3-2026
Fachzeitschrift für Medizintechnik-Produktion, Entwicklung, Distribution und Qualitätsmanagement
Fachzeitschrift für Medizintechnik-Produktion, Entwicklung, Distribution und Qualitätsmanagement
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
JULI/AUGUST 3/2026 JG. 19
FACHZEITSCHRIFT
FÜR MEDIZIN-TECHNIK
meditronicjournal
Anforderungen an medizinische
Netzteile – Entwicklung
zwischen Patientenschutz,
EMV und Systemintegration
Inpotron, S. 6
OVER 30 YEARS
PETERMANN
TECHNIK
QUARZE UND OSZILLATOREN
für sichere Designs und stabile Serienproduktion
VON DER ENTWICKLUNG BIS ZUR SERIE – MIT DESIGN-IN-SUPPORT,
100% PRÜFUNG UND ZUVERLÄSSIGER VERFÜGBARKEIT
PRODUKTSPEKTRUM:
+ MHz SMD/THT Quarze
+ 32.768 kHz Quarze
+ Quarzoszillatoren
+ 32.768 kHz µPower Oszillatoren
+ MHz Ultra Low Power Oszillatoren
+ Low Power Clock Oszillatoren
+ Programmierbare Oszillatoren
+ Differential Oszillatoren
+ Spread Spectrum Oszillatoren
+ VCXO, VCTCXO
+ SPXO, LPXO, TCXO, OCXO
+ High Temperature Oszillatoren
+ Automotive Oszillatoren
+ Keramikresonatoren und -filter
+ SAW Produkte
APPLIKATIONEN:
+ IoT/M2M
+ Networking/Infrastructure
+ Mobile Communication
+ Telecom (5G)
+ Wearables
+ Wireless
+ Smart Metering
+ Timing/Precision
+ Industrial/Embedded
+ Medical
+ Automotive
+ Consumer
+ Etc.
PRODUKTVORTEILE & SERVICE:
+ Passende Lösung für jede Clocking
Applikation
+ Besonders umfangreiches
Produktsortiment
+ Höchste Qualität und
Zuverlässigkeit
+ Sehr breiter Frequenzbereich
+ Erweiterter Temperaturbereich
von –55/+125°C
+ Äußerst wettbewerbsfähige Preise
+ Umfangreicher Design-in-Support
+ Großserienbetreuung
+ Kurze Liefertermine
+ Kostensparendes In-House-Engineering
+ Kurze Time-to-Market-Zeiten
PETERMANN-TECHNIK GmbH
Der Puls Ihrer Inovation. Schnell. Sicher. Wirtschaftlich.
Lechwiesenstr. 13
86899 Landsberg am Lech
Deutschland – Germany
Tel +49 (0) 8191 – 30 53 95
Fax +49 (0) 8191 – 30 53 97
info@petermann-technik.de
WWW.PETERMANN-TECHNIK.DE
Editorial
Edge AI in der Medizintechnik
Die Zukunft der Medizintechnik entsteht nicht mehr allein im Labor oder im Rechenzentrum. Sie
entsteht dort, wo intelligente Elektronik, sichere Datenverarbeitung und langfristige Verfügbarkeit
zusammenkommen – direkt am Gerät, direkt am Patienten, direkt am Edge.
Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zu einer Schlüsseltechnologie moderner
Medizintechnik. Systeme analysieren Vitaldaten in Echtzeit, unterstützen Diagnosen, optimieren
klinische Abläufe und ermöglichen personalisierte Therapieansätze. Gleichzeitig steigen
die Anforderungen an Geschwindigkeit, Energieeffizienz, Datenschutz und Ausfallsicherheit.
Genau hier zeigt sich die strategische Bedeutung von Edge AI: Daten werden lokal verarbeitet,
Entscheidungen unmittelbar getroffen und sensible Informationen bleiben innerhalb sicherer
Systemgrenzen. Für medizinische Anwendungen ist das kein Komfortmerkmal – sondern vielfach
eine Grundvoraussetzung.
Mario Klug
Vice President Product Marketing
Embedded & AI
Rutronik Elektronische
Bauelemente GmbH
rutronik@rutronik.com
www.rutronik.com
Ob in tragbaren Monitoringsystemen, intelligenter Bildgebung, robotergestützter Assistenz
oder vernetzten Point-of-Care-Lösungen: Embedded AI und Edge Processing verändern die
Architektur medizinischer Systeme grundlegend. Die Intelligenz wandert näher an Sensorik,
Steuerung und Anwender. Damit steigen jedoch auch die Anforderungen an die zugrunde liegende
Elektronik. Leistungsfähige Prozessoren, zuverlässige Wireless-Konnektivität, energieeffiziente
Stromversorgung und integrierte Sicherheitsmechanismen werden zu entscheidenden Bausteinen
zukünftiger Plattformen.
Doch technologische Innovationskraft allein reicht nicht aus. Gerade in der Medizintechnik
entscheidet nicht nur die Leistungsfähigkeit eines Systems über dessen Erfolg, sondern
vor allem seine langfristige Stabilität und Verfügbarkeit. Entwicklungszyklen werden kürzer,
Produktlebenszyklen gleichzeitig länger. Zertifizierte Systeme müssen über viele Jahre hinweg
zuverlässig betrieben und unterstützt werden können. Gleichzeitig bleibt die globale Marktsituation
von Unsicherheiten geprägt – geopolitische Spannungen, volatile Lieferketten und steigende
regulatorische Anforderungen begleiten die Branche dauerhaft.
Damit wird Resilienz zu einem strategischen Faktor. Second-Source-Strategien, Obsolescence-
Management und langfristige Plattformverfügbarkeit gewinnen erheblich an Bedeutung. Wer heute
medizinische Systeme entwickelt, muss Verfügbarkeit bereits in der Designphase mitdenken. Denn
Versorgungssicherheit entsteht nicht erst in der Produktion, sondern beginnt bei der Auswahl der
richtigen Technologien und Partner.
Hinzu kommt ein weiterer zentraler Aspekt: Sicherheit. Mit zunehmender Vernetzung steigt die
Angriffsfläche medizinischer Systeme. Cybersecurity entwickelt sich damit vom optionalen Zusatz
zur essenziellen Systemanforderung. Security-by-Design, geschützte Datenkommunikation und
vertrauenswürdige Hardware-Architekturen werden zur Basis digitaler Medizintechnik. Gerade im
Umfeld intelligenter, vernetzter Geräte entscheidet die Kombination aus Performance, Effizienz
und Sicherheit über die Zukunftsfähigkeit einer Lösung.
Die Rolle technologischer Partner verändert sich dadurch grundlegend. Gefragt sind heute
nicht mehr allein Komponentenlieferanten, sondern Unternehmen mit einem tiefen Verständnis für
Applikationen, Lifecycle-Anforderungen und globale Supply Chains. Die Fähigkeit, Innovation mit
langfristiger Verfügbarkeit, regulatorischem Verständnis und resilienten Beschaffungsstrategien
zu verbinden, wird zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Die nächste Generation medizinischer Systeme wird intelligenter, vernetzter und autonomer
arbeiten als je zuvor. Gleichzeitig wächst die Verantwortung, diese Technologien sicher, verfügbar
und langfristig beherrschbar zu gestalten. Nicht die leistungsfähigste KI allein wird sich durchsetzen
– sondern jene Lösungen, die Innovation mit Stabilität, Sicherheit und Versorgungssicherheit
verbinden. Hier birgt der Wechsel von heute noch meist regelbasierter KI und Deep Learning
Lösungen über alle Stufen hin zur teilweise oder voll autonomen Agenten-basierten KI, die wohl
größte Herausforderung an die Entwickler, als auch die Zertifizierer.
Die Zukunft der Medizintechnik entsteht am Edge. Und sie braucht mehr denn je eine
technologische Basis, auf die dauerhaft Verlass ist.
Ihr Mario Klug
meditronic-journal 3/2026
3
Inhalt 3/2026
3 Editorial
4 Inhalt/Impressum
6 Titelstory
9 Aktuelles
10 Stromversorgung
25 Komponenten
40 Antriebe
42 Aus Forschung und Technik
44 Sicherheit
48 Medical-PCs/SBC/Zubehör
50 Bedienen und Visualisieren
52 Sensoren
54 Mess- und Prüftechnik/
Qualitätssicherung
56 Produktion
58 Materialien
60 Digitalisierung
62 Nachhaltigkeit in der Medizintechnik
Fachzeitschrift für
Medizin-Technik
■ Herausgeber und Verlag:
beam-Verlag
Georg-Voigt-Str. 41, 35039 Marburg
info@beam-verlag.de
www.beam-verlag.de
■ Redaktion:
Dipl.-Ing. Christiane Erdmann
redaktion@beam-verlag.de
■ Anzeigen:
Myrjam Weide,
Tel.: 015568-051314
m.weide@beam-verlag.de
Sabine Tzschentke,
Tel.: 015568-113276
sabine.tzschentke@beam-verlag.de
Tanja Meß,
Tel.: 015568-085372
tanja.mess@beam-verlag.de
■ Erscheinungsweise:
5 Hefte jährlich
■ Satz und Reproduktionen:
beam-Verlag
meditronicjournal
■ Druck & Auslieferung:
Bonifatius GmbH, Paderborn
www.bonifatius.de
Der beam-Verlag übernimmt trotz sorgsamer Prüfung
der Texte durch die Redaktion keine Haftung
für deren inhaltliche Richtigkeit. Alle Angaben im Einkaufsführer
beruhen auf Kundenangaben!
Handels- und Gebrauchsnamen, sowie Warenbezeichnungen
und dergleichen werden in der Zeitschrift
ohne Kennzeichnungen verwendet. Dies berechtigt
nicht zu der Annahme, dass diese Namen
im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutzgesetzgebung
als frei zu betrachten sind und von jedermann
ohne Kennzeichnung verwendet werden dürfen.
FACHZEITSCHRIFT
FÜR MEDIZIN-TECHNIK
Anforderungen an medizinische
Netzteile – Entwicklung
zwischen Patientenschutz,
EMV und Systemintegration
Inpotron, S. 6
JULI/AUGUST 3/2026 JG. 19
meditronicjournal
Für jedes Kühlkonzept
die richtige Lösung
Titelstory:
Bevor mit der Konstruktion des
Gehäuses für ein neues elektronisches
oder elektrisches System begonnen
wird, sollten einige grundlegende
Überlegungen angestellt werden. 16
Manipulationsschutz
im Fokus
Hersteller von Maschinen für die Produktion
von Medizintechnik werden ab 2027 die
neue EU-Maschinenverordnung einhalten
müssen. 44
Anforderungen
an medizinische Netzteile
Entwicklung zwischen Patientenschutz,
EMV und Systemintegration. 6
Sensoren in der
Lungendiagnostik
Ein Interview von All Sensors
mit Dr. med. Heiner Steffen 30
Was Entwickler über EMV
und Isolation wissen
müssen
Wenn Stromversorgung
zur Sicherheitsfrage in der
Medizintechnik wird. 10
4
meditronic-journal 3/2026
Turbolüfter für präzise
Luftförderung in Beatmungsund
Atemunterstützungssystemen
Gesucht wird eine kompakte, regelbare
und dauerhaft stabile Lösung 28
Wann lohnt sich was?
Standard vs. kundenspezifischer Federkontaktstecker. 26
Normen für AC/DC- und DC/DC-Wandler –
ein Überblick
AC/DC- und DC/DC-Wandler bilden das Herzstück vieler
elektronischer Systeme – von industriellen Steuerungen
über Haushaltsgeräte bis hin zur Medizintechnik. 22
Drahtloses BCI-System ermöglicht
erstmals einem Schlaganfallpatienten
die gedankenbasierte
Computersteuerung
Das vollständig implantierte, drahtlose BCI-System
für die Schlaganfallrehabilitation macht erstmalig zusätzlich
die gedankenbasierte Computersteuerung möglich –
ohne weiteren Eingriff oder zusätzliche Hardware. 42
Rauschquellen von GHz bis nHz
verstehen und wie man sie
kontrolliert
EMV in der Medizintechnik stellt sicher, dass
medizinische Geräte störungsfrei arbeiten und
andere Geräte nicht beeinträchtigen. 19
Von der Pflanze bis zum
sicheren Medizinprodukt
So entsteht ein Medical Grade
Biokunststoff 58
Digitale Identitäten und Produktpässe
sichern die MDR-Compliance
Die EU-Medizinprodukte-Verordnung verschärft Anforderungen an
Daten, Rückverfolgbarkeit und Nachverfolgung. 60
meditronic-journal 3/2026
5
Titelstory
Anforderungen an medizinische Netzteile
Entwicklung zwischen Patientenschutz, EMV und Systemintegration
Die Entwicklung von Netzteilen für
medizinische Anwendungen unterscheidet
sich grundlegend von klassischen
Industrie-, IT- oder Laboranwendungen.
Während bei Standardanwendungen
häufig funktionale
Anforderungen und Effizienz
im Vordergrund stehen, dominieren
im medizinischen Umfeld Patientensicherheit,
Risikomanagement und
normgerechte Systemintegration.
Die besondere Herausforderung
besteht darin, ein Netzteil nicht
isoliert als Energieversorgung zu
betrachten, sondern als sicherheitsrelevante
Komponente eines
medizinischen Gesamtsystems.
Obwohl ein Netzteil selbst in der
Regel kein eigenständiges Medizinprodukt
darstellt, beeinflusst es
maßgeblich die Zulassungsfähigkeit
und die Essential Performance
(EP) des Endgeräts.
Autor:
Fabian Schmid
Team Vertrieb
Kundenbeziehung und Vernetzung
inpotron Schaltnetzteile GmbH
info@inpotron.com
www.inpotron.com
Die maßgebliche Grundlage bildet
dabei die EN 60601-1 mit ihren
ergänzenden Teilnormen für EMV,
Homecare-Anwendungen und softwarebezogene
Anforderungen.
Normativer Rahmen
medizinischer Netzteile
Die zentrale Sicherheitsnorm für
medizinische elektrische Geräte ist
die genannte EN 60601-1. Ergänzend
greifen weitere Normen
abhängig von Einsatzumgebung
und Funktion.
Medizinische Schutzkonzepte:
MOPP statt
Standardisolierung
Die Abweichung zwischen medizinischen
und industriellen Netzteilen
liegt im Schutzkonzept.
Insbesondere Ableitströme, Isolationskoordination
und Einzelfehlerbetrachtungen
sind in der Norm
deutlich strenger definiert.
Die EN 60601-1 unterscheidet
zwischen:
• MOOP (Means of Operator
Protection) – Schutz des
Bedieners
• MOPP (Means of Patient
Protection) – Schutz des
Patienten
MOPP stellt bereits während der
Entwicklung, erheblich höhere Anforderungen
an die Luft- und Kriechstrecken,
die Prüfspannungen, die
Isolationsnachweise, die Ableitströme
und das Einzelfehlerverhalten
(Single-Fault-Conditions - SFC).
Insbesondere bei Geräten mit
Patientenkontakt – Typ B (Body,
Körperbezug), Typ BF (Body Floating,
Körperbezug mit Stromfluss)
oder Typ CF (Cardiac Floating, Herzbezug
mit Stromfluss) – Anwendungen
– entstehen dadurch deutlich
höhere Anforderungen an Transformatoren,
Optokoppler, Leiterplatten
und EMV-Beschaltung.
Typenbeschreibung
• Typ B: Geerdetes Anwendungsteil,
für innere und äußere Anwendungen,
ausgenommen am Herzen:
Röntgengeräte, OP-Betten,
OP-Leuchten und MRT - Scanner
• Typ BF: Von Erde isoliertes
Anwendungsteil, ausgenommen
am Herzen: Ultraschallgeräte,
Blutdruckmessgeräte, Elektroden
und EKG-Geräte
• Typ CF: Von Erde isoliertes
Anwendungsteil, für direkte
Anwendung am Herzen: Defibrillatoren,
Herzschrittmacher,
Dialysegeräte und Herz-Lungen-
Maschinen
Systemintegration
als kritischer Faktor
Die Medizintechnik gehört
zu den wichtigsten technischen
Bereichen unserer Zeit. Moderne
medizinische Geräte unterstützen
Ärzte und Pflege personal bei der
Diagnose, Therapie und Überwachung
von Patienten. Damit diese
Geräte zuverlässig funktionieren,
müssen viele technische Komponenten
perfekt zusammenarbeiten.
Ein normkonformes Netzteil,
Normative Anforderungen / KI-generiert
als zentrale Komponente im System,
allein garantiert noch keine
sichere medizinische Anwendung,
umso entscheidender ist die Integration
in das Gesamtsystem.
In Krankenhäusern und Arztpraxen
werden heute zahlreiche medizinische
Systeme miteinander vernetzt.
Dazu gehören beispielsweise Patientenmonitore,
Beatmungsgeräte, Ultraschallgeräte
oder zentrale Krankenhausserver.
Die Aufgabe der Systemintegration
besteht darin, Hardware,
Software, Netzwerke und Stromversorgung
zu einem sicheren Gesamtsystem
zu verbinden und eine stabile
Energieversorgung aller Komponenten
zu garantieren.
Aufgaben des Netzteils
Das Netzteil wandelt die Netzspannung
in die benötigten Betriebsspannungen
und übernimmt dabei
mehrere wichtige Aufgaben:
• Versorgung von Sensoren,
Steuerungen und Displays
• Schutz vor Überspannung
und Kurzschluss
• Sicherstellung einer stabilen
Spannung
• elektrische Trennung
zum Schutz des Patienten
• Reduzierung
elektromagnetischer Störungen
Essential Performance
Ohne eine zuverlässige Stromversorgung
könnten medizinische
Geräte ausfallen, welche
6 meditronic-journal 3/2026
Titelstory
Medizinische Schutzkonzepte / KI-generiert
möglicherweise dauerhaft im Betrieb
sein müssen, was im schlimmsten
Fall die Sicherheit von Patienten
gefährdet. Vor allem bei Applikationen
mit Essential Performance,
dürfen kurzfristige Spannungseinbrüche
oder Reset-Zustände nicht
zu gefährlichen Betriebszuständen
führen.
Aus diesem Grund müssen Integrationsgrenzen
frühzeitig definiert
und dokumentiert werden. Hinweise
zu Montage, Kühlung, Einbaulagen
und zulässigen Anwendungsszenarien
sind hierbei essenziel.
EMV-Anforderungen
im Medizinbereich
Die elektromagnetische Verträglichkeit
medizinischer Geräte wird
über die EN 60601-1-2 geregelt.
Dabei gelten höhere Anforderungen
als im klassischen Industriebereich.
Besonders relevant sind
abhängig von der Anwendungsapplikation,
mögliche erhöhte
Störfestigkeitspegel, unterschiedliche
Anforderungen je Einsatzumgebung,
ein Nachweis der sicheren
Funktion unter EMV-Belastung und
verschiedene magnetische Nahfeldprüfungen
gemäß IEC 61000-4-39.
Homecare-Anwendungen stellen
dabei häufig die höchsten Anforderungen,
da dort mit instabilen Netzen,
elektromagnetischen Störungen
und nicht kontrollierten Umgebungen
gerechnet werden muss.
Zusätzlich fordert die aktuelle Ausgabe
EN 60601-1-2:2015+A1:2021
neue Prüfungen gegen magnetische
Nahfelder, wie sie beispielsweise
durch RFID-Systeme oder Induktionsfelder
entstehen können.
Risikomanagement
nach ISO 14971
Das Netzteil ist integraler
Bestandteil des Risikomanagements
eines Medizinprodukts. Auch
wenn der Netzteilhersteller selbst
nicht zwingend eine vollständige
Risikomanagementakte (beinhaltet:
Risiko managementprozess,
Risiko managementplan, Risikoanalyse
für das Produkt, Risikomanagement
Bericht / Report) erstellen
muss, sind umfangreiche sicherheitsrelevante
Informationen bereitzustellen.
Hierzu gehören:
• technische Daten (MOPP/MOOP-
Isolation, Ableitströme, Temperaturgrenzen,
Schutzleiteranforderungen),
• Fehler- und Ausfallverhalten, insbesondere
Single-Fault- Verhalten
und typische Fehlermodi,
• Prüfergebnisse aus EMV- und
Sicherheitstests
• Betriebs – und Einsatzgrenzen
(Umgebung, Lastbereiche, Kühlung,
Lebensdauer)
• Restrisiken und Einbauhinweise,
welche auf Systemebene berücksichtigt
werden müssen
• bei sicherheitsrelevanter Software,
müssen grundlegende
Angaben zur Funktion und möglichen
PEMS – Bezügen bereitgestellt
werden
Diese Informationen fließen direkt in
die Risikomanagementakte (RMA)
des Geräteherstellers ein.
Software
und PEMS-Anforderungen
PEMS heißt Programmable
Electrical Medical Systems und
bedeutet, dass medizinische
Geräte mindestens einen programmierbaren
elektronischen
Bestandteil enthalten, wie beispielsweise
Mikroprozessoren,
Software, Firmware etc. Sobald
programmierbare Elektronik
sicherheitsrelevante Funktionen
beeinflusst, greifen zusätzliche
Kundenspezifische und zuverlässige Schaltnetzteile / KI-generiert
meditronic-journal 3/2026
7
Titelstory
Schutzkonzept für Patient, Anwender und Gerät / KI-generiert
Anforderungen gemäß Kapitel 14
der EN 60601-1.
Dies betrifft zum Beispiel die
mikrocontrollergesteuerte Schutzfunktionen,
OVP/OCP-Regelungen,
Kommunikationsschnittstellen, Feld-
Updates oder intelligente Leistungsregelung.
Dann gelten ergänzend Anforderungen
aus der IEC 62304 hinsichtlich
der Software-Lifecycle, Architektur,
Dokumentation, Risiko analyse
und Nachweisführung. Die Grenze
zwischen klassischer Hardware
und sicherheitsrelevanter Embedded-Software
verschwimmt dabei
zunehmend.
Kennzeichnung
und Verpackung
Auch die Kennzeichnung medizinischer
Netzteile unterliegt erweiterten
Anforderungen. Neben klassischen
Angaben, wie Hersteller,
Typbezeichnung, Seriennummer
und den elektrischen Daten, müssen
abhängig von der Anwendung
zusätzliche Informationen berücksichtigt
werden, wie die Schutzklasse,
der IP-Schutzgrad, ISO-
Symbole, Betriebsbedingungen
und die Transport- und Lagerbedingungen.
Ebenso müssen Verpackung und
Transport nachweisen, dass Sicherheit
und Funktion während Lagerung
und Versand erhalten bleiben.
Produktänderungen
im medizinischen Umfeld
Auch wenn das Netzteil als Komponente
keiner eigenen medizinischen
Zulassung unterliegt, können
Änderungen sicherheitsrelevante
Eigenschaften beeinflussen
und damit direkte Auswirkungen
auf die Zulassung des medizinischen
Gesamtsystems haben.
Der formale Ablauf von Prüfungen
und sicherheitstechnischen Bewertungen
unterscheidet sich für Komponenten
im Medizinbereich nicht
grundsätzlich von anderen Normen
(z. B. EN 62368-1).
Der entscheidende Unterschied
liegt jedoch in der systemischen
Bewertung: Änderungen am Netzteil
müssen im Kontext der medizinischen
Anwendung, der Essential
Performance und des Risikomanagements
des Endgeräts betrachtet
werden.
Bei produktrelevanten Änderungen
sind daher insbesondere
zu bewerten:
• Auswirkungen auf Isolation,
Ableitströme und Schutzkonzept
(MOPP/MOOP)
• Veränderungen des Einzelfehlerund
SFC-Verhaltens
• thermisches und dynamisches
Verhalten
• Gültigkeit vorhandener Prüfberichte
Alle relevanten Änderungen und
aktualisierten Nachweise müssen
dem Endgerätehersteller bereitgestellt
werden, damit dessen technische
Dokumentation und Risikomanagementakte
fortgeschrieben
werden können.
Fazit
Die Entwicklung medizinischer
Netzteile erfordert weit mehr
als die Einhaltung klassischer
Sicherheitsnormen. Entscheidend
ist das Zusammenspiel
aus elektrischer Sicherheit, EMV,
Risikomanagement, Systemintegration,
Dokumentation und
normgerechter Entwicklungsorganisation.
Für den Netzteillieferant
bedeutet dies, frühzeitig gemeinsam
mit dem Kunden Anforderungen,
Einsatzumgebung und
Schutzkonzepte zu definieren,
um eine sichere und zulassungsfähige
Systemlösung zu ermöglichen.
Insbesondere Themen wie
MOPP-Isolation, EMV-Festigkeit,
Einzelfehlerzustand und
softwarebezogene Sicherheitsfunktionen
prägen heute die Entwicklung
moderner medizinischer
Netzteile maßgeblich.
Der Trend zu intelligenten, vernetzten
und mobilen Medizingeräten
wird diese Anforderungen
künftig weiter verschärfen –
gleichzeitig eröffnet er Chancen
für innovative, hochintegrierte
und sichere Stromversorgungslösungen.
◄
8 meditronic-journal 3/2026
Zukunft der Medizintechnik im Mittelpunkt
des Branchendialogs auf der MedtecLIVE 2026
Aktuelles
Die MedtecLIVE 2026 machte Stuttgart vom
5. bis 7. Mai zur zentralen Plattform für den Dialog
in der Medizintechnik – im Herzen Europas
und am Innovationsstandort Deutschland. Über
4.000 Entscheider und Projektverantwortliche
von Herstellern und Inverkehrbringern aus der
Medizintechnikbranche informierten sich bei spezialisierten
Zulieferbetrieben und Dienstleistern,
fokussiert und in kompakt gestalteten Formaten.
Damit wuchs die besucherseitige Beteiligung um
neun Prozent gegenüber der letzten Veranstaltung.
267 Anbieter aus 25 Ländern deckten die
komplette Wertschöpfungskette ab, angefangen
bei der Produktentwicklung über Produktion
und Auftragsfertigung bis zum Thema Consulting
und Services.
Die Zukunft der Medizintechnik
Aktuelle Themenschwerpunkte im Rahmenprogramm:
Das Rahmenprogramm mit den Themenschwerpunkten
Digitalisierung, Nachhaltigkeit
sowie Beiträgen zur Zukunft der Medizintechnik
traf den Puls der Zeit: Auf zwei gut besuchten
Vortragsbühnen präsentierten und diskutierten
Vertreter der Aussteller, Medizintechnik-Fachleute
sowie Experten aus der Verbandslandschaft
neueste Produkte, aktuelle Technologien
und zukünftige Herausforderungen für die
Medizintechnik.
MedtecLIVE
www.medteclive.com/de
meditronic-journal 3/2026
Starkes Netzwerk
Impulse der Branchenverbände im Rahmenprogramm:
Die Branchenverbände BME,
BVMed, IVAM, MedicalMountains, VDE, VDMA
HealthTech, ZVEI und die Allianz für nachhaltige
Medizintechnik gestalteten das Angebot
der Medizintechnikmesse mit. Sie brachten ihre
Perspektiven zu Themen wie Automatisierung,
Manufacturing X, Digitalisierung und KI sowie
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft ein. Der
VDMA HealthTech widmete sich in seinem Forum
der Automatisierung in der Medizintechnikproduktion,
Robotik und Smart Hospital IVAM, der
Fachverband für Mikrotechnik zeigte, wie intelligente
Smart-Health- und Care-Lösungen aus
der Mikrotechnik entstehen und der VDE DGBMT
gestaltete eine eigene Session zum Thema KI
in der Medizintechnik.
Formate von ZVEI, BVMed, BME, Medical-
Mountains, Medical Valley und der Allianz für
nachhaltige Medizintechnik widmeten sich Themen
rund um Kreislaufwirtschaft, Beschaffung,
Branchenstrategie, Cybersecurity und Künstlicher
Intelligenz. Geführte Touren zu Themenschwerpunkten
der Messe rundeten das Informationsangebot
ab.
Digitalisierung, Nachhaltigkeit
und die Zukunft der Medizintechnik
Das Exhibitor Forum bot kompakte, praxisnahe
Beiträge zu Künstlicher Intelligenz, Cybersecurity,
Regulatorik und Fertigungstechnologie. Aussteller
zeigten, wie Digitalisierung und KI unter regulatorischen
Vorgaben zur Prozessautomatisierung
eingesetzt werden, das Qualitätsmanagement
unterstützen sowie Einkaufs- und Vertriebsprozesse
optimieren. Zudem wurden Sicherheitsaspekte
der Digitalisierung beleuchtet, einschließlich
Angriffsszenarien auf vernetzte Geräte und
übertragbarer Cybersicherheitsstrategien. Im
Bereich Fertigung präsentierten die Aussteller
neue Bearbeitungsmethoden, innovative Werkstoffprozesse
und die wachsende Bedeutung der
Medizin elektronik. Einen integrativen Überblick
über die Wertschöpfungskette – vom Rohteil
bis zur Ver packung – gaben Laubscher, Foba,
Gindele, KKS Ultraschall, Kumavision und Medipack
in einem gemeinsamen Beitrag.
Glückliche Gewinner
beim MedtecLIVE Startup Contest
Mit dem international besetzten Gemeinschaftsstand
„Young Innovators“ sowie dem
MedtecLIVE Startup Contest bot die Veranstaltung
den Newcomern der Medizintechnik eine
exklusive Bühne. Im Startup Contest pitchten
addSensors, Pharca, pheal, Rivercyte, SoreAlert,
Spectroplast und Vprotect ihre Geschäftsideen
vor einer hochkarätigen Jury und dem
Fach publikum. Sie zeigten auf, wie die Medizintechnik
von morgen aussehen kann – mit neuen
Technologien und skalierbaren Geschäftsmodellen.
Den Pitch konnte Rivercyte für sich entscheiden.
Das Unternehmen aus Erlangen präsentierte
seinen Ansatz zur physikalischen Phänotypisierung
von Zellen mittels Deformabilitätszytometrie,
wobei mikrofluidische Lab-on-a-Chip-
Technologie, Hochgeschwindigkeitsmikroskopie
und KI-basierte Analyse kombiniert werden. Platz
zwei und drei gingen an die Firmen SoreAlert
und Vprotect für ein App-unterstütztes Sensorpflaster
zur Dekubitusprophylaxe und ein telemedizinisches
Angebot zur Herzvorsorge.
Bis zur kommenden Ausgabe wird das Angebot
erweitert durch die ganzjährige, digitale Medtec-
LIVE Community. Die 365-Tage-Plattform, die
mithilfe von Algorithmen ein Match zwischen den
Interessen der Teilnehmenden und dem relevanten
Content der Aussteller sicherstellt. Das
einzigartige Vernetzungs- und Informationsangebot
mit den wichtigsten Themen rund um die
Herstellung und Entwicklung von Medizin technik
bringt weit vor und nach der Messe Menschen
zu den für sie aktuellen Themen und Fragestellungen
zusammen.
Die nächste Ausgabe der Fachmesse
MedtecLIVE findet vom 2. bis 4. Mai 2028 in
Stuttgart statt. ◄
9
Stromversorgung
Wenn Stromversorgung zur Sicherheitsfrage in der Medizintechnik wird
Was Entwickler über EMV und Isolation
wissen müssen
Autoren:
Tamoor Sheikh
FAE Teamlead,
Landers Yeh
PM Teamlead
Delta Electronics EMEA,
Power and System Business Group
www.delta-emea.com
Stromversorgung ist eine zentrale, oft unterschätzte
Komponente elektronischer Systeme.
In vielen Anwendungen entscheidet ihre Auslegung
darüber, ob ein Gerät zuverlässig arbeitet
oder anfällig für Störungen ist. Besonders deutlich
wird dies in der Medizintechnik, wo Stromversorgungen
höchsten Sicherheitsanforderungen
genügen müssen – Anforderungen, die
zunehmend auch in industriellen Elektroniksystemen
relevant werden. Hier treffen höchste
Anforderungen an elektrische Sicherheit auf
strenge Vorgaben zur elektromagnetischen Verträglichkeit.
Medizinische Geräte müssen unter
allen Betriebsbedingungen stabil arbeiten und
dürfen weder Patienten noch Bedienpersonal
gefährden. Gleichzeitig müssen sie sich robust
gegenüber elektromagnetischen Störungen verhalten
und dürfen nur minimale elektromagnetische
Emissionen verursachen.
Technische Anforderungen
Welche technischen Anforderungen daraus
entstehen, zeigt die internationale Normenreihe
IEC 60601. Sie definiert detaillierte Vorgaben
für Isolation, Ableitströme und Störfestigkeit
medizinischer Geräte. Die aktuelle Fassung
IEC 60601-1 in der Ausgabe 3.2 kombiniert
verschärfte Prüfspannungs- und Isolationsanforderungen
mit einem stärkeren Fokus auf
Risiko management gemäß ISO 14971 und auf
die Bewertung der sogenannten wesentlichen
Leistungsfähigkeit eines Geräts. Für Entwickler
bedeutet dies, dass Stromversorgungen nicht
nur effizient arbeiten müssen, sondern gleichzeitig
kompakt, thermisch optimiert und normkonform
ausgelegt sein müssen.
Normen definieren
den Sicherheitsrahmen
Bevor ein medizinisches Produkt in Europa,
den USA oder Asien auf den Markt gebracht
werden darf, ist der Nachweis der Normkonformität
zwingend erforderlich. Ohne entsprechende
Zertifizierung dürfen Geräte weder verkauft
noch eingesetzt werden. Die IEC 60601-1
legt deshalb konkrete Mindestwerte für Isolationsspannungen
sowie für Kriech- und Luftstrecken
fest.
10 meditronic-journal 3/2026
Stromversorgung
Diese Abstände verhindern, dass elektrische
Ströme über Oberflächen oder durch die Luft
unkontrolliert überspringen. Während die Kriechstrecke
den Abstand entlang einer Oberfläche
beschreibt und vor leitenden Ablagerungen wie
Feuchtigkeit oder Staub schützt, bezeichnet die
Luftstrecke den direkten Abstand zwischen zwei
spannungsführenden Punkten. Beide Größen
spielen eine entscheidende Rolle für die elektrische
Sicherheit.
Verschiedene Schutzebenen
Die Norm unterscheidet zudem zwischen
verschiedenen Schutzebenen. MOOP steht für
„Means of Operator Protection“ und beschreibt
Maßnahmen zum Schutz des Bedienpersonals.
MOPP, „Means of Patient Protection“, stellt deutlich
strengere Anforderungen und betrifft Geräte,
die direkt mit dem Patienten in Kontakt kommen.
Je nach Anwendung fordert die Norm unterschiedliche
Isolationsspannungen sowie Mindestabstände
zwischen leitenden Teilen. Für
besonders kritische Anwendungen mit direktem
Patientenkontakt können beispielsweise Prüfspannungen
von bis zu 4.000 Volt sowie Kriechstrecken
von mindestens acht Millimetern erforderlich
sein. Auch die zulässigen Ableitströme
sind deutlich niedriger als in anderen elektronischen
Geräten.
Verschiedene Gerätekategorien
Zusätzlich unterscheidet die Norm zwischen
verschiedenen Gerätekategorien. Typ B
beschreibt Geräte ohne direkten Patientenkontakt
oder mit nur indirektem Kontakt. Typ BF
steht für Anwendungen mit direktem Hautkontakt,
während Typ CF Geräte mit direktem Kontakt
zum Herzen bezeichnet. Für diese Kategorie
gelten besonders strenge Grenzwerte, da
bereits kleinste Ströme lebensgefährliche Auswirkungen
haben können. In solchen Fällen müssen
die zulässigen Patientenableitströme deutlich
niedriger sein als bei anderen Anwendungen.
Elektromagnetische Verträglichkeit
im realen Einsatz
Neben der elektrischen Sicherheit ist die elektromagnetische
Verträglichkeit ein weiterer entscheidender
Faktor. Medizinische Geräte arbeiten
häufig in Umgebungen mit vielen potenziellen
Störquellen. Mobile Endgeräte, drahtlose
Kommunikationssysteme oder elektrostatische
Entladungen können elektromagnetische
Störungen verursachen, die zu Fehlfunktionen
führen. Diese reichen von temporären Messabweichungen
bis hin zu vollständigen Geräteausfällen.
Gerade bei medizinischen Systemen,
die Vitalfunktionen überwachen oder Patienten
unterstützen, kann eine solche Störung erhebliche
Folgen haben.
Die Norm IEC 60601-1-2 definiert deshalb
Anforderungen an die elektromagnetische
Verträglichkeit medizinischer Geräte.
Stromversorgungen müssen sowohl geringe
meditronic-journal 3/2026
elektromagnetische Emissionen aufweisen als
auch ausreichend störfest gegenüber externen
Einflüssen sein. Darüber hinaus ergänzt
die Norm IEC 60601-1-11 diese Anforderungen
speziell für Medizingeräte im häuslichen
Umfeld. Hier ist die elektromagnetische Umgebung
weniger kontrolliert als in klinischen Einrichtungen,
weshalb Geräte besonders robust
ausgelegt sein müssen.
Leistungsdichte und Effizienz
als Entwicklungsfaktor
Ein Beispiel für die praktische Umsetzung
solcher Anforderungen sind moderne medizinische
Netzteile mit hoher Leistungsdichte und
verbesserter Effizienz. Ein aktuelles Modell
aus der MEP-Serie von Delta Electronics nutzt
Gallium nitrid-Halbleiter, die höhere Schaltfrequenzen
und geringere Verluste ermöglichen.
Dadurch lässt sich eine hohe Leistungsdichte
realisieren, während gleichzeitig die thermische
Belastung reduziert wird. Das Netzteil erreicht
Ausgangsleistungen von bis zu 600 Watt und
kann auch bei erhöhten Umgebungstemperaturen
zuverlässig betrieben werden. Funktionen
wie ein zusätzlicher Standby-Ausgang, Remote-
Ein- und Ausschaltfunktionen sowie integrierte
Stromverteilung unterstützen die Integration in
komplexe medizinische Systeme.
Dank einer Isolation nach dem 2×MOPP-Standard
eignet sich das Netzteil insbesondere für
Anwendungen mit direktem Patientenkontakt,
etwa in Monitoringsystemen, Analysegeräten
oder bildgebenden Verfahren. Gleichzeitig erfüllt
es die relevanten Sicherheits- und EMV-Normen
wie IEC 60601-1 und EN 55032 Klasse B.
Dadurch lassen sich leitungs- und feldgebundene
Störaussendungen minimieren und gleichzeitig
eine hohe Störfestigkeit gewährleisten.
Fazit
Sicherheit entsteht durch das Zusammenspiel
vieler Faktoren. Die Kombination aus hoher
Energieeffizienz, kompakter Bauform und normgerechter
Isolation bildet eine wichtige Grundlage
für die Entwicklung moderner medizinischer
Geräte. Entwickler profitieren nicht nur von der
Einhaltung regulatorischer Anforderungen, sondern
auch von einer stabilen und zuverlässigen
Stromversorgung, die unter verschiedensten
Umwelt- und Störbedingungen konstante elektrische
Parameter liefert.
Gerade in sicherheitskritischen Anwendungen
zeigt sich, wie wichtig eine sorgfältig ausgelegte
Stromversorgung ist. Elektrische Sicherheit und
elektromagnetische Verträglichkeit sind dabei
keine isolierten Anforderungen, sondern eng
miteinander verknüpft. Nur wenn beide Aspekte
konsequent berücksichtigt werden, lassen sich
Geräte entwickeln, die im praktischen Einsatz
zuverlässig funktionieren. Das gilt für hochspezialisierte
medizinische Systeme ebenso wie
für viele andere elektronische Anwendungen,
in denen eine stabile und störungsfreie Stromversorgung
entscheidend ist. ◄
11
Stromversorgung
1000-W-AC/DC-Netzteil für Industrie,
Medizin und anspruchsvolle Umgebungen
Fortec Power erweitert Portfolio um die leistungsstarke SLB1000-Serie von Advanced Energy.
FORTEC Power GmbH
https://fortec-power.de/
Leistung und Zuverlässigkeit
im kompakten Format: Mit der
SLB1000-Serie bietet Advanced
Energy eine Stromversorgung mit
bis zu 1000 W Ausgangsleistung
im kompakten Enclosed- Design
(2,4“ × 5,2“ × 10,0“). Die Serie ist
für Anwendungen ausgelegt, die
hohe Leistungsdichte mit zuverlässigem
Dauerbetrieb verbinden
müssen – etwa in der Industrieautomation,
der Medizintechnik oder
in robusten Umgebungen wie dem
Defence-Bereich.
