podium - Report (+) PLUS

report.at

podium - Report (+) PLUS

P R E H O F E R + J O H A N N E S H A H N + R E N E B E N K O + S T E V E J O B S + F E R D I N A N D P I E C H + N I K I L A U D A + H E R M A N N M A I E R + M I C H A E L H A N E K E +

W W W. R E P O R T. AT + S I E G F R I E D W O L F + K A R I K A P S C H + R E G I N A P R E H O F E R + J O H A N N E S H A H N

M e h r w e r t F ü r M a n a g e r

Manager

Märkte

Innovationen

J A C K S O N + B A R A C K O B A M A + W W W. R E P O R T. AT + S I E G F R I E D W O L F + K A R I K A P S C H + R E G I N A

+ R E N E B E N K O + S T E V E J O B S + F E R D I N A N D P I E C H + N I K I L A U D A + H E R M A N N M A I E R + M I C H A E L H A N E K E + C H R I S T O P H WA LT Z + MM M I C H A E L


Wie können wir umwelt-

freundlichere Energie liefern?

Unsere Antwort: Mit Österreichs modernsten Gas- und

Dampfkraftwerken, demnächst auch in Mellach.

Ende 2011 ist es so weit: Verbund-Austrian Thermal Power liefert umweltfreundlichen Strom und Fernwärme für den

Großraum Graz mit dem neuen Siemens Kraftwerk in Mellach. Dank seines sensationellen Gesamtwirkungsgrades von

70% gehört es mit den ebenfalls von Siemens errichteten Kraftwerken in Timelkam und Simmering zu den modernsten

in Österreich. Diese starke Familie von Kraftwerken ist die Antwort auf die Frage, wie sich Energie effizient erzeugen

lässt. Mit innovativer Technologie von Siemens. www.siemens.com/answers

Answers for the environment.


Es gibt keine schlechten

Nachrichten ...

»Offenheit führt zu Glaubwürdigkeit

– besonders in dunklen

Zeiten.«

Dr. Alfons Flatscher,

Herausgeber

Top 12, Manager, Märkte, Innovationen ... zum vierten Mal produzieren wir nun dieses Magazin,

immer im Jänner, immer mit der Absicht, ein Biotop herausragender Leistungen zu

beschreiben.

Während wir in den Jahren zuvor mit Informationen überhäuft wurden, in denen der Superlativ

die beliebteste Berichtsform war, ist es nun ruhiger – fast möchte man sagen: still

– geworden.

Viele Manager sind in Deckung gegangen, nach dem Motto: Keine Nachricht ist eine gute

Nachricht.

Dabei wird Kommunikation als Werbung missverstanden, statt als Chance genutzt zu werden,

Vertrauen aufzubauen und Glaubwürdigkeit dazuzugewinnen.

Natürlich riskiert, wer offen über Schwächen, Fehler und Verluste spricht, Angriffsziel der

Bösmeinenden zu werden. Wer sich trotzdem traut, hat die Chance, zur Legende zu werden.

Niki Lauda etwa verdankt seine enorme Glaubwürdigkeit, die ihm das Publikum zuschreibt,

nicht nur seinen sportlichen und wirtschaftlichen Erfolgen, sondern auch der Art, wie er in

der allerdunkelsten Stunde seines Fliegerlebens kommuniziert hat. Nach dem Absturz der

»Mozart« hat er sich sofort an die Absturzstelle begeben, sich den verzweifelten Angehörigen

der ums Leben Gekommenen gestellt und seinen Schmerz und auch seine Verzweiflung

gezeigt. Das Foto von Lauda inmitten der rauchenden Trümmer seiner Unglücks-Boeing hat

sich im Gedächtnis der Beobachter eingeprägt.

Die aktuelle Wirtschaftskrise fordert Manager ganz besonders als Kommunikatoren. Wenn

das verstanden wird, heißen die Top-Tugenden Offenheit und Ehrlichkeit.

Alfons Flatscher

�� E D I T O R I A L

IMPRESSUM: Her aus ge ber/Chefredakteur: Dr. Al fons Flat scher Chef vom Dienst: Mag. Bernd Affenzeller Re dak ti on: Roland Kanfer, Martin

Szelgrad AutorInnen: Mag. Angela Heissenberger, Werner Ringhofer, Heinz van Saanen, Mag. Rainer Sigl Lay out: Ani ta Flat scher Produktion: Rainer Sigl

Herstellung: Druck Styria Verlagsleitung: Mag. Judith Karasek Me dien in ha ber: Re port Ver lag GmbH & Co KG, Nattergasse 4, 1170 Wien Te le fon: (01) 902 99

Fax: (01) 902 99-37, www.report.at

REPORT PLUS 13-01|2010 3


DIE RZB – IHR PARTNER IM TREASURY

KR Martin Essl,

Vorstandsvorsitzender bauMax AG:

„ Aufgrund der Top-Expertise im Zins- und Währungsmanagement

ist die RZB unser langjähriger Partner.

Als Spezialist in Treasury-Fragen liefert sie uns die

passenden Absicherungsinstrumente für alle Haupt-

aber vor allem CEE-Währungen.“

Bei der Absicherung von Währungs- und

Zinsrisiken bevorzugt die heimische Wirtschaft

die Raiffeisen Zentralbank Österreich

AG (RZB) mit ihren hochwertigen Treasury-

Lösungen. Die Treasury-Experten der RZB

bieten mit ihren detaillierten Kenntnissen

individuelle Lösungen für Unternehmen

aller Branchen.

Gemeinsam mit dem Kunden analysieren

und bewerten sie Risiken und erarbeiten entsprechend

der Markterwartung eine für das

Unternehmen maßgeschneiderte Absicherungslösung.

Die Grundlage des RZB

Risiko management-Ansatzes bilden Termingeschäfte

(Swaps) bzw. Optionsstrategien.

Währungsrisikomanagement

Währungsschwankungen stehen seit langem

auf der Tagesordnung der Märkte. Eine Absicherung

des Währungsexposures schafft

deshalb eine Reduktion der Ergebnisvolatilität.

Die RZB empfi ehlt eine stabile Kalkula-

tionsbasis. Mit einer Absicherung der Exporterlöse

bzw. Importverbindlichkeiten in

sämtlichen Haupt- und vielen Nebenwährungen

können Unternehmen ihren Fokus wieder

auf ihr Kerngeschäft legen.

Zinsrisikomanagement

Jede Krise bietet auch ihre Chancen. Um den

Finanzierungsaufwand von Unternehmen

langfristig zu begrenzen, ist das historisch

niedrige Zinsniveau zurzeit von Nutzen. Die

RZB liefert die passenden Lösungen bei der

Steuerung der Barliquidität, der Optimierung

von Zinserträgen und der Reduzierung von

Zinsaufwendungen in Euro. Mit ihren strukturierten

Lösungen bietet sie eine Kombination

aus Basisprodukten und derivaten

Produkten.

Commodity-Risikomanagement

Aktives Management von Rohstoffrisiken

kommt für alle Unternehmen in Frage,

deren Geschäft durch eine maßgebliche

Rohstoffabhängigkeit gekennzeichnet ist.

Ob in der Zulieferindustrie oder im Transportwesen,

ob Käufer oder Verkäufer –

eine fi xe Kalkulationsbasis schafft Sicherheit

und Planbarkeit. Mit den Treasury-

und Global Markets-Lösungen der RZB

können dabei sowohl Energie (Rohöl und

Rohölprodukte wie etwa Diesel) als auch

Industriemetalle (Aluminium, Kupfer,

Zink oder Nickel) und Edelmetalle abgesichert

werden. Aus Sicht der Unternehmen

entscheiden somit Schwankungen an den

Rohstoffmärkten nicht mehr länger über

den Erfolg von Geschäften.

Das RELATIONSHIP PACKAGE

In bewegten Zeiten macht das RELATIONSHIP

PACKAGE deutlich, wofür der Betreuungsansatz

der RZB immer gestanden hat: die

Nähe zum Kunden und das Wissen um individuelle

Bedürfnisse, gepaart mit einem umfassenden

und maßgeschneiderten Produkt-

und Dienstleistungsangebot. So bündelt die

RZB im RELATIONSHIP PACKAGE bewährte

Produkte, Top-Beratung, aktuelle Prognosen

und Länder- und Marktanalysen

des RZB Research sowie ein

auf den Kunden zugeschnittenes

Info rmationsangebot.


DIE ABSICHERUNG

IHRES WÄHRUNGSRISI

SCHAFFT

WERTE

FÜR IHR UNT ERNEHMEN.

Unser Know-how bei Treasury und Global Markets ist Ihr Erfolgsrezept für die Zukunft. Umfassende

Marktkenntnisse und unsere internationale Marktpräsenz machen uns zu einem kompetenten Partner im

Treasury-Bereich. Fragen Sie unsere Experten nach einer maßgeschneiderten Lösung für Ihr Unternehmen:

Hr. Mag. Joseph Eberle, +43-1-717 07-1487, E-Mail: joseph.eberle@rzb.at, www.rzb.at


6 REPORT PLUS 13-01|2010

Mobile Innovationen 116

Unsichere Zeiten 44

Zankapfel Konjunkturpaket 60

Inhalt

R E P O R T P L U S D A S

U N A B H Ä N G I G E

W I R T S C H A F T S M A G A Z I N

DIE TOP 12

8 Manager. Vom Familienvorstand Kari Kapsch und dem neuen

EU-Kommissar Johannes Hahn über Barack Obama bis zu Regina

Prehofer, Michael Haneke und Christoph Waltz.

56 Themen. Luftfahrtindustrie in Turbulenzen, Konjunkturpakete

und Bonuszahlungen, Politspektakel und Homoehe.

106 Innovationen. Von 3D-Fernsehern und E-Readern über Wireless

Display Interface bis zum Burj Khalifa und urbanem Eskapismus.

FINANZMARKT

10 Privat oder Staat. Zwei Jahrzehnte lang wurde weltweit hurtig

privatisiert. Fast noch hurtiger wurde zuletzt wieder verstaatlicht.

50 Immer flüssig. Liquidität ist oberstes Gebot, um im

Wettbewerb bestehen zu können. Mit Leasing und Factoring

können sich Unternehmen eine gute Startposition sichern.

ENERGIE

26 Heiße Luft. Vom Klimagipfel in Kopenhagen bleibt nicht viel

übrig. Nun müssen regionale Initiativen den Flop ausbügeln.

32 Solare Newcomer. Umweltfreundliche Technologien bieten

Startups neue Marktchancen. Strom aus Photovoltaik für Anleger,

Dünnschicht-Photovoltaikmodule und Solarthermie aus China.

TELEKOM & IT

102 Der neue Arbeitsplatz. IKT-Dienstleister liefern Sprachservices,

Datenleitungen und Hardware im Paket. Wer arbeiten will,

muss nur noch aufs Knopferl drücken.

BAU & IMMOBILIEN

78 Super negativ. Das Jahr 2009 brachte Österreichs Immobilienwirtschaft

weniger Mieter, niedrige Fertigstellungszahlen und einen

Einbruch auf dem Investmentmarkt.


hilfe prompt!

Die Kleinauftragsplattform der Wirtschaftskammer Niederösterreich auf

www.kleinauftrag.at

Eines dieser Probleme kennen Sie bestimmt: Im Badezimmer haben sich drei Fliesen gelöst, an der Wand sind ein paar schmutzige Stellen,

das Vorzimmer benötigt ein kleines, jedoch maßgeschneidertes Schuhkasterl und im Arbeitsraum sollten dringend die Steckdosen

erneuert werden.

Und nun: An wen wende ich mich? Welcher Betrieb erledigt Kleinaufträge sowie schnelle Reparaturen im Handumdrehen und befindet

sich obendrein noch in nächster Nähe?

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Einfach im Internet unter www.kleinauftrag.at die benötigte Branche und Ihren Wohnort eingeben und schon erhalten Sie eine Liste

aller Betriebe in Ihrer Nähe, die solche Arbeiten gerne für Sie übernehmen. Oder lassen Sie sich Ihre individuelle Liste in jeder Bezirksund

Außenstelle der Wirtschaftskammer NÖ ausdrucken.

Gewerbe & Handwerk. Einfach naheliegend.


TOP 12

Persönlichkeiten, die bewegen.

MANAGER

Kari Kapsch

>> Das Familienunternehmen Kapsch hat

Tradition, ein gutes Image und auch im neuen

Jahrtausend das Wohl seiner Mitarbeiter fest

im Griff. Vorstand Kari Kapsch ist ein Firmenchef

der alten, ehrwürdigen Sorte. Jüngst

kaufte Kapsch Firmenteile der insolventen

kanadischen Hightech-Company Nortel zu.

Damit wurde der Telekomausrüster Kapsch

CarrierCom zum Weltmarktführer für den

Zugfunk-Standard GSM-R. Der Markt ist milliardenschwer

– kein schlechter Start ins heurige

Jahr.

Barack Obama

>> Er sollte der große Heilsbringer sein, nicht nur für

die USA, sondern für die ganze Welt. Seine Inauguration

geriet trotz kleinerer Pannen zum Medienspektakel. Er

wollte vieles anders und alles besser als sein Vorgänger

machen. Die Bilanz ist zwiespältig: Seine ehrgeizigen Klimaziele

liegen am Boden, die Schließung Guantanamos

verzögert sich und die außenpolitischen Baustellen

sind noch immer welche. Dafür sind

die USA wieder zu einem verlässlichen

Partner geworden, der Konjunkturmotor

kommt langsam auf Touren und die

Gesundheitsreform ist zumindest im

Ansatz auf Schiene.

Johannes Hahn

>> Weil »Regional« immer ein bisschen nach Provinz

klingt, haben sich einige inhaltlich nicht sehr

sattelfeste Parlamentshinterbänkler schnell einmal

mo- kiert, dass sich die österreichische

Regierung mit einem unwichtigen

Ressort abspeisen lässt.

Tatsache ist, dass Ex-Minister

Johannes Hahn einen

Top-Posten bekommen hat,

zumindest hinsichtlich seines

Budgets. 347 Milliarden

Euro, ein Drittel des

Gesamtbudgets,

hat er von 2007

bis 2013 zur Verfügung.

Und im

Gegensatz zu

manch anderem

Kandidaten hat

sich Gio auch beim

Hearing im EU-Parlament

gut geschlagen.

Michael Jackson

>> Als der King of Pop am 25. Juni 2009

starb, freuten sich Musikproduzenten und T-

Shirt-Verkäufer rund um den Erdball über den

unerwarteten Geldsegen. Außer durch Missbrauchsvorwürfe,

Schönheits-OPs und seinen

exzentrischen Lebensstil hatte der frühere

Kinderstar kaum noch Aufsehen erregt. Die

rund 330 Millionen Dollar Schulden dürften sich

inzwischen erübrigt haben. Seine Alben gehen

wieder weg wie warme Semmeln. Michael Jackson

macht damit Elvis Presley ernsthaft Konkurrenz.

Der verdiente 2008 noch 52 Millionen

Dollar – 31 Jahre nach seinem Tod.

Steve Jobs

>> Darauf kann man sich schon was einbilden.

Steve Jobs wurde zum »Besten

CEO« der Welt nicht gewählt, sondern ernannt.

Denn Basis dieser inoffiziellen Auszeichnung

der Harvard Business Review

sind nicht die subjektiven Befindlichkeiten

diverser Juroren, sondern harte Fakten.

Maßstab ist der wirtschaftliche Erfolg

eines Unternehmens während der Amtszeit

eines CEOs. Und da lässt Jobs seine Konkurrenten

weit hinter sich: Um unglaubliche

3.118 Prozent ist der Marktwert von Apple

seit seiner Rückkehr 1997 gestiegen. Sein

Gehalt hingegen stagniert bei einem Dollar.

Finanzielle Sorgen plagen Jobs dennoch

nicht, er besitzt rund 5,5 Millionen Apple-

Aktien zu je 210 Dollar.


Michael Haneke & Christoph Waltz

>> Was mit der Goldenen Palme in Cannes begonnen

hat, hat in Los Angeles mit den Golden Globes

seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Regisseur

Michael Haneke (»Das weiße Band«) und Schauspieler

Christoph Waltz (»Inglourious Basterds«) räumen

weiter einen Filmpreis nach dem anderen ab und

mausern sich zum erfolgreichsten österreichischen

Hollywood-Export seit Arnold Schwarzenegger. Waltz

ist zudem der große Favorit auf den Nebendarsteller-

Oscar. Haneke werden für den »Besten nicht englischsprachiger

Film« nur Außenseiterchancen eingeräumt,

Top-Favorit ist der Spanier Pedro Al modóvar.

Niki Lauda

>> Eine gewisse Sparsamkeit wurde Niki Lauda

ja schon immer nachgesagt. Dass er nichts

zu verschenken hat, tut er jetzt auch öffentlich

kund. Auch im Business sind von Lauda keine

Präsente zu erwarten, mit der AUA liegt er regelmäßig

im Clinch. Mit besonderer Genugtuung

tanzt er seinen Konkurrenten mit der Niki

Luftfahrt GmbH vor, wie profitabel man eine

Airline führen kann. 2009 verzeichnete Lauda

trotz rückläufigen Flugverkehrs ein sattes

Passagierwachstum von 28,6 Prozent, 2010

will er seine Flotte um 30 Prozent aufstocken

und neue Destinationen anfliegen.

Ferdinand Piëch

>> Ferdinand Piëch, mächtigster Automanager

der Welt, hat es geschafft. Porsche,

jenes Unternehmen, das sein Großvater

geschaffen hat, wird Teil des Volkswagen-

Konzerns, für den sein Großvater einst den

legendären »Käfer« gebaut hat. Dass ursprünglich

Porsche VW hätte übernehmen

sollen, ist Schnee von gestern. Wie sich

der noble Sportwagen künftig unter dem

Volkswagen-Dach einreihen wird, könnte

dagegen zum Lehrbeispiel für angewandte

Fusionskunde geraten.

René Benko

>> Vielleicht war es nur schlechtes Timing, dass

der Baubeginn für Rivergate, das mit 50.000 m 2

Nutzfläche größte Immobiliendevelopment des

Jahres, just auf den Höhepunkt der Krise fiel. Vielleicht

hat René Benko mit der antizyklischen Errichtung

seines Bürogebäudes an der Donau aber

auch den richtigen Riecher gehabt. Die Eröffnung

Ende April könnte jedenfalls zeitgerecht in den

wieder anspringenden Immobilienmarkt fallen. Ein

goldenes Händchen hat der Jungstar aus Tirol in

der Branche schon öfter bewiesen, zuletzt mit dem

Kauf der Bank Austria-Immobilien, zu denen unter

anderem der Meinl am Wiener Graben gehört.

Regina Prehofer

>> In Zeiten der Krise hat sie ein Zeichen gesetzt.

Mit dem »Neue Chance Konto« ermög licht

die Bawag P.S.K.-Chefin sozial und finanziell

schwachen Menschen einen unkomplizierten

Zugang zum alltäglichen Zahlungsverkehr. Ziel

ist, den Teufelskreis aus »Kein Konto, kein Job,

keine Wohnung« zu durchbrechen. Das Konto

ist ein reines Guthabenkonto ohne Überziehungsrahmen,

Bankomat- oder Kreditkarte, um

eine Neuverschuldung zu verhindern. Überweisungen,

Dauer- und Einziehungsaufträge sowie

e-banking sind kostenlos.

Hermann Maier

>> Am 13. Oktober 2009 nahm Österreichs erfolgreichster Skirennläufer Abschied vom weißen Wanderzirkus.

54 Weltcupsiege, Doppelolympiasieger, dreifacher Weltmeister, vierfacher Gesamtweltcupsieger

– unsterblich und weltberühmt wurde der »Herminator« allerdings durch seinen spektakulären Sturz in

Nagano 1998. Für das geglückte Comeback nach dem schweren Motorradunfall 2001 zollten ihm auch

Konkurrenten höchsten Respekt. Seinem Sponsor Raiffeisen kam durch den überraschenden Rücktritt das

wichtigste aktive Testimonial abhanden. Die erfolgreiche Partnerschaft wollen dennoch beide »in anderer

Form« fortsetzen, denn hinter dem Sportler verbirgt sich auch ein ehrgeiziger Geschäftsmann.

Siegfried Wolf

>> Zunächst lief es für Magna, Opel und

Siegfried Wolf gar nicht so schlecht. Aber als

nach Monaten endlich alles ausgehandelt

war, hatten es sich die Herren von General

Motors wieder anders überlegt. Jetzt wird

doch nicht verkauft, dafür werden Manager

ausgetauscht, Werke geschlossen, Mitarbeiter

abgebaut – ein ordentliches Sparprogramm

eben. Magna-CEO Wolf fordert

nun von General Motors bereits investierte

Kosten von 100 Millionen Dollar zurück. Den

russischen Markt hat er auch ohne Opel weiter

im Auge.


�� STA AT & P R I VAT

DAS KREUZ

10 REPORT PLUS 13-01|2010

MIT

PRIVAT UND

STAAT


Zwei Jahrzehnte lang wurde weltweit hurtig privatisiert. Fast noch

hurtiger wurde zuletzt wieder verstaatlicht. Was macht wirklich Sinn

und wie sieht die Bilanz in Österreich aus?

Text: Heinz van Saanen

MANCHMAL sind es Kleinigkeiten,

die Menschen zur Weißglut

treiben. So dürfte es dem renommierten

österreichischen

Schriftsteller Karl-Markus Gauß ergangen

sein. Dass die Post, seit sie teilprivatisiert ist,

in seinem Salzburger Heimatort manchmal

nur mehr einmal die Woche vorbeischaut,

um Briefe zuzustellen, anstatt wie früher

täglich, und dass seine Urgenzen an einer

kostensparenden »modernen Hotline« abprallten,

dürfte Gauß zu viel gewesen sein.

In einer ätzenden Satire zog der Salzburger

wortgewaltig über die »Segnungen« der

Privatisierung her. Spätgeborene konfrontiert

er mit der »bizarren Vorstellung«, dass

die Post einmal nicht dazu da gewesen war,

Aktionären Gewinne zu bescheren, sondern

um Briefe und Pakete zuzustellen oder die

Telefoninfrastruktur aufrechtzuerhalten.

Sein Fett bekommt auch Willi Molterer ab.

Gauß attestiert diesem gar »einen vor religiösem

Eifer flackernden Blick«, als Molterer

im ORF vor drei Jahren eine weitere Privatisierung

der Post forderte – und liefert seine

persönliche Diagnose ab. Das sei eine Form

von »heiligem Irresein«, der »Furor von österreichischen

Fundamentalisten, die die

Welt privatisieren wollen«, auch wenn alles

darüber in Scherben gehe. Selbst einen alten

Gassenhauer deklinierte der grantige

Schriftsteller: Wer nichts ist und wer nichts

kann, saniert die Post und Eisenbahn. Das ist

ziemlich ätzend.

Aber welche Rolle muss ein Staat tatsächlich

spielen, welche soll er noch spielen? Und

wo liegt die vernünftige Balance zwischen

Privat und Staat? Eine einfache Frage, über

die jedoch seit Jahrzehnten gegrübelt und gestritten

wird. Eine Antwort steht aus. Gegrübelt

und gestritten wird wohl noch ein paar

Jahrzehnte. Fest steht, dass die Krise die Diskussion

erneut befeuert hat. Wer vor ein paar

Jahren ernsthaft prophezeit hätte, dass selbst

in den USA, dem Mutterland des Kapitalis-

DISKUTIERT WURDE DAS THEMA SCHON LANGE,

aber erst Finanzminister Josef Pröll

brachte den Mut auf, Klartext zu

reden: Die Nationalbank soll zur

Gänze verstaatlicht werden. Der

Vorstoß hat Charme. Die Kritik,

dass sich private Nationalbank-Miteigentümer

quasi selbst kontrollieren,

wäre damit vom Tisch.

mus, Banken, Versicherungen und Industriebetriebe

verstaatlicht werden, wäre als Wirrkopf

ausgelacht worden. Heute sind Bürger

und Steuerzahler rund um den Globus stolze

Mitbesitzer von maroden Pleitebetrieben.

Billig war das »Investment« nicht. Ein kleiner

Auszug aus der Bilanz des Schreckens:

Die amerikanische Notenbank pumpte

knapp 140 Milliarden Dollar in den Kreditversicherer

AIG, die Regierung noch einmal

150. Dafür gibt es knapp 80 Prozent von

Anteilen an einem Unternehmen, dass mit

61,7 Milliarden Dollar den größten Quartalsverlust

aller Zeiten eingefahren hat. Auch

kein Schnäppchen war der Erwerb des abgewrackten

Autoherstellers General Motors.

Nachdem die milliardenschweren Staatshilfen

schneller verbrannt waren, als man nach-

��

STA AT & P R I VAT

schießen konnte, folgte die finale Verstaatlichung

einer Insolvenzleiche.

>> Präsent vom Christkind > Ein besonders hartes und teures Pflaster

für Privatisierungen dürfte der Bahnverkehr

sein – vor allem für Steuerzahler und Bahnkunden.

Als negatives Musterbeispiel gilt

die englische Staatsbahn. In Heilserwartung

wurde die »British Rail« unter der »Eisernen

Lady« Maggie Thatcher und Nachfolger Gordon

Brown günstig an Private verscherbelt. Ein paar

Jahre später waren diese um geschätzte zehn

Milliarden Pfund reicher, an die Privaten wurde

gleichzeitig mehr gezahlt als jemals zuvor in

der Geschichte der Staatsbahn – und das Bahnsystem

war komplett am Ende. Die Infrastruktur

verlotterte, wer das »Glück« hatte, nach

stunden- oder gar tagelangen Wartezeiten

einen Zug zu kriegen, musste sich fürchten,

aus der nächsten Kurve zu fliegen. Selbst die

geduldigen Briten waren nah am Volksaufstand.

Und durften die bankrotte Privatbahn

wieder zurückkaufen. Seither stieg nicht nur

die Sicherheit wieder auf europäisches Niveau,

sondern auch die Fahrgastzahlen um knapp 50

Prozent. Nach dem gleichen Strickmuster durften

auch die neuseeländischen Steuerzahler

gleich mehrfach bluten. Nach der Privatisierung

Anfang der 90er waren die Zustände Mitte

2008 derartig desolat, dass selbst das liberale

und privatisierungsfreundliche Neuseeland

auf die Notbremse stieg und re-verstaatlichte.

Die Steuerzahler dürften leicht sauer sein: Der

privaten »Toll Holdings« wurde dafür, dass sie

das Bahnsystem der Insel grandios abgewrackt

hatte, noch einmal 336 Millionen Euro in den

Rachen geschoben.

REPORT PLUS 13-01|2010 11


��

STA AT & P R I VAT

c Royal Bank of Scotland freuen dürfen.

Dafür gibt es aber auch jede Menge Thrill

und Nervenkitzel: In den Eingeweiden der

Bank schlummern Ramschpapiere im Nennwert

von geschätzten 325 Milliarden Pfund.

Dem Deutschen Michel wiederum gehört

die Mehrheit an der Bankleiche Hypo Real

Estate, die nach einem Zuschuss von 87 Milliarden

Euro im Oktober letzten Jahres teilverstaatlicht

wurde. Ein paar Wochen später

gab’s gleich die nächste Finanzspritze von

drei Milliarden, damit der Neuerwerb nicht

augenblicklich kollabiert. Bis nächstes Jahr

werden wohl weitere sieben Milliarden nachgeschossen

werden. Die Deutschen sind entgeistert

– um das Geld hätte man statt einem

Bankenzombie auch eine Good Bank bekommen

oder die traurigen Hartz-IV-Sätze ein

paar Jährchen lang auffetten können. Schadenfreude

ist nicht angebracht: Die Kommunalkredit

gehört den Österreicher schon

seit 2008 – 1,5 Milliarden Euro im Wind. Im

Dezember, quasi als Christkindl, durften

die Österreicher mit der Kärntner Hypo Alpe

Adria ein weiteres Schätzchen erwerben.

Was den Bürgern die anrüchige Bankenklitsche

am Ende des Tages kosten wird, steht in

den Sternen. Dass Analysten den Finanzbedarf

bereits nach oben korrigiert haben, ist

kein gutes Omen.

Dafür bekommen die Österreicher aber

GELUNGENE PRIVATISIERUNG. Die voestalpine zählt heute zu den Top-Performern

der Wiener Börse.

auch Krimispannung und großes Theater. >> Der nächste Schlag > Der Geschichte der Staatsbetriebe beginnt als bei den Privaten. Dann folgten Lähmung

schon vor der Stunde Null der Republik – und war und Niedergang, beschleunigt durch Krisen und

quasi aus der Not geboren. Via Verstaatlichungs- gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Wandel.

gesetzen wollten ÖVP und SPÖ Schlüsselunter- Als Musterprivatisierung darf die voestalpine

nehmen dem Zugriff der sowjetischen Besatzer gelten, die seit 1995 zu den Top-Performern der

entziehen, gleichzeitig sollten mögliche Fragen Wiener Börse zählt. Mitte der 90er wurden die

über mögliches »deutsches Eigentum« erst Staatspost in die PTA AG transformiert und so

gar nicht entstehen. Hand in Hand mit den Ver- die Weichen für eine nicht unumstrittene, aber

staatlichungen ging der Proporz. Verstaatlichte durchaus erfolgreiche Teilprivatisierung von

und Proporz dominierten die Republik auf Jahr- Post und Telekom gestellt. Völlig verschlafen

zehnte und sorgten nicht nur für Stabilität und wurde die Entwicklung bei der AUA: Die ehema-

Prosperität, sondern auch für endlose politische lige »Visitenkarte« Österreichs wurde 2008 not-

und personelle Querelen. Bis in die frühen 80er- verkauft – unter massivem Zuschuss von Steu-

Jahre waren die Umsatz- und Wertschöpfungsergeld. Als zukünftiger Privatisierungskandidat

steigerungen des Verstaatlichtensektors höher wird die Cargo-Schiene der ÖBB gehandelt.

12 REPORT PLUS 13-01|2010


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��

STA AT & P R I VAT

INTERVIEW

Über Sinn und Unsinn

von Privatisierungen

Infrastrukturministerin Doris Bures ist seit Dezember 2008 im

Amt. Die Karriere der Sozialdemokratin führte sie vom Bezirksrat

in Wien-Liesing über den dortigen Vorsitz der Bezirksfrauen bis in den

Nationalrat und in die Bundesregierung. Im aktuellen Regierungsprogramm

haben Verkehr, Innovation und Technologie einen zentralen

Stellenwert.

DORIS BURES. »Das

klassische Beispiel

einer verfehlten

Privatisierung

ist der Verkauf der

BUWOG.«

(+) PLUS: In der Krise wurden weltweit

Banken notverstaatlicht und ganze Industriesektoren

aufgefangen. Ist das schon eine

Abkehr von den Privatisierungswellen

der letzten zwei Jahrzehnte?

Bures: Ich siehe diese Fragen pragmatisch

und unideologisch. Bei den vergangenen

Privatisierungen hat man jedoch gesehen,

dass es Dienstleister gibt, die nachher nicht

gerade erfolgreicher sind. Man erinnere

sich nur an das Desaster, das die Privatisierung

der englischen Bahn ausgelöst hat.

(+) PLUS: Apropos Bahn: Es wird gemunkelt,

dass die Cargo-Sparte der ÖBB

für einen Verkauf vorbereitet wird. Wie ist

der Stand der Dinge?

Bures: Das steht nicht im Regierungsübereinkommen

und wird diese Legislaturperiode

sicher nicht kommen. Worum

es geht, ist, sich strategische Partner zu suchen.

Der Güterverkehr steht schon lange

in Konkurrenz mit Privaten und muss

wettbewerbsfähig sein. Aber da liegen die

ÖBB ohnehin sehr gut. Wir haben EU-weit

den höchsten Anteil des Güterverkehrs auf

der Schiene.

(+) PLUS: Der Rechnungshof hat in der

Vergangenheit die Aufteilung der Bahn ve-

14 REPORT PLUS 13-01|2010

hement kritisiert. Letztes Jahr wurden die

Infrastrukturgesellschaften wieder zusammengelegt.

Weiß man heute eigentlich, was

alle diese Umbauten und Rückbauten den

Steuerzahler bisher wirklich gekostet haben?

Bures: Nein, aber wenig war es nicht. Die

Zerschlagung der ÖBB war eine Postenbeschaffungsaktion.

Man denke nur an die

Managerinflation, bei der es darum ging,

Parteigänger in Positionen zu hieven. Und

es ging auch um eine Schwächung und

Zerschlagung der Gewerkschaft.

(+) PLUS: Wo liegen die Grenzen einer

sinnvollen Privatisierung?

Bures: Ein klassisches Beispiel einer völlig

verfehlten Privatisierung ist etwa der

BUWOG-Verkauf. Hier hat man einen Teil

des allgemeinen sozialen Wohlstands vernichtet,

begleitet von Geldflüssen an einzelne

Personen. Langfristig gesehen ist das

Wahnsinn.

Bei der Post- und Telekom-Privatisierung

war ein Schönheitsfehler, dass man

tausende Menschen in Frühpension geschickt

hat, um die Börsenfantasie der

Analysten zu beflügeln. Jetzt wundert man

sich, warum die Pensionszahlungen so

hoch sind.

c kommt, dass die OeNB wegen verschlafener

Bankenkontrolle ohnehin in der Kritik

steht. Ob Prölls Vorhaben durchgeht, ist

offen. Wirtschaftskammerpräsident Christoph

Leitl oder Raiffeisen zieren sich. Die

Industriellenvereinigung – die IV hält zwei

Prozent der Anteile – signalisierte hingegen

Zustimmung. »Eine Vollverstaatlichung der

OeNB würde eine Angleichung an internationale

Standards bedeuten und ist prinzipiell

durchaus akzeptabel«, sagt IV-Generalsekretär

Markus Beyrer. Notenbanken waren bis

zum Zweiten Weltkrieg oft in privater Hand,

wurden aber danach wie die Bank of England

oder die Banque de France verstaatlicht. Die

amerikanische FED ist ein »Mischwesen«

und teils privat, teils staatlich strukturiert.

