f+h fördern und heben 5/2026
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2884
05
Juli 2026
€ 20,00
1951–2026
TITEL
Smarte Sensorik schützt
10 Gefahrstofflager 24/7
KI muss sich am Förderband
06 beweisen
Schlechter Ruf kostet drei
28 von vier AMR-Aufträgen
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EDITORIAL
ARBEIT UND INFORMATION –
NEU GEDACHT
DIGITALE TRANSFORMATION
MACHT DAS LAGER VOM ABSTELL-
GLEIS ZUM TALENTMAGNETEN
Die technologische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte
prägte maßgeblich die Digitalisierung – heute treibt sie mit KI,
IoT und Echtzeitdaten in eine neue Dimension. Zu den großen
Profiteuren dieser Entwicklung gehört die Intralogistik:
Vernetzte Materialflüsse, Shuttle- sowie automatische Lagerund
Bereitstellsysteme, autonome mobile Roboter und digitale
Zwillinge bestimmen den Stand der Technik.
Information ist auf diesem Weg neben Arbeit, Boden und Kapital
zum vierten Produktionsfaktor avanciert. Künstliche Intelligenz
schickt sich an, der fünfte zu werden. Die einst gehegte Befürchtung,
der Mensch
rutsche dabei ins
Abseits, hat sich erneut
als Trugschluss
erwiesen. Zwar fallen monotone Tätigkeiten weg – dafür
entstehen anspruchsvolle Rollen: Systemsteuerer, Datenanalysten,
Robotik-Koordinatoren. Gerade angesichts des Fachkräftemangels
relativiert sich dieser Strukturwandel, denn die
Automatisierung entlastet den Arbeitsmarkt dort, wo ohnehin
kaum Personal verfügbar ist. Dennoch dürfen automatisierte
Systeme kein Eigenleben entwickeln; ihren Nutzen entfalten sie
erst durch flexible, KI-gestützte Strategien, die sich dynamisch
an Marktanforderungen anpassen. Das Lager, einst personalwirtschaftliches
Abstellgleis, ist längst zum hochqualifizierten
Arbeitsplatz mit Eigenverantwortung geworden.
Aus Sicht der Wettbewerbsfähigkeit kommt der digitalen
Transformation in der Logistik heute eine Schlüsselrolle zu – als
Antwort auf volatile Lieferketten,
E-Commerce-Druck, Nachhaltigkeitsziele
und den Wettlauf um
Sekundenlogistik. Wer hier zögert,
riskiert den Anschluss zu
verlieren. Wer investiert, gewinnt
Resilienz, Tempo und Talente.
Winfried Bauer
– Chefredakteur –
w.bauer@vfmz.de
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INHALT
EDITORIAL
03 Arbeit und Information – neu gedacht
PERSPEKTIVEN
75 JAHRE F+H SERIE
14 Meilensteine des Materialflusses
Eine Zeitreise in die Geschichte
der Fördertechnik
JAHRE
06 Intralogistik aus VC-Perspektive
KI muss sich am Förderband beweisen
08 Investitionslogik im Wandel
Nicht die Technik bremst die Automatisierung –
sondern die Integration
32 F+H NACHGEFRAGT bei Dr. Florian Heydenreich
Best-Fit statt Maximaltechnologie
36 Automatisierung im Bestand
Schrittweise statt sprunghaft – wie Logistikimmobilien
zukunftsfähig werden
38 Hafenlogistik im Wandel: Vom Einzelfahrzeug
zum digital vernetzten System
Flurförderzeuge im Ökosystem Terminal
08
PRODUKTE UND SYSTEME
10 TITELSTORY Gefahrstoffmanagement
Effizienzsteigerung und mehr Sicherheit durch
Digitalisierung und Automatisierung
24 Lagerautomatisierung im Lebensmittelhandel
Kreyenhop & Kluge steigert Logistikleistung mit
neuem Hochregallager
F+H EXTRA
19 Hygienic Design im Förderanlagenbau
Prozesse sicher gestalten – jeden Tag
22 Unitechnik bringt Tempo in die Geflügelbranche
Borgmeier automatisiert Logistik für rund
3.000 Behälter pro Stunde
32
19
38
IMPULSE
26 Erfolgsfaktoren moderner Visualisierungstechnik
Was Lichtlösungen heute leisten müssen
ANZEIGE
MARKT UND TRENDS
28 Investitionsentscheidungen in der Intralogistik
Ein schlechter Ruf kostet drei von vier Aufträgen
SERVICE
TITELBILD
Denios SE
42 Impressum
43 Vorschau auf Heft f+h 06/2026
AG I LIT Y
Der neue Linde Ri14 – Ri18.
Fokussiert auf das, was zählt.
Echte Performance beginnt mit Fokus. Aber nicht jeder Einsatz
erfordert maximale Leistung. Daher konzentriert sich der neue
Linde Schubmaststapler Ri14 – Ri18 auf das, was Mehrwert schafft:
auf kompakte Wendigkeit, intuitive Bedienung, Ergonomie und
Sicherheit. Entwickelt für Standardanwendungen, bei denen maximale
Wirtschaftlichkeit zählt.
→ linde-mh.de/agility-on-point
PERSPEKTIVEN
INTRALOGISTIK AUS VC-PERSPEKTIVE
KI MUSS SICH
AM FÖRDERBAND
BEWEISEN
Kapital fließt weiterhin in Automatisierung und
KI-gestützte Lösungen, doch die Bewertungskriterien
haben sich verschoben. Nicht mehr die
kühne Vision entscheidet, sondern Durchsatz,
Kosten pro Pick und die Zeit bis zum Return on
Investment. Der Beitrag zeigt aus Investorensicht,
wo künstliche Intelligenz in der
Intralogistik heute operativ greifbaren Mehrwert
liefert – und wo die Erwartungen weiterhin über
der Realität liegen.
Künstliche Intelligenz ist zu einem der meistverwendeten
– und zugleich missverstandenen – Begriffe in der Intralogistik
geworden. Für Investoren wie auch für Betreiber
stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob KI die Intralogistik
verändern wird, sondern wo sie bereits heute und in absehbarer
Zukunft einen messbaren Mehrwert liefert und wo die
Erwartungen noch über der Realität liegen.
Aus Investorensicht befindet sich die Branche in einer Phase
des disziplinierten Optimismus. Kapital fließt weiterhin in Automatisierung
und KI-gestützte Lösungen, doch die Bewertungskriterien
haben sich verschoben. Während in der Vergangenheit vor
allem kühne technologische Visionen bewertet wurden, steht
heute eine konsequent ergebnisorientierte Betrachtung im Fokus:
Durchsatz pro Stunde, Kosten pro Pick, Systemverfügbarkeit
und vor allem die Zeit bis zum Return on Investment (ROI).
DREI ANWENDUNGSFELDER MIT NACHWEIS-
BAREM MEHRWERT
Die überzeugendsten Anwendungsfälle für KI in der Intralogistik
sind nicht visionär, sondern operativ greifbar. KI schafft heute vor
allem in drei Bereichen einen nachweisbaren Mehrwert:
n Dynamische Lagerplatzoptimierung und Bestandssteuerung:
Machine-Learning-Modelle analysieren kontinuierlich Dreh
zahlen einzelner Stock Keeping Units (SKU), Auftragsmuster
und saisonale Schwankungen, um Lagerplätze optimal zuzuweisen.
Das reduziert Wegzeiten und steigert die Kommissionierleistung
– ohne zusätzliche Hardware.
n Predictive Maintenance und digitale Zwillinge: Moderne Plattformen
in integrierten Automatisierungslösungen nutzen
Echtzeit- und historische Daten, um Ausfälle vorherzusagen
(Predictive Maintenance) und Prozesse zu simulieren. Mit digitalen
Zwillingen lassen sich Durchsatzszenarien vorab testen,
Risiken reduzieren und Amortisationszeiten verkürzen.
n Robotik-Orchestrierung und Execution-Systeme: KI-basierte
Warehouse-Execution-Systeme koordinieren Robotikflotten
und priorisieren Aufgaben dynamisch – abhängig von Auslastung,
Dringlichkeit und Systemzustand. Die eigentliche Wertschöpfung
entsteht zunehmend in dieser Steuerungsebene,
nicht allein in der Hardware.
In Lagerumgebungen kann Automatisierung erhebliche Effizienzpotenziale
erschließen. Je nach Ausgangslage und Automatisierungsgrad
berichten Unternehmen von sinkenden Betriebskosten
von teils bis zu 40 Prozent, schnelleren Durchlaufzeiten und einer
höheren Prozessgenauigkeit. Vor allem robotergestützte Kommissioniersysteme
werden häufig mit Produktivitätssteigerungen und
kurzen Amortisationszeiten in Verbindung gebracht.
WAS LEISTUNGSSTARKE INTRALOGISTIK-
PROJEKTE 2026 AUSZEICHNET
Für Logistikverantwortliche ist die entscheidende Frage heute:
Was bewirkt Automatisierung tatsächlich? Erfahrungsberichte aus
automatisierten Lagerprojekten zeigen dabei wiederkehrende
Tendenzen. Goods-to-Person-Systeme können die Kommissionierleistung
in vielen Anwendungen um das Zwei- bis Dreifache
erhöhen. In der Praxis werden je nach Prozessdesign teilweise
mehrere hundert Picks pro Stunde und Arbeitsplatz erreicht. Automatisierte
Systeme reduzieren zudem manuelle Tätigkeiten und
senken den Personalbedarf in einzelnen Prozessschritten spürbar.
Die Amortisationszeiträume unterscheiden sich je nach Technologie,
Investitionsvolumen und Betriebsmodell deutlich:
n Autonome mobile Roboter (AMR) sowie Pick-Robotik: ein bis
drei Jahre
n Größere automatische Lager- und Bereitstellsysteme (Automated
Storage and Retrieval Systems, AS/RS): zwei bis drei Jahre
6 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
PERSPEKTIVEN
n Sortieranlagen: teilweise bereits nach zwölf bis 24 Monaten
amortisiert
Diese Kennzahlen bilden die Grundlage für Investitionsentscheidungen
– für Betreiber wie für Technologieinvestoren. Die Markterwartungen
hinsichtlich Rentabilität und Amortisationszeit steigen
kontinuierlich. In diesem Zusammenhang lässt sich auch
eine zunehmende Akzeptanz von Mietmodellen beobachten, mit
denen hohe Anfangsinvestitionen vermieden und der Return on
Investment aus Betreibersicht optimiert werden können.
„VIBE CODING“ IM LAGER: FLEXIBILITÄT ALS
WETTBEWERBSVORTEIL
Eine weniger offensichtliche, doch zunehmend diskutierte Entwicklung
im Bereich der Lagerlogistik ist der Ansatz des „Vibe
Coding“ für operative Prozesse. Gemeint ist damit eine stärker
softwarezentrierte Steuerungsebene, bei der sich Workflows weitgehend
ohne klassische Programmierung anpassen lassen – idealerweise
direkt durch operative Teams im Lager.
In diesem Kontext werden klassische Warehouse-Management-Systeme
(WMS) zunehmend um flexible Konfigurationsund
Automatisierungsschichten ergänzt, die Änderungen an Prozessen
schneller abbilden sollen als in traditionellen, stärker
regelbasierten Architekturen. Einzelne Anbieter, darunter auch
Startups wie pyck, arbeiten an entsprechenden Lösungen und
Konzepten.
Insgesamt deutet sich ein Wandel hin zu stärker softwaredefinierten
Lagerprozessen an. Dabei gewinnen kontinuierliche
Anpassung und Optimierung gegenüber klassischen, einmaligen
Großinvestitionen an Bedeutung.
INTEGRIERTE AUTOMATISIERUNG ALS
SKALIERUNGSHEBEL
Während „Vibe Coding“ auf Agilität zielt, steht integrierte Automatisierung
für Skalierbarkeit. Innovative Lösungen zeigen, wie
eng verzahnte Robotik, Software und Daten neue Leistungsniveaus
erschließen. Als Beispiel für ein eingesetztes System
kann das Skypod-System von Exotec dienen, das in unterschiedlichen
Logistikszenarien zur automatisierten Kommissionierung
genutzt wird.
In der Praxis lassen sich nach Anbieterangaben damit bis zu
fünfmal mehr Aufträge pro Stunde abarbeiten, während gleichzeitig
die Flächeneffizienz maximiert wird. Entscheidend ist die
digitale Integration: Betriebsdaten, WMS-Informationen und
Robotiksteuerung laufen in einer einheitlichen Plattform zusammen.
Auf dieser Basis lässt sich kontinuierlich optimieren – auch
durch KI-gestützte Entscheidungsprozesse.
WO KI NOCH AN GRENZEN STÖSST
Wir investieren dort,
wo KI ganze Branchen
nachhaltig mitgestaltet
– und nicht nur
Prozesse optimiert
THORBEN ROTHE,
Partner bei Iris
Trotz aller Fortschritte bestehen weiterhin Herausforderungen.
Viele Lager verfügen noch nicht über ausreichend strukturierte
KI-Reifegradmodell für die Intralogistik.
Erst ab Stufe 3 zahlt KI auf den Durchsatz ein
und integrierte Datenbestände. KI entfaltet ihr Potenzial jedoch
am besten in strukturierten Umgebungen. Unzureichende
Datenqualität ist daher eine häufige Hürde in der Umsetzung von
KI-Projekten.
Zudem gleicht kein Lager dem anderen, und unvorhergesehene
Situationen bringen die Generalisierungsfähigkeit aktueller
KI-Modelle schnell an ihre Grenzen. Nicht zu unterschätzen sind
schließlich der Integrationsaufwand und die Anbindung an
bestehende Softwaresysteme und Lagertechnik. Hier entsteht erfahrungsgemäß
der größte Aufwand.
REALISTISCHE EINFÜHRUNG: EVOLUTION STATT
REVOLUTION
Hinsichtlich der erfolgreichen Nutzung von KI in der Lagerautomatisierung
lassen sich vier Evolutionsstufen beobachten:
n Stufe 1 – Digitalisierung: Transparenz und WMS-Einsatz
n Stufe 2 – Automatisierung: Robotik und Fördertechnik
n Stufe 3 – Optimierung: KI-gestützte Steuerung
n Stufe 4 – Autonomie: selbststeuernde Systeme
Viele Unternehmen befinden sich aktuell zwischen Stufe zwei
und drei. Für Entscheider bedeutet das: KI ist kein isoliertes Projekt,
sondern ein Verstärker bestehender Systeme. Ohne stabile
Prozesse und valide Daten erhöht sie eher die Komplexität als
den Nutzen.
FAZIT: VOM POTENZIAL ZUR PRAXIS
Erfolgreiche Anbieter in der Intralogistik werden nicht durch die
beste KI allein gewinnen. Vielmehr zählt die Fähigkeit, messbaren
ROI und eine kurze Time-to-Value – also die Zeit bis zur
ersten spürbaren Wertschöpfung – nachzuweisen. Dies erfordert
einen effizienten und integrierten Ansatz, der Software, Robotik
und Daten sinnvoll kombiniert und skalierbar ist. KI dient dabei
nicht dem Selbstzweck. Entscheidend ist der nachweisbare
Mehrwert. Für Logistikverantwortliche empfiehlt sich daher eine
pragmatische Herangehensweise: dort starten, wo echte Engpässe
bestehen, Effekte konsequent messen und Lösungen erst dann
ausweiten, wenn sie im Pilotbetrieb belastbare Ergebnisse
liefern.
WB
Transparenzhinweis: Iris ist als Investor an den im Beitrag genannten
Unternehmen Exotec und pyck beteiligt
Fotos/Grafik: Iris, pyck/Grafik: KI-generiert
Autor: Thorben Rothe, Partner bei Iris, Berlin
www.iris.vc
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/05 7
INVESTITIONSLOGIK IM WANDEL
NICHT DIE TECHNIK BREMST DIE AUTOMATISIERUNG –
SONDERN DIE INTEGRATION
Autonome mobile Roboter, KI-gestützte
Steuerungssysteme, intelligente Lagertechnik
– technologisch ist die Logistik heute deutlich
weiter, als viele operative Realitäten vermuten
lassen. Dennoch gelingt es vielen Unternehmen
nicht, Automatisierung konsequent in die Fläche
zu bringen. Zwischen erfolgreicher Messe-Demo
und skalierbarer Umsetzung klafft häufig eine
erhebliche Lücke.
Das eigentliche Problem ist längst nicht mehr die Technologie.
Die Herausforderung liegt in der wirtschaftlich
tragfähigen Integration in bestehende Strukturen. Denn
in der Praxis entscheidet sich der Erfolg nicht am einzelnen
System, sondern an der Frage, ob Technologien in operative
Prozesse, IT-Landschaften und Investitionsstrategien eingebunden
werden können. Genau dort beginnt die eigentliche
Komplexität.
WARUM VIELE AUTOMATISIERUNGSPROJEKTE
STECKEN BLEIBEN
Die Logistikbranche steht unter enormem Druck. Fachkräftemangel,
volatile Märkte, steigende Anforderungen an Geschwindigkeit
und Transparenz sowie zunehmende Unsicherheiten in
globalen Lieferketten erhöhen den Transformationsbedarf spürbar.
Gleichzeitig werden Investitionsentscheidungen vorsichtiger
getroffen. Unternehmen müssen flexibler bleiben, Kapital gezielter
einsetzen und Risiken stärker kontrollieren.
Trotzdem wird Automatisierung vielerorts noch, wie ein klassisches
Investitionsprojekt behandelt: hoher Capex, lange Abschreibungszeiträume,
komplexe Freigabeprozesse. Der Fokus
liegt häufig auf Anschaffungskosten statt auf langfristiger operativer
Wirkung.
Genau darin liegt ein zentraler Fehler. Denn Automatisierung
ist heute keine isolierte Maschinenentscheidung mehr, sondern
Teil einer strategischen Infrastrukturentwicklung. Wer ausschließlich
den Kaufpreis bewertet, unterschätzt häufig Themen
wie Integrationsaufwand, spätere Skalierung oder technologische
Weiterentwicklung.
Hinzu kommt ein weiteres Muster: Pilotprojekte funktionieren
technisch oft sehr gut – der anschließende Rollout über
mehrere Standorte bleibt jedoch aus. Nicht weil die Technologie
8 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
PERSPEKTIVEN
versagt, sondern weil organisatorische Voraussetzungen fehlen.
Budgets sind gebunden, interne Ressourcen begrenzt oder die
Systemarchitektur wurde nicht auf Skalierung ausgelegt. So entstehen
erfolgreiche Einzellösungen – aber keine nachhaltige
Transformation.
SKALIERBARKEIT IST WICHTIGER ALS DER
SHOWEFFEKT
Vor allem auf Messen zeigt sich häufig die beeindruckende Leistungsfähigkeit
einzelner Technologien. Für den nachhaltigen Erfolg
entscheidend ist jedoch etwas anderes: die Fähigkeit, Systeme
langfristig in bestehende Prozesse zu integrieren und flexibel
weiterzuentwickeln.
Skalierbarkeit bedeutet heute vor allem modulare Systemarchitekturen,
offene Schnittstellen und flexible Erweiterbarkeit.
Entscheidend ist dabei in erster Linie die Brownfield-Fähigkeit –
also die Integration in bestehende Strukturen statt ausschließlich
in neu geplante Greenfield-Standorte. Denn die Realität vieler
Unternehmen besteht aus gewachsenen Systemlandschaften und
laufendem Betrieb. Genau dort müssen Automatisierungslösungen
greifen.
Ein leistungsfähiger Roboter allein ist daher noch kein tragfähiges
Automatisierungskonzept. Erst das Zusammenspiel aus Technologie,
Datenintegration, Prozessdesign und wirtschaftlicher
Steuerung schafft echten Mehrwert.
AUTOMATISIERUNG BRAUCHT NEUE
INVESTITIONSLOGIKEN
Besonders deutlich wird das beim Thema Finanzierung. Viele
Unternehmen wollen automatisieren, gleichzeitig sind Investitionsspielräume
begrenzt. Unsicherheiten bei Marktentwicklungen
oder zukünftigen Anforderungen erhöhen zusätzlich die Zurückhaltung.
Daher verändern sich derzeit die Anforderungen an Investitionsmodelle
grundlegend. Die zentrale Frage lautet immer seltener:
„Lohnt sich die Technologie?“ Viel häufiger geht es inzwischen
darum: „Wie beweglich bleiben wir dabei?“
Genau hier gewinnen nutzungsbasierte Modelle zunehmend
an Bedeutung. Konzepte wie Automation-as-a-Service oder Miete
entkoppeln Technologieeinsatz von hohen Anfangsinvestitionen.