Weltweiter Einsatz
dank universalem
Eingangsbereich
Der weite Eingangsspannungsbereich
von 90 bis 264 VAC
(47-63 Hz) ermöglicht den welt weiten
Einsatz ohne weitere Anpassungen.
Der typische Leistungs faktor
von 0,99 gewährleistet dabei eine
netzfreundliche Integration gemäß
EN 61000-3-2.
Flexible Ausgangsvarianten
Die SLB1000-Serie ist als Single-
Output-Netzteil in drei Ausgangsspannungen
erhältlich: 12 V / 84 A,
24 V / 42 A sowie 48 V / 21 A –
jeweils mit 1000 W Ausgangsleistung.
Ein zusätzlicher 5-V-Standby-
Ausgang mit 2 A ermöglicht den Einsatz
in Systemen mit Standby-Funktionalität.
Die Ausgangsspannung
ist um ±5 % einstellbar.
Hoher Wirkungsgrad,
breiter Temperaturbereich
Mit einem typischen Wirkungsgrad
von über 85 % minimiert die
Serie Energieverluste und thermische
Belastungen. Der zuverlässige
Betrieb ist von -20 °C bis +70 °C
sichergestellt, mit linearem Derating
ab 40 °C. Die Serie ist zudem für
Betriebshöhen bis 5.000 m ausgelegt
und erreicht eine MTBF von
über 250.000 Stunden.
Umfassende
Schutzfunktionen
Integrierte Schutzmechanismen –
darunter Kurzschlussschutz (Auto-
Recovery), Überlastschutz (Hiccup
Mode), Überspannungsschutz sowie
Übertemperaturschutz (Latch Mode)
– gewährleisten einen sicheren
Systembetrieb. Die Ausgangsregelgenauigkeit
von ±1 % sowie eine
Transientenabweichung von maximal
±3,5 % sorgen für eine stabile
Versorgung empfindlicher Elektronik.
Erfüllt industrielle und
medizinische Normen
Die SLB1000-Serie ist nach IEC/
EN/UL 62368-1 (ITE) sowie ANSI/
AAMI ES60601-1 (Medical, BF)
zertifiziert und erfüllt die medizinische
EMV-Norm IEC 60601-1-2
(4th Edition). Die Isolation entspricht
2× MOPP mit 4.000 VAC Eingangs-/
Ausgangsisolation. Für EMV-Konformität
ist die Serie gemäß EN 55011/
EN 55032 Klasse B (leitungsgebunden)
qualifiziert. ◄
Leistungsstarke AC/DC- und kompakte DC/DC-Wandler
für moderne Medizintechnik
Murata erweitert Portfolio medizinisch zugelassener Stromversorgungen für Healthcare-Anwendungen
KAMAKA Electronic
Bauelemente Vertriebs GmbH
www.kamaka.de
Murata (Vertrieb: KAMAKA Electronic
Bauelemente Vertriebs GmbH)
präsentiert ein erweitertes Portfolio
an medizinisch zugelassenen Stromversorgungen
für Healthcare- und
Medizintechnik-Anwendungen. Die
neuen AC/DC- und DC/DC-Wandler
kombinieren hohe Effizienz, kompakte
Bauformen und umfassende
Sicherheitszertifizierungen für den
Einsatz in anspruchsvollen medizinischen
Geräten.
12 meditronic-journal 3/2026
Stromversorgung
AC/DC-Stromversorgungen (75–320 W) für
Industrie, Medizintechnik und Haushaltsgeräte
Mit der Mean Well NSP-Serie bringt Fortec Power eine leistungsstarke Nachfolgegeneration
der bewährten RSP-Serie ins Portfolio – kompakter, breiter zertifiziert und für den globalen Einsatz
Die NSP-Serie wurde als direkte
Nachfolgegeneration der RSP-Serie
konzipiert und überzeugt durch eine
kompaktere Bauform, einen erweiterten
Betriebstemperaturbereich
von -40 °C bis +85 °C sowie ein
breites Portfolio an Sicherheitszertifizierungen.
FORTEC Power GmbH
https://fortec-power.de/
Die Zulassungen umfassen unter
anderem IEC/EN/UL 62368-1,
60601-1, 61010-1, 61558-1, 62477-1,
IEC/EN 60335-1 und SEMI F47 —
und decken damit die Anforderungen
vieler internationaler Märkte ab.
Der weite Eingangsspannungsbereich
von 85 bis 305 V AC macht
die Serie besonders robust gegenüber
Spannungsschwankungen im
Netz und ermöglicht den Betrieb mit
277 V AC in Nordamerika.
Lüfterloses Design,
hoher Wirkungsgrad,
medizintauglich
Die Modelle NSP-75 bis NSP-200
arbeiten vollständig lüfterlos und
ermöglichen so einen geräuscharmen
Betrieb. Die NSP-320 ist mit
einem leisen Lüfter ausgestattet,
der unter 40 dB bleibt. Alle Modelle
erreichen einen Wirkungsgrad von
bis zu 94,5 % und bieten eine Peak-
Leistung von bis zu 200 % für maximal
5 Sekunden — ideal für Applikationen
mit hohem Einschaltstrom.
Für den medizinischen Einsatz
besonders relevant: Die NSP-Serie
verfügt über einen Ableitstrom von
unter 350 µA, eine 2x-MOPP-Isolation
und die Geräteklassifizierung
BF. Das Conformal Coating der Leiterplatten
schützt zusätzlich gegen
Feuchtigkeit.
Serienmäßig an Bord sind Schutzfunktionen
gegen Kurzschluss,
Überlast, Überspannung, Unterspannung
und Übertemperatur.
Technische Daten
im Überblick
• Leistungsbereich: 75 - 320 W
• Eingangsbereich: 85 - 305 V AC
• Wirkungsgrad: bis zu 94,5 %
• Betriebstemperatur:
-40 °C bis +85 °C
• Spitzenleistung: 200 % / 5 Sek.
• Betriebshöhe: max. 5.000 m
• Ableitstrom: < 350 µA
• Garantie: 5 Jahre
Verfügbare Modelle
Die Modelle NSP-75, NSP-100,
NSP-150, NSP-200 und NSP-320
sind ab sofort bei Fortec Power
bestellbar. Darüber hinaus ist die
NSP-Serie auch in den Leistungsklassen
NSP-500 und NSP-750
erhältlich.
Zertifizierungen und Normen
• IEC/EN/UL 62368-1
• IEC/EN/UL 60601-1
• IEC/EN 61010-1
• IEC/EN 61558-1
• IEC/EN 62477-1
• IEC/EN 60335-1
• SEMI F47
• EN 55032
• EN 60601-1-2
• CCC
• EAC
• CE
• UKCA ◄
Speziell ausgelegte
Lösungen
Im Bereich der Low-
Power- DC/DC-Wandler bietet
Murata Lösungen mit geringer Koppelkapazität
und niedrigen Leckströmen,
speziell ausgelegt für sensible
medizinische Anwendungen.
Die Gate-Drive-DC/DC-Converter
zeichnen sich unter anderem
durch eine hohe dV/dt-Festigkeit
von 80 kV/µs, robuste Teilentladungsperformance
sowie flexible
Einsatzmöglichkeiten bis 3 kVDC
Zwischenkreisspannung aus. Zudem
unterstützen sie Ausgangsleistungen
von 1 bis 6 Watt und einen Betrieb
bis 105 °C.
Anwendungsbereiche
für DC/DC-Wandler
Die DC/DC-Wandler eignen sich
insbesondere für Anwendungen
wie MRT- und Röntgensysteme,
Ultraschallgeräte, Infusionspumpen,
CPAP-Systeme, Telehealth-
Lösungen sowie Robotik.
AC/DC-Serien
Für Anwendungen mit höherem
Leistungsbedarf stellt Murata die
AC/DC-Serien PQC250, MVAC400
und PQU650 vor. Diese decken
Leistungsbereiche von 250 W bis
650 W ab und erfüllen aktuelle medizinische
Sicherheitsstandards nach
IEC60601-1. Die Stromversorgungen
bieten hohe Wirkungsgrade von
bis zu 95 %, geringe Standby-Verluste
sowie kompakte Bauformen
für platzkritische Designs.
Die 250-W-Serie PQC250 arbeitet
lüfterlos bis 50 °C beziehungsweise
mit 200 W bis 70 °C und
erreicht eine MTBF von über zwei
Millionen Stunden. Die MVAC400-
Serie bietet 400 W Ausgangsleistung
bei bewegter Luft und erfüllt
die Anforderungen der dritten Edition
der IEC60601-1-Norm. Für
besonders leistungsintensive Systeme
steht die PQU650-Serie mit
bis zu 650 W Ausgangsleistung
und 800 W Spitzenleistung zur
Verfügung.
Anwendungsbereiche
für AC/DC-Wandler
Typische Einsatzgebiete der
leistungsstarken AC/DC-Wandler
sind Beatmungsgeräte, Ultraschallmonitore,
ECG-Systeme,
Krankenhausbetten, Operationsbeleuchtungen,
Blutdruckmessgeräte
und Inkubatoren.
Mit dem erweiterten Port folio
adressiert Murata die steigenden
Anforderungen moderner Medizintechnik
hinsichtlich Sicherheit,
Zuverlässigkeit und Energieeffizienz
und unterstützt Entwickler
bei der schnellen Realisierung
normgerechter Healthcare-
Systeme. ◄
meditronic-journal 3/2026
13
Stromversorgung
Medizinische ATX-Netzteile
für Bildgebung und Edge-KI
Das neue medizinische ATX-Netzteil von FSP zeigt worauf es ankommt:
IEC 60601-1/62368-1 konform, 80 PLUS Gold, verfügbar mit 900 W und 1000 W.
Seit jeher benötigen medizinische Geräte
Netzteile, die strenge Sicherheits- und Zuverlässigkeitsstandards
erfüllen. Der schnelle Aufstieg
von KI im Gesundheitswesen verändert
diese Anforderungen. Wenn sich die KI-Inferenz
an den Point of Care auf klinische PCs verlagert,
müssen Systeme hochauflösende Bildgebung
verarbeiten und Modelle lokal ausführen
- mit höherer Rechendichte und größerem
Leistungsbedarf.
Diese Konvergenz von Medizin und KI macht
das Design der Stromversorgung in klinischen
PCs zum kritischen Faktor. In den folgenden
Abschnitten zeigen wir, was bei medizinischen
Netzteilen zählt und wie das ATX-Portfolio
von FSP Power Solution diese Anforderungen
erfüllt - bis hin zu seinen neuesten 900-W- und
1000-W-Hochleistungsmodellen für Bildgebung
und Edge-KI-Anwendungen.
Worauf kommt es an?
Die Anforderungen an das Netzteildesign
medizinischer Netzteile bis zu Bildgebungs- &
KI-Geräten sind enorm gestiegen:
Sicherheit und Stabilität
Medizinische Bildgebungs-PCs müssen
zunächst grundlegende Anforderungen an Sicherheit
und Stabilität erfüllen. Diese stellen sicher,
dass das Gerät in regulierten Gesundheitsumgebungen
zuverlässig arbeiten kann:
• Konformität mit IEC 60601-1 / IEC 62368-1
• Typ-BF-Isolation und MOPP-Schutz
• Stabile 12-V-Schienen für den Dauerbetrieb
• Zertifizierungen wie CE / UL / CB
FSP POWER SOLUTION GMBH
www.fsp-ps.de
Gestiegene Leistungsanforderungen
KI-gestützte Bildgebungssysteme bringen
neue Leistungsanforderungen mit sich. Wenn
Workloads mit GPUs und Multi-Board-Konfigurationen
skalieren, müssen medizinische Netzteile
mehr Kapazität und Effizienz liefern:
• Höhere Ausgangsleistung (≥900 W) zur
Unterstützung von GPUs und Multi-Board-
Konfigurationen
• Höhere Effizienz zur Reduzierung der Wärmeentwicklung
in kompakten Gehäusen
Diese zusätzlichen Anforderungen sind entscheidend
für Geräte zur Echtzeitüberwachung
und Systeme zur Hochgeschwindigkeitsdatenübertragung,
bei denen unterbrechungsfreie
Leistung und geringe Latenz wesentlich sind.
Das medizinische ATX-Portfolio von FSP
Power Solution deckt beide Ebenen ab. Die
neuen 900-W- und 1000-W-ATX-Modelle erfüllen
nicht nur Konformität und Stabilität für medizinische
Geräte, sondern stellen auch die nötigen
Leistungsreserven und die 80-PLUS-Gold-
Effizienz für Bildgebungs-Workloads der nächsten
Generation und die KI-Integration bereit.
FSP Portfolio
und Compliance-Überblick
FSP Power Solution bietet ein breites ATX-
Portfolio medizinischer Netzteile für medizinische
PCs, validiert nach zentralen Normen:
• Konformität mit IEC 60601-1 / IEC 62368-1 für
Sicherheit und behördliche Zulassung
• CE- / UL- / CB-Zertifizierungen je nach Modell
verfügbar
• 80-PLUS-Gold-Effizienz bei einem Großteil
des Portfolios - senkt Wärmeentwicklung
und Betriebskosten und unterstützt Nachhaltigkeitsziele
• Verfügbar in mehreren Formfaktoren, passend
für unterschiedliche Layouts medizinischer
Systeme
• 250 - 500 W - ideal für Bildgebungskonsolen,
Controller und Lichtquellen-Subsysteme
• 700 - 1000 W - für Hochleistungs-Bildgebungs-
PCs und KI-Workloads mit GPUs und erweiterter
Rekonstruktion. Top-Auswahl: 900-Wund
1000-W-ATX-Modelle mit Reserven für
die KI-Integration der nächsten Generation.
Medizinische Anwendungen
für Bildgebung und Edge-KI
KI-Technologien werden rasch Teil der klinischen
Routine - von Diagnostik bis Monitoring
- und erhöhen Rechenlast sowie Zuverlässigkeitsanforderungen
in medizinischen PCs.
Mit der Weiterentwicklung dieser Systeme liefern
medizinische Netzteile die konstante, hohe
Leistung für klassische Bildgebung und neue
KI-Workloads.
KI verbessert diese medizinischen Anwendungen,
erhöht jedoch auch deren Leistungsanforderungen.
Präzisere Diagnosen verlangen
schnellere Bildanalyse, kontinuierliches Monitoring
braucht stabilen Langzeitbetrieb, und Entscheidungen
in Echtzeit verlagern schwerere
Modelle in den lokalen Betrieb. Daraus ergibt
sich der Bedarf an stärkeren, effizienteren Netzteilen,
die höhere Lasten tragen, ohne Konformität
oder Zuverlässigkeit zu gefährden.
14 meditronic-journal 3/2026
Stromversorgung
Vorteile
der KI-gestützten medizinischen Anwendungen
und deren Anforderungen an Netzteile
• Verbesserte Diagnostik: Stabiles ATX-Netzteil
für fortgeschrittene Bildanalyse und Diagnoseplattformen.
• Hochauflösende Darstellung: Zuverlässige
Versorgung für medizinische Displays
und kontinuierliche Visualisierung.
• Echtzeit-Überwachung: Unterbrechungsfreie
Versorgung für Patientenmonitoring und
klinische Systeme.
• Höhere Datenübertragungsgeschwindigkeit:
Schnellere, präzisere Handhabung medizinischer
Bilddaten.
• KI-Integration: Bei Integration diskreter KI-
Technologie in medizinische PCs bieten medizinische
Netzteile mit 900 W und 1000 W
den nötigen Spielraum und die Konformität
für sicheren Betrieb.
Als Lösung präsentiert FSP Power Solution
seine 900-W- und 1000-W-ATX-Modelle - speziell
ausgelegt für moderne Bildgebungssysteme
und KI-gestützte medizinische PCs.
Medizinische Hochleistungs-ATX-
Netzteile für Bildgebung und Edge-KI
FSP900Mß60PJ
Das FSP900M-60PJ ist ein kompaktes
1U-medizinisches ATX-Netzteil für platzkritische
Bildgebungs-PCs. Mit 240 × 100 × 41 mm und
900 W bietet es effiziente, emissionsarme Leistung
und eignet sich für CT-Systeme, Ultraschallgeräte,
Röntgendisplays und Endoskopie-Plattformen.
Features im Überblick:
• 900 W Ausgangsleistung
• 1U-Bauform (240 × 100 × 41 mm)
• IEC 60601-1 & IEC 62368-1 zertifiziert
• Intel ATX12V v3.0 konform
• 80 PLUS Gold-Effizienz
• EN 55011 Klasse B konform
• Typ-BF-Isolation
• Betrieb bis 5.000 m Höhe
meditronic-journal 3/2026
FSP 1000M-60PG
Zuverlässige 1000-W-Leistung für optimale
Performance: Das FSP1000M-60PG ist ein
PS/2-medizinisches ATX-Netzteil für Bildgebungs-PCs
und Edge-KI-Workstations mit intensiver
GPU-Nutzung. Mit Standardmaßen von 165
× 150 × 86 mm und insgesamt 1000 W unterstützt
es moderne diagnostische Workloads
und Multikarten-Systeme. Außerdem erfüllt es
die Emissions- und Sicherheitsanforderungen
für den klinischen Einsatz.
Features im Überblick:
• 1000 W Ausgangsleistung
• ATX-Abmessungen 165 × 150 × 86 mm
• IEC 60601-1 & IEC 62368-1 zertifiziert
• Intel ATX12V v3.0 konform
• 80 PLUS Gold-Effizienz
• EN 55011 Klasse B konform
• Typ-BF-Isolation
• Betrieb bis 5.000 m Höhe
FSP900M-60PJ für medizinische
Edge-KI-Workstation
Ein Beispiel aus der Praxis: Diese medizinische
Edge-KI-Workstation vereint KI-Computing und
Bildgebung in einer kompakten Plattform und
ist für anspruchsvolle vielfältige Anwendungen
ausgelegt, darunter:
• KI-Integration in der Chirurgie
• Radiologie und Bildzuordnung
• Orthopädische Navigation
• Medizinische Mobilität und erweiterte
Diagnostik
Um diese Fähigkeiten zu erreichen, benötigte
das System ein 900-W medizinisches ATX-
Netzteil, das Hochleistungs-GPUs und mehrere
PCIe-Erweiterungskarten zuverlässig versorgt.
Das FSP900M-60PJ erfüllte diese Anforderungen
mit:
• Support für Intel Core i7 & i9 der 12./13./14.
Generation
• Kompatibilität mit NVIDIA A6000 und Dual-
Capture-Card-Konfigurationen
• Medizinischer Zertifizierung: 2 × MOPP &
2 × MOOP
• 900 W Ausgangsleistung und ATX-3.0-
Konformität für moderne medizinische PCs
• Flexibler PCIe-x16/-x8/-x4-Erweiterung für
unterschiedliche Workloads
Mit dem FSP900M-60PJ erfüllte die Workstation
sowohl Compliance- als auch Performance-Vorgaben:
stabile 12-V-Versorgung für
GPU-lastige Aufgaben, verkürzte Verifizierungszeit
durch Zertifizierungen und die Möglichkeit,
KI-gestützte Bildgebung direkt am Point of Care
auszuführen.
Vorteile:
Zentrale Vorteile und Gründe für die Wahl medizinischer
Netzteile von FSP Power Solution für
• Dokumentation und Kennzeichnungen:
CE / UL / CB (je nach Modell) zur Erfüllung
der gestiegenen Anforderungen bei Zulassungsprozessen
• Spezialisiert für Bildgebung
und Edge-KI:
Die Netzteile sind für den Einsatz in der
Medizin technik und im medizinischen Bereich
entwickelt und gefertigt
• Compliance first:
IEC 60601-1 / IEC 62368-1, BF-Klasse-
Anwendung, MOPP (je nach Modell)
• Effizienz:
80 PLUS Gold bescheinigt einen hohen Wirkungsgrad,
sodass weniger Energie in Form
von Wärme verloren geht
• Kundenspezifische medizinische
Netzteile:
Die Netzteile werden a ndie Anforderungen des
Produktes angepasst, z. B. Kabelbaumlängen/-
abschlüsse, Halterungen, Lüfter etc
• ISO-zertifizierter Support:
FAE mit ISO 9001 & ISO 13485 für regulierte
Umgebungen ◄
15
Stromversorgung
Für jedes Kühlkonzept die richtige Lösung
Bild 1: TDK-Lambda 250-W Open-Frame-Netzteil
CUS250M
Bevor mit der Konstruktion des Gehäuses
für ein neues elektronisches oder elektrisches
System begonnen wird, sollten einige grundlegende
Überlegungen angestellt werden. Die
mechanischen Abmessungen werden häufig
vom Projektmanager unter Design- und Marketinggesichtspunkten
festgelegt. Ein ansprechendes
Äußeres und möglichst kompakte
Abmessungen stellen in vielen Anwendungen
ein entscheidendes Kriterium für den Markterfolg
der neuen Entwicklung dar und stehen
daher im Focus. In der Frühphase der technischen
Machbarkeitsstudie wird häufig eine
3D-Modellierung durchgeführt, um festzustellen,
ob alle erforderlichen Teile und Baugruppen
tatsächlich in die geplanten Abmessungen
passen werden.
Kühlung einplanen
Normalerweise wird in diesem Zusammenhang
auch definiert, wie das System gekühlt
werden soll. Bei einem medizinischen Gerät
zum Einsatz in unmittelbarer Nähe zum Patienten
wird in der Regel sehr viel Wert auf einen
möglichst geräuscharmen Betrieb gelegt. Aus
diesem Grund versucht man soweit möglich auf
eine Lüfterkühlung ganz zu verzichten oder die
damit verbundene Geräuschbelastung zumindest
so weit wie möglich zu reduzieren.
Auch bei Geräten für Büro- oder Industrieumgebung
kann die Geräuschentwicklung ein
bedeutendes Kaufkriterium darstellen oder es
ergeben sich Beschränkungen hinsichtlich der
Anzahl, Größe und Position möglicher Kühlöffnungen.
Staub und andere Verunreinigungen in
der unmittelbaren Umgebung – insbesondere
leitfähige oder brennbare – lassen eine aktive
Lüfterkühlung und die dafür erforderlichen Öffnungen
im Gehäuse nicht immer zu.
Geräte zum Rack-Einbau
Bei Geräten zum Rack-Einbau, wie sie typischerweise
in den Bereichen Testsysteme, Telekommunikation
oder IT/Server eingesetzt werden,
wird in der Regel immer eine Luftstromrichtung
vom Anwender vorgegeben. Nahezu überall
wo die Systeme zugänglich aufgestellt sind
oder gar Bedien- und Anzeigeinstrumente auf
der Frontseite angebracht sind, wird kühle Luft
an der Frontseite eingesaugt und auf der Rückseite
ausgestoßen. Verständlich, denn niemand
möchte ununterbrochen warme Luft ins Gesicht
geblasen bekommen, während man Instrumente
abließt oder Einstellungen vornimmt.
Thermische Simulation
Sobald die Anordnung der wichtigsten Teile
und Baugruppen im Gehäuse definiert ist, sollte
eine computergestützte thermische Simulation
Bild 2: TDK-Lambda 250-W-Netzteil CUS250M
im Gehäuse
durchgeführt werden. So lassen sich Bereiche
lokalisieren, in denen die Abwärme mehrerer
Komponenten sich aufsummiert und in Temperaturen
mündet, welche die Lebenserwartung oder
gar die Funktionssicherheit des Endgerätes in
einem nicht akzeptablen Umfang beeinträchtigen
würde. Mit der thermischen Simulation lässt
sich der erforderliche Luftstrom ermitteln und
daraus dann erforderliche Gehäuseöffnungen
sowie Luftmenge und/oder die Strömungsgeschwindigkeit
von Lüftern ableiten.
Geeignete Netzteile bestimmen
Bei Geräten zum Betrieb an der typischen
Netzspannung (Steckdose) kommen in der
Regel ein oder mehrere AC/DC-Netzteile zum
Einsatz. In vielen Entwicklungen liegt es im Verantwortungsbereich
von Elektro- oder Maschinenbaukonstrukteuren,
geeignete Netzteile zu
bestimmen.
Für unsere nachfolgende Betrachtung gehen
wir davon aus, dass ein handelsübliches Standard-Netzteil
mit einer Leistung von 250 W benötigt
wird. In diesem Leistungsbereich gibt es ein
Autor:
Udo Schweizer
Technical Marketing Manager
TDK Lambda EMEA
www.emea.lambda.tdk.com/de
Bild 3: Natürlicher Luftstrom um ein konvektionsgekühltes Netzgerät
16 meditronic-journal 3/2026
Stromversorgung
Bild 4: Leistungshalbleiter in SMD-Technik
auf der Unterseite des CUS250M
breites Angebot unterschiedlicher Bauformen.
Open-Frame Designs bestehen in der Regel
nur aus einer bestückten Leiterplatte. Sie verfügen
über auf der Leiterplatte bestückte Steckoder
Schraubklemmen (je nach Stromstärke) für
den Netzeingang und den DC-Ausgang sowie
vier Bohrungen in den Ecken der Leiterplatte.
Die Montage im System erfolgt üblicherweise
mittels Schrauben und Distanzhülsen (Bild 1).
Open-Frame-Netzteil
Ein Open-Frame-Netzteil kann seine Verlustwärme
einfach nach allen Seiten abstrahlen und
stellt zudem die kostengünstigste Lösung dar.
Der Einbau im Endgerät muss aber so erfolgen,
dass Anwender oder Servicepersonal nicht aus
Versehen in Kontakt mit spannungsführenden
oder heißen Teilen kommen können. Die Anforderungen
zur Begrenzung leitungsgebundener
und abgestrahlter Störungen im Rahmen der
EMV-Richtlinie können es ferner erforderlich
machen, das Netzteil mit Blechen abzuschirmen.
Beide Punkte schränken die Wärmeabstrahlung
der Open-Frame Konstruktion ein und dürfen
bei der thermischen Betrachtung keinesfalls
vernachlässigt werden.
Stromversorgungen in geschlossener Bauweise
(Bild 2) sind teilweise oder vollständig
von einem Metallgehäuse umgeben.
Abdeckungen können Wärme ableiten
Diese Abdeckungen schränken die natürliche
Konvektion zuerst einmal mehr oder minder stark
ein. Gleichzeitig sind die Gehäuseteile aber in
Bild 6: „Lückenfüller“ zwischen Leiterplatte
und Gehäuse
meditronic-journal 3/2026
der Lage, Wärme von Leistungshalbleitern wie
den Schalt-MOSFETs und dem Ausgangsgleichrichter
(oder FETs) aufzunehmen bzw. sogar
auf das Gehäuse des Gesamtgerätes zu übertragen.
Je nach verwendetem Gehäusematerial
und dessen Stärke lässt sich so sehr viel
Wärme abführen. Dickere Aluminiumbleche leiten
beispielsweise wesentlich mehr Wärme ab
als Stahlbleche.
Elektromagnetische Störungen
Die Abdeckung des Netzteils und zu gewissen
Teilen auch das Montageprofil schirmen zum
einen unerwünschte elektromagnetische Störungen
ab und schützen Anwender oder Wartungstechniker
vor Stromschlägen durch unbeabsichtigten
Kontakt mit spannungsführenden Teilen.
Das Gehäuse verursacht aber auch zusätzliche
Kosten, so dass der Preis eines Netzteils
mit geschlossenem Gehäuse gegenüber einer
Open-Frame Version höher ausfällt.
Zuverlässigkeit im Feld
Der störungsfreie Betrieb eines AC/DC-Netzteils
über viele Jahre wird in hohem Maße durch
die Umgebungstemperatur und damit einhergehend
einer zuverlässigen Kühlung beeinflusst. In
Stromversorgungen werden Elektrolytkondensatoren
sowohl zur Speicherung als auch zur Filterung
eingesetzt. Ihre Lebensdauer ist sehr stark
temperaturabhängig. Als Faustformel rechnet
man mit einer Halbierung je 10 °C Temperaturanstieg.
Eine um 20 °C höhere Umgebungstemperatur
hat somit eine Reduzierung der Lebensdauer
der Kondensatoren um 75 % zur Folge.
Kondensatoren
Ein Hochspannungs-Zwischenkreiskondensator
verhindert, dass bei einem Abfall oder
gar vollständigem Ausfall der Netzspannung im
Zeitbereich von typisch bis zu 20 Millisekunden,
irgendwelche Beeinträchtigungen am Ausgang
des Netzteils auftreten. Niederspannungskondensatoren
kommen auf der Ausgangsseite zum
Einsatz, um die hochfrequente Restwelligkeit des
Schaltreglers zu glätten und die Ausgangsspannung
bei plötzlichen Lastsprüngen zu stabilisieren.
Weitere Elektrolytkondensatoren kommen in
der internen Hilfsversorgung für die Steuer- und
Regelkreise zum Einsatz. Ein Nachlassen dieser
Kondensatoren führt zunächst zu Beeinträchtigungen
der Regelgüte des Netzteils und kann
am Ende sogar in einem Totalausfall münden.
Kühlung eines Netzteils
Es gibt verschiedene Methoden ein Netzteil
zu kühlen, um einen zuverlässigen Betrieb zu
gewährleisten. Dazu gehören Konvektionskühlung,
Kühlung mittels Luftstrom und Kontaktkühlung.
Diese können auch kombiniert werden, um
die Abwärme der internen Bauteile des Netzteils
möglichst gut abzuleiten. Bis vor kurzem waren
die meisten Open-Frame-Netzteile auf Konvektionskühlung
oder einen Luftstrom (in der
Bild 5: CUS250M/F mit integriertem,
oben montiertem Lüfter
Regel durch einen externen Lüfter) ausgelegt.
In jüngster Zeit haben die Hersteller nun neue
Netzteil-Designs auf den Markt gebracht, die
mit verschiedenen Gehäuseformen neue Möglichkeiten
und mehr Flexibilität zur Wärmeabfuhr
in den Systemen der Anwender eröffnen.
Konvektionskühlung
Bei Konvektionskühlung steht kein künstlich
erzeugter Luftstrom zur Verfügung. Nur das
physische Gesetz, nachdem erwärmte Luft aufsteigt,
muss ausreichend eine zuverlässige Wärmeabfuhr
sichergestellen (Bild 3). Wird dieser
Luftstrom, der typischerweise nur etwa 0,3 m/s
beträgt, durch umliegende Komponenten oder
ein Gehäuse beeinträchtigt, führt dies unmittelbar
zu wesentlich höheren Bauteiltemperaturen.
Forcierte Kühlung
Bei forcierter Kühlung wird ein externer Lüfter
eingesetzt, der einen Luftstrom über bzw.
durch das Netzteil leitet, um die Komponenten
zu kühlen. Die Richtung des Luftstroms ist
dabei ebenso wichtig wie das erforderliche Luftvolumen.
Daher sollten die Hersteller unbedingt
Angaben zur optimalen Richtung des Luftstroms
und zu dessen Mindestgeschwindigkeit machen.
Ferner ist eine Referenztabelle mit den maximal
zulässigen Bauteiltemperaturen unerlässlich.
Bei dem in Bild 1 dargestellten Open-Frame-
Netzteil CUS250M sind keinerlei Leistungshalbleiter
auf Kühlkörpern zu erkennen. Dies
ist zum Teil dem hohen Wirkungsgrad von bis
Bild 7: CUS250M/U mit U-Gehäuse
17
Stromversorgung
Bild 8a: Ausgangsleistung vs. Umgebungstemperatur (Konvektionskühlung)
Bild 8b: Die Ausgangsleistung ist abhängig von der Umgebungstemperatur
(bei Konvektions- und Kontaktkühlung)
zu 94 % zu verdanken, aber auch einer Besonderheit
im Design: Die Leistungshalbleiter
wurden ausnahmslos in SMD-Technik auf der
Unterseite der Leiterplatte angeordnet. Daraus
resultieren sehr geringe thermische Verluste
zur Leiterplatte hin (Bild 4). Dieses „saubere“
Design erlaubt mehr Freiräume auf der Oberseite
und damit ungehinderte Zirkulation der
Luft um die Bauteile.
Integrierter Lüfter
Wenn im Endgerät kein forcierter Luftstrom
bereitgestellt werden kann, bieten die Netzteilhersteller
häufig Modelle mit integriertem Lüfter
an (Bild 5). So lange weder die ein- noch die
ausströmende Luft anderweitig eingeschränkt
wird, ist der zuverlässige Betrieb des Netzteiles
innerhalb seiner Spezifikationen gewährleistet.
Dies vereinfacht die Konstruktion des Systems
sowohl aus mechanischer als auch aus thermischer
Sicht. Die Größe des vom Hersteller
vorgesehenen Lüfters bestimmt den Geräuschpegel.
Ein größerer Lüfter kann das gleiche
Luftvolumen mit einer viel geringeren Drehzahl
erzeugen als ein kleinerer Lüfter. Daher hat ein
Netzteil mit einem größeren Lüfter in der Regel
ein geringeres hörbares Geräusch. Ein größerer
Lüfter lässt aber immer die Größe des Netzteils
mit wachsen und hier gilt es den optimalen
Kompromiss zu finden.
Kontaktkühlung
ist ideal für Anwendungen, bei denen nur
geringe oder gar keine hörbaren Geräusche
akzeptiert werden und gleichzeitig auch
keine Lüftungsöffnungen oder Lüfter im System
möglich sind. Dies gilt beispielsweise für
medizinische Geräte, bei denen das permanente
hochfrequente Laufgeräusch eines Lüfters
vom Patienten als störend oder ermüdend
wahrgenommen wird und damit seine Genesung
behindert.
Auch bei Einsatz in der freien Natur oder in
hermetisch dichten Gehäusen kann die Abwärme
einer Stromversorgung über Kontaktkühlung
an das umgebende Gehäuse abgegeben werden,
dessen Oberfläche nach Bedarf noch mit
Kühlprofilen maximiert wird. Kontaktkühlung ist
ebenfalls die Basis für alle wasser- oder peltiergekühlten
Anwendungen.
Wärmeleitmaterialien
Wie bereits erwähnt, sind bei einem Netzteil
wie dem CUS250M alle Leistungshalbleiter in
SMD-Technik ausgeführt und auf der Unterseite
der Leiterplatte angeordnet. Am Markt ist heute
ein riesiges Angebot an Wärmeleitmaterialien
unterschiedlichster Materialstärke mit hoher
Wärmeleitfähigkeit und geringem thermischen
Widerstand verfügbar. Damit lassen sich die
Lücken zwischen Bauteilen unterschiedlicher
Höhe und dem Gehäuseteil unter dem Netzteil
auffüllen und damit eine optimale Wärmeabfuhr
mittels Kontaktkühlung erzielen (Bild 6).
Zur optimalen Kontaktkühlung kann ein Netzteil
mit einer Metallgrundplatte oder einem
U-Gehäuse ausgestattet werden (Bild 7).
Derating-Kurven beachten
Unabhängig davon, welche Kühlmethode ausgewählt
wurde, dürfen die Derating-Kurven des
Herstellers nicht außer Acht gelassen werden,
um sicherzustellen, dass das Netzteil innerhalb
seiner Nennwerte betrieben wird. Diese sind in
der Regel schon im Datenblatt oder in einem
Installationshandbuch oder weiteren detaillierten
Anwendungshinweisen zu finden.
Zur Veranschaulichung greifen wir erneut
auf das Netzteil CUS250M als Beispiel
zurück. Bild 8a zeigt, dass das Netzteil
mit reiner Konvektionskühlung bei einer
Umgebungstemperatur von 30 °C volle 200 W
Ausgangsleistung liefern kann, bei einer Umgebungstemperatur
von 50 °C aber nur noch 160 W.
Kontaktkühlung
erhöht Ausgangsleistung
Durch Kontaktkühlung mit der U-Gehäuse-
Option (Bild 8b, orangefarbene Linie) kann das
Netzteil bei 30 °C Umgebungstemperatur dagegen
sogar 250 W liefern. Die Leistungshalbleiter
können hier mehr Verlustwärme über die Grundplatte
an das Metallgehäuse abführen und dadurch
sind höhere Ausgangsleistungen möglich.
Wird das U-Gehäuse im Endgerät auf ein Kühlprofil
oder ein thermisch gut leitfähiges Systemgehäuse
montiert (Bild 8b, grüne Linie), verbessert
sich die Wärmeabfuhr weiter, so dass das
Netzteil die volle Leistung von 250 W nun bis
zu 45 °C Umgebungstemperatur und 230 W bis
zu 50 °C erbringen kann.
Grundsätzlich sollten die kritischen Bauteiltemperaturen
eines Netzteils unter realen Bedingungen
in der endgültigen Einbausituation im
Endgerät gemessen werden.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine
Netzteilserie mit für verschiedene Kühlungsarten
optimierten Varianten, für alle Herausforderungen
im Systemdesign stets die optimale
Lösung bieten kann. Im Gegensatz zu einem
vordergründig auf Konvektionskühlung ausgelegten
Open-Frame-Netzteil lässt sich die vom
Gesamtsystem geforderte Leistung auch unter
erschwerten Umgebungsbedingungen mit einem
kompakteren Gerät bereitstellen. Dies reduziert
den erforderlichen Platzbedarf im Gesamtsystem
und bietet obendrein Einsparpotentiale
bei Gewicht und nicht zuletzt den Kosten. ◄
18 meditronic-journal 3/2026
Stromversorgung
Rauschquellen von GHz bis nHz
verstehen und kontrollieren
Ein EMV-Prüflabor
EMV in der Medizintechnik stellt sicher, dass
medizinische Geräte störungsfrei arbeiten und
andere Geräte nicht beeinträchtigen, gemäß
der Norm IEC 60601-1-2. EMV ist somit ein
Sicherheitsfaktor.
Grundlagen der EMV
Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV)
beschreibt die Fähigkeit eines Geräts, in einer
elektromagnetischen Umgebung korrekt zu
funktionieren, ohne andere Geräte zu stören
(Störaussendung) oder selbst durch Störungen
beeinträchtigt zu werden (Störfestigkeit). In der
Medizintechnik ist dies besonders kritisch, da
Fehlfunktionen lebensbedrohlich sein können,
z. B. wenn ein Monitor oder ein Beatmungsgerät
durch Handy-Strahlung gestört wird.
Traco Electronic AG
www.tracopower.com
meditronic-journal 3/2026
Normen und Anforderungen
Die zentrale Norm für EMV in der Medizintechnik
ist IEC 60601-1-2, aktuell in der Edition 4.1
(DIN EN 60601-1-2:2016 + AMD 1). Sie gilt für
medizinisch-elektrische Geräte (ME-Geräte) und
Systeme, insbesondere für Anwendungsteile, die
mit Patienten in Kontakt kommen. Auch elektrische
Geräte in medizinischen Umgebungen,
die keine Medizinprodukte sind, sollten die Norm
erfüllen, um Störungen anderer Geräte zu vermeiden.
Für Laborgeräte wie IVD-Produkte gilt
hingegen die Norm IEC 61326-2-6.
Herausforderungen
Herausforderungen im Bereich der elektromagnetischen
Verträglichkeit (EMV) gehen
selten auf eine einzelne fehlerhafte Komponente
oder einen isolierten Konstruktionsfehler
zurück. Vielmehr entstehen sie aus dem komplexen
Zusammenspiel elektronischer Systeme
über das gesamte Frequenzspektrum hinweg.
Von HF-Emissionen im Gigahertz-Bereich bis
hin zu Drift im Nanohertz-Bereich und Umgebungsstörungen
– jedes Frequenzband bringt
einzigartige Kopplungsmechanismen, Störquellen
und Ausfallmodi mit sich.
Das Verständnis, wie die Frequenz das elektromagnetische
Verhalten bestimmt, ist für den Aufbau
zuverlässiger, konformer und robuster elektronischer
Systeme unerlässlich. Hochfrequentes
Rauschen kann zu Fehlern bei der abgestrahlten
Emission führen, während niederfrequente Störungen
die Messgenauigkeit oder die langfristige
Systemstabilität unbemerkt beeinträchtigen können.