Die Notverstaatlichungen rund um den Globus

belebten die Diskussion um die »wahren«

Aufgaben eines Staates neu.

Speziell konservative und neoliberale

Kreise tun sich mit der Entwicklung – gelinde

gesagt – schwer, zumal es, sieht man von

»Spezialfällen« wie vielleicht Nordkorea oder

Kuba ab, nicht einmal mehr Linke gibt, die in

Verstaatlichung das Allheilmittel sehen. Wie

schwer, konnte man in stramm rechtskonservativen

und einflussreichen US-Blogs wie

etwa americanthinker.com verfolgen. Bereits

bei den ersten Staatshilfen wankte das Weltbild,

die Verstaatlichung von GM & Co war

nur mehr Teufelswerk. Konsequenz kann

man dem Hardcore-Republikaner nicht

absprechen. Wäre es nach ihnen gegangen,

hätte man keinen Dollar Staatshilfe locker

gemacht und marode Unternehmen in den

Konkurs geschickt. Gott, Markt und Darwinismus

hätten das schon irgendwie geregelt,

ein Eingriff in diese heiligen Mechanismen

sei ohnehin nur Frevel. Dass man sich ein

privates Gesundheitssystem leistet, das das

teuerste und ineffizienteste der Welt ist, will

zum Leidwesen Barack Obamas nicht einmal

in den Köpfen des Durchschnittsamerikaners

landen. Egal, wie die Fakten aussehen,

egal, dass 50 Millionen Amerikaner nicht

krankenversichert sind: Nach jüngsten Erhe-

SPIEL AUF ZEIT. In dieser Legislaturperiode

wird es zu keinem

Teilverkauf der ÖBB kommen.


PRÖLLS IDEE DER TOTALVERSTAATLICHUNG der Nationalbank kann

auch die Industriellenvereinigung etwas abgewinnen.

»Eine Vollverstaatlichung der OeNB würde eine Angleichung

an internationale Standards bedeuten und

ist prinzipiell durchaus akzeptabel«, sagt IV-Generalsekretär

Markus Beyrer.

bungen glauben rund 65 Prozent der Bevölkerung, dass ihr Gesundheitssystem

ohnehin das beste des Universums sei.

>> Licht und Schatten


�� I N T E RV I EW

Gebot der Stunde

Roland Jabkowski, Geschäftsführer Bundesrechenzentrum,

über die Trends im E-Government: Effizienzsteigerungen in der Verwaltung,

mehr Transparenz und Gestaltungsmöglichkeiten für die Bürger.

Von Martin Szelgrad

OBWOHL der heimische Abdeckungsgrad

von Verwaltungsservices

durch elektronische Medien

seit Jahren europaweit an der Spitze

liegt, gibt es in zwei Bereichen noch Verbesserungspotenzial:

bei der tatsächlichen

Nutzung der Services sowie bei erzielten

Effizienzsteigerungen in der Verwaltung. Im

16 REPORT PLUS 13-01|2010

VORDERSTE FRONT. Roland

Jabkowski werkt an den

Schnittstellen der modernen

Verwaltung.

Gespräch mit Report (+) Plus meint Roland

Jabkowski, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters

Bundesrechenzentrum (BRZ), die

richtigen Antworten darauf zu haben.

(+) PLUS: Österreich ist bei der Umsetzung

von E-Government-Services stets an

vorderster Stelle zu finden. Welche Entwick-

ZUM UNTERNEHMEN

>> Das Bundesrechenzentrum (BRZ) ist der

IT-Dienstleister des Bundes und eine hundertprozentige

Tochter der Republik. Gegründet im

Jahr 1997, verfügt die BRZ GmbH über eines der

größten Rechenzentren Österreichs und hat

heute 1.200 Mitarbeiter.

INFO: www.brz.gv.at

lungen kommen dazu in den nächsten Jahren

auf uns zu?

Roland Jabkowski: Heute sind bereits Anwendungen

wie help.gv.at oder FinanzOnline

für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen

eine unerlässliche Hilfe, ebenso

wie das zentrale Melderegister oder die

eCard. Die Bedeutung von E-Government

in Österreich zeigt sich unter anderem an

den aktuellen Verwaltungsreformprojekten

der Bundesregierung. Im September 2009

wurden 32 Umsetzungsmaßnahmen vorgestellt.

Sie sind in erster Linie Organisationsprojekte.

Der optimale Einsatz von IT ist

dabei aber ein kritischer Erfolgsfaktor. Dies

ist also eine große Chance für die IT und den

IT-Dienstleister der Bundesverwaltung – das

BRZ.

Auch das im Jänner gestartete Unternehmensserviceportal

ist ein Teil dieser breiten

Initiative. Das Portal wurde vom Bundesrechenzentrum

im Auftrag des Finanzministers

eingerichtet und wird nun betrieben. Es

wird den Aufwand, den die Wirtschaft mit

der Verwaltung hat, drastisch reduzieren. Vizekanzler

Josef Pröll beabsichtigt, die Kosten

der Wirtschaft, die im Zusammenhang mit

der Verwaltung anfallen, um mehr als eine

Milliarde Euro zu reduzieren. Ein beträchtlicher

Teil davon – ein dreistelliger Millionenbetrag

– soll mit diesem Portal eingespart

werden können. Es gibt 230 Mio. Informationsverpflichtungen,

zu welchen die österreichische

Wirtschaft jährlich angehalten ist.

Diese sollen künftig einfacher elektronisch

abgewickelt werden können.

Das Gebot der Stunde ist, Effizienz zu erhöhen

und Kosten zu sparen. Gesunkene

Steuereinnahmen und die Kosten durch

Konjunkturpakete reduzieren auch Ausgaben

unserer Kunden für IT in der Verwaltung.

Eine Antwort auf die damit verbundenen

Herausforderungen ist die konsequente

Umsetzung des Shared-Service-Modells

auch in der IT. Zur Erhöhung der Nutzung

der Services soll die Einrichtung von One-

Stop-Shops forciert werden. Hierbei geht es

um einen zentralen Zugang für alle Verfahren.

Für den Nutzer dieses One-Stop-Shops

sollte irrelevant sein, welche Technologie da-


hintersteckt und welche Behörden für seine

Angelegenheiten gerade zuständig sind. Bei

einer Änderung eines Firmennamens müssen

dann nicht mehr mehrere Stellen aufgesucht

werden. Weiters können Daten wie

zum Beispiel eine Bilanz direkt aus der jeweiligen

Unternehmenssoftware in dieses System

einfließen. Wenn ich heute beispielsweise

ein Dienstleistungsunternehmen gründe,

interessiert mich nur eins: der Bescheid,

dass ich es gründen kann – keineswegs aber,

welche unterschiedlichen Behörden in diese

Entscheidung involviert sind.

(+) PLUS: Wenn man sich die Liste der

Verwaltungsprojekte ansieht, die heuer in

Österreich ausgeschrieben werden – liefert

sich das BRZ nun ein hartes Gefecht mit dem

Mitbewerb?

Jabkowski: Nein – im Gegenteil. Die Rolle

des Bundesrechenzentrums ist, die Synergiepotenziale

im Bund zu nutzen und möglichst

viel Projektvolumen auch an die Wirtschaft

weiterzugeben. Zwei Drittel unseres Umsatzes

werden an Subunternehmen geleitet.

Die Kernkompetenzen bleiben bei uns im

Haus. Damit agieren wir wie jeder andere

große IT-Dienstleister am Markt.

(+) PLUS: Wie sieht die Investitionslust

der Ressorts in IT generell aus? Kämpfen Sie

mit sinkenden Einnahmen?

Jabkowski: Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen

sind überall gefragt.

Durch gemeinsame Initiativen mit den Kunden

wie etwa den konsequenten Einsatz von

IT-Shared-Services werden aber auch wieder

Mittel für Innovationen und neue Projekte

frei. Die Rolle der IT muss auch im Zusammenhang

mit einem wirtschaftspolitischen

Lenkungseffekt gesehen werden. Wie man

heute weiß, hatte die Verschrottungsprämie

einen massiven Effekt auf die Wirtschaftsentwicklung.

30.000 Anträge zur Unterstützung

bei einem Neuwagenkauf wurden in

kürzester Zeit abgewickelt. Hätte man hier

keine IT gehabt, um das gesamte Verfahren

von der Antragsstellung bis zu Prämienauszahlung

abzuwickeln, hätte die Abwicklung

aller Anträge länger gedauert. Mit der Anwendung,

die auf FinanzOnline bereitgestellt

war, konnte noch am Tag der Antragstellung

das Geld überwiesen werden. Hier

hat man gesehen, wie die IT die Wirtschaft

per se unterstützen kann.

Dieses Projekt zeigt also ein verantwortungsvolles

Vorgehen der Politik, indem in

die richtigen Werkzeuge investiert wird, um

Kosten einzusparen und gleichzeitig die Servicequalität

zu erhöhen. Durch Preissen-

kungen bei den laufenden IT-Kosten hat das

BRZ dem Bund mehr als 25 Mio. Euro in den

letzten drei Jahren eingespart. Einige Vorschläge

aus unserem Haus haben sich auch

in den Projekten der Verwaltungsreform

wiedergefunden.

(+) PLUS: Im vergangenen Jahr wurde mit

den Hochschülerschaftswahlen von Ihnen

auch ein besonders heißes Projekt angegriffen:

E-Voting. Hier war man unterschiedlichsten

Anfeindungen ausgesetzt, bis hin zu

Web-Attacken auf die Server.

ÖH-WAHLEN. Pionierarbeit des BRZ

trotz Kritik bei E-Voting-Projekt.

Jabkowski: Das BRZ hat den Auftrag des

Wissenschaftsministeriums erfüllt. Aus der

Sicht der IT war der E-Voting-Pilot mit den

ÖH-Wahlen ein voller Erfolg. Bewiesen wurde

die Möglichkeit, ein komplexes Wahlverfahren

durch die Mittel der Informationstechnologie

unterstützen und auch abbilden

zu können. Über 200 Wahlbeobachter aus

aller Welt waren bei uns im Haus. In technischen

Maßstäben kann man die elektronische

Stimmabgabe bei der vergangenen

Hochschülerschaftswahl als geglückt bezeichnen.

Natürlich gibt es rechtliche und

auch politische Fragestellungen, die dazu geklärt

werden müssen. Klar ist aber heute bereits

das Potenzial solcher neuen, einfachen

Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung.

ONE-STOP-SHOP

>> Bürger und Unternehmen wünschen

sich beim Kontakt mit den Behörden zur

Erledigung eines Anliegens eine einzelne Interaktion,

die aber im Hintergrund eine ganze

Reihe von weiteren Prozessen auslösen kann.

Dieser Kontakt mit der Behörde wird durch

den »One-Stop-Shop« ermöglicht. Das Ziel

von One-Stop-Shops ist es, einfach und medienbruchfrei

mit der Behörde zu interagieren.

Besondere Kenntnisse über Verwaltungsabläufe

und Zuständigkeiten sind dabei nicht

notwendig.

�� �� �� I N T E RV I EW

(+) PLUS: Wie wird E-Government in Zukunft

aussehen? Welche Strömungen sehen

Sie hier, etwa in Sachen Bürgerbeteiligung?

Jabkowski: Ich sehe hier das Web 2.0 als

spannende Geschichte. Wir erleben nun eine

Zeit der Social Networks, die einen Paradigmenwechsel

in der menschlichen

Kommunikation bilden. Diese neue Art

der elektronischen Kommunikation ist eine

Medienrevolution, die mittlerweile mit

der Erfindung der Druckerpresse oder Telekommunikation

gleichgesetzt wird. Es

gibt nun erste Ansätze für diese neuen Wege

auch in der Verwaltung. So wurde etwa in

den USA zur Erhöhung der Transparenz und

des Vertrauens des Bürgers zu seiner Verwaltung

eine Plattform ins Leben gerufen. Auf

recovery.gov können die Nutzer laufende Investitionen

der Verwaltung samt Detaildaten

abrufen. Sie ermöglicht der Bevölkerung ein

detailliertes Monitoring der hunderte Milliarden

Dollar schweren Konjunkturpakete.

Und zum Thema Partizipation wird aktuell

Bürgern in Deutschland ermöglicht, direkt

mit ihrer Bundeskanzlerin per E-Mail

in Kontakt zu treten. Die Stadt Köln wiederum

erlaubt ihren Bürgern im Netz aktiv eine

Mitbestimmung über die Verwendung der

Budgetmittel. In Österreich rief die Bundesregierung

die Jugend in einem Beteiligungsverfahren

auf, für sie relevante Themen online

einzubringen und zu bewerten. Die Ergebnisse

wurden auf help.gv.at umgesetzt.

Diese Fokussierung auf einzelne Nutzergruppen

wird in Zukunft maßgeblich zum

Erfolg von E-Government beitragen. Ebenso

wie in der Wirtschaft die Unternehmen ihre

Kunden gezielt ansprechen müssen, wird

dies auch in der Verwaltung passieren. Ein

einziges Serviceschema über alle zu legen,

hat sich in der Vergangenheit nicht bewährt.

Auch die Unternehmen wollen gebündelt Informationen

– etwa Termine für Fälligkeiten,

die eben nur für bestimmte Branchen und

Berufsgruppen relevant sind. ■

ZENTRALES PORTAL

>> Am 1. Jänner erfolgte der Start des

zentralen Unternehmensserviceportals

usp.gv.at. Ziel ist, einen zentralen One-Stop-

Shop für die Wirtschaft zu schaffen. Das USP

bietet derzeit an zentraler Stelle Informationen

zu Behördenverfahren im Zusammenhang mit

einer unternehmerischen Tätigkeit. Bis 2013 soll

das Portal vollständig aktiv sein. Behördliche

Wege können dann für Unternehmen einfacher

und vollständig online erledigt werden.

LINK: www.usp.gv.at

REPORT PLUS 13-01|2010 17


Teil 1

WAS HABEN WI

GELERNT?

Die große Report-Umfrage

Nichts wird nach der Krise jemals wieder so sein wie vorher, waren viele Experten

überzeugt. Aber was hat sich im Wirtschaftsleben wirklich geändert, was

haben wir aus den letzten Monaten gelernt? Report(+)PLUS hat prominente Köpfe

aus Politik und und Wirtschaft Wirtschaft zu den langfristigen Auswirkungen der Krise befragt.

Regulierung der Finanzmärkte

Werner Faymann, Bundeskanzler

>> Es gibt einige Signale der Wirtschaftsforscher, die uns optimistisch

stimmen, die Hoffnung machen, die auf eine Stabilisierung

der wirtschaftlichen Lage im heurigen Jahr hindeuten. Aber noch ist

die Krise nicht überstanden. Denn die Zahl der Arbeitslosen steigt

nach wie vor. Bevor die Arbeitslosigkeit nicht wieder zurückgeht, ist

die Krise nicht vorbei. Die Bundesregierung wird also weiterhin alles

dahingehend unternehmen, dass für die Menschen in Österreich

ausreichend Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, dass mit Zukunftsinvestitionen

in Umwelt, Bildung, Forschung und Soziales wieder

nachhaltiges Wachstum und dadurch neue, zukunftssichere Jobs geschaffen

werden. Denn – und auch das haben wir aus der Krise gelernt

– der Wohlstand eines Landes entscheidet sich nicht dadurch, dass an

den Börsen die Aktienkurse steigen und die Kapitalgewinne fließen.

Der Wohlstand eines Landes wird auch dadurch definiert, dass alle

Bewohnerinnen und Bewohner des Landes gleichermaßen davon profitieren.

Gezeigt hat sich weiters, dass die Finanzmärkte neu reguliert

werden müssen, dass die Einführung einer Finanztransaktionssteuer

ein Gebot der Stunde ist. Diese Einsicht hat sich auch schon beim Großteil

der europäischen Staatschefs durchgesetzt, das hat der jüngste

Europäische Rat gezeigt. Vor gar nicht allzu langer Zeit war ich mit

meinem Drängen in diese Richtung als österreichischer Bundeskanzler

noch so gut wie alleine. Doch es zeigt sich: Gerade in der Krise muss

man jene Politik, von der man überzeugt ist, dass sie die richtige ist,

beharrlicher denn je verfolgen.«

18 REPORT PLUS 13-01|2010

+ +

+ +

+

+

+

+

+


IR

Brauchen ambitionierten

Werte- und Systemwandel

Reinhold Mitterlehner, Wirtschaftsminister

>> Dank der rasch umgesetzten und richtig dosierten Konjunkturpakete

ist die Krisenbewältigung in Österreich weit besser gelungen als in

anderen Ländern. Im Jahr 2010 geht es darum, die immer positiver werdenden

Signale zu verstärken, um ein qualifiziertes, sich selbst tragendes

Wachstum zu schaffen. Klar ist: Damit Österreich gestärkt aus der Rezes-

sion hervorgeht, müssen in allen Bereichen auch die Chancen der Krise

zur Neuaufstellung genutzt werden. Zuversichtlich stimmt mich, dass

viele Unternehmen den notwendigen Strukturwandel bereits im extrem

schwierigen Jahr 2009 offensiv angegangen sind, zunehmend auf neue

Exportmärkte und Produkte setzen sowie ihre Innovationstätigkeiten

verstärken. Allerdings muss der oft geforderte Werte- und Systemwandel

besonders auf internationaler Ebene ambitionierter umgesetzt werden,

damit langfristig die richtigen Lehren aus der Krise gezogen werden. So

sollte etwa eine starke europäische Finanzmarktaufsicht dafür sorgen,

dass die geltenden Marktspielregeln nicht nur weiterentwickelt, sondern

auch besser kontrolliert werden.«

+

REPORT PLUS 13-01|2010 19


+ + Chance vertan

Peter Filzmaier, Politikwissenschafter und

Leiter des Departments Politische

Kommunikation an der Donau-Universität Krems

+

>>Es wäre naiv, eine Zwischenbilanz der Wirtschaftskrise auf die Volkswirtschaft

zu beschränken. In vielen Gesellschaftsbereichen gibt es Aus-

+

wirkungen, die mindestens ebenso tiefgreifend sind. So haben etwa in

allen Wahlen 2009 unabhängig von der Parteipräferenz rund zwei Drittel

der Wähler das Arbeitsplatzthema als vorrangig betrachtet. Nur ein Viertel

Die Renaissance der Politik

glaubte jedoch an eine Lösungskompetenz der jeweils eigenen

und soeben gewählten (!) Partei. Vertrauenskrise

Herbert Buchinger, AMS Vorstandsvorsitzender

und Ohnmachtgefühle der Politik haben sich also

dramatisch verschärft. Auch stand das tagesaktuelle

Krisenmanagement der Wirtschaft zu sehr im

Vordergrund. So sind sich alle einig, dass langfristig

eine bessere Bildung die Lösung wäre. Doch trotz

Hörsaalbesetzungen und plakativen Forderungen

nach mehr Geld wurde von

keinem politischen Akteur ein wirklich

umfassendes Konzept vom Kindergarten

bis zum lebenslangen Lernen vorgelegt.

Sämtliche Chancen, die Krise

zu einer umfassenden Föderalismusund

Verwaltungsreform zu nutzen,

+

blieben sowieso ungenutzt.«

+

Starker Einbruch ab 2012

+

>> Am besten hat es wohl der europaweit bekannte luxemburgische

Ministerpräsident Jean-Claude Juncker auf den Punkt gebracht: ›Regierungen

werden wieder gebraucht!‹ Während vor der Krise ein naives Vertrauen

in die Fähigkeit von Top-Managern vorgeherrscht hat, aus Stroh

Gold zu spinnen, vertraut man heute wieder mehr in die Fähigkeiten von

Politikern, solidarische und kooperative Lösungen zu organisieren. Noch

nicht ganz durch ist die Erkenntnis, was denn die eigentliche strukturelle

Ursache für die Krise war. Spekulation, Schuldenmachen … das greift ein

wenig zu kurz. Warum müssen die einen Schulden machen, um alltägliche

Bedürfnisse nach Wohnen und Mobilität zu befriedigen, während die anderen

nur in immer riskanteren Geschäften noch eine Veranlagungsmöglichkeit

für ihre gesparten und nicht verbrauchten Einkommen finden? Anhand

dieser Fragestellung werden wir wohl in den nächsten Jahren noch einige

Lektionen zu lernen haben, haben, bevor wir mit einiger Sicherheit sagen sagen können,

dass uns so etwas etwas wie wie die Krise 2008/2009 auf absehbare Zeit Zeit nicht mehr

passieren wird.«.

Hans Peter Haselsteiner,

Strabag Vorstandsvorsitzender

>> Die Finanz- und Wirtschaftskrise erschwerte den Zugang zu Krediten,

sodass in der gesamten Bauwirtschaft laufende Projekte langsamer fertiggestellt

und aussichtsreiche Projekte im privaten Sektor verschoben

oder storniert wurden. Mithilfe von EU-Fördergeldern und Staatsausgaben

wollen die Regierungen nun öffentliche Infrastrukturprojekte forcieren, um

Ethisches Handeln ist gefragt

den Rückgang der Nachfrage des privaten Sektors auszugleichen. Wir habenben

bereits jene ersten ersten Aufträge erhalten, die die den staatlichen KonjunkturKonjunktur- Brigitte Ederer,

Vorstandsvorsitzende Siemens AG Österreich

programmenprogrammen zuzurechnen sind. Doch wir

rechnen damit, damit, dass sich die Preissituation

durch den stärkeren Wettbewerb

>> Arbeitslosigkeit, Bankenpleiten und staatliche Hilfspakete haben in um öffentliche Aufträge verschlech-

den letzten Monaten zum Alltag im Wirtschaftsleben gehört. Um die Situtern wird. Zudem dürfte das Ausbleiben

ation wieder in den Griff zu bekommen, müssen wir die Krise als Chance der der staatlichen Infrastrukturaufträge

für unsere Wirtschaft begreifen. Wirtschaftsethisches Denken und Handeln ab dem Jahr 2012 zu einem starken starken Ein-

darf keine Ausnahme sein, sondern muss in den Köpfen der Entscheidungsbruch der Leistung der der europäischen

europäischen

trägerInnen und ManagerInnen selbstverständlich verankert sein. Trans- Bauwirtschaft führen. Daher

parenz und Nachhaltigkeit sind wichtige Faktoren, um wieder Vertrauen bemühen wir uns stärker

in unser Wirtschaftssystem herzustellen und das Augenmerk wieder auf als als bisher bisher auch auch um um AufträAufträ- realwirtschaftlichen Erfolg zu lenken. Innovation und Investition in F&E sind ge in außereuropäischen

die Schlüssel zum weltweiten Aufschwung. Das sind wünschenswerte

+

Kon- Märkten, bei bei denen hohes hohes

sequenzen der Weltwirtschaftskrise! Siemens Österreich setzt auch und technologisches KnowKnow- gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Zeiten auf Innovation und seine F&E- how gefragt ist und

Stärken. Vor Vor allem das Umweltportfolio spielt eine immer wichtigere Rolle bessere Margen erzielt

– damit damit ebnen wir wir den Weg aus der der Krise und und eröffnen neue neue Chancen.« werden.«

20 REPORT PLUS 13-01|2010

++


+Effizienzsteigerung Effizienzsteigerung und Flexibilität Flexibilität+

Wolfgang Keiner,

Geschäftsführer Festo Österreich

>> Das letzte Jahr hat deutlich gezeigt: Flexibilität punktet – das ist

mit ein Grund, warum viele kleinere Unternehmen von der Krise weniger

betroffen sind, manche sogar gerade jetzt reüssieren. Unabhängig von

+

der Unternehmensgröße werden künftig verstärkt jene Anbieter die Nase

vorn haben, die flexibel agieren. Das gilt für ihre Services ebenso wie für

ihr Lösungsangebot. Gefragt sind Produktinnovationen, die höchstmög-

Wachstum ist nicht selbstverständlich liche Flexibilität erlauben. Ein weiteres beherrschendes Thema war die

Henrik Herr,

Leiter Credit Suisse Private Banking Österreich

Effizienzsteigerung. Unternehmen haben ihre verschiedenen Bereiche

und Prozessschritte nachhaltig durchleuchtet. Viele Firmen schöpfen

jetzt erst das Potenzial optimierter Lagerhaltung aus und reduzieren ihre

Lagerbestände. Für uns als Partner des Maschinenbaus bedeutet das

>> Die Krise hat einer ganzen Generation bewusst gemacht, dass Wachs-

kürzestmögliche projektbezogene Lieferzeiten. In einer

+

Zeit extremer

tum keine Selbstverständlichkeit ist. Auch wenn die schlimmsten Szenarien

Wirtschaftszyklen verlangt das von Lieferanten besonderes Fingerspit-

nicht eingetreten sind, ist ein Sinneswandel notwendig und spürbar. Bezengefühl

bei bei ihrer kurz- und mittelfristigen Planung, denn FertigungskaFertigungskaständigkeit

ist und bleibt ein zentraler Wert im Wirtschaftsleben. Vor allem

pazitäten lassen sich gegenwärtig kaum längerfristig planen.«

im Bankenbereich geht es jetzt darum, guten Service und Betreuung zu

bieten. Deshalb werden wir uns noch mehr Zeit für unsere Kunden nehmen +

und die Frequenz der Beratergespräche weiter erhöhen. Durch die umfassende

Erklärung von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen wollen wir

Orientierung bieten und Investmentideen transparent und nachvollziehbar

machen. Im Hinblick auf die langfristigen Konsequenzen der Krise gehen

wir für 2010 von einer anhaltenden Erholung der Weltwirtschaft aus. Dazu

ist eine gesunde Entwicklung der globalen Geldpolitik wichtig. Die Regie-

rungen und Notenbanken sind gefordert, konjunkturstützende Maßnahmen

fortzusetzen. fortzusetzen. Langfristig sehen wir wir bei Emerging Markets weiterhin ein höhöheres Wachstumspotenzial als bei traditionellen Industrieländern.«

Industrieländern.«+ +

rungen und Notenbanken sind gefordert, konjunkturstützende Maßnahmen

fortzusetzen. Langfristig sehen wir bei Emerging Markets weiterhin ein höheres

Wachstumspotenzial als bei traditionellen Industrieländern.«

Müssen jetzt die Weichen stellen Spürbarer Wertewandel

Petra Jenner,

Sophie Karmasin,

+

Geschäftsführerin Microsoft

+

Österreich

Geschäftsführerin Karmasin Motivforschung

>>Mir scheint,

dass wir im >> In verschiedenen, von Karmasin Motivforschung durchgeführ-

letzten Jahr gelernt haben, ten Studien zeigt sich ein deutlicher Wertewandel, der der seit März 2009

dass es im Wirtschaftsleben anhält und sich im November 2009 noch verstärkt. So gewinnen gewinnen

nicht immer nur zweistellig Werte wie Sicherheit, Verantwortung, Vertrauen, Optimismus,

nach oben geht. Für mich ist Solidarität und Leistung zunehmend an Bedeutung. Aber auch

aufgrund meiner langjäh- Innovation, Bewusstsein, Bewusstsein, Zuhause, Partnerschaftlichkeit, Partnerschaftlichkeit, Veränrigen

internationalen Erfahderung, Wettbewerb Wettbewerb und und Liebe sind stark im Kommen. Kommen. Es zeigt

rung klar, dass Unternehmen sich somit, somit, dass die Wirtschaftskrise zu einem einem anhaltenden

anhaltenden

gerade jetzt die Weichen Wertewandel in in unserer Gesellschaft führt. Faktoren wie

dafür stellen können, dass Luxus, Verschwendung, Shopping und und Macht Macht ver-

sie im nächsten Aufschwung lieren demzufolge an Bedeutung. Bedeutung. Top-Werte

überdurchschnittlichen der der Zukunft sieht die Bevölkerung im im

Erfolg haben werden. Vor- Bereich Bereich Recycling, Energie, Technik, Inausschauende

Firmenlenker formation und Mobilität. Ethischer Kon-

können die konjunkturelle sum ist für 65 % der ÖsterreicherInnen

Abkühlung und die ersten Zeitrotz oder gerade aufgrund der Krise Krise

+

chen der Erholung als Chance bereits ein Begriff und immerhin 26 %

nutzen: Restrukturierung und konsumieren konsumieren auch auch ethisch. ethisch. Das Das Bekenntnis Bekenntnis

Wachstumskurs müssen paral- zu Nachhaltigkeit Nachhaltigkeit und die die ethische Haltung eines eines

lel verfolgt werden. Dazu bedarf es neben der kurzfristigen

+

wirtschaft- wirtschaft- Unternehmens werden werden daher neben dem reinen reinen

lichen Exzellenz auch einer langfristigen Ausrichtung des Unternehmens. Produkt- und Leistungsversprechen Leistungsversprechen eines Unter-

Besonders wichtig ist es, neue Wege der Mitarbeiterkommunikation und nehmens also immer immer wichtiger. Dazu gehört auch

–führung zu gehen und die Innovationskraft des Unternehmens stetig zu der der Wunsch nach österreichischen, regionalen

verbessern.«

und ökologischen Produkten.«

REPORT PLUS 13-01|2010 21


Auswirkungen der Krise werden anhalten In Bildung investieren

Michael Krammer, CEO Orange

>> Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass Bäume nicht in den

Himmel wachsen. Die Auswirkungen der Krise in der Finanzwirtschaft

und damit rückkoppelnd auf die Realwirtschaft werden noch längere Zeit

andauern. Gleichzeitig haben die letzten Monate auch gezeigt, dass die

Grundsätze der Betriebswirtschaft nach wie vor ihre Gültigkeit haben. Peter

Druckers Theorie, dass es im Management um Effektivität, Professionalität

und Verantwortung gegenüber der Gesellschaft geht, sind aktueller

denn je. Als optimistisch denkender Mensch bin ich von der Möglichkeit

positiver Veränderungen überzeugt. Dies erfordert eine entsprechende

Lebenseinstellung und Verantwortungsbewusstsein. Man muss sein Tun

und Handeln ständig kritisch hinterfragen. Veränderungen entstehen im

Kleinen – es liegt an jedem Einzelnen, die Zukunft nachhaltig positiv zu

Brauchen echte Spielregeln

Martin Leitl,

Präsident der Austrian Cooperative Research ACR

+

+ + +

Monika Kircher-Kohl,

CEO Infi neon Technologies Austria AG

>> Auftragsschwankungen sind in der Halbleiterbranche nichts Neues,

wir agieren in einem sehr zyklischen Weltmarkt. Reaktionsgeschwindigkeit

und Flexibilität, das heißt Effizienz über die Zyklen hinweg, haben

nicht nur in Zeiten der Krise höchste Priorität. Für die Zukunft ist es notwendig,

immer wieder selbstkritisch Zwischenbilanz zu ziehen und die

Frage zu stellen: ›Was müssen wir anders machen, um auch in fünf Jahren

noch erfolgreich zu sein?‹ Jahre des Aufschwungs müssen genutzt

werden, um eine krisenfeste Strategie zu erarbeiten und schwierige Veränderungsthemen

auf die Agenda zu setzen. Nur durch rechtzeitiges

Investieren in Forschungsthemen der Zukunft kann der Aufschwung

gesichert werden. Klar ist auch geworden: Die Krise beschleunigt den

+ +

gestalten. Was Orange betrifft, so haben wir bereits im Dezember 2008 auf Strukturwandel. Jobs, für die geringe Qualifikation notwendig ist, fallen

betriebsbedingte Kündigungen Kündigungen verzichtet. Während den Mitarbeitern der noch schneller und und dauerhaft weg. Deshalb gilt gilt es, vehement in Bildung

Rücken Rücken gestärkt wurde, konnten diese sich auf ihre Jobs Jobs und und damit auf unun- und Höherqualifizierung zu investieren – seitens der Unternehmungen,

sere Kunden konzentrieren. Diese Strategie hat sich als richtig erwiesen.« aber auch der der Politik für den Standort Österreich!«

+ +

Hausverstand einsetzen

Wolfgang Anzengruber,

Verbund-Vorstandsvorsitzender

>> Unbestritten haben Auswüchse der Finanzwirtschaft zur Wirt- >> Bäume wachsen nicht unendlich in den Himmel und Blasen sind gerne

schaftskrise geführt, aber die Realwirtschaft leidet heute am meisten dar- aufs Platzen programmiert. Überhitztes Wachstum, Gier nach überzogenen

unter. Während viele Banken nach massiver staatlicher Hilfe bereits wieder Gewinnen und Wirtschaften bzw. Leben auf Pump ohne Ende sind keine Zu-

große Gewinne machen und die Börsen zulegen, haben sich die Randbedintaten für eine gesunde Konjunkturentwicklung. Wir müssen wieder lernen,

gungen für die Realwirtschaft gravierend verschärft. In Österreich hat sich unseren Hausverstand einzusetzen und nicht auf Kosten unserer Kinder,

auch wieder deutlich gezeigt, wie wichtig KMU gerade in Krisenzeiten sind: Enkel und Urenkel zu leben. Wir müssen Produkte und Dienstleistungen

Ihr langfristig ausgerichtetes Denken und ihre Innovationskraft machen sie schaffen, die der Konsument auch durchschauen kann, die mit Ressourcen

zu einem nicht zu unterschätzenden Stabilitätsfaktor und zum sprichwört- wie Rohstoffen und Energie sorgsam umgehen. Gleichzeitig dürfen wir jetzt

lichen Rückgrat unserer Wirtschaft. Lehre aus der Krise müsste sein, dass nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern sollten mit optimistischer

unsere traditionelle Wirtschaft sinnvoller und nachhaltig erfolgreicher ist Bodenhaftung die Chancen der jetzigen Situation erkennen

+

und nützen.

als spekulativer Finanzkapitalismus. Da in der Wirtschaft die Risken aber, Neben der forcierten Nutzung heimischer Wasserkraft für die Stromerzeu-

nicht von den Gewinnern, sondern von uns allen getragen getragen werden +gung müssen, gung und Investitionen in intelligente Netze ist auch der Wechsel von der

wären als Konsequenz einerseits einerseits in der Finanzwirtschaft entsprechende fossilen Verbrennung im Individualverkehr zur Elektro-Mobilität ein Bei- Bei-

Spielregeln zu fordern und andererseits die die reale Wirtschaft zu fördern.« spiel dafür. Das ist eine große Chance für Wirtschaft und Klima.«

... Fortsetzung auf Seite 88

22 REPORT PLUS 13-01|2010


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»Verschlankung geschafft«

Leo Windtner, Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich,

über das schwierigste Jahr seiner Amtszeit, seine Kraftwerkspläne

und Probleme mit den Ökostromzuschlägen.

