LE-3-2026-Journal H&D
LE-3-2026-Journal Handel & Distanzhandel // Titel: Zölle, Steuern: E-Commerce als Treiber des Wandels
LE-3-2026-Journal Handel & Distanzhandel // Titel: Zölle, Steuern: E-Commerce als Treiber des Wandels
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LOGISTIK EXPRESS JOURNAL 3/2026
HANDEL & DISTANZHANDEL
Zölle, Steuern: E-Commerce
als Treiber des Wandels
LOGISTIK EXPRESS INFORMIERT
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S2
Journal H&D 3/26
04 Ab 1. Juli: 3 Euro Pauschalzoll für Pakete aus Drittstaaten
06 Nein zur Paketsteuer! Österreich droht Steuerrückgang
14 Stoppt den Österreich-Aufschlag
16 Schwarz Gruppe: Wachstum im Handel und Distanzhandel
18 E-Commerce-Studie: Onlinehandel wächst auf Rekordwert
22 Handelsverband begrüßt 200-Mio-Strafe gegen Temu
24 eCommerce Day 2026
30 Hornbach.at & Gans.at räumen doppelt ab
32 Neue CRIF-Analyse: Cyberangriffe werden komplexer
36 Vom Nebenjob zum Unternehmen
38 Warum EDI im Handel neu gedacht werden muss
40 Wie Unternehmen mit sozialen Normen gesteuert werden
42 Decathlon eröffnet weitere Filiale im Gerngross-Center
44 easyGroup startet mit easyShop.com
46 Amazon KMU Report: Steirische KMU steigern Exportumsatz
48 Temu und ERP Austria: Compliance-Lösung
50 Österreich kauft smarter: digital geplant, stationär gekauft
54 Junior Sales Champion: Wiener Handelslehrlinge
56 Modehandel kämpft mit Kostenexplosion und Wettbewerb
58 PayPal bringt "Jetzt kaufen, später bezahlen"-Angebot
60 Fraud: Europäische Zahlungssysteme schützen und stärken
62 EU-Entgelttransparenz – Österreich hinkt hinterher
LE 3/2026
IMPRESSUM
LOGISTIK express / MJR MEDIA
Donauwörther Str. 27a/7/4
A-2380 Perchtoldsdorf
Medieninhaber, Herausgeber:
Markus Jaklitsch
+43 676 7035206 / info@logistik-express.at
www.logistik-express.com
Foto: istockphoto.com / Depositphotos.com
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S4
Ab 1. Juli: 3 Euro
Pauschalzoll für Pakete
aus Drittstaaten
Ab 1. Juli gelten 3 Euro Pauschalzoll für Pakete
aus Drittstaaten: Handelsverband begrüßt
wichtigen Schritt zu mehr Fairplay und Kostenwahrheit
im globalen Onlinehandel.
GERALD KÜHBERGER
„Der EU-weite Pauschalzoll ist ein wichtiger
Schritt, damit Europa nicht länger das Tollhaus
des globalen Onlinehandels bleibt, sondern zu
einem faireren Wettbewerbsraum wird. Auch
wenn es sich nur um eine Zwischenlösung
handelt, die bis zu Zollrechtsreform 2028 gelten
wird. Dann werden mit der Einführung der
EU-Plattformhaftung und der EU-weiten Vernetzung
der Behörden über einen Zollhub die
bisherigen Zollprivilegien für Billigimporte endgültig
beendet. Endlich kommen wir der Kostenwahrheit
näher. Die neue Zollregelung sorgt
dafür, dass die tatsächlichen Kosten der grenzüberschreitenden
Paketflut nicht länger ausschließlich
von europäischen Unternehmen
und Steuerzahlern getragen werden. Das war
längst überfällig“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer
des freiwilligen, überparteilichen und
unabhängigen Handelsverbands.
Mit 1. Juli 2026 werden Bestellungen
aus dem EU-Ausland, also bei
Fernost-Plattformen wie Temu,
Shein, AliExpress, aber teilweise
auch auf Marktplätzen wie Amazon, teurer. Die
bisherige Zollfreigrenze für Kleinsendungen
unter 150 Euro entfällt, stattdessen wird von der
Europäischen Union eine pauschale Zollabgabe
von drei Euro pro Artikelkategorie eingehoben.
Der Handelsverband begrüßt diesen Schritt
ausdrücklich und fordert gleichzeitig die rasche
Umsetzung der bereits für November angekündigten
zusätzlichen Bearbeitungsgebühr für
Drittstaatensendungen.
Europäische Händler erfüllen seit Jahren
höchste Anforderungen bei Produktsicherheit,
Steuern, Umweltstandards und Konsumentenschutz.
Für Importe durch Drittstaatenhändler
kann das mit den derzeitigen Kontrollmöglichkeiten
bis heute nicht sichergestellt werden.
Dass Drittstaaten-Plattformen gleichzeitig von
Sonderregelungen profitieren konnten, war
weder fair noch zeitgemäß.
5,8 Milliarden Pakete pro Jahr: Europa reagiert
auf historische Paketflut
Die Dimension des Problems ist enorm: Allein
2025 wurden laut EU-Kommission 5,8 Milliarden
Kleinsendungen mit geringem Warenwert in die
Europäische Union eingeführt – das entspricht
15,9 Millionen Paketen pro Tag. Ein großer Teil
davon stammt von asiatischen Online-Plattformen.
Die schiere Masse bringt Zollbehörden und
Marktüberwachung seit Jahren an ihre Grenzen
und führt zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen
zulasten europäischer Händler. Temu
ist in Österreich mit einem Bruttowarenwert
von 646 Millionen Euro bereits der zweitgrößte
eCommerce-Marktplatz des Landes. AliExpress
liegt mit 236 Millionen Euro auf Platz 9, Shein
mit 192 Millionen Euro auf dem 11. Rang.
Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet
die neue Regelung, dass Bestellungen im
EU-Ausland spürbar teurer werden können. Das
betrifft nicht nur Fernost-Plattformen, sondern
auch Pakete, die etwa aus Großbritannien, der
Schweiz oder den USA in die EU versendet werden.
Die Abgabe fällt nicht pro Paket, sondern
pro Warenkategorie an. Wer also unterschiedliche
Produktarten in einem Paket bestellt,
bezahlt den Zoll mehrfach. Für eine Handyhülle,
ein Ladekabel und ein Schmuckstück fallen
insgesamt neun Euro Zoll an, wer zwei unterschiedliche
T-Shirts bestellt, muss nur drei Euro
mehr bezahlen.
Vom neuen System werden sowohl der EU-
Haushalt als auch die nationalen öffentlichen
Finanzen profitieren. Zölle zählen zwar zu den
Eigenmitteln der Union, 25 Prozent der Beträge
dürfen allerdings die Mitgliedstaaten als Erhebungskosten
einbehalten.
HV-Forderung umgesetzt: Wichtiger Schritt
zu mehr Gerechtigkeit
Der neue Paketzoll ist ein wichtiger Beitrag zu
faireren Wettbewerbsbedingungen zwischen
europäischen Händlern und internationalen
Plattformen – und am Ende auch ein Beitrag
zum Erhalt der Arbeitsplätze im Inland. Während
europäische Händler für importierte Waren seit
jeher Zollabgaben und Einfuhrumsatzsteuer
entrichten müssen, galt für Kleinsendungen
aus Drittstaaten bislang beim Zoll eine Ausnahme.
Fernost-Plattformen hatten deshalb in
vielen Fällen sogar größere Bestellungen auf
mehrere Einzelpakete aufgeteilt, um so den Zoll
zu umgehen. Die EU schließt damit eine seit
mehr als einem Jahrzehnt bekannte rechtliche
Lücke und setzt gleichzeitig eine jahrelange
Forderung des Handelsverbands um.
„Handel ist Innovation. E-Commerce ist der
größte Wachstumszweig der Branche. Die
rechtliche Lücke hat heimische Firmen ein Jahrzehnt
lang dabei blockiert, um von dieser Innovation
im selben Maße wie andere Regionen der
Welt zu profitieren“, so Handelssprecher Will.
Bearbeitungsgebühr final beschließen
Der Handelsverband fordert nun die rasche
Umsetzung der bereits zusätzlich angekündigten,
aber noch nicht final beschlossenen
europäischen Bearbeitungsgebühr („Handling
Fee“) von voraussichtlich zwei Euro, die ebenfalls
auf Kleinsendungen aus Drittstaaten eingehoben
werden soll. Diese soll dazu beitragen,
die enormen Kosten für Zollabwicklung, Marktüberwachung
und Kontrollen besser abzudecken.
Gleichzeitig muss die Modernisierung des
europäischen Zollsystems konsequent fortgesetzt
werden.
„Der neue Paketzoll darf noch nicht das Ende
der Reform sein. Die EU-weite Bearbeitungsgebühr
muss jetzt rasch beschlossen und wie
angekündigt auch ab November dieses Jahres
eingehoben werden. Wer Milliarden Pakete in
die Europäische Union liefert, muss sich auch
angemessen an den dadurch entstehenden
Kontroll- und Verwaltungskosten beteiligen“,
fordert Will.
Europäische Lösungen statt
nationaler Alleingänge
Kritisch sieht der Handelsverband nationale
Sonderwege, um dem internationalen Online-
Handel zu begegnen. Nationale Paketsteuern
oder vergleichbare Einzelmaßnahmen sind
weder geeignet, die strukturellen Probleme zu
lösen, noch schaffen sie faire Wettbewerbsbedingungen.
„Internationale Handelsströme lassen sich
nicht durch nationale Alleingänge regulieren.
Maßnahmen wie eine nationale Paketsteuer
mögen politisch attraktiv erscheinen, sind aber
im europäischen Binnenmarkt zum Scheitern
verurteilt – das haben wir zuletzt in Frankreich,
Italien und Rumänien gesehen. Sinnvoll sind
ausschließlich europaweit einheitliche Regelungen,
die für alle Marktteilnehmer gleichermaßen
gelten und konsequent vollzogen werden“,
betont Will. (RED)
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S6
Nein zur Paketsteuer!
Österreich droht Steuerrückgang
um 167 Mio.
Euro
Handelsverband, OTTO Austria, refurbed
und DORDA nahmen Stellung zur Zukunft
des Digitalstandorts Österreich. Laut Impact
Analyse droht Verlust von 2.870 Jobs und
BIP-Rückgang um 360 Mio. Euro jährlich.
GERALD KÜHBERGER
Am 11. Juni beginnt die Fußball-
WM. Österreich steht kurz davor,
sich schon vor dem offiziellen Start
ein Eigentor zu schießen. Mit der
geplanten Paketsteuer schafft die Bundesregierung
eine Innovations- und Investitionsbremse
für den Wirtschaftsstandort. Diese Abgabe soll
ab 1. Oktober 2026 alle Marktplätze und Webshops
mit mehr als 100 Mio. Euro Jahresumsatz
in Österreich umfassen und die MwSt-Halbierung
auf Grundnahrungsmittel gegenfinanzieren.
Der Handelsverband, OTTO Austria, refurbed
und DORDA Rechtsanwälte haben dies zum
Anlass genommen, um heute im Rahmen einer
Pressekonferenz die zentralen Kritikpunkte
an der Paketsteuer aus volkswirtschaftlicher,
rechtlicher, betriebswirtschaftlicher, politisch/
regulatorischer und europäischer Perspektive
sowie aus Sicht der Endkonsumenten zu erläu-
ANDREAS ZAHRADNIK
tern. „Die Paketsteuer ist ein Innovations- und
Jobkiller. Sie wird als Maßnahme gegen Temu,
Shein und AliExpress verkauft, bezahlen sollen
sie aber österreichische Familien sowie tausende
heimische Händler, während sich Drittstaatenhändler
weiterhin entziehen können.
Mehr als jede zweite Online-Bestellung wäre
betroffen“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer
des freien, überparteilichen Handelsverbands.
„Das Finanzministerium will damit 280 Millionen
Euro einnehmen, verliert aber gleichzeitig
167 Millionen Euro an Steuern und Abgaben,
Tendenz steigend. Der Nettoeffekt schrumpft
also dramatisch.“
Konsumentenperspektive: Klare Mehrheit von
70% gegen Paketsteuer
Reppublika Research hat im Auftrag des Handelsverbands
mehr als 1.000 Österreicher zu
ihrer Einstellung zur Paketsteuer befragt. Die
Ergebnisse sind eindeutig und stellen dem
Finanzministerium ein verheerendes
Zeugnis aus:
• 70% der Österreicher sprechen sich gegen
die geplante Paketsteuer aus.
• 69% glauben, dass die Paketsteuer die
Konsumenten am stärksten belasten wird.
• 92% befürchten, dass die Paketsteuer zu
höheren Endkundenpreisen führt.
• Nur 28% glauben, dass die Paketsteuer
Fernost-Plattformen wie Temu wirksam
trifft.
„Die Paketsteuer ist ein Österreich-Aufschlag
für den Onlinehandel. Man wollte ursprünglich
Fernost-Plattformen treffen, jetzt belastet sie
viele Geldbörsel der heimischen Konsumenten.
70 Prozent der Bevölkerung lehnen diese neue
Massensteuer ab. Die Bundesregierung sollte
das Signal ernst nehmen und jetzt die Reißleine
ziehen“, fordert Rainer Will.
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S8
Volkswirtschaftliche Perspektive: Steuer kostet
2.870 Jobs und Steuerrückgang von 167
Mio. Euro
Zwei neue Impact Analysen der GAW (Gesellschaft
für Angewandte Wirtschaftsforschung,
Innsbruck) zeigen schwarz auf weiß die massiven
volkswirtschaftlichen Folgekosten der
Paketsteuer auf:
• Verlust von 2.870 Jobs (davon 470 aufgrund
grenzüberschreitender Umsatzverschiebungen)
• Rückgang des BIP um rund 360 Mio. Euro
jährlich
• Rückgang der öffentlichen Rückflüsse aus
Steuern/Abgaben um knapp 167 Mio. Euro
• Rückgang der Bruttowertschöpfung um
mehr als 290 Mio. Euro jährlich
• Einkommensverluste der Handelsbeschäftigten
im Ausmaß von 37 Mio. Euro
„Mehr als jede zweite Online-Bestellung und
mindestens jeder dritte österreichische Webshop
wäre von der Paketsteuer unmittelbar
betroffen. Die negativen Auswirkungen
beschränken sich keineswegs nur auf einzelne
Großkonzerne. Von EPUs über Klein- und Mittelbetriebe
bis hin zu Großunternehmen hätten
tausende Firmen erhebliche Verluste zu tragen.
Allein Kleinst- und Kleinbetriebe würden
128 Millionen Euro an Wertschöpfung verlieren“,
warnt HV-Vizepräsident Harald Gutschi,
Geschäftsführer von Otto Austria und Leiter des
HV-Fachforums „E-Commerce & Marktplätze“.
„Die Paketsteuer sowie daraus resultierende
Umsatzverschiebungen ins Ausland würden
die österreichische Wirtschaftsleistung jährlich
um bis zu 360 Millionen Euro reduzieren.
Gleichzeitig droht unserem Land der Verlust von
2.870 Arbeitsplätzen. All diese volkswirtschaftlichen
Schäden stehen in keinem Verhältnis zu
den erwarteten Mehreinnahmen des Staates“,
spricht Rainer Will Klartext. „2018 hat der Handelsverband
die eCommerce-Lehre in Österreich
initiiert. Seither wurden mehr als 2.100
junge Menschen im erfolgreichsten aller neuen
Lehrberufe ausgebildet. Die Paketabgabe stellt
auch eine Bedrohung für dieses Erfolgsmodell
Made in Austria dar.“
Die Rückgänge bei Wertschöpfung, Beschäftigung
und Einkommen wirken sich natürlich
auch unmittelbar auf das Steuer- und Abgabenaufkommen
aus, wodurch ein erheblicher
Teil der Einnahmen aus der Paketabgabe durch
rückläufige Einnahmen an anderer Stelle kompensiert
wird. So gehen öffentliche Einnahmen
in Höhe von fast 170 Millionen Euro verloren.
Den größten Anteil daran macht der Rückgang
der Umsatzsteuereinnahmen (57 Mio. Euro) aus.
Gleichzeitig sinken die Sozialversicherungsbeiträge
(um 48 Mio. Euro) sowie die Einnahmen
aus Einkommen- und Lohnsteuern (um weitere
40 Mio. Euro).
PETER WINDISCHHOFER
Juristische Perspektive: Paketsteuer möglicherweise
verfassungs- / unionsrechtswidrig
Aus rechtlicher Perspektive ist das Paketsteuergesetz
alles andere als wasserdicht: Laut einem
Rechtsgutachten der renommierten Kanzlei
DORDA begegnet es sowohl verfassungsrechtlichen
als auch unionsrechtlichen Bedenken
und könnte verfassungs- bzw. unionsrechtswidrig
sein.
• Unsachliche Ungleichbehandlung: Online-
Bestellungen werden besteuert, während
Lieferungen nach stationärem Kauf oder
Click & Collect ausgenommen bleiben.
• Keine nachvollziehbare Differenzierung
nach ökologischen Kriterien: Die fixe Steuer
differenziert weder nach Gewicht, Größe
der Verpackung, Entfernung noch Emissionen
und ist damit nicht geeignet, ihr eigenes
Umweltziel zu erreichen.
• Belastung trotz Retoure: Die Steuer bleibt
auch dann fällig, wenn der Kauf – insbesondere
im sehr häufigen Fall der Ausübung
des zwingenden Rücktrittsrechts
von Verbrauchern – später rückabgewickelt
wird und kein wirtschaftlicher Umsatz
entsteht.
• Verstoß gegen EU-Grundfreiheiten: Die
Abgabe erschwert grenzüberschreitenden
Handel und es liegt daher nahe, dass sie
gegen die Warenverkehrs- und Dienstleistungsfreiheit
verstößt.
• Fragwürdige Umsatzgrenze von 100 Mio.
Euro: Große österreichische Händler werden
belastet, obwohl sie nachweislich
Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Steuerleistung
im Inland erbringen.
