CLICK_FILM_AUG26
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CF CLICK FILM
Das E-Magazin für Kino, Film & Streaming
AUG 26
EDITORIAL
HINWEIS:
Wenn nicht anders
vermerkt, findest du
die Bildlegenden auf
unserer Website.
«Besonders beeindruckt
hat mich Eya Bouteraa in
ihrer ersten grossen
Hauptrolle. Ihr stilles,
intensives Spiel hat mich
sofort überzeugt. Für
mich ist sie eine echte
Entdeckung.»
Cover: Isabella Rossellini erhält bei der 79. Ausgabe den Excellence Award | Foto: Paola Kudacki
Liebe CLICK-FILM-Community
FILM, DER MEHR WILL
Was mich an Filmfestivals immer wieder begeistert, ist das Entdecken von Neuem.
Nicht die roten Teppiche, nicht der Glamour, sondern dieser eine Film, diese eine
Szene oder dieser eine Name, von dem man vorher noch nie gehört hat.
Ein solcher Film ist À VOIX BASSE, den ich an der Berlinale im Wettbewerb gesehen
habe. Besonders beeindruckt hat mich Eya Bouteraa in ihrer ersten grossen
Hauptrolle. Ihr stilles, intensives Spiel hat mich sofort überzeugt. Für mich ist sie eine
echte Entdeckung. Die Kritik zum Film findet sich in diesem CLICK FILM.
Nicht nur die Berlinale, sondern auch Locarno ist seit Jahrzehnten ein verlässlicher
Ort für solche Entdeckungen. Das Festival blickt auf eine beeindruckende
Geschichte zurück und bleibt trotzdem neugierig auf das Kino von morgen. Wir
haben dem Festival zum 80. Geburtstag ein Spezial gewidmet.
Das St. Moritz Art Film Festival geht noch einen Schritt weiter. Hier begegnet Film
der Musik, der bildenden Kunst und der Performance. Dieses Jahr darf ich bereits
zum fünften Mal dabei sein und die Verbindung von Kino und Kunst miterleben.
Aber natürlich gibt es nicht nur Festivals, sondern auch das Kino. Unser Spielfilm des
Monats ist THE INVITE von Olivia Wilde: ein ebenso intelligentes wie unterhaltsames
Kammerspiel über zwei Paare, deren gemeinsames Abendessen völlig aus dem
Ruder läuft. Madeleine Hirsiger nennt den Film einen «Sommerhit erster Klasse».
Unser Dokumentarfilm des Monats IM SCHATTEN DER BILDER erzählt vom
widersprüchlichen Leben der queeren Künstlerin Stephanie Hollenstein. Walter
Gasperi würdigt das differenzierte Porträt einer unabhängigen Frau, die zugleich
eine überzeugte Nationalsozialistin war. Schade nur, dass dieser sehenswerte Film
lediglich in wenigen Kinos gezeigt wird.
Im Herbst folgen mit Fantoche und den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur
zwei Festivals, die uns bei arttv.ch besonders am Herzen liegen. Wir freuen uns, auch
dieses Jahr wieder Medienpartner beider Festivals zu sein. Mehr dazu gibt es dann
in der September-Ausgabe von CLICK FILM zu lesen.
Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch
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FANTOCHE
24. INTERNATIONALES
FESTIVAL FÜR ANIMATIONSFILM
BADEN/SCHWEIZ
1.– 6. SEPTEMBER 2026
WWW.FANTOCHE.CH
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SPEZIAL LOCARNO
© Locarno Film Festival
HAPPY BIRTHDAY –
80 JAHRE LOCARNO
Es gibt
Filmfestivals, die
vor allem von Stars,
roten Teppichen
und Premieren
leben. Und es gibt
Locarno.
Das Locarno Film Festival feiert
seinen 80. Geburtstag. Für uns ist
dies Anlass, dem einzigen A-Festival
der Schweiz einen persönlichen
Geburtstagsgruss zu übermitteln –
einem Festival, das wir seit mehr als
22 Jahren publizistisch begleiten
dürfen, das internationale Strahlkraft
mit Entdeckergeist verbindet und zu
dem wir besonders Sorge tragen
müssen.
2009 verlieh arttv.ch der Filmjournalistin Madeleine Hirsiger (Mitte) die Ehrenperle Film für
ihre langjährigen Verdienste um den Schweizer Film.
WIR SEHEN UNS!
Für arttv.ch ist Locarno mehr als ein wichtiger Termin im Festivalkalender. Mit
diesem Festival verbindet uns auch viel Nostalgie. Hier haben wir während
Jahren unsere Filmperlen vergeben. Hier haben wir persönlich Plakate
aufgehängt. Hier haben wir gemeinsam mit dem Verband Filmjournalismus
Schweiz (VFS) Panels organisiert, diskutiert und versucht, dem Schweizer
Filmschaffen jene Aufmerksamkeit zu geben, die es verdient. Locarno war für
uns nie nur ein Ort, an dem Filme gezeigt wurden. Es war und ist Treffpunkt,
Arbeitsort, Schaufenster und immer wieder ein Ort der Begegnung. Viele
Gespräche, Ideen und redaktionelle Entscheide entstanden nicht in der
Redaktion, sondern zwischen zwei Vorführungen, auf der Piazza, in einem Café
oder spätabends in einer Bar. Wenn wir heute auf acht Jahrzehnte Locarno
zurückblicken – von denen wir mehr als ein Viertel publizistisch begleiten
durften – geschieht dies auch mit grosser Dankbarkeit für viele unvergessliche
Erfahrungen und Begegnungen.
Am 23. August 1946 eröffnete im Park des Grand Hotels von Muralto die erste
Festivalausgabe mit O SOLE MIO von Giacomo Gentilomo.
GEBOREN AUS DEM WUNSCH NACH FREIHEIT
Das Locarno Film Festival wurde 1946 gegründet – in einem Europa, das noch
von den Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs geprägt war. Nach Jahren der
Propaganda, der Zensur und der politischen Abschottung bestand ein grosses
Bedürfnis nach Orten, an denen Kunst wieder frei zirkulieren und
unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen konnten. Am 23. August 1946
eröffnete im Park des Grand Hotels von Muralto die erste Festivalausgabe mit
O SOLE MIO von Giacomo Gentilomo. Das Programm umfasste fünfzehn Filme.
Darunter befanden sich Werke wie Roberto Rossellinis ROMA CITTÀ APERTA,
Billy Wilders DOUBLE INDEMNITY und René Clairs AND THEN THERE WERE
NONE. Bereits diese erste Auswahl zeigte den Anspruch des Festivals. Nicht
nationale Selbstdarstellung, sondern die Begegnung unterschiedlicher
filmischer Handschriften stand im Vordergrund. Dass ein solches Festival in der
Schweiz entstehen konnte, war kein Zufall. Das Land bot einen vergleichsweise
offenen Raum für den Austausch zwischen verschiedenen Filmkulturen. Locarno
entwickelte sich zu einem Treffpunkt zwischen Ost und West, etablierten
Filmnationen und jungen Kinematografien. Filme sollten nicht nur unterhalten.
Sie sollten gesellschaftliche Erfahrungen sichtbar machen, Grenzen überwinden
und Menschen miteinander ins Gespräch bringen.
DAS EINZIGE A-FESTIVAL DER SCHWEIZ
2026 feiert das Locarno Film Festival seinen 80. Geburtstag. Da 1951 aus
finanziellen Gründen keine Ausgabe stattfinden konnte, wird vom 5. bis 15.
August 2026 zwar erst die 79. Festivalausgabe durchgeführt. Seine Geschichte
reicht dennoch acht Jahrzehnte zurück. Locarno gehört damit zu den ältesten
Filmfestivals der Welt. Zugleich ist es das einzige A-Festival der Schweiz. Dieser
Status ist weit mehr als ein prestigeträchtiges Etikett. Er macht Locarno zu
einem Ort von internationaler Bedeutung. Premieren, Wettbewerbe,
Branchenpräsenz und weltweite Aufmerksamkeit folgen hier anderen
Massstäben als bei einem gewöhnlichen Publikumsfestival. Die Schweiz besitzt
mit Locarno einen Ort, den kein anderes Festival des Landes ersetzen kann.
Deshalb müssen Kulturpolitik, Filmbranche und Öffentlichkeit zu ihm besonders
Sorge tragen.
DER LEOPARD FINDET SEINE FORM
Die Geschichte des Festivals verlief nicht geradlinig. Locarno musste um Geld,
Anerkennung, geeignete Spielstätten und seine künstlerische Identität
kämpfen. Die Ausgabe von 1951 konnte wegen finanzieller Schwierigkeiten
nicht stattfinden. Immer wieder stellte sich die Frage, ob das Festival vor allem
ein touristisches Sommerereignis, ein gesellschaftlicher Treffpunkt oder ein
konsequentes Forum der Filmkunst sein wollte. Seine Stärke bestand darin,
diese unterschiedlichen Ansprüche miteinander zu verbinden. Locarno wollte
nie ausschliesslich einem kleinen Kreis von Spezialisten gehören. Gleichzeitig
weigerte sich das Festival, Kino auf Unterhaltung und prominente Namen zu
reduzieren. So entwickelte sich eine bis heute prägende Dramaturgie: Auf der
Piazza Grande trifft ein grosses Publikum auf zugängliche, emotionale und
bisweilen glamouröse Filme. In den Wettbewerben und Nebensektionen
werden dagegen Arbeiten gezeigt, die formale und erzählerische Risiken
eingehen. 1971 zog das Freiluftkino vom Park des Grand Hotels auf die Piazza
Grande. Damit fand das Festival jenes Bild, das heute weltweit mit Locarno
verbunden ist: gelbe Stühle, historische Fassaden, eine monumentale Leinwand
und darüber der offene Nachthimmel. Die Piazza Grande ist jedoch weit mehr
als eine eindrucksvolle Kulisse. Sie ist ein öffentlicher Kinoraum, in dem
Filmstars, Branchenvertreter:innen, Kritiker:innen, Einwohner:innen und
Tourist:innen nebeneinandersitzen.
© Locarno Film Festival
Der damalige Festivalpräsident Raimondo Rezzonico beauftragte 1968 den Tessiner
Bildhauer Remo Rossi mit der Gestaltung einer neuen Trophäe.
WIE DER GOLDENE LEOPARD ENTSTAND
Der Leopard gehörte nicht von Anfang an zum Festival. Auch der Hauptpreis
trug in den ersten Jahrzehnten unterschiedliche Namen. Vor der Einführung des
Pardo d’oro wurde zeitweise die Vela d’oro, das Goldene Segel, vergeben –
eine naheliegende Verbindung zur Lage Locarnos am Lago Maggiore. 1968
suchte das Festival nach einem stärkeren und unverwechselbareren
Symbol. Der damalige Festivalpräsident Raimondo Rezzonico beauftragte den
Tessiner Bildhauer Remo Rossi mit der Gestaltung einer neuen Trophäe. Rossi
schuf eine kompakte, stark stilisierte Raubkatze. Sie ersetzte das bisherige
Segel und wurde zum Pardo d’oro, zum Goldenen Leoparden. Die Wahl des
Tiers beruhte auf dem Wappen der Stadt Locarno. Dabei liegt der Erfolg des
Leoparden möglicherweise in einem heraldischen Missverständnis: Beim Tier im
Stadtwappen handelt es sich nach heutiger Deutung eher um einen Löwen als
um einen Leoparden. Auch Remo Rossis Skulptur ist keine naturgetreue
Darstellung. Sie erinnert ebenso an einen Löwen wie an einen Leoparden und
besitzt dadurch etwas Archaisches und Eigenständiges. Aus einem lokalen
Wappentier wurde eines der bekanntesten Symbole der internationalen
Filmwelt. Der Pardo ist heute mehr als eine Trophäe. Er erscheint auf Plakaten,
Fahnen, Taschen und Fassaden. Das gelb-schwarze Leopardenmuster prägt den
visuellen Auftritt des Festivals und überzieht im August die ganze Stadt. Kaum
ein anderes Filmfestival verfügt über ein ähnlich starkes und unmittelbar
erkennbares Zeichen.
