BS 07-2026
Politik | Regulierung | Wasserstraßen | Häfen | Schifffahrt | Schiffstechnik | Seehäfen | Shortsea | Recht | Buyer's Guide | BDS
Politik | Regulierung | Wasserstraßen | Häfen | Schifffahrt | Schiffstechnik | Seehäfen | Shortsea | Recht | Buyer's Guide | BDS
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Leonhard im Interview
Hamburgs Wirtschaftssenatorin
Leonhard in neuer Folge
»Binnenschifffahrt trifft ...«
»Fit für 70 Jahre«
Am Ruhrwehr in Duisburg
hat eine umfassende
Grundsanierung begonnen
Digitale Transformation
Das Projekt »Herfried« der
FH Oberösterreich digitalisiert
Europas Wasserstraßen
07
Juli 2026 | 81 . Jahrgang
ISSN 0939-1916 | C 4397 D | 13,–
www.binnenschiffahrt-online.de 2026
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duisport.de
EDITORIAL
Reformen unter Vorbehalt
Peter Kleinort
Verantwortlicher Redakteur
Die vergangenen Wochen haben die Binnenschifffahrtsbranche
spürbar in Bewegung
gebracht. Mit der Verabschiedung
des Infrastruktur-Zukunftsgesetzes
durch die Bundes-Koalition könnte der
jahrzehntelange Investitionsstau im Verkehrssektor
zumindest ansatzweise gelöst
werden. Der Kern des Vorhabens:
Eine konsequente Verfahrensvereinfachung,
die Planung und Umsetzung beschleunigen
soll. Viele Projekte – von
Wasserstraßen über Schleusen bis hin zu
Wehren – können nun unbürokratischer
in den »Vordringlichen Bedarf« rücken.
Parallel dazu hat der vorgelegte Bundeshaushalt
trotz des allgemeinen Sparzwangs
Mittel für die Wasserstraßeninfrastruktur
eingeplant. Die Binnenschifffahrt
profitiert nun von milliardenschweren
Sondervermögen des Bundes. Selbst
See- und Binnenhäfen – vom Bund bisher
als rein kommunale oder Landes-Aufgabe
betrachtet – erhalten nun Aussicht auf
Bundesmittel. Dies ist ein notwendiger
Paradigmenwechsel: Häfen sind die entscheidenden
Schnittstellen in den europäischen
Lieferketten und verdienen eine
entsprechende infrastrukturelle Aufmerksamkeit
auf nationaler Ebene.
Die Branche reagiert verhalten optimistisch:
Viele langjährige Forderungen
haben Eingang in das Gesetzesvorhaben
gefunden. Sollten diese Pläne die parlamentarische
Befassung ohne substanzielle
Änderungen überstehen, könnte
Deutschlands Verkehrswesen einen entscheidenden
Sprung nach vorne machen,
um systemische Nachteile auszugleichen.
Doch der Realitätscheck folgt prompt.
Die Umsetzung ist mit erheblichen Hürden
verbunden. Wegen der von Finanzminister
Lars Klingbeil verordneten Sparziele
und der politischen Unwägbarkeiten
stehen nahezu alle Vorhaben der neuen
Haushaltsperiode unter einem Finanzierungsvorbehalt.
Da die Bauwirtschaft zudem
von weiter massiv steigenden Kosten
ausgeht, droht der geplante
»Finanzierungsbooster« schnell zur Nebelkerze
zu werden. Selbst bei gesicherter
Finanzierung stellen Personal- und
Ressourcenengpässe in den Planungsbehörden
den angestrebten Zeitplan infrage.
Hier darf der Staat nicht nur Gesetze
verabschieden, sondern muss auch die
eigene Verwaltung befähigen, diese in
die Praxis umzusetzen.
Ergänzend bleibt die Frage der industriellen
Förderung. Es mangelt nicht an
marktreifen Innovationen – sei es bei der
Antriebstechnik, der Dekarbonisierung,
Elektrifizierung oder bei Assistenzsystemen
bis hin zum autonomen Fahren. Die
existierende Förderlandschaft ist jedoch
oft zu kleinteilig und finanziell unterausgestattet,
um eine breite Marktwirkung
zu erzielen. Ein echter Abbau von Bürokratie
ist hier dringender denn je, um der
Wirtschaft die notwendigen Impulse zu
geben. Die Innovationskraft der Branche
braucht klare Rahmenbedingungen statt
eines Förderdschungels.
Immerhin: Das Bewusstsein für die Binnenschifffahrt
als systemrelevanter Verkehrsträger
scheint bis in die politischen
Spitzen gewachsen zu sein. Es bleibt zu
hoffen, dass der »Sommer der Reformen«
trotz widriger Umstände mehr als
nur ein politisches Versprechen bleibt.
Jetzt liegt es an der Politik zu beweisen,
dass sie die Bedeutung der Wasserstraße
für den Wirtschaftsstandort nicht nur erkannt
hat, sondern auch bereit ist, sie
nachhaltig und verlässlich abzusichern.
Klarer Kurs
durch erstklassige
Information.
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Binnenschifffahrt 07 | 2026
3
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INHALT
07 2026
12 16
3 EDITORIAL
3 Reformen unter Vorbehalt
5 PERSONALIEN
6 MOMENTAUFNAHME
8 NACHRICHTEN
12 POLITIK | REGULIERUNG
12 »Die Binnenschifffahrt trifft ...
Peter Kleinort im Politik-Dialog«
Melanie Leonhard - Hamburgische
Wirtschaftssenatorin: »Wir bekennen uns zum
Binnenschifffahrtsstandort Hamburg«
16 Infrastruktur-Zukunftsgesetz im Bundestag
verabschiedet
18 WASSERSTRASSEN | HÄFEN
18 Große Sanierung an der Ruhr
20 Regioport OWL setzt auf
langfristige Partnerschaft
21 Weg für Schleuse Lüneburg ist frei
22 Studie: Überalterung der Wasserstraßen
gefährdet 360.000 Arbeitsplätze
24 50 Jahre Elbe-Seitenkanal
26 SCHIFFFAHRT
26 Forschungsprojekt »Herfried« digitalisiert
die Binnenschifffahrt
28 Maritime Industry in Gorinchem:
20 Jahre Innovation für die Binnenschifffahrt
32 KI, kleine Schiffe und neue Perspektiven
34 Twin City Liner: Zwei Jahrzehnte auf der
Überholspur
36 Intelligente KI-Assistenz für Fährbetrieb
auf der Weser
38 SCHIFFSTECHNIK
38 Siemer Werft: Polizeistandard vom Fehnkanal
40 Elektrische Unterstützung für die
»Amadeus Aurea«
42 Neptun Werft. Zwei Spezialisten für die
europäische Flusskreuzfahrt
44 Marktstart mit der »Century Star«
46 SEEHÄFEN | SHORTSEA
46 In Rotterdam entsteht ein Food-Hub
der Superlative
48 Katoen Natie etabliert neutralen
Umschlagsknotenpunkt in Antwerpen
50 RECHT
50 Havarie unter Trackpilot
54 BUYER’S GUIDE
58 BDS
58 Keine Wirksamkeit ohne Wahrnehmung
59 IMPRESSUM
Herausgeberverbände der Zeitschrift
Verein für europäische
Binnenschifffahrt und
Wasserstraßen e.V.
4 Binnenschifffahrt 07 | 2026
PERSONALIEN
■ MEYER WERFT: André Walter ist
neuer CEO der Papenburger Meyer
Werft, zu der auch
die Neptun Werft in
Rostock gehört. Er
ist Nachfolger von
Bernd Eikens, der in
den Ruhestand geht.
Walter, der vom Luftund
Raumfahrtkonzern
Airbus kommt, wird die Werft künftig
mit Chefsanierer Ralf Schmitz und
COO Jörg Heidelberg leiten.
Personalie des Monats: Neue Geschäftsführerin für A-Rosa
■ HGK: Richard Schroeter ist neuer
Director Corporate Affairs der HGK-
Gruppe. Er soll
künftig die Seefracht-Aktivitäten
vorantreiben
und das
Unternehmen stärker
im politischen
Umfeld positionieren.
Schroeter bringt rund vier Jahrzehnte
an Logistik-Expertise aus diversen
Führungspositionen mit, darunter
bei Hapag-Lloyd und DSV.
■ A-ROSA: Renata Hug-Suter ist zur neuen Geschäftsführerin der Reederei A-Rosa
berufen worden. Sie folgt auf Markus Zoepke, der dem Unternehmen als Berater
verbunden bleiben wird. Hug-Suter verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der
Kreuzfahrt- und Hospitality-Branche. Zuletzt war sie Managing Director und CHRO der
Rivertech Group, davor hatte sie verschiedene Führungspositionen bei der Sea-Chefs-
Group inne, zuletzt als Head of HR mit Executive-Verantwortung. Ihre Schwerpunkte
werden in den Bereichen Finanzen, Controlling und Personalmanagement liegen. Die
A-Rosa Reederei GmbH ist eine Tochtergesellschaft der A-Rosa Group und betreut
den operativen Standort in Chur in der Schweiz.
■ SCYLLA: Robbert Verbeek, seit
2017 CFO der Schweizer Reederei Scylla,
wird neuer CEO
des Unternehmens.
Er folgt auf Arno
Reitsma, der sich
gemeinsam mit seinem
Bruder Robert
aus der operativen
Leitung zurückzieht.
Verbeeks firmeninterner Nachfolger
wird Stefan De Schepper, aktuell CFO
der zu Scylla gehörenden Viva Cruises.
■ ZEPPELIN: Matthias Benz bleibt
für weitere fünf Jahre als CEO der Zeppelin-Gruppe,
die
mit Zeppelin Power
Systems als Partner
von Caterpillar auch
in der Binnenschifffahrt
aktiv ist. Benz
konnte während
seiner ersten Amtszeit
unter anderem die internationale
Marktposition weiter ausbauen und
neue Geschäftsfelder erschließen.
■ SIEVERT: Markus Dodt ist neuer
Geschäftsführer des Transport- und Logistikdienstleisters
Sievert Logistik SE,
einem Tochterunternehmen
der Osnabrücker
Sievert SE.
Der bisherige Geschäftsführer
Karsten
Bley wird das Unternehmen
auf eigenen Wunsch verlassen.
Dodt war zuletzt COO Road & Rail und
Contract Logistics bei der Nosta Holding.
Binnenschifffahrt 07 | 2026
5
MOMENTAUFNAHME
6 HANSA – International Maritime Journal 07 | 2026
MOMENTAUFNAHME
Lauenburger
Abendlicht
Es ist der beruhigende Rhythmus der Binnenschifffahrt,
der sich in diesem Moment
in Lauenburg widerspiegelt. Wenn die
Sonne tief über der Elbe steht, verlieren
die Werftkräne und die geduldig vertäuten
Schiffe ihre Schwere und verschmelzen
mit dem fließenden Licht zu einer Einheit.
Die Schiffe ruhen hier nicht einfach nur;
sie wirken wie Akteure, die nach der täglichen
Herausforderung auf dem Strom in
einen sicheren Hafen der Beständigkeit
zurückgekehrt sind. Es ist dieser flüchtige
Augenblick der Stille, in dem die industrielle
Kulisse ihre raue Fassade ablegt und uns
daran erinnert, dass die Wasserstraße weit
mehr ist als nur ein Verkehrsweg: Sie ist ein
Lebensraum, der selbst nach Feierabend
noch den Zauber der Beständigkeit in sich
trägt.
Foto: Anna Wroblewski
Liebe Leser, wenn auch Sie eine maritime Moment aufnahme eingefangen haben, schicken Sie uns gern das Foto mit ein paar
persönlichen oder erklärenden Zeilen an: redaktion@binnenschifffahrt-online.de. Hinweis: Der Verlag behält sich das Recht
vor, eingegangene Fotografien für redaktionelle Zwecke weiterzuverwenden.
HANSA – International Maritime Journal 07 | 2026
7
NACHRICHTEN
HOCHWASSERINFORMATIONEN
IKSR veröffentlicht aktualisierten Rheinatlas
Die Internationale Kommission zum
Schutz des Rheins (IKSR) hat eine neue
Fassung des Rheinatlas vorgelegt. Der
digitale Kartendienst weist nun auf Basis
aktualisierter Daten die hochwassergefährdeten
Gebiete entlang des Rheins
von den Alpen bis zur Nordsee aus. Das
in Kooperation mit der deutschen Bundesanstalt
für Gewässerkunde (BfG) entwickelte
digitale Tool ist ein zentrales Instrument
für die grenzüberschreitende
Hochwasservorsorge. Anwender können
zwischen drei Szenarien wählen: häufige,
mittlere und extreme Hochwasserereignisse.
Neben der Darstellung potenzieller
Wassertiefen im Fluß liefert das Portal
nützliche Zusatzinformationen zur
Flächennutzung, zur Anzahl der betroffenen
Einwohner sowie zur Lage industrieller
Anlagen und Kulturgüter in
den jeweiligen Gefahrenzonen. Für die
Binnenschifffahrt und die logistische
Vertreter der IKSR verabschiedeten im Juni 2026 die aktualisierte Fassung des Rheinatlas während
der Plenarsitzung in der Schweiz
Planung ist die Verfügbarkeit dieser einheitlichen
Datenbasis von hoher Bedeutung.
Extreme Wasserstände – sowohl
bei Hochwasser als auch bei Niedrigwasser
– haben maßgebliche Auswirkungen
auf die Transportkapazitäten und die
Betriebssicherheit auf der Wasserstraße.
Der Rheinatlas ist als kostenloser
Online-Kartendienst unter www.iksr.org
zugänglich und verlinkt direkt zu den Informationsangeboten
der zuständigen
Behörden in den Anliegerstaaten. PK
© IKSR
UNFALL
Binnenschiff kollidiert mit Brücke
Anfang Juli kollidierte ein in Richtung Küstenkanal fahrendes Binnenschiff
mit der Eisenbahnbrücke Oldenburg. An der Brücke
entstand kein Sachschaden. Durch die Kollision wurde ein auf
dem Schiff mitgeführter Pkw beschädigt. Personen wurden nicht
verletzt. Ersten Erkenntnissen zufolge schätzte der Schiffsführer
die Durchfahrtshöhe falsch ein.
PK
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MITTELRHEIN
Mehr Umschlag in Koblenz
Der Rheinhafen Koblenz blickt trotz geopolitischer Krisen und
konjunktureller Einflüsse auf ein wirtschaftlich erfolgreiches
Jahr 2025 zurück. Wie die Muttergesellschaft Stadtwerke Koblenz
(SWK) im Rahmen ihrer Jahres-Pressekonferenz Ende Juni
mitteilte, stieg der Containerumschlag im vergangenen Jahr
um rund 2 % auf knapp 86.700 TEU. Die Gesamttonnage belief
sich auf etwa 1,028 Mio. t, wovon 830.000 t auf den Hafen- und
198.000 t auf den Bahnbereich entfielen.
Ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit war 2025 die
Inbetriebnahme von sieben Landstromanlagen, um Schiffe während
der Liegezeiten emissionsarm mit Energie zu versorgen.
Um die Wettbewerbsfähigkeit des Logistikstandorts langfristig
zu sichern, investieren die SWK weiter in die Infra- und Suprastruktur;
der Fokus liegt aktuell auf einer neuen Krananlage am
Ostufer. Für das Jahr 2027 kündigte SWK-Geschäftsführer Lars
Hörnig bereits ein großes Hafenfest anläßlich des 60-jährigen
Bestehens des Rheinhafens an.
Der Rheinhafen Koblenz liegt zwischen den Stadtteilen Kesselheim
und Wallersheim im Norden der Stadt in einem Industriegebiet
und ist im Besitz der Stadtwerke Koblenz. Er ist nach den
Rheinhäfen Andernach und Bendorf der drittgrößte Hafen am
Mittelrhein. Das Hafenbecken hat eine Größe von 7,3 ha. Der
Hafen besitzt ein trimodales Containerterminal mit einer der
größten Containerbrücken am Rhein.
PK
8
Binnenschifffahrt 07 | 2026
NACHRICHTEN
DIE SCHWEIZ
Rheinhäfen als Lebensader im Verkehrshaus
Die neue Sonderausstellung »Rheinhäfen – unser Tor zur Welt« im Luzerner Verkehrshaus
bietet interaktive Einblicke in die Binnenschifffahrt
Das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern
widmet den Schweizerischen Rheinhäfen
(SRH) eine interaktive Sonderausstellung
unter dem Titel »Rheinhäfen – unser Tor
zur Welt«. Die Schau verdeutlicht die Rolle
des Rheins als wichtigste Wasserstraße
Europas für die Versorgungssicherheit
des Binnenlandes. Täglich gelangen
enorme Mengen an Getreide, Mineralölprodukten
und Containern über die
Basler Häfen ins Land. Als zentrale Verkehrsdrehscheibe
am internationalen
Güterkorridor zwischen Rotterdam und
Genua übernimmt die Region eine unverzichtbare
Funktion im kombinierten
Verkehr und entlastet Schiene und Straße.
Neben dem Güterumschlag ist Basel
zudem ein Hub für die Flusskreuzfahrt.
Die Ausstellung in der Halle »Schifffahrt,
Seilbahnen und Tourismus« macht
den Alltag der Rheinschifffahrt über Simulatoren,
Videoporträts, ein originalgetreues
Steuerhaus und eine begehbare
Passagierkabine interaktiv erlebbar. Zur
Eröffnung kamen rund 300 Gäste aus
Wirtschaft und Politik. Martin Ettlinger,
Direktor des Verkehrshauses, betonte,
dass die Ausstellung Antworten liefere,
wie Güter ins Binnenland gelangen. PK
© Roman Beer
SCHLEUSE ERLANGEN
500 Mio. € für Neubau
MITTELLANDKANAL
WSP stoppt Güterschiff
Ein wichtiges Infrastrukturvorhaben im deutschen Binnenwasserstraßennetz
nimmt konkret Gestalt an: Das Wasserstraßen-
Neubauamt (WNA) Aschaffenburg hat den offiziellen Zuschlag
für den Ersatzneubau der Schleuse Erlangen erteilt. Weil eine Instandsetzung
der bestehenden, gealterten Substanz technisch
nicht mehr möglich ist, wird das Bauwerk im Unterwasser nördlich
der Altschleuse komplett neu errichtet.
Den Zuschlag für das Großprojekt sichere sich eine Bietergemeinschaft
bestehend aus Ed. Züblin, Strabag, Züblin Spezialtiefbau
sowie Bauer Spezialtiefbau. Das Bruttobauvolumen
beläuft sich auf rund 500 Mio. €. Um Unwägbarkeiten während
der veranschlagten siebenjährigen Bauzeit abzufedern, wurden
vertraglich bereits Anpassungsoptionen für Lohn- und Materialkosten
vereinbart.
»Zwei Jahre nach dem erfolgreichen Baubeginn der Schleuse
Kriegenbrunn starten wir nun auch mit dem Neubau der
Schwesterschleuse Erlangen«, so WNA-Amtsleiterin Mareike
Bodsch. Nach den jetzt anstehenden Detailplanungen und logistischen
Vorbereitungen im laufenden Jahr sollen die Hauptbauleistungen
pünktlich mit Beginn des Jahres 2027 starten.
Die Schleuse zählt zu den 16 Anlagen des Main-Donau-Kanals,
die zusammengenommen einen Höhenunterschied von 243 m
bewältigen. Als Teil der 3.500 km langen Wasserstraßenverbindung
zwischen Rotterdam und Constanța ist der Kanal ein Eckpfeiler
für den internationalen Güter- und Spezialtransport. Jährlich
passieren mehr als 4 Mio. t Ladung die Route. PK
Die Wasserschutzpolizei hat in der Schleuse Hohenwarthe ein
belgisches Gütermotorschiff kontrolliert. Dabei stellte sich heraus,
dass sowohl der Schiffsführer als auch der Steuermann
deutlich alkoholisiert waren.
Bei einer Kontrolle in der Doppelsparschleuse Hohenwarthe
am Mittellandkanal (Kanalkilometer 325) musste die Wasserschutzpolizei
am 3. Juli gegen 9.30 Uhr ein belgisches Gütermotorschiff
aus dem Verkehr ziehen. Die Beamten stellten bei dem
Schiffsführer eine Atemalkoholkonzentration von 1,49 Promille
fest; bei dem rumänischen Steuermann, der für das Befestigen
des Schiffes in der Schleuse zuständig war, ergab der Test einen
Wert von 1,33 Promille.
Da sich das Fahrzeug mitten im Schleusenvorgang befand
und die Besatzung als nicht fahrtüchtig eingestuft wurde, drohte
eine längere Blockade der Kammer, was den Schiffsverkehr
auf dem Kanal erheblich beeinträchtigt hätte. In Zusammenarbeit
mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe (Außenbezirk
Niegripp) konnte jedoch kurzfristig ein qualifizierter
Ersatzschiffsführer bereitgestellt werden, der das Gütermotorschiff
sicher aus der Schleuse manövrierte. Die Wasserschutzpolizei
ordnete eine Blutprobenentnahme an und sprach ein
vorläufiges Weiterfahrverbot aus, das bis zur Wiederherstellung
der Fahrtüchtigkeit der Betroffenen in Kraft bleibt. Gegen den
Schiffsführer wurde ein Strafverfahren wegen des Verdachts
der Trunkenheit im Verkehr gemäß § 316 StGB eingeleitet; zudem
läuft ein Ordnungswidrigkeitenverfahren.
PK
Binnenschifffahrt 07 | 2026
9
NACHRICHTEN
UMSATZSTEIGERUNG
Rhenus Alpina investiert in Rheinhafen
Die Rhenus Alpina-Gruppe hat für das
Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von
454 Mio. CHF (rund 494 Mio. €) gemeldet.
Trotz eines anspruchsvollen Marktumfeldes,
das durch internationale Handelskonflikte
und geopolitische Spannungen
geprägt war, hielt die Logistikgruppe an
ihrem Wachstumskurs fest.
Als Teil der international tätigen Rhenus
Gruppe ist Rhenus Alpina ein zentraler Akteur
im Schweizer Logistikmarkt. Mit rund
1.611 Mitarbeitenden deckt das Unternehmen
Dienstleistungen in den Bereichen
Transport, Lagerung und Verzollung ab
und ist zudem stark im intermodalen Verkehr
sowie der Luftfrachtlogistik vertreten.
Im operativen Bereich sorgten US-Zölle
auf Schweizer Exportwaren für Belastungen
im Verzollungs- und Transportvolumen.
Dennoch konnten die Logistikcenter
eine Auslastung zwischen 80 und 95 %
verzeichnen. Einen Investitionsschwerpunkt
bildete die Hafeninfrastruktur am
Blick auf das Terminal von Rhenus Port Logistics am Rheinhafen Basel, auf dem sich eine der
größten Photovoltaikanlage Bases befindet
Rheinhafen Basel. Dort wurden zwei neue
Sennebogen-Kräne zur Erweiterung der
Umschlagskapazitäten in Betrieb genommen.
Zudem wurde das neue Terminal
4 fertiggestellt, welches laut Unternehmensangaben
die größte Photovoltaikanlage
Basels beherbergt. Weitere Projekte
wie der Ausbau der Lager-Kapazitäten in
Möhlin und der Bau des Terminals Nordquai
2 durch die Tochtergesellschaft Contargo
unterstreichen die Investitionsstrategie
des Unternehmens.
PK
© Rhenus Alpina
UMSCHLAG IM HAFEN MANNHEIM
Gütermenge im Juni stabilisiert
Die Mannheimer Häfen blicken auf ein im Gesamtergebnis stabiles
erstes Halbjahr zurück. Wie die Staatliche Rhein-Neckar-Hafengesellschaft
Mannheim mitteilt, wurden im Juni wasserseitig
insgesamt 383.502 t Güter umgeschlagen. Dies entspricht einer
Minderung von 6,32 % gegenüber dem Vorjahresmonat, in dem
409.355 t bewegt wurden. Für die erste Jahreshälfte summiert
sich der Umschlag auf 2.915.662 t, was einem leichten Rückgang
von 2,21 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Hafendirektor Uwe Köhn ordnet diese Entwicklung trotz der
schwierigen Rahmenbedingungen positiv ein: »Das Transportvolumen
bewegt sich auf einem zufriedenstellenden Niveau«. Die
Häfen leisteten damit einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung
der Infrastruktur und zur klimafreundlichen Güterlogistik.
In der Güterstruktur zeigten sich deutliche Unterschiede:
Während Erze, Steine, Erden ein kräftiges Plus von 42,43 % verzeichnete,
halbierte sich der Umschlag bei Kohle, Erdöl und Erdgas
nahezu (-50,18 %). Ein Lichtblick ist der Containerverkehr:
Hier stieg die Tonnage um 8,18 % auf 52.857 t, was einem Zuwachs
von 478 TEU auf 5.593 TEU entspricht.
Erschwert wurde der Betrieb durch den niedrigen Wasserstand.
Der Rheinpegel lag im Monatsmittel bei 1,98 m – das sind
0,65 m weniger als im Juni 2025. Trotz dieser Herausforderungen
bleibt das Hafensystem ein verlässlicher Knoten für die regionale
Industrie.
PK
DVF IM GESPRÄCH MIT EU
Vorrang für Wettbewerb
Die deutsche Verkehrswirtschaft fordert eine deutliche Anpassung
der europäischen Rahmenbedingungen, um im globalen
Wettbewerb bestehen zu können. Im Rahmen eines persönlichen
Austauschs zwischen dem Präsidium des Deutschen Verkehrs-Forums
(DVF) und dem EU-Kommissar für Mobilität und
Verkehr, Apostolos Tzitzikostas, unterstrich Matthias Magnor,
stellvertretender DVF-Präsidiumsvorsitzender und Vorstandschef
der BLG Logistics Group, die Dringlichkeit stabiler und flexibler
Transportwege.
Angesichts hoher Kosten, einer wachsenden Regulierungsdichte
und ambitionierter Klimaziele warnte Magnor vor einer
existenzgefährdenden Situation für die europäische Wirtschaft.
Um das Wachstum zu stärken, müsse die EU den Fokus auf die
Wettbewerbsfähigkeit und die Resilienz des Logistikstandortes
legen. Magnor forderte eine Reduzierung der Bürokratie. Zudem
müsse Europa als Wegbereiter der Digitalisierung agieren,
um durch Innovationen an die Spitze zu rücken. Ein zentraler
Punkt des Gesprächs war die Sicherung der transeuropäischen
Infrastruktur. Magnor betonte, dass die Funktionsfähigkeit der
Verkehrsnetze – vor dem Hintergrund aktueller militärischer
Herausforderungen – essenziell sei. Dies betreffe auch die zentralen
Knotenpunkte wie See- und Binnenhäfen. Eine finanzielle
Unterlegung über das Programm »Connecting Europe Facility«
(CEF) sei daher unverzichtbar.