(+) PLUS: Wie zufrieden sind Sie mit

dem Jahr 2009?

Leo Windtner: Das Geschäftsjahr

2008/2009 war das schwierigste

unter meiner Vorsitzführung,

weil wir an mehreren Fronten

zugleich den totalen Markteinbruch

hinnehmen mussten. Besonders

im Stromgeschäft haben

wir bei den Großkunden Rückgänge

von im Schnitt 20 Prozent

zu verzeichnen gehabt. Wir mussten

die zu hohen Hochkonjunkturpreisen

beschafften Mengen zu

absolut niedrigen Preisen im Spotmarkt

unterbringen, der Vertrieb

hat daher rote Zahlen geschrieben.

Einen ebenso dramatischen Preisverfall

mussten wir im Entsorgungsgeschäft

zur Kenntnis nehmen. Der Altpapiermarkt

ist innerhalb von

zwei, drei Monaten von 95

Von Roland Kanfer

Euro pro Tonne auf zehn bis 15 Euro eingebrochen.

Da hat es uns an allen Fronten

erwischt. Wir haben aber sofort geschaltet

und Kostenmanagement und Kostensenkungsprogramme

implementiert und

mit einer Reorganisation der Holding eine

Verschlankung geschafft.

(+) PLUS: Die Preiseinbrüche beim

Strom waren hauptverantwortlich für den

Rückgang im Ertrag. Wie geht es da weiter?

Windtner: In den ersten drei Monaten

des neuen Geschäftsjahres ist weiter eine

Stagnation festzustellen. Allerdings sehen

wir, dass wir über den Sommer hinaus das

Niveau des Vorjahres erreichen werden.

Das ist keine echte Entlastung, aber aus Erfahrung

hoffen wir auf eine überproportionale

Entwicklung, wenn die Konjunktur

anspringt.

(+) PLUS: Wie sieht es in den anderen

Energiebereichen aus?

Windtner: Wärme und Gas haben sich

auf bescheidenem Niveau relativ gut gehalten.

Da hat uns einerseits der starke Winter

geholfen, andererseits hat sich die Rücknahmeverpflichtung

gegenüber Großkunden

im Gasbereich nicht so dramatisch

ausgewirkt wie im Strombereich.

(+) PLUS: Liegt das an der Vertragsgestaltung

und wird sich da etwas ändern?

Windtner: Mit der im Strombereich üblichen

Beschaffung wurde viele Jahre lang

zugunsten der Kunden eingekauft, weil das

Preisniveau meistens steigend war. Mit der

Inversion der Preisentwicklung hat sich die

Beschaffungssystematik verschärft. Wir

haben jetzt in Richtung Portfoliobewirtschaftung

umgestellt, Großkunden kön-

WINDTNER: »Schwierigstes Jahr meiner

Amtsführung.«


nen die Mengen direkt abrufen. Damit kann

das Risiko eingegrenzt werden.

(+) PLUS: Haben das die Kunden akzeptiert?

Windtner: Wir haben mit unseren Kunden

ein sehr gutes Verhältnis. Sie haben auch goutiert,

dass wir uns in der schwierigen Situation

des Vorjahres vertragskonform verhalten

haben. Die Rücknahmen haben uns enorm

belastet und die Kunden entlastet, daher akzeptieren

sie das Portfoliobewirtschaftungssystem.

(+) PLUS: Im vergangenen Jahr sind Sie

in Osteuropa mit der Wasserversorgung ins

Umweltgeschäft eingestiegen. Wie hat sich

das entwickelt?

Windtner: Der Wassermarkt in Tschechien

hat sich gut entwickelt, die Margen sind nicht

überbordend, aber in einer konstanten Aufwärtsentwicklung.

Wir haben dort wenig Ri-

siko, weil wir die Anlagen nur betreiben, die

Assets bleiben im Eigentum der Kommunen.

(+) PLUS: Planen Sie weitere Markterschließungen

in diesem Bereich?

Windtner: Nach diesem schwierigen Jahr, in

dem wir trotz allem das drittbeste Ergebnis

unserer Geschichte geschafft haben, wollen

wir uns konsolidieren. Das geht nur, wenn wir

die Kostenmanagementprogramme weiter

durchziehen. Was wir nicht tun, ist, in neue

Märkte zu gehen. Wir sind neben Tschechien,

Slowakei und Ungarn im Abwasserbereich

auch in Rumänien, Ukraine, in Deutschland

und Südtirol. In diesen Ländern ist noch einiges

Potenzial.

(+) PLUS: Sie haben sich immer für einen

Ausbau der Wasserkraft stark gemacht. Wie

geht es da weiter?

Windtner: Wir konnten im Rahmen des

neuen Regierungsprogramms unsere Wünsche

und Projektabsichten verankern. Wir

werden versuchen, die bestehenden Laufwasserkraftwerksprojekte

wie Bad Goisern oder

Stadl-Paura zu realisieren und allenfalls neue

zu beginnen. Auch bei den Pumpspeicherkraftwerken

wollen wir in den nächsten Jahren

ein bis zwei Projekte in Angriff nehmen,

die Relevanz haben für die Versorgungssicherheit

Oberösterreichs. Wir müssen schau-

en, bei der zunehmenden Einspeisung von

Wind und Photovoltaik die Auspufferung aus

eigenen Kräften schaffen zu können.

(+) PLUS: Welche Projekte hat die Energie

AG noch in der Pipeline?

Windtner: In Angriff nehmen wollen wir

einen Ersatz für das kalorische Steinkohlekraftwerk

Riedersbach, dort planen wir eine

Gas- und Dampfanlage mit 400 Megawatt.

In Ried wird das Geothermiekraftwerk kommen,

das ist ohne Zweifel Zukunftstechnologie.

Ich gehe davon aus, dass wir heuer alle

Genehmigungen dafür bekommen und das

Projekt heuer oder nächstes Jahr umsetzen.

Wir haben auch einige Infrastrukturprogramme,

die zwingend sind. Entscheidend

für die Versorgungssicherheit ist aber das

Verkabelungsprogramm im Niederspannungsbereich.

Damit ersparen wir uns Kosten

und unseren Kunden Ausfälle, wenn die

Unbilden der Witterung zuschlagen.

»neuen technologien muss mit berechtigten Unterstützungen

auf die sprünge geholfen werden, das

können aber keine Dauersubventionen sein.«

(+) PLUS: Die Energie AG hat ein Smart-

Metering-Projekt laufen. Welche Ausbaupläne

gibt es in diesem Bereich?

Windtner: Bis 2012 wollen wir den Rollout

auf 100.000 Zähler schaffen, dann ist ein

Viertel unserer Zähler auf die neue Generation

umgestellt. In weiterer Folge soll bis 2015

ganz Oberösterreich umgestellt werden. Informationszentrum

für Smart Metering wird

Eberstalzell sein, wo wir die größte Photovoltaikanlage

Österreichs bauen. Die Anlage mit

einem Megawatt soll heuer im Sommer fertig

werden.

(+) PLUS: Wie beurteilen Sie die neuen

Einspeisetarife für Ökostrom?

Windtner: Da ist das totale Catch-as-catchcan

ausgebrochen. Jeder versucht, aus seiner

Position gegen das neue Ökostromgesetz zu

argumentieren. Wir müssen versuchen, neuen

Technologien auch von staatlicher Seite

mit Unterstützungen auf die Sprünge zu helfen,

aber das können keine Dauersubventionen

sein, auf Sicht muss auch die Marktfähigkeit

gegeben sein. Im Moment haben wir

das Problem, dass die Systeme bei den niedrigen

Energiepreisen schwer im Markt unterzubringen

sind. Ich bin aber überzeugt, dass

sich das in den nächsten zwei, drei Jahren verändern

wird und damit die Frage der Ökostromzuschläge

abgefedert wird.

�� �� I N T E RV I EW

(+) PLUS: Diese Zuschläge sorgen immer

wieder für Irritationen.

Windtner: Da fällt uns die unangenehme

Aufgabe zu, Verrechnungsstelle sein zu müssen,

und die Kunden glauben, die Zuschläge

kämen von uns. Wir wünschen uns daher

eine Rechnung, die die Kosten für Energie,

Netz sowie Steuern und Zuschläge klar aufschlüsselt.

Da muss man gemeinsam eine

Vereinfachung erreichen und nicht dauernd

die Schuld zwischen den Energieversorgern

und den Behörden hin- und herschieben.

(+) PLUS: Warum hat die Energie AG

die Cross-Border-Leasingverträge für das

Stromnetz vergangenes Jahr aufgelöst?

Windtner: Im Zuge der Finanzmarktkrise

im letzten Jahr waren die Cross-Border-

Leasingverträge mit dem Untergang großer

Institute in den USA und der Gefährdung

von AIG zum Teil bedroht. Da hat man diese

Verträge in den Aufsichtsräten anders bewertet.

Aus der Auflösung sind uns immerhin

58 Millionen geblieben, wir haben also

einen sehr guten Ausstieg geschafft. Dieser

Ausstieg war erklärter Eigentümerwille. Die

Kraftwerkstransaktion ist noch aufrecht, der

US-Partner Potomac sieht keine Veranlassung,

diesen Vertrag aufzulösen. Wir haben

die bestmögliche Absicherung getroffen, daher

wäre ein Ausstieg aus betriebswirtschaftlicher

Sicht nicht zu forcieren. ■

DATEN & FAKTEN

>> Der oberösterreichische Energieversorger

Energie AG konnte im Geschäftsjahr

2008/09, das mit September zu Ende ging, seinen

Umsatz um knapp 19 % auf 1,806 Milliarden

Euro steigern. Das Umsatzplus resultiert unter

anderem aus der Übernahme der OÖ Ferngas

AG und der Ausweitung des Stromeigenhandels.

Das Betriebsergebnis (Ebit) ist um 35,6 %

auf 105,5 Millionen Euro zurückgegangen. Als

Grund werden der Rückgang der Stromnachfrage

im Industriekundenbereich von 17 %

sowie der Preisverfall am Entsorgungsmarkt im

Bereich Altpapier und Altmetall genannt. Der

Gesamtumsatz im Bereich Energie machte 1,38

Milliarden aus. In den Bereichen Wärme, Wasser

und Erdgas konnte die Energie AG Umsatz und

Ergebnis hingegen über dem geplanten Niveau

halten.

>> Die Energie AG OÖ steht zu 52,6 % im Besitz

des Landes Oberösterreich. Knapp 14 %

hält die Raiffeisen-Landesbank OÖ, 10 % die Linz

AG. Der Rest verteilt sich auf andere Energieversorger

sowie oberösterreichische Unternehmen.

REPORT PLUS 13-01|2010 25


�� KO P EN H AG EN

HEISSE LUFT

Vom Klimagipfel in Kopenhagen bleibt nicht viel

übrig. Nachdem sich die Staaten zu keinen verbindlichen

Emissionszielen durchringen konnten, wird auf lokaler

und regionaler Ebene versucht, den verfahrenen

Karren wieder flott zu bekommen.

Von Roland Kanfer

BEFÜRCHTET HABEN ES VIELE, das

Nicht-Ergebnis hat dann dennoch

für große Enttäuschung gesorgt:

Der UN-Weltklimagipfel von Kopenhagen

hat außer einer unverbindlichen

Absichtserklärung und einer Finanzierungszusage

an die Entwicklungsländer nicht viel

gebracht. Anstatt wie geplant eine Nachfolgevereinbarung

für das Kyoto-Protokoll zu

beschließen, das die CO2-Emissionen der

Staaten vertraglich bindend festlegt, werden

26 REPORT PLUS 13-01|2010

die Industriestaaten ebenso wie die Entwicklungsländer

bis Anfang Februar ihre Emissionsziele

bis zum Jahr 2020 bekanntgeben.

Das Ziel, die globalen Emissionen zu reduzieren

und die Erderwärmung auf zwei

Grad zu begrenzen, wie es in der Vereinbarung

heißt, gab es schon vor Beginn der Tagung.

Überprüft werden kann es nicht. Vor

allem China, aber auch Indien hatte sich mit

Erfolg gegen internationale Kontrollen quergelegt.

Dementsprechend lobte das offizielle

China das Ergebnis der Konferenz als »Neuanfang«.

Denn es wurde lediglich festgelegt,

dass Schwellenländer ihre Maßnahmen alle

zwei Jahre überprüfen und die Ergebnisse

an die UNO weiterleiten. Dafür bekommen

sie in den nächsten drei Jahren insgesamt 30

Milliarden US-Dollar von den Industriestaaten,

um damit den Klimaschutz voranzubringen

und Klimafolgen zu bekämpfen.

Ab 2020 sollen dann jährlich 100 Millionen

fließen.

>> Ablenkungsmanöver


Weich und

nicht hautreizend

>> Krise der Politik > Schwarzer Tag für Klima


�� KO P EN H AG EN

müssen«. Auch der österreichische Umweltminister

Nikolaus Berlakovich übte harsche

Kritik am Ausgang des UNO-Gipfels. Es sei

»ein schwarzer Tag für den Klimaschutz«,

meinte er. Viele Länder hätten den Klimaschutz

für ihr politisches Spiel missbraucht.

Nun sei die UNO gefordert, Vertrauen zwischen

den Staaten aufzubauen. Die Aufforderung,

weiterzumachen, sei ein schwaches

Resultat, kritisierte Berlakovich.

Gerichtet ist diese Kritik unter anderem

an die Internationale Energieagentur (IEA).

Diese hatte das Ergebnis der Klimakonferenz

als »Leitlinie für den nächsten Schritt

in Richtung rechtlich verbindlicher Übereinkunft

zum Klimawandel« begrüßt. Die

Übereinkunft würde ein klares Ziel zur Reduktion

der Erderwärmung auf zwei Grad

und zur Begrenzung des CO2-Ausstoßes

vorgeben, meint die IEA.

Allerdings, so räumt auch die IEA ein,

zeigen die Verpflichtungen der Staaten zur

Eindämmung ihrer Emissionen, dass das 2-

Grad-Ziel nicht erreicht werden könne. Sie

BAYR, SPÖ: »Mexiko die letzte Chance

auf Kyoto-Nachfolgeprotokoll.«

hat deshalb in ihrem World Energy Outlook

2009 Richtlinien zur Erreichung dieses Ziels

vorgegeben, die sie im ersten Halbjahr 2010

mit den Staaten evaluieren möchte. Die Energieagentur

werde in den Bereichen Energieeffizienz,

in der Forschung sowie beim

CO2-Emissionshandel eng mit den Staaten

zusammenarbeiten, verspricht die IEA.

Da hat sie sich einiges vorgenommen. Denn

die angebotenen Reduktionsziele der einzelnen

Staaten liegen global aufsummiert

zwischen sechs und 14 Prozent. Tatsächlich

ist eine Reduktion der CO2-Emissionen in

den Industrienationen von 40 Prozent bis

2020 erforderlich, um eine Erwärmung der

Atmosphäre um mehr als zwei Grad zu verhindern.

Das Freikaufen von Emissionsreduktionen

durch Klimaschutzprojekte in

Entwicklungsländern wird deshalb von Umweltorganisationen

und Politikern als fragwürdig

kritisiert.

28 REPORT PLUS 13-01|2010

KRITIK DER UMWELTORGANISATIONEN: »Politik blamiert sich mit Scheinabkommen.«

>> Regionale Selbsthilfe > 2008 emittierte Österreich

insgesamt 86,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.

»Vom angestrebten Kyoto-Ziel liegt

Österreich damit in absoluten Zahlen 17,9 Millionen

Tonnen entfernt. Im Vergleich zum Jahr

2007 ist das zwar ein leichter Abwärtstrend,

Kyoto erreicht man aber nicht«, kommentierte

Umweltminister Nikolaus Berlakovich

(ÖVP) die Treibhausgasbilanz. Rechne man

den Zukauf von Verschmutzungsrechten und

Maßnahmen wie Aufforstungen ab, bleibe ein

Loch von 6,9 Millionen Tonnen zur Zielerreichung.

Kritik der Umweltorganisationen an der

Klimapolitik der Regierung lässt nicht auf sich

warten: »Blamabel« nennt die Bilanz Greenpeace.

Da sich die EU bereits in der Kyoto-Phase

befindet, koste jede überschüssige Tonne

CO2 Geld, so die Organisation. Dieser Zukauf

von Verschmutzungsrechten sei der falsche

Weg, kritisiert Global 2000: Wenig Klimaschutz

werde mit viel Steuergeld erkauft, ohne langfristige

Wirkung und ohne dass Österreich vom

Zukunftsmarkt Klimaschutz profitiere.


DIE NUTZUNG der Wasserkraft hat

in Österreich eine lange Tradition.

Ein weiterer Ausbau war

hierzulande aber jahrelang nicht

wirtschaftlich. Jetzt haben sich die Rahmenbedingungen

geändert und daher gibt

es auch wieder zahlreiche neue Projekte.

Darüber hinaus ist Wasserkraft derzeit die

einzige erneuerbare Energieform, die es ermöglicht,

Strom großtechnisch zu erzeugen

und zu Marktpreisen zu liefern.

Zwei weitere Faktoren sprechen für den

weiteren Ausbau der Wasserkraft: erstens die

CO2-Problematik und zweitens die volkswirtschaftliche

Komponente. Wasserkraft

ist unsere größte Chance zur Absenkung der

CO2-Emissionen und ermöglicht außerdem

die höchste inländische Wertschöpfung von

allen Energieformen.

>> Wasser als ausgleichendes Element > Verbesserte Technologien >


KAMPF UM BUSINESS-KUNDEN

Kurzstreckenflüge sind out. Da sind sich ÖBB und ihr neuer Konkurrent Hans Peter Haselsteiner einig.

Wie das Match zwischen Privat und Staat aussieht, was die Business-Kunden davon haben.

Text: Heinz van Saanen

DIE INFORMATION war trocken. Zu trocken,

um den Sprung in die Mainstream-Medien

zu schaffen. Das dritte »EU-Bahngesetzpaket«

stellt seit 1. Jänner die Weichen für eine

weitere Liberalisierung im europäischen

Zugverkehr. Maßnahmen wie die Öffnung

der Bahnnetze für grenzüberschreitenden

Passagierverkehr oder ein einheitlicher EU-

Lokführerschein sollen Interoperabilitätsbarrieren

beseitigen und die Attraktivität

der Bahn insgesamt steigern. Weitere Trippelschritte

auf dem endlos langen Weg zur

Liberalisierung, den Brüssel vor nunmehr

19 Jahren eingeschlagen hat.

Der heimische Bahnmarkt ist bereits heute

bunter denn je. Bei Rail-Regulator Schienen-Control

GmbH sind derzeit knapp 40

Unternehmen gelistet, die den ÖBB Kon-

30 REPORT PLUS 13-01|2010

DER RAILJET ist die »Wunderwaffe« der ÖBB gegen private

Bahnkonkurrenz – und gegen Kurzstreckenflüge.

ÖBB-PERSONENVERKEHRSCHEFIN GABI LUTTER

sieht die neue Konkurrenz relativ

locker. Sie verbesserte nicht nur das

hauseigene Railjet-Angebot, sondern

expandiert selbst ins Ausland.

kurrenz machen. Der Wettbewerb spielt sich

im Wesentlichen bei Ganzzugstransporten

und Werksverkehren ab. Zumindest der

Wettbewerb, den die ÖBB auch richtig spüren.

LogServ und CargoServ, zwei Spin-offs

aus dem Stall der Voest, wickeln werkseigene

Inlandsverkehre für Eisenerz oder Kalk

ab und organisieren Gütertransporte nach

Deutschland oder Italien.

Dass der potente Industriekunde Voest

auch gleich noch zum Mitbewerber mutiert

ist, »tut richtig weh«, wie ein ÖBB-Manager


unter der Hand einmal bekannte. Im Personenverkehr

sind die Claims der ÖBB noch

weitgehend abgesteckt. Die Frage ist, wie

lange noch. Denn mit dem Bauindustriellen

Hans Peter Haselsteiner und dem Ex-ÖBB-

Personenverkehrsboss Stefan Wehinger steht

ein starkes Team in den Startlöchern, das ab

Dezember nächsten Jahres den ÖBB auch im

Personenverkehr einheizen will. Haselsteiner

und Wehinger ließen nichts anbrennen.

Der Ex-ÖBB-Vorstand wartete lediglich die

Schamfrist bis zum Auslaufen seines Konsulentenvertrages

ab, den er nach seinem Abgang

bei der Bundesbahn noch abdiente.

>> Vollgas > Benefit für Business-Kunden


solare Newcom

Innovationen mit der Kraft der Sonne: Auf dem Gebiet der Solarenergie tut sich viel Neues.

Ertrag durch die Sonne

Umweltfreundliche Technologien bieten Startup-Unternehmen

neue Marktchancen. Das spanisch-österreichische Unternehmen

Marschalek Solar etwa verwandelt Strom aus Photovoltaik in

Renditen für Anleger.

GewinnbrinGend. Beteiligung am Solarpark

auf Mallorca.

erneuerbare energie ist das Thema

der Zukunft. Ob Biomasse, Wind,

Geothermie oder Photovoltaik

– die neuen Technologien stehen

im Wettstreit um eine umweltfreundliche,

emissionsarme Zukunft, die auf Energie

nicht verzichten kann, aber mit den Ressourcen

schonend umgehen muss.

Dabei muss es bei der Geschäftsidee gar

nicht darum gehen, eine neue Technologie

zu entwickeln. Oft können innovative Technologien

innovative Unternehmer zu neuartigen

Geschäftsmodellen inspirieren. Wie

das österreichisch-spanische Unternehmen

Marschalek Solar. 2006 entstand die Idee,

Investoren, die sich nicht mit Dingen wie

Mietrechtsgesetz oder mit lästigen Mietern

herumschlagen wollten, die Möglichkeit

zu geben, ihr Geld dennoch in ethisch einwandfreie

Produkte anlegen zu können. So

begann der Immobilienfachmann Friedrich

32 RepoRt pLus 13-01|2010

Bauer mit der Entwicklung von Projekten im

Bereich Photovoltaik in Spanien, einem Eldorado,

was die Förderungen für Solarstrom

betrifft. Es gilt ein gesetzlich festgesetzter

Einspeisetarif für Photovoltaikstrom, der

bei bestehenden Anlagen 47 Cent pro Kilowattstunde

auf 25 Jahre ausmacht. Die Energieversorgungsunternehmen

sind zur Abnahme

des Stroms verpflichtet.

>> Sonne statt Wertpapier > Solarfonds


er

Spannung

hauchdünn

Dünnschichtmodule sind die Zukunftshoffnung

in der Photovoltaik. In Baden-Württemberg wurde

sie zur Industriereife gebracht.

Flexibel. Photovoltaikmodul für Autos oder Gebäude.

Dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung

Baden-Württemberg (ZSW) ist es gelungen, ein

voll funktionstüchtiges flexibles Dünnschicht-Solarmodul

auf einer 0,5 Millimeter dünnen Baustahlfolie

herzustellen. Das knapp 50 Quadratzentimeter große Minimodul

aus Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid (CIGS) wurde in einem industrienahen

Prozess hergestellt und erreichte bei einem externen

Prüfinstitut 8,6 % Wirkungsgrad. Die neue Technik eröffnet den

Weg zu flexiblen Anwendungen auf Stahlfolie oder Stahlblech etwa

für den mobilen Bereich oder an Gebäuden. »Baustahl ist kostengünstiger

als Edelstahl oder Polyimidfolien. Damit ist das Kostensenkungspotenzial

für Anwendungen deutlich größer als bisher«,

beschreibt Roland Würz, Projektleiter am ZSW, einen Vorteil der

neuen Technik.

Ein großer Vorteil der CIGS-Dünnschichttechnik: Die Vorderseite

einer Zelle wird direkt mit der Rückseite der nächsten Zelle in einer

Serienschaltung verbunden. Das macht die Technologie kosteneffizienter

zu automatisieren und variabler in der Produktgestaltung.

>> Marktanteil wächst


�� N EW C O M E R

Sonnige Aussichten

vakuumröhren statt flachkollektoren: Mit Solarthermie aus

China will Sunshore Solar den österreichischen Markt aufmischen.

ein Newcomer auf dem Gebieter der

Solarthermie ist Michael Hsu. Der

Geschäftsführer der vor drei Jahren

gegründeten Sunshore Solar

Energiehandelsgesellschaft importiert und

vertreibt Vakuumröhren für Warmwasserspeichersysteme.

In Österreich haben

die Vakuumröhren gerade mal ein Prozent

Marktanteil. Anderswo ist der Siegeszug der

günstigeren und effizienteren Solartechnologie

deutlich zu spüren: In Deutschland

kommen sogenannte »Heatpipes« bereits

auf den zehnfachen Marktanteil. Im fernen

China gar würde niemand mehr auf die Idee

kommen, auf die vergleichsweise teuren

und ineffizienten Flachkollektoren zu setzen.

TÜV-Zertifikate, ein Greenpeace-Label

und Marktstudien bescheinigen dem Jungunternehmer:

Die Vakuumröhren sind im

Leistungstest bis zur Hälfte kostengünstiger

als herkömmliche Technologien. »Darüber

hinaus bieten unsere Produkte im Winter

zu hundert Prozent mehr Leistung«, erklärt

Hsu.

>> Druckloser Wasserkreislauf > Von 10 auf 56 Grad> Kurze Amortisationszeit


Bauen mit Betonfertigteilen.

Effi ziente Energienutzung für aktiven Klimaschutz.

Recyclefähig.

In unseren Werken werden Reststoffe in den Betonfertigteil-

Betonfertigteil-

Herstellungsprozess zurückgeführt: Zement, Schlämme, Prozesswas-

Prozesswas-

Prozesswasser

und aus Gesteinskörnung aus zerkleinerte zerkleinerte Betonfertigteilresten.

Umweltschonend.

Die Verwendung lokal verfügbarer, natürlicher Rohstoffe zur Herstellung

von Beton schont die Umwelt. Rohstoffe, die in Beton

verwendet werden, sind natürlichen Ursprungs.

Energieeffi zient.

Bezogen auf den Lebenszyklus eines Bauwerks macht die bei der

Herstellung von Beton aufgewendete Energie nur einen geringen

Anteil aus.

FRANZ OBERNDORFER GmbH & Co KG

A-4623 Gunskirchen . Tel. +43 (7246) 7272-0

office@oberndorfer.at . www.oberndorfer.at


�� I N T E RV I EW

ERFOLGSFAKTOR

QUALITÄT

Axel Dick,

36 REPORT PLUS 13-01|2010

Marketing-Chef

von Quality

Austria, über

den praktischen

Nutzen abstrakter

Begriffe, Vorreiter

und Nachzügler

in Sachen Quali-

tätsmanagement

und wie sich das

Qualitätsbewusst-

sein in einem rauen

Umfeld ändert.

(+) PLUS: Was versteht man bei der

Quality Austria unter dem abstrakten

Begriff der »Qualität«?

Axel Dick: Qualität aus Sicht der Norm

bedeutet, Kundenerwartungen an ein

Produkt oder eine Dienstleistung zu

spezifizieren und bestmöglich zu erfüllen.

Das Qualitätsverständnis hat seine

Wurzeln im Bereich der Qualitätssicherung.

Und Qualitätssicherung bedeutet,

dass ein Produkt in beliebiger Anzahl

mit den exakt gleichen Eigenschaften

fehlerfrei reproduziert werden kann.

Daraus ist vor mehr als 20 Jahren das

Qualitätsmanagement im Sinne der ISO

9001 entstanden. Dabei ging es darum,

das Qualitätsverständnis als Voraussetzung

für gute Produktqualität auf Organisationsebene

zu etablieren.

(+) PLUS: Und was kann man dann

unter Unternehmensqualität verstehen?

Dick: Unternehmensqualität baut auf

visionärer und inspirierender Führung

auf. Es geht darum, Mitarbeiter zu motivieren,

zu führen und zu befähigen sowie

Abläufe effektiv und effizient zu organisieren.

Das übergeordnete Ziel ist

dabei immer, den Kunden zufriedenzustellen

und langfristig zu binden. Zu den

Erfolgsfaktoren zählen Leadership, eine

klare Strategie, sowie eine ausgeprägte

Mitarbeiter-, Prozess- und Kundenorientierung.

Das sind die zentralen Hebel,

um wirksam und nachhaltig auf der Ergebnisseite

hohe Werte zu erzielen.

(+) PLUS: Gibt es im Qualitätsmanagement

branchenspezifische Unterschiede?

Dick: Sowohl die ISO 9001 als auch

das Business Excellence Modell sind

branchenneutral und auch größenunabhängig

formuliert. Aber es stellt sich

natürlich die Frage nach der Komplexität,

da gibt es dann erhebliche Unterschiede.

Ein 10-Mann-Betrieb lässt sich

einfacher und in geringerem Umfang

darstellen als das Qualitätsmanagement

eines Konzerns.

Historisch betrachtet gibt es große

Branchenunterschiede. Es gibt Pioniere

im Qualitätsmanagement wie etwa die

Automobilindustrie, den Maschinenbau

und die Papierindustrie.

(+) PLUS: Ist das Bewusstsein in diesen

Branchen auch heute noch ausgeprägter

als bei anderen?

Dick: Diese Pioniere sind in der Entwicklung

einfach reifer. Sie setzen länger

auf Qualitätsmanagement, haben

mehr Erfahrung und sind über viele

Jahre konsequent in der Umsetzung.

Viele haben ihr Qualitätsmanagement

auch frühzeitig weiterentwickelt und

Bereiche wie Sicherheit und Umwelt integriert.

Diese Unternehmen beziehen

in die Produktentwicklung dann auch

Kategorien wie Öko-Design ein. Damit

wird ein Produkt als Ganzes völlig neu

betrachtet. Es gibt aber auch in den einzelnen

Bereichen immer wieder Vorreiter.

So war etwa das AKH Wien das erste


Krankenhaus, das sich als Ganzes, also nicht

nur einzelne Labore, sondern als gesamte

Krankenanstalt zertifizieren hat lassen. Das

hat natürlich Vorbildwirkung, mittlerweile

haben wir schon zahlreiche Krankenhäuser

zertifiziert. Noch vor zehn Jahren war es

nicht selbstverständlich, dass Ärzte vor einer

Operation eine Checkliste durchgegangen

sind, dieses Bewusstsein ist erst gewachsen.

Damit ist auch eine völlig neue Kultur entstanden.

(+) PLUS: Gibt es weitere Branchen, die

sich positiv in Szene setzen können?

Dick: Vor allem der Lebensmittelsektor ist

auf dem Vormarsch. Da gibt es auch immer

stärkere Bestrebungen nach internationalen

Standards wie IFS oder ISO 22000, die Zulieferer

garantieren müssen. Es wird interessant

sein, zu sehen, ob für diese beiden Branchen,

Gesundheit und Food, in Zukunft auch

die Bereiche Sicherheit und Umwelt verstärkt

Thema werden. Ich denke im Lebensmittelbereich

an eine umweltschonende Produktion

oder den Gesundheitsschutz im Bereich

der Primärproduktion.

(+) PLUS: Wie verändern sich der Qualitätsanspruch

und das Qualitätsbewusstsein

in der Krise?

Dick: Das ist eine sehr spannende Frage, die

verschiedene Betrachtungsweisen erfordert.

Im Bereich der Aus- und Weiterbildung ist

es bei vielen Unternehmen zu Einsparungen

kommen. Da mussten auch wir Rückgänge

verzeichnen, aber im Vergleich zu anderen

Bildungs- und Weiterbildungseinrichtungen

sind die Einbußen deutlich geringer

ausgefallen. Das zeigt mir, dass die Themen

Qualität, Umwelt und Sicherheit auch in

Krisenzeiten eine wichtige Rolle spielen. Das

Geld, das in Aus- und Weiterbildung fließt,

wird jetzt doch deutlich differenzierter eingesetzt.

Andererseits gab es 2009 auch viele Unternehmen,

die, aus eigener Kraft oder mit Hilfe

des AMS, proaktiv der Krise entgegengetreten

sind und die durch eine geringere Zahl an

Aufträgen freigewordene Zeit der Mitarbeiter

bewusst für Aus- und Weiterbildung verwendet

haben. Denn in den Boomjahren davor

hat ohnehin vielen die Zeit dafür gefehlt.

Das wurde jetzt nachgeholt. Da werden jetzt

Prozesse hinterfragt und weiterentwickelt,

die Kernkompetenz definiert und Ballast

abgeworfen.

(+) PLUS: Aber gibt es nicht auch die

Versuchung, in wirtschaftlich schwierigen

Zeiten bei der Qualität zu sparen?

Dick: Unternehmen, die in der Krise beginnen,

bei der Qualität zu sparen, bewegen

sich auf dünnem Eis, sei es bei Aus- und Weiterbildung

oder bei der Produktqualität. Diese

Unternehmen müssen mit einem deutlichen

Kostenanstieg in den nächsten Jahren

rechnen, etwa durch Reklamationen. Deshalb

sind Unternehmen gut beraten, auch

in der Krise nicht bei der Qualität zu sparen.