LOCARNO WIRD ZUR FILMSTADT
© Locarno Film Festival
Der vielleicht grösste Unterschied zu anderen Filmfestivals zeigt sich nicht erst
im Programm, sondern im Stadtbild. Während des Festivals wird Locarno zur
Filmstadt. Film- und Festivalplakate bedecken Fassaden, Säulen und
Schaufenster. Auf den Strassen begegnet man Filmschaffenden,
Journalist:innen, Produzent:innen und einem Publikum, das von Vorstellung zu
Vorstellung zieht. Restaurants, Hotels, Plätze und Bars werden Teil des
Festivalgeschehens. Das Kino ist nicht auf ein Festivalzentrum, einzelne Säle
oder einen roten Teppich beschränkt. Es prägt die ganze Stadt. Wer einmal
während des Festivals durch Locarno gelaufen ist, kennt dieses Gefühl: Alles
scheint für einige Tage vom Film bestimmt zu sein. Selbst wer keine Vorstellung
besucht, kann sich der Präsenz des Festivals kaum entziehen. Für arttv.ch sind
diese Tage stets auch intensive Arbeitstage. Wir begleiten Filme, führen
Interviews, produzieren Beiträge und diskutieren darüber, welche Werke wir
besonders hervorheben wollen. Unsere Filmperlen waren Ausdruck einer
Haltung: Wir wollten Schweizer Filme sichtbar machen, die uns überzeugten,
berührten oder überraschten – unabhängig davon, ob sie später Kinoerfolge
wurden oder nicht. Mit der Zeit wurden jedoch immer mehr Kulturpreise
geschaffen, bis beinahe jedes kleinere Dorf eine eigene Auszeichnung
vergab. Für uns war deshalb der Moment gekommen, aus dieser
«Kulturpreisschlacht» auszusteigen. Dass wir in Locarno persönlich Plakate
aufgehängt haben, gehört ebenfalls zu dieser Geschichte. Kulturvermittlung
besteht eben nicht nur aus Texten, Interviews und Kritik. Manchmal besteht sie
auch darin, frühmorgens mit Klebeband und Plakaten durch die Stadt zu ziehen.
DER UNTERSCHIED ZU ZÜRICH
Gerade im Vergleich mit dem Zurich Film Festival wird die besondere
Atmosphäre Locarnos deutlich. Zürich setzt stark auf Glamour, internationale
Stars und grosse Premieren. Das erzeugt mediale Aufmerksamkeit und
spektakuläre Bilder. Inhaltlich nimmt das Festival jedoch zu einem
beträchtlichen Teil jenes Kinoprogramm vorweg, das wenige Wochen oder
Monate später ohnehin regulär startet. Damit erfüllt das Zurich Film Festival
eine publikumswirksame Funktion. Es präsentiert kommende Kinofilme in
festlichem Rahmen und bringt prominente Schauspieler:innen und
Regisseur:innen nach Zürich. Das hat seine Berechtigung und verschafft dem
Kino Aufmerksamkeit. Der eigentliche Entdeckungscharakter bleibt jedoch
begrenzter. Auch im Stadtbild ist das Zurich Film Festival weit weniger präsent.
Rund um das Festivalzentrum, den grünen Teppich und die wichtigsten
Spielstätten ist es sichtbar. Entfernt man sich davon, verschwindet es rasch aus
dem öffentlichen Raum. Ausserhalb des Festivalzentrums finden sich kaum
Plakate, die auf das Festival und sein Programm hinweisen. In Locarno dagegen
lässt sich dem Festival kaum ausweichen. Die Stadt trägt es nicht nur
organisatorisch mit. Sie verändert für elf Tage ihr Gesicht und wird selbst zu
seiner Bühne. Locarno ist während des Festivals eine Filmstadt. Zürich bleibt
eine Stadt, in der gleichzeitig ein Filmfestival stattfindet.
Miloš Forman 1964 in Locarno, unmittelbar nach seinem Sieg mit ČERNÝ PETR. Der
Hauptpreis des Festivals hiess damals noch Goldenes Segel. Die Aufnahme stammt aus
einem historischen RSI-Interview mit Marco Blaser.
DAS FESTIVAL DER ENTDECKUNGEN
Locarnos Bedeutung lässt sich nicht allein mit seinem Alter oder dem Prestige
des Goldenen Leoparden erklären. Cannes ist die mächtige Bühne der
internationalen Filmindustrie. Venedig verbindet Filmkunst mit Glamour und
Oscar-Hoffnungen. Berlin versteht sich als politisches Schaufenster. Das Zurich
Film Festival setzt auf prominente Gäste, publikumswirksame Premieren und die
Nähe zum kommenden Kinoprogramm. Locarno dagegen bleibt vor allem ein
Festival der Entdeckungen. Hier wurden Filmemacher ernst genommen, lange
bevor ihre Namen einem breiten Publikum bekannt waren. Roberto Rossellini,
Miloš Forman, Agnès Varda, Stanley Kubrick, Alain Tanner, Chantal Akerman,
Abbas Kiarostami, Jim Jarmusch, Béla Tarr oder Claire Denis stehen für eine
Festivalgeschichte, in der sich wichtige Entwicklungen des modernen Kinos
spiegeln. Locarno war immer dann besonders stark, wenn es nicht dem bereits
Anerkannten hinterherlief, sondern das Kommende sichtbar machte. Der
Goldene Leopard kann einem Film Aufmerksamkeit verschaffen, der auf dem
regulären Markt kaum Chancen hätte. Er signalisiert, dass eine ungewohnte
Filmsprache, eine sperrige Erzählung oder eine noch unbekannte
Regiehandschrift ernst genommen werden sollte. Das Festival verleiht dem
Unbekannten Gewicht.
MEHR ALS FILMVORFÜHRUNGEN
Die Filmwelt verändert sich grundlegend. Streamingplattformen prägen die
Sehgewohnheiten, Algorithmen entscheiden mit über Sichtbarkeit,
Produktionskosten steigen und viele Kinos kämpfen ums Überleben. Zugleich
stellt künstliche Intelligenz vertraute Vorstellungen von Autor, Arbeit und
Originalität infrage. In einer solchen Situation ist ein Festival wie Locarno kein
nostalgischer Luxus. Es ist ein notwendiger öffentlicher Ort. Denn Kino braucht
mehr als Bildschirme. Es braucht Begegnung, Reibung und Diskussion. Ein Film
verändert sich, wenn er gemeinsam mit Hunderten oder Tausenden Menschen
gesehen wird. Man hört das Lachen der anderen, spürt ihre Unruhe und erlebt
Zustimmung oder Ablehnung als Teil einer gemeinsamen Erfahrung. Auch
unsere Panels mit dem Verband Filmjournalismus Schweiz gehörten zu dieser
Kultur des Austauschs. Sie boten Raum, um über Filmkritik, Medien,
Sichtbarkeit und die Bedingungen des Schweizer Filmschaffens zu sprechen.
Solche Gespräche sind keine Nebensache. Sie gehören zum Kern eines
Festivals, das nicht nur zeigen, sondern auch einordnen und diskutieren will.
Hier ist Locarno stark. Nur an den Solothurner Filmtagen haben wir eine ähnlich
ausgeprägte Kultur des Gesprächs über Film erlebt. Mit Open Doors unterstützt
Locarno Filmschaffende aus Regionen, in denen unabhängiges Filmschaffen
besonders schwierig ist. Locarno Pro bringt Regisseur:innen, Produzent:innen,
Verleihfirmen und Förderinstitutionen zusammen und macht das Festival zu
einem wichtigen Arbeitsort der internationalen Branche. Locarno zeigt Kino
nicht nur. Es beteiligt sich daran, unter welchen Bedingungen dieses Kino
entstehen und sein Publikum finden kann.
ZWISCHEN PUBLIKUM UND LABOR
Wichtig, aber längst nicht alles: die Anwesenheit grosser Stars.
Die Zukunft des Festivals wird davon abhängen, ob es diesen Balanceakt
weiterhin überzeugend bewältigt. Locarno muss ein Publikumsfestival bleiben.
Die Piazza Grande darf nicht zur blossen Kulisse für Premieren, Ehrungen und
prominente Gäste werden. Sie sollte jener offene Ort bleiben, an dem auch
anspruchsvolles Kino vor einem grossen Publikum bestehen kann. Gleichzeitig
darf das Festival seine Entdeckerfreude nicht opfern. Gerade weil Bilder heute
überall verfügbar sind, braucht es Institutionen, die auswählen, einordnen und
Risiken eingehen, ohne das Publikum zu unterschätzen oder mit demonstrativer
Abgehobenheit auf Distanz zu halten. Ein Festival, das nur bestätigt, was
Streamingplattformen, Verleiher und Marketingabteilungen bereits sichtbar
gemacht haben, verliert einen wesentlichen Teil seiner Berechtigung. Hier liegt
auch eine Grenze des stark auf Glamour ausgerichteten Festivalmodells. Stars
und rote Teppiche erzeugen kurzfristige Aufmerksamkeit. Für die Zukunft des
Kinos ist jedoch entscheidender, welche neuen Stimmen entdeckt, welche
Filme erhalten und welche Diskussionen ermöglicht werden.
EIN KULTURGUT, DAS NICHT SELBSTVERSTÄNDLICH IST
Zum 80. Geburtstag darf das Locarno Film Festival seine Geschichte feiern. Das
Jubiläum sollte jedoch ebenso Anlass sein, über seine Zukunft nachzudenken.
Dass die Schweiz über ein international anerkanntes A-Festival verfügt, ist keine
Selbstverständlichkeit. Dieser Status wurde über Jahrzehnte aufgebaut. Er
beruht auf künstlerischer Glaubwürdigkeit, internationaler Vernetzung, einer
professionellen Organisation und einem Publikum, das bereit ist, sich auch auf
herausfordernde Filme einzulassen. All das kann verloren gehen. Ein Festival
dieser Grössenordnung benötigt verlässliche öffentliche Unterstützung, private
Partner und eine Kulturpolitik, die seinen Wert nicht ausschliesslich an
kurzfristigen Besucherzahlen oder touristischen Effekten misst. Locarno ist
zugleich Festival, Branchenplattform, kulturelles Gedächtnis, Ort der
Nachwuchsförderung und international sichtbares Aushängeschild der Schweiz.
