COMPLEX - Visus Technology Transfer GmbH

visus.com

COMPLEX - Visus Technology Transfer GmbH

www.e-health-com.eu Nr. 1|2009

EUR 9,60 CHF 15,80

MAGAZIN FÜR

GESUNDHEITSTELEMATIK

UND TELEMEDIZIN

Der „Leonardo“ bzw. der

„vitruvianische Mensch“

von Leonardo da Vinci ziert

die neue elektronische

Gesundheitskarte. Und um

diese gibt es nach wie vor

viel Streit.

GESUNDHEITSKARTE Der Rollout

als Meilen- oder als Stolperstein?

MEDIZINTOURISMUS Patientendaten

gehen auf die große Reise.

IT-SICHERHEIT Wie Krankenhäuser

ihre Geräte und Systeme vor Viren,

Würmern und Hackern schützen.


Wirdigitalisieren Ihre

Patientenakten.

Blatt für Blatt für Blatt ...

Wirdigitalisieren. Einfach. Alles.


FOTO: LINKS UNTEN: MICHAEL HUDLER; RECHTS OBEN: FVDZ, TITEL: SHUTTERSTOCK (MONTAGE)

» Mittlerweile ist

nicht mehr völlig

auszuschließen, dass

doch noch das ganze

Projekt ins Straucheln

gerät.«

MARTIN SCHMITZ-KUHL

Chefredakteur

m.schmitz-kuhl@e-health-com.eu

STOLPERSTEINE

D

IESE AUSGABE hätte optimistisch, zukunftsweisend

werden sollen: Denn

schließlichbeginnt jetzt der Rollout der

elektronischen Gesundheitskarte (eGK).

Das Hängen und Würgen hat ein Ende.

Dochdann kam alles anders.Esfing damit

an, dass Franz-Joseph Bartmann,Vorsitzender

des Ausschusses Telematik der

Bundesärztekammer,kurz vorWeihnachten bei meiner Kollegin

Nina Schellhase anrief und ihr voneiner „kleinen Katastrophe“

berichtete: Während die Ärztevertreter die zuvor

erzielte Einigung mit den Kostenträgern so interpretierten,

dass die Onlineanbindung der Kartenlesegeräte optional sei,

bestünden diese darauf,dass nur der Zeitpunkt, nicht aber

die Onlineanbindung an sich, freiwillig sei. AusSicht der

Kassen ist das auchkonsequent. Denn wenn die Ärzte die

neuen Karten dauerhaft nur offline nützen würden, hätte

man auchdie alten Karten behalten können. Und sichdie Investitionen sparen.

Jetzt könnte man meinen, dass dies nur ein weiterer Stolperstein auf einem holprigen

Wegist, mittlerweile ist jedochnicht mehr völlig auszuschließen, dass doch

nochdas ganze Projekt ins Straucheln kommt.

EIN WEITERES INDIZ für die angespannte Lage: Ursprünglichhatten wir in

dieser Ausgabe eine Gesprächsrunde mit den beiden Geschäftsführern der eGK-

Betriebsorganisation gematik vorgesehen. Dochdaraus wurde nichts.Ein Tagvor

dem Termin kam überraschend die Absage aus Berlin. Das ist schade. Denn eine

aktiveund offensiveÖffentlichkeitsarbeit sieht sicher anders aus.Diese überlassen

die Verantwortlichen in Politik, Industrie und Selbstverwaltung nachwie vor

den Kritikern. Natürlichinformieren wir Sie trotzdem über den aktuellen Stand

bei der Einführung der eGK –leider eben ohne Interview (ab Seite 14).

ABER LASSEN WIR DAS mit der Gesundheitskarte. Denn glücklicherweise

gibt es auchnochandere Themen aus der eHealth-Welt. Nehmen wir das Thema

Medizintourismus,indem Digitalisierung und Vernetzung eine bedeutende Rolle

spielen (ab Seite 20). Oder das Thema IT-Sicherheit (ab Seite 26). Besonders ans

Herz legen möchte ichIhnen aber auchdas Porträt vonSteinar Pedersen aus Norwegen.

Dort kann man nachlesen, wasalles möglichist, wenn man sichnicht jahrelang

über die Ausgestaltung einer Karte streitet (ab Seite 40).

EDITORIAL

Plakate vor dem Gesundheitsministerium:

Öffentlichkeitsarbeit betreiben nach wie vor

nur die Gegner der Gesundheitskarte.

EHEALTHCOM 3


4 EHEALTHCOM

14

Bei der eGK gibt es mal wieder Streit. Einigen

sich Ärzte und Kassen nicht, droht Verzögerung.

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7

10

12

COMPACT

Nachrichten &Fakten

Meldungen

Flying Doctors, der 2. AAL-Kongress,Online-Gesundheitsakten,

das Konjunkturpaket u.v.m.

NEU: Dierks antwortet

Die neue Rechts-Kolumne von

Prof.Christian Dierks,Berlin.

Diesmal: Online-Anbindung

vonPraxis-Computern.

Köpfe &Karrieren

Salvatore Mendoliera, Edgar

Kuner,Dr. Michael Dahlweid,

Ralf Heilig, JonFriedländer,

Andreas Kassner,Prof.

Hermann Requardt u.v.m.

Interview

Prof.Dr. Peter Mertens über die

elektronische Gesundheitskarte

und über die typischen Probleme

großerIT-Projekte.

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20

26

20

Medizintouristen unternehmen weite Reisen, um sich medizinisch behandeln zu lassen.

Ihre Gesundheitsdaten sollten über kurz oder lang ebenso mobil werden.

COMPLEX

Ereignisse &Entwicklungen

GESUNDHEITSKARTE

Endspurt im Trippelschritt: Das

Projekt eGK steht vordem Basis-

Rollout. Im Anschluss folgt die

Online-Anbindung. So der Plan.

Aber es gibt neuen Streit in Kartenhausen.

Ein Überblick.

MEDIZINTOURISMUS

Rucksackpatienten: Kliniken

umwerben diese Kunden mit

professionellen Internet-Angeboten.

Künftig muss der

Datenaustausch zwischen den

Kliniken verbessert werden.

IT-SICHERHEIT

Alarm im Kliniknetz: Viele

Systeme im Krankenhaus fallen

unter das Medizinproduktegesetz.

Deshalb können IT-

Mitarbeiter Sicherheitslücken

nicht einfachschließen.

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conhIT

Branchentreffen: Das Grundkonzept

der conhIT bleibt. Hinzu

kommt die Integration der KIS-

Tagung.

Anwenderbericht

Effizientes Arbeiten: Das MW

Zentrum für Orthopädie &

Sportmedizin hat einen elektronischen

Mitarbeiter angestellt.

CeBIT

Begreifbare eHealth: Aufder Ce-

BIT 2009 wird ein Gesundheitsparcours

aufgebaut, der telemedizinische

Innovationenzeigt.

eFallakte

Es geht voran: Das Versprechen,

mit dem die elektronische Fallakte

antritt, wird langsam eingelöst.


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Wenn’s imIntranet brennt, weil sich ein Wurm breitmacht,

braucht es ein gutes Krisenmanagement.

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COMMUNITY

Menschen &Meinungen

Porträt

Die Spürnase: Im hohen Norden

Norwegens liest Dr.Steinar Pedersen

mit Begeisterung Krimis

–und leitet das Norwegische

Zentrum für Telemedizin.

Finanzkrise

Die Krise als Chance: Die Auswirkungen

der Finanzkrise müssen

nicht unbedingt nur negativ

sein, glaubt Prof. Dr. Dr. Joachim

Häcker.

Debatte

Beiträge vonProf.Benno

Kotterba, HeikoMania und

Dr.Kai Fidorra.

Aus den Verbänden

Beiträge und aktuelle Nachrichten

vonASSTeH, DGBMT,VDE,

DGTelemed, DGG,TMF,BMC.

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40

Dr. Steinar Pedersen betätigt sich gerne mal als Telemedizin-Spürnase im

Dienste des Norwegischen Zentrums für Telemedizin.

COMPETENCE

Wissenschaft &Forschung

Patientenakten

Am Joanneum Research wurde

der Prototyp eines klinischen

Information Retrieval Systems

entwickelt, um relevante Informationen

aus klinischen Freitextdokumenten

zu gewinnen.

IHE-Profile

IHE stellt ein technisches Framework

für den Datenaustausch

zwischen Gesundheitsakten und

den Dokumentationssystemen

der niedergelassenen Ärzte und

Krankenhäuser zur Verfügung.

Semantische Interoperabilität

Das Kodiersystem UCUM bietet

standardisierte Maßeinheiten

für Medizin und Pharmazie.

Überblick

Aktuelle Studien kurzgefasst.

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COMPASS

Markt &Service

Advertorials

Aus den Unternehmen

Firmenverzeichnis

Termine

Bücher und Websites

Findex

Standards

Editorial

Impressum

Herausgeber-Kolumne

INHALT

EHEALTHCOM 5


COMPACT

TRÖPFCHENWEISE Wer

Geld aus dem Konjunkturpaket 2will, sollte

sich beeilen. Das Volumen ist begrenzt.

6 EHEALTHCOM

Felix Amerika. Als BarackObama

seine Inaugurationsansprache

hielt, erwähnte er dort explizit

die Gesundheits-IT. Ererinnerte sich

auchspäter nochdaran: Von820 MilliardenUS-Dollar

ausdem US-Konjunkturpaket

sind immerhin 20 Milliarden

für Health IT reserviert. Werdas deutsche

Konjunkturpaket 2(KP2) durchforstet,

findet nichts dergleichen. Trotzdem

könnten zumindest Kliniken in

Sachen IT vomKP2 profitieren –wenn

sie sichbeeilen. „Ichkann nur jeder Kli-

nik raten, den Bedarf rasch anzumelden“,

so eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums

(BMG) zu E-

HEALTH-COM. Der Grund ist klar: Die

Mittel sind sehr begrenzt. Insgesamt

4,67 der 60 Milliarden Euro,die das KP2

umfasst, sollen in Investitionen für Infrastruktur

gehen. Kliniken konkurrieren

hier mit Straßenbau und Co.

Mit bis zu 50 Milliarden Euro hat

der Investitionsbedarf der Kliniken da

ganz andere Dimensionen. „Kurzfristig

könnten davon allein in diesem Jahr

7,38 Milliarden Euro sinnvoll investiert

werden“, so Holger Mages vonder Deutschen

Krankenhaus-Gesellschaft. Investitionen

in Software und EDV-Technik

machen davon exakt 544 Millionen aus,

wie die DKG in einer raschangesetzten

Empfindsame

Kleinsthelfer

für die Medizin

MIKROCHIP Am Fraunhofer-Institut für

Mikroelektronische Schaltungen und

Systeme (IMS) werden Mikrochips

mit intelligenten Sensoren entwickelt.

Sie erfassen physikalische Größen

wie Druck, Temperatur oder Feuchtig-

keit. Die Messwerte werden von

einem mikroelektronischen Sensor

Transponder erfasst, umgewandelt und

an ein entferntes Lesegerät gesendet.

Diese Technik kommt bereits bei medi-

zinischen Implantaten zum Einsatz. Die

neuen drahtlosen Sensoren benötigen

hierfür keine Batterie, sondern bezie-

hen ihre Energie aus einem elektro-

magnetischen Feld. Die Technologie

ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg

zum „Internet der Dinge“.

Repräsentativbefragung herausbekam.

Aufknapp 1,9 Milliarden summiert sich

der kurzfristig realisierbare Investitionsbedarf

bei der Medizintechnik.

Diese Zahlen lassen nur einen

Schluss zu: Für die Kliniken ist das KP2

ein Tropfen auf dem heißen Stein. Zu

einem spürbaren Investitionsschub bei

der Klinik-IT wird es,wenn überhaupt,

in einzelnen Häusern kommen. „Wir

wissen nicht, welcher Anteil der 4,67

Milliarden Euro aus dem KP2 in den

Kliniken ankommt“, gibt das BMG zu.

Trotzdem: Bedarf anmelden jetzt, heißt

die Devise. Die Ansprechpartner für die

KP2-Gelder sind allerdings dieselben

Länderministerien, die mit den Klinikinvestitionen

in den letzten zehn Jahren

auchschon geknausert haben ...


FOTOS: LINKS: FRAUNHOFER IMS; RECHTS: UC BERKLEY

PROSPE(G)KT RELOADED Nach einer

Findungsphase geht die Knappschaft mit ihrer Patientenakte

in die zweite Runde –und beglückt damit Ulla Schmidt.

Nein, eine offizielle Testregion

für die elektronische Gesundheitskarte

(eGK) ist Bottrop immer

noch nicht. Trotzdem wird das

Ruhrstädtchen derzeit zum Schaufenster

für die eGK: Ab sofort gibt es dort

wieder eine kartenbasierte elektronische

Patientenakte liveimEchtbetrieb.

Über 10 000 Patienten der Knappschaft

erhalten derzeit ihre Karten.

WieimVorprojekt handelt es sich

um eine zentrale Netzakte auf Basis des

Branchennetzes Gesundheit vonT-Systems.50Niedergelassene

und die Ärzte

des Bottroper Knappschaft-Krankenhauses

können darauf zugreifen. Die

Netzanbindung erfolgt mit einem gematik-fähigen

Konnektor. Ein HBA

kommt vorerst nicht zum Einsatz.

„ProspeGKT 1“ galt in Teilen als

Fehlschlag, unter anderem weil die

Kopplung des Datenzugriffs an die

eGK so rigide war, dass die Ärzte im

Alltag kaum arbeiten konnten. Das

wird bei „prospeGKT 2“ anders: „Der

Patient muss nicht mehr jeden Zugriff

einzeln autorisieren“, erläutert Projektleiter

Christian Bauer. Stattdessen

kommt eine „Zeitfenstertechnik“ zum

Einsatz, bei der die Zugriffserlaubnis

nacheinmaliger Freigabe für einen vorab

definierten Zeitraum erhalten

bleibt.

Für den Startschuss des Projekts

Mitte Januar war übrigens sogar Ulla

Schmidt angereist, die fröhlichden Patientenkiosk

bediente. Kein Wunder,

realisiert dochBottrop genau jenes Online-Szenario,das

nachdem Scheitern

des eRezepts jetzt auch imBMG als

prioritär eingestuft wird.

www.prosper-netz.de

Ticker +++Wissenschaftler

der University of California, Berkeley,

haben einen KABELLOSEN SENSOR entwickelt,

mit dem sie einen Käfer über

sechs Elektroden in den Muskeln und im

Gehirn fernsteuern können. Die Idee der

Forscher: Die Drohnen könnten künftig

verdeckte Ermittlungen durchführen.

Außerdem könnte sie auch bei Such- und

Rettungsmissionen in unzugänglichem

Gelände oder Gefahrenzonen eingesetzt

werden. +++Das Landgericht München

hat eine einstweilige Verfügung gegen das Arztbewertungsportal

DOCINSIDER erlassen. Geklagt hatte Konkurrent und Focus-Tochter

JAMEDA. Das Gericht hat es Docinsider jetzt bei Androhung eines

Ordnungsgelds von 250 000 Euro untersagt, in seine Bewertungszahlen

Arztbewertungen miteinzubeziehen, die mit einer umstrittenen

Klickfunktion erzielt wurden. +++Das 2500 PALMSAT

PULSOXIMETER VON NONIN ist das erste Medizinprodukt weltweit,

das ein Zertifikat der CONTINUA HEALTH ALLIANCE erhalten hat.

Das Produkt erfüllt damit die Konnektivitätserfordernisse der

Continua Design-Leitlinie Version 1. +++Das amerikanische Hollins

Communications Research Institute bietet Patienten, die stottern, einen

besonderen Service: Die Wissenschaftler entwickelten eine iPHONE-

ANWENDUNG, die die Sprachübungen des Patienten aufzeichnet,

sofort ein Feedback gibt und außerdem die gesammelten Übungsdaten

an den zuständigen Therapeuten weiterleitet. Damit können die Patienten

ihre Sprachübungen orts- und zeitunabhängig machen. +++

Ein ferngesteuertes

Käferdrohnengeschwader

könnte

künftig bei SuchundRettungsmissionen

helfen.

DIERKS ANTWORTET

Wie sichern sich Ärzte bei der Online-

Anbindung von Praxisrechnern

rechtlich ab?

Vernetzte Welt –vernetzte

Risiken. Jeder kennt das alte

Dogma, dass Praxisrechner

mit Patientendaten Standalone-Rechner

sein sollten,

um Patientendaten bei bestehender

Anbindung ans Internet

zu schützen. Im Jahr

2010 allerdings wird für die

Vertragsärzte die Online-

Abrechnung Pflicht –spätestens dann ist

PROF. DR. DR.

CHRISTIAN DIERKS

ist Rechtsanwalt und

Facharzt für Allgemeinmedizin

in Berlin.

„stand alone“ Schnee vongestern. Um den berufs-,

straf- und datenschutzrechtlichen Vorgaben

zu entsprechen, sind Hard- und Software

gefordert. Für die Sicherung der Patientendaten

sollte man ein dezidiertes Hardwaregerät

mit Firewall- und VPN-Funktionalität verwenden.

In der Konfiguration der Firewall sind die

restriktivsten Regeln auszuwählen. Passwortvergabe,

Call-Back, Preshared-Key-Verfahren

und AIDE-Kontrolle dienen dem Schutz der

Konfiguration. Für die Datenübermittlung

bieten fast alle Kassenärztlichen Vereinigungen

das „KV-SafeNet“ mit weiteren Funktionalitäten

an (z. B. elektronisches DMP,Arztbrief,

BG-Abrechnung, Labordatentransfer und

Krebsregister).

Diese Sicherheitsmaßnahmen sind keine

originär ärztliche Aufgabe. Die konkrete Umsetzung

sollte den Profis entsprechender Dienstleistungsunternehmen

übertragen werden. Sie

müssen dafür sorgen, dass mindestens die von

Bundesärztekammer und KV/ KBV formulierten

Vorgaben eingehalten werden (die Technische

Anlage zu den Empfehlungen der Bundesärztekammer

(DÄB 9. Mai 2008 –A1026)

verweist auf die Sicherheitsempfehlungen des

Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik).

In einem Haftungsfall ist der

Hinweis auf die Einhaltung der Vorgaben ein

wichtiges entlastendes Argument. Und dann ist

die vernetzte Welt aucheine sichere Welt.

EHEALTHCOM 7


COMPACT

8 EHEALTHCOM

SOLINGEN GEHT ANS NETZ Das Ärztenetz Solimed hat mit der

AOK einen Versorgungsvertrag abgeschlossen. Eine dezentrale Netzakte soll die dafür nötigen

Versorgungsdaten liefern.

Ein Jahr nach Einführung einer

gemeinsamen IT-Infrastruktur

hat das Solinger Ärztenetz Solimed

jetzt mit der AOKeinen regionalen

Versorgungsvertrag abgeschlossen.

Die digitale Vernetzung vonderzeit 40

Praxen und drei Kliniken trägt damit

erste greifbare Früchte.

Zum Einsatz kommt in Solingen die

Vernetzungslösung comdox. Um diese

nutzen zu können, müssen alle Ärzte

mit ähnlicher EDV-Ausstattung arbeiten,

mit dem Primärsystem vonPieData

oder mit MCS Isynet. „Wir haben den

Umstieg gemeinsam im Jahr 2007 vollzogen

und sind dann im Januar 2008

mit dem Netz gestartet“, sagt der Arzt

und Netzmanager Dr.Stephan Kochen.

Umsonst wardas nicht: 700 000 Euro

haben die am Netz beteiligten Ärzte insgesamt

in die Hand genommen. „Rein

finanziell haben wir das noch längst

nicht reingeholt, aber ichspüre im Alltag

schon eine gewisse Erleichterung.

Ichmuss beispielsweise nicht mehr so

viel nachBefunden suchen“, so Kochen.

Technischwird bei comdoxdie ID

der Krankenversichertenkarte (KVK) als

Hashcode verschlüsselt auf einem zentralen

Rechner gelagert. Besucht der Patient

einen anderen Arzt im Netz und

identifiziert sichdort mit seiner KVK,

fordert der Rechner des zweiten Arztes

bei den vorher besuchten Ärzten automatischeventuell

vorhandene Befunde

an. Den Vorteil sieht Kochen darin, dass

es keine zentrale Akte gibt, die erst gefüllt

werden muss.Weil alle das gleiche

Praxis-EDV-System nutzen, gibt es außerdem

kaum Schnittstellenprobleme.

Das freilichhat eine Kehrseite: „Wir

haben Ärzte, die gerne mitmachen würden,

aber wegen ihrer Geräteausstattung

die EDVnicht einfachwechseln können“,

so Kochen. Das betrifft unter anderem

Radiologen. Zumindest zu dem Praxis-

EDV-System Duria soll deswegen jetzt

die Kompatibilität hergestellt werden.

Wenn Röntgenbilder übermittelt werden,

wird außerdem DSL nötig. Bisher

ist Solimed ein reines ISDN-Netz.

FLIEGENDE ÄRZTE Das Carus Consilium Sachsen ist im Rennen um die „Gesundheitsregion

der Zukunft“. Den hochdotierten Wettbewerb gewinnen wollen sie unter anderem mit

den „Flying Doctors“.

Bei „Flying Doctors“ denkt man

an Australien, wo der nächste

Arzt nicht selten Flugstunden

entfernt ist. Ganz so schlimm ist es in

Ostsachsen nochnicht. Gleichwohl gibt

es auchhier in der medizinischen Versorgung

weitreichende Defizite –insbesondere

in der post-stationären und

fachärztlichen Betreuung. So kann es

sein, dass im Umkreis von50Kilometern

kein Onkologe sitzt, der den Krebspatienten

nachseinem Krankenhausaufenthalt

versorgt. Die Konsequenz:

Der Patient muss auf notwendige Therapie

verzichten. Ein guter Grund, ein

Versorgungsnetzwerk wie das Carus

Consilium Sachsen (CCS) aufzubauen.

„Wenn der Patient nicht zum Arzt kommen

kann, muss der Arzt eben zum Patienten

kommen“, sagt Projektkoordinatorin

Dr.Andrea Morgner.Hauptziel

des CCS ist eine enge Verzahnung der

Leistungsanbieter.Morgner: „Wir wollen

eine Versorgungsregion etablieren.“

Die fliegenden Ärzte sind dabei ein Instrument,

die medizinische Versorgung

zu verbessern. Fachärzte aus den Partnerkliniken

sollen regelmäßig in die Region

kommen, um die notwendigen

Therapien zu ermöglichen. Das verbessert

nicht nur die Versorgung des ein-

zelnen Patienten, sondern ist auchgesundheitsökonomischsinnvoll.

Derzeit

sind 34 Kliniken, 25 Praxen sowie Wissenschaftseinrichtungen,Unternehmenspartner,

Kostenträger und Ministerien

als Partner des Netzwerks

registriert. Im Wettbewerb um die Gesundheitsregion

der Zukunft ist das

Consilium in der zweiten Runde. Mitte

des Jahres werden die fünf Gewinner-

Regionen ausgewählt und mit insgesamt

40 Millionen Euro gefördert. Um

die Verzahnung der Ärzte möglichst effektiv

zu gestalten, soll in Sachsen auch

ein IT-Netzwerk aufgebaut werden.

„Die IT dient als Support für die integrierten

Versorgungsnetze“, sagt Morgner.Von

einer zusammenhängenden IT-

Infrastruktur ist man in Sachsen jedoch

noch weit entfernt. Ein Großteil der

niedergelassenen Ärzte in der Region verfügt

nochüber keinen Internetanschluss.


FOTOS: LINKS: SHUTTERSTOCK; RECHTS :UNTEN: SHUTTERSTOCK, OBEN: UNIVERSITÄT SAARBRÜCKEN

Per SMS gegen die Tuberkulose

Tuberkulosetherapien sind komplex. Textnachrichten können die

Compliance verbessern. In Afrika entsteht dafür sogar ein Markt.

Dreiverschiedene Medikamente

am Tag, und bitte möglichst keines

davon vergessen. Kombinationsbehandlungen

mit Tuberkulostatika

gehören zu den aufwendigsten

Therapien überhaupt. Die WHO empfiehlt

dabei eine Therapiestrategie namens

DOTS,Directly Observed Treatment.

Ein Arzt oder ein anderer

Gesundheitsdienstleister händigt dem

Patienten täglichdie Pillen aus,und der

Patient schluckt sie nochinGegenwart

desArztesrunter.

WasinStädten geht, ist in vielen Regionen

der Welt auf dem Land kaum

umsetzbar.Zunehmend diskutiert werden

deswegen SMS-basierte Erinnerungssysteme,

die den beim „echten“

DOTS nötigen Menschen durch eine

SMS-Funktion ersetzen. Die WHO hat

dazu bereits ihre Zustimmung signalisiert:

„Alles was technologisch getan

werden kann, um das Problem zu lösen,

ist zu begrüßen“, sagt Mario Raviglione

vonder Abteilung Stop TB der WHO.

Mittlerweile haben mehrere Anbieter

den Ruf erhört. Das Unternehmen SIMpill

hat ein Tablettenfläschchen mit

SIM-Karte entwickelt. Sobald die Box

geöffnet wird, sendet diese SIM-Karte

Tuberkulose-Patienten müssen regelmäßig ihre Medikamente

nehmen.

eine SMS an einen zentralen Server.

Bleibt die Nachricht aus,deutet das auf

Non-Compliance, und der Patient wird

angerufen und an seine Tabletten erinnert.

In einer klinischen Studie in der

Nähe vonKapstadt wurde SIMpill bei

155 Tuberkulosepatienten evaluiert, mit

durchaus respektablem Ergebnis: Bei

einer immerhin zehnmonatigen Therapie

wurde eine Compliance von86bis

92 Prozent erreicht, und die Therapie

verlief bei 94 Prozent der Patienten erfolgreich.

Eine südafrikanische Public-

Health-Organisation soll bereits Interesse

an dem System haben.

Ebenfalls in Südafrika ist das Unternehmen

CompuTainermit seiner etwas

kostengünstigeren Lösung SIMmed aktiv.Bei

SIMmed drückt der Patient auf

eine Taste am Handy und bestätigt auf

diese Weise die Einnahme der Tabletten.

Auch CompuTainer hat eine klinische

Studie in Südafrika gemacht: Die

Compliance lag bei über 90 Prozent.

Es geht auch wilder: Am MIT in

Boston wurde eine Art Löschpapier entwickelt,

mit dem Abbauprodukte von

Tuberkulostatika im Urin nachweisbar

sind. Wenn der Patient auf das Löschpapier

pinkelt, wird ein Code sichtbar,

der dann wiederum per

SMS verschickt wird.

Dadurchwird es praktisch

unmöglich, zu

schummeln. In einer

Studie in Nicaragua

wurde dieses Xout TB

genannte System mit

einer Belohnung gekoppelt:

Werordentlichdie

Pillen schluckte, erhielt

am Monatsende Gratisminuten

für sein Handy.NeueHerausforderungen

erfordern neue

Lösungsansätze ...

www.the lancet.com

CT-Diagnostik

auf Rädern

SCHLAGANFALL „Time is Brain“ lautet ein

beliebter Slogan in der Rettungsmedizin:

Ähnlich wie beim Herzinfarkt kommt es

bei Patienten mit Schlaganfall auf jede

Minute an. Denn eine Lysetherapie ist nur

in den ersten drei, nach neueren Daten in

den ersten viereinhalb Stunden nach dem

Ereignis möglich. Um dieses Zeit-

fenster auch auf dem Land

häufiger einhalten zu

können, wo die Wege

zur Klinik mitunter

weit sind und ein 24-

Stunden-Dienst beim

CT nicht immer ver-

fügbar ist, wird am

Universitätsklinikum

Saarbrücken jetzt das Konzept

einer „Mobile Stroke Unit“ getestet. An

der von dem Neurologen Prof. Klaus

Fassbender geleiteten klinischen Studie

sollen insgesamt 200 Patienten teilneh-

men. Hervorstechendes Merkmal ist ein CT

an Bord eines neurologisch und radiolo-

gisch besetzten Notarztwagens, abge-

schirmt durch dicke Bleiplatten, versteht

sich. Wenn der Mitarbeiter der Rettungs-

leitstelle bei einem Notruf den Verdacht

auf einen Schlaganfall hat, alarmiert er

nicht den normalen Rettungswagen, son-

dern die Mobile Stroke Unit, die dann ein

CT vor Ort macht und die Lysetherapie

schon einleitet, bevor der Patient schließ-

lich ins Klinikum gebracht wird. Auch eine

Telemedizinfunktion ist eingebaut, sodass

gegebenenfalls weitere Experten zurate

gezogen werden können.

clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00792220

EHEALTHCOM 9


COMPACT

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2

KÖPFE &KARRIEREN

1 Nach sechsjährigerTätigkeit

im Bereich

Telematik der Bundesärztekammer widmet sichDr. Philipp Stachwitz

wieder der klinischen Tätigkeit als Arzt im Krankenhaus.

Neuer Stellvertretender Dezernent Telematik der Bundesärztekammer

ist NORBERTBUTZ. 2 ALEXANDER BRITZ hat bei Philips

die Position gewechselt. Er ist ab sofort neuer BU Manager

MRI Global Sales &Services International/Emerging Markets.

Sein Nachfolger als neuer Direktor Healthcare Informatics ist

HeinrichWilhelm Dalke. 3 Der Aufsichtsrat vonHewlett-Packard

hat VOLKER SMID mitWirkung zum Januar 2009 als Vorsitzenden

der Geschäftsführung berufen. 4 ANDREAS KASSNER ist

Anfang des Jahres planmäßig zum neuen Geschäftsführer des

Verbands der Hersteller von IT-Lösungen für das Gesundheitswesen

e.V. berufen worden. Er trat damit die Nachfolge von

Anja Hollmann an. 5 Der Aufsichtsrat der Nexus AG hat RALF

HEILIG (unten) als neuen Vertriebsvorstand berufen. Heilig, der

seit 2001 bei Nexus diverse Management-Aufgaben erfüllt hat,

folgte Stefan Burkart und übernahm zu Jahresbeginn die konzernweite

Verantwortung des Vertriebsressorts.Gleichzeitig erweiterte

die Nexus AG ihren Vorstand um das Ressort Entwicklung,

das EDGAR KUNER (oben) seit Jahresbeginn verantwortet.

6 ROLF HUCK,von 2004 bis 2008 Direktor des Bethesda-Spitals,

hat beim Schweizer Zentrum für Telemedizin MEDGATE die Leitung

des Bereichs Business Development übernommen. In dieser

Funktion ist Huck zuständig für die Evaluation von neuen

Businessideen sowie die strategische Investitionsplanung. 7 Seit

Dezember letzten Jahres ist JON FRIEDLÄNDER Vertriebsleiter

10 EHEALTHCOM

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bei der Dr.Hein Unternehmensgruppe und somit verantwortlichfür

den Aufbau des kompletten Vertriebs der Dr.Hein Diagnostik GmbH.

Friedländer ist Gründer der InterComponentWare AG und ein Spezialist

auf dem Gebiet der eHealth-Lösungen. Er ist nun auchfür die Bereiche

Vertrieb und Beratung in Osteuropa zuständig. 8 SALVATORE

MENDOLIERA hat die Geschäftsführung der NoemaLife GmbH übernommen.

Er folgt damit Dr. Paolo Serra, der am 30. Juli 2008 unerwartet

verstorben war. 9 KLAUS MERK hat beim Stuttgarter E-Business-Spezialisten

dmc als Head of Unit die Leitung der E-Business

ECM und eHealth-Abteilung übernommen. 10 Personalwechsel beim

Münchner Technologiekonzern Siemens: Der Siemens Vorstand

PROF.DR. HERMANN REQUARDT ist neuer CEO des Sektors Healthcare,

Chief Technology Officer und Leiter der Zentralabteilung Corporate

Technology. 11 iSoft hat die Ernennung von DR. MICHAEL

DAHLWEID als Chief Medical Officer bekannt gegeben. Er wird in

seiner neuen Rolle dafür verantwortlichzeichnen, den Nutzen einer

verbesserten Patientensicherheit bei bestehenden und neuen Technologien

zu maximieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass die

Lösungen von iSoft Ärzten zu einer verbesserten und sicheren Patientenversorgung

verhelfen. 12 In unserer letzten Ausgabe wurde

versehentlich ein Bild vertauscht –hier das richtige: DR.THOMAS

LUX istder Autor des Competence-Beitrags „IT-Systeme als Bindeglied

zwischen ambulanter und stationärer Patientenversorgung“.

13 Hypercom hat ULF HÖNICK zum Vice President Healthcare ernannt.

Er soll die Lösungen und Produkte für das weltweit wachsende

Gesundheitsgeschäft verantworten. 14 DR.THOMASBERGER wurde

zum neuen General Manager Medical Division der Fujifilm Europe

GmbH berufenund istinder NiederlassungDeutschland fürVertrieb,

Marketing und Service dieses Bereichs verantwortlich.

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FOTO: RECHTS: SHUTTERSTOCK

EINIGUNGEN ALLERORTEN Nach zähem Ringen haben sich HÄVG

und CompuGROUP über den AOK-Vertrag geeinigt. Die AOK einigt sich derweil über den Konnektor.

Und einige Praxis-EDV-Hersteller eint auch schon eine Zertifizierung.

Ein Durchbruch? Oder nur der

nächste Schritt in einer unendlichen

Geschichte? Die Hausärztliche

Vertragsgesellschaft (HÄVG)und

die CompuGROUP haben endlichüber

den gekapselten Kern für die Vertragssoftware

des Hausarztvertrags in Baden-

Württemberg zueinander gefunden. Der

„gekapselte Kern“ ist das Herzstückder

Vertragssoftware, jene Einheit, in der

unter anderem die Regeln niedergelegt

sind, nachdenen der Hausarzt innerhalb

des neuen AOK-Vertrags seine Generika

veordnen sollte.

Nach Darstellung der HÄVG hatte

die CompuGROUP bisher den Einbau

des gekapselten Kerns in ihre diversen

Praxis-EDV-Systeme abgelehnt. Die CompuGROUP

gabdemgegenüber zu Protokoll,

dass sie mit der Qualität der „Fremdsoftware“

nicht einverstanden sei. Wie

dem auchsei, nachdem sichschon rund

600 Ärzte mit CompuGROUP-Systemen

für den AOK-Vertrag eingeschrieben hat-

ten, wurde es langsam Zeit für eine Lösung

dieses Knotens.Die Lösung sieht

nun so aus,dass die CompuGROUP eine

(eigene) Zwischenlösung für ihre

Kunden bauen darf,die vonder HÄVG

fürs erste Quartal 2009 zertifiziert wird,

bevor dann im zweiten Quartal der gekapselte

Kern der HÄVG verwendet

wird. Ob das so klappt, ist die spannende

Frage. Bei der CompuGROUP erwartet

man Änderungen am gekapselten

Kern, die eine tiefe Integration der Funktionalitäten

der Vertragssoftware in die

Praxis-EDVermöglichen sollen.

Ebenfalls um tiefe Integration ging

es auchbei der MEDIZIN 2009 in Stuttgart,

wo das Praxis-EDV-System Profimed

die Anbindung der vonder HÄVG

zur Verfügung gestellten Software Hausarzt+

über eine erweiterte Schnittstelle

demonstriert hat. Dadurchwerden in

Hausarzt+ verordnete Medikamente

auchinder Praxis-EDVhinterlegt, und

der Arzt kann direkt zwischen den Sys-

Mobiler Hörsaal

iTUNES U Der Traum aller Studenten wird wahr: Anstatt bei schönem Wetter im Hörsaal zu

schmoren, können sie künftig überall, zum Beispiel im Schwimmbad oder im Eiscafé, ent-

spannt die Vorlesung auf dem Laptop oder dem iPod verfolgen. Und jeden Teil der Veran-

staltung beliebig oft Revue passieren lassen. Möglich macht das iTunes U, die akademische

Ecke im Online-Musikshop iTunes von Apple. Dort bieten jetzt die Elite-Universitäten Frei-

burg, Aachen und München (LMU) sowie das Hasso Plattner Institut (HPI) in Potsdam Pod-

casts und Videocasts zum kostenlosen Download an. Die Universität Freiburg stellt zum

Auftakt über 500 Beiträge über den Bildungsbereich von iTunes zur Verfügung, darunter Vor-

lesungen und Aufnahmen des Uni-Orchesters. Die Münchner LMU bietet unter anderem

aktuelle Forschungsergebnisse an, Aachen stellt medizinische Vorlesungen zum Download

zur Verfügung. Die Beiträge kann jeder abrufen, der auf einem Windows-PC oder Apple

Macintosh die kostenlose Software iTunes von Apple installiert hat. Wenn die Rechnung des

amerikanischen Computerkonzerns aufgeht, werden die Studenten nach dem Download der

Vorlesungen noch im Online-Shop stöbern und Musik, Videos oder Hörbücher einkaufen.

temen hin und her wechseln. In jedem

Falle sollte demnächst für alle relevanten

EDV-Systeme eine Lösung verfügbar

sein –entweder mit Hausarzt+ oder

mit Kern. Definitiv zertifiziert für die

Integration des Kerns sind, Stand Februar,Duria

und MCS Isynet.

Dochdie Nachrichten aus dem Ländle

dürften damit nicht aufhören. Die

AOKhat jetzt nacheinem Gesprächmit

den Landesdatenschützern verfügt, dass

alle Ärzte, die sich abMitte Januar in

den Vertrag einschreiben, obligat einen

Konnektor einsetzen müssen. Sie dürfen

also kein Software-VPN und wohl

auchkeine Lösung mit Standard-Router

mehr verwenden. Wersichnun vor

Mitte Januar schon einen Router zugelegt

hat, für den gilt zwar Bestandsschutz.

Dochdas ist nicht das,was der

Datenschützer empfiehlt. Ein bisschen

fragt man sichda, warum die Unterhaltungen

mit den Datenschützern nicht

etwas früher stattgefunden haben.

EHEALTHCOM 11


COMPACT

»Spät, aber kein Misserfolg«

Prof. Dr. PETER MERTENS über die elektronische Gesundheitskarte

(eGK) und über die typischen Probleme großer IT-Projekte.

PROF. DR. PETER MERTENS

ist emeritierter Professor für

Wirtschaftsinformatik an der

Universität Erlangen-Nürnberg.

12 EHEALTHCOM

Sie haben verschiedene IT-Großprojekte

analysiert. Inwiefern sind die Probleme bei

der eGK typisch oder untypisch?

Alle sieben Vorhaben, die ichangeschaut

habe, waren oder sind verspätet. Das gilt auch

für die eGK. Untypischist die eGK insofern,

als es sichumdas weitaus größte und komplexeste

Projekt handelt; die institutionellen

Bedingungen sind besonders ungünstig, weil

viele Projektbeteiligte auf anderen Feldern des

Gesundheitswesens zum Teil heftige Konflikte

austragen. Atypisch, aber besonders positiv

zu vermerken ist, dass man für die Einführung

und Nutzung der eGK einen gut durchdachten

Stufenplan ausgearbeitet hat.

Siesagen,großen IT-Projekten mangele es

an Misserfolgsforschung.Wie könnteeine solche bei der

Gesundheitskarte aussehen?

Die eGK liegt weit hinter dem Zeitplan, ist aber bisher

kein Misserfolg im engeren Sinne. Um Misserfolge zu erforschen,

muss man sicheine Materialsammlung aus Pressemeldungen,

Parlamentsprotokollen und speziellen Arbei-

Sparen per

Online-Akte

GESUNDHEITSAKTEN Die Verknüpfung

zwischen Web2.0-Portalen und elektroni-

schen Gesundheitsakten ist schon länger

unter dem Begriff „Gesundheitsakte 2.0“ in

vieler Munde. Das Tübinger Unternehmen

careon hat jetzt zusammen mit der BKK

Essanelle, mit dem Software-Unternehmen

Atacama und mit dem Patientenportal

Arzt-Preisvergleich.de von MediKompass

ein solches Web2.0-Szenario in seiner

Gesundheitsakte realisiert. Es handelt

sich um ein interaktives Werkzeug zur

Bewertung von Heil- und Kostenplänen,

das Patienten ohne viel Zutun zu einem

im Einzelfall deutlich preisgünstigeren

Zahnersatz verhelfen kann. Das funktio-

niert so: Der leidgeplagte Patient sucht

einen Zahnarzt auf, der ihm einen Heil-

und Kostenplan für einen Zahnersatz

erstellt. Der Patient schickt diesen Heil-

und Kostenplan an seine Krankenkasse,

die ihn mithilfe der Atacama-Software

digitalisiert und in die elektronische

Gesundheitsakte des Versich-

erteneinstellt.Jetzt hat

der Versicherte darauf

Zugriff. Per Mausklick

kann er dann das

Portal von

ten, wie z. B. Dissertationen, anlegen und auf dieser Grundlage

eingehende Gespräche führen. Wichtig ist, Vertreter

aller Beteiligten zu hören.

WelcheVorschlägehaben Sie, die Schwierigkeiten mit IT-

Projekten der ÖffentlichenVerwaltung zu vermindern?

Wichtigstes Ziel muss es sein, mehr Probleme in früheren

Phasen der Projekte zu erkennen und die Realisierungsphase

damit weniger zu belasten. Wirmüssen ein

Stückweg von„Learning by doing“ oder „Trial and error“.