RD
10
Binnenschifffahrt 07 | 2026
NACHRICHTEN
FÄHRVERKEHRE IN DER OSTSEE
Landstromanschluss in Puttgarden betriebsbereit
Die deutsch-dänische Fährreederei
Scandlines hat die Elektrifizierung ihrer
Terminalinfrastruktur an der so genannten
Vogelfluglinie in Skandinavien
abgeschlossen. Mit der im Juli erfolgten
Inbetriebnahme des neuen Landstromanschlusses
im deutschen Hafen Puttgarden
ist es den dort verkehrenden
Frachtfähren nun möglich, ihre Aggregate
während der Liegezeiten an beiden
Enden der Verbindung – in Puttgarden
sowie im dänischen Rødby – vollständig
abzuschalten.
Durch die Nutzung von Landstrom
während des Be- und Entladevorgangs
sinkt der lokale Ausstoß von Treibhausgasen
und weiterer Schadstoffe im Bereich
des Hafens signifikant. Die bereits
seit längerem genutzte Anlage in Rødby
sowie das nun fertiggestellte Gegenstück
in Puttgarden ermöglichen einen durchgängigen
Betrieb nach diesem Standard.
Das Projekt, das einen weiteren Baustein
Die Frachtfähre »The Baltic Whale« auf der Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark:
Mit der neuen Landstromanlage in Puttgarden können die Schiffe während der Liegezeit emissionsfrei
mit Energie versorgt werden
in der Nachhaltigkeitsstrategie der Reederei
darstellt, wurde durch das Förderprogramm
»Connecting Europe Facility«
(CEF) der Europäischen Union finanziell
unterstützt. Mit dieser Investition setzt
Scandlines den eingeschlagenen Kurs
fort, die operative Effizienz und die Umweltbilanz
der Fährverbindung zwischen
Deutschland und Dänemark weiter zu
verbessern.
PK
© Scandlines
PROJEKT IN DUISBURG
Plattform Cellport gestartet
Im Juni ist in Duisburg das Projekt »Cellport Network for Smart
Logistics« gestartet. Die neue Innovationsplattform hat zum
Ziel, die Überführung wissenschaftlicher Forschung in marktreife
Anwendungen für die Logistik 4.0 zu beschleunigen. Das auf
vier Jahre angelegte Projekt wird im Rahmen des »STARK«-Programms
über das 5-Standorte-Programm für Kohleregionen mit
2 Mio. € gefördert.
Kern des Vorhabens sind zwölfmonatige High-Tech-Masterclasses
für Start-ups, an denen insgesamt 30 Unternehmen teilnehmen
sollen. Um praxisnahe Tests unter Realbedingungen
zu ermöglichen, erhalten die Teilnehmenden Zugang zum 5G-
Netz auf dem Multimedia Terminal von Duisport. Dort können
Technologien wie Drohnen, IoT-Anwendungen oder autonome
Fahrzeuge erprobt werden. Ergänzt wird die Infrastruktur durch
einen Prototypen-Workspace mit 3D-Druckern und CNC-Fräsen.
Hinter dem Projekt steht ein Konsortium aus der Wirtschaftsentwicklung
Duisburg Business & Innovation (DBI), der Innovationsplattform
Startport sowie der Universität Duisburg-Essen
(UDE). »Wir stärken den Logistikstandort mit einer Symbiose
aus Spitzenforschung, der neuesten Mobilfunktechnologie und
praxisnaher Gründerförderung«, sagte DBI-Geschäftsführer
Rasmus C. Beck anlässlich des Starts. Johannes Franke, Geschäftsführer
von Startport, sieht in dem Projekt einen wichtigen
Meilenstein für die Region.
PK
DSLV-STUDIE DER RWTH AACHEN
Strombedarf der Logistik steigt
Laut einer aktuellen, vom Bundesverband Spedition und Logistik
(DSLV) in Auftrag gegebenen Studie des Instituts für Kraftfahrzeuge
der RWTH Aachen wird der jährliche Strombedarf der
Branche bis zum Jahr 2045 auf rund 186 TWh ansteigen – das
entspricht dem Achtfachen des heutigen Werts.
Bereits für das Jahr 2035 prognostizieren die Wissenschaftler
einen Bedarf von 109,6 TWh. Damit würde der Logistiksektor
mehr Strom benötigen als die Stahl- und Chemieindustrie
zusammen. Haupttreiber dieser Entwicklung ist die gesetzlich
vorgeschriebene Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs,
die einen Hochlauf von batterieelektrischen Lkw erfordert. Auf
den Straßengüterverkehr entfallen im Jahr 2045 voraussichtlich
83,8 % des sektoralen Strombedarfs, gefolgt von Logistikimmobilien
(12 %) und dem Schienengüterverkehr (4,2 %). Die
Studie warnt zudem vor einer Verschärfung der Lastspitzen.
Durch die zeitgleiche Nutzung von Ladeinfrastruktur in Depots,
Gebäudebetrieb und Schienentraktion könnten im Winter Überlagerungsspitzen
von über 57 GW entstehen, was rund 70 % der
heutigen deutschen Systemspitze entspricht..
»Der Logistiksektor wird immer stromintensiver«, resümiert
DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster. Die Transformation
sei in erster Linie eine energiewirtschaftliche Herausforderung.
Der Verband mahnt daher einen beschleunigten Netzausbau an
allen Ebenen sowie die Absenkung der Stromsteuer. PK
Binnenschifffahrt 07 | 2026
11
POLITIK | REGULIERUNG
»Wir bekennen uns zum
Binnenschifffahrtsstandort Hamburg«
Die Hamburger Wirtschaftssenatorin spricht über die strategische Bedeutung der Wasserwege,
notwendige Investitionen in die Infrastruktur wie den Elbe-Seitenkanal und darüber, wie
Hamburg die Binnenschifffahrt als klimafreundlichen Verkehrsträger stärkt
© Daniel Reinhardt/Senatskanzlei
Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard
Hafen und Wasser – das ist Teil der Verkehrs-DNA
Hamburgs. Das »Tor zur
Welt« ist Deutschlands größter Seehafen,
obwohl er weit im Binnenland
liegt. Der Hamburger Hafen ist einer der
größten »Eisenbahnhäfen« des Kontinents.
Doch den wenigsten ist bewusst,
dass er auch in erheblichem Maß von
Binnenwasserstraßen abhängig ist. Elbe
und der Elbe-Seitenkanal sind essentielle
Hinterlandanbindungen. Das unterstreicht
Hamburgs Wirtschaftssenatorin
Melanie Leonhard, die von ihrem Büro
im denkmalgeschützten Gebäude am
Alten Steinweg einen einmaligen Ausblick
auf das Hafenpanorama hat, im Gespräch
mit der Binnenschifffahrt deutlich.
Die Senatorin führt qua Amt auch
die Hamburgische Admiralitätsflagge,
die als Gösch alle Hamburgischen Binnenschiffe
ziert: vom Polizeiboot bis zum
Feuerlöschboot. Doch Hamburg hat mit
Hadag- und den Alsterfähren auf den
eigenen Binnengewässern bedeutende
Akteure. Die Zuständigkeiten sind geteilt
zwischen der Behörde für Wirtschaft und
Innovation, der Senatorin Leonhard vorsteht,
und der Behörde für Verkehr und
Mobilitätswende unter Führung des Grünen-Politikers
Anjes Tjarks.
Frau Senatorin Leonhard, Hamburg wird
weltweit, in Europa und in Deutschland
als Seehafen wahrgenommen. Welchen
Stellenwert nimmt die Binnenschifffahrt
in der langfristigen Strategie des Hamburger
Senats ein? Sieht sich Hamburg
mit Blick auf seine Hinterlandanbindung
selbst auch als Binnenschifffahrts-
Standort?
Melanie Leonhard: Die Binnenschifffahrt
hat für Hamburg eine besondere
12 Binnenschifffahrt 07 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
strategische Bedeutung. Hamburg ist
nicht nur Deutschlands größter Seehafen,
sondern auch einer der stärksten
Binnenhäfen am deutschen Wasserstraßennetz.
Über Elbe, Elbe-Seitenkanal
und Mittellandkanal ist der Hafen
mit vielen Industrie- und Logistikstandorten
im Hinterland verbunden
– bis nach Ost- und Mitteldeutschland,
Tschechien und in das westdeutsche
Wasserstraßennetz.
Für viele Unternehmen ist diese
Anbindung unverzichtbar. Deshalb
bekennen wir uns ausdrücklich zum
zukunftsfähigen Binnenschifffahrtsstandort
Hamburg und sehen viel Potenzial
etwa bei Containerverkehren
im Hinterland, aber auch bei hafeninternen
Transporten spielen Binnenschiffe
schon heute eine Rolle. Auch
für Großraum- oder Schwertransporte
und Projektladung können sie das
geeignete Mittel der Wahl sein. Klar
ist: Binnenschiffe versorgen Betriebe,
übernehmen Entsorgungs- und Bunkerdienstleistungen
und entlasten
Straße und Schiene.
Das Ziel der Bundesregierung ist die Steigerung
des »Modal Split« der Binnenschifffahrt.
Welche konkreten Impulse
setzt Hamburg, um mehr Güter von der
Straße auf das Binnenschiff zu bringen,
insbesondere im Containerverkehr?
Leonhard: Gemeinsam mit dem Bund
ist es unser Ziel, den Anteil der Binnenschifffahrt
zu erhöhen. Entscheidend
sind verlässliche und leistungsfähige
Wasserstraßen sowie eine gute Vernetzung
der Unternehmen.
Hamburg kann Impulse setzen, aber
der Bund muss die zentralen Voraussetzungen
für die Verlagerungsprozesse
schaffen. Die Bundeswasserstraßen
brauchen mehr Aufmerksamkeit
und ausreichende Finanzierung – dies
gilt sowohl für Betrieb und Unterhaltung
als auch für dringend notwendige
Ausbaumaßnahmen.
Konkret unterstützt Hamburg zudem
überregionale Projekte wie »InnoWaTr«,
bei dem neue Güterströme
für die Binnenschifffahrt erschlossen
und Unternehmen stärker miteinander
vernetzt werden sollen.
Der Hamburger Klimaentscheid setzt
ambitionierte Ziele. In der Branche
wächst die Sorge, dass ab 2030 extrem
strenge Emissionsgrenzwerte den Hamburger
Hafen für einen Großteil der
heutigen Binnenschiffsflotte faktisch unerreichbar
machen könnten. Wie plant
der Senat, den Schutz des Klimas mit der
notwendigen Offenheit des Hafens für
Hintergrund: Der Hamburger »Zukunftsentscheid«
Im Oktober 2025 stimmten die Hamburgerinnen und Hamburger in einem Volksentscheid
über das sogenannte »Klimaschutzgesetz 2.0« ab. Mit einer Mehrheit
votierten sie dafür, das Ziel der Klimaneutralität für die Hansestadt von 2045 auf
2040 vorzuziehen.
Der Beschluss verpflichtet den Senat zu einer deutlich ambitionierteren Klimapolitik,
die verbindliche jährliche Emissionsziele und ein soziales Maßnahmenpaket
umfasst. Da der Hafen das wirtschaftliche Herz der Stadt ist, steht er durch
das neue Gesetz unter besonderem Druck: Experten diskutieren intensiv, wie
der Logistikstandort bis 2040 nahezu vollständig dekarbonisiert werden kann
– etwa durch forcierte Elektrifizierung, neue Umweltzonen und den Umbau der
Infrastruktur. Kritiker und Teile der Wirtschaft warnen vor Wettbewerbsnachteilen
gegenüber Häfen wie Rotterdam oder Antwerpen, während Befürworter den
Umbau als notwendige Chance für einen zukunftsfähigen, grünen Hafenstandort
begreifen.
die Bestandsflotte zu vereinbaren?
Leonhard: Die Binnenschifffahrt ist
schon heute ein vergleichsweise klimafreundlicher
Verkehrsträger. Deshalb
wollen wir sie stärken und keine
unrealistischen Vorgaben machen.
Natürlich müssen auch Schiffe klimafreundlicher
werden. Aber Flottenmodernisierung
braucht Zeit, Planungssicherheit
und wirtschaftlich tragfähige
Lösungen. Wir prüfen derzeit, welche
Maßnahmen geeignet sind, um die
Klimaziele zu erreichen. Unser Ansatz
ist klar: Transformation ermöglichen,
Planungssicherheit geben und Infrastruktur
aufbauen. Mittel- bis langfristig
rechnen wir mit einem Mix verschiedener
Antriebslösungen.
Hamburg investiert stark in Landstrom.
Wie sieht das Angebot speziell für die
Binnenschifffahrt aus, und welche Anreize
bietet die Stadt für die Umstellung auf
alternative Antriebe?
Leonhard: Auch für die Binnenschifffahrt
machen wir ein umfassendes
Landstromangebot und bauen kräftig
aus. 31 Liegeplätze für Binnen- und
Hafenschiffe haben bereits Landstromanschlüsse.
Weitere Anschlüsse sind im
Bau oder in Planung. Damit können Schiffe
während der Liegezeit ihre Dieselgeneratoren
abschalten – das reduziert
CO₂, Stickoxide, Feinstaub und Lärm.
Da sich noch kein bestimmtes alternatives
Antriebssystem durchgesetzt hat,
stellen wir uns weiterhin technologieoffen
auf und verfolgen die Entwicklungen
mit Blick auf die gegebenenfalls
erforderliche Versorgungsinfrastruktur.
Mittel- bis langfristig rechnen wir
mit einem Mix aus verschiedenen Antriebslösungen
und einer steigenden
Nachfrage nach Strom für batterieelektrische
Lösungen. Biokraftstoffe stehen
im Hafen zur Verfügung.
Binnenschifffahrt 07 | 2026
13
POLITIK | REGULIERUNG
Das Schiffshebewerk in Scharnebek am Elbe-Seitenkanal ist derzeit das größte Nadelöhr für Binnenschiffe zum Hamburger Hafen. Den Großmotorschiffen
und Schubverbänden der neuen Generation ist es derzeit nicht möglich, hier zu passieren
© BAW/CC BY 4.0
Welche Infrastrukturprojekte im Bereich
der Binnenwasserstraßen hält Hamburg
für absolut notwendig – sowohl auf
eigenem Staatsgebiet als auch im Hinterland,
wie beispielsweise den Elbe-Seitenkanal
oder das Schiffsheberwerk in
Scharnebeck?
Leonhard: Das Binnenwasserstraßennetz
ist ein zusammenhängendes
System, in dem jede noch so kleine
Schwachstelle erhebliche überregionale
Konsequenzen haben kann. Für
Hamburg ist derzeit die Neue Schleuse
Lüneburg am Elbe-Seitenkanal das
wichtigste Projekt. Der heutige Engpass
in Scharnebeck muss behoben
werden, damit moderne Großmotorgüterschiffe
und lange Schubverbände
den Kanal zuverlässig nutzen
können.
Der Elbe-Seitenkanal ist für Hamburg
essenziell, weil er den Anschluss
Unterwegs auf dem Wasser: Das »blaue Netz« Hamburgs
Die Hadag ist als Teil des HVV das Rückgrat des Hamburger Personenverkehrs
auf dem Wasser. Mit dicht getakteten Linien, die Pendler und Touristen gleichermaßen
über die Elbe befördern, verbindet sie die Stadtteile nördlich und südlich
des Stroms. Dabei setzt die Reederei konsequent auf die Verkehrswende: Nach
der erfolgreichen Einführung der ersten Hybrid-Fähren wurde bei der SET-Werft
in Tangermünde bereits der Bau von drei weiteren, vollelektrischen Neubauten
in Auftrag gegeben, die ab 2028 den emissionsfreien Betrieb weiter ausbauen
sollen.
Parallel dazu steht ein weiteres Gewässer im Fokus: die Alster. Die dort verkehrende
Flotte der Alster-Touristik wird derzeit primär touristisch genutzt. Historisch
gesehen waren die Alsterdampfer jedoch einst ein fester Bestandteil des
öffentlichen Nahverkehrs. Immer wieder flammen politische Debatten auf, ob
man diese historische Verbindung wiederbeleben und die Schiffe erneut als feste
ÖPNV-Linien in das Hamburger Verkehrsnetz integrieren sollte, um die Stadtteile
rund um die Alster noch besser anzubinden.
an das deutsche und europäische
Wasserstraßennetz sichert. Mit Blick
auf das in die Jahre gekommene
Schiffshebewerk muss das Schleusenprojekt
konsequent umgesetzt werden.
Deshalb unterstützen Hamburg,
Niedersachsen, der Bund und die IHK
Lüneburg-Wolfsburg das Vorhaben
weiterhin. Wenn Baurecht vorliegt,
kommt es darauf an, dass der Bund
unverzüglich die notwendigen Haushaltsmittel
bereitstellt.
Ferner muss die Elbe weiterhin als
Hinterlandanbindung fungieren. Sie
ist ein Verkehrsweg mit Zukunft und
hat Potenzial, mehr Verkehre aufzunehmen,
und letztendlich geht es hier
auch um Redundanz. Die Projekte
zum Erhalt und zur Verbesserung der
Schiffbarkeit müssen, eingebettet in
das Gesamtkonzept Elbe, von Bund
und Anrainerländern weiterverfolgt
werden.
Wie nutzt Hamburg sein politisches
Gewicht, um beim Bund auf eine
schnellere Abstimmung und Umsetzung
dieser Projekte zu dringen?
Sehen Sie hier Beschleunigungspotenziale,
die über das bisherige Maß
hinausgehen?
14 Binnenschifffahrt 07 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
Leonhard: Bei den Wasserstraßen
brauchen wir vor allem klare Entscheidungen
und verlässliche Finanzierung.
Planungsbeschleunigung ist essenziell,
aber sie hilft wenig, wenn Personal
und Haushaltsmittel fehlen.
Hamburg wird sich gemeinsam mit
den anderen Ländern weiter dafür einsetzen,
dass der Bund seiner Verantwortung
für die Bundeswasserstraßen
gerecht wird.
Inwieweit agiert Hamburg in der Verkehrsministerkonferenz
als expliziter
Anwalt für die Belange der Binnenschifffahrt,
um die Hinterlandanbindung über
das Wasser zu stärken?
Leonhard: Die Wasserstraße bekommt
noch nicht die Aufmerksamkeit,
die sie verdient. Sie ist eine wichtige
Säule unserer Industrie und auch
für die Versorgungssicherheit relevant.
In den Ländergremien sind Binnenschifffahrtsthemen
zuletzt präsenter
geworden. Bei zentralen Fragen – insbesondere
bei der Finanzierung der
Bundeswasserstraßen – sprechen die
Länder mit einer Stimme. Unser gemeinsames
Anliegen ist: Wer mehr
Güter auf das Wasser bringen will,
muss auch in die Wasserstraße investieren.
und starke Hinterlandanbindungen.
Genau darin liegt Hamburgs Stärke.
Synergieeffekte: Hamburg ist ein »Hotspot«
für die Hochseekreuzfahrt. Gibt es
Bestrebungen, die Marke Hamburg auch
im Bereich der Flusskreuzfahrten stärker
zu profilieren?
Leonhard: Hamburg hat sich in den
vergangenen Jahren zu einem der
führenden Kreuzfahrthäfen in Europa
entwickelt und neben zahlreichen
Hochseekreuzfahrtschiffen liefen im
Jahr 2025 43 Flusskreuzfahrtschiffe
den Hamburger Hafen an. Ziel ist es,
die Wertschöpfung entlang der gesamten
maritimen und touristischen
Kette zu stärken und den Standort
international weiter zu profilieren. Dabei
spielt auch das kleinere Segment
Flusskreuzfahrten eine Rolle. Insbesondere
mit dem Branchennetzwerk
»Hamburg Cruise Net« und der Cruise
Gate Hamburg GmbH profitiert die
Stadt von einem wachsenden internationalen
Netzwerk von Reedern
und Routenplanern, die regelmäßig
zur Kundenbindung sowie -neugewinnung
angesprochen werden. Über die
vorhandenen Kontakte zur internationalen
Fachpresse und Organisationen
wird die Kreuzfahrtdestination zudem
bei einem internationalen Publikum
vermarktet. Daher bestehen gute Voraussetzungen,
die Marke Hamburg
auch im Bereich der Flusskreuzfahrten
stetig weiterzuentwickeln.
Welche Rolle spielt die Binnenschifffahrt
in Hamburgs Krisenvorsorge, zum Beispiel
bei Störungen im Schienennetz?
Leonhard: Die Binnenschifffahrt ist
ein wichtiger und oft sehr unterschätzter
Baustein unserer Krisenvorsorge.
Gerade an einem Logistikknoten wie
Hamburg geht es um umfassende Redundanz:
Wenn Straße oder Schiene
gestört sind, können Wasserwege Stabilität
schaffen.
Das Binnenschiff ersetzt andere
Verkehrsträger nicht vollständig, aber
es spielt als Baustein in den Lieferketten
eine wichtige Rolle für Industrie,
Hafenwirtschaft und Versorgungssicherheit.
Interview: Peter Kleinort
Im Vergleich zur Rheinschiene und
den Häfen Rotterdam und Antwerpen
scheint die Elbe-Anbindung oft im Nachteil.
Mit welcher Strategie will Hamburg
den »Nachteil Elbe« wettbewerbsfähig
halten oder sogar in einen Vorteil verwandeln?
Leonhard: Hamburg hat seine Lage
an der Elbe immer erfolgreich genutzt.
Die Elbe ist kein Nachteil, sondern Teil
unseres besonderen Standortprofils.
Sie ermöglicht es Seeschiffen, weit
ins Binnenland hineinzufahren. Das
verkürzt landseitige Transportwege
und verbindet Hamburg besonders
gut mit Nord-, Mittel- und Osteuropa
sowie dem Ostseeraum. Hinzu kommt
die starke Schienenanbindung: Hamburg
ist der größte Eisenbahnhafen
Europas. Entscheidend ist heute nicht
allein die Größe einzelner Schiffe, sondern
das Gesamtpaket: verlässliche
Erreichbarkeit, effiziente Abfertigung
Die Schleuse in Geesthacht stellt den Übergang von der Binnenelbe zur Seeschifffahrtsstraße
Elbe dar
© BAW/CC BY 4.0
Binnenschifffahrt 07 | 2026
15
POLITIK | REGULIERUNG
Infrastruktur-Zukunftsgesetz markiert
entscheidende Trendwende
Mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz hat der Bundestag den Weg für schnellere
Planungsverfahren an Flüssen und Kanälen freigemacht. Die Branche begrüßt die rechtliche
Gleichstellung der Wasserstraße mit Straße und Schiene als Meilenstein
© GDWS/WSV
Der Rhein als zentrale Logistikader profitiert von den neuen Regelungen: Durch die Beschleunigung bei Unterhaltungsmaßnahmen und Fahrrinnenvertiefungen
soll die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wasserwege gesichert werden
Es ist ein politisches Signal mit weitreichenden Folgen für die
Binnenschifffahrt: Der Deutsche Bundestag hat Ende Juni das
Infrastruktur-Zukunftsgesetz (InfZuG) beschlossen. Mit diesem
Gesetzeswerk wird eine zentrale, langjährige Forderung der
Branche erfüllt: Wasserstraßenprojekte des »Vordringlichen Bedarfs«
werden künftig bei der Einstufung des »überragenden öffentlichen
Interesses« rechtlich exakt gleichberechtigt mit Straßen-
und Schienenprojekten behandelt.
Für die Binnenschifffahrt und die Hafenwirtschaft ist dies
mehr als eine bürokratische Korrektur. »Mit der Gleichstellung
der Wasserstraßen hat der Bundestag einen wichtigen Schritt
zur Stärkung der trimodalen Hinterland-Hubs gemacht«, erklärt
Marcel Lohbeck, Geschäftsführer des Bundesverbandes Öffentlicher
Binnenhäfen (BÖB). Die Entscheidung stärke die Krisenresilienz
der gesamten deutschen Logistikinfrastruktur.
Auch der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt
(BDB) reagierte mit deutlicher Zustimmung. Geschäftsführer
Jens Schwanen spricht von einer »langjährigen Forderung«, die
nun Realität werde. »Eine leistungsfähige Schifffahrt braucht
eine verlässliche und bedarfsgerecht ausgebaute Infrastruktur.
Jahrzehntelange Genehmigungs- und Planungsverfahren sind
heute üblich und bremsen die Entwicklung aus«, so Schwanen.
Mit den neuen Regelungen könne nun »die Trendwende bei
einer von Sanierungsstau und Überalterung geprägten Wasserstraßeninfrastruktur
gelingen«.
Wegfall der Engpass-Einschränkung
Der entscheidende Punkt im Gesetzgebungsverfahren war die
Ausweitung des überragenden öffentlichen Interesses. Während
der ursprüngliche Entwurf diese Einstufung lediglich für
Vorhaben mit dem Schwerpunkt »Engpassbeseitigung« vorsah,
wurde dies durch einen Änderungsantrag auf alle Vorhaben des
16 Binnenschifffahrt 07 | 2026
POLITIK | REGULIERUNG
»Vordringlichen Bedarfs« im Bundesverkehrswegeplan ausgeweitet.
Besonders relevant für die Praxis: Künftig fallen auch Unterhaltungsmaßnahmen,
die dem vollständigen oder teilweisen
Ersatz bundeseigener Schifffahrtsanlagen im kritischen Zustand
dienen, unter dieses beschleunigte Verfahren. Dies umfasst explizit
wichtige Projekte wie den Ersatzneubau von Schleusen am
Elbe-Seitenkanal, die zweiten Kammern an der Mosel oder die
Verlängerung der Neckarschleusen. Angesichts der Tatsache,
dass über 300 der rund 600 deutschen Schleusen älter als 80
Jahre sind, ist dieser »Planungs-Turbo« für die operative Sicherheit
der Wasserwege unverzichtbar.
Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister
für Verkehr, betonte im Rahmen der Bundestagsdebatte:
»Wir schaffen hier Planungssicherheit für eine moderne
und nachhaltige Infrastruktur. Der Elbe-Seitenkanal, die Moselschleusen
und der Ausbau am Mittelrhein sind keine isolierten
Projekte, sondern essenzielle Bausteine für unsere industrielle
Leistungsfähigkeit.« Die politische Intention ist klar: Die Wasserstraße
soll als vollwertige und unverzichtbare Komponente in
der »Drehscheibe Deutschland« verankert werden. Die Einstufung
in das »überragende öffentliche Interesse« ermöglicht es
Behörden und Gerichten, in Abwägungsprozessen bei Schutzgütern
künftig schneller zugunsten der Infrastruktur zu entscheiden.
