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faktor-Magazin Sommer 2026

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www.faktor-magazin.de

21. Jahrgang Sommer 2026 12 Euro

› PRINT | EVENTS | DIGITAL

› DAS MAGAZIN FÜR ERFOLGSGESCHICHTEN

Erfolgsgeschichte

Sie ist Chefin der Otto Group – und bis heute treue Kundin im

Göttinger Einzelhandel. faktor sprach mit Petra Scharner-Wolff

darüber, was beides verbindet. ▸ ab Seite 36


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Liebe Leserinnen und Leser,

hohe Kosten, Unsicherheit und eine insgesamt

angespannte Konjunktur prägen die wirtschaftliche

Lage der meisten KMU in Deutschland. Umso bemerkenswerter:

Viele Entscheider im Mittelstand berichten

trotz des schwierigen Umfelds und eingetrübter Erwartungen

aktuell von hoher persönlicher Zufriedenheit in ihrer Rolle.

Der sogenannte „KMU-Glücksreport“, für den YouGov im Auftrag

der Onlinedruckerei VistaPrint 617 Unternehmer in Deutschland

aus KMU mit bis zu 100 Mitarbeitern befragt hat, liefert

konkrete Zahlen. 75 Prozent der Befragten gaben demnach an,

aktuell (eher) glücklich zu sein. In der Gen Z waren es sogar

93 Prozent. 72 Prozent aller Befragten sagten, dass sie als Selbstständige

glücklicher sind als in einer Anstellung.

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Trotz eines wirtschaftlich schwierigen Umfelds hängt das

Glücksempfinden nicht ausschließlich von äußeren Bedingungen

ab. Stattdessen nennen Unternehmer vor allem Faktoren, die unmittelbar

in ihrem unternehmerischen Alltag verankert sind und

die sie direkt beeinflussen können. Mehr als die Hälfte sagen, dass

die Freiheit, den eigenen Zeitplan zu bestimmen, ein zentraler Treiber

ihrer Zufriedenheit ist. 47 Prozent ist es wichtig, etwas zu tun,

wofür sie brennen oder das ihnen am Herzen liegt. Gut ein Drittel

hebt hervor, als Entscheider eigenständig handeln zu können.

Ein weiterer wichtiger Faktor für das Glücksempfinden ist Technologie:

Drei Viertel der Befragten verwenden KI-Tools bereits mindestens

monatlich – und 72 Prozent berichten, dass KI ihre Zufriedenheit

positiv beeinflusst (!).

In dieser Ausgabe stellen wir nicht nur diverse KI-Best-Practice-

Beispiele aus der Region vor, sondern auch die KI-Vorreiterin und

heutige CEO der Otto Group, Petra Scharner-Wolff – die übrigens

im faktor-Interview einen äußerst glücklichen Eindruck hinterließ.

Überzeugen Sie sich selbst, gern auch in unserem aktuellen Podcast

auf www.faktor-magazin.de/onfire-podcast.

Viel Spaß beim Schmökern!

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Markus Riese

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2 |2026 3


hinter den kulissen

faktor intern – Einblicke in unsere Arbeit:

Was wir beim Entstehen dieser Ausgabe erlebt haben

EIN BESONDERES FORMAT richtet der

NDR-Journalist und -referent Marco Heuer

immer mal wieder bei sich zu Hause in

Hannover-Linden aus: Beim sogenannten

„Blind Booking“ engagiert Heuer im

Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „Red

Fridge“ (der namensgebende rote Kühlschrank

im Stile einer englischen Telefonzelle

ist auf dem Foto im Hintergrund zu

erahnen) vier verschiedene Künstler unterschiedlichster

Genres, die an einem Abend

in vier 30-minütigen Auftritts-Slots ihre

Arbeit vorstellen. Der Clou: Das Publikum

kauft die Tickets für den Abend „blind“.

Es weiß also nicht, welche Künstler dabei

sind und welche Genres sie bedienen.

Klingt spannend – und genau das ist es

auch. Am 10. April eröffnete faktor-Chefredakteur

Markus Riese (auf dem Foto

2. v. r.) den Abend mit einer Lesung – eigentlich

aber eher mit einem Plädoyer für

das geschriebene Wort. Als Beispiel für die

enorme Wichtigkeit der Konservierung bedeutsamer

Erinnerungen nannte er zunächst

den Holocaust-Überlebenden Leon

Weintraub und zeigte in diesem Zusammenhang

den Bericht von Stefan Liebig

über Weintraub aus faktor 1/26.

VOLLER EINSATZ FÜR DAS NEUE TITELBILD: Mit Petra

Scharner-Wolff haben wir auch in der aktuellen Ausgabe einmal

mehr eine sehr starke Persönlichkeit auf dem faktor-Titel – diese

ansprechend in Szene zu setzen, ist normalerweise die Aufgabe von

faktor-Fotograf Alciro Theodoro da Silva (in Fachkreisen Ciro genannt).

Da dieser aber zum Zeitpunkt des Interviews mit der vielbeschäftigten

CEO der Otto Group gerade verreist war,

übernahm Fotograf Florian Spieker diese Aufgabe – mit vollem

Körpereinsatz, wie unser Beweisfoto zeigt. Florian gehört zu einem

kleinen Pool von Fotografen, die neben Ciro immer mal wieder für

den faktor im Einsatz sind.

Übrigens: Nicht nur Florian war beim Interview dabei, sondern

auch Luca Söffker von unserem Videopartner Neros. Luca

zeichnete das gesamte Gespräch auf, woraus diverse Reels und

ein Video-Podcast entstanden sind. Dieser ergänzt nun die

Audio-Version der aktuellen onfire-Folge. Wer mag, kann sich

das Interview also in voller Länge anschauen – oder eben wie

gewohnt anhören.

Im Anschluss stellte Riese das Buch

„Hollywood an der Leine – Film in Göttingen“

(Schüren Verlag) vor, an dem er als

Autor und Lektor mitwirken durfte.

Mitheraus geber Sven Schreivogel hatte es

unlängst bei einem faktor-Frühstück und

im faktor-Podcast onfire thematisiert.

Der zweite Überraschungsgast des

Abends war Oliver Muziol (auf dem Foto

links), der Songs von Reinhard Mey hervorragend

imitierte und interpretierte.

Nach der Pause präsentierte Barbara Paulin

(2. v. l.) zwei durchaus beeindruckende

Kunstwerke aus ihrem Atelier, und zum

krönenden Abschluss gab es dann auch

noch feinsinnige Stand-up-Comedy von

Larissa Makou (r.).

Das Format hat definitiv seinen Reiz,

zumal man im Anschluss bei Getränken

und Snacks auch noch wunderbar mit anderen

Gästen plaudern und netzwerken

kann – dass sich der faktor-Chefredakteur

da wohlfühlte, muss wohl nicht extra

betont werden.

FOTO: MARKUS RIESE FOTO: PRIVAT

4 2 |2026


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inhalt

service

3 Editorial

4 Hinter den Kulissen

Was wir während der Produktion

dieser Ausgabe erlebt haben

10 Momentaufnahmen

Internationale Händel-Festspiele /

Göttingen Halbmarathon /

NOM MOT

16 Aktuelles

Neues vom faktor

110 faktor-Kalender

Veranstaltungstipps und Termine

112 Impressum

114 faktor-Vorschau

Schwerpunkte im nächsten Heft

mensch

22 Spielerberater Danny Bachmann

Der ehemalige Northeimer betreut

unter anderem Nick Woltemade

28 Inge Feltrinelli

Wie die spätere Verlegerin

Göttingen als Sprungbrett nutzte

32 faktor-Fragebogen

13 Fragen, 13 Antworten:

Unternehmerin Romina Wolff

36 Otto? Findet sie gut!

Die frühere Göttingerin Petra

Scharner-Wolff steht heute an der

Spitze der Otto Group

50 Gleichstellungsbeauftragte

Warum es in Göttingen ein ganzes

Büro mit acht Frauen braucht

54 faktor kompakt

Vilmantas Kaliunas wird

Chefdirigent beim GSO

102

Spektakel vor dem Dom

Die Gandersheimer

Domfestspiele stehen vor

ihrer 67. Spielzeit – und

die steht unter besonderen

Vorzeichen. Ein neuer

Geschäftsführer und eine

Reihe neuer Cast-Mitglieder

sorgen für frischen Wind.

unternehmen

56 KI im Einsatz

Erfolgsmodelle aus der Region

73 faktor kompakt

wissen

78 Spitzenforscher aus Göttingen

Das Hertha-Sponer-College verfolgt ein

deutschlandweit einzigartiges Konzept

82 Die American Colony of Göttingen

Ein Buch aus der Universitätsbibliothek

gewährt interessante Einblicke

88 Wettbewerb „Lift-Off“

Aktueller Durchgang bringt

so viele Gründungsideen wie noch nie

92 faktor kompakt

Parkinson-Forschung:

1,8 Millionen Euro für die UMG

leben

94 Große Open-Air-Locations

Die Waldbühne Northeim und die

Galopprennbahn Bad Harzburg

faktor-magazin.de

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faktor-magazin.de/

onfire-podcast/

6 2 |2026


28 Inge Feltrinellis Göttinger Zeit

36 Petra Scharner-Wolff: Die nahbare Chefin, die Göttingen im Herzen trägt

Eine Göttingerin an der Spitze eines milliardenschweren Weltkonzerns: Petra Scharner-

Wolff ist seit März 2025 Vorstandsvorsitzende der Otto Group. Mit dem faktor sprach

sie über ihren Vater Gerhard Scharner – früher Chef der Göttinger Sparkasse –, über die

Transformation eines Versandhauses zum globalen Online-Player – und über Göttinger

O-Phasen-Traditionen, die sie mit ihrem Freundeskreis bis heute pflegt.

„Ich wollte immer weiter – aber ich habe

nie vergessen, wo ich angefangen habe.“

Wer sich heute an die große Verlegerin

Inge Feltrinelli erinnert, verbindet mit

ihr vielleicht New York oder Paris. Pablo

Picasso und Ernest Hemingway zählten

sie zu ihren Vertrauten. Dass sie eine

Göttinger Vergangenheit hatte, wissen

indes nicht viele.

94 Große Stars in der Region

56 Künstliche Intelligenz im Einsatz: Wenn die KI zweimal klingelt

KI ist allgegenwärtig – und doch manchmal noch sehr abstrakt. Dabei ist Künstliche Intelligenz

keineswegs nur ein Zukunftsthema: Schon heute setzen zahlreiche Unternehmen KI-

Modelle für unterschiedlichste Anwendungen ein, auch in der Region. Vom Handwerker

bis zum Konzern: Der faktor stellt einige Best-Practice-Beispiele vor.

Es braucht keine Großstadt, um

bekannte Größen der nationalen und

internationalen Musikszene in die Region

zu locken. Das beweisen die Macher

hinter der Waldbühne Northeim und

der Galopprennbahn Bad Harzburg

eindrucksvoll. Wie machen sie das?

2 |2026 7


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Seite 1 von

Virginie Schatlo, Start-up GliTTher

Rainer Giese, VersicherungsKontor Osterode

Begegnungen, aus denen echte Verbindungen entstehen – die gibt es im faktor-Club

immer wieder. So wie diese: Als Virginie Schatlo bei einem faktor-Mittagessen im Kredo

das Start-up GliTTher vorstellte (das eine personalisierte Therapie zur Behandlung von

Glioblastomen entwickelt), war zufällig auch Rainer Giese vom VersicherungsKontor

Osterode dabei. Die beiden sahen sich am Eingang zum ersten Mal, kamen locker ins

Gespräch. Auf der Empore im Kredo saßen die beiden sich dann gegenüber, kamen nach

dem Impulsvortrag von Virginie erneut ins Plaudern. „In meiner Familie gab es viele

Krebs-Erkrankungen, deshalb hat mich das Thema sofort interessiert“, sagt Rainer.

Die beiden fanden schnell weitere Gemeinsamkeiten – etwa das Faible für guten Wein.

„Die emotionale Nähe zu dem, was wir tun, war sicher wichtig“, findet Virginie. Nach dem

Mittagessen blieben die beiden in Kontakt.

Bei einem weiteren Treffen legte sich Rainer dann fest – und investierte 20.000 Euro in

das Unternehmen. Er ist damit der erste private GliTTher-Investor abseits der öffentlichen

Hand. „Und das ist so wichtig für unser Ziel“, betont Virginie. Das Geld helfe sehr konkret,

auch bei der Überbrückung bis zur Auszahlung öffentlicher Mittel. Weitere Investoren seien

deshalb nach wie vor willkommen. Rainer weiß, dass das Geld als Risiko-Kapital zu betrachten

ist. Aber das ist für ihn gar nicht entscheidend. Er wollte einfach ein Projekt unterstützen,

in dem er „enorm viel Potenzial“ sieht – und das vielleicht irgendwann dabei helfen

kann, Menschen das Leben zu retten: „Viele Menschen laufen ja dem Glück hinterher.

Dabei muss man manchmal einfach nur stehenbleiben, um es zu sehen.“

Zum Beispiel durch eine neue Begegnung im faktor-Club. “

„Die emotionale Nähe zu dem, was wir tun, war sicher wichtig“... Virginie Schatlo

Erfolgsgeschichten in Südniedersachsen.

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momentaufnahmen

Momentaufnahmen

faktor erinnert an besondere Ereignisse des Quartals mit ausgewählten Impressionen –

festgehalten im richtigen Augenblick.

TEXT MARKUS RIESE FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

10 2|2026


momentaufnahmen

„Verlockung“ erfasst die ganze Stadt

Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen verzeichnen

erneut einen Besucherrekord: Mehr als 16.500 Musikfreunde

haben die 96 Veranstaltungen der Festspiele – diesmal unter

dem Motto „Verlockung“ – in diesem Jahr besucht, 1500 mehr

als 2025. „Schon früh war spürbar, dass Göttingen unserem

diesjährigen Programm mit großer Vorfreude entgegensah. In

diesem Jahr erfasste das Festspielfieber die gesamte Stadt“,

freute sich der Geschäftsführende Intendant Jochen Schäfsmeier.

Unser Foto zeigt Petros Magoulas als Licomede in der

Kulisse der Festspieloper Deidamia. Diese ist übrigens am

4. September beim Open-Air-Kino im Freibad Brauweg noch

einmal zu erleben.

2 |2026 11


momentaufnahmen

12 2|2026


momentaufnahmen

Es lebe der Sport

Sportliche Höhepunkte gab es in der Region in den vergangenen Wochen und

Monaten so einige – neben der Tour d'Energie und den Play-Off-Spielen der BG-

Teams beispielsweise auch den „Göttingen Halbmarathon“ des ASC am 10. Mai.

Tausende Läuferinnen und Läufer aus allen Altersklassen gingen über verschiedene

Distanzen an den Start – viele von ihnen über die vollen 21,1 Kilometer.

2 |2026 13


momentaufnahmen

Wenn Mobilität zum bunten Event wird

So viele Automarken wie nie zuvor haben sich bei der bekannten Automobilschau NOM MOT in

diesem Jahr in der Northeimer Innenstadt präsentiert. Die Veranstaltung versteht sich seit jeher aber

nicht nur als Ausstellung rund um das Thema Mobilität, sondern auch als buntes Stadtfest und Event

für die ganze Familie. Dass hier in der Tat auch Kinder ihren Spaß haben und sich kreativ austoben

konnten, zeigt unsere Momentaufnahme.

14 2|2026


momentaufnahmen

2 |2026 15


aktuelles

-News

Podcast „onfire“

Drei neue Folgen

FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA

Intensives Arbeiten mit engagierten faktor-Clubmitgliedern: Sascha Riedeberger zeigt, was geht.

Künstliche Intelligenz in der Praxis

Ein „Deep Dive“ mit hohem Nutzwert

Mit einem eindrucksvollen faktor-Workshop hat Sascha Riedeberger

gezeigt, was mit KI heute wirklich möglich ist. Ein Termin mit Folgen.

FAST JEDER UNTERNEHMER hat inzwischen an vielen Stellen Berührungspunkte mit

Künstlicher Intelligenz. Doch wo manche an irgendeiner Stelle im Prozess überfordert

aufgeben, implementieren andere in Form von leistungsfähigen KI-Agenten quasi zusätzliche

Teammitglieder in der eigenen Firma. Welche Chancen und Potenziale darin liegen,

hat Sascha Riedeberger in einem faktor-Workshop demonstriert – und das mit so viel

Nutzwert und Erkenntnisgewinn, dass daraus inzwischen eine zusätzliche dreiteilige faktor-Mastermind

entstanden ist, die bereits begonnen hat. Darin lernen die Teilnehmer,

KI-Tools richtig zu nutzen, um daraus eigene Webseiten, Apps, Automationsprozesse oder

eben den eigenen KI-Agenten zu entwickeln, der im Unternehmen sofort hilft.

Neue Mitarbeiterin beim faktor

Verstärkung fürs Team

VIOLA KEMPF verstärkt ab sofort das faktor-

Team. Die 33-Jährige kümmert sich vor allem

um den Anzeigen- und Vertriebsservice und ist

Ansprechpartnerin für unterschiedlichste Werbeund

Profil-Formate im faktor. Kempf berät interessierte

Unternehmen und Start-ups gern individuell

und persönlich. Erreichbar ist sie telefonisch

unter 0551 / 30 98 39-28 oder per Mail an

kempf@faktor-magazin.de.

FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA

IM FAKTOR-PODCAST ONFIRE sind drei

neue Folgen online gegangen – allesamt hörenswert.

In Folge 42 spricht die Health-Tech-Unternehmerin,

-Investorin und

-Beraterin Inga Bergen über digitale Gesundheitsinnovationen,

ihre eigene Krankheitsgeschichte

– und rebellische Zeiten in

Göttingen. Sven Schreivogel erzählt in Folge

43 über Herausforderungen während

der Entstehung des Buches „Hollywood an

der Leine – Film in Göttingen“, aber auch

über den Misserfolg seines eigenen Films

„Der Seelenspiegel“. Folge 44 stellt Petra

Scharner-Wolff vor – passend zur faktor-Titelstory

über die CEO der Otto Group.

Jetzt reinhören unter:

www.faktor-magazin.de/onfire-podcast.

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16 2 |2026


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aktuelles

-Frühstück

FOTO: MARKUS RIESE FOTO: MARKUS RIESE

Hollywood an der Leine: Wie Göttingen einst zur Filmstadt wurde

Sven Schreivogel weckt Neugier auf die lokale Filmgeschichte

Automation durch KI-Unterstützung

Wer schreibt Mails noch selbst?

FÜNF FILMZENTREN gab es in den 50er-Jahren

in Deutschland – eines davon war Göttingen.

Die regionale Filmgeschichte versucht das

Filmbüro Göttingen unter anderem durch Vorträge,

Stadtrundgänge und Filmvorführungen

lebendig zu halten – und seit Dezember auch

mit dem umfangreichen Buch „Hollywood an

der Leine – Film in Göttingen“ (Schüren Verlag).

Filmbüro-Mitbegründer Sven Schreivogel

berichtete beim faktor-Frühstück im März über

die Entstehungsgeschichte des Buches, an dem

insgesamt 27 Autorinnen und Autoren beteiligt

SONJA FIEHN VON NOTISENT hat beim faktor-Frühstück im April

eindrucksvoll beschrieben, wie E-Mails sich einfach und sicher

automatisieren lassen – und dass das eigentlich viel einfacher ist,

als manche Unternehmer vielleicht denken. Ihr KI-Tool für Outlook

zeigt dabei vor allem eines: Es geht nicht mehr darum, wie

man eine E-Mail schreibt. Sondern vor allem darum, ob man sie

überhaupt noch selbst schreiben muss.

Der Notisent-Outlook-Assistent (kurz: NOA) kann dazu jeden

Posteingang zunächst einmal klar strukturieren und vereinfachen.

Er priorisiert E-Mails und Aufgaben intelligent – in einem vollständig

datenschutzkonformen KI-System. In einer Arbeitswelt mit

ständiger Informationsflut filtert Notisent somit relevante Inhalte

heraus und hebt wichtige Nachrichten hervor.

Allerdings: Wenige Wochen nach dem Frühstück hat Notisent

das Projekt in seiner vorgestellten Form schon wieder aufgegeben

– vor dem Hintergrund, dass auch moderne KI-Agenten inzwischen

solche Aufgaben leicht übernehmen können.

18 2 |2026

waren – darunter auch faktor-Chefredakteur

Markus Riese.

Schreivogel gab fachkundige Einblicke in die

durchaus überraschende Vielfalt, die das Thema

Film in Göttingen zu bieten hat. Dass hier

acht Heinz-Erhardt-Filme und insgesamt mehr

als 100 Spielfilme entstanden sind, weckte

ebenso die Neugier der Clubmitglieder wie die

spannenden Infos zum Institut für den Wissenschaftlichen

Film (IWF), zu den in Göttingen

entstandenen Zeichentrickfilmen oder zu den

in der Stadt gedrehten Tatort-Folgen.

Argumente gegen Vorurteile

Vegane Currywurst als Alternative

WIE SCHMECKT eigentlich vegane Currywurst? Beim faktor-Frühstück

im Mai brachte Anja Walowsky von GöVegan zwar keine

Kostproben mit, dafür aber jede Menge Infos zur Idee hinter der

fleischlosen Alternative aus Göttingen.

Die Macher hinter GöVegan sind schon seit Jahrzehnten in der

Lebensmittelbranche aktiv – interessanterweise unter anderem als

Händler für Fleischereimaschinen. Sie kommen also mutmaßlich

aus der „anderen Richtung“. Planzenbasierte Alternativen fanden

sie dabei immer spannend. Allerdings konnte sie kein Produkt auf

dem Markt wirklich überzeugen – deshalb wurden die Unternehmer

selbst noch einmal zu Gründern. Denn: Häufiger auf pflanzliche

statt tierische Produkte zu setzen, sei nicht nur Zeitgeist, sondern

schlicht notwendig, um Ressourcen zu schonen. Der Schlüssel

dafür liege aber im Geschmack. Auf kritische Nachfragen und

Vorurteile der Gäste hatte Walowsky passende Antworten – sodass

viele die vegane Variante jetzt selbst mal ausprobieren wollen.

FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA


-Mittagessen

aktuelles

Ein Praxisbeispiel für Künstliche Intelligenz

Robo-Hund sorgt für Begeisterung

FOTO: MARKUS RIESE

RAINER HOLLER, CEO des Technologieunternehmens VIER, sorgte

direkt zu Beginn des Mittagessens im März für staunende

Blicke der Gäste: Er brachte einen KI-gesteuerten Robotor-Hund

mit, der allerlei Kunststücke vorführen konnte. „Das an sich sieht

jetzt vielleicht erst einmal aus wie eine Spielerei, aber es zeigt auch,

was schon jetzt praktisch möglich ist“, so Holler. Sein Unternehmen

arbeitet an innovativen, KI-basierten Lösungen für effiziente

Geschäftsprozesse nach europäischen Datenschutzstandards.

Sein Impulsvortrag wurde denn auch zu einem leidenschaftlichen

Plädoyer für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Er selbst wolle die Effizienz in seiner Firma beispielsweise innerhalb

weniger Jahre um ein Mehrfaches steigern – mit der gleichen

Anzahl an Mitarbeitenden. „Es ist übrigens nicht zu spät, jetzt

damit zu starten“, ermutigte er auch die Skeptiker. Die waren unter

den Zuhörern durchaus ebenfalls präsent, wodurch sich lebhafte

und konstruktive Gespräche entwickelten.

Elisabeth Zeisberg hat viel vor

Start-ups wie am Fließband

AUFBRUCHSTIMMUNG herrscht aktuell in der regionalen Life-

Science-Szene. Mit Begeisterung und Enthusiasmus berichtete

Prof. Elisabeth Zeisberg beim Mittagessen im April von ihrer Tätigkeit

bei GOeFuture, das sich als innovatives Gründungsökosystem

für die roten und grünen Life Sciences versteht. Zeisberg sieht

ein starkes Netzwerk als wesentlichen Schlüssel für erfolgreiche

Neugründungen in diesen Bereichen, die im Bestfall irgendwann

quasi wie am Fließband generiert und gefördert werden sollen.

Dafür brauche es nachhaltige Verbindungen zwischen Wissenschaft,

Wirtschaft und Politik – auch weit über die Region hinaus,

so Zeisberg. Der Fokus liegt dabei aber ganz klar auf den vorhandenen

Stärken vor Ort: „Gemeinsam gestalten wir hier die Zukunft

der globalen Gesundheit. Wir haben jetzt die riesige Chance,

zu einem anerkannten und wirklich wahrgenommenen Life-

Science- Standort zu werden“, betont die CEO der Life Science

Valley GmbH und der GOeFuture-Gesellschaften selbstbewusst.

FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA

Thorsten Richter bietet ein Kult-Party-Rezept aus den 90er-Jahren jetzt in Flaschen an

„Totti's“: Saure Kostprobe zum beliebten Kredo-Drei-Gang-Menü

FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA

DAS MENÜ, welches das Team vom Restaurant

Kredo für das faktor-Mittagessen

regelmäßig zusammenstellt, kann sich immer

wieder sehen (und schmecken) lassen

– beim Mittagessen im Mai erfuhr es sogar

noch eine aperitive Aufwertung mit besonderem

Lokalbezug.

Thorsten Richter, im Hauptberuf Vermögensberater,

hat nämlich zusammen mit

einem Jugendfreund eine Kult-Idee aus den

90er-Jahren jetzt in ein kaufbares Produkt

umgewandelt: „Totti's Saurer“ war einst

als Selfmade-Mischung ein absolutes Kultgetränk

auf diversen Göttinger Partys.

Richter berichtete in einem sehr unterhaltsamen

Vortrag davon, wie es dazu

kam, das Getränk jetzt, Jahrzehnte später,

in Flaschenform zu vermarkten. Inzwischen

kann man Totti's nicht nur auf Stadtfesten

oder Partys trinken, sondern auch in

ausgewählten Geschäften und Restaurants

in der Region erwerben und genießen. Für

die faktor-Clubmitglieder hatte Richter

auch Kostproben dabei.

2 |2026 19


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PROFIL

Neues Konzept,

bewährte Qualität

Die McDonald’s-Franchise-Nehmerin Petra Hebig hat nach Weende

nun auch das Restaurant in Grone umfassend modernisiert. Das dort

realisierte IRLX-Konzept bietet zahlreiche Vorteile für die Gäste.

IRLX ist die Abkürzung für „In Real Life eXperience“.

Das moderne Restaurantkonzept soll

unter anderem Wartezeiten reduzieren und

den Service effizienter gestalten. So gibt es in

Grone jetzt deutlich mehr digitale Bestellterminals,

eine zweite Drive-In-Spur, eine optimierte

Küchentechnik mit zusätzlichen Produktionslinien

und eine völlig umgestaltete Lobby. Das

einst separierte McCafé ist dabei in die Haupttheke

integriert worden. Dies verbessert nicht

nur die Abläufe, sondern nutzt auch den Raum

optimal aus. Der gesamte Gastbereich wirkt

nun äußerst einladend und gemütlich, was

auch an den verwendeten warmen Farben liegt.

Hebig kombiniert dieses Konzept mit einem

hohen Nachhaltigkeitsanspruch; so werden

energiesparende Systeme eingesetzt, langlebige

Materialien verwendet und digitale

Lösungen gefördert, um Papier- und Verpackungsabfall

zu reduzieren.

Petra Hebig betreibt insgesamt sechs Mc-

Donald’s-Restaurants – drei in Thüringen und

drei in Niedersachsen – und beschäftigt mehr

als 300 Mitarbeitende. Mit den jüngsten Investitionen

in Weende und Grone – zusammen

deutlich mehr als zwei Millionen Euro – unterstreicht

sie ihr langfristiges Engagement für

eine moderne, nachhaltige und erlebnisorientierte

Gastronomie in der Region. Alle sechs

Restaurants sind nun auf dem neuesten Stand.

McDonald’s-Restaurants

in Göttingen

Siekweg 30

37081 Göttingen

Hannoversche Str. 38

37075 Göttingen

Inspirierend: Die „Duftorgel“

im Sensoria Holzminden.

Neuer Teamduft?

Sensoria – Haus der Düfte und Aromen in

Holzminden verbindet Kultur, Genuss und

gemeinsame Erlebnisse.

FOTO: SENSORIA / PISARSKY FILMS

Erfolgreiche Teams entstehen nicht nur durch

gemeinsame Projekte, sondern auch durch

Gruppenerlebnisse, die inspirieren. Sensoria

bietet dafür ein besonderes Umfeld.

Aktuell läuft bis zum 31. Oktober die Sonderausstellung

„Hungry Eyes – Food-Fotografien

riechen, hören, fühlen“. Düfte, Klänge

und haptischen Elemente begleiten die

farbintensiven Bilder des britischen Fotografen

Ellis Parrinder. So werden seine Werke

auf überraschende Weise erlebbar.

Darüber hinaus bietet Sensoria zahlreiche

Möglichkeiten für gemeinsame Auszeiten:

Ob Whisky-Tasting, Champagner-Workshop,

Konzertabend oder die Kunst des Pralinenmachens

– das Veranstaltungsprogramm verbindet

Genuss, Kreativität und gemeinsame

Erlebnisse.

Ein Highlight: In Parfum-Workshops sowie

an der Duftorgel entstehen individuelle Duftkompositionen

oder ein gemeinschaftlicher

Teamduft. Perfekt für ein außergewöhnliches

und kreatives Team-Building. Für Gruppen

empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung –

online oder direkt vor Ort.

Sensoria – Haus der Düfte und Aromen

Holzminden

Obere Straße 45 · 37603 Holzminden

Tel. 05531 990 53 20

kontakt@sensoria-holzminden.de

www.sensoria-holzminden.de


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PROFIL

Schaffen mit KI neue Angebote für

Marktforschungskunden (v.l.n.r.): Christian

Lutsch, Frank Ohrenschall, Julius Stropel,

Harald Tingelhoff, Robert Möslein, Michael

Zielinski, Eduard Kunz, Joachim Haag, Ralf

Mackowiak, Stephan Guthahn.

Neue Geschäftsmodelle mit KI

Wie isi die Marktforschung mit künstlicher Intelligenz weiterentwickelt

Das Marktforschungsinstitut isi sensory

futures – kurz: isi – aus Rosdorf integriert

mit dem Göttinger KI-Spezialisten

Arineo GmbH zunehmend künstliche

Intelligenz in seine internen Prozesse und

sein Leistungsangebot. Ziel ist es, den wachsenden

Anforderungen der internationalen

Kundschaft von isi noch besser zu begegnen.

Die Transformation beginnt mit drei Pilotprojekten

in strategisch ausgewählten Anwendungsfeldern.

Sie zeigen, wie künstliche

Intelligenz die Arbeit von Marktforschenden

verändert – und wie daraus neue Mehrwerte

für die Kundenunternehmen von isi entstehen.

So wird die Erstellung von Fragebögen,

bislang eine manuelle und erfahrungsbasierte

Aufgabe, künftig durch KI unterstützt. Die

KI greift auf vorhandene Studien zurück, analysiert

die Wirksamkeit einzelner Fragen und

generiert automatisiert neue Fragebögen.

„Diese KI-Vorschläge werden dann von unseren

erfahrenen Mitarbeitenden kuratiert und

angepasst – ganz im Sinne des KI-Exzellenzansatzes

Human-in-the-loop“, erklärt Robert

Möslein, Geschäftsführer der isi GmbH.

Ein zweites Feld betrifft die Interpretation

der Ergebnisse. Die künstliche Intelligenz erkennt

Muster, Trends und Zusammenhänge

und unterstützt die Projektleiter:innen dabei,

die Ergebnisse verständlich zusammenzufassen

und strategisch nutzbar zu machen. Der

dritte Anwendungsfall geht noch einen Schritt

weiter: Künftig sollen alle Studiendaten eines

Kundenunternehmens intelligent verknüpft und

bei Bedarf mit Daten aus der Beobachtung vordefinierter

externer Quellen wie Social Media

angereichert werden. So können Unternehmen

nicht nur Metaanalysen durchführen, sondern

auch neue Produktideen frühzeitig hinterfragen.

Der Ideenpool für die strategische Nutzung

von KI ist gut gefüllt: In Zukunft könnte

isi zum Beispiel Algorithmen zur Analyse von

Videoaufnahmen aus Sensoriktests einsetzen.

„Wir sehen KI nicht als Ersatz für unsere Expertise,

sondern als Verstärkung“, betont Joachim

Haag, Geschäftsführer der isi GmbH,

„die KI erkennt Muster in der Mimik oder der

Gestik und kann in kurzer Zeit und ohne Ermüdungserscheinungen

Massen an Daten

analysieren. Davon profitieren unsere Kundinnen

und Kunden unmittelbar.“

Um den Wandel erfolgreich zu gestalten,

werden die neuen KI-Modelle schrittweise

und iterativ im Unternehmen eingeführt. Mit

jeder KI-Neuerung betrachten isi und Arineo

auch die Auswirkungen auf Organisation und

Kultur und verankern notwendige Änderungen.

So stellen das 1995 gegründete Marktforschungsinstitut

und sein KI-Partner Arineo

GmbH sicher, dass künstliche und menschliche

Intelligenz sich gewinnbringend ergänzen.

Arineo GmbH

Paulinerstr. 12

37073 Göttingen

Tel. 0551 521380

info@arineo.com

www.arineo.com


mensch

Der Mann hinter

dem Woltemade-Deal

Danny Bachmann arbeitet anders als die großen Spielerberater-Agenturen.

Der frühere Northeimer und Alumnus der Uni Göttingen steht plötzlich

im Zentrum eines Millionen-Transfers.

TEXT RUPERT FABIG

Der Auftritt beginnt durch die Drehtür. Mit

zwei Minuten Verspätung, für die er vorab

und beim Händeschütteln noch mal

um Verzeihung bittet, kommt Danny

Bachmann im Parkhotel Bremen an. Trainingsjacke,

Turnschuhe, die Brille wird er später punktuell

absetzen. Bachmann bestellt Tee, die Kekse des Hauses

schmecken lecker, er versinkt souverän im etwas zu

großen Sessel. So sieht also jemand aus, der seinen

Traum lebt.

Bachmann winkt direkt ab. Er mag kein großes Gewese

um seine Person. Ihn zum Interview zu bewegen, war

herausfordernd. „Mache ich eigentlich nicht“, sagt der

48-Jährige, von dem im Internet lediglich zwei, drei unscharfe

Fotos existieren. Von ihm, dem großen Strippenzieher,

dem großen Zampano. Bachmann würde diese

Bezeichnungen strikt ablehnen, auch weil sie inhaltlich

sein Profil weit verfehlen.

GROSS IST BEI IHM ANDERES. Das Arbeitsethos, die

Empathie, der bekannteste Klient. 1,98 Meter, um genau

zu sein: Nick Woltemade, Fußballnationalspieler und

Hoffnungsträger bei der Weltmeisterschaft in den USA,

Kanada und Mexiko, wird von Bachmann beraten. Der

Wechsel des 24-Jährigen vom VfB Stuttgart zu Newcastle

United machte auch seinen doppelt so alten Agenten

auf einen Schlag bekannt. Damals musste Bachmann

ein-, zweimal medial auftreten. Als alles erledigt war, zog

er sich wieder zurück.

NUR UNTER EINER BEDINGUNG stimmte er dem Termin

mit dem faktor zu: Es solle hierbei nicht um ihn als

Person gehen. Aber nach Südniedersachsen habe er

schließlich eine positive Beziehung; wenn er damit einigen

jungen Menschen aus seiner alten Heimat auf ihrem

Weg helfen könne, dann gern. Denn einen wie ihn hätte

der Geschäftsführer der Spielerberatungsagentur Headtrick

früher selbst gebrauchen können.

Bachmann, aufgewachsen in Northeim, wollte Fußballprofi

werden und wurde Sozialversicherungsfachangestellter

bei der DAK. Eine schwere Verletzung mit

Anfang zwanzig bremste ihn aus. Bis dahin hatte er bei

Göttingen 05 in der Regionalliga gespielt, in der letzten

richtigen Hochphase des Vereins. Mit 26 – und dieser

Ritt durch die Biografie muss zur Kontextualisierung bei

aller Bescheidenheit gestattet sein – schrieb sich Bachmann

an der Georg-August-Universität ein. Dort studierte

er Sport und Betriebswirtschaftslehre im Magister,

Schwerpunkt Sportmanagement, machte parallel seine

Trainer-A-Lizenz. Die Anstellung bei der Krankenkasse

hatte er inzwischen gegen Studentenjobs eingetauscht.

DIE ERSTE „RICHTIGE“ ARBEIT im Fußball ist dann die

des sportlichen Leiters bei Eintracht Northeim; vorab

hilft Bachmann dabei, den JFC Roswitha-Stadt mit aufzubauen.

Bei einem Trainerlehrgang lernt er Ex-Bundesligaprofi

und -coach André Breitenreiter (unter anderem

Hannover 96, FC Schalke 04) kennen, der seinerzeit jemanden

suchte, der Toptalente herausfiltert und in ▸

22 2 |2026


FOTO: BJÖRN HAKE / ACHIMER KURIER

mensch

Spielerberater Danny Bachmann, der ursprünglich aus Northeim

stammt, sagt über seine Klienten: „Ich muss den Spieler als Fußballer

und Mensch kennen.“

22|2026 23


mensch

Kontakt mit Beratungsagenturen tritt. Am 1. Januar

2014 wird schließlich selbst ein Spielerberater aus Bachmann,

der sich selbstständig macht und es bis heute ist.

Also doch: Traumberuf gefunden, Traum leben. Ganz

einfach, oder? Bachmann, der sehr viel reden kann, dabei

aber nie ins Belanglose weggleitet, überlegt kurz. „Es

war ein Stück weit Naivität von mir. Wenn ich da rational

herangegangen wäre ... Also, ich tue mich jedenfalls

schwer damit, den Leuten diesen Beruf uneingeschränkt

zu empfehlen.“

DIE BRANCHE SEI UNHEIMLICH AGGRESSIV. Große

Agenturen kommen mit viel Power, teilen sich die Filetstücke

untereinander auf. Dazu kann man Spieler nicht

vertraglich binden, man könnte nahezu jederzeit aus

dem Vertrag mit dem Berater aussteigen. Es gibt überhaupt

keine Sicherheit. „Ich habe unfassbares Glück,

dass ich immer Jungs hatte und habe, die sehr loyal waren

beziehungsweise sind, die ein Wertesystem haben“,

sagt Bachmann. Wenn man den Spieler kenne, kenne

man meist auch den Berater – und umgekehrt. Was zugleich

einiges über Bachmann aussagt.

Der beschreibt vor allem die ersten fünf, sechs Jahre

als sehr hart. Die Macht der großen Agenturen bestehe

vor allem in ihrer Manpower, der Beherrschung der lukrativen

Märkte, der Einflussnahme auf Vereine. „Inhaltlich

sehe ich keine Vorteile“, sagt Bachmann. Und beweist

es: Nicht nur unterstützt er Woltemade dabei, beim

VfB Stuttgart zum Topstürmer zu reifen. Er fädelt auch

den Transfer nach Newcastle mit seinem Team ohne Hilfe

von außen ein. Rund 75 Millionen Euro plus Zusatzzahlungen

sollen laut einschlägiger Portale von England

nach Schwaben geflossen sein. Das Gehalt Woltemades

liege entsprechenden Berichten nach angeblich bei gut

acht Millionen Euro pro Saison. Als Berater erhielt auch

Bachmann eine beachtliche Summe.