Darum müssen wir ihm besonders Sorge tragen. Locarno darf Stars willkommen
heissen, ohne sich von ihnen abhängig zu machen. Es muss ein grosses
Publikum erreichen, ohne dieses zu unterschätzen. Und es sollte jungen
Filmschaffenden eine Bühne geben, ohne ihre Arbeiten sofort den Gesetzen
des Marktes zu unterwerfen. Vor allem aber muss das Festival seine
Eigenständigkeit bewahren. Denn seine Bedeutung liegt nicht im grössten
roten Teppich. Nicht in der höchsten Zahl prominenter Gäste. Und auch nicht
darin, das kommende Kinoprogramm möglichst vollständig vorwegzunehmen.
Sie liegt in der Fähigkeit, neue Filme zu entdecken, Diskussionen anzustossen
und Menschen für einige Tage daran zu erinnern, dass Kino mehr sein muss als
Zeitvertreib, Unterhaltung und Glamour. Für arttv.ch war Locarno über viele
Jahre genau dieser Ort. Und wir hoffen, dass es das noch lange bleiben wird.
Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch
LOCARNO 2026 | DIE HIGHLIGHTS
233 FILME, 103 WELTPREMIEREN
Die 79. Ausgabe präsentiert 233 Filme, darunter 103 Weltpremieren.
Das Programm reicht von formal gewagten Produktionen bis zu
publikumsnahen Filmen für die Piazza Grande. Elf Erstlingswerke
sind für den Swatch First Feature Award nominiert, 19 Filme
konkurrieren um den Pardo for Change, der Werke zu drängenden
gesellschaftlichen, ethischen und ökologischen Fragen auszeichnet.
ISABELLA ROSSELLINI AUF DER PIAZZA GRANDE
Die italienisch-amerikanische Schauspielerin und Filmemacherin
Isabella Rossellini erhält den Excellence Award. Die Tochter von
Ingrid Bergman und Roberto Rossellini gehört zu den prägendsten
Persönlichkeiten des internationalen Kinos und hat sich längst auch
als Regisseurin und Autorin einen Namen gemacht.
EHRENLEOPARD FÜR DARREN ARONOFSKY
Darren Aronofsky, Regisseur von REQUIEM FOR A DREAM, BLACK
SWAN und THE WHALE, wird mit dem Pardo d’Onore
ausgezeichnet. Im Rahmen der Ehrung zeigt das Festival auch seine
Filme THE FOUNTAIN und MOTHER!
WEITERE STARGÄSTE
Für zusätzliche Starpräsenz sorgen mehrere Ehrenpreise. Der Vision
Award geht an den vielfach ausgezeichneten Maskenbildner Rick
Baker, der Leopard Club Award an Virginie Efira und der Life
Achievement Award an Asia Argento. Auch der US-amerikanische
Regisseur James Gray wird in Locarno mit dem Pardo alla Carriera
geehrt.
RED & BLACK
Die grosse Retrospektive «Red & Black – Hollywood Left and the
Blacklist» widmet sich dem linken Hollywood und der Verfolgung
von Filmschaffenden während der McCarthy-Ära. Im Zentrum stehen
Regisseur:innen, Drehbuchautor:innen und Schauspieler:innen wie
John Garfield, Joseph Losey, Dalton Trumbo, Dorothy Parker,
Richard Wright und Charlie Chaplin. Angesichts neuer Angriffe auf
Meinungs- und Kunstfreiheit besitzt die historische Rückschau eine
beklemmende Aktualität.
DIE FILME VON MORGEN
Neben dem Internationalen Wettbewerb richtet Locarno den Blick
auf neue filmische Stimmen. Die Sektionen Cineasti del Presente und
Pardi di Domani sowie die Auszeichnungen für Debütfilme machen
das Festival zu einem wichtigen Entdeckungsort für Regisseur:innen
am Anfang ihrer Karriere.
PANORAMA SUISSE
Panorama Suisse bietet einen konzentrierten Einblick in das aktuelle
Schweizer Filmschaffen. Die Auswahl umfasst Festivalerfolge,
Publikumslieblinge und Produktionen, die noch nicht regulär im Kino
gestartet sind. Zusammengestellt wird das Programm von
Vertreter:innen der Solothurner Filmtage, der Schweizer
Filmakademie und von SWISS FILMS. Besonders empfohlen von
unserer Seite: À BRAS-LE-CORPS von Marie-Elsa Sgualdo, QUI VIT
ENCORE von Nicolas Wadimoff, SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR
DROWAK? von Nicolas Steiner und TRISTAN FOREVER von Tobias
Nölle und Loran Bonnardot.
OPEN DOORS UND LOCARNO PRO
Mit Open Doors unterstützt das Festival Filmschaffende aus
Regionen, in denen unabhängiges Filmschaffen besonders erschwert
ist. Locarno Pro bringt Produzent:innen, Regisseur:innen,
Verleihfirmen, Festivalprogrammierer:innen und Förderinstitutionen
zusammen und stärkt Locarno als internationalen Arbeits- und
Begegnungsort der Filmbranche.
URUGUAY IM FOKUS
Die Branchenplattform First Look richtet den Blick 2026 auf Uruguay.
Sechs Langfilmprojekte in der Postproduktion werden
internationalen Verleiher:innen, Einkäufer:innen,
Festivalprogrammierer:innen und möglichen
Finanzierungspartner:innen vorgestellt. Markus Duffner, Direktor von
Locarno Pro, meint dazu: «Wir freuen uns sehr, bei der 15. Ausgabe
von First Look
Uruguay ins
Rampenlicht zu
rücken. Diese
Initiative bleibt ein
zentraler
Bestandteil
unseres
Engagements,
herausragende Filme in ihrer letzten Produktionsphase zu
unterstützen und den internationalen Karrieren aufstrebender
Filmemacher zum Durchbruch zu verhelfen.»
Das 79. Locarno Film Festival findet
vom 5. bis 15. August 2026 statt.
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Halle 622 Zürich / Eventhalle, Therese-Giehse-Strasse 10,
8050 Zürich-Oerlikon
Zürich’s
Kunstmesse
info@artsalonzurich.com
Rapperswil-Jona
Kultur
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Kulturnacht
19. September 2026
City
> *ALTEFABRIK
> Stadtbibliothek
Altstadt
> Stadtmuseum
> Haus der Musik
> Kapuzinerkloster
Zeughausareal
> Kunst(Zeug)Haus
> artefix kultur und schule
> IG Halle
> Kunstfabrik Wetzikon
> Kinder- und Jugendzentrum
mit dem Vögele Kultur Zentrum
> Werk-Zeug-Haus
> OPEN DOOR RJ
> aire flamenco
> Zeughausgarten
mit IntegrArte
> Roamers Galerie
Grünfelsareal
> ZAK Jona
> Kellerbühne Grünfels
Info
www.rapperswil-jona.ch
www.szenen-kultur.ch
NACHT
KULTUR
SPEZIAL SMAFF
Oscar-prämiert und am SMAFF erstmals in der
Schweiz zu sehen: TWO PEOPLE EXCHANGING
SALIVA von Natalie Musteata und Alexandre Singh
mit Zar Amir Ebrahimi.
ST. MORITZ ART
FILM FESTIVAL |
Bilder, Beats und
grosse Namen
Visionär des britischen Kinos und Guest of
Honour am SMAFF: Peter Greenaway.
Peter Greenaway,
New-Romantic-Pionier
Rusty Egan, Schweizer
Premieren und
internationale
Videokunst
Unter dem Motto «If Music» widmet sich die 5.
Ausgabe des St. Moritz Art Film Festival dem
Zusammenspiel von bewegtem Bild, Klang und
Rhythmus. Internationale Film- und Videokunst
trifft dabei auf Talks, immersive Projektionen,
Schweizer Premieren und zwei
aussergewöhnliche Gäste. Als Guest of Honour
reist der britische Regisseur Peter Greenaway
ins Engadin. Mit Rusty Egan kommt zudem eine
Schlüsselfigur der New-Romantic-Bewegung
nach St. Moritz – inklusive Filmvorführung, Talk
und exklusivem DJ-Set.
Rusty Egan prägte den Londoner BLITZ CLUB
PETER GREENAWAY – FILM ALS GESAMTKUNSTWERK
Peter Greenaway gehört zu den entschiedensten Kritikern des
konventionellen Erzählkinos. Der ursprünglich als Maler
ausgebildete Regisseur begreift Film weniger als lineare Geschichte
denn als komplex komponiertes Gesamtkunstwerk aus Malerei,
Musik, Architektur, Literatur und bewegtem Bild. Seine Filme folgen
häufig strengen Ordnungsprinzipien, Zahlenreihen, Alphabeten
oder Taxonomien und entfalten daraus opulente, sinnliche und nicht
selten provokante Bildwelten. Werke wie THE COOK, THE THIEF,
HIS WIFE & HER LOVER haben das europäische Autorenkino
nachhaltig geprägt. Am Sonntag, 23. August 2026, präsentiert
Greenaway im Rahmen einer Matinée seinen frühen Erfolgsfilm THE
DRAUGHTSMAN’S CONTRACT. Anschliessend spricht er
gemeinsam mit seiner Familie über sein Werk und sein
künstlerisches Schaffen.
VOM BLITZ CLUB NACH ST. MORITZ
Kaum ein Ort steht so sehr für die Verbindung von Musik, Mode,
Kunst und exzentrischer Selbstinszenierung wie der Londoner Blitz
Club. Ende der 1970er-Jahre wurde er zum kreativen Zentrum der
New-Romantic-Bewegung – und Rusty Egan zu einer ihrer
prägenden Figuren. Als Schlagzeuger der Band Visage war Egan
am Welthit FADE TO GREY beteiligt. Gemeinsam mit Steve Strange
führte er den Blitz Club, dessen kompromissloser Dresscode selbst
Mick Jagger den Zutritt verwehrt haben soll. Boy George arbeitete
zeitweise an der Garderobe, Mitglieder von Spandau Ballet
gehörten zu den Stammgästen, und David Bowie engagierte
Besucher:innen des Clubs für den Dreh seines Musikvideos ASHES
TO ASHES. Am Samstag, 22. August 2026, präsentiert Egan die
Dokumentation BLITZED! über die legendäre Londoner Szene,
spricht in einem Talk über jene Zeit und verwandelt den
Festivalabend anschliessend mit einem exklusiven DJ-Set in eine
Hommage an den Sound der New Romantics.
OSCAR-PRÄMIERTER KURZFILM ALS SCHWEIZER PREMIERE
Zu den Höhepunkten der offiziellen Auswahl gehört die Schweizer
Premiere von TWO PEOPLE EXCHANGING SALIVA von Natalie
Musteata und Alexandre Singh. Der Oscar-prämierte Kurzfilm mit
Zar Amir Ebrahimi führt in eine ebenso stilisierte wie absurde Welt,
in der Küssen verboten ist und Speichel zur subversiven Währung
wird. Der Film steht exemplarisch für ein Festivalprogramm, das
nicht nach klassischen Gattungsgrenzen fragt. Dokumentarische
Beobachtung, Animation, Performance, Musikfilm und bildende
Kunst gehen fliessend ineinander über.
