Die Fährtenarbeit - Hundeschule Kohne

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Die Fährtenarbeit - Hundeschule Kohne

Teil 2


Lieber Hundefreund,

durch die kostenlose Herausgabe dieses

Buches ist wieder eine Lücke in der Ausbildung

Ihres Hundes geschlossen.

Um möglichst vielen Hundeführern helfen

zu können, bin ich jedoch auf Ihre Unterstützung

in Form von Spenden oder Anzeigen

angewiesen.

Ich wünsche Ihnen mit dieser Lektüre sehr

viel Erfolg,

Bankverbindung: Öffentliche Sparkasse Freiburg BLZ

680 501 01, Konto-Nr. 209 903 3

„Bitte werft uns nicht weg!!!"


Die Fährtenarbeit

Herausgegeben von Bernhard Kohne

Die Fährtenarbeit A 4 Die Anlage einer Schleppe B 15

Die zehn wichtigsten Punkte

für den Fährtenbeginn A 6 Der Mußbringer B 16

Die Fährtenmuster für

SchH I - SchH III

A 7 –

A 17 Die Schußruhe B 16

Die Fährtenhundprüfung (FH) A 18 Die Riemenarbeit B 17

Das Apportieren leicht gemacht B 4 Die Schweißarbeit B 18

Das Bringen auf der

Führerfährte B 11 Die Schweißgewinnung B 19

Die Vorteile der Führerfährte B 13

Das Bringen von Wild

auf der Führerfährte B 14

Arko vom Haardtberg

127162, 32326

zR 21/85 sg/sg HD-frei

VJP 68 HZP 163

VGP 1./311 Vbr, Btr, Sw-11/

Die Anlage der

künstlichen Schweißfährte B 20

Die Einstellung des Hundes von der

Rehdecke auf das verendete Stück B 21

Afra vom Butterland

127162, 32326

zR 118/84 sg/sg

VJP 66 HD-frei

HZP 172 VGP 1./306 Btr, Sw-III/


Apportieren leicht gemacht!

Fast jeder Hund kann das Apportieren erlernen. Das korrekte Apportieren gehört zur

Grundausbildung des Gebrauchshundes. Wir vermitteln dem Hund das Apportieren in

sechs Teilabschnitten, von denen jeder seine Bedeutung hat. Die Teilübungen sind:

1. Dulden

2. Halten und Greifen

3. Tragen

4. Nach dem Gegenstand hochspringen um diesen zu

erreichen aber nur an der Leine

5. Vom Boden aufnehmen

6. Freies Bringen, wofür neutrale Gegenstände verwendet

werden

1. Dulden:

Der Hund muß lernen, etwas zu dulden was wir ihm unter dem Hörzeichen „Bring" oder

„Apport" in den Fang schieben. Der angeleinte Hund sitzt in Grundstellung bei Fuß. Wir

stehen mit dem Fuß auf der Leine, damit wir beide Hände frei haben und der Hund nicht

fortlaufen kann. Mit der freien linken Hand greifen wir über den Nasenrücken des Hundes,

drücken mit dem Daumen und Mittelfinger auf die Lefzen des Hundes bis er den Fang öffnet.

Sobald er den Fang aufmacht, schieben wir behutsam unter „Bring" oder „Apport" einen

weichen Lederhandschuh in den Fang. Direkt hinter die Fangzähne wird der Handschuh

gelegt. Der Hund erhält wiederholt den Befehl „Bring" und „Halt fest". Nach einer kurzen

Weile geben wir dem Hund das Hörzeichen „Aus". Jetzt wiederholen wir mehrmals unser

„Bring" und „Halt fest". Jedesmal wenn wir dem Hund den Handschuh aus dem Fang

nehmen, wird er übertrieben gelobt und er erhält einen Leckerbissen. Danach gehen wir mit

ihm ein paar Schritte, dann heißt es wieder Sitz und anschließend Bring und Halt fest. Wir

gebrauchen bei dieser Übung sehr viel Ruhe und Geduld. Sehr schnell begreift der Hund,

daß er das, was wir ihm mit den Hörzeichen „Bring" oder „Apport" in den Fang schieben,

auch dort halten muß.

Wichtig ist, daß wir bei dieser Übung immer dicht bei unserem Hund stehen, solange er

etwas im Fang hält.

Der Hund muß den Gegenstand ruhig im Fang halten und darf nicht knautschen.

Jedes Knautschen wird durch ein scharfes Pfui unterbunden. In einigen Tagen haben wir

unserem Hund das Dulden beigebracht.

2. Halten und Greifen:

Der angeleinte Hund sitzt in Grundstellung. Den Gegenstand halten wir etwa 10 cm vor den

Fang des Hundes. Wir geben jetzt das Hörzeichen „Bring" oder „Apport" und führen durch

einen Leinenruck den Hund zum Gegenstand, den er Greifen und Halten soll. Wir sind am

Anfang schon damit zufrieden, wenn wir nun ein oder zweimal mit der Leine in der Hand uns

um den Hund bewegen können. Bei der Bewegung um den Hund geben wir mehrmals das

Hörzeichen „Bring" und „Halt fest". Danach geben wir das Hörzeichen „Aus" und nehmen ihm

den Gegenstand ab. Jetzt wird er wieder übertrieben gelobt und erhält seinen Leckerbissen.

Es ist sehr wichtig, daß wir nach jeder Übung ein paar Schritte gehen, ihn in Grundstellung

setzen und die Übung wiederholen. Durch das Gehen entspannt sich der Hund und

konzentriert sich besser auf die neue Übung. Läßt der Hund einmal den Gegenstand fallen,

bleiben wir ganz ruhig, denn das kann ja mal passieren und ist kein Grund zur Aufregung.

Wir nehmen den Gegenstand selber vom Boden auf und geben das Hörzeichen „Bring" oder

„Apport" und geben dem Hund den Gegenstand wieder in den Fang. Diese Übung


wird solange wiederholt, bis der Hund es kann, auch bei größter Ablenkung. Danach

können wir ziemlich sicher sein, daß er die Übung richtig verknüpft hat und wir zur

nächsten Übung, das Tragen, übergehen können.


3. Tragen:

Wir nehmen mit dem angeleinten Hund die Grundstellung ein. Der Hund erhält das

Hörzeichen „Bring" oder „Apport". Er muß jetzt nach dem hingehaltenen Gegenstand

schnappen und festhalten. Daraufhin wird er von uns sehr stark gelobt. Anschließend geben

wir ihm das Hörzeichen „Fuß" und „Halt fest". Es genügt uns am Anfang, wenn der Hund ein

paar Schritte mit dem Gegenstand im Fang geht. Dabei halten wir die linke Hand unter den

Unterkiefer und geben dabei das Hörzeichen „Halt fest". Wir bleiben wieder stehen, und der

Hund sitzt bei Fuß. Danach geben wir das Hörzeichen „Aus" und loben den Hund. Sollte der

Hund den Gegenstand dabei mal fallen lassen, so brauchen wir nicht gleich nervös zu

werden. Das kann ja mal passieren. Wir selber nehmen den Gegenstand wieder auf und

fangen von vorne an.