Standard ab.« Man mache lediglich Umwelt- und Naturschutz
praxistauglicher und besser handhabbar.
Es werde in Zukunft nicht mehr um das einzelne Tier auf einer
zu bauenden Trasse gehen. »Wir wollen die Population schützen«,
so Schnieder. Darum müsse es gehen, das sei wirklicher
Schutz. »Das bringt Infrastrukturvorhaben und Umweltschutz in
eine ordentliche Balance«, sagte der Minister.
Die Bauindustrie sieht in den Beschlüssen ebenfalls einen
wichtigen Hebel. Experten betonen, dass durch die rechtliche
Höherbewertung der Wasserstraßenprojekte langwierige Abwägungsprozesse
bei gerichtlichen Verfahren künftig zugunsten
der Infrastruktur verkürzt werden könnten. Dies schafft
Planungssicherheit für Bauunternehmen, die auf großskalige
Wasserbauprojekte spezialisiert sind.
Voraussetzung: Personal und Mittel Trotz des Lobes über die
gesetzlichen Rahmenbedingungen mahnt der BDB zur Vorsicht
bei der Umsetzung. »Das Gesetz wird seine Wirkung dann voll
entfalten, wenn entsprechende Haushaltsmittel für Unterhaltungs-
und Ausbaumaßnahmen zur Verfügung stehen, und
wenn die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) über
eine ausreichende Personaldecke verfügt«, sagt Schwanen. Die
Branche wird den weiteren Gesetzgebungsprozess, insbesondere
die noch ausstehende Zustimmung des Bundesrates, sowie
die nachfolgenden Haushaltsberatungen daher genau beobachten.
PK
Regierung stolz auf »Politikwechsel«
Daniel Kölbl (CDU) sprach von einem »Politikwechsel«. Man habe
sich innerhalb der Koalition darauf geeinigt, den »gelungenen
Kabinettsentwurf« auf weitere Vorhaben auszuweiten. Das betreffe
den Gewässerausbau an Häfen, die transeuropäischen
Verkehrsnetze, den Ausbau von Flughäfen, die Unterhaltung
von Tunneln, den Ausbau von rund 70 Bundesstraßen sowie
weitere Neubau- und Unterhaltungsmaßnahmen an Bundeswasserstraßen.
Armand Zorn (SPD) betonte: Entscheidend sei, dass die Mittel
aus dem Sondervermögen abfließen können »und das schnell
gebaut werden kann«. Durch das Gesetz würde Klarheit bei der
Abwägung geschaffen, was Verfahren spürbar verkürze. »Damit
machen wir deutlich: Diese Infrastrukturen dienen der öffentlichen
Sicherheit und den Belangen der Landes- und Bündnisverteidigung«,
sagte der SPD-Abgeordnete.
Ein gutes Gesetz sowie finanzielle Mittel reichten aber nicht
aus, um zu Verbesserungen zu gelangen. »Es braucht auch einen
Mentalitätswandel – in der Politik, in der Verwaltung und in
der Bevölkerung.« Gemeinsam müsse man es als Gesellschaft
hinbekommen, dass Verkehrsprojekte schneller geplant werden
können, sagte Zorn.
Schnieder garantiert Umweltschutz
Den Vorwurf von Grünen und Linken, der »Infrastruktur-Turbo«
opfere den Umwelt und Naturschutz, konterte Bundesverkehrsminister
Patrick Schnieder (CDU): »Wir senken keinen einzigen
Veraltete Schleusen wie diese sind keine Seltenheit. Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz
soll den Ersatzneubau solcher kritischen Anlagen
künftig deutlich beschleunigen
© GDWS/WSV
Binnenschifffahrt 07 | 2026
17
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Saniertes Ruhrwehr soll
für die nächsten 70 Jahre halten
Mit dem Aushub des ersten von vier Wehrverschlüssen durch den Schwimmkran »Hebo 7«
hat die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) die grundlegende
Instandsetzung des Ruhrwehrs Duisburg erfolgreich eingeleitet
© WSV
Der Schwimmkran »Hebo 7« hebt den ersten Wehrverschluss aus
dem trockengelegten Wehrfeld des Ruhrwehrs Duisburg
Trimodal im Quadrat
Trimodal im Quadrat
Die Schnittstelle zwischen Wasser, Straße und Schiene in der
Quadratestadt Mannheim.
Die Schnittstelle zwischen Wasser, Straße und und Schiene in in der der
Quadratestadt Mannheim.
Das Ruhrwehr Duisburg an Kilometer 2,626 der Ruhrwasserstraße
steht vor einer umfassenden Erneuerung. Nach fast sieben
Jahrzehnten Dauerbetrieb – der Bau der Anlage begann bereits
1942 und wurde 1956 abgeschlossen – hat die Wasserstraßenund
Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) ein langfristiges
Sanierungsprogramm gestartet. Ziel ist es, das für die Region
Duisburg kritische Bauwerk für die kommenden 70 Jahre zukunftssicher
aufzustellen.
Der erste Meilenstein dieser komplexen Baumaßnahme wurde
Ende Mai erreicht: Mit dem Schwimmkran »Hebo 7« wurde
der erste der vier Wehrverschlüsse aus dem Wehrfeld gehoben.
Die technische Herausforderung bei diesem Manöver war
beträchtlich. Da das Wehrfeld im Ober- und Unterwasser mit
Fangedämmen trockengelegt wurde, mussten die Experten
des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Westdeutsche
Kanäle nicht nur das beachtliche Gewicht der Verschlüsse – bestehend
aus einem 82 t schweren Oberschütz und einem 147 t
wiegenden Unterschütz – berücksichtigen, sondern auch die
exakte Auslage des Krans präzise steuern. Nur so können die
Arbeiten überhaupt ausgeführt werden.
Schrittweiser Austausch der Wehrverschlüsse
Die Arbeiten am Ruhrwehr sind jedoch weit umfangreicher. Parallel
zum Austausch der Wehrverschlüsse, der in den kommenden
zehn Jahren sukzessive erfolgen wird, werden aktuell die
Wehrpfeiler sowie das Pumpwerkhaus saniert.
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WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Das neue Ruhrwehr mit dem Schwimmkran
Die Wehrverschlüsse sollen dann nacheinander in den kommenden
zehn Jahren ausgetauscht werden. Das zeigt, wie umfangreich
die Arbeiten an der Anlage sind. Die Wehranlage selbst
hat eine lange Geschichte: Der Bau begann 1942 und wurde –
unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg – erst 1956 beendet.
Nach regelmäßigen Unterhaltungsmaßnahmen steht nun eine
umfassende Grundinstandsetzung an. Projektteilgebietsleiter
© WSV
David Mertesacker sagt: »Mit dem Aushub des Verschlusses erreichen
wir einen weiteren wichtigen Meilenstein bei der Grundinstandsetzung
des Ruhrwehrs Duisburg.«
Die Bedeutung der Anlage für die Binnenschifffahrt und Wasserwirtschaft
ist groß: Das Ruhrwehr reguliert sowohl den Wasserstand
der Ruhr in der Haltung zur Staustufe Raffelberg als
auch im Verbindungskanal zum Rhein-Herne-Kanal bis zur Staustufe
Oberhausen. Zudem spielt es eine Schlüsselrolle im Hochwasserschutz,
indem es Ruhrhochwasser sicher in den Rhein
abführt und im Bedarfsfall Überflutungsflächen in den Ruhrwiesen
zur Verfügung stellt. Mit der jetzigen Grundinstandsetzung
unterstreicht die WSV den Stellenwert dieses zentralen Knotenpunktes
im westdeutschen Kanalnetz.
Im Wasserstraßennetz von Duisburg sind die Ruhr, der Ruhrschifffahrtskanal
und der Rhein-Herne-Kanal verbunden. Vom
Rhein aus kann sowohl über die Ruhr und die hier befindliche
Ruhrschleuse Duisburg als auch über den Hafenkanal und die
Schleuse Meiderich flussaufwärts und kanalaufwärts gefahren
werden. Der Ruhrschifffahrtskanal wurde angelegt, um größeren
Schiffen die Zufahrt vom Rhein zum Hafen in Mülheim zu
ermöglichen. Durch diesen Ausbau ist der auch als Ruhrkanal
bezeichnete Abschnitt der Ruhr eine Bundeswasserstraße mit
einer Länge von 12,21 km.
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WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Regio Port OWL setzt auf
langfristige Partnerschaft
Beim ersten Hafenfest in Minden unter dem Leitwort »Über Minden in die Welt« bekräftigten
die Regio Port OWL Betriebs-Gesellschaft und der Mindener Hafen ihre erfolgreiche
Zusammenarbeit mit einer neuen, langfristigen strategischen Vereinbarung. Von Peter Kleinort
Container beherrschten auch das erste Hafenfest am Regio Port OWL in Minden
© Mindener Hafen
Die Weichen für die Zukunft sind gestellt: Mit einer langfristigen
Kooperationsvereinbarung festigen die Betreibergesellschaft
des Mindener Regio Ports und die Mindener Hafen-Gesellschaft
ihre siebenjährige Zusammenarbeit. Das im Rahmen des ersten
Hafenfestes am 18. Juni verkündete Abkommen bildet die strategische
Basis für weiteres Wachstum am Standort in Nordrhein-
Westfalen. Rund 140 Gäste feierten bei strahlendem Sonnenschein
im eigens errichten Containerdorf auf dem Hafengelände
die Vereinbarung. An der Betriebsgesellschaft des Regio Ports
sind der Mindener Hafen, die Bobe Spedition und die Modal 3
Logistik beteiligt.
Seit 2019 fungiert der Regio Port am Mittellandkanal als Logistikdrehscheibe
für den wasserseitigen Containerumschlag.
Die Anlage verbindet die Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) mit
den Nordseehäfen Hamburg und Bremerhaven. Dass diese Anbindung
von hoher Bedeutung für die Metropolregion Hamburg
ist, unterstrich Markus Heinen von Hafen Hamburg Marketing.
Er hob hervor, dass die bewährte Kombination aus Schiene und
Wasserweg einen entscheidenden Beitrag zu einer nachhaltigen
Güterlogistik leistet. Außer der transportlogistischen Verbindung
besteht auch eine dauerhafte und strategische Kooperation
zwischen den Hafenstandorten Hamburg und Minden. Vor
diesem Hintergrund erklärte sich Hafen Hamburg Marketing
dazu bereit, die Veranstaltung tatkräftig zu unterstützen.
»Minden ist ein Verkehrsknotenpunkt. Vor allem die Lage am
Wasserstraßenkreuz ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg
der etablierten Linienverbindungen per Bahn und Binnenschiff«,
sagte Bürgermeister Peter Kock.
Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen blicken die Verantwortlichen
optimistisch in die Zukunft. Joachim Schmidt, Geschäftsführer
des Mindener Hafens, verwies auf die Erholung
nach einer zwischenzeitlichen »Delle« im Jahr 2023. Seit Jahresbeginn
konnte der Containerumschlag um mehr als 30 % gesteigert
werden; im Bereich Binnenschiff lag das Plus sogar bei 65 %.
Insgesamt wurden 2025 in den Mindener Häfen 127.845 TEU
bewegt.
■
20 Binnenschifffahrt 07 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Weg für Schleuse Lüneburg ist frei
Die Planfeststellungsbehörde der GDWS hat das Verfahren für den Neubau der Schleuse
Lüneburg offiziell eingeleitet. Das Projekt soll das in die Jahre gekommene Schiffshebewerk
ersetzen und den Kapazitätsengpass am Elbe-Seitenkanal dauerhaft beseitigen
Die neue Schleusenanlage soll auf die aktuellen Schiffsgrößen abgestimmt sein
© GDWS
Mit der offiziellen Einleitung des Planfeststellungsverfahrens
Ende Juni hat
die Generaldirektion Wasserstraßen und
Schifffahrt (GDWS) einen entscheidenden
Schritt zur Modernisierung des Elbe-
Seitenkanals vollzogen. Ziel des Vorhabens
ist der Bau einer zukunftssicheren
und leistungsstarken Schleusenanlage,
die das bestehende Schiffshebewerk
Scharnebek aus dem Jahr 1975 ablösen
wird.
Das aktuelle Hebewerk stellt für die
moderne Binnenschifffahrt eine Art Nadelöhr
dar: Während der Kanal selbst für
Großmotorgüterschiffe bis zu 110 m sowie
für Schubverbände von bis zu 185 m
Länge zugelassen ist, ist das Hebewerk
aufgrund seiner technischen Gegebenheiten
auf Einheiten bis maximal 100 m
limitiert. Diese Einschränkung hemmt
effektiv den Güterverkehr auf einer der
wichtigsten Wasserstraßen-Verbindungen
zum Hamburger Hafen.
Die geplante neue Schleuse mit einer
nutzbaren Kammerlänge von 225 m
soll diesen Engpass eliminieren. Lukas
Brodersen, Sachbereichsleiter beim zuständigen
Wasserstraßen-Neubauamt
in Hannover, betont entsprechend die
strategische Bedeutung des Projekts:
»Die neue Schleuse wird nicht nur die Kapazitäten
erhöhen, sondern auch einen
wichtigen Beitrag zur Verlagerung von
Transporten auf umweltfreundliche Verkehrsträger
leisten.«
Verfahren dauert zwei Jahre
Das nun gestartete Planfeststellungsverfahren
bildet den verwaltungsrechtlichen
Rahmen für das gesamte Projekt.
In diesem Prozess werden die Interessen
aller relevanten Beteiligten geprüft und
ihre möglichen Einwendungen abgewogen,
bevor der finale Planfeststellungsbeschluss
das Vorhaben baurechtlich zulässt.
Das Genehmigungsverfahren wird
voraussichtlich einen Zeitraum von zwei
Jahren in Anspruch nehmen.
Für die Schifffahrt am Elbe-Seitenkanal
ist der Neubau von hoher Relevanz, da
er die Zuverlässigkeit der Hinterlandanbindung
des wichtigsten deutschen Seehafens
weiter stärkt. Durch die regulierte
Wassertiefe von 2,80 m, die der Kanal
auch bei Niedrigwasser an der Elbe bietet,
bleibt er als »Schlagader« der norddeutschen
Logistik unverzichtbar.
Interessierte können die Planunterlagen
über das Beteiligungsportal des
Bundes https://beteiligung.bund.de einsehen.
PK
Binnenschifffahrt 07 | 2026
21
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
Überalterung der Wasserstraßen
gefährdet 360.000 Arbeitsplätze
Das deutsche Wasserstraßennetz ist das Rückgrat der industriellen Logistik, doch es ist marode.
Eine aktuelle DIW-Studie warnt: Der Investitionsstau an Schleusen und Wehren gefährdet
360.000 Arbeitsplätze und droht die Versorgungssicherheit ganzer Industrieregionen in
Deutschland nachhaltig zu schwächen. Von Peter Kleinort
© BAW
Die Schleuse Flaesheim am Wesel-Datteln-Kanal in Nordrhein-Westfalen ist ein exemplarisches Bauwerk für die essenzielle, aber zunehmend
überalterte Infrastruktur im westdeutschen Kanalnetz. Ein zuverlässiger Betrieb solcher Anlagen ist Voraussetzung, um die komplexen Logistikketten
der deutschen Industrie stabil zu halten
Die Bundeswasserstraßen werden oft als das »stille« Verkehrssystem
wahrgenommen. Während überfüllte Autobahnen und
überlastete Schienennetze den täglichen Diskurs prägen, verrichtet
die Binnenschifffahrt auf rund 7.300 km ihren Dienst –
unsichtbar für die breite Öffentlichkeit, aber systemkritisch für
das industrielle Herz Deutschlands. Doch dieses Rückgrat ist
brüchig geworden. Eine neue Kurzstudie von DIW Econ, in Auftrag
gegeben vom Verein für europäische Binnenschifffahrt und
Wasserstraßen (VBW), legt nun offen, wie tiefgreifend das Risiko
ist, das von der schleichenden Überalterung und chronischen
Unterfinanzierung ausgeht.
Die Zahlen, die das DIW Econ präsentiert, sind alarmierend.
Von den bundesweit 617 erfassten Schleusen und Wehren ist
rund ein Drittel – also über 200 Bauwerke – älter als 100 Jahre.
Weitere 140 Bauwerke befinden sich im Alter zwischen 80 und
100 Jahren. Was auf den ersten Blick wie ein Zeugnis deutscher
Ingenieurskunst aus der Gründerzeit wirken mag, ist in der Realität
eine tickende Zeitbombe für die moderne Just-in-Time-Logistik.
Diese Anlagen wurden für Anforderungen konzipiert, die mit
den heutigen Strömen an Gütern und den Schiffsklassen kaum
noch korrelieren. Die Kombination aus extremem Alter und stei-
22 Binnenschifffahrt 07 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
gender Nutzungsintensität führt zu einer exponentiellen Zunahme
von Betriebsstörungen. Ein ungeplanter Schleusenausfall
im westdeutschen Kanalnetz oder an der Donau bedeutet
heute nicht mehr nur eine Verzögerung von wenigen Stunden,
sondern kann – bei den hochintegrierten Lieferketten der Chemie-
und Stahlindustrie – den sofortigen Produktionsstillstand in
angeschlossenen Werken bedeuten.
Die 360.000-Arbeitsplätze-Gefahr
Die Kernbotschaft der Studie ist die direkte Korrelation zwischen
Infrastrukturverfügbarkeit und Beschäftigung. Anhand von fünf
Fallstudien – dem Westdeutschen Kanalsystem, dem Main-Donau-Kanal
(MDK), dem Neckar, der Mosel-Saar-Achse sowie dem
Elbe-Seiten-Kanal (ESK) – wurde das ökonomische Schadenspotenzial
untersucht. Allein in diesen Regionen hängen bis zu
360.000 Arbeitsplätze direkt von der Funktionsfähigkeit der jeweiligen
Wasserstraßen ab.
Dabei darf man sich nicht von der relativen Kennzahl der 6,5 %
am gesamten Güterverkehr täuschen lassen. Die Binnenschifffahrt
ist kein Allrounder, sondern ein Spezialist. Sie transportiert
die Massengüter, die das Rückgrat der Industrie bilden: Erze für
die Stahlproduktion, Mineralöle, Chemikalien, Futtermittel und
Baustoffe. Würde die Wasserstraße als Verkehrsweg ausfallen,
stünden die deutschen Seehäfen und die nachgelagerten Industriestandorte
vor einem logistischen Kollaps. Eine Verlagerung
auf Schiene und Straße ist in vielen Fällen physisch unmöglich:
Die Schiene ist bereits jetzt überlastet, und für die riesigen
Mengen, die ein einziger Binnenschiff-Verband bewegt, wären
hunderte Lkw zusätzlich auf der Straße notwendig – eine Vorstellung,
die angesichts der aktuellen Belastung des deutschen
Autobahnnetzes und der definierten Klimaschutzziele bis 2035
politisch wie operativ absurd ist.
Das DIW Econ beleuchtet in der Studie auch die ökonomische
Dimension des Investitionsstaus. Die Initiative System Wasserstraße
(ISW) beziffert die Finanzierungslücke für das Jahr 2026
auf rund 2,8 Mrd. €. Während der tatsächliche Bedarf für den Erhalt
der Wasserstraßeninfrastruktur bei 10,1 Mrd. € läge, stehen
im Bundeshaushalt lediglich 7,3 Mrd. € bereit.
Systemische Risiken und der Klimawandel
Die Studie macht deutlich, dass diese »Einsparung« an der falschen
Stelle eine fatale volkswirtschaftliche Rechnung nach sich
zieht. Die Kosten eines ungeplanten Ausfalls – durch entgangene
Wertschöpfung, Produktionsstopps, Strafzahlungen in Lieferverträgen
und den Verlust an Standortattraktivität – übersteigen
die notwendigen Investitionen in die Instandhaltung um ein Vielfaches.
Es handelt sich hierbei um ein klassisches Versagen der
öffentlichen Daseinsvorsorge, das sich als schleichender Prozess
vollzieht. Da Infrastrukturversagen nicht über Nacht geschieht,
sondern durch eine Abfolge von Defekten und Wartungsstaus,
wird das Risiko oft erst dann in seiner vollen Tragweite erkannt,
wenn der Stillstand bereits eingetreten ist. Ein weiterer Faktor,
den die Studie in den Kontext stellt, ist die Resilienz gegenüber
dem Klimawandel. Extremwetterlagen, die in den vergangenen
Jahren zu historischem Niedrigwasser führten, haben die
Schwachstellen des Systems bereits aufgezeigt. Doch während
über alternative Antriebskonzepte und Wasserstoffflotten debattiert
wird, wird die physische Grundlage – die Tiefe und Breite
der Fahrrinnen sowie die Funktionalität der Schleusenbauwerke
– vernachlässigt.
Die Resilienz der Wasserstraße hängt massiv von der Zuverlässigkeit
der technischen Anlagen ab. Ein Schleusenausfall im
Sommer bei Niedrigwasser ist eine doppelte Katastrophe: Das
System verliert nicht nur an Kapazität, sondern auch an Pufferwirkung.
Die DIW-Experten betonen daher, dass eine »operative
Resilienz« nur durch eine proaktive Strategie erreicht werden
kann, die den Fokus weg von der reinen Schadensbehebung hin
zur präventiven Erneuerung verlagert.
Die Ergebnisse der Studie sind ein dringender Appell an die
Bundespolitik. Es reicht nicht aus, das Wasserstraßennetz als
»Säule« zu bezeichnen, während man an der finanziellen Basis
sägt. Die geforderte Nutzung des Sondervermögens für Infrastruktur
und Klimaneutralität (SVIK) ist aus Sicht der VBW und
der Binnenhäfen eine logische Konsequenz. Zudem identifiziert
die Studie einen weiteren Flaschenhals: das Personal.
In der Bundeswasserstraßenverwaltung (WSV) führt der Fachkräftemangel
dazu, dass selbst wenn Gelder vorhanden wären,
die Planung und Umsetzung der Bauvorhaben ins Stocken geraten.
Ein Investitionsprogramm ist daher nur dann wirksam,
wenn es einhergeht mit einer massiven Personaloffensive. Der
Bau von Schleusen ist ein komplexer Prozess, der hochqualifiziertes
Ingenieurwissen erfordert. Über Jahre wurde dieses
Know-how in der Verwaltung durch Austritte und Renteneintritte
reduziert – ein strukturelles Problem, das den Investitionsstau
zusätzlich zementiert.
Wasserstraße als Industriepolitik verstehen
Die DIW-Studie räumt mit dem Vorurteil auf, Wasserstraßenpolitik
sei ein Nischenthema für eine Branche. Sie macht deutlich,
dass die Funktionsfähigkeit des Netzes eine zentrale Säule
der deutschen Industriepolitik ist. Wenn die Bundesregierung
das Ziel der Reindustrialisierung oder zumindest des Erhalts
der industriellen Basis ernst meint, muss sie die Bundeswasserstraßen
priorisieren.
Das Schicksal von 360.000 Arbeitsplätzen hängt nicht allein
von der Innovationskraft der Unternehmen ab, sondern auch
davon, ob die Rohstoffe pünktlich an den Standorten ankommen
und die Produkte den Weg in die Welt finden. Das »stille
Rückgrat« der deutschen Wirtschaft darf nicht länger zur Last
werden, sondern muss durch eine mutige Finanzierungspolitik
und technische Modernisierung wieder zu dem werden, was
es historisch war: ein leistungsstarker, zuverlässiger Motor für
Wohlstand und Wachstum. Die Fakten liegen auf dem Tisch – es
ist nun eine Frage des politischen Willens, ob Deutschland bereit
ist, in das Fundament seiner eigenen Wettbewerbsfähigkeit zu
investieren. Die aktuellen Entwicklungen um die Reformpläne
der Bundesregierung lassen zumindest einen Hoffnungsschimmer
aufkeimen.
■
Binnenschifffahrt 07 | 2026
23
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
50 Jahre Elbe-Seitenkanal: Ein halbes
Jahrhundert Logistik-Lebensader
Seit fünf Jahrzehnten verbindet der Elbe-Seitenkanal die Elbe mit dem Mittellandkanal und
sichert eine entscheidende Hinterlandanbindung für die deutschen Seehäfen. Mit Blick auf die
Zukunft unterstreicht die Politik die Bedeutung der Wasserstraße als wichtigem Motor für die
regionale Wirtschaft in Norddeutschland
Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) beging
Ende Juni das Jubiläum des 50-jährigen Bestehens des des
Elbe-Seitenkanals (ESK). Seit seiner Inbetriebnahme am 15. Juni
1976 fungiert die Wasserstraße als zentrales Bindeglied, das Güterströme
effizient in die Fläche bringt und die Wettbewerbsfähigkeit
der deutschen Hafen- und Logistikstandorte stärkt.
Für den Hamburger Hafen ist der ESK von essentieller Bedeutung,
da er die Anbindung an das Binnenwasserstraßennetz
maßgeblich sichert (siehe auch das »Binnenschifffahrt trifft ...«-Interview
mit Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard
in dieser Ausgabe ab Seite 12). Diese Funktion als Rückgrat für
die Hinterlandverkehre wurde auch in der politischen Würdigung
der Jubiläumsfeierlichkeiten hervorgehoben. Christian Hirte, Parlamentarischer
Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr,
bezeichnete den Kanal als »wichtigen Baustein« für die Industrie
in Norddeutschland, der Planungssicherheit mit moderner Infrastruktur
verbinde.
Dass der Kanal auch für kommende Jahrzehnte leistungsfähig
bleiben soll, zeigen aktuelle Planungsfortschritte: So verdeutlichen
die Vorbereitungen für eine neue Schleuse in Scharnebeck,
dass der Bund weiterhin in die Verkehrsader investiert (siehe
Seite 21 dieser Ausgabe der Binnenschifffahrt). Anke Leue, Präsidentin
der GDWS, hob anlässlich des Jubiläums die technische
Meisterleistung hervor, die insbesondere durch Bauwerke wie
das Schiffshebewerk Lüneburg/Scharnebeck und die Schleusengruppe
Uelzen geprägt ist. Diese Bauwerke seien Sinnbild dafür,
wie »Höhenunterschiede nicht mit Umwegen, sondern mit Können
und sicherem Betrieb« überwunden werden.
Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum (v. l.): Martin Köther (Leiter des
Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Mittellandkanal/Elbe-Seitenkanal),
Anke Leue (Präsidentin der GDWS) und Christian Hirte
(Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für
Verkehr) vor dem Hebewerk in Scharnebek
© GDWS
Notwendig durch deutsche Teilung
Der Kanal, dessen Bau 1965 beschlossen wurde, verbindet heute
nicht nur die Elbe mit dem Mittellandkanal, sondern leistet einen
wesentlichen Beitrag zu nachhaltigen Transportketten. Am 20.
Juni 2026 bot ein Tag der offenen Tür am Schiffshebewerk Lüneburg/Scharnebeck
Einblicke in die tägliche Arbeit der Wasserstraßen-
und Schifffahrtsverwaltung (WSV), die den Betrieb dieser
»Logistik-Lebensader« sicherstellt.
Der Bau des Kanals war zur Zeit seiner Entstehung ein hochambitioniertes
Großprojekt. Mit dem Beschluss im Jahr 1965 reagierten
die Verantwortlichen der Bundesrepublik auf die wachsenden
Anforderungen des Güterverkehrs und die Notwendigkeit, eine
leistungsstarke Verbindung abseits des durch die deutsch-deutsche
Teilung belasteten Unterlaufs der Elbe zu schaffen. Heute,
ein halbes Jahrhundert später, unterstreicht das Jubiläum nicht
nur die technische Beständigkeit der Bauwerke, sondern auch
die fortwährende Relevanz einer nachhaltigen Verkehrsplanung.
Technische Meisterleistung
Das Herzstück des Elbe-Seitenkanals bilden zwei imposante technische
Anlagen, die den Höhenunterschied von insgesamt 61 m
zwischen Elbmarsch und dem Geestrücken überwinden: Das
Schiffshebewerk Lüneburg in Scharnebeck und die Schleusengruppe
Uelzen. Insbesondere das Schiffshebewerk Scharnebeck
24 Binnenschifffahrt 07 | 2026
WASSERSTRASSEN | HÄFEN
galt bei seiner Eröffnung als technologisches Wunderwerk und
ist bis heute ein Symbol für die Fähigkeit, geografische Barrieren
effizient zu überbrücken. Zum Zeitpunkt seiner Entstehung galt
es als größtes Schiffshebewerk der Welt. Noch heute ist es ein
Touristenmagnet. Jährlich besuchen rund 500.000 Menschen das
Hebewerk.
Schleusengruppe Uelzen, ist eine Doppelschleusenanlage.
Während des achtjährigen Baus des ESK wurde das Abstiegsbauwerk
für die anstehende Wasserspiegeldifferenz von 23 m errichtet.
Ab 1976 stand zunächst nur eine Schleusenkammer zur Verfügung,
die 2006 um Kammer II ergänzt wurde. Damit stehen der
Schifffahrt zwei unabhängig voneinander zu nutzende Schleusen
zur Verfügung. Beide Schleusen sind in der Lage Schubverbände
mit zwei Leichtern oder übergroße Motorgüterschiffe durchzuschleusen.
Die GDWS betont, dass der Betrieb dieser Anlagen eine hohe
Verantwortung und tägliche Expertise erfordert. Die WSV leistet
hierbei einen entscheidenden Beitrag zur Verlässlichkeit der Logistikketten.
Anke Leue, Präsidentin der GDWS, hob anlässlich der
Feierlichkeiten die Leistung der Mitarbeiter hervor: »Was 1976 begonnen
hat, lebt heute durch Ihren täglichen Einsatz. Sie sorgen
für einen reibungslosen Ablauf auf dieser Logistik-Lebensader.«
Die wirtschaftliche Bedeutung des Elbe-Seitenkanals für den
Hamburger Hafen ist unumstritten. Als essentieller Zubringer
für den Hinterlandverkehr ermöglicht er den Transport großer
Gütermengen auf dem Wasserweg – einem Verkehrsträger, der
im Vergleich zum Lkw signifikant geringere CO 2
-Emissionen pro
Tonnenkilometer aufweist. In einer Zeit, in der »Green Shipping«
und die Dekarbonisierung des Transportsektors zentrale politische
Ziele sind, gewinnt die Wasserstraße weiter an Bedeutung.
Auch die Politik unterstreicht diese Rolle. Christian Hirte, Parlamentarischer
Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr,
betonte zum Jubiläum die Funktion des Kanals als »wichtigen
Baustein« für die Industrie in Niedersachsen und Norddeutschland
(siehe auch das »Binnenschifffahrt trifft ...«-Interview mit Niedersachsens
Verkhers- und Wirtschaftsminister Grant Hendrick
Tonne in der Ausgabe 6/26). Der ESK sorgt nicht nur für verlässliche
Lieferketten, sondern verbindet auch Planungssicherheit mit
einem modernen, nachhaltigen Infrastrukturbetrieb.
Der Kanal trägt so maßgeblich zur Stärkung der regionalen
Wertschöpfung bei und hilft, Güterströme effizient in die Fläche
zu bringen. Er ist damit ein Kernstück der Vision einer »Drehscheibe
Deutschland«, die verschiedene Verkehrsträger zu einem
harmonischen Gesamtnetz verwebt. Auch die aktuelle Diskussion
um die Resilienz von Lieferketten, Transportwegen, Verkehrsträgern
spielt in diese Aufgabenstellung hinein. Zudem werden
auch die Binnenwasserstraßen zu wichtigen Teilen einer sicherheitsrelevanten
Infrastruktur. Die kommenden Jahre werden zeigen,
wie der ESK durch weitere Digitalisierungs- und Automatisierungsschritte
in der Schleusentechnik seine Effizienz weiter
steigern kann.
Das Jubiläum des 50-jährigen Bestehens ist eine Würdigung
der Ingenieurskunst der 1970er Jahre, aber vor allem ein Signal
für die Zukunft. Der Elbe-Seitenkanal hat bewiesen, dass Wasserstraßen
eine unverzichtbare Komponente in einem effizienten
Verkehrsmix sind. Trotz veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen
und zunehmender Anforderungen an die Logistik
bleibt die Wasserstraße ein Garant für Planbarkeit und Zuverlässigkeit.
Die Feierlichkeiten und der Tag der offenen Tür am
Schiffshebewerk haben eindrucksvoll gezeigt, dass das Interesse
an dieser Infrastruktur über die Fachwelt hinausgeht. PK
Leistung entscheidet.
Investitionen für das nächste Jahrhundert
Ein Jubiläum ist stets auch ein Anlass für einen Ausblick auf die
kommenden Jahrzehnte. Der Elbe-Seitenkanal ist kein statisches
Erbe, sondern eine dynamische Infrastruktur, die kontinuierlich
angepasst wird. Die bereits in Planung befindliche neue Schleuse
Lüneburg in Scharnebeck verdeutlicht die Strategie des Bundes,
in diese wichtige Verkehrsader zu investieren. Ziel ist es, die
Kapazitäten zu sichern und auf die Anforderungen moderner
Schiffstypen sowie steigender Verkehrsaufkommen zu reagieren.
Notwendig wird sie, weil die Nutzlänge bisher für Schiffe
bis 100 m Länge begrenzt ist und sich daraus der Zwang ergibt,
Schubverbände zu teilen. Die neue Schleuse soll eine Nutzlänge
von 225 m bei einer Fallhöhe von 38 m erhalten. Dieser Neubau
ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 als »Vordringlicher Bedarf«
enthalten.
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Binnenschifffahrt 07 | 2026
25
SCHIFFFAHRT
Digitale Transformation auf dem Wasser:
EU-Projekt »Herfried« startet
Mit der Bestnote im EU-Förderprogramm »Horizon Europe« im Rücken, koordiniert
die FH Oberösterreich das Forschungsprojekt Herfried. Das 8-Mio.-€-Vorhaben soll die
Binnenschifffahrt mittels Digitalisierung fest in multimodale Lieferketten integrieren
© Meyer
Entlang der Donau soll die Schifffahrt stärker digitalisiert werden
Die Binnenschifffahrt gilt als Rückgrat der europäischen Wasserstraßenlogistik.
Um ihre Effizienz, Verlässlichkeit und Klimabilanz
nachhaltig zu steigern, reicht es jedoch nicht mehr aus, die Schiffe
als isolierte Einheiten zu betrachten. Hier setzt das Projekt
Herfried an: Unter der Leitung der FH Oberösterreich soll ein
digital vernetztes Ökosystem entstehen, das über die gesamte
Logistikkette hinweg – von der Rohstoffquelle bis zum Empfänger
– für Transparenz und automatisierte Abläufe sorgt.
Der Antrag für Herfried stieß bei der EU auf exzellente Resonanz.
Mit der selten erreichten Höchstbewertung von 15,0 Punkten
im »Horizon Europe«-Programm unterstreicht die Europäische
Union die Relevanz des Themas. Ab dem 1. Oktober 2026
wird das Konsortium aus 17 Partnern – darunter namhafte Industrieakteure
wie der Stahlkonzern Voestalpine, Infrastrukturbetreiber
und IT-Spezialisten – über eine Laufzeit von drei Jahren
hinweg konkrete Lösungen erarbeiten.
Das Herzstück des Projekts ist das sogenannte »Herfried
Smart Framework«. Ziel ist die vollständige digitale Integration:
Informationen über Kapazitäten, Routen und Umschlagzeiten
sollen in Echtzeit zwischen Unternehmen, Logistikdienstleistern
und Behörden ausgetauscht werden. Dies minimiert Leerfahrten
und optimiert den multimodalen Umschlag in den europäischen
Häfen.
Smarte Logistik in der Praxis
Um den Praxistransfer zu sichern, werden die entwickelten
Technologien in sieben industrienahen Piloten entlang der
Hauptkorridore Rhein-Main-Donau, Seine-Schelde und Donau-ARA-Häfen
getestet. Dabei deckt das Projekt die gesamte
Bandbreite ab, vom Schüttguttransport bis hin zu komplexen
containerisierten Lieferketten. »Wir denken Transporte nicht
mehr getrennt nach Verkehrsträgern, sondern vernetzt über
die gesamte Lieferkette hinweg«, so Projektmanagerin Sophie
Wiesinger.
26 Binnenschifffahrt 07 | 2026
SCHIFFFAHRT
Eckdaten zu »Herfried«
Projektstart: 1. Oktober 2026
Laufzeit: 3 Jahre
Gesamtbudget: 8 Mio. € (davon 1,4 Mio. € für die FH OÖ)
Konsortium: 17 Partner aus Österreich, Belgien, Deutschland,
Frankreich, Ungarn, den Niederlanden und Polen
Fördergeber: Europäische Union mit dem Programm
»Horizon Europe« (Grant ID: 101318845)
Fokus: Standardisierte Datenräume für smarte Schiffe,
Infrastrukturen und Behörden
»Wir schaffen die vollständige digitale Integration der Binnenschifffahrt
in multimodale Logistikketten – von smarten Schiffen
und Infrastrukturen über standardisierte Datenräume bis zu
Verwaltung und Behörden«, erklärt Projektleiterin FH-Professorin
Lisa-Maria Putz-Egger vom Logistikum der FH Oberösterreich.
Das Forschungskonsortium verfügt über ein Gesamtbudget
von knapp 8 Mio. €. Zu den Partnern zählen namhafte Akteure
wie der Stahlkonzern Voestalpine, der Schifffahrtsverband Pro
Danube International, die österreichische Wasserstraßenagentur
Viadonau, das Telekommunikations- und IT-Unternehmen
Frequentis sowie verschiedene Forschungseinrichtungen und
IT-Spezialisten. Für den Konzern Voestalpine, als »Heavy-User«
des Rhein-Main-Donau-Korridors, ist die Digitalisierung ein zentraler
Hebel, um entlang der gesamten Wertschöpfungskette –
von der Rohstoffbeschaffung bis zur Auslieferung – mehr Transparenz
und Resilienz zu schaffen.
Sieben Pilotkorridore an Wasserstraßen
sondern als zentraler Treiber für die Zukunftsfähigkeit des Verkehrsträgers
fungiert. Die Auswirkungen auf den drei Ebenen
Fahrzeug, Infrastruktur und Lieferkette führen zu einem tiefgreifenden
Wandel, der über reine Effizienzsteigerungen hinausgeht.
Auf Ebene des Fahrzeugs verschieben sich die Grenzen des
technisch Machbaren. Die Digitalisierung ermöglicht eine präzisere
Steuerung und Wartung durch Sensorik und KI-gestützte
Assistenzsysteme. Während der Fokus oft auf dem vollautonomen
Fahren liegt, liegt der unmittelbare wirtschaftliche Mehrwert
in der vorausschauenden Instandhaltung (Predictive Maintenance).
Durch die Vernetzung von Bordkomponenten können
Ausfallzeiten minimiert und die Lebensdauer der Flotte optimiert
werden. Ein »Smart Vessel« agiert dabei zunehmend als Datenknotenpunkt,
der Informationen in Echtzeit an alle Akteure der
Kette weiterleitet.
Die Infrastruktur der Binnenschifffahrt – Wasserstraßen,
Schleusen und Terminals – muss von einem statischen Gut zu einem
aktiven, digitalen Ökosystem wachsen. Digitale Schleusensteuerungen,
die auf Basis von AIS-Daten und Ankunftszeiten
priorisieren, sind nur der Anfang. Eine intelligente Infrastruktur
kommuniziert direkt mit dem Schiff, um Fahrpläne zu glätten
und Liegezeiten zu reduzieren. Hierbei bildet die digitale Wasserstraße
das Rückgrat, das eine hochverfügbare Datenübertragung
zwischen Land und Wasser gewährleistet.
Die fortlaufende Integration des Binnenschiffs in Wertschöpfungsnetzwerke
ist die notwendige Bedingung, um die verkehrswirtschaftliche
Bedeutung des Verkehrsträgers langfristig
zu sichern. Das Binnenschiff muss im digitalen Logistik-Cockpit
des Kunden genauso transparent abgebildet sein wie der Lkw
oder die Bahn. Dies erfordert den nahtlosen Datenaustausch via
standardisierter Schnittstellen (API) und Plattformlösungen. Nur
dadurch lässt sich das Binnenschiff als intermodaler Partner in
komplexen Just-in-Time-Logistikketten positionieren. PK
Um den Praxistransfer sicherzustellen, wird der Forschungsansatz
in sieben industrienahen Piloten entlang zentraler Korridore
(Rhein-Main-Donau, Seine-Schelde und Donau-ARA-Häfen)
getestet. Dabei liegt der Fokus sowohl auf Schütt- und Stückgut
als auch auf dem wachsenden Containermarkt.
Das Projekt, das seinen Namen dem visionären Logistikexperten
Herfried Leitner verdankt, befindet sich aktuell im Vertragsverhandlungsprozess.
Der offizielle Startschuss fällt am
1. Oktober 2026; die geplante Laufzeit beträgt drei Jahre. Neben
technologischen Lösungen zielt Herfried auch auf einen Dialog
mit der Politik ab, um durch angepasste Rahmenbedingungen
die Weichen für eine verlagerungsstarke Binnenschifffahrt zu
stellen.
Herfried ist damit mehr als ein reines Forschungsvorhaben;
es ist ein strategisches Instrument, um die Binnenschifffahrt als
integralen, resilienten und zukunftsorientierten Partner im europäischen
Verkehrsmix zu positionieren.
Die Zukunft der Binnenschifffahrt hängt unmittelbar von ihrer
Fähigkeit zur Innovation und Integration ab. Die Branche befinden
uns an einem Wendepunkt, an dem der Megatrend der
Digitalisierung nicht mehr nur als punktuelle Unterstützung,
Das Team (vorne v. l.): Alexandra Haller, Lisa-Maria Putz-Egger, Laura
Hörandner, hinten: Sophie Wiesinger, Christina Pum
© FH OÖ
Binnenschifffahrt 07 | 2026
27
SCHIFFFAHRT
20 Jahre Innovation für die
Binnenschifffahrt
Anfang Juni stand die niederländische Stadt Gorinchem drei Tage lang ganz im Zeichen der
Binnenschifffahrt. Die Fachmesse »Maritime Industry« (MI) feierte ihre 20. Ausgabe und
unterstrich eindrucksvoll ihre Rolle als wichtigste Branchenplattform für die Binnen- und
Küstenschifffahrt in den Benelux-Ländern. Von Hermann Garrelmann
Mehr als 350 Aussteller präsentierten in der Evenementenhal
Gorinchem neue Produkte, Technologien und Dienstleistungen
für Reedereien, Schiffseigner, Werften, Zulieferer und Dienstleister.
Im Mittelpunkt standen die Themen Digitalisierung, Automatisierung,
Nachhaltigkeit und die Zukunft der Schifffahrt.
Die 20. Ausgabe der MI war weit mehr als eine gewöhnliche
Fachmesse. Unter dem Motto »Twintig jaar ontmoetingen, innovaties,
samenwerkingen en vooruitgang« (zu deutsch: 20 Jahre
Kontakte, Innovationen, Zusammenarbeit und Fortschritt), blickte
die Veranstaltung auf zwei Jahrzehnte Branchenentwicklung
zurück. Auf der ersten Messe Mitte der 2000er-Jahre spielten
Themen wie autonome Navigation, emissionsfreie Antriebe,
digitale Flottensteuerung oder Wasserstoffmotoren in der Binnenschifffahrt
allenfalls als Visionen eine Rolle. Heute sind diese
Themen in der Praxis angekommen und prägen die Diskussionen
in der Branche.
Eine weitere Aufmerksamkeit fand die Jubiläumsausgabe
durch die Verleihung von Jubiläums-Auszeichnungen an Unternehmen,
die, ohne Unterbrechung, seit der ersten Messe als
Aussteller vertreten waren. Damit würdigte der Veranstalter besonders
deren langjähriges Engagement für die Messe und die
Entwicklung der Binnenschifffahrt.
Rund 10.000 Besucher
Die offizielle Messeeröffnung wurde von der Europaabgeordneten
Jeannette Baljeu und der Bürgermeisterin von Gorinchem,
Reinie Melissant-Briene, vorgenommen. Im Laufe der drei Tage
besuchten rund 10.000 Fachbesucher die MI und bestätigten so
ihre Bedeutung als zentraler Treffpunkt der Branche.
Ein gegenüber den Vorjahren stärkerer Publikumsmagnet war
die »Innovatie Route«. Hier präsentierten ausgewählte Aussteller
neue Produkte und Technologien. Besucher konnten die Innovationen
direkt an den Ständen erleben und per Badge-Scan
ihre Stimme für den Innovatie-Award abgeben.
© Hermann Garrelmann
Alles, was in der Binnenschifffahrt Rang und Namen hat, war auf der diesjährigen Maritime Industry in Gorinchem vertreten
28 Binnenschifffahrt 07 | 2026
SCHIFFFAHRT
Software für Charterschiffe
Zur Eigenart der Martitime Industry gehört, dass Unternehmen
wichtige neue Produkte vorstellen. Davon machten auch auf
der diesjährigen Messe einige Firmen Gebrauch. Zu den viel
diskutierten Neuheiten gehörte das Softwarepaket »ST Brain
Lite« von Shipping Technology. Das System wurde speziell für
gecharterte Binnenschiffe entwickelt, die bislang häufig nicht
in digitale Flottenmanagementsysteme integriert waren. Die
kompakte Einheit erfasst Positionsdaten, Fahrinformationen,
Ankunftszeiten, Kraftstoffverbrauch und Emissionsdaten und
überträgt diese in Echtzeit an Reedereien und Betreiber. Besonders
interessant ist die einfache Nachrüstbarkeit auch auf
älteren Schiffen.
Anlässlich der Messe verkündete Shipping Technology, mit
der Concordia Damen eine neue ständige Zusammenarbeit vereinbart
zu haben. Der Schiffbauer aus Werkendam hat sich zur
Ausstattung von sieben neu beauftragten Passagierschiffen für
das Software-Gesamtpaket von Shipping Technology entschieden.
Diese Schiffe werden vollständig mit »ST Brain Pro« ausgestattet.
Das gebe den zukünftigen Eigentümern einen sofortigen
vollständigen Überblick über ihr Schiff, von aktuellen Fahrdaten
und -leistungen bis hin zu Einblicken in Emissionswerte. Concordia
Damen übernehme, so das Unternehmen, auch die ersten
14 Monate der Abonnementkosten.
Veth Propulsion hat mit der Streamline-CRP eine neue Antriebsanlage
speziell für Passagierschiffe und Fähren vorgestellt.
Das System nutzt zwei gegenläufige Propeller (Contra Rotating
Propellers, CRP), wodurch mehr Motorleistung in Schub umgesetzt
wird. Laut Praxistests auf einem Schiff der Flusskreuzfahrtreederei
Scylla sinkt der Kraftstoffverbrauch um bis zu 7 %. Die
gewonnene Effizienz kann entweder zur Verbrauchsreduzierung
oder für höhere Geschwindigkeiten bei gleichen Betriebskosten
genutzt werden. Neben der Kraftstoffersparnis soll die Streamline-CRP,
bedingt durch konstruktive Verbesserungen, auch Lärm
und Vibrationen an Bord verringern und damit den Komfort für
Passagiere und Besatzung verbessern.
Die Anlage ist als Azimuth-Thruster ausgeführt und übernimmt
sowohl Vortrieb als auch Steuerung. Ein neu entwickeltes
Getriebe, ein schlankeres Unterwassergehäuse und optimierte
Propeller erhöhen die Effizienz. Das System ist als L-Drive, Z-Drive
und integrierte Thruster-Lösung verfügbar. Die ersten Exemplare
sind bereits im Einsatz. »Die ersten Versionen haben das
Werk bereits verlassen und sind in Betrieb«, so Van Zuijlekom.
Eine der Anlagen läuft inzwischen an Bord eines Schiffes der
Reederei Scylla.
Die großen Trends der MI
Digitalisierung im Ruderhaus: Die Entwicklungen in diesem Segment
zogen hohe Aufmerksamkeit auf sich
• Alternative Antriebe und Energiespeicher
• Retrofit-Lösungen für bestehende Flotten
• Automatisierung von Werft- und Hafenprozessen
• Erhöhung von Sicherheit und Navigationsunterstützung
Die Innovationsroute zeigte dabei eindrucksvoll, dass viele Lösungen
nicht mehr auf Neubauten beschränkt sind, sondern
gezielt für die Modernisierung bestehender Flotten entwickelt
Kadlec & Brödlin GmbH
SCHIFFSELEKTRIK
KOMMUNIKATION
ELEKTRONIK
NAVIGATION
80% Förderung
© Hermann Garrelmann
Die diesjährige Messe ließ erkennen, welche Themen die Binnenschifffahrt
in den kommenden Jahren prägen werden:
• Digitalisierung von Schiffen und Flotten
• Automatisierte Datenerfassung und Fernüberwachung
• Künstliche Intelligenz und Assistenzsysteme
• Nachhaltigkeit und Emissionsreduzierung
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Binnenschifffahrt 07 | 2026
29
SCHIFFFAHRT
werden. Gerade dieser Retrofit-Gedanke zog sich wie ein roter
Faden durch zahlreiche Messeneuheiten.
Die Maritime Industry 2026 hat ihrem Anspruch als Leitmesse
der niederländischen Binnenschifffahrt voll entsprochen. Die Jubiläumsausgabe
verband den Rückblick auf zwanzig Jahre Branchenentwicklung
mit einem klaren Blick nach vorn. Während früher
vor allem klassische Schiffstechnik dominierte, standen 2026
digitale Vernetzung, Automatisierung, Nachhaltigkeit und intelligente
Assistenzsysteme im Mittelpunkt. Die ausgezeichneten
Entwicklungen und weitere Innovationen verdeutlichen, dass
sich die Binnenschifffahrt in einer Phase tiefgreifender technologischer
Transformation befindet – und die Maritime Industry
weiterhin eine der wichtigsten Bühnen für diese Entwicklung
bleibt.
Ronald Chatrer von Radio Holland (l.) nahm den Award von
Messemanager Geert Kluytmans entgegen
© Maritime Industry
Wettbewerb der besten Ideen
Am Abend des zweiten Messetages wurden mit dem Innovatie
Award 2026 besonders bemerkenswerte Entwicklungen für die
Binnenschifffahrt ausgezeichnet. Die Preisvergabe fand während
des Ausstellerempfangs statt und war einer der Höhepunkte
der Jubiläumsausgabe der Messe.
Den ersten Platz des »Innovatie Award 2026« gab es für Radio
Holland und Retina BV für das Produkt »Sense Bochtaanwijzer«,
einem Wendeanzeiger. Diese Innovation erhielt die meisten
Stimmen der Messebesucher. Diese Lösung ersetzt herkömmliche
Kreiseltechnik durch faseroptische Sensorik (Fiber Optic
Technology). Die Vorteile der Entwicklung sind:
• keine beweglichen Teile
• deutlich weniger Verschleiß
• geringeren Wartungsaufwand
• schnelle Betriebsbereitschaft
• hohe Messgenauigkeit auch bei kleinen Kursänderungen
• hohe Widerstandsfähigkeit gegen Schocks und Vibrationen
• einfache Nachrüstung auf bestehenden Binnenschiffen
Der Sense Bochtaanwijzer wurde erst am ersten Messetag
offiziell vorgestellt und konnte sich gegen elf weitere Nominierte
durchsetzen. Auf Platz zwei kam nach dem Publikumsvoting
ein Produkt von Kranendonk Production Systems
Diese Auszeichnung gab es für die Portable Welding Cobot (Portabot)-Lösung.
Das System ermöglicht automatisiertes Schweißen
in engen und schwer zugänglichen Bereichen von Schiffskonstruktionen.
Dank einer magnetischen Basis kann der Roboter
direkt auf Stahlstrukturen befestigt werden und dort arbeiten,
wo klassische Schweißroboter nicht eingesetzt werden können.
Platz drei ging an AutoMooring Solutions für den »Marine Loading
Arm«(MLA). Dabei handelt es sich um eine automatisierte
Lösung für maritime Umschlag- und Verladeanlagen. Das auf
der Messe gezeigte Modell demonstrierte, wie bestehende Anlagen
durch Automatisierung und Nachrüstung effizienter und
sicherer betrieben werden können.
Bedeutung des Awards
Der Innovatie Award hat sich in den vergangenen Jahren zu einer
wichtigen Auszeichnung innerhalb der niederländischen Binnenschifffahrtsbranche
entwickelt. Auch in diesem Jahr spiegeln
viele der nominierten Innovationen wichtige Branchenthemen
wider. Dazu zählen vor allem Digitalisierung der Binnenschifffahrt,
Retrofit-Lösungen für bestehende Flotten, Automatisierung
von Arbeitsprozessen, Reduzierung von Wartungsaufwand
und Unterstützung autonomer und assistierter Navigation.
