gehisst
wurden. Von opulenten Feiern ist in den nächsten Jahren
nichts mehr überliefert. Der amerikanische Konflikt
wirkte sich indes auch diesseits des Atlantiks aus: Im
Januar 1862 trat John Harvey Pat von seinem Amt zurück,
weil der Patriarch nicht mehr an eine ehrenhafte
Konfliktbeilegung der Nord- und Südstaaten glaubte. ▸
2 |2026 85
wissen
Im Vereinsbuch gibt es zwar noch bis 1863 regelmäßige
Einträge, anschließend klafft jedoch in den Aufzeichnungen
eine achtjährige Lücke. Zumindest die Patriarchenliste
wurde auch in den 1860ern fortgeführt.
ERST MIT BEGINN DER 1870ER-JAHRE füllte sich das
Vereinsbuch wieder mit neuen Beiträgen, angefangen
mit einem gänzlich unbescheidenen Bericht aus dem
Winter 1870. Demnach gelang es den amerikanischen
Eisläufern mit „ease, grace and swiftness“, ihre deutschen
Kommilitonen zu begeistern. Im Jahr 1874 wurde
die bereits etablierte Tradition der Tischreden und
Trinksprüche um eine sogenannte „Kneipe“ erweitert.
Dabei handelte es sich um einen sonnabendlichen
Stammtisch, bei dem sich die Amerikaner in ihrem jeweiligen
Stammlokal zum Singen und Trinken trafen. Die
dort gesungenen Lieder wurden 1888 in einem eigenen
Liederbuch zusammengefasst, wovon eines in das Vereinsbuch
eingeheftet wurde.
IM SOMMER 1871 besuchte mit Professor Henry Bradford
Nason ein früheres Mitglied der „American Colony“
für einige Tage Göttingen – zusammen mit ein paar
Studenten des Rensselaer Polytechnic Institute. Nason
selbst hatte von 1855 bis 1857 Chemie und im Winter
1861 Mineralogie an der Georgia Augusta studiert. Einer
der ihn begleitenden Studenten schrieb sich im folgenden
Semester ebenfalls in Göttingen ein und wurde
seinerseits Mitglied der „American Colony“.
Längst hatte sich ein über Generationen währender
Kreislauf etabliert, dass ehemalige Mitglieder in die Vereinigten
Staaten zurückkehrten, an den dortigen Universitäten
Karriere machten und ihrerseits neue Mitglieder
für die „American Colony of Göttingen“ rekrutierten.
1898 ließen sich 225 ehemalige „Göttingians“ in den
USA finden – 137 von ihnen arbeiteten an amerikanischen
Bildungseinrichtungen. Die Geschichte der
US-amerikanischen Universitäten könnte kaum enger
mit der Georgia Augusta verbunden sein.
Auch außerhalb des akademischen Bereiches fühlten
sich viele frühere Mitglieder noch Jahrzehnte später ihrer
„American Colony“ und der Georgia Augusta eng
verbunden. Zu dieser Gruppe gehörte mit John Pierpont
Morgan das wohl bekannteste Mitglied der „American
Colony of Göttingen“. Morgan immatrikulierte sich am
17. April 1856. Doch über seine von 1856 bis 1857
währende Göttingen-Zeit ist im Buch der „American
Colony“ lediglich tabellarisch festgehalten, dass er aus
Hartfort in Connecticut stammte und hier zwei Semester
studierte. Nichtsdestotrotz hatte sein Studium in Göttingen
offenbar einen maßgeblichen Einfluss auf Morgan,
der später ein erfolgreicher Unternehmer wurde und
zum einflussreichsten Privatbankier der USA aufstieg.
IM JAHR 1898 organisierte J. P. Morgan zusammen mit Charles
P. Chandler und James Duncan Hague ein Reunion-Dinner ehemaliger
Mitglieder der „American Colony“. Am 14. Juli 1903
berichtete der Hannoversche Courier, dass J. P. Morgan einen
bekannten Autor damit beauftragt hätte, ein Buch über die
„American Colony of Göttingen“ zu schreiben. Im Februar
1912 spendete er der Göttinger Universitätsbibliothek 50.000
US-Dollar, womit die seit dem 18. Jahrhundert gepflegte Sammlung
an amerikanischer und englischer Literatur erweitert werden
konnte.
Das erste Buch der „American Colony of Göttingen“ endet
am 26. Oktober 1889 mit einem Eintrag des damaligen Patriarchen
George Nuttall. Demnach wurde ein neues Buch angeschafft,
welches vom nächsten Patriarchen fortgeführt werden
sollte. Im Gegensatz zum ersten Band ist der zweite leider nicht
überliefert. Dabei wurde eigens ein Buch aus hochwertigem,
nicht vergilbendem Papier angeschafft und zukünftigen Patriarchen
aufgetragen, nicht ausbleichende Tinte zu verwenden.
Dass die „American Colony of Göttingen“ weiter fortbestand
und zahlreiche amerikanische Studenten sowie ab den
1890er-Jahren auch Studentinnen nach Göttingen brachte, ist
jedoch unbestritten. ƒ
ZWEITER BAND NICHT ERHALTEN
Das der Universitätsbibliothek übergebene
Buch ist in schwarzem Leder
gebunden, 24 cm x 19 cm groß und
etwa vier Zentimeter dick. Sein Titel
„American Colony of Göttingen“ ist in
goldenen Lettern gesetzt und gerahmt.
Auf dem Einband ist ein verkürzter
Titel, „Band 1“ und „1766 bis 1888“
geschrieben. Anlässlich des 200. Jubiläums
der US-Unabhängigkeit wurde
eine Transkription des Buches herausgegeben.
Ein zweiter Band ist nicht
überliefert.
86 2 |2026
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„Die Bewohner sollen sich nicht um Probleme mit
dem Gebäude kümmern müssen – deshalb sparen
wir nicht an der falschen Stelle“, betont Frank Psotta.
PROFIL
Quartier am Damm:
Wohnraum
langfristig gedacht
Die mitAussicht Göttingen GmbH setzt bei
ihrem aktuellen Projekt auf hohe Bauqualität
und nachhaltige Standards für zeitgemäßes
Wohnen.
FOTO: MARKUS HARTWIG
Im Göttinger Ortsteil Groß Ellershausen
entsteht mit dem „Quartier am Damm“
ein Wohnprojekt, das auf Anpassungsfähigkeit
und technische Präzision setzt. Verantwortlich
dafür ist das Ingenieur- u. Architekturbüro
CUBORG² GbR, auch vertreten durch
Investor und Bauingenieur Frank Psotta. Seinen
Anspruch, Wohnraum zu schaffen, der
langfristig funktioniert – für unterschiedliche
Lebensentwürfe und Altersgruppen gleichermaßen
–, setzt Psotta mit der 2022 gegründeten
mitAussicht Göttingen GmbH um.
Die neu errichtete Anlage reagiert genau hierauf.
Sie umfasst zwei Gebäude mit insgesamt
20 Wohnungen zwischen 65 und 130 Quadratmetern,
einige davon als Maisonette ausgeführt.
Alle Einheiten sind barrierefrei konzipiert,
zwei davon explizit behindertengerecht. Großzügige
Balkone und Dachterrassen gehören zur
Grundausstattung. Auffällig ist jedoch weniger
die äußere Gestaltung als vielmehr die planerische
Flexibilität im Inneren: Dank Trockenbauweise
lassen sich Grundrisse vergleichsweise
unkompliziert anpassen – sowohl während der
Bauphase als auch später im Bestand.
BLICK AUF WICHTIGE DETAILS
Ein Schwerpunkt liegt auf bauphysikalischen
Details. So sind beispielsweise die Treppenhäuser
komplett zweischalig hergestellt, quasi
in einem separaten Turm ausgelagert, um
Schallübertragungen in die Wohnbereiche zu
minimieren. „Wir sparen nicht an der falschen
Stelle“, beschreibt Psotta den Ansatz, gezielt
in solche konstruktiven Lösungen zu investieren,
die sich im Alltag bemerkbar machen.
Auch energetisch und ökologisch orientiert sich
das Projekt an aktuellen Standards. Gebaut
wird nach den Kriterien des Qualitätssiegels
Nachhaltiges Gebäude (QNG), das insgesamt
19 Anforderungen umfasst – von Wärmedämmung
über Ressourceneinsatz bis hin zu Schallund
Einbruchschutz. Dazu zählt auch der Einsatz
nachweislich nachhaltig bewirtschafteter
Materialien. „Da ist ein sehr großer Aufwand zu
betreiben, bis man dieses Zertifikat bekommt“,
erklärt Psotta. Dieses Zertifikat mache sich zusätzlich
über steuerliche Vorteile und Vorteile
bei der Finanzierung bezahlt.
HEISSWASSER-KONZEPT UND E-SÄULEN
Die Wärmeversorgung erfolgt über eine
zentrale Wärmepumpe, die das Wasser in
die Wohnungen führt. Erst dann wird es bei
Bedarf und nur in der erforderlichen Menge
über eine dezentrale elektrische Nacherhitzung
auf die gewünschte Temperatur gebracht.
Ergänzend sind alle Stellplätze in der
Tiefgarage für Elektromobilität vorbereitet,
inklusive Anschlüssen für Wallboxen und
E-Bikes. Die Parkebene selbst ist großzügig
dimensioniert und barrierefrei zugänglich.
Und der Vermarktungsstand deutet auf
eine stabile Nachfrage hin: 80 Prozent der
gesamten Wohnfläche sind bereits verkauft.
Für Psotta steht dabei weniger die kurzfristige
Bilanz im Vordergrund als vielmehr die
langfristige Nutzung: „Es ist mir wichtig,
dass die Bewohner sich um ihre eigenen Dinge
kümmern können – und nicht um Probleme
mit dem Gebäude.“
Markus Hartwig
mitAussicht Göttingen GmbH
Rainer Holler, Frank Psotta
Lange Str. 27 A
37124 Rosdorf
Tel. 0551 3097927
info@wohnen-mitaussicht.de
Immobilienmakler:
Nicole Cleve 05551 709 1215
Oliver Kirch 05551 709 1213
wissen
REKORDJAHR FÜR „LIFT-OFF“:
74 Teams, starke Ideen, große Bühne
So viele Gründungsideen wie nie: Beim „Lift-Off“-Finale der Universität Göttingen
präsentierten neun Teams vor über 200 Gästen ihre Projekte und sicherten sich Preise
im Gesamtwert von mehr als 43.000 Euro. Seit der ersten Auflage vor zehn Jahren
unterstützt faktor den Wettbewerb als Medienpartner – so auch in diesem Jahr.
TEXT STEFAN LIEBIG FOTOS CHRISTOPH MISCHKE
Der Gründungswettbewerb „Lift-Off“ der Universität Göttingen setzt neue Maßstäbe: Zehn
Jahre nach der Premiere zeigte sich der Wettbewerb in diesem Jahr so stark wie nie – mit
wachsender Resonanz aus Wissenschaft und Studentenschaft, der verlässlichen Medienpartnerschaft
mit faktor sowie einer steigenden Zahl innovativer Ausgründungsideen.
Im Finale überzeugten insbesondere Projekte mit klarem Praxisbezug und gesellschaftlicher
Relevanz. So sicherte sich „MT Protect“ den ersten Platz in der Kategorie „Gründungspotenziale“
mit Schutzhüllen für Insulinpumpen. In der Kategorie „Wissenschaft“ wurde
„PathoPress“ ausgezeichnet, das eine neue Methode zur Verbesserung der Tumordiagnostik
entwickelt hat. Weitere prämierte Teams arbeiteten unter anderem an KI-Lösungen für die
Medizin, nachhaltigem Wildtiermanagement sowie digitalen Ansätzen zur Gewaltprävention.