NATÜRLICH GEHT ES IM JOB AUCH DARUM, gut zu

verdienen – und das zu verdienen, was man sich verdient

hat. Bachmann, der mittlerweile in der Nähe von Bremen

lebt, geht es um mehr. „Ich habe mich gefreut, dass

am Ende doch Fleiß, Ausdauer und Leistung zählen. Es

ist ein Irrglaube, dass nur die großen Agenturen große

Verträge machen. Ich hoffe, unser Weg hat kleineren

Agenturen Mut gemacht.“

ER SELBST BLIEB SICH DANACH TREU. Es sei ja nicht

das Geld der primäre Antrieb, sondern das Berufsbild,

das ihn regelrecht gepackt habe: „Mit jungen Leuten zu

arbeiten, sie zu begleiten, zu entwickeln und zu unterstützen,

in ihrem Job und in der Kommunikation zu

stärken, gemeinsam maximal erfolgreich zu sein.“ Mit

Woltemade ist er genauso oft im Austausch wie mit den

rund 25 weiteren Spielern, die Headtrick vertrauen. Der

eine braucht ein wenig mehr Zuwendung, dem anderen

reichen ein, zwei Besuche im Jahr.

Nach wie vor ist er von Freitag bis Sonntag fast immer

unterwegs, unter der Woche durchforstet Bachmann

Videos oder schaut Live-Spiele in sogenannten englischen

Wochen. Zwei Scouts unterstützen ihn. Seine

„Jungs“ spielen in ganz Deutschland, Dänemark – oder

eben in Newcastle. „Durch die regelmäßige Begleitung

kann ich sie in Vertragsgesprächen bestmöglich vertreten.

Ich muss den Spieler als Fußballer und Mensch kennen“,

sagt Bachmann. In den Stadien und Sportplätzen

unterhält er sich zudem mit den Verantwortlichen der

Vereine. Er beobachtet seine Akteure in den Spielen,

auch um ein Gespür dafür zu bekommen, welche seiner

Klienten vielleicht ins Profil eines Vereins passen könnten.

Es geht ums Netzwerk und die Marktkenntnis.

WICHTIG DABEI: „Immer transparent und ehrlich mit

dem Spieler umgehen. Wenn du anfängst, ihnen etwas zu

erzählen, weil du Angst hast, du könntest sie verlieren,

dann ist das der falsche Weg.“ Was dem allgemeinen Fan

nicht gefallen wird: Es geht binnen einer begrenzten

Karrierezeit immer auch um Geld. Bachmann würde

trotzdem grundsätzlich stets zur sportlich klügsten Entscheidung

raten, daraus ergebe sich das Monetäre oftmals

langfristig viel besser. „Auch wenn es immer Ausnahmen

gibt, glaube ich, wenn man die sportlich beste Entscheidung

trifft, folgt der wirtschaftliche Erfolg automatisch.“

APROPOS GELD: Nach dem Woltemade-Deal habe er

sich mal etwas gegönnt, erzählt Bachmann. Ein neues

Dienstauto, das mit gut 80.000 Kilometern pro Jahr ohnehin

so etwas wie sein fahrendes Büro ist. Darüber

musste er lange nachdenken. Er wollte ja nicht das Klischee

des abgehobenen Beraters bedienen, der plötzlich

die Protzkarre fährt. Aber verdient ist verdient. Der Blick

über den Hotelparkplatz später wird zugleich verraten: ▸

24 2 |2026


mensch

» Durch die regelmäßige Begleitung kann ich sie in

Vertragsgesprächen bestmöglich vertreten. Ich muss

den Spieler als Fußballer und Mensch kennen.«

FOTO: PICTURE ALLIANCE / GES / MARKUS GILLIAR

Bachmann-Klient Nick Woltemade jubelt nach einem Treffer für die Nationalmannschaft im WM-Qualifikationsspiel in Luxemburg am 14. November 2025.

2|2026 25


mensch

»Um sein Profil zu schärfen und herauszufinden, worin

man gut ist, muss man einfach ins Machen kommen.«

Der neue Wagen ist zwar komfortabel und edel, würde

in einem halbwegs gehobenen Stadtteil aber niemandem

gesondert ins Auge stechen.

FÜR BACHMANN ist die Anschaffung auch mit einer

gewissen Symbolik verbunden, wie weit seine Reise

schon fortgeschritten ist – im Wortsinn. In den Anfangsjahren

tingelte er mit dem Wochenendticket in

Regionalzügen durchs Land, übernachtete in Jugendherbergen.

„Ich wurde manchmal belächelt, wenn ich

mit meinem kleinen Koffer auf dem Sportplatz stand“,

erinnert sich der Familienvater. Ganz so lustig sei es

allerdings nicht, täglich Existenzdruck zu verspüren.

Zehn Jahre lang habe er eine wirtschaftliche Perspektive

von maximal zwei Jahren gehabt, beschreibt Bachmann.

Wenn Vereine, Fans und Medien behaupten,

Spieleragenten würden zu viel verdienen, sei das differenziert

zu sehen. Die übliche Marge, die Clubs für die

Vermittlung zahlen, beträgt ungefähr zehn Prozent des

Bruttojahresgrundgehalts des Profis. Durchschnittlich

verdient ein Drittligaspieler um die 8000 Euro brutto

im Monat, in der 2. Bundesliga sind es gut 15.000 Euro.

Es ist kein Leistungskurs Mathematik notwendig, um

die Rechnung zu verstehen: Man braucht schon ein

paar Spieler in der Betreuung, um sich finanziell behaupten

zu können.

„WO BERATUNG UND BEGLEITUNG extrem wichtig

sind, ist vor allem in der dritten und vierten Liga. Damit

verdienst du bloß nichts. Aus unternehmerischer

Sicht müsste ich sagen, dass ich unterhalb der zweiten

Liga nichts mache.“ Die Wahrheit sieht so aus, dass

Bachmann nach dem Interview in Bremen in die

11.000-Einwohner-Gemeinde Drochtersen fährt, um

dort zwei seiner Klienten in der Regionalliga zu beobachten.

„Ich bin total gern auf dem Niveau unterwegs,

zudem erdet es einen“, sagt er.

Es sei eben eine Mischkalkulation in seiner Agentur:

„Die Jungs, die erfolgreich sind, geben uns die Möglichkeit,

diejenigen zu betreuen, die noch nicht auf diesem

Niveau sind. Die Loyalität“, ein Lieblingswort Bachmanns,

„betrifft eben beide Seiten.“ Aber nochmal:

Sicherheiten gibt es nicht. Man sollte sich den Schritt

zur eigenen beruflichen Existenz also gut überlegen.

DIE ZEIT DER AN DER UNIVERSITÄT GÖTTINGEN habe

ihn gelehrt, selbstständig zu arbeiten, sich zu organisieren,

seine Teamfähigkeit in der Interaktion mit Kommilitonen

zu verbessern. Auch fachlich half das Studium,

sich im Management auf einen theoretisch maximal guten

Stand zu bringen. Studenten empfiehlt Bachmann,

dem nachzueifern, womit man sich gern beschäftigt, und

„weniger der Frage nachzugehen, wie realistisch es ist,

dass der Markt diesen Job hat“.

Der wichtigste Ratschlag des gebürtigen Schwaben ist

jedoch der, in die Umsetzung zu kommen, „ins Machen“,

wie er sagt. „Um sein Profil zu schärfen und herauszufinden,

worin man gut ist, muss man einfach ins Machen

kommen“, so Bachmann. Mit einer kleinen Einschränkung:

„Ein bisschen mehr Rationalität als ich sie hatte

tut sicher gut.“ Die Drehtür kann einen auch ganz

schnell wieder vor die Tür befördern. ƒ

26 2 |2026


Audi Business

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mensch

FOTO: INGE SCHOENTHAL FELTRINELLI

Sie hatte einfach nicht locker gelassen und wurde – wie so oft in ihrem Leben – belohnt: Selbst zum für viele nicht erreichbaren Picasso

baute Inge Feltrinelli eine innige und lange Beziehung auf.

Die Welt von Inge Feltrinelli:

Wie alles in Göttingen begann

1930 kommt Inge Schönthal in Essen zur Welt. Damals ahnt noch niemand, dass sie einmal

von Göttingen aus zu einer echten Weltkarriere durchstarten würde – als Inge Feltrinelli. Ihre

sympathische, oft draufgängerische Art lässt sie sogar zur Vertrauten von Ernest Hemingway

und Pablo Picasso werden.

28 2 |2026


mensch

TEXT STEFAN LIEBIG

Im Leben eines Journalisten gibt es besondere Zufälle

und Themen, die in Erinnerung bleiben und dann auf

einmal wieder auftauchen. So etwa eine Veranstaltung

mit anschließendem Interview mit Inge Feltrinelli

– geführt im Literarischen Zentrum (LZ) im Jahr

2010. Die 80-Jährige, die damals etwa 80 eigene Fotos im

Alten Rathaus ausstellte, strahlte eine imponierende Tatkraft

aus. Die Zuhörer hingen fasziniert an ihren Lippen,

als sie aus ihrem facettenreichen Leben erzählte. Die

Fotografin, Verlegerin und Journalistin starb acht Jahre

später. 20 Jahre zuvor hatte sie den Familienverlag in die

Hände ihres Sohnes Carlo übergeben. Sie selbst leitete

ihn seit dem Tod ihres Ex-Mannes Giangiacomo Feltrinelli

im Jahre 1972. Ende der 1960er-Jahre hatte sie sich

von dem Verlagsgründer wegen seiner kommunistischen

Aktivitäten getrennt.

SOHN CARLO FÜHRT JAHRZEHNTE später nicht nur

den Verlag weiter, sondern auch die herzliche Verbindung

der Familie nach Göttingen. Aus diesem Grund

agierte er als Initiator und einer von drei Protagonisten

des vom LZ kürzlich veranstalteten „Abend für Inge

Feltrinelli“ – und schloss so den Bogen zur eingangs erwähnten

Veranstaltung. Vor vollem Hause sprach er mit

dem schweizerischen Inge-Feltrinelli-Biografen Marco

Meier und dem Schriftsteller und jahrzehntelangen Weggefährten

der Verlegerin, Michael Krüger. Letzterer lernte

Inge Feltrinelli Ende der 1960er-Jahre als „schrillste

Frau auf der Büchermesse“ kennen.

Im improvisierten und mal nachdenklich stimmenden,

mal höchst amüsanten und für Zuschauerfragen offenen

Dreiergespräch erfuhren die Menschen, warum Carlo

Feltrinelli noch heute ein inniges Gefühl für die Gänseliesel-Stadt

hegt: Als Jugendlicher weilte er des Öfteren im

Ostviertel und lernte die Stadt lieben. Sehr viel mehr wollte

er dazu aber auch auf Nachfrage nicht sagen und überließ

lieber dem Biografen und dem Schriftsteller an seiner

Seite das Wort.

KRÜGER SCHILDERTE OFT augenzwinkernd und sehr

fesselnd, wieso es die junge Inge überhaupt nach Göttingen

verschlug. Denn eigentlich hatte die Familie Schönthal

eine wirklich gute soziale Stellung in der Ruhrpottmetropole

Essen. Doch der erstarkende Nationalsozialismus ▸

New York, Havanna,

Paris: » Göttingen

wurde mir zu eng.«

Inge Feltrinelli auf einer ihrer vielen Reisen rund um die Welt im Jahr 1958.

FOTO: INGE SCHOENTHAL FELTRINELLI

2|2026 29


mensch

wird der jungen Familie zum Verhängnis: Wegen seiner

jüdischen Herkunft emigriert Inges Vater Siegfried 1938 –

auf Zureden seiner Frau Trudel – allein in die Niederlande.

Die Familie zerbricht nach mehreren riskanten Besuchen

von Inges Mutter in den Niederlanden unter dem

politischem Druck und den Repressalien. Siegfried

Schönthal wandert schließlich in die USA aus.

Inge und ihre Mutter Trudel sind fortan auf sich gestellt.

Des Öfteren fahren sie zur Verwandtschaft ins Siegerland.

Dort lenkt Inge bereits als junges Mädchen das

weitere Familienschicksal: Sie bittet – sich der Problematik

ihrer jüdischen Herkunft nicht bewusst – einen deutschen

Offizier, sie auf sein Pferd zu heben. Der Offizier

verliebt sich zunächst in die niedliche Inge, schließlich

aber auch in ihre Mutter, die Otto Heberling kurze Zeit

später heiratet. Der Weg nach Göttingen ist damit vorgezeichnet:

Inge und ihre Mutter ziehen im Jahr 1938 zum

neuen Ehemann ihrer Mutter in die Zietenkaserne. Da

Trudel nicht jüdischer Herkunft ist und ihr Ehepartner

trotz dieser Problematik überzeugt zu seiner neuen Familie

steht, entsteht eine erstaunliche Schutzsituation –

quasi in der Höhle des Löwen.

MEIER BESCHREIBT DIESE FRÜHE PHASE als einen

„biografischen Brennpunkt“, in dem sich charakterprägend

Anpassung und Widerstand, Schutz und Verlust

überlagern. Die junge Inge gilt als „Mischling ersten Grades“

und erlebt früh, was es heißt, gesellschaftlich

gebrandmarkt zu sein. Immer wieder muss die Mutter,

deren Temperament die Tochter geerbt hat, Kämpfe mit

Schulleitungen und -behörden ausfechten, damit Inge

weiterhin zur Schule gehen kann.

Die Stadt an der Leine wird für mehr als ein Jahrzehnt

zu Inges Lebensmittelpunkt. Hier besucht sie das Mädchengymnasium,

macht mit ihrer Freundin Gassy die

Kaserne „unsicher“ und verfügt angesichts ihrer in diesen

Zeiten problematischen Herkunft über schier unglaubliche

Freiheiten.

Doch diese Normalität bleibt brüchig. Kurz vor Kriegsende

wird sie doch noch vom Schulbesuch ausgeschlossen,

ihr Stiefvater sogar vor das Kriegsgericht berufen. Ein

Einschnitt, der sie prägt: „Man hat mir gesagt, ich gehöre

nicht mehr dazu“, erinnert sie sich später an diese

schmerzhafte Erfahrung der Ausgrenzung.

UND DENNOCH: Göttingen ist nicht nur Ort der Einschränkung,

sondern auch des Aufwachsens und der Persönlichkeitsbildung.

Die Universitätsstadt mit ihrem wissenschaftlichen

Milieu, ihren internationalen Einflüssen

und ihrem studentischen Leben eröffnet der kontaktfreudigen

Heranwachsenden verlockende Perspektiven. Sie

beobachtet, hört zu, bewegt sich in verschiedenen sozialen

Umfeldern. Ihr später oft beschriebenes Talent, auf Menschen

zuzugehen und Vertrauen zu gewinnen, entwickelt

„Ein Abend für Inge Feltrinelli“: Verleger Carlo Feltrinelli, Biograf Marco Meier und

Schriftsteller Michael Krüger (v. l.). Krüger präsentiert Meiers Biografie, und an der Wand

ist das Cover von Inge Feltrinellis Buch „Mit Fotos die Welt erobern“ zu sehen, auf dem

sie mit Ernest Hemingway abgebildet ist.

sich. Marco Meier beschreibt sie in diesen Jahren als „sehr

selbstbewusst, gradlinig, jemand, der Dinge tut, die er will“.

Obwohl die kaum zerstörte Leinestadt nach dem Krieg

zu einem Ort des Neuanfangs avanciert, zieht es Inge in

die Ferne. „Göttingen wurde mir zu eng“, sagt sie später

rückblickend auf diesen Wendepunkt in ihrem Leben. Mit

19 Jahren verlässt sie die Stadt, ihre geliebte Mutter, den

Stiefvater und zwei Halbgeschwister – nicht mit einem

großen Plan, sondern mit einer fixen Idee: Das Ziel ist

Hamburg, dort hatte ihr eine Bekannte einen Job in deren

neuem Fotostudio angeboten. Inge hatte, obwohl bislang

wenig mit Fotografie in Berührung gekommen, mit einem

für sie typischen „Warum nicht?!“ geantwortet. Mit ihrem

Fahrrad stellt sie sich als Anhalterin an die Straße.

Ein skurriler Lkw-Fahrer hält an, wirft ihr Fahrrad

unsanft auf die Ladefläche und weist ihr den Weg in die

unangenehm riechende Fahrerkabine. Wieder schiebt sie

die Zweifel beiseite und fährt einfach mit.

DER WUNSCH NACH FREIHEIT ist größer als die Skepsis

gegenüber dem Fahrer – und sie kommt gut an in der zerbombten

Hansestadt. Die Fähigkeit, sich in unterschiedlichen

Milieus zu bewegen, kommt ihr nun zugute: Sie

arbeitet sich in die Fotografie ein. Zunächst als Assistentin

und ohne formale Ausbildung. Doch schnell zeigt sich

ihr Talent: Sie hat ein Gespür für Situationen, für Men-

FOTO: LITERARISCHES ZENTRUM GÖTTINGEN E.V

30 2 |2026


mensch

schen, für den richtigen Moment. „Ich habe es einfach

gemacht“, sagt sie gewohnt kurz und prägnant.

Schnell wird aus dem Branchenneuling eine gefragte

Fotoreporterin. Sie arbeitet für Magazine, knüpft Kontakte

in der Medienwelt, trifft regelmäßig Größen wie

Rudolf Augstein und wird schließlich auf internationale

Reportagereisen geschickt. New York, Havanna, Paris –

die ersehnte weite Welt öffnet sich ihr. Ihre Porträts von

Persönlichkeiten wie Ernest Hemingway oder Pablo

Picasso werden ikonisch. Sie erreicht, was vielen verwehrt

bleibt: Nähe zu Menschen, die Öffentlichkeit gewohnt

sind, aber selten jemandem ihr Vertrauen schenken.

In den 1950er-Jahren – sie hat sich bereits international

einen Namen gemacht – begegnet Inge Schönthal in

Hamburg dem italienischen Verleger Giangiacomo

Feltrinelli. Es ist eine Begegnung, die ihr Leben grundlegend

verändert. Sie heiraten 1960, ziehen nach Mailand

und Inge Schönthal wird zu Inge Feltrinelli. Mit

dieser Verbindung tritt sie in eine neue Sphäre ein: die

aufblühende Welt des internationalen Verlagswesens,

politisch aufgeladen, kulturell einflussreich.

DOCH DIE NÄCHSTEN GRUNDLEGENDEN Veränderungen

lassen nicht lange auf sich warten: Scheidung Ende

der 1960er-Jahre und kurz darauf, im Jahr 1972, stirbt

ihr Ex-Mann. Sie übernimmt die Leitung des Verlags –

eine Aufgabe, die sie mit bemerkenswerter Energie erfüllt:

„Ich musste mich durchsetzen.“ In einer Branche,

die von Männern dominiert ist, behauptet sie sich – mit

strategischem Geschick und kulturellem Gespür. Die

neue Verlagschefin erweitert das Programm, öffnet den

Verlag für neue Themen und baut ein Netzwerk von

Buchhandlungen auf. Sie leitet den Verlag, bis ihr Sohn

Carlo bereit ist, ihn weiterzuführen.

Trotz ihres internationalen Lebens bleibt Göttingen

ein Bezugspunkt. Die Stadt taucht in Erinnerungen auf,

in Gesprächen, in Rückblicken. Noch Jahrzehnte später

wird ihre Göttinger Zeit als prägend beschrieben – von

ihr selbst und von ihrem Biografen. Meiers Buch erzählt

nicht die Geschichte der berühmten Verlegerin,

sondern die der jungen Frau, die sie einmal war. Die

Göttinger Jahre nehmen dabei eine zentrale Rolle ein:

als Phase der Formung, als „erstes Leben“, das alles

Weitere vorbereitet.

DIE BIOGRAFIE ZEIGT, wie aus einer Jugendlichen in einer

deutschen Universitätsstadt eine Frau wird, die später

die internationale Kulturwelt mitprägt. Göttingen steht

dabei am Anfang dieser Linie – als Ort der Prägung, der

Widersprüche und der ersten Selbstbehauptung. Hier entsteht

dieser außergewöhnliche, wenn nicht einzigartige

Blick für Menschen, der sie zu einer besonderen Fotografin

macht. Hier wächst die Unabhängigkeit, die sie zur

Verlegerin befähigt.

ODER, UM ES MIT EINEM FELTRINELLI-typischen Zitat

auf den Punkt zu bringen: „Ich wollte immer weiter –

aber ich habe nie vergessen, wo ich angefangen habe.“ƒ

» Ich wollte immer weiter –

aber ich habe nie vergessen, wo

ich angefangen habe.«

Marco Meier:

INGE FELTRINELLI -

DAS ERSTE LEBEN,

Rowohlt Verlag, 24,99 Euro,

ISBN 978-3498007263,

384 Seiten im Hardcover,

2024 veröffentlicht.

2|2026 31


mensch

13 Fragen an Romina Wolff

Alter:

Position:

Zur Person:

32 Jahre

Geschäftsführerin der Haberland Möbelspedition GmbH & Storage Hero GmbH

Von der Mediaberaterin zur Unternehmerin – ohne klassischen Plan, aber mit klarer

Haltung. Romina Wolff führt heute gemeinsam mit ihrem Ehemann Benjamin Wolff

die Haberland Möbelspedition GmbH sowie zusammen mit ihm und ihrem

Geschäftspartner Nick Huntgeburth die Storage Hero GmbH. Sie lebt in Göttingen,

kommt ursprünglich aus Nordhessen und steht für Mut, Verantwortung und den

Anspruch, Dinge neu zu denken und zu gestalten.

FOTO: PRIVAT

Was motiviert Sie, auch in herausfordernden

Zeiten Verantwortung zu übernehmen und

Entscheidungen zu treffen?

Beschreiben Sie in drei Stichworten, was

Unternehmertum für Sie ausmacht.

Welche Facette des Unternehmertums

mögen Sie gar nicht – und warum?

Womit schaffen Sie sich einen Ausgleich

zum beruflichen Alltag?

Was macht Südniedersachsen für Sie zu

einem guten Wirtschaftsstandort?

Welchen Stellenwert haben (soziale)

Netzwerke für Sie?

Analytisch oder intuitiv:

Wie treffen Sie schwierige Entscheidungen?

Wie würden Sie selbst Ihren Führungsstil

beschreiben?

Welches Buch, welcher Podcast oder welches

Netzwerk-Event hat Sie zuletzt dazu gebracht,

die eigenen Routinen zu hinterfragen?

Ergänzen Sie diesen Satz: Als Kind habe ich

davon geträumt, …

Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Mit welchem Prominenten würden Sie gern

mal einen freien Samstag verbringen – und

was würden Sie zusammen unternehmen?

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Mich motiviert der Prozess, auch wenn er unbequem ist. Ich glaube,

Wachstum passiert genau dann, wenn es schwierig wird. Nicht

zu entscheiden, fühlt sich oft riskanter an, als eine falsche

Entscheidung zu treffen. Verantwortung heißt: machen,

lernen, weitermachen.

Mut, Resilienz und Gestaltungswille.

Wenn aus Angst entschieden wird. Das spürt man sofort – und es kostet am Ende mehr, als es

vermeintlich spart. Und Kündigungsgespräche. Die gehören dazu, aber leicht werden sie nie.

Ein Mix aus Sport, Natur, Genuss und Gemeinschaft. Beim Hyrox oder CrossFit gehe ich komplett

an meine Grenzen – das räumt den Kopf besser auf als alles andere. Und dann gibt’s die ruhigen

Momente: Natur, gutes Essen, gute Gespräche. Genau da entstehen oft die besten Ideen.

Die Kombination aus starkem Mittelstand, kurzen Entscheidungswegen und einem gut funktionierenden

Netzwerk. Man kennt und unterstützt sich. Hier wird nicht nur geredet – hier wird gemacht.

Einen sehr hohen. Netzwerke sind für mich kein Selbstzweck, sondern Raum für ehrlichen Austausch,

neue Perspektiven und gegenseitige Unterstützung – gerade dann, wenn es schwierig wird.

Ich analysiere, aber entscheide intuitiv. Am Ende geht es für mich nicht darum, alles zu wissen,

sondern den Mut zu haben, zu handeln.

Empathisch, klar und entwicklungsorientiert. Mir ist wichtig, dass Menschen Verantwortung

übernehmen, wachsen können und gleichzeitig wissen, woran sie bei mir sind.

Das Buch „Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte“ von Robin Sharma.

... endlich erwachsen zu sein. Frei sein, die Welt erkunden, raus aus der Schule – rein ins Leben.

Mit Nachhilfeunterricht für Kinder aus meinem Heimatdorf – und später als Kassiererin neben

meinem Abitur.

Liebend gern mit Bill Kaulitz! Mich begeistern Menschen, die nicht in Schubladen passen und

ihr eigenes Ding machen. Ich kann mir gut vorstellen, wie ich mit ihm durch Göttingen flaniere,

im trink!ich einkehre und über all die Kuriositäten spreche, die er erlebt hat.

Wahrscheinlich genau da, wo ich heute noch nicht bin. Und das ist gut so – trust the process …

Sicher aber an der Seite meines Mannes, mit einem breiten Lächeln und dem Anspruch, niemals

stehen zu bleiben.

32 2 |2026


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Die nächste Generation im Familienunternehmen:

Ann Carine Gutknecht und Christoph Hamel –

Klartext GmbH.

PROFIL

Komplexität ade:

Wie intelligente Marketingportale

den Mittelstand voranbringen

Prozesse verschlanken, Mitarbeitende begeistern, Marken stärken: die Vorteile smarter Marketingportale.

Das Willkommenspaket für neue Mitarbeitende

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Geburtstagskarten kommen

zu spät an, Schulungsunterlagen sind veraltet

oder die Arbeitskleidung nicht lieferbar – wer

kennt das nicht? Was im Kleinen wie ein Organisationsproblem

wirkt, ist im Mittelstand oft

ein handfestes strategisches Defizit.

DIE KLARTEXT GMBH hat genau hierfür ein

zentrales Instrument entwickelt: das Marketingportal

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Treibende Kräfte hinter dieser Lösung zur

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in die nächste Generation führen:

Christoph Hamel, Geschäftsführer mit Hintergrund

in Wirtschaftsingenieurwesen und

Multimedia Marketing und Ann Carine

Gutknecht als Marketing- und HR-Expertin.

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effiziente Beschaffung von Marketingmaterialien

und Werbemitteln entscheidend. Es geht

darum, sie zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen

Ort und im richtigen Design verfügbar zu

haben. Das Ziel ist es, Komplexität zu reduzieren

und Klarheit zu schaffen. Die Beschaffung

und Sicherstellung eines einheitlichen Markenauftritts

ist für viele dezentral organisierte

Mittelständler ein echter Kraftakt."

Für die Verantwortlichen liefert das Portal

messbare Ergebnisse: weniger Freigabeaufwand,

Skaleneffekte bei der Beschaffung und bedarfsgerechte

Produktion. „Von der Bestellung

bis zur Lieferung ist alles automatisiert und

standardisiert. Das Portal hilft dabei, die Marke

sichtbar zu machen – nach innen wie nach außen",

so Hamel.

IM EMPLOYER BRANDING entfaltet das

Marketingportal seine Stärke. Gutknecht weiß

aus eigener HR-Erfahrung: „Neue Mitarbeitende

merken sofort, ob ein Unternehmen

sie wertschätzt. Ein professionelles Onboarding-Paket

sendet vom ersten Tag an das richtige

Signal." Das Portal macht genau das skalierbar

– personalisierte Willkommenspakete,

Geschenke für Mitarbeitende und Arbeitskleidung,

jederzeit abrufbar. „HR kann sich auf

ihre Kernaufgaben konzentrieren, während

die Beschaffung reibungslos im Hintergrund

läuft", weiß die HR-Expertin.

Die Entwicklung geht weiter. „Unsere Kunden

wollen ein System, das mitdenkt –

eines, das Marketing, Events, HR und Einkauf

verbindet", erklärt Christoph Hamel

und ergänzt: „Marketingportale werden zu

zentralen Ökosystemen, verknüpft mit HRIS,

CRM- und ERP-Systemen. Das schont Ressourcen

und sorgt dafür, dass Marken auch

morgen sichtbar sind."

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mensch

Otto?

... findet sie gut!

Eine Göttingerin an der Spitze eines milliardenschweren

Weltkonzerns: Petra Scharner-Wolff ist seit März 2025

Vorstandsvorsitzende der Otto Group. Im Gespräch mit dem

faktor verrät sie, wie sie sich von der Bekanntheit ihres Vaters

Gerhard Scharner emanzipiert hat, wie man eigentlich ein

Versandhaus ins Online-Business transformiert – und wo sie

in Göttingen bis heute gern einkaufen geht.

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mensch

22|2026 37


mensch

»Wer will, kann bei mir zu Hause vorbeikommen.

Es gibt auch was zu essen.«

TEXT MARKUS RIESE FOTOGRAFIE FLORIAN SPIEKER

Als sich Petra Scharner-Wolff vor knapp anderthalb Jahren

den Mitarbeitern per Videokonferenz als neue CEO

der Otto Group vorstellte, da mag sie den einen oder

anderen mit ihrer direkten Ansprache überrascht haben:

„Wer will, kann bei mir zu Hause vorbeikommen. Es gibt

auch was zu essen“, versprach sie augenzwinkernd. Wie

viele das Angebot bis heute angenommen haben? „Noch

keiner“, gibt sie zu. Es traut sich offenbar niemand.

„Aber es gäbe trotzdem immer was zu essen“, lächelt die

Vorstandsvorsitzende, die konzernweit für rund 35.000

Mitarbeitende verantwortlich zeichnet.

Dass die Einladung noch niemand angenommen hat,

dürfte jedenfalls nicht an ihrer zugewandten Art liegen.

Scharner-Wolff wirkt sympathisch, authentisch, freundlich,

an manchen Stellen fast schon überraschend offen

und herzlich, dabei aber gleichzeitig auch absolut klar

und strukturiert. Fast jeden Satz, den sie sagt, begleitet

sie mit einem Lächeln. Einem, das man ihr sofort abkauft,

als wäre es auf otto.de im Sonderangebot. Eine

gewisse Arroganz, die man in dieser Manager-Liga vielleicht

vermuten würde, sucht man bei ihr vergebens.

NAHBARKEIT ALS TÜRÖFFNER

In ihrer Offenheit und Bodenständigkeit will die Chefin

der Otto Group aber auch nicht zu sehr Kumpeltyp sein:

„Das würde mir jetzt einen Tick zu weit gehen, denn am

Ende des Tages müssen wir ja Geschäft machen.“ Dazu

gehöre es, datenbasiert Entscheidungen zu treffen, die

unter Umständen auch mal schwierig sein können, gerade

im Hinblick auf die soziale Verantwortung: „Deshalb

wäre mir ,Kumpel‘ einfach zu flapsig. Aber ich glaube,

Nahbarkeit hilft hier, denn sie öffnet Türen für einen

ehrlichen Dialog.“ Und der ist ihr überaus wichtig, denn

Petra Scharner-Wolff setzt darauf, dass die Menschen ihr

auch nach ihren vielen Jahren im Unternehmen auch in

ihrer jetzigen Position immer noch unverblümt die

Wahrheit sagen. Es bringe ihr nichts, wenn alle nur erzählen,

wie toll alles sei, oder wie toll sie selbst sei. Vielmehr

helfe es, „wenn sie sagen, wo es vielleicht noch

nicht reicht, wo wir andere Maßnahmen ergreifen

müssen – oder wo sie enttäuscht waren von irgendwas,

was ich gemacht habe“.

Gemacht hat sie in der Tat schon eine ganze Menge

bei der Otto Group. Schon seit Juni 2015 ist sie Mitglied

des Konzernvorstands der Otto Group. Nach Abschluss

ihres Studiums in Göttingen war die heute 55-jährige

Diplomkauffrau ab 1995 zunächst als Unternehmensberaterin

bei Nymphenburg in München tätig, bevor sie

1999 ins Controlling der Otto Group nach Hamburg

wechselte. Von 2002 an war Scharner-Wolff als Direktorin

für das Controlling aller Konzernfirmen weltweit

verantwortlich. Irgendwann mal CEO des Konzerns zu

werden, das hatte sie damals schon im Hinterkopf.

Im Jahr 2007 wurde Scharner-Wolff allerdings zunächst

in die Geschäftsführung der Schwab-Gruppe

nach Hanau berufen und wirkte dort ab Mitte 2009

auch als Sprecherin der Geschäftsführung. 2012 wechselte

sie zurück nach Hamburg und übernahm einen

Posten als Otto-Bereichsvorstand – hier nun verantwortlich

für Personal, Steuerung und IT.

38 2 |2026


mensch

AUFRICHTIGE WERTSCHÄTZUNG

Michael Otto, der das Familienunternehmen jahrzehntelang

prägte, betonte bei ihrer Ernennung zur CEO:

„Petra Scharner-Wolff ist eine sehr starke Führungspersönlichkeit

und zeichnet sich durch ihren großen Erfahrungsschatz,

unternehmerisches Geschick, ihren scharfen

Verstand und ihr empathisches Verständnis für

Mensch und Kultur aus. Als CFO hat sie in den vergangenen

Jahren an entscheidender Stelle geholfen, die Otto

Group durch äußerst herausfordernde und wechselhafte

Zeiten zu steuern. Petra Scharner-Wolff bringt alle Voraussetzungen

mit, um die Zukunft des Konzerns auch

weiterhin nachhaltig erfolgreich zu gestalten.“

Das mag an der einen oder anderen Stelle etwas

floskelhaft klingen, drückt aber aufrichtige Wertschätzung

aus für einen Menschen, der bei der Otto Group

nicht nur wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser erlebt,

sondern auch einen ganzen Systemwechsel mit begleitet

hat. Scharner-Wolff: „Wir arbeiten schon seit vielen Jahren

an einem Thema, das wir Kulturwandel nennen, wo

wir versuchen, über Hierarchiegrenzen, über Bereichsgrenzen

hinweg zu arbeiten, in unserer Kommunikation

transparenter und nachvollziehbar in unseren Entscheidungen

zu werden, aber auch Reibungen besser auszuhalten.“

Gerade in Phasen der Unsicherheit gebe es nicht

immer nur den einen Weg, der richtig sei. Dafür müsse

man auch mehr Zwischentöne zulassen. „Und dafür

wiederum ist eben Nahbarkeit, glaube ich, sehr wichtig“,

fasst die Konzernchefin zusammen.

Konstruktive Kritik ist bei ihr also nicht nur erlaubt,

sondern erwünscht: „Es darf schon klar sein in der Botschaft,

es darf auch kontrovers sein. Wir müssen uns

dann aber übrigens auch trauen, mal gegenzuhalten, ▸

Positive Ausstrahlung: Konzernchefin Petra Scharner-Wolff lacht gern, auch wenn es um herausfordernde Themen geht.

2 |2026 39


mensch

wenn wir eine andere Perspektive haben. Als wir zum

Beispiel mit dem Kulturwandel angefangen haben,

haben wir sehr viele Situationen gehabt, wo mich Menschen

angesprochen haben, die dann gesagt haben: ,Das

ist aber nicht kulturwandelkonform.‘ “ Einen Generationenkonflikt

– etwa zwischen den sogenannten Boomern

und der Generation Z – sieht Scharner-Wolff hier aber

nicht, eher ein Persönlichkeitsthema. „Wir sehen zwar,

dass der Feedbackbedarf bei den jüngeren Generationen

ausgeprägter ist, aber es ist jetzt nicht so, dass zum Beispiel

die Älteren grundsätzlich unsere Change-Prozesse

blockieren. Wir haben durch alle Altersgruppen hinweg

Leute, die klassisch vorangehen. Dann haben wir Menschen,

die sich da mitreißen lassen. Und wir haben in

allen Altersgruppen auch Mitarbeiter, die keine Lust auf

Veränderung haben.“

Dass bei rund 35.000 Mitarbeitern viele unterschiedliche

Charaktere zusammenkommen, verwundert nicht.

Zumal die Geschichte des Konzerns recht einmalig sein

dürfte: Das Unternehmen hat sich in den vergangenen

75 Jahren von einem reinen Katalogversender zu einer

international agierenden, digitalen Handels- und Dienstleistungsgruppe

mit einer Vielzahl bedeutender Unternehmen,

Marken und Beteiligungen in mehr als 30 Ländern

entwickelt. Die Plattform otto.de gilt als Kernmarke,

dazu kommen Markenkonzepte wie Bonprix, die

Witt-Gruppe oder der US-amerikanische Möbelriese

Crate and Barrel, Handelsmarken wie Manufactum oder

Limango, Dienstleister wie Hermes und EOS. Auch Teile

des einstigen Katalog-Konkurrenten Quelle gehören inzwischen

zu Otto; bis 2021 war auch der dann eingestellte

Online-Shop neckermann.de unter den Otto-

Marken zu finden.

DIE ANFÄNGE IN GÖTTINGEN

Und heute leitet den gesamten Konzern eine Frau, die in

Göttingen geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen

ist. Petra Scharner-Wolff hat auch hier studiert, und

bis heute pflegt sie Verbindungen nach Südniedersachsen.

„Ich bin hier sehr gern groß geworden“, sagt sie.

„Ich liebe die Göttinger Vielfalt, aber im Vergleich zu

Hamburg auch das Überschaubare. Und ich bin immer

noch guter Kunde des Göttinger Einzelhandels.“ Wohlgemerkt:

Das sagt die Chefin eines global erfolgreichen

Handelskonzerns, dessen Kernmarke otto.de auch gern

mal als das deutsche Amazon geadelt wird. Scharner-

Wolff schwärmt regelrecht von Göttingen als Einkaufsstadt:

„Es gibt sehr schöne Modeläden hier. Es gibt sehr

nette Pralinen, die man übrigens auch nach Hamburg

schicken lassen kann. Und ich gehe total gern auf den

Wochenmarkt. Dort in der Nähe gibt es auch sehr gute

Käseläden. Ich esse leidenschaftlich gern Käse, da muss

ich dann auch immer noch mal rein. Also es gibt schon,

wie ich finde, eine superschöne Infrastruktur an netten

Läden.“

Wenn gute Laune ansteckt: Petra Scharner-Wolff im Gespräch mit faktor-Herausgeber

Marco Böhme und faktor-Chefredakteur Markus Riese.

Was die hiesige Kultur angeht, ist Scharner-Wolff, selbst

übrigens leidenschaftliche Sängerin schon seit Göttinger

Zeiten, unter anderem Fan des Deutschen Theaters und

insbesondere der Internationalen Händel-Festspiele

(„Das schaffe ich momentan zeitlich nicht so, aber ich

finde, das ist echt ein Höhepunkt hier in der Stadt.“).

Zu den Händel-Festspielen hat sie eine persönliche Beziehung,

denn ihr Vater Gerhard Scharner hat diese seinerzeit

mit aus der Taufe gehoben. Der damalige Vorstandsvorsitzende

der Sparkasse Göttingen hat seine

einzige Tochter stark geprägt, wie sie heute sagt. „Ich

war es gewohnt, auch schon in ganz jungen Jahren, dass

mein Vater bei allen gesellschaftlichen Ereignissen in der

Stadt präsent war – und ich bin dann oft mitgenommen

worden, weil meine Mutter ihn ja auch immer begleitet

hat. Ich habe keine Geschwister, also konnten sie das

Kind ja auch nicht immer zu Hause lassen. Deshalb wurde

ich halt mitgenommen. Und ich glaube, da lernt man

sehr viel, sehr intuitiv.“ Einfach auf Menschen zuzugehen,

die man gar nicht kennt und mit ihnen zu reden –

40 2 |2026


mensch

»Ich wollte auf keinen Fall das

werden, was mein Vater ist.«

das habe sie bei vielen dieser Anlässe beispielsweise bei

ihrer Mutter beobachtet. „Ich habe mich immer gefragt,

wie sie das macht. Mittlerweile kann ich es auch, und ich

glaube, es ist sehr viel einfacher, wenn man so etwas intuitiv

lernen kann.“

Eines war Petra Scharner-Wolff früh klar: „Dass ich

auf keinen Fall das werden wollte, was mein Vater ist.“

Allerdings hatte auch sie, wie ihr Vater, ein großes Interesse

an Mathematik. Über eine klassische Studienberatung

sei sie dann zunächst bei BWL mit Nebenfach Mathe

gelandet – in sehr vollen Hörsälen zu Zeiten der

Wende, mit Frontalunterricht im negativsten Sinne.