Neben den drei Erstplatzierten waren folgende Entwicklungen
nominiert:
Radio Holland erhielt den Innovations-Award für die Entwicklung
eines neuen Wendeanzeigers
© Maritime Industry
SU|MO – Datengestützte Effizienzsteigerung
Sustainable Motion präsentierte mit SU|MO eine Plattform zur
Analyse von Betriebsdaten. Durch Sensorik, Datenanalyse und
digitale Dashboards sollen Kraftstoffverbrauch, Emissionen und
ungeplante Reparaturen reduziert werden. Die Lösung steht exemplarisch
für den Trend zu datengetriebenem Flottenmanagement
und Predictive Maintenance.
E-Line Hybride Supercap
Mourik EGP stellte mit dem E-Line Hybride Supercap eine neue
Energiespeicherlösung vor. Das System basiert auf Superkondensator-Technologie
und bietet hohe Leistungsdichte, schnelle
Ladezyklen und eine lange Lebensdauer. Solche Lösungen gel-
30 Binnenschifffahrt 07 | 2026
SCHIFFFAHRT
ten als wichtiger Baustein für hybride und elektrifizierte Schiffsantriebe
und sind besonders interessant für Schiffe mit stark
schwankendem Energiebedarf, beispielsweise bei Hafenmanövern
oder Hybridantrieben.
KEES Next Gen
Koedood präsentierte seine neue Stage-V-Antriebslösung KEES
Next Gen. Herzstück ist ein Mitsubishi-S6R2-Motor, der mit seiner
Stage-V-konformen Abgasnachbehandlung für die neuesten
europäischen Emissionsanforderungen zertifiziert wird. Die Entwicklung
zeigt, dass moderne Verbrennungsmotoren weiterhin
eine wichtige Rolle bei der Emissionsreduzierung in der Binnenschifffahrt
spielen.
Veth Propulsion
Veth Propulsion nutzte die Messe für die Vorstellung einer bislang
geheim gehaltenen Innovation. Obwohl die Details erst
direkt auf der Messe veröffentlicht wurden, zeigte die Präsentation
den hohen Stellenwert neuer Antriebs- und Manövriersysteme
innerhalb der Branche. Die STREAMLINE-CRPTM genante
Neuerung wurde durch ein markantes Hologramm-Erlebnis auf
dem Stand präsentiert. Dieser fortschrittliche Azimutstrahlruder
mit integrierter Gegenrotier-Propeller-Technologie wurde speziell
für den Passagierkreuzfahrt- und Fährmarkt entwickelt. Dort
wird größter Wert auf Effizienz, Komfort und Zuverlässigkeit bei
der Wahl eines Antriebssystems gelegt.
Die Technik kombiniert ein komplett neu gestaltetes Getriebe,
eine integrierte Pull-and-Push-Propeller-Konfiguration und
einen optimierten, schlanken Heckabschnitt. Zusammen bieten
diese Elemente hervorragende hydrodynamische Eigenschaften.
Der Wasserfluss wird optimal genutzt, was zu einem höheren
Wirkungsgrad und einem geringeren Kraftstoffverbrauch
führt.
Robot Kai
Mit Robot Kai war auch ein Blick in die Zukunft vertreten. Der
interaktive humanoide Roboter demonstrierte Möglichkeiten
der Robotik und künstlicher Intelligenz für Service- und Kommunikationsaufgaben.
Zwar steht die Anwendung noch nicht
unmittelbar im maritimen Alltag, sie verdeutlichte jedoch die zunehmende
Bedeutung intelligenter Assistenzsysteme.
Shipping Technology
Das Geheimnis wurde am ersten Messetag gelüftet: die Vorstellung
von ST Brain Lite. Die Lösung richtet sich speziell an
gecharterte Binnenschiffe und ermöglicht die Erfassung und
Übertragung von Position, ETA, Kraftstoffverbrauch und Emissionsdaten.
Besonders interessant ist der Retrofit-Ansatz: Auch
ältere Schiffe können ohne großen Installationsaufwand digitalisiert
werden.
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»Shipping Technology« entwickelt sich in rasantem Tempo und bringt
in kurzen Abständen Neuentwicklungen auf den Markt
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Binnenschifffahrt 07 | 2026
31
SCHIFFFAHRT
KI, kleine Schiffe und neue Perspektiven
Die Binnenschifffahrt befindet sich im Umbruch. Wie tiefgreifend dieser Wandel ist, zeigte das
Programm des Kennistheaters auf der Maritime Industry 2026. Von Hermann Garrelmann
Um digitale Standards für Binnenhäfen ging es im Vortrag von
Martijn van Hengstom (Mitte) und Ward Koopmans (li.)
Dabei standen nicht nur neue Technologien oder Umweltfragen im
Fokus. Vielmehr drehte sich vieles um die Frage, wie die Branche
selbst ihre Zukunft aktiv gestalten kann: durch Digitalisierung, innovative
Geschäftsmodelle und eine stärkere Einbindung in moderne
Logistiknetzwerke.
Ein Thema zog sich wie ein roter Faden durch zahlreiche Vorträge:
Künstliche Intelligenz. Peter Hulsen von CQM machte deutlich, dass
KI längst nicht mehr nur ein Werkzeug großer Unternehmen ist. Ob
bei der Auswertung von Betriebsdaten, der Planung von Wartungsarbeiten
oder der Optimierung logistischer Abläufe – intelligente
Systeme bieten auch kleinen und mittelständischen Unternehmen
neue Möglichkeiten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei nicht in
der Technologie selbst, sondern in deren sinnvoller Integration in
bestehende Prozesse.
Eng damit verbunden ist die digitale Transformation der Unternehmen.
Bram van den Boom (Mitgründer von Techbinder) erläuterte,
dass Digitalisierung weit mehr bedeute als die Einführung
neuer Software. Gefragt sind klare Strategien, Investitionen in
Wissen und Qualifikation sowie die Bereitschaft, bewährte Arbeitsweisen
zu hinterfragen. Wer diesen Weg konsequent gehe, könne
seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig stärken.
Praxisnah wurde es beim Blick auf die Zukunft kleiner Binnenschiffe.
Während sich viele Diskussionen vor dem Hintergrund der Energiewende
auf große Schiffseinheiten konzentrieren, rückte eine
Präsentation bewusst die kleineren Einheiten in den Mittelpunkt:
Eric Beers (Partner bei HCNP) und Wouter van der Geest (Senior
Consultant Havens en scheepvaart at) stellten Konzepte für hybride
Batterie-Elektro-Antriebe vor und zeigten, welches Potenzial gerade
in diesem Segment steckt. Die Vorteile liegen auf der Hand: geringerer
Kraftstoffverbrauch, niedrigere Emissionen und gleichzeitig
die notwendige Flexibilität im täglichen Betrieb. Zudem könnten
kleinere Schiffe künftig eine wichtige Rolle bei der regionalen Verteilung
von Gütern übernehmen, da für sie auch Wasserstraßen mit
kleineren Abmessungen, beispielsweise in Städten, erreichbar sind.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Verlagerung von Transporten
von der Straße auf das Wasser. Anne-Ruth Scheijgrond und Frans
van de Boomen (Topsector Logistiek) gingen der Frage nach, warum
die Binnenschifffahrt trotz ihrer ökologischen Vorteile oft als komplizierter
wahrgenommen wird als der Straßentransport. Ihre Einschätzung:
Die Branche muss ihre Dienstleistungen einfacher, transparenter
und digital besser vernetzt anbieten. Erst wenn Transporte
auf dem Wasser ähnlich unkompliziert geplant und gebucht werden
können wie ein Lkw-Transport, lässt sich das Potenzial eines echten
»Modal Shift« voll ausschöpfen.
Wie digitale Lösungen dabei unterstützen können, zeigte die Präsentation
von Therry van der Burgt (Rijkswaterstaat) zum europäischen
Informationssystem EuRIS. Er erläuterte, wie aktuelle Daten
zu Wasserständen, Schleusen und Verkehrslagen die Reiseplanung
verbessern und Transportketten zuverlässiger machen. Auch Hans
Moonen (Topsector Logistiek) unterstrich die wachsende Bedeutung
von Daten. Sein Vortrag widmete sich der Nutzung aktueller
Tiefeninformationen, mit deren Hilfe Schiffe selbst bei Niedrigwasser
sicher und wirtschaftlich optimal beladen werden können. Dabei
können auch vorhandene Lösungen wie CoVaDem eingebunden
werden. Angesichts zunehmender klimabedingter Schwankungen
der Wasserstände gewinnt dieses Thema weiter an Relevanz.
Auch die effiziente Nutzung der Wasserstraßen selbst spielte
eine wichtige Rolle. Herman van Dijk (Coördinator Duurzaamheid
bei Rijkswaterstaat) stellte mit »Smart Patrol« einen Ansatz vor, der
die Befahrbarkeit von Wasserwegen deutlich präziser bewertet als
herkömmliche Methoden. Datenbasierte Analysen könnten künftig
helfen, bestehende Infrastruktur besser auszunutzen und Transportkapazitäten
langfristig zu sichern.
Neben Technik und Logistik standen auch die Menschen im Mittelpunkt.
Anne-Ruth Scheijgrond sprach über die Bedeutung von
Diversität in der Binnenschifffahrt. Unterschiedliche Perspektiven
und Erfahrungen seien nicht nur gesellschaftlich wertvoll, sondern
auch ein wichtiger Motor für Innovation und Anpassungsfähigkeit.
Gerade in Zeiten des Wandels könne eine vielfältige Branche widerstandsfähiger
agieren.
Abgerundet wurde das Programm durch verschiedene Beiträge
zur Nachhaltigkeit. Frank Beljaars (Berater bei TCPM Ingenieurs &
Adviseurs) machte deutlich, dass die Dekarbonisierung der Schifffahrt
nicht durch eine einzelne Technologie erreicht werden kann.
Vielmehr wird die Zukunft von einem Zusammenspiel verschiedener
Lösungen geprägt sein – von alternativen Antrieben über digitale
Werkzeuge bis hin zu effizienteren Betriebsabläufen und neuen
Logistikkonzepten.
Das Kennistheater der Maritime Industry 2026 zeichnete ein
klares Bild der kommenden Jahre. Die Binnenschifffahrt diskutiert
längst nicht mehr nur über Visionen, sondern über konkrete Lösungen
für den praktischen Einsatz. Künstliche Intelligenz, datenbasierte
Navigation, emissionsarme Antriebssysteme und innovative
Logistikmodelle entwickeln sich zunehmend von Zukunftsideen
zu festen Bestandteilen des Alltags. Vor allem die Verbindung von
Digitalisierung und Dekarbonisierung dürfte dabei zu einem der
entscheidenden Erfolgsfaktoren für die Branche werden. ■
© Maritime Industry
32 Binnenschifffahrt 07 | 2026
SCHIFFFAHRT
Zwei Jahrzehnte auf der Überholspur
Seit zwei Jahrzehnten verbindet der Twin City Liner die Donaumetropolen Wien und Bratislava
in Rekordzeit. Mit über 2,5 Mio. Passagieren und einem Rekordergebnis im Jahr 2025 feiert der
Schnellkatamaran nun sein 20-jähriges Bestehen
Seit 20 Jahren startet der Katamaran am Schwedenplatz im 1. Bezirk
Was im Jahr 2006 als ambitioniertes Pilotprojekt startete, hat
sich längst zu einer festen Größe im grenzüberschreitenden
Personennahverkehr und Tourismus etabliert: Der Twin City
Liner gilt heute als die erfolgreichste Schiffsverbindung zwischen
der österreichischen Hauptstadt Wien und und der slowakischen
Hauptstadt Bratislava. Hinter dem Projekt steht die
Central Danube, ein Gemeinschaftsunternehmen der Wien Holding
und der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich (NÖ)-Wien.
Mit dem Jubiläumsjahr 2026 blicken die Betreiber nicht nur stolz
auf 20 Jahre zurück, sondern stellen strategisch die Weichen für
die Zukunft.
Der Twin City Liner gilt als Musterbeispiel für die erfolgreiche
Zusammenarbeit städtischer und privater Wirtschaftsunternehmen.
Denn beim bei der Verbindung arbeitet die städtische
Wien Holding im Rahmen eines Public Private Partnership-Modells
mit der privatwirtschaftlichen Raiffeisenlandesbank NÖ-
Wien als Partner zusammen. Um die Verbindung auf der Donau
zu realisieren, wurde im Jahr 2003 die Central Danube Region
Marketing & Development GmbH (CDR) gegründet, die Initiatorin,
Projektentwicklerin und Betreiberin der Schifffahrtslinie ist.
An dieser Gesellschaft sind die Wien Holding und die Raiffeisenlandesbank
NÖ-Wien mit jeweils einem Anteil von 50 % beteiligt.
Das nautische Personal stellt die DDSG Blue Danube, an welcher
die Wien Holding ebenfalls beteiligt ist.
Der Erfolg scheint dem Konzept recht zu geben: Mit 187.000
verkauften Tickets war 2025 das bisher erfolgreichste Jahr in der
Geschichte des Twin City Liners. Dieser wirtschaftliche Erfolg
bestätigt laut Reinhard Karl, Generaldirektor-Stellvertreter der
Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, die eingeschlagene Strategie:
Gästen wird mit einem hochmodernen Schnellkatamaran ein
herausragender Service und eine einzigartige Erlebnisschifffahrt
geboten. Oliver Stribl, Geschäftsführer der Wien Holding, betont
dabei die Bedeutung des Schiffes für die Region: »Der Twin City
Liner verbindet nicht nur Wien und Bratislava, sondern auch Generationen.«
Technisch betrachtet gilt das Schiff als für die Herausforderungen,
denen der Katamaran auf dieser Strecke ausgesetzt ist: »Es
gibt einerseits die Beschränkung in der Länge, die am Donaukanal
eine sehr große Rolle spielt, da das Schiff hier wenden muss
und andererseits die Beschränkung im Tiefgang, weil die Donau
immer weniger Wasser führt«, sagte ein Schiffsingenieur dem
Österreichischen Rundfunk (ORF).
© David Bohmann
34 Binnenschifffahrt 07 | 2026
SCHIFFFAHRT
Das Geschäftsmodell Twin City Liner
Der Twin City Liner basiert auf einem stabilen öffentlichprivaten
Kooperationsmodell zwischen der Wien Holding
(Stadt Wien) und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien.
Dieses Modell vereint kommunale Standortinteressen mit
betriebswirtschaftlicher Professionalität.
Strategische Positionierung: Das Unternehmen positioniert
sich als Brückenschlag zwischen den beiden Hauptstädten
Wien und Bratislava, der weit über einen reinen
Transportdienst hinausgeht.
Wachstum: Mit 187.000 verkauften Tickets im Jahr 2025
erzielte der Katamaran sein bisher bestes Ergebnis, was
die hohe Nachfrage und die Marktakzeptanz des Premium-Produkts
bestätigt.
Nachhaltigkeit: Ein zentraler Pfeiler der Strategie ist die
Weiterentwicklung des Betriebs in Richtung Nachhaltigkeit,
um die Zukunftsfähigkeit der Flotte und des Unternehmens
sicherzustellen.
Marktdurchdringung durch Segmentierung: Durch gezielte
Ermäßigungsaktionen (z. B. für Senioren, Studierende
oder Gruppen) erhöht der Twin City Liner die Auslastung
und erschließt unterschiedliche Zielgruppen
Die Verbindung ist in nur 75 Minuten Fahrzeit weit mehr als
ein reiner Transportweg. Sie ist ein Symbol für die funktionierende
Zusammenarbeit zweier Hauptstädte. Mit dem Blick auf die
kommenden Jahre zeigt sich: Der Twin City Liner bleibt ein dynamisches
Aushängeschild der Binnenschifffahrt, das Tradition
und Moderne – oder besser gesagt: Schiffstradition und technologische
Innovation – erfolgreich miteinander verknüpft.
Die Fahrgastschifffahrt auf der österreichischen Donau, insbesondere
in der strategisch bedeutsamen Achse zwischen Wien
und Bratislava, hat sich in den vergangenen Jahren von einem
rein touristischen Sektor hin zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor
im regionalen Verkehr entwickelt. Diese Route ist
nicht nur eine der meistfrequentierten Wasserstraßen Europas,
sondern fungiert als essenzielle Lebensader zwischen zwei
der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsräume der EU. Die
Dynamik dieses Korridors ist geprägt durch eine zunehmende
Intermodalität, bei der das Schiff als schneller, effizienter und
zugleich nachhaltiger Verkehrsträger für den grenzüberschreitenden
Personenverkehr positioniert wird. Für den Wirtschaftsstandort
bedeutet dies eine enorme Aufwertung der Mobilität:
Pendlerströme, Geschäftsreisende und ein stetig wachsender
Tagestourismus profitieren von einer Infrastruktur, die räumliche
Distanzen durch technologische Effizienz minimiert. RD
Für die kommenden Jahre setzt das Unternehmen auf Kontinuität
und gezielte Weiterentwicklung. Die Strategie des Unternehmens
soll fortgesetzt werden, wobei ein besonderer Fokus
auf der Verbesserung hin zu einem noch nachhaltigeren Betrieb
liegt. Dazu soll 2029 die nächste Katamaran-Generation in
Dienst gestellt werden. Das Ziel ist es, die Rolle des Twin City
Liners als wichtiges Aushängeschild für den Tourismus und als
Stütze des Wirtschaftsstandortes weiter auszubauen.
Komfort und soziale Verantwortung
Technisch setzt der Katamaran auf eine gehobene Ausstattung.
Neben eine rindividuell am Platz wählbaren Klimatisierung,
Panoramafenstern und Freideck bietet das Schiff den Passagieren
Satelliten-WLAN und Ladeanschlüsse für elektronische
Geräte. Zur Ausstattung zählen außerdem eine luxuriöse Captain‘s
Lounge mit 35 Plätzen auf dem Oberdeck, Info-Monitore
sowie ein erweitertes gastronomisches Angebot. Ausgewählte
Speisen können dabei bereits vorab im Onlineshop bestellt
werden.
Seit 2025 sorgt eine Photovoltaik-Anlage am Dach des
Schnellkatamarans dafür, dass dieser noch klimaschonender
unterwegs ist und einen maßgeblichen Anteil seines Landstrombedarfs
selbst aus Solarenergie erzeugt.
Besonders hervorzuheben ist die soziale Komponente im Jubiläumsjahr:
Mit zahlreichen Aktionen – von kostenlosen Plätzen
für Kinder bis zu Ermäßigungen für Seniorinnen, Senioren,
Studierende und Menschen mit Behinderungen – macht die
Betreibergesellschaft das Reisen mit dem »schnellsten Schiff
auf der Donau« für breite Bevölkerungsschichten zugänglich.
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Binnenschifffahrt 07 | 2026
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SCHIFFFAHRT
Intelligente KI-Assistenz für den
Fährbetrieb auf der Weser
Ein Pilotprojekt auf der Weser zeigt, wie Künstliche Intelligenz den Fährbetrieb
nachhaltiger macht. Durch ein intelligentes Assistenzsystem zur Routenoptimierung sollen
Treibstoffverbrauch und Emissionen um bis zu 20 % sinken – ein zukunftsweisendes Modell für
den Einsatz auf vielen Fährverbindungen in Europa
© Jade Hochschule
Die Projektpartnerinnen und -partner versammelten sich zum Start auf der »Farge«
Der Alltag auf deutschen Wasserstraßen wird von einer Vielzahl
kurzer, aber essenzieller Verbindungen geprägt: Fährverbindungen,
die Menschen und Fahrzeuge sicher über Flüsse
und Kanäle bringen. Doch dieser Betrieb steht unter Druck
– steigende Energiekosten und die drängende Notwendigkeit
zur Dekarbonisierung erfordern neue Antworten. Muss eine
Fähre immer starr dieselbe Route nehmen, auch wenn sich
Wind, Strömung und bei den seenahen Verbindugen Gezeiten
laufend ändern? Diese zentrale Frage steht im Mittelpunkt
des Projekts »Eco-Crossing«, das nun auf der Weserfähre
»Farge« in die praktische Erprobung geht.
Das Projekt »Eco-Crossing« setzt auf einen innovativen,
datengestützten Ansatz. Im Kern steht ein lernendes Assistenzsystem,
das in Echtzeit die jeweils effizienteste Fahrtroute
für das Fährschiff berechnet. Dabei werden aktuelle Umweltparameter
wie Wasserstand, Windgeschwindigkeit und Strömungsverhältnisse
mit spezifischen Schiffsparametern kombiniert.
Das erklärte Ziel der Projektpartner ist ambitioniert:
Eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs um bis zu 20 %
sowie eine signifikante jährliche Kostenersparnis.
Die technologische Umsetzung verfolgt dabei einen pragmatischen
»Eco-Ansatz«: Anstatt auf eine komplexe und kostspielige
Vollautomatisierung zu setzen, wurde ein Assistenzsystem
entwickelt, das gemeinsam mit den Schiffsführern
agiert. Die Integration erfolgt durch eine Kombination aus bestehender
Bordsensorik und zusätzlichen Umweltmesssystemen.
Diese hybride Lösung ist ökonomisch nachrüstbar und
somit ideal für den Einsatz in bestehenden Fährflotten geeignet,
um diese ohne Totalumbau nachhaltiger zu gestalten.
Ökologisierung der Binnenverkehre
Die Binnenschifffahrt leistet einen wesentlichen Beitrag zur
Mobilitätswende, doch gerade im Kurzstrecken- und Fährverkehr
besteht ein hohes Potenzial zur weiteren Senkung des
36 Binnenschifffahrt 07 | 2026
SCHIFFFAHRT
Das Projektkonsortium auf einen Blick
Titel: »Eco-Crossing: Intelligente Assistenz für klimafreundliche
Fährverbindungen«
Förderung: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Koordination: Jade Hochschule
Forschungspartner: Deutsches Forschungszentrum für
Künstliche Intelligenz (DFKI), Forschungsbereich Marine
Perception
Industrie- und Praxispartner: Fähren Bremen-Stedingen,
Marinom, Wasserstraßen- und Schiffahrtsamt Weser-
Jade-Nordsee, Maritimes Cluster Norddeutschland MCN
Kernziel: Reduktion des Treibstoffverbrauchs um bis zu
20 % durch KI-gestützte Routenoptimierung in tideabhängigen
Gewässern
ökologischen Fußabdrucks. In tideabhängigen Gewässern wie
Weser, Elbe oder im Wattenmeer führen Strömungsschwankungen
häufig dazu, dass Schiffe gegen den Widerstand »anfahren«
müssen. Hier setzen intelligente Assistenzsysteme
an, um durch dynamische Routenanpassungen Widerstände
zu minimieren. Die Digitalisierung des Fährbetriebs ist somit
ein zentraler Baustein, um die Attraktivität und Preisstabilität
von Wasserweg-Verbindungen gegenüber dem Landverkehr
langfristig zu sichern. Das Projekt »Eco-Crossing« fungiert
hierbei als Blaupause: Europaweit betreiben mehr als 300
Fährgesellschaften Kurzstreckenverbindungen, bei denen
eine solche Technologie sowohl ökonomische als auch ökologische
Vorteile entfalten kann.
Das Maritime Cluster Norddeutschland (MCN) begleitet
»Eco-Crossing« als Partner. Das MCN versteht sich als zentrales
Netzwerk der maritimen Branche in Norddeutschland.
Mit über 350 Mitgliedern aus Wirtschaft, Wissenschaft und
Politik fördert das MCN die Zusammenarbeit über Branchengrenzen
hinweg. Susanne Neumann, Geschäftsstellenleiterin
des MCN in Niedersachsen, betont: »Eco-Crossing ist ein exzellentes
Beispiel dafür, wie durch innovative Technologien
konkrete Lösungen für den klimafreundlichen Schiffsverkehr
entstehen: praxisnah, wirtschaftlich und übertragbar auf viele
weitere Regionen.«
Die Jade Hochschule, mit ihren Standorten in Wilhelmshaven,
Oldenburg und Elsfleth, fungiert nicht nur als Koordinatorin,
sondern bringt ihre umfassende Expertise in der
maritimen Forschung ein. Besonders der Fachbereich Seefahrt
und Logistik in Elsfleth gilt als eine der renommiertesten
akademischen Adressen für maritime Berufe in Deutschland.
Durch ihre enge Verzahnung von theoretischer Ausbildung
und praktischer Anwendung bietet die Hochschule den idealen
Nährboden für zukunftsweisende Projekte wie »Eco-Crossing«.
Die Kooperation mit dem Deutschen Forschungszentrum
für Künstliche Intelligenz (DFKI) unterstreicht dabei den
Anspruch der Hochschule, komplexe technologische Trends –
wie die Anwendung von KI im maritimen Bereich – praxistauglich
und sicher in den operativen Fährbetrieb zu übersetzen.
Das Projektkonsortium vereint hochkarätige Akteure aus
Forschung und Praxis unter der Koordination der Jade Hochschule.
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forschungszentrum
für Künstliche Intelligenz (DFKI), Forschungsbereich
Marine Perception, entwickeln die Fähren Bremen-Stedingen,
die Marinom sowie das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt
Weser-Jade-Nordsee die Lösung für den Praxiseinsatz. Gefördert
wird das Vorhaben durch die Deutsche Bundesstiftung
Umwelt (DBU).
Von der Weser nach Europa
Der Praxistest auf der Fähre »Farge« markiert den Startschuss
für eine neue Generation der Fährnavigation. Sollten sich die
Erwartungen in der Praxis bestätigen, steht einer Skalierung
der Lösung auf weitere Fährlinien in Deutschland und Europa
nichts im Wege. Damit leistet das Projekt einen direkten
Beitrag zur Standortsicherung des maritimen Sektors und
beweist die Innovationskraft norddeutscher Unternehmen im
Bereich der KI-gestützten Schifffahrt.
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Seit über 110 Jahren im Dienst der Binnenschifffahrt:
• Docks
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47053 Duisburg | Außenhafen | Marientor | Werftstraße 47 | Tel. +49 (0) 203 61024 | Fax +49 (0) 203 61846 | E-Mail: harbisch@ha-du.de | www.ha-du.de
Binnenschifffahrt 07 | 2026
37
SCHIFFSTECHNIK
Polizeistandard vom Fehnkanal
Die Spezialboote der Siemer Werft in Barßel-Reekenfeld sind in mehreren Bundesländern für die
Wasserschutzpolizei im Einsatz. Ein Gespräch mit den Geschäftsführern Alexander Siemer und
Christhard Wendt über technische Anforderungen, Fachkräfte und eine unverhoffte Nische
Im August feiert die Siemer Werft im niedersächsischen
Barßel ihr 25-jähriges
Bestehen. Von Anton Siemer als »Siemer
Jachtservice« gegründet, wurden die
ersten Boote noch im Garten der Familie
gebaut. Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit
fertigte Siemer anfangs kleine
Stahlschiffe, es folgten erste Aufträge
für Segelboote und auch für die Technik
des Forschungsschiffs »Argonavis« des
Max-Planck-Instituts.