Insgesamt wurden Preisgelder und Sachleistungen im Wert von über 43.000 Euro vergeben,
ermöglicht durch das Engagement von 17 Sponsoren. Die Bedeutung des Wettbewerbs unterstrich
auch die Hochschulleitung: „Besonders im Jubiläumsjahr freuen wir uns sehr über die
stetig wachsende Anzahl von Projekten und wissenschaftlichen Ausgründungen“, sagte Vizepräsident
Bernhard Brümmer. Aus dem Transfer & Startup Hub hieß es zusammenfassend:
„Ein Jahrzehnt, in dem aus ersten Ideen echte Unternehmen geworden sind, die die Region
Südniedersachsen mit ihren Innovationen prägen.“
KONTAKT
JASMIN DÜWELL
Georg-August-Universität Göttingen
Abteilung Forschung und Transfer
Transfer & Startup Hub Universität Göttingen
Geismar Landstraße 11
37083 Göttingen
Tel. 0551 3921731
jasmin.duewell@uni-goettingen.de
www.uni-goettingen.de/de/655032.html
SONDERPREISE
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in der Onkologie
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von Wild
Social Entrepreneurship
(4000 Euro Preisgeld):
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Gewaltpräventions-App für Frauen
bei häuslicher Gewalt
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KATEGORIE GRÜNDUNGSPOTENZIAL
DIE PREISTRÄGER
wissen
1. PLATZ MT PROTECT –
SCHUTZ FÜR LEBENSWICHTIGE
MEDIZINTECHNIK
(7000 Euro Preisgeld, 1250 Euro Coachingmittel,
außerdem Publikumspreis, 2000 Euro Preisgeld)
„Wir entwickeln Schutzlösungen für Insulinpumpensysteme, die Betroffenen
mehr Sicherheit und damit Lebensqualität im Alltag bieten“, so fasst das Team
von MT Protect seine Idee für mehr Sicherheit für Insulinpumpensysteme im Alltag
zusammen. Insulinpumpensysteme sind für viele Menschen mit Diabetes
lebenswichtige Therapiesysteme, deren Ausfall direkte gesundheitliche Folgen bis
hin zu lebensgefährlichen Situationen haben kann. Gleichzeitig sind die sensiblen
Geräte im Alltag permanent äußeren Belastungen wie Stößen, Feuchtigkeit und
mechanischen Einwirkungen ausgesetzt, besonders beim Sport, im Beruf oder im
aktiven Leben. Genau hier besteht eine kritische Versorgungslücke, da es bislang
keine spezialisierte und gleichzeitig effiziente Schutzlösung für diese sensiblen
Systeme gibt. MT Protect setzt genau an dieser Versorgungslücke an und entwickelt
eine Lösung, die erstmals zu einem sichereren Einsatz von Insulinpumpensystemen
im Alltag beiträgt. Dadurch wird das Risiko technischer Ausfälle
reduziert und die Versorgungssicherheit erhöht. Menschen mit Diabetes
können ihren Alltag bewusst geschützt aktiver, freier und sicherer gestalten. Die
Innovation entstand aus eigener Betroffenheit und verbindet praxisnahe Erfahrung
mit technischer sowie unternehmerischer Kompetenz. Während bestehende
Lösungen überwiegend Komfort bieten, versteht sich MT Protect als grundlegender
Bestandteil moderner Medizintechniknutzung.
Ines Dietze (Sparkasse Göttingen, links) und Petra Broistedt
(Oberbürgermeisterin Stadt Göttingen, rechts) übergaben den
ersten Preis für Gründungspotenziale an das MT-Protect-Team in
Person von Merle Schindler und Tom Schnabel.
KONTAKT
merle.schnabel@gmail.com
2. PLATZ DEDOC.MED – QUALITÄTSSICHERUNG
FÜR MEDIZINISCHE DOKUMENTATION
(5000 Euro Preisgeld)
Paul Gräve (2.v.r.) und Sebastian Schmale (2.v.l.)
von dedoc.med bekamen den zweiten Preis für
Gründungspotenziale von Ines Dietze (links)
und Petra Broistedt.
KONTAKT
paul@dedoc.med | www.dedoc.med
„Medikationsfehler und interne Widersprüche in Arztbriefen gefährden Patienten. dedoc.med
deckt die Fehler auf – automatisch und verlässlich“, versprechen die dedoc.med-Erfinder
selbstbewusst. Sie wissen, dass medizinische Dokumentation weit mehr als Verwaltungsaufwand
ist: Fehlerhafte Arztbriefe können Behandlungsfehler begünstigen, Abrechnungen
blockieren und juristische Risiken schaffen, während die Dokumentationslast für klinisches
KONTAKT
Personal stetig wächst. dedoc.med ist eine KI-gestützte Qualitätssicherungsplattform für
lea-deutsch@gmx.de
medizinische Dokumentation. Die Plattform analysiert Texte automatisch auf formale Mängel,
inhaltliche Inkonsistenzen und Abweichungen von klinischen Leitlinien. Sie markiert kritische
Stellen mit direkten Quellenverweisen. Korrekturen aber nimmt das System bewusst nicht vor,
damit ärztliche Entscheidungshoheit vollständig erhalten bleibt. Das Alleinstellungsmerkmal
ist der Fokus auf Qualitätssicherung: Während andere KI-Lösungen auf eine Effizienzsteigerung
durch eine automatische Erstellung von Arztbriefen setzen, stellt dedoc.med die
medizinische Korrektheit sicher – egal, ob der Text von einem Mensch oder einer KI verfasst
wurde. Dabei entsteht eine Datenbank klinischer Inkonsistenzen, damit kein Fehler zweimal
unentdeckt bleibt. Hinzu kommen die datenschutzkonforme Infrastruktur der GWDG Göttingen
und die Positionierung unterhalb der Schwelle der EU-Medizinprodukteverordnung für
schnellen Marktzugang. Zielgruppe sind Kliniken und Facharztpraxen.
2 |2026 89
wissen
KATEGORIE WISSENSCHAFT
1. PLATZ PATHOPRESS –
DIAGNOSTIK BEI TUMORERKRANKUNGEN
(7000 Euro Preisgeld, 1250 Euro Coachingmittel)
Staatssekretär Joachim Schachtner (links) und
Sernet-Gründer und -Ex-Geschäftsführer Johannes Loxen
(rechts) verliehen dem PathoPress-Team (Pedro Gebhardt
Apalategui und Friederieke Mölk, auf dem Foto fehlt Philipp
Ströbel) den ersten Preis in der Kategorie Wissenschaft.
KONTAKT
p.gebhardtapalateg@stud.uni-goettingen.de
Eine der größten Herausforderungen der modernen Medizin besteht darin, sicherzustellen,
dass jeder Patient die wirksamste, individuell abgestimmte Therapie erhält,
insbesondere in komplexen Fällen wie Darmkrebs. Behandlungsansatz und Langzeitprognose
hängen vom Stadium der Krebserkrankung ab, insbesondere davon, ob
sich der Krebs auf regionale Lymphknoten ausgebreitet hat. Die genaue Beurteilung
des Lymphknotenstatus ist daher ein entscheidender Schritt im Bezug auf die Therapie.
Bei der Operation von Darmkrebs werden der Primärtumor und das umliegende
Gewebe, einschließlich des Lymphknoten enthaltenden Fettgewebes, entfernt. Das
Vorhandensein oder Fehlen dieser Metastasen bestimmt den weiteren Verlauf:
Patienten ohne Lymphknotenbefall können unnötige Chemotherapien vermeiden. Im
Jahr 2009 stellten Basten et al. eine vielversprechende Lösung vor: die Anwendung
von kontrolliertem Druck auf das Fettgewebe. Dennoch blieb eine wesentliche Einschränkung
bestehen: Jedes pathologische Labor musste sein eigenes provisorisches
Gerät zusammenbauen. Diese Vorrichtungen waren ineffizient, neigten zu Verstopfungen
und verursachten oft Gewebeschäden oder -verluste. Das Team von
PathoPress erklärt seinen prämierten Ansatz: „Wir gehen dieses klinisch relevante
Problem direkt an und entwickeln eine elektrische Presse, die alle Probleme löst. Derzeit
wird das Gerät in der Abteilung für Pathologie am UMG getestet und ist nun auf
dem besten Weg, ein zuverlässiges, standardisiertes Werkzeug zur Verbesserung der
Krebsdiagnostik zu werden.“
2. PLATZ PHONOMATICS –
KI-BASIERTE DIAGNOSTIK VON
KINDERSPRACHE
(5000 Euro Preisgeld)
Sprache ist der Schlüssel zu erfolgreicher Bildung und sozialer Teilhabe. Das rechtzeitige
Erkennen von Förder- oder Therapiebedarfen hat deshalb einen hohen Stellenwert. In der
Praxis stehen Fachkräfte aus dem Bildungs- und Gesundheitssektor dabei aber oft unter
enormem Druck. Gesetzlich verpflichtende Sprachstandserhebungen in Kitas oder U-Untersuchungen
sollen frühzeitig Klarheit schaffen – oft jedoch unter Zeitmangel, mit begrenzten
diagnostischen Mitteln und ohne spezialisierte linguistische Ausbildung. Genau hier setzt
Phonomatics an: „Wir entwickeln in einem interdisziplinären Team seit 2019 an der
Leibniz-Universität Hannover eine eigene KI, die natürliche kindliche Alltagskommunikation
automatisch erkennt und analysiert.“ Die neue Software ermöglicht eine kontinuierliche,
objektive und wissenschaftlich fundierte Einschätzung der Sprachentwicklung – direkt im
Alltag, ohne künstliche Testsituationen für die Kinder. Phonomatics entlastet Fachkräfte,
indem komplexe sprachliche Analysen automatisiert, transparent und nachvollziehbar bereitgestellt
werden. Das Entwicklerteam bekräftigt: „Wir stellen ein KI-Lösung, die Fachkräfte
aus dem Gesundheits- und Bildungssektor in der Diagnostik von Kindersprache entlastet
und ihnen Sicherheit gibt, zur Verfügung. So nehmen wir Fachkräften nicht ihre Verantwortung
ab – aber wir nehmen ihnen die Unsicherheit.“ Das System liefert klare, datenbasierte
Handlungsempfehlungen bei Fragen wie: Wann ist eine weiterführende Diagnostik sinnvoll?
Wie kann Sprachförderung individuell gestaltet werden?
Staatssekretär Joachim Schachtner (links) und Sernet-Gründer
Johannes Loxen (2. v. l.) verliehen den zweiten Preis der
Wissenschafts kategorie an die Entwickler von Phonomatics (v.l.):
Matthias Koerbs, Hanna Ehlert, Lars Rumberg und Chris topher
Gebauer. Auf dem Foto fehlen Edith Beaulac und Yannik Remke.
KONTAKT
ehlert@tnt.uni-hannover.de
90 2 | 2026
wissen
„Der gesunde
Mensch tanzt!“
Prof. Dr. Arndt Schilling ist selbst Mehrfachgründer und auch immer wieder an
Lift-Off-Gründungen beteiligt. Er sieht sich als Mediator in der Konzeption von
Start-up-Projekten – und erklärt, warum diese Funktion so wichtig ist.
Was ist das Spannende am Wettbewerb Lift-Off und
eventuell daraus entstehenden Start-ups?
