Katalog der Ausstellung - Einszueins Rügen

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Katalog der Ausstellung - Einszueins Rügen

Skulpturen

Sommer 2008

eaux d’artifice


eaux d’artifice

der Versuch einer schlüssigen Übersetzung von

eaux d’artifice muss scheitern. eaux d’artifice,

abgeleitet aus dem französischen „feu d’artifice"

(= feuerwerk), beinhaltet einen Widerspruch in sich,

der etwa so viel ausdrücken kann wie „kunstvolles

Wasserfeuerwerk“.

den titel leihen wir uns vom gleichnamigen film

von kenneth anger. in angers film von 1953 sehen

wir ein barockes labyrinth aus treppen, Springbrunnen,

Wasserspeiern und Balustraden in der

umgebung eines mystischen, nächtlichen parks.

Wie in einem traum eilt eine Gestalt im kostüm des

achtzehnten Jahrhunderts durch diese umgebung,

während die kamera in Zeitlupe die kaskaden und

fontänen des Wassers in den Springbrunnen studiert.

kurz vor ende des films zückt die Heldin einen

fächer und verwandelt sich in einen Springbrunnen.

der film handelt von dem rhythmus der

musik und der natur.

auch die parkanlagen von kartzitz und pansevitz

wurden im achtzehnten Jahrhundert umgestaltet.

die metamorphose, die in angers film in der Verwandlung

der frau in einen Springbrunnen ausgedrückt

ist, findet ein Gleichnis in der entwicklung

der parkanlagen in kartzitz und pansevitz. auch sie

befinden sich am ende einer langen entwicklung,

Stile wechselten mit dem fortschritt und wurden

nach dem letzten krieg von der natur zurücker-

obert. nun präsentieren sie sich dem Betrachter erneut

als die englischen landschaftsparkanlagen, in

die sie um 1800 verwandelt wurden. Ähnlich wie bei

einem Versteckspiel in einem schattigen labyrinth

öffnet sich der Betrachter den ereignissen des parcours

wie auch der ausgestellten kunst und ergibt

sich so dem artifice.

ein Schwerpunkt des ausstellungsraums bilden die

zahlreichen Wasseranlagen, die sich im Gegensatz

zu anger nicht in Wasserfällen überschlagen, sondern

sich friedlich als teiche in die landschaft legen

und dort den Skulpturen als kulisse oder als natürliche

abgrenzung dienen. das feuerwerk bezieht

sich also hier vielmehr auf die kunstwerke, die teils

einen naturbedrohlichen, parasitären charakter

verkörpern, durch anti-natürliche materialien die

natur kontrastieren oder schlicht durch politische

Statements provozieren. der park als ästhetisierte

natur trägt geschlechtliche wie politische und organische

Bedeutungsebenen in sich. diese ebenen

werden in angers film bespielt und in der ausstellung

eaux d’artifice aufgegriffen.

die kunst spielt mit den historischen Gärten. der

park seinerseits enthält Bezüge zum paradies, zur

idylle und zum ‚locus amoenus’ (der schöne ort), im

Spätmittelalter wurde er als ,hortus conclusus’, als

geschlossener Garten, der heiligen Jungfräulichkeit

marias gleichgesetzt. der park ist ein ort zum träumen


oder wie bei anger ein ort, an dem sich träume ereignen.

träume könnte man als Sequenzen von Bildern

begreifen, welche aus der Vergangenheit kommen

und in die Zukunft weisen, welche sich

gleichermaßen aus unserem unterbewussten und

den eindrücken des letzten tages speisen. anger

deutet an, wie das Zusammenführen von parkanlagen

und kunst eine neue anreihung von Sequenzen

entstehen läßt. ein traum?