„Dann dachte ich: Nee, das ist es irgendwie nicht.“

Also begann sie schon sehr bald ein Zweitstudium,

Politik und Wirtschafts- und Sozialpsychologie und

trat eine Assistenzstelle im Bereich Informatik an. „Das

ist übrigens etwas, was Göttingen auch sehr auszeichnet:

Die Fakultäten sind sehr breit aufgestellt und sehr

durchlässig.“ Heutigen Studierenden würde sie daher

immer empfehlen, über den Tellerrand zu schauen und

in andere Fakultäten zumindest reinzuschnuppern. Sie

selbst sagt sogar: „Wenn ich noch mal 18 wäre, dann

würde ich wohl nicht nur zwei Fächer studieren, sondern

noch viel mehr.“

Ihre Diplomarbeit hat sie im Rahmen einer Forschungsgruppe

geschrieben: „Ich habe damals an neuronalen

Netzen geforscht, die mittlerweile ernsthafte

Einsätze im Business haben. Ich will jetzt nicht sagen,

dass es an uns lag, aber vielleicht haben wir einen kleinen

Beitrag leisten können“, sagt Scharner-Wolff. Bei der

Mathematik ist sie im Studium letztlich nie wirklich

angekommen. „Aber ich war total zufrieden mit dem,

was ich gemacht habe. Und dann bin ich halt doch in

gewisser Weise relativ nah an dem Profil meines Vaters

gewesen, aber halt auf anderen Wegen.“

DAS IMAGE EINES BANKERS

Allerdings: Auf die „Tochter des Sparkassenchefs“

wollte sie nie reduziert werden. Ihr war es wichtig,

nicht aufgrund ihres familiären Hintergrundes bewertet ▸

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mensch

zu werden, sondern stets anhand ihrer eigenen Leistungen:

„Ich habe meine Arbeiten immer anonym abgegeben.

Es war mir wichtig, und ich glaube, dass ist bei vielen

so, wo die Eltern eine gewisse Bekanntheit haben.“

Privat hat sie das Thema nie wirklich belastet – obwohl

sie früh erkannt hat, dass mit einem Banker in führender

Position immer ein bestimmtes Image und auch eine gewisse

Macht verbunden wird. Und vielleicht auch

manchmal höhere Sicherheitsanforderungen als bei anderen

Menschen. So lief bei Scharners zu Hause beispielsweise

immer eine Alarmanlage. Als Kind habe sie

ihren Vater ohnehin ganz anders wahrgenommen als die

Öffentlichkeit. „Aber ich glaube, dass er einfach auch

vom Typus her total anders ist als dieses Image. Von außen

wird in eine solche Rolle etwas anderes attribuiert.“

Dass sie sich dennoch ihren eigenen Weg suchen und

sich von ihrer elterlichen Prägung emanzipieren

wollte, hatte letztlich wohl auch mit ihrem Drang

nach Freiheit zu tun. Und der ließ sie in ihrem Leben

Steile Karriere: Petra Scharner-Wolff hat es nach ihrem

Studium in Göttingen bis an die Spitze eines global

agierenden Handelskonzerns geschafft.

42 2 |2026


mensch

»Wir sind dann mit Bollerwagen

immer nach Bovenden rüber.«

auch einige Male bewusst über den schon erwähnten

Tellerrand blicken. Jungen Leuten rät sie heute, so früh

wie möglich mit dem Netzwerken anzufangen: „Am besten

schon im Studium. Das ist eine echte Chance, andere

Perspektiven zu hören und neue Türen zu öffnen.“

Sie selbst ist mittlerweile eine exzellente Netzwerkerin,

unter anderem durch ihre Tätigkeit als Vizepräsidentin

des Handelsverbands Deutschlands (HDE). Dort trifft

sie regelmäßig auf andere Top-Manager, CEOs und Vorstände

aus unterschiedlichsten Handelsunternehmen –

von Ernsting‘s Family bis Deichmann und von Rewe bis

Edeka. Das sorgt für Austausch auf höchster Ebene. Oftmals

zu Themen, die den gesamten Handel umtreiben.

Und die Interessen dieser Branche wollen schließlich

auch vertreten werden – etwa gegenüber der Politik auf

Bundes- und auch auf europäischer Ebene. „Da braucht

es dann halt auch den Schulterschluss einiger Leute,

wenn wir zum Beispiel in Brüssel Impulse auslösen wollen“,

beschreibt sie.

Lobbyarbeit gehört also auch ein Stück weit zum Job.

„Wir sind eine Branche, die generell gut vernetzt ist. Wir

haben Branchen-Events, wo wir uns treffen. Wir beobachten

sehr genau, was der andere so treibt, was wir

vielleicht nachahmen sollten oder wo wir besser sein

wollen.“ Zudem kreuzen sich in der Branche auch immer

wieder die Wege: Die Modekette Ernsting’s Family

wird beispielsweise heute von einem Ex-Vorstand der

Otto Group geführt.

BOSSELN BEI BOVENDEN

Den Draht nach Göttingen – und zu ihren Göttinger

Netzwerken – hat Scharner-Wolff übrigens bis heute nie

verloren. „Bis vor Kurzem haben meine Eltern noch in

Göttingen gelebt, das war natürlich immer ein sehr willkommener

Anlass, wiederzukommen.“ Mittlerweile leben

sie in Hamburg, genau wie Scharner-Wolff und ihr

Mann, den sie übrigens in Göttingen kennengelernt hatte.

Die beiden haben selbst zwei erwachsene Kinder.

„Meine Eltern sind wahnsinnig verwurzelt gewesen in

Göttingen“, erinnert sie sich. Es sei ihnen nicht ganz

leicht gefallen, von dort wegzugehen. Allerdings brauchen

sie im Alltag mittlerweile Hilfe. „Und ich glaube,

mit dem Trost, dass wir uns jetzt häufiger sehen können

und dass unsere Kinder auch häufiger vorbeikommen

können, haben wir sie jetzt nach Hamburg gelockt.“

Aber nicht nur ihre Eltern verbinden sie mit der Heimat.

„Bis vor Kurzem haben wir uns einmal im Jahr mit

der alten O-Phasen-Gruppe, aus der echte Freundschaften

entstanden sind, in Göttingen zum Boßeln getroffen.

Wir sind dann mit Bollerwagen – und was halt noch so

dazugehört – immer nach Bovenden rüber und haben da

unsere Boßelstrecke gehabt.“ Jetzt habe die Gruppe das

jährliche Boßeltreffen allerdings nach Hamburg verlegt:

„Und das ist eine Katastrophe. Wir haben noch keine optimale

Strecke gefunden. Aber mal sehen.“

Dass Petra Scharner-Wolff heute einen Konzern leitet,

macht sie durchaus stolz. Hoch hinaus wollte sie schon

immer; als Kind wollte sie sogar mal Bundeskanzlerin

werden. Heute würde sie das nicht mehr wollen. Sie sagt

sogar: „Ich bin sehr froh, dass ich nicht Bundeskanzlerin

bin.“ Denn: In einem Familienunternehmen wie der

Otto Group gehe es um langfristige Veränderungsprozesse,

nicht um kurzfristige Optimierungen wie in der

Politik: „Wir kommen ja ursprünglich aus dem Kataloggeschäft

und haben einen großen Schritt in Richtung

E-Commerce gemacht in den letzten 20, 25 Jahren. Jetzt

machen wir den nächsten Schritt mit der Künstlichen Intelligenz.“

Solche Veränderungsprozesse bräuchten teilweise

viele Jahre – deutlich mehr Zeit, als Politik in einer

Legislaturperiode zur Verfügung steht. „Diese Prozesse

sind teilweise auch schmerzhaft, sowohl in der Veränderung

der Profile der Mitarbeiter als auch in den monetären

Auswirkungen“, räumt Scharner-Wolff ein. Allerdings

sei es schon ein Vorteil, nicht alle paar Jahre um

Wählerstimmen werben zu müssen, um solche Prozesse

langfristig zum Erfolg führen zu können. Natürlich müsse

sie Ergebnisse liefern, weil ihr Vertrag als CEO sonst

nicht verlängert werde. „Aber ich glaube, gerade in so

anspruchsvollen Zeiten des Umbruchs ist das eine deutlich

angenehmere Rahmenbedingung. Außerdem ist die

Komplexität meiner Aufgabe geringer als die eines Bundeskanzlers.“

Wenn man ihr zuhört, bekommt man schnell das Gefühl,

dass sie angekommen ist in ihrem Traumjob. Dass

sie die erste Frau an der Spitze des 1949 gegründeten

Unternehmens ist, hängt sie dabei nicht allzu hoch: ▸

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mensch

„Ich habe versucht, das nicht so sehr zu betonen, weil ich

mich selbst ja nicht über mein Geschlecht definiere, sondern

über meinen Inhalt. Aber wenn es andere ermutigt,

Wege zu gehen und zu zeigen, dass das für beide Geschlechter

gut möglich ist, liegt mir das natürlich am

Herzen.“ Aus ihrer Sicht hat die Gesellschaft zwar schon

Fortschritte in der Gleichberechtigung gemacht – es

gäbe aber durchaus „noch ein bisschen Ausbaupotenzial“.

Bei der Otto Group gibt es neben Scharner-Wolff

noch eine weitere Frau im Vorstand.

TEILZEIT FÜR FÜHRUNGSKRÄFTE

Und auch an anderen Stellen will der Konzern Vorreiter

sein: Führungspositionen werden beispielsweise immer

mit der Option auf Teilzeit ausgeschrieben. „Das ist

eines der Experimente, die wir ungefähr vor zwei Jahren

begonnen haben. Wenn wir uns angucken, wie die Karrieren

verlaufen, dann sehen wir im klassischen Modell

mit dem Beginn der Familiengründungsphase häufig

Veränderungen in den Karrierewegen – je nachdem,

welcher Partner sich mehr um die Kinder kümmert und

dann die eigene Karriere verlangsamt.“ Teilzeit soll zur

Normalität werden, um die nicht extra gebeten werden

muss – unabhängig vom Geschlecht. Scharner-Wolff sieht,

dass das schon angenommen wird, allerdings: „Es hat

jetzt noch nicht die totale Veränderung gebracht, aber

ich glaube, es braucht viele kleine Mosaiksteine, um sich

langsam als Gesellschaft weiterzuentwickeln – und das

ist halt einer davon.“ Bei der Otto Group experimentiere

man halt auch gern. Und trifft Entscheidungen, die

anderswo so vielleicht nicht getroffen worden wären.

Genau das dürfte auch ein wesentlicher Grund dafür

gewesen sein, dass Otto als einziger ehemaliger Katalogversand-Riese

überlebt hat. „Wir haben sehr früh mit

der Transformation begonnen, auch in Phasen, als

E-Commerce noch keine Relevanz hatte. Dadurch hatten

wir schon ein bisschen Land gemacht, als unsere

deutschen Mitbewerber irgendwann relativ schnelle

Schritte in der Transformation gegangen sind, weil sie

sie aufgrund von wirtschaftlichem Druck gehen mussten“,

blickt Scharner-Wolff zurück. Dabei sei es für Otto

nicht nur um die Frage gegangen, ob man jetzt mehr

Geld in IT-Themen oder weiterhin in viel Papier investieren

soll. „Es hatte auch etwas damit zu tun, wie die Mitarbeiter

sich in ihren Fähigkeiten weiterentwickeln oder

wie wir Kundenbestände in Richtung E-Commerce aufbauen

konnten. Das ist uns aufgrund der langfristigen

Transformation besser gelungen als den Wettbewerbern,

wobei ich mich fast gefreut hätte, wenn andere es auch

geschafft hätten. Ich glaube, das hätte dem deutschen

Markt eigentlich ganz gut getan.“

Von den anderen einstigen Katalog-Giganten ist heute

nicht mehr viel übrig. Zu einer wirklich relevanten und

starken Plattform auf dem deutschen Markt wurde

einzig otto.de.

Wer dort zum Beispiel eine Waschmaschine bestellt,

schätzt laut Scharner-Wolff nicht nur die Vielfalt an

Marken, sondern auch die zusätzlichen angebotenen

Dienstleistungen – von der Beratung durch KI-Assistenten

über die Lieferung und den Anschluss direkt vor Ort

bis hin zur optionalen Ratenzahlung. Und gar nicht wenige

unterstützen offenbar auch sehr bewusst ein deutsches

Unternehmen, welches sich zudem nachhaltig auszurichten

versucht.

INTERNATIONALER ERFOLG

Dass die Otto Group längst nicht mehr nur auf dem

deutschen Markt unterwegs ist, wird hierzulande allerdings

oft kaum wahrgenommen. Dabei ist der Konzern

mit seinen verschiedenen Marken längst global aufgestellt.

In den USA und in Kanada wächst sogar der stationäre

Möbelhandel weiter. Omni-Channel-Strategien

und Crossover-Effekte zwischen physischen Läden und

Online-Konzepten – damit experimentiert die Otto

Group immer wieder gern. Das muss nicht immer klappen,

bringt aber häufig gewisse Erkenntnisse. Auch in

Deutschland: „Wir haben zum Beispiel bei Bonprix

zwischendurch mal mit Filialen gearbeitet, das hat aber

nicht so funktioniert.“ Anders als zum Beispiel bei Witt,

einer der älteren Marken des Konzerns: „Da gibt es ein

bestehendes Filialnetz mit relativ kleinen Filialen. Gerade

viele ältere Kunden schätzen es, da noch reinzukommen

und beraten zu werden.“

Eigentlich sind es aber ganz andere Themen, die Petra

Scharner-Wolff gerade umtreiben. Etwa beim erwähnten

Möbelgeschäft, insbesondere in Nordamerika mit Crate

and Barrel, dessen Filialnetz weiter ausgebaut werden

soll. Aber nicht nur das: „Mit Künstlicher Intelligenz

können wir Einrichtungen jetzt schon visualisieren, aber

das wird noch mal einen Sprung nach vorne machen.

Dann können Sie Ihr Wohnzimmer zu Hause fotografieren,

wir stellen live unsere Möbel hinein und schieben

sie hin und her. In ein paar Jahren können Sie sich wahrscheinlich

noch virtuell draufsetzen.“ Aber auch Bestellund

Bezahlprozesse will Scharner-Wolff mithilfe von KI

immer nahtloser und einfacher machen.

Eine nicht ganz unwesentliche Frage in diesem Zusammenhang

dürfte sein, inwieweit sich diese Entwicklung

auf die Mitarbeitschaft auswirken wird. Der NDR

hatte zu Beginn des Jahres beispielsweise berichtet, dass

allein am Standort Hamburg gerade 460 Beschäftigte

eingespart werden sollen. Wird die KI dies noch be-

44 2 |2026


mensch

Menschen sollen nicht durch KI ersetzt werden, müssen sich aber auf Veränderungen einlassen – sagt Petra Scharner-Wolff.

»Wir haben sehr früh mit der

Transformation begonnen, auch

in Phasen, als E-Commerce

noch keine Relevanz hatte.«

schleunigen? „Die jetzigen Veränderungen sind nicht primär

KI-getrieben“, betont Scharner-Wolff. Zwar gebe es

ein paar Auswirkungen, KI sei hier aber nicht der Hauptauslöser.

„Bei einem starken Umbau des Geschäftsmodells

würde man sich natürlich immer wünschen, dass

man organisch auch die Fähigkeiten, die man braucht, in

den verschiedenen Berufsgruppen mitentwickelt. Leider

klappt das nicht immer“, weiß die CEO. Der Ansatz bei

der Otto Group sei es nicht, Menschen durch KI zu ersetzen.

Allerdings müssen die Menschen, die im Konzern arbeiten,

sich auf Veränderungen einlassen.

Und dabei will Scharner-Wolff durchaus helfen: „Wir

sind jetzt sehr aktiv dabei, allen Mitarbeitern einen guten

Zugang zu den Weiterbildungsthemen zu geben, die

man braucht, um sich mit den Möglichkeiten, aber halt

auch mit den Gefahren der Künstlichen Intelligenz zu

beschäftigen.“ Das geschehe auf vielfältige Weise, etwa

über digitale Weiterbildungen oder auch über ein konzerneigenes

ChatGPT in einer gekapselten Umgebung,

das Tausende Mitarbeitende täglich nutzen können. Die

Konzernchefin setzt auch darauf, dass sich Kollegen dabei

gegenseitig unterstützen, um etwa im Prompting ▸

2 |2026 45


mensch

Stolz auf Vergangenes und motiviert für neue Ziele: Petra Scharner-Wolff setzt mit der Otto Group weiterhin auf Wachstum und steigende Umsätze.

46 2 |2026


mensch

» Es gibt auch Unternehmen, die wir jetzt nicht gegen

die Marktentwicklung in Richtung Wachstum pushen.«

voranzukommen. „Ich halte es für total wichtig, diese

Zugänge zum Lernen und zur Weiterbildung zu ermöglichen.

Natürlich sind wir darauf angewiesen, dass viele

auch Lust darauf haben. Zum Glück sind sehr viele sehr

begeistert dabei, aber natürlich gibt es auch eine gewisse

Gruppe von Leuten, die so viele Veränderungen vielleicht

gar nicht in der Geschwindigkeit wollen.“ Weil

aber ohnehin jeder ein Smartphone habe, seien die Veränderungen,

die die KI gerade mit sich bringt, aus Sicht

von Scharner-Wolff sogar vergleichsweise niedrigschwellig:

„Ich finde das gerade einfacher als die Prozesse, die

wir am Anfang des E-Commerce hatten. Die waren nicht

so intuitiv, eben weil wir das aus unserem Alltag noch

nicht kannten.“

SEIT JEHER BREIT AUFGESTELLT

Was hingegen immer schon galt: Das Unternehmen war

als Gruppe stets relativ breit aufgestellt, auch schon zu

den Hochzeiten der berühmten Otto-Kataloge. Und das

hat zu einer gewissen Stabilität geführt, die sicher auch

als Wettbewerbsvorteil gegenüber den damaligen Konkurrenten

gelesen werden darf. „Klassischerweise ist unser

Finanzdienstleistungsgeschäft immer sehr stabil gewesen,

wohingegen der Handel stark schwankt. In der

Corona-Zeit waren zum Beispiel die Abverkaufsstrukturen

in den Sortimenten komplett anders als in der

Nach-Corona-Phase. Und der Handel ist ja auch generell

ein Geschäftsmodell, das stärkeren saisonalen Schwankungen

unterliegt.“ Deshalb sei es gut, wenn man einerseits

Unternehmen im Portfolio habe, die eher die Kontinuität

bedienen, und andere, die eher auf Saisonalität

und Unterschiedlichkeit setzen.

Scharner-Wolff betrachtet die einzelnen Unternehmen

und Konzernbereiche daher durchaus differenziert. „Einige

Unternehmen haben einen klaren Wachstumskurs eingeschlagen.

Und es gibt auch Unternehmen, die wir jetzt

nicht gegen die Marktentwicklung in Richtung Wachstum

pushen, sondern die wir dann eher ergebnisorientiert oder

qualitätsorientiert führen.“ Natürlich, ohne dabei die Gesamtstrategie

aus den Augen zu verlieren. ▸

2 |2026 47


mensch

» Wir haben eine Neigung,

uns immer selber zu disruptieren.«

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung von otto.de.

Der Wandel von einem normalen Online-Shop mit rund

zwei Millionen Artikeln hin zu einem Mega-Marktplatz

mit mittlerweile 19 Millionen verfügbaren Produkten

war eine Art Gamechanger, auch im Hinblick auf die

Außenwahrnehmung. Scharner-Wolff blickt zurück: „Ich

weiß nicht genau, ob wir es sonst nicht überlebt hätten,

aber es war zumindest ein sehr guter strategischer Schritt,

weil wir ganz klar gesehen haben, dass der Markt stärker

in Richtung Plattform geht.“ Auch wenn sie es vermeidet,

Amazon als Vorbild zu nennen: Die fehlende Breite des

ursprünglichen Sortiments war intern zumindest als

Wettbewerbsnachteil erkannt worden – also schien die

Öffnung des Portals zum Marktplatz fast logisch.

Die Herausforderungen, die sich daraus ergaben, wirken

aus heutiger Sicht beinahe niedlich: „Das sind teilweise

ganz banale Sachen, an die man von außen nicht

denkt. Wir hatten zum Beispiel nur eine bestimmte Anzahl

von Artikelnummern zur Verfügung, und wenn

man dann die nächste Dimension erreichen will, muss

halt einfach das System auch längere Artikelnummern

verarbeiten können.“ Manchmal sind es eben Banalitäten,

die eine Transformation antreiben können.

DAS DEUTSCHE AMAZON?

„Wir wussten auch, dass es aus Sicht möglicher Partner

total attraktiv ist, mehrere starke Plattformen in

Deutschland zu haben und nicht von einer abhängig zu

sein. Deshalb haben wir schon geahnt, dass es ein großes

strategisches Interesse geben wird, Zugang zu unseren

inzwischen mehr als zwölf Millionen Kundinnen

und Kunden bei Otto zu bekommen – und das war dann

auch so.“ Der Zulauf an Partnern war enorm, ging sehr

schnell und hat dementsprechend einen zügigen und

umfassenden Umbau im Geschäftsmodell erfordert:

„Da hat es auch schon noch mal ein bisschen geruckelt.

Wir mussten uns in allem, was wir tun, anpassen.“

Heute gibt es dadurch auch einige Alleinstellungsmerkmale.

Anders als bei der Konkurrenz können Kunden

ihren Warenkorb bei otto.de aus einer Hand bezahlen

und bekommen auch nur eine Rechnung – egal, bei

welchen Partnern auf dem Marktplatz sie Waren bestellen.

Dafür brauchte es schon aus formaljuristischen

Gründen eine eigene Paymentgesellschaft. Hier wiederum

kamen Otto die Erfahrungen mit eigenen Finanzdienstleistern

zugute. „Auf vieles waren wir gut vorbereitet,

bei anderen Dingen wurden wir durch die Geschwindigkeiten

dann aber doch noch ein bisschen

überrascht und mussten nachjustieren“, blickt Scharner-Wolff

zurück. So ist das eben mit großen

Veränderungsprozessen.

Und Veränderungen gab es bei der Otto Group immer

wieder. So war zwischenzeitlich mit About You eine der

erfolgreichsten Fashion-Marken am Markt aus dem eigenen

Konzern heraus aufgebaut worden – um dann

schließlich für viel Geld an Konkurrent Zalando abgegeben

zu werden. „Wir haben eine Neigung, uns immer

selber zu disruptieren“, gewährt Scharner-Wolff einen

Einblick in die vielleicht etwas eigenwillige Unternehmens-DNA.

Und nennt direkt ein weiteres Beispiel: „Wir

haben vor vielen Jahren Bonprix gegen Otto laufen lassen

im Bereich Fashion. Und als wir angefangen haben

mit About You, wussten wir noch gar nicht, in welche

Richtung sich das Otto-Geschäft entwickelt.“ Sie erinnert

sich: „Ich war zu dem Zeitpunkt gerade Otto-

Bereichsvorständin, als diese zarte Pflanze About You

überall Vorfahrtsrechte bekommen hat. Das war sehr

schmerzhaft, aber es war aus heutiger Sicht ein guter

strategischer Move. Viele haben die spätere Entwicklung

damals nicht für möglich gehalten, weil zu dem Zeitpunkt

Zalando schon sehr am Markt etabliert war.“

DER 450-MILLIONEN-DEAL

Aber About You hatte vielleicht auch so etwas wie die

Gunst der späten Geburt: „Die sind Mobile First gestartet

und waren schon im nächsten Level der IT-Infrastruktur,

die sie sich komplett selbst aufgebaut haben.

Das Unternehmen hatte von Anfang an einen sehr starken

technologischen Nukleus und war nicht – so wie wir

– aus der Ware und dem Vertrieb in die Technik gekommen.“

About You hatte früh auf junge Zielgruppen, eine

emotionale Kundenansprache und die Zusammenarbeit

mit Fashion-Influencern gesetzt. Mit Erfolg, wie sich

später herausstellen sollte. „Da ist ein echtes Können

48 2 |2026


mensch

von uns, so viel Raum zu lassen, dass so etwas wie About

You neben dem etablierten Geschäft entstehen kann.“

Einige Partnerschaften und Skalierungen später entschied

man sich dann aber doch für den Ausstieg – und

erzielte damit etwa 450 Millionen Euro. Kein schlechter

Deal: Die Otto Group generierte frisches Kapital, und

Zalando will sich damit vor allem gegen internationale

Konkurrenzen besser behaupten.

Dieses Beispiel zeigt: Die Otto Group erfindet sich immer

wieder neu, und wohl auch deshalb passt Petra

Scharner-Wolff bestens zur Firmenphilosophie – obwohl

oder gerade weil sie insgesamt schon seit mehr als

25 Jahren im Konzern tätig ist. Sie selbst sagt: „Ich habe

total viel Freude, Neues zu entdecken. Und deshalb empfinde

ich es als so große Gunst, dass ich in meinem

beruflichen Alltag so viele Impulse bekomme und dass

ich so viele tolle Leute treffen darf, die so viel Expertenwissen

haben – und auch Lust darauf, ihr Wissen zu teilen.“

Es sei ein Privileg, sich im eigenen Job auch immer

wieder weiterentwickeln und neu erfinden zu dürfen.

Der Kontakt mit so vielen unterschiedlichen Menschen

gebe ihr dabei sehr viel Energie: „Das ist sozusagen meine

Tankstelle.“

KEIN TYP FÜR AUSZEITEN?

Ob sie in ihrem Leben rückblickend etwas anders machen

würde? Sie überlegt nur kurz: „Was ich immer auf der

Liste hatte und nie geschafft habe: Ich würde während des

Studiums ins Ausland gehen. Und ich habe mir in meinem

Leben nie Pausen für irgendwas genommen und Auszeiten

gemacht. Vielleicht würde ich das machen.“

Vielleicht würde aber eine Auszeit auch gar nicht zu

ihrer Persönlichkeit passen – viel zu groß wäre doch

schließlich die Gefahr, einen inspirierenden Austausch

mit einem hoch motivierten Mitarbeiter aus dem eigenen

Hause zu versäumen, der vielleicht die nächste genia le

Idee für die Otto Group mit ihr besprechen möchte. Vielleicht

ja sogar bei ihr zu Hause, beim Mittagessen? Die

Einladung steht ja noch. Und Petra Scharner- Wolff lächelt

einmal mehr: „Man kann übrigens auch bei mir im

Büro vorbeikommen. Wenn man sich da anmeldet, würde

ich auch was zu essen mitbringen.“ ƒ

Immer die nächste große Idee für die Otto Group im Blick: Petra Scharner-Wolff.

DAS KOMPLETTE INTERVIEW

mit Petra Scharner-Wolff ist als

aktuelle Folge im faktor-Podcast

onfire zu hören unter

www.faktor-magazin.de/onfire-podcast.

2 |2026 49


mensch

Warum es

acht Frauen braucht

Sind wir alle gleich? Haben Frauen und Männer im Leben und in der

Arbeitswelt wirklich die gleichen Chancen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich

die Gleichstellungsbeauftragten der Kommunen. In der Stadt Göttingen gibt es

dazu gleich eine ganze Abteilung mit acht Frauen – warum eigentlich?

TEXT CAROLIN KÖPP FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

Wer im Internet nach der Gleichstellungsbeauftragten

für Göttingen sucht, findet tatsächlich

acht Ansprechpartnerinnen. Angesichts der

angespannten Finanzlage Göttingens mag das zunächst

irritieren. Der Grund ist allerdings recht simpel, denn

der Suchende landet auf der Seite des hiesigen Gleichstellungsbüros.

Was in anderen Städten auf verschiedene

Ressorts verteilt wird, ist im Göttinger Gleichstellungsbüro

zusammengefasst. Denn: Die einzelnen

Mitarbeiterinnen haben inzwischen eine ganze Reihe

von Aufgaben zu erfüllen.

CHRISTINE MÜLLER leitet das Büro. Sie ist die eigentliche

Gleichstellungsbeauftragte für die Stadt Göttingen

und – das ist hier etwas Besonderes – sie ist auch für die

Umsetzung des Niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetzes

in der Stadtverwaltung zuständig, bei ihrem

Arbeitgeber also. Außerdem wird das Frauenforum

Göttingen von ihr koordiniert – ein feministischer

Zusammenschluss von Menschen, die sich als Frauen

und/oder als weiblich identifizieren. Gemeinsam mit

dem Gleichstellungsbüro veranstaltet das Frauenforum

beispielsweise eine öffentliche Gesprächsrunde zur diesjährigen

Oberbürgermeisterwahl, bei der es um die

gleichstellungs politischen Schwerpunkte der Kandidaten

geht. Müller ist Mitglied im Netzwerk kommunaler

Gleichstellungsbeauftragter und Ansprechpartnerin bei

Fragen zur Integration insbesondere von Frauen.

MÜLLERS STELLVERTRETERIN BRITTA THÜR überwacht

die Einhaltung des sogenannten „Gender Mainstreaming“

in der Kinder- und Jugendarbeit. Dabei geht

es um die Frage, ob in allen gesellschaftlichen und politischen

Vorhaben die unterschiedlichen Auswirkungen auf

Mädchen und Jungen grundsätzlich beachtet werden.

Thür ist Ansprechpartnerin für die Kompetenzförderung

von Mädchen durch Sport. Sie koordiniert Mädchenarbeitskreise,

die unter anderem eine Beratungsstellen­

Rallye für Schüler und Multiplikatoren anbieten, in denen

spielerisch darüber aufgeklärt wird, welche vielfältigen

Freizeitangebote und Unterstützungsmöglichkeiten es für

Jugendliche gibt. Dabei können Themen wie die Berufsund

Lebensplanung, Stress mit Freunden und Eltern,

sexualisierte und häusliche Gewalt, ungewollte Schwangerschaft,

die sexuelle Identität, Essstörungen oder

geschlechtsspezifische Angebote angesprochen werden.

50 2 |2026


mensch

In anderen Kommunen gibt es in der Regel eine Gleichstellungsbeauftragte – in Göttingen gibt es dafür gleich eine ganze Abteilung.

DIE ISTANBUL-KONVENTION

Das Übereinkommen des Europarats zur

Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen

Frauen und häuslicher Gewalt von 2011 ist ein

völkerrechtlich bindendes Instrument zur umfassenden

Bekämpfung von Gewalt gegen

Frauen und Mädchen. Dazu gehören Opferschutz,

Prävention und Strafverfolgung sowie

die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter

in den Verfassungen und Rechtssystemen.

Die 81 Artikel der Istanbul-Konvention enthalten

umfassende Verpflichtungen zur Prävention

und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und

häuslicher Gewalt, zum Schutz der Opfer und

zur Bestrafung der Täter (www.unwomen.de).

NATALIA HEFELE leitet die Koordinierungsstelle „Frauen

& Wirtschaft“, die Frauen bei allen Fragen rund um Beruf

und Familie berät. Das geht von der Regelung der Elternzeit

bis zur Rückkehr in den Beruf. Zu ihren Aufgaben

gehört auch die Beratung von Frauen in Führungspositionen.

Sie ist die Geschäftsführerin des Unternehmensverbundes

„Frau & Betrieb“ e. V., dessen Mitglieder sich für

familienfreundliche Beschäftigungsstrukturen, flexibles

Personalmanagement und zukunftsorientierte Personalplanung

engagieren. Auch die Organisation und Durchführung

von Fach- und Informationsveranstaltungen, auf

denen sich Frauen in Führungspositionen über ihre Rechte

und Möglichkeiten in der Wirtschaftswelt informieren

können, gehört zu Hefeles Aufgabenbereichen. Hier geht

es um Themen wie die Anerkennung der Elternzeit oder

Führungsposten in Teilzeitarbeit.

JANNY DE WALL kümmert sich als Projektassistentin

von Natalia Hefele um das Sekretariat, die Finanzen und

die Organisation von Veranstaltungen.

HEIKE SIEBER ist Netzwerkkoordinatorin der Antidiskriminierungsstelle

für die Stadt und den Landkreis ▸

2|2026 51


mensch

Göttingen. Ihre Aufgabe ist die Umsetzung des Allgemeinen

Gleichbehandlungsgesetzes. Um dabei ein möglichst

großes Publikum anzusprechen, betreut sie die Organisation

von Arbeitsgruppen – etwa zur Sensibilisierung

der Öffentlichkeit für Diskriminierung. Ebenso ist sie für

den Ausbau der Erst- und Verweisberatungsstrukturen

zuständig, bei denen hilfe- oder ratsuchende Menschen

Unterstützung finden und erfahren, an wen sie sich in

ihrer individuellen diskriminierenden Situation wenden

können.

ALICE PFAFFENROT koordiniert die Arbeit der Antidiskriminierungsstelle

der Stadt Göttingen. Hier geht es

um die Belange von Opfern jeglicher Art von Diskriminierung.

Pfaffenrot leitet das Projekt „Vielfalt sichert

Zukunft – Chancengleichheit als Investment für Wirtschaft

und Gesellschaft in der Region Göttingen“ und

kümmert sich um das Berichtswesen und die Öffentlichkeitsarbeit.

Sie hat die Aufgabe, strukturelle Veränderungen

zur Verringerung von Diskriminierung anzuregen.

FRAUEN & WIRTSCHAFT

Ziel dieser Koordinierungsstelle ist es, die

gleichberechtigte Teilhabe an Führung und

damit auch den gleichberechtigten Partner Einfluss für auf Mittelstand und Industrie!

die Strukturen und die Kultur von Organisationen

zu erreichen. Insbesondere mit der Institutionalisierung

der Gleichstellungsfrage in den

80er- und 90er-Jahren wurde dem Öffentlichen

Dienst eine Vorbildfunktion zugewiesen – der

dieser nur bedingt gerecht wird. (aus: „Mehr

Frauen in Führung: So könnte es gehen ...“)

ANTIDISKRIMINIERUNGSARBEIT

Sie begegnet Diskriminierung, Benachteiligungen

und Ausgrenzungen aktiv. Im besonderen

Maße gilt dies für die im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzt

(AGG) genannten Dimensionen:

Herkunft und rassistische Zuschreibung,

Geschlecht, Religion und Weltanschauung,

sexuelle Identität, Lebensalter, chronische

Erkrankung und Behinderung. Die Antidiskriminierungsstelle

der Stadt Göttingen strebt strukturelle

Veränderungen in Verwaltung und Kommune

an. (www.goettingen.de)

ANNA MAIERL betreut die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit

zum Thema Gewalt gegen Frauen und koordiniert

das Netzwerk von lokalen Fachstellen sowie

verschiedenen Hilfsdiensten, Jobcentern und Ausländerbehörden.

Dabei ist es wichtig, Mitarbeiter solcher Einrichtungen

dafür zu sensibilisieren, Anzeichen, die auf

Gewalteinwirkung hinweisen könnten, bei ihren Klienten

wahrzunehmen und bei Bedarf Hilfe anzubieten.

Folglich ist sie auch die Ansprechpartnerin für die

Umsetzung und Einhaltung der sogenannten Istanbul­

Konvention (siehe separater Infotext).

ILSE LAGERHAUSEN unterstützt alle Ansprechpartnerinnen

des Gleichstellungsbüros. Sie leitet das Sekretariat,

sorgt für einen reibungslosen Arbeitsablauf, verwaltet

die Finanzen und organisiert Veranstaltungen.

Diese Übersicht bildet (schon aus Platzgründen) naturgemäß

nur einen kleinen Teil der Arbeit des Gleichstellungsbüros

ab – und sie lässt zumindest erahnen, warum

es tatsächlich eine ganze Abteilung mit acht Mitarbeiterinnen

dafür braucht. In einer idealen Welt wäre überhaupt

keine übergeordnete Instanz zum Schutz von

Menschen, egal in welcher Lebenslage, nötig. ƒ

WAS IST DISKRIMINIERUNG?

Eine Diskriminierung im rechtlichen Sinne ist jede ungerechtfertigte

Ungleichbehandlung aufgrund von „Rasse“,

ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung,

Behinderung, Alter oder sexueller Orientierung.

Diskriminierungen können bewusst oder unbewusst

erfolgen. (www.integrationsbeauftragte.de)

52 2 |2026


unternehmen

Osterode / Sylt

Partner für für Mittelstand und und Industrie!

Partner für Mittelstand und Industrie!

Wir schützen IHRE Werte !

Vertrauen. Verlässlichkeit. Loyalität. Diese

Werte sind unsere Mission. Und auf ihnen

beruht unser tägliches Handeln. Denn wir

wollen für unsere Kunden Versicherungslösungen,

die wirklich einen Unterschied machen.

Als inhabergeführtes Familienunternehmen mit

über 30 35 Jahren Erfahrung suchen wir zusammen

mit unseren Kooperationspartnern – – unter unter ande-

anderem

mit mit Leue Leue & Nill &– Nill nach und den Lauff bestmöglichen & Bolz – nach Versicherungslösungen

den bestmöglichen für Versicherungslösungen unsere Kunden. für

unsere Kunden.

Unsere Heimat ist die Region Südniedersachsen.

Von hier aus versichern wir Unternehmen, die

national und weltweit agieren. Und mehr noch:

Wir begleiten sie auf ihrem Weg.

Was wir dabei mit mittelständischen Betrieben

und Industrieunternehmen kreieren, sind innovative

und individuelle Versicherungslösungen. Lösungen. Wir erkennen Wir

Risiken erkennen und Risiken bewerten und sie bewerten gemeinsam. sie gemeinsam.

Dabei treibt uns uns vor vor allem allem eines eines an: an: Uns IHR

Vertrauen Uns IHR Vertrauen verdienen. verdienen. Jeden Tag aufs Neue – mit

Leidenschaft Jeden Tag aufs und Neue Begeisterung. – mit Leidenschaft

und Begeisterung.

Ihr Rainer Giese

Ihr Rainer Giese

| Sylt

Wir sind Partner!

4 |2025 45


mensch

kompakt

FOTO: SARTORIUS

Sartorius-Vorstand

Fáber bleibt bis 2031

DER AUFSICHTSRAT DER SARTORIUS AG

hat beschlossen, die Bestellung von

René Fáber als Mitglied des Vorstands um

fünf Jahre bis zum 31. Dezember 2031 zu

verlängern. René Fáber (50), der an der

Technischen Universität München in

Polymerchemie promoviert hat, kam 2002

als Wissenschaftler zu Sartorius. Er hatte

mehrere Managementpositionen inne, bevor

er im Januar 2019 in den Vorstand berufen

wurde. In dieser Funktion ist er für die

Sparte Bioprocess Solutions verantwortlich.

René Fáber bleibt bis 2031 Sartorius-Vorstand.

FOTO: THEODORO DA SILVA (ARCHIV)

OBERSTLEUTNANT Florian Grewe ist jetzt Leiter

des KVK Göttingen.

Personalie bei der Bundeswehr

Grewe leitet Kommando

FAKTOR-MITGRÜNDER UND OBERST-

LEUTNANT FLORIAN GREWE hat die

Leitung des hiesigen Kreisverbindungskommandos

(KVK) Göttingen der Bundeswehr

übernommen.

Ein KVK ist das zentrale Bindeglied

zwischen militärischen und zivilen Stellen

auf Ebene des Landkreises und der kreisfreien

Städte. Es berät unter anderem zivile

Behörden zu Möglichkeiten und Grenzen

der Amts- und Nothilfe durch die Bundeswehr

und koordiniert bei Bedarf entsprechende

Unterstützungsleistungen – etwa

bei Naturkatastrophen, Pandemien oder

anderen schweren Schadenslagen.

Entscheidung gefallen

Kaliunas dirigiert GSO

VILMANTAS KALIUNAS wird neuer Chefdirigient

des Göttinger Symphonieorchesters

(GSO). Er soll sein Amt zur Spielzeit

2027/28 antreten. Eine Findungskommission

hatte sich für den renommierten litauischen

Dirigenten ausgesprochen, der aktuell

in Hamburg lebt.

„Mit Vilmantas

Kaliunas gewinnt

das Göttinger Symphonieorchester

eine

vielseitige und international

erfahrene

Künstlerpersönlichkeit“,

schreibt das

GSO in einer Pressemitteilung

zur Vorstellung. Er sei „ein Dirigent,

der musikalische Energie nicht nur

sucht, sondern spürbar macht.“ Sein Dirigerstudium

hat Kaliunas in Weimar absolviert;

heute arbeitet er mit Klangkörpern

wie dem Deutschen Symphonieorchester

Berlin, dem MDR-Sinfonieorchester Leipzig,

dem litauischen Nationalorchester

oder dem Elbphilharmonieorchester der

Staatsoper Hamburg.