Denn speziell in einer Krisensituation wird

die Spreu vom Weizen getrennt. Wer Qualität

bietet, kann leichter mit schwierigen Rahmenbedingungen

umgehen und ist besser

für den Aufschwung gerüstet. Aktuelle Studien

zeigen, dass Unternehmen, die nachweislich

auf Qualität setzen, nachhaltig besser

performen als die größten börsennotierten

US-amerikanischen Unternehmen.

(+) PLUS: Das 16. qualityaustria Forum

steht unter dem Motto »Die Kraft des Vertrauens«.

Welche Rolle spielt das Vertrauen

im Qualitätsmanagement?

Dick: Das Thema Vertrauen ist speziell in

schwierigen Zeiten zentral. Denn fehlende

�� �� �� I N T E RV I EW

AXEL DICK. »Unternehmensqualität

baut auf visionärer und inspirierender

Führung auf.«

Qualität und kurzfristig orientiertes Erfolgsstreben

haben die Krise erst möglich gemacht.

Die Folge war ein immenser Vertrauensverlust

und große Verunsicherung. Jetzt

erst merkt man, wie wichtig Vertrauen als

Grundlage erfolgreichen Wirtschaftens und

Grundlage nachhaltiger Zukunft ist. Deshalb

ist es jetzt dringend nötig, hohe Qualität in

Produkte, Dienstleistungen und die zugrundeliegenden

Prozesse zu stecken, um Vertrauen

und Sicherheit zurückzugewinnen.

(+) PLUS: Welche Schwerpunkte wird

Quality Austria im Jahr 2010 setzen?

Dick: Ein Fokus wird auch 2010 auf integrierten

Managementsystemen liegen. Viele

Unternehmen wollen aus einer rechtlichen

Motivation heraus, aber auch aus naheliegenden

Gründen der Synergie verstärkt in

diese Richtung gehen. Deshalb werden wir

verstärkt die Möglichkeit bieten, ISO 9000

Audits auch mit Risikobewertung zu verbinden.

Wir bieten hier auch sehr praktische

und praxisorientierte Tools an, die

speziell für KMU interessant sind, die traditionell

wenig mit Risikomanagement am

Hut haben. Im Hinblick auf den Staatspreis

Qualität im Herbst ist natürlich das Thema

Unternehmensqualität wie jedes Jahr ein

Schwerpunkt. Dann haben wir im Bereich

Nachhaltigkeit zwei Produktmanagements

weiterentwickelt und mit Personen neu besetzt.

Dazu haben wir einen neuen Produktbereich

»Soziale Verantwortung« etabliert.

Einen Schwerpunkt werden wir auch im Bereich

Energieeffizienz setzen.

(+) PLUS: Wie sehen die wirtschaftlichen

Kennzahlen für 2009 und 2010 aus?

Dick: Wir haben 2009 mit einem guten

Plus abgeschlossen. Das liegt vor allem an

einem Zuwachs in der Systemzertifizierung.

Der Umsatz liegt bei knapp 14 Millionen Euro.

Für 2010 lautet die Zielsetzung, um weitere

fünf Prozent zu wachsen. ■

VERANSTALTUNGSTIPP

>> »Die Kraft des Vertrauens«

16. qualityaustria Forum

>> Donnerstag, 11. März

>> Salzburg Congress, Europasaal

>> Auerspergstraße 6

>> 5020 Salzburg

INFORMATIONEN: www.qualityaustria.com

REPORT PLUS 13-01|2010 37


�� G A D G E T S

ET´S HA

Von Martin Szelgrad

und Rainer Sigl


VE FUN

■ PARTY-CAM

Rundherum

auf der Tanzfläche

>> Sony hat eine HD-Kamera

speziell für Partymenschen auf den

Markt gebracht. Mit der neuen Kameraserie

»bloggie« will man vor allem Freunden von Social

Networks und Fotoportalen ein fähiges Werkzeug

liefern. Das selbst ernannte »Schweizer Messer« für das

digitale Zeitalter filmt in High Definition, fotografiert mit fünf

Megapixel und passt in die Hosentasche. So ist das Modell »MHS-

PM5K« mit 19 mm extrem flach und mit nur 110 Gramm besonders

leicht. Von einem Computer können die ausgewählten Aufnahmen

mit einem Klick ins Internet hochgeladen werden. Ein Ladegerät ist

nicht notwendig, denn gleichzeitig wird via USB-Kabel auch der Akku der

Kamera geladen. Lediglich der interne Speicher ist öde ausgefallen: Nur

26 MB sind an Bord. Doch im Lieferumfang ist ein 4-GB-Stick enthalten. Einer

durchtanzten Partynacht steht also nichts mehr im Wege. Mit einem kleinen

Objektivaufsatz lassen sich 360-Grad-Videos von der Tanzfläche aufzeichnen.

Kostenpunkt: 200 Euro plus Eintritt und Getränk.

INFO: www.sony.at

D a s s i n d d i e

Werkzeuge, die 2010 den

Elektronik- und Entertainment-Markt

prägen.

Unsere Gadgets werden

umweltfreundlich,

mit der Welt vernetzt

und kommen in 3D.

Für Konsumenten wird es

einfach, komfortabel und

vor allem multimedial.

■ TRETHILFE

Elektroesel

>> Mühelos durch den Stadtverkehr, aber trotzdem die Kondition hal-

ten? Der moderne Radfahrer denkt grün, verzichtet auf den Gasfuß und

tritt trotzdem in die Pedale. Elektroräder sind die Antwort auf verstopfte

Straßen und bequeme Fahrgeschwindigkeit in urbanen Gefilden. Damit

Hügel, Hausberge und die Straßen von San Francisco mühelos erklommen

werden können, lässt beispielsweise Sanyo sein »Eneloop Bike« in diesem

Frühjahr auf die Piste. Die Zielgruppe: Geschäftsleute, deren Stirn

ohne Schweißperlen beim Kunden ankommen soll, sowie

schwachbrüstige Sportler. Die werden vom Elektromotor

bergauf locker unterstützt. Ab Februar werden Sanyos

akkubetriebene Esel zunächst in Japan getreten. Dort

stellt der Elektronikkonzern auch gleich solarbetriebene

Stellplätze mit Ladestationen im Nobelstadtteil Setagaya

auf. Und in Österreich? Fragen Sie Ihren Fachhändler.

Oder Google. Oder uns. Das Eneloop wiegt rund 23 kg

und kostet umgerechnet 1.600 Euro. Die Reichweite beträgt

rund 60 km.

INFO: www.sanyo.com


�� �� G A D G E T S

■ MISSING LINK

Notebook ade!

>> Wer seine E-Mail-Maschine

BlackBerry

liebt, wird auch

an diesem neuen

Spielzeug nicht

vorbeikommen.

Research In Motions

neuestes Accessoire

erleichtert BlackBerry-Anwendern die mobile Präsentation

von Dokumenten, die auf ihrem kleinen

Freund gespeichert sind. Der»BlackBerry Presenter«

lässt sich direkt an einen Projektor oder Monitor

anschließen und PowerPoint-Folien drahtlos über

den BlackBerry abspielen. »Alle, die beruflich viel

unterwegs sind, achten gezwungenermaßen darauf,

möglichst wenig Gepäck mitzunehmen«, weiß man

bei Research in Motion. »Der Presenter bietet einen

praktischen Weg, Präsentationen direkt über

sein Smartphone wiederzugeben – Notebook

ade!« So einfach ist das. Eine Bluetooth-Verbindung

zwischen BlackBerry und dem Presenter

ermöglicht Nutzern außerdem, sich wäh- wäh-

rend der Präsentation frei im Raum zu

bewegen. Kostenpunkt: rund 130 Euro.

INFO: www.blackberry.com/

presenter

40 REPORT PLUS 13-01|2010

■ NEU AM TABLETT

Hybrides Surfbrett

>> Lenovo zeigt, dass das Konzept der Ta- Ta- Tablet-PCs

mit Touchscreen noch immer nicht

tot ist. Die Flachmänner werden nun vielmehr

in klassische Notebooks integriert. Wie das

geht? Das »IdeaPad U1« ist ein ganz gewöhnliches

Mini-Notebook mit 11,6 Zoll Bildschirm

– bis man diesen aus dem Gehäuse nimmt. Das

Display verfügt über eigene Prozessoren, ein

Betriebssystem und ist unabhängig zu seinem

Notebook-Chassis als Tablet-PC nutzbar. Beide

Einheiten verfügen über Akkus und Funk-

Schnittstellen. Steckt man die Hälften wieder

zusammen, werden Basis und Display bei

laufendem Betrieb nahtlos synchronisiert. Das

Notebook läuft dann wieder bei voller Leistung

mit zwei Prozessoren. Gewicht: zwei Kilo, Farbe:

rot. Preis und Marktstart in Europa: noch nicht

bekannt.

INFO: www.lenovo.at

■ SOLAR-HEADSET

Sonniges Horcherl

>> Die Astrologen sehen 2010 als das Jahr der

energetischen Innovationskraft für die Entertain- Entertain- Entertainment-Industrie.

Für die Hersteller von Telefonie-Headsets

bedeutet diese Vorgabe, einigermaßen autarke

Hörstöpsel zu produzieren. Das funktioniert bereits, wie

das »Solar Voice 908« der Hutchison-Tochter i.Tech zeigt.

Ist das sympathische Horcherl dem Sonnenlicht ausgesetzt,

bleibt es im Standby-Modus praktisch ewig drahtlos mit dem

Handy verbunden. Für klare Worte in der Übertragung sorgt

ein kleiner Prozessor an Bord, der die Unterdrückung von Hintergrundgeräuschen

unternimmt. Extreme Plaudertaschen sollten

trotzdem aufpassen: Nach fünf Stunden Dauertelefonieren ist auch

bei Sonnenlicht Schluss. Dann hilft nur noch die Ladestation.

INFO: www.itechdynamic.com

■ HANDY-ALARM

Zomm hält

z’samm

>> Milliarden Mobiltelefone werden

weltweit genutzt. Täglich vergessen Tausende

ihre geliebten, kleinen Begleiter

und spazieren ohne Handy bei der Tür

hinaus. Hochgerechnet umrunden damit

durchschnittlich drei Menschen jeden Tag

den Erdball, um ihr Telefon zu holen. So

viel Mobilität muss nun wirklich nicht sein

– eine Bluetooth-Leine muss her. »Zomm«

wird einmalig drahtlos mit dem Handy

bekannt und scharf gemacht. Überschreitet

nun der Nutzer, der Zomm etwa auf

seinem Schlüsselbund baumeln hat, eine

bestimmte Distanz, geht ein multimediales

Feuerwerk an Summen, Vibrieren

und Pfeifen los. Man ist gewarnt, stellt das

schrille Kreischen ab und holt sein Handy.

Der mobile Alarmknopf ist zudem als

ebensolcher nutzbar. Bei Knopfdruck wird

übers Mobiltelefon ein Notruf abgesetzt.

Zomm hat dafür auch Lautsprecher und

Mikro an Bord. Ab dem Frühjahr auf dem

Markt, erhältlich in den Farben Schwarz

und Weiß.

INFO: zomm.com


■ KNITTER-KILLER

Heißes Eisen

>> Geschäftsleute wissen: Ohne Uniform wird das

Haus nicht verlassen. Wer aber zu spät vom Morgenjogging

zu Dusche und Umziehen kommt, kann nun

wertvolle Zeit sparen. Nach langjähriger Forschung

bringt Panasonic das derzeit wohl intelligenteste Bügeleisen

auf den Markt. Das »360° Quick« lässt Bügelfalten

praktisch in alle Richtungen glätten. Die Bügelfläche ist

nach beiden Enden hin zugespitzt. Ungeschicktes Fixieren

von Bügelfalten im Rückwärtsgang ist damit passé.

Panasonic-Studien zufolge kann mit dem schnellen Eisen

ein Hemd um gut 25 Prozent flotter gebügelt werden.

Jedes fünfte Hemd erledigt sich damit quasi von selbst.

Oder so ähnlich. Dabei ist der Ausdruck Eisen an dieser

Stelle gar nicht angebracht: sorgt doch eine Keramikbeschichtung

fürs heiße Glätten. Sicherheitsbewusste

Hausmänner und ihre Frauen vertrauen zudem auf die

Abschaltautomatik im Gerät - die bügelt die Sorgenfalten

vergesslicher Nutzer aus.

INFO: www.panasonic.com

HEAR ME.

SEE ME.

TOUCH ME.

THE NEW WIRELESS

STANDARD

• Erste Headsetgeneration mit Color-Touch-Screen –

Mit intuitiver Bedienoberfl äche für die perfekte Steuerung

• SmartSetup-Assistant - Schritt-für-Schritt Anleitungen und Hilfetexte

für die schnelle und einfache Installation

• Multiuse-Funktion - Ein Headset für alle Anwendungen.

Festnetz-, Mobil- und Internettelefonie

• Multifunktionstaste und Touchpanel am Headset –

Für Rufannahme / -beenden, Lautstärkeanpassung und Stummschaltung

- aus der Ferne und am Arbeitsplatz

• SafeTone Technologie - Für den besten Gehörschutz

• IntelliPower - Hilft Energie sparen und schützt die Umwelt

• Optionale Tragestile & Varianten – Für höchsten Komfort

Jabra PRO 9460 DUO Jabra PRO 9460 Jabra PRO 9470

JABRA ® IS A REGISTERED TRADEMARK OF GN NETCOM A/S

WWW.JABRA.COM

Jabra GO 6430/70


�� G A D G E T S

■ BAUMRETTUNG

Wie ein Stapel Papier

>> Plastic Logic hat einen E-Reader vorgestellt, der mehr

auf Business-Nutzer denn Hobbyleser abzielt. So wartet das

Gerät mit einem übergroßen Touchscreen auf, um eine leichte

Bedienung zu gewährleisten. Für den Fokus auf Geschäftsleute

soll nicht nur der drahtlose Zugang über Mobilfunk

zu Wirtschaftszeitungen und -Zeitschriften sorgen. Ferner

unterstützt es neben Dokumentformaten wie PDF auch sämtliche

Office-Dateitypen. Das Gerät ist

85 mm dünn, verfügt über DIN-A4-Größe

und ist damit das Gerät mit der derzeit

größten Lesefläche am Markt. Der

»QUE« gleicht in seinem Dimensionen

einem kleinen Stapel Papier und es gibt

ihn in zwei Versionen. Das 4-GB-Modell

speichert bis zu 35.000 Dokumente,

sein 8-GB-Pendant sogar 75.000 Files.

Leer- und Fragezeichen inklusive – so

viel kann doch ein einzelner Nutzer gar

nicht lesen?

INFO: www.plasticlogic.com

■ FINDET NEMO

HD auf Tauchstation

>> Wer dieser Tage seinen Urlaub auf den Malediven oder in Martinique verbringt, sollte seine Tauchgänge allen,

die zuhause bleiben durften, trotzdem in hoher Qualität zeigen können. Das findet zumindest der Unterwasser-Spezialist Liquid

Image. Die »Wide Angle Scuba Series HD« ist eine Taucherbrille, die es in sich hat. Sie ist mit einer wasserfesten Kamera bestückt,

die Videos in High-Definition schießt. Technisch ausgedrückt: 1280 mal 720 Pixel große Bilder, 30 davon pro Sekunde und das bis in 40 Metern

Tiefe. Wer dort auf Seejungfrauen oder Wassermänner stößt, kann auch bis zu 2.000 Einzelbilder (maximal 5 Megapixel groß) auf die mittauchende

Speicherkarte pressen. Der Speicherbereich ist auf 32 GB erweiterbar, um auch anderes Meeresvolk ablichten zu können. Die Bedienung

der Unterwasser-Cam ist auf Tauchanzüge abgestimmt – die Knöpfe lassen sich auch mit Neopren-Handschuhen bedienen. Auch nicht schlecht: Ein

Fadenkreuz für exakte Filmaufnahmen wurde gleich in die Brille graviert.

INFO: www.liquidimageco.com

42 REPORT PLUS 13-01|2010

■ ZUM GREIFEN NAH

Alles wird 3D

>> Wenn ein Trend groß für 2010 angesagt ist, dann ist es wohl 3D. Nicht nur in den Kinos,

auch zuhause wollen die plastischen Bilder nun für Furore sorgen. Die Technik ist jedenfalls

in den Startlöchern und mittlerweile auch leistbar. 3D-fähige Fernseher und Player kosten

nicht mehr als herkömmliche, hochpreisige Massenware. Und natürlich werden die 3D-Filme

– erste Streifen sind für den Handel bereits für heuer angekündigt – nicht irgendwie abgespielt.

Es darf schon Blu-ray und HDTV sein. Im Frühjahr startet Panasonic als einer der ersten

Hersteller mit einem entsprechenden 3D-Heimkino-Set. Mit dabei sind ein Plasma-HDTV,

ein Blu-ray-Player und die nötigen Shutter-Brillen. Die Mattscheiben verdienen damit fast

schon ihren Namen nicht mehr – und sind in unterschiedlichen Größen zu bekommen. Der

Player wiederum ist natürlich abwärtskompatibel zu älteren DVD- und CD-Formaten.

INFO: www.panasonic.com

■ SKYPE DELUXE

Breitmaulfrosch

>> In Partnerschaft mit dem Internet-Telefonie-

Anbieter Skype wurde nun der Breitmaulfrosch unter den

Webcams entwickelt. Die »TouchCam N1« von FaceVision

bietet ihren telefoniewütigen Usern Bildübertragungs-

qualität von feinster Güte. Videotelefonie wird so über

High-Definition möglich, und das erstmals auch

bei Skype – eine Anwendung, die bislang ja nicht

gerade für ausgesprochen hohe Bildqualität

bekannt war. Gemeinsam stößt man nun zu neuen

Grenzen vor: Um die Computer bei der Rechnerei,

die bei der Übertragung von hochwertigen Bildern

automatisch entsteht, zu entlasten, wurde gleich

in die Webcam ein Chip mit entsprechendem Codec

gepackt. Der übernimmt die Gehirnarbeit und kümmert

sich um die Tonaufnahme mit den beiden Richtfunkmi-

Richtfunkmikros

an Bord.

Die Kamera wird über einen USB-Stecker mit dem

PC verbunden und mit einer Universalhalterung

geliefert, die auf jeden Monitor passen soll.

INFO: www.skype.com/shop


■ BITTE RECHT FREUNDLICH

Vom Enkerl zur Oma

>> »Das Weitergeben von Bildern sollte einfach sein und

keine lästige Pflicht«, ermahnt man bei Kodak jene untreuen

Söhne und Töchter, die ihren Eltern monatelang

aktuelles Bildmaterial der Enkerln schuldig bleiben.

Die Fernübertragung vom lächelnden Enkelkind in den

digitalen Bilderrahmen in Omas Wohnung soll künftig

einfacher denn je möglich sein. Kodak hat dazu einen

drahtlos vernetzbaren Rahmen vorgestellt, der über eine

eigene E-Mail-Adresse verfügt. Nutzer schicken dabei ihre Bilder

einfach als Mail von einem Computer oder Mobiltelefon direkt auf

den Rahmen. Der flotte Frame aktualisiert seine Anzeige, sobald

neue Fotos hinzugefügt werden. Der »Kodak Pulse Digitale Bilder-

rahmen« ist ab Mai um knapp 160 Euro erhältlich. Er verfügt über

eine Speicherkapazität für bis zu 4.000 Fotos bei 512 MB Speicher.

Und die Oma braucht natürlich ein WLAN.

INFO: www.kodak.at

| BK12-17G |

Von 8 auf 16

in 12 Millimetern.

Die neue HD-Busklemmen-Serie von Beckhoff.

www.beckhoff.at/HD-Busklemmen

Neu: Die „High-Density“-Busklemmen von Beckhoff – Die ersten

16-Kanal-Klemmen im 12-mm-Reihenklemmen-Format.

➔ Verdopplung der Packungsdichte von 8 auf 16 Anschlusspunkte

➔ Reduzierung des Platzbedarfs um 50 %

➔ Reduzierung der Kanalkosten

➔ Reduzierung der Schaltschrank- und Montagekosten

➔ Verdrahtung durch werkzeuglose Montage in Direktsteck-Technik

➔ Breite Auswahl an digitalen HD-Busklemmen

➔ Verfügbar für die Beckhoff-I/O-Systeme in Schutzart IP 20:

Beckhoff Busklemmen und EtherCAT-Klemmen

www.beckhoff.at

BECKHOFF

16

Anschlusspunkte in den

12-mm-I/O-Klemmen. Die „High-Density“-

Busklemmen sind in verschiedenen

Ausführungen verfügbar, z. B.:

➔ 16 digitale Eingänge

➔ 16 digitale Ausgänge

➔ 8 digitale Ein- + 8 digitale Ausgänge

➔ 8 digitale Eingänge (2-Leiter-Technik)

➔ 8 digitale Ausgänge (2-Leiter-Technik)

New Automation Technology


�� V ER S I C H ERU N G

UNSICHERE ZEITEN

In Osteuropa zeichnet sich nach vielen fetten Jahren eine

Konsolidierung in der Versicherungsbranche ab. Die ersten

internationalen Unternehmen ziehen sich zurück, neue

Konzerne drängen auf den Markt und kämpfen mit den

Platzhirschen um ein Stück vom großen Kuchen. Denn als

Wachstumsregion gilt der CEE-Raum allemal.

Von Angela Heissenberger

GÜNTER GEYER kann mit dem vergangenen Jahr zufrieden

sein. In Osteuropa läuft das Geschäft für

die Vienna Insurance Group (Wiener Städtische)

hervorragend. Nach mehreren Akquisitionen ist

der Versicherungskonzern in der CEE-Region zum Marktführer

aufgestiegen und hat die deutsche Allianz SE überholt.

»Die Märkte Zentral- und Osteuropas weisen weiter Wachstum

auf. In einzelnen Ländern gibt es sogar zweistellige Zuwachsraten«,

sagt VIG-Chef Geyer. Besonders stark stiegen

die Prämieneinnahmen auf lokaler Währungsbasis in Ungarn

(plus 46,8 %), Bulgarien (46 %), Tschechien (27,7 %)

und in Kroatien (19,3 %). Gedrückt wurde das Ergebnis in

den ersten drei Quartalen 2009 nur durch die Unwetterschäden

in Österreich, die Kosten von 135 Millionen Euro

verursachten. Der Gewinn sank somit in den ersten neun

Monaten um 12,6 % auf rund 263 Millionen Euro.

>> Kauflust


FOTO: PHOTOS.COM. SPIOLA

>> Frisches Geld > Expansion aufgeschoben > Hartes Pflaster


»Geld alleine

bringt keinen Mehrwert«

Christoph Matznetter, Präsident des Sozialdemokratischen

Wirtschaftsverbands Österreichs, über den »Battleground«

Wien, den nötigen Fokus auf die Realwirtschaft und warum es eine

große Portion Chuzpe braucht, um gegen eine Spekulationssteuer zu

argumentieren.

(+) plus: Die Wirtschaftskammerwahlen stehen

vor der Tür. Warum sollen Unternehmer dieses Mal rot

wählen?

Christoph Matznetter: In den letzten Jahren hat es

deutliche Fortschritte in der Außenpositionierung der

Wirtschaftskammer gegeben. Das ist zu weiten Teilen

den Aktivitäten des sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes

zuzuschreiben. Etwa dass Ein-Personen-

Unternehmen und Unternehmer mit Migrationshintergrund

mit ihren Anliegen zumindest in Service und

Beratung endlich ernstgenommen werden.

(+) plus: Der Schwerpunkt des Sozialdemokratischen

Wirtschaftsverbands liegt eindeutig auf Wien.

Matznetter: Wien steht aus zwei Gründen im Fokus.

Zum einen gilt es ein Rekordergebnis von 30 Prozent zu

verteidigen und zum anderen ist Wien das einzige Bundesland

mit der realistischen Möglichkeit, die absolute

Mehrheit des Wirtschaftbundes zu knacken. Und man

darf nicht vergessen, dass die Wiener Kammer eine sehr,

sehr große Kammer ist. Deshalb ist die Bundeshauptstadt

auch ein absoluter »Battleground«.

(+) plus: Und mit einem guten Ergebnis könnte der

Wirtschaftsverband am Beginn des Wahljahres 2010

auch der Mutterpartei dringend nötigen Rückenwind

liefern.

Matznetter: Wir sind die erste bundesweite Wahl

2010. Da wäre es natürlich toll, wenn wir ein herzeigbares

Ergebnis schaffen würden. Bei der Wirtschafts-

Von Bernd Affenzeller

kammerwahl sind mehr als 400.000 Personen wahlberechtigt,

mehr als in so manchem Bundesland. Das hat

schon Bedeutung. Vor allem in Zeiten wie diesen ist es

aussagekräftig, wie die Wirtschaft wählt.

(+) plus: Welche Auswirkungen hat die Wirtschaftskammerwahl

auf die Bundespolitik?

Matznetter: Wenn der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband

gestärkt aus den Wahlen hervorgeht,

dann können wir auch mehr Druck auf die Bundespolitik

ausüben. Dass es funktioniert, zeigt die Vergangenheit.

Wir haben alle Wahlversprechen 2005 über die

Regierungsverhandlungen umgesetzt, etwa Steuererleichterungen

für Einzelunternehmer oder die Arbeitslosenversicherung.

Das alles hat unter der ÖVP-FPÖ-

Regierung keine Rolle gespielt.

(+) plus: Stichwort Krise: Die ersten atmen erleichtert

auf, weil das Schlimmste überstanden ist, die

anderen fürchten, der Höhepunkt steht erst bevor. Ihre

Einschätzung der aktuelle Lage?

Matznetter: Ich bin sehr kritisch gegenüber allen

Stimmen, die jetzt behaupten, die Krise sei vorbei. Die

strukturellen Probleme wurden nicht behoben. Wir

haben eine überbordende Finanzindustrie, die immer

noch massiven Druck auf die reale Wirtschaft ausübt.

Jeder kleine Unternehmer, der einen Kredit braucht,

kann ein Lied davon singen.

Die Krise wird erst überwunden sein, wenn der Fokus

wieder auf der Realwirtschaft liegt. Nur die Real-


Christoph Matznetter. »Die

Krise ist noch nicht vorüber,

die strukturellen

Probleme wurden nicht

behoben.«

cc


�� I N T E RV I EW

wirtschaft kann echtes Wachstum schaffen.

Der Kreislauf Geld gegen Geld bringt

keinen Mehrwert.

(+) plus: Wie bewerten Sie die Performance

der Politik im Kampf gegen die

Krise?

Matznetter: Die Feuerwehrfunktion

hat sehr gut funktioniert. Vor allem auch

in Österreich. Obwohl wir ein sehr exportorientiertes

Land sind, ist es gelungen,

uns in der Arbeitslosenstatistik laufend

zu verbessern. Die Schrumpfungsrate

liegt deutlich unter der vergleichbarer

Länder und auch die Budgetverschuldung

fällt deutlich geringer aus. Aber die

strukturellen Probleme haben wir natürlich

nicht beheben können. Das ist national

auch gar nicht möglich. Aber Österreich

hat wichtige Denkanstöße geliefert.

Dass eine Finanztransaktionssteuer jetzt

in der EU überhaupt ein Thema ist, ist

mit ein Verdienst der österreichischen

Bundesregierung. Wir stehen für eine

effektive Regulierung der Finanzmärkte

und für eine strenge Kontrolle von Spekulationen.

(+) plus: Viele Banken scheinen die

Talsohle bereits durchschritten zu haben.

Es werden wieder Rekordergebnisse

gemeldet. Business as usual ist angesagt,

während weite Teile der Realwirtschaft

noch immer heftig unter den Auswirkungen

der von Banken zumindest mitverursachten

Krise leiden.

Matznetter: Sie waren die Ersten, die

gestürzt sind, und sind auch die Ersten,

die durch die leichte Stabilisierung auf

die Beine kommen. Allerdings muss man

schon auch festhalten, dass sie einen Teil

ihrer Gewinne mit der Staatsverschuldung

in Form der Bankenpakete gemacht

haben. Jetzt stellt sich natürlich die Frage,

welchen Beitrag der Finanzsektor zum

Abbau der Staatsschulden leisten muss.

Diese Diskussion muss erst noch geführt

werden.

Wir fordern echte Maßnahmen für die

Realwirtschaft, etwa in Form des Ausbaus

der Investitionsvergünstigungen.

Die vorzeitige Abschreibung haben wir

bereits durchgesetzt, aber das ist mir zu

wenig. Das muss ausgebaut werden, um

real investierende Unternehmer zu fördern.

(+) plus: Wie lauten die weiteren Forderungen?

Matznetter: Wir fordern eine Aufhe-

48 RepoRt pLus 13-01|2010

ForDerUnGen. »Den

Banken wurde geholfen,

jetzt sind

echte Maßnahmen

für die Realwirtschaft

gefragt, etwa

in Form von Investitionsvergünstigungen.«

»Es gibt Menschen, die behaupten heute

noch, es hätte keine Krise gegeben. Dabei hat der Steuerzahler

gerade Milliarden in die Rettung der Wirtschaft investiert.«

bung der Spekulationsfristen. Spekulanten

sollen unter die gleiche Steuerpflicht fallen

wie KMU. Man braucht schon eine ordentliche

Portion Chuzpe, um sich hinzustellen

und Unternehmern zu erklären, dass eine

Spekulationssteuer des Teufels sei. Jeder Unternehmer,

der seinen Betrieb verkauft, muss

dafür in vollem Umfang Einkommenssteuer

zahlen. Für Spekulanten gilt das nicht. Jemand,

der ein Jahr lang Firmenanteile besessen

hat und die dann verkauft, zahlt keine

Steuer, egal, um wie viele Millionen es geht.

Ist es für die Gesellschaft tatsächlich weniger

wertvoll, wenn eine Trafik den Eigentümer

wechselt als wenn Aktienanteile verkauft

werden? Oder ist es anständiger, an der Börse

zu spekulieren, als reale Anteile an einer

Firma zu erwerben?

Bei Managerboni wollen wir bei Bezügen

ab 500.000 Euro den Betriebsausgabencharakter

streichen. Denn es kann nicht sein,

dass der Gewinn eines KMU-Unternehmers

eine höhere Steuerbelastung hat als etwa

der Managerbonus eines Herrn Michaelis

für die glanzvolle Leistung, die AUA hergeschenkt

zu haben.

(+) plus: Gerade in Zeiten der Krise

könnte man annehmen, dass die Wählerinnen

und Wähler für Themen wie Solida-

rität oder Umverteilung empfänglich sind.

Warum gelingt es nicht, diese ureigenen sozialdemokratischen

Grundsätze so zu transportieren,

dass es sich auch in Wahlen niederschlägt?

Matznetter: Die erste Reaktion in einer

Wirtschaftskrise ist es, denjenigen die

Stimme zu geben, die scheinbar mehr von

Wirtschaft verstehen. Erst in einem zweiten

Schritt stellt sich die Frage, wie sich die Gesellschaft

verändern muss, damit es erst gar

nicht mehr zu so einer Krise kommt. Wirtschaftskompetenz

ist viel mehr als der Blick

auf die Börse. Auch die Sozialdemokratie

verfügt über Wirtschaftskompetenz, aber

im Sinne einer Realwirtschaft. Diese Kompetenz

gilt es herauszuarbeiten. Überspitzt

formuliert: Wer Spekulanten fördern will,

wählt konservativ, wer die lebendige Wirtschaft

fördern will, wählt sozialdemokratisch.

(+) plus: Das klingt sehr klassenkämpferisch.

Die Wählerinnen und Wähler in Europa

schenken aber dennoch ihr Vertrauen

konservativen Kräften.

Matznetter: Wenn ich mir anhöre, was ein

Nicolas Sarkozy, eine Angela Merkel oder

auch ein Silvio Berlusconi im Angesicht der

Krise so von sich gegeben haben, dann hat


das teilweise schon sehr sozialdemokratisch

geklungen. Wenn unser Regierungspartner

ähnliche Ansichten vertreten würde wie die

deutsche Kanzlerin, dann hätten wir noch

viel mehr umsetzen können. Das hat auch

der deutsche Wähler honoriert.

(+) plus: Damit bekommt die Sozialdemokratie

aber ein ordentliches Identitätsproblem,

wenn die Konservativen von links

kommen.

Matznetter: Ich glaube, es gibt einen Ersteffekt.

Wenn Sie so wollen, werden in einem

konservativen Anfang bestimmte Positionen

aufgegeben und intelligentere eingenommen.

Dafür hat es von den Wählern einen

Vertrauensvorschuss gegeben. Ob die Umsetzung

auch gelingt, wird man erst bei den

nächsten Wahlen sehen. Die große Chance

der Sozialdemokratie liegt darin, die Wähler

dazu zu bringen, gleich zum Schmied und

nicht zum Schmiedl zu gehen.

(+) plus: Während Wirtschaftsexperten

vor einer überbordenden Verschuldung

warnen, fordern Sie eine KMU-Milliarde.

Wie passt das zusammen?

Matznetter: Dieses Geld, im Endeffekt

waren es sogar 1,5 Milliarden Euro, wurde

von der österreichischen Regierung im

letzten Jahr bereits sichergestellt. Wir haben

das Geld nur nicht zu den Unternehmen gebracht.

Wir haben es zu den Banken gebracht

und zu den Großunternehmen, nicht aber

zu den KMU. Das hat mehrere Ursachen, etwa

die Antragshöhe. Unter 10.000 Euro geht

gar nichts, das geht an der Realität der öster-

reichischen Klein- und Kleinstunternehmen

völlig vorbei. Auch die Banken kann

man nicht aus der Verantwortung nehmen.