Dieser Leitfaden untersucht, wie die Frequenz
das EMV-Verhalten grundlegend steuert,
beleuchtet reale Störquellen vom GHz- bis
hin zum Nanohertz-Bereich und skizziert praktische
Strategien zur Störungsminderung, die
Ingenieure anwenden können, um Emissionskonformität,
Störfestigkeit und langfristige Zuverlässigkeit
sicherzustellen.
Warum die Frequenz das EMV-Verhalten steuert,
zeigt das Bild Frequenzspektrumdiagramm.
Praktische Bedeutung der EMV
für reale elektronische Systeme
Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV)
bezeichnet die Fähigkeit eines Systems, in seiner
elektromagnetischen Umgebung korrekt zu
funktionieren, ohne andere Geräte in unzumutbarer
Weise zu stören. In der Praxis bedeutet
dies, dass gesetzliche Emissionsgrenzwerte
eingehalten, die Störfestigkeit gegenüber externem
Rauschen gewahrt und ein stabiler Betrieb
unter realen Bedingungen gewährleistet werden
müssen.
Jedes elektronische Produkt erzeugt elektromagnetische
Energie und reagiert darauf. Ob
diese Energie zu Problemen führt, hängt weitgehend
von der Frequenz ab. Dieselbe Spannungsstörung
kann bei einer Frequenz harmlos
sein, bei einer anderen jedoch katastrophale Folgen
haben. Beim EMV-Design geht es daher im
Wesentlichen darum, zu verstehen und zu steuern,
wie sich Signale über die Frequenz hinweg
ausbreiten, koppeln, abstrahlen und stören.
Warum Störungsprobleme
grundsätzlich frequenzabhängig sind
Die Frequenz bestimmt, wie sich Energie durch
Leiter, Dielektrika und den freien Raum bewegt.
Bei niedrigen Frequenzen folgen Ströme vorhersehbaren
Pfaden, und die Kopplung wird von
magnetischen und ohmschen Effekten dominiert.
Mit steigender Frequenz bestimmen parasitäre
Kapazitäten, Induktivitäten, Abstrahlung
und Wellenausbreitung das Systemverhalten.
Hochfrequenzsignale nutzen unbeabsichtigte
Kopplungswege wie Leiterbahnkapazität, Kabelinduktivität
und Gehäuseöffnungen aus. Bei sehr
niedrigen Frequenzen verfälschen langsame
thermische und elektrische Drift unbemerkt
Präzisionsmessungen. In beiden Fällen sind die
Ausfallmechanismen direkt auf frequenzabhängige
physikalische Phänomene zurückzuführen.
Wellenlänge, Hauttiefe
und Kopplungseffizienz
Die Wellenlänge nimmt mit steigender Frequenz
ab. Bei niedrigen Frequenzen können
Wellenlängen kilometerlang sein, wodurch
Leiter plattenelemente elektrisch klein erscheinen.
Bei hohen Frequenzen schrumpfen die
Wellen längen auf Zentimeter oder Millimeter,
wodurch Leiterbahnen, Kabel und Steckverbinder
sich wie Resonanzantennen verhalten.
19
Stromversorgung
Frequenzspektrumdiagramm
Auch die Hauttiefe nimmt mit steigender Frequenz
ab, wodurch Ströme gezwungen werden,
näher an den Leiteroberflächen zu fließen. Dies
erhöht den Widerstand, verändert die Impedanz
und verstärkt die EMI-Kopplung durch Oberflächenströme.
Der Zusammenhang
zwischen Emissionen, Störfestigkeit
und Zuverlässigkeit
Emissionen und Störfestigkeit sind zwei Seiten
derselben elektromagnetischen Medaille. Schaltungen,
die stark abstrahlen, sind in der Regel
sehr anfällig, während eine robuste Störunterdrückung
oft auch die Störfestigkeit verbessert.
Im Laufe der Zeit können unkontrollierte Störungen
die Zuverlässigkeit des Systems beeinträchtigen,
indem sie Komponenten belasten,
Daten verfälschen, Alterungsprozesse beschleunigen
und zeitweise auftretende Fehler verursachen,
die bekanntermaßen schwer zu diagnostizieren
sind.
Hoch- bis Mittelfrequenzrauschen
(GHz bis kHz): Digitale,
HF- und Schaltstörungen
HF-Sender und Funkmodule
Absichtliche HF-Quellen wie WLAN, Bluetooth,
Mobilfunk und Radarmodule erzeugen
starke Emissionen im MHz- bis GHz-Bereich.
Während diese Systeme sorgfältig auf eine effiziente
Abstrahlung ausgelegt sind, müssen die
umgebenden Schaltungen gegenüber hohen
Feldstärken immun bleiben.
Eine schlechte Erdung, unzureichende Abschirmung
oder unsachgemäße Isolierung kann dazu
führen, dass HF-Energie in empfindliche analoge,
digitale oder Stromversorgungsschaltungen
eingekoppelt wird, was zu Datenverfälschungen,
Jitter oder Latch-up-Ereignissen führt.
Schnelle digitale Flanken
und Oberwellenbildung
Moderne Mikrocontroller, Prozessoren und
FPGAs erzeugen extrem schnelle Flankenraten.
Eine Anstiegszeit von 1 ns enthält erhebliche
Energie bis weit in den GHz-Bereich hinein,
selbst wenn die Taktfrequenz nur bei einigen
zehn Megahertz liegt.
Diese Oberwellen breiten sich entlang von
Leiter bahnstrecken, Stromversorgungsflächen
und Kabeln aus und verwandeln diese in unbeabsichtigte
Antennen. Schlecht terminierte Leiterbahnen
reflektieren Energie und erzeugen stehende
Wellen, die Emissionen verstärken und
die Signalintegrität beeinträchtigen.
Schaltnetzteile und DC/DC-Wandler
Schaltnetzteile und DC/DC-Wandler gehören
zu den aggressivsten Störquellen in elektronischen
Systemen. Ihre hohen di/dt-Schaltflanken
erzeugen Breitbandrauschen, das sich
von kHz bis in den Bereich von Hunderten von
MHz erstreckt. Ohne sorgfältiges Layout, Filterung
und Abschirmung koppeln Schalttransienten
in Signalwege ein, regen Kabelresonanzen an
und strahlen aus Gehäusen ab. Stromverteilungsnetze
(PDNs) können bei bestimmten Frequenzen
in Resonanz treten, wodurch Welligkeit
verstärkt und Ground Bounce induziert wird.
Leiterbahnen, Kabel und Gehäuse
als Antennen
Mit steigender Frequenz wird jede leitfähige
Struktur zu einer Antenne. Leiterbahnstrecken
verhalten sich wie Übertragungsleitungen, Kabel
strahlen stark ab und Gehäusefugen lassen elektromagnetische
Energie entweichen.
Selbst kurze Verbindungen können zu effizienten
Strahlern werden, wenn ihre elektrische
Länge sich einer Viertelwellenlänge nähert.
Unsachgemäße Verlegung, unzureichende Rückwege
und Unterbrechungen verschlechtern die
Abstrahlung und die Störanfälligkeit erheblich.
Typische EMV-Fehler
im Hochfrequenzbereich
Zu den häufigen Fehlermechanismen in diesem
Frequenzbereich gehören:
• Abgestrahlte Emissionen, die die
gesetzlichen Grenzwerte überschreiten
• Signalreflexionen, die zum Zusammenbruch
des Augendiagramms führen
• Übersprechen zwischen benachbarten
Leiterbahnen
Diese Probleme treten häufig bei Konformitätsprüfungen
auf und können umfangreiche Neukonstruktionen
erfordern, wenn EMV-Aspekte
nicht frühzeitig berücksichtigt wurden.
Kerntechniken
zur Störungsbekämpfung
Eine wirksame Minderung bei hohen und mittleren
Frequenzen beruht auf mehrschichtigen
Kontrollstrategien:
• Impedanzkontrolliertes Routing:
Gewährleistet ein vorhersehbares
Signalverhalten und minimiert Reflexionen.
• Kurze Rückwege: Reduzieren
Schleifenflächen und begrenzen die
Abstrahlung.
• Via-Stitching und durchgehende
Referenzflächen: Bieten durchgehende
Abschirmung und einen niederohmigen
Strombrückweg.
• Entkopplungsnetzwerke: Lokale Bypass-
Kondensatoren unterdrücken transiente
Ströme, bevor sie sich ausbreiten.
Niederfrequente Störungen
(kHz bis Hz): Strom- und
Umgebungskopplung
Netzbrummen
und harmonische Verzerrung
Netzstörungen bei 50 oder 60 Hz und deren
Oberschwingungen gehören zu den hartnäckigsten
EMV-Herausforderungen. Magnetische
Kopplung von Transformatoren und Stromleitungen
induziert Brummgeräusche in nahegelegenen
analogen Schaltungen, Audio-Pfaden
und Sensor-Schnittstellen.
Das Schalten von Gleichrichtern und nichtlineare
Lasten speisen Oberschwingungen ein,
die bis in den Kilohertzbereich reichen, empfindliche
Systeme stören und die Messgenauigkeit
beeinträchtigen.
Erdschleifen
und unbeabsichtigte Strompfade
Bei niedrigen Frequenzen wird eine unsachgemäße
Erdung oft zum dominierenden Störmechanismus.
Erdschleifen entstehen, wenn mehrere
Rückleitungspfade zirkulierende Ströme ermöglichen,
die durch kleine Spannungsunterschiede
zwischen Erdungspunkten angetrieben werden.
Diese Schleifen führen zu Störspannungen
in empfindlichen Schaltungen, insbesondere in
Mess- und Instrumentierungssystemen, in denen
eine Auflösung im Mikrovoltbereich erforderlich ist.
20 meditronic-journal 3/2026
Stromversorgung
Leiterplattenlayout
Magnetische Streufelder und induktive
Kopplung bei Transformatoren
Transformatoren erzeugen Streumagnetfelder,
die leicht in benachbarte Leitungen einkoppeln.
Niederfrequente magnetische Kopplung
ist schwer abzuschirmen und erfordert oft
eine sorgfältige physikalische Trennung, Ausrichtungskontrolle
und durchdachte Anordnung.
Induktive Störaufnahmen in Sensorschleifen,
Audioleitungen und langen Kabeln verursachen
häufig Brummen und Basislinienabweichungen.
Auswirkungen auf Präzisionssysteme
Niederfrequente Störungen beeinträchtigen
die Leistung in Anwendungen wie:
• Medizinische Geräte
• Präzise Datenerfassung
• Industrielle Sensorik und Steuerung
• Audio- und Akustikgeräte
Selbst geringe Rauschpegel können echte
Signale überdecken, die Genauigkeit beeinträchtigen
und Regelkreise destabilisieren.
Praktische Strategien
zur Unterdrückung
Zu den wichtigsten Techniken zur Unterdrückung
von Niederfrequenzstörungen gehören:
• Stern-Erdung: Verhindert
Zirkulationsströme durch die Verwendung
von Einpunkt-Rückleitungspfaden.
• Differenzielle Signalübertragung:
Unterdrückt Gleichtaktstörungen und
Masseversätze.
• Verdrillte Doppeladern: Reduziert
magnetische Induktionsstörungen durch die
Aufhebung induzierter Felder.
meditronic-journal 3/2026
Sehr niedrige und extrem
niedrige Frequenzen
(Sub-Hz bis nHz):
Drift und Langzeitinstabilität
Flicker-Rauschen (1/f)
in Halbleiterbauelementen
Bei extrem niedrigen Frequenzen dominiert
Flicker-Rauschen das Verhalten von Halbleitern.
Dieser Rauschmechanismus verursacht
langsame, zufällige Schwankungen der Transistorparameter
und führt zu Drift in Verstärkern,
Spannungsreferenzen und Präzisions-
ADC-Systemen.
In Anwendungen, die eine Genauigkeit im
Mikrovoltbereich oder lange Integrationszeiten
erfordern, wird das 1/f-Rauschen zum primären
begrenzenden Faktor.
Temperaturdrift
und Alterung von Bauteilen
Temperaturschwankungen und Materialalterung
führen zu allmählichen Veränderungen
der elektrischen Eigenschaften. Widerstandswerte
driften, Referenzspannungen wandern,
und mechanische Belastungen verändern das
Schaltungsverhalten.
Über Monate oder Jahre hinweg können diese
Effekte zu Kalibrierungsfehlern, Messabweichungen
und einer Verschlechterung der Leistung
führen.
Rauschen und Referenzdrift
aufgrund der Batteriechemie
Batteriebetriebene Systeme unterliegen langsamen
Spannungsschwankungen, die durch
chemische Reaktionen, die Lastgeschichte und
Temperaturänderungen verursacht werden.
Präzisionsanalogsysteme haben oft Schwierigkeiten,
ohne geregelte und gefilterte Referenzspannungen
einen stabilen Betrieb aufrechtzuerhalten.
Geomagnetische Schwankungen
und Umgebungsbelastungen
Extrem empfindliche Systeme, darunter geophysikalische
Instrumente und wissenschaftliche
Sensoren, können auf Schwankungen des Erdmagnetfelds
und mechanische Vibrationen reagieren.
Diese Effekte im Ultra-Niederfrequenzbereich
erfordern fortschrittliche Schutzstrategien,
die über herkömmliche EMV-Ansätze
hinausgehen.
Abhilfemaßnahmen
für extrem niedrige Frequenzen
Zu den wichtigsten Stabilisierungsstrategien
gehören:
• Chopper-stabilisierte Verstärker:
Unterdrückung von Flicker-Rauschen durch
Modulationstechniken.
• Wärmemanagement: Gehäuse,
Wärmeableitung und Isolierung reduzieren
temperaturbedingte Drift.
• Präzisionsspannungsreferenzen:
Minimieren langfristige
Ausgangsschwankungen.
• Magnetische Abschirmung: Reduziert
die Anfälligkeit gegenüber externen
Magnetfeldern.
• Algorithmen zur automatischen
Kalibrierung: Kompensieren langsame
Systemdrift während des Betriebs.
Fazit: EMV-konformes Design
über das gesamte Frequenzspektrum
EMV-Herausforderungen erstrecken sich über
mehr als zwölf Größenordnungen an Frequenzen,
von Gigahertz-HF-Emissionen bis hin zu Driften
im Nanohertz-Bereich. Jeder Bereich weist spezifische
physikalische Verhaltensweisen, Kopplungspfade
und Ausfallmechanismen auf, die
maßgeschneiderte Designstrategien erfordern.
Frequenzbewusstes EMV-Design ist nicht
mehr optional. Da moderne Elektronik immer
höhere Geschwindigkeiten, stärkere Integration,
niedrigere Spannungen und dichtere Bauformen
anstrebt, reagieren Systeme zunehmend empfindlich
auf elektromagnetische Wechselwirkungen.
Eine frühzeitige EMV-Planung reduziert Redesign-Zyklen,
Zertifizierungsrisiken und langfristige
Zuverlässigkeitsausfälle erheblich. Indem sie das
elektromagnetische Verhalten bereits während
der Architekturentwicklung berücksichtigen, können
Ingenieure kostspielige Compliance-Überraschungen
in späten Phasen und Zuverlässigkeitsprobleme
im Feld vermeiden.
Mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Leistungselektronik
bietet Traco Power präzise entwickelte
Stromversorgungslösungen, die eine
robuste EMV-Leistung unterstützen und einen
stabilen Betrieb, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften
sowie eine zuverlässige Langzeitfunktionalität
in kritischen Industrie-, Medizin- und
Kommunikationsanwendungen gewährleisten. ◄
21
Stromversorgung
Normen für AC/DC- und DC/DC-Wandler –
ein Überblick
Autor:
Paul-Martin Kamprath
Leitung Marketing
pk components GmbH
www.pk-components.de
AC/DC- und DC/DC-Wandler bilden das Herzstück
vieler elektronischer Systeme – von industriellen
Steuerungen über Haushaltsgeräte bis
hin zur Medizintechnik. Damit diese Stromversorgungen
weltweit eingesetzt werden dürfen,
müssen sie eine Vielzahl technischer Normen
erfüllen. Diese Normen decken Sicherheitsanforderungen,
elektromagnetische Verträglichkeit
(EMV) und Isolationskoordination ab. Werden
die relevanten Normen frühzeitig berücksichtigt,
lässt sich die Markteinführung deutlich
reibungsloser gestalten.
Im Folgenden finden Sie einen strukturierten
Überblick über die wichtigsten Normen für
AC/DC- und DC/DC-Wandler unterteilt nach
deren Anwendungsbereiche.
Sicherheitsnormen für industrielle
AC/DC- und DC/DC-Wandler
EN50178 – Sicherheit
in der Leistungselektronik
Die EN50178 regelt die Sicherheit von elektrischen
Geräten zur Verwendung in industriellen
Anwendungen. AC/DC- und DC/DC-Wandler, die
in Schaltschrank-Systeme oder Maschinensteuerungen
integriert werden, müssen die Anforderungen
dieser Norm erfüllen. Im Fokus stehen:
• Schutz vor elektrischem Schlag
• Anforderungen an die Isolationsfestigkeit
• Schutz gegen Überspannungen
(Überspannungskategorien)
• Anforderungen an die sichere Trennung von
Eingangs- und Ausgangskreisen
IEC/EN60664-1 –
Isolationskoordination in
Niederspannungssystemen
Für alle Wandler, die mit Netzspannung arbeiten,
ist die Isolationskoordination von zentraler
Bedeutung. EN60664-1 legt fest:
• Mindestabstände für Kriech- und
Luftstrecken
• Einfluss von Verschmutzungsgraden
• Anforderungen an die Isolationsqualität bei
unterschiedlichen Spannungsniveaus
22 meditronic-journal 3/2026
Stromversorgung
IEC/EN61010-1 – Sicherheit von Mess-,
Steuer-, Regel- und Laborgeräten
Die IEC/EN61010-1 definiert grundlegende
Sicherheitsanforderungen für elektrische
Mess-, Steuer-, Regel- und Laborgeräte – also
auch für viele Geräte, in denen AC/DC- oder
DC/DC-Wandler integriert sind. Sie gilt weltweit
und wird häufig von Prüfstellen wie TÜV oder
UL für entsprechende Anwendungen herangezogen.
Im Mittelpunkt stehen:
• Schutz vor elektrischem Schlag bei
Berührung, Isolations- und Luft-/
Kriechstrecken
• Anforderungen an Gehäuse,
Temperaturgrenzen und Lüftung
• Sicherer Betrieb bei Fehlerbedingungen
(z. B. interner Kurzschluss)
• Mechanische Festigkeit, Stabilität und
Brandschutz
• Betriebsbedingungen in Laborumgebungen
(Temperatur, Feuchte, Fremdkörper)
Die IEC/EN61010-1 ergänzt andere Sicherheitsnormen
wie EN50178 oder IEC/EN/UL62368-1
und ist besonders relevant für Geräte in Prüfständen,
Fertigungsmesstechnik oder medizinischer
Forschung.
IEC/EN61204-7 – Allgemeine
Anforderungen an industrielle
Schaltnetzteile
Die IEC/EN61204-7 legt grundlegende Sicherheits-
und Leistungsanforderungen an geregelte,
eingebaute DC-Stromversorgungen für industrielle
Anwendungen fest – speziell für Geräte
mit einer Nennleistung über 200 W. Sie richtet
sich an Hersteller, die Netzteile entwickeln, die
in Maschinensteuerungen, Schaltschränken
oder industriellen Automatisierungssystemen
verbaut werden. Im Fokus stehen:
• Sicherheitsanforderungen gemäß IEC
62368-1 (z. B. Schutz gegen elektrischen
Schlag, sichere Trennung)
• Mechanische Anforderungen (z. B.
Befestigung, Anschlussklemmen, Lüftung)
• Thermische Anforderungen und
Kühlkonzepte
• EMV-Vorbereitung – Hinweis auf
zusätzliche Einhaltung von IEC/EN61204-3
• Prüfverfahren für Typ- und Stückprüfung
IEC/EN62477-1 –
Sicherheitsanforderungen an
Leistungselektronik
Diese Norm ergänzt die EN50178 und fokussiert
speziell auf Leistungswandler wie AC/DCoder
DC/DC-Stromversorgungen. Wichtige
Inhalte:
• Temperaturgrenzwerte
• Kurzschluss- und Überlastsicherheit
meditronic-journal 3/2026
• Anforderungen an Schutzleiteranschlüsse
• Maßnahmen zur Vermeidung von
elektrischen und thermischen Risiken
Sicherheitsnormen
für Haushaltsanwendungen
IEC/EN60335 – Sicherheit
von Haushaltsgeräten
Für Wandler in Haushaltsgeräten, wie Ladegeräte,
Netzteile für Küchen- oder Pflegegeräte,
gilt die IEC/EN60335. Die Norm adressiert:
• Isolationsfestigkeit bei Berührung mit
Wasser (z. B. Küchenbereich)
• Berührungsschutz und kindersichere
Gestaltung
• Anforderungen an Materialien hinsichtlich
Entflammbarkeit
• Schutz vor Überhitzung bei Fehlbedienung
IEC/EN61558 – Sicherheit
von Transformatoren und Netzgeräten
IEC/EN61558-1 enthält allgemeine Anforderungen,
während IEC/EN61558-2-16 speziell
Schaltnetzteile und Transformatoren mit
integriertem Netzanschluss behandelt. Diese
Norm legt fest:
• Spannungsfestigkeit
• Isolationsfestigkeit
• Temperaturüberwachung und
Schutzabschaltungen
• Anforderungen an Ableitströme
IEC/EN61347-1 – Sicherheit
von Betriebsgeräten für Lampen
Die IEC/EN61347-1 legt allgemeine Sicherheitsanforderungen
für elektrische Betriebsgeräte
fest, die Lampen und LED-Module versorgen
– darunter auch elektronische Vorschaltgeräte
und LED-Treiber mit integrierten
AC/DC- oder DC/DC-Wandlern. Die Norm ist
besonders relevant für Beleuchtungssysteme in
Haushalten, Büros, Industrieanlagen oder auch
Straßenbeleuchtung.
Im Mittelpunkt stehen:
• Isolationsanforderungen zwischen Eingang,
Ausgang und Gehäuse
• Begrenzung der Ausgangsspannung bei
Fehlern (z. B. Kurzschluss)
• Schutz vor elektrischem Schlag und
Brandgefahr
• Anforderungen an Erwärmung,
Betriebstemperatur und mechanische
Festigkeit
• Kompatibilität mit dimmbaren und
intelligenten Lichtsystemen
Die Norm wird ergänzt durch eine Vielzahl von
produktspezifischen Teilen, z. B. IEC/EN61347-2-
13 für LED-Module. Für Hersteller von LED-Versorgungstechnik
ist sie ein zentrales Regelwerk.
Sicherheitsnormen
für IT- und Bürogeräte
IEC/EN/UL62368-1 –
Der neue Sicherheitsstandard
für IT- und Kommunikationsgeräte
Seit der Ablösung der UL60950 ist die IEC/
EN/UL62368-1 (IEC 62368-1 (international), EN
62368-1 (Europa), UL 62368-1 (USA)) die wichtigste
Norm für IT- und Kommunikationsgeräte.
Sie basiert auf einem risikobasierten Ansatz:
• Identifikation von Gefährdungen (elektrisch,
thermisch, mechanisch)
• Risikominimierung durch Design- und
Schutzmaßnahmen
• Sicherheitsprüfungen für verschiedene
Einsatzszenarien (Büro, Rechenzentrum,
Homeoffice)
Medizinische Normen
für AC/DC- und DC/DC-Wandler
IEC/EN/UL60601 –
Sicherheit in der Medizintechnik
Medizinische Geräte stellen besonders hohe
Anforderungen an die eingesetzten Wandler. Die
IEC/EN/UL60601 deckt:
• Isolationsanforderungen für
Patientenkontakt (MOPP – Means of
Patient Protection)
• Ableitstromgrenzen
• Anforderungen an Notfallbetrieb
(z. B. bei Netzausfall)
• Berücksichtigung elektromagnetischer
Störungen in OP-Umgebungen
IEC/EN60664-1 –
Isolationskoordination
in der Medizintechnik
Auch hier ist die Isolationskoordination essenziell.
Im medizinischen Umfeld gelten häufig
strengere Abstandsanforderungen, besonders
bei direktem Patientenkontakt. Kombinationen
aus IEC/EN60664-1 und spezifischen Anforderungen
aus IEC/EN60601-1 bestimmen die
sicherheitsrelevanten Abstände.
IEC/EN61000 –
EMV in der Medizintechnik
Da medizinische Geräte häufig in störanfälligen
Umgebungen arbeiten, gelten für Wandler
besonders hohe Anforderungen:
• Immunität gegen Netzstörungen
• Immunität gegen Hochfrequenzstörungen
• Begrenzung leitungsgebundener
Emissionen
23
Stromversorgung
EMV- und Störfestigkeitsnormen
EN55032 – EMV für Multimedia und IT
Für Wandler in Multimedia- und IT-Produkten
gilt EN55032. Sie regelt:
• Begrenzung abgestrahlter Störungen
• Begrenzung leitungsgebundener Störungen
• Messverfahren und Prüfaufbauten
EN55024 – Störfestigkeit von IT- und
Telekommunikationsgeräten
Die EN55024 legt Anforderungen an die Störfestigkeit
von IT- und Telekommunikationsgeräten
fest, also an deren Fähigkeit, unter Einwirkung
elektromagnetischer Störungen korrekt zu
funktionieren. Sie ergänzt die EN55032, die sich
mit der Emission befasst. Für Wandler in Geräten
wie Routern, Servern oder Kommunikationssystemen
sind folgende Anforderungen relevant:
• Immunität gegen elektrostatische
Entladungen (ESD)
• Immunität gegen schnelle Transienten
(Burst) und Überspannungen (Surge)
• Störfestigkeit gegenüber Netz- und
HF-Störungen
• Prüfbedingungen für leitungs- und
feldgebundene Störungen
• Bewertung der Funktionsfähigkeit während
und nach Störungen
Die Norm stellt sicher, dass Geräte nicht nur
selbst keine unzulässigen Störungen aussenden,
sondern auch in realen, störbehafteten
Umgebungen zuverlässig funktionieren.
EN55011 – Störaussendung
von Industrie- und Medizinprodukten
Die EN55011 ist eine grundlegende EMV-Norm
für Geräte, die hochfrequente Energie erzeugen
oder nutzen – insbesondere industrielle Stromversorgungen,
medizinische Geräte und Laboranlagen.
Sie legt Grenzwerte für elektromagnetische
Störaussendungen fest und ist eine der
ältesten und meistverwendeten EMV-Normen
in der Industrie.
Im Fokus stehen:
• Klasse A: Geräte für den Einsatz in industrieller
Umgebung. Höhere Grenzwerte sind zulässig,
jedoch dürfen diese Produkte nicht ohne
Weiteres in Wohnbereichen betrieben werden.
• Klasse B: Geräte für Haushaltsumgebungen
oder solche mit geringer EMV-Belastung.
Strengere Grenzwerte für abgestrahlte und
leitungsgebundene Störungen.
• Messung der leitungsgebundenen Störaussendungen:
Festlegung von Prüfmethoden
und Grenzwerten für Störungen, die über die
Netzzuleitung in andere Systeme eingekoppelt
werden könnten.
• Messung der abgestrahlten Störungen:
Anforderungen an die maximal zulässige
elektromagnetische Abstrahlung im Hochfrequenzbereich,
z. B. über Gehäuse, Kabel
oder Antennenstrukturen.
• Prüfumgebung und Testaufbau: Detaillierte
Festlegungen zu Testentfernungen, verwendeten
Netzen und Messeinrichtungen.
Die EN55011 ist international harmonisiert (auch
als CISPR 11 bekannt) und wird häufig in Kombination
mit EN61000-Normen für die Störfestigkeit
angewendet.
EN50082 –
Störfestigkeit in Industrieumgebungen
Die Normenreihe EN50082 spezifiziert Anforderungen
an die Immunität von Geräten gegenüber
elektromagnetischen Störungen in industriellen
Umgebungen. Insbesondere AC/DC- und
DC/DC-Wandler in Maschinen, Produktionslinien
oder Schaltschränken müssen unter realen Störbedingungen
zuverlässig funktionieren.
Zentrale Anforderungen umfassen:
• Immunität gegen Spannungseinbrüche und
Netzunterbrechungen: Geräte müssen bei
plötzlichen Spannungsabsenkungen oder
kurzen Ausfällen (typisch bei Schaltvorgängen
oder Netzübergängen) entweder stabil
weiterarbeiten oder sich sicher abschalten.
• Immunität gegenüber elektromagnetischen
HF-Feldern: Schutz vor hochfrequenten Störungen,
wie sie z. B. durch Funkkommunikation,
Schweißgeräte oder Frequenzumrichter
erzeugt werden.
• Elektrostatische Entladungen (ESD):
Absicherung gegen unkontrollierte Entladungen
– etwa beim Berühren offener Schnittstellen
oder Gehäuse – gemäß IEC61000-4-2.
• Störfestigkeit gegenüber Burst- und Surge-
Impulsen: Robustheit gegenüber schnellen
Transienten (z. B. Schaltvorgänge von Induktivitäten)
und Überspannungen (z. B. Blitzeinschläge
oder Lastumschaltungen).
Die EN50082-Reihe ist heute weitgehend durch
spezifischere Normen wie IEC/EN61000-6-2
ersetzt worden, wird jedoch in älteren Lastenheften
oder Zertifizierungsdokumenten weiterhin
genannt.
IEC/EN 61000 – Elektromagnetische
Verträglichkeit (EMV)
Die Normenreihe IEC/EN 61000 definiert
Anforderungen an die elektromagnetische Verträglichkeit
(EMV) von elektrischen und elektronischen
Geräten. Sie legt fest, wie Geräte
mit elektromagnetischen Störungen umgehen
müssen, sowohl in Bezug auf ihre Störfestigkeit
(Immunität gegenüber äußeren Einflüssen)
als auch hinsichtlich der Störaussendungen,
die sie selbst verursachen dürfen. Ziel ist es,
ein störungsfreies Zusammenspiel verschiedener
elektrischer Systeme sicherzustellen. In
der Praxis sind für Stromversorgungen insbesondere
die folgenden Teile der Norm relevant:
• IEC/EN 61000-3-x: Bezieht sich auf die
Begrenzung von Netzrückwirkungen, z. B.
Oberschwingungen oder Flicker (Spannungsschwankungen).
• IEC/EN 61000-4-x: Beschreibt Prüfverfahren
zur Beurteilung der Störfestigkeit gegen z. B.
elektrostatische Entladungen (ESD), Spannungsspitzen
(Surge) oder schnelle Transienten
(Burst).
• IEC/EN 61000-6-x: Legt generische EMV-
Anforderungen für unterschiedliche Einsatzumgebungen
wie Industrie- oder Wohnbereiche
fest.
IEC/EN61204-3 – EMV-Anforderungen
an geregelte Schaltnetzteile
Die IEC/EN61204-3 legt die Anforderungen
an die elektromagnetische Verträglichkeit
(EMV) von geregelten Schaltnetzteilen mit
Nennausgangsspannungen bis 200 V DC für
industrielle Anwendungen fest. Sie ergänzt allgemeine
Sicherheitsnormen wie EN50178 oder
EN62477-1 um den wichtigen Aspekt der EMV
und ist zentral für die CE-Konformität von Netzteilen
in industriellen Steuerungen.
Im Mittelpunkt stehen:
• Grenzwerte für Störaussendungen (leitungs-
und feldgebunden) entsprechend den
Anforderungen industrieller Umgebungen
• Störfestigkeit gegen typische EMV-Störgrößen
wie elektrostatische Entladung (ESD),
schnelle transiente elektrische Störungen
(Burst), Spannungsspitzen (Surge) und leitungsgebundene
Störungen
• Prüfverfahren und Messaufbauten nach
EN 61000-x-Normenreihen
• Klassifizierung der Einsatzumgebung (industrielle
Umgebung, Wohnbereich, leichte
Industrie)
• Hinweise zur EMV-gerechten Installation,
um die Einhaltung der Grenzwerte im Gesamtsystem
zu unterstützen
Die Norm gilt sowohl für Einzelgeräte als auch
für Komponenten, die in größeren Steuerungssystemen
verbaut werden. Sie ist ein zentraler
Baustein zur Einhaltung der EMV-Richtlinie und
wird häufig in Verbindung mit Sicherheitsnormen
wie EN50178 oder EN61010-1 angewendet. Die
Norm ergänzt auch die EN55011, EN55024 und
EN61000 und unterstützt Entwickler bei der Einhaltung
aller relevanten EMV- und Sicherheitsanforderungen
in Industrieumgebungen ◄
24 meditronic-journal 3/2026
Komponenten
Isolierte, geregelte DC/DC-Wandler
im robusten DIP-Gehäuse
Gaptec Electronic stellt die neuen 10 Watt und 20 Watt DIP DC/DC-Wandler vor
Halle A5-103
GAPTEC Electronic
GmbH & Co. KG
www.gaptec-electronic.com
Mit der neuen 10DPMW4_6R Serie (10 Watt)
und der 20DBMW4_6 Serie (20 Watt) erweitert
Gaptec sein Programm um zwei vollständig isolierte,
geregelte DC/DC-Wandler im robusten
DIP-Gehäuse — abgestimmt auf die Anforderungen
industrieller, medizinischer und kommunikationstechnischer
Anwendungen, in denen
Sicherheit, Wirkungsgrad und Schutzfunktionen
gleichermaßen entscheidend sind.
Eingangsspannungsbereiche
Beide Serien decken einen weiten Eingangsspannungsbereich
im 4:1-Verhältnis ab und sind
als 12-V-, 24-V- bzw. 48-V-Eingangsversionen
verfügbar (10 W: 12/24/48 V; 20 W: 24/48 V). Die
Ausgangsspannungen umfassen 5, 12 und 15 V
als Single-Output- sowie ±5, ±12 und ±15 V als
Dual-Output-Varianten — bei Wirkungsgraden
von bis zu 89 % (10 W) bzw. 90 % (20 W).
Isolationsspannung
Die Serien bieten eine Isolationsspannung
von 5.000 VAC sowie eine verstärkte Isolation
(reinforced isolation) für eine zulässige
Arbeitsspannung von 250 Vrms — eine Auslegung,
die typische medizinische und industrielle
Sicherheitsanforderungen u. a. nach IEC/EN/
UL 62368-1 sicher abbildet. Die niedrige Isolationskapazität
von 17 pF reduziert Gleichtaktkopplungen
und damit die EMV-Anforderungen
an die Systemauslegung.
Umfassendes Schutzkonzept
Ein integriertes, umfassendes Schutzkonzept
sichert das System auch im Fehlerfall ab.
Dazu gehören Überspannungsschutz (OVP),
Überlastschutz (OCP), Kurzschlussschutz mit
Hiccup-Verhalten und automatische Wiedereinschaltung
(SCP) sowie Unterspannungsschutz
(UVP). Die 20DBMW4_6 Serie verfügt
zusätzlich über einen Übertemperaturschutz
(OTP).
Ein Remote-On/Off-Eingang und eine Trim-
Funktion (±10 % Ausgangsspannung) erlauben
eine flexible Systemintegration. Beide Serien
arbeiten im erweiterten Temperaturbereich
von -40 bis +100 °C, erfüllen EN 55032 ohne
externe Beschaltung (Criterion A) und überzeugen
mit hoher Störfestigkeit (ESD Luft ±15 kV,
Kontakt ±8 kV).
Einsatzbereiche
In der Medizintechnik eignen sich die Serien
besonders für Patientenmonitore (Multi-Parameter
und Telemetrie), für Beatmungs- und Anästhesiegeräte
sowie für Infusions- und Spritzenpumpen.
Weitere typische Einsatzgebiete
sind Dialysegeräte und bildgebende Systeme.
Außerhalb der Medizintechnik adressieren sie
industrielle Steuerungs- und Automatisierungssysteme,
Telekommunikations- und Netzwerkinfrastruktur
sowie verteilte Stromversorgungsarchitekturen.
◄
FPGA-Smart-Embedded-Video-Ökosystem erweitert
Microchip Technology hat
sein PolarFire-FPGA-Smart-
Embedded-Video-Ökosystem
erweitert, um Entwickler zu
unterstützen, die eine zuverlässige,
stromsparende Videoverbindungen
mit hoher Bandbreite
benötigen. Die Embedded-Vision-
Lösungen kombinieren Hardware-Evaluierungskits,
Entwicklungstools,
IP-Cores und Referenzdesigns,
um die Entwicklung
zu optimieren, die Sicherheit zu
erhöhen und die Markteinführung
zu beschleunigen. Die Stacks
umfassen SDI-Empfangs-/Rxund
-Sende-/Tx-IP-Cores sowie
eine Quad-CoaXPress-/CXP-
Karte, um komplette Videopipelines
u. a. für medizinische Diagnostik
und Bildgebung mit geringer
Latenz bis hin zur Echtzeit-
Kameraanbindung für intelligente
Systeme zu unterstützen.
Microchip ist derzeit der einzige
bekannte FPGA-Anbieter, der eine
Quad-CoaXPress-FPGA-basierte
Lösung anbietet, was direktes Bridging
von SLVS-EC (bis 5 GBit/s
pro Lane) auf CoaXPress 2.0
(bis 12,5 GBit/s pro Lane) ohne
IP von Drittanbietern ermöglicht.
Die SDI-Rx/Tx-IP-Cores bieten
SMPTE-konforme 1,5-; 3-; 6-
und 12G-SDI-Videoübertragung
für Broadcast- und Embedded-
Imaging-Anwendungen. Das
Öko system umfasst auch HDMIzu-SDI-
und SDI-zu-HDMI-Bridging,
das 4- und 8K-Videoformate
unterstützt, um eine hochauflösende
Videoübertragung mit
hoher Bandbreite in zahlreichen
professionellen und Embedded-
Anwendungen zu ermöglichen.
Microchip Technology Inc.
www.microchip.com
meditronic-journal 3/2026
25
Komponenten
Wann lohnt sich was?
Standard vs. kundenspezifischer Federkontaktstecker
Bild 1: Typische Standardstecker
Kundenspezifische Steckverbinder für verschiedene Anwendungen
Die Auswahl eines geeigneten Steckverbinders
ist eine zentrale Entscheidung in der Produktentwicklung.
Sie beeinflusst nicht nur die
elektrische Funktion, sondern auch Bauraum,
Montageprozesse, Zuverlässigkeit und letztlich
die Gesamtkosten eines Systems.
In der Praxis greifen viele Unternehmen
zunächst auf Standardlösungen zurück. Doch
mit steigenden Anforderungen stellt sich zunehmend
die Frage:
Reicht ein Standard-Steckverbinder aus –
oder ist eine kundenspezifische Lösung wirtschaftlich
und technisch sinnvoller?
Standardlösungen
Verfügbarkeit und geringe Einstiegskosten:
Standard-Steckverbinder (Bild 1) bieten insbesondere
in frühen Entwicklungsphasen klare
Vorteile.
Autorin:
Julia Beusch
Marketingleitung
N&H Technology GmbH
www.nh-technology.de
Sie sind kurzfristig verfügbar, vergleichsweise
kostengünstig und ohne zusätzlichen Entwicklungsaufwand
einsetzbar. Für Prototypen, kleinere
Stückzahlen oder Anwendungen mit überschaubaren
Anforderungen stellen sie daher
eine pragmatische und oft sinnvolle Wahl dar.
Allerdings basiert diese Entscheidung häufig
auf der Annahme, dass der Steckverbinder
lediglich eine Verbindung herstellt – und nicht
als integraler Bestandteil des Gesamtsystems
betrachtet werden muss.
Grenzen
von Standard-Steckverbindern
Mit zunehmender Komplexität einer Anwendung
treten die Einschränkungen von Standardlösungen
deutlicher hervor. In vielen Fällen müssen
Konstruktionen an den verfügbaren Steckverbinder
angepasst werden, was zu zusätzlichem
Bauraumbedarf, erhöhtem Montageaufwand
oder zusätzlichen Komponenten wie Adaptern
und Kabeln führt.
Auch hinsichtlich der Kontaktierung und Langzeitstabilität
sind Standardlösungen nicht immer
optimal ausgelegt. Die Folge sind konstruktive
Kompromisse, die sich im weiteren Verlauf
negativ auf Zuverlässigkeit, Servicefähigkeit und
Kosten auswirken können.