FOTO: MARKUS RIESE

Prof. Dr. Johannes Wessels einstimmig gewählt

Ein „Rektor des Jahres“ wird Präsident der Universität Göttingen

PROF. DR. JOHANNES WESSELS wird

Präsident der Universität Göttingen. Seine

sechsjährige Amtszeit beginnt voraussichtlich

gegen Ende des Jahres. Senatssprecher

Ramin Yahyapour erklärte nach der einstimmigen

Wahl: „Johannes Wessels bringt

nach zehn Jahren an der Spitze des Rektorats

einer Volluniversität die besten Voraussetzungen

mit, um die Universität Göttingen

strategisch neu auszurichten.“

Wessels, Jahrgang 1962, studierte Physik

an der Universität Heidelberg, wo er 1990

promovierte. Als Postdoktorand war er bei

der Gesellschaft für Schwerionenforschung

in Darmstadt tätig, an der State University

in Stony Brook, New York, und an der Universität

Heidelberg. Dort habilitierte er sich

im Jahr 2000. Seit 2003 ist er Professor an

der Universität Münster und Direktor des

Instituts für Kernphysik. Von 2005 bis

2006 war er dort Prodekan und von 2006

bis 2010 Dekan des Fachbereichs Physik.

Im Oktober 2016 wurde er zum Rektor

der Universität Münster gewählt; seit 2022

ist er Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz

Nordrhein-Westfalen. Der Deutsche

Hochschulverband wählte Wessels 2018

zum „Rektor des Jahres“.

Er selbst kommentierte seine Wahl so:

„Zum Präsidenten der Universität Göttingen

gewählt zu werden, ist mir eine große

Ehre. Auf der guten Basis meines Vorgängers

Axel Schölmerich werde ich aufbauen,

um die Universität Göttingen gemeinsam

mit ihren Angehörigen und Einrichtungen

zukunftsfähig aufzustellen.“

FOTO: UNI GÖTTINGEN

54 2 |2026


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PROFIL

Das Ziehen eines Lkw als Team-Aufgabe.

Jan Oberdieck setzt bei seinen Coachings voll auf

Vertrauen.

Vertrauen ist der Schlüssel

Wer Jan Oberdieck heute in einem Strategie- oder Team-Workshop erlebt, sieht einen Coach, der genau hinhört. Wer

seinen Weg verstehen will, muss dorthin schauen, wo Zusammenarbeit keine Option, sondern Überlebensstrategie ist.

Erfahrungen als Soldat und Footballspieler

legten das Fundament für das, was

heute unter dem Namen TEAM2TRUST

regionale Unternehmen dabei unterstützt, aus

Teams echte Einheiten zu machen.

„Im Football oder im Einsatz lernt man

schnell: Vertrauen ist kein weicher Wohlfühlfaktor,

sondern die härteste Währung eines

Teams“, erklärt er. „Wenn die Last schwer wird,

reicht es nicht, sich nett zu finden. Man muss

wissen, dass der andere hält, was er verspricht.“

DIE LÜCKE ZWISCHEN SEMINARRAUM

UND REALITÄT

In seiner langjährigen Tätigkeit als Coach und

Mediator in Göttingen und der Region beobachtete

er immer wieder dasselbe: In Konferenzräumen

wird viel über Leitbilder und

Werte gesprochen. Im stressigen Arbeitsalltag

verpuffen diese Vorsätze jedoch oft. Auch

klassische Teamevents – vom Bowling bis

zum gemeinsamen Kochen – bringen meist

nur kurzzeitig gute Laune, verändern aber selten

die Zusammenarbeit nachhaltig.

Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee für

TEAM2TRUST. Seine Vision: Erlebnisse zu

schaffen, die sich tief ins kollektive Gedächtnis

eines Teams einprägen. „Wir brauchen

Herausforderungen, die uns wirklich fordern

– physisch und mental“, so der Gründer. Seine

Leidenschaft für Outdoor-Erlebnisse und für

„schweres Gerät“ führte schließlich zu einem

einzigartigen Konzept.

22 TONNEN ALS SPIEGEL

DER ZUSAMMENARBEIT

Bei TEAM2TRUST wird Vertrauen greifbar –

etwa in Form eines 22-Tonnen-Lkw oder komplexer

Kletteraufgaben. Wenn ein Team einen

tonnenschweren Koloss bewegen oder präzise

Manöver mit schwerem Gerät durchführen

soll, fallen die Masken. Dann zählen weder

Status noch reines Fachwissen, sondern Abstimmung,

klare Kommunikation und das

bedingungslose Verlassen auf den Nächsten.

Doch die Action ist nie Selbstzweck. Das

Herzstück ist die anschließende Reflexion.

„Der Lkw ist nur das Medium – die Magie

passiert in der Auswertung. Wir besprechen

gemeinsam die Aktionen und übertragen das,

was das Team über sich gelernt hat, direkt in

den Büroalltag.“ So entstehen durch Erlebnis

und Analyse nachhaltige Erfahrungen: Teams

lernen nicht nur, wie sie einen Lkw bewegen,

sondern wie sie gemeinsam Großes erreichen,

wenn der Widerstand wächst.

TEAM2TRUST

Jan Oberdieck

Werner-von-Siemens-Straße 3

37077 Göttingen

Tel. 01520 4365707

moin@team2trust.de

www.team2trust.de


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PROFIL

Moderne Herzbildgebung

in der Diagnostik-Praxis am

Göttinger Bahnhof

Die Spezialisten für Früherkennung haben ihr Spektrum personell und methodisch erweitert.

Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

stellen in der westlichen Welt die

häufigsten Todesursachen darf. Die

Früherkennung von bösartigen Tumorerkrankungen

stellt daher seit vielen Jahren einen

Schwerpunkt der Diagnostischen Praxis am

Göttinger Bahnhof dar. Mit Dr. Katharina Kersting

wird das medizinische Team seit Ende

2025 durch eine Spezialistin verstärkt, die seit

vielen Jahren schwerpunktmäßig bildgebende

Diagnostik zur Früherkennung und Abklärung

von Herzerkrankungen durchführt.

Die moderne Schnittbildgebung spielt in

der Diagnostik und dem Management der

chronischen Koronaren Herzkrankheit eine

wichtige Rolle. Der Radiologie stehen hierfür

hauptsächlich zwei Untersuchungsverfahren

zur Verfügung: Die CT Angiographie der Herzkranzgefäße

(Herz-CT, CCTA oder Kardio-CT)

und die Magnetresonanztomographie des

Herzens (Kardio-MRT).

HERZ-CT IM BLICKPUNKT

Die Herz-CT wird in der nationalen S3-Leitlinie

der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie

initial zur Abklärung von Brustschmerz empfohlen.

Ursache hierfür kann eine Koronare

Herzkrankheit (KHK) mit gefährlichen Verengungen

von Herzkranzgefäßen sein. Das Ziel

ist es, relevante Engstellen der Herzkrankgefäße

frühzeitig zu erkennen, um so präventiv

durch Anpassung des Lebensstils und Optimierung

der medikamentösen Therapie in den

Krankheitsprozess einzugreifen. Dadurch können

Herzinfarkt, Herzschwäche und andere

schwere Folgeschäden verhindert werden.

WIE LÄUFT EINE HERZ-CT AB?

Die CT in der Praxis für Moderne Schnittbilddiagnostik

nutzt neueste Technologie mit

niedriger Dosis. Um die Herzkranzgefäße

optimal darstellen zu können, werden während

der etwa zehnminütigen Untersuchung

ein jodhaltiges Kontrastmittel sowie ein Betablocker

und Nitrospray bei erhöhter Herzfrequenz

verabreicht. Der Herzschlag wird

durch ein EKG überwacht, damit das schlagende

Herz in der Herzruhephase abgebildet

werden kann. Die hier entstehenden Bilder

werden dreidimensional nachbearbeitet und

ausgewertet, sodass die Gefäße optimal

visualisiert werden können. Auch

wenn Patienten bereits einen

Herzschrittmacher, einen

implantierten Defibrillator

oder künstliche Herzklappen

haben, kann die

ntersuchung durchgeführt

werden. Ebenso wenig

stören vorhandene Stents

oder Bypässe.

MRT ERMÖGLICHT DEN BLICK AUF DAS

SCHLAGENDE HERZ

Die MRT des Herzens ist ebenso wie die CT

ein unverzichtbarer Pfeiler der nicht-invasiven

Herzdiagnostik. Die Stärke der MRT liegt in

der Sichtbarmachung von Auffälligkeiten des

Herzmuskels. So können Narben nach einem

Herzinfarkt dargestellt oder auch Herzmuskelentzündungen

und andere strukturelle

Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathien)

diagnostiziert werden. Die Kernspintomographie

kommt ohne Röntgenstrahlung

aus, das venös verabreichte Kontrastmittel ist

gadoliniumhaltig.

Das Herz wird dreidimensional

in sämtlichen Phasen

der Herzaktion dargestellt,

sodass der Eindruck eines

schlagenden Herzens

entsteht. Auf

diese Weise können

auch funktionelle Einschränkungen,

also

eine Verminderung

der Schlagfähigkeit

des Herzens oder

Undichtigkeiten von

Herzklappen genau

beurteilt werden. Die Kernspintomographie

beruht auf

elektromagnetischen

Strahlen, so dass Untersuchungen

bei

Patienten mit

Dr. med. Katharina Kersting: „Die CT-Angiographie des Herzens

ermöglicht ein frühes Erkennen von Gefäßveränderungen bei

minimaler Belastung für die Patienten.“


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WARNZEICHEN UND RISIKEN DER ANGINA PECTORIS

Der häufigste Grund für die Durchführung einer Herz-CT ist die sogenannte

Angina pectoris. Sie beschreibt den Brustschmerz, der für die Sauerstoffunterversorgung

des Herzmuskels typisch ist. Da die Symptome einer

Koronaren Herzkrankheit aber nicht immer gleichförmig sind, können

auch Luftnot oder etwas untypische Beschwerden die Durchführung einer

Herz-CT sinnvoll machen. Risikofaktoren für eine KHK sind hoher Blutdruck,

hohe Cholesterinwerte, Rauchen, Diabetes und eine positive familiäre

Vorgeschichte. Wird eine hochgradige Enge eines Herzkrankgefäßes

festgestellt, kann eine Herzkatheteruntersuchung folgen, um das verengte

Gefäß zu eröffnen und den Blutfluss wieder herzustellen. Hier ist die Zusammenarbeit

zwischen Radiologie und Kardiologie essenziell.

PROFIL

Herzinfarktnarbe in der MRT.

3D Darstellung der Herzkranzgefäße in der Herz-CT.

Verlauf der drei

Koronararterien in einer

Ebene.

Minderdurchblutung der Herzscheidewand in der

Stress-MRT.

Implantaten wie beispielsweise Herzschrittmachern,

mechanischen Herzklappen oder

Cochleaimplantaten nicht erlaubt sind. Die

Herz-MRT dauert mit etwa 45 Minuten deutlich

länger als ein Herz-CT.

DIE STRESS-MRT ERLAUBT DIE SICHERUNG

EINER MINDERDURCHBLUTUNG

Wenn in der Herz-CT eine deutliche Engstelle

diagnostiziert wurde, müssen weitere Untersuchungen

folgen. Es ist wichtig zu testen,

ob die Engstelle den Blutfluss relevant behindert

und zu einer Minderdurchblutung

(Ischämie) führt. Hierfür stehen heutzutage

einerseits die sogenannte Stress-Herz-MRT

(Perfusions-Stress-MRT) und andererseits

die Myokardszinigraphie zur Verfügung.

Die Myokardszintigraphie ist eine nuklearmedizinische

Untersuchung und nutzt

radioaktive Substanzen zur Darstellung der

Herzdurchblutung und Vitalität. Die Stress-

MRT läuft grundsätzlich wie eine normale

Herz-MRT ab, wird aber durch einen zusätzlichen

Baustein ergänzt. Es wird ein Medikament

injiziert, dass das Herz pharmakologisch

belastet und die Blutgefäße erweitert.

Durch die medikamentöse Erweiterung der

Herzkranzgefäße wird die körperliche Betätigung

simuliert. So kann eine Minderdurchblutung

des Herzmuskels in der Folge

verengter Herzkranzgefäße dargestellt und

auf zeitlich dynamischen Schnittbildern dokumentiert

werden. Zeigen sich schlecht durchblutete

Bereiche, kann dies eine anschließende

Herzkatheteruntersuchung rechtfertigen.

Gleichwohl kann auf einen Herzkatheter

verzichtet werden, wenn die Stressuntersuchung

keine Minderdurchblutung zeigt. So

können Patienten optimal versorgt und unnötige

invasive Untersuchungen verhindert

werden.

Für die Herz-MRT steht in der Praxis für

Schnittbilddiagnostik seit Jahren ein modernes

3-Tesla-Gerät zum Einsatz bereit. Seit

Anfang 2026 ergänzt die Herz-CT das Präventionsangebot

der Diagnostikpraxis am

Bahnhof mit einem neu installierten leistungsstarken

Gerät.

Das Team aus der Praxis berät Sie gern über

weitere Details.

Praxis für moderne Schnittbilddiagnostik

Bahnhofsallee 1d – Etage 4

37081 Göttingen

Tel.0551 820740

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unternehmen

Foto: Pixabay (KI-generiert)

KI in der Praxis:

Was heute schon geht

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde – und bei vielen Entscheidern in

der Region längst Teil des unternehmerischen Alltags. faktor stellt einige

Best-Practice-Beispiele aus Südniedersachsen und dem Umland vor.

TEXT MARKUS RIESE & MARKUS HARTWIG

58 2 | 2026


unternehmen

» Wie weit echte Vollautomatisierung am Ende wirklich

tragen kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Die ersten Bausteine sind jedenfalls klar erkennbar.«

Patrick Harms

Es gibt kaum eine Branche, in der KI-Anwendungen

heute nicht zumindest erprobt werden.

Was bei manchen als Hype verschrien ist, unterstützt

andernorts bei der Optimierung von

Prozessen, bei der Reorganisation von Betriebsabläufen

– oder schlicht bei der Steigerung der Effizienz im Unternehmen.

Künstliche Intelligenz bietet unzählige Chancen,

birgt aber hier und da auch gewisse Risiken. Wie gehen

Entscheider aus der Region damit um? Welche KI-Tools

nutzen sie bereits aktiv, woran arbeiten sie, was ist in Planung?

Wir haben uns im faktor-Gebiet umgehört, gezielt

nachgefragt – und sehr spannende Antworten erhalten.

DER UX-EXPERTE: PATRICK HARMS

Zum Beispiel von Patrick Harms, Professor für „Usability“

an der Technischen Hochschule Nürnberg und Geschäftsführer

der SimPaFee UG in Göttingen, mit der er vor einigen

Jahren eine Bar-App für das Stadtgebiet entwickelt

hat. Früher wirkte Harms auch an der Georg-August-Universität,

unter anderem am Institut für Informatik.

Inzwischen ist er unter anderem Mitglied im Arbeitskreis

„Künstliche Intelligenz“ der German User Experience

Professional Association (gUPA).

Und genau in diesem Bereich – User Experience

(kurz: UX) – sieht Harms für KI-Anwendungen großes

Potenzial: „User Experience Design setzt sich aus vielen

unterschiedlichen Methoden zusammen, die jeweils an

bestimmten Stellen im Designprozess ihren Platz haben,

und nahezu jede dieser Methoden lässt sich mittlerweile

durch KI unterstützen“, sagt Harms. Es gebe

bereits KIs, die eigenständig Interviews führen, per

Chatbot statt im persönlichen Gespräch, und die Ergebnisse

anschließend auswerten. Auch beim Generieren

von Nutzerschnittstellen passiere vieles inzwischen

auto matisch. „Wie weit echte Vollautomatisierung am

Ende wirklich tragen kann, wird sich in den kommenden

Jahren zeigen. Die ersten Bausteine sind jedenfalls

klar erkennbar“, sagt Harms.

Dass UX-relevante Experten wie Designer, Entwickler,

Produktmanager oder Marketingspezialisten demnächst

arbeitslos werden, sieht Harms nicht: „Auf

keinen Fall. Diese Berufe werden sich verändern, sicher

auch verschieben und sie werden effizienter ausgeführt

werden. Aber kein einziger dieser Berufszweige wird

komplett verschwinden.“

Der KI-Experte ist übrigens nicht nur Fan, sondern

auch Kritiker der neuen Möglichkeiten: „Das Kernproblem

ist die Validität der Ergebnisse und die Tatsache,

dass viele sich darüber gar keine Gedanken machen, weil

sie nicht tief genug im Thema stecken“, findet er. „Heute

wissen wir noch nicht genau, wie generative KI eingesetzt,

also wie sie konkret geprompted werden muss, damit zum

Beispiel Interviewauswertungen tatsächlich belastbar

werden. Und selbst wenn wir das im Griff hätten, bleibt

die Folgefrage offen: Wie überprüfen wir automatisiert,

ob ein KI-generiertes Ergebnis wirklich gut ist?“

Dazu komme ein altes Missverständnis: UX werde

häufig mit „etwas hübsch machen“ verwechselt. In

Wirklichkeit gehe es aber um viel mehr – etwa um das

gewählte Wording, die richtigen Elemente an der richtigen

Stelle oder um die Struktur eines Ablaufs. „Wenn

jemand mit einer KI eine Oberfläche generiert, die einigermaßen

schick aussieht, glaubt er schnell, das Ziel sei

erreicht. Ist es aber nicht“, betont Harms. ▸

2 |2026 59


unternehmen

Ein Vergleich aus dem Handwerk verdeutliche dies:

Wenn ein Elektriker sagt, dass eine bestimmte Verkabelung

das Haus in Brand setzen wird, glaube man das

sofort. Wenn UX-Fachleute auf Probleme hinweisen,

glauben Außenstehende ihnen laut Harms oft nicht –

weil viele Menschen meinen, sie hätten ein gutes Bauchgefühl

für gute UX. „Genau das ist der Punkt: Würde

eine KI die Stromleitungen verlegen, wären wir alle

skeptisch. Wenn eine KI dagegen eine Nutzerschnittstelle

generiert, die schick aussieht, gehen wir wie selbstverständlich

davon aus, dass auch die UX dahinter

stimmt. Dieses Missverständnis nach außen aufzulösen,

halte ich für unsere größte Herausforderung.“

Kritisch wird Harms also vor allem dann, wenn Menschen

die Ergebnisse einer KI nicht mehr

fundiert bewerten können. „Und

richtig heikel wird es, wenn KI

für Aufgaben eingesetzt wird,

von denen die Person eigentlich

keine Ahnung hat – also

genau dort, wo das fachliche

Urteilsvermögen fehlt.“

DER HANDWERKER:

ROCCO FUNKE

Fachliches Urteilsvermögen

kann Rocco Funke

in jedem

Fall vorweisen. Als der Diplom-Ingenieur 2021 die

Vier-Tage-Woche in seinem Unternehmen einführte, war

das zunächst keine Digitaloffensive. Der Geschäftsführer

des Eichsfelder Leckortung- und Bautrocknungs-

Service (ELBS) in Hundeshagen nahe Worbis suchte

nach einem anderen Arbeitsmodell – effizienter, planbarer

und familienfreundlicher. Nach den Corona-

Jahren wollte er Abläufe neu ordnen und zugleich mehr

Zeit für seine Familie gewinnen. „Wie es sich heute

darstellt, war es nicht geplant“, sagt der 54-Jährige

rück blickend. Heute sieht er die Entscheidung als wichtigen

Wendepunkt für den Betrieb.

Schnell wurde klar: Ein Arbeitstag weniger funktio -

niert nicht durch mehr Tempo an den verbleibenden

Tagen. „Einen Tag einfach zu streichen, ist nicht die

Lösung“, sagt Funke. Stattdessen begann ELBS damit,

Prozesse grundlegend zu überarbeiten und stärker zu

digitalisieren. Künstliche Intelligenz spielt dabei inzwischen

eine zentrale Rolle.

Ein erster Schritt war die Neugestaltung der Webseite

samt neuem Kontaktformular. Dahinter arbeitet heute

ein KI-gestütztes System, das Kundenanfragen automatisiert

verarbeitet. Wer online seine Angaben eingibt, erhält

auf Basis dieser Daten direkt ein individuell erstelltes

Projektangebot. Für Kunden verkürzt sich damit die

Zeit zwischen Anfrage und Entscheidung deutlich.

Der Einsatz der Technologie beschränkt sich bei

ELBS nicht nur auf die Kommunikation mit Kunden.

Im Unternehmen entstehen derzeit weitere digitale

Module, die Verwaltungs- und Organisationsaufgaben

vereinfachen sollen. Dazu gehören Anwendungen für

die E-Mail-Ablage oder Buchungsvorgänge ebenso

wie ein KI-Assistent für die Einsatzplanung.

Künftig sollen Mitarbeiter direkt vor Ort per

Tablet zusätzliche Handwerker anfordern und

ihre Projekte realisieren können. Die KI erstellt

dafür auf Grundlage des jeweiligen

Einsatzortes und der benötigten Leistungen

passende Vorschläge. Für Funke

ist genau das der entscheidende

Punkt: Der Einsatz von KI soll

den Arbeitsalltag vereinfachen,

nicht Personal ersetzen. Die

digitale Unterstützung schaffe

Freiräume, reduziere ▸

FOTO: PRIVAT

UX-Experte Patrick Harms ist gleichermaßen KI-Fan

wie KI-Kritiker – er sieht viele Chancen, aber auch einige

Gefahren bei der Nutzung Künstlicher Intelligenz.

60 2 | 2026


wissen


unternehmen

FOTO: MARKUS HARTWIG

Trotz Implementierung digitaler (KI-)Prozesse vertraut Unternehmer Rocco Funke an manchen Stellen doch lieber noch analoger Ordnung.

den Abstimmungsaufwand und beschleunige viele

Routineprozesse.

Die technischen Veränderungen wirken sich inzwischen

direkt auf die Organisation des Unternehmens

aus. ELBS arbeitet heute in einer „echten“ Vier- Tage-

Woche – ohne regelmäßige Nachtschichten oder Sonntagsarbeit.

Möglich werde das vor allem durch klarere

Prozesse und einen höheren Grad an Eigenverantwortung

im Team.

Trotz aller Automatisierung bleibt aber auch Funke

beim Thema KI pragmatisch. Die Technik könne vieles

erleichtern und ökonomischer machen, sagt er. „Blind

überlassen sollte man ihr aber nicht alles.“ Für ELBS ist

Künstliche Intelligenz deshalb vor allem ein Werkzeug,

um Arbeitsabläufe sinnvoll zu unterstützen.

DER INDUSTRIEBETRIEB:

BORNEMANN GEWINDETECHNIK

Arbeitsabläufe sinnvoll unterstützen – das ist auch ein

wesentlicher Antrieb von Moritz von Soden, Geschäftsführer

des Gewindeherstellers Bornemann Gewindetechnik

aus Delligsen im Landkreis Holzminden, 20 Kilometer

nördlich von Einbeck. „Anfangs ging es vor allem

darum, KI als Werkzeug im Büroalltag zu verstehen:

Texte strukturieren, E-Mails vorbereiten, Recherchen

beschleunigen, Ideen sortieren. Das waren die naheliegenden

ersten Anwendungen, wie wahrscheinlich in

vielen anderen Unternehmen auch“, sagt von Soden.

Später habe man sich die Frage gestellt, ob KI nicht auch

ganze Prozessschritte entlasten könne – etwa bei der

Vorqualifizierung von Anfragen oder im Umgang mit internationalen

Website-Besuchern. Daraus seien dann die

ersten KI-Agenten entstanden, die zum Beispiel Besucher

der Bornemann-Internetseite tracken, in ihren Unternehmen

nach zuständigen Einkäufern suchen und diesen

dann automatisch Mails mit Informationen zusenden.

„Wir haben nicht von heute auf morgen ein fertiges

System eingeführt. Es war und ist ein schrittweiser Lernprozess.

Wir testen, verbessern, verwerfen Dinge auch

wieder und schauen sehr genau, wo KI wirklich Nutzen

stiftet und wo der Mensch klar überlegen bleibt“, differenziert

von Soden. „Gerade der Mittelstand muss aus

62 2 | 2026


unternehmen

» Gerade der Mittelstand muss aus meiner Sicht

stärker lernen, Dinge pragmatisch auszuprobieren,

ohne Angst vor dem Scheitern zu haben.«

Moritz von Soden

meiner Sicht stärker lernen, Dinge pragmatisch auszuprobieren,

ohne Angst vor dem Scheitern zu haben.“

Die klassische Akquise habe sich bei Bornemann inzwischen

deutlich verändert, berichtet von Soden: „Früher

war Kaltakquise häufig ein relativ grober Prozess:

Man identifiziert potenzielle Unternehmen, ruft an oder

schreibt eine E-Mail und hofft, dass das Thema dort gerade

relevant ist.“ Mit KI und Website-Signalen werde

dieser Ansatz gezielter. Wenn mehrere Mitarbeiter eines

Unternehmens die Website mehrfach besuchen und längere

Zeit auf bestimmten Produktseiten verweilen,

sei das zunächst mal ein Hinweis auf mögliches Interesse:

„Daraus wird noch kein Auftrag, aber es ist ein besserer

Anknüpfungspunkt als ein völlig kalter Kontakt.“

Der KI-Agent helfe heute dabei, schneller zu recherchieren:

Wer könnte in dem Unternehmen relevant sein

– im Einkauf, in der Entwicklung oder in der Konstruktion?

Welche Themen könnten für diesen Kontakt

interessant sein? Auf dieser Basis könne anschließend

eine deutlich gezieltere Ansprache erfolgen. „Der große

Vorteil liegt weniger darin, dass plötzlich jeder Kontakt

erfolgreich ist. Der Vorteil liegt darin, dass wir unsere

begrenzte Vertriebszeit auf die interessanteren Kontakte

konzentrieren können“, erläutert der Geschäftsführer.

Wenn auf die automatisch generierte Mail keine Antwort

eingeht, kommt bei Bornemann eine Telefon-KI

namens „Anna“ ins Spiel: „Anna ist bei uns als nächster

Schritt entstanden, weil wir gemerkt haben: Gerade international

gibt es viele Situationen, in denen ein Erstkontakt

sinnvoll wäre, aber intern fehlen dafür Zeit,

Sprachkompetenz oder schlicht die Kapazität.“ Anna

soll bei Bornemann nicht verkaufen und auch keinen

Menschen ersetzen. Sie soll transparent als KI auftreten,

kurz erklären, warum sie anruft, Interesse abfragen und

bei Bedarf einen Kontakt zu einem menschlichen Ansprechpartner

herstellen. „Das ist für mich ein wichtiger

ethischer Punkt: Der Kunde muss wissen, dass er mit

einer KI spricht“, betont von Soden.

Technisch basiert Anna auf einem modernen Sprach-

KI-System der Firma TDM, kombiniert mit Telefonieund

Weiterleitungslogik, Webseitentracking und zum

Teil auch mit Online-Marketing-Tools wie automatisierten

Mailings. Entscheidend ist dabei weniger ein einzelnes

Modell, sondern die Prozesslogik dahinter: Wann

darf angerufen werden? In welcher Sprache? Wird die

deutsche Uhrzeit berücksichtigt? An wen wird weitergeleitet?

Und wann wird bewusst nicht weitergeleitet?

„Wir haben Anna bewusst so gestaltet, dass sie sehr

menschlich wirkt. Sie antwortet nicht steril oder mechanisch,

sondern mit kleinen Pausen, manchmal mit einem

leichten Zögern oder Stottern, einem ,mmh‘, wenn sie

scheinbar nachdenkt. Man hört auch Atemgeräusche,

und sie kann in passenden Momenten sogar lachen“,

beschreibt der Chef. Das wirke beim ersten Kontakt

durchaus etwas ungewohnt, vielleicht sogar ein wenig

unheimlich – weil man merkt, wie nah diese Technologie

inzwischen an natürlicher Kommunikation ist. „Gleichzeitig

erleichtert genau das die Kommunikation enorm.

Denn niemand möchte mit einer KI sprechen, die wie ein

starrer Roboter klingt“, findet von Soden.

Bei Bornemann schauen sie auch sehr genau auf konkrete

Reaktionen: Wird das Gespräch akzeptiert? Wird

weitergeleitet? Gibt es Irritationen? Gibt es Rückmeldungen

aus dem Vertrieb? Fühlt sich das alles für den Kunden

hilfreich an – oder vielleicht doch eher aufdringlich?

Was Anna konkret kann, ist durchaus bemerkenswert:

Sie kann Gespräche in verschiedenen Sprachen führen,

Anliegen vorqualifizieren, Termine in Outlook buchen,

Rückrufbitten aufnehmen und bei Bedarf an einen passenden

menschlichen Ansprechpartner im Unternehmen

weiterleiten. „Sie ist inzwischen deutlich mehr als nur

eine Art digitale Telefonzentrale. Anna kann erklären,

was Bornemann macht, welche Arten von Gewindespindeln

wir herstellen und für welche Anwendungen

unsere Produkte typischerweise eingesetzt werden. Sie

kann auch erkennen, ob jemand aus dem Einkauf, der

Konstruktion, der Entwicklung oder der Instandhaltung

kommt und das Gespräch entsprechend einordnen“, erläutert

von Soden.

Darüber hinaus könne Anna bereits leichte technische

Beratungen übernehmen. Sie beantworte Fragen zu technischen

Details, Werkstoffen, Schmierstoffen, Toleranzen

oder grundsätzlichen Auslegungsfragen – „natürlich

immer innerhalb der Informationen und Regeln, die wir

ihr vorgeben“, betont der Geschäftsführer. In vielen Fällen

könne sie damit schon sehr viel Vorarbeit leisten: ▸

2 |2026 63


unternehmen

technische Anforderungen abfragen, Rückfragen stellen,

Informationen strukturieren und dem Kunden eine erste

Orientierung geben.

Trotzdem gibt es für von Soden klare Grenzen: „Wirklich

detaillierte technische Bewertungen, verbindliche

Auslegungen oder Fragen zu sicherheitskritischen Anwendungen

bleiben selbstverständlich bei unseren Fachleuten.“

Zudem soll Anna außerhalb der Geschäfts zeiten

keine Gespräche weiterleiten, keine Preise verhandeln,

keine verbindlichen technischen Zusagen machen, keine

Liefertermine versprechen und keine rechtlich bindenden

Aussagen treffen. Dafür brauche es auch bei Bornemann

weiterhin qualifizierte Fachleute.

Und die müssen sich deshalb auch keine Sorgen um

ihren Arbeitsplatz machen. Jona Post ist bei Bornemann

zum Beispiel im Marketing tätig, kümmert sich aber auch

um die Umsetzung KI-gestützter Automationen und Prozessoptimierungen.

Sie sagt: „Für uns ist KI kein Ersatz für

Verantwortung oder eigene Ideen, sondern ein Werkzeug,

das unterstützen kann. Die eigentliche Aufgabe besteht darin,

sinnvoll zu entscheiden, wo Automatisierung hilft und

wo der Mensch bewusst die Führung behalten muss.“

Auch sie ist überzeugt, dass KI-gestützte Automatisierungen

Kapazitäten freisetzen, die an anderer Stelle besser

genutzt werden können: „Weniger operative Fleißarbeit

bedeutet mehr Raum für Strategie und Planung,

aber auch für aktiveren und direkteren Kundenkontakt.

Das ist aus meiner Sicht besonders wichtig, weil genau

dort menschliche Einschätzung, Kommunikation und

Verantwortung weiterhin eine zentrale Rolle spielen.“

DIE STADTWERKE:

VERSORGUNGSBETRIEBE HANN. MÜNDEN

Sehr gute Erfahrungen mit einer Telefon-KI machen derzeit

auch die Versorgungsbetriebe Hann. Münden (VHM),

die sich mit der dort ansässigen Agentur Sorum professionelle

Hilfe an Bord geholt haben, um den Kundenservice

für die Zukunft fit zu machen.

Die Problemstellung war schnell umrissen: Telefonieren

reißt Mitarbeiter aus dem Fokus, bindet Ressourcen

für Routinefragen – und sorgt schlimmstenfalls für Frust

auf beiden Seiten, wenn Anrufer in der Warteschleife quasi

„verhungern“. Gemeinsam mit den VHM haben die

Spezialisten von Sorum eine Telefon-KI namens „Luna“

Webseiten-Tracking, automatisch generierte Mails und intelligente Telefon-KI:

Moritz von Soden setzt beim Gewindehersteller Bornemann konsequent auf moderne Technologien.

FOTO: BORNEMANN GEWINDETECHNIK

64 2 | 2026


unternehmen

entwickelt. Der Anspruch war, keinen statischen Anrufbeantworter

einzuführen, bei dem man „die 1 drückt“,

sondern einen intelligenten Voice-Agenten, der Dialoge

versteht und auch selbstständig führen kann.

„Wir haben Luna darauf trainiert, Routineaufgaben

komplett eigenständig zu übernehmen. Sie nimmt

Zähler stände entgegen, hilft bei Umzugsmeldungen oder

passt Abschläge an“, erklärt Micha Müller-Zitzke,

Geschäftsführer bei Sorum. Und sie tut das, während das

menschliche Team Feierabend macht, im Meeting sitzt

oder sich um komplexere Kundenanliegen kümmert.

Der Plan scheint aufzugehen – wie auch Marc Pfütz

bestätigt, Geschäftsführer der VHM: „Wir gewinnen

Zeit für persönliche Gespräche, wenn individuelle Anliegen

im Mittelpunkt stehen, und wir entlasten unser

Team.“

Ein weiterer Vorteil, der auf der Hand liegt: Luna ist

an 365 Tagen im Jahr erreichbar, rund um die Uhr, ohne

Warteschleife oder komplizierte Bandansagen. Besonders

dann, wenn zur Jahresabrechnung hunderte Anrufe

gleichzeitig eingehen, macht sich das für einen Versorgungsbetrieb

sehr schnell bezahlt.

Im Übrigen spricht Luna mehr als 30 Sprachen – von

Englisch über Ukrainisch bis Arabisch. „Damit erreichen

wir Menschen, die sich am Telefon sonst oft nicht trauen,

ihr Anliegen zu schildern“, sagt Müller-Zitzke. Luna

sei im Übrigen so gebaut worden, dass die Gespräche auf

Hochsicherheitsservern in Deutschland laufen: „Es werden

keine Audioaufnahmen dauerhaft gespeichert, sondern

nur die relevanten Daten strukturiert übergeben.“

Damit sei Luna auch datenschutzkonform – ein Thema,

das im Zusammenhang mit KI-Tools heute gerade auch

durch den EU AI Act und die sich daraus ergebenden

Pflichten immer mehr Relevanz bekommt.

DER KONZERN: SARTORIUS

Auch beim global agierenden Life-Science-Unternehmen

Sartorius spielt Künstliche Intelligenz heute natürlich

längst eine entscheidende Rolle. Konzernweit hat das

Unternehmen mittlerweile mehr als 100 KI-Applikationen

implementiert und arbeitet in großen Schritten an

immer größeren Anwendungsbeispielen und Prozessabläufen

– bis hin zu autonomen Lieferketten und KI-

Engineering. Das Ziel dahinter: Mehr Automatisierung ▸

Seltsam:

Was auch immer wir bauen,

wird am Ende ein Sportwagen.

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soll Kosten senken und Margen steigern, aber auch die

Qualität und das Kundenerlebnis verbessern.

Das geschieht etwa durch einen jetzt schon funktionierenden

24/7-KI-Kundenservice, der derzeit in den USA

erprobt wird, die automatisierte Bearbeitung von

Kunden- Mails oder digitalisierte Arbeitspläne im Fertigungsleitsystem.

Mehr als 60 spezialisierte KI-Agenten

sind inzwischen bei Sartorius im Einsatz. Und die sind –

fast selbstverständlich – miteinander vernetzt. Torsten

Müller, der bei Sartorius die Bereiche IT & Process und

Operations verantwortet, beschreibt, wie das in der Praxis

aussehen kann: „Angenommen, es kommt eine Order

von einem Kunden rein. Der erste Agent prüft, wie wichtig

diese Order im Vergleich zu anderen ist. Der zweite

Agent schaut sich an, ob alle benötigten Materialien auf

Lager sind. Der dritte Agent checkt die Produktionskapazität.

Und alle arbeiten als Team zusammen und

kommunizieren miteinander.“ Schließlich werde dem

Kunden ein exaktes Lieferdatum mitgeteilt, auf das er

sich verlassen kann. Und das komme natürlich gut an.

Für Müller geht es letztlich auch darum, durch den Einsatz

von KI ganze Prozesse regelrecht zu revolutionieren.

Dabei spielt auch die sogenannte physical AI eine wichtige

Rolle: Maschinen können und sollen Menschen unterstützen

und wiederkehrende Aufgaben übernehmen. Die Mitarbeiter

können sich dadurch anderen Aufgaben widmen.

Noch sichtbarer wird dieser Fortschritt bei den Produkten

von Sartorius, die – so CTO Oscar-Werner Reif

– das Potenzial haben, ganze Prozesse grundlegend zu

verändern. Mit seinem Portfolio unterstützt das Unternehmen

Kunden von der Wirkstoffforschung bis zur

Produktion von Biopharmaka. „Bei unseren Biopharma-

Kunden hat KI das Potenzial, insbesondere die Entwicklung,

aber auch die Herstellung neuer Therapien massiv

zu verkürzen – so können diese schneller und kostengünstiger

zum Patienten kommen“, sagt Reif.

Ein Beispiel dafür seien die Incucyte-Systeme, die in der

Wirkstoffentwicklung zum Einsatz kommen: „Mit dem

Incucyte untersuchen Forscher lebende Zellen über einen

längeren Zeitraum hinweg, beispielsweise über zwei Wochen.

Vereinfacht gesagt: Es gibt hier in Echtzeit laufend

Bilder über ganz viele Proben hinweg. Die Datenmenge ist

enorm.“ Früher hätten Forscher die Zellen einmal am

Anfang angesehen – und dann wieder am Ende der Untersuchung.

Was zwischendurch mit den Zellen passiert war,

blieb unklar. „Mit den KI-Algorithmen, die wir entwickelt

haben, ist es jetzt möglich, sich jede Aufnahme in Echtzeit

anzuschauen und auf Änderungen zu überprüfen. Das

heißt, man bekommt plötzlich eine ganz andere Aussage

in diesen Systemen“, betont Reif.

» Künstliche Intelligenz transformiert

die gesamte Biopharmabranche und

beschleunigt unser Kerngeschäft.«

Damit werde ein bislang punktueller Blick auf Zellprozesse

zu einem kontinuierlichen Verständnis – und

Forschungsprozesse werden nicht nur transparenter,

sondern auch deutlich effizienter. Dazu komme noch,

dass KI die gesamte Dokumentation und Auswertung

übernehmen kann – eine Arbeit, in die Forscher früher

bis zu 70 Prozent ihrer Zeit investiert hätten.

Und Reif beschreibt ein weiteres Beispiel aus dem

Sartorius-Portfolio – „Pionic“ genannt und als „Plattform

der Zukunft“ beschrieben: eine Plattform, die in

der Herstellung von Biopharmaka den Übergang zu

kontinuierlichen Produktionsprozessen ermöglicht. „Sie

müssen sich das ein bisschen wie Brötchenbacken vorstellen.

Sie haben eine Rezeptur und bestimmte Parameter

wie die Temperatur oder die Lage der Brötchen im

Ofen. Wenn Sie alles einhalten, wird das Brötchen immer

halbwegs braun, nicht zu dunkel und nicht zu hell. Sie

wissen aber nicht: Ist das wirklich das optimale Brötchen?