Viele Fachleute empfehlen auchden Übergang vomZwei-

Phasen-Projekt zum Drei-Phasen-Projekt: Nach der Formulierung

der politischen Ziele und der Ausarbeitung von

Funktionslisten und Pflichtenheften sollte nicht sofort die

Ausschreibung folgen; vielmehr wäre zunächst nachdem

Vorbild der Wirtschaftsprüfer eine neutrale Instanz einzuschalten,

die aus den vonpolitischer Seite vorgegebenen

Zielen und Funktionen Lastenhefte ableitet und auchdas

Risikoanalysiert.

AusIhrer Sicht sollen Projektewie die eGK Anreizezur EntwicklungneuerTechnologien

geben. Inwiefernerzeugt das

„Leuchtturmprojekt“ einen Bedarfssog für die Industrie?

Ichhalte es für denkbar,dass man etwadie Technik der

biometrischen Identifikation im schwierigen Massenbetrieb

vonPraxen und Kliniken weiterentwickelt. So könnte

man das Problem angehen, dass viele Patientinnen und

Patienten mit der sechsstelligen PIN nicht zurechtkommen.

MediKompass zurate ziehen und dessen

Preisvergleichsfunktion nutzen. Zahnärzte

in der Region erfahren dadurch von dem

Patienten und können basierend auf dem

Online-HKP eigene Angebote abgeben,

sodass der Patient dann vergleichen und

gegebenenfalls den Zahnarzt wechseln

kann. Außerdem hat der Besitzer der Akte

auch noch aus der Akte heraus Zugriff auf

die Patientenbewertungen des Portals.

So kann er sich über die Ur-

teile anderer Patienten

informieren, bevor er

eines der Angebote

annimmt.

www.careon.de


GRAFIK RECHTS: OLIVER WEISS; FOTO LINKS SHUTTERSTOCK

AUF DEM VORMARSCH

Der 2. Deutsche AAL-Kongress hat gezeigt, dass das Thema

Ambient Assisted Living langsam aber sicher vorankommt –nicht

zuletzt durch eine millionenschwere Förderung vom BMBF.

AmEnde des 2. Deutschen AAL-

Kongresses zeigte sichder Vorsitzende

des Programmausschusses,

Armin Hartmann, sehr

zufrieden. Mit dem Kongress sei die

nochsehr heterogene Gemeinde der mit

dem Thema AAL befassten Experten

auf dem Wegzueinem gemeinsamen

Verständnis und einer stärkeren Vernetzung

ein gutes Stückvorangekommen,

betonte er. Mit ca. 525 Teilnehmern

(deutlichmehr als im Jahr zuvor),

150 Vorträgen und 22 Ausstellern hatte

der Kongress zudem den erhofft großen

Zuspruch gefunden. Der vom

Bundesministerium für Bildung und

Forschung (BMBF) und vomVDE im

Rahmen der Innovationspartnerschaft

AAL ausgerichtete Kongress hat sichangesichts

dieser Zahlen etabliert.

Auch die Teilnehmer zeigten sich

durchweg zufrieden. Die Veranstaltungsräume

waren gut gefüllt und die

Zuhörer meist sehr diskussionsfreudig.

Etwas mehr Anwendungsnähe hätte sich

mancher in den Auditorien sicherlich

gewünscht. Angesicht des nochsehr jungen

Bereichs AAL dominierten die Formulierung

vonZielen, die Beschreibung

vonVorhaben, die Vorstellung vonFor-

schungsprojekten und Erklärung technologischer

Entwicklungen nochsehr

stark die Vortragsthemen. Auch waren

nur wenige Vertreter der Anwenderseite

zu finden. Deshalb sollen für den nächsten

Kongress vorallem mehr Experten

aus Patienten- und Sozialverbänden und

aus den Kranken- und Pflegeversicherungen

angesprochen werden.

Es gababer auchsehr konkrete Berichte

über Entwicklungen, Anwendungen

und erste Erfahrungen. Einige

Redner betonten, dass der Stand vieler

Entwicklungen weiter fortgeschritten

sei als oft angenommen. In diesem Zusammenhang

unterstrich VDE-Vorstandsvorsitzender

Dr.Hans Heinz Zimmer,dass

sein Verband plane, „nochin

diesem Jahr einen ersten VDE-Standard

für Ambient Assisted Living mit internationaler

Gültigkeit vorzustellen“.

Den DruckinRichtung Umsetzung

dürften auchdie 17 konkreten Projekte

verstärken, die das BMBF im ersten

Schritt der insgesamt 125 Millionen Euro

„schweren“ und auf drei Jahre angelegten

AAL-Förderung ausgewählt hat.

Viele der Projekte haben einen unmittelbaren

oder dochstark mittelbaren Bezug

zum Thema Gesundheit. Dies und

auch die vielen Vorträge

mit Bezug zur

IT und Gesundheit

zeigen die großen

Schnittmengen der

Themen AAL und

eHealth. Geht es doch

im Kern darum, Menschen

trotz altersbedingter

oder gesundheitlicherBeeinträchtigungen

möglichst

lange ein eigenständiges

Leben in den eigenen

vier Wänden

zu ermöglichen.

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Neue Messe Stuttgart

24. – 26. Juni 2009


COMPLEX | eGK

ENDSPURT IM

TRIPPELSCHRITT

DIE GESUNDHEITSKARTE STEHT

VOR DEM BASIS-ROLLOUT. DIE

ONLINE-ANBINDUNG FOLGT. SO

DER PLAN. DOCH WIEDER GIBT

ES STREIT IN KARTENHAUSEN.

TEXT: NINA SCHELLHASE

14 EHEALTHCOM

Eigentlich ist alles klar. Imersten und zweiten Quartal

dieses Jahres beginnt der Basis-Rollout der elektronischen

Gesundheitskarte (eGK). Kartenlesegeräte und

eGK werden zunächst in der Region Nordrhein, auch

bekannt als Durchstichregion, eingeführt und in Betrieb

genommen. Anschließend will man den Basis-Rollout

–auchbekannt als Release 0–nachdem Zwiebelschalenmodell

im ganzen Bundesgebiet fortsetzen und die Ärzte

und Patienten befähigen, die neue elektronische Gesundheitskarte

im „Wirkbetrieb“ zu nutzen. Selbst das vorgar nicht langer Zeit noch

gravierende Problem mangelnder Hardware ist gelöst: Sechs

eHealth-BCS und zwei mobile Kartenlesegeräte hat die gematik (vorläufig)

zugelassen, die Pauschalen, die Leistungserbringer für die

Anschaffung der Lesegeräte erhalten, sind festgelegt und die KV

Nordrhein ist organisatorisch auf den Rollout vorbereitet. Wenn

auchlangsam –die eGK hat gegenüber der bisherigen Krankenversicherungskarte

bis auf ein Passfoto zunächst keine weiteren Funktionen

–, jetzt könnte es losgehen. Eigentlich.

Kurz vordem Jahreswechsel entzündete sichder Konflikt zwischen

Kostenträgern und Leistungserbringern dann erneut. Der Grund:

>

Die Gesellschafterversammlung der gematik hatte den vorgezogenen

Online-Rollout beschlossen. Der Plan: Der Basis-Rollout

FOTO: WDV/ S.OBERSCHELP


„Die Leonardo-Figur steht in einem Kreis

mit einem Durchmesser von 30,00 mm.

Der Kreis ist horizontal so zu positionieren,

dass er links um 1,75 mm angeschnitten

wird“ –soheißt es in der eGK-

Spezifikation, Teil 3: Äußere Gestaltung


COMPLEX | eGK

16 EHEALTHCOM

behält zwar weiterhin Priorität. Als

nächster Punkt auf der „Tagesordnung“

folgt allerdings die bundesweite

Netzanbindung. Das ursprüngliche

Ziel, zunächst eRezept und Notfalldatensatz

einzuführen, liegt vorerst auf

Eis.Für erste Anwendungen nachdem

Online-Rollout soll der Versichertenstammdatendienst

(VSDD) eingeführt

werden, mit dem die Patientendaten

auf der eGK online aktualisiert werden

können. Die Leistungserbringer

sollen zudem die Möglichkeit zur

„Mehrwertkommunikation“ erhalten.

Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt

sichPraktikables wie der eArztbrief,eine

sichere und schnelle Punktzu-Punkt-Kommunikation

vonArzt zu

Arzt. Genau genommen eine Akzeptanzfördermaßnahme

für Ärzte –indes

mit ungeahnter Wirkung.

DIE ENTSCHEIDUNG des vorgezogenen

Online-Rollouts provozierte die

Ärzteschaft, die ihren Unmut gleichin

der Gesellschafterversammlung zu Protokoll

gab. „Es ist völlig unangemessen,

ausschließlichaus Gründen eines politisch

motivierten Zeitdrucks unabwendbare

Entscheidungen mit erheblichen

Folgen zu treffen“, tadelte Prof.

Dr. Christoph Fuchs,Hauptgeschäftsführer

der Bundesärztekammer,ineiner

entsprechenden Pressemitteilung.

Besonders bei der Interpretation der

Freiwilligkeit der Online-Anbindung

gehen die Ansichten vonKostenträgern

und Leistungserbringern auseinander.

Für die Kostenträger gilt allein der

Startpunkt der Online-Anbindung als

freiwillig. Das ist kaum verwunderlich,

denn sollte die Ärzteschaft nicht ge-

schlossen die Möglichkeit nutzen, Versichertendaten

auf der eGK online abzugleichen,

würde sichdie Investition

der Kostenträger in eGK-fähige Kartenterminals

und Update-fähige Gesundheitskarten

garnicht lohnen. Die Krankenkassen

planen für die Ausgabe der

eGK an ihre Versicherten einschließlichder

Lichtbildbeschaffung und Anschreiben

sowie für die Ausstattung der

Ärzte, Zahnärzte und Krankenhäuser

mit Kartenterminals für das laufende

Jahr einen Gesamtbetrag vonrund 655

Die Entscheidung für den

vorgezogenen Online-Rollout

provozierte die Ärzteschaft.

Millionen Euro ein. Dies hatten die Kassen

kürzlichimZusammenhang mit einer

„kleinen Anfrage“ der Fraktion „Die

Linke“ dargelegt.

Aus der Sicht der Leistungserbringer

bezieht sich die Freiwilligkeit

auf die Online-Anbindung generell.

So hatte die Ärzteschaft es auf

dem 111. Ärztetag erneut gefordert.

Und so ist es aus der Sicht der KBV

auchdurchdie Bundesmantelverträge

gedeckt, wie Dr.Roland Stahl, Pressesprecher

der KBV auf eine Anfrage von

E-HEALTH-COM bestätigt. Dr. Franz-

Joseph Bartmann, Telematikbeauftragter

der Bundesärztekammer,befürchtet

als Reaktion auf die „harte Haltung“

der Kostenträger daher eine ebensolcheReaktion

der Ärzte: „Unter der Voraussetzung,

dass die Online-Anbindung

nicht wie bisher geplant freiwillig

ist, könnte das auchunabsehbare Konsequenzen

bereits für die Umsetzung

des Basis-Rollouts haben“, so Bartmann.

Der Dissens in der Gesellschafterversammlung

der gematik könnte

sich jetzt zu einem ernsthaften Problem

für das eGK-Projekt ausweiten,

um dessen Akzeptanz es in der breiten

Öffentlichkeit momentan ohnehin

nicht besonders gut bestellt ist.

EIN GEDANKENSPIEL: Die Kassen,

speziell jene, die in Nordrhein viele

Versicherte haben, sollen in Kürze

die Pauschalen für die Lesegeräte der

Leistungserbringer zahlen und die elektronischen

Gesundheitskarten, um ein

Mehrfaches teurer als die alten KVKs,

an ihre Versicherten ausgeben. So wurde

es auf Bundesebene beschlossen.

Solange der Online-Rollout nicht vollzogen

ist, müssen die Kassen die Gesundheitskarten

weiterhin austauschen.

Soviel ist klar. Ohne eine

Garantie der Ärzte, sichgeschlossen an

die Telematikinfrastruktur anzubinden,

würde sichdaran aber auchnach

dem Online-Rollout nichts ändern.

Genug Motivation, Geld in ein System

zu investieren, das sich anschließend

nicht auszahlt? „Aus Sicht der Krankenkassen

muss die Zeit der Offlinephase

auf zwei Quartale nachAusgabe

der eGK begrenzt sein, damit es nicht

zu kostenintensiven Doppelstrukturen

kommt und der Versicherte schnellstmöglichvon

den Vorteilen der eGK profitieren

kann“, sagt Wilfried Jacobs,Vorstandsvorsitzender

der AOK Rheinland/Hamburg.

Ein straffer Zeitplan.

Für den es bisher keinen Konsens gibt.

Ist der Rollout in Nordrhein also gefährdet?

Jacobs fürchtet dieses Problem

nicht: „Der Rollout in Nordrhein wird

durch die freiwillige Teilnahme nicht

gefährdet, wobei Zeitverzögerungen

nicht auszuschließen sind.“

Gerade der Faktor Zeit ist in diesem

Fall aber nicht ganz unwichtig: Für die

Regierung, die sichspätestens zur Bundestagswahl

an Prestigeprojekten wie

der Gesundheitskarte messen lassen

muss,könnte eine weitere Verzögerung

durchaus zu einem Problem werden.

Wenn sichder Basis-Rollout verzögert

und der Rollout der Karten bis zum September

nicht begonnen hat, wäre der

Lackdes internationalen IT-Glanzstücks

zumindest ordentlichangekratzt. Trotz

der Probleme hält sichdas Bundesministerium

für Gesundheit bisher raus.


Auch im Streit um die Freiwilligkeit der

Online-Anbindung: „Das Bundesministerium

für Gesundheit sieht in den gefassten

Beschlüssen (die Red.: Online-

Rollout) einen vertretbaren Schritt, im

größtmöglichen Konsens aller Beteiligten

die elektronische Gesundheitskarte

einzuführen. Die sichdaran anschließenden

weitergehenden Fragen, die im

ersten Schritt besonders die vertraglichen

Beziehungen in der GKV-Versorgung

betreffen, müssen zunächst im

Rahmen der üblichen Vertragsverhandlungen

der Selbstverwaltungspartner

gelöst werden“, sagt Staatssekretär

Dr.Klaus Theo Schröder.Klartext: GKV

und KBV sollen die Suppe alleine auslöffeln.

Zumindest zunächst.

Motiviert ist der vorgezogene Online-Rollout

nicht zuletzt durch den

Zwischenbericht, den die gematik Ende

des letzten Jahres veröffentlichte.

Durchihn wurde einerseits „die Taug-

lichkeit gewisser Anwendungen“ nachgewiesen,

andererseits zeigte er auf,

dass „bei einigen Themen erhebliches

Verbesserungspotential“ besteht –insbesondere

an der Schnittstelle zur Praxis-EDV.

Außerdem haben gerade die

Anwendungen, die als erste eingeführt

werden sollten, nämlich das eRezept

und der Notfalldatensatz, wenig Akzeptanz

bei den Leistungserbringern,

wie der Bericht zeigte. Die zwei Zugpferde

für die Karte entpuppten sich

als störrische Esel.

BEIM ELEKTRONISCHEN Rezept,

das ursprünglich als erste Pflichtanwendunge

der eGK eingeführt werden

sollte, muss nachgebessert werden,

so das Fazit. In den Testregionen stellten

die Ärzte wenig eRezepte aus –

monatlich zwischen 134 und 915.

Nochweniger,35bis 608, wurden von

den Patienten überhaupt eingelöst. In

Die neue Gesundheitskarte

kommt.

Auchwenneslange gedauerthat.

Auch wenn nicht jeder weiß,

was siealles kann.

Und auchwenn nicht jeder sie

haben will.

manchen Apotheken wurde nur alle

zwei Wochen ein eRezept vorgelegt.

Ursache für die geringe Nutzungsfrequenz:

Die Versicherten hatten ihre

eGK nicht immer dabei und wussten

zudem häufig nicht, wo sich die entsprechenden

Testapotheken befanden.

Ein weiteres Problem für die Akzeptanz

des eRezepts: Die Ärzte mussten

parallel nochPapierrezepte ausstellen.

Dieses wäre mit dem Rollout allerdings

behoben. Das Signieren der eRezepte

beurteilten die Ärzte zudem als

kompliziert. Ein Grund, warum die gematik

die Kommunikation mit den

Praxis-EDV-Herstellern künftig verbessern

will. Ab dem dritten Quartal

2010 soll dann auchdie Komfortsignatur,

bei der die Signatur mittels Biometrie

oder RFID-Chip ausgelöst wird,

das Ausstellen der Rezepte vereinfachen.

Viel Zeit vergeht, bis die praktikable

Lösung kommt.

>

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COMPLEX | eGK

18 EHEALTHCOM

Sieben auf einen Streich

Der neue Band der GVG-Schriftenreihe fasst die ersten Ergebnisse aus den

sieben Testregionen der elektronischen Gesundheitskarte zusammen.

Band 62 der GVG-Schriftenreihe „Die elektronische Gesundheitskarte

im Praxistest: Berichte und Stellungnahmen“ dokumentiert

den aktuellen Diskussionsstand in den sieben eHealth-

Testregionen im Herbst 2008. Er leistet damit Pionierarbeit, denn

erstmals wurden die Berichte aus den Testregionen gesammelt

und strukturiert aufbereitet. Inhaltlichergeben sichdabei zuweilen

deutliche Unterschiede. So stellten die Ärzte in der Region

Flensburg aufgrund mangelnder Akzeptanz zeitweise keine

Notfalldatensätze mehr aus.Kein vergleichbares,aber dennoch

ein aufschlussreiches Ergebnis.

Auch übergreifende Erkenntnisse hält der Band parat. So

scheint es Konsens,dass Nutzungsfrequenz und Akzeptanz höher

sind, sobald die Praxisverwaltungssysteme die Arbeitsabläufe

in den Praxen unterstützen. Dies gilt zum Beispiel für das Ausstellen

des eRezepts.Die Ergebnisse der Publikation deckensich

hier mit denen aus dem Zwischenbericht, den die gematik Ende

letzten Jahres veröffentlicht hat. Als Mehrwert gegenüber diesem

bietet die Publikation der GVGzudem Stellungnahmen der verschiedenen

Akteure im Gesundheitswesen, vomBundesgesund-

Auch beim Notfalldatensatz (NFD),

einst als erste freiwillige Anwendung der

eGK geplant, förderte der Zwischenbericht

Verbesserungsbedarf zutage. Hauptkritikpunkt

hier warder zeitliche Mehraufwand.

Für einen Datensatz benötigte

der Arzt etwa20Minuten. Zum Hintergrund:

Bestehende Patientendaten kann

derArztbishernicht ausder Praxis-EDV

übernehmen, außerdem muss zeitgleich

mit der ersten freiwilligen Anwendung

auchdie PIN der Karte initialisiert werden.

Weil die PIN-Eingabe besonders

älteren Patienten Schwierigkeiten bereitete,

wurden in Schleswig-Holstein

zeitweise garkeine NFD mehr ausgestellt.

Für die PIN-Problematik muss nocheine

Lösung gefunden werden. Insgesamt

ist bisher nicht geklärt, wie es mit dem

NFD weitergeht und ob die Forderung

des 111. Ärztetages,den Notfalldaten- in

einen Basisdatensatz umzufunktionieren,

umgesetzt wird.

Vordem Hintergrund des Zwischenberichts

verwundert die Entscheidung,

heitsministerium über den vdek, den Datenschutzbeauftragten

und die KBV.Der Tenor der Stellungnahmen repräsentiert eine

eher „zurückhaltende Stimmung“. Die Bundesregierung betont

die Pionierrolle der Testregionen. Der Branchenverband BITKOM

sieht in Basis- und Online-Rollout die entscheidenden Schritte,

um alle Anwendungen der eGK nutzbar zu machen. Datenschützer

befinden die eGK „auf einem guten Weg“. Die konstruktiv-kritische

Ärzteschaft konstatiert, Mehraufwendungen müssten sich

künftig in den Vergütungen niederschlagen. Für alle, die am Prozess

der Einführung der eGK und dem Aufbau der Telematikinfrastruktur

teilhaben, ist der Band eine lohnende Lektüre.

die Online-Anbindung mit Versichertenstammdatendienst

und eArztbrief

vorzuziehen, nicht. Neu dabei ist, dass

im Laufe des Online-Rollout erstmals

Test- und Wirkbetrieb parallel laufen

werden. Ein Arzt in einer Testregion

kann sowohl mit den Anwendungen

des Wirkbetriebes,zum Beispiel VSDD,

arbeiten, als auchmit den Anwendungen,

die nochimTest sind. „Wir wollen

erreichen, dass ein Leistungserbringer

nicht nur Testteilnehmer,sondern auch

Versicherte, die ausgegebene Gesundheitskarten

besitzen, bedienen kann“,

sagt Daniel Poeschkens,Kommunikationsleiter

der gematik. Mehr Anwendungen

gleich mehr Akzeptanz? Die Zeit

wird es zeigen.

DIE GRUPPE, die nach dem Zwischenbericht

der gematik besonders gefordert

ist, nämlichdie Hersteller von

Praxis-EDV, begrüßt die Entscheidung

der Gesellschafter,zeitgleichmit dem

Rollout die ersten beiden Online-Diens-

Die elektronische Gesundheitskarte

im Praxistest: Berichte und

Stellungnahmen (Band 62)

Schriftenreihe der GVG (Hrsg.)

nanos Verlag

Bonn, März 2009

33 Euro (Subskriptionspreis von 24 Euro)

te der Telematik-Infrastruktur zu starten:

„Nur bei konsequenter Einführung

vonPflicht- und Mehrwert-Onlinediensten

werden die Investitionen in die

Infrastruktur refinanziert werden. Die

für den Start gewählten Mehrwertdienste

„VSDD“ und „eArztbrief“ sind geeignet,

bei den Anwendern deutlicherkennbaren

Nutzen zu generieren“, sagt Jens

Naumann, Geschäftsführer vonDOCexpert

und Vize-Präsident des VHitG.

ICW,ein Unternehmen, das unter anderem

einen Konnektor für die Infrastruktur

entwickelt hat, hält sichbei der

Bewertung des Online-Rollout noch

etwas zurück. Dirk Albers,Managing

Director der ICW Deutschland: „Den aktuell

angekündigten vorgezogenen Online-Rollout

können wir erst detailliert

bewerten, wenn die für März angekündigte

finaleSpezifikation und der angekündigte

Projektplan verfügbar sind.“

Eine positiveGrundhaltung zum Online-

Rollout ergibt sichvon selbst: Ohne Vernetzung

kein Markt für Konnektoren.


Im Reigen der Akteure gibt es derzeit

also allerhand zu verhandeln und

zu verbessern. Im öffentlichen Diskurs

hat es das Projekt Gesundheitskarte

momentan schwer und bringt nicht

mehr allein die kritischen Ärzteverbände

gegen sichauf.Auchauf politischer

Ebene gibt es deutliche Stimmen gegen

die eGK. In der seit der Hessenwahl

wieder erstarkten FDP sitzen mit Sabine

Leutheusser-Schnarrenberger und

Daniel Bahr Kartengegner,die sichregelmäßig

zu Wort melden. Und auf die

Regierung der Bayern kann der Bund

ohnehin nicht uneingeschränkt zählen:

Im Koalitionsvertrag vonCSU und

FDP heißt es: „Wir begrüßen die Einführung

einer neuen Versicherungskarte

(Personendaten mit Bild) im Jahr

2009, um dem Missbrauch zubegegnen.

Die Einführung der elektronischen

Gesundheitskarte ist seit Jahren in Verzug.

Es fehlen Tests mit Online-Anwen-

UnsereMedien

sind schon da.

DenGegnern undMiesmachern darf

nicht dasFeld überlassen werden.

Nutzen Sie unsere Medien zur

Information undAkzeptanzförderung!

dungen. Die Einführung der elektronischen

Gesundheitskarte erscheint

derzeit deshalb nicht erfolgversprechend.“

Die Bayerische Landesregierung

sagt also ja zur Karte mit Bild.

Vonder Telematikinfrastruktur indes

distanziert sie sich.

WIE GEHT ES ALSOWEITER? Änderungen

sind mit dem Online-Rollout

angestoßen, Verzögerungen gehören

offenbar weiter zum Geschäft. Die

nächste Frage ist, ob Kostenträger und

Leistungserbringer sichinpuncto Freiwilligkeit

einigen können. Mangelnder

Konsens ist ein weiteres Mal des Pudels

Kern. Professor Peter Mertens,

emeritierter Prof.für Wirtschaftsinformatik

an der Universität Erlangen-

Nürnberg, verwundert das nicht.

Schwierige institutionelle Beziehungen

zwischen den Beteiligten, außerordentliche

Komplexität und bewegli-

cheZielstellungen seien die Ursachen

für die bislang wenig rühmliche Projektgeschichte

der elektronischen Gesundheitskarte,

resümierte Mertens

kürzlichineinem Vortrag auf der Omnicard.

Die Früchte beim Projekt Gesundheitskarte

seien indes so niedrig

gehängt, dass man auf jeden Fall eine

Ernte einfahren könnte, so Mertens.

Die Frage, ob der geringe Ertrag den

Aufwand rechtfertige, müsse sich das

Projekt allerdings stellen lassen. Wenn

die Akteure sichalso nachzähem Ringen

ein weiteres Mal einigen, geht es

wohl erstmal weiter.ImTrippelschritt.

NINA SCHELLHASE

Die Journalistin aus

Frankfurt amMain

ist Redakteurin bei

E-HEALTH-COM.

Kontakt: n.schellhase

@e-health-com.eu

Mehr Informationen –auchzur individuellenGestaltungder Medien für

IhreKommunikation –erhaltenSie vonAntjeStohl –Telefon: 069405631-161

E-Mail: a.stohl@health-care-com.de –Internet: www.egk-medien.de

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COMPLEX | MEDIZINTOURISMUS

RUCKSACKPATIENTEN liegen im

Trend. Sie reisen zur Behandlung aus

dem Ausland an und suchen sich die

besten Ärzte aus. Kliniken umwerben

diese Kundschaft, die gut fürs Budget

ist, mit professionellen Angeboten im

Internet. In den nächsten Jahren muss

der Datenaustausch

zwischen den betei-

ligten Kliniken noch

verbessert werden.

TEXT: ROBERT GERL, LEONORE BOSCHER, FRED BASALAMA

20 EHEALTHCOM

in winterlicher Freitagmittag in Hamburg. Dimitri

Ivanov liegt nachseiner Operation, zwar noch

erschöpft, aber sichtlichzufrieden in seinem Patientenbett

auf der internationalen Station des

Universitätsklinikums UKE in Hamburg Eppendorf.Vor

wenigen Wochen hatte er bei einer Vorsorgeuntersuchung

in seiner russischen Heimat die Diagnose

Prostatakarzinom gestellt bekommen. Da er nochverhältnismäßig

jung ist, wasmit einem aggressiven Verlauf der

Krankheit einhergeht, wurde ihm eine Therapie in einem

spezialisierten Zentrum empfohlen. Bei der Recherche stießen

er und seine Frau über das Internet auf die Martini

Klinik des UKE in Hamburg. Dort wird er nun im weiteren

postoperativen Verlauf voninterkulturell geschultem

Pflegepersonal versorgt, bis er im Laufe der nächsten Wochemit

seinen ins Russische übersetzten Krankenberichten

die Rückreise in seine Heimat antreten kann.

Der gesamte Behandlungsablauf,von der ersten Anfrage

des Patienten bis zur Nachbetreuung im Heimatland,

wird von einem achtköpfigen Team des International

Patient Office am UKE organisiert. Als Basis für kontinuierliche

Verbesserungen der Qualität der Versorgung

ausländischer Patienten führt das International Patient

Office in diesem Jahr in Kooperation mit German

Healthcare Services /Consulting und der Hochschule

E

>

FOTO: SHUTTERSTOCK [M]


COMPLEX | MEDIZINTOURISMUS

22 EHEALTHCOM

Deggendorf ein spezifisches,medizintouristisch

ausgerichtetes Qualitätsmanagementsystem

ein.

Ivanov ist kein Einzelfall. Jährlich

werden am UKE 400 Patienten aus dem

Ausland bei überwiegend elektiven medizinischen

Problemen versorgt. Weltweit

ist Medizintourismus ein beachtlicher

Markt. So schätzt die Unternehmensberatung

McKinsey in einer

Marktstudie, dass der Umsatz im Geschäftsfeld

Medizintourismus von 40

Milliarden Dollar im Jahre 2004 auf etwa

100 Milliarden Dollar im Jahr 2012

steigen wird. Der weltweit größte Teilmarkt

in diesem Szenario ist der USamerikanische,

wo eines der teuersten

Gesundheitssysteme der Welt auf eine

hohe Rate nicht oder nur unzureichend

versicherter Bürger trifft. Dies hat zu

globalen Patientenbewegungen bisher

Das entspricht nahezu der aktuellen Einwohnerzahl

Bonns.Auf der anderen Seite

kommen aber auchzunehmend Patienten

aus dem europäischen Ausland

für hochkomplexe und komplizierte Behandlungen

nachDeutschland, weil sie

zu Hause nicht diese hervorragende medizinische

Qualität oder lange Wartelisten

haben.

DER INCOMING-MARKT des Medizintourismus

nachDeutschland lag

bislang in der Größenordnung voneinigen

zehntausend Patienten. Die offiziellen

Statistiken erfassen dabei nur

den stationären, und nicht den ambulanten

Sektor.Hierunter fallen insbesondere

Patientenströme aus dem benachbarten

Ausland zu den grenznah

gelegenen und renommierten Ärzten

und medizinischen Institutionen, aber

Medizintourismus erreicht bis

2012 einen weltweiten Umsatz

von 100 Milliarden Dollar.

noch ungesehenen Ausmaßes geführt.

Entsprechend einer Studie der Unternehmensberatung

Deloitte sind 2007

rund 750 000 Patienten aus den Vereinigten

Staaten zur medizinischen Versorgung

verschiedenster Erkrankungen

ins Ausland gereist. Die Zehn-Jahres-

Prognose sagt hier einen Anstieg auf

über 15 Millionen Patienten im Jahre

2017 voraus.

CROSS-BORDER HEALTHCARE

ist auchinnerhalb Europas auf dem Vormarsch.

Immer öfter begeben sichzum

Beispiel Deutsche für leichtere Behandlungen

wie etwaZahnmedizin, Augenlasern

oder plastische Chirurgie ins Ausland.

Nach Schätzungen der Kassenverbände

reisen jährlichetwa300 000

Deutsche für eine medizinische Behandlung

ins nahe oder auchferne Ausland.

auchPatientenströme aus entfernter gelegenen

Ländern mit unzureichender

Maximalversorgung wie Russland oder

die arabischen Staaten.

Deutsche Ärztemit eineminternationalen

Ruf und strategischdenkende

Krankenhausmanager haben die deutsche

Medizinqualität geschickt international

vermarktet. In Deutschland

konnte daher in den letzten Jahren ein

steter und signifikanter Zulauf vonausländischen

Patienten verzeichnet werden.

Internationale Patienten werden

außerhalb des normalen Krankenkassen-Budgets,welches

in den Leistungen

limitiert ist und welches ständig abgesenkt

wird, abgerechnet und stellen daher

eine zusätzliche Einnahmequelle

für die Krankenhäuser dar.Der globale

Patient wird sich seinen Arzt, der ein

ausgewiesener Spezialist für die Erkran-

kung des Patienten sein muss,selbst suchen,

wenn nötig weltweit.

Medizinische Institutionen mit

weltweitem Renommee haben sichbereits

seit Jahren insbesondere hinsichtlichihres

Internetauftritts auf ausländische

Patienten eingestellt. Kliniken

wie die MayoClinic in Rochester oder

die weltweit mit Tochterkliniken vertretene

Johns Hopkins International

Clinic können ein umfangreiches und

mehrsprachiges Informationsangebot

für ausländische Patienten vorweisen.

Herausragend bezüglichdes Informations-

und Kommunikationsangebotes

für internationale Patienten ist der

Internetauftritt des Bumrungrad International

Hospital in Bangkok. Multimedial

angereichert werden hier alle relevanten

Aspekte einer Behandlung aus

Sicht eines internationalen Medizintouristen

dargestellt. Neben dem Hinweis

auf die internationale Krankenhaus-Akkreditierung

nachJCI (Joint Commission

International) findet der Patient hier

eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur

Planung der Behandlung seines medizinischenProblemsanderKlinik.Außer

in Englisch lässt sich das medizinische

Angebot der Klinik in sieben

weiteren Sprachen recherchieren. Der

Patient kann sein medizinisches Problem

in Form einer webbasierten Anfrage

schildern und einen Termin mit

dem Arzt seiner Wahl vereinbaren.

Auf seiner Website publiziert das

Bumrungrad International Hospital

sogar die Behandlungskosten vonüber

40 der am häufigsten nachgefragten

Prozeduren mit Mittelwert und jeweils

oberen und unteren 75 Prozent Vertrauensintervall.

Darüber hinaus gibt

es eine umfangreiche Liste der nächstgelegenen

Hotels und Appartments,

mit Lageplan und einem praktischen

Währungsrechner für 45 internationale

Währungen zur Preiskalkulation

der touristischen Komponente im Gesamtpaket.

ZUWEISERPORTALE werden in

naher Zukunft zu einerm verbesserten

Aufnahme- und Entlassungsmanage-


FOTO: GERMAN HEALTHCARE SERVICES

ment internationaler Patienten führen.

Hierbei spielen unter anderem Themen

wie die Terminkoordinierung, aber auch

die elektronische Übernahme vonVorbefunden

oder die Erstellung vonZweitmeinungen

eine große Rolle. Dadurch

besteht noch vor der Ankunft des Patienten

am internationalen Krankenhaus

die Möglichkeit, dass Zuweiser und

behandelnder Arzt sichdetailliert über

die Patienteninformationen austauschen

können. Unklare Fälle und Missverständnisse

können so auf ein Minimum

reduziert werden.

Insbesondere bei Therapieverfahren,

die einer komplizierten und langen oder

garchronischen Nachbehandlung bedürfen,

werden sichimRahmen des Medizintourismus

in Zukunft auchnochweitere

Konzepte aus dem BereicheHealth

bewähren. Continuous Care Records und

elektronische Patientenakten werden den

Patienten und den behandelnden Ärzten

dabei helfen, die relevanten Patienten-

daten in strukturierter und variabler

Form zwischen Quell- und Zielländern

des Medizintourismus auszutauschen.

Ein Beispiel, wie unzureichende Informationen

zur Vorgeschichte und -behandlung

eines Patienten zum Problem

werden können, ereignete sichineiner

deutschen BG Unfallklinik vorüber einem

Jahr.Ein junger arabischer Patient

warnacheinem Autounfall in seiner Heimat

aufgrund der Komplexität der Verletzungen

zwar zügig im Anschluss an

eine Erstversorgung nachDeutschland

gebracht worden. Da ihm aber so gut wie

keine Dokumentation über seinen Fall

mitgegeben wurde, benötigten die behandelnden

Ärzte zwei Tage, um an die

fehlenden Vorinformationen aus dem

Heimatland des Patienten zu kommen.

Das Geschäftsfeld „ausländische

Patienten“ warinder Vergangenheit eher

ein Nischenmarkt, auf dem sichnur wenige

Anbieter vonmedizinischen Dienstleistungen

und nochweniger Anbieter

vonPatientenservices tummelten. Aufgrund

der sich stetig verändernden

Marktkräfte wie Qualitäts- und Preisdifferenzen

der medizinischen Leistungen,

dem zunehmenden Informationsangebot,

einem erhöhten Tourismusaufkommen

und dem demographischen Wandel ist

hier in den nächstenJahren ein starker

Zuwachs zu erwarten.

Der Wunsch, in diesem Markt eine

Reglementierung und insbesondere eine

Sicherung der Patientenrechte zu gewährleisten,

hat weltweit zur Gründung

vonmehreren Fachorganisationen geführt.

In den USA wurde die Medical

Tourism Association gegründet. Die International

Medical Travel Association

in Singapur vertritt in Südostasien die

Interessen der Medizintouristen und

der Medizintourismus-Branche, sowohl

aufseiten der Leistungserbringer als

auchder Patientenservice-Dienstleister.

Auch in Europa wurde im letzten Jahr

eine European Medical Tourism Alliance

Prozesssteuerung

durch ein Medizintourismus-Portal

mit International

Clinical Pathways –

der Patient als aktiver

Partner.

>

EHEALTHCOM 23


COMPLEX | MEDIZINTOURISMUS

24 EHEALTHCOM

als sogenannte European Economic Interest

Group (E.E.I.G.) in Brüssel angemeldet.

Die Gründungen dieser Fachgesellschaften

und Verbände sind ein

Indikator für die zunehmende politische

und wirtschaftliche Bedeutung der Themen

Global Health und Cross-border

Healthcare. Auch 2009 finden wieder drei

wichtige Medizintourismus-Fachkongresse

statt: Der European Congress on

Health Tourism im April in Budapest, die

Konferenz „Dienstleistungen für internationale

Patienten“ an der FH Bonn-

Rhein-Sieg im September,und der World

erhöhten Informationsbedarf bei potentiellen

Medizintouristen wird sich

dieses Phänomen der Selbstorganisation

schon bald auchauf den Medizintourismusausdehnen.

Neben den individuellen Erfahrungsberichten

und spezifischen Foren

wird zunehmend auchdie Bewertbarkeit

der Leistungen vonÄrzten und Kliniken

im Medizintourismus-Markt an

Bedeutung gewinnen. Der Einfluss von

multimedialen Informationen wird in

diesem Kontext erheblichzunehmen.

Neue Web-TV-Angebote werden die Be-

Mehr Datenschutz für grenzüberschreitende

Behandlungen

innerhalb der EU gefordert.

Medical Tourism &Global Health Congress

im Oktober in Los Angeles.Für diese

Fachkongresse und das Thema Gesundheits-

und Medizintourismus ist bei Xing

die Gruppe „Health Tourism 2.0“ eingerichtet

worden, wo diese Themen in einer

Vielzahl vonDiskussionsforen weiter

diskutiert werden können.

Grundsätzlichkann bei Medizintouristen

zwischen drei Motiven und Patientengruppen

unterschieden werden:

Patienten aus Ländern mit unzureichender

Maximalversorgung wie Russland

oder den arabischen Staaten; Menschen

aus Industrienationen, die sehr hohe

Behandlungskosten im Heimatland zu

tragenhaben;Patienten, welche dringliche

Behandlungenbenötigen, für die

im eigenen Heimatland zum Teil lange

Wartezeiten bestehen.

VIRTUELLE PATIENTEN-Communities

finden sichbereits heute in großer

Zahl im Internet, die dem Austausch

von Informationen und

Erfahrungsberichten mit verschiedenen

geläufigen wie auch seltenen

Krankheitsbildern dienen. Durchden

dürfnisse der Patienten nachhochwertigen

und vertrauenswürdigen multimedialen

Informationen befriedigen

können. Ein Beispiel dafür ist das

Health Travel Television aus München,

welches ab dem Sommer eine internetbasierte

interaktiveund mehrsprachige

Fernsehplattform publiziert.

Derzeit werden nochgroße Mengen

an Anfragen und Patienteninformationen

per E-Mail an international aktive

medizinische Dienstleister verschickt.

Bei erhöhtem Patientenaufkommen

wird eine zunehmende Professionalisierung

zur Entstehung von datenschutzkonformen

Systemen führen,

welche die geforderten Richtlinien des

Datenschutzes voll und ganz erfüllen.

Dies kann insbesondere durchdie Verwendung

vonelektronischen Patientenakten

gewährleistet werden. Der Europäische

Datenschutzbeauftragte Peter

Hustinx hat unter Bezugnahme auf die

geplante EU-Richtlinie zu Patientenrechten

im Kontext grenzüberschreitender

Behandlungen innerhalb der EU

vorKurzem vonden Politikern klarere

Regeln zum Datenschutz gefordert.

Europa, und ganz besonders

Deutschland als hochgradig wettbewerbsfähiger

Gesundheitsstandort, hat

große Chancen, um sichauf dem internationalen

Medizintourismusmarktin

Zukunft nochbesser zu positionieren.

Bei Patienten aus Osteuropa und den

arabischen Ländern hat die medizinische

Versorgung in Deutschland ein

sehr hohes Ansehen. In den nächsten

Jahren ist jedochauchein Anstieg von

amerikanischen Patienten in deutschen

Kliniken zu erwarten. Insbesondere für

amerikanische Patienten vonder Ostküste

der Vereinigten Staaten stellt

Europa im VergleichzuAsien aufgrund

der geringeren räumlichen Entfernung

und des ähnlichen Kulturraums eine

interessante Alternativedar.Aber nicht

nur der Incoming-Markt ist für Europa

interessant. Aufgrund einer EU-Richtlinie

zur Patientenmobilität wird in den

nächsten Jahren auch ein starker Anstieg

von Cross-border-Healthcare-Patienten

im EU-Binnenmarkt erwartet.

Um Ärzte und Kliniken in Deutschland

zu befähigen, das strategische Geschäftsfeld

„Ausländische Patienten“

professionell zu managen, veranstaltet

die Hochschule Deggendorf in Kooperation

mit dem International Office

des UKE und German Healthcare Services

/Consulting 2009 erstmals mehrere

Workshops zum Thema „Internationale

Patienten“. Das Training richtet

sich dabei an alle Berufsgruppen, die

bei der Versorgung von internationalen

Patienten beteiligt sind.