Unternehmen zahlen nicht primär für den Besitz einer Anlage,
sondern für deren operative Nutzung und Wirkung.
DIE GRÖSSTE HÜRDE DER
AUTOMATISIERUNG IST SELTEN
DIE TECHNISCHE MACHBARKEIT
Das reduziert Kapitalbindung, schafft Planbarkeit über den Lifecycle
und erlaubt schrittweise Skalierung. Vor allem aber entsteht
neue Handlungsfähigkeit: Systeme lassen sich flexibel erweitern
und an veränderte Anforderungen anpassen, ohne jedes Mal
neue Großinvestitionen auslösen zu müssen.
AUTOMATISIERUNG ENDET NICHT AM HALLENTOR
Viele Potenziale erschließen sich erst, wenn Prozesse entlang der
Supply Chain digital miteinander verbunden werden. In vielen
Unternehmen existieren aber noch immer isolierte Systeme: La-
n Technologie ist nicht mehr das Hauptproblem: Autonome
mobile Roboter, KI-gestützte Steuerungen und
intelligente Lagertechnik funktionieren zuverlässig – die
eigentliche Hürde liegt in der wirtschaftlich tragfähigen
Integration in gewachsene Strukturen, IT-Landschaften
und bestehende Investitionsstrategien.
n Pilotprojekte scheitern beim Rollout: Technisch
erfolgreiche Showcases lassen sich häufig nicht über
mehrere Standorte skalieren, weil Budgets gebunden,
interne Ressourcen begrenzt und Systemarchitekturen
nicht auf Brownfield-Integration in laufende Betriebe
ausgelegt sind.
n Nutzungsbasierte Modelle verändern die Investitionslogik:
Konzepte wie Automation-as-a-Service oder Miete
entkoppeln den Technologieeinsatz von hohen Anfangsinvestitionen,
reduzieren die Kapitalbindung und lassen
sich schrittweise skalieren, ohne wiederkehrende Großinvestitionen.
n Automatisierung endet nicht am Hallentor: Erst die
digitale Vernetzung entlang der Supply Chain mit
modularen Architekturen, offenen Schnittstellen und
durchgängiger Datenintegration verhindert Reibungsverluste
durch isolierte Systeme und manuelle Übergaben
zwischen Prozessschritten.
gertechnik ohne Echtzeitdaten, Transportprozesse ohne durchgängige
Schnittstellen oder manuelle Übergaben zwischen einzelnen
Prozessschritten. Dadurch entstehen Reibungsverluste,
die sich auch durch moderne Einzeltechnologien nur begrenzt
kompensieren lassen. Deshalb muss Automatisierung immer als
Teil einer übergeordneten Technologiearchitektur verstanden
werden – nicht als isoliertes Einzelprojekt.
SKALIERUNG IST AM ENDE EINE MANAGEMENT-
AUFGABE
Die größte Herausforderung der Automatisierung ist heute selten
die technische Machbarkeit. Entscheidend ist vielmehr, Technologie-,
Betriebs- und Finanzstrategie sinnvoll miteinander zu verbinden.
Erfolgreiche Skalierung entsteht dort, wo standardisierte
Prozesse, belastbare Datenintegration und wirtschaftliche Transparenz
zusammenspielen.
Die Logistik verfügt heute über leistungsfähige Technologien.
Entscheidend wird künftig sein, wie konsequent Unternehmen
deren Einführung organisatorisch und wirtschaftlich vorantreiben.
Nicht der Showeffekt entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit
– sondern die Kompetenz, Innovation dauerhaft in die Fläche
zu bringen.
Autor: Dirk Matura, Managing Director Industrial Solutions, CHG-Meridian
AG, Berlin
Foto: CHG-Meridian
www.chg-meridian.com
AUF EINEN BLICK
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/05 9
PRODUKTE UND SYSTEME
TITELSTORY
GEFAHRSTOFFMANAGEMENT
EFFIZIENZSTEIGERUNG UND MEHR SICHERHEIT
DURCH DIGITALISIERUNG UND AUTOMATISIERUNG
Die Anforderungen an ein sicheres und effizientes Gefahrstoffmanagement steigen
stetig. Neue Technologien und gesetzliche Vorgaben führen zu einem kontinuierlichen
Wandel in der Gefahrstofflagerung. Wer aktuelle Standards einhält, kann die
Arbeitssicherheit erhöhen und zugleich betriebliche Effizienzpotenziale erschließen.
Denios (Bad Oeyn hausen), Anbieter für die Lagerung und den Umgang mit
Gefahrstoffen, verfolgt das Ziel, Arbeitsplätze sicherer und Prozesse nachhaltiger zu
gestalten. Wie Digitalisierung und Automatisierung dazu beitragen, zeigen drei
Lösungen für Condition und Asset Monitoring: Sie beschleunigen Abläufe, reduzieren
den Ressourcenverbrauch und minimieren den Bedarf an manuellen Eingriffen.
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TITELSTORY PRODUKTE UND SYSTEME
Die IoT-Plattform Denios connect erfasst die Betriebszustände
von Gefahrstofflagern in Echtzeit. NarrowBand
IoT (NB-IoT) ist eine Mobilfunk-Netztechnologie für
diese Anwendung. Der weltweite Industriestandard basiert
auf LTE und nutzt die zugehörigen Sicherheitsmechanismen
nach 3GPP. Da die Technologie auf kleinere Datenmengen ausgerichtet
ist und auf nicht benötigte LTE-Funktionen verzichtet,
bietet sie eine kosteneffiziente Mobilfunk-Kommunikation. Die
Denios-connect-Produkte arbeiten autark über eine Narrow-
Band-IoT-Mobilfunkfrequenz. Überall dort, wo Telekommunikationsprovider
die Mobilfunkstandards LTE NB-IoT oder LTE Cat
M ausgebaut haben, können die vernetzten Produkte eingesetzt
SENSOREN SEHEN, WAS
MENSCHEN ENTGEHT
werden. Durch die kontinuierliche Erfassung relevanter Betriebsparameter
unterstützt das System die Einhaltung gesetzlicher
Sicherheitsanforderungen und trägt zur Optimierung betrieblicher
Abläufe bei. Das System bündelt alle Überwachungsfunktionen
in einer zentralen Oberfläche und reduziert damit
den administrativen Aufwand. Die Funktionsmerkmale im Überblick:
n 24/7-Monitoring: Permanente Überwachung aller relevanten
Zustände – auch zwischen den gesetzlich vorgeschriebenen
Prüfintervallen.
n Echtzeit-Alarmierung: Automatische Benachrichtigung per E-
Mail und/oder SMS auf Smartphone, Tablet oder Desktop-PC
– für eine sofortige Reaktion im Notfall.
n Zentrale Übersicht: Transparenz und Kontrolle über mehrere
Gefahrstofflager, Sicherheitsschränke und Auffangwannen
hinweg.
n Automatisierte Dokumentation: Exportierbare PDF-Reports
zur Integration in Audits und Nachweisführungen.
n Stabile Kommunikation: NarrowBand-IoT-Technologie sorgt
für Datenübertragung über das Mobilfunknetz – auch in abgelegenen
oder schwer zugänglichen Bereichen.
IOT-LECKAGE-WARNSYSTEM ENTLASTET
BETREIBER
01 Das Leckage-Warnsystem SpillGuard connect ist hersteller- und
ortsunabhängig, sodass beliebige Auffangwannen und Lager damit
ausgestattet werden können
02 In Kombination mit den Sensormodulen eNose und Surface
Temperature überwacht der AmbiGuard kritisch defekte
Lithium-Ionen-Akkus
Bislang mussten Unternehmen ihren Betreiberpflichten nachkommen,
indem sie regelmäßig alle Auffangwannen im Betrieb
einer Sichtkontrolle unterzogen und prüften, ob sich darin Flüssigkeiten
befinden. Eine Prozedur, die viel Zeit in Anspruch
nimmt: Ein Betrieb mit 20 Auffangwannen investiert mehrere
Stunden pro Woche in diese Routinekontrolle – hochgerechnet
auf ein Jahr entspricht das mehr als sieben Arbeitstagen. Diese
Arbeitszeit kann mithilfe des SpillGuard connect mit DIBt-Zulassung
anderweitig eingesetzt werden.
Dass flüssige Gefahrstoffe auslaufen, kann jederzeit passieren.
Wer das Gebinde auf einer Auffangwanne lagert, hat erst einmal
alles richtig gemacht: Die Wanne verhindert, dass ausgelaufene
Stoffe ins Erdreich gelangen. Häufig werden ausgelaufene Flüssigkeiten
in der Auffangwanne aber nicht sofort entdeckt – etwa,
wenn nicht ständig Personal anwesend ist. Unbemerkte Leckagen
bergen erhebliche Risiken, vor allem bei Stoffen, die gefährliche
Dämpfe freisetzen. Zudem muss die Funktionsfähigkeit der
Auffangwanne – einschließlich des gesetzlich vorgeschriebenen
Auffangvolumens – jederzeit erhalten bleiben. Bereits vorhandene
Flüssigkeiten können dieses Volumen reduzieren und die
Wirksamkeit der Wanne einschränken.
Das IoT-Leckage-Warnsystem SpillGuard connect detektiert
rund um die Uhr auslaufende Flüssigkeiten und meldet Leckagen
sofort – auch wenn kein Personal in der Nähe ist. Eine Statushistorie
sorgt für die Nachvollziehbarkeit von Meldungen. Mit der Lebensdauer-Batterie
ist ein wartungsarmer Betrieb mit einer Laufzeit
von bis zu fünf Jahren möglich. Das System ist hersteller- und
ortsunabhängig, sodass beliebige Auffangwannen und Lager damit
ausgestattet werden können. Die Medienbeständigkeit ist für
den Einsatz mit allen gängigen flüssigen Gefahrstoffen gegeben.
Nach einmaliger Registrierung des Unternehmens-Accounts
können die Geräte aktiviert werden. Der SpillGuard connect verfügt
zudem über die Ex-Schutzklasse Ex II 1G Ex ia ma IIB T4 Ga
und ist für die Ex-Zone 0 zugelassen. Vor dem Einsatz in einer Ex-
Zone hat der Betreiber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung
zu prüfen, ob und wo das Gerät verwendet werden darf.
ÜBERWACHUNG VON UMGEBUNGS-
BEDINGUNGEN
Mit dem AmbiGuard bietet Denios ein multifunktionales IoT-Gerät,
das kritische Situationen frühzeitig erkennt und den Betreiber
warnt. Durch integrierte Sensorik und die Möglichkeit zur Erweiterung
um bis zu zwei zusätzliche Sensormodule lässt sich
der AmbiGuard an individuelle Anforderungen anpassen. Zur
kontinuierlichen Zustandserfassung misst das Gerät Temperatur
und Luftdruck, registriert Bewegungen und Lageveränderungen
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/05 11
PRODUKTE UND SYSTEME
TITELSTORY
nen-Akkus und andere Gefahrstoffe im Lager rund um die Uhr
abgesichert.
In Kombination mit den Sensormodulen Input und Output unterstützt
der AmbiGuard bei der Vernetzung von Produkten. So
lässt sich die Lösung beispielsweise in Lithium-Ionen-Akku-
Lager- und Ladeschränken mit dem Sensormodul Input einsetzen,
um Alarmmeldungen von Rauchmeldern und Temperatursensoren
direkt an die Denios-connect-Webapplikation weiterzuleiten.
Diese Sensorik macht den AmbiGuard auch für mobile Anwendungen
interessant, etwa an Tankanlagen oder in Transportbehältern:
Werden Bewegungen oder Lageveränderungen registriert,
warnt das System sofort vor unbefugten Manipulationen
und schützt so vor Diebstahl, Vandalismus oder Beschädigungen.
03 Das System Real-time Asset Monitoring kann ab Werk in neue
Schränke integriert oder nachträglich eingebaut werden
über ein Gyroskop und bestimmt mithilfe von GPS den aktuellen
Standort. Bei Abweichungen generiert das Gerät automatisch
Alarmmeldungen und übermittelt sie per SMS oder E-Mail an
hinterlegte Empfänger. Eine aktive Subscription ist für die Nutzung
der AmbiGuard-Hardware zwingend erforderlich und umfasst
eine NB-IoT-Datenübertragung, den Zugang zur Deniosconnect-IoT-Plattform,
regelmäßige Updates und technischen
Support.
Für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen steht eine
Ex-geschützte Version zur Verfügung: Ex II 2 (1) G Ex ib mb [ia
Ga] IIB T4 Gb. Ergänzende Sensormodule erweitern das Anwendungsspektrum:
n Thermocouples-Modul: Misst Temperaturen über Thermoelemente
des Typs K.
n Surface-Temperature-Modul: Erfasst Oberflächentemperaturen
im direkten Kontakt.
n eNose-Modul: Überwacht mit CO- und VOC-Sensoren die Luftqualität.
n Input- und Output-Module: Binden externe Geräte an oder
steuern Alarmeinheiten direkt an.
Durch die modulare Konfiguration mit Sensormodulen eignet
sich der AmbiGuard für den Einsatz in Industrie und Lager. Beispielsweise
lässt sich das Gerät in Kombination mit den Sensormodulen
eNose und Surface Temperature in Transportbehältern
für Lithium-Ionen-Akkus einsetzen, um auch kritisch defekte Akkus
zu überwachen. So liefert die Lösung Informationen über die
Zustände im Inneren des Behälters und gibt Hinweise darauf, ob
ein Öffnen sicher ist oder nicht.
Auch in stationären Raumsystemen lässt sich der AmbiGuard
nachrüsten. Zusammen mit den Sensormodulen eNose und
Thermocouples entsteht ein Sicherheitssystem, das kontinuierlich
Gaskonzentrationen und Temperaturen überwacht und bei
kritischen Bedingungen Alarm auslöst. Damit sind Lithium-Io-
SICHERHEITSSCHRÄNKE MIT ECHTZEIT-ASSET-
MONITORING
Mit Denios Real-time Asset Monitoring wird der Sicherheitsschrank
Bestandteil eines digitalen Gefahrstoffmanagements.
Die Lösung kombiniert brandgeschützte Sicherheitsschränke mit
RFID-basierter Echtzeit-Inventarisierung und digitaler Zugangskontrolle.
Ob Gefahrstoffe, Elektrowerkzeuge oder Lithium-Ionen-Batterien
– das System erfasst automatisch, welche Gegenstände
entnommen, zurückgelegt oder genutzt werden. Jeder Artikel
erhält dazu ein RFID-Etikett mit integriertem Chip, das über
Leser und Antennen identifiziert wird. Alle Daten werden revisionssicher
dokumentiert und sind jederzeit abrufbar.
Mithilfe von personalisierten Zugangskarten haben ausschließlich
autorisierte Personen Zugriff auf die Sicherheitsschränke.
Im Portal lässt sich nachvollziehen, wer wann auf den
Schrankinhalt zugegriffen hat. So werden Unregelmäßigkeiten
wie unbefugte Entnahmen oder fehlendes Inventar erkannt. Darüber
hinaus unterstützt das System die Bestandsverwaltung: Verfügbarkeiten
und Nachbestellbedarfe sind in Echtzeit einsehbar,
Engpässe werden vermieden.
Die Nutzung des Real-time Asset Monitoring für Sicherheitsschränke
ist nur über eine aktive Subscription möglich. Alle erfassten
Daten werden in Echtzeit per Mobilfunk (LTE) an die Denios-connect-IoT-Plattform
übertragen. Erfasst und dokumentiert
werden Zugriffe durch berechtigte Personen sowie Materialbewegungen
in den Sicherheitsschränken. Berichte zu
Nachbestellungen, Lagerbewegungen und Inventarbeständen
werden automatisiert erstellt.
Das System kann ab Werk in neue Schränke des Herstellers integriert
oder nachträglich in ausgewählte Modelle ohne aufwendige
Umrüstung eingebaut werden. Aufgrund der Kommunikation
über ein eigenes Mobilfunknetz bleibt die interne IT-Infrastruktur
unberührt. Das Real-time Asset Monitoring ist vollständig
in die Plattform Denios connect integriert. Nutzer erhalten
eine einheitliche Oberfläche und können mehrere Schränke zentral
verwalten. Alle Vorgänge werden automatisch dokumentiert
und sind für Audits oder Sicherheitsprüfungen nachvollziehbar.
Die Integration unterstützt ein standortübergreifendes Asset Management.
WB
Fotos: Denios
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FÜR IHRE KERNAUFGABEN
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GANZ OHNE HOHEN INVEST
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Skyrack eignet sich perfekt
für kleinere und mittlere
Betriebe, die eine intelligente
Lösung für die Automatisierung
ihres Lagers suchen.
Der Clou: Das für Höhen von
sechs bis maximal 14 Meter
ausgelegte Regalbediengerät
(RGB) lässt sich in
nahezu jede Bestandimmobilie
integrieren.
„Bereits vorhandene Hallen
mit niedrigen Firsthöhen
lohnten sich bislang kaum
für automatisierte RGBs, da
deren hohen Kosten meist
sehr lange und sehr hohe Lagergassen notwendig
machen“, so Carsten Schmidt, Geschäftsführer des
Bereichs Fördersysteme von SEH Engineering. Mit der
jetzt erfolgten Einführung von Skyrack ändert sich das
schlagartig. Ab sofort kann jeder SEH-Kunde leer stehende
Werksareale für die Einrichtung eines hochmodernen
Palettenlagers nutzen. Das heißt: Er kann seine Prozesse
zu einem überschaubaren Invest um ein Vielfaches
effizienter gestalten. Dank „Predictive Stacking“, der von
SEH in-house entwickelten KI-basiertem Software-Steuerung,
verfügt das System über eine besonders smarte
Technik des parallelen Ein- und Auslagerns. Ein ausgeklügelter
Algorithmus sorgt dafür, dass das bis 60 Meter pro
Minute schnelle RBG – energiesparend – immer zwei
Stapelvorgänge miteinander kombiniert.
www.seh-foerdersysteme.de
EINE MILLION INDUSTRIEFAHRZEUGE
GELADEN
Weltweit sind mehr als eine Million Industriefahrzeuge mit der
konduktiven und induktiven Ladetechnologie der MOOV-Serie
von Delta ausgestattet. Zur installierten Basis zählen fahrerlose
Transportsysteme (FTS), autonome mobile Roboter (AMR),
Gabelstapler sowie
schwere Industriefahrzeuge
im 24/7-Betrieb.
Das Portfolio deckt
einen Leistungsbereich
von 1 bis 30 kW ab und
unterstützt kabelgebundene
und induktive
Ladekonzepte. Betreiber
können dadurch
unterschiedliche Ladestrategien umsetzen – von zentralen
Schnellladestationen bis hin zum dezentralen Opportunity
Charging. Die Systeme lassen sich in Flotten- und Energiemanagementplattformen
einbinden.
Mit den MOOVair-Wireless-Charging-Systemen ist während
kurzer Betriebspausen kontaktloses Laden ohne mechanische
Steckverbindungen möglich. Das reduziert Verschleiß und
Wartungsaufwand in Umgebungen mit Staub, Vibrationen und
hoher Auslastung. Die modularen Ladegeräte der MOOVbase-
Serie bilden eine skalierbare Schnellladeinfrastruktur; mit
ihnen wurden in Logistikbetrieben bereits mehr als eine
Milliarde Ladezyklen absolviert.
www.delta-emea.com
LOGISTIKDEPOTS LÜCKENLOS VERNETZT
ABSICHERN
Wachsende Paketmengen,
hochautomatisierte Sortierzentren
und ausgedehnte Hochregallager
erhöhen die Anforderungen
an die Sicherheitstechnik
in der Logistik. Brandlasten
durch dicht gestapelte Palettenwaren,
vielfältige Verpackungsmaterialien
und komplexe Fördertechnik steigern das
Ausfallrisiko; weitläufige Gelände mit zahlreichen Zugängen
begünstigen zudem Einbruch, Diebstahl und Sabotage.
Mit den Connected Services bündelt die Chubb Deutschland
GmbH Brandmelde-, Einbruch-, Überfall-, Video- und Zutrittssysteme
in einem zentralen Sicherheitsnetzwerk. Aufgeschaltet
sind die Systeme auf die zertifizierte Notruf- und Serviceleitstelle
in Dresden. Dort überwachen VdS-zertifizierte
Fachkräfte die angeschlossenen Standorte rund um die Uhr,
verifizieren Meldungen und reagieren nach definierten
Interventionsplänen.