Denn das hängt von weiteren Faktoren ab, etwa

von der Qualität des Mehls. Mit KI bewegen wir uns

nun weg von der reinen Rezeptursteuerung zu einer

dynamischen Steuerung.“ Dabei werde ein Modell auf

alle möglichen Messparameter hin trainiert – und darf

diese im Rahmen der Vorgaben selbstständig verändern,

also dynamisch steuern. „Keiner der Prozessexperten

muss hier mehr eingreifen“, erklärt Reif.

Im Prinzip wird der KI also an einem bestimmten

Punkt beigebracht: Vergiss jetzt die starre Rezeptur,

übernimm die Steuerung. In verschiedenen Anwendungs-

und Testumgebungen bei Sartorius hat genau

diese dynamische KI-Steuerung von Prozessen bereits zu

Produktivitätssteigerungen von 75 Prozent geführt.

Und so verwundert es nicht, dass auch Sartorius KI als

Motor für Wachstum, Effizienz und Wettbewerbsvorteile

betrachtet. Reif fasst das so zusammen: „Künstliche

Intelligenz transformiert die gesamte Biopharmabranche

und beschleunigt unser Kern geschäft.“ ƒ

Oscar-Werner Reif

66 2 | 2026


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PROFIL

FOTO: RE/MAX

Das RE/MAX-Team bereitet sich auf seine kommenden Aufgaben vor (von links): Ass. iur. Christian Simon, Patrik Beckmann, Jens Hochhaus, Melanie Hartmann.

Neueröffnung RE/MAX-Immobilienberatung

Mit internationalem Netzwerk und

lokalem Fokus hat RE/MAX am

21. Mai ein Büro in Göttingen eröffnet.

An der Oberen Karspüle 22 herrscht wieder

viel Betrieb – dort hat in den Räumen

der ehemaligen Gauß-Apotheke

mit RE/MAX ein neues Maklerbüro seinen

Sitz bezogen. Gleichzeitig ist mit RE/MAX eines

der weltweit größten Immobiliennetzwerke

nach Göttingen gekommen, das internationale

Strukturen mit lokaler Marktkenntnis

verbindet – und auf Ausbildung, Teamarbeit

und persönliche Beratung setzt.

EIN NEUER STANDORT IM NETZWERK

Mit der Eröffnung des Büros an der Oberen

Karspüle 22 ist das international tätige Unternehmen

nun auch in Göttingen vertreten. RE/

MAX, 1973 in Denver/Colorado gegründet, gehört

heute zu den größten Maklernetzwerken

weltweit. In Deutschland ist das Unternehmen

seit 30 Jahren aktiv und betreibt derzeit

147 Standorte.

„Im Radius von etwa 100 Kilometern gab es

bislang kein RE/MAX-Büro“, sagt Geschäftsführer

Jens Hochhaus. Mit dem neuen Standort

wolle man diese Lücke schließen und den

regionalen Markt erschließen. Dass dies ausgerechnet

in den Räumen der ehemaligen

Gauß-Apotheke geschieht, verleiht dem Neustart

einen Bezug zur Stadtgeschichte – und

setzt zugleich ein sichtbares Zeichen für Veränderung

in der Göttinger Innenstadt.


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„Unsere Kunden profitieren nicht nur

von einem Ansprechpartner, sondern vom

gesamten Netzwerk.“

STRUKTUR

UND AUSBILDUNG IM FOKUS

RE/MAX arbeitet als Franchise-System. Die

Struktur ermöglicht es selbstständigen

Maklern, unter einer gemeinsamen Marke zu

agieren und zugleich auf zentrale Ressourcen

zurückzugreifen. Dazu zählen Schulungsangebote,

technische Infrastruktur und ein

weit verzweigtes Netzwerk. „Ein wesentlicher

Bestandteil ist die Ausbildung“, sagt Büroleiter

Patrik Beckmann. Ziel sei es, qualifizierte

Makler aufzubauen und langfristig im Unternehmen

zu halten.

Im Göttinger Büro sind derzeit drei ausgebildete

Makler tätig, drei weitere befinden

sich in der Ausbildung. Beckmann verantwortet

den Aufbau und die Entwicklung des

Teams. Eine zentrale Rolle spielt dabei das

sogenannte Onboarding – ein strukturierter

Einarbeitungsprozess über 100 Tage. In dieser

Zeit werden neue Mitarbeiter systematisch

an alle Abläufe herangeführt. „Jeder Tag

ist klar strukturiert, ohne dass wir permanent

eingreifen“, so Beckmann. Der Ansatz soll

Sicherheit geben und gleichzeitig eigenständiges

Arbeiten fördern.

LOKALE MARKTKENNTNIS

ALS GRUNDLAGE

Neben der Ausbildung steht die Kenntnis des

lokalen Marktes im Mittelpunkt. Makler sollen

sich in ihrem jeweiligen Gebiet gut auskennen

– von infrastrukturellen Fragen bis hin zu konkreten

Standortfaktoren. Dazu gehören etwa

Informationen über Schulen, Kindergärten,

geplante Bauvorhaben oder Besonderheiten

einzelner Wohnlagen. Dieses Wissen fließt in

die Beratung ein und bildet eine Grundlage für

die Vermittlung von Immobilien.

Das Leistungsspektrum umfasst die Betreuung

von Verkäufern ebenso wie die von

Jens Hochhaus, Geschäftsführer

Käufern. Nach der Aufnahme eines Objekts

erfolgt zunächst eine Bewertung auf Basis

einer Vor-Ort-Besichtigung. Daraus wird ein

realistischer Marktpreis abgeleitet, mit dem

die Immobilie angeboten werden kann. Die

Präsentation erfolgt über verschiedene Kanäle

– darunter die eigene Website, Aushänge

im Büro sowie gängige Online-Plattformen.

VERMARKTUNG

UND KOMMUNIKATION

Darüber hinaus bietet das Büro ergänzende

Leistungen an, etwa im Bereich der Immobilienpräsentation

und Vermarktungsstrategie.

Dazu zählen beispielsweise professionelle Fotoaufnahmen,

Luftbilder oder virtuelle Rundgänge.

Auch klassische Maßnahmen wie die

gezielte Ansprache von Interessenten oder die

Information von Nachbarn gehören zum Portfolio.

Während der Vermarktungsphase werden

Kunden regelmäßig über den aktuellen Stand

informiert.

Ein zentrales Element des Konzepts ist die

Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerks.

So können Makler standortübergreifend agieren

und Kunden auch bei überregionalen oder

internationalen Vorhaben unterstützen. Ein

Wohnortwechsel beispielsweise lässt sich auf

diese Weise koordinieren, indem verschiedene

Büros zusammenarbeiten und ihre jeweilige

Marktkenntnis einbringen.

ZUSAMMENARBEIT IM NETZWERK

Für Geschäftsführer Jens Hochhaus liegt

darin ein wesentlicher Vorteil: „Unsere Kunden

profitieren nicht nur von einem Ansprechpartner,

sondern vom gesamten Netzwerk.“

Gleichzeitig bleibt die Arbeit vor Ort eng mit

dem lokalen Markt verbunden. Mit dem neuen

Büro in Göttingen beginnt dieser Ansatz

nun auch in der Region. Markus Hartwig

JENS HOCHHAUS:

Er kennt Göttingen aus

verschiedenen Perspektiven.

Nach seiner Ausbildung bei der Sparkasse

und vier Jahren als Zeitsoldat machte sich der

heute 53-Jährige in der Systemgastronomie

selbstständig und betrieb mehrere Standorte

in der Region. Parallel sammelte er Erfahrungen

als Immobilienmakler. Ein längerer Aufenthalt

in München folgte – dann die Rückkehr.

„Ich bin hier verwurzelt“, sagt Hochhaus. Mit

dem neuen Büro beginnt für ihn mit der Geschäftsführung

bei RE/MAX nun ein weiteres

Kapitel in Göttingen.

PATRIK BECKMANN:

Sein beruflicher Weg führt

durch mehrere Branchen:

Nach Ausbildungen bei der Sparkasse und

im Hotelgewerbe übernahm er früh Verantwortung,

unter anderem als selbstständiger

Vermögensberater, als Leiter der Immobilienabteilung

der Sparkasse Göttingen und als

Leiter des Privatkundengeschäfts der Raiffeisenbank

Baunatal. Seit drei Jahrzehnten mit

Jens Hochhaus befreundet, entstand für den

61-Jährigen aus der gemeinsamen Idee ein

neues Projekt: die Leitung des Maklerbüros

an der Oberen Karspüle / Ecke Theaterstraße.

RE/MAX

Ihre Immobilienberatung JHC GmbH

Geschäftsführung: Jens Hochhaus

Obere Karspüle 22

37073 Göttingen

Tel. +49 551 999 55 99 1

immobilienberatung-goettingen@remax.de

www.remax-göttingen.de

PROFIL


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PROFIL

KWS sät Zukunft – und das seit 170 Jahren

2026 erreicht das Einbecker Unternehmen KWS einen besonderen Meilenstein: 170 Jahre Pflanzenzüchtung, unternehmerische

Unabhängigkeit und enge Zusammenarbeit mit Landwirten weltweit. Ein Blick zurück – und nach vorn.

Was 1856 begann, als Matthias Christian

Rabbethge mit einer kleinen

Zuckerfabrik in Klein Wanzleben

den Grundstein legte, entwickelte sich

Schritt für Schritt zu einem Unternehmen,

das sich ganz der innovativen Pflanzenzüchtung

verschrieben hat. Bereits 1885 hatte die

Saatgutproduktion die Zuckerherstellung als

Kerngeschäft abgelöst und damit die Basis

für die heutige KWS geschaffen – die fundiertes,

landwirtschaftliches Fachwissen, Innovationskraft

und eine tief verwurzelte Leidenschaft

für Pflanzen vereint.

Ein bedeutender Wendepunkt folgte nach

dem Zweiten Weltkrieg: KWS musste den historischen

Standort in Klein Wanzleben verlassen

und nach Einbeck verlegen – dort befindet sich

bis heute der Hauptsitz. Trotz aller Herausforderungen

baute das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit

wieder auf und entwickelte die

Züchtungsprogramme konsequent weiter.

Von Anfang an erweiterte KWS kontinuierlich

das Kulturartenportfolio und erschloss

neue Regionen. Neben der Zuckerrübe kamen

weitere Kulturarten wie Getreide, Mais

und Gemüse hinzu. So entstand nach und

nach ein vielfältiges und widerstandsfähiges

Angebot für Landwirte. Auch die internationalen

Aktivitäten nahmen kontinuierlich zu

und stärkten die langfristige Ausrichtung des

Unternehmens.

Heute ist KWS in mehr als 70 Ländern aktiv,

beschäftigt etwa 5000 Mitarbeitende – allein

rund 2000 in Einbeck – und erzielt einen

Umsatz von 1,7 Milliarden Euro. Wichtig dabei:

KWS war, ist und bleibt ein Familienunternehmen,

das auch weiterhin auf Nähe, Zuverlässigkeit,

Weitblick und Stabilität setzt, aber

auch auf Unabhängigkeit. Gerade erst hat der

Aufsichtsrat der KWS SE beschlossen, den

zum Jahresende 2026 auslaufenden Vertrag

von Vorstandssprecher Dr. Felix Büchting (51)

um weitere sechs Jahre zu verlängern.

ÜBER GENERATIONEN HINWEG

Die Grundwerte halfen der KWS auch in der

jüngeren Vergangenheit dabei, den Blick auf die

langfristige Entwicklung zu richten, kontinuierlich

in Forschung zu investieren und vertrauensvolle

Beziehungen zu den Kunden aufzubauen

– etwas, das auch nach 170 Jahren nach wie vor

zentral für die Identität des Unternehmens ist.

Für Felix Büchting ist der runde Geburtstag

auch eine Verpflichtung: „Ich sehe mich als

Verwalter und Gestalter“, sagt er. „Unser Familienunternehmen

wurde mir in der siebten

Generation anvertraut – und meine Aufgabe

ist es, gut dafür zu sorgen, damit ich es später

an die achte Generation weitergeben kann.“

Diese Haltung unterstreicht die Bedeutung

von Kontinuität und nachhaltigem Fortschritt

bei KWS: Jede Generation baut auf der vorherigen

auf und bereitet zugleich den Boden für

die nächste. Im wahrsten Sinne.

DIE WELT VERÄNDERT SICH

Während die KWS das nächste Kapitel aufschlägt,

steht die Landwirtschaft weltweit

vor tiefgreifenden Veränderungen: Klimawandel,

neue Schädlinge und Krankheiten,

Marktverschiebungen und veränderte Erwartungen

der Gesellschaft. Umso wichtiger

ist ein klarer Fokus: die Entwicklung widerstandsfähiger

und ertragsstarker Sorten für

Landwirtinnen und Landwirte weltweit. „Was

uns erfolgreich macht, ist die Fähigkeit, langfristige

Planung mit der notwendigen Anpassungsfähigkeit

zu verbinden“, sagt Büchting.

„Pflanzenzüchtung ist ein langwieriger

Prozess – vom ersten Kreuzungsschritt bis

zur Marktreife vergehen oft rund zehn Jahre.“

Innovationen wie CR+-Zuckerrübensorten,

InsectPROTECT-Raps, Fortschritte bei

Silomais und Entwicklungen beim Getreide

sowie bei nachhaltigen Futtermittellösungen

zeigen, wie genetische Verbesserungen konkrete

Herausforderungen lösen können.

DER BLICK NACH VORN

Während KWS auf 170 Jahre Geschichte zurückblickt,

ist der Blick gleichzeitig klar nach

vorn gerichtet. Neue Technologien, starke

Partnerschaften und die Bereitschaft zur

Anpassung werden die Entwicklung des Unternehmens

auch künftig prägen. Mit einer

klaren Vision setzt die KWS diesen Weg fort:

Seeding the future for generations.

Der „Speicher 4“ in Kleinwanzleben (1928), daneben

die heutige Konzernzentrale in Einbeck (s.o.)

aus der Vogelperspektive.

FOTO: KWS


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FOTO: KWS

PROFIL

„Manchmal ist es gut,

einen Schritt zurückzugehen“

Im Interview: KWS-Vorstandssprecher Dr. Felix Büchting spricht über

Erfolgsfaktoren, den Umgang mit globalen Krisen, Investitionen in den

Standort Einbeck – und über Vertrauen und Verantwortung.

Dr. Felix Büchting führt das Familienunternehmen

in siebter Generation.

FOTOS: FLORIAN SPIEKER

Herr Büchting, was macht Ihnen im internationalen

KWS-Geschäft gerade besonders

Freude?

Der Ausbau unseres Gemüsegeschäfts. Wir

sind das erste Mal mit einem Standort in

Mexiko, außerdem expandieren wir weiter in

Spanien, Italien, in der Türkei und auch in Brasilien.

Es macht Spaß zu sehen, dass wir da

Neues schaffen und jetzt auch mit den ersten

Produkten auf den Markt kommen.

Inwieweit beeinflussen die globalen Krisen

unserer Zeit Ihr Handeln?

Natürlich beschäftigt uns die geopolitische

Entwicklung – ich würde sagen, in den letzten

fünf Jahren deutlich intensiver als in den

Jahren davor. Trotzdem sage ich erst einmal:

don't panic. Also: Ruhe bewahren und die Lage

sauber analysieren. Natürlich ist es so, dass

Menschen den aktuellen Augenblick immer als

besonders intensiv erleben. Aber ich glaube,

manchmal ist es gut, einen Schritt zurückzugehen

und dann nochmal mit etwas Abstand

draufzugucken.

Im Unternehmen geht es darum, rationale und

tragfähige Entscheidungen zu treffen und dieses

emotionale Moment an der Stelle dann he-

rauszunehmen. Ja, es ist herausfordernd, und

vieles ist gerade unvorhersehbar, aber bei allen

Unsicherheiten und Schwierigkeiten können

wir auch sagen: Uns geht es sehr gut.

Das sieht man auch daran, dass Sie gerade

wieder sehr viel Geld investieren. Was dürfen

wir am Standort Einbeck denn noch erwarten?

Viel! Zunächst einmal: Einbeck ist und bleibt

Hauptsitz der KWS. Irgendjemand hat mir

mal gesagt: Solange bei KWS ein Baukran

steht, geht es der Firma gut. Wir investieren

25 Millionen Euro in die neue Phytopathologie.

Und solange nicht irgendwelche wirklich

großen geopolitischen Verwerfungen es

uns unmöglich machen, unsere Produkte,

Dienstleistungen und Forschungsleistungen

aus Deutschland heraus in die relevanten

Märkte zu tragen, wird all das auch zentral

in Einbeck bleiben. Wir würden hier gern

noch Flächen dazunehmen, und da gibt es

auch die eine oder andere, die sich noch anbieten

würde. Aber wir werden auch weiter

im Bestand modernisieren. Wir haben noch

ein paar ältere Gewächshäuser, die werden

sicherlich irgendwann verschwinden und

durch andere Gebäude ersetzt. ▸


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PROFIL

Derzeit dreht sich in der Region viel um das

Thema Life Science. Welche Rolle spielt das

für Sie?

Wir bringen uns da so gut es geht ein, weil wir

sehr daran interessiert sind, dass die Region

hier attraktiv ist, gerade auch für Fachkräfte.

Das Thema Life Science ist mit Blick auf Sartorius,

Ottobock, KWS, die Max-Planck-Institute

oder die Universitätsmedizin schon auch ein

Alleinstellungsmerkmal der Region, das uns

alle verbindet. Und ich glaube, dass wir zu

Recht sagen können: Da ist die Region stark.

Sie leben vom Vertrauen der Landwirtschaft.

Wie wollen Sie dieses Vertrauen in den kommenden

Jahren stärken?

Das geht am besten über Produkte, die immer

wieder einen Mehrwert bieten. Wenn wir

eine Innovation in den Markt bringen, die

dann womöglich auch teurer ist, dann sollte

der Landwirt natürlich davon überzeugt sein,

dass das dann gut ausgegebenes Geld war –

weil unser Produkt hält, was es verspricht.

Dazu braucht es auch einen starken Vertrieb,

der die Herausforderungen unserer Kundinnen

und Kunden erkennt, versteht und immer

wieder die Frage stellt: Wie können wir da einen

Beitrag leisten?

In der Phytopathologie geht es ja um die Erforschung

von Pflanzenkrankheiten, die durch

den Klimawandel verursacht wurden. Gehört

das letztlich auch zur Erfolgsgeschichte der

KWS? Immer auf das zu reagieren, was aktuell

gerade die Anforderungen in der Landwirtschaft

abbildet?

Ja, das würde ich so unterschreiben. Neben

dem Klimawandel ist der zweite Treiber für den

Ausbau unserer phytopathologischen Arbeiten,

dass der Bedarf größer geworden ist. Und es

hat natürlich auch mit dem sich ändernden regulatorischen

Rahmen zu tun. Durch den Wegfall

bestimmter Pflanzenschutzmittel treten

gewisse Schadinsekten häufiger auf, die dann

auch Krankheiten übertragen. Deswegen wird

es wichtiger, daran zu forschen und zu schauen,

dass wir möglichst eine genetische Toleranz

oder Resistenz entwickeln. Ich glaube schon,

dass das auch ein Erfolgsgeheimnis von KWS

ist – eben immer wieder zu schauen, in welcher

Richtung sich Landwirtschaft entwickelt

und welche Bedürfnisse unsere Kunden in den

nächsten fünf bis zehn Jahren haben werden.

Sie sagen, dass Sie sich selbst als „Verwalter“

sehen. Dieser Begriff wäre in anderen Unternehmen

möglicherweise eher negativ besetzt.

Können Sie erklären, was Sie genau meinen?

Noch besser wäre vielleicht der Begriff Treuhänder.

KWS ist ein Familienunternehmen,

meine Vorfahren haben es aufgebaut. Ich

habe zum bisherigen Erfolg nichts beigetragen.

Ich habe das Privileg, dass ich in diese Familie

geboren wurde und nun die Möglichkeit habe,

ein Familienunternehmen in siebter Generation

zu führen. Aber das ist nicht mein Verdienst.

Und insofern bin ich eben der Treuhänder, der

es jetzt verwaltet. Natürlich klingt „verwalten“

vielleicht erst mal nicht so sexy, aber es geht

ja darum, dass ich das Unternehmen KWS

im Idealfall in einem besseren Zustand an die

nächste Generation übergebe, als in dem Zustand,

in dem ich es übernommen habe.

Also geht es doch auch ums Weiterentwickeln?

Ja, aber auch um Sicherheit – für die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter hier am Standort,

die sich mittel- und langfristig keine

Sorgen machen müssen. Ich habe ja auch

eine Verantwortung für die mehr als 2000

Beschäftigten hier. Wir haben nach wie vor

eine sehr hohe durchschnittliche Betriebszugehörigkeit,

obwohl wir jedes Jahr wachsen.

Das sagt ja auch schon etwas aus.

Und Sie selbst wohnen ja auch in Einbeck.

Eine bewusste Entscheidung?

Ja, ich finde das wichtig. Wenn ich Menschen

überzeugen will, für KWS nach Einbeck zu

kommen, und ich sage dann Freitagmittag,

ich fahre jetzt mal nach Berlin, dann wäre das

nicht so überzeugend. KWS und Einbeck gehören

für mich einfach zusammen, und deshalb

unterstützen wir ja auch viele Projekte in

unserer Stadt.

Kann man aus der Art, wie Natur funktioniert,

also wie Pflanzen sich entwickeln, auch etwas

lernen, wenn es darum geht, ein Unternehmen

wie KWS zu lenken?

Ich denke ja, aber das ist natürlich eine sehr

persönliche Betrachtungsweise. Genau wie es

Pflanzen immer wieder schaffen, sich an verschiedene

Umweltbedingungen anzupassen,

genauso gilt das auch für ein Unternehmen.

Und wir sind ja auch kein starrer Organismus.

Den Unterschied machen bei uns letztlich die

richtigen Menschen am richtigen Ort. Die

Kolleginnen und Kollegen kommen mit viel

Eigeninitiative und Begeisterung zur KWS

und überlegen immer wieder neu, wie man

vielleicht etwas anders machen kann, effizienter,

schneller – oder wie sich eine neue Idee

einbringen lässt.

Wenn Sie eines Tages an die achte Generation

übergeben: Welchen Ratschlag werden Sie Ihren

Kindern mit auf den Weg geben?

Das zu machen, worauf sie Lust haben, sich

erst mal die Welt anzugucken und vielleicht in

einem anderen Bereich zu arbeiten. Und wenn

dann irgendwann Interesse da ist, im Familienunternehmen

Verantwortung zu übernehmen,

dann diesen Schritt bewusst zu gehen.

Keimlinge im Gewächshaus (links). Seit einigen Jahren gehört auch Gemüse zum Portfolio.

FOTOS: KWS


kompakt

unternehmen

Saica übernimmt

Thimm verkauft

DIE THIMM-GRUPPE aus Northeim hat

mit der im spanischen Saragossa ansässigen

Saica-Gruppe eine neue Besitzerin.

Mathias Schliep, Verwaltungsratsvorsitzender

bei Thimm, begründet den Schritt:

„Wir sind überzeugt, dass in einem hart

umkämpften Markt künftig nur wenige

große Player Marktanteile gewinnen werden.

Wir haben uns zum Verkauf an das

größte Familienunternehmen der Branche

in Europa entschlossen, um unter einem

starken Dach die Wachstumsperspektive

und damit die Zukunft für Thimm zu

sichern. Für die Mitarbeitenden ist es die

beste und vor allem stabilste Option.“

Saica ist mit 112 Standorten in Westeuro

pa, Polen und den USA weltweit vertreten.

Zur Thimm-Gruppe zählen Standorte

in Deutschland und Osteuropa. Diese

will Saica in den bestehenden Strukturen

weiterführen. Saica und Thimm arbeiten

bereits seit den 1990er-Jahren in einer strategischen

Vertriebsallianz zusammen; zudem

betreiben sie ein gemeinsames Joint­

Venture in Polen. „Die Familien kennen

sich generationenübergreifend“, so Schliep.

Hann. Münden

Stiftung fürs Hospiz

MIT DER ÜBERGABE der Gründungsurkunde

ist offiziell der Startschuss für die

neue „Stiftung Hospiz Hann. Münden“ gefallen.

Ihr Ziel ist es, die Finanzierung des

AWO-Hospizes langfristig zu sichern und

auf eine breitere Basis zu stellen. Der

AWO-Bezirksverband Hannover hat unter

dem Dach der „Die Stiftungspartner

GmbH“ die Stiftung errichtet.

Während der konstituierenden Sitzung

kamen die Mitglieder des Stiftungsbeirates

erstmals zusammen. Zur Übergabe der

Gründungsurkunde kamen auch Ines

Dietze, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse

Göttingen, sowie Gabriele Schuster und

Thomas Häntzsch von der Sparkasse Göttingen,

die die Gründung der Treuhandstiftung

maßgeblich begleitet hatten.

PV-Anlage für Sternenlichter

Große Sachspende

EINE PHOTOVOLTAIKANLAGE im Wert

von 30.000 Euro hat die 1Komma5° GmbH

an das Kinder- und Jugendhospiz Sternenlichter

in Göttingen übergeben.

Nicole Zimmer, die Geschäftsführerin

der Einrichtung, zeigte sich bei der Übergabe

dankbar: „Die bedeutsame Spende

der Photovoltaikanlage ist für uns nicht

nur eine wertvolle Unterstützung, sondern

auch ein Zeichen der Solidarität und Hoffnung.“

Im Kinder- und Jugendhospiz gehe

es darum, Licht und Wärme zu schenken –

im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

Die PV-Anlage helfe dabei, nachhaltig

Energie zu gewinnen und gleichzeitig den

schwerstkranken Kindern und ihren Familien

einen Ort der Geborgenheit zu bieten.

Zimmer: „Wir sind von dieser großzügigen

Geste tief berührt.“

Thomas Bremer, Geschäftsführer von

1Komma5° Göttingen, betonte: „Wir sind

überzeugt, dass wirtschaftlicher Erfolg immer

auch bedeutet, gesellschaftliche Verantwortung

in unserer Heimatregion zu übernehmen."

Die 1Komma5°-Gruppe betreibt

weltweit inzwischen rund 80 Standorte.

Sparkasse Göttingen

Dietze für weitere

fünf Jahre bestätigt

INES DIETZE bleibt Vorstandsvorsitzende

der Sparkasse Göttingen. Die Verbandsversammlung

des Sparkassenzweckverbandes

Göttingen hat dem einstimmigen Beschluss

des Verwaltungsrates zur Bestellung Dietzes

für weitere fünf Jahre zugestimmt.

„Mit der Verlängerung des Vertrags von

Frau Dietze würdigen wir die sehr erfolgreiche

Arbeit der vergangenen Jahre. Ines

Dietze steht für Kontinuität, Stabilität und

eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung

unserer Sparkasse“, sagte Göttingens

Oberbürgermeisterin Petra Broistedt, die

auch Vorsitzende des Verwaltungsrates ist.

Dietze steht seit dem 1. Januar 2022 an der

Spitze der Sparkasse Göttingen.

Weiterentwicklung

ClusterPlus startet

MIT DEM CLUSTERPLUS E. V. entsteht in

Göttingen ein branchenübergreifendes Unternehmensnetzwerk,

das sich gezielt auf

drei zentrale Mehrwerte konzentriert –

Kostenersparnis durch gemeinsame Einkaufsprojekte,

aktives Netzwerken sowie

praxisnahe Weiterbildung über die eigene

ClusterAkademie.

Aus dem bisherigen „VerpackungsCluster

Südniedersachsen e. V.“ soll damit jetzt

ein deutlich breiter aufgestelltes Netzwerk

werden. Im Zentrum der operativen Arbeit

stehen Tanja Köster (ClusterAkademie)

und Katja Keul (ClusterPlus). Sie verantworten

die Weiterentwicklung des Netzwerks

sowie den Ausbau der Akademie als

zentrale Plattform für Weiterbildung und

Unternehmensentwicklung.

Symrise stärkt Hauptstandort

25-Millionen-Invest

SYMRISE hat mit dem ersten Spatenstich

für die zweite Bauphase seines neuen Logistikzentrums

in Holzminden ein wichtiges

strategisches Projekt gestartet. Mit

einer Investition von rund 25 Millionen

Euro will das Unternehmen seine Logistikkapazitäten

ausbauen, die Effizienz seiner

Lieferketten steigern und den Hauptstandort

Holzminden bewusst stärken.

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PROFIL

FOTO: RE/MAX

Die TOPAS-Mitglieder beim jüngsten TOPAS-Netzwerktreffen zum Thema Ausbildung.

Ausbildung neu denken:

Wie Südniedersachsen

junge Fachkräfte begeistert

Der Wettbewerb um junge Talente hat sich grundlegend verändert.

Ausbildungsplätze werden längst nicht mehr nur nach Gehalt oder Standort

bewertet. Die Generation Z sucht Sinn, Orientierung, Entwicklungschancen

und echte Wertschätzung. Arbeitgeber in Südniedersachsen stehen deshalb vor

einer entscheidenden Frage: Wie wird Ausbildung wieder zu einem echten

Zukunftsversprechen?

Die Antwort liegt nicht in einzelnen

Maßnahmen, sondern in einer neuen

Haltung. Erfolgreiche Ausbildungsbetriebe

verstehen Ausbildung als strategische

Investition in die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens

– und als Marke mit Strahlkraft.

Die Initiative TOPAS – TOP-Arbeitgeber

Südniedersachsen macht 2026 deshalb zum

„Themenjahr Ausbildung“. Tara Brune, TO-

PAS-Projektleiterin, erläutert nachfolgend drei

Stellschrauben für eine erfolgreiche Ausbildung.

GESUNDHEIT BEGINNT AM ERSTEN

AUSBILDUNGSTAG

Auszubildende sind eine wichtige Zielgruppe

im Recruiting, sie sollten aber auch als solche

betrachtet werden, wenn sie bereits an Bord

sind. Betriebliches Gesundheitsmanagement

(BGM) wird in vielen Unternehmen noch

immer primär für erfahrene Mitarbeitende

gedacht. Dabei entscheidet gerade die Ausbildungszeit

oft darüber, wie junge Menschen

Arbeit langfristig erleben.

Auszubildende stehen unter hohem Druck:

neue Abläufe, schulische Anforderungen, Leistungsnachweise

und die Herausforderung, ihren

Platz in Unternehmen zu finden. Moder-


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ne Ausbildungsbetriebe reagieren darauf mit

speziell zugeschnittenen BGM-Angeboten.

Dazu gehören mentale Gesundheitsangebote,

Ergonomieschulungen, Resilienztrainings

oder Workshops zu Stressmanagement und

digitaler Balance.

TOP-Arbeitgeber, die Gesundheit früh fördern,

schaffen mehr als nur Wohlbefinden. Sie

erhöhen Motivation, reduzieren Abbruchquoten

und stärken die emotionale Bindung zum

Unternehmen. Vor allem aber senden sie eine

klare Botschaft: „Du bist uns wichtig.“

PROFIL

ONBOARDING IST KEIN ERSTER TAG –

SONDERN EINE STRATEGISCHE REISE

Viele Unternehmen investieren enorme Energie

in Recruitingprozesse, verlieren junge Talente

jedoch schon in den ersten Monaten. Der

Grund ist häufig ein unzureichendes Onboarding,

das sich mehr auf das fachliche und weniger

auf das emotionale Ankommen fokussiert.

Ein erfolgreicher Einstieg beginnt heute

bereits vor dem ersten Arbeitstag – etwa mit

digitalen Welcome-Paketen, persönlichen Ansprechpersonen

oder gemeinsamen Kennenlernformaten.

Entscheidend ist dabei nicht nur

die Vermittlung von Informationen, sondern

das Gefühl von Zugehörigkeit.

TOP-Ausbildungsbetriebe in Südniedersachsen

schaffen echte Orientierung. Sie

geben jungen Menschen Sicherheit, klare

Entwicklungsperspektiven, regelmäßiges

Feedback und ein WIR-Gefühl. Ausbilderinnen

und Ausbilder werden dabei zunehmend

zu Coaches und Kulturvermittelnden. Dafür

muss man diese frühzeitig mitnehmen und

im Zweifel selbst dafür sensibilisieren oder

schulen, denn sie sind die wichtigsten Multiplikatoren

eines Ausbildungsbetriebes.

Ebenso wichtig – und oft unterschätzt – ist

professionelles Offboarding. Nicht jede Ausbildung

endet mit einer Übernahme. Doch auch

der Abschied prägt das Bild eines Unternehmens

nachhaltig. Wer ehemalige Auszubildende

wertschätzend verabschiedet, Abschlussgespräche

führt und Netzwerke aufrechterhält,

gewinnt langfristige Markenbotschafter und

lernt im Zweifel auch aus vertanen Chancen.

DIE AUSBILDUNGSMARKE WIRD ZUM

WETTBEWERBSVORTEIL

Unternehmen konkurrieren heute nicht nur mit

regionalen Betrieben, sondern mit globalen

Arbeitgebermarken und völlig neuen Erwartungen

an Arbeit.

Eine starke Ausbildungsmarke entsteht deshalb

nicht durch Hochglanzbroschüren, sondern

durch Glaubwürdigkeit. Junge Menschen

wollen wissen:

TOPAS-Projektleiterin Tara Brune erläutert den Weg zu einer erfolgreichen Ausbildungsmarke.

• Was erwartet mich wirklich?

• Wie werde ich begleitet?

• Welche Entwicklungschancen habe ich?

• Wofür steht das Unternehmen?

Genau hier setzt ein klares Ausbildungsversprechen

an. TOP-Ausbildungsbetriebe formulieren

konkret, was Auszubildende erwarten

dürfen – beispielsweise persönliche Betreuung,

moderne Lernkonzepte, echte Verantwortung

oder garantierte Weiterbildungsmöglichkeiten.

Entscheidend ist dabei die gelebte Realität.

Eine Ausbildungsmarke entsteht im Alltag:

im Umgangston, in Feedbackgesprächen, in

Entwicklungsmöglichkeiten und in der Unternehmenskultur.

Gerade Südniedersachsen bietet hierfür

enormes Potenzial. Die Region verbindet

starke mittelständische Strukturen mit Innovationskraft,

Nähe und hoher Lebensqualität.

Unternehmen, die diese Stärken authentisch

kommunizieren und gleichzeitig moderne Ausbildungswelten

schaffen, positionieren sich

nachhaltig als attraktive Arbeitgeber.

AUSBILDUNG WIRD ZUR

ZUKUNFTSSTRATEGIE

Die erfolgreiche Ausbildung junger Fachkräfte

entscheidet über mehr als nur die einzelne

Stellenbesetzung. Sie entscheidet langfristig

über Innovationsfähigkeit, Unternehmenskultur

und Wettbewerbsstärke. Und sie sagt

letztlich auch viel über den Arbeitgeber aus,

schließlich hat man insbesondere für die

jüngsten Beschäftigten einen verantwortungsvollen

Auftrag.

Unternehmen, die heute in gesundheitsfördernde

Ausbildungsmodelle, professionelles

Onboarding und eine starke Ausbildungsmarke

investieren, schaffen weit mehr als Fachkräfte.

Sie entwickeln Loyalität, Identifikation

und Zukunft – TOP-Ausbildung eben!

Tara Brune

Projektleitung TOPAS

Südniedersachsenstiftung

Maschmühlenweg 105

37081 Göttingen

Tel. 0551 270 713-329

tara.brune@suedniedersachsenstiftung.de

www.suedniedersachsenstiftung.de


PROFIL

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Wertvolle Impulse

beim Anleger-Forum

Am 4. und 5. Juni lud die Sparkasse Göttingen zum

Anleger-Forum 2026 ins Sparkassen-Forum an der

Groner Landstraße ein. Zahlreiche Besucher nutzten die

Veranstaltung, um sich über aktuelle Entwicklungen an

den Kapitalmärkten zu informieren und mit Fachleuten

aus den Bereichen Finanzwirtschaft, Recht und Vorsorge

ins Gespräch zu kommen.

Wir feiern 25 Jahre Private Banking –

ein Meilenstein, eingebettet in die

225-jährige Erfolgsgeschichte der

Sparkasse Göttingen. Den Auftakt bildete

unsere beeindruckende Abendveranstaltung

mit Philipp Vorndran, der als Kapitalmarktstratege

von Flossbach von Storch mit seinem

Vortrag „Strukturbruch“ spannende

Einblicke in aktuelle Entwicklungen an den

Kapitalmärkten darstellte.

Am Donnerstagmorgen folgte das exklusive

faktor-Frühstück Spezial für Mitglieder

des faktor-Clubs. Viktoria Preuß, Wealth-Managerin

bei der DekaBank, sorgte unter der

Überschrift „Brücken bauen zwischen Familie

und Unternehmen, Lebenswerk und Generationen"

für einen interessanten Impuls, der

die Verbindung zwischen unternehmerischer

Verantwortung und langfristiger Vermögensplanung

in den Blick nahm.

Im Foyer des Sparkassenforums präsentierten

sich über beide Tage hinweg diverse Partner

an Informationsständen: Neben Finanzdienstleistern

und Vermögensverwaltern wie

Berenberg, der Frankfurter Bankgesellschaft

und der VGH, waren auch Göttinger Einrichtungen

vertreten – darunter das Göttinger

Symphonieorchester, die Bürgerstiftung Göttingen

oder das Hospiz an der Lutter. Die

Stände boten Gelegenheit zu vertiefenden

Gesprächen und zum Netzwerken zwischen

Gästen, Ausstellern und Referierenden.

Zu den Impulsgebern gehörte neben vielen anderen

Experten beispielsweise Olaf Tscherny,

Edelmetallexperte der BayernLB, der aktuelle

Marktentwicklungen zu Edelmetallen einordnete.

Rechtsanwalt Dr. Matthias Reichart hielt

an beiden Tagen Fachvorträge – u.a. mit dem

Titel „Gut geregelt statt gut gemeint“ – Testamente

klug gestalten. Die hohe Nachfrage

nach solchen und ähnlichen Themen bestätigte

einmal mehr, dass rechtliche Vorsorge zwar

häufig aufgeschoben wird, im Ernstfall jedoch

von erheblicher Bedeutung sein kann – für Familien

ebenso wie für Unternehmerinnen und

Unternehmer. Prof. Dr. Stefan Hell, ausgewiesene

Koryphäe im Bereich der Physik und

prämierten Nobelpreisträger, bereicherte das

Anleger-Forum mit spannenden Einblicken in

die Erkenntnisse der Lichtmikroskopie.

Der zweite Veranstaltungstag vertiefte die

Themen des Auftakts mit weiteren Fachbeiträgen

zu nachhaltiger Geldanlage, Nachlassplanung

und Stiftungsmanagement sowie

mit persönlichen Beratungsgesprächen direkt

vor Ort. Das breite Themenspektrum und die

Mischung aus Vorträgen, Infoständen und individuellem

Austausch spiegelten das Selbstverständnis

wider, mit dem das seit 25 Jahren

bestehende „Private Banking“-Team der Sparkasse

Göttingen die Veranstaltung konzipiert

hatte: als Forum für wertvolle Informationen

und persönliche Begegnungen – abseits des

täglichen Marktgeschehens.

Sparkasse Göttingen

Private Banking

Groner Landstraße 2

37073 Göttingen

Tel. 0551 405-3021

spk-private-banking@spk-goettingen.de

www.private-banking-goettingen.de


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Dinge neu denken

Erika Maas zeigt als Leiterin Personal, Finanzen & Marketing bei Opitz Packaging

Systems, dass Erfolg keine Frage von Alter und Geschlecht sind.

PROFIL

Mit 28 Jahren trägt Erika Maas Verantwortung

für Bereiche, an denen andere über Jahre hinweg

wachsen: Personal, Finanzen und Marketing

bei Opitz Packaging Systems in Northeim.

In dem Maschinenbauunternehmen mit rund

70 Mitarbeitenden prägt sie aktiv die Zukunftsfähigkeit

– und das in einer Branche, die traditionell

männlich dominiert ist.

Seit ihrem Einstieg vor vier Jahren hat sich das

Unternehmen deutlich entwickelt. Die Mitarbeiterzahl

wuchs von etwa 45 auf heute 70 Beschäftigte.