Viele Anträge werden erst gar nicht weitergeleitet,

weil sie von den Banken abgelehnt

werden.

Die KMU-Milliarde ist da. Sie muss nur

geöffnet werden. Sie muss entbürokratisiert

werden. Wir fordern, dass all jene Unternehmen,

die in den letzten drei Jahren

ordentlich gewirtschaftet haben, solche

Förderungen bekommen.

(+) plus: Die von der Bundesregierung

groß angekündigten Konjunkturpakete

sind vor allem im Infrastrukturbereich

noch fest verschnürt. Wo sind die angekündigten

Millionen für die Bauwirtschaft?

Matznetter: Bauinfrastrukturprojekte

weisen ein großes Maß an Komplexität

auf. Da braucht es langwierige Genehmigungsverfahren,

die einer raschen Umsetzung

entgegenlaufen. Ein UVP-Verfahren

kann nicht einfach so verkürzt werden.

Sehr gut gewirkt haben die 100 Millionen

für die thermische Sanierung, die waren

schnell weg. Deshalb ist die Fortsetzung

dieses Win-win-Projekts gerade jetzt so

wichtig.

Das Problem sind aber die rund eine

Million Haushalte in Österreich mit den

schlechtesten thermischen Werten. Die

erreicht man auch mit dieser Förderung

nicht, weil das Geld für die Sanierung einfach

nicht da ist. Wir fordern eine öffentliche

Haftung für die Sanierungsvorhaben

mit einer zinslosen Rückzahlung über einen

Zeitraum von zehn Jahren. Der Antrag

sollte völlig unbürokratisch bei der Hausbank

eingereicht werden. Damit könnten

wir ein Investitionsvolumen in Milliardenhöhe

generieren, das vor allem dem

Kleingewerbe zugutekommt.

(+) plus: Wie erleben Sie die Zusammenarbeit

in der Koalition?

Matznetter: In der Wirtschaftskammer

hat die Zusammenarbeit immer schon

gut funktioniert. Was den Umgang und

die Handschlagqualität betrifft, ist es auf

Sozialpartnerebene immer schon besser

gewesen als auf Regierungsebene. Auf Regierungsebene

hat sich leider nicht so viel

verbessert, wie wir erwartet haben. Bundeskanzler

Werner Faymann ist der ÖVP

in vielen Bereichen entgegengekommen

und wurde dafür elegant ausgebremst. Da

darf sich jetzt auch der Regierungspartner

einmal fragen, welche Art der Zusammenarbeit

gewünscht wird.

(+) plus: Die Sozialpartner als Vorbild

für die Regierung?

Matznetter: Das könnte ich mir gut vorstellen.

Es gibt ja auch Beispiele dafür, dass

es funktioniert. Etwa das Duo Hundstorfer/Mitterlehner,

das ja auch aus der Sozialpartnerschaft

kommt. Daran könnte sich

die gesamte Regierung ein Beispiel nehmen.

(+) plus: Am Beginn dieses Heftes haben

wir die Frage gestellt »Was haben wir

aus der Krise gelernt?«. Welche langfristigen,

strukturellen Auswirkungen sehen

Sie?

Matznetter: Wir haben gelernt, dass die

Vergesslichkeit bei vielen Menschen ausgeprägter

ist als angenommen. Ich begegne

immer noch Menschen, die behaupten,

es hätte keine Krise gegeben. Und das, obwohl

der Steuerzahler gerade Milliarden in

die Rettung der Wirtschaft investiert. Außerdem

hat sich gezeigt, wie dumm und

unreflektiert Sprüche wie »Weniger Staat,

mehr privat« wirklich sind. Sie werden

heute kaum noch einen Politiker finden,

der guten Gewissens behauptet, die öffentliche

Hand solle sich aus wirtschaftlichen

Belangen raushalten.

Das ist auch die große Chance der österreichischen

Sozialdemokratie. Wir sind

schon lange vor der Krise als Mahner gegen

die Auswüchse des Neoliberalismus aufgetreten,

zu Zeiten, als selbst unsere europäischen

Schwesterparteien auf diesen Zug

aufgesprungen sind. Deshalb können wir

diese jetzt wieder populären Standpunkte

auch glaubhaft vertreten.

(+) plus: Die aktuelle Schwäche der europäischen

Sozialdemokratie wird oft auch

dem fehlenden ideologischen Unterbau

zugeschrieben. Teilen Sie diese Ansicht?

Matznetter: Ich glaube nicht dass der ideologische

Unterbau fehlt. Was fehlt, ist die

programmatische Adaption an die Anforderungen

des 21. Jahrhunderts. Wie schaut

die sozialdemokratische Vorstellung einer

besseren Gesellschaft in einer globalisierten

Welt aus? Darauf brauchen wir Antworten

und daran arbeiten wir. Man muss

auch aufpassen, dass man die Kritik nicht

immer nur am Verkäufer festmacht. Wenn

ich im Schauraum immer noch einen Trabbi

stehen habe, wird auch der hübscheste

Verkäufer keine Abschlüsse erzielen. Die

Sozialdemokratie muss zeitgemäße Lösungen

für alle Lebensbereiche anbieten.

Das war auch schon eines der Erfolgsgeheimnisse

von Bruno Kreisky. n

RepoRt pLus 13-01|2010 49


50 REPORT PLUS 13-01|2010

IMMER FLÜSSIG

Umsatzrückgänge und verschärfte

Rahmenbedingungen für Kredite sind noch immer

spürbare Nachwirkungen der Wirtschaftskrise. Liquidität ist

oberstes Gebot, um im Wettbewerb bestehen zu können. Mit

Leasing, Factoring und straffer Finanzplanung können sich

Unternehmen eine gute Startposition sichern.

Von Angela Heissenberger

UNTERNEHMER waren im vergangenen Jahr gut beraten, unnötigen Ballast

abzuwerfen. Wer nicht schon bisher auf eine schmale Kostenstruktur Wert

gelegt hat, musste das spätestens jetzt tun, da die Krise in nahezu allen

Branchen spürbar wurde. Veraltete Lagerbestände, Leerläufe in der Produktion,

ungünstige Einkaufskonditionen, unrentable Produkte, hoher Personalstand

– Potenzial zur Einsparung und Optimierung gibt es in jedem Unternehmen

zur Genüge.

Dazu kommt, dass Banken inzwischen detaillierte Finanzpläne und Kennzahlen

erwarten, auch wenn es nicht um ein neues Darlehen, sondern nur um die Streckung

oder Aufstockung bestehender Verbindlichkeiten geht. An diesen Anforderungen

scheitern viele kleine und mittlere Unternehmen, deren Betriebssoftware gerade mal

Excel-Tabellen auswirft. Die verlangten Auswertungen sprengen schlicht den Rahmen

der Möglichkeiten. Sind durch Basel II die Zügel bei der Kreditvergabe ohnehin

straff gespannt, bewegt sich ohne belegbare Zukunftsperspektiven gar nichts mehr.

Beeindruckende Umsatzzahlen von gestern sind zwar schön, viel mehr interessiert

die Geldinstitute aber die Position im Branchenumfeld und ob das Unternehmen

seine Hausaufgaben gemacht hat.


Auf dem Prüfstand > Gute Zahlungsmoral > Schnelles Geld > So halten Sie Ihr Unternehmen liquide

1. Unternehmens-Check, um Einsparungspotenziale

aufzuspüren

2. Kostenreduktion und Rationalisierung in

allen aufgezeigten Bereichen

3. Lagerbestand minimieren

4. Bilanzkennzahlen und Branchenprognosen

vorbereiten

5. Kredite aufstocken bzw. die Laufzeit

strecken

6. Forderungen fristgerecht einmahnen oder

an Factoring-Bank auslagern

7. Lieferantenskonti nutzen

8. längere Zahlungsziele aushandeln

9. Finanzierung neuer Investitionen über

Leasing

10. Fuhrparkmanagement auslagern

11. Absicherung gegen steigende Rohstoffpreise,

Zins- oder Währungsrisiko

REPORT PLUS 13-01|2010 51


�� F I N A N Z I E R U N G

(+) PLUS: Welche Möglichkeiten gibt es,

um die Liquidität zu verbessern?

Martin Frank: Im Zuge der Liquiditätsplanung

wird zunächst festgestellt, wann

wie viel Kapital benötigt wird und wie

die verschiedenen Ausgaben finanziert

werden sollen. Ausgehend von dieser Bestandsaufnahme

gibt es eine Reihe von Ansatzpunkten:

Beim Debitorenmanagement: Werden

die Forderungen, die das Unternehmen an

Kunden hat, zur Kreditbesicherung verwendet

(Zessionskredit) oder mittels Factoring?

Welche Zahlungsfristen werden

bisher Kunden gewährt und werden diese

auch eingehalten? Können diese verkürzt

werden? Kann bei gleichem Preisniveau

auch in Länder mit kürzeren Zahlungszielen

geliefert werden, um den Cash-Rückflow

zu »beschleunigen«?

Beim Kreditorenmanagement: Was kosten

Lieferantenkredite im Vergleich zu Betriebsmittelkrediten

der Banken? Welche

Konditionen haben Sie bei Kontokorrentkrediten

und Fixvorlagen, und wie sind

Festgelder veranlagt?

52 REPORT PLUS 13-01|2010

INTERVIEW

»Das Unternehmen auf Kurs halten«

Martin Frank, Ressortleiter Firmenkunden und Öffentliche Hand in

der UniCredit Bank Austria, über versteckte Potenziale und sichere

Steuermänner.

MARTIN FRANK. »Je volatiler die Wirtschaft,

desto wichtiger die Steuerfähigkeit

im Unternehmen.«

Beim Cash Management: Wie aktuell

ist das Mahnwesen? Werden Rechnungen

auch zeitnah zur Lieferung oder Auftrags-

ausführung ausgestellt und prompt versandt?

Haben Sie einen jeweils aktuellen

Überblick über Ihre verschiedenen Konten

und Unternehmensteile via Cash Pooling?

Beim Lagermanagement: Lässt sich die

durchschnittliche Lagerdauer senken?

Welche 20 Prozent der Produkte auf Ihrem

Lager binden 80 Prozent des Kapitals? Lassen

sich daraus Produkte mit schwachem

Deckungsbeitrag eliminieren? Haben Sie

schon an »Sale & Lease back« gedacht?

Beim Risikomanagement: Haben Sie

das Wechselkursrisiko und das Zinsänderungsrisiko

im Griff? Sind Forderungen

gegen Ausfälle auch entsprechend gesichert?

(+) PLUS: Laut Studien prüft etwa ein

Viertel der Betriebe ihre Liquidität selten

oder gar nicht. Welche Folgen kann das

haben?

Frank: Das ist eine Größenordnung, die

auch uns verblüfft hat – aber leider der Realität

entspricht, insbesondere bei Kleinbetrieben.

Je volatiler die Wirtschaft, umso

wichtiger ist die Steuerfähigkeit des Steuermanns

im Unternehmen. Dazu braucht

es ein konkretes Fahrtziel und Navigationsinstrumente,

die das Unternehmen

auf Kurs halten. Da spielt die Liquiditätssteuerung

eine ganz wichtige Rolle. Und

zwar geht es nicht nur um die Abwendung

drohender Zahlungsunfähigkeit, sondern

auch um die Rentabilität.

(+) PLUS: Die Banken erwarten inzwischen

sehr detaillierte Unternehmensdaten

und Finanzpläne. Können KMU diese

Anforderungen überhaupt erfüllen?

Frank: Wir sprechen hier bewusst von

einer »Beziehung« und nicht von einem

»Deal«. Wenn wir anhand der Zahlungsverkehrsabwicklung

eines Kunden sehen,

dass das »rund« läuft, dann gibt das natürlich

ein umfassenderes Bild als eine

– womöglich schon veraltete – Bilanz des

Vorjahres.

>> Alles geleast


Verkehrsfreigabe S 1 West und A 5 – mehr als

50 Kilometer neue Autobahn im Regionenring um Wien

Die Ostregion Österreichs hat

in den letzten Jahren international

an Bedeutung gewonnen.

Auch die Anforderungen

an die Verkehrsinfrastruktur sind durch

die wirtschaftlichen Beziehungen mit den

Nachbarregionen gestiegen.

Mit der Fertigstellung des Public-Private-Partnership

(PPP) Projektes Ostregion

„Ypsilon“ wurde ein weiterer großer Bestandteil

des ASFINAG Regionenrings um

Wien realisiert. Mit der Verkehrsfreigabe

der letzten Kilometer der S 1 West und

der A 5 bis Schrick am 1. Februar 2010

stehen den Verkehrsteilnehmern insgesamt

ca. 53 Kilometer neue hochrangige

Straßen zur Verfügung. Durch die Anbindung

an wichtige Verkehrsadern wie die

A 4 Ost Autobahn, die A 5 Nord Autobahn

und die A 6 Nordost Autobahn, die

Österreich mit seinen Nachbarländern

Ungarn, Tschechien und die Slowakei

verbindet, sorgt der Regionenring dafür,

dass die Vienna Region eine europäische

Region mit Zukunft bleibt.

Public-Private-Partnership-Projekt

Ostregion „Ypsilon“

Mit der 2006 erfolgten Unterzeichnung

des Konzessionsvertrages mit der Bonaventura

Straßenerrichtungs-GmbH startete

das erste Public-Private-Partnership-Stra-

ßenbau-Projekt in Österreich, das durch

einen privaten Betreiber finanziert, gebaut

und in den kommenden 30 Jahren betrieben

wird. Wie international üblich, erfolgt

die Vergütung der Bonaventura leistungsbezogen

durch die ASFINAG, im konkreten

Fall durch ein Verfügbarkeitsentgelt

und eine Schattenmaut. Bei der Schattenmaut

erhält der Konzessionär (Bonaventura)

für jedes gezählte Fahrzeug einen

Betrag, das Verfügbarkeitsentgelt richtet

sich nach der Verfügbarkeit der Konzessionsstrecke.

Für Österreichs Autofahrer

bedeutet das keine zusätzliche Maut und

keinen merkbaren Unterschied zu allen

anderen Autobahnen in Österreich.

infos

PPP- Projekt Ostregion

„Ypsilon“

Streckenlänge: rd. 53 km

Baubeginn: 02/2007

Verkehrsfreigaben: 10/2009 + 2/2010

Projektkosten: rd. 800 Mio. Euro

Verkehrsfreigabe 1. Februar 2010

S 1 Eibesbrunn – Korneuburg (S 1 West):

Länge: 12 km

Großprojekte: 1 Bergmännischer Tunnel

(Tradenberg),

2 Umweltschutztunnel

(Stetten, Kreuzenstein)

Anschlussstellen: Korneuburg West / Leobendorf,

Korneuburg Nord,

Hagenbrunn / Enzersfeld

A 5 Eibesbrunn – Schrick (A 5 Süd):

Länge: 22,5 km

Großprojekte: B 7 Neu, Umweltschutztunnel

Eibesbrunn (460 m)

Anschlussstellen: Wolkersdorf Süd, Wolkersdorf Nord,

Hochleiten, Schrick

Halbanschlussstellen: Ulrichskirchen, Gaweinstal Mitte,

Gaweinstal Nord

Weitere Infos erhalten Sie im:

ASFINAG Service Center

Tel.: 0800 400 12 400 — info@asfinag.at

oder unter www.asfinag.at


WENN UNTERNEHMER aktuell

darüber nachdenken, wie

sie ihre finanzielle Beweglichkeit

einfach und schnell

verbessern können, dann stoßen sie rasch

auf Factoring. Diese Finanzdienstleistung

ist zwischenzeitlich in allen Mitgliedsstaaten

der Europäischen Union ein nicht mehr

wegzudenkender Bestandteil der Unternehmensfinanzierung

geworden. In Österreich

gibt es starken Zulauf, was sich, bereits vor

der Krise, in zweistelligen Zuwachsraten dokumentiert

hat.

>> Gefragtes Modell > Factoring zahlt sich aus


JE BESSER DAS RATING, desto besser die Leasing-Konditionen.

■ LEASING

Grünes Licht für Ihre Investition

EIN UNTERNEHMEN ZU FÜHREN, ist

immer mit Risiko verbunden.

Wenn die Wahrscheinlichkeit

überwiegt, dass ein junges Unternehmen

eine gute Idee hat und ein bestehendes

gut unterwegs ist, steigt die Aussicht

auf Finanzierung. Seit Anfang 2007 sind für

die Kredit- und Leasing-Vergabe aufgrund

der Bestimmungen von Basel II neue Regeln

in Kraft. Für Firmenkunden ist damit

die Vorlage einer Bilanz zwingend. Auf die

Leasing-Anbieter wiederum kommen komplexe

Entscheidungsprozesse zu: Aufgrund

der durch Basel II vorgeschriebenen Abläufe

ist es umso wichtiger, dass Unternehmen

gut aufbereitete Unterlagen vorlegen. Sonst

kann die Entscheidungsfindung länger dauern

als bisher.

Wenn jemand sein Unternehmen startet

und gleich vom Start weg mehrere Investitionen

– wie zum Beispiel EDV-Anlagen,

Büro-Kommunikation, Ordinationsausstattung

etc. – finanzieren möchte, muss er

seinem Leasing-Berater einen Business Plan

vorlegen. Anhand dieses Unternehmenskonzepts

sollte für den Fachmann die Zukunft

des Unternehmens einschätzbar sein.

Der Businessplan enthält wesentliche Faktoren

wie die Branche, wie viele Mitarbeiter

Sie beschäftigen wollen und außerdem eine

Aufstellung über die geplanten Umsätze, die

zu erwartenden Erträge, eine Aufstellung

der vorhandenen Eigenmittel und die mittelfristige

Entwicklung des Unternehmens.

Anhand dieser unterschiedlichen Faktoren

wird das Wertschöpfungspotenzial mit jenem

von anderen Unternehmen derselben

Branche verglichen.

Wesentlich sind aber auch die Objekte

(Maschinen, Anlagen, Möbel, Fahrzeuge,

Gebäude etc.), die angeschafft werden sollen.

Jungunternehmer, die gleich vom Start weg

in einem Wagen der Luxusklasse unterwegs

sein wollen, müssen entsprechende Sicherheiten

anbieten. Viel bessere Chancen auf Finanzierung

haben Fahrzeuge der Mittelklasse

oder etwa Lieferwagen.

Neben diesen Anhaltspunkten fließt auch

noch die wirtschaftliche Vergangenheit des

angehenden Unternehmers ein. Damit kann

die Bonität insgesamt besser beurteilt und

sehr rasch eine verbindliche Zu- oder Absage

erteilt werden.

�� P O D I U M

Rasche Investitionsentscheidungen sind für jedes Unternehmen enorm wichtig.Wie

Sie möglichst einfach, schnell und effizient zu einer Finanzierung kommen, verrät

Riskmanagerin Notburga Fabsits.

NOTBURGA FABSITS. »Ein Unternehmen

zu führen, bedeutet immer auch,

Risiken einzugehen.«

>> Tipp


Architektur ohne Grenzen

43364_Alu_Wolke_BauImmo_420x104_IC3v2.indd 1

DIE TOP 12 THEMEN

Pleitegeier

>> Der Höhepunkt der Pleitewelle wird erst für 2010

erwartet, aber schon 2009 hat es einige große

Namen getroffen. An der Spitze: Arcandor.

Der Zusammenbruch des Großhandels- und

Touristikkonzerns zog neben Quelle auch die

Kaufhauskette Karstadt in den Abgrund. Ebenfalls

ungewiss ist die Zukunft der deutschen

Post-Tochter DHL. Weitere prominente Pleiteopfer:

Wäschehersteller Schiesser, das Porzellanunternehmen

Rosenthal und der Spielzeugeisenbahnfabrikant

Märklin.

Luftfahrtturbulenzen

>> Nicht einmal geschenkt wollte die Lufthansa die

angeschlagene Austrian Airlines haben. Finanzminister

Josef Pröll musste noch 500 Millionen Euro aus Steuergeldern

drauflegen. Trotzdem war der Deal bis zuletzt

eine Zitterpartie: Erst im August gab Brüssel grünes

Licht. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, gebürtiger

Oberösterreicher, spricht von einem »fairen Angebot«.

Mit einer unsanften Bauchlandung endete indessen

das Flugabenteuer SkyEurope. Die slowakische Billig-

Fluglinie schrieb nie Gewinne. Knapp vor Jahreswechsel

wurde sogar das Konkursverfahren mangels Vermögen

eingestellt, die Gerichtskosten wären nicht gedeckt

gewesen. Im Aufwind dagegen Niki Laudas Flotte: Der

Low-Cost-Carrier will 2010 seine Kapazität um

30 Prozent aufstocken.

56 REPORT PLUS 13-01|2010

Krise – war’s das?

>>Die einen beschworen eine tiefe Rezession, schwerer als die große Depression

der 1930er-Jahre, herauf. Die anderen machten nach einem kurzen Schreckmoment

weiter, als wäre nichts geschehen. Die Bilanz: Der Internationale Währungsfonds (IWF)

schätzt die weltweiten Verluste auf US-Kredite und Wertpapiere auf rund vier Billionen

US-Dollar. Allein in den USA wurden 2009 140 Banken geschlossen. Die Behörden erwarten

für 2010 den Höhepunkt der Pleitewelle. Während die Rekordarbeitslosigkeit und

Wirtschaftsflaute für die Mehrheit der Bevölkerung wohl noch länger spürbar sind, geht

die Party an den Finanzmärkten munter weiter. Vor einem Jahr noch auf Rettungspakete

angewiesen, werden heute wieder Bonuszahlungen in Millionenhöhe ausgeschüttet.

Seite 112

Einmal Opel und retour

>>Im Februar schien alles klar: 30 Milliarden Dollar Verlust

wogen zu schwer, der US-Autohersteller General Motors

wollte den maroden Opel-Konzern loswerden. Mit Magna war

rasch ein Käufer gefunden. Die deutsche Regierung sagte

Staatshilfe in Höhe von 4,5 Milliarden Euro zu, andere Mitbieter

erhöhten ihre Angebote – doch dann zogen die Absatzzahlen

nach fast zwei Jahren erstmals wieder an. GM ließ alle

im Regen stehen und sagte den Verkauf Anfang November

kurzerhand ab. Schwere transatlantische Verstimmungen

waren die Folge. Deutschland besteht auf die Rückzahlung

der Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro. Magna und

sein Kooperationspartner, die russische Sberbank, fordern

eine Entschädigung für bereits entstandene Kosten.

Hübsch verpackt

>> Und plötzlich war sie da, die

Krise. Und die Politik reagierte

schnell: Konjunkturpakete wurden

geschnürt und auf die marode

Wirtschaft losgelassen. Aber nicht

alles hat so gut funktioniert wie

die Thermische Sanierung. Bei der

Umsetzung des Baupakets kommt

es zu Verzögerungen und selbst

Experten fehlt der Durchblick, welche

Projekte ohnehin schon lange

geplant waren, welche vorgezogen

wurden und welche neu dazu gekommen

sind. Seite 60


Uni brennt

>> Unter diesem Kürzel avancierte das

Wiener Audimax für wenige Wochen zum

politischen Hotspot Europas. Die Besetzung

des größten Hörsaal Österreichs löste im

Oktober an Dutzenden Universitäten Europas

Solidaritätsaktionen aus und war von einer

»Volxküche« mit täglichen Mahlzeiten bis zu

professioneller PR-Arbeit perfekt organisiert.

Den Protesten gegen die untragbaren Studienbedingungen

schlossen sich Lehrende,

Personal und Gewerkschaften an. Mehr als

endlose Debatten und eine Finanzspritze von

34 Millionen Euro waren aber letztlich nicht

drin. Ende Dezember wurde das Audimax polizeilich

geräumt. Was bleibt, ist der Spruch des

Jahres: »Reiche Eltern für alle«.

Bitte warten

>> 2009 war nicht gerade das beste

Jahr für die Immobilienwirtschaft. Bei den

Projektentwicklern war eher Abschlankung

angesagt. Neue Projekte zu beginnen, stand

eher nicht auf der Tagesordnung. Zu sehr

waren die Developer damit beschäftigt, ihre

bestehenden Portfolios neu zu bewerten und

trotz sinkender Nachfrage noch Mieter für ihre

Büroflächen zu finden. Eine Stabilisierung erwarten

sich Beobachter frühestens im zweiten

Halbjahr 2010. Seite 76

Blau-Oranges Theater

>> Es war ein politischer Paukenschlag.

FPÖ und BZÖ gehen wieder ein Stück des

politischen Weges gemeinsam, zumindest

dort, wo seit einiger Zeit keine Sonne mehr

scheint, weil sie bekanntermaßen vom Himmel

gefallen ist. Da spielt es kaum eine Rolle,

dass man sich noch vor Wochen spinnefeind

war. Schon deutlich wichtigere Menschen der

Geschichte haben festgestellt, dass sie das

Geschwätz von gestern nur noch peripher

tangiert. Wer jetzt also wen tatsächlich als

was beschimpft und womit verglichen hat, ist

nebensächlich. Schuld an den Dissonanzen

waren ohnehin die anderen, die einen Keil ins

dritte Lager treiben wollten. Das ist vorbei,

jetzt soll der Bund aufgemischt werden.

Staat versus Privat

>> Damit hätte noch vor wenigen Jahren

keiner gerechnet. Eben wurde noch hurtig

privatisiert, jetzt wird fast noch geschwinder

re-verstaatlicht. »Weniger Staat, mehr Privat«

hat vorläufig einmal ausgedient. Selbst in den

USA wurde spätestens mit der Verstaatlichung

von General Motors Denkunmögliches Realität.

Heute sind Bürger und Steuerzahler rund um

den Globus wieder »stolze« Mitbesitzer von

maroden Pleitebetrieben. Allerdings nur auf

Zeit. Seite 10

Der Metallbau

macht’s möglich.

Lichtdurchflutet Bauen dank

perfekter Metallbautechnik.

Von der präzisen Planung bis

zur erstklassigen Ausführung.

Dafür steht ALU-FENSTER:

Im Zeichen der Qualität.

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Mittendrin statt nur dabei

>> Na bitte, es geht doch. Für kurze Zeit

hat es Österreich geschafft, Nabel der

Sportwelt zu werden. Denn zumindest wenn

es um leistungssteigernde Wundermittel

geht, führen anscheinend alle Wege nach

Wien. Nach dem tränenreichen Geständnis

des Leider-doch-nicht-Tourhelden Bernhard

Kohl kommen immer mehr Einzelheiten über

die engmaschigen Dopingnetze ans Licht.

Was fehlt: das Unrechtsbewusstsein der

handelnden Personen.

Kopenhagen – was nun?

>> Vom Klimagipfel in Kopenhagen bleibt

nicht viel mehr als heiße Luft. Nun muss

auf regionaler Ebene versucht werden, den

verfahrenen Karren flott zu bekommen und

CO2-Emissionen zu reduzieren.

Seite 26

Frisch verpartnert

>> Seit 1. Jänner 2010 hat sich Österreich

gesellschaftspolitisch an das 21. Jahrhundert

angenähert. Eine »Eingetragene Partnerschaft«

ist jetzt auch für Lesben und Schwule

gesetzlich möglich. Von völliger Gleichstellung

wie in Skandinavien sind wir jedoch noch

weit entfernt. Typisch österreichisch ist die

»Verpartnerung« ein Kompromiss ohne Zeremonie

am Standesamt. Eine Registrierung

am Bezirksamt muss ausreichen für den vermeintlich

»schönsten Tag im Leben«.

REPORT PLUS 13-01|2010 57

21.01.2008 17:10:24 Uhr


�� I N T E RV I EW

Bau braucht Anreize

Die Baubranche steuert einer schwierigen Zeit entgegen, ist

Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel überzeugt. Im Interview

spricht er über die dramatischen Einbrüche im Wohnungsneubau,

kritisiert, dass die Bauwirtschaft für Sünden geprügelt wird, die andere begangen

haben, und präsentiert eine lange Wunschliste an die Politik.

(+) PLUS: 2009 war kein Jahr wie jedes andere.

Die Krise hatte fast alle Branchen fest

im Griff. Wie stark war die Bauwirtschaft

von der Krise betroffen?

Hans-Werner Frömmel: Die Bauwirtschaft

hat, verglichen mit anderen Branchen, das

Jahr 2009 noch mit einem blauen Auge

überstanden. Das hängt aber auch damit zusammen,

dass aus dem Hochkonjunkturjahr

2008 noch Auftragsüberhänge abgearbeitet

werden konnten und die Konjunkturpakete

Auftragseinbrüche abfedern konnten.

Die Bauproduktion ist im Vergleich zu 2008

um 5,2 % zurückgegangen, die Beschäftigung

hat sich um 4,3 % verringert, bei einem

Anstieg der Arbeitslosen um 23 %. Dramatische

Einbrüche waren allerdings im privaten

Projektgeschäft und im Bereich des

Wohnungsneubaues zu verzeichnen.

58 REPORT PLUS 13-01|2010

(+) PLUS: Die Meinungen der Experten

über die Treffsicherheit der Konjunkturpakete

gehen weit auseinander. Wie haben sich

die Feuerwehrmaßnahmen der Regierung

Ihrer Meinung nach ausgewirkt?

Frömmel: Es ist zu begrüßen, dass die

Konjunkturpakete noch 2008 verabschiedet

wurden. Dabei hat sich einmal mehr gezeigt,

dass die Bauwirtschaft der Stabilisierungsfaktor

in der Finanz- und Wirtschaftskrise

war. Die Konjunkturpakete entfalteten eine

Hebelwirkung vom bis zum Zehnfachen

der eingesetzten Mittel. Der Staat profitierte

durch erhöhte Steuereinnahmen sowie Ersparnisse

bei den Arbeitslosengeldern.

Die verstärkten Investitionen der BIG

sind sehr positiv, wenngleich es heuer nicht

gelungen ist, das angepeilte Umsatzziel von

685 Millionen Euro zu erreichen. Es ist jetzt

besonders wichtig, 2010 den Rückstand von

rund 185 Millionen Euro rasch aufzuholen.

Insbesondere Sanierungsmaßnahmen im

Unterrichts-, Wissenschafts- und Justizressort

müssen beschleunigt werden.

Welche Potenziale in gut organisierten

Fördermodellen stecken, hat die Aktion Sanierungsscheck

gezeigt. Die Nutzung des

professionellen Apparates der Bausparkassen

war äußerst vorteilhaft und könnte auch

für andere Aktionen wie z.B. für die Förderung

von Sanierungen zum altersgerechten

Wohnen genützt werden.

(+) PLUS: Wird die Verlängerung des Sanierungsschecks

dem Baugewerbe helfen?

Frömmel: Der Sanierungsscheck war eine

wichtige und gute Aktion, die allerdings

dem Bauhilfs-, Neben- und Ausbaugewerbe

stärker zugutegekommen ist als dem Bauhauptgewerbe.

Der große Erfolg ist auch

darauf zurückzuführen, dass die Länder

die Förderungen bis zum Vierfachen der

Bundesförderung aufgestockt haben. Da

diese Ländermittel großteils aus der Wohnbauförderung

kommen, fehlten diese Mittel

im Neubau, was nicht zuletzt auch einen

dramatischen Einbrauch der Neubewilli-

HETZMANNSEDER

gungen auf 35.800 im Jahr 2009 nach sich

gezogen hat. FOTO:


Der jährliche Bedarf liegt laut aktuellen

Studien nach wie vor bei 50.000 neuen

Wohneinheiten pro Jahr. Eine Verlängerung

der Aktion Thermische Sanierung ist daher

zu begrüßen, jedoch sollte dies nicht zu Lasten

des Neubaus gehen.

(+) PLUS: Welche fiskalischen oder arbeitsmarktrelevanten

Maßnahmen schlagen

Sie darüber hinaus vor, um speziell dem

Baugewerbe auf die Sprünge zu helfen?

Frömmel: Eine unbedingte Notwendigkeit

sind fiskalische Anreize zur Mobilisierung

von Privatkapital für Bauinvestitionen. Neben

der Förderung der Thermischen Sanierung

schlagen wir Folgendes vor:

Erleichterte Abwicklung der 1/15-Abschreibung

für Stadterneuerungsmodelle,

Handwerkerbonus, reduzierte Mehrwertsteuer

für arbeitsintensive Baudienstleistungen,

1/67-Abschreibung für private Hausbauer,

Winterbau-Unterstützungsoffensive

nach steirischem Vorbild, steuerliche Begünstigung

von Adaptierungen von Wohnraum

zum altersgerechten und betreubaren

Wohnen sowie verpflichtende Rechnungslegung

für die Lukrierung von öffentlichen

Förderungen.

(+) PLUS: Zahlreiche Experten und Branchenvertreter

gehen davon aus, dass 2010 für

die Bauwirtschaft noch deutlich schwieriger

wird als 2009. Was erwarten Sie von 2010?

Frömmel: 2010 wird sicher ein schwieriges

Jahr, aber die Folgejahre werden noch problematischer,

wenn die Konjunkturpakete

auslaufen und die Budgetsanierungsphase

beginnt. Dazu kommt noch, dass die die Gemeindeeinnahmen

und die Wohnbauförderung

von den Ertragssteuern abhängig sind,

die krisenbedingt rückläufig sind.

(+) PLUS: Mit wie vielen Arbeitslosen am

Bau rechnen Sie heuer?

Frömmel: Wenn keine fiskalischen Anreize

zur Forcierung der Bauwirtschaft gesetzt

werden, ist heuer und in den Folgejahren im

Winter wieder mit Spitzen von 40.000 im

Bauhauptgewerbe und 70.000 im gesamten

Bauwesen zu rechnen.

(+) PLUS: Wie steht es um die Eigenkapitalausstattung

der heimischen Bauunternehmen?