KLAVIERMECHANIK, PUPPEN UND KÜNSTLICHE EMOTIONEN
Anna Franceschini erkundet in NOTHING IS MORE MYSTERIOUS. A
FACT THAT IS WELL EXPLAINED das Amsterdamer Pianola
Museum. Zwei langsame Kamerabewegungen machen die
Mechanik der Instrumente, Oberflächen, Licht und Materialität zu
den eigentlichen Protagonist:innen des 16-mm-Films. In Diego
Marcons LA GOLA tauschen zwei hyperrealistische Puppen Briefe
über ein opulentes Bankett und den körperlichen Verfall einer
Mutter aus. Melodram, Horror und Musik verdichten sich zu einer
zugleich künstlichen und irritierend emotionalen Erzählung. Shuang
Li und der Produzent Osheyack kombinieren in STILL Stockbilder,
synthetische Stimmen und elektronischen Sound. Ihre Arbeit kreist
um digitale Bildwelten, körperlose Emotionen und die Frage, was
von Bildern bleibt, wenn sie unendlich reproduziert, zirkuliert und
manipuliert werden.
LANDSCHAFT, ARBEIT UND RITUAL
Mit TILL ASHES TURN INTO PINES richtet Jingru (Cyan) Cheng
gemeinsam mit Chen Zhan und Mengfan Wang den Blick auf ältere
Frauen in einem zentralchinesischen Dorf. Ihr Lebensunterhalt ist
eng mit den umliegenden Kiefernwäldern verbunden. Der
experimentelle Dokumentarfilm untersucht das Zusammenspiel von
Landschaft, Arbeit und einer Urbanisierung, die traditionelle
Lebensformen zunehmend verdrängt. Jonathas de Andrade
begleitet in JANGADEIROS E CANOEIROS traditionelle Flösser und
Kanufahrer im Nordosten Brasiliens. Beobachtung, Choreografie,
Handwerk und soziale Realität verbinden sich zu einem Porträt von
Küstengemeinschaften, deren Wissen unmittelbar an Körper,
Material und Landschaft gebunden ist. Auch Andrew Norman
Wilson beschäftigt sich mit einem gelebten Ritual.
SILVESTERCHLAUSEN führt ins winterliche Appenzell, wo Männer in
kunstvoll gefertigten Kostümen von Haus zu Haus ziehen, jodeln
und ihre schweren Schellen erklingen lassen. Zwischen
dokumentarischer Beobachtung und künstlerischer Inszenierung
entsteht ein Film über Gemeinschaft, Tradition und kulturelle
Selbstvergewisserung.
BEWEGUNG IM URBANEN RAUM
Susanne Bürners THE FLOOR ALL AROUND ME spielt im
brutalistisch geprägten Mériadeck-Quartier in Bordeaux. Das in den
1970er-Jahren auf zwei Ebenen errichtete Stadtviertel trennt die
Fussgänger:innen und den Autoverkehr voneinander. Bürner
beobachtet, wie Menschen die Architektur als Hindernis, Bühne und
Resonanzraum nutzen. Eliav Brands Soundarbeit greift die
Geräusche des Quartiers auf und verwandelt alltägliche Bewegung
in eine urbane Choreografie. Giulia Guidi reduziert Bewegung
dagegen auf ein ebenso banales wie poetisches Motiv. FLYING
GLOVE zeigt drei vom Wind aufgeblasene, animierte Handschuhe.
Die mit traditionellen Animationstechniken entwickelte und auf 16-
mm-Schwarzweissfilm gedrehte Arbeit wird in St. Moritz als
Schweizer Premiere präsentiert.
BACH, TROMMELN UND DIE KRAFT DES KLANGS
In THE CHRONICLE OF A.M. BACH porträtiert Ken Okiishi den
französischen Cembalisten Jean-Luc Ho. Der Film verbindet
historische Aufführungspraxis mit Musik, Tanz und der Frage, wie
sich Werke Johann Sebastian Bachs aus der Gegenwart heraus neu
erfahren lassen. Camilo Restrepos LA BOUCHE verknüpft die
Geschichte eines Vaters, der nach der Ermordung seiner Tochter
zwischen Trauer und Rache schwankt, mit den musikalischen
Darbietungen des guineischen Perkussionisten Mohamed
Bangoura, bekannt als «Red Devil». Die Trommel wird zum
erzählerischen Motor eines intensiven, auf 16-mm-Material
gedrehten Films. Mit gleich mehreren Arbeiten ist auch der
schottische Künstler Ross Birrell vertreten. Seine Praxis bewegt sich
zwischen Film, Installation, Text, Musik und Performance und
verbindet Fragen von Ort, Politik und Poesie mit der unmittelbaren
Wirkung von Klang.
MALEREI WIRD ZUM ERFAHRUNGSRAUM
Leiko Ikemura verwandelt in JARDIN NOCTURNO dunkle, abstrakte
Leiko Ikemura verwandelt in JARDIN
NOCTURNO dunkle, abstrakte
Gemälde in eine immersive
Videoprojektion.
Gemälde in eine immersive Videoprojektion. Aus Nahaufnahmen
entstehen traumartige Landschaften aus Licht, Schatten, Bewegung
und Resonanz. Malerei wird nicht bloss abgefilmt, sondern in einen
rhythmischen, nahezu körperlich erfahrbaren Raum überführt. Damit
bringt die japanisch-schweizerische Künstlerin den Grundgedanken
der Jubiläumsausgabe auf den Punkt: Film kann mehr sein als eine
Abfolge von Bildern. Er kann vibrieren, hallen, sich wiederholen und
wie Musik direkt auf den Körper wirken.
FAZIT
Mit seiner fünften Ausgabe schärft das St. Moritz Art Film Festival
sein eigenständiges Profil zwischen Kino, bildender Kunst und
Klang. Peter Greenaway und Rusty Egan verleihen dem Festival
historischen Glamour, während die internationale Auswahl zeigt, wie
vielfältig bewegte Bilder heute gedacht werden können: als Ritual,
politische Reflexion, choreografische Versuchsanordnung,
musikalische Komposition oder immersiver Erfahrungsraum. «If
Music» ist dabei weniger ein Thema als eine Einladung: Filme nicht
nur zu betrachten, sondern ihnen zuzuhören. arttv.ch wird das
Festival begleiten.
Die 5. Ausgabe des St. Moritz Art Film
Festival findet vom 20. bis 23. August
2026 statt.
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arttv
MITGLIEDER
EINLADUNG
Shirana Shahbazi | All at Once.
An Interplay with Li Tavor |
Kunstmuseum Luzern |
bis 18. Oktober 2026
Als arttv-Mitglied erhältst du die Details zur Einladung
per E-Mail.
SPIELFILM DES MONATS
Ein Abendessen als Spiegel
moderner Beziehungen
THE INVITE
Olivia Wildes bissige
Gesellschaftskomödie
über Liebe und
Wahrheit
Wilde kehrt mit THE INVITE auf den
Regiestuhl zurück und übernimmt zugleich
eine der Hauptrollen. Die englischsprachige
Neuverfilmung des spanischen Films The
People Upstairs erzählt von zwei Paaren,
deren gemeinsames Abendessen
zunehmend aus dem Ruder läuft. An der
Seite von Wilde spielen Seth Rogen,
Penélope Cruz und Edward Norton. Das
Kammerspiel verbindet Komödie und
Drama und feierte seine Premiere beim
Sundance Film Festival 2026.
SYNOPSIS
THE INVITE | SYNOPSIS
Nach 15 Jahren Ehe steckt die Beziehung von Angela
(Olivia Wilde) und Joe (Seth Rogen) in der Krise. Als
Angela spontan die geheimnisvollen Nachbarn aus der
Wohnung über ihnen einlädt, nimmt der Abend eine
unerwartete Wendung. Es zeigt sich, dass Pina
(Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) dem Paar
weit mehr Sympathie entgegenbringen, als die bisher
eher distanzierten Begegnungen vermuten liessen. Was
als geselliger Abend mit Smalltalk über Käse, Wein und
Inneneinrichtung beginnt, entwickelt sich schon bald zu
einer aberwitzigen Achterbahnfahrt der Gefühle. Wer
spielt hier mit wem und wer verliert am Ende die
Kontrolle?
Für uns gesehen hat den Film
Madeleine Hirsiger
REZENSION
Zieh die Schuhe aus
Der Film ist eigentlich eine psychoanalytische Studie über
zwei Ehepaare, wobei das eine in einer tiefen Krise steckt. Sie
wohnen im gleichen Haus: eines im unteren Stock – Joe und Angela, das
andere im oberen – Hawk und Pina. Schon in den ersten Bildern wird
das Thermometer installiert: es ist heiss.
Joe, einst eine aufgestellte Frohnatur, spielte in einer Jazzband und
unterrichtet heute ziemlich desillusioniert als Lehrer an einer
mittelmässigen Musikschule mit mittelmässigen Student:innen und ist
sowas von motivationslos, dass er einem leid tut. Mürrisch verlässt er die
Schule, quält sich mit seinem Velo, das man eigentlich zusammenlegen
könnte, in den Lift, kommt zu Hause durch die Wohnungstür und legt
sich mit heftigen Rückenschmerzen auf den Boden und atmet heftig.
Dann hört er die Stimme seiner Frau: «Zieh die Schuhe aus».
Brillante Dialoge, brillante Inszenierung, brillantes Schauspiel
Die Kampfarena ist eröffnet. Was folgt, ist eine heftige
Auseinandersetzung zwischen Joe (Seth Rogen) und Angela (Olivia
Wilde). Sie hat die «Oberen» zum Abendessen eingeladen, er findet das
überhaupt nicht lustig. Man habe ihn darüber nicht informiert und wolle
diese Leute auf keinen Fall sehen. Sein Problem: die «Oberen» haben
sozusagen jede Nacht heftigen Sex, was Stöhnen und andere
unangenehme Geräusche zur Folge hat. Er ist hässig, macht sich an die
Kalte Platte ran, was sie wiederum auf keinen Fall duldet, denn die
Gäste könnten jederzeit eintreffen. Und Wein ist auch keiner da.
Es folgt ein Schlagabtausch erster Güte: brillante Dialoge, brillante
Inszenierung, brillantes Schauspiel. Es wird durcheinandergeschrien,
gegenseitige Vorwürfe erhoben, seit langer Zeit Verschwiegenes bricht
aus, Vorwürfe, Kränkungen, angestaute Wut, all das fliegt pingpongartig
durch das Zimmer. Ein Ende ist nicht in Sicht – gefühlsmässig ist
man eher bei Angela, weil ihr auch die mangelnde Sexualität mit Joe zu
schaffen macht und ihre Vorwürfe an ihn verständlicher sind.
Wenn es nur der Sex wäre
Dann stehen die «Oberen» in der Wohnung. Ihr Klingeln an der Tür wurde nicht
gehört. Ob sie ungelegen kämen, sie hätten heftige Diskussionen vernommen.
«Nein, nein, alles gut.» Sie würden sowieso gerne bei Paaren zu Besuch sein,
die nicht in Harmonie lebten, sagen die Oberen. Aha.