aufwendig geplant und doch ständig dem freien

Sprießen der natur unterworfen, sind parks ein ort,

an dem sich Widersprüche zu einem gefälligen Ganzen

aufheben. „parks stehen als kunstort den traditionellen

kunst vermittelnden institutionen, den museen

und ausstellungsräumen, gegenüber. ein

Garten ist sowohl ein kunstobjekt als auch der nicht

institutionalisierte ort seiner eigenen Vermittlung“

(Brigitte franzen). es entsteht eine veränderte form

der kunstbetrachtung, denn kunst und natur lenken

sich gegenseitig ab und bedingen sich zugleich.

die möglichkeiten einer Bändigung der kräfte des

natürlichen raumes sind nicht gemeint. im Gegenteil:

die kunst ist hier mitunter die technik, das einfache,

unerzogene, naive und unbedachte in der

natur zu verdeutlichen. Über die antithese, nämlich

technik, künstliche materialien, urbane elemente

oder auch Geschichten nach rügen zu transportieren,

erstrahlen die natürlichen elemente in der na-

tur umso mehr. dort, wo der Stadtmensch vor lauter

Bäumen nur noch Wald sieht, kann ein kunstwerk

die aufmerksamkeit auch auf die topographie des

ortes zurücklenken. Wer das kunstwerk lange betrachtet,

es umschleicht, den verzaubert plötzlich

die breite palette der Grüntöne des Sonnenlichts in

den Blättern des kleinen Hains, der Schattenwurf in

der lichtung, die Wasserspiegelungen im Weiher.

einSZueinS hat zehn künstler eingeladen, sich mit

den parkanlagen und deren teichen auseinanderzusetzen.

einige unter ihnen umspielen das Wasser,

andere kommen den charakteristika eines feuerwerkes

näher, gleichen dessen farben, erzeugen

klänge oder fordern uns heraus. alle künstler arbeiten

mit den für sie typischen materialien, seien

sie natürlich oder artifiziell. Zusammen entsteht

eaux d‘artifice.


andré tempel

ViSitorS

drei GummiBÄlle, GraBVaSen, Gurt, kaBelBinder

2008

andré tempel arbeitet mit künstlichen, alltäglichen materialien wie Gummi und plastik. die von ihm benutzen

Schläuche und Steckvasen formen sich oft zu organischen Gebilden. mit Hilfe ihrer präzisen platzierungen

bemächtigen sie sich ihres umfeldes. Sie erobern den raum verspielt, wenngleich ihr Standort von

ingenieurhafter kalkulation bestimmt ist. das selbstbewusste auftreten von tempels objekten weckt die

neugierde ihrer Betrachter, aber ihre oftmals spitzen oberflächen gebieten Vorsicht. in Wahrheit könnte der

leise angriff des ‘artifice’ auf die natur nicht massiver sein.

die Skulpturen sind großartige fremdkörper. Wir nehmen es ihnen jedoch ohne zu zögern ab, dass sie in

den raum ihrer Wahl gehören. robert Sobotta beschreibt: „die dinge werden verkehrt, Gleichgewichte,

ebenen, funktionen werden verschoben, wenn nicht ad absurdum geführt. Sie vereinen Spielerisches und

technoide anmutung. apparate werden konstruiert, die leben, oder leben enthalten. darin liegt die kraft

der kunst von andré tempel: den dingen leben geben, sie durch die künstlerische Behinderung oder fesselung

überführen in eine neue, nur scheinbar stabile existenz“.

der kontext spielt in tempels arbeit in pansevitz eine tragende rolle und darf hier nicht nur als ausstellungsrahmen

gedacht werden. Wenn wie hier das kunstwerk direkt für seinen raum entworfen wird, entsteht

eine noch dichtere, noch umfassendere Bezugnahme. Skulptur und raum entwerfen gemeinsam einen

kontext, tempels arbeit ist eine gezielte künstlerische intervention an einem ort. diese intervention

gestaltet sich mit jeder Stunde des tages mit wechselnden lichteinfällen neu.

am Wundersee mit der liebesinsel sehen wir drei objekte. Sie sind sorgfältig auf alle ebenen des parks

verteilt. nähern wir uns ihnen, stellen wir fest, dass es sich um luftgefüllte, rote kunststoffbälle handelt, die

rundum mit dunkelgrünen Grabvasen bestückt sind. letztere spielen auf die heutige funktion des Schlossparks

als friedWald an.