Frömmel: Die mageren Umsatzrenditen

in der Baubranche verhindern, insbesondere

in der momentanen Situation, den Aufbau

von Eigenkapital und führen dazu, dass

die Eigenkapitalausstattung im Vergleich zu

anderen Branchen zu gering ist. Daher sollte

übertriebene Panikstimmung in der Branche

vermieden werden, da dies noch stärker

dazu führt, dass die Unternehmen Aufträge

unterpreisig »einkaufen«.

(+) PLUS: Wie stellt sich die Finanzierungssituation

für das Baugewerbe dar?

Werden die Banken wieder großzügiger bei

der Bereitstellung von Geld?

Frömmel: Durch die unangemessen hohen

Risikozuschläge und überzogenen Eigenkapitalquoten

bis zur Hälfte der Projektsumme

ist das Projektgeschäft zum Erliegen gekommen.

Es kann nicht sein, dass die Bauwirtschaft

jetzt für Sünden geprügelt wird,

die andere begangen haben.

(+) PLUS: Die Zweckbindung der Wohnbauförderung

ist faktisch abgeschafft, die

Berichtspflicht der Bundesländer aufgehoben.

Welche Konsequenzen hat diese politische

Entscheidung auf die Baubranche?

Frömmel: Um eine neue Wohnungsnot zu

vermeiden, muss die Zweckentfremdung

der Wohnbauförderung gestoppt werden. Es

wird Verhandlungen mit der Landeshauptleutekonferenz

geben, um die Länder zu

überzeugen. Auch die Subjektförderung in

Form von Wohnbeihilfen und Heizkostenzuschüssen

darf nicht ausgeweitet werden.

(+) PLUS: Im November 2008 schlossen

sich die Bundesinnung Bau, der Fachverband

der Stein- und Keramischen Industrie

und die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) sowie

die österreichische Umweltschutzorganisation

Global 2000 zum BAU-Pakt zusammen.

Ziel war es die Konjunktur in Österreich

nachhaltig anzukurbeln. Wie sieht Ihre

Bilanz nach 14 Monaten aus?

Frömmel: Das Ziel der Forcierung der

Thermischen Sanierung und Bewusstseinsbildung

für ökologische Bauweisen wurde

erreicht. Weitere Lobbying- und Überzeugungsarbeit

ist notwendig, um frisches Geld

für die thermische Sanierung aufzutreiben,

ohne den Neubau in der Wohnbauförderung

zu schmälern und fiskalische Anreize

zur Mobilisierung von Privatkapital durchzusetzen.

(+) PLUS: In Krisenzeiten ist mit einem

Anstieg der Schwarzarbeit zu rechnen. Was

können Politik und Interessensvertretung

gegen den Vormarsch der Schattenwirtschaft

tun?

Frömmel: Die erwähnten steuerlichen

Anreize, die eine Rechnungslegungspflicht

implizieren, wirken natürlich auch Pfusch

verhindernd. Ansonsten ist es ein Maßnah-

�� �� �� I N T E RV I EW

menbündel, das der Schattenwirtschaft entgegenwirkt.

Dazu zählen verschärfte Kontrollen,

Information über die Nachteile von

Pfuscharbeit, insbesondere Gewährleistungs-

und Haftungsrisken etc. Mit unserer

mehrfach prämierten BAUfair!-Kampagne

sind wir dabei auf einem guten Weg.

Was Schwarzbeschäftigung betrifft, sind

administrative Nachteile für die notwendigen

Maßnahmen, die auch die seriösen

Betriebe treffen, unangenehm, aber leider

unvermeidlich. Ich erwähne in diesem Zusammenhang

die Anmeldung vor Arbeitsbeginn

oder das Modell der Auftraggeberhaftung

für Sozialversicherungsbeiträge der

Auftragnehmer.

(+) PLUS: Die Bauinnung fordert öffentliche

Ausschreibungen mit veränderlichen

Preisen. Wie beziffern Sie die Chancen für

eine Umsetzung?

Frömmel: Wir würden es als ersten Schritt

schon begrüßen, wenn die im Gesetz vorgesehene

Bindungsfrist von zwölf auf sechs

Monate verkürzt würde und darüber hinaus

bei besonders volatilen Kostenkomponenten,

wie Stahl oder Bitumen, eine Sondergleitung

vorgesehen wird. Damit könnten

unerwünschte Spekulationen im Hinblick

auf die künftige Kostenentwicklung in Angeboten

verhindert werden.

(+) PLUS: Hat die Lehrlingsoffensive

der Bauinnung Erfolg? Sehen Sie genügend

Nachwuchs für das Baugewerbe?

Frömmel: Bis zum Vorjahr hatten wir

jährliche Zuwächse bei den Lehrlingen in

der Größenordnung von durchschnittlich

3 %. 2009 mussten wir erstmals seit sieben

Jahren wieder einen geringen Rückgang von

1,5 % verzeichnen. Österreichweit haben wir

im Bauhauptgewerbe immerhin 3.093 Lehrlinge

in den Berufen Maurer, Tiefbauer und

Schalungsbauer.

Unsere Kampagne »Bau deine Zukunft«

ist sehr effizient. Nicht auszudenken, wie

sich die Lehrlingszahlen ohne diese gebündelten

Maßnahmen entwickelt hätten. Es

hat sich als richtig erwiesen, bereits in den

Hauptschulen Kontakt mit den Jugendlichen

aufzunehmen und vor allem auch die

Auswahl an interessierten Kandidaten für

die Firmen zu vergrößern. Auch die bauspezifische

Zusatzprämie für Lehrlingsbetriebe

in der Höhe von 1.500 Euro wirkt natürlich

motivierend. Ein besonderes Anliegen ist es,

die Ausbildung in der Pflichtschule zu verbessern,

da immer wieder starke Defizite im

Bereich Mathematik, Deutsch und Allgemeinbildung

festzustellen sind. ■

REPORT PLUS 13-01|2010 59


�� KO N J U N KT U R

ZANKAPFEL

KONJUNKTURPAKET

Groß angekündigt, hübsch verpackt: Die

Konjunkturpakete der Regierung haben viel versprochen

und jede Menge Hoffnungen geschürt. Bei der

Umsetzung gibt es allerdings Probleme. Darunter

leidet vor allem die Bauwirtschaft, die auch noch mit ganz

anderen Problemen zu kämpfen hat.

Von Bernd Affenzeller

60 REPORT PLUS 13-01|2010

AUF DEN ERSTEN BLICK scheinen alle

sehr zufrieden mit sich zu sein.

Bundeskanzler Werner Faymann

hat kurz vor Weihnachten festgestellt,

dass die gemessen am BIP zweitgrößten

Konjunkturpakete Europas in Österreich

»das Schlimmste verhindert und 100.000

Arbeitsplätze erhalten oder neu geschaffen«

haben. Auch der Koalitionspartner ist

zufrieden, schließlich sei es gelungen, den

»unvermeidlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung

auf 2,1 Prozentpunkte zu beschränken«.

Und auch Wirtschaftskammerpräsident

Christoph Leitl zieht eine »positive

Bilanz für 2009«.

Aber nicht alle können in die Lobeshymnen

der Politik einstimmen. In der Bauwirtschaft

ist die Meinung zur Performance der

Politik zumindest zwiespältig. Speziell die

vorgezogenen Investitionen der Bundesimmobiliengesellschaft

stoßen vielen sauer

auf. 875 Millionen Euro werde die BIG an

Projekten 2009 und 2010 vorziehen, jubelte

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner

Anfang 2009. Der Jubel ist rasch verhallt,

denn mit der Umsetzung gibt es nach wie

vor Probleme. »Das mit großem Trara von

der Regierung angekündigte Baukonjunkturpaket

der BIG stellt sich als Polit-Werbegag

heraus«, lautet etwa das kritische Urteil

von Strabag-Vorstand Franz Urban. Die BIG

selbst nimmt Urban in seiner Kritik explizit

aus. Schuld seien vielmehr die Ministerien,

die sich mit Aufträgen an die BIG höflich zurückhalten.

Etwas härter ins Gericht mit der

BIG geht Josef Muchitsch, stellvertretender

Vorsitzender der Gewerkschaft Bau Holz.

»Im Gegensatz zu ÖBB und Asfinag waren

viele Projekte der BIG nicht ausreichend vorbereitet,

dass sie schon 2009 hätten gestartet

werden können.«

>> Sprachprobleme


Die BIG als Eigentümer

der Liegenschaften finanziert

Bauvorhaben im Wesentlichen

über den Kapitalmarkt

durch Begebung

von Anleihen und refinanziert

sich durch die laufenden

Mieterträge. »Ein

unterschriebener Mietvertrag

zwischen der BIG und

dem jeweiligen Mieter ist

die Basis jedes Bauvorhabens.

Ohne Mietvertrag

kein Baubeginn«, stellt Eichinger

klar. Dieser Workflow wird auch im

Rahmen des Konjunkturpakets nicht verlassen.

Zwar gibt es den Ministerratsbeschluss

über die 875 Millionen Euro, es obliegt aber

den Geschäftspartnern der BIG, allen vo ran

Bildungs-, Justiz- und Innenministerium,

mit ihrer Unterschrift das Startsignal für

Sanierungs- und Neubauprojekte zu geben.

Dass es hier zu Verzögerungen gekommen

ist, weiß man bei der BIG ebenso wie in

den betroffenen Ministerien. Dennoch hat

die BIG laut Eichinger 2009 mehr Geld in

Neubau, Sanierung und Instandhaltung investiert

als jemals zuvor. »Aus den rund 360

»ES LIEGT AN DEN MINISTERIEN,

die Aufträge zur Um-

setzung des Konjunkturpakets

zu geben«,

sagt Ernst Eichinger,

Bundesimmobiliengesellschaft.

Millionen Euro der Vorjahre

sind mehr als 500 Millionen

geworden.« Aktuell befinden

sich mehr als 40 Großprojekte

mit einem Volumen

von über 1,3 Milliarden Euro

in Ausführung, Projekte im

Wert von rund 650 Millionen Euro sind in

der Planungsphase.

>> ÖBB und Asfinag


�� KO N J U N KT U R

um eine effektive, effiziente und zeitnahe Realisierung

von Projekten sicherzustellen. Urban

schlägt ein permanentes Gremium aus

Politik, den betroffenen Institutionen Asfinag

und ÖBB, Vertretern der Bauwirtschaft

sowie Architekten und Sonderfachleuten vor.

»In Deutschland gibt es ähnliche Projekte,

die hervorragend funktionieren und einen

Mehrwert für alle bringen.«

>> Ungewollt positiv > Dramatischer Rückgang nach der Aufhebung

der Zweckbindung der Wohnbauförderung

ab 2008.

1991 42.007

1992 51.846

1993 58.316

1994 60.984

1995 66.689

1996 65.358

1997 56.925

1998 50.789

1999 45.459

2000 41.460

2001 40.229

2002 42.281

2003 43.500

2004 43.500

2005 43.800

2006 47.600

2007 44.800

2008 40.200

2009 35.800

Quelle: Statistik Austria/IIBW


VIEL HEISSE LUFT und eine dürre Erklärung:

Leider ist bei der großen

UNO-Klimakonferenz in Kopenhagen

nicht mehr herausgekommen.

Andererseits ist auch nicht mehr zu erwarten

gewesen. Hunderte Staaten auf einen

Nenner zu bringen, ist noch dazu in einem

Krisenjahr nicht so leicht.

Trotzdem läuft die Zeit gegen den Klimawandel.

Langfristig muss die Erderwärmung

auf maximal zwei Grad Celsius beschränkt

werden – so die Absichtserklärung in Kopenhagen.

Bis wann genau dieses Ziel in rechtliche

Rahmenbedingungen gebracht wird,

ist offen. Wenn dies nicht gelingt, wird es in

Form von unvorhersehbaren Umweltkatastrophen

noch hohe Kosten geben, wie man

in extremen Kälte- und Hitzetagen und in

Umweltkatastrophen wie Donauhochwasser

sehen kann. Es wird teurer, nichts zu tun,

als jetzt sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen.

Die Europäische Union will trotz des mageren

Kopenhagen-Ergebnisses mit gutem

Beispiel vorangehen und die klimaschädlichen

CO 2-Emissionen bis 2020 um min-

�� P O D I U M ��

W A S M E I N U N G I S T U N D W E R P O S I T I O N B E Z I E H T

■ UMWELT

Thermische Sanierung ist das Gebot der Stunde

– Kopenhagen hin oder her

Die Thermische Sanierung ist eine klassische Win-win-Situation. Hausbesitzer

sparen Energiekosten, die Bauwirtschaft freut sich über zusätzliche Aufträge, die Umwelt

über weniger CO 2 -Emissionen und der Finanzminister über ein gutes Geschäft.

Ein Gastkommentar von Peter Schmid

PETER SCHMID. »In Österreich herrscht noch enormer Handlungsbedarf.«

destens 20 % im Vergleich zum Jahr 1990

reduzieren.

>> Besser thermisch sanieren als Kyoto-

Strafzahlungen > Die beste Energie ist die, die man nicht verbraucht

> Neues Förderpaket für thermische Sanierung

ist überfällig > Peter Schmid (39) ist Eigentümer und

Geschäftsführer von Austrotherm GmbH,

Österreichs führendem Polystyrol-Dämmstoff-Produzenten

mit Werken in Purbach

und Pinkafeld. Infos: www.austrotherm.com.

Weiters ist Schmid Vorstandsvorsitzender der

GPH (Güteschutzgemeinschaft Polystyrol-

Hartschaum) und beschäftigt sich seit Jahren

mit Fragen der Energieeffizienz.

REPORT PLUS 13-01|2010 63


�� I N T E RV I EW

»Wir sind ein

Tausendfüßler«

Peter Krammer ist seit Jahresbeginn Vorstandsmitglied

der Strabag SE. Der gelernte Bauingenieur über Wirtschaftskrise,

Marktchancen und Streitkultur.

Von Roland Kanfer

(+) PLUS: Herr Krammer, jeder neue Vorstand hat

seine Prioritäten. Was haben Sie sich vorgenommen?

Peter Krammer: Für die Strabag Geld zu verdienen.

In den Märkten, die ich verantworte, das ist im

Wesentlichen Deutschland und Österreich, sind wir

sehr gut aufgestellt. In Deutschland haben wir mit 5,3

Milliarden Euro Umsatz absolut gesehen das beste

Ergebnis. Hier sind wir mit Abstand das größte Bauunternehmen

mit einer tiefen Wertschöpfungskette.

Wir arbeiten selbst dort und sind auch der größte Arbeitgeber

im Bau. Diesen deutschen Markt wollen wir

weiter auf profitabler Ebene ausbauen, das ist eine der

Strategien. In Österreich wollen wir weiter Nummer

eins bleiben, in Osteuropa sind wir unterschiedlich

vertreten. Durch die Wirtschaftskrise konnten wir

unsere Pläne nicht überall ganz einhalten.

(+) PLUS: Betrifft das auch Russland?

Krammer: Dort wird es etwas länger dauern. Wir

werden versuchen, die nächsten zwei Jahre dort ein

stabiles Niveau zu halten und dann sehen, wie es weitergeht.

Russland ist ein sehr großes Land, in dem sehr

viel zu tun ist. Die Frage ist, welche Schwerpunkte die

Politik setzen wird. Die Infrastruktur im Bereich der

Ölförderung und der Industrieproduktion muss dort

ausgebaut werden. Das ist aber weniger etwas für ein

Bauunternehmen als für einen Anlagenbauer. Wir

glauben trotzdem, dass sich die Situation dort erholen

wird.

(+) PLUS: War man vielleicht zu optimistisch, was

das Engagement in Russland betrifft?

Krammer: Das glaube ich nicht. Es hat aber niemand

gedacht, dass die Wirtschaftskrise derart zuschlägt

und die Welt von einem Monat auf den ande-


en nicht mehr die gleiche ist. Die Investoren,

die auf Wachstum gesetzt haben, wie unser

Shareholder Oleg Deripaska, sind in enorme

Liquiditätsschwierigkeiten gekommen. Das

beeinträchtigt natürlich auch Investitionen

in die Olympischen Winterspiele oder den

Bau von Shopping Malls.

(+) PLUS: Deripaska hat seine Option auf

die Strabag-Anteile verlängert. Ist schon abzusehen,

ob er diese Option ziehen wird?

Krammer: Deadline ist der 15. Oktober

2010. Wir gehen davon aus, dass er bezahlen

und wieder vollwertiger Shareholder mit 25

Prozent sein wird.

(+) PLUS: Gibt es einen Plan B, falls Deripaska

nicht einsteigt?

Krammer: Das ist Eigentümerfrage. Wir

gehen davon aus, dass er bezahlt.

(+) PLUS: In den ersten drei Quartalen

des Vorjahres lag der Umsatz der Strabag bei

9,09 Milliarden. Wie ist das Gesamtjahr gelaufen?

Krammer: Wir werden in etwa das Niveau

des Vorjahres erreichen (12,2 Milliarden,

Anm.). Das war das Planziel. 2009 war aber

nicht das schwierigste Jahr, auch 2010 wird

nicht schwierig. Unsere Auftragsbestände

sind voll, wir haben mehr als einen Jahresumsatz

in den Büchern. Jetzt aber laufen

noch die Konjunkturprogramme. Die Aufgabe

des Staates, in Zeiten schwacher Konjunktur

öffentliche Investitionen zu tätigen,

wurde teilweise gut wahrgenommen. Diese

Programme laufen aber 2011 aus, wir schätzen

daher, dass 2012 eines der schwierigsten

Jahre für die Bauindustrie wird. Dann

kommt es darauf an, wie weit diese ausgelaufenen

Konjunkturprogramme von den

Privaten wieder kompensiert werden.

(+) PLUS: Im Tiefbau gibt es aber keine

privaten Investoren.

Krammer: Wie Herr Haselsteiner sagt,

wir sind ein Tausendfüßler. Wenn ein Bein

krankt, tragen die anderen weiter. Wir haben

Facility Management, wir haben Umwelttechnik,

wir haben den Hoch- und den Ingenieurbau.

Wir haben unsere Kernmärkte

Österreich, Deutschland und Südosteuropa,

�� �� �� I N T E RV I EW

ZUR PERSON

>> Peter Krammer (43) hat Bauingenieurwesen

an der TU Wien studiert. Dissertation am

Institut für Bauwirtschaft zum Thema Claim

Management. Autor des Buches »Mehrkostenforderungen

beim Bauvertrag«. In Berlin als

stellvertretender Projektleiter für Maculan tätig,

anschließend für Porr für den Semmering-

Basistunnel zuständig. Bei seinem ersten Engagement

für die Strabag baute er den Bereich

Contract Management auf und verantwortete

anschließend im operativen Bereich die Verlängerung

der U2. Bei dem Bauunternehmen

Swietelsky baute Krammer den Bereich Ingenieur-Tiefbau

auf und war für den Straßenbau

in Niederösterreich zuständig. 2005 kehrte er

zur Strabag AG zurück und ist seither Mitglied

des Vorstandes. Seit 2006 ist Krammer für den

Hoch- und Ingenieurbau in Osteuropa zuständig.

Zusätzlich verantwortet Krammer auch den

Bereich Umwelttechnik.

aber auch Nordafrika und den Mittleren Osten.

Wir werden auch weiter reisen müssen,

um unsere Kapazitäten und unsere Um- c

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REPORT PLUS 13-01|2010 65


�� I N T E RV I EW

c

sätze weiter ausbauen zu können. Indien

ist ein sehr starker Markt mit Riesenpotenzial.

Wir haben dort schon einige Projekte wie

die U-Bahn in Delhi realisiert.

(+) PLUS: Im Mittleren Osten haben Sie

keine Probleme?

Krammer: In Dubai haben wir abgeschlossen,

das trifft uns nicht. Unsere Märkte Abu

Dhabi, Oman, Qatar, Saudi-Arabien haben

nach wie vor Potenzial. In Dubai hat wie in

Rumänien eine Überhitzung stattgefunden,

das musste so kommen.

(+) PLUS: Was erwarten Sie 2011 und 12?

Krammer: Wir werden ein moderates

Wachstum haben. Ich rechne zumindest mit

einem gleichbleibenden Umsatz.

(+) PLUS: Kommen diese Umsätze aus

Akquisitionen oder aus der Bauproduktion?

Krammer: In der realen Bauproduktion

haben wir 2009 einen Rückgang von rund

sieben Prozent, den wir durch Akquisitionen

aus dem Jahr 2008 kompensieren können.

Wir werden weiter moderat investieren. Ich

glaube nicht, dass wir 2010 einen weiteren

Rückgang der Bauproduktion haben werden,

weil die Konjunkturprogramme greifen und

weil die Investitionen da und dort wieder anspringen.

Das Geld ist da und muss arbeiten.

Da muss aber natürlich die Kaufkraft so weit

gegeben sein, dass Wohnungen gekauft und

Büros gemietet werden. Wenn aber die Investitionskosten

nicht stimmen, dann haben wir

als Bauunternehmen nichts davon und die

Realwirtschaft leidet. Wenn sich das in einem

vernünftigen Maß einpendelt, dann funktioniert

das System.

(+) PLUS: Für die Entwickler ist es aber

derzeit immer schwieriger, eine Finanzierung

zu bekommen.

Krammer: Auch da braucht es ein gesundes

Mittelmaß. Das Jahr 2009 war sicher ein

ganz schwieriges für die Projektentwickler.

Wir müssen ein vernünftiges Maß erreichen,

wo ein Projekt mit einer gewissen Vorvermietung

und einer ordentlichen Eigenkapitalbasis

von den Banken finanziert wird.

Dann wird es wieder zu Neuentwicklungen

kommen. Ich gehe davon aus, dass das 2011,

2012 wieder anspringen wird, auch in den

Ländern Südosteuropas.

66 REPORT PLUS 13-01|2010

WOHNBAU IN BUKAREST: Südosteuropa bleibt einer der Kernmärkte der Strabag.

(+) PLUS: Sehen Sie Potenzial für privaten

Straßenbau?

Krammer: Das Segment PPP (Public-Private-Partnership,

Anm.) hat großes Potenzial

für uns. Im Moment ist es auch hier schwierig,

Finanzierungen zu finden. Jetzt braucht

man mehr Partner, weil die Banken kleinere

Tranchen riskieren. Chancen sehe ich dort,

wo es Verkehrswachstum gibt.

»2009 und 2010 sind keine schwierigen jahre

für die bauindustrie. das schwierigste Jahr wird 2012,

nach Auslaufen der konjunkturprogramme.«

(+) PLUS: In Österreich hat man den Eindruck,

dass die Asfinag nach der A5 keine

Lust mehr auf PPP-Modelle hat. Sehen Sie

hierzulande Potenzial?

Krammer: In Österreich sehe ich wenig

Potenzial. Das ist eine Sache der politischen

Entscheidung. Eine Teilprivatisierung der

Asfinag würde da schon mehr Sinn machen.

Mit ein paar Kilometern Autobahn kann

man als Privater nicht effizient sein.

(+) PLUS: Sie sind im Strabag-Vorstand

auch für Umwelttechnik zuständig. Hat dieser

Bereich Potenzial?

Krammer: Dieser Bereich hatte in der

Strabag vor zwei Jahren einen Umsatz von

60 Millionen Euro und wird im Jahr 2009

immerhin an die 300 Millionen machen.

Daran erkennt man schon, welches Wachstumspotenzial

darin liegt. Wir haben uns in

diesem Bereich auch durch Firmenakquisitionen

sehr verstärkt, nicht nur im klassischen

Bau etwa von Kläranlagen. Wir sind

auch in der Abgasreinigung und haben uns

an einem Unternehmen für Wirbelschichtverbrennungen

beteiligt. Wir können damit

auch im Anlagenbau in allen Bereichen tätig

sein.

Unsere Stärke ist, dass diese Technologien

in jenen Ländern besonders gefragt sind, in

denen wir mit der Bauinfrastruktur zuhause

sind. Den Bereich der erneuerbaren Energien

und der Umweltsanierung halte ich für

sehr wichtig, da wird in den nächsten Jahren

sehr viel EU-Geld fließen. Aber auch in den

Kernländern Deutschland und Österreich

sind wir im Bereich erneuerbare Energien

tätig, etwa mit der Erzeugung von Bio-Erdgas.

(+) PLUS: Welches Umsatzziel haben Sie

sich für die Umwelttechnik gesetzt?

Krammer: Ein Wachstum wie in den letzten

beiden Jahren wird nicht mehr möglich

sein. Ziel ist, in den Ländern Südosteuropas,

Polen aber auch Russland unsere Marktposition

weiter auszubauen und unser Portfolio

weg vom klassischen Baubereich in Richtung

Anlagenbau zu erweitern. Dort gibt es noch

sehr viel zu tun.

(+) PLUS: Worauf kommt es Ihnen als

neues Vorstandsmitglied besonders an?

Krammer: Für mich ist Selbstverantwortung

und Kooperation ein ganz wesentlicher

Punkt. Gerade weil ich mich früher sehr stark

mit dem Claim Management auseinandergesetzt

habe, ist meine Botschaft: Wir brauchen

eine ordentliche Streitkultur, die es uns

ermöglicht, einander wieder in die Augen zu

schauen. ■


FOTO: MARTIN STICKLER.

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Gigantische Wolkenkrat

ergebnisse: Die Bauwirtschaft

EIN BAU DER SUPERLATIVE. 828 METER RAGT DER BURJ KHALIFA IN DEN HIMMEL.

■ MEGA-PROJEKT

Burj Khalifa

828 Meter, verteilt auf 189 Etagen: In

pulverisiert. Der als Burj Dubai gebaute Wo

öffnet wurde er als Burj Khalifa, benannt nach d

Es sollte ein Symbol der Hoffnung für die arabische

Welt darstellen und ein leuchtendes Beispiel dafür

sein, was die Menschen alles erreichen können.

Geworden ist daraus der Beweis, dass auch das

vermeintliche Eldorado Dubai von der weltweiten

Wirtschaftskrise nicht verschont blieb. Denn aus

dem Burj Dubai, dem Turm von Dubai, wurde der Burj

Khalifa, der Turm des Khalifa bin Zayed al-Nahyan,

Scheich von nebenan und Herrscher von Abu Dhabi.

Der hat, als es in Dubai finanziell so richtig eng wurde

und die Schuldenrückzahlung ins Stottern kam,

ein paar Milliarden locker gemacht und damit nicht

nur Dubai stabilisiert, sondern auch die internationalen

Börsen beruhigt. Und weil derjenige, der

zahlt, auch anschaffen darf, trägt das höchste Gebäude

der Welt jetzt seinen Namen.

>> Bau der Superlative


es bauen

tzer, neue Wohnbauprojekte und spannende Forschungsverfügt

über jede Menge Innovationspotenzial.

Dubai wurde der bisherige Höhenrekord bei Wolkenkratzern regelrecht

lkenkratzer überragt den Taipei 101 um mehr als 300 Meter, erdem

Scheich von nebenan.

Das Megabauwerk beherbergt auf 189 Etagen Luxuswohnungen, Büros, mit dem »At

the Top« in der 124. Etage die höchste Aussichtsplattform der Welt und das weltweit

erste Armani-Hotel. Die Übergabe der Büros und Apartments ist für Februar geplant,

das Hotel soll am 18. März eröffnet werden.

Insgesamt wurden rund 330.000 Kubikmeter Beton und 31.000 Tonnen Stahl verbaut.

Allein für die Gründung wurden 45.000 m 3 Beton mit einer Masse von 110.000

Tonnen aufgewendet. Bis zu einer Höhe von 600 Metern ist der Burj Khalifa eine Stahlbetonkonstruktion,

die restlichen gut 200 Meter sind eine reine Stahlkonstruktion.

Der letzte Teil der aluminiumverkleideten Fassade in 632 Metern Höhe wurde am

30. September 2009 fertiggestellt. Insgesamt wurden rund 25.000 Fassadenteile angebracht,

sie belegen rund 130.000 Quadratmeter Fläche, dazu kommen rund 100.000

Quadratmeter Glasflächen. Die Fassadenteile sollen ein Gewicht von fünf Airbus A380

erreichen.

Für den Bau des Burj Khalifa wurde ein mit speziellen Chemikalien versehener Transportbeton

verwendet, der eine dreimal höhere Druckfestigkeit als normaler Beton aufweist.

Aufgrund der enormen Materialbelastung durch die Hitze wurden die Arbeiten

nur nachts durchgeführt.

Sämtliche Arbeiten am Burj Khalifa wurden im Dreischichtbetrieb durchgeführt,

>> Höhe: 828 Meter

>> Bauherr: Emaar Properties

>> Architekt: Skidmore, Owings

and Merrill

>> Bauzeit: 2004–2010

>> Etagen: 189

>> Aufzüge: 54

>> Geschossfläche: 520.000 m2 ZAHLEN & FAKTEN

>> Konstruktion: Stahlbeton, Stahl

>> Fassade: Aluminium, Glas

>> Baukosten: ca. 1 Milliarde Euro

mehr als 2.000 Arbeiter waren zu jeder Tageszeit

auf der Baustelle. In Spitzenzeiten

waren es mehr als 10.000 Personen. Rund

vier Tage dauerte es, bis ein neues Stockwerk

vollendet war, in lichteren Höhen aufgrund

der starken Verjüngung des Turms nur noch

drei Tage. Nach mehr als 20 Millionen Mannstunden

war das Gebäude fertiggestellt. Das

heißt, eine Person hätte bei einem 8-Stunden-Tag

rund 6.850 Jahre arbeiten müssen.

Gekostet hat das Prestigeobjekt rund eine

Milliarde Euro.

■ CONTRACT.AWARD

Ausgezeichnetes

Hotelkonzept

DAS »MILLION DONKEY HOTEL« im süditalienischen

Prata Sannita.

Bereits zum zehnten Mal wurden mit dem »contractworld.award«

zukunftsorientierte Büroarbeitswelten,

kreative Hotel- und Gastronomiekonzepte sowie innovative

Laden- und Messebauten ausgezeichnet. Ein

Preisträger kommt aus Österreich. In der Kategorie

»Hotel/Spa/Gastronomie« hat das Wiener Architekturbüro

feld72 für das »Million Donkey Hotel« in Prata

Sannita in Süditalien den ersten Preis gewonnen. Dabei

handelt es sich um ein Projekt, das von Architekten und

Künstlern unter Einbeziehung der Dorfbewohner entwickelt

wurde. Aufgabe war es, zwei getrennte Ortsteile

wieder miteinander zu verknüpfen. Entstanden ist ein

Hotel mit unterschiedlichsten Zimmern und Bereichen,

die sich über verschiedene Gebäude und ehemalige Ruinen

erstrecken. Auch der öffentliche Raum wurde wiederbelebt

und wird verstärkt von den Dorfbewohnern

genutzt. Alle verwendeten Materialen stammen aus der

direkten Umgebung des Ortes. »Ein beispielhaftes Projekt,

das einer Gesellschaftsgruppe und einem Ort Fortbestand

und Zukunft sichert«, so das Urteil der Jury.

REPORT PLUS 13-01|2010 69


�� I N N O VAT I O N

■ WOHNBAU

Wohnen in Wien

Ob bei einschlägigen Veranstaltungen oder in Medienberichten, die Wohnbaupolitik der Stadt Wien

wird regelmäßig gelobt. Und das nicht nur, wenn der zuständige Stadtrat Michael Ludwig anwesend ist.

Dieses Lob hat sich die Bundeshauptstadt aber auch redlich verdient. Pro Jahr werden 7.000 Wohneinheiten

neu errichtet, davon 85 Prozent gefördert, knapp 10.000 werden jährlich saniert. Rund 600

Millionen Euro fließen jedes Jahr in den geförderten Wohnbereich. 450 Millionen Euro stammen aus

der Wohnbauförderung des Finanzausgleiches, 150 Millionen schießt die Stadt laut Wohnbaustadtrat

Ludwig aus ihrem eigenen Budget hinzu. Ein Teil dieses Geldes fließt in völlig neue Konzepte. Kaum eine

andere Stadt investiert mehr in innovative Wohnprojekte als Wien.

So wurden etwa bereits zwölf Wohnhausanlagen in Passivhaustechnologie errichtet, 19 weitere

sind in Bau oder Planung. Dafür schüttet die Stadt Wien rund 80 Millionen an Förderungen aus. In

Erdberg entsteht derzeit mit Eurogate die größte Passivhaussiedlung Europas. Die ersten Wohnungen

sollen 2011 übergeben werden, im Endausbau 2016 werden 1.700 Wohnungen auf dem insgesamt 20

Hektar großen Gelände entstehen.

Ebenfalls neu ist das »Baugruppen«-Modell, das bei den beiden städtebaulichen Großprojekten

»aspern, die Seestadt Wiens« und »Sonnwendviertel« beim neuen Hauptbahnhof zum Einsatz kommt.

Dabei werden die künftigen Mieter aktiv in den Planungsprozess eingebunden.

Ein weiteres innovatives Wohnprojekt feierte im Dezember Fertigstellung. Das Frauenwohnprojekt

[ro*sa] bietet seinen Bewohnerinnen maßgeschneiderte Wohnqualität, die sich ganz an den Wohnbedürfnissen

von Frauen orientiert, darunter ein enges und generationenübergreifendes Miteinander.

Und auch der Sicherheitsgedanke kommt nicht zu kurz. Im Rahmen des Pilotprojekts »Sicher Wohnen«

wurde gemeinsam mit der GEWOG eine Wohnhausanlage geplant, die besondere Sicherheitseinrichtungen

wie vandalensichere Durchlade-Postkästen und Wohnungseingangstüren der Widerstandsklasse

3 inklusive Sicherheitszargen bietet. Dazu kommen weitere Maßnahmen wie übersichtliche

Gehwege, helle Stiegenhäuser und Bewegungsmelder in den Hauseingängen und der Garage.

ASPERN – DIE SEESTADT WIENS: Eines der größten Stadtentwicklungsgebiete

Europas und das mit Abstand größte Projekt in Österreich.