DR. MED. ROBERT GERL (MBA)

Co-Gründer &Medical Services Director

von German Healthcare Services, Dozent

an der Hochschule Deggendorf, robert.gerl-

@german-healthcare-services.com

LEONORE BOSCHER

Managing Director des International Patient

Office am Universitätsklinikum Hamburg-

Eppendorf, L.Boscher@uke.uni-hamburg.de

FRED BASALAMA

Co-Gründer der German Healthcare

Services und Health Travel Television,

fred.basalama@german-healthcare-services.com


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COMPLEX | IT-SICHERHEIT

ALARM IM KLINIKNETZ Viele Systeme in einem Krankenhaus fallen

wegen ihrer Funktion unter das Medizinproduktegesetz. Deshalb dürfen IT-Mitarbeiter nicht ohne

Weiteres Patches aufschließen, um Sicherheitslücken zu schließen. Auswege aus diesem Dilemma

bietet der neue Prozessstandard ISO/IEC 80001, der das Abdichten dieser Systeme beschreibt.

InKärnten warder Wurm drin. Anfang

desJahres legte das Schadprogramm

Confickerzuerst Teile der

Verwaltung, danach mehrere

Krankenhäuser lahm. Nach Schätzungen

vonExperten infizierte Conficker

bis zu 3000 Computer in den Spitälern

Kärntens. Dabei umging der

Computerwurm offenbar die Firewall,

mit der sichKliniken

gegen Gefahren aus

Der Wurm gelangte über dem Internet schützen.

einen USB-Stick ins Ausgangspunkt der Infektion

warvermutlich

Kärntner Kliniknetz. Die

ein USB-Stick, über

krankenhauseigene den der Wurm direkt

Firewall hätte ihn nicht auf einen PC gelangte.

durchgelassen. Confickernutzte eine

„kritische“ Sicherheitslücke

in Windows aus,

für die Microsoft bereits seit Herbst letzten

Jahres einen außerordentlichen Software-Patchzur

Verfügung stellt. Für den

Softwarehersteller ist eine kritische Lückeeine

„Schwachstelle, die für die Verbreitung

eines Internet-Wurms ausgenützt

werden kann, ohne dass hierfür

spezielle Aktionen des Benutzers erforderlichsind“.

Das bedeutet, dass eine Infektion

ohne ein Fehlverhalten des Nutzers

erfolgen kann, weil das System

allein durchdas Fehlen des Patches verwundbar

ist.

Ein Internet-Wurm ist ein Schadprogramm,

das sichmit hoher Virulenz in

Netzwerken ausbreitet. Würmer wie

Confickergelangen über ein Softwareleckineinen

Computer,laden weiteren

Code nach, replizieren sichund breiten

26 EHEALTHCOM

TEXT: JOCHEN KAISER

sichpausenlos im Intra- und Internet

aus. Für ihre Aktivitäten nutzen die

Schädlinge die Systemressourcen des

Wirtssystems,die oft recht schnell an ihre

Grenzen stoßen und zum Ausfall des

Systems führen. Hat der Wurm keine

weitere Schadfunktion, kommt der Nutzer

meist glimpflichdavon.

Krankenhäuser und Institutionen

des Gesundheitswesens sind solchen Sicherheitslückenineinem

besonderen

Maße ausgesetzt. Die Ursache dafür

klingt paradox: Viele PCs in den Klinikensind

deshalb nicht ausreichend gesichert,

weil sie besonders sicher sein

sollen. Denn viele Systeme in einem

Krankenhaus fallen wegen ihrer Funktion

unter das Medizinproduktegesetz

(MPG). Das bedeutet, dass der Administrator

nicht ohne Weiteres den PC mit

einem Update sichern darf.

EIN MEDIZINPRODUKT ist ein System,

das strengen gesetzlichen Regelungen

unterworfen ist und vorder Zulassung

von einer unabhängigen und

fachlichkompetenten Stelle in einem

Konformitätsverfahren überprüft werden

muss.Zudiesem Zweckwird auf

das Medizinprodukt ein Risikomanagement

angewendet. Dabei gehen die Ingenieure

des Herstellers in der Regel

von einem statischen, geschlossenen

System aus,denn die Risikobewertung

kann nur über eine endliche Anzahl von

Faktoren stattfinden. Diese Statik hasst

alles Neue. Wird ein Medizinprodukt

auf einem PC eingesetzt und sind irgendwann

Software-Updates für das Betriebs-

system notwendig,dann muss das Gesamtsystem

durchden Hersteller neu bewertet

werden, um negativeEinwirkungen

auf das Medizinprodukt –und damit

auf die Patienten –auszuschließen.

Weil dieser Prozess aufwendig ist

und beim Hersteller enorme Kosten verursacht,

findet diese Neubewertung nicht

regelmäßig statt, sondern nur dann,

wenn sie –aus Sicht des Herstellers –

notwendig ist. Allerdings sehen sichnur

die wenigsten Hersteller durchakute Sicherheitswarnungen

veranlasst, eine

Neubewertung vorzunehmen. Das hat

zur Folge, dass viele Systeme nicht auf

einem aktuellen Stand sind. Aufder anderen

Seite haben gerade die Krankenhäuser

einen großen Bedarf an Netzwerkkommunikation

–vor allem dort,

wo eine Kombination aus Medizinprodukt

und IT-Komponente besteht. In

diesem Fall kann der Wunschnacheinem

statischen System nicht mehr aufrechterhalten

werden. Denn das Medizinprodukt

kommuniziert mit anderen

Systemen, tauscht Patienten-IDs und

diagnostische Daten aus.Das Medizinprodukt

ist zusammen mit anderen Komponenten

Teil eines Netzes,das einen unbekannten

Sicherheitsstatus hat. Hier

tauchen viele offene Fragen auf: Wieist

der Sicherheitszustand? Sind Laptops erlaubt?

Ist das Netzwerk gegenüber dem

Internet abgesichert? Ist ein Virenschutz

auf den Komponenten installiert?

Die Forderung der IT-Abteilungen

nach einer Absicherung der Systeme

und einem beschleunigten Risikomanagement

bei Softwareaktualisierun- FOTO: SHUTTERSTOCK


Wenn ein Wurm wie

Conficker das Intranet

infiziert hat, „brennt es“

bei der IT-Abteilung.

Dann ist effektives

Krisenmanagement

gefragt.


COMPLEX | IT-SICHERHEIT

Der kommende Prozessstandard

ISO/IEC 80001

beschreibt die Vorgehensweise,

wie

Medizinprodukte gegen

Viren, Würmer und Hacker

abgesichert werden.

28 EHEALTHCOM

gen wird vonden Herstellern gegenwärtigjedochnicht

umgesetzt. Andererseits

sind die Kliniken nicht in der Lage, die

Netze komplett abzuschotten und

gleichzeitig den betrieblichen Anforderungen

an die IT-Infrastruktur nachzukommen.

Folglichmüssen Gegenmaßnahmen

gefunden werden, die den

Anforderungen und Möglichkeiten beider

Parteien gerecht werden.

WENN SICHERHEITSRISIKEN in

medizinischen Netzwerken bestehen,

sollten IT-Sicherheitsverantwortliche mit

Bedacht vorgehen, um

nicht die Betriebserlaubnis

für die Medizinprodukte

zu verlieren.

Eine vorschnelle

Vorgehensweise kann

enorme Kosten erzeugen,

etwa wenn der

Hersteller den zertifizierten

Zustand wiederherstellen

muss,

nachdem die IT-Abteilung

ein infiziertes System„entwurmt“,

alle Betriebssystem-Patches installiert

und „zur Sicherheit“ nocheinen Virenscanner

installiert hat. Denn die Aktualisierung

des Betriebssystems kann unbekannte

Nebeneffekte erzeugen: So

können zum Beispiel Graustufenänderungen

nach einer neuen Grafikbibliothek

auf einer radiologischen Befun-

dungsworkstation auftreten. Ein Virenscanner

kann wiederum die Ausführung

vonProgrammen verhindern und arbeitet

oft mit einer so hohen Systemlast,dass

anderen Anwendungen nicht mehr genügend

Ressourcen zur Verfügung stehen.

Liefert ein Messplatz zum Beispiel

falsche Ergebnisse, weil der Virenschutz

täglichsämtliche Festplatten scannt,dann

wird der Hersteller des Medizinprodukts

die Verantwortung für nicht autorisierte

Veränderungen am System ablehnen.

Es ist also eine differenziertere Vorgehensweise

notwendig, die individuell

auf die technischen, organisatorischen

und personellen Möglichkeiten

eines Krankenhauses abgestimmt ist.

Bei der Absicherung vernetzter Medizinprodukte

hat sichdie folgende Vorgehensweise

bewährt:

Identifizierung der Medizinprodukte

im Netzwerk: Die Netzwerkemüssen

durchforstet werden, um die Medizinprodukte

zu identifizieren und den Projekten

entsprechend dem Geräteverzeichnis

zuzuordnen.

Schulung der IT-Abteilung: Die IT-Abteilung

muss sichinSachen Medizinproduktgesetz

informieren und selbständig

Entscheidungen treffen können.

Entwicklung einer Absicherungsstrategie

für Medizinprodukte: Das Krankenhaus

muss eine Gesamtstrategie für

die Absicherung der vernetzten Medizintechnik

entwickeln.

Aufbau eines Absicherungskatalogs:

Es muss ein Absicherungskatalog erstellt

werden, der technische Standardmaßnahmen

zur Absicherung der MPG-Systeme

vorschlägt. Diese werden auchbei

Neuanschaffungen im Dialog mit dem

Hersteller angewendet.

Absicherung der Medizinprodukte:

Schließlichfolgt die konsequente Absicherung

der Medizinprodukte. Gleichzeitig

müssen die Systeme für die IT relevant

dokumentiert werden.

Diese Vorgehensweise wird weitestgehend

vomkommenden Prozessstandard

ISO/IEC 80001 abgebildet. An der

Schaffung dieses Standards beteiligen

sichauchdeutsche Hersteller und Krankenhausvertreter.Sie

treffen sichregel-

mäßig in der Arbeitsgruppe 811.3.2 der

DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik

Elektronik Informationstechnik im

DIN und VDE). In ihren Gesprächen diskutieren

sie darüber,wie künftig medizintechnische

Systeme in Krankenhäusern

vernetzt werden können und wie

ein Risikomanagement- und Integrationsprozess

im Krankenhaus gestartet

werden kann.

DIE LÖSUNG besteht in der Beauftragung

eines Spezialisten, der als Integrationsmanager

den Integrationsprozess

anstößt und überwacht. Durchgeführt

wird dieser Prozess hingegen wie

bisher vonden Projekt- und Produktverantwortlichen,

aber eben abgesichert unter

den Risiko-Leitlinien der Klinik. Neben

den Sicherheitsaufgaben behandelt

der Prozessstandard auchweitere wichtige

Kenngrößen vonNetzwerken und

regelt die Vorgehensweise bei der Integration

vonMedizinprodukten. So ist die

Frage der im Netz verfügbaren Dienstgüte,

insbesondere die Bandbreite und die

Verfügbarkeit bestimmter Netzbereiche,

vorder Integration eines Medizinprodukts

in das Netzwerk zu klären. Wenn

beispielsweise die Backup-Lösung eines

Klinikums neben einer PACS-Serverumgebung

platziert wird, und beide dieselben

Netzwerkressourcen verwenden,

dann steht für das PACS eine drastisch

reduzierte Netzwerkbandbreite zur Verfügung,

waszuProblemen beim Workflow

führen könnte. Zurzeit ist das Nebeneinander

der unterschiedlichen

Anwendungen im Netzwerk nochsolange

ohne Bedeutung, bis massiveFehler

analysiert werden. Zukünftig soll der

Standard dabei helfen, solche Probleme

im Vorfeld zu vermeiden.

EINE MASSIVE INFEKTION mit

Schadprogrammen ist grundsätzlich

möglich, ganz gleichobdas Medizinprodukt

abgesichert wurde oder nicht. Dann

ist ein Krisenmanagement erforderlich,

welches umso effektiver ist, je besser es

vorbereitet wurde: Dazu gehört beispielsweise,

dass die Verträge und die komplette

Dokumentation der Medizinproduk-

FOTO: SHUTTERSTOCK


»Wir haben eine restriktive Security-Politik«

Wiesichdie Sana-Kliniken gegen Computerschädlinge schützen, erläutert RAINER SCHLIENZ,

Leiter des Betreiberzentrums Konzernanwendungen bei der Sana IT Services GmbH.

Mit welcher Strategie haben Sie

es geschafft, die von Ihnen betreuten

Sana-Kliniken seit 15 Jahren

virenfrei zu halten?

Eine Sicherheitsstrategie umfasst

immer eine Vielzahl exakt aufeinander

abgestimmter Maßnahmen.

IT-Sicherheit bedeutet bei

Sana modernste Technik mit definierten Vorgehenskonzepten,

die vonunseren eigens hierzu ausgebildeten IT-

Sicherheitsspezialisten präzise umgesetzt werden. Und

diese Securitiy-Experten sitzen bereits ab der ersten Planung

eines IT-Vorhabens mit am Tisch.

Wie sichern Sie sich gegen das Risiko ab, das von

Computern ausgeht, die dem Medizinproduktegesetz

unterliegen?

An dieser Stelle arbeiten wir Hand in Hand mit der

Sana-Medizintechnisches Servicezentrum GmbH, der

konzerneigenen Gesellschaft für Medizintechnik. In der

te zur Verfügung stehen. Auch muss die

IT-Abteilung mental auf diese Ausnahmesituationvorbereitet

werden, damit

sie nicht in Panik gerät und sofort mit

dem Einspielen vonPatches beginnt. In

diesem Fall würde –ohne Genehmigung

durchden Hersteller –die Haftung für

Schäden auf die Klinik übergehen.

Ist der Ernstfall eingetreten, sollte die

IT-Abteilung vorrangig die Geschäftsführung

darüber informieren. Denn nur mit

derRückendeckung durchdie Geschäftsführung

können die Verantwortlichkeiten

geklärt werden. Dabei lautet die zentrale

Fragestellung: Hat der Hersteller

versäumt, sein Produkt abzusichern oder

hat das Krankenhaus das Produkt entgegen

der Empfehlungen des Herstellers

in das Kliniknetzwerk integriert?

Im Anschluss daran muss die IT-Abteilung

Kontakt mit dem Hersteller aufnehmen,

um die möglichen Abwehrmaßnahmen

zu besprechen:

Praxis kommen wir aber nicht umhin, zusätzliche Schutzmechanismen

zur Absicherung der betroffenen Geräte

zu implementieren. Dabei müssen wir in der Regel an

anderer Stelle als am abzusichernden Gerät ansetzen.

Wie schützen Sie sich gegen die Gefahr, die von

Laptops und USB-Speichermedien ausgeht?

Wirbetreiben für die vonSana IT Services betreuten

Kliniken eine sehr restriktive Politik. Sana Notebooks

können prinzipiell nicht vom Anwender administriert

werden und lassen sich nur in das Sana-Netz

einbinden. Genausowenig ist es möglich,ein fremdes

Gerät unautorisiert in einem Netzwerk der Sana IT Services

GmbH zu betreiben. In Einzelfällen können wir

für ausgewählte Geschäftsvorfälle eine Freigabe von

Datenlaufwerken oder den Einsatz vonUSB-Speichermedien

nicht umgehen. Hier setzen wir auf Echtzeitscanner,Personal

Firewalls und Application White Lists,

die wir stets auf dem neuesten Stand halten.

(Interview: Dr.Michael Lang)

Die Qualitätssicherungsabteilung des

Herstellers soll die sicherheitskritischen

Patches schnellstmöglicheiner Überprüfung

unterziehen.

Andere Sicherheitsmaßnahmen wie

etwaVirenschutz oder Firewalling sollten

ebenfalls mit dem Herstellerdiskutiert

werden.

Auch ein autonomer Betrieb des Medizinprodukts

ohne Netzwerk sollte erörtert

werden.

Parallel zur Kommunikation mit dem

Hersteller sollte die IT-Abteilung permanent

die Aktivitäten des Schädlings analysieren

und den Wurm aus dem Kommunikationsnetz

eliminieren.

Im schlimmsten Fall führt die Infektion

zum Ausfall wichtiger medizinischer

Systeme, und der Hersteller kann keine

Gegenmaßnahmen anbieten. Dann helfen

nur nochdrastische Maßnahmen:

Befreiung vomSchädling und Aktualisierung

mit Patches

Funktionsprüfung durchfachkundiges

Personal

Kennzeichnung, dass das System kein

Medizinprodukt gemäß dem Medizinproduktegesetz

ist und nur nochinNotfällen

auf eigene Gefahr anzuwenden ist.

Fazit: Nur mit einem erfolgreichen

Krisenmanagement ist eine regelkonforme

Wiederinbetriebnahme der Systeme

innerhalb weniger Tage möglich. Und

nur eine Manöverkritik nachAbschluss

der Maßnahmen kann zu Verbesserungen

im Netzwerk führen.

JOCHEN KAISER

ist hauptamtlicher IT-

Sicherheitsbeauftragter

des Klinikums Erlangen.

Kontakt: jochen.kaiser@

ukerlangen.de

EHEALTHCOM 29


COMPLEX | conhIT

BRANCHENTREFFEN Vom 21. bis 23. April 2009 findet in Berlin die zweite

conhIT statt. Das Grundkonzept –während des laufenden Kongress- und Akademieprogramms sind

die Ausstellungshallen geschlossen –bleibt gleich. Hinzu kommt die Integration der KIS-Tagung.

Auch 2009 soll

die conhIT die

Branche in der

Hauptstadt zusammenbringen.

30 EHEALTHCOM

TEXT: MIRIAM MIRZA

ImApril ist es wieder so weit. Dann

öffnet die „conhIT –Der Branchentreff

für Healthcare IT“ zum zweiten

Mal ihre Tore in den Messehallender

Hauptstadt.Auch2009 soll

die Veranstaltung, die Industrie-Messe,

Kongress,Akademie und Networking-

Event zugleichist, die Akteure der Health

IT-Branche zusammenbringen. In

diesem Jahr engagieren sichaußerdem

der BVMI (Berufsverband Medizinischer

Informatiker e.V.) und die GMDS

(Deutsche Gesellschaft für Medizinische

Informatik, Biometrie und Epidemiologie

e.V.) für die conhIT.Sie sind federführend

an der inhaltlichen Gestaltung

des Kongresses beteiligt. „Der BVMI hat

über 13 Jahre hinweg gemeinsam mit

der GMDS sehr erfolgreich die sogenannte

KIS-Tagung veranstaltet. Als die

Idee und Anfrage an uns herangetragen

wurde, diese Tagung unter dem

Dachder conhIT zu integrieren, haben

wir nachder Klärung der Rahmenbedingungen

gern unsere Mitarbeit zugesagt.

Wichtig ist für uns gewesen, dass

Inhalt und Charakter der früheren KIS-

Tagung weiterhin sichtbar bleiben“, sagt

Dr.Carl Dujat, Präsident des BVMI und

Vize-Präsident des conhIT-Kongresses.

Damit dürfte ein neuer Anreiz geschaffen

worden sein, die Veranstaltung zu

besuchen. „Für die Industrieunternehmen,

die ja oftmals im Rahmen der KIS-

Tagung auchausgestellt haben, bedeutet

dies einen Event weniger und damit

weniger Kosten pro Jahr.Für die Besucher

ist es so geradezu ideal, sich im

Rahmen des Kongresses informieren

und dann direkt danach bestimmte

Aspekte bei den entsprechenden Herstellern

abfragen oder sich zeigen lassen

zu können“, erklärt der Präsident

des conhIT-Kongresses Prof.Dr. Peter

Haas, GMDS (siehe auch Interviewkasten),

die sichergebenden Vorteile.

Dr.MeikeHillen, Leiterin Beratung &

Vertrieb bei RZV GmbH sieht auchVorteile

für den Besucher: „Wo sonst haben

die Verantwortlichen aus der Gesundheitsbranche

die Möglichkeit,

Kongress und Messe in dieser Qualität

zu kombinieren?“

ALS DIE CONHIT 2008 startete, kamen

insgesamt 2500 Fachbesucher

nachBerlin. Laut einer Umfrage, die die

Veranstalter unter Besuchern durchführten,

äußerte sichdie Mehrheit (82

Prozent) zufrieden mit dem Besuchder

conhIT. Esgab jedoch auch kritische

Stimmen. So wurden vonvielen Ausstellern

zu kurze Messezeiten bemängelt.

Als Reaktion darauf haben die Veranstalter

das Konzept weiter verfeinert.

Nun beginnt jeder der drei conhIT-Tage

mit dem Fortbildungsangebot. In der

„messefreien Zeit“ können sichalle Beteiligten

–also auchAussteller und ihre

Mitarbeiter –den eigenen Interessen

entsprechend ein individuelles Programm

aus den Kongressvorträgen und

vertiefenden Seminaren der Akademie FOTO: CONHIT


zusammenstellen. Ab 13 Uhr schließt

sichdaran die gegenüber 2008 zeitlich

erweiterte Industrie-Ausstellung an, die

einen Überblicküber das Produkt- und

Dienstleistungsangebot im Bereich

Healthcare IT bietet. Hier werden die

conhIT-Besucher vonden Ausstellern

über die Lösungen informiert, die in

Kongress und Akademie behandelt

wurden. Networking-Bereiche, die den

ganzen Tag geöffnet sind, Networking-Veranstaltungen

und Verbandsforen

runden das Angebot ab.

DUJAT SIEHT in der Integration der

KIS-Tagung eine weitere Verbesserung

des Konzepts: „Die Dreiteilung vonKongress,Akademie

und Messe hat sichbereits

im vergangenen Jahr prinzipiell bewährt.

Durchdie aktiveMitwirkung von

GMDS und BVMI wird

die Qualität der Veranstaltung

nochmals verbessert.

Der gezielte

und zeitlich entzerrt

mögliche Messebesuch

rundet für die zu erwartenden

Besucher das

Gesamtbild hoffentlich

so ab,dass wir am Ende sagen können,

das Konzept ist aufgegangen.“

Die Änderungen zeigen offenbar

Wirkung. So sind in diesem Jahr auch

Aussteller dabei, die sich zur conhIT-

Premiere noch nicht angemeldet hatten.

„Das Konzept der Integration von

Industriemesse, Akademieveranstaltungen

und Kogress hat überzeugt“, sagt

Volker Keller,Regional Market Communication

Manager bei Carestream Health.

„Carestream Health ist in diesem

Jahr zum ersten Mal bei der conhIT als

Aussteller dabei. Wirglauben, dass die

conhIT auf dem besten Wege ist, sich

als zentraler Branchentreff für Healthcare

IT in Deutschland zu etablieren.“

Auch andere Aussteller knüpfen hohe

Erwartungen an die diesjährige Veranstaltung.

„Das gründet sichunter anderem

auf das Konzept. Im Rahmen der

»Die conhIT wird

sich zu einem festen

Bezugspunkt der

gesamten Community

entwickeln.«

conhIT haben wir die Gelegenheit, unsere

Lösungen und Dienstleistungen

Geschäftsführern und IT-Leitern zu präsentieren

–einzigartig neben der Medica,“

erklärt Guido Bötticher,Vertriebsleiter

Deutschland bei Visus.Auchdas

Fortbildungsprogramm kommt bei den

Ausstellern gut an. „Die conhIT 2009

bietet neben der Industrie-Ausstellung

in diesem Jahr ein sehr interessantes

Rahmenprogramm sowohl im Kongress

als auch der Akademie an. Ich freue

michauf den Austauschmit Interessenten,

Kunden, Partnern und Experten –

es wird eine spannende Veranstaltung,“

sagt Matthias Meierhofer,Vorstandsvorstandsvorsitzender

der Meierhofer AG.

Bei den Kongressinhalten wird

eine breite Themenpalette abgedeckt.

Diese reicht von Business

Intelligence über An-

wendungen von EPAundeHealth-Lösungen,

Werkzeuge für IT-

Strategien bis hin zu

IT in der Pflege. Der

Fachbeirat hat das

Kongressprogramm in

15 Sessions aufgeteilt,

die jeweils ein eigenes Themengebiet

beinhalten. Neu dabei ist, dass erstmalig

zu besonders wichtigen Anwendungsthemen

(Business Intelligence,

Pflege-IT,IT-Werkzeuge für die Unternehmensführung)

neben den fachlichtheoretischen

Vorträgen auchAnwendervorträge

zu konkreten IT-Lösungen

gehalten werden.

WER SICH MEHR für das Akademieprogramm

interessiert, darf sichlaut

Prof. Dr. Christian Johner,Akademiepräsident

und Leiter des Instituts für

Informationstechnologien im Gesundheitswesen,auchhier

auf interessante

Themen freuen.„Obwohl dieThemen

im letzten Jahr gut angekommen sind,

haben wir uns dennoch entschieden,

für dieses Jahr neue zu suchen. Das machen

wir,umdie ganze Vielfalt des Be-

>

Gesundheit sicher aufeinen Blick.

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COMPLEX | conhIT

In diesem Jahr ist erstmals die KIS-

Tagung in die conhIT integriert.Welche

Vorteile ergeben sichdadurch?

Für die Industrieunternehmen, die

ja oftmals im Rahmen der KIS-Tagung

auchausgestellt haben, bedeutet dies einen

Event weniger und damit weniger

Kosten pro Jahr.Für die Besucher ist es

so geradezu ideal, sichimRahmen des

Kongresses über bestimmte Themen informieren

zu können und dann direkt

danachbestimmte Aspekte bei den entsprechenden Herstellern

abfragen oder sichzeigen lassen zu können. Obgleichdie

sehr guten Besucherzahlen der KIS-Tagungen in den vergangenen

Jahren für uns eigentlichkeinen Strategiewechsel notwendig

gemacht hätten, denken wir,dass es auchfür Besucher

gut ist, eine Dienstreise weniger unternehmen zu müssen. Darüber

hinaus können nun auchviele Mitarbeiter der Industrieunternehmen

den Kongress besuchen.

Und wie sieht es mit denVorteilen für die GMDS aus?

Wieso engagiertsie sichbei der conhIT?

Wirhatten ja in Frankfurt 2006 bereits einmal KIS-Tagung

und Messe des VHitG zusammengelegt. Dort hatte sichgezeigt,

dass die Parallelität vonMesse und Kongress für Veranstalter

und Besucher nicht glücklichist. Nun haben wir ein anderes

Modell ausgearbeitet, das dieses Problem beseitigt: Messe und

Kongress sind gleichrangige Veranstaltungselemente. Darüber

hinaus sind wir der festen Überzeugung, dass der Branche die

Konzentration der Kräfte und Veranstaltungen guttut.

DasVeranstaltungsmodell und die Konzentration der Kräfte –

unterscheidet das die conhIT vonanderen eHealth-Veranstaltungen?

Einen Vergleichanzustellen hieße, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

Daher nur einige Alleinstellungsmerkmale des conhIT-Konzeptes:

Dauer des Events,Angebotsbreite bei Ausstellern

und Kongressthemen, Integration vonMesse, Kongress,

Fortbildung und Networking, Qualität aller Elemente, Mitarbeit

vieler fachlicher Gruppen bei der Gestaltung, Möglichkeit

des Besuchs vonSatellitenveranstaltungen. Die conhIT mit allen

ihren Elementen ist nicht eine „Einzelveranstaltung“ und

32 EHEALTHCOM

»JAHRESEVENT DER SZENE«

Die conhIT ist gewachsen. In diesem Jahr ist die KIS-Tagung in die Veranstaltung integriert. Daraus ergeben

sich viele Vorteile, sowohl für die Unternehmen als auch den Besucher, findet PROF. DR. PETER HAAS,

Präsident des conhIT-Programmbeirats.

Nabelschau einzelner Personen oder eines Verbandes,sondern

heute schon und zukünftig zunehmend durchden absehbaren

großen Erfolg ein vonvielen gesellschaftlichen Gruppen mitgestalteter

und mitgetragener Jahresevent der eHealth-Szene.

Macht das dieVeranstaltung auchfür den Besucher

besonders attraktiv?

Neben den vorangehend angesprochenen Aspekten finde

ichbesonders attraktiv,dass sichjeder Besucher sein individuelles

Programm zusammenstellen kann: Welche Themen interessieren

michimKongress,welche Lösungen bei welchen

Herstellernmöchteich mir einmal anschauen, nehme ichan

einer Fortbildungsveranstaltung teil, wann treffe ichmichmit

wemimRahmen des Networking, wann lerne ichwieder ein

Stückchen Berlin kennen?

Mit diesem Konzept ist die cohIT 2008 an den Startgegangen.

Ist es aufgegangen?Waswar verbesserungswürdig?

Auch werschon gut ist, sollte einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess

installieren. Wir als Verband lernen also

jedes Jahr dazu, das gilt auchfür unsere Partner.Man sollte,

wie seit Jahrhunderten üblich–wenngleichineiner „beschleunigten

Gesellschaft“ nicht mehr en vogue –, der Saat auchZeit

lassen, ganz aufzugehen. Diese voneinigen geführte Diskussion

halte ichdaher für müßig. Keiner hat aus dem Stand das

ideale, perfekte Konzept. Aber ichdenke, die conhIT ist schon

nahe dran –eben auchdurchdie Lernprozesse der vergangenen

Jahre.

Wasversprechen Sie sichvon der conhIT 2009?

Dass die Health-IT-Branche –also Anwender,Hersteller,

Fachverbände, Selbstverwaltung, Politik und Wissenschaft –

endgültig überzeugt ist, dass nicht ein autistisches „Vor-Sich-

Hinwerkeln“ und viele Einzelveranstaltungen uns voranbringen,

sondern wir einen unter Einbezug aller gesellschaftlichrelevanten

Gruppen geführten fachlichen, strategischen und

persönlichen Dialog brauchen, der das Verständnis für die Komplexität

der IT-Lösungen im Gesundheitswesen und für die ökonomischen

und sozialen Auswirkungen zum Allgemeingut aller

Akteure werden lässt. Damit wird dann auch eine Basis

geschaffen für die konstruktive, innovativeund nutzbringende

Weiterentwicklung der Health IT in Deutschland.


eichs eHealth abzubilden“, sagt Johner.

Auseiner Auswahl von15Themen habe

der Akademiebeirat schließlichsechs

Schwerpunkte festgelegt: Die neue Rolle

der Krankenhäuser,Einbindung telemedizinischer

Einrichtungen, Medikation,

Beschaffung vonIT-Systemen

und eLearning. „Bei der Auswahl war

mir wichtig, eine schlüssige Abfolge

zu haben –von der Beschaffung von

eHealth-Anwendungen bis zur Implementierung“,

so Johner.

DASS DIE VERANSTALTUNG –

auch inZeiten der Finanzkrise –ein

Erfolg wird, davon sind alle Beteiligten

überzeugt. „Trotz der Wirtschaftskrise

erwarten wir ein ungebrochen

hohes Interesse der IT-Entscheider im

Gesundheitswesen. Ausunserer Sicht

hält der Druck zur Optimierung von

Abläufen in Krankenhäusern nicht nur

an, sondern verschärft sichsogar in der

aktuellen Situation“, meint Detlev E.

Froebel, Standleiter Dräger auf der

Messe. Und auchwas die künftige Entwicklung

angeht, herrscht Optimismus.

„Die conhIT wird sich zudem

Branchentreff der Healthcare-IT und

zu einem festen Bezugspunkt der gesamten

Community entwickeln“, ist

sich Dujat sicher. Kongresspräsident

Haas ist der gleichen Meinung. Tatsachesei

nun einmal, dass ein vergleichbares

Event bisher gefehlt habe, betont

er und plädiert dafür,„der Saat auch

Zeit zu lassen, ganz aufzugehen“.

MIRIAM MIRZA

Die Anglistin und Germanistin

ist Redakteurin bei

E-HEALTH-COM.

Kontakt: m.mirza@

e-health-com.eu

FAKTEN

conhIT

21.–23. April 2009

Messe Berlin

Eingang Süd

www.conhit.de

Kontakt: Messe Berlin GmbH

Tel.: +49 -(0)30 -3038 2225

Fax: +49 -(0)30 -3038 2226

E-Mail: conhit@messe-berlin.de

Mehr Informationen finden Sie

im Internet: www.conhit.de

Das Kongressprogramm können

sich Ärzte und beruflich

Pflegende wie im letzten Jahr

als Fortbildungsveranstaltung

anrechnen lassen.

E-HEALTH-COM freut sich auf

Ihren Besuch amStand.

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COMPLEX | ANWENDERBERICHT

EFFIZIENTES ARBEITEN Die Therapieabteilung des MW Zentrum für

Orthopädie &Sportmedizin hat mit proxOS einen elektronischen Mitarbeiter angestellt, um Behandlungsdaten

zu synchronisieren. Ein Erfahrungsbericht.

Auch in der Physiotherapie

ist

ein professionellesInformationsmanagement

wichtig.

34 EHEALTHCOM

Professionelles Informationsmanagement

in der

Physiotherapie setzt sich

nur langsam durch, dabei

ist die Therapie mit den

gleichen Problemen konfrontiert, wie

die Krankenhäuser. Deren Realität

brachte ein großer deutscher Elektronikhersteller

jüngst in einer Anzeigenkampagne

auf den Punkt: Während

sichaus dem 13. Stockeines Krankenhauses

eine Sprechblase mit der Frage

„Wo ist Müllers Blutbild?“ formt,

wundert sich imachten jemand über

den Verbleib der Röntgenbilder des

Patienten, während in der vierten Etage

schon verzweifelt nachHerrn Müller

persönlichgefahndet wird.

Im Münchner Gesundheitszentrum

für Orthopädie

und Sportmedizin

geht zwar

niemals ein Patient

verloren,

doch droht auch

hier theoretisch

stets ein Datenverlust.

In der

Physiotherapie –

gerade inder engenZusammenarbeit

mit Radiologie

und Orthopädie

–gab es lange

Zeit keine professionelleMethode,

die Menge

an anfallenden

Gesundheitsdaten zu integrieren. Bis

vorKurzem waressogar nochüblich,

Karteikarten anzulegen, in denen die

Informationen gesammelt wurden.

Viele Praxis-Softwaresysteme beschränken

sich auf das Management

der Stammdaten der Patienten. Zudem

ist es nicht möglich, auf Befunde und

Diagnosen konkret zurückzugreifen

und etwa Röntgenbilder einzusehen.

Darüber hinaus erfolgt auch keine

transparente und umfassende Dokumentation

der Behandlung, was das

Qualitätsmanagement erheblich erschwert.

Die klassischen Formen der

Informationsverwaltung sind also hinsichtlichder

Behandlungseffektivität

und -effizienz nicht ausreichend.

AUSGANGSLAGE

Im Mai 2008 wurde das MW Zentrum

für Orthopädie &Sportmedizin im

Alten Hof in München eröffnet. VonBeginn

an warklar,dass durchneueste Vernetzungstechnologie

und modernste Medizintechnik

innovativeWege beschritten

werden sollen. In der Klinik entschied

man sichnachreiflicher Überlegung für

das Radiologie Informationssystem (RIS)

Medavis,das vorallem auf radiologische

Anwendungen spezialisiert ist und deshalb

besonders geeignet schien. Nun

sollten auchdie Daten der nachfolgenden

Untersuchungen und Behandlungen

in der Therapieabteilung einheitlich

voneiner Software verwaltet werden.

Dabei kam es darauf an, Diagnosen

verschiedener Geräte miteinander in Beziehung

zu setzen, die medizinische Trainingstherapie

per Software zu steuern

und die Behandlung auf höchstem Niveau

zu dokumentieren. Für diese Anforderungen

existieren am Markt überwiegend

Einzellösungen, also eine

Vielzahl vonDiagnostik-Tools mit jeweils

eigenen Softwaresystemen, verschiedene

Konzepte für Trainingssteuerung per

Chipkarte und klassische Verwaltungssoftware

für Stammdaten und Abrechnungen,

die für niedergelassene Therapeuten

in Praxen optimiert wurden, aber

den Ansprüchen in einem Gesundheitszentrum

mit klinischem Charakter nicht

immer gerecht werden können.

UMSETZUNG

Als einzige verfügbare Methode am

Markt, um Diagnose, Trainingssteue-

FOTO: SHUTTERSTOCK


ung und Dokumentation zu integrieren,

erwies sichdie Softwareplattform

proxOS der proxomed Medizintechnik

GmbH. Den behandelnden Therapeuten

ermöglicht proxOS bereits bei der

Aufnahme und der Anamnese digitale

Daten zu erstellen und mit den ärztlichen

Befunden aus Medavis in Beziehung

zu setzen.

Wenn der Radiologe beispielsweise

einen Patient mit Verdacht auf Bandscheibenvorfall

zur medizinischen Trainingstherapie

überweist, sichtet der

Therapeut zunächst die Röntgenbilder

in Medavis,ergänzt die Anamnesedaten

in proxOS durch eigene Angaben

und führt weitere Tests durch. Die Diagnostikgeräte

werden dann nicht mehr

in den zahlreichen mitgelieferten Softwaresystemen,

sondern zentral in der

proxOS-Oberfläche angesteuert. Zum

Einsatz kommen beispielsweise der

MFT S3-Checkzur Messung der Koordinationsfähigkeiten

und die MediMouse

zur strahlenfreien Vermessung der

Wirbelsäule in verschiedenen Positionen

und unter Belastung.

Alle Informationen werden von

proxOS in dem persönlichen eRecord

des Patienten zentral gesammelt und

miteinander verknüpft. Anschließend

übermittelt proxOS die Daten an

powerwellzone, die angeschlossene

Software für Trainingssteuerung.

Diese erstellt daraus individuelle Trainingspläne,

die auf einer Chipkarte gespeichert

werden. Mit der eigenen Chipkarte

führen die Patienten ihre

Behandlung an den Trainingsgeräten

im Trainingsraum weitestgehend eigenständig

durch, was den Therapeuten

Zeit für weitere Behandlungen verschafft.

Die hierfür notwendigen

kompatiblen Geräte für Kraft-, Ausdauer-und

Koordinationstraining wurden

gemeinsam mit proxOS ebenfalls von

proxomed zur Verfügung gestellt.

Im letzten Schritt fasst proxOS die

Trainingsdaten mit den Ergebnissen der

Re-Tests im eRecord des Patienten zu-

sammen und gibt alles zu einem Gesamt-Reporting

für Ärzte, Kostenträger

und Patient heraus.

LESSONS LEARNED

In dem sechsmonatigen Betrieb von

proxOS konnte die junge Softwareplattform,

die erst 2008 vorgestellt wurde,

überzeugen. Der Behandlungsablauf

konnte optimiert und die Qualität der

Behandlung nachweislich gesteigert

werden. Als entscheidend hat sicherwiesen,

dass vom Softwareanbieter

nicht nur Software- sondern auchHardware-Kompetenz

verlangt wurde. Ein

frühzeitiges Einbeziehen des Herstellers

in die Projektierung der gesamten

Einrichtung warsinnvoll, um sicherzustellen,

dass wirklich alle Geräte und

Softwaresysteme des Hauses kompatibel

sind oder kompatible Geräte beschafft

werden.

Zudem ist darauf zu achten, dass

die Software alle wichtigen Schnittstellen

aufweist, um zukünftige Anschlüsse

von Geräten sicherzustellen. Diese

Möglichkeit ist bei proxOS technisch

implementiert, wenngleich die Zahl

der Anwendungen, die wirklich

hundertprozentig kompatibel sind, sich

aktuell noch auf sechs Systeme beschränkt

–darunter MediMouse, S3-

Check, IPN-Test Suite, und FUTREX

Körperfettanalyse.

Ein weiterer wichtiger Schritt in

Richtung Investitionssicherheit für das

Gesundheitszentrum ist die Einschätzung

des zu erwartenden Schulungsaufwands

für Mitarbeiter und des Fehlerrisikos.

Es zeigte sich, dass die

Einführung einer Integrationssoftware

wie proxOS beides sogar reduziert, weil

Software-Schulungen, Updates und Bedienfehler

vonEinzelgeräten zugunsten

einer einzigen Gesamtlösung abnehmen.

Auch die Weiterentwicklung sollte

mit dem Anbieter vorab skizziert

werden. Für eine weitere Prozessoptimierung

im Gesundheitszentrum

wird sorgen, dass die in proxOS gesam-

PROJEKTNAME

Implementierung Integrationssoftware proxOS

PROJEKTBESCHREIBUNG

Einführung der softwarebasierten Integrationsplattform für

Gesundheitsdaten proxOS in die Therapieabteilung des MW

Zentrum für Orthopädie &Sportmedizin München

BESONDERHEITEN

Erreichung des bestmöglichen Investitionsschutzes

durch weitestgehend herstellerunabhängige Lösung;

Zukunftssicherung durch Schnittstellen zu gängigen

Austauschformaten im Gesundheitsbereich, wie HL7,

THEDEX, GDT und XML

AUFTRAGGEBER

MW Zentrum für Orthopädie &Sportmedizin München

BETEILIGTE FIRMEN

proxomed Medizintechnik GmbH, BITsoft, SportMed AG

DAUER DES PROJEKTS

6Monate

melten Daten in die Zentralsoftware

Medavis zurück übertragen werden

können. Im Augenblick ist es leider

noch so, dass sämtliche Patienten

Stammdaten vomRIS Medavis nicht in

proxOS eingespielt werden können. Diese

müssen vonHand in die proxOS-Datenbank

übertragen werden. Das integrativePotential

der Software konnte

so noch nicht vollends ausgeschöpft

werden, obwohl dies technischgesehen

im Grunde kein Problem darstellen sollte.