In Paketdepots und Speditionslagern mit vielen Hallentoren
und wechselnden Betriebszeiten lassen sich Alarme aus der
Ferne bearbeiten und per Videoverifikation überprüfen. Die
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75 JAHRE F+H
SERIE
1951-2026
MEILENSTEINE DES MATERIALFLUSSES
EINE ZEITREISE IN DIE GESCHICHTE
DER FÖRDERTECHNIK
Moderne Fördertechnik ist immer häufiger Teil
einer komplexen Materialflusslösung, die
heterogene Systeme zusammenführt. Das heißt:
Sie wird immer stärker vernetzt und erfüllt
weitaus mehr als nur reine Transportfunktionen.
Gleichzeitig sind Systeme auf dem Vormarsch,
die autonom agieren und ein hohes Maß an
Eigenintelligenz mit sich bringen. Die
Weichenstellung dazu begann lange vor dem
digitalen Zeitalter, nämlich bereits in den
1950er-Jahren.
Fördertechnik spielt bei der fortschreitenden Automatisierung
eine zentrale Rolle. Nahezu alle Experten sehen in ihr
das Rückgrat vieler intralogistischer Prozesse. Den Ausgangspunkt
dafür bilden die technologischen Errungenschaften
der Nachkriegszeit. Beispielsweise führten Fortschritte
in der Elektrotechnik dazu, dass die ab 1946 in Serie produzierten
und sich auf breiter Front in der Intralogistik etablierenden Gabelstapler
nur zwei oder drei Dekaden später zum Teil von fahrerlosen
Transportsystemen (FTS) abgelöst wurden. Im Laufe des
21. Jahrhunderts haben sich diese wiederum zu autonomen, mobilen
Robotern (AMR) entwickelt.
Die Geschichte der Hängefördertechnik erfuhr vergleichbare
Entwicklungsstadien wie die der Flurförderzeuge: Die einfachen,
robusten Kreisförderer, die Ende des 19. Jahrhunderts in den
Schlachthöfen von Chicago die Arbeit erleichterten, sind aus gutem
Grund in moderner Form immer noch auf dem Markt. Für
kritische Umgebungen wie Lackieren und Beschichten erweisen
sie sich neben dem vom Kreisförderer abgeleiteten Power-and
Free-System als die beste Option. Trotzdem wächst die Zahl der
Anwender, die eine smarte Elektrohängebahn (EHB) favorisieren,
wenn es darum geht, über Kopf längere Distanzen zu überbrücken.
Mittlerweile sind zudem EHB-Systeme verfügbar, die aufgrund
ihrer Leichtbauweise auch für kleinere und mittlere Unternehmen
attraktiv sind.
Die Entwicklungsdynamik der exemplarisch angeführten Systeme
spiegelt den Trend zur Automatisierung wider. Dass dieser
nun ein neues Niveau erreicht, ist unverkennbar. Die Verschmelzung
von Robotik und Fördertechnik unter Einbeziehung von
künstlicher Intelligenz (KI) schreitet rasch voran. Mit den Worten
von Prof. Alice Kirchheim, Institutsleiterin am Dortmunder
Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und zuständig
für den Bereich Materialflusssysteme: „Heute ist Logistik
ohne moderne Kommunikationsstruktur und KI nicht denkbar.“
Hagen Schuhmann, Geschäftsführer der Klinkhammer Intralogistics
GmbH, Nürnberg, spricht stellvertretend für viele seiner Branchenkollegen,
wenn er sagt: „Die Zukunft der Fördertechnik wird
stark durch Digitalisierung, Robotik und autonome Systeme ge-
prägt. Wir erwarten eine weitere Zunahme von KI-basierten Optimierungen
sowie den verstärkten Einsatz von mobiler Robotik.“
DREI PARADIGMENWECHSEL VERÄNDERN DIE
INTRALOGISTIK
Der beschriebene Befund resultiert aus Transformationsprozessen,
die in den vergangenen 75 Jahren den innerbetrieblichen
Materialfluss – die spätere Intralogistik – von Grund auf veränderten.
Stefan Hayoz, Bereichsleiter Systeme der Gilgen Logistics
AG, Oberwangen/Schweiz, verweist auf drei fundamentale Paradigmenwechsel.
Der erste war seiner Ansicht nach der Schritt
vom manuellen Lager zum automatisierten Hochregallager. Wesentlich
dafür war das weltweit erste Regalbediengerät, mit dem
die in Offenbach beheimatete Stöhr Elevatorenfabrik (heute ein
Kern von Dematic) ab 1959 das Lager revolutionierte. 1961 entstand
bei Bertelsmann in Gütersloh das erste automatische
Hochregallager in Deutschland, zunächst noch mit Lochkarten-
FÖRDERTECHNIK BILDET DAS
RÜCKGRAT NAHEZU ALLER
INTRALOGISTISCHEN PROZESSE
Steuerung. Das markante Gebäude, das bis zu sieben Millionen
Bücher fasste, repräsentierte den neuen Maßstab für die Lagerkapazität
im Hochregalbau.
In die gleiche Zeit fällt eine Standardisierung, die neue Kräfte
innerhalb der Intralogistik freisetzte. 1961 unterzeichneten mehrere
europäische Eisenbahngesellschaften einen Vertrag, um einen
einheitlichen, tauschbaren Ladungsträger zu schaffen. Damit
war die „Europalette“ geboren.
Der zweite Paradigmenwechsel beinhaltete laut Hayoz den
Übergang vom starr geplanten Push- hin zum Pull-Prinzip. Die
Wurzeln der bedarfssynchronen Fertigungssteuerung reichen
ebenfalls bis in die 1950er-Jahre zurück, als sie von Taiichi Ohno
im Rahmen des „Toyota Produktionssystems“ formuliert wurde.
Ohno ließ sich dabei maßgeblich von der effizienten Bestandsfüllung
amerikanischer Supermärkte inspirieren. Produziert wird
erst, wenn ein tatsächlicher Bedarf oder eine Bestellung vorliegt.
Toyota konnte so nicht nur auf ein großes Lager verzichten, das
viel Kapital gebunden hätte, sondern auch flexibler auf Kundenwünsche
reagieren. Darüber hinaus ließen sich Überproduktion
und Verschwendung vermeiden. Dennoch hielt „Lean Production“
erst in den 1990er-Jahren im globalen Maßstab in der Automobilindustrie
seinen Einzug. Seitdem gelten dort Prinzipien wie
„just in time“ und „just in sequence“. Das Automotive-Vorbild
machte schließlich in weiteren Branchen Schule.
Den dritten Paradigmenwechsel beschreibt Hayoz als den
Übergang „von zentral geplanten zu modularen, vernetzten und
teils dezentral gesteuerten Systemen.“ Dieser Schritt resultierte
aus einer immer stärker IT-getriebenen Logistik. Insofern ist dieser
Paradigmenwechsel der Beginn der Digitalisierung, die ab
den späten 1980er-Jahren allmählich greifbar wird. Stichworte
wie „Warehouse Management“, „ERP-Integration“ und „dynamische
Lagerhaltung“ tauchen in dieser Phase zum ersten Mal auf.
14 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
SERIE
75 JAHRE F+H
Erster Gabelstapler von
Still („EGS 1000“)
1949
1948 1953
Erster Elektro-Vierradstapler von Jungheinrich
(„Ameise 55“)
Arthur M. Barrett stellt in Chicago das weltweit
erste FTS („Guide-o-Matic“) vor
Bereit für das Wirtschaftswunder: Wagner
(heute Still) präsentiert 1954 auf der Hannover
Messe sein „Schildkröte“-Sortiment – neun
Jahre vor dem ersten deutschen FTS
1954
Erster automatischer, induktiv geführter
Stapler von Jungheinrich („Teletrak“)
1962
1948 1963
Wagner liefert das erste FTS in Deutschland:
Bis 1969 folgten 15 „Indumat“-
Fahrzeuge in sieben Anlagen
Premiere des Barcodes (Strichcodes)
als standardisierter
„Universal Product Code“ (UPC)
1973
1948 1975
Mannesmann Demag (heute
Dematic) baut erste EHB mit SPS für
Universitätsklinikum Düsseldorf
Das „Man-Up“-Prinzip – der Bediener fährt
mit nach oben, um direkt am Regal zu
kommissionieren – markiert einen Wendepunkt
in der Kommissioniertechnik
1979
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/05 15
75 JAHRE F+H
SERIE
Toyota führt im Werk Motomachi
eine EHB ein („RAMRUN = Random
Access Monorail“ von Daifuku)
1983
Beim Blumenversteigerer Bloemenveiling Aalsmeer
(heute: Royal FloraHolland) in den Niederlanden geht
mit einer Schienenlänge von 18 km eine der weltweit
größten EHB-Anlagen in Betrieb
2002
1948 1991
Porsche stellt im Werk
Stuttgart-Zuffenhausen auf
„Lean Production“ um
Der Begriff „Intralogistik“ wurde erstmals
öffentlich vorgestellt. f+h war vor Ort und
berichtete über die Geburtsstunde eines
Begriffs, der heute aus der Branche nicht
mehr wegzudenken ist
30.JUNI
2003
1948 2004
Endmontage im Ford-Werk Köln:
Powertrain-Module für den Ford Fiesta
und Fusion schweben zur „Hochzeit“
in die heute noch existierende Halle Y
1948 2010
Ära des AMR beginnt als
Weiterentwicklung des FTS
Das EHB-System Skyrail – ursprünglich
für mittelständische Betriebe entwickelt
– findet inzwischen auch in der
Automobilindustrie Anwendung
2022
16 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
SERIE 75 JAHRE F+H
FÖRDERTECHNIKMUSEUM SINSHEIM –
TECHNIKGESCHICHTE ZUM ANFASSEN
Wer funktionsfähige Fördertechnik in ihrer historischen Dimension
erleben möchte, sollte sich nach Sinsheim aufmachen. Das dortige
Fördertechnikmuseum, vor über zehn Jahren auf dem Areal der ehemaligen
Firma Axmann Fördertechnik eingerichtet, zeigt auf einer Hallenfläche
von mehr als 2.500 m² Technik zum Anfassen. Highlights sind unter
anderem eine Briefsortieranlage der Deutschen Post, eine Untertagelok
aus dem Kohlebergbau und ein Schuhsorter, der viele Jahre in den USA im
Einsatz war. Besucher können die meisten Anlagen per Knopfdruck in
Gang setzen und so spielerisch erfahren, wie die jeweilige Technik in der
Praxis funktioniert. Vor allem in den nächsten Wochen lohnt ein Besuch:
Noch bis 12. Juli 2027 läuft die Sonderausstellung „… ohne Rollen und
Räder keine Fördertechnik“.
Hubtisch im Fördertechnikmuseum Sinsheim:
Die weltweit erste Hebebühne entstand um 1920
in den USA; ab den 1950er-Jahren wurden
standardisierte Hubtische zum Massenprodukt
Gleichzeitig wird Intralogistik vollständig plan-, mess- und steuerbar.
Parallel dazu erlangt das Variantenmanagement zur Beherrschung
der Produktvielfalt einen immer höheren Stellenwert.
Gleiches gilt für Tracking und Tracing, also die Sendungsverfolgung
und die Rückverfolgbarkeit von Liefer- und Warenströmen.
In der heutigen Form hat beides seinen Ursprung in den
1990er-Jahren, mit Vorläufen, die bis 1973 – Einführung des Barcodes
– zurückreichen.
VON DER „SCHILDKRÖTE“ ZUM ERSTEN
FAHRERLOSEN TRANSPORTSYSTEM
Ursprünglich sorgte Fördertechnik für eine einfache Punkt-zu-
Punkt-Verbindung, entlang der Material und Waren fortbewegt
wurden. Daneben ging es darum, menschliche Muskelkraft durch
eine Maschine zu ersetzen. Der vor dem Ersten Weltkrieg von
Ernst Wagner erfundene Handgabel-Hubwagen „Schildkröte“ illustriert
dieses Ziel noch sehr deutlich. Der 1917 von Eugene
Bradley Clark in Chicago gebaute „Tructator“, ein Vorläufer des
Gabelstaplers, läutet dann das Ende der manuellen Schlepperei
in der Intralogistik ein. 26 Jahre später schlug schon die Geburtsstunde
des FTS, als Arthur M. Barrett, dessen Firma 1986 in Mannesmann
Demag und später in Dematic aufging, mit dem „Guide-O-Matic“
das erste fahrerlose Flurfördersystem vorstellte.
DEUTSCHE PIONIERE: „INDUMAT“ UND
„TELETRAK“
In Deutschland gehörte die 1996 in Still eingegliederte Wagner
Apparatebau zu den FTS-Pionieren. Das Reutlinger Unternehmen
rüstete 1963 erstmals Hoch- und Niederhub-Flurförderzeuge
durch den Einbau elektronischer Komponenten (zum Teil
noch mit Röhrentechnik) auf fahrerlosen Betrieb um. Aus der
„Schildkröte“ wurde so der „Indumat“ – der Name des neuen Systems.
Anfangs folgte das Fahrzeug einem Farbstrich auf dem Boden.
Später nutzte der „Indumat“ Induktion zur Navigation: Im
Boden verlegte, von Wechselstrom durchflossene Leitdrähte
übernahmen die Spurführung. Der 1962 von Jungheinrich konstruierte
„Teletrak“, ein automatisch gesteuerter Gabelstapler, war
ebenfalls induktiv geführt. Beide arbeiteten zunächst vor allem
als Schlepper. Die zu einem Routenzug zusammengespannten
Anhänger ließen sich beim „Indumat“ automatisch abkuppeln.
Ein solches System fand früh den Weg ins Mercedes-Benz-Werk
Sindelfingen, wo es den Transport von schweren Bauteilen übernahm.
Andere Automobilhersteller nutzten bald darauf ebenfalls
FTS zur Prozessverkettung. Ab 1970 überwogen dort mit spezifischen
Lastaufnahmemitteln ausgestattete Einzelfahrzeuge, die
im Pulk verkehrten. Solche dienen heute vielfach als mobile
Montageplattform.
VOM FTS ZUM AUTONOMEN MOBILEN ROBOTER
SELBSTOPTIMIERENDE INTRA
LOGISTIK IST LÄNGST KEINE
SCIENCE-FICTION MEHR
Aufgrund stetiger Verbesserungen bei der Datenkommunikation
(Infrarot, Funk und schließlich WLAN) und bei den Batterien
zeichnete sich allmählich die typische FTS-Architektur ab. Als
Schlüsseljahr gilt 1995. Die damals aufkommenden neuen Navigationstechniken
(Magnetpunkt, Laser, Transponder) und der
Umstieg auf SPS und PC beschleunigten die Verbreitung des FTS
erheblich. In den folgenden 15 Jahren erschloss sich das FTS
zahlreiche Industriezweige und den Krankenhausbereich. Für
2010 schätzte Prof. Lothar Schulze – auf Basis einer nicht repräsentativen
Erhebung – den FTS-Bestand in Deutschland auf 3.000
bis 4.000 Anlagen mit 20.000 bis 25.000 eingebundenen Fahrzeugen.
Ab 2010 kamen zunehmend AMR zum Einsatz – als nächste
Evolutionsstufe des FTS. Aufgrund höherer Eigenintelligenz und
autonomer Navigation eignen sich die mobilen Roboter gut für
unstrukturierte Arbeitsumgebungen.
Die anfangs starke Häufung von FTS im Automotive-Sektor
überrascht nicht; denn die Automobilindustrie gilt nicht zuletzt
aufgrund der von Henry Ford 1913 eingeführten Fließfertigung
von jeher als Innovationsmotor bei Mechanisierung und Automatisierung.
Dazu passt, dass auch die EHB ihren Siegeszug in
der Automobilindustrie begann.
DIE ELEKTROHÄNGEBAHN: FLEXIBILITÄT AUF
DER SCHIENE
Bei der EHB erheben viele Erfinder den Anspruch auf die Urheberschaft,
darunter der Kölner Carl Eugen Langen, der ab 1892
mit seinem Einschienen-Konzept auch die Grundlage für die
Wuppertaler Schwebebahn legte. Fest steht, dass es die heutige
EHB ohne die Erfindung der Stromschiene durch Paul Vahle
(1912) nicht geben würde. Diese versorgt die EHB kontinuierlich
mit Energie. Im Gegensatz zum kettengebundenen Kreisförderer
und Power-and-Free-System verfügt die EHB über einzeln ange-
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/05 17
75 JAHRE F+H SERIE
NORMIERUNG, STANDARDISIE-
RUNG, PLATTFORMSTRATEGIE
Normierung, Standardisierung und Plattformstrategien
spielen für die Entwicklung der modernen Fördertechnik
eine zentrale Rolle. Wichtige Akteure dabei sind Forschungseinrichtungen
wie das Fraunhofer IML oder
einschlägige Branchenverbände. So ist zum Beispiel der
Begriff „Intralogistik“ – also die Organisation, Steuerung,
Durchführung und Optimierung aller logistischen
Prozesse, die sich innerhalb eines Betriebsgeländes
abspielen – 2003 maßgeblich vom VDMA geprägt worden.
Nach eigenen Angaben investiert kein europäischer
Verband mehr Geld und Zeit in die Normung als der
VDMA. Mit seinem allseits anerkannten Richtlinienwerk
setzt der VDI ebenfalls technische Maßstäbe. Er hat unter
anderem mit der C1-Richtlinie (VDI Rl-3643) aus dem Jahr
1998 für einen einheitlichen Standard bei der Elektrohängebahn
(EHB) gesorgt. Dies führte dazu, dass diese
Systemtechnologie danach außerhalb der Automobilindustrie
größere Akzeptanz fand. Mit der Erfindung des
„Multishuttle“ 2004 hat das Fraunhofer IML bahnbrechende
Arbeit auf dem Gebiet der Behälterfördertechnik
geleistet und damit die Prozesse heutiger Distributionszentren
maßgeblich mitgestaltet.
Auch einzelne Unternehmen verweisen darauf, Standards
vorangetrieben zu haben. Dies gilt etwa für Interroll. Der
Hersteller von Schlüsselprodukten für Intralogistik und
Automation war – wie das Unternehmen betont – in den
1990er-Jahren entscheidend an der Einführung der
24-V-Niederspannungstechnik für Förderrollen mit
integriertem Antrieb beteiligt. Interroll zählt zudem zu
den Unternehmen, die frühzeitig den Nutzen von
Plattformstrategien erkannt haben. Eine solche Plattformstrategie
basiert auf dem Prinzip der konsequenten
Modularität und Standardisierung, um flexible, skalierbare
und branchenübergreifende Intralogistik-Lösungen
bereitzustellen. Die von Interroll entwickelte „Modular
Conveyor Platform“ (MCP) gilt inzwischen als globaler
Industriestandard für den Transport von Stückgut und
Behältern. Daneben existieren dedizierte Plattformen
etwa für KEP-Dienste oder Paletten-Fördertechnik. Solche
Plattformen vereinfachen Software-Einbindung, Schnittstellen-Management
und Inbetriebnahme erheblich.
triebene Fahrzeuge, die sich selbstständig auf dem fest installierten
Schienenstrang bewegen und individuell steuern lassen. Ob
getakteter Fahrbetrieb, Verzweigung, Ein- und Ausschleusung,
Sortierung, Stapelung, Pufferung oder weitere Aufgaben – mithilfe
intelligenter Steuerung bewältigt eine EHB jede dieser Aufgaben.
SKYRAIL – EIN NEUES EHB-SYSTEM
Lange Zeit galt die EHB mit C1-Profil als konkurrenzlos. Seit 2022
existiert dazu eine Alternative. Skyrail, ein von SEH Engineering
aus Ostrhauderfehn neu entwickeltes EHB-System, setzt auf
Leichtbau, Kompaktheit und Energieeffizienz. Da die Fahrschienen
bis zu sechs Meter überspannen, benötigt Skyrail weniger
Stahlbau als das klassische EHB-System mit C1-Profil. Skyrail
bietet standardmäßig zudem eine Steigfähigkeit bis zu 30° ohne
Zusatzkomponenten und Reversierbarkeit in Vertikalstrecken. Je
nach logistischer Anforderung lässt sich das System mit einer
AMR-Flotte kombinieren: Dabei übernimmt die EHB den schnellen
Massenguttransport über längere Distanzen, während AMR
im Taxibetrieb für die Kommissionierung eingeteilt sind. Darüber
hinaus lassen sich beide Technologien mithilfe intelligenter
Prozess-Software in komplexe logistische Strukturen integrieren,
die sich bei Bedarf um weitere Fördertechnik ergänzen lassen.