„Aus unserer Sicht erreicht die Paketsteuer ihre
offiziell genannten Ziele – Umweltschutz, Stärkung
des stationären Handels und Gegenfinanzierung
der Mehrwertsteuersenkung – nicht
sachgerecht. Statt an tatsächliche Umweltbelastungen
wie Transportdistanz, Gewicht oder
Emissionen anzuknüpfen, handelt es sich um
eine Bestellsteuer, die pauschal den Versandhandel
belastet und sachlich nicht gerechtfertigte
Ungleichbehandlungen schafft“, erklärt Dr.
Andreas Zahradnik, Partner bei DORDA Rechtsanwälte.
Diese empirische Evidenz bleibt im
Gesetzesentwurf unberücksichtigt. Besonders
kritisch wird bewertet, dass Lieferungen nach
stationärem Kauf oder "Click & Collect" ausgenommen
sind, obwohl hier dieselben Transportvorgänge
stattfinden.
Zudem würde die Paketsteuer auch dann anfallen,
wenn ein Online-Kauf später retourniert
wird und wirtschaftlich gar kein Umsatz verbleibt.
Aufgrund der hohen Anzahl an Retouren
aufgrund des gesetzlichen Rücktrittsrechts, auf
das die Händler keinen Einfluss haben, kommt
es daher durch die Abgabe zu einem zusätzlichen
Verlust für die Versandhändler.
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S10
RAINER WILL
„Auf EU-Ebene sieht unser Gutachten erhebliche
Verstöße gegen die Warenverkehrs- und
Dienstleistungsfreiheit sowie gegen das Verbot
protektionistischer Abgaben. Die Paketsteuer
würde den grenzüberschreitenden
Versandhandel verteuern und dadurch insbesondere
Anbieter aus anderen EU-Mitgliedstaaten
benachteiligen. Das führt nach der
Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs
typischerweise zu einer unionsrechtlich
unzulässigen Beschränkung des freien Warenverkehrs,
weil der Fernabsatz – und damit vor
allem auch der grenzüberschreitende Vertrieb
– gezielt verteuert wird. Zudem könnten die
Umsatzschwelle von 100 Millionen Euro und
die Ausnahmen für bestimmte Vertriebsformen
beihilfenrechtliche Probleme auslösen,
dies insbesondere durch die damit verbundene
selektive Begünstigung bestimmter Unternehmen
oder Vertriebsformen“, so Zahradnik.
Insgesamt kommt das Gutachten zum Schluss,
die neue Steuer sei weder verhältnismäßig
noch konsistent ausgestaltet und stehe daher
rechtlich auf wackeligen Beinen. „Die Paketsteuer
ist mit hoher Wahrscheinlichkeit weder
ökologisch treffsicher noch europarechtskonform.
Sie belastet heimische Händler, verteuert
das Einkaufen für die Konsumenten und könnte
am Ende sogar vor Gericht scheitern“, bestätigt
Rainer Will.
„Ich bin verärgert ohne Ende und sprachlos
angesichts dieses politischen Eigentors. Wir
werden rechtlich gegen die Paketabgabe vorgehen
und beim Verfassungsgerichtshof bzw.
beim Europäischen Gerichtshof dagegen klagen.
Ich kann dieser Bundesregierung nur
dringend empfehlen, den Gesetzesentwurf vor
Beschluss präventiv einem EU-Notifikationsverfahren
zu unterziehen. Damit wir die Rechtsmäßigkeit
im Vorfeld geprüft und das verhindert
jahrelange Rechtsunsicherheit“, sagt Harald
Gutschi.
Betriebswirtschaftliche Perspektive: Paketsteuer
belastet Webshops & Startups
Die geplante Paketabgabe stößt auch in der
heimischen Startup- und Scaleup-Szene auf
starke Kritik. Besonders problematisch ist
sie etwa für Secondhand-, Refurbished- und
Reuse-Geschäftsmodelle. Dort sind die Margen
i.d.R. deutlich geringer als im klassischen Neuwarenhandel.
„Bei einem refurbishten Smartphone ist der
Produktpreis zwar relativ hoch, aber die Marge
für uns Refurbisher gering. Das Resultat: Die
Preise im Reuse-Bereich steigen, jene von
neuen Billigwaren aus Fernost nicht“, so Peter
Windischhofer, Co-Founder von Österreichs
größter Reuse-Plattform refurbed, wo mehr als
400 europäische KMUs aktiv sind.
Aus Sicht von refurbed steht die neue Steuer
damit auch im Widerspruch zu klima- und wirtschaftspolitischen
Zielen. „Genau jene österreichischen
Unternehmen, die lokal produzieren
oder auf Kreislaufwirtschaft setzen, werden mit
der Paketsteuer zusätzlich belastet“, kritisiert
Windischhofer.
Zahlreiche heimische Unternehmen und auch
globale Marktplätze haben in den Wochen seit
Bekanntwerden der Steuerpläne bereits einen
Stopp bzw. eine Verschiebung von Investitionen
angekündigt. Electronic4You hat u.a. den
geplanten Bau eines Logistikzentrums in Klagenfurt
mit einer Investitionssumme von bis zu
30 Mio. Euro und 100 Jobs in Frage gestellt.
„Der Otto Austria Group würde die Paketabgabe
bei 2 Millionen Bestellungen 4 Millionen
Euro pro Jahr kosten. Das würde unseren
Umsatz in den ersten sechs Monaten um 3% bis
5% reduzieren“, prognostiziert OTTO Austria-
Geschäftsführer Harald Gutschi. „Wir erwarten
bei gleichbleibenden Bestellvolumen ein
downtrading, also den Griff zu günstigeren Produkten
seitens unserer Kunden, um die Paketsteuer
über etwas geringeren Bestellvolumens
wieder hereinzubekommen. Allein daraus ist
erkennbar, dass für den Staat durch diese sinnbefreite
Steuer nichts zu gewinnen ist.“
Europäische Perspektive: Es gibt kein EU-Land
mit einer funktionierenden nationalen Paketsteuer
Österreich riskiert mit der Paketsteuer jahrelange
juristische Rechtsstreitigkeiten, ein
EU-Vertragsverletzungsverfahren analog zu
Ungarn und am Ende eine politische Blamage.
Nicht ohne Grund konnte bis dato kein einziges
EU-Land eine nationale Paketabgabe erfolgreich
umsetzen – Frankreich, Rumänien und
Italien sind zuletzt daran gescheitert.
In Frankreich wurde am 1. März 2026 eine neue
Steuer auf Kleinsendungen aus Drittstaaten
eingeführt. Diese sollte pro Monat 33 Millionen
Euro an zusätzlichen Einnahmen generieren.
Tatsächlich lagen die monatlichen Einnahmen
bei nur 2,3 Millionen Euro – es konnte also
weniger als ein Zehntel davon realisiert werden.
Die betroffenen Fernost-Plattformen haben
ihre China-Sendungen einfach über den Flughafen
Lüttich in Belgien umgeleitet, von wo aus
die Zustellung nach Frankreich nur geringfügig
mehr kostet. Es zeigt sich auch hier einmal
mehr das Vollzugsdefizit gegenüber Temu & Co.
In Österreich ist leider nichts anderes zu erwarten,
nationale Alleingänge in diesem Bereich
sind leider aufgrund der Umgehungsmöglichkeiten
zum Scheitern verurteilt.
Immerhin hat auch das Wirtschaftsministerium
erkannt, dass sich der österreichische E-Commerce
durch so eine Steuer komplett aus
dem Markt preisen würde und eine vernichtende
parlamentarische Stellungnahme zum
Gesetzesentwurf abgegeben. Darüber hinaus
befürchtet das Wirtschaftsministerium einen
potenziellen internationalen Imageschaden für
den Wirtschafts- und Digitalstandort Österreich.
Die Paketsteuer ist ein 2-Euro-Österreich-Aufschlag
im Onlinehandel. Sie belastet den Wirtschaftsstandort,
verhindert Innovation, erzeugt
zusätzliche Bürokratie und befeuert den Inflationsdruck
in der Bevölkerung. Das hat auch
der Rechnungshof in seiner Stellungnahme klar
bestätigt. Die Richtervereinigung wiederum hat
der Bundesregierung dringend zur Notifikation
des Gesetzes bei der EU-Kommission geraten,
weil die Konformität mit dem EU-Beihilferecht
fraglich sei.
HARALD GUTSCHI
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S12
Appell an die Politik: Schluss mit der Linke-
Tasche-Rechte-Tasche-Politik
Bei den geringen Margen im Onlinehandel wird
die Paketsteuer mit hoher Wahrscheinlichkeit
an die Endkonsumenten weitergereicht. Das ist
preis- und inflationstreibend, das Finanzministerium
selbst rechnet mit Einnahmen von 280
Millionen Euro.
„Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt
wird durch die MwSt-Senkung ab 1. Juli laut
Budgetdienst des Parlaments rund 6 Euro im
Monat sparen – und durch die neue Paketabgabe
ab 1. Oktober rund 6 Euro draufzahlen. Das
ist klassische Linke-Tasche-rechte-Tasche-
Politik. Unterm Strich null Entlastung, aber ein
massiver bürokratischer Mehraufwand für die
betroffenen Händler und die Behörden“, bestätigt
Rainer Will.
Der Handelsverband appelliert daher eindringlich
an alle zuständigen Mitglieder der Bundesregierung,
die nationale Paketsteuer zu stoppen
und stattdessen sinnvolle Maßnahmen
zur Stärkung von Wachstum, Investitionen und
Wettbewerbsfähigkeit umzusetzen.
„Das letzte, was Österreich jetzt braucht, ist eine
innovationsfeindliche nationale Strafsteuer
auf eine der wenigen Wachstumsbranchen im
Land. Stattdessen sollte die Bundesregierung
die ohnehin geplanten europäischen Maßnahmen
wie den EU-Pauschalzoll von 3 Euro und
die EU-Bearbeitungsgebühr auf Pakete aus
Drittstaaten unter 150 Euro Warenwert konsequent
umsetzen sowie die Kontrollen gegenüber
Drittstaatenplattformen wie Temu, Shein
und AliExpress verschärfen“, fordert Harald
Gutschi.
„Mit der Paketsteuer geht Österreich Richtung
digitale Steinzeit. Für alle Unternehmen, die
hierzulande Onlinehandel betreiben, wird die
Innovationsbremse gezogen. Jeder, der glaubt,
dass man mit dieser Steuer einem stationären
Händler einen Gefallen tut, hat nicht verstanden,
dass wir eine Abgabenquote von 45
Prozent und eine enorme Bürokratiebelastung
haben. Dort zu entlasten, würde dem Handel
und der Wirtschaft tatsächlich helfen. Neue
Steuern sind hingegen Raubzüge gegen die
Bevölkerung und die Unternehmen“, so Handelssprecher
Rainer Will abschließend. (RED)
#ECOMLOG26
ECOM-
LOG26
E-COMMERCE
LOGISTIK-DAY
SAVE THE DATE:
21.09. 2026
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S14
Stoppt den Österreich-
Aufschlag
PVÖ-Präsidentin Gerstorfer und PVÖ-Generalsekretär
Rösner übergeben Staatssekretärin
Königsberger-Ludwig Unterschriftenlisten
für leistbare Preise.
Der Pensionistenverband Österreichs
(PVÖ) setzt sich entschieden gegen
die hohen Preisunterschiede bei
Lebensmitteln und Drogeriewaren
zwischen Österreich und Deutschland ein.
Unter dem Motto „Stoppt den Österreich-Aufschlag“
startete der PVÖ eine Unterschriftenaktion,
die von rund 30.000 Pensionistinnen
und Pensionisten unterstützt wurde. Die gesammelten
Unterschriften sowie die Forderungen
der älteren Generation für faire und leistbare
Preise wurden heute von PVÖ-Präsidentin Birgit
Gerstorfer und PVÖ-Generalsekretär Christian
Rösner-El-Heliebi an Ulrike Königsberger-Ludwig,
Staatssekretärin im Bundesministerium für
Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz,
übergeben.
Preisunterschiede von bis zu 129 Prozent –
eine Belastung für viele
Die Preisunterschiede zwischen Österreich
und Deutschland sind enorm: In manchen Fällen
zahlen Konsumentinnen und Konsumenten
in Österreich bis zu 129 Prozent mehr für
identische Produkte. Besonders betroffen sind
Pensionistinnen und Pensionisten, die oft mit
einem fixen Einkommen auskommen müssen
und daher besonders unter der Teuerung leiden.
„Die Preise für Lebensmittel, Drogeriewaren und
Dinge des täglichen Bedarfs scheinen gefühlt
täglich höher zu werden“, so PVÖ-Präsidentin
Gerstorfer. „Dass die gleichen Produkte in Österreich
teilweise fast doppelt so teuer sind wie in
Deutschland, ist für viele nicht mehr tragbar.“
Forderung nach nationalem
und europäischem Handeln
Der PVÖ fordert ein entschiedenes Vorgehen
gegen den sogenannten Österreich-Aufschlag –
sowohl auf nationaler als auch auf europäischer
Ebene. Bereits während der Regierungsverhandlungen
hat der Österreichische Seniorenrat ein
Forderungspapier mit wirksamen Maßnahmen
gegen die Teuerung übergeben. Die Unterschriftenaktion
soll den Druck auf die Politik erhöhen
und die Anliegen der älteren Generation noch
stärker sichtbar machen. „Mit dieser Aktion
möchten wir unserer Forderung noch mehr
Gewicht verleihen“, erklärt PVÖ-Generalsekretär
Rösner-El-Heliebi. (RED)
Fotocredit: Ludwig Schedl/PVÖ
Gestalten
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Sichtbarkeit –
Frequenz –
Reichweite
Gemeinsam bringen wir Ihr
Business ins Blickfeld.
LOGISTIK express – Ihr
Marktplatz für News,
Innovationen und Trends.
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S16
und Kundenzuwächse in Deutschland und
Europa getragen wurde. Kaufland steigerte
seinen Umsatz auf 36,7 Milliarden Euro (+4,3
Prozent) und festigte seine Marktposition insbesondere
in Deutschland und Osteuropa. Die
Expansion des Kaufland Marktplatzes in Italien
und Frankreich zeigt zudem die strategische
Bedeutung des Distanzhandels für die Gruppe.
Der Online-Marktplatz ist inzwischen in sieben
europäischen Ländern aktiv und trägt mit einem
Online-Umsatz von 1,7 Milliarden Euro maßgeblich
zum Gesamtumsatz bei.
Schwarz Gruppe:
Wachstum im Handel
und Distanzhandel mit
Zukunftsstrategie
Die Schwarz Gruppe, eines der führenden Handelsunternehmen
Europas, hat das Geschäftsjahr
2025 mit einer klaren Wachstumsstrategie
und beeindruckenden Zahlen abgeschlossen.
Mit einem Gesamtumsatz von
185,6 Milliarden Euro und einem
Umsatzplus von 5,8 Prozent
gegenüber dem Vorjahr setzt die
Gruppe ihren erfolgreichen Wachstumskurs
fort. Dabei spielen vor allem die Handelssparten
sowie der Distanzhandel eine zentrale Rolle.
Stabiler Wachstumsmotor Handel
Das Rückgrat der Schwarz Gruppe bildet der
Handel mit den bekannten Marken Lidl und
Kaufland. Beide Unternehmen sind als Nahversorger
fest in den Märkten verankert und
setzen konsequent auf Kundennähe. Im Jahr
2025 wurde das Filialnetz um 300 neue Standorte
auf insgesamt 14.500 Filialen ausgebaut,
was einem Plus von 2,1 Prozent entspricht.
Lidl erzielte einen Filialumsatz von 140,2 Milliarden
Euro, ein Wachstum von 6,1 Prozent,
das maßgeblich durch die Filialerweiterung
Distanzhandel als Wachstumsfeld
Der Distanzhandel, insbesondere über die
Online-Marktplätze von Lidl und Kaufland, ist
ein wichtiger Wachstumstreiber. Trotz eines
stabilen Online-Umsatzes auf Vorjahresniveau
plant die Schwarz Gruppe, diesen Bereich weiter
auszubauen. Die Kombination aus stationärem
Handel und digitalem Angebot ermöglicht
es, Kunden flexibel und umfassend zu bedienen
und so die Marktposition weiter zu stärken.
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft
Die Schwarz Gruppe setzt auch im Bereich
Nachhaltigkeit Maßstäbe. Die Kreislaufwirtschaftssparte
PreZero erweitert ihr Geschäftsmodell
und fokussiert sich verstärkt auf die
Sicherung wichtiger Rohstoffe. Mit einem Wertstoffumsatz
von 4,1 Milliarden Euro und dem
Einstieg ins Batterierecycling durch die Akquisition
von RE.LION.BAT treibt PreZero die autarke
Kreislaufwirtschaft voran. Strategische Partnerschaften,
etwa mit der BMW Group, fördern
die industrielle Wiederverwertung von Materialien.
Das Ziel der Gruppe ist klar: Bis 2030 sollen
rund 95 Prozent des innerbetrieblichen Abfalls
wiederverwendet, recycelt oder energetisch
verwertet werden.
Produktion und Versorgungssicherheit
Die produzierenden Unternehmen der Schwarz
Gruppe tragen maßgeblich zur Versorgungssicherheit
bei und steigerten ihren Umsatz um
23,9 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Investitionen
in den Ausbau der Großbäckerei Bonback
und der Zukauf des Konfitüren- und Honigherstellers
Göbber stärken die Unabhängigkeit der
Lieferketten und schaffen neue Arbeitsplätze.
Digitalisierung als Schlüssel zur Zukunft
Mit der Sparte Schwarz Digits investiert die
Gruppe stark in Digitalisierung und digitale
Fotocredit: Schwarz Corporate Affairs GmbH
Souveränität. Die IT- und Digital-Sparte erzielte
ein Umsatzplus von 15,8 Prozent auf 2,2 Milliarden
Euro. Die Cloud-Lösung STACKIT und der
Bau eines hochmodernen Rechenzentrums in
Lübbenau sind zentrale Projekte, die die digitale
Unabhängigkeit Deutschlands und Europas
stärken sollen. Kooperationen mit dem Bundesamt
für Sicherheit in der Informationstechnik
(BSI) unterstreichen die Bedeutung der Schwarz
Gruppe als Partner für souveräne digitale Infrastruktur.