Eine weitere Einschränkung betrifft insbesondere
den Einsatz von Federkontakten. In Standard-Steckverbindern
sind sowohl die Auswahl
der Federkontakttypen als auch deren Anzahl in
der Regel fest vorgegeben. Individuelle Anforderungen,
etwa an unterschiedliche Federkräfte,
Sonderbeschichtungen, Kontaktgeometrien oder
kombinierte Signal- und Leistungsübertragung,
lassen sich dadurch nur eingeschränkt umsetzen.
Bild 2: Federkontaktlösungen durch die direkte
Integration in Gehäuse.
Kundenspezifische Steckverbinder
Funktion und Integration im Fokus: Kundenspezifische
Steckverbinder verfolgen einen anderen
Ansatz: Nicht die Anwendung wird an den
Steckverbinder angepasst, sondern der Steckverbinder
an die Anwendung.
Durch diese Herangehensweise lassen sich
Bauteile und Schnittstellen reduzieren, Montageprozesse
vereinfachen und die Integration in
bestehende Baugruppen deutlich verbessern.
Insbesondere bei Federkontaktlösungen zeigt
sich das Potenzial individueller Entwicklungen,
etwa durch die direkte Integration in Gehäuse
oder funktionale Baugruppen (Bild 2).
Konstruktive Freiheit
Ein wesentlicher Vorteil liegt in der konstruktiven
Freiheit: Steckverbindergehäuse können
nahezu beliebige Formen annehmen und exakt
an vorhandene Einbauräume angepasst werden
(Bild 3). Auch hohe Schutzanforderungen,
beispielsweise Abdichtungen bis IP68, lassen
sich gezielt realisieren. Darüber hinaus kann
die Anzahl der Kontakte individuell definiert
werden, wobei auch unterschiedliche Federkontakttypen
innerhalb eines Gehäuses kombiniert
werden können.
Neben konstruktiven Vorteilen ergeben sich
auch positive Effekte auf die Prozesssicherheit
und die Reproduzierbarkeit in der Serienfertigung.
Leistungsfähigkeit
und Variantenvielfalt
von Federkontaktlösungen
Während Standardlösungen typischerweise
für Nennströme von 1 A bis 2 A ausgelegt
sind, können kundenspezifisch entwickelte
26 meditronic-journal 3/2026
Komponenten
Bild 3: Kundenspezifische Steckverbindergehäuse
können nahezu beliebige Formen annehmen
Federkontaktsteckverbinder deutlich höhere Leistungen
übertragen. Abhängig von Auslegung, Kontaktgeometrie
und Materialwahl sind Ströme von
bis zu 15 A pro Pin realisierbar. Auch besteht die
Möglichkeit die Federkraft des Kontaktes gezielt
auf die jeweilige Anwendung abzustimmen.
Darüber hinaus stehen verschiedene technische
Ausführungen zur Verfügung. Dazu zählen
unter anderem Lösungen mit Rolling Pin
Federkotankten sowie Varianten mit direktem
Kabelanschluss.
Materialien und Beschichtungen
als Leistungsfaktor
Ein weiterer Unterschied zwischen Standardund
kundenspezifischen Steckverbindern liegt in
der Auswahl von Materialien und Oberflächen.
Während Standardlösungen in der Regel mit
einer Goldbeschichtung als Standardoberfläche
ausgeführt sind, ermöglichen kundenspezifische
Konzepte eine gezielte Anpassung an die tatsächlichen
Einsatzbedingungen. Gerade bei
hoher mechanischer Belastung oder anspruchsvollen
Umgebungen ist die richtige Beschichtung
entscheidend für die langfristige Kontaktzuverlässigkeit.
Moderne Sonderbeschichtungen wie beispielsweise
Super APT (Bild 4) sind speziell für Anwendungen
mit hohen mechanischen und elektrischen
Anforderungen ausgelegt. Sie reduzieren
Verschleiß, verbessern die Korrosionsbeständigkeit
und sorgen für stabile elektrische
Eigenschaften über die gesamte Lebensdauer.
Damit wird die Beschichtung zu einem zentralen
Auslegungsparameter – und nicht lediglich
zu einem Standardmerkmal.
Erweiterte Konzepte:
Magnetische Steckverbinder
Federkontakte bieten eine besonders geeignete
Basis zur Realisierung magnetischer Steckverbindersysteme
(Bild 5). Durch ihre konstruktiven
Eigenschaften lassen sich magnetisch geführte
Verbindungen einfach und effizient umsetzen,
ohne komplexe mechanische Steckmechanismen
zu benötigen.
Die Kombination aus Magnetführung und
Federkontakten ermöglicht eine selbstjustierende,
toleranzausgleichende Kontaktierung.
Dadurch werden sowohl der konstruktive Aufwand
als auch die mechanische Belastung im
Steckprozess reduziert.
meditronic-journal 3/2026
Bild 4: Federkontaktstecker mit Super-AP
Sonderbeschichtung (silber)
Solche Lösungen eignen sich insbesondere
für Anwendungen mit häufigen Steckzyklen,
begrenztem Bauraum oder erhöhten Anforderungen
an die Bedienfreundlichkeit. Gleichzeitig
lässt sich die Kontaktierung in Gehäuse- und
Baugruppenkonzepte integrieren.
Gesamtkosten statt Stückpreis
Ein zentraler Aspekt bei der Bewertung von
Steckverbindern ist die Betrachtung der Gesamtkosten
über den gesamten Lebenszyklus. Während
Standardlösungen auf den ersten Blick
durch einen niedrigen Stückpreis überzeugen,
zeigen sich die tatsächlichen Kosten häufig erst
im Zusammenspiel mit Montage, Logistik und
Qualitätssicherung.
Kundenspezifische Steckverbinder können
hier trotz höherer initialer Entwicklungskosten
wirtschaftliche Vorteile bieten, da sie Prozesse
vereinfachen, Fehlerquellen reduzieren und die
Systemkomplexität verringern.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Stückzahl.
Häufig wird angenommen, dass sich kundenspezifische
Lösungen erst bei sehr hohen
Volumina lohnen. In der Praxis zeigt sich jedoch,
dass bereits bei mittleren Stückzahlen wirtschaftliche
Vorteile realisierbar sind. Typische Projektvolumina
für kundenspezifische Steckverbinder
beginnen oft im Bereich von etwa 1.000 Stück.
Je nach Komplexität und Anforderung können
jedoch auch kleinere Serien sinnvoll umgesetzt
werden – insbesondere bei technisch anspruchsvollen
Anwendungen, bei denen die funktionalen
Vorteile überwiegen.
Ein Praxisbeispiel verdeutlicht dies:
Für einen kundenspezifischen 18-poligen
Federkontaktsteckverbinder mit individueller
Gehäuseform und integrierten Plug-in-Federkontakten
(Bild 6) lagen die Werkzeugkosten
bei knapp 5.000 Euro. Bei einer Mindestabnahmemenge
von 1.000 Stück ergibt sich ein
Stückpreis von 13,22 Euro, der sich bei höheren
Stückzahlen entsprechend reduziert (z. B.
11,08 Euro bei 3.000 Stück bzw. 10,09 Euro
bei 5.000 Stück).
Dieses Beispiel zeigt, dass sich kundenspezifische
Lösungen bereits bei mittleren Stückzahlen
wirtschaftlich darstellen lassen – insbesondere
dann, wenn zusätzliche Einsparungen
in Montage, Bauraum und Systemintegration
berücksichtigt werden.
Bild 5: Integrierte magnetische Lösung
mit Federkontakten
Fazit:
Die Anwendung bestimmt die Lösung
Die Entscheidung zwischen Standard- und
kundenspezifischen Steckverbindern sollte
nicht pauschal getroffen werden. Während
Standard lösungen in vielen Fällen eine sinnvolle
Ausgangsbasis darstellen, bieten individuelle
Konzepte erhebliche Vorteile, sobald Integration,
Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit
im Fokus stehen.
Entscheidend ist letztlich nicht der Steckverbinder
selbst, sondern die Frage, wie gut er zur
jeweiligen Anwendung passt. In der Praxis zeigt
sich, dass einmal definierte Steckverbinder häufig
über viele Jahre unverändert eingesetzt werden.
Eine regelmäßige Überprüfung bestehender
Lösungen kann jedoch erhebliches Optimierungspotenzial
aufdecken.
Bereits auf Basis von Zeichnungen, Spezifikationen
oder Mustern lässt sich bewerten, ob eine
Standardlösung weiterhin geeignet ist oder ob
eine kundenspezifische Auslegung technische
und wirtschaftliche Vorteile bietet.
Wer schreibt:
N&H Technology GmbH ist Entwicklungspartner
und Lieferant für kundenspezifische
HMI-Lösungen, elektromechanische Baugruppen
sowie Steckverbinder- und Federkontaktlösungen.
Das Unternehmen unterstützt Kunden
von der Konzeptphase bis zur Serienfertigung
und verfügt sowohl über ein breites Portfolio
an Standardkomponenten als auch über
umfassende Erfahrung in der Entwicklung individueller
Lösungen.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Integration
von Komponenten in bestehende Systeme, um
Bauraum, Montageaufwand und System kosten
zu optimieren. ◄
Bild 6: Referenzprojekt: kundenspezifischer
18-poliger Federkontaktsteckverbinder
27
Komponenten
Turbolüfter für präzise Luftförderung
in Beatmungs- und Atemunterstützungssystemen
Gesucht wird eine kompakte, regelbare und dauerhaft stabile Lösung
©AdobeStock_337955524
In der Medizintechnik ist Luftförderung weit
mehr als eine Nebenfunktion. Gerade in Beatmungs-
und Atemunterstützungssystemen bildet
sie einen zentralen Bestandteil des Gesamtsystems.
Hier geht es nicht nur darum, Luft einfach
nur zu fördern, sondern die Luft muss mit
passendem Druck gleichmäßig und zuverlässig
durch die einzelnen Komponenten des Systems
geführt werden. Nur so lässt sich eine stabile und
präzise Gerätefunktion sicherstellen. Für Entwickler
entsteht daraus eine anspruchsvolle Aufgabe,
denn gesucht wird eine kompakte, regelbare
und dauerhaft stabile Lösung.
SEPA EUROPE GmbH
www.sepa-europe.com
Extrem anspruchsvoll
Aus Entwicklersicht gehört die Luftführung
in medizinischen Atemsystemen zu einem der
anspruchsvollsten Teilbereiche des Gerätedesigns.
Anders als bei klassischen Kühl- oder
Belüftungsaufgaben reicht es hier nicht aus, dass
einfach nur genug Luft bewegt wird. Viel wichtiger
ist, dass das ganze System auch dann stabil
und zuverlässig arbeitet, wenn sich die Bedingungen
im Betrieb ständig ändern.
Es müssen viele Anforderungen gleichzeitig
berücksichtigt werden. Der Lüfter soll ausreichend
Druck aufbauen, schnell auf Veränderungen
reagieren, in ein kompaktes Gerät passen
sowie leise und vibrationsarm arbeiten. Dazu
kommt, dass er auch im langen Dauerbetrieb
zuverlässig funktionieren muss. Ebenso wichtig
ist, dass sich die Luftmenge und der Druck gut
steuern lassen und der Lüfter elektrisch sauber
in das Gerät integriert wird, damit es keine Störungen
mit anderer Elektronik gibt. Das bedeutet,
dass ein Lüfter kein Standardbauteil ist, sondern
ein aktives Funktionsmodul, das maßgeblich
zur Systemperformance beiträgt!
Der Turbolüfter
Das Grundprinzip eines Turbolüfters beruht
darauf, dass die Luft axial angesaugt und radial
beschleunigt wird. Der entscheidende Unterschied
zu einem normalen Radiallüfter liegt vor allem in
der deutlich höheren Drehzahl. Während ein klassischer
Radiallüfter nur mit etwa 5.000 Umdrehungen
pro Minute läuft, erreicht ein Turbolüfter
rund 40.000 Umdrehungen pro Minute. Dadurch
kann er bei kompakter Bauform deutlich mehr
Druck aufbauen. Genau das ist in medizinischen
Atemsystemen ein großer Vorteil, denn dort
muss die Luft oft gegen Widerstände im System
gefördert werden.
Ein Turbolüfter kann also trotz kleiner Baugröße
leistungsstark arbeiten und die Luft gezielt dorthin
bringen, wo sie gebraucht wird. Gleichzeitig
lässt sich seine Drehzahl gut regeln. Dadurch
können Menge und Druck genau an den jeweiligen
Bedarf angepasst werden. Das macht den
Turbolüfter besonders geeignet für Geräte, in
denen die Luftförderung nicht einfach konstant
läuft, sondern präzise gesteuert werden soll.
Warum ein Radialgebläse?
Ein Radiallüfter arbeitet anders als ein Axiallüfter.
Beim Axiallüfter strömt die Luft gerade
durch den Lüfter hindurch. Beim Radiallüfter
wird die Luft zuerst angesaugt und dann seitlich
nach außen gedrückt. Im Spiralgehäuse
wird diese kinetische Energie in Druck umgewandelt.
Genau das ist der wichtige Vorteil. Dieser
Lüftertyp ist gut, wenn die Luft nicht einfach
frei strömen kann, sondern gegen Widerstand
durch das Gerät bewegt werden muss. Das ist
besonders nützlich, wenn im Gerät mit Druck,
Unterdruck oder gezielt geführter Luft gearbeitet
wird. Das Spiralgehäuse dient nicht nur als
mechanische Hülle, sondern als strömungsrelevantes
Element. Es beeinflusst wesentlich
den Druckaufbau, die Austrittsgeschwindigkeit,
das Turbulenzverhalten und den Wirkungsgrad
im Arbeitspunkt. Schon kleine Änderungen an
Ausblasquerschnitt, Diffusorführung oder Anbindung
an nachgelagerte Kanäle können die resultierende
Systemkennlinie deutlich verändern.
Die Kabel am Lüfter sind nicht nur dafür da,
ihn mit Strom zu versorgen. Über sie kann der
Lüfter auch gesteuert und überwacht werden.
Das heißt, man kann zum Beispiel einstellen, wie
schnell er laufen soll, und das Gerät kann auch
zurückmelden, wie der Lüfter gerade arbeitet.
Worauf Entwickler
bei der Auslegung achten sollten
Ob ein Turbolüfter gut zu einem Gerät passt,
hängt nicht nur vom Lüfter selbst ab, sondern
davon, wie gut er zum ganzen System passt.
Deshalb sollte man schon früh prüfen, wie der
Lüfter später im echten Gerät arbeitet.
28 meditronic-journal 3/2026
Komponenten
Der Turbolüfter kann er bei kompakter Bauform
deutlich mehr Druck aufbauen.
Wichtig ist dabei, nicht nur auf Messwerte
zu schauen, die der Lüfter allein ohne Einbau
erreicht. Entscheidend ist, wie er sich im fertigen
System verhält. Dabei spielen Druck, Luftmenge
und die Steuerung zusammen. Nur
wenn diese Dinge gut aufeinander abgestimmt
sind, funktioniert die Luftförderung später stabil
und passend.
Außerdem muss man darauf achten, wie warm
der Lüfter im Dauerbetrieb wird, wie laut er ist,
wie er mechanisch ins Gerät eingebaut wird und
wie gut er elektrisch mit den anderen Bauteilen
zusammenarbeitet. Auch Störungen mit anderer
Elektronik müssen vermieden werden. Dazu
kommen noch Anforderungen an Zuverlässigkeit,
Sicherheit und Diagnose sowie die Frage,
ob Materialien und technische Vorgaben zum
jeweiligen Medizinprodukt passen.
Luftleistung im realen Arbeitspunkt
Ein häufiger Fehler in frühen Entwicklungsphasen
besteht darin, Lüfter primär anhand von
Freiluftwerten zu vergleichen. Für ein Radialgebläse
ist das nur eingeschränkt aussagekräftig.
Entscheidend ist die P-Q-Kennlinie, also der
Zusammenhang zwischen Volumenstrom und
statischem Druck.
In der Praxis ergibt sich der tatsächliche
Arbeitspunkt immer aus dem Schnittpunkt von
Lüfterkennlinie und Gerätekennlinie. Die Lüfterkennlinie
stammt in der Regel aus dem Datenblatt
des Lüfterherstellers. Die Gerätekennlinie
ergibt sich aus dem eigenen System und muss
meist durch Berechnung, Simulation oder Messung
im realen Aufbau ermittelt werden.
Gerade bei kompakten Geräten mit engen
Luftwegen verschiebt sich der Arbeitspunkt häufig
stark in Richtung höherer Druckanteile und
geringerer Fördermengen. Ein technisch sinnvoller
Auswahlprozess muss daher immer das
komplette Luftsystem betrachten, nicht nur den
Lüfter isoliert.
meditronic-journal 3/2026
Präzise Regelbarkeit/
Geräuschverhalten
Atemunterstützungssysteme arbeiten nicht
unter konstanten Bedingungen. Mal braucht
das System mehr Luft, mal weniger. Manchmal
strömt sie leicht durch das Gerät, manchmal
schwerer. Deshalb muss der Lüfter nicht nur
stark sein, sondern sich auch gut steuern lassen.
Ein Turbolüfter ist dafür gut geeignet, weil
man seine Drehzahl anpassen kann. So kann
das Gerät die Luftmenge und den Druck passend
zur aktuellen Situation verändern. Wenn
man das elektrische Signal etwas erhöht, heißt
das aber nicht automatisch, dass auch die Luftmenge
oder der Druck genau im gleichen Maß
steigt. Das Verhalten ist also nicht ganz einfach.
Der Grund ist, dass nicht nur der Lüfter selbst
eine Rolle spielt, sondern auch das ganze Luftsystem
im Gerät.
Zur Regelbarkeit gehört auch das Geräuschverhalten.
Über die Drehzahl lässt sich beeinflussen,
wie laut der Lüfter arbeitet. Hier wird eine
Montage in schall- und vibrationsabsorbierender
Weise empfohlen. Das ist besonders wichtig bei
Geräten, die in der Nähe von Patienten eingesetzt
werden. Eine gute Regelung hilft also nicht
nur dabei Luftmenge und Druck passend einzustellen,
sondern auch dabei, das System ruhiger
und angenehmer arbeiten zu lassen.
Dauerbetrieb und Zuverlässigkeit
Beatmungs- und Atemunterstützungsgeräte
müssen über lange Zeiträume stabil funktionieren.
Entwickler müssen deshalb nicht nur die
nominelle Leistung bewerten, sondern auch das
Verhalten im Dauerbetrieb. Dazu gehören thermische
Stabilität, Lagerlebensdauer, reproduzierbares
Anlaufverhalten, sichere elektrische Anbindung
und robuste Funktion über den gesamten
vorgesehenen Einsatzbereich.
Gleichzeitig muss das Gesamtsystem so entwickelt
werden, dass auch Randbedingungen
wie Temperatur, Verschmutzung, Versorgungsschwankungen
oder veränderte Luftwiderstände
berücksichtigt werden.
Der Lüfter allein reicht nicht
Ein Turboblower kann sein Potenzial nur dann
entfalten, wenn die Luftwege strömungsgerecht
ausgelegt sind.
Saugseite
Die Ansaugseite ist besonders empfindlich
gegenüber:
• zu engen Eintrittsquerschnitten
• abrupten Umlenkungen
• nahen Gehäusewänden
• Gittern mit kleinem freien Querschnitt
Solche Effekte verschlechtern nicht nur
den Wirkungsgrad, sondern können auch das
Geräuschspektrum deutlich verschärfen.
Druckseite
Auf der Druckseite führen häufig folgende
Fehler zu unnötigen Verlusten:
• abrupt verengte Querschnitte
• harte 90-°Umlenkungen direkt hinter dem
Auslass
• ungeeignete Düsengeometrien
• Leckagen in Übergängen
• ungünstige Ankopplung an flexible
Schläuche
Eine saubere Anpassung der Druckseite
kann den nutzbaren Systemarbeitspunkt
stärker verbessern als eine nominell höhere
Lüfterdrehzahl. ◄
Der tatsächliche Arbeitspunkt in der Praxis ergibt sich immer aus dem Schnittpunkt
von Lüfterkennlinie und Gerätekennlinie.
29
Komponenten
Sensoren in der Lungendiagnostik
Ein Interview von All Sensors mit Dr. med. Heiner Steffen
All Sensors: Welche Rolle spielen
Drucksensoren bei der Messung und welche
Anforderungen müssen sie erfüllen?
Medizinische Niederdruck-Sensoren spielen
in der Lungendiagnostik eine wichtige Rolle. Sie
eignen sich ideal für Lungenfunktionstests (PFT)
weil sie eine hohe Präzision und Zuverlässigkeit
gewährleisten. Zu ihren Funktionen gehört die
genaue Messung von Lungenvolumen, Kapazität
und Flussrate. Daher sind diese Sensoren
für umfassende Bewertungen unerlässlich, beispielsweise
für die Diagnose von Atemwegserkrankungen
wie Asthma und chronisch obstruktiver
Lungenerkrankung (COPD). Sie helfen,
Behandlungspläne zu erstellen, Krankheitsverläufe
zu überwachen und die Wirksamkeit der
verordneten Therapien zu bewerten.
Um den Einsatz der Sensoren und die Anwendung
der Untersuchungsmethoden zu beschreiben,
haben wir von All Sensors ein Interview
mit Dr. med Heiner Steffen, Facharzt für Innere
Medizin, Pneumologie, Allergologie, Sportmedizin
und Umweltmedizin geführt. Er leitet seit 25
Jahren eine eigene Praxis in Landsberg am Lech.
All Sensors GmbH
info@allsensors.eu
www.allsensors.eu
All Sensors: Vielen Dank Herr Dr. Steffen,
dass Sie sich die Zeit nehmen für ein
Interview. Welche Diagnostikverfahren sind
essenziell zur Untersuchung der Lunge?
Dr. Steffen: Als Basisuntersuchung gilt die
Spiro metrie, gefolgt von der Bodyplethysmographie.
Die Spirometrie ist essenziell für die Diagnose
und Verlaufskontrolle von Atemwegserkrankungen.
Sie wird als kleine Lungenfunktion
bezeichnet und ist die Basisdiagnostik in der Lungenfunktionsanalytik.
Es ist eine einfache Technik.
Es wird eine Fluss-Volumen-Kurve erstellt.
Diese Fluss-Volumen-Kurve ist eine Blickdiagnostik,
mit der man sofort abschätzen kann, ob der
Patient krank oder gesund ist und wo mögliche
Krankheitsbilder sind. Hier muss der Patient aktiv
mitarbeiten, deshalb wird diese Methode auch
als dynamische Messung bezeichnet.
Die Bodyplethysmographie ist die große Lungenfunktion.
Sie ist eine ganzheitliche Messung,
die das gesamte Lungenvolumen erfasst, einschließlich
des Residualvolumens, also der
nicht mobilisierbaren Restluft. Zusätzlich wird
der Widerstand in den Atemwegen gemessen.
Die Bodyplethysmographie erfolgt in einer abgeschlossene
Kammer. Der Patient ist bei der
Untersuchung inaktiv, deshalb handelt es sich
um statische Messungen.
All Sensors: Welches sind die wichtigsten
Messwerte in der Lungenfunktionsdiagnostik?
Dr. Steffen: Die Fluss-Volumen-Kurve kümmert
sich einerseits um die inspiratorische
Kapazität, um die Exspiration, den Peak exspiratorischen
Flow, das PEF und den Einsekundenwert,
das FEV1, den großen Parameter der
Atemwegsenge, der Atemwegsobstruktion. Und
dann gibt es ein paar rechnerische Werte, die
daraus folgen. Da finden auch Graduierungen
des Krankheitsgrades statt, z. B. im Rahmen der
chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung.
Dr. Steffen: Die Sensorik muss schnell ansprechen
und reproduzierbar sein. Das heißt, wenn
der Patient aufgefordert wird drei, vier Mal die
gleiche Dynamik zu erzeugen, dann sollte natürlich
auch die Messtechnik in der Lage sein, verlässlich
und wiederkehrend das Gleiche zu messen.
Die Variabilität von Patientenseite ist in der
Praxis meist viel größer, d. h. pustet der Patient
richtig in das Spirometer, hat er ordentlich eingeatmet,
und macht er das auch reproduzierbar.
In der Praxis misst die Sensorik korrekt. Es ist
meist der Patient oder das Personal die Fehler
machen. Aber dafür kann man in der Fluss-Volumen-Kurve
Kriterien finden. Das sind die Prüfkriterien,
eine Art Blickdiagnose. Man sieht, ob
der Patient gehustet hat und ob er genug eingeatmet
hat, um auch das an Volumen rauszubringen,
was er soll. Messtechnik ist hilfreich, um
Fehler des Patienten zu erkennen, wie Husten,
Räuspern, nicht konstant ausatmen. Und um dem
medizinischen Personal eine Validität zu geben
und Messungen mit Störfaktoren zu erkennen.
Hierfür braucht man intelligente Sensorik die
exakt genug misst.
Das erfahrene Fachpersonal erkennt, welche
Messungen nicht gelungen sind und nimmt z. B.
von 5 Messungen nur den Mittelwert der drei
besten. Wichtig ist die Gleichheit in der Messung,
die Verlässlichkeit der Messung. Das ist
wichtiger als der letzte Prozentbereich der Messgenauigkeit.
In der Medizin geht es um prinzipielle
Entscheidungen: Krank, gesund oder auf
dem Weg zu krank. Da ist die Messtechnik viel
genauer als die Genauigkeit unserer Diagnose.
All Sensors: Welche anderen Messgrößen
werden in der Spirometrie noch gemessen?
Dr. Steffen: Feuchte, Temperatur, der Umgebungsluftdruck.
Diese Größen braucht man, um
den Einfluss der BTPS-Bedingungen des Körpers
zu korrigieren. Früher mussten wir diese
Parameter noch eingeben in den initialen Bodyplethysmographen.
Man musste sie von einem
Hygrometer und Thermometer ablesen und dann
in den Computer eingeben. Und bei Temperaturschwankungen
im Tagesverlauf musste der
Vorgang wiederholt werden. Hier hilft die Sensorik
den Vorgang zu automatisieren und das
Personal zu entlasten.
All Sensors: Wäre es auch interessant, die
Sensorik weiter zu miniaturisieren oder auch
mehrere Sensoren in einem Gehäuse
zu integrieren?
30 meditronic-journal 3/2026
Komponenten
Fachbegriffe
Fluss-Volumen-Kurve:
Die Fluss-Volumen-Kurve ist eine grafische
Darstellung der Atemstromstärke in Abhängigkeit
vom Lungenvolumen. Auf der y-Achse
steht der Fluss in L/s, auf der x-Achse das
Lungenvolumen in Litern. Sie ist ein zentrales
Auswertungselement der Spirometrie
und hilft vor allem dabei, obstruktive und
restriktive Ventilationsmuster zu erkennen.
Die Kurve zeigt typischerweise einen steilen
Anstieg zu Beginn der Ausatmung, gefolgt von
einem abfallenden Plateau bis zur vollständigen
Exspiration.
PEF:
Der Peak Expiratory Flow (PEF) ist die
maximale Luftströmung, die beim kräftigen
Ausatmen erreicht wird und dient der Überwachung
der Lungenfunktion, insbesondere
bei Asthma und COPD.
FEV1:
FEV1 steht für forciertes exspiratorisches
Volumen in einer Sekunde
Dr. Steffen: Geräte, die man den Patienten
mit nach Hause gibt, sollten kompakt und handhabbar
sein bei gleichzeitig hoher Verlässlichkeit.
Geräte für die Schlafapnoe-Diagnostik
und zur Diagnostik obstruktiver Atemwegserkrankungen
nehmen zu Hause über Tage und
Wochen Messparameter auf, um sie dann zentral
auszuwerten. Hier sind kleine Sensoren
eine gute Antwort.
All Sensors: Wie oft müssen die Spirometer
gereinigt oder kalibriert werden?
Dr. Steffen: Jeden Tag wird gemessen, ob das
Volumen, das wir vorgeben – 3 Liter, geeichte
Pumpe – dementsprechend auch unsere Kurve
produziert. Gereinigt wird auch jeden Tag. Und
die Filter werden individualisiert und weggeworfen
oder dem Patienten mitgegeben für den
nächsten Besuch. Vor die Sensorik sind Filter
geschaltet, die sie vor Feuchtigkeit und Verschmutzung
schützten.
Wichtig ist auch die intelligente Temperaturkompensation
der Sensorik. In den Praxisräumen
ist der Bodyplethysmograph im Tagesverlauf
Temperaturschwankungen durch Sonneneinstrahlung
und Verdunkelung ausgesetzt, die
ausgeglichen werden müssen. Die Kalibrierung
über Temperatur muss sehr genau sein. Das
erspart dem Personal das ständige manuelle
nachkalibrieren der Nullkurve und erleichtert
die Anwendung und verhindert Anwenderfehler.
All Sensors: Welche Kenngrößen des Sensors
wie z. B. Ansprechzeit, Genauigkeit und
Langzeitstabilität sind am wichtigsten und
meditronic-journal 3/2026
( Einsekundenkapazität). Es ist das Luftvolumen,
das nach maximaler Einatmung innerhalb
der ersten Sekunde forciert ausgeatmet
werden kann und ein zentraler Indikator für
die Lungenfunktion.
COPD:
COPD steht für „chronic obstructive pulmonary
disease“ und bezeichnet eine chronische
Verengung der Atemwege (Atemwegsobstruktion),
bei der die Lunge dauerhaft
geschädigt und insbesondere die Ausatmung
erschwert ist.
BTPS:
BTPS steht für Body Temperature, Pressure,
Saturated und beschreibt die Bedingungen
in der Lunge: 37 °C Körpertemperatur,
Umgebungsdruck und mit Wasserdampf
gesättigte Luft. Diese Normierung wird in der
Lungenfunktionsdiagnostik verwendet, damit
gemessene Fluss- und Volumenwerte auf die
tatsächlichen Verhältnisse im Körper umgerechnet
werden können.
welche Verbesserungen oder Entwicklungen
wären hier wünschenswert?
Dr. Steffen: Ich glaube, die Verlässlichkeit in
der Querschnittsuntersuchung ist sehr wichtig.
Wenn der Patient heute kommt und dann kommt
er in ein paar Monaten oder in einem Jahr wieder,
muss die gleiche Verlässlichkeit in der diagnostischen
Qualität gewährleistet sein. Oder
wenn ich Therapien umstelle, und der Patient
wiederholt in die Praxis kommt. Da erwarte
ich, dass meine Messungen vergleichbar sind
über einen längeren Zeitraum. Nur so können
sie Grundlage meiner Therapieentscheidung
sein. Ob das Gerät einen Milliliter mehr oder
weniger misst, hat da nicht so viel Einfluss auf
die Entscheidung ob und wie ich den Patienten
behandle. Die Verlässlichkeit im Querschnitt
über die Langzeit ist die wichtigste Größe. Und
je weniger der Arzt über die Messtechnik nachdenkt,
je verlässlicher und stabiler ist sein System
und desto besser ist es mutmaßlich.
Das andere ist die schnelle Response des
Sensors. Hier ist wichtig, dass man gerade bei
dynamischen Prozessen nicht irgendwo entscheidende
Informationen verliert.
All Sensors: Wie lange ist die Lebensdauer
dieser Geräte?
Dr. Steffen: Jahrzehnte. Man wechselt einen
Bodyplethysmograph eigentlich nur, wenn man
die Praxisräume wechselt oder wenn das Gerät
in die Jahre gekommen ist und der Verschleiß
zu hoch wird, also z. B. Dichtungsringe zu oft
Fehler verursachen und getauscht werden
müssen. Daher sind die Reproduzierbarkeit und
Langzeitstabilität der Sensoren über einen Zeitraum
von 10, 15 oder 20 Jahren sehr wichtig.
All Sensors: Inwieweit sehen Sie
aktuell Veränderungen durch die KI
in der Diagnostik? Kann KI z. B. im
Auswertungsprozess unterstützen?
Dr. Steffen: Auswertung wäre ja so eine Art
Vorschlag für eine Diagnose, so wie wir das bei
den EKGs haben. Ich finde es gut, wenn der Arzt
eine Hilfe bei der Interpretation hat, oder einen
Hinweis und Vorschlag bekommt. Aber trotzdem
sollte er natürlich Herr des EKG-Papiers
oder der grafischen Darstellung der Fluss-Volumen-Kurve
sein.
KI könnte auch bei der Messung helfen. Bei
der Frage welche Messung ist schlecht? Wo hat
der Patient Volumenschwankungen in der Ausund
Einatmung? Wenn der Algorithmus bei der
Auswahl der Messungen mit der besten Qualität
hilft, kann KI das medizinische Personal unterstützen
und den Prozess verbessern. Besonders
bei der Auswertung von Messungen in
eng definierten Grenzen kann man von KI bessere
Ergebnisse erwarten als vom Menschen.
Die Zukunft der KI liegt in der Anwenderfreundlichkeit
und der Mitgestaltung bei der Interpretation.
Die spirometrische Messung ist Physik
und wird sich nicht ändern.
All Sensors: Sehen Sie noch weitere
KI-Entwicklungen?
Dr. Steffen: KI könnte helfen, den diagnostischen
Aufwand zu reduzieren durch immer
intelligentere Kombination und Interpretation
verschiedener Messparameter. Die Therapie
fände dann vermehrt zu Hause statt mit mobilen
Geräten, die man den Patienten mitgibt. Dies
würde Arztbesuche reduzieren und Kosten im
Gesundheitswesen sparen.
All Sensors: Vielen Dank für das Gespräch
Herr Dr. Steffen! ◄
31
Komponenten
Widerstandsreduzierte Schwingquarze
Mehr Batterielaufzeit und Funktionssicherheit
für mobile Medizingeräte
Ob Patientenmonitor, Insulinpumpe, Fingerpulsoxymeter,
Hörsystem oder vernetzter Sensor
am Körper – batteriebetriebene Medizingeräte
leben von einem knappen Energiebudget. Ein
oft unterschätzter Hebel sitzt direkt im Taktteil
der Schaltung: der Schwingquarz. Widerstandsreduzierte
Schwingquarze, wie die LRT-Quarze
von der Petermann-Technik, schwingen deutlich
schneller und sicherer an, senken dadurch
die Stromaufnahme der Schaltung und verlängern
damit die Batterielaufzeit – bei gleichzeitig
höherer Anschwingsicherheit, die in der Medizintechnik
unmittelbar zur Produktsicherheit beiträgt.
Das Energiebudget entscheidet
Moderne Medizingeräte werden zunehmend
mobil: Wearables zur Vitaldatenerfassung, tragbare
Diagnostiksysteme, Medikamentenpumpen,
Fingerpulsoxymeter, Hörsysteme und drahtlos
vernetzte Sensoren arbeiten batterie- oder
akkubetrieben – häufig über Jahre, ohne dass
ein Batteriewechsel praktikabel oder erwünscht
ist. Entsprechend hart ist das Energiebudget kalkuliert.
Die Funkmodule und Mikrocontroller solcher
Geräte arbeiten im Duty-Cycle-Betrieb: Sie
wachen auf, übertragen ein Telegramm, gehen
wieder in den Sleep-Modus. Bei jedem dieser
Zyklen muss der Oszillator neu anschwingen –
und genau hier entscheidet sich, wie viel Energie
das System tatsächlich verbraucht.
PETERMANN-TECHNIK GmbH
info@petermann-technik.de
www.petermann-technik.de
Serienwiderstand
Der maßgebliche Parameter ist der Serienwiderstand
(ESR, Equivalent Series Resistance)
des Quarzresonators. Je niedriger der ESR, desto
schneller und sicherer schwingt der Quarz in der
Oszillatorstufe des ICs an. Eine kurze Start-up-
Time bedeutet: Das IC verbringt weniger Zeit im
stromintensiven Anschwingvorgang, die aktive
Phase verkürzt sich, die mittlere Stromaufnahme
der Schaltung sinkt. Über Tausende von Sendeund
Aufwachzyklen summiert sich dieser Effekt
zu einer deutlich verlängerten Batterielaufzeit.
LRT: widerstandsoptimierte
Resonatoren als Fertigungsstandard
Petermann-Technik setzt mit seiner exklusiven
LRT-Technologie (LOW ESR Resonator Technology)
genau an diesem Punkt an. Für die Fertigung
der SMD-LRT-Schwingquarze wird auf
31 Patente zurückgegriffen; das Ergebnis sind
Schwingquarze, die im Vergleich zu Mitbewerberprodukten
deutlich niedrigere Widerstände
aufweisen – nachweisbar in In-Circuit-Messungen
direkt in der Kundenschaltung.
Langzeitverfügbar
Da nur selbst entwickelte und gefertigte
Quarzresonatoren verbaut werden, kann über
viele Jahre hinweg dasselbe LRT-Resonatordesign
für das jeweilige Produkt geliefert werden –
höchste Produktsicherheit von Lieferlos zu Lieferlos.
Für Medizingerätehersteller mit langen
Produktlebenszyklen und aufwendigen Zulassungsverfahren
ist diese Konstanz ein entscheidender
Faktor: Ein einmal qualifiziertes Bauteil
bleibt in seinem Verhalten reproduzierbar.
Jeder gelieferte LRT-Schwingquarz wird zu
100 % geprüft; vom Quarzrohmaterial bis zum
Endprodukt (keine marktübliche AQL-Toleranz,
die nur Risiken in sich birgt).
Anschwingsicherheit
ist Produktsicherheit
In der Medizintechnik ist ein zuverlässig startender
Oszillator keine Komfortfrage, sondern
eine Frage der Funktionssicherheit. Kritisch wird
es in Schaltungen, deren Oszillatorstufen einen
schwachen negativen Eingangswiderstand (-R)
aufweisen oder bei denen dieser Wert in der
Serienfertigung des ICs streut. Standardquarze
mit höherem ESR können hier grenzwertig oder
gar nicht anschwingen – ein Risiko, das sich in
der Entwicklung nicht immer zeigt, in der Serie
aber zu Ausfällen führt.
LRT-Schwingquarze bieten aufgrund ihres
sehr niedrigen Widerstands in allen Kundenschaltungen
einen sehr hohen Anschwingsicherheitsfaktor
(SF). Der Applikationsdesigner
erhält damit eine Schaltung, die auch unter
ungünstigen Bedingungen – Bauteilstreuung,
Temperaturextreme, niedrige Versorgungsspannung
am Ende der Batterielebensdauer –
sicher startet. Die Integration bleibt dabei einfach:
Quarz per kurzer Leitung an das IC anbinden,
externe Lastkapazitäten dimensionieren
oder intern programmieren – fertig ist die funktionssichere
Taktversorgung.
Hinzu kommt die hohe Frequenzgenauigkeit
der LRT-Quarze. In drahtlos kommunizierenden
Medizingeräten – etwa über Bluetooth
Low Energy oder Sub-GHz-Funk – sorgt
sie für stabile Verbindungen und Reichweitenvorteile,
sodass Telegramme schnell und ohne
Wiederholungen übertragen werden. Auch das
spart Energie.
Bauformen
für miniaturisierte Medizinelektronik
LRT-Schwingquarze sind in allen THT- und
SMD-Gehäusen von Petermann-Technik lieferbar.
Für Neuentwicklungen empfehlen sich
die miniaturisierten SMD-Keramikgehäuse mit
3,2 × 2,5 mm, 2,0 × 1,6 mm und 1,6 × 1,2 mm,
die je nach Gehäuse das Frequenzspektrum
von 8 bis 285 MHz im Grundton abdecken –
ideal für platzkritische Designs wie Wearables
32 meditronic-journal 3/2026
Komponenten
oder In-Ear-Systeme. Für besonders kleine
Anwendungen kann auch die Verwendung des
MHz-Schwingquarzes im 1,2 × 1.0mm/4pad
Keramikgehäuse von Interesse sein. Auch der
SMD01210/4 basiert auf der exklusiven LRT-
Technologie. Werden niedrigere Frequenzen
mit nochmals reduzierten Widerständen benötigt,
stehen die Bauformen 7,0 × 5,0 mm,
6,0 × 3,5 mm und 5,0 × 3,2 mm in 4-Pad-Keramikgehäusen
zur Verfügung. Auch im kHz-Bereich,
etwa für 32,768-kHz-Uhrenquarze in RTC- und
Low-Power-Anwendungen, liefert Petermann-
TechniK widerstandsoptimierte Lösungen – zum
Beispiel die Serie M3215RR im 3.2x1.5mm/2Pad
Keramikgehäuse mit 50 kOhm max.