Erika Maas gelingt es, Fachkräfte zu gewinnen,

indem sie das Handwerk neu positioniert:

modern, offen und attraktiv für junge Menschen.

Auf Ausbildungs- und Jobmessen ist sie selbst

präsent, gibt dem Unternehmen ein Gesicht

und vermittelt glaubwürdig, dass Maschinenbau

längst kein verstaubtes Umfeld mehr ist.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Teamzusammenstellung.

Statt ausschließlich auf fach-

liche Qualifikation zu achten, stellt sie die langfristige

Zusammenarbeit in den Mittelpunkt.

Teamkompatibilität und persönliche Passung

sind für sie entscheidende Faktoren, um Mitarbeitende

dauerhaft zu binden.

Parallel dazu entwickelt sie das Marketing

konsequent weiter. Mit unkonventionellen

Formaten wie Podcasts oder persönlichen

Mitarbeitendenportraits schafft sie eine authentische

Arbeitgebermarke, die sich bewusst

vom Branchendurchschnitt abhebt.

Das zahlt direkt auf die Recruiting-Erfolge ein

und stärkt die regionale Wahrnehmung des

Unternehmens.

Neben diesen sichtbaren Veränderungen

verantwortet Erika Maas auch die finanzielle

Steuerung des Wachstums. Investitionen, Liquiditätsplanung

und wirtschaftliche Stabilität

liegen in ihrer Hand – ein Spannungsfeld,

das sie souverän meistert.

Erika Maas steht exemplarisch für eine neue

Generation von Führungskräften im Handwerk:

fachlich breit aufgestellt, strategisch

denkend und bereit, bestehende Strukturen

zu hinterfragen. Ihr Weg zeigt, dass Verantwortung,

Innovationskraft und Durchsetzungsfähigkeit

keine Frage von Alter oder Geschlecht

sind – sondern von Haltung und Mut,

Dinge neu zu denken.

Opitz Packaging Systems GmbH

Detlev-Karsten-Rohwedder-Straße 8

37154 Northeim

Tel. 05553 9938 34

e.maas@opitz-ps.de

Das Mittagsessen im -Club bringt

junge Unternehmen und lokale Unternehmer

zusammen. In entspannter

Atmosphäre entstehen neue Kontakte,

spannende Gespräche und wertvolle

Kooperationen.

Freut euch von Dienstag bis Sonntag

(12:00–14:30 Uhr) auf einen täglich

wechselnden Mittagstisch mit saisonalen,

regionalen Gerichten. Die Zutaten

stammen direkt vom Kredo-Hof und von

regionalen Betrieben.

Das Kredo bietet

den idealen Rahmen

für Geschäftsessen

und Netzwerktreffen

– inklusive guter

Parkmöglichkeiten.

Mittagessen im

-Club – regionale Küche trifft Unternehmergeist.


wissen

KI-generierte Darstellung von Hertha Sponer, erstellt unter Verwendung einer gemeinfreien historischen Referenzaufnahme von 1913. Kein authentisches

historisches Foto. Quelle der Referenz: Wikimedia Commons, „Hertha Sponer 1913.jpg“, Public Domain.

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wissen

Für Herz und Hirn

Im Hertha-Sponer-College (HSC) in Göttingen wächst eine neue Generation von

Spitzenforschern heran – mit einem deutschlandweit einzigartigen Konzept.

TEXT & INTERVIEW MATTHIAS BRUNNERT

Das HSC ist Teil des Exzellenzclusters „Multiscale

Bioimaging: Von molekularen Maschinen

zu Netzwerken erregbarer Zellen“

(kurz MBExC) der Georg-August-Universität

Göttingen und der Universitätsmedizin Göttingen

(UMG). Es richtet sich an Studierende und Promovierende

aus Medizin und Naturwissenschaften, an Postdoktoranden

und forschende Ärztinnen und Ärzte, die sich für

eine Karriere zwischen Grundlagenforschung und Biomedizin

interessieren.

Und im MBExC geht es um Großes: um das menschliche

Herz und das menschliche Hirn. Ziel der Forschung

ist es, neue Wege und Möglichkeiten zu finden, um zu

verstehen, wie Herz und Hirn funktionieren, was passiert,

wenn sie erkranken – und sie wieder gesunden zu

lassen. Dazu befassen sich die Forscher mit sogenannten

nanoskaligen Funktionseinheiten in elektrisch erregbaren

Herz- und Nervenzellen. Dabei handelt es sich um

Strukturen im Größenbereich von einem bis zu

100 Nano metern: Sie können bis zu 100.000-mal dünner

sein als ein menschliches Haar. Das Ziel der Forschung

am MBExC auf dem Göttinger Campus ist es,

krankheitsrelevante nanoskalige Funktionseinheiten in

elektrisch erregbaren Herz- und Nervenzellen zu verstehen

– als Grundlage für die Entwicklung neuartiger

Therapien für Erkrankungen des Herzens und des Gehirns.

Zum Cluster gehört auch das Hertha-Sponer-College.

Es trägt dazu bei, Studenten und Wissenschaftler, die sich

für eine Karriere an der Schnittstelle von biomedizinischer

Forschung und den Naturwissenschaften begeistern, zu

einer neuen Generation von Spitzenforschern auszubilden.

Zur Arbeit und zur Zukunft der Einrichtung hat der

faktor Fragen an Prof. Dr. Claudia Steinem, Prof. Dr.

Tobias Moser und Dr. Heike Conrad gestellt. Steinem

vom Institut für Organische und Biomolekulare Chemie

der Georg-August-Universität leitet das Hertha-Sponer-

College und ist stellvertretende Sprecherin des MBExC.

Moser vom Institut für Auditorische Neurowissenschaften

der UMG ist Sprecher des MBExC. Und Conrad ist

Koordinatorin des Hertha-Sponer-Colleges.

Exzellenzcluster „Multiscale Bioimaging“ – was kann man

sich eigentlich darunter vorstellen?

Tobias Moser: Das Göttinger Exzellenzcluster erforscht

die Strukturen und Funktionen von Herz und Gehirn auf

allen Ebenen – vom Molekül bis zum Organ. Erkrankungen

des Herzens und des Gehirns gehören zu den

häufigsten Todesursachen weltweit. Nicht wenige betreffen

sogar beide Organe. Beispielsweise wurde die Beziehung

zwischen Herzinfarkt, Schlaganfall und damit

verbundenen Ausfällen im Gehirn gezeigt sowie ein

erhöhtes Demenzrisiko bei kardiovaskulären Erkrankungen

bewiesen. So unterschiedlich die Organe Herz

und Gehirn auf den ersten Blick erscheinen: Ihre Zellen

weisen überraschend viele Gemeinsamkeiten auf. Beide

verwenden ähnliche Funktionseinheiten, die der Erregbarkeit

der Zellen dienen und über die sie physiologische

Leistungen als Teil von elektrisch aktiven Netzwerken

erbringen. Fehlfunktionen dieser elementaren Einheiten

können zu einer Vielzahl von Erkrankungen führen.

»Das Göttinger Exzellenzcluster erforscht die

Strukturen und Funktionen von Herz und Gehirn

auf allen Ebenen – vom Molekül bis zum Organ.«

Und was geschieht in diesem Zusammenhang in Ihrer Einrichtung?

Moser: Das MBExC verfolgt einen einzigartigen Forschungsansatz,

indem es modernste Bildgebungsverfahren

entwickelt und nutzt. Hier können wir die Ursachen

von Herz- und Hirnerkrankungen, die zu den

häufigsten Todesursachen weltweit zählen, aufdecken

und so neue Ansätze für Diagnosen und Therapien mit

gesellschaftlicher Tragweite entwickeln. Die Forschung

am MBExC eröffnet auch vielfältige Möglichkeiten für

ein fächerübergreifendes Ausbildungskonzept. ▸

Tobias Moser

2 |2026 79


wissen

Welche Rolle spielt da das Hertha-Sponer-College?

Claudia Steinem: Das College wurde im Frühjahr 2020 als

einzigartiges Ausbildungskonzept eingerichtet, das auf dem

vielschichtigen fächerübergreifenden Forschungsnetzwerk

des MBExC basiert. Es richtet sich an besonders

begabte, hoch motivierte Studierende und Nachwuchswissenschaftler

aus der Medizin und den Natur- und Lebenswissenschaften.

Das College bietet ein maßgeschneidertes

und flexibles Ausbildungsprogramm, das durch

zusätzliche Angebote zur Entwicklung einer akademischen

Forscherkarriere und umfassende Netzwerkangebote

gezielt ergänzt wird. Ziel ist es, die Begeisterung für

die Forschung an der Schnittstelle zwischen Biomedizin

und Naturwissenschaften zu wecken und zu fördern. So

soll eine neue Generation künftiger Forschungsgruppenleitungen

auf dem Weg in die frühe wissenschaftliche

Unabhängigkeit begleitet werden.

»Das HSC vereint Studierende und Nachwuchswissenschaftler

aus der Medizin und den

Natur- und Lebenswissenschaften.« Heike Conrad

Was passiert konkret?

Heike Conrad: Das Hertha-Sponer-College baut auf den existierenden

Ausbildungsstrukturen am Göttingen Campus

auf und wird den Bedürfnissen seiner Mitglieder entsprechend

kontinuierlich weiterentwickelt. Zentraler Bestandteil

sind Kurse, Workshops und Vorlesungen, in denen besondere

MBExC-relevante Techniken in der Theorie und

der Praxis erlernt werden, um sie optimal auf die eigene

Forschungsthematik anwenden und weiterentwickeln zu

können. Dazu gehören unter anderem Verfahren der modernen

Bildgebung, der Datenanalyse und der KI-gestützten

Bildauswertung. In Kleingruppenseminaren, Podiumsdiskus

sionen sowie Mentoring-Veranstaltungen und

Coachings profitieren Mitglieder des Colleges darüber

hinaus vom Erfahrungsaustausch untereinander und mit

erfahrenen Experten am Campus. Regelmäßige Netzwerkveranstaltungen

unterstützen den Aufbau eines eigenen

wissenschaftlichen und persönlichen Netzwerks. Nicht zuletzt

bietet das Hertha-Sponer-College seinen Mitgliedern

Fördergelder, die es ihnen ermöglichen, eigene Forschungsideen

unabhängig voranzutreiben oder ihr Netzwerk über

die Grenzen Göttingens hinaus zu erweitern.

Welche Einrichtungen sind beteiligt?

Moser: Das Hertha-Sponer-College baut auf dem interdisziplinären,

also fächerübergreifenden Netzwerk des

MBExC auf. Es vereint Mitglieder der verschiedenen forschenden

Einrichtungen am Göttingen Campus: der

Georg-August-Universität, der Universitätsmedizin Göttingen,

der Max-Planck-Institute für Multidisziplinäre

Naturwissenschaften und für Dynamik und Selbstorganisation

sowie der Deutschen Zentren für Neurodegenerative

Erkrankungen und für Herz-Kreislaufforschung.

Wo ist das College untergebracht?

Steinem: Das Hertha-Sponer-College ist ein virtueller

Verband, der viele forschende Einrichtungen verbindet.

Das Koordinationsbüro ist am Europäischen Neurowissenschaftlichen

Institut am Nordcampus untergebracht,

welches auch Zugang zu Infrastruktur bietet,

also zu Seminar- und Konferenzräumen, Lehrlaboren

und Sozial räumen. Regelmäßig finden Veranstaltungen

des Hertha-Sponer-Colleges auch in den Räumlichkeiten

des Max-Planck-Instituts für Multidisziplinäre Naturwissenschaften

City Campus statt, wie beispielsweise die

Vorlesungsreihe des Hertha-Sponer-Colleges, die allen

Interessierten offensteht.

Und wer sind die Kollegiatinnen und Kollegiaten?

Conrad: Das HSC vereint Studierende und Nachwuchswissenschaftler

aus der Medizin und den Natur- und

Lebenswissenschaften. Es bietet ihnen ein gemeinsames

Ausbildungskonzept, das verschiedene Karrierestufen

und -pfade zusammenführt: von Medizinstudierenden

bis zu forschungsorientierten Ärzten sowie von Bachelor-,

Masterstudierenden und Promovierenden bis hin zu

Postdoktoranden aus verschiedenen Bereichen der

Natur- und Lebenswissenschaften.

»Ziel ist es, die Begeisterung für die Forschung an der

Schnittstelle zwischen Biomedizin und Naturwissenschaften

zu wecken und zu fördern.« Claudia Steinem

Wie werden die Mitglieder ausgewählt?

Steinem: Ausgewählt werden sie in einem zweistufigen

Auswahlprozess durch Mitglieder des Leitungsgremiums.

Bewerber, die durch einen aktuellen Lebenslauf, eine Erklärung

zu ihren Forschungsinteressen sowie ein aussagekräftiges

Referenzschreiben eines MBExC-Mitglieds

überzeugen, werden zu einem persönlichen Auswahlgespräch

eingeladen. Das Leitungsgremium des Hertha-

Sponer-Colleges entscheidet über die Aufnahmen.

Was hat das College bisher erreicht?

Steinem: Bisher haben insgesamt 110 Kollegiaten von

dem forschungsorientierten Ausbildungskonzept profitiert

beziehungsweise sie profitieren noch. Daraus sind

Publikationen und Projektkooperationen entstanden,

die teilweise finanziell unterstützt wurden. Die ausgeschiedenen

Mitglieder gehören größtenteils einem wach-

80 2 |2026


wissen

FOTO: MBEXC

Prof. Dr. Claudia Steinem.

FOTO: SWEN PFÖRTNER / MBEXC

Prof. Dr. Tobias Moser.

FOTO: SWEN PFÖRTNER / MBEXC

Dr. Heike Conrad.

WER WAR HERTHA SPONER?

Namensgebend für die Forschungs- und Ausbildungseinrichtung

ist die aus Oberschlesien stammende

deutsche Physikerin Hertha Sponer (1895 – 1968).

Sie gehörte neben Lise Meitner, Emmy Noether und

Hedwig Kohn zu den ersten Physikerinnen in Deutschland.

Nach dem Studium in Tübingen und Göttingen

promovierte Sponer als eine der ersten Frauen an der

Universität Göttingen. Die Hochschule berief sie

anschließend als eine der deutschlandweit ersten

Professorinnen ihres Faches. Während der NS-Zeit

wechselte sie an die Duke University im US-Bundesstaat

North Carolina. Im Exil heiratete sie ihren ehemaligen

Göttinger Mentor, den Nobelpreisträger James

Franck, der wie viele andere jüdische Wissenschaftler

aus Deutschland emigriert war. Die Stadt Göttingen

würdigte die Wissenschaftlerin, indem sie 2003 eine

Straße im Industriegebiet nach ihr benannte.

senden Alumni-Netzwerk an, das beispielsweise Maßnahmen

der Karriereentwicklung unterstützt. So hatten

wir beim letzten Career Day unsere erste Professorin für

Physik, die als Kollegiatin ihren akademischen Weg am

Göttingen Campus gegangen ist. Das einzigartige Konzept

des HSC ist ein Alleinstellungsmerkmal, das zunehmend

Sichtbarkeit erlangt und die Attraktivität des

Göttingen Campus für interessierte Studierende und

Nachwuchswissenschaftler außerhalb Göttingens steigert.

Wie finanziert sich das College, woher kommen die Mittel?

Moser: Aktuell wird das HSC aus Mitteln des MBExC

finanziert, das seit Januar 2019 im Rahmen der Exzellenz-Strategie

des Bundes und der Länder gefördert

wird.

Gibt es vergleichbare Einrichtungen in Deutschland?

Conrad: Eine Ausbildungsstruktur, die im Stil eines

eng lischen Colleges gleichzeitig Studierende und Nachwuchswissenschaftler

verschiedener Karrierestufen

vereint und darüber hinaus Medizin und Natur- &

Lebenswissenschaften zusammenführt, ist nach unserem

Kenntnisstand in Deutschland einmalig.

Wie geht es weiter? Hat das College eine Zukunft?

Steinem: Das HSC ist als etablierte Struktur aus dem Exzellenzcluster

MBExC hervorgegangen. Auch in der Auslaufphase

des MBExC genießt es größte Beliebtheit,

sodass davon auszugehen ist, dass es auch über die

Förderphase des MBExC hinaus am Göttingen Campus

aktiv bleibt. Darauf haben sich Universität und Universitätsmedizin

verständigt. ƒ

2 |2026 81


wissen

Stars and stripes: In den weißen Streifen sind die Patriarchen notiert, teilweise mit den Jahreszahlen ihrer jeweiligen Amtszeit.

Die „American Colony of Göttingen“

Die USA feiern 2026 den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeitserklärung. Schon früh studierten

viele Amerikaner an der Georgia Augusta: Göttingen galt als wissenschaftlicher Knotenpunkt,

der Karrieren wie die von J. P. Morgan, George Bancroft oder Edward Everett in Gang setzte.

Fast 1000 US-Studenten wurden im Laufe der Zeit Teil eines besonderen Zusammenschlusses.

82 2 |2026


wissen

»Es folgten einige Professorenbesuche und sogar

die Aufnahme in den „Literarischen Club“, wo sie

sich jedoch zumindest anfänglich belächelt und als

„Kuriosa“ bestaunt fühlten.«

TEXT UND ABBILDUNGEN NORMAN LIPPERT

Dabei handelte es sich keinesfalls um ein Alleinstellungsmerkmal

Göttingens. Diese zumeist

informellen Zusammenschlüsse bezeichneten

sich selbst, die tatsächliche Bedeutung

des Kolonialismus ignorierend, als „Colony“.

Sie bildeten sich nicht nur in den europäischen Großstädten,

sondern auch in einigen kleinen deutschen Universitätsstädten.

Was den Fall der „American Colony of

Göttingen“ besonders macht, ist ihr in der Staats- und

Universitätsbibliothek überliefertes Buch. Hierbei handelt

es sich um eine Mischung aus Mitgliederkartei und

Tagebuch, welche einen einzigartigen Einblick in den

Alltag der amerikanischen Studenten erlaubt. Doch warum

kamen die Amerikaner überhaupt nach Göttingen?

Die 1737 eröffnete Georgia Augusta entwickelte sich

mit ihrem aufklärerischen Profil und ihrer herausragenden

Bibliothek innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer

der bedeutendsten Universitäten Europas. Dies führte

dazu, dass sich die beiden Harvard-Absolventen Edward

Everett und George Ticknor für Göttingen entschieden,

um sich hier auf ihre Professuren vorzubereiten. Sie legten

den Grundstein für die hiesige „American Colony“

und eine bis dahin wohl beispiellose Erfolgsgeschichte

des akademischen Wissenstransfers.

AM 11. AUGUST 1815 schrieben sich die beiden Wegbereiter

Everett und Ticknor an der Georgia Augusta ein und

kamen an der Weender Straße beim Philosophen Bouterwek

unter. Es folgten einige Professorenbesuche und

sogar die Aufnahme in den „Literarischen Club“, wo sie

sich jedoch zumindest anfänglich belächelt und als

„Kuriosa“ bestaunt fühlten. Ihre Begeisterung für die

Stadt, die Universität mit ihren 40 Professoren und insbesondere

die Universitätsbibliothek mit ihren mehr als

200.000 Büchern wurde davon nicht geschmälert. Everett

und Ticknor verlängerten ihren eigentlich nur für ein Jahr

geplanten Aufenthalt.

AM 1. NOVEMBER 1816 immatrikulierten sich zwei weitere

Harvard-Alumni in Göttingen: Der 30-jährige

Joseph Cogswell und der ihm unterstellte 19-jährige

Augustus Thorndike. Der deutlich Ältere, ein weit gereister

Geologe und früherer Lateinlehrer, begleitete den

Jüngeren im Auftrag von Thorndikes reichem Kaufmanns

vater. Sie fanden am Albanitor eine Bleibe und

wurden schnell als „die neuen Amerikaner“ bekannt.

Noch in Göttingen bemühte sich Everett darum, dass

mit George Bancroft ein weiterer Harvard-Absolvent

dank eines Stipendiums in seine hiesigen Fußstapfen treten

konnte. Dieser immatrikulierte sich am 22. September

1818 und bezog ebenfalls bei Philosophieprofessor

Bouterwek eine Stube.

NACHDEM BANCROFT 1820 sein Studium abschloss,

dauerte es vier Jahre, bis die nächsten amerikanischen

Studenten an die Georgia Augusta kamen. Anschließend

waren bis weit über das Jahr 1900 hinaus in jedem

Semester amerikanische Studenten an der Göttinger Universität

immatrikuliert. Ein wesentlicher Faktor war,

dass die nunmehr Professoren gewordenen Everett,

Ticknor, Cogswell und Bancroft ihre in Göttingen erworbenen

Erkenntnisse und Fähigkeiten in den Vereinigten

Staaten verbreiteten und somit für den Wissenschaftsstandort

Göttingen warben.

Wann sich die „American Colony of Göttingen“ gründete,

lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Ihr erster

Patriarch wurde der spätere Columbia-Chemieprofessor

Charles A. Joy, welcher 1852 nach Göttingen kam. Dass

sich die amerikanischen Studenten gerade in den ersten

Wochen häufig einsam fühlten, auch weil die deutsche

Sprache eine gewisse Herausforderung mit sich brachte,

ist verschiedentlich überliefert. Darüber hinaus hatten

sie natürlich einen Bedarf, sich über die hiesigen Studiums-,

Unterkunfts- sowie Freizeit- und Reisemöglichkeiten

auszutauschen. ▸

2 |2026 83


wissen

AM 22. SEPTEMBER 1855 verfasste der dritte Patriarch

der mittlerweile etablierten „American Colony“ einen

ersten Eintrag in einem eigens hierfür angeschafften

Buch. Darin führte Ernst Hungerford aus, dass seitens

der Mitglieder auf einem sommerlichen Treffen angeregt

wurde, wesentliche historische Entwicklungen und statistische

Informationen der „American Colony of Göttingen“

für zukünftige Generationen festzuhalten.

IN DEN 1850ER-JAHREN schwankte die Mitgliedszahl

zwischen sechs und 15. In späteren Jahren wurden der

„American Colony“ zeitweise über 30 Mitglieder zugezählt,

die sich vor allem aus den amerikanischen Studenten

und Professoren an der Georgia Augusta, deren Angehörigen

und anderweitig in Göttingen verweilenden oder

durchreisenden Amerikanern zusammensetzten. Sie alle

einte ihre Nationalität und die Tatsache, dass sie sich zur

gleichen Zeit in Göttingen wiederfanden.

Neben dem Buch verfügte die „American Colony“ bald

über eine eigene Flagge, die zusammen mit Insignien von

Patriarch zu Patriarch übergeben wurde. Eine später eingeführte

Kappe sowie die Bezeichnung neuer studentischer

Mitglieder als „foxes“ belegen anschaulich, dass

sich die Amerikaner hierbei von den Göttinger Burschenschaften

inspirieren ließen. Kaum verwunderlich, waren

doch einige von ihnen selbst Burschenschafter geworden.

Die formale Übergabe des Patriarchenamtes erfolgte

durch das Aushändigen des Buches und der Flagge. Wobei

neben dem klassischen Senioritätsprinzip, also der längsten

Zeit vor Ort, auch auf die noch ausstehende Zeit in

Göttingen geachtet wurde. Die Amtszeiten der Patriarchen

unterschieden sich folglich, gelegentlich waren es

nur wenige Wochen, in einigen Fällen drei Semester.

Genauso wie sich der Zeitgeist seit jeher änderte, verschoben

sich auch die alltäglichen Vorlieben der amerikanischen

Studenten. Im Winter 1852 entwickelte sich

beispielsweise das Rheingoldt’sche Haus am Markt zu

einem beliebten Treffpunkt der „Colony“. Nicht nur

aufgrund seiner zentralen Lage, sondern weil dort gleich

vier Amerikaner wohnten, eine der drei Stuben besonders

groß war und das dortige Piano zur geselligen Unterhaltung

einlud. Doch die abendlichen und als legendär

beschrieben „tea parties“ wurden schon von der

nächsten Kohorte verschmäht, wie der damalige Patriarch

Ernst Hungerford bedauernd festhielt.

Die von der „Colony“ gemeinsam begangenen amerikanischen

Feiertage bildeten eine gewisse Konstante im

„kolonialen“ Jahreskalender, allen voran der Unabhängigkeitstag.

Es entstand dabei ein Wettbewerb, die jeweils

vorherige Generation mit den eigenen Feierlichkeiten

zu übertreffen.

DIE ÄLTESTE DOKUMENTIERTE FEIER für den Unabhängigkeitstag

am 4. Juli 1854 wirkt im Vergleich zu

späteren geradezu zurückhaltend, als man sich zu einem

gemeinsamen Frühstück in Hungerfords Zimmer traf

und anschließend unter musikalischer Begleitung mit

zwei Vierspannern nach Mariaspring fuhr. Im nächsten

Im vorliegenden Reunion-Heft lässt sich einiges nachlesen –

etwa, was es zu essen gab und welche Lieder gesungen wurden.

ZU DEN AUFGABEN DES PATRIARCHEN gehörte es, die

Mitgliederliste zu führen und das Vereinsleben zu dokumentieren.

Letzteres wurde von den Patriarchen jedoch

nicht immer gewissenhaft getan, sodass etwa die Gründungszeit

von 1852 bis 1855 sehr gut beschrieben ist und

dann immer mal wieder über mehrere Jahre hinweg keine

Berichte vorhanden sind. Die Einblicke in den Alltag der

amerikanischen Studenten bleiben daher episodenhaft.

Abgesehen von der gesprochenen Sprache unterschieden

sich der amerikanische und deutsche Studentenalltag

nur wenig. Es wurden die gleichen Vorlesungen,

lokalen Ausflugsziele und gastronomischen Einrichtungen

frequentiert. Ausgiebige Touren durch die Göttinger

Läden und Kneipen gehörten genauso wie das Besteigen

eines jeden Kirchturmes sowie der Wallmauern zu den

Einführungsriten für Neuankömmlinge. Vielleicht waren

die amerikanischen Studenten etwas ausgeh- und exkursionsfreudiger.

Hierbei spielte sicher eine Rolle, dass sie

häufig über ein größeres Budget verfügten. So wurden

etwa regelmäßig Ausfahrten nach Mariaspring, zu den

Burgen Hardenberg und Plesse, nach Reinhausen und

Witzen hausen oder in den Harz organisiert.

84 2 |2026


wissen

Der Göttinger Marktplatz mit Blick auf die Jacobikirche 1898 – festgehalten im Reunion-Heft der American Colony of Göttingen.

Jahr wurde sogar ein Komitee eingerichtet, um mit den

etwa 50 eingesammelten Talern eine günstige Feier zu

organisieren. Das abendliche Dinner der 15 Mitglieder

und zusätzlich geladenen Professoren fand in der „belle

étage“ des Ruprecht’schen Hauses am Marktplatz statt,

welche mit zwei von der Universitätsbibliothek ausgeliehenen

Büsten von Benjamin Franklin und George Washington

dekoriert war. Zur musikalischen Begleitung

wurde eigens die Northeimer Militärkapelle engagiert.

Letztlich kosteten die ausschweifenden Feierlichkeiten

mehr als 100 Taler, was der damalige Patriarch mit einer

Warnung an zukünftige Generationen kommentierte.

Der Alltag der „American Colony of Göttingen“ fand

zu keinem Zeitpunkt losgelöst von amerikanischen Ereignissen

statt, die sich aufgrund telegrafischer Verbindungen

und Tageszeitungen schnell verbreiteten.

IM SOMMER 1861 bildeten 15 Amerikaner und fünf Engländer

eine Baseballmannschaft, um auf den Maschwiesen

hinter dem Bahnhof zu spielen. Was eigentlich

eine heitere Sportveranstaltung werden sollte, wurde von

schockierenden Nachrichten aus den Vereinigten Staaten

überschattet: Nach einer viermonatigen Belagerung griffen

die Südstaaten am 12. April das Fort Sumter in der

Bucht von Charleston an und begannen damit den vier

Jahre währenden Amerikanischen Bürgerkrieg.

In den nächsten Monaten verstreute sich die damalige

„Colony“. Einige setzten ihr Studium in Clausthal, Heidelberg,

Tübingen und Paris fort, andere gingen nach

Griechenland oder Italien. Einige kehrten in die USA zurück,

um im Bürgerkrieg zu kämpfen. In diesem Jahr

wurde der amerikanische Unabhängigkeitstag nur leise

bei einem Abendessen im Hotel Krone begangen, an dem

zu diesem Anlass drei amerikanische Flaggen gehisst

wurden. Von opulenten Feiern ist in den nächsten Jahren

nichts mehr überliefert. Der amerikanische Konflikt

wirkte sich indes auch diesseits des Atlantiks aus: Im

Januar 1862 trat John Harvey Pat von seinem Amt zurück,

weil der Patriarch nicht mehr an eine ehrenhafte

Konfliktbeilegung der Nord- und Südstaaten glaubte. ▸

2 |2026 85


wissen

Im Vereinsbuch gibt es zwar noch bis 1863 regelmäßige

Einträge, anschließend klafft jedoch in den Aufzeichnungen

eine achtjährige Lücke. Zumindest die Patriarchenliste

wurde auch in den 1860ern fortgeführt.

ERST MIT BEGINN DER 1870ER-JAHRE füllte sich das

Vereinsbuch wieder mit neuen Beiträgen, angefangen

mit einem gänzlich unbescheidenen Bericht aus dem

Winter 1870. Demnach gelang es den amerikanischen

Eisläufern mit „ease, grace and swiftness“, ihre deutschen

Kommilitonen zu begeistern. Im Jahr 1874 wurde

die bereits etablierte Tradition der Tischreden und

Trinksprüche um eine sogenannte „Kneipe“ erweitert.

Dabei handelte es sich um einen sonnabendlichen

Stammtisch, bei dem sich die Amerikaner in ihrem jeweiligen

Stammlokal zum Singen und Trinken trafen. Die

dort gesungenen Lieder wurden 1888 in einem eigenen

Liederbuch zusammengefasst, wovon eines in das Vereinsbuch

eingeheftet wurde.

IM SOMMER 1871 besuchte mit Professor Henry Bradford

Nason ein früheres Mitglied der „American Colony“

für einige Tage Göttingen – zusammen mit ein paar

Studenten des Rensselaer Polytechnic Institute. Nason

selbst hatte von 1855 bis 1857 Chemie und im Winter

1861 Mineralogie an der Georgia Augusta studiert. Einer

der ihn begleitenden Studenten schrieb sich im folgenden

Semester ebenfalls in Göttingen ein und wurde

seinerseits Mitglied der „American Colony“.

Längst hatte sich ein über Generationen währender

Kreislauf etabliert, dass ehemalige Mitglieder in die Vereinigten

Staaten zurückkehrten, an den dortigen Universitäten

Karriere machten und ihrerseits neue Mitglieder

für die „American Colony of Göttingen“ rekrutierten.

1898 ließen sich 225 ehemalige „Göttingians“ in den

USA finden – 137 von ihnen arbeiteten an amerikanischen

Bildungseinrichtungen. Die Geschichte der

US-amerikanischen Universitäten könnte kaum enger

mit der Georgia Augusta verbunden sein.

Auch außerhalb des akademischen Bereiches fühlten

sich viele frühere Mitglieder noch Jahrzehnte später ihrer

„American Colony“ und der Georgia Augusta eng

verbunden. Zu dieser Gruppe gehörte mit John Pierpont

Morgan das wohl bekannteste Mitglied der „American

Colony of Göttingen“. Morgan immatrikulierte sich am

17. April 1856. Doch über seine von 1856 bis 1857

währende Göttingen-Zeit ist im Buch der „American

Colony“ lediglich tabellarisch festgehalten, dass er aus

Hartfort in Connecticut stammte und hier zwei Semester

studierte. Nichtsdestotrotz hatte sein Studium in Göttingen

offenbar einen maßgeblichen Einfluss auf Morgan,

der später ein erfolgreicher Unternehmer wurde und

zum einflussreichsten Privatbankier der USA aufstieg.

IM JAHR 1898 organisierte J. P. Morgan zusammen mit Charles

P. Chandler und James Duncan Hague ein Reunion-Dinner ehemaliger

Mitglieder der „American Colony“. Am 14. Juli 1903

berichtete der Hannoversche Courier, dass J. P. Morgan einen

bekannten Autor damit beauftragt hätte, ein Buch über die

„American Colony of Göttingen“ zu schreiben. Im Februar

1912 spendete er der Göttinger Universitätsbibliothek 50.000

US-Dollar, womit die seit dem 18. Jahrhundert gepflegte Sammlung

an amerikanischer und englischer Literatur erweitert werden

konnte.

Das erste Buch der „American Colony of Göttingen“ endet

am 26. Oktober 1889 mit einem Eintrag des damaligen Patriarchen

George Nuttall. Demnach wurde ein neues Buch angeschafft,

welches vom nächsten Patriarchen fortgeführt werden

sollte. Im Gegensatz zum ersten Band ist der zweite leider nicht

überliefert. Dabei wurde eigens ein Buch aus hochwertigem,

nicht vergilbendem Papier angeschafft und zukünftigen Patriarchen

aufgetragen, nicht ausbleichende Tinte zu verwenden.

Dass die „American Colony of Göttingen“ weiter fortbestand

und zahlreiche amerikanische Studenten sowie ab den

1890er-Jahren auch Studentinnen nach Göttingen brachte, ist

jedoch unbestritten. ƒ

ZWEITER BAND NICHT ERHALTEN

Das der Universitätsbibliothek übergebene

Buch ist in schwarzem Leder

gebunden, 24 cm x 19 cm groß und

etwa vier Zentimeter dick. Sein Titel

„American Colony of Göttingen“ ist in

goldenen Lettern gesetzt und gerahmt.

Auf dem Einband ist ein verkürzter

Titel, „Band 1“ und „1766 bis 1888“

geschrieben. Anlässlich des 200. Jubiläums

der US-Unabhängigkeit wurde

eine Transkription des Buches herausgegeben.

Ein zweiter Band ist nicht

überliefert.

86 2 |2026


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„Die Bewohner sollen sich nicht um Probleme mit

dem Gebäude kümmern müssen – deshalb sparen

wir nicht an der falschen Stelle“, betont Frank Psotta.

PROFIL

Quartier am Damm:

Wohnraum

langfristig gedacht

Die mitAussicht Göttingen GmbH setzt bei

ihrem aktuellen Projekt auf hohe Bauqualität

und nachhaltige Standards für zeitgemäßes

Wohnen.

FOTO: MARKUS HARTWIG

Im Göttinger Ortsteil Groß Ellershausen

entsteht mit dem „Quartier am Damm“

ein Wohnprojekt, das auf Anpassungsfähigkeit

und technische Präzision setzt. Verantwortlich

dafür ist das Ingenieur- u. Architekturbüro

CUBORG² GbR, auch vertreten durch

Investor und Bauingenieur Frank Psotta. Seinen

Anspruch, Wohnraum zu schaffen, der

langfristig funktioniert – für unterschiedliche

Lebensentwürfe und Altersgruppen gleichermaßen

–, setzt Psotta mit der 2022 gegründeten

mitAussicht Göttingen GmbH um.

Die neu errichtete Anlage reagiert genau hierauf.

Sie umfasst zwei Gebäude mit insgesamt

20 Wohnungen zwischen 65 und 130 Quadratmetern,

einige davon als Maisonette ausgeführt.

Alle Einheiten sind barrierefrei konzipiert,

zwei davon explizit behindertengerecht. Großzügige

Balkone und Dachterrassen gehören zur

Grundausstattung. Auffällig ist jedoch weniger

die äußere Gestaltung als vielmehr die planerische

Flexibilität im Inneren: Dank Trockenbauweise

lassen sich Grundrisse vergleichsweise

unkompliziert anpassen – sowohl während der

Bauphase als auch später im Bestand.

BLICK AUF WICHTIGE DETAILS

Ein Schwerpunkt liegt auf bauphysikalischen

Details. So sind beispielsweise die Treppenhäuser

komplett zweischalig hergestellt, quasi

in einem separaten Turm ausgelagert, um

Schallübertragungen in die Wohnbereiche zu

minimieren. „Wir sparen nicht an der falschen

Stelle“, beschreibt Psotta den Ansatz, gezielt

in solche konstruktiven Lösungen zu investieren,

die sich im Alltag bemerkbar machen.

Auch energetisch und ökologisch orientiert sich

das Projekt an aktuellen Standards. Gebaut

wird nach den Kriterien des Qualitätssiegels

Nachhaltiges Gebäude (QNG), das insgesamt

19 Anforderungen umfasst – von Wärmedämmung

über Ressourceneinsatz bis hin zu Schallund

Einbruchschutz. Dazu zählt auch der Einsatz

nachweislich nachhaltig bewirtschafteter

Materialien. „Da ist ein sehr großer Aufwand zu

betreiben, bis man dieses Zertifikat bekommt“,

erklärt Psotta. Dieses Zertifikat mache sich zusätzlich

über steuerliche Vorteile und Vorteile

bei der Finanzierung bezahlt.

HEISSWASSER-KONZEPT UND E-SÄULEN

Die Wärmeversorgung erfolgt über eine

zentrale Wärmepumpe, die das Wasser in

die Wohnungen führt. Erst dann wird es bei

Bedarf und nur in der erforderlichen Menge

über eine dezentrale elektrische Nacherhitzung

auf die gewünschte Temperatur gebracht.

Ergänzend sind alle Stellplätze in der

Tiefgarage für Elektromobilität vorbereitet,

inklusive Anschlüssen für Wallboxen und

E-Bikes. Die Parkebene selbst ist großzügig

dimensioniert und barrierefrei zugänglich.

Und der Vermarktungsstand deutet auf

eine stabile Nachfrage hin: 80 Prozent der

gesamten Wohnfläche sind bereits verkauft.

Für Psotta steht dabei weniger die kurzfristige

Bilanz im Vordergrund als vielmehr die

langfristige Nutzung: „Es ist mir wichtig,

dass die Bewohner sich um ihre eigenen Dinge

kümmern können – und nicht um Probleme

mit dem Gebäude.“

Markus Hartwig

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wissen

REKORDJAHR FÜR „LIFT-OFF“:

74 Teams, starke Ideen, große Bühne

So viele Gründungsideen wie nie: Beim „Lift-Off“-Finale der Universität Göttingen

präsentierten neun Teams vor über 200 Gästen ihre Projekte und sicherten sich Preise

im Gesamtwert von mehr als 43.000 Euro. Seit der ersten Auflage vor zehn Jahren

unterstützt faktor den Wettbewerb als Medienpartner – so auch in diesem Jahr.

TEXT STEFAN LIEBIG FOTOS CHRISTOPH MISCHKE

Der Gründungswettbewerb „Lift-Off“ der Universität Göttingen setzt neue Maßstäbe: Zehn

Jahre nach der Premiere zeigte sich der Wettbewerb in diesem Jahr so stark wie nie – mit

wachsender Resonanz aus Wissenschaft und Studentenschaft, der verlässlichen Medienpartnerschaft

mit faktor sowie einer steigenden Zahl innovativer Ausgründungsideen.

Im Finale überzeugten insbesondere Projekte mit klarem Praxisbezug und gesellschaftlicher

Relevanz. So sicherte sich „MT Protect“ den ersten Platz in der Kategorie „Gründungspotenziale“

mit Schutzhüllen für Insulinpumpen. In der Kategorie „Wissenschaft“ wurde

„PathoPress“ ausgezeichnet, das eine neue Methode zur Verbesserung der Tumordiagnostik

entwickelt hat. Weitere prämierte Teams arbeiteten unter anderem an KI-Lösungen für die

Medizin, nachhaltigem Wildtiermanagement sowie digitalen Ansätzen zur Gewaltprävention.