Strategisches Voraushandeln sichert Erfolg
Trotz der Herausforderungen durch wirtschaftliche
und geopolitische Krisen konnte
die Schwarz Gruppe ihre Marktposition als
Nummer eins in Europa weiter festigen. Über
600.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen
mit ihrem Engagement maßgeblich zu diesem
Erfolg bei. Die langfristige Strategie des
Ökosystems, die Handel, Produktion, Kreislaufwirtschaft
und Digitalisierung vereint, bildet die
Basis für nachhaltiges Wachstum.
Investitionen für nachhaltiges Wachstum
und Souveränität
Für das Geschäftsjahr 2026 plant die Schwarz
Gruppe Investitionen von über 10 Milliarden
Euro, davon rund 5 Milliarden Euro allein in
Deutschland. Im Fokus stehen die Stärkung des
Kerngeschäfts im stationären Handel, der Ausbau
von Marktanteilen sowie die Sicherung der
digitalen und ressourcentechnischen Souveränität.
Mit diesen Maßnahmen übernimmt die
Schwarz Gruppe Verantwortung für den Wirtschaftsstandort
Deutschland und trägt zur
Stärkung eines souveränen Europas bei.
Mit dieser starken Kombination aus Handel,
Distanzhandel, Nachhaltigkeit, Produktion und
Digitalisierung zeigt die Schwarz Gruppe, wie
ein modernes Handelsunternehmen zukunftsfähig
aufgestellt sein kann – wirtschaftlich
erfolgreich, sozial verantwortlich und ökologisch
engagiert.
(RED)
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E-Commerce-Studie:
Onlinehandel wächst auf
Rekordwert von 12,3 Milliarden
Euro
Die brandneue 17. Ausgabe der bundesweiten
"E-Commerce-Studie Österreich" des Handelsverbandes
in Kooperation mit der KMU
Forschung Austria zeigt: Der österreichische
Onlinehandel wächst weiter.
GERALD KÜHBERGER
Der österreichische Onlinehandel
wächst weiter, verlagert sich immer
stärker Richtung Mobile und steht
vor einer doppelten Herausforderung
– dem Vertrauensaufbau bei KI-Funktionen
und dem wachsenden Kaufkraftabfluss zu
Fernost-Plattformen. Die Kernergebnisse im
Überblick:
• Solides Wachstum: Die E-Commerce-Ausgaben
der Österreicher:innen steigen 2026
auf den Rekordwert von 12,3 Mrd. Euro (+3%
gegenüber 2025; +24% seit 2023).
• 13% Online-Anteil: Bereits 13% aller einzelhandelsrelevanten
Konsumausgaben
fließen in den Online-Handel – Rekord!
• Shopper-Basis stabil: Wie im Vorjahr kaufen
auch heuer 5,8 Millionen Österreicher:innen
online ein (+5,5% gegenüber 2024).
• •Mobile Commerce boomt: Smartphone-
Shopping wächst um starke +32% auf 5,4
Mrd. Euro. Bereits 44% aller E-Commerce-
Ausgaben erfolgen mobil.
• Massiver Kaufkraftabfluss: 47% der
E-Commerce-Ausgaben (5,8 Mrd. Euro)
gehen an ausländische Anbieter; allein 1,3
Mrd. Euro fließen zu chinesischen Plattformen
wie Temu, Shein und AliExpress.
• KI auf dem Vormarsch: Bereits 37% der
Konsumenten nutzen KI-basierte Funktionen
bei Produktsuche, Empfehlungen oder
Informationsbeschaffung.
• Retouren bleiben Herausforderung: 54%
der Käufer:innen haben im vergangenen
Jahr mindestens einmal retourniert. Bei
Bekleidung liegt die Retourenquote bei
62%
WOLFGANG ZINIEL
E-Commerce im Reifemodus: Wachstum durch
Intensität, nicht durch neue Käufer:innen
"Der Onlinehandel ist in Österreich endgültig im
Reifemodus angekommen. Mit 12,3 Milliarden
Euro an E-Commerce-Ausgaben und einem
Wachstum von 3 Prozent im Vergleich zum
Vorjahr setzt die Branche heuer einen neuen
Maßstab. Die Herausforderung liegt jetzt darin,
dieses Volumen durch attraktive Angebote,
verlässlichen Service und faire Wettbewerbsbedingungen
im Inland zu halten, damit die
Volkswirtschaft profitiert", kommentiert Rainer
Will, Geschäftsführer des freien, überparteilichen
Handelsverbands, die Kernergebnisse der
neuen Studie. "Wachstum entsteht nicht mehr
durch neue Shopper, sondern durch eine
intensivere Nutzung bestehender Käuferinnen
und Käufer. Wir sehen mehr
Bestellungen, höhere Warenkörbe und
eine stärkere Verlagerung vom stationären
in den Online-Kanal."
Die durchschnittlichen Ausgaben pro
Kopf liegen 2026 bei 2.120 Euro und
damit leicht über dem Vorjahr. Damit
setzt sich das Wachstum fort, verlangsamt
sich aber sichtbar. Der Markt stabilisiert
sich auf hohem Niveau.
Smartphone wird dominierender Shopping-Kanal:
M-Commerce wächst
Die dramatischste Entwicklung der diesjährigen
Studie ist das Wachstum des
Mobile Commerce: Die Online-Ausgaben
via Smartphone und Tablet steigen
von 4,1 Mrd. Euro (2025) auf 5,4 Mrd. Euro
(2026) – ein starkes Plus von 32%. Der
M-Commerce-Anteil an den gesamten
E-Commerce-Ausgaben hat sich
seit 2023 nahezu verdoppelt: von 24%
auf 44%. Bereits 4,4 Millionen Österreicher:innen
kaufen mobil ein.
"Das Smartphone entwickelt sich immer
stärker zum dominierenden Shopping-
Kanal im E-Commerce: Bereits 80 Prozent
der Online-Shopper nutzen es
zur Informationssuche, und 71 Prozent
schließen ihren Einkauf direkt am Smart-
Top-Warengruppen 2026: Bekleidung,
Elektronik und Möbel
Bekleidung und Textilien bleiben mit 2,4
Milliarden Euro und einer Käuferreichweite
von 63% (= fast zwei Drittel der
Onlineshopper kaufen (auch) Bekleidung
und Textilien) die mit Abstand stärkste
Online-Kategorie. Dahinter folgen Elektro-
und Elektronikgeräte (1,5 Mrd. Euro;
36% Reichweite) sowie Möbel und Einrichtung
(1 Mrd. Euro; 27% Reichweite).
Kosmetik, Pflege und Parfüm (39% Reichweite)
sowie Schuhe und Taschen (35%)
runden das starke Mittelfeld ab.
"Bekleidung, Elektronik und Möbel sind
die klaren Umsatztreiber. Sie kombinieren
hohe Nachfrage mit substanziellen
Warenkörben. Spannend ist auch der
Blick auf die Mitte, denn der Online-
Einkauf dehnt sich kontinuierlich über
die klassischen Kernsortimente hinaus
aus auf Warengruppen wie Lebensmittel,
Werkzeug oder Medikamente",
erklärt Harald Gutschi, Geschäftsführer
der OTTO Austria Group, Vizepräsident
des Handelsverbands und Leiter des
HV-Fachforums "E-Commerce & Marktplätze".
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phone ab. Händler, die konsequent auf eine
Mobile-First-Strategie setzen, spielen in der
ersten Liga des digitalen Handels und können
wichtige Marktanteile zurückgewinnen. Wer
mobile Optimierung bis zur Perfektion betreibt,
wird künftig überdurchschnittlich erfolgreich
sein – insbesondere, weil gerade die jüngeren
Kundengenerationen das Smartphone immer
stärker als primären Einkaufskanal nutzen",
betont Rainer Will.
Besonders ausgeprägt ist die mobile Nutzung
bei Jüngeren: 64% der 15- bis 29-Jährigen und
sogar 65% der 30- bis 39-Jährigen kaufen via
Smartphone oder Tablet. Rund ein Drittel aller
Online-Shopper tätigt sämtliche Einkäufe ausschließlich
mobil.
Künstliche Intelligenz auf dem
Vormarsch: Vertrauen entscheidend
Erstmals beleuchtet die E-Commerce Studie
2026 systematisch die Rolle von Künstlicher
Intelligenz im Online-Einkauf. Das Ergebnis
ist ein differenziertes Bild: Drei Viertel aller
unter 24-Jährigen haben KI-Tools bereits
genutzt, beim tatsächlichen Online-Einkauf
ist die Durchdringung aber noch gering. 63%
der Online-Käufer:innen nutzen KI-Funktionen
wie Chatbots oder Produktempfehlungen beim
Shoppen grundsätzlich gar nicht.
"Künstliche Intelligenz ist im österreichischen
Online-Shopping funktional angekommen,
allerdings vor allem als Hilfsmittel für schnellere
Produktsuche und einfachere Orientierung.
Als echter Werttreiber hat sich die KI noch nicht
etabliert. Der Schlüssel liegt hier bei Transparenz
und Datenschutz. 68% der Konsumentinnen
und Konsumenten wollen klar erkennen,
wenn Preise oder Empfehlungen von einer KI
stammen. Die Hälfte der Befragten empfindet
die Analyse ihres Kaufverhaltens als problematisch.
Vertrauen ist damit die entscheidende
Währung", analysiert Studienleiter Wolfgang
Ziniel, Senior Researcher bei der KMU Forschung
Austria.
Deutlich altersabhängig zeigt sich die KI-Nutzung:
Während 43% der 15- bis 29-Jährigen
KI beim Einkauf nie einsetzen, sind es bei den
über 60-Jährigen bereits 80%. Voice Shopping
über Tools wie Amazon Alexa – seit Jahren als
Zukunftskanal gehandelt – bleibt auch 2026
ein Nischenformat: Lediglich 4% der Österreicher:innen
nutzen Sprachassistenten tatsächlich
zum Bestellen.
Kaufkraftabfluss: 5,8 Mrd. Euro wandern ins
Ausland, 1,3 Mrd. nach China
Ein zentrales Alarmsignal der Studie ist der
massive Kaufkraftabfluss: 47% der E-Commerce-Ausgaben
– also mindestens 5,8 Mrd.
Euro – fließen an ausländische Anbieter. Nur
8% der Online-Shopper bestellen ausschließlich
bei österreichischen Händlern.
Besonders auffällig ist der Aufstieg chinesischer
Niedrigpreisplattformen: Mit 1,3 Milliarden
Euro entfällt bereits mehr als ein Zehntel
der gesamten österreichischen E-Commerce-
Ausgaben auf chinesische Anbieter wie Temu,
Shein und AliExpress. 73% der Käufer:innen
nennen niedrigere Preise als Hauptmotiv.
Gleichzeitig bleiben Qualitätsunsicherheiten
(55% der Käufer:innen), lange Lieferzeiten (49%)
und komplizierte Rücksendungen (37%) erhebliche
Vorbehalte.
"Rund die Hälfte der österreichischen E-Commerce-Ausgaben
landet nicht bei heimischen
Händlern, sondern im Ausland. Dieser eklatante
Kaufkraftabfluss kostet uns Jahr für Jahr
tausende Arbeitsplätze und Steuereinnahmen
in Millionenhöhe. Fernost-Plattformen gewinnen
mit ihrem aggressiven Niedrigpreismodell
Marktanteile, vielfach ohne dabei regulatorische
Pflichten zu erfüllen, die für europäische
Händler selbstverständlich sind. Die EU-Roadmap
mit Pauschalzoll, Handling Fee und Plattformhaftung
geht in die richtige Richtung, sie
muss aber konsequent und lückenlos umgesetzt
werden. Am Ende hapert es immer beim
Vollzug, nicht an der Fülle an Regularien", sagt
Rainer Will.
Retouren: 54% der Shopper schicken zurück
Rücksendungen sind fester Bestandteil des
österreichischen Online-Einkaufsverhaltens:
54% der Käufer:innen haben im vergangenen
Jahr mindestens einmal retourniert. Frauen
(59%) und Jüngere (15–29 Jahre: 65%) retournieren
deutlich häufiger. Die Konzentration auf
wenige Kategorien ist enorm. "Das Segment
Bekleidung un Textilien führt mit 62% klar das
RAINER WILL
Retourenranking an, gefolgt von Schuhen mit
19% und Elektronik mit 12%. Retouren sind für
Händler nicht nur ein Kostenfaktor, sondern
auch ein strategisches Signal. Wer etwa bei
Bekleidung in neue KI-Tools, bessere Größenberatung,
Virtual Try-On oder präzisere Produktbeschreibungen
investiert, senkt seine
Retourenquote und schafft zugleich ein besseres
Kundenerlebnis. Professionelles Retourenmanagement
ist ein echter Wettbewerbsvorteil",
so Harald Gutschi.
Nationale Paketabgabe: 70% der
Bevölkerung lehnen neue Massensteuer ab
"Der österreichische E-Commerce-Markt hat
eine neue Entwicklungsstufe erreicht. Die
Käuferbasis ist weitgehend ausgeschöpft, das
Wachstum entsteht heute vor allem durch
höhere Ausgaben und eine stärkere Verlagerung
des Konsums in digitale Kanäle. Gleichzeitig
sehen wir neue Herausforderungen durch
internationale Plattformen, mobile Nutzung und
den Einsatz von KI. Künftig werden Vertrauen,
Transparenz und Servicequalität die entscheidenden
Erfolgsfaktoren sein", so das Fazit von
Studienautor Wolfgang Ziniel.
Der Handelsverband warnt im Zuge der Studienpräsentation
aber auch einmal mehr vor
den negativen Auswirkungen der geplanten
nationalen Paketsteuer. "Die Paketsteuer ist
defacto ein Österreich-Aufschlag von 2,40
Euro für den Onlinehandel. Unserem Land droht
dadurch der Verlust von 2.870 Jobs. Zusätzlich
wird unser BIP um 360 Millionen Euro jährlich
einbrechen und die öffentlichen Rückflüsse aus
Steuern und Abgaben werden um 167 Millionen
Euro zurückgehen", erklärt Handelssprecher
Rainer Will.
Hinzu kommt: Kaum eine politische Maßnahme
ist in der Bevölkerung unbeliebter als die nationale
Paketabgabe! 70% der Österreicher:innen
sprechen sich dagegen aus, 92% befürchten
höhere Endkundenpreisen und nur 28% glauben,
dass die Paketsteuer Fernost-Plattformen
wie Temu und Shein wirksam treffen wird.
Daher sollte die Bundesregierung hier dringend
die Reißleine ziehen! (RED)
Die vollständige E-Commerce-Studie Österreich
2026. Konsumentenverhalten im Online-
Handel erhalten Sie über den Handelsverband.
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S22
Klare Kante:
Handelsverband begrüßt
200-Mio-Strafe der EU
gegen Temu
EU-Kommission ahndet schwerwiegende Verstöße
der Fernost-Plattform gegen den Digital
Services Act (DSA). HV fordert temporäre
Sperre als Ultima Ratio bei erneutem Rechtsbruch.
GERALD KÜHBERGER
Der Handelsverband begrüßt die
heutige Entscheidung der EU-Kommission,
gegen den chinesischen
Online-Marktplatz Temu eine Strafe
in Höhe von 200 Millionen Euro zu verhängen.
Hintergrund sind massive Verstöße gegen den
Digital Services Act (DSA), insbesondere im
Zusammenhang mit der Risikobewertung illegaler
und potenziell gefährlicher Produkte auf
der Plattform.
„Die kürzliche Entscheidung der EU ist ein wichtiges
Signal für fairen Wettbewerb, Produktsicherheit
und den Schutz europäischer Konsumentinnen
und Konsumenten. Wer in Europa
Geschäfte machen will, muss sich auch an europäische
Regeln halten, unabhängig vom Unternehmenssitz“,
sagt Rainer Will, Geschäftsführer
des freien, überparteilichen Handelsverbands.
HV-Beschwerde gegen Temu zeigte schon
2024 unlautere Praktiken auf
Der Handelsverband weist seit Jahren auf
problematische Geschäftspraktiken asiatischer
Billigplattformen hin, von mangelhaften
Sicherheitsstandards über manipualtive
Geschäfftspraktiken bis hin zu irreführenden
Darstellungen von Werbebildern und Produktbeschreibungen
zulasten heimischer Händler.
Bereits im August 2024 hatte der HV als erste
Interessenvertretung eine UWG-Beschwerde
gegen Temu bei der Bundeswettbewerbsbehörde
(BWB) eingereicht. Im März 2026 hatte
die Prüfung der BWB die Vorwürfe des Handelsverbands
bestätigt – 3 unlautere Praktiken auf
der Plattform wurden inzwischen eingestellt
und eine neue Task Force bei Temu erwirkt.
650 Mio. Euro Bruttowarenwert: Temu bereits
zweitgrößter Marktplatz Österreichs
Die Zeit drängt, denn mittlerweile belegt Temu
im Ranking der umsatzstärksten Marktplätze in
Österreich nach Amazon den 2. Platz. 2025 hat
sich der verkaufte Bruttowarenwert auf Temu
hierzulande um 65% auf rund 650 Millionen
Euro gesteigert. „Es kann nicht sein, dass österreichische
Händler strengste Vorschriften auf
Punkt und Beistrich erfüllen, während Fernost-Plattformen
mit zweifelhaften und potenziell
gesundheitsgefährdenden Produkten den
Markt fluten. Die EU-Kommission zeigt heute
erfreulicherweise klare Kante. Daran sollte
sich auch die Bundesregierung orientieren und
ihre unsinnige nationale Paketabgabe kübeln“,
so Handelssprecher Rainer Will. „Die Antwort
auf den Druck durch globale Plattformen kann
nicht sein, die eigenen Unternehmen zusätzlich
zu belasten, sondern für fairen Wettbewerb zu
sorgen.“
HV-Aktionsplan für ein Level Playing Field im
Onlinehandel
Der Handelsverband fordert eine konsequente
Fortsetzung des eingeschlagenen Weges auf
EU-Ebene. Dazu zählen der Ausbau der Ressourcen
bei den Zollbehörden, wirksamere
Kontrollen, raschere Sanktionen, die Einführung
einer Plattform-Haftung für die korrekte
Warendeklaration sowie temporäre Sperren
als Ultima Ratio bei wiederholtem Rechtsbruch.