insgesamt wird der installation durch die Verfremdung von alltagsgegenständen wie den roten therapiebällen

ein eigenartiger Zuwachs an Bedeutung zuteil. obgleich wir in der natur sind, werden wir mit

ironie auf unseren industriell geprägten alltag verwiesen.

andré tempel (*1970) lebt und arbeitet in dresden. Galerie Birgit ostermeier.


andreW GilBert

andreW and emil nolde paintinG a

female nude in nature, WHile BeinG

SerVed drinkS By Black SerVantS,

June 14tH, 1879

afrikaniScHe maSken, HolZ, textilien, GemÜSe, nÄGel,

BritiScHe flaGGe, meSSer, SonnenScHirme, papier, acrylfarBe

2008

in the mornings we kill chickens together. Broccoli sauce.

in the afternoons we paint carrots together. prawn sauce.

She is lying in the field. naked with monk teeth mask.

He calls her mooozgrooz i call her rooozgroooz and she is singing the rooolgooorooo and we paint carrots.

and all the toast is covered in nails. and she is singing reeeelgoatsreeeelg and we are painting more carrots

as beautiful black ladies bring us prawn legs drinks and attach their breasts to our eyes and hack them

off but some bits are stuck in our eyes so we can paint the beautiful lady in the field better.

later i marry her and she gives birth to ten thousand birds.

nolde dies in my armchair while i soothe him with violin playing and he draws me as a glorious Queen of

the Zulus.

i nail the portrait to my face and penetrate my wife and she never leaves me and gives birth to the greatest

bird of all whose destiny is to conquer and butcher all of europe.

i become a nun and seduce medieval mystic monks.

But i never forget my painting trip with nolde, June 14, 1879, where i met my tenth wife.

text by andrew Gilbert

am morgen töten wir gemeinsam Hühner. Brokkoli Sauce.

am nachmittag malen wir gemeinsam karotten. krabben Sauce.

Sie liegt im feld. nackt mit einer mönchszahnmaske.

er nennt sie mooozgrooz. ich nenne sie rooozgroooz und sie singt den rooolgooorooo und wir malen karotten.

und alle toast sind übersät mit nägeln. und sie singt reeeelgoatsreeeelg und wir malen noch mehr karotten, als schöne schwarze frauen uns

krabbenbeingetränke bringen und ihre Brüste an unsere augen drücken und sie abhacken, aber einige Stücke bleiben in unseren augen hängen, so

dass wir die schöne frau im feld besser malen können.

Später heirate ich sie und sie gebärt zehntausend Vögel.

nolde stirbt in meinem Sessel während ich ihn mit Geigenspiel besänftige und er malt mich als ruhmvolle königin der Zulus.

ich nagle das portrait an mein Gesicht und dringe in meine frau ein und sie verlässt mich nie und gebärt den großartigsten Vogel von all denen, dessen

Schicksal es ist, europa zu erobern und abzuschlachten.

ich werde nonne und verführe mittelalterliche mystische mönche.

aber ich vergesse nie mein malabenteuer mit nolde am 14. Juni 1879, wo ich meine zehnte frau traf.

andrew Gilbert (*1980) lebt und arbeitet in Berlin. Galerie eva Bracke.


Bernard miSGaJSki

die Boote

erodierter StaHl und HolZStÄBe

2006

„die Boote“ misgajskis liegen scheinbar schwerelos im Wasser. man könnte meinen, sie gleiten ohne Berührung

über die oberfläche. ihre stählernen körper muten asiatisch an. Zu deren Gewicht kontrastieren

die zierlichen Holzstäbe.