Bemerkenswert: Die LRT-Resonatortechnologie
entspricht dem Fertigungsstandard des
Unternehmens und kostet keinen Aufpreis –
sie wird als Standardperformance mitgeliefert.
Produktempfehlungen
für Neuentwicklungen
Grundsätzlich berät die Petermann-Technik ihre
Kunden mit langfristig verfügbaren Schwingquarzen
– Nachkaufgarantie ≥20 Jahre. Der absolut
günstigste SMD-MHz-Quarz ist der Schwingquarz
der Serie SMD03025/4 im 3.2x2.5mm/4pad Keramikgehäuse.
Empfohlen wird der 32.768-kHz-
Quarz der Serie M3215RR (3.2x1.5mm/2pad mit
50 kOhm). Wem der SMD03025/4 zu groß ist,
kann entweder auf den SMD2016/4 (2.0x1.6mm)
wechseln, oder gar den SMD01612/4 (1.6x1.2mm)
LRT-MHz-Quarz verwenden. Wenn miniaturisiert
werden muss, dann ist die Kombination aus
SMD01612/4 (MHz) und M3215RR (32.768 kHz)
die günstigste. 32.768-kHz-Quarze im Gehäuse
2.0x1.2 haben einen ESR schon von 70 kOhm,
bzw. im 1.6x1.0mm/2pad Keramikgehäuse sogar
90 kOhm. So hohe ESR reduzieren die Batterielaufzeit.
Exzellente Produktperformance
und -langlebigkeit
Die Petermann-Technik GmbH mit Sitz in
Landsberg am Lech hat sich seit seiner Gründung
im Jahre 1996 als Experte für Frequenzprodukte
mit exzellenter Produktperformance
und -langlebigkeit etabliert und unterstützt ihre
Kunden von der Bauteilauswahl über das Designin
bis zur Serienlieferung.
Ergänzt wird das Produktspektrum durch
einen umfangreichen Design-in-Service, der
unter anderem effektive In-Circuit-Tests der
SMD-LRT-Schwingquarze in der realen Kundenschaltung
umfasst. So lassen sich Anschwingsicherheitsreserve,
Drive-Level und Lastkapazität
bereits in der Entwicklungsphase verifizieren
– bevor das Gerät in die Zulassung geht.
Über die Website können Produkte konfiguriert,
angefragt und Musterquarze direkt angefordert
werden. ◄
2 Watt DC/DC-Wandler für hohe Anforderungen
an Patientensicherheit
Halle A5-103
GAPTEC Electronic GmbH & Co. KG
www.gaptec-electronic.com
Gaptec Electronic stellt die neue
2S10B1_7UP Serie vor. Sie ist ein 2 Watt
DC/DC-Wandler mit galvanischer Trennung
und ungeregeltem Ausgang im kompakten
SIP10-Gehäuse, entwickelt für Anwendungen
mit hohen Anforderungen an Patientensicherheit,
Isolationsfestigkeit und Langzeitzuverlässigkeit.
Mit einem festen 12-VDC-Eingang
und Ausgangsspannungen von 5 V oder 12 V
deckt die Serie typische Versorgungsaufgaben
in 12-V-Industrie- und Medizinbussen
zuverlässig ab.
Das herausragende Merkmal der Serie ist
ihre verstärkte Isolation von 7.000 VDC zwischen
Eingang und Ausgang sowie die Stoßspannungsfestigkeit
von 8 kV bei Volllast —
Eigenschaften, die patientenseitige Versorgungen
und industrielle Hochspannungs-
Trennaufgaben sicher absichern. Trotz dieser
hohen Isolationswerte erreicht die Serie
mit nur 7 pF eine außergewöhnlich niedrige
Isolationskapazität, was Gleichtaktstörungen
im System spürbar reduziert.
Für höchste Zuverlässigkeit ausgelegt,
erreicht die 2S10B1_7UP Serie eine herausragende
MTBF von 3.500.000 Stunden (MIL-
HDBK-217F @ 25 °C). Sie arbeitet stabil im
erweiterten Temperaturbereich von -40 bis
+105 °C (mit Derating ab 71 °C) und ist mit
einem kontinuierlichen, selbst zurücksetzenden
Kurzschlussschutz ausgestattet.
Der Wirkungsgrad liegt bei bis zu 84 % bei
Volllast, mit einem typischen Ripple & Noise
von 50 mVp-p.
Mit einer Schaltfrequenz von 260 kHz,
EMV-Konformität gemäß CISPR32/EN 55032
Klasse B und einer hohen ESD-Festigkeit (Luft
±8 kV, Kontakt ±6 kV) liefert die Serie eine
stabile, saubere Versorgung für empfindliche
nachgeschaltete Elektronik. Das flammhemmende
schwarze Kunststoffgehäuse ist nach
UL94 V-0 zertifiziert.
In der Medizintechnik eignet sich die
2S10B1_7UP Serie besonders für patientenseitige
Signalversorgungen in EKG-, EEGund
EMG-Geräten, für die Front-End-Elektronik
von SpO 2 - und nicht-invasiver Blutdruckmessung
sowie für tragbare Point-of-Care-
Diagnostikgeräte. Darüber hinaus deckt sie
isolierte Signalversorgungen in industriellen
Bus- und Sensorschnittstellen sowie in der
Mess- und Prüftechnik zuverlässig ab. ◄
meditronic-journal 3/2026
33
Komponenten
Stabile Wärmeabfuhr sichert solide Testergebnisse
CTX-Kühllösungen für Laborstromversorgungen zum Testen medizinischer Geräte
Profilkühlkörper von CTX sind die Allrounder unter den Kühllösungen für die Leistungselektronik,
© CTX Thermal Solutions
Besonders wichtig für die Laborstrom ver sorgungen
ist ein möglichst kleiner Temperatur widerstand der
Profilkühlkörper, die Verlust leistungen von 300 bis
750 Watt abführen müssen, © ET System electronic
Die ET System electronic GmbH wurde 1986
im Herzen des Rhein-Neckar-Dreiecks gegründet.
Als Tochterunternehmen einer führenden
Stromversorgungsgruppe übernahm ET System
electronic schnell eine Führungsrolle im
Bereich der Laborleistungselektronik und der
dazugehörigen Messtechnik. Für die Ausstattung
ihrer Produkte mit Profilkühlkörpern aus
Aluminium setzen die Entwickler auf die umfassende
Kompetenz von CTX Thermal Solutions.
CTX Thermal Solutions GmbH
www.ctx.eu
www.ctx.eu/produkte/kuehlkoerper/
profilkuehlkoerper
ET System electronic GmbH
www.et-system.de
ET System electronic bietet programmierbare
Laborstromversorgungen für alle Bereiche der
Industrie, Telekommunikation, Medizin, Bahntechnik,
Luft- und Raumfahrt sowie Automobilelektronik
an.
Seit 1997 besteht im Unternehmen der separate
Produktbereich „Power Solutions“ mit Spezial-Know-how
rund um die Stromversorgung und
heute 40 Mitarbeitern. Eigene Technologieplattformen
sowie ein engagiertes Entwicklungsteam
bieten den Kunden dabei die notwendige Unterstützung
für jede Aufgabe. Neben einem breiten
Standardprogramm realisiert das Unternehmen
auch kundenspezifische Modifikationen seiner
Geräte. So sind die Entwicklungsingenieure in
der Lage fast jedes Feature an die Kundenbedürfnisse
anzupassen.
Die große Fertigungstiefe und die kurzen Entscheidungswege
sorgen nicht nur für höchste Qualität
und schnelle Lieferung, sie bringen den Kunden
auch den Vorteil, dass Designänderungen
oder Modifikationen an Serienprodukten schnell
und flexibel umgesetzt werden können. Ent wickelt,
vertrieben und produziert werden sämtliche Geräte
am deutschen Firmensitz in Altlußheim. Da von
der Metallverarbeitung bis zur Wickel- und EMV-
Technik alle notwendigen Ressourcen in-house
vorhanden sind, wird dadurch auch der Entwicklungsprozess
positiv beeinflusst.
Hohe Bestückungs-, Montage- und Prüfkapazitäten
für Prototypen und Nullserien bis
hin zu hohen Stückzahlen garantieren schnellste
Fertigungsanläufe. Durchlaufzeiten von 6 bis
8 Wochen für kundenspezifische Lösungen sind
üblich und das schnelle Erreichen der Serienreife
eine Selbstverständlichkeit.
Das Produktportfolio
von ET System electronic:
• Getaktete DC-Quellen
• Längsgeregelte DC-Quellen
• DC-Quellen mit integrierter Last
• Bidirektionale DC-Quellen und -Senken mit
Netzrückspeisung
• Getaktete AC-Quellen
• Längsgeregelte AC- Quellen
• Stromgeregelte AC-Quellen
• Motorisch geregelte AC-Quellen
• Bidirektionale AC-Quellen und -Senken mit
Netzrückspeisung
• Elektronische AC- und DC-Lasten
34 meditronic-journal 3/2026
Komponenten
Gefertigt werden die Profilkühlkörper bei CTX aus Aluminiumprofilen nach den Zeichnungen
von ET System electronic, © CTX Thermal Solutions
Zuverlässige Testgeräte
für sichere Gerätetests
Von medizintechnischen Geräten hängen im
Zweifelsfall Menschenleben ab. Entsprechend
hoch sind die Qualitätsanforderungen dieser
Branche. Die Geräte und alle verbauten Komponenten,
beispielsweise Profilkühlkörper, müssen
höchsten Ansprüchen genügen und absolut
zuverlässig arbeiten. Leistungsstarke Profilkühlkörper
und effiziente Lüfter führen die in
Form von Wärme anfallende Verlustleistung der
verbauten elektronischen Bauteile schnell ab.
Damit sichern sie die verlässliche Funktion der
Geräte und verlängern zudem die Lebensdauer
der Elektronik. Das gleiche gilt für Laborstromversorgungen
sowie elektronische Lasten und
Senken, mit denen medizintechnische Geräte in
der Entwicklungsphase und bei der Qualitätskontrolle
„auf Herz und Nieren“ geprüft werden.
Profilkühlkörper werden im Extrusionsverfahren
hergestellt. Dabei wird das Metall, in der Regel
eine Aluminium-Stranggusslegierung, durch eine
Matrize gepresst, © CTX Thermal Solutions
meditronic-journal 3/2026
EAC-S-Serie
Die AC-Laborstromversorgungen der Serie
EAC-S zum Testen medizinischer Geräte von
ET System electronic sind dafür ein gutes Beispiel.
Als linear geregelte elektronische Laborstromversorgungen
können sie medizinspezifische
Kurvenformen nach EN 60601 generieren.
Ausgangsspannungen bis 700 VAC Phase/
Null oder eine DC-Spannung bis 1000 VDC mit
Frequenzen bis 2000 Hz sind optional verfügbar.
Die AC-Laborstromversorgungen der Serie
EAC-S zum Einsatz in Laboren und in Prüffeldern
für elektrische Komponenten werden verwendet
um Spannungen, Ströme, Frequenzen und
Kurvenformen unabhängig vom Netz einphasig
nachzubilden und damit die korrekte Funktion
der medizintechnischen Geräte zu überprüfen.
Für die erforderliche Kühlung elektronischer
Baugruppen in den Laborstromversorgungen
verlässt sich ET System electronic ausschließlich
auf die Präzision, Zuverlässigkeit und hochwertige
Verarbeitung der Aluminium-Profilkühlkörper
von CTX Thermal Solutions.
CTX bietet Profilkühlkörper
vom Spezialisten
Gefertigt werden die Profilkühlkörper bei CTX
aus Aluminiumprofilen nach den Zeichnungen
von ET System electronic. Besonders wichtig für
die Laborstromversorgungen zum Testen medizinischer
Geräte ist ein möglichst kleiner Temperaturwiderstand
der Profilkühlkörper, die Verlustleistungen
von 300 bis 750 Watt abführen müssen.
Bei klassischen Profilkühlkörpern sorgen Kühlrippen
für eine besonders große Oberfläche und
damit zu einer verbesserten Abführung der Verlustleistung
von elektronischen Bauteilen. Diese
einfache, aber zuverlässige Kühl lösung trägt zur
Funktionalität, Zuverlässigkeit und Lebensdauer
elektronischer Geräte bei. Profil- bzw. Rippenkühlkörper
werden im Extrusionsverfahren hergestellt.
Dabei wird das Metall, in der Regel eine
Aluminium-Stranggusslegierung mit einer Wärmeleitfähigkeit
von 180 W/mK, durch eine Matrize
gepresst. Seltener kommen Reinaluminium oder
Reinkupfer zum Einsatz. Die individuelle Gestaltung
des Extrusionswerkzeuges gibt das Kühlkörperdesign
vor. Einmal angefertigt, können
auf diese Weise mit einer Matrize nahezu beliebig
viele Kühlkörper produziert werden, wodurch
sich niedrige Stückkosten ergeben.
Optimierung durch CNC-Bearbeitung
und Oberflächenveredelung
Beim Strangguss ergeben sich verfahrensbedingt
unvermeidliche Toleranzabweichungen, die
sich jedoch durch eine nachträgliche CNC-Bearbeitung
nach Zeichnungsvorgabe ausgleichen
lassen. Dadurch wird der Kontakt zwischen der
elektronischen Komponente und dem Kühlkörper
optimiert, der Wärmeübergangswiderstand verringert
sich und die Wärmeleitung wird verbessert.
Neben der CNC-Bearbeitung bietet CTX auch eine
Oberflächenveredelung durch Eloxieren, Pulverbeschichten,
Chromatieren oder Lackieren an.
Das CTX-Portfolio umfasst sowohl individuelle
und CNC-bearbeitete Stranggussprofile als auch
klassische Profil- bzw. Rippenkühlkörper in den
unterschiedlichsten Geometrien und Varianten.
Dazu zählen Standardausführungen wie Lamellen-,
Kammprofil- und Fingerkühlkörper sowie
Kleinstkühlkörper. Die Größe dieser Standard-
Profilkühlkörper reicht von 12,4 mm bis 750 mm
Breite, das Gewicht beträgt zwischen 130 g/m und
75,1 kg/m. Der Wärmewiderstand liegt bei R th -Werten
zwischen 81,6°C/W und 0,04°C/W. Als Spezialist
für projekt- und anwendungsbezogene Kühllösungen
ist CTX Thermal Solutions der exklusive
Lieferpartner für ET System electronic. Die ausgezeichnete
CTX-Produktqualität ist dabei ebenso
wichtig wie die Flexibilität, die schnelle Bearbeitung
und die optimale Erreichbarkeit der CTX-
Experten bei allen fachlichen Fragestellungen. ◄
Als Spezialist für projekt- und
anwendungsbezogene Kühllösungen ist CTX
Thermal Solutions der exklusive Lieferpartner
für ET System electronic, © CTX Thermal Solutions
35
Komponenten
Großvolumiges Tischgehäuse
in herausragender Optik
Die neue Gehäusereihe
COMMUNITEC ist die ideale
Lösung, um voluminöse und gewichtigere
Einbauten in einer modernen
und designorientierten „Verpackung“
unterzubringen. Doch das Standgehäuse
hat noch wesentlich mehr zu
bieten! Die Schrägstellung der Sichtund
Bedienflächen von 12° ist ergonomisch
optimal für die Bedienung
und das Ablesen der angezeigten
Inhalte. Es können große Displays
von 12“- bis 14“-Diagonale eingebaut
werden und der Clou: Das
Tischgehäuse verfügt über eine integrierte
Griff- und Tragemöglichkeit,
um auch schwerere Geräte leichter
bewegen zu können.
Odenwälder Kunststoffwerke
Gehäusesysteme GmbH
www.okw.com
Robust und modern
Eine hochwertige Optik in Kombination
mit einer robusten Konstruktion
und sehr viel Platz für große,
massige Bauteile, das zeichnet das
neue COMMUNITEC von OKW
Gehäusesysteme aus. Der bereits
oben erwähnte Griff gestattet es, die
Geräte bequem z. B. von Patientenzimmer
zu Patientenzimmer zu tragen.
Somit ergeben sich vielfältige
Anwendungsoptionen in der Medizintechnik,
wie z. B. für das Patientenmonitoring,
Beatmungsgeräte,
Neuro monitoring u.v.m. Ebenso können
die Standardgehäuse für Applikationen
in der ästhetischen Medizin
(Laserbehandlung, Fußpflege,
IPL-Geräte) genutzt werden. Weitere
Einsatzgebiete sind natürlich
ebenfalls denkbar: für Mess-/Testgeräte
im Labor und in der Umwelttechnik,
Automatisierung sowie zur
Fehleranalyse und Qualitätskontrolle.
Die im Lieferumfang enthaltenen
Gummi füße sorgen für einen
sicheren Stand auf ebenen Flächen.
Groß und noch größer
Das voluminöse Tischgehäuse
ist ab Lager in 2 unterschiedlichen
Größen erhältlich:
Version “S” mit 283 x 246 x
194 mm und der noch größeren
Version “M” in 344 x 274 x 219 mm
(Breite x Höhe x Tiefe).
Die vordere Sicht- und Bedienfläche
erhielt konstruktiv eine
12°-Neigung. Das erleichtert die
Bedienung und ermöglicht, dass
die angezeigten Daten auch aus
unterschiedlichen Blickwinkeln zum
Gerät gut ablesbar sind.
Je nach Bedarf können Displays
mit 12“- bis 14“-Diagonale in die
vertiefte Fläche der Bedienfront
eingebaut werden, welche auch
gleichzeitig Folientastaturen einen
gewissen Schutz bietet. Die plane
Fläche unterhalb der geneigten
Bedienfläche kann für frontseitige
Bedienelemente/Anschlüsse oder für
Bedruckungen (Logos, Gerätedaten)
genutzt werden. Auf der Rückseite
der Gehäuse befindet sich darüber
hinaus ein zurückversetztes Areal
zum Schutz eingebauter Buchsen,
Stecker und Zuleitungen. Die dafür
notwendige mechanische Bearbeitung
wird dadurch vereinfacht und
es ergeben sich nutzerfreundliche
Anschlussmöglichkeiten. Wie von
OKW gewohnt, ist die Oberfläche
der neuen Standgehäuse leicht
strukturiert und einfach zu reinigen.
Durchdachte Technik
Das COMMUNITEC besteht
aus vier Einzelteilen, jeweils aus
hochwertigem, UV-beständigem
ASA+PC-FR-Material und ist in den
Farben verkehrsweiß (RAL 9016)
oder anthrazitgrau (RAL 7016)
erhältlich. Für die Zusammenstellung
eines Komplettgehäuses wird
jeweils ein Grundgehäuse, eine
Bedienfront, eine Bodenplatte sowie
eine „Abdeckung Griffmulde“ benötigt.
Die Einzelteile müssen separat
bestellt werden. Dies ermöglicht
bei Bedarf eine individuelle Farbkombination
der einzelnen Teile,
welche schnell und einfach umgesetzt
werden kann. Die „Abdeckung
Griffmulde“ ist zusätzlich in
verkehrsgrau A (RAL 7042) lieferbar.
Die Bodenplatte, wie auch die
Die beiden Größen gibt es in verkehrsweiß und anthrazitgrau,
die Griffmulde ist zusätzlich in verkehrsgrau erhältlich.
36 meditronic-journal 3/2026
Komponenten
Das COMMUNITEC besteht aus vier Einzelteilen und verfügt über eine
integrierte Griff- und Tragemöglichkeit.
„ Abdeckung Griffmulde“ sind zur
Verwendung bei beiden Größen
„S“ und „M“ ausgelegt.
Einfache Montage
Die Montage der Einzelteile ist
einfach, servicefreundlich und
erfolgt mittels rostfreien Torx-Edelstahlschrauben
auf der Gehäuserück-
bzw. Innenseite. So wird das
Design auf der Vorderseite nicht
durch Schraubenköpfe gestört -
ein weiteres Plus für die Optik und
die Verschraubungen sind dennoch
jederzeit leicht zugänglich.
Für den Einbau großvolumiger
Platinen und Bauteile, sind sowohl
im Grundgehäuse, der Bedienfront
als auch auf der Bodenplatte,
vielfältige Möglichkeiten vorhanden.
Die Bestückung der Bodenplatte
kann bereits in unmontiertem
Zustand außerhalb des
Gehäuses erfolgen (kein Muss);
erst danach befestigt man die
Platte im Gehäuse selbst. Müssen
dann noch weitere Montagevorgänge
im Innenraum getätigt
werden, kann dies sowohl von
oben, durch die Öffnung für die
„ Abdeckung Griffmulde“, als auch
von vorne erfolgen.
Individuelle Bearbeitung
und Veredelung
Neben einer mechanischen Bearbeitung
(Fräsen, Bohren, Stanzen,
Senken) bietet das hauseigene Service-Center
von OKW viele weitere
Optionen, um aus dem Standardgehäuse
ein kundenindividuelles Produkt
zu kreieren:
• EMV-Aluminiumbeschichtung:
Zum Schutz der Elektronik vor
Störeinflüssen von außen sowie
vor eigenen, erhöhten Störemission
kann die Gehäuseinnenseite
mit Aluminium beschichtet
werden.
• Sieb-/Tampon- und Digitaldruck:
Die Gehäuse können individuell
bedruckt oder beschriftet
werden. So lässt sich das Logo
perfekt in Szene setzen oder es
können wichtige Funktionen der
Endgeräte hervorgehoben werden.
• Laserbeschriftung: Die Laserbeschriftung
eignet sich hervorragend
zur dauerhaften und
abriebfesten Beschriftung und
Kennzeichnung. Insbesondere
sehr kleine maschinenlesbare
Kennzeichnungen, z. B. QR-
Codes, Barcodes, fortlaufende
Nummerierungen von Einzelteilen
und Texte sind somit einfach
realisierbar.
• Lackierung: Damit die Kunststoffgehäuse
zur jeweiligen Produktanwendung
oder dem Firmen-CI
passen, können sie in
der vom Kunden gewünschten
Farbe lackiert werden. Für besondere
Anforderungen, wie z. B. zur
haptischen Aufwertung des Produktes
(Soft-Touch-Lack) oder für
metallische Effekte, bietet OKW
weitere Lacke zur Auswahl an.
• Sondermaterial: Auf Wunsch,
ab einer Mindestmenge von
200 Stück, können die Gehäuse
auch in anderen, kundenspezifischen
Farben und Materialien
gefertigt werden.
• Konfektionierung/Montage:
Montage und Einkleben von
Gehäusezubehör, Baugruppen-
Montage, individuelle Bestückung
mit Befestigungsdomen, Lichtleitern
uvm. sind auch als Dienstleistung
möglich. ◄
Mehr Stabilität für optische Sensorik
In modernen optischen Sensorund
industriellen Mess systemen
wird die Systemleistung zunehmend
durch das reale Betriebsverhalten
der Lichtquelle bestimmt.
Temperaturabhängige Drift,
Leistungsveränderungen oder
Bauteilstreuung führen häufig
zu zusätzlichem Regel- und Kalibrieraufwand
auf Systemebene.
Um diesen Herausforderungen
zu begegnen, hat IMM Photonics
eine Plattform von 850-nm- Single-
Mode-VCSELs entwickelt. Der
Fokus liegt dabei auf Stabilität,
hoher Reproduzierbarkeit und einfacher
Integration in bestehende
Systeme. Die Bauelemente sind
insbesondere für Anwendungen
wie Time-of-Flight-Systeme, interferometrische
Messaufbauten
sowie industrielle und medizinische
Sensorik ausgelegt.
Nach einem qualifizierenden
Elevated-Stress-Burn-in zeigen
die VCSELs ein äußerst stabiles
Betriebsverhalten: Die Wellenlängendrift
verläuft linear und reproduzierbar
mit etwa 0,053 nm/K,
während gleichzeitig ein glatter
Leis tungsverlauf im Temperaturbereich
von 0 °C bis 60 °C
gewährleistet ist. Die Bauteil-zu-
Bauteil-Streuung der optischen
Leistung liegt typischerweise
bei nur ±0,01 mW. Dies ermöglicht
eine analytische Temperaturkompensation
und reduziert notwendige
Guard Bands deutlich.
Ein weiteres zentrales Merkmal
ist die polarisationsstabile
Single-Mode-Emission. Sie prädestiniert
die VCSELs insbesondere
für interferometrische und polarisationssensitive
Anwendungen.
Ergänzend sorgt ein nahezu
kreisförmiges Gauß-Strahlprofil
(ε ≥ 0,87 nach ISO 11146-1) für
stabile Kopplungsbedingungen
und eine hohe Robustheit gegenüber
mechanischen Einflüssen.
Für Anwendungen mit erhöhten
Anforderungen an Regelbarkeit
sind Varianten mit integrierter
Monitor Photodiode verfügbar.
Das Portfolio wird durch
kundenspezifische VCSEL- und
Lasermodule ergänzt - inklusive
Optik, Faserankopplung, Elektronik
und Temperaturstabilisierung.
Detaillierte Messdaten sowie
weiterführende System analysen
stellt IMM Photonics in der begleitenden
Application Note „850
nm VCSELs for Precision Sensing
and System Integration“ zur
Verfügung.
IMM Photonics
www.imm-photonics.de
meditronic-journal 3/2026
37
Komponenten
Highspeed Steckverbinder
für modernste Medizintechnik
In der Medizintechnik übernehmen
Mikrocomputer und Embedded
Systeme wichtige Funktionen beispielsweise
bei der Echtzeit-Bildverarbeitung
in diagnostischen Geräten.
Wenn es um deren Zuverlässigkeit,
Präzision und Sicherheit
geht, dann sind Board-to-Board
Steckverbinder von ept eine wichtige
Komponente, die für die mechanische
und elektrische Verbindung
von Systemmodulen verantwortlich
ist. Die Sicherstellung von Datenverarbeitung
und -übertragung ist
unerlässlich, damit Diagnosedaten
eine fundierte Grundlage für medizinische
Entscheidungen liefern.
ept GmbH
www.ept.de
Anforderungen
der Medizintechnik an die
Verbindungstechnologie
Abhängig von Art, Komplexität
und eingesetzter Netzwerktechnologie
variieren die benötigten
Datenübertragungsraten moderner
Medizingeräte erheblich. Angefangen
von einfachen Messwerten wie
Blutdruck und Temperatur, bis hin
zu hochauflösenden Bildern aus
der Radiologie – die Anforderungen
an Bandbreite, Latenz und Übertragungsraten
sind je nach Einsatzzweck
unterschiedlich. Trends wie
5G (6G), KI, Quantenkommunikation
oder Edge Computing und Fog
Computing fordern neben höchster
Signalintegrität auch Datenübertragungsraten
von 25 Gbit/s und mehr.
Ein weiterer Aspekt im Gerätedesign
von Medizingeräten ist
die Komplexität und Integrationsdichte
moderner Applikationen,
die die Anzahl an Funktionalitäten
und Kommunikationsmodulen weiter
steigen lässt. Die Folge ist eine
immer höhere Komponentendichte
auf minimaler Fläche, auf der oft
mehrere Leiterplatten auf engstem
Raum verbunden werden müssen –
Miniaturisierung ist klar gefordert.
Zusätzlich fordern modernste
Medizingeräte höchste Robustheit:
Vibrationsstabilität, Stoßfestig keit
und langfristige Kontakt sicherheit
muss gewährleistet sein. In Umgebungen
wie in mobilen medizinischen
Geräten müssen diese
Verbindungen besonders sicher
und widerstandsfähig sein.
Hinzu kommen EMV-Designaspekte
für höchste Störfestigkeit
ohne Ausfälle.
Highspeed und EMV
im Fokus von medizintechnischen
Geräten
Medizinische Bildgebungssysteme
wie CT-Scanner, MRI-Geräte und
digitale Röntgengeräte verarbeiten
bis zu 25 Gbit/s von Bild- und Patientendaten
in Echtzeit. Gleiches
gilt in Anwendungen der Telemedizin
und Fernüber wachung.
Ebenso ist bei der chirurgischen
Robotik die Echtzeitübertragung
von Bildern und Steuer befehlen
zwischen Konsole des Chirurgen
und dem Robotik-System gefordert.
Hochauf lösende Endoskopie sowie
implantierbare Geräte und Patientenüberwachungssysteme
sind weitere
Felder, die auf eine Datenübertragung
setzen, aber auch Wert auf
EMV-Designaspekte für Störfestigkeit
und Patienten sicherheit legen.
Weitere Tendenzen wie die
Zunahme von Multi-Source-Sensorik
und immer stärker vernetzten
Gesamtsystemen fordern die
schnelle, zuverlässige und sichere
Datenübertragung über verschiedene
Schnittstellen – ein Fakt, der
insbesondere für die MedTech-
Geräte gilt. Dabei spielt die Signalintegrität
eine entscheidende Rolle,
in denen hochpräzise und zuverlässige
Daten in den Anwendungen
vorherrschen. Konstante Ströme
und akkurate Daten sind unabdingbar,
um die Funktionssicherheit,
-zuverlässigkeit und -effizienz der
Geräte sicherzustellen. Hohe Bitraten
teils über große Entfernungen
hinweg können bei Störungen wie
Rauschen, (Rück-)Kopplungsverluste
sowie Verzerrungen und
Nebensprechen die elektrischen
Signale so stark beeinträchtigen,
dass Fehler auftreten und Geräte
ausfallen.
Board-to-Board
Steckverbinder
als Signalübertrager
Für diese Bedingungen ist der
ept Colibri SMT-Steckverbinder für
COM Express-Anwendungen die
ideale Wahl: Mit seinem optimierten
Kontaktdesign und einer Performance
von über 25 Gbit/s erfüllt
er alle Anforderungen von medizinischen
Geräten.
Augendiagramme in der Signalintegritätsanalyse
(Jitter, Eye height
und Eye width) bestätigen die Signalintegrität
in Hochgeschwindigkeitsd
atenübertragungssystemen, insbesondere
in Verbindung mit Steckverbindern
und Übertragungskanälen.
Außerdem weißt der Steckverbinder
eine enorm hohe Verfügbarkeit
im Markt auf.
Die vielseitigen Eigenschaften des
Colibri-Steckverbindungs systems
prädestinieren es für nahezu alle
Bereiche der modernen Medizintechnik
inklusive bildgebender Diagnostik,
Patienten-Monitoring, Defibrillatoren
sowie Therapiegeräten
und Robotik. Für jede Art von Highspeed-Anwendung
ist der Colibri
Steckverbinder von ept die richtige
Wahl, dazu zählen COM Express
und Mezzanine Board-to-Board-
Systeme mit Datenübertragungsraten
für 10-Gigabit-Ethernet und
PCI Express Gen3. Selbst 25-Gigabit-Ethernet
und PCI Express Gen4
lassen sich mühelos übertragen.
Ein Vorteil beim Stecken eines
COM-Moduls auf ein Carrier-Board
sind reduzierte Entwicklungszeiten
und -kosten. Zudem lässt sich der
Lebenszyklus von Produkten flexibel
verlängern: Das System kann
einfach aufgerüstet werden, indem
neuere COM Express-Module mit
höherer Leistungsfähigkeit auf das
bestehende Carrier-Board gesteckt
werden.
Fazit:
Es ist nicht zu unterschätzen,
den richtigen Steckverbinder für
eine Highspeed-Anwendung auszuwählen.
Wie hier beschrieben
herrschen speziell im medizintechnischen
Bereich viele Anforderungen
zugleich vor. Welche mechanischen
oder elektrischen Eigenschaften
die Board-to-Board-Steckverbinder
erfüllen müssen oder wie
sich die Anschlussperipherie des
Steckers gestaltet – das sind alles
filigrane Detailfragen, die von Pin
zu Pin entscheidend bei der Auswahl
sein können. ◄
38 meditronic-journal 3/2026
Komponenten
2 Watt SIP12 DC/DC-Wandler mit geregeltem
Ausgang und herausragender 10.000 VDC Isolation
Halle A5-103
GAPTEC Electronic
GmbH & Co. KG
www.gaptec-electronic.com
Die neue 2S12B_10RP Serie ist ein 2 Watt
DC/DC-Wandler mit galvanischer Trennung und
geregeltem Ausgang, der speziell für Anwendungen
mit höchsten Isolationsanforderungen
entwickelt wurde. Im SIP12-Gehäuse mit den
Abmessungen 33,0 x 10,5 x 15,5 mm bietet die
Serie eine außergewöhnliche Isolationsspannung
von 10.000 VDC zwischen Ein- und Ausgang
— ein Wert, der weit über typischen Standardanforderungen
liegt und neue Designspielräume
bei sicherheitskritischen und hochspannungsnahen
Schaltungen eröffnet.
Mit einem Wirkungsgrad von bis zu 90 % bei
Volllast und einem niedrigen Ripple & Noise
von typisch 50 mVp-p (20-MHz-Bandbreite) liefert
die 2S12B_10RP eine stabile und saubere
Versorgung für empfindliche nachgeschaltete
Baugruppen.
Die Serie ist in einem breiten Spektrum von
Spannungsvarianten verfügbar: 5-V-, 12-V- oder
24-V-Eingang und Ausgangsspannungen von 5,
9, 12 oder 15 VDC. Ergänzt wird das Angebot
durch eine präzise Lastregelung (±0,5 % typisch
von Leerlauf bis Volllast) und einen Temperaturkoeffizienten
von nur ±0,02 %/°C.
Für zuverlässigen Dauerbetrieb arbeitet die
Serie stabil im Temperaturbereich von -40 bis
+85 °C (mit Derating ab 85 °C) und ist mit einem
selbst zurücksetzenden Kurzschlussschutz mit
Hiccup-Verhalten ausgestattet. Die Isolationskapazität
von typisch 60 pF reduziert kapazitive
Kopplungen und ist ein wichtiger Faktor in Designs
mit galvanisch getrennten Messstrecken
oder Patientenkreisen. Die Serie ist vollständig
RoHS-konform.
In der Medizintechnik eignet sich die
2S12B_10RP Serie besonders für Defibrillatoren,
Elektrochirurgie- und HF-Chirurgie-Generatoren
sowie für die Steuer- und Messelektronik
in Röntgensystemen. Darüber hinaus ist die
Serie eine bewährte Lösung für industrielle Messtechnik
mit hohem Gleichtaktpegel, Hochspannungsmesstechnik
sowie Test- und Prüf systeme
— überall dort, wo herausragende Isolation auf
engstem Raum gefragt ist. ◄
Laserquelle für Präzisionsmessungen
Mit dem neuen 660 nm
Single-Mode-VCSEL von
Brightlaser eröffnet LASER
COMPONENTS neue Möglichkeiten
für anspruchsvolle Mess-,
Analyse- und Bildgebungsanwendungen.
Der rote Laser mit stabiler
linearer Polarisation vereint höchste
spektrale Reinheit und exzellente
Strahlqualität in einem kompakten,
robusten Bauteil.
LASER COMPONENTS
Germany
www.lasercomponents.com
Der VCSEL bietet eine typische
optische Ausgangsleistung
von 1 mW und erreicht im Dauerstrichbetrieb
bis zu knapp 2 mW.
Mit einer Linienbreite von unter
100 MHz, einer Side-Mode-Suppression-Ratio
(SMSR) von über
30 dB sowie einer Polarisation-
Extinction-Ratio (PER) von mehr
als 20 dB liefert er eine außerordentlich
stabile und spektral
reine Emission. Damit erfüllt er
die hohen Anforderungen polarisations-
und interferenzsensitiver
Anwendungen.
So lässt er sich beispielsweise
in der FTIR-Spektroskopie als
Referenz- und Führungslichtquelle
im Interferometer einsetzen.
Seine schmale Linienbreite
und hohe Modenreinheit ermöglichen
eine präzise Bestimmung
des optischen Wegunterschieds
und damit eine hohe Wellenzahlgenauigkeit
des IR-Spektrums. Die
stabile lineare Polarisation verbessert
den Interferenzkontrast und
reduziert Drifteffekte – insbesondere
in kompakten oder industriellen
FTIR-Systemen.
In der Medizintechnik profitieren
Anwender von der hohen Kohärenz,
dem idealen Strahlprofil und der
sicheren optischen Leistung im
mW-Bereich. Dies prädestiniert
den VCSEL für portable, kompakte
und hochpräzise medizinische
Geräte, etwa in der optischen
Kohärenztomographie (OCT), bei
Doppler-Messungen oder in biophotonischen
Sensorsystemen.
Darüber hinaus eignet sich
der VCSEL für zahlreiche weitere
Anwendungen, darunter die
Raman-Spektroskopie, die Laser-
Doppler-Messtechnik oder die
Self-Mixing-Interferometrie. Auch
in der Präzisionssensorik und der
industriellen Messtechnik eröffnet
der Laser neue Möglichkeiten für
hochauflösende und zuverlässige
Messungen. ◄
meditronic-journal 3/2026
39
Antriebe
Lineare Lösungen mit Schrittmotor-Aktoren
und Treiber für hochpräzise Anwendungen
Kompakt, hochgenau
und zuverlässig
In der Medizintechnik sind Schrittmotor-Aktoren
unverzichtbar für
Anwendungen, die eine exakte
Dosierung, feine Positionierung oder
lineare Verfahrwege auf engstem
Raum erfordern (z. B. in Infusionspumpen,
Beatmungsgeräten oder
Diagnose-Scannern). Durch geeignete
Kombinationen von Motor und
Spindeln kann für jede Anwendung
die passende Lösung gefunden werden.
Im Folgenden werden Kombinationen
aus einem Hybridschrittmotor
mit Kugelgewindetrieb mit
geeigneten Treibern für Anwendungen
mit hochgenauen Positionierungen
beschrieben.
Dynetics hat auch preiswerte
Kombinationen auf Basis von Tin-
Can oder Gewindespindeln im Angebot,
wenn keine so hohe Genauigkeit
gefragt ist, beispielsweise bei
der Positionierung von Patientenbetten
oder Schubladen.
Der lineare Schrittmotor kombiniert
die Rotationsfähigkeit herkömmlicher
Schrittmotoren mit
direkter linearer Bewegung.
Dynetics GmbH
info@dynetics.eu
www.dynetics.eu
Er ist eine Kombination aus einem
rotierenden Motor oder einer Spindel,
deren Bewegung durch eine
Präzisionsmutter als lineare Bewegung
in die Anwendung übertragen
wird. Aufgrund seiner hohen Zuverlässigkeit
und Genauigkeit werden
die Aktoren erfolgreich für die Präzisionsbearbeitung
eingesetzt in z. B.
Halbleiterfertigung, Medizintechnik,
Laborautomatisierung.
Lineare
Hybrid-Schrittmotoren
vereinen die hohe Präzision
von Schrittmotoren mit integrierter
Spindelmechanik. Deshalb eignen
sie sich ideal für Bewegungssteuerungsaufgaben,
bei denen eine
hohe Leistung und Genauigkeit im
Mikrometerbereich bei geringem
Bauraum gefordert ist. Sie zeichnen
sich durch ein exzellentes Ansprechverhalten
aus. Typische Anwendungen
sind Dosierpumpen, Beatmungsgeräte
und automatisierte
Labor analysegeräte.
Lineare Hybrid-Schrittmotoren
sind in verschiedenen Varianten
verfügbar: 2-, 3- oder 5-phasig; unipolar
oder bipolar.
Die Motoren leisten ein hohes
Drehmoment ohne Getriebe bei Drehzahlen
bis zu 500 U/min, sind kompakt,
und kostengünstig. Die Phasenzahl
(2, 3 oder 5) beschreibt die
Anzahl der unabhängigen Spulenwicklungen
im Stator. Sie bestimmt
maßgeblich, wie fein und gleichmäßig
der Motor die Bewegung ausführt.
Daraus resultieren die Schrittauflösung
und somit die Präzision und
die Positioniergenauigkeit.
Positionsgenauigkeit
optimieren
Die Positionsgenauigkeit kann
mittels einer Closed-loop Schrittmotor-Lösung,
kombiniert mit einem
Kugelgewindetriebe und einer geeigneten
Steuerung optimiert werden.
In diesem Fall hat der Schrittmotor
einen geschlossenen Regelkreis.