Ich liebe meinen Job und wie ich dabei der Natur hin und
wieder in die Karten schauen kann. Üblicherweise schreiben
wir Forscher dann darüber, es lesen zwei oder drei
andere Experten und das war's dann. Wenn sich aber eine
Idee zu einem Start-up entwickelt, wird es noch interessanter:
Plötzlich arbeitet ein Team daran, ein Forschungsergebnis
in ein marktfähiges Produkt umzuwandeln. Lift-
Off ist wichtig, um ein Forum für die Projekte zu haben.
Nennen Sie bitte ein Beispiel.
Mit der ausgegründeten Digity GmbH wollten wir
Handroboter entwickeln, die Fingerversteifung bei
Komapatienten verhindert. Daraus wurde dann ein
Exoskelett, das beispielsweise die Finger von Waschmaschinenbauern,
die ständig Dichtungsringe andrücken
müssen, entlastet. Als ich in München an der TU arbeitete,
entwickelte ein Student eine 3D-Kamera zur Überwachung
von Wundheilungsprozessen. Es ist so abwechslungsreich
und sinnvoll, solche Projekte in die
Praxis zu überführen. Sie dienen dem Wohlbefinden von
Menschen – und der gesunde Mensch tanzt, wenn ich
meinen Vater zitieren darf.
Was lässt sich optimieren, um Start-ups zu helfen?
Zum einen unterstütze ich konkrete Projekte als Mediator.
Denn Mediziner, Ingenieure und Ökonomen, die
man für ein Start-up braucht, denken grundsätzlich unterschiedlich:
Der Mediziner begegnet einem Problem
mit einer Testreihe, der Ingenieur analysiert das Problem
und der Ökonom denkt gleich an die Vermarktungsmöglichkeiten.
Es ist wichtig, dass alle an einem Strang
ziehen. Zum anderen sollten mögliche Investoren steuerlich
bessergestellt werden. Im Silicon Valley oder in
Singapur herrscht wegen besserer Rahmenbedingungen
ein viel aktiveres Gründungsklima.
Vielen Dank für das Gespräch!
ZUR PERSON
Prof. Dr. med. Arndt Schilling ist Mediziner mit Schwerpunkt
in der Unfallchirurgie, Orthopädie und plastischen
Chirurgie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). In
seiner Funktion als Head of Research & Development
verbindet er klinische Praxis mit der Überführung wissenschaftlicher
Erkenntnisse in konkrete medizinische Anwendungen
und sieht sich verantwortlich „für alles, was
mit Bewegung und Wohlbefinden zu tun hat“. Bevor er
2016 nach Göttingen wechselte, war er als außerordentlicher
Professor an der Technischen Univer sität München
(2010 – 2016) und als Assistenzarzt und -professor an der
TU Hamburg (2001 – 2008) tätig.
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Mehr Wert. Mehr Komfort.
Willkommen im
Südharz
Ein Ort zum Ankommen, Abschalten und
Auftanken. Im Schindelbruch erwartet Sie der
Außenpool „Granitquell 25“.
• 25 Meter langer, ganzjährig beheizter Natursteinpool
• Gefertigt aus neun massiven Blöcken bayerischen Urgesteins
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NATURRESORT & SPA SCHINDELBRUCH!
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Naturresort & Spa Schindelbruch sein Angebot um
einen besonderen Ort für entspannte Abende und
gemeinsame Genussmomente.
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Ab September 2026 begrüßen wir Sie im neuen
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kompakt
wissen
Parkinson-Forschung
Millionen für die UMG
EIN INTERNATIONALES KOOPERATIONS-
PROJEKT unter Beteiligung der Universitätsmedizin
Göttingen (UMG) erhält von
der Forschungsinitiative „Aligning Science
Across Parkinson’s“ eine Förderung von
rund 7,7 Millionen Euro für drei Jahre.
Davon gehen knapp 1,8 Millionen Euro
an die UMG, dem einzigen deutschen Partner
im Projekt. Ziel der Studie ist es, die
molekularen Mechanismen besser zu verstehen,
die zur Entstehung der Parkinson-
Krankheit beitragen. Die Erkenntnisse
könnten langfristig den Weg für neue
Therapieansätze ebnen.
Parkinson ist durch ein schrittweises
Absterben von Nervenzellen im Gehirn
gekennzeichnet, was zu verlangsamten Bewegungen,
Zittern, versteiften Muskeln
sowie Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
führen kann. Laut Dachverband
Parkinson’s Europe sind derzeit weltweit
mehr als zehn Millionen Menschen von dieser
Krankheit betroffen. Die molekularen
Mechanismen, die der Krankheit zugrunde
liegen, sind bisher nicht vollständig geklärt,
sodass derzeit keine Heilung in Sicht ist.
Praxisbezogene Untersuchung
Mobilität im Handwerk
DIE METROPOLREGION Hannover Braunschweig
Göttingen Wolfsburg hat gemeinsam
mit den regionalen Handwerkskammern
ein neues Projekt gestartet, um die
Mobilitätsbedarfe des Handwerks zu untersuchen
und Handlungsempfehlungen zu
entwickeln, damit die Anforderungen der
Betriebe in der Verkehrsplanung künftig
stärker Berücksichtigung finden.
Unterstützung kommt vom ifh Göttingen,
vom Volkswirtschaftlichen Institut für
Mittelstand und Handwerk an der Uni
Göttingen sowie vom Institut für Verkehrssystemtechnik
des Deutschen Zentrums für
Luft- und Raumfahrt. Das Projekt wird mit
rund 90.000 Euro vom Amt für regionale
Landesentwicklung Leine-Weser gefördert.
FOTO: PIXABAY
Innovationspreis
Neues Forum für Ideen
MIT 161 EINREICHUNGEN verzeichnet der
Innovationspreis der Region Göttingen
Northeim in diesem Jahr die höchste Bewerbungszahl
seit Bestehen des Wettbewerbs.
Der bisherige Rekord lag bei 132
Bewerbungen im Jahr 2024; im Vorjahr
waren 130 Einsendungen eingegangen.
Eine Jury bewertet nun die eingereichten
Projekte. Die Gewinner werden am 8. Oktober
2026 im PS.Speicher in Einbeck bekannt
gegeben. Der Innovationspreis wird
in diesem Jahr zum 24. Mal vergeben.
Ein neuer Baustein ist in diesem Jahr das
„Forum für Ideen“, das am 14. September
2026 von 10 bis 14 Uhr im Zufall.lab in
Göttingen stattfindet. Die öffentliche und
kostenfreie Veranstaltung soll den Austausch
zwischen Bewerbern sowie weiteren
Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft,
Bildung und regionalen Netzwerken
fördern. „Wir möchten die Teilnehmenden
miteinander ins Gespräch bringen, Kooperationen
anstoßen und ein Netzwerk
von Innovatorinnen und Innovatoren in
der Region aufbauen“, so Innovationspreis-Projektleiterin
Frederike Breyer.
Standort Freiburg
Sartorius investiert in
Zell- und Gentherapien
SARTORIUS hat in Freiburg ein neues
Kompetenzzentrum für die Entwicklung
und Produktion qualitätskritischer Materialien
für den Zell- und Gentherapiemarkt
eröffnet. Im Breisgau stellt das Unternehmen
essenzielle Komponenten wie Zytokine
oder Wachstumsfaktoren her, die in den
neuartigen Therapien zum Einsatz kommen
sollen. Mehr als 140 Millionen Euro
investiert der in Göttingen sitzende Konzern
in das aufstrebende Geschäftsfeld.
Zell- und Gentherapien gewinnen weltweit
stark an Bedeutung und machen laut
Sartorius schon heute rund 30 Prozent
der Entwicklungs-Pipelines für Medikamente
aus.
340.000 Euro Förderung für Projekt an der Uni Göttingen
KI-Texte entlarven und Plagiate besser erkennen
IM ZEITALTER VON KI, in dem generierte
Texte kaum noch von menschen gemachten
zu unterscheiden sind, stellen sich zentrale
Fragen: Woran erkennen wir den Ursprung
eines Textes? Und wie verstehen Maschinen
sprachliche Feinheiten? Damit beschäftigen
sich Wissenschaftler im Forschungsprojekt
„Paraphrase Types“ an der Uni Göttingen.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert
das Vorhaben über drei Jahre mit rund
340.000 Euro.
„Wir gehen davon aus, dass einige große
Sprachmodelle wie ChatGPT bestimmte
Änderungen häufiger oder anders verwenden
als menschliche Autoren“, erklärt
Dr. Terry Ruas von der Forschungsgruppe
„Analyse wissenschaftlicher Informationsressourcen“.
Wer diese „Fingerabdrücke“
entschlüsselt, könne KI-Texte zuverlässiger
identifizieren. Die Forscher wollen genau
diese feinen Unterschiede sichtbar machen.
„Dieser Ansatz hat große praktische Relevanz,
weil ein besseres Verständnis von
KI-Generierungsmethoden unter anderem
die Plagiatserkennung revolutionieren
könnte“, sagt Forscher Dr. Jan Philip Wahle.
Ziel sei es, KI nicht nur transparenter, sondern
auch nützlicher für die Gesellschaft zu
machen – etwa in Form einer App, die komplexe
Behördentexte automatisch in einfache
Sprache umwandelt.
Das Projektteam arbeitet mit Forschern in
Japan zusammen. Alle Modelle und Datensätze
sollen öffentlich zugänglich gemacht
werden, um die Weiterentwicklung transparenter
KI-Systeme zu fördern.
2 |2026 93
leben
Die Galopprennbahn in Bad Harzburg bildet die Kulisse für die Yellow Jockey Open Airs –
in diesem Jahr bereits zum dritten Mal.
94 2 |2026
leben
Wo Spektakel
keine Großstadt
braucht
Immer wieder treten große Künstler auf der Northeimer
Waldbühne auf. Auch in Bad Harzburg hat sich eine
Open-Air-Location für namhafte Live-Events etabliert.
Zwei echte Erfolgsgeschichten – die allerdings
unterschiedlicher kaum sein könnten.
TEXT MARKUS RIESE
FOTO: MINER’S ROCK UG
2 |2026 95
leben
Drei Mal war Johannes Oerding
bereits auf der Northeimer Waldbühne
zu Gast – in diesem Jahr
kommt er nach Bad Harzburg.
FOTO: YVONNE GOLDSCHMIDT
Es sind beachtlich große Namen, die auch in
diesem Jahr wieder auf der Waldbühne in
Northeim zu Gast sind: ZZ Top, Michael
Patrick Kelly, Fury in the Slaughterhouse,
Foreigner, Sean Paul – das Line-Up hält mühelos
den Standard, den die Veranstalter seit 2022 regelmäßig
hier anbieten. Wobei: Eigentlich begann die Erweckung
der Waldbühne aus ihrem Dornrös chenschlaf
schon deutlich früher: „Die ersten Konzerte haben wir
bereits in den Jahren 2008 und 2009 dort veranstaltet.
Unter anderem In Extremo und Tangerine Dream. Damals
mit und Dank unserem Partner Karl Schrader vom
Exil in Göttingen, der uns die Bühne nahe gebracht hatte“,
erinnert sich Dirk Sadlon, Geschäftsführer der Living
Concerts GmbH aus Hannover, die neben der Waldbühne
in Northeim auch viele weitere Locations bespielt. Leider
habe es dann allerdings erneut eine längere Pause gegeben,
„aufgrund diverser ungünstiger Umstände“, so Sadlon.