Wir müssen das Tragen sehr viel üben, dann klappt es auch. Die meisten Hunde, die das

erste Mal mit einem Gegenstand im Fang laufen, müssen, sofern sie es nicht von klein

auf durch das Beute tragen kennen, gehen als würden sie sich auf Glatteis bewegen.

Sobald der Hund das Tragen beherrscht, bauen wir wieder Schwierigkeiten ein. Er muß

jetzt mit dem Gegenstand über kleine Hindernisse springen, Treppen steigen und den

Laufschritt ausführen. Diese Übungen werden alle an der Leine durchgeführt. Danach

lassen wir den Hund die Sitzübung ausführen und unter dem Hörzeichen „Aus" nehmen

wir ihm den Gegenstand ab. Jetzt kommt wieder ein Lob und ein Leckerbissen für den

Hund. Das Tragen führen wir nun mit verschiedenen Gegenständen durch. In zwei bis

drei Tagen können wir dann mit der vierten Teilübung beginnen.

4. Nach dem Gegenstand hochspringen:

Der Hund hat bis jetzt das Dulden, Halten, Greifen und das Tragen gelernt. Bevor wir nun

mit dem Bringen auf der ebenen Erde anfangen, muß der Hund zuerst nach dem

Gegenstand hochspringen lernen. Wir beginnen diese Übung auch wieder aus der

Grundstellung. Wir halten den Gegenstand in der Hand nach oben, geben dem Hund das

Hörzeichen „Bring" oder „Apport" und jetzt muß der Hund nach dem Gegenstand

hochspringen, ihn halten und ein kurzes Stück tragen. Danach lassen wir den Hund

vorsitzen und nehmen unter dem Hörzeichen „Aus" ihm den Gegenstand ab. Bei dieser

Übung bauen wir verschiedene Variationen ein. Mal muß der Hund ganz hochspringen

oder zur Seite oder auch den Gegenstand aus einer Baumgabel heraus holen. Diese

Übung führen die Hunde im allgemeinen sehr gerne aus.

5. Vom Boden aufnehmen:

Haben wir alle Übungen bis hierher ausgeführt, so ist der Abschluß nicht mehr schwer.

Wir beginnen wieder mit dem angeleinten Hund aus der Grundstellung. Er hat bis jetzt

gelernt, daß er bei dem Hörzeichen „Bring" oder „Apport" den Gegenstand dulden, ihn

greifen, halten, tragen und nach ihm hochspringen muß. Um dem Hund das Aufnehmen

vom Boden zu erleichtern, halten wir das Bringholz schräg zum Boden. Wir geben ihm

das Hörzeichen „Bring" oder „Apport" und nun muß der Hund den Gegenstand holen.

Führt der Hund diese Übung korrekt aus, so können wir sicher sein, daß wir bis jetzt

richtig gearbeitet haben. Auch legen wir den Gegenstand mit den Enden auf zwei Steine

und lassen ihn vom Boden aufnehmen. Führt er diese Übung korrekt durch, so legen wir

den Gegenstand erneut auf zwei Steine, gehen mit unserem Hund ca. 1 m davor in

Grundstellung, und geben dann das Hörzeichen „Bring" oder „Apport". Wir bleiben jetzt

stehen und lassen den Hund alleine den Gegenstand holen. Klappt alles, so dürfen wir

mit dem Loben nicht sparen. Jetzt wird die Entfernung bis auf 10 Meter erweitert. Alle

Übungen werden an der Leine ausgeführt. Diese Übungen sollten wir zwei bis drei Tage

üben, um ein schnelles Holen und Bringen zu verknüpfen. Führt der Hund die Übung

korrekt aus, loben wir ihn sehr.

6. Freies Bringen:

Wenn bis hierher alles klappt ist die letzte Übung nicht mehr schwer. Wir nehmen den Hund

an die kurze Leine und nehmen Grundstellung ein. Danach werfen wir den Gegenstand etwa

ein bis zwei Meter vor unserem Hund auf den Boden.


Er erhält das Hörzeichen „Bring" und wir gehen die ersten paar Male mit dem angeleinten

Hund zu dem Gegenstand. Wir lassen den Hund diesen Gegenstand aufnehmen und

laufen dann einige Schritte rückwärts, bleiben stehen und lassen den Hund vorsitzen.

Dann erhält er das Hörzeichen „Aus". Wir loben den Hund sehr stark und geben ihm

einen Fleischbrocken. Sollte der Hund bei dieser Übung noch Schwierigkeiten machen,

so greifen wir wieder auf die zwei Steine zurück, worauf wir den Gegenstand legen.

Diese Übung wird solange durchgeführt, bis der Hund frei vom Boden aufnehmen kann.

Eine besondere Bedeutung bei dieser Übung hat die lange Leine. Diese dürfen wir nicht

zu früh entfernen, da sich sonst schlimme Fehler einschleichen können. Ist der Hund im

Bringen perfekt, werfen wir alle möglichen Gegenstände fort, die er uns bringen muß.

Erst wenn der Hund ein rohes Ei vom Boden aufnimmt, ohne das es zerbricht, können wir

sagen, daß er das Apportieren hundertprozentig erlernt hat. Darauf können wir sehr stolz

sein.

Unsere Mühe hat sich gelohnt. Ich wünsche nun allen bei dieser Arbeit sehr viel Erfolg,

denn nach dieser Methode kann es jeder erlernen.


Bringen auf der Führerfährte

Mir ist genügend bekannt, daß von den meisten Jagdhundausbildern der Schulung und

Arbeit auf der Führerfährte meist jede Bedeutung abgesprochen wird. Auch in der Literatur

der Jagdhundausbildung wird dieser Zweig der Abrichtung stiefmütterlich behandelt.

Wie sieht es damit in der Wirklichkeit aus? Nach all den Jagdhundeprüfungen, die ich bis

jetzt gesehen habe, bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß von hundert Hunden kaum

fünf die richtigen Begriffe vom Halten der Führerfährte haben. Sehr oft wird geglaubt, daß

das Finden des Führers durch den Hund schon die Lösung dieses Problems darstellt. Das

ist aber reiner Irrglaube. Wenn der Hund zum Beispiel seinen Führer sucht, so erfolgt das

in der Regel im freien Stil unter Ausnutzung des Windes und seiner Orientierung, ganz

selten aber durch die Ausarbeitung der Führerfährte. Das habe ich bis jetzt fast bei allen

Jagdhunden erlebt. Sie können dieses auch selbst ausprobieren. Es braucht nur eine

Hilfsperson Ihren Hund festzuhalten und Sie gehen etwa 400-500 Schritte in eine Richtung.

Zur Kontrolle nehmen Sie noch eine weitere Person mit, mit der Aufgabe, darauf zu achten,

daß Sie sich wirklich ruhig verhalten, dem Hund weder zupfeifen noch rufen. Wird jetzt der

Hund von der Hilfsperson nach einiger Zeit am Abgang angesetzt und geschnallt, so folgt

er der Spur des Herrn ein kurzes Stück auf dessen Fährte, beginnt dann mit Freisuche und

Stöbern, um schließlich unter Wind zu finden. Des weiteren habe ich festgestellt, daß sich

die meisten Jagdhunde durch eine „Verleitungsfährte", die von einem Fremden herrührt

sofort aus dem Konzept bringen lassen, diese einfach anfallen und ein Stück weit verfolgen

um schließlich zum Kreisen oder Freisuchen überzugehen.