Das eine ergibt das andere, man tauscht Allgemeines aus, die Kalte Platte wird
kaum angerührt. Pina (Penélope Cruz), spanischer Herkunft, ist
Psychotherapeutin und Sexologin und isst nur vegan. Da bleibt der «Jamon»,
den Angela extra für sie gekauft hat, stehen. Zusammen mit ihrem Freund Hawk
(Edward Norton), einem Feuerwehrmann, der sich in Rolfing weitergebildet hat,
enthüllt sie langsam und umständlich, warum sie die Einladung angenommen
haben: Sie lieben Sex, zu viert, auch mal im Rudel. Und natürlich würden sie sich
enorm freuen, wenn sie vielleicht auch mal Lust hätten, dabei zu sein. Dann
geht es wieder los, emotionale Ausbrüche und wüste Worte folgen sich
wellenförmig, mal laut, mal zurückhaltender, es kommt zu Offenbarungen und
zu Annäherungen. Es gelingt der US-amerikanischen Regisseurin Olivia Wilde,
die selbst die Hauptrolle der Angela spielt, diese kammerspielartige
Inszenierung kraftvoll und gekonnt in Szene zu setzen. Die Geschichte spielt an
einem Abend und die Dialoge von Will McCormack und Rashida Jones sind
umwerfend, treffsicher, schnell und witzig. Der Film basiert auf dem spanischen
Theaterstück «Los vecinos de arriba» und wurde 2020 von Cesc Gay unter dem
Titel «Sentimental» erstmals auf die Leinwand gebracht. Auch die Schweizer
Regisseurin Sabine Boss hat sich an die Umsetzung dieses Stoffes
herangemacht, was ihr 2023 mit «Die Nachbarn von Oben» hervorragend
gelungen ist. Und nun «The Invite», wohl die krönende Inszenierung dieses
Stückes.
Fazit
Dieser Film ist eine grosse Freude für alle. Er ist intelligent erzählt und zeigt auf
höchst unterhaltende Art, wie schwierig Beziehungen sein können und wie es
doch Hoffnung gibt. Was für ein Feuerwerk, das einem beschwingt und
vielleicht auch etwas nachdenklich aus dem Kino entlässt. Ein Sommerhit erster
Klasse!
TRAILER
THE INVITE | Regie: Olivia Wilde | Cast:
Olivia Wilde, Edward Norton, Seth
Rogen, Penélope Cruz, Skip Howland,
Rachel Thurow | Komödie | 107 Minuten
| USA, 2026 | Verleih: Elite Film
Kinostart
Deutschschweiz: 13. August 2026
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DOKFILM DES MONATS
IM SCHATTEN
DER BILDER
Die widersprüchliche Künstlerin
Stephanie Hollenstein
Stephanie Hollenstein:
Expressionistische
Malerin, offen lesbisch
und zugleich
überzeugte
Nationalsozialistin
Wie lassen sich künstlerische Freiheit,
gelebte Homosexualität und glühende
Begeisterung für den Nationalsozialismus
miteinander vereinbaren? In ihrem
Dokudrama IM SCHATTEN DER BILDER
zeichnet die deutsche Schauspielerin und
Filmemacherin Birgitta Weizenegger das
widersprüchliche Leben der österreichischen
Künstlerin Stephanie Hollenstein nach. Mit
Interviews, Archivmaterial und
nachinszenierten Szenen entsteht das Porträt
einer unabhängigen Frau, die sich bis heute
keiner eindeutigen Kategorie zuordnen lässt.
SYNOPSIS
IM SCHATTEN DER BILDER | SYNOPSIS
IM SCHATTEN DER BILDER dokumentiert das Leben
der österreichischen Malerin Stephanie Hollenstein
(1886–1944). Der Film kombiniert Archivmaterial und
Experteninterviews mit nachgestellten Szenen, in
denen die Schauspielerin Irina Wrona die Künstlerin
verkörpert. Die Biografie zeigt Hollensteins Weg aus
einer Vorarlberger Bauernfamilie in die Wiener
Kunstszene. Im Jahr 1915 zog sie als Mann verkleidet
mit den Standschützen an die Front des Ersten
Weltkriegs. Nach ihrer Entdeckung arbeitete sie als
Kriegsmalerin für das Kriegspressequartier. In der
Zwischenkriegszeit lebte sie in Wien in einer
gleichgeschlechtlichen Partnerschaft mit einer Ärztin.
1934 trat Hollenstein der damals in Österreich illegalen
NSDAP bei. Nach dem «Anschluss» 1938 übernahm sie
den Vorsitz der «Vereinigung bildender Künstlerinnen
Österreichs» und leitete deren Gleichschaltung im
Sinne der NS-Kulturpolitik. Sie blieb bis zu ihrem Tod
1944 Nationalsozialistin.
Für uns gesehen hat den Film
Walter Gasperi
REZENSION
Eine Spurensuche beginnt
Ausgangspunkt des Films ist Stephanie Hollensteins Grab auf dem
Friedhof St. Peter und Paul in Lustenau. Von hier aus begibt sich
Birgitta Weizenegger auf die Suche nach der Künstlerin, die 1886 als
Bauerntochter geboren wurde und 1944 in Wien starb.
Vier Jahre arbeitete die vor allem durch ihre langjährige Rolle in der
Kultserie LINDENSTRASSE bekannte Schauspielerin an ihrem Film.
Ohne öffentliche Fördermittel übernahm sie nicht nur Regie und
Drehbuch, sondern auch Kamera, Schnitt und Produktion.
Dass Hollenstein inzwischen wieder verstärkt ins öffentliche
Bewusstsein rückt, zeigen auch zwei 2025 erschienene Bücher: Nina
Schedlmayers Biografie «Hitlers queere Künstlerin. Stephanie
Hollenstein – Malerin und Soldat» sowie Brigitte Herrmanns Roman
«Die Suche nach der eigenen Farbe – Das widersprüchliche Leben der
Malerin Stephanie Hollenstein». Dennoch sind persönliche Dokumente
und private Bildquellen bis heute rar.
Zwischen Kunst, Krieg und Ideologie
Weizenegger ordnet Hollensteins Leben deshalb sorgfältig in die
politischen Entwicklungen ihrer Zeit ein: vom Ende des Ersten
Weltkriegs über den Austrofaschismus bis zum «Anschluss» Österreichs
an das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1938.
Im Zentrum stehen Interviews mit Expert:innen wie der
Kunsthistorikerin Nina Schedlmayer, dem Lustenauer
Gemeindearchivar Oliver Heinzle, dem Vorarlberger Kunstsammler
Alwin Rohner und Hannes Sulzenbacher, dem Leiter von «QWIEN –
Zentrum für queere Geschichte».
>WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM
TRAILER
IM SCHATTEN DER BILDER | Regie:
Birgitta Weizenegger | Cast: Irina
Wrona, Louisa Sophie Egger, Nina
Schedlmayer, Georgia Holz, Alwin
Rohner, Oliver Heinzle, Sabine Plakolm-
Forsthuber | Dokumentarfilm | 90
Minuten | Deutschland, 2026 | Verleih:
Weizenegger-Film im Eigenverleih.
IM SCHATTEN DER BILDER läuft in
ausgewählten Schweizer Kinos.
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SCHWEIZER HIGHLIGHT
Der Gewinner des Publikumspreises
der 61. Solothurner Filmtage
BECAÀRIA
Ein poetischer
Coming-of-Age-Film
über das
Erwachsenwerden, die
Suche nach Identität
und die Kraft der
Natur
Mit BECAÀRIA erzählt der Tessiner
Regisseur Erik Bernasconi eine fein
beobachtete Geschichte, angesiedelt im
Jahr 1977. Der Film blickt auf eine Jugend
zwischen familiären Spannungen,
gesellschaftlichem Wandel und den ersten
tastenden Schritten in Richtung
Selbstbestimmung. Fern von zuhause und
den Erwartungen der Erwachsenen beginnt
für Mario ein leiser, aber tiefgreifender
Prozess des Erwachsenwerdens.
SYNOPSIS
BECAÀRIA | SYNOPSIS
1977. Der 16-jährige Mario lebt in einem kleinen Dorf
im Tessin. Während sich die Gesellschaft um ihn herum
in vielerlei Hinsicht verändert, erlebt er seine ersten
unbeholfenen Annäherungsversuche, hat
Schwierigkeiten in der Schule und gerät ständig mit
seinem Vater aneinander. Als er für den Sommer in die
Berge geschickt wird, um dort als Bauer zu arbeiten,
lernt er durch einige unerwartete Begegnungen viel
über das Leben, die Liebe und vor allem über sich
selbst.
Für uns gesehen hat den Film
Madeleine Hirsiger
REZENSION
Zwischen Orientierungslosigkeit und Freiheit
Wir schreiben das Jahr 1977. Die Geschichte spielt im
Tessin, in einem abgelegenen Tal in den Bergen. Im
Mittelpunkt steht der 16-jährige Mario, der eben seine
Matura nicht bestanden hat und von seinem Vater, mit
dem ihn ein gespanntes Verhältnis verbindet, schwer
getadelt wird. Mario ist orientierungslos und weiss nicht
recht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Sein Vater
hat aber begriffen, dass der Sohn seine kleine Tankstelle
im Tal nicht übernehmen wird, und wollte ihm eine Chance
für eine bessere Zukunft bieten. Nun folgt die grosse
Enttäuschung. Verärgert schickt er ihn zu einer
befreundeten Bauernfamilie hinauf in die Berge. Dort soll
er lernen, was es heisst, körperlich zu arbeiten. Das lernt er
allmählich gut, doch er entdeckt noch viel mehr: eine raue,
aber freie Welt, in der die Natur den Lebensrhythmus
bestimmt. Und dann ist da die junge, selbstbewusste
Prisca, die ihn in die Kunst der freien Liebe einführt und
ihm hilft, langsam bei sich selbst anzukommen und der
Pubertät zu entweichen. Eine glaubwürdig inszenierte
Geschichte über das Erwachsenwerden und die Suche
nach der eigenen Identität.
>WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM
TRAILER
BECAÀRIA | Regie: Erik Bernasconi | Cast:
Francesco Tozzi, Sinéad Thornhill, Antonio
Zavatteri, Alessio Boni, Margherita
Codesina | Drama | 110 Minuten | Schweiz,
2026 | Verleih: Cineworx
BECAÀRIA hat nicht nur den
Publikumspreis an den Solothurner
Filmtagen gewonnen, sondern auch den
«Fipresci»-Preis (Int. Filmkritikerpreis)
am 35. Filmkunstfest in Schwerin
(Mecklenburg-Vorpommern).
Kinostart
Deutschschweiz: 20. August 2026
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VON ELISA BRUDER & NUR GIMÉNEZ VILLARROYA
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Verliebte Geister im Paris der
Goldenen Zwanziger
LA VÉNUS
ÉLECTRIQUE
Der Eröffnungsfilm
der Filmfestspiele
von Cannes 2026
Regisseur Pierre Salvadori entführt das
Publikum in seinem Film LA VÉNUS
ÉLECTRIQUE in die schillernde Kulisse des
Paris der 1920er-Jahre und entfaltet eine
raffinierte Geschichte voller
Verwechslungen, Sehnsüchte und
überraschender Wendungen. Im Zentrum
steht eine junge Schaustellerin, die sich als
Medium ausgibt und einem erfolgreichen
Maler vorgaukelt, mit seiner verstorbenen
Ehefrau kommunizieren zu können.
Während sie ihm hilft, seine kreative Krise zu
überwinden, verliebt sie sich ausgerechnet
in den Mann, den sie täuscht – und wird so
zur Sprecherin ihrer eigenen Rivalin.