Die Schnittstellen zu allen gängigen

Klinik-Informationssystemen sind vorhanden.

Ebenfalls ist geplant, dass jeder

Patient seine persönliche Dokumentation

aus proxOS direkt in seine

elektronische Gesundheitsakte LifeSensor

hochladen kann. Ein großer Schritt

für die Therapie vonder Karteikarte geradewegs

ins eHealth-Zeitalter.

UWE VERONIK

Leitung Physiotherapie, MW Zentrum

für Orthopädie &Sportmedizin,

München

EHEALTHCOM 35


COMPLEX | CeBIT

BEGREIFBARE eHEALTH Auf der CeBIT 2009 wird ein Gesundheitsparcours

aufgebaut, der zahlreiche innovative Produkte und Dienstleistungen rund um die telemedizinische

Versorgung im Gesundheitswesen hautnah erlebbar macht.

36 EHEALTHCOM

Telemedizin und Health IT

zum Anfassen –das können

CeBIT-Besucher auf der in

Halle 9stattfindenden Tele-

Health erleben, denn in diesem

Jahr wird der Gesundheitsparcours

„FutureCare“, ein Gemeinschaftsprojekt

des Bundesverbandes Informationswirtschaft,

Telekommunikation

und neue Medien e.V. (BITKOM) und

der Deutschen Messe, vom3.–8.März

in Halle 9, Stand B81hautnah zeigen,

welche wichtige Rolle Telemedizin und

Health IT im Gesundheitswesen spielen

können.

„Inspiriert wurde der FutureCare

vomFutureStore der Metro“, erklärt Dr.

Lutz Reum, Projektleiter von Future-

Care. Im Futureshop testet die Metro

Group Future Store Initiativeneue Konzepte

und Technologien, die das Einkaufen

für die Kunden künftig komfortabler,erlebnisreicher

und informativer

machen sollen. „Auf der CeBIT 2008

wurde der Futureshop in Form eines

Parcours ausgestellt und wir haben uns

gefragt, ob man das nicht auchmit einem

Gesundheitsparcours machen

kann“, so Reum.

GESAGT,GETAN: Aufder diesjährigen

CeBIT wird der FutureCare auf einer

Fläche von300 Quadratmetern aufgebaut.

Der Parcours,der unter anderem

unterder Schirmherrschaft vonBundesgesundheitsministerin

Ulla Schmidt

steht, wird am 3. März im Rahmen einer

Eröffnungsveranstaltung mit Vertretern

aus Politik, Verbänden und Wirt-

schaft offiziell eröffnet. An den folgenden

Messetagen werden täglichsechs

moderierte Rundgänge zu den Themenkreisen

Herz-Kreislauf und Diabetes angeboten.

Während der Rundgänge werden

in realen Gesundheitsszenarien

telemedizinische Verfahren szenisch

präsentiert. Dabei soll den Besuchern

vermittelt werden,

dass durchIT-Technologien

immerdie

richtigen Gesundheitsdaten

eines Patienten

zur richtigen

Zeit am richtigen

Ort für den behandelnden

Arzt oder

das Pflegepersonal

zur Verfügung stehen,

um eine optimale

Behandlung

des Patienten zu gewährleisten.

Bei den Rundgängen

werden

hauptsächlichheute

schon verfügbare

Produkte und IT-

Anwendungen von

bisher 18 Unternehmen

vorgeführt: Intel,

Siemens, Inter-

ComponentWare,

ResearchinMotion,

Vitaphone, Vita-X,

Fujitsu-Siemens,Atos

Worldline, Wincor-Nixdorf,Heidelberg

mobil Inter-

national, T-Systems, Intersystems,

gemalto,Kontron, Panasonic, Concat,

Rowaund Vodafone.

BEI DER AUSWAHL der präsentierten

Szenarien waruns wichtig, Produkte

und Anwendungen vorzuführen, die

konkret erlebbar sind“, betont Dr.


Pablo Mentzinis,Bereichsleiter Public

Sector bei BITKOM. Interessierte Fachbesucher

können sichfür einen Rundgang

und vertiefende Präsentationen

der einzelnen Stationen des Gesundheitsparcours

(Prävention zu Hause,

Arztpraxis, Apotheke, Telemedizinisches

Zentrum, Notarztwagen, Krankenhaus

und Telemonitoring at Home)

unter anderem auf der Internetseite

www.bitkom-service.de/futurecare anmelden.

„Der Besucher soll ein Gefühl

dafür bekommen, wasinBezug auf Health

IT heute schon alles möglichist“,

erklärt Mentzinis.„Wirwollen zeigen,

dass Telemedizin keine Science -Fiction

ist, sondern Lösungen bietet, die uns im

Alltag helfen können.“

Die Alltagstauglichkeit vontelemedizinischen

Anwendungen ist auch ein

wichtiges Thema des TeleHealth-Kongresses

(Programm unter unter www.ehealth-com.de/service/messen/index_07788.html),

der ebenfalls in Halle

9stattfinden wird. Spannend dürfte neben

der Präsentation neuer Erkenntnisse

aus den Bereichen Telemonitoring,Telematikinfrastruktur

und eHealth die Vorstellung

vontelemedizinischen Anwendungsszenarien

aus der Militär- und

Katastrophenmedizin werden. Und auch

hier gilt: Telemedizin ist längst keine

Science-Fiction mehr, sondern –im

wahrsten Sinn des Wortes –ein Erlebnis.

MIRIAM MIRZA

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www.e-health-com.eu

Auf unserer Website finden Sie zahreiche

Informationen und Services, die die

Printausgabe von E-HEALTH-COM sinnvoll

ergänzen. Zum Beispiel täglich aktualisierte

News aus der eHealth-Community,

Branchen-Informationen der Unternehmen

sowie einen umfangreichen Veranstaltungskalender

und ein „Who is Who“.

Zukünftig werden wir unser Angebot noch

erheblich ausweiten. E-HEALTH-COM 2.0

steht in den Startlöchern. Und in Kürze im

weltweiten Netz.

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COMPLEX | ELEKTRONISCHE FALLAKTE

ES GEHT VORAN Effizienter und sicherer Datenverkehr zwischen Praxen und

Kliniken: Das Versprechen, mit dem die elektronische Fallakte (eFA) antritt, wird langsam eingelöst.

Jetzt wurden die ersten drei Anbieter zertifiziert –ein weiterer Schritt hin zu einem Standardwerkzeug

in Praxis und Klinik.

38 EHEALTHCOM

Die elektronischeGesundheitskarte

strauchelt. Es

lebe die elektronische

Fallakte! So

oder ähnlich kann der

eHealth-Dezember 2008

beschrieben werden. Fast

zeitgleichmit der Veröffentlichung

eines tendenziell

deprimierenden

Zwischenberichts über

die Tests der eGK durch

die gematik veranstaltete

das Fraunhofer ISST zwei

Stadtteile weiter in Berlin

den ersten Connectathon

der elektronischen Fallakte

–und feierte damit

einen Erfolg.

Die eFAist eine Variante der elektronischen

Patientenakte, die auf einen

bestimmten Behandlungskontext beschränkt

ist. Sie dient der Vernetzung

zwischen Kliniken und zuweisenden

Ärzten, aber auchder Vernetzung von

Kliniken mit nachbehandelnden oder

anderweitig kooperierenden stationären

Einrichtungen. Zu den Kliniken, die bisher

an Fallaktenprojekten arbeiten, gehören

mehrere private Klinikketten und

große Universitätskliniken. Auch Niedergelassene

kommen mit der Fallakte beziehungsweise

mit Vorläufern davon

(„Einweiserportale“) bereits in Kontakt,

vorallem wenn sie Zuweiser vonKlinikketten

wie Helios,Asklepios oder Sana

sind (siehe auchTitelgeschichte 1/2008).

Das Entscheidende an der Fallakte

ist die Interoperabilität der unterschiedlichen

Lösungen: Damit niedergelassene

Ärzte beziehungsweise Kliniken

nicht diverse Fallakten nebeneinander

bedienen müssen, wenn sie mit unterschiedlichen

Einrichtungen kooperieren,

wird der gemeinsame eFA-Standard

entwickelt. Begonnen wurde damit

im Jahr 2007. Im vergangenen Jahr liefenPilotprojektebeivierprivatenKlinikketten

und acht weiteren, unabhängigen

Krankenhäusern. Getragen wird

das Projekt zu einhundert Prozent von

den Krankenhäusern: „Wir haben bisher

einen sechsstelligen Betrag investiert“,

sagte der Leiter Zentrale Dienste

bei Asklepios,Uwe Pöttgen.

BEIM CONNECTATHON in Berlin

konnten beteiligte Unternehmen jetzt

erstmals zeigen, wie ernst sie es mit ihrem

eFA-Engagement tatsächlichmeinen.

„Das ist ein ganz wichtiger Schritt

hin zu Produkten, die für alle Krankenhäuser

als kommerzielle Industrielösungen

verfügbar sind“, betonte Dr.Jörg Caumanns,Projektleiter

am Berliner ISST.

Drei Unternehmen spielten mit ihren

Produkten vordefinierte Versorgungsszenarien

durch, um am Ende Zertifikate

zu erhalten. Angetreten waren

Siemens mit Soarian Integrated Care

(SIC), iSoft mit Lorenzo und Ispro mit

Jesaja.net. Alle drei Produkte werden bereits

vielfacheingesetzt. Jesaja.net ist unter

anderem die technische Basis des Ein-

GRAFIK: FRAUNHOFER ISST BERLIN


weiserportals vonHelios.Lorenzo wird

für die Vernetzung mehrerer Kliniken

im Raum Aachen mit dem dortigen Uni-

Klinikum eingesetzt. Und SIC liegt der

Fallakte der Rhön-Kliniken zugrunde.

Auch seitens der Niedergelassenen gibt

es bereits diverse Zugriffsmöglichkeiten

auf diese Produkte. So hat der Praxis-

EDV-Hersteller DOCexpert einen Zugriff

zu SIC-basierten Lösungen geschaffen.

Und Compugroup-Systeme kommunizieren

unter anderem mit Jesaja.net.

Um die Interoperabilität der Lösungen

zu testen, wurden insgesamt drei

Szenarien duchgespielt: Der Zugriff auf

eine Fallakte (eFAclient compatibility),

die Nutzung voneFA-bezogenen Diensten

wie etwaSuchfunktionen (eFAservices

compatibility) und die Möglichkeit

zum Aufbau vonNetzen mit anderen

Fallakten (eFApeer to peer compatibility).

Letztere ist besonders relevant. Denn

nur Lösungen, die diese Anforderung erfüllen,

können problemlos in einem EDV-

System zusammengeschaltet werden.

„Peer to peer compatibility“ ist also die

Voraussetzung für die Vision des niedergelassenen

Arztes,der in seiner Praxis-

EDVaus dem Patientenblatt heraus über

einen einzigen „Fallakte-Button“ auf

unterschiedliche Fallakten seiner diversen

Kooperationspartner zugreifen kann.

„PUNKTSIEGER“ waramEnde Siemens,dessen

Lösung SIC als einzige in

allen drei Kategorien zertifiziert wurde.

Jesaja.net und Lorenzo dagegen erhielten

Zertifikate für die Szenarien „eFA

client compatibility“ und „eFAservices

compatibility“. Der Nachweis für die anbieterübergreifende

„Netzwerkfähigkeit“

steht so vorerst nochaus.Ersoll nach

Aussage vonExperten beider Unternehmen

aber sehr rascherbracht werden.

Caumanns und die anwesenden Klinikvertreter

nutzten die Veranstaltung

auch, um die Zukunft des eFA-Projekts

zu skizzieren und vonaktuellen Entwicklungen

zu berichten. Bei den diversen

Projektpartnern soll die eFAjetzt zügig

(weiter) ausgerollt werden. „Wir haben

unser Portal in diesem Jahr an zehn Häusern

installiert, die mit SAP-Systemen

arbeiten. 2009 werden weitere 20 Klinikenohne

SAP folgen“, sagte beispielsweise

Dirk Herzberger vonHelios.Am

Uniklinikum Aachen sollen in diesem

Jahr erstmals niedergelassene Kardiologen

über die iSoft-Fallakte angebunden

werden, wie die Projektverantwortliche

Dr. Silke Haferkamp sagte. Asklepios

schließlichwill im April mit dem bundesweiten

Fallaktenrollout starten. „Einen

Industriepartner haben wir gefunden“,

so Pöttgen. Den Namen wollte er freilich

nochnicht verraten.

Um die Finanzierung dauerhaft auf

solide Füße zu stellen, haben die Projektpartner

nun den „eFA-Verein“ gegründet.

Kliniken können diesem Verein beitreten.

Die Mitgliedsbeiträge dienen der

Weiterentwicklung der eFA-Spezifikation.

Kosten anfallen dürften auchnoch

einmal, wenn die Fallakte mit der eGK

kompatibel gemacht wird. Grundsätzlichsoll

die Spezifikation aber unabhängig

voneiner Mitgliedschaft im Verein

weiterhin frei zugänglichsein.

Auch in Sachen Internationalisierung

tut sicheiniges.Dem eFA-Projekt waranfangs

vonverschiedenen Seiten vorgeworfen

worden, dass es zu stark ein nationales

Süppchen kocheund sichzu

wenig um internationale Standards kümmere.

Das scheint sichzuändern: Zwei

datenschutzrelevante Komponenten der

eFAinden BereichenAutorisierung und

Pseudonymisierung wurden Ende 2008

erfolgreichinden Entwicklungsprozess

der internationalen Organisation Integrating

the Healthcare Enterprise (IHE)

eingebracht. „Bei der eFAselbst sind die

Abläufe IHE-konform, die Produktbasis

nicht“, räumte Caumanns ein. Diese Entscheidung

sei in Absprache mit den Anbietern

getroffen worden. Caumanns

betonte allerdings,dass existierende IHE-

Adapter problemlos mit der eFAgenutzt

werden könnten.

PHILIPP GRÄTZEL

VON GRÄTZ

Der Mediziner, Journalist

und Autor („Vernetzte

Medizin“) ist Redakteur

von E-HEALTH-COM.

Kontakt: p.graetzel@

e-health-com.eu

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E-Health

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Bad Homburg

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Siemens Healthcare) and Prof. Dr. T.

Scheffer (Humboldt University Berlin)

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EHEALTHCOM 39


COMMUNITY | PORTRÄT

DIE SPÜRNASE Im hohen Norden Norwegens leitet Dr.Steinar Pedersen das renommierte

Norwegische Zentrum für Telemedizin. Dort trifft man ihn aber selten an, denn die meiste Zeit

reist der eHealth-Pionier durch die Welt –auf Telemedizin-Spurensuche. E-HEALTH-COM-Redakteurin

Miriam Mirza sprach mit ihm am Rande des „Schlierseer Jahresauftaktes“.

Nicht nur beim Lesen

von Krimis, auch

beruflich betätigt er

sich gerne als

Spürnase –immer auf

der Suche nach

neuen Ideen.

40 EHEALTHCOM

Ambesten entspanne ichbei

einem guten Mord.“ Dr.

Steinar Pedersen, Leiter des

Norwegischen Zentrums

für Telemedizin (NST) in

Tromsø,liebt Bücher,und Krimis ganz

besonders.„Es ist einfachspannend, sich

auf die Spurensuche zu machen.“ Und

das nicht nur beim Lesen. Auch beruflichbetätigt

er sichgerne mal als Spürnase

–immer auf der Suche nachneuen

Ideen und Anregungen.

So kam er auchzur Telemedizin. „Ich

habe als Arzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

angefangen. Eines

Tages besuchte ichein sehr

abgelegenes Krankenhaus

im Norden Norwegens und

sah dort ein Videokonferenzsystem.“

Pedersons

Neugierde war sofort geweckt.

„Ichhabe mir erklären

lassen, wie es funktioniert

und mich gleich

gefragt, wieso man das

nicht auchals Hals-Nasen-

Ohren-Arzt nutzen kann.“ Damit warder

Anfang gemacht. „Ich war mir sicher,

dass das Zukunft hat, ging zu meinem

Krankenhausdirektor und habe ihm erklärt,

dass wir unbedingt ein Telemedizin-Department

brauchen.“ Pedersen

hatte Glück, sein Vorgesetzter warsehr

aufgeschlossen und gab ihm grünes

Licht. 1992 wurde dann das NST gegründet

und man bemühte sichumöffentliche

Forschungsgelder.Damals habe

er nochIllusionen gehabt. „Ichhabe

zu meinem Vorgesetzten gesagt: ,Fan-

gen wir schnell an, steckenwir viel Geld

rein und wir ziehen das Ding in fünf bis

sechs Jahren durch. Dann ist die IT im

Gesundheitswesen eingeführt’.“ Petersenschüttelt

denKopf und lacht: „Ich

hatte keine Ahnung!“ Das warAnfang

der neunziger Jahre.

HEUTE WEISS ER,dass es sichbei

der Sache nicht um eine Shortstory,sondern

um eine unendliche Geschichte

handelt. Ausdem NST ist ein international

anerkanntes Wissenschafts- und

Innovationszentrum mit 110 Mitarbeitern

geworden, das sieben Spin-Off-Unternehmen

ausgegründet hat und 2002

zum World Health Organization Collaborating

Centre for Telemedicine auserkoren

wurde.

Mit seiner Arbeit im Zentrum hat Pedersen

aucheinen Teil dazu beigetragen,

dass Norwegen in Bezug auf die Umsetzung

vonHealth IT zu den vorbildlichsten

Ländern der Welt gehört. So wurde

beispielsweise bereits 1996 ein offizieller

Gebührenplan aufgesetzt, der telemedizinische

Leistungen durchdie Versicherungen

erstattungsfähig macht.

„Telemedizin ist ein wichtiger Bestandteil

der medizinischen Versorgung“,

erklärt Pedersen. In Bereichen wie Radiologie,

Pathologie, Hals-Nasen-Ohren-

Heilkunde, Dermatologie, Kardiologie

und Psychiatrie, bis hin zur endoskopischen

Chirurgie, Ophthalmologie und

Orthopädie ist sie in regelmäßgem Einsatz.

Auch die Digitalisierung des Gesundheitswesens

ist weit vorangeschritten:

Alle Krankenhäuser (insgesamt 74)

sowie sämtliche 2000 allgemeinärztlichePraxen

des Landes haben elektronische

Patientenakten. „Dabei hat man nur

vergessen, dass diese auchuntereinander

kommunizieren müssen“, sagt Pedersen

und fährt sichdurchdas kurze,

grau melierte Haar.Ein Problem, an dem

dringend gearbeitet werden müsse. Und

das sei nur eine vonvielen Baustellen.

Und so nennt denn der 57-Jährige,

nachvorbildlichen eHealth-Ländern gefragt,

nicht etwasein Heimatland, sondern

Dänemark. „Die sind derzeit mein

Favorit. Sie haben eine großartig pragmatische

Herangehensweise an das Gesundheitssystem.“

Dort habe der Patient

über ein Webportal, auf das er sichüber

eine elektronische Registrierung einloggt,

Zugriff auf seine Gesundheitsdaten,

wann immer er sie brauche. WasPedersen

besonders gut gefällt ist, dass sich

die Politik der Sache angenommen, einheitliche

Vorgaben festgelegt und das

Ganze als Open-Source-Software frei zugänglichgemacht

hat. „Open Source wird

nochein ganz wichtiges Thema für uns

alle werden“, ist er sichsicher.

SO ETWASWÜRDE er sich auch

auf internationaler Ebene wünschen.

„Was wir brauchen, ist mehr Management

vonpolitischer Seite, damit wir

nicht mehr diesen Wildwuchs haben.

Es gibt hunderte, tausende Player im

Health IT-Markt mit ebenso vielen Systemen,

die nicht interoperabel arbeiten.

Jeder kämpft aber um die Führungsrolle.

Das verunsichert die Nutzer.“ Wenn

aber alle die gleichen Voraussetzungen FOTO:

>

MIRIAM MIRZA


Wenn Dr. Steinar Pedersen

nicht gerade im neuesten Krimi

schmökert, betätigt er sich

bei der Arbeit gerne mal als

Telemedizin-Spürnase.


COMMUNITY | PORTRÄT

»Wir werden es

erleben, die Welt

wird eine Scheibe.«

42 EHEALTHCOM

ZUR PERSON

Dr. Steinar Pedersen wurde 1951 in

Tromsø, Norwegen, geboren. Er studierte

Medizin an der Unviersität von Oslo und

spezialisierte sich auf Hals-Nasen-Ohren-

Heilkunde. Pedersen arbeitete viele Jahre

als Hals-Nasen-Ohren-Spezialist am Universitätskrankenhaus

von Nord-Norwegen.

1992 gründete der Vater von zwei

Kindern das Norwegian Centre for Telemedicine,

dessen Leitung er bis heute

innehat. Bis 2002 war eraußerdem Präsident

der Norwegian Telemedicine Society

sowie der International Society for

Telemedicine. Neben seiner Tätigkeit in

zahlreichen wissenschaftlichen Organisationen

und Verbänden ist er bei der

European Space Agency in der Arbeitsgruppe

Telemed Research Program.

hätten, müssten sichFirmen weniger

auf die Entwicklung, sondern auf die

Umsetzung eines Systems konzentrieren.

Die Vorteile für die Nutzer seien offensichtlichund

für die Unternehmen

wittert Pedersens Spürnase ganz neue

Geschäftsmodelle.

DER FREIE ZUGANG zu Informationen

ist generell ein Thema, das ihn beschäftigt.

Und dabei spielt das Internet

gerade in Bezug auf Patient

Empowerment eine entscheidende

Rolle, weil sichdamit

Patienten immer besser informieren

können. „Es könnte

ziemlichprovokant für einen

Arzt sein, wenn er auf einen

Patienten trifft, der –überspitzt gesagt –

mehr weiß als er selbst. Damit muss man

aber künftig umgehen.“ Die Folge sei eine

tiefgreifende Umwälzung der Arzt-Patient-Beziehung.

Man müsse sichnur einmal

ansehen, wasGoogle und Microsoft

mit ihren Gesundheitsakten im Internet

machten. „Ichweiß nicht, ob das der goldene

Standard ist, aber ichsehe darin eine

Öffnung, beider wiralleentscheiden

können, wo unsere Gesundheitsdaten liegen.“

Eine gute Sache, findet Pedersen.

Er sieht die Veränderungen aber nicht

nur auf die Medizin beschränkt, sondern

ist überzeugt,dass die Demokratisierung

der Informationswelt zu einer flachen

Gesellschaftsordnung beiträgt. „Wir leben

in einem spannenden Zeitalter“, sagt

der Vater vonzweierwachsenen Kindern

und fügt nochhinzu: „Wir werden es

erleben, die Welt wird

eine Scheibe.“

Offen sein für

Neues und erst einmal

das Positivesehen, das

ist seine Devise. Auch

in der Krise. „In Krisenzeiten

werde ich

immer optimistisch,

denn das sind immer

Zeiten für gute Innovationen.“

Und Inspirationen

für Innovationen

gebe es genug,

so Pedersen, und erzählt

vomBesucheiner Logistik-Messe

in Schweden. Dort stellte eine Firma einen

Avatar vor, der eine Art intelligenter

Begleiter sein soll. Er kann beispielsweise

die günstigste Zugverbindung

nachMünchen raussuchen und den Nutzer

auf der Fahrt auchnochdarüber informieren,

dass eine Bekannte im benachbarten

Abteil sitzt. Pedersen würde

den Avatar in einem anderen Bereicheinsetzen.

„Stellen Sie sich vor, jemand

bricht vor Ihren Augen zusammen.

Wenn Sie dann den Notruf wählen,

könnte dochsoein Avatar erscheinen

und zum Beispiel Erste-Hilfe-Maßnahmen

erklären.“ Nochauf der Messe hat

er die Idee mit verschiedenen Unternehmen

diskutiert. und werweiß, vielleicht

entsteht daraus ein neues Projekt für das

NST.

EINE ANDERE IDEE bekam er beim

Anschauen der norwegischen Fernsehsendung

„The Complain Wall“. Darin

können Zuschauer anrufen und sich

über das Programm beschweren. Der

Sender hat aucheinen Blog eingerichtet,

in dem vorallem nachVorschlägen zur

Verbesserung des Programms gefragt

wird. „Die meisten Vorschläge waren

Blödsinn, aber dazwischen hatten Leute

brillante Ideen.“ Der Programmdirektordes

Senderssagte später,dass er nun

1000 neue Mitarbeiter habe, die umsonst

für das norwegische Fernsehen arbeiten.

Pedersen ließ sichinspirieren. „Ichbin

zu meinem Krankenhausdirektor gegangen

und sagte: Wirsollten einen Hospi-

tal-Blog einrichten, wo sichdie Patienten

beschweren können. Das sind unsere

unzufriedenen Kunden. Wieso sollten

sie uns keine Vorschläge machen, wie

wir das Krankenhaus verbessern können?“

Ob sein Vorschlag umgesetzt wird,

weiß Pedersen nicht, denn –das gibt er

zu –eserfordert auchMut, sichder Kritik

der Patienten auszusetzen. Aber es

würde dem Qualitätsmanagement sicher

guttun, findet er.

Genauso wie das NST-Projekt, bei

dem Krankenschwestern die Möglichkeit

erhielten, Ärzten zu mailen. Eigentlichwar

das Ziel, die Kommunikation

zwischen den Teilnehmern zu intensivieren,

denn die Ärzte hatten zuvor oft

keine Zeit, mit den Schwestern zu telefonieren.

E-Mails konnten sie jedochbearbeiten,

wann immer sie wollten. Im

Laufe des Projekts ergab sichjedochein

weiterer positiver Effekt, an den die Teilnehmer

vorher nicht gedacht hatten:

„Damit kann man nämlichsehr gut Prozesse

dokumentieren und rekonstruieren“,

so Pedersen. „Diese Dokumentation

ist ein Teil der Qualitätssicherung

und auchvon elektronischen Patientenakten

geworden.“

Das Projekt wurde erfolgreichabgeschlossen.

Für Pedersen aber kein

Grund, sichauszuruhen. Er hat schon

das nächste im Kopf.Eigentlichist es

mehr eine Vision –die vom„Healthcare-

Hero“, wie er es nennt. Er wünscht sich

einen Krankenhausdirektor,der sagt:

„Mein Krankenhaus soll keine Patienten

haben.“ Damit verbunden wäre allerdings

eine handfeste Revolution im

Gesundheitswesen. „Dann würde das

Krankenhaus nämlichbesser bezahlt,

wenn es besser arbeitet. Das bedeutet,

man bekommt Geld, wenn man verhindert,

dass der Patient ins Krankenhaus

kommt.“ Pedersen glaubt fest daran,

dass diese Vision Wirklichkeit werden

kann. „Ich bin Optimist. Wieso auch

nicht?“ Ja,wieso eigentlichauchnicht?

Wenn die Welt eine Scheibe wird, kann

ein Krankenhausdirektor auch ein

„Healthcare-Hero“ werden.

MIRIAM MIRZA

FOTO: PRIVAT


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COMMUNITY | FINANZKRISE

DIE KRISE ALS CHANCE Die Auswirkungen der Finanzkrise werden

sich im Jahr 2009 bemerkbar machen. Diese müssen aber nicht unbedingt nur negativ sein. Gerade

für Telemedizinunternehmen steckt in der Krise eine Chance, glaubt Prof. Dr. Dr. Joachim Häcker,

Professor für Corporate Finance an der Hochschule Heilbronn und der Universität von Louisville, USA.

»Es ist Licht am

Ende des Tunnels zu

sehen, und dieses

Licht ist nicht das

Licht eines entgegenkommenden

Zuges.«

44 EHEALTHCOM

INTERVIEW: MIRIAM MIRZA

?

Die Finanzkrise bestimmte

das letzte Drittel des Jahres

2008. Wie sieht es 2009 aus –

wo steht die Wirtschaft in

einem Jahr?

Nach Analysen des Deutschen Instituts

für Corporate Finance in Frankfurt

am Main ist damit zu rechnen, dass die

aktuelle Rezession nochan-

dauern wird. Die Aktienmärkte

erreichen normalerweise

bis zu sechs Monate

vordem konjunkturellen

Tiefpunkt ihren Boden –

fallen also nicht weiter.Eine

derartige Bodenbildung

wird nochdauern. Aber es

ist Licht am Ende des Tunnels

sichtbar und –keine

Angst –dieses Licht ist nicht das Licht

eines entgegenkommenden Zuges.

An der Börse gibt es auch ein paar

börsennotierte Telemedizinunternehmen.

Wie werden sich deren

Aktien verhalten?

Die Antwort auf diese Frage kann der

Betafaktor geben. Er gibt an, wie der Aktienkurs

eines Unternehmens im Verhältnis

zum Markt steigt oder fällt. Das Beta

vonTelemedizinunternehmen ist relativ

niedrig. Das heißt, die Kurse fallen

nicht so stark wie der Index, sie steigen

aber auchnicht so sehr wie der Index.

Und was bedeutet die Krise für die

ganzeTelemedizin-Branche?

Ichglaube, dass die negativen Folgen

für die Telemedizin-Branche rela-

tiv gering sind. Das Gesundheitssystem

ist unabhängig vonder Finanzkrise. Natürlichwerden

die Unternehmen Kosten

sparen müssen, aber Gesundheit gehört

zu den Basic Needs.Das bedeutet,

man kann nicht auf sie verzichten, ebensowenig

wie auf Essen oder Strom. Gesund

will jederMensch sein. Daher sehe

ichinder Telemedizin kein großes

Einbruchpotential. Im Gegenteil, ichsehe

sogar einen potentiellen Wachstumsmarkt.

Denn aufgrund der Finanzkrise

kommt es zu einem Wertewandel. Die

Menschen sehen nicht mehr nur im

Geld ihr Heil, sondern besinnen sichauf

andere Werte. Hier spielt die Gesundheit

eine wichtige Rolle. Da erschließt

sich ein nicht zu unterschätzender

Selbstzahlermarkt. Außerdem werden

immer mehr Krankenkassen aufgeschlossen

gegenüber Telemedizinanwendungen

werden, weil sie damit Kosten

reduzieren können. Voraussetzung

aber ist, dass die Telemedizinunternehmen

Geld haben und den Leistungserbringern

ein für sie interessantes Geschäftsmodell

vorschlagen können.

Wie könnte soein Geschäftsmodell

aussehen?

Ein mögliches Szenario: Ein Unternehmen

bietet Telemonitoring für Herzpatienten

an und schlägt der Krankenkasse

des Patienten vor, zunächst „in

Vorkasse“ zu gehen, indem es alles,was

an Ausrüstung nötig ist, zur Verfügung

stellt und den Patienten in ein Telemonitoringprogramm

aufnimmt. Stellt sich

heraus,dass durchdie Telemedizin kein

Geld eingespart werden kann, hat das

Unternehmen Geld verloren, die Kasse

verliert aber nichts.Werden durchdas

Programm jedochdie Kosten reduziert

–und dessen bin ich mir sicher –, so

muss man sichzuvor einigen, dass in diesem

Falle das Telemedizinunternehmen

einen entsprechenden Anteil des eingesparten

Geldes erhält. Dadurchentsteht

eine klassische Win-Win-Situation. Ein

solches Geschäftsmodell nennt man Business-to-Business.Denkbar

sind aber auch

Business-to-Client-Geschäftsmodelle. In

diesem Fall würde das Telemedizinunternehmen

eine Vereinbarung direkt mit

dem Patienten treffen, der dann die Kosten

für bestimmte Dienste trägt. Damit

wären wir dann bei dem Wachstumsmarkt

der Selbstzahler.Ich denke, dass

sichinden nächsten zwei Jahre diese Art

Modelle verbreiten werden.

Wieso müssen in dem Business-to-

Business-Modell zunächst die Unternehmen

das finanzielle Risikotragen?

Es gibt zwei entscheidende Erfolgsfaktoren

in der Krise: Kosten reduzieren

und liquide sein. Für Krankenkassen ist

eine Kostenreduktion insbesondere vor

dem Hintergrund der Einführung des

Morbi-Risikostrukturausgleichs wichtig.

Hier setzt die Telemedizin an. Wichtig

ist aber,dass die Unternehmen wissenschaftlichfundiert

aufzeigen können,

dass es durchden Einsatz vonTelemedizin

zu einer signifikanten Kostenreduktion

kommt. Der Beweis einer Kostenreduktion

für die Krankenkassen noch

innerhalb eines Jahres ist gerade ange-


sichts der aktuellen Rezession

wichtig. Wer jetzt Geld

hat, kann oben genannte Modelle

anbieten.

Das Zauberwort heißt also

„Liquidität“?

Richtig, hohe Kassenbestände

werden über den Erfolg

entscheiden. In den

nächsten zwei Jahren gilt:

Cash is King! Aufgrund der

sicherlichnochweiterhin anhaltenden

Kreditklemme

wird das Kriterium „Liquidität“zusätzlichzu„Profitabilität“

immer wichtiger werden.

Wir werden erleben,

dass Unternehmen es nicht

schaffen zu überleben, obwohl

sie profitabel sind.

Ihnen fehlt die nötige Liquidität.

Für Telemedizinunternehmen

gilt: Werliquide ist

und sichder schnellen KostenreduktiondurchTelemedizin

sicher ist, könnte diese

den Krankenkassen „vorfinanzieren“.

Das sind die Gewinner der

Krise?

Ja,Analysen haben ergeben,

dass Gewinner im

Gesundheitssektor in 2009

große Unternehmen sein

werden, die eine relativ geringe

Cash-Burn-Rate und einen

hohen Kassenbestand haben.

Verlierer werden kleine Unternehmen

(mit niedriger Marktkapitalisierung) sein,

die eine hohe Cash-Burn-Rate und einen

geringen Kassenbestand haben.

Für die Telemedizin-Branche gilt also:

Finanzkrise gleich Finanzchance?

Ja.Die Analyse des Betafaktors hat

gezeigt, dass das Kursaufholpotential

von Telemedizinunternehmen basierend

auf Vergangenheitsdaten mittel-

ZUR PERSON

PROF. DR. DR. JOACHIM HÄCKER ist Professor

für Corporate Finance an der Hochschule

Heilbronn und der University of Louisville (USA).

Ferner ist er Direktor des Deutschen Instituts für

Corporate Finance. Häcker ist u.a. Co-Autor der

Bücher „Telemedizin –Markt, Strategien,

Unternehmensbewertung“ sowie „Von der Subprime-Krise

zur Finanzkrise: Ursachen, Auswirkungen,

Handlungsempfehlungen“ (beide 2008).

fristig reglementiert ist. Andererseits

machen die sichaufgrund der Finanzkrise

verändernden Trends im Gesundheitswesen

deutlich, dass Telemedizin

eine zentrale Antwort für die künftigen

Herausforderungen im Gesundheitsmarkt

sein wird. Der Prozess hin

zur Telemedizin wird durchdie Finanzkrise

beschleunigt. Somit ist die Krise

für alle Telemedizinunternehmen eine

Chance.

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COMMUNITY | DEBATTE

46 EHEALTHCOM

Nicht so viel wie geht,

nur so viel wie nötig

Bei Ambient-Assisted-Living-Systemen

(„AAL-les smart?“, 5/2008) geht

es in erster Linie darum, intelligente

Systeme zu schaffen. Denn viel

Technik bedeutet nicht automatisch

auch viel Unabhängigkeit.

Altersgerechte Assistenzsysteme

für ein unabhängiges Leben zu Hause

(AAL) stellen eine Herausforderung

an die Konzeption, Entwicklung

und Realisierung dar.Schaut

man sichdie bisherigen Projekte und

angestrebten Ergebnisse an, so entdeckt

man immer neu den Anspruch,

möglichst viel Hilfe durchTechnik

zu bieten. Streng bewertet kommt

man aber zu dem Schluss,dass dieses

nicht unabhängig macht. Wiein

allen Automatisierungslösungen ist

das Bestreben, Aufgaben durchTechnik

lösen zu lassen. Dies macht aber

letztendlichunselbständig. Bei AAL-

Systemen muss das Bestreben sein,

die vorhandenen Fähigkeiten zu stärken,

zu trainieren und so lange wie

möglichaufrechtzuerhalten. Mit anderen

Worten: Die AAL-Lösungen

müssen sichintelligent an die dynamischabnehmende

Fähigkeit der

Sinne, der Motorik, der Reaktionsund

Denkfähigkeit anpassen. Das

Ziel muss hier heißen: nicht so viel

wie möglich, sondern nur so viel wie

nötig.

Der AAL-Verbund e.V.hat sich

mit seinen Zielen und den laufenden

Projekten dieses Ziel gesetzt. Hierbei

stehen zurzeit die Beobachtung und

Überwachung der Vitalfunktionen

mithilfe vonmedizintechnischen Lösungen

im Vordergrund. So entwickeln

die BMBF-geförderten Projekte

PRECARE und CONTAIN textilintegrierte

Sensorik und Aktorik sowie

die zugehörigen Auswertesysteme,

um chronischkranken Menschen zu

Orientierung, Kommunikation und

Sicherheit zu verhelfen. Diese Systeme

sind entsprechend eines Modulsystems

in ihrer Ausstattung und

Funktionsweise an den Bedarf des

Menschen anpassbar.Eine automatische

Anpassung wird konzipiert, ist

aber heute nochVision, da mit Fertigstellung

zunächst Erfahrungen

mit der Akzeptanz und Benutzung

gesammelt werden müssen.

PROF. DR. BENNO

KOTTERBA

ist erster Vorsitzender

Ohne Benefit für die Pflege

keine Akzeptanz in der Praxis

Die Ausführungen („Schwester 2020“,

6/2008) sind sicher richtig, müssen

aber auch aus anderen Perspektiven

betrachtet werden. Die Akzeptanz und

der Erfolg von IT in der Pflege hängen

von drei Faktoren ab.

Faktor 1: In Kliniken werden Pflegefachkräfte

mit IT-Weiterbildung als

Schnittstelle zwischen den verschiedenen

Klinik-Akteuren eingesetzt. Faktor

2: IT-Wissen wird Bestandteil der

pflegerischen Aus- und Fortbildung.

Faktor 3: Die Entwicklung vonneuartiger

Soft- und Hardware speziell für

die Anforderungen der pflegerischen

Praxis.

Wichtig ist, dass IT nicht nur

Anwendern bereitgestellt wird, sondern

dass Benutzer aucheine intensive

Schulung und einen fachlichen

Support zu den Produkten erhalten.

Dies kann nur durchPersonen erfolgen,

die sowohl das pflegefachliche, als

auchdas IT-Know-how besitzen. Diese

„Schnittstellen-Positionen“ werden zunehmend

an qualifizierte Pflegefachkräfte

übertragen. Die Deutsche Gesellschaft

für Pflegeinformatik (DGPI)

setzt sichdafür ein, dass solche Stellen

in allen deutschen Kliniken und Pflegeeinrichtungen

geschaffen werden.

Der Einsatz vonPflegeinformatikern

sorgt nicht nur für einen Investitionsschutz

und die reibungslose Nutzung

eingeführter Systeme in der Pflege,

sondern bietet auchneue Perspektiven

innerhalb des pflegerischen Berufs.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei der

geringere Theorie-Praxis-Transfer in

den letzten Jahren. Schon seit Jahren

gibt es bundesweit Arbeitsgruppen,

die sichmit der Anwendung vonEDV

in der Pflege beschäftigen. In den

meisten Fällen blieb es allerdings bei

Theorien. Als einen Schlüssel zur Praxis

sehe ichdie Pflegeinformatiker.

Denn sie bringen sichauchals Clinical

Process Experts in übergreifende Projekte

und in die Weiterentwicklung

vonIT-Produkten ein. Theorie-Praxis-

Transfer bedeutet für michauchein

des AAL-Verbund e.V. ILLUSTRATION:

OLIVER WEISS


ausreichendes Angebot an Aus- und

Weiterbildungsmöglichkeiten im BereichIKT.Das

beginnt mit der Integration

vonIT-Unterricht in die Ausbildung

und dem Angebot an IT-Fortbildungen

an die Praxis.Dabei sollte

auchdem Schichtdienst der Pflegefachkräfte

Rechnung getragen und

eLearning-Module verstärkt angeboten

werden.

Man muss auchinder Entwicklung

vonPflegesoftware umdenken.

Versuchte man in der Vergangenheit

nochdie vorhandene Papierdokumentation

in eine digitale Version zu bringen,

ergeben sichheute ganz neue Anforderungen

an die komplexe Abbildung

in Softwareapplikationen. So

sollte schon beim Softwareengineering

darauf geachtet werden, dass die

Module in der Entwicklung regelmäßig

vonder Praxis getestet werden.

Auch die Darstellung der Pflegeprozesse

mittels Software muss sichändern.

Die Pflegefachkraft muss sich

schnell einen Überblicküber die vielfältigen

Planungsschritte und Interventionen

machen können. Pflege

möchte wissensbasierte, handlungsunterstützende

und pragmatische

Software. Auch ichsehe den Einsatz

vonPflegefachsprachen mittels Software

in den pflegerischen Alltag als

sehr wichtig an. Allerdings muss eine

solche Sprache auchfrei erhältlich

sein. Die unterschiedlichen Lizenzmodelle

der vorhandenen Klassifikationen

führen nämlichzuHauskatalogen.