Er ist ein präziser Antrieb, der die
Vorteile des Schrittmotors mit der
Positionsüberwachung eines Servomotors
kombiniert.
Bei besonders anspruchsvollen
Anwendungen, die z. B. einer hohen
Wiederholgenauigkeit und einem
sanften Lauf sind kleinere Schritte
erforderlich. Eine Kupplung an der
Standardmotorwelle könnte hier die
Leistung negativ beeinflussen. Deshalb
hat Dynetics die Welle gegen
einen Gewindetrieb ausgetauscht.
Was ist ein
Closed-Loop-Schrittmotor
Ein Closed-Loop-Schrittmotor
ist ein kompakter, preisgünstiger
Schrittmotor, der mit einem Rückmeldesystem
(z. B. einem Drehgeber/Encoder)
ausgestattet ist.
Dadurch überwacht das System
in Echtzeit die tatsächliche Position
des Rotors. Bei drohenden
Schrittverlusten durch Überlast
korrigiert der Regler die Ansteuerung
sofort, was die Zuverlässigkeit
massiv erhöht. Außerdem laufen die
Motoren ruhiger, sind resonanzärmer
als herkömmliche Schrittmotoren
und vereinen damit die Stärken
von Schritt- und Servomotor-Technologie.
Der Closed-Loop-Schrittmotor
arbeitet in Anwendungen mit
niedriger Drehzahl besser als Servomotoren;
hat ein höheres Drehmoment,
kürzere Einschwingzeit, und
erreicht eine exakte Positionierung
ohne Nachpendeln. Dabei erzeugt
er weniger Wärme und Vibration.
Er bleibt vollständig stehen, wenn
er anhält.
Präzisions- und gerollte
Kugelumlaufspindel
Kugelumlaufspindeln sind der
bevorzugte Typ Gewindespindeln in
Industrie- und Präzisionsmaschinen.
Tin-Can Linearmotor
Eine Kugelumlaufspindel, auch
Kugelgewindetrieb genannt, ist ein
mechanischer Linearantrieb, der
Drehbewegung in lineare Bewegung
mit wenig Reibung umsetzt.
Er besteht aus einer Kugelgewindespindel,
einer Kugelgewinde-Mutter,
die die Kugeln enthält und einer
Kugel-Rückführung.
Der Hersteller KSS ist Spezialist
für hochpräzise Kugelgewindetriebe
mit hohem Wirkungsgrad. KSS bietet
eine große Auswahl an polierten
Kugelgewindetrieben. Sie eignen
sich besonders für Anwendungen,
die eine minimale innere Reibung
und einen exakten Lauf zusammen
mit einem geringen Antriebsmoment
und einer hohen Steifigkeit
erfordern. Durch das Ersetzen der
Motorwelle durch eine Kugelgewindewelle
wird keine Kupplung benötigt.
Dadurch reduzieren sich die
Gesamtlänge, die Bewegungsverluste
und die Kosten.
Beispiel: 5-Phasen-
Schrittmotoraktoren mit
Präzisions-Kugelgewinde
• MB-Serie: der lineare Aktuator
basiert auf einem 5-Phasen-
Schrittmotor mit einem Präzisions-
Kugelgewinde. Die MB-Schrittmotoren
sind mit einem Schub
von 10 N bis 300 N verfügbar,
mit Backlash oder Vorspannung
und einem Hub von 20 mm bis
5-Phasen-Schrittmotoraktoren
40 meditronic-journal 3/2026
Antriebe
150 mm. Der 5-Phase-Schrittmotor
ist direkt am Wellenende
eines C3-Präzisionsgewindes
montiert. Deshalb eignet er sich
für ein hochpräzises Positionierungssystem.
• TMB-Serie: Diese TMB-Serie
kombiniert einen 5-phasigen
Schrittmotor direkt mit einem
gerollten Kugelgewindetrieb (Genauigkeit
JIS Ct7). Der Motor rotor
und die Spindelwelle sind ein einziges
Bauteil. Durch den Verzicht
auf eine Kupplung wird die Baulänge
minimiert und das Spiel
(Lost Motion) reduziert. Diese
Antriebe bieten hochpräzise lineare
Vorschubkräfte.
Module der FX-Serie
FX-Serie
Wenn der Kunde aber die freie
Wahl des Schrittmotors haben
möchte, bietet Dynetics mit der FX-
Reihe die ideale Lösung.
Die FX-Serie (Flexible Link) von
Dynetics sind ultra-kompakte Miniaturantriebe,
die einen Kugelgewindetrieb
nahtlos in einen Schritt- oder
Servomotor integrieren. Durch diese
Bauweise entfallen traditionelle
Kupplungen, was die Verbindungslänge
um mehr als die Hälfte reduziert.
Der Flexible Link (FX-Serie)
stellt eine bahnbrechende Innovation
im Bereich der Miniaturantriebe dar.
Mit dem Bauteil FX (Flexible Link)
lassen sich Standardschrittmotren
aus dem NEMA-Bereich einfach
in einen Linearaktuator umbauen.
Dies ist beim Kunden und auch vom
Kunden vor Ort möglich.
Die FX-Serie integriert eine feste
Stützeinheit direkt in das Bauteil.
Dadurch wird der Kugelgewindetrieb
besonders kompakt mit der
ausgehenden Welle von Schrittoder
Servomotoren (Länge 15 bis
20 mm) verbunden. Dadurch reduziert
sich die Verbindungslänge drastisch
und beträgt weniger als die
Hälfte eines konventionellen Kupplungsaufbaus
bei gleicher modularer
Flexibilität. Der FX ist für den
direkten Anbau an NEMA 10- und
NEMA11 Servo- und Schrittmotoren
ausgelegt.
Kompakt und leistungsstark
Trotz ihrer kompakten Baugröße
ist die FX-Serie sehr leistungsstark
und erreicht eine Drehzahl bis zu
3.000 rpm und eine axiale Belastungsgrenze
bis 80 N.
Das Gehäuse ist aus schwarz
eloxiertem Aluminium gefertigt und
sorgt für Robustheit und Belastbarkeit.
Dieses Produkt gehört zu einem
flexiblen Konzept, das auf eine Vielzahl
von Motorvarianten angewandt
werden kann.
Kugelgewindetriebe
nach ISO-Norm (DIN)
KSS liefert nun auch Kugelgewindetriebe,
die der ISO-Norm (ISO
3408-2 Serie1 / DIN 69051-5) entsprechen.
Bei diesem Zirkulationssystem
werden die Kugeln innerhalb
der Mutter gezielt zurückgeführt.
Durch KSS-eigene Optimierungen
in der Kugelumlaufführung
werden ein niedriger Geräuschpegel
und eine hohe Zuverlässigkeit
im Dauerbetrieb erreicht.
Dynetics bietet
als Treiber für die linearen
Schrittmotor-Aktoren
folgende Lösungen an:
STP-Treiber
Dynetics bietet eine große Vielfalt
an STP-Treibern an, die für 5-Phasen-Schrittmotoren
optimiert sind,
beispielsweise für komplexe mehrachsige
Maschinenbewegungen
oder im kontinuierlichen Betrieb.
Ein Beispiel für komplexe
Anwendungen mit mehreren Achsen:
Wenn es um eine Lösung mit
geschlossenem Regelkreis zur Positionskorrektur
geht, bietet Dynetics
den STP-Treiber für 1-, 3-, oder
4-Axen an. Der STP-K52xx korrigiert
Positionsfehler automatisch,
indem er die tatsächliche Position
mit der Zielposition vergleicht, die
Abweichung berechnet und die
Motorstellung anpasst.
STP-K5241A
Der STP-K5241A ist ein hochpräzises
Motion-Control-Modul, das
für anspruchsvolle Positionierungsaufgaben
und Schrittmotoranwendungen
entwickelt wurde. Es zeichnet
sich durch seine Flexibilität bei
der Rückmeldung und einer kompakten
Bauweise aus.
Für Anwendungen, bei denen
ultrafeine Positionierung und sanfte
Bewegung unerlässlich sind, bietet
TPM moderne Treiber, die 5-Phasen
Schrittmotoren mit hoher Präzision
steuern. Der Bewegungscontroller
ist mit den Produkten der meisten
führenden Herstellern wie ACS,
Beckhoff, Omron, Keyence, Panasonic
und vielen mehr kompatibel.
6. DIN-Schienenhalterung
Der STP-K5241A unterstützt
sowohl externe Encoder-Rückkopplungssignale
von einem optischen
linearen Encoder als auch Signale
eines in einen Schrittmotor eingebetteten
Encoders.
Anwendungsbereiche:
• Medizinbereich mit
Mehrachsanwendungen
(seriell, Ethernet, EtherCAT,
CANopen)
• Halbleiterbestückung
• Wafer-Fertigung
• Dosierpumpen
• Abfüllanlagen
• Textilmaschinen
• Robotik und
• Prüf- und Inspektionssysteme
Videos:
STP-K511A mit optischer
linearer Skala:
https://youtube/wwaIvCG9jM4
STP-K511A mit optischer
Bogenskala:
https://youtube/K5fYqGMMFV0
STP-K5231A: Hochpräzise
Ausrichtung mit TPM EtherCAT
5-Phasen-Mehrachs-
Schritt antrieben:
https://youtube/Vs2QdtvfBis
STP-K5241A: EtherCAT
5-Phasen-Mehrachs-Vollschlussregelung
für Zielpositionskorrektur:
https://youtube/_82Ll1J6Dtk
Link zum Katalog:
https://www.dynetics.eu/
downloadfile/
6326fa0d94556295 ◄
Explosionsansicht der ultra-kompakten Miniaturantriebe der FX-Serie
Keyfeatures
1. EtherCAT 5-Phasen-bipolarer
Konstantstromantrieb
2. Erhältlich als 1- bis 4-Achsen-
Mikroschrittantrieb
3. Auflösung 500 ~ 40.000 PPR
4. DIP-Schalter zur Adresseinstellung
5. Support Encoder Feedback:
EA, EB und EZ
meditronic-journal 3/2026
41
Aus Forschung und Technik
Drahtloses BCI-System ermöglicht erstmals
einem Schlaganfallpatienten
die gedankenbasierte Computersteuerung
Das vollständig implantierte, drahtlose BCI-System für die Schlaganfallrehabilitation macht erstmalig zusätzlich
die gedankenbasierte Computersteuerung möglich – ohne weiteren Eingriff oder zusätzliche Hardware.
Patienten während der BCI-Session: Der Patient
steuert mit seinen Gedanken einen Computer.
Das Teams mit dem Brain-Interchange-System vor Ort im OP (Marina Buchheit und Dr. Martin Schüttler)
Das BCI-System zur Implantation im OP
Die CorTec GmbH gab heute bekannt, dass der
erste Teilnehmer der NIH-geförderten klinischen
Studie der University of Washington erfolgreich
einen Computer allein durch Gedanken gesteuert
hat, einschließlich einer Demonstration des
Videospiels „Pong”. Dafür wurde dasselbe vollständig
implantierte, drahtlose Brain Interchange
System genutzt, das Monate zuvor zur Unterstützung
seiner Rehabilitation nach Schlaganfall
implantiert wurde. Dies ist der weltweit erste
dokumentierte Fall, in dem ein vollständig implantiertes,
drahtloses BCI-System bei ein und demselben
Patienten sowohl eine therapeutische
Gehirnstimulation als auch gedankenbasierte
Computersteuerung ermöglicht.
CorTec GmbH
www.cortec-neuro.com
Gedankenbasierte Computersteuerung
Während der BCI (Brain-Computer Interface)-
Sitzungen stellt sich der Studienteilnehmer die
Bewegung seines Arms vor, ohne diese tatsächlich
auszuführen. Das Brain Interchange-Implantat
erfasst die entsprechenden kortikalen Aktivitätsmuster
über die weichen, auf der Gehirnoberfläche
liegenden AirRay-Elektroden und überträgt
sie drahtlos an einen externen Computer.
Dort werden die Signale von Echtzeit-Algorithmen
dekodiert und in Steuerbefehle übersetzt.
Bereits innerhalb von zwei Stunden nach der
ersten Einführung in das Konzept konnte der
Teilnehmer das Videospiel „Pong“ allein durch
seine Gedanken steuern.
Doppelte klinische Fähigkeit
Ein besonderer Aspekt dieser Studie ist, dass
hierfür keinerlei Anpassung am implantierten
System erforderlich war. Dasselbe Brain Interchange-Implantat,
das für die therapeutische
Hirnstimulation bei der Schlaganfallrehabilitation
angewendet wurde, ermöglichte die neuronale
Dekodierung ohne jede Änderung von
Hardware oder chirurgischer Platzierung.
„Dies ist kein neues Produkt, sondern der
empirische Beweis für das, was wir seit über
einem Jahrzehnt aufbauen,” sagte Dr. Frank
Desiere, CEO von CorTec. „Dasselbe Implantat,
das dem ersten Studienteilnehmer geholfen
hat, nach seinem Schlaganfall motorische
Funktionen zurückzugewinnen, ermöglicht ihm
nun auch die Steuerung eines Computers allein
durch seine Gedanken. Uns ist keine andere
vollständig implantierte, drahtlose BCI-Plattform
weltweit bekannt, die diese doppelte klinische
Fähigkeit mit identischer Hardware gezeigt hat.”
Bewegungsintention
in Echtzeit dekodieren
„Unser implantierbares System ermöglicht
sowohl therapeutische Stimulation als auch die
Echtzeit-Dekodierung neuronaler Signale über
weiche Elektroden auf der Gehirnoberfläche,“
erklärte Dr. Martin Schüttler, CTO und Mitgründer
von CorTec. „Da wir dabei nicht in das Hirngewebe
einstechen müssen, kann unsere Technologie
sehr langfristig Signalstabilität gewährleisten.”
„Zum ersten Mal dekodieren wir in Echtzeit die
Bewegungsintention eines Schlaganfallpatienten
über ein vollständig implantiertes BCI – und die
Hirnsignale sind deutlich und konsistent,” sagte
Prof. Jeffrey Herron, Associate Professor für
Neurochirurgie an der University of Washington
42 meditronic-journal 3/2026
Aus Forschung und Technik
Schematische Darstellung der Komponenten des BCI-Systems
School of Medicine. „Diese Technologie könnte
künftig Menschen mit verschiedensten neurologischen
Erkrankungen zugutekommen.”
Studie
Die BCI-Sitzungen erfolgten, nachdem der
erste Studienteilnehmer das Rehabilitationsprogramm
der laufenden Machbarkeitsstudie
neun Monate nach der Implantation abgeschlossen
hatte (clinicaltrials.gov - ID NCT06506279).
Die Studie wird gemeinsam von Dr. Jeffrey G.
Ojemann (University of Washington, UW) und
Dr. Steven C. Cramer (UCLA) geleitet.
Vollständig implantiertes,
drahtloses BCI-System
Mit dieser Demonstration ist Brain Interchange
das erste vollständig implantierte, drahtlose BCI-
System, das beim selben Patienten mit identischer
Hardware sowohl die therapeutische Induktion
CorTecs klinisches Programm
Die hier beschriebene BCI-Demonstration
ist ein erster Meilenstein auf dem Weg, die
Brain Interchange-Plattform in das Anwendungsfeld
von BCIs für schwer gelähmte
Patienten weiterzuentwickeln – mit dem
Ziel, ihnen durch Zugang zu digitalen Kommunikationstechnologien
die gesellschaftliche
Teilhabe wieder zu ermöglichen. Sie
steht für eine von vier Säulen der klinischen
Strategie von CorTec, die alle auf derselben
Brain Interchange-Plattform aufbauen:
Schlaganfallrehabilitation (laufende Studie
mit UW Medicine), Epilepsiemanagement
(laufende Studie mit der Mayo Clinic), BCI
bei Lähmung und schwerer Kommunikationsbeeinträchtigung,
sowie Behandlung
von Depressionen (geplante Studie mit
dem Universitätsklinikum Freiburg).
meditronic-journal 3/2026
von Neuroplastizität als auch die gedankenbasierte
Computersteuerung ermöglicht. Mit dem
Fortschreiten des klinischen Programms etabliert
CorTec das Brain Interchange als Plattform für
eine neue Generation von Closed-Loop-Neurotherapien
– von Schlaganfallrehabilitation über
BCIs bei Lähmung bis hin zu Epilepsie und therapieresistenter
Depression.
Hinweis: Die in dieser Publikation beschriebene
Forschung wird vom National Institute of
Neurological Disorders and Stroke der National
Institutes of Health unter der Fördernummer
UH3NS121565 unterstützt. Der Inhalt liegt in der
alleinigen Verantwortung der Autoren und spiegelt
nicht notwendigerweise die offizielle Haltung
der National Institutes of Health (NIH) wider.
Über Brain Interchange
Brain Interchange ist die proprietäre Brain-
Computer-Interface-Plattform von CorTec – ein
vollständig implantierbares, drahtloses, bidirektionales
Closed-Loop-System für die langfristige
Erfassung neuronaler Signale und adaptive Stimulation
von Kortex und tieferen Hirnarealen.
Vollständig implaniertbares drahtloses BCI-System
Das in klinischer Prüfung befindliche System hat
eine kontinuierliche, stabile Betriebsdauer von über
500 Tagen nachgewiesen (Nature Scientific Data,
2025) und ist derzeit die einzige BCI-Plattform mit
einer FDA Breakthrough Device Designation speziell
für die therapeutische motorische Rehabilitation
nach Schlaganfall. Darüber hinaus wurde CorTec
von der US-amerikanischen FDA in das Total Product
Life Cycle Advisory Program (TAP) für BCIbasierte
Schlaganfallrehabilitation aufgenommen.
Link
www.brain-interchange.com
Wer schreibt
Die CorTec GmbH ist ein Neurotechnologieunternehmen
in der klinischen Entwicklungsphase,
gegründet 2010 in Freiburg. CorTec entwickelt
Brain Interchange, eine vollständig implantierbare,
bidirektionale BCI-Plattform, die derzeit
in den USA im Rahmen einer FDA-genehmigten
klinischen Studie evaluiert wird – als erstes
und einziges europäisches Unternehmen, das
dieses Entwicklungsstadium erreicht hat. ◄
43
Sicherheit
Manipulationsschutz im Fokus
Hersteller von Maschinen für die Produktion von Medizintechnik werden ab 2027 die neue EU-
Maschinenverordnung einhalten müssen. Bei der funktionalen Sicherheit gilt es nachzubessern –
durch effektiven Manipulationsschutz an der Maschine.
Protokollierung des Manipulationsschutzes und
der Codes. Nach der Inbetriebnahme der Anlage
oder des Systems können die Codes protokolliert
werden um zu kontrollieren, ob die Anlage
manipuliert worden ist.
Hersteller von medizinischen Produkten und
Geräten unterliegen verschiedenen – branchentypisch
strengen – Regularien. Für Maschinenbauer,
deren Anlagen in der Fertigung von Medizintechnik
zum Einsatz kommen, galt bisher unter
anderem die Maschinenrichtlinie 2006/42/EU,
deren Ursprung mittlerweile 20 Jahre zurückreicht.
Am 20. Januar 2027 wird die neue Maschinenverordnung
EU 2023/1230 verbindlich anzuwenden
sein.
Autor:
Matthias Höhl
Country Sales Manager Deutschland
Pizzato Deutschland GmbH
www.pizzato.com/de
Ziel ist es, europaweit einheitliche Sicherheitsstandards
für Maschinen und Software zu
schaffen. Die neue Verordnung soll auch neue
Risiken abdecken, die sich unter anderem durch
die jüngsten Fortschritte in der Mensch-Roboter-Zusammenarbeit
ergeben.
Die neue EU-Maschinenverordnung verknüpft
erstmals die funktionale Betriebssicherheit
eng mit der Cybersicherheit. Dies betrifft
somit die sogenannte Safety, also funktionale
Sicherheit oder Betriebssicherheit, und Security,
in diesem Fall Cybersicherheit. Die auf aktuellen
Stand gebrachte Verordnung fordert, dass
Sicherheitsfunktionen und Schutzeinrichtungen
sowohl physisch gegen mechanisches Umgehen
als auch gegen unbefugte digitale Zugriffe,
also Cyberangriffe oder Softwaremanipulation,
geschützt sein müssen.
Betroffene
Zu beachten ist ebenso, dass nicht nur Hersteller,
sondern sämtliche Akteure, die Maschinen
in der EU auf dem Markt bereitstellen,
in Verkehr bringen oder in Betrieb nehmen,
betroffen sind, also auch Händler, Importeure
und Bevollmächtigte. Wenn also ein Hersteller
oder Marktakteur ab dem 20. Januar 2027 eine
Maschine in Verkehr bringt, muss diese die neue
EU-Maschinenverordnung erfüllen. Dies unabhängig
davon, ob die verbauten Komponenten
bereits zu einem früheren Zeitpunkt entwickelt
oder zertifiziert wurden.
Neue Verordnung regelt
Manipulationsschutz detaillierter
Wesentliche Säulen in der neuen Regelung
betreffen neben der Verzahnung von Safety
und Security die technische Umsetzung an
Hardware und Software sowie die Risikobeurteilung.
Im Idealfall sollten Maschinenhersteller
die Anforderungen der kommenden Verordnung
jetzt schon berücksichtigen.
Was die Verzahnung von Safety und Security
betrifft, verlangt die neue EU-Maschinenverordnung
Schutz vor „Korrumpierung“, in der IT-Sprache
in Zusammenhang mit Datenbeschädigung
auch als „Korruption“ bekannt. Im Safety-Bereich
bedeutet dies, dass Funktionen wie beispielsweise
Not-Halt oder Schutztüren gegen vorsätzliche
oder versehentliche Änderungen und Manipulation
physisch resistent sein müssen. Hinsichtlich
Cybersicherheit wird ab 2027 eine Maschine
nur dann als CE-konform gelten, wenn die Steuerungssoftware
und Datenkommunikation gegen
digitale Manipulationen, also Cyberangriffe, die
den Betrieb gefährden, abgesichert sind.
Begrenzung
des „Manipulationsanreizes“
Die technische Umsetzung an Hardware
und Software erfordert zunächst eine Begrenzung
des „Manipulationsanreizes“, ein Begriff,
den das Berufsgenossenschaftliche Institut für
Arbeitsschutz (BGIA) geprägt hat. Bei der Hardwarekonstruktion
muss hierbei der Hersteller
evaluieren, ob die Bauweise einer Maschine,
etwa durch unpraktische Ergonomie, Mitarbeiter
dazu verleitet, aus Gründen der Bequemlichkeit
oder Zeiteinsparung, Schutzeinrichtungen
zu umgehen. Entscheidend ist hierbei,
es künftig zu erschweren, dass durch Manipulation
eine Umgehung sinnvoller Maßnahmen
für die Arbeitssicherheit möglich ist. Sensorik
und Verriegelungseinrichtungen (gemäß ISO
14119) müssen so installiert und codiert sein,
wie im Fall von hochcodierten RFID-Schalter,
dass sie nicht einfach mit Werkzeugen oder simplen
Ersatzmagneten überlistet werden können.
Sicherheitskritische Änderungen oder Eingriffe
in die Steuerungssoftware müssen zudem für
Sicherheits- und Wartungszwecke nachvollziehbar
protokolliert werden.
Hinsichtlich der Risikobeurteilung werden die
Hersteller gesetzlich verpflichtet sein, Cyber-
Risiken und potenzielle Missbrauchsszenarien
bereits vor dem Inverkehrbringen der Maschine in
ihrer Risikobeurteilung zu erfassen und entsprechende
Schutzmaßnahmen zu implementieren.
Problem: Bewusste Manipulation
Bewusste Manipulation von Maschinen ist ein
bekanntes Problem. Der Manipulationsschutz
ist ein entscheidender Aspekt der neuen EU-
Maschinenverordnung und verdient besonderes
Augenmerk. Wie bereits skizziert, geht es darum,
das bewusste Umgehen oder Deaktivieren von
Schutzeinrichtungen, wie etwa das Überbrücken
von Sicherheitsschaltern an Schutztüren, zu verhindern.
Ziel ist es, folgenschwere Arbeitsunfälle
zu vermeiden.
Anschlussleitungen mit Manipulationsschutz.
Dieser Manipulationsschutz muss zerbrochen
werden und demnach wird ersichtlich, dass
manipuliert wurde.
44 meditronic-journal 3/2026
Sicherheit
Verschiedene Türzuhaltungssysteme
mit codiertem Manipulationsschutz der
Verschraubungen und hochcodierten
RFID-Verriegelungen
Auszug Türzuhaltung Portfolio mit
Manipulationsschutz und hochcodierten
Zuhaltungen
Diese gehen laut Branchenexperten auch
darauf zurück, dass ein Viertel aller Maschinen
in Betrieben bewusst manipuliert werden.
Die Manipulation und Umgehung von Sicherheitssystemen
wie Sicherheitsschaltern und
-sensoren gehört somit auch zu den Hauptursachen
für Arbeitsunfälle. Mit diesem Thema,
das ab 2027 noch strenger geregelt sein wird,
befasst sich bereits die Norm DIN EN ISO 14119
im Kapitel „Minimierung von Manipulationen“.
Diese zentrale Norm für Verriegelungseinrichtungen
enthält konkrete Vorgaben und Klassifizierungen,
um das Umgehen und die Fehlermaskierung
von Sicherheitsschaltern zu verhindern.
So verlangt sie, dass die Befestigungssysteme
von Sicherheitsgeräten an Schutzvorrichtungen
selbst nicht leicht zu entfernen sind, und
schlägt Lösungen wie One-Way-Schrauben,
Nieten oder andere nicht herkömmliche Befestigungssysteme
vor. Für Maschinenhersteller
ist dies nicht immer einfach zu bewerkstelligen
und erweist sich in der Praxis zudem nicht
immer als effektiv.
Diese bestehende, hier entscheidende Norm
DIN EN ISO 14119 entstand in enger Zusammenarbeit
mit Maschinensicherheitsexperten, woraus
zugleich marktreife Lösungen für den Manipulationsschutz
hervorgegangen sind. Diese gewinnen
nun zunehmend an Bedeutung, je näher
der Stichtag für die Umsetzung der neuen EU-
Maschinenverordnung rückt.
meditronic-journal 3/2026
Alternativer Ansatz
für Manipulationsschutz
Ein alternativer Ansatz für den Manipulationsschutz
sind nicht entfernbare Schraubenabdeckungen.
Hierbei sind Kunststoffabdeckungen
so konzipiert, dass sie die Befestigungsschrauben
der Sicherheitseinrichtung abdecken
und nach dem Anbringen am Gerät nicht
mehr entfernt werden können. Dies wäre zwar
durch physische Zerstörung oder anderweitige
Beschädigung der Schutzabdeckung nach wie
vor möglich, würde aber deutliche Spuren von
Manipulation verursachen. Um die Manipulation
zusätzlich zu erschweren, sind Schutzabdeckungen
dieser Art nicht als Ersatzteil erhältlich,
da damit Eingriffe vertuscht werden könnten.
Nach einer Wartung wird die Maschine mit neuen
ordnungsgemäß kodierten Abdeckungen wieder
in Betrieb genommen. Es geht hierbei um
Abdeckungen von Maschinen oder Gefahrenbereichen,
die mit einer individuellen, eindeutigen
elektronischen oder physischen Kennung
(z. B. RFID, Magnetcodierung) versehen sind.
Manipulationsschutz erhöhen
Der Ansatz der nicht entfernbaren Schraubenabdeckungen
hat sich in der Praxis bereits
bewährt, sodass sich auf Betriebssicherheit spezialisierte
Anbieter Lösungen dieser Art gewidmet
haben. Bei der jüngsten Weiterentwicklung
dienen kodierte Schraubenabdeckungen
für Schalter und Betätiger dazu, den Manipulationsschutz
bestehender Standard-Schraubenabdeckungen
zu erhöhen. Jede kodierte
Schutzabdeckung ist mit einem anderen alphanumerischen
Code gekennzeichnet. Zwei
kodierte Abdeckungen für die beiden Befestigungsschrauben,
die auf dem Produkt angebracht
werden, ergeben jedes Mal einen anderen
Code. Wird eine Schutzabdeckung entfernt
und anschließend eine neue angebracht, entsteht
nicht derselbe Code, so dass eine Manipulation
erkennbar wird. Durch die Erfassung
der Daten der Schutzabdeckungen während
der Fertigstellung der Maschine, z. B. durch
Fotografieren der installierten Produkte, kann
jeder Austausch im Nachhinein erkannt werden.
Kodierte Schutzabdeckungen dieser Art können
Beispiel des Manipulationsschutzes: Kabelstecker
und Befestugungsschrauben sind durch codierte
Abdeckungen gesichert, welche nur durch
Beschädigung der Abdeckung lösbar sind.
daher auch als Ersatz für Standardabdeckungen,
falls diese verloren gehen, verwendet werden,
ohne dass dadurch der Manipulationsschutz
beeinträchtigt wird.
Kodierung
Die Kodierung, die auf jeder Schutzab deckung
angebracht ist, besteht aus einer Folge von alphanumerischen
Zeichen, wobei jedes Zeichen verschiedene
Werte annehmen kann, was insgesamt
eine fünfstellige Anzahl von Kombinationen
pro Schutzabdeckung ergibt. Bringt der Maschinenhersteller
zwei Schutzabdeckungen an, entsteht
ein Code mit mehr als einer Milliarde Kombinationen.
Zur Verbesserung der Lesbarkeit der
Codes wurden optisch ähnliche Zeichen wie die
Zahl Null/0 und der Buchstabe O entfernt. Laserbeschriftung
garantiert maximale Haltbarkeit und
Widerstandsfähigkeit der Kodierung.
Maschinenbauer
müssen zeitnah nachbessern
Die neue EU-Maschinenverordnung verknüpft
erstmals funktionale Betriebssicherheit eng mit
Cybersicherheit. Somit werden auch Hersteller
von Maschinen für die Produktion von Medizintechnik
ab Januar 2027 die neue EU-Maschinenverordnung
einhalten müssen. Dies erfordert
es, bei der Safety zeitnah nachzubessern.
Lösungen für effektiven Manipulationsschutz
an der Maschine gibt es bereits – und mit strengeren
Anforderungen werden hier praxistaugliche
neue Ansätze an Bedeutung gewinnen. ◄
Beispiel Schutzbereich einer Produktion bzw. Gefahrenbereiches mit abgesicherten Zugangstüren
45
Sicherheit
Ohne Security keine KI
Warum Cybersecurity der Schlüssel für KI-Anwendungen in der Medizintechnik ist
auf medizinische Diagnosen oder
Behandlungsprozesse. Ebenso entscheidend
ist daher, wer Zugriff auf
diese Daten hat und wie dieser kontrolliert
wird. Ohne klare Zugriffsregelungen
steigt das Risiko von
Manipulationen, Datenlecks oder
sogar gezielten Cyberangriffen,
die kritische Systeme beeinträchtigen
können.
© designbyfreepik
TQ-Systems GmbH
info@tq-group.com
www.tq-group.com
Ein KI-gestützter OP-Roboter,
ein intelligentes Monitoring-System
oder eine vernetzte Bildgebung
kann klinische Abläufe heute spürbar
verbessern. Solange die Systeme
vertrauenswürdig funktionieren.
Doch genau hier zeichnet sich
auch die größte Bedrohungslage
ab: Aus dem Gesundheits wesen
gingen zwischen Mitte 2023 und
Mitte 2024 141 Meldungen zu erheblichen
IT-Störungen oder -Ausfällen
beim BSI ein. Gleichzeitig spricht
das BKA bundesweit von zwei bis
drei schweren Ransomware-Angriffen
pro Tag.
KI in der Medizintechnik
braucht sichere Daten
KI-Modelle sind nur so gut wie
die Daten, mit denen sie trainiert
und betrieben werden. In der Medizintechnik
entsteht daraus ein Zielkonflikt:
Für leistungsfähige Anwendungen
wie automatisierte Patientenüberwachung
oder Medikamentenpläne
werden hochwertige Daten
benötigt. Gleichzeitig sind Gesundheitsdaten
aber besonders schützenswert.
Mit dieser Thematik beschäftigt
sich Sebastian Peralta Friedburg,
Experte für Cybersecurity, KI und
Software-Entwicklung beim Technologieunternehmen
TQ. Der Systemanbieter
für Electronics Engineering
und Manufacturing Services
verfügt über ein mehr als
300-köpfiges Team erfahrener Entwickler,
die unter anderem Hersteller
dabei unterstützen, Cybersecurity
von Anfang an zu denken
und so ihre Systeme – von der
Embedded-Lösung über die Gerätesoftware
bis hin zur Cloud Anwendung
– gemeinsam abzusichern.
Repräsentativ,
gut strukturiert
und nachvollziehbar
Peralta Friedburg erläutert: „Damit
erhobene Daten für das Training von
KI-Modellen geeignet sind, müssen
sie repräsentativ, gut strukturiert
und nachvollziehbar sein.“
Werden ungeeignete oder fehlerhafte
Trainingsdaten verwendet,
kann dies zu verzerrten Modellen
und falschen Entscheidungen führen
mit potenziellen Auswirkungen
Die drei Schutzziele
der Informationssicherheit
Für die Datensammlung und -verarbeitung
in KI-basierten Medizinanwendungen
gelten deshalb besondere
Anforderungen, die sich entlang
der klassischen Schutzziele der
Informationssicherheit strukturieren
lassen. Erstens Integrität: Daten
müssen integer und vor Manipulation
geschützt sein. Falsche Daten
können ein KI-System gefährlich verzerren
und zum Beispiel zu falschen
Vorhersagen führen. Zweitens Vertraulichkeit:
Der Zugriff auf Patientendaten
muss strikt kontrolliert und
abgesichert sein. Sensible Informationen
dürfen nur von autorisierten
Personen eingesehen oder verarbeitet
werden und sollten möglichst
anonymisiert oder pseudonymisiert
vorliegen. Drittens Verfügbarkeit:
Daten, Dienste und Geräte müssen
jederzeit erreichbar sein und
zugleich vor Ausfällen, Sabotage
und Ransomware geschützt werden.
Ganzheitliche
Sicherheitsmaßnahmen
Welche Maßnahmen sind also
aus Sicht von TQ notwendig, um
eine sichere Datensammlung zu
gewährleisten? „Wir unterscheiden
hier in drei Kategorien: technische,
organisatorische und regulatorische.
Nur durch ein stimmiges
Zusammenspiel von allen kann wirksame
Sicherheit erreicht werden“,
beschreibt Peralta Friedburg weiter.
Zu den technischen Grundlagen
gehören Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
bei Übertragung und Speicherung
sowie Pseudonymisierung
oder Anonymisierung, damit Daten
für KI-Anwendungen nutzbar bleiben,
ohne direkten Personenbezug
offenzulegen.
46 meditronic-journal 3/2026
Sicherheit
Rollenbasierte Zugriffsmodelle
und klare Verantwortlichkeiten
regeln, wer welche Daten sehen
oder verarbeiten darf; Zero-Trust-
Ansätze ergänzen dies, indem
jeder Zugriff konsequent geprüft
wird – unabhängig davon, von welchem
Netz, System oder Benutzer
er kommt. Besonders kritisch sind
zudem Schnittstellen: Werden medizinische
Daten zwischen Systemen
ausgetauscht, sollten ausschließlich
standardisierte und abgesicherte
APIs mit klar geregelter Authentifizierung
und Autorisierung eingesetzt
werden. Nur so lässt sich
verhindern, dass unsichere Integrationen
entstehen oder sensible
Daten durch fehlerhafte Implementierungen
unkontrolliert abfließen.
Organisatorisch sorgen Audits,
Trails und Monitoring dafür, dass
Datenzugriff nachvollziehbar bleibt
und Anomalien früh erkannt werden.
Ergänzend sind klar definierte
Zugriffsrechte und rollenbasierte
Berechtigungskonzepte essenziell.
So lässt sich sicherstellen, dass sensible
Informationen nur von autorisierten
Personen eingesehen oder
verarbeitet werden.
Schulungen für Klinik- und IT-
Personal sorgen für einen sicheren
Umgang mit Daten oder Cyberrisiken.
Ebenso wichtig sind Incident-Response-Pläne:
Sie sollten
nicht nur dokumentiert sein, sondern
regelmäßig geübt werden, damit im
Ernstfall klar definiert ist, wie Systeme
isoliert, Schäden begrenzt und
der Betrieb strukturiert wiederhergestellt
wird.
Auch regulatorisch besteht ein
klarer Rahmen, der „Privacy and
Security by Design“ voraussetzt.
Im Medizinprodukterecht wird IT-
Sicherheit zunehmend als verbindlicher
Bestandteil vernetzter Medizinprodukte
verankert. So definieren
die MDR sowie die Norm
IEC 81001-5-1 konkrete Anforderungen
an die Cybersecurity von
Medizinprodukten, während die
DSGVO unter anderem das Prinzip
der Datenminimierung festschreibt.
Hinzu kommen allgemeine Vorgaben
für vernetzte Produkte wie der Cyber
Resilience Act (CRA) und – je nach
Gerätetyp – die Radio Equipment
Directive (RED). Hersteller müssen
damit Security nicht nur umsetzen,
© designbyfreepik
sondern auch nachvollziehbar dokumentieren
und über den gesamten
Produktlebenszyklus pflegen.
Security by Design
mit DevSecOps
Mit KI steigt die Veränderungsgeschwindigkeit:
„Cyberbedrohungen
entwickeln sich ständig weiter, leistungsfähigere
KI-Modelle kommen
hinzu und damit auch neue regulatorische
Anforderungen“, warnt der
Software-Experte. „Deshalb haben
wir uns in der Entwicklung bei TQ
dem ganzheitlichen Ansatz des
Secure Software Development Lifecycle
verschrieben.“ Konkret nutzt
das Unternehmen ein DevSecOps
(Development, Security, Operations)
Framework. Hierbei handelt
es sich um ein kontinuierliches Entwicklungs-
und Betriebsmodell,
was Cybersecurity als laufenden
Prozess und nicht als einmaligen
Zyklus versteht. Praktisch bedeutet
das: Security-Anforderungen werden
früh in Architektur und Design
verankert, Security-Tests werden
in Build- und Testketten automatisiert,
und der Betrieb wird durch
Schwachstellenmanagement, geregelte
Update-Prozesse und kontinuierliches
Monitoring flankiert, um
das System stetig zu verbessern.
Warum sich Security
früh lohnt
Neben Patientensicherheit und
Compliance spricht ein weiteres
Argument für „Security early“:
Kosten. Je später Schwachstellen
gefunden und behoben werden,
desto teurer wird es technisch, organisatorisch
und im Zulassungsprozess.
Genau hier setzt das „Shiftleft“-Prinzip
an, was auch vom Technologieführer
angewendet wird:
Sicherheitsanforderungen, Tests
und Prüfungen werden im Entwicklungsprozess
bewusst nach vorne
verlagert, also bereits in Architektur,
Design und frühe Entwicklungsphasen
integriert, statt erst am Ende
vor der Zulassung oder im Feldbetrieb
adressiert zu werden. Das
reduziert Risiken, erhöht die Qualität,
verhindert Rework und unangenehme
Überraschungen bei den
Zulassungen. Als Ergebnis reduziert
sich die Time-to-Market, auch wenn
die Planung und Entwicklungsphase
in erster Instanz länger und aufwendiger
werden.
End-to-End-Expertise
bei TQ
KI in Medizinanwendungen eröffnet
große Chancen, geht jedoch
zugleich mit hohen Anforderungen
an Sicherheit, Rechenleistung und
regulatorische Konformität einher.
Um diese Komplexität beherrschbar
zu machen, empfiehlt es sich,
auf erfahrene Partner mit entsprechender
Expertise zu setzen.
TQ begleitet als zuverlässiger
Systemanbieter Hersteller über
den gesamten Produktlebenszyklus
hinweg – angefangen bei Requirements
Engineering oder Anforderungserklärungen
bis hin zu Beratungsworkshops.
Kunden profitieren
dabei besonders von der engen
interdisziplinären Zusammenarbeit
(Cybersecurity, KI, Software
etc.) und dem 360-Grad-Ansatz
des Unternehmens. Dazu gehören
nämlich neben der ganzheitlichen
Entwicklung auch eine umfassend
zertifizierte Fertigung, ein akkreditiertes
Prüflabor und After-Sales-
Services inklusive Obsoleszenz
Management für nachhaltige, resiliente
Elektronik.