(RED)
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LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S24
eCommerce Day 2026
300 Branchenentscheider diskutierten KI-
Commerce, Fair Play und digitale Innovationen.
eCommerce Awards 2026 vergeben.
MANUEL FRIEDL
Im Fokus von Österreichs wichtigstem
eCommerce-Kongress standen die Auswirkungen
von Künstlicher Intelligenz
auf Handel und Konsument:innen, die
geplante nationale Paketsteuer sowie faire
Wettbewerbsbedingungen im internationalen
Onlinehandel. Der eCommerce Day 2026 des
Handelsverbandes brachte vergangenen Donnerstag
die führenden Köpfe der österreichischen
und europäischen Onlinehandelsbranche
in der Eventlocation Ariana in der Wiener
Seestadt zusammen.
WALTER TREZEK
WALTER TREZEK
Rund 300 Gäste nutzten den wichtigsten
Onlinehandelskongress des Landes, um über
die zentralen Herausforderungen und Chancen
zu diskutieren – mit dabei u. a. Vertreter
von eCommerce Europe, Temu, Otto, Niceshops,
Lagerhaus und Post.
„Der eCommerce befindet sich in einer Phase
tiefgreifender Veränderungen. Künstliche
Intelligenz verändert die Customer Journey,
neue Plattformmodelle verschieben Marktanteile,
der internationale Wettbewerb wird
intensiver, während unsere Regierung in
Österreich innovative heimische Unternehmen
und deren Beschäftigte mit neuen Steuern
unter Druck bringt“, sagt Rainer Will,
Geschäftsführer des freiwilligen, überparteilichen
und unabhängigen Handelsverbands.
„Umso wichtiger ist es, dass Europa die richtigen
Rahmenbedingungen schafft, damit Innovation,
Wettbewerb und Fairness künftig Hand
in Hand gehen und nationale Irrwege vermieden
werden.“
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S26
KI-Commerce verändert die Spielregeln
Für einen ersten Höhepunkt sorgte Dirk von
Gehlen von der Süddeutschen Zeitung mit
seiner Keynote „Aufmerksamkeit im Zeitalter
von KI-Commerce“. Im Mittelpunkt stand
die Frage, wie sich Konsumverhalten, Produktsuche
und Kaufentscheidungen verändern,
wenn Künstliche Intelligenz zunehmend
selbst zum Einkaufsassistenten wird. V
on Gehlens Ratschlag: Man sollte neue Entwicklungen
nicht als Angriff auf die natürliche
Ordnung der Dinge verstehen, sondern versuchen,
diese mit den zur Verfügung stehenden
Mitteln und ohne Anspruch auf Perfektion im
eigenen Unternehmen anzuwenden. Oder, ganz
einfach formuliert: „Lerne mit dem zu kochen,
was gerade im Kühlschrank ist!“
eCommerce-Ausgaben steigen um 3 %, Kaufkraftabfluss
erreicht 47 %
Doch kein eCommerce Day ohne die neuesten
Marktdaten. Laut Wolfgang Ziniel von der KMU
Forschung Austria sind die eCommerce-Ausgaben
der Österreicher:innen im letzten Jahr um
3 % auf 12,3 Mrd. Euro gestiegen. Beim Smartphone-Shopping
betrug das Plus sogar 32 %.
Bereits 10 % der eCommerce-Ausgaben entfallen
auf chinesische Anbieter, insgesamt fließen
47 % des Einkaufsvolumens ins Ausland ab.
Mehr dazu in der eCommerce Studie 2026, die
in Kürze über den Handelsverband erhältlich ist.
„Die aktuellen Zahlen zeigen, wie dynamisch
sich der digitale Handel entwickelt. Gleichzeitig
sehen wir, dass mittlerweile bereits 1,3 Mrd.
Euro in Richtung China abfließen.
Das unterstreicht, wie wichtig faire Wettbewerbsbedingungen
und die Stärkung heimischer
Anbieter sind“, so Rainer Will.
Fairer Wettbewerb im globalen Onlinehandel
Genau mit diesen Wettbewerbsbedingungen
beschäftigten sich auch die folgenden
Podiumsdiskussionen. Unter dem Titel „Strategien
für eCommerce-Erfolg im internationalen
Wettbewerb“ diskutierten Gero Furchheim,
Präsident der europäischen Dachorganisation
eCommerce Europe, Lukas Mikolasek von Alza.
at, Stephanie Reimann von Raiffeisen Ware
Austria und Peter Umundum, Vorstand der
Österreichischen Post. Interessant: Neben einer
einhellig kritischen bis ablehnenden Beurteilung
der geplanten Paketsteuer standen auch
stark die aktuellen Wachstumspotenziale der
österreichischen Unternehmen, etwa im Auslandsgeschäft,
im Fokus der Diskussion.
Temu am Podium
Noch heißer zur Sache ging es beim folgenden
Podium, als sich mit Leonard Klenner erstmals
ein Vertreter der umstrittenen Fernost-Plattform
Temu einer öffentlichen Diskussion mit
Petra Leupold vom VKI sowie Harald Gutschi
von Otto Austria stellte. Klenner betonte trotz
der Verhängung einer Geldbuße von 200 Mio.
Euro durch die Europäische Kommission vor
zwei Wochen, dass Temu alle Ziele der EU-
Gesetzgebung teile und u.a. an Compliance-
Verbesserungen arbeite. Sowohl Leupold als
auch Gutschi erkannten zwar Fortschritte an,
beide sahen aber das Ziel bei weitem noch
nicht erreicht.
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S28
All Eyes on: Innovation
Weitere Programmhighlights beschäftigten
sich mit den Auswirkungen von Generative
Engine Optimization (GEO) auf die digitale Sichtbarkeit
von Unternehmen. Kaspar Syzmanski
von den Search Brothers sieht gerade vor diesem
Hintergrund Google-Konformität weiterhin
als essenziell für den Erhalt des Online-Traffics
an. Ana-Maria Achim von CRIF erklärte, welchen
Änderungsbedarf die neue EV-Verbraucherkreditrichtlinie
für Online-Händler ab spätestens
November 2026 bedeutet.
Ein absolutes Best-Practice-Beispiel aus dem
Onlinehandel brachte der steirische Hidden
Champion Niceshops. Zwei besonders beeindruckende
Benchmarks, die CEO Christoph
Schreiner präsentierte, waren eine Retourenquote
von im Branchenvergleich verschwindend
geringen 3 % sowie eine Fluktuationsrate
von 1 %.
Pünktlich zum Anpfiff der Fußball-WM sprachen
Clarissa Groll von der Post-Tochter ACL
sowie Katrin Mittendrein von Sky Österreich bei
einem Fireside Chat mit dem Thema „eCommerce
in the global Sports & Media Economy“.
Und natürlich durfte auch eine Podiumsdiskussion
zum aktuellen Stand der Dinge im Bereich
Payment am eCommerce Day nicht fehlen. Mit
dabei: Stefanie Ahammer von Visa, Michael Bratl
von Hobex und Armin Weger, CEO von Humanic
und Shoe4You. Die Kernaussage, formuliert von
Armin Weger: „Kunden wollen nicht bezahlen
sondern kaufen. Darum arbeiten wir permanent
daran, die Reibung zu reduzieren. Im besten Fall
soll man die Zahlung gar nicht merken.“
Unter der Moderation von Markus Kuntke, bei
REWE ebenso wie beim Handelsverband Leiter
der Bereiche Innovation & Startups, präsentierte
die Retail Innovation Session neue Technologien,
Geschäftsmodelle und Trends, die den
Handel der kommenden Jahre prägen werden.
Mit dabei: Franz Koller von Joy_, Kim Niedner
von Otto und David Reichhartinger von Pixelart.
Premiere „eCommerce Award“ – Trustmark
Awards als Exzellenzkategorie verankert
Zum Abschluss des Kongresses wurde erstmals
der neue eCommerce Award des Handelsverbandes
verliehen. Prämiert wurden Webshops,
die durch besondere Leistungen in den
Bereichen Benutzerfreundlichkeit, Vertrauen,
technische Qualität und Customer Experience
überzeugen konnten. In den unterschiedlichen
Kategorien setzten sich die Unternehmen
Hornbach, Kastner & Öhler, GymBeam und Gans
gegen ein großes Feld an Einreichungen durch.
Die traditionsreichen Trustmark Awards wurden
als exklusive Exzellenzkategorie innerhalb
des eCommerce Award verankert. Als Schirmherr
fungiert Logistikdienstleister Hermes.
„Mit dem eCommerce Award holen wir jene
Unternehmen vor den Vorhang, die mit innovativen
Konzepten, hoher Servicequalität und
großem Engagement tagtäglich hervorragende
Leistungen erbringen. Die ausgezeichneten
Unternehmen zeigen eindrucksvoll, welches
Innovationspotenzial und welche Qualitätsstandards
der heimische Onlinehandel zu bieten
hat“, sagt Rainer Will.
Der eCommerce Day wurde auch heuer wieder
von zahlreichen Partnern unterstützt, insbesondere
von Mollie und der Österreichischen
Post sowie Nexi, CRIF, Kaufland, Advanzia
Bank, Wolt, Rajapack, Pliant, PSA, Visa und
Quivo.
„Ich gehe optimistisch nach Hause.
Wir haben heute gesehen, wie viel
Innovationskraft, Kreativität und
unternehmerischer Mut im österreichischen
und europäischen Handel steckt.
Die präsentierten Lösungen zeigen, dass
der Handel die großen Herausforderungen
unserer Zeit nicht nur bewältigt, sondern aktiv
gestaltet“, schloss Handelsverbands-Präsident
Stephan Mayer-Heinisch den Kongress, der wie
in den vergangenen Jahren von Werner Sejka
(Puls 4) ebenso kompetent wie charmant moderiert
wurde. Genügend Gesprächsstoff gab
es freilich auch noch beim Ausklang am Networking-Buffet.
https://youtu.be/c3clvw76JZo
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S30
Hornbach.at & Gans.at
räumen doppelt ab:
Handelsverband verleiht
erstmals eCommerce
Award an Österreichs
beste Webshops
Premiere für den eCommerce Award: Gans,
GymBeam, Kastner & Öhler und Hornbach als
beste Webshops Österreichs ausgezeichnet.
Die traditionsreichen Trustmark Awards mit
Schirmherr Hermes wurden als eigenständige
Exzellenzkategorie verliehen.
MANUEL FRIEDL
Premiere für eine exklusive Auszeichnung
in der österreichischen Handelsbranche:
Der Handelsverband hat
gestern im Rahmen des eCommerce
Day erstmals den eCommerce Award verliehen.
Ausgezeichnet wurden mit Gans, GymBeam,
Kastner & Öhler und Hornbach jene Webshops,
die durch besondere Leistungen in den Bereichen
Benutzerfreundlichkeit, Vertrauen, technische
Qualität und Customer Experience überzeugen.
„Der österreichische Onlinehandel steht für
Innovationskraft, Kundennähe und unternehmerischen
Mut. Mit dem eCommerce Award
holen wir jene Unternehmen vor den Vorhang,
die mit innovativen Konzepten, hoher Servicequalität
und großem Engagement tagtäglich
hervorragende Leistungen erbringen“, erklärt
Rainer Will, Geschäftsführer des freiwilligen,
überparteilichen und unabhängigen Handelsverbands.
Wissenschaftliche Bewertung als
objektive Grundlage
Die Bewertung erfolgte in Zusammenarbeit mit
dem Campus Wieselburg der FH Wiener Neustadt
anhand eines wissenschaftlich entwickelten
Kriterienkatalogs. Berücksichtigt wurden
unter anderem Aspekte wie User Experience,
technische Umsetzung, Performance, Transparenz
und Vertrauenswürdigkeit.
„Unser Ziel war es, eine objektive und nachvollziehbare
Bewertung zu ermöglichen. Durch die
wissenschaftliche Methodik können Webshops
unterschiedlicher Größen fair miteinander verglichen
werden“, erklärt Stefan Eibl, Leiter des
Masterstudiengangs E-Commerce & AI-Shopping
am Campus Wieselburg der FH Wiener
Neustadt. Sein Resümee bei der Preisverleihung:
„Ich bin begeistert über die hohe Qualität,
die unsere Shops in Österreich anbieten.“
RAINER WILL
Die Gewinner des eCommerce Award 2026
Um vergleichbare Rahmenbedingungen zu
schaffen, wurden die teilnehmenden Webshops
anhand ihrer monatlichen Besucherzahlen in
vier Größenkategorien eingeteilt.
Hier die Gewinner:
• Rising Shops: Gans
• Growing Shops: GymBeam
• Leading Shops: Kastner & Öhler
• Champion Shops: Hornbach
Traditionsreiche Trustmark Awards als exklusive
Exzellenzkategorie verankert
Die Trustmark Awards bilden als exklusive
Exzellenzkategorie einen festen Bestandteil
der neuen eCommerce Awards. Ausgezeichnet
werden ausschließlich Unternehmen mit dem
Gütesiegel Trustmark Austria – dem ältesten
anerkannten Qualitätsnachweis für vertrauenswürdigen
Onlinehandel in Österreich. Der
Logistikdienstleister Hermes fungierte hier zum
5. Mal als Schirmherr.
Die Gewinner der Trustmark Awards 2026:
• Kategorie KMU: Gans
• Kategorie Enterprise: Hornbach
„Mit den Trustmark Awards zeichnen wir seit
vielen Jahren besonders vertrauenswürdige
Online-Shops aus. Diese bei den Kunden langjährig
etablierte Erfolgsmarke führen wir konsequent
weiter und integrieren sie gleichzeitig
in ein modernes Gesamtkonzept zur Auszeichnung
digitaler Exzellenz im österreichischen
eCommerce. Denn Vertrauen bleibt natürlich
einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren im
Online-Handel“, so Handelssprecher Will.
Erfolgreiche Premiere
Teilnahmeberechtigt bei den eCommerce
Awards waren alle in Österreich tätigen Webshops
mit Checkout- und Versandfunktion.
Voraussetzung für die Einreichung waren ein
Unternehmensnachweis sowie ein dokumentierter
Qualitätsnachweis in Form eines Gütesiegels
oder entsprechender Kundenbewertungen.
„Die erfolgreiche Premiere ist erst der Anfang.
Der eCommerce Award soll sich als jährlicher
Gradmesser für Qualität, Innovation und Kundenorientierung
im österreichischen Onlinehandel
etablieren. Wir freuen uns bereits auf
die nächste Verleihung im Jahr 2027“, sagt Rainer
Will abschließend.
Die Einreichphase für den eCommerce Award
2027 sowie die Trustmark Awards startet im
Herbst 2026. (RED)
Gruppenfoto (v.l.n.r.): Nina
Putz (Handelsverband), Stefan
Eibl (FH Wiener Neustadt),
Sophie Weiner (Gans),
Rainer Will (Handelsverband),
Peter Eberdorfer
(Hornbach), Michael Hyna
(Hornbach), Patrick Schabhüttl
(Hermes) und Tobias
Fittner (GymBeam).
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S32
Neue CRIF-Analyse zeigt:
Cyberangriffe werden
komplexer und gezielter
Cyberkriminelle handeln verstärkt mit E-Mail-,
Kreditkarten- und Zugangsdaten. Prävention
und datenbasierte Risikobewertung werden
immer wichtiger.
Cyberkriminalität entwickelt sich
zunehmend zu einem strukturellen
Risiko für Unternehmen und Konsument:innen
– auch in Österreich. Das
zeigt der aktuelle „Cyber Report“ von CRIF, der
Entwicklungen rund um Datenlecks und Cyberrisiken
im Open Web und Dark Web analysiert.
Anca Eisner-Schwarz, Geschäftsführerin von
CRIF Österreich: „Wir führen ein kontinuierliches
Monitoring sowie eine strukturierte Analyse
von im Internet zirkulierenden Daten durch, mit
besonderem Fokus auf risikobehaftete Umgebungen,
wie dem Dark Web.“
CRIF analysierte 2025 dafür mit seinem in London
ansässigen Tochterrunternehmen fünf
Milliarden von Datensätzen, mit dem Ziel die
wichtigsten Arten exponierter Informationen zu
identifizieren (z. B. Zugangsdaten, personenbezogene
Daten, Finanzdaten und viele mehr).
Ziel der Arbeit im Dark Net ist es, besonders riskante
Datenkombinationen zu erkennen und zu
analysieren (z. B. E Mail und Passwort, vollständige
Identitätsprofile). Außerdem will CRIF damit
frühzeitig Trends und sich entwickelnde Muster
von Cyberbedrohungen identifizieren und letztlich
dabei Mithelfen die Wirkung von Cyberangriffen
abzuschwächen.
„Nur“ 2,2 Millionen Warnmeldungen
Die Spezialisten von CRIF haben im Jahr 2025
mehr als 2,2 Millionen Warnmeldungen im
Zusammenhang mit Datenexposition im Dark
Web registriert – das war ein Anstieg von 5,8
Prozent gegenüber 2024. Damit erreichte die
Zahl der Warnmeldungen 2025 den höchsten
bislang erfassten Wert. Gleichzeitig hat die
durchschnittliche Schwere dieser Vorfälle um
22 Prozent zugenommen. Die Anzahl der Warnmeldungen
spiegelt jedoch nicht das gesamte
globale Ausmaß kompromittierter Daten wider,
sondern ausschließlich die im Rahmen der CRIF
Services identifizierten und gemeldeten Ereignisse.
Konkret bedeutet es: Warnmeldungen
beziehen sich nur auf Daten, die erkannt und
einem überwachten Nutzer zugeordnet werden
konnten. Die betrachtete Datenbasis basiert
auf der CRIF Kundenstruktur, mit einem starken
Schwerpunkt auf den italienischen Markt.