■ CO2-REDUKTION

Forschende Zementindustrie

Zwei Millionen Euro investiert die

Vereinigung der Österreichischen

Zementindustrie in die Forschung.

Oberstes Ziel: Die CO2-Emissionen

bei der Herstellung zu reduzieren.

Dafür gab es jetzt von der FFG am

Branchenforschungstag den 1.

Preis in der Kategorie »Kooperative

und Branchenprojekte« .

70 REPORT PLUS 13-01|2010

Das CO2-Einsparungspotenzial

bei der Zementherstellung ist

enorm. Bis zu 400.000 Tonnen pro

Jahr sind laut Experten alleine für

Österreich realistisch. Dieses Potential

zu heben, ist Aufgabe des

VÖZFI, des Forschungsinstituts der

Vereinigung der Österreichischen

Zementindustrie.

Die größte Herausforderung

stellen die prozessbedingte Emissionen

der Ausgangsstoffe während

des Herstellungsprozesses

von Zement dar. Hier setzt das

Forschungsprojekt »Zement mit

geringerem CO2-Anfall bei der

Herstellung« des VÖZFI an. Rund

acht Prozent der Emissionen kön-

WIEDERAUFBAU NACH DEM ERDBEBEN:

Mehrgeschoßiger Holzbau

in L’Aquila.

■ HOLZBAU

Innovationen

Der Holzbau ist auf dem Vormarsch,

österreichische Unternehmen

zählen dabei zu den

Pionieren. Das ist nicht überraschend,

Holz steht als heimische

Ressource in ausreichender

Menge zur Verfügung. Es gibt in

Österreich keinen Rohstoff, dessen

Produktion weniger Energie

kostet. Eine Milliarde Kubikmeter

Holz stehen in Österreichs

Wäldern, 31 Millionen Kubikmeter

wachsen jährlich nach.

Was man mit dem Baustoff

Holz alles anstellen kann, zeigt

etwa das Vorarlberger Unter-

nen schon heute ohne Qualitätseinbußen

eingespart werden, das Ziel

sind 15 Prozent. Um dieses ehrgeizige

Ziel zu erreichen, setzt das

VÖZFI auf ein 75.000 Euro teures

Bildanalysegerät. Dieser »Flow

Particle Image Analyzer«, von dem

in Europa nur wenige Stück im Einsatz

sind, analysiert das sogenannte

»Feinkorn im Beton«, darunter

versteht man den Zement sowie

verschiedene mehlförmige Anteile

in Betonen. Auf diese Weise wird die


aus Holz

nehmen Rhomberg Bau. Mit Unterstützung der

FFG wurde der LifeCycle Tower entwickelt, ein

energieeffizientes und ressourcenschonendes

Holzhochhaus mit bis zu 20 Stockwerken. Damit

wurde der bisherige Rekord im mehrgeschoßigen

Holzbau, ein Gebäude mit neun Stockwerken in

London, deutlich übertroffen. Um diese Höhe

technisch, wirtschaftlich und ökologisch realisieren

zu können, kommt ein Holz-Baukastensystem

zum Einsatz. Damit werden auch die Anforderungen

an Brandschutz, Akustik und Tragfähigkeit

erfüllt und zwar durch eine modulare,

industriell herstellbare Holzverbundweise, die

die Tragstruktur eines energetisch optimierten

Gebäudes bildet. Der LifeCycle-Tower soll laut

Initiator Hubert Rhomberg »die Vorausset-

DAS SIEGERTEAM des Forschungsinstitutes

der Zementindustrie (VÖZFI)

freut sich über die Auszeichnung der

Forschungsförderungsgesellschaft.

zungen für nachhaltiges Bauen im urbanen

Raum schaffen«. Außerdem soll gezeigt

werden, dass mit dem Baustoff Holz ein

mehrgeschoßiger Wohnbau in einer deutlich

kürzeren Bauzeit möglich ist.

>> Wiederaufbau in Italien


Erich Frommwald. »Die

Kirchdorfer Gruppe ist

für Krisensituationen

besser aufgestellt als

für Zeiten der Hochkonjunktur.«

»Vieles ist z

Erich Frommwald, Ges

pe, über den Rettungsanke

warum die Politik zu schne

Vom Bernd Affenzeller

(+) plus: 2008 meldete die Kirchdorfer

Gruppe einen Umsatz von rund 190 Millionen

Euro. Im September 2009 wurden für

das laufende Geschäftsjahr ähnliche Zahlen

angekündigt. Werden Sie das Vorjahresniveau

halten können?

Erich Frommwald: Die Umsatzentwicklung

2009 ist nach Plan verlaufen. Vor allem

der Herbst hat sich sehr positiv entwickelt.

Wir werden unsere Ziele sowohl umsatz- als

auch ertragsseitig erreichen.

(+) plus: Die Kirchdorfer Gruppe hat die

Krise also vorläufig ganz gut überstanden?

Frommwald: Das liegt daran, dass wir als

Gruppe sehr breit aufgestellt sind. Punktuell

hat die Krise aber schon sehr heftig zugeschlagen.

Da sind ganze Märkte wie etwa

der Industriebau völlig eingebrochen. Zwei

unserer Firmen, eine in Österreich, eine in

Tschechien, die auf dieses Segment spezialisiert

sind, verzeichneten Umsatzrückgänge

von bis zu 50 %. Auch in Südosteuropa

haben wir die Krise deutlich zu spüren bekommen.

In Bulgarien und Rumänien ist die

Bautätigkeit von einem Tag auf den anderen

praktisch eingestellt worden. Da sind unsere

Umsätze um 60 bis 70 % zurückgegangen.

Andere Bereiche haben sich aber sehr positiv

entwickelt. Wir sind als Gruppe auch eher für

eine Krisensituation als für eine Boomphase

aufgestellt. Denn unsere Schwerpunkte wie

Schienen- und Straßenbau leben von öffentlichen

Auftraggebern.

(+) plus: Das positive Jahresergebnis ist

also in erster Linie auf den Tiefbau zurückzuführen.

Frommwald: Ganz genau. Sowohl national

als auch international hat der Tiefbau für

gute Ergebnisse gesorgt. Die Auslastung ist

in diesem Bereich sehr gut. Gegenüber 2008

verzeichnen wir sogar ein deutliches Wachstum.

Das liegt zumindest zum Teil auch an

der Euro 2008. Zahlreiche Bauvorhaben


u schnell gegangen«

chäftsführer der Kirchdorfer Grupr

Tiefbau, spektakuläre Akquisitionen und

ll auf die Krise reagiert hat.

wurden verschoben und so sind wir unter

unseren Erwartungen geblieben. Das haben

wir heuer wieder aufgeholt.

(+) plus: Weite Teile der angekündigten

Konjunkturpakete werden voraussichtlich

erst 2010 greifen. Als Kirchdorfer Gruppe

profitieren Sie von einer investitionsfreudigen

öffentlichen Hand. Können Sie beruhigt

in das Jahr 2010 gehen?

Frommwald: Ich glaube nicht, dass 2010

in Sachen Infrastrukturmaßnahmen besser

wird als 2009. Im Bereich Straßenbau sehe

ich kaum Bewegung. 2009 gab es in Oberösterreich

mit der Erneuerung der Autobahndecke

zwischen Regau und Seewalchen ein

großes Baulos, für 2010 gibt es keine einzige

Autobahndecke. Deshalb budgetieren wir

im Zementbereich auch mit einem deutlichen

Rückgang von bis zu 15 %.

(+) plus: Wie sind die Erwartungen an

die gesamte Gruppe?

Frommwald: Die Gruppe wird 2010 wachsen,

und zwar durch einen Zukauf im Hochbau-Bereich.

Wir übernehmen die Firma

Katzenberger Beton- und Fertigteilwerke

GmbH in Gerasdorf bei Wien. Damit sollten

wir auch im nächsten Jahr die Umsätze

von heuer erreichen.

(+) plus: Wie wird diese Übernahme finanziert?

Viele Banken zieren sich ja derzeit

etwas.

Frommwald: Wir haben eine gute Eigenkapitalausstattung.

Dadurch ist es für uns kein

Problem, frisches Geld aufzustellen. Wir haben

ein sehr gutes Rating bei den Banken.

(+) plus: Welche Erwartungen haben Sie

über 2010 hinaus?

Frommwald: Ich bin für 2011 und darüber

hinaus skeptischer als für das Jahr 2010,

und zwar wegen der budgetären Situation

der Gemeinden. Man darf nicht vergessen,

dass die Kommunen sehr wichtige Inves-

toren sind. Wenn jetzt ein Viertel der Gemeinden

in den roten Zahlen ist, dann fehlt

natürlich Geld für Bautätigkeiten. Und das

wird die gesamte Baubranche zu spüren bekommen.

(+) plus: Wie kann man dieser Entwicklung

entgegensteuern?

Frommwald: Durch das, was ohnehin immer

gefordert wird: Es braucht weitreichende

Verwaltungs- und Gesundheitsreformen. Damit

könnte man einige Milliarden Euro einsparen

und anderweitig sinnvoll investieren.

Es stellt sich allerdings die Frage, wie lange es

dauert, bis die Reformen tatsächlich greifen.

Noch werden sie ja nicht einmal in Angriff

genommen. Auch wenn es derzeit noch niemand

aussprechen will, aber kurzfristig wird

es einnahmenseitige Aktionen zur Konsolidierung

des Budgets geben müssen.

(+) plus: Wie bewerten Sie die Reaktion

der Politik im Angesicht der Krise?

Frommwald: Im Großen und Ganzen hat

die Politik gut reagiert. Die Kritik, dass vieles

zu lange gedauert hat, kann ich nicht ganz

nachvollziehen. Vor allem in Oberösterreich

ist vieles sogar zu schnell gegangen. Da hatten

wir teilweise sogar eine überhitzte Situation.

Die Auslastung durch Aufträge aus 2008 war

im ersten Halbjahr noch sehr gut. Da hätte

man das eine oder andere Neuprojekt noch

im Talon lassen können. Denn 2010 werden

uns diese Projekte sicher fehlen.

(+) plus: Thema CO2-Zertifikate: Ab

2012 ist Schluss mit der Gratiszuteilung,

dann müssen die Zertifikate ersteigert werden.

Welche Auswirkungen erwarten Sie auf

�� �� �� I N T E RV I EW

Ihr Unternehmen, auf die Branche und den

Standort Österreich?

Frommwald: Vieles wird davon abhängen,

wie die zukünftigen Klimaschutzziele konkret

aussehen werden. Mit einer Reduktion

von 20 % werden wir als Kirchdorfer Gruppe

leben können. Vor allem, wenn man davon

ausgeht, dass die weltweite Zementnachfrage

wieder ansteigen wird.

(+) plus: Außerhalb Europas geht man

mit dem CO2-Thema deutlich entspannter

um. Haben Sie Expansions- und Abwanderungspläne

in der Schublade?

Frommwald: Wenn das CO2-Regime zu

streng wird, dann wird es andere Alternativen

geben müssen. Wir werden sicher nicht

irgendwo ein Zementwerk bauen, aber Kooperationen

sind langfristig natürlich ein

Thema.

(+) plus: Einige Änderungen hat es auch

bei der Fertighaus-Tochter Maba gegeben.

Seit September treten die Marken »Egohaus«

und »Liaporhaus« unter dem Namen »MA-

BA Haus – massiv bauen« auf. Wie hat sich

das Fertighausgeschäft 2009 entwickelt?

Frommwald: Die Krise hat auch hier ihre

Spuren hinterlassen. Im Highend-Bereich

konnten wir das Vorjahresniveau halten.

»Gemeinden sind wichtige Investoren, vielen fehlt

aber das Geld für Bautätigkeiten. Deshalb bin ich für 2011

und darüber hinaus skeptischer als für 2010.«

Verluste gab es vor allem in der mittleren

und unteren Preisklasse und im Projektgeschäft.

Da macht sich auch der verspätete

Baubeginn 2009 durch den strengen Winter

bemerkbar.

(+) plus: Gibt es schon Auswirkungen

der neuen Monobrand-Strategie?

Frommwald: Der Monobrand in Kombination

mit den verschiedenen Varianten

kommt beim Konsumenten sehr gut an. Individualität

ist auch im Fertighausbereich

gefragter denn je. Das ist natürlich auch

teurer, aber wer Geld hat, der investiert jetzt.

Denn so billig wie jetzt wird man nicht mehr

an Geld kommen.

(+) plus: Mit welchen Erwartungen geht

Maba ins Jahr 2010?

Frommwald: Wir gehen mit einem großen

Umsatzpolster ins neue Jahr. Damit sollten

die Umsätze zumindest das Niveau von 2009

erreichen. ■

REPORT PLUS 13-01|2010 73


Die Stein- und keramische Industrie

übt mit ihren Baustoffen Einfluss

auf das Baugeschehen in Österreich

aus. Dieser Einfluss erstreckt sich auch auf

die engagierten Klimaziele der österreichischen

Bundesregierung. Die Qualität

der errichteten und sanierten Gebäude hat

nämlich wesentliche Auswirkungen auf

die ökologische, ökonomische und soziale

Dimension der nachhaltigen Entwicklung

Österreichs. Während der Energieaufwand

für den Betrieb eines Gebäudes und die

Gesamtenergieeffizienz von Bauwerken im

Rahmen der EU-Gebäuderichtlinie und des

Energieausweises im Vordergrund stehen,

werden die Umweltbelastungen, die mit der

Herstellung der Gebäude verbunden sind,

aber auch die dauerhaften ökonomischen

und sozialen Wirkungen erst in Ansätzen

erfasst. Im Normenausschuss CEN/TC 350

( »Sustainability of Construction Works«)

wird auf europäischer Ebene mit intensiver

österreichischer Beteiligung bereits an Methoden

für eine umfassende Gebäudebewertung

gearbeitet (»Integrated Performance

of Buildings over its Life Cycle«). Mit der

Forschungsinitiative »Nachhaltigkeit mas-

�� P O D I U M ��

W A S M E I N U N G I S T U N D W E R P O S I T I O N B E Z I E H T

NACHHALTIGKEIT IM BAUWESEN. Gebäude sollen auf Basis von Lebenszyklusbetrachtungen bewertet werden.

■ FORSCHUNG

»Nachhaltigkeit massiv«

Baustoffe und Nachhaltigkeit – Fachverband Steine-Keramik schafft neue Basis für

Gebäudebewertung.

Ein Gastkommentar von Dr. Carl Hennrich

74 REPORT PLUS 13-01|2010

siv« leisten die österreichischen Hersteller

massiver Baustoffe einen wesentlichen Beitrag

zur europaweiten Diskussion um eine

integrative Lebenszyklusbetrachtung von

Gebäuden.

>> Neue Wege


Foto: www.christian-husar.com

ebene. Handlungsbedarf besteht hier nicht

nur durch deren Erfordernis im Rahmen

von Gebäudebewertungssystemen, sondern

auch durch die zu erwartenden (ökonomischen)

Folgen der Ressourcenbeanspruchung

auf globaler Ebene sowie der

Bauprodukterichtlinie. Hersteller, die über

die erforderlichen Informationen verfügen,

können damit auch bestehende Potenziale

zur Optimierung ihrer Produkte und Produktionsprozesse

erkennen. Die Generierung

zusätzlicher Daten hat allerdings nur

dann Wirkung, wenn die daraus abgeleiteten

Informationen richtig interpretiert werden

und wenn damit Produkte und Bauweisen

verbessert werden. Um den Erfolg von

Bewertungssystemen auf Ebene von Produkten

und Gebäuden zu gewährleisten, ist

eine breite Akzeptanz und damit einhergehend

ein erhöhtes Know-how bei Herstellern,

PlanerInnen und sonstigen Stakeholdern

im Baugeschehen erforderlich.

Zur Optimierung von Bauaufgaben sind

Planungstools, mit denen eine wissenschaftlich

fundierte Nachhaltigkeitsperformance

zum jeweiligen Planungsstand einfach erkennbar

wird, von besonderer Bedeutung.

Die Industrie kann so dazu beitragen, dass

die Potenziale der verschiedenen Bauweisen

besser genutzt werden. Umfassende

Planungstools erlauben es auch, die Eigenschaften

der Bauprodukte und Bauweisen

entsprechend darzustellen. Für die Massivbauweisen

bieten ihre Langlebigkeit und

Wertbeständigkeit, der geringe Wartungsaufwand

sowie die hohe Speichermasse, wodurch

Sommertauglichkeit ohne energieaufwendige

Kühlung sichergestellt werden

kann, besondere Chancen. Mit einem umfassenden

Bewertungs- und Planungstool

sind darüber hinaus entsprechende Weiterentwicklungen

zu erwarten.

>> Neue Grundlagen


�� I M M O B I L I E N

SUPER

NEGATIV

Von Roland Kanfer

2009 war für Österreichs Immobilienwirtschaft ein Jahr der

negativen Superlative. Gekennzeichnet war es von einer rapid absinkenden

Vermietungsleistung auf dem Büroimmobiliensektor, einer

ebenso gesunkenen Neubauleistung und einem starken Einbruch auf

dem Immobilieninvestmentmarkt.

WIE DIE ZWEI WIENER Immobiliendienstleister

EHL und CB

Richard Ellis unisono feststellten,

wurden im Vorjahr

1,3 Milliarden Euro in Österreich investiert.

Das bedeutet einen Rückgang von 38 % im

Vergleich zu 2008 und den Rückfall auf das

Niveau von 2003. Auffällig ist laut Constanze

Daburon vom CBRE dabei, neben einem

im vierten Quartal verzeichneten Aufwärtstrend,

in dem sich das Volumen gegenüber

dem dritten Quartal verneunfacht hat, das

sinkende Interesse internationaler Investoren:

77 % des Investvolumens stammen aus

Österreich. Vor allem Investoren und Fonds

außerhalb des deutschsprachigen Raums

würden volatilere Märkte als Wien bevorzugen,

wo die Risken und damit auch die erzielbaren

Renditen höher sind. Im Vorjahr wurden

mit Büroimmobilien, die in Wien 38 %

des Investmentmarktes ausmachen, Renditen

76 REPORT PLUS 13-01|2010

EHLMAIER (EHL): Büronachfrage stabilisiert

sich frühestens im 2. Halbjahr.

von durchschnittlich 5,65 % erzielt. Während

CBRE für heuer einen Anstieg der Preise und

damit einen Rückgang der Renditen auf 5,5 %

erwartet, geht Franz Pöltl von der EHL Investment

Consulting davon aus, dass sich die

Renditen von Topimmobilien bei 5,75 % und

in schlechteren Lagen bei 6,75 % einpendeln

werden. An Bedeutung gewinnen werden

laut Pöltl vor allem institutionelle Investoren,

die Umsätze würden aber noch nicht das Niveau

vor der Krise erreichen, ist er überzeugt.

Daburon erwartet sich heuer ein Investvolumen

von 1,9 Milliarden Euro, was dem Jahr

2005 entsprechen würde.

>> Wenig Neuflächen > Osteuropa differenzieren


ge den hohen Leerstand schneller auffüllen

werde. Heimischen Immobilienentwicklern

kann Ridder deshalb Städte wie Warschau

empfehlen, während er von Developments

in Städten wie Belgrad, Bukarest oder Sofia

– wo aktuell noch immer sehr viel gebaut

wird – dringend abrät. Wie überhaupt

der sogenannte osteuropäische Raum zunehmend

differenziert zu betrachten sei, so

Ridder: Länder wie Polen oder Tschechien

entsprechen vom Wirtschaftswachstum bereits

den westeuropäischen Standards, während

Länder wie Rumänien oder die Ukraine

auch immobilienwirtschaftlich immer noch

schlecht dastehen, so Ridder. In dieser Region

war mit minus 50 % auch der größte Wertverlust

von Immobilienportfolios zu verzeichnen,

während es in Westeuropa –20 %

und in Österreich nur –8 % waren. Notverkäufe

habe es dennoch keine gegeben, meint

Ridder. Vielmehr würden zahlreiche neue

Immobilienfonds Geld einsammeln – Ridder

schätzt das Gesamtvolumen auf fünf Milliarden

Euro – und sich auf die Suche nach Im-

RIDDER (CBRE): Wertverlust in manchen

CEE/SEE-Märkten von 50 Prozent.

mobilien begeben. Auf der Suche nach mehr

Ertrag könnten diese »Vulture Funds« dabei

auch bis nach Indien oder China gehen.

>> Trend zum Eigentum


�� I N T E RV I EW

»Dann wird es ein Erdbeben in Öste

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Bau Holz, Josef Muchitsch, spricht im

Interview über die wachsende Arbeitslosigkeit in der Baubranche und mögliche Gegenmaßnahmen. Außerdem

lobt er die offene und ehrliche Zusammenarbeit der Bau-Sozialpartner und kündigt ein politisches

Erdbeben an, wenn die Bundesländer die Gelder der Wohnbauförderung weiter zum Stopfen ihrer Budgetlöcher

verwenden.

Von Bernd Affenzeller

(+) PLUS: Die Krise hat die Bauwirtschaft

hart getroffen. 2010 soll laut Experten sogar

noch schlechter werden, weil die Branche

2009 noch auf einen hohen Auftragsstand

zurückgreifen konnte. Mit welchen Erwartungen

geht die Gewerkschaft Bau-Holz ins

neue Jahr?

Josef Muchitsch: Es ist tatsächlich aus

heutiger Sicht davon auszugehen, dass sich

das Ergebnis von 2009 im nächsten Jahr

noch leicht verschlechtern wird. Aber der

große Einbruch, wie er in der ersten Jahreshälfte

noch befürchtet wurde, wird ausbleiben.

Dass es nur zu einem leichten Rückgang

kommen wird, liegt nicht zuletzt an

den Maßnahmen der Bundesregierung zur

Stützung und Ankurbelung der Konjunktur.

Davon haben viele Branchen in der Bauwirtschaft

profitiert.

78 REPORT PLUS 13-01|2010

JOSEF MUCHITSCH. »Mit der Aufhe-

bung der Zweckbindung der

Wohnbauförderung kommt es

zu einem dramatischen Rückgang

beim Wohnungsneubau.«

(+) PLUS: Es wird immer wieder kritisiert,

dass die Pakete zu langsam umgesetzt werden

und dass viel zu schwammig definiert ist,

welche Projekte nun tatsächlich als vorgezogene

Projekte in das Konjunkturpaket fallen.

Können Sie diese Kritik nachvollziehen?

Muchitsch: Eigentlich nicht. Vor allem im

Bereich der Asfinag und der ÖBB waren die

Projekte sehr gut vorbereitet. Damit war es

auch leichter, sie auf 2009 vorzuziehen. Da

hat das Konjunkturpaket auch voll gegriffen.

Bei der Bundesimmobiliengesellschaft

waren nicht alle Projekte in der Schublade so

weit fortgeschritten, dass sie zur Gänze 2009

hätten gestartet werden können. Das liegt

nicht nur im Verschulden der BIG, auch die

Ministerien waren mit der Auftragsvergabe

säumig. Oft ist der Weg von der Beschlussfassung

zur Umsetzung eben ein weiter. Das

muss aber gar nicht zum Nachteil der Bauwirtschaft

sein, denn so greifen die Maßnahmen

eben 2010. In einem Jahr, das ohnehin

droht, schwieriger als 2009 zu werden.

(+) PLUS: Aus Gewerkschaftssicht ist natürlich

das Thema Arbeitsplätze im Fokus.

Mit wie vielen Arbeitslosen ist 2010 zu rechnen?

Muchitsch: Wir sind sehr konjunktur- und

witterungsabhängig. Die höchsten Zahlen

erreichen wir in den Monaten Jänner und

Februar. Erfreulich ist, dass die Werte im Dezember

nicht die Ausmaße erreicht haben,

die wir noch im Sommer befürchtet haben.

Quer über die Branchen Bau, Holz und Steine

waren exakt 70.108 Personen arbeitslos

gemeldet. Das wird in den Monaten Jänner

und Februar leider weiter ansteigen. Zu be-


eich geben«

fürchten sind 80.000 bis 90.000 Arbeitslose.

Auch im Jahresschnitt ist mit Rückgängen der

Beschäftigtenzahlen zu rechnen. Wir brauchen

ein Wirtschaftswachstum von 2,5 %,

um die Beschäftigtenzahlen zu halten und

eine höhere Arbeitslosigkeit zu verhindern.

Alles, was darunter liegt, bedeutet mehr Arbeitslose.

2009 ist das Bauvolumen um 3,3 %

gesunken und 2010 wird es laut derzeitigen

Prognosen noch einmal um 1,9 % sinken.

(+) PLUS: Sie erwarten für 2010 also deutlich

höhere Arbeitslosenzahlen als 2009?

Muchitsch: Davon ist auszugehen. Außer

es gelingt uns, über politische Maßnahmen

zusätzliche Investitionen und Initiativen zu

starten, wie etwa die Fortführung der Thermischen

Sanierungsoffensive.

(+) PLUS: Aktuell gibt es bezüglich der

Fortführung der Thermischen Sanierung

nur eine Absichtserklärung der Regierung.

Wann rechnen Sie mit einem Beschluss?

Muchitsch: Ich hoffe, dass bis spätestens

Mitte März die Entscheidung über die Abwicklung

gefallen ist. Dann muss noch eine

Vorlaufzeit von vier Wochen eingerechnet

werden. Das würde dann zeitlich den Start

der Initiative vor Ostern möglich machen.

Jetzt muss die Zeit dafür genützt werden,

weitere Partner ins Boot zu holen. Es kann

nicht sein, dass Bund und Länder parallel

fördern, der Bürger unzählige Anträge ausfüllen

muss und sich schlussendlich nicht

mehr auskennt. Die Fördergelder müssen

mit einem Antrag, aus einer Hand kommen.

Damit steigen auch die Chancen auf eine höhere

Dotierung.

(+) PLUS: Eine von der Gewerkschaft immer

wieder ins Spiel gebrachte Konjunkturmaßnahme

ist die Bauoffensive. Was genau

ist darunter zu verstehen?

Muchitsch: Die Bauoffensive ist ein fertiges

Modell der Sozialpartner, das auf Initiativen

wie der in der Steiermark und Tirol

erfolgreichen Winterbauoffensive aufbaut.

Dabei geht es vor allem um Investitionsförderungen

für KMU. Unternehmen, die dann

Geld in Baumaßnahmen investieren, wenn

es die Bauwirtschaft braucht, sollen entsprechend

gefördert werden. Das kann in den

Wintermonaten sein, aber in Krisenzeiten

auch auf das ganze Jahr ausgedehnt werden.

(+) PLUS: Wie realistisch schätzen Sie eine

Umsetzung ein?

Muchitsch: Der Vorschlag ist der Bundesregierung

bekannt. Eine Umsetzung wird es

aber nur dann geben, wenn es zu einem wirklich

großen Einbruch der Wirtschaft kommt.

Solange man mit einem blauen Auge davon

zu kommen glaubt, wird nichts passieren.

(+) PLUS: Wurde das Problem der

Schwarzarbeit am Bau durch die Krise weiter

verstärkt?

Muchitsch: Die Zahlen und Schätzungen

der Experten über einen Anstieg der

Schwarzarbeit durch die Krise gehen weit

auseinander, besonders im gewerblichen

Bereich. Bei den Privaten ist ein Anstieg

aber unbestritten. Unabhängig von einem

krisenbedingten Zuwachs der Schwarzarbeit

muss die Kontrolltätigkeit weiter ausgebaut

werden. Schon alleine die Präsenz

von Kontrollorganen führt zu einem disziplinierterem

Handeln der Wettbewerber.

Schwarzarbeit führt zu Preisdumping und

Preisdumping zu Lohndumping. Da können

wir als Gewerkschaft natürlich nicht

untätig zusehen.

(+) PLUS: Ist die neue Auftraggeberhaftung

ein wirksames Instrument im Kampf

gegen die Schwarzarbeit?

�� �� �� I N T E RV I EW

Muchitsch: Indirekt auf jeden Fall. Denn

illegale Beschäftigung führt über Nachforderungen

der Krankenkassen dazu, dass die

betreffenden Unternehmen nicht auf die begehrte

HFU-Liste (für gelistete Subunternehmer

entfällt die Haftung seitens des Generalunternehmers;

Anm.d.Red.) kommen.

(+) PLUS: Wie fällt Ihre erste Bilanz zur

Auftraggeberhaftung aus?

Muchitsch: Trotz der massiven Kritik am

Einführungsdatum 1. September nützen jetzt

schon viele Betriebe die HFU-Liste als Marketinginstrument.

Entsprechend groß war

in den ersten Monaten auch der Ansturm.

Es sind jetzt schon mehr als 22.000 Unternehmen

aus der Bauwirtschaft registriert.

Es handelt sich ja um ein Fairness-Gütesiegel,

mit dem Unternehmen darauf hinweisen,

dass sie in den letzten drei Jahren sauber

agiert haben. Natürlich gibt es auch Kinderkrankheiten

wie etwa bei Neugründungen,

die natürlich nicht die geforderten drei Jahre

vorweisen können, auch die Behandlung

von Ein-Personen-Unternehmen muss noch

geregelt werden. Aber da laufen derzeit intensive

Gespräche und ich bin optimistisch,

dass wir im ersten Quartal 2010 eine Lösung

präsentieren können. Auch die Bewertungskriterien

müssen bundesweit noch harmonisiert

werden. Und ausländische Unternehmen

müssen drei Jahre Österreicherfahrung

mit eigenem Standort nachweisen, bevor sie

auf die Liste kommen. Das ist vor allem ab

Mai 2011 ganz wichtig, wenn die Dienstnehmerfreizügigkeit

in Kraft tritt.

(+) PLUS: Bauarbeiter sollten eigentlich

die klassische Zielgruppe für die Hacklerregelung

sein. Wie sieht die Realität aus?

Muchitsch: Ich kenne persönlich genau einen

einzigen Bauarbeiter, der in die Hacklerregelung

gefallen ist. Das ist auch kein Wunder,

denn die damalige Bundesregierung hat

uns 2003 eine Mogelpackung untergeschoben.

Wir hatten die ehrliche Hoffnung, dass

es mit dieser Regelung gelingen könnte, viele

Menschen, die tatsächlich schwer arbeiten, in

den wohl verdienten Ruhestand zu schicken.

Die Antrittsvoraussetzungen sind aber so gewählt,

dass sie von echten Schwerarbeitern

kaum erreicht werden können. Es gibt eben

kaum einen Bauarbeiter, der 45 Beitragsjahre

vorweisen kann. Deshalb brauchen wir eine

Novellierung der Regelung.

(+) PLUS: Die Hacklerregelung wurde

zwar unter Schwarz/Blau eingeführt, aber

auch mit Hilfe der SPÖ verlängert. Müssen

Sie sich auch an der eigene Nase nehmen?

REPORT PLUS 13-01|2010 79


�� I N T E RV I EW

Muchitsch: Die Hacklerregelung sollte ursprünglich

2008 auslaufen, wurde dann wegen

der Nationalratswahl bis 2010 verlängert.

Die neue Regierung hat sich auf ein Ende mit

2013 geeinigt. Und das ist auch gut so, um

genügend Zeit zu haben, ein Auslaufen nach

2013 zu verhandeln. Denn in Wahlkampfzeiten

ist ein faires Verhandeln leider nicht

möglich.

(+) PLUS: Man hat das Gefühl, dass die

Sozialpartner in der Baubranche ganz gut

miteinander können. Sie sind gemeinsam

in der Bau-Pakt-Initiative und ziehen auch

sonst oft an einem Strang. Trügt der Schein?

Muchitsch: Der Schein trügt nicht, die

Kommunikation funktioniert tatsächlich

ganz gut. Das liegt auch daran, dass wir uns

nicht nur zu Kollektivvertragsverhandlungen

treffen, sondern auch andere Themen gemeinsam

besprechen. Die Zusammenarbeit

der Bau-Sozialpartner ist geprägt von Offenheit

und Ehrlichkeit. Und durch die Krise

sind wir noch enger zusammengerückt. Denn

beide Seiten wissen, dass nur über Beschäftigung

vieles aufrechterhalten werden kann,

was heute selbstverständlich scheint.

(+) PLUS: Ein in der Branche viel diskutiertes

Thema ist die Aufhebung der Zweckbindung

der Wohnbauförderung. Welche

Auswirkungen hat diese politische Entscheidung

aus Ihrer Sicht?

Muchitsch: Die Tendenz ist eindeutig. Die

Anzahl der neu gebauten Wohneinheiten

sinkt. Es wird wesentlich weniger gebaut als

vor dem Jahr 2000. Damals lag der Höchstwert

bei 55.000 Einheiten pro Jahr. Laut den

aktuellsten Erkenntnissen von Wolfgang

Amann vom Institut für Immobilien, Bauen

und Wohnen liegt der aktuelle Bedarf bei

gleich bleibenden Bevölkerungszahlen bei

47.000 neuen Einheiten pro Jahr. Aufgrund

des Bevölkerungswachstums werden wir in

Zukunft bis 55.000 Einheiten brauchen. Tatsächlich

wird aber ein Absinken auf 33.000

Einheiten prognostiziert. Dieses Desaster

hat mit der Aufhebung der Zweckbindung

seinen Anfang genommen. Denn viele Bundesländer

sehen in den Geldern der Wohnbauförderung

willkommene Mittel, um ihre

Budgetlöcher zu stopfen. Und das wird sich

in der Zukunft noch verstärken. Damit wird

die Nachfrage steigen und auch der Preis.

80 REPORT PLUS 13-01|2010

SCHWARZARBEIT FÜHRT ZU PREIS- UND LOHNDUMPING, deshalb fordert Josef Muchitsch

eine weitere Ausweitung der Kontrolltätigkeit der KIAB.

Wohnen wird teurer werden, weil der Neubau

und Sanierungen nicht mehr mit öffentlichen

Mitteln gestützt werden.