Insgesamt wurden Preisgelder und Sachleistungen im Wert von über 43.000 Euro vergeben,

ermöglicht durch das Engagement von 17 Sponsoren. Die Bedeutung des Wettbewerbs unterstrich

auch die Hochschulleitung: „Besonders im Jubiläumsjahr freuen wir uns sehr über die

stetig wachsende Anzahl von Projekten und wissenschaftlichen Ausgründungen“, sagte Vizepräsident

Bernhard Brümmer. Aus dem Transfer & Startup Hub hieß es zusammenfassend:

„Ein Jahrzehnt, in dem aus ersten Ideen echte Unternehmen geworden sind, die die Region

Südniedersachsen mit ihren Innovationen prägen.“

KONTAKT

JASMIN DÜWELL

Georg-August-Universität Göttingen

Abteilung Forschung und Transfer

Transfer & Startup Hub Universität Göttingen

Geismar Landstraße 11

37083 Göttingen

Tel. 0551 3921731

jasmin.duewell@uni-goettingen.de

www.uni-goettingen.de/de/655032.html

SONDERPREISE

Life Science (7000 Euro Preisgeld):

Avor Medical Intelligence

KI-gestützte Therapieentscheidungen

in der Onkologie

Zukunftsfähige Landnutzung

(4000 Euro Preisgeld):

GridHunt

Vorhersage von Populationsbewegung

von Wild

Social Entrepreneurship

(4000 Euro Preisgeld):

Patrona

Gewaltpräventions-App für Frauen

bei häuslicher Gewalt

88 2 | 2026


KATEGORIE GRÜNDUNGSPOTENZIAL

DIE PREISTRÄGER

wissen

1. PLATZ MT PROTECT –

SCHUTZ FÜR LEBENSWICHTIGE

MEDIZINTECHNIK

(7000 Euro Preisgeld, 1250 Euro Coachingmittel,

außerdem Publikumspreis, 2000 Euro Preisgeld)

„Wir entwickeln Schutzlösungen für Insulinpumpensysteme, die Betroffenen

mehr Sicherheit und damit Lebensqualität im Alltag bieten“, so fasst das Team

von MT Protect seine Idee für mehr Sicherheit für Insulinpumpensysteme im Alltag

zusammen. Insulinpumpensysteme sind für viele Menschen mit Diabetes

lebenswichtige Therapiesysteme, deren Ausfall direkte gesundheitliche Folgen bis

hin zu lebensgefährlichen Situationen haben kann. Gleichzeitig sind die sensiblen

Geräte im Alltag permanent äußeren Belastungen wie Stößen, Feuchtigkeit und

mechanischen Einwirkungen ausgesetzt, besonders beim Sport, im Beruf oder im

aktiven Leben. Genau hier besteht eine kritische Versorgungslücke, da es bislang

keine spezialisierte und gleichzeitig effiziente Schutzlösung für diese sensiblen

Systeme gibt. MT Protect setzt genau an dieser Versorgungslücke an und entwickelt

eine Lösung, die erstmals zu einem sichereren Einsatz von Insulinpumpensystemen

im Alltag beiträgt. Dadurch wird das Risiko technischer Ausfälle

reduziert und die Versorgungssicherheit erhöht. Menschen mit Diabetes

können ihren Alltag bewusst geschützt aktiver, freier und sicherer gestalten. Die

Innovation entstand aus eigener Betroffenheit und verbindet praxisnahe Erfahrung

mit technischer sowie unternehmerischer Kompetenz. Während bestehende

Lösungen überwiegend Komfort bieten, versteht sich MT Protect als grundlegender

Bestandteil moderner Medizintechniknutzung.

Ines Dietze (Sparkasse Göttingen, links) und Petra Broistedt

(Oberbürgermeisterin Stadt Göttingen, rechts) übergaben den

ersten Preis für Gründungspotenziale an das MT-Protect-Team in

Person von Merle Schindler und Tom Schnabel.

KONTAKT

merle.schnabel@gmail.com

2. PLATZ DEDOC.MED – QUALITÄTSSICHERUNG

FÜR MEDIZINISCHE DOKUMENTATION

(5000 Euro Preisgeld)

Paul Gräve (2.v.r.) und Sebastian Schmale (2.v.l.)

von dedoc.med bekamen den zweiten Preis für

Gründungspotenziale von Ines Dietze (links)

und Petra Broistedt.

KONTAKT

paul@dedoc.med | www.dedoc.med

„Medikationsfehler und interne Widersprüche in Arztbriefen gefährden Patienten. dedoc.med

deckt die Fehler auf – automatisch und verlässlich“, versprechen die dedoc.med-Erfinder

selbstbewusst. Sie wissen, dass medizinische Dokumentation weit mehr als Verwaltungsaufwand

ist: Fehlerhafte Arztbriefe können Behandlungsfehler begünstigen, Abrechnungen

blockieren und juristische Risiken schaffen, während die Dokumentationslast für klinisches

KONTAKT

Personal stetig wächst. dedoc.med ist eine KI-gestützte Qualitätssicherungsplattform für

lea-deutsch@gmx.de

medizinische Dokumentation. Die Plattform analysiert Texte automatisch auf formale Mängel,

inhaltliche Inkonsistenzen und Abweichungen von klinischen Leitlinien. Sie markiert kritische

Stellen mit direkten Quellenverweisen. Korrekturen aber nimmt das System bewusst nicht vor,

damit ärztliche Entscheidungshoheit vollständig erhalten bleibt. Das Alleinstellungsmerkmal

ist der Fokus auf Qualitätssicherung: Während andere KI-Lösungen auf eine Effizienzsteigerung

durch eine automatische Erstellung von Arztbriefen setzen, stellt dedoc.med die

medizinische Korrektheit sicher – egal, ob der Text von einem Mensch oder einer KI verfasst

wurde. Dabei entsteht eine Datenbank klinischer Inkonsistenzen, damit kein Fehler zweimal

unentdeckt bleibt. Hinzu kommen die datenschutzkonforme Infrastruktur der GWDG Göttingen

und die Positionierung unterhalb der Schwelle der EU-Medizinprodukteverordnung für

schnellen Marktzugang. Zielgruppe sind Kliniken und Facharztpraxen.

2 |2026 89


wissen

KATEGORIE WISSENSCHAFT

1. PLATZ PATHOPRESS –

DIAGNOSTIK BEI TUMORERKRANKUNGEN

(7000 Euro Preisgeld, 1250 Euro Coachingmittel)

Staatssekretär Joachim Schachtner (links) und

Sernet-Gründer und -Ex-Geschäftsführer Johannes Loxen

(rechts) verliehen dem PathoPress-Team (Pedro Gebhardt

Apalategui und Friederieke Mölk, auf dem Foto fehlt Philipp

Ströbel) den ersten Preis in der Kategorie Wissenschaft.

KONTAKT

p.gebhardtapalateg@stud.uni-goettingen.de

Eine der größten Herausforderungen der modernen Medizin besteht darin, sicherzustellen,

dass jeder Patient die wirksamste, individuell abgestimmte Therapie erhält,

insbesondere in komplexen Fällen wie Darmkrebs. Behandlungsansatz und Langzeitprognose

hängen vom Stadium der Krebserkrankung ab, insbesondere davon, ob

sich der Krebs auf regionale Lymphknoten ausgebreitet hat. Die genaue Beurteilung

des Lymphknotenstatus ist daher ein entscheidender Schritt im Bezug auf die Therapie.

Bei der Operation von Darmkrebs werden der Primärtumor und das umliegende

Gewebe, einschließlich des Lymphknoten enthaltenden Fettgewebes, entfernt. Das

Vorhandensein oder Fehlen dieser Metastasen bestimmt den weiteren Verlauf:

Patienten ohne Lymphknotenbefall können unnötige Chemotherapien vermeiden. Im

Jahr 2009 stellten Basten et al. eine vielversprechende Lösung vor: die Anwendung

von kontrolliertem Druck auf das Fettgewebe. Dennoch blieb eine wesentliche Einschränkung

bestehen: Jedes pathologische Labor musste sein eigenes provisorisches

Gerät zusammenbauen. Diese Vorrichtungen waren ineffizient, neigten zu Verstopfungen

und verursachten oft Gewebeschäden oder -verluste. Das Team von

PathoPress erklärt seinen prämierten Ansatz: „Wir gehen dieses klinisch relevante

Problem direkt an und entwickeln eine elektrische Presse, die alle Probleme löst. Derzeit

wird das Gerät in der Abteilung für Pathologie am UMG getestet und ist nun auf

dem besten Weg, ein zuverlässiges, standardisiertes Werkzeug zur Verbesserung der

Krebsdiagnostik zu werden.“

2. PLATZ PHONOMATICS –

KI-BASIERTE DIAGNOSTIK VON

KINDERSPRACHE

(5000 Euro Preisgeld)

Sprache ist der Schlüssel zu erfolgreicher Bildung und sozialer Teilhabe. Das rechtzeitige

Erkennen von Förder- oder Therapiebedarfen hat deshalb einen hohen Stellenwert. In der

Praxis stehen Fachkräfte aus dem Bildungs- und Gesundheitssektor dabei aber oft unter

enormem Druck. Gesetzlich verpflichtende Sprachstandserhebungen in Kitas oder U-Untersuchungen

sollen frühzeitig Klarheit schaffen – oft jedoch unter Zeitmangel, mit begrenzten

diagnostischen Mitteln und ohne spezialisierte linguistische Ausbildung. Genau hier setzt

Phonomatics an: „Wir entwickeln in einem interdisziplinären Team seit 2019 an der

Leibniz-Universität Hannover eine eigene KI, die natürliche kindliche Alltagskommunikation

automatisch erkennt und analysiert.“ Die neue Software ermöglicht eine kontinuierliche,

objektive und wissenschaftlich fundierte Einschätzung der Sprachentwicklung – direkt im

Alltag, ohne künstliche Testsituationen für die Kinder. Phonomatics entlastet Fachkräfte,

indem komplexe sprachliche Analysen automatisiert, transparent und nachvollziehbar bereitgestellt

werden. Das Entwicklerteam bekräftigt: „Wir stellen ein KI-Lösung, die Fachkräfte

aus dem Gesundheits- und Bildungssektor in der Diagnostik von Kindersprache entlastet

und ihnen Sicherheit gibt, zur Verfügung. So nehmen wir Fachkräften nicht ihre Verantwortung

ab – aber wir nehmen ihnen die Unsicherheit.“ Das System liefert klare, datenbasierte

Handlungsempfehlungen bei Fragen wie: Wann ist eine weiterführende Diagnostik sinnvoll?

Wie kann Sprachförderung individuell gestaltet werden?

Staatssekretär Joachim Schachtner (links) und Sernet-Gründer

Johannes Loxen (2. v. l.) verliehen den zweiten Preis der

Wissenschafts kategorie an die Entwickler von Phonomatics (v.l.):

Matthias Koerbs, Hanna Ehlert, Lars Rumberg und Chris topher

Gebauer. Auf dem Foto fehlen Edith Beaulac und Yannik Remke.

KONTAKT

ehlert@tnt.uni-hannover.de

90 2 | 2026


wissen

„Der gesunde

Mensch tanzt!“

Prof. Dr. Arndt Schilling ist selbst Mehrfachgründer und auch immer wieder an

Lift-Off-Gründungen beteiligt. Er sieht sich als Mediator in der Konzeption von

Start-up-Projekten – und erklärt, warum diese Funktion so wichtig ist.

Was ist das Spannende am Wettbewerb Lift-Off und

eventuell daraus entstehenden Start-ups?

Ich liebe meinen Job und wie ich dabei der Natur hin und

wieder in die Karten schauen kann. Üblicherweise schreiben

wir Forscher dann darüber, es lesen zwei oder drei

andere Experten und das war's dann. Wenn sich aber eine

Idee zu einem Start-up entwickelt, wird es noch interessanter:

Plötzlich arbeitet ein Team daran, ein Forschungsergebnis

in ein marktfähiges Produkt umzuwandeln. Lift-

Off ist wichtig, um ein Forum für die Projekte zu haben.

Nennen Sie bitte ein Beispiel.

Mit der ausgegründeten Digity GmbH wollten wir

Handroboter entwickeln, die Fingerversteifung bei

Komapatienten verhindert. Daraus wurde dann ein

Exoskelett, das beispielsweise die Finger von Waschmaschinenbauern,

die ständig Dichtungsringe andrücken

müssen, entlastet. Als ich in München an der TU arbeitete,

entwickelte ein Student eine 3D-Kamera zur Überwachung

von Wundheilungsprozessen. Es ist so abwechslungsreich

und sinnvoll, solche Projekte in die

Praxis zu überführen. Sie dienen dem Wohlbefinden von

Menschen – und der gesunde Mensch tanzt, wenn ich

meinen Vater zitieren darf.

Was lässt sich optimieren, um Start-ups zu helfen?

Zum einen unterstütze ich konkrete Projekte als Mediator.

Denn Mediziner, Ingenieure und Ökonomen, die

man für ein Start-up braucht, denken grundsätzlich unterschiedlich:

Der Mediziner begegnet einem Problem

mit einer Testreihe, der Ingenieur analysiert das Problem

und der Ökonom denkt gleich an die Vermarktungsmöglichkeiten.

Es ist wichtig, dass alle an einem Strang

ziehen. Zum anderen sollten mögliche Investoren steuerlich

bessergestellt werden. Im Silicon Valley oder in

Singapur herrscht wegen besserer Rahmenbedingungen

ein viel aktiveres Gründungsklima.

Vielen Dank für das Gespräch!

ZUR PERSON

Prof. Dr. med. Arndt Schilling ist Mediziner mit Schwerpunkt

in der Unfallchirurgie, Orthopädie und plastischen

Chirurgie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). In

seiner Funktion als Head of Research & Development

verbindet er klinische Praxis mit der Überführung wissenschaftlicher

Erkenntnisse in konkrete medizinische Anwendungen

und sieht sich verantwortlich „für alles, was

mit Bewegung und Wohlbefinden zu tun hat“. Bevor er

2016 nach Göttingen wechselte, war er als außerordentlicher

Professor an der Technischen Univer sität München

(2010 – 2016) und als Assistenzarzt und -professor an der

TU Hamburg (2001 – 2008) tätig.

2 |2026 91


Mehr Wert. Mehr Komfort.

Willkommen im

Südharz

Ein Ort zum Ankommen, Abschalten und

Auftanken. Im Schindelbruch erwartet Sie der

Außenpool „Granitquell 25“.

• 25 Meter langer, ganzjährig beheizter Natursteinpool

• Gefertigt aus neun massiven Blöcken bayerischen Urgesteins

• Eingebettet in die Ruhe des Hotelparks

• Kulinarische Angebote am Pool ab Herbst 2026

NEUE LIEBLINGSORTE IM

NATURRESORT & SPA SCHINDELBRUCH!

Mit der neuen BBQ Lounge „Kokon“ erweitert das

Naturresort & Spa Schindelbruch sein Angebot um

einen besonderen Ort für entspannte Abende und

gemeinsame Genussmomente.

In naturnaher Atmosphäre verbindet der „Kokon“

stilvolles Ambiente mit geselligen Stunden im Harz.

Ab September 2026 begrüßen wir Sie im neuen

„Kokon“.

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kompakt

wissen

Parkinson-Forschung

Millionen für die UMG

EIN INTERNATIONALES KOOPERATIONS-

PROJEKT unter Beteiligung der Universitätsmedizin

Göttingen (UMG) erhält von

der Forschungsinitiative „Aligning Science

Across Parkinson’s“ eine Förderung von

rund 7,7 Millionen Euro für drei Jahre.

Davon gehen knapp 1,8 Millionen Euro

an die UMG, dem einzigen deutschen Partner

im Projekt. Ziel der Studie ist es, die

molekularen Mechanismen besser zu verstehen,

die zur Entstehung der Parkinson-

Krankheit beitragen. Die Erkenntnisse

könnten langfristig den Weg für neue

Therapieansätze ebnen.

Parkinson ist durch ein schrittweises

Absterben von Nervenzellen im Gehirn

gekennzeichnet, was zu verlangsamten Bewegungen,

Zittern, versteiften Muskeln

sowie Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen

führen kann. Laut Dachverband

Parkinson’s Europe sind derzeit weltweit

mehr als zehn Millionen Menschen von dieser

Krankheit betroffen. Die molekularen

Mechanismen, die der Krankheit zugrunde

liegen, sind bisher nicht vollständig geklärt,

sodass derzeit keine Heilung in Sicht ist.

Praxisbezogene Untersuchung

Mobilität im Handwerk

DIE METROPOLREGION Hannover Braunschweig

Göttingen Wolfsburg hat gemeinsam

mit den regionalen Handwerkskammern

ein neues Projekt gestartet, um die

Mobilitätsbedarfe des Handwerks zu untersuchen

und Handlungsempfehlungen zu

entwickeln, damit die Anforderungen der

Betriebe in der Verkehrsplanung künftig

stärker Berücksichtigung finden.

Unterstützung kommt vom ifh Göttingen,

vom Volkswirtschaftlichen Institut für

Mittelstand und Handwerk an der Uni

Göttingen sowie vom Institut für Verkehrssystemtechnik

des Deutschen Zentrums für

Luft- und Raumfahrt. Das Projekt wird mit

rund 90.000 Euro vom Amt für regionale

Landesentwicklung Leine-Weser gefördert.

FOTO: PIXABAY

Innovationspreis

Neues Forum für Ideen

MIT 161 EINREICHUNGEN verzeichnet der

Innovationspreis der Region Göttingen

Northeim in diesem Jahr die höchste Bewerbungszahl

seit Bestehen des Wettbewerbs.

Der bisherige Rekord lag bei 132

Bewerbungen im Jahr 2024; im Vorjahr

waren 130 Einsendungen eingegangen.

Eine Jury bewertet nun die eingereichten

Projekte. Die Gewinner werden am 8. Oktober

2026 im PS.Speicher in Einbeck bekannt

gegeben. Der Innovationspreis wird

in diesem Jahr zum 24. Mal vergeben.

Ein neuer Baustein ist in diesem Jahr das

„Forum für Ideen“, das am 14. September

2026 von 10 bis 14 Uhr im Zufall.lab in

Göttingen stattfindet. Die öffentliche und

kostenfreie Veranstaltung soll den Austausch

zwischen Bewerbern sowie weiteren

Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft,

Bildung und regionalen Netzwerken

fördern. „Wir möchten die Teilnehmenden

miteinander ins Gespräch bringen, Kooperationen

anstoßen und ein Netzwerk

von Innovatorinnen und Innovatoren in

der Region aufbauen“, so Innovationspreis-Projektleiterin

Frederike Breyer.

Standort Freiburg

Sartorius investiert in

Zell- und Gentherapien

SARTORIUS hat in Freiburg ein neues

Kompetenzzentrum für die Entwicklung

und Produktion qualitätskritischer Materialien

für den Zell- und Gentherapiemarkt

eröffnet. Im Breisgau stellt das Unternehmen

essenzielle Komponenten wie Zytokine

oder Wachstumsfaktoren her, die in den

neuartigen Therapien zum Einsatz kommen

sollen. Mehr als 140 Millionen Euro

investiert der in Göttingen sitzende Konzern

in das aufstrebende Geschäftsfeld.

Zell- und Gentherapien gewinnen weltweit

stark an Bedeutung und machen laut

Sartorius schon heute rund 30 Prozent

der Entwicklungs-Pipelines für Medikamente

aus.

340.000 Euro Förderung für Projekt an der Uni Göttingen

KI-Texte entlarven und Plagiate besser erkennen

IM ZEITALTER VON KI, in dem generierte

Texte kaum noch von menschen gemachten

zu unterscheiden sind, stellen sich zentrale

Fragen: Woran erkennen wir den Ursprung

eines Textes? Und wie verstehen Maschinen

sprachliche Feinheiten? Damit beschäftigen

sich Wissenschaftler im Forschungsprojekt

„Paraphrase Types“ an der Uni Göttingen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert

das Vorhaben über drei Jahre mit rund

340.000 Euro.

„Wir gehen davon aus, dass einige große

Sprachmodelle wie ChatGPT bestimmte

Änderungen häufiger oder anders verwenden

als menschliche Autoren“, erklärt

Dr. Terry Ruas von der Forschungsgruppe

„Analyse wissenschaftlicher Informationsressourcen“.

Wer diese „Fingerabdrücke“

entschlüsselt, könne KI-Texte zuverlässiger

identifizieren. Die Forscher wollen genau

diese feinen Unterschiede sichtbar machen.

„Dieser Ansatz hat große praktische Relevanz,

weil ein besseres Verständnis von

KI-Generierungsmethoden unter anderem

die Plagiatserkennung revolutionieren

könnte“, sagt Forscher Dr. Jan Philip Wahle.

Ziel sei es, KI nicht nur transparenter, sondern

auch nützlicher für die Gesellschaft zu

machen – etwa in Form einer App, die komplexe

Behördentexte automatisch in einfache

Sprache umwandelt.

Das Projektteam arbeitet mit Forschern in

Japan zusammen. Alle Modelle und Datensätze

sollen öffentlich zugänglich gemacht

werden, um die Weiterentwicklung transparenter

KI-Systeme zu fördern.

2 |2026 93


leben

Die Galopprennbahn in Bad Harzburg bildet die Kulisse für die Yellow Jockey Open Airs –

in diesem Jahr bereits zum dritten Mal.

94 2 |2026


leben

Wo Spektakel

keine Großstadt

braucht

Immer wieder treten große Künstler auf der Northeimer

Waldbühne auf. Auch in Bad Harzburg hat sich eine

Open-Air-Location für namhafte Live-Events etabliert.

Zwei echte Erfolgsgeschichten – die allerdings

unterschiedlicher kaum sein könnten.

TEXT MARKUS RIESE

FOTO: MINER’S ROCK UG

2 |2026 95


leben

Drei Mal war Johannes Oerding

bereits auf der Northeimer Waldbühne

zu Gast – in diesem Jahr

kommt er nach Bad Harzburg.

FOTO: YVONNE GOLDSCHMIDT

Es sind beachtlich große Namen, die auch in

diesem Jahr wieder auf der Waldbühne in

Northeim zu Gast sind: ZZ Top, Michael

Patrick Kelly, Fury in the Slaughterhouse,

Foreigner, Sean Paul – das Line-Up hält mühelos

den Standard, den die Veranstalter seit 2022 regelmäßig

hier anbieten. Wobei: Eigentlich begann die Erweckung

der Waldbühne aus ihrem Dornrös chenschlaf

schon deutlich früher: „Die ersten Konzerte haben wir

bereits in den Jahren 2008 und 2009 dort veranstaltet.

Unter anderem In Extremo und Tangerine Dream. Damals

mit und Dank unserem Partner Karl Schrader vom

Exil in Göttingen, der uns die Bühne nahe gebracht hatte“,

erinnert sich Dirk Sadlon, Geschäftsführer der Living

Concerts GmbH aus Hannover, die neben der Waldbühne

in Northeim auch viele weitere Locations bespielt. Leider

habe es dann allerdings erneut eine längere Pause gegeben,

„aufgrund diverser ungünstiger Umstände“, so Sadlon.

2020 sollte es dann eigentlich weitergehen – mit einem

Konzert von Johannes Oerding. Doch das musste coronabedingt

ebenfalls noch mal um zwei Jahre verschoben

werden. „Seitdem sind wir nun aber regelmäßig jedes

Jahr mit vielen Konzerten in Northeim“, weiß der Agenturchef

zu berichten. Und Living Concerts bringt tatsächlich

nicht irgendwen nach Northeim – sondern ausschließlich

bekannte nationale und internationale Stars

aus dem oberen Regal. Nach Oerding kamen noch Rea

Garvey, Alvaro Soler, Max Giesinger, Alice Cooper, Sarah

Connor, Billy Idol, Howard Carpendale, LEA, Samu

Haber, Chris de Burgh und Jan Delay. Fury in the

Slaughterhouse kommen in diesem Jahr bereits zum

zweiten Mal; Oerding war sogar schon dreimal da.

Als Wiederbelebung sieht der Living-Concerts-Chef

sein Engagement aber nicht wirklich: „Die große Zeit

der Waldbühne in den 1990er-Jahren habe ich persönlich

gar nicht mitbekommen, kenne das nur aus Erzählungen.

Eigentlich wollten wir hier nicht unbedingt an

die Vergangenheit anknüpfen, sondern eher etwas Neues

aufbauen. Dass das bei vielen Besucherinnen und Besuchern

einer Wiederbelebung gleichkommt, ist für uns

aber auch irgendwie eine schöne Metapher.“

FÜR NORTHEIMS BÜRGERMEISTER Simon Hartmann

(SPD) ist es wesentlich mehr als das: „Die Waldbühne

gehört zu den emotionalsten Themen und legendärsten

Orten in Northeim und der gesamten Region. Fast alle,

die ich kenne, waren schon mehrfach auf der Waldbühne.

Sie sind mit ihr groß geworden, haben legendäre

Partys und Konzerte dort gefeiert. Dass dieses einmalige

Open-Air-Juwel mitten im Wald reaktiviert werden

konnte, gehört zu den schönsten und wichtigsten Projekten

meiner Amtszeit“, schwärmt der Verwaltungschef.

Northeim habe dadurch bundesweit an Aufmerksamkeit

und Renommée gewonnen.

Es sei außerdem spürbar, dass Hotels und Pensionen,

die Gastronomie und der Einzelhandel von den rund

40.000 Konzertbesuchern pro Jahr profitieren. „An den

Konzertwochenenden ist die Stadt sehr gut besucht, und

wir treffen überall fröhliche Menschen. Genau darauf

wollen wir aufbauen und gemeinsam mit der neu gegründeten

Northeimer Gesellschaft für Wirtschaftsförderung,

Marketing und Tourismus Konzepte entwickeln,

die diesen Erfolg nachhaltig steuerbar macht“,

sagt Hartmann.

96 2 |2026


leben

EINEN KONKURRENZKAMPF, etwa mit dem Oberzentrum

Göttingen und den dortigen Event-Locations wie

Lokhalle oder Stadthalle, kann der Northeimer Bürgermeister

indes nicht erkennen: „Ich möchte, dass Northeim

als Bestandteil einer starken und wachsenden Region

wahrgenommen wird.“ Alle, die in Verantwortung

stehen, hätten erkannt, dass zusammen mehr erreicht

werden könne. „Deswegen freue ich mich über das großartige

kulturelle und musikalische Programm in ganz

Südniedersachsen. Und ich bin glücklich, dass die Städte

und Gemeinden und die Veranstalter in ihre Spielstätten

investieren. Ich bin sicher, dass da in Zukunft noch mehr

gehen wird. Auch und vor allem gemeinsam.“

Auf Gemeinsamkeit setzt auch Living-Concerts-Chef

Sadlon. Northeim habe „richtig Lust auf Konzerte“,

und dementsprechend gebe es eine „hervorragende Zusammenarbeit

mit der Stadt Northeim, dem Technischen

Hilfswerk, der Polizei, dem Busunternehmen Weihrauch

Uhlendorff, vielen weiteren Unternehmen und Organisationen

sowie nicht zuletzt mit dem direkt nebenan gelegenen

Hotel Freigeist“.

Sowohl die Waldbühne in Northeim als auch die Rennbahn in

Bad Harzburg punkten mit Atmosphäre und Publikumsnähe.

FOTO: MINER’S ROCK UG

DAS ENGAGEMENT vor Ort stimmt also. Trotzdem

braucht es natürlich auch immer wieder namhafte

Künstler, um die Erfolgsgeschichte fortschreiben zu

können. Die zu bekommen, ist inzwischen deutlich einfacher

als noch vor einigen Jahren. Sadlon: „Es hat sich

mittlerweile herumgesprochen, dass die Waldbühne eine

fantastische Location ist. Vor allem die Form des

Amphitheaters mit der Sicht auf das Publikum begeistert

Künstlerinnen und Künstler immer wieder. Dazu die

stimmungsvolle Lage mitten im Wald. Northeim ist zwar

eine kleinere Stadt, aber das Einzugsgebiet ist groß.“ Ein

wesentlicher Teil des Publikums komme aus der Region:

„Als Einzugsgebiet kann man einen Radius von 100 Kilometern

sehen. Aber es kommen auch Fans aus größerer

Entfernung und verbinden das Konzert mit einem

Kurzurlaub – vor allem, wenn die Künstler nur wenige

Auftritte in Deutschland spielen.“

BÜRGERMEISTER HARTMANN wird all das gern hören.

Für ihn ist die Waldbühne, die bereits in den 1930er-

Jahren gebaut wurde, „wirklich eine Herzensangelegenheit“.

Jedes Konzert, jede Party, die er auf der Waldbühne

besucht habe, sei ein besonderes Highlight gewesen.

„Ein ganz besonderer Moment war aber das Konzert

von Johannes Oerding im Jahr 2022. Es war das

erste Konzert nach dem Restart unserer Waldbühne, und

es war nach der Corona-Pandemie auch eine der ersten

großen Veranstaltungen überhaupt in unserer Stadt. Die

Menschen und auch der Künstler selbst waren einfach

begeistert, unendlich fröhlich. Man spürte, dass da eine

ganz besondere Aufbruchstimmung in der Luft lag.“ ▸

2 |2026 97


leben

FOTO: MINER’S ROCK UG

Veranstalter und Künstler lassen sich einiges einfallen, um die Zuschauer zu begeistern – wie hier in Bad Harzburg.

Wenn Hartmann Oerding in diesem Jahr erneut live

sehen möchte, muss er seine Stadt allerdings verlassen

und in den Nachbarlandkreis fahren. Deshalb an dieser

Stelle: Ortswechsel, 50 Kilometer Luftlinie in Richtung

Nordosten. Kaum eine Autostunde entfernt von der

Northeimer Waldbühne liegt die Galopprennbahn Bad

Harzburg. Auch die hat sich inzwischen einen Namen

als besondere Freiluft-Konzert-Location gemacht – allerdings

mit einem anderen Konzept als in Northeim.

Seit 2024 veranstaltet die Miner's Rock UG aus Goslar

unter dem Label „Yellow Jockey“ an jeweils einem

Wochenende im Sommer drei Konzerte an drei aufeinander

folgenden Tagen. Wie bei einem Festival werden dann

sogar Wohnmobil-Stellplätze vor Ort vermietet – für die

Fans, die gleich mehrere Tage bleiben wollen. In diesem

Jahr wird es erstmals vier Events an vier Tagen geben:

Neben Johannes Oerding sind Dick Brave, Matthias

Reim und zum zweiten Mal nach 2025 die „90s Super

Show“ angekündigt – diesmal unter anderen mit Whigfield,

Loona, East 17, Oli P., Bellini und DJ Quicksilver.

GESCHÄFTSFÜHRER SÖREN BEHME beschreibt, wie es

dazu kam: „Wir haben als Freundeskreis schon zuvor

über viele Jahre Konzerte an anderen Locations wie zum

Beispiel dem Rammelsberg in Goslar veranstaltet und

waren auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.

Ein guter Freund und heutiger Partner brachte dann die

Idee ins Spiel, auch einmal an die Rennbahn zu denken

– und dann ging es tatsächlich recht schnell.“

Parallele zu Northeim: Es gab vor Jahren schon einmal

Konzerte auf der Rennbahn, allerdings von unterschiedlichen

Veranstaltern und unter wechselnden Überschriften.

„Wir sind nun im dritten Jahr unterwegs und werden

2026 die Konzerte sieben bis zehn unter dem Label

Yellow Jockey Open Air durchführen. Eine solche Kontinuität

hat es an dieser Location bislang nicht gegeben“,

betont Behme.

EINE WEITERE ÄHNLICHKEIT ZUR WALDBÜHNE ist,

dass auch die Galopprennbahn quasi mitten im Grünen

liegt, umgeben von den Harzer Bergen. Behme und die

drei anderen Gesellschafter können hier auf eine Infrastruktur

zurückgreifen, die andernorts erst aufwendig

temporär errichtet werden müsste: Es gibt eine Tribüne,

eine Stromversorgung, feste Toilettenanlagen, Räumlichkeiten

für Künstler und Produktionsbüros sowie große

Parkflächen direkt am Gelände. „Insofern sind wir vermutlich

eines der Open-Air-Formate mit dem grünsten

Fußabdruck“, meint der Geschäftsführer.

Etwa ein Drittel der Konzertbesucher kommt den Veranstaltern

zufolge aus Bad Harzburg oder den direkt

umliegenden Städten wie Goslar oder Langelsheim, ein

weiteres Drittel kommt aus einem Umkreis von etwa

100 Kilometern – also aus Braunschweig, Hannover,

Wernigerode oder auch aus Göttingen. Das letzte Drittel

sind treue Fans der jeweiligen Künstler, die eine weitere

Anreise in Kauf nehmen – oder Urlaubsgäste, die ohnehin

im Harz sind.

98 2 |2026


leben

» Die Waldbühne gehört zu den

emotionalsten Themen und legendärsten

Orten in Northeim und der

gesamten Region.«

FOTO: STADT NORTHEIM FOTO: MINER’S ROCK UG

Bürgermeister Simon Hartmann

Die Northeimer Waldbühne entstand bereits in den 1930er-Jahren.

Und damit sich eine Konzertreihe rechnet, braucht es in

der Tat jede Menge zahlendes Publikum. Behme: „Unter

10.000 Besucherinnen und Besuchern an einem Wochenende

ist es wirtschaftlich kaum darstellbar, dafür sind

die Grundkosten für eine solche Veranstaltung zu hoch,

nicht nur bei uns.“ Zu diesen gehören nicht nur die

Künstlergagen und die Kosten für die Bühne inklusive

Technik und Licht, sondern beispielsweise auch die Kosten

für Personal, Miete, Catering, Versicherungen,

Sicherheit, GEMA, Energie, Steuerberater oder die Internetseite

nebst Webshop. „Das haben wir 2025 schmerzhaft

erfahren, da der Termin in den Sommerferien

schlicht nicht optimal war“, gesteht er ein.

Letztlich sei jedes neue Konzertwochenende auch immer

ein Risiko: „Notwendige Zwischenfinanzierungen

erhalten wir von den Banken nur, wenn wir Gesellschafter

auch persönlich haften. Das tun wir – und stellen uns

dabei durchaus regelmäßig die Frage, ob das richtig und

klug ist. So manche schlaflose Nacht hat es hier mit

Blick auf die Kalkulation und Ticketverkäufe auch

schon gegeben. Aber es ist das, was wir lieben. Insofern

folgt hier das Notwendige dem Willen.“

KLAR IST ABER AUCH: Die Stadt Bad Harzburg und die

Umgebung partizipieren inzwischen am Erfolg des noch

jungen Event-Formats. Behme: „Die Effekte sind deutlich

spürbar – etwa bei Übernachtungszahlen, Gästeund

Kurbeiträgen oder in unseren eigenen Umsätzen,

auf die wir Steuern zahlen. Dazu gehört auch die Wahrnehmung

des Harzes und speziell von Bad Harzburg.

Und auch der Einzelhandel und die Gastronomie profitieren.“

Zudem kooperieren die Veranstalter – soweit

möglich – mit lokalen Partnern, beispielsweise bei Getränken,

bei der Künstlerunterbringung, bei Fahrzeugen

oder beim Catering: „Da greifen wir auf Unternehmen

in der Nähe zurück.“

Im Gegenzug setzen Behme und seine Mitstreiter

dann aber auch auf den Support vor Ort: „Die Unterstützung

ist klar vorhanden, wofür wir sehr dankbar

sind. Insbesondere die Stadt Bad Harzburg, der Rennverein

als Hausherr und die breite Unterstützung durch

Sponsoren machen die Events möglich. Auch Institutionen

wie Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst stehen

an unserer Seite.“

Ohne die Unterstützung der regionalen Wirtschaft

würde es laut Behme nicht funktionieren: „Das Engagement

darf gern noch wachsen und vor allem langfristiger

werden. Denn wir buchen Künstler bereits heute für

2027 und 2028. Dafür brauchen wir auch finanzielle

Planungssicherheit – sonst ziehen unsere Familien

irgend wann den Stecker aus der Bühnenbeleuchtung.“ ▸

2 |2026 99


leben

FOTO: LIVING CONCERTS

Tausende Fans strömten für die Konzerte von Johannes Oerding zur Northeimer Waldbühne (hier ein Bild aus dem Jahr 2023).

DIE VIER GESELLSCHAFTER gehen alle regulären Berufen

nach und leben nicht von den Yellow Jockey Open

Airs – ein wichtiger Unterschied zur Waldbühne in

Northeim. „Alles, was mit den Konzerten zu tun hat,

machen wir in unserer Freizeit – an Wochenenden oder

nach Feier abend.“ In den Veranstaltungswochen selbst

nehmen sie dann sogar Urlaub, um sich voll auf die

Events fokussieren zu können. „Dazu haben wir als

Unterstützung auch einen großen Pool an Mitarbeitern

– viele davon Freunde –, die uns zum Teil seit vielen

Jahren bei Konzerten unterstützen. Sei es beim Aufund

Abbau, an den Theken, bei der Künstlerbetreuung,

beim Einlass, als Parkeinweiser oder bei der Reinigung

der Toiletten und des Geländes.“ Mehr als 50 Mitarbeiter

werden jedes Jahr angemeldet, damit alles reibungslos

funktioniert. Behme weiß: „Allein könnten

wir das Wochenende nicht mit vier Gesellschaftern bewältigen.“

NORTHEIM UND BAD HARZBURG: In beiden Städten

haben die Veranstalter mit unterschiedlichen Ansätzen

bemerkenswerte Erfolgsgeschichten geschrieben – und

damit bewiesen, dass es keine Großstadt braucht, um

große Stars in die Heimat zu holen. ƒ

100 2 |2026


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PROFIL

Florian, Britta und Walter Möller von der THE HARZ DISTILLERY GmbH.

„Wir leben für Genuss und Leidenschaft“

Die Ausflugsregion Harz ist um eine Attraktion reicher geworden: The HARZ DISTILLERY in Bad Lauterberg hat seit

Oktober 2025 für Besucher geöffnet. In der Region macht die Erlebnisdestillerie zunehmend von sich reden.

Seit fünf Generationen ist Familie Möller

mit dem Kräuter-Halb-Bitter Schierker

Feuerstein am Markt. In der The HARZ

DISTILLERY dreht sich nun alles um Gin,

Brände, Geiste, Liköre, Genuss und Erlebnis.

„Das Ziel war es, unsere Heimat Harz um ein

neues Ausflugsziel zu bereichern. Jetzt freuen

wir uns riesig, dass sich unsere Erlebnisdestillerie

herumspricht und die Menschen

neugierig sind auf das, was wir für die Region

geschaffen haben“, sagt Walter Möller,

Geschäftsführer von The HARZ DISTILLERY.

DAS AUSFLUGSZIEL mit Erlebnischarakter

steht für handwerkliche Brennkunst, die mit

Touren, Tastings und Events erlebbar wird.

Schon der Begriff Erlebnisdestillerie weckt Erwartungen

… die erfüllt werden: Aktuell bietet

The HARZ DISTILLERY monatlich die Guided

Tour an – eine geführte Tour durch die Destillerie

und die Ausstellung auf der Empore.

Dabei erhalten die Gäste spannende Einblicke

in die Welt der Spirituosenherstellung. Den

genussvollen Abschluss bildet ein Tasting mit

drei Destillaten. „Unsere Guided Tours sind

inzwischen sehr gefragt. Sie verbinden lebendiges

Wissen mit dem Erlebnis, mitten ins Herz

unserer Destillation zu schauen“, so Möller.

Wer lieber mit einer Self-Guided Tour individuell

auf Entdeckungstour in der Ausstellung

gehen möchte, kann die Destillerie während

der Öffnungszeiten eigenständig erkunden –

ein kleines Tasting inklusive.

IM STORE warten feinste Spirituosen, passende

Accessoires und mögliche Geschenke

– etwa ein gemeinsames Tasting, das Feierlichkeiten

unvergesslich macht. Sohn Florian Möller

erinnert sich an die Buchung einer Freundesgruppe:

„Die sechsköpfige Runde hatte

sich das Tasting gegenseitig geschenkt und wochenlang

darauf gefreut. Was uns dann besonders

zu Herzen geht, sind die Rückmeldungen

der Gäste: Viele bedanken sich für die tolle Zeit

bei uns und vor allem beim Store-Team, das so

intensiv berät, dass man ihre Liebe und Leidenschaft

förmlich spürt.“

Aber wo liegt nun der besondere Reiz dieser

Destillerie? Für Britta Möller keine Frage:

„Dass wir eine Erlebnisdestillerie sind! Wir

nehmen unsere Gäste mit hinter die Kulissen

und versuchen ihnen die Kunst der Spirituosenherstellung

näherzubringen. The HARZ

DISTILLERY vereint Wissen, Handwerkskunst,

Genuss und die Offenheit, Neues auszuprobieren.