ANCA EISNER-SCHWARZ
Europa im Fokus von Cyberkriminalität – auch
Österreich bleibt betroffen
Die aktuellen Daten zeigen für Österreich ein differenziertes
Risikoprofil im internationalen Vergleich:
Bei kompromittierten E-Mail-Domains
liegt Österreich auf Platz 28 weltweit (2024:
29), während das Nachbarland Deutschland
hier Platz 4 einnimmt. Unter den Ländern, die
am stärksten von Online-Diebstahl von E-Mail-
Adressen und Passwörtern betroffen sind, belegen
die USA den ersten Platz, gefolgt von Russland
und dem Iran.
Im Bereich gestohlener Kreditkartendaten liegt
Österreich 2025 auf Rang 74 (2024: 54). Gleichzeitig
ist Europa insgesamt die am stärksten
betroffene Region beim Handel mit Kreditkartendaten
und verzeichnet hier einen Anstieg von
mehr als 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zu
den europaweit am stärksten betroffenen Ländern
zählen Deutschland, Frankreich und Spanien.
Bei geleakten Telefonnummern belegt Österreich
Platz 49 weltweit sowie Rang 10 innerhalb
der Europäischen Union – und liegt damit auf
einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. „Österreich
zählt im internationalen Vergleich zwar
nicht zu den am stärksten betroffenen Ländern,
gleichzeitig zeigen die Daten klar, dass auch
hierzulande Cyberrisiken ein dauerhaft relevantes
Thema bleiben – insbesondere vor dem Hintergrund
zunehmend komplexer und gezielter
Angriffe“, sagt Anca Eisner-Schwarz weiter.
Schwache Passwörter & kombinierte Datensätze
verschärfen Cyberrisiken
Ein zentraler Trend ist die zunehmende Verfügbarkeit
umfassender Datensätze im Dark Web.
Während früher oft einzelne Informationen
kompromittiert wurden, zirkulieren heute vermehrt
Kombinationen mehrerer sensibler Daten.
Zu den häufigsten Kombinationen zählen Kreditkartendaten
in Verbindung mit Namen (94 Prozent
der Fälle) und E-Mail-Adressen mit Passwörtern
(91,5 Prozent). Eine besonders wertvolle
Information für Cyberkriminelle ist die vollständige
Wohnadresse, die in 44,5 Prozent der Fälle
gemeinsam mit Telefonnummern auftaucht.
Hinzu kommt, dass personenbezogene Datensätze
häufig mehrere sensible Merkmale kombinieren:
So treten Passnummern in Verbindung
mit Vor und Nachnamen in 64,6 Prozent der Fälle
auf und – wenn auch seltener – gemeinsam mit
der vollständigen Wohnadresse in 57,5 Prozent
der Fälle.
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S34
Solche Datensätze erhöhen die Möglichkeiten
für gezielte Betrugsversuche erheblich. Gerade
beim Handel mit Kreditkartendaten zeigt sich
eine zunehmende Professionalisierung. Europa
gilt als die weltweit am stärksten betroffene
Region, wobei neben vollständigen Kreditkartennummern
oft zusätzliche personenbezogene
Informationen wie Namen mitverkauft werden.
Dadurch steigt das Risiko für Finanzbetrug, Identitätsdiebstahl
und gezielte Social-Engineering-
Angriffe deutlich. „Wir beobachten, dass sich die
Qualität der verfügbaren Daten verändert hat.
Die Kombination mehrerer Informationen erhöht
die Verwertbarkeit für Angreifer und macht
Betrugsversuche gezielter“, so Eisner-Schwarz.
Die Analyse zeigt auch, dass einfache Passwörter
weiterhin weit verbreitet sind. In Österreich
zählen „123456789“, „passwort“ und gängige
Vornamen zu den häufigsten im Dark Web
gefundenen Passwörtern.
Unternehmen zunehmend im Fokus
Neben privaten Nutzer:innen geraten auch
Unternehmen verstärkt ins Visier. Der Anteil
kompromittierter Geschäftskonten ist 2025
weltweit auf 9,8 Prozent gestiegen. Das zeigt,
dass auch organisationale Strukturen zunehmend
Ziel von Cyberangriffen werden. Die Daten
zeigen zudem Unterschiede zwischen den
Altersgruppen: Besonders häufig betroffen sind
Personen zwischen 51 und 60 Jahren sowie über
60-Jährige. Diese Gruppen zählen zu den am
stärksten exponierten Nutzer:innen.
Ein weiterer Faktor ist der zunehmende Einsatz
künstlicher Intelligenz. Technologien wie automatisiert
generierte Inhalte oder Deepfake-
Anwendungen tragen dazu bei, dass Angriffe
zunehmend schwerer zu erkennen sind.
Gleichzeitig ermöglichen KI-gestützte Phishing-
und Omni-Phishing-Kampagnen immer
glaubwürdigere und präzisere Betrugsversuche.
Cyberkriminelle nutzen KI zudem verstärkt
zur Erstellung täuschend echter Identitäten,
gefälschter Dokumente und personalisierter
Kommunikationsinhalte. „Technologische Entwicklungen
führen dazu, dass Cyberangriffe
effizienter und gleichzeitig komplexer werden.
Dadurch steigen die Anforderungen an Prävention
und Risikobewertung“, so Eisner-Schwarz.
Datenbasierte Risikobewertung
Vor diesem Hintergrund gewinnt ein strukturierter,
datenbasierter Umgang mit Cyberrisiken
zunehmend an Bedeutung. Unternehmen
stehen vor der Herausforderung, ihre Datenexposition
besser zu verstehen und Risiken kontinuierlich
zu bewerten. CRIF unterstützt Organisationen
dabei mit datenbasierten Analysen
und Lösungen zur Bewertung und Überwachung
von Risiken. Anca Eisner-Schwarz betont: „Ein
bewusster und transparenter Umgang mit Daten
ist eine zentrale Voraussetzung, um Risiken
frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen
zu treffen.“
(RED)
Technologien,
Trends und Tools
für den Handel
retail-techday.at
19.NOV
RETAIL
TECH-DAY
2026
TECH GATE
VIENNA
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S36
Vom Nebenjob zum
Unternehmen: Wie Österreichs
Generation Z den
E-Commerce als Sprungbrett
nutzt
Die Ergebnisse basieren auf der eBay Entrepreneurship
Survey, durchgeführt im Jänner
2026 mit 531 Personen zwischen 18 und 64
Jahren in Österreich. Ziel war es, Einstellungen
zu Selbstständigkeit, Nebenbeschäftigungen
und digitalen Vertriebswegen zu erfassen.
In Österreich wächst der Wunsch nach
Selbstständigkeit – besonders bei jungen
Menschen. Laut der aktuellen eBay Entrepreneurship
Survey Österreich träumen
fast die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen davon,
ein eigenes Unternehmen zu gründen. Doch der
Weg in die Selbstständigkeit ist oft mit Unsicherheiten
und finanziellen Hürden gepflastert.
Die gute Nachricht: Immer mehr junge Gründer:innen
sehen im E-Commerce und insbesondere
im Aufbau eines Nebenerwerbs („Side
Hustle“) eine risikoärmere und flexible Möglichkeit,
ihre Geschäftsideen zu verwirklichen.
Unternehmertum als flexible
Nebenbeschäftigung
Während klassische Unternehmensgründungen
häufig als Vollzeitkarriere verstanden werden,
zeigt die Umfrage einen klaren Trend zu flexiblen
Modellen: 60 Prozent der Befragten würden
ein Kleinunternehmen neben ihrem Hauptjob
gründen, bei der Generation Z sind es sogar 63
Prozent. Für viele ist das zusätzliche Einkommen
der Hauptantrieb, aber auch die Möglichkeit,
Geschäftsideen zu testen, bevor sie den
Schritt in die Vollzeit-Selbstständigkeit wagen.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Herausforderungen
wider: 35 Prozent der Befragten
sehen fehlende finanzielle Mittel als größte
Hürde, während viele jüngere Gründer:innen
zudem unsicher sind, wie sie überhaupt starten
sollen. Niedrige Einstiegshürden und geringe
Anfangskosten sind daher entscheidende Motivatoren
– 39 Prozent wünschen sich genau das.
Digital First: Online-Marktplätze als Türöffner
Die Digitalisierung spielt eine zentrale Rolle
bei der Unternehmensgründung. 30 Prozent
der Befragten bevorzugen den Aufbau
ihres Geschäfts über einen Online-Marktplatz,
knapp gefolgt von 28 Prozent, die einen
eigenen Webshop favorisieren. Online-Marktplätze
wie eBay bieten damit einen besonders
einfachen und schnellen Markteintritt.
Der internationale Verkauf über Online-Plattformen
ist für viele Gründer:innen ein wichtiger
Anreiz: 75 Prozent wissen, dass sie so
Kund:innen weltweit erreichen können. Für 62
eBay ist einer der weltweit größten Online-
Marktplätze, der Millionen von Käufer:innen
und Verkäufer:innen in über 190 Märkten
verbindet. Mit einem Bruttowarenvolumen
von 79,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025
bietet eBay eine Plattform, die wirtschaftliche
Chancen für alle schafft.
Prozent macht diese globale Reichweite die
Gründung attraktiver – bei der Generation Z
sind es sogar 68 Prozent. Gleichzeitig sehen
viele Gründer:innen aber auch Herausforderungen,
etwa in Form hoher Investitionen oder
fehlendem Fachwissen. Hier bieten etablierte
Marktplätze eine praxisnahe Unterstützung.
Chancen und Perspektiven für
Österreichs Gründer:innen
Die Umfrage zeigt ein klares Bild: Österreichs
nächste Gründer:innen-Generation denkt groß,
sucht aber nach realistischen und niederschwelligen
Wegen, um überhaupt zu starten.
Unternehmertum wird zunehmend als flexible
Nebentätigkeit verstanden, die finanzielle
Sicherheit und Wachstumsmöglichkeiten vereint.
Plattformen wie eBay spielen dabei eine Schlüsselrolle,
indem sie Gründer:innen ermöglichen,
ihre Ideen mit geringem Risiko zu testen, Kund:innen
zu erreichen und ihr Geschäft Schritt für Schritt
auszubauen – auch neben einem regulären Job.
Fazit: Der Trend zum Side Hustle im E-Commerce
bietet eine vielversprechende Perspektive
für alle, die den Traum von der Selbstständigkeit
hegen, aber finanzielle und zeitliche
Risiken scheuen. Mit digitalen Marktplätzen als
Partner können Gründer:innen in Österreich
ihre unternehmerischen Visionen verwirklichen
– flexibel, international und mit einem starken
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Zwischen Pflicht und
Wettbewerbsvorteil:
Warum EDI im Handel
neu gedacht werden
muss
Der elektronische Datenaustausch (EDI) galt
im Handel lange als notwendige Pflichtübung,
um Anforderungen großer Handelspartner zu
erfüllen. Heute entwickelt sich diese Technologie
jedoch zunehmend zum strategischen
Rückgrat moderner Lieferketten und damit zu
einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
ANDERS KNUDSEN
Der Handel steht aktuell unter erheblichem
Veränderungsdruck. Steigende
Kundenerwartungen, volatile
globale Lieferketten, zunehmende
regulatorische Anforderungen und die fortschreitende
Digitalisierung führen zu einer
wachsenden operativen Komplexität. Während
Technologien wie Künstliche Intelligenz oder
datenbasierte Preisgestaltung viel Aufmerksamkeit
erhalten, bleibt EDI häufig im Hintergrund,
obwohl es eine zentrale Rolle für die
Funktionsfähigkeit des gesamten Systems
spielt.
Lange Zeit wurde EDI vor allem als Mittel zur
Einhaltung von Vorgaben verstanden. Lieferanten
mussten standardisierte Dokumente
wie Bestellungen, Lieferavise und Rechnungen
digital austauschen, um überhaupt mit großen
Handelsunternehmen zusammenarbeiten zu
können. Dieses Verständnis greift heute jedoch
zu kurz. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass
EDI längst über die reine Compliance hinausgewachsen
ist und als integraler Bestandteil
moderner Handelsprozesse betrachtet werden
muss – ein Ansatz, den auch Anbieter wie True-
Commerce verfolgen, die EDI gezielt als Plattform
für integrierte Handelsprozesse weiterentwickeln
Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der strukturellen
Veränderung des Handels. Omnichannel-Modelle
sind zur Norm geworden,
Lieferzeiten verkürzen sich kontinuierlich und
die Erwartungen an Transparenz entlang der
gesamten Lieferkette steigen. In diesem Umfeld
entscheidet nicht mehr allein der Preis über den
Markterfolg, sondern zunehmend die Fähigkeit,
Prozesse effizient, fehlerfrei und in Echtzeit zu
steuern.
ANDREAS KNUDSEN
Gleichzeitig kämpfen viele Unternehmen noch
immer mit fragmentierten Systemlandschaften,
die historisch gewachsen sind. ERP-Systeme,
Lagerverwaltung, E-Commerce-Plattformen
und Lieferantenschnittstellen arbeiten häufig
isoliert voneinander. Diese fehlende Integration
führt zu erheblichen Problemen im Tagesgeschäft.
Lösungsanbieter wie TrueCommerce
setzen genau an dieser Stelle an, indem sie
EDI nicht isoliert betrachten, sondern als verbindendes
Element zwischen ERP, Logistik und
Handelspartnern positionieren. Informationen
zu Beständen sind nicht aktuell, Aufträge verzögern
sich, manuelle Eingriffe erhöhen die
Über das Netzwerk True-Commerce sind
zahlreiche Handelsunternehmen integriert.
Dazu zählen Aldi Süd, Edeka, Alnatura, dm,
Rossmann, Bauhaus oder Galeria. Darüber
hinaus umfasst das Netzwerk Plattformen
und Händler wie Amazon, was für Omnichannel-Strategien
relevant ist. Insgesamt
ermöglicht das Netzwerk die Anbindung
an über 180.000 Handelspartner weltweit
und schafft eine Grundlage für die digitale
Zusammenarbeit entlang der Lieferkette.
Fehleranfälligkeit und fehlerhafte Rechnungen
belasten die Liquidität. Besonders im volumengetriebenen
Handel können solche Ineffizienzen
direkte Auswirkungen auf Margen und Lieferfähigkeit
haben.
Die Ursachen dieser Probleme sind häufig in
mangelnder Synchronisation und fehlender
Datenintegration zu finden. Wenn Systeme
nicht miteinander kommunizieren, entstehen
Medienbrüche, die zu Überverkäufen, Lieferverzögerungen
oder Compliance-Verstößen
führen können. Fehlerhafte oder verspätete
Lieferavise sowie ungenaue Rechnungen ziehen
nicht selten Strafzahlungen oder zusätzliche
administrative Aufwände nach sich.
Vor diesem Hintergrund gewinnt EDI eine neue
Bedeutung. Moderne EDI-Lösungen fungieren
nicht mehr nur als Schnittstelle zum Austausch
von Dokumenten, sondern als zentrale Integrationsplattform
innerhalb des gesamten Handelsökosystems.
Sie verbinden unterschiedliche
Systeme miteinander und sorgen dafür,
dass Daten konsistent und in Echtzeit verfügbar
sind.
Durch eine solche Integration lassen sich Prozesse
durchgängig automatisieren, wodurch
manuelle Eingriffe reduziert und Fehlerquellen
minimiert werden. Gleichzeitig beschleunigt
sich die Auftragsabwicklung, da Bestellungen,
Lieferbestätigungen und Rechnungen
ohne Verzögerung verarbeitet werden können.
Unternehmen erhalten zudem eine bessere
Transparenz über ihre Bestände und Lieferketten,
was die Planungssicherheit erhöht und
Engpässe reduziert. Auch finanzielle Risiken
lassen sich verringern, da präzisere Daten die
Wahrscheinlichkeit von Abweichungen und
daraus resultierenden Strafzahlungen senken.
Ein zusätzlicher Treiber dieser Entwicklung
sind die Anforderungen großer Handelsunternehmen.
Insbesondere international agierende
Händler und Discounter setzen zunehmend auf
standardisierte und vollständig digitalisierte
Prozesse. Sie erwarten von ihren Lieferanten
nicht nur die Einhaltung technischer Vorgaben,
sondern auch eine hohe Datenqualität und
Prozessgeschwindigkeit. Für viele Lieferanten
wird EDI damit zur Grundvoraussetzung für die
Zusammenarbeit und gleichzeitig zur Chance,
eigene Abläufe effizienter zu gestalten.
Hinzu kommt die Komplexität moderner Vertriebsmodelle.
Unternehmen müssen unterschiedliche
Kanäle parallel bedienen, etwa stationäre
Filialen, Online-Shops, Marktplätze oder
Drop-Shipping-Modelle. Diese Vielfalt erfordert
flexible und skalierbare Prozesse, die sich
ohne eine integrierte Datenbasis kaum effizient
steuern lassen. EDI ermöglicht es, diese unterschiedlichen
Anforderungen zu bündeln und in
ein konsistentes Prozessmodell zu überführen.
Darüber hinaus gewinnt die Rolle von Daten im
Handel weiter an Bedeutung. EDI ist längst nicht
mehr nur ein Instrument für den Austausch
von Transaktionen, sondern auch eine wertvolle
Quelle für strukturierte und verlässliche
Informationen. Wenn diese Daten systemübergreifend
verfügbar sind, können Unternehmen
fundiertere Entscheidungen treffen, beispielsweise
bei der Nachfrageprognose, der Sortimentsplanung
oder der Preisgestaltung.
Der Handel befindet sich damit an einem Wendepunkt.
Während neue Technologien Innovation
und Differenzierung ermöglichen, entscheidet
die Qualität der operativen Prozesse
über die tatsächliche Wettbewerbsfähigkeit.
EDI ist dabei kein Relikt vergangener IT-Strukturen,
sondern ein zentraler Baustein moderner
Handelsarchitekturen.
Unternehmen, die EDI konsequent in ihre Systemlandschaft
integrieren, automatisieren
und strategisch weiterentwickeln, schaffen
die Grundlage für effizientere Abläufe, höhere
Skalierbarkeit und eine bessere Anpassungsfähigkeit
an Marktveränderungen. Letztlich
zeigt sich, dass nicht die Technologie selbst den
Unterschied macht, sondern die Art und Weise,
wie sie eingesetzt wird. (RED)
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S40
Wie Unternehmen mit
sozialen Normen
gesteuert werden können
Globale Marken stehen vor der Herausforderung,
zwischen einheitlicher Präsentation und
lokaler Anpassung ihrer Produkte zu entscheiden
– sei es bei Luxus-Handtaschen oder
Fast-Food-Menüs.