AUSBLICK: DIE SELBSTOPTIMIERENDE
INTRALOGISTIK
Die aktuellen Herausforderungen in der Intralogistik sind vielfältig.
Das Spektrum reicht von Kundenwünschen wie Skalierbarkeit
und schnelle Projektrealisierung bis zum akuten Fachkräftemangel
und dem E-Commerce-Versprechen von „Same-Day-Delivery“,
die jeweils die Automatisierung vorantreiben. Der Trend zur
Brownfield-Installation entspricht einerseits dem Bedürfnis nach
mehr Nachhaltigkeit und beruht andererseits auf einer gewissen
Investitionszurückhaltung, die kostenintensive Projekte meidet.
Hinzu kommen neue regulatorische Anforderungen seitens der
EU, die ab 2027 relevant werden.
Gefragt sind Systeme, die die Voraussetzungen schaffen, um
die Effizienz- und Qualitätssteigerungen zu erreichen, die künftig
von der Fördertechnik erwartet werden. Dies bedeutet laut Sascha
Schmel, Geschäftsführer des VDMA-Fachverbands Fördertechnik
und Intralogistik, Frankfurt, zugleich: „Eine sich selbst
optimierende Intralogistik, die der Mensch überwacht, ist jedenfalls
nicht mehr nur Science-Fiction, sondern wird immer realistischer.“
Autor: Hans Jürgen Jüngling, freier Fachjournalist, Herrenberg
Fotos: Dematic, f+h-Archiv, Interroll, Jüngling, SEH Engineering, Still
Interroll präsentierte auf der Logimat 2026 seine Modular
Conveyor Platform – ein Beleg für die konsequente Plattformund
Standardisierungsstrategie des Unternehmens
75 JAHRE F+H –
DIE JUBILÄUMSSERIE
1951-2026
Anlässlich unseres 75-jährigen Bestehens rücken wir in
jeder Ausgabe dieses Jahres einen Themenschwerpunkt
der Intralogistik in den Fokus. In Ausgabe 6 widmen wir
uns der Digitalisierung in der Intralogistik – freuen Sie
sich auf fundierte Einblicke in Vergangenheit, Gegenwart
und Zukunft.
In den Ausgaben 3 und 4 haben wir bereits die Geschichte
der Lagertechnik sowie der Krane und Hebezeuge
nachgezeichnet. Sie haben die Beiträge verpasst? Beide
finden Sie jederzeit im jeweiligen E-Paper:
bitl.ly/fuh-26-lt und bit.ly/fuh-26-kt
18 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
EXTRA
FÖRDERTECHNIK IN DER
LEBENSMITTELINDUSTRIE
Hygiene, Effizienz und Tempo:
Die Lebensmittelindustrie stellt höchste
Anforderungen an die Fördertechnik.
Ob Tiefkühlkost, Frischeprodukte oder
Verpackungsgüter: Anlagen müssen nicht
nur leistungsstark und schnell sein, sondern
auch den strengsten Hygienestandards
genügen. In diesem Sonderteil zeigen wir,
welche Lösungen führende Hersteller für die
automatisierte Intralogistik anbieten – von
der Kommissionierung bis zur Palettierung.
Praxisnahe Berichte liefern wertvolle
Impulse für Ihre Investitionsentscheidungen.
Foto: Forbo Siegling
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/05 19
F+H EXTRA
FÖRDERTECHNIK IN DER LEBENSMITTELINDUSTRIE
HYGIENIC DESIGN IM FÖRDERANLAGENBAU
PROZESSE SICHER GESTALTEN –
JEDEN TAG
In der Lebensmittelindustrie stehen Förder- und Transportbänder
permanent unter hoher Belastung. Neben mechanischer Beanspruchung
wirken intensive Reinigungszyklen und aggressive Medien auf die
Anlagen ein; hinzu kommen steigende Anforderungen an
Dokumentation und Auditfähigkeit. Entscheidend ist daher nicht allein
die Materialauswahl einzelner Komponenten, sondern die Frage, wie
stabil hygienische Prozesse im täglichen Betrieb funktionieren.
F+H EXTRA
In hygienekritischen Anwendungen gewinnt die Oberflächenbeschaffenheit
der Transportbänder zunehmend an Bedeutung.
Sie beeinflusst, wie zuverlässig Produktrückstände entfernt
werden können, wie aufwendig Reinigungsprozesse ausfallen
und wie stabil Standzeiten und Prozesse im laufenden Betrieb
bleiben.
HYGIENE ZEIGT SICH IN DER PRAXIS
Ob ein Hygienekonzept praxistauglich ist, entscheidet sich nicht
im Datenblatt, sondern unter realen Produktionsbedingungen:
n bei häufigen Reinigungszyklen,
n unter hoher Taktung,
n im Kontakt mit Reinigungschemikalien sowie
n im Zusammenspiel von Material, Abstreifern und Handling.
Bereits kleine Oberflächenunregelmäßigkeiten können Auswirkungen
auf Reinigbarkeit und Verschleiß haben. Einfallstellen
oder mikroskopische Vertiefungen begünstigen Produktrückstände
und erschweren die vollständige Reinigung der Bandoberfläche.
Homogene Transportbänder vom Typ Siegling Fullsan der Forbo
Siegling GmbH aus Hannover verfügen deshalb über geschlossene,
gleichmäßige Oberflächen ohne Gewebeeinlagen
oder offene Strukturen. Dadurch entstehen deutlich weniger
strukturbedingte Anhaftungsbereiche. Das schafft die Voraussetzung
für eine reproduzierbare und kontrollierbare Reinigung.
Ziel ist es, hygienisch stabile Prozesse zu unterstützen.
OBERFLÄCHENQUALITÄT IM VERGLEICH
Im Rahmen einer optisch-digitalen Oberflächenanalyse wurden
verschiedene Bandoberflächen hinsichtlich Struktur, Einfallstellen
und möglicher Rückstandsbereiche untersucht. Ergänzend
wurde ein praxisnaher Reinigungstest durchgeführt: Eine defi-
20 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
01
01 Reinigungsvorgang an einem homogenen Transportband Siegling
Fullsan: Die geschlossene Oberfläche ohne Gewebeeinlagen verringert
Anhaftungsbereiche und unterstützt stabile Hygieneprozesse
02 Praxisnaher Reinigungstest: Eine definierte Menge Paste wird auf
das Transportband Siegling Fullsan aufgebracht und mit einem
Abstreifer entfernt – die geschlossene Oberfläche bleibt rückstandsarm
02
nierte Menge Paste wurde auf die Oberflächen aufgebracht und
anschließend abgestreift.
Dabei ergaben sich Unterschiede im Rückstandsverhalten der
getesteten Bandtypen. Bei Oberflächen mit ausgeprägteren Vertiefungen
verblieben sichtbare Produktrückstände nach dem Reinigungsvorgang.
In einem von Forbo Siegling durchgeführten
DIE BANDOBERFLÄCHE
ENTSCHEIDET ÜBER HYGIENE
UND ANLAGENVERFÜGBARKEIT
Vergleichstest zeigte Siegling Fullsan nach dem Abstreifvorgang
eine weitgehend rückstandsfreie Oberfläche.
Für die Betreiber wirkt sich dies unmittelbar auf die Prozesspraxis
aus. Geringere Rückstandsbildung erleichtert die Reinigung
und reduziert potenzielle hygienische Schwachstellen im
laufenden Betrieb.
AUSWIRKUNGEN AUF STANDZEIT UND
BETRIEBSSICHERHEIT
Welche Bedeutung die Oberflächenqualität in der Praxis hat, zeigen
Beispiele aus der Lebensmittelindustrie.
Bei der Heinrich Kühlmann GmbH, einem Unternehmen der
Feinkostbranche, beeinträchtigten Einfallstellen (Sink Marks) auf
den zuvor eingesetzten Bandoberflächen die Reinigbarkeit. In
Verbindung mit Abstreifern kam es zudem zu erhöhtem Verschleiß
und verkürzten Standzeiten. Nach der Umstellung auf Positive-Drive-Bänder
vom Typ Siegling Fullsan mit geschlossener,
gleichmäßiger Oberfläche verbesserten sich Reinigbarkeit und
Prozessstabilität im laufenden Betrieb.
Ein weiteres Beispiel stammt von einem Snackhersteller aus
Hessen. Dort führten hohe Temperaturen sowie chlorhaltige Reinigungsmedien
bei zuvor eingesetzten PVC-Bändern zu Materialproblemen
und instabilen Laufzeiten. Nach der Umstellung auf
den Bandtyp Siegling Fullsan erhöhte sich die Standzeit von rund
sechs Monaten auf mehr als 18 Monate. Gleichzeitig verbesserten
sich Reinigbarkeit und Betriebssicherheit der Anlage.
WIRTSCHAFTLICHKEIT ALS PROZESSFRAGE
Für Betreiber hygienekritischer Anlagen ist die Wirtschaftlichkeit
von Transportbändern nicht allein eine Frage des Anschaffungspreises.
Relevant sind vor allem die Auswirkungen auf den laufenden
Betrieb.
Lassen sich Bandoberflächen schneller und reproduzierbarer
reinigen, sinken Reinigungsaufwand und Stillstandszeiten.
Gleichzeitig verringert sich das Risiko ungeplanter Unterbrechungen
durch Verschleiß oder hygienebedingte Nacharbeiten.
Vor diesem Hintergrund verbindet Siegling Fullsan regulatorische
Konformität mit einer Oberflächenqualität, die im Betrieb
messbare Unterschiede schafft. Der Fokus liegt nicht auf einzelnen
Produkteigenschaften, sondern auf einem stabilen Hygienestandard,
der im täglichen Einsatz funktioniert.
WB
Fotos: Forbo Siegling
www.forbo-siegling.com
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/05 21
UNITECHNIK BRINGT TEMPO IN DIE GEFLÜGELBRANCHE
BORGMEIER AUTOMATISIERT LOGISTIK FÜR
RUND 3.000 BEHÄLTER PRO STUNDE
F+H EXTRA
Täglich 140.000 Hähnchen zerlegen, in
zahlreichen Varianten verpacken, etikettieren
und versenden – das stellt hohe Anforderungen
an die Intralogistik. Um die Grundlage für
weiteres Wachstum zu schaffen, hat das
Familienunternehmen Borgmeier Frischgeflügel
an seinem Stammsitz in Delbrück-Schöning ein
umfassendes Automatisierungsprojekt
umgesetzt. Generalunternehmer war
Unitechnik aus Wiehl.
Was 1903 als kleiner Resthof begann, ist heute ein bedeutender
Akteur der deutschen Geflügelbranche.
Borgmeier Frischgeflügel beschäftigt rund 630 Mitarbeiter,
erwirtschaftet 220 Millionen Euro Jahresumsatz
und beliefert über 300 Kunden im In- und Ausland mit
einem Sortiment von mehr als 10.000 Artikelnummern. Die
Spannweite reicht vom Wochenmarktstand bis zur Lebensmittelhandelskette
– mit entsprechend unterschiedlichen Anforderungen
an Verpackung, Etikettierung und Auslieferung.
PROZESSE AN DER KAPAZITÄTSGRENZE
2021 stießen die gewachsenen logistischen Strukturen zunehmend
an ihre Grenzen. Kommissionierung und Versand basierten
auf manuellen Abläufen mit Handscannern und waren räumlich
limitiert. Gleichzeitig verlangt die Geflügelbranche eine hohe
Prozesssicherheit: die Verarbeitung tausender Tiere pro Tag, eine
Vielzahl an Teilstücken und Varianten sowie kundenspezifische
Verpackungs- und Etikettieranforderungen. Hinzu kommen kurze
Reaktionszeiten – 70 Prozent der Bestellungen treffen am Vorabend
ein, 30 Prozent am selben Vormittag – sowie strikte Vorgaben
zu Kühlkette und Rückverfolgbarkeit.
„Die große Herausforderung in unserem Tagesgeschäft besteht
darin, dass wir bei einem Naturprodukt wie Geflügel erst während
der Produktion genau wissen, was wir zur Verfügung haben“,
erklärt Sebastian Borgmeier, Assistenz der Geschäftsführung. Gesucht
wurde daher eine skalierbare und ausfallsichere Lösung.
GESAMTLÖSUNG AUS EINER HAND
Nach einem intensiven Auswahlprozess fiel die Wahl auf Unitechnik.
Ausschlaggebend waren neben der Erfahrung in der Lebensmittelindustrie
vor allem das Angebot einer integrierten Gesamtlösung:
Planung, Lieferung und Realisierung des kompletten
Intralogistiksystems inklusive Lagerverwaltungssoftware, Steuerung
und Mechanik aus einer Hand.
Kernstück der Anlage ist ein Shuttle-Lager mit 31.200 Behälterstellplätzen.
Vier Gassen mit jeweils 26 Ebenen und 104 Shuttles
bewältigen eine sequenzierte Ein- und Auslagerung mit rund
22 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
FÖRDERTECHNIK IN DER LEBENSMITTELINDUSTRIE F+H EXTRA
01
01 Borgmeier verarbeitet rund 140.000 Tiere pro Tag – die schwankende Verfügbarkeit
eines Naturprodukts verlangt eine flexible, eng getaktete Intralogistik
02 Spiralförderer leiten die sequenziert ausgelagerten Warenträger
an die Kommissionierarbeitsplätze
02
3.000 Behältern pro Stunde – gesteuert durch das Lagerverwaltungssystem
UniWare. Ergänzend installierte der Generalunternehmer
eine Verschieberegalanlage für die Tiefkühllagerung mit
rund 4.700 Palettenstellplätzen.
TABLARE ALS EINHEITLICHER LADUNGSTRÄGER
Über eine Brücke gelangen Paletten, Kisten und Kartons automatisch
ins neue Logistikzentrum. Paletten werden entweder direkt
im Versandbereich bereitgestellt oder im Tiefkühllager bevorratet.
Kartons und Kisten gehen ins Shuttle-Lager, das weniger als
klassisches Lager, sondern als dynamischer Sortierpuffer fungiert
– die Ware verweilt dort meist nur wenige Stunden.
Für eine hohe Prozesssicherheit werden Kartons und Kisten
automatisch auf Tablare gesetzt. So arbeitet die nachfolgende
Förder- und Lagertechnik mit einem einheitlichen Ladungsträger.
Kartons werden vor dem Aufsetzen zusätzlich umreift. Bei
Abruf eines Auftrags lagert das System die Warenträger in der benötigten
Sequenz aus, trennt sie vom Tablar und leitet sie über
Spiralförderer an die darunterliegenden Arbeitsplätze. Dort stapeln
Kommissionierer die Ware gemäß den Vorgaben des Lagerverwaltungssystems
auf automatisch bereitgestellte Paletten. Eine
absenkbare Palettenstation sorgt für eine ergonomische Arbeitshöhe.
Das Lagerverwaltungssystem übernimmt zudem Materialflusssteuerung
und Anlagenvisualisierung. Die Mitarbeiter erhalten
Handlungsanweisungen über Bedienerdialoge und Staplerterminals.
KEIN STILLSTAND ERLAUBT
Über die in das Gesamtsystem integrierten Auszeichnungslinien
reagiert Borgmeier kurzfristig auf kundenindividuelle Anforderungen
für SB-Verpackungen. Die gebildeten Paletten variieren
stark in der Artikelzahl – je nachdem, ob sie für Wochenmarkthändler
oder Großabnehmer bestimmt sind.
Ein Großteil der Geflügelprodukte wird bereits am Tag der
Schlachtung versendet. Ausfälle wären daher besonders kritisch.
Die nötige Verfügbarkeit erreicht die Anlage über ein hohes Maß
an Redundanz: Förderstrecken, Heber, Umreifer, Arbeitsplätze
sowie Tablar- und Palettenhandling sind mehrfach ausgelegt und
auf neun Funktionsebenen verteilt. Auch im operativen Alltag
zeigt sich der Fortschritt: Neues Personal benötigt für die Einarbeitung
nur noch wenige Tage.
WB
Fotos: Unitechnik
www.unitechnik.com
WAS LOGISTIKENTSCHEIDER
MITNEHMEN KÖNNEN
1. Shuttle als Sortierpuffer denken
Bei Naturprodukten mit hoher Variantenvielfalt und
kurzer Verweildauer arbeitet ein Shuttle-System als
dynamischer Sortierpuffer wirtschaftlicher als ein
klassisches Langzeitlager.
2. Einheitlicher Ladungsträger vereinfacht
Automatisierung
Heterogene Gebinde (Kartons, Kisten) lassen sich leichter
automatisiert handhaben, wenn sie auf einen einheitlichen
Trägertyp – hier: Tablar – konsolidiert werden.
3. Redundanz ist im Frischebereich Pflicht, nicht Kür
Wo Kühlkette und Tagesfrische über die Vermarktbarkeit
entscheiden, sind Stillstände besonders teuer. Mehrfach
ausgelegte Technik auf mehreren Funktionsebenen
sichert die Verfügbarkeit ab.
4. Generalunternehmer-Modell reduziert
Schnittstellenrisiken
Mechanik, Steuerung und Software aus einer Hand
minimieren Reibungsverluste zwischen Gewerken – ein
Vorteil bei komplexen, eng getakteten Anlagen.
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01
LAGERAUTOMATISIERUNG IM LEBENSMITTELHANDEL
KREYENHOP & KLUGE STEIGERT LOGISTIK-
LEISTUNG MIT NEUEM HOCHREGALLAGER
Seit mehr als 90 Jahren handelt Kreyenhop & Kluge mit Lebensmittel-
Spezialitäten aus Asien und dem Orient. Um weiter wachsen zu können, bündelte
der Großhändler seine Logistik in einem neuen Zentrum in Oyten – und
automatisierte sie konsequent. Westfalia Technologies aus Borgholzhausen
realisierte als Generalunternehmer ein dreigassiges Teleskopgabelhochregallager
mit 11.000 Stellplätzen und einem Durchsatz von 100 Ladeeinheiten pro Stunde.
Ein cleveres Systempalettenkonzept sorgt dabei für eine hohe Zuverlässigkeit.
Das Sortiment von Kreyenhop & Kluge umfasst rund 3.500
Food- und Non-Food-Artikel bekannter Marken sowie
Neuentwicklungen in Partnerschaft mit Lieferanten.
Rund 250 Mitarbeiter in Einkauf, Qualitätssicherung, Lagerführung
und Transportlogistik stemmen das Tagesgeschäft –
inklusive eigener Lkw-Flotte.
Seit Anfang 2025 unterstützt ein automatisches, dreigassiges
Teleskoplagersystem den Betrieb: Mit einer Kapazität von rund
11.000 Stellplätzen optimiert die Anlage Lagerung, Kommissionierung
und Materialflüsse gleichermaßen.
MAXIMALE ZUVERLÄSSIGKEIT BEI HOHEN
TRANSPORT- UND LAGERGESCHWINDIGKEITEN
„Ziel des Unternehmens war, weiter zu wachsen“, erläutert Tim
Schön, Geschäftsführer der Kreyenhop & Kluge GmbH & Co. KG.
„Da dies am Hauptstandort nicht mehr möglich war, fiel die Entscheidung,
die Logistik in einem neuen Zentrum in Oyten, vor
den Toren Bremens, zu bündeln und zu automatisieren. Eine Herausforderung
waren dabei die oft mangelhaften Qualitäten von
Paletten aus dem Palettentausch sowie von Einwegpaletten, mit
denen die oft unpalettierten Waren aus Asien palettiert werden.“
Die Lösung beschreibt Stephan Bruns, Vertriebsleiter Technologien
& Systeme bei Westfalia: „Wir stützen die qualitativ minderwertigen
Lieferantenpaletten durch Systempaletten. Diese
verbleiben im System und schaffen durch die Unterpalettierung
auch bei hohen Transport- und Lagergeschwindigkeiten die Voraussetzungen
für eine maximale Systemzuverlässigkeit und -verfügbarkeit.“
Gefordert sei zudem eine Durchsatzleistung von
mindestens 100 Ladeeinheiten pro Stunde gewesen – eine Vorgabe,
durch deren Erfüllung Westfalia als Generalunternehmer den
Projektzuschlag erhalten habe.