SYNOPSIS
LA VÉNUS ÉLECTRIQUE | SYNOPSIS
Paris, 1928: Seit dem Tod seiner Frau hat der gefeierte
Maler Antoine Balestro seine schöpferische Kraft
verloren. Verzweifelt versucht sein Galerist Armand, ihn
aus seiner Krise zu befreien. Eines Abends sucht
Antoine bei einer Wahrsagerin Trost und hofft, mit
seiner verstorbenen Ehefrau Kontakt aufnehmen zu
können. Was er nicht weiss: Die vermeintlichen
Botschaften stammen von Suzanne, einer jungen
Schaustellerin, die sich auf der Suche nach etwas
Essbarem in den Wohnwagen der Wahrsagerin
geschlichen hat.
Suzanne entdeckt
ihr Talent für
Täuschungen und
beginnt, unterstützt
von Armand, immer
neue spiritistische
Sitzungen zu
inszenieren.
Während Antoine
dadurch zu neuer
Inspiration findet, gerät Suzanne zunehmend in einen
Konflikt zwischen Wahrheit und Lüge. Denn je länger
das Spiel dauert, desto stärker verliebt sie sich in den
Mann, den sie eigentlich hintergeht.
«Eine elegante, warmherzige
und wunderbar unterhaltsame
Cannes-Eröffnung, die mit
Leichtigkeit von Trauer,
Hoffnung und den kleinen
Selbsttäuschungen des Lebens
erzählt.» – Ondine Perier
Für uns in Cannes gesehen hat den
Film Ondine Perier
REZENSION
Verliebte Geister und elektrisierende Gefühle
Mit LA VÉNUS ÉLECTRIQUE gelingt Pierre Salvadori eine
ebenso vergnügliche wie berührende Geschichte voller
überraschender Wendungen. Mit grosser Liebe zum Detail
lässt er das Paris der Goldenen Zwanziger wiederaufleben.
Die prächtigen Kulissen des Flohmarkts von Saint-Ouen, die
warmen Farben und die nostalgische Atmosphäre verleihen
dem Film einen märchenhaften Charme. Erinnerungen an
die verspielte Welt von DIE FABELHAFTE WELT DER
AMÉLIE oder an Woody Allens MAGIC IN THE
MOONLIGHT drängen sich auf, ohne dass Salvadori dabei
seine ganz eigene Handschrift verliert.
Besonders überzeugt das hervorragend aufgelegte
Ensemble. Anaïs Demoustier verleiht Suzanne Witz, Energie
und Verletzlichkeit zugleich. Pio Marmaï spielt den
trauernden Künstler mit grosser Empathie und bestätigt
erneut, warum er zu Salvadoris bevorzugten Darstellern
gehört. Auch Gilles Lellouche und Vimala Pons setzen starke
Akzente.
>WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM
TRAILER
LA VÉNUS ÉLECTRIQUE | Regie: Pierre
Salvadori | Cast: Pio Marmaï, Anaïs
Demoustier, Gilles Lellouche, Vimala
Pons | Komödie | 122 Minuten |
Frankreich, 2026 | Verleih: Frenetic
Films
Kinostart
Deutschschweiz: 13. August 2026
À VOIX BASSE
Liebe im Schatten des
Schweigens
Ein berührendes Drama
über Homosexualität,
Familiengeheimnisse
und gesellschaftliche
Tabus im heutigen
Tunesien.
Eine junge, queere Frau kehrt in ihre
tunesische Heimat zurück und wird dort
nicht nur mit dem Tod eines
Familienmitglieds, sondern auch mit den
unausgesprochenen Regeln einer
Gesellschaft konfrontiert, in der
Homosexualität noch immer ein Tabu ist.
Leyla Bouzid verbindet in À VOIX BASSE
Familiendrama, Liebesgeschichte und
Gesellschaftsporträt zu einem Film von
grosser emotionaler Kraft. Unser
Lieblingsfilm im Wettbewerb der
diesjährigen Berlinale.
SYNOPSIS
À VOIX BASSE | SYNOPSIS
Lilia hat sich in Paris ein eigenes Leben aufgebaut, fern
von den Erwartungen ihrer Familie. Als sie ins
tunesische Elternhaus zurückkehrt, scheint die Zeit
stillzustehen: vertraute Räume, alte Rituale und drei
Generationen von Frauen, zwischen denen vieles
unausgesprochen bleibt. Doch ihre Rückkehr bringt
Unruhe mit sich. Der Tod ihres Onkels wirft Fragen auf,
die niemand klären will. Je mehr Lilia nach Antworten
sucht, desto tiefer gerät sie in ein Netz aus Schweigen
und rätselhaften Andeutungen. Auf der Suche nach der
Wahrheit beginnt sie zu verstehen, wie sehr das
Ungesagte ihr Leben geprägt hat – und sucht einen
Weg, sich davon zu lösen.
Für uns an der Berlinale gesehen hat
den Film Felix Schenker
REZENSION
Mehr als ein queeres Drama
Bouzid gelingt das Kunststück, Homosexualität weder zu
dramatisieren noch zur blossen politischen Botschaft zu machen.
Stattdessen zeigt sie, wie gesellschaftliche Tabus in die
intimsten Bereiche des Lebens hineinwirken. Das macht den
Film universell verständlich, auch für Zuschauer:innen, die mit
der Situation in Tunesien wenig vertraut sind. Gleichzeitig bleibt
À VOIX BASSE tief in seinem gesellschaftlichen Kontext
verankert. Die Regisseurin zeichnet das Bild eines Landes
zwischen Tradition und Aufbruch, ohne dabei einfache
Antworten zu liefern. Die Konflikte entstehen nicht aus
Boshaftigkeit, sondern aus Angst, Scham und dem Wunsch,
bestehende Strukturen aufrechtzuerhalten. Das hat auch etwas
Tröstliches und Verzeihendes.
Die Kraft der leisen Töne
Besonders beeindruckend ist die Zurückhaltung, mit der Bouzid
erzählt. Die grossen Emotionen liegen nicht in dramatischen
Ausbrüchen, sondern in Blicken, Gesten und
unausgesprochenen Wahrheiten. Eya Bouteraa verleiht ihrer
Figur eine grosse Verletzlichkeit, während Hiam Abbass einmal
mehr mit ihrer starken Präsenz überzeugt. All das hat den Film
zu unserem Favoriten im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale
gemacht.
>WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM
EYA BOUTERAA | EINE ENTDECKUNG
Eya Bouteraa gehört für uns zu den aufregenden neuen
Stimmen des französisch-tunesischen Kinos. Nach LES
ENFANTS ROUGES übernimmt sie in À VOIX BASSE
erstmals eine grosse Hauptrolle. Ihre Präsenz ist
zurückhaltend und zugleich intensiv, ihr Spiel präzise und
von grosser innerer Spannung. Für uns ist sie eine echte
Entdeckung – und ein Gesicht, dem wir deshalb gerne eine
ganze Seite widmen.
TRAILER
À VOIX BASSE | Regie: Leyla Bouzid |
Cast: Eya Bouteraa, Hiam Abbass,
Marion Barbeau, Feriel Chamari, Salma
Baccar, Lassaad Jamoussi, Karim
Rmadi | Drama | 113 Minuten |
Frankreich, Tunesien, 2026 | Verleih:
Cineworx
Festivals und Preise: Berlinale 2026 –
offizieller Wettbewerb | Pink Apple
Festival, Zürich 2026 – Publikumspreis
Jetzt im Kino
COUTURE
Ein Blick hinter die glänzende
Fassade der Pariser Fashion Week
LA VÉNUS
ÉLECTRIQUE
Alice Winocour erzählt
von Frauen, die inmitten
von Schönheit, Krankheit,
Hoffnung und Neubeginn
ihren eigenen Weg
suchen.
Angelina Jolie spielt Maxine Walker, eine
amerikanische Regisseurin, die während der
Fashion Week eine erschütternde Diagnose erhält.
Ihre Geschichte kreuzt sich mit jener eines jungen
südsudanesischen Nachwuchsmodels und einer
französischen Visagistin, die von einem anderen
Leben träumt. COUTURE ist daher nicht primär ein
Film über Mode, sondern über die Menschen im
Hintergrund. Alice Winocour nutzt die Welt der
Haute Couture, um von Verletzlichkeit, Solidarität
und der Kunst des Weiterlebens zu erzählen.
SYNOPSIS
COUTURE | SYNOPSIS
Maxine (Angelina Jolie), eine amerikanische
Regisseurin, dreht einen Film auf der Pariser Fashion
Week. Dort erhält sie eine Nachricht, die ihr Leben auf
den Kopf stellt. Kurz darauf kreuzen sich ihre Wege mit
Ada, einem südsudanesischen Model im Exil, und
Angèle, einer Visagistin, die von einem anderen Leben
träumt. Zwischen diesen drei so unterschiedlichen
Frauen entwickelt sich eine unerwartete Solidarität
hinter der glamourösen Fassade des Modezirkus. Sie
nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand und verweben
die Fäden ihres Lebens neu.
Für uns hat Geri Krebs den Film gesehen
und die Schauspielerin Ella Rumpf zum
Interview getroffen.
Die Nähte zwischen den Menschen
Der Titel ist Programm. COUTURE bedeutet nicht nur Haute Couture,
sondern verweist auch auf die Nähte, die Stoffe – und Menschen –
miteinander verbinden. Winocour erzählt von Frauen unterschiedlicher
Herkunft und Generationen, die alle auf ihre Weise mit Verletzlichkeit,
Verlust und Veränderung konfrontiert sind. Die Modewelt dient dabei
weniger als schillernde Kulisse denn als Spiegel einer Gesellschaft, in
der Körper betrachtet, bewertet und vermarktet werden.
Besonders eindrücklich sind die Szenen hinter den Kulissen der
grossen Modehäuser. Winocour erhielt als erste Regisseurin Zugang zu
den Ateliers und Arbeitsräumen von Chanel und nutzt diese seltene
Gelegenheit, um die oft unsichtbare Arbeit der Handwerkerinnen und
Näherinnen sichtbar zu machen.
Angelina Jolie überzeugt mit leiser Präsenz
Im Zentrum steht jedoch Angelina Jolie. Ihre Darstellung einer Frau,
die zwischen beruflichen Verpflichtungen und einer
lebensverändernden Diagnose ihren Halt sucht, gehört zu den
stärksten Momenten des Films. Die Rolle erhält zusätzliche Tiefe durch
Jolies eigene Erfahrungen mit dem Thema Brustkrebs, die in ihrer
zurückhaltenden, verletzlichen Interpretation spürbar werden.
Winocour gelingt es, aus den einzelnen Lebenswegen ein
berührendes Mosaik weiblicher Erfahrungen zu formen.
INTERVIEW
ELLA RUMPF
«Diese Welt macht
immer mehr
Menschen krank.»
Im Gespräch mit arttv.ch spricht Ella
Rumpf über COUTURE als Spiegel
einer schnelllebigen und krank
machenden Welt, über die Solidarität
der drei Frauenfiguren, den
problematischen «Male Gaze» und ihr
heutiges Privileg, sich ihre Rollen
aussuchen zu können.
COUTURE ist ein Ensemblefilm, in dem Sie eine der drei
weiblichen Hauptfiguren spielen. Wie würden Sie selbst den Film
charakterisieren?
Es ist ein Film, der formal ein wenig aus der Reihe tanzt und sich
nicht so recht fassen lässt. Ein Stück weit ist er das Porträt dreier
sehr unterschiedlicher Frauen, deren Wege sich kreuzen und bei
denen innerhalb sehr kurzer Zeit vieles gleichzeitig geschieht.
Was interessiert den Film an der Welt der Mode?
Ästhetisch präsentiert sich COUTURE ziemlich kühl. Inhaltlich könnte
man den Film als eine Art Backstage-Drama charakterisieren, weil er
fast die ganze Zeit hinter die glitzernde Oberfläche der Modewelt
blickt und die Krisen der darin tätigen Frauen ins Zentrum stellt.
Vielleicht hat das von Ihnen beschriebene Aus-der-Reihe-Tanzen
des Films auch damit zu tun, dass er ästhetisch und hinsichtlich
des Plots sehr artifiziell ist, mit Angelina Jolie auf dem Filmplakat
aber möglicherweise Erwartungen an etwas eher
Mainstreamiges weckt – und diese dann nicht erfüllt?
Das könnte zutreffen. Noch wichtiger scheint mir aber, COUTURE als
Spiegel unserer gegenwärtigen Welt zu sehen: einer sehr
schnelllebigen Welt, in der kaum Zeit für tiefgründige Gespräche
und echte Auseinandersetzungen mit anderen Menschen bleibt. Die
Fashion-Welt ist für mich der perfekte Ausdruck davon.
Und welche Rolle spielen die drei Frauen in dieser Welt?
Sie sind mit existenziellen Sorgen konfrontiert und auf der Suche
nach echten Begegnungen und Menschlichkeit. Damit passen sie
überhaupt nicht in diese Welt des Luxus und des schönen Scheins.
Der Film zeigt aber auch, dass die drei Frauen trotz dieser
Oberflächlichkeit eine Verbindung zueinander finden, jede ein Stück
weit zum Echo der anderen wird und sie gegenseitige Solidarität
erfahren.
Mir scheint, dass bei allen drei Frauenfiguren etwas von der
realen Biografie der jeweiligen Schauspielerin mit hineinspielt.
Einverstanden?
Bei Anyier Anei, die als aus dem Südsudan geflüchtete
Pharmaziestudentin Ada zu sehen ist, trifft das vollkommen zu. Sie
wurde in Kenia als Model entdeckt und soll nun in Europa gross
herauskommen. COUTURE erzählt ihre reale Geschichte.
Und wie verhält es sich bei Angelina Jolie und bei Ihrer eigenen
Figur?
Was Maxine, die von Angelina Jolie gespielte Filmregisseurin,
betrifft, so lassen sich in der Geschichte um ihre Brustkrebsdiagnose
durchaus Bezüge zu Jolies eigener Biografie erkennen. Wichtiger
scheint mir aber, dass …
Weiterlesen
auf arttv.ch
TRAILER
COUTURE | Regie: Alice Winocour |
Cast: Angelina Jolie, Anyier Anei, Ella
Rumpf, Louis Garrel, Vincent Lindon,
Garance Marillier, Finnegan Oldfield |
Drama | 106 Minuten | Frankreich, USA,
2025 | Verleih: Pathé Films
Jetzt im Kino
LAUNDRY
Ein junger Musiker zwischen Traum
und Apartheid
LA VÉNUS
ÉLECTRIQUE
Ein Waschsalon
wird zum
Brennglas
gesellschaftlicher
Spannungen.
Mit LAUNDRY verdichtet Zamo
Mkhwanazi einen scheinbar banalen Ort
zu einem präzisen sozialen Raum.
Zwischen laufenden Maschinen,
flüchtigen Blicken und
unausgesprochenen Regeln entfaltet
sich ein Kammerspiel, das
Machtverhältnisse, Verletzlichkeit und
die Zerbrechlichkeit menschlicher
Beziehungen sichtbar macht. Leise,
konzentriert und von beklemmender
Genauigkeit.
SYNOPSIS
LAUNDRY | SYNOPSIS
Johannesburg, 1968. Khuthala hasst die Wäscherei
seines Vaters und will das Familienunternehmen nicht
übernehmen. Doch die Apartheid-Regierung geht hart
gegen das Firmeneigentum von Schwarzen vor.
Khuthala ist daher hin- und hergerissen zwischen der
Verwirklichung seiner eigenen Träume, Musiker zu
werden, und dem Kampf gegen die Ungerechtigkeit,
die das Unternehmen bedroht, das die einzige
Lebensgrundlage und der Kitt ist, der die Familie
zusammenhält.
Für uns gesehen hat den Film
Madeleine Hirsiger
EIN BRÜCHIGER FRIEDEN
REZENSION
Wir sind im Jahr 1968, mitten in der Zeit der Apartheid in
Südafrika. Im Zentrum der Geschichte steht eine Grosswäscherei in
Johannesburg. Enoch (Siyabouga Shibe) führt das Geschäft gemeinsam
mit seiner Frau, einer lebhaften Tochter und einem musikalisch
begabten Sohn. Enoch hofft, dass der 16-jährige Khuthala (Ntobeko
Sishi) eines Tages den Familienbetrieb übernehmen wird. Alles scheint in
Ordnung zu sein: Die Familie führt ein gutes Leben, die Kund – darunter
auch viele Weisse – sind zahlreich, und es herrscht ein gewisser
Wohlstand. Doch der Friede ist brüchig.
Schon bald steht ein Beamt im Laden mit dem Auftrag, die Liegenschaft
zu vermessen. Das Haus soll konfisziert werden, denn es steht, wie es
heisst, im weissen Teil der Stadt. Es beginnt ein Kampf um die Rechte,
die der schwarzen Bevölkerung eigentlich zustehen. Obwohl Enoch ein
«freigestellter Eingeborener» ist, also etwas bessergestellt als die
anderen, wird er von weissen Beamt im Rathaus beschimpft,
gedemütigt, erniedrigt und eingeschüchtert. Als er sich verbal zu
wehren beginnt, landet Enoch unverzüglich im Gefängnis. Er hat keine
Chance.
DIE LEIDENSCHAFT FÜR DEN JAZZ
Khuthala wäre nun im Geschäft gefragt, doch das interessiert ihn wenig.
Seine grosse Leidenschaft ist der Jazz. Er spielt mehrere Instrumente –
und das ziemlich gut – und wird dabei auch von seinen Eltern
unterstützt. Trotzdem scheint seine Zukunft bereits besiegelt zu sein.
>WEITERLESEN AUF ARTTV.CH FILM
TRAILER
LAUNDRY | Regie: Zamo Mkhwanazi |
Cast: Tracy September, Ntobeko Sishi,
Zekhethelo Zondi, Bukamina
Cebekhulur, Siyaboga Shibe | 106
Minuten | Schweiz / Südafrika 2025 |
Verleih: FIRST HAND FILMS
LAUNDRY war im Rennen um den Prix
du Public der Solothurner Filmtage
2026.
Kinostart
Deutschschweiz: 13. August 2026
Kein klassisches Biopic, sondern ein
ungewöhnlicher Hybrid aus Dokumentarfilm,
Essayfilm und performativer Annäherung an ein
bewegtes Leben
INGEBORG
BACHMANN –
JEMAND, DER
EINMAL ICH
WAR (2026)
Alle lieben
Sandra Hüller.
Wie lässt sich das Leben einer Schriftstellerin
erzählen, deren Sprache bis heute nachhallt?
Regina Schilling beantwortet diese Frage mit
einem ungewöhnlichen filmischen Essay.
INGEBORG BACHMANN – JEMAND, DER
EINMAL ICH WAR verzichtet auf die
klassische Lebenschronik und entwickelt
stattdessen einen Dialog zwischen
Vergangenheit und Gegenwart, zwischen
Archiv und Imagination. So zeigt der Film
eindrucksvoll, wie dokumentarisches Kino
literarische Biografien neu denken und eine
Autorin über ihre Texte, Bilder und
Gedanken gegenwärtig werden lassen kann
und Lust macht, Bachmanns Texte neu zu
lesen.
SYNOPSIS
INGEBORG BACHMANN – JEMAND, DER EINMAL
ICH WAR | SYNOPSIS
In einer poetischen Spurensuche lässt Regisseurin
Regina Schilling das Publikum am Entstehen von Kunst
teilhaben: Schauspielerin Sandra Hüller nähert sich dem
Leben von Ingeborg Bachmann an einem imaginären
Tag und verleiht ihren Worten eine eindringliche
Präsenz. Mit einem kunstvollen Geflecht aus
improvisierten Szenen, Archivschätzen, Interviews und
Bachmanns eigenen Texten durchmisst der Film die
zentralen Lebensphasen der Autorin – von der
Kriegskindheit in Kärnten,
dem Aufstieg zum Star
der Gruppe 47 bis zu den
letzten Tagen in Rom. Der
Weg ist gezeichnet von
ihren komplizierten
Beziehungen zu Paul
Celan, Hans Werner
Henze und Max Frisch
und einem
unnachgiebigen Ringen
um eine eigene, radikale Sprache zwischen
öffentlichem Ruhm und existenziellen Krisen
Für uns gesehen hat den Film
Walter Gasperi
REZENSION
GEGENWART EINER UNGREIFBAREN
Regina Schilling verbindet Archivmaterial und inszenierte Szenen
zu einem kunstvoll-poetischen Porträt Ingeborg Bachmanns.
Sandra Hüller spielt die Schriftstellerin dabei nicht im klassischen
Sinn, sondern macht den Prozess einer vorsichtigen Annäherung
sichtbar. Sandra Hüller betritt eine Wohnung, die jener Ingeborg
Bachmanns im Rom des Jahres 1973 nachempfunden ist. Sie legt
eine Perücke auf, setzt sich an die Schreibmaschine, raucht und
spricht Texte der österreichischen Schriftstellerin. Doch Regina
Schilling versucht nie, diese Szenen als authentische
Rekonstruktion auszugeben.
Schon zu Beginn tritt die Regisseurin selbst vor die Kamera und
spricht mit Hüller über Bachmann und die nachgebaute Wohnung.
Später lässt sie die Schauspielerin einen Monolog mit einer
anderen Betonung wiederholen. Der Film zeigt damit offen, dass
jede Darstellung Bachmanns eine Interpretation und jede
Annäherung zwangsläufig unvollständig bleibt.
ZWISCHEN BACHMANN UND HÜLLER
Bewusste Anachronismen durchbrechen zusätzlich den Eindruck
eines historischen Biopics. Nach einer Panikattacke verwendet
Hüller ein Smartphone für eine Entspannungsübung, ein anderes
Mal fährt sie mit einem E-Scooter durch Rom. Solche Momente
holen Bachmanns Ängste und innere Konflikte in die Gegenwart,
ohne sie vorschnell psychologisch erklären zu wollen.
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TRAILER
INGEBORG BACHMANN – JEMAND,
DER EINMAL ICH WAR (2026) | Regie:
Regina Schilling | Cast: Sandra Hüller |
97 Minuten | Deutschland, 2026 |
Verleih: Xenix Filmdistribution GmbH
Kinostart
Deutschschweiz: 20. August 2026
Der Cézanne der Falschgeldkunst
L'AFFAIRE
BOJARSKI
Die wahre
Geschichte eines
genialen Erfinders,
der zum
berühmtesten
Falschgeldhersteller
Frankreichs wurde.