Schwere und leichtigkeit, die Bernard misgajskis Werke kennzeichnen, verleihen seinen Skulpturen eine

innere Spannung und ruhe zugleich. meist arbeitet er mit korrodiertem Stahl. durch reduzierte, geometrische

oder harmonische formen wirkt er der massivität des metalls entgegen. inmitten der sich frei entfalteten

natur fügen sich die klaren konturen und das Gewicht der Skulpturen zu einem neuen Ganzen.

für die entstehung der kunstwerke spielt der Zeitfaktor eine wichtige rolle, denn zur korrosion des metalls

werden die Stahlplatten mehrere monate dem Wetter ausgesetzt. die oxidation verleiht der oberfläche Struktur

und tiefe. So gehören langwierige arbeitsschritte und ausdauer zum Schaffensprozess des künstlers.

dafür hat er sich auf rügen ein refugium geschaffen. in seinem „atelier“, der alten Wassermühle, arbeitet er

meist im freien und im einklang mit der natur. diese Bedingungen reflektieren sich in seinen Werken.

Bernard misgajski (*1950) lebt und arbeitet auf rügen


Berta fiScHer

(untitled)

acrylGlaS

2007

als lagerfeuer-effekt könnte man die erste reaktion des Betrachters beschreiben. er verliert sich auf der

Suche nach einem anfang oder ende der strahlenden Bewegungslinien. feuer brennt hier Grün.

Grün wird nach chinesischer farbinterpretation dem weiblichen yin, dem passiven, empfangenden prinzip

zugeordnet; Gelb dagegen dem männlichen yang, dem aktiven, schöpferischen prinzip. Beide farbwelten,

ihr kontrast, tragen die radikale Spannung in Berta fischers arbeit. Jedoch ohne fremdeinwirkung, ohne

Strom, ohne künstliche anstrahlung gelingt es der künstlerin lichtkunst, formen und Bewegungsdiagramme

zu gestalten. Wie bei der photosynthese hilft allein die absorption von natürlichem licht, die kanten der

flachen, gebogenen formen zu linien zu gestalten. das grelle plexiglas der Skulptur reizt und funkelt,

leuchtet wie eine alarmierende urbane pflanze mitten in die natur. fischers plastik verkörpert ein visuelles

milieu in der die Sinne geschärft werden. Sie verstärkt die Wahrnehmung der räumlichen Gegenwart.

Berta fischer (*1973) lebt und arbeitet in Berlin. Galerie Giti nourbakhsch.


cHriStian ScHönWÄlder

(untitled)

HolZ, StromkaBel, Ventilator

2008

Seine Skulpturen erinnern an objekte aus vergangenen Zeiten. Sie erscheinen nicht selten, wie auch in kartztitz,

als ein hölzernes Gehäuse, dessen funktion bei weiterem Betrachten zunehmend unklarer wird. die Skulpturen

sind abgeschlossen und vermitteln dem Betrachter ein Gefühl der Geborgenheit. Wir können auf der flucht

vor schädlichen einflüssen hinein in die friedlichen Gehäuse die christian Schönwälder eigens für uns baut.

die hölzernen Strommasten sind augenscheinlich zeitgemäßem, technischem fortschritt entronnen. Stattdessen

bewahrt ihre einfache funktionalität Standhaftigkeit, in einem prozess, wo natur den erhabenheitsstatus

an die technik weitergegeben hat. die architektur-Skulptur aus Holz erinnert an buddhistische Heiligtümer,

Schreine der Harmonie. im Werk von Schönwälder ist Holz ein wiederkehrendes material - ein teil

seiner visuellen Sprache.

unter der 'pagode' stehend, hören wir die gleichmäßige Geräuschkulisse eines Ventilators, es weht eine leichte

Brise. eine apparatur, die künstlich das Wohlbefinden seines Betrachters konditioniert. diese energiebetriebenen

anstrengungen sind jedoch desolat, sofern der Besucher bereits von kräftigen, natürlichen ostseewinden

erfrischt ist. natur und technik stehen sich erneut gegenüber.

christian Schönwälder (*1975) lebt und arbeitet in dresden. Galerie Birgit ostermeier.


denniS fedderSen

SponGer # 02

polyVynilcHlorid (lkW-plane), ScHaumStoff, Styropor

2008

“you ask, what is our policy ? i say it is to wage war by land, sea and air.“ - Winston churchill, 13. mai 1940.