„Bei TQ verfügen wir nicht nur
über die notwendigen Kapazitäten,
sondern auch über mehr als
30 Jahre Erfahrung und zahlreiche
erfolgreiche Medizinprojekte, um in
einem so anspruchsvollen Umfeld
wie der Medizintechnik sichere
Systeme zu entwickeln“, betont
Sebastian Peralta Friedburg. ◄
meditronic-journal 3/2026
47
Medical-PCs/SBC/Zubehör
Herausragende Grafik- und AI-Leistung
für anspruchsvolle industrielle Anwendungen –
Designed in Germany
Kontron präsentiert K4131-Px mITX Industrial Motherboard mit AMD Ryzen AI Embedded P100 Prozessoren
Kontron, ein weltweit führender
Anbieter von IoT/Embedded Computer
Technology (ECT), stellt mit
dem K4131-Px ein leistungsstarkes
mITX-Industrial-Motherboard vor,
das auf der neuen AMD Ryzen AI
Embedded P100 Processor Series
basiert.
Kontron Europe GmbH
www.kontron.de
Das Board wurde speziell für
anspruchsvolle industrielle Edgeund
AI-Anwendungen entwickelt
und kombiniert hohe Rechenleistung,
exzellente Grafikperformance
und modernste AI-Beschleunigung
auf kleinstem Raum.
Durch die Kombination aus leistungsstarker
AI-Beschleunigung,
Multi-Display-Unterstützung und
industrieller Langzeitverfügbarkeit
adressiert das K4131-Px auch
anspruchsvolle medizintechnische
Anwendungen, beispielsweise in
der bildbasierten Diagnostik, im
Patientenmonitoring oder in intelligenten
Medical-Edge-Systemen.
Herausragende
Grafik- und AI-Leistung
Dank der AMD Ryzen AI Embedded
P100 Prozessoren bietet
das K4131-Px eine herausragende
Grafik- und AI-Leistung und eignet
sich ideal für visuelle Datenverarbeitung,
Machine Vision, Edge-AI,
Automatisierung und smarte industrielle
Systeme. Die integrierte AI-
Engine ermöglicht effiziente Inferenz
direkt am Edge, reduziert Latenzen
und minimiert den Bedarf an Cloud-
Ressourcen.
Designed in Germany
Das K4131-Px ist „Designed in
Germany“ und steht für höchste
Entwicklungsqualität, Langzeitverfügbarkeit
und industrielle Zuverlässigkeit
– zentrale Anforderungen
für professionelle Embedded-
Lösungen.
Ein besonderes Merkmal des
Boards ist seine hohe Flexibilität
bei der Systemintegration. Es unterstützt
bis zu vier DisplayPort-Ausgänge
sowie LVDS und embedded
DisplayPort (eDP) und eignet sich
damit ideal für Multi-Display- und
HMI-Anwendungen. Für Speicherund
Erweiterungsanforderungen
stehen bis zu vier M.2-Slots zur
Verfügung, die unter anderem für
schnellen Storage, Multi-Purpose-
Erweiterungen, Wireless-Lösungen
oder 5G-Konnektivität genutzt werden
können.
Weitere industrielle
Schnittstellen
Darüber hinaus verfügt K4131-Px
über weitere industrielle Schnittstellen,
darunter bis zu vier COM-
Ports zur einfachen Anbindung von
Legacy- und Feldgeräten. Der Weitbereichseingang
von 9 bis 34 V
gewährleistet einen stabilen Betrieb
auch in anspruchsvollen industriellen
Umgebungen mit variierenden
Versorgungsspannungen.
Zum neuen K4131-Px Motherboard
gibt es ein SMARTCASE
S740. Es bietet eine optimal abgestimmte
Gehäuselösung für industrielle
Anwendungen und ermöglicht
eine schnelle Systemintegration.
Mit dem K4131-Px erweitert Kontron
sein Portfolio um ein zukunftssicheres,
leistungsstarkes mITX-
Motherboard, das höchste Anforderungen
an Performance, Konnektivität
und Flexibilität erfüllt. ◄
Medical Panel-PCs für Klinik, Pflege und mobile Visitenwagen
Medico 22U und Medico 24U mit Intel Core Ultra 5 225U
ICO Innovative Computer GmbH
www.medical-computer.de
Mit den Modellen Medico 22U
und Medico 24U stehen zwei Medical
Panel-PCs für Arbeitsplätze im
Gesundheitswesen zur Verfügung,
bei denen hygienische Oberflächen,
eine zuverlässige Bedienung
und eine stabile IT-Infrastruktur im
Mittel punkt stehen. Die Geräte sind
als 21,5- beziehungsweise 23,8-Zoll-
Systeme ausgeführt und kombinieren
ein Full-HD-Display mit kapazitivem
PCAP-Multitouch. Damit eignen
sie sich für Anwendungen wie
KIS, PACS, Dokumentation, Medikationsprozesse
und den Einsatz
48 meditronic-journal 3/2026
Einstieg in einen neuen Standard
Medical-PCs/SBC/Zubehör
TQ setzt auf OSM und nutzt erstmals den SGET-Standard OSM für ein einlötbares Embedded-Modul
auf Basis des neuen Sitara AM62L von Texas Instruments
Technologiedienstleister TQ, einer
der führenden Embedded-Computing-Spezialisten,
erweitert mit
TQMa62LxxOA-S sein Arm-Produktportfolio
um ein Löt-Modul im
OSM-Size-S-Format. Es basiert auf
Texas Instruments neuer AM62L-
Applikationsprozessor-Familie und
eignet sich für eine Vielzahl preissensitiver
Anwendungen aus den
Bereichen HMI, Medical, Gebäudeautomation
und Energie-Infrastrukturtechnik.
TQ-Group
www.tq-group.com
„Wir waren bei der Standardisierung
von OSM durch die SGET von
Anfang an mit dabei – haben aber
auf die Konvergenz der Kundenbedürfnisse,
des Halbleiter-Feature-Sets
und der Kosten gewartet,“
erklärt Andreas Willig, Produktmanager
von TQ-Embedded. „Jetzt
wo alles zusammenpasst, können
wir unseren Kunden eine leistungsfähige
Lösung zu einem attraktiven
Preis anbieten.“
Erster offener Standard
für lötbare BGA-Mini-Module
Die Open-Standard-Module-
Spezifikation ist der erste offene
Standard für lötbare BGA-Mini-
Module. Er ersetzt nicht die bestehenden
Steckverbinder basierten
Module, sondern ergänzt die bestehenden
Standards und Lösungen.
Es sind vier Größen definiert
und die Schnittstellen variieren je
nach Größe des Open Standard
Moduls in Art und Anzahl. Module
ab Größe S bieten beispielsweise
Videoschnittstellen.
Das neue Modul TQMa62LxxOA-S
im Size-S-Format (30 mm x 30 mm)
nutzt die kostengünstige und leistungsoptimierte
AM62L-Familie
von Texas Instruments. Die für die
Linux-Anwendungsentwicklung optimierten
Prozessoren sind mit einem
oder zwei Arm Cortex-A53 Kernen
(1,25 GHz) und integrierten Funktionen
wie Multimedia-DSI/DPI-
Unterstützung, integriertem ADC,
effizienten Energiesparmodi und
umfangreichen Security-Funktionen
ausgestattet.
Breite Schnittstellenvielfalt
Damit verfügt TQMa62LxxOA-S
über eine breite Schnittstellenvielfalt,
darunter 2x Gbit-Ethernet-Switch
(TSN), 3x CAN-FD, 2x USB 2.0,
8x UART, 5x I²C, 4x SPI und eine
Display-Ansteuerung via DSI. Hinzu
kommen bis zu 2 GByte LPDDR4-
Speicher und bis zu 128 GByte
eMMC (256 GByte mit 3D NAND).
Die sehr geringe Leistungsaufnahme
von typischerweise 1 W bis 2 W
erlaubt den Einsatz in Handheld-
oder batteriebetriebenen Geräten.
Mit einem Standard-Temperaturbereich
von -25 °C bis +85 °C und
einem optional erweiterten Temperaturbereich
von -40 °C bis +85 °C
ist TQMa62LxxOA-S auch geeignet
für Anwendungen in rauen Umgebungen.
Starterkit
Das zum TQMa62LxxOA-S passende
Starterkit STKa62LxxOSM-S
dient zur Evaluierung und zum vereinfachten
Entwicklungseinstieg: Die
im Starter-Kit enthaltenen Komponenten
bilden ein modulares System,
mit dem Kunden ihre Produktideen
verwirklichen können. Zur Entwicklung
ihrer eigenen Hardware können
sie die zertifizierten und qualifizierten
Schaltungskomponenten
des Starter-Kits in ihren Designs
verwenden.
Für eine noch schnellere Timeto-Market
kündigt Andreas Willig
ein weiteres Produkt auf Basis
des TQMa62LxxOA-S an: „Wir
werden das OSM-Modul für einen
Single Board Computer nutzen,
um Kunden eine noch höher integrierte
Lösung anbieten zu können.
Wir setzen dabei auf das Format
100 mm x 100 mm für eine kompakte
Bauweise mit den branchenüblichen
Steckverbindern für die
Schnittstellen.“ ◄
auf mobilen Visitenwagen. Zu den
prägenden Merkmalen zählen das
lüfterlose Design, ein antibakteriell
ausgeführtes Gehäuse, die nach
IP65 geschützte Front sowie medizinisch
relevante Zertifizierungen wie
EN60601-1. Hinzu kommen drei Hot-
Swap-Akkus, die den flexiblen Einsatz
im klinischen Alltag unterstützen.
Für moderne Medical-IT-
Anwendungen
Technisch setzen beide Medical
Panel-PCs auf den Intel Core
Ultra 5 225U mit bis zu 4,8 GHz.
Der Prozessor bildet die Grundlage
für eine flüssige Nutzung moderner
Medical-IT-Anwendungen, etwa
in der digitalen Patientenakte, bei
der Befunddokumentation oder in
klinischen Informationssystemen.
Die Standardausstattung umfasst
16 GB RAM sowie eine 256 GB
SSD. Für steigende Anforderungen
lässt sich der Arbeitsspeicher
auf bis zu 96 GB ausbauen, optional
ist zudem RAID 1 möglich.
Zur weiteren Ausstattung gehören
zwei 2,5-Gigabit-LAN-Anschlüsse,
WLAN, HDMI, USB 2.0, USB 3.2
Gen 2 Typ A, USB 3.2 Gen 2 Typ C
sowie eine serielle Schnittstelle,
die als RS232, RS422 oder RS485
nutzbar ist. Als Betriebs systeme
stehen Windows 10 IoT und Windows
11 IoT zur Wahl, Windows 11
wird unterstützt.
Vielseitig einsetzbar
Im praktischen Einsatz decken
die Systeme typische Anforderungen
in Klinik, Pflege und Medizintechnik
ab. Durch die Kombination
aus lüfterlosem Betrieb, präzisem
Multitouch und kompaktem VESA-
100-Format lassen sich die Panel-
PCs in Stationszimmern, Pflegearbeitsplätzen,
Behandlungsräumen
oder an Tragarmsystemen
und Wandlösungen integrieren. Der
Medico 22U empfiehlt sich dort, wo
ein platzsparendes 21,5-Zoll-Format
gefragt ist, während der Medico 24U
mit 23,8 Zoll mehr Bildschirmfläche
für informationsintensive Anwendungen
bietet.
Beide Modelle gehören zum
Medical-IT-Sortiment von ICO und
sind über den ICO-Onlineshop
erhältlich. ◄
meditronic-journal 3/2026
49
Bedienen und Visualisieren
ANZEIGE
HAPTIC-FORCE TOUCH –
Wenn Glas plötzlich zurückspricht
Touchscreens sind glatt, elegant, minimalistisch – und taktil ungefähr so kommunikativ wie eine Glasfassade.
Seit der ersten kapazitiven Oberfläche begleitet uns deshalb dieselbe Frage: Warum fühlt sich das nach nichts an?
HUI statt GUI
Mit dem Haptic User Interface
(HUI) beginnt die nächste Evolutionsstufe
nach der klassischen GUI.
Wenn visuelle und auditive Kanäle
ausgereizt sind, bleibt der Tastsinn
als unterschätzte High-Bandwidth-
Schnittstelle zwischen Mensch und
Maschine. Und nein – wir reden
hier nicht über vibrierende Smartphones,
die sich anfühlen wie ein
aufgeregtes Insekt im Aluminiumgehäuse.
Es geht um kontrollierte,
physikalisch modellierte Interaktion
mit definierter Dynamik und reproduzierbarem
Kraftprofil.
NEXT SYSTEM
Vertriebsges.m.b.H.
info@nextsystem.at
www.nextsystem.at
Von 2D
zu fühlbarer Interaktion
Jede mechanische Taste liefert
implizit einen Auslösepunkt, eine
Rückstellkraft, ein Kraft-Weg-Diagramm
und eine klare Bestätigung.
Touchscreens haben das zugunsten
des Designs aufgegeben. Unsere
HAPTIC-FORCE TOUCH-Lösungen
holen diese physikalische Intelligenz
zurück – realisiert mit nur 0,2 mm
Hub, minimale Mechanik, aber maximaler
Effekt.
Plane Glasflächen werden zu
modellierbaren Interaktionsräumen.
Aus 2D wird 3D – durch Kraft und
präzises haptisches Feedback. Das
Ergebnis ist nicht nur ein fühlbarer
Impuls, sondern ein konsistentes
Interaktionserlebnis.
Force Sensing –
weil Präzision entscheidend ist
In industriellen Anwendungen
darf eine Fehleingabe kein lapidares
„Hoppla“ sein. Produktionsstillstand,
Sicherheitsrisiken oder kritische
medizinische Situationen sind reale
Konsequenzen. Durch integriertes
Force Sensing ist die Auslösekraft
frei definierbar. Ein Touch ist nicht
automatisch ein Befehl. Der Cursor
kann sich bewegen, ohne ein
Event auszulösen. Erst beim Erreichen
einer definierten Kraft wird die
Aktion ausgeführt. Unterschiedliche
Kraftstufen können unterschiedliche
Funktionen triggern. Das erhöht
nicht nur die Präzision der Interaktion,
sondern auch die Sicherheit auf
100 %: Unbeabsichtigte Eingaben
sogenannte „Ghost Touches“ sind
systembedingt ausgeschlossen –
für eine eindeutig validierte und
reproduzierbare Bedienung. Der
Touchscreen unterscheidet plötzlich
zwischen Hover, Soft Touch,
Confirmed Press oder Hard Press
– Willkommen in der dritten Interaktionsdimension!
Aktuatorik
mit Systemansatz –
das Herzstück
des fühlbaren Displays
Je nach Anwendung setzen wir
unterschiedliche haptische Technologien
ein und wählen stets die
Lösung, die funktional und systemisch
am besten passt. Im Schwerpunkt
arbeiten wir mit Piezo-Aktuatoren,
die durch hohe Dynamik
und eine breite Frequenzbandbreite
besonders präzise und vielseitige
Haptikprofile ermöglichen. Darüber
hinaus stehen – abhängig von
Anforderungen wie Hub, Kraft, Bauraum
oder Energieeffizienz – weitere
Aktuatorprinzipien sowie passive
haptische Elemente zur Verfügung.
Entscheidend ist nicht die
einzelne Technologie, sondern das
optimale Zusammenspiel aus Aktuatorik,
Sensorik, Software und UX.
Wenn Hinsehen
keine Option ist
In Maschinensteuerungen, Medizingeräten,
Offroad-Fahrzeugen
oder sicherheitskritischen Umgebungen
reduziert haptisches Feedback
die kognitive Belastung und
erhöht die Sicherheit. Mit HAPTIC-
FORCE TOUCH wird Bedienung
ohne permanente visuelle Fixierung
möglich. Speziell für blinde und
sehbehinderte Menschen entsteht
eine zusätzliche taktile Informationsschicht
– etwa bei Aufzügen,
Bankomaten oder Ticketautomaten.
Mehr als ein Effekt:
ein System
Ein technisch perfektes Signal
fühlt sich nur dann richtig an, wenn
Mechanik, Signalverlauf, Masse und
subjektive Wahrnehmung zusammenpassen.
Deshalb denken wir
ganzheitlich – in Systemen statt in
Einzelkomponenten.
50 meditronic-journal 3/2026
Bedienen und Visualisieren
HAPTIC STARTER KIT –
Fühlen statt nur lesen
Haptik versteht man am besten durch
Erleben. Das Haptic Evolution Kit bietet
dafür einen schnellen und praxisnahen
Einstieg in unsere HAPTIC-
FORCE TOUCH-Technologie - basierend
auf dem Piezo Actuator M1. Der
M1 zeichnet sich durch große Auslenkung,
hohe Beschleunigung und sehr
schnelle Reaktionszeiten aus. Integrierte
CapSense- sowie Piezo-Sensing-Funktionen
ermöglichen eine präzise
Interaktionserfassung direkt im
Aktuator. Mit kompakten Abmessungen
von 22 x 22 x 10 mm (plus Anschlusskabel),
einem Gewicht von nur 5 g
und einem Temperaturbereich von
-30 °C bis +80 °C eignet sich der M1
für anspruchsvolle Industrie-, Medizinund
Automotive-Anwendungen. Das
Kit enthält vier Piezo Actuator M1
mit Controller, Kabelsatz, integrierter
kapazitiver Kraftsensorik sowie einem
mechanischen Befestigungsgehäuse.
Die Inbetriebnahme erfolgt als Plugand-Play-Lösung
mit einem 7”-Display-
Touch-Assembly oder modular über ein
Breakout-Board für andere Formate.
Anschließen, parametrieren –
und erleben, wie Glas plötzlich antwortet!
◄
Individuelle Frontglas-Lösungen
Displays mit Frontscheiben nach Maß
Die Qualität eines Displays wird
maßgeblich durch das Frontglas
bestimmt. Display Visions bietet in
diesem Bereich individuelle Lösungen
und Schutzkonzepte an, die in
enger Abstimmung mit den Kunden
entwickelt werden.
Seit beinahe 50 Jahren widmet
sich die Display Visions GmbH der
Entwicklung und Produktion maßgeschneiderter
Display-Lösungen
für anspruchsvolle Anwendungen
in der Industrie.
DISPLAY VISIONS GmbH
www.lcd-module.de
Mit einem breiten Sortiment an
ad hoc lauffähigen Grafik displays
und Anzeigen bedienen die Spezialisten
aus dem Münchner Westen
eine Vielzahl von Branchen — von
der Prozessautomatisierung über
den Maschinenbau bis bin zur Messund
Medizintechnik. Dabei haben
sie aber immer die spezifischen
Bedürfnisse ihrer Kunden im Fokus.
Das gilt auch für die Frontscheiben:
Sie können nach Kundenwunsch
beschriftet, bedruckt und in
beinahe beliebige Maße oder Formen
geschnitten werden. Gewölbte
Gläser sind ebenso möglich wie
präzise Durchbrüche oder Bohrungen
– etwa für die Montage von
Sensoren, Leuchtdioden, mechanischen
Tastern, Schaltern oder speziellen
Anschlüssen. Alle Designvorgaben
werden exakt umgesetzt.
Robust für den Außeneinsatz
Besonders im rauen Außendienst
sind Displays unter Umständen auch
starken physischen Belastungen
ausgesetzt. Deshalb versiegelt
Display Visions seine Produkte bei
Bedarf auch staub- und wasserdicht
gemäß einschlägiger Schutzarten,
wie sie etwa in der ISO-20653 (DIN
EN 60529) definiert sind.
IEC 62262
Die Widerstandsfähigkeit elektrischer
Betriebsmittel gegen Schlagund
Stoßbeanspruchung klassifiziert
die International Electrotechnical
Commission in ihren IK-Stoßfestigkeitsgraden
(IEC 62262). Diese
Norm beschreibt standardisierte
Prüfverfahren und Schutzklassen
(IK00 bis IK10), um die Eignung von
Geräten für verschiedene Umgebungsbedingungen
zu bewerten.
Display Visions entwickelt in enger
Abstimmung mit den Kunden individuelle
Lösungen, die den spezifischen
Anforderungen des Einsatzgebiets
entsprechen, von der Materialauswahl
bis zur konstruktiven
Auslegung. So wird sichergestellt,
dass die Displays nicht nur den normativen
Vorgaben genügen, sondern
auch den praktischen Herausforderungen
im Feld standhalten.
Sonneneinstrahlung
Auch starke Sonneneinstrahlung
belastet elektronische Displays:
Sie beeinträchtigt nicht nur
deren Ablese fähigkeit, sondern
führt durch ihren ultravioletten
Anteil langfristig auch zu Ausbleichen
und Vergilben. Im schlimmsten
Fall können sogar Funktionsstörungen
auftreten.
Die Experten von Display
Visions begegnen dieser Herausforderung
mit maßgeschneiderten
Schutzkonzepten, die etwa hohe
Bildschirmhelligkeit für optimale
Sichtbarkeit, UV-absorbierenden
Klebstoff zum Schutz vor schädlicher
Strahlung, spezielle Filterfolien
zur Entspiegelung sowie
getemperte Gläser für mechanischen
Schutz und thermische
Stabilität kombinieren.
Der individuelle Bedarf
Bei Display Visions steht der individuelle
Bedarf im Mittelpunkt – wenn
möglich mit Standarddisplays, aber
auch maßgeschneiderten Displaylösungen,
die genau auf die Anforderungen
einer Applikation passen.
Ein erfahrenes Team arbeitet
eng mit seinen Kunden zusammen,
um technische Präzision, kurze Lieferzeiten
und langfristige Verfügbarkeit
zu garantieren. Als flexibler
Mittelständler ist die Display Visions
GmbH Ihr persönlicher Ansprechpartner
– von der Idee bis zur perfekten
Umsetzung. ◄
meditronic-journal 3/2026
51
Sensoren
Hygienisch, platzsparend, präzise
Schaumerkennung ohne Kompromisse
Mit seinem kompakten Design lässt sich der QCRC auch in beengten
Bauräumen integrieren. © EBE Elektro-Bau-Elemente GmbH
Mit der QCRC-Serie präsentiert
EBE sensors + motion eine
neue Lösung für die Prozessüberwachung,
die sich insbesondere in
sensiblen Produktionsumgebungen
als wegweisend erweisen dürfte.
EBE
Elektro-Bau-Elemente GmbH
www.ebe.de
Die Sensoren der Reihe arbeiten
durch geschlossene Gefäßund
Schlauchwände hindurch und
ermöglichen eine eindeutige Unterscheidung
zwischen Luft, Schaum
und Flüssigkeit – vollständig berührungslos.
Schaum gilt in vielen Industriezweigen
als kritischer Prozessfaktor.
Insbesondere in Laborumgebungen
kann er die Stabilität und Effizienz
von Abläufen empfindlich stören.
Besonders deutlich zeigt sich das
Problem in vollautomatisierten Laborarbeitsstationen
oder Bioreaktoren.
Diese Anlagen sind nicht nur hochkomplex
und kosten intensiv, sondern
vor allem im Bereich des Deckels eng
bestückt mit einer Vielzahl an Sensoren
und Komponenten. Zusätzliche
Einbauten an dieser Stelle verschärfen
die Platzproblematik erheblich.
Hinzu kommt die hohe Anforderung
an die Hygiene. Da die Prozessmedien
nicht mit Fremdstoffen in Kontakt
kommen dürfen, sind kontaktlose
Sensorlösungen gegenüber
klassischen Lösungen, die direkt
in das Medium eintauchen, klar im
Vorteil. Gleichzeitig ist eine Reinigung
im Falle von Überschäumen
aufwendig und mit teuren Stillstandzeiten
verbunden.
Präzision durch
kombinierte Messverfahren
Die QCRC-Sensoren liefern kontinuierliche
Echtzeitinformationen
über den aktuellen Medienzustand
und sichern so Prozesse zuverlässig
ab. Die Technologie basiert auf der
gleichzeitigen Erfassung kapazitiver
und konduktiver Parameter. Dieses
Zusammenspiel ermöglicht eine stabile
Differenzierung zwischen Luft,
Schaum und Flüssigkeit auch dann,
wenn die Umgebungsbedingungen
schwanken oder die Prozessführung
besonders anspruchsvoll ist.
Hiermit lässt sich eine eventuelle
Schaumbildung überwachen. Der
Sensor detektiert jedoch auch, ob
ein Behälter mit Flüssigkeit, Schaum,
pulverförmigen Medien oder eben
Luft gefüllt ist. Damit eröffnen sich
für Hersteller neue Möglichkeiten,
um Sicherheit und Effizienz im Produktionsprozess
zu erhöhen.
Kompaktes Format
erleichtert Integration
Die gesamte Messstruktur ist im
Sensormodul selbst untergebracht.
Mit Abmessungen von lediglich 30
x 30 Millimetern lässt sich die Technologie
auch in sehr beengte Bauräume
integrieren. Über eine standardisierte
I²C-Schnittstelle stehen
Messwerte unmittelbar nach dem
Einbau bereit, was eine schnelle
Inbetriebnahme und eine einfache
Einbindung in bestehende Systeme
ermöglicht. Für Forschung und Entwicklung
stellt EBE ein Evaluation Kit
bereit, das sämtliche Komponenten
für die direkte Inbetriebnahme enthält.
Damit lässt sich die Sensorik
innerhalb kurzer Zeit in bestehende
Testumgebungen einfügen. Hersteller
können so frühzeitig Erfahrungen
sammeln und die Eignung
der Technologie für ihre spezifischen
Prozesse validieren. ◄
Absolut Induktiv-Drehgeber
Posic präsentiert den
Absolut Drehgeber Bausatz
AP9600C mit SSI-Schnittstelle,
Auflösung bis 22 Bit und
Maximalgeschwindigkeit bis
23.000 UPM. Die Abmessungen
sind nur 20 x 20 x 3,5 mm, mit
einer Scheibendicke von 0,9 mm
liegt die Einbau-Höhe unter 5 mm.
Dank Wirbelstrom-Messprinzip
ist der Encoder robust gegenüber
Staub, Partikel, Öl, Fett, Flüssigkeiten
und außerdem immun
gegen Magnetfelder. Dies bedeutet,
dass der Encoder problemlos
ohne magnetische Abschirmung
in einem Direkt-Antrieb eingebaut
werden kann.
Der Encoder kann entweder
werksseitig programmiert oder
vom Kunden nach Einbau in seiner
Anwendung durch die Programmierung
angepasst werden.
Zielmärkte sind Robotik, Industrie-Automation,
Elektromobilität,
Drohnen, Medizintechnik,
Agrotechnologie usw.
Der AP9600C Induktiv- Encoder,
Scheiben und das dazugehörige
Programmier-Tool sind ab Lager
lieferbar und können online bestellt
werden.
POSIC SA
info@posic.com
www.posic.com
52 meditronic-journal 3/2026
Sensoren
Umfassende Sensorplattform
mit vielen Varianten
AMS 6832 Drucksensoren – Vielseitig wie ein Taschenmesser
© Analog Microelectronics GmbH
Abgestimmtes Starter Kit
Um die Inbetriebnahme und erste
Tests mit dem AMS 6832 möglichst
einfach und zeitsparend zu gestalten,
bietet Analog Microelectronics
ein auf den AMS 6832 abgestimmtes
Starter Kit an. Dieses ermöglicht
neben der Druck- und Temperaturmessungen
auch die Visualisierung
und Aufzeichnung der gemessenen
Daten, die Änderung der I 2 C-
Adresse und die Einstellung des
Oversampling-Modus für die Bildung
eines gleitenden Mittelwerts
im Sensor zur Rauschreduktion. ◄
Der Hersteller Analog Microelectronics
GmbH erweitert seine
AMS 6832 board-mount Drucksensor
serie zu einer umfassenden
Sensorplattform mit Varianten
für Differenz-, Gage-, Absolut- und
barometrischen Druck für präzise
Messungen von -1,25…1,25 mbar
bis zu 0…2 bar.
Dies macht die Sensor serie noch
vielseitiger einsetzbar. Die Applikationen
für die hochpräzisen, kompakten
Sensoren reichen nun von der
Medizin-, der HVAC-, der Luftfahrttechnik
bis hin zur industriellen Automation.
In der Medizintechnik können
die AMS 6832 in Beatmungs-,
CPAP-Geräten, in der Anästhesie
oder in Spirometern eingesetzt werden.
Im HVAC-Bereich ermöglichen
sie präzise Gasfluss- und Niederdruckmessungen,
im Industrie sektor
Füllstandsmessungen und Vakuumkontrolle.
Im Verteidigungssektor
und der Luftfahrtindustrie eignen
sie sich für Geschwindigkeits- und
Höhenmessungen.
Analog Microelectronics GmbH
www.analogmicro.de
Hochwertige
Siliziummesszellen
Die AMS 6832 basieren auf
hochwertigen piezoresistiven Siliziummesszellen,
die zusammen
mit modernen 24-bit mixed-mode
ASICs auf Keramikträgern montiert
werden. Durch die aufwändige
Werkskalibration erzielen die
AMS 6832 herausragende Genauigkeiten
(z.B. ±0,5 %FSO für den
Druckbereich von 0…10 mbar)
und einen geringen Gesamtfehler.
Sie bieten einen hochaufgelösten
ratio metrischen 16-bit Spannungsausgang
und einen digitalen 24-bit
I 2 C Ausgang, die beide gleichzeitig
betrieben werden können. Die Versorgungsspannung
beträgt 5 V. Auf
Anfrage sind auch 3,3 V Versionen
verfügbar.
Mit ihrem robusten DIP 06
Gehäuse decken die AMS 6832 den
Bedarf für miniaturisierte, äußerst
genaue Drucksensoren ohne Einbußen
bei der Präzision, Langzeitstabilität
oder den Temperatureigenschaften.
Sie sind durch das
membran basierte Messprinzip
vollständig gasdicht und bieten
bei Rückseitenbeaufschlagung
hohe Medien kompatibilität inklusive
Flüssigkeiten und leicht korrosiven
Gasen.
meditronic-journal 3/2026
Unbenannt-1 1 17.03.2026 09:23:25
53
Mess- und Prüftechnik/Qualitätssicherung
Atmosphärenintegrität
in versiegelten Verpackungen prüfen
SEALPROOF: Atmosphäre gesichert und verifiziert. Von der Annahme zum messbaren Nachweis.
Entwickelt mit blulog – Powered by FaradaIC
Die FaradaIC Sensors GmbH und
blulog geben heute die Markteinführung
von SEALPROOF bekannt,
einer Monitoring-Lösung der nächsten
Generation zur Überprüfung
der Atmosphärenintegrität in versiegelten
Verpackungen. Basierend
auf FaradaICs innovativer MECS-
Technology (Micro-Electro-Chemical-Systems)
und integriert in
das bewährte IoT-Ökosystem von
blulog liefert SEALPROOF einen
messbaren Nachweis der Verpackungsintegrität
und verändert damit
grund legend die Überwachung von
Lebensmitteln, Frischprodukten und
sensiblen Gütern wie in der Halbleiterindustrie
von der Produktion bis
zum globalen Transport.
Schließen einer
kritischen Branchenlücke
Frischeprodukte und hochwertige
Lebensmittel sind auf Modified
Atmosphere Packaging (MAP) und
Controlled Atmosphere Packaging
(CAP) angewiesen, um Haltbarkeit,
Qualität und Sicherheit zu gewährleisten.
In der Praxis wird die Schutzatmosphäre
innerhalb der Verpackung
jedoch meist vorausgesetzt
und nicht kontinuierlich verifiziert.
Die Folgen können verkürzte Haltbarkeit,
vermeidbare Verluste und
Retouren, eingeschränkte Transparenz
entlang der Kühlkette sowie
unzureichende Dokumentation für
Audits oder Reklamationen sein.
Die Lösung
SEALPROOF durchbricht dieses
Paradigma. Die kompakte Sauerstoff-(O
2 )-Monitoring-Lösung ermöglicht
die kontinuierliche Verifikation
von Niedrigsauerstoff bedingungen
in versiegelten Verpackungen und
Containern. Durch die frühzeitige
Erkennung von Sauerstoffeintrag
erlaubt SEALPROOF eine proaktive
Qualitätssicherung sowie eine
belastbare Dokumentation für Compliance
und kontinuierliche Prozessoptimierung.
Angetrieben
durch FaradaICs
MECS-Technology
Im Kern von SEALPROOF steht
die proprie täre MECS-Technology
von FaradaIC – eine vollständig festkörperbasierte
elektro chemische
Gassensorplattform, gefertigt mittels
MEMS-ähnlicher Halbleiterprozesse.
Das integrierte Faraday-Ox Digital
Oxygen Gas-Sensing-Module vereint:
• Ultrageringen Stromverbrauch
(< 5 µA)
• Schnelle Ansprechzeit (T90 < 1 s)
• Werkskalibrierung
• Integrierte Temperatur und
Feuchtekompensation
• Miniaturisierte Bauform
von nur 10,2 × 25,0 × 5,0 mm
Präzise, stabile und
langfristige Performance
Faraday-Ox gewährleistet eine
präzise, stabile und langfristige
Performance sowie die Erkennung
von Sauerstoffeintritt im niedrigen
Prozentbereich ohne Elektrolytaustritt
oder typische Alterungseffekte
im Ruhezustand. Dank seines
chip basierten Designs eignet
sich die Technologie ideal für
Hochvolumenanwendungen in Verpackung,
Logistik und industriellen
IoT-Systemen.
Nahtlose Integration
in das blulog IoT-Ökosystem
SEALPROOF wurde gemeinsam
mit blulog entwickelt, einem
polnisch-französischen Technologieunternehmen
mit über 15 Jahren
Erfahrung in M2Mund IoT-Systemen.
Die Lösung integriert sich direkt
in das Loggerund Software-Ökosystem
von blulog und ermöglicht:
• Zeitgestempelte
Datenspeicherung
• Cloudoder App-basierten Zugriff
• Automatisierte Berichterstellung
Systemablauf
Versiegelte Verpackung oder Container
→ SEALPROOF Sensormodul
→ blulog Logger → Daten export
& Reporting (QR, NFC, App oder
Cloud optional).
Das Ergebnis ist eine eindeutige
Verifikation „Atmosphäre OK“
oder die sofortige Identifikation von
Leckagen bzw. Sauerstoffeintrag
– inklusive digitalem Nachweis für
Qualitätssicherung und Kunden.
Zentrale Vorteile
für Food & Logistik
SEALPROOF schafft messbaren
Mehrwert entlang der gesamten
Lieferkette:
• Nachweis statt Annahme –
verifizierbare Verpackungsintegrität
• Schnellere Fehlererkennung –
reduzierte Verluste und Retouren
• Transparente Qualitätssicherung
– gesteigertes Vertrauen bei
Handelspartnern
• Skalierbare Implementierung –
von Pilotprojekten bis zum
Roll-out in Großserie
• Zukunftsfähige Plattform –
geplante O 2 + CO 2 Integration
für vollständige MAP/CAP-
Verifikation
Einsatzbereiche
SEALPROOF erweitert die Sauerstoffüberwachungsplattform
von
FaradaIC auf die Bereiche Trockenlebensmittel,
Pharmazeutika,
Saatgut, Medizin und intelligente
Ver packungsanwendungen.
Prototype Programm 2026
SEALPROOF ist derzeit im Rahmen
eines Prototype Programms
2026 für ausgewählte Partner und
Early Adopters verfügbar. Das Programm
ermöglicht es innovativen
Unternehmen, Atmosphärenverifikation
in Verpackungslinien und
Logistikprozesse zu integrieren –
Risiken zu reduzieren, Datentransparenz
zu erhöhen und einen messbaren
ROI zu erzielen.
Faradaic Sensors GmbH
www. faradaic.com
54 meditronic-journal 3/2026
Mess- und Prüftechnik/Qualitätssicherung
Digitales Stereomikroskop
mit echtem 3D-Erlebnis ohne Brille
ProteQ VISO wurde für anspruchsvolle
Inspektionen, Prototypenentwicklung und präzise
Montagearbeiten entwickelt – etwa in der
Elektronik, im medizinischen Gerätebau oder im
Prototypenbau. Das ergonomische Design mit
verstellbarem Bildschirm, aufrechter Sitzposition
und 10:1-Zoom sorgt für maximalen Komfort
und Effizienz bei langen Arbeitsphasen.
Für Zusammenarbeit und Dokumentation bietet
ProteQ VISO integrierte Digitalfunktionen
wie Bild- und Videoaufnahme, Live- Streaming,
Mess- und Annotationswerkzeuge, Bild-in-
Bild-Ansichten und Softwareintegration. So
lassen sich Arbeitsergebnisse einfach teilen
– im Team vor Ort oder per Remote-Zugriff.
Vision Engineering Ltd.
info@visioneng.de
www.visioneng.de
Vision Engineering, ein weltweit führender
Anbieter ergonomischer Mikroskope und
digitaler Visualisierungslösungen, stellt mit
ProteQ VISO ein innovatives digitales Stereomikroskop
vor, das echte 3D-Bildbetrachtung
auf einem Flachbildschirm ohne Okulare
oder 3D-Brille ermöglicht. Das integrierte
„Autostereo“-Display mit Eye-Tracking-Technologie
liefert brillante, augenschonende 3D-Darstellungen
und erlaubt dem Benutzer volle
Kopfbewegungsfreiheit.
Praktische Details wie flexible Beleuchtungsoptionen,
eine optionale 360°-Winkel optik,
Durchlichtbeleuchtung, sowie ein abnehmbares
Display für Laminar-Flow-Box Anwendungen
erhöhen die Vielseitigkeit. „ProteQ
VISO markiert die nächste Generation ergonomischer
Desktop-Digitalmikroskopie“, betont
Stefan Summer, Ltg. Marketing & Communication
Central Europe bei Vision Engineering.
„Es kombiniert Geschwindigkeit, Präzision und
Benutzerkomfort mit echter stereoskopischer
Klarheit auf dem Bildschirm.“ ◄
Schnell, sicher und smart digital prüfen
SAFETYTEST ermöglicht jetzt digitalisiertes Prüfen medizinischer Geräte gemäß DIN EN 62353 (VDE 0751).
SAFETYTEST GmbH
www.safetytest.de
meditronic-journal 3/2026
An die Prüfung von medizin-elektrischen
Geräten werden besondere Anforderungen
gestellt. Mit der Prüftechnik von SAFETYTEST
lassen sich sowohl einphasige als auch
drei phasige medizinische Geräte vollumfänglich
prüfen. In Verbindung mit der Remote Master
App können alle gängigen gesetzlichen Anforderungen
(z. B. DGUV, Prüfnormen, BetrSichV,
MPBetreibV) abgebildet werden. Die Bedienung
erfolgt rein digital mit adaptiven Prüfabläufen,
inklusive Dokumentation und automatisierter
Erstellung der gerichtsfesten Prüfprotokolle.
Gerade für Dienstleister eröffnen sich mit der
Remote-Master App neue Möglichkeiten, denn
neben medizinischen Geräten kann auch die
Prüfung von typischen elektrischen Arbeitsmitteln,
Schweißgeräten, E-Mobility, elektrischen
Anlagen und Maschinen und sogar nicht elektrischen
Arbeitsmitteln hierdurch schnell, einfach
und rechtskonform durchgeführt werden.
Für jede Prüfung die richtige Software.
Durch die Anbindung über API-Schnittstellen
ist eine Synchronisierung mit gängigen Warenwirtschaftssystemen
möglich. Somit wird der
Workflow von der Planung bis zur Abrechnung
vereinfacht und beschleunigt. ◄
Kabelfertigung, Bestückung,
Gerätebau, Gravuren, …
ISO 9001 & EN ISO 13485
Eichenweg 1a | CH-4410 Liestal
Tel. +41 (0)61 902 04 00
info@h2d-electronic.ch
www.h2d-electronic.ch
55
Produktion
Noch smarter und präziser fügen
Kistler integriert erstmals Kraftsensoren vollumfänglich
in die Werkzeugaufnahme elektromechanischer Fügesysteme
auf zusätzliche Sensordaten, wie etwa die der
verbauten Temperatursensoren. Zudem hat die
Kabellänge keinen Einfluss mehr auf die Messgenauigkeit,
die Systemstabilität wird weiter
erhöht und Fehlerquellen minimiert.