2020 sollte es dann eigentlich weitergehen – mit einem
Konzert von Johannes Oerding. Doch das musste coronabedingt
ebenfalls noch mal um zwei Jahre verschoben
werden. „Seitdem sind wir nun aber regelmäßig jedes
Jahr mit vielen Konzerten in Northeim“, weiß der Agenturchef
zu berichten. Und Living Concerts bringt tatsächlich
nicht irgendwen nach Northeim – sondern ausschließlich
bekannte nationale und internationale Stars
aus dem oberen Regal. Nach Oerding kamen noch Rea
Garvey, Alvaro Soler, Max Giesinger, Alice Cooper, Sarah
Connor, Billy Idol, Howard Carpendale, LEA, Samu
Haber, Chris de Burgh und Jan Delay. Fury in the
Slaughterhouse kommen in diesem Jahr bereits zum
zweiten Mal; Oerding war sogar schon dreimal da.
Als Wiederbelebung sieht der Living-Concerts-Chef
sein Engagement aber nicht wirklich: „Die große Zeit
der Waldbühne in den 1990er-Jahren habe ich persönlich
gar nicht mitbekommen, kenne das nur aus Erzählungen.
Eigentlich wollten wir hier nicht unbedingt an
die Vergangenheit anknüpfen, sondern eher etwas Neues
aufbauen. Dass das bei vielen Besucherinnen und Besuchern
einer Wiederbelebung gleichkommt, ist für uns
aber auch irgendwie eine schöne Metapher.“
FÜR NORTHEIMS BÜRGERMEISTER Simon Hartmann
(SPD) ist es wesentlich mehr als das: „Die Waldbühne
gehört zu den emotionalsten Themen und legendärsten
Orten in Northeim und der gesamten Region. Fast alle,
die ich kenne, waren schon mehrfach auf der Waldbühne.
Sie sind mit ihr groß geworden, haben legendäre
Partys und Konzerte dort gefeiert. Dass dieses einmalige
Open-Air-Juwel mitten im Wald reaktiviert werden
konnte, gehört zu den schönsten und wichtigsten Projekten
meiner Amtszeit“, schwärmt der Verwaltungschef.
Northeim habe dadurch bundesweit an Aufmerksamkeit
und Renommée gewonnen.
Es sei außerdem spürbar, dass Hotels und Pensionen,
die Gastronomie und der Einzelhandel von den rund
40.000 Konzertbesuchern pro Jahr profitieren. „An den
Konzertwochenenden ist die Stadt sehr gut besucht, und
wir treffen überall fröhliche Menschen. Genau darauf
wollen wir aufbauen und gemeinsam mit der neu gegründeten
Northeimer Gesellschaft für Wirtschaftsförderung,
Marketing und Tourismus Konzepte entwickeln,
die diesen Erfolg nachhaltig steuerbar macht“,
sagt Hartmann.
96 2 |2026
leben
EINEN KONKURRENZKAMPF, etwa mit dem Oberzentrum
Göttingen und den dortigen Event-Locations wie
Lokhalle oder Stadthalle, kann der Northeimer Bürgermeister
indes nicht erkennen: „Ich möchte, dass Northeim
als Bestandteil einer starken und wachsenden Region
wahrgenommen wird.“ Alle, die in Verantwortung
stehen, hätten erkannt, dass zusammen mehr erreicht
werden könne. „Deswegen freue ich mich über das großartige
kulturelle und musikalische Programm in ganz
Südniedersachsen. Und ich bin glücklich, dass die Städte
und Gemeinden und die Veranstalter in ihre Spielstätten
investieren. Ich bin sicher, dass da in Zukunft noch mehr
gehen wird. Auch und vor allem gemeinsam.“
Auf Gemeinsamkeit setzt auch Living-Concerts-Chef
Sadlon. Northeim habe „richtig Lust auf Konzerte“,
und dementsprechend gebe es eine „hervorragende Zusammenarbeit
mit der Stadt Northeim, dem Technischen
Hilfswerk, der Polizei, dem Busunternehmen Weihrauch
Uhlendorff, vielen weiteren Unternehmen und Organisationen
sowie nicht zuletzt mit dem direkt nebenan gelegenen
Hotel Freigeist“.
Sowohl die Waldbühne in Northeim als auch die Rennbahn in
Bad Harzburg punkten mit Atmosphäre und Publikumsnähe.
FOTO: MINER’S ROCK UG
DAS ENGAGEMENT vor Ort stimmt also. Trotzdem
braucht es natürlich auch immer wieder namhafte
Künstler, um die Erfolgsgeschichte fortschreiben zu
können. Die zu bekommen, ist inzwischen deutlich einfacher
als noch vor einigen Jahren. Sadlon: „Es hat sich
mittlerweile herumgesprochen, dass die Waldbühne eine
fantastische Location ist. Vor allem die Form des
Amphitheaters mit der Sicht auf das Publikum begeistert
Künstlerinnen und Künstler immer wieder. Dazu die
stimmungsvolle Lage mitten im Wald. Northeim ist zwar
eine kleinere Stadt, aber das Einzugsgebiet ist groß.“ Ein
wesentlicher Teil des Publikums komme aus der Region:
„Als Einzugsgebiet kann man einen Radius von 100 Kilometern
sehen. Aber es kommen auch Fans aus größerer
Entfernung und verbinden das Konzert mit einem
Kurzurlaub – vor allem, wenn die Künstler nur wenige
Auftritte in Deutschland spielen.“
BÜRGERMEISTER HARTMANN wird all das gern hören.
Für ihn ist die Waldbühne, die bereits in den 1930er-
Jahren gebaut wurde, „wirklich eine Herzensangelegenheit“.
Jedes Konzert, jede Party, die er auf der Waldbühne
besucht habe, sei ein besonderes Highlight gewesen.
„Ein ganz besonderer Moment war aber das Konzert
von Johannes Oerding im Jahr 2022. Es war das
erste Konzert nach dem Restart unserer Waldbühne, und
es war nach der Corona-Pandemie auch eine der ersten
großen Veranstaltungen überhaupt in unserer Stadt. Die
Menschen und auch der Künstler selbst waren einfach
begeistert, unendlich fröhlich. Man spürte, dass da eine
ganz besondere Aufbruchstimmung in der Luft lag.“ ▸
2 |2026 97
leben
FOTO: MINER’S ROCK UG
Veranstalter und Künstler lassen sich einiges einfallen, um die Zuschauer zu begeistern – wie hier in Bad Harzburg.
Wenn Hartmann Oerding in diesem Jahr erneut live
sehen möchte, muss er seine Stadt allerdings verlassen
und in den Nachbarlandkreis fahren. Deshalb an dieser
Stelle: Ortswechsel, 50 Kilometer Luftlinie in Richtung
Nordosten. Kaum eine Autostunde entfernt von der
Northeimer Waldbühne liegt die Galopprennbahn Bad
Harzburg. Auch die hat sich inzwischen einen Namen
als besondere Freiluft-Konzert-Location gemacht – allerdings
mit einem anderen Konzept als in Northeim.
Seit 2024 veranstaltet die Miner's Rock UG aus Goslar
unter dem Label „Yellow Jockey“ an jeweils einem
Wochenende im Sommer drei Konzerte an drei aufeinander
folgenden Tagen. Wie bei einem Festival werden dann
sogar Wohnmobil-Stellplätze vor Ort vermietet – für die
Fans, die gleich mehrere Tage bleiben wollen. In diesem
Jahr wird es erstmals vier Events an vier Tagen geben:
Neben Johannes Oerding sind Dick Brave, Matthias
Reim und zum zweiten Mal nach 2025 die „90s Super
Show“ angekündigt – diesmal unter anderen mit Whigfield,
Loona, East 17, Oli P., Bellini und DJ Quicksilver.
GESCHÄFTSFÜHRER SÖREN BEHME beschreibt, wie es
dazu kam: „Wir haben als Freundeskreis schon zuvor
über viele Jahre Konzerte an anderen Locations wie zum
Beispiel dem Rammelsberg in Goslar veranstaltet und
waren auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.
Ein guter Freund und heutiger Partner brachte dann die
Idee ins Spiel, auch einmal an die Rennbahn zu denken
– und dann ging es tatsächlich recht schnell.“
Parallele zu Northeim: Es gab vor Jahren schon einmal
Konzerte auf der Rennbahn, allerdings von unterschiedlichen
Veranstaltern und unter wechselnden Überschriften.
„Wir sind nun im dritten Jahr unterwegs und werden
2026 die Konzerte sieben bis zehn unter dem Label
Yellow Jockey Open Air durchführen. Eine solche Kontinuität
hat es an dieser Location bislang nicht gegeben“,
betont Behme.
EINE WEITERE ÄHNLICHKEIT ZUR WALDBÜHNE ist,
dass auch die Galopprennbahn quasi mitten im Grünen
liegt, umgeben von den Harzer Bergen. Behme und die
drei anderen Gesellschafter können hier auf eine Infrastruktur
zurückgreifen, die andernorts erst aufwendig
temporär errichtet werden müsste: Es gibt eine Tribüne,
eine Stromversorgung, feste Toilettenanlagen, Räumlichkeiten
für Künstler und Produktionsbüros sowie große
Parkflächen direkt am Gelände. „Insofern sind wir vermutlich
eines der Open-Air-Formate mit dem grünsten
Fußabdruck“, meint der Geschäftsführer.
Etwa ein Drittel der Konzertbesucher kommt den Veranstaltern
zufolge aus Bad Harzburg oder den direkt
umliegenden Städten wie Goslar oder Langelsheim, ein
weiteres Drittel kommt aus einem Umkreis von etwa
100 Kilometern – also aus Braunschweig, Hannover,
Wernigerode oder auch aus Göttingen. Das letzte Drittel
sind treue Fans der jeweiligen Künstler, die eine weitere
Anreise in Kauf nehmen – oder Urlaubsgäste, die ohnehin
im Harz sind.
98 2 |2026
leben
» Die Waldbühne gehört zu den
emotionalsten Themen und legendärsten
Orten in Northeim und der
gesamten Region.«
FOTO: STADT NORTHEIM FOTO: MINER’S ROCK UG
Bürgermeister Simon Hartmann
Die Northeimer Waldbühne entstand bereits in den 1930er-Jahren.
Und damit sich eine Konzertreihe rechnet, braucht es in
der Tat jede Menge zahlendes Publikum. Behme: „Unter
10.000 Besucherinnen und Besuchern an einem Wochenende
ist es wirtschaftlich kaum darstellbar, dafür sind
die Grundkosten für eine solche Veranstaltung zu hoch,
nicht nur bei uns.“ Zu diesen gehören nicht nur die
Künstlergagen und die Kosten für die Bühne inklusive
Technik und Licht, sondern beispielsweise auch die Kosten
für Personal, Miete, Catering, Versicherungen,
Sicherheit, GEMA, Energie, Steuerberater oder die Internetseite
nebst Webshop. „Das haben wir 2025 schmerzhaft
erfahren, da der Termin in den Sommerferien
schlicht nicht optimal war“, gesteht er ein.
Letztlich sei jedes neue Konzertwochenende auch immer
ein Risiko: „Notwendige Zwischenfinanzierungen
erhalten wir von den Banken nur, wenn wir Gesellschafter
auch persönlich haften. Das tun wir – und stellen uns
dabei durchaus regelmäßig die Frage, ob das richtig und
klug ist. So manche schlaflose Nacht hat es hier mit
Blick auf die Kalkulation und Ticketverkäufe auch
schon gegeben. Aber es ist das, was wir lieben. Insofern
folgt hier das Notwendige dem Willen.“
KLAR IST ABER AUCH: Die Stadt Bad Harzburg und die
Umgebung partizipieren inzwischen am Erfolg des noch
jungen Event-Formats. Behme: „Die Effekte sind deutlich
spürbar – etwa bei Übernachtungszahlen, Gästeund
Kurbeiträgen oder in unseren eigenen Umsätzen,
auf die wir Steuern zahlen. Dazu gehört auch die Wahrnehmung
des Harzes und speziell von Bad Harzburg.