Eine solche Leistung hat natürlich für die Abrichtung keinen Wert. Will man Vorteile aus der

Führerfährte für den Hund erzielen, so muß er systematisch zum Anfallen und Halten der

Führerfährte erzogen werden.

Wiederholt habe ich von Jagdhundeführern den Einwand gehört, daß Zurückschicken des

Hundes auf der Führerfährte könnte Anlaß sein, daß sich der Hund daran gewöhnt, auch

eine Wildspur oder Wildfährte in verkehrter Richtung zu erarbeiten. Schon diese

Vermutung zeigt die Verkennung über die Fähigkeit des Hundes. Auch bei Hunden, die

niemals auf eine Führerfährte eingestellt wurden, kann es vorkommen, daß sie die

Wildspur oder Wildfährte für eine kurze Strecke in falscher Richtung anfallen. Sie

korrigieren sich aber sehr schnell, weil die Witterung von Wild in dem Maße nachläßt, je

weiter er sich vom Wild entfernt, umgekehrt aber zunimmt, je näher er zu dem Wild kommt.

Darüber läßt sich keine Hundenase täuschen. Deshalb verfolgen die Hunde die Spur oder

Fährte stets in Fluchtrichtung. Selbst dem ungeübten Hund ist die Verfolgung der Rückspur

geläufig und er weiß sie auch gut zu halten. Wir brauchen nur das Verhalten des Hundes

nach einer Hasenhetze oder bei der Verfolgung eines angeschossenen Wildes zu

beobachten: Um leichter zu seinem Herrn zurückzufinden, benutzt der Hund seine eigene

Spur.

Das Einarbeiten und Zurücksuchen der Führerfährte bildet nur die erste Phase. Wenn der

Hund begriffen hat, was er soll und muß, schaffen wir damit die Grundlage für weitere

Abwechslungen.


Vorteile der Führerfährte

Der Hund lernt genau die Fährte seines Führers zu halten. Bei der Verfolgung der Fährte

darf er nicht stöbern, kreisen oder zur Freisuche übergehen, sondern hat sich an die

gelegte Spur des Führers zu halten. Der Jagdhund, der die Führerfährte hält, lernt so auf

sehr einfache Weise, das Verlorenbringen. Durch die Führerfährte lassen sich viele

Arbeitsmöglichkeiten herbeiführen, um den Hund für die Aufgabe im Totverbellen und

Totverweisen vorzubereiten. Ich könnte noch viele weitere Vorteile der Führerfährte

aufzählen. Alle Einwendungen gegen die Führerfährte bestätigen nur die mangelnde

eigene Erfahrung und falschen Vorstellungen.

Das Bringen auf der Führerfährte setzt allerdings voraus, daß wir unseren Hund zum

flotten Bringen ausgebildet haben. Auf unseren Reviergängen können wir dem Hund gar

keine bessere Abwechslung bieten als ihn zum Verlorensuchen auszubilden.

Das krankgeschossene Wild, Hasen, Fasanen, Rebhühner, Wildenten und Füchse müßten

unter Umständen furchtbar viel leiden, wenn es nicht den guten Jagdgehilfen (Jagdhund)

gäbe der eine sichere Verlorensuche beherrscht.

Das waidwund getroffene Wild, daß durch Schrotschuß oder Kugel getroffen wurde,

hinterläßt bei seiner Flucht durch das Wiesengelände, Kartoffelkraut, Schilf usw. eine

relative dichte Duftfährte.

Der gut ausgebildete Jagdhund wird schnell und freudig dieser Spur folgen und das Wild

vor weiteren Qualen bewahren und es zu seinem Herrn bringen. Das ist der Sinn dieser

Übung. Jeder gute Jagdhund muß diese Übung beherrschen. Sie bereitet dem Hund eine

große Freude. Es eignet sich für diese Übung jedes Gelände. Zu empfehlen ist es aber, die

Übung, bis sie beim Hund festsitzt, auf Wegen vorzunehmen.

Die Ausführung

Der Hundeführer nimmt seinen Hund an die Leine. Er zeigt sein Spielzeug oder Ball, legt

es hinter sich ab und geht mit dem angeleinten Hund etwa 50 Schritte in gerader Richtung

voraus. Wir drehen uns in die Richtung des Gegenstandes um. Jetzt nehmen wir den Hund

von der Leine und geben das Hörzeichen „Such-Verloren". Wir können erleben, daß er

schnell zu seinem Spielzeug läuft um es zu holen. Wir achten jetzt darauf, daß er korrekt

bringt und abgibt. Der Hund wird wieder angeleint. Sollte er nicht gleich zum Gegenstand

laufen, dann müssen wir die Entfernung verringern bis der Hund weiß und verknüpft hat,

was wir von ihm wollen. Ist die Verknüpfung bei ihm eingetreten, dehnen wir allmählich die

Arbeit so aus, dass wir jetzt den Gegenstand vor einer Wegkrümmung ablegen, damit der

Hund den Gegenstand mit dem Auge nicht mehr wahrnehmen kann. Jetzt wird er

gezwungen, die Nase zu gebrauchen um zu finden. Die weiteren Übungen werden immer

mehr erschwert. Der Hund sucht jetzt im Wald, Wiesenweg und auf der Wiese die verlorengegangenen

Gegenstände. Es ist selbstverständlich, das wir die Gegenstände laufend

wechseln. Er muß alles was wir verloren haben, bringen. Ob das unser Jagdmesser,

Notizbuch, Schlüsselbund, Patronen oder der Revolver ist. Sollte er einmal versagen, dann

wird er noch einmal zurückgeschickt. Kommt er wieder leer zurück, dann nehmen wir ihn

einfach an die lange Leine, geben das Hörzeichen „Such-Verloren" und bringen ihn durch

gutes Zureden und Loben bis an die Stelle wo der Gegenstand liegt. Dann folgt ein

ausgiebiges Loben. Die Entfernung bei zunehmender Routine der Verlorensuche wird mal

auf 20 m - auf 800 oder 1000 Meter ausgedehnt.

Bei der Übung Verlorensuche können wir unseren Hund auf relativ geringer Fläche sehr

viel Bewegung geben und schnell müde bekommen. Jeder Hund, der müde vom

Spaziergang heim kommt, wird froh sein, wenn er sich ausruhen kann. Er wird auch

weniger aggressiv sein und ist ausgeglichener.

Damit ist allen geholfen. Der Hund erhält seine Bewegung die er braucht und der

Hundeführer einen friedlichen Kameraden.


Das Bringen von Wild auf der Führerfährte

Hat der Hund bis jetzt gelernt, alle möglichen Gegenstände bei der Verlorensuche zu

bringen, so können wir jetzt dazu übergehen alles mögliche Wild auszulegen und bringen

zu lassen.