Viele Einrichtungen scheuen die

hohen Lizenzgebühren und entwickeln

deshalb lieber selbst. In der DGPI

wird deshalb in einer Fachgruppe an

einer frei verfügbaren, lizenzfreien

Pflegeklassifikation (Open Nursing

Classification) gearbeitet. Damit sollen

Einrichtungen motiviert werden, solcheSysteme

ohne finanzielles Risiko

selbst einzusetzen und sichmit anderen

Nutzern benchmarken zu können.

Meine Visionen und Wünsche für

die Pflege im Jahr 2020 sind vielfältig.

Selbstverständlichgibt es 2020 in jeder

Einrichtung einen BereichPflege-

informatik als Teil des Fachbereichs

„Klinische Informatik“. Jede Pflegekraft

besitzt einen „Nursing Communicator“

–eine neuartige, mobile und

auf die pflegerische Praxis abgestimmte

Hardware. Aufdem läuft eine Pflegesoftware,

die nicht nur pflegerische

Daten dokumentiert, sondern auch

gleichwissensbasierte Pflegevorschläge

macht. Durchein Benchmarking

über eine einheitliche Pflegeklassifikation

lassen sichProzesse validieren

und Pflegestandards optimieren. Jede

Pflegefachkraft besitzt bereits eine IT-

Grundbildung durchdie Berufsausbildung.

Weiterhin hat sie Zugang zu

den großen, deutschen, pflegerischen

eLearning-Plattformenund kann sich

dort weiterbilden –wann und wo sie

möchte. Im Jahr 2020 ist die Pflegedokumentationeine

der wichtigsten

Grundlagen der Abrechnung und Erlössicherung.

HEIKO MANIA

ist Erster Vorsitzender der

Deutschen Gesellschaft für

Pflegeinformatik.

Kosten fallen, wenn die

Betreuungsintensität steigt

Die Zahl der Diabetiker wächst, und

mit ihr die Kosten („Digitale Blutzuckertagebücher”,

6/2008). Erste

Studien zeigen, dass mit der Telediabetologie

Kosten reduziert

werden können.

Diabetes mellitus ist eine bedeutende

Erkrankung und stellt eine große

Kostenherausforderung dar.Die WHO

bezeichnete 2007 Diabetes als die „Epidemie

des 21. Jahrhunderts“. Ausgehend

vonden Erfahrungen mit der telemedizinischen

Betreuung von

mehreren tausend Herzinsuffizienz-

Patienten, wurde 2006 bei PHTS Telemedizin

ein Telemedizin-Programm

Diabetivafür Diabetiker initiiert. Folgende

wissenschaftlichbelegte Annahmen

liegendem zugrunde: kardiovaskuläre

Erkrankungen sind eine der

Hauptkomplikationen des Diabetes.

Diabetespatienten haben ein vier-bis

achtmal höheres Risikofür eine derartige

Erkrankung als Nichtdiabetiker.

Diese Herzerkrankungen sind insgesamt

die häufigste Todesursache weltweit,

und letztlichkönnen Folgeerkrankungen

und Komplikationen

insbesondere auchdurcheine intensive

Behandlung des Blutzuckers vermindert

werden.

Diese Folgeerkrankungen treten

jedocherst mit einer Latenz vonzehn

Jahren und mehr auf.Deshalb ist die

Einschätzung vonDr. Eberhard Biermann

verständlich, dass die positive

Auswirkung vonTelediabetologie

auf die Vermeidung vonFolgeerkrankungen

nochnicht festgestellt werden

kann, weil diese innovativeMethode

erst seit wenigen Jahren

eingesetzt wird.

Durcheine intensivierte Betreuung

soll in dem Telemedizin-Programm

vonPHTS Telemedizin die Stoffwechseleinstellung

verbessert werden, um

so Folgeerkrankungen zu vermindern.

Dies geschieht durchdie regelmäßige

Messung des Blutzuckers und einen regelmäßigen

Kontakt mit den Patienten,

bei der neben spezifischen Fragen

zur Erkrankung und deren Therapie

auchdie Lebensqualität erfragt wird.

Erste Ergebnisse der wissenschaftlichen

Auswertung konnten eine Reduktion

der Krankenhauseinweisungen

und der Liegedauern dieser

Patienten unter telemedizinischer Betreuung

im VergleichzuPatienten ohne

diese Betreuung zeigen. So konnten

bei diesen untersuchten Patienten

auchdie mit der Krankheit verbundenen

Kosten gesenkt werden, sodass die

verantwortliche Krankenkasse pro betreuten

Patient einen geringeren finanziellen

Aufwand zu leisten hatte.

DR. KAI FIDORRA

ist Ärztlicher Leiter der

PHTS Telemedizin.

EHEALTHCOM 47


COMMUNITY | AUS DEN VERBÄNDEN

Deutsche Gesellschaft für

Telemedizin e.V.

Georg-Knorr-Straße 4

D-12681 Berlin

Tel.: +49-(0)30 -93029940

Fax: +49-(0)30 -93029941

E-Mail: info@dgtelemed.de

www.dgtelemed.de

Deutsche Gesellschaft für

Gesundheitstelematik e.V.

Hammarskjöldring 103

D-60439 Frankfurt amMain

Tel.: +49 -(0)69 -57003967

Fax: +49 -(0)69 -57003966

www.dgg-info.de

48 EHEALTHCOM

BEDEUTUNG VON TELEMEDIZININEUROPA

Die Verbände DGG und DGTelemed nehmen gemeinsam Stellung zur EU-Mitteilung KOM 689

über den Nutzen von Telemedizin.

Ende 2008 veröffentlichte die EU-

Kommission nach einjähriger

Vorbereitung die Mitteilung KOM

(2008) 689 über den Nutzen der Telemedizin

für Patienten,

Gesundheitssysteme

und die Gesellschaft.

Die Kommission un-

terstreicht damit die

zunehmende BedeutungvontelemedizinischenDienstleistungen

zur Verbesserung

der Gesundheit und

der medizinisch-pflegerischen

Versorgung

für die Bürger in Europa.

Zu Recht wird

erkannt, dass sichaus

der aktuellen und der

zukünftigen demographischenEntwicklung

ein erheblicher,

bislang ungedeckter

Bedarf an medizinischer

Versorgung

insbesondere für chronischkrankePatienten

ergibt.

Zur Verbesserung der Situation soll

der Zugang zu fachärztlicher Versorgung

in ländlichen Regionen erleichtert werden.

Krankenhausaufenthalte können

„Die Idee einer gemeinsamen Stel-

lungnahme entstand in Gesprächen

im vergangenen Jahr in Berlin.Tele-

medizin ist auch ein internationales

Thema, insofern ist es gut und rich-

tig, dass die Fachgesellschaften für

Telemedizin in Deutschland ihre

Aktivitäten koordinieren und alle Be-

teiligten zur aktiven Mitwirkung auf-

rufen.“

durcheine verbesserte

– eHealthunterstützte–häusliche

Betreuung

(„hospital at home“)

einerseits deutlich

verkürzt und andererseits

im Vorfeld

vermieden werden.

Während ein

weiterer Ausbau

der bereits bewährten

Teleradiologie hilft, die Versorgungseffizienz

zu verbessern und Personalengpässe

in ländlichen Regionen zu mildern,

verbessern telemedizinische Dienste gezieltdie

Lebensqualität chronischKrankerund

optimieren den Ressourceneinsatz.

Telemedizin kommt insoweit in

einer wirtschaftlichschwierigen Zeit eine

stabilisierende Rolle zu.

Die EU-Kommission sieht jedoch

nocherheblichen Handlungsbedarf in

den Feldern:

Vertrauensbildung für Telemedizin-

Dienste und Aufbau vonAkzeptanz

Schaffung vonallgemeiner Rechtssicherheit

Klärung technischer Fragen und

Erleichterung der Marktentwicklung

(Interoperabilität)

In diesem Zusammenhang werden

die Mitgliedstaaten

um aktiveMitwirkung

gebeten, um

die Anwendung

von Telemedizin

und vor allem die

DIPL. POL.

WOLFGANG LOOS

ist Geschäftsführendes

Vorstandsmitglied,

Deutsche Gesellschaft

für Telemedizin.

„Wir werden im deutschsprachigen

Raum länderübergreifend den Informations-

und Erfahrungsaustauschorganisieren

und den beteiligten Gesellschaften

mehr Raum für Kontakte bieten.

Wichtig wird sein, dasThema Qualität

bei telemedizinischen Anwendungen

künftig stärker zu beachten. Auch die

Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Aspekt,

der alle vier Gesellschaften bewegt.“

rechtliche Situation

in Europa umfassend

zu beschreiben

und Verbesserungsbedarf

zu

bearbeiten.

STEPHAN SCHUG

ist Geschäftsführer

in der Deutschen

Gesellschaft für

Gesundheitstelematik

(DGG).

Die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitstelematik

und die Deutsche Gesellschaft

für Telemedizin –die zwei in

Deutschland zu dieser Thematik etablierten

Fachgesellschaften –begrüßen und

unterstützen die Initiativeder EU-Kommission.

Die gesundheitspolitischVerantwortlichen

im Bund und in den Ländern

werden gebeten, den vorgesehenen

Aktionsplan der Kommission durchaktiveMitarbeit

konstruktiv zu unterstützen

und ggf.weiterzuentwickeln. Gleichzeitig

sollte die Chance genutzt werden,

den hohen Entwicklungsstand der Telemedizin

in Deutschland und die bereits

existierenden Versorgungsverträge den

europäischen Nachbarn bekannt zu machen,

denn Telemedizin hat zugleichein

hohes Exportpotential.

Die Mitteilung ist im Internet unter

http://ec.europa.eu/information_society/activities/health/policy/telemedicine

zu finden und kann dort u.a. in deutscher

Sprache heruntergeladen werden.

Künftig informieren DGTelemed und

DGG –auch inZusammenarbeit mit den

FachgesellschaftenASSTeH(Österreich) und

SGTMeH (Schweiz) –andieser Stelle regel-

mäßig über wissenschaftliche und prakti-

scheTrends inTelemedizin und eHealth im

deutschsprachigen Raum („D-A-CH“).


BEWERBUNGSFRIST LÄUFT

VDE|DGBMT und Fraunhofer zeichnen mit dem „WC 2009 Innovation Award“ technische Entwicklungen

im Gesundheitswesen aus.

Anlässlichdes „World Congress

2009 on Medical Physics and

Biomedical Engineering“ vom

7. bis12. SeptemberinMünchen schreiben

VDE|DGBMT (Deutsche Gesellschaft

für Biomedizinische Technik im

VDE) und die Fraunhofer-Gesellschaft

den„WC2009 Innovation Award“ aus.

Eine fünfköpfige Jury renommierter Experten

der Medizin- und Biomedizintechnik

zeichnet die besten und innovativsten

Ideen, die während des

Kongresses präsentiert werden, aus.In

drei Kategorien werden jeweils die technischen

Entwicklungen prämiert, die

das Potential für wirtschaftlichen Erfolg

im Gesundheitswesen haben. Vergeben

werden die Preise im Rahmen

der Veranstaltung „Innovation at Night“.

Bis zum 15. Juli läuft die Bewerbungsfrist

für folgende Auszeichnungen:

Industry Award: Für innovative

Produkte oder Dienstleistungen kleinund

mittelständischer Firmen mit bis

zu 500 Mitarbeitern, die zwischen 2007

und 2009 konzipiert wurden und bereits

auf dem Markt sind oder kurz davorstehen.

Die Sieger erhalten ein „Innovation

Package“ zur Förderung ihres

Unternehmens,das die Teilnahme an

folgenden Veranstaltungen beinhaltet:

Der World Congress findet alle drei Jahre statt.

VDE Round Table zu Innovationen

der Medizin mit EU-Vertretern am

Sitz der EU-Kommission in Brüssel

VDE Lunch-Debatte mit Mitgliedern

des EU-Parlaments

Präsentation des Unternehmens

bei der traditionellen VDE Europa-

Konferenz im Mai 2010 in Brüssel

Science Award: Für ein innovatives

Forschungsprojekt eines einzelnen Wissenschaftlers

oder eines Teams,das zwischen

2007 und 2009 entstanden ist und

marktfähiges Potential besitzt. Der

Award ist mit 5000 Euro dotiert.

Young Talent Award: Nachwuchswissenschaftler

bis 35 Jahre, die zwischen

2007 und 2009 eine Idee für ein

marktfähiges innovatives Produkt der

Medizintechnik entwickelt haben, erhalten

ein Preisgeld von3000 Euro.

Der World Congress 2009 on Medical

Physics and Biomedical Engineering

Mehr als 4000 Experten diskutieren

vom7.bis 12. September die medizinischen

Herausforderungen der Zukunft.

Der Kongress ist die weltweit größte

und wichtigste wissenschaftlich-medizinische

Fachveranstaltung für die Forschung

in den Bereichen Medizintechnik,

Medizinphysik und Bioengineering.

Experten aus aller Welt

werden erwartet.

An sechs Tagen stellen

Ärzte, Ingenieure

und Wissenschaftler im

Internationalen Congress

Center München

(ICM) ihre Forschungsergebnisse

aus den 13

technisch geprägten

Kongress-Themen vor.

Jeder Kongresstag ist einem

der insgesamt fünf

medizinischen Schwerpunkte Onkologie,

Nuklearmedizin, Chirurgie, Neurologie

/Neurochirurgie /Rehabilitation

und Kardiologie /kardiovaskuläre Erkrankungen

gewidmet. Ergänzend zu

dem wissenschaftlichen

Programm präsentierenUnternehmen

und Non-Profit-Orga-

nisationen in einer

Ausstellung vom8.bis

11. September Innovationen

und Dienstleistungen

aus der

Medizin- und Biomedizintechnik.

Weitere

Highlights des Kongresses

sind Recruiting Events wie eine

Jobbörse für die über 1000 erwarteten

Doktoranden und Young Professionals.

Nationale Gastgeber des Kongresses

sind der VDE mit seiner Deutschen Gesellschaft

für Biomedizinische Technik

(DGBMT) und die Deutsche Gesellschaft

für Medizinische Physik (DGMP). Internationale

Veranstalter sind die International

Union for Physical and Engineering

Sciences in Medicine (IUPESM),

International Organization for Medical

Physics (IOMP) und International Federation

for Medical and Biological Engineering

(IFMBE) sowie die European

Federation of Organisations for Medical

Physics(EFOMP).Partner des Weltkongresses

sind das Bundesministerium für

Bildung und Forschung (BMBF), das

Forum MedTechPharma e.V., die Fraunhofer-Gesellschaft

sowie die Deutsche

Kommission Elektrotechnik Elektronik

Informationstechnik im DIN und VDE

(DKE) und das VDE-Institut.

Weitere Informationen unter:

www.wc2009.org

Deutsche Gesellschaft

für Biomedizinische

Technik im VDE

Stresemannallee 15

D-60596 Frankfurt amMain

Tel.: +49-(0)69 -6308 -355

Fax: +49-(0)69 -9631 52 19

E-Mail: dgbmt@vde.com

www.dgbmt.de

EHEALTHCOM 49


COMMUNITY | AUS DEN VERBÄNDEN

Bundesverband

Managed Care e.V.(BMC)

Friedrichstraße 136

D-10117 Berlin

www.bmcev.de

50 EHEALTHCOM

TRANSPARENZ UND DATENSCHUTZ

Notwendiger Datenschutz bei der IT-Unterstützung neuer Versorgungsformen: AG Prozessund

IT-Management diskutiert aktuelle Fragen mit Experten.

Die zunehmende Vernetzung der

Leistungserbringer im Gesundheitswesen,

der Aufbau voneinrichtungsübergreifenden

Patientenakten

aber auchneue Methoden der Krankenkassen,

den Patienten

im Gesundheitssystem

zu steuern, hat das

Thema Datenschutz

und seine Rolle in der

IT-Unterstützung neu-

er Versorgungsformen

mehr und mehr in den

Fokus der Öffentlichkeit

gebracht. Verschiedene

Medienberichte

in den vergangenen

Monaten taten ihr Übriges.Sohatte unter

anderem das ARD-Magazin „Report

Mainz“ die Chroniker-Programme verschiedener

Krankenkassen, darunter die

Deutsche Angestellten Krankenkasse

(DAK),die Barmer Ersatzkasse (BEK) und

die Techniker-Krankenkasse (TK) scharf

kritisiert. Der Vorwurf: unsensibler,möglicherweise

auchillegaler Umgang mit

Patientendaten.

Wiesteht es um die juristischen Anforderungen

an den Datenschutz? Engen

die aktuellen gesetzlichen Regelungen

zum Datenschutz die Anbieter innovativerVersorgungsprogramme

ein? Wo liegen

tragfähige Kompromisslinien? Diesen

Fragen ist die AG Prozess- und IT-

Management des BMC im Herbst 2008

im Rahmen eines Workshops in Berlin

nachgegangen. Mehr als 20 Teilnehmer

aus allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft

waren in die Hauptstadt gekommen.

Als Hauptreferent eingeladen war

Dr.Georg Borges,Professor und Lehrstuhlinhaber

für Bürgerliches Recht,deutsches

und internationales Handels- und

Wirtschaftsrecht, insbesondere IT-und

Medienrecht, an der Ruhruniversität

Bochum.

Borges machte in seinem

Vortrag auf zwei relevante

Punkte aufmerksam. Es gibt

einen Unterschied zwischen

Funktionsübertragung und

Auftragsbearbeitung. Gibt ein

Unternehmen bzw.eine Institution

Daten an ein Rechenzentrum

weiter,umdiese für eigene

Zwecke bearbeiten oder

analysieren zu lassen, spricht

der Jurist voneiner Auftragsbearbeitung.

Es handelt sichindiesem

Falle nicht um eine Weitergabe

an Dritte im juristischen

Sinne. Zur Weitergabe dieser

Daten bedarf es rechtlichkeiner

Einwilligung. Gibt das gleiche

UnternehmenDaten an einen

Dienstleister weiter,damit dieser Aufgaben

im Auftrag des Unternehmens übernimmt,

handelt es sichumeine Funktionsübertragung

und somit um die

Weitergabe vonDaten an Dritte im juristischen

Sinne. Hierzu bedarf es zwingend

der Einwilligung des Betroffenen. Fazit:

Bei der Weitergabe vonPatientendaten

durchdie DAKanHealthways im Rahmen

des DAK-Chroniker-Programms

handelt es sichnicht unbedingt nur um

eine Auftragsbearbeitung. Der Fall ist zumindest

strittig und es wäre besser gewesen,

die Einwilligung einzuholen.

Dochwie hochist die Sensibilität der

Versicherten im Umgang mit ihren persönlichen

Gesundheitsdaten? In der Diskussion

innerhalb der Arbeitsgruppe

„Prozess- und IT-Management“ bestand

Konsens,dass die Thematisierung des

Datenschutzes eher bei einem gesunden

Versicherten eine größere Rolle spielt.

Für den Kranken und insbesondere für

Ist die Weitergabe von Gesundheitsdaten an Callcenter

rechtlich unbedenklich?

den chronischkranken Patienten steht

in erster Linie eine koordinierte und abgestimmte

Behandlung im Vordergrund.

In diesem Zusammenhang ist er auchbereit,

den Austauschsensibler Daten zwischen

den Akteuren und Dienstleistern

zu akzeptieren, ja sogar zu fördern.

Hierbei ist gleichzeitig bereits heute

gesichert, dass die technische Umsetzung

vonDatenschutzvorschriften kein Hinderungsgrund

für die Etablierung vonIT

in neuen Versorgungsformen darstellt.

Inwieweit die Auslegung von Datenschutzbestimmungen

aller die Nutzung

von IT-Systemen behindert oder einschränkt,

ist andererseits in den einzelnen

Projekten zu berücksichtigen. Bei der

Umsetzung neuer Versorgungsformen,

bei denen in einem vernetzten System

Daten aus unterschiedlichen Systemen

zusammengeführt werden, wird häufig

mit dem Thema zu defensiv,manchmal

garängstlichumgegangen. Es liegt auf

FOTO: SHUTTERSTOCK


der Hand, dass gute Projekte, die auf umfassendenPatientendaten

basieren, auch

guten Datenschutz brauchen. Ausdiesem

Grunde ist es notwendig,dem Thema proaktiv

zu begegnen und nicht aus Befürchtung

vorzuhohen Datenschutzanforderungen

das Thema falschauszulegen oder

zu ignorieren.

Datenschutz ist ein wichtiger Hygiene-Faktor

bei der Umsetzung vonneuen

Versorgungsformen. Anbieter sind auch

selbst in der Pflicht, zu dokumentieren,

dass ihre Projekte höchsten Ansprüchen

des Datenschutzes genügen. Dabei spielt

dieTransparenz eine große Rolle. Der offene

Umgang, werdie Daten wofür und

in welchem Kontext verwenden soll, und

welcher Mehrwert bei der Verbesserung

der Versorgung erzielt werden soll, ist bei

der Umsetzung der Versorgungsprojekte

zwingend notwendig. Es ist wichtiger,

die Vorteile umfassender Transparenz zu

betonen,als die Nachteile des Datenschutzes

zu beklagen. Klar ist aber auch: Am

Datenschutz entscheidet sichletztlich

nicht die Versorgungsqualität.

Dr. med. Dominik Deimel, com2health

GmbH, ist Leiter der Arbeitsgruppe „Prozess-

und IT-Management“ im BMC e.V.

Programm

Die Welt der

Dokumentation

10.DVMD F

MANAGED CARE IN EUROPA

Ein Blick auf die Nachbarn lohnt sich ...

Nochimmer sind die Gesundheitssysteme

in Europa stark vonlokalen Gegebenheiten

geprägt und es ist ausgesprochen

schwierig, die Systeme

sowohl in ihrer Struktur als auchLeistungsfähigkeit

zu vergleichen. Dies

ist auchnicht der Anspruchdes Buches

„Managed Care in Europa“. Das

Buchpräsentiert die vielfältigen Managed-Care-Erfahrungen

anderer europäischer

Länder und will mögliche

Rückschlüsse für weitere Reformen

in Deutschland aufzeigen.

Vier wichtige Themengebiete aus

sehr innovationsfreudigen Gesundheitssystemen

wie den Niederlanden,

Spanien, Großbritannien oder der

Schweiz stehen im Fokus: Privatisierung

der GKV,Qualitätswettbewerb

und die dafür notwendigen Bedingungen,

leistungsorientierte Vergütung

wie umfassende Versorgung.

Die Beispiele zeigen, dass Managed

Care kein amerikanisches Phänomen

Die Welt der Dokumentation

Ak Aktuelles aus der Medizinischen Dokumentation

Vorträge und Workshops zu Themen wie

Elektronisches Dokumentenmanagement,

Archivierung, EDC-Systeme etc.

Alle Informationen unter www.dvmd-tagung.de

ist, sondern dass ausgesprochen erfolgreiche

Modelle in den unterschiedlichsten

europäischen Ländern entwickelt

wurden. Aufgrund der grundlegenden

Werte und Strukturen lassen sichAnsätze

aus dem benachbarteneuropäischen

Ausland auchsehr viel erfolgversprechender

auf das deutsche

System übertragen. Best-Practice-Beispiele

einiger BMC-Mitglieder in verschiedenen

europäischen Ländern dokumentieren

diese These.

Managed Care in Europa

V. Amelung, D. Deimel,

W. Reuter,

N. van Rooij,

J. Weatherly

MWV MedizinischWissenschaftlicheVerlagsgesellschaft

44,95 Euro

10. Fachtagung

des DVMD

1. bis 4. April 2009

in Ludwigshafen

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EHEALTHCOM 51


COMMUNITY | AUS DEN VERBÄNDEN

52 EHEALTHCOM

Die Veranstaltung „eHealth-

2009“ findet nun bereits zum

dritten Mal in Wien statt und

hat sichimmer mehr zu einem nationalen

Treffpunkt in Sachen eHealth und

Telemedzin in Österreich entwickelt.

Standen inden letzten

beiden Jahren die

informationstechnologischen

Aspekte im

Österreichische Wissenschaftliche

Gesellschaft für Telemedizin

u. eHealth (ASSTeH)

Kontakt: Dr. P.Sögner

Unterer Feldweg 11c

A-6091 Götzens

Tel.: +43 -(0)664 -2079730

Fax: +43 -(0)5234 -32032

E-Mail: peter.soegner@aon.at

www.assteh.org

TELEMEDIZIN IN DER PRAXIS

Die Österreichische Wissenschaftliche Gesellschaft für Telemedizin und eHealth (ASSTeH) veranstaltet

im Rahmen der eHealth2009 und eHealth Benchmarking 2009 einen eigenen Workshop.

Vordergrund, ergänzt

nun ein praxisorientierter

Workshop der

ASSTeH in diesem

Jahr den medizinischen

Schwerpunkt

vonTelemedizin. Dieserdreieinhalbstündige

Workshop wird

im Rahmen der diesjährigen eHealth2009

und eHealth Benchmarking

2009 (weitere Informationen unter

www.ehealth2009.at) vonder ASSTeH

als Partnerorganisation der Veranstalter

am 7. Mai 2009 für interessierte Bür-

ger,Mediziner,Juristen, Ökonomen und

gesundheitspolitische Entscheidungsträger

organisiert.

Im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten

werden die aktuellen österreichischen

Rahmenbedingungen aus den

verschiedenen Blickwinkeln (Medizin,

Recht und Organisation, Ökonomie

und Qualitätsmanagement) dargestellt.

Praktische Beispiele für gelebte Telemedizin

in Österreichsollen die Chancen

und Risiken für Bürger,betreuende

Gesundheitsdienstleister und

gesundheitspolitische Verantwortliche

deutlich machen. Den Teilnehmern

werden anhand der Expertenbeiträge

Erfolgsfaktoren telemedizinischer Beispiele

in Österreich vorgestellt, wohl

wissend, dass in dreieinhalb Stunden

nicht alle offenen Fragen abgehandelt

werden können.

Medizinische Themenschwerpunkte

werden unter anderem Teleradiologie

und Teledermatologie in

Österreichsein. Wichtig ist den Orga-

Interessiert lauschten die Besucher im vergangenen Jahr den Vorträgen während der

eHealth Benchmarking 2008.

nisatoren der ASSTeH hier,die positiven

Möglichkeiten der Stärkung

der medizinischen Fachkompetenzen

durchbessere Vernetzung der lokalen

Gesundheitseinrichtungen darzustellen.

Die Entwicklungen vontelemedizinischen

Einzelprojekten zu bereichsund

fachübergreifenden Netzwerken

wie einem Neuro-, Cardio- oder Onko-

Net werden diskutiert.

Wirladen daher nun alle neugierig

Gewordenen in den nächsten Wochen

ein, sich über die Homepage der Veranstalter

über die verschiedenen Optionen

im Rahmen der eHealth2009

und eHealth Benchmarking 2009 zu

informieren und würden uns freuen,

sie als Teilnehmer des Workshops der

ASSTeH in Wien in „kaiserlichen“ Tagungsräumlichkeiten

des Apothekertrakts

im wunderschönen Schloss

Schönbrunn begrüßen zu dürfen.

Darüber hinaus sind alle Interessenten

herzlich dazu eingeladen, als

ordentliches Mitglied der ASSTeH

(weitere Informationen über eine Mitgliedschaft

über unsere Homepage –

www.assteh.org) von den vergünstigten

Registrierungsgebühren bei der

Veranstaltung in Wien zu profitieren

(siehe dazu www.ehealth2009.at-/

registration). Die Mitglieder der AS-

STeH freuen sich schon jetzt auf ein

informatives Gespräch bei einem guten

Kaffee an einem der berühmtesten

Orte in Österreich!

DR. PETER SÖGNER

ist Vorstandsvorsitzender

der ASSTeH.


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erhalte kostenlos zwei Ausgaben der

Zeitschrift E-HEALTH-COM. Das Abo verlängert

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COMMUNITY | AUS DEN VERBÄNDEN

TMF e.V.

Neustädtische Kirchstr. 6

D-10117 Berlin

Tel.: +49-(0)30 -31011950

E-Mail: info@tmf-ev.de

www.tmf-ev.de

54 EHEALTHCOM

GEWAPPNET GEGEN VOGELGRIPPE, SARS UND CO.

Prof. Dr.Martin Groschup, Prof. Dr.Stephan Ludwig und Sebastian C. Semler im Expertengespräch

über die neu gegründete „Nationale Forschungsplattform für Zoonosen“.

Gerade hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung

den Aufbau einer Nationalen Plattform für Zoonosen-Forschung

bewilligt. Was sind eigentlich Zoonosen,

warum ist das Thema so wichtig und was sind gegenwärtig

die größten Herausforderungen in der Erforschung

von Infektionskrankheiten aus dem Tierreich?

Groschup: Zoonosen sind Infektionskrankheiten, bei

denen sichMenschen und Tiere gegenseitig ansteckenkönnen

–denken Sie an die Pest oder Tuberkulose.

Durch den globalen Warenhandel,

Fernreisen und den Klimawandel

können altbekannte Krankheitserreger

hierzulande wieder eingeschleppt werden.

Aber Erreger können auch neu auf-

tauchen, wie etwa SARS oder die Vogelgrippe.

Wir müssen deshalb das

Vorkommen dieser zoonotischen Erreger

bei Mensch und Tier erfassen und die

Möglichkeit der Übertragung auf den

Menschen analysieren. Erst wenn wir die

Infektionsmechanismen der Erreger und die dagegen gerichteten

natürlichen Abwehrstrategien des Menschen verstehen,

können wir die Diagnostik verbessern sowie Impfstoffe

und Therapien für bereits infizierte Menschen und

Tiere entwickeln.

Waskann man sichunter einer „Zoonosen-Plattform“ vorstellen

und welche Vorteile wird die Plattform für die Bekämpfung

vonZoonosen in Deutschland haben?

Semler: Die „Zoonosen-Plattform“ soll als Informations-

und Servicenetzwerk für alle in Deutschland aktiven

Forschungsgruppen und –institutionen aus diesem

Bereich wirken. Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch,

Kooperationen sowie gemeinsame Infrastrukturen und

Services sollen hier aufgebaut werden. Zentrale Aufgabe

ist die Bündelung der Forschungsaktivitäten vonHumanund

Tiermedizin. Mittel- bis langfristig sollen Projekte

von Forschungsverbünden dadurch schneller vorankommen,

indem sie etwaeinheitliche Datenschemata und Software-Werkzeuge

sowie Daten- und Probenbanken der

Zoonosen-Plattform nutzen können. Wirhoffen, dass man

dann bei einer künftigen zoonotischen Infektionsbedrohung

schneller und koordinierter vorgehen kann als

bisher.

Herr Prof. Ludwig, Sie sind Sprecher der Arbeitsgruppe

Zoonosen und Infektionsforschung in derTMF.Wie wird

die Arbeitsgruppe mit der Zoonosen-Plattform zusammenarbeiten?

Ludwig: Die Arbeitsgruppe ist ein ständiges Diskussionsforum

der wissenschaftlichen Community.Sie kümmert

sichbeispielsweise um Fragen des Umgangs mit hochinfektiösem

Material, um die Abstimmung der Aktivitäten

mit Bundesinstituten oder um besondere Aspekte bei der

Einrichtung vonProbenbanken. Sie reflektiert die inhaltliche

Arbeit der Verbünde und Projekte und berät die

Geschäftsstelle der Zoonosen-Plattform. Nur wenn biomedizinische

Grundlagenforschung, Human- und Veterinärmedizin

eng zusammenarbeiten, kann es gelingen, die

komplexen Zusammenhänge bei der Übertragung vonErregern

zwischen Tier und Menschzuverstehen.

PROF. DR. MARTIN

H. GROSCHUP

Friedrich-Loeffler-Institut (FLI),

Bundesforschungsinstitut

für Tiergesundheit,

Standort Insel Riems

SEBASTIAN C. SEMLER

Wissenschaftlicher Geschäftsführer

der Telematikplattform für

medizinische Forschungsnetze

(TMF) e.V.

PROF. DR. STEPHAN LUDWIG

Institut für MolekulareVirologie

(IMV), Westfälische Wilhelms-

Universität Münster


COMPETENCE WISSENSCHAFT

UND FORSCHUNG

56

59

62

63

PATIENTENAKTEN Information Retrieval: VomSuchen

und Finden von Freitextinformationen in der EPA

Am JOANNEUM RESEARCH wurde der Prototyp eines klinischen Information

Retrieval Systems entwickelt. Aufgezeigt wird ein möglicher Weg, relevante Informationen

aus klinischen Freitextdokumenten zu gewinnen.

STEPHAN SPAT

IHE-PROFILE Elektronische Gesundheitsakten:

neues IHE-Profil für den strukturierten Datenaustausch

Der Datenaustausch zwischen Gesundheitsakten und den Dokumentationssystemen

der niedergelassenen Ärzte und Krankenhäuser stellt die Systemhersteller

vor neue Aufgaben. Die Initiative Integrating the Healthcare

Enterprise (IHE) stellt mit dem Profil XPHR ein technisches Framework

zur Verfügung.

ALEXANDER IHLS, DR. SYLVIA THUN

REIHE: SEMANTISCHE INTEROPERABILITÄT

UCUM –standardisierte Maßeinheiten für Medizin und

Pharmazie

Laboruntersuchungen oder Vitaldaten sind ein wesentlicher Teil der medizinischen

Dokumentation und der Kommunikation zwischen medizinischen

Geräten. Zum Austausch und Vergleich solcher Daten bietet das Kodiersystem

UCUM die notwendige Standardisierung.

DR. SYLVIA THUN, DR. CHRISTOF GESSNER

ÜBERBLICK Kurz &knapp: Wissenschaftliche Arbeiten

aus aller Welt

1|2009

EHEALTHCOM 55


COMPETENCE | PATIENTENAKTEN

Information Retrieval: VomSuchen und Finden

von Freitextinformationen in der EPA

Am JOANNEUM RESEARCH wurde der Prototyp eines klinischen Information Retrieval Systems entwickelt.

Aufgezeigt wird ein möglicher Weg, relevante Informationen aus klinischen Freitextdokumenten zu gewinnen.

56 EHEALTHCOM

TEXT: STEPHAN SPAT

E

lektronische Patientenakten (EPA) in Spitälern und

Spitalsverbünden stellen neue Anforderungen an

die Suche nachmedizinischrelevanten Informationen

in klinischen Freitextbeständen. Die Steiermärkische

Krankenanstaltenges.m.b.H. (KAGes), die

Trägergesellschaft von20Spitälern der Steiermark mit über

6000 Betten und 16 000 Mitarbeitern, führte im Jahr 2004

ein neues Krankenhausinformationssystem unter dem Projektnamen

openMEDOCS ein. Ziel wares, die heterogenen

IT-Systeme der einzelnen Spitäler durchein einheitliches,

zentrales System zu ersetzen. openMEDOCS basiert auf dem

Softwarepaket IS-H vonSAP sowie i.s.h.med vonGSD und

T-Systems.Den Kern vonopenMEDOCS bildet eine elektronische

Patientenakte, in der die gesamte medizinische Dokumentation

der KAGes-Patienten erfasst

wird. Dadurch wurde es für Mediziner

möglich, die elektronische Akte eines Patienten

–unabhängig davon, wo einzelne

Dokumente erstellt wurden –von jedem

KAGes-Krankenhaus abzurufen.

Ein beträchtlicher Teil der gespeicherten

Patienteninformationen sind Freitextdokumente.

Da die medizinischen Informationen

dieser Dokumente eine große

Bedeutung für die Entscheidungsfindung der Ärzte hinsichtlichder

weiteren Behandlung ihrer Patienten haben, bedarf

es effektiver und effizienter Techniken zur Suche vonrelevanten

Informationen in der EPA. Diese Arbeit stellt einen

kombinierten Ansatz aus Text Information Retrieval und

automatisierter Textklassifikation zur Suche nachrelevanten

Informationen in klinischen Freitextdokumenten vor. [1]

Freitextdokumente

haben eine große

Bedeutung für die

Entscheidungsfindung

der Ärzte.

Entwickelte Lösung

Prototyp eines klinischen Information Retrieval

Systems: Gemeinsam mit der KAGes wurde am Institut für

Medizinische Systemtechnik und Gesundheitsmanagement

der JOANNEUMRESEARCH Forschungsgesellschaft.m.b.H

der Prototyp eines klinischen Information Retrieval (IR) Systems

entwickelt. Ziel des Prototyps ist die Unterstützung von

Ärzten bei der gezielten Suche nachrelevanten medizinischen

Freitextinformationen in elektronischen Akten vonPatienten.

Abb.1gibt einen Überblicküber die wesentlichen Module

der Systemarchitektur: Unstrukturierte klinische Freitextdokumente

werden aus der elektronischen Patientenakte eines

Patienten durch das Datenbank-Modul angefordert.

Anschließend werden die Dokumente im Klassifikations-Modul

in zuvor definierte medizinische Fachbereiche kategorisiert.

Das Indexierungs-Modul extrahiert Index-Terme –Terme,

die den Inhalt beschreiben –aus den Dokumenten und

speichert diese Information, zusammen mit vorhandenen Metadaten,

sowie die durchdie Dokumentenklassifikation ermittelten

medizinischen Fachbereiche des Dokuments,imIndex.

Der Benutzer definiert seine Suchanfrage über das Benutzeroberflächen-Modul.

Die Benutzeranfrage, bestehend aus

Termen und Metadaten, wird an den Index weitergeleitet und

klinische Textdokumente werden nachRelevanz sortiert an

den Benutzer zurückgeliefert. Durchdie Auswahl vonmedizinischen

Fachbereichen in der Benutzeroberfläche kann der

Benutzer direkt Einfluss auf die Relevanz der zurückgelieferten

Dokumente nehmen.

EPA: Da im Pilotprojekt ein direkter Zugriff auf die klinischen

Freitextdokumente der KAGes aus Datenschutzgründen

nicht möglichwar,wurde für die Speicherung eine vereinfachte

elektronische Patientenakte (EPA) modelliert. Die

KAGes extrahierte und anonymisierte aus openMEDOCS

18 000 Freitextdokumente, die im modellierten EPA-System

gespeichert wurden. Insgesamt finden sichindem extrahierten

Dokumentensatz 26 unterschiedliche Dokumenttypen wie

Arztbriefe oder Befunde aus acht medizinischen Fachbereichen.

Dokumente wurden als Textdokumente zur Verfügung

gestellt. Jedes Dokument ist einem Patienten zugeordnet.

Klassifikations-Modul: Zur automatisierten Klassifikation

vonunstrukturierten klinischen Textdokumenten in medizinische

Fachbereiche wurde ein multi-label Klassifikationssystem

[2] basierend auf dem Open-Source Data-Mining-Framework

WEKA [3] entwickelt.

Multi-label Klassifikation bietet den Vorteil, dass einem

Dokument mehrere medizinische Fachbereiche zugeordnet


werden können. Der folgende Fall soll den Nutzen

verdeutlichen: Patientin Maier hatte einen

Unfall, bei dem sie sichden Fuß brach. Nach

der Einlieferung im Unfallkrankenhaus wurde

ihr Fuß geröntgt. Anschließend wurde der

Fuß operiert. Alle Behandlungsschritte, Therapien

und Medikamente wurden in einem

Dokument zusammengefasst. Die multi-label

Klassifikation ermöglicht die Zuordnung des

Dokuments zu dessen medizinischrelevanten

Fachbereichen Radiologie und Chirurgie.

Abb. 2zeigt den Klassifikationsprozess.

Ausden 18 000 klinischen Freitextdokumenten

wurden zufällig 1500 Dokumente ausgewählt.

Weiters wurden acht medizinische Fachbereiche

als Kategorien definiert. Ein Fachexperte

(Internist) wies aufgrund des Inhalts jedem

Dokument einen oder mehrere Fachbereiche

zu. Der manuell kategorisierte Dokumentensatz

wurde anschließend in einen Trainings- und einen

Testdokumentsatz geteilt. Vier unterschiedliche

Klassifikationsalgorithmen -– J48 Tree Classifier,

Support Vector Machines (SMO),

k-Nearest Neighbor (k-NN) Classifier,und Naïve

Bayes [4-7] –wurden mit diesen Datensätzen

trainiert bzw.evaluiert. Der Einfluss vonText-

Vorverarbeitung (z.B.Stoppwortentfernung,

Stemming, Kleinschreibung) auf das Klassifikationsergebnis

wurde untersucht. Die F-Measure [8] wurde als Erfolgsmaßzahl

verwendet. J48, der Klassifikator mit dem besten Evaluationsergebnis,wurde

schließlichimInformation Retrieval System

verwendet um die restlichen klinischen Textdokumente automatisiert

zu klassifizieren.

Indexierungs- und Such-Modul: Für die Entwicklung des

Indexierungs- bzw.Suchmechanismus wurde das etablierte

Open-Source Text-Information-Retrieval-Framework Apache

Lucene [9] verwendet. Lucene stellt Funktionalität zum Analysieren,

Indexieren und Suchen vonTextdokumenten zur Verfügung.

Weiters können Dokumente nachRelevanz sortiert

werden. Lucene bietet auchdie Möglichkeit einen „boost factor“

zu setzen, um die Relevanz vonDokumenten durchMetadaten

zu beeinflussen. Im Falle des klinischen IR-Systems wird

Dokumenten, die medizinischen Fachbereichen zugeordnet

wurden, bei der Auswahl dieser Fachbereiche in der Suchmaske

eine höhere Relevanz zugewiesen als Dokumenten, die nicht

in diese Fachbereiche klassifiziert wurden.