24 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
PRODUKTE UND SYSTEME
02 03
Das Leistungsportfolio umfasste das dreigassige doppeltiefe
Hochregallager in Silobauweise, drei Regalbediengeräte mit Teleskopgabel-Lastaufnahmemittel,
Fördertechnik, SPS, Aktorik und
Sensorik sowie das Warehouse-Execution-System Savanna.NET
für kombinierte Lagerverwaltung und Materialflusssteuerung.
Die Anlage läuft im Zweischichtbetrieb – 16 Stunden täglich,
fünf Tage pro Woche. Das rund 70 Meter lange, 22 Meter breite
und 32,5 Meter hohe Lagersystem entstand in selbsttragender Silobauweise.
Nach Auftragserteilung 2023 ging das Lager Anfang
2025 in Betrieb. Auf 16 Ebenen bietet die Anlage Platz für rund
11.000 Ladeeinheiten. Drei Regalbediengeräte mit je 34 Doppelspielen
pro Stunde sorgen für eine hohe Zugriffsfrequenz; im Zusammenspiel
mit leistungsstarker Fördertechnik und schnellen
Schnittstellen erreicht die Anlage einen Gesamtdurchsatz von
100 Ladeeinheiten pro Stunde, sowohl in der Ein- als auch in der
Auslagerung.
DYNAMISCHER KREISLAUF FÜR DIE
UNTERPALETTIERUNG
DIE ANLAGE ATMET – SIE
VERSORGT SICH LAUFEND
MIT SYSTEMPALETTEN
In die umfangreiche Fördertechnik aus Rollen- und Kettenförderern
ist ein separater Materialfluss für Systempaletten im Epal-
Format integriert. Zwei automatische Palettenmagazine führen
Systempaletten zur Unterpalettierung ankommender Einweg-Ladehilfsmittel
in der Einlagerung zu und nehmen sie nach der Depalettierung
im Warenausgang wieder ab. Überschüssige Systempalettenstapel
werden automatisch im Lager zwischengepuffert
und bedarfsgerecht in die Palettenmagazine zurückgeführt. „Die
Anlage versorgt laufend alle Ladeeinheiten mit einem Systempalettenkontingent
– sie atmet gewissermaßen“, beschreibt Christian
Goltermann, Vertriebsleiter Software & IT bei Westfalia, diesen
logistischen Schlüsselvorgang.
MAXIMALE FLEXIBILITÄT, STRECKEN-, PLATZ-
UND ENERGIEEFFIZIENZ
Für Ladeeinheiten bis 1.200 mm Höhe (8.304 Stellplätze) und bis
2.100 mm Höhe (2.784 Stellplätze) im Format 900 × 1.300 mm mit
einem Gewicht von 100 bis 850 kg sind Lager- und Fördertechnik
sowie Stellplätze ausgelegt. Bei Bedarf lässt sich die Anlage erweitern.
In die Auslagerung integriert sind zudem ein automatischer
Haubenstretcher und ein automatisches Etikettiersystem.
Die Automatisierung verringert die benötigen Fahrzeuge für
den Lagerbetrieb im Vergleich zu einem staplerbedienten Lager
bei maximaler Kapazität durch eine Zugriffshöhe von ca. 30 Metern.
Für vollständige Lagertransparenz sorgt das Warehouse-
01 Mit dem dreigassigen Teleskopgabellager realisierte Westfalia
eine Durchsatzleistung von 100 Ladeeinheiten pro Stunde
02 Nach der manuellen Aufgabe der Ware übernimmt die Fördertechnik,
um sie automatisch in das Hochregallager einzuspeisen
03 Präzise, schnelle Übergaben und hohe Zugriffsfrequenzen
zeichnen das automatische Teleskopgabellager aus
Execution-System (WES) Savanna.NET, das die Westfalia-Anlage
steuert und nahtlos in das Gesamtsystem einbindet. „Das WES
vereint alle Funktionen für Lagerverwaltung und Materialflusssteuerung
in einer einzigen Instanz auf einer intuitiven Bedienoberfläche“,
fasst Goltermann die Softwarelösung zusammen.
ROBUSTE TECHNIK, EINFACHE WARTUNG, VOLLE
TRANSPARENZ
Die Westfalia-Technologie ist auf hohe Transportgeschwindigkeiten,
hohe Gewichte und hohe Zugriffsfrequenzen ausgelegt.
„Durch engmaschiges Anlagen-Monitoring und kontinuierliche
Modernisierung laufen Westfalia-Anlagen über Jahre zuverlässig“,
erläutert Bruns. „Moderne Antriebe, präzise Sensorik sowie
mehrfache Kontrollen bei der Aufgabe und auf den Lastaufnahmemitteln
verhindern Materialschäden an Ware und Ladehilfsmitteln
sowie Systemstörungen.“ Beschädigte oder fehlerhaft gepackte
Ladeeinheiten werden frühzeitig ausgeschleust.
Sämtliche Systemkomponenten sind für die Instandhaltung
optimal zugänglich. Die Regalbediengeräte sind mit Wartungsliften
ausgestattet, um alle Bereiche des Hochregallagers unabhängig
vom Lastaufnahmemittel schnell zu erreichen.
FAZIT: REIBUNGSLOSE INTEGRATION UND
ZUVERLÄSSIGER BETRIEB
Für den Großhändler hat sich die Investition ausgezahlt. „Wir haben
uns aufgrund der guten, fachkompetenten Zusammenarbeit
in der Vertriebsphase bewusst für Westfalia entschieden – und
wurden nicht enttäuscht“, zieht Schön ein positives Fazit. „Das
automatische Hochregallager ließ sich hervorragend in das neue
Gesamtlogistiksystem integrieren. Westfalia ist ein Logistikspezialist
mit kompetenten Mitarbeitern und einer hohen Fertigungstiefe.“
Regalbediengeräte, Fördertechnik, Steuerung und Lagersoftware
liefen zuverlässig, so Schön weiter. Das Servicekonzept
funktioniere gut, der Tagesbetrieb werde optimal unterstützt.
Und er ergänzt: „Die Entscheidung, mit Systempaletten zu arbeiten,
war genau die richtige. Auch daher läuft die Anlage im Zusammenspiel
mit der soliden Westfalia-Technik zuverlässig.“
3D-Visualisierung/Fotos: Westfalia Technologies, Anne Wirtz
www.westfaliaeurope.com
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IMPULSE
ERFOLGSFAKTOREN MODERNER VISUALISIERUNGSTECHNIK
WAS LICHTLÖSUNGEN HEUTE
LEISTEN MÜSSEN
Visuelle Signale schaffen Transparenz in
Logistikumgebungen, reduzieren Fehlerquoten
und unterstützen den Materialfluss. Damit
LED-Streifen und Signalleuchten in der Praxis
zuverlässig funktionieren, müssen sie
mechanisch robust, gut sichtbar, skalierbar und
in bestehende Steuerungslandschaften
integrierbar sein. Dieser Beitrag gibt einen
Überblick über die zentralen Anforderungen
– und zeigt, wann der Kommunikationsstandard
IO-Link die richtige Wahl ist.
Digitale und zunehmend automatisierte Logistikprozesse
erzeugen eine wachsende Informationsflut. Gleichzeitig
müssen Mitarbeiter diese Informationen unmittelbar erfassen
und darauf reagieren – unabhängig von Sprache,
Erfahrung oder Standort im Lager. Visuelle Signale übernehmen
dabei eine Schlüsselrolle: Sie machen Abläufe nachvollziehbar,
weisen auf Abweichungen hin und erleichtern die Orientierung.
Moderne LED-Streifen und Signalleuchten visualisieren Bestände,
kennzeichnen Störungen und unterstützen komplette Arbeitsabläufe.
Damit diese Systeme zuverlässig funktionieren,
müssen sie eine Reihe technischer und organisatorischer Anforderungen
erfüllen.
ROBUST, SICHTBAR, ANSCHLUSSFÄHIG,
SKALIERBAR
Logistikumgebungen stellen hohe Anforderungen an die eingesetzte
Technik. Vier Kriterien sind dabei ausschlaggebend.
1. Mechanische Belastbarkeit: Stöße, Vibrationen und Verschmutzungen
gehören in der Logistik zum Alltag. LED-Streifen,
Signalleuchten und Befestigungstechnik müssen diesen Einflüssen
dauerhaft standhalten. Eine bündige Integration in Trägerstrukturen
oder Profilnuten schützt zusätzlich vor mechanischer
Beanspruchung.
2. Sichtbarkeit unter wechselnden Bedingungen: Logistikbereiche
sind häufig großflächig und werden unterschiedlich ausgeleuchtet.
Reflexionen können die Erkennbarkeit zusätzlich beeinträchtigen.
Eine geeignete Kombination aus Lichtstärke, Farbwahl
und Abstrahlwinkel stellt sicher, dass Statusmeldungen unabhängig
von Standort und Blickwinkel eindeutig erkennbar
bleiben.
3. Anbindung an bestehende Systeme: In vielen Anlagen existiert
eine heterogene Infrastruktur mit unterschiedlichen Protokollen.
26 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
IMPULSE
01
02
„Signalisierungslösungen sollten sich auf einfache Weise an SPS,
Fördertechnik oder andere Anlagenkomponenten anbinden lassen“,
sagt Björn Müller, Produktmanager bei der item Industrietechnik
GmbH, Solingen. „Standardisierte Schnittstellen reduzieren
den Integrationsaufwand. Fehlende Standards hingegen
können die Installation deutlich erschweren.“
VISUELLE SIGNALE MACHEN
ABLÄUFE IN DER INTRA LOGISTIK
NACHVOLLZIEHBAR
4. Skalierbarkeit: Logistikanlagen verändern sich: Regale werden
versetzt, Förderstrecken ausgebaut, Abläufe neu organisiert. Signalisierungssysteme
müssen daher modular aufgebaut und leicht
erweiterbar sein, damit Anpassungen ohne umfangreiche Umbauarbeiten
oder lange Stillstandszeiten möglich sind.
IO-LINK: WANN SICH DER EINSATZ LOHNT –
UND WANN NICHT
01 Über IO-Link lassen sich Farben, Helligkeit und Blinkmuster des
Multi-Segment-RGB-LED-Streifens flexibel einstellen und an geänderte
Abläufe anpassen
02 Die richtige Balance zwischen Leistungsfähigkeit und Umsetzbarkeit
entscheidet über den Erfolg visueller Signalisierung in der Logistik
Für die Einbindung von Signalisierungslösungen in bestehende
Strukturen gewinnt der Kommunikationsstandard IO-Link zunehmend
an Bedeutung. Die digitale Punkt-zu-Punkt-Kommunikation
erweitert klassische Schalt- und Signalleitungen um drei
Funktionen:
n Individuelle Parametrierung: Farben, Helligkeit und Blinkmuster
lassen sich flexibel einstellen und an geänderte Abläufe anpassen
– ohne mechanische Modifikation oder neue Verdrahtung.
Vordefinierte Betriebsarten wie Markierleuchte, Füllstand,
Countdown oder Segmentanzeige erleichtern die Inbetriebnahme
auch ohne Programmierkenntnisse.
n Diagnose und Zustandsüberwachung: Signalisierungskomponenten
können Betriebsstunden, Temperaturen oder Gerätezustände
melden und damit Hinweise für Wartung und Fehlerprävention
liefern.
n Herstellerübergreifende Integration: Als standardisierte
Schnittstelle lässt sich IO-Link in etablierte Automationsumgebungen
einbinden und reduziert den Integrationsaufwand im
Zusammenspiel mit Sensoren und Aktoren.
Dem stehen praktische Einschränkungen gegenüber. Die Punktzu-Punkt-Verbindung
ist in der Praxis auf etwa 20 m begrenzt –
für große Logistikhallen oder weit verteilte Regalzonen ist sie
nicht immer ausreichend. IO-Link setzt zudem eine durchgängige
Systeminfrastruktur voraus: Fehlen IO-Link-Master oder ist
die Steuerungsebene nicht kompatibel, steigt der Aufwand für
Hardware-Erweiterungen. Schließlich erfordert die Parametrierung
entsprechendes Know-how; bei einfachen Signalaufgaben
wie einer Rot-Gelb-Grün-Anzeige kann der Einsatz überdimensioniert
sein.
Die Abwägung zeigt: Entscheidend ist nicht die fortschrittlichste
Technologie, sondern die passgenaue Lösung für die jeweilige
Umgebung.
INTEGRATION IN BESTANDSANLAGEN
Damit Signalisierungslösungen in gewachsenen Anlagen zuverlässig
funktionieren, sind drei Faktoren ausschlaggebend: die
mechanische Schnittstelle, die technische Anbindung und die
Anpassbarkeit an betriebliche Standards.
Modular aufgebaute Komponenten, die sich an unterschiedliche
Trägerstrukturen montieren lassen, reduzieren den Aufwand
für Umbauten an bestehenden Anlagen. Ebenso wichtig ist die
Unterstützung mehrerer Ansteuerungsarten, um Kompatibilität
mit heterogenen Bus- und Steuerungssystemen sicherzustellen.
Viele Unternehmen arbeiten mit eigenen Farbcodes oder definierten
Signalmustern. Individuelle Parametrierbarkeit ist daher
notwendig – nur so lassen sich Klarheit und Wiedererkennbarkeit
im Betrieb verlässlich erreichen.
Grundsätzlich gilt: Im Retrofit sind jene Lösungen am erfolgreichsten,
die bestehende Strukturen beibehalten, sinnvoll erweitern
und den laufenden Betrieb möglichst wenig beeinflussen.
FAZIT
Visuelle Signalisierung ist ein wichtiger Baustein für sichere und
effiziente Logistikprozesse. Entscheidend für den Erfolg ist die
richtige Balance zwischen technologischer Leistungsfähigkeit
und praktischer Umsetzbarkeit. Wer bei der Planung neben der
Technik auch die mechanische Integration, die vorhandene Infrastruktur
und die realen Arbeitsabläufe berücksichtigt, schafft
die Grundlage für messbare Verbesserungen bei Prozesssicherheit,
Fehlerquote und Mitarbeiterentlastung.
WB
Fotos: item
www.item24.com
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MARKT UND TRENDS
INVESTITIONSENTSCHEIDUNGEN IN DER INTRALOGISTIK
EIN SCHLECHTER RUF KOSTET DREI
VON VIER AUFTRÄGEN
Über die Auswahl geeigneter Anbieter entscheiden nicht nur
technische Leistungsdaten, sondern weitere zentrale Erfolgsfaktoren,
wie Bekanntheit, Image und Vertrauen. Letztere beeinflussen
Investitionsentscheidungen stärker als oft angenommen.
Der Markt für autonome mobile Roboter (AMR)
wächst dynamisch und wird zunehmend
unübersichtlich. Investoren sehen sich vor der
großen Herausforderung, Anbieter nicht nur
technologisch, sondern auch strategisch zu
bewerten. Der Beitrag analysiert die Bedeutung
von Image und Bekanntheit im Entscheidungsprozess
und zeigt auf, wie Referenzen, Markenwahrnehmung
und Positionierung den
Projekterfolg beeinflussen. Abgeleitet werden
Handlungsempfehlungen für Unternehmen, die
in AMR investieren möchten.
Weltweit priorisieren Volkswirtschaften die Integration
von Fabrikrobotern, da die Automatisierung zu
einem entscheidenden Instrument zur Steigerung
der Produktivität wird. Im globalen Automatisierungswettlauf
erreichten die westeuropäischen Länder 2024 einen
Rekordwert von 267 Robotern pro 10.000 Beschäftigte im verarbeitenden
Gewerbe – vor Nordamerika mit 204 Einheiten und
Asien mit 131 Einheiten. Dies geht aus dem Bericht „World Robotics
2025“ hervor, der von der International Federation of Robotics
(IFR) im April 2026 veröffentlicht wurde [1].
Autonome mobile Roboter (AMR) und fahrerlose Transportsysteme
(FTS) zählen zur Schlüsseltechnologie der Intralogistik.
Das starke Marktwachstum wird durch Fachkräftemangel und
den Bedarf an effizienter Intralogistik ausgelöst. Während FTS oft
spurgebunden sind, bieten AMR durch intelligente Sensoren
(SLAM-Technologie) höhere Flexibilität. Der Trend geht hin zu
flexibleren, KI-gestützten Systemen.
VOM TECHNOLOGIEVERGLEICH ZUR
VERTRAUENSFRAGE
Autonome mobile Roboter sind schon seit längerem mehr als ein
Innovationsthema; sie gehören in vielen Logistik- und Produktionshallen
zum operativen Alltag. Entsprechend ermutigt steigt
die Zahl der Anbieter – von etablierten Branchengrößen bis hin
zu agilen Start-ups.
Entscheidungsträger bei Investoren befinden sich in einem Dilemma,
denn die große Anzahl der Unternehmen stellt sie bezüglich
der Auswahl des richtigen Anbieters vor zentrale Probleme.
Da technologische Unterschiede zum Teil schwer vergleichbar
sind und sich Leistungsversprechen ähneln, gewinnen andere
Parameter an Bedeutung, welche die Komplexität reduzieren und
Vertrauen schaffen – vor allem bei Investitionen mit hoher strategischer
Tragweite. Worauf begründet sich das Vertrauen in einen
Lieferanten?
STUDIENBASIS: MATERIAL UND METHODE
OHNE VERTRAUEN KOMMT
KEIN AMR-ANBIETER IN DIE
AUSSCHREIBUNG
Für eine neutral angelegte, qualitative Untersuchung zum Markt
der autonomen mobilen Roboter wurden 1.850 Entscheidungsträger
aus dem Bereich Intralogistik per Zufallsstichprobe ausgewählt
[2]. Im Zeitraum von November 2024 bis März 2025 kontaktierte
das Forschungsteam die Teilnehmer in drei Versandwellen
über ihre personalisierte E-Mail-Adresse.
Über den Link im Anschreiben gelangten die Studienteilnehmer
auf den vollstrukturierten Fragenbogen und konnten mithilfe
von „Computer Assisted Web Interviewing“ (CAWI) die Beantwortung
der Fragen vornehmen. Die Rücklaufquote lag bei
16,1 Prozent oder 298 Rückläufer, davon füllten 37 (12,4 Prozent)
den Fragebogen teilweise und 209 vollständig aus (70,1 Prozent).
17,4 Prozent (52) brachen die Studie ab.
STUDIENABLAUF
Zunächst machten die Befragten Angaben zur Branche, Größe ihres
Unternehmens, zur eigenen Position und ihrer Entscheidungskompetenz
bezüglich der Investitionen im Bereich Intralogistik.
STRUKTURDATEN DER AUSWERTUNGS
STICHPROBE BRANCHENVERTEILUNG
Das Spektrum der Branchen zeigt Bild 01. Herauszuheben sind
die Logistikdienstleister (18,1 Prozent), gefolgt von der Automobil
industrie (12,6 Prozent) und dem Maschinenbau (11,8 Pro-
28 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
MARKT UND TRENDS
01 Branchenverteilung der Studienteilnehmer: Logistikdienstleister,
Automobilindustrie und Maschinenbau
stellen die größten Gruppen (n = 271)
zent). Den Rest bilden Branchen mit einstelligen
Prozentwerten.
UNTERNEHMENSGRÖSSE
Die Finanzkraft der befragten Unternehmen
hat für das untersuchte Marktsegment
einen relevanten Einfluss, da für die
Anschaffung von autonomen mobilen Robotern
und fahrerlosen Transportsystemen
größere Finanzvolumen benötigt
werden. Für die Unternehmensgröße wurde
stellvertretend die Anzahl der beschäftigten
Mitarbeiter erhoben, wobei die Befragten
aus sechs Beschäftigtenklassen
auswählen konnten, um ihr Unternehmen
einzuordnen. Eine rechtsschiefe Verteilung
der Stichprobe wird durch den großen
Anteil von 49,6 Prozent der Unternehmen
mit mehr als 1.000 Mitarbeitern illustriert.
24,8 Prozent der Unternehmen beschäftigen
mehr als 5.000 Mitarbeiter.
02 Position der Befragten im Unternehmen: Zwei Drittel
kommen aus dem Fachgebiet Logistik, 17 Prozent aus
der Führungsebene (n = 246)
POSITION UND ENTSCHEI-
DUNGSKOMPETENZ
IMAGE UND BEKANNTHEIT ALS
ENTSCHEIDUNGSFILTER
Bekanntheit und Ruf eines Unternehmens gelten als bedeutende
Erfolgsfaktoren – national wie international. Beide Größen bedingen
einander: Ohne Bekanntheit kein Image, aber ein starkes
Image verstärkt die Wirkung der Bekanntheit. Medienarbeit,
Sichtbarkeit und zunehmend auch Online-Bewertungen prägen,
wie ein Anbieter wahrgenommen wird. Positive Kundenstimmen
stärken das Vertrauen und gewinnen neue Käufer; negative können
potenzielle Kunden abschrecken.