Wir beginnen hier genau so, wie ich es bei der Einarbeitung beschrieben habe. Wobei

müssen wir bei der Einarbeitung der Hunde im Verlorenbringen auf der Führerfährte ganz

besonders achten? Alle Übungen die der Hund bei der Einarbeitung des Verlorenbringens

auf der Führerfährte lernt, geschehen möglichst an solchen Orten, wo kein Wild vorkommt.

Erst wenn wir den Hund so weit ausgebildet haben, daß er einige hundert Meter das zu

Bringende heranträgt, verlegen wir die Übungen in Revierteile, in denen Wild vorkommt,

der Hund also gezwungen wird, Spuren oder Fährten zu kreuzen.

Wird die Aufgabe für den Hund zu schwierig, müssen wir sofort auf eine leichtere Übung

zurückgreifen. Das ist für die Verknüpfung von ausschlaggebender Bedeutung. Wenn ein

Hund erstmalig einen Haken auszuarbeiten hat, versagen die meisten Hunde an dieser

Aufgabe. Dann müssen wir wieder zum Bogen übergehen den der Hund aussucht.

Allmählich schrägt man den Bogen ab, bis zum rechten Winkel. Wir üben dann mit dem

Hund eine Gerade die einmal rechts und einmal links ihren Winkel hat.

Der Hundeführer sollte die Haken für seine Orientierung deutlich markieren, durch

Abbrechen eines Astes, den wir in den Boden stecken, oder Anbringen von etwas Watte an

Baumstamm usw. Sind beim Hund alle Arbeitsbegriffe verknüpft, dann erschweren wir die

Aufgabe dadurch, daß wir immer mehr Zeit verstreichen lassen bis der Hund

zurückgeschickt wird.

Ich bin davon überzeugt, daß alle Hundeführer, die nach der von mir genannten Methode

gearbeitet haben, auf den Erfolg nicht warten brauchen.

Das konsequente Bringen auf der Schleppe

Jedem Hundeführer muß klar sein, wenn wir mit der Schleppe beginnen, muß der Hund

alles apportieren. Auch jedes Raubwild. Der Hund darf mit der Schleppe nie einen Zwang

verknüpfen. Das ist eine Arbeit, die er gerne und freudig ausführen muß.

Die größten Fehler, die man bei der Schleppe begehen kann ist, wenn dem Hund das

Aufnehmen des Bringgegenstandes noch Schwierigkeiten bereitet, er einen Widerwillen

gegen Wild zeigt und Raubwild überhaupt noch nicht kennengelernt hat. Hunde die auf der

Schleppe versagen haben den Ernst im Apport nicht kennengelernt. Denen wurde das

Bringen meistens im Spielen beigebracht. Bei solchen Hunden fehlt die Begriffsbildung,

daß sie bringen müssen, wozu sie der Hundeführer auffordert. Ist der Hund bei der

Ausbildung im Verlorenbringen richtig ausgebaut, so stellt der Übergang zur Schleppe

keine besondere Arbeit dar.

Der Übergang von der Führerfährte zur Schleppe stellt eigentlich nur eine Erweiterung dar.

Der Hund, der lustbetont und triebhaft die Schleppe angeht zeigt uns auf den

Verbandsgebrauchsprüfungen die herrlichen Bilder die sich alle Hundeführer wünschen.


Die Anlage einer Schleppe

Die ersten Schleppen werden mit gutem Wind angelegt. Erst wenn der Hund begriffen hat,

was wir von ihm wollen, legen wir die Schleppe mit Nackenwind. Man vermeide am Anfang

Örtlichkeiten wo es viele Wildkaninchen oder Fasanen hat. Das würde den Hund am

Anfang zu stark ablenken.

Die Schleppe, am besten eignen sich Wildkaninchen, wer darüber nicht verfügt, kann am

Anfang auch einen leichten Stallhasen verwenden, sollte von einer Hilfsperson gezogen

werden.

Hat der Hund die Arbeit verknüpft, dann soll alles zum Schleppen verwendet werden, was

geschossen wird.

Am Anfang sollten die Schleppen am Schweißriemen ausgearbeitet werden. Am

Schleppenende muß der Hund das Stück aufnehmen und bis zum Anschluß zurücktragen.

Die ersten Schleppen sollten am besten auf kurzgemähten Wiesen angelegt werden.

Der „Anschluß", so nennt man die Abgangsstelle, sollte mit einem Bruch gekennzeichnet

werden.

Die Hilfsperson kann beim Legen der Schleppe einmal das Wild hinter sich herziehen. Sie

kann es aber auch an einer 3-4 Meter langen Stange befestigen, die der Schlepper seitlich

hält, damit die Schleppspur nicht unbedingt mit der Menschenfährte zusammenfällt. Im

Wald ist dies allerdings nicht möglich.

Ist das Wild vom Schleppenleger abgelegt, wird die Schnur entfernt. Der Schleppenleger

geht dann in der Verlängerung des Schleppenendes weiter, er macht einen großen Bogen

und kehrt zum Anschuß zurück.

Niemals darf der Schleppenzieher auf dem Rückweg die Schleppe an irgendeiner Stelle

kreuzen. Wird der Schleppenzieher als Beobachter verwendet, so hat er sich vom

Schleppenende mindestens 50 Meter entfernt in Deckung zu begeben, damit er vom Hund

nicht bemerkt werden kann, und vor allen Dingen keinen Wind bekommt.

Zur besseren Verknüpfung sollen jeweils die Anfangsarbeiten auf der Schleppe, also auch

bei Erschwerung der einzelnen Aufgaben am Riemen vorgenommen werden. So haben wir

die Möglichkeit, sofort bei einem Fehlverhalten des Hundes besser einwirken zu können.

Beherrscht der Hund die Aufgabe, lassen wir den Hund die Schleppe frei ausarbeiten. Wir

markieren den Anschuß, indem wir dem Kaninchen etwas Bauchwolle ausrupfen und diese

auf den Anschuß legen. In der Waidmannssprache wird der Schleppenbeginn als

„Anschuß" bezeichnet. Am Anfang legen wir die Schleppe etwa 50 Meter in gerader

Richtung. Wir nehmen den Hund zum Suchen an den Riemen. Er erhält den Befehl „Such-

Verloren, Bring". Der Hund muß wissen, daß er etwas zu Bringen hat. Am Ende der

Schleppe lassen wir vom Hund das Kaninchen aufnehmen und eilen in schneller Gangart

zum Anschuß zurück, wobei er das Kaninchen zu tragen hat. Er folgt dem Befehl: „Sitz" -

„Aus" - „So ist brav".

Sind wir zu der Überzeugung gekommen, daß der Hund die Schleppe hält, dann gehen wir

dazu über, den Hund auf der halben Schleppe zu schnallen. Wobei er selbstverständlich

die Schleppe bis zum Ende ausarbeitet, das Kaninchen schnell aufzunehmen hat und in

flotter Gangart es seinem Herrn bringt. Ist die Arbeit erfolgreich, so bauen wir in der

Schleppe den ersten Haken mit ein. Sobald der Hund die Schleppe mit dem Haken sauber

ausarbeitet, erweitern wir die Übung durch zwei oder drei weitere Haken und eine Länge

von 800-1000 Schritten. Für die Schleppen können wir auch Fasanen und Tauben

verwenden.

