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Vom Haunoldstal zum Tachenstein - Baden

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Katalogblätter des Rollettmuseums Baden, Nr. 75

Rudolf Maurer

Der Mitterberg, 1817

(Kolorierte Federzeichnung von Ferdinand Freiherr v. Wetzelsberg; TSB 815)

Im Vordergrund eine Parzelle des Weingartens Kindlboint; links die Villa des Hofrats Schreibers (Marchetstraße 42), daneben

das „Landhaus“ des Dr. Schenk (Mozartstraße 9) mit dem dazugehörigen „Berggarten“, hinter den beiden Häusern die Wildnis

der Putschanerlucken. In der Mitte die Rollettvilla mit Park (Marchetstraße 37 – 41), rechts davon die bescheidenen Häuser

von Marchetstraße 35 abwärts; oberhalb das Bergwirtshaus und die Stationen des Kalvarienbergs.

Vom Haunoldstal zum Tachenstein

Die 1000-jährige Geschichte des Mitterbergs


Der Mitterberg, Planskizze 1739 (StA B, GA 2/11)


Katalogblätter des Rollettmuseums Baden, Nr. 75

Rudolf Maurer

Vom Haunoldstal zum Tachenstein

Die 1000-jährige Geschichte des Mitterbergs

Baden 2009

ISBN 978-3-901951-75-6


Jurisdictions-Plan der lf. Stadt Baaden, 1796

(aufgenommen von Kreisingenieur Joh. Georg Kolbe; StA B, TSB PL 10)

Der Ausschnitt zeigt im Norden, Westen und Süden die Grenze der Gaminger Jurisdiktion. Nordwestlich des Kalvarienbergs

und nördlich des Mitterbergs verläuft „der Zaun“, der den Wald vom Weinbaugebiet trennt. Im Südwesten fällt dieser Zaun

mit der Jurisdiktionsgrenze zusammen. Nördlich des Weinberges erhebt sich der Hühnerberg mit dem „Hochgericht“ (Richtstätte),

westlich davon (ohne Beschriftung) der Mitterberg mit dem Mitterbergwald. Ausdrücklich als Mitterberg bezeichnet ist

dagegen der durch den „Großen Gatterweg“ in zwei Teile geteilte Kessel des Weinbaugebietes. Südlich des Weinberges liegen

die Herrschaften Weikersdorf und, ganz im Osten, Gutenbrun


I. Wer kennt sich aus am Mitterberg?

Der Name Mitterberg

Am 12. Mai 1357 wurde ein Abgabenstreit zwischen der

Kartause Gaming und dem Stift Heiligenkreuz zu Gunsten

der Kartause entschieden. Einige der Weingärten, um die

es ging, lagen an dem mitlern perge ze Baden. 1

Das ist die früheste Nennung des Mitterbergs, die bis jetzt

bekannt geworden ist. Zuvor hatte er den stolzen Namen

Badnerberg geführt (der heutige Badnerberg wurde damals

zur Einöde gerechnet). 1338 hatte der Landesfürst all seine

Badener Weinberge der Kartause Gaming geschenkt, und

diese dürfte im Zuge einer Verwaltungsreform den Namen

Mitterberg eingeführt haben. Der Name bezieht sich wohl

auf die Lage innerhalb der Badener Weinberge der Kartause:

Sooßerberg (heute Römerberg) - Kaltenberg - Mitterberg

- Badnerberg - Pfaffstättnerberg - Törlberg (die letzteren

beiden liegen heute auf Pfaffstättner Gemeindegebiet). 2

Im Lauf der Jahrhunderte wurde der Name Mitterberg für

die verschiedensten geografischen und Verwaltungseinheiten

verwendet:

*) Mitterberg als Bergname

Geografisch gesehen ist der Mitterberg der Gebirgsstock

zwischen Andreas Hofer-Zeile, Schwechat und Purbachl.

Vom Kalvarienberg / Badnerberg ist er durch die Schlucht

der Putschanerlucken (Andreas Hofer-Zeile) getrennt. Er

ist stark zerklüftet und hat daher keinen eigentlichen Gipfel,

sondern zahlreiche Kuppen, deren höchste 442 m Seehöhe

erreicht. 3

*) Mitterberg als Name eines Weinbergs

Das Weinbaugebiet des Mitterbergs erstreckte sich von der

Putschanerlucken (Andreas Hofer-Zeile) bis zum Tachenstein

(Ende der Karlsgasse). Oben wurde es vom

Waldrand begrenzt, unten vom Mühlbach. Obwohl sie

geografisch eigentlich nicht mehr dazu gehörten, wurden

auch die wenigen Weingärten am Fuß des Kalvarienbergs,

die über die Putschanerlucken zu erreichen waren, verwaltungstechnisch

zum Mitterberg gerechnet.

*) Mitterberg als Riedname

Bei der Anlage eines neuen Steuerkatasters im Jahre 1785

(der so genannten Josefinischen Fassion) wurden die vielen

kleinen Rieden des Mitterbergs zu einigen wenigen Großrieden

zusammengefasst. Eine davon erhielt den Namen

Mitterberg. Da auch dieses System noch zu unübersichtlich

war, wurden bei der nächsten Neuanlage des Katasters im

Jahre 1819 all diese Großrieden ihrerseits zu einer einzigen

Ried Mitterberg vereinigt. Bis heute ist also die Ried Mitterberg

mit dem Weinberg Mitterberg identisch - theoretisch,

denn heute gibt es auf dem ganzen Mitterberg keinen

Weinbau mehr!

*) Die Katastralgemeinde Mitterberg

1817 fiel in Wien der Beschluss, alle Grundstücke Österreichs

in einem vollständigen Kataster zu erfassen, um die

Steuereinhebung zu erleichtern. Zu diesem Zweck wurden

gewisse Gebiete zu sogenannten Steuergemeinden zusammengefasst,

innerhalb derer die einzelnen Parzellen der

Reihe nach mit laufenden Nummern durchgezählt wurden.

In Baden wurde die Kommission 1819/20 tätig und schloss

u.a. die Weinberge Mitterberg und Badnerberg mit den

angrenzenden Gaminger Wäldern zu einer Steuergemeinde

1

zusammen, die zunächst „Steuergemeinde Gaminger Berghof“

genannt wurde.

Bei der großen Gemeindereform 1850 wurde diese Steuergemeinde

als Katastralgemeinde übernommen, aber in

„Katastralgemeinde Mitterberg“ umbenannt - obwohl sie

neben dem Mitterberg auch den Badnerberg umfasste! Bis

heute führt es immer wieder zu Missverständnissen, dass

eine Parzelle mit der Bezeichnung „Mitterberg xy“ in

Wirklichkeit am Badnerberg liegen kann! 4

Thema der vorliegenden Arbeit ist der Mitterberg als

Weinberg, mitbehandelt wird der nördlich daran angrenzende

so genannte Mitterbergwald.

Von Bergen und Tälern - eine kleine Topografie des

Mitterbergs

So wie der Mitterberg ein Teil des Hühnerbergmassivs ist,

hat auch er selbst seine markanteren und weniger markanten

Ausläufer, die durch entsprechende Einschnitte voneinander

getrennt sind. Diese bilden die naturräumliche

Grundlage für den Verlauf der Wege, die Anlage der

Weingärten und ihre Gliederung in Rieden. Darum wollen

wir sie nun Revue passieren lassen. Wir beginnen im Osten,

wo die Putschanerlucken die Grenze zum Kalvarienberg

bildet, und schreiten nach Westen fort, bis wir mit

dem Felsrücken des Tachensteins die Grenze zum Helenental

erreichen.

Die Putschanerlucken

Die Schlucht, die den Mitterberg vom Kalvarienberg

trennt, dürfte in den ältesten für uns fassbaren Zeiten Krinn

geheißen haben. Das lässt sich daraus schließen, dass der

Fliegenhappelberg im 14. Jahrhundert Krinn hieß. Da

dieses Wort im mittelhochdeutschen Sprachgebrauch soviel

wie „Einschnitt, Rinne“ bedeutet, kann es kein ursprünglicher

Bergname sein, sondern muss von einem

Taleinschnitt übertragen sein, und dabei handelt es sich

doch wohl um die Putschanerlucken. Solche Übertragungen

kommen auch sonst gelegentlich vor, in Baden ist der

Vorgang noch beim so genannten Rinnengebirge am Kaltenberg

belegt. 5

Ein weiterer mittelalterlicher Name für die Putschanerlucken

ist Teufelslucken oder Teufelsloch:

1367 foramen dyaboli

1411 des teufels lueg

1531 des tewffels lueg

1620 Teufelslueg

1643 Teuffenweeg

1660, 1699 Teuffenlueg 6

Da der Name Teufelsloch (oder -lucken) in den älteren

Grundbüchern immer nur im Zusammenhang mit dem

oberen Krinn-Weingarten genannt ist, müssen wir annehmen,

dass sich der Name zunächst nicht auf das ganze Tal

bezog, sondern auf eine charakteristische Höhle, die zur

Lokalisierung dieses Grundstücks dienen konnte. Da gegenüber

dem Weingarten das heute noch auffällige

Winschloch liegt, wird es sich wohl um dieses handeln.

Das Spektrum der archäologischen Funde aus dem

Winschloch legt die Vermutung nahe, dass die Höhle in

der Frühneuzeit verschüttet wurde. Der Höhlenname hatte

daher im 17. Jahrhundert keinen sichtbaren Bezug mehr

und weitete sich auf die ganze Putschanerlucken aus, wie

wir daran erkennen können, dass nun auch die Aufel-

Weingärten die Teufelslucken als Nachbar angaben. Inzwi-


schen war aber die ganze Putschanerlucken eine (relativ)

zivilisierte Gegend geworden, oder vielleicht war das 17.

Jahrhundert bereits zu aufgeklärt für Teufelsnamen - jedenfalls

wurde der Teufel nun in „Teuffen“ uminterpretiert:

Teufenweg, Teufenlueg = Tiefenweg, Tiefe Lucken. Damit

aber war der Name zum Aussterben verurteilt, denn am

Mitterberg gab es bereits ein Teuftal, und somit war bei

dieser Benennung keine Eindeutigkeit mehr gegeben.

Seit dem 15. Jahrhundert setzte sich für die Putschanerlucken

mehr und mehr der Name Haunoldstal durch, der bis

ins 19. Jahrhundert gebräuchlich bleiben sollte:

1447 des Hawnolcz tal

1465 Hawnolcztal

1795 - 1880 Haunoldsthal, Haunoltsthallgraben

1805, 1816, 1838 Hunoldsgraben

1814 Hahnoltsthal 7

Die Benennung erfolgte nach den Gaminger Bergmeistern

Hans Haunold Vater und Sohn, die in den ersten zwei

Dritteln des 15. Jahrhunderts Teile der Putschanerlucken

für den Weinbau erschlossen und in der Nähe des Winschloches

eine Quelle fassten, die man Haunoldsbrunn nannte

(siehe Anhang I, Flurnamenlexikon). Im romantischen 19.

Jahrhundert wurde häufig die altertümelnde Form Hunoldstal

verwendet, die aber in den alten Grundbüchern

nicht belegt ist, während die mundartliche Aussprache des

unverständlich gewordenen Namens gelegentlich zu Assoziationen

mit dem wohlbekannten Gockelhahn führte.

1785 erstmals schriftlich belegt ist die heute noch übliche

Bezeichnung Putschanerlucken oder Putschandellucken:

1785 Butschan Luken

1795, 1796 Puczandel Lucken, Buczandel Lucken

1805, 1822 Butzandel Lücke, Putschaner Lucke

1812 Buzandel Lücke

1816, 1838 Buzadllucken

1819 Potschan Lucke

1825 Putschanerlucke

1851 Putschanerlücke

1871 Potschandl-Lucke

1972 Putschandellucken 8

Als Kindern erzählte man uns, dass die Putschandellucken

nach dem Räuberhauptmann Putschandel benannt sei, der

hier in früheren Jahrhunderten sein Unwesen getrieben

habe; manche wollten diesem Putschandel sogar Robin

Hood-artige Züge geben.

Die Kirchliche Topographie, deren Badener Band 1825

erschien, übersetzt Putschanerlucke mit „Räuberhöhle“ und

berichtet, dass hier eine Räuberbande von 400 Böhmen

unter ihrem Hauptmann Franz von Haag ihren Schlupfwinkel

gehabt hätte. 9

Und beim Bau der Wiener Wasserleitung 1871 wurde den

Technikern erzählt, dass die „ Potschandl-Lucke“ von dem

ehemaligen Besitzer eines einst dort gelegenen Bauerngutes

so genannt werde. 10

Die Wahrheit lässt sich unschwer dem „Wörterbuch der

bairischen Mundarten in Österreich“ entnehmen. Schon

Hermann Rollett wies 1885 darauf hin, dass der „Putschanl“

eine kleine böhmische Münze war, und das österreichische

Mundartlexikon erläutert in schöner Ausführlichkeit,

dass eine kleine, um 1500 in Böhmen geprägte

Münze im deutschen Sprachraum unter der Bezeichnung

„Putschendl“ oder „Butschaner“ im Umlauf war. Für 1

Kreuzer bekam man 3 Putschendl! Kein Wunder, dass sich

im lokalen Sprachgebrauch vielerorts bis ins 19. Jahrhun-

2

dert Ausdrücke wie Putschendl, Botschandl u.ä. für „Kleinigkeit,

nicht das Geringste“ hielten. 11

Dieses Wort, das in unserer Gegend vor rund hundert Jahren

ausgestorben ist (Hermann Rollett kannte es sichtlich

nicht mehr!), hat der Putschanerlucken den Namen gegeben.

Hören wir uns eine Beschreibung des Jahres 1785 an:

Die Butschan Luken, ein aus einer Reihe Fölsen eingefangener

langlichter Platz, durch welchen ein Fahrtweg an

dem Gebürgzaun gehet. Diese Gegend ist ganz unfruchtbar.

12 Da konnte man schon sagen, dass dieser öde Ort

„kein Putschandel“ wert sei, eine echte „Putschanerlucken“

sei, usw. usw. Die farbenfrohen Schilderungen vom Räuberhauptmann

Putschandel und den Böhmischen Brüdern,

die sich hier versteckt gehalten hätten, entpuppen sich also

als ätiologische Sagen (Erklärungssagen), an denen nur das

eine stimmt, dass der Name böhmischen Ursprungs ist.

Die Fortsetzung der Putschanerlucken in den Wald hinein

hieß Hämmerleinstal, Hämmerleinsgraben, Hammerergraben

oder Hammerertal:

1624 Hämerlinsthall

1662 Haunoltsthall oder Hämerleinsgraben

1796 Hammerergraben, Hammererthal 13

Im 19. Jahrhundert scheint dieser Name außer Gebrauch

gekommen zu sein, denn die Stadtpläne von 1805 und

1822 nennen den Graben einfach „Weg nach Gaaden“. Der

Hammerergraben trennt den Richtberg (Ausläufer des

Hühnerbergs) vom Mitterberg. An der Wasserscheide zum

Bettlergraben erreicht er die Grenze zwischen Gamingerwald

und Siegenfeld und mündet dort in den überregional

bedeutsamen Gaadener Weg ein.

Der Name des Grabens ist derzeit nicht mit Sicherheit

erklärbar, doch fällt auf, dass es am Inneren Kaltenberg

eine problematische Ried Hämmerl, am Badnerberg eine

Hämmerleinsöd gab. Möglicherweise gehen all diese Benennungen

auf einen besonders tüchtigen markgräflichen

oder herzoglichen Bergmeister namens Hämmerlein zurück,

der die zwei schwierigen Rieden für den Weinbau

zurichten und den für den Westen Badens wichtigen Zubringer

zum Gaadener Weg gangbar machen ließ. Doch

bleiben wir hier auf Vermutungen angewiesen, die Urkunden

lassen uns völlig im Stich.

Hammerergraben und Putschanerlucken entwässerten über

die Berggasse (Marchetstraße) und die Pelzgasse in den

Mühlbach; auf der Höhe der Verbindung zur heutigen

Mozartstraße mündete auch die wasserarme Talsenke der

Gamingerstraße, die ihrerseits das ebenfalls wasserarme

Schweintal aufgenommen hatte. In normalen Zeiten, wenn

nur das Bründlwasser der Putschanerlucken zu bewältigen

war, war das kein Problem. Aber da der Boden des langen,

felsigen Grabens kaum Wasser halten konnte, gab es bei

ausgiebigeren Regenfällen immer wieder Überflutungen

und Vermurungen, zu denen dann doch auch die gesammelten

Wassermengen von Schweintal und Gamingerstraße

beitrugen. Am 29. Juli 1840 z.B. wälzte ein Wolkenbruch

riesige Steine aus der Putschanerlucken herunter, vermurte

die Marchetstraße und die Pelzgasse und überschwemmte

die Keller der Umgebung. Ganz ähnlich ging es am 22.

Juni 1874 zu. Nach einem Unwetter mit Hagelschlag und

Wolkenbruch stürzten ganze Felsen in die Stadt hinunter,

die Renngasse verwandelte sich in einen Fluss, und da auch

die anderen Berge redlich das Ihre beitrugen, stand

schließlich sogar die Pfarrgasse 2 Fuß tief unter Wasser!


Dass das in allen Jahrhunderten fast regelmäßig so war,

zeigt ein Bericht vom 9. August 1698. Auch damals gab es

in der Renngasse außerhalb der Stadt (heute Marchetstraße

bis Pelzgasse) arge Verwüstungen durch Wassergüsse.

Zwar hatten die gebrochen stain im Haunolzthall (im Lichte

der obigen Berichte wohl die Felsen, die von der Putschanerlucken

heruntergerollt waren) kein größeres Unheil

verursacht, doch mussten die Anrainer die Zugochsen des

Bürgerspitals und Holz aus dem Stadtwald anfordern, um

die Aufräumarbeiten zu beschleunigen. Trotzdem waren

sie am 16. September noch immer nicht fertig. An diesem

Tag waren sie schon so verzagt, dass sie um Gemeinderobot

ansuchten, wie sie auch bei früheren Katastrophen

üblich gewesen sei. Das wurde jedoch abgelehnt. Da sich

die Leute auch um ihr Handwerk und ihre Weingärten

kümmern mussten und die beschädigten und zerstörten

Wohn- und Wirtschaftsgebäude Priorität hatten, konnte die

blockierte Straße vor dem Winter nicht mehr geräumt

werden. So mussten die Stadtväter am 7. März 1699 doch

noch eine Gemeinderobot anordnen: Jeder Bürger hatte

einen Tag mitzuhelfen, um den Weg noch vor den Weingartenarbeiten

des Frühjahrs frei zu bekommen. 14 Wenn

wirklich alle kamen, waren das doch an die 150 Arbeitskräfte.

Die Putschanerlucken als wilde Schlucht, 1911

(Ansichtskarte, Verlag Ferd. Mohr, Baden, 1911)

1818/1819 versuchte man erstmals, regulierend einzugreifen.

Zunächst wurde das „Bründlwasser“ in der „Mitterbergerstraße“

(Marchetstraße außerhalb des besiedelten

Gebiets) unterirdisch abgeleitet, dann wurde statt des bisherigen

Wegs eine Straße bis zum „Sandkasten“ in die

„Potschan Lucke“ angelegt. 15 Dass diese das Herabrollen

großer Felsblöcke bis in die Stadt noch erleichtert haben

dürfte, haben wir oben schon gesehen.

Die Putschanerlucken – frisch verbaut

(Ansichtskarte ohne Angaben, gelaufen 1916)

3

1873 erhielt der untere Teil der Putschanerlucken die Bezeichnung

Berghofgasse, 1909 wurde diese in Andreas

Hofer-Zeile umbenannt; auch der wild gebliebene Teil des

alten Haunoldstals wurde nun durch die Anlage des Felsenwegs,

die mit der Sprengung aller einsturzgefährdeten

Felspartien verbunden war, Teil der Zivilisation. Auch bei

heftigsten Regenfällen sammeln sich heute bestenfalls ein

paar Schaufeln Sand in der Regenrinne der Andreas Hofer-

Zeile, und bis in die Marchetstraße kommt gar nichts mehr!

Der Fliegenhappelberg

Der Felsrücken, der die Putschanerlucken vom Rest des

Mitterbergs trennt, hieß im Spätmittelalter Krinn - so lässt

es zumindest die Tatsache vermuten, dass am oberen und

am unteren Ende des Rückens je ein Weingarten Krinn

hieß. Da Krinn so viel wie „Einschnitt, Rinne“ bedeutet,

muss der Name von einem alten Namen der darunter liegenden

Putschanerlucken übertragen sein, von der wir ja

eben gesehen haben, wie sehr sie „Rinne“ war.

Im 15. Jahrhundert versuchte man, einige Partien des steinigen

Berges für den Weinbau zu gewinnen, war damit

allerdings nur teilweise erfolgreich. Um 1750 wurde der

Versuch wiederholt, nun hieß der Felsrücken schon Fliegenhappelberg

- Fliegenhappel ist die mundartliche Bezeichnung

der Steinweichsel (prunus mahaleb), 16 die später

Badens Souvenirindustrie so beflügeln sollte und auf dem

Fliegenhappelberg offensichtlich wild wucherte – zur Zeit

der Obstblüte muss es ein traumhafter Anblick gewesen

sein.

Dem Weinbau war freilich auch diesmal kein großer Erfolg

beschieden, und so wurden im 19. Jahrhundert immer mehr

der aufgelassenen Weingärten in die Hausgärten und Parks

der Villen in der Marchetstraße einbezogen.

Mit der Eröffnung der Hochstraße und des Mittersteigs

1891 sowie der oberen Andreas Hofer-Zeile 1909 setzte

die Verbauung des Fliegenhappelbergs ein, die heute im

Wesentlichen abgeschlossen ist.

Das Schweintal

1465 Sweintal

1641 verwachsener Graben

1669 Schweintal 17

Schweintal hieß die Senke zwischen dem Fliegenhappelberg

und dem kurzen Ausläufer des Mitterbergs, auf dem

heute das Kaiser Franz Josef-Museum steht. Den Namen

kann der Graben nur von der Waldweide des lieben Borstenviehs

haben. Es ist bezeichnend, dass um 1406/1411 der

„Saufriedl“, also wohl ein Schweinehirt namens Friedrich,

in der Umgebung einige kleine Weingärten hatte. 18 So

konnte er sich sinnvoll beschäftigen, während seine

Schützlinge außerhalb des Gebirgszauns vergnügt den

Waldboden durchwühlten.

Im 17. Jahrhundert scheint die Schweinemast im Wald,

zumindest in dieser Gegend, abgekommen zu sein, denn

1641 wird das Schweintal nur mehr als namenloser „verwachsener

Graben“ angeführt, und eine Generation später

war der Name so gut wie ausgestorben.

Heute entspricht dem Schweintal das obere Ende der

Hochstraße (oberhalb der Johann Wagenhofer-Straße). Der

Graben setzt sich jedoch bis weit in den Wald fort. Er ist

durch einen wunderschönen Serpentinenweg erschlossen

(blau markiert), und am oberen Ende steht die Ludwig

Brunner-Hütte der „Österreichischen Naturfreunde“.


Das Glätzl

Als Glätzl möchte ich den kleinen Ausläufer des Mitterbergs

bezeichnen, auf dem heute das Kaiser Franz Josef-

Museum steht. Er trennt das Schweintal vom oberen Teil

der Talsenke, in der heute die Gamingerstraße verläuft.

Seine Ostseite war 1367 von den Weingärten Glatz und

Glätzl bedeckt, über denen bis ins 19. Jahrhundert ein

„unbenutzbarer Steinriegel“ (1819 Parzelle 531) aufragte,

der 1904 dem Baugrund für das Museum einverleibt wurde.

19 Dieser unbewachsene, „glatzköpfige“ Hügel mag als

„Glätzl“ bezeichnet worden sein und seinen Namen an die

Weingärten weitergegeben haben.

Die Talsenke der Gamingerstraße

Zwischen dem Glätzl bzw., nach der Einmündung des

Schweintals, dem Fliegenhappelberg und dem Bergrücken,

auf dem heute die Mitterbergstraße verläuft, liegt eine

markante Senke, auf deren Sohle heute die Gamingerstraße

angelegt ist. Ein eigener Name für dieses Tal ist, soweit ich

sehe, nicht überliefert.

Der Bergrücken der Mitterbergstraße

Ein namenloser, von Nordwest nach Südost verlaufender

Bergrücken trennt die beiden Talsysteme des Mitterbergs:

Östlich liegt die schon beschriebene Senke Schweintal -

Gamingerstraße, westlich der Kessel des Teuftals und der

Bergsteiggasse.

Dieser Rücken beginnt am Waldrand mit einem „unbenutzbaren

Steinriegel“ (1819 Parzelle 494), setzt sich zwischen

den Weingärten Brenner und Popp fort bis zu einem

weiteren langgezogenen Steinriegel (1819 Parzelle 449),

der die Rieden Kienästel einerseits und Brunsbeck und

Rüssel andererseits trennt und dann in die Mitterbergstraße

mündet. Von hier an verläuft auf seinem Kamm ein Weg,

der einst so steinig war, dass er Schuhreißerweg hieß -

heute ist er längst domestiziert und führt den fast spießbürgerlichen

Namen Mitterbergstraße.

Teuftal und Bergsteiggasse

1367 Teuffental (erschlossen aus dem Namen des

Weingartens Teuffentaler)

1465 Tewfftal

1595 Teuffenthal, Teuffengraben

1615 des teufels thaill 20

Teufental = tiefes Tal, so hieß schon 1367 der Taleinschnitt,

der sich ein Stück westlich der Faberhöhe weit

den Mitterberg hinaufzieht. Die beiderseits davon gelegenen

Weingärten hießen bis ins 16. Jahrhundert Teufentaler

oder Brunner, wobei sich auf die Dauer letzterer Name

durchsetzte. Wenn er nicht auf einen frühen Besitzer zurückgeht

(den wir freilich nicht mehr kennen), lässt dieser

Riedname darauf schließen, dass der Graben genügend

Wasser führte, um hier einen Brunnen einzurichten. Südlich

des Waldrandes setzt sich die Rinne des Teuftals in

der Marika Rökk-Gasse fort. Sie war hier schon so seicht,

dass im 17. Jahrhundert das Missverständnis aufkommen

konnte, es handle sich nicht um ein tiefes Tal, sondern um

des Teufels Teil! Genau das umgekehrte Schicksal der

Putschanerlucken, die als „Teufelslucken“ begonnen hatte

und als „Tiefe Lucken“ endete!

Südlich des Schuhreißerwegs (Mitterbergstraße), der hier

parallel zum Waldrand verlief, ist die Rinne kaum mehr

erkennbar, muss aber durch die so genannten Langweingärten

verlaufen sein. An deren unterem Ende folgte sie dann

dem langgestreckten Steinriegel, der 1819 die Parzellen-

4

nummer 709 bekam, und mündete gemeinsam mit diesem

in die Bergsteiggasse. Deren unteres Ende (inklusive des

steilen Stückes der Schlossgasse) ist 1785 als breiter

Bründelgraben, der in den Mühlbach gehet, beschrieben. 21

Falls „Bründelgraben“ nicht einfach ein gedankenloses

Synonym für „Wassergraben“ ist, bestätigt diese Formulierung

die Vermutung, dass weiter oben ein Brunnen betrieben

wurde.

Im Übrigen war die Bergsteiggasse in ihrer ganzen heutigen

Länge ein tiefer Taleinschnitt, über den bei Schneeschmelze

und Wolkenbrüchen der Tachenstein entwässerte

und gemeinsam mit dem ständig wasserführenden Teuftal

wahrscheinlich gelegentlich für Wasserschäden und Vermurungen

der unterhalb gelegenen Weikersdorfer

Grundstücke sorgte. Daher hieß die spätere Bergsteiggasse

in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einfach „der

Hohlweg“ - das wurde als so eindeutig empfunden, dass,

z.B. im Ratsprotokoll, keinerlei erklärende Zusätze notwendig

waren. 22 1891 erhielt der Hohlweg den bis heute

gültigen Namen Bergsteiggasse.

StA Melk, Burgfrieden 1695 (Ausschnitt)

Links im Bild die Schwechat; EE der Tagenstain –

DD Rauchenstain – CC Urtlstain

Der Tachenstein oder Höllenstein

1340 Techenstain

1414 Tachenstein

1449 Tehnstain, Tehenstain

1465 Höllenstain

1543 Tähenstein

1624 Tachetstain, Hollenstain

1629 Dachstain

1662 Tächenstain, Hollenstain

1695 Tagenstain 23

1795 - 1880 Tagenstein

1796 der Hohle Stein

1819 Höllen- oder Trachenstein (!)

1912 Dachberg 24

Ausdrücklich als Bergname ist Tachenstein 1340 zum

ersten Mal erwähnt - seitdem hören wir immer wieder von

Häusern und Grundstücken ob und unter dem Tachenstein.

Um nur ein prominentes Beispiel zu nennen: Das Haus

Helenenstraße 62 (später Schönfeld-Villa, heute Villa

Bavaria) lag 1543 „unter dem Tähenstein“. 25

Nun ist aber in Baden bereits seit ca. 1285 das ritterliche

Geschlecht der Tachensteiner urkundlich belegt, 1491 wird

es als ausgestorben erwähnt. 26 Da eher die Ritter nach dem

Berg benannt waren als umgekehrt, dürfen wir annehmen,

dass der Bergname Tachenstein schon vor 1285 üblich war

- mittelhochdeutsch „tahe“ bedeutet Dohle, für einen Berg-


namen durchaus passend. 27 Die Ritter werden irgendwo in

der Nähe ihre erste Badener Residenz aufgeschlagen und

sich fortan danach benannt haben. Auch die Tatsache, dass

die Tachensteiner, seit wir sie kennen, als Wappen zwei

Keile in einem ledigen Feld führen statt einem sprechenden

Wappen mit dem Bild einer Dohle, könnte darauf hindeuten,

dass die Bezeichnung „von Tachenstein“ sekundär ist.

Wie auch immer, die langgezogene, schroffe Felsklippe,

die den Mitterberg gegen die Helenenstraße abgrenzt, hieß

Tachenstein. Als dieser Name unverständlich wurde, kam

es zu Umdeutungen wie Tagenstein oder Tachetstein, wobei

Tachet so viel wie „Tonerde“ bedeutete. Am oberen

Ende des Weinbaugebietes hatte der Tachenstein einen

felsigen Ausläufer in Richtung Teuftal, dessen markanteste

Erhebung im Grundriss wie ein V geformt war und wegen

der drei charakteristischen Kuppen an den Eckpunkten

Dreifuß hieß.

Wappen der Tachensteiner, 1370

(Stadtarchiv Baden, Urk. E 26;

Zeichnung Barbara Märzweiler)

Als von Wind, Wetter und Menschenhand leicht bearbeitbare

Kalkklippe gab es im Tachenstein eine ganze Menge

Höhlen. Trotz ihrer geringen Ausdehnung waren (und

sind!) diese besonders auf der praktisch vegetationslosen

Wetterseite weithin zu sehen und führten dazu, dass der

Tachenstein bis ins 19. Jahrhundert gelegentlich als Höllenstein

bezeichnet wurde - wobei die Rechtschreibung von

Höhle und Hölle in früheren Jahrhunderten nicht unterschieden

wurde. Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts

erfahren wir, dass die Weingartenried Saustallen ihren

Namen von einer „Hölle“ namens Saustall habe! Aber

natürlich dachte das romantische 19. Jahrhundert an Hölle,

Teufel und sonstige Ungeheuer, und weil es so gut dazupasste,

machte man aus dem Tachenstein auch gleich einen

Drachenstein! 28

Die Grenzbeschreibungen der Jahre 1624 und 1662 differenzieren

zwischen den beiden Bergnamen. 1662 erfahren

wir ausdrücklich, dass mit Tachenstein die Felswände

gemeint seien, während der Höllenstein ein Gipfel sei,

welcher sich mit dem spitz hereinwerths gegen den berg

undt gebürg naiget. 29 Nach dem Sprachgebrauch der

Grundbücher scheint diese Unterscheidung eher künstlich,

doch auf Kolbes Jurisdiktionsplan 1796 ist ein bestimmter

Punkt des Gebirges als „Hohler Stein“ bezeichnet, was

wieder eher für eine Differenzierung spricht. Spätestens im

19. Jahrhundert waren die beiden Begriffe austauschbar.

Im Süden endete der Tachenstein mit einer malerischen

Felswand zur Karlsgasse, der so genannten Tachensteinwand,

und einem niedrigen Felssporn am Ende der Ried

Unbescheiden. Erst als dieser 1834 gesprengt wurde, konnte

die Karlsgasse eröffnet werden, die heute die Marchetstraße

mit der Helenenstraße verbindet.

5

Der Tachenstein war lange Zeit ein ziemlich ödes Gelände,

nur an seinem Fuß gediehen ein paar Weingärten. Um

1750 gab es eine große Aktion, ihn für den Weinbau urbar

zu machen, doch war ihr wenig Erfolg beschieden. Die

öden Weingärten kaufte 1806/1807 zu einem guten Teil

die Gräfin Alexandrowitsch auf, um für Spaziergänger eine

Verbindung von Baden zu den Promenaden um Rauhenstein

zu eröffnen. Ähnliches tat von der Helenentalseite

her Baron Schönfeld, um den Park seiner Villa zu erweitern.

Man sprach nun nur noch von den „Alexandrowitsch-

Anlagen“ und den „Schönfeld-Anlagen“, ab 1849 wurden

auch die bisher unbebauten Flächen mit Schwarzföhren

aufgeforstet, 30 und die Erinnerung an den alten Namen

Tachenstein begann zu verblassen. Noch 1912 lässt uns der

Lokalhistoriker Paul Tausig wissen, dass der Berg, an dem

die Schönfeld-Villa (heute „Villa Bavaria“) lehne, im

Volksmund seiner Zeit als „Dachberg“ bezeichnet wird,

erklärt aber dann den Namen damit, dass im Dachraum der

Villa ein Theater eingebaut war. 31 Letzteres ist zwar zutreffend,

doch die Namenserklärung ist nach all dem Gesagten

natürlich unhistorisch. Heute dürfte der Name Tachenstein

gänzlich erloschen sein.

Der „Höllenstein“ oberhalb der Villa Bavaria, Helenenstraße 62

(Foto R. Maurer, 2009)

Das Wegnetz des Mitterbergs

Das Wegnetz des Mitterbergs war zum Großteil naturräumlich

vorgegeben. Von einigen Fahrwegen ging ein dichtes

Netz von Fußwegen, so genannten „Wendelstätten“, aus,

die meist auf den Rainen zwischen den Weingärten verliefen.

Auffallend ist hier der Sprachgebrauch der Grundbücher,

der vom heutigen abweicht: Während heute eine

„Gstätten“ ein verwahrlostes Grundstück ist, verstand man

darunter in früheren Jahrhunderten den Rain, der die einzelnen

Weingärten trennte. Trotzdem sagte man, wenn

zwei Grundstücke zusammengelegt wurden, „in ein Rain

zogen“. 32 Immer wieder gab es so genannte „hoche Gstätten“

oder „erhöhte Gstätten“ - wir würden heute „Geländestufen“

oder „Terrassen“ sagen. 33

Die Wendelstätten sind in den Grundbüchern kaum genannt,

und die Fahrwege scheinen zwar auf, haben aber bis

weit ins 19. Jahrhundert keine festen oder gar amtlich festgelegten

Namen. Wie ich bereits in meiner Broschüre über

den Badnerberg auführlich dargelegt habe, wurden sie

häufig einfach als „Fahrweg“ schlechthin bezeichnet, weil

man ohnehin wusste, wovon man sprach, oder wenn man


sie benannte, dann meist nach dem Ziel, zu dem sie führten.

Aber auch das war von Benützer zu Benützer verschieden:

Bei ein und demselben Weg konnte es eine

Weingartenried sein oder ein Fernziel wie Gaaden, ja sogar

der Wald, wenn man bergauf ging, oder Weikersdorf, wenn

man ans Bergabgehen dachte!

Mitterbergweg / Marchetstraße

Bis zum Ende des verbauten Gebietes, das durch das Urlaubskreuz

an der Ecke der Pelzgasse bezeichnet war, hieß

die Marchetstraße seit dem ausgehenden Mittelalter

„Renngasse vor der Stadt“. Die anschließende Strecke bis

zur Kornhäuselgasse wurde einfach nur „der Weg“ genannt,

später auch Mitterbergweg oder Mitterbergstraße:

1465, 1531 Weg

1698, 1795 Fahrtweg

1805, 1812, 1822 Mitterbergweg

1818 Mitterbergerstraße 34

1789 wurde auf einem niemahlen gebauten Grund an der

Ecke des Mitterbergwegs und der Putschanerlucken der

Vorläufer des Hauses Marchetstraße 30 errichtet. Mit diesem

Startschuss zur Verbauung der oberen Marchetstraße

war der Weg zur Gasse geworden, immer häufiger wurde

er nun Berggasse genannt, und 1805 fand dieser Name

auch Aufnahme in den ersten gedruckten Häuser-

Schematismus der Stadt Baden. 1816 hatte die Berggasse

bereits die heutige Ausdehnung, d.h. auch das untere

Stück, die einstige „Renngasse vor der Stadt“, war nun

einbezogen. 1873 wurde die allzu bescheidene Berggasse

zu einer Bergstraße aufgewertet. 1913 wurde diese zu

Ehren des Reichsratsabgeordneten und Unterrichtsministers

Dr. Gustav Marchet (1846 - 1916) in Marchetstraße

umbenannt. 35

Unbescheidengasse / Karlsgasse

Der Feldweg, der die Marchetstraße bis zum Tachenstein

fortsetzte, hieß im 15. Jahrhundert nach der bedeutendsten

Ried, die dort lag, Unbeschaidngassn. 36 Erst als er 1834

bis zur Helenenstraße verlängert wurde, erhielt er den

Namen Karlsgasse.

Haunoldstal / Andreas Hofer-Zeile

Über die vielen Namen des Haunoldstals haben wir bereits

gehört. Sie alle bezeichneten auch den Weg, der über den

Hammerergraben zum Gaadnerweg führte. Dieser rauhe

Weg hatte überregionale Bedeutung - für die westliche

Hälfte Badens war er der kürzeste Weg nach Gaaden!

Bereits auf Kolbes Jurisdiktionsplan 1796 ist die Kurve

eingezeichnet, mit der die Andreas Hofer-Zeile bis heute

beginnt. Sie bestand wohl bereits seit dem Beginn des

Weinbaus in dieser Gegend, denn bei einer direkten Abfahrt,

wie sie heute die Mozartstraße hat, hätten die Pferdchen

die vollen Erntewagen kaum „derbremsen“ können.

An der Stelle, wo heute das kurze Verbindungsstück zur

Mozartstraße liegt, zweigte Jahrhunderte lang der Schuhreißerweg

ab, der für etwa zwei Drittel des Mitterbergs als

Erschließungsweg diente und im Wesentlichen der heutigen

Mitterbergstraße entspricht. Besonders zur Lesezeit

muss die Auffahrt zum Haunoldstal bis zu dieser Abzweigung

geradezu ein „Flaschenhals“ im Wagenverkehr gewesen

sein. Erst vom Schuhreißerweg aus verteilten sich die

Wagen und Arbeiter über den Weinberg.

Das erste kleine Haus im Haunoldstal wurde nicht allzu

lange nach 1816 errichtet 37 und entspricht der heutigen

Adresse Andreas Hofer-Zeile 7. Dieses Haus lag auf einem

so genannten Neuriss (neu angelegten Weingarten) des

6

Kalvarienbergs, d.h. der Weg im Haunoldstal ging westlich

daran vorbei. Entweder beim Ausbau zur Straße in den

Jahren 1818/1819 oder bei der Anlage eines größeren

Gemeindebaus an der Stelle des ursprünglichen Häuschens

im Jahre 1870 wurde die Trasse geringfügig verändert und

verlief nun östlich des kleinen Hauses. Sinn der Maßnahme

mag es gewesen sein, die Kurve, die der Weg an dieser

Stelle macht, ein wenig zu entschärfen. 1909 wurde die

noch immer bescheidene und unbefestigte Straße in den

heutigen Dimensionen ausgebaut und erhielt den Namen

Andreas Hofer-Zeile. Die Verbauung, meist mit eleganten

Jugendstilvillen, ließ nicht lange auf sich warten.

Schuhreißerweg / Mitterbergstraße

Der Schuhreißerweg, der sich im Wesentlichen mit der

heutigen Mitterbergstraße und ihrer Verlängerung in den

Wald deckt, wurde als einer der Hauptzubringer des Mitterbergs

zunächst Mitterbergweg oder Bergweg genannt:

1465 Weg in den Mitterberg

nach 1531 weg gen perg

nach 1531 fartweg am Mitterperg

1630 Weg im Mitterberg 38

Da aber auch die spätere Marchetstraße so genannt wurde,

konnte man auf das unnütze Unterscheidungsmerkmal

verzichten und sprach - wie bei allen anderen Verkehrsverbindungen

- bis ins 19. Jahrhundert einfach vom Weg,

Fahrweg oder Waldweg:

1640, 1651, 1671, 1678, 1680 Fahrtweg

1653 Fahrtweg in den Wald

1680, 1698 Weg

1687, 1708, 1712, 1795 - 1880 Fahrtweg 39

Andererseits scheint aber doch ein Bedürfnis bestanden zu

haben, den Weg speziell zu bezeichnen, und so kam im 17.

Jahrhundert der originelle Name Schuhreißerweg auf:

1624 der Schuechreisser

1630, 1652, 1660, 1681, 1694, 1699 Schuechreißerweeg

1638 Schuechreisserweg

1641 Schuechraißerweg

1662 fahrtweeg, der Schuechreisser genant

1708 Schuechreyßerweg

1795 Schuhreisser Fahrtweg, Schureisserweeg 40

Unglaublich, mit wieviel Rechtschreibvarianten man ein-

und denselben Mundartausdruck schreiben konnte! Aber

die Bedeutung ist klar: Es handelte sich um einen Weg, der

das Schuhwerk über Gebühr strapazierte. Interessant ist,

dass der Schuhreißerweg ganz am Anfang, am Übergang

zur Putschanerlucken, und gegen Ende, fast schon am

Waldrand, auch Schuhreißergraben genannt wurde:

1667, 1668, 1676, 1680 Schuechreißerweeg oder

-graben (als Nachbar des Weingartens Hansgraf)

1711 Schuehreißergraben (als Nachbar des Weingartens

Hansgraf)

1713, 1795 - 1880 Schuhreißergraben (als Nachbar

des Weingartens Brunner)

1795 - 1880 Schureisergraben oder -fahrtweg (als

Nachbar des Weingarten Aufel) 41

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wanderte der Name den

Berg hinauf. 1796 bezeichnete er den heute weglosen Graben,

der östlich parallel zum Weg zur Viehtränke im Mitterbergwald

verlief, 1805 eben diesen Weg zur Viehtränke

(der 1785 noch Bildlgraben geheißen hatte):

1796 Schuhreiselgraben

1805 Schuhreisser-Graben 42


Im empfindsamen 18. Jahrhundert, wo man sich mit dem

Vermerk „salva venia“ (= mit Verlaub gesagt) entschuldigen

musste, wenn man ordinäre Wörter wie Fuß oder Kuh

in den Mund nahm oder gar schrieb, scheint auch der Name

Schuhreißerweg zu derb geklungen zu haben, denn nun

kam für die Mitterbergstraße der Name „Großer Gatterweg“

auf:

1785 Fartweg zum großen Gebürg Zaun Gattern

in sogenanten Bildel Graben

1795, 1796 Grosse Gatterweeg

1805 Gross-Gitterweg

1822 Grosse Gatterweg 43

Dieser Name ist nach dem Endpunkt des Schuhreißerwegs

gewählt, wie wir gleich hören werden.

Der Schuhreißerweg zweigte dort, wo heute das kurze

Verbindungsstück zwischen Andreas Hofer-Zeile und

Mozartstraße liegt, vom Haunoldstal ab, entsprach dann

dem ebenen Stück der Mozartstraße und den ersten Metern

der Hochstraße bis zur Abzweigung der Mitterbergstraße.

Bis dahin war der Schuhreißerweg ein Hohlweg, wie die

Bezeichnung als Graben erkennen lässt. Nach der Abzweigung

der Hochstraße (auch diese ein uralter Weingartenweg)

verlief er als Höhenweg auf dem steinigen Bergrücken,

der die beiden großen Talsenken des Mitterbergs

voneinander trennt. Etwas oberhalb der heutigen Dr.Rudolf

Klafsky-Straße verließ der Schuhreißerweg die Wasserscheide,

umrundete in einem flachen Halbkreis den von

Teuftal und Bergsteiggasse gebildeten Kessel und ging

dann geradeaus bis zum „Großen Gatter“ des Gebirgszauns,

wo er in den Bildlgraben (Weg zur Viehtränke des

Mitterbergwaldes) einmündete. Wieder weist die Benennung

als Graben darauf hin, dass diese letzte Wegstrecke

ein Hohlweg war. Im Gelände kann man bis heute sehen,

dass dieser mehrmals verlegt wurde, wenn er zu tief geworden

war.

Zahlreiche Wege niedrigerer Ordnung nahmen vom Schuhreißerweg

ihren Ausgang. Nicht alle kennen wir, doch

folgende sind in den Grundbüchern erwähnt:

*) Gleich am Anfang zweigte nach rechts der

Steigenweg (Hochstraße) ab, der im Folgenden zu besprechen

sein wird.

*) Unterhalb des heutigen Hauses Kartäuserweg 7

/ Mitterbergstraße 12 (?) zweigte halbrechts ein „unbenutzbarer

Steinriegel“ ab (1819 Parzelle 495) ab, auf dem

ein Erschließungsweg zur Ried Brunsbeck verlief, der

anfänglich Brunsbeckweg hieß, später aber - wie fast alle

anderen Wege - einfach Weg oder Fahrweg genannt wurde:

1465 Weg bei den Prunspekchen

1641 ein anderer Weg

1651, 1795 - 1880 Fahrtweg 44

Am Ende des Steinriegels ging der Brunsbeckweg noch ein

kurzes Stück nach Norden und bog dann im rechten Winkel

nach rechts ab, wo er sich auf dem „unbenutzbaren

Steinriegel“ Parzelle 509 fortsetzte und damit auch die

Weingärten Brenner und Popp erschloss.

Der alte Brunsbeckweg ist heute aufgelassen, auf ihm verläuft

die Grundstücksgrenze zwischen den Parzellen 496

und 498; der Steinriegel Parzelle 509 ist in den Verlauf der

Johann Wagenhofer-Straße integriert.

*) Der auffallende Knick des Kartäuserwegs vor

seiner Mündung in die Mitterbergstraße dürfte ebenfalls

auf einen „unbenutzbaren Steinriegel“ (Parzelle 497) zu-

7

rückgehen, auf dem ein alter Weg lag. In den Grundbüchern

ist dieser 1795 - 1880 als Wandelstatt (Fußweg)

bezeichnet. 45

*) Gegenüber diesem Steinriegel zweigte auch

nach links ein Fußweg ab, so dass fast eine Kreuzung entstand.

Dieser Weg, der die Ried Radauer in der Mitte teilte,

ist zwar bereits im 17. Jahrhundert erwähnt, hatte aber

keinen eigenen Namen, sondern wurde nur allgemein als

„Wandelstatt“ bezeichnet (belegt 1638, 1680, 1698). 46 Er

entspricht dem Anfang der heutigen Johann Strauß-Gasse.

*) Ein gutes Stück weiter oben ging es zwischen

den Weingärten Brunner und Hansgraf ins Teuftal hinauf;

heute liegt dort der Anfang der Marika Rökk-Gasse.

*) Vermutlich verlief auch auf dem „unbenutzbaren

Steinriegel“ Parzelle 814, gegenüber der Sandgräberhöhle,

die heute „Großes Sandloch“ heißt, nach links ein

Weg zu der 1819 auf der Parzelle 816 erwähnten Sandgrube,

doch ist dieser nirgends ausdrücklich erwähnt. 47

*) Und zuletzt, knapp vor dem Ende des Schuhreißerwegs,

zweigte links der Weikersdorferweg ab, der

weiter unten eigens zu besprechen sein wird. Über ihn kam

man zu den Weingärten am Tachenstein. Diese Abzweigung

gibt es noch heute, doch hat sie keine Anbindung an

die Bergsteiggasse mehr.

Wenige Schritte nach dem Weikersdorferweg erreichte der

Schuhreißerweg das Große Gatter des Gebirgszauns, wo er

in den Bildlgraben mit dem Weg zur Viehtränke im Mitterbergwald

mündete.

1891 erhielt der Schuhreißerweg den Gassennamen Mitterbergstraße;

1903 wurde deren Anfang zur Mozart- und zur

Hochstraße geschlagen, so dass der einst wichtige Erschließungsweg

heute wie eine Nebengasse der Hochstraße

wirkt.

Steigenweg / Hochstraße

Im Mittelalter dürfte der Vorläufer der Hochstraße, genau

so wie die davon abzweigende Proto-Gamingerstraße,

einfach als „Steig“, also wohl Fußweg, bezeichnet worden

sein. Der oberste Teil des Wegs (ab der Johann Wagenhofer-Straße)

gehörte zum Schweintal und wurde auch so

genannt.

Mit der Ausdehnung des Weinbaus auf den Fliegenhappelberg

um die Mitte des 15. Jahrhunderts scheint der Steig

zum Fahrweg ausgebaut worden zu sein, denn nun hieß er

Weg, Fahrweg oder Bergweg:

1637 Weg

1643, 1693 Weg in Perg

1686, 1702 Fahrtweg 48

Zu welchen Schwierigkeiten dies führen konnte, wenn man

etwa den Unterschied zur etwas unterhalb verlaufenden

Gamingerstraße klar herausstellen wollte, sehen wir im

Jahre 1637. Damals nannte das Grundbuch die Hochstraße

den obern auß beeden weegen daselbst! Kein Wunder,

dass sich im 18. Jahrhundert die Bezeichnung Steigenweg

(wenn auch etwas komplizierter formuliert) durchsetzte:

1710, 1714 Fahrtweg, so in die Steigen gehet

1795 - 1880 Fahrtweg in die Steigen 49

Der Steigenweg zweigte an derselben Stelle wie heute vom

Schuhreißerweg ab. Im Zwickel dieser Abzweigung stand

die Hüterhütte des Mitterbergs. Weiter verlief der Steigenweg

etwa auf der halben Höhe des Fliegenhappelbergs

bergauf bis zur Einmündung des Schweintals und folgte

dann dessen Sohle bis zum „Kleinen Gatter“ oder „Pöller-


gätterl“, durch das man vom Weinberg in den Mitterbergwald

gelangte. 50

Bei der Regulierung des Mitterbergs 1891 wurde der Steigenweg

ein wenig nach unten bis zur Mozartstraße verlängert,

so dass nun die Mitterbergstraße (der ehem. Schuhreißerweg)

von der Hochstraße abzweigt (statt umgekehrt,

wie bisher).

Die Gamingerstraße

Im Mittelalter dürfte der Vorläufer der Gamingerstraße

einfach als „Steig“, also wohl Fußweg, bezeichnet worden

sein, so lässt es zumindest die Benennung der rechts und

links davon gelegenen Weingartenrieden vermuten. Auch

hier scheint die Frühneuzeit eine Aufwertung zum Fahrweg

mit sich gebracht zu haben:

1638, 1649 Weg

1795 - 1880 Fahrtweg 51

Der Vorläufer der Gamingerstraße zweigte an derselben

Stelle wie heute vom Steigenweg (Hochstraße) ab und

folgte der Sohle der Talsenke zwischen Fliegenhappelberg

und Schuhreißerweg (Mitterbergstraße). Einen eigenen

Namen bekam er erst bei der Regulierung des Mitterbergs

1891 - seitdem erinnert er an die Kartause Gaming, die

Jahrhunderte lang Bergherrin des Mitterbergs gewesen

war.

1795 erfahren wir, dass zwischen den Rieden Rüssel und

Weikersdorfer eine allgemeine Wendelstatt von der Gamingerstraße

abzweigte. Dieser Fußweg war oberhalb des

Weingartens Rüssel durch eine Mauer abgestützt und entspricht

dem Anfang des heutigen Kartäuserwegs. 52

Steinbruchweg / Bergsteiggasse

Wie wir schon gehört haben, verläuft die Bergsteiggasse

zum größten Teil in der Talsohle des Kessels, der die westliche

Hälfte des Mitterbergs bildet. Mit der Marchetstraße

und der Mitterbergstraße gehörte sie zu den wichtigsten

Erschließungswegen des Weinbergs, trotzdem wird sie von

1465 bis 1795/1880 mit großer Beharrlichkeit einfach Weg

oder Fahrweg genannt. 53

1465 versuchte man es einmal mit der Bezeichnung „Grubenweg“

(weg zunagst den Grueben), doch konnte sich der

Name genauso wenig durchsetzen wie der „Mitterbergweg“

des 17. Jahrhunderts:

1640 gemeiner farthweeg, so bey den Mitterberger

fürübergehet

1665 Weg, der an Mitterberg gehet 54

Da es diesem Namen an Eindeutigkeit fehlte, konnte man

gleich bei „Fahrweg“ bleiben. Sinnvoller und daher erfolgreicher

war die 1795 geschaffene Bezeichnung Steinbruchweg:

1795 - 1880 Weg, so in den Steinbruch gehet

1796 Steinbruchweeg 55

Über den Steinbruchweg entwässerte der Tachenstein und

der ganze westliche Kessel des Mitterbergs inklusive des

Teuftals mit seinem Brunnen. So wird der Weg auch ausgesehen

haben! Nicht umsonst wird seine Mündung in die

Marchetstraße 1785 als ein breiter Bründelgraben, der in

den Mühlbach gehet, beschrieben. 56

Entsprechend seiner Länge gingen vom Steinbruchweg

zahlreiche Nebenwege aus. Die erste Abzweigung rechts

war der „unbenutzbare Steinriegel“ Parzelle 623. Sicherlich

wurde diese Geländestufe, entlang der heute die Wiener

Wasserleitung und die Schubertgasse verlaufen, seit

8

jeher als Fußweg genützt - die Grundbücher wissen freilich

nichts davon.

Auch der langgestreckte und verzweigte „unbenutzbare

Steinriegel“ Parzelle 709 diente als Gehweg und teilweise

sogar als Fahrweg.

1689 Weg

1795 gemeine Wendelstatt, Fahrtweeg 57

Heute entspricht dieser Komplex dem Verbindungsstück

der Mozartstraße zur Bergsteiggasse, dem Anfang der

Richard Genée-Straße und der Anfangskurve der Johann

Strauß-Gasse.

Zwischen der Verbindung zur Mozartstraße und dem „unbenutzbaren

Grund“ Parzelle 708, der heute den Anfang

der Max Schönherr-Gasse bildet, ist 1819 ein in den

Grundbüchern nicht erwähnter Verbindungsweg zwischen

Bergsteiggasse und Richard Genée-Gasse eingezeichnet. 58

Bald darauf zweigt links die Josef Müllner-Gasse ab, die

bereits 1710 und 1795 als „Fahrtweg“ oder - wie originell!

- „Weg im Berg“ erwähnt ist. 59 Hier war sowohl die

Bergsteiggasse als auch die Joseph Müllner-Gasse von

einer „erhöhten Gstätten“ begleitet, über der der Weingarten

Schober lag. 60

Den Namen Bergsteiggasse erhielt der alte Steinbruchweg

erst 1891 anlässlich der Regulierung des Mitterbergs.

Weikersdorferweg / Bergsteiggasse

1795 erwähnt das Grundbuch einen Fahrtweg, so von Walt

gegen Weikerstorf gehet. In einem Protokoll desselben

Jahres heißt dieser Weikerstorfer Weeg, und wir erfahren,

dass er vom Schuhreißerweg (verlängerte Mitterbergstraße)

zu den Rieden Tachenstein, Grundweingarten, Grub

und Krümpl führte. 61

Den Namen hat dieser Weg daher, dass er über den heutigen

Rainerweg direkt nach Weikersdorf führte. Heute

entspricht er dem letzten, nach rechts abschwenkenden

Stück der Bergsteiggasse, das aber nicht mehr bis zum

Schuhreißerweg durchgeht, sondern schon vorher am

Waldrand endet.

Wolfsteinweg / Rainerweg

Wie alle Wege am Mitterberg hatte auch der heutige Rainerweg

keinen eigenen Namen, sondern wurde im Lauf der

Jahrhunderte Bergweg, Mitterbergweg oder überhaupt nur

Fahrweg genannt:

1465 weg, der aufget in den perg

1640 weg, so im perg hinaufgehet

1668, 1691 Fahrtweg

1706 Weg am Mitterberg

1795 - 1880 Fahrtweg 62

Erst zu Ende des 18. Jahrhunderts brachte er es zu einem

eigenen Namen und hieß nun Wolfsteinweg. 63 Die Bezeichnung

Rainerweg geht auf das Jahr 1874 zurück, als

Erzherzog Rainer die Villa Epstein (heute Rainervilla) am

Anfang der Karlsgasse erwarb. Zunächst wurde sie nur im

Volksmund gebraucht, heute gilt sie als offizieller Gassenname.

Wie heute begann der Rainerweg mit einer gekurvten

Rampe, ähnlich wie die Andreas Hofer-Zeile. Gleich danach

zweigte nach links der Tachensteinweg ab, der im

Folgenden zu besprechen sein wird.

Am oberen Ende der Ried Nussbamel gabelte sich der

Rainerweg. Die rechte Abzweigung entsprach etwa der

heutigen Joseph Müllner-Gasse und mündete wie heute in

die Bergsteiggasse. Die linke Abzweigung beschrieb zu-


nächst eine leichte Kurve und bog dann im rechten Winkel

nach rechts ab, wo sie ebenfalls die Bergsteiggasse erreichte

und sich im Weikersdorfer Weg fortsetzte. Dieses Verbindungsstück

zwischen Rainerweg und ehem. Weikersdorferweg

ist heute aufgelassen. Nach der eben erwähnten

leichten Kurve folgt der Rainerweg aktuell einem alten

Fußweg nach links (auf dem Franziszeischen Katasterplan

1819 sichtbar) und erreicht erst nach einer Spitzkehre

durch eine stark ausgeprägte Felsrinne (1795 als Gehweg

erwähnt) 64 den Weikersdorferweg, der heute dem steilen

Ende der Bergsteiggasse entspricht.

Tachensteinweg / Rainerweg

Neben dem Schuhreißerweg ist der Tachensteinweg die

einzige Verkehrsader des Mitterbergs, die über die Jahrhunderte

hinweg einen festen Namen hatte:

1465 weg, der da get auf den Tehenstain

1629 weg, der in den Dachstain gehet

1646 weg in Tähenstain

1693 weg in Tächenstain

1795 Fahrtweg, Steinbruch-Weeg 65

Vom Spätmittelalter bis ins späte 18. Jahrhunderte bestand

also der Name Tachensteinweg, dann versuchte man es mit

dem weniger eindeutigen „Steinbruchweg“, doch gingen

seit 1806/1807, als die Gräfin Alexandrowitsch ihren

Waldpark schuf, die traditionellen Weg- und Bergnamen

dieses Bereichs überhaupt verloren, weil man künftig nur

mehr von den Alexandrowitsch-Anlagen sprach.

Der Tachensteinweg zweigte gleich nach dem Anfang des

Rainerwegs nach links ab und erschloss die Weingärten

und Steinbrüche des Tachensteins. Das erste Stück dieses

Wegs ist bis heute erhalten. Es handelt sich um den grün

markierten Wanderweg, der vor der Rainervilla unter einer

Brücke durchgeht, dann allerdings nicht wie früher den

Tachenstein erschließt, sondern bis zu dem Weg durchgezogen

ist, der einst den Gebirgszaun begleitete. Verwirrenderweise

heißt auch dieser Wanderweg, der dann in

einem weiten Bogen quer über den Mitterberg in den Kurpark

führt, Rainerweg.

Eingangsbereich der Rainervilla (Karlsgasse 2 – 4), 1903

Rechts die Brücke über den Tachensteinweg

Weg am Gebirgszaun - Bildlgraben

Der Gebirgszaun, der das Weinbaugebiet vom Wald trennte,

wurde von einem Weg begleitet, auf dem der Hüter in

bestimmten Abständen den Zaun zu kontrollieren und das

Wild zu verscheuchen hatte. Am Tachenstein fielen Gebirgszaun

und Weg mit der Grenze zur Herrschaft Rauhenstein

zusammen, die ziemlich genau an der Helenental-

9

seitigen Kante des felsigen Berges verlief. Der heutige,

grün markierte Rainerweg, der über den eben besprochenen

Tachensteinweg zu erreichen ist, folgt in etwa dieser

Grenze, doch wurde er für die Spaziergänger in Serpentinenform

ausgebaut. Immer wieder leuchtet links aus dem

Gestrüpp ein weißer Grenzstein hervor.

Beim „Großen Gatter“, also an der Ausfahrt aus dem

Weinberg am Ende der Mitterbergstraße, zweigten von

dem Grenzweg mehrere Routen ab. Die wichtigste war der

Siegenfelderweg, der noch heute über Jungendbrunnen und

Brandgraben nach Siegenfeld führt. In Richtung halbrechts

dagegen ging der Grenzweg weiter, der hier Bildlgraben

hieß und, wie wir 1662 erfahren, als Verbindung nach

Gaaden und in die Brühl bei Mödling galt. 66 Auch dieser

Weg ist heute für die Spaziergänger bequemer angelegt.

An seinem Anfang grüßt derzeit (2009) eine große Fahrverbotstafel

für Radfahrer. Gleich dahinter überquert die

Rauhensteiner Grenze von links kommend den Weg. Nun

begleiten uns die Grenzsteine ziemlich weit rechts des

Weges. Wenn wir wollen, können wir rechts einen blau

markierten Weg als Abschneider verwenden (er verläuft

auch näher an der Grenzlinie), doch kehren wir beim

nächsten Schnittpunkt auf den unmarkierten Weg zurück.

Diesem folgen wir nun längere Zeit ziemlich geradeaus

bergauf bis zu einer kleinen Sandgrube am linken Wegrand.