Wie stark Image und Reputation Kaufentscheidungen beeinflussen,
belegt Bild 04 eindrücklich: 74,5 Prozent der Befragten
schließen den Kauf logistischer Produkte bei Anbietern mit
schlechtem Ruf kategorisch aus.
Entscheidungen über Investitionen mit großer Tragweite werden
nicht anhand nur eines Kriteriums getroffen. So reicht das
globale Image allein nicht aus, um im B2B-Markt zu bestehen.
Daher wurden den Studienteilnehmern 20 Lieferantenauswahl-
Die Position der Befragten im Unternehmen
wurde mit einer geschlossenen Frage
(vorgegebene Antwortkategorie) abgeklärt.
Aus der Führungsebene, zum Beispiel
Inhaber/Geschäftsführer (8,1 Prozent),
Niederlassungs- und Betriebsleiter
(8,9 Prozent), stammten insgesamt 17 Prozent
der Studienteilnehmer. Mit 67,5 Prozent
der Befragten wird das Fachgebiet
Logistik repräsentiert. In die Kategorie
Sonstige Leitungsfunktionen wurden Einkaufsleiter,
Projektleiter Einkauf eingeordnet
(Bild 02).
Die Ergebnisse zur Entscheidungskompetenz
und Lieferantenauswahl zeigt
Bild 03.
Den Studienteilnehmern wurden fünf
Investitionsfelder der Logistik vorgelegt.
Untersucht wurde dabei, ob sie entsprechende
Budgets allein oder gemeinsam mit anderen verantworten.
Besonders aufschlussreich sind die Angaben zu AMR/FTS:
7,6 Prozent der Befragten gaben an, hier allein zu entscheiden;
weitere 58,6 Prozent stimmen sich mit Kollegen ab. Zum Vergleich
lohnt ein Blick auf die Angaben zu den Bereichen Lagertechnik
und Infrastruktur.
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/05 29
MARKT UND TRENDS
kriterien zur Bewertung vorgegeben, die einerseits aus produktnahen
Parametern, andererseits aus Faktoren, zum Beispiel der
Kundenorientierung bestanden.
LIEFERANTENAUSWAHLKRITERIEN
Für die Investitionsentscheidung AMR/FTS wurden mit Investoren
20 Kriterien als relevant definiert, wobei deren Bedeutung
mithilfe einer 10-stufigen Skala (1 = völlig unwichtig, 10 = sehr
wichtig) bewertet werden konnte. Erreicht ein Kriterium 8 und
mehr Punkte, so ist von einer sehr hohen Bedeutung für Auswahl
03 Entscheidungskompetenz der Befragten: Bei AMR-/
FTS-Investitionen entscheiden 7,6 Prozent allein,
weitere 58,6 Prozent gemeinsam mit anderen Entscheidungsträgern
(n = 246)
eines Lieferanten auszugehen. Die Auswertung der Rückläufe ergibt:
„Mitarbeiterkompetenz“, „Kundenorientierung“, „Ersatzteilmanagement“
und „Customer Services“ sind für die Lieferantenauswahl
sehr wichtig, gleiches gilt für Qualitätsmerkmale der
Produkte, hier illustriert in Form der „Betriebssicherheit“, „Lebensdauer“
und „Leistungsfähigkeit“.
Besondere Bedeutung kommt dem Parameter Total Cost of
Ownership (TCO) zu. Da Automatisierungsprojekte in der Intralogistik
hohe Investitionen erfordern, sind die TCO für die Erfolgskontrolle
eines Projekts unverzichtbar.
In Bild 05 werden zehn besonders relevante Lieferantenauswahlkriterien
(Soll-Wert) den tatsächlichen Unternehmenswerten
(Ist-Wert) gegenübergestellt.
Deutliche Lücken zwischen Anspruch
und Wirklichkeit sind erkennbar.
Zur Orientierung gilt: Liegen Ist- und Soll-
Wert bei ≥ 8 Punkten und einer Differenz
von ≤ 0,5 Punkten, entsprechen sich beide
Werte. Liegt der Ist-Wert unter acht Punkten
und beträgt der Abstand zum Soll-Wert
mehr als 0,5 Punkte, wird das Anspruchsziel
verfehlt – mit spürbaren Folgen für die
Wettbewerbsposition.
Die Kriterien „Ersatzteilmanagement“,
„TCO“, „Kundenorientierung“ und „Customer
Service“ erreichen dieses Ziel als
Branchenwert nicht. Für betroffene Anbieter
besteht konkreter Handlungsbedarf –
wer hier nicht nachbessert, riskiert, bei
Projektausschreibungen nicht berücksichtigt
zu werden.
04 Bedeutung des globalen Images: Drei von vier
Investoren lehnen den Kauf logistischer Produkte bei
Anbietern mit schlechtem Ruf ab (n = 480)
IMAGE BEEINFLUSST DIE
KAUFENTSCHEIDUNG
Das positive Image eines Anbieters beeinflusst
die Kaufentscheidung – in allen skizzierten
Facetten (Bild 06). Da Entscheidungen
über Investitionen durch mehrere
Prozessbeteiligte kollegial vorgenommen
werden, konzentrieren sich die Mitarbeiter
auf ihren Kompetenzbereich.
Die Fachebene Logistik fokussiert sich
eher auf den Technologievergleich, während
das Management vermehrt Referenzen
und Berichte in Fachmedien berücksichtigt.
So wird zum Beispiel ein Besuch
von Referenzstandorten von den Entscheidungsträgern
genutzt, um sich vor Ort über
die Leistungsfähigkeit, die Betriebssicherheit
der Produkte sowie die Kundenorientierung
und die Customer Services zu informieren.
In den Gesprächen mit den Kollegen
werden positive und negative Erfahrungen
ausgetauscht, die helfen, das Projektrisiko
zu reduzieren. Zum Image tragen beide
Kategorien bei.
Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet
im Investorenunternehmen maßgeblich
das Change-Management. Wird es rechtzeitig
eingeleitet, lassen sich Widerstände
bei den Mitarbeitern vermeiden – durch
frühzeitiges Einbinden in den Entscheidungsprozess,
Schulungen und begleitende
Maßnahmen bei der Prozessumstellung.
Da am Ende die Skalierbarkeit über den
30 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
MARKT UND TRENDS
05
Soll-Ist-Vergleich: Bei Ersatzteilmanagement, TCO, Kundenorientierung und Customer
Services liegt die Branchenbewertung deutlich unter dem Anspruch der Investoren
langfristigen Erfolg entscheidet, kann eine
schrittweise Einführung des Projekts sinnvoll
sein, um nicht die Integration in bestehende
Prozesse zu gefährden. Für eine
flexible Erweiterbarkeit ist im Projektplan
zu sorgen.
06 Entscheidungskriterien bei der Auswahl von
Lieferanten autonomer mobiler Roboter und fahrerloser
Transportsysteme (AMR/FTS). Befragt wurden 209
Anwender
MARKE SCHLÄGT TECHNIK
Anbieter sollten ihr globales Image und
die relevanten Lieferantenauswahlkriterien
kennen, um sie gezielt in die Kommunikation
mit ihren Zielgruppen einzubeziehen.
Neben klassischen KPIs kommt der
Markenwahrnehmung (aktive und passive
Bekanntheit) ebenfalls eine hohe Bedeutung
zu, denn ohne Bekanntheit gibt es
kein (positives) Image. Da der Erfolg von
Projekten nicht allein von der Technologie
abhängt, sondern maßgeblich vom Vertrauen
und von der Wahrnehmung des
Anbieters, sind diese auf sehr gute Bewertungen
ihrer Kunden angewiesen.
Eine interessante Beobachtung im
AMR-Markt illustriert, dass Unternehmen
sich bewusst gegen ein „Full Automation“-
Narrativ entscheiden, um stattdessen auf
kollaborative Systeme zu setzen. Das Credo
lautet: „Jetzt geht es um Menschen und Roboter, die zusammenarbeiten.“
Diese Positionierung wirkt stark imagebildend,
weil dadurch Ängste bei Mitarbeitern im Unternehmen reduziert
werden.
PARTNERSCHAFT STATT LIEFERANTENBEZIEHUNG
Für Entscheider in der Logistik leiten sich daraus eindeutige
Handlungsempfehlungen ab: Sie sollten den Anbieter anhand
der skizzierten Kriterien auswählen und die Zusammenarbeit als
strategische Partnerschaft anlegen. Darüber hinaus empfiehlt es
sich, langfristige Roadmaps zu prüfen, die Innovationsfähigkeit
des Lieferanten zu bewerten und seine finanzielle Stabilität zu
analysieren.
Quellenangaben:
[1] https://ifr.org/ifr-press-releases/news/robot-density-surges-in-europe-asiaand-americas,
abgerufen am 26. Mai 2026
[2] n. n.: GMP-Europe: Studie „Image und Bekanntheit von Anbietern des
Marktsegments Robotik (AMR und FTS)“
Autor: Hans-Jürgen Upmeyer, Geschäftsleiter GMP Europe, Essen
Grafiken/Foto: GMP Europe/Aufmacherfoto: KI-generiert
www.gmp-europe.com
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/05 31
BEST-FIT STATT MAXIMALTECHNOLOGIE
Wie verändern künstliche Intelligenz, Resilienz anforderungen und neue
Nachhaltigkeits maßstäbe die Intralogistik? Im Gespräch mit der f+h-Redaktion
erläutert Dr. Florian Heydenreich, Geschäftsführer Sales & Service bei Still, warum
Automatisierung heute zum Hygienefaktor geworden ist, weshalb das Lastenheft
oftmals über Erfolg oder Misserfolg von Projekten entscheidet und welche Rolle das
Nvidia Omniverse künftig in der Lagerplanung spielen wird.
Herr Dr. Heydenreich, die f+h begleitet seit 75 Jahren die
Entwicklung der Fördertechnik und heutigen Intralogistik – und
damit zahlreiche Technologiesprünge. Wie hat sich aus Ihrer
Sicht unsere Branche in den vergangenen Jahren verändert, und
welche Themen werden die nächsten Jahre prägen?
Florian Heydenreich: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch
zum 75-jährigen Jubiläum – eine beachtliche Leistung,
und ich wünsche der f+h auch weiterhin viel Erfolg. Wenn ich
die Veränderungen der vergangenen Jahre einordnen soll, würde
ich drei große Themenfelder unterscheiden.
Das erste ist Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen
längst kein Marketing-Slogan mehr, sondern Teil der
Unternehmens-DNA.
Der zweite Punkt ist Passgenauigkeit und Differenzierung. In der
Vergangenheit gab es einen starken Trend, die Technologie immer
weiter auf die Spitze zu treiben. Heute sehen wir den umgekehrten
Weg: Auf Basis einer genauen Analyse der Prozesse ent-
wickeln wir gemeinsam mit dem Kunden die passende „Best-
Fit“-Lösung. Je nach Anwendung kann der Technologiegrad
unterschiedlich ausfallen – und primär darin liegt die Beratungskompetenz,
die durch die zunehmende Komplexität der
Prozesse immer wichtiger wird.
Das dritte große Feld umfasst Automatisierung, KI und Daten.
Wir verzeichnen ein starkes Wachstum im Bereich der Automatisierung
– von einfachen Einstiegslösungen bis hin zu hochkomplexen
Anlagen. Daten helfen uns in der Prozess- und Flottenberatung,
Optimierungspotenziale aufzudecken. Die Möglichkeiten
der KI werden uns in den kommenden Jahren erheblich
dabei unterstützen, passgenaue Lösungen schneller zu entwickeln.
Wenn ich noch einen Schritt weiterdenke: Wir arbeiten
als Unternehmensgruppe mit Nvidia zusammen. In den Potenzialen,
die KI in den Bereichen Simulation und Emulation eröffnet,
um Prozesse vollständig im digitalen Umfeld zu planen,
sehe ich – gepaart mit Automatisierung – einen großen Hebel für
unsere Branche.
32 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
F+H NACHGEFRAGT PERSPEKTIVEN
Erlauben Sie mir eine These: Automatisierung ist heute kein
Wettbewerbsvorteil mehr, sondern ein Hygienefaktor. Würden
Sie das unterschreiben?
Florian Heydenreich: Dem würde ich teilweise zustimmen. Die
Automatisierung hat tatsächlich einen Reifegrad erreicht, der es
jedem Unternehmen – unabhängig von Größe und Komplexität
– erlaubt, sich damit zu beschäftigen. Und wir können für jeden
Anwendungsfall die passende Lösung bieten. Insofern ist Automatisierung
mittlerweile ein Kern unseres Lösungsangebots.
Wenn wir mit Unternehmen ins Gespräch kommen, bewerten
wir zunächst, was der richtige Materialfluss ist. Anschließend
diskutieren wir offen, ob eine manuelle, eine hybride Lösung
oder eine automatisierte effizienter ist. Das ist eine wichtige
Beratungsleistung, die ich jedem Unternehmen dringend empfehlen
würde, das über die Optimierung seiner innerbetrieblichen
Logistik nachdenkt.
Für mich ist mittlerweile nicht mehr die Geschwindigkeit eines
Roboters die spannendste Innovation, sondern die sauberste
Schnittstelle. Durch die Komplexität der Vernetzung gewinnen
Systemarchitektur und Integration in bestehende
IT-Landschaften enorm an Bedeutung.
Florian Heydenreich: Ein absolut wichtiger Punkt. Mit Standards
wie der Schnittstelle VDA 5050 entstehen Lösungen, mit
denen sich Fahrzeugflotten herstellerübergreifend steuern lassen.
Das ist genau die richtige Entwicklung.
Ein weiteres viel diskutiertes Thema ist Resilienz. Nach
Pandemie, Energiepreissprüngen und Lieferkettenproblemen:
Ist Resilienz heute höher zu bewerten als Effizienz?
Florian Heydenreich: Die geopolitischen Entwicklungen zeigen,
dass die Welt immer komplexer wird und sie sich kaum
noch verlässlich planen lässt. Resilienz ist daher ein zentrales
Thema – ich würde Resilienz allerdings nicht gegen Effizienz
ausspielen, sondern beide zusammen denken. Das beginnt bei
der Materialflussplanung: Habe ich einen konstanten Materialfluss
oder muss ich Peaks berücksichtigen? Es geht weiter über
die Fragen: Wo liegen die Prioritäten meiner Logistikprozesse?
Wie sieht es mit meiner Lagerbeschaffenheit und meiner Personalverfügbarkeit
aus? Und schließlich muss ich wissen, wie ich
eine Flurförderzeugflotte aufstelle, die mit dem Geschäft „mitatmen“
kann – und es betrifft die Wahl des Automatisierungsgrads.
Welche Prozessschritte will ich teilautomatisiert und welche
automatisiert abbilden, um eine bestimmte Abdeckung
sicherzustellen? Beratung muss heute Effizienz und Resilienz
gleichermaßen adressieren – auf Basis einer passgenauen Auseinandersetzung
mit der jeweiligen Situation vor Ort.
Apropos Flexibilität: Vor zwanzig Jahren haben wir auf einer
Podiumsdiskussion darüber gestritten, ob Automatisierung
und Flexibilität ein Widerspruch sind. Heute ist das längst
keiner mehr.
Florian Heydenreich (schmunzelt): Da sind Sie mir einen
Schritt voraus – diese Diskussion habe ich nicht miterlebt. Aber
Sie sprechen einen entscheidenden Punkt an: Es gibt nicht die
eine Lösung, die man verkaufen möchte. Heute können wir auf
einer breiten Klaviatur spielen – vom rein manuellen Konzept
über hybride Ansätze bis zu hoch automatisierten Lösungen –
und das alles im sicheren und reibungslosen Zusammenspiel.
Und selbst innerhalb der Automatisierung reicht das Spektrum
von AGVs und AMRs bis zu festinstallierten Lösungen, ebenso
wie von vergleichsweise „einfachen“ Einstiegslösungen bis hin
zu hochkomplexen Gesamtkonstrukten und einer stufenlosen
Skalierbarkeit dank standardisierter Komponenten und vernetzter
digitaler Lösungen. Welche Lösung dabei die jeweils richtige
ist, gilt es in der Beratung herauszufinden.
Sie haben gerade AMR erwähnt – also gewissermaßen selbstlernende
Fahrzeuge. Welche konkreten KI-Anwendungen
setzen Sie heute schon in der mobilen Robotik ein?
Florian Heydenreich: Auf der Logimat haben wir ein KI-basiertes,
intelligentes Kamerasystem vorgestellt, das selbstlernend ist
und sich in der Anwendung selbst trainiert. Das System scannt
die Umgebung, erkennt freie Palettenplätze, identifiziert Objekte
und generiert eigenständig Fahraufträge. Die nächste Stufe wird
darin bestehen, aus diesen Bildern umfassende Prozessoptimierungen
abzuleiten.
Wenn wir noch weiter denken, kommen wir zur Zusammenarbeit
unserer Gruppe mit Nvidia und Siemens rund um das Omniverse.
Hier geht es darum, mit KI komplette Lageranwendungen
einschließlich Flexibilität und Resilienz zu simulieren – und
in dieser Umgebung auch AGVs und Prozessabläufe zu steuern.
Das ist ein spannendes Feld, in dem wir derzeit in Pilotprojekten
unterwegs sind. Bis zur Industriereife ist es nicht mehr weit.
Neben individuellen, anwendungsbezogenen Lösungen bieten
Sie mit dem EXV iGo auch standardisierte Serienfahrzeuge an.
Wie entwickelt sich dieses Spannungsfeld, und welche Kundensegmente
profitieren am meisten?
NICHT DIE GESCHWINDIGKEIT
EINES ROBOTERS ZÄHLT,
SONDERN DIE SCHNITTSTELLE
Florian Heydenreich: Ich unterscheide ehrlich gesagt nicht
streng zwischen standardisierten und hochkomplexen Systemen,
denn am Ende geht es immer um die richtige Lösung für
den Kunden. Die Attraktivität unseres Portfolios liegt darin, dass
wir jedes Unternehmen auf seiner Automatisierungsreise mitnehmen
können. Wer eine Einstiegslösung sucht, findet beispielsweise
mit dem EXV iGo in der iGo-easy-Anwendung ein
leicht zu installierendes System, das mitwachsen kann. Auf
komplexere Anwendungen zugeschnitten ist iGo systems. Und
wir bieten gezielt den Übergang von iGo easy auf iGo systems
an, damit sich der Automatisierungsgrad sukzessive erhöhen
lässt. Es geht nicht um ein „Entweder-oder“, sondern um ein
„Sowohl-als-auch“. Das ist das eigentlich Attraktive am Thema
Automatisierung: Nicht isolierte Standardlösungen zu verkaufen,
sondern den Kunden auf seiner Reise zu begleiten.
Automatisierungsprojekte erfordern ein tiefes Verständnis der
Prozesse. Das stellt andere Anforderungen an den Vertrieb, als
wenn ich einen Handgabelhubwagen verkaufe.
Florian Heydenreich: Ein wichtiger Punkt. Automatisierung ist
in vielen Fällen ein Change-Management-Projekt. Für ein erfolgreiches
Projekt muss man die Gesamtheit betrachten – beginnend
mit einer fundierten Prozessanalyse. Die Qualität des Lastenhefts
ist entscheidend. Auf Kundenseite brauchen wir bei
komplexen Anwendungen einen Projektleiter, häufig auch einen
IT-Leiter als Counterpart. Im Lastenheft müssen Fragen eindeutig
spezifiziert werden: Habe ich einen standardisierten Materialfluss
oder einen Mix? Wie viele unterschiedliche Ladungsträger
gibt es, in welcher Qualität? Wie sieht die Bodenbeschaffen-
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/05 33
PERSPEKTIVEN
F+H NACHGEFRAGT
senken? Optimierungspotenziale kontinuierlich aufzuzeigen –
das ist für mich gelebte Nachhaltigkeit. Auch Automatisierung
trägt in der Regel zur Nachhaltigkeit bei. Ebenso die Art, wie wir
unsere Fahrzeuge entwickeln und produzieren – mit Blick auf
Zirkularität und Ressourcenverantwortung – sowie verfügbaren,
schnellen und persönlichen Service auch für automatisierte
Fahrzeuge sicherstellen. Wir investieren in innovative Energieträger,
fertigen in Hamburg unsere eigenen Lithium-Ionen-Batterien,
bieten mit dem Smart Charger intelligentes Laden an und
streben beim Recycling unserer Lithium-Ionen-Batterien einen
Rückgewinnungsgrad von bis zu 95 Prozent für die Seltenen
Erden an. Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit sind kein
Widerspruch.