Wie lange sollte eine Schleppe stehen, bevor sie vom Hund gesucht wird? Zu Beginn der

Arbeit sollte es dem Hund so leicht wie möglich gemacht werden. Deshalb wird gleich nach

dem Legen der Schleppe gesucht. Die frische Schleppe gibt dem Hund einen größeren

Reiz und ist auch


leichter auszuarbeiten. Nach mehreren Übungen warten wir mit dem Beginn der Arbeit

eine Viertelstunde und dehnen die Zeit bis auf eine Stunde aus.

Bei der Einarbeitung von Raubwild müssen wir uns darüber im klaren sein, daß an den

Hund wesentlich höhere Anforderungen gestellt werden, als an das Bringen von

Nutzwild. Deswegen ist es unbedingt wichtig, daß der Hund das Raubwild kennt und

einwandfreies Bringen von Raubwild beherrscht.

Bei der gesamten Schlepperarbeit werden immer Probleme auftauchen. Suchen wir die

Fehler aber immer zuerst bei uns selbst. Denn der Hund kann nicht denken.

Unbeherrschte und rohe Menschen, die nur ihre Selbstbestätigung suchen, sollten die

Finger von der Ausbildung lassen.

Der Mußbringer

Für die jagdliche Praxis ist ein „Mußbringen" unumgänglich. Wir dürfen uns damit nicht

zufrieden geben, dem Hund nur frisches und unversehrtes Wild bringen zu lassen. Der

Hund muß auch anbrüchiges Wild kennenlernen und seine Erfahrungen im Bringen

machen. Wir haben ihn daran zu gewöhnen, anbrüchiges vor allen Dingen Raubwild, wo

immer er es findet, aufzunehmen und zu bringen.

Besondere Schwierigkeiten können hier bei Fuchs und Katze bestehen. Deswegen lernt

der Hund zuerst diese Stücke in frischem Zustand zu bringen. Auch auf der Schleppe

werden sie ausgelegt. Hat man hier Erfolg, so läßt man diese Stücke einige Tage im

Keller liegen und nimmt sie dann wieder für die Schleppe. Während dieser Zeit werden

die Stücke anbrüchig.

Vollkommen falsch wäre es aber, sofort auf der Schleppe mit anbrüchigem Wild zu

beginnen und sie ausarbeiten zu lassen. Sicherlich käme der Hund dann leer zurück. Er

muß immer zuerst anbrüchiges Wild kennengelernt haben und seine Übungen und

Erfahrungen damit gemacht haben. Erst dann gehen wir damit auf die Schleppe. Wir

sollten immer den ersten Schritt tun und dann den zweiten Schritt. Nicht aber umgekehrt.

Auch das Loben bei solch einer schweren Arbeit für den Hund dürfen wir nicht

vergessen. Eine nachträgliche Belohnung durch einen schönen Brocken Fleisch, kann

die Passion zum Bringen von solchen Stänker positiv beeinflussen. Schleppen die mit

anbrüchigem Raubwild gelegt werden, dürfen natürlich nicht mehrere Male gemacht

werden. Das wäre naturwidrig und die Passion würde dadurch schwer leiden.

Auch angeludertes Raubwild muß der Hund ab und zu bringen, damit er den Widerwillen

gegenüber solchen Stücken verliert. Umso freudiger wird er dann frisches Raubwild

apportieren. Für diese Übungen sollte der Hund das nötige Alter und die Reife besitzen.

Sie dienen ja in der Hauptsache der Vorbereitung für die Verband-Gebrauchsprüfungen.

„Luder" oder „Aas" ist für den Hund wesentlich schwerer zu apportieren als das bei

anbrüchigem Raubwild der Fall ist.

Die Schußruhe

Darunter versteht man einen schußfesten Hund, der sich beim Schießen ruhig verhält.

Um den Hund an die Schußfestigkeit zu gewöhnen, beginnen wir damit schon sehr früh.

Schon im Welpenalter von 10-12 Wochen lernt er, daß man vor einem lauten Knall

(Schuß) keine Angst zu haben braucht. Noch bevor wir den jungen Hund zum Jagen ins

Revier mitnehmen, sollte er sich an den Schuß gewöhnt haben. Wenn wir dem Hund die

Schußruhe beigebracht haben, bevor die Hühnerjagd aufgeht, haben wir es wesentlich

leichter.


Er wird dann nach dem Schuß nicht sofort einspringen und wie ein Toller hetzen und

losstürmen. Die Schußruhe ist eine Gehorsamsübung und kommt uns bei der späteren

Feldführung zugute. Damit wir bei der Abrichtung rasch Erfolg haben, beginnen wir mit der

Anschlagübung. Während wir gehen nehmen wir die Büchse in Anschlag und geben

gleichzeitig das Hörzeichen „Platz". Das wird solange geübt, bis der Hund von selbst Platz

macht sobald wir das Gewehr zur Wange bringen. Der Gewehranschlag bedeutet dann für

den Hund das gleiche wie das Hörzeichen „Platz". Auf unseren Reviergängen lassen wir

den Hund Platz machen. Wir nehmen das Gewehr rasch von der Schulter und gehen

blitzschnell in Anschlag. Hierbei achten wir darauf, daß der Hund ruhig liegen bleibt. Ist das

der Fall, dann geben wir in einiger Entfernung vom Hund zuerst einen Schuß und dann,

nach ein paar Sekunden, noch einen Schuß ab.

Der Hund muß dabei fest liegen bleiben. Steht aber der Hund auf, obwohl er den Schuß

und Knall kennt, muß er sofort eine Kriechübung zu seinem Platz machen. Diese Übung

wird an verschiedenen Plätzen mehrmals am Tage wiederholt. Wenn ein festes

Liegenbleiben beim Schuß erreicht ist, gehen wir dazu über, die Entfernung zum Hund zu

erweitern, wenn geschossen wird. Wir schießen jetzt aus allen Richtungen und stellen fest,

daß der Hund den Schuß überhaupt nicht mehr beachtet.

Bei schußhitzigen Hunden bedienen wir unser einer Hilfsperson mit der Aufgabe, den

angeleinten Hund sofort, wenn er aufsteht, wieder in Platzlage zu bringen. Auf diese Weise

wird der Hund schußruhig gemacht. Die Wirkung der Hilfsperson ist bei dieser Arbeit

überraschend.

Sind wir mit der Arbeit des Hundes zufrieden, lassen wir die Hilfsperson aus einiger

Entfernung schießen und achten darauf, daß der Hund liegen bleibt. Der Hund lernt, daß er

sich ruhig zu verhalten hat, wenn überhaupt geschossen wird. Der Schuß darf keine

Veranlassung sein, seinen Platz zu verlassen um etwas zu suchen.

Die Riemenarbeit

Die Arbeit am Schweißriemen ist sehr wichtig. Sinn und Zweck dieser Arbeit ist es, dem

Hund, der am Riemen geführt wird, zu folgen, der uns an das frisch verlassene Wundbett

führt und das verendete Stück Wild bringen soll.