Ob eine französische Luxusmarke in
ihren Stores in aller Welt die gleichen
Handtaschen in ihren Schaufenstern
ausstellt oder ob globale
Fast-Food-Ketten ihr Sortiment an länderspezifische
Gegebenheiten anpassen, ist für diese
Unternehmen mit ihrer typischerweise hohen
Zahl von Niederlassungen eine herausfordernde
Management-Entscheidung. Ein Forschungsteam
von Wirtschaftswissenschaftler hat nun
untersucht, wie diese Unternehmen im Spannungsfeld
zwischen Flexibilität und Standardisierung
zu guten Lösungen gelangen können.
Die Ergebnisse wurden kürzlich im European
Journal of Operational Research vorgestellt.
Unternehmen und Organisationen, die geografisch
verteilt ähnliche Produkte oder Dienstleistungen
in verschiedenen Märkten anbieten,
stehen häufig vor der Frage: Wie stark zentralisiert
können und sollen sie agieren, um eine
möglichst gute Performance zu erzielen?
Stephan Leitner, Co-Autor des aktuellen Papers,
erklärt dazu: „Einerseits möchten die Organisationen
durch zentrale Steuerung eine einheitliche
Markenidentität in allen Einheiten gewährleisten,
andererseits wollen sie den Einheiten
genügend Autonomie einräumen, um auf lokale
Herausforderungen reagieren zu können.“
In der Forschung wurde bisher immer von einem
Kompromiss zwischen Leistung und Standardisierung
ausgegangen: Mehr Performance erfordert
mehr Dezentralisierung; Standardisierung
braucht hingegen mehr zentrale Steuerung.
Harte Vorgaben, die Standards durchsetzen
wollen, führen also mitunter zu Einbußen bei
der Performance, weil die Besonderheiten von
Märkten nicht ideal genutzt werden.
Ravshanbek Khodzhimatov, Stephan Leitner und
Friederike Wall (Fachbereich für Controlling und
strategische Unternehmensführung der Universität
Klagenfurt) haben nun untersucht, wie
weiche Steuerungsmechanismen wie soziale
Normen, informelle Kommunikationsstrukturen
oder Social Influence diesen scheinbaren Zielkonflikt
zwischen Standardisierung und Leistung
auflösen können. Stephan Leitner und Friederike
Wall führen zu einer der Grundannahmen
aus: „Wir setzen an der intrinsischen Tendenz
der Manager:innen an, sich am Verhalten ihrer
Kollegen zu orientieren.“
Ravshanbek Khodzhimatov, Stephan Leitner
und Friederike Wall (2026). Conformity: Resolving
the trade-off between performance and
standardization in multi-unit organizations.
European Journal of Operational Research,
https://bit.ly/4aN8dli
Zum Einsatz kommt ein agentenbasiertes Modell
einer Organisation mit mehreren voneinander
abhängigen Einheiten, die mit sehr ähnlichen
Aufgabenumgebungen konfrontiert sind. In dieses
Modell hat das Forschungsteam verschiedene
Annahmen zur Motivation, zum Verhalten
und zu den Entscheidungen der Manager:innen
integriert.
Die Simulation ermöglichte es schließlich, zu
untersuchen, wie die Struktur der Kommunikationsbeziehungen,
der tatsächliche Wissensaustausch
und die Anpassung an des Verhaltens
der Organisationsmitglieder die Dynamik in
der Organisation beeinflussen. „Mit dem Modell
konnten wir feststellen, dass bei bestimmten
Kommunikationsstrukturen eine verstärkte
Dezentralisierung sowohl die Leistung als auch
die Standardisierung verbessern kann“, erklärt
Stephan Leitner. (RED)
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LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S42
Decathlon eröffnet
weitere Filiale im Wiener
Gerngross-Center
Mit einem sportlichen Erlebnisprogramm,
Promi-Gast und regem Besucher-Interesse
eröffnete Decathlon seine siebente Filiale.
von 30 Euro, auch die 2.000 Gutscheine à 10
Euro wurden von allen sehr gerne angenommen
und auch am selben Wochenende noch
eingelöst. Der neue Store verwandelte sich in
den ersten zwei Tagen in eine sportliche Erlebniswelt.
Zahlreiche Besucher:innen jeden Alters
strömten in die neue Filiale, um unterschiedliche
Sportarten auszuprobieren, an Challenges
teilzunehmen und natürlich um durch das breite
Sortiment zu stöbern. Maskottchen DECATONI
war ebenfalls vor Ort und sorgte gemeinsam
mit einem DJ für besonders gute Stimmung am
Eröffnungswochenende.
Mit langen Schlangen bereits vor
der Eröffnung hat Decathlon
kürzlich seine siebente Filiale in
Österreich in Betrieb genommen.
Im Gerngross-Center auf der Mariahilfer Straße
bringt der Sportartikelhersteller und -händler
sein Angebot auf rund 1.500 Quadratmetern
mitten in eine der belebtesten Einkaufsstraßen
des Landes. „Die Mariahilfer Straße ist einer der
lebendigsten Orte Österreichs – genau deshalb
der perfekte Standort für uns“, sagt Ana Aguilo,
Country Leaderin von Decathlon Österreich.
Ansturm, Goodie Bags und Promi-Gast
Die ersten 100 Besucher sicherten sich innerhalb
weniger Minuten ein Goodie Bag im Wert
Zudem besuchte Mirko Kos, Torhüter im Profikader
des FK Austria Wien, die neue Filiale, trat
bei sportlichen Challenges gegen Besucher an
und sorgte für große Begeisterung.
Decathlon wurde 1976 gegründet und
zählt mit über 15 Milliarden Euro Umsatz
sowie 105.000 Mitarbeiter zu den größten
internationalen Sportartikelherstellern
und -händlern weltweit. In 1.750 Filialen in
58 Ländern wird Ausrüstung und Bekleidung
für rund 70 verschiedene Sportarten
unter einem Dach angeboten. In Österreich
betreibt Decathlon derzeit sieben Filialen
sowie einen Online-Shop.
Fotocredit: Decathlon/Romar Ferry
Ana Aguilo: „Sport schafft Begegnungen und
verbindet Menschen unabhängig von Alter,
Herkunft oder Leistungsniveau. Genau dieses
Gefühl wollten wir bei unserer Eröffnung transportieren
– und das ist uns gelungen.“
Urbanes Konzept und moderner Store
Das Sortiment im neuen Store deckt die meistgefragten
Sportbereiche des Stadtlebens ab –
ergänzt durch Click & Collect mit Zugang zum
gesamten Online-Angebot für über 70 Sportarten.
Gerhard Wohlmacher, Center-Manager
des Gerngross: „Mit Decathlon setzen wir einen
starken Impuls im Gerngross auf der Mariahilferstraße
und erweitern unser Angebot nachhaltig.“
Mit der Neueröffnung im Gerngross betreibt
Decathlon nun sieben Filialen in Österreich
und unterstreicht damit seinen konsequenten
Expansionskurs im Land. Durch den neuen
Standort entstanden zudem mehrere Arbeitsplätze.
Geleitet wird die neue Filiale von Store
Leader Nikita Shramko, der bereits langjährige
Erfahrung bei Decathlon mitbringt.
Gemeinsam mit seinem
Team soll der Standort
zu einem Treffpunkt
für sportbegeisterte
Wiener werden.
Aguilo abschließend:
„Unsere Teams leben
den Sport – das spüren
die Kund:en. Wer
bei Decathlon arbeitet,
wird nicht nur Teil eines
internationalen Unternehmens,
sondern einer Gemeinschaft, die für Bewegung,
Fairness und Weiterentwicklung steht.“
Noch in diesem Jahr steht übrigens eine weitere
Eröffnung – im Greif Center in Innsbruck –
am Programm. (RED)
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LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S44
easyGroup startet mit
easyShop.com: Neuer
Online-Marktplatz für den
täglichen Einkauf in
Partnerschaft mit OnBuy
Die easyGroup, bekannt für ihre vielfältige
easy®-Markenfamilie, betritt mit der Einführung
von easyShop.com einen bedeutenden
neuen Markt: den Online-Einzelhandel.
In Zusammenarbeit mit dem etablierten
E-Commerce-Technologieunternehmen
OnBuy bringt easyGroup noch in diesem
Jahr einen innovativen Marktplatz an den
Start, der den täglichen Einkauf für Verbraucher
in 21 europäischen Ländern revolutionieren soll.
easyShop.com bleibt der Kernphilosophie der
easyGroup treu: Einfachheit und ein attraktives
Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Plattform
wird Einzelhändler aus verschiedenen
Ländern an einem zentralen Ort bündeln und
ihnen ermöglichen, ihre Produkte grenzüberschreitend
anzubieten – ohne die sonst
übliche Komplexität der Verwaltung mehrerer
lokaler Marktplätze. Das macht easyShop
zu einer zukunftsorientierten Lösung, die
auf nachhaltiges Wachstum ausgelegt ist.
OnBuy bringt mit seiner bewährten OnCommerce-Plattform
die nötige Infrastruktur und
operative Kompetenz mit, um den grenzüberschreitenden
Handel in großem Maßstab zu
unterstützen. Der Erfolg von OnBuy, der in den
letzten drei Jahren ein Wachstum von über
86 % verzeichnete und mittlerweile mehr als
100 Millionen Produkte in Europa anbietet, bildet
eine solide Basis für den neuen Marktplatz.
Sir Stelios Haji-Ioannou, Gründer der easyGroup,
betont die strategische Bedeutung dieses
Schrittes: „Ein Online-Einzelhandelsmarktplatz
mit einer großartigen Domain wie easyShop ist
ein natürlicher nächster Schritt für die easy-Markenfamilie.
Wir freuen uns, mit OnBuy zusammenzuarbeiten
und ab dem vierten Quartal 2026
Verbrauchern in 21 Ländern ein unkompliziertes,
preisgünstiges Einkaufserlebnis zu bieten.“
Cas Paton, Gründer von OnBuy, ergänzt: „easyShop
beseitigt viele der Hindernisse, die normalerweise
die Expansion im Einzelhandel
erschweren. Als reiner Marktplatz ohne eigene
Lagerbestände oder lokale Infrastruktur ermöglicht
easyShop Einzelhändlern, schnell und
effizient in mehreren Ländern präsent zu sein.“
Für Einzelhändler bietet easyShop eine faire
und transparente Plattform, die langfristiges
Wachstum fördert, ohne mit den Verkäufern
zu konkurrieren. Das Onboarding von
Verkäufern läuft bereits vor dem offiziellen
Start, sodass Händler von Anfang an Sichtbarkeit
auf dem neuen Marktplatz erhalten.
Mit easyShop.com erweitert die easyGroup
ihre Markenpräsenz des täglichen Online-Einkaufs
und setzt dabei auf Partnerschaften und
moderne Technologie, um Verbrauchern und
Händlern gleichermaßen einen echten Mehrwert
zu bieten. Interessierte Händler können
sich unter www.easyShop.com anmelden. Für
weitere Informationen über die easyGroup und
ihre philanthropischen Aktivitäten, besuchen
Sie https://stelios.foundation/.
(RED)
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LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S46
Amazon KMU Report:
Steirische KMU steigern
Exportumsatz über
Amazon um 30 Prozent
Steirische KMU setzen Wachstumskurs fort:
Über 320 Unternehmen erzielen 2025 mehr
als 90 Mio. Euro Exportumsatz über Amazon.
Die Steiermark festigt ihre Position
als starker Player im internationalen
E-Commerce: Im vergangenen
Jahr verkauften mehr als 320 steirische
kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
ihre Produkte über Amazon und erzielten dabei
einen gemeinsamen Exportumsatz von über 90
Millionen Euro – ein beeindruckendes Plus von
30 Prozent gegenüber 2024.
Mit rund einer Million ins Ausland verkaufter
Produkte ist die Steiermark nach Wien das
zweitstärkste Bundesland in Österreich in
Sachen Amazon-Exportumsatz. Bemerkenswert
ist, dass das Wachstum im „grünsten
Bundesland“ mit 30 Prozent deutlich über dem
österreichweiten Durchschnitt von 6 Prozent
liegt.
Trotz eines weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen
Umfelds zeigt der aktuelle „KMU
Impact Report“ von Amazon, der gemeinsam
mit der Wirtschaftskammer Österreich präsentiert
wurde, eine positive Entwicklung:
Österreichische KMU erzielten 2025 insgesamt
mehr als 730 Millionen Euro Umsatz über
Amazon und verkauften über 20 Millionen
Produkte in mehr als 150 Länder und Gebiete.
Während laut Statistik Austria die österreichischen
Gesamtexporte um 0,5 Prozent zurückgingen,
konnten die Exportumsätze der Amazon-vermarktenden
KMU um 6 Prozent steigen.
Seit 2016 hat Amazon rund eine Milliarde Euro
in Infrastruktur und Personal in Österreich
investiert, davon 265 Millionen Euro allein im
Jahr 2025.
„Mit einem Exportwachstum von ca. 30
Prozent zeigen steirische KMU, dass auch
regionale Betriebe digitale Vertriebskanäle
erfolgreich für die Internationalisierung
nutzen“, betont Yorck von Mirbach,
Country Lead Österreich und Schweiz
bei Amazon. „Vom traditionellen Familienbetrieb
bis zum innovativen Start-up
– wir bieten Reichweite, Logistik und KIgestützte
Tools, damit Unternehmen auch
international wettbewerbsfähig bleiben.“
Fazit: Die starke Exportentwicklung
steirischer KMU über Amazon zeigt eindrucksvoll,
wie regionale Unternehmen
digitale Vertriebskanäle nutzen,
um international zu wachsen und ihre
Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Mit
innovativen Produkten, gezielter Logistikunterstützung
und umfassenden
Schulungsangeboten ebnet Amazon den
Weg für den Erfolg österreichischer KMU
auf globalen Märkten. (RED)
Steirische Unternehmen punkten mit
Innovation und digitalen Geschäftsmodellen
Die Bandbreite der steirischen Exporterfolge
ist vielfältig: Von Kosmetik über
Smart-Home-Lösungen bis hin zu Lifestyle-
und Energielösungen – steirische
Unternehmen nutzen Amazon als wichtigen
digitalen Vertriebskanal und zur
Neukundengewinnung. So setzt etwa der
H1 Shop mit seiner Kosmetikmarke Cosphera
auf „Versand durch Amazon“ (FBA),
um schnelle Lieferzeiten und zuverlässigen
Prime-Service zu gewährleisten.
„Das Vertrauen unserer Kunden steht für
uns an erster Stelle. Der Service von Amazon
ist ein wichtiger Baustein für nachhaltiges
Wachstum und hohe Kundenzufriedenheit“,
erklärt das Unternehmen.
Auch J. Hornig nutzt Amazon als Umsatztreiber
und zur Marktanalyse: „Amazon
ist für uns ein wichtiger Weg, um neue
Produkte sichtbar zu machen und schnell
Feedback aus dem Markt zu bekommen“,
sagt Christoph Regger, Head
of e-Commerce & Digital Marketing.
Das Start-up Nuki Home Solutions, das
smarte Zutrittslösungen anbietet, profitiert
vom Amazon Launchpad-Programm
und dem PanEU FBA-Logistikservice,
um Kunden europaweit schnell
zu erreichen. Im vergangenen Jahr startete
Nuki zudem den Vertrieb in den USA.
Diese Beispiele zeigen, wie steirische
Unternehmen mit Innovationskraft
und digitaler Ausrichtung neue Märkte
erschließen und ihre Wettbewerbsfähigkeit
europaweit stärken.
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S48
Temu und ERP Austria:
Compliance-Lösung für
den Distanzhandel
Wie Temu mit ERP Austria die erweiterte Herstellerverantwortung
in Österreich meistert
und Händlern im Distanzhandel unterstützt.
Temu und ERP Austria: Kooperation für EPR-
Compliance in Österreich
Temu, eine globale E-Commerce-Plattform mit
Präsenz in über 90 Märkten, hat eine strategische
Partnerschaft mit ERP Austria geschlossen.
ERP Austria ist eine führende Compliance-
Organisation, die Unternehmen in Österreich
bei der Erfüllung ihrer Pflichten im Rahmen der
erweiterten Herstellerverantwortung unterstützt.
Diese umfasst gesetzliche Vorgaben zur
Registrierung, Produktmeldung und Zahlung
von Umweltgebühren für Kategorien wie Verpackungen,
Batterien, Einwegkunststoffe sowie
Elektro- und Elektronikaltgeräte.
Der europäische Online-Handel steht
vor großen Herausforderungen:
Neue Zoll- und Umweltvorschriften,
insbesondere die erweiterte
Herstellerverantwortung (EPR), stellen Händler
vor komplexe Compliance-Aufgaben. Gleichzeitig
wächst der Wettbewerbsdruck durch
asiatische Plattformen wie Temu, Shein oder
Alibaba, die mit günstigen Preisen und innovativen
Geschäftsmodellen europäische Händler
zunehmend herausfordern. Ein aktuelles
Beispiel, wie chinesische Plattformen auf die
europäischen Regulierungen reagieren, ist die
Kooperation von Temu mit der European Recycling
Platform (ERP) Austria GmbH.
Die Kooperation basiert auf einem sogenannten
„Pay-on-behalf“-Service: Temu übernimmt für
die Verkäufer auf seiner Plattform die zentralen
EPR-Verpflichtungen in Österreich. Das bedeutet,
dass Temu die Registrierung, Meldungen
und Zahlungen an die zuständigen Stellen für
seine Händler abwickelt und ihnen so die Einhaltung
der komplexen Vorschriften erleichtert.
Dieser Schritt wurde vom österreichischen
Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt,
Energie, Mobilität, Innovation und Technologie
als konstruktive Maßnahme begrüßt, um
Online-Marktplatz-Verkäufer besser in das
nationale EPR-System zu integrieren.
Warum ist das wichtig?