Die erste Generation Lithium-Ionen-Fahrzeuge kommt jetzt aus
den Flotten zurück. In die Zellen hineinzuschauen ist deutlich
anspruchsvoller als bei Blei-Säure-Batterien.
Goldenes Jubiläumsgeschenk: Dr. Florian Heydenreich (rechts),
Geschäftsführer Sales & Service bei Still, überreichte am Hamburger
Stammsitz f+h-Chefredakteur Winfried Bauer das Modell eines
Elektro-Vierradstaplers RX 60-25 in Sonderlackierung – als Anerkennung
zum 75-jährigen Bestehen der Fachzeitschrift
heit aus? Und schließlich gehört für mich ein gutes Servicekonzept
zwingend dazu – die Anlage muss im Betrieb optimal unterstützt
werden.
Change-Management betrifft auch die Mitarbeiter des Betreibers.
Viele haben Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Ist
diese Sorge berechtigt, und wie unterstützen Sie Ihre Kunden
dabei, die Belegschaft mitzunehmen?
Florian Heydenreich: Zunächst finde ich es hier sehr wichtig,
klar zu sagen: Automatisierung und manuelle Arbeit sind keine
Konkurrenz, sondern ergänzen sich sinnvoll. Um dies Kunden
und vor allem Mitarbeitenden zu kommunizieren und Unsicherheiten
zu nehmen, ist – neben der technischen Implementierung
– dies eine wichtige Aufgabe unseres Projektmanagers. Vor
allem bei Anwendungen, in denen Automatisierung in ein bisher
manuell betriebenes Lager eingeführt wird, müssen Mitarbeitende
rechtzeitig informiert, mitgenommen und geschult
werden. Unabhängig davon erleben wir, dass der Nachfragetreiber
meist nicht der Wunsch nach Personalreduktion ist, sondern
der Umgang mit Personalknappheit – auch wenn der Kostendruck
ebenfalls eine Rolle spielt. Viele Firmen wollen Mitarbeitende
von repetitiven Tätigkeiten entlasten, damit diese sich auf
wertschöpfendere Aufgaben konzentrieren können.
Kommen wir auf das Thema Nachhaltigkeit zurück. Bei meinen
Recherchen bin ich auf erstaunliche Diskrepanzen zwischen
dem in Hochglanzbroschüren beschriebenen schonenden
Umgang mit den Ressourcen und gelebter Praxis gestoßen. Ein
Beispiel: eine Lagerautomatisierung aus dem Jahr 2002, deren
Steuerung noch mit einer Simatic S5 arbeitet. Aus Sorge, dass
die Materialflusstechnik nach einem Neustart nicht mehr
anläuft, lässt der Betreiber die Anlage rund um die Uhr
durchlaufen – auch dann, wenn es betrieblich gar nicht nötig
wäre. So viel zu den Aussagen in Hochglanzbroschüren. Wie
sehen Sie das?
Florian Heydenreich: Nachhaltigkeit ist für mich vielschichtig.
Im Bereich Flurförderzeuge beginnt Nachhaltigkeit beim Flottenmanagement:
Wie lassen sich die Total Cost of Ownership
Florian Heydenreich: Das ist richtig – und auch das ist Teil
unseres Nachhaltigkeitsverständnisses. Wie sieht der zweite
Lebenszyklus einer Lithium-Ionen-Batterie aus? Wie kann ich
sie nach fünf oder sechs Jahren weiter im Einsatz halten? Und
wie gehe ich am Lebensende mit dem Recycling um? Wir nehmen
unsere Verantwortung wahr – auch herstellerunabhängig,
wenn es bei einem Betreiber zu einem Flottentausch kommt.
Wie sehen Sie die Zukunft verschiedener Automatisierungskonzepte
– von autonomen Einzelfahrzeugen über Routenzugsysteme
wie den LiftRunner bis zu hochautomatisierten
Lösungen mit Shuttles und Sortern?
Florian Heydenreich: Jede Lösung hat ihren Anwendungsbereich
– für mich ist das eine Koexistenz. Unser Anspruch als
Vollsortimenter ist es, ein breites Lösungsportfolio bereitzustellen,
aus dem wir die jeweils richtige Lösung für jeden einzelnen
Kunden entwickeln können. Shuttle-Systeme gehören zu unserem
Standardsortiment, und wir bieten auch Lösungen an, die
kein Derivat eines Flurförderzeugs mehr sind. Wenn ein hochkomplexes,
automatisiertes Lager gefragt ist, ziehen wir innerhalb
der Gruppe auch die Kollegen von Dematic hinzu.
Sind Sie eigentlich noch ein Flurförderzeughersteller – oder ein
Automatisierer?
Florian Heydenreich (schmunzelt): Wir sind Intralogistikanbieter.
Unser Slogan lautet „Making intralogistics smart. Together.“
und unser Anspruch ist es, dem Kunden die richtige
Lösung anzubieten. Das kann eine manuelle Anwendung, ein
Hybridkonzept oder eine automatisierte Anlage sein. Wir sehen
uns nicht als jemanden, der ein Produkt verkauft, sondern als
jemanden, der die richtige Lösung liefert.
Ein gutes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview mit Dr. Florian Heydenreich, Geschäftsführer Sales & Service
Still, Hamburg, führte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h
Fotos: f+h, Still
www.still.de
NACHHALTIGKEIT UND
WETTBEWERBSFÄHIGKEIT
SIND KEIN WIDERSPRUCH
34 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
MARKTPLATZ
JAHRE
FERNSTEUERSTAND ERHÖHT
KRANPRODUKTIVITÄT
F+H ist für mich ein Beleg dafür, dass Qualitätsjournalismus
in der Intralogistik unverzichtbar
bleibt. Als verlässlicher Partner hat
das Magazin Exotec in Deutschland begleitet
und sichtbar gemacht. Wer Trends verstehen,
Branchenstimmen hören und echte Einordnung
erhalten möchte, findet in F+H eine
Quelle, die KI und Algorithmen nicht ersetzen
können.
MARKUS SCHLOTTER, Managing Director
Zentraleuropa bei Exotec
Der Fernsteuerstand CraneBRO von
Bang Kransysteme schafft eine
ergonomische und gefahrenfreie
Arbeitsumgebung. Mit dem System
lassen sich ferngesteuerte Prozesskrane
mindestens ebenso produktiv
betreiben wie kabinengeführte
Anlagen, häufig sogar produktiver.
Das Bild zeigt den Fernsteuerstand zu Demonstrationszwecken
in der Halle. Im realen Einsatz steht der Fernsteuerstand
in einem klimatisierten Kontrollraum, aus dem
Bediener automatisierte intralogistische Abläufe initiieren
und überwachen.
Nach dem Prinzip „Any to Any“ kann sich jeder Bediener von
jedem angeschlossenen Pult auf jeden verbundenen Kran
aufschalten. In Kombination mit der Kranmanagement-Software
CranoMatic ergibt sich eine effiziente Auslastung bei
gleichzeitig höherer Sicherheit. Strategisch platzierte Kameras
mit 360°-Sicht verfolgen die Lastbewegung automatisch und
stellen Informationen priorisiert auf den Bildschirmen dar.
Das offene System unterstützt unterschiedliche Krantypen,
Steuerungen und Fabrikate. Zur Cybersicherheit tragen
Protokolle wie OPC-UA und SSL bei. Für die funktionale
Sicherheit sorgt das Protokoll PROFIsafe. Latenzprüfungen
sichern die Echtzeitübertragung, Geräteidentifikationen die
korrekte Zuordnung. Der Arbeitsplatz misst 1.800 × 1.400 mm
bei einer Höhe von 660 bis 1.250 mm und unterstützt bis zu
vier gebogene Großbildschirme.
www.bangkran.de
AUTOMATIKKRANE STEIGERN VERLADEKAPAZITÄT
Im Mai 2025 erteilte die Papierfabrik Palm den Auftrag zur Modernisierung des automatisierten
Papierrollenlagers am Standort Wörth. Konecranes ersetzt in zwei der sechs Hallenschiffe
die beiden bestehenden Automatikkrane durch vier neue Anlagen mit Vakuumhebern,
tauscht die Kranbahnen aus und optimiert das Materialflusssystem. Das Modernisierungsprojekt
läuft in mehreren Phasen bis 2027.
Im Projekt kommt erstmals eine neue Steuerung für das flurgebundene Materialflusssystem
zum Einsatz; ihre Implementierung im laufenden Betrieb wurde zwischen September und
Oktober 2025 abgeschlossen. Installation und Inbetriebnahme der ersten beiden Krane
inklusive zugehöriger Kranbahn sind im Frühjahr 2026 vorgesehen, zwei weitere Krane und
die zweite Kranbahn folgen im Frühjahr 2027.
Im Vorfeld des Projekts prüfte Konecranes über mehrere Jahre hinweg in einer Pilotphase die Anforderungen mithilfe von Simulationen.
Mit der Erweiterung steigt die Verladekapazität am Standort um 30 Prozent.
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Die Berechnung und Gestaltung von
Wälzlagern erreicht eine neue Ära
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Das Standardwerk für Konstrukteure
und Studenten in der 5. Auflage.
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AUTOMATISIERUNG IM BESTAND
SCHRITTWEISE STATT SPRUNGHAFT – WIE
LOGISTIKIMMOBILIEN ZUKUNFTSFÄHIG WERDEN
Automatisierung in der Intralogistik weckt
schnell das Bild menschenleerer Hochleistungslager,
in denen Mitarbeiter nur noch Prozesse
überwachen. Die Praxis sieht jedoch anders aus:
In den meisten Logistikimmobilien schreitet die
Automatisierung nicht sprunghaft voran,
sondern in gezielten Einzelschritten. Für
Logistikverantwortliche heißt das, bei der
Standortwahl und bei Investitionsentscheidungen
genauer hinzuschauen – denn
nicht jedes Gebäude bringt die baulichen und
technischen Voraussetzungen mit, um heutige
und künftige Automatisierungsstufen
abzubilden. Entscheidend ist weniger der
maximal erreichbare Automatisierungsgrad,
sondern die Frage, ob eine Immobilie über
mehrere Nutzungszyklen hinweg mit den
eigenen Anforderungen mitwachsen kann.
In vielen Bestandsobjekten entstehen Effizienzgewinne nicht
durch den Umstieg auf komplexe Gesamtsysteme, sondern
durch gezielte Optimierungen einzelner Prozessschritte. Fördertechnik,
einfache Robotik-Lösungen oder eine teilautomatisierte
Kommissionierung können bereits spürbare Verbesserungen
bringen – ohne dass dafür die Hallenstruktur verändert
werden muss.
In der Praxis geht es häufig um die Integration von Rollen- und
Gurtförderern, die Wareneingang, Lager und Versand miteinander
verbinden, oder um den Einsatz autonomer mobiler Roboter
(AMR) für den innerbetrieblichen Transport. Auch in der Kommissionierung
setzen sich skalierbare Goods-to-Person-Ansätze
durch: Shuttle-Systeme oder Robotik führen die Ware an ergonomische
Pickstationen. Vor allem in Bestandsgebäuden mit begrenzter
Hallenhöhe oder statischen Restriktionen entstehen so
hybride Lösungen, die sich in bestehende Layouts einfügen.
Solche Systeme sind bewusst modular aufgebaut und kommen
ohne grundlegende Umstrukturierung des Gebäudes aus. Dennoch
steigern sie die Produktivität deutlich, verkürzen Wegzeiten
und erhöhen die Prozesssicherheit – bei überschaubaren Investitionskosten
und kurzer Implementierungsdauer.
Hoch automatisierte Anlagen setzen standardisierte Prozesse,
hohe Durchsatzmengen und langfristige Investitionssicherheit
voraus und konzentrieren sich daher in der Regel auf große, zentralisierte
Logistikstandorte. Zwischen rein manuellen Prozessen
und vollständig automatisierten Systemen liegt jedoch ein breites
Spektrum an Lösungen, das in der Praxis die größere Rolle spielt.
Für Logistikverantwortliche heißt das: Die zentrale Frage ist
nicht, ob ein Standort heute hoch automatisiert ist, sondern ob er
es bei Bedarf werden kann. Neubauten bieten die Chance, Infrastruktur,
Flächenzuschnitt und technische Reserven von Anfang
an auf spätere Ausbaustufen auszulegen. Im Bestand gilt es zu
prüfen, welche Voraussetzungen bereits vorhanden sind – und
36 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
PERSPEKTIVEN
aber über die reine Bereitstellung der Immobilie hinaus: Sie umfasst
die aktive Steuerung technischer Voraussetzungen, Investitionsentscheidungen
und vertraglicher Rahmenbedingungen.
Für Logistikleiter lohnt es sich daher, den Vermieter frühzeitig in
die Planung einzubeziehen – und umgekehrt einen Eigentümer
zu wählen, der diesen Dialog aktiv führt.
Goods-to-Person in der Praxis: Im Amazon-Logistikzentrum in
Horn-Bad Meinberg (Nordrhein-Westfalen) bringen AMR Regale an die
Pickstationen. Ein vergleichbar ausgelegter Standort entsteht derzeit
im Segro Park Dortmund
welche sich mit vertretbarem Aufwand nachrüsten lassen. Vermieter
und Projektentwickler investieren ihrerseits zunehmend
in „Future Readiness“, also in Kapazitäten und Spezifikationen,
die sich heute noch nicht vollständig monetarisieren lassen, aber
die langfristige Nutzbarkeit der Immobilie sichern.
GEBÄUDETECHNIK WIRD ZUM ENGPASS
OHNE ANSCHLUSSLEISTUNG
KEINE AUTOMATISIERUNG
FLEXIBILITÄT NICHT DER EFFIZIENZ OPFERN
Bei jeder Automatisierung stellt sich die Frage nach der langfristigen
Nutzbarkeit des Standorts. Viele Lösungen sind auf spezifische
Prozesse zugeschnitten – etwa durch umfangreiche Einbauten
oder individuell konfigurierte Anlagen. Was kurzfristig Effizienz
bringt, kann mittelfristig zur Hypothek werden: Sortimentswechsel,
neue Auftragsstrukturen oder ein veränderter
Geschäftsmodellmix lassen sich nur mit hohem Aufwand abbilden,
wenn die Halle bereits stark auf einen bestimmten Prozess
zugeschnitten ist.
Für Logistikverantwortliche bedeutet das, Automatisierungsentscheidungen
nicht nur nach dem heutigen Optimum zu
treffen, sondern auch mit Blick auf veränderbare Rahmenbedingungen.
Modulare Systeme, rückbaubare Einbauten und klar
dokumentierte Schnittstellen erleichtern es, ein Lager an neue
Anforderungen anzupassen – sei es bei einem internen Strategiewechsel
oder beim Umzug an einen anderen Standort. Auch aus
Sicht des Eigentümers ist dieser Aspekt zentral: Die Drittverwendungsfähigkeit,
also die Eignung einer Immobilie für unterschiedliche
Nutzer, bleibt ein wichtiger Treiber für ihre langfristige
Marktgängigkeit. Entscheidend ist daher die Balance zwischen
betrieblicher Optimierung im Hier und Jetzt und der Offenheit
für künftige Veränderungen. Automatisierung gelingt dort am
besten, wo Gebäude und Technik nicht gegeneinander, sondern
miteinander geplant werden – über den Lebenszyklus hinweg.
Vieles davon gilt im Übrigen analog auch für Produktions- und
Light-Industrial-Flächen, in denen sich Logistik- und Fertigungsprozesse
zunehmend verschränken. Die Frage nach der richtigen
Balance zwischen Automatisierung und Flexibilität stellt sich
dort in vergleichbarer Form.
WB
Autor: Sebastian Hofer, Director Asset Management, Segro Germany GmbH,
Düsseldorf
Mit zunehmender Automatisierung rücken die technischen
Grundlagen der Gebäude stärker in den Fokus. Besonders relevant
ist die Energieversorgung: Automatisierte Systeme erhöhen
den Strombedarf und führen zu ausgeprägteren Lastspitzen. Hinzu
kommen weitere Anforderungen an die Immobilie, etwa durch
die Elektrifizierung von Heizsystemen oder den Ausbau von Photovoltaik.
Der Bedarf an leistungsfähigen Netzanschlüssen und
Transformatoren wächst entsprechend.
Für Logistikverantwortliche heißt das, bei der Standortbewertung
nicht nur auf Lage, Fläche und Mietkonditionen zu schauen,
sondern auch auf die verfügbare Anschlussleistung – und auf Reservekapazitäten
für Ausbaustufen. Diese Infrastruktur entwickelt
sich zu einem wertbestimmenden Faktor für Logistikimmobilien,
weil sie darüber entscheidet, welche energieintensiven
Anwendungen heute und in Zukunft möglich sind. Vermieter
sind ihrerseits gefragt, die notwendigen Kapazitäten frühzeitig
einzuplanen – auch wenn sich solche Vorabinvestitionen nicht
unmittelbar über die aktuelle Miete refinanzieren lassen.
STEIGENDE ANSPRÜCHE AN DIE HALLENBÖDEN
Die Böden geraten dabei ebenfalls stärker in den Fokus. Robotik-
Systeme reagieren empfindlich auf Unebenheiten, gleichzeitig
nehmen Punktlasten durch technische Einbauten zu. Eine hochwertige
Bodenausführung wird damit zur Grundvoraussetzung
für viele Automatisierungslösungen. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass es sich bereits um automatisierungstaugliche Standards
handelt, die noch über die übliche Bandbreite bei automatisierungstauglichen
Flächenlasten von 50 bis 75 kN/m² (ca. 5 bis
7,5 t/m²) hinausgehen können, während die üblichen Flächenlasten
in Bestandshallen eher bei 30 bis 50 kN/m² liegen.
Für den Nutzer reduziert eine entsprechend ausgelegte Bodenqualität
das Risiko, später teure Nachrüstungen vornehmen oder
Einschränkungen im Anlagenbetrieb hinnehmen zu müssen.
Die Auswahl und Installation der teil- oder automatisierten
Systeme bleibt zwar Sache des Nutzers beziehungsweise eines
von ihm beauftragten Beraters. Die Rolle des Vermieters geht
Fotos: Amazon, Segro
www.segro.com
5 FRAGEN FÜR LOGISTIKLEITER
BEI DER STANDORTBEWERTUNG
1. Anschlussleistung: Reicht der Netzanschluss für
künftige Automatisierungsstufen, Ladeinfrastruktur und
Photovoltaik – oder sind Reserven nachrüstbar?
2. Bodenqualität: Erfüllen Ebenheit und Tragfähigkeit der
Hallenböden die Anforderungen von AMR, Shuttles und
Regalsystemen, auch hinsichtlich Punktlasten?
3. Flächenflexibilität: Lässt der Grundriss unterschied liche
Layouts zu, und sind technische Reserven (Höhe, Hallentore,
Statik) für spätere Ausbaustufen vorhanden?
4. Rückbaubarkeit: Sind geplante Einbauten so konzipiert,
dass sie sich bei veränderten Prozessen oder einem Standortwechsel
ohne hohen Aufwand anpassen lassen?
5. Dialog mit dem Vermieter: Ist der Eigentümer bereit,
technische Voraussetzungen und Investitionsentscheidungen
mitzugestalten – und langfristig mitzudenken?
Quelle: f+h nach Angaben von Segro
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/05 37
PERSPEKTIVEN
HAFENLOGISTIK IM WANDEL:
VOM EINZELFAHRZEUG ZUM DIGITAL VERNETZTEN SYSTEM
FLURFÖRDERZEUGE IM
ÖKOSYSTEM TERMINAL
Salzluft, enge Taktung, kritische Infrastruktur:
Flurförderzeuge im Hafen arbeiten unter
härtesten Bedingungen – und werden zugleich
immer stärker in digitale Terminalprozesse
eingebunden. Seit 60 Jahren begleitet der
Fachausschuss Flurförderzeuge der
Hafentechnischen Gesellschaft (HTG) e. V. die
technische und betriebliche Entwicklung der
Branche. Ein Blick auf den Status quo und die
Aufgaben der kommenden Jahre.