Die Schweiß- bzw. Riemenarbeit ist reine Nasenarbeit für den Hund und bedarf der

sorgfältigsten Ausbildung. Bei korrektem Aufbau und richtiger Ausführung erkennt der

Hund auf der Schweißfährte, egal ob Spur oder Schleppe, um welche Wildart es sich

handelt, die er zu suchen hat. Es besteht überhaupt kein Zweifel, daß der Hund die

Verschiedenheit oder unterschiedlichen Witterungen, die das Wild auf der Fährte oder Spur

hinterläßt, auseinanderhalten kann.

Durch eine zweckentsprechende Ausbildung, in der richtigen Anwendung einer guten

Nasenveranlagung, können die Leistungen wesentlich gesteigert werden. Das sichere

Halten einer Spur oder Fährte läßt sich durch die richtige Einarbeitung wesentlich

beeinflussen. Die Riemenarbeit ist ein vorzügliches Hilfsmittel, den Hund zur genauen

Verfolgung der Fährte zu erziehen. Sie gibt die Voraussetzung für die erfolgreiche

Schweißarbeit, die wir beim Totverbellen oder Totverweisen anstreben.

Unsere Aufgabe als Hundeführer ist es, den Hund in der Riemenarbeit gut auszubilden.

Wir müssen ihm das Fundament geben, auf dem er in der Praxis erfolgreich weiter

aufbauen kann. Erfolg in der Riemenarbeit ist auch nur dann möglich, wenn wir sehr viel

arbeiten. Sogenannte Fährtengeschirre, wie sie bei den Gebrauchshundeausbildungen

verwendet werden, sind für die Riemenarbeit beim Jagdhund verboten. Der VSwP0

schreibt verbindlich die Verwendung von Schweißhalsung und Schweißriemen vor.

Fährtengeschirr ist in der echten Nachsuchenpraxis unbrauchbar. Wird der Hund zur Hetze

mit dem Fährtengeschirr geschnallt, wird er sich unweigerlich in der ersten Dornenhecke

festhaken.


Wird das Fährtengeschirr erst abgenommen wenn das kranke Stück vor dem Hund

flüchtig wird, dauert die Prozedur zu lange und das Stück wird einen beträchtlichen

Vorsprung gewinnen.

Unsere Aufgabe als Hundeführer ist es, den Hund fährtensicher zu machen. Dies

erreichen wir einzig und allein durch die Einarbeitung des Hundes am Riemen. Auch das

Tempo bei der Riemenarbeit wird vom Hundeführer bestimmt. Die schlechten Leistungen

in der Schweißarbeit wurzeln immer in fehlerhafter Ausbildung des Hundes am Riemen.

Viele Jäger und Abrichter lassen diesen wichtigen Faktor außer acht. Wir müssen durch

fleißiges Üben am Riemen auf der Fährte den Hund zuerst totsicher machen. Leider sieht

die Praxis meistens ganz anders aus. Die meisten Hunde lernen überhaupt gar nicht, am

Riemen zu arbeiten, weil es den Herren zuviel Mühe macht. Das ist aber der größte

Fehler den man begehen kann. Denn nur am Riemen lernt der Hund gewissenhaft der

Fährte zu folgen.

Auf Prüfungen des Jagdgebrauchshundverbandes ist für die Schweißarbeit nur der

Schweißriemen zugelassen. Sogenannte Stricke oder andere kurze Führerleinen sind

nicht erlaubt. Bevor man mit dem Hund auf den Anschuß kommt, muß der

Schweißriemen abgedockt werden, damit es am Riemen keine Verknotungen gibt, die

sich störend am Hund auswirken würden. Ist die Riemenarbeit beendet, so wird der

Schweißriemen wieder aufgedockt und trocken gelagert.

Zur besseren Haltbarkeit des Riemens sollte er von Zeit zu Zeit mit Lederfett eingerieben

werden.

Die Schweißarbeit

Die Ausbildung des Hundes in der Riemenarbeit soll den Hund planmäßig auf die

Verfolgung der Schweißfährte einstellen. Der Zweck besteht darin, dem Hund die geistige

Einstellung der sorgsamen Verfolgung der Wundfährte klar zu machen.

Nur der Hund, der das begriffen hat, wird die Verfolgung der Wundfährte ruhig angehen

und die Wundspur im Schritttempo verfolgen. So kann der Jäger seinen Hund bequem

begleiten. Jegliches losstürmen und fliegende Hast beim Hund geht auf Kosten der zu

findenden Schweißspur. Sucht der Hund mit zu hoher Nase, so ist das ein Zeichen, daß

die Fährte zu leicht ist. Sie ist deshalb bei der Schweißarbeit nicht erwünscht.

Dem Hund das ruhige Suchen auf der Schweißfährte beizubringen, erfordert viel Geduld

und sehr viel Schweiß. Der Hund muß gelernt haben, die Begriffe Verlorensuche und

Riemenarbeit auseinander zu halten. Auf allen Gebrauchssuchen, die ich gesehen habe,

erlebte man die gleichen traurigen Bilder, wo die Hunde in fliegender Hast, stürmisch die

künstliche Schweißfährte anfielen und ihr Führer, hinterherschleifend, alle Mühe hatte zu

folgen. Die wirklich schönen Bilder in der Schweißarbeit sind die Ausnahmen. Das muß

nicht sein.

Vor allen Dingen, wenn man sich vorstellt, daß man in der Praxis mit einem solchen

stürmischen und flüchtigen Hund eine Nachsuche durchführt, dies dann unweigerlich zu

einem Fiasko führt, leuchtet sogar dem Laien ein.

Die künstliche Schweißfährte kann natürlich nur ein nicht zu umgehender Ersatz für die

natürliche anzusehen sein. Der Vorteil einer künstlichen Fährte liegt darin, daß man mit

ihrer Hilfe dauernd die Möglichkeiten hat, mit dem Hund so oft es nötig ist, zu üben. Der

Kunstfährte fehlen aber alle natürlichen Merkmale, die wir bei der Naturfährte des

kranken Schalenwildes vorfinden. Ihr fehlen auch alle Merkmale des natürlichen

Trittwildes, sowie die Natur und Wundwitterung. Das sind alles Bestandteile, aus der sich

die Naturfährte zusammensetzt. Die feine Hundenase erkennt sehr genau, ob er auf

einer Kunstfährte oder auf einer Naturfährte sucht. Es wird wohl kaum einen Abrichter

geben, der seinen Hund auf der Naturfährte ausbilden kann. Denn soviel Schalenwild hat

er gar nicht zum Abschuß frei. Deshalb müssen wir auf die Kunstfährte zurückgreifen.

Sollte aber wirklich der Fall eintreten, daß einmal ein Stück angeschweißt weiterzieht,

dann wird es sich zeigen


wie gut wir unseren Hund auf der Schweißfährte ausgebildet haben. Denn er sollte so

schnell wie möglich das Wild zur Strecke bringen, um es vor weiteren Qualen zu

bewahren.

Beim Aufbrechen wird der Hund ganz in der Nähe abgelegt, um ihn nach dem Aufbruch

genossen zu machen, wodurch er nachher den Schweiß sehr liebt und bald schweißrein

gemacht wird. Wir sollten uns aber hüten, dem Hund Gelegenheit zum Rupfen am Stück zu

geben.