J2EE Webanwendung: Die Konzeption des klinischen

IR-Systems als J2EE-Webanwendung erlaubt, neben Plattformunabhängigkeit,

Modularität, Erweiterbarkeit und Datenschutzfunktionen,

einen einfachen Zugriff auf das IR-System.

Mediziner –und in Zukunft möglicherweise auch

Patienten –können somit über einen Webbrowser auf die

Abb. 1–Systemarchitektur des Prototyps eines klinischen

Information Retrieval Systems

Beispielhafte Anwendung des klinischen IR-Systems

Der folgende Anwendungsfall demonstriert anhand

eines konkreten Beispiels die Funktionalität des Systems:

Aufgrund von Schmerzen im Brustbereich kommt ein Patient

auf die Interne Abteilung. Der Patient erzählt, dass er

schon mehrmals am Herzen behandelt worden sei. Die

diensthabende Internistin möchte sich daher einen Überblick

über die bisherige Krankengeschichte des Patienten

machen. Vorallem ist sie an bisherigen Behandlungen am

Herzeninteressiert. Also gibt sie „Herz*“ in die Suchmaske

ein. Der „*“ ist Platzhalter für beliebige weitere Zeichen nach

dem Wort „Herz“. Neben medikamentösen Therapien sind

auchmögliche Operationen vonBedeutung. Sie sucht daher

nach Dokumenten der Fachbereiche „Innere Medizin“ sowie

„Chirurgie“, und setzt daher in der Suchmaskeeine Marke

für diese Fachbereiche.

Nach der Übermittlung der Suchanfrage, ermittelt das

klinische IR-System alle Dokumente die das Wort „Herz“

beinhalten. Zusätzlichwird die Relevanz dieser Dokumente

bezüglichder Suchanfrage berechnet. Im nächsten Schritt

werden jene Dokumente, die vom Klassifikationsalgorithmus

in die Kategorien „Innere Medizin“ bzw. „Chirurgie“

klassifiziert wurden mit einem höheren Relevanz-Faktor gewichtet,

als jene, die nicht in diese Kategorien fallen. Höher

gewichtete Dokumente erscheinen in der Ergebnisliste vor

Patientenakte zugreifen. niedriger gewichteten. Dokumente, die zwar das Wort „Herz“ >

EHEALTHCOM 57


COMPETENCE | PATIENTENAKTEN

Abb. 2–Klassifikationsprozess

58 EHEALTHCOM

enthalten, aber in keine der beiden medizinischen Fachbereiche

klassifiziert wurden, sind am Ende der Ergebnisliste

zu finden.

Insgesamt wurden 24 Dokumente mit dem Wort „Herz“

als Inhalt für den Patienten gefunden. Neben einer kurzen

Vorschau auf den Inhalt des Dokuments werden das Datum

der letzten Modifikation, der Dokumenttyp sowie die Kategorien,

in die das Dokument automatisiert klassifiziert wurde,

dargestellt. Die Spalte „Score“ zeigt die berechnete Relevanz

des Dokuments bezüglichder Suchanfrage. Das Dokument,

welches in beide Kategorien klassifiziert wurde, besitzt die

größte Relevanz. Anschließend folgen Dokumente, die eine

Kategorie aus der Suchanfrage enthalten (nicht abgebildet).

Evaluation

Für die Klassifikationsaufgabe wurden vier Klassifikationsalgorithmen

mit einem manuell kategorisierten Dokumentendatensatz

von1500 klinischen Freitextdokumenten

trainiert und evaluiert. Die Evaluation wurde für jeden Klassifikator

mit und ohne Text-Vorverarbeitung (TV) durchgeführt.

J48, ein Klassifikationsalgorithmus basierend auf einem

Entscheidungsbaum, erreichte mit einer F-Measure von

0,886 das beste Ergebnis.1-NN und SMO liegen gleichauf im

Mittelfeld. NaïveBayes belegt abgeschlagen den letzten Platz.

Text-Vorverarbeitung verbesserte das Ergebnis für alle Klassifikatoren.

Zur Untersuchung der praktischen Relevanz des

Prototyps wurden fünf erfahrenen Klinikärztinnen

und -ärzten vier unterschiedliche Suchaufgaben

vorgelegt. Bei zwei der Aufgaben durften

die Kliniker medizinische Fachbereiche als

„boost factor“ setzen, bei zwei Aufgaben nicht.

Anschließend wurden sie gebeten, einen Fragebogen

auszufüllen, der die Benutzerfreundlichkeit

der Eingabe- und Ausgabemasken, Antwortzeiten

des Systems sowie den Einfluss des

Fachbereichs-“boost factor“ auf die Suche in

der EPAabfragte. Die Analyse der Ergebnisse

zeigt, dass die Benutzer überwiegendeine Beschleunigung

der Informationssuche –vor allem

in Patientenakten mit vielen Dokumenten

–feststellen konnten. Weiters wurde angemerkt,

dass der Einsatz von medizinischen

Fachbereichen als „boost factor“ eine feiner granulierte

Suche ermöglicht. Fachbereichsspezifische

Informationen könnten dadurchschneller

gefunden werden.

Fazit und Ausblick

Die Zunahme vonunstrukturierten klinischen

Freitextdokumenten erfordert Techniken

wie Text Information Retrieval oder die automatisierte

Klassifikation vonFreitextdokumenten

zur Auffindung relevanter medizinischer

Informationen. Basierend auf etablierten Open-Source Java-

Frameworks bietet diese Arbeit einen kombinierten Ansatz,

beide Techniken in einem klinischen Information Retrieval

System zu nutzen. Evaluationsergebnisse bestätigen den erfolgreichen

Einsatz vonmaschinellem Lernen für die Textklassifikation

sowie die praktische Verwendung der dadurchgewonnenen

Metadaten für die Suche im klinischen IR-System.

Im Hinblickauf die Integration in die elektronische Patientenakte

des klinischen Informationssystems der KAGes

bietet der Prototyp eine gute Möglichkeit, die Suchfunktionalität

zu verbessern. Zusätzlichzur Generierung vonMetadaten

durchdie automatisierte Klassifikation ist für die Zukunft

der Einsatz eines Thesaurus zur Erweiterung der Benutzersuchanfrage

durchSynonyme und Akronyme geplant. Dadurchwird

es möglich, unterschiedliche Schreibweisen von

Dokumentverfasser und Abfragenden zu überwinden und die

Trefferquote zu erhöhen.

STEPHAN SPAT

Institut für Medizinische Systemtechnik

und Gesundheitsmanagement,

JOANNEUM RESEARCH

Forschungsgesellschaft mbH,

Elisabethstraße 11a, 8010 Graz, Austria

E-Mail: stephan.spat@joanneum.at

http://www.joanneum.at/msg

[1]-[9] Literaturhinweise unter

www.e-healthcom.eu/zeitschrift/ausgabe/literatur


Wird ein Patient vomHausarzt zum Facharzt

oder in eine Klinik überwiesen oder soll eine

stationäre Behandlung ambulant weitergeführt

werden, so ist der strukturierte Austausch

von Daten über Vorerkrankungen

und Behandlungen aus den jeweiligen Dokumentationssystemen

ebenso wichtig wie die Übermittlung vonDaten für

die Weiterversorgung nachNotfallbehandlungen oder geplanten

Therapien. In vielen Ländern ist es wie in Deutschland

nur unter großen Schwierigkeiten möglich, den Datenaustauschzwischen

allen Leistungserbringern physikalisch

zu bewerkstelligen, da die freie Arztwahl und insbesondere

die Notfallversorgung eine gerichtete Kommunikation fast

immer ausschließen.

Immer häufiger nutzen viele Bürger und Patienten daher

die Möglichkeiten vonpersönlichen Gesundheitsakten, in denen

die Daten der verschiedenen Leistungserbringer gesammelt

und dann, unter der Kontrolle der Patienten, gezielt weitergegeben

werden können. Persönliche Gesundheitsakten werden

hierzulande vonmehreren Herstellern angeboten. In jüngerer

Zeit haben sichzusätzlichgroße internationale Softwarekonzerne

in diesem Gebiet engagiert, wodurchdas Thema vor

allem in den USA deutlichanFahrt gewonnen hat. In Deutschland

bieten immer mehr Krankenkassen ihren Versicherten

elektronische Gesundheitsakten an, zum Teil innerhalb von

Forschungsprojekten. Auch indikationsspezifische oder nicht

indikationsspezifische Versorgungsnetze, Stichwort Hausarztverträge

oder Telemedizinnetze, haben zunehmend Bedarf an

gemeinsamen Dokumentationslösungen, die sichunter der

Hoheit der Patienten befinden.

Insbesondere der Erstbesuchbei einem Arzt oder im Krankenhaus

zwingt Patienten, eine Fülle vonInformationen zu

übermitteln, wie ihre Adressdaten, Telefonnummern, Geburtstag,

Familienstand, Notfallkontaktdaten, Versicherungsinformationen,

aber auchdie aktuellen Medikamente, Allergien

und Daten zu Vorerkrankungen. Bei weiteren Terminen

beim Arzt oder in einer Klinik sind diese Daten dann jeweils

zu vervollständigen und zu aktualisieren. Die internationale

InitiativeIntegrating the Healthcare Enterprise (IHE) hat

IHE-PROFILE | COMPETENCE

Elektronische Gesundheitsakten –neues IHE-

Profil für den strukturierten Datenaustausch

Der Datenaustausch zwischen Gesundheitsakten und den Dokumentationssystemen der niedergelassenen

Ärzte und Krankenhäuser stellt die Systemhersteller vor neue Aufgaben. Die Initiative Integrating

the Healthcare Enterprise (IHE) stellt mit dem Profil XPHR ein technisches Framework zur Verfügung.

TEXT: ALEXANDER IHLS, SYLVIA THUN

jetzt ein neues IHE-Profil entwickelt, das XPHR genannt wird.

Das Kürzel steht für „eXchange (of information) with Personal

Health Records.XPHR hilft dabei, die Daten, die zwischen

elektronischen Gesundheitsakten und den Dokumentationssystemen

vonÄrzten und Kliniken ausgetauscht werden sollen,

zu strukturieren. Es kann wie andere IHE-Profile, etwa

ausdem Bereichder digitalenBildgebung, in diebestehenden

Systeme integriert angewendet werden, um die häufigen

Übermittlungsfehler und den immensen Aufwand bei

der Pflege dieser Daten zu optimieren.

Wie funktioniert XPHR?

Die IHE veröffentlicht eine stetig wachsende Anzahl von

Spezifikationen in Form vontechnischen Rahmenwerken

(Frameworks), in denen anhand vonpraktischen Anwendungsfällen

(Use-Cases) die sinnvolle Nutzung vonexistierenden

Standards beschrieben wird. Jeder dieser Use-Cases wird in

einem „Profil“ zusammengefasst. In allen IHE-Profilen werden

zunächst sogenannte Akteure definiert.

Dabei handelt es sichumabstrakte Beschreibungen

von Softwaremodulen, die bestimmte

Funktionalitäten zur Verfügung

stellen müssen. Es folgen die Definitionen

der Transaktionen, die für die Umsetzung

des jeweiligen Use-Cases zwischen den Akteuren

notwendig sind. Die Hersteller,die

eine IHE-konforme Funktionalität in ihre

Produkte integrieren möchten, können sich

so schnell orientieren, welche Akteure durch

ihre Systeme repräsentiert werden und daher implementiert

werden sollten. Für die Anwender vonIT-Systemen im Gesundheitswesen

bieten die IHE-Profile eine gute Orientierung,

um Funktionserweiterungen oder Neuanschaffungen mit den

Herstellern zu diskutieren.

Bei dem Profil XPHR gibt es die beiden Akteure: „Content

Creator“ und „Content Consumer“ (Abbildung 1). Der

„Content Creator“ erzeugt ein strukturiertes Dokument und

der „Content Consumer“ verarbeitet dieses Dokument mit

festgelegten Funktionalitäten und vorgegebenen Optionen.

XPHR hilft dabei, die

Daten, die zwischen

Gesundheitsakten und

Primärsystemen ausgetauscht

werden sollen,

zu strukturieren.

>

EHEALTHCOM 59


COMPETENCE | IHE-PROFILE

60 EHEALTHCOM

Für den „Content Consumer“ können verschiedene Integrationstiefen

(View,Document Import, Section Import, Discrete

Date Import) implementiert werden. Das XPHR-Profil

schreibt dabei vor, dass mindestens eine dieser Optionen

realisiert werden muss.

Dabei legt das Profil XPHR bewusst nicht fest, wie das

Dokument, also der Inhalt (Content) zwischen den beiden

Akteuren ausgetauscht werden muss.

Im Profil wird aber auf die sinnvolle

Kombination mit weiteren IHE-Profilen

verwiesen, beispielsweise Cross-Enterprise

Document Sharing (XDS), Medical

Summary (XDS-MS), Imaging

(XDS-I) und so weiter,welche die Frage

des Transportes klären können. XPHR

selbst konzentriert sichauf die notwendigen

Funktionen der beiden Akteure

und auf die Beschreibung der strukturierten

Inhalte der genannten Dokumente, um einen sinnvollen

Ablauf und die korrekte Verarbeitung der übermittelten Daten

sicherzustellen.

Außerdem schreibt das Profil XPHR für die Implementierung

der beiden Akteure die Unterstützung und Nutzung

von weiteren IHE-Akteuren anderer Profile vor. So

müssen beide Akteure beispielsweise in der Lage sein, sowohl

ihre Systemzeit mit einem Zeitserver zu synchronisieren

(IHE Profil Consistent Time, CT), als auchsämtliche

Transaktionen auf dem Transportweg abzusichern (Akteur

Secure Node im Profil ATNA) und in ein entsprechendes

Repository (ebenfalls gemäß ATNA Profil) Einträge zu übermitteln,

wenn eine Transaktion vorgenommen wurde. Um

die Unversehrtheit der Dokumente bei der Übertragung

zu gewährleisten, wird auchempfohlen, das IHE-Profil „Document

Digital Signature“ (DSG) für die digitale Signierung

der Dateien anzuwenden.

Eine nationale oder gar

staatenübergreifende

Anwendung dieses

Profils ist möglich, bedarf

aber Festlegungen für das

entsprechende Umfeld.

Abb. 1–XPHR-Akteure

Content

Creator

Share Content

Welche Daten werden übermittelt?

Neben den Festlegungen der Transaktionen der Akteure

und des sicheren Transportes der Daten spielt der Inhalt der

benutzten Dokumente die entscheidende Rolle bei der Übermittlung

medizinischer Daten. Als sichdie IHE daran machte,

diese Fragen zu klären, ergab sichein eher komplexes Bild

auf der Seite der zur Verfügung stehenden Standards. Einerseits

wird vonIHE gerne der HL7-Standard CDAv2genutzt,

andererseits gabesinsbesondere in den USA aber einen

Trend hin zum Continuity of Care Record (E2369-05,

CCR) Standard der „American Society for Testing and Materials“

(ASTM). Dieser Standard erfährt in den USA insbesondere

im ambulanten Bereicheinige Unterstützung. Um diesen

Konflikt auszuräumen, wurde in 2006 eine gemeinsame

Arbeitsgruppe zwischen HL7 und ASTM ins Leben gerufen,

die den Auftrag bekam einen Abgleichzwischen beiden XML

basierten Standards herbeizuführen.

Bereits im April 2007 wurden die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe

veröffentlicht und als Implementierungsleitfaden

zur Verfügung gestellt. AusSicht vonHL7 verhält sich

der CCR-Standard dabei wie eine besondere Ausprägung eines

CDA-Dokuments (Abbildung 2). Die Spezifikation der

Arbeitsgruppe wird als Continuity of Care Document (CCD)

benannt und von der IHE genutzt, um einen Standard zu

wählen, der sowohl in klinischen als auchinambulanten Systemen

einfachzuimplementieren ist.

Die Inhalte des so spezifizierten Dokumentes enthalten

folgende Informationen:

CCR Header Representation

CCR Unique Identifier,Language, Version, CCR Creation

Date/Time, Patient, From, To,Purpose

CCR Body Representation

Payers,Advance Directives,Support, Functional Status,

Problems,Family History,Social History,Alerts,

Medications,Medical Equipment,

Immunizations,Vital Signs,Results,

Procedures,Encounters,Plan of Care,

Healthcare Providers

CCR Footer Representation

Actors,References,Comments,

Signatures

Content

Consumer

Aufdiese Weise wurde eine Verbindung

geschaffen, mit der sichdas XPHR-

Profil einer breiten Basis möglicher Implementierungen

hin öffnet. Um die

Implementierung weiterhin zu erleichtern,bietet

das XPHR-Profil eine Tabelle

an, in der die jeweiligen Datenelemente

in den Standards: ASTM CCR, HL7

CDA, CRS und CCD verglichen werden.

Außerdem stehen den Entwicklern die


Abb. 2–XPHR CCD

CDA v2

CCD

IHE XPHR

Schematrons der einzelnen Elemente zur Verfügung, sodass

die Validierung der Dokumente elegant vorgenommen werden

kann.

Stärken und Schwächen

Damitdas XPHR Profil weltweit anwendbar bleibt, werdenzwardie

oben genanntenAbschnittedefiniert,die Ebene

der codierten Einzelwerte bleibt aber den jeweiligen Implementierungen

vorbehalten. Im technischen Rahmenwerk

der IHE Domäne Patient Care Coordination (PCC) wird hierzu

empfohlen, dass die in einem Projekt kooperierenden

Anwendungen eine Vereinbarung darüber treffen sollen,

welche Codes jeweils genutzt werden sollen. Dies ist sicherlicheine

praxisnahe Vorgehensweise. Allerdings beschränkt

dieser Ansatz die Nutzbarkeit des Profils auf spezifische

Umgebungen und es bleibt die Frage, ob nicht gerade Projekte

mit einem einheitlichen Framework besser andere

Spezifikationen und auchIHE-Profile nutzen können, um

zu einem ähnlichen Ergebnis zu kommen. Eine nationale

oder gar staatenübergreifende Anwendung dieses Profils

ist dennochmöglichund bedarf eben dieser Festlegungen

für das entsprechende Umfeld.

Ausblick

Die Verbreitung von persönlichen Gesundheitsakten

nimmt stetig zu und damit auchdie Notwendigkeit, den Datenaustausch

zwischen diesen Systemen und den medizini-

schen Dokumentationssystemen der

Leistungserbringer zu standardisieren.

Diese Standardisierung kann nur

dann erfolgreichverlaufen, wenn die

überwiegend international tätigen

Hersteller dieser Aktensysteme sich

auf weltweit gültige Standards und

Implementierungsvorschriften stützen

können. Darüber hinaus müssen

aber auchdie Voraussetzungen geschaffen

werden, um auf nationalen

CCR

und internationalen Ebenen die semantischeInteroperabilität

bis hin

zu den einzelnen Datenelementen

und Codesystemen zu erreichen.

Gerade hier in Europa stehen wir

vorder Herausforderung diese Vorgaben

zu schaffen, um den Bürgern

der europäischen Staaten grenzüberschreitende

Dienste zur Verfügung

stellen zu können. Die Einbindung

vonpersönlichen Gesundheitsakten

als Rückgrat einer grenzüberschreitenden

Kommunikation vonmedizinischen

Daten kann diesen Prozess

enorm beschleunigen. Der Aufbau

vonkomplexen, sicheren und semantischinteroperablen Infrastrukturen,

die die Systeme der Leistungserbringer direkt

miteinander vernetzen, benötigt viel Zeit, Geld und scheitert

oft an den unterschiedlichen Strukturen der jeweiligen Gesundheitssysteme.

Hier bieten die IHE-Profile, die im Zusammenspiel

mit dem XPHR-Profil genutzt werden, ein föderales

Konzept, welches schrittweise implementiert werden

kann und den Bürger und Patienten ideal einbindet.

ALEXANDER IHLS

Gründungsvorstand der Initiative

„Integrating Healthcare Enterprise“

(IHE) Deutschland e.V.

InterComponentWare AG (ICW)

Leiter Cross Solution Management

D-69190 Walldorf

Tel.: +49-(0)6227-385 -0

E-Mail: Alexander.Ihls@icw.de

Coautorin: DR. SYLVIA THUN

Vorstandsmitglied und Vorsitz

Technisches Komitee „Terminologien“

bei der HL7-Benutzergruppe in Deutschland

User Chair IHE Deutschland

DIMDI –Deutsches Institut für Medizinische

Dokumentation und Information

Medizinische Klassifikationen

D-50676 Köln

Tel.: +49-(0)221 -4724 -344

E-Mail: sylvia.thun@dimdi.de

EHEALTHCOM 61


COMPETENCE | TERMINOLOGIE

UCUM –standardisierte Maßeinheiten für

Medizin und Pharmazie

Laboruntersuchungen oder Vitaldaten sind ein wesentlicher Teil der medizinischen Dokumentation und der

Kommunikation zwischen medizinischen Geräten. Zum Austausch und Vergleich solcher Daten bietet das

Kodiersystem UCUM die notwendige Standardisierung.

Competence-Reihe:

Semantische Interoperabilität

Je mehr Interoperabilität im

digitalen Gesundheitswesen

gewünscht wird, umso wichtiger

werden medizinische Terminologien.

Sie gewährleisten,

dass sich die unterschiedlichen

IT-Komponenten nicht nur

technisch, sondern auch inhaltlich,

semantisch, verstehen.

Sie sind nichts weniger als der

Schlüssel für einen effizienten

Datenaustausch inder Gesundheitstelematik.

In loser Folge

stellt E-HEALTH-COM all jene

medizinischen Terminologien

vor, die in Deutschland für verschiedene

Anwendungszwecke

in der medizinischen Dokumentation

verwendet werden.

62 EHEALTHCOM

Immer mehr Daten und Werte werden heute auf elektronischem

Wege ausgetauscht. Mit UCUM (Unified Code

for Units of Measure) können IT-Anwendungen zur medizinischen

Dokumentation Messergebnisse basierend

auf dem SI-Einheitenstandard eindeutig und ohne Übertragungsfehler

austauschen. Angewendet wird dies unter anderem

bei der Abbildung vonLaboruntersuchungen, klinischen

Untersuchungen, Dosierungen oder Bestrahlungsparametern.

So erfordert eine automatisierte Dokumentation,

Kommunikation und Auswertung vonLa-

bordaten oder klinischen Untersuchungen

wie etwainLaborinformationssystemen

(LIS) zwingend die Übermittlung strukturierter

und kodierter Daten. Aufdieser Basis

können dann auchkomplexere Aufgaben

wie die Implementierung vonLeitlinien

zur Entscheidungsunterstützung beziehungsweise

Berechnungen erfolgen. Auch

betriebswirtschaftlichrelevante Maßnahmen

wie etwadie Kostenreduktion durch

Vermeidung doppelter Laboruntersuchungen

wird möglich. Ein weiterer wichtiger

Aspekt ist die Darstellung der medizinischen

Ergebnisse im Rahmen der Gesundheitskarte,

wie beim eRezept oder eArztbrief zum

institutionsübergreifenden Datenaustausch.

Technische Umsetzung

Perfekt angepasst an das internationale SI-System können

mit UCUM alle Einheiten durchKombination der Kodes für

die Basiseinheiten (Meter,Kilogramm, Sekunde etc.) dargestellt

werden. Auch für alle anderen Einheiten, die im SI-Rahmen

zugelassen sind, werden Kodes bereitgestellt. Darüber

hinaus enthält UCUM Kodes für zahlreiche „konventionelle“

Einheiten, die auchimGesundheitswesen an vielen Stellen

vorkommen. Die Definition des Standards beruht auf der Kombination

verschiedener Bestandteile, nämlichBasiseinheiten

(zum Beispiel m, g, s), Präfixe, die als Multiplikatoren verwendet

werden (zum Beispiel dfür dezi), abgeleitete Einheiten,

Syntaxregeln zur Kombination der Einheitensymbole. Umrechnungsfaktoren

und Formeln für die Rückführung auf Basiseinheiten

sind fest in das Kodesystem eingebaut, sodass jeder

gültige Kode eindeutig auf die Standarddarstellung in

Basiseinheiten zurückgerechnet werden kann. So kann also

ein beliebiger UCUM-kodierter Messwert verglichen werden

mit einem anderen Wert für die gleiche Messgröße, unabhängig

vonder jeweils verwendeten Einheit. Fehlerhaft verwendete

Maßeinheiten und unzulässige Vergleiche und Berechnungen

können dabei automatischerkannt werden.

Beispiel UCUM in HL7

Für die Übermittlung vonMesswerten, zum Beispiel als

Ergebnis einer Laboruntersuchung, muss in HL7 die Maßeinheit

als UCUM-Kode angegeben werden. Ergänzend zur

standardisierten Kodierung vonEinheiten mit UCUM steht

mit LOINC ein Standard für die Identifikation vonMess- und

Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Die Einheitssymbole

werden innerhalb des ISO-Datentyps PQ (Physical Quantity)

dargestellt. Das ergibt in XML-Schreibweise für die Angabe

eines Hämoglobinwerts beispielsweise:

Internationaler Standard

Der seit 1999 international eingesetzte Industriestandard

UCUM ist kostenfrei beim Regenstrief Institute erhältlich,

mit dem das DIMDI kooperiert. Im Dezember 2008 wurde

der ISO-Standard 11240 als Comittee Draft (CD) vorgelegt:

Er beschreibt die Nutzung des UCUM-Kodiersystems im Zusammenhang

mit Arzneimittelproduktbeschreibungen und

den Einreichungen vonUnerwünschten Arzneimittelwirkungen

(UAW). Informationen stehen auf den Seiten des Regenstrief

Institute, beim DIMDI und der HL7-Benutzergruppe

in Deutschland e.V.

DR. SYLVIA THUN ist als Mitarbeiterin im DIMDI in zahlreichen

Standardisierungsgremien aktiv.

DR. CHRISTOF GESSNER ist als Physiker und Medizininformatiker

aktiv bei IHE Deutschland und Mitglied im Technischen

Komitee der HL7-Benutzergruppe in Deutschland.


Kurz &knapp: wissenschaftliche

Arbeiten aus aller Welt

MOBILGERÄTE I

In Kliniken ist teilweise jedes

vierte Device kontaminiert

Wenn es um die Gefahren vonMobilgeräten im Krankenhaus

geht, dann wird in aller Regel über Strahlen geredet, die

unter Umständen mit lebensnotwendigen Medizingeräten interagieren

könnten. Im Alltag relevanter ist möglicherweise

ein ganz anderes Problem der „Technik to go“: Die Kontamination

mit Keimen. Im Journal of Hospital Infection wurde jetzt

eine Übersichtsarbeit publiziert, in der Studien zum Thema gesammelt

und ausgewertet wurden. Das Resultat: Zwischen

neun und 25 Prozent aller Mobilgeräte in Krankenhäusern sind

mit bakteriellen Keimen besiedelt, und zwar mit pathogenen

Keimen, also nicht mit irgendwelchen. Die Autoren nehmen

ihre Arbeit zum Anlass,umdarauf hinzuweisen, dass Händehygiene

auchimdigitalen Zeitalter nochnicht altmodischist

unddassnur solcheGeräte zum Einsatz kommen sollten, die

sicheffektiv desinfizieren lassen. Auch ein generelles Verbot

vonMobiltelefonen in Räumen, die in Sachen Kontamination

besonders problematischsind, werfen sie in die Diskussion,

etwaOperationssäle, Intensivstationen und vorallem Spezialstationenfür

Opfervon Verbrennungen.

RICHARD BRADY, Journal of Hospital Infection, 2009,

elektronisch vorveröffentlicht am 23. Januar, doi:

10.1016/j.jhin.2008.12.009

MOBILGERÄTE II

Abnehmen per SMS/MMS

bringt gute Resultate in Studie

Digital unterstützte Programme zur Gewichtsreduktion

sind mittlerweile nichts wirklichNeues mehr.AuchProgramme,

die mit Handys arbeiten, gibt es so einige. Eine randomisiert-kontrollierte

Studie zur Wirksamkeit eines Abnehmprogramms

mithilfe vonSMS- und MMS-Nachrichten allerdings

gabesunseres Wissens bisher nochnicht. Jetzt gibt es sie: Am

Department of Family and PreventiveMedicine der University

of California in San Diego wurden, allerdings nur 65, über-

STUDIENÜBERBLICK | COMPETENCE

gewichtige Probanden über 16 Wochen entweder mit ausgedrucktem

Informationsmaterial versorgt oder aber zusätzlich

zwei- bis fünfmal am Tagper SMS/MMS kontaktiert. Am Ende

des viermonatigen Interventionszeitraums hatten die Probanden

in der SMS/MMS-Gruppe im Mittel 2,88 Kilogramm

an Gewicht verloren, in der Kontrollgruppe waren es nur rund

900Gramm. 22 von24Probanden in der Interventionsgruppe

gaben zu Protokoll, das Abnehmen per Textmessaging an

Familie und Freunde weiterempfehlen zu wollen.

KEVIN PATRICK, Journal of Medical Internet Research

2009, 11(1):e1, doi: 10.2196/jmir.1100

DECISION SUPPORT

Einfach nur erinnern bringt

keinen Effekt

Zu den häufigsten Kritikpunkten an elektronischen Medikationsassistenten

oder anderen Erinnerungsassistenten gehört

die übertrieben hohe Frequenz der Warnungen. Sie führt

unterUmständen dazu,dass Ärzte ein System, bei dem sie auf

jede Warnung reagieren müssen, schlicht ausschalten. Eine Alternativesind

„non-interruptivesystems“, die Warnmeldungen

generieren, die zwar eingeblendet werden, auf die die Ärzte

aber nicht durchAn- oder Wegklickenreagieren müssen.

US-Wissenschaftler haben jetzt bei 22 ambulanten Arztpraxen

untersucht, ob ein solches nicht-unterbrechendes System Sinn

macht –amBeispiel einer Erinnerungssoftware, die bei bestimmten

klinischen Konstellationen Laboruntersuchungen

anmahnt. InterruptiveSzenarien führen bei derartigen Programmen

regelmäßig zu deutlichen Veränderungen im ärztlichen

Verhalten. Als Vergleichdiente eine Kontrollgruppe, in der gar

nicht erinnert wurde. Das Ergebnis: Die nicht-interruptiveSoftware

brachte absolut keinen Effekt. In beiden Gruppe nahmen

die Ärzte die Laboruntersuchungen praktischingleicher Frequenz

in Anspruch. Mit anderen Worten: Die Warnmeldungen,

die auf dem Bildschirm eingeblendet wurden, aber nicht

aktiv beantwortet werden mussten, wurden schlicht ignoriert.

HELEN LO, Journal of the American Medical Informatics

Association 2008, elektronisch vorveröffentlicht am 24.

Oktober 2008, doi: 10.1197/jamia.M2687 >

EHEALTHCOM 63


COMPETENCE | STUDIENÜBERBLICK

64 EHEALTHCOM

PRÄVENTION I

„Gadgets plus Gesundheitsakte“

hält britische Arbeitnehmer

in Bewegung

In Zeiten elektronischer Kommunikation können Gesundheitsprogramme

bekanntlich sehr viel interaktiver

gestaltet werden als früher.InDeutschland engagiert sich

unteranderem dieBarmer-ErsatzkasseindieserRichtung

und bietet ihren Versicherten Equipment an, damit diese

ihre körperliche Aktivität online monitoren können. Wissenschaftler

des Unternehmens „MiLife Coaching“ aus Bedford,

Großbritannien, haben zu diesem Thema jetzt eine

Kohortenstudie gemacht. Sie haben insgesamt 2302 Büroangestellten

und Fabrikarbeitern ein Online-Lifestyle-Programm

angeboten, bei dem Geräte zur elektronischen Überwachung

von Körpergewicht und körperlicher Aktivität

ausgegeben wurden. Das Ganze warverknüpft mit einem

zwölfwöchigen Aktivitätsprogramm, das die Teilnehmer

mithilfe des Internetportals des Unternehmens „durchspielten“.

Im Ergebnis nahmen zwar nur zwölf Prozent der

Angefragten an dem Programm teil. Diese aber waren hoch

motiviert: Sie blieben zu 80 Prozent zwölf Wochen bei der

Stange, und 70 Prozent machten danachfreiwillig weiter.

Im Mittel wurde die Website zweimal pro Woche für sieben

Minuten besucht. Jene Probanden, die ihr Körpergewicht

reduzieren wollten, nahmen im Mittel um 3,4 Kilo

ab.Über alle Teilnehmer hinweg wurden gemittelt 173 Minuten

moderate bis intensivekörperliche Aktivität pro Woche

registriert. Das Fazit der Portalanbieter fällt entsprechend

positiv aus: Online-Präventionsprogramme verlaufen

erfolgreicher,wenn Aktivität und Körpergewicht technisch

gemonitort werden.

LISA WARE, Journal of Medical Internet Research 2008;

10(4):e56 (Open Access)

EMPOWERMENT

Laien googlen medizinische

Fallberichte –und sind bei

einem von vieren erfolgreich

Dass Internetsuchmaschinen bei der Diagnose vonErkrankungen

behilflich sein können, ist kein Geheimnis.

Auch dass Laien per Google mitunter eine richtige Diagnose

stellen, wurde bereits beschrieben. Griechische Wissenschaftler

vomAlfa Institute of Biomedical Sciences (AIBS)

haben das jetzt einmal systematischuntersucht, und zwar

anhandsämtlicher 26 Fallberichte, die im Jahr 2005 in der

international renommierten Fachzeitschrift New England

Journal of Medicine (NEJM) publiziert wurden. Diese Fallberichte

wurden vier Nicht-Medizinern zur Ansicht vorgelegt.

PerGoogle sollten sie dann versuchen, die richtige Diagnose

herauszufinden –natürlich ohne Zugang zur

Auflösung. Als Vergleichsgruppe dienten vier junge Ärzte.

Dazu muss man wissen, dass NEJM-Kasuistiken internistische

Patienten präsentieren und generell relativ anspruchsvoll

sind. Es geht also nicht um simple Erkältungen

oder banale Allergiensondern um Dingewie rheumatische

Erkrankungen, ungewöhnliche Hauterscheinungen und

Ähnliches.Wie zu erwarten und zu erhoffen, schnitten die

vier Ärzte statistisch signifikant besser ab als die Laien.

Sie diagnostizierten bei 50,9 Prozent der Patienten richtig.

Die vier Laien lagen aber immerhin auchnochbei 22,1 Prozent

der Kasuistiken richtig. Dabei wurde die Diagnose relativ

schnell gestellt: Im Mittel lasen die Laien 8,9 Minuten

in der Kasuistik und verbachten dann 17,4 Minuten

bei Google. Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass Ärzte

zumindest damit rechnen sollten, dass ihre Patienten

sichselbst bereits im Netz informiert haben und mit ihren

Verdachtsdiagnosen dabei mitunter auchrichtig liegen.

ILIAS SIEMPOS, Swiss Medical Weekly 2008,

138(49-50):741-745

DISEASE MANAGEMENT

Krankheitsportale sind toll,

dürfen aber nichts kosten

Wernocheinmal schwarz auf weiß lesen möchte, wie tief

sozialdemokratischselbst US-Amerikaner denken, sollte sich

die Lektüre einer aktuellen Untersuchung zum Thema Diabetesportale

im Internet nicht entgehen lassen. Wissenschaftler

der Universität Pittsburgh haben 39 Diabetikern ein neues

Diabetesportal vorgestellt und sie dann gefragt, wie sie es

bewerten würden. Am Schluss kam die obligatorische Frage,

wie viel die Patienten dafür zu zahlen bereit wären. Das

Portal warmodern und komfortabel. Es bot alles,was man

sichvon einem Diabetikerportal heutzutage erwarten würde.

Die Patienten goutierten das auch: 74 Prozent bewerteten

einen Online-Rechner,der die Blutzuckerkontrolle abschätzen

hilft, als „sehr nützlich“. 69 Prozent sagten dasselbe

vonder Online-Tagebuchfunktion zur Blutzuckereinstellung.

Genauso viele lobten das Online-Management vonArztterminen

und die Möglichkeit, sichmit anderen Patienten austauschen

zu können. Die Enttäuschung kam am Schluss: Von

jenen 30 Patienten, die bei der Frage nacheiner für sie akzeptablen

monatlichen Kostenbeteiligung Angaben machten,

schrieben 20 „null Dollar“. Die Stärkedieser Untersuchung

besteht nun darin, dass die Patienten in Interviews


nachden Gründen für diese Angabe gefragt wurden. Dabei

bestand ziemliche Einigkeit in zwei Punkten: Die Patienten

fürchten erstens,dass kostenpflichtige Portale Geringverdiener

abschreckenund dadurchetwas entsteht, wasdeutsche

Sozialdemokraten „Zweiklassenmedizin“ nennen würden.

Und sie empfinden, zweitens,selbst geringe Kostenbeteiligungen

als ungerechtihnen selbst gegenüber: Weil sie der

Auffassung sind, dass das Gesundheitssystem voneiner besseren

Diabetikerversorgung via Diabetesportal finanziell profitiert,

soll das System bitte auchdafür zahlen.

CINDY BRYCE, Telemedicine and E-Health 2008;

14(10):1035-1043

PRÄVENTION II

Telefon schlägt Internet in

randomisierter,kontrollierter

Studie bei Übergewicht

Auch Wissenschaftler aus Amsterdam haben sich mit

dem Erfolg telemedizinischer Präventionsprogramme und

hier vorallem mit Gewichtsreduktion bei Übergewichtigen

mit einem BMI vonmehr als 25 kg/m2 (im Mittel 29,6 kg/m2)

befasst. Sie legen dazu sogar eine randomisiert-kontrollierte

Studie vor, an der für eHealth-Studien bemerkenswerte

1386 Probanden teilnahmen. Es gabdrei Therapiegruppen:

Gruppe 1erhielt schriftlichesMaterialzum Gewichtsverlust

plus regelmäßige telefonische Betreuung. Gruppe 2absolvierte

ein webbasiertes Programm mit E-Mail-Kontakt zum

Betreuer.Und Gruppe 3erhielt Informationsmaterial zu Lebensstilmodifikationen

und sonst nichts.Primärer Endpunkt

wardas Körpergewicht nacheinem halben Jahr.Ergebnis:

In der Telefongruppe (intention to treat) nahmen die Probanden

im Mittel 1,5 Kilogramm mehr ab als in Gruppe 3,

in der Internetgruppe waren es noch0,6 Kilogramm mehr.

Beijenen,die dasProgramm komplett durchliefen (per protocol)

lagen zusätzliche Gewichtsabnahme und zusätzliche

Verringerung des Hüftumfangs im VergleichGruppe 1versus

Gruppe 3bei 1,6 Kilogramm beziehungsweise 1,9 Zentimetern

vor. Für Gruppe 2waren die entsprechenden Werte

1,1 Kilogramm und 1,2 Zentimeter.Drei Interpretationen

drängen sichauf.Erstens: Telefon- und Internetinterventionen

wirken. Zweitens: Die Telefongruppe scheint erfolgreicher

zu sein. Allerdings förderte die Statistik keinen signifikanten

Vorteil gegenüber der Internetgruppe zutage. Und

drittens: In der per protocol-Analyse verringert sichder Unterschied

zwischen Telefon und Internet, wasimKlartext heißt,

dass in der Internetgruppe mehr Patienten abgesprungen

sein müssen.

MARIEKE VAN WIER, BMC Public Health 2009, 9(1):6

(Open Access)

Wissenschaftsticker

+++Für den ersten Wissenschaftsticker 2009 förderten die

wissenschaftlichen Journale eine ganze Reihe von innovativen

Telemedizinanwendungen zutage, von denen wir gerne einige an

die E-HEALTH-COMmunity weitergeben. KRISTEN MACLEOD

von der Kinderklinik am kalifornischen Care-Center berichtet in

Pediatrics (123(1):223-228) über einen telemedizinischen Rundum-die-Uhr-Service

von Experten für Kindesmissbrauch. Gedacht

ist dieser Konsultationsdienst für Ärzte, die in der Notaufnahme

von Provinzkrankenhäusern junge Mädchen mit Verletzungen zu

Gesicht bekommen. In einer kleinen Studie änderte sich das diagnostische

Vorgehen der Ärzte durch die Telekonsultation bei

über 90 Prozent der Mädchen. +++Nicht mehr bei Bewußtsein

ist die Klientel des Chirurgen FRANCISCO TAMARIZ aus

Richmond, Virginia. Im World Journal of Surgery (vorveröffentlicht

3. Januar 2009) beschäftigt er sich mit Telekonsultationen

während Operationen der (Neben-)Schilddrüse(n). Hier gilt es,

den für die Stimmbänder wichtigen Nervus recurrens zu schonen,

was Lehrlingen der chirurgischen Kunst mitunter nicht so

ganz gelingt, weil im offenen Halse doch viele Dinge sehr ähnlich

aussehen. In der Studie wurden die Experten in Echtzeit konsultiert.