Bei den arbeiten dennis feddersens handelt es sich um „intelligente Skulpturen“, die eigenständig, wenn

nicht gar widerständig auf ihre umwelt reagieren. als „parasiten“ bezeichnet der künstler seine Skulpturen.

und tatsächlich, die anarchische Struktur und die scheinbar wild wuchernden ausläufer dieser großen rhizomatischen

formen erinnern an räuberische Schlingpflanzen welche sich an Bäumen festgesetzt haben.

für einSZueinS hat dennis feddersen eine neue Skulptur entwickelt: „SponGer # 02“– einen evolutionskrieger.

er erobert sein territorium zu Wasser, zu lande und in der luft.

der künstler beschäftigt sich mit der idee, Skulptur als modifizierbares System zu begreifen. anstelle von

statischen, dem material aufgezwungenen formen, liegt der Schwerpunkt seiner arbeiten auf der möglichkeit

der modifikation, sowie der flexibilität von form und material.

die raumgreifende Skulptur geht eine Symbiose mit dem ort ein auf den sie reagiert: ähnlich wie der parasit

seinen Wirt benötigt sie die vorhandenen Strukturen, um existieren zu können. umgekehrt profitiert der

jeweilige ort von diesem eingriff, als ihm ganz neue visuelle und räumliche Qualitäten hinzugefügt werden.

dennis feddersen (*1973) lebt und arbeitet in Berlin und Braunschweig. Galerie koal.


kai ScHiemenZ

tHe coloniSt deScendinG SloWly –

tHe liGHtHouSe in tHe WronG place

der erScHreckte GÄrtner –

der leucHtturm am falScHen platZ

dacHlatten, ScHrauBen

2008

kai Schiemenz bewegt sich mit seinen arbeiten zwischen architekturentwurf, Skulptur und in stallation.

Seine pläne führt er selbst aus, meist aus Holz, häufig durchsetzt mit kreisrunden plattformen oder ringen

und oft auffallend groß. Seine arbeiten erinnern an großformatige Bauten wie monumente, türme oder pavillons.

die motivation hinter seinem Schaffen steht im einklang mit der idee von einSZueinS: im maßstab 1:1

sind seine eigenständigen archiskulpturen errichtet, eins setzt sich zum anderen, eins in das andere.

die „Gebäudeskulpturen“ sind oft für den Betrachter begehbar und erschließen damit eine innenperspektive.

die leichte Bauweise und die häufig modellhafte Struktur schaffen eine fragile Ästhetik. riskant ist der

abgleich der statischen Bedingungen des Baus, scheinbar unkalkuliert, mit dem ästhetischen konzept. es

scheint, als wollten die Gebilde, die Schiemenz schafft, aus sich selbst herauswachsen. Sie winden sich in

diesem Bemühen um ihre eigene achse. der Bau selbst wird dabei auch zu einer Grenzerfahrung zwischen

architektonisch machbarem und gestalterisch Gewolltem.

Schiemenz' Werk koordiniert die Wahrnehmung nicht ausschließlich zwischen Betrachter und Werk, sondern

zwischen Betrachter, Werk und dem ort, an dem sie sich befinden. es bemüht sich weitergehend um

das exakte und prächtige Spiel kombinierter körper im licht, so wie le corbusier architektur in seiner

definition bestimmt hat.

kai Schiemenz (*1966) lebt und arbeitet in Berlin. fahnemann projects.


peter kröninG

Stille WaSSer ...

eicHenHolZ, farBe

2008

peter kröning schnitzt seine arbeiten aus ganzen Holzstämmen, somit ist jede neue arbeit gleichzeitig immer

eine neue auseinandersetzung mit der Beschaffenheit des materials, sprich des durchmessers des

Baumstamms oder der Struktur und Härte des Holzes. diese bedingungslose treue zur natur in der materialauswahl

übersetzt sich in die formgebung der Skulpturen.