Für mich bietet die künstliche Schweißfährte trotz aller Unnatürlichkeiten den einzigen

gangbaren Weg, dem Hund die Grundbegriffe und die geistige Verankerung der schweren

Schweißarbeit beizubringen. Der gute Schweißhund achtet mehr auf Schweiß als auf

Fährten, denn wenn er erst fertig ist, so muß er auch das verwundete Wild unter den

gesunden Tieren ausmachen können.

Die Schweißgewinnung

Da uns in den seltensten Fällen genügend Wildschweiß zur Verfügung steht, um eine

Schweißfährte anlegen zu können, müssen wir notgedrungen auf Ersatzmittel

zurückgreifen.

Es stimmt zwar, das Blut Blut bleibt, aber unser Hund erkennt mit Sicherheit ganz genau

die feinen Unterschiede. So wie wir beim Legen der Schleppe Wild brauchen sowie zum

Bringen, so benötigen wir bei der Schweißarbeit Schweiß um eine Schweißspur zu legen.

Wir können den Hund nur dann auf Schweiß einarbeiten, wenn wir über Schweiß verfügen.

Deshalb empfiehlt es sich immer, einen Schweißtrichter und eine verschließbare Flasche

im Rucksack zu haben, an dem man ja nicht schwer zu tragen hat. Es hat halt den Vorteil,

wenn wir ein Stück Reh oder Hochwild zur Strecke gebracht haben, auf einfache und

bequeme Art den Schweiß zu sammeln und für die künstliche Schweißfährte zu verwerten.

Bei frischgewonnenem Schweiß ist zu beachten, daß er gut durchgeschüttelt wird um ihn

vor dem Gerinnen zu bewahren. Wir sollten auch etwas Kochsalz zufügen, denn es dient

zur besseren Haltbarkeit. Gibt es Vorteile, ob wir Wildschweiß oder Blut von Haustieren für

Übungszwecke verwenden?

Das können wir ganz klar mit ja beantworten. Wildschweiß ist Wildschweiß. Das erkennt

der Hund ganz genau. Nur ist es uns nicht immer möglich, dem Hund die optimalsten

Bedingungen auf der Schweißfährte zu bieten.

Deshalb müssen wir auf Haustierblut zurückgreifen. Es geht damit natürlich auch, aber es

ist nur ein Hilfsmittel. Einige Jäger sind der Auffassung, daß Hammelblut dem Wildschweiß

am ähnlichsten sei. Ich bin aber davon überzeugt, daß Rinderblut genauso gut ist.

Meine Überzeugung ist, daß sich die Qualität von Haustierblut wesentlich verbessern läßt,

wenn wir Wildaufbruch in den Kübel legen und mit Haustierblut übergießen und es über

Nacht stehen lassen.

Das Tierblut kann man bei jedem Fleischer beziehen. Somit haben wir ausreichend

Gelegenheit unsere Hunde auf diese Weise für die Schweißarbeit vorzubereiten und zu

schulen.


Die Anlage der künstlichen Schweißfährte

Dafür ist Bedingung, daß wir Blut oder Schweiß zur Verfügung haben. Außerdem

benötigen wir ein Hilfsgerät, indem sich der Schweiß oder Blut befindet. Hiervon gibt es

verschiedene Methoden. Das einfachste ist die bewährte Spritzflasche.

Wir können dazu eine einfache Plastikflasche mit einem Tropfverschluß nehmen oder eine

Weinflasche die wir verkorken. Bei der Weinflasche brauchen wir dann noch einen

Ersatzkorken mit einer Kerbe, den wir beim Legen der Schweißfährte auf die Weinflasche

stecken damit genügend Schweiß austreten kann. Man rechnet für eine Spritzfährte grob

über den Daumen geschätzt einen halben Liter Schweiß oder Haustierblut für eine

Fährtenlänge von etwa ca. 600 Meter.

Anstatt einer Spritzfährte können wir auch eine Tupffährte legen. Dazu benötigen wir dann

einen kleinen Schwamm, den wir an einem ungefähr eineinhalb Meter langen Stock

befestigen. Wir lassen den Schwamm mit Schweiß oder Blut vollsaugen und tupfen dann

damit auf den Boden.

Sind wir jetzt an dem Punkt angelangt, an dem der Hund die Fährte mit Leichtigkeit

ausarbeitet, dann gehen wir mit der Schweiß- oder Blutmenge zurück und lassen die

Stehzeit der Fährte verlängern. Die Schweißfährte sollte aber mindestens drei Stunden

stehen bevor der Hund angesetzt wird. Besser ist es jedoch von vorneherein 4 bis 5

Stunden zu warten bevor der Hund angesetzt wird.

Der Anschußbruch zeigt in die Richtung in der die Kunstfährte verläuft. Es dient zur

genauen Orientierung des Führers. Eine besondere Markierung wird an jener Stelle

angebracht, an der die Kunstfährte von der Geraden abbiegt ebenso in welcher Richtung

der weitere Verlauf der Kunstfährte erfolgt bei Haken, Wundbett usw.

Zur Einarbeitung des Hundes legen wir am Anfang der Kunstfährte eine Rehdecke nieder.

Dieser Platz an der die Rehdecke niedergelegt wird, sollte besonders vom Fährtenleger

durch einen Wattebausch oder Papierstückchen für den Führer kenntlich gemacht werden.

Sollte der Fährtenleger als Beobachter dienen, so hat er sich so aufzustellen, daß der

Hund von ihm keinen Wind bekommt. Ferner hat er sich ruhig zu verhalten und sollte eine

gute Deckung wählen, damit er nicht in Sicht des Hundes gerät. Auf keinen Fall darf der

Fährtenleger an diesem Platz rauchen. Für die Einarbeitung des Hundes ist eine genaue

Orientierung des Führers über den Fährtenbeginn, deren Verlauf und dessen Fährtenende

von größter Wichtigkeit, denn nur so lassen sich Fehlerquellen ausschalten. Gesucht wird

die künstliche Schweißfährte nur am abgedockten Schweißriemen. Der Schweißriemen ist

das Wahrzeichen für den waidgerechten Jäger. Ein schlechtes Bild wirft es auf den Führer

der seinen Hund an einer kurzen Führerleine oder an einem Strick zur Schweißarbeit führt.

Wir sollten uns nie dazu hinreißen lassen, den Hund mit dem Schweißriemen zu bestrafen.

Das kommt einer Todsünde gleich.

Die Ausarbeitung der künstlichen Schweißfährte

In einem Abstand von etwa drei Meter wird der Hund am Wundbett abgelegt. Der

Hundeführer untersucht den Anschuß gründlich und sagt leise: „Such verwund den Bock".

Dann holt er seinen Hund, zeigt ihm den Anschuß, den er dann intensiv bewinden soll. Der

Schweißriemen wird unter dem rechten Vorderlauf durchgezogen. Dadurch wird

automatisch der Kopf des Hundes in Richtung Boden gezogen. Wir müssen den Hund am

Anschuß genügend Zeit lassen um diesen zu bewinden. Nach einigen Sekunden sprechen

wir ruhig zum Hund „Such verwund den Bock". Allmählich wird dem Hund immer mehr

Riemen gegeben. Kommt der Hund während des Suchens zu weit von der Schweißfährte

ab, wird er abgetragen.