Sie hatten Zugriff auf die OP-Dokumentation und eine fernsteuerbare

Kamera. Mit beidem ausgestattet, identifizierten die

Tele-Experten den Nervus recurrens im Mittel in sechs Minuten –

schnell genug, um eine zugegeben hoch spezialisierte Dienstleistung

daraus zu machen. +++Bei der telemedizinischen

Nachbetreuung von Patienten mit Rückenmarksverletzung

besteht dagegen noch Optimierungsbedarf. Zwar feiern die

Autoren um LAURA DALLOLIO aus Bologna, Italien, ihr halbjährliches

telemedizinisches Intensivprogramm in den Archives of

Physical Medicine &Rehabilitation (89(12):2332-2341) als gelungen.

Vonzwei Zentren war die Telemedizin aber de facto nur in

einem erfolgreich, sodass strenggenommen eine Negativstudie

vorliegt. +++Ganz und gar nicht negativ äußern sich dagegen

Mitglieder des telemedizinischen Expertenpanels der NATO,

TMED EXPERTTEAM, inTelemedicine &E-Health (14(9):946-951)

zum Einsatz vonTelemedizin im militärischen Kontext. Eine Umfrage

unter den Verbündeten habe ergeben, dass Teleradiologie

mittlerweile De-facto-Standard sei. Kritisch wird angemerkt, dass

elektronische Militärakten noch die Ausnahme seien. Auch hätten

viele NATO-Staaten den Einsatz vonTelemedizin noch nicht stringent

genug organisiert. +++Zum Schluss noch etwas zum

Nachdenken aus der Rubrik „der informierte Patient“. Krebsforscher

vom renommierten MEMORIAL SLOAN-KETTERING in

New York haben Patienten für einen Beitrag in Psychooncology

(vorveröffentlicht 9. Januar 2009) befragt, warum sie im Internet

recherchieren und ihren Arzt mit den Ergebnissen konfrontieren.

Ungewöhnliche Frage, überraschende Antworten: Klar, viele

wollten aktiv zuihrer Genesung beitragen. So weit so kompatibel

mit der Ideologie vom informierten Patienten. Es gab aber

auch einige, die angaben, ihren Arzt mit Expertenwissen beeindrucken

zuwollen. Nicht wenige waren der Auffassung, es ihrem

Arzt igendwie schuldig zu sein, Bescheid zu wissen. Und wieder

andere wollten explizit testen, ob ihr Doktor auf dem neuesten

Stand der medizinischen Heilkunst ist. Was lernen wir daraus?

eHealth-Magazin hin oder her, imZweifel ist Psychologie eben

doch spannender als Technik. +++

EHEALTHCOM 65


COMPASS | ADVERTORIAL

eHealth-Systeme vonSiemens

Der richtige Integrationspartner: Siemens IT Solutions and Services liefert elektronische Infrastrukturlösungen

und Applikationen für das Gesundheitswesen.

Österreichische Apotheker können künftig einen Sicherheitscheck

bei der Medikation des Patienten vornehmen.

Der steigende Kostendruck in

Kliniken und die zunehmende

Digitalisierung vonPatientendaten

erfordern eine Neuausrichtung

der IT im Gesundheitssektor.Alle

relevanten Informationen müssen

stets aktuell allen Verantwortlichen

zugänglich sein. Elementar dafür ist

zum einen die Digitalisierung aller Daten,

zum anderen die Harmonisierung

und vor allem die Vernetzung der IT-

Infrastruktur.

„Mit eHealth-Lösungen werden Arbeitsschritte

schnellerund transparenter

sowie Behandlungsprozesse wirtschaftlicher

gestaltet“, sagt Herbert

Baumgartner, Leiter Healthcare bei

Siemens IT Solutions and Services.

„Damit kann eine verbesserte Gesundheitsversorgung

gewährleistet und

Kosten eingespart werden.“

66 EHEALTHCOM

Vernetzung der österreichischen

Apotheken

Siemens IT Solutions

and Services implementierte

bereits in

Österreichdie IT-Infrastruktur

für die sogenannte

e-card. Sie ist

der Schlüssel zum österreichischenGesundheitssystem,

in dem

Ärzte, Krankenanstalten

und Sozialversicherungen

elektronisch

miteinander vernetzt

sind. Nun folgt der

Sicherheitsgurt für

Medikamente: Österreichische

Apotheken

werden in das System

integriert und mit Kartenlesern

und PC-Software ausgestattet.

Legt der Patient seine e-card in der

Apotheke vor,werden die benötigten

Medikamente mittels der Arzneimittel-

Datenbank geprüft und gespeichert –

ganz gleich, ob diese verschreibungspflichtig

sind oder nicht. Bei doppelt

oder mehrfachverschriebenen Medikamenten

oder wenn unerwünschte

Wechselwirkungen auftreten können,

schlägt das System Alarm. Der Apothekerkann

somit rechtzeitig nachRücksprache

mit dem Arzt die Medikation

ändern.Die Vorteile des sogenannten

Sicherheitsgurts für Medikamente belegt

das eineinhalbjährige Pilotprojekt

aus Salzburg: Bei 175 000 ausgegebenen

Medikamenten wurden über 26 000

Fälle vonWechselwirkungen und Mehrfach-Verschreibungen

angezeigt und

verhindert.

Welche Medikamente der Patient

bezogen hat, ist nur in der Datenbank

und nicht auf der e-card ersichtlich. Dafürwurde

eigens einDatenschutzzertifikat

entwickelt. Die Österreichische Datenschutzkommission

hat es bereits

geprüft und freigegeben.

eHealth-Lösungen auf derTelehealth

Siemens IT Solutions and Services

stellt seine eHealth-Lösungen auf der

Telehealth 2009 vor. Im FutureCare Parcour

als auchauf dem eigenen Messestandwerden

Systeme zu eHealth Record,

dem Integrated Care Monitoring

und dem eHealth-Portal präsentiert. Das

Integrated Care Monitoring beinhaltet

die Infrastruktur und Plattform für den

Austauschvon Informationen zwischen

Ärzten/Krankenhaus und den Kostenträgern,

wie der Krankenkasse. Dies

führt zu mehr Transparenz bei integrierten

Versorgungsverträgen bezüglichBehandlungen,

Patienten und Budgets.

Das eHealth-Portal ist eine Lösung für

ein zentrales qualitätsgesichertes Informationsportal,

zugänglichfür Bürger

und für Leistungserbringer, und

eHealth-Record dient als elektronische

Patientenakte.

Siemens IT Solutions and Services

Adrian Reimering

Kruppstr. 16

D-45128 Essen

Tel.: +49-(0)201-816 4480

E-Mail: adrian.reimering@siemens.com

www.siemens.com/it-solutions


Vernetzt denken –

gemeinsam handeln

Vitaphone unterstützt weltweit Healthcare Professionals durch innovative Telemonitoring-

Technologien und Dienstleistungen.

Vernetzt denken –gemeinsam

handeln ist das Gebot der Stunde,

um den durchdie demographische

Entwicklung an das Gesundheitswesen

gestellten Herausforderungen

zukünftig gerecht zu werden. Dies gilt

insbesondere für die Therapie der chronischen

Erkrankungen, die schon jetzt

den größten Teil der Leistungsausgaben

verursachen.

„Ich bin der festen Überzeugung,

dass dieser Prämisse und mit ihr dem

telemedizinischen Monitoring die Zukunft

gehört. Es verbessert die Therapie

chronischKranker deutlich, schafft

Transparenz, optimiert Prozesse zwischen

Leistungserbringern, verbessert

die Lebensqualität der Patienten und ist

zudem auchökonomischhöchst sinnvoll.

Damit leistet Telemonitoring einen

Beitrag, um einerseits den wachsenden

finanziellen Herausforderungen an das

Gesundheitssystem, die durchden demographischen

Wandel absehbar sind,

gerecht zu werden und andererseits eine

individualisierte medizinische Versorgung

auf weiterhin hohem Niveau

bieten zu können“, stellt Prof.Dr. med.

Harald Korb,Ärztlicher Direktor der Vitaphone

GmbH, fest.

Als global aufgestellter,international

führender Anbieter telemedizinischer

Dienstleistungen und innovativer

Telemonitoring-Technologien unterstützt

die Mannheimer Vitaphone

GmbH mit Partner-und Tochtergesellschaften

u. a. in Österreich, der Schweiz,

den Beneluxländern, China, Griechenland

und in den USA weltweit Healthcare

Professionals.

Gegründet wurde die Vitaphone

GmbH 1999 vonExperten unterschied-

lichster Fachrichtungen mit dem Ziel,

Schlüsseltechnologien zur Übertragung

von Biosignalen und biochemischen

Parametern mit modernen Kommunikationsmitteln

eingebunden in telemedizinische

Monitoring- und Betreuungssysteme

zu entwickeln. Heute beschäftigt

das zur Vitagroup-Gruppe gehörende

Unternehmen an den Standorten

Mannheim und Chemnitz rund 120

Mitarbeiter.

Herzstückaller telemedizinischen

Monitoring- und Betreuungssysteme ist

das rund um die Uhr dienstbereite und

mit Ärzten besetzte Telemedizinische

Service Center,das als erstes und bisher

einziges telemedizinisches Zentrum

nachDIN EN ISO 9001:2000 und nach

den „VDE Anwendungsregeln TeleMonitoring“

zertifiziert ist. Dessen Team

überwacht das telemedizinische Monitoring,

betreut die Patienten, führt die

elektronische Patientenakte, wertet

EKGs sowie andere medizinische

Daten aus und leitet diese an die behandelndenÄrzte

in Klinik und Praxis weiter.InNotfall-Situationen

übernimmt

das Telemedizinische Service Center

das komplette Notfall-Management.

Bereits im Jahr 2000 stellte Vitaphone

als Weltneuheit die Kombination von

EKG-Gerät und Mobiltelefon mit Notruf-

und Ortungsfunktion zum Monitoring

vonkardiologischen Risiko-Patienten

vor. Weitere Meilensteine der

technischen Entwicklung waren die

Übertragung von Blutdruck- und Gewichtswerten

mittels Bluetooth-Technologie,

die weltweit erste EKG-Übertragung

per UMTS, realisiert im

Rahmen des vomBundesministerium

für Bildung und Forschung geförderten

Projektes „Partnership for the Heart“

der Berliner Universitätsklinik Charité

sowie die weltweit beachtete Markteinführung

des Loop-Recorders Vitaphone

3300 BT. Dessen intelligente Software

erkennt asymptomatische

Herzrhythmusstörungen automatisch

und übermittelt die EKG-Daten mittels

Bluetooth und Mobilfunk ins Telemedizinische

Service Center.Mit dem Notruf-

und Betreuungssystem Vitaphone

1100 wurde eine weitere Weltneuheit

entwickelt.

Vernetzt denken –gemeinsam handeln:

Für Hausärzte, Kardiologen, Kliniken

und Rehabilitationseinrichtungen

in Nordrhein-Westfalen und im

Saarland, die im Projekt „CorBene“ Patienten

mit Herzinsuffizienz erstmals

sektorenübergreifend flächendeckend

in zwei Bundesländern betreuen, ist das

bereits Wirklichkeit geworden. „CorBene“

ist ein Vertrag der Vertragsarbeitsgemeinschaften

der Betriebskrankenkassen

der beiden Bundesländer.

Konzipiert wurde „CorBene“ vonengagierten

Kölner Kardiologen, der Ford

BKK und den Industrie-Netzwerkpartnern

Medtronic GmbH und Vitaphone

GmbH.

Telemedizin

Vitaphone GmbH

Markircher Straße 22

D-68229 Mannheim

Tel.: +49 -(0)621-178918-100

Fax: +49 -(0)621-178918-101

E-Mail: info@vitaphone.de

www.vitaphone.de

EHEALTHCOM 67


COMPASS | AUS DEN UNTERNEHMEN

»Raus aus der Technologieecke«

INTEL: Mit dem „Intel Health Guide“ vermarktet das Unternehmen erstmals eine eigene Lösung

im Gesundheitswesen. HERBERTWEBER, New Business Director für das Gebiet EMEA bei Intel,

über die Strategie des Unternehmens im Healthcare-Bereich.

HERBERTWEBER, New Business

Director für das Gebiet EMEA

bei Intel

DOCEXPERT COMPUTER

GMBH: MEDIZIN 2009

von Hausarztvertrag

dominiert

Anders als in den vergangenen Jahren

war die Stuttgarter Messe MEDI-

ZIN 2009 für die DOCexpert Computer

GmbH diesmal ganz von einem

Thema bestimmt: die Umsetzung des

AOK-Hausarztvertrages Baden-Württemberg.

„An unserem Stand unter

dem Dachder medatiXX hat sicheine

68 EHEALTHCOM

Intel ist im Gesundheitswesen bislang

nicht als Anbieter von eigenständigen

Lösungen aufgetreten.

Steht der Health Guide für einen

Paradigmenwechsel der Intel

Healthcare-Strategie?

Ichglaube ja, es ist ein Paradigmenwechsel.

Wirwollen raus aus der

Technologieecke,wollen mehr sein als

nur der Chiphersteller.Und da ist der

Gesundheitsmarkt ein ideales Feld,

um neue Geschäftsfelder aufzubauen.

Betrifft dieser Paradigmenwechsel

nur den BereichPersonal Health oder

den gesamten Gesundheitsmarkt?

Zurzeit konzentrieren wir uns

mit eigenständigen Lösungen auf den BereichPersonal

Health. Der eigentliche Paradigmenwechsel

besteht jedoch inunserem Ansatz, nicht immer

mehr Technik in ein medizinisches Gerät hineinzupacken,

sondern die Technologie zu nutzen, um

die Bedienung der Geräte nocheinfacher zu machen.

Menschen, die etwa unter Demenz leiden,

sehr lange krank sind oder sehr alt werden, können

Sie nicht mehr zumuten, selbstständig Blut-

Vielzahl der Besucher unsere Umsetzung

des Hausarztvertrages Baden-

Württemberg angeschaut“, erklärt DO-

Cexpert-Vertriebsleiter Patrik Badners.

Verständlich, da sich imBundesland

der Messe viele Ärzte wünschen,

den regionalen Hausarztvertrag über

die Oberfläche ihrer gewohnten Praxissoftware

managen zu können. DO-

Cexpert war auf der Messe einer von

wenigen Herstellern, die den gekapselten

Kern des Hausarztvertrages be-

druck- oder Blutzuckerwerte in einen PC einzutragen

und über das Internet an den Arzt zu schicken.

Das übernimmt der Health Guide für sie.

Kommt der Health Guide auchnachDeutschland?

Der Health Guide ist in USA und in Großbritannien

als Medizinprodukt zugelassen. Nach der englischsprachigen

Version werden wir schrittweise

weitere Sprachversionen mit CE-Zertifizierung,

darunter aucheine für die deutschsprachigen Länder,auf

den Markt bringen. Den Anfang machen

jedoch die Niederlande. Wirwerden dort das Gerät

zusammen mit einer Ausgründung aus einer

Universitätvermarkten und uns dabei auf Herz-

Kreislauf-Krankheiten konzentrieren.

Gibt es bei Intel schon Überlegungen für weitere

Geräteindiesem Markt?

Wirwerden in diesem Jahr weitere Versionen des

Health Guide undauchandere Geräte vorstellen, wollen

uns langfristig als Anbieter im Personal-Health-

Markt etablieren. Dieser Markt wird aus unserer Sicht

sehr groß werden. Aber er entwickelt sichlangsam

und für viele neue Produkte benötigen wir klinische

Studien. Deshalb denken wir im Moment nicht über

andere klinische Plattformen nach, sondern konzentrieren

uns auf den Personal Health Markt.

reits in ihre Software implementiert

haben. Für die Messebesucher hatte

dies den großen Vorteil, dass sie das

Hausarztmodul vonDOCexpert direkt

vor Ort anschauen und ausprobieren

konnten. „Die große Anzahl an Vorführungen

der Softwareprodukte

DOCconcept und DOCcomfort bestätigen

das weiterhin nennenswerte

Interesse an unseren Lösungen“, so

Badners weiter.

www.docexpert.de


BRAINWORKS: Mobiles

Diktieren mit BlackBerry

jetzt sicher

Die Diktiersoftware ProMobilevon

der Brainworks GmbH ermöglicht den

Versand vonverschlüsselten Diktaten

über mobile Smartphones an bestehende

digitale Diktiersysteme mittels AESoder

DES-Verschlüsselung. Der ungeschützte

Zugriff Fremder auf sicherheitsrelevante

Daten ist somit nicht

mehr möglich.

ProMobile erweitert das BlackBerry

dabei nicht nur um die Funktion eines

professionellen Diktiergerätes,sondern

erspart das sonst zusätzlichnotwendige

Diktiergerät gänzlich. Mittels der

Software können Diktate mit dem Tastenfeld

oder der Maussteuerung aufgezeichnet,

bearbeitet und versendet

werden. Alle Funktionen, die ein normales

Diktiergerät bietet, sind auchmit

ProMobile per BlackBerry möglich. Die

fertigen Diktate können über UMTS,

WLAN,GPRS oder E-Mail an bereits

vorhandene digitale Diktiersysteme versendet

werden. Die Wiedergabe der

übertragenen Diktate erfolgt durchdie

Software „ProPlayer“ und ermöglicht

den direkten Aufruf aus dem E-Mail

Client (z.B.inMicrosoft Outlook).

www.brainworks-gmbh.de

PHTS: Gesundheitsökonomische

Datenbestätigen

Nutzen vonTelemedizin

Chronischherzinsuffiziente Patienten

profitieren nachweislichvon Telemedizin;

zugleich wird das Gesundheitswesen

entlastet. Das bestätigt jetzt

eine aktuelle gesundheitsökonomische

Auswertung des telemedizinischen Betreuungsprogramms

Zertiva ® vonPHTS

Telemedizin. Die Daten wurden über

den Zeitraum voneinem Jahr am Universitätsklinikum

Jena für Versicherte

der Taunus BKK erhoben. Die Krankenkasse

bietet ihren Versicherten Zertiva

seit 2005 bundesweit an. Die Ergebnisse

wurden vonCordula Gierg, Direktorin

der Krankenkasse, im Rahmen des 3.

Internationalen C.A.P.Telemedizin Forums

Ende November in München vorgestellt.

Die Ergebnisse sprechen für sich:

Chronischherzinsuffiziente Patienten,

die zusätzlichzuihrer konventionellen

Versorgung telemedizinischimZertiva-Programm

betreut wurden, mussten

58 Prozent seltener stationär behandelt

werden als die Patienten der Vergleichsgruppe.Insgesamt

sank dieZahlder Patienten

mit Krankenhausaufenthalt um

43 Prozent. Für Patienten, bei denen ein

Krankenhausaufenthalt notwendig wurde,

verringerten sichdie Krankenhaustage

je Einweisung um 24 Prozent. Dies

entspricht einem Rückgang der gesamten

Krankenhaustage pro Kopf um 68

Prozent. Somit ließen sichmit Telemedizin

die Krankenhauskosten pro Kopf

um 77 Prozent senken. Neu an der gesundheitsökonomischen

Auswertung

ist der Zeitraum voneinem Jahr,indem

die Daten von zusätzlich telemedizinisch

betreuten Patienten und von

konventionell behandelten herzinsuffizienten

Patienten miteinander verglichen

wurden.

www.phts.de

STOLLMANN: Continuakonformes

Bluetooth Development-Kit

Mit dem Development-Kit können

speziell Hersteller vonMedizingeräten

das Bluetooth Health Device Profile

(HDP) und IEEE 11073 in ihre Medizingeräte

integrieren. Das HDP standardisiert

die Kommunikation zwischen medizinischen

Geräten über Bluetooth.

IEEE 11073 ist ein einheitliches Datenformat

für verschiedene medizinische

Anwendungen. Das Bluetooth Development-Kit

bietet Medizingerätherstellern

die Möglichkeit, ihre Medizingeräte

schnell und einfachContinua-konform

kabellos und interoperabel zu machen

und damit für die Zukunft gerüstet zu

sein. Die Continua Health Alliance ist

eine weltweite Organisation mit über

150 Mitgliedern, die sichder Entwicklung

der Märkte für Telemedizin und

der Standardisierung verschrieben hat.

Interessenten können das Development-Kit

direkt bei Stollmann bestellen.

www.stollmann.de

HID GLOBAL: netzwerkfähiges

Kartenleseterminal

mit eHealth-BCS Zulassung

HID Global bringt das OMNIKEY

8751 e-Health LAN Kartenleseterminal

auf den Markt. Im Rahmen der Testregionen

für die neue Gesundheitskarte

ist das Gerät bereits seit 2007 in deutschen

Kliniken, Apotheken und Arztpraxen

im Einsatz. Das netzwerkfähige

Kartenleseterminal verfügt über die

eHealth-BCS-Zulassung der Gesellschaft

für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte

mbH (gematik) und

unterstützt alle aktuellen Anforderungen

an multifunktionale Kartenterminals

(MKT/BCS).

Damit liest das OMNIKEY 8751 e-

Health LAN aktuelle Krankenversicherungskarten

(KVK) genauso wie die

neuen elektronischen Gesundheitskarten

und ist für sämtliche zukünftigen

Funktionen im Deutschen Gesundheitswesen

gerüstet. Neben einem seriellen

Anschluss kann der Kartenleser auch

als MKT/BCS Terminal in ein Netzwerk

integriert werden.

www.hidglobal.com

AUS DEN UNTERNEHMEN –

ist ein Service für unsere

Anzeigenkunden

Bitte schicken Sie Ihre Presse-

mitteilung an Marcus Michel:

m.michel@e-health-com.de

EHEALTHCOM 69


COMPASS | FIRMENVERZEICHNIS

70 EHEALTHCOM

AnyCare GmbH

Oswald-Hesse-Str. 50

D-70469 Stuttgart

Tel.: +49-(0)711-54080 -0

Fax: +49-(0)711-54080 -222

E-Mail: kontakt@anycare.de

www.anycare.de

Atheso Arzneimittelsicherheit

Garbsener Landstr. 10

D-30419 Hannover

Tel.: +49-(0)511-277 2320

Fax: +49-(0)511-277 2321

E-Mail: info@atheso.de

www.atheso.de

BrainworksGmbH

Meiereifeld 2b

D-14532 Kleinmachnow

Tel.: +49-(0)800-5 45 45 09

Fax: +49-(0)800-5 45 45 07

E-Mail: info@brainworks-gmbh.de

www.brainworks-gmbh.de

Carestream Health Deutschland GmbH

Hedelfinger Straße 60

D-70327 Stuttgart

Tel.: +49-(0)180 -3254361

Fax: +49-07117-20 70 77 77

E-Mail: de-csh-med-info@

carestreamhealth.com

www.carestreamhealth.de

Cerner Deutschland GmbH

Cunoweg 1

D-65510 Idstein

Tel.: +49-(0)6126 -952-0

Fax: +49-(0)6126 -952-199

E-Mail: informationen@cerner.de

www.cerner.de

CHILI GmbH

Digital Radiology

Burgstraße 61

D-69121 Heidelberg

Tel.: +49-(0)6221 -180 79 -10

Fax: +49-(0)6221 -180 79 -11

E-Mail: info@chili-radiology.com

www.chili-radiology.com

DOCexpert Computer GmbH

Kirschäckerstr. 27

D-96052 Bamberg

Tel.: +49-(0)951 -9335 -200

Fax: +49-(0)951 -9335 -295

E-Mail: info@docexpert.de

www.docexpert.de

DORNER Health IT Solutions

Hacher Str. 7

D-79379 Müllheim

Tel.: +49-(0)7631 -3676-0

Fax: +49-(0)7631 -3676-36

E-Mail: dorner@dorner.de

www.dorner.de

Erne Consulting AG

Bahnhofstrasse 4

CH -3073 Gümligen

Tel.: +41-(0)31 -311 12 21

Fax: +41-(0)31 -318 38 55

E-Mail: admin@polypoint.ch

www.polypoint.ch

GE Healthcare

Lerchenbergstr. 15

D-89160 Dornstadt

Tel.: +49-(0)7348 9861 0

Fax: +49-(0)7348 9861 55

E-Mail: Info.IITS.EMEA@ge.com

www.gehealthcare.com

Die AnyCare ist etablierter Anbieter von Maßnahmen zur Patientensteuerung,

Managed Care, sowie Disease-, Health-, Präventionsund

Qualitäts-Management-Programmen. Ärzte, Psychologen, Experten

aus Gesundheitsberufen und Gesundheitsökonomen sowie

das eigene Medizinische ServiceCenter arbeiten bei AnyCare daran,

Qualität, Transparenz und Effizienz für ihre Kunden und Auftraggeber

im Gesundheitswesen zu erhöhen.

Atheso bietet die Verordnungssoftware TheraOpt® an. TheraOpt®

unterstützt Ärzte, Pflege und Apotheke bei der Arzneimitteltherapie

zur Optimierung der Sicherheit: patientenspezifische Dosierung

und Risikowarnungen; Wirtschaftlichkeit: Tagestherapiekosten und

Alternativtherapien; Prozesse: Reduktion von Medienbrüchen und

Dokumentationsfehlern.

Variable EDV-Integrationskonzepte werden unterstützt.

Die Brainworks GmbH gehört zuden führenden Anbietern digitaler

Diktier-Management-Lösungen und Spracherkennungssysteme.

Neben großen und renommierten Versicherungsunternehmen,

Finanzämtern und Krankenhäusern setzen bundesweit auch kleine

und mittelständische Unternehmen seit Jahren auf die Soft- und

Hardware des Berliner Unternehmens, dem strategischen Partner

von Nuance in Deutschland.

Carestream Health ist ein führender Anbieter von Produkten,

Serviceleistungen und IT-Lösungen auf dem medizinischen und

zahnmedizinischen Sektor. Zur umfangreichen Produktpalette

gehören Bildarchivierungs- und Kommunikationssysteme (PACS),

Radiologie-Informationssysteme (RIS), eHealth und Information

Management Lösungen, Speicherfolien-Systeme (CR), digitale

Radiographie-Systeme (DR) und Lösungen für die Mammographie.

Als ein führender Anbieter von Krankenhaus- und Radiologie-

Informationssystemen betreut Cerner erfolgreich über 1500

Gesundheitseinrichtungen weltweit und erschließt mit seinen

zukunftsweisenden Healthcare-IT-Lösungen in den Bereichen

digitale Bildmanagement-Systeme (RIS/PACS) und Klinikinformationssysteme

(KIS) expansiv den europäischen und insbesondere

auch den deutschen Markt.

Die CHILI GmbH in Heidelberg entwickelt PACS- und Teleradiologiesysteme.

Mehr als 500 Systeme sind in Deutschland, der

Schweiz, Belgien, China, Grönland, Korea und in den USA installiert.

CHILI PACS ist modular und einfach skalierbar. Esumfasst

neben dem Langzeitarchiv verschiedene Workstations, Import- und

Export-Arbeitsplätze, die webbasierte Bildverteilung, verschiedene

Teleradiologie-Systeme und eine Telemedizinakte.

DOCexpert konzentriert die Entwicklung seiner Produkte und

Dienstleistungen auf die Fragestellungen der täglichen Arbeit

von ambulant tätigen Medizinern in all ihren Organisationsformen.

Mit den DOCconcept-Editionen MVZ und Ambulanz bietet das

Unternehmen Lösungen, die auf der langjährigen Erfahrung und

Kompetenz von Praxissystemen beruhen, auf die bereits über

16 000 Ärzte vertrauen.

Mit mehr als 25 Jahren Marktpräsenz gehört DORNER zu den führenden

Anbietern von ITfür das Gesundheitswesen. An mehr als

1500 Arbeitsplätzen in Deutschland und weiteren Ländern werden

DORNER-Produkte erfolgreich eingesetzt. Praxisorientierte, optimale

Software-Lösungen unterstützen vornehmlich Kliniken und medizinische

Laboratorien in den Bereichen Organisation, Workflow-

Management und Kommunikation nach innen und außen.

Die Erne Consulting AG befasst sich mit Entwicklung, Vertrieb

und Dienstleistungen rund um die Produktpalette POLYPOINT.

Unsere Lösungen decken sämtliche Planungs- und Dokumentationsbedürfnisse

im Gesundheitswesen ab. Mit rund 600 Installationen

in Europa erfreut sich POLYPOINT einer breiten

Installationsbasis. Zum Kundenkreis gehören Akutspitäler,

Rehakliniken und Altenheime.

Centricity IT-Lösungen von GE Healthcare leisten einen wichtigen

Beitrag zur Gestaltung eines neuen Zeitalters inder Patientenversorgung.

Innovative webbasierte Lösungen führen Gesundheitseinrichtungen

aller Art indie digitale Zukunft. Die virtuelle

bildgebende Abteilung, weit über die Radiologie hinaus, wird zur

Realität. ‚Early Health’ –erkennen, diagnostizieren, informieren,

behandeln.

–Managed Care

–Telemedizin-

Management

–Medizinisches

ServiceCenter

–Arzneimitteltherapiesicherheit

(AMTS)

–Verordnungssoftware

(CPOE)

–Elektronische

Dokumentation der

Medikation

–Brainworks

–Diktiersystem

–ProDictate

–Digitale

Radiographie

–PACS/RIS/

Archivierung

–Mammographie

–PACS

–KIS

–RIS

–PACS und

Bildverteilung

–Radiologische

Workstations

–Teleradiologie/

Telemedizin

–Arzt-Software

–Ambulanz-Software

–MVZ-Software

–IT-Lösungen für das

Gesundheitswesen

–Workflow- und

Kommunikationsmanagement

–Software für Labore

und Kliniken aller

Größen

–Integrierte

Planungssysteme

–Skalierbares

Informationssystem

–Elektronische

Patientenakte

–Centricity ® RIS/PACS

–Centricity ® Clinical

Information Systems

–Centricity ® Cardiology


GuiG Ltd

Dachauer Str. 11

D-80335 München

Tel.: +49-(0)2182 -570360

Fax: +49-(0)2182 -573042

E-Mail: Info@health-comm.de

www.GuiG.org

Health-Comm GmbH

Dachauer Str. 11

D-80335 München

Tel.: +49-(0)89 -5 99 88 76 -0

Fax: +49-(0)89 -5 99 88 76 -11

E-Mail: Info@health-comm.de

www.Health-Comm.de

KAP GmbH

Emilienstr. 17

D-12277 Berlin

Tel.: +49-(0) 30 -24359616

Fax: +49-(0) 30 -24359697

E-Mail: info@kap-berlin.de

www.kap-berlin.de

Schweizer Zentrum für Telemedizin

MEDGATE

Gellertstrasse 19,Postfach

CH -4020 Basel

Tel.: +41-(0)61 -377 88 44

Fax: +41-(0)61 -377 88 20

E-Mail: info@medgate.ch

www.medgate.ch

medshare GmbH

Tony Schaller, Geschäftsführer

Speckhubel 132

CH-3631 Höfen b.Thun

Tel.: +41-(0)33 341 23 44

E-Mail: info@medshare.net

www.medshare.net

MEIERHOFER AG

Werner-Eckert-Straße 12

D-81829 München

Tel.: +49-(0)89 -442316-0

Fax: +49-(0)89 -442316-666

E-Mail: marketing@meierhofer.de

www.meierhofer.de

NEXUS AG

Auf der Steig 6

D-78052 Villingen-Schwenningen

Tel.: +49-(0)7721 -8482 -0

Fax: +49-(0)7721 -8482 -888

E-Mail: mail@nexus-ag.de

www.nexus-ag.de

NoemaLife GmbH

Alt-Moabit 96

D-10559 Berlin

Tel.: +49-(0)30 -397383-0

Fax: +49-(0)30 -397383-10

E-Mail: marketing@noemalife.de

www.noemalife.de

promedtheus Informationssysteme

für die Medizin AG

Scheidt 1

D-41812 Erkelenz

Tel.: +49-(0)2431 -948438-0

Fax: +49-(0)2431 -948438–9

E-Mail: info@promedtheus.de

www.promedtheus.de

RZV GmbH

Grundschötteler Straße 21

D-58300Wetter

Tel.: +49-(0)2335 -638 -0

Fax: +49-(0)2335 -638 –699

E-Mail: info@rzv.de

www.rzv.de

Die GuiG ist ein umsetzungsorientiertes Beratungsunternehmen.

Es konzentriert sich auf Gesundheitswirtschaft, Health IT &Technology,

Management, Vertrieb und Marketing, Prozess Reorganisation

und Strategie. Die Unternehmensfelder: Management, Events, Coaching

und Consulting. Im Mittelpunkt des Geschäftsfeldes Events

steht die anerkannte Entscheiderfabrik, die jedes Jahr die fünf IT-

Schlüsselthemen der Krankenhaus Unternehmensführung produziert.

Health-Comm berät Krankenhäuser bei der Integration von DV-

Anwendungen und unterstützt die Nachrichtenformate HL7, XML,

CDA und DICOM. Health-Comm bietet den Kommunikationsserver

Cloverleaf ® –auch inKooperation mit Partnern –und den DICOM

Adapter IDeal sowie eine MPI-Lösung für die Zusammenführung

von Kliniken an. Inzwischen werden weit über 330 Anwender

betreut.

Die KAP GmbH mit Sitz in Berlin hat sich auf die nationale und

internationale Beratung, Entwicklung und das Projektmanagement

im Bereich SAP R/3 Gesundheitswesen bei der Einführung der

Branchenkomponente SAP R/3 IS-H*MED und deren verfügbarer

Module spezialisiert. Zusammen mit dem Paulinenkrankenhaus

Berlin hat die KAP GmbH die Softwarelösungen eMedication und

Arztbriefschreibung entwickelt.

Das Schweizer Zentrum für Telemedizin MEDGATE ist der führende

Anbieter telemedizinischer Dienstleistungen in der Schweiz

und betreut rund um die Uhr Patienten mit medizinischen

Anliegen per Telefon, Internet, Videokonferenz sowie Telebiometrie.

Das Tochterunternehmen Medgate Technologies hat sich

auf die Entwicklung und den Vertrieb von telemedizinischen

Systemen spezialisiert.

medshare ist ein junges, dynamisches, aufstrebendes und profitables

Unternehmen aus dem Berner Oberland, das sich strategisch

als ICT-Dienstleisterin im Gesundheitswesen positioniert.

Als professioneller Partner mit großem Know-how in der

Medizininformatik unterstützen wir unsere Kunden in den

Bereichen rund um eHealth und das elektronische

Patientendossier.

Die MEIERHOFER AG mit Sitz in München liefert als Komplettanbieter

individuelle Informationssysteme an Einrichtungen im

Gesundheitswesen für den europäischen Markt. Das Produkt, das

skalierbare Informationssystem MCC, zur Planung, Dokumentation,

Abrechnung und Auswertung beschleunigt nicht nur die Arbeitsabläufe

in medizinischen Einrichtungen, sondern erleichtert auch

das Zusammenspiel der unterschiedlichen Healthcare-Bereiche.

NEXUS bietet ein integriertes Klinikinformationssystem (KIS),

das sich insbesondere durch seinen modularen Aufbau (serviceorientiert

–SOA) und die tiefen med. Ausprägungen auszeichnet.

Diese Lösungen ermöglichen den Kliniken den Schritt indie

digitale Patienteninformation. Über 350 Mitarbeiter entwickeln

Software- und IT-Lösungen mit denen täglich rund 73 000 Anwender

in 17 Ländern weltweit arbeiten.

NoemaLife, ehemals GMD, liefert seit mehr als 12 Jahren IT-Lösungen

für das Gesundheitswesen. Mit der webbasierten eHealth-Plattform

Galileo bietet NoemaLife ein umfassendes Lösungsangebot

für den Gesundheits¬bereich. Die NoemaLife GmbH aus Berlin ist

spezialisiert auf Lösungen für die intersektorale Kommunikation,

z.B die elektronische Fallakte und das Zuweiserportal. NoemaLife

ist nach ISO 9001:2000 durch den TÜV Süddeutschland zertifiziert.

Die promedtheus AG erbringt seit über 11 Jahren eine neutrale /

herstellerunabhängige IT-Beratung im Gesundheitswesen, insbesondere

für Krankenhäuser und zu folgenden Schwerpunkten:

IT-Strategie-Entwicklung, Ausschreibungs- /-vertragsmanagement,

KIS-Konzeption, Digitale Archivierung und Signatur, ITinder

Radiologie. Es wurden inzwischen mehr als 120 Beratungsprojekte

erfolgreich durchgeführt.

RZV GmbH: Unsere Kompetenz ist die Informationsverarbeitung

und die damit verbundene Dienstleistung für das Gesundheitswesen

und den sozialen Bereich. Zu unseren Aufgaben gehören

u.a. betriebswirtschaftliche, organisatorische und technische IT-

Beratung, Realisierung von integrierten Gesamtsystemen, Integration

von Subsystemen und Outsourcing sowie individuelle

Informationsverarbeitung, Schulungen und Seminare.

–Entscheiderfabrik

–Entscheiderevent

Sommercamp

–IT-Branchen-Report

Medica

–Kommunikationsserver

–Master Patient Index

(MPI)

–DICOM

–Beratung

–Entwicklung

–Projektmanagement

–Telemedizinischer

Service (Telefon-,

Internet-, Videokonsultation,

Telebiometrie)

–Telemedizinische

Technologie (Patientenmanagement-

&

Telebiometriesysteme)

–Beratung

–Projektleitung

–Software Entwicklung

–Sektorübergreifende

Kommunikation

–Krankenhausinformationssystem

–Migrationskonzepte

–Klinikinformationssystem

–Software für Kliniken

und Krankenhäuser

–Elektronische

Patientenakte

–Intersektorale

Kommunikation

–Zuweiserportal

–elektronische Fallakte

–Kompetent

–Erfahren

–Neutral

–Krankenhausinformationssystem

–Outsourcing

–Beratung

EHEALTHCOM 71


COMPASS | FIRMENVERZEICHNIS

72 EHEALTHCOM

Telemedizin

sbr HEALTH IT GmbH

Am Wiesenbusch 2

D-45966 Gladbeck

Tel.: +49-(0)2043 -944 150

Fax: +49-(0)2043 -944 156

E-Mail: info@health-it.de

www.health-it.de

Sectra Medical Systems GmbH

Technologiezentrum am Europaplatz

Dennewartstr. 25-27

D-52068 Aachen

Tel.: +49-(0)241 -963 2650

Fax: +49-(0)241 -963 2654

E-Mail: info.de@sectra.com

www.sectra.com/medical

Siemens AG

Healthcare Sector

Henkestr. 127

D-91052 Erlangen

Tel.: +49-(0)69-797 6420

E-Mail: medd.gms@siemens.com

www.siemens.de/ehealthloesungen

Stollmann Entwicklungs- und

Vertriebs-GmbH

Mendelssohnstraße 15D

D-22761 Hamburg

Tel.: +49-(0)40 -890 88 -0

Fax: +49-(0)40 -890 88 -444

E-Mail: info@stollmann.de

www.stollmann.de

KARL STORZ GmbH &Co. KG

Mittelstraße 8

D-78532 Tuttlingen

Tel.: +49-(0)7461 -708 -0

Fax: +49-(0)7461 -708 -105

E-Mail: info@karlstorz.de

www.karlstorz.com

SVA SanaSphere GmbH

Berliner Allee 47

D-40212 Düsseldorf

Tel.: +49-(0)2132 -9 69 14 -20

Fax: +49-(0)2132 -9 69 14 -20

E-Mail: mail@sanasphere.de

www.sanasphere.de

synedra information technologies

Feldstraße 1/13

A-6020 Innsbruck

Tel.: +43-(0)512-58 15 05

Fax: +43-(0)512-58 15 05 -111

E-Mail: office@synedra.com

www.synedra.com

T-Systems

Mainzer Landstraße 50

D-60325 Frankfurt amMain

Tel.: +49-(0)69 -66531 -0

Fax: +49-(0)69 -66531 -5059

www.t-systems.com

VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut

GmbH

Merianstraße 28

Heiko Sattler

D-63069 Offenbach

Tel.: +49-(0)69 -8306 -663

E-Mail: Heiko.Sattler@vde.com

www.vde.com

Vitaphone GmbH

Markircher Straße 22

D-68229 Mannheim

Tel.: +49-(0)621-17 8918100

Fax: +49-(0)0621-17 8918101

E-Mail: info@vitaphone.de

www.vitaphone.de

Die Core-Kompetenzen der sbr HEALTH IT GmbH liegen einerseits

in einer kundenindividuellen Betreuung sämtlicher SAP Module eines

Krankenhauses und andererseits in Konzeption und Rollout unserer

Aktenlösung ARCHIMEDIS. Auf Basis der EASY DMS Software haben

wir eine spezifische Aktenlösung für das Gesundheitswesen konzipiert,

von der EPA über die Personalakte bis hin zum Vertragsmanagement.

Sectra Medical Systems ist einer der weltweit führenden Anbieter für

innovative Hardware und IT-Systeme in der Radiologie. Damit bietet

das Unternehmen seinen Kunden zuverlässige, zukunftssichere und

effektive Lösungen im Bereich PACS, digitaler Mammographie und

Orthopädie. Mit über 500 Mitarbeitern ist Sectra in 11 Ländern vertreten

und arbeitet darüber hinaus international mit diversen Partnern

zusammen.

Siemens Healthcare ist weltweit einer der größten Anbieter im Gesundheitswesen.

Mit seinen Akquisitionen in der Labordiagnostik

wird Siemens das erste voll integrierte Diagnostik-Unternehmen,

das Bildgebung und Labordiagnostik,Therapielösungen und medizinische

Informationstechnologie miteinander verbindet, um Beratungsund

Serviceleistungen ergänzt. Es bietet Lösungen für die gesamte

Versorgungskette unter einem Dach –von der Prävention und Früherkennung

über die Diagnose bis zurTherapie und Nachsorge.