in beherrscht reduziertem umgang mit ihren attributen schafft kröning so Situationen, erzählungen, kontexte,

welche einen ungeahnten reichtum an assoziationen zulassen. mal fabel, mal Satire, mal humorvoll

auf die menschlichen Schwächen anspielend, mal sehr politisch, oft auch alles gleichzeitig, sind diese dreidimensionalen

comicframes eine einladung an den Betrachter, sich eine Geschichte auszudenken. als

wäre ihr aufstellungsort in der landschaft eine aufgeschlagene Zeitungsseite, auf der das karikaturale rebus

mit einer mehrdeutigen legende versehen ist, liest der Betrachter in den Skulpturen wie in einem offenen

Buch mit sieben Siegeln.

die Skulptur „Stille Wasser..." trägt elemente von Würde, respekt und zugleich ironie in sich. der Zugang

zum titel, der einer früheren ideengebung für die ausstellung selbst entspringt, scheint auf den ersten Blick

direkt. ein mann mit einem rucksack kniet am rande eines Sees nieder und lauscht mit einem kopfhörer

der Stille des Wassers…. [1] .

[1] Hat der mann in pansevitz angst vor uns, versteckt sich im ufergestrüpp und vergräbt die ohren unter musik wie der Strauß den kopf in den Sand

steckt? oder handelt es sich um jemanden, den wir noch nie gesehen haben, der uns aber kennt, aus seinen akten. Sind hier in der natur mikrofone

unter den Büschen versteckt, die ihm unsere Worte direkt in die ohren spielen? oder ist die Geschichte diesmal harmloser und es handelt sich um

das exponat einer Subkultur, in welcher sich die ständig abgekapselte lebensweise im mono des ipod-Hörers vermischt? ist er mit einer romantischen

Sehnsucht nach Wald und Wiesen, nach zuviel städtischem Stimmengewitter nach rügen gekommen, um die fische beim Husten zu belauschen,

wie manche das Gras wachsen hören? oder ist es bloß der neue typus eines akustischen narziß, welchem das Wasser nicht mehr sein

Spiegelbild zurückwirft, sondern einen anderen Sinn bedient und ihm den Soundtrack seines lebens vorspielt? eine fernöstliche Weisheit besagt:

Betrachte zehn Jahre lang vom ufer aus den Baum und du wirst wissen, wie der Baum lebt.

peter kröning (*1971) lebt und arbeitet in Berlin. Galerie Stephan Witschi.


yudi noor

tHe door

kircHentor, Beton, Stoff, StaHl

2008

zwei türen,

verbunden,

eine schwarz,

eine weiß,

circa sieben meter vor einem Baum,

imagination der architektur eines tempels.

neben dem Wind,

unter dem Baum,

dankbar atmend,

ein Versprechen hineinflüsternd im einklang mit der antwort auf unsere fragen:

wer wir sind.

text von yudi noor

yudi noor (*1971) lebt und arbeitet in Berlin. Galerie Birgit ostermeier.


SuSanne Starke

frau mit maSke

aluminium GeGoSSen

2008

die nähe zwischen mensch und natur ist ein wiederkehrendes thema in Starkes Schaffen. Häufig sind ihre

figuren Hybriden aus mensch und tier, abkömmlinge weniger der darwinistischen evolution als des mythologischen

Bestiariums von Sirenen, Sphinx und minotaurus, die in unserer Vorstellung immer auf ihrem

besonderen fleckchen natur leben: die Sirenen auf den klippen, die Sphinx am abgrund oder der minotaurus

in seinem labyrinth.

die rügener figur „frau mit maske" auf ihrer kleinen insel gleicht einer Sirene. Wir erinnern uns an odysseus,

wenn wir sie hier im park mit dem floß umschiffen, welches uns über den teich und an ihrer insel

vorbeiträgt. „eine tanzende frau, aus deren körper federn wachsen“, beschreibt Starke ihr rätselhaftes