Schräg gegenüber schneidet von rechts die Grenzlinie

herein und verläuft nun direkt am Weg. Einige Minuten

später erreichen wir einen spätgotischen Grenzstein und,

wenige Schritte weiter, fast schon an der Siegenfelder

Grenze, die Viehtränke der Badener Waldweide, von der

wir später noch hören werden. Der Grenzstein hat, was an

sich schon selten ist, die Form einer Stele mit massivem

Sockel und Spitzgiebel. Bereits 1662 ist er als alt bezeichnet,

angeblich hatte er damals „eines rechten Mannes Länge“

67 (Heute ist er nur mehr knapp 1 m hoch, doch wissen

wir nicht, wie tief er in der Erde steckt). Eine Beschreibung

von 1819 bezeichnet ihn als einen großen, rauhen, unkenntlich

bezeichneten Grenzstein, der 59 Klafter (rund

110m) von der Siegenfelder Grenze entfernt sei. 68

Der gotische Grenzstein im Mitterbergwald, 1468 (?)

Da sich die Flechten mit Vorliebe an der Kerbe des Schildrandes

angesetzt haben, ist der Wappenschild zu erahnen.


Ich glaube, an der vom Weg abgewandten Seite die Reste

eines Wappens mit Bindenschild auszunehmen. Das würde

auf die Puchheimer deuten, die von 1386 bis 1466 Herren

von Rauhenstein waren, könnte aber auch aus der Zeit

1466 - 1516 stammen, in der Rauhenstein landesfürstlich

war. 1662 sah man auf dem Sockel ein Gaminger Wappen

mit dem Buchstaben G, dieses ist an der Wegseite zu erahnen.

Das würde darauf deuten, dass der Stein einmal umgefallen

war und verkehrt wieder aufgestellt wurde, denn die

Beschriftung eines Grenzsteins ist immer dem Grundstück

zugewandt, das sie bezeichnet. 1624 soll beim Gaminger

Wappen auch noch die Jahreszahl 1578 zu lesen gewesen

sein, 69 doch da diese Inschrift schon 1662 verschwunden

war, möchte ich annehmen, dass es sich dabei um einen

Lesefehler für 1468 handelt (dafür spricht auch, dass die

Gaminger Grundbücher 1467/68 neu angelegt wurden).

Auf jeden Fall ist der Stein, gemeinsam mit der Viehtränke,

eines der ehrwürdigsten kulturhistorischen Denkmale

des Mitterbergs!

Die Bezeichnung des Wegs als Graben kann sich nur darauf

beziehen, dass es sich um einen Hohlweg handelte,

denn ein Graben als natürliche Geländeformation lag in

diesem Fall nicht vor. Der nur 1785 erwähnte Name

Bildlgraben kommt wohl von einem Heiligenbild, das hier

jemand aufgehängt hatte, und als die kleine Waldandacht

zerfallen war, ging auch der Wegname wieder verloren.

Oder sollte der bescheidene Bildbaum, der am Ende des

Weges an der Siegenfelder Grenze steht (auch in der Österreich-Karte

1 : 50.000 eingezeichnet), ein entfernter Nachkomme

des einstigen Namengebers sein?

II. Die Bergherrschaft des Mitterbergs

Die landesfürstliche Verwaltung

Bis 1338 waren die österreichischen Landesfürsten Grundherren

des Mitterbergs und des nördlich angrenzenden

Mitterbergwaldes. Das war eine Tradition, die noch auf die

Karolingerzeit zurückging, als Baden eine königliche Pfalz

gewesen war. Damals herrschte die so genannte „Villikationsverfassung“,

d.h. Handwerker, Weinbauern usw. arbeiteten

für einen zentralen Wirtschaftshof, der wahrscheinlich

bereits damals an der Stelle des späteren landesfürstlichen

Berghofs (heute Rathausgasse 11) lag. Einen Teil

ihrer Produktion hatten die unfreien oder halbfreien Untertanen

dort abzuliefern, vom Rest konnten sie leben. Ähnlich,

wenn auch in kleinerem Maßstab, waren auch die

freien Bauern mit den von ihnen abhängigen Unfreien und

Halbfreien organisiert. Geld brauchte man für eine solche

Wirtschaftsform nicht und daher gab es auch keines.

Im 10. Jahrhundert geriet das „Ostland“, wie unsere Gegend

damals hieß, in ungarische Abhängigkeit. Wer das

Debakel des Machtwechsels überlebte, wurschtelte weiter

wie bisher, und als der Alpenostrand ab dem Jahr 1002

wieder Teil der Markgrafschaft Ostarrichi wurde, waren

die inzwischen 150 Jahre alten Organisationsstrukturen

zwar verfallen, aber in den Grundzügen noch immer vorhanden.

Als im Jahre 1043 die Leitha als Grenze zu Ungarn

vertraglich fixiert wurde und man sich nicht mehr vor

den Einfällen der stets unternehmungslustigen Nachbarn

fürchten musste, begann in Ostarrichi eine Kolonisations-

und Wachstumsperiode, die fast 300 Jahre lang anhielt.

10

Man muss sich einmal vorstellen, wie klein Baden damals

war. Besiedelt waren nur die rechte Seite der Frauengasse

(gerade Nummern), die Westseite des Hauptplatzes und die

Renngasse. Dazu kamen die Gebäude der ehemaligen

Pfalz: der Berghof in der Rathausgasse, die vielleicht noch

immer teilweise genützten Ruinen der römischen Therme

im Kurpark, eventuell ein wehrhaftes Gebäude an der Stelle

der späteren Burg Baden (heute Pfarrschule) und die alte

Pfalzkapelle (eine römische Friedhofskapelle, aus der sich

die Pfarrkirche St.Stephan entwickeln sollte) - das war

alles! 70

Wozu dieser Überblick, wo doch der Mitterberg unser

Thema ist? Um begreiflich zu machen, dass diese geringe

Bevölkerung mit dem Weinbaugebiet des Mitterbergs bei

Weitem ihr Auslangen fand. Der spätere Mitterberg war

DER Badener Weinberg schlechthin und hieß daher bis ins

14. Jahrhundert Badnerberg! Die frühen Nennungen des

Badnerbergs in lateinischer Sprache (1166/1187 mons

Badensis, 1216 mons Baden) beziehen sich alle auf den

Mitterberg!

Das sollte sich mit der babenbergischen Kolonisation ab

der zweiten Hälfte des 11. Jahrunderts gründlich ändern.

Der Mitterberg wurde nun neu parzelliert, als Basiseinheiten

wurden Weingärten geschaffen, die einen jährlichen

Grunddienst von 1 Eimer Most abzuliefern hatten. Je nach

Lage und Bodenqualität des Grundstückes umfasste die

Fläche, die diese Normabgabe zu leisten hatte, 12, 16, 24,

36 oder 48 Tagwerk. Wie weit bei dieser Neuorganisation

ältere Strukturen berücksichtigt wurden, ist mit den erhaltenen

Unterlagen nicht festzustellen.

Nach demselben Prinzip ging man an die Gewinnung neuer

Weinbauflächen. Den Anfang machte der Kalvarienberg,

der daher den Namen Neuberg bekam; dann folgte der

heutige Badnerberg, der damals zur Einöde gezählt wurde.

Dort glaube ich, sogar das „Koordinatenkreuz“ entdeckt zu

haben, von dem die Vermessung ihren Ausgang nahm.

Erst mit dem kräftigen Anwachsen der Ortschaft Baden,

bis etwa 1350 war der Siedlungsschwerpunkt so weit nach

Osten verlagert, dass der heutige Badnerberg als solcher

empfunden und auch so benannt wurde - für uns ist der

Name Padner Perg im heutigen Sinn 1301 erstmals urkundlich

fassbar. Damit war der bisherige Badnerberg

sozusagen entthront und erhielt den Namen Mitterberg.

Wir haben schon gehört, dass dieser Ausdruck 1357 erstmals

belegt ist und sich durch die Lage inmitten der anderen

herzoglichen bzw. Gaminger Weinberge erklären lässt.

Im Unterbewusstsein der Leute scheint aber der ursprüngliche

Begriff noch lange lebendig geblieben zu sein. In den

Heiligenkreuzer Grundbüchern z.B. findet sich immer

wieder statt „Mitterberg“ die veraltete Bezeichnung

„Baadner Gebürg“ (zuletzt 1686 und 1702). 71

Trotz aller Neuerungen, die die babenbergischen Aufschließungsarbeiten

mit sich brachten, blieb es zunächst

bei der alten Meierhofwirtschaft. Alles Land blieb Eigentum

des Landesfürsten und wurde für diesen bewirtschaftet.

Um freilich die Kolonisation voranzutreiben, schenkten

die Babenberger ihren Getreuen schöne Landstücke, auf

denen sie mit ihrem Gefolge Ansitze errichten und ihrerseits

Grundstücke zur Bearbeitung vergeben konnten. So

entstanden Rauheneck, Rauhenstein und die anderen Burgen

der Umgebung, und so entstand vor allem eine Reihe

schöner „Stadtwohnungen“ mit eigener Thermalquelle,


vom Heiligenkreuzerhof über die Marchetstraße und den

Mariazellerhof bis zum späteren Schloss Gutenbrunn.

Natürlich wurde jeder dieser Gutshöfe auch mit den entsprechenden

Wirtschaftsgrundstücken ausgestattet, die, wie

ich bereits mehrfach nachweisen konnte, häufig nach einer

Art „Doppelpack-Prinzip“ vergeben wurden: Die geförderte

Person oder Institution erhielt zwei nicht allzu weit von

einander entfernte, etwa gleich große Grundstücke. Der

Sinn dieser Vorgangsweise ist noch nicht geklärt, denn für

eine Vorsichtsmaßnahme gegen Hagel o.ä. liegen die Flächen

im Allgemeinen zu nahe beinander.

In der Frühzeit erfolgten diese Schenkungen und sonstigen

Vergabungen als freie Eigen, d.h. die neuen Eigentümer

waren ihre eigenen Herren und hatten außer dem gesetzlichen

Zehent keinerlei Abgaben zu entrichten. Später dagegen

behielten sich die Landesfürsten eine Art Obereigentum

vor, die so genannte „Grundobrigkeit“, d.h. die neuen

Besitzer hatten einen jährlichen Grunddienst zu entrichten,

mussten weitere Besitzveränderungen melden und dafür

Gebühren bezahlen, konnten aber auch mit einer gewissen

Koordinations- und Schutzfunktion ihrer Obrigkeit rechnen.

Dieser Übergang von der alten Villikationsverfassung

zum wesentlich attraktiveren Lehenssystem erstreckte sich

(nicht nur in Baden) über viele Jahrzehnte des 11. und 12.

Jahrhunderts, dürfte aber in Baden ca. 1150 abgeschlossen

gewesen sein. Alle nach diesem Zeitpunkt nachweisbaren

Vergabungen durch den Landesfürsten, ob an geistliche

Institutionen oder Private, blieben dessen Grundobrigkeit

unterworfen. 72

Kleinmariazell

Von den vornehmen Residenzen in der Marchetstraße soll

uns hier besonders die der Merkensteiner interessieren. Die

ältesten Bauphasen der Burg Merkenstein bei Bad Vöslau

gehen in das 12. Jahrhundert zurück, der erste Merkensteiner

im Gefolge des Landesfürsten ist 1141 belegt. 73 Wann

die Merkensteiner ihren Badener Hof bekamen, wissen wir

nicht, doch konnten sie dem Stift Heiligenkreuz bereits um

1180/1198 einen Weingarten in Baden schenken. 74

Siegel Ulrichs von Merkenstein,

1324

(aus: Philibertus HUEBER,

Austria ex archivis Mellicensibus

illustrata, Lipsiae 1722,

tab. XIII, n. 5)

1273 ist ein Poto von Merkenstein in einer Verkaufsurkunde

als Zeuge erwähnt. 75 Da es sein erster solcher Auftritt

ist, wird er damals eher jung gewesen sein. Dieser Poto

hatte ein ernstes Problem mit dem Stift Mariazell in Österreich

(Kleinmariazell). Sein Vater oder ein anderer Verwandter

hatte dem Kloster den Badener Merkensteinerhof

mit dem zugehörigen Weingarten geschenkt! Möglicherweise

war diese Schenkung nur mündlich auf dem Totenbett

erfolgt, denn es ist keine Urkunde darüber überliefert.

Wie auch immer, Poto wollte die Schenkung nicht anerkennen

und kämpfte mit allen Mitteln, gerichtlichen und

außergerichtlichen, dagegen an. Es dauerte lange, bis der

11

Abt mürbe war (oder seine doch etwas schwache Rechtsposition

erkannte?), erst 1278 bot er dem Merkensteiner

drei (!) Höfe in Baden als Abfindung an. Das ließ sich Poto

gefallen, und damit war der Merkensteinerhof zum Mariazellerhof

geworden. 76

Gerne wüssten wir, warum Poto 1279, also nur ein Jahr

später, dem eben noch bekämpften Kloster einen Hof in

Gainfarn schenkte. 77 Kam ihm seine Position vom Vorjahr

nachträglich zu hart vor, und er versuchte auf gesichtswahrende

Weise ein wenig gutzumachen? Oder war er unvermutet

selbst in Lebensgefahr geraten und wollte etwas für

sein Seelenheil tun? Wir werden es nie erfahren, da Potos

Urkunden nicht im Original erhalten sind, doch könnte es

für letztere Antwort sprechen, dass wir nach dieser Stiftung

nie wieder von ihm hören - bei einem Mann von seiner

Stellung doch etwas ungewöhnlich!

Wie dem auch sei, Kleinmariazell hatte also in Baden

einen großen Hof mit Hofweingarten und eigener Quelle.

Wir wissen aber, dass das Stift auch die Grundherrschaft

über zwei Weingärten in den Rieden Kohlhaufen/Koller

und Kindlboint hatte. Diese beiden Weingärten lagen einander

schräg gegenüber, direkt an der Straße. 78 Nach dem

bisher Gesagten ist daher anzunehmen, dass es sich um

eine „Doppelpack-Schenkung“ des Landesfürsten handelt,

die vor ca. 1150 vollzogen wurde. Eine solche Schenkung

an Mariazell aus den Jahren zwischen 1136 und 1141 ist

bekannt, doch sind die beiden Grundstücke zweifelsfrei am

Badnerberg zu lokalisieren. 79 Da wir zwar keine Mariazeller

Originalurkunden, aber dafür ein vollständiges Verzeichnis

mit Kurzfassungen der einst vorhandenen Originaldokumente

besitzen, bleibt nur die Vermutung, dass die

gesuchte Schenkung vor ca. 1150 an die Merkensteiner

ging, künftig zum Zubehör des Merkensteinerhofs gehörte

und gemeinsam mit diesem an Mariazell kam. Bei der

Kurzfassung von Potos Verzichtsurkunde fiel dann der in

Urkunden übliche Zusatz „mit allem Zubehör“ unter den

Tisch. Wie immer die Schenkung zu Stande kam, sie

scheint von Anfang an mit einer Befreiung vom Zehent

verbunden gewesen zu sein, denn 1744 erfahren wir, dass

die beiden Mariazell unterstellten Rieden nicht nur abgaben-,

sondern auch zehentfrei waren, ohne dass eine eigene

Urkunde über diese Privilegierung bekannt wäre. 80

Mit dieser Zehentfreiheit machte Kleinmariazell dem Stift

Melk, dem der Badener Zehent zustand, viel Ärger. Die

verschiedenen Rechtsverhältnisse der einzelnen Weingärten

regten natürlich dazu an, Privilegien, die einzelnen

Weingärten zustanden, auch für andere in Anspruch zu

nehmen. Im 17. Jahrhundert schrieb ein verärgerter Lesmeister

an den Rand eines alten Melker Zehentverzeichnisses:

Herr von Mariae Cel beriembt sich viller Freiheiten,

aber khain für bracht (der Abt von Mariazell beansprucht

viele Privilegien, legt aber keine Dokumente vor). 81 Seit

1603 waren für zehentfreie Weingärten „Freisteine“ vorgeschrieben,

die auf der Seite des privilegierten Grundstückes

ein Kreuz trugen, auf der Rückseite aber das Melker

Schlüssel-Wappen - die Kleinmariazeller hatten noch 1688

keinen einzigen aufgestellt! Dafür konnte Pater Vitalis, der

Melker Lesmeister, persönlich beobachten, wie die Trauben

eines zehentpflichtigen Weingartens am Mühlbach in

den zehentfreien Weingarten Kindlboint hinaufgetragen

wurden, um so den Zehent zu ersparen. Als er daraufhin

Pater Amandus vom Mariazellerhof zur Rede stellte, sagte

dieser frech, sie machten das immer so! 82


Abgesehen von den beiden Rieden, deren Grundherr

Kleinmariazell war, konnte das Kloster im Lauf der Jahrhunderte

am Mitterberg zahlreiche Weingärten erwerben,

die weiterhin unter der Grundherrschaft des Landesfürsten

(später der Kartause Gaming) blieben.

Schon im Jahre 1258 hatte das Kloster die östliche Hälfte

der Ried Vielreich vom Stift Heiligenkreuz eingetauscht.

Gemeinsam mit dem Mariazellerhof + Zubehör genügte

das fast 150 Jahre lang als Badener Standbein der

Triestingtaler Mönche.

1367 erfahren wir, dass der magister infirmorum, in den

deutschsprachig geführten Grundbüchern als siechmaister

bezeichnet, Besitzer der vereinigten Weingärten Greidel

und Minnerl war. Diese Rieden gehörten also nicht dem

Konvent direkt, sondern waren für das Klosterkrankenhaus

zweckgewidmet. 83

1416 verkaufte ein gewisser Heinrich Forster zwei Mariazeller

Mönchen um 9 Pfund einen weingartten gelegen zu

Baaden ob des Münchshof und stehet unten an dem weeg

und andern des closters weingartten. Den einen der beiden

Mönche kennen wir namentlich, er nannte sich her Andre

Flöderl von Sand Marein zell und war wohl der vom Stift

nach Baden entsandte Verwalter des Mariazellerhofs; der

zweite war ihm als Adlatus beigegeben, wohl deshalb, weil

ein Mönch nicht allein außerhalb des Klosters verweilen

durfte. Die Beschreibung des gekauften Grundes passt

genau auf den unteren Weingarten Kohlhaufen/Koller/

Seiler, der an die gleichnamige, der Mariazeller Bergherrschaft

unterstehende Ried an der Marchetstraße stieß. Dieser

ist zwar im Gaminger Bergbuch bereits 1411 als Eigentum

des Stiftes eingetragen, aber bei der Eindeutigkeit der

Lagebeschreibung dürfen wir annehmen, dass entweder die

Verkaufsurkunde erst Jahre nach der Transaktion ausgestellt

wurde oder dass 350 Jahre später bei der Erstellung

des Archivverzeichnisses ein Fehler passiert ist. 84

1435 konnte Mariazell von Wolfgang Hasler, landesfürstlichem

Pfleger der Burg Baden, die Weingärten Braun und

König erwerben, Kaufpreis 85 Pfund. 85

1513 widmete die Witwe Dorothea Seznagel ihren gesamten

Besitz für ein jährliches Totengedenken dem Kloster

Mariazell, darunter auch einen Weingarten in Baden, bey

12 tagwerg. Dieser Weingarten ist wahrscheinlich mit dem

so genannten Steinweingarten an der Ecke Marchetstraße /

Andreas Hofer-Zeile identisch, der über hundert Jahre lang

im Besitz einer Badener Bruderschaft, der Elend-Zeche,

war und nach deren Auflösung auf ungeklärtem Weg an

Kleinmariazell kam - erst nach dem I. Türkenkrieg wurde

das Kloster auch im Gaminger Bergbuch als Besitzer eingetragen.

Zwar sind dort 24 Tagwerk als offizielles Ausmaß

der Fläche angegeben, doch war es gerade in den

steinigen Teilen des Mitterbergs gang und gäbe, dass große

Teile der Weingartenflächen wegen Unwetterschäden oder

sonstigen Erosionserscheinungen ungenützt blieben. 86

Letzte Sicherheit ist hier wegen der fehlenden Lagebeschreibung

im Regest der Verkaufsurkunde nicht zu gewinnen.

Jedenfalls bot dieser Weingarten dem Stift die Gelegenheit

für eine weitere Besitzerweiterung. Der Besitzer des Nachbarweingartens

Goldsteindl war nämlich während der Ungarnkriege

in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ums

Leben gekommen, der Weingarten war herrenlos liegen

geblieben und verwildert. Stillschweigend gliederte ihn die

Mariazeller Verwaltung ihrem Steinweingarten an und

12

hatte damit dessen Fläche fast verdoppelt. Erst 1664 wurde

die Übeltat entdeckt: Herr Abbt zu Mariae Zell hat den

Stainweingartten, möcht wol dises Goltstaindl darbey sein,

massen es der augenschein im berg schon geben wirdet, so

merkte der Grundbuchschreiber misstrauisch an. Der Verdacht

bestätigte sich zwar, doch inzwischen war das

Grundstück längst ersessen. 87

Von all den Weingärten, deren Besitzer sie waren, bearbeiteten

die Mariazeller nur den Hofweingarten in Eigenregie.

Alle anderen Weingärten wurden im frühen 15. Jahrhundert

in „Halbbau“ vergeben, d.h. die Hauer bekamen den

Weingarten kostenlos zur Verfügung gestellt und mussten

nur den Grunddienst bezahlen, dafür aber die Hälfte des

Ernteertrags im Mariazellerhof abliefern. 88 Eine weniger

urtümliche Betriebsweise wählte man dann von der Mitte

des 15. bis ins 17. Jahrhundert; da wurden die Weingärten

„zu Leibgedinge“ vergeben, d.h. praktisch auf Lebenszeit

verpachtet. 89 So kamen auch weniger begüterte Mitbürger

zu einem eigenen Weingarten: Sie sparten sich die Kaufsumme

und hatten eben etwas weniger Gewinn, weil sie

davon die Pachtsumme abziehen mussten (meist 4 Schillinge

= ½ Gulden jährlich). Für das Stift wieder war unter

Umständen das höhere laufende Einkommen günstiger,

denn wo hätte man die Einmalzahlung anlegen können?

Nur über den Kauf und die wirtschaftliche Nutzung weiterer

Grundstücke hätte man sie gewinnbringend verwerten

können, und irgendwann wäre dann eine Betriebsgröße

erreicht worden, die man nicht mehr verkraftet hätte. Wir

werden gleich sehen, dass das Stift sogar mit der Verwaltung

der gut überschaubaren Anzahl von Weingärten, die

es bisher erworben hatte, auf die Dauer überfordert war.

Den gegen 1520 erreichten Höhepunkt seines Besitzstandes

am Mitterberg konnte Mariazell nicht lang halten, denn

im I. Türkenkrieg 1529/1532 wurde das Stift dermaßen

verwüstet, dass die Stiftskirche erst 80 Jahre später wieder

aufgebaut werden konnte. 90 Auch dem Mariazellerhof in

Baden gelang es nicht, seinen Wirtschaftsbetrieb in vollem

Umfang aufrecht zu erhalten. Die Weingärten Greidel und

Kohlhaufen/Koller/Seiler blieben so lange brach liegen,

dass die Grundherrschaft Gaming die Geduld verlor, die

Grundstücke für „heimgefallen“ erklärte und zur Wiederbewirtschaftung

an private Betreiber weitergab - das Greidel

schon wenige Jahre nach dem Krieg, den Kohlhaufen

erst im Jahre 1595. 91

Zwischendurch wäre dem Stift fast wieder eine kleine

Erweiterung geglückt, die zwar eine an sich unbedeutende

Episode darstellte, aber hier dennoch referiert werden soll,

weil sie so typisch war. Um 1600 annektierte die Verwaltung

des Mariazellerhofs in der Ried Vielreich einen kleinen

Nachbarweingarten, den die ritterliche Familie der

Neidecker aus den Augen verloren hatte. Erst bei einer

Revision der Gaminger Einkünfte im Jahre 1640 fiel auf,

dass der Weingarten schon Jahrzehnte lang keine Abgaben

mehr gezahlt hatte. Es kam zu einem Vergleich: Mariazell

durfte den Weingarten behalten, musste aber eine Pauschalsumme

für die entgangenen Grunddienste entrichten.

Um dieses Geld hereinzukriegen, entschloss sich das Stift,

den ersessenen Grund an einen Privatmann zu verkaufen. 92

Typisch ist der Vorfall deshalb, weil er zeigt, dass es bei

den mehr als einfachen Methoden der Grundbuchverwaltung

vergangener Jahrhunderte kaum möglich war, den

Überblick über alle Grundstücke zu bewahren. Ständig


verödeten irgendwo Flächen, deren Besitzer ohne Erben

gestorben waren oder, wie im vorliegenden Fall, selbst den

Überblick verloren hatten. Nachbarn bemächtigten sich

stillschweigend der freistehenden Fläche und die Chancen

waren gut, bei der nächsten Grundbuchsrevision unbemerkt

damit durchzukommen. Der Weingarten war dann eben

unauffindbar, wurde im Grundbuch eine Zeitlang als Karteileiche

mitgeschleppt und schließlich gestrichen. Dass

man im vorliegenden Fall dem Stift auf die Schliche kam,

war einfach Pech (oder vielleicht wollte die geistliche

Verwaltung keinen Meineid schwören, dass der Weingarten

schon seit Menschengedenken dem Kloster gehöre ...).

Das 17. Jahrhundert war für den Weinbau ein Krisenjahrhundert

(Wirtschaftsflaute wegen des Dreißigjährigen

Kriegs und der ständigen Türkenkriege, Konkurrenz durch

immer mehr Bierbrauereien). Wohl deshalb schob die

Verwaltung des Mariazellerhofs Investitionen in ihre

Weingärten so lange auf, bis es zu spät war. 1663 verkaufte

das Stift die verödeten Weingärten Minnerl und König an

private Investoren, 1672 folgte der Vielreich, 1697 der

Braun (vill jahr bey gar schlechten bew erhalten, ist durch

die schäuer solcher fast ganz öed worden), 1698 das

Goldsteindl, und schließlich zwischen 1695 und 1744 auch

der Steinweingarten. 93

Als die Patres Maurus und Benedikt im April 1744 ein

Inventar des Badener Mariazellerhofs erstellten, besaß

dieser am Mitterberg nur mehr seinen Hofweingarten - und

natürlich die Grundherrschaft über Teile der Rieden Kindelboint

und Kohlhaufen/Koller/Seiler, die nun einfach

Unterried und Oberried genannt wurden und 71 bzw. 145

Pfund umfassten. 94 Als das Stift 1782 aufgehoben wurde,

hatte auch diese Herrlichkeit ein Ende.

Heiligenkreuz

Auch das Stift Heiligenkreuz hatte am Mitterberg bis zur

Aufhebung der Grundherrschaften im Jahre 1850 grundherrliche

Rechte - wenn auch nur über einen einzigen

Weingarten, der Schmiedmeister genannt wurde! Dass er

ein freies Eigen war, weist darauf hin, dass ihn der Landesfürst

bereits vor ca. 1150 aus seinem Besitz entlassen hatte.

Der Weingarten war aber auch zehentfrei, d.h. er muss vor

1215 in den Besitz des Klosters gelangt sein. 95

Tatsächlich kennen wir eine frühe Weingartenschenkung

am Mitterberg. Irgendwann zwischen 1166 und 1187 war

Leopold von Vitegeysdorf auf der Jagd oder im Kampf von

einer Lanze schwer verletzt worden und hatte im Heiligenkreuzer

Mönchsspital Heilung gefunden. Zum Dank

schenkte er dem Stift einen Weingarten am Badnerberg -

wir wissen ja schon, dass damit der Mitterberg gemeint

war! Dieser Leopold war eine wichtige Persönlichkeit im

Gefolge des Markgrafen, u.a. hatte er bei der Schenkung

des Dorfes Siegenfeld an das Stift Heiligenkreuz als Zeuge

seines Landesfürsten fungiert! 96 Da ist es durchaus vorstellbar,

dass der Markgraf seinem Getreuen schon einige

Jahre zuvor einen Weingarten geschenkte hatte, den dieser

jetzt an das Kloster weitergab.

Im Jahre 1216 hielt Heiligenkreuz in einer Urkunde fest,

dass es 9 Weingärten am Badnerberg (=Mitterberg!) habe.

In einem 1294 erstellten Urbar sind die Weingärten des

Stiftes namentlich aufgezählt. Acht davon liegen am Mitterberg

und sind auch aus den Bergbüchern der Kartause

bekannt - wo ist der neunte? Ich glaube, ihn mit dem 1294

13

genannten, bisher unidentifizierten Weingarten Viertail

gleichsetzen zu dürfen. Ein Viertel ist ein Flächenmaß, das

in Baden einem halben Joch oder 12 Tagwerk entspricht.

Der Schmiedmeister hatte 16 Tagwerk, das kann man bei

der notorischen Großzügigkeit mittelalterlicher Zahlenangaben

durchaus noch als Viertel gelten lassen. Die nicht

allzu häufige Benennung nach dem Flächenmaß könnte

darauf zurückzuführen sein, dass Heiligenkreuz wesentlich

größere, nämlich „ganze“, Weingärten gewöhnt war wie

den in der Nähe gelegenen Radauer, der 48 Tagwerk hatte.

Bis auf Weiteres möchte ich daher annehmen, dass der

1166/1187 geschenkte Weingarten am Badnerberg, der

1294 genannte Weingarten Viertail und der bis 1850 Heiligenkreuz

untertänige Schmiedmeister identisch sind.

In der schon mehrfach zitierten Urkunde des Jahres 1216

geht es um die Zehentfreiheit des Stiftes, die von Stift

Melk heftig bekämpft wurde. U.a. wurde damals festgelegt,

dass die Heiligenkreuzer Weingärten ihre Zehentfreiheit im

Falle eines Verkaufs verlieren würden. So war das Stift

dazu verurteilt, seine zehentfreien Weingärten entweder

selbst zu bearbeiten oder sie an „Halbbauer“ oder als Leibgedinge

zu vergeben. Daher verschwinden diese Weinbauflächen

immer wieder aus den Grundbüchern (solange sie

nämlich vom Stift in Eigenregie bearbeitet wurden), um

wieder aufzutauchen, wenn sie in fremde Hand gegeben

wurden. So ging es auch mit dem Schmiedmeister. Im

Urbar des Jahres 1388 ist er nicht genannt, 1435 schon,

1453 wieder nicht, ab 1515 regelmäßig (vgl. Anhang I,

Flurnamenlexikon).

Aber nicht genug damit: Von 1435 bis 1515 scheint in den

Heiligenkreuzer Grundbüchern ein weiterer grunddienstpflichtiger

Weingarten namens Gruebel (=Grübl) auf, der

aus zwei Teilen bestand (Grunddienst 1 Eimer Most bzw.

24 Pfennige). Dieser Weingarten war zwar ursprünglich

ein freies Eigen, aber nicht zehentfrei, d.h. der Landesfürst

hatte ihn zwar vor ca. 1150 aus der Hand gegeben, doch

war er erst nach 1215 in den Besitz des Stiftes gekommen.

Im Urbar von 1388 sind nur zwei grunddienstpflichtige

Weingärten genannt, die ausdrücklich am Mitterberg lagen.

Der eine gehörte Ulrich Chramer (Grunddienst 1 Eimer

Most), eine zweite Hand schrieb als Weingartennamen

dazu Stainhöffel am Mitterperg. Für den anderen, dessen

Name nicht angegeben ist, hatte Nikl Chnars 8 Pfennige

Grunddienst zu erlegen. 97 Da Heiligenkreuz die Grunddienste,

soweit sie in Geld zu entrichten waren, im Lauf der

Jahre immer wieder erhöhte, ist es durchaus glaublich, dass

damit die beiden Gruebel-Weingärten gemeint sind. Im

Urbar des Jahres 1294 ist kein Hinweis auf einen eventuellen

Vorgänger des Gruebels zu finden, das Stift wird also

irgendwann in dem weiten Zeitraum zwischen 1294 und

1388 die Rechte über das Gruebel erworben haben.

Der Name Gruebel kommt daher, dass die Grundstücke in

einer Rinne liegen, die das Teuftal fortsetzt; die Bezeichnung

Steinhöffel (Verkleinerungsform von Steinhof) könnte

darauf anspielen, dass diese Rinne an einem massiven

Steinriegel endet oder eventuell dass ein früher Besitzer

aus einem der beiden Badener Steinhöfe (Grabengasse 15

und Kornhäuselgasse 3) stammte.

Der 24 Pfennig-Gruebel zahlte 1445 zum letzten Mal einen

Grunddienst, ging also vermutlich in den Ungarnkriegen ab

1446 verloren, der zweite wurde immerhin bis 1499 im

Grundbuch mitgeführt. Dann hatte die Heiligenkreuzer

Obrigkeit die ihnen unterstehende Ried Gruebel am Mit-


terberg endgültig aus den Augen verloren. Nach der Lage

könnte es sein, dass die beiden Gruebel-Weingärten mit

den drei Weingärten am Mitternperg und inn Wiennern

identisch sind, die in einem 1449 entstandenen Rauhenecker

Urbar genannt sind. Demzufolge hatten zwei namenlose

Weingärten am Mitternperg der Herrschaft Rauheneck

15 und 7½ Pfennige Grunddienst zu entrichten, ein Weingarten

genant der Wienner weitere 7½ Pfennige; 1467 hieß

auch der 15 Pfennig-Weingarten bereits Wiener (Wiennerl).

Allerdings scheint es mir kühn, dass die Ried, die

von ihrer Herrschaft sichtlich noch gesucht wurde, bereits

1449 ungeniert in einem fremden Grundbuch angeführt

sein sollte. Möglicherweise ist daher die ehem. Ried Gruebel

eher mit dem nicht näher beschriebenen weingarten zu

hochst am Mitterperg gleichzusetzen, den das Weikersdorfer

Urbar 1586 erwähnt. 98 Vielleicht kann einmal eine

systematische Untersuchung all dieser Grundbücher Licht

in die geheimnisvolle Angelegenheit bringen.

Doch kehren wir zum eigentlichen Thema dieses Kapitels

zurück. Die übrigen acht der 1216 angegebenen Heiligenkreuzer

Weingärten am Mitterberg heißen 1294 Wolfstainer,

Nuzpoum, Airer, Drumower, Topler, Grueb, Radauner

und Chunleinpeunt und waren mit 64 + 24 + 48 + 36 + 12

+ 70 + 48 + 60 Tagwerk zum überwiegenden Teil enorm

groß. Um die Zehentfreiheit zu erhalten, wurden sie alle zu

Halbbau bzw. als Leibgedinge vergeben. Den Topler verkaufte

Heiligenkreuz allerdings schon vor 1367. 99 Der

Trumauer begann sich um 1400 aufzulösen, die letzten

Teile wurden nach dem I. Türkenkrieg 1529/1532 in private

Hand abgegeben. 100 Ebenso nach dem I. Türkenkrieg

waren der Wolfsteiner, der Grueb/Nussbamel, der Radauer

und der Ayrer so verwüstet, dass sie der Grundherr Gaming

als heimgefallen erklärte und in privaten Besitz vergab.

101 Um ein ähnliches Schicksal beim Nussbamel zu

vermeiden, verkauften ihn die Heiligenkreuzer gleich

selbst. Da seit dem I. Türkenkrieg die Zehentfreiheit ein

festes Zubehör des Weingartens war und bei Besitzwechsel

nicht mehr verloren ging, bedangen sich die Heiligenkreuzer

bei diesem Verkauf einen jährlich zu entrichtenden

„Freidienst“ von 1 Gulden aus, der freilich auf die Dauer

nicht durchgesetzt werden konnte. 102 Teile der Ried Kindlboint

konnte das Stift bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts

halten, entschloss sich aber dann doch zum Verkauf. 103

Von all den uralten Rieden, die Heiligenkreuz am Mitterberg

einst besessen hatte, behauptete das Stift nur den

Schmiedmeister bis ins 19. Jahrhundert - wohl weil es dort

auch die Grundobrigkeit innehatte.

Natürlich erwarb und verkaufte Heiligenkreuz zwischendurch

auch andere Grundstücke am Mitterberg, doch werfen

diese Transaktionen, wie sie im Lauf einer geregelten

Wirtschaftsführung normal sind, kein neues Licht auf die

Geschichte Badens oder des Mitterbergs und können daher

außer Betracht bleiben.

Augustiner und Pfarre Tribuswinkel

Der winzige, nach dem Grunddienst von 1 Pfennig pro

Tagwerk erst spät angelegte Weingarten Stein am Fuß des

Tachensteins unterstand im Jahre 1530 der Grundherrschaft

des Badener Augustinerklosters. Wie es dazu gekommen

war, wissen wir nicht. Als das Kloster 1545 vorübergehend

aufgehoben wurde, wurde der Stein der Bergherrschaft

der Kartause Gaming unterstellt und kehrte auch

14

nach der Reaktivierung des Augustinerklosters nicht mehr

zu diesem zurück (vgl. Anhang I, Flurnamenlexikon).

Bei einer kommissionellen Begehung des Mitterbergs im

Jahre 1795 wurde im Protokoll angemerkt, dass der an der

heutigen Kornhäuselgasse gelegene Teil der Ried Kindelboint

der Grundherrschaft der Pfarre Tribuswinkel unterstehe.

Auch hier ist nicht bekannt, wie es dazu gekommen

sein könnte. Vielleicht liegt ein Irrtum vor, denn in den

Tribuswinkler Grundbüchern ist das Grundstück nicht

verzeichnet (vgl. Anhang I, Flurnamenlexikon).

Vogtrecht und Taidinghenne

Nicht jede Herrschaft konnte ihre Rechte selbst wahrnehmen.

Besonders geistliche und auswärtige Grundbesitzer

hatten oft nicht die Machtmittel, auch nur die einfachsten

Dinge durchzusetzen. Deshalb bestellten vor allem geistliche

Instanzen gern einen „advocatus“ oder Vogt. Dieser

musste bezahlt werden, und die Kosten wurden natürlich

auf die Untertanen abgewälzt. Für die landesfürstlichen

(später Gaminger) Weingärten galt ein fixer Satz von 6

Pfennigen pro Eimer Grunddienst. War ein solches Vogtrecht

einmal eingeführt, so blieb es fest mit dem Grund

verbunden, auch wenn durch Besitzwechsel gar kein Vogt

mehr nötig war - wie heute verschiedene Steuern, die einst

zu einem bestimmten Zweck eingeführt wurden, aber inzwischen

längst undifferenziert in das allgemeine Budget

einfließen.

Folgende Weingärten am Mitterberg hatten 1367 ein Vogtrecht

zu bezahlen:

Ayrer, Grueb-Nussbäuml, Kindlboint, Nussbäuml, Radauer,

Trumauer, Wolfsteiner - das sind die alten Weingärten

des Stiftes Heiligenkreuz, dazu kommt das Goldsteindl,

das das Stift offensichtlich erst zwischen 1294 und 1367

erworben hatte, so dass es in den ältesten Verzeichnissen

nicht aufscheint.

Ferner die Weingärten: Böltz, Brenner, Brunner, König

und Minnerl.

Bei den Heiligenkreuzer Weingärten fällt etwas auf: Ein

einziger der alten Weingärten, nämlich der Topler, hatte

kein Vogtrecht zu bezahlen. Warum? Hier sei ein Verdacht

geäußert, für dessen Begründung ich etwas weiter ausholen

muss. Heiligenkreuz war nur für die vor 1215 erworbenen

Gründe zehentfrei; auch bei diesen erlosch die Zehentfreiheit,

sobald sie in fremden Besitz übergingen. Um hier eine

gewisse Kontrolle zu gewährleisten, gab Heiligenkreuz

1216 die Zahl der Weingärten, die unter diese Regelung

fielen, genau an, es waren 99 (neun davon am Mitterberg).

Daraus entwickelte sich eine sehr vereinfachte Interpretation,

dass Heiligenkreuz berechtigt sei, 99 zehentfreie

Weingärten zu haben; wenn einer der alten verkauft wurde,

wurde einfach ein neuer dafür eingesetzt, so dass die Zahl

99 immer erhalten blieb. Es dauerte lang, bis das geschädigte

Stift Melk (dem in unserer Gegend der Weinzehent

zustand) diese Vorgangsweise durchschaute. Erst 1428

konnte es erreichen, dass die 99 Weingärten des Stiftes

Heiligenkreuz namentlich verzeichnet und durch Grenzsteine

gekennzeichnet wurden - nun waren keine „Uminterpretationen“

mehr möglich. 104 Da nun der Weingarten

Böltz, der aus heute nicht mehr ersichtlichen Gründen ein

Vogtrecht bezahlen musste, an den Topler angrenzt, möchte

ich fast vermuten, dass hier eine der von Melk beanstan-


deten inoffiziellen Übertragungen der Zehentfreiheit stattgefunden

hatte!

Bei den anderen Weingärten lässt sich kaum mehr ahnen,

wie sie zu ihrem Vogtrecht gekommen waren. Wenigstens

einige Teile des Brenners gehörten zwei Badener Bruderschaften,

der Elendzeche (Bettlerbruderschaft) und der

Büßerzeche; der König der Pfarre Baden, der Minnerl zum

Teil dem Krankenhaus des Klosters (Klein-)Mariazell. All

diese Institutionen brauchten sicher eine Vogtei oder hatten

eine gebraucht, bevor das Vogtrecht zur inhaltsleeren Zusatzabgabe

wurde. Besonders reizvoll ist eine Betrachtung

des Weingartens Brunner: Er gehörte einem Bader und

seinen Erben, die alle gleichfalls Bader waren; man kann

sich so richtig vorstellen, wie etwa ein Pfarrer, der von

dem Mediziner aus langer, schwerer Krankheit gerettet

worden war oder einen Armenarzt für seine Gemeinde

brauchte, als Bezahlung einen Weingarten überschrieb.

Aber bevor wir ganz ins Romanhafte abgleiten, sollten wir

uns lieber wieder den Fakten zuwenden. Zusätzlich zum

Vogtrecht hatten einige wenige Weingärten noch I pullum

ad placitum abzuliefern. Dieses Huhn konnte auch durch

drei „Obolen“ (Heller = ½ Pfennig) ersetzt sein. Mit placitum

ist das jährliche Bergtaiding gemeint: Einmal im Jahr,

an einem bestimmten Tag, hatten sich alle Weingartenbesitzer

der Bergherrschaft zu versammeln, um das mündlich

überlieferte Gewohnheitsrecht zu wiederholen und in dessen

Licht verschiedene Probleme zu besprechen. Warum

mussten dort einzelne Weingärten ein Huhn oder stattdessen

3 Heller abliefern und andere nicht? 105

Eine ausdrückliche Erklärung liefern die Grundbücher

nicht, doch ist zu beobachten, dass die Henne oder die 3

Obolen immer nur zusätzlich zu einem Vogtrecht verlangt

wurden. Anscheinend mussten also vogteipflichtige Institutionen,

die meist eine größere Zahl von Grundstücken

hatten, also sozusagen Großgrundbesitzer waren, nicht für

jeden Weingarten extra die Taidinggebühr bezahlen, sondern

nur einmal. Und dieses eine Mal wurde anscheinend

auf einem konkreten Weingarten festgeschrieben. 106 Vielleicht

war das eine Art reduzierte Pauschalzahlung, denn

zumindest bei den Taidingen der Herrschaft Rauheneck

musste jeder Teilnehmer nur 1 Pfennig (also 2 Heller)

bezahlen - ob dies auch bei den landesfürstlichen (später

Gaminger) Bergtaidingen so war, wissen wir nicht, denn

der Taidingpfennig (oder sein Äquivalent) war bei Normalverbrauchern

als selbstverständlich nicht im Bergbuch

eingetragen.

Am Mitterberg hatten die Weingärten Böltz und Brunner

beim Taiding ein Huhn abzuliefern, der Brenner 3 Obolen.

Wenn meine Überlegungen mit der Pauschalzahlung stimmen,

lässt das einen aufschlussreichen Trend erkennen:

Sobald das Taidinghuhn fixer Teil des Grunddienstes war,

nicht mehr „Eintrittsgeld“ beim Taiding, versuchte man bei

geplanten Grundstücksverkäufen das Grundstück mit den

höchsten Abgaben anzubringen. Im Fall des Stiftes Heiligenkreuz

war das der Böltz; ähnlich mag es beim Brunner

gewesen sein, nur kennen wir den Verkäufer nicht. Einzig

der Brenner, der zwei Bruderschaften gehörte, ist wirklich

zur Erhärtung meiner Überlegungen zu gebrauchen.

Wegen dieses sehr beschränkten Datenmaterials sollten wir

uns auch auf den anderen Weinbergen Badens umschauen.

Am Kaltenberg gibt es drei schöne Beispiele für Taidinghennen:

Da waren der Weingarten Spiegel, der dem Richter

von Türnitz gehörte, und das Ofenloch, das im Besitz

15

des Pfarrers von Pottenstein stand - alle zwei hatten in

Baden noch andere Weingärten, aber das Huhn war gerade

bei diesen beiden festgeschrieben. Der dritte war der

Weingarten Ziegler, der dem Stift (Klein-)Mariazell gehörte

und gleichzeitig die Frage beantwortet, warum dieses

Kloster, dem zeitweise mehr als ein Drittel des Mitterbergs

gehörte, nirgends eine Taidinghenne dabei hat - sie war

eben am Kaltenberg dazugeschrieben. 107

Bleibt noch eine Ausnahme zu besprechen: Am Badnerberg

hatte ein gewisser Elbel Wetsch für einen Weingarten,

der keinen eigenen Namen hatte, sondern gleichfalls Badnerberg

hieß, einen Eimer Most als Grunddienst und ein

Taidinghuhn abzuliefern 108 - das einzige Beispiel für ein

Taidinghuhn ohne Vogtrecht! Die Erklärung ist wahrscheinlich

in den Charaktereigenschaften der Familie

Wetsch zu suchen, die unter den nicht-ritterlichen Familien

Badens zu den ranghöchsten zählte. Im Jahre 1308 war um

die Grundobrigkeit des Hauses Wörthgasse 6, wo Leupold

der Wetsch wohnte, ein Streit zwischen dem Stift Heiligenkreuz

und den Herren der Burg Baden entbrannt. Leupold

und sein Bruder Philipp standen dabei auf Seiten des

Stiftes, das sich schließlich auch durchsetzen konnte. Doch

hatten die Brüder Wetsch den Herren von Baden im Zuge

der Auseinandersetzung solche Schäden zugefügt, dass

sich das Stift bereit erklärte, 10 Pfund Schadenersatz zu

zahlen! 109 Dass so militante Typen keine Vogtei brauchten,

ist klar; aber dass die Herrschaft wegen ihrer handfesten

Methoden lieber auf Nummer sicher ging und die bei Badenern

sonst unproblematische Abgabe im Grundbuch

festschreiben ließ, ist auch verständlich!

Die Verwaltung der Kartause Gaming und des Vereins

behauster Bürger

1338 erweiterten die Habsburgerherzöge Albrecht und

Otto die Ausstattung der 1330 gestifteten Kartause Gaming

in wahrhaft fürstlichem Ausmaß, indem sie den Mönchen

die sechs herzoglichen Weinberge in Baden übereigneten:

Sooßerberg (heute Römerberg), Kaltenberg, Mitterberg,

Badnerberg, Pfaffstättnerberg, Törlberg (die letzteren

beiden heute in Pfaffstätten). Zu der großzügigen Schenkung

gehörte auch der herzogliche Berghof (heute Rathausgasse

11), der damit zum Gamingerhof wurde. Wie

schon am Anfang dieser Arbeit erläutert, war es möglicherweise

eine Verwaltungsreform der Mönche, die aus

dem bisherigen Badnerberg den heutigen Mitterberg machte

(1357 erstmals urkundlich erwähnt) und den heutigen

Badnerberg aus der Einöde herauslöste und zu einem eigenen

Weinberg erhob.

Die wohlorganisierte Verwaltungspraxis der Kartause

Gaming habe ich bereits vor einigen Jahren in meiner Broschüre

über den Badnerberg eingehend beschrieben. Dort

lässt sich auch nachlesen, wie das Kloster 1782 aufgehoben

wurde, wie sich die Badener Hausbesitzer zusammentaten,

um die riesige Bergherrschaft aufzukaufen, und in

welche Schwierigkeiten manche Hauer kamen, als sie

plötzlich mit der vom aufgeklärten Staat geforderten bürokratischen

Verwaltung konfrontiert waren statt mit der

immer wieder von mitmenschlichem Verständnis geprägten

Herrschaft der Mönche.

Als im Jahre 1850 die Grundherrschaft aufgehoben wurde,

konnten die Weingartenbesitzer (mit staatlicher Hilfe) die

bisherigen Grunddienste ablösen und waren nun nicht mehr


Untertanen, sondern Staatsbürger. Von der ganzen riesigen

Herrschaft blieben dem „Verein behauster Bürger“, der

sich inzwischen meist „Gaminger Verein“ nannte, nur die

Gebiete, die bisher vom Gamingerhof direkt bewirtschaftet

wurden. Für die vorliegende Arbeit interessant sind davon

der Mitterbergwald, die Steinbrüche und Sandgruben am

Tachenstein und in der Putschanerlucken sowie die Waldweide

am Kalvarienberg. Stück für Stück kaufte die Stadtgemeinde

Baden diese Gebiete für Fremdenverkehrszwecke

auf - als letztes 1908 den Sooßer- und den Mitterbergwald.

110 Nun zahlte der „Gaminger Verein“ seinen Mitgliedern

ihre Anteile aus und löste sich auf. Der letzte

Ausläufer einer fast 900-jährigen Verwaltungseinheit hatte

sein Ende gefunden!

III. Weinbau am Mitterberg

In meiner Arbeit über den Badnerberg habe ich Zahlen,

Daten und Fakten über den historischen Bergbau unserer

Stadt ausführlich beschrieben, erläutert und aus den archivalischen

Quellen begründet. Hier werden sie nur so weit

zusammengefasst, als sie nötig sind, um die Besonderheiten

des Mitterbergs zu verstehen.

Das Hochmittelalter: Flächenmaße – Qualitätsklassen

Der Ausgangspunkt des hochmittelalterlichen Weinbaus in

Baden war der Mitterberg. Spätestens in der zweiten Hälfte

des 11. Jahrhunderts wurde hier die Riedeneinteilung getroffen,

die bis heute den Grundraster des gültigen Parzellensystems

bildet. Wenn es in Baden eine Weinbaukontinuität

von der Karolingerzeit oder gar von der Römerzeit

her gegeben haben sollte - bisher ist sie weder urkundlich

noch archäologisch nachweisbar -, dann hatte sie wohl hier

am „ursprünglichen“ Badnerberg ihren Ort. Eine einzige

Überlegung spricht dafür: Die Grunddienste der Weingärten

wurden nach Qualitätskriterien festgelegt und bewährten

sich durch die Jahrhunderte in einem derartigen Ausmaß,

dass man anerkennen muss: Diese Bestimmungen

wurden von Fachleuten vorgenommen! Dass auswärtige

Fachkräfte die Bodenqualität und das Mikroklima auf

Anhieb derart genau einschätzen konnten, scheint zweifelhaft.

Also - möglicherweise bestand in der zweiten Hälfte

des 11. Jahrhunderts doch schon (oder noch) eine alte

Weinbautradition.

Der Flächeninhalt eines Weingartens wurde zunächst in

Tagwerken angegeben, später in Pfunden. Ein Pfund entspricht

im Schnitt 321 m², 1 Tagwerk im Schnitt ca. 0,71

Pfund. Diese Umrechnungen sind aber nur als Vorstellungshilfen

zu gebrauchen, denn der errechnete Durchschnittswert

wird häufig bis zu 100% über- oder unterschritten,

in ca. 12% der Fälle sogar um noch mehr!

Meist hatten die Grundstücke 12, 24, 36, 48 oder 60 Tagwerke,

aber auch andere Sechser- und Viererteilungen

kamen vor. Die Qualitätsklasse eines Weingartens lässt

sich vom jährlichen Grunddienst ablesen:

Klasse I+ (1 Eimer Most für 8 Tagwerk): 4 Weingärten

Klasse I (1 Eimer Most für 12 Tagwerk): 6 Weingärten

Klasse I- (1 Eimer Most für 16 Tagwerk): 10 Weingärten

Klasse II (1 Eimer Most für 18 Tagwerk): kein Weingarten

Klasse III (1 Eimer Most für 24 Tagwerk): 28 Weingärten

Klasse III- (1 Eimer Most für 32 Tagwerk): 8 Weingärten

Klasse IV (1 Eimer Most für 36 Tagwerk): 1 Weingarten

16

Klasse V (1 Eimer Most für 48 Tagwerk): 5 Weingärten

Klasse V- (1 Eimer Most für 64 Tagwerk): 1 Weingarten

Dieses Fünfklassensystem, wo man bei jeder Klasse noch

ein bisschen nachverhandeln konnte, wurde aus der Situation

des Badnerbergs herausgearbeitet. Hätte ich den Mitterberg

als Grundlage der Untersuchung genommen, so

wäre ich vermutlich auf ein Dreiklassensystem gekommen.

Eine interessante Frage ist dabei, ob dieser Unterschied

zwischen dem älteren Mitterberg und dem später kolonisierten

Badnerberg ein älteres, weitmaschiges und ein

jüngeres, verfeinertes System der Qualitätsklassifikation

wiederspiegelt. Falls es je zu einer ähnlich genauen Untersuchung

des Kalten- und des Sooßerbergs kommen sollte,

könnte sich diese Frage klären lassen.

Insgesamt ist am Mitterberg die Anzahl der überdurchschnittlich

eingestuften Weingärten doppelt so groß als die

der unterdurchschnittlichen:

Überdurchschnittlich (I, I-, II) 428 Tagwerk

(Badnerberg: 634 Tagwerk)

Durchschnittlich (III, III-) 873 Tagwerk

(Badnerberg: 1280 Tagwerk)

Unterdurchschnittlich (IV, V, V-) 198 Tagwerk

(Badnerberg: 528 Tagwerk)

Trotz der vielfachen Schwierigkeiten mit dem Gelände

sehen wir also, dass die Qualität des Mitterbergs insgesamt

höher eingeschätzt wurde als die des Badnerbergs: Das

Verhältnis von überdurchschnittlichen zu durchschnittlichen

Weingärten ist ungefähr gleich, am Mitterberg gibt es

aber nur halb so viele „Substandard“-Weingärten. Dieser

Eindruck wird von einem Detail verstärkt, das zwar statistisch

irrelevant ist, aber doch seine Aussage hat: Während

auf dem Badnerberg nur zwei Rieden in die Sonderklasse

I+ eingestuft werden, sind es auf dem deutlich kleineren

Mitterberg vier!

Gleichzeitig zeigt die kleine Tabelle, dass die um 1370

kultivierte Fläche des Mitterbergs mit rund 1500 Tagwerk

wesentlich keiner war als die des Badnerbergs, auf dem

rund 2500 Tagwerk bewirtschaftet waren. Dabei ist zu

bedenken, dass wir nur bei den Weingärten, die der Gaminger

Bergherrschaft unterstanden, die geschätzte Grundfläche

kennen, und dass auch von den Gaminger Weinbauflächen

wegen Zerrüttung im Grundbuch nicht alle ausgewertet

werden konnten (am Mitterberg z.B. Brunner,

Glätzl, Langtal und Hotschler). Da aber der Prozentsatz an

auswärtigen und nicht auswertbaren Weingärten bei beiden

Weinbergen etwa gleich hoch ist, stimmt zumindest das

Größenverhältnis Badnerberg : Mitterberg = 5 : 3. In absoluten

Zahlen lässt sich das Gesamtausmaß der Weinbauflächen

um 1370 nicht einmal mit dem im Mittelalter sowieso

immer vorhandenen großen Schwankungsbereich angeben.

Die bevorzugten Lagen befanden sich vor allem an der

Marchetstraße, aber auch auf halber Höhe der Bergsteiggasse

und - überraschenderweise - in zwei Extremlagen am

Anfang und am Ende des Gaminger Waldrandes.

Spätmittelalter und Frühneuzeit

Wir haben schon gesehen, dass der klassische Grunddienst

für einen Weingarten 1 Eimer Most war. Daneben gab es

aber eine Anzahl von Weingärten, die so genannte Pfennigdienste

zu leisten hatten.

Die Pfennigdienste am Mitterberg sind auf zwei ganz verschiedene

Ursachen zurückzuführen.


Erstens ließen sich kleinere Grundherrschaften die jährliche

Realabgabe durch einen geringen Geldbetrag ersetzen,

weil es sich für sie nicht rentierte, ein eigenes System zur

Abholung der Maische zu organisieren - am Mitterberg

war das bei allen Grundherrschaften außer Gaming der

Fall.

Zweitens gab es auch bei den Gaminger Weingärten eine

kleine Anzahl von Pfennigdiensten. Der gemeinsame Nenner

dieser Grundstücke ist ihre Randlage. Eine dieser Rieden

hieß Neureut, d.h. „neue Rodung“. Wir dürfen also

annehmen, dass diese Weingärten erst lange Zeit nach der

ersten Kolonisierungsphase angelegt wurden, als nicht nur

der ganze Mitterberg, sondern auch alle freien Flächen am

Kalvarienberg und am Badnerberg vergeben waren. Wahrscheinlich

war das in der letzten großen Wachstumsphase

Badens in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, denn

einerseits stehen diese Weingärten bereits im Gaminger

Bergbuch 1367, andererseits wären bei einem wesentlich

früheren Ansatz wohl auch die noch schlechteren Flächen

am Fliegenhappelberg und am Tachenstein bereits früher

urbar gemacht worden, als es dann tatsächlich der Fall war.

Folgende Weingärten dürften dieser Ausweitung des

Weinbaus am Mitterberg zu verdanken sein:

Gebling (3 Tagwerk / 3 Pfennige)

Gereut-Gebling (4 / 4)

Gersthalmer (12 / 20)

Kienastl (16 / 12)

Krinn/Teufelsloch (12 / 5)

Ladendorfer (24 / 18)

Linslöffel (? / 2)

Neureut (? / 2)

Plonkler (? / 3)

Steigen-Topler (8(?) / 2)

Teufentaler (6 / 2).

Dass diese Weingärten Grundstücke zweiter Wahl waren,

zeigte sich daran, dass zwei schon während der langen

wirtschaftlichen Stagnation in der zweiten Hälfte des 14.

Jahrhunderts wieder verschwanden. Auf Dauer konnten

sich überhaupt nur zwei (Kienastl und Ladendorfer) als

selbständige Rieden behaupten.

Mit dem 15. Jahrhundert setzte aber eine neue Aufwärtsentwicklung

Badens ein, die um 1430 ihren Höhepunkt

erreichte. An die damalige Bevölkerungs- und Häuserzahl

sollte die Schwefelstadt erst um 1765 wieder herankommen.

Entsprechend stieg auch der Bedarf an Weinbauflächen,

und man probierte es mit Teilen des Mitterbergs, an

die man sich früher nie herangewagt hätte.

Ehrenschein (10 / 2) 1406

(= Neureut?)

Grundweingarten (4 / 4) vor 1411

(= Linslöffel?)

Scheiben-Krump (6 / ¼ Most) 1434

Scheiben-Krump (8 / 1/8 Most) 1434

Eichhorn (6 / 6) 1454

Fuchs (5 / 5) 1455

Hasenöhrl (6 / 6) nach 1468

Niederleiten (6 / 6) 1465/1468

Scheiben-Haun. (6 / 6) 1454/1465

Viehparz (6 / 6) 1454/1465

Wegweingarten (6 / 6) 1455

Wiegen (8 / 8) 1454/1465

Wölfl (10 / 10) 1454/1465

Zipf (4 / 4) 1455

17

Sichtlich bündeln sich die Erweiterungstendenzen des 15.

Jahrhunderts in zwei Perioden. Während man sich im ersten

Drittel des Jahrhunderts bemühte, seit 1367 verlorenes

Terrain zurückzugewinnen, gab es von 1454 bis 1468 eine

wohlorganisierte Aktion, die den gesamten Fliegenhappelberg

für den Weinbau erschließen sollte. Der vorgesehene

Grunddienst betrug 1 Pfennig pro Tagwerk. Wo sich nicht

die Geländeform für eine Namensgebung anbot, wählte

man systematisch Tiernamen, wohl nach dem Vorbild der

bereits vorhandenen Weingärten Specht und Aufel (= Uhu)

an der West- bzw. Ostseite des Fliegenhappelbergs - ganz

ähnlich werden ja heute noch die Gassen von Neubausiedlungen

systematisch nach Blumen, Bäumen oder, um die

aktuelle Praxis am Mitterberg zu zitieren, Komponisten

benannt. Man überschritt bei den Kultivierungsarbeiten

den Bergrücken und ging, wo es die Felsen erlaubten, bis

in die Putschanerlucken hinunter. Wo das nicht möglich

war, blieben lichte, staudenartige Wälder bestehen. Vom

Weingarten Zipf ist uns 1465 ausdrücklich gesagt, dass er

bei dem Haslach liege, das bedeutet nach dem damaligen

Sprachgebrauch Haselnusswald. 111

Da bei einer Grenzbegehung ca. 1420 / 1430 erstmals der

Name Haunoldstal für die Putschanerlucken auftaucht,

dürfen wir annehmen, dass die von ca. 1406/1411 bis ca.

1460 tätigen Gaminger Bergmeister Hans Haunold senior

und junior maßgeblich an der Planung und Durchführung

beteiligt waren. Auch eine kleine Quelle in der näheren

Umgebung des Winschlochs dürften die beiden gefasst

haben, denn im 16. Jahrhundert scheint dort der Name

Haunoldsbrunn auf. Damit entpuppt sich die alte Geschichte,

dass der Haunoldsgraben nach einem Einsiedler namens

Haunold oder Hunold benannt sei, der dort gelebt habe, als

romantische Sage, die aus der Erinnerung an den unverstandenen

Namen Haunoldstal und an die seit dem 17.

Jahrhundert tatsächlich vorhandenen Einsiedler des Kalvarienbergs

kontaminiert ist.

Während die Aktion der Haunolds noch im Laufen war,

brach die Zeit der Ungarn- und Bürgerkriege los, die in der

älteren Geschichtsschreibung als „Zeit des Faustrechts“

bekannt ist. Als 1490 mit dem Tod des Ungarnkönigs Matthias

Corvinus eine neue Friedensepoche anbrach, hatte

Baden etwa ein Viertel seiner Bevölkerung verloren und

blieb auf Dauer etwa 10% unter dem Höchststand von ca.

1430. Das heißt, es standen Weinbaugründe genug zur

Verfügung, die schlechteren Lagen verödeten, auch die

meisten der neuen Weingärten, die durch den Einsatz der

Haunolds eben erst entstanden waren. Derselbe Schrumpfungsprozess

wiederholte sich nach dem Türkenkrieg der

Jahre 1529 / 1532.

Wieder konnte Baden die Vorkriegsgröße kaum erreichen,

und doch waren bereits zwanzig Jahre später die Weinbaugründe

wieder knapp geworden. Was war geschehen? Es

hatte die beispiellose Konjunktur der Weinwirtschaft eingesetzt,

die das ganze zweite und dritte Drittel des 16.

Jahrhunderts anhalten sollte. Weinhandel und -export blühten

wie nie zuvor und auch später nie mehr. 112 So kam es,

dass in den 1550er- und 1560er-Jahren die Urbarmachung

der Putschanerlucken wieder aufgenommen wurde. Vielleicht

war das ohnehin nur die Fortsetzung des alten Haunold’schen

Projekts, denn man nahm nun das Gebiet um

den Haunoldsbrunn, etwas oberhalb des Winschlochs, in

Angriff. Eigentlich lag es nicht mehr auf dem Mitterberg,

sondern auf der Westseite des Kalvarienbergs, doch wurde


es wegen der gemeinsamen Zufahrt verwaltungstechnisch

zum Mitterberg gezählt. Eine erste Reihe von Weingärten

reichte bis zum Weg herunter, der wie heute in der Talsohle

verlief; dann wurde oberhalb davon eine zweite Reihe

von Grundstücken erschlossen. Schließlich waren es 13

Weingärten zu insgesamt 121 Tagwerk. Sie gingen fast alle

mit den ersten Anzeichen des Abflauens der Hochkonjunktur

gegen 1600 wieder zu Grunde, und den Dreißigjährigen

Krieg überlebte keiner. Heute sind selbst die letzten Reste

des ehrgeizigen Unternehmens in Form von unerwarteten

Mulden und Kanten im Wald nur mit Mühe wahrzunehmen

(vgl. Anhang I, Flurnamenlexikon).

In den nächsten 150 Jahren hatte die Bergherrschaft mit

dem Kampf um die Erhaltung des zentralen Bestands ihrer

Weinbaugebiete alle Hände voll zu tun, doch um 1765

hatte Baden einen solchen Höchststand der Bevölkerung

erreicht, dass ein ganz unerhörtes Phänomen einsetzte:

Erstmals seit fast 350 Jahren wurden neue Häuser „vom

grünen Anger“, d.h. auf bisher unverbautem Grund errichtet!

Und da die Heurigenwirtschaft die klassische Zuverdienstmöglichkeit

der Badener war, wuchs auch der Bedarf

nach Weinbaugrundstücken entsprechend an. Man verzichtete

darauf, das Projekt in der Putschanerlucken wiederzubeleben,

wohl weil mit der Bevölkerung auch der Viehbestand

gewachsen war, so dass man auf die zusätzliche

Waldweide nicht verzichten konnte. Deshalb verlegte man

sich nun darauf, auch den unwahrscheinlichsten Flächen

am Fliegenhappelberg und am Tachenstein ein wenig Wein

abzupressen. Am Fliegenhappelberg hatte das seit 350

Jahren niemand mehr versucht, die Felsenwüste des Tachensteins

war überhaupt Neuland.

Mit wenigen Ausnahmen waren all diese Weingärten nur

so lange erfolgreich, als die Begeisterung des ersten Investors

anhielt - um 1800 waren sie zu einem guten Teil wieder

verödet. Das hängt wohl auch mit der Umschichtung

der Badener Gesellschaft durch die kaiserliche Sommerresidenz

zusammen. Immer mehr Adelige, Großindustrielle

und Bildungsbürger siedelten sich in Baden an. Sie alle

schätzten möglicherweise den Wein, auf den Weinbau aber

legten sie nicht den geringsten Wert. Vielmehr bauten sie

schöne Villen mit riesigen Parks, für die sie in großem

Maßstab verödete, aber auch funktionierende Weingärten

aufkauften - Geld spielte in den meisten Fällen keine Rolle.

Den Anfang machte der Stadt- und Badearzt Dr. Carl

Schenk. Er erwarb 1801 einige Weingärten der Ried Goldsteindl

und errichtete dort ein schönes Landhaus, den Vorgänger

des Hauses Mozartstraße 9. Damit war unwiderruflich

das Startsignal zur Verbauung des Mitterbergs gegeben,

die in unseren Tagen dem Abschluss entgegengeht.

Die Bergmeister Hans Haunold senior und junior

Die Weinhauerdynastie Haunold lässt sich in Baden rund

ein Jahrhundert lang nachweisen.

1388 war die „Hawnoltin“ Besitzerin des Hauses Wörthgasse

15. 113

1406 besaß Niklas Haunolt, der von Alland zugezogen

war, ein Haus auf dem Kirchbühel (= Frauengasse) und

vier Weingärten. 114 Wenn er ein Sohn der „Hawnoltin“

gewesen sein sollte (was bei der Seltenheit des Namens

durchaus anzunehmen ist), ergibt sich folgendes Bild: Die

verwitwete Frau Haunold war mit ihrem Sohn Niklas von

Alland nach Baden übersiedelt und hatte dort zunächst das

bescheidene Haus Wörthgasse 15 erworben. Keine zwan-

18

zig Jahre später besaß Niklas bereits mehrere Weingärten

und ein Haus in zentraler Lage. Er starb zwischen 1411

und 1447 und hinterließ fünf Kinder: Hans, Stefan, Jörg,

Elsbeth und Dorothea verehel. Gusl. 115

Den eigentlichen Aufstieg schaffte dann die dritte Generation.

Hans Hawnolt ist 1411 erstmals als magister montium

(= Bergmeister) genannt. Als solcher war er Inhaber eines

Steinbruchs am Kaltenberg in der Ried Ofenloch; 1447 war

sein Nachfolger Hans Hawnolt jun. Da der Steinbruch ein

Zusatzeinkommen war, das die Kartause Gaming ihrem

jeweiligen Badener Bergmeister überließ, können wir daraus

schließen, dass auch der Junior mit diesem einflussreichen

und verantwortungsvollen Posten betraut war. 116

Hans senior ist auch 1420 und 1428 ausdrücklich als

Bergmeister erwähnt, wobei er in letzterem Fall ausdrücklich

als „civis in Baden“ (Bürger in Baden) bezeichnet

ist. 117 Diese Bezeichnung sagt unmissverständlich aus, dass

er damals bereits Hausbesitzer war. Da für diese frühe Zeit

nur etwa 25% der Badener Haus-Grundbücher erhalten

sind, können wir nicht nachweisen, welches Haus das war,

doch führte das Eckhaus Antonsgasse 5 / Spiegelgasse 2

(heute Gasthaus zum Reichsapfel) in den späteren Grundbüchern

den Hausnamen Haunolzgrüebl oder Zechgrübel

118 . Daraus lassen sich zwei Dinge erschließen: Erstens

war Hans Haunold Besitzer dieses Hauses; zweitens war

Hans Haunold Zechmeister einer der vielen Badener Zechen,

wie man die religiösen und berufsständischen Bruderschaften

damals nannte. Da Haunold eine der führenden

Persönlichkeiten in Badens Weinbau war, wird das wohl

die Hauerzeche gewesen sein; er war also wohl der Nachfolger

des Peter Hentlinger, der 1406 als Zechmeister der

zecha(m) laboratorum, qui dicuntur hawer (= Bruderschaft

der Arbeiter, die Hauer genannt werden) erwähnt ist. 119

Aber Haunold hatte nicht nur Macht und Prestige erworben,

sondern auch einen ungeheuren Reichtum. 1435 konnte

er sogar die Chadoldsmühle (zuletzt Trottmannmühle,

Ecke Neustiftgasse / Hildegardgasse) samt dem benachbarten

Ledererhaus sein Eigen nennen, was wieder eine enorme

Steigerung seiner Einkünfte bedeutet haben muss. 120 Er

verlieh auch enorme Beträge an seine Mitbürger. So konnte

er z.B. der Familie Ekhart mit 36 Pfund aushelfen - das

entsprach etwa dem Wert ihres Hauses Hauptplatz 2. Die

Rückzahlung ging so schleppend, dass Haunold 1443/1444

vorübergehend sogar als Besitzer des Hauses angeschrieben

wurde, doch schließlich konnte Familie Ekhart ihr

Vaterhaus dank Haunolds Hilfe halten. 121

Hans Haunold und seine Frau Anna hatten vier Kinder

Stefan, Michael, Hans und Elspeth verehel. Schadl (auch:

Schedl, Schöndl), die zu ihrem Mann nach Aspang zog.

Als Anna starb, vermachte sie ihren Weingarten Eichhorn

der Badener Fleischhackerzeche, woraus sich schließen

lässt, dass sie aus einer Fleischhackerfamilie stammte.

Nach Annas Tod heiratete Hans senior eine Magdalena,

mit der er aber keine Kinder mehr hatte. 122

Hans und Anna Haunold waren nicht nur unermesslich

reich, sie waren auch bereit, ihre Mittel gemeinnützig einzusetzen.

Als ca. 1435 der große spätgotische Umbau der

Pfarrkirche St.Stephan begann, stifteten sie so viel Geld,

dass damit das neue Ziegeldach und ein Großteil des Gewölbes

im Mittelschiff finanziert werden konnte. Dafür

wurde ihnen ein jährliches Totengedenken mit Nachtwache,

Seelamt und Fürbitten von der Kanzel zugesichert. 123


Dass Anna in ihrem Testament die Fleischhackerzeche

großzügig bedachte, wurde schon erwähnt. Als Hans senior

zwischen 1444 und 1447 starb, hinterließ er seinen Weingarten

Krump der Kartause Gaming und die Mühle dem

„St.Stephans Bau“, d.h. dem Baufond der Pfarrkirche

St.Stephan, deren Renovierung sich noch bis in die 1460er-

Jahre ziehen sollte. Wie in solchen Fällen üblich, bekamen

die Erben die Möglichkeit, diese Stiftung durch eine Geldsumme

abzulösen. Das taten die vier Geschwister, aber die

großzügige Stiftung dürfte einen solchen Eindruck gemacht

haben, dass die Mühle nun Jahrhunderte lang „Baumühle“

genannt wurde! 124

Bei der Erbteilung wurde die Schwester Elisabeth, die ja

nach Aspang gezogen war, ausgezahlt. Das restliche Vermögen

teilten sich die Brüder so, dass das Haus in der

Antonsgasse und die Weingärten an Hans jun. fielen, der

auch die Bergmeisterwürde seines Vaters fortführte. Stefan

und Michael, die inzwischen nach Wien gezogen waren,

übernahmen die Mühle samt „Lederhaus“. Stefan starb

bereits vor 1453 kinderlos, so dass sein Erbteil nun zur

Gänze an Michael fiel. Dieser scheint zunächst an eine

Rückkehr nach Baden gedacht zu haben, denn er erwarb

einen Baugrund, der heute Teil des Hauses Beethovengasse

8 ist. 125 Doch überlegte er es sich bald wieder und wurde

lieber Bürger von Wien, wo er z.B. 1465 gemeinsam mit

seiner Frau Margarethe Weingartenbesitz erwarb. 126 1475

wurde ihm die Verwaltung der fernen Badener Besitzung

zu mühsam und er verkaufte an Caspar Schöndl (vermutlich

ein Sohn seiner Schwester Elisabeth, der sich in Baden

wohler fühlte als in Aspang). 127 Bald darauf scheint er

gestorben zu sein, denn 1480 wird bereits ein Hans Haunold,

Bürger von Wien, erwähnt (wohl sein Sohn), der

einer Bruderschaft im Wiener Schottenkloster 150 Gulden

stiftete und bald darauf ebenfalls starb. 128

In Baden dagegen wirkte jetzt zehn oder zwanzig Jahre

lang der Bergmeister Hans Haunold junior - und zwar sehr

tatkräftig, wie wir angesichts der 1454 gestarteten Kultivierungsaktion

in der Putschanerlucken annehmen dürfen.

Auch er war Besitzer einer Mühle, nämlich der Feldmühle

(Wörthgasse 26). 129 Da weder bei dieser noch bei seinen

Weingärten eine Mitbesitzerin angegeben ist, scheint er

keine Familie gegründet zu haben, und als zwischen 1454

und 1465 (eher gegen Ende dieser elf Jahre) auch seine

Stunde schlug, stiftete er die Hälfte seiner Weingärten für

wohltätige Zwecke. Den so genannten Grundweingarten

am Badnerberg vermachte er der St.Stephans-Bruderschaft

an der Badener Pfarrkirche, den Weingarten Geschürr dem

Stift Melk und den Weingarten Randolt am Pfaffstättnerberg

der St.Peter und Paul-Bruderschaft an der Pfaffstättner

Pfarrkirche. 130 Für seine Verwandten in Wien und in

Aspang wäre noch immer einiges übrig geblieben, doch

interessierten sie sich nicht dafür: Die Gründe verödeten

und wurden erst nach dem Türkenkrieg 1529/1532 wieder

bewirtschaftet. 131

Damit war Familie Haunold, zumindest unter diesem Namen,

ziemlich genau hundert Jahre nach ihrer ersten Erwähnung

in Baden, ausgestorben, denn um dieselbe Zeit

verlieren sich auch die letzten Spuren der anderen Nachkommen

des kinderreichen Niklas. 132 Aber Hans Vater und

Sohn hatten dem Weinbaugebiet Mitterberg für einige

Generationen ein neues Gesicht gegeben, und ihr Name

lebte noch Jahrhunderte lang im Haunoldstal und im Haunoldsgrübl

/ Zechgrübl weiter. Ob sich das die alte „Hau-

19

noldin“ vorstellen hätte können, als sie einst aus dem rauhen

Alland ins mildere Baden zog?

Weingartennamen und Riedeinteilung

Als die Kartause Gaming 1367 das erste Bergbuch des

Mitterbergs anlegte, das uns erhalten geblieben ist, hatten

bereits fast alle Weingärten eigene Namen - nur ein einziger

führte noch den Namen des Berges, auf dem er gelegen

war, und nannte sich Mitterberger. Zum heiklen Thema der

Zuordnung und Deutung von Flur-, Ried- und Weingartennamen

darf ich wieder auf meine Badnerberg-Broschüre

verweisen. Vor allem sei nochmals betont, dass diese Bezeichnungen

nicht nach der aktuellen Form, sondern nach

der frühesten urkundlichen Nennung zu interpretieren sind,

weil seltene oder veraltete Ausdrücke häufig missverstanden

und verballhornt wurden, so dass die aktuelle Lautung

gelegentlich irreführend ist. Auch am Mitterberg gibt es

einige schöne Beispiele für die Umdeutung oder Verballhornung

unverständlich gewordener Benennungen: Der

scheinbar so leicht verständliche Name Bauerswegel geht

nach Ausweis der Grundbücher auf einen Familiennamen

Pausbäckl zurück; der Weingarten Greidel ist nicht ein

kleiner Kreide- oder Kalkfelsen (obwohl es durchaus auch

einen Weingarten Kreiden gibt!), sondern ein „Gereutel“,

eine kleine Rodung; der Rüssel hat nichts mit einem Elefanten

oder wenigstens Schwein zu tun, sondern weist auf

die Rüster oder Ulme hin; und der Seiler gehörte nicht dem

ehrsamen Handwerker, der Schnüre und Stricke erzeugte,

sondern lag neben einer Säule, nämlich der Hutsäule des

Mitterbergs.

Von den 97 Weingarten- oder Riednamen des Mitterbergs,

die für eine Namensdeutung auswertbar waren, entpuppten

sich 37 als Besitzernamen, während 54 Bezeichnungen mit

irgendwelchen Eigenschaften des Weingartens zu tun hatten.

Bei 2 Weingärten (Brunner, Wolfsteiner) war zwischen

diesen beiden Kategorien nicht zu unterscheiden, 4

Namen (Kapellen, Kleinbauer, Pörzl, Trumauer) sind zwar

als Wörter verständlich, entziehen sich aber mangels historischer

Informationen der Erklärung.

Bei den Besitzernamen ist darauf hinzuweisen, dass die

Familiennamen zur Zeit der Weingartenbenennungen noch

nicht fest waren, so dass stattdessen häufig der Beruf oder

die Herkunft einer Person angegeben wurde: Schmiedmeister

und König sind heute noch verständlich (tatsächlich

gehörte der Weingarten König anfangs nachweislich dem

Landesfürsten!); Hansgraf, Kammerknecht und Marschalk

waren landesfürstliche Hofämter; Airer ist als Eierverkäufer

zu verstehen, der Koller war in Wirklichkeit ein Kohler

= Köhler, der Zehetner war ein Beamter, der mit der Einhebung

des Zehents betraut war. Ein Schappäußl war ein

kleiner Hut (von französisch chapeau) - der Weingarten hat

also von einem Hutmacher den Namen, und als dieser

unverständlich wurde, verballhornte man ihn zu Schewastel

- ob man sich darunter einen „schönen Wastl“ vorstellte?

Und mit Mensch war möglicherweise ein so genanntes

Dienstmensch, ein Dienstmädchen gemeint!

Namen, die auf besondere Eigenschaften zurückgehen,

beziehen sich häufig auf auffällige Gestalt oder Lage einer

Fläche: Grueb, Gruebl, Grundweingarten, Teufental und

Wiegen bezeichnen Tallagen, Niederleiten lässt eine Hanglage

erkennen; nach den Erhebungen, auf oder an denen sie

liegen, heißen die Weingärten Dreifuß, Fliegenhappelberg,

Glätzl (unbewachsener Fels!), Krinn, Schober und Ta-


chenstein. Die Lage entlang eines Weges gab den Rieden

Steigen und Wegweingarten den Namen; Weingärten, die

in oder an einer Kurve lagen, hießen Scheiben. Auf unregelmäßige

Geländeformen verweisen Krump und Krümpl,

auf besonders langgestreckte Grundstücke Langtal und

Langenweingarten, auf spitz auslaufende Parzellen Ger und

Zipf. Am Mitterberg besonders häufig sind Weingartennamen,

die die felsige Beschaffenheit des Geländes zum

Ausdruck bringen: Stein, Steinplatten, Steinsetz, Steinweingarten

oder Kreiden. Grundstücke, die erst nach der

ersten Erschließungsphase gerodet wurden, hießen Gereut,

Gereutel (mundartlich Greidel) oder Neureut, auf die Vegetation

der Umgebung weisen Namen wie Nussbamel,

Kienastl, Posch oder Rüssel (= Rüster, Ulme) und in zweiter

Linie auch Tiernamen wie Aufel (= Uhu) oder Specht

hin. Dass diese alten Benennungen im 15. Jahrhundert zu

einer Reihe systematisch vergebener Tiernamen wie Eichhorn,

Fuchs, Hasenöhrl und Wölfl führten, wurde schon

besprochen. Außer Felsen und Bäumen gab es auch von

menschlicher Hand geschaffene Orientierungspunkte, denen

Namen wie Haunoldsbrunn, Kreuzweingarten, Saustallen

oder Seiler (nach einer Hutsäule) zu verdanken sind.

Besonders aufschlussreich die Bezeichnungen, die sich mit

der Qualität eines Weingartens befassen. Der Goldstein

führt seinen Namen zu Recht, gehört er doch der „Güteklasse

I“ an. Nur als irreführende Werbemaßnahme kann

der Name Ehrenschein verstanden werden, denn der Weingarten

gehörte zu den schlechtesten des ganzen Mitterbergs.

Unmissverständlich und mit klar erkennbarem Realitätsbezug

dagegen der Name Hotschler: Bei der ausgesetzten

Lage in steinigem Gebiet am Waldrand konnte man

schon von einem „Arschweingarten“ reden - so die wörtliche

Übersetzung des Namens!

Die Analyse der Weingartennamen des Mitterbergs bringt

interessante Unterschiede zum Badnerberg zu Tage. Während

dort rund ein Dutzend der Weingärten noch im Besitz

der namengebenden Familien waren, ist dies am Mitterberg

nur in einem Ausnahmefall festzustellen, beim schon erwähnten

König. Auch das Verhältnis von Besitzernamen

zu Namen, die Eigenschaften des Grundstücks bezeichnen,

ist fast umgekehrt. Während am Badnerberg 59,2% der

Flächen nach ihren Besitzern und 33% nach irgendwelchen

Eigenschaften benannt sind, stehen am Mitterberg 59,8%

beschreibenden Namen nur 38,1% Besitzernamen gegenüber.

Die Unterschiede zwischen den beiden Weinbergen gehen

wohl auf das höhere Alter und damit die längere Entwicklungszeit

des Mitterbergs zurück: Zur Zeit der Festschreibung

der Weingartennamen im Grundbuch hatten am Mitterberg

schon alle Grundstücke einen eigenen Namen (mit

einer einzigen Ausnahme!), während am Badnerberg noch

eine große Anzahl von Weingärten die allgemeinen Namen

Badnerberg und Einöde trug. Am Mitterberg hatte der

ewige Zyklus der Generationenwechsel mit dem damit

verbundenen Besitzwechsel der Realitäten schon deutlich

öfter stattgefunden, so dass keine „Originalbesitzer“ mehr

vorhanden waren (wieder mit einer Ausnahme). Auch

hatten viel mehr der alten Besitzernamen ihren Sinn verloren

und waren durch einleuchtendere Benennungen ersetzt

worden.

All diese mittelalterlichen Entwicklungen wurden durch

die Anlage des ersten Gaminger Bergbuchs plötzlich abgeschnitten

und auf dem Stand von 1367 einzementiert, denn

20

von nun an wurde von Seiten der Obrigkeit streng darauf

geachtet, dass sich bei den Weingartennamen nichts mehr

veränderte, um sie im Grundbuch leichter in Evidenz halten

zu können. Natürlich waren menschliches Versagen

und Traditionsverlust durch Katastrophen wie Kriege und

Seuchen nie ganz auszuschließen, aber im Wesentlichen

blieb das System bis 1785 stabil. In diesem Jahr trat in

Niederösterreich ein neuer Steuerkataster in Kraft, die so

genannte Josefinische Fassion. Damals fing man mit den

kleinräumigen und oft kuriosen alten Benennungen nichts

mehr an, sondern versuchte es mit größeren Verwaltungseinheiten

und Grundstücksnummern. Für den Mitterberg

bedeutete das eine Neueinteilung in sieben Großrieden mit

den Grundstücksnummern Baden 978 - 1307. Diese Rieden

hießen: Mitterberg (Nr. 978 - 1073), Würmeln (1074 -

1152), Steinplatten (1153 - 1170), Saustallen (1171 -

1231), Wolfsteiner (1232 - 1270), Ungschaden (1271 -

1276) und Kindelboint (1277 - 1307).

Ob dieses System je praktische Bedeutung für den Alltag

erlangte, darf bezweifelt werden. In den Grundbüchern

findet sich nicht der geringste Hinweis darauf, dort waren

die alten Weingarten- und Riednamen nach wie vor ausreichend.

Auch für die Steuereinhebung dürfte die aufwändige

Aktion nicht das erhoffte Ergebnis gebracht haben, wohl

weil die Grundstücke mit den neuen Nummern genausowenig

sicher aufzufinden und zu identifizieren waren wie

mit den alten Weingartennamen und Nachbarsangaben.

Daher entschloss man sich schon dreißig Jahre später,

wieder einen neuen Kataster anzulegen (den „Franziszeischen

Kataster“), diesmal auf der Grundlage eines genau

vermessenen Parzellenplans. Die Arbeiten in Baden wurden

1819/1820 abgeschlossen. Das Prinzip blieb dasselbe

wie 1785, doch wurde nun der ganze Mitterberg zu einer

einzigen Ried zusammengefasst, die ebenfalls Mitterberg

genannt und mit dem Badnerberg zu einer „Steuergemeinde

Gaminger Berghof“ zusammengefasst wurde. Innerhalb

dieser Steuergemeinde hatte die Ried Mitterberg die Parzellennummern

524 - 886.

Dieses System bewährte sich und wurde im

Grundbuch sofort übernommen, indem neben den alten

Weingartennamen die neuen Parzellennummern angemerkt

wurden. Als 1850 die heute noch bestehende autonome

Gemeindeverwaltung eingeführt wurde, wurde aus der

„Steuergemeinde Gaminger Berghof“ die „Katastralgemeinde

Mitterberg“.

Obwohl die vielen kleineren und größeren Herrschaften

1850 aufgehoben worden waren, wurden ihre Grundbücher

als historische Verwaltungseinheiten provisorisch weitergeführt.

Erst ca. 1880 entschloss man sich, sie nach Katastralgemeinden

zusammenzufassen und völlig neu anzulegen.

Jede Parzelle bekam nun, um sie im neuen Grundbuch

schnell auffinden zu können, eine so genannte „Einlagezahl“.

In den alten Grundbüchern wurde diese Zahl mit

Rot- oder Blaustift in riesigen Ziffern neben die alten

Weingartennamen geschrieben, und dann kamen die alten

Scharteken ins Landesarchiv. Dieser Vorgangsweise verdanken

wir es, dass fast alle Grundstücke der Gaminger

Weinberge lückenlos von 1367/1371 bis zum heutigen Tag

herauf zu verfolgen sind!

Hutsäule und Hüterhütte 133

Alles im Weingarten war harte Kleinarbeit. Maschinen gab

es nicht, die Unversalwerkzeuge des Hauers waren Hacke


und Rebmesser. Trotzdem waren die Ernteerträge relativ

gering, weil sowohl die Rebkultur als auch die Rebsorten

noch weit vom heutigen Stand entfernt waren. Umso mehr

war man darauf bedacht, die mühsam gezogenen Reben

und ihre Früchte vor allen Schäden zu schützen. Das begann

damit, dass das Weinbaugebiet durch einen „Gebirgszaun“

vom Wald getrennt war. Diese Barriere wurde regelmäßig

auf ihre Undurchlässigkeit geprüft, ebenso wie

man peinlich genau darauf achtete, dass die wenigen

Durchgänge immer geschlossen waren. Am Mitterberg gab

es nur zwei solche Zauntürln: das „Große Gatter“ am Ende

des Schuhreißergrabens und das „Kleine Gatter“ oder

„Pöllergätterl“ am Ende der Hochstraße. 134

In der schönen Jahreszeit standen die Weinberge unter der

strengen Aufsicht der Hüter, die am Mitterberg folgender

Maßen organisiert war: Um den 1. Mai wurde ein „Potzenhüter“

eingesetzt (Potzen = Knospe). 1731 wurde er abgeschafft,

stattdessen gab es nun zwei „Grünhüter“. Sie hatten

vor allem Flurschäden durch weidendes Vieh und

Grasschnitt an den Rainen zu verhindern, mussten aber

auch des Nachts durch häufiges Blasen des „Öplers“ (Älpler

= Alphorn!) das Wild verscheuchen. In der zweiten

Juli-Hälfte wurden die „Grünhüter“ in „Frühhüter“ umgewandelt:

Grasschneiden und Viehweide waren nun überhaupt

verboten, besonderes Augenmerk hatten sie darauf

zu halten, dass kein Obst gestohlen wurde. Um den 15.

August fand dann die „Haupthütersetzung“ statt. Die Zahl

der Hüter am Mitterberg stieg nun auf drei. Ihre erste Aufgabe,

die binnen drei Tagen vollendet sein musste, war die

Aufrichtung der Hutsäule und der Hüterhütte.

Die Hüterhütte am Mitterberg, 1739

(StA B, GA 2/11)

Westlich der Hütte liegt die Ried Goldsteindl, östlich der Steinweingarten.

Die Hutsäule hatte ihren Ort am Anfang der Ried Unbescheiden,

wo fünf Wege zusammentrafen, die wir schon

kennen: der Tachensteinweg, der Wolfsteinerweg, die

Berggasse, der Weikersdorferweg (Kornhäuselgasse) und

ein Weg zum Mühlbach, der nach der Eröffnung der

Karlsgasse aufgelassen wurde. 135 Sie ist schon ca.

1420/1430 als Grenzpunkt erwähnt, diente 1454 bis 1610

als Fixpunkt für die Lokalisierung der umliegenden Weingärten

und gab der Ried Seiler (eigentlich „Säuler“) den

21

Namen. 136 Wir dürfen daher annehmen, dass sie nicht jedes

Jahr zur Gänze auf- und wieder abgebaut wurde, sondern

dass ein deutlich erkennbarer Steinsockel vorhanden war,

auf dem man dann zur Hutzeit einen Holzpfosten, entästeten

Baum o.dgl. aufstellte.

Der Sinn der Hutsäule war folgender: Wenn der kontrollierende

Bergmeister einen Hüter drei Mal rief und der meldete

sich nicht, schlug er als Beweis ein „Sprußl“, also

nach heutigem Sprachgebrauch ein „Spreißl“ oder eine

„Sprosse“, der Hutsäule ab und legte sie der Verwaltung

des Gamingerhofs vor. Der Hüter musste dann Strafe zahlen.

Das macht es auch verständlich, dass die Hüter ihren „Luginsland“

(Aussichtsstelle) nur zwei Rieden weiter, oberhalb

der Mariazeller Weingärten Kohlhaufen / Seiler hatten

137 - hier war die Wahrscheinlichkeit, den Bergmeister

zu überhören, wesentlich geringer als bei der Hüterhütte,

die zunächst am Waldrand auf der Seite des Tachensteins,

später am Anfang der Berggasse (Marchetstraße) stand!

Tatsächlich ergibt sich aus den alten Grenzbeschreibungen

des Mitterbergs, dass die Hüterhütte 1595 und 1624 noch

auf einem Steinriegel am Gebirgszaun, etwas östlich des

Höllensteins stand. Vielleicht war sie 1624 bereits außer

Gebrauch, denn sie ist ausdrücklich als „eine alte Hüterhütten“

bezeichnet. Mit Rücksicht darauf, dass im frühen 17.

Jahrhundert die ausgesetzteren Lagen des Mitterbergs

weithin verödet waren, wurde die neue Hüterhütte an einer

zentraleren Stelle an der Zufahrt zum Mitterberg errichtet

und stand nun unterhalb der Abzweigung Schuhreißerweg

(Mitterbergstraße) und Steigenweg (Hochstraße). 1664 ist

sie dort als Nachbarin des Steinweingartens erstmals urkundlich

erwähnt, 1739 in einer schematischen Planskizze

des Mitterbergs eingezeichnet. 138 Der Standort war strategisch

gut gewählt - man konnte in beide Talkessel des

Mitterbergs sehen und bequem den Schuhreißerweg patrouillieren,

der dieselbe Sichtmöglichkeit bot; man konnte

die Weingärten unterhalb der Berggasse (Marchetstraße)

überblicken, und wenn man einen kurzen Blick auf die

Anlagen in der Putschanerlucken werfen wollte, hatte man

auch nur wenige Schritte zu gehen. Wie die Hutsäule war

auch die Hüterhütte kein festes Gebäude. Ihre Wände blieben

zwar das ganze Jahr stehen, doch mussten die Hüter

das Dach jedes Jahr mit Weinstecken eindecken, die sie zu

diesem Zweck aus den Weingärten nehmen durften. Vermutlich

wurde dieses Dachgestell dann mit Gras gedichtet.

Nach der Lese wurde das Dach wieder abgebrochen, die

Weinstecken waren den Besitzern zurückzustellen.

Wann das Brauchtum um Hutsäule und Hüterhütte abgekommen

ist, wäre noch zu untersuchen – an der Stelle der

Hüterhütte errichtete Dr. Schenk im Jahre 1801 sein

„Sommerhaus“.

IV. Waldweide und Steinbrüche

Von der Viehtränke zum Hexenkreis

Die Grenzen der Gaminger Besitzungen am Mitterberg

wurden ca. 1420/1430 von einer Kommission, der u.a. der

Bergmeister Hans Haunold, der Unterbergmeister Mertl

und die Vierer Niklas Wurzer und Michel Wagner angehörten,

so beschrieben:


Die gemerkche an dem Mitterperg

Die hebent sich an an dem weingarten genant der Unbeschaiden,

der da ist der Augustiner ze Paden und dient

dem gotshaus ze Gemnikch;

von demselben auf nach dem Tachenstain unczt an des

Puechhaimer holcz;

und von dann unczt auf den krewczweg,

und nach dem krewczweg hincz auf die viechtrifft,

und von dann neben des Hawnolcz tal aber hincz an den

Swarczen Munich hoff, der da ist der herren von Sand

Marein Zell.

Die Grenzen des Mitterbergs

Sie beginnen bei dem Weingarten, der Unbescheiden genannt

wird, den Badener Augustinern gehört und dem

Gotteshaus Gaming untertänig ist (= Ende der Karlsgasse);

von dort den Tachenstein (= Felswand zum Helenental)

entlang bis zum Wald des Puchheimers (= Rauhensteinerwald);

von dort bis zur Kreuzung (= dreieckiger Grenzstein beim

Sparkassenwald);

nach der Kreuzung bis zur Viehweide (= Waldgebiet oberhalb

der Putschanerlucken);

von dort neben dem Haunoldstal (= Putschanerlucken /

Andreas Hofer-Zeile) wieder bis zum Schwarzen Mönchhof,

der den Herren von Mariazell gehört (= Mariazellerhof).

139

1624 wurde ein Teil des Mitterbergs neu beschrieben, und

dieser Bericht enthält (für uns) überraschende Neuigkeiten:

(Die Kommission kam aus der Richtung des Helenentals

über) ... das wasser die Schwechet genant.

Jenseiths deß wassers khomet man auf die weingärtten

Ungeschaiden, alda ein grosser nußbaumb.

Gleich darneben baldt ain rainstein, aber nichts darauf.

Also undt neben deß Tachetstain herumb, biß undt über

alle gerechet (= genannten) stain am ruckhen hinauf zum

Hollenstain im Mitterberg.

Von denen (gemeint: von dannen) nach der linckhen

schrembs (= schräg) herumb am abfahl deß wassers und

forth aufwerths biß zu ainem marchstain, so bloß allein

mit dem G bezeichnet, darbey ain alte hüetterhütten zu

sehen.

Von darauß übern rügl forth biß zu ainer forchen (= Föhre)

mit zwey creutz behauen, schrembs herumb über die

straß biß widerumben auf ainen marchstain, in welchem

der buechstaben G heraußgehauet.

Von dannen in die höhe biß am Schuechreisser, am fahrtweeg

forth, wo mann auf Sigenfeldt gehet, auf der straß

also forth biß zu ainem marchstain, so ligendt, darauf daß

rechte Gäminger wappen, die zahl 1568, und gleich darneben

ain lackhen oder pfütschen, in welcher drey jurisdiction,

alß von Baaden gegen gemelter lackhen, wie wir

gangen, die Gämingerische auf der linckhen handt, oben

herab herr Eliasen Payrens, von hinden hero herr von

Lillenfeldt jurisdiction zusammenstossen.

Von dieser lackhen der rechten seithen nach aufwerths auf

den Hünerberg undt an die straß neben deß kalchofen

hinumb zu thal ab, aufn weeg inß Hämerlinsthall, alda

sich der Mitterberg schaidet ...

(Von dort ging die Kommission zum Hochgericht am Badnerberg

weiter). 140

1662 gab es wieder eine vollständige Grenzbeschreibung:

22

Die weingarttriedt am Mitterberg nimbt den anfang bey

der burgerlichen Beckhenmühl hinüber deß bachs (= Pelzgasse

13), neben deß schloß Weickherstorff hoffgartten (=

Doblhoffpark), allwo der von dem schloß gemachte liechtzaun

auf des closters grundt stehet, auch vor diesem über

oder jenseiths deß bachs gestanden und zu erhaltung deß

closters gerechtigkheit, grundt undt boden widerumben

hinüber deß bachs nechst deß schloßgarthen zu setzen ist.

... [Dieser Zustand besteht bereits seit 29 Jahren] ...

Von der mühl undt dem bach neben der weingartten

Kindlpeunth, welche auch dem closter Gäming mit bergrecht

untergeben und auf den Mühlbach stossen, hinauffwerths

biß zu dem wasserbründl bey dem Weickherstorfferischen

breuhauß. Hernach hinter dem breuhauß undt

breugartten hinauß gegen den Stainhoff (= Kornhäuselgasse

3) undt den weingartten Ungeschaiden genant zu ainem

grossen nußbaumb innerhalb deß zaun, in diesen der

herrn PP. Augustiner closter in Baaden angehörigen

weingartten Ungeschaiden stehendt.

Alßdann gehet mann linckhe handt neben deß zaun hinauß

gegen dem Schwechetbach undt ferers rechte handt gegen

berg hinauf neben denen stainwanden, der Tächenstain

genant, biß auf alle höch zu dem Hollenstain, welcher sich

mit dem spitz hereinwerths gegen den berg undt gebürg

naiget.

Von dar widerumben aufwerths zu ainem in der höche auf

ainem stainrigl stehendten marchstain mit ainem ausgehauten

G, welcher gleich ausser deß gemachten zaun

stehet, undt ist allweeg in- undt ausser deß zauns zur rechten

handt Gämingischer grundt undt zur linckhen seithen

gegen den hohen fahren (= Föhren) der herrschafft Rauchenstain.

Von diesem stain abermahlen über ainen stainrigl biß

widerumben zu ainem stehendten marchstain mit ainem G

ohne jahrzahl, welcher stain in ainem gestreissig rechte

handt zu finden undt jährlichen außzuseuberen ist, daß

solcher nit verwaxe oder verlohren werde; undt verbleibet

daß gantze gebürg zur rechten handt dem erwehnten

closter Gäming.

Abermahlen von diesem stain trähet mann sich linckhe

handt über die höche auf ainen gar alten fahrtweeg, der

Schuechreisser genant, alß mann linckhe handt auf daß

dorff Sigenfeldt, rechte seithen nacher Gaden undt folgendts

in den Brüell (= Brühl bei Mödling) hinaußgehet,

fort nach dem Rauchenstainischen undt thaill Tribeßwinckhler

gemerckh undt grundt biß zu einer viechtränckh

undt grosser wasserlackhen. Alda ligt ain gar grosser alter

marchstain, aines rechten manns länge, unter sich mit deß

closters Gäming wappen undt ausgehauten G. Diese lackhen,

wie vorkhombt, scheidet der herrschafft Rauchenstain,

herrschafft Tribeswinckhel, dann deß closters

Lillenfeldt zu linckhen undt deß closters Gäming grundt

gegen Baaden zur rechten handt.

Von dar trähet mann sich rechte handt auf einen alten

gehesteig undt fahrtweeg, welcher nacher Baaden gegen

dem hochgericht undt auf den Hünerberg gehet, khombt

mann zu ainer alt eingefallenen kalchgrueben, welche zur

linckhen handt ligen verbleibet. Undt trähet mann sich

nach solchem alten weeg widerumben rechte handt nacher

thall hinumb abwerths auf den tieffen weeg in daß Haunoltsthall

oder Hämerleinsgraben, alda sich der ausgewaschene

schluchten nach die geweste undt nunmehr veröedte

weingartten in dem Mitterberg herausserhalb deß zauns,


zur rechten handt hinunter biß widerumben auf die bürgerliche

Beckhenmühl, dann den weingartten Kindlpeunth

undt deß Mühlbachs neben des schloß hoffgartten von

Weickherstorff an dem strittigen liechtzaun, allwo wir den

anfang genohmen undt sich der gezirckh deß Mitterbergs

endet. 141

Veranschaulicht werden diese Beschreibungen durch einen

Plan mit dem Titel Gamminger Mitterberg Wald, aufgenohmen

und gezeichnet von dem Joseph Rettich, k.k. reitenden

Hofjäger und Waldbereiter. Geschehen Baaden den

10ten Hornung 1802. 142 Oberhalb des Gamminger Weingebürg

in Mitterberg sehen wir den Gebirgszaun mit dem

Grosse(n) Gatter und dem Pöller-Gätterl, nordöstlich

verläuft die Grenze zum Rauhensteinerwald (Der Herrschaft

Doppelhof Mitterberg-Wald).

Der Mitterbergwald, 1802

(StA B, TSB PL 32, Ausschnitt)

In ihrem Verlauf sind sechs Grenzsteine eingezeichnet, die

auf der einen Seite die Inschrift H(errschaft) R(auhenstein)

1740, auf der anderen einen Wappenschild mit dem Buchstaben

G für Gaming tragen - sie sind bis heute erhalten.

Grenzstein am Tachenstein, 1740

links: HR 1740, rechts Wappenschild G(aming)

(Foto R. Maurer, Mai 2009)

Erst nach der Anfertigung des Plans

wurden einzelne Grenzsteine mit der

Abkürzung GB (= Gaminger Berghof)

eingesetzt, die sich gleichfalls

bis heute erhalten haben.

Nicht vermerkt ist die

eindrucksvolle spätgotische Stele,

die bereits im Abschnitt „Der Weg

am Gebirgszaun“ beschrieben und

23

abgebildet ist. Auf der Westseite ist die Gamminger Hutweide

der Baadner Bürgerschaft eingetragen. Erschlossen

wird der Wald durch einen Weg, der die Hochstraße fortsetzt

(heute durch einen blau markierten Serpentinenweg

ersetzt, an dessen Ende die Ludwig Brunner-Hütte steht).

Die Waldweide der Badener Bürger dürfte bereits auf

mittelalterliche Zeiten zurückgehen, nicht umsonst wurde

im 15. Jahrhundert ein Weingarten in der Putschanerlucken

Viehparz genannt. Der Halter, der morgens das Vieh (Kühe,

Schafe, evtl. auch Ziegen) der Badener Bürger übernahm,

hatte die Wahl zwischen zwei Wegen: Er konnte

seine Herde über das Vogeltal und den Judengraben (Welzergasse)

hinauftreiben oder über die Putschanerlucken.

Als Stadtrichter Michael Schlachtner gegen Ende des 17.

Jahrhunderts die Kalvarienbergstationen errichtete, wurde

auch dieser Weg für den Viehtrieb verwendet - erst 1839

wurde das verboten, weil man eine Verwüstung der damals

frisch renovierten Anlage vermeiden wollte. 143

Der „Hexenkreis“ im Mitterbergwald, 2009

Vexierbild: Die fast kreisrunde Senkung von ca. 30 m Durchmesser

und ½ Meter Tiefe wird unten durch den Rand des weißen

Blumenbewuchses (oberhalb des abgebrochenen Astes) und oben

durch den schattigen Streifen (unterhalb der hellen Sonnenstreifen)

angedeutet (Foto R. Maurer, Mai 2009)

Über diese drei Wege erreichte man die Karstheide am

Kalvarienberg und oberhalb der Putschanerlucken sowie

den Mitterbergwald. An Wasserstellen gab es den schon

erwähnten Haunoldsbrunnen, der aller Wahrscheinlichkeit

nach oberhalb des Winschlochs zu suchen ist, eine Viehtränke

in der nordwestlichen Ecke des Mitterbergwaldes

und vielleicht auch einen Brunnen am Ende des Teuftals.

Die Viehtränke in der Ecke des Rauhensteiner und des

Siegenfelder Waldes ist eine kurze Besprechung wert.

1624 ist sie als ain lackhen oder pfütschen, 1662 ausdrücklich

als viechtränckh undt grosse(r) wasserlackhen erwähnt.

144 In Kolbes Jurisdiktionsplan ist sie 1796 als Oval

mit der Beschriftung Viehe-Trencke eingezeichnet. Auch

auf dem Katasterplan 1819/1820 ist das Oval zu finden,

doch lautet nun die Beschriftung Beym Hexenkreis! Dafür

hat das anschließende Rauhensteiner Blatt des Franziszeischen

Katasters in der gegenüberliegenden Nordostecke

des Rauhensteinerwaldes eine Beschriftung Bey der

Viehtränk. Eine Kontrolle im Gelände ergibt, dass auf der

Badener Seite bis heute ein Oval vorhanden ist, das der

Lage der Viehtränke bzw. des Hexenkreises entspricht. Es

handelt sich um eine fast kreisrunde, scharf eingeschnittene

Vertiefung mit etwa 30 Schritten Durchmesser und ½ Me-


ter Tiefe. Die Lage in einem Sattel zwischen den Höhen

des Hühnerbergs und des Mitterbergs machte es anscheinend

möglich, dass sich hier genügend Wasser ansammelte,

um den Durst des Weideviehs zu stillen. Das romantische

19. Jahrhundert, dessen Spaziergänger wohl wenig

Beziehung zur Weidewirtschaft hatten, machte daraus

einen Hexenkreis, so wie es aus dem Höhlenstein einen

Höllenstein und aus dem Tachenstein einen Drachenstein

gemacht hatte!

Aber die Zeiten wurden wieder nüchterner: Bereits 1866

war aus dem Hexenkreis ein Hexenkreuz geworden (Plan

von L. Kallina, TSB PL 1403)!

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass man auf der

Rauhensteiner Seite der Viehtränke, wo der Rauhensteiner

Halter täglich sein Vieh hintrieb, sogar einen Brunnen

schlug, um die Herde mit ausreichend Wasser zu versorgen

- entweder Zeichen für zunehmend trockenes Klima, in

dem sich nicht mehr genug Wasser für die traditionelle

Tränke sammelte, oder Ursache der Austrocknung der

Badener Viehtränke, indem ihr das Wasser abgegraben

wurde. Das Thema scheint nicht wichtig genug gewesen zu

sein, um den Weg in die Akten der betroffenen Herrschaften

zu finden, aber die Ruine des Brunnenhauses lässt den

Sachverhalt bis heute erkennen.

Rauhensteiner Viehtränke

und Gaminger Hexenkreis,

1819/20

(Ausschnitt aus zwei zusammenpassenden

Blättern

des Franziszeischen Katasters,

StA B, TSB PL 100/2

und TSB PL 216)

Die Waldweide war ein Gnadenakt der Kartause Gaming,

der der Badener Bürgerschaft „aus guter Nachbarschaft“

zugestanden und immer wieder erneuert wurde. Am 29.

Juni 1714 z.B. ließ die Stadt Baden die Kartause in vielen

barocken Schnörkeln wissen, dass ihr die Bürger in vieler

Hinsicht zu Dank verpflichtet seien; in specie seint wir

obligirt, das der trieb mit unserm s(alva) v(enia) (= mit

Verlaub gesagt) viehe in den so genannten Baadner- und

Mitterberg passiert wirdt, welche waidt, ob sie zwar in

sich selbst nit sehr ergöbig, dannoch ein beneficium zu

consideriren; der langen Rede kurzer Sinn war die Bitte,

den Viehtrieb weiter zu gestatten. Mindestens so gewunden

gaben die Gaminger am 3. Juli zurück, dass in Anbetracht

der eben überstandenen Pest und des Stadtbrandes der

Trieb des Hornviehs bis auf Widerruf weiterhin gestattet

werde. 145

Interessant die Einschränkung auf das Hornvieh. Die

Schweine richteten wohl zu viele Verwüstungen an und

waren daher aus dem ohnehin kargen Gelände verbannt

worden – nach dem Verschwinden des Namens Schweintal

aus den Grundbüchern im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts.

Trotz vieler Verbote hielten sich der Viehtrieb und die-

Waldweide bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts.

24

Wie wir bereits gehört haben, ging der Mitterbergwald im

Jahre 1908 in den Besitz der Stadtgemeinde Baden über

und gilt seither als Teil des „Oberen Kurparks“.

Steinbrüche am Mitterberg

Da sich auch bei Privathäusern seit dem 14. Jahrhundert

die Steinbauweise durchsetzte, 146 war es naheliegend, sich

das Baumaterial am Mitterberg zu holen, der so bequem

gleich oberhalb der Siedlung lag. Bis heute sind in den

unverbauten Randgebieten des ehemaligen Weinbergs die

Reste zahlreicher größerer und kleinerer Steinbrüche erhalten.

Manche von ihnen sind bis ins Mittelalter zurück zu

verfolgen.

Im Jahre 1367 gab es einen Weingarten, der nach seinem

Besitzer Plonkler hieß, seit 1406 aber als Steingrub bezeichnet

wird. 147 Wir dürfen also annehmen, dass hier in

der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ein Steinbruch

arbeitete, der dann zur Umbenennung führte.

Im Jahre 1411 wurde im Bergbuch angemerkt, dass ein

Teil des Weingartens Trumauer derzeit als Steinbruch

verwendet werde. Das Unternehmen war so erfolgreich,

dass das betreffende Stück bald darauf aus dem Weingarten

herausgeschnitten wurde und unter dem Namen „Steinbruch

unterm Weg“ (gemeint die heutige Bergsteiggasse)

eine eigene Grundbucheintragung erhielt. Gleichzeitig

wurde auf der anderen Seite der Straße ein „Steinbruch ob

des Weges“ angelegt. Die beiden Unternehmen blieben bis

ca. 1465 in Betrieb. 148

1571 erfahren wir, dass der Mariazellerhof unterhalb der

Marchetstraße, an der Rückseite des Grundstückes der

Bäckenmühle (Pelzgasse 13), einen Steinbruch unterhielt.

149

Nun lassen uns die Grundbücher 200 Jahre lang im Stich.

Es waren Jahrhunderte der Stagnation und der Krise -

wahrscheinlich wurde so wenig gebaut, dass man gar keinen

eigenen Steinbruch benötigte. Erst um 1765 begann

die Bevölkerung über die im Mittelalter erreichte Zahl

hinauszuwachsen, so dass eine umfangreiche Bautätigkeit

einsetzte.


Als der „Verein behauster Bürger“ 1782 den Gamingerhof

erwarb, stellten die neuen Besitzer eine Erhebung über die

dazugehörigen Wirtschaftsbetriebe an und registrierten

dabei auch einen Steinbruch am Mitterberg. Dieser war

zwar verpachtet, doch gab es einen großen Zahlungsrückstand,

und es war wegen Armuth des Besitzers kaum was

zu erhollen. 150

Anscheinend betrieb der Verein eine sehr aktive Wirtschaftspolitik,

denn drei Jahre später sind am Mitterberg

bereits ein „alter Steinbruch“, eine „Öde, worin ein Steinbruch“

und „ein Platzl mit Gesträuch, worauf ein Steinbruch

mit einer Hütte“ verzeichnet, also insgesamt ein

aufgelassener und zwei aktive Steinbrüche. 151

Einer davon dürfte auf einem Teil der Ried Böltz (1819

Parzelle 735) gelegen sein. Dieser Steinbruch wurde 1819

durch Überlassung eines sonst unbenützbaren Steinriegels

(Parzelle 663) erweitert. 152

1811 erwarb den südwestlichen Zipfel der Ried Zehetner

der Baumeister Remigius Schmidberger und richtete sich

dort einen Steinbruch ein; zu diesem Zweck schenkte ihm

die Grundherrschaft noch eine anschließende „öde Strecke“

im Ausmaß von 14 Pfund dazu (1819 Parzelle 846).

1828 schloss der Baumeister seinen Steinbruch und gab die

beiden Grundstücke an die Herrschaft zurück. 153

1819 hatte auch Thomas Geiger im Bereich der Ried

Krump / Krümpl eine Sandgrube und einen Steinbruch. 154

Im selben Jahr übergab die Herrschaft Gaminger Berghof

dem Leesdorfer Johann Lechner eine Strecke öden Grundes

per 1 Pfund in Tagenstein ... zum Behufe des Sandgrabens

und nachheriger Beurbarung. Der im selben Jahr

erstellte Franziszeische Kataster führt das Grundstück als

Steinbruch und gibt ihm die Parzellennummer Mitterberg

829. 155

Der Steinbruch am Tachenstein, 1739

(StA B, GB 2/11, Ausschnitt)

Der Gebirgszaun hatte nicht nur (rechts oben) den „Gatern“,

sondern auch (links oben) ein kleines „Gätl“ – solche Zauntürln

wird es wohl auch an anderen Stellen gegeben haben!

In dieser Zeit des Baubooms, den die kaiserliche Sommerresidenz

in Baden ausgelöst hatte, waren also am Mitterberg

nicht weniger als vier Steinbrüche gleichzeitig in

Betrieb!

1816/17 errichtete ein geschäftstüchtiger Privatmann am

Ausgang der Putschanerlucken ein bescheidenes Haus,

heute würde man wohl sagen eine Baracke, mit Unterkünften

für die Arbeiter in den Stein- und Sandgruben. 1828

ging es in den Besitz der Gutsverwaltung des Gaminger

Berghofs über und wurde daher einfach „Gaminger Gebäude“

genannt (heute Andreas Hofer-Zeile 7). 156

25

Die ständige Stilllegung alter und Anlage neuer Steingruben

ist weniger auf eine Erschöpfung des Rohstoffs zurückzuführen

als darauf, dass die Steinbrüche mit ihrem

weichen Material ab einer gewissen Größe bzw. Höhe

einfach zu gefährlich wurden, und bei dem geringwertigen

Baumaterial, das hier gewonnen wurde, hätten Sicherheitsmaßnahmen

den Betrieb unrentabel gemacht. Was

passieren konnte, wenn man einen Steinbruch zu groß

werden ließ, zeigt ein schrecklicher Unfall, der sich am 31.

August 1840 in der Ried Böltz ereignete. An diesem Tag

wurde ein Bewohner des „Gaminger Gebäudes“, der 43jährige

Michael Möstl, Inwohner und Steinbrecher in Baden,

im Steinbruch verschüttet und tod aus der Erde im

Bruche des Franz Lander von hier ausgegraben. 157

1865 wurde auf den Parzellen 701 (Langenweingarten),

702 (Kleinhackel) und 703 ein Steinbruch eröffnet, für den

eine Erschließungsstraße am Rand der Parzellen 710 und

712 angelegt wurde. 158

Unübersichtlich wurde die Lage ab 1871, denn da wurden

am Mitterberg drei Reihen übereinander liegender Steinbrüche,

namentlich behufs Material-Gewinnung für die

Wasserleitung, ... eröffnet. Alle Stollen und Kanäle im

Bereich der Stadtgemeinde Baden und teilweise auch von

Pfaffstätten sind aus Mitterberg-Stein gebaut! 159

Hier noch, ganz unsystematisch angereiht, eine zufällig

aufgefundene Meldung, die zeigt, dass die Steinbruch-

Geschichte des Mitterbergs bis ins 20. Jahrhundert weiterging:

Am 22. Februar 1904 meldete Josef Buchhart am Mitterberg,

Parzelle 846 (ehem. Ried Zehetner) ein Steinbruch-

Gewerbe an, am 4. Dezember 1905 legte er es wieder zurück.

160

Höhlen und Sandlöcher

Die felsigen Teile des Mitterbergs bergen eine Fülle von

kleineren und größeren Löchern, die in einigen Fällen auch

nach heutiger Definition durchaus als Höhlen zu bezeichnen

sind. Einen überwältigenden Eindruck davon bekommt

man, wenn man von der Helenenstraße zu den Klippen des

Tachensteins hinaufschaut. Wir haben schon gehört, dass

der Tachenstein deswegen auch Höllenstein (= Höhlenstein)

genannt wurde. Die ohnehin zahlreichen natürlichen

Höhlungen wurden durch menschliche Einwirkung weiter

vermehrt. Schon im 18. Jahrhundert hören wir von einer

Höhle mit der wenig einladenden Benennung Saustall, die

einer der josefinischen Großrieden den Namen gab. Vermutlich

handelte es sich um ein künstlich erweitertes Gebilde,

das für eine Art Almauftrieb eines Schweinebauern

genützt wurde (vgl. Anhang I, Flurnamenlexikon, Stichwort

Saustallen).

Höhlenartige Gebilde entstanden aber auch durch Kalk-

und Sandgewinnung. Bereits im Spätmittelalter ist in der

Putschanerlucken, in der Nähe des Winschlochs, eine

Kalkgrube nachweisbar (vgl. Anhang I, Flurnamenlexikon,

Stichwort Haunoldstal), und wir haben schon gehört, dass

es dort im 19. Jahrhundert einen „Sandkasten“ gab, zu dem

eine eigene Straße geführt wurde. Es war auch schon davon

die Rede, dass damals im Bereich der Ried Krump /

Krümpl eine Sandgrube war und dass die Grundherrschaft

unternehmungslustigen Leuten öde Grundstücke am Tachenstein

zum Sandgraben überließ, allerdings mit der

Auflage, sie später zu „beurbaren“, d.h. landwirtschaftlich

nutzbar zu machen. Auch diese Arbeit war sehr gefährlich,


und als im April 1819 „der junge Rappolt“ durch den Einsturz

einer Sandgrube ums Leben kam, erließen die Herren

des Rats eine Vorschrift, dass künftig nur mehr Löcher

gegraben werden dürften, alle Höhlen seien einzuschlagen.

161

Die Sandgräber

(Diorama von Helmut Urschütz; RM, Obj 2074)

Der erste und fleißigste Höhlenforscher Badens war Gustav

Calliano, der im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts

mit seinem Bruder Karl alle Löcher, Höhlen und Felsspalten

Badens erforschte, registrierte und, soweit sie noch

keine eigenen Namen hatten, auch mit Benennungen versah.

1894 kannte er am Mitterberg zwölf Höhlen - hier eine

leicht gekürzte Abschrift seiner Liste:

1. Fliegenhapelloch: groß (d.h. größer als ein „gewöhnliches

Zimmer“), halb verschüttet, sagenreich

2. Himmelwiesenlucke oder Hausgrafhöhle: groß, prähistorische

Funde, ehemalige Wohnhöhle, derzeit verändert

3. Höhle auf der Alexandrowitsch’schen Anlage, unbedeutend

(= kleiner als ein „gewöhnliches Zimmer“)

4. Judenloch: sehr sagenreich, 14 verschiedene Sagen; derzeit

verschwunden

5. Maglothloch in der Putschanerlucke: unbedeutend, zerstört

6. Richardshöhle: unbedeutend, einsturzgefährlich (!)

7. Rolletthöhle: unbedeutend, einsturzgefährlich, auch Türkenversteck

genannt (in Wirklichkeit zwei Höhlen - Anm. R.Maurer)

8. Staffelhöhle in der Putschanerlucke: klein (= so groß wie ein

„gewöhnliches Zimmer“), zusammengestürzt und verlegt, birgt

prähistorische Funde

9. Teufelsloch: auch Rauwutzellucken, unbedeutend, sagenreich

10. Zimmerhöhlen: groß, teilweise zerstört (zwei Höhlen - Anm.

R. Maurer). 162

Über einige dieser Höhlen erhalten wir Zusatzinformationen:

Die „Zimmerhöhlen“ (Burlucken) auf dem Mitterberg

erinnern schon mit dem Namen an eine einstige

menschliche Benützung, sind aber derzeit vielfach verändert

und durch Steinbrucharbeiten zerstört. 163

Bei der in den Felsanfängen des Mitterberges,

gleich links nach dem Wasserleitungs-Viaducte, am Eingange

der Putschanerluckenschlucht liegenden, nun verbauten

„Himmelwiesenlucke“, auch Hausgrafhöhle genannt,

wurden sowol 1860 als 1866 grössere Partien roher

Thonscherben - mehrere mir durch Zufall später zu Gesicht

gekommene Trümmer erwiesen sich als prähistorische

Arbeiten - und 1875 eine gut erhaltene Urne ausgegraben.

Leider ging auch dieses interessante Gefäss aus

Unverständnis zu Grunde. 164

Calliano beschränkt sich also nicht auf eine Aufzählung der

ihm bekannten Höhlen, sondern reichert sie auch mit unspezifischen

Angaben wie „sagenreich“ oder „prähistorische

Funde“ an. Nur eine einzige der angeblich so zahlreichen

Sagen erzählt Calliano in einer späteren Publikation

(„Das Teufelsloch am Mitterberg“), keinen der prähistorischen

Funde aus der Himmelwiesenlucke oder der Staffel-

26

höhle hat je irgendwer zu Gesicht gekriegt. Dafür gibt es

nur eine Erklärung: Weder die Sagen noch die Funde hat

es je gegeben - sie gehören zu der Aura des Beziehungsreichen,

mit der sich Calliano zu umgeben liebte, um zu suggerieren,

aus welch reichem Schatz von unausgesprochenem

Wissen er noch schöpfen könne, um etwaige Zweifler

zum Schweigen zu bringen. 165 Ein weiteres Beispiel für

diese typische Vorgangsweise Callianos ist im Anhang

dieser Arbeit unter dem Stichwort „Himmelwiese“ zu finden.

Die einzige Mitterberg-Höhle, bei der sich Calliano

auf konkrete Angaben einlässt, ist bereits verbaut, die

Funde sind aus Unverstand zu Grunde gegangen - nichts ist

nachprüfbar! Auch diese Art, seine Fantasieprodukte durch

detaillierte Beschreibung und Angabe von Jahreszahlen

möglichst authentisch erscheinen zu lassen, sie aber dann

durch die verschiedensten Ausreden jeder Kontrolle zu

entziehen, ist typisch für Gustav Calliano. Erst unlängst

konnte ich diese Vorgangsweise des skrupellosen Geschichtsfälschers

anlässlich einer genauen Analyse seiner

Berichte über die Grufthöhle im Kurpark entlarven und im

Detail darlegen. 166

Da es Calliano verstanden hatte, auch den unscheinbarsten

Felsritzen den Anstrich einer kulturhistorischen Bedeutung

zu geben, wurden sie zum Großteil, um die Forschungsergebnisse

der dazwischenliegenden Generationen erweitert,

in den niederösterreichischen Höhlenkataster aufgenommen:

1. Fliegenhapelloch, Kataster-Nummer 1912/5: bereits Ende des

19. Jahrhunderts verschüttet.

2. Himmelwiesenlucke, Kataster-Nummer 1912/12: existiert

nicht mehr, die Felswand, welche die Höhle barg, soll verbaut

und die Höhle selbst zu einem Keller umgestaltet worden sein.

3. Obere und Untere Alexandrowitschhöhle, Kataster-Nummern

1912/44, 45

4. Judenloch, Kataster-Nummer 1912/14: wird vom Höhlenkataster

- im Gegensatz zu Callianos ausdrücklicher Angabe „Mitterberg“

- in der Nähe der Judenkanzel in der Welzergasse lokalisiert.

5. Maglothloch, Kataster-Nummer 1912/18: Existiert nicht

mehr. Befand sich ober dem Haus eines Sandgräbers namens

Magloth auf der orographisch rechten Seite der Putschanerlucke.

6. Richardshöhle, Kataster-Nummer 1912/24: 20 m nördlich der

Rolletthöhle, ca. 300 - 400 m westlich des Kaiser Franz Josef-

Museums.

7. Rolletthöhle, Kataster-Nummer 1912/42a, b: ca. 300 - 400 m

westlich des Kaiser Franz Josef-Museums, unterhalb eines Weges,

an den Rändern einer Doline

Türkenversteck, Kataster-Nummer 1912/34: ca. 300-400 m

westlich des Kaiser Franz Josef-Museums, 15 m nördlich eines

Weges (Neuinterpretation des Höhlenkatasters! Calliano fasste

Türkenversteck als Alternativname der Rolletthöhle auf - Anm.

R. Maurer)

8. Staffelhöhle, Kataster-Nummer 1912/30: 25 Schrägmeter

oberhalb des Weges in der Sohle der Putschanerlucke, 80 m

nördlich des Winschlochs. Nur teilweise überdeckter Raum,

Fortsetzung über Felsstufen erreichbar, die auf Sandgewinnung

zurückgehen. Neolithische Reste. Benennung nach einer „Ried-

Bezeichnung der alten Grundbücher“ (Eine solche Ried-

Bezeichnung scheint in den alten Grundbüchern nicht auf; die

Benennung beruht vielmehr auf den Stufen, die man in der

Mundart früher Staffeln nannte - Anm. R. Maurer.)

9. Teufelsloch, Kataster-Nummer 1912/32: Am Fuß einer niedrigen

Felswand, ca. 150 m westsüdwestlich vom Umkehrplatz am

Ende der Mitterbergstraße (Es scheint fraglich, ob es sich um die

von Calliano gemeinte Höhle handelt. Das in den Gaminger

Grundbüchern seit 1367 genannte Teufelsloch lag jedenfalls, wie

bereits erläutert, in der Putschanerlucken - Anm. R. Maurer)


10. Zimmerhöhlen, Kataster-Nummer 1912/36a, b: In einer

Doline, 50 m südsüdöstlich von der Abzweigung des Wegs zum

Jungendbrunnen vom Rainerweg. In der einen der beiden Höhlen

wurde ein rezentes menschliches Skelett gefunden, die andere

weist an den Wänden Bearbeitungsspuren auf. 167

Nachdem wir also die Mitterberghöhlen ihrer sagenhaften

und prähistorischen Einkleidung entledigt haben, ist enttäuschend

wenig von ihnen übriggeblieben. Dafür kann uns

aber die weitläufigste Höhle des Mitterbergs, das Große

Sandloch, reichlich entschädigen. Gustav Calliano hat es

bereits 1886 beschrieben, doch bei der Aufzählung von

1894 weggelassen, wohl weil es ihm kulturhistorisch nicht

bedeutend genug schien. Es handelt sich um eine insgesamt

115 m lange, bis zu 3 m hohe Höhle am Umkehrplatz am

Ende der Mitterbergstraße (Kataster-Nummer 1912/27).

Ursprünglich war es wohl eine natürliche Höhle, doch lässt

sich das kaum mehr feststellen, weil sie von Sandgräbern

in alle Richtungen erweitert wurde. Bis 1995 diente sie als

wilde Mülldeponie, dann wurde sie gereinigt und wegen

Einsturzgefahr und zum Schutz der Fledermäuse mit einem

festen Gitter verschlossen. Verwunderlich schien es zunächst,

dass die eindrucksvolle Anlage von Calliano 1886

als halb zerstört und nicht besichtigenswert bezeichnet

wurde. Dieser Widerspruch klärte sich im Frühjahr 1996

auf, als in der Nähe eine nicht ganz kleine, aber schlecht

erhaltene Sandgräberhöhle entdeckt wurde, die nun den

Namen Altes Sandloch erhielt (Kataster-Nummer 1912/53)

- diese hatte wohl Calliano in seiner 110 Jahre zuvor entstandenen

Beschreibung gemeint!

Eine ganze Reihe weiterer kleiner Höhlen und Sandlöcher

wurde seit den Zeiten Gustav Callianos neu entdeckt. Hier

seien nur zwei genannt: die 1929 erstmals beschriebene

Museumshöhle (Kataster-Nummer 1912/19) auf dem Gelände

des Kaiser Franz Josef-Museums, bei der es sich um

ein halb verfülltes und einsturzgefährdetes Sandgräberloch

handelt, und eine 1997 aufgefundene Höhlung in der Nähe

der beiden Sandlöcher, die den offiziellen Namen Sandgräberhöhle

erhielt (Kataster-Nummer 1912/55). 168

Die Entdeckung, dass es auf dem Mitterberg auch eine

Eishöhle gibt, gelang erst im Vorjahr. Es handelt sich um

das Alte Sandloch. Dessen Decke ist durch ihren schlechten

Zustand wasserdurchlässig, und so ergibt es sich, dass

bei rascher Folge von Schneeschmelze und Frost riesige

Tropfsteingebilde in bizarren Formationen entstehen -

erstmals fotografisch dokumentiert von Dr. Helmut Urschütz

und Robert Bouchal im Frühjahr 2008!

Ein Kriegergrab und zwei Sagen

Von all den Andeutungen und Berichten Gustav Callianos

über den Mitterberg haben nur zwei Bestand, ein archäologischer,

weil das angesprochene Fundobjekt von Vertrauensleuten

untersucht werden konnte und zumindest in Fotografie

vorhanden ist, und eine Sage, die Calliano gleichzeitig

mit den Höhlenberichten veröffentlicht hat.

Beginnen wir mit der strengen Wissenschaft:

Im Winter 1889/90 wurden auf dem Mitterberg bei Baden,

einem ganz mit Weingärten bedeckten sanft abfallenden

27

Bergplateau, bei der Abtragung eines Steinriegels einzelne

sehr morsche Menschenknochen, die Trümmer eines rohen,

scheinbar ohne Töpferscheibe fabricirten tiefschwarzen

Gefässes und eine eiserne Lanzenspitze, Fig. 4, aufgefunden.

Die Fundstelle dürfte daher ein einzelnes Grab

aus der Eisenzeit beherbergt haben. Die 39 cm lange Lanzenspitze,

wovon 12 cm auf die geschmiedete Hohltülle

zum Aufsetzen an den Holzschaft kommen, weist beiderseits

eine starke Mittelrippe auf und ist ziemlich gut erhalten.

Fast am Ende der Tülle mit einem Annagelungsloche,

befinden sich, dasselbe andeutend, mehrere Umkreisungslinien.

Diese Lanzenspitze, die sehr an die Hallstatt-

Periode erinnert, bildet bis jetzt den einzigen Eisenfund

Badens. 169

Eine spätere Untersuchung des schönen Stückes ergab,

dass es sich bei den „Umkreisungslinien“ um eine umlaufende,

vertiefte Spirallinie handelte. Die Lanzenspitze

stammt aus der mittleren La Tène-Zeit, d.h. wenn es die

von Calliano beschriebenen Begleitfunde wirklich gab,

lagen unter dem abgetragenen Steinriegel die Reste eines

ca. 2200 Jahre alten keltischen Kriegergrabes - eine genaue

Lokalisierung ist bei der großen Zahl der Steinriegel, die

bei der einsetzenden Verbauung des Mitterbergs eingeebnet

werden mussten, nicht möglich. 170

Die Lanzenspitze vom Mitterberg

(aus: Gustav CALIANO, Prähistorische Funde)

Gleichzeitig mit der Publikation seines wissenschaftlichen

Werkes „Prähistorische Funde in Baden“ machte Gustav

Calliano 1894 in der Zeitschrift „Der Niederösterreichische

Landesfreund“ wenigstens eine der dort angedeuteten Sagen

der Öffentlichkeit bekannt. Sie wurde 1924 auch in die

von seinem Bruder Karl zusammengetragene Sagensammlung

„Der Niederösterreichische Sagenschatz“ aufgenommen:

171

Das Teufelsloch am Mitterberg

Ein Hauer in Baden, der so schlecht war, daß er schon

dreimal den Tod verdient hätte, schwur einst, nachdem er

heimlicherweise am Mitterberge einen Grenzstein verrückte,

daß ihn sofort das Höllenmaul verschlingen möge,

wenn er sich des Nachbars Gut angeeignet habe.

Kaum hatte er diese frevelhaften Worte gesagt, so tat sich

das Erdreich auf, ein Feuerstrahl entfuhr dem Höllenmaul,

und der Hauer verschwand in der Tiefe.

Das Teufelsloch zeigt noch heute die Stelle, wo dies geschah,

und die alten Leute gehen nie vorüber, ohne ein

Vaterunser für den Verdammten zu beten.

Dass es gelegentlich auch heute noch ungehobene Sagenschätze

gibt, beweist ein Bericht aus dem Jahr 2007, als

eine alte Mitterbergerin Heinz Holzmann und Helmut

Urschütz folgende Geschichte erzählte:

Der Sandgräber und der Teufel am Mitterberg

Ein Sandgräber, der in Wien den Reichtum der noblen

Leute sah, dachte sich: Warum muss ich von früh bis

abends schuften und es reicht kaum für den Lebensunterhalt?

Als er eines Tages müde neben seinem Leiterwagen auf

einem Stein saß, öffnete sich plötzlich der Boden und ein

elegant gekleideter Herr stand vor ihm. Der sonderbare


Herr hatte nur einen Schönheitsfehler: Er hatte nämlich

einen Pferdefuß! Der Sandgräber erschrak fast zu Tode

und fragte, nachdem er sich wieder gefangen hatte: „Was

willst du?“ - „Ich will dir helfen“, antwortete der Fremde.

„Ich will dir sagen, in welcher Höhle du zu Vollmond ein

Goldstück finden kannst. Aber hüte dich davor, an einem

anderen Tag dort zu graben, sonst wird deine Seele mir

gehören.“ Der Sandgräber überlegte nicht lange und

schlug ein. Damit war der Pakt geschlossen. So plötzlich,

wie der Teufel erschienen war, war er auch wieder verschwunden.

Beim nächsten Vollmond ging der Sandgräber zu jener

Stelle, die ihm der Teufel genannt hatte, und er begann zu

graben. Einen besonders weißen Sand konnte er herausfördern.

Nach etwa einer Stunde glitzerte ihm ein Goldstück

entgegen. Da war er überaus glücklich. Am nächsten

Tag ging er in die Stadt, um für seine Familie Brot und

Schmalz zu kaufen. Auch ein Stück Speck konnte er sich

leisten. Die Familie arbeitete fröhlich weiter und war

glücklich und zufrieden.

Auch beim nächsten Vollmond ging der Sandgräber wieder

zu der geheimnisvollen Stelle und fand im weißen Sand

erneut ein Goldstück. Das ging ein Jahr lang gut. Leider

hatte er das Geheimnis seines bescheidenen Wohlstands

seiner Frau verraten. Sie wollte immer mehr und sagte:

„Ich hätte gern ein neues Kleid und rote Schuhe!“ Sie

bedrängte ihn fast täglich, doch öfter nach Gold zu graben.

Da dachte der Mann: Der Teufel wird mich schon

nicht holen, wenn ich an einem anderen Tag als zu Vollmond

grabe.

Nachdem sich der Sandgräber mit einem Krug voll Wein

Mut angetrunken hatte, ging er zu der Stelle mit dem weißen

Sand. Der Mond blickte als schmale Sichel sorgenvoll

vom Himmel. Kaum hatte der Mann mit dem Graben angefangen,

öffnete sich vor ihm eine Spalte im Gestein. Gelber

Schwefeldampf stieg auf. Da hörte er eine Stimme sagen:

„Du bist mein!“ Der Sandgräber verschwand mit viel

Getöse in der Felsspalte, die sich sofort wieder hinter ihm

schloss. Nur der weiße Sand war nun gelb geworden. 172

V. Vom Weinberg zum Villenviertel

Die ersten Häuser am Mitterberg - das Schenk’sche

Berghaus und die Rollettvilla

Im Jahre 1789 entschloss sich die Gutsverwaltung des

Gaminger Berghofs zu einer damals noch ungewöhnlichen

Maßnahme: Sie verkaufte einen Teil der ungenützten, öden

Fläche am Ausgang der Putschanerlucken als Baugrund.

Johann und Katharina Käfer errichteten dort eine Behausung

(heute Marchetstraße 30), für die sie eine zehnjährige

Steuerfreiheit zugesichert bekamen - das war die übliche

Förderung für Häuslbauer. Noch im selben Jahr oder wenig

später ließen gleich daneben Josef und Eva Dremel ihren

alten Weingarten in Bauland umwidmen und errichteten

darauf ebenfalls ein winziges Häuschen (Marchetstraße

32). 173

Die weitere Verbauung des Mitterbergwegs ließ bis 1801

auf sich warten. In diesem Jahr wurde der Weingarten

Goldsteindl parzelliert und verbaut. Der Maurermeister

Johann Schmid errichtete auf seiner Parzelle den Vorläufer

des Hauses Marchetstraße 34. Den anschließenden Bau-

28

grund erwarb Dr. Schenk, behielt sich aber nur auf der

rechten Seite einen schmalen Streifen, den er als Weg

brauchte, und verkaufte den Rest weiter. Noch vor 1805

entstand dort Marchetstraße 36.

Der Landschaftsphysicus, Stadt- und Badearzt Dr. Carl

Schenk (1765 - 1829) war es dann auch, der noch im selben

Jahr 1801 für die eigentliche Sensation sorgte. Bereits

seit 1799 hatte er in der Alleegasse ein schönes Stadthaus

mit dem klingenden Namen „Zur Eiche“ (Erzherzog Rainer-Ring

9). 174 Doch schon zwei Jahre später fand er es

nötig, auch eine Sommerresidenz zu errichten. Er erwarb

zwei Weingärten in der Ried Goldsteindl und baute dort

ein eigenes Landhaus. Auf der einzigen erhaltenen Ansicht

(vgl. Umschlagbild vorn) wirkt es neben der Villa des

Hofrats Schreibers klein und unbedeutend, doch als es

noch allein dastand, machte es solchen Eindruck, dass es

im gedruckten Schematismus der Stadt Baden 1805 eigens

als „Dr. Schenks Berghaus“ vermerkt und sogar auf dem

1812 herausgegebenen Stadtplan mit der Beschriftung Dr.

Schenck Sommer-H(aus) als Sehenswürdigkeit eingezeichnet

ist. 175

Der Zugang erfolgte von der Marchetstraße aus, über ein

Gangel zum Schenkischen Hauß, das zwischen den Parzellen

verlief, auf denen heute Marchetstraße 34 und 36 stehen

- wir haben schon gehört, wie sich Schenk diesen Weg

vorsorglich gesichert hatte. 176 Im Lauf der Jahre konnte der

rührige Arzt seinen Garten, der Berghaus-Garten genannt

wurde, durch Ankauf benachbarter Grundteile zu einem

richtigen Park erweitern, und als ihm 1820 - er war damals

immerhin 55 Jahre alt - der Aufstieg zu seiner Sommerresidenz

zu mühsam wurde, fand sich als Käuferin niemand

geringerer als Alexandrine Fürstin Dietrichstein!

Die hochadelige Dame blieb auf Erweiterungskurs. 1821

erwarb sie den unweit oberhalb gelegenen Weingarten

Kohlhaufen (heute Marchetstraße 38), 1827 das nahe gelegene

Haus Marchetstraße 32 dazu, das sie 1846 um eine

weitere Nachbarparzelle ergänzen konnte. 177 Auch andere

Grundstücke am Fliegenhappelberg brachte die Fürstin in

ihren Besitz, doch gelang es ihr nicht, diese zu einem einzigen

großen Park zu vereinen.

Von den Erben kam der wahrhaft fürstliche Besitzkomplex

zwischen 1892 und 1903 an den Badener Industriellen

Isidor Trauzl. Gerade zu dieser Zeit wurde die Mozartstraße

angelegt, die aber zunächst nur über die enge und wegen

der Verbauung nicht erweiterbare Berghofstraße (heute

Andreas Hofer-Zeile) zu erreichen war. Es war wohl eine

Initiative Trauzls, der dafür einen Teil des Hausgrundes

von Marchetstraße 32 abtrat, dass die Mozartstraße die

heutige breite Zufahrt direkt von der Marchetstraße aus

erhielt. Erst jetzt waren die Baugründe an der Mozartstraße

wirklich gewinnbringend zu nützen. Auch Trauzl selbst

konnte nun die Stammparzelle, das alte Schenk’sche Berghaus

in der Mozartstraße 9, abverkaufen. 178 Doch damit

sind wir unserer Geschichte bereits hundert Jahre vorausgeeilt.

Durch die Bautätigkeit Dr. Schenks und seiner Zeitgenossen

waren natürlich die Gründe, die zwischen ihren Häusern

und dem Ortsende lagen, unter Druck geraten. So kam

es bereits 1805 zur Parzellierung und Verbauung der dort

gelegenen Weingärten Beindel / Kindlboint (Marchetstraße

31, 33, 35) und Kapellen (Marchetstraße 16 - 22).

Den Schlusspunkt dieser Ausbauphase setzten 1816 zwei

Museumsdirektoren. Einerseits schuf hier der Wundarzt


Anton Rollett die Villa Marchetstraße 37 (mit Park bis

inklusive Nr. 41!), in deren ersten Stock das Museum verlegt

wurde, das er 1810 in seinem Wohnhaus in der Gutenbrunnerstraße

eröffnet hatte. Bis 1867 sollte es in der

Rollettvilla seine Heimstätte behalten. Durch die starke

Abschüssigkeit des Geländes ergab sich eine originelle

Möglichkeit, Wohnbereiche und Museum zu trennen. Im

Parterre des Hauses wohnte Familie Rollett, die ihre Räumlichkeiten

von der Gartenseite her ebenerdig betreten konnte.

Das Museum im ersten Stock dagegen hatte seinen

Eingang von der Marchetstraße her, ebenfalls ebenerdig!

Karl v. Schreibers

(Lithographie von Bernhard v. Schrötter nach eigener Zeichnung;

StA B, KSP 208)

Anton Rollett, 1826

(Lithographie von Bernhard v. Schrötter nach Gemälde von Joh.

Bapt. Lampi; StA B, KSP 83/2)

Und andererseits errichtete genau gegenüber der Rollettvilla

der k.k. Hofrat Karl Ritter v. Schreibers (1779 – 1857),

seit 1806 Direktor des kaiserlichen Naturalien-, Physikalischen

und Astronomischen Kabinetts (heute: Naturhistorisches

Museum), eine schöne klassizistische Sommerresidenz

(Marchetstraße 42). Man kann sich vorstellen, dass

die beiden Museumsmänner anregende Stunden miteinander

verbrachten. Schreibers gehörte zu den ersten Museumsbesuchern,

die sich in Rolletts Gästebuch verewigten,

und als Rollett im Jahre 1825 die Schädelsammlung Dr.

Galls für sein Museum übernahm, stand ihm der Hofrat

und Nachbar hilfreich zur Seite. 179

Mit der Errichtung dieser beiden Villen war die Verbauung

des Mitterbergs fürs Erste abgeschlossen. Für die nächsten

25 Jahre hatten die beiden Herren ein überaus elegantes,

der kaiserlichen Sommerresidenz würdiges Ensemble am

Ortseingang geschaffen. Die Sommergäste, die von ihren

Spaziergängen aus dem Helenental zurückkehrten, wussten

es zu schätzen, und schon im Jahre 1817 schuf Ferdinand

Freiherr v. Wetzelsberg eine biedermeierlich-idyllische

Ansicht der neuen Sehenswürdigkeit (s. Umschlagbild).

Ungescheiden - Karlsgasse

1834 kam es am anderen Ende des Mitterbergs zur Parzellierung

der Ried Unbescheiden (damals meist Ungescheiden

geschrieben). Über die Entstehung der neuen Ortsrotte,

die ebenfalls Ungescheiden genannt wurde, berichtet ein

Zeitzeuge: Herr Leopold Felbinger, damaliger Jäger bei

der Herrschaft Weikersdorf, hat, nachdem er die (entsprechenden

Grundstücke) gekauft hatte, einen Felsen, der bis

an die Straße im Helenenthale reichte, sprengen und eine

Straße durch den zu genannten Besitzungen gehörenden

29

Acker führen lassen und sodann die daselbst ausgesteckten

Bauplätze an vorfindige Bauliebhaber verkauft. 180

Mit der Vermessung der Bauplätze machte sich der wackere

Jäger keine große Mühe. Er schätzte einfach die Fläche

und verkaufte dann die Gründe um 1 Gulden pro Quadratklafter.

Eine spätere Vermessung ergab, dass er sich in

allen Fällen verschätzt hatte, manchmal bis zu 30%, aber -

zu seiner Ehre sei es gesagt - fast immer zu Gunsten des

Käufers!

Hier entstanden keine Villen, denn die Bauflächen waren

winzig, und die Häuser, mit denen sie verbaut wurden,

werden in den Grundbüchern durchwegs als „Kleinhäuser“

bezeichnet. Aber anscheinend war es für den kleinen Mann

DIE Chance, zu einem eigenen Haus zu kommen, denn der

Absatz war reißend. In den ersten fünf Jahren wurden nicht

weniger als zwölf Häuser errichtet, die verbleibenden Lücken

wurden in den 1840er- und 1850er-Jahren verbaut (3

bzw. 6 Häuser). 181

Die neue Straße, die Felbinger geschaffen hatte, wurde

nach dem Ziel benannt, zu dem sie hinführte. Von Weikersdorf

aus gesehen war das Baden, und man sprach daher

von der Badenerstraße. 182 Von Baden aus führte die Straße

zur Weilburg. Da es aber schon eine Weilburggasse gab

(sie heißt bis heute so!), wich man auf Erzherzog Karl, den

Besitzer der Weilburg, aus. Der Name Karlsgasse hatte das

größere Prestige, und so kamen die anderen beiden Bezeichnungen,

Ungescheiden und Badenerstraße, in kürzester

Zeit außer Gebrauch.

Karlsgasse 11 – 19 im Jahre 1927

(Ansichtskarte nach Foto von Schiestl/Novotny)

Aber Prestige hin, Prestige her - viele der neuen Häuser

standen unmittelbar am Fuß einer hohen Felswand, und das

ist bis heute nicht ganz ungefährlich, wie ein Zeitungsbericht

des Jahres 1901 beweist (geschrieben und illustriert

von dem Badener Künstler und Journalisten Johannes

Mayerhofer):

Gestern Morgens (= 22. März 1901) stürzten in der Karlsgasse

in Baden, welche die Bergstraße mit der Helenenstraße

verbindet, mächtige Felsblöcke in den Hofraum

des Hauses Nr. 14. Die Felswand, von der sich die Steinmassen

loslösten, erhebt sich hinter den Häusern der rechten

Straßenseite gegen zehn Meter hoch, und auf dieser

Höhe sind die sogenannten Alexandrowitsch-Anlagen. Das

Kalkgestein, aus dem die Felswand besteht, ist ungemein

hart. Stellenweise wird die Felswand jedoch von Lößschichten

durchzogen, die das einsickernde Wasser langsam

auswäscht, bis die mächtigen Blöcke den Halt verlieren

und niederbrechen. Bis zur Villa des Erzherzogs Rainer

stehen vor der Felswand Häuser, und bei einzelnen


derselben sind Wohnräume und Wirthschaftsgebäude

direct an den Felsen angebaut. Auch bei dem Hause Nr.

14, das dem Bezirksstraßenausschuß gehört und sich an

der Stelle befindet, wo der große Aquäduct der Wiener

Hochquellenleitung die Felswand erreicht, war ein Schuppen

an den Felsen angebaut. Die starken Holzbalken der

Decke und die Mauertheile wurden von den niedergleitenden

Felsblöcken zerdrückt und ein Wagen sowie die

sämmtlichen dort aufbewahrten Fahrnisse und Geräthschaften

wurden total zertrümmert. Große Felsblöcke,

Steintrümmer, Ziegel und Balkenstücke thürmten sich

neben dem eingedrückten Wirthschaftsgebäude auf, das

unser Bild nach einer Naturaufnahme zeigt. Es ist ein

glücklicher Zufall, daß der Bruch der Felsmassen bei

Nacht erfolgte, da sich zu dieser Zeit Niemand in der Nähe

der gefährlichen Stelle befand. Ein Theil der Felswand

wird abgetragen werden, um neuen Felsstürzen vorzubeugen.

183

(Aus: Illustrirtes Wiener Extra-Blatt vom 23. März 1901;

StA B, Nachlass Mayerhofer, fasc. IV, Zd. 35)

Um solche Gefährdungen künftig zu verhindern, entschloss

man sich im Mai desselben Jahres zu Sicherungsarbeiten –

der Anblick war so abenteuerlich, dass sich Mayerhofer

wieder zu einer Bildreportage entschloss:

(Aus: Illustrirtes Wiener Extrablatt vom 15. Mai 1901;

StA B, Nachlass Mayerhofer, fasc. IV, Zd. 36/3)

30

Die Berggasse wird zum Villenviertel

Jahrhunderte lang war die Berggasse eine Sackgasse gewesen,

die an den Felsen des Tachensteins geendet hatte.

Durch die Trassierung der Karlsgasse war nun eine direkte

Verbindung zum Helenental geschaffen, das durch seine

romantischen Burgruinen und seine idyllische Naturbelassenheit

eine Hauptattraktion Baden geworden war und

durch die Errichtung der Weilburg eine weitere Aufwertung

erfahren hatte. Stammgäste Badens, die es sich leisten

konnten, begannen nun, in großem Stil Äcker und Weingärten

an der rechten Seite der Berggasse aufzukaufen und

dort prachtvolle Sommerresidenzen zu errichten. In dem

Jahrzehnt von 1840 bis 1850, also unmittelbar nach

Vollendung der gröbsten Bauarbeiten in der Karlsgasse,

entstanden hier 11 Villen mit großzügigen Gartenanlagen;

verbleibende Lücken wurden bis 1875 in dem gemächlicheren

Tempo von etwa 3 Villen pro Jahrzehnt verbaut.

Als 1873 das bis heute gültige Orientierungssystem nach

Straßennamen und Hausnummern eingeführt wurde, war

die Bezeichnung „Gasse“ zu bescheiden für den noblen

Straßenzug geworden: Die Berggasse wurde offiziell in

Bergstraße umbenannt! 184

Wohnbau statt Weinbau

Als die Marchetstraße zur Gänze verbaut war, wurden in

Baden wieder einmal die Bauplätze knapp. Immerhin war

Weikersdorf damals noch eine selbständige Gemeinde, so

dass die Stadt auf allen Seiten an verbautes Gebiet stieß.

1876 begann daher die Stadtgemeinde Baden den Mitterberg

zur Verbauung freizugeben. Man hatte dabei wohl an

gutbürgerliche Behausungen und Villen im bisherigen Stil

gedacht, doch es kam anders. Da der vorhandene Regulierungsplan

den Mitterberg nur mangelhaft berücksichtigte,

fingen einzelne Weingartenbesitzer auf einmal an, wild zu

parzellieren oder zu bauen, wie es ihnen einfiel. Viele

holten nicht einmal Baugenehmigungen ein. Aber auch

wenn die Bauwerber an bürokratische Details wie Baubewilligungen

oder Bewohnungskonsense dachten, konnte

die Gemeinde nur die von der Bauordnung vorgeschriebenen

feuerpolizeilichen und hygienischen Mindeststandards

einfordern - für Rücksichtnahmen auf Straßenverläufe oder

Baulinien und sonstige städtebauliche Anliegen fehlte jede

Handhabe.

Als die Gemeinde 1882 eine Neuauflage ihres gedruckten

Häuser-Schematismus herausbringen wollte, standen am

Mitterberg bereits 29 Gebäude, an allen größeren Wegen

gab es ein paar. Die Vorreiter waren die noch 1876 errichteten

Häuser Mitterbergstraße 1 und 10; insgesamt standen

in der heutigen Mitterbergstraße sechs Häuser, in der

Bergsteiggasse fünf, in der Hochstraße sechs, am Mittersteig

neun, dazu gab es noch zwei Steinbrüche und eine

Schottergrube (heute Bergsteiggasse 10). Da die Wege

unbenannt und die Häusergruppen nur zum Teil zusammenhängend

waren, konnte der Schematismus nur mehr

resignierend anmerken: Diese Häuser liegen zerstreut am

Mitterberg und haben deshalb keine Orientierungs-

Nummern.

Das beste Beispiel für das damals entstandene Chaos ist

das Gässchen, das heute Mittersteig heißt. Hier hatte die

Gräfin Herberstein (bzw. ihre Gutsverwaltung) 1878 einen

Gartengrund der Ried Fliegenhappelberg parzelliert. Auf

Kleinstgrundstücken, die auf engstem Raum zusammenge-


pfercht waren, entstanden die Häuser, die den heutigen

Adressen Mittersteig 2, 3, 6, 7, 8, 9, 10, 11 und 13 entsprechen.

Die Grund- und Bauteile sind so kreuz und quer

verschachtelt, dass bis heute keine überzeugende Entwirrung

gelungen ist, wie man sich an Ort und Stelle überzeugen

kann! 185

Einige der damals errichteten Häuschen hatten eine derartige

Qualität, dass sie schon zehn Jahre später, als die

nächste Auflage des Häuser-Schematismus vorbereitet

wurde, wieder verschwunden waren, obwohl sie bereits

eine offizielle Konskriptionsnummer erhalten hatten. Dabei

war das alles erst der Anfang! In den nächsten sieben Jahren

entstanden allein im Weinbaugebiet des Mitterbergs

weitere 36 Häuser! 1889 war die Gemeinde derart verzweifelt,

dass sie einen Baustopp erließ. 186 Die erste Ordnungsmaßnahme

stellte die Benennung der Gassen dar. So

wurden am 16. Jänner 1891 die Bezeichnungen Bergsteiggasse,

Gamingergasse, Hochstraße, Mitterbergstraße und

Mittersteig festgelegt. 187 Damit konnten die bisher entstandenen

Häuser mit Nummern versehen und ordnungsgemäß

in die 1892er Auflage des Schematismus aufgenommen

werden. Inzwischen hatte man für ganz Baden mit der

Erstellung so genannter Regulierungspläne begonnen, 1903

war dieses Unternehmen vollendet, 188 und nun konnte auch

die Bautätigkeit am Mitterberg in städtebaulich verantwortbarer

Form wieder aufgenommen werden. Manche der

frühen Unüberlegtheiten ließen sich freilich bis heute nicht

bereinigen, wie z.B. im unteren Teil der Mitterbergstraße

deutlich zu sehen ist. Immerhin verdanken wir dieser Entwicklung

den originellen Mix von sehr einfachen Hauerhäuschen,

eleganten Bürgerhäusern und aufwändigen Villen,

der heute an manchen Stellen des Mitterbergs zu beobachten

ist.

Bis zum I. Weltkrieg machte die Verbauung des Mitterbergs,

diesmal im Sinne der ursprünglichen Erwartungen

mit schönen Villen, rasante Fortschritte, doch während des

Krieges und in der Nachkriegszeit kam sie fast völlig zum

Erliegen. 1936 wurde im Gemeinderat - gegen den Widerstand

der Vertreter der Hauerschaft! - eine generelle Genehmigung

zur Parzellierung des Mitterbergs bis zum

Waldrand beschlossen. 189 Dieser Beschluss konnte freilich

erst lange nach dem II. Weltkrieg und der Besatzungszeit

wirksam werden. Dank der modernen Datenbearbeitungssysteme

sind diese Entwicklungen im Grundbuchamt und

im Städtischen Bauamt mühelos nachzuvollziehen, und ich

31

kann mich hier auf eine summarische Aufzählung der neu

angelegten Gassen beschränken:

1903 Mozartstraße. Sie war zwar bereits direkt an

die Marchetstraße angebunden, doch begann die Zählung

der Häuser erst bei der Abzweigung von der Andreas Hofer-Zeile

(bisher hatte dort die Mitterbergstraße begonnen,

deren Anfang nun ein Stück hinauf verlegt wurde); erst

nach 1903 wurden die Häuser gleich von der Marchetstraße

an gezählt.

1908 Horagasse

1908 Witzmanngasse

1913 Schubertgasse

1964 Johann Wagenhofer-Straße

1971 Carl Zeller-Weg

1972 Kartäuserweg

1972 Johann Strauß-Gasse

1983 Dr. Rudolf Klafsky-Straße

1983 Heinrich Strecker-Gasse

1983 Joseph Müllner-Straße

1983 Richard Genée-Straße

1995 Max Schönherr-Gasse

2004 Marika Rökk-Straße. 190

Marchetstraße 44 / Witzmanngasse 2

(Foto Olaf Stark, 2004)

In unseren Tagen werden gerade die letzten, längst nicht

mehr gepflegten Weingärten in Bauplätze umgewandelt.

Eindrucksvoll aber bleibt es, wie trotz unserer gewaltigen

Bagger und Baumaschinen die Grundstrukturen des tausend

Jahre alten Weinbaugebietes in der Verteilung und

Begrenzung der Häuser und Gärten ablesbar bleiben -

wenn man die richtige Brille aufhat!


Anhang I

Lexikon der Weingartennamen des

Mitterbergs

Vorbemerkungen:

*) Grundherrschaft:

Die Grundherrschaft der Weingärten ist nur dann ausdrücklich

angegeben, wenn es sich nicht um die Kartause

Gaming handelt, der die ganz überwiegende Mehrheit der

Weingärten am Badnerberg unterstand.

*) Parzellen und Parzellennummern:

Die vorliegende Arbeit hält sich an die im Franziszeischen

Kataster 1819/1820 vergebenen Parzellennummern. In den

seither vergangenen zwei Jahrhunderten wurden diese im

Zusammenhang mit der Verbauung von Grundstücken und

den dafür notwendigen Kommassierungen häufig verändert.

Auch die aktuellen Grenzen der einzelnen Parzellen

müssen wegen der zahlreichen Straßenregulierungen und

Kommassierungen nicht genau mit den historischen Gegebenheiten

übereinstimmen. Alle Parzellen- und Adressangaben

wurden im Parzellenprotokoll des Städt. Bauamts

(Stand März 2009) überprüft, was in den Fußnoten nicht

eigens angemerkt ist.

*) Schreibung der Weingartennamen:

Grundsätzlich gilt die im Grundbuch zuletzt erreichte

Form, gelegentlich mit modernisierter Rechtschreibung.

Aufel

1367, 1411 Eufel, Ewfl

1447, 1465 Auffel, Awffl

1669 Äuffl

1795 - 1880 Aufel

Grundfläche: 1465 2 + 16 Tagwerk; 1669 8 Pfund

Grunddienst: 1367 ½ Eimer, 1465 3/8 Eimer,

1795 2 Schillinge 191

Der Weingarten Aufel lag an der Ostseite des Fliegenhappelberges,

in der Ecke des Schuhreißergrabens und des

Haunoldstales (Mozartstraße / Andreas Hofer-Zeile).

„Auf“ ist ein altes Wort für Uhu. Den Namen führte der

kleine Weingarten wohl deshalb, weil er so zu sagen der

letzte Außenposten der Zivilisation war. Nicht umsonst

hieß die oberhalb gelegene kahle Bergkuppe „Steinplatte“,

und ab hier nannte man das Haunoldstal „Teufelslucken“ -

wenn es dunkel wurde, hörte der Hüter oft genug den Ruf

des Uhus und andere unheimliche Geräusche des Waldes!

1819 erhielt der dreigeteilte Weingarten die Parzellennummern

Mitterberg 586 - 588, heute sind diese Grundstücke

mit den Häusern Andreas Hofer-Zeile 7 („Villa Maria“)

- 15 verbaut. 192

Ayrer

1294, 1357 Airer

1367 - 1880 Ayrer

Grundfläche: 48 Tagwerk, später 40 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most und 6 Pfennige

Der Weingarten Ayrer hatte die Form einer verkehrten

Fahne. Westlich wurde er vom Weg in die Gruben

(Rainerweg) begrenzt, östlich von den Weingärten Trumauer

und Vielreich. Oben stieß er an den Weg, der heute

Bergsteiggasse heißt, und an die Ried Trumauer, unten

wurde er durch einen „unbenutzbaren Steinriegel“ (1819

Parzelle 766, heute Rainerweg 8a) von der Ried Wolfsteiner

getrennt. Auch mitten in der Fläche des Weingartens

32

lag eine „Steinplatte“, die seinen Wert beträchtlich herabsetzte

(1819 Parzelle 763).

In den frühen Beschreibungen (1465, 1531) sind als Nachbarn

einerseits der Rainerweg, andererseits aber der Weingarten

Goldsteindl genannt. Umgekehrt nennt auch der

Goldsteindl als Nachbarn den Ayrer. Da die Lokalisierung

des Ayrers auf Grund der 1819 erteilten Parzellennummern

feststeht und diese Parzellen bei weitem nicht an den

Goldsteindl-Weingarten stoßen, lässt sich nur vermuten,

dass der Ayrer noch einen zweiten Grundteil hatte, der mit

dem ersten nicht zusammenhing, was aber im Grundbuch

nicht ausdrücklich vermerkt war. Tatsächlich scheint die

Fläche, die mit der Nachbarsnennung des Goldsteindls

gemeint ist, erst seit 1531 im Grundbuch auf und führt dort

die Namen Seiler und Kohlhaufen, die sekundär von den

westlichen Nachbarrieden übertragen sind. Dieser zweite

Teil des Ayrer war längere Zeit mit dem nördlich angrenzenden

Weingarten Braun zusammengelegt und scheint

dabei seinen Namen verloren zu haben. Als die Weingärten

1531 wieder getrennt wurden, hing der ehemalige Ayrer

sozusagen namenlos in der Luft und wurde damals unter

den neuen Namen Kohlhaufen und Seiler ins Grundbuch

aufgenommen. Kurioserweise hat diese ehemalige zweite

Hälfte des Ayrers - um 90 Grad gedreht - dieselbe Fahnenform

wie die erste!

Der Eierverkäufer, nach dem der Weingarten benannt ist,

(oder einer seiner Besitzvorgänger) hatte also vom Landesfürsten

eine Schenkung nach dem „Doppelpack“-Prinzip

erhalten. Da der Weingarten nach der Schenkung grunddienstpflichtig

wurde oder blieb, ist diese nach 1150 zu

datieren. Bald darauf wurde der Ayrer an das Stift Heiligenkreuz

geschenkt oder verkauft, denn er zählte zu den

zehentfreien Weingärten des Klosters und muss daher vor

1215 in den Besitz des Klosters gekommen sein. Ein interessantes

Streiflicht auf die Wirtschaftsweise des Stiftes

Heiligenkreuz wirft die Vorgangsweise bei der Nutzung

des Weingartens. Die Mönche konnten ihn nicht weiterverkaufen,

sonst hätten sie die Zehentfreiheit verloren.

Daher mussten sie einerseits den Grunddienst an die Kartause

Gaming entrichten (1 Eimer Most und 6 Pfennige),

andererseits überließen sie den Weingarten zwei Pächtern,

die dafür insgesamt 12 Schillinge, das sind 1½ Gulden,

jährlich zu bezahlen hatten. Mit diesem Arrangement konnten

anscheinend beide Seiten gut leben, denn es hielt sich

von vor 1435 bis 1499. 193

Die weitere Entwicklung der verlorenen Hälfte ist unter

dem Stichwort Kohlhaufen im Detail nachzulesen. Die

Fläche, die den Namen Ayrer behielt, wurde 1819 mit den

Parzellennummern Mitterberg 762, 764, 765, 792 - 795,

799 und 800 bezeichnet. 194

Heute stehen dort 13 Häuser: Bergsteiggasse 25 und 27,

Rainerweg 10 - 20, Heinrich Strecker-Gasse 8 - 14 und 21

- 25 sowie Josef Müllner-Straße 1 und 2. Die Differenz

zwischen der Zahl der Häuser und der Adressen ergibt sich

daraus, dass fünf der 13 Häuser Eckhäuser sind!

Bauerswegel

1367 Pauzwekel

1411 Pawzbekl

1465 Pawswekel

1531 Pawswegkel

1571 Paussweckl

1795 - 1880 Bauerswegel


Grundfläche: 24 Tagwerk

Grunddienst: ½ Eimer Most, seit 1411 1 Eimer Most

Der Weingarten Bauerswegel war westlich vom

Weingarten Radauer begrenzt, nordöstlich vom Schuhreißerweg

(Mitterbergstraße), südöstlich durch einen „unbenutzbaren

Steinriegel“ (1819 Parzelle 653), hinter dem die

Weingärten Kammerknecht und König lagen, und südwestlich

stieß er an den Weingarten Münerl. Wahrscheinlich

gehörte er ursprünglich zur Ried König, wurde jedoch

1298 oder wenig später von König Albrecht I. abgetrennt

und dem Pfarrer von Traiskirchen geschenkt, zu dessen

Pfarrsprengel damals auch Baden gehörte (vgl. hier Stichwort

König). Der Grunddienst wurde zunächst anteilsmäßig

mit ½ Eimer berechnet, dann aber dem tatsächlichen

Flächenausmaß entsprechend auf 1 Eimer hinaufgesetzt.

Aus den ältesten Namensformen ist zu erkennen, dass der

Weingarten zunächst „Pausbäckl“ hieß, wohl nach einem

frühen Pächter, der diesen Namen oder Spitznamen führte -

noch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts war Familie

Pausbäckl (geschrieben: Pauswekl) Besitzer des unweit

gelegenen Weingartens Brunnerl. Um ein weiches b wirklich

weich zu sprechen, wurde es im Spätmittelalter gern

als w geschrieben. Als diese orthographische Mode außer

Gebrauch kam, verstand man die in den Grundbüchern

übliche Schreibung mit w nicht mehr und machte aus dem

unverständlichen „wegkel“ ein „wegel“ - und schon war

der Pausbäckl zu einem scheinbar viel besser verständlichen

Bauerswegel umgedeutet!

1819 erhielt die Ried die Parzellennummern Mitterberg

646 - 651. 195 Auf Parzelle 647 steht heute das Haus Mitterbergstraße

7.

Beindel

1367 Peuntel

1406 am Pewntlein

1465 Pewntel, Cundelpewntel

1531 Pewntl

1586 Khindlpeunth bei dem Hammer

1643, 1660 Peuntel oder Hamersetz

1694 Peindl oder Hammersetzen

1795 Beindel oder Steinsätz

1795 - 1880 Beindel

Grundfläche: 12 Tagwerk, später 8 Pfund

Grunddienst: freier Weingarten;

vor 1367: ¼ Eimer Most und 1 Pfennig

Eine Point ist ein eingezäuntes herrschaftliches Grundstück.

Die Verkleinerungsform deutet darauf hin, dass das

Grundstück von einer größeren Ried abgeteilt wurde, denn

mit 12 Tagwerk hat das Beindel durchaus Normalgröße

und müsste nicht mit dem Deminutiv bezeichnet werden.

Im 15. Jahrhundert war man sich noch bewusst, dass diese

Abtrennung von der Ried Kindlboint erfolgt war.

Sie muss zu einem sehr frühen Zeitpunkt geschehen sein,

denn das Bergbuch meldet 1411: Est sita ex opposito vinee

Wolffstain et se iuri montano voluntarie obtulit propter

defensionem. Zu deutsch: „Liegt gegenüber dem Weingarten

Wolfstein und hat sich dem Bergrecht freiwillig unterstellt

wegen des Rechtsschutzes.“ Die Lagebeschreibung

ist abenteuerlich, denn der Weingarten Beindel liegt gegenüber

der Mozartstraße, der Wolfsteiner dagegen ganz

am Ende der Marchetstraße - die Lokalisierung trifft nur

zu, wenn man die Kindelboint als Ganzes nimmt und bestätigt

damit die Abtrennung des Beindels von der größeren

Ried. Die Tatsache, dass es sich um einen freien Weingar-

33

ten handelt, lässt darauf schließen, dass die Übertragung an

einen fremden Besitzer spätestens ca. 1150 erfolgte, denn

bei späteren Besitzübertragungen behielten sich die Landesfürsten

einen jährlichen Grunddienst vor (siehe Textabschnitt

Bergherrschaft).

Gern wüssten wir, an wen diese Übertragung ging und ob

sie vielleicht zugleich mit der des etwa gleich großen Kindelboint-Weingartens

erfolgte, der später der Pfarre Tribuswinkel

unterstand - dann hätten wir wieder ein Beispiel

für eine frühe Schenkung nach dem „Doppelpackprinzip“,

doch lassen uns die Dokumente in beiden Fällen kläglich

im Stich.

Als das „Peuntel“ 1531 in den Besitz der Herrschaft Weikersdorf

überging, verwendeten deren Grundbücher einen

zweiten Namen Hammersetzen, der wohl von der benachbarten

Hammerschmiede (später Bäckermühle, Pelzgasse

13) abgeleitet war. 196 Im 18. Jahrhundert verlor sich der

Name Hammersetzen wieder; auch das Wort Peuntel war

unverständlich geworden und wurde nun zu Beindel =

Biene umgedeutet. Eine schöne Assoziation vielleicht, der

Bienenfleiß des Winzers, aber mit dem ursprünglichen

Namen hatte das trotz der klanglichen Ähnlichkeit gar

nichts mehr zu tun!

1819 erhielt der Weingarten Beindel die Parzellennummern

Mitterberg 599 - 602, nachdem hier bereits 1805 die

Häuser Marchetstraße 31 und 33 errichtet worden waren. 197

Bernsteinweingarten

Hör- oder Lesefehler für Gernweingarten, siehe Ger 4.

Blumstingel s. Plonkler

Böltz

1367, 1406, 1411 Pelcz

1465, 1531 Pelz

1785 - 1880 Böltz, Pöltz, Bölz

Grundfläche: 24 Tagwerk

Grunddienst: 2 Eimer Most, 12 Pfennige und 1 Huhn

Der Böltz war auf allen vier Seiten von „unbenutzbaren

Steinriegeln“ umgeben, von denen einer (1819

Parzelle 709) als Fahrweg diente - im Grundbuch erstmals

ausdrücklich erwähnt 1651. Hinter diesen Steinriegeln

lagen (von Westen der Windrose folgend) die Weingärten

Nussbamel, Langenteil, Radauer, Münerl und Topler. Der

Name Pelz (in der Barockzeit setzte sich die heute noch

übliche Dialektaussprache dieses Namens auch in der

Schreibung durch) ist wohl als Besitzername zu deuten,

wie das auch bei der Pelzgasse der Fall ist. 198

1819 wurden dem Böltz die Parzellennummern 733 - 736

zugeteilt, wobei Parzelle 735 seit dem 18. Jahrhundert als

Steinbruch genützt wurde. Dieser wurde 1819 durch Überlassung

eines sonst unbenützbaren Steinriegels (Parzelle

663) erweitert. Heute stehen dort die Häuser Mozartgasse

36 und 38 sowie Johann Strauß-Gasse 6. 199

Braun

1367, 1465 Prawn

1406, 1435, 1571 Praun

1697 der große und klaine Braun

1795 - 1880 Kleinbraun, Großbraun

Grundfläche: 24 Tagwerk, später 33 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most

Der Weingarten Braun wurde nach Norden von

einem Felsenrain begrenzt, oberhalb dessen die Weingärten

Kammerknecht und Würmel lagen, nach Osten vom


Schuhreißergraben (Mitterbergstraße) und vom Weingarten

Goldsteindl, nach Süden und Westen vom Weingarten

Kohlhaufen / Seiler.

Woher der Braun seinen Namen hat, ist unbekannt - vielleicht

von einem frühen Besitzer namens Bruno. Er gehörte,

seit wir von ihm wissen, den Inhabern der Burg Baden

und wurde von deren Verwalter 1435 an (Klein)Mariazell

verkauft. Verdächtig ist das plötzliche Anwachsen auf 33

Pfund - hier dürfte der Braun einen Nachbarweingarten,

der Steingrueb, Blumstingel oder Plonkler genannt wurde,

verschluckt haben: Dieser Nachbar ist 1669 zum letzten

Mal genannt, während die Vergrößerung 1697 erstmals

aktenkundig wird! Wegen des Namens Steingrueb ist der

verschwundene Nachbar wohl im Bereich des felsigen

Nordrandes des Braun zu suchen, und dort bietet sich tatsächlich

am Rande des Schuhreißerwegs ein rechteckiger

Fortsatz des Grundstückes, bei dem es sich wohl um die

Fläche des einst selbständigen Weingartens mit den vielen

Namen handelt.

Gleichzeitig wurde der Braun in zwei ungleiche Hälften zu

18 und 15 Pfund geteilt, für die sich bald die Namen Großbraun

und Kleinbraun einbürgerten. Da beide denselben

Besitzer hatten, erhielten sie 1819 die gemeinsame Parzellennummer

Mitterberg 622. Seit 1821 gehörte der Braun

zum Park der Fürstin von Dietrichstein, heute stehen darauf

die Häuser Marchetstraße 32 - 40, Mozartstraße 1 - 27 und

„10“ - 24, Witzmanngasse 8 - 10 sowie Horagasse 4 - 6

und 7 - 9. 200

Breidel

(1367 Preydel)

1531 Prewdl

1571 Preudel, Preudl

1651 Preidl

1669 Preydl

1700 Greittl

1708 Breydl

1795 - 1880 Breidel

Grundfläche: 16 Tagwerk

Grunddienst: 1 Eimer Most

In den Gaminger Bergbüchern ist der Weingarten

Breidel am Tachenstein bis 1531 nicht erwähnt. Dieses

Versehen kommt wohl daher, dass es bereits einen Weingarten

Preydel gab, der sich aus einem Teil der Ried Weikersdorfer

entwickelt hatte (siehe dort). Es wird die Evidenzhaltung

nicht erleichtert haben, dass ein dritter Weingarten,

der eigentlich Präundl hieß, sich bereits im Spätmittelalter

ebenfalls zu einem Preydel entwickelte (siehe

Stichwort Greidel).

1531 jedenfalls war es so weit, das Grundbuch entdeckte,

dass es noch einen zweiten Weingarten Preydel gab und

nahm ihn ins Verzeichnis auf, mit dem Zusatz „stößt an

den Dachenstain“. Preyd ist die mittelhochdeutsche Form

des Namens Brigitte; der Weingarten wird also nach einer

frühen Besitzerin benannt sein - vielleicht dieselbe wie bei

dem anderen Preydel (siehe Stichwort Greidel). Als der

Name in seiner alten Form nicht mehr verstanden wurde,

weil der weibliche Vorname wieder zu seiner Urform Brigitte

zurückgekehrt war, kamen die Umdeutungen. Manche

dachten dabei an die in der Nähe gelegene Ried Gereutel =

Rodung, letztlich setzte sich aber die Form Breidel durch,

die wohl mit der Breite der Weingärten (im Gegensatz zur

sonst üblichen Streifenform) assoziiert wurde.

34

Das Breidel lag links von einer Felsenrinne, über die der

Tachenstein in die Bergsteiggasse entwässerte. Es war von

riesigen Steinriegeln und Kuppen des Tachensteins umgeben.

Entsprechend mühsam war die Bewirtschaftung - um

die Mitte des 17. Jahrhunderts waren nur mehr 4 Tagwerk

in Betrieb; die anderen Grundteile konnten nicht einmal

mehr identifiziert werden, so verwildert waren sie. Im 18.

Jahrhundert scheint man Bemühungen zur Rekultivierung

getroffen zu haben, denn 1795 gab es bereits wieder kleine

Weingärten Breidel, die 2 + 4 + 2 + 2 Pfund umfassten und

3 + 1 + 1 + 1½ Kreuzer Grunddienst zu entrichten hatten.

Die alte Parzelle erhielt 1819 die Nummer Mitterberg 839,

die kleinen rekultivierten wurden mit den Nummern 828aa,

841, 842 und 848 bezeichnet. Aus dem bisher ungenützten

Gelände wurden ferner die Parzellen 835 (1 Joch, Grunddienst

1 Gulden) sowie 834+843 (5 Pfund, Grunddienst 3

Kreuzer) geschaffen. Nach der Einlagezahl wurden die

Parzellen 828aa, 834 und 835 zum Park der Villa Marchetstraße

80 geschlagen. 201

Heute stehen dort die Häuser Bergsteiggasse 52 - 60 sowie,

auf dem trotz aller Bemühungen „unbenützbaren Steinriegel“

Parzelle 844, Bergsteiggasse 50.

Brenner

1367 - 1706 Prenner

1406 Prennär, Prenner

1795 - 1880 Brenner

Grundfläche: 32 Tagwerk

(+ 3 kleinere Weingärten ohne Flächenangabe)

Grunddienst: 1 Eimer Most, 6 Pfennige und 3 Heller

(+ ½ Eimer 3 Pfennige + ¼ Eimer + ½ Eimer

3 Pfennige 3 Heller) 202

Die kuriose Stückelung der Grunddienste legt die Vermutung

nahe, dass der „Ur-Brenner“ ein Ausmaß von 64 Tagwerken

hatte und einen Grunddienst von 2 Eimer Most und

15 Pfennigen abliefern musste. Der bei dieser Rechnung

übrig bleibende ¼ Pfund-Brenner gehörte, wie die Nachbarsnennungen

beweisen, eigentlich zur Nachbarried

Kleinhackel und wurde nach dem I. Türkenkrieg wieder

dort eingereiht. 203 Zu einer gewissen Unklarheit, was nun

eigentlich zum Kleinhackel und was zum Brenner gehörte,

mag es auch beigetragen haben, dass bald nach 1400 ein

St. Pöltener Bürger namens Prenner zwei kleine Weingärten

in der Ried Kleinhackel erwarb: Ex hiis duabus facta

est una et alio nomine vocatur Prener, so meldet das Bergbuch:

Aus diesen zweien wurde einer gemacht und er wird

mit einem anderen Namen Brenner genannt! Wenn diese

Benennung auch nach 1411 wieder verschwand - eine

Unsicherheit blieb doch zurück! 204

Auch die beiden verselbständigten Viertel des Brenners

wurden zwischen 1447 und 1465 stillschweigend von der

Ried Kleinhackel verschluckt, wohl im Zusammenhang mit

dem damals durch die Ungarn- und Bürgerkriege verursachten

Chaos. 205

Zwischen 1388 und 1428 wurde auch der verbleibende

große Brenner geteilt, wobei die eine Hälfte an das Stift

Heiligenkreuz kam, das ihn in den Grundbüchern von

Anfang an unter dem Namen Kleinhackel führte. In den

1660er-Jahren wurde diese ehemals Heiligenkreuzer Hälfte

des Brenners auch in den Gaminger Grundbüchern offiziell

mit einem der Weingärten der Ried Kleinhackel vereinigt

und verlor daher ihren alten Namen. 206


Das Grundstück, das nun bis zum Ende des alten Grundbuchs

den Namen Brenner behalten sollte, lag also zwischen

den Weingärten Kleinhackel und Popp und stieß mit

den Schmalseiten oben an einen großen, „unbenutzbaren

Steinriegel“ (1819 Parzelle 492), der bis an den Gebirgszaun

reichte, und unten an den Weingarten Kienastel. 1819

erhielt es die Parzellennummern Mitterberg 488 - 491. Der

„Ur-Brenner“ muss zusätzlich noch etwa die Hälfte der

Ried Kleinhackel (im Bereich der Parzellen 475 - 487)

umfasst haben. So große Weingärten betrieben normaler

Weise nur Großunternehmer wie Klöster; der Prenner,

nach dem der Weingarten benannt ist, muss also eine wirtschaftlich

potente Person gewesen sein, doch geben uns die

Urkunden keine direkte Auskunft über ihn. Möglicher

Weise war er ein Angehöriger der Wr.Neustädter Bürgerfamilie

Prenner, die vor 1400 Interesse an Baden hatte und

es sich leisten konnte, von Stift Melk den Zehent zweier

Weingärten am Badnerberg zu kaufen. 207

Parzelle 489 entspricht heute der Adresse Johann Wagenhofer-Straße

30.

Brunner

1367, 1465 Pruner, Prunner, Prunnerl

1406, 1428 Prunnär, Prunner

1630, 1637 Prünnerl

1661, 1669 Pruner, Prunner

1795 - 1880 Bruner, Brunner

Die Ried Brunner lag zwischen den Weingärten Hotschler

und dem so genannten Teuftal (= tiefen Tal, heute Marika

Rökk-Straße), das sich in den Wald hinauf fortsetzte und

dort in den Gaadnerweg mündete. Oben stieß der Brunner

an zwei „unbenutzbare Steinriegel“, hinter denen der Gebirgszaun

verlief (1819 Parzelle 459), und unten an den

Schuhreißergraben (Mitterbergstraße). Woher der Name

kommt, ist ein Ratespiel. Er könnte einem frühen Besitzer

namens Brunner zu verdanken sein, könnte aber genausogut

von einem kleinen Brunnen abgeleitet sein - zumindest

in den feuchten Zeiten des Jahres führte das Teufental

sicherlich Wasser, das hier vielleicht durch eine Rinne

zusammengefasst wurde. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde

die Ried Brunner nach dem benachbarten Taleinschnitt

auch Teufentaler genannt.

Im Jahre 1367 gab es zwei Weingärten Brunner, die einen

Grunddienst von je 4½ Viertel Most, 9 Pfennigen und ½

Huhn zu leisten hatten, und einen Weingarten Brunnerl,

dessen drei Teile insgesamt denselben Grunddienst hatten.

Soweit den Flächenangaben der späteren Unterteilungen zu

entnehmen ist, war jeder der 3 Weingärten von 1367 ursprünglich

auf 24 Tagwerk angelegt, wobei in diese Berechnungen

wohl auch der Weingarten Teufentaler einzubeziehen

ist, der im 16. Jahrhundert in der Ried Brunner

aufging. Nach dem geteilten Huhn lässt sich vermuten,

dass hier ursprünglich ein mutiger Investor einen Riesenweingarten

von 48 Tagwerk angelegt hatte, für den ein

Grunddienst von 9 Vierteln Most, ein Vogtrecht von 18

Pfennigen und eine Abgabe von 1 Huhn zum Bergtaiding

vereinbart wurde. Als dann später der Brunnerl angelegt

wurde, verlangte man dafür nur die Hälfte dieser Abgaben

(ohne Huhn!) - offenbar war er nur halb so groß, daher

auch die Verkleinerungsform im Namen!

Bereits 1411 waren die Brunnerl-Weingärten und einer der

beiden Brunner weithin verödet, nur einzelne kleine Teile

wurden noch bearbeitet. 1630, als ihn der Stadtrichter und

Gaminger Oberbergmeister Kaspar Unterdorfer übernahm,

35

war auch der verbleibende Brunner auf ein Drittel seiner

ursprünglichen Größe geschrumpft. Doch Unterdorfer war

ein tüchtiger Unternehmer, er richtete nicht nur seine 8

Tagwerk wieder ordentlich her, sondern pflanzte auch ein

ödes, oberhalb seines Grundstücks am Schuhreißerweg

gelegenes flöckhl von 6 Pfund wieder aus. Sieben Jahre

später konnte er die revitalisierten Weingärten guten Gewissens

weiterverkaufen, ihre Existenz war gesichert. So

lange man sich erinnerte, dass die beiden Gründe Teile

eines einst großen Weingartens waren, nannte man sie nur

mehr Brünnerl, später setzte sich der Name Brunner wieder

durch.

Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts kehrte man im Bereich

der verödeten Weingärten, also zwischen Brunner

und Gebirgszaun, wieder zum Weinbau zurück. Es waren

so genannte Neurisse, denn nach fast 400 Jahren der Verödung

waren keinerlei Reste der alten Weingärten mehr zu

erkennen. Immerhin erhielten die Neurisse wieder den

alten Namen Brunner.

1819 bekamen die Brunner-Weingärten die Parzellennummern

Mitterberg 457 und 460 - 463. Heute befinden

sich dort die linke Seite der Marika Rökk-Straße (Nr. 1 - 3)

und die Hausnummern Mitterbergstraße 28 - 38. 208

Brunspek

1367 Prunspech

1406, 1411, 1465, 1531, 1571, 1708 Prunspekch

1531 Prinßpeckh

1637, 1640 Prunßbekh, Prunnsbekh

1640 Praunspeckh

1676, 1687 Prunspöckh

1711 Brunnspeckh

1795 - 1880 Brunspek, Brunsbek

Grundfläche: 1531 12 + 40 Tagwerk

Grunddienst: 1367 ¾ + ¾ + 1½ Eimer Most

Der Brunspek lag zwischen einem Steinriegel

(1819 Parzelle 495) und dem Weingarten Preydel/Weikersdorfer.

Oben stieß er an die Weingärten Popp,

unten an die Ried Rüssel. Die Benennung erfolgte wohl

nach einem frühen Besitzer, der aber urkundlich nicht

greifbar ist.

1819 erhielt der Brunspek die Parzellennummern Mitterberg

494, 498 - 500, 510 - 514. Dem entsprechen heute die

Häuser Kartäuserweg 4 - 10 sowie Dr.Rudolf Klafsky-

Straße 5 - 9. 209

Dachensteinwand

So nannte man die Felswand des Tachensteins, die sich

über dem Weingarten / Acker Unbescheiden erhob. 1834

wurde unter diesem Riednamen das Gelände zwischen dem

„Verschönerungsweg“ durch die Alexandrowitsch-

Anlagen, der Schönfeld-Villa (Helenenstraße 64) und dem

Acker Unbeschaden (insgesamt 1077 Quadratklafter) zusammengefasst

und dem Förster Josef Felbinger zu

St.Helena verkauft. Dieser erwarb auch den Acker Unbescheiden,

sprengte den Ausläufer des Tachensteins, der das

Gelände von der Helenenstraße trennte, legte eine Gasse

(heute Karlsgasse) durch den Acker und ließ beidseits

davon Baugründe parzellieren. Die an der Rückseite der

geraden Nummern anschließenden Teile der Ried Dachensteinerwand

wurden zu diesen Baugründen geschlagen,

so dass sich die neugeschaffene Ried innerhalb weniger

Jahre wieder auflöste. 210


Dreifuß

1431 Drifuez

1447 Drifüezz

1465, 1531 Drifues

1680 Dryfus

1715 Tryfueß

1795 - 1880 Dreyfuß

1367 war der Weingarten Dreifuß zur Gänze verödet - so

gründlich, dass er im Bergbuch nicht einmal erwähnt ist.

Erst 1431 wurde er reaktiviert. Er bildete damals einen

breiten Streifen, der sich von einem riesigen Steinriegel

(1819 Parzelle 459) in Richtung Westen erstreckte und

umfasste damals etwa die nördliche Hälfte der Parzellen

456, 454 und 453. Von dem Steinriegel rührt wohl auch

der Name des Weingartens her. Für uns sieht er wie ein

verwackeltes V aus; das Mittelalter mag ihn wegen seiner

charakteristischen Eckkuppen als Dreifuß empfunden haben,

auf den ein Riese jederzeit eine gewaltige Tischplatte

oder ein Waschbecken auflegen könnte. 211

Der Weingarten Dreifuß umfasste zum Zeitpunkt seiner

Neuanlage 13 oder 14 Tagwerk (die Angaben schwanken)

und hatte einen Grunddienst von 3 Achtel Eimer Most zu

entrichten. Die Vermutung liegt nahe, dass er ursprünglich

24 Tagwerk groß war und die in den weniger guten Lagen

des Mitterbergs für diese Flächeneinheit üblichen ¾ Eimer

Grunddienst abliefern musste.

Das Unternehmen des Jahres 1431 war vom Schicksal

nicht begünstigt. Die östliche Hälfte ging schon in den

Ungarnkriegen nach 1460 ein, die westliche hielt sich

immerhin bis zum I. Türkenkrieg.

Kurz vor 1560 wurde die verwüstete Gegend neu reguliert.

Die neue konstituierte Ried Dreifuß umfasste die westliche

Hälfte des alten Dreifuß, zu der nun auch der nordöstlich

anschließende kleine Weingarten Gereut (1819 Parzelle

455) und die südlich angrenzenden winzigen Weingärten

Gebling und Gereutel gehörten. Die Fläche wurde mit 12

Tagwerk angenommen, der Grunddienst betrug wieder 3

Achtel Most. Die Grenzen bildete oben der Gebirgszaun,

unten der Schuhreißerweg (Mitterbergstraße), rechts und

links die Ried Hotschler, zu der die ehem. östliche Hälfte

des alten Dreifuß nun zählte.

Aber auch dem neuen Gebilde war kein großer Erfolg

beschieden. Ständig lagen irgendwelche Teile des Dreifuß

brach, und schließlich wurde die südliche Hälfte von der

Nachbarried Hotschler verschluckt (1819 Parzelle 453a).

1795 hatten nur mehr die beiden unmittelbar am Gebirgszaun

gelegenen Teile ihren alten Namen bewahrt. Sie lagen,

gemeinsam mit dem Weingarten Schwarzger und der

westlichsten Parzelle des Weingartens Hotschler, oberhalb

des Schuhreißerwegs auf einer Terrasse, die durch eine

Mauer gestützt war. 1819 - damals waren sie längst zu

Obstgärten umfunktioniert worden - erhielten sie die Parzellennummern

Mitterberg 453b und 455. 212

Seit ca. 1560 hieß auch ein Teil der damals öden Ried

Grundweingarten Dreifuß - ob es sich bei dieser Benennung

um einen Irrtum des Grundbuchs handelt oder ob ein

(damals) nachvollziehbarer Vernunftgrund dahinter steht,

wissen wir nicht (vgl. Stichwort Grundweingarten).

Ehrenschein

1406, 1417 Ernschein

1795 - 1880 Ehrenschein

Grundfläche: 1465 10 Tagwerk, 1637 6 Pfund

Grunddienst: 2 Pfennige

36

Schon 1406 sollte der „Saufriedl“ für den Weingarten

Ehrenschein den Zehent abliefern, doch erst 1417

wurde er überhaupt ins Grundbuch aufgenommen. Wahrscheinlich

ist er identisch mit einem im Bergbuch 1367

genannten Weingarten namens Neureut (= Neurodung), der

ebenfalls 2 Pfennige Grunddienst zu bezahlen hatte und

dann wegen Verödung aus den Grundbüchern verschwindet

(vgl. Stichwort Neureut). Der bei der Wiederinbetriebnahme

gewählte Name Ehrenschein kann wohl nur als

Werbegag verstanden werden, denn der minimale Grunddienst

von 2 Pfennigen für die relativ große Fläche zeigt,

dass die Herrschaft in diesen Weingarten von vornherein

nur minimale Erwartungen setzte. Tatsächlich fiel auf diesen

„Schmäh“ ein vermutlich einfacher Mensch herein, der

so genannte „Saufriedl“, d.h. ein Schweinehirt namens

Friedl. Aber schon nach wenigen Jahren musste er den

Weingarten an die Grundherrschaft zurückgeben, weil er

seine Investition in die Kultivierung der Öde nicht rechtzeitig

hereinbringen konnte. Erst seinem Nachfolger Thomas

Fleischhacker, der vermutlich ein größeres finanzielles

Durchhaltevermögen hatte, gelang eine nachhaltige Bewirtschaftung

des schwierigen Geländes.

Im Jahre 1819 erhielt der Ehrenschein die Parzellennummern

Mitterberg 576 und 577, wobei letzterer Grundteil

damals als Acker genützt war.

Die 1891 regulierte Hochstraße ging mitten durch den

ehemaligen Ehrenschein, auf den Restparzellen entstanden

die Häuser Hochstraße 4 (=Mittersteig 1), Hochstraße 8a -

16 sowie Mittersteig 5 und 7. 213

Eichhorn

1465, 1531 Aychorn

1468 Aycharner im Hawnoltztal

Grundfläche: 6 Tagwerk

Grunddienst: 6 Pfennige

Der Weingarten Eichhorn wurde im Jahre 1454

begründet und bekam die übliche Starthilfe von sechs Freijahren,

in denen keine Abgaben entrichtet werden mussten.

Wie der niedrige Grunddienst von 1 Pfennig pro Tagwerk

erkennen lässt, setzte man von vornherein keine großen

Erwartungen in das neu ausgesetzte Grundstück, und tatsächlich

scheiterte der erste und einzige Besitzer, Mert

Freidung von Leesdorf, daran, dem kargen Boden einen

Ertrag zu entlocken. Bis 1669 wurde er noch als „Karteileiche“

im Grundbuch mitgeschleppt, dann wurde der

Weingarten auch offiziell aufgegeben.

Da als Nachbarn der Weingarten Fuchs und die Niederleiten

angegeben werden, muss der Weingarten Eichhorn

etwa an der Stelle der späteren Fliegenhappelberg-

Weingärten (ungefähr im Bereich der Parzellen 579, 580)

gelegen sein - erst ca. 1750, also rund 300 Jahre nach dem

ersten Fehlstart, versuchte man erneut, das felsige Terrain

zu kultivieren.

Da es im Haunoldstal (Putschanerlucken), wie das Grundbuch

ausdrücklich erwähnt, Haselnusswälder gab, war der

verunglückte Weingarten wohl tatsächlich nach den Haselnüsse

sammelnden Eichhörnchen benannt. 214

Fliegenhappelberg

Fliegenhappelberg heißt der langgestreckte Felsrücken,

der die Andreas Hofer-Zeile / Putschanerlucken

von der Hochstraße trennt. Bis etwa 1750 blieb er weitgehend

unbebaut und diente nur als Viehweide. Erst als mit

zunehmendem Bevölkerungswachstum auch die Nachfrage


nach Wirtschaftsflächen stieg, legte die Grundherrschaft

am „Weg, der in die Steigen gehet“ (Hochstraße), auf zwei

halbwegs wegsamen Westhängen, die man wahrscheinlich

Hochleiten und Niederleiten nannte, neun kleine Weingärten

im Ausmaß von insgesamt 23 Pfund an; sie alle behielten

„Fliegenhappelberg“ als Weingartennamen, pro Pfund

wurden zwei Pfennige Grunddienst jährlich verrechnet.

Es war fast aussichtslos, diese Grundstücke zu bewirtschaften

- einige von ihnen waren derart verödet, dass sie 1819

gar keine eigenen Parzellennummern mehr bekamen, sondern

zur Restparzelle Mitterberg 524 gezählt wurden; die

anderen erhielten die Nummern 572 - 575 und 579 - 581.

Andererseits versuchte es die Grundherrschaft 1817 noch

einmal mit der Konstituierung eines 3 Pfund großen

Ackers, der den Namen Fliegenhappelberg und die Parzellennummer

578 erhielt und einen Grunddienst von 12

Kreuzern zu bezahlen hatte.

1854 erwarb Therese Gräfin v. Herberstein, geb. Gräfin

Dietrichstein, die Parzellen 580 - 582 sowie Teile der öden

Restparzelle 524, um den Garten ihrer Villa Mozartstraße

9 weiter zu vergrößern. Parzelle 571, der oberste der Fliegenhappel-Weingärten,

entspricht den heutigen Hausnummern

Gamingerstraße 10 - 14. Auf den Parzellen 573 und

574 stehen heute die Häuser Hochstraße 20 - 24, auf Parzelle

581 die Häuser Hochstraße 2, 2a - 2d sowie Mittersteig

16 und 18. Auf Parzelle 578 entstanden die Häuser

Mittersteig 6, 8, 9, 10, 11, 13 und 13a. 215

Fuchs siehe Ger I.

Gebling

1367 Geblinch

1531 Gebling

1571 Göbling

Grundfläche: 3 Tagwerk

Grunddienst: 3 Pfennige

Der Gebling lag zwischen den Weingärten Dreifuß

und Gereutel. Der Name stammt wohl von einem frühen

Besitzer (der übrigens auch am Römerberg einen

Weingarten benannte). 216 Die winzige Fläche und der lächerliche

Grunddienst von 1 Pfennig pro Tagwerk zeigen,

dass der Gebling (gemeinsam mit dem Gereutel) nachträglich

in die steinige Zone zwischen Dreifuß und Schuhreißergraben

(Mitterbergstraße) hineingezwängt worden war.

Er war auch nicht wirklich lebensfähig, bereits in den Ungarnkriegen

um 1460 verödete er, bei einer kleinen Flurreform

rund hundert Jahre später wurde die verwilderte Fläche

in die Ried Dreifuß einbezogen. Der Lage nach muss

sie etwa dem mittleren Drittel der Parzelle Mitterberg 453

entsprechen. 217

Gehag

1699, 1712 Gehag, sonsten aber Nußpämel

genannt

Grundfläche: 2 Pfund

Grunddienst: 1/8 Eimer Most

Im Jahre 1699 wurde zwischen den Rieden Nussbamel

und Kreiden ein neuer Weingarten ausgesetzt und

durch einen Zaun, ein Gehege, gegen Verbiss geschützt -

das dürfte ihm den Namen gegeben haben. Im 18. Jahrhundert

verlor der kleine Weingarten den eigenen Namen und

wurde zur Ried Nussbamel gerechnet. Nach der Beschreibung

des Grundbuchs muss er im Bereich der späteren

Parzelle 851 gelegen sein.

37

Ger

Drei Weingärten des Mitterbergs trugen nach der

charakteristischen Form ihrer Parzelle den Namen Ger (=

Spitze).

1. Fuchs oder Ger

1465, 1531 Fugs, Fugß

1531 Ger

1643 Fuchs oder Ghör

1662, 1708 Fux oder Gehr

1795 Gehr

Grundfläche: 5 Tagwerk,

vor 1531 auf 6 Tagwerk vergrößert; 1662 3 Pfund

Grunddienst: 5 Pfennige, vor 1531 auf 8 Pfennige erhöht

Wie die Weingärten Eichhorn und Zipf wurde

auch der Fuchs im Jahre 1455 angelegt, mit dem minimalen

Grunddienst von 1 Pfennig pro Tagwerk belegt und

durch sechs abgabenfreie Startjahre gefördert. Aber anders

als seine beiden Nachbarn erwies sich der Fuchs als Erfolg

- als ihm die Grundherrschaft wenige Jahre nach seiner

Gründung ein weiteres Tagwerk öden Grund dazugab,

konnte sie schon 3 Pfennig Grunddienst dafür verlangen.

Da wir die Besitzer des Weingartens seit seiner Gründung

kennen und keiner von ihnen Fuchs hieß, ist die Benennung

Fuchs wohl, wie die des Weingartens Eichhorn, von

der Fauna der Wildnis im Haunoldstal (Putschanerlucken)

abgeleitet, doch setzte sich im Lauf der Jahrhunderte die

Benennung Ger (= Spitze) durch. Die spitze Form verdankte

der Weingarten seiner Lage in der Gabel zweier Fahrwege,

die der heutigen Straßengabel Gamingerstraße /

Hochstraße entspricht. Die Entwicklung des Weingartennamens

von Fuchs zu Ger wurde wohl auch dadurch gefördert,

dass der obere Nachbar schon seit jeher den Namen

Ger trug.

1819 erhielt der Fuchs oder Ger die Parzellennummer

Mitterberg 570, heute stehen dort die Häuser Gamingerstraße

2 / Hochstraße 9 und Gamingerstraße 8 (die

Nummern Gamingerstraße 4 und 6 existieren nicht). 218

2. Ger

1367 Ger

1411 auf den Steigen

1571 Gerr

1795 Gehr

Grundfläche: 1465 12 Tagwerk, seit 1571 8 Tagwerk,

seit 1669 6 Pfund, 1795 7 Pfund

Grunddienst: ½ Eimer Most

Der Ger lag an einem Fahrweg (heute Gamingerstraße)

und wurde nördlich vom Weingarten Fuchs

(auch Ger genannt), östlich von einem unkultivierten Felshang

und südlich von der Ried Steigen begrenzt und lief

nach unten spitz zu. 1411 wurde er vorübergehend um eine

Fläche der Ried Steigen vergrößert. 1819 erhielt er die

Parzellennummer Mitterberg 571. 219

3. Der Gern „bei dem Trumauer“

1431 - 1531 Gern „bei dem Trumauer“

1465 Geren „bei dem Trumauer“

Grundfläche: 6 Tagwerk (?)

Grunddienst: 1/8 Eimer Most

Im Jahre 1431 wurde ein öder Weingarten urbar

gemacht, von dem wir nichts wissen als dass er pey dem

Drumawer lag und 1/8 Eimer Grunddienst abzuliefern

hatte. Als das Gaminger Grundbuch 1465 systematisch

damit begann, die bis dahin äußerst lakonischen Beschrei-


ungen der Weingärten durch die Angabe der beiden

Nachbarn zu ergänzen, passierte dem Grundbuchführer ein

Irrtum. Er verwechselte den „Gern bei dem Trumauer“ mit

einem gleichnamigen Grundstück und gab als Nachbarn

die Weingärten Ehrenschein und Steigen an. Dort lag aber

der Weingarten Ger, der inzwischen den Namen Fuchs

angenommen hatte. Da es nach dem I. Türkenkrieg

1529/1532 nur wenige sachkundige Überlebende gab,

konnte der eigentliche „Gern bei dem Trumauer“ nicht

mehr identifiziert werden - er wurde wohl stillschweigend

von der größeren Ried Trumauer oder einer der Nachbarrieden

verschluckt, wenn ihn auch das Grundbuch noch bis

1669 als Karteileiche mitführte. 220

4. Der Mariazeller Gern

1454 - 1610 Gern

1538 Bernstein weingardt

Grundfläche: 1582 32 Tagwerk

Grunddienst: 1454 20 Pfennige; 1594 18 Pfennige; 1610

24 Pfennige, jeweils an (Klein-)Mariazell

Der Weingarten Gern ist 1610 zum letzten Mal

namentlich genannt, dann verschwindet er aus den Grundbüchern.

Da sich die Kleinmariazeller Grundherrschaft am

Mitterberg nur über zwei Grundstückskomplexe erstreckte,

nämlich einen Teil der Ried Kindelboint und einen Teil der

Ried, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts Koller oder

Kohlhaufen genannt wurde, kann der Gern nur in letzterer

aufgegangen sein. Dazu passt die von 1454 bis 1610 konsequent

angegebene Lokalisierung „unter der Hutsäule“,

d.h. in der Nähe des Weingartens Seuler, ebenso wie die

wiederholt erwähnte Nachbarschaft der Weingärten Kleinbauer

und Luegeslandt. 221 Tatsächlich weist die Parzelle,

die 1819 die Nummer Mitterberg 746 erhielt, die Form

eines gegen die Marchetstraße gerichteten spitzen Dreiecks

auf, was den Namen Ger = (Speer-)Spitze erklärt. Bei der

Benennung Bernsteinweingarten in einer Urkunde des

Jahres 1538 kann es sich nur um einen Hörfehler oder ein

Missverständnis (des damaligen Urkundenschreibers oder

des späteren Herausgebers) handeln. Nach der Verteilung

der Flächenmasse und Grunddienste dürfte auch die untere

Hälfte der oben daran anschließenden Parzelle 729 ursprünglich

Teil des Gern gewesen sein. 222

Gereut

1367 Gereut

1411 Gerawt, Geräwt

1447, 1531 Grewt

1468, 1571 Greut

1640 Greit

Der Ausdruck Gereut ist von reuten = roden abgeleitet.

Schon dieser Name lässt erkennen, dass die so genannten

Grundstücke erst später als die der Umgebung urbar gemacht

worden waren. Am Mitterberg führten mehrere

Weingärten diesen Namen (vgl. Stichwörter Gereutel,

Greidel).

1. Das Gereut am Höllenstein

Dieser Weingarten war zwischen die Ried Dreifuß und den

Gebirgszaun hineingezwängt worden. Den Namen Grewt

neben an den Höllenstain (erstmals genannt 1465) verdankt

er der Lage direkt westlich eines riesigen Steinriegels,

der zwar nach seiner Dreiecksform Dreifuß hieß, aber

auch Höllenstein genannt werden konnte, weil er ein Ausläufer

des Tachensteins war, der auch Höllenstein (= Höhlenstein)

hieß.

38

Für die relativ große Fläche von 16 Tagwerk wurde ein

Grunddienst von jährlich 3 Achtel Eimer Most verlangt.

Das war aber anscheinend nicht einzubringen, daher wurde

der Dienst auf 2 Pfennige reduziert. Aber auch das war zu

viel, man ging auf 1 Pfennig hinunter - dieser Zustand war

1367 erreicht. Mit dieser Abgabe war der Weingarten

gewinnbringend zu führen, daher setzte man den Dienst

behutsam wieder hinauf: vor 1411 auf 2 Pfennige, 1411 ¼

Eimer, 1447 3 Achtel. Das war schon wieder zu viel, denn

kurz vor 1460 ging man auf ¼ zurück. Doch war es schon

zu spät: 1463 wurde der letzte Dienst bezahlt, dann ging

der Weingarten ein. Rund hundert Jahre später wurde er

bei einer Art Kommassierungsaktion zur Ried Dreifuß

gezogen. Nach den Lagebeschreibungen und Nachbarsnennungen

muss er etwa der heutigen Parzelle 455 und

dem obersten Rand der Parzelle 453 entsprochen haben. 223

2. Das Gereut / Gereutel am Gebling

Auch zwischen dem ohnehin fast aussichtslosen Weingarten

Gebling und dem „Weg auf den Tehenstain“ (Mitterbergstraße)

wurde, wohl zu Beginn des 14. Jahrhunderts,

noch ein steiniges Grundstück im Ausmaß von 4 Tagwerk

urbar gemacht - man getraute sich von Anfang an nicht

mehr als 1 Pfennig Grunddienst jährlich dafür zu verlangen!

Die Skepsis war berechtigt, um 1460 ging der Weingarten

ein. 1556 versuchte man es mit einer Neubelebung

und gab noch ein Stück Straßenrand dazu. Diesen neuen 8

Tagwerk-Weingarten nannte man nun Gereutl. 1560 erhoffte

man sich den ersten Grunddienst in der Höhe von ¼

Eimer Most. Als dieser nicht eintraf, machte man kurzen

Prozess: Die verwertbaren Teile des gescheiterten Weingartens

wurden der Ried Dreifuß einverleibt. Das alte Gereut

/ Gereutel muss nach den Beschreibungen der Grundbücher

etwa dem unteren Rand der Parzelle 453 entsprochen

haben. 224

Gereutel

nach 1411, 1447, 1531 Grewtl

Grundfläche: 8, später 6 Tagwerk

Grunddienst: ¼ Eimer Most

Zwischen 1411 und 1447 wurde die Wildnis am

Fuß eines mächtigen Steinriegels namens Dreifuß gerodet,

und dem entsprechend hieß der neue Weingarten Gereutel.

Er war eine komplette Fehlinvestition und kam nie über

den ersten Besitzer hinaus. Bereits 1468 vermerkt das

Grundbuch melancholisch: Stöst auf die Drifuezz, da siecht

man nach (noch) wol die stainrigel. Auch zwei Wiederbelebungsversuche

nach dem I. Türkenkrieg brachten nur

stockende Erfolge. Nach 1596 wurde das Gereutel endgültig

aufgegeben, die brauchbaren Teile wurden der Ried

Hotschler einverleibt. Der verunglückte Weingarten muss

im Bereich der heutigen Parzelle Mitterberg 458 gelegen

und etwas größer als diese gewesen sein. 225

Gern s. Ger

Gernl

1551 Gernl

Grundfläche: 12 Tagwerk

Grunddienst: 20 Pfennige an (Klein-)Mariazell

Der Weingarten ist nur ein einziges Mal genannt.

226 Er wurde wohl - zu einem in der Proportion deutlich

erhöhten Grunddienst! - kurzfristig von dem Mariazeller

Weingarten Gern abgetrennt und bald wieder in diesen

einbezogen, was auch die Erklärung für die Schwankungen

von dessen Grunddienst sein dürfte.


Gersthalmer

1367 Gersthalbmer

1411, 1447 Gersthalber

1465, 1531 Gersthaber

1571 Gerschalber

Grundfläche: 1465 12 Tagwerk

Grunddienst: seit 1430 20 Pfennige

Der Gersthalmer lag zwischen dem Weingarten

Krump und dem „Weg an des von Puchheim Holz“ (Rauhensteinerwald).

Es war ein besonders schwieriges Terrain,

umgeben und durchzogen von Steinriegeln. Deshalb wird

der Name auch von einem frühen Besitzer stammen, der

nach seiner besonders schlanken Gestalt mit einem Gerstenhalm

verglichen wurde, denn dass in dieser ausgesetzten

Lage je ein Getreidefeld bestand, darf doch bezweifelt

werden.

Nach dem Pfennigdienst zu schließen, gehörte der

Gersthalmer zu den Weingärten, die erst in einer sekundären

Rodungsphase des Mitterbergs in der ersten Hälfte des

14. Jahrhunderts entstanden. 1367 bestand er aus drei

Kleinstweingärten, von denen zwei je 5 Pfennige und einer

gar nur 3 Heller Grunddienst zu bezahlen hatte. Dies dürften

reduzierte Taxen gewesen sein, denn 1430 wurden die

drei Flächen zu einem einzigen Weingarten von 12 Tagwerk

vereinigt, dessen Grunddienst nun mit 20 Pfennigen

festgelegt wurde, aber erst ab 1440 eingehoben werden

sollte. 1487 blieb der Gersthalmer erstmals seine Abgaben

schuldig, und bald war er zur Gänze verödet. Im Grundbuch

wurde er noch bis 1669 als Karteileiche mitgeschleppt.

227

Seit ca. 1550 wurden Teile des ehemaligen Gersthalmers

rekultiviert, doch war der Name inzwischen in Vergessenheit

geraten, und man hielt die öden Flächen für verwilderte

Teile des Nachbarweingartens Krump, so dass sie nun

unter dem Namen Krümpel liefen (siehe Stichwort Krümpel).

Glätzl

1367, 1411 Glacz, Gleczel

1406 Glacz

1465, 1531 Glatz, Glatzl, Gletzel

1641 Nözl (wohl Hörfehler für Mäzl)

1669 Glaz, Gläzl

1795 - 1880 Gläzl, Glezl, Mäzl

Der Weingarten Glätzl lag an einer felsigen Erhebung, der

er wohl seinen Namen verdankte. Östlich stieß er an das

Schweintal, nördlich an den Gebirgszaun, westlich und

südlich an die gleichfalls steinigen Weingärten Matz und

Krinn. Die Versuche, dem kargen Boden in ausgesetzter

Lage doch noch einen Ertrag zu entreißen, waren äußerst

arbeitsintensiv und führten zu ständiger Aufteilung und

Neuzusammenlegung des Grundes, so dass sich schließlich

die Verkleinerungsform Glätzl durchsetzte. Da in diese

Aktionen auch der ähnlich schwierige Nachbarweingarten

Matz einbezogen war, wurde immer wieder für Teile des

Glätzl der ganz ähnlich klingende Name Mätzl verwendet.

1367 gab es hier drei kleine Parzellen namens Glacz, die

insgesamt ½ Eimer Grunddienst zu entrichten hatten, eine

größere Parzelle mit einem Eimer Grunddienst, ebenfalls

Glacz genannt (1465 wurde die Fläche auf 10 Tagwerk

geschätzt), und einen Weingarten Gleczel, Grunddienst ¼

Eimer. Die drei ersteren Parzellen scheinen im Grundbuch

nie wieder auf, die anderen beiden lösen sich in Kleinstgrundstücke

auf. 1819 erhielten die damals kultivierten

39

Teile des Glätzl - sie hießen Gläzl, Mäzl, Gläzl und Glezl,

hatten 4 + 4 + 1 + 6 Pfund und dienten 13 1/3 Achtering

Most + 6 2/3 Achtering Most + 6 Kreuzer + 22 Kreuzer 2

Pfennige (= 3 Schillinge) - die Parzellennummern Mitterberg

533, 527b, 535 und 534. Parzelle 535 ist heute ein

Grundteil von Hochstraße 36, Parzelle 534 ist das unbebaute

Grundstück am rechten Ende der Hochstraße. 228

Goldsteindl

1343 Goltstayn

1357 Goltstainel

1367, 1465, 1531 Goldstaindl

1388 Golstaindel

1571 Goltstaindl

1795 - 1880 Goldstandel

Grundfläche: 12 Tagwerk, später 10 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most und 6 Pfennige

Der Weingarten Goldsteindl lag an der Marchetstraße,

am Fuß des Fliegenhappelbergs, dessen steiniger

Ausläufer auch noch zur Ried gerechnet wurde. Westlich

wurde er von den Weingärten Ayrer/Kohlhaufen und

Braun, östlich vom Steinweingarten begrenzt. Möglicherweise

bezieht sich der Name auf die hervorragende Qualität

des Grundstücks: Nach dem steinigen Gelände der

Putschanerlucken ist es der erste Weingarten der „Güteklasse

I“. Namensgleichheit weit auseinander liegender

Weingärten lässt zwar häufig auf einen frühen gemeinsamen

Besitzer schließen, doch fällt es auf, dass auch der

Weingarten Goldstein am Römerberg weit überdurchschnittliche

Qualität hatte - er ist sogar der „Güteklasse I+“

zuzurechnen! Auch ist aus den Urkunden kein entsprechender

Familienname bekannt. Die 1795 eingeführte

Schreibweise Goldstandl hat nichts mit einem „Standel“

(etwa am Markt) zu tun, sondern bezieht sich auf die im

Dialekt übliche Aussprache des altehrwürdigen Namens.

1801 erbaute sich hier der Stadt- und Badearzt Karl

Schenk ein Sommerhaus mit großem Garten; 1819 erhielt

der ehem. Weingarten die Parzellennummer Mitterberg

620; auch das steinige Gelände des Fliegenhappelberges

oberhalb des Hauses wurde als Parzelle 621 mit einbezogen.

Heute stehen auf dem Gelände des einstigen

Goldsteindl-Weingartens die Häuser Marchetstraße 34 und

36, die rechte Hälfte von Marchetstraße 38 sowie, auf der

Rückseite dieser Anwesen, das Haus Mozartstraße 9. 229

Greidel

Aus dem Wort Gereutel, kleine Rodung, das von reuten =

roden abgeleitet ist, entwickelte sich nach den Lautgesetzen

unserer Mundart der Weingartenname Greidel. Entweder

blieb diese Bezeichnung noch lange verständlich oder

man stellte sich darunter etwas anderes Verständliches vor,

etwa ein „Kräutel“ oder einen Kreidefelsen, denn seit dem

17. Jahrhundert begann sie ähnlich klingende, unverständlich

gewordene Namen zu ersetzen. Im Fall des Weingartens

Preundel wurde die neue Namensform zur offiziellen,

beim Breidel konnte sie sich letztlich nicht durchsetzen

(vgl. Stichwörter Gereute, Breidel, Kreiden).

1. Greidel - Preundel

1367 Preundel

1411 Prandel

1447 Prewndel

1465 Preindel

1468 Prewndel, Präwndel

1531 Prewdl


1673 Preutl

1675 Preydl

1704 Preindl

1785 - 1880 Greidel

Grundfläche: 24 Tagwerk, später 14 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most

Der Weingarten Greidel lag zwischen den Weingärten

Topler und Schewastel, oben stieß er an die Weingarten

Böltz und Münerl, unten jeweils zur Hälfte an einen

Fahrweg (heute Bergsteiggasse) und einen „unbenutzbaren

Steinriegel“ (1819 Parzelle 623), auf den später die Schubertgasse

gelegt wurde.

Der Name könnte als Verkleinerungsform von dem nicht

allzu weit entfernten Weingarten Braun abgeleitet sein,

doch sind keinerlei gemeinsame Besitzer bekannt, die diese

Ableitung erklären könnten. Mit dem Namen hatte schon

das Mittelalter Schwierigkeiten, wie die recht verschieden

lautenden Schreibungen erkennen lassen. Nach dem ersten

Türkenkrieg orientierte man sich an dem Riednamen Preydel,

der an anderen Stellen des Mitterbergs zwei Mal vorkommt.

Da jedoch auch diese Namensform unverständlich

war, übernahm man schließlich von einer anderen Ried des

Mitterbergs den ähnlich klingenden Namen „Greidel“, die

mundartliche Form von Gereutel = Rodung.

1367 war der Greidel fest mit dem angrenzenden Münerl

verbunden, erst 1468 wurde er wieder selbständig. 1819

erhielt er die Parzellennummern Mitterberg 658 (heute

Schubertgasse 22) und 739 - 741 (heute Mozartgasse 35b -

41); seit 1871 werden all diese Parzellen am unteren Rand

von der Wiener Hochquellenwasserleitung durchschnitten.

230

2. Greidel - Gereutel

1357 Gräwtl (?)

1411 Gräwtl

1428 Gräwttel

1465, 1531 Grewtel

1623 Greutl

1642 - 1700 Mitterberg

1708 Greidl

1795 - 1880 Greidel, Greidl

Grundfläche: 12 Tagwerk, später 8 Pfund

Grunddienst: vor 1411 ½ Eimer Most,

seit 1411 ¼ Eimer Most

Das Greidel lag an einem Fahrweg, der gelegentlich Tachensteinerweg

u.ä. genannt wird. Westlich und nördlich

war es von steinigen Flächen des Tachensteins umgeben,

die landwirtschaftlich kaum zu nützen waren, östlich

grenzte es an den Steinweingarten. Im Bergbuch 1411

erfahren wir, dass es im älteren Grundbuch Teil eines größeren

Weingartens war, der aber mangels Namensnennung

dort nicht zu identifizieren ist.

1801 wurde die Ried durch einen „Neuriß“ von 2 Pfund

(Grunddienst 2 Pfennige) vergrößert. 1819 erhielten die

beiden Parzellen die Nummer 855 und 856, 1871 wurden

sie in den Park der Villa Epstein (später Rainervilla)

Karlsgasse 2-4 / Rainerweg 1 einbezogen. 231

Greiden s. Kreiden

Großbauer

Irrige Bezeichnung für den Weingarten Kleinbauer,

siehe dort.

Großbraun s. Braun

Grub s. Grueb, Grundweingarten

40

Grueb oder Nussbamel

1294 Grueb, Nuzpoum

1357 Grueb, Nuspoumel zunahest der Gruben

1367 Gruben et Nuzzpemel, Nuzzpeumel pei

dem Erkchel

1388 Grueb et Nuzzpämel

1428 Nuspämel

1435 in Grueben

1465 in der Grueb, Grueb und Nuspawml

1515, 1541 awff den Grueben, auf der Grueben

1571 Grueb, Grueb oder Nußpämbl

1643 Grüebl

1651 in Grüeblen

1660 Grueb

1669, 1676 Grueb und Nuspämbl

1694 Grueb oder Nußbaimbl

1795 - 1880 Grueb oder Nußbamel

Grundfläche: 70 Tagwerk

Grunddienst: 3 Eimer Most und 18 Pfennige

Der Weingarten Grueb-Nussbamel erstreckte sich

etwa in der Form eines Viertelkreises oder eines stumpfen

Winkels von der Höhe des Schuhreißerweges (Mitterbergstraße)

bis in die Talsohle, in der ebenfalls ein Fahrweg

(heute Bergsteiggasse) verlief. Der obere Teil lag

zwischen den Weingärten Krump und Kleinhackel, die

untere Hälfte verlief zwischen der Bergsteiggasse und

einem parallel dazu verlaufenden „unbenutzbaren Steinriegel“

(1819 Parzelle 709), hinter dem sich die Weingärten

Kleinhackel, Langenweingarten, Mitterberger und Langental

bergauf erstreckten.

Die beiden Namen des Weingartens sind bis heute mühelos

verständlich, wobei sich die Bezeichnung Grueb wohl auf

die untere Hälfte bezieht, die in der Talsohle verlief, während

Nussbamel den oberen, an die Mitterbergstraße stoßenden

Teil meint. Dort ist daher auch das „Erkel“ zu

suchen, das 1367 als nähere Ortsangabe für den Weingarten

Nussbamel genannt ist. Es handelt sich wohl um eine

charakteristische Felsformation eines der zahlreichen „unbenutzbaren

Steinriegel“, die sich dort befinden, denn

„Erkel“ bedeutet so viel wie Schießscharte oder Erker.

Der riesige Weingarten gehörte dem Stift Heiligenkreuz

und war zehentfrei, also vor 1215 in den Besitz des Klosters

gekommen. Wie alle zehentfreien Weingärten wurde

auch dieser zu Halbbau oder als Leibgedinge vergeben.

Nach dem Chaos des I. Türkenkriegs 1529/1532 blieb ein

Großteil der Fläche unbewirtschaftet, fiel daher an den

Grundherrn Gaming zurück und wurde von diesem in Privatbesitz

verkauft. Da nach dem I. Türkenkrieg die Zehentfreiheit

bereits als festes Zubehör der Weingärten

betrachtet wurde, blieb sie trotz des Besitzwechsels erhalten.

Einige der damals verkauften Parzellen führten aus

unbekannten Gründen kurze Zeit den Namen Spitallern

(siehe dort). Bei dem geringen Teil des Grueb-Nussbamel,

den das Stift behaupten konnte, erhalten wir 1646 einen

interessanten Einblick, wie die Zehentfreiheit wirtschaftlich

genutzt wurde: Der Betreiber des Weingartens musste

dem Stift (zusätzlich zum Grunddienst, der ja an Gaming

ging) jährlich 1 Schilling pro Pfund Flächeninhalt für die

Zehentfreiheit bezahlen - so teilten sich Besitzer und

Betreiber den Vorteil dieses Privilegs. 232

1819 erhielten die Teilstücke des Grueb-Nussbamel die

Parzellennummern Mitterberg 703 - 707, 710 - 717 und

805. Bei diesem Anlass wurde auch eine bisher „öde Stre-


cke“ (Parzelle 811) im Ausmaß von 2 Pfund an die Ried

angeschlossen; der Grunddienst dafür betrug 6 Kreuzer.

1865 wurde auf den Parzellen 701 (Langenweingarten),

702 (Kleinhackel) und 703 ein Steinbruch eröffnet, für den

eine Erschließungsstraße am Rand der Parzellen 710 und

712 angelegt wurde. 233

Heute stehen dort die Häuser Bergsteiggasse 15 sowie 12 -

34, Dr.Rudolf Klafsky-Straße 39 - 43 und Richard Genée-

Straße 7 - 11. 234

Gruebel

1388 Stainhöffel

1435, 1453 Grueblein, Gruebel

1531 Grueben

Grundfläche: 10 Tagwerk + unbekannt

Grunddienst: 1 Eimer Most + 24 Pfennige

Auf bisher ungeklärte Weise erwarb Stift Heiligenkreuz

die Grundherrschaft über einen Weingarten

Gruebel, der neben dem eigenen Weingarten Radauer lag.

Möglicherweise ist dieser geteilte Weingarten mit zwei

1388 genannten grunddienstpflichtigen Weingärten identisch,

die ausdrücklich am Mitterberg lagen. Der eine gehörte

Ulrich Chramer (Grunddienst 1 Eimer Most), eine

zweite Hand schrieb als Weingartennamen dazu Stainhöffel

am Mitterperg. Für den anderen, dessen Name nicht angegeben

ist, hatte Nikl Chnars 8 Pfennige Grunddienst zu

erlegen - diese Gebühr wäre dann im Lauf der Zeit erhöht

worden, was gerade bei den Gelddiensten des Stiftes Heiligenkreuz

häufig vorkommt.

Wie auch immer - der 24 Pfennig-Weingarten zahlte 1445

zum letzten Mal einen Grunddienst, ging also vermutlich in

den Ungarnkriegen ab 1446 verloren, der zweite wurde

immerhin bis 1499 wenigstens in den Grundbüchern weitergeführt.

235

Nach der Nachbarsnennung lag der Weingarten genau an

der Stelle, wo seit 1710 ein Weingarten Langtal nachgewiesen

ist, der angeblich dem Grundbuch des Sauerhofs

oder Weikersdorfs unterstand. Wahrscheinlich handelt es

sich dabei um den sonst nicht identifizierbaren weingarten

zu hochst am Mitterperg, den das Weikersdorfer Urbar

1586 erwähnt. 236

Zwar bleiben hier die näheren Zusammenhänge unklar,

aber die Lage an dieser Stelle erklärt den Namen Gruebel:

Genau oberhalb dieses Weingartens kommt das Teuffental

aus dem Gebirge und setzt sich in einer Rinne fort, die im

Gelände heute kaum wahrnehmbar ist. Der Name Steinhöffel

(Verkleinerungsform von Steinhof) könnte auf den

auffallenden Steinriegel zurückgehen, an dem diese Rinne

endet; er könnte aber auch bedeuten, dass ein früher Besitzer

aus einem der beiden Badener Steinhöfe (Grabengasse

15, Kornhäuselgasse 3) stammte (vgl. Textteil, Abschnitt

Bergherrschaft / Heiligenkreuz).

Heute entspricht das ehemalige Gruebel den Parzellen 681

- 685 (vgl. Stichwort Langtal / Weikersdorf).

Grundweingarten

1411 Grundtweingarten

1531 Gruntbeingarten

1637 Grundtweingartten, auch Grüebl genannt

1667 Grundtweingarten, auch Griebl

1795 - 1880 Grundweingarten und Grub

Grundfläche: 4 Tagwerk, nach 1531 6 Tagwerk,

später 4 Pfund

Grunddienst: 1 Pfennig, nach 1531 ¼ Eimer Most,

41

seit 1707 2 Schillinge

Der Grundweingarten lag in einer Sutten (Senke) zwischen

den drei Steinriegeln, die 1819 alle mit derselben Parzellennummer

828 versehen wurden. Auf diese Tallage bezieht

sich der Name des Grundstücks, ebenso wie die später

konkurrierende Benennung Grübl / Grub. Vielleicht

handelt es sich dabei um die Fortsetzung einer Hälfte des

nach 1367 nicht mehr genannten Weingartens Linslöffel,

doch ist hier mangels näherer Erläuterungen keine Klarheit

zu gewinnen.

Nach der Mitte des 15. Jahrhunderts war der kleine Weingarten

ganz verödet, denn in den Grundbüchern 1465 und

1468 ist er nicht erwähnt. Nach 1531 wurde er mit verändertem

Grunddienst und vergrößerter Fläche neu konstituiert.

1707 wurde die Realabgabe durch einen Gelddienst

ersetzt. 1819 erhielt der Grundweingarten die Parzellennummer

Mitterberg 832. 237

Nach dem geglückten Neustart des Grundweingartens

wurde auch der Rest des „Grundes“ zwischen den drei

Steinriegeln urbar gemacht. 12 Tagwerk, die kurz vor 1560

ausgesetzt wurden, erhielten aus unerfindlichen Gründen

den Namen Dreifuß (siehe dort). Bald zeigte sich, dass sich

der Weingarten in den ursprünglich geplanten Ausmaßen

nicht halten konnte: Die Fläche wurde bald von 12 Tagwerk

auf 7 Pfund, dann sogar auf 5 Pfund zurückgenommen,

ebenso wurde der Grunddienst (ursprünglich 1½

Achtel Most) reduziert. Das vernunftbetonte 18. Jahrhundert

brachte auch die verwirrende Namengebung in Ordnung

und nannte diesen sekundären Dreifuß, wie es seiner

Lage und dem Namen der Nachbarried entsprach,

„Grundweingarten oder Grub“, 1819 erhielt er die Parzellennummer

Mitterberg 833. 238

Die beiden ca. 1590 und 1610 nordwestlich der beiden

Grundweingärten in die „Grube“ gepressten Grundstücke

bekamen keinen Namen, sondern wurden ohne System

bald Tachenstein, bald Mitterberg genannt, übernahmen

jedoch im Lauf der Zeit den Namen der Nachbarweingärten:

Seit 1795 heißen sie „Tagenstein und Grundweingarten“

(Parzellen 830 und 831; vgl. Schlagwort Tagenstein).

Heute steht dort das Haus Bergsteiggasse 48.

Hammersetzen s. Beindel

Hansgraf

1367 Hansgraf (1. Hälfte), Chlainhekchel

(2. Hälfte)

1406 Hannsgraf

1411 Hannsgraf, alio nomine vocatur (mit einem

anderen Namen heißt er) Klainhekchler

1447 Hansgraf alias Chlainhekchl

1465 Hannsgraff oder Klainhekchl

1546 Handtsgraffen oder Kleinhägkhl

1650 Hanßgraf oder Khlainhackhl

1687 Hannßgraff oder Khlainhäkl

1700, 1795 - 1880 Kleinhäckhl, Kleinhakel 239

Grundfläche: 24 Tagwerk

Grunddienst: 1 Eimer Most

Der Hansgraf lag zwischen dem so genannten

Teuftal (= tiefen Tal) und dem Weingarten Kleinhackel,

mit den Schmalseiten stieß er oben an den Gebirgszaun,

unten an den Schuhreißergraben (Mitterbergstraße). Der

Hansgraf war in Niederösterreich der oberste Repräsentant

einer übergeordneten Gewerbebehörde, die z.B. Änderungen

in Handelsbestimmungen oder Handwerksordnungen


zu begutachten hatte. Ein uns nicht bekannter früher Hansgraf

wird der Namengeber des Weingartens gewesen sein.

Im Jahre 1367 war der Hansgraf geteilt, die eine Hälfte

wurde bereits damals nach der wesentlich größeren Nachbarried

Kleinhackel genannt. Daraus entstand eine allgemeine

Unsicherheit, zuerst diese eine, dann auch die andere

Hälfte wurden generell „Hansgraf oder Kleinhackel“

genannt. Es gibt aber so etwas wie eine ausgleichende

Gerechtigkeit: Da der eine Hansgraf Jahrhunderte lang

denselben Besitzer hatte wie einer der Weingärten, der

mitten in der Ried Kleinhackel lag, bürgerte sich auch für

diesen die Bezeichnung „Kleinhackel oder Hansgraf“ ein

(seit 1819 Parzelle 473). Um 1700 kam der Name Hansgraf

ab, die kleine Ried war zur Gänze in der größeren

Nachbarried Kleinhackel aufgegangen.

1819 erhielten die ehemaligen Hansgraf-Weingärten die

Parzellennummern Mitterberg 464 - 466. Heute stehen dort

die Häuser Mitterbergstraße 26 bzw. Marika Rökk-Gasse

2, 5 und 7.

Hasenöhrl

1492 Haßlörl

1531 Hasenörl

Grundfläche: 6 Tagwerk

Grunddienst: 6 Pfennige

Der Weingarten Hasenöhrl lag zwischen dem

Weingarten Niederleiten und dem Weg ins Haunoldstal

(Andreas Hofer-Zeile). Er war wohl der letzte einer Reihe

von Weingärten am Fliegenhappelberg, die ab 1454 angelegt

wurden und zum ganz überwiegenden Teil in den

Ungarnkriegen der 1470er- und 1480er-Jahre wieder eingingen.

Seine Gründung dürfte wenig nach 1468 erfolgt

sein, gerade so, dass er nicht mehr in das Grundbuch kam,

das in diesem Jahr angelegt wurde. Er brachte es nicht über

den ersten Besitzer hinaus, 1492 lag er schon wieder öd.

Da dieser erste und einzige Besitzer nicht Hasenöhrl hieß,

ist der Name des Weingartens wohl zu den Tiernamen wie

Fuchs, Eichhorn und Wolf zu rechnen, die man den ab

1454 gegründeten Weingärten gern gab. 240

Da der Weingarten der unterste der 1454 begonnenen

Reihe war, schloss er wohl an den seit jeher bebauten

Weingarten Aufel an und lag daher an der Stelle des Hauses

Andreas Hofer-Zeile 16 und / oder etwas oberhalb.

Haunoldsbrunn

1590 im Haunoldsprun

Grundfläche: 4 Tagwerk

Grunddienst: ¼ Eimer Most

Bei dem Weingarten Haunoldsbrunn handelte es

sich wahrscheinlich um die Hälfte eines Weingartens Haunoldstal,

bei einer Kalkgrube in der Nähe des heutigen

Winschlochs. 1568 war er verödet und wurde daraufhin zur

leichteren Wiederherstellung geteilt. Die eine Hälfte fand

gleich einen Investor, der Haunoldsbrunn musste über

zwanzig Jahre warten, bis sich jemand erbarmte: Lamprecht

und Anna Panleutner, „Inwohner in der Höll“ (heute

Beethovengasse). Aber auch ihre Mühe war umsonst: Ein

einziges Mal, im Jahre 1590, konnten sie ihren Grunddienst

wirklich abliefern! 241

Haunoldstal

Die Weingärten Haunoldstal lagen, wie der Name

sagt, in der oberen Putschanerlucken in einem lockeren

Kranz um eine Kalkgrube, in deren Nähe der Haunoldsbrunnen

stand. Die größeren von ihnen reichten bis

42

an die verlängerte Andreas Hofer-Zeile hinunter, die man

damals als Fahrweg oder Viehtrift bezeichnete. Da die

älteren Weingärten des Mitterbergs schon bis an die linke

Seite dieses Weges heranreichten, können die neu ausgesetzten

nur auf der rechten Seite gelegen sein, geografisch

also eigentlich am Kalvarienberg.

Bei der Suche nach einer Kalkgrube kommt nur die Gegend

ab dem heutigen Umkehrplatz der Andreas Hofer-

Zeile in Frage, denn selbst wenn man die äußerst bescheidenen

Ansprüche des Mittelalters und der Frühneuzeit in

Rechnung stellt, ist nicht zu sehen, wie man in der engen

Schlucht unterhalb auch nur einen halbwegs gedeihlichen

Weingarten untergebracht haben soll. Die Kalkgrube mit

dem Brunnen wird daher in der felsigen Umgebung des

Winschloches zu suchen sein - falls es sich bei dieser Höhle

wirklich um eine römische Kultstätte handelte, war es

wohl das Vorhandensein von Wasser, das zur Einrichtung

des Heiligtums gerade an dieser Stelle führte.

Die Aussetzung von Weingärten in diesem unwirtlichen

Gelände ist nur mit der Hochblüte des Weinbaus in der

zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu erklären. Angelegt

wurden die Weinbauflächen zum ganz überwiegenden Teil

in den 1550er- und 1560er-Jahren. Ihre Erhaltung war

überaus mühsam, schon bei der geringsten Konjunkturschwankung

wurde der Betrieb unrentabel. Ein Beispiel:

12 Tagwerk Grund ym Haunolcztal, an der Viehtrift (also

an der verlängerten Andreas Hofer-Zeile) gelegen, waren

ca. 1560 dem Gerwig Schütz aus Baden zur Urbarmachung

übergeben worden. 1563 sollte er erstmals den vereinbarten

Grunddienst von 3/8 Eimer Most abliefern. Als dieser

Grunddienst nicht eintraf, ließ die Grundherrschaft nachschauen,

und es zeigte sich, dass die Anlage nicht gediehen

war. In Urban Khälblinger fand man einen neuen Betreiber.

Man reduzierte ihm alles: Die Grundfläche wurde nun

mit 10 Tagwerken angenommen, der Grunddienst auf ¼

Most + 1 Pfennig herabgesetzt, und der erste Termin dafür

sollte 1568 sein. Das scheint zunächst geklappt zu haben,

doch bereits 1581 gab es die nächsten Schwierigkeiten.

Der Betrieb wurde nun dem Bergmeister persönlich „zu

Erbauung“ übergeben, der Grunddienst auf ¼ Most herabgesetzt.

Aber auch das funktionierte nur bis 1585. Nun

ging es rapid bergab, bis das Grundbuch 1615 anmerkte:

Deß ganzen weingarten ist sonsten 12 tagwerch, aniezo

aber nicht mehr zuegericht dan 3 tagwerh. Und das ist das

letzte, was wir von dem Weingarten überhaupt hören. Er

wurde noch ein halbes Jahrhundert als Karteileiche mitgeschleppt,

bis das Grundbuch 1669 resignierte und endgültig

„0“ (= null) anmerkte. Bemerkenswert ist dabei, dass

das Grundbuch bei der großen Revision des Jahres 1669

die älteren Fassungen dieses Besitzstandes nicht als Vorgänger

des aktuellen Standes erkannte und daher statt des

einen zwei Grundstücke suchte (und schließlich beide mit

„0“ ausscheiden musste)! 242

Folgende Weingärten gab es damals im Haunoldstal: 8

Tagwerk an der Kalkgrube (Grunddienst ½ Eimer Most;

später geteilt, wobei eine Hälfte den Namen Haunoldsbrunn

bekam) + 16 Tagwerk an der Kalkgrube (½

Eimer) + 12 Tagwerk (3/8 Eimer, später ¼ Eimer, zuletzt 3

Tagwerk / ¼ Eimer) + 12 Tagwerk (3/8 Eimer) + 12 Tagwerk,

genannt Mitterberg (1/2 Eimer) + 12 Tagwerk (½

Eimer) + 10 Tagwerk (¼, später 1/8 Eimer) + 12 Tagwerk

(½ Eimer) + 8 Tagwerk, genannt Wölfl (1/8 Eimer und 3

Pfennige) + 6 Tagwerk (¼ Eimer) + 6 Tagwerk an der


Kalkgrube (1/8 Eimer und 3 Pfennige) + 3 Tagwerk (1/8

Most) + 4 Tagwerk (1/2 Achtel Most). 243 Insgesamt waren

es also 13 Weingärten zu insgesamt 121 Tagwerk, die man

dem Haunoldstal abzuringen suchte. 244 Soweit möglich

sind sie hier in der Reihenfolge, wie sie nebeneinander

lagen, aufgezählt, doch gibt es die Schwierigkeit, dass die

meisten Grundstücke insgesamt mehr als die halbe Zeit

ihrer Existenz öd lagen, so dass die, die gerade in Betrieb

waren, den übernächsten oder gar drittnächsten Weingarten

als Nachbarn nennen. Das erneute Einsetzen an der Kalkgrube

gegen Ende der Aufzählung mag so zu erklären sein,

dass man oberhalb der ersten Reihe eine zweite Reihe

wesentlich kleinerer Weingärten eröffnete.

Bei einem Lokalaugenschein im Jahre 1795 stellte die

Grundherrschaft fest: Oberhalb des ... (Weingartens Krinn)

... über den Berg hinauf gegen den Wald und gegen das

vor einigen Jahren abgebrochene in drey gemauerten

Säulen bestandene Hochgericht auf dem Hünerberg sind

viele dem Gaminger Grundbuch dienstbahre Weingarten

gewesen ..., die aber in Abbau und in Verödung gekomen

sind. Dermahlen treibet die Stadt Baaden ihr Viech darauf.

245

Wie auch immer die Haunoldstal-Weingärten im Einzelnen

ausgesehen haben mögen, heute ist nichts davon erhalten,

außer die eine oder andere Mulde im Wald, die vielleicht

als letzter Rest einer künstlichen Terrassierung an die elende

Plackerei unserer Vorfahren erinnert.

Hausgraf falsche Lesung für „Hansgraf“, siehe dort.

Hentlinger s. Weikersdorfer

Himmelwiese

Als Himmelwiese bezeichnet Gustav Calliano den

zu seiner Zeit noch unverbauten Abhang des Fliegenhappelbergs

in der Putschanerlucken oberhalb der Wiener

Wasserleitung. 246 Da er Namen wie Himmel, Himmelreich

oder Himmelwiese ohne konkrete Lokalisierung auch für

andere Bereiche des Mitterbergs angibt und sich all diese

Bezeichnungen außerhalb der Schriften Callianos nicht

feststellen lassen, ist bis zum Nachweis des Gegenteils

anzunehmen, dass es sich auch bei der Himmelwiese um

eine der vielen Erfindungen des stets „innovationsfreudigen“

Gustav Calliano handelt - er pflegte konkrete Angaben

mit einer Vielzahl geheimnisvoller Andeutungen zu

umgeben, um damit augenscheinlich zu machen, aus welcher

Fülle uralten Wissens er schöpfen könne. Für eine

seriöse Beschäftigung mit den Flurnamen des Mitterbergs

kann die Himmelwiese außer Betracht bleiben.

Hochleiten

Möglicher Weise bis ca. 1750 Bezeichnung des

oberen Westhangs des Fliegenhappelbergs, der später die

Parzellennummern Mitterberg 571 - 575 bekam, vgl. Niederleiten.

Hofsätz

1406 pewnt bey dem hoff

1543 weingarten ..., gelegen an den hof, genanndt

die sätz

1744 Hofsätz

Als Mariazell 1278 im Besitz des ehemaligen Merkensteinerhofs

bestätigt worden war, war dieser endgültig zum

Mariazellerhof geworden. Schon damals gehörte zum Hof

eine vinea, ein Weingarten, den man Hofpoint oder Hofsätz

nannte. Rechtlich war diese den Haussätzen (Haus-

43

weingärten) gleichgestellt und gehörte daher streng genommen

zu überhaupt keinem Weinberg. Doch da sie

gegenüber der zum Mitterberg gehörigen Ried Kapellen

lag und der Mariazellerhof auf dem Mitterberg einen Besitzschwerpunkt

hatte, sei sie trotz dieser Bedenken hier

mitangeführt. Heute ist das gesamte Gelände mit den Gebäuden

des Gesundheitsbezirks Mariazellerhof / Badenerhof

verbaut. 247

Hotschler

1357 Hoczler

1367 Hotschler

1388 Höthschler

1411 Hötschler

1465 Höthczler

1531 Hötschler, Hötzler

1571 Hötschler, Hotschler

1631 die Hötschlerin

1634, 1708 Hötschler

1669 Hölzler

1795 - 1880 Hotschler, Hötschler

Der Hotschler gehörte auf Grund seiner ausgesetzten Lage

und des felsigen Bodens zu den schwierigsten Weingärten

des Mitterbergs: Ständig lagen Teile öd, wurden geteilt,

nahmen andere Öden auf und wurden neu zusammengelegt,

mussten Grunddienste reduziert oder neu festgelegt werden.

Es ist daher nicht möglich, Fläche und Grunddienst

des ursprünglichen Hotschlers zu rekonstruieren. Möglicher

Weise verdankt der Weingarten den ständigen Unannehmlichkeiten

sogar seinen Namen, denn mittelhochdeutsch

bedeutet „hozel“ Gesäß (natürlich könnte bei dem

häufig etwas deftigen Humor des Mittelalters auch ein

früher Besitzer so geheißen haben). In späteren Zeiten

wurde der Name nicht mehr verstanden, so dass er gelegentlich

zu Hölzler umgedeutet wurde; vielleicht war auch

die Namensform Hötschler durch ihre Assoziation mit dem

Hetscherl (Hagebutte) so beliebt - sicher wucherten in der

öden Wildnis die Heckenrosen!

Es wäre interessant zu wissen, wie lange der unfreundliche

Weingartenname (wörtlich etwa „Arschweingarten“ oder

„Scheißweingarten“) noch verstanden wurde, denn bis

Ende des 16. Jahrhunderts wurden verödete Teile der Rieden

Dreifuß (obere Hälften der Parzellen 454 und 455) und

Gereutel (Parzelle 458) bei der Rekultivierung unter dem

neuen Namen Hotschler zusammengefasst. Im 18. Jahrhundert

bürgerte sich diese Bezeichnung auch für die südliche

Hälfte der verbleibenden Ried Dreifuß ein (Parzelle

453a).

1795 zählten zum Hotschler die Parzellen, die 1819 die

Nummern 452, 453a, 454, 456 und 458 bekamen - mit

Ausnahme der letzten wurden sie damals alle bereits als

Obstgärten genützt. 248 Auf einem Teil dieser Gründe liegt

heute die Fahnenparzelle Mitterberg 40.

Kammerknecht

1367 Chamerchnecht

1406, 1447 Chamerknecht

1447 Kamerknecht

1669 Khamerkhnecht

1785 - 1880 Kamerknecht

Grundfläche: 24 Tagwerk, später 16 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most

Der Kammerknecht lag zwischen den Weingärten

König und Würmel, von dem er durch zwei „unbenutzbare


Steinriegel“ (1819 Parzellen 632 und 636) getrennt war;

oben stieß er an den Schuhreißerweg (Mitterbergstraße),

unten an den „unbenutzbaren Steinriegel“, an dessen Stelle

später die Schubertstraße angelegt wurde.

Wahrscheinlich gehörte der Kammerknecht ursprünglich

zur Ried König, wurde jedoch 1298 oder wenig später von

König Albrecht abgetrennt und einem seiner Amtsträger

überlassen, nach dessen Amtstitel er den neuen Namen

Kammerknecht bekam (vgl. hier Stichwort König). Wie

dieser Amtsträger wirklich hieß, wissen wir nicht, doch gab

er seinen Weingarten schon früh an den Pfarrer von Baden

ab, der von 1367 bis nach dem II. Türkenkrieg in seinem

Besitz blieb und 1438 sogar die Zehentfreiheit erreichen

konnte (wie beim Weingarten König, s.d.).

Die Pfarre teilte den Weingarten in zwei Hälften, die im

17. Jahrhundert Oberkammerknecht und Unterkammerknecht

genannt und zu Leibgedinge (Pacht auf Lebenszeit)

vergeben wurden, wofür jährlich 1 Schilling pro Pfund zu

bezahlen war.

1819 erhielt der Kammerknecht die Parzellennummern

Mitterberg 630, 631, 634, 635, 637 und 638. Im Jahre

1871 wurden diese Parzellen von der Wiener Wasserleitung

durchschnitten und stoßen daher mit dem unteren

Rand an die großteils noch unverbaute Schubertstraße

(Hausnummern 8 - 14). Auf den verbauten Grundstücken

stehen die Häuser Mitterbergstraße 3b und 5 sowie Mozartstraße

27a und 26 - 28. 249

Kapellen

1367 Chappel

1411 Chappeln

1465, 1531 Capellen

1662 Capellsetzl

1795 - 1880 Kapellen

Grundfläche: 8 Tagwerk

Grunddienst: 1 Eimer Most

Der Weingärten Kapellen lag oberhalb des Hauses

Marchetstraße 10, schräg gegenüber dem Mariazellerhof,

an der Marchetstraße. Er gehörte also, geografisch gesehen,

noch zum Kalvarienberg, doch weil er am Weg ins

Haunoldstal (Andreas Hofer-Zeile) lag, über den der Mitterberg

erschlossen wurde, wurde er als Weingarten dem

Mitterberg zugezählt.

Da es in der Nähe des Weingartens Kapellen keine Kapelle

gab, ist er wohl nach den Herren von Chapellen benannt,

einem Ministerialengeschlecht, das im 14. Jahrhundert mit

den Tursen von Rauheneck geschäftlich und familiär eng

verbunden war. 250

Seit dem 16. Jahrhundert gehörte der Kapellen-Weingarten

immer demselben Besitzer wie das Haus Marchetstraße 10,

an dessen Hausweingarten er stieß. So selbstverständlich

wurden diese Besitzverhältnisse im Lauf der Generationen,

dass der bürgerliche Leinenweber Michael Mörckher

schließlich auch den Grunddienst für den Weingarten dem

Hellhammerhof bezahlte, dem sein Haus unterstand. Das

konnte sich die Kartause als rechtmäßiger Grundherr natürlich

nicht bieten lassen, und als der Hausbesitzer uneinsichtig

blieb, ließ Gaming den Weingarten sperren. Die Lese

des Jahres 1706 konnte nur gegen einen Revers der Stadt

Baden eingebracht werden, dass diese Vergünstigung nicht

als Präzedenzfall für Mörckhers Standpunkt betrachtet

werde. Schließlich konnten offizielle Vertreter der beiden

Herrschaften den Sachverhalt durch Nachschlagen in den

44

alten Grundbüchern klären, und Gaming hatte sein uraltes

Recht behauptet.

1806 wurde der Kapellen-Weingarten in sechs Baugründe

zerlegt und bis 1822 mit den Häusern Marchetstraße 12 -

22 verbaut. Wie ein Witz mutet es an, dass sich, sobald der

Riedname Kapellen verschwunden war, gleich zwei Kapellen

an den Rändern des alten Weingartens ansiedelten.

1847 wurde eine Pestkapelle (entstanden 1713), die den

Zugang zur neu erbauten Schwimmschule behinderte, auf

die gegenüberliegende Straßenseite, in die „Reichen“ (den

Zwischenraum) zwischen den Häusern Marchetstraße 14

und 16, verlegt. Und 1854 wurde das alte Urlaubskreuz an

der oberen Ecke Pelzgasse / Marchetstraße, ebenfalls aus

verkehrstechnischen Gründen, versetzt und als Kapelle

oberhalb des Hauses Marchetstraße 22 neu errichtet. Urlaubskapelle

hieß und heißt sie deshalb, weil in früheren

Zeiten die jährliche Wallfahrt nach Mariazell feierlich bis

zu dieser Stelle begleitet wurde und sich hier verabschiedete

(Urlaub = Abschied). 251

Kaschen

Im Jahre 1820 verkaufte die Herrschaft Gaminger

Berghof 5 Pfund Weingarten in Kaschen an der Bergstraße

als Baugrund. Eine Überprüfung des Besitzers und der

Nachbarn ergibt, dass es sich um das spätere Haus Marchetstraße

12 handelt, so dass der Ausdruck „Kaschen“ als

Verlesung für den Riednamen Kapellen, der dem Grundbuchschreiber

offenbar nicht mehr geläufig war, zu werten

ist. 252

Kienastl

1367 Chienestel

1406 Chyenästel

1468 Chiennästl

1641 Khüenästl

1795 - 1880 Kiennastel

Grundfläche: 16 Tagwerk, später 9 Pfund

Grunddienst: 12 Pfennige

Der Weingarten Kienastl lag zwischen zwei Steinriegeln

(1819 Parzellen 497, heute Mitterbergstraße 16 =

Dr.Rudolf Klafsky-Straße 15, und 495), oben stieß er an

die Weingärten Kleinhäckl, unten an den Schuhreißerweg

(heute Mitterbergstraße). Nach dem Pfennigdienst zu

schließen, gehörte er zu den Weingärten, die erst in einer

sekundären Rodungsphase des Mitterbergs in der ersten

Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden. Auch die Lage

zwischen zwei Steinriegeln und der im Verhältnis zur großen

Fläche extrem niedrige Grunddienst lassen erkennen,

dass das Gelände nicht wirklich zur Kultivierung einlud.

Vielleicht geht der Name Kienastl darauf zurück, dass hier

noch lange ein paar Föhren ein kümmerliches Dasein fristeten,

vielleicht handelt es sich um einen Besitzernamen.

1819 erhielt der Kienastl-Weingarten die Parzellennummer

Mitterberg 496, heute stehen dort die Häuser Mitterbergstraße

14 (= Kartäuserweg 7), Kartäuserweg 12 und 14

sowie Dr.Rudolf Klafsky-Straße 11 und 13. 253

Kindelboint

1294 Chunleinpeunt

1357 Chundleinpeunt

1367 Kindleinspoint

1388 Chündelpewnt

1411 Kindleinspeunt, Chyndleinpewnt

1428 Chündleynspewnt


1447 Chundleinspewnt

1465 Chundlenspewnt

1531 Kundleinspewnt, Kunleinspewnt

1543 Khundelpeunten

1571 Khindtlspeundt, Kindspeuntl, Khindlspant,

Khindtspant

1640 Khindlpeunt

1646 Khindlspeundten

1648 Khindtsbeunth

1650 Khönigspeunten

1662 Khundtspeunthen, Kindlpeunth

1663 Khündlpeunten

1668 Khündelspeunthen

1677, 1688 Kindlpoint

1785 Kindelbeint

1795 - 1880 Kindelboint

Eine Point ist ein eingezäuntes herrschaftliches Grundstück.

Die riesige Point (sie umfasste nach heutigen Begriffen

immerhin Marchetstraße 35 - 73) ist nach einer Person

namens Kuno benannt - „Kunlein“ ist die Verkleinerungsform

dieses Namens. Der Name Kuno ist seinerseits eine

Kurzform des Namens Konrad. Gern wüssten wir, wer

dieser Konrad war, doch bis jetzt ließ sich keinerlei Hinweis

darauf finden. Seit dem 14. Jahrhundert wurde der

Name „Kunlein“ allmählich unverständlich und daher zu

„Kindlein“ umgedeutet. 254 Die letzte Konsequenz erreichte

diese Volksetymologie mit der Form „Kindsband“ im ausgehenden

16. Jahrhundert, die wohl damit zusammenhängt,

dass die ursprünglich großen Flächen nun durch Parzellierung

die auch sonst übliche Streifenform angenommen

hatten. Man konnte sich nun ein Wickelband vorstellen,

wie man es zum Festhalten der Babywindeln verwendete.

Letztlich hat sich aber doch der bei Riednamen häufige

Namensbestandteil „point“ durchgesetzt.

Die Bezeichnung „Königspoint“, die nur ein einziges Mal

auftritt, geht wohl auf irrtümliche Kontaminierung mit dem

gleichfalls am Mitterberg gelegenen Weingarten König

zurück.

Bei der Reform der Riedeneinteilung 1785 wurde die Ried

Kindelboint um die an die Putschanerlucken anschließenden

Waldweiden nördlich des Gebirgszauns bis zur

Pfaffstättner Grenze erweitert. Sie umfasste nun auch den

unbewaldeten Teil des Kalvarienbergs und den Hühnerberg

samt dem Galgen an der Stelle der heutigen Theresienwarte.

Um diese Zeit scheint der mühsame und nach der Neuorganisation

auch geografisch nicht mehr eindeutige Name

Kindelboint außer Gebrauch gekommen zu sein - man

sagte nun einfach „die mittleren Weingärten“, wie wir aus

Geistingers „Karte der Stadt Baden“ 1805 entnehmen können.

255

Mit der Einführung des Franziszeischen Katasters 1819

wurde diese Einteilung gegenstandslos, denn nun wurden

alle Weingärten des (geographischen) Mitterbergs zwischen

Putschanerlucken und Helenenstraße unter dem

Riednamen „Mitterberg“ zusammengefasst, während die

Waldweiden des Kalvarien- und Hühnerbergs dem Badnerberg,

Ried Juden, zugezählt wurden.

1. Die Heiligenkreuzer Kindelboint

Grundfläche: 1465 60 Tagwerk

Grunddienst: 1357 vertraglich mit 4 Eimer

festgelegt

1367 4 Eimer + 24 Pfennige

Vogtrecht an Gaming

45

Bereits 1294 gehörte der große Weingarten dem Stift Heiligenkreuz

und war zehentfrei. Da der Weingarten einerseits

grunddienstpflichtig, andererseits aber zehentfrei war,

dürften ihn die Landesfürsten zwischen ca. 1150 und 1215

an das Stift übergeben haben. Er bestand aus zwei etwa

gleich großen Teilen, die durch die Mariazeller Kindelboint

getrennt waren, und passt also zu dem auch anderswo

beobachteten „Doppelpackprinzip“ bei landesfürstlichen

Schenkungen. 256

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts waren beide

Hälften bereits in kleinere Parzellen geteilt und an „Halbbauer“

vergeben, die dem Grundherrn Gaming den entsprechenden

Teil des Grunddienstes zu entrichten hatten

und dem Grundbesitzer Heiligenkreuz die Hälfte der Lese

abliefern mussten. Nach dem I. Türkenkrieg wurden die

Parzellen an private Besitzer verkauft und gelegentlich mit

Verkleinerungsformen wie „Kindspeuntl“ bezeichnet. 257

1819 erhielt die untere Hälfte des Heiligenkreuzer Besitzkomplexes

die Parzellennummern Mitterberg 599 - 610.

Heute stehen dort die Häuser Marchetstraße 35 - 45.

Durch die ständigen Teilungen und Neuzusammenlegungen

der einzelnen Weingärten entstand ein annähernd

quadratisches Grundstück, das im 18. Jahrhundert „Viereck“

genannt wurde, um es von den anderen Kindelbointen

zu unterscheiden (Parzellen 609 / 610, Marchetstr. 43-

45). 258

Die obere Hälfte des Heiligenkreuzer Weingartens wurde

1819 mit den Parzellennummern Mitterberg 615, 747 - 750

und 769 - 770 versehen. Ursprünglich verlief zwischen

diesen Parzellen und der Mariazeller Kindelboint ein

Grenzweg („Gehsteig“), doch wurde dieser 1795 aufgelassen

und vom Besitzer der Weikersdorfer Schlossmühle, der

zahlreiche Weingärten beider Herrschaften aufgekauft und

zu einem großen Acker umgewandelt hatte, durch einen

steilen Fahrweg (im Bereich der Parzellen 747/748) ersetzt,

der der heutigen Mühlstiege (zwischen Marchetstraße

61 und 63) entspricht. 259

Heute stehen dort die Häuser Marchetstraße 53 (= Schlossgasse

2) - 69 (einschließlich der nicht nummerierten Häuser,

deren Adresse Mühlstiege 11, 12 und 14 lauten müsste)

sowie Schlossgasse 6 und 8.

2. Die Mariazeller Kindelboint

Grundfläche: 1744 71 Pfund

Grunddienst: 1744 zehent- und bergrechtfrey 260

Die Kindelboint-Weingärten, die 1819 die Parzellennummern

Mitterberg 611 - 614 bekamen, unterstanden der

Herrschaft des Stiftes Mariazell in Österreich (Kleinmariazell).

261 Da der Weingarten in den Mariazeller Grundbüchern

nicht aufscheint, galt er offenbar als Dominikalbesitz,

den die Mönche selbst bearbeiteten bzw. verpachteten,

und war daher wohl alter Merkensteiner Besitz, den diese

gemeinsam mit ihrem Hof (dem späteren Mariazellerhof)

1278 dem Stift Mariazell überließen. 262 Da der Weingarten

abgabenfrei war, dürfen wir annehmen, dass ihn die Landesfürsten

den Merkensteinern oder ihren Besitzvorgängern

vor ca. 1150 überlassen hatten. In einem 1744 erstellten

Inventar erfahren wir, dass die Mariazeller ihren Teil

der Kindelboint zusammenfassend als „Unterried“ bezeichneten

und die Fläche auf 71 Pfund schätzten. 263

Heute stehen dort die Häuser Marchetstraße 45 - 51 und

Schlossgasse 1 - 5.

3. Die Tribuswinkler Kindelboint

Grundfläche und Grunddienst unbekannt


Oberhalb des zweiten Teils des ursprünglich Heiligenkreuzer

Besitzes liegt noch ein Kindelboint-Weingarten, der

nach Angabe der Gaminger Grundbuchsverwaltung der

Grundherrschaft der Pfarre Tribuswinkel unterstand. 264 In

den dortigen Grundbüchern ist er freilich nicht aufzufinden.

1819 bekam er die Parzellennummern Mitterberg 771

- 774, heute stehen dort die Häuser Kornhäuslgasse 14 - 16

/ Marchetstraße 71 - 73.

Kleinbauer

1454 der chlain paute

1538 der groß paur

1543 der klein pawr

1582 Kleinpauer

Der Kleinbauer lag neben dem Weingarten Luegeslandt, es

handelt sich daher um den oberen Teil der Parzelle, die

1819 die Nummer Mitterberg 729 bekam (heute Bergsteiggasse

9-11). Über Fläche und Abgaben des Grundstückes

sind wir nicht informiert, doch wurde es 1543 höher eingeschätzt

als der unterhalb gelegene Weingarten Gern (Einheitswert

10 bzw. 6 Pfund). 265 Woher der seltsame Name

„der klein Gebaute“ kam, ist nicht bekannt. Bezieht sich

die Benennung auf einen auffallend kleinen Besitzer? Oder

auf eine Besonderheit seiner Rebenkultur? Schon im 16.

Jahrhundert wusste man es nicht mehr, daher die Umdeutung

zu „Kleinbauer“. Ob die Benennung Großbauer ein

Versuch ist, den so geringschätzig benannten Weingarten

aufzuwerten, oder ob es sich einfach um einen Irrtum des

Urkundenschreibers handelt, lässt sich heute nicht mehr

feststellen. An der Identität von Groß- und Kleinbauer

besteht jedoch kein Zweifel, da es sich in allen Fällen um

denselben Nachbarn des Weingartens Luegeslandt handelte.

Im 17. Jahrhundert ging auch dieser Name verloren,

denn der Weingarten wurde, wie die Nachbargrundstücke

Gern und Luegeslandt, in die Ried Koller oder Kohlhaufen

einbezogen.

Kleinbraun s. Braun

Kleinhackel

1367 Chlainhechel, Chlainhechkel

1406 Klainheklein, Klainhäkchel, Chlainhekchl

1428 Chlainshäkchel

1435 Chlainhechklein

1465 Clainhekl, Klainhekl

1515 Khlains Hegkl

1571 Clainhackhl

1654 Klainhäckhel

1699 Klainshächl

1795 - 1880 Kleinhakel 266

Grundfläche: 3 Weingärten je 6 Tagwerk, 1 Weingarten

8 Tagwerk, 4 Weingärten je 12 Tagwerk

Grunddienst: 1367 4 Weingärten je ¼ Eimer Most,

4 Weingärten je ½ Eimer Most

Die Hacke, „das Hackl“, mittelhochdeutsch „heckel“, war,

wenn man den alten Weistümern trauen darf, DAS Werkzeug

und Abzeichen des Bauern. Warum gerade diese Ried

danach benannt ist, ist unklar - vielleicht wieder einmal

einer der vielen Besitzernamen. Es könnte aber auch sein,

dass der Name mit der Hacke gar nichts zu tun hat, sondern

- wie zumindest eine der Schreibungen von 1367 nahelegt -

von dem mittelhochdeutschen Wort „hechel“ abgeleitet ist,

das so viel wie „verschmitztes Weib, Kupplerin“ heißt.

Dann hätte der Weingartenname ursprünglich „kleine

Kupplerin“ bedeutet und wäre erst später umgedeutet wor-

46

den. Wer weiß, welche spannende Geschichte hinter der

Namengebung steckt - wir werden es nie erfahren!

Gern wüssten wir auch, ob die Ried Kleinhackel ursprünglich

aus drei Weingärten mit je 24 Tagwerk Fläche und 1

Eimer Grunddienst bestand - rein rechnerisch würde es

sich ausgehen. Doch ist gerade bei dieser Ried Vorsicht

geboten, denn im Lauf der Jahrhunderte zog sie ständig

Teile der Nachbarweingärten Brenner und Hansgraf an

sich - warum sollte das vor dem Einsetzen der Grundbücher

1367 anders gewesen sein?

Spätestens seit dem Jahr 1428 war das Stift Heiligenkreuz

im Besitz eines Weingartens Kleinhackel, den es sogleich

als zehentfrei bezeichnete, nicht aber als abgabenfrei. Ein

Vergleich der Besitzerreihen in den Büchern von Heiligenkreuz

und Gaming ergibt, dass es sich bei diesem Grundstück

um einen Teil des Weingartens Brenner handelte, der

unmittelbar an die Ried Kleinhackel grenzte. Dass der

Weingarten zehentfrei sei, war eine Fiktion des Stiftes

Heiligenkreuz, die so zu Stande kam: Es gab mit dem Stift

Melk als Zehentherrn eine Vereinbarung, dass die bis 1216

erworbenen Heiligenkreuzer Weingärten, insgesamt 98

Stück, zehentfrei bleiben sollten; im Falle eines Verkaufs

durch das Stift sollte diese Zehentfreiheit verloren gehen.

Da aber Heiligenkreuz im Sinne einer geregelten Wirtschaftsführung

immer wieder unrentabel gewordene Gründe

an investitionsfreudige Privatleute abstieß, wäre die

Zahl der zehentfreien Weingärten immer kleiner geworden

- wenn man sie nicht immer wieder durch neu erworbene

Weingärten aufgefüllt hätte! Natürlich durchschaute Melk

das Spiel im Lauf der Zeit, durch eine Vereinbarung von

1428 Sept. 17 wurde es abgestellt: In einer Urkunde dieses

Datums wurden die 98 Weingärten namentlich aufgezählt,

außerdem sollten diese auf geteilte Kosten durch Grenzsteine

gekennzeichnet werden. Und einer dieser nun fixierten

98 Weingärten war der Kleinhackel/Brenner. Wie sah

es nun mit der Bewirtschaftung des Grundstücks aus? Heiligenkreuz

vergab es als so genanntes Leibgedinge, also

eine Art Verpachtung auf Lebenszeit. Der Inhaber des

Leibgedinges musste an den Grundherrn Gaming ½ Eimer

Most Grunddienst abliefern und an den Grundbesitzer

Heiligenkreuz jährlich 60 Pfennige bezahlen, dafür ersparte

er sich den Zehent, den er normaler Weise an Melk

abführen hätte müssen. In den Heiligenkreuzer Grundbüchern

schien dieser Inhaber als Leibgedingsinhaber auf, in

den Gaminger Grundbüchern, denen die rechtlichen Details

gleichgültig sein konnten, solange das Geld hereinkam,

als Grundbesitzer! Im Chaos nach dem I. Türkenkrieg

verlor Heiligenkreuz den komplizierten Weingarten aus

den Augen. Man kann sich vorstellen, wie das zuging: Das

Stift suchte einen abgängigen Weingarten Kleinhackel,

doch diesen gab es in den Gaminger Grundbüchern nicht,

weil er ja offiziell Brenner hieß. Und die Nachbarn, soweit

sie den Krieg überlebt hatten, hielten natürlich dicht! Noch

im Jahre 1699 schleppte Heiligenkreuz die Karteileiche

sinnlos im Grundbuch mit ... 267

Im Jahre 1795 hatte der Kleinhackel die Ausdehnung erreicht,

die durch die Einführung der Parzellennummern

1819 endgültig fixiert wurde. Er wurde damals von den

Weingärten Hansgraf und Brenner begrenzt und stieß oben

an einen „unbenutzbaren Steinriegel“ (1819 Parzelle 472)

bzw. den Gebirgszaun und unten an den Schuhreißerweg

(Mitterbergstraße). 1819 bekam er die Parzellennummern

467 - 487 (wobei die Nummern 475 - 487 aller Wahr-


scheinlichkeit nach ursprünglich zur Ried Brenner gehörten,

wie unter diesem Stichwort nachzulesen ist).

Heute stehen dort die Häuser Mitterbergstraße 18 - 24 bzw.

Marika Röck-Straße 4 - 8 und 9 - 11, ferner Dr.Rudolf

Klafsky-Straße 16 - 22 und Johann Wagenhofer-Gasse 27,

29 und 36.

Kleinhackel-Nussbamel

1574 Clainhekl

1795 - 1880 Kleinhakel

Grundfläche: 4 Tagwerk

Grunddienst: 12 Pfennige

Im Jahre 1574 übergab die Kartause Gaming dem

Sattlermeister Kaspar Westermair einen Grund zwischen

den Weingärten Nussbamel und Langweingarten zur Bewirtschaftung.

Es handelte sich um den Mittelteil des verödeten

Weingartens Langenweingarten. Bei der Beseitigung

des Gestrüpps, das da zwischen den Felsen wuchs,

konnte der wackere Sattler sein Hackl ausgiebig benützen -

das wird wohl der Grund gewesen sein, warum man für das

neue Grundstück den Namen der unweit gelegenen Ried

Kleinhackel übernahm.

Trotz aller Mühe war aus dem Weingarten nicht viel herauszuholen.

1639 kaufte ihn in verödetem Zustand der

Besitzer des Nachbarweingartens Nussbamel und musste

vom Grundherrn erst die Erlaubnis erwirken, die großen

Felsen aus dem Boden brechen zu dürfen, damit der Weingarten

widerumb zu stokhen unndt in guetes bau gebracht

wirdt.

Nun wurden das Nussbamel und der neu ausgesetzte

Weingarten unter dem Namen Kleinhakel zusammengefasst

und hatten für eine Fläche von 6 Pfund einen Grunddienst

von 13 Maß Most und 6 Pfennigen zu entrichten.

1819 erhielt der Kleinhakel (inklusive Nussbamel), der

inzwischen zum Obstgarten umfunktioniert worden war,

die Parzellennummer Mitterberg 702, 1865 wurde dort ein

Steinbruch angelegt (siehe Stichwort Grueb-Nussbamel). 268

Heute ist die Ried mit den Häusern Dr.Rudolf Klafsky-

Straße 44 - 54 und 35 - 37 sowie Max Schönherr-Gasse 7

verbaut.

Kohlhaufen

1. Der Kohlhaufen des Stiftes (Klein)Mariazell

1454 im Koller

1795 Kollhaufen

Das Kloster Mariazell in Österreich war Grundherr eines

Teiles der Ried Kohlhaufen, d.h. der Weingarten war wohl

vor 1150 von den Landesfürsten als freies Eigen abgegeben

worden - an die Merkensteiner, die in Baden Besitzvorgänger

des Stiftes Mariazell waren, oder an deren Besitzvorgänger.

Da die Koller-Weingärten schräg gegenüber

der Mariazeller Kindelboint lagen, die ebenfalls ein Freiweingarten

war und daher dieselbe historische Entwicklung

hinter sich hatte, ist anzunehmen, dass es sich bei den beiden

Grundstücken um eine der landesfürstlichen Schenkungen

nach dem „Doppelpack“-Prinzip handelt, wie sie in

Baden öfters anzutreffen sind.

Die unter dem Riednamen Kohlhaufen zusammengefassten

Mariazeller Weingärten hatten Einzelnamen wie Kleinbauer,

Kreuzweingarten, Luginsland, Gern oder Gerndl, die

aber allmählich zu Gunsten des umfassenderen Riednamens

außer Gebrauch kamen. Im 18. Jahrhundert ersetzte

die Verwaltung des Mariazellerhofs den Riednamen Kohl-

47

haufen/Koller durch die Bezeichnung „Oberried“ und

schätzte deren Fläche auf insgesamt 145 Pfund. 269

Andererseits strahlte der Name Koller (eigentlich müsste

man Kohler schreiben!) oder Kohlhaufen aus und bezeichnete

schließlich auch die Gaminger Nachbarrieden Seiler

und Ayrer.

1795 umfasste der Mariazeller Kohlhaufen fünf Weingärten,

die 1819 die Parzellennummern Mitterberg 729, 730,

742 - 744 und 746 bekamen. Heute entsprechen dem Mariazeller

Koller / Kohlhaufen die Häuser Marchetstraße 54 -

58 und Bergsteiggasse 9-11.

Der wenig schmeichelhafte Riedname mag von dem mitten

in dem Besitzkomplex gelegenen „unbenutzbaren Steinriegel“

(1819 Parzelle 745) kommen, denn Ausdrücke wie

„Kohlenbrenner“ wurden in früheren Zeiten gern als Spott-

oder Schimpfwörter verwendet - so schimpfte etwa 1697

der Badener Schulmeister den Kaplan, was ihn schließlich

seine Stelle kostete! 270 Theoretisch wäre es auch denkbar,

dass hier im Mittelalter tatsächlich ein Köhler seinen Meiler

unterhielt, die Lage nicht allzu weit vom Mitterberger

Wald einerseits und an einem direkten Zubringer in die

Stadt andererseits wäre verkehrstechnisch nicht schlecht.

Doch hätten in diesem Fall Wald und Meiler verschiedenen

Herrschaften gehört, und es ist kaum glaublich, dass die

Kartause Gaming einem Mariazeller Untertanen die entsprechende

Holzentnahme, die bei den damaligen Forsttechniken

einem Raubbau am Wald gleichkam, gestattet

hätte. 271

2. Der Kohlhaufen der Kartause Gaming

nach 1531 Kholhauffen

1637 Kholler oder Sailler

1669 Kholler oder Kolhauffen

1795 - 1880 Kolhaufen

Grundfläche: 24 Tagwerk

Grunddienst: 1 Eimer Most

Der Gaminger Weingarten Kohlhaufen ist erstmals

auf einem Zettelchen erwähnt, das nachträglich in das

1531 angelegte Gewährbuch der Kartause eingeklebt wurde.

Als Nachbarn sind dort die Weingärten Vielreich und

Seiler angegeben. Einige Seiten weiter findet sich im selben

Gewährbuch die Angabe, dass der Seiler zwischen

Vielreich und Kohlhaufen liege und dass Seiler und Kohlhaufen

zusammengelegt seien! Nur eine der beiden Angaben

kann zutreffen, und da der angrenzende Mariazeller

Weingarten Gern auch einen Zweitnamen „unter der Hutsäul“

führte, wird es letztere sein. Bestätigt wird diese

Deutung durch die Beschreibungen des Weingartens Vielreich,

wo konsequent der Seiler als Nachbar genannt ist.

Auch das Grundbuch wurde auf das Problem der doppelten

Eintragung aufmerksam, hielt aber die Lokalisierung des

Kohlhaufens zwischen Vielreich und Seiler für die richtige.

Damit entstand wieder das Dilemma, dass Kohlhaufen und

Seiler unmöglich über den Mariazeller Kohlhaufen hinweg

vereinigt sein konnten.

Nun gab es aber östlich des Mariazeller Kohlhaufens einen

zweigeteilten Weingarten, der Ayrer hieß und im Grundbuch

nicht aufschien, weil er der zweite Teil eines etwas

entfernt davon gelegenen Weingartens Ayrer war, zu dem

keine direkte Verbindung bestand. Dieser in der Luft hängende

Ayrer hatte bereits von seinem Mariazeller Nachbarn

den Namen Kohlhaufen übernommen, und jetzt fand

der Grundbuchbeamte überhaupt das Ei des Kolumbus: Er


setzte den westlichen Teil des Ayrer/Kohlhaufen mit dem

gesuchten Seiler gleich, der östliche Teil des Ayrer/Kohlhaufen

behielt den Namen Kohlhaufen. Damit war

auch die angebliche Zusammenlegung von Seiler und

Kohlhaufen hinreichend erklärt.

Für das Grundbuch war nun folgende (den ursprünglichen

mittelalterlichen Verhältnissen nicht entsprechende) Aufteilung

maßgeblich - von Ost nach West: Weingarten

Kohlhaufen (urspr. westliche Hälfte des Weingartens Ayrer,

1819 Parzellen 617 - 619, heute Marchetstraße 42 -

46), Weingarten Seiler (urspr. östliche Hälfte des Weingartens

Ayrer, 1819 Parzelle 616, heute Marchetstraße 50 und

52 sowie Bergsteiggasse 2 - 8), Mariazeller Kohlhaufen

(inklusive des einstigen Gern = „unter der Hutsäul“, 1819

Parzellen 729, 730, 742 - 744 und 746, heute Marchetstraße

54 - 58 sowie Bergsteiggasse 1 - 5), Kohlhaufen (urspr.

Seiler, Parzellen 751 - 755, heute Marchetstraße 60 - 62).

Die wechselnden Interpretationen und willkürlichen Festlegungen

des Grundbuchs bewirkten bei den betroffenen

Grundbesitzern eine tiefgreifende Verunsicherung, so dass

schließlich keiner mehr wusste, wie sein Weingarten wirklich

hieß, und so gerieten auch die Angaben im Grundbuch

wieder ins Wanken, für die meisten Parzellen wurden die

Namen Kohlhaufen und Seiler austauschbar. 272

Koller s. Kohlhaufen

König

1367, 1447 Chunig

1406 Chuning, Chinig

1411, 1465, 1531 Kunig

1571 Khenig

1785 - 1880 König

Grundfläche: unklar

Grunddienst: 4½ Eimer Most und 27 Pfennige

Der Weingarten König lag zwischen den Weingärten

Schewastel und Münerl einerseits und Kammerknecht

andererseits. Oben war er durch einen „unbenutzbaren

Steinriegel“ (1819 Parzelle 645) von der Ried Bauerswegel

getrennt, unten stieß er an den Steinriegel, auf dem

später die Schubertstraße angelegt wurde (1819 Parz. 623).

Der Weingarten war 1367 geteilt. Ein Stück, angeblich drei

Viertel, gehörten dem Pfarrer von Baden, der es Jahrhunderte

lang gemeinsam mit seinem Anteil des Weingartens

Kammerknecht verpachtete – dieser Teil des Weingartens

wurde durch Schiedsspruch vom 4. Nov. 1438 zehentfrei,

weil das Stift Melk als Patronatsherr nicht genug Beiträge

zur Erhaltung der Badener Pfarrkirche geleistet hatte. 273

Ein Viertel war im Besitz der Herren von Baden, seit 1420

des Landesfürsten, deren Pfleger es 1435 dem Stift

(Klein)Mariazell verkaufte. Erst nach dem II. Türkenkrieg

gaben die beiden geistlichen Institutionen ihre Anteile an

dem Weingarten in private Hand.

Die Flächenangaben sind widersprüchlich. Das Mariazeller

Viertel hatte 24 Tagwerk, aber dieselbe Fläche ist auch für

die drei Viertel des Pfarrers angegeben. Dazu passt freilich,

dass der Pfarrer seit 1447 auch denselben Grunddienst

zahlte wie Mariazell. Es scheint also, dass die Ried König

ursprünglich größer war und nach ihrer Aufteilung ein

Großteil des Grunddienstes versehentlich weiterhin bei

dem Weingarten eingetragen wurde, der den alten Riednamen

beibehalten hatte. Tatsächlich ergeben die Grunddienste

der Weingärten Würmel, Kammerknecht und Bauerswegel

zusammen mit den berichtigten Grunddiensten

48

der beiden Weingärten König genau die 4½ Eimer Most +

27 Pfennige, die im Bergbuch 1367 versehentlich nur den

beiden König-Weingärten zugeschrieben werden.

Wir dürfen also davon ausgehen, dass die ursprüngliche

Ried tatsächlich dem König gehörte und von ihm den Namen

bekam. Dieser König kann nach den historischen

Abläufen nur der Habsburger Herzog Albrecht I. gewesen

sein, der 1298 zum Römischen König gewählt wurde. Er

verschenkte dann Teile seines großen Weingartens an

Getreue der Umgebung - das hatte er auch durchaus nötig,

gab es doch allenthalben Erhebungen der Einheimischen

gegen den noch immer als Ausländer empfundenen Landesfürsten

und seine Amtsträger. Der Würmel ging an die

Herren von Leesdorf, der Kammerknecht an einen namentlich

nicht bekannten Amtsträger des Königs, der Bauerswegel

an den Pfarrer von Traiskirchen, zu dessen Pfarre

damals auch Baden noch gehörte. Ein weiterer Anteil ging

an den Pfarrer von Baden - wohl im Jahre 1312, als

Einstandsgeschenk anlässlich der Erhebung Badens zur

selbständigen Pfarre. Dieses Viertel des Weingartens und

das Viertel, das dem Landesfürsten bzw. dessen Burg Baden

geblieben war, behielten den alten Namen König.

1819 erhielt der König die Parzellennummern Mitterberg

639 - 644, 1871 mussten Teile der Ried für den Bau der

Wiener Hochquellenwasserleitung abgetreten werden. 274

Kreiden

1614 - 1704 Khreiden

Am Ostrand des Tachensteins, oberhalb der Weingärten

Steinweingarten und Greidel, von der Ried Nussbamel

durch eine „Steinplatte“ oder „Steinschale“ getrennt, lagen

einige kleine Flächen, die man offensichtlich im Spätmittelalter

für den Weinbau herangezogen hatte, die aber

schon so lange verödet und verwachsen waren, dass sie im

Grundbuch nicht mehr zu identifizieren waren. Bei der

Revitalisierung ließ man daher vorsichtigerweise Namen

und Grunddienst des Weingartens aus - es wurde nur bestimmt,

dass der Grunddienst 1562 erstmals zu entrichten

sei. Diese halbe Maßnahme brachte aber nichts, schon

einige Jahre später musste man es noch einmal versuchen,

diesmal mit Zieldatum 1572. Wieder war der Erfolg mäßig.

Daher entschloss man sich 1614 zum Durchgreifen. Man

konstituierte nun aus zwei Pfund Weingarten, die bereits

Kreiden genannt wurden + 2 „Aufgäbl“ (bisher öde

Grundstücke, die vom Grundbuch dazugeschenkt wurden)

einen 4 Pfund-Weingarten namens Kreiden, der künftig 1/8

Eimer Most als Grunddienst abliefern sollte. 1637 kam

noch ein verödetes Stück dazu, das Springenstein hieß -

offenbar nach Auskunft der Hauer, denn im Grundbuch

scheint ein Weingarten dieses Namens zu keiner Zeit auf.

Der Grunddienst wurde nun auf 2/8 Most erhöht. Diese

Realabgabe wurde 1707 in eine Geldzahlung von jährlich 3

Schillingen umgewandelt. Ab 1806 wurde der Weingarten

Kreiden mit anderen Grundstücken zusammengefasst und

in die Parkanlage der Gräfin Alexandrowitsch einbezogen,

die 1819 die Parzellennummer Mitterberg 854 erhielt -

damals lautete der Weingartenname in Anlehnung an die

größeren Nachbarrieden „Steinweingarten oder Greidel“.

Ob der Name Kreiden vom weißen Kalkstein stammt, der

das Aussehen der Umgebung bestimmte, oder unter dem

Einfluss der Nachbarried Greidel (Verballhornung von

Gereutel = kleine Rodung) entstand, lässt sich nicht feststellen.

275


Kreuzweingarten

1406 Chreuczweingarten

1543 Creytzweingarten

1796 Creuz-Weingärten

Da der Kreuzweingarten in einem Weingartenverzeichnis

des Stiftes Mariazell an der Stelle steht, an der sich sonst

der Weingarten Luegeslandt findet, ist die Gleichsetzung

der beiden Grundstücke unzweifelhaft. 276 Ursprünglich

hieß die Realität Pörzl, doch als dort spätestens um 1400

ein Grenzkreuz mit Aussichtsstätte entstand, wurde dieser

Name durch die Bezeichnungen Luegeslandt bzw. Kreuzweingarten

ersetzt.

Der Weingartenname scheint noch Jahrhunderte lang bestanden

zu haben, denn als bei der Neueinteilung der Rieden

1785 eine neue Großried „in Würmeln“ geschaffen

wurde, scheint dieser Name der Bevölkerung missfallen zu

haben, und sie nannten die Ried lieber „Creuz-Weingärten“

- unter diesem Namen ist sie in Kolbes Jurisdiktionsplan

1796 eingezeichnet; das namengebende Kreuz war damals

bereits verschwunden, denn es fehlt auf der Karte (vgl.

Stichwort Würmel).

Krinn

1367, 1406, 1411 Chrin, Chrinn

1465 Chrynn

1531 Krynn

1628 Khrünn

1669 Khrin

1795 Krinn 277

Da die beiden Weingärten Krinn auf der obersten und an

der untersten Kuppe des Fliegenhappelbergs liegen, ist

anzunehmen, dass der Name Krinn in älteren Zeiten den

ganzen Fliegenhappelberg bezeichnete. Krinn bedeutet im

mittelhochdeutschen Sprachgebrauch soviel wie „Einschnitt,

Rinne“. Ähnlich wie beim so genannten Rinnengebirge

am Kaltenberg 278 wurde also der Name eines Taleinschnitts

auf einen der Gebirgszüge, die ihn begrenzen,

übertragen.

1. Die Krinn am Teufelsloch

Grundfläche: 1465 12 Tagwerk, 1628 6 Pfund

Grunddienst: 5 Pfennige

Von 1367 bis 1628 wird der obere Weingarten Krinn stets

mit der zusätzlichen Ortsangabe „am Teufelsloch“ versehen:

circa foramen dyaboli, bey des tewffels lueg. Später

ist stattdessen das Haunoldstal genannt, womit sich „Teufelsloch“

oder „Teufelslucken“ als mittelalterlicher Name

der Schlucht, die wir heute Putschanerlucken nennen, entpuppt.

Der überaus niedrige Pfennigdienst lässt erkennen,

dass die wenig günstig gelegene Fläche erst in einer sekundären

Rodungsphase, wohl zu Beginn des 14. Jahrhunderts,

angelegt wurde.

Der Weingarten erstreckte sich parallel zur heutigen Hochstraße

oberhalb der Weingärten Glatzl, Schmiedmeister,

Marschalch und Steigen. Im 18. Jahrhundert wurde er als

Acker genützt. 1819 erhielt er die Parzellennummer Mitterberg

536. Heute stehen dort die Häuser Hochstraße 28 -

34.

2. Die Krinn am Schuhreißerweg

Grundfläche: Im 16. Jh. werden 8 bis 18 Tagwerk

angegeben, seit 1571 10 Tagwerk; 1795 6 Pfund

Grunddienst: im 16. Jh. bis zu 4½ Achtel Eimer,

seit 1571 ¼ Eimer und 2 Pfennige

Der untere Weingarten Krinn wurde im Westen von einer

Steinwand begrenzt, im Nordosten von der so genannten

49

Steinplatten; unten stieß er an den Weingarten Aufel und

den Schuhreißerweg (Mozartstraße). 1819 erhielt er die

Parzellennummern Mitterberg 583 und 584. 1846 erwarb

Alexandrine Fürstin von Dietrichstein die beiden Grundstücke,

um den Garten ihres Hauses Mozartstraße 9 zu

erweitern. Heute stehen auf den ehemaligen Gartenteilen

die Häuser Mozartstraße 14 und 16 (?).

Krump

1367 Chrump

1465, 1531 Krump

1638 Krumb

1708 Khrumpp

1795 - 1880 Krump

Grundfläche: 24 Tagwerk

Grunddienst: ¾ Eimer Most

Die Ried Krump lag zwischen den Weingärten

Grueb-Nussbamel und Gersthalmer, oben stieß sie an den

Schuhreißerweg (verlängerte Mitterbergstraße). Den Namen,

der soviel wie „krumm, bucklig“ bedeutet, verdankt

sie wohl ihrem schwierigen Gelände, denn ähnlich wie der

westliche Nachbar ist sie von unfruchtbaren Steinriegeln

umgeben und durchzogen. Entsprechend häufig verödete

der ganze Weingarten oder Teile davon. Nach dem I. Türkenkrieg

1529/1532 war nur mehr die östliche Hälfte des

Krump in Betrieb, die westliche Hälfte und der angrenzende

Gersthalmer waren derart verwüstet, dass sich niemand

mehr auskannte. 1555 griff man durch und bildete aus der

verödeten Westhälfte, vielleicht inklusive einiger Teile des

ehemaligen Gersthalmers, einen neuen Weingarten, der

nach Angabe des Grundbuchs wieder 24 Tagwerk hatte

(insgesamt hatte also der Krump jetzt 36 Tagwerk!) und

einen Grunddienst von ¾ Eimern Most und 3 Pfennigen

entrichten sollte. Aber der Weingarten war einfach nicht zu

brauchen, ständig geben einzelne Grundteile als Nachbar

an: stawdach, gestaudert (beides: = Gestrüpp) oder

steinblaten, oder wir erfahren überhaupt: von vielen unerdenckhlichen

jahren ganz öedt.

1819 werden für die Ried Krump die Parzellen Mitterberg

806 - 809, 813 und 817 in Anspruch genommen, wobei wir

bei den Parzellen 809 und 817 erfahren, dass vom Grundbuch

mehr als 1 Pfund unfruchtbaren Landes dazugegeben

worden war. 279 Heute ist ein Teil der Ried mit dem Haus

Bergsteiggasse 36 verbaut.

Krümpel

1455 Krimppl

1465 Chrümppl

1468 Chrumppl

1531 Krumpl

1638 Khrimpl

1678 Khrümpl

1708 Krimppl

1795 - 1880 Krümpel

1455 wurde die Grundlage für die Entwicklung der Ried

Krümpel gelegt. Unter diesem Namen wurde nämlich „ein

ort“ des Weingartens Krump verselbständigt. Es umfasste

6 Tagwerk und sollte einen jährlichen Grunddienst von 1

Achtel Eimer Most leisten.

Seit den 1550er-Jahren wurde der östlich des Krümpels

gelegene, seit Generationen verödete Weingarten Gersthalmer

wieder dem Weinbau zugeführt. Da der alte Riedname

längst vergessen war, hielt man die öden Grundstücke für

verwilderte Teile der Ried Krump und nannte daher auch


sie Krümpel. Hatte das ursprüngliche „ort“ nur 4 Pfund

umfasst, so waren es 1795 bereits 24 Pfund Weingärten,

die diesen Namen führten.

1819 bekamen sie die Parzellennummern Mitterberg 820 -

826. Trotz aller Kultivierungsarbeiten blieb zwischen den

Rieden Krump und Krümpel ein großer unbenützbarer

Grund, der 1819 die Parzellennummer 845 bekam. 280 Heute

stehen dort die Häuser Bergsteiggasse 38 - 46.

Ladendorfer

1367, 1406, 1795 - 1880 Ladendorfer

Grundfläche: 24 Tagwerk

Grunddienst: 18 Pfennige

Der Ladendorfer lag am Rainerweg zwischen den

Weingärten Steinweingarten und Nussbamel. Der Gelddienst,

der noch dazu extrem niedrig angesetzt ist (weniger

als 1 Pfennig pro Tagwerk!), lässt darauf schließen, dass

die Ried erst später kultiviert wurde als die anderen (etwa

1. Hälfte des 14. Jahrhunderts) und dass man von ihr nicht

viel erwarten konnte, lag sie doch schon unmittelbar am

Fuß des felsigen Tachensteins.

Der Riedname Ladendorfer kommt auch am Pfaffstättnerberg

in der Einöde vor. Er geht auf eine ritterliche Familie

dieses Namens zurück, die im 14. Jahrhundert intensive

Geschäftskontakte mit den Rauheneckern unterhielt. Noch

im 15. Jahrhundert, als sie schon zu biederen Wiener Ritterbürgern

mutiert waren, hatten sie Besitzungen in der

Umgebung Badens. 281

1819 wurden dem Ladendorfer die Parzellennummern

Mitterberg 867-871 zugewiesen. Auf Parzelle 867 errichtete

Theodor Haenlein 1859 ein Haus, mit dem er bereits

1864 Konkurs machte. Erst 1867 fand sich ein Käufer: der

Wiener Bankier Gustav Ritter v. Epstein, der alle Parzellen

der Ried Ladendorfer und den Großteil der Nussbamel-

Weingärten zu einem riesigen Park zusammenfasste und

das erst zehn Jahre alte Haus durch eine prachtvolle Villa

nach Plänen von Otto Wagner ersetzte. Nach dem großen

Börsenkrach 1873 ging auch Epstein pleite, sein Palais

erwarb Erzherzog Rainer - bis heute ist das Gebäude Karlsgasse

2-4 / Rainerweg 1 unter dem Namen Rainervilla

bekannt. 282

Langenweingarten

1367 Langenweingarten

1411 Langenweingarten alias Mensch

1465, 1531 Lanngenbeingarten

1795 - 1880 Langenweingarten

Grundfläche: 24 Tagwerk

Grunddienst: 1 Eimer Most

Die ursprüngliche Ried Langenweingarten lag

zwischen den Weingärten Grub-Nussbamel und Mitterberger.

Den Namen verdankte sie wohl ihrer Streifenform, die

zwar bei den Badener Weingärten die bei weitem vorherrschende

war, aber doch in auffälligem Kontrast zu der sehr

kompakten Gestalt der Nachbarried Grub-Nussbamel

stand.

1367 war der Langenweingarten in zwei Hälften geteilt,

von denen die eine einer Frau gehörte, die ihn dann der

Büßerzeche vermachte (die dann zusätzlich zu ihrem halben

Eimer Grunddienst noch 3 Vogtpfennige entrichten

musste). Wahrscheinlich ist das der Grund, warum dieser

Grundteil im Bergbuch 1411 den alias-Namen Mensch

führt - „das Mensch“ war im alten Baden die Bezeichnung

für eine Dienstbotin. 1447 war dann die Erinnerung an die

50

Stifterin verblasst, es scheint wieder ausschließlich der alte

Name auf. Mit der Krise der katholischen Laienorganisationen

gegen Ende des 15. Jahrhunderts verödete der Weingarten

der ehem. Büßerzeche, im Grundbuch 1571 wird

angemerkt, dass ein Teil des Grundstücks in die Ried

Grub-Nussbamel einbezogen ist. Der steinige Mittelteil des

Langenweingartens musste erst neu gerodet werden und

wurde dann unter dem Namen Kleinhackel als eigener

Weingarten konstituiert, der aber im weiteren Verlauf doch

wieder mit seinem ehemaligen Bestandteil Grub-

Nussbamel zusammengelegt wurde.

1819 bekam der Grundteil, der den alten Namen beibehalten

hatte, die Parzellennummer Mitterberg 701, und der

ehem. „Langenweingarten oder Mensch“, der nun Kleinhackel

oder Grub-Nussbamel hieß, die Nr. 702.

1865 wurde auf den Parzellen 701, 702 und 703 (Grueb-

Nussbamel) ein Steinbruch angelegt (siehe Stichwort

Grueb-Nussbamel). 283

Langtal

1. Das Langtal der Kartause Gaming

1406 in den Langen Tailn, Langentailen, Langentail,

Langtail

1411 Langentail

1465 Langenthal

1531 Lanngentail, Langenthal

1571, 1639 Langenthall

1708 Langenthail

1710 Langtheil

1795 - 1880 Langthal

Die Ried Langtal erstreckt sich vom Schuhreißerweg (Mitterbergstraße)

bergab bis zu einem „unbenutzbaren Steinriegel“

(1819 Parzelle 709), der sie von den Weingärten

Grub-Nussbamel abgrenzte. Sie scheint im Bergbuch 1367

nicht auf, wie schon das Bergbuch 1447 verwundert bemerkt

(Non in libro fundi stat). Erst in den zwischen 1411

und 1531 angelegten Grundbüchern wurde die Ried allmählich

entdeckt, bis schließlich alle zwischen dem Weingarten

Mitterberger und dem Weikersdorfer Langtal gelegenen

Weingärten offiziell zur Kenntnis genommen waren.

Wie es zu diesem ungewöhnlichen Sachverhalt kommen

konnte, ist derzeit nicht nachzuweisen. Vielleicht gehörte

ursprünglich das ganze Langtal zu einem fremden Grundbuch,

das aber die Übersicht über die isoliert gelegene

Ried verlor, so dass sich im Lauf der Zeit die meisten

Weingärten wie selbstverständlich dem in Baden allgegenwärtigen

Bergherrn Gaming zugehörig fühlten.

Der Name Langteil geht auf die für die Kleinteiligkeit des

Mitterbergs ungewöhnliche Länge der Grundstreifen zurück.

Das Kontrastprogramm dazu stellte der benachbarte

Radauer dar, bei dem noch das Protokoll der Bergübergehung

1795 ausdrücklich anmerkte, dass es sich dabei wieder

um eine „kurze Ried“ handle. Der Namensbestandteil

„-teil“ lässt darauf schließen, dass die längeren Parzellen

ursprünglich zu einer größeren Ried gehörten, deren „langen

Teil“ sie darstellten. Wahrscheinlich war das die Ried

Mitterberger, deren Namen 1367 nur mehr zwei Weingärten

führten - da der ganze Weinberg Mitterberg hieß, war

dieser Riedname ja wirklich nicht sehr überzeugend; der

beste Beweis dafür ist, dass 1785 auch die letzten zwei

Mitterberger-Weingärten bereits den Namen Langtal angenommen

hatten. Warum auf einmal Tal? Diese Umdeutung

des zweiten Namensteiles kommt wohl daher, dass die

Weingärten, die so hießen, nicht mehr als Teil einer größe-


en Ried erkennbar waren. Und da die Gründe am Südhang

des Tales lagen, in dessen Sohle die Bergsteiggasse liegt,

war auch diese sekundäre Bezeichnung gar nicht so unpassend.

1819 erhielten die Langtal-Weingärten die Parzellennummern

686 - 700, wobei die Parzellen 697 - 700 auf den

ehemaligen Weingarten Mitterberger zurückgehen. 284 Heute

stehen dort die Häuser Mitterbergstraße 21 - 27,

Dr.Rudolf Klafsky-Straße 36 - 42 und 27 - 33 (= Richard

Genée-Straße 12), Johann Strauß-Gasse 1 - 5 (= Richard

Genée-Straße 2) sowie Richard Genée-Straße 4 - 10.

2. Das Langtal der Herrschaft Weikersdorf

1710 meldet einer der Langtal-Weingärten, dass sein

Nachbar dem „Sauerhofgrundbuch“ dienstbar sei. Bei der

„Bergübergehung“ des Jahres 1795 wurde festgestellt, dass

fünf Weingärten der Ried Langtal, gelegen zwischen dem

Langtal der Kartause Gaming und der Ried Radauer, dem

Grundbuch Weikersdorf untertänig seien. Ein eigenes

Grundbuch des Sauerhofs hat es, soweit bekannt, nie gegeben;

die Meldung könnte sich allenfalls darauf beziehen,

dass die Grundbuchgeschäfte der Grundbücher von

Vestenrohr, Rauhenstein und Weikersdorf eine Zeit lang

im Sauerhof geführt wurden. Wahrscheinlich handelt es

sich um den Weingarten, der im Weikersdorfer Urbar 1586

als ain weingarten zuhochst am Mitterperg bezeichnet ist.

Aus den alten Heiligenkreuzer Grundbüchern geht hervor,

dass dieser Teil der Ried Langtal im 15. Jahrhundert Gruebel

hieß und der Grundherrschaft des Stiftes Heiligenkreuz

unterstand (vgl. Stichwort Gruebel).

Es handelt sich um die heutigen Parzellen Mitterberg 681 -

685. 285

Linslöffel

1367 - 1447 Linsloffel

Grundfläche: unbekannt

Grunddienst: 2 Pfennige

Der originelle Weingartenname ist wohl von einem

frühen Besitzer abgeleitet. Nach dem Pfennigdienst zu

schließen, gehörte er zu den Weingärten, die erst in einer

sekundären Rodungsphase des Mitterbergs in der ersten

Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden. 1367 gehörte er

der Badener Priesterbruderschaft, die sich auch Marienzeche

nannte. Zechweingärten wurden häufig in private Hand

verkauft, wenn eine Neuaussetzung nötig wurde, weil die

Bruderschaften nicht das nötige Kapital für eine solche

Investition hatten. So ging es auch dem Linslöffel, und

damit verlor ihn das Grundbuch aus den Augen, denn er ist

nie wieder erwähnt. 286 Vielleicht wurde er später unter dem

Namen Grundweingarten reaktiviert (siehe dort).

Luegeslandt

1406 Chreuczweingarten

1454 Pörzl vel Lueginlandt

1538 vor das Perzl, aber jetzt der Lueginsslandt

genandt

1543 Creytzweingarten

1582 Luegeslandt

Grundfläche: nicht angegeben

Grunddienst: 10 Pfennige an (Klein-)Mariazell

Das Grundstück lag oberhalb des Weingartens

Gern und neben dem Weingarten Kleinbauer und entspricht

daher der Parzelle, die 1819 die Nummer 730 bekam.

Der Name „Luginsland“, der den älteren Namen

Pörzl ersetzte und so viel wie „Aussichtsstätte“ bedeutet,

51

kommt wohl daher, dass der Weingarten der höchstgelegene

der Kleinmariazeller Grundherrschaft auf dem Mitterberg

war. Die Aussichtsstätte war schon zu Anfang des 15.

Jahrhunderts mit einem Kreuz versehen (das wohl gleichzeitig

die Jurisdiktionsgrenze bezeichnete), denn gelegentlich

wird das Grundstück auch als Kreuzweingarten bezeichnet.

Natürlich dürfen wir uns diesen Luginsland nicht

als Touristenattraktion vorstellen, er diente vielmehr den

Hütern als zentral gelegener Aussichtspunkt für die Überwachung

des Weinberges. Gleich den Weingärten Gern

und Kleinbauer wurde auch der Luegeslandt seit dem 17.

Jahrhundert zur Ried Koller oder Kohlhaufen gezählt. 287

Markhardin

1465, 1531 Marchartin

1581 Markhardin

Da dieser Weingarten als Nachbar der Ried Beindel genannt

ist, kann es sich nur um die spätere Parzelle 597

(Marchetstraße 25 - 29) handeln, die bei ihrer Verbauung

im frühen 19. Jahrhundert Steinweingarten genannt wurde.

Die Bezeichnung klingt nach einem Besitzernamen, doch

lassen uns die Urkunden diesbezüglich völlig im Dunklen.

288

Marschalk

1367, 1406, 1465 Marschalch

1411 Morschalch

1447 Marschalich

1795 - 1880 Marschalk

Grundfläche: 24 Tagwerk, später 16 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Wein

Das Wort Marschalch, von dem der militärische

Dienstgrad eines Feldmarschalls abgeleitet ist, bedeutet

eigentlich „Rossknecht“. Die Benennung des Weingartens

wird wohl nicht von dieser ursprünglichen Bedeutung des

Wortes abgeleitet sein, denn 1367 ist Konrad Perner von

Pernegg, ein Angehöriger des Ritterstandes, als Besitzer

genannt. Er oder einer seiner Vorbesitzer mag das Amt

eines Land- oder Hofmarschalls (richterliche Funktionen)

ausgeübt haben und damit namengebend gewirkt haben.

Der Marschalk lag zwischen den Weingärten Steigen und

Schmiedmeister und stieß oben und unten an zwei Wege

(heute Hochstraße und Gamingerstraße). 1819 erhielten die

(teilweise zu Äckern umgewandelten) Grundteile des

Marschalks die Parzellennummern Mitterberg 540 - 543.

Heute stehen dort die Häuser Hochstraße 35 - 39, Johann

Wagenhofer-Straße 1 - 7 (= Gamingerstraße 30) und Gamingerstraße

28. 289

Matz

Mätzl

1367, 1406 Mecz

1465, 1531 Metz

1640, 1644 Mez

1669 Möz

1795 - 1880 Matz

1465, 1531 Metzl

1571, 1652, 1795 - 1880 Mäzl 290

Grundfläche: 24 Tagwerk

Grunddienst: 1 Eimer Most

Der Matz lag zwischen den Weingärten Weikendorfer

und Glatz, wobei der Glatz so oft öd war, dass stattdessen

oft das Haunoldstal als Nachbar angegeben ist.

Nördlich wurde der Matz vom Gebirgszaun begrenzt, südlich

vom Weingarten Schmiedmeister.


Bei dem Namen Matz handelt es sich mit Sicherheit um

einen alten Besitzernamen. Natürlich denkt man hier in

erster Linie an das ritterliche Geschlecht der Matzen von

Rohr, die von ca. 1254 bis 1311 auf der Veste Rohr residierten,

doch auch der überaus häufige Vorname Mathilde

/ Mechthild wurde gern als „Metze“ oder „Matze“ abgekürzt

- ausdrücklich belegt z.B. für Mechthild von Baden

1308. 291

Der Matz wurde mehrmals geteilt, wobei eines der abgetrennten

Grundstücke seit dem 15. Jahrhundert konsequent

mit der Verkleinerungsform Mätzl bezeichnet wird. Wegen

des felsigen Untergrundes und der Lage am Waldrand war

der Matz ein besonders schwieriger Weingarten. Er schloss

zwei „unbenutzbare Steinriegel“ und eine steinige Parzelle

ein, auf der die Grundherrschaft Gaming erst im 19. Jahrhundert

einen Weingarten anlegte (1819 Parzellen 524,

531, 532). Da das Wasser kaum versickern konnte, war der

Matz für Wasserschäden besonders empfindlich, wie wir

z.B. 1644 erfahren - da musste vorübergehend sogar der

Grunddienst auf die Hälfte herabgesetzt werden, um das

wirtschaftliche Überleben des Besitzers zu sichern. 1819

erhielt der Matz die Parzellennummern Mitterberg 525,

526, 529, 530, der Metzl die Nummern 527, 528 - zum

Großteil wurden diese Flächen inzwischen als Äcker oder

Weiden genützt; daher waren die Mostdienste teilweise

durch Geldabgaben ersetzt (¼ Most = 2 Schillinge oder 15

Kreuzer). Heute liegen dort die Häuser Hochstraße 41a -

47 und das unverbaute Grundstück am linken Ende der

Hochstraße (alle Parz. 528) sowie das Kaiser Franz Josef-

Museum (Hochstraße 51), das außerdem den „unbenützbaren

Steinriegel“ Parzelle 531 verbaut, und der unterhalb

davon gelegene Garten (Parz. 525, 526), auf dem Karl

Calliano 1874 zunächst einen „botanischen Versuchsgarten“

für die Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher

Kenntnisse in Baden angelegt hatte. 292

Mensch s. Langenweingarten

Mitterberg

Weingärten mit wenig spezifischen Eigennamen wie Tachenstein

oder Fliegenhappelberg wurden häufig einfach

Mitterberg genannt - da konnte sich wenigsten jeder etwas

vorstellen, während die anderen Bergnamen nur im engeren

Umkreis bekannt waren. Ein einziger Weingarten führte

den Namen Mitterberg konsequent als offizielle Bezeichnung:

1367 Mitterperger

1411 Mitterperger vel (oder) Langentail

1465 Mitterperg oder Langentail

1640 Mitterberg oder Langenthall

1669 Mitterperg oder Lanngentail

1795 - 1880 Langthall

Grundfläche: 24 Tagwerk, später 16 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most

Der Weingarten, der aus unbekannten Gründen

den wenig aussagekräftigen Namen Mitterberger bis ins

17. Jahrhundert beibehielt, lag zwischen den Weingärten

Langenweingarten und Langtal. Möglicherweise gehörten

auch die Weingärten Langtal ursprünglich zur Ried Mitterberger,

denn deren Name lautet eigentlich Langenteil, so

dass anzunehmen ist, dass sie von einer größeren Einheit

abgetrennt sind. Diese Überlegung klingt auch deshalb

plausibel, weil die Grundfläche unregelmäßig ist, wobei

die Grundstreifen von West nach Ost immer länger wer-

52

den. Dass die Bezeichnung Langtal im Lauf der Zeit auch

auf die verbleibenden Mitterberger-Weingärten ausgedehnt

wurde, ist verständlich, wenn man sich die plumpe Formulierung

„Weingarten Mitterberger am Mitterberg“ vor

Augen hält.

Bei der Neueinteilung der Rieden im Jahre 1785 wurde

eine eigene Ried Mitterberg konstituiert, die 96 Weingärten

in der Talsenke zwischen dem Fliegenhappelberg und

der Wasserscheide zwischen Gamingerstraße und Teufental

(= die „unbenutzbaren Steinriegel“ Parzellen 491 und

497 sowie die Mitterbergstraße) umfasste. Seit 1819 wurden

sämtliche Weingärten des Mitterbergs zu einer einzigen

Ried Mitterberg zusammengefasst; bei dieser Neuorganisation

erhielt der ehem. Weingarten Mitterberg die

Parzellennummern Mitterberg 697 - 700. 293

Mittlere Weingärten

So scheint man um 1800 die alten Kindelboint-

Weingärten genannt zu haben, nachdem dieser Riedname

durch die extreme Ausdehnung der Ried bis auf den Badnerberg

seine geografische Eindeutigkeit verloren hatte.

Die Bezeichnung bezieht sich wohl auf die Erstreckung der

alten Kindelboint von der Grenze der Ortschaft Weikersdorf

bis zur Grenze der Stadt Baden. 294

Münerl

1367, 1411 Minnerl

1406, 1447, 1465, 1531, 1571 Mynnerl

1644 Münnerl

1663 Müerl

1713, 1785 - 1880 Münerl

Grundfläche: 12 + 12 Tagwerk

Grunddienst: 1½ Eimer Most + 1½ Eimer Most,

12 Pfennige und 1 Huhn

Der Weingarten Münerl lag zwischen den Weingärten

Böltz und König, von denen er jeweils durch einen Steinriegel

getrennt war. Oben stieß er an die Weingärten Radauer

und Bauerswegel, unten an die Rieden Greidel und

Schewastel.

Ob der Name des Weingartens von einem Personennamen

wie dem heute noch gebräuchlichen „Minnerl“ abgeleitet

ist oder auf in Baden nachgewiesene Familiennamen wie

Minnimtaw oder Minnensun zurückgeht, 295 lässt sich nicht

mehr feststellen. 296 Die eine Hälfte des Münerl gehörte

1367 dem Siechmeister des Klosters (Klein)Mariazell, d.h.

der Ertrag war der Erhaltung des Klosterspitals gewidmet.

Kurios ist dabei, dass nicht diese, sondern die andere Hälfte

des Weingartens, die in weltlichem Besitz war, ein Vogtrecht

zu bezahlen hatte, wie es sonst bei geistlichen Institutionen

üblich war. Der Verdacht liegt nahe, dass das Klosterspital

ursprünglich den ganzen Weingarten besaß, später

aber eine Hälfte abverkaufte und dem neuen Besitzer

schlauerweise das teure Vogtrecht auferlegte.

1819 erhielt das Münerl die Parzellennummern Mitterberg

655 und 659 - 662. 297 Heute stehen dort die Häuser Mozartstraße

29 - 31 und 30 - 34, Carl Zeller-Weg 2 - 8 und 3

- 5, Johann Strauß-Gasse 8 - 12 und 15 - 17 sowie Mitterbergstraße

9 - 11.

Neureut

1367 Neureut

Grundfläche: unbekannt

Grunddienst: 2 Pfennige

Neureut bedeutet Neurodung. Sowohl dieser Name

als auch der lächerlich geringe Grunddienst lässt er-


kennen, dass der Weingarten eine Randlage hatte und erst

bei einer sekundären Kolonisationsphase des Mitterbergs

(etwa in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts) erschlossen

wurde. Der Weingarten Neureut scheint in keinem der

künftigen Gaminger Grundbücher mehr auf. Dafür gibt es

dort einen Weingarten Ehrenschein, der erst 1417 in Betrieb

genommen wurde und ebenfalls zu 2 Pfennigen

Grunddienst verpflichtet war. Die Tatsache, dass dieser

schon 1406 als zehentpflichtig genannt ist, deutet darauf

hin, dass es sich 1417 um eine Wiederinbetriebnahme

handelte, nicht um eine Neugründung. Wir dürfen also

annehmen, dass der alte Weingarten Neureut verödete und

nach einigen Fehlstarts 1417 unter neuem Namen wiederbelebt

wurde (vgl. Stichwort Ehrenschein).

Niederleiten

1465, 1531 Niderleitten

1468 Niderleitner

Grundfläche: 6 Tagwerk

Grunddienst: 6 Pfennige

Der Weingarten Niederleiten lag zwischen den Weingärten

Hasenöhrl und Eichhorn. Es muss sich daher um den unteren

Westhang des Fliegenhappelberges handeln, etwa im

Bereich der Parzellen Mitterberg 579 - 581. Der kleine

Weingarten wurde wohl als einer der letzten der 1454

gestarteten Kampagne begründet, etwa 1465/1468, gerade

so, dass er nicht mehr in die in diesen Jahren angelegten

Grundbücher kam. Wie die benachbarten Weingärten wurde

er mit dem äußerst geringen Grunddienst von 1 Pfennig

pro Tagwerk belegt und war 1531 bereits wieder verödet.

Erst um 1750 wurde das Gelände unter dem Namen Fliegenhappelberg

neu ausgesetzt. 298

Die ausdrückliche Angabe, dass es sich um die „niedere“,

also untere, Leiten handelte, lässt vermuten, dass es als

Gegenstück auch eine obere Leiten, eine „Hochleiten“ gab,

doch ist dieser hypothetische Name urkundlich nicht belegt.

Als Fläche, für die diese Bezeichnung passen würde,

steht der Hang zur Verfügung, der um 1750 mit den Weingärten

Fliegenhappelberg, Parzellen 571 - 575, verbaut

wurde.

Nussbamel

Den Namen Nussbamel (Dialektform von Nussbäumchen)

führten am Mitterberg zwei Weingärten. Der

eine wurde durch eine charakteristische Felsformation

namens Erkel (= Erker) überragt, der andere war der

Nachbar eines Weingartens namens Posch (Busch, Gebüsch),

der dadurch auffiel, dass er sowohl der Kartause

Gaming als auch der Herrschaft Rauheneck unterstand.

Das „Nussbamel bei dem Erkel“ ist seit seinem ersten

Auftauchen im Gaminger Bergbuch mit dem Weingarten

Grueb verbunden und wird unter diesem Stichwort behandelt;

das „Nussbamel bei dem Poschen“ soll hier besprochen

werden.

1357 Nuspoumel zenahest dem Poschen

1367 pei dem Poschen vel (oder) Nuzzpeumel

1411 Nuzpäwmel zunachs dem Poschen

1428 Nuspeml

1435 Nuzzpemell

1465 Nuspewmerl, Nuspäwml zenägst dem

Poschen

1468 Nuspäml zenagst dem Poschen

1515 auff dem Nuspemlein, Nuspewml bey dem

Poschen, Obernuspewml unter dem Leyttlen

1531 Nuspawmel, Obern Pewmbl untter dem

53

Leyttlein

1733 Oberwolffstainer

1795 - 1880 Nußbamel

Grundfläche: 12 Tagwerk

Grunddienst: ½ Eimer Most und 3 Pfennige

Der Weingarten Nussbamel lag zwischen der unbebauten

Höhe des Tachensteins und dem Rainerweg;

oben stieß er an den Weingarten Zehetner, unten an den

Ladendorfer. An der Westseite wurde das Nussbamel von

einer markanten Kuppe des Tachensteins überragt, die als

Unterscheidungsmerkmal zu einer zweiten Ried desselben

Namens diente. Diese Kuppe war vermutlich mit wildem

Gestrüpp bewachsen und hieß deshalb „Posch“ (= Busch).

Es gab auch einen Weingarten Posch, der eine Zeit lang

vom Nussbamel als Nachbargrundstück angegeben, aber

schließlich verschluckt wurde.

Der Grunddienst des 1367 genannten Nussbamels sieht so

aus, als wäre er die Hälfte eines Grunddienstes von 1 Eimer

Most und 6 Pfennigen, wie er bei den Weingärten des

Mitterbergs häufig anzutreffen ist. Damit hätten wir ein

„Ur-Nussbamel“ mit dem am Mitterberg vorherrschenden

Flächeninhalt von 24 Tagwerk. Tatsächlich kennen die

Grundbücher des Stiftes Heiligenkreuz, das seit vor 1215

Besitzer des Weingartens war, neben dem in den Gaminger

Aufzeichnungen genannten Nussbamel noch ein „Obernussbamel“,

das an die Kartause genau den gesuchten

Grunddienst von ½ Eimer Most und 3 Pfennigen zu entrichten

hatte!

Während die von den Gamingern in Evidenz gehaltene

Hälfte zehentfrei war, musste die nur mehr den Heiligenkreuzern

bekannte sehr wohl den Zehent abliefern. Das

erklärt, wie es zu der Diskrepanz zwischen den Grundbüchern

gekommen war: Irgendwann vor 1367 hatte Heiligenkreuz

die Hälfte des Weingartens abverkauft, was den

Verlust der Zehentfreiheit zur Folge hatte. Diesen Verkauf

hatte Gaming übersehen, so dass nun nur mehr die zehentfreie

Hälfte im Grundbuch stand.

Aber auch Heiligenkreuz hatte etwas übersehen. Irgendein

früherer Besitzer oder Pächter eines Teiles des Nussbamels

hatte sich verpflichtet, dem Kloster jährlich 1 Pfund Wachs

zu stiften. Dieser Dienst war abgekommen (entweder regulär

durch Ablöse oder irregulär durch Vernachlässigung),

doch bei der Überprüfung alter Aufzeichnungen anlässlich

der Anlage eines neuen Dienstbuchs im Jahre 1515 hatte

ein aufmerksamer Beamter diese Verpflichtung wiederentdeckt

und ins Dienstbuch eingetragen - sie blieb aber uneinbringlich.

Die Heiligenkreuzer Hälfte des Nussbamel war im 15.

Jahrhundert um den Grunddienst + 28 Pfennige verpachtet;

im 16. Jahrhundert wurde sie gegen eine Pacht von 1 Gulden

jährlich zu Leibgedinge (unkündbare Pacht auf Lebenszeit)

vergeben. Und als das Stift den Weingarten vor

1597 an den langjährigen Pächter verkaufte, musste sich

dieser verpflichten, weiterhin einen jährlichen „Freidienst“

von 1 Gulden an Heiligenkreuz zu entrichten, denn nach

dem I. Türkenkrieg war die Zehentfreiheit fester Bestandteil

der noch damit ausgestatteten Weingärten geworden

und ging auch bei Besitzwechsel nicht verloren - dieses

wertvolle Privileg ließ sich Heiligenkreuz entsprechend

honorieren. In der Folge nannten die Heiligenkreuzer das

Nussbamel wegen der leichten Verwechselbarkeit mit der

in der Nähe gelegenen Ried Grueb/Nussbamel gern

„Oberwolfsteiner“. 299


1819 erhielten die verbliebenen Teile des Nussbamel die

Parzellennummern Mitterberg 863 - 866. Einige unzusammenhängende

Flächen rund um den „Poschen“, die erst im

18. Jahrhundert urbar gemacht und der Ried Nussbamel

zugezählt wurden, bekamen die Nummern 849, 851, 859-

862. Ein Großteil dieser Gründe wurde 1869 zum Park des

Wiener Bankiers Gustav Ritter von Epstein zusammengefasst

(heute Rainervilla, oberhalb von Karlsgasse 2-4), auf

einer der Parzellen wurde das Haus Heinrich Strecker-

Gasse 26 errichtet. Mitten durch die Ried wurde 1871 die

Trasse der Wiener Wasserleitung geführt. 300

Oberried

Unter diesem Namen fasste die Verwaltung des

Badener Mariazellerhofs den ihrer Grundherrschaft unterstellten

Teil der Ried Kohlhaufen/Koller zusammen (siehe

dort).

Oberwolfsteiner siehe Nussbamel

Perner siehe Steigen 3 und 4

Plamstingler siehe Plonkler

Plonkler

1367 Plonikler

1411 Plamstingler, Plonkler

1447 Plamstingler oder Pluemker

1640, 1669 Blumstingel

Grundfläche: unbekannt

Grunddienst: 3 Pfennige

Schon der niedrige Grunddienst lässt erkennen,

dass es sich um einen kleinen, schäbigen Weingarten handelte,

dem man keine großen Erträge zutraute. Nach dem

Pfennigdienst zu schließen, gehörte der Plonkler zu den

Weingärten, die erst in einer sekundären Rodungsphase des

Mitterbergs in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden.

Bereits 1447 war er verödet, aber noch bis 1669

wird er als Nachbar des Weingartens Braun genannt - von

diesem wurde er letzten Endes verschluckt, was aus einer

plötzlichen Vergrößerung von dessen Fläche im Jahre 1697

abzulesen ist.

Bei dem Namen Plonkler dürfte es sich um einen alten

Besitzernamen handeln, Mitglieder einer Familie Plonkler

in Weikersdorf sind noch im frühen 15. Jahrhundert genannt.

Andererseits war diese kleine Hauerfamilie anscheinend

nicht genügend bekannt, über Verballhornungen wie

Pluemker mögen dann Deutungen wie Blumstingel entstanden

sein - wohl in Anlehnung an die große Ried am

Badnerberg, die diesen Namen seit jeher führte.

Da als Nachbar des Weingartens Braun gelegentlich auch

ein Weingarten Steingrub angegeben wird, ist anzunehmen,

dass dies der ursprüngliche Name des kleinen Weingartens

war, bevor ihn Familie Plonkler in ihren Besitz brachte. 301

Pluemker s. Plonkler

Popp

1367 - 1880 Popp

Grundfläche: 12 + 24 Tagwerk (später 7 + 16 Pfund)

Grunddienst: ½ Eimer Most + ¾ Eimer Most

Der Popp lag zwischen den Weingärten Brenner/Kleinhäckl

einerseits und Preydel/Weikersdorfer andererseits.

Nördlich stieß er an den Gebirgszaun, südlich an

die Weingärten Brunspeck. Der Name ist wohl von dem

einst häufigen Personennamen Poppo abgeleitet, doch ist

54

keine Badener Persönlichkeit dieses Namens bekannt, der

der Besitz eventuell zuzuweisen wäre.

Der Popp zerfiel früh in eine große Zahl von Kleinparzellen,

die meist in Äcker und Obstgärten umgewandelt wurden.

In einem Fall wurde der Grunddienst von ¼ Eimer

Most auf eine Geldabgabe von 20 Kreuzern „reduziert“.

1819 wurde der Popp mit den Parzellennummern Mitterberg

493 und 501 - 508 versehen. 302 Heute entspricht das

den Adressen Johann Wagenhofer-Straße 13 - 23 und 18 -

28 sowie Dr.Rudolf Klafsky-Gasse 12 - 16.

Pörzl

1454 Pörzl vel Lueginlandt

Der bisher unerklärte Name Pörzl war die älteste Bezeichnung

für die Parzelle Mitterberg 730. Als dort spätestens

zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine Aussichtsstelle mit

Kreuz entstand, wurde der alte Weingartenname durch die

Bezeichnungen Luegeslandt oder Kreuzweingarten ersetzt.

Posch

1309 Pusch

1406, 1449 Posch

Grundfläche: unbekannt

Grunddienst: 1 Eimer Most an den Landesfürsten bzw. Gaming

+ 1 Eimer an die Herrschaft Rauheneck

Der Weingarten Posch, d.h. Busch, Gebüsch, hatte einen

ganz besonderen Rechtsstatus. An sich hatten ihn die Tursen

von Rauheneck vom Landesfürsten zu Lehen und

mussten dafür einen Grunddienst von 1 Eimer Most jährlich

abliefern. Doch irgendwann hatten ihn die Tursen

ihrerseits den Herren von Weikersdorf zu Lehen gegeben

und verlangten dafür ebenfalls einen 1 Eimer Most jährlich,

so dass nun insgesamt 2 Eimer pro Jahr fällig waren!

Über verschiedene kleine Ritterfamilien (z.B. 1406 Hans

Frel, Besitzer des späteren Sauerhofs) kam das Grundstück

vor 1449 an das Badener Augustinerkloster. 303

Über das spätere Schicksal des Weingartens sind wir nicht

informiert. Sowohl die Augustiner als auch das Rauhenecker

Urbar scheinen ihn aus den Augen verloren zu haben.

Entweder gehörte er zu den Ödflächen des Tachensteins,

die erst im 18. Jahrhundert oder gar nicht mehr für den

Weinbau genützt wurden, oder er wurde von einem der

Nachbargrundstücke verschluckt. Bis ca. 1880 nannte sich

der Nachbarweingarten „Nussbamel an dem Poschen“ -

vielleicht wäre es zutreffender gewesen zu sagen „Nussbamel

inklusive Poschen“!

Prenner s. Steigen 4

Preydel s. Breidl, Greidel, Weikersdorfer

Radauer

1294, 1357 Radauner

1367, 1465, 1515, 1531 Radawner

1388 Raddawner

1571 Radawer

1630 Rottauer

1633 Ratauner

1669 Raudauer, Radauer

1690 Ratawer

1694, 1715 Rathawer, Rathauer

1708 Radauner, Radauer

1795 - 1880 Radauer

Grundfläche: 48 Tagwerk

Grunddienst: 2 Eimer Most und 12 Pfennige


Der Radauer lag zwischen den Weingärten Langenteil

und Bauerswegel, oben stieß er an den Schuhreißerweg

(Mitterbergstraße), unten an einen großen Steinriegel

und den Weingarten Münerl.

Der Radauer gehörte zu den zehentfreien Weingärten des

Stiftes Heiligenkreuz und war wohl, wie der Name erahnen

lässt, von den Herren von Rodaun an das Kloster gekommen

- bereits 1232 scheint in den dortigen Urkunden ein

Ulrich von Radaun (!) auf, der zum Gefolge Herzog Heinrichs

von Mödling gehörte. 304 Da in späteren Jahrhunderten

der Zusammenhang mit Rodaun nicht mehr erkannt wurde,

wurde der Riedname den wesentlich häufigeren Ortsnamen

auf -au angeglichen. Von Seiten des Stiftes wird der Flächeninhalt

des Weingartens mit 8 Vierteln angegeben, die

im 15. Jahrhundert an „Halbbauer“, um 1500 als Leibgedinge

(für je 60 Pfennige jährlich) vergeben waren. Nach

dem Türkenkrieg 1529/1532 wurde der Radauer in zahlreiche

kleine Parzellen geteilt und verkauft. 305 Zählt man die

bei diesem Anlass angegebenen Flächen zusammen, so

kommt man auf insgesamt 58 Tagwerk - statt der im Gaminger

Bergbuch vermerkten 48!

1819 wurden der Ried Radauer die Parzellennummern 653,

654 und 665 - 680 zugeteilt. In den 1820er-Jahren wurden

einige dieser Parzellen durch Einbeziehung der angrenzenden

Steinriegel vergrößert - zum Steinbrechen und nachheriger

Beuhrbarung, wie wir 1822 erfahren: Parzelle 676

erhielt 1828 20 Quadratklafter eines öden Steinriegels, die

Parzellen 678 - 680 bekamen 1822 die oberhalb gelegene

„öde Gstätten“ im Ausmaß von 50 Quadratklaftern dazu,

die Parzellen 665 und 666 wurden 1829 um 180 Quadratklafter

eines öden Steinriegels mit eigener Parzellennummer

652b erweitert, für die ein Grunddienst von 10 Kreuzern

jährlich vereinbart wurde. 306 Heute stehen dort die

Häuser Mitterbergstraße 15 - 19, Dr.Rudolf Klafsky-Straße

17 - 25 und 24 - 34 sowie Johann Strauß-Gasse 7 - 13.

Rüssel

1367, 1465, 1531 Rustel

1406 Rustel, Rüstel

1571, 1640, 1691 Rüsstl, Rüstl

1638 Ristl

1650 Rästl

1711 Rüssel

1784 Ristl

1795 - 1880 Rüssel

Grundfläche: 16 + 12 Tagwerk

Grunddienst: 1 Eimer + ¾ Eimer Most

Der größere Rüssel-Weingarten lag zwischen den

Weingärten Brunspeck und Topler/Steiger; mit den

Schmalseiten stieß er westlich an einen „unbenutzbaren

Steinriegel“ (Parz. Mitterberg 497) und östlich an einen

Fahrweg (heute Gamingerstraße). Der kleinere Rüssel lag

quer zu seinem Namensvetter an der Gamingerstraße und

wurde nach oben vom Weikendorfer, nach links vom

Brunspeck begrenzt.

Da ein Familienname Rustl o.ä. im alten Baden nicht belegt

ist, ist der Weingartenname wohl von der Rüster oder

Ulme (so der aus dem Lateinischen übernommene Name)

abgeleitet. Auf Mittelhochdeutsch hieß dieser typische

Straßenbaum „rust“ - am Rande der Gamingerstraße bzw.

ihres Vorgängers mag ein charakteristischer Einzelbaum

oder eine Baumgruppe aufgefallen sein und dem Weingarten

den Namen gegeben haben.

55

Wie bei allen unverständlich gewordenen Wörtern begann

die Lautgestalt zu schwanken und man suchte unwillkürlich

neue Deutungen. Schließlich setzte sich die Form Rüssel

durch, die gut zur langgestreckten Streifenform des Weingartens

passte. Diese Form hatte er zwar mit fast allen

Weingärten Badens gemeinsam, aber immerhin konnte

man sich etwas vorstellen.

1819 erhielten die Rüssel-Weingärten die Parzellennummern

Mitterberg 551 - 557 bzw. 515 - 516. Heute stehen

dort die Häuser Gamingerstraße 5a - 9a (= Dr.Rudolf

Klafsky-Straße 1), Klafsky-Straße 3 und Kartäuserweg 1 -

5. 307

Saustallen

1785 Saustallen

1796 Saustall-Weingärten

Bei der Anlage des josefinischen Steuerkatasters im Jahre

1785 wurde am Mitterberg eine neue Großried Saustallen

geschaffen. Sie umfasste 61 Weingärten und war im Osten

von der Talsenke des Teufentals und seiner Fortsetzung

durch die Weingärten begrenzt und im Süden durch die

Bergsteiggasse; im Westen und Norden reichte sie bis zum

Gebirgszaun. Wie die Ried zu ihrem anzüglichen Namen

kam, erklärt der Steuerkataster an Hand des Grundstückes

Nr. 1174: Ein Platzel mit Gesträuch gegen dem Schlößel

abwerts, unterhalb ein Steinfölsen, worin eine Hölle gebrochen,

von der die Rieth Saustall den Nammen hat.

Dieses Platzl mit seinem Felsen und der künstlichen oder

künstlich erweiterten Höhle ist in Kolbes Jurisdiktionsplan

1796 in der südwestlichen Ecke der „Saustall-Weingärten“

mit dem Vermerk „Hohler Stein“ angedeutet. Demnach ist

es wohl in dem öden Gelände unterhalb des Steinbruchs,

der 1819 die Parzellennummer 851 erhielt, zu suchen.

Tatsächlich bietet sich von dort ein Blick zum Schloss

Weikersdorf, das man damals ganz allgemein „das

Schlössl“ oder „Gschlössl“ nannte. Die genaue Lage der

Höhle ist mit den beiläufigen Angaben des Grundbuchs

und den skizzenhaft angedeuteten Geländeformationen des

Jurisdiktionsplans nicht festzustellen, doch da in der Gegend

sonst keine Höhlen bekannt sind, handelt es sich mit

großer Wahrscheinlichkeit um die Halbhöhle, die heute

unter dem Namen „Obere Alexandrowitsch-Höhle“ registriert

ist (Nö. Höhlenkataster 1912/44).

Die Ried Saustallen sollte sich als kurzlebig erweisen, denn

schon bei der Anlage des nächsten Steuerkatasters 1819

wurden alle Rieden des Mitterbergs zu einer einzigen Ried

zusammengefasst, die ebenfalls Mitterberg hieß. 308

Scheiben

Scheiben war ein beliebter Name für Weingärten,

die an der Innen- oder Außenseite von Kurven lagen, was

z.B. am Badnerberg an der Kurve der Schiestlstraße sehr

schön nachweisbar ist. Auch am Mitterberg führten einige

Weingärten zeitweise diesen Namen. Da ist zunächst der

Weingarten zu nennen, der eigentlich Schober hieß, aber

wegen seiner Lage gelegentlich auch Scheiben genannt

wurde; aber auch im Haunoldstal (Putschanerlucken) führten

mindestens zwei Weingärten diesen Namen.

1. Die Scheiben „bei der Krumpen“

1434 Scheiben

1531 Scheibm

Grundfläche: 6 + 8 Tagwerk

Grunddienst: ¼ (später 1/8) + 1/8 Eimer


1434 begann der Müller der Weikersdorfer

Schlossmühle, einen bisher öden Grund „bei der Krumpen“

zu bebauen, der künftig Scheiben genannt wurde. Krump

ist der Name der nördlich des Weingartens Schober gelegenen

Ried, und dass der Schober wegen seiner Kurvenlage

gelegentlich auch Scheiben genannt wurde, haben wir

schon gehört. 1465 erfahren wir, dass die Scheiben zwischen

zwei Weingärten Grueb lag. Es scheint ein elendes

Gelände gewesen zu sein, denn 1454 war es schon wieder

öd und erhielt zur Rekultivierung sechs Freijahre, in denen

keine Abgaben zu bezahlen waren. Nach dem I. Türkenkrieg

erholte sich die Scheiben (trotz eines neuerlichen

Anlaufs 1571 - 1574) nicht mehr - wie unsicher man sich

sogar bei der Lokalisierung war, zeigt die falsche Angabe

im Haunolcztal für eine der beiden Hälften. Das 1669

angelegte Grundbuch vermerkt nur mehr lakonisch: „0“ (=

null)! Wahrscheinlich handelt es sich um den ziemlich

großen „unbenutzbaren Grund“, der 1819 die Parzellennummer

Mitterberg 708 bekam: Er liegt an der Außenseite

der Kurve des Schober-Weingartens, ragt zwischen die

Weingärten Grueb-Nussbamel hinein und ist nur durch

eine Parzelle von der Ried Krumpen getrennt, so dass er

alle im Lauf der Jahrhunderte angesammelten Angaben zur

Lokalisierung erfüllt. 309

2. Die Scheiben im Haunoldstal

1465 Scheiben

1531 Scheibm, Scheybm

Grundfläche: 6 Tagwerk

Grunddienst: 6 Pfennige

Diese Scheiben lag zwischen den Weingärten

Wölfl und Wiegen und gehörte zu einer Reihe von Weingärten

am Fliegenhappelberg, die 1454 angelegt wurden

und zum ganz überwiegenden Teil in den Ungarnkriegen

der 1470er- und 1480er-Jahre wieder eingingen. Der Name

kann sich nur auf die Lage an einer der zahlreichen kleinen

Kuppen des Fliegenhappelbergs beziehen.

Die Scheiben entrichtete 1488 zum letzten Mal einen

Grunddienst, dann wurde das Gelände erst ca. 1750 unter

dem Namen Fliegenhappelberg erneut kultiviert. 310

Schewastel

1367 Schatpeuzzel

1406 Schapoßlein

1411 Schappäwzzl

1447 Schapewssel

1467 Schawbpöschl

1468 Schawpewssel

1531 Schewpewssel

1543 Schäbpässl

1571 Schoppäsl, Schöpassl

1637 Schäppäßl

1640, 1661, 1694 Schapäß(e)l

1648 Schäppössel

1669 Schäpätzl, Scheupeusl

1709 Schallpäßl, Schäppäßl

1785 - 1880 Schewastel

Grundfläche: 12 Tagwerk

Grunddienst: ½ Eimer Most

Der Weingarten Schewastel lag zwischen den

Weingärten Greidel und König, stieß oben an den Münerl

und unten auf den „unbenutzbaren Steinriegel“ (1819 Parz.

623), auf dem später die Schubertstraße angelegt wurde.

Mit dem Namen der kleinen Ried gab es von Anfang an

Schwierigkeiten. Er ist sichtlich von französisch „chapeau“

56

(sprich: Schappó, damals noch Schappáu) = Hut abgeleitet.

Der Weingarten ist also wohl nach einem frühen Besitzer,

der beruflich Kopfbedeckungen herstellte, so benannt.

Wegen seiner geringen Größe wählte man die Verkleinerungsform,

die nach den Regeln der deutschen Sprache

damals so ähnlich wie „Schappäussel“ klang. Nun konnte

aber auch damals nicht jeder französisch und so interpretierte

man in den ersten Teil des Wortes das Wort schate =

Schatten hinein, nach deutschen Wörtern wie schatehuot =

Sonnenhut (eigentlich: Schattenhut). So lautet die erste

schriftlich fixierte Form des Namens. Als das „chapeau“

aus der Mode gekommen war und das Wort daher nicht

mehr verstanden wurde, versuchte man nur mehr, den Namen

halbwegs nach seinem traditionellen Klang zu schreiben

- was dabei herauskam, ist in obiger Liste zu sehen. Im

18. Jahrhundert erfolgte die etwas gewaltsame Umdeutung

zu Schewastel, bei der vielleicht die Dialektform des Wortes

„schön“ und der Vorname Wastel (für Sebastian) Pate

standen, etwa im Sinn von: „Was kann der Wastel denn

dafür, dass er so schön ist ...“

1819 wurden dem Schewastel die Parzellennummern Mitterberg

656 und 657 zugeteilt, 1871 musste er einige

Grundteile zur Erbauung der Wiener Hochquellenwasserleitung

abtreten. Auf Parzelle 657 steht heute das Haus

Schubertstraße 24. 311

Schmiedmeister

1273, 1294 Viertail

1428 Schmidmaister

1435, 1465, 1508 Smidmaister

1515 Schmitmaester

1536 Schmidtmaister

1606 Schmidtstetter (wohl ein Schreib- oder

Hörfehler!)

ca. 1800 - ca. 1880 Schmidmeister (oder Mitter-

bergern, genannt in Mitterbergern)

Grundfläche: 1508 16 Tagwerk, 1795 14 Pfund

Grunddienst: 1435 3 Schillinge an das Stift Heiligenkreuz,

1515 3 Schillinge und 2 Pfennige,

nach 1529 (?) 4 Schillinge

Viertail = Viertel hieß ein Weingarten des Stiftes Heiligenkreuz,

der in einer Urkunde von 1273 und in einem

1294 entstandenen Urbar genannt ist. Der Name bezeichnete

eine Flächeneinheit, die in Baden ein halbes Joch oder

12 Tagwerk umfasste. Diese Benennung ist wohl so zu

erklären, dass das Stift einen solchen Weingarten als klein

empfand - es war „ganze“ Weingärten von 48 Tagwerk

gewöhnt! Es ist durchaus wahrscheinlich, dass der Weingarten

Viertail mit der späteren Ried Schmiedmeister

gleichzusetzen ist.

Über den Weingarten Schmiedmeister meldet das Heiligenkreuzer

Grundbuch stolz: Nihil servit alienis nec decimat

- dient keinen fremden (Herrschaften) und entrichtet

keinen Zehent. Beide Freiheiten deuten auf sehr frühe

Schenkung an das Stift (spätestens ca. 1150) - in Frage

käme etwa die Schenkung eines Weingartens durch Leopold

von Vitegeysdorf, der irgendwann zwischen 1166 und

1187 von einem Speer getroffen und im Klosterspital gesundgepflegt

worden war (dieser müsste den Weingärten

einige Jahre zuvor vom Landesfürsten bekommen haben,

vgl. Textteil, Abschnitt Bergherrschaft / Heiligenkreuz).

Der Schmiedmeister lag auf einer Terrasse oberhalb des

Weingartens Marschalk, zu dem eine Mauer hinunterging.

Oben stieß er an den Weingarten Matz, mit den Schmalsei-


ten an zwei Wege (heute Hochstraße und Gamingerstraße).

Der späte Namenszusatz „Mitterbergern“ bezieht sich auf

die 1785 eingerichtete Großried dieses Namens, die alle

Weingärten des Fliegenhappelbergs und der Talsenke der

Gamingerstraße umfasste. 1819 erhielt der Schmiedmeister

die Parzellennummern Mitterberg 537 - 539. Heute stehen

dort die Häuser Hochstraße 41 (= Johann Wagenhofer-Str.

2), Wagenhofer-Str. 4 - 8 und Gamingerstraße 32 - 34. 312

Schober

1367 Schober

1406 Schoberl

1465 Schober, Schöber

1531 Schober, Scheiben

1795 - 1880 Schober

Grundfläche: 24 Tagwerk, später 16 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most

Schober ist als Bergname gar nicht so selten; auch

in der Nähe von Heiligenkreuz gibt es einen Schoberberg,

um nur ein Beispiel aus der näheren Umgebung zu nennen.

Wahrscheinlich kommt der Name von der steinigen Erhebung,

die den westlichen Teil des Weingartens bildet

(1819 Parzellennummer Mitterberg 803), doch ist auch die

Herleitung von einem Personennamen nicht auszuschließen.

Der Schober grenzte nördlich an die Rieden Krump und

Grueb-Nussbamel, südlich an den Weingarten Zehentner.

Von Anfang an wurde der Name Schober immer wieder als

„Scheiben“ missverstanden - so pflegte man Weingärten zu

benennen, die in einer Kurve lagen. Eine Zeit lang wurde

der Schober-Weingarten sogar als eigener Weingarten

Scheiben geführt (vgl. Stichwort Scheiben). Auch diese

Bezeichnung passt außerordentlich gut, wird doch der

Schober im Westen und Norden von einer tiefen Felsrinne

umrundet, die sich dann in der Bergsteiggasse fortsetzt,

und im Osten vom Rainerweg - insgesamt mehr als ein

Halbkreis!

1819 erhielt der Schober die Parzellennummern Mitterberg

803 und 804. Heute liegen dort die Häuser Rainerweg 21 -

31 (= Bergsteigg. 29), Bergsteiggasse 31 sowie die unverbaute

Fortsetzung der linken Seite der Bergsteiggasse. 313

Schwarzger

1367 Swerczer

1465 Swärtzer

1468 Schwartzer

1468, 1531 Swertzer

1630 Schwertzer

1640 Schwärzler

1795 Schwarzker, Zwarzker

1795 - 1880 Schwarzger

Grundfläche: 12 Tagwerk, später 6 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most

Der Weingarten Schwarzger lag mit der westlichsten

Parzelle des Weingartens Hotschler und dem Weingarten

Dreifuß auf einer Terrasse, die durch eine Mauer über

den Schuhreißerweg erhoben war. Er bildete ein rechtwinkliges

Dreieck, dessen Fläche von der Natur vorgegeben

war. Die beiden kürzeren Seiten wurden von einem

„unbenutzbaren Steinriegel“ festgelegt (1819 Parzelle

451), die längere Seite bildete der Schuhreißergraben (verlängerte

Mitterbergstraße). Mit der Spitze ging der

Schwarzger, wie die Grundbücher ausdrücklich festhalten,

„am Berg neben des Wegs“ - damit war der Weg gemeint,

57

der außerhalb des Weinbergs durch den Rauhensteiner

Wald den Berg hinauf ging und, wie das Teufental, in den

Siegenfelder- und Gaadnerweg mündete.

Die älteste überlieferte Namensform Schwärzer ist wohl

von einem Personennamen abgeleitet - ob dieser vom

dunklen Teint seines Trägers oder von dem alten Wort

Schwärzer = Schmuggler abgeleitet ist, wissen wir nicht.

Seit 1795 heißt der Weingarten in den Grundbüchern auf

einmal Schwarzger. Das ist wohl eine Angleichung an den

gleichfalls der Kartause Gaming unterstehenden Pfaffstättner

Weingarten, der schon 1310 Swerze Ger, d.h. Schwarzer

Speer oder Schwarze Spitze, hieß. 314

Die Lage des Weingartens war ungünstig und der jährliche

Grunddienst von 1 Eimer war sehr optimistisch angesetzt.

Die Gaminger mussten ihn immer wieder stark reduzieren,

um einen wirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen: Seit

dem 16. Jahrhundert wurden nie mehr als 1/8 bis höchstens

½ Eimer Most verlangt!

Die von der Natur festgelegten Grenzen verhinderten beim

Schwarzger Zerstückelungen und Neuzusammenlegungen

und die damit verbundenen Namensänderungen, wie sie bei

den Nachbargrundstücken immer wieder vorkamen. Die

beiden Weingärten, die 1819 die Parzellennummern 449

und 450 bekamen, sind daher mit Sicherheit dasselbe

Grundstück, das 1367 erstmals als Swerczer bezeichnet

ist. 315

Seiler

1367, 1465, 1531 Sewler

1411 Säwler

1531, 1571 Sayller

1637 Sailer

1706, 1795 - 1880 Sailler

Grundfläche: 24 Tagwerk

Grunddienst: 1 Eimer Most

Der Weingarten Seiler lag ursprünglich an der

Marchetstraße, zwischen dem Gaminger Weingarten Vielreich

und dem Mariazeller Weingarten Gern, der auch

„unter der Hutsäul“ genannt wurde. Das erklärt den Namen

Seiler: Es handelte sich zunächst um gar keinen richtigen

Weingartennamen, sondern nur um eine ungefähre Ortsangabe,

denn zwei Weingärten weiter, an der Kreuzung Marchetstraße

- Kornhäuslgasse - Rainerweg, stand die Hutsäule

des Mitterbergs. Die Deutung nach dem Beruf des Seilers

kam erst später auf, als die Hutsäule längst außer

Gebrauch und vergessen war.

Nach den Verwüstungen des I. Türkenkriegs gab

es im Grundbuch Unklarheiten bei den Benennungen der

Rieden, die dazu führten, dass der bisherige Seiler plötzlich

Kohlhaufen hieß (1819 Parzellennummern Mitterberg

751 - 755), während der Name Seiler auf den übernächsten

Weingarten überging, der früher Ayrer geheißen hatte

(1819 Parzelle 616); wieder das nächste Grundstück, das

ursprünglich ebenfalls zum Ayrer gehört hatte, wurde je

nach Laune bald Kohlhaufen, bald Seiler genannt (Parzellen

617-619). Details und heutige Verbauung der unübersichtlichen

Gegend sind unter dem Stichwort Kohlhaufen

ausführlich besprochen. 316

Specht

1367 - 1880 Specht

1406 der Spechten

Grundfläche: 24 Tagwerk, später 14 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most


Der Weingarten Specht lag zwischen dem Schuhreißerweg

(Mitterbergstraße) und dem Weingarten Steigen

/ Perner. Da ein Familienname Specht im alten Baden nicht

belegt ist, wird die Benennung eher nach dem Vogel erfolgt

sein - vielleicht ließ er in dem landwirtschaftlich nicht

genützten Gelände des Fliegenhappelberges, an das der

Weingarten südöstlich stieß, sein Klopfen hören. Im Übrigen

gehörte der Specht zur Gründungsausstattung des

Badener Bürgerspitals und wurde daher gelegentlich auch

Spitalweingarten genannt.

1819 erhielt der Specht die Parzellennummern Mitterberg

567 und 568. Heute stehen dort die Häuser Mitterbergstraße

2 - 6 sowie Hochstraße 5. 317

Spitallern

Teile des ursprünglich dem Stift Heiligenkreuz

gehörigen zehentfreien Weingartens Grueb/Nussbamel

wurden 1581 Spitallern genannt. 318 Dieser Name erinnert

auf den ersten Blick an das 1542 begründete Badener Bürgerspital,

doch gehörte dieser Institution zu keinem Zeitpunkt

irgendeine Parzelle der Ried Grueb/Nussbamel.

Vielleicht war der erste Besitzer nach dem Verkauf durch

Heiligenkreuz Spitalmeister des Bürgerspitals, so dass der

Melker Freischreiber irrtümlich glaubte, es handle sich um

Spitalweingärten.

Spitalweingarten s. Specht

Springenstein

1636 Springenstain

Grundfläche: 2 Tagwerk, später 2 Pfund

Grunddienst: 4 „achterin“ Most

1615 führt das Gaminger Grundbuch erstmals ein

unbenanntes, dem Weingarten Kreiden benachbartes

Grundstück an, auf das die obigen Angaben passen. 1636

ergab eine genaue Untersuchung der Gegend, dass der

Weingarten (wohl nach einem früheren Besitzer) Springenstein

hieß und derzeit denselben Besitzer hatte wie der

Weingarten Kreiden. So wurden die beiden Grundstücke

unter dem Namen Kreiden zusammengelegt (vgl. Stichwort

Kreiden). Der ehem. Weingarten Springenstein ist also

heute Teil der Alexandrowitsch-Anlagen (Parzelle Mitterberg

854). 319

Steigen

1367 auf den Steygen

1406 auf dem Steig

1465 Steig, auf den Steygen

1531 Stög, auf den Steygen

1542 Steg

1795 Steigen

Fünf Weingärten am Mitterberg führten den Namen Steigen.

In allen Fällen kommt der Name daher, dass sich die

Grundstücke zwischen zwei Wegen erstreckten, die höher

gelegenen zwischen der heutigen Hochstraße und der Gamingerstraße,

die unteren zwischen der Gamingerstraße

und der Mitterbergstraße.

1. Die oberen Steigen

Grundfläche: 24 Tagwerk, später 16 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most

Das Grundstück, das zwischen den Weingärten Marschalk

und Steigen/Ger lag, wurde in vier Parzellen aufgeteilt, die

1819 die Nummern Mitterberg 544 - 547 erhielten und als

Äcker genützt wurden. Aber nur in einem Fall wurde der

Grunddienst von nunmehr ¼ Eimer Most im Lauf des 18.

58

Jahrhunderts durch eine Geldsumme von 15 Kreuzern

ersetzt - die anderen mussten den Dienstmost entweder aus

anderen Weingärten nehmen oder zukaufen. 320 Heute stehen

dort die Häuser Gamingerstraße 22 - 26 und Hochstraße

31 - 33.

2. Der Weingarten Steigen / Ger

Grundfläche: 12 Tagwerk

Grunddienst: ½ Eimer Most

Ursprünglich war dieser Weingarten wohl Teil des Nachbarweingartens

Ger, dessen spitze Form er geländebedingt

fortsetzt. Miteinander hatten die beiden Grundstücke eine

Fläche von 24 Tagwerk, für die ein Grunddienst von 1

Eimer Most zu leisten war. Eine Teilung dieses „Urweingartens“

hatte wohl zur Folge, dass seine obere Hälfte in

den Anziehungsbereich der größeren Ried Steigen geriet.

1411 wurde diese nochmals in den Ger eingegliedert, dann

blieb es bei der Benennung Steigen. 1819 war das Grundstück

in die Parzellen 848 - 850 eingeteilt und fast zur

Gänze in einen Acker umgewandelt worden. In einem Fall

(Parz. 548) wurde dementsprechend der Grunddienst von

¼ Eimer Most in eine Geldabgabe von 22 Kreuzern umgewandelt.

Heute ist der Weingarten Steigen / Ger mit den

Häusern Gamingerstraße 16 und 18 verbaut. 321

3. Der Weingarten Steigen / Topler

Grundfläche: 1487 6 Pfund

Grunddienst: 2 Pfennige

Auch im Bereich des Weingartens Topler gab es bereits

1367 einen kleinen Weingarten, der nach dem Vorbild der

größeren Nachbarparzelle „auf den Steygen“ genannt wurde.

Nach dem Pfennigdienst zu schließen gehörte er zu den

Weingärten, die erst in einer sekundären Rodungsphase des

Mitterbergs in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden.

Der minimale Grunddienst lässt erkennen, dass er

auf wenig ertragreichem Gelände gelegen war, vermutlich

also im Bereich der unfruchtbaren Fläche, die 1819 als

Weide diente und die Parzellennummer Mitterberg 495

bekam. Allein war der Weingarten nicht lebensfähig, so

wurden die brauchbaren Teile 1487 an den benachbarten

Topler (Parzellen Mitterberg 558 - 560) angeschlossen. 322

4. Die unteren Steigen

Grundfläche: 32 Tagwerk

Grunddienst: 2 Eimer Most

Der untere Weingarten „auf den Steigen“ lag zwischen den

Weingärten Topler einerseits und Specht bzw. Steigen /

Perner andererseits. Bereits vor 1411 wurde der Grund

geteilt, die südliche Hälfte wurde, wohl unter dem Einfluss

des dortigen Nachbarn, vorübergehend (um 1411) auch

„Perner oder Prenner“ genannt. 1819 war der Weingarten

vielfach geteilt und erhielt die Parzellennummern Mitterberg

561 - 566. Einige dieser Parzellen waren im Lauf der

Zeit in Äcker umgewandelt worden. Heute stehen dort die

Häuser Mitterbergstraße 6a - 12. 323

5. Der Steiger / Perner / Prenner

Grundfläche: 24 Tagwerk, später 14 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most, seit 1706 6 Schillinge

Im Bergbuch 1367 hieß der Weingarten Steyger und gehörte

Heinrich Perner aus der ritterlichen Familie der Perner

von Pernegg, die mit den Herren von Polnheim auf der

Veste Rohr verwandt waren und in der heutigen Peterhofgasse

Herrschaftsrechte hatten; 1437 zogen sich die Perner

aus Baden zurück. 324 1411 nennt ihn das Bergbuch, wie

alle anderen Steigen-Weingärten, „auf den Steygen“, während

das Melker Zehentverzeichnis 1406 bereits vom „Per-


när“ spricht. 1465 und 1531 heißt er auch im Gaminger

Grundbuch „auf den Steygen oder Pernner“, von 1571 bis

1880 aber „Steygen oder Prenner“. Der vergessene Besitzername

Perner wurde also zum verständlicheren „Brenner“

umgedeutet.

Da ein Teil des Weingartens seit dem frühen 15. Jahrhundert

dem Augustinerkloster gehörte und bis 1691 in dessen

Besitz blieb, wurde er gelegentlich einfach Augustinerweingarten

genannt. 325

Als Nachbarn des Steigers werden die Weingärten Specht

und Krinn genannt, was aber nur für seine untere Hälfte

zutrifft. Bereits im Jahre 1706 erfahren wir, dass der

Weingarten durch einen Acker und der Grunddienst von 1

Eimer Most durch eine Geldabgabe von 6 Schillingen

ersetzt worden war. 1819 erhielt der Weingarten die Parzellennummer

Mitterberg 569, heute stehen dort die Häuser

Hochstraße 7, 7a - c und Gamingerstraße 1. 326

Stein

1530, 1535 Stein

Grundfläche: 4 Tagwerk

Grunddienst: 4 Pfennige an das Augustinerkloster Baden

Der Weingarten Stein lag zwischen den Rieden

Steinweingarten und Ladendorfer. Der niedrige Grunddienst

von 1 Pfennig pro Tagwerk zeigt (wie ja auch der

Name erkennen lässt), dass der Weingarten zu den wenig

verheißungsvollen Grundstücken gehörte, die erst in einer

zweiten Erschließungsphase für den Weinbau herangezogen

wurden. Wie der kleine Weingarten unter die Grundherrschaft

der Augustiner gelangte, ist unbekannt. Es mag

damit zusammenhängen, dass das Kloster Besitzer (allerdings

nicht Grundherr!) der Nachbarried Steinweingarten

war, doch lassen uns die Urkunden in diesem Fall völlig im

Stich.

Dafür lässt sich ausnahmsweise Schritt für Schritt dokumentieren,

wohin der Weingarten nach der Aufhebung des

Klosters 1545 verschwunden ist. Im Aufhebungsinventar

fällt auf, dass er unter dem alten Namen Badnerberg genannt

ist - wir erinnern uns, dass der heutige Mitterberg

ursprünglich Badnerberg hieß (während man den heutigen

Badnerberg Einöde nannte) - offenbar war für den Stein

eine sehr alte Übertragungsurkunde vorhanden, die aus

einer Zeit stammte, als die Benennung Mitterberg noch

nicht üblich war. Bei der Aufhebung des Klosters gehörte

der Stein einem gewissen Martin Haffen, der auch einen

Teil des angrenzenden Weingartens Ladendorfer besaß.

Hafen nahm beim Kauf des Stein automatisch an, dass die

4 Pfennige Grunddienst - wie bei allen umliegenden Weingärten

- der Kartause Gaming zu entrichten seien, und da

das Bürgerspital, das das aufgehobene Augustinerkloster

übernommen hatte, noch keinen Überblick über seine neue

Wirtschaft hatte, war auch niemand da, der die Abgabe

eingefordert hätte. Der Gaminger Grundbuchschreiber war

wohl ganz verwundert, als der redliche Haffen auf einmal

daherkam und behauptete, sein Weingarten sei jetzt vier

Pfund größer und müsse daher vier Pfennige mehr bezahlen.

Aber ihm konnte es recht sein, er schrieb unter der

Überschrift „Ladendorfer“: „Sollen 16 Tagwerk sein“ und

kassierte von nun an 13 statt 9 Pfennige Grunddienst.

Der Lage nach entspricht der ehem. Weingarten Stein der

Parzelle 871 der Ried Ladendorfer. 327

Steinbruch

1411 locus vinee, que modo est stainpruch (Stelle

eines Weingartens, der jetzt ein Steinbruch ist)

59

nach 1411, 1447, 1465, 1531 stainpruch

underm weg

nach 1411, 1447, 1465, 1531 stainpruch ob(er)

des wegs

Im Jahre 1411 wurde im Bergbuch angemerkt, dass ein

Teil des Weingartens Trumauer derzeit als Steinbruch

verwendet werde. Das Unternehmen war so erfolgreich,

dass das betreffende Stück bald darauf aus dem Weingarten

herausgeschnitten wurde und unter dem Namen „Steinbruch

unterm Weg“ (gemeint die heutige Bergsteiggasse)

eine eigene Grundbucheintragung erhielt. Künftig war

dafür ein jährlicher Grunddienst von 10 Pfennigen zu leisten.

Gleichzeitig wurde auf der anderen Seite der Straße

ein „Steinbruch ob des Weges“ angelegt, für den man sogar

24 Pfennige Grunddienst kassierte.

Auf die Dauer konnten sich die beiden Betriebe aber nicht

halten. Der untere Steinbruch war 1447 noch in Funktion,

1465 hat er bereits den Vermerk vacat („steht leer“). Bis

1669 wurde er noch als Karteileiche im Grundbuch mitgeschleppt,

dann war auch dem strengsten Ökonomen klar,

dass es zu keiner Wiederbelebung des Betriebs mehr kommen

würde. Die Zwergparzelle blieb jedoch als „unbenutzter

Grund“ erhalten und erhielt 1819 die Parzellennummer

Mitterberg 728.

Der obere Steinbruch konnte sich etwas länger halten,

1465 war er noch in Betrieb, dann kam auch für ihn das

„Vacat“. Seine Parzelle ist nicht als eigenständiges Grundstück

erhalten, doch ist er wohl am südlichen Ende des

Steinriegels zu suchen, der genau gegenüber dem unteren

Steinbruch, zwischen den Weingärten Nussbäumel und

Topler, an die Bergsteiggasse stieß (1819 Parzelle 709). 328

Steingrub

1406 Staingruebel

1435 Staingruben

1465, 1531 Steingrueb

Steingrub dürfte der ursprüngliche Name des Weingartens

Plonkler gewesen sein (siehe dort). Die Lage an einem

felsigen Rain, wo vielleicht wirklich gelegentlich Steine

gebrochen wurden, erklärt den Namen zur Genüge. 329

Steinhöfel s. Gruebel

Steinplatten

1. Die Steinplatten am Tachenstein

1785 Steinblaten

1796, 1805, 1812 Steinplatten

Bei der Anlage des Steuerkatasters 1785 (so genannte

Josefinische Fassion) wurde eine neue Ried Steinplatten

konstituiert, die wohl nach ihrer unwirtlichen Umgebung

so benannt war. Sie umfasste 18 Weingärten und

wurde im Süden von der Felswand des Tachensteins begrenzt,

im Osten vom Wolfsteinerweg (Rainerweg und

Josef Müllner-Gasse), im Norden von einem Stück der

Bergsteiggasse und der felsigen Rinne, die diese nach ihrer

Rechtskurve fortsetzt, und im Westen vom Gebirgszaun. In

Kolbes Jurisdiktionsplan 1796 (ähnlich in Geistingers

„Karte der Stadt Baden“ 1805 und Viehbecks „Plan der

Stadt Baden“ 1812) ist die „Steinplatten“ zwischen „Felsen“,

„Steile Felsen“ (= Tachensteinwand) und „Wolfstein

Weeg“ eingezeichnet. Das künstliche Gebilde sollte sich

aber als kurzlebig erweisen, denn bereits bei der nächsten

Neufassung des Katasters 1819 wurden alle Rieden des

Mitterbergs zu einer einzigen Ried zusammengefasst, die

ebenfalls den Namen Mitterberg erhielt. 330


2. Die Steinplatten am Fliegenhappelberg

1795 Steinplatten

Grundfläche: 1795 3 Pfund

Grunddienst: 1795 6 Pfennige

Steinplatten hieß ursprünglich der „öde Felsenriegel“

zwischen den Weingärten Krinn und Aufel, der den

südlichen Ausläufer des Fliegenhappelberges bildet. Die

unterste Spitze dieses Geländes wurde in einen Weingarten

umgewandelt, der 1795 als neu erhobener Weingarten galt

und 1819 die Parzellennummer Mitterberg 585 bekam. Der

Rest der Steinplatten wurde mit den anderen unbebauten

Teilen des Fliegenhappelbergs zu einer Parzelle Mitterberg

524 zusammengefasst.

1823 kaufte Alexandrine Fürstin von Dietrichstein den

oberhalb des Weingartens gelegenen Teil dieser Parzelle

(528 Quadratklafter), um damit den Garten ihres Hauses

Mozartstraße 9 zu erweitern. Das neue Grundstück bekam

die Nummer 524c und hatte einen jährlichen Grunddienst

von 10 Kreuzern zu entrichten. 1846 konnte die unternehmende

Fürstin auch den Weingarten Steinplatten in ihren

Garten einbeziehen. Mit dem Ausbau der Mozartstraße in

den 1890er-Jahren wurde die ehem. Steinplatten wieder

verselbständigt und entspricht wahrscheinlich dem heutigen

Haus Mozartstraße 12. 331

Steinsätz

So wurde die Ried Beindel unter dem Einfluss des benachbarten

Steinweingartens gegen Ende des 18. Jahrhunderts

gelegentlich genannt (siehe Stichwort Beindel).

Steinweingarten

Entsprechend den geologischen Gegebenheiten des Mitterbergs

gab es zwei Rieden mit dem wenig verheißungsvollen

Namen Steinweingarten.

1. Der Steinweingarten an der Marchetstraße

1367, 1531 Stainweingarten

1795 - 1880 Steinweingarten

Grundfläche: 24 Tagwerk

Grunddienst: ½ Eimer Most

Dieser Steinweingarten lag auf einem Ausläufer

des Fliegenhappelberges, der sich von der Kurve der Mozartstraße

quer über die Marchetstraße bis zum Mühlbach

hinunter erstreckte. Er gehörte im Spätmittelalter der Badener

Elendzeche und ging nach deren Auflösung zu Beginn

des 16. Jahrhunderts an den Mariazellerhof über. Die

unterhalb der Marchetstraße gelegene Hälfte (Parzelle 597)

hieß im 15. und 16. Jahrhundert Marchartin (siehe dort).

Die obere Hälfte des Grundes erwarb im Jahre 1827 Ihro

Durchlaucht die Frau Alexandrine Fürstin von Diedrichstein

Proskau Leslie geb(orene) Comtesse de Schouvaloff

und errichtete hier eine Villa, deren Park durch Erwerbung

möglichst vieler Nachbarweingärten ins Riesenhafte vergrößert

wurde. Am unteren Rand dieses Grundkomplexes

steht heute das Haus Marchetstraße 32.

1828 wurde auf einem öden Steinriegel von 40 Quadratklaftern

das Haus Marchetstraße 29 errichtet. Das war der

Startschuss für die Verbauung der unteren Hälfte des

Steinweingartens. 1850 wurde das ungünstig aufgeteilte

Grundstück neu parzelliert und bot nun Platz für die Häuser

Marchetstraße 25 - 27. 332

2. Der Steinweingarten am Tachenstein

1367, 1406, 1531 Stainweingarten

1700, 1795 - 1880 Steinweingarten

Grundfläche: 24 Tagwerk

60

Grunddienst: 2 Eimer Most

Dieser Steinweingarten lag am „Weg, der da geht

auf den Tehenstain“, zwischen den Rieden Ladendorfer

und Greidel, und war bis zum I. Türkenkrieg im Besitz des

Badener Augustinerklosters. Er gehörte zu den wenigen

Weingärten des Mitterbergs, die in die Qualitätsklasse I

(12 Tagwerk - 1 Eimer) eingestuft waren. Diese Qualität

scheint aber auch die Frucht harter Arbeit gewesen zu sein,

denn als der Steinweingarten nach dem Türkenkrieg 20

Jahre lang vernachlässigt wurde, ging so viel wertvolle

Erde verloren, dass der Weingarten nicht mehr recht gedeihen

konnte. 1549 fand sich endlich ein Betreiber, nach

einigen Freijahren sollte er ab 1553 seine Abgaben bezahlen.

1571 erfolgte eine Teilung, die oberen zwölf Tagwerk,

die in besonders schlechtem Zustand waren, sollten ½

Eimer, die unteren 12 Tagwerk die restlichen 1½ Eimer

übernehmen, doch wurde dieser Grunddienst 1630 auf das

„Lamentieren“ der Besitzer auf 1 Eimer reduziert. 1660

war die obere Hälfte fast ein lautterer stainrügl worden,

der Grunddienst wurde auf ¼ Eimer herabgesetzt; 1696

war dieses Grundstück zur Gänze verödet und bezahlte

überhaupt nichts mehr.

1795 erfahren wir, dass ein Teil des Steinweingartens (Parzelle

854) auch Greiden genannt wurde - er hatte also den

Namen der Nachbarried Greidel (= Gereutel - Rodung)

übernommen, aber im Sinn von Kreide = Kalkstein umgedeutet

(vgl. Stichwörter Greidel, Kreiden).

1819 bekam der Steinweingarten die Parzellennummern

Mitterberg 857 und 858, 1871 wurden diese Grundstücke

von der Wiener Wasserleitung durchschnitten. Um diese

Zeit erfuhr die Ried Steinweingarten eine starke Erweiterung

quer über den Tachenstein. Schon im 18. Jahrhundert

hatte man begonnen, kleine Flächen auf der anderen Seite

des Tachensteinweges zu bebauen (1819 Parzellen 852,

853), auch andere kleine Grundstücke (z.B. der Weingarten

Kreiden) wurden zur Ried Steinweingarten geschlagen

(Parzelle 854). Einen Teil dieser Gründe erwarb ab 1806

Johann Ferdinand Edler von Schönfeld, um damit den

Garten seiner Villa Helenenstraße 60 (heute Villa Bavaria)

zu vergrößern (Parzellen 852 und 853), ein anderer Teil

ging etwa gleichzeitig an Marianna Gräfin Alexandrowitsch

(Parzelle 854). Letztere bekam vom Grundbuch

noch zusätzliche öde Gründe, auf denen sie als Bindeglied

zwischen oberem Kurpark und Rauhenstein die so genannten

Alexandrowitsch’schen Anlagen schuf, die auf Viehbecks

„Plan der Stadt Baden“ 1812 erstmals eingezeichnet

sind und 1877 durch Schenkung in den Besitz der Stadtgemeinde

Baden gelangten. 333

Struczel

Der Weingarten Struczel am Mitterberg ist nur im

pfarrlichen Zehentverzeichnis von 1406 genannt. Da dieser

Name in keinem der zuständigen Grundbücher aufscheint,

handelt es sich wahrscheinlich um einen Besitzernamen -

entweder hieß dieser wirklich so oder er war ein Bäcker,

denn das Wort entspricht unserem „Striezel“. 334

Tagenstein

Tachenstein oder Tächenstein hieß der felsige

Ausläufer des Mitterbergmassivs, der die Mitterbergweingärten

vom Helenental trennte und erst im Jahre 1834

durch eine Sprengung überwindbar gemacht wurde. Vor

allem während der Blütezeit des Weinbaus in der zweiten

Hälfte des 16. Jahrhunderts, aber auch in der Zeit des Be-


völkerungswachstums zweihundert Jahre später versuchte

man, selbst diesem kargen Gelände noch Weingärten abzuringen.

Meist erhielten diese Grundstücke keine eigenen

Namen mehr, sondern wurden entweder nach einer Nachbarried

oder nur ganz allgemein „Tachenstein“ oder „Mitterberg“

benannt.

1. Der Tagenstein - Grundweingarten

1571 Tachenstain

1615 Mitterberg

1652 Grueb

1670, 1706 Thächenstain, Tächenstein

1714 Tachenstein

1795 - 1880 Tagenstein und Grundweingarten

1571 wurden am Tachenstein, neben einem älteren Weingarten

namens Grundweingarten oder Grub, 4 Tagwerk

Weingarten ausgesetzt, die einen Grunddienst von 1/8

Eimer Most leisten sollten. 1618 wurde dieser Weingarten

neu konstituiert und umfasste nun 6 Tagwerk mit 1½ Achtel

Grunddienst. Fast gleichzeitig (1616) wurden zwei

Nachbargrundstücke mit je 6 Tagwerk Fläche und 1/8

Most Grunddienst neu kultiviert, die aber bald zusammengelegt

wurden - alle drei Weingärten wurden nun ganz

allgemein Mitterberg oder gelegentlich Grueb genannt.

Erst im 18. Jahrhundert besann man sich allmählich wieder

auf den alten Namen, 1795 wurde zu diesem die doch

markantere Bezeichnung der Nachbarried hinzugefügt.

1819 wurden an die beiden Parzellen die Nummern Mitterberg

830 und 831 vergeben. 335

2. Der Tagenstein - Parzellen 836, 837

Außer den eben besprochenen Weingärten hatte man in

den optimistischen Jahren um 1571 weitere rund 70 Tagwerk

urbar gemacht, doch gingen sie zum ganz überwiegenden

Teil in der Flaute während des Dreißigjährigen

Kriegs wieder ein und sind heute nicht mehr zu lokalisieren.

Ganze 5 Pfund mit einem Grunddienst von 6 Schillingen

waren 1795 noch vorhanden - und von denen weiß

man nicht, ob sie nicht vielleicht Neugründungen des 18.

Jahrhunderts waren. 1819 erhielten sie die Parzellennummern

Mitterberg 836 und 837. 336

3. Der Tagensteiner - „unbenutzbarer Grund“

1819 übergab die Herrschaft Gaminger Berghof dem Leesdorfer

Johann Lechner eine Strecke öden Grundes per 1

Pfund in Tagenstein ... zum Behufe des Sandgrabens und

nachheriger Beurbarung. Der Grunddienst sollte 12 Kreuzer

betragen. Der im selben Jahr erstellte Franziszeische

Kataster führt das Grundstück bereits als Steinbruch und

gibt ihm die Parzellennummer Mitterberg 829. 337

Wenige Jahre später gab die Herrschaft die als Hutweide

eingestufte Parzelle 850, im Kataster als „unbenutzbarer

Grund“ bezeichnet, als 6 Pfund-Weingarten an Familie

Kerschbaum aus Weikersdorf; als Grunddienst waren 17

Kreuzer vorgesehen. Ob auf diesem Grund je ein Weinstock

gedieh, möchte man bezweifeln, wenn man sich das

Gelände anschaut, doch erübrigte sich das Problem spätestens

im Jahre 1869, als ihn Gustav Ritter v. Epstein in den

Park seiner Villa (heute Rainervilla) einbezog. 338

Teufentaler

1367 Teuffentaler

1411, 1447 Teuffentaler vel (= oder) Prunnerl

1465, 1531 Teufentaler, Tewfentaler

1571 Teuffenthaler

Grundfläche: 6 + 6 Tagwerk

Grunddienst: ½ Eimer Most + 2 Pfennige

61

Der Teufentaler lag ganz am Waldrand und wurde

im Osten, wie sein Name sagt, vom Teufental (= tiefen Tal,

heute Marika Rökk-Straße und Fortsetzung in den Wald

hinein) begrenzt - ein schwieriges Gelände, das überdurchschnittlich

oft verödete und im 16. Jahrhundert in der Ried

Brunner aufging. Es muss sich um den nördlichen Teil der

Parzellen 460 und 463 handeln. 339

Topler

Zwei Weingärten am Mitterberg sind nach den Herren von

Topel benannt, die im 14. Jahrhundert Landrichter in Österreich

waren und auch Verbindungen nach Baden hatten

(wenn auch Grundbesitz nicht direkt nachzuweisen ist).

Vielleicht handelt es sich dabei um eine alte Schenkung

nach dem „Doppelpack“-Prinzip. Diese müsste nach ca.

1150 erfolgt sein, da die Weingärten dem Landesfürsten

grunddienstpflichtig blieben. 340

1. Der Weingarten Topler an der Bergsteiggasse

1294, 1367 Topler

1406, 1465 Toppler

1581 Dopler

1627 Tobler

1795 - 1880 Toppler

Grundfläche: 12 Tagwerk, später 8 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most

Dieser Topler war auf drei Seiten von „unbenutzbaren

Steinriegeln“ umgeben, hinter denen im Westen der

Weingarten Nussbamel, im Norden der Weingarten Böltz

und im Süden ein Fahrweg (heute Bergsteiggasse) lag; nur

nach Osten, zum Weingarten Greidel, war der Topler offen.

Seit 1487 wurde der Weingarten vom Badener Mariazellerhof

betrieben bzw. zu Leibgedinge (eine Art Pacht auf

Lebenszeit) vergeben. Seit 1641 war der Grunddienst auf

½ Eimer Most reduziert, weil der Weingarten nicht gut bei

Bau war. Dabei blieb es bis 1707; damals wurde der

Topler dem Haus Peterhofgasse 4-6 als Hausgrund zugeschrieben

und konnte künftig nur gemeinsam mit dem Haus

weiterverkauft werden; der Grunddienst wurde aus diesem

Anlass in eine jährliche Zahlung von 6 Schillingen (=45

Kreuzer) umgewandelt.

1819 bekam er die Parzellennummern Mitterberg 731, 732

und 738, 1871 wurde er von der Wiener Wasserleitung

durchschnitten. Auf den ersteren beiden Grundteilen stehen

heute die Häuser Bergsteiggasse 6 und 8. 341

2. Der Weingarten Topler auf den Steigen

1465, 1669 Topler

1667 Töpler

1795 - 1880 Steigen

Grundfläche: 12 Tagwerk, später 12 Pfund

Grunddienst: ½ Eimer Most

Als Nachbar des Weingartens Rüssel ist der

Topler 1465 erstmals genannt (vor diesem Datum waren

Nachbarsnennungen in den Gaminger Bergbüchern nicht

üblich), eine eigene Grundbuchseintragung bekam er erst

1487. Möglicher Weise hängt das damit zusammen, dass er

bis dahin dieselben Besitzer hatte wie der weiter westlich,

an der Bergsteiggasse, gelegene zweite Topler-Weingarten

des Mitterbergs. 1487 wurde der Topler mit einem Weingarten

„auf den Steigen“ zusammengelegt und hatte seitdem

18 Tagwerk (auch: 18 Pfund) mit einem Grunddienst

von ½ Eimer Most und 2 Pfennigen. Als dieser vergrößerte

Weingarten im 18. Jahrhundert in vier Parzellen geteilt

wurde, hatte jede 1/8 Most und 1 Pfennig Grunddienst zu


entrichten, so dass sich die Grundherrschaft einen (winzigen)

Zuverdienst geschaffen hatte.

Der Topler lag zwischen den Weingärten Rüssel und Steigen

(was schließlich auch dazu führte, dass er dieser Ried

zugerechnet wurde) und stieß mit den Schmalseiten an den

Schuhreißerweg (Mitterbergstraße) und einen Fahrweg, der

heute Gamingerstraße heißt. 1819 erhielt er die Parzellennummern

Mitterberg 558 - 561, heute stehen dort die Häuser

Gamingerstraße 3 und 5 (Parzelle 560). 342

Trumauer

1294, 1357 Drumower

1367 Drumnauer

1411, 1465, 1531 Drumawer

1428 Drumawär

1785 - 1880 Trumauer

Grundfläche: 36 Tagwerk

Grunddienst: 3½ Eimer Most und 21 Pfennige

Der Weingarten Trumauer war im Norden von einem

Fahrweg (heute Bergsteiggasse) begrenzt, im Osten

vom Weingarten Ayrer, im Süden ebenfalls vom Ayrer

sowie den Weingärten Vielreich und Kohlhaufen, im Westen

ebenfalls vom Kohlhaufen.

Der Trumauer war alter Heiligenkreuzer Besitz, ebenso

wie das Dorf Trumau. Wieso gerade dieser Weingarten

gerade nach diesem Dorf benannt wurde, ist nicht bekannt.