Ein mysteriöser Fall erschüttert die
französische Justiz. Während die
Ermittlungen immer neue Fragen aufwerfen,
geraten persönliche Überzeugungen,
politische Interessen und die Suche nach der
Wahrheit zunehmend in Konflikt. Mit
L'AFFAIRE BOJARSKI schenkt uns Jean-Paul
Salomé einen Thriller, der reale Ereignisse
mit präziser Spannung und gesellschaftlicher
Relevanz verbindet.
SYNOPSIS
L'AFFAIRE BOJARSKI | SYNOPSIS
Der junge polnische Ingenieur Jan Bojarski flüchtet
während des Zweiten Weltkriegs nach Frankreich, wo er
während der deutschen Besatzung sein Talent zur
Fälschung von Papieren entdeckt. Nach dem Krieg
hindert ihn das Fehlen eines amtlichen Personenstands
daran, Patente für seine zahlreichen Erfindungen
anzumelden. So geht er schlecht bezahlten
Gelegenheitsjobs nach – bis ihn ein zwielichtiger
Zeitgenosse auf die
Idee bringt, seine
besonderen
Fähigkeiten doch
der Herstellung von
Falschgeld zu
widmen. Damit
beginnt für Bojarski
ein Doppelleben,
von dem seine
Familie nichts ahnt.
Doch bald gerät er ins Visier von Inspektor Mattei, dem
besten Polizisten Frankreichs.
L'AFFAIRE BOJARSKI zeigt, dass hinter manchen
Verbrechen nicht Gier steckt, sondern der verzweifelte
Wunsch, gesehen zu werden.
Ein Genie am Rand der Gesellschaft
Nach seiner Flucht aus Polen findet Jan Bojarski in Frankreich
zwar Sicherheit, nicht aber Anerkennung. Obwohl er ein
brillanter Erfinder ist, verhindern bürokratische Hürden und
seine fehlenden Papiere, dass er seine Ideen patentieren kann.
Als ihm ein Gangster anbietet, sein aussergewöhnliches Talent
für die Herstellung von Banknoten einzusetzen, beginnt ein
Doppelleben, das ihn zu einem der raffiniertesten Fälscher
seiner Zeit macht.
Mehr als ein
Kriminalfall
Regisseur Jean-Paul
Salomé interessiert
sich weniger für
den klassischen
Gangsterfilm als für
die Tragik eines
Mannes, dessen
Kreativität keinen
legalen Platz in der
Gesellschaft findet.
Jan Bojarski wird
nicht als
gewöhnlicher
Verbrecher gezeigt, sondern als rastloser Tüftler, dessen
Fähigkeiten ihn zugleich faszinierend und gefährlich machen.
Kritiker bezeichneten ihn treffend als den «Cézanne des
Falschgelds».
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TRAILER
L'AFFAIRE BOJARSKI | Regie: Jean-
Paul Salomé | Drama | 129 Minuten |
Frankreich | Verleih: Filmcoopi
Kinostart
Deutschschweiz: 6. August 2026
ROLF BREINER
1947–2026
Kaum einer
liebte das
Kino wie er!
Mit Rolf Breiner verliert die Schweiz
einen der prägenden
Filmjournalisten seiner Generation.
Über Jahrzehnte begleitete er das
nationale und internationale
Filmschaffen mit Leidenschaft,
Sachkenntnis und grosser
Menschlichkeit. Nun ist eine
Stimme verstummt, die das Kino
nicht nur beobachtete, sondern
lebte. Ein Nachruf von Felix
Schenker, Chefredaktor arttv.ch
Ein Leben für die Geschichten auf der Leinwand
Wenn von Rolf Breiner die Rede ist, erinnern sich viele an seine Freundlichkeit,
seine Bescheidenheit und seine unerschütterliche Neugier. Vor allem aber
erinnern sie sich an seine grosse Liebe zum Film. Über Jahrzehnte schrieb er
für zahlreiche Medien, darunter arttv.ch, CLICK FILM, Ensuite und weitere
Publikationen. Mit seinen Kritiken brachte er unzähligen Menschen Filme
näher, gab Orientierung und weckte Lust auf das Kino. Dabei blieb er stets im
Hintergrund. Rolf sprach selten über sich selbst. Im Mittelpunkt standen für ihn
die Werke und die Menschen dahinter: Regisseur:innen, Produzent:innen,
Kameraleute und Schauspieler:innen. Seine eigene Bedeutung für den
Schweizer Filmjournalismus stellte er nie heraus – obwohl er zu den
angesehensten Filmkritikern des Landes gehörte. Seine Faszination für Bilder
begann bereits in der Kindheit. Comics gehörten zu seinen ersten
Leidenschaften, und schon früh zeichnete er eigene Geschichten. Bilder waren
für ihn nie bloss Illustrationen, sondern Erzählungen voller Bedeutung. Diese
Begeisterung begleitete ihn ein Leben lang und prägte auch seinen Blick auf
das Kino.
Leidenschaft statt Pflicht
Sein beruflicher Weg führte ihn von der damaligen «Weltwoche» unter Hans
O. Staub über das «Luzerner Tagblatt» bis zum Fernsehmagazin «TR7». Doch
Film war für Rolf weit mehr als ein Beruf. Film war Leidenschaft. Über
Jahrzehnte besuchte er Filmfestivals, Pressevorführungen und Premieren. Fast
fünfzig Mal reiste er mit seiner Frau Irène ans Filmfestival von Locarno. Er war
Juror an verschiedenen Festivals und engagierte sich als Auswahlmitglied der
Semaine de la critique. Besonders am Herzen lagen ihm der Dokumentarfilm
und das Schweizer Filmschaffen. Er wollte nicht nur Filme sehen, sondern auch
die Menschen dahinter kennenlernen: Regisseur:innen, Produzent:innen,
Kameraleute. Ihre Arbeit interessierte ihn genauso wie das fertige Werk auf
der Leinwand. Auch nach seiner Pensionierung zog er sich nicht zurück. Mit
einem eigenen Film- und Kulturblog (breiner-textatur.ch) blieb er dem Kino
treu. Dabei verfolgte er einen Ansatz, der viel über seinen Charakter verrät: Er
konzentrierte sich auf Filme, die er empfehlen konnte. Nicht das Verreissen
stand für ihn im Vordergrund, sondern die Begeisterung für das Medium Film
und die Lust, diese Begeisterung weiterzugeben. Ein Prinzip, das auch für
arttv.ch gilt.
Einer der «letzten Mohikaner»
Wie sehr Rolf geschätzt wurde, zeigen die Erinnerungen vieler
Weggefährt:innen. Sein langjähriger Berufskollege Geri Krebs erzählte, wie sich
die beiden in den letzten Jahren oft bei Pressevorführungen trafen und
scherzhaft als die «letzten Mohikaner» ihres Berufsstandes bezeichneten. Hinter
diesem Scherz verbarg sich eine Realität, die Rolf mit Sorge beobachtete: Der
Kulturjournalismus steht zunehmend unter Druck. Immer weniger Medien
verfügen über die Mittel, Kultur professionell zu begleiten, da die Werbegelder
zunehmend in die amerikanischen Techplattformen fliessen. Dennoch verlor Rolf
nie seine Zuversicht. Im Zentrum standen für ihn stets die Freude am Film, der
Respekt vor den Filmschaffenden und die Verbundenheit mit Kolleg:innen. Für
die Schweizer Filmkultur war er weit mehr als ein Kritiker. Er war ein Vermittler
zwischen Film und Publikum, ein aufmerksamer Beobachter und ein
leidenschaftlicher Fürsprecher des Kinos.
Ein letzter Film
Besonders bewegend bleibt, dass Rolf noch wenige Tage vor seinem Tod voller
Vorfreude zusagte, für arttv.ch eine Kritik zum Film THE PIANO TUNER mit
Dustin Hoffman zu schreiben. Nicht aus Pflichtgefühl und nicht aus finanziellen
Gründen, sondern weil er es liebte, Filme zu sehen und darüber nachzudenken.
THE PIANO TUNER wird für mich persönlich immer mit Rolf verbunden bleiben.
Sein persönlicher Lieblingsfilm war jedoch SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD von
Sergio Leone. Kaum ein Werk vereint so vieles von dem, was Rolf am Kino
schätzte: grosse Bilder, grosse Geschichten, starke Figuren und die
unvergessliche Musik von Ennio Morricone.
Ein Vermächtnis, das bleibt
Rolf Breiner hat Generationen von Filmschaffenden begleitet, Tausende von
Filmen gesehen und unzählige Texte geschrieben. Dabei verlor er nie jene
Begeisterung, die ihn bereits als Kind in die Welt der gezeichneten Geschichten
geführt hatte. Er hinterlässt Spuren in der Schweizer Filmwelt, bei seinen
Kolleg:innen und bei all jenen, die seine Kritiken gelesen haben. Seine Texte
werden bleiben. Vor allem aber bleibt die Erinnerung an einen Menschen, der
das Kino mit Herz, Wissen und Hingabe begleitet hat.
Kaum einer liebte das Kino wie er!
FREE STREAMING
BAGGER DRAMA
Ein grossartiger
«Heimatfilm» mit
suchenden
Menschen und
tanzenden
Maschinen
Der Schweizer Regisseur Piet Baumgartner
erzählt in BAGGER DRAMA von einem
Familienunternehmen, das mit den
namensgebenden Baumaschinen Geschäfte
macht. In dem bodenständigen Betrieb legt
die ganze Familie Hand an. Als die Tochter
stirbt, fällt alles auseinander. Nach dem
Dokumentarfilm THE DRIVEN ONES, in dem
ehrgeizige Nachwuchsmanager:innen im
Zentrum standen, wechselt Baumgartner mit
dem Spielfilm in ein bürgerliches Milieu und
sagt, es sei seine bislang persönlichste Arbeit.
SYNOPSIS
BAGGER DRAMA | SYNOPSIS
Eine Familie tut sich schwer, über Gefühle, Liebe oder
Intimität zu sprechen. Der Familienbetrieb verlangt ihre
volle Aufmerksamkeit: Bagger vermieten, verkaufen,
reparieren. Alle müssen anpacken. Als die Tochter tödlich
verunfallt, hört die Familie auf zu funktionieren. Der Sohn
will lieber in die USA, statt die Nachfolge in der Firma
anzutreten. Der Vater findet Gefallen an der neuen
Chorleiterin und die Mutter steht plötzlich alleine da. Ein
neuer Heimatfilm mit suchenden Menschen und
tanzenden Maschinen.
KOSTENLOS STREAMEN
BAGGER DRAMA | Regie: Piet
Baumgartner | Drama | 94 Minuten |
Schweiz, 2025 | Verleih: Filmcoopi
Der Film kam am 1. Mai 2025 in unsere
Kinos. Er gewann am Festival San
Sebastián den mit 50 000 Euro
dotierten Preis des Wettbewerbs der
«Nuevos Directores». Für den
Schweizer Regisseur Piet Baumgartner
war dies eine grosse Überraschung,
die er selber kaum glauben konnte.
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PRÄSIDIUM
Dr. Jean-Pierre Hoby
GESCHÄFTSLEITUNG
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