Der Hund wird wieder quer zu Schweißfährte angesetzt, damit er sie wieder aufnehmen

kann. Sollte er direkt Schweiß verweisen, muß der Hundeführer großes Interesse dafür

zeigen und ihn dafür gebührend loben. Unmittelbar hinter das letzte Wundbett legen wir

das Schalenwild oder Rehdecke ab. Unter der Rehdecke stellen wir die Futterschüssel.

Außerdem sollte die Rehdecke wie ein Tierkörper aufgestellt werden.

Bei den ersten Übungen auf der Schweißfährte lassen wir uns vom Hund bis an die

Rehdecke führen. Hier haben wir jetzt unter anderem zwei Möglichkeiten, den Hund zum

Totverbellen oder zum Bringsverweisen auszubilden. Der Totverbeller hat sofort wenn er

am Stück ist Laut zu geben und auf seinen Führer zu warten. Er darf das Stück nicht

anschneiden. Der Bringsverweiser muß das Bringsel sofort wenn er am Stück angelangt ist

aufnehmen und auf dem schnellsten Weg zu seinem Führer kommen. Zeigt der Hund nach

mehreren gradlinigen Schweißfährten eine gute und zuverlässige Leistung, dann gehen wir

dazu über, die Aufgabe zu erschweren. Dies erfolgt durch Verlängerung der Kunstfährte,

durch Einlegen eines Bogens und Einlegen von einem und mehreren Haken. Besonders

schwer wird es für den Hund, wenn wir in dichtere Bestände die Kunstfährte legen, oder

ein Übungsgelände wählen in dem sich sehr viele Wildspuren befinden. Das Schwierigste

dürfte für ihn wohl sein, wenn wir unsere Übung auf vielbegangene Wege verlegen. Auch

an solche schwere Arbeit muß der Hund gewöhnt werden, weil es hier sehr viele

Verleitungen gibt, die überbrücken muß, da sie in der Praxis ja auch vorkommen können.

Nach diesem Einüben, gehen wir an die Erweiterung der Aufgabe. Sie besteht darin, daß

wir jetzt nach 2/3 der Kunstfährte die am Riemen gesucht wird, den Hund setzen lassen,

wir geben ihm erneut das Hörzeichen „Such verwund", achten darauf, daß er die Nase zu

Boden nimmt worauf er dann geschnallt wird. Jetzt muß er das letzte Drittel frei arbeiten.

Das sollte so gelegt sein, daß wir den Hund nicht aus den Augen verlieren. Dies ist sehr

wichtig, um eventuell sofort einwirken zu können, falls der Hund sich falsch verhält.

Wir sollten immer dem Hund an der Rehdecke oder am Stück einen guten Brocken geben.

Der Totverbeller sollte es lernen, besonders lange Laut zu geben. Wir sollten mit ihm

solange üben, daß er bis zu einer halben Stunde Laut gibt. Deshalb nähern wir uns sehr

langsam dem Hund. Beim Bringsverweiser haben wir darauf zu achten, daß er nicht schon

unterwegs das Bringsel aufnimmt. Dieses darf er erst an der Rehdecke tun und muß auf

dem schnellsten Weg zu seinem Führer kommen.

Die Einstellung des Hundes von der Rehdecke auf

das verendete Stück

Es ist sehr wichtig, daß wir den Hund an das frisch erlegte Stück Rehwild heranführen und

ihn damit vertraut machen. Dazu sollten wir jede sich bietende Gelegenheit wahrnehmen.

Er darf zwar am Stück Witterung nehmen, aber jeder Versuch es anzufassen wird sofort

unterdrückt. Jedes Zerren und Rupfen muß gleich entschieden unterbunden werden. Wenn

wir dies einige Male wiederholen, werden wir sehen, daß der Hund begriffen hat, wie er

sich am gestreckten Stück zu verhalten hat. Benutzen wir zu der Übung ein geschossenes

Stück Rehwild das schon aufgebrochen wurde, so können wir vorsichtshalber die

aufgeschärften Stellen, sowie den Ein- oder Ausschuß und rund um das Waidloch Pfeffer

streuen. Sollte der Hund dann den Versuch des Anschneidens machen so wird ihm gehörig

der Appetit vergehen.

Für die Schweißarbeit benötigen wir sehr viel Liebe, Geduld und Ausdauer, um Erfolg zu

haben.


Zu meiner Person

Seit über 30 Jahren befasse ich mich mit der Ausbildung, Erziehung und Pflege von

Hunden, 1953 wurde ich Mitglied im Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) eV im VDH,

FCI und WUSV - meine Stamm-Ortsgruppe ist Freiburg-West.

Hier war ich von 1984 bis Januar 1987 Ausbildungswart.

Mein Zwingername für Deutsche Schäferhunde heißt: „von Wehbergen"

Seit 1970 unterhalten meine Frau und ich eine Hundepension und eine Hundeschule.

Kleine Haushunde werden in unserem Haus in Gottenheim gepflegt, große Hunde sind in

Freiburg in unserer Zwingeranlage untergebracht. Die Freiburger Zwingeranlage ist ca.

einen Hektar groß. Die Zufahrt erfolgt von der Besannconallee in die Opfinger Straße von

der nach ca. 50 m die Mundenhofer Straße rechts abbiegt.

Hinweisschilder mit „Hundeschule und Hundepension Kohne" sind an der Mundenhofer

Straße aufgestellt.

Seit 1980 biete ich mit viel Erfolg in meiner Hundeschule einen Ausbildungskurs für alle

Hunderassen und Mischlinge an. Hierbei werden nicht nur die Hunde erzogen, sondern

auch ihre Besitzer zur aktiven Arbeit mit ihren Vierbeinern angehalten. Innerhalb kürzester

Zeit, ca. 3-4 Wochen, ist der Erfolg bei Herr und Hund unübersehbar. Die Freude bei

Mensch und Tier ist gleich groß. Kein Hund wird als bösartiges Tier geboren. Mangelndes

Wissen über die artgerechte Haltung und Verhaltensweise des Hundes führen immer

wieder zu negativen Schlagzeilen in der Presse und sind oft das Todesurteil für manch

herrliches Geschöpf. Das muß nicht sein.

Übungszeiten für Fortgeschrittene: Übungszeiten für Anfänger:

montags von 17-18.00 Uhr dienstags von 17-18.00 Uhr

Da die Resonanz über das Buch „Der Deutsche Schäferhund stellt sich vor" so

überwältigend war, habe ich mich entschlossen, dieses Fährtenbuch zu erstellen.

Des weiteren ist ein Buch die „Hundeerziehung leicht gemacht" in Arbeit.

Da diese Bücher alle kostenlos verteilt werden, würde ich mich über Mithilfe, sei es durch

Werbung oder Spenden, sehr freuen.

Mit SV-Gruß

Bankverbindung: Öffentliche Sparkasse Freiburg im Breisgau,

BLZ 680501 01 Konto Nr. 2099033

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