(+) PLUS: Es werden immer mehr Stimmen

laut, die eine Wiedereinführung der

Zweckbindung fordern. Wie würden Sie aktuell

die Chancen beziffern?

Muchitsch: Bis 2013 ist die Aufhebung aufgrund

der Finanzausgleichsverhandlungen

einzementiert. Die Länder wollen das Paket

aber schon 2011 neu aufschnüren. Aus heutiger

Sicht sehe ich über den politischen Weg

keine Möglichkeit der Wiedereinführung.

»Nach dem Wegfall der Zweckbindung sehen viele

Bundesländer in den Geldern der Wohnbauförderung willkommene

Mittel, um ihre Budgetlöcher zu stopfen.«

Hier muss uns als Sozialpartner ein anderer

Weg einfallen. Und der wird uns einfallen.

(+) PLUS: Wie wird dieser Weg aussehen?

Muchitsch: Darüber will ich noch nicht

sprechen. Aber wir haben einen fertigen Ansatz

in der Schublade und der wird ein ordentliches

Erdbeben in der Republik auslösen,

das kann ich garantieren.

(+) PLUS: Die Novellierung des Bundesvergabegesetzes

hat für die Bauwirtschaft

viele Verbesserungen gebracht, das Klagsrecht

für die Interessensvertreter konnte aber

nicht durchgesetzt werden. Ein temporärer

Rückschlag oder ein Schlussstrich?

Muchitsch: Wir haben im Bereich der Gesetzgebung

nicht ausreichend Zeit gefunden,

um dieses Thema von allen Seiten zu Ende

zu diskutieren. Deshalb gibt es einen Antrag,

dass dieses Thema im zuständigen Ausschuss

weiter beraten wird. Ich gehe davon aus, dass

es im Zuge der nächsten Novellierung zu

weiteren Anpassungen kommen wird.

(+) PLUS: Was werden die Schwerpunkte

der GBH im Jahr 2010 sein?

Muchitsch: 2010 wird unter dem Begriff

der Nachhaltigkeit stehen. Wir werden Arbeitsgruppen

einrichten, die Programme

und Projekte entwickeln sollen, die die Wirtschaft

in Einklang mit dem Umweltschutzgedanken

ankurbeln. Dazu wollen wir externe

Partner und Experten ins Boot holen. Allen

voran die Bau-Pakt-Partner Bundesinnung

Bau, Fachverband Steine Keramik und Global

2000, aber auch weitere NGOs und auch

die zuständigen Ressorts in den Ministerien.

Wir wollen den Bau-Pakt-Ansatz erweitern

und uns vergrößern. Mit allen Schwierigkeiten,

die damit verbunden sind. Ich glaube,

dass Kopenhagen auch deshalb gescheitert

ist, weil von der Wirtschaft und der Bevölkerung

noch nicht ausreichend Druck auf die

Politik gemacht wurde. Ich bin überzeugt,

dass Österreich ein internationaler Vorreiter

sein kann, in Sachen thermischer Sanierung,

durch die Anhebung der Sanierungsquote

von ein auf drei Prozent und den Einsatz

erneuerbarer Energie. Dafür werden wir unter

dem Motto »Umwelt geht uns alle an« im

Jahr 2010 intensiv arbeiten. ■


Während Ihr Sohn noch auf der Suche ist, haben Sie es schon

gefunden: Das angenehme Raumklima in Ihrem Haus aus Beton.

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Arme Reiche

Die Wirtschaftskrise forderte auch unter den

Superreichen ihre Opfer. Die Zahl der Millionäre

schrumpfte weltweit von elf auf rund neun

Millionen, insgesamt verloren sie durch das

Krisenjahr 2008 ein Fünftel ihres Vermögens.

Besonders hart traf es die Russen – mehr als die

Hälfte rutschte aus der Liga der vermögendsten

Menschen. Auf der Überholspur ist dagegen China,

wo bereits mindestens 130 Dollar-Milliardäre

leben.

Von Angela Heissenberger


OLEG DERIPASKA kann einem wirklich

leid tun. 2008 mit einem

geschätzten Vermögen von 40

Milliarden Dollar noch reichster

Russe der Welt, reichte es im Vorjahr nur

noch für Platz 8 im alljährlichen Ranking

des US-Wirtschaftsmagazins Forbes. Der

42-jährige Oligarch verlor 90 Prozent seines

Vermögens und musste unzählige Firmenbeteiligungen,

darunter auch an Magna

und der Sojus-Bank, abstoßen.

Seine Anteile an der Strabag SE übertrug

Deripaska an die anderen Strabag-Eigentümer

und sicherte sich die Option darauf mit

mehrmaliger Fristverlängerung. Erst 2007

war der Milliardär beim österreichischen

Baukonzern mit fast 1,2 Milliarden Euro

eingestiegen, konnte aber nach schweren

Kursverlusten den dafür aufgenommenen

Kredit nicht mehr bedienen. Um sich den

Rückkauf der 28,5 Millionen Aktien abermals

zu sichern, kratzte Deripaska im Dezember

in zwei Tranchen das nötige Geld

zusammen. Die fehlenden 23 Millionen Euro

überwies er erst am letzten Tag der Nachfrist,

dem 28. Dezember 2009. Nun hat er

bis 15. Oktober 2010 Zeit, zu entscheiden,

ob er die Strabag-Anteile nun kauft oder

nicht. Wenn die Geschäfte so weiterlaufen

wie zuletzt, stehen die Chancen gut. Denn

inzwischen ist der smarte Russe mit den guten

Kontakten zum Kreml wieder am aufsteigenden

Ast. Der weltgrößte Alukonzern

Rusal, an dem Deripaska 56 Prozent hält,

kommt Ende Jänner an die Börse in Hongkong

– als erstes russisches Topunternehmen

seit der Krise. Vor einem Jahr noch galt

Rusal, das Herzstück in Deripaskas Holding

»Basic Element« (»Basel«), nach Gazprom

und Rosneft als das am stärksten verschuldete

Unternehmen Russlands. Mit 4,5 Milliarden

Dollar rettete die staatliche Bank

VEB den Konzern. Dass Deripaska sich dafür

im Fernsehen von Putin wie ein Schuljunge

vorführen ließ, war offenbar Teil des

pikanten Deals.

>> Größte Verlierer > Erklärungsbedarf > Luxus adé


�� G ELD

BILL GATES. Hält sich

auch in der Krise

ganz oben.

c den damit fortfahren, ein weitaus höheres

und verständlicheres Serviceniveau zu

verlangen«, meinen die Experten der Boston

Consulting Group.

Womit Privatbanken endgültig ein Problem

hätten: Erstmals seit 2001 fiel weltweit

die Summe der verwalteten Kundenvermögen;

zwischen Ende 2007 und Ende 2008

um 11,7 Prozent auf 92,4 Billionen Dollar.

Die Zahl der Dollarmillionäre schrumpfte

um 15 Prozent. Weniger Kunden, die nun

über ein geringeres Vermögen verfügen und

dieses auch noch möglichst sicher und überschaubar

anlegen wollen, was für die Banken

kleinere Margen bedeutet – ein Dilemma.

Auch die Hersteller von Nobelmarken

jammern. Galt der Luxusmarkt bisher als

krisensicheres Geschäft, drehen nun sogar

die betuchteren Kunden jeden Dollar

oder Euro zweimal um. Chanel, Gucci und

Prada haben schon bessere Zeiten gesehen.

De Beers, größter Diamantenhersteller der

Welt, stellte die Produktion vorübergehend

fast völlig ein. Juwelierhändler klagen über

schrumpfende Umsätze mit teuren Uhren

und Schmuck. Für manche Wohlhabende

kommt der Abstieg von der Milliardärsliga

einem Kulturschock gleich. So erzählte Madeleine

Schickedanz, ehemals schwerreiche

Karstadt-Quelle-Erbin, in einem Interview

mit Bild am Sonntag tief bedrückt von ihrem

neuen Leben nach dem Milliardenverlust

und der Insolvenz ihres Unternehmens:

»Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat.

Wir kaufen beim Discounter. Gemüse, Obst

und Kräuter haben wir im Garten.«

>> Land der Milliardäre


VERLIERER OLEG DERIPASKA.

Verlor 90 % seines 40-

Milliarden-Vermögens.

Im September 2008 hatte er sich über seine

Investmentgesellschaft mit 230 Millionen

Dollar bei BYD eingekauft. Der zehnprozentige

Anteil ist inzwischen 1,8 Milliarden

Dollar wert.

Auch die zweitplatzierte Zhang Yin gilt als

Vorreiterin der grünen Revolution in Chi-

AUFSTEIGER WANG CHUANFU.

Setzt auf die grüne

Revolution.

na. Die 51-Jährige hält gemeinsam mit ihrer

Familie rund 72 Prozent am Konzern Nine

Dragons Paper, der an der Hongkonger Börse

gelistet ist. Zhang, deren Vermögen mit 4,9

Milliarden Dollar beziffert wird, importiert

im großen Stil Altpapier aus den USA und

stellt daraus Verpackungsmaterial her. 2008

�� G E L D

rangierte die Unternehmerin mit 2,6 Milliarden

Dollar erst auf Platz 15. Krisenbedingt

hatte Nine Dragons Paper zahlreiche Auslandsaufträge

verloren. In der Folge konzentrierte

sich Zhang auf den chinesischen Markt

und erwirtschaftet dort inzwischen mehr als

80 Prozent ihres Umsatzes.

>> Absteiger des Jahres


Es war ein gutes Jahr für Krisen. Zärtlich vom Vorspiel des

Herbstes 2008 eingeläutet, eroberte die Krise als Prinzip

2009 nicht nur die Schlagzeilen, sondern auch die Herzen

der Menschen. Mit leichter Wehmut blicken wir an dieser

Stelle zurück auf schöne Krisentage, in denen uns sympathisch

hysterischer Alarmismus und romantisch düstere

Apokalypsenprophezeiungen täglich das warme Gefühl

gaben, so richtig am Leben zu sein. Es waren Tage, in denen uns das Schnitzel

doppelt so gut schmeckte, weil wir mit wohligem Gruseln in der Magengrube

nur im halben Spaß scherzten, es könnte jeweils unser letztes sein.

2010, nach mehreren Krisen und erstaunlichem Gewichtszuwachs, bleibt

uns zumindest die melancholische

Erinnerung an die besten Krisen des

Jahres 2009 – und ihre Lösung.

Finanzkrise

Die Krise: Wirklich niemand

konnte ahnen, dass das jahrelange

globale Hin- und Herschieben fantastischer

Geldbeträge in fantasie- und geheimnisvoll benannten

Fondskonstruktionen mit dem drolligen

Innenleben von Hackschnitzelanlagen irgendwann

irgendwie irgendjemandem schaden könnte. Vor

allem die hochbezahlten internationalen Risk-

Manager nicht, und deren Job – nomen est omen

– war es ja immerhin, das Wunderwerk der globalen

Finanzakrobatik am Laufen zu halten und,

als sorgsame Gärtner, die Felder der per Naturgesetz

ständig wachsenden Wirtschaft durch

Düngung mit innovativen Finanzprodukten weiter

zum Blühen zu bringen. Die Mutter aller Krisen, und

doch: halb so wild. Immerhin ist es noch immer eine

der himmelschreiendsten Ungerechtigkeiten dieser

Welt, dass man beim besten Willen nicht mehr als

zwei Schnitzel essen kann – ein Umstand, der von

all den Neidern immer vergessen wird. Der wirkliche

Skandal: Dagegen tut keiner was, obwohl Gerüchten

zufolge im Finanzministerium verbissen an der Lösung

dieses speziellen Problems gearbeitet wird.

Die Lösung: Geld nachfüllen und die Profis weiter ihre

Arbeit machen lassen.

Politkrise

Die Krise: Dass Österreichs Innenpolitik ein Kasperltheater

ist, behaupten nur humorlose Zeitgenossen, die

jener für Kinder gedachten theatralischen Performancekunst

von Vornherein sowohl Witz als auch

86 REPORT PLUS 13-01|2010

�� S A T I R E ��

Best of Krise

Wer letztes Jahr nicht mindestens eine hatte, war so was von out: Ein kritischer

Rückblick auf die krisenhaftesten Krisenfälle im Krisenjahr 2009.

Von Rainer Sigl

Intelligenz absprechen. All jene, die angesichts solcher böswilliger Vergleiche

sowohl Petzi als auch das Krokodil entrüstet in ihrer Ehre beleidigt

sehen, vergleichen die Innenpolitik des Alpenstaates eher mit dem Genre

der zu Recht selten gespielten kirgisischen Tragikomödie, in der das Ziel

ist, im Verlauf des Abends auch den letzten Zuschauer von den Rängen

zu vertreiben. Abseits des Wahlkampfs versprüht das großkoalitionäre

Ringen im Land den actionreichen Esprit des schönen Hobbys der Gletscherbeobachtung.

Nur die Luft ist schlechter.

Die Lösung: Alkohol, Dominic Heinzl.

Bildungskrise

Die Krise: Die Unis voll, die Jobchancen

miserabel, im Bildungsranking

vornehm zurückgehalten: Angeblich

gibt es in der Alpenrepublik eine

Krise der Ausbildung, ein Vorwurf, der

aber angesichts unserer hervorragenden Schispringerknaben

außerhalb linksliberaler Negerantenkreise

als leicht durchschaubarer Versuch entlarvt

werden kann, unser schönes Land und seine vorbildliche

Jugendförderung kleinzureden. Mit dem dezenten Hinweis

des Hausverstandes darauf, dass eh nicht jeder Tibetologie

studieren muss und der Zugang zu Akademikerkreisen in

Österreich traditionell vererbt wird, konnte den marxistischen

Audimaxbesetzern nicht beigekommen werden, bis

schließlich nach zähem Ringen das berufsgemäß besser

geschulte Sitzfleisch der Politik den Sieg im Bildungskonflikt

davontrug. Man sieht: Das System funktioniert.

Die Lösung: Abwarten, Wintersport.

Klimakrise

Die Krise: Klimaerwärmung, Treibhausgase, Apokalypsenszenarien

– schenkt man der Wissenschaft Glauben

– und ja, es gibt tatsächlich Kleingläubige, die das

tun –, sollten wir unsere Pensionskassen in jetzt noch

günstige Grundstücke im bald mediterranen Grönland

investieren. Der Mammutgipfel in Kopenhagen zeigte in

seinem Scheitern auf originelle Weise auf, dass für einige

wenige Jahre gewählte Volksvertreter mit Zeitspannen,

die ihre besoldete Legislaturperiode übersteigen, eher

schlecht umgehen können. Österreichs Beitrag zur Klimadebatte

zumindest zeigte in seinem unbekümmerten Umgang

mit vertraglich vereinbarten Emissionsgrenzen, dass man als

PERMANENTE KRISE. Wer vor dem Abgrund steht,

hat wenigstens Weitblick.


großzügiger Kosmopolit vielleicht auch mal fünfe gerade lassen sein kann,

und überhaupt: Klimaerwärmung? Und wieso muss ich dann mein Auto jeden

Morgen freischaufeln? Die Klimakrise – ein Hype wie Hulahoop und

Internet. In 100 Jahren kümmert sich da kein Mensch mehr darum!

Die Lösung: Alpensüdkämme befestigen, Klimaanlage einbauen.

Grippekrise

Die Krise: Mexikanische Schweinereien bedrohten kurzfristig das

Leben auf dem Planeten: Pandemiewarnung, Millionen Tote in Aussicht,

Schutzmasken, Impfschlangen – das ganze Programm. Ein Glück, dass die

Experten der Pharmaindustrie, die in ihren selbstlosen Presseaussendungen

derart drastisch vor der »Neuen Grippe« warnten, auch gleich die

Lösung in Form von unglücklicherweise nicht ganz günstigen Impfungen

parat hatten. Pech wiederum, dass der hinterfotzige Erreger dann justament

nach unterschiedlich ausgefallenen Großeinkäufen der Staaten doch

irgendwie nicht so böse war wie erwartet. Ein klarer Fall von Mogelpackung,

doch die Industrie arbeitet wahrscheinlich bereits daran, nächstes

Jahr neben der Marketingabteilung auch die Produktentwicklung ausreichend

zu finanzieren.

Die Lösung: Krankenstand, Pharma-Aktien kaufen.

RCA_inter_größe_210x144abf 18.01.10 13:34 Seite 1

Rail Cargo Austria (RCA) hat im Dezember 2008 die Güterverkehrssparte der Ungarischen

Staatsbahnen (MÁV) übernommen. RCA-Vorstandssprecher KR Friedrich

Macher, Prof. über die Internationalisierungsstrategie von Rail Cargo Austria.

Wie läuft die Integration der MÁV Cargo, die demnächst Rail Cargo

Hungaria heißen wird?

RCA und MÁV Cargo haben nach dem Zusammenschluss unter dem Titel „Joining

Forces” ein umfassendes Arbeitsprogramm gestartet, das bereits in großen Teilen

erfolgreich abgeschlossen ist. Durch optimiertes Traffic Routing auf den ungarischen

und österreichischen Strecken werden Service- und Preisvorteile direkt an

die Kunden weitergegeben. RCA und MÁV Cargo müssen sich gegenseitig nicht

mehr „umfahren“ und haben dadurch die Kapazität für zusätzliche Transporte

innerhalb des eigenen Netzes. Das größere Volumen und die bessere Auslastung

von Zügen und Wagen senken wiederum die Produktionskosten bzw. vereinfachen

die „Produktion“ der Zugleistungen. Die Verkürzung der Grenzaufenthalte

von zwei Stunden auf wenige Minuten reduziert die Güterbeförderungszeit.

Ihr Weg zur besseren Logistik:

Rail Cargo Austria

Tel.: +43 5 7750

info@railcargo.at

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�� S AT I R E

Kärnten

Die Krise: Kärnten. Obwohl es sich um eine lokal mehr oder weniger

begrenzte Krise handelt – ähnlich dem mittelalterlichen Ausbrüchen von

Veitstanzepidemien –, wirbelte der Problembär Karawankenpetzi im Jahr

eins nach der Himmelfahrt des Sonnenkönigs Jörg nur deshalb keinen

Staub auf, weil Sümpfe für gewöhnlich ebenso gut bewässert sind wie die

Kärntner Stammtische. Das mit unnachahmlicher Chuzpe beinahe geglückte

Bravourstück, das radioaktive Familiensilber Hypo an in Kärnten

immer willkommene deutsche Touristen verscherbelt zu haben, mündete

leider in kleinlauten Abwehrkampf mit milliardenschwerer Finanzhilfe für

die Schicksalsgemeinschaft Blau-Orange-Süd.

Aber kein Grund zur Sorge: Es gibt nichts, was ein anständiger Parteitag

und ein paar Geldgeschenke an die Ureinwohner nicht wieder bis zur

nächsten Wahl geradebiegen könnten. Die Grundsicherung für den Traditionsverein

»Solarium Wörther See« zumindest steht für die nächsten Jahre

– Glück gehabt! Und so richtig nachtragend traut sich auch außerhalb

Kärntens keiner sein: Bei Safaris in Sumpflandschaften wurde schon so

manche weiße Weste versaut.

Die Lösung: Neugründung als feudaler Freistaat mit eigener Währung

»Jörgl«, Freibier für alle.

Rail Cargo Austria – eine internationale Größe im Güterverkehr

Warum hat die Wirtschaftskrise RCA im internationalen Vergleich der

Bahnen am wenigsten getroffen?

Die globale Finanzkrise hat auch RCA erwischt. Das Positive dabei: Wenn man

sich den internationalen Vergleich der Mitbewerber ansieht, stehen wir in der

Wirtschaftskrise sehr gut da. Alle großen europäischen Güterverkehrsbahnen

haben mit einem Geschäftseinbruch von teils weit über 25 Prozent zu rechnen.

Warum RCA besser dasteht, liegt daran, dass wir rechtzeitig auf den Konjunktureinbruch

reagiert haben und strategisch ausgezeichnet positioniert sind. Wir

haben ein 153-Millionen-Euro Maßnahmenpaket geschnürt, das auf Punkt und

Beistrich erfüllt wurde. Deshalb hat RCA Ende 2009 den Sprung auf Platz Zwei im

Ranking der europäischen Güterverkehrsbahnen geschafft. Wir können mittlerweile

mit unseren eigenen Zügen von Mailand über Wien und Budapest bis an

die Schwarzmeerhäfen und die türkische Grenze in Bulgarien fahren. Unser Ziel

ist, die Länder der Donauachse auf der umweltfreundlichen Schiene optimal zu

vernetzen – zum Wohle der Wirtschaft und zum Wohle des Klimas.

REPORT PLUS 13-01|2010 87


WIR+

Teil 2

WAS HABEN WIR

GELERNT?

Die große Report-Umfrage

88 REPORT PLUS 13-01|2010

+ Unsicherer Aufschwung

Konstantin Klien,

Generaldirektor UNIQA Versicherungen AG

+

>> Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich das Umfeld

sehr verändert und viele Rahmenbedingungen werden sich noch weiter

ändern. Entscheidende Kurskorrekturen waren bei UNIQA deshalb

aber nicht notwendig. Vielleicht auch deshalb, weil uns auch vor der

Krise bereits klar war, dass Wachstum und Gewinnsteigerung um jeden

Preis eine langfristig positive Entwicklung nicht garantieren können.

Unser Geschäft läuft zufriedenstellend – wir sind in Österreich und in

praktisch allen anderen europäischen Ländern schneller als der Markt gewachsen.

Die Geschäftsentwicklung wird auch weiterhin ganz wesentlich

von den Rahmenbedingungen abhängen. Auch wenn sich der Konjunktur-

Signal für erneuten Aufschwung. Die Wirklichkeit ist komplex geblieben:

+

Je nach ideologischer Perspektive reichen die Prognosen Prognosen von dunklem

Pessimismus bis hin zu aufmunterndem Optimismus, Optimismus, mit Tipps Tipps (wieder)

an der Börse zu investieren, um die nächsten Gewinne nicht zu verpassen. Wir stecken mitten in der Krise

Je nach Ideologie wird auch nach Schranken oder zumindest nach Regeln

für den freien Markt, der sich vielleicht doch nicht selbst zum Besten aller Alfons Metzger,

reguliert, verlangt oder vor politischen Eingriffen in die Wirtschaftsdynamik

gewarnt. Was lehrt die Krise? Jedenfalls dürften auch hartnäckige

MRG Metzger Realitäten

neoklassische Ökonomen mittlerweile den Verdacht schöpfen, dass das Ir- >>Nachdem die ersten groben Wunden durch staatliche Subventionen

rationale menschlichen Handelns nicht völlig unsystematisch variiert und abgedeckt worden sind, sehen wir zum Beispiel an den Ereignissen der

manche Entscheidungsanomalien ganz normal, ja sogar vorhersagbar und Hypo Alpe Adria, dass die Wurzeln der Krise weitaus tiefer reichen und nicht

nicht nur im Nachhinein erklärbar sind. Die Rhetorik von Ethik in der Wirt- nur oberflächlich behandelt gehören. Die Globalisierung, die eine Fülle von

schaft, sozialen Verhaltensregeln und Normen ist nicht verhallt. Wer aber Vorteilen gebracht hat, hat auch in Bezug auf den internationalen Kapital-

soll befugt sein, Regeln zu definieren und zu kontrollieren: der Staat oder verkehr und die Internationalisierung der Immobilienwirtschaft Probleme

die Wirtschaft selbst? Bisher wurde viel gefordert, manches diskutiert, aufgeworfen, die bis zum heutigen Tag weder untersucht noch bewältigt

aber wenig realisiert. Klagen über die Auswirkungen der Finanzkrise auf sind. Die Aktivitäten sind dabei immer intransparenter geworden. Daher ist

die Realwirtschaft, vor allem am Arbeitsmarkt, und das Bedauern über die es zum gegenwärtigen Zeitpunkt dringend geboten, sich analytisch mit den

Verarmung der ohnehin sozial Schwachen kontrastieren mit dem Versuch, Geschehnissen auseinanderzusetzen, die Ursachen und die daraus resul-

Boni-Zahlungen in Millionenhöhe zu rechtfertigen und dem Beteuern, der tierenden Konsequenzen zu untersuchen und in der Folge eine neue Basis

Anschub der Gelddruckmaschinen zur Rettung maroder Geldinstitute hätte für diese ganz wichtigen volkswirtschaftlichen Bereiche zu schaffen. Wir

rein gar nichts mit der staatlichen Verantwortung für Bildung, Sozialleis- gehen davon aus, dass nahezu 50 % des gesamten Weltvolksvermögens in

tungen und Wohlfahrt zu tun. Noch sind nicht viele Lehren gezogen worden Immobilienwerten ausdrückt werden. Der Umgang mit diesen Werten ist

und mancher Einsicht hinken Taten nach.«

daher eine vordringliche Frage für eine gesunde Volkswirtschaft.«

+ +

+

himmel in einigen Bereichen etwas aufklart, ist ein selbsttragender Wirt-

+schaftsaufschwung schaftsaufschwung alles andere als sicher. Die prognostizierte Zunahme

der Arbeitslosen bildet dabei einen zentralen Punkt, der natürlich auf den

Versicherungsmarkt negative Auswirkungen haben wird.«

Viel gefordert, wenig realisiert

Erich Kirchler,

Institut für Wirtschaftspsychologie WU Wien

>> Seit 2008 kolportieren Politiker, Wirtschaftsfachleute und Medien

eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise. Berichte über Finanzskandale,

+

Firmenzusammenbrüche und Nationen am Rande des Konkurses wechseln

mit Deutungen von Wirtschaftsdaten als Zeichen des Endes der Krise und

+

+

+ ++


Noch keine Stabilisierung in Sicht

Alfred Pufi tsch,

Geschäftsführer Tele2

>> Das österreichische Wirtschaftsleben wurde von der internationalen

Krise aus einer Art Dornröschenschlaf wach geküsst. Das Vertrauen der

Konsumenten ist nicht nur durch die massive mediale Berichterstattung

erschüttert. Viele Unternehmen konnten dem Druck nicht standhalten. Und

mögliche, bereits bestehende Schwächen in den vorhandenen oder eingesessenen

Strukturen wurden evident und machten Wirtschaftstreibende

noch angreifbarer. Damit wurde transparent, welche Unternehmen auf

stabilen Säulen stehen und welche nicht. Durch effiziente interne Prozesse

sowie die eigene Infrastruktur kann Tele2 immer noch billige Preise an private

Haushalte und Geschäftspartner weitergeben. Dies brachte selbst im

Krisenjahr eine überdurchschnittlich gute Performance. Von Stabilisierung

der Wirtschaft kann man jedoch noch nicht sprechen und aufgrund der

immer steigenden Belastung der öffentlichen Haushalte ist die Gefahr von

einzelnen Rückschlägen immer noch groß. Deshalb muss die Regierung

Maßnahmen setzen, die die neue Wachstumsschübe massiv unterstützen.«

unterstützen.«

Realismus kehrt ein

Veit Sorger,

Präsident Industriellenvereinigung

>> Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat in ihrer Schnelligkeit

und Tiefe Unternehmen und Politik massiv getroffen. Die gegenseitige Abhängigkeit

von Kredit- und Realwirtschaft ist deutlich zu Tage getreten.

Die langfristigen Konsequenzen der Krise werden darin liegen, dass realistischere

Szenarien der Wachstumsentwicklungen Platz greifen werden.

Um nachhaltig auf den Wachstumspfad zurückkehren zu können, werden

Nachhaltigkeit, für ein wohlhabendes Hochlohn- und Hochsteuerland aber

vor allem auch Flexibilität, Innovationskraft und Wissen an Bedeutung

gewinnen. Flexibilität gibt Sicherheit, Nachhaltigkeit wird an Bedeutung

in Produktion bis hin zur nachhaltigen Ausgestaltung unserer sozialen Sicherheitssysteme

gewinnen – keine Generation darf auf Kosten anderer

leben. Am wichtigsten sind aber in Folge der Krise massive Investitionen in

Bildung, Forschung und Entwicklung: Nur mit den besten Köpfen und den

innovativsten Produkten werden wir global reüssieren können.«

+ +

+ +

+

Es herrscht akuter Geldmangel

Friedrich Rödler,

Präsident Patentamt

>> Das Österreichische Patentamt hat seit der Wirtschaftskrise zwei

unterschiedliche Feststellungen gemacht: Die Zahl der Erfindungsanmeldungen

bleibt konstant bei jährlich 3.500. Bei Markenanmeldungen hat

die Krise allerdings zu einem Rückgang von acht Prozent geführt.

Wer jetzt schon sämtliche und noch dazu die langfristigen Auswirkungen

der größten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren zu wissen behauptet,

vor dem ziehe ich meinen Hut – ich kann das seriöserweise nicht. Aber

eines gilt sicher weiterhin: Es gibt zuwenig Venture Capital. Es herrscht

akuter Geldmangel für die erfolgreiche Umsetzung von Innovationen. Die

heimischen Banken sollten mehr Mut zum Risikokapital zeigen: Die Innovation

von heute ist der Wohlstand von morgen. Förderstellen

+

wie beispielsweise

jene der Länder leisten da bereits ihren Beitrag, aber Banken

agieren nach wie vor recht vorsichtig. Und so gibt es in Österreich nach

wie vor keinen einzigen Patentfonds, denn Banken wollen eine Erfolgsga- Erfolgsga- Erfolgsgarantie.

Aber die kann auch bei Erfindungen niemand geben.«

+agieren nach wie vor recht vorsichtig. Und so gibt es in Österreich nach

+ +

Finanzierungskosten werden steigen

Johann Strobl,

Risikovorstand der RZB

>>Die wesentliche Ursache für die Krise war die hohe Verschuldung im

Gesamtsystem. Die notwendige Reduktion kann nur durch eine Stärkung

des Eigenkapitals und durch eine Reduktion der Schulden erfolgen.

Die niedrigen Risikoprämien der beiden Vorkrisenjahre wird es nicht

mehr geben. Banken werden mit neuen Regulierungsvorschriften konfrontiert

werden, deren Auswirkungen noch nicht abschätzbar sind.

Die zu erwartenden höheren Kapitalanforderungen werden die Finanzierungskosten

für Unternehmen und Private verteuern. Die bankinterne Risikobeurteilung

berücksichtigt wieder größere Schwankungen über den

Konjunkturzyklus. Fundamentale Analysen erhalten ein höheres Gewicht,

während die Möglichkeiten aktiven Risikomanagements durch Nutzung

der Finanzmärkte vorsichtiger eingeschätzt werden. Man wird diskutieren

müssen, in welchem Ausmaß und unter welchen Bedingungen Marktpreise

künftig zur IFRS-Bilanzierung verwendet werden sollen.«

REPORT PLUS 13-01|2010 89


Chance für Veränderung

Georg Obermeier, Vorsitzender der

Geschäftsführung T-Systems Österreich

>> 2009 war stark von der Wirtschaftskrise geprägt. Viele Unternehmen

verzeichneten drastische Einbußen oder mussten sogar Insolvenz

anmelden. Nach wie vor ist es sehr schwer vorherzusagen, wie es weitergeht

oder wie lange die Wirtschaftskrise noch anhält. Dennoch sind die

wirtschaftlichen Turbulenzen für viele Unternehmen auch eine Chance, um

Dinge anzugehen, die bisher nicht angegangen wurden. Unternehmen reagieren

auf die wirtschaftlichen Veränderungen und versuchen, Kosten zu

reduzieren, indem Fixkosten in variable Kosten umgewandelt werden. Dieser

Kostendruck ist sicher auch einer der Haupttreiber für Outsourcing, das

nach wie vor eines der Trendthemen in diesem Jahr bleibt. In Zeiten ständiger

Veränderungen ist die Kapazitätenplanung in der IT äußerst schwierig

Aus risikofreudig wird konservativ

Regina Prehofer,

Vorstandsmitglied der BAWAG P.S.K.

66 90 REPORT PLUS 13-01|2010

+

+ + +

Rückenwind für Realwirtschaft

Günter Thumser, Präsident der

Henkel Central Eastern Europe GmbH

>> Eine Konsequenz aus der Krise wird sein, dass die heute vielfach

angestrebte Einbeziehung aller Stakeholder für Unternehmen in Zukunft

nicht nur, wie jetzt oft gedacht, ein kurzfristiger Trend sein, sondern für

alle zu einem entscheidenden Überlebenskriterium werden wird. Weiters

bin ich davon überzeugt, dass es für die Realwirtschaft – im Unterschied

zur Finanzscheinwelt – eine breitere politische und gesellschaftliche Akzeptanz

geben wird. Auf Henkel als Unternehmen Bezug nehmend, glaube

ich, dass im Markenartikelbereich die Herausforderung zwar jetzt sehr groß

ist, aber gleichzeitig auch die Chancen gewaltig sind. Viele Konsumenten

überlegen sich derzeit genau, wofür sie ihr Geld ausgeben. Und wenn die

+

Markenartikelbranche nun innovativ ist, so muss sie das auch

+

kommuni-

– Abhilfe schaffen hier flexible Servicemodelle. Unsere Vision ist die Vernet- zieren und dabei ihre neuen Produkte und neuen Leistungen ganz stark in

zung von Wirtschaft und Gesellschaft durch innovative ICT-Lösungen, um den Vordergrund stellen. Und dann werden und können unsere Chancen als

die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu gewährleisten.«

Markenartikler sogar besser sein als in Zeiten der Hochkonjunktur.«

+ +

Brauchen stabile Verhältnisse

am Kapitalmarkt

Wolfgang Hesoun,

Generaldirektor Porr AG

>> Banken und Kunden sind aufgrund der Entwicklungen deutlich vorsichtiger

geworden – das Anlage- und Finanzierungsverhalten hat sich von >> Aus Sicht der Bauindustrie kann leider noch nicht von einem Ende der

›risikofreudig‹ in Richtung ›konservativ‹ entwickelt. