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LYKISCHE KÜSTE

Der Lykische Wanderweg

Abenteuer pur – wildromantische unerschlossene Natur

Reisebericht über den Wanderurlaub an der Lykischen Küste/Türkei

vom 28. April bis 12. Mai 2011 – Teil 1

Den Teil des LykischenWanderweges

den sich

die Mitglieder

des HWGV erobert

haben, liegt

in dem Abschnitt

zwischen

Tekirova und

Kumluca. Zwischen diesen beiden Orten

liegt ungefähr in der Mitte Cirali, unser

Standquartier.

Von hier aus sind wir sternförmig ausgezogen,

um uns den Taurus zu erobern, der

erstmal schroff, abweisend und oft abrupt

steil zur Mittelmeerküste hin abfällt. Die

frische rot-weiße Markierung des Lykischen

Wanderweges zeigt uns den Weg.

Cirali selbst ist eine kleine türkische Sommerfrische

ohne große Hotels, ohne Shoppingstraßen,

für erlebnishungrige Touristen

nicht unbedingt das Richtige. Man hat

dort seine Ruhe. Auch liegt Cirali im

„Olimpos Beydaiglari Milli Park“ – Olympos

Berg-Nationalpark, gleichzeitig auch

Naturschutzgebiet. Die Nester der Caretta-Schildkröten

werden hier streng geschützt.

Es war wie immer, ich war aufgeregt, die

Fragen drehten sich in meinem Kopf: Wie

wird es werden, was wird uns begegnen,

welche Abenteuer werden wir erleben,

wie gehe ich mit unvorhergesehenen, täglichen

Ereignissen um. Die Türkei ist ein

Land, da kann am nächsten Tag schon alles

mal wieder ganz anders aussehen, Improvisation

ist angesagt.

Nun, diese Fragen vergaß ich beim Austeilen

der elektronischen Flugtickets, alle

Wanderfreunde saßen pünktlich im Bus

und wurden bequem mit dem Transfer

2 – HESSISCHER GEBIRGSBOTE 1-2012

nach Frankfurt/Main auf dem Flugplatz

gefahren und direkt vor dem Schalter abgeliefert,

unser Flieger wartete auf uns.

Wir flogen mit einem Charterflug nach

Antalya. Das einzig Unbequeme war, wir

flogen des Nachts. Aber auch die Nacht

geht vorüber, übernächtigt und etwas steif

verließen wir den Flieger.

Dort wartete unser Transfer nach Cirali,

alles ging reibungslos vonstatten. Unser

Pensionswirt Tunay hatte für den Bus und

den Transfer gesorgt. Der Bus fuhr die

Küstenstraße entlang, schöne Ausblicke

konnten wir erhaschen, aber dann, dann

ging’s nach unten an die Küste. Auf einer

kleinen holprigen Straße drehte sich der

Bus in Serpentinen nach unten. Die Landschaft

veränderte sich völlig. Steilaufragende

Felsen, schroffe Abstürze, knorrige

Pinien, Pinienduft, alte behäbige Platanen

im ersten zarten Blattgrün, blühende

Frühlingsblumen säumten die kleine gewundene

Straße. Ausrufe des Staunens

wurden laut.

Und dann . . . ja dann kam Tunays Pension.

Sie liegt fast am Ende des Dorfes Cirali.

Da Cirali im Naturschutzgebiet und

gleichzeitig auch noch im Nationalpark

liegt, gibt es keine hohen Hotelbauten,

sondern nur kleine feine Pensionen oder

Hotels, höchstens zweistöckig. Wir stiegen

aus, ein gepflegter Rasen, Perlhühner und

andere Hennen liefen herum, die reifen

Orangen und Zitronen wuchsen uns fast

in den Mund. Die Hängematten schaukelten

in einer leichten Brise.

Die Granatapfelbüsche blühten, der Hibiskus

hielt uns seine prachtvollen Blüten

entgegen und die Bougainvillea wucherte

an allen Ecken leuchtend lila. Es war eine

Pracht. Die Freunde waren begeistert. Die

Tunays Pension Ein Garten wie im Paradies Brückenreste

Veranda der Pension lud zum Sitzen und

zum Teetrinken ein.

Ein erster Gang an den Strand, ca. 100 m

von der Pension entfernt, wurde neugierig

unternommen. Das Meer lud schon zum

Baden ein, der Strand ist grobkiesig und

steinig, gut, dass wir Badeschuhe dabei

hatten. Das Wasser ist wunderbar klar und

sauber, der Strand übrigens auch. Hier

legt die Caretta-Schildkröte ihre Eier ab,

diese Schildkröte ist streng geschützt.

Nach der durchwachten Nacht im Flieger

waren wir dann doch alle etwas schlaff

und gingen dann am Abend zufrieden auf

unsere Zimmer.

Auf zur antiken Stadt Olympos

Olympos, eine einst mächtige griechische

Stadt, liegt malerisch direkt an der Küste

zwischen blühenden Oleander- und Lorbeerbüschen,

an der Mündung eines kleinen

Flusses. An den Ufern des Flüsschens

sind Reste der alten Kaimauern zu sehen.

Hier in Olympos muss man eigenständig

auf Entdeckung gehen und die verwunschenen

Schätze selber heben. Wir balancierten

über einen brüchigen, schwankenden

Holzsteg und entdeckten Brückenpfeiler,

umgestürzte Säulen, ein Amphitheater,

Steinsarkophage, Bewässerungsanlagen.

In den verfallenen Gemäuern

entdeckt man noch die Reste von wunderbar

sorgfältig gearbeiteten Mosaiken. Riesige

Kakteen, Gattung Opuntia, überwuchern

die Ruinen, mächtige Baumwurzeln

zwängten sich in die Ruinen und sprengten

die Mauern der Bauwerke. Die Stadt

ist zwar streng geschützt, doch niemand ist

da, dieses riesige Gelände zu bewachen.

So können die Besucher selbst auf Entdeckungsreise

gehen. Niemand hindert sie


daran. Diese Stadt mit all ihren wildromantischen

Ein- und Ausblicken ist ein

Fest für jeden Fotografen.

Auf zum Feuer der Chimäre.

Glaubt man den griechischen Mythen,

dann trieb sich in den Wäldern von Cirali

ein dreiköpfiges, feuerspeiendes Unwesen

herum, das dann vom Held Bellrophon

auf seinem Pferd Pegasus erlegt wurde.

Zum Lohn bekam er die schöne Königstochter.

Am heutigen Tage sollte nun das Abenteuer

beginnen, tat es auch. Die Planung

sah vor, wir wollten als Erstes Forelle essen.

Im glasklaren, eiskalten Wasser, das

vom Taurus heruntertost, gedeihen die Forellen

sehr gut und an jeder Ecke gibt es

Fischlokale, in denen man frische Forellen

essen kann.

Danach wollten wir die erste Wanderung

zum Feuer der Chimäre starten. Adnan

aus Berlin, ein guter Freund und Ratgeber,

schlug aber vor, erst nach Kumluca in

die nächste Kreisstadt zu fahren, denn

dort wurden die türkischen Meisterschaften

im Ölringen ausgetragen, und zwar alle

Klassen. Na, das ließen wir uns nicht

zweimal sagen. Wir saßen dann auf der

Ehrentribüne im Stadion von Kumluca

und konnten diese Ringkämpfe gut verfolgen.

Die Kämpfer begießen sich von oben bis

unten mit Olivenöl, auch die Lederhosen

sind ölig. Der Kämpfer, der es fertigbringt,

seinen Gegner mit der Schulter auf den

Boden zu drücken, hat die Partie gewonnen.

Die Schulter des Gegners muss den

Boden berühren. Die Schiedsrichter sind

sehr streng und genau, jeder noch so kleine

falsche Griff wird geahndet. Das Zusehen

war ganz schön aufregend, für uns

aber auch total ungewöhnlich. Wir konnten

solange auch nicht bleiben, wir wollten

ja noch wandern und fuhren weiter zum

Forellenessen, sehr schmackhaft. Und dann

ging’s los auf unsere erste Wanderung.

„Auf zum Feuer der Chimäre“ – dazu

muss ich sagen, nicht immer ist der Lykische

Wanderweg gut ausgezeichnet, man

muss sich schon umsehen und gucken, im

Großen und Ganzen hatten wir aber sehr

Reste von prächtigen Steinsarkophagen Ölringer in Kumluca

viel Glück mit unseren Wanderabschnitten,

die rot-weiße Markierung war immer

gut zu erkennen.

Eine Flussüberquerung stand an, ein kleines

Flüsschen, rauschend aus dem Taurus

kommend, mit eiskaltem Wasser, galt es

zu überqueren. Normalerweise lag da immer

ein Baumstamm zum Überqueren, er

war nicht mehr da. Die Markierung ging

auf der anderen Seite weiter – und nun?

Schuhe und Strümpfe aus und es versuchen,

es ging aber nicht, das Wasser war

zu tief und zu reißend, die Felsen im Wasser

zu rutschig, also Schuhe wieder an und

umkehren? Ein einsamer Waldarbeiter

machte mich dann vollends konfus, er rief

uns zu, es ginge sowieso nichts mehr und

wir müssten umkehren! Umkehren?

Margitta und Lore, beide sehr flink und

findig, waren in der Zwischenzeit, in der

wir noch mit Schuhe aus- und anziehen

beschäftigt waren, die steile Böschung

rauf und an anderer Stelle wieder runter

geklettert.

Und siehe da, sie fanden eine Furt, durch

die wir dann alle nacheinander waten

konnten. Also die ganze Prozedur noch

mal von vorn, Schuhe aus und dann wieder

an.

Weiter ging’s durch einen wunderbar duftenden

Pinienwald, an lichten Stellen

wuchs eine Art Wolfsmilch, wilde Gladiolen,

wunderschön, wir konnten tiefe

schroffe Felseinschnitte, Schluchten erahnen

und stiegen durch den Wald immer

weiter nach oben.

Auf einem Sattel, wir konnten schon das

Meer sehen, stießen wir dann auf das erste

Feuerfeld. Erdgas steigt aus 300 bis 400 m

Tiefe auf und entzündet sich selbst an der

Oberfläche. Mir wurde auch erzählt, dass

das Gas nicht immer die gleiche Zusammensetzung

hat, dass es auch nicht immer

mit gleicher Intensität brennt. Diese Gas-

Feuerstellen sind von Steinringen begrenzt,

natürlich alles schwarz verrußt und

die Flammen blaken so vor sich hin. Dann

stiegen wir zum zweiten Feuerfeld ab. Ein

steiler, gerölliger Pfad, sehr rutschig, führte

uns zum zweiten, tiefer gelegenen Feuerfeld.

Dort angekommen, dachte ich bei

mir, Gott sei Dank, die Rutscherei und

LYKISCHE KÜSTE

Mit vereinten Kräften haben wir an dieser

Stelle den Fluss überquert

Blick vom Sattel in Richtung Meer

Das Feuer der Chimäre

Beginn der Wanderung – 19 km bis Cirali

Der Wanderweg mit einer tollen Aussicht

Mit einem Ruderboot wurden einige zum

Schiff verfrachtet

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LYKISCHE KÜSTE

Plackerei hat ein Ende beim zweiten Feuerfeld.

Hier, auf diesem Feuerfeld, lagen

in völligem Durcheinander viele behauene

Steine mit griechischen Inschriften herum,

der Ort ist ein uraltes Heiligtum, ein

verfallener Tempel zeugte davon. Auch

dienten die Flammen in der Antike den

Seefahrern als Seefahrtsmarke.

Nun kam die nächste Schwierigkeit, die

gesetzten Stufen. Sie waren so gebaut,

dass sie höchstens für Zweimetermenschen

gängig gewesen wären. Wir hatten

unser Tun, all diese Stufen zu bewältigen.

Trotz alledem, wir kamen heil unten an.

Auf zur Wanderung von

Tekirova nach Cirali

Unsere nächste große Wanderung stand

an von Tekirova nach Cirali, ca. 19 km.

Nach dem Frühstück fuhr uns unser Bus

zum Einstieg in diesen Weg nach Tekirova,

ein typischer Badeort, wie es unzählige

an der türkischen Küste gibt.

Dieser Wanderweg liegt, wie übrigens alle

unsere Wanderwege, die wir gewandert

sind, im „Olimpos Beydaiglari Milli Parki

Nationalpark“. In der Türkei gibt es 38

Nationalparks. Sie sollen neben dem

Schutz von Flora und Fauna auch helfen,

die Kulturdenkmäler zu erhalten.

Ein ausgefahrener, ausgewaschener und

auch wieder gerölliger Weg nahm uns auf.

Er schlängelte sich immer am Berg entlang,

mit Sicht auf das tiefblaue, manchmal

auch smaragdgrüne Wasser, die Wellen

schlugen mit weißen Schaumkämmen an

die vielen Buchten. Auf der anderen Seite,

der Bergseite, sahen uns knorrige alte Pinien

beim Wandern zu. Trockene Bachbetten

galt es zu überqueren, es ging hoch

und runter. Die Natur zeigte sich von

ihrer schönsten Seite, Lavendel blühte und

duftete, gelber Ginster, roter Mohn, Königskerzen,

Zistrosen und rote Anemonen

begleiteten uns am Wegesrand, eine Farbenpracht

und Fülle sondergleichen.

Wir erreichten eine alte Fischfarm, dort

machten wir Rast und Adnan charterte

für die Wanderer, die müde waren, ein

Boot. Das kam dann von Cirali angetuckert

und nahm alle Müden und Geplagten

auf. Bei dieser Rast begegneten wir ei-

4 – HESSISCHER GEBIRGSBOTE 1-2012

Zistrosen

nem Hund und einer Gans. Die Gans zeigte

sich sehr selbstbewusst und forderte mit

Nachdruck Proviant ein, der Hund war da

etwas zurückhaltender. Was die beiden

wohl mit einander zu tun hatten?

Der Rest der Gruppe stiefelte durch den

tiefen schwarzen Sand der Bucht und wieder

nahm uns ein schmaler Bergpfad in

Empfang, es ging stetig bergauf. Der Pfad

war steil und schmal, zerfurcht, wir überwandten

Hindernisse, umgefallene Bäume,

Felsen, dann ging es wieder bergab in

die nächste Bucht. Und die gleiche Prozedur

begann von vorn. Belohnt wurden wir

mit herrlichen, wildromantischen Aussichten

in kleine verträumte Buchten, in denen

die Wellen schäumend an Land schlugen.

Der schneebedeckte Tahtali Dagi,

2 365 m, grüßte von Ferne.

Die letzte Biegung wurde erreicht und Cirali

war in Sicht, eine wunderbare, auch

anstrengende Wanderung war zu Ende.

Das Schönste war, Tunay, unser Pensionswirt,

holte die Letzten mit seinem Auto

ab. Die letzten 2 km Straße brauchten wir

nicht zu laufen, war das ein Service!

Auf zur Wanderung Adrasan –

Olympos

Zwischen Adrasan und Olympos ragt steil

die fast 1 000 m hohe Kette der Musa-

Dagi-Berge auf. Von Adrasan, einem kleinen

Badeort, steigt der Pfad zu einem

700 m hohen Sattel auf, auf dem sich eine

Hirtenhütte als Rastplatz anbietet. An

einer Plantage mit Granatapfelbüschen

und Orangenbäumen vorbei überquerten

wir ein fast ausgetrocknetes Bachbett. Wir

hangelten uns von Stein zu Stein, die

Wanderstöcke waren doch sehr hilfreich.

Der Weg war gut sichtbar markiert und

gut zu gehen. Dieser schöne Pfad steigt

sanft durch einen lichten Kiefernwald an

und wir konnten eindrucksvolle Ausblicke

auf die Felswände der Musa-Dagi-Kette

erhaschen.

Auf dem Sattel angekommen, wurde an

der Hirtenhütte erst mal Rast gemacht.

Hinter der Hirtenhütte liegt ein kreisrunder

Dreschplatz und von dieser Höhe aus

hatten wir einen guten Ausblick auf die

Treibhäuser in der fruchtbaren Ebene an

der Küste.

Und wer dann noch wollte, stieg mit Adnan

zu den Ruinen einer sehr alten Stadt

auf den Gipfel. Niemand weiß so genau,

wie diese Stadt hieß, welche Bewandtnis

es mit ihr hat. Bisher ist man auf Vermutungen

angewiesen, von hethitisch bis

griechisch gehen die Äußerungen.

Weiter ging’s, 700 m wieder nach unten in

Richtung Olympos. Wir wanderten durch

ein Waldbrandgebiet, ein unheimliches

Gefühl. Die verkohlten Bäume streckten

ihre schwarzen Äste wie drohende Finger

in den blauen Himmel, gesäumt und abgegrenzt

durch eine hellgraue, hoch aufragende

Felswand, die keinen Fluchtweg

bot. Wir fühlten uns selbst wie in einer

Falle und wir beeilten uns, dieses Gebiet

so schnell wie möglich zu verlassen. Erstaunlich

ist, wie schnell sich neues Leben

bildet. Der Waldgrund war übersät mit

Zistrosen, die mit ihren gelben und roten

Blüten in die Sonne strebten. Der Lorbeerwald,

der jetzt folgte, war feucht und

der Weg wieder einmal geröllig, ließ sich

aber ganz gut gehen. Die Steine waren

von Moosen überzogen, und das Licht war

schummerig in diesem dichten Wald. Später

kamen wir durch einen Pinienwald,

dort gingen wir wie auf einem Teppich auf

den abgefallenen Nadeln der Pinien, sehr

angenehm. Aber 700 m Abstieg, das ließ

die Knie zittern.

Zum Schluss mussten wir noch einen felsigen

Absatz überwinden, dann landeten

wir im Flussbett des Flusses, der die Stadt

Olympos in zwei Hälften teilt. Geschafft!

Text: Heinke Hafkus

Fotos: Heinke Hafkus und Lothar Glebe

Rast an einer Hirtenhütte Verkohlte Bäume Nach dem Abstieg wurden wir gefahren!

Fortsetzung folgt

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