Und auch der Einzelhandel und die Gastronomie profitieren.“
Zudem kooperieren die Veranstalter – soweit
möglich – mit lokalen Partnern, beispielsweise bei Getränken,
bei der Künstlerunterbringung, bei Fahrzeugen
oder beim Catering: „Da greifen wir auf Unternehmen
in der Nähe zurück.“
Im Gegenzug setzen Behme und seine Mitstreiter
dann aber auch auf den Support vor Ort: „Die Unterstützung
ist klar vorhanden, wofür wir sehr dankbar
sind. Insbesondere die Stadt Bad Harzburg, der Rennverein
als Hausherr und die breite Unterstützung durch
Sponsoren machen die Events möglich. Auch Institutionen
wie Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst stehen
an unserer Seite.“
Ohne die Unterstützung der regionalen Wirtschaft
würde es laut Behme nicht funktionieren: „Das Engagement
darf gern noch wachsen und vor allem langfristiger
werden. Denn wir buchen Künstler bereits heute für
2027 und 2028. Dafür brauchen wir auch finanzielle
Planungssicherheit – sonst ziehen unsere Familien
irgend wann den Stecker aus der Bühnenbeleuchtung.“ ▸
2 |2026 99
leben
FOTO: LIVING CONCERTS
Tausende Fans strömten für die Konzerte von Johannes Oerding zur Northeimer Waldbühne (hier ein Bild aus dem Jahr 2023).
DIE VIER GESELLSCHAFTER gehen alle regulären Berufen
nach und leben nicht von den Yellow Jockey Open
Airs – ein wichtiger Unterschied zur Waldbühne in
Northeim. „Alles, was mit den Konzerten zu tun hat,
machen wir in unserer Freizeit – an Wochenenden oder
nach Feier abend.“ In den Veranstaltungswochen selbst
nehmen sie dann sogar Urlaub, um sich voll auf die
Events fokussieren zu können. „Dazu haben wir als
Unterstützung auch einen großen Pool an Mitarbeitern
– viele davon Freunde –, die uns zum Teil seit vielen
Jahren bei Konzerten unterstützen. Sei es beim Aufund
Abbau, an den Theken, bei der Künstlerbetreuung,
beim Einlass, als Parkeinweiser oder bei der Reinigung
der Toiletten und des Geländes.“ Mehr als 50 Mitarbeiter
werden jedes Jahr angemeldet, damit alles reibungslos
funktioniert. Behme weiß: „Allein könnten
wir das Wochenende nicht mit vier Gesellschaftern bewältigen.“
NORTHEIM UND BAD HARZBURG: In beiden Städten
haben die Veranstalter mit unterschiedlichen Ansätzen
bemerkenswerte Erfolgsgeschichten geschrieben – und
damit bewiesen, dass es keine Großstadt braucht, um
große Stars in die Heimat zu holen. ƒ
100 2 |2026
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PROFIL
Florian, Britta und Walter Möller von der THE HARZ DISTILLERY GmbH.
„Wir leben für Genuss und Leidenschaft“
Die Ausflugsregion Harz ist um eine Attraktion reicher geworden: The HARZ DISTILLERY in Bad Lauterberg hat seit
Oktober 2025 für Besucher geöffnet. In der Region macht die Erlebnisdestillerie zunehmend von sich reden.
Seit fünf Generationen ist Familie Möller
mit dem Kräuter-Halb-Bitter Schierker
Feuerstein am Markt. In der The HARZ
DISTILLERY dreht sich nun alles um Gin,
Brände, Geiste, Liköre, Genuss und Erlebnis.
„Das Ziel war es, unsere Heimat Harz um ein
neues Ausflugsziel zu bereichern. Jetzt freuen
wir uns riesig, dass sich unsere Erlebnisdestillerie
herumspricht und die Menschen
neugierig sind auf das, was wir für die Region
geschaffen haben“, sagt Walter Möller,
Geschäftsführer von The HARZ DISTILLERY.
DAS AUSFLUGSZIEL mit Erlebnischarakter
steht für handwerkliche Brennkunst, die mit
Touren, Tastings und Events erlebbar wird.
Schon der Begriff Erlebnisdestillerie weckt Erwartungen
… die erfüllt werden: Aktuell bietet
The HARZ DISTILLERY monatlich die Guided
Tour an – eine geführte Tour durch die Destillerie
und die Ausstellung auf der Empore.
Dabei erhalten die Gäste spannende Einblicke
in die Welt der Spirituosenherstellung. Den
genussvollen Abschluss bildet ein Tasting mit
drei Destillaten. „Unsere Guided Tours sind
inzwischen sehr gefragt. Sie verbinden lebendiges
Wissen mit dem Erlebnis, mitten ins Herz
unserer Destillation zu schauen“, so Möller.
Wer lieber mit einer Self-Guided Tour individuell
auf Entdeckungstour in der Ausstellung
gehen möchte, kann die Destillerie während
der Öffnungszeiten eigenständig erkunden –
ein kleines Tasting inklusive.
IM STORE warten feinste Spirituosen, passende
Accessoires und mögliche Geschenke
– etwa ein gemeinsames Tasting, das Feierlichkeiten
unvergesslich macht. Sohn Florian Möller
erinnert sich an die Buchung einer Freundesgruppe:
„Die sechsköpfige Runde hatte
sich das Tasting gegenseitig geschenkt und wochenlang
darauf gefreut. Was uns dann besonders
zu Herzen geht, sind die Rückmeldungen
der Gäste: Viele bedanken sich für die tolle Zeit
bei uns und vor allem beim Store-Team, das so
intensiv berät, dass man ihre Liebe und Leidenschaft
förmlich spürt.“
Aber wo liegt nun der besondere Reiz dieser
Destillerie? Für Britta Möller keine Frage:
„Dass wir eine Erlebnisdestillerie sind! Wir
nehmen unsere Gäste mit hinter die Kulissen
und versuchen ihnen die Kunst der Spirituosenherstellung
näherzubringen. The HARZ
DISTILLERY vereint Wissen, Handwerkskunst,
Genuss und die Offenheit, Neues auszuprobieren.
Dieser Ort soll Menschen verbinden.“
ÖFFNUNGSZEITEN
Montag – Samstag: 10 – 18 Uhr
(außer an Feiertagen)
und an ausgewählten Sonntagen
The HARZ DISTILLERY GmbH
Zollweg 11
37431 Bad Lauterberg im Harz
www.theharzdistillery.de
leben
»Der kaufmännische Part innerhalb eines Kulturbetriebes
wird künftig eine existenzielle Funktion einnehmen.«
Markus Kuhlmann ist seit 1. August 2025 kaufmännischer Geschäftsführer
der Gandersheimer Domfestspiele.
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA
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leben
„Eher Chance
als schweres Erbe“
Mit Beginn der 67. Spielzeit der Gandersheimer Domfestspiele ist Markus Kuhlmann
seit fast einem Jahr kaufmännischer Geschäftsführer des größten niedersächsischen
Freilufttheaters. Im faktor-Interview blickt er auf arbeitsreiche Monate zurück –
und verrät, worauf er sich bei den diesjährigen Festspielen besonders freut.
INTERVIEW MARKUS RIESE
Herr Kuhlmann, wie lief denn Ihre erste komplette Vorbereitung
einer ganzen Saison?
Unglaublich, es ist wirklich schon wieder fast ein Jahr
her. Die Zeit ist so schnell vergangen, dass ich das gar
nicht bemerkt habe. Die Vorbereitung war so vielfältig,
dass nicht ein Tag ohne Veränderungen verging. Wirtschaftsplan,
Jahresabschluss, Fördermittelabrechnung
und -beantragung, Sponsorensuche, neues Marketingkonzept,
Behebung von Sanierungsstaus, Digitalisierung
der Verwaltung, Umgestaltung des Außenbereiches vor
der Freilichttribüne – das waren nur einige Themen, die
mich beschäftigt haben. Ich entschuldige mich vielmals
bei meinen Kolleginnen und Kollegen, die dieses wahnsinnige
Tempo mit mir mitgehen mussten. Aber es hat
sich gelohnt. Wir sind gemeinsam viele offene Themen
der Vergangenheit angegangen.
Vor Ihrem Amtsantritt gab es nicht immer nur positive
Schlagzeilen zur Geschäftsführung. Haben Sie ein schweres
Erbe angetreten – oder war Ihr Start eher Chance für die
Domfestspiele, ein paar Turbulenzen hinter sich zu lassen?
Ich schaue grundsätzlich nicht in die Vergangenheit,
wenn ich Führungsposten übernehme. Auch kritisiere
ich die vorherigen Geschäftsführungen nicht. Warum
auch? Die Vergangenheit kann man nicht ändern, und
jede Führungskraft hatte mit anderen Gegebenheiten zu
kämpfen. Ich denke, es ist jetzt an der Zeit, die Vergangenheit
ruhen zu lassen und mit Optimismus und Tatendrang
in die Zukunft zu schauen. Von daher ganz
klar eher Chance als schweres Erbe.
Die 66. Spielzeit war erfolgreich, die Besucherzahlen reichten
aber nicht ganz an die beiden ABBA-Jahre zuvor heran.
Spüren Sie einen gewissen Druck, gleich in Ihrer ersten
Spielzeit gute Zahlen liefern zu müssen?
Es ist zu berücksichtigen, dass in den beiden ABBA-Jahren
unter anderem auch Zusatztermine angeboten wurden. In
der vergangenen Spielzeit hatten wir mit Johnny Cash ein
Genre bedient, das deutlich weniger Fans aufweist als das
von ABBA. Trotzdem war das Musikstück wieder unsere
beliebteste Veranstaltung, mit sehr hohen Besucherzahlen.
Aber auch die Klassiker „Ein Sommernachtstraum“ und
„Cabaret“ erzielten eine hohe Auslastung. Daneben waren
unsere Studiostücke ausverkauft. Ein weiterer Grund
ist aber auch immer das Wetter. Je nach Wetterlage zieht
es mehr oder weniger Kurzentschlossene in das Freilichttheater.
Der Sommer war eher durchwachsen. Von daher
dürfen wir mit den Besucherzahlen mehr als zufrieden
sein, und diese lagen auch über den Planwerten.
Also kein Druck?
Nein, Druck verspüre ich nicht. Es überwiegt eher die
Vorfreude, unseren Gästen eine schöne Zeit zu ermöglichen.
Die überdurchschnittlichen Vorverkaufszahlen für
diese Saison lassen eine sehr gute Auslastung erahnen, die
an die ABBA-Jahre heranreichen. ▸
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leben
Die Auswahl der neuen Stücke liest sich vielversprechend,
und im Ensemble gibt es einige neue Namen. Wie wichtig
sind aus Ihrer Sicht da die „bewährten Gesichter“?
Sie sind sicherlich wieder unsere Publikumsmagnete bei
den kommenden Inszenierungen und dienen gleichzeitig
als Vorbilder und Mentoren für die neuen Schauspielenden.