Der Trumauer war zehentfrei (also vor 1215 an das Stift

gekommen); um dieses Privileg zu erhalten, mussten die

Heiligenkreuzer den Weingarten in ihrem Besitz behalten

und konnten ihn daher, wenn sie ihn nicht selbst bearbeiten

wollten, nur zu Leibgedinge vergeben, d.h. in einer Art

Pacht auf Lebenszeit. Trotzdem konnte das Stift den

Weingarten in der Zeit der Personalknappheit um 1500

nicht halten und musste ihn in Privatbesitz abgeben.

1411 war ein kleiner Steinbruch aus der Ried herausgelöst

worden, der eine eigene Grundbucheintragung bekam und

wahrscheinlich in der Zwergparzelle 728 weiterlebt (siehe

Stichwort Steinbruch).

1819 bekam die Ried Trumauer die Parzellennummern

Mitterberg 718 - 727. 343 Heute stehen dort die Häuser

Bergsteiggasse 13 - 25, Heinrich Strecker-Gasse 1 - 5 und

4 - 6 sowie Joseph Müllner-Straße 1 - 9 und 6 - 10 (einige

dieser Häuser sind hier als Eckhäuser unter zwei Adressen

aufgeführt!).

Unbescheiden

1273, 1308, 1340, 1367, 1416 Unbeschaiden

1406 Unbeschayden

1581 Ungschaiden

1624, 1662 Ungeschaiden

1733 Umbschaidten

1785 Ungschaden

1795 - 1880 Unbeschaden

1796 Ungescheiden

1805 Unbescheiden

Grundfläche: 80 Tagwerk,

später 70 Tagwerk oder 40 Pfund

Grunddienst: 1 Eimer Most

Der Weingarten Unbescheiden hatte die Gestalt

eines Spitzovals. Im Nordosten stieß er an eine Felswand

des Tachensteins, im Nordwesten lag er am Tachensteinweg,

im Süden wurde er von dem Feldweg begrenzt, der

die Berggasse fortsetzte und am Mühlbach endete. Eine

Verbindung zur Helenenstraße gab es nicht, weil ein felsi-

62

ger Ausläufer des Tachensteins im Weg war. An der Mehrfachkreuzung,

von der der Weg zum Mühlbach, der Tachensteinweg,

der Rainerweg, die Berggasse und die

Kornhäuslgasse ihren Anfang nahmen, stand die Hutsäule

des Mitterbergs.

Den Namen hatte der Weingarten von einem ritterlichen

Geschlecht, das um die Mitte des 13. Jahrhunderts in unserer

Gegend nachgewiesen ist. 1273 war er im Besitz des

Klosters Heiligenkreuz; den Zehent hatte noch die Witwe

des Markwart Unbeschaiden vom Stift Melk zu Lehen.

Bald darauf scheint der Weingarten in den Besitz des Ministerialen

Leutold von Chreuspach übergegangen zu sein,

der 1285 das Badener Augustinerkloster stiftete, denn 1340

verkauften ihn Leutolds Erben eben diesem Kloster. Dabei

behielten sie sich aber den Zehent vor, den sie ebenfalls

von ihren Besitzvorgängern übernommen hatten. Das führte

bald zum Streit, denn die Augustiner nahmen um 1400

plötzlich den Standpunkt ein, dass sie ebenso zehentfrei

seien wie das Kloster Heiligenkreuz. Da sie keine diesbezügliche

Urkunde vorweisen konnten, kamen sie damit erst

nach dem Aussterben der Chreuspacher (letzte Erwähnung

1419) durch. 1416 wandelte Herzog Friedrich der Schöne

den Unbescheiden, der bis dahin ein Lehen gewesen war,

in ein Eigen um. Da aber der Grunddienst an die Kartause

Gaming bestehen blieb, war das nur eine administrative

Vereinfachung ohne große wirtschaftliche Folgen.

War die Qualität des Weingartens wirklich so schlecht, wie

der für die riesige Fläche ungewöhnlich niedrige Grunddienst

vermuten lässt? Oder handelt es sich um eine außerordentliche

Vergünstigung des Herzogs für die Chreuspacher?

Wir wissen es nicht, doch spätestens im 18. Jahrhundert

wurde der Unbescheiden in einen Acker umgewandelt,

wie es seiner ebenen Lage und seiner großen Fläche am

ehesten entsprochen haben dürfte. Auf Kolbes Jurisdiktionsplan

1796 und Geistingers Karte der Stadt Baden 1805

ist die Ried lagerichtig unter dem Namen „Ungescheiden“

bzw. „Unbescheiden-Weingärten“ eingezeichnet, 1819

erhielt sie die Parzellennummern 872 und 873.

1834 erwarb diesen Acker der Jäger Josef Felbinger, der

den Felssporn des Tachensteins sprengen ließ. Nun konnte

er die Berggasse (Marchetstraße) bis zur Helenenstraße

durchziehen und seinen neuen Acker parzellieren. Bis

1844 waren alle Parzellen vergeben. Die neuen Häuser

wurden zunächst als eigene Ortsrotte betrachtet, die den

alten Riednamen übernahm. Doch konnte sich der seltsame

Ortsname nicht lange halten: Da die neue Gasse fast direkt

auf die Weilburg, die Sommerresidenz des Erzherzogs

Karl, zuging, erhielt sie bald den Namen Karlsgasse - womit

die ohnehin schon zahlreichen Habsburger-

Benennungen Badens wieder um eine vermehrt waren. 344

Auf dem Terrain der Ried Unbescheiden stehen heute die

Häuser Karlsgasse 7 - 43 und 4 - 20. 345

Unser Frauen-Weingarten

1406 Unser Frawnweingarten

Bei diesem Weingartennamen, der nur im Melker Zehentverzeichnis

1406 einmal aufscheint, handelt es sich um

einen Besitzernamen. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt

es sich um einen der Weingärten auf der Steigen, denn

am Mitterberg ist um diese Zeit kein anderer Besitz der

Badener Priesterbruderschaft, genannt „Unser Frauen

Zech“, nachzuweisen. Er ist im Bereich der heutigen Parzelle

Mitterberg 569 zu suchen. 346


Unterried

So nannte die Verwaltung des Mariazellerhofs den

ihrer Grundherrschaft unterstellten Teil der Ried Kindelboint

(siehe dort).

Unterwolfsteiner s. Wolfsteiner

Viehparz

1465, 1531 Viechpartz

Grundfläche: 6 Tagwerk

Grunddienst: 6 Pfennige

Der Weingarten Viehparz lag zwischen der Viehtrift

(gemeint wohl die Andreas Hofer-Zeile) und dem

Weingarten Wiegen. Er gehörte zu einer Reihe von Weingärten

am Fliegenhappelberg, die 1454 angelegt wurden

und zum ganz überwiegenden Teil in den Ungarnkriegen

der 1470er- und 1480er-Jahre wieder eingingen. Mittelhochdeutsch

„porze“ kann entweder „Gebüsch, kleiner

Hügel“ bedeuten oder „Pforte, Tür“. Der Name Viehparz

ist also nicht eindeutig zu übersetzen, bezieht sich aber

jedenfalls auf den Viehtrieb in das obere Haunoldstal, der

hier Tag für Tag vorüberging. Der kleine Weingarten kam

über den ersten Besitzer nie hinaus - ob dieser je einen

Grunddienst ablieferte, ist nicht bekannt. 347

Vielreich

1258 Wilreich

1367, 1465, 1712 Wilreich

1406 Willreich

1795 - 1880 Vielreich

Grundfläche: 48 Tagwerk, später 20 + 12 Pfund

Grunddienst: 1½ Eimer Most

Der Vielreich lag zwischen den Weingärten

Wolfsteiner und Seiler / Kohlhaufen. Mit den Schmalseiten

stieß er oben an die Ried Trumauer und unten an die Marchetstraße.

Wilreich ist ein Personenname, der schon im

Mittelalter nicht häufig war und später überhaupt vergessen

wurde. Deshalb kam es schließlich zu der Umdeutung

Vielreich, obwohl der Weingarten qualitätsmäßig nur zu

den durchschnittlich ertragreichen zählte.

Die östliche Hälfte der Ried kam 1258 durch Tausch von

Heiligenkreuz an Kleinmariazell (das Stift gab dafür immerhin

eine Mühle und zwei Wiesen in Trumau her), die

westliche Hälfte erwarben um 1400 die Herren von Weikersdorf.

Beide Herrschaften blieben bis nach dem II.

Türkenkrieg im Besitz ihres Vielreich. Dann wurde er in

kleinere Parzellen aufgeteilt und an Private verkauft. 1819

erhielt er die Parzellennummern Mitterberg 756 - 760 und

767 - 768, die den heutigen Hausnummern Marchetstraße

62 - 70 und Heinrich Strecker-Gasse 8 entsprechen. 348

Viereck s. Kindlboint 1

Viertel

1273, 1294 Viertail

Wahrscheinlich mit der späteren Ried Schmiedmeister

gleichzusetzen (siehe dort). 349

Wegweingarten

1465, 1531 Wegweingarten

Grundfläche: 6 Tagwerk, ab 1560 12 Tagwerk

Grunddienst: 6 Pfennige, ab 1560 3/8 Eimer Most,

später ¼ Most und 6 Pfennige

Der Wegweingarten lag, wie sein Name sagt, an einem

Weg (der heutigen Hochstraße) zwischen den Weingärten

Ger und Niederleiten. Mit Gründungsdatum 1455 gehörte

63

er zu einer Reihe von Weingärten am Fliegenhappelberg,

die ab 1454 angelegt wurden und zum ganz überwiegenden

Teil in den Ungarnkriegen der 1470er- und 1480er-Jahre

wieder eingingen. 1492 war der Wegweingarten bereits

„ganz öd“, kurz vor 1560 gelang eine Revitalisierung mit

verdoppelter Fläche. Aber mit dem Abflauen der Weinbau-

Hochkonjunktur gegen Ende des 16. Jahrhunderts war auch

das Ende des Wegweingartens gekommen: 1594 wurde der

letzte Grunddienst abgeliefert. Die Fläche (im Bereich der

Parzelle 524) galt bis ins 19. Jahrhundert als „unbenutzbarer

Steinriegel“. 350

Weikersdorfer

1367 Weikendorf

1411 Weykendorffer

1465, 1531 Weikendorffer

1682, 1699 Weickhendorff(er)

1795 - 1880 Weikerstorfer

Grundfläche: 1465 18 Tagwerk,

seit 1540 32 Tagwerk, später 24 Pfund

Grunddienst: ½ Eimer Most, seit 1540 1½ Eimer Most 351

Nach den ältesten Grenzbeschreibungen lag der

Weikersdorfer zwischen den Weingärten Preydel und Marschalk,

der freilich schon jenseits des Fahrweges lag (heute

Gamingergasse). Mit der Schmalseite stieß er oben an den

Gebirgszaun, unten an die Rüssel-Weingärten, von denen

er durch eine „erhöhte Gestötten“ getrennt war. 1540 wurde

der Nachbarweingarten Preydel mit dem Weikersdorfer

vereinigt, so dass nun der Weingarten Popp als Nachbar

galt.

Alles spricht dafür, dass durch diese Vereinigung ein alter

Zustand wiederhergestellt wurde, denn die beiden Weingärten

haben genau dieselbe Länge (fast doppelt so lang

wie der angrenzende Popp), miteinander sind sie genau so

breit wie der an der Schmalseite anschließende Rüssel-

Weingarten, und insgesamt hatten sie den für „Urweingärten“

charakteristischen Grunddienst von 1 Eimer Wein zu

entrichten.

Der Name „Weikendorf“ geht auf die Herren von Weikersdorf

zurück, was auch - wie die zuletzt übliche Namensform

Weikersdorfer beweist - immer verstanden wurde.

In den ältesten Urkunden nannten sich die Weikersdorfer

„von Weikensdorf“, so dass der Name im Grundbuch

dieselbe Entwicklung durchgemacht hat wie in den Urkunden.

352 Die östliche Hälfte des „Urweingartens“ war vor

1367 an das Kloster (Klein-)Mariazell gestiftet worden,

und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach von einer Dame

namens Brigitte - darauf deutet der Name Preydel: Preyd

ist die mittelhochdeutsche Form für Brigitte, und die Verkleinerungsform

wird ja auch sonst gern für abgetrennte

Teile eines Grundstücks verwendet. Eine Brigitte von

Weikersdorf ist uns zwar nicht bekannt, aber das ist kein

Wunder, werden doch in mittelalterlichen Urkunden Frauen

wesentlich seltener genannt als Männer. Da der Preydel-

Weingarten lange Zeit an die prominente Badener Familie

Hentlinger 353 verpachtet war, wurde er statt Preydel oft

auch Hentlinger genannt.

Nach 1468 kam auch die zweite Hälfte, der Rest-

Weikersdorfer, an Mariazell, und 1540 vereinigten die

Mönche die beiden Flächen und verkauften sie an einen

Privatmann. Da sich nach dem Chaos der Türkenkriege

1529 und 1532 niemand mehr so richtig auskannte, kam es

dabei zu einem Kuddelmuddel: Die Beschreibung des

Weingartens Preydel wurde irrtümlich auf den Weingarten


Preundel bezogen (s.d.); dadurch blieben für das Preydel

keine offiziellen Grundlagen übrig und es entstand das

Missverständnis, dass Preydel und Hentlinger zwei verschiedene

Weingärten mit je einem halben Eimer Grunddienst

seien. Da sie nach Meinung des Grundbuchs beide

mit dem Weikersdorfer vereinigt worden waren, musste

dessen Besitzer nun 1½ Eimer Grunddienst abliefern, also

½ Eimer zu viel. Aber der Käufer des Weingartens merkte

es nicht und war zufrieden - erst 468 Jahre später, im Jahr

2008, fiel der Irrtum auf!

Bereits 1560 wurde der große Weingarten auf die beiden

Söhne des Käufers aufgeteilt, und die westliche Hälfte hieß

in Erinnerung an alte Zustände noch bis 1699 „Weikhendorffer

oder Hendlinger“. Nach 1706 wurde die gesamte

Fläche in 6 Parzellen zu je 4 Pfund aufgeteilt und zum

Großteil in Äcker umgewandelt, 1819 erhielten sie (nach

einer weiteren Teilung) die Parzellennummern Mitterberg

517 - 523 (wobei der Preydel / Hentlinger in etwa den

Parzellen 517 - 519 entspricht). 354

Heute wird der ehem. Weikersdorfer von der Johann Wagenhofer-Straße

und der Dr.Rudolf Klafsky-Straße durchschnitten

und vom Kartäuserweg gestreift. Es liegen dort

die Häuser Klafsky-Straße 4, Wagenhofer-Straße 11, 12

und 14 sowie Gamingerstraße 11 - 19 und das unverbaute

Grundstück am linken Ende der Gamingerstraße.

Wiegen

1. Die Wiegen am Fliegenhappelberg

1465, 1531 Wiegen

Grundfläche: 8 Tagwerk

Grunddienst: 8 Pfennige,

ab 1556 1/8 Eimer Most und 3 Pfennige

Der Weingarten Wiegen lag zwischen den Weingärten

Scheiben und Viehparz. Er gehörte zu einer Reihe von

Weingärten am Fliegenhappelberg, die 1454 angelegt

wurden und zum ganz überwiegenden Teil in den Ungarnkriegen

der 1470er- und 1480er-Jahre wieder eingingen.

Den Namen verdankt er wohl der Lage in einer „Sutten“

(flache Talsenke) unterhalb der Kuppe, die dem Nachbarweingarten

Scheiben den Namen gegeben hatte. 1488 lieferte

die Wiegen zum letzten Mal einen Grunddienst ab,

1556 versuchte man es mit einer Neubelebung, 1572 war

dann das endgültige Aus gekommen. Erst ca. 1750 wurde

das Gelände unter dem Namen Fliegenhappelberg wieder

für den Weinbau herangezogen. 355

2. Die Wiegen an der Gamingerstraße

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die im Tal der

Gamingerstraße gelegenen Weingärten im Volksmund

nicht mehr mit den im Grundbuch festgelegten Namen

bezeichnet, sondern mit der einleuchtenderen Benennung

„in Wiegen“ versehen - so heißen sie jedenfalls im 1785

erstellten Steuerkataster, der so genannten Josefinischen

Fassion. 356

Wiener

1449 Wienner

1467 Wiennerl

Grundfläche: unbekannt

Grunddienst: 7½ + 15 Pfennige

Die Herrschaft Rauheneck / Rauhenstein kannte

von 1449 bis 1595 zwei oder drei Weingärten am Mitterberg,

die Wiener oder Wienerl hießen und derzeit nicht zu

identifizieren sind (vgl. Textabschnitt Herrschaftsverhältnisse

- Heiligenkreuz).

64

Wölfl

1465 Wolf

1468 Wolff

1531 Wolffel

1558 Wölfl

Grundfläche: 10 Tagwerk

Grunddienst: 10 Pfennige

Der Weingarten Wölfl lag zwischen dem Weingarten

Scheiben und dem Weg ins Haunoldstal (Andreas

Hofer-Zeile und Verlängerung). Er war der oberste einer

Reihe von Weingärten am Fliegenhappelberg, die 1454

angelegt wurden und zum ganz überwiegenden Teil in den

Ungarnkriegen der 1470er- und 1480er-Jahre wieder eingingen.

Die ursprüngliche Namensform Wolf gehört wohl, wie

Fuchs und Eichhorn, zu den Tiernamen, die den 1454

begründeten Weingärten offenbar systematisch verliehen

wurden.

Das Wölfl lieferte 1492 zum letzten Mal einen Grunddienst

ab. Es muss etwa in der Gegend gelegen sein, die,

wie ich rekonstruiert zu haben glaube, Hochleiten hieß und

erst ab ca. 1750 unter dem Namen Fliegenhappelberg rekultiviert

wurde. Aus unerfindlichen Gründen wurde der

Name Wölfl ein Vierteljahrhundert nach der letzten Erwähnung

im Grundbuch auf einen 1558 neu angelegten

Weingarten auf der anderen Seite der verlängerten Andreas

Hofer-Zeile übertragen (siehe Stichwort Haunoldstal). 357

Wolfsteiner

1294, 1357, 1367, 1388, 1428, 1465, 1531

Wolf(f)stainer

1428, 1515 Wolfstayner

1733 Unterwolffstainer

1795 - 1880 Wolfstaner

1796 Wolfstein

Grundfläche: 64 + 16 Tagwerk

Grunddienst: 4½ Eimer Most und 27 Pfennige + 1 Eimer

Most

Die Ried Wolfsteiner lag zwischen dem Weg in die Gruben

(Rainerweg) und der Ried Vielreich und stieß unten an

die Berggasse (Marchetstraße) und oben an einen mächtigen

Steinriegel, der sich in der Mitte zu einer markanten

Kuppe erhob (1819 Parzellen 766 und 763). Vielleicht

hieß dieser Steinriegel im Mittelalter Wolfstein und gab

damit der Ried, die er dominierte, den Namen; vielleicht

kommt der Name von einem frühen Besitzer namens

Wolfsteiner - wir werden es wohl nie erfahren. Im Gegensatz

zu dem Weingarten Nussbamel, den die Heiligenkreuzer

gern „Oberwolfsteiner“ nannten, wurde die ursprüngliche

Ried im dortigen Sprachgebrauch als „Unterwolfsteiner“

bezeichnet.

Der weitaus größere Teil der Ried war schon vor 1215 an

Heiligenkreuz gekommen und war daher zehentfrei. Um

dieses Privileg nicht zu verlieren, konnte das Stift den

Weingarten nicht verkaufen, sondern vergab ihn zu „Halbbau“,

d.h. der Inhaber brauchte zwar keinen Kaufpreis zu

erlegen, hatte aber an Stelle des Stiftes den Grunddienst an

die Kartause Gaming zu entrichten und überdies die Hälfte

der Lese an Heiligenkreuz abzuliefern. Der kleinere Teil

des Wolfsteiner gehörte 1367 dem ritterlichen Geschlecht

der Perner und blieb dann Jahrhunderte lang im Besitz der

Herren von Weikersdorf, die ihn interessanterweise ebenfalls

zu Halbbau vergaben.


Bei der Neueinteilung der Rieden im Jahr 1785 erfuhr die

Ried eine gewaltige Ausweitung: Sie umfasste nun alle

Grundstücke unterhalb der Geländestufe, an der heute die

Schubertstraße verläuft, vom Rainerweg bis zur Andreas

Hofer-Zeile, insgesamt 39 Weingärten und Äcker. Die

„Wolfstein Ried“ ist in Kolbes Jurisdiktionsplan 1796

lagerichtig eingezeichnet.

1819 wurde wieder alles anders, denn nun wurden alle

Rieden des Mitterbergs zu einer einzigen Ried zusammengefasst,

die ebenfalls den Namen Mitterberg bekam. Die

zahlreichen kleinen Parzellen, in die die ursprüngliche

Ried Wolfsteiner damals aufgeteilt war, erhielten die

Nummern 775-791 und 796-798. Auf diesen Grundstücken

stehen heute Marchetstraße 72 - 82 mit ihren großen Gärten

sowie Rainerweg 2a - 8. 358

Würmel

1367, 1406 Würmel

1465 Wurml

1467 Würml

1637 Wüermbl

1656 Würmbl

1669 Wierml

1682 Wurmbl

1785 - 1880 Würmel

Grundfläche: 24 + 24 Tagwerk, später 18 + 14 Pfund

Grunddienst: ¾ + ¾ Eimer Most

Der Weingarten Würmel lag in dem Spitz zwischen

dem Schuhreißerweg (Mitterbergstraße) und dem

„unbenutzbaren Steinriegel“ (1819 Parzelle 623), an dessen

Stelle heute die Schubertstraße verläuft. Im Norden

und Westen wurde er von den Kammerknecht-Weingärten

begrenzt, von denen er durch zwei „unbenutzbare Steinriegel“

(1819 Parzellen 632 und 636) getrennt war. Ob der

Name auf einen frühen Besitzer zurückgeht oder auf eine

besondere Bodenbeschaffenheit, ist bisher ungeklärt.

Wahrscheinlich gehörte der Weingarten ursprünglich zur

Ried König, wurde jedoch 1298 oder wenig später abgetrennt

und von König Albrecht I. den Herren von Leesdorf

geschenkt (vgl. hier Stichwort König).

1785 gab die Ried Würmel ihren Namen einer der neuen

josefinischen Großrieden. Diese Ried „in Würmeln“ umfasste

79 Weingärten und wurde im Westen vom Teuftal

begrenzt, im Süden von der Geländestufe, an der heute die

Schubertstraße verläuft, im Osten von der Wasserscheide

zum Tal der Gamingerstraße (= die „unbenutzbaren Steinriegel“

Parzellen 491 und 497 sowie die Mitterbergstraße);

im Norden reichte sie bis zum Gebirgszaun. Der neue

Riedname mit seinen grauslichen Assoziationen scheint bei

der Bevölkerung nicht gut angekommen zu sein, denn in

Kolbes Jurisdiktionsplan 1796 ist die Ried unter dem Namen

„Creuz-Weingärten“ eingezeichnet.

1819 kam das Ende dieser künstlichen Großried, denn bei

der Neuorganisation dieses Jahres wurden alle Rieden des

Mitterbergs zu einer einzigen Ried, die ebenfalls Mitterberg

hieß, zusammengefasst. Damals bekam der in den

Grundbüchern noch immer so genannte alte Weingarten

Würmel die Parzellennummern Mitterberg 624-629. Heute

stehen dort die Häuser Mitterbergstraße 1, 3 und 5 sowie

Schubertgasse 2, 4 und 6. 359

Zehetner

1367 Cechentner

1465, 1531 Zehentner

65

1640 Zehetner

1677 Zehenter

1795 - 1880 Zehetner

Grundfläche: 16 Tagwerk

Grunddienst: 1 Eimer Most

Der Weingarten Zehetner lag am Rainerweg zwischen

den Weingärten Schober und Poschen-Nussbamel

und war im Westen von Steinriegeln und Steinplatten begrenzt.

Den Namen hatte er wohl von einem frühen Besitzer,

der Zehentner (Zehenteintreiber) war oder hieß.

1811 erwarb den südwestlichen Zipfel des Grundstücks der

Baumeister Remigius Schmidberger und richtete sich dort

einen Steinbruch ein; zu diesem Zweck schenkte ihm die

Grundherrschaft noch eine anschließende „öde Strecke“ im

Ausmaß von 14 Pfund dazu, für die er künftig 30 Kreuzer

Grunddienst zu bezahlen hatte. 1828 schloss der Baumeister

seinen Steinbruch und gab die beiden Grundstücke an

die Herrschaft zurück.

1819 bekam der Zehetner die Parzellennummern 801, 802,

847 (der Steinbruch), 846 (der dazugeschenkte Steinbruch).

360 Heute umfasst die Ried die Adressen Heinrich

Strecker-Gasse 18 - 22 (verbaut) und Rainerweg 13 - 19

(dzt. noch unverbaut).

Zierfürs

Etwa 1492 ist in einer Gaminger Urkundenabschrift

ein Weingarten Zierfürs am Mitterberg erwähnt, der

einen jährlichen Grunddienst von 1/8 Eimer Most abzuliefern

hatte, dies aber seit zehn Jahren nicht getan hatte.

Nach dem säumigen Besitzer handelt es sich um einen Teil

des Weingartens Dreifuß. Bei der Angabe Zierfürs handelt

es sich um eine der vielen Verballhornungen dieses Urkundenabschriftenkodex,

dem das Wort Dreifuß nichts

sagte, denn „Zierfuß“ oder „Zierfass“ sind geläufige Umdeutungen

des unverständlichen Personennamens Gervasius.

361

Zipf

1465, 1531 Zyph im Haunolcztal

1492 Zipf

1579 Zeph im Haunolztal

Grundfläche: 4 Tagwerk

Grunddienst: 4 Pfennige

Der Weingarten Zipf wurde 1455 gleichzeitig mit

dem Eichhorn angelegt, wurde gleich diesem mit dem

minimalen Grunddienst von 1 Pfennig pro Tagwerk belegt

(was einem Misstrauensvotum gleichkam!) und erhielt eine

Startförderung von sechs abgabenfreien Jahren. Genau

dreißig Jahre konnte sich der kümmerliche Weingarten

behaupten, 1485 wurde er aufgegeben. 1571 probierte man

es noch einmal, doch die Wirtschaftskrise des Dreißigjährigen

Kriegs brachte das endgültige Aus. 1622 wurde der

Grunddienst zum letzten Mal entrichtet, und knapp 50

Jahre später war keine Spur der ehemaligen Rebkultur

mehr aufzufinden, so dass sogar die völlig verfehlte Vermutung

auftauchen konnte, der Zipf sei nun Teil des Weingartens

Ladendorfer (der im Bereich der heutigen Karlsgasse

lag!).

In Wirklichkeit ist der Zipf als östlicher Nachbar des

Weingartens Fuchs genannt, es muss sich daher um die

Fläche zwischen den Weingärten Fuchs und Fliegenhappelberg

handeln, die noch 1819 zur öden Restparzelle

Mitterberg 524 gezählt wurde und tatsächlich in einem

langgezogenen Zipf endet. 362


Anhang II

Hausbesitzer am Mitterberg

Da die Hausbesitzer seit 1880 im Grundbuchamt am Bezirksgericht

unschwer ermittelt werden können, sind hier

nur die Angaben der historischen Grundbücher wiedergegeben

und, wo nötig oder interessant, aus den gedruckten

Schematismen der Stadt Baden ergänzt.

Andreas Hofer-Zeile 1 = Marchetstraße 30, siehe dort!

Andreas Hofer-

Zeile 1-3

(Foto Olaf Stark,

1998)

Andreas Hofer-Zeile 3

(Weingarten, genannt Steinweingarten; 1816 Berggasse

134; 1829 Berggasse 137; 1851 Berggasse 189; 1873

Berghofgasse 3; 1909 Andreas Hofer-Zeile 3)

1814 Abtrennung vom Steinweingarten und Erbauung des

Hauses durch Bernhard Schmidt

1819 Parzelle 96 (Bauarea, 92,8 Quadratklafter) + Parzelle

594 (Garten, 41,4 Klafter)

1822 Bernhard und Katharina Schmitt

1851 werden 32 Quadratklafter und 6 Zoll Gartengrund

abgetrennt (= Andreas Hofer-Zeile 4)

1852 die verwitwete Katharina

1852 Anton und Elisabeth Dietrich (Kauf)

1857 weitere 4 Klafter 5 Schuh auf Andreas Hofer-Zeile 4

übertragen (Bb. Mitterberg 1795, 6v)

1873, 1882, 1892, 1903 Anton Dietrich (Schematismen)

Andreas Hofer-Zeile 4

(1851 Berggasse, Haus Nr. 685; 1873 Berghofgasse 5;

1909 Andreas Hofer-Zeile 4)

1851 von Andreas Hofer-Zeile 3 abgetrennt (32 Quadratklafter

6 Zoll)

1851 Anton und Elisabeth Dietrich (Kauf um 80 Gulden)

1856 Franz u. Josefa Baumgartner (Kauf um 440 Gulden)

1857 weitere 4 Quadratklafter 5 Schuh von Andreas Hofer-

Zeile 3 hierher übertragen

1859 Franz und Sofie Wedorn (Kauf um 5000 Gulden)

1878 Franz Wedorn jun. (erbt) (Bb. Mitterberg 1795, 7v)

1873, 1882, 1892 Franz Wedorn (Eisgrube)

1903 Fritz und Leopoldine Wedorn (Eisgrube)

(Schematismen)

Andreas Hofer-Zeile 5

(1851 Berggasse 190; 1873 Berghofgasse 7; 1909 Andreas

Hofer-Zeile 5)

A.H.-Zeile 5

(Foto Stark, 2005)

1835 Josef Genthon (kauft von der Grundherrschaft um 24

Gulden einen Baugrund von 24 Quadratklaftern)

66

1835 Erbauung der Eisgrube

1858 Maria Sagorzh (erbt) (Bb. Mitterberg 1795, 311r)

1859, 1873, 1882 Marie Sagorts (Eisgrube)

1892, 1903 Johann Eichinger (Eisgrube) (Schematismen)

Andreas Hofer-Zeile 7

(Weingarten am Badnerberg, genannt Neubruch; 1816

Berggasse 409; 1829 Berggasse 140; 1851 Berggasse 192;

1873 Berghofgasse 2; 1892 Berghofgasse 9; 1909 Andreas

Hofer-Zeile 7)

Andreas Hofer-Zeile 7 mit Hausbrunnen (Foto StA B, ca. 1900)

(vor 1816) Ignaz und Theresia Deubler

1816 geht die Numerierung nur bis 406, d.h. bald nach

1816 wurde das Haus gebaut!

1828 Verein der behausten Bürgerschaft (exekutive Versteigerung,

Kauf um 600 Gulden) (Gb. M, 171v)

1835 „Gaminger Gebäude“

1847 Verein der Viehhaltenden Parteien in Baden (Kauf

um 1200 Gulden)

1859 Hirtenhaus

1870 Stadtgemeinde Baden (Kauf um 1180 Gulden)

1878 Abschreibung von 67 + 63,1 Quadratklaftern, Zuschreibung

von 56,2 + 70,2 Klaftern (= 202,1 + 252,5 m²)

des Weingartens Äufel, Parzellen 586a und 587 (Tausch-

und Servitutsvertrag)

1878 Stadtgemeinde Baden, dermahlen ein Wohn- und

Wirthschaftsgebäude darauf gebaut

(Bb. Badnerberg 1795, 464r, 454v)

1882, 1892 Robert und Marie Feltl, „Villa Maria“

(Schematismen)

Andreas Hofer-Zeile 8

(Weingarten am Badnerberg, genannt Neubruch; 1892

Berghofgasse 11; 1909 Andreas Hofer-Zeile 7)

1876 neu konstituiert aus 186 Quadratklaftern des Weingartens

Aufel, Parzelle 587

1876 Leopold und Leopoldine Hofmann (Kaufvertrag)

1877 54,9 Quadratklafter = 197,4 m² auf f. 491v übertragen

(= Andreas Hofer-Zeile 10)


1884 beabsichtigter Verkauf angemerkt (Vermerk: diese

Eintragung verliert in 60 Tagen ihre Gültigkeit, wenn der

Verkauf nicht erfolgt) (Bb. Badnerberg 1795, 455v)

(zwischen 1884 und 1892) Erbauung des Hauses

1892, 1903 Franz Winkler (Schematismen)

Andreas Hofer-Zeile 9

(8 Pfund Weingarten am Mitterberg, genannt Aufel; 1892

Berghofgasse 13; 1909 Andreas Hofer-Zeile 9)

Parzelle 568a (Weingarten, 242,4 Quadratklafter)

1845 Leopold und Anna Hofmann (Kauf um 200 Gulden)

1846 65 Quadratklafter auf f. 9v übertragen (Hausteil von

Marchetstraße 30)

1850 der verwitwete Leopold Hofmann und seine zweite

Frau Marie

1870 133,5 Quadratklafter abgetrennt

1872 der verwitwete Leopold Hofmann

1877 212 m² auf Andreas Hofer-Zeile 10 übertragen

1884 beabsichtigter Verkauf angemerkt; verfällt in 60

Tagen (Mitterberg 1795, 9r)

(zwischen 1884 und 1892) Erbauung des Hauses

1892, 1903 Katharina Gröschl (Schematismen)

Andreas Hofer-Zeile 10

(Weingarten am Badnerberg, genannt Neubruch; 1892

Berghofgasse 15; 1909 Andreas Hofer-Zeile 10)

1877 neu konstituiert aus 58,9 Quadratklaftern (= 212 m²)

von Andreas Hofer-Zeile 9 und 54,9 Klaftern (= 197,4 m²)

des Weingartens Aufel, Parzelle 587

1877 Josef und Genovefa Reiter (Kauf)

1877 Haus Nr.640 angemerkt (Bb. Badnerbg. 1795, 491v)

1892, 1903 Josef und Genovefa Reiter

1929 Georg und Franz Reiter (Schematismen)

Heurigen-Anzeige Andreas Hofer-Zeile 12, 1894

Andreas Hofer-Zeile 13

(Weingarten am Mitterberg, genannt Aufel; 1892 Berghofgasse

21; 1909 Andreas Hofer-Zeile 13)

1875 80 Quadratklafter vom Weingarten Aufel, Parz. 588,

abgetrennt,

1875 Franz und Elisabeth Seitz (Kauf)

1876 Haus Nr. 630 in der Putschanerlucke angemerkt (Bb.

Mitterberg 1795, 318v)

1892 Franz und Elisabeth Seitz (Schematismus)

Andreas Hofer-Zeile 14

(Weingarten am Mitterberg, genannt Aufel; 1892 Berghofgasse

23; 1909 Andreas Hofer-Zeile 14)

1875 64 Quadratklafter vom Weingarten Aufel, Parz. 588,

abgetrennt

1874 Johann und Eleonora Reichspfarrer (Kauf)

67

1875 Leopold Magloth (Kauf)

1883 Josef Schmidt (Kauf)

1884 wird die Erbauung von Haus Nr. 722 in der Berggasse

angemerkt (Bb. Mitterberg 1795, 205v)

1892 Anton Hinger (Schematismus)

Andreas Hofer-Zeile 15

(Weingarten am Mitterberg, genannt Aufel; 1892 Berghofgasse

25; 1909 Andreas Hofer-Zeile 15)

1874 58,5 Quadratklafter vom Weingarten Aufel, Parz.

588, abgetrennt

1874 Karl und Elisabeth Magloth (Kauf)

(Bb. Mitterberg 1795, 79v)

1892, 1903 Karl und Elisabeth Magloth (Schematismen)

Bergsteiggasse 8

(4 Pfund Weingarten, genannt Toppler; 1882 Mitterberg,

Haus Nr. 711; 1891 Bergsteiggasse 8)

Parzellen 731 (Weingarten, 287,6 Quadratklafter)

und 732 (Garten, 265,6 Klafter)

1853 Johann und Maria Holzer (Kauf um 24 Gulden)

1862 Maria Zagler geb. Holzer (erbt)

(Bb. Mitterberg 1795, 181r)

(vor 1882) Leopold Zagler baut das Haus.

1882, 1892 Leopold Zagler (Schematismen)

Bergsteiggasse 12

(4 2/3 Pfund Weingarten, genannt Grub und Nussbamel;

1881 Mitterberg, Haus Nr. 710; 1892 Bergsteiggasse 12)

Parzellen 716 und 717 (Weingärten, 245 bzw.

233,3 Quadratklafter)

1863 die verwitwete Therese Räuscher

1881 Johann Reischer (erbt) (Bb. Mitterberg 1795, 121r)

1881/1882 Erbauung des Hauses

1882, 1892, 1903, 1929 Johann Reischer (Schematismen)

Karlsgasse 1 / Kornhäuselgasse 13

(Weingarten Kirtingen und Miesingen; 1842 Schulgasse

30; 1858 Schulgasse 31; 1871 Karlsgasse 1)

Grunddienst: 3 Kreuzer an die Herrschaft Rauhenstein

1838 von 7 Pfund Weingarten abgetrennt und in einen

Bauplatz von 190 Quadratklaftern umgewandelt

1838 Okt. 8 Anton Schlattera (Kauf um 200 Gulden)

1838 Nov. 26 Josef Drescher (Kauf um 120 Gulden)

1841 Josef und Elisabeth Gröschel

1842 Erbauung des Hauses

1880 Anna Hutter (erbt Josefs Hälfte)

(Dienstbuch Rauhenstein 1769, 465)

Karlsgasse 3

(Weingarten Kirtingen und Miesingen; 1838 St. Helena 29;

1858 Karlsgasse 32; 1873 Karlsgasse 3)

Grunddienst: 2 Kreuzer an die Herrschaft Rauhenstein

1838 von 7 Pfund Weingarten abgetrennt und in einen

Bauplatz von 136 Quadratklaftern umgewandelt

1838 Johann und Anna Friedel (Kauf)

1844 Johann Georg Hold, k.k. pensionierter Militärbeamter

(öffentliche Versteigerung)

1852 Maria Steidler (erbt) (Dienstbuch Rauhenstein 1769,

464)

1858, 1873 Maria Steidler

1882 Franz Vock (Schematismen)

Karlsgasse 5

(7 Pfund Weingarten Kirtingen und Miesingen; 1852 St.

Helena 31; 1858 Karlsgasse 33; 1873 Karlsgasse 5)


Grunddienst: 5 Kreuzer an die Herrschaft Rauhenstein

1836 Josef Felbinger (Kauf um 150 Gulden)

1838 parzelliert (siehe Karlsgasse 1 und 3); hier bleibt ein

Bauplatz von 214 Quadratklaftern.

1842 Ignaz Marofsky (öffentliche Feilbietung)

1845 Johann Christian Scheiner (Kauf)

1845 Maria Steydler (Kauf)

1852 Errichtung des Hauses

(Dienstbuch Rauhenstein 1769, 331)

1858, 1873 Maria Steidler

1882 Franz Vock (Schematismen)

Karlsgasse 7

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1837 Ungescheiden

461; 1851 Karlsgasse 143; 1873 Karlsgasse 7)

136 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 25 Quadratklafter)

1837 Georg und Anna Rothaler (Kauf um 136 Gulden)

1842 Josef und Theresia Fanler (Kauf um 900 Gulden)

1851 Marie Steydler (Kauf um 2000 Gulden)

1882 Franz X. Vock (Feilbietung)

1882 Anton Ressig (Kauf)

1882 = Parz. 27 Bauarea und 873/3 Garten

1882 wird auf der Seite von Karlsgasse 5 die Parzelle

873/2 (Garten, 23 Quadratklafter) zugeschrieben.

(Bb. Gaming, Mitterberg 1795, 324r, 331r)

Karlsgasse 9

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1851 Ungescheiden

462; 1851 Karlsgasse 144; 1873 Karlsgasse 9)

168 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 175 Quadratklafter)

1844 J.A. Krauss von Wien (Kauf um 145 Gulden und 36

Kreuzer)

1844 August und Antonia Klimke (Kauf um 193 Gulden

und 12 Kreuzer)

1850 Anton und Rosalia Härtinger (Kauf um 160 Gulden)

1851 Erbauung des Hauses

1858 Franz Graf v. Kesselstatt, k.k. Kämmerer und Rittmeister

(Kauf um 6550 Gulden)

1860 Therese Edle v. Gerstner (Feilbietung aus der Konkursmasse,

4900 Gulden) (Bb. Mitterberg 1795, 332r)

1873, 1882 Therese Edle v. Gerstner (Schematismen

Karlsgasse 11

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1838 Ungescheiden

463; 1851 Karlsgasse 145; 1873 Karlsgasse 11)

188 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 224 Quadratklafter)

1836 Leopold und Anna Maria Degen (Kauf um 188 Gulden)

1838 Erbauung des Hauses

1846 Sebastian und Anna Böchheimer (Kauf um 1640

Gulden)

1851 Anna Ramberger verwitwete Böchheimer löst ihren

Sohn Sebastian Böckheimer jun. ab und lässt 1858 ihren

zweiten Mann Karl Ramberger mitanschreiben.

1877, 1882 die verwitwete Anna Ramberger

(Bb. Mitterberg 1795, 322r; Schematismus)

Karlsgasse 11a

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1839 Ungescheiden

464; 1851 Karlsgasse 146; 1873 Karlsgasse 13; vor 1929

Karlsgasse 11a)

68

101,5 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 130 Quadratklafter)

1839 Erbauung des Hauses

1840 Abtrennung vom Nachbargrundstück Karlsg.15

1840 Johann Rasser und seine Braut Juliana Petzwinkler

(Kauf um 105 Gulden)

1860 die verwitwete Juliana

1859 (!) Franz und Katharina Haberkorn (Kauf um 1600

Gulden) (Bb. Mitterberg 1795, 330r)

1873, 1882 Franz Haberkorn (Schematismen)

Karlsgasse 15

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1840 Ungescheiden

465; 1851 Karlsgasse 147; 1873 Karlsgasse 15)

203 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

1836 Thomas Mazacarini (Kauf um 160 Gulden)

1840 Erbauung des Hauses

1840 Abtrennung von Karlsgasse 11a; es bleiben 101,5

Quadratklafter (Neuvermessung: 132 Quadratklafter)

1840 Johann und Anna Ramberger (Kauf um 105 Gulden)

1858 der verwitwete Johann Ramberger

1858 Johann und Therese Lackinger (Kauf)

1868 der verwitwete Johann Lackinger

1869 Thomas u. Anna Kirchknopf (Kauf um 2300 Gulden)

1871, 1882 die verwitwete Anna Kirchknopf

(Bb. Mitterberg 1795, 321r; Schematismus)

Klinkerziegel mit gravierter Inschrift rechts oberhalb des

Haustors: Erb(aut) v(on) / M(aurer)m(eister) FASCHING /

1902.

Karlsgasse 17

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1837 Ungescheiden

466; 1851 Karlsgasse 148; 1873 Karlsgasse 17)

162 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 183 Quadratklafter)

1837 Josef Rippel (Kauf um 162 Gulden)

1837 Erbauung des Hauses

1837 Josef und Eva Gunhold (Kauf um 560 Gulden)

1858 der verwitwete Josef Gunhold

1859 Josef Gunhold und seine zweite Frau Rosina

1864 Josef Gunhold und seine dritte Frau Anna

(Bb. Mitterberg 1795, 326r)

1873, 1882 Josef Gunhold (Schematismen)

Karlsgasse 19

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1837 Ungescheiden

467; 1851 Karlsgasse 149; 1873 Karlsgasse 19)

182 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 174 Quadratklafter)

1836 Josef und Anna Reithofer (Kauf um 182 Gulden)

1837 Erbauung des Hauses

1856 Josef und Therese Ziegler (Kauf um 1400 Gulden)

1857 Elisabeth Mayer (Kauf um 2750 Gulden)

1860 Katharina Freiin von Sonborn

1863 Anna Lamberger (Kauf um 4000 Gulden)

1865 Marie Edle v. Emperger (Kauf)

1867 Elisabeth Maier in Haag

1867 Maria Fröhlich, Med.Doctoris Witwe in Wien (Kauf

um 3300 Gulden) (Bb. Mitterberg 1795, 320r)

1873, 1882 Maria Fröhlich (Schematismen)

Karlsgasse 21

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1835 Ungescheiden

468; 1851 Karlsgasse 150; 1873 Karlsgasse 21)


174 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 172 Quadratklafter)

1835 Josef und Anna Maria Schützl (Kauf um 34 Gulden

48 Kreuzer)

1835 Erbauung des Hauses

1856 Josef und Marie Straninger (Kauf um 1200 Gulden)

1869 Commune Wien (Kauf um 3000 Gulden)

1875 Haus demoliert, Grundstück mit Karlsg. 25 vereinigt!

1875 Parzelle neu definiert und wieder verselbständigt,

umfasst nun 304,8 Quadratklafter

(Bb. Mitterberg 1795, 318r, 322v, 323r/v)

1882 Magistrat Wien (Schematismus)

Karlsgasse 23

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1836 Ungescheiden

469; 1851 Karlsgasse 151; 1873 Karlsgasse 23)

203 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 216 Quadratklafter)

1836 Lorenz und Rosalia Kratochwill

1836 Erbauung des Hauses

1839 die verwitwete Rosalia und ihr zweiter Mann Ferdinand

Weiglhofer

1839 Karl und Eva Trost (Kauf um 1000 Gulden)

1852 der verwit. Karl Trost und seine zweite Frau Therese

1869 Commune Wien (Kauf um 4300 Gulden)

(Bb. Mitterberg 1795, 313r)

1873 Magistrat Wien

1875 Zusammenlegung mit Karlsgasse 21 und 25

1875 Neuaufteilung und Verselbständigung der Parzellen

1875 Gotthold und Therese Krieger (Kauf)

1882 Gotthold Krieger

(Schematismen; Bb. Mitterberg 1795, 327r)

Karlsgasse 25

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1836 Ungescheiden

470; 1851 Karlsgasse 152; 1873 Karlsgasse 25)

184 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

1836 Georg und Josefa Grandl (Kauf um 160 Gulden)

1836 Erbauung des Hauses

1869 Commune Wien (Kauf um 4000 Gulden)

1875 Vereinigung mit Karlsgasse 21 und 23

1875 Neuaufteilung und Verselbständigung der drei Parzellen,

Karlsgasse 25 umfasst nun 106 Quadratklafter.

1881 8,12 Quadratklafter von Karlsgasse 23 abgetrennt

und hier zugeschrieben

1875 Franz und Elisabeth Karlhofer (Kauf)

(Bb. Gaming, Mitterberg 1795, 327r, 264v)

1882 Franz Karlhofer (Schematismus)

Karlsgasse 27

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1837 Ungescheiden

471; 1851 Karlsgasse 153; 1873 Karlsgasse 27)

176 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 194 Quadratklafter)

1837 Johann u. Anna Felbermeyer (Kauf um 176 Gulden)

1837 Erbauung des Hauses

1837 der verwit. Johann Felbermeyer, seine 2. Frau Juliana

1865 die verwitwete Juliana

1869 1,6 Quadratklafter auf Karlsgasse 25 übertragen

1872 Martin und Anna Secler (Kauf)

1876 Feststellung: Parzelle 873h (Bauarea, 73 Quadratklafter)

+ Parzelle 873g (Garten, 104 Klafter)

1880 Johann und Anna Schwingenschlögl (Feilbietung)

(Bb. Mitterberg 1795, 323r)

69

Karlsgasse 29

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1835 Ungescheiden

472; 1851 Karlsgasse 154; 1873 Karlsgasse 29)

150 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 122 Quadratklafter)

1835 Johann u. Anna Rabenberger (Kauf um 100 Gulden)

1835 Erbauung des Hauses

1840 der unverheiratete Ignaz Tauscher (Kauf um 1000

Gulden)

(nach 1840) Ignaz und Elisabeth Tauscher

1850 der verwitwete Ignaz Tauscher und seine zweite Frau

Elisabeth (Bb. Mitterberg 1795, 312r)

1859, 1873 Ignaz Tauscher

1882 Ulrich Fasching (Schematismen)

Karlsgasse 31

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1836 Ungescheiden

462; 1851 Karlsgasse 155; 1873 Karlsgasse 31)

108 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 111 Quadratklafter)

1836 Thomas und Anna Kopka

1836 Erbauung des Hauses

1852 der verwit. Thomas Kopka u. seine 2. Frau Elisabeth

1852 Franz und Katharina Kopka (Kauf)

1859 Franz Kupka (Schematismus)

1864 die verwit. Katharina (Bb. Mitterberg 1795, 315r)

1873 Franz Kopka (wohl eine veraltete Angabe!)

1882 Katharina Kapka (Schematismen)

Karlsgasse 33

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1836 Ungescheiden

474; 1851 Karlsgasse 156; 1873 Karlsgasse 33)

102 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 87 Quadratklafter)

1836 Joh. u. Magdalena Reisinger (Kauf um 102 Gulden)

1836 Erbauung des Hauses

1878 die verwit. Magdalena (Bb. Mitterberg 1795, 314r)

1882, 1892 Magdalena Reisinger (Schematismus)

Karlsgasse 35

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1835 Ungescheiden

475; 1851 Karlsgasse 157; 1873 Karlsgasse 27)

50 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 65 Quadratklafter)

1835 Lorenz und Magdalena Täubl (Kauf um 50 Gulden)

1835 Erbauung des Hauses

1837 die verwitwete Magalena Täubler

1847 Magdalena lässt ihren zweiten Mann Franz Plessel

mitanschreiben.

1849 Johann und Barbara Schwingenschlögl (Kauf um

1100 Gulden)

1854 die verwitwete Barbara

1855 Barbara lässt ihren zweiten Mann Andreas Lechner

mitanschreiben.

1866 die verwitwete Barbara (Bb. Mitterberg 1795, 310r)

1873, 1882 Barbara Lechner

Karlsgasse 37-39

72 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

1844 10 Quadratklafter Grundbuchsgestette zugeschrieben

1844 J.A. Krauss (Kauf um 48 Gulden)

1844 Georg und Josefa Petermüller (Kauf um 79 Gulden

12 Kreuzer)

1849 Abtrennung von Karlsg. 37; es bleiben 38 Quadratkl.

1852 Parzelle 872c, 90 Quadratklafter


1854 aufgeteilt, 53 Klafter auf f. 334v übertragen

1864 Katharina Petermüller (erbt)

(Bb. Mitterberg 1795, 334r)

Karlsgasse 37

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1851 Karlsgasse 158;

1873 Karlsgasse 27)

44 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

1849 von Karlsgasse 39 abgetrennt

1849 Josef und Marie Fenlet (Kauf um 132 Gulden)

1859 Michael und Rosalia Hilfer (Kauf um 1890 Gulden)

1859 Friedr. u. Maria Lehrkinder (Kauf um 1900 Gulden)

1859 Erbauung des Hauses

1861 231 Quadratklafter aus dem Grundbuch Rauhenstein,

Ried „in Helenasätzen“, als Hausgrund zugestiftet

1870 Johann und Anna Schwingenschlögl (Kauf)

(Bb. Mitterberg 1795, 335r)

1873, 1882 Johann Schwingenschlögl (Schematismen)

Karlsgasse 39

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1851 Karlsgasse 159;

1873 Karlsgasse 39)

53 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

1854 von Karlsgasse 37-39 abgetrennt

1854 Erbauung des Hauses

1854 Matthias und Maria Mayer (Kauf um 159 Gulden)

1854 Wilhelm und Josefa Nowak (Kauf um 159 Gulden)

1861 61 Quadratklafter aus dem Grundbuch Rauhenstein,

Ried „in Helenasätzen“, als Hausgrund zugestiftet

1877 der verwitwete Wilhelm Nowak

1879 Auguste Ottilie Gertraute Springer, pensionierte k.k.

Hofopernsängerin in Wien Josefstadt (Kauf)

1880 wurden 20 Quadratklafter vom Grundbuch Rauhenstein

zugeschrieben. (Bb. Mitterberg 1795, 334v)

Karlsgasse 2-4 (= Rainerweg 1-3)

(3½ Pfund Weingarten, genannt Ladendorfer;

1859 Karlsgasse 168; 1873 Karlsgasse 2-4)

1859 Theodor Haenlein (Kauf um 600 Gulden)

1859 Erbauung des Hauses

1864 Konkurs

1867 Gustav Ritter v. Epstein (Kauf)

1867 Neubau des Hauses nach Plänen von Otto Wagner

(NEZVAL 90)

1869 werden Teile der Hausgründe des Nachbarhauses

Karlsgasse 6-8 zugeschrieben (Kauf um 3500 Gulden)

1870 237 Quadratkl. der Ried Nussbäumel zugeschrieben

1871 werden 378,4 Quadratklafter der Ried Greidel, 89,2

Klafter der Ried Nussbäumel und 1268,5 Klafter der Ried

Steinweingarten zugeschrieben.

1874 Erzherzog Rainer (Kauf)

1874 1015,1 Quadratkl. der Ried Greidel zugeschrieben

1876 350,3 m² der Ried Nußbäumel zugeschrieben (Bb.

Mitterberg 1795, 224r; 212r, 212v, 203v, 218r, 219r, 34r)

Karlsgasse 6 - 8

(3 Baugründe in der Ried Unbescheiden; 1837(?) Ungescheiden

482-483; 1859 Karlsgasse 166-167; 1873 Karlsgasse

6-8)

Baugrund 1: 300 Quadratklafter (Neuvermessung:

250 Klafter)

1836 Ludwig u. Elisabeth Wagner (Kauf um 300 Gulden)

1844 Maria Freiin v. Schneeburg geb. Gräfin Arz (Kauf

um 342 Gulden) (Gb. Mitterberg 1795, 317r)

70

Baugrund 2: 218 Quadratklafter (Neuvermessung:

156 Klafter)

1836 Frl. Anna Czezilides (Kauf um 218 Gulden)

1844 Maria Freiin v. Schneeburg (Kauf um 206 Gulden)

(Bb. Mitterberg 1795, 319r)

Baugrund 3: 185 Quadratklafter (Neuvermessung:

212 Klafter)

1837 Josef und Anna Felbinger

1837 Erbauung des Hauses (im Grundbuch nicht vermerkt,

jedoch vgl. den Verkaufspreis 1838!)

1838 Anna Schattera (Kauf um 6300 Gulden)

1842 Ignaz Kaufmann aus Wien (Kauf um 4000 Gulden)

1845 Marie Freiin v. Schneeburg

Gesamtgrundstück:

Felsenkeller mit einem darauf erbauten Haus

1851 Franz Baron von Sternfeld (Kauf)

1854 Karl Fischer

1856 Frl. Betti und Marie Fröhlich (Kauf)

(Bb. Mitterberg 1795, 325r)

1859, 1873 Betti und Marie Fröhlich

1882 Betti Fröhlich (Schematismen)

Das Fröhlich’sche Institut in Baden, 1890

(Holzstich eines unbekannten Künstlers, StA B, HA)

Nach Studienreisen durch Deutschland, England und Frankreich

gründeten die Schwestern Fröhlich in Wien ihr Erziehungsinstitut.

Besonders geschätzt wurde von den „Pensionärinnen“ der

Landaufenthalt im Sommer, für den das Institut die schöne Villa

in der Karlsgasse 6 – 8 erwarb. Über 3000 Mädchen, z.T. aus

den höchsten Kreisen und aus allen Ländern Europas, nahmen

die Schwestern zwischen 1856 und 1890 auf!

Karlsgasse 10

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1837 Ungescheiden

477; 1851 Karlsgasse 165; 1873 Karlsgasse 10)

230, korrigiert 285 Quadratklafter Baugrund in

der Ried Unbescheiden (Neuvermessung: 300 Quadratkl.)

1836 Georg Ecker (Kauf um 132 Gulden)

1836 Die Grundherrschaft schenkt dazu 175 Quadratklafter

öden Grund der Ried Dachensteinwand. In diesen Grund

wurde im Jahre 1837 ein Felsenkeller gegraben.

1837 Erbauung des Hauses

1841 Georg und Friderika Ecker

1850 Ferdinand und Anna Merkel (Kauf um 5400 Gulden)

1851 die verwitwete Anna

1853 Georg und Johanna Rothay (Kauf)

1859 Georg Rathay (Schematismus)

1869 Commune Wien (Kauf um 13.000 Gulden inklusive

Karlsgasse 12) (Bb. Mitterberg 1795, 316r/v)

1873 Magistrat Wien


1882 Johann Schwarzkopf, Gasthaus zum Felsenkeller

(Schematismen)

1891 Koissers "Stephanie-Saal", Karlsgasse 10

(Badener Bote Jg.24/Nr.11 vom 14.III.1891)

1892 Therese Koißer, Gasthaus zum Felsenkeller

1903 Johann Schwarzkopf, Gasthaus zum Felsenkeller

1929 Karl und Katharina Cizek

Karlsgasse 12

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1844 Ungescheiden

480; 1851 Karlsgasse 164; 1873 Karlsgasse 12)

84 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 63 Quadratklafter)

1838 Josef und Anna Gintner (Kauf um 84 Gulden)

1844 J.A. Krauss von Wien (Kauf um 56 Gulden)

1844 Friderika Ecker (Kauf um 84 Gulden)

1844 Erbauung des Hauses (steht nicht ausdrücklich im

Grundbuch, doch vgl. die Verkaufspreise!)

1850 Ferdinand und Anna Merkel (Kauf um 1200 Gulden)

usw. wie Karlsgasse 10 (Bb. Mitterberg 1795, 329r)

Karlsgasse 14

(Weingarten, genannt Unbescheiden; 1836 Ungescheiden

479; 1851 Karlsgasse 163; 1873 Karlsgasse 14)

76 Quadratklafter Baugrund in der Ried Unbescheiden

(Neuvermessung: 84 Quadratklafter)

1836 Georg und Rosalia Wagner (Kauf um 40 Gulden)

1836 Erbauung des Hauses

1856 der verwitwete Georg Wagner

1856 Ignaz und Katharina Fischer (Kauf um 1120 Gulden)

1863 die verwitwete Katharina

1874 Andreas und Magdalena Mayer (Kauf)

(Bb. Mitterberg 1795, 328r)

1882 Andreas Mayer

1892, 1903 Bezirksstraßenausschuß Baden

(Schematismen)

Karlsgasse 16

(Baugrund in der Ried Dachensteinwand; 1842 Ungescheiden

478; 1851 Karlsgasse 162; 1873 Karlsgasse 16)

Bauplatz von 8 Klafter Länge

1841 Josef und Maria Fenlet (Kauf um 40 Gulden)

1842 Erbauung des Hauses

1845 Georg und Anna Kassecker (Kauf um 480 Gulden)

1849 die verwitwete Anna

1850 Franz und Elisabeth

Schuster (Kauf um 645 Gulden)

1882 der verwitw. Franz Schuster

1883 Anna Riedl (Kauf)

(Bb. Mitterberg 1795, 295r)

1892, 1903 Anna Riedl

(Schematismen)

Heurigenzeiger Karlsgasse 16

(Rollettmuseum, Obj. 2075;

Schenkung Fam. Rath)

Karlsgasse 18

(Baugrund in der Ried Dachensteinwand; 1849 Ungescheiden

477; 1851 Karlsgasse 161; 1873 Karlsgasse 18)

71

Bauplatz von 8 Klafter Länge

1841 der unverheiratete Michael Ramberger (Kauf um 20

Gulden)

1849 Anton und Anna Rauscher (Kauf um 20 Gulden)

1849 Erweiterung des Baugrundes um 4 Klafter Länge

(abgetrennt von Karlsgasse 20)

1849 Erbauung des Hauses

1855 Maria Anna Kühne (Kauf um 1250 Gulden)

1862 Josef und Anna Hartel (Kauf um 2400 Gulden)

1873 die verwitwete Anna (Bb. Mitterberg 1795, 294r)

1882, 1892 Anna Hartl (Schematismen)

Karlsgasse 20

(Baugrund in der Ried Dachensteinwand; 1854 Karlsgasse

160; 1873 Karlsgasse 20)

Bauplatz von 20 Klafter Länge

1841 der unverheiratete Michael Ramberger (Kauf um 40

Gulden)

1849 Anton und Anna Rauscher (Kauf um 50 Gulden)

1849 wurde ein Grundteil von 4 Klafter Länge an Karlsgasse

18 übertragen.

1849 Leopold und Anna Fritsch (Kauf um 50 Gulden)

1853 Michael und Magdalena Steinacher (Kauf um 50

Gulden)

1854 Erbauung des Hauses

1855 Maria Ramberger (Kauf um 850 Gulden)

1859 Josef und Magdalena Wurzer (Kauf um 890 Gulden)

(Bb. Mitterberg 1795, 296r)

1873, 1882, 1892 Josef und Magdalena Wurzer

(Schematismen)

Marchetstraße 12

(Weingarten, genannt Kapellen; 1822 Berggasse 426; 1829

Berggasse 146; 1851 Berggasse 199; 1873 Bergstraße 12;

1913 Marchetstraße 12)

Marchetstraße 12 mit Kapelle „Im Kreuz ist Heil“, 2005

(Foto Olaf Stark)

Parzelle 88a (Bauarea, 230 Quadratklafter), Parzelle

331 (Garten, 173 Klafter)

1820 Sebastian und Ursula Ertinger

1822 ist eine Behausung hierauf erbauet worden.

1840 Barbara Ertinger (Schenkung vom verwitw. Vater)

1841 Barbara und ihr Mann Johann Schöfböck

1872 Ferdinand und Anna Maria Hossfeld (Kauf um

25.000 Gulden)

1873 Moses Herzka (Kauf)

1878 Felix und Katharina Heim (Kauf)

(Bb. Mitterberg 1795, 1r)

1882 Felix Heim (Schematismus)


Marchetstraße 14

(Weingarten, genannt Kapellen; 1816 Berggasse 141; 1829

Berggasse 145; 1851 Berggasse 198; 1873 Bergstraße 14;

1913 Marchetstraße 14)

Parzelle 88 (Bauarea, 46,2 Quadratklafter)

(vor 1816) Georg und Katharina Schuster

1816 Erbauung des Hauses (Schematismus)

1823 die verwitwete Katharina Schuster

1824 lässt Katharina ihren zweiten Mann Ignaz Fenz mitanschreiben

(Gb. M 117v)

1840 der verwitw. Ignaz Fenz und seine zweite Frau Anna

1847 die verwitwete Anna

1877 Franz und Elisabeth Tuzek (Kauf)

(Bb. Mitterberg 1795, 1v)

Marchetstraße 16