Die erweitere Herstellerverantwortung verpflichtet
Unternehmen, die bestimmte Produkte
in Verkehr bringen, aktiv zur Finanzierung von
Sammel-, Rücknahme- und Recyclingmaßnahmen
beizutragen. Für viele kleine und mittlere
Händler auf Online-Marktplätzen ist die Umsetzung
dieser Anforderungen jedoch komplex
und mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden.
Durch die Kooperation mit ERP Austria
bietet Temu seinen Verkäufern eine praktische
und effiziente Lösung, die Compliance sicherzustellen
und gleichzeitig den Marktzugang zu
erleichtern.
Chinas Plattformen und die europäische
Zollreform: Ein Katz-und-Maus-Spiel
Die Kooperation von Temu mit ERP Austria ist
Teil einer größeren Strategie asiatischer Plattformen,
sich den europäischen Regulierungen
anzupassen und gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit
zu erhalten. Europäische Länder
wie Österreich und Frankreich haben in den
letzten Jahren neue Zoll- und Umweltsteuern
auf Kleinsendungen aus Drittstaaten eingeführt,
um den heimischen Handel zu schützen
und Steuereinnahmen zu sichern.
Doch diese Maßnahmen zeigen oft nur
begrenzte Wirkung: So führte Frankreich im
März 2026 eine Steuer auf Kleinsendungen ein,
die deutlich hinter den erwarteten Einnahmen
zurückblieb. Plattformen wie Temu umgingen
die Vorschriften, indem sie ihre Sendungen
über alternative europäische Flughäfen wie
Lüttich in Belgien umleiteten. Ähnliche Umgehungsstrategien
werden auch für Österreich
erwartet, was die Effektivität nationaler Alleingänge
infrage stellt.
Kritik an nationalen Alleingängen und
Forderung nach EU-weiten Lösungen
Handelsverbände und Experten warnen vor den
negativen Folgen nationaler Sondersteuern
wie der österreichischen Paketsteuer. Diese
könnten Innovationen bremsen, Arbeitsplätze
gefährden und den heimischen Handel nicht
wie gewünscht stärken. Stattdessen wird eine
konsequente Umsetzung europäischer Maßnahmen
wie des EU-Pauschalzolls und der EU-
Bearbeitungsgebühr für Pakete aus Drittstaaten
unter 150 Euro gefordert.
Zudem sollten Kontrollen gegenüber Drittstaatenplattformen
verschärft werden, um
faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
Rainer Will, Geschäftsführer des freien Handelsverbands,
bringt es auf den Punkt: „Die
Paketsteuer ist ein Innovations- und Jobkiller,
der vor allem österreichische Familien und
Händler belastet, während Drittstaatenhändler
sich weiterhin entziehen können.“
Distanzhandel im Wandel: Chancen
und Herausforderungen
Die zunehmende Bedeutung des Distanzhandels
zeigt sich deutlich am Beispiel von
Temu und anderen asiatischen Plattformen,
die mit Niedrigpreisangeboten und einem
breiten Sortiment den europäischen Markt
erobern. Insbesondere in Deutschland und
Österreich entgehen dem lokalen Einzelhandel
durch diese Wettbewerber Milliardenumsätze.
Das Weihnachtsgeschäft 2025
verdeutlichte diesen Trend eindrucksvoll.
Gleichzeitig eröffnet die Kooperation von Temu
mit ERP Austria eine neue Perspektive: Durch
die Integration von Compliance-Lösungen
können auch ausländische Händler nachhaltiger
und regelkonformer agieren. Dies könnte
langfristig zu einem faireren Wettbewerb und
mehr Transparenz im grenzüberschreitenden
Online-Handel führen.
Fazit: Kooperationen als Schlüssel zur
Zukunft im Distanzhandel
Die Zusammenarbeit von Temu mit ERP Austria
ist ein Beispiel dafür, wie globale Plattformen
auf europäische Regulierungen reagieren
und gleichzeitig ihre Marktposition stärken.
Für Händler auf Online-Marktplätzen bietet
dies eine praktische Unterstützung bei der
Einhaltung komplexer Umweltvorschriften.
Gleichzeitig zeigt die Situation um Zoll- und
Umweltsteuern, dass nationale Alleingänge
wenig effektiv sind und europäische Lösungen
sowie verstärkte Kontrollen notwendig
sind, um faire Wettbewerbsbedingungen im
Distanzhandel zu schaffen. Der Distanzhandel
bleibt ein dynamisches und herausforderndes
Feld, in dem innovative Kooperationen,
klare Regulierungen und ein ausgewogenes
Zusammenspiel von Handel und Nachhaltigkeit
entscheidend für den zukünftigen Erfolg
sind. (RED)
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S50
Österreich kauft smarter:
digital geplant, stationär
gekauft
Europäische Studie von Shopfully: Konsumenten
in Österreich kaufen 2026 bewusster,
strategischer und digital vorbereiteter als je
zuvor.
Angebote, Preis-Leistungs-Verhältnis
und digitale Einkaufsplanung
bestimmen zunehmend, wo gekauft
wird – der eigentliche Kaufabschluss
erfolgt jedoch weiterhin überwiegend im stationären
Handel. Das zeigt die aktuelle europäische
Studie „The State of Shopping 2026“ von Shopfully,
für die mehr als 6.600 Konsument:innen in
acht europäischen Ländern befragt wurden.
93 Prozent der österreichischen Befragten
informieren sich bereits online, bevor sie ein
Geschäft betreten. Gleichzeitig kaufen 60 Prozent
überwiegend stationär ein. Die Customer
Journey wird damit immer hybrider: Digitale
Kanäle beeinflussen die Kaufentscheidung, der
stationäre Handel bleibt jedoch zentraler Ort des
Einkaufs.
Österreich bleibt beim Blick auf die Kaufkraft
optimistischer
Mit 45 Prozent der Befragten, die von steigender
Kaufkraft für 2026 ausgehen, liegt Österreich
klar über dem europäischen Durchschnitt von
33 Prozent. Trotz eines Rückgangs des Optimismus
um 13 Prozentpunkte – nur Bulgarien und
Rumänien verzeichnen mit 15 Prozentpunkten
stärkere Einbußen – behauptet Österreich seine
Spitzenposition und ist der optimistischste Markt
im Ländervergleich. Gleichzeitig bleibt die Ausgabendisziplin
hoch: 38 Prozent wollen trotz
erwarteter Kaufkrafterweiterung sparen.
Die Einkaufsreise beginnt online
Der Kaufabschluss erfolgt überwiegend stationär,
die Entscheidungsfindung ist jedoch mittlerweile
klar digital geprägt. 93 Prozent der österreichischen
bzw. 91 Prozent der europäischen
Befragten informieren sich vor dem Kauf online.
Dieser Anteil betrug 2025 in Österreich noch 86
Prozent (EU: 82). 59 Prozent der Österreicher:innen
geben mittlerweile an, sich immer oder
häufig vor einem Kauf online zu informieren.
Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, die dies nie
tun, von 14 auf 7 Prozent gesunken (EU: 18 auf
9). Käufer:innen stöbern nicht nur nach Inspiration,
sondern suchen aktiv nach Schnäppchen,
vergleichen Händler und planen ihre Einkäufe,
bevor sie ein Geschäft betreten. 52 Prozent (auch
EU) suchen über Aktionsplattformen.
Sonderangebote bleiben entscheidend
Sonderangebote und Preisvorteile sind der
wichtigste Hebel: 53 Prozent der Österreicher:innen
greifen gezielt zu reduzierten Produkten (EU:
52 Prozent). Gleichzeitig gehen viele Befragte
strategischer vor, wenn es darum geht, wo sie
einkaufen. 45 Prozent der Österreicher:innen
(EU: 44) verteilen ihre Einkäufe auf verschiedene
Händler, um die besten Angebote zu finden. 44
Prozent der Österreicher:innen (EU: 42) reduzieren
nicht lebensnotwendige Anschaffungen.
Auch auf Markenebene findet ein struktureller
Wandel statt.
37 Prozent der Österreicher:innen wechseln
häufiger zu günstigeren Marken oder Eigenmarken
– höher sind die Werte nur in Frankreich (41)
und Spanien (37). Einschränken möchten sich
die Befragten vor allem bei Kleidung (35 Prozent,
EU: 36), Möbel (34, EU: 46) und Elektronik (34, EU:
41).
The place to shop: Das physische Geschäft
60 Prozent der Österreicher:innen (EU: 62) kaufen
überwiegend im stationären Handel, während
nur 2 Prozent (auch EU) hauptsächlich online
einkaufen. Hybrides Einkaufen ist mittlerweile in
allen Märkten zur Normalität geworden. Im Vergleich
zu 2025 stieg der Anteil der Befragten, die
Online- und Ladeneinkäufe kombinieren, von 33
auf 37 Prozent (EU von 31 auf 36), während der
Anteil der reinen Online-Einkäufer in Österreich
von 13 auf 2 Prozent sank. Europaweit fiel dieser
Wert von 6 auf 2 Prozent. Das Einkaufen wird
flexibler, wobei Verbraucher:innen zunehmend
digitale und physische Kontaktpunkte in ein und
demselben Einkaufserlebnis miteinander verbinden.
In Bereichen des täglichen Bedarfs dominiert
nach wie vor der stationäre Handel. 96 Prozent
der europäischen Befragten kaufen Lebensmittel
und Getränke hauptsächlich im stationären
Geschäft. In Italien und Spanien ist diese Präferenz
sogar noch ausgeprägter (98), dicht gefolgt
von Bulgarien, Deutschland und Österreich (97).
Auch Apotheken (AT: 83, EU: 88) sowie Körperpflegeprodukte
(AT: 90, EU: 83) sind nach wie vor
fest im stationären Handel verankert. In Kategorien
wie Elektronik (AT: 30, EU: 24), Mode (AT:
28, EU: 21) und Spielzeug (AT: 20, EU: 16) ist der
Online-Einkauf beliebter, spielt aber immer noch
eine untergeordnete Rolle gegenüber dem stationären
Handel.
Daten werden geteilt, wenn der Nutzen klar ist
Während 38 Prozent (EU: 36 Prozent) ihre Daten
grundsätzlich nicht mit Händlern teilen möchten,
würden 39 Prozent (EU: 38) dies tun, um bessere
Angebote und Rabatte zu erhalten. Weitere
18 Prozent (EU: 29) würden Daten für relevantere
Aktionen und personalisierte Angebote teilen.
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S52
Treue ist zunehmend an
Bedingungen geknüpft
Die europäischen Befragten zeigen
nach wie vor eine klare
Bindung an vertraute Händler,
doch diese Treue ist nicht
unerschütterlich. Die Wahl
des Geschäfts wird durch eine
Kombination aus Gewohnheit,
Bequemlichkeit, Sonderangeboten
und Markenverfügbarkeit
bestimmt. Das Ergebnis ist eine
Handelslandschaft, in der Käufer:innen
zwar regelmäßig zu denselben Ketten
zurückkehren, aber auch offen für einen Wechsel
sind, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis
stimmt. Was die Kundenbindung flüchtiger
macht, ist die wachsende Bedeutung von Sonderangeboten.
56 Prozent der europäischen Befragten geben
an, dass sie bereit sind, ihren üblichen Händler
je nach Sonderangebot und Schnäppchen
zu wechseln. Österreich zählt mit 57 Prozent zu
den Märkten, in denen Konsument:innen besonders
offen für einen Wechsel des gewohnten
Händlers sind, wenn das Angebot überzeugend
ist. Am höchsten ist die Wechselbereitschaft in
Rumänien mit 69 Prozent, gefolgt von Italien mit
60 Prozent.
„Die klassische Loyalität zum Händler
nimmt ab, denn entscheidend
sind heute Relevanz, Preis-
Leistungs-Verhältnis und
digitale Sichtbarkeit entlang
der Einkaufsentscheidung“,
sagt Alexandra Aichholzer,
Country Manager von
Shopfully Austria.
Studiensteckbrief: Für die
Umfrage wurden 6.605 Personen
ab 25 Jahren in Bulgarien,
Deutschland, Frankreich, Italien,
Österreich, Rumänien, Spanien und Ungarn in Q1
2026 in einer Online-Umfrage befragt. (RED)
Shopfully ist der europäische Marktführer
im Bereich Drive-to-Store, der Händlern und
Marken dabei hilft, Online-Surfen in tatsächliche
Einkäufe zu verwandeln. Das Unternehmen,
das als Offerista in Deutschland, Österreich
und den CEE-Ländern bekannt war,
ist heute in 25 Ländern mit einem Team von
mehr als 450 Mitarbeiter:innen tätig. Shopfully
arbeitet mit mehr als 500 Händlern und
Marken zusammen und erreicht über 200
Millionen Haushalte weltweit (shopfully.com).
Shops, Stores
& Spaces
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S54
Junior Sales Champion:
Wiener Handelslehrlinge
überzeugen
Tobias Dolezal gewann den Lehrlingswettbewerb
im Wiener Handel und ist „Junior Sales
Champion 2026“ - 15 junge Handelslehrlinge
zeigten beim Bewerb Talent und Einsatz.
Mit beeindruckendem Fachwissen,
eloquenter Beratung und großer
Leidenschaft fürs Verkaufen
holte sich Tobias Dolezal den
ersten Platz beim diesjährigen Lehrlingswettbewerb
des Wiener Handels. Der erst 16-Jährige
absolviert derzeit das erste Jahr seiner
Lehre als Großhandelskaufmann beim Werkzeug-
und Technikteile-Händler Kellner & Kunz
AG in Wien-Liesing. „Man ist gut in allem, was
man gerne tut und liebt. Und ich hatte schon
immer Freude am Verkaufen, deshalb habe ich
mich auch für diesen Beruf entschieden“, ist der
angehende Fachverkäufer stolz auf seine Leistung,
die ihm den Titel „Junior Sales Champion
2026 Wien“ einbrachte. Beim Bewerb habe er
auch mit Fachwissen punkten können. „Wenn
man selbst voll hinter dem angepriesenen Produkt
steht und selbst davon überzeugt ist, kann
man das dem Kunden auch optimal vermitteln“,
sagt Dolezal.
Wettstreit des Verkaufsnachwuchses
Beim „Junior Sales Champion“ messen sich alljährlich
die besten Einzelhandels-Lehrlinge aus
Wiener Betrieben in Sachen Wissen und Verkaufstalent.
15 Nachwuchskräfte nahmen heuer
daran teil. Kern des Lehrlingswettbewerbs ist
ein zehnminütiges Verkaufsgespräch vor der
Jury, bei dem jeder Teilnehmende Produkte aus
seinem Fachbereich präsentiert. Dabei geht
es sowohl um Fachwissen als auch um Rhetorik
und soziale Kompetenz. Auch der Umgang
mit Einwänden und schwierigen Kunden sowie
Fremdsprachenkompetenz sind gefragt – all
das, was Einzelhandelskaufleute täglich unter
Beweis stellen müssen.
„Die jungen Verkaufstalente haben beim diesjährigen
Verkaufswettbewerb wieder einmal
bewiesen, wie hoch die Qualität der Lehrlingsausbildung
im Handel ist. Wir sind stolz auf
unsere Lehrlinge und auch auf unsere Ausbildungsbetriebe
und Berufsschulen. Wir alle
haben das gleiche Ziel – ausgezeichnete Fachkräfte
auszubilden, um die Zukunft des Handels
zu sichern. Fachkräfte mit einer soliden Berufs-
bildung sind das Rückgrat unserer Wirtschaft.
Mein besonderer Dank gilt den Handelsbetrieben
und Berufsschulen, die für eine hervorragende
Ausbildung der jungen Leute sorgen“, so
Margarete Gumprecht, Obfrau des Wiener Handels.
Die Elite des Wiener Verkaufs-Nachwuchses
Platz zwei hinter Tobias Dolezal holte sich
Juliane von Knorring. Die 20-Jährige absolviert
derzeit das erste Jahr ihrer Lehre zur Einzelhandelskauffrau
mit Schwerpunkt Uhren- und
Juwelenberatung beim Wiener City-Juwelier
Ellert GmbH & Co KG. „Ich habe im Vorjahr maturiert
und wollte danach in die Arbeitswelt einsteigen“,
erzählt sie. Schmuck und Juwelen
habe sie schon immer geliebt, daher sei die Entscheidung
für die Lehre naheliegend gewesen.
„In der Branche zu arbeiten, ist wunderbar. Mit
schönen Dingen umgeben zu sein, macht mir
Freude“, sagt das junge Verkaufstalent. Für den
Bewerb habe sie sich „aus Neugier“ beworben,
„ich wollte meine Fähigkeiten trainieren und
schauen, was ich erreichen kann“, sagt sie.
Platz drei beim Wiener „Junior Sales Champion“-Bewerb
ging an Antonio Bornaz, angehender
Einzelhändler mit Schwerpunkt
Lebensmittelhandel im 3. Lehrjahr bei der Spar
Österreichische Warenhandels-AG. „Der Beruf
bietet viel Abwechslung, man kann jeden Tag
etwas Neues erleben. Und man lernt durch
den Umgang mit Menschen auch viel über sich
selbst und entwickelt sich weiter“, schwärmt
der 20-Jährige, der viel Herzblut schon in die
Vorbereitung für den Bewerb gesteckt hatte.
„Ich finde es toll, dass ich die Möglichkeit hatte,
an dem Bewerb teilzunehmen. Und es ist auch
eine gute Vorbereitung für die Lehrabschlussprüfung“,
resümiert Bornaz.
Für die drei ersten gab es ein Preisgeld von
1000, 600 bzw. 400 Euro. Die beiden Bestplatzierten,
Tobias Dolezal und Juliane von Knorring,
werden Wien nun beim Bundeslehrlingswettbewerb
„Junior Sales Champion National“ vertreten,
der am 7. Oktober in Salzburg stattfindet.
Handel bietet Top-Karrierewege
Eine Ausbildung im Handel bietet hervorragende
Zukunftschancen, denn: der Handel ist
und bleibt in Wien ein zentraler Teil der Wirtschaft.