Allen voran Nadine Kühn, Dominik Müller und
Stephan Luethy ziehen seit Jahren die Besucherinnen
und Besucher in ihren Bann und haben ihre eigene Fanbase
in der Region. Mit Nadine Kühn und Sylvia Heckendorn
als jeweilige Ringpreisträgerinnen haben wir
die größten Publikumslieblinge der letzten Spielzeiten
unter Vertrag, die seinerzeit durch reine Zuschauervotings
prämiert wurden, Nadine sogar zweifach.
Und die Neuen im Cast?
Wiir haben fantastische neue Gesichter engagiert, die
sich ebenfalls ihren Namen an der Stiftskirche machen
werden. Bei den 20 Darstellerinnen und Darstellern ist
das Verhältnis zwischen bekannten und in Bad Gandersheim
noch unbekannten Gesichtern recht ausgewogen.
Sie waren zuletzt bei einem Energieversorger in Nordhausen
tätig, davor bei drei Eichsfelder Gesellschaften in Duderstadt
über elf Jahre Geschäftsführer. Jetzt die Domfestspiele:
Wie wichtig ist heute der kaufmännische Part der
Geschäftsführung bei einem Kulturbetrieb?
Der kaufmännische Part innerhalb eines Kulturbetriebes
wird künftig eine existenzielle Funktion einnehmen.
Neben den typischen Bereichen Finanzen, Rechnungsund
Personalwesen gewinnen die Bereiche Fördermittelund
Sponsorenakquise, Marketing und Budgetierung
zunehmend an Bedeutung. Leider ist zu erwarten, dass
die Fördermittel aufgrund der aktuellen Haushaltslagen
immer mehr in den Hintergrund treten werden, ohne jedoch
ganz zu verschwinden. Hier gilt es, neue Einnahmemöglichkeiten
(u. a. Catering, Merchandising) zu erschließen.
Hierfür haben wir bereits jetzt den Grundstein
gelegt und die Gandersheimer Domfestspiele markenrechtlich
schützen lassen. Auch neue, ergänzende Veranstaltungsformate
schließe ich in diesem Zusammenhang
nicht aus.
Sie sind in der Region verwurzelt, kommen aus Bilshausen
und haben in Göttingen studiert. Welchen Bezug hatten Sie
vor Ihrem Amtsantritt zu den Domfestspielen?
Die Antwort ist recht einfach, ich war zweimal zu Gast
bei den Domfestspielen, zu welchen mich ein damaliger
Sponsor im Rahmen meiner Stadtwerke-Geschäftsführertätigkeit
eingeladen hatte. Die Domfestspiele sind für
mich so gesehen komplettes Neuland, wobei ich aber
Rechnungswesen, Marketing und Personalführung
bran chenübergreifend ansehe und im Bereich Veranstaltungsmanagement
infolge meines jahrzehntelangen privat
begründeten Engagements Erfahrungen mitbringe.
Stimmungsvoll: Der Dom bietet vor allem bei den Abendvorstellungen eine
beeindruckende Kulisse.
ZUR PERSON
Markus Kuhlmann (54) ist Diplom-Kaufmann
und gelernter Steuerfachangestellter. Bevor er
die kaufmännische Geschäftsführung der
Gandersheimer Domfestspiele übernahm, war
er Ressortleiter Betriebswirtschaft & Vertrieb bei
der Energieversorgung Nordhausen GmbH.
Zuvor hatte sich Kuhlmann elf Jahre lang als
dreifacher Geschäftsführer (Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe
GmbH, Eichsfelder Energie- und
Wasserversorgungs GmbH, Eichsfelder Blockheizkraftwerk
und Bäder GmbH) in Duderstadt um
das Finanz- und Rechnungswesen, die
Betriebsorganisation, den Personalbereich
sowie die Beantragung und Verwaltung von
öffentlichen Fördermitteln gekümmert. Studiert
hat er an der Uni Göttingen (Betriebswirtschaft).
Durch langjährige ehrenamtliche Tätigkeiten
besitzt Kuhlmann zudem vertiefende Kenntnisse
im Gemeinnützigkeits- und Vereinsrecht.
104 2 |2026
leben
FOTO: JULIA LORMIS / GANDERSHEIMER DOMFESTSPIELE
Bei der Programmzusammenstellung setzen Sie wieder auf
einen abwechslungs reichen Mix; auch eine Musikrevue ist
wieder dabei. Rücken klassische Stücke eher in den Hintergrund,
wenn es darum geht, die Tribüne voll zu bekommen?
Das kann man so nicht sagen. Mit „Pinocchio“, „Das
Bildnis des Dorian Gray“ und „Die acht Frauen“ haben
wir gleich drei Klassiker im Angebot. Ein bestimmter
Teil der uns zugedachten Zuschüsse wird genau für diese
Stücke verwendet. Der Zuschussgeber gibt damit vor,
diese Mittel ausschließlich für die Klassiker einzusetzen.
Die großen Erfolge von „Ein Sommernachtstraum“ und
„Cabaret“ im vergangenen Jahr zeigen aber auch, dass
man Klassiker publikumswirksam inszenieren kann. Die
Auszeichnungen beim Da Capo Musical Award 2025
sprechen hier für sich.
Wie dürfen wir uns die Zusammenarbeit mit dem langjährigen
Intendanten Achim Lenz vorstellen?
Die Zusammenarbeit mit Achim ist hervorragend. Wir treffen
uns regelmäßig und stimmen uns untereinander ab. Für
mich ist auch entscheidend, einen Einblick in die Branche
zu bekommen. 25 Jahre Energiewirtschaftswissen kann ich
leider nur punktuell bei unseren Strom- und Gaspreisverhandlungen
einsetzen – aber ich glaube, Achim ist jetzt
auch ein wenig geübter in betriebswirtschaftlichen Analysen.
Und im Gegenzug darf ich schon jetzt etwas Theaterinsiderwissen
mein Eigen nennen. Alles in allem ergänzen
wir uns doch schon recht gut, und jeder kann den anderen
zumindest punktuell vertreten, sollte dies vonnöten sein.
Ich bin Achim sehr dankbar für die Einarbeitung in die
Branche und die Vermittlung des Insiderwissens, da sind
wir aber sicherlich auch noch nicht am Ende.
Auf welche Herausforderungen sind Sie gestoßen, die Sie
vorher vielleicht nicht auf dem Schirm hatten?
Da sind zum einen der vorhandene Sanierungsstau im
Freilichttribünenbereich, aber auch das Probenzentrum zu
nennen. Im letzten Jahr haben wir erstmals in Abstimmung
mit einem größeren Fördermittelgeber Rücklagen
im Jahresabschluss bilden können. Als gemeinnützige Gesellschaft
ist keine Gewinnerzielungsabsicht vorhanden,
jedoch müssen große Reparaturen, Instandhaltungen und
Ersatzbeschaffungen über Rücklagen finanziert werden.
Was heißt das konkret?
In diesem Jahr haben wir rund 300.000 Euro in diesem
Bereich investiert. Seien es das neue Regiehaus, die Tribünenumrandung,
der Fuhrpark, aber auch die neue Podesterie
im Probenzentrum, um nur die Highlights zu nennen.
Daneben verursachen die Betriebskosten im Probenzentrum
einen nicht unerheblichen Aufwand, der in den kommenden
Jahren kompensiert werden muss. Hier sind wir in
der Entwicklung neuer, zusätzlicher Nutzungskonzepte
und werden dafür auch den damaligen Bauantrag überarbeiten.
Man darf gespannt sein, was da kommt.
Kultur wird von Politik in der Regel sehr geschätzt – aber
finanzielle Unterstützung ist oft nicht mehr oder kaum
noch möglich. Wie gehen Sie damit um? Wie wichtig sind
Sponsoren für die Domfestspiele?
Wir haben bei den Domfestspielen eine Besonderheit gegenüber
anderen Freilichtbühnen. Bei uns betragen die
Fördermittel nur rund 20 Prozent an den Gesamteinnahmen.
Dies ist ein sehr niedriger Wert, dennoch wollen und
können wir auf diese Zuschüsse nicht verzichten. Über
zwei Drittel der Einnahmen werden durch die Ticketverkäufe
realisiert. Den Rest teilen sich Sponsoring, Spenden
und sonstige Einnahmen im gleichen Verhältnis.
Wird Sponsoring künftig noch wichtiger?
Ja, wobei wir keine Stadionatmosphäre mit Bandenwerbung
schaffen wollen. Aber wir haben wir unsere
Sponsoring pakete erneuert und bepreist. Mit rund 60.000
Besucherinnen und Besuchern bei allen Veranstaltungen
auch außerhalb der Tribüne bieten wir eine hohe Sichtbarkeit
der Sponsoren. Daneben werden das Merchandising
sowie das Catering, und das insbesondere bei der
Studiobühne, zusätzliche Einnahmen generieren. Zudem
möchten wir die Verweildauer bei einem Festspielbesuch
erhöhen. Hierzu wird sich der Außenbereich verändern
und auch Illuminationen in den Abendstunden soll es zusätzlich
geben. Mehr geht immer, aber wir wollen auch
hier und da mal das ein oder andere ausprobieren.
Worauf freuen Sie sich in Ihrer ersten kompletten Spielzeit
besonders – und worauf darf sich das Publikum freuen?
Ich freue mich auf die erste Premiere mit dem Kinderstück.
Gerade in diesem Jahr erfreut sich dieses Stück einer
großen Beliebtheit bei Schulen, Vereinen und Institutionen.
Zudem bin ich auf die Beatles-Premiere, zu der sich
Ministerpräsident Olaf Lies angekündigt hat, sehr gespannt.
An diesem Abend wird erstmals das Außengelände
illuminiert; auch der Festspielbrunnen ist wieder in
Betrieb. Sehr gespannt bin ich, wie sich unsere Werbekampagne
in Nordhessen auf die Besucherzahlen auswirkt.
Zum ersten Mal sind wir mit Hitradio FFH und der Echte-Macher-Kampagne
eine neue Zielgruppe angegangen.
Was versprechen Sie sich davon?
Wir haben nicht nur den Werbespot selbst gesprochen,
sondern berichten auch eine Woche lang im Radio über
die Domfestspiele. Ich glaube, dass Werbung mit eigenen
Leuten und bekannten Gesichtern zusätzliches Interesse
weckt. So kann man diejenigen treffen, deren Stimme
man aus dem Radio kennt. Denn auch dafür sind die Festspiele
bekannt: In familiärer Atmosphäre mischen sich die
Akteure nach den Vorstellungen unter die Gäste, das ist
etwas ganz Besonderes. Ich danke an dieser Stelle auch
den vielen Ehrenamtlichen, ohne die das alles nicht möglich
wäre. Ich denke, wir können uns mit Stolz als kultureller
Ankerpunkt in Südniedersachsen bezeichnen. ƒ
2 |2026 105
PROFIL
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Früher Bahnhof, jetzt Tagungshaus: das „Mariechen“ in St. Andreasberg.
Besser tagen –
mit besonderem Flair
Armin Asselmeyer hat im Westharz, kaum 45 Minuten von Göttingen entfernt,
eine perfekte Tagungs-Location für kleine Teams geschaffen.
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»Und alles kann, wenn man das möchte,
an einem einzigen Ort stattfinden:
arbeiten, essen, zusammen sein...«
Armin Asselmeyer
PROFIL
Genug von langweiligen, sterilen, unproduktiven
Tagungsumgebungen?
Wer für Seminare, Workshops oder
Teambuilding-Events einen besonderen Ort
mit ganz speziellem Flair sucht, sollte sich
das neue Tagungshaus „Mariechen“ in St.