Die Werft gewann eine Ausschreibung
für die Wasserschutzpolizei Hessen und
baute drei Einsatzboote – damals noch
nicht standardisiert. Die Ablieferung
sorgte für Aufmerksamkeit in anderen
Bundesländern: Auch Bayern, Nordrhein-Westfalen
und Sachsen-Anhalt
platzierten Aufträge am Elisabethfehnkanal.
Während von den neun Hallen und
10.000 m 2 Fläche, auf die das Unternehmen
inzwischen angewachsen ist, der
Großteil immer noch für Geschäftsbereiche
wie Winterlagerung, Inspektionen
und Wartung von Privatbooten reserviert
sind, werden auf der Werft heute vor allem
standardisierte Polizeiboote gebaut.
Wo liegen die Kernkompetenzen der Siemer
Werft, auf welche Schiffstypen sind
Sie spezialisiert?
Alexander Siemer: Wir bauen Polizeibzw.
Streifenboote aus Aluminium für
die Wasserschutzpolizeien aus mehreren
Bundesländern. Schnell aber
ökonomisch, wendig und dynamisch,
leicht und mit wenig Sog- und Wellenschlag,
speziell für die Binnenreviere,
wie Rhein, Elbe, Donau oder die Kanäle.
Für diese Anforderungen haben wir
eine eigene Serie entwickelt mit vier
Modellen von 13 bis 17 m. Kleine, trailerbare
aber robuste Boote mit Diesel-
Außenbordern in 7 bis 10 m sind seit
diesem Jahr neu in unserem Portfolio.
Aber auch bei Spezialbooten sind wir
mittlerweile im Markt vertreten, so
haben wir zum Beispiel letztes Jahr für
Vom Elisabethfehnkanal auf den Rhein: Streifenboot »WSP 9« der Siemer Werft in Barßel
ein großes Wasserbauunternehmen
ein spezielles Peilboot gebaut.
Wie ist die Werft aktuell ausgelastet?
Siemer: Aktuell sind wir für die nächsten
Monate sehr gut ausgelastet und
aktuell auch in ganz konkreten Gesprächen
mit weiteren Ländern und
Unternehmen. Wir hoffen dort erfolgreich
zu sein. Derzeit sind zwei Polizeiboote
aus der Modellreihe Siemer
14.7 für Sachsen-Anhalt in der Endfertigung,
die beide dieses Jahr noch abgeliefert
werden.
Was sind die größten technischen Herausforderungen
bei den Spezialbooten,
die Sie bauen?
Siemer: Die Streifenboote sind
schwimmende Wachen und müssen
für lange Einsätze nutzbar sein. Von
Toilette über Heizung und Herd bis
zur absoluten oder Wintertauglichkeit
birgt das ganz verschiedene Anforderungen:
Eine Crew, die oft auch im
Zwei- oder Dreischichtbetrieb an Bord
ist, zweieinhalbtausend Betriebsstunden
Stunden pro Jahr für den Motor.
Im Vergleich fahren private Eigner vielleicht
150 Stunden im Jahr.
Hinzu kommt moderne Technik für
Bergung und Rettung, zum Beispiel
ein hochauflösendes Unterwassersonar
und Wärmebildtechnik. Beheizte
Gangborde sorgen für den sicheren
Einsatz im Winter. Die Boote müssen
leicht bedienbar sein, da die Besatzung
oft wechselt. Außerdem haben sie wenig
Tiefgang und Wellenschlag, vor
allen Dingen beim Anlegen während
der Fahrt an die Berufsschifffahrt. Sie
müssen für schnelle Einsatz- oder ruhigen
Patrouillenfahrten ausgelegt sein.
Die Geräuschbelastung im Steuerhaus
muss bei weniger als 70 db liegen, es
gibt Auflagen beim Schutz von Gasunfällen
und vieles mehr.
Auch abseits der Boote müssen wir
einigen Ansprüchen genügen: Da wir
der öffentlichen Hand gegenüber ver-
© Siemer Werft
38 Binnenschifffahrt 07 | 2026
SCHIFFSTECHNIK
pflichtet sind, liegen bei uns zum Beispiel
viele Ersatzteile auf Lager. Falls
ein Polizeiboot dringenden Reparaturbedarf
hat, können wir mit zwei mobilen
Einsatzteams ausrücken.
Spielen Themen wie alternative Antriebe
– zum Beispiel Hybrid oder Elektro –
bei Ihnen eine Rolle?
Christhard Wendt: Moderne Batterietechnologie
vor allem kommt bei
langen Einsatzzeiten und hoher Geschwindigkeit
noch an ihre Grenzen.
Viele und große Batterien sorgen für
hohes Gewicht. Das und die fehlende
Ladestruktur wirken autarken Schiffen
in unserem Einsatzgebiet leider noch
entgegen.
Elektromobilität wird für die Schifffahrt
sicher ein Thema. Wir beschäftigen
uns natürlich auch konkret mit
Lösungen, vor allem bei der Hybridvariante
gibt es Möglichkeiten. Aktuell
passiert viel in der Entwicklung, um
dann auch für die sicherheitsrelevanten
Anforderungen an ein schnelles
und dauerbelastbares Streifenboot
gute Lösungen zu bieten. Je schneller
sich die Technologie aber bei den
elektrischen Pkw und Lkw entwickelt,
desto schneller werden wir auch in
der Schifffahrt eine gute und verlässliche
Lösung bekommen. Aber auch
die heute eingesetzten modernen und
sparsamen Verbrennermotoren erfüllen
schon hohe Standards bei Abgasnormen,
Verbrauch und CO 2
-Ausstoß.
Wie wichtig sind Effizienz und Nachhaltigkeit
für Ihre Kunden?
Wendt: Unsere Streifenboote sind für
gewöhnlich 30 Jahre und länger im Einsatz.
Viel mehr Nachhaltigkeit und Effizienz
geht nicht.
Geschäftsführer Christhard Wendt (l.) und Werftgründer und Inhaber Alexander Siemer (r.) bei
der Probefahrt der »WSP 9« mit NRW-Innenminister Herbert Reul am Ruder
Wie bewerten Sie den Fachkräftemangel?
Ist es schwierig, gute Mitarbeiter zu
finden?
Wendt: Fachkräfte waren für uns immer
schon ein Thema, weil wir natürlich
ein sehr spezieller Bereich sind.
Wenn wir eine Anzeige für Tischler in
die Zeitung setzen, kommt einer, der
bisher Fenster und Türen gebaut hat,
und steht das erste Mal im Schiff vor
ganz anderen Anforderungen. Wir haben
Motorentechniker, die sehr individuell
an unseren Schiffen arbeiten,
Elektroniker für vielfältige Technik –
solche Leute gibt’s nicht von der Stange.
Wir haben also kaum Fachkräfte
auf dem freien Arbeitsmarkt, sondern
bilden unsere Angestellten selbst aus.
Aktuell haben wir zwei Auszubildende:
einen Tischler und einen Metallbauer.
Allerdings weiß der Tischler später,
wie das Schweißgerät funktioniert,
und der Metaller kann auch einen Ölwechsel
am Dieselmotor ausführen.
Generell ist die Personalfrage aber
schwieriger geworden. Die Generation
von heute hat ein anderes Verständnis
von Arbeit. Auch Bürokratie ist ein Riesenthema
bei uns. Ausschreibungen
Die Siemer Werft umfasst inzwischen neun
Hallen und 10.000 m 2 – der Großteil davon
dient dem Geschäftsbereich Jachtservice
© Siemer Werft
umfassen teils 40 DIN A4-Seiten, dazu
kommen Verordnungen zu Brandschutz
und weiteren Themen, die noch
mehr Seiten füllen – und das bindet
Arbeitskraft.
Welche Bedeutung hat der Standort am
Elisabethfehnkanal für Ihre Arbeit?
Wendt: Der Elisabethfehnkanal selbst
ist für den Bau unserer Streifenboote
nicht so entscheidend, aber als Werft
ist es natürlich unabdingbar, dass man
schiffbar zu erreichen ist. Und wir liegen,
auch wenn man das zunächst
nicht meinen sollte, sehr zentral zur
Nordsee, zur Weser und sind über
den Mittellandkanal oder Dortmund-
Ems-Kanal eben auch für private Kunden
in wenigen Tagen von der Ostsee
oder dem Rhein und dem Ruhrgebiet
gut und schnell erreichbar. Derzeit ist
die Küstenkanal-Schleuse zur Ems in
Dörpen zwar gesperrt, kleinere Boote
wie unsere können die Wasserstraßen
aber trotzdem erreichen – für den
privaten Sektor ist das natürlich Gold
wert.
Der E-Fehn-Kanal hat auf den ersten
2 km, wo auch unsere Werft liegt,
einen Tiefgang von nur etwa 1,5 m.
Das limitiert uns, macht uns aber auch
zu Spezialisten! Man kommt nicht auf
dumme Gedanken, zu große Aufträge
anzunehmen. Drei bis vier Boote sind
bei uns schon eine große Order und
passen genau in unsere Nische.
Interview: Jannik Westerkamp
© Siemer Werft
Binnenschifffahrt 07 | 2026
39
SCHIFFSTECHNIK
Elektrische Unterstützung
für die »Amadeus Aurea«
Das neu in Dienst gestellte Flussschiff »Amadeus Aurea« setzt auf ein hybrides Antriebskonzept.
Durch die Integration eines leistungsstarken Batteriesystems von EST-Floattech reduziert der
Neubau Emissionen und Lärm, womit er den wachsenden regulatorischen Anforderungen auf
europäischen Wasserstraßen begegnet
© EST
Die »Amadeus Aurea« ist mit einem hybriden Antrieb unterwegs
Die europäische Binnenschifffahrt durchläuft einen Transformationsprozess,
der durch den zunehmenden Druck zur Dekarbonisierung
maßgeblich vorangetrieben wird. Während
sich in der Frachtschifffahrt noch auf die Verbesserung fossiler
Brennstoffe gesetzt wird, gewinnt die Flusskreuzfahrt durch
zunehmend elektrische Antriebskonzepte an technologischer
Reife. Ein aktueller Leuchtturm in diesem Sektor ist die im Frühjahr
2026 in Dienst gestellte »Amadeus Aurea«. Der bei der TeamCo
Shipyard in Heusden gefertigte Neubau ist weit mehr als
nur ein luxuriöses Passagierschiff; er ist ein integriertes Energie-System,
das auf eine nachhaltige Zukunft auf Rhein und
Donau vorbereitet ist.
Die »Amadeus Aurea« nutzt eine hybride diesel-elektrische Antriebskonfiguration,
deren Kernkomponente das »Octopus Series
High Energy«-Batteriesystem des niederländischen Anbieters
EST-Floattech bildet. Mit einer Kapazität von 520 kWh leistet
das System einen entscheidenden Beitrag zur betrieblichen Effizienz.
In der Praxis übernimmt die Batterie die Funktion des
»Peak-Shaving«. Das bedeutet: Bei Lastspitzen, etwa während
komplexer Manöver oder bei kurzfristig erhöhtem Leistungsbedarf,
unterstützt der Energiespeicher die Hauptgeneratoren.
Durch dieses intelligente Lastmanagement entfällt die Notwendigkeit,
an Bord für den Schiffsbetrieb zusätzliche Generatoren
zuzuschalten. Die positiven Effekte dabei sind evident: Der
Kraftstoffverbrauch sinkt, die Abgasemissionen werden signifikant
reduziert und das Geräuschniveau an Bord – ein entscheidender
Faktor für den Passagierkomfort – nimmt spürbar ab. In
Zeiten, in denen immer mehr Kommunen und Hafenbetreiber in
Europa strenge Emissionsgrenzwerte für Liege- und Fahrtzeiten
in urbanen Räumen einführen, erweist sich dieses hybride Konzept
als entscheidender Wettbewerbsvorteil. Die Batterietechnik
von EST-Floattech ist dabei nicht nur leistungsstark, sondern
auch zertifiziert: Sie erfüllt die strengen Anforderungen der ES-
TRIN und verfügt über zahlreiche maritime Typgenehmigungen,
40 Binnenschifffahrt 07 | 2026
SCHIFFSTECHNIK
was sie zu einer verlässlichen Wahl für anspruchsvolle Schiffbauprojekte
macht.
Elektrifizierung im Wandel
Die erfolgreiche Integration der Batterietechnik ist kein Zufallsprodukt,
sondern das Resultat einer tiefgreifenden technischen
Zusammenarbeit. Der Systemintegrator Werkina Werkendam
war maßgeblich für die elektrische Installation und die Einbindung
in den Gesamtantrieb verantwortlich. Andries Haan, CCO
bei Werkina Werkendam, betont die Bedeutung dieser Kooperation:
»Wir setzen bereits seit Längerem auf die robusten und
sicheren Systeme von EST-Floattech. Die Zuverlässigkeit bei der
Lieferung und die technische Expertise bei der Systemintegration
machen das Unternehmen zu einem unverzichtbaren Partner
für moderne Flusskreuzfahrtschiffe.«
Dabei geht das Energiekonzept der »Amadeus Aurea« über
die reine Batteriekapazität hinaus. Das System ist in ein ganzheitliches
Energiemanagement eingebettet, das moderne
Motoren mit effektiver Abgasnachbehandlung kombiniert. Ein
innovatives Wärmerückgewinnungssystem sorgt zudem dafür,
dass die bei der Stromerzeugung anfallende Abwärme der Generatoren
effizient genutzt wird, um Heizenergie für den Hotelbetrieb
bereitzustellen. Dieses Zusammenspiel zeigt, wie die
Branche auf den wachsenden regulatorischen Druck reagiert,
ohne bei den Annehmlichkeiten für den Gast Kompromisse
einzugehen.
Komfortable Gestaltung der Interieurs
Mit einer Länge von 135 m und einer Breite von 11,4 m folgt
die »Amadeus Aurea« den bewährten Dimensionen moderner
Flusskreuzer, interpretiert den Bordkomfort jedoch neu. Das
Schiff bietet auf vier Decks Platz für maximal 158 Passagiere,
die in 67 Außenkabinen und 12 Suiten untergebracht sind. Die
Ausstattung ist auf den gehobenen Standard ausgerichtet: Die
Suiten auf dem Mozart-Deck verfügen über einen begehbaren
Außenbalkon, während die Außenkabinen mit absenkbaren Panorama-Fensterfronten
ausgestattet sind, die den Gästen eine
ungestörte Aussicht auf die vorbeiziehende Flusslandschaft ermöglichen.
46 Crewmitglieder an Bord
Die »Amadeus Aurea« versteht sich als natürliche Evolution der
bestehenden Flotte und erbt die Stärken ihrer Schwesterschiffe
wie der »Amadeus Nova« oder »Riva«. Neben dem Wohnkomfort
besticht der Neubau den betrachter durch großzügige öffentliche
Bereiche für die Passagiere: Das beheizbare Pool-Deck mit
Bar, das heimelige »Café Vienna« sowie die Panorama-Lounge
bilden für die Reisenden den Rahmen für eine exklusive Reiseatmosphäre.
Die Crewstärke von mindestens 46 Mitarbeitern soll
einen professionellen Service an Bord, der den hohen Anforderungen
der Reederei Lüftner Cruises entspricht, gewährleisten.
Technische Daten »Amadeus Aurea« &
Energiesystem
Schiffstyp: Flusskreuzfahrtschiff
Inbetriebnahme: April 2026
Reederei: Lüftner Cruises
Werft: TeamCo Shipyard, Heusden
Systemintegration: Werkina Werkendam
Länge x Breite: 135 m x 11,4 m
Tiefgang: 1,5 m
Decks: 4
Passagierkapazität: Max. 158 Gäste
Kabinen/Suiten: 67 Außenkabinen und 12 Suiten
Batteriesystem: EST-Floattech »Octopus Series High
Energy«
Kapazität: 520 kWh
Hauptvorteile: Peak-Shaving (Lastspitzenabdeckung),
Reduktion des Kraftstoffverbrauchs, Lärmreduktion, Erfüllung
der ES-TRIN-Vorgaben
Das Einsatzgebiet der »Amadeus Aurea« ist so facettenreich
wie die Flüsse selbst. Das Schiff ist primär auf dem Rhein und der
Donau unterwegs. Die Routenplanung sieht dabei anspruchsvolle
One-Way-Reisen zwischen Amsterdam und Basel vor, ebenso
wie klassische Donaureisen ab Passau oder zwischen Budapest
und Passau. Lüftner Cruises investiert derzeit in die Verjüngung
seiner Flotte investiert. Ziel ist es, Nachhaltigkeit und Luxus miteinander
zu verknüpfen – ein Anspruch, der durch das Engagement
im »Amadeus Smile Project« unterstrichen werden soll, bei
dem sich die Reederei für den Erhalt von Flussökosystemen und
kulturellem Erbe engagiert.
EST-Floattech, das seit 2009 Batteriesysteme für maritime Anwendungen
entwickelt, hat mit über 300 realisierten Projekten
eine marktprägende Stellung erreicht. Das intern entwickelte
Batteriemanagementsystem (BMS) garantiert den sicheren
Betrieb der »Octopus«-Serie. Walter van der Pennen, CCO bei
EST-Floattech, hebt hervor: »Mit unseren Systemen versetzen
wir Schiffe wie die ›Amadeus Aurea‹ in die Lage, ihre Energie
intelligent zu managen. Wir sind stolz darauf, an einem Schiff
mitzuwirken, das beweist, dass ökologische Verantwortung und
touristisches Leistungsvermögen Hand in Hand gehen können.«
Technologischer Druck steigt stetig
Die »Amadeus Aurea« ist ein Vorbote für die kommenden Jahre
in der Binnenschifffahrt. Der technologische Druck nimmt zu,
die Anforderungen steigen, aber die Lösungen liegen bereit.
Durch die Elektrifizierung von Hilfs- und Antriebssystemen bereitet
sich die Branche darauf vor, klimafreundliches Reisen mit
modernen Schiffs zu ermöglichen.
RD
Binnenschifffahrt 07 | 2026
41
SCHIFFSTECHNIK
Zwei Spezialisten für die
europäische Flusskreuzfahrt
Die Neptun Werft hat zwei weitere Flusskreuzfahrtschiffe an Viking übergeben. Während die
»Viking Annar« für die klassischen Routen auf Rhein, Main und Donau konzipiert ist, wurde die
»Viking Fjolvar« gezielt für die Seine optimiert
Ein Flusskreuzfahrtschiff der Viking-Longship-Klasse bei Boppard auf dem Rhein. Die Neptun Werft hat mit der »Viking Annar« und der »Viking
Fjolvar« zwei Spezialschiffe für unterschiedliche Routen fertiggestellt
© Viking
Die Neptun Werft in Rostock in Mecklenburg-Vorpommern
setzt ihre langjährige
Partnerschaft mit der in Basel ansässigen
Reederei Viking fort. Mitte Juni 2026
fand die offizielle Übergabe der beiden
neuen Flusskreuzfahrtschiffe »Viking Annar«
und »Viking Fjolvar« in Basel statt.
Mit diesen beiden Neubauten reagiert
das Kreuzfahrt-Unternehmen auf die
unterschiedlichen nautischen Anforderungen
auf den europäischen Wasserstraßen.
Die »Viking Annar« ist ein klassisches
Schiff der bewährten Longship-Serie. Mit
einer Gesamtlänge von 135 m bietet der
Neubau Platz für 190 Passagiere und 53
Crewmitglieder. Das Schiff wird schwerpunktmäßig
auf den klassischen Korridoren
Rhein, Main und Donau eingesetzt
werden.
Im Gegensatz dazu steht die »Viking
Fjolvar«, die als vorerst letztes Schiff der
so genannten Seine-Serie das Portfolio
der Reedrei ergänzt. Um die naturgegebenen
nautischen Restriktionen auf der
Seine von der Mündung bis ins Zentrum
von Paris bedienen zu können, wurde
der Rumpf des Schiffes im Vergleich zur
Standard-Longship-Konstruktion um
10 m auf 125 m gekürzt. Trotz der reduzierten
Abmessungen behält die »Fjolvar«
die für Viking typischen Designelemente
bei. Es bietet Kapazitäten für 168
Passagiere und bis zu 46 Crewmitglieder.
Stephan Happe, Geschäftsführer der
Neptun Werft, unterstrich anlässlich der
Übergabezeremonie in Basel die Bedeutung
der Partnerschaft mit Viking
und den technologischen Anspruch der
Werft, für jedes Revier die passende
Schiffskonstruktion liefern zu können.
Mit der Inbetriebnahme der Schiffe Anfang
Juli erhöhte Viking seine Präsenz
auf den zentralen europäischen Flussrouten
weiter.
Die 1997 gegründete Schweizer Reederei
Viking hat sich zu einem der weltweit
führenden Anbieter für Fluss- und
Expeditionskreuzfahrten entwickelt. Das
Unternehmen operiert mit einer Flotte
von über 90 Schiffen.
PK
42 Binnenschifffahrt 07 | 2026
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SCHIFFSTECHNIK
Marktstart mit der »Century Star«
Mit der Ablieferung der »Century Star« durch die Werft Concordia Damen gibt die chinesische
Reederei Century Cruises ihr Debüt auf dem europäischen Markt. Das hybride Neubauprojekt
setzt auf ein innovatives Nachhaltigkeitskonzept und will asiatisches Lebensgefühl mit
europäischen Qualitätsstandards verbinden
© Concordia Damen
Die »Century Star« hat hybride Antriebstechnik und Herstellerangaben zufolge ein »Interieur, das asiatische Wurzeln mit europäischem Komfort«
zu verbinden sucht
Die niederländische Spezialwerft Concordia Damen aus dem
niederländischen Werkendam. hat die »Century Star« erfolgreich
an Century Cruises übergeben. Das Schiff ist der erste
Flusskreuzfahrer, den die in China beheimatete Reederei spezifisch
für den europäischen Markt in Auftrag gegeben hat, und
bildet den Auftakt einer geplanten Serie von drei Schwesterschiffen.
Ab September 2026 wird die »Century Star« ihren Dienst
auf der Donau aufnehmen. Für den weiteren Verlauf ist zudem
die Aufnahme von Reiserouten auf dem Rhein vorgesehen, um
das operative Einsatzgebiet des Schiffes wie auch der geplanten
Flotte der Reederei in Europa schrittweise zu erweitern. Außerdem
wollen die Chinesen ab 2027 auch die ersten Schiffe auf
dem Nil in Ägypten in Betrieb nehmen.
Das neue Schiff basiert auf dem hauseigenen »CDS River Cruise
135«-Design der Werft aus Noord-Brabant, das sich bereits
in verschiedenen Ausführungen für unterschiedliche Reedereien
am europäischen Markt bewährt hat. Bei einer Kapazität
von 174 Gästen, die in 78 Kabinen untergebracht werden, wurde
besonderer Wert auf ein Raumkonzept gelegt, das europäische
Destinationen mit der asiatischen Herkunft des Betreibers
verknüpft. Die Innenausstattung wurde vom niederländischen
MDesigns entworfen und ist von den vielfältigen Kulturen und
Landschaften entlang der Flussroute inspiriert. Technisch ist der
Neubau mit einem hybriden Antriebssystem ausgestattet, das
einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks
des Schiffs leisten soll. Ein weiteres signifikantes Merkmal
ist der Schiffsrumpf, der unter Verwendung von recyceltem
Stahl gefertigt wurde, was die Nachhaltigkeitsstrategie der Werft
unterstreicht. Außerdem sollen die EU-Nachhaltigkeitsstandards
vollständig eingehalten werden, die auf eine CO 2
-neutrale Bauund
Betriebsführung abzielen.
Für die Reederei Century Cruises stellt die »Century Star« weit
mehr als einen Flottenzugang dar: Sie bildet das Fundament
für eine auf Langfristigkeit angelegte Marktpräsenz in Europa.
Die Herausforderung besteht für die Reederei darin, die spezifischen
regulatorischen und betrieblichen Anforderungen des
europäischen Marktes zu erfüllen. In enger Zusammenarbeit
mit dem Schiffsmanagement-Dienstleister United Waterways
44 Binnenschifffahrt 07 | 2026
SCHIFFSTECHNIK
stellt Century Cruises sicher, dass Aspekte wie europäisches Sicherheitsmanagement,
die Zertifizierung der Besatzung sowie
die im Hotel- und Gastgewerbe geltenden Standards integriert
werden können.
»Meilenstein für die gesamte Branche«
Thomas Rooch, Geschäftsführer des in Basel ansässigen Schiffsmanagers
Century One, betont den hohen Stellenwert dieses
Projekts: »Die Ablieferung der ›Century Star‹ ist ein bedeutender
Meilenstein – nicht nur für unser Unternehmen, sondern für die
gesamte europäische Flusskreuzfahrtbranche. Das Schiff verkörpert
die Kombination aus Innovationskraft und dem gemeinsamen
Ziel, den Reisenden ein außergewöhnliches Erlebnis zu bieten.«
Damit adressiert das Unternehmen gezielt die Zielgruppe
europäischer Flusskreuzfahrtgäste, die eine Synergie aus hochwertigem
Service und moderner Schiffstechnik erwarten.
Die Werft Concordia Damen mit Sitz in Werkum hat sich über
Jahre als treibende Kraft im Bau von Binnenschiffen profiliert.
Mit über 270 abgelieferten Einheiten – von trockenen Güterschiffen
über Tanker bis hin zu komplexen Flusskreuzfahrern – hat
sich das Unternehmen als verlässlicher Partner für Familienreedereien
und internationale Konzerne gleichermaßen etabliert.
Der CEO Chris Kornet unterstreicht die Flexibilität des Familienunternehmens:
»Wir sind in der Lage, sowohl kosteneffiziente,
bewährte Designs als auch hochkomplexe, emissionsfreie Neubauten
mit Zukunftstechnologien zu bauen.«
Century Cruises ist eine chinesiche Flusskreuzfahrtgesellschaft
mit Sitz in Chongqing. Sie bietet bisher mehrtägige Kreuzfahrten
vor allem auf dem Jangtse an. Im am stärksten nachgefragten
Produkt, einer Kreuzfahrt zwischen Chongqing und Yichang,
dauert die Fahrt flussabwärts (Chongqing–Yichang) drei Nächte,
während die Fahrt flussaufwärts (Yichang–Chongqing) über vier
Nächte geht. Century Cruises bietet auch Kreuzfahrten zwischen
Shanghai und Wuhan sowie zwischen Chongqing und Shanghai
an, bei denen die Gäste bis zu 14 Nächte an Bord sind.