Flurförderzeuge sind ein zentrales Element aller logistischen
Abläufe im Terminal. Vor allem aber müssen sie eins sein:
verfügbar. Das setzt leistungsfähige, korrosionsbeständige
Maschinen voraus – und wartungsfreundliche Systeme, die
auch unter Stress funktionieren. Im Hafenbetrieb zählen robuste,
marktgängige Konzepte, die sich über den Lebenszyklus beherrschen
lassen. Sie bleiben auch dann verfügbar, wenn Lieferketten
stocken oder Instandhaltungskapazitäten knapp werden. Hochspezialisierte
„Goldrandlösungen“ sind in diesem Umfeld eher
Risiko als Vorteil.
Hinzu kommt: Flurförderzeuge sind heute fest in übergeordnete
Terminal- und IT-Systeme eingebunden. Neben der mechanischen
Robustheit gewinnt deshalb auch die digitale und prozessuale
Resilienz an Bedeutung. Seit Häfen als kritische Infrastruktur
(KRITIS) eingestuft sind, haben Verfügbarkeit und sichere
Prozessabläufe strategisch nochmals an Gewicht gewonnen.
Bei fahrergeführten Geräten kommen hohe Anforderungen an
Arbeitssicherheit und Ergonomie hinzu. Bediener müssen in einem
Umfeld vieler paralleler Prozesse jederzeit den Überblick
behalten und ihre Fahrzeuge sicher sowie ermüdungsarm bewe-
38 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
RUBRIZIERUNGSEBENE
„FLURFÖRDERZEUGE SIND WEIT MEHR
ALS NUR FAHRZEUGE – SIE SIND TEIL
KOMPLEXER LOGISTISCHER SYSTEME“
Die HTG ist ein Ingenieursverband für Wasserbau und Hafeninfrastruktur
– warum braucht ein solcher Verband einen eigenen
Fachausschuss speziell für Flurförderzeuge?
Jan Cornelius Klose: Flurförderzeuge sind ein wesentlicher
Bestandteil der operativen Hafen- und Terminallogistik. Sie
prägen die Abläufe auf den Terminalflächen ebenso wie im Hinterland
und beeinflussen unmittelbar Verfügbarkeit, Sicherheit
und Effizienz der Prozesse. Gleichzeitig wirken ihre Lasten und
Fahrbewegungen auf die Infrastruktur ein – etwa bei der Auslegung
von Verkehrsflächen oder der statischen Bemessung. Genau
deshalb braucht ein Ingenieursverband wie die HTG für
dieses Themenfeld einen eigenen Fachausschuss: Er führt die
Anforderungen aus Betrieb, Technik und Infrastruktur zusammen
und ordnet sie fachlich in die Arbeit der anderen HTG-
Fachbereiche ein.
Was macht die Arbeit in diesem Fachausschuss aus Ihrer
persönlichen Sicht besonders – und warum lohnt sich ein Blick
auf dieses Thema auch für Leser, die nicht täglich mit Hafenlogistik
zu tun haben?
Jan Cornelius Klose: Für mich ist es die Verbindung von Praxisnähe
und fachlicher Breite. Im Ausschuss kommen Betreiber,
Hersteller und weitere Fachleute mit sehr unterschiedlichen
Perspektiven zusammen. Dadurch entstehen keine rein theoretischen
Diskussionen, sondern konkrete Gespräche darüber,
was im Alltag eines Terminals tatsächlich funktioniert. Auch für
Außenstehende ist das Thema spannend, weil sich an Flurförderzeugen
viele aktuelle Entwicklungen ablesen lassen – von
Automatisierung und Digitalisierung über alternative Antriebe
bis hin zu Arbeitssicherheit und Systemintegration. Dabei zeigt
sich immer wieder: In manchen Feldern sind die Lösungen bereits
weiter, als oft angenommen wird, in anderen besteht noch
deutlicher Entwicklungsbedarf. Genau deshalb lohnt sich der
JAN CORNELIUS
KLOSE
Vorsitzender Fachausschuss
Flurförderzeuge, Hafentechnische
Gesellschaft e.V., Hamburg
Blick über das eigene Anwendungsumfeld hinaus – in andere
Branchen, Unternehmen und Technologien. Flurförderzeuge
sind eben weit mehr als nur Fahrzeuge – sie sind Teil komplexer
logistischer Systeme.
Der Fachausschuss besteht seit 60 Jahren – wie hat sich sein
Aufgabenfeld in dieser Zeit verändert?
Jan Cornelius Klose: Die grundlegenden Fragestellungen sind
erstaunlich konstant geblieben: Sicherheit, Zuverlässigkeit, Effizienz
und die technische Weiterentwicklung der Fahrzeuge im
Umschlagprozess stehen seit jeher im Mittelpunkt. Verändert
haben sich vor allem die Rahmenbedingungen. Wo früher ein
dieselbetriebener Stapler im Einzelbetrieb optimiert wurde, geht
es heute um elektrifizierte, vernetzte und teils automatisierte
Flotten, die nahtlos in übergreifende Terminalprozesse eingebunden
sind. Digitalisierung, Nachhaltigkeit und alternative
Antriebskonzepte spielen eine größere Rolle, hinzu kommen
Fragen der Verfügbarkeit und Resilienz im Umfeld kritischer
Hafeninfrastruktur. Viele Grundfragen sind also geblieben – ihr
fachlicher Kontext und ihre Systemrelevanz sind jedoch komplexer
geworden.
Die Fragen stellte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h
gen. Intelligente Assistenzsysteme unterstützen sie dabei. Sensor-
und perspektivisch KI-gestützte Lösungen erkennen Gefahrensituationen
früher und machen den Betrieb sicherer und effizienter.
SCHNITTSTELLEN UND DAS ZUSAMMENSPIEL
DER TECHNOLOGIEN
Aktuell diskutiert der Fachausschuss vor allem die drei Themen:
Automatisierung, Digitalisierung und alternative Antriebe. Dabei
rückt zunehmend das Zusammenspiel der Systeme in den
Vordergrund – nicht mehr das einzelne Fahrzeug. Im Mittelpunkt
stehen die Schnittstellen zwischen Flurförderzeugen, anderen
Umschlaggeräten, Flottenmanagement und Terminal-IT.
Ebenso wichtig: die Integration alternativer Antriebe – etwa batterieelektrischer
oder wasserstoffbasierter Systeme – einschließlich
zugehöriger Lade- und Tankinfrastruktur in die betrieblichen
Abläufe. Vor allem im Hafen gilt: Technologische Entwicklungen
sind nur dann erfolgreich, wenn sie ins Gesamtökosystem
Terminal passen.
01 Schnittstellen zwischen Flurförderzeugen, anderen Umschlaggeräten,
Flottenmanagementsystemen und der Terminal-IT sind
entscheidend für die Digitalisierung im Hafen
www.foerdern-und-heben.de f+h 2026/05 39
PERSPEKTIVEN
02 Damit Bediener von Flurförderzeugen jederzeit die Übersicht über
zeitgleich ablaufende Prozesse behalten und nicht zu schnell ermüden,
unterstützen Assistenzsysteme die sichere Handhabung
Engpässen. Perspektivisch werden KI-gestützte Systeme eine größere
Rolle spielen – etwa bei der Verkehrssteuerung, dem Flottenmanagement
oder der Wartungsplanung. Gleichzeitig verschieben
sich die Anforderungen an das Personal: Neben klassischen
Bedienaufgaben gewinnen Systemüberwachung, Instandhaltung
und IT-Kompetenzen an Bedeutung.
EFFIZIENZ UND NACHHALTIGKEIT – EIN
WIDERSPRUCH?
Effizienz und Nachhaltigkeit stehen im Hafen nicht zwangsläufig
im Widerspruch. Sie hängen enger zusammen, als es auf den ersten
Blick scheint. Wenn der Umschlag produktiv und zuverlässig
laufen soll und gleichzeitig der Druck steigt, Emissionen und
Energieverbrauch zu senken, müssen beide Ziele zusammen gedacht
werden. Zusätzliche Lade- oder Tankzeiten können die
Verfügbarkeit – und damit die Effizienz – beeinträchtigen. Genau
deshalb galt Dieselkraftstoff lange als unersetzlich. Elektrische
und wasserstoffbasierte Antriebe sind heute aber realistische Alternativen.
Sie erfüllen auch die anspruchsvollen Lastprofile, die
Häfen verlangen. Entscheidend ist, dass nicht nur das Fahrzeug
funktioniert, sondern auch seine Einbindung in Lade- oder Tankinfrastruktur
und Terminalprozesse.
WIE SICH DIE ROLLE DER FLURFÖRDERZEUGE
ENTWICKELT
Das Terminal entwickelt sich zu einem digital vernetzten Gesamtsystem,
ergänzt durch KI. Wie stark Prozesse standardisiert
werden und wie groß der Anteil autonomer Systeme wird, hängt
von Größe und Nutzungsart des Terminals ab. Große Containerterminals
sind heute vielfach flächendeckend automatisiert und
stark standardisiert. Dort lassen sich Prozesse, Ladeeinheiten
und Verkehrsabläufe gut normieren – Automatisierung und intelligente
Optimierung haben hier einen großen Hebel. Vor allem
bei Steuerung, Flottenmanagement, Wartungsplanung und Prozessvorhersage
wird KI an Bedeutung gewinnen. Auch fahrerlose,
autonom agierende Systeme werden hier weiter wachsen.
In kleineren Häfen und auf gemischt genutzten Terminals
bleibt das Konzept des klassischen, fahrergeführten Flurförderzeugs
erhalten. Allerdings werden auch diese Fahrzeuge stärker
vernetzt und in Teilen automatisiert sein. Insgesamt gilt: Flurförderzeuge
werden künftig noch weniger als Einzelmaschine betrachtet
– sondern als Bestandteil eines digital und zunehmend
KI-gestützt optimierten Gesamtsystems Terminal.
Fotos: Konecranes, Jan Klose/privat
www.htg-online.de
STAND DER DIGITALISIERUNG: WIE VERNETZT
SIND FLURFÖRDERZEUGE IM HAFEN?
Operativ sind viele Terminals schon weit. Flurförderzeuge sind in
der Regel in Flottenmanagement- und Terminalsysteme eingebunden,
Aufträge laufen digital, Bewegungsdaten werden erfasst,
Prozesse zunehmend in Echtzeit koordiniert. Das eigentliche
Bottleneck liegt selten in der Datenerfassung, sondern in der
standardisierten Vernetzung zwischen Fahrzeugen, Umschlaggeräten
und IT-Systemen. Vereinfacht gesagt: Die Systeme können
vieles, aber sie sprechen noch nicht überall dieselbe Sprache. Genau
hier setzt die Arbeit des Fachausschusses an, der sich mit
TIC4.0 beschäftigt und einen Einordnungsbericht erstellt hat.
Digitale Zwillinge sind in diesem Kontext ein spannendes Zukunftsthema
– vor allem für Simulation, Optimierung und Szenarioanalysen.
Aus Sicht der Experten sind sie im operativen Alltag
allerdings noch nicht flächendeckend angekommen.
AUFGABEN VERSCHIEBEN SICH
Der Fachkräftemangel ist auch in Häfen spürbar – vor allem bei
qualifizierten Bedienern und technischem Personal. Containerterminals
bieten dabei gute Voraussetzungen für die Automatisierung:
Ihre Ladeeinheiten sind standardisiert, ihre Prozesse
klar strukturiert. Fahrerlose Transportsysteme oder automatisierte
Straddle Carrier sind in einigen Anlagen bereits im Einsatz. Sie
machen bestimmte Tätigkeiten unabhängiger von personellen
DIE HTG UND DIE
FACHAUSSCHÜSSE
Die Hafentechnische Gesellschaft e. V. (HTG) bündelt seit
mehr als 100 Jahren die technische Expertise im Hafenbau,
Verkehrswasserbau und Küsteningenieurwesen. Ihre
rund 1.200 Mitglieder kommen aus Hafenverwaltungen,
Hafen- und Logistikbetrieben, Wasserstraßen- und
Schifffahrtsverwaltung, Bauwirtschaft, Consulting,
Forschung, Wissenschaft und Zulieferindustrie. Auf
gemeinnütziger Basis befasst sich die HTG mit allen
technischen, wissenschaftlichen und organisatorischen
Fragen rund um Planung, Bau und Betrieb von Häfen und
Hafenanlagen, See- und Binnenwasserstraßen, Verkehrswasserbau,
Küsteningenieurwesen und Offshore-Windenergie.
Die Fachausschüsse erarbeiten fachbereichsübergreifend
praxisbezogene Lösungen, die direkt in Planungs-, Bauund
Betriebsentscheidungen einfließen. Regelmäßige
Sitzungen werden ergänzt durch offene Treffen, Fachtagungen
und eine enge Verzahnung mit den anderen
Gremien.
Quelle: HTG
40 f+h 2026/05 www.foerdern-und-heben.de
MARKTPLATZ
JAHRE
MODULARE AMR-PLATTFORM MIT KONTAKT-
LOSEM LADEN UND VDA 5050
Die f+h begleitet mich seit 1997 – als
Promovend, als Praktiker, als Manager und
schließlich als Professor an der TU München.
Was mich dabei stets beeindruckt:
Kein hochrangiges Journal erreicht die
Menschen, die Logistik täglich gestalten
– genau das leistet die f+h. Herzlichen
Glückwunsch zum 75. Jubiläum und auf
viele weitere Jahre als unverzichtbare
Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis!
UNIV.-PROF. DR.-ING. JOHANNES FOTTNER,
Ordinarius fml – Lehrstuhl für Fördertechnik
Materialfluss Logistik, Technische Universität München
Automatisierte Materialflüsse
gewinnen in
Produktion und Logistik
weiter an Bedeutung. Mit
einem neu aufgesetzten
Portfolio mobiler Robotik
stellt SEW-Eurodrive eine
modulare Plattformlösung
vor, die unterschiedliche
Transportaufgaben abdeckt – von Paletten über Behälter bis zu
Sonderladungen. Standardisierte Lastaufnahmemittel wie
Epal-Palettenhubfunktionen, Rollenförderer oder kundenspezifische
Adapter sowie offene Schnittstellen erleichtern Integratoren
die Anbindung individueller Module.
Movitrans lädt das Fahrzeug kontaktlos und direkt im Prozess.
Wahlweise kommen LiFePO 4
-Batterien oder Kondensatorspeicher
zum Einsatz. Für die präzise Positionierung sorgt eine
Laserkonturnavigation mit Parking-Funktion. Die Kommunikation
mit übergeordneten Systemen basiert auf VDA 5050. Das
Fahrzeug dieser Plattform transportiert Nutzlasten bis 1.600 kg
bei einer Geschwindigkeit von 1,6 m/s. Adaptive Scanschutzfelder
und Cyber-Security-Maßnahmen sichern den Betrieb. Über
das Konzept „Platform2Go“ ist eine kurzfristige Bereitstellung
möglich.
www.sew-eurodrive.de
FLEXIBLE BEUTEL AUTOMATISIERT BEWEGEN
Beutel benötigen nur wenig Material, bringen aber auch
Nachteile mit: Sie sind biegeschlaff, bilden Falten und liegen
oft nicht plan an. Genau hier setzt der Balgsauggreifer PSPF
von Schmalz an. Seine weiche, anschmiegsame Dichtlippe hält
selbst Beutel mit starker Faltenbildung fest. Der Hersteller
kombiniert diese Dichtlippe mit einem verstärkten Balg, der
bei schnellen Zyklen Stabilität und Halt liefert. Damit lassen
sich Pick-and-Place-Anwendungen
sekundengenau takten. Der
Balgsauggreifer PSPF unterstützt
diesen Prozess, auch wenn Beutel
nur gering befüllt sind und sich
dadurch stärker verformen.
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Wir schaffen logistische Verbindungen.
Individuelle Planung und Konstruktion
direkt vom Hersteller – Made in Germany
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TECHNISCH-WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT
Dr.-Ing. Chr. Beumer, Beckum;
Prof. Dr.-Ing. J. Fottner, München;
Prof. Dr.-Ing. K. Furmans, Karlsruhe;
Prof. Dr. M. ten Hompel, Dortmund;
Prof. Dr.-Ing. R. Jansen, Dortmund;
Prof. Dr. K.-O. Schocke, Frankfurt;
Prof. Dr.-Ing. habil. L. Schulze, Hannover;
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MARKTPLATZ
SCHULUNG SICHERT CONTAINERHANDLING
Beladene Standard-Container mit einem Gewicht von bis zu
30 Tonnen stellen hohe Anforderungen an Bediener von
Flurförderzeugen und Kranen. Ob beim Umschlag zwischen
Schiff, Bahn und Lkw oder im innerbetrieblichen Transport –
fehlerfreie Handhabung ist sicherheitsrelevant. Zwei neue
PowerPoint-Präsentationen des Resch-Verlags adressieren diesen
Bedarf. Eine Schulungseinheit richtet sich an Bediener von
zum Beispiel Containerstaplern, Reachstackern und Portalhubwagen.
Die zweite Einheit deckt Container- und Hafenkrane
ab, darunter Portalkrane, RMG-, RTG- und STS-Krane sowie
Wippdrehkrane. Mit den Materialien erweitert das Autorenteam
Timo und Bernd Zimmermann die Reihe gemäß Stufe 2
des DGUV-Grundsatzes 308-001, zu
der bereits Einheiten zu Schubmast-,
Kommissionier- und Lkw-Mitnahmestaplern
vorliegen. Ergänzend zum
Grundmodul der Kranführer-Ausbildung
steht zudem die Schulung
„Hallen- und Portalkrane“ zur Verfügung.
Testbögen dienen als rechtssicherer
Nachweis der Prüfung.
www.resch-verlag.com
LANGGUTLAGER SPART
STELLFLÄCHE
Stäbe, Profile, Rohre und Strangpressprofile
bis zu einer Länge von 7 m lassen sich mit
dem vertikalen Lagersystem Modula Long
Goods automatisiert lagern. Jeder Artikel ist
rückverfolgbar und innerhalb weniger
Sekunden verfügbar. Die vertikale Bauweise
reduziert die manuelle Handhabung, schützt das Material und
kann die Lagerdichte um bis zu 90 Prozent erhöhen.
Mit dieser Erweiterung ergänzt der italienische Intralogistikanbieter
Modula sein Portfolio automatischer Lagersysteme,
zu dem Modula Lift, Slim, Next, Pallet sowie das Horizontal-
Umlaufregal HC gehören. Hinzu kommt das 2025 eingeführte
Behälterlagersystem Flexibox mit einer Leistung von bis zu
180 Behältern pro Stunde.
Mit dem Modula WMS lassen sich Bestände, Chargen und
Seriennummern in Echtzeit verwalten, die Kommissionierung
steuern und Lagerplätze optimieren. Eine Anbindung an
ERP-Systeme ist möglich. Monitoring-Werkzeuge liefern Daten
zu Systemstatus und Arbeitszyklen.
www.modula.eu
MOBILER TELESKOPFÖRDERER MIT HUBFUNKTION
Aufgrund der hydraulischen, stufenlosen Höhenverstellung lässt sich der mobile Teleskopförderer
TelescopXpress von Wiltsche Fördersysteme an unterschiedliche Fahrzeugtypen und Rampensituationen
anpassen. Verfügbar ist das System (Fördergeschwindigkeit: von bis zu 45 m/min) in sieben
Nennlängen von 7 bis 21 m. Optional kann eine mitfahrende Bedienerplattform für maximal zwei
Personen integriert werden, sodass sich Fahrzeuge vor Ort be- und entladen lassen. Die Steuerung
übernimmt ein zentrales Bedienfeld an der Vorderseite. Neben den Funktionen Beladen, Entladen,
Stopp und Not-Aus lassen sich auch Hub-, Senk- sowie Ein- und Ausfahrbewegungen ansteuern.
www.wiltsche.de
IMPRESSUM
erscheint 2026 im 76. Jahrgang,
ISSN 0341-2636 / ISSN E-Paper: 2747-8130
REDAKTION
Chefredakteur: Dipl.-Ing. (FH) Winfried Bauer (WB)
Tel.: 06131/992-321, E-Mail: w.bauer@vfmz.de
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Redaktionelle Mitarbeit: Dipl.-Geogr. Martina Laun (ml)
Content-Managerin: Petra Weidt, Tel.: 06131/992-371,
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