Andreasberg einmal genauer ansehen. Hier
hat der auch in Göttingen bestens bekannte
Investor Armin Asselmeyer etwas realisiert,
was anderswo vielleicht nicht immer oberste
Priorität genießt: viel Raum für Arbeit, Abwechslung
und Austausch. Und das in einem
durchaus historischen Ambiente.
Bis zu 60 Personen können hier theoretisch
zusammenkommen; eigentlich richtet sich das
Tagungskonzept aber eher an kleinere Teams.
Bei Bedarf können sogar maximal 16 Gäste in
den acht Doppelzimmern des Hauses übernachten
und alle Annehmlichkeiten im ehemaligen
Bahnhofsgebäude der 1959 stillgelegten
Zahnradbahn von St. Andreasberg nutzen, das
Asselmeyer liebevoll saniert und modernisiert
hat. In der 40 Quadratmeter großen Lounge
gibt es gemütliche Sofas und einladende
Sitzgruppen; Tische und Stühle können flexibel
gestellt und an die jeweiligen Tagungsanforderungen
angepasst werden. Modernste
Tagungstechnik mit einem Großbildschirm,
Mikrofonen, und High-Speed-WLAN gehören
selbstverständlich zum Standard.
IN EINEM ERSTKLASSIG ausgestatten Kochstudio
können darüber hinaus bis zu 15 Personen
gleichzeitig und gemeinsam kochen,
probieren und natürlich auch genießen – auf
Wunsch auch mit fliegenden Köchen oder in
Form von Kochworkshops unter Anleitung.
Außerdem gibt es einen großzügigen Wellnessbereich
mit Sauna, Wärmebank, Fußbad,
Ruhebereich und einem Außenzugang. Dieser
ist auch kombinierbar mit Gesundheits- und
Biohacking-Formaten.
WER MAG, KANN IM „MARIECHEN“ auch
eine Hochzeits- oder Geburtstagsfeier veranstalten
oder einfach übernachten – oder auf
Wunsch das zweite bemerkenswerte Projekt
von Armin Asselmeyer in seinem Heimatort
St. Andreasberg besuchen, nämlich das schon
Anfang 2025 eröffnete „Spritzenhaus“. Hierbei
handelt es sich um ein inzwischen sehr beliebtes
Café und Bistro mit angeschlossenem
Regionalladen, Postfiliale und Backwaren-Verkauf.
Auf die Tische kommt hier Kaffee in Barista-Qualität
und frisch gebackener Kuchen –
serviert von einem Team, das dieses Konzept
im besten Sinne lebt. Das hat sich inzwischen
weit über St. Andreasberg herumgesprochen.
Armin Asselmeyer wünscht sich nun, dass
auch das neue „Mariechen“-Konzept ähnlich
gut angenommen wird. „Das Haus ist ideal
für kleine Teams oder Abteilungen, die einfach
mal ein paar Tage raus wollen aus ihrem
gewohnten Umfeld. Unsere Location bietet
nicht nur Abstand zum Alltag, sondern auch
einen wunderschönen Blick ins Grüne“, nennt
Asselmeyer einen wichtigen Aspekt. Hier könne
sich Kreativität besonders gut entfalten.
UND IN DER TAT: In diesem außergewöhnlichen
Tagungs-Setting steht nicht der gewohnte
Stress im Vordergrund, nicht der
übliche Termindruck – sondern es geht hier
vielmehr um die Themen und Gespräche, die
im Büroalltag vielleicht sonst ein bisschen zu
kurz kommen. „Und alles kann, wenn man
das möchte, an einem einzigen Ort stattfinden:
arbeiten, essen, zusammen sein“,
beschreibt Asselmeyer das Konzept: „Das
schafft Ruhe und Fokus für das, was wirklich
wichtig ist.“
Das unter Denkmalschutz stehende frühere
Bahnhofsgebäude der St. Andreasberger
Kleinbahn diente der Stadt einst als Kurverwaltung
und anschließend, bis 2005, als
Atelier. Seitdem stand es leer und fand lange
keinen Käufer – bis Armin Asselmeyer es
für sich entdeckte und seine Vision von einem
Tagungshaus hier realisierte. Gäste aus
Göttingen und ganz Südniedersachsen sind
herzlich willkommen.
Markus Riese
Wohlfühlen während der Tagung: Das „Mariechen“
strahlt Gemütlichkeit aus.
Ein Wellnessbereich lädt zum Entspannen ein.
Mariechen – Wohnen, Feiern, Tagen
Am Glockenberg 12
37444 Sankt Andreasberg
Betreiber:
Alter Bahnhof St. Andreasberg GbR
Armin Asselmeyer
a.asselmeyer@web.de
www.mariechen-harz.de
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PROFIL
Mehr Erlebnis.
Mehr BMW.
BMW Göttingen erstrahlt in neuem Glanz.
Mit der Wiedereröffnung im April hat BMW
Göttingen ein neues Kapitel aufgeschlagen:
Nach umfangreichem Umbau ist aus dem
klassischen Autohaus ein moderner Erlebnisraum
entstanden, der die Marke BMW neu
interpretiert.
Der neue Standort verbindet Design, Innovation
und persönliche Beratung zu einem ganzheitlichen
Erlebnis. Offene Showroom-Flächen,
moderne Lounges und neu gestaltete Beratungsbereiche
schaffen eine Atmosphäre, in
der sich Besucher willkommen fühlen. Gleichzeitig
sorgen optimierte Serviceabläufe für
mehr Komfort und Effizienz.
Im Mittelpunkt steht vor allem die persönliche
Begegnung mit der Marke BMW. Der
Standort in Göttingen zeigt, wie moderne
Mobilität heute gedacht wird – emotional,
nachhaltig und zukunftsorientiert. Innovation
wird hier nicht nur präsentiert, sondern
erlebbar gemacht.
WEITERDENKEN. WEITERFAHREN.
Mit dem BMW iX3 hat BMW den nächsten
Schritt in Richtung elektrischer Zukunft konsequent
weitergedacht. Das Modell verbindet
moderne Elektromobilität mit typischer
BMW-Fahrfreude und steht für eine neue
Form von Performance – dynamisch, effizient
und lokal emissionsfrei.
Kraftvolles Design trifft auf intelligente
Technologie und eine intuitive Bedienung, die
das Fahrerlebnis auf das Wesentliche konzentriert.
Der BMW iX3 zeigt, wie sich Nachhaltigkeit
und Fahrdynamik selbstverständlich
miteinander verbinden lassen.
Die Präsentation des iX3 im Rahmen der Wiedereröffnung
unterstreicht, wofür BMW Göttingen
heute steht: Fortschritt, Innovation
und Mobilität mit Zukunft.
BMW Göttingen
Herbert-Quandt-Straße 8
37081 Göttingen
Tel. 0551 99909-3010
www.bmw-goettingen.de
Cyberangriffe größte
Bedrohung für Mittelständler
Gothaer Waterkamp bietet maßgeschneiderte Absicherung
In den vergangenen fünf Jahren ist das Bewusstsein
für das Risiko, Opfer voncCyberkriminalität
zu werden, kontinuierlich gestiegen.
Hackerangriff, Datenklau, Viren oder Trojaner:
Kein anderes Szenario fürchten kleine und
mittlere Unternehmen (KMU) so sehr wie das
einer Cyber-Attacke. So sehen 48 Prozent der
KMU in Deutschland Cyber-Angriffe als bedrohlichste
Gefahr für ihren Betrieb an, doch
nur 21 Prozent haben eine Cyberversicherung.
Und tatsächlich hat fast jedes dritte Unternehmen
bereits einen Cyberangriff erlebt.
Von Schadensersatzforderungen über Datenbeschädigungen
DSGVO Verstößen bis zur
Betriebsunterbrechung können diese für die
Unternehmen existenzbedrohend werden. Zudem
steht die Geschäftsführung in der Verantwortung,
sofern keine Maßnahmen und Absicherungen
getroffen wurden.
„Es ist nicht die Frage, ob
ein Unternehmen gehackt wird,
sondern wann.“
Arne Schönbohm, (ehem. Präsident BSI)
Vor diesem Hintergrund sollten die eigenen
IT-Sicherheitsmaßnahmen durch eine
Cyber-Versicherung ergänzt werden.
Die Gothaer bietet mit ihrer Produktlösung
einen umfassenden Schutz für Unternehmen.
Durch die Zusammenarbeit mit IT-Forensikern
und weiteren 24/7/365-Tage Assistance
Leistungen wird der Aufwand im Schadenfall
für die betroffene Firma erheblich reduziert.
Für weitere Informationen fragen Sie: Hanjo
M. Waterkamp (Tüv-zertifizierter Fachberater
für Cyberrisiken (TÜV Rheinland)
Bezirksdirektion
Hanjo M.Waterkamp
Zertifizierter Fachberater für Cyberrisiken
(TÜV Rheinland)
Theaterplatz 6, Göttingen
Tel. 0551 58360
www.waterkamp.gothaer.de
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30 Jahre Mazzoni –
Beständigkeit mit Haltung
Seit der Eröffnung am 13. September 1996 steht das Restaurant Mazzoni
in Göttingen für eine klare kulinarische Linie: italienische Küche, die auf
Herkunft, Qualität und handwerklicher Präzision basiert. Ohne große
Inszenierung, aber mit viel Substanz hat sich das Haus über drei Jahrzehnte
hinweg zu einer festen Größe entwickelt.
PROFIL
Das Konzept ist bewusst zeitlos geblieben.
Die Küche versteht sich als kulinarische Reise
durch Italien – von Risotto aus der Lombardei
über Klassiker wie Vitello Tonnato und Pasta-Gerichte
bis hin zu saisonalen Spezialitäten.
Im Mittelpunkt stehen dabei stets die Produkte,
ihre Qualität und eine sorgfältige Zubereitung.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Kontinuität:
Ein eingespieltes Team, viele langjährige
Mitarbeiter und eine treue Stammkundschaft
prägen das Restaurant bis heute. Statt
Trends zu folgen, setzt Mazzoni auf Verlässlichkeit
und Authentizität.
Zum 30-jährigen Jubiläum wird diese Beständigkeit
gefeiert – mit dem Motto:
„30 Jahre – 30 Tage – 30 Euro – 3 Gänge“
Vom 13. September bis 13. Oktober lädt das
Restaurant dazu ein, die eigene Geschichte auf
genussvolle Weise erlebbar zu machen.
Mazzoni ist nach drei Jahrzehnten mehr
als ein Restaurant – es ist ein Ort, der zeigt,
dass Qualität, Haltung und Kontinuität zeitlos
sind.
Mazzoni
Täglich geöffnet: 12:00 – 22:00 Uhr
Hermann-Rein-Str. 2
37075 Göttingen
Tel. 0551 34084
mazzoni@t-online.de
www.restaurant-mazzoni.de
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leben
-Kalender
Milton: Große Vielfalt
zum Abschied
DAS GÖTTINGER SYMPHONIEORCHESTER (GSO) hat sein Programm für die
Spielzeit 26/27 vorgestellt – die letzte Saison für den aktuellen Künstlerischen Leiter
und Chefdirigenten Nicholas Milton (Foto). Ab der Saison 27/28 wird Vilmantas
Kaliunas das Ruder übernehmen. Ihn hat das GSO mittlerweile als Nachfolger
präsentiert (siehe Seite 54). Zuvor dürfen sich Fans noch einmal auf ein vielfältiges
Programmangebot freuen. Auf dem Plan stehen in dieser Saison unter anderem
sieben Symphoniekonzerte, fünf Sonntagsmatineen, mehrere Promenaden- und Familienkonzerte,
fünf Kammerkonzerte und ein abwechslungsreiches Programm
auch für junge Musikfreunde. Einer von vielen Höhepunkten dürfte zudem der
„Symphonic Mob“ vor dem Alten Rathaus am 12. September werden – Göttingens
größtes Orchester. Zudem gibt es erneut ein „Concert for all senses“ und ein Festival
für zeitgenössischen Musik („Grenzgänge“). Übrigens: Drei der insgesamt acht
namhaften Dirigenten der aktuellen Spielzeit sind weiblich – der (international zu
beobachtende) Trend zu mehr Frauen am Pult setzt sich auch in Göttingen fort.