Die Zusammenarbeit mit Century Cruises ist für die Werft ein
Beleg dafür, dass die immer wieder zitierte »Dutch Shipbuilding
Expertise« und auf Nachhaltigkeit angelegte Innovationen auch
in einem neuen Marktsegment, wie dem internationalen Flusskreuzfahrtsektor,
den entscheidenden Unterschied machen
können. Der Projektfortschritt verläuft planmäßig: Bereits für
August 2026 ist die Ablieferung des zweiten Schiffes der Serie
aus der Werft in Werkum vorgesehen, was das hohe Tempo der
Expansion unterstreicht.
PK
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SEEHÄFEN | SHORTSEA
In Rotterdam entsteht ein
Food-Hub der Superlative
Mit der Unterzeichnung einer wegweisenden Vereinbarung festigt der Hafen Rotterdam seine
Rolle als Europas führendes Tor für Agrargüter. Auf 38 ha entsteht ein spezialisierter Food Hub,
der mit neuer Kaimauer und multimodaler Anbindung den Umschlag von Kühlfracht nachhaltig
effizienter gestaltet
Eine Visualisierung des geplanten »Rotterdam Food Hubs« zeigt die moderne Infrastruktur und die direkte Kaianbindung, die künftig als zentrale
Schnittstelle für gekühlte Frachtströme dienen soll
© Port of Rotterdam
Der Hafen von Rotterdam, bereits heute das bedeutendste Eingangstor
für gekühlte und gefrorene Lebensmittel in Europa,
treibt seine infrastrukturelle Entwicklung voran. Im westlichen
Europoort-Gebiet, auf dem Areal »Kop van de Beer«, haben
die Port of Rotterdam Authority, die Necron Group und die PTP
Group eine richtungsweisende Ausgabevereinbarung unterzeichnet.
Das Projekt umfasst die Erschließung einer 38 ha großen
Fläche, die als zentraler Logistik-Hub für den Umschlag, die
Lagerung und den Weitertransport von temperaturgeführten
Agrar- und Lebensmittelströmen fungieren soll.
Die Kernkomponenten des Projekts sind ebenso vielfältig wie
ambitioniert: Neben der Errichtung einer über 500 m langen
Kaimauer plant die Port of Rotterdam Authority einen massiven
Wellenbrecher. Dieser dient als Schutz der Liegeplätze vor
Seegang und Schiffswellenschlag, was die operative Sicherheit
und Verfügbarkeit der Terminals bei verschiedenen Witterungsbedingungen
signifikant erhöht. Das Entwicklungskonzept des
Food Hubs stützt sich auf eine klare Arbeitsteilung. Die Necron
Group wird auf zwei der insgesamt vier Baugrundstücke in mehreren
Phasen zwei Kühllager – den »Necron Food Park I & II« –
mit einer Gesamtfläche von rund 145.000 m 2 realisieren. Ergänzt
wird dieses Angebot durch ein auf dem dritten Grundstück entstehendes
Energy Hub. Diese Einrichtung ist entscheidend für
den nachhaltigen Betrieb: Sie stellt die notwendige Energieversorgung
der Kühlhäuser und Terminals sicher und ermöglicht
eine sofortige Inbetriebnahme, sobald die baulichen Strukturen
fertiggestellt sind.
Für die Binnenschifffahrt ist das Projekt von besonderer Bedeutung.
Der Logistikdienstleister PTP Group verantwortet auf
dem vierten Grundstück am Caland-Kanal die Entwicklung eines
73.000 m 2 großen Terminals. Dieses ist explizit auf die Anforderungen
eines modernen, wasserseitigen Frachtumschlags
46 Binnenschifffahrt 07 | 2026
SEEHÄFEN | SHORTSEA
Der Hafen Rotterdam nimmt in der europäischen Binnenschifffahrt
eine Ausnahmestellung ein. Als größter Seehafen Europas
fungiert er als zentrales Scharnier, an dem der Großteil der in
Europa ankommenden Güter auf das Binnenwasserstraßennetz
übergeht. Mit einem Anteil des Binnenschiffs am modalen Mix,
der in vielen Segmenten eine dominierende Rolle spielt, ist die
effiziente Anbindung neuer Terminals an die Wasserwege für die
Hafenbehörde strategisch essenziell.
Projekte wie der Rotterdam Food Hub dienen dabei nicht
nur dem Umschlag von Gütern, sondern auch der Entlastung
anderer Verkehrsträger. Indem Rotterdam kontinuierlich in
Kaianlagen investiert, die speziell auf die Anforderungen von
Binnenschiffen zugeschnitten sind – etwa durch spezialisierte
Liegeplätze und effiziente Prozessabläufe –, sichert die Hafenbehörde
die Wettbewerbsfähigkeit des Wasserwegs gegenüber
Straße und Schiene. Das Prinzip »Security by Design«, bei dem
Zollprozesse direkt in die Terminalplanung integriert werden,
sorgt zudem für eine schnelle Abfertigung, die insbesondere bei
verderblichen Lebensmitteln ein kritischer Erfolgsfaktor ist.
Die PTP Group hat sich als privater Logistikdienstleister auf
integrierte Hafenlösungen spezialisiert, die besonders in den
Schwellenländern Südamerikas und nun verstärkt auch in Europa
tief verwurzelt sind. Mit einem Portfolio von über 15 Standorten
– darunter in Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay
– deckt das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette ab,
vom Terminalbetrieb über Lagereinrichtungen bis hin zur Logistikberatung.
Vertreter der beteiligten Partner bei der Unterzeichnung der Vereinbarung
(v. l.): Gerard van Liempt (CEO Necron Group), Guillermo
Misiano (CEO PTP Group) und Boudewijn Siemons (CEO Port of
Rotterdam Authority)
ausgerichtet. Es verfügt über drei Liegeplätze, die sowohl für
Hochsee- als auch für Binnenschiffe konzipiert sind, sowie einen
zusätzlichen Warteplatz.
Die direkte Kaianbindung verkürzt die Vorlaufzeiten und ermöglicht
eine nahtlose Koppelung von Seeschifffahrt, Lagerhaltung
und Weitertransport per Binnenschiff. Damit adressiert
das Terminal den wachsenden Bedarf an multimodalen Logistiklösungen.
»Wir schaffen eine direkte Verbindung zwischen
Kai, Lagerung und Transport. Dies ermöglicht eine intensivere
Nutzung der See- und Binnenschifffahrt«, erläutert Guillermo
Misiano, CEO der PTP Group. Durch die Kombination von Lagerkapazitäten
und direkter Umschlagmöglichkeit auf das Binnenschiff
wird der »Food Hub« zu einer Schlüsselstelle für den Hinterlandverkehr.
Pulsgeber der Binnenschifffahrt
© Robin Utrecht
Durchgängige Kühlkette
Das Engagement in Rotterdam unterstreicht den europäischen
Expansionskurs der Gruppe. PTP agiert hierbei als Mieter der
neuen Kühllagerkapazitäten der Necron Group. Diese vertikale
Integration – die Kontrolle über Kai, Terminal und Lagerung –
ist das Markenzeichen der PTP Group. Damit kann das Unternehmen
den Kunden eine durchgängige Kühlkette anbieten, die
gerade bei den sensiblen Agrarströmen aus Übersee entscheidend
ist, um die Warenqualität bis zur Ankunft im Hinterland zu
garantieren.
Das ambitionierte Projekt befindet sich nun in der Phase der
detaillierten technischen Ausarbeitung sowie der Einholung notwendiger
Genehmigungen. Für die beteiligten Akteure – Port of
Rotterdam Authority, Necron Group und PTP Group – markiert
der Anfang des Jahres 2027 den nächsten großen Meilenstein:
die endgültige Investitionsentscheidung (FID). Mit der Realisierung
des Food Hubs setzt Rotterdam ein deutliches Signal an
den europäischen Markt, dass der Standort trotz des enormen
regulatorischen und wirtschaftlichen Drucks in der Lage ist,
durch Investitionen in hochwertige Infrastruktur zukunftsfähig
zu bleiben.
Die europäische Food-Logistik unterliegt einem fundamentalen
Wandel, der durch veränderte Konsumgewohnheiten und
steigende Anforderungen an die Produktsicherheit geprägt ist.
Die Nachfrage nach ganzjährig verfügbaren, frischen Lebensmitteln
– unabhängig von saisonalen Erntezyklen in Europa – führt
zu einem stetig wachsenden Importaufkommen aus Übersee,
insbesondere aus Südamerika. Damit einher geht die Notwendigkeit
hochspezialisierter Kühlketten, die keine Unterbrechung
erlauben. Jedes Glied in dieser Kette, von der Ankunft im Seehafen
über die Zwischenlagerung bis hin zum Weitertransport in
das europäische Hinterland, ist entscheidend für den Werterhalt
der empfindlichen Fracht.
Gesetzgeberischer Druck
Gleichzeitig steht die gesamte Branche vor der massiven Herausforderung,
die immer komplexer werdenden Logistikprozesse
zunehmend nachhaltiger zu gestalten. Die aktuelle europäische
Gesetzgebung zur Energieeffizienz sowie der Druck,
CO 2
-Emissionen zu reduzieren, zwingen Logistikunternehmen
zu Investitionen in energieeffiziente Lagersysteme und multimodale
Transportlösungen. Neue Logistikhubs, wie sie nun in
Rotterdam entstehen, fungieren dabei als ökologische und ökonomische
Ankerpunkte: Durch die Bündelung von Lagerung
und Umschlag wird der Transportaufwand verringert, Leerfahrten
reduziert und die Auslastung der Binnenschifffahrt ingesamt
gesteigert.
RD
Binnenschifffahrt 07 | 2026
47
SEEHÄFEN | SHORTSEA
Katoen Natie etabliert neutralen
Umschlagsknotenpunkt in Antwerpen
Mit dem neuen Barge Solutions Center an Kai 1510 reagiert der Logistikdienstleister Katoen
Natie auf zunehmende Kapazitätsengpässe. Durch die Bündelung von Binnenschiff- und Lkw-
Verkehren soll der Hafen Antwerpen-Brügge als Drehkreuz entlastet werden
© Katoen Natie
Das Barge Solutions Center (rechts) am Kai 1510 in Antwerpen entlastet die Containerlogistik im Hafen
Die Abwicklung von Containern in europäischen
Seehäfen steht vor wachsenden
Herausforderungen. Insbesondere
an den großen Umschlagterminals führen
zunehmende Schiffsgrößen, eine
hohe Planungsvolatilität und strukturelle
Staus zu ineffizienten Abläufen. Diese
operativen Engpässe treffen Binnenschifffahrt
und Lkw-Transporte gleichermaßen
hart: Die Pünktlichkeit leidet, und
Schiffe fungieren in der Folge oft als unfreiwillige
schwimmende Lagerstätten.
Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken,
hat der belgische Logistikdienstleister
Katoen Natie im Juni offiziell
sein »Barge Solutions Center« am Kai
1510 in Antwerpen in Betrieb genommen.
Was bereits seit 2023 im praktischen
Betrieb als Puffer- und Konsolidierungsstandort
erprobt wurde, ist nun als
formalisiertes Betriebsmodell innerhalb
der Antwerpener Hafenplattform verankert.
Ziel der Anlage ist es, die Containerströme
zwischen dem Hinterland
und den Deep-Sea-Terminals von der
volatilen Taktung der großen Seehäfen
zu entkoppeln.
Der 1854 in Antwerpen gegründete
Logistikdienstleister Katoen Natie ist
heute ein weltweit agierendes Unternehmen
mit Niederlassungen in 30 Ländern.
Die Dachgesellschaft ist heute in Luxemburg
ansässig. In Deutschland hat Katoen
Natie Niederlassungen in Gelsenkirchen,
Selfkant, Viernheim, Ludwigshafen
und Wesseling. Rund 18.000 Beschäftigte
weltweit erwirtschaften einen jährlichen
Umsatz von über 2 Mrd. €.
Das Barge Solutions Center im hafen
Antwerpen versteht sich als neutrale und
für alle Unternehmen offene Plattform.
Vincent Vandecauter, Business Unit Manager
Port Operations bei Katoen Natie,
betont, dass damit auf einen konkreten
Bedarf des Marktes reagiert werde: »Mit
dem Barge Solutions Center formalisieren
wir flexible Kapazitäten, neutralen
Zugang und einen zuverlässigen operativen
Puffer innerhalb der Antwerpener
Hafenplattform«. Durch die Fokussierung
am Kai 1510 hätten Binnenschiff-
48 Binnenschifffahrt 07 | 2026
SEEHÄFEN | SHORTSEA
Eckdaten Barge Solutions Center
Standort: Kai 1510, Hafen Antwerpen-Brügge
Betreiber: Katoen Natie
Betriebsstart: 8. Juni 2026
Kernleistung: Vorstaging, Bündelung, Pufferung, Entkopplung von verschiedenen
See-Terminals im Hafen
Zielgruppe: Binnenschiff- und LKW-Operatoren
Strategisches Ziel: Reduktion von Hafenstaus, höhere Planungssicherheit
und Lkw-Operatoren »eine praktische
Möglichkeit, ihre Warenströme zu stabilisieren
und die Lösung an ihr eigenes
Betriebsmodell anzupassen«, so Vandecauter
weiter.
Unterschiedliche
Funktionalitäten
Konkret bietet die Anlage am Kai 1510
ein integriertes Leistungspaket an, das
weit über eine bloße Lagerhaltung hinausgeht.
Dazu gehören das Vorstaging
und die Bündelung von Exportladungen,
die frühzeitige Evakuierung von Importcontainern
sowie eine koordinierte
Pufferung. Darüber hinaus unterstützt
die Plattform Lkw-Lösungen in nachfrageschwachen
Zeiten (Off-Peak) und
bietet Kapazitäten für kontinentale Containerströme.
Die Anlage wurde zudem
im Rahmen eines öffentlichen Projektaufrufs
der Hafenverwaltung als förderungswürdig
eingestuft, um durch intelligentere
Logistik die Überlastung im
Antwerpener Raum zu mindern.
Die Bedeutung solcher Initiativen wird
vor dem Hintergrund der strukturellen
Rolle Antwerpens deutlich. Als zweitgrößter
Hafen Europas nach Rotterdam
nimmt Antwerpen eine Schlüsselrolle in
der europäischen Logistik ein. Für die
deutsche Wirtschaft, insbesondere für
die verladende Industrie in Nordrhein-
Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-
Württemberg, fungiert der Hafen als
essenzielles Einfallstor für den Überseehandel.
Die Binnenschifffahrt ist dabei das
Rückgrat des Hinterlandverkehrs. Historisch
und technisch ist Antwerpen durch
das engmaschige Kanalnetz funktional
© Katoen Natie
eng mit dem Rheinsystem verbunden.
Während der Lkw-Verkehr den Großteil
der Seehafenhinterlandverkehre dominiert,
entfällt ein signifikanter Anteil
des Containertransports auf die Wasserstraße.
Wöchentlich laufen rund 950
Binnenschiffe den Hafen an, die regelmäßige
Verbindungen in sieben europäische
Länder unterhalten. Die Hafenverwaltung
verfolgt das erklärte Ziel, die
Anteile von Binnenschiff und Bahn im
Hinterlandverkehr zu steigern, um bei
wachsenden Umschlagszahlen das Verkehrsaufkommen
auf der Straße nicht
weiter eskalieren zu lassen.
Die neue Anlage liegt zentral und steht allen Nutzern offen
Infrastruktur im Wandel
Die technische Ausstattung Antwerpens
reflektiert die Entwicklung hin zu immer
größeren Schiffseinheiten. Von den ursprünglich
Schleusen-dominierten Anlagen
hat sich der Hafen durch neue
Umschlagsanlagen direkt an der Schelde
modernisiert, um den Tiefganganforderungen
von Großcontainerschiffen mit
einer Kapazität von weit über 20.000 TEU
gerecht zu werden.
Dass der Logistiker Katoen Natie
nun mit dem Barge Solutions Center
eine zusätzliche Pufferfunktion in dieses
hochkomplexe System integriert,
unterstreicht den Wandel vom reinen
Umschlag hin zu einer integrierten Logistiksteuerung.
In einem Umfeld, in
dem 60 % der europäischen Kaufkraft im
Umkreis von 500 km liegen, ist die Stabilisierung
der Vor- und Nachläufe für alle
Beteiligten – von den Reedereien bis zu
den Binnenschiffoperatoren – zum entscheidenden
Wettbewerbsfaktor geworden.
Die Initiative am Kai 1510 fügt sich
damit in die Bestrebungen ein, die maritime
Logistik resilienter gegen externe
Volatilität zu gestalten.
PK
Binnenschifffahrt 07 | 2026
49
RECHT
Havarie unter Trackpilot
»Revidirte Rheinschiffahrts-Acte« von 1868, Foto: ZK
Fährt ein Schiff unter Trackpilot, ist für die Steuerung des Schiffes rechtlich die Person verantwortlich, die die Steuerung unter Trackpilot überwachen
soll, da der Trackpilot nicht vollständig selbstständig steuern kann, er erkennt keine Kollisionsobjekte und kann die Geschwindigkeit nicht
ändern. Die Person, die den Trackpilot überwacht, gilt als verantwortliche Rudergängerin im Sinne von § 1.09 RheinSchPV.
Fährt ein Schiff unter Trackpilot, ist der Schiffsführer verpflichtet, eine geeignete Person als Wache/Rudergänger einzusetzen. Eine generelle Verpflichtung,
tägliche Alkoholtests oder ähnliche Kontrollen durchzuführen, besteht ohne besonderen Anlass nicht, der Schiffsführer hat sich nicht
dauernd im Fahrstand aufzuhalten, sondern lediglich an Bord. Jedenfalls im November 2023 bestand keine Verpflichtung, den Trackpilot mit Wachfunktion
zu nutzen. Die Verpflichtung gemäß § 28 Nr. 2 RheinSchPV ein Funkgerät auf Empfang des Schleusenkanales zu stellen, besteht nur in den
Schleusenvorhäfen und in den Schleusen selbst.
Behauptet die Rudergängerin, sie sei zum Zeitpunkt der Havarie in einem die Schuld ausschließenden Zustand gemäß § 827 BGB gewesen und
deshalb nicht für die Havarie verantwortlich, liegt die Beweislast für diese Behauptung vollständig bei der Rudergängerin. Für ein Einschlafen am
Ruder kann schon generell § 827 Satz 2 BGB nicht greifen, wenn die betreffende Person sich durch Alkohol oder ähnliche Mittel in einem vorübergehenden
Zustand versetzt hat, der das Einschlafen am Ruder befördert und mitursächlich für den Bewusstseinsverlust ist.
Ein Einschlafen am Steuer rechtfertigt nur dann den Vorwurf grober Fahrlässigkeit, wenn feststeht, dass sich der Fahrer bewusst über von ihm erkannte,
deutliche Anzeichen einer Übermüdung hinweggesetzt hat. Diese zur groben Fahrlässigkeit im Straßenverkehr entwickelten Grundsätze
gelten erst recht für den Vorwurf bewusst leichtfertigen Verhaltens im Sinne des § 5b Abs. 1 BinSchG (CLNI).
Urteil des Rheinschiffahrtsgerichts vom 3. Juni
2026, Az.: 4 C 306/24 RHSch - nicht rechtskräftig.
1. Die Beklagten Ziffer 1 und 2 werden als Gesamtschuldner
verurteilt, an die Klägerin einen
Betrag in Höhe von 1.391.105 Sonderziehungsrechten
nebst Zinsen hieraus in Höhe von 5 Prozentpunkten
über dem Basiszinssatz seit dem
13. April 2024 zu zahlen.
2. Die Beklagte Ziffer 1 wird verurteilt, die
Zwangsvollstreckung in das Gütermotorschiff
MS »La Primavera« (ENI: 02325031), MMSI-Nr.
244670393, Rufzeichen: PD3625, nebst Zubehör
wegen der Forderung der Klägerin gegen die
Beklagten gemäß Ziffer 1. dieser Entscheidung
aus der Beschädigung der Schleusenanlage
76473 Iffezheim (Rheinschleuse) durch das Gütermotorschiff
MS ‚La Primavera‘ (ENI:
02325031) am 11. November 2023 zu dulden.
3. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen. […]
Aus dem Tatbestand:
Die Parteien streiten über Ansprüche wegen der
Beschädigung einer Schleusenanlage durch ein
Binnenschiff auf dem Rhein.
Die Beklagte Ziffer 1 ist eine Gesellschaft niederländischen
Rechts und seit 2008 Eigentümerin
des unter niederländischer Flagge fahrenden Gütermotorschiffs
»La Primavera« (ENI: 02325031;
Länge 102 m, Breite 11,50 m). Das Schiff hat eine
Tragfähigkeit von 3.042,525 Tonnen und eine Maschinenleistung
von 1.118 kW. Es ist mit dem Navigationssystem
»ArgoTrackPilot« ausgerüstet,
welches über einen Trackpilot (autonomous sailing)
verfügt. Alleingesellschafter und Geschäftsführer
der Beklagten Ziffer 1 ist der Beklagte Ziffer
3, der das Schiff als auf dem Schiff wohnender
und arbeitender Partikulier selbst betreibt. Er
stammt aus einer Partikuliersfamilie, arbeitet seit
seinem 19. Lebensjahr auf Binnenschiffen und
verfügt über ein Rheinpatent. Die Beklagte Ziffer
2 arbeitete seit etwa 2014 u.a. als Steuerfrau
ohne Rheinpatent für die Beklagte Ziffer 1 und
übernahm im Zuge ihrer Tätigkeit regelmäßig das
Ruder des Schiffs. Im Jahr 2020 erging gegen die
Beklagte Ziffer 2 ein Strafbefehl des AG Mannheim
(Az. 404 Js 177891P20) wegen fahrlässiger
Gefährdung des Schiffsverkehrs, weil sie die »La
Primavera« im alkoholisierten Zustand geführt
hatte (BAK 1,38 Promille).
Die Klägerin ist Eigentümerin der Schleusenanlage
Iffezheim.
Am 23. November 2023 war die »La Primavera«
talwärts auf dem Rhein auf ihrer Fahrt von Basel-Birsfelden
nach Emshafen. Schiffsführer war
der Beklagte Ziffer 3. Ansonsten bestand die Besatzung
aus einem Matrosen und der Beklagten
Ziffer 2.
Die Beklagte Ziffer 2, die in der Nacht schlecht
geschlafen und Wein getrunken hatte, übernahm
zwischen den Schleusen Gerstheim und
Gambsheim gegen 8.15 Uhr bis ca. 9.00 Uhr erstmals
das Ruder. Nach Passieren der Schleuse
Gambsheim (Rheinkilometer 308) übergab der
Beklagte Ziffer 3 gegen Mittag erneut das Ruder
an die Beklagte Ziffer 2. Die Beklagte Ziffer 2 war
für diesen Fall generell angewiesen, den Beklagten
Ziffer 3 bei besonderen Vorkommnissen, spätestens
aber bei Rheinkilometer 330 zu rufen.
Dann ging der Beklagte Ziffer 3 aus dem Fahrstand
des Schiffs in seine darunter befindliche
Wohnung. Eines der Funkgeräte war auf Kanal
24 - dem Kanal der Schleuse Gambsheim - eingestellt,
ein weiteres auf Kanal 10 (Schiff-Schiff). Zu
einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt war
die Beklagte Ziffer 2 nicht mehr bei Bewusstsein.
Ob sie ohnmächtig oder eingeschlafen war, ist
zwischen den Parteien streitig. Zwischen den
Parteien ist streitig, ob das Schiff über den gesamten
Zeitraum von dem Assistenzsystem »argoTrackPilot«
auf einem vorprogrammierten
Kurs gehalten worden ist. Ein System zur Überprüfung
des Wachzustands der Beklagten Ziffer
2 war jedenfalls nicht aktiviert.
Gegen 14:15 Uhr fuhr das Schiff in den Vorbereich
der Schleuse Iffezheim (Rheinkilometer
333,7) ein, ohne seine Geschwindigkeit zu verringern.
Es fuhr ungebremst auf das geschlossene
Schleusentor der rechten Kammer auf, wodurch
dieses schwer beschädigt wurde. Warnfunksprüche
der Schleuse, die auf Kanal 4 funkt, konnten
auf der »La Primavera« nicht gehört werden, da
dort auf dem dafür vorgesehenen Funkgerät
weiter der Kanal 24 eingestellt war. Der Beklagte
Ziffer 3 befand sich zu diesem Zeitpunkt wach
und angezogen in seiner Wohnung unter Deck.
Eine gegen 18:07 Uhr entnommene Blutprobe
ergab bei der Beklagten Ziffer 2 einen Ethanolwert
von 0,75 Promille. […]
Aus den Gründen:
I. Die Beklagte Ziffer 2 haftet bis zur gesetzlichen
Haftungsbeschränkung (1.), was die Haftung in
gleicher Höhe der Beklagten Ziffer 1 nach sich
zieht (2.)
50 Binnenschifffahrt 07 | 2026
(Sammlung Seite 2991)
Die Klägerin hat einen Anspruch in tenorierter
Höhe gegen die Beklagte Ziffer 2 aufgrund ihres
fahrlässigen Verhaltens gemäß § 823 Abs. 1 BGB
(a). Ein Haftungsanspruch darüber hinaus besteht
nicht, weil der Beklagten Ziffer 2 kein
leichtfertiges Verhalten vorgeworfen werden
kann (b). Der Zinsanspruch ergibt sich aus Verzug
(c), ein Anspruch auf Ersatz vorgerichtlicher
Rechtsanwaltskosten steht der Klägerin nicht zu
(d).
a) Die Beklagte Ziffer 2 haftet aufgrund § 823
Abs. 1 BGB. Danach ist derjenige, der vorsätzlich
oder fahrlässig das Eigentum eines anderen widerrechtlich
verletzt, dem anderen zum Ersatz
des entstehenden Schadens verpflichtet.
aa) Durch das Auffahren auf das Schleusentor ist
Eigentum der Klägerin verletzt worden.
bb) Dies ist auch durch fahrlässiges Verhalten
der Beklagten Ziffer 2 geschehen. Fahrlässig
handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt
außer Acht lässt, § 276 Abs. 2 BGB. Die
Beklagte Ziffer 2 hat dies hier getan, indem sie
ihre Verkehrssicherungspflichten außer Acht gelassen
hat.