Stollmann entwickelt Standard- und Lizenzprodukte für Kommunikations-Technologien

wie Bluetooth, ISDN und NFC. Unsere

Produktpalette umfaßt Module, Referenzdesigns und Protokollstacks.

Sie können mit unseren Standardmodulen und dem Profil

„Health Device Profile“ Bluetooth einfach inmedizinische Anwendungen

für mehrere Medizingeräte integrieren. Ein Development

Kit steht zur Verfügung.

KARL STORZ ist weltweit einer der führenden Anbieter im Bereich

der Endoskopie für alle Anwendungsbereiche. Das Familienunternehmen

mit über 60-jähriger Tradition ist für seine Innovationen

und qualitativ hochwertigen Produkte bekannt.

Mit dem KARL STORZ OR1 ist der visionäre Entwurf eines

integrierten OP Konzepts für die minimalinvasive Chirurgie

Wirklichkeit geworden.

Die SVA SanaSphere GmbH bietet optimale IT-Infrastrukturen für

alle Anforderungen im modernen Gesundheitswesen. ImFokus

stehen dabei branchenspezifische Lösungen zur Vereinfachung

von Geschäftsprozessen, Anwendungs-Integration durch Einsatz

von Portalen, IT Security Konzepte, spezielle Hardware-Lösungen

im visuellen Bereich sowie die Entwicklung von integrierten

Archivierungslösungen.

synedra entwickelt Softwarelösungen für Krankenhäuser. Unser

Portfolio synedra AIM ist eine modular aufgebaute Softwarelösung,

die den Anforderungen von Gesundheitseinrichtungen in

Bereichen wie PACS, Bild- und Videodokumentation sowie Archivierung

entspricht. Dieser umfassende Ansatz wird durch eine

Vielzahl weiterer Funktionen abgerundet, wie Sie auf unserer

Homepage www.synedra.com erfahren können.

T-Systems bietet ein umfassendes Portfolio integrierter IT- und

Kommunikationslösungen für das Gesundheitswesen. Vonder

Basisinfrastruktur über branchenspezifische Systemkomponenten,

Applikationen und den passenden Softwaremodulen für Health-

Anwendungen. Mit unseren Healthcare-Lösungen unterstützten

wir sektorübergreifend medizinische und administrative Prozesse

und ermöglichen innovative Versorgungsformen.

Ein Ansprechpartner für schnelle, effiziente Zertifizierung von

aktiven Medizinprodukten und QM-Systemen. Produktprüfungen

sowie Zertifizierung von aktiven Medizinprodukten.

Prüfungen für den nordamerikanischen Markt (UL und CSA).

Weltweiter Zugang in andere Länder mithilfe des CB Zertifikates.

QM-System Zertifzierung für Hersteller von aktiven Medizinprodukten

(CAMCAS zugelassene Auditoren).

Telemonitoring, Compliance-Förderung, Integrierte Versorgung,

effiziente Diagnostik, individuelle Therapie, 24 hNotfallmanagement

dank medizinischem Service Center: Vitaphone ist das

führende Unternehmen für innovative telemedizinische Dienstleistungen

und Konzepte. Im Wachstumsmarkt Telemedizin sind

wir international erfolgreich und setzen neue Qualitätsstandards

im modernen Gesundheits-Management.

–SAP Betreuung

–ARCHIMEDIS –DMS/

Archivierung

–Healthcare-Beratung,

Projektmanagement

–Sectra PACS

–Digitale MicroDosis

Mammographie

–Orthopädie-Lösung

–eHealth-Lösungen

–Integrierte

Versorgung

–Elektronische

Patienten-/Fallakte

–Bluetooth-Module

für Medizingeräte

–Bluetooth Health

Device Profile

–Standardisierte

Kommunikationslösungen

(IEEE 11073)

–Integrierter

Operationssaal

–Dokumentation

–Endoskopie

–Sichere Klinikportale

–Archivierung

–Anwendungsintegration

–Enterprise PACS–

Archivierung

–Bild- und Videodokumentation

–Medizinisches

Dokumenten

Archiv

–Telematik

–Telemedizin

–Telehealth

–Produktprüfung

–QM-Systemzertifizierung

–Benannte Stelle

nach 93/42/EWG

–Telemonitoring

–Medizinisches

Service Center

–Integrierte

Versorgung


OESTERREICHISCHE

COMPUTER GESELLSCHAFT

AUSTRIAN

COMPUTER SOCIETY

Österreichische Gesellschaft

für Biomedizinische Technik

Austrian Society for

Biomedical Engineering

www.eHealth2009.at

eHealth2009 &eHealth Benchmarking 2009

Health Informatics meets eHealth

eHealth Benchmarking 2009

www.eHealth-benchmarking.at

Mottound Programm der Konferenz zielen darauf ab,eine gedankliche Brücke vonder Forschung zur

Anwendung vonInformations- und Kommunikationstechnologie im Gesundheitswesen zu schlagen.

Termin: 7.-8. Mai 2009

Ort: Wien, Schloss Schönbrunn Tagungszentrum

Die Teilnehmer erwartetein umfangreiches und vielseitiges Programm, bestehend aus Hauptvorträgen,

wissenschaftlichen Beiträgen, eingeladenenVorträgen nationaler und internationalerExperten,

Workshops und Interoperabilitäts-Demonstrationen.

Alle Details unter: www.eHealth2009.at

Medienpartner

MEDIENPARTNER

M E D I E N P A R T N E R

EHEALTHCOM 73


COMPASS | SERVICE

TERMINE

KONGRESSE UND MESSEN

MedInform E-Health-Konferenz

„Standardisierung von elektronischen

Prozessen und Katalogen“

17. Februar 2009

Frankfurt am Main

Telematik im

Gesundheitswesen

18. Februar 2009

Berlin

InfoSocietyDays

2. –8.März 2009

Bern, Schweiz

CeBIT

3. –8.März 2009

Hannover

4. Kongress für

Gesundheitsnetzwerker

4. –5.März 2009

Berlin

TeleHealth 2009

5. –6.März 2009

Hannover

TAR2009

18. –19. März 2009

Berlin

The Holistic E-Health Congress

19. –20. März 2009

Bad Homburg

FTD-Konferenz

Gesundheitswirtschaft 2009

23. –24. März 2009

Berlin

Altenpflege +ProPflege

24. –26. März 2009

Nürnberg

74 EHEALTHCOM

Die Veranstaltung beschäftigt sich unter dem Titel „Win-Win für

Krankenhäuser und Lieferanten durch elektronische Kommunikation“

mit der Standardisierung von Prozessen und Katalogen, der Bedeutung

von Auto-ID-Systemen im Gesundheitsmarkt sowie dem aktuellen

Stand bei den E-Procurement-Plattformen.

Die Telemed-Initiative Brandenburg e.V. lädt alle Interessierten,

Praktiker und Experten zur vierten Konferenz „Telematik im Gesundheitswesen“

ein. Schwerpunkte der Tagung sind u.a.: Möglichkeiten

und Anforderungen durch die elektronische Gesundheitskarte,

Telematik im Gesundheitswesen –Innovationen und Visionen.

Als viel beachtetes Forum für ICT-Anwendungen in Bildung, Verwaltung

und Gesundheitswesen sind die InfoSocietyDays die branchenfokussierte

Kontaktplattform und bieten einen informativen

Überblick über die rasante Entwicklung in konzentrierter Form.

Teil der Veranstaltung sind die folgenden Foren: Swiss eEducation

Forum, Swiss eGovernment Forum, Swiss eHealth Forum.

Die CeBIT hat auch indiesem Jahr etwas zumThema eHealth zu bieten.

Neben derTeleHealth in Halle 9wird in derselben Halle außerdem ein

Gesundheitsparcours aufgebaut (siehe auchArtikel auf Seite 36).

Die Veranstaltung findet unter dem Motto: „Aufbruch ineine neue

Vertrags- und Versorgungslandschaft“ statt und reagiert damit auf das

sich wandelnde Gesundheitswesen. Mit mehr als 500Teilnehmern

bildet der Kongress denTreffpunkt der neuen Versorgungsformen.

Die TeleHealth findet im Rahmen der CeBIT in Halle 9statt. In diesem

Jahr lautet das Motto „Mensch -IT-Gesundheit“.Während der Expo

läuft vom 5. bis zum 6. März 2009 der TeleHealth-Kongress. Das

Kongressprogramm finden Sie auf unseren Internetseiten unter

www.e-health-com.de/service.

Die TAR(Technically Assisted Rehabilitation) will Experten verschiedener

Disziplinen und Einrichtungen, die sich mit Technically Assisted

Rehabilitation befassen, zusammenbringen.

Dieser Kongress hat sich zum Ziel gesetzt, die Informationsverarbeitung

im Gesundheitswesen ganzheitlich zuuntersuchen und beispielsweise

herauszufinden, welche Möglichkeiten es gibt, Daten in Wissen zu

transformieren, wo die Grenzen der IT liegen, seien es technische,

rechtliche oder organisatorische, und wie Systeme beschaffen sein

müssen, damit sie die Arbeit der Anwender wirklich unterstützen.

Das Jahr 2009 wird für die Akteure der Gesundheitsbranche zu einem

Jahr der Zäsur. Die FTD-Konferenz Gesundheitswirtschaft führt im

März 2009 bereits zum vierten Mal Entscheidungsträger der Branche

in Berlin zusammen. Vorgestellt werden auch dieses Mal die

Gewinner des „Ideenparks Gesundheitswirtschaft“.

Das Angebot der Altenpflege+ProPflege reicht von messebegleitenden

Fachkongressen für Entscheider und für Pflegefachkräfte über das

Europa-Forum bis hin zu Aktionsforen in den Messehallen. Ein

Schwerpunkt wird u.a. Informations- und Kommunikationstechnik sein.

SteigenbergerAirport Hotel

www.bvmed.de

Universität Potsdam

www.telemed-initiative.de

BEA bern expo AG

www.infosocietydays.ch

Deutsche Messe Hannover

www.cebit.de

Campus Virchow Klinikum,

Charité

www.gesundheitsnetzwerker.de

Deutsche Messe Hannover

www.cebit.de/telehealth_d

TU Berlin

www.tar-conference.eu

Fresenius Headquarter,

Bad Homburg

www.fmc-events.de

medicallounge im

Umspannwerk Berlin

www.ftd-gesundheitswirtschaft.de

Nürnberg Messe

www.altenpflege-propflege.de


KONGRESSE UND MESSEN

Med-e-Tel

1. –3.April 2009

Luxemburg, L

10. Jahrestagung des DVMD

1. –4.April 2009

Ludwigshafen

conhIT

21. –23. April 2009

Berlin

eHealth2009 &eHealth

Benchmarking 2009

7. –8.Mai 2009

Wien, Österreich

Konferenz mit Schwerpunkt auf ICT,Telemedizin und eHealth. Vorgestellt

werden Anwendungen, die für eine Verbesserung der Versorgungsqualität,

der Arbeitsprozesse und der Kostenreduktion sorgen sollen.

Wie schon in den vorangehendenTagungen möchte der Fachverband

für Berufstätige in der Medizinischen Dokumentation erneut die gesamte

Breite der Medizinischen Dokumentation präsentieren. Offene Foren

bieten die Möglichkeit, sich mit Experten auszutauschen.

Das Konzept der conhIT: Industrie-Messe, Akademie, Kongress sowie

Verbands- und Networking-Foren finden inhaltlich und zeitlich aufeinander

abgestimmt als integrierte Veranstaltung statt. Die Veranstaltung

richtet sich analle Zielgruppen der Branche.

Die Veranstaltung findet unter dem Motto „Health informatics meets

eHealth –von der Wissenschaft zur Anwendung und zurück“ statt.

Ein wesentlicher Bestandteil ist der Austausch neuer wissenschaftlicher

Betrachtungen und deren mögliche Einsatzgebiete im alltäglichen

Umgang mit eHealth,Telehealth,Telemonitoring etc.

WeitereTermine zum Thema eHealth finden Sie auf unserer Internet-Seite www.e-health-com.eu

Luxepo

www.medetel.lu

Heinrich-Pesch-Haus

Ludwigshafen

www.dvmd-tagung.de

Messe Berlin

www.conhit.de

Schloss Schönbrunn

Tagungszentrum

www.ehealth2009.at

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EHEALTHCOM 75


COMPASS | SERVICE

BÜCHER

76 EHEALTHCOM

FIKTION UND WIRKLICHKEIT

Werein PraxisbuchzueHealth herausgibt,

kann das eigentlichnur in der

Zukunft beginnen lassen, denn in der

Gegenwart sind wir nochweit davon

entfernt, dass eHealth vollständig in

die Praxis umgesetzt worden wäre.

Und so beginnt das „Praxisbuch

eHealth“, herausgegeben vonRoland

Trill, folgerichtig mit der Beschreibung

des Szenarios „Gesundheitssystem

2025“. In dessen Zentrum steht die

Eigenverantwortung des Patienten, der

mithilfe zahlreicher technischer Innovationen

in der Lage ist, sein gesundheitliches

Wohlbefinden eigenständig

zu steuern. Das Gesundheitswesen ist

vollständig vernetzt; neue Berufe, wie

der des Vital-Scouts,sind entstanden.

Darüber hinaus konzentriert sichdie

Medizin auf die Präventionsmedizin.

Eine schöne neue Welt. Dochwie

sieht die Wirklichkeit aus? Dieser

Frage geht das vorliegende Buchin

WWW

GLOBAL PLAYER

www.isft.net

Bei ihrer Gründung im Jahr 1997

hat es sich die International Society

for Telemedicine &eHealth (ISfTeH)

den nächsten Kapiteln nachund skizziert

die Grundlagen für eine strategische

Neuausrichtung hin zu einem

vernetzten Gesundheitswesen. Dabei

spielen für die Autoren zwei Trends

eine zentrale Rolle: Die zunehmende

Vernetzung der Leistungserbringer

zum Ziel gesetzt, den internationalen

Wissens- und Erfahrungsaustausch

inBezug auf eHealth und

Telemedizin zu fördern und wichtige

Experten weltweit miteinander in

Kontakt zu bringen. Auf den Internetseiten

der Gesellschaft werden

dann auch dementsprechend internationale

Experten als Board Member

vorgestellt. Auch der Veranstaltungskalender

ist international ausgerichtet.

Darüber hinaus finden sich

auf den Webseiten Informationen

zur Arbeit verschiedenener Arbeitsgruppen,

z.B. zuThemen wie Telenursing,

Education oder Good

Practice Models. Neuerdings gibt es

sowie der zunehmende Einsatz von

Informations- und Kommunikationstechnologien

im gesamten Gesundheitswesen.

Dahinter steht ein Vernetzungsgedanke,

den es nochumzusetzen

gilt. Das ist jedochnur dann

möglich, wenn sichdieser auchinden

IT-Strategien der Unternehmen wiederfindet,

betont der Herausgeber.

Roland Trill hat ein lesenswertes Buch

herausgebracht, das dem Leser einen

Blickindie Zukunft vermittelt, aber

auchpraktische Hinweise gibt für IT-

Strategien, über Anwendungsgebiete

und Kosten neuer Technologien informiert

sowie Hilfen zur Entscheidungsfindung

stellt.

(Mirza)

Praxisbuch eHealth

Roland Trill (Hrsg.)

Verlag W. Kohlhammer

Stuttgart 2008

29,90 Euro

auch einen Bereich „Forum“, in dem

sich Fachleute, aber auch Laien, in

Special Interest Groups und Closed

User Groups austauschen können.

Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit,

sich Podcasts downzuloaden.

Jeder, der Webseitennutzern

interessante Podcasts zur Verfügung

stellen will, kann diese bei der

ISfTeH einreichen und hochladen

lassen. Insgesamt sind die Internetseiten

recht informativ, könnten

jedoch übersichtlicher gestaltet und

teilweise (z.B. inBezug auf die Links

oder Pressemitteilungen) noch besser

bestückt sein.

www.isft.net


ANSCHAULICH ERKLÄRT

Die elektronische Verordnung ist

ein äußerst komplexer Prozess.Dem

Autor gelingt es aber auf den 161

Seiten dieses Buches,alle relevanten

Aspekte zur Erklärung und zur Implementierung

des eRezepts in einer

verständlichen Weise darzulegen.

Dass er dabei auf den angelsächsischen

Raum fokussiert, macht das

Buchnicht weniger lesenswert. Im

Gegenteil: Mit interessanten Praxisbeispielen

erläutert er etwadie Anfänge

der elektronischen Verordnung

in Großbritannien und den USA.

Die acht Kapitel dieses Buches bieten

nicht nur eine umfassende Einführung

in die Thematik der elektronischen

Verordnung, sondern vermitteln

dem Fachmann ein tiefergehendes

Verständnis.Sozeigt der Autor

zum Beispiel auf,wie sichmittels

elektronischer Verordnung die Arbeitsabläufe

und Geschäftsprozesse

vereinfachen lassen. Und im Kapitel

über Risikomanagement erläutert

er auch, warum die Einführung des

elektronischen Rezepts in manchen

Einrichtungen zu einer verstärkten

Fehlmedikation führen konnte.

Wersicheingehender mit der elektronischen

Verordnung beschäftigen

möchte, findet neben einem ausführlichen

Literaturverzeichnis zu jedem

Kapitel am Ende des Buchs eine

weltweite Liste vonKrankenhäusern,

die bereits Erfahrungenauf diesem

Gebiet gesammelt haben.

(Lang)

Principles of Electronic Prescribing

(Health Informatics Series)

Stephen Goundrey-Smith

Springer Verlag

London 2008

59 Euro

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EHEALTHCOM 77


ANZEIGE

COMPASS | SERVICE

WWW

STANDARDS UND NORMEN

www.bio-health.eu

Das aus einem EU-Förderprojekt hervorgegangene

Portal BioHealth unterstützt die

5.–6.März 2009

Kongress ·Networking

3.–8.März 2009

Messe

InternationaleKongressmesse

fürICT-Lösungen im Gesundheitsmarkt

Medizintechnologie-Branche bei der

Suche nach Standards und Normen.

Zur Planung eines eHealth-Projekt

kann das Portal als Ausgangspunkt

einer Recherche von nationalen und

internationalen Standards genutzt

werden. BioHealth legt den Schwerpunkt

auf die Bereiche Sicherheit,

Biometrie, Identitätsmanagement,

RFID und Datenschutz. Das Portal

wendet sich aber nicht nur an

eHealth-Fortgeschrittene. Die zahlreichen

Literaturhinweise enthalten

auch Links für Einsteiger, die sich

einen Überblick zum Thema ver-

TELEMEDIZINVERBINDET

Deutsche Messe ·Messegelände·Hannover, Germany·Tel.+49 51189-0 ·cebit@messe.de

schaffen möchten. Fachleute wiederum

können sich mit der Rubrik

„Aktuelles“ zum Beispiel über neueste

Entwicklungen bei HL7 oder

die elektronische Patientenakte auf

dem Laufenden halten. Das in sechs

Sprachen verfügbare Webseitenangebot

enthält darüber hinaus

einen Veranstaltungskalender, der

auf Workshops in ganz Europa hinweist.

Ob für eHealth-Fortgeschrittene

oder -Einsteiger –der Internetauftritt

von BioHealth ist auf jeden

Fall einen Besuch wert.

6 CME

PUNKTE

Anerkannt und

zertifiziert durch

die Landesärztekammer

Niedersachsen

www.bio-health.eu


Namen

Albers, Dirk 18

Bahr, Daniel 19

Bartmann, Franz-Joseph 16

Bauer, Christian 7

Berger,Thomas 10

Borges, Georg 50

Bötticher, Guido 31

Britz, Alexander 10

Burkart, Stefan 10

Butz, Norbert 10

Caumanns, Jörg 38

Dahlweid, Michael 10

Dalke, HeinrichWilhelm 10

Dallolio, Laura 65

Dujat, Carl 30

Fassbender, Klaus 9

Friedländer, Jon 10

Froebel, Detlev E. 33

Fuchs, Christoph 16

Groschup, Martin 54

Haas, Peter 30 ff

Häcker, Joachim 44 f

Haferkamp, Silke 39

Hartmann, Armin 13

Heilig, Ralf 10

Herzberger, Dirk 39

Hillen, Meike 30

Hollmann, Anja 10

Hönick, Ulf 10

Huck, Rolf 10

Hustinx, Peter 24

Jacobs, Wilfried

Johner, Christian 31

Kassner, Andreas 10

Keller,Volker 31

Kochen, Stephan 8

Kuner, Edgar 10

Leutheusser-Schnarrenberger,

Sabine 19

Loos, Wolfgang 48

Ludwig, Stephan 54

Lux, Thomas 10

MacLeod, Kristen 65

Mages, Holger 6

Meierhofer, Matthias 31

Mendoliera, Salvatore 10

Mentzinis, Pablo 36 f

Merk, Klaus 10

Mertens, Peter 19

Morgner, Andrea 8

Naumann, Jens 18

Pedersen, Steinar 40 ff

Poeschkens, Daniel 18

Pöttgen, Uwe 38

Raviglione, Mario 9

Requardt, Hermann 10

Reum, Lutz 36

Schlienz, Rainer 29

Schröder, Klaus Theo 17

Schug, Stephan 48

Semler, Sebastian C. 54

Serra, Paolo 10

Smid, Volker 10

Stachwitz, Philipp 10

Stahl, Roland 16

Tamariz, Francisco 65

Zimmer, Hans Heinz 13

Firmen &Organisationen

AIBS, Alfa Institute, GR 64

AOK 8/11/16

Apple 11

Asklepios 38

ASSTeH 52

Atacama 12

Barmer 64

BITKOM 18 /36

BMC 50

Bumrungrad International

Hospital, Bangkok 22

BVMI, Berufsverband

Medizinischer Informatiker 30

careon 12

Carestream Health 31

CompuGROUP 11 /39

CompuTainer 9

Continua Health Alliance 7

Deutsches Institut für

Corporate Finance 44 f

DGBMT 49

DGG 48

DGMP, Deut. Gesellschaft

für Medizinische Physik 49

DGTelemed 48

DKE Deut. Kommission

Elektrotechnik 28

DKG, Deut. Krankenhaus-

Gesellschaft 6

DOCexpert 18/39

Dr. Hein Unternehmen 10

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Marcus Michel

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www.e-health-com.eu

Dräger 33

Duria 11

Europ. Medical Tourism Alliance 24

FH Bonn-Rhein-Sieg 24

Fraunhofer ISST 38

Fraunhofer-Gesellschaft 49

Fujifilm Europe 10

gematik 14 ff /38

German Healthcare Services 20

GMDS, Deut. Gesellschaft

für Medizinische Informatik 30

GSD 56

Helios 38

Hewlett-Packard 10

Hochschule Deggendorf 20

SERVICE | COMPASS

FINDEX

Hochschule Heilbronn 44 f

Hollins Communications

Research Institute 7

HPI, Hasso Plattner Institut 11

Hypercom 10

ICW 10 /18

IMS, Fraunhofer-Istitut 6

Institut für Informationstechnologien

im Gesundheitswesen 31

Int. Medical Travel Ass. 23

iSoft 10/38

Ispro 38

IUPESM, Int. Union for Physical

and Engineering Sciences 49

Johns Hopkins

International Clinic 22

LMU München 11

Mayo Clinic, Rochester 22

MCS Isynet 11

MEDGATE 10

Medical Tourism Ass. 23

MediKompass 12

Meierhofer AG 31

Memorial Sloan-Kettering 65

Metro 36

MiLife Coaching, GB 64

MW Zentrum für Orthopädie

und Sportmedizin 34 f

Nexus AG 10

NoemaLife 10

Nonin 7

NST 40ff

Philips 10

proxomed Medizintechnik 35

Rhön-Kliniken 39

RZV GmbH 30

Sana 29 /38

SAP 56

Siemens 10 /38

SIMpill 9

Solimed 8

TMED ExpertTeam 65

TMF 54

T-Systems 56

UKE Hamburg Eppendorf 20

Uni Aachen, Klinikum Aachen 11 /39

Uni Freiburg 11

Uniklinik Saarbrücken 9

Universität Erlangen-Nürnberg 19

University of California, Berkeley 7

University of California,

San Diego 63

University of Louisville, USA 44f

University of Pittsburgh 64

VDE 13 /49

vdek 18

VHitG 18

VISUS 31

EHEALTHCOM 79


Jürgen Sembritzki ist tot. Er starb am 28. Januar plötzlichund unerwartet. Jürgen Sembritzki

war einer der Pioniere und Protagonisten der Gesundheitstelematik und der Telemedizin in

Deutschland. Über seine Aufgabe als Geschäftsführer des Zentrum für Telematik im

Gesundheitswesen (ZTG) hinaus brachte er sein herausragendes Wissen und Können in die

Arbeit zahlreicher Organisationen, Initiativen und Gruppen ein. Darunter war auchder

Herausgeberbeirat von E-HEALTH-COM, dessen aktives Mitglied er von Anfang an war.Er

hat durchseinen Rat und seine tatkräftige Hilfe die Entwicklung unserer Zeitschriftengagiert

gefördert. Jürgen Sembritzki hinterlässt hier –wie auchinseinen anderen Wirkungsbereichen

–eine Lücke, die schwer zu schließen sein wird. Eine Würdigung seiner Person und

seines Wirkens finden Sie in dem folgenden Nachruf von Dr.Manfred Zipperer,dem AufsichtsratsvorsitzendenderZTG

GmbH,derebenfallsunseremHerausgeberbeirat angehört.

In Memoriam

Wererinnert sichnoch, dass man bis vor15Jahren für den

Arztbesuch einen Krankenschein brauchte? Damals sorgte ein

Mann dafür,dem Gesundheitswesen das Torfür effizientere, technologiegestützte

Prozesse zu öffnen: Jürgen Sembritzki. Sein

Name steht für die Einführung der Krankenversichertenkarte in

Deutschland, die für uns alle heute selbstverständlichist. Diese

Karte und ihre Weiterentwicklung im Rahmen einer modernen

Telematikinfrastruktur hat ihn sein ganzes Berufsleben begleitet

und geprägt.

Der 1954 geborene Telematik-Experte Jürgen Sembritzki studierte

Informatik an der Universität Braunschweig –der er im übrigen

als Dozent stets verbunden blieb –und erkannte die Zeichen der

Zeit, indem er sichauf medizinische Anwendungen spezialisierte.

1983 ging er zum Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung

(ZI) und übernahm dort 1992 die Leitung der Abteilung für Informatik

und der EDV-Beratungsstelle. Als Projektleiter der Kassenärztlichen

Bundesvereinigung steuerte er die Einführung der

Krankenversichertenkarte aufseiten der niedergelassenen Ärzte. Im

Jahr 2000 wechselte er zum 1999 gegründeten Zentrum für Telematik

im Gesundheitswesen (ZTG) in Krefeld, das er seit 2001 als

Geschäftsführer leitete.

Jürgen Sembritzki erkannte schon früh die zentrale Bedeutung

der Normung und Standardisierung und engagierte sichdeshalb ehrenamtlichinzahlreichen

nationalen und internationalen Gremien.

Damit beförderte er den Standardisierungsprozess in der Industrie,

der eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass Technologien auf breiter

gesellschaftlicher Ebene genutzt werden können. Er warmit seinem

profunden Wissen aktiver Partner,wenn es um innovative

eHealth-Anwendungen sowie Vernetzungsstrategien, Datenaustausch,

Datenspeicherung und -zugriffskonzepte sowie Chipkarten-

Technologie für das Gesundheitswesen ging. Insbesondere im Bereich

des Datenschutzes hat er Brückenfür die Realisierung vertrauenswürdiger

und sicherer Kommunikation gebaut.

Jürgen Sembritzki hat sichunermüdlichund mit höchstem

Engagement für das ZTG eingesetzt und es in kurzer Zeit zu einem

nicht nur in Nordrhein-Westfalen sondern auchinDeutschland und

80 EHEALTHCOM

darüber hinaus anerkannten Kompetenzzentrum gemacht. Dabei

kamen ihm seine umfassenden nationalen und internationalen

Verbindungen und Erfahrungen ebenso zugute wie seine für das

ZTG-Geschäftsmodell charakteristische neutrale Fachlichkeit.

Als Kartenexperte setzte er sichmit seiner ganzen Kraft für die

Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ein. Er ließ es sich

nichtnehmen, persönlichDeutschlands größte Testregion Bochum-

Essen zu leiten. Seine Vision einer umfassenden Vernetzung des

Gesundheitswesens,die er als gesuchter Redner zu formulieren verstand,

ging aber darüber hinaus.Schon bald folgten in NRWunter

seiner Ägide weitere Infrastrukturprojekte am ZTG,wie die einrichtungsübergreifende

elektronische Patientenakte, die Einführung des

Heilberufsausweises in NRWoder,ganz aktuell, die Erprobung des

elektronischen Arztbriefes. Die Telemedizin als patientennahe

Anwendung stand als nächstes großes Projekt auf seiner Agenda.

Auch die in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium

NRWentstandene LandesinitiativeeGesundheit.nrw trägt

Jürgen Sembritzkis Handschrift.

Jürgen Sembritzkis Stärkebei der Konzeption und Umsetzung

seiner Vorhaben lag vorallem im konstruktiven Dialog und in seinem

Talent, vernünftig bemessene Lösungen anzustreben, die er

selbst dem Anspruchder Verständlichkeit, technischen Machbarkeit

und ökonomischen Vertretbarkeit unterwarf.Dass er seine Anregungen

und Beiträge gerade angesichts seines ausgeprägt kritischen

Verstandes gern mit einem Augenzwinkern und dem nötigen Schuss

Chuzpe vertrat, machte ihn besonders sympathisch.

Sein Vermächtnis für uns ist die Weiterführung seiner,sein

ganzes Berufsleben begleitenden, Anstrengungen für einen humanen

und qualitätsfördernden Einsatz moderner Informationstechnologien.

Und es ist die Bereitschaft, den Dialog in den Mittelpunktzustellen

undauf dieseArt undWeise Handlungsoptionen

und Lösungen für die aktuellen Herausforderungen der Gesundheitstelematik

aufzuzeigen.

Wir verlieren in ihm einen großartigen Mitstreiter für die

Modernisierung des Gesundheitswesens!


HERAUSGEBERBEIRAT

Der Herausgeberbeirat hat maßgeblichen Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung

und die thematische Tiefe von E-HEALTH-COM. Seine Mitglieder sind unabhängige,

kritische und hochkompetente Berater des Herausgebers und der Redaktion. Sie

sichern durch ihre Arbeit den hohen fachlichen Qualitätsanspruch des Magazins.

DR. MARTIN D. DENZ

Executive Master in

eGovernance EPFL, Präsident

der Schweizer Gesellschaft

für Telemedizin und eHealth

(SGTMeH), President of the

European Health Telematics

Association (EHTEL)

m.denz@e-health-com.eu

PROF. DR. PETER HAAS

Fachhochschule Dortmund,

Fachbereich Informatik,

Vorsitzender des Fachbeirats

der gematik GmbH

haas@fh-dortmund.de

DR. WOLFGANG

NIEDERLAG

Abteilungsleiter am Krankenhaus

Dresden-Friedrichstadt,

Sprecher des Fachausschusses

Telemedizin der Deutschen

Gesellschaft für Biomedizinische

Technik im VDE

wolfgang.niederlag@khdf.de

PROF. DR.

OTTO RIENHOFF

Universitätsklinikum Göttingen,

Abteilung Medizinische

Informatik, stellvertretender

Vorsitzender des TMF e.V.

haegar@med.uni-goettingen.de

ROLAND SING

Mitglied des Vorstands der

Initiative D21 und Leiter der

D21-Lenkungsgruppe IT im

Gesundheitswesen, vormals

Vorstandsvorsitzender der

AOK Baden-Württemberg

rsing@gmx.net

PROF. DR.

INGO FLENKER

Chefarzt am Katholischen

Krankenhaus Dortmund West,

vormals Präsident der Ärztekammer

Westfalen-Lippe und

Telematikbeauftragter der

Bundesärztekammer

i.flenker@e-health-com.eu

PROF. DR.

MICHAEL NERLICH

Dekan des Universitätsklinikums

Regensburg, Präsident

der International Society

for Telemedicine and eHealth

(ISfTeH)

michael.nerlich@klinik.uniregensburg.de

PROF. DR.

KARL PETER PFEIFFER

Medizinische Universität

Innsbruck, Vorsitzender

des Arbeitskreises Nationale

eHealth-Strategie in der

österreichischen eHealth-

Initiative

karl-peter.pfeiffer@i-med.ac.at

JÜRGEN SEMBRITZKI †

Geschäftsführer des Zentrums

für Telematik im

Gesundheitswesen (ZTG)

j.sembritzki@ztg-nrw.de

DR. MANFRED ZIPPERER

Abteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium

a. D.,

langjähriger Leiter des ATG

(Aktionsforum für Telematik

im Gesundheitswesen)

m.zipperer@e-health-com.eu

IMPRESSUM

E-HEALTH-COM

Magazin für Gesundheitstelematik

und Telemedizin

www.e-health-com.eu

HERAUSGEBER:

Hans-Peter Bröckerhoff

HERAUSGEBERBEIRAT:

Dr. Martin Denz, Prof. Dr. Ingo Flenker, Prof. Dr. Peter

Haas, Prof. Dr. Michael Nerlich, Dr.Wolfgang Niederlag,

Prof. Dr. Karl Peter Pfeiffer, Prof. Dr. Otto Rienhoff,

Jürgen Sembritzki †, Roland Sing, Dr. Manfred Zipperer

CHEFREDAKTEUR:

Martin Schmitz-Kuhl, v.i.S.d.P.

REDAKTION:

Philipp Grätzel von Grätz, Miriam Mirza, Dr. Michael

Lang, Nina Schellhase, SilkeWeidner (Korrektorat);

REDAKTIONSASSISTENZ:

Hanne Holm Tel.: +49-(0)69 -405 631 -157

WEITERE AUTOREN DIESER AUSGABE:

Fred Basalama, Leonore Boscher, Dr. Dominik Deimel,

Prof. Dr. Dr. Christian Dierks, Dr. Kai Fidorra, Robert

Gerl, Dr. Christof Gessner, Alexander Ihls, Jochen

Kaiser, Prof. Dr. Benno Kotterba, Wolfgang Loos, Heiko

Mania, Dr. Stephan Schug, Dr. Peter Sögner, Stephan

Spat, Dr. Sylvia Thun, Uwe Veronik

GRAFIK:

Katharina Doering, Susanne Lindner

KONZEPTIONELLE BERATUNG:

Helmut Ortner

ANSCHRIFT REDAKTION UND VERLAG:

HEALTH-CARE-COM GmbH

Hanauer Landstraße135–137, D-60314 Frankfurt amMain

Tel.: +49-(0)69 -405 631-157, Fax: +49-(0)69 -405 631-105

E-Mail: redaktion@e-health-com.eu

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(Bestellungen, Adressänderungen, Lieferprobleme):

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Zweimonatlich, 6Ausgaben pro Jahr

PREIS:

Einzelheft 9,60 Euro/CHF 15,80 plus Versand, Jahresabonnement

57,60 Euro/CHF 95 plus 6,- Euro Porto

(Deutschland) bzw. 11,- Euro Porto (Österreich) und

CHF 18,10 (Schweiz)

ANZEIGEN:

Marcus Michel

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Fax: +49-(0)69 -405 361 -105

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Es gilt die Anzeigenliste Nr. 1/2009

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Henrich Druck +Medien, Schwanheimer Straße 110,

D-60528 Frankfurt amMain

AUFLAGE:

8000 Exemplare

Der Verlag übernimmt für unverlangt eingesandte

Manuskripte keine Haftung. Mit der Übergabe der

Manuskripte und Bilder erteilt der Verfasser dem Verlag

das Exklusivrecht zur Veröffentlichung. Honorierte

Arbeiten gehen in das Verfügungsrecht des Verlags

über. Die kompletten Geschäftsbedingungen für

Autoren sind unter www.e-health-com.eu (Autorenhinweise)

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kann trotz sorgfältiger Prüfung durch die Redaktion

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Zeitschrift und Website und aller in ihnen enthaltenen

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Zustimmung des Verlages unzulässig, soweit sich aus

dem Urheberrechtsgesetz nichts anderes ergibt.

ISSN-Nummer: 1862-7897


PERSPEKTIVEN

MEHR ALS NUR TECHNIK

Die Notwendigkeit von Ambient-Assisted-Living-Anwendungen wird immer deutlicher und die technischen Möglichkeiten

wachsen ständig. Aber was ist mit den sozialen, psychologischen, rechtlichen und ethischen Aspekten solcher Lösungen?

82 EHEALTHCOM

E

HANS-PETER BRÖCKERHOFF

ist Herausgeber dieses Magazins.

hp.broeckerhoff@e-health-com.eu

THISCHE UND RECHTLICHE Aspekte von

AAL“ hieß der für den Nachmittag des ersten

Kongresstages angesetzte Workshop.Selbst die

Organisatoren waren sichnicht sicher,obdieses

Thema genügend Teilnehmer anlockenwürde

–zumal in drei parallelen Sessions interessante

technische und telemedizinische Themen

angeboten wurden. Dem Thema eine eigene

Session zu widmen, warein Experiment. Als schließlichgut

70 Teilnehmer des 2. Deutschen AAL-Kongresses den Workshopraum

füllten und sichals interessierte und diskussionsfreudige

Zuhörer erwiesen, wardie Erleichterung und die Freude

bei den beiden Moderatoren groß.

Dass es bei Ambient Assisted Living nicht nur um intelligente

Technik, um demografische, ökonomische

und medizinische Fragen geht, wird

zunehmend wahr- und ernstgenommen.

Ethische, rechtliche, soziale und auch

psychologische Fragen sind für die Umsetzung

vonAAL-Lösungen oft ebenso wichtig

wie technische oder ökonomische –

manchmal sogar wichtiger.Denn oft ist mit

einer Umsetzungsidee, einer kreativen Lösung

technischkein großes Problem mehr

verbunden. Und auchdas Finanzierungsproblem

ist häufig –wenn auchnicht immer

so einfach–lösbar.Aber dann kommen

teils garnicht so leicht zu lösende Fragen

wie die nachder Akzeptanz, der Einbindung

in die familiäre und soziale Situation der

Betroffenen oder des Schutzes der Privatund

Intimsphäre.

Ein einfaches Beispiel dafür: In einem Brainstorming zum

Thema Möglichkeiten des Einsatzes vonMobiltelefonen in der

ambulanten Pflege wurde anhand eines Szenarios der Einsatz

vonÜberwachungskameras in der Wohnung einer nochallein

lebenden, aber multimorbiden und vorallem stark sturzgefährdeten

alten Frau diskutiert. So könne die sie betreuende,

teilberufstätige Tochter,wenn sichdie Mutter am Telefon nicht

meldet, via Smartphone in die Wohnung schauen und klären,

ob Handlungsbedarf besteht oder ob die Mutter eventuell nur

» Bei kreativen

AAL-Lösungen sind die

Probleme oft nicht in

der Technik begründet,

sondern in der Akzeptanz,

der Einbindung in

die soziale und familiäre

Situation oder im Schutz

der Privatsphäre.«

schläft oder aus sonstigen Gründen

das Klingeln des Telefons

nicht hört. Klingt einleuchtend

und technisch nicht sehr problematisch.

Aber in der Diskussion

wurden sehr bald auch die

schwierigeren Fragen gesehen:

Lässt das Vertrauensverhältnis

zwischen Mutter und Tochter

so etwas zu? Akzeptiert die

Mutter überhaupt Überwachungskameras,und

wenn ja,

auchimBad und im Schlafzim-

mer? Dürfte auchein Dritter im Bedarfsfall diese Kameras nutzen?

Solche Fragen zeigen nicht selten die Grenzen oder doch

zumindest die Hürden, die bei AAL-Lösungen beachtet werden

müssen.

DIE FRÜHZEITIGE DISKUSSION dieser Fragen ist nicht

nur sinnvoll, sondern auchgeboten. Denn nur so können eventuelle

Probleme, Grenzen und Hürden schon bei der Entwicklung

vonAAL-Lösungen (die sehr oft mit Telemedizin und Telepflege

zu tun haben) indentifiziert werden. Es ist allemal

besser,vorausschauend nachLösungen für solche Probleme

zu suchen, als sichbei der Umsetzung oder garder Markteinführung

vonLösungen davon überraschen zu lassen.

Überraschend zum Beispiel dürfte für viele die (auf dem

Kongressworkshop vorgestellte) Diskrepanz zwischen der Akzeptanz

vonTelemonitoring bei betroffenen und nicht betroffenen

alten Menschen gewesen sein. Während die gesunden

Befragten weitgehend positiv reagierten, Wert und Nutzen uneingeschränkt

sahen, waren die kranken Befragten, denen die

Lösungen direkt helfen könnten, skeptischer.Eine Erklärung

dafür: Die Nutzung der Monitoringgeräte würde die bestehende

gesundheitliche Beeinträchtigung dem sozialen Umfeld

deutlichmachen, wasviele als eher unangenehm empfinden.

Um solchen irrationalen Akzeptanzproblemen zu begegnen,

müsste in der Kommunikation mit den Betroffenen diese

Frage offensiv angegangen werden. Das ist sicherlichnicht

einfach, kann aber dann gelingen, wenn man sichfrühzeitig

mit dieser Problematik auseinandersetzen kann.


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