☛ Mehr Infos: www.gso-online.de
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA
Mehr als
„Kunst und Krempel“
DAS MUSEUM SCHLOSS FÜRSTENBERG nimmt noch
Anmeldungen für den beliebten Porzellan- & Glasflohmarkt
an (12. Juli, historischer Schlosshof). Rund
um das malerische Lindenrondell verwandelt sich das
Gelände in ein Paradies für Sammler – und für alle, die
auf der Suche nach besonderen Fundstücken sind. Wer
selbst Teil des Flohmarkts werden möchte, kann sich
einen Standplatz sichern. Zugelassen sind ausschließlich
Porzellan, Glas und andere Keramik.
Von 12 bis 16 Uhr läuft an diesem Tag im Trauzimmer
des Schlosses außerdem die beliebte Expertisenstunde:
Museums leiter Christian Lechelt gibt Einblicke in
Alter und Herkunft mitgebrachter Porzellanstücke,
während Dedo von Kerssenbrock-Krosigk, bekannt aus
der TV-Sendung „Kunst und Krempel“, Glasobjekte begutachtet.
Zudem können sich
Besucher eine Ausstellung
der besonderen
Art anschauen: „Der
edle Akt. Porzellan
und Erotik" ist noch
bis zum 20. Dezember
im Museum Schloss
Fürstenberg zu sehen.
☛ Mehr Infos: www.fuerstenberg-schloss.com
Whisky, Achtsamkeit
und das eigene Parfüm
UNTER DEM MOTTO „Düfte. Aromen. Erleben.“ hat das „Sensoria – Haus der
Düfte und Aromen“ in Holzminden sein neues Veranstaltungsprogramm 2026/27
vorgestellt. Ein Highlight ist ein Workshop zur Gestaltung eines eigenen Parfüms
mit einer Duftpsychologin aus den Niederlanden. Hier lernen Teilnehmer die
Kunst der Duftkomposition kennen und erschaffen unter fachkundiger Anleitung
der bildenden Künstlerin und ausgebildeten Aroma therapeutin Claudia de Vos
ihren eigenen Duft.
Ab sofort kann man sich vor Ort oder online über die Website für alle Veranstaltungen
bis April 2027 anmelden. So gibt es etwa Cocktail-, Whisky- und Wein-Tastings
oder Workshops wie „Die Kunst des Pralinenmachens“ oder „Rendez-Vous
Champagne“, während Achtsamkeits- und Wellnessformate wie „Kosmetik mit
ätherischen Ölen“ oder „Wohltuende Geschenke selbst gestalten“ Entspannung
und Kreativität verbinden.
Tipp: Bis zum 31. Oktober läuft im Sensoria außerdem
die Sonderausstellung „Hungry Eyes – Food-Fotografien
riechen, hören, fühlen“. Im Zentrum stehen
hier die Werke des Fotografen Ellis Parrinder (Foto).
☛ Mehr Infos: www.sensoria-holzminden.de
110 2|2026
-Kalender
leben
Kurz gemeldet
Termine zum
Vormerken
Karls Erlebnis-Dorf
jetzt als Pop-up-Variante
MIT DEM „KARLS POPUP-FESTIVAL“ haben die Betreiber der berühmten „Karls
Erlebnis-Dörfer“ jetzt erstmals einen temporären Standort eröffnet – und zwar
in Wernigerode. Hier entstand in den vergangenen Monaten eine bunte Erlebniswelt
für die ganze Familie. Dafür wurden sogar eigene Attraktionen und
Erlebnisbereiche speziell für das PopUp-Festival entwickelt und gebaut. Zu den
Karls-Klassikern gehören unter anderem eine Traktorbahn, die Erdbeer-Raupenbahn,
eine große Manufakturen-Markthalle, eine Erdbeer-Hüpfburg, ein Strohlabyrinth,
ein Indoor-Tobeland, Mini-Bagger sowie eine Kartoffelsackrutsche.
Der Eintritt ist – wie immer bei Karls – frei. Für die Attraktionen können die
Besucher vor Ort eine Tageskarte kaufen oder die Karls-Jahreskarte nutzen.
Natürlich gibt es auch Karls-typische Gastronomie – mit Spezialitäten aus der
Hof-Küche, frischem Kaffee und hausgemachtem Erdbeerkuchen. Außerdem
gibt es eine Marmeladenküche, in der täglich live Erdbeermarmelade aus originalen
Karls Erdbeeren gekocht wird – direkt vor den Augen der Besucher.
Das Karls PopUp-Festival ist täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Der gesamte
Festivalbereich ist 100 Prozent bargeldlos.
DAS KWP-FESTIVAL kehrt dieses Jahr als traditioneller
Abschluss des Göttinger Kultursommers
in den Kaiser- Wilhelm-Park zurück.
Die Besucher erwartet am 14. und 15. August
ein vielfältiges Programm aus Indie, Pop,
Soul und Rock. In diesem Jahr unter anderem
dabei: Paula Carolina, Raum27, Blues Pills,
Young Gun Silver Fox und Dilla.
SPECTACULUM PFALZ GRONA: Zum dritten
Mal veranstalten der Verein Grün Weiß Hagenberg
und der „Nachbarschaftsverein Holtenser
Berg Hagenberg“ einen großen
Non-Profit-Mittelaltermarkt am 29. und 30.
August – mit Live-Musik, Zauberei und Feuer-Varieté,
Walking Acts, einer Ausstellung,
Führungen, Vorträgen und Turmbesteigungen.
50 Aussteller und Künstler präsentieren
Minnegesang, Strohballenkämpfe, Verkaufsstände,
Bogenschießen, Tauziehen, Hüpfburgen,
Wahrsagungen und das größte handbetriebene
Karussell Europas auf dem alten
Burggelände der Pfalz Grona zu Göttingen.
Der Eintritt ist frei – und die Veranstalter locken:
„Taucht ein in die Zeit der Vagabunden,
Ritter, Wegelagerer und edlen Leute!“
☛ Mehr Infos: www.karls.de/wernigerode
Hawaii-Feeling im Gartetal
WENN PLÖTZLICH HAWAIIANISCHE KLÄNGE durch die Luft
schweben und Menschen mit Dauerlächeln und Ukulele unterm
Arm unterwegs sind, dann ist es wieder so weit: Das 8. Göttinger
Ukulelefest lädt für Samstag, 15. August, in die Historische Spinnerei
Gartetal ein.
Unter dem Motto „Hula Blues“ erwartet die Besucher ein
musikalischer Kurzurlaub zwischen Südsee, Blueskneipe und Romantik.
Workshops ab 14 Uhr, Mitmachaktionen und ein stimmungsvolles
Abendprogramm ab 18 Uhr machen das Festival zu
einem Treffpunkt für Livemusik-Begeisterte. Mit dabei sind unter
anderem Detlef Bunk, Heartburn Billy & his Burning Harz sowie
die Göttinger Kultband Front Porch Picking (Foto).
☛ Mehr Infos: www.ukulelefest-goettingen.de
2 |2026 111
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Verlag
faktor – das Entscheider- Magazin für die Region Göttingen
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Berliner Straße 10
37073 Göttingen
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Fax 0551 30983911
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USt-IdNr.: DE244260937 | Amtsgericht Göttingen HRB 4281
Herausgeber
Marco Böhme
boehme@faktor-magazin.de
Chefredakteur
Markus Riese (V.i.S.d.P.)
riese@faktor-magazin.de
Autoren
Matthias Brunnert, Anja Danisewitsch, Rupert Fabig,
Markus Hartwig, Tobias Kintzel, Carolin Köpp, Stefan Liebig,
Norman Lippert, Margareta Vogel
Art-Direction & Grafik
Anke Steines
Fotografie / Weitere Bilder
Alciro Theodoro da Silva, Marco Bühl, Markus Hartwig,
Peter Heller, Florian Spieker / Freepik, Pixabay, Canva,
Adobe Firefly (z.T. werden KI-generierte Inhalte verwendet)
Lektorat
CoLibris-Lektoratsbüro Dr. Barbara Welzel
Vertrieb
Viola Kempf
Marketing
Christiane Wiese-Brahimi, Anastasia Riesling (Assistenz)
Geschäftsführender Gesellschafter
Marco Böhme
Auflage
10.000
Druckerei
Schleunungdruck GmbH
Anzeigenschluss der nächsten Ausgabe ist der
14. August 2026, Redaktionsschluss eine Woche später.
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Ines Berke, Ines Dietze, Prof. Dr. Uwe Fischer, Rainer Giese,
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Obermann, Borzou Rafie, Thomas Richter, Marco Scheuchzer,
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Leistungen rund um Leckortung, technische Trocknung, Demontage,
Schadstoffsanierung und Wiederherstellung ab.
Zum weiteren Leistungsportfolio gehören:
• Estrich- und Putzarbeiten
• Trockenbau und Dämmung
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Für alle anderen Gewerke stehen langjährige Partnerunternehmen
aus der Region zur Verfügung. Dank unseres großen, eigenen Maschinenparks
reagieren wir flexibel und schnell. Unsere erfahrenen
Projektleiter Angela Zwernemann, Marius Emmelmann und Mathias
Meinhardt koordinieren im Schadensfall alle Schritte, auch mit der
Versicherung.
Die Projektleiter Angela Zwernemann (Mitte), Mathias Meinhardt
(2. v. l.), Marius Emmelmann (2. v. r.) und die beiden Trocknungstechniker
Sven Bünning (l.) und Manuel Thieme
Victor Stahl Malermeister GmbH
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Herz der Wirtschaft
Gerade in Krisenzeiten ist auf Familienunternehmen und
inhabergeführte KMUs stets Verlass. Sie stehen für schnelle
und pragmatische Entscheidungen, regionale Verwurzelung
und die Weitergabe von Wissen über Generationen
hinweg. Sie sichern Arbeitsplätze, ermöglichen jungen
Menschen qualifizierte Ausbildungen, stärken die regionale
Wertschöpfung und gehen im besten Sinne des Wortes
mit großer Leidenschaft voran. Auch bei uns in Südniedersachsen
gibt es dafür zahlreiche Beispiele.
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Ob im Dschungel juristischer Fallstricke, beim seriösen Vermögensaufbau
oder bei Themen rund um die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens:
Wer echte Experten an seiner Seite weiß, kann sich glücklich schätzen.
Zumal sich die Voraussetzungen in vielen Bereichen immer wieder ändern,
und das gefühlt auch immer schneller. Kompetente Berater wissen dann,
was zu tun ist – und sparen Entscheidern damit letztlich viel Zeit, Geld und
im Zweifel auch jede Menge Ärger.
Außerdem im nächsten faktor: Warum das Gänseliesel in diesem Jahr ganz besonders viel Aufmerksamkeit bekommt –
und wieso es aktuell sogar in dreifacher Ausführung in Göttingen zu sehen ist.
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melden Sie sich gern bei uns. Anzeigenschluss ist am 14.8.26, Redaktionsschluss eine Woche später.
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