Zum Zeitpunkt der Havarie war sie verantwortliche
Rudergängerin im Sinne von § 1.09 Rheinschifffahrtspolizeiverordnung
(RheinSchPV). […]
Der Umstand, dass sie diese Tätigkeit mit Hilfe
des bereits eingestellten Trackpilot verrichten
sollte, ändert an ihrer Verantwortung nichts.
Zum einen steuert der Trackpilot nicht vollständig
selbsttätig, da er keine Kollisionsobjekte erkennen
oder die Geschwindigkeit ändern kann.
Zum anderen kann der Trackpilot keine Verantwortung
übernehmen, weil er eine Maschine ist
und kein Mensch. Verantwortlich ist derjenige,
der - auch - die Maschine überwachen soll, hier
also die Beklagte Ziffer 2. […]
dd) Einen die Schuld ausschließenden Zustand
gemäß § 827 BGB haben die Beklagten nicht beweisen
können. […]
Diesen Beweis haben die Beklagten nicht führen
können. […]
b) Die Beklagte Ziffer 2 haftet allerdings nur bis
zu einer Höhe von 1.391.105 Sonderziehungsrechten.
aa) Der Schiffseigner kann nämlich seine Haftung
gemäß § 4 Abs. 1 Satz 1 BinSchG beschränken.
Dies gilt gemäß § 5c Abs. 1 Nr. 3 BinSchG
auch für jede Person, für deren Verhalten der
Schiffseigner haftet. Die Haftung kann gemäß §
5d Abs. 1 BinSchG auf den Haftungshöchstbetrag
gemäß §§ 5e bis 5k BinSchG beschränkt
werden. Dieser lag zum Zeitpunkt der Havarie
für Güterschiffe mit eigener Antriebskraft bei
400 Tonnen Rechnungseinheiten je Tonne Tragfähigkeit
des Schiffes zuzüglich 1.400 Rechnungseinheiten
je Kilowatt Leistungsfähigkeit
der Antriebsmaschinen, § 5e Abs. 1 Nr. 2 BinSchG
in der Fassung vom 01 .07.2019 bis 28.02.2025.
Bei Sachschäden reduziert sich der Haftungshöchstbetrag
auf die Hälfte, § 5f BinSchG.
Nach diesen Vorgaben ergibt sich folgende Berechnung
des Haftungshöchstbetrages:
Rechnungseinheiten für die Tragfähigkeit:
3.042,525 x 400 = 1.217.010,00
Rechnungseinheiten für die Leistungsfähigkeit
1.118 x 1.400 = 1.565.20000
der Maschinen
insgesamt 2.782.210,00
bei Sachschäden nur die Hälfte zu berücksichtigen,
also 1.391.105,00.
Durch die Havarie ist unstreitig ein Schaden in
dieser Höhe bei der Klägerin eingetreten. […]
cc) Der Geltendmachung der Einrede steht auch
nicht § 515 Abs. 1 BinSchG entgegen. Danach
können ein Schiffseigner - und damit auch die
Personen gemäß § 5c Abs. 1 Nr. 3 BinSchG - ihre
Haftung nicht beschränken, wenn der Schaden
auf eine Handlung oder Unterlassung zurückzuführen
ist, die in der Absicht einen solchen Schaden
herbeizuführen, oder leichtfertig und in
dem Bewusstsein begangen wurde, dass ein solcher
Schaden mit Wahrscheinlichkeit eintreffen
werde. […]
Eine so verstandene Leichtfertigkeit kann das
Gericht nicht annehmen, auch wenn die Beklagte
am Ruder eingeschlafen ist.
Auch das Herbeiführen eines Verkehrsunfalls
durch ein »Einnicken« des Fahrers am Steuer
rechtfertigt nur dann den Vorwurf grober Fahrlässigkeit,
wenn feststeht, dass sich der Fahrer
bewusst über von ihm erkannte deutliche Anzeichen
einer Übermüdung hinweggesetzt hat. Die
in dieser Hinsicht zu der Frage, ob von grober
Fahrlässigkeit auszugehen ist, entwickelten
Grundsätze haben in gleichem Maße bei der Beurteilung
der Frage zu gelten, ob ein Verhalten
den Vorwurf begründet, der Frachtführer hätte
leichtfertig und in dem Bewusstsein gehandelt,
dass ein Schaden mit Wahrscheinlichkeit eintreten
werde (BGH, Urteil vom 21. März 2007 - 1 ZR
166/04 -‚ Rn. 20, juris).
Nach diesen Grundsätzen, die auf die Binnenschifffahrt
weitgehend übertragbar sind, kann
Leichtfertigkeit aufgrund des Einschlafens jedenfalls
verneint werden. Schon die Voraussetzungen
der groben Fahrlässigkeit erscheinen
danach zweifelhaft. Es ist weder vorgetragen
noch sonst wie ersichtlich, dass die Beklagte Ziffer
2 deutliche Anzeichen der Übermüdung erkannt
und sich über diese hinweggesetzt hat.
[…]
II. Ein Anspruch gemäß § 823 Abs. 1 BGB gegenüber
dem Beklagten Ziffer 3 steht der Klägerin
nicht zu. Ihm ist kein fahrlässiges Handeln anzulasten.
Weder ist ihm vorzuwerfen, einer ungeeigneten
Person das Ruder überlassen zu haben
(1.), noch dass er die Beklagte Ziffer 2 nicht engmaschiger
überwacht hat (2.). Auch ergibt sich
aus dem Umstand, dass ein falscher Funkkanal
eingestellt war, keine Pflichtverletzung (3.).
Letztlich war es auch nicht sorgfaltswidrig, dass
der Trackpilot ohne Wachfunktion genutzt wurde
(4.)
1.
Dem Beklagten ist nicht vorzuwerfen, dass er
mit der Beklagten Ziffer 2 eine ungeeignete Person
das Ruder überlassen hat.
Zum Ruderführer gemäß § 1.09 RheinSchPV darf
zwar nur eine hierfür geeignete Person eingesetzt
werden. Ein Verstoß hiergegen liegt in der
Verantwortung des Schiffsführers. Ein solcher
liegt hier aber nicht vor.
a) Grundsätzlich war die Beklagte Ziffer 2 als geeignete
Person anzusehen. Sie hatte unstreitig
zehn Jahre Berufserfahrung an Bord und hat bis
auf den Vorfall im Jahre 2020, der zu dem Strafbefehl
des Amtsgerichts Mannheim geführt hat,
keinen Grund zur Beanstandung gegeben.
Gegenteiliges ist von den Parteien nicht vorgetragen
worden. Die Trunkenheitsfahrt im März
2020 ist zwar ein gravierender Vorfall gewesen,
der damals Anlass gegeben hätte, die grundsätzliche
Eignung der Beklagten Ziffer 2 als Ruderführerin
in Frage zu stellen. Seitdem hatte
sich die Beklagte Ziffer 2 aber über drei Jahre bewährt,
ohne dass ein weiterer Vorfall - insbesondere
eine Trunkenheit - bekannt geworden war.
Am Morgen der Havarie musste der Beklagte Ziffer
3 daher aufgrund der Tat aus dem Jahr 2020
die Geeignetheit der Beklagten Ziffer 2 nicht
mehr in Zweifel ziehen. Dies galt um so mehr um
die Mittagszeit vor der Havarie, nachdem die Beklagte
Ziffer 2 bereits von 8.15 Uhr bis 9.00 Uhr
eine erste Wache beanstandungsfrei absolviert
hatte. […]
Sorgfaltswidrig diesbezüglich handelt der
Schiffsführer aber nur, wenn er die fehlende körperliche
Eignung seines Besatzungsmitgliedes
erkennt. Das Gericht kann seiner Entscheidung
nicht zugrunde legen, dass der Beklagte Ziffer 3
die ungeeignete körperliche Verfassung der Beklagten
Ziffer 2 kannte. Er hat angegeben, ihr
am Morgen des Havarietages nicht nahe gekommen
zu sein. Alkoholgeruch habe er nicht wahrgenommen.
Die für die Sorgfaltspflichtverletzung
beweisbelastete Klägerin hat weder
konkret dargelegt noch unter Beweis gestellt,
dass der Beklagte Ziffer 3 dies erkannt hat. Auch
die beklagtenseits bestrittene Behauptung, die
beiden Beklagten seien ein Paar, hat die Klägerin
nicht unter Beweis gestellt. Eine generelle Verpflichtung
des Schiffsführers, täglich Alkoholtests
oder ähnliche Kontrollen durchzuführen,
besteht ohne besonderen Anlass nicht.
2.
Der Vorwurf, der Beklagte Ziffer 3 habe die Beklagte
Ziffer 2 nicht hinreichend engmaschig
überwacht, nachdem er ihr das Ruder übergeben
habe, greift ebenfalls nicht. Seit jeher gilt,
(Sammlung Seite 2992)
Binnenschifffahrt 07 | 2026
51
RECHT
dass wenn der Rudergänger geeignet ist, der
Schiffsführer sich nicht dauernd im Steuerstuhl
aufzuhalten hat (so schon zur im Wesentlichen
gleichlautenden Vorgängernorm des § 1.09
RheinSchPV, Bemm/Kortendieck, Kommentar
zur Rheinschifffahrtspolizeiverordnung 1970,
Ausgabe 1974, 0.3. zu § 1.09, S. 143). Er kann sich
auf dem Schiff frei bewegen, insbesondere auch
in seiner Wohnung unter Deck sein, wo er nicht
wahrnehmen kann, in welcher Position sich das
Schiff befindet (vgl. Rheinschifffahrtsgericht
Mannheim, Beschluss vom 26. April 2011 - 51
OWI 802 J5 8029/11 BSch -‚ ZfB 2011, Sammlung
Seite 2154; Rn. 4, juris).
Soweit die Klägerin meint, dass der Beklagte Ziffer
3 proaktiv in den Steuerstand hätte zurückkehren
müssen, als nach dem Zeitablauf Rheinkilometer
330 zu erwarten war, ist ihr zwar darin
zuzustimmen, dass der Beklagte Ziffer 3 dann
die Havarie glücklich hätte verhindern können.
Eine Pflicht hierzu, gleichsam bei jeder Abwesenheit
einen Wecker zu stellen, um rechtzeitig
in den Steuerstand zurückzukehren, gibt es
nicht. Dies entspricht auch nicht den Gebräuchen
in der Rheinschifffahrt. Denn der Schiffsführer
kann sich darauf verlassen, dass sein -
geeigneter - Ruderführer ihn wie angeordnet
bei Annäherung an die Schleuse (oder bei anderen
nautischen Schwierigkeiten) ruft oder ggf.
die Geschwindigkeit drosselt. Er muss grundsätzlich
nicht mit dem Einschlafen des Ruderführers
rechnen, auch wenn sich - wie hier - seine
Abwesenheit über gut zwei Stunden
erstrecken soll.
3.
Der Beklagte Ziffer 3 hat auch nicht schuldhaft
gegen die Vorschriften zum Funkverkehr gehandelt.
Ein Verstoß gegen die Betriebspflichten hinsichtlich
der Funkgeräte liegt nicht vor. Auch am
Havarietag waren die gemäß § 4.05 Satz 2
RheinSchPV vorgeschriebenen zwei Funkgeräte
für die externe Kommunikation auf Empfang
eingeschaltet, das eine für die Kommunikation
Schiff/Schiff (Kanal 10) und das zweite für die
Nautische Information.
Ein schuldhafter Verstoß gegen die Benutzungsvorschriften
ist dem Beklagten Ziffer 3 nicht deshalb
anzulasten, weil das zweite Funkgerät nicht
auf Kanal 4 geschaltet war, den Kanal der Schleuse
Iffezheim.
Gemäß § 28 Nr. 2 RheinSchPV müssen Fahrzeuge,
die mit einer Sprechfunkanlage für den Verkehrskreis
Nautische Information ausgerüstet
sind, in den Schleusenvorhäfen und in den
Schleusen den Funkkanal der Schleuse auf Empfang
geschaltet haben.
Vor der Havarie ist dies nicht geschehen. Dies
kann aber nicht dem Beklagen Ziffer 3 vorgehalten
werden, da er - wie oben dargelegt - davon
ausgehen konnte, dass die Beklagte Ziffer 2 ihn
bei Rheinkilometer 330 rufen werde, was diese
nicht getan hat.
Eine Verpflichtung, den Funkkanal bereits bei
Ruderübergabe hinter der Schleuse Gambsheim
auf die Schleuse Iffezheim umzustellen, gab es
nicht, auch wenn der Beklagte Ziffer 3 in der
mündlichen Verhandlung angegeben hat, dass
er dies üblicherweise schon dann tue.
Auch das auf Seite 21 des klageerweiternden
Schriftsatzes vom 16.12.2025 abgebildete Hinweisschild
auf Kanal 4 bei Rheinkilometer 321
begründet keine Verpflichtung diesen Kanal auf
Empfang zu stellen. Es handelt sich nicht um ein
(rot umrandetes) Gebotszeichen, Sprechfunk
auf dem angegebenen Kanal zu benutzen, wie in
B.11b) der Anlage 7 zur Rheinschifffahrtspolizeiverordnung
vorgesehen, sondern um ein blaues
Hinweisschild zum nautischen Informationsdienst
gemäß E.21 der Anlage 7, das keine
Pflichtwirkung mit sich bringt.
Der Beklagte Ziffer 3 hat auch nicht gegen die
gebotene Sorgfalt gehandelt, weil die »La Primavera«
den Trackpilot ohne Wachfunktion genutzt
hat. Zwar hätte eine aktivierte Wachfunktion
wahrscheinlich dazu geführt, dass das
Einschlafen der Beklagen Ziffer 2 rechtzeitig
entdeckt worden wäre, denn das Programm
hätte voraussichtlich bemerkt, dass die Rudergängerin
nicht mehr aktiv war, oder die Beklagte
Ziffer 2 wäre durch die laufende Beanspruchung
durch die Warnfunktion vom Einschlafen
abgehalten worden. Eine Verpflichtung zur
Nutzung einer Wachfunktion bestand zum Zeitpunkt
der Havarie aber nicht (a). Zudem kann
das Gericht nicht davon ausgehen, dass der
Beklagte Ziffer 3 eine bestehende Wachfunktion
deaktiviert hat (b).
a) Es gehörte zum Zeitpunkt der Havarie im November
2023 (noch) nicht zur gebotenen Sorgfalt
bei Verwendung eines Trackpilot auch die
sogenannte Wachfunktion zu aktivieren.
Die Erforderlichkeit von Sicherheitseinrichtungen
ist nach den Anschauungen der Fachwelt
zur Unfallzeit zu beurteilen. Ist das Schiff zur
Fahrt auf dem Rhein zugelassen und entspricht
es dem Schiffsattest in Bau, Ausrüstung
und Besatzung, so können Eigner und
Besatzung grundsätzlich darauf vertrauen,
dass die Konstruktion keinen Fehler aufweist,
die es fahruntauglich machen können. Ein
Schiffsführer braucht nicht klüger und kenntnisreicher
zu sein als die fachkundigen Prüfer
und diejenigen Personen, die für die Anpassung
der gesetzlichen Vorschriften zuständig
sind (Rheinschifffahrtsobergericht Köln, Urteil
vom 25. Oktober 1996— 3 U 56/96 BSchRh -,
ZfB 1997, Sammlung Seite 1665; Rn. 23, juris).
[…]
Ob dies nach der hier zu beurteilenden Havarie
anders zu werten ist, kann offen bleiben. Es
mag - und sollte so - sein, dass die Binnenschifffahrt
sich nach dieser und weiteren Havarien
des Problems der verschärften Monotonie
im Steuerstand durch Trackpilot bewusst geworden
ist. […]
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in prekären Lebenssituationen, 41 % der Bevölkerung
sind unter 15 Jahren. Mit der Unterstützung von Experten
der Medizin vor Ort und aus Europa, sowie einem Angebot
für völkerverbindenden Sport und Bildung, wollen wir
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Deutscher Ruderverband e.V.
Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg 10
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bedeckt – der größte Lebensraum! Doch der Mensch
hat daraus in wenigen Jahrzehnten ein globales
Krisengebiet gemacht.
Seit über 40 Jahren begibt sich Greenpeace mit
speziell ausgerüsteten Schiffen deshalb auf Flüssen
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am und auf dem Wasser verübt werden. Kommen
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Binnenschifffahrt 07 | 2026
57
BDS
Bundesverband der Selbständigen Abteilung Binnenschiffahrt e. V.
Vertreten durch den Vorsitzenden Torsten Stuntz, MS »Stella Maris« und die stellvertretenden Vorsitzenden
Nikolaus Hohenbild, Detlef Maiwald, Stephen Mnich, Gebr. Mnich OHG
Geschäftsstelle und Schriftleitung: Dirk-Uwe Klaas, Sekretariat Birgit Kühn
August-Bier-Str. 18 | 53129 Bonn | Tel. 0228 / 746377 | Fax 0228 / 746569 | zentrale@bds-binnenschiffahrt.de
Keine Wirksamkeit ohne Wahrnehmung
Kaum etwas ist in heutiger Zeit schlimmer
als nicht stattzufinden. Selbst wer
exzellente Arbeit macht, ihren Wert aber
nicht breit kommuniziert, kriegt seine PS
nicht aufs Wasser. Hierunter leidet die
gesamte Binnenschifffahrt – einer der
Gründe für unsere relative Erfolglosigkeit
gegenüber anderen Verkehrsträgern.
Aber auch innerhalb des Sektors
läuft da nicht alles rund: je weniger Einfluss
wir haben, umso mehr Verbände
werden gegründet. Der BDS hat Verbesserungspotential
in seiner Außenkommunikation.
Dieses Potential wollen wir
heben.
Um diese Aufgabe künftig gezielt voranzutreiben,
betreuen Miriam Sauerborn,
Tobias Nahrendorf und Marvin
Reitz ab sofort die Social-Media-Kanäle
des BDS. Bestehende Kanäle werden
weiterentwickelt, neue Plattformen erschlossen.
Neben Instagram ist der BDS
inzwischen auch auf LinkedIn und TikTok
vertreten.
Dabei geht es nicht darum, jedem
kurzfristigen Trend hinterherzufahren.
Es geht darum, dort stattzufinden, wo
Informationen verbreitet, Meinungen
gebildet und politische wie gesellschaftliche
Debatten geführt werden.
Wer hier nicht sichtbar ist, wird schnell
übersehen – unabhängig davon, wie
groß die tatsächliche Bedeutung seiner
Arbeit ist.
Genau das wollen wir ändern
Wir wollen zeigen, wer die Menschen
hinter der Binnenschifffahrt sind, welchen
Herausforderungen sie täglich begegnen
und welchen unverzichtbaren
Beitrag sie für Wirtschaft, Versorgung
und Verkehr leisten. Wir wollen erklären,
einordnen und auch unbequeme Themen
ansprechen. Klar, verständlich und
ohne unnötige Umwege.
Gute Kommunikation
braucht Material
Damit die Social-Media-Kanäle lebendig,
abwechslungsreich und vor allem authentisch
werden, brauchen wir Einblicke
aus der Praxis. Denn niemand kann die
Binnenschifffahrt besser zeigen als diejenigen,
die jeden Tag auf dem Wasser
arbeiten.
Deshalb freuen wir uns über Bild- und
Videomaterial aus den Betrieben und
von Bord: besondere Transporte, alltägliche
Situationen, Herausforderungen,
technische Einblicke, Begegnungen, Veranstaltungen
oder einfach ein Moment,
der zeigt, was die Arbeit in der Binnenschifffahrt
ausmacht.
Das Material kann unkompliziert über
folgenden Link hochgeladen werden:
https://www.dropbox.com/request/
bkce85oiwnb6b9ip1na2
Ein Bild allein erzählt allerdings nicht
immer die ganze Geschichte. Wer Material
hochlädt und uns noch etwas über den
Hintergrund, die Situation oder die beteiligten
Personen mitteilen möchte, darf
sich daher jederzeit bei uns melden. Gerade
diese Informationen machen aus einem
Foto oder einem kurzen Video einen
Beitrag, der auch für Außenstehende verständlich
und relevant wird. Auch Ideen,
Fragen und Anregungen sind ausdrücklich
willkommen. Social Media soll keine
Einbahnstraße sein. Die Kanäle sollen die
Themen aufgreifen, die die Unternehmer
und Beschäftigten der Binnenschifffahrt
tatsächlich bewegen.
Neue Formate sind
bereits in Arbeit
Parallel zum Ausbau der Kanäle arbeiten
wir an neuen Inhalten und Formaten.
Dazu gehört unter anderem »Klar
Schiff«. Mit diesem und weiteren Formaten
wollen wir relevante Themen der
Branche verständlich aufbereiten, Positionen
deutlich machen und einen realistischen
Einblick in die Binnenschifffahrt
geben.
Es wird also nicht nur darum gehen,
schöne Bilder von Schiffen zu veröffentlichen.
Wir wollen zeigen, wo es hakt,
was sich verändern muss und weshalb
die Binnenschifffahrt bei vielen politischen
und gesellschaftlichen Diskussionen
stärker berücksichtigt werden sollte.
Reichweite ist
Gemeinschaftsarbeit
Die aktuellen Kanäle des BDS sind hier
zu finden:
• Instagram:
instagram.com/bds.binnenschifffahrt/
• LinkedIn:
linkedin.com/company/bds-binnenschiffahrt-e-v/
• TikTok:
tiktok.com/@bds.binnenschifffahrt
Doch auch der beste Beitrag erzielt keine
Wirkung, wenn ihn niemand sieht. Deshalb
hilft jede Form der Unterstützung:
Beiträge liken, kommentieren, teilen und
im eigenen Netzwerk weiterverbreiten.
Das klingt nach einer kleinen Geste,
macht für die Reichweite aber einen erheblichen
Unterschied. Je mehr Menschen
sich beteiligen, desto sichtbarer
werden die Themen der Binnenschifffahrt,
auch über die Grenzen der eigenen
Branche hinaus. Sichtbarkeit entsteht
nicht von allein. Sie entsteht, wenn
viele bereit sind, ihre Geschichten, ihre
Erfahrungen und ihre Perspektiven beizutragen.
Wir haben genügend Themen.
Wir haben genügend Kompetenz. Und
wir haben genügend gute Argumente.
Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass sie
auch wahrgenommen werden.
58 Binnenschifffahrt 07 | 2026
IMPRESSUM
Fortführung der
Binnenschiffahrt
und Wasserstraßen
Zeitschrift für Binnenschiffahrt und Wasserstraßen
(© Verein für Binnenschiffahrt und Wasserstraßen e.V.) im 130. Jahrgang
Die Binnenschifffahrt ist offizielles Organ und Mitteilungsblatt für:
Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen, Hamburg
Deutscher Fähr-Verband, Königswinter
Deutscher Wasserstraßen- und Schifffahrtsverein Rhein-Main-Donau e.V., Nürnberg
Europäische Binnenschifffahrts-Union, Brüssel, Rotterdam
Hafenschifffahrtsverband Hamburg e.V., Hamburg
Moselkommission, Trier
Permanent International Association of Navigation Congresses (PIANC)
Verein für europäische Binnenschiffahrt und Wasserstraßen e.V., Duisburg
Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, Straßburg
Inserentenverzeichnis | Index of Advertisers
Allianz Esa EuroShip GmbH .............................. Titel
Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger .......... 59
Deutsche Seemannsmission ...............................53
DTG Deutsche Transport-Genossenschaft
Binnenschiffahrt eG ...................................... 25
duisport – Duisburger Hafen ..............................U2
grbv Ingenieure im Bauwesen GmbH & Co. KG .............. 45
Heinrich Harbisch Schiffswerft GmbH ...................... 37
Hoyer Marine GmbH ...................................... 31
Hülskens Wasserbau GmbH & Co. KG ...................... 19
Internationales Maritimes Museum Hamburg ............... 52
Kadlec & Brödlin GmbH ................................... 29
Kernwasser Wunderland Freizeitpark GmbH ............... U4
Mercy Ships Deutschland e.V. .............................. 52
Podszuck GmbH .......................................... 35
Schiffahrts-Verlag »Hansa« GmbH & Co. KG ...............3, 43
Staatliche Rhein-Neckar-Hafengesellschaft Mannheim mbH .. 18
Wessels GmbH Tischlerei und Alubau . ...................... 8
Wittig GmbH .............................................. 5
Das Anzeigenverzeichnis dient der Leserorientierung.
Es ist kein Bestandteil des Anzeigenauftrags. Der Verlag übernimmt
keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit.
Spende und werde ein Teil von uns.
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Herausgeber
Prof. Peter Tamm †
Patricia Erb-Korn (Präsidentin), Verein für europäische
Binnenschiffahrt und Was ser stra ßen e.V.,
Geschäftsführung
Peter Tamm
Redaktion
Chefredakteur: Michael Meyer (MM)
Tel. +49 (0)40 70 70 80-212 | m.meyer@hansa-online.de
Verantwortlicher Redakteur: Peter Kleinort (PK)
Tel. +49 (0)40 70 70 80-206 | p.kleinort@hansa-online.de
Redakteur: Jannik Westerkamp (JW)
Tel. +49 (0)40 70 70 80-205 | j.westerkamp@hansa-online.de
Redakteurin: Anna Wroblewski (AW)
Tel. +49 (0)40 70 70 80-209 | a.wroblewski@hansa-online.de
Redakteur: Joshua Wygand (JWY)
Tel. +49 (0)40 70 70 80-203 | j.wygand@hansa-online.de
Hermann Garrelmann (ga, Norddeutschland, Niederlande)
Josef Müller (jom, Österreich)
Rechtsanwalt Dr. Martin Fischer (Fi, Recht)
Redaktionsbeirat
Patricia Erb-Korn, Geschäftsführerin KVVH in Karlsruhe,
Präsidentin des Vereins für europäische Binnenschifffahrt und Wasserstraßen e.V.;
Marcel Lohbeck, Geschäftsführer des Vereins für europäische
Binnenschiffahrt und Wasserstraßen e.V., Duisburg;
Rechtsanwalt Jens Schwanen, Syndikusanwalt und Geschäftsführer
Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB)
Redaktionsvorbehalt
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der
Übersetzung vorbehalten. Kein Teil der Zeitschrift darf in irgendeiner Form (durch
Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne Genehmigung des Ver lages
reproduziert werden. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt
die Meinung von Herausgeber, Redaktion oder Verlag wieder. Die Redaktion behält
sich Änderungen an den Manuskripten vor. Die Redaktion lehnt jede Verantwortung
für unverlangt eingesandtes Material (Manus kripte, Fotos, Grafiken etc.) ab.
Verlag und Redaktion
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Binnenschifffahrt 07 | 2026
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