Geschöpf, sie erzählt von einem Zustand der Verzückung, von ekstase. die maske wird nicht mit täuschender

absicht getragen, sondern stellt etwas vor, zeigt etwas. ihr nackter, gestreckter körper ist in diesem

moment wahrhaftig in seinem ausdruck. Welcher realität entstammt diese darstellung? auch der Bezug

auf Bilder von griechischen dionysosanhängerinnen, in rausch und raserei verfallen, ist nur eine weitere

ebene von ungesicherter erzählung oder fiktion.

dem Betrachter wird die möglichkeit geboten, sich der frau von möglichst vielen perspektiven aus zu

nähern, sowohl ganz konkret von den verschiedenen Blickrichtungen im park, aber auch im Sinne einer

weitläufigen interpretationshaltung.

Susanne Starke (*1973) lebt und arbeitet in Berlin. Galerie Birgit ostermeier.


eynold reynoldS & patrick Jolley

tHe droWninG room

(10 min. 00, S8mm)

2000

eaux d’artifice wird in seinen unterschiedlichen interpretationsmöglichkeiten, über das medium film in ‚the

drowning room’, bespielt. die eindrucksvolle kraft von Wassermasse wird zum träger einer metapher, die

isolation und Gleichgültigkeit der heutigen Gesellschaft ausdrückt.

in ‚the drowning room’ sehen wir eine familie ihrem tagesgeschäft in einem Haus nachgehen, welches

vollständig mit Wasser gefüllt ist. die familienmitglieder in diesem menschlichen unterwasserleben

wollen die bedrückenden umstände nicht bemerken, vielleicht gehen sie nur bedenkenlos damit um. Sie

verfolgen ihre tätigkeiten so gut es geht: mühevoll essen sie unter Wasser fisch, während kleine nahrungspartikel

unkontrollierbar wie plankton um ihr Gesicht im Wasser treiben. Sie lesen durchtränkte Zeitungen

– scheinbar existierend in einem Zustand in dem jeder antrieb aufgehoben ist. nur kurze momente

unterdrückter Verzweiflung kommen zum ausdruck. eine metapher für politischen isolationismus und ein

bewegender einblick auf Verhaltensstrukturen stummer resignation in unserem Zusammenleben.

reynold reynolds lebt und arbeitet in new york und Berlin. coma.


partner

KulturStiftung Rügen

Gefördert im Rahmen des Arbeitsmarkt

und Strukturentwicklungsprogramm

aus Mitteln des Euro ­

päischen Sozialfons und des Landes

Mecklenburg ­ Vorpommern

Gefördert durch das Ministerium für

Bildung, Wissenschaft und Kultur

Mecklenburg – Vorpommern


impreSSum

konZept/text

camilla Wegener, Gabriel

montua, fabia zu knyphausen

produktionSleitunG

alvo zu knyphausen

GeStaltunG

ta-trung

fotoS

Jörg Schaper

druck

primeline.print GmbH

auSSteller

parkkultur rügen e.V.

einSZueinS wurde unterstützt von

Stiftung Schlosspark pansevitz,

ministerium für Bildung, Wissenschaft

und kultur mecklenburg

- Vorpommern, kulturstif-

tung rügen, friedWald, fricke

landtechnik, Horsch, Bohnhorst

argrarhandel, michelin, dr. karl

freiherr von Hahn, Gut kartzitz

ferienvermietung, Weingut Baron

knyphausen, Bionade, primeline,

atr landhandel, Gefördert im

rahmen des arbeitsmarkt und

Strukturentwicklungsprogramm

aus mitteln des europäischen Sozialfons

und des landes mecklenburg

- Vorpommern

Wir danken

annette Gross, Jakob von Bernstorff,

tido von oppeln, prof.

otto-Henning Wegener, Huberta

Gräfin knyphausen, angela kowalewski,

michael lenk, Walter

ultsch, dani neubeck, frank

appelbohm, dirk Hinzmann,

Harmut christener, peter Butenschön,

torsten thees, karsten

Jassmann und anett Schmidt.

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