Dieser Ort soll Menschen verbinden.“

ÖFFNUNGSZEITEN

Montag – Samstag: 10 – 18 Uhr

(außer an Feiertagen)

und an ausgewählten Sonntagen

The HARZ DISTILLERY GmbH

Zollweg 11

37431 Bad Lauterberg im Harz

www.theharzdistillery.de


leben

»Der kaufmännische Part innerhalb eines Kulturbetriebes

wird künftig eine existenzielle Funktion einnehmen.«

Markus Kuhlmann ist seit 1. August 2025 kaufmännischer Geschäftsführer

der Gandersheimer Domfestspiele.

FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA

102 2 |2026


leben

„Eher Chance

als schweres Erbe“

Mit Beginn der 67. Spielzeit der Gandersheimer Domfestspiele ist Markus Kuhlmann

seit fast einem Jahr kaufmännischer Geschäftsführer des größten niedersächsischen

Freilufttheaters. Im faktor-Interview blickt er auf arbeitsreiche Monate zurück –

und verrät, worauf er sich bei den diesjährigen Festspielen besonders freut.

INTERVIEW MARKUS RIESE

Herr Kuhlmann, wie lief denn Ihre erste komplette Vorbereitung

einer ganzen Saison?

Unglaublich, es ist wirklich schon wieder fast ein Jahr

her. Die Zeit ist so schnell vergangen, dass ich das gar

nicht bemerkt habe. Die Vorbereitung war so vielfältig,

dass nicht ein Tag ohne Veränderungen verging. Wirtschaftsplan,

Jahresabschluss, Fördermittelabrechnung

und -beantragung, Sponsorensuche, neues Marketingkonzept,

Behebung von Sanierungsstaus, Digitalisierung

der Verwaltung, Umgestaltung des Außenbereiches vor

der Freilichttribüne – das waren nur einige Themen, die

mich beschäftigt haben. Ich entschuldige mich vielmals

bei meinen Kolleginnen und Kollegen, die dieses wahnsinnige

Tempo mit mir mitgehen mussten. Aber es hat

sich gelohnt. Wir sind gemeinsam viele offene Themen

der Vergangenheit angegangen.

Vor Ihrem Amtsantritt gab es nicht immer nur positive

Schlagzeilen zur Geschäftsführung. Haben Sie ein schweres

Erbe angetreten – oder war Ihr Start eher Chance für die

Domfestspiele, ein paar Turbulenzen hinter sich zu lassen?

Ich schaue grundsätzlich nicht in die Vergangenheit,

wenn ich Führungsposten übernehme. Auch kritisiere

ich die vorherigen Geschäftsführungen nicht. Warum

auch? Die Vergangenheit kann man nicht ändern, und

jede Führungskraft hatte mit anderen Gegebenheiten zu

kämpfen. Ich denke, es ist jetzt an der Zeit, die Vergangenheit

ruhen zu lassen und mit Optimismus und Tatendrang

in die Zukunft zu schauen. Von daher ganz

klar eher Chance als schweres Erbe.

Die 66. Spielzeit war erfolgreich, die Besucherzahlen reichten

aber nicht ganz an die beiden ABBA-Jahre zuvor heran.

Spüren Sie einen gewissen Druck, gleich in Ihrer ersten

Spielzeit gute Zahlen liefern zu müssen?

Es ist zu berücksichtigen, dass in den beiden ABBA-Jahren

unter anderem auch Zusatztermine angeboten wurden. In

der vergangenen Spielzeit hatten wir mit Johnny Cash ein

Genre bedient, das deutlich weniger Fans aufweist als das

von ABBA. Trotzdem war das Musikstück wieder unsere

beliebteste Veranstaltung, mit sehr hohen Besucherzahlen.

Aber auch die Klassiker „Ein Sommernachtstraum“ und

„Cabaret“ erzielten eine hohe Auslastung. Daneben waren

unsere Studiostücke ausverkauft. Ein weiterer Grund

ist aber auch immer das Wetter. Je nach Wetterlage zieht

es mehr oder weniger Kurzentschlossene in das Freilichttheater.

Der Sommer war eher durchwachsen. Von daher

dürfen wir mit den Besucherzahlen mehr als zufrieden

sein, und diese lagen auch über den Planwerten.

Also kein Druck?

Nein, Druck verspüre ich nicht. Es überwiegt eher die

Vorfreude, unseren Gästen eine schöne Zeit zu ermöglichen.

Die überdurchschnittlichen Vorverkaufszahlen für

diese Saison lassen eine sehr gute Auslastung erahnen, die

an die ABBA-Jahre heranreichen. ▸

2 |2026 103


leben

Die Auswahl der neuen Stücke liest sich vielversprechend,

und im Ensemble gibt es einige neue Namen. Wie wichtig

sind aus Ihrer Sicht da die „bewährten Gesichter“?

Sie sind sicherlich wieder unsere Publikumsmagnete bei

den kommenden Inszenierungen und dienen gleichzeitig

als Vorbilder und Mentoren für die neuen Schauspielenden.

Allen voran Nadine Kühn, Dominik Müller und

Stephan Luethy ziehen seit Jahren die Besucherinnen

und Besucher in ihren Bann und haben ihre eigene Fanbase

in der Region. Mit Nadine Kühn und Sylvia Heckendorn

als jeweilige Ringpreisträgerinnen haben wir

die größten Publikumslieblinge der letzten Spielzeiten

unter Vertrag, die seinerzeit durch reine Zuschauervotings

prämiert wurden, Nadine sogar zweifach.

Und die Neuen im Cast?

Wiir haben fantastische neue Gesichter engagiert, die

sich ebenfalls ihren Namen an der Stiftskirche machen

werden. Bei den 20 Darstellerinnen und Darstellern ist

das Verhältnis zwischen bekannten und in Bad Gandersheim

noch unbekannten Gesichtern recht ausgewogen.

Sie waren zuletzt bei einem Energieversorger in Nordhausen

tätig, davor bei drei Eichsfelder Gesellschaften in Duderstadt

über elf Jahre Geschäftsführer. Jetzt die Domfestspiele:

Wie wichtig ist heute der kaufmännische Part der

Geschäftsführung bei einem Kulturbetrieb?

Der kaufmännische Part innerhalb eines Kulturbetriebes

wird künftig eine existenzielle Funktion einnehmen.

Neben den typischen Bereichen Finanzen, Rechnungsund

Personalwesen gewinnen die Bereiche Fördermittelund

Sponsorenakquise, Marketing und Budgetierung

zunehmend an Bedeutung. Leider ist zu erwarten, dass

die Fördermittel aufgrund der aktuellen Haushaltslagen

immer mehr in den Hintergrund treten werden, ohne jedoch

ganz zu verschwinden. Hier gilt es, neue Einnahmemöglichkeiten

(u. a. Catering, Merchandising) zu erschließen.

Hierfür haben wir bereits jetzt den Grundstein

gelegt und die Gandersheimer Domfestspiele markenrechtlich

schützen lassen. Auch neue, ergänzende Veranstaltungsformate

schließe ich in diesem Zusammenhang

nicht aus.

Sie sind in der Region verwurzelt, kommen aus Bilshausen

und haben in Göttingen studiert. Welchen Bezug hatten Sie

vor Ihrem Amtsantritt zu den Domfestspielen?

Die Antwort ist recht einfach, ich war zweimal zu Gast

bei den Domfestspielen, zu welchen mich ein damaliger

Sponsor im Rahmen meiner Stadtwerke-Geschäftsführertätigkeit

eingeladen hatte. Die Domfestspiele sind für

mich so gesehen komplettes Neuland, wobei ich aber

Rechnungswesen, Marketing und Personalführung

bran chenübergreifend ansehe und im Bereich Veranstaltungsmanagement

infolge meines jahrzehntelangen privat

begründeten Engagements Erfahrungen mitbringe.

Stimmungsvoll: Der Dom bietet vor allem bei den Abendvorstellungen eine

beeindruckende Kulisse.

ZUR PERSON

Markus Kuhlmann (54) ist Diplom-Kaufmann

und gelernter Steuerfachangestellter. Bevor er

die kaufmännische Geschäftsführung der

Gandersheimer Domfestspiele übernahm, war

er Ressortleiter Betriebswirtschaft & Vertrieb bei

der Energieversorgung Nordhausen GmbH.

Zuvor hatte sich Kuhlmann elf Jahre lang als

dreifacher Geschäftsführer (Eichsfelder Wirtschaftsbetriebe

GmbH, Eichsfelder Energie- und

Wasserversorgungs GmbH, Eichsfelder Blockheizkraftwerk

und Bäder GmbH) in Duderstadt um

das Finanz- und Rechnungswesen, die

Betriebsorganisation, den Personalbereich

sowie die Beantragung und Verwaltung von

öffentlichen Fördermitteln gekümmert. Studiert

hat er an der Uni Göttingen (Betriebswirtschaft).

Durch langjährige ehrenamtliche Tätigkeiten

besitzt Kuhlmann zudem vertiefende Kenntnisse

im Gemeinnützigkeits- und Vereinsrecht.

104 2 |2026


leben

FOTO: JULIA LORMIS / GANDERSHEIMER DOMFESTSPIELE

Bei der Programmzusammenstellung setzen Sie wieder auf

einen abwechslungs reichen Mix; auch eine Musikrevue ist

wieder dabei. Rücken klassische Stücke eher in den Hintergrund,

wenn es darum geht, die Tribüne voll zu bekommen?

Das kann man so nicht sagen. Mit „Pinocchio“, „Das

Bildnis des Dorian Gray“ und „Die acht Frauen“ haben

wir gleich drei Klassiker im Angebot. Ein bestimmter

Teil der uns zugedachten Zuschüsse wird genau für diese

Stücke verwendet. Der Zuschussgeber gibt damit vor,

diese Mittel ausschließlich für die Klassiker einzusetzen.

Die großen Erfolge von „Ein Sommernachtstraum“ und

„Cabaret“ im vergangenen Jahr zeigen aber auch, dass

man Klassiker publikumswirksam inszenieren kann. Die

Auszeichnungen beim Da Capo Musical Award 2025

sprechen hier für sich.

Wie dürfen wir uns die Zusammenarbeit mit dem langjährigen

Intendanten Achim Lenz vorstellen?

Die Zusammenarbeit mit Achim ist hervorragend. Wir treffen

uns regelmäßig und stimmen uns untereinander ab. Für

mich ist auch entscheidend, einen Einblick in die Branche

zu bekommen. 25 Jahre Energiewirtschaftswissen kann ich

leider nur punktuell bei unseren Strom- und Gaspreisverhandlungen

einsetzen – aber ich glaube, Achim ist jetzt

auch ein wenig geübter in betriebswirtschaftlichen Analysen.

Und im Gegenzug darf ich schon jetzt etwas Theaterinsiderwissen

mein Eigen nennen. Alles in allem ergänzen

wir uns doch schon recht gut, und jeder kann den anderen

zumindest punktuell vertreten, sollte dies vonnöten sein.

Ich bin Achim sehr dankbar für die Einarbeitung in die

Branche und die Vermittlung des Insiderwissens, da sind

wir aber sicherlich auch noch nicht am Ende.

Auf welche Herausforderungen sind Sie gestoßen, die Sie

vorher vielleicht nicht auf dem Schirm hatten?

Da sind zum einen der vorhandene Sanierungsstau im

Freilichttribünenbereich, aber auch das Probenzentrum zu

nennen. Im letzten Jahr haben wir erstmals in Abstimmung

mit einem größeren Fördermittelgeber Rücklagen

im Jahresabschluss bilden können. Als gemeinnützige Gesellschaft

ist keine Gewinnerzielungsabsicht vorhanden,

jedoch müssen große Reparaturen, Instandhaltungen und

Ersatzbeschaffungen über Rücklagen finanziert werden.

Was heißt das konkret?

In diesem Jahr haben wir rund 300.000 Euro in diesem

Bereich investiert. Seien es das neue Regiehaus, die Tribünenumrandung,

der Fuhrpark, aber auch die neue Podesterie

im Probenzentrum, um nur die Highlights zu nennen.

Daneben verursachen die Betriebskosten im Probenzentrum

einen nicht unerheblichen Aufwand, der in den kommenden

Jahren kompensiert werden muss. Hier sind wir in

der Entwicklung neuer, zusätzlicher Nutzungskonzepte

und werden dafür auch den damaligen Bauantrag überarbeiten.

Man darf gespannt sein, was da kommt.

Kultur wird von Politik in der Regel sehr geschätzt – aber

finanzielle Unterstützung ist oft nicht mehr oder kaum

noch möglich. Wie gehen Sie damit um? Wie wichtig sind

Sponsoren für die Domfestspiele?

Wir haben bei den Domfestspielen eine Besonderheit gegenüber

anderen Freilichtbühnen. Bei uns betragen die

Fördermittel nur rund 20 Prozent an den Gesamteinnahmen.

Dies ist ein sehr niedriger Wert, dennoch wollen und

können wir auf diese Zuschüsse nicht verzichten. Über

zwei Drittel der Einnahmen werden durch die Ticketverkäufe

realisiert. Den Rest teilen sich Sponsoring, Spenden

und sonstige Einnahmen im gleichen Verhältnis.

Wird Sponsoring künftig noch wichtiger?

Ja, wobei wir keine Stadionatmosphäre mit Bandenwerbung

schaffen wollen. Aber wir haben wir unsere

Sponsoring pakete erneuert und bepreist. Mit rund 60.000

Besucherinnen und Besuchern bei allen Veranstaltungen

auch außerhalb der Tribüne bieten wir eine hohe Sichtbarkeit

der Sponsoren. Daneben werden das Merchandising

sowie das Catering, und das insbesondere bei der

Studiobühne, zusätzliche Einnahmen generieren. Zudem

möchten wir die Verweildauer bei einem Festspielbesuch

erhöhen. Hierzu wird sich der Außenbereich verändern

und auch Illuminationen in den Abendstunden soll es zusätzlich

geben. Mehr geht immer, aber wir wollen auch

hier und da mal das ein oder andere ausprobieren.

Worauf freuen Sie sich in Ihrer ersten kompletten Spielzeit

besonders – und worauf darf sich das Publikum freuen?

Ich freue mich auf die erste Premiere mit dem Kinderstück.

Gerade in diesem Jahr erfreut sich dieses Stück einer

großen Beliebtheit bei Schulen, Vereinen und Institutionen.

Zudem bin ich auf die Beatles-Premiere, zu der sich

Ministerpräsident Olaf Lies angekündigt hat, sehr gespannt.

An diesem Abend wird erstmals das Außengelände

illuminiert; auch der Festspielbrunnen ist wieder in

Betrieb. Sehr gespannt bin ich, wie sich unsere Werbekampagne

in Nordhessen auf die Besucherzahlen auswirkt.

Zum ersten Mal sind wir mit Hitradio FFH und der Echte-Macher-Kampagne

eine neue Zielgruppe angegangen.

Was versprechen Sie sich davon?

Wir haben nicht nur den Werbespot selbst gesprochen,

sondern berichten auch eine Woche lang im Radio über

die Domfestspiele. Ich glaube, dass Werbung mit eigenen

Leuten und bekannten Gesichtern zusätzliches Interesse

weckt. So kann man diejenigen treffen, deren Stimme

man aus dem Radio kennt. Denn auch dafür sind die Festspiele

bekannt: In familiärer Atmosphäre mischen sich die

Akteure nach den Vorstellungen unter die Gäste, das ist

etwas ganz Besonderes. Ich danke an dieser Stelle auch

den vielen Ehrenamtlichen, ohne die das alles nicht möglich

wäre. Ich denke, wir können uns mit Stolz als kultureller

Ankerpunkt in Südniedersachsen bezeichnen. ƒ

2 |2026 105


PROFIL

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Früher Bahnhof, jetzt Tagungshaus: das „Mariechen“ in St. Andreasberg.

Besser tagen –

mit besonderem Flair

Armin Asselmeyer hat im Westharz, kaum 45 Minuten von Göttingen entfernt,

eine perfekte Tagungs-Location für kleine Teams geschaffen.


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»Und alles kann, wenn man das möchte,

an einem einzigen Ort stattfinden:

arbeiten, essen, zusammen sein...«

Armin Asselmeyer

PROFIL

Genug von langweiligen, sterilen, unproduktiven

Tagungsumgebungen?

Wer für Seminare, Workshops oder

Teambuilding-Events einen besonderen Ort

mit ganz speziellem Flair sucht, sollte sich

das neue Tagungshaus „Mariechen“ in St.

Andreasberg einmal genauer ansehen. Hier

hat der auch in Göttingen bestens bekannte

Investor Armin Asselmeyer etwas realisiert,

was anderswo vielleicht nicht immer oberste

Priorität genießt: viel Raum für Arbeit, Abwechslung

und Austausch. Und das in einem

durchaus historischen Ambiente.

Bis zu 60 Personen können hier theoretisch

zusammenkommen; eigentlich richtet sich das

Tagungskonzept aber eher an kleinere Teams.

Bei Bedarf können sogar maximal 16 Gäste in

den acht Doppelzimmern des Hauses übernachten

und alle Annehmlichkeiten im ehemaligen

Bahnhofsgebäude der 1959 stillgelegten

Zahnradbahn von St. Andreasberg nutzen, das

Asselmeyer liebevoll saniert und modernisiert

hat. In der 40 Quadratmeter großen Lounge

gibt es gemütliche Sofas und einladende

Sitzgruppen; Tische und Stühle können flexibel

gestellt und an die jeweiligen Tagungsanforderungen

angepasst werden. Modernste

Tagungstechnik mit einem Großbildschirm,

Mikrofonen, und High-Speed-WLAN gehören

selbstverständlich zum Standard.

IN EINEM ERSTKLASSIG ausgestatten Kochstudio

können darüber hinaus bis zu 15 Personen

gleichzeitig und gemeinsam kochen,

probieren und natürlich auch genießen – auf

Wunsch auch mit fliegenden Köchen oder in

Form von Kochworkshops unter Anleitung.

Außerdem gibt es einen großzügigen Wellnessbereich

mit Sauna, Wärmebank, Fußbad,

Ruhebereich und einem Außenzugang. Dieser

ist auch kombinierbar mit Gesundheits- und

Biohacking-Formaten.

WER MAG, KANN IM „MARIECHEN“ auch

eine Hochzeits- oder Geburtstagsfeier veranstalten

oder einfach übernachten – oder auf

Wunsch das zweite bemerkenswerte Projekt

von Armin Asselmeyer in seinem Heimatort

St. Andreasberg besuchen, nämlich das schon

Anfang 2025 eröffnete „Spritzenhaus“. Hierbei

handelt es sich um ein inzwischen sehr beliebtes

Café und Bistro mit angeschlossenem

Regionalladen, Postfiliale und Backwaren-Verkauf.

Auf die Tische kommt hier Kaffee in Barista-Qualität

und frisch gebackener Kuchen –

serviert von einem Team, das dieses Konzept

im besten Sinne lebt. Das hat sich inzwischen

weit über St. Andreasberg herumgesprochen.

Armin Asselmeyer wünscht sich nun, dass

auch das neue „Mariechen“-Konzept ähnlich

gut angenommen wird. „Das Haus ist ideal

für kleine Teams oder Abteilungen, die einfach

mal ein paar Tage raus wollen aus ihrem

gewohnten Umfeld. Unsere Location bietet

nicht nur Abstand zum Alltag, sondern auch

einen wunderschönen Blick ins Grüne“, nennt

Asselmeyer einen wichtigen Aspekt. Hier könne

sich Kreativität besonders gut entfalten.

UND IN DER TAT: In diesem außergewöhnlichen

Tagungs-Setting steht nicht der gewohnte

Stress im Vordergrund, nicht der

übliche Termindruck – sondern es geht hier

vielmehr um die Themen und Gespräche, die

im Büroalltag vielleicht sonst ein bisschen zu

kurz kommen. „Und alles kann, wenn man

das möchte, an einem einzigen Ort stattfinden:

arbeiten, essen, zusammen sein“,

beschreibt Asselmeyer das Konzept: „Das

schafft Ruhe und Fokus für das, was wirklich

wichtig ist.“

Das unter Denkmalschutz stehende frühere

Bahnhofsgebäude der St. Andreasberger

Kleinbahn diente der Stadt einst als Kurverwaltung

und anschließend, bis 2005, als

Atelier. Seitdem stand es leer und fand lange

keinen Käufer – bis Armin Asselmeyer es

für sich entdeckte und seine Vision von einem

Tagungshaus hier realisierte. Gäste aus

Göttingen und ganz Südniedersachsen sind

herzlich willkommen.

Markus Riese

Wohlfühlen während der Tagung: Das „Mariechen“

strahlt Gemütlichkeit aus.

Ein Wellnessbereich lädt zum Entspannen ein.

Mariechen – Wohnen, Feiern, Tagen

Am Glockenberg 12

37444 Sankt Andreasberg

Betreiber:

Alter Bahnhof St. Andreasberg GbR

Armin Asselmeyer

a.asselmeyer@web.de

www.mariechen-harz.de


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PROFIL

Mehr Erlebnis.

Mehr BMW.

BMW Göttingen erstrahlt in neuem Glanz.

Mit der Wiedereröffnung im April hat BMW

Göttingen ein neues Kapitel aufgeschlagen:

Nach umfangreichem Umbau ist aus dem

klassischen Autohaus ein moderner Erlebnisraum

entstanden, der die Marke BMW neu

interpretiert.

Der neue Standort verbindet Design, Innovation

und persönliche Beratung zu einem ganzheitlichen

Erlebnis. Offene Showroom-Flächen,

moderne Lounges und neu gestaltete Beratungsbereiche

schaffen eine Atmosphäre, in

der sich Besucher willkommen fühlen. Gleichzeitig

sorgen optimierte Serviceabläufe für

mehr Komfort und Effizienz.

Im Mittelpunkt steht vor allem die persönliche

Begegnung mit der Marke BMW. Der

Standort in Göttingen zeigt, wie moderne

Mobilität heute gedacht wird – emotional,

nachhaltig und zukunftsorientiert. Innovation

wird hier nicht nur präsentiert, sondern

erlebbar gemacht.

WEITERDENKEN. WEITERFAHREN.

Mit dem BMW iX3 hat BMW den nächsten

Schritt in Richtung elektrischer Zukunft konsequent

weitergedacht. Das Modell verbindet

moderne Elektromobilität mit typischer

BMW-Fahrfreude und steht für eine neue

Form von Performance – dynamisch, effizient

und lokal emissionsfrei.

Kraftvolles Design trifft auf intelligente

Technologie und eine intuitive Bedienung, die

das Fahrerlebnis auf das Wesentliche konzentriert.

Der BMW iX3 zeigt, wie sich Nachhaltigkeit

und Fahrdynamik selbstverständlich

miteinander verbinden lassen.

Die Präsentation des iX3 im Rahmen der Wiedereröffnung

unterstreicht, wofür BMW Göttingen

heute steht: Fortschritt, Innovation

und Mobilität mit Zukunft.

BMW Göttingen

Herbert-Quandt-Straße 8

37081 Göttingen

Tel. 0551 99909-3010

www.bmw-goettingen.de

Cyberangriffe größte

Bedrohung für Mittelständler

Gothaer Waterkamp bietet maßgeschneiderte Absicherung

In den vergangenen fünf Jahren ist das Bewusstsein

für das Risiko, Opfer voncCyberkriminalität

zu werden, kontinuierlich gestiegen.

Hackerangriff, Datenklau, Viren oder Trojaner:

Kein anderes Szenario fürchten kleine und

mittlere Unternehmen (KMU) so sehr wie das

einer Cyber-Attacke. So sehen 48 Prozent der

KMU in Deutschland Cyber-Angriffe als bedrohlichste

Gefahr für ihren Betrieb an, doch

nur 21 Prozent haben eine Cyberversicherung.

Und tatsächlich hat fast jedes dritte Unternehmen

bereits einen Cyberangriff erlebt.

Von Schadensersatzforderungen über Datenbeschädigungen

DSGVO Verstößen bis zur

Betriebsunterbrechung können diese für die

Unternehmen existenzbedrohend werden. Zudem

steht die Geschäftsführung in der Verantwortung,

sofern keine Maßnahmen und Absicherungen

getroffen wurden.

„Es ist nicht die Frage, ob

ein Unternehmen gehackt wird,

sondern wann.“

Arne Schönbohm, (ehem. Präsident BSI)

Vor diesem Hintergrund sollten die eigenen

IT-Sicherheitsmaßnahmen durch eine

Cyber-Versicherung ergänzt werden.

Die Gothaer bietet mit ihrer Produktlösung

einen umfassenden Schutz für Unternehmen.

Durch die Zusammenarbeit mit IT-Forensikern

und weiteren 24/7/365-Tage Assistance

Leistungen wird der Aufwand im Schadenfall

für die betroffene Firma erheblich reduziert.

Für weitere Informationen fragen Sie: Hanjo

M. Waterkamp (Tüv-zertifizierter Fachberater

für Cyberrisiken (TÜV Rheinland)

Bezirksdirektion

Hanjo M.Waterkamp

Zertifizierter Fachberater für Cyberrisiken

(TÜV Rheinland)

Theaterplatz 6, Göttingen

Tel. 0551 58360

www.waterkamp.gothaer.de


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30 Jahre Mazzoni –

Beständigkeit mit Haltung

Seit der Eröffnung am 13. September 1996 steht das Restaurant Mazzoni

in Göttingen für eine klare kulinarische Linie: italienische Küche, die auf

Herkunft, Qualität und handwerklicher Präzision basiert. Ohne große

Inszenierung, aber mit viel Substanz hat sich das Haus über drei Jahrzehnte

hinweg zu einer festen Größe entwickelt.

PROFIL

Das Konzept ist bewusst zeitlos geblieben.

Die Küche versteht sich als kulinarische Reise

durch Italien – von Risotto aus der Lombardei

über Klassiker wie Vitello Tonnato und Pasta-Gerichte

bis hin zu saisonalen Spezialitäten.

Im Mittelpunkt stehen dabei stets die Produkte,

ihre Qualität und eine sorgfältige Zubereitung.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Kontinuität:

Ein eingespieltes Team, viele langjährige

Mitarbeiter und eine treue Stammkundschaft

prägen das Restaurant bis heute. Statt

Trends zu folgen, setzt Mazzoni auf Verlässlichkeit

und Authentizität.

Zum 30-jährigen Jubiläum wird diese Beständigkeit

gefeiert – mit dem Motto:

„30 Jahre – 30 Tage – 30 Euro – 3 Gänge“

Vom 13. September bis 13. Oktober lädt das

Restaurant dazu ein, die eigene Geschichte auf

genussvolle Weise erlebbar zu machen.

Mazzoni ist nach drei Jahrzehnten mehr

als ein Restaurant – es ist ein Ort, der zeigt,

dass Qualität, Haltung und Kontinuität zeitlos

sind.

Mazzoni

Täglich geöffnet: 12:00 – 22:00 Uhr

Hermann-Rein-Str. 2

37075 Göttingen

Tel. 0551 34084

mazzoni@t-online.de

www.restaurant-mazzoni.de

www.mehralseinmagazin.de 11. Jahrgang Heft 20 2025 3 Euro

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von morgen mit den Arbeitgebern

der Region zusammen.

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Zwei Mal im Jahr erscheint das Magazin

für die Vorabschlussklassen in Südniedersachsen.

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Reise hingehen?

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leben

-Kalender

Milton: Große Vielfalt

zum Abschied

DAS GÖTTINGER SYMPHONIEORCHESTER (GSO) hat sein Programm für die

Spielzeit 26/27 vorgestellt – die letzte Saison für den aktuellen Künstlerischen Leiter

und Chefdirigenten Nicholas Milton (Foto). Ab der Saison 27/28 wird Vilmantas

Kaliunas das Ruder übernehmen. Ihn hat das GSO mittlerweile als Nachfolger

präsentiert (siehe Seite 54). Zuvor dürfen sich Fans noch einmal auf ein vielfältiges

Programmangebot freuen. Auf dem Plan stehen in dieser Saison unter anderem

sieben Symphoniekonzerte, fünf Sonntagsmatineen, mehrere Promenaden- und Familienkonzerte,

fünf Kammerkonzerte und ein abwechslungsreiches Programm

auch für junge Musikfreunde. Einer von vielen Höhepunkten dürfte zudem der

„Symphonic Mob“ vor dem Alten Rathaus am 12. September werden – Göttingens

größtes Orchester. Zudem gibt es erneut ein „Concert for all senses“ und ein Festival

für zeitgenössischen Musik („Grenzgänge“). Übrigens: Drei der insgesamt acht

namhaften Dirigenten der aktuellen Spielzeit sind weiblich – der (international zu

beobachtende) Trend zu mehr Frauen am Pult setzt sich auch in Göttingen fort.

☛ Mehr Infos: www.gso-online.de

FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA

Mehr als

„Kunst und Krempel“

DAS MUSEUM SCHLOSS FÜRSTENBERG nimmt noch

Anmeldungen für den beliebten Porzellan- & Glasflohmarkt

an (12. Juli, historischer Schlosshof). Rund

um das malerische Lindenrondell verwandelt sich das

Gelände in ein Paradies für Sammler – und für alle, die

auf der Suche nach besonderen Fundstücken sind. Wer

selbst Teil des Flohmarkts werden möchte, kann sich

einen Standplatz sichern. Zugelassen sind ausschließlich

Porzellan, Glas und andere Keramik.

Von 12 bis 16 Uhr läuft an diesem Tag im Trauzimmer

des Schlosses außerdem die beliebte Expertisenstunde:

Museums leiter Christian Lechelt gibt Einblicke in

Alter und Herkunft mitgebrachter Porzellanstücke,

während Dedo von Kerssenbrock-Krosigk, bekannt aus

der TV-Sendung „Kunst und Krempel“, Glasobjekte begutachtet.

Zudem können sich

Besucher eine Ausstellung

der besonderen

Art anschauen: „Der

edle Akt. Porzellan

und Erotik" ist noch

bis zum 20. Dezember

im Museum Schloss

Fürstenberg zu sehen.

☛ Mehr Infos: www.fuerstenberg-schloss.com

Whisky, Achtsamkeit

und das eigene Parfüm

UNTER DEM MOTTO „Düfte. Aromen. Erleben.“ hat das „Sensoria – Haus der

Düfte und Aromen“ in Holzminden sein neues Veranstaltungsprogramm 2026/27

vorgestellt. Ein Highlight ist ein Workshop zur Gestaltung eines eigenen Parfüms

mit einer Duftpsychologin aus den Niederlanden. Hier lernen Teilnehmer die

Kunst der Duftkomposition kennen und erschaffen unter fachkundiger Anleitung

der bildenden Künstlerin und ausgebildeten Aroma therapeutin Claudia de Vos

ihren eigenen Duft.

Ab sofort kann man sich vor Ort oder online über die Website für alle Veranstaltungen

bis April 2027 anmelden. So gibt es etwa Cocktail-, Whisky- und Wein-Tastings

oder Workshops wie „Die Kunst des Pralinenmachens“ oder „Rendez-Vous

Champagne“, während Achtsamkeits- und Wellnessformate wie „Kosmetik mit

ätherischen Ölen“ oder „Wohltuende Geschenke selbst gestalten“ Entspannung

und Kreativität verbinden.

Tipp: Bis zum 31. Oktober läuft im Sensoria außerdem

die Sonderausstellung „Hungry Eyes – Food-Fotografien

riechen, hören, fühlen“. Im Zentrum stehen

hier die Werke des Fotografen Ellis Parrinder (Foto).

☛ Mehr Infos: www.sensoria-holzminden.de

110 2|2026


-Kalender

leben

Kurz gemeldet

Termine zum

Vormerken

Karls Erlebnis-Dorf

jetzt als Pop-up-Variante

MIT DEM „KARLS POPUP-FESTIVAL“ haben die Betreiber der berühmten „Karls

Erlebnis-Dörfer“ jetzt erstmals einen temporären Standort eröffnet – und zwar

in Wernigerode. Hier entstand in den vergangenen Monaten eine bunte Erlebniswelt

für die ganze Familie. Dafür wurden sogar eigene Attraktionen und

Erlebnisbereiche speziell für das PopUp-Festival entwickelt und gebaut. Zu den

Karls-Klassikern gehören unter anderem eine Traktorbahn, die Erdbeer-Raupenbahn,

eine große Manufakturen-Markthalle, eine Erdbeer-Hüpfburg, ein Strohlabyrinth,

ein Indoor-Tobeland, Mini-Bagger sowie eine Kartoffelsackrutsche.

Der Eintritt ist – wie immer bei Karls – frei. Für die Attraktionen können die

Besucher vor Ort eine Tageskarte kaufen oder die Karls-Jahreskarte nutzen.

Natürlich gibt es auch Karls-typische Gastronomie – mit Spezialitäten aus der

Hof-Küche, frischem Kaffee und hausgemachtem Erdbeerkuchen. Außerdem

gibt es eine Marmeladenküche, in der täglich live Erdbeermarmelade aus originalen

Karls Erdbeeren gekocht wird – direkt vor den Augen der Besucher.

Das Karls PopUp-Festival ist täglich von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Der gesamte

Festivalbereich ist 100 Prozent bargeldlos.

DAS KWP-FESTIVAL kehrt dieses Jahr als traditioneller

Abschluss des Göttinger Kultursommers

in den Kaiser- Wilhelm-Park zurück.

Die Besucher erwartet am 14. und 15. August

ein vielfältiges Programm aus Indie, Pop,

Soul und Rock. In diesem Jahr unter anderem

dabei: Paula Carolina, Raum27, Blues Pills,

Young Gun Silver Fox und Dilla.

SPECTACULUM PFALZ GRONA: Zum dritten

Mal veranstalten der Verein Grün Weiß Hagenberg

und der „Nachbarschaftsverein Holtenser

Berg Hagenberg“ einen großen

Non-Profit-Mittelaltermarkt am 29. und 30.

August – mit Live-Musik, Zauberei und Feuer-Varieté,

Walking Acts, einer Ausstellung,

Führungen, Vorträgen und Turmbesteigungen.

50 Aussteller und Künstler präsentieren

Minnegesang, Strohballenkämpfe, Verkaufsstände,

Bogenschießen, Tauziehen, Hüpfburgen,

Wahrsagungen und das größte handbetriebene

Karussell Europas auf dem alten

Burggelände der Pfalz Grona zu Göttingen.

Der Eintritt ist frei – und die Veranstalter locken:

„Taucht ein in die Zeit der Vagabunden,

Ritter, Wegelagerer und edlen Leute!“

☛ Mehr Infos: www.karls.de/wernigerode

Hawaii-Feeling im Gartetal

WENN PLÖTZLICH HAWAIIANISCHE KLÄNGE durch die Luft

schweben und Menschen mit Dauerlächeln und Ukulele unterm

Arm unterwegs sind, dann ist es wieder so weit: Das 8. Göttinger

Ukulelefest lädt für Samstag, 15. August, in die Historische Spinnerei

Gartetal ein.

Unter dem Motto „Hula Blues“ erwartet die Besucher ein

musikalischer Kurzurlaub zwischen Südsee, Blueskneipe und Romantik.

Workshops ab 14 Uhr, Mitmachaktionen und ein stimmungsvolles

Abendprogramm ab 18 Uhr machen das Festival zu

einem Treffpunkt für Livemusik-Begeisterte. Mit dabei sind unter

anderem Detlef Bunk, Heartburn Billy & his Burning Harz sowie

die Göttinger Kultband Front Porch Picking (Foto).

☛ Mehr Infos: www.ukulelefest-goettingen.de

2 |2026 111


impressum

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faktor – das Entscheider- Magazin für die Region Göttingen

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37073 Göttingen

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Herausgeber

Marco Böhme

boehme@faktor-magazin.de

Chefredakteur

Markus Riese (V.i.S.d.P.)

riese@faktor-magazin.de

Autoren

Matthias Brunnert, Anja Danisewitsch, Rupert Fabig,

Markus Hartwig, Tobias Kintzel, Carolin Köpp, Stefan Liebig,

Norman Lippert, Margareta Vogel

Art-Direction & Grafik

Anke Steines

Fotografie / Weitere Bilder

Alciro Theodoro da Silva, Marco Bühl, Markus Hartwig,

Peter Heller, Florian Spieker / Freepik, Pixabay, Canva,

Adobe Firefly (z.T. werden KI-generierte Inhalte verwendet)

Lektorat

CoLibris-Lektoratsbüro Dr. Barbara Welzel

Vertrieb

Viola Kempf

Marketing

Christiane Wiese-Brahimi, Anastasia Riesling (Assistenz)

Geschäftsführender Gesellschafter

Marco Böhme

Auflage

10.000

Druckerei

Schleunungdruck GmbH

Anzeigenschluss der nächsten Ausgabe ist der

14. August 2026, Redaktionsschluss eine Woche später.

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möchten, nehmen wir Sie auf Wunsch aus unserem Verteiler.

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Redaktionsbeirat

Jens Barwinske, Dr. Friedemann Baum, Mark Berke,

Ines Berke, Ines Dietze, Prof. Dr. Uwe Fischer, Rainer Giese,

Jürgen Jenauer, André Kupfernagel, Carsten Lohrengel, Lars

Obermann, Borzou Rafie, Thomas Richter, Marco Scheuchzer,

Mark C. Schneider, Prof. Dr. Matthias Schumann, Claudia Trepte,

Prof. Dr. Winfried Weber, Dr. Marko Weinrich

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Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht die Meinung des Herausgebers

wieder. Von faktor gestaltete Anzeigen sind urheberrechtlich geschützt.

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Beiträge ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers möglich.

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Redaktioneller Hinweis

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir auf unserer Plattform

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aus der Region zur Verfügung. Dank unseres großen, eigenen Maschinenparks

reagieren wir flexibel und schnell. Unsere erfahrenen

Projektleiter Angela Zwernemann, Marius Emmelmann und Mathias

Meinhardt koordinieren im Schadensfall alle Schritte, auch mit der

Versicherung.

Die Projektleiter Angela Zwernemann (Mitte), Mathias Meinhardt

(2. v. l.), Marius Emmelmann (2. v. r.) und die beiden Trocknungstechniker

Sven Bünning (l.) und Manuel Thieme

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Gerade in Krisenzeiten ist auf Familienunternehmen und

inhabergeführte KMUs stets Verlass. Sie stehen für schnelle

und pragmatische Entscheidungen, regionale Verwurzelung

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hinweg. Sie sichern Arbeitsplätze, ermöglichen jungen

Menschen qualifizierte Ausbildungen, stärken die regionale

Wertschöpfung und gehen im besten Sinne des Wortes

mit großer Leidenschaft voran. Auch bei uns in Südniedersachsen

gibt es dafür zahlreiche Beispiele.

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Ob im Dschungel juristischer Fallstricke, beim seriösen Vermögensaufbau

oder bei Themen rund um die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens:

Wer echte Experten an seiner Seite weiß, kann sich glücklich schätzen.

Zumal sich die Voraussetzungen in vielen Bereichen immer wieder ändern,

und das gefühlt auch immer schneller. Kompetente Berater wissen dann,

was zu tun ist – und sparen Entscheidern damit letztlich viel Zeit, Geld und

im Zweifel auch jede Menge Ärger.

Außerdem im nächsten faktor: Warum das Gänseliesel in diesem Jahr ganz besonders viel Aufmerksamkeit bekommt –

und wieso es aktuell sogar in dreifacher Ausführung in Göttingen zu sehen ist.

Wenn Sie regional bekannter werden möchten, um Kunden und Mitarbeiter zu gewinnen,

melden Sie sich gern bei uns. Anzeigenschluss ist am 14.8.26, Redaktionsschluss eine Woche später.


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