Über 37.000 Wiener Handelsbetriebe
beschäftigen mehr als 114.000 Mitarbeiter und
bilden aktuell 2.500 Lehrlinge aus. „Der Lehrabschluss
ist der ideale Einstieg ins Berufsleben
und eröffnet den Jugendlichen viele Karrierewege
mit tollem Verdienst. Der Handel ist ein
wichtiger Lehrlingsausbildner und bietet engagierten
Verkaufstalenten besonders vielfältige
Entwicklungsmöglichkeiten“, betont Spartenobfrau
Gumprecht. (RED)
V.l.: Juliane Von Knorring
(Juweliere Ellert GmbH
& Co KG), Tobias Dolezal
(Kellner & Kunz AG), Antonio
Bornaz (Spar Österreichische
Warenhandels-
AG), Handels-Obfrau
Margarete Gumprecht.
Fotocredit: Florian Wieser
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S56
Modehandel kämpft mit
Kostenexplosion und
unfairem Wettbewerb
Zahl der Modegeschäfte sank binnen 10 Jahren
um 22% - 42% der geschlossenen Geschäfte
bleiben leer - steigende Miet- und Personalkosten,
nahezu stagnierende Verkaufspreise.
Der österreichische Bekleidungsund
Schuheinzelhandel befindet
sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess.
Eine Analyse des
Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw) im
Auftrag des Bundesgremiums Handel mit Mode
und Freizeitartikeln der WKÖ zeigt nun, wie sich
der Strukturwandel beschleunigt. Steigende
Miet- und Personalkosten bei gleichzeitig fast
stagnierenden Verkaufspreisen belasten die
Branche ebenso wie ein verzerrter Wettbewerb
und überholte Vororder-Modelle.
Modehandel in Österreich im Überblick
In Österreich waren 2023 laut Statistik Austria
45.657 Personen im Modehandel beschäftigt,
rund 83% im Bekleidungs- und 17% im Schuhhandel.
„Die Branche schrumpft strukturell. Die
Zahl der Unternehmen und Standorte sinkt,
Teilzeitbeschäftigung nimmt verhältnismäßig
zu, und dies bei rückläufigen Beschäftigtenzahlen“,
so Studienautor Peter Voithofer vom iföw.
Modeausgaben steigen nominell, aber ihr
Anteil an Konsumausgaben sinkt
Ein Grund für diese Entwicklung ist ein verändertes
Konsumverhalten: Die nominellen
Ausgaben für Mode steigen zwar in absoluten
Zahlen, ihr Anteil an den gesamten Konsumausgaben
sinkt aber kontinuierlich. Vor rund 30
Jahren entfielen noch 7,2% aller Konsumausgaben
auf Mode, zuletzt waren es nur noch 4,5%
(Daten für 2024). Befeuert wurde dieser Trend
durch die Pandemie und die jüngst verzeichneten
höheren Inflationsraten.
Online-Shopping im Alltag angekommen,
auch bei den Älteren
Dazu kommt, dass der stationäre Handel mit
zunehmender Online-Konkurrenz zu kämpfen
hat: Im Vorjahr kauften 49% der Konsumentinnen
und Konsumenten in Österreich zumindest
gelegentlich Mode (also Bekleidung und Schuhe)
auch online ein, 2020 waren es 36%. Deutlich
ist dieser Trend nun auch bei den Älteren.
Gleichzeitig kämpfen österreichische Einzelhandelsunternehmen
mit neuen Online-Konkurrenten
aus Asien, die mitunter zoll- und
steuerrechtliche Schlupflöcher nutzen und
so den Wettbewerb verzerren. Internationale
Anbieter sind mittlerweile kein Nischenphänomen
mehr: Jede vierte Person in Österreich hat
bereits Mode bei den asiatischen Plattformen
Temu und Shein gekauft.
Schließungen: Zahl der Modegeschäfte sinkt
All diese Entwicklungen setzen dem stationären
Modehandel kräftig zu: In den letzten zehn Jahren
ist die Zahl der Modegeschäfte in Österreich
in den Städten bzw. Einkaufs- und Fachmarktzentren
um 22% auf 4.254 Standorte gesunken.
Der Rückgang betrifft sowohl Bekleidungsgeschäfte
(minus 20%) als auch in noch stärkerem
Ausmaß den Schuhhandel (minus 34%).
„Der Modehandel in Österreich steht unter
großem Druck“, betont Günther Rossmanith,
Obmann des Bundesgremium Handel mit Mode
und Freizeitartikeln in der Wirtschaftskammer
Österreich: „Besonders besorgniserregend
ist, dass negative Tendenzen zuletzt sogar an
Dynamik gewonnen haben.“ Allein von 2023
bis 2025 sank die Anzahl der Geschäfte um 7%.
Davon sind aber nicht nur kleine Einzelhändler
betroffen: 68% der zwischen 2015 und 2025
geschlossenen Geschäfte waren Filialen großer
Modeketten.
Modegeschäfte schließen, Immobilien stehen
meist leer
Wenn ein Modehandelsunternehmen ein
Geschäft aufgibt, bleiben diese Flächen in 42%
der Fälle leer. Meist handelt es sich um sogenannten
„harten Leerstand“, in dem es keine
sichtbare Nachnutzung gibt. „Vermieter erwarten
bislang, dass bei jedem Mieterwechsel die
Einnahmen weiter, teilweise deutlich, steigen.
Das ist aber angesichts der Entwicklungen im
Einzelhandel völlig unrealistisch“, so Rossmanith.
Die Immobilienbranche müsse die wirtschaftliche
Realität anerkennen, statt darauf zu
pochen, übermäßig von steigenden Mieteinnahmen
zu profitieren.
Mehr Flexibilität von Modeindustrie gefordert
Mehr Flexibilität ist aber auch von der Modeindustrie
gefordert. Die Vororder-Logik, wonach
Waren bis zu eineinhalb Jahre im Voraus bestellt
werden zu müssen, ist in einem volatilen
Markt nicht mehr zeitgemäß. „Dieses System
erschwert, dass der Einzelhandel auf kurzfristige
Schwankungen in der Nachfrage reagiert“,
erklärt Rossmanith.
Inflation als Brandbeschleuniger
Insgesamt leidet der Modehandel massiv unter
der Inflation der letzten Jahre. Dadurch sind
sämtliche Fixkosten massiv angestiegen, während
die erzielbaren Preise für Mode weiterhin
relativ stabil bleiben. „Dass die Kunden sparen,
ist verständlich. Für den Modehandel bedeutet
das aber, dass steigende Kosten nur schwer
weitergegeben werden können“, erklärt Rossmanith.
Der Anpassungsdruck wird also auch in Zukunft
hoch bleiben: „Im realistischen Szenario gehen
wir davon aus, dass die Branche kleiner und
konzentrierter wird“, so Studienautor Peter
Voithofer vom iföw. Es werde weiter sinkende
Beschäftigtenzahlen und mehr Druck auf regionale
Standorte geben. Chancen hätten Unternehmen
mit einer gewissen Mindestbetriebsgröße
und einer klaren Positionierung, die auch
online präsent sind und Mehrwert im Geschäft
anbieten, etwa durch herausragenden Service
oder ein ganz besonderes Einkaufserlebnis.
Faire Wettbewerbsbedingungen gefordert
Aufgrund der äußerst schwierigen Rahmenbedingungen
für den österreichischen Modehandel
richtet das Bundesgremium Modehandel
in der WKÖ einen dringenden Appell an
die Politik, vor allem was die neue Konkurrenz
durch Portale wie Temu oder Shein betrifft.
„Diese Plattformen fluten Österreich mit Billigware.
Jene meist asiatischen Unternehmen,
die ihre Waren dort anbieten, zahlen oft keine
Zölle und nehmen es mit Sicherheitsstandards
nicht so genau. Dazu kommt, dass deren
Erträge nicht in Österreich versteuert werden,
weshalb diese Mittel in Österreich fehlen, etwa
zur Finanzierung des Sozialstaats“, erklärt der
Gremialobmann. „Es braucht eine konsequente
Durchsetzung von Umwelt-, Sicherheits- und
Ethikstandards. Unfaire Zoll- und Steuervorteile
für diese Anbieter müssen abgeschafft werden.
Nur so kann die Zukunft des seriösen Modehandels,
der tausende Arbeitsplätze in Österreich
schafft, gesichert werden“, so Rossmanith.
(RED)
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S58
Zwei Zahlungsoptionen für mehr Freiheit und
Verantwortung
Die „Bezahlung nach 30 Tagen“ ermöglicht es
Konsument:innen, Einkäufe zwischen 1 Euro
und 2.000 Euro zunächst zu tätigen und den
Betrag automatisch nach 30 Tagen abbuchen
zu lassen – ganz ohne manuelle Überweisung.
Das Fälligkeitsdatum und der ausstehende
Betrag sind jederzeit im PayPal-Konto transparent
einsehbar, und PayPal erinnert per E-Mail
an bevorstehende Abbuchungen. Eine optionale
einmalige Verlängerung der Zahlungsfrist
ist gegen eine Gebühr möglich, über die vorab
klar informiert wird.
PayPal bringt "Jetzt
kaufen, später bezahlen"-
Angebot nach Österreich
PayPal bringt mehr Flexibilität ins Online-Shopping
in Österreich: Bezahlung nach 30 Tagen
und Ratenzahlung starten.
Für größere Anschaffungen bietet die „PayPal
Ratenzahlung“ eine flexible Lösung: Beträge
zwischen 99 Euro und 10.000 Euro können in 3,
6, 12 oder 24 Monatsraten zurückgezahlt werden.
Vor dem Kauf werden Zinsen und Gesamtkosten
vollständig ausgewiesen. Kunden
können ihre Zahlungen jederzeit ohne Vorfälligkeitsentschädigung
vorzeitig begleichen und
behalten so volle Kontrolle. Auch hier informiert
PayPal rechtzeitig per E-Mail über anstehende
Abbuchungen. Die Rückzahlung erfolgt automatisch
über das hinterlegte Zahlungsmittel.
PayPal reagiert auf die wachsende
Nachfrage von über zwei Millionen
aktiven Nutzer:innen in Österreich
und bietet ab sofort zwei neue, flexible
Zahlungsmodelle an: „Bezahlung nach 30
Tagen“ und „PayPal Ratenzahlung“. Diese Optionen
sollen den Kund:innen mehr finanzielle
Freiheit beim Online-Einkauf ermöglichen und
gleichzeitig Händler helfen, Kaufabbrüche zu
reduzieren und die Conversion-Rate zu erhöhen.
Carola Wahl, DACH-Chefin von PayPal, erklärt:
„Mit Bezahlung nach 30 Tagen und PayPal
Ratenzahlung geben wir Kundinnen und Kunden
in Österreich mehr finanzielle Flexibilität beim
Onlineshopping. Gleichzeitig unterstützen wir
Händlerinnen und Händler dabei, Kaufabbrüche
zu reduzieren und die Conversion-Chancen zu
steigern.“ Dabei legt PayPal großen Wert auf
Transparenz: „Wir informieren vor Abschluss klar
über anfallende Kosten, Konditionen sowie den
Gesamtbetrag und stellen offene Transaktionen
übersichtlich dar. Das schafft mehr Flexibilität
und hilft unseren Kundinnen und Kunden dabei,
die Kontrolle über ihre Ausgaben zu behalten.“
Beide Zahlungsmodelle sind durch den
bewährten PayPal-Käuferschutz und Verkäuferschutz
abgesichert, was den Nutzer zusätzliche
Sicherheit bietet.
Österreichs E-Commerce profitiert
Österreich zählt mit rund fünf Millionen Online-
Shoppern zu den etablierten E-Commerce-
Märkten Europas. Mit den neuen flexiblen
Zahlungsoptionen stärkt PayPal die Position
seiner mehr als zwei Millionen aktiven Nutzer in
Österreich und unterstützt gleichzeitig Händler
dabei, ihren Kunden ein modernes, vertrauenswürdiges
Einkaufserlebnis zu bieten.
Carola Wahl fasst zusammen: „Viele Verbraucherinnen
und Verbraucher wünschen sich
beim Online-Shopping mehr finanziellen Spielraum
und zugleich ein sicheres, vertrautes
Zahlungserlebnis. Genau hier setzen unsere
Später Bezahlen-Angebote an: Sie geben
Kunden in Österreich mehr Flexibilität darüber,
wann und wie sie ihre Einkäufe bezahlen.“
Weitere Informationen finden Sie auf den offiziellen
PayPal-Seiten zu Bezahlung nach 30
Tagen und PayPal Ratenzahlung. (RED)
Fotocredit:: PayPal
Austrian Summit
für Retail &
Branded Goods
tagdeshandels.at
8.-9.OKT
TAG DESGMUNDEN (OÖ)
HANDELS
TOSCANA
CONGRESS,
2026
LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S60
Fraud im Zahlungsverkehr:
Europäische
Zahlungssysteme
schützen und stärken
Regulatorischer Rahmen als Schutzschild für
Europas Zahlungssouveränität. P19 stärkt Wissen
und Vernetzung zur Fraud-Prävention im
europäischen Zahlungsverkehr.
P19 greift diese Entwicklung auf und schafft als
Plattform den Raum für Austausch, Einordnung
und Vernetzung zwischen Expert:innen aus
Fraud Prevention, Zahlungsinfrastruktur und
Regulatorik – aus Österreich im DACH-Raum I
Europa I CEE.
Im Fokus stehen zentrale Themen der Fraud-
Prävention im Zahlungsverkehr, zu denen P19
Zugang zu einem europaweiten Netzwerk an
Expert:innen bietet und deren gezielte Vermittlung
für Medienanfragen, Interviews und fachliche
Einordnung ermöglicht:
• KI-gestützte Fraud-Erkennung: Maschinelles
Lernen auf Transaktionsdaten statt
statischer Regelwerke – Echtzeit-Anomalieerkennung
als entscheidender Vorsprung.
• Synthetische Identitäten & Account
Takeover: Gefälschte, aber kreditwürdige
Identitäten aus realen Datenfragmenten
– neue Angriffsmuster, die
klassische KYC-Prozesse unterlaufen.
• Regulatorik und Fraud Reporting: PSD2/
PSD3 SCA-Anforderungen, EBA-Guidelines
zu Fraud Reporting und die geplante
EU Payment Fraud Authority als Rahmen
für europäische Schutzmaßnahmen.
• UX vs. Sicherheit: Friktionslose Nutzungserfahrung
und robuste Sicherheit kein
Widerspruch – verhaltensbasierte Biometrie
als unsichtbare Schutzschicht.
Digitale Zahlungssysteme entwickeln
sich rasant weiter – und mit
ihnen auch die Anforderungen an
Sicherheit und Vertrauen. Neue
Technologien wie generative KI eröffnen viele
Möglichkeiten, bringen aber auch neue Herausforderungen
mit sich: von Deepfakes über
synthetische Identitäten bis hin zu immer
gezielteren Phishing-Angriffen. Umso wichtiger
werden moderne Fraud-Prevention-Strategien,
Zusammenarbeit und der Austausch innerhalb
der Branche.
„Europa kann im globalen Zahlungsverkehr nur
dann souverän agieren, wenn Fraud-Prävention
als gemeinsame Verantwortung verstanden
wird – nicht als Kostenfaktor einzelner Unternehmen“,
sagt Birgit Kraft-Kinz, Initiatorin von
P19. (RED)
P19 ist die europäische Plattform für mehr
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welches gemeinsam daran arbeitet,
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LOGISTIK-EXPRESS H&D 3/26 | S62
EU-Entgelttransparenz –
Österreich hinkt hinterher
Am 7. Juni 2026 endete die Frist zur Umsetzung
der EU-Entgelttransparenzrichtlinie –
doch Österreich wird diese Frist voraussichtlich
verstreichen lassen und damit wichtige
Schritte zur Lohngleichheit und Transparenz
im Arbeitsmarkt verzögern.
Während in einigen EU-Ländern
bereits konkrete Schritte zur
Umsetzung erfolgen, fehlt in
Österreich ein Zeitplan. Die
Verzögerung sollte keinesfalls als Entspannung
verstanden werden, warnt Karolin Andréewitch-Wallner,
Arbeitsrechts-Expertin bei
Taylor Wessing in Wien: „Der Weg zur Gesetzeskonformität
erfordert Vorbereitungen.“
Ziel der EU-Entgelttransparenzrichtlinie ist es,
geschlechtsspezifische Entlohnungsunterschiede
transparenter zu machen und Diskriminierung
bei der Vergütung zu verhindern. Die
Richtlinie sieht unter anderem vor:
• Informationsrechte für Arbeitnehmer
• Transparenzpflichten bei der Gehaltsgestaltung
• Strengere Anforderungen an nachvollziehbare
und diskriminierungsfreie Entgeltsysteme
• Erleichterte Rechtsdurchsetzung für
Betroffene
Unternehmen dürfen die Verzögerung in Österreich
nicht als Freibrief sehen. Einzelne Aspekte
der Richtlinie sind jetzt durch bestehende
Gleichbehandlungs-, Diskriminierungs- und
arbeitsrechtliche Bestimmungen relevant. So
gelten zum Beispiel Verpflichtungen zu diskriminierungsfreien
Stellenausschreibungen,
Schadenersatzansprüche bei Entgeltdiskriminierung
und Benachteiligungsverbote im
Zusammenhang mit der Geltendmachung von
Entgeltansprüchen. Eine der Herausforderungen
für Unternehmen wird die Analyse und
Anpassung bestehender Entgeltmodelle sein.
Oft fehlen einheitliche Kriterien für die Gehaltsfestlegung
oder transparente Prozesse. „Entgelttransparenz
wird für Unternehmen zunehmend
zu einem Reputations-Thema“, erklärt
Andréewitch-Wallner.
KAROLIN ANDRÉEWITCH-WALLNER
„Unternehmen, die sich frühzeitig mit den
kommenden Anforderungen auseinandersetzen,
reduzieren rechtliche Risiken und stärken
das Vertrauen von Mitarbeiter und Bewerber
– gerade in wirtschaftlich herausfordernden
Zeiten ein Wettbewerbsvorteil.“ Die Botschaft
ist klar: Vorbereitung statt Abwarten ist der
Schlüssel, um die EU-Entgelttransparenzrichtlinie
erfolgreich umzusetzen.
(RED)
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