Präzise und zuverlässig
Durch die neue Sensorposition und die digitale
Datenübertragung erreichen die energieeffizienten
Servopressen ein neues Präzisionslevel
für Anwendungen in der Elektronikindustrie,
Medizintechnik und der Automobilindustrie. „Insbesondere
bei der Montage von Lenkung, Fahrwerk,
Achsmontagen und anderen sicherheitsrelevanten
Bauteilen ist Präzision und Zuverlässigkeit
eine Kernanforderung unserer Kunden.
Hier bietet die neue Produktfamilie entscheidende
Vorteile“, berichtet Alexander Müller, der
bei Kistler die Verantwortung für diese Fügesysteme
trägt.
Das Portfolio der elektromechanischen Fügesysteme: Die neuen NCFx Pro Fügemodule (Typ 2164A)
mit integrierten piezoelektrischen oder DMS-Kraftsensoren, dem Servoverstärker ctrlX DRIVE
sowie dem Prozessüberwachungssystem maXYmos NC. Alle Bilder © Kistler Gruppe
Kistler präsentiert elektromechanische Fügesysteme,
die Messdaten mittels weiterentwickelter
Telemetrie kabellos übertragen – für
noch genauere Messergebnisse und präzise
Prozessüberwachung. Bei den neuen Fügemodulen
des Typs 2164A NCFx Pro können
Anwender zwischen zwei Sensortechnologien
wählen: einem piezoelektrischen Kraftsensor
mit besonders weitem, flexiblem Messbereich
und erhöhtem Überlastschutz oder einem Kraftsensor
auf Basis von Dehnmessstreifen (DMS).
Beide Sensoren sind direkt in die Werkzeugaufnahme
der Servopresse integriert – dort wo die
Fügekraft wirkt.
Kistler Group
info@kistler.com
www.kistler.com
Die neuen Fügemodule sind im Vergleich zu
ihren Vorgängern schlanker, schneller und optimal
auf künftige Funktionserweiterungen wie
Predictive Maintenance ausgelegt. Die elektromechanischen
NC-Fügemodule sind standardmäßig
auch in einer abgewinkelten Form
für beengte Bauräume erhältlich.
Am Ort messen
Es ist ein Grundsatz in der Messtechnik: Je
näher am Ort des Geschehens gemessen wird,
desto genauer sind die Ergebnisse. Das gilt
auch für Fügesysteme, deren Sensoren überprüfen,
ob das System die korrekte Kraft aufbringt.
Dank Telemetrie ist bei den neuen elektromechanischen
Fügemodulen der Baureihe
NCFx Pro von Kistler der Kraftsensor nun jeweils
frontseitig in der Werkzeugaufnahme, genauer
am Stößel, integriert – also dort, wo die Fügekraft
erbracht wird. Die Übertragung vom Sensor
zur Elektronik im Fügemodulgehäuse erfolgt rein
digital. Über eine EtherCAT-Schnittstelle werden
die Daten an das Prozessüberwachungssystem
maXYmos NC übertragen. Diese digitale Kommunikation
bietet mehrere Vorteile: Sie ist weniger
störanfällig, bietet umfangreiche Diagnosemöglichkeiten
und erlaubt den direkten Zugriff
Flexibilität
durch piezoelektrische Messtechnik
Die DMS-Kraftsensoren decken Messbereiche
von 2 bis 120 kN ab, während die piezoelektrische
Kraftsensorik die Messbereiche von
0,05 bis 120 kN abbildet. Je nach Sensor lassen
sich mit den piezoelektrischen Sensoren über
das Prozessüberwachungssystem maXYmos NC
jeweils sieben vordefinierte Messbereiche nutzen.
Diese Auswahl ermöglicht genauere Messungen
und bietet gleichzeitig einen hohen
Überlastschutz, insbesondere in den kleinen
Messbereichen. Die Nutzer profitieren zudem
von einer geringen Ersatzteilhaltung („one fits
all“) und einer flexiblen Systemanpassung ohne
Neukalibrierung.
Die neuen NCFx Pro Fügemodule Typ 2164A von
Kistler sind dank Telemetrie mit kabellosen
Dehnmessstreifen DMS- oder piezoelektrischen-
Kraftsensoren ausgestattet direkt in der
Werkzeugaufnahme beziehungsweise am Stößel.
56 meditronic-journal 3/2026
Produktion
Überlastreserve
Beide Fügemodulvarianten – sowohl mit
Piezo- als auch mit DMS-Kraftsensorik – sind
auf eine Überlastreserve von 20 Prozent ausgelegt.
Diese Reserve bietet zusätzliche Sicherheit,
wenn die zu erwartende Fügekraft höher
ausfällt als geplant. Beide Sensoren sind zudem
mechanisch kompatibel, können ab 2 kN einfach
getauscht oder nachbestellt werden und lassen
sich zur Kalibrierung einsenden. Eine optionale
DAkkS-Kalibrierung ist bereits in Vorbereitung.
Dank Plug-and-Play werden die Sensoren
inklusive ihrer Empfindlichkeit und Messbereiche
automatisch erkannt. Dies vermeidet
Fehler bei der Inbetriebnahme und erleichtert
die Handhabung erheblich.
Vereinfachte Integration
und Inbetriebnahme
Mit Geschwindigkeiten von 250 bis 500 Millimetern
pro Sekunde erreichen die neuen elektromechanischen
Fügemodule der Reihe NCFx
Pro von Kistler signifikant höhere Taktzeiten und
damit eine gesteigerte Produktivität in automatisierten
Fertigungsprozessen. Sie zeichnen sich
zudem durch eine kompaktere Bauweise aus, die
einen geringeren Achsabstand ermöglicht und
den Platzbedarf reduziert. Das erleichtert die
Integration in bestehende Maschinenkonzepte.
Ein weiterer Vorteil: Bis 60 kN wird für die Anbindung
des Motors nur ein einziges Kabel zur Inbetriebnahme
benötigt. Die neuen Servoverstärker
ctrlX DRIVE sind ebenfalls kompakter und
sparen zusätzlich Platz im Schaltschrank. Eine
Sicherheitszonenbox für die Funktionen SMES,
SMST2 und sicher reduzierte Geschwindigkeit
ist nicht mehr notwendig.
Auch das Fügemodul selbst verfügt über eine
Plug-and-Play-Architektur, sodass Nutzer es
schnell und ohne aufwendige Parametrierung
in Betrieb nehmen können. Der außen liegende
Schmieranschluss ermöglicht eine einfache
Wartung sowie den Anschluss an eine Zentralschmieranlage.
Vorausgedacht
Der Beschleunigungssensor für künftige Predictive-Maintenance-Funktion
ist bereits integriert:
Kistler legte bei der Entwicklung der elektromechanischen
Fügesysteme der Reihe NCFx Pro ein
besonderes Augenmerk auf deren Zukunftsfähigkeit.
Eine weitere sensorbasierte Erweiterung
ist deshalb bereits in Entwicklung, wie Alexander
Müller verrät: „Ein Beschleunigungs sensor für
Der Dehnungsmessstreifen-Kraftsensor (DMS)
(links) und der piezoelektrische Kraftsensor
(rechts) sind ausschließlich für den Einsatz
in Kombination mit dem elektromechanischen
Fügemodul NCFx Pro Typ 2164A von Kistler
entwickelt.
eine kommende Predictive-Maintenance-Funktionalität
ist bereits in den Füge modulen der
NCFx Pro integriert. Diese kann später durch
eine Softwarelizenz über das Prozessüberwachungssystem
maXYmos NC aktiviert werden
– ganz ohne weitere Anpassungen.“ ◄
Zuverlässige Verbindungen sowohl in belichteten
als auch in lichtgeschützten Bereichen
Dymax, ein globaler Hersteller von lichthärtenden
Materialien und Geräten gibt die Einführung
von HLCM1004 bekannt, einem niedrigviskosen
Klebstoff, der die effiziente Montage
komplexer medizinischer Geräte unterstützt.
HLCM1004 erweitert das HLC-Klebstoffportfolio,
das eine hybride lichthärtende Technologie
nutzt, um die Aushärtung sowohl in belichteten
als auch in lichtgeschützten Bereichen
zu ermöglichen. Der Klebstoff kombiniert eine
Kontakthärtung in nicht belichteten Bereichen
mit einer schnellen Aushärtung durch UV oder
sichtbares Licht mit niedriger Intensität, wodurch
eine schnelle und prozesssichere Fertigung
gewährleistet wird.
Der für die Montage medizinischer Geräte
konzipierte HLCM1004 eignet sich besonders
für Anwendungen mit Kathetern, diagnostischen
und therapeutischen Geräten sowie anderen
Komponenten, die opake oder lichtblockierende
Substrate enthalten. Der Klebstoff zeichnet
sich durch eine niedrige Viskosität aus, die
ein kontrolliertes Dosieren und Eindringen in
enge Klebespalte ermöglicht, wodurch eine
gleichmäßige Haftung ohne den Einsatz von
Primern erreicht wird.
Weitere Leistungsmerkmale umfassen
eine reduzierte Ausblühbildung bei korrekter
Aushärtung, Flexibilität nach der Aushärtung
sowie eine verbesserte Optik. Das Material
ermöglicht eine schnelle Fixierung und unterstützt
damit Produktionsprozesse mit hohem
Durchsatz. HLCM1004 wurde gemäß den
geltenden ISO10993-Standards zur Biokompatibilität
geprüft und kommt ohne nichtreaktive
Lösungsmittel aus. Als einkomponentiges
Material trägt es dazu bei, Prozesse zu vereinfachen,
Abfall zu reduzieren und die Gesamteffizienz
der Produktion zu steigern.
Mit der Einführung von HLCM1004 erweitert
Dymax sein HLC-Klebstoffportfolio weiter,
um den wachsenden Anforderungen an
Klebeanwendungen in der Medizintechnik
gerecht zu werden.
DYMAX Europe GmbH
info_de@dymax.com
https://de.dymax.com/
meditronic-journal 3/2026
57
Materialien
Von der Pflanze bis zum sicheren Medizinprodukt
So entsteht ein Medical Grade Biokunststoff
Materials ganz oder teilweise aus nachwachsenden
Rohstoffen stammt, etwa aus Zuckerrohr,
Mais, Holzabfällen oder pflanzlichen Ölen. Bioabbaubar
bedeutet dagegen, dass ein Material
unter definierten Bedingungen biologisch abgebaut
werden kann. Beides ist nicht dasselbe:
Es gibt biobasierte Kunststoffe, die nicht bioabbaubar
sind, und bioabbaubare Kunststoffe,
die nicht biobasiert sind.
Medical Grade Biokunststoffe für maximale Patientensicherheit und einen gesunden Planeten
alle Bilder © Biovox
Kunststoffe sind aus der modernen Medizintechnik
nicht wegzudenken. Sie werden in
Medizinprodukten, Verpackungen, Diagnostikprodukten
und Laboranwendungen eingesetzt.
Neben dem Status quo, den erdölbasierten
Kunststoffen, rücken biobasierte Kunststoffe
zunehmend in den Fokus, vor allem wegen ihres
Potenzials zur Reduktion des CO 2 -Fußabdrucks.
Doch wie wird aus pflanzlichen Rohstoffen ein
Kunststoff, der den hohen Anforderungen medizinischer
Anwendungen genügen kann?
Anforderungen
Um das zu beurteilen, sollten zuerst die Anforderungen
bekannt sein, die die Medizintechnik
an einen Kunststoff stellt. Abseits der von der
Anwendung abhängigen technischen Eigenschaften
sind dies auch ein paar in Abstufungen
allen Medizinprodukten und ihren Verpackungen
gemeine Anforderungen: Die, die einen Medical
Grade Kunststoff im Sinne der Richtlinie VDI 2017
zu einem solchen machen. Das sind vor allem:
ein funktionierendes Qualitätsmanagement-System,
das die für ein Medizinprodukt notwendigen
Aspekte gut dokumentiert (sinnvollerweise
nach ISO 13485), eine zur Anwendung passende
biologische Sicherheit, die über die Endpunkte
der ISO 10993 beschrieben werden kann, und
dann vor allem eine langfristig gesicherte Versorgung
mit einer gleichbleibenden Qualität und
vor allem einer stabilen Rezeptur. Denn nur dieses
Gesamtpaket sorgt dafür, dass die Patientensicherheit
gewährleistet ist, und nicht ständig
neue Validierungen geänderter Materialien
mit viel Aufwand durchgeführt werden müssen.
Was ist ein Biokunststoff?
Können Kunststoffe, die aus ganz verschiedenen
Pflanzen bestehen, die je nach Wetter und
Sorte unterschiedlich wachsen, und die vielleicht
sogar biologisch abbaubar sind, das überhaupt
gewährleisten? Dazu schauen wir uns kurz an,
was ein Biokunststoff überhaupt ist, wie er hergestellt
wird, und ob das am Ende den oben
genannten Anforderungen genügt.
Biobasierter Kohlenstoffanteil
Für die Medizintechnik ist vor allem der biobasierte
Kohlenstoffanteil relevant. Bioabbaubarkeit
spielt in den meisten Anwendungen keine
Rolle, weil medizinische Produkte und Verpackungen
in regulierten Entsorgungsströmen
behandelt werden. Ausnahmen gibt es etwa bei
resorbierbaren Implantaten oder aktiven Substanzen,
bei denen der Abbau Teil der Funktion
ist. Für die meisten Einwegprodukte, Gehäuse,
Verpackungen oder Laborartikel ist dagegen
nicht der biologische Abbau entscheidend, sondern
die Frage, ob ein Material technisch, regulatorisch
und ökologisch sinnvoll einsetzbar ist.
Von der Pflanze zum Polymer
Am Anfang stehen pflanzliche Kohlenstoffquellen
wie Zucker-, Stärke- oder Ölpflanzen,
teilweise auch Holz. Je nach Prozessroute werden
daraus zunächst Zucker, Öle oder andere
chemische Zwischenprodukte gewonnen. Reststoffe
können ebenfalls als Rohstoff dienen, sind
heute aber oft noch aufwendig in der Aufbereitung,
was sie in Sachen Kosten und Energiebedarf
noch nicht konkurrenzfähig macht.
Bei vielen zucker- oder stärkebasierten Kunststoffen
folgt anschließend eine Fermentation
und dann eine Isolation und Aufreinigung der
gewünschten Verbindung durch z. B. Destillation.
Dabei entstehen Vorprodukte oder Monomere
wie Ethanol oder Milchsäure. Für PLA wird
typischerweise Milchsäure hergestellt, für biobasiertes
PE meist Ethanol, das weiter zu Ethylen
umgesetzt wird. Andere Kunststoffe basieren
Autor:
Dr.-Ing. Julian Lotz
BIOVOX GmbH
www.biovox.systems
Fossil, biobasiert, bioabbaubar
Was ist der Unterschied? Der Begriff Biokunststoff
wird oft unpräzise verwendet. Gemeint ist
entweder biobasiert, bioabbaubar oder beides.
Biobasiert bedeutet, dass der Kohlenstoff des
Medical Grade Biokunststoff von BIOVOX
58 meditronic-journal 3/2026
Materialien
Die MedEco Biokunststoffe sind speziell
für die Gesundheitsbranche entwickelt.
auf Ölen oder anderen Rohstoff pfaden. Die
Prozesswege unterscheiden sich also je nach
Polymer deutlich. Allen gemein ist aber: Es entstehen
sehr standardisierte chemische Produkte,
oft aus dem Kreis der „Grünen Plattformchemikalien“
– ein interessantes Konzept effizient und
vielseitig technisch nutzbarer und einfach aus
Pflanzen abzuleitender Stoffe.
Beherrschbare Qualität
Ab diesem Schritt liegt also keine Pflanze
mehr im ursprünglichen Sinn vor, sondern eine
Chemikalie, deren Kohlenstoff eben mal von
einer Pflanze akkumuliert und in eine nützliche
Struktur gebracht wurde. Entscheidend ist also
nicht die Herkunft des Kohlenstoffs aus Erdöl
oder Pflanze, sondern die sicher beherrschbare
Qualit ät der Produkte in Bezug auf Reinheit,
Zusatzstoffe, Verunreinigungsprofil und Prozessstabilität.
Und da unterscheiden sich die so hergestellten
Biokunststoffe nicht von fossilen Kunststoffen,
sie müssen eben in Bezug auf Vorprodukte
und Lieferkette ähnlich abgesichert werden,
wie fossile Kunststoffe. Ein Medical Grade
ist am Ende eben mindestens so viel regulatorisches
Servicepaket wie „ungiftiger Kunststoff“.
Polymerisation
Im nächsten Schritt werden diese Ausgangsstoffe,
wenn sie bereits das Monomer sind, polymerisiert,
oder über ein oder mehrere weitere
chemische Reaktionen zu den Monomeren und
dann den Polymeren weiterverarbeitet. Aus kleinen
Molekülen entstehen lange Molekülketten
– das Polymer. Anschließend wird das Material
meist aufgeschmolzen, formuliert und als
Granulat bereitgestellt. Dieses Granulat kann
dann mit Standardverfahren wie Spritzguss,
Extrusion oder Blasformen zu medizinisch relevanten
Produkten wie Verpackungskomponenten,
Gehäusen, Folien oder Laborartikeln weiterverarbeitet
werden.
Thermoplastische Stärken
Daneben gibt es thermoplastische Stärken,
die etwas anders funktionieren: Hier wird Stärke
aus Pflanzen direkt so modifiziert, dass sie thermoplastisch
verarbeitbar ist – das ist die einzige
Klasse der hier betrachteten Biokunststoffe, bei
meditronic-journal 3/2026
denen die Art und Sorte der Pflanze, Wetter und
Co. Einfluss auf die Eigenschaften haben, und
die deswegen nur eine begrenzte Rolle für den
Einsatz im Gesundheitswesen spielen, z. B.
sind Sekundärverpackungen daraus denkbar.
Drop-in-Kunststoffe
oder biobasierte Polymere
Wichtig aus Anwendungssicht: Biokunststoffe
lassen sich in Drop-in-Kunststoffe und neue biobasierte
Polymere einteilen. Drop-ins wie Bio-PE
sind chemisch identisch mit ihren fossilen Pendants.
Sie haben daher grundsätzlich gleiche
Eigenschaften. Neue biobasierte Polymere wie
PLA oder PEF haben dagegen kein direktes fossilbasiertes
Pendant und sollten anwendungsbezogen
ausgewählt werden. Sie sind nicht per se
besser oder schlechter, sondern einfach andere
Werkstoffe mit eigenen Stärken und Grenzen,
die aber gerade dadurch auch große technische
Chancen bieten, z. B. aufgrund ihrer hohen Steifigkeit
und Festigkeit für Materialeinsparungen.
Wie nachhaltig ist das wirklich?
Biobasierte Kunststoffe können Vorteile bei
der Treibhausgasbilanz haben, weil ihr Kohlenstoff
nicht aus fossilen Lagerstätten stammt. Das
ist wichtig, wenn das Material am Lebensende
ganz oder teilweise verbrannt wird, was heute
immer noch der Standard im Gesundheitswesen
ist. Wie groß dieser Vorteil ausfällt, hängt jedoch
stark von Rohstoff, Prozessroute, Energieeinsatz
und End-of-Life ab. Bei gängigen Massenkunststoffen
und den verbreiteten technischen Kunststoffen
sehen wir regelmäßig Einspar potenziale
von 3 - 4 kg CO 2 e pro kg verwendetem Kunststoff
über den gesamten Lebenszyklus, oder 50 - 85 %
der durch Kunststoff verursachten Emissionen
- mit weiterem Verbesserungspotenzial durch
Recycling von Biokunststoffen.
Recycling
Denn Recycling und biobasierte Rohstoffe
sind keine Gegensätze. Wo Recycling technisch,
hygienisch und regulatorisch möglich ist, sollte
es genutzt werden, die thermoplastische Natur
der hier besprochenen Biokunststoffe erlaubt
ein mechanisches Recycling, auch chemisches
Recycling ist je nach Polymer über teils sehr effiziente
Routen möglich.
Von der Pflanze bis zum sicheren Medizinprodukt
Wo Neumaterial erforderlich ist oder Re cycling
an Grenzen stößt, können biobasierte Rohstoffe
eine sinnvolle Ergänzung sein. Gerade
in der Medizintechnik bleibt allerdings ein Teil
der Kunststoffströme aus regulatorischen Gründen
praktisch von mechanischem Recycling
ausgeschlossen – eine entsprechende Reinheit
und Rezepturkonstanz mit einem mechanischen
Rezyklat in großem Maßstab und über
lange Zeit zu erzielen, ist ein aktuell noch nicht
gelöstes Problem.
Nachhaltigkeit
Auch biobasierte Materialien sind nicht automatisch
nachhaltiger in jeder Wirkungskategorie.
Sie haben z. B. größere Auswirkungen
auf die Flächennutzung als fossile Kunststoffe.
Man kann sich mit ihnen aber näher an den
planetaren Grenzen bewegen als mit fossilen
Kunststoffen, wie Bachmann et al. Im Artikel
„Towards circular plastics within planetary
boundaries“ in Nature Sustainability zeigen.
In der Regel sind Biokunststoffe also umweltfreundlicher,
aber auch etwas teurer – die
Volatilität des Ölpreises in der aktuellen geopolitischen
Lage sollte man aber im Hinterkopf
behalten.
Der biobasierte Ursprung allein ist kein Qualitäts-
oder Nachhaltigkeitssiegel. Sein eigentlicher
Vorteil liegt darin, fossilen Kohlenstoff
teilweise oder vollständig ersetzen zu können,
und dabei ebenfalls eine ausgezeichnete
Patientensicherheit gewährleisten zu können.
Wenn der jeweilige Hersteller seine Hausaufgaben
in der Lieferkette gemacht hat, auch mit
passender Change-Control und Verfügbarkeit.
Fazit
Biobasierte Kunststoffe können in der Medizintechnik
ein Weg zu weithin sicheren, aber
signifikant nachhaltigeren Medizinprodukten
und Verpackungen ebnen. Für die Patientensicherheit
und regulatorische Compliance ist
der Kohlenstoffursprung nicht entscheidend.
Maßgeblich sind eine passende Materialauswahl,
stabile Prozesse, kontrollierte, sichere und
konstante Rezepturen, sichere Lieferketten und
eine belastbare Dokumentation. Nicht jeder Biokunststoff
bietet das, es gibt aber bereits eine
wachsende Auswahl am Markt. ◄
59
Digitalisierung
Digitale Identitäten und Produktpässe
sichern die MDR-Compliance
Die EU-Medizinprodukte-Verordnung verschärft Anforderungen an Daten, Rückverfolgbarkeit und Nachverfolgung.
Digitale Produktpässe, KI-Agenten und Identitätslösungen wie eIDAS 2.0 schaffen sichere Prozesse.
Bild von Gemini generiert.
Die EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR)
stellt hohe Anforderungen an Hersteller und
Unternehmen, die Medizinprodukte importieren
oder vertreiben. Nachweise, Rückverfolgbarkeit
und laufende Marktüberwachung bewirken
einen hohen Aufwand. Das zentrale Element
für die Nachverfolgung von Medizinprodukten
ist das UDI-System (Unique Device Identification).
Die „Basic UDI-DI“ (Basic Unique Device
Identifier – Device Identifier) bildet das verbindende
Glied zwischen Einträgen in EUDAMED
(Europäische Datenbank für Medizinprodukte),
Zertifikaten, Konformitätserklärungen und der
technischen Dokumentation.
Autor:
Dr. Carsten Stöcker
Geschäftsführer
Spherity GmbH
www.spherity.com/de
EU-Regeln erfordern
konsistente Produktdaten
Diese bereits ab 2026 geltende Regulierung
bringt der Medizintechnikbranche einen strukturellen
Wandel. Der Druck auf die Hersteller
oder Importeure wächst, konsistente Daten
über den gesamten Lebenszyklus hinweg bereitzustellen,
damit Rückverfolgbarkeit und Überwachung
lückenlos sind.
Konsolidierte und konsistente Daten sind
notwendig, um das Fehlerrisiko zu senken und
sichere, medizintechnische Anwendungen zu
ermöglichen. Ein wichtiges Werkzeug dafür ist
der Digitale Produktpass (DPP). Er ist ein zentrales
Element im Rahmen der Ökodesignverordnung
der EU (Ecodesign for Sustainable
Products Regulation, EPSR). Ein DPP stellt zu
einem Produkt strukturierte Informationen über
den gesamten Lebenszyklus bereit. Dazu gehören
Angaben zu Materialien, Herkunft, Reparierbarkeit,
Energieverbrauch und Entsorgung.
Transparenz und Nachhaltigkeit
Die Daten werden digital hinterlegt und sind
meist über einen QR-Code abrufbar. Hersteller,
Händler, Behörden und teilweise auch Nutzer
können so auf Informationen zugreifen. Ziel
ist mehr Transparenz und Nachhaltigkeit. Produkte
sollen langlebiger werden, leichter repariert
und besser recycelt werden. Damit unterstützt
der Produktpass die Kreislaufwirtschaft
und erleichtert die Einhaltung von EU-Vorgaben.
Der Digitale Produktpass
als zentrale Datenbasis
Im Laufe der nächsten Jahre wird der Produktpass
in vielen Branchen Pflicht, aber zunächst
nicht in der Medizintechnik. Hier gibt es mit
EUDAMED und MDR bereits vergleichbare
Regulierungen. Trotzdem ist es für die Hersteller
von Medizinprodukten sinnvoll, den digitalen
Produktpass zu nutzen, denn eine Anbindung
an EUDAMED ist einfach.
Ein DPP ist dann für den Hersteller ein übergreifendes
und umfassendes digitales Produktdossier.
Er bündelt UDI-bezogene Stammdaten
sowie andere Produktdaten, hält Architektur
oder Konstruktion, Versionen und Änderungen
nachvollziehbar fest und macht alle diese Informationen
maschinenlesbar verfügbar. Ein DPP
ist beliebig erweiterbar, spätere Anforderungen
lassen sich jederzeit ergänzen. Diese Dateninfrastruktur
lässt sich vergleichsweise leicht für
die Prozessautomatisierung nutzen.
Die Rolle der KI
Gleichzeitig übernehmen KI-basierte Systeme
viele operative Abläufe. In der Industrie
ist bereits erkennbar, wie KI-Agenten Aufgaben
übernehmen, Entscheidungen treffen und
Transaktionen auslösen können. Sie agieren
als digitale Stellvertreter innerhalb definierter
Grenzen und koordinieren komplexe Abläufe.
Für Hersteller von Medizinprodukten ist diese
Entwicklung von entscheidender Bedeutung.
Die Anwendungen decken ein breites Spektrum
ab und reichen von automatisierten Prüfprozessen
in der Qualitätssicherung bis zur Unterstützung
bei Vigilanz und Post-Market Surveillance.
Bild von Gemini generiert.
60 meditronic-journal 3/2026
Digitalisierung
© AdobeStock/pkproject
KI-Agenten
verändern operative Prozesse
KI-Agenten agieren in einem gewissen Maße
selbsttätig. Sie treffen Entscheidungen, lösen
Maßnahmen aus oder erzeugen automatisch
Dokumente, die den regulatorischen Anforderungen
entsprechen. Doch es gibt eine strukturelle
Lücke: Innerhalb einer umfassenderen
Prozessstruktur lassen sich beim Einsatz von
KI-Agenten Aktionen nicht eindeutig einer verantwortlichen
natürlichen oder juristischen Person
zuordnen.
Die Europäische Kommission hat ein Konzept
entwickelt, das diese Lücke schließt. Grundlage
ist die EU-Verordnung eIDAS 2.0. Sie hat das
Ziel, eine europaweit einheitliche Infrastruktur
für digitale Identitäten zu schaffen. Ihr zentrales
Element ist die „European Digital Identity Wallet“,
oder kurz die EUDI-Wallet. Sie speichert Identität
und Berechtigungen von Privatpersonen auf
einem Smartphone oder einem anderen sicheren
Gerät. In ihr lassen sich verschiedene digitale
Nachweise hinterlegen, etwa Personendaten,
Führerschein oder berufliche Qualifikationen.
European Business Wallet
Das Gegenstück für Unternehmen ist die European
Business Wallet (EBW). Sie ermöglicht es
Organisationen, ihre rechtliche Identität, Zertifikate,
Lizenzen und Rollen kryptografisch gesichert
zu verwalten und mit Partnern zu teilen.
Die gespeicherten Informationen sind als verifizierbare
Nachweise ausgelegt. Sie sind kryptografisch
signiert und damit manipulations sicher
sowie automatisiert prüfbar. Die Business Wallet
wird nach dem aktuellen Stand der Planungen
ab Ende 2027 eingeführt. Verpflichtend ist der
Einsatz anfangs nur für die öffentliche Hand. Für
Unternehmen ist die Nutzung zunächst freiwillig,
bringt aber bei Behörden den Vorteil einer
rascheren Authentifizierung beim Einreichen
von Dokumenten.
Mandate schaffen
kontrollierte Automatisierung
Diese Infrastruktur lässt sich direkt auf einen KI-
Agenten übertragen. Er erhält dabei eine eigene
digitale Kennung, die an die Identität des betreibenden
Unternehmens geknüpft ist. Daraus entsteht
eine Delegationskette: Ein Unternehmen
erteilt dem Agenten ein Mandat. Dieses Mandat
legt fest, welche Aufgaben er ausführen darf,
meditronic-journal 3/2026
welche Ressourcen er nutzen kann und welche
Grenzen gelten. Jede Handlung trägt eine kryptografische
Signatur und lässt sich bis zur juristisch
verantwortlichen Person zurückverfolgen.
Beispiele
Zwei Szenarien zeigen, wie das in einem
Unternehmen aus der Medizinproduktebranche
aussehen kann:
• Ein spezialisierter Compliance-Agent erhält
ein Mandat, das ihn berechtigt, EUDAMED-
Einträge zu aktualisieren und Surveillance-
Tickets zu erstellen. Doch seine Möglichkeiten
haben Grenzen: Er darf Konformitätserklärungen
nicht eigenständig signieren.
• Ein Beschaffungsagent kann beispielsweise
UDI-Stammdaten bei Lieferanten anfragen und
kleinere Bestellungen auslösen, aber keine
Lieferverträge über einen definierten Betrag
abschließen. Bei kritischen Entscheidungen
stoppt der Agent automatisch und übergibt
an einen menschlichen Entscheidungsträger.
Verknüpfung von Identität
und Produktdaten
Die Integration von European Business Wallet
und Digitalem Produktpass ermöglicht einen
identitäts- und rollenbasierten Zugang zu den
Produktdaten. Behörden, benannte Stellen, Lieferanten
oder interne Teams erhalten jeweils nur
die Informationen, die für ihre Aufgabe relevant
sind. Die Herkunft der Daten ist nachweisbar, die
Verifikation der Zugriffe erfolgt automatisch. Das
ist besonders wichtig, denn fehlerhafte Daten in
EUDAMED oder eine manipulierte technische
Dokumentation gefährden die Produktsicherheit
und können juristische Konsequenzen haben. Die
Verbindung von verifizierter Identität und Produktpass
bildet somit eine zuverlässige Basis
für regulatorische Verantwortung in der Medizintechnikbranche.
Hinzu kommen die Regeln
© AdobeStock/ Msthosneara
© AdobeStock/ Diego Maravilla
des EU AI Act. Dieser klassifiziert KI-Systeme,
die in Medizinprodukten oder darauf bezogenen
Prozessen eingesetzt werden, als Hochrisikosysteme.
Für sie gelten hohe Anforderungen an
Transparenz, Dokumentation und menschliche
Aufsicht sowie an die Rückverfolgbarkeit von
KI-Entscheidungen. Auch für diese Anforderungen
sind digitale Identitäten und die Wallet-
Infrastruktur ein passender technischer Rahmen.
Vertrauensinfrastruktur
als Wettbewerbsvorteil
Die regulatorischen Entwicklungen in Europa
geben die Richtung vor. Mit MDR, eIDAS und
digitalen Produktpässen entsteht ein technischer
und rechtlicher Rahmen. Spherity kombiniert auf
dieser Basis European Business Wallets, Digitale
Produktpässe und KI-Agenten. Unternehmen,
die frühzeitig passende Strukturen aufbauen,
haben Wettbewerbsvorteile durch transparente
und skalierbare Prozesse.
Für die Medizintechnik bedeutet das: Vertrauen
entsteht nicht mehr allein durch Dokumentation
und nachgelagerte Prüfungen. Es wird
zu einer Eigenschaft der digitalen Infrastruktur
selbst. Daten, Identitäten und Entscheidungen
sind miteinander verknüpft und jederzeit überprüfbar.
Wer diese Vertrauensarchitektur konsequent
aufbaut, schafft die Basis für Erfolg in
einem zunehmend regulierten Markt. ◄
61
Nachhaltigkeit in der Medizintechnik
Warum Pragmatismus wichtiger ist als Perfektion
In der Praxis bedeutet das:
Selbst kleine Anpassungen können erhebliche
Auswirkungen auf Zeit, Kosten und Marktzugang
haben. „In der Medizintechnik entscheidet nicht die
innovativste Idee über Nachhaltigkeit – sondern diejenige,
die sich sicher, wirtschaftlich und regulatorisch
umsetzen lässt“, so Dr. Silke Flotho-Westrup.
Nachhaltigkeit zeigt sich daher selten in radikalen
Innovationen, sondern vielmehr in kontinuierlichen
Optimierungen:
• reduzierte Materialverbräuche
• effizientere Produktionsprozesse
• gezielte Vereinfachung von Designs
Nachhaltigkeit in der Medizintechnik scheitert
selten an Ideen – sondern an der Regulierung.
Während viele Branchen zunehmend auf
CO 2 -Reduktion, Recyclingkonzepte und „grüne
Materialien“ setzen, steht die Medizintechnik
vor einem strukturellen Zielkonflikt: Patientensicherheit,
regulatorische Anforderungen und
Nachhaltigkeit lassen sich nicht immer gleichzeitig
optimieren.
„Die größte Herausforderung ist nicht, nachhaltiger
zu werden – sondern es unter regulatorischen
Bedingungen überhaupt zu dürfen“,
erklärt Dr. Silke Flotho-Westrup, Managerin
Quality Management & Regulatory Affairs bei
der MedNet GmbH.
Nachhaltigkeit
beginnt in der Entwicklung
Sie beginnt nicht bei der Verpackung. Ein häufiger
Irrtum in der Nachhaltigkeitsdebatte liegt
im Fokus auf sichtbaren Maßnahmen wie Verpackungsreduktion
oder Recycling. Diese sind
relevant, doch der größte Hebel liegt deutlich
früher im Produktlebenszyklus. Bereits in der
Entwicklungsphase werden Entscheidungen
getroffen, die den ökologischen Fußabdruck
maßgeblich bestimmen: Materialauswahl, Designkomplexität
und Herstellbarkeit.
MedNet GmbH
www.medneteurope.com
Ein effizient konstruiertes Produkt kann:
• Materialeinsatz reduzieren
• Produktionsprozesse vereinfachen
• Ausschussquoten senken
Gerade in der Medizintechnik ist dieser Ansatz
entscheidend. Änderungen im späteren Verlauf
sind oft nur mit erheblichem Aufwand möglich.
Ein vermeintlich einfacher Materialwechsel
kann umfangreiche Revalidierungen, zusätzliche
Tests und regulatorische Neubewertungen
nach sich ziehen.
Die Konsequenz: Nachhaltigkeit muss von
Anfang an mitgedacht werden und nicht als
nachgelagerte Optimierung.
Zielkonflikt: Patientensicherheit
versus Nachhaltigkeit
In kaum einer Branche stehen Nachhaltigkeitsziele
so stark im Spannungsfeld mit regulatorischen
Anforderungen wie in der Medizintechnik.
Viele Produkte sind bewusst als Einwegprodukte
konzipiert, um Infektionsrisiken
zu minimieren und eine gleichbleibende Qualität
sicherzustellen. Ansätze wie Wiederverwendung
oder Materialsubstitution müssen daher
nicht nur technisch, sondern auch regulatorisch
bewertet werden.
Hinzu kommt die europäische Medizinprodukte-Verordnung
(MDR), die hohe Anforderungen
an Stabilität und Nachweisbarkeit von
Materialien und Prozessen stellt. Änderungen
können dazu führen, dass bestehende Zulassungen
angepasst oder sogar vollständig neu
beantragt werden müssen.
Nachhaltige Lieferketten
Zwischen Idealismus und Realität: Auch Lieferketten
stehen zunehmend im Fokus nachhaltiger
Strategien. Gleichzeitig haben die vergangenen
Jahre gezeigt, dass rein idealistische Ansätze,
etwa eine vollständige Regionalisierung, in vielen
Fällen nicht umsetzbar sind. Stattdessen setzt
sich ein differenzierter Ansatz durch: transparente,
resiliente und diversifizierte Lieferketten.
Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Kontext
auch Risikominimierung. Stabile Lieferketten
verhindern Engpässe, reduzieren kurzfristige
Notfalllösungen und tragen damit indirekt zur
Ressourcenschonung bei.
Regulierung als Herausforderung –
und Chance
Die regulatorischen Rahmenbedingungen in der
Medizintechnik entwickeln sich kontinuierlich weiter.
Neben bestehenden Vorgaben wie der MDR
gewinnen Themen wie Umweltverträglichkeit und
Materialtransparenz zunehmend an Bedeutung.
Für Unternehmen ergibt sich daraus eine doppelte
Herausforderung: Einerseits sollen Nachhaltigkeitsziele
erreicht werden, andererseits muss die
regulatorische Sicherheit gewährleistet werden.
Gleichzeitig können regulatorische Entwicklungen
auch als Treiber wirken. Sie schaffen einen
strukturierten Rahmen, in dem nachhaltige Ansätze
systematisch integriert werden können. Ein entscheidender
Erfolgsfaktor ist dabei die frühzeitige
Einbindung regulatorischer Expertise, insbesondere
in Entwicklungs- und Beschaffungsprozesse.
Nachhaltigkeit braucht Systemdenken
Nachhaltigkeit in der Medizintechnik lässt
sich nicht durch Einzelmaßnahmen erreichen.
Sie erfordert einen realistischen, ganzheitlichen
Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Unternehmen, die Nachhaltigkeit frühzeitig
in Produktentwicklung, Lieferketten und regulatorische
Prozesse integrieren, schaffen nicht
nur ökologische Vorteile, sondern auch stabilere
und effizientere Strukturen. ◄
62 meditronic-journal 3/2026
962-140d-06.26 ©2026 Kistler Group
NCFQ: HIGH SPEED FÜGEN MIT EXAKTER
KRAFTMESSUNG UND
BESCHLEUNIGUNGSKOMPENSATION
Das hochdynamische elektromagnetische Fügesystem NCFQ mit präziser
piezoelektrischer Kraftmessung wurde speziell für extrem kurze Zykluszeiten entwickelt.
Dank integrierter Beschleunigungskompensation ermöglicht die NCFQ zuverlässige,
kraft-weg-überwachte Fügeprozesse auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten. Das
NCFQ Fügemodul ist damit die ideale Lösung für anspruchsvolle Montage- und
Fügeanwendungen in der Electrical & Electronics Industrie sowie in der Medizintechnik,
etwa bei der Fertigung von Insulinpens und Autoinjektoren – überall dort, wo höchste
Produktivität und reproduzierbare Qualität entscheidend sind.
www.kistler.com/servopresse
Precision RF microwave components
With fast service, personal support, and innovative RF
alternatives, Coaxicom provides high-quality connectivity
solutions for critical applications in industries such as
research, medical, aerospace, defense, and energy.
Explore Coaxicom’s
portfolio and benefits
Highlight products:
Custom cable assemblies
SMA, SMP, and MMCX connectors
RF adapters
Precision coaxial cables
Non-magnetic connectors for imaging
systems (MRI)
Large in-stock piece part for quick delivery
Products applicable in e.g.
Magnetic resonance imaging (MRI)
Computed tomography (CT)
Endoscopy
Ultrasound equipment
X-ray equipment
... and services
Customised designs, even for hard-to-find or
obsolete parts
Access to direct engineering support and
technical expertise
GET
IN TOUCH
TO LEARN
MORE!
CONTACT US TO FIND
THE PERFECT SOLUTION!
+49 (0) 7131 7810-0
de-sales@milexia.com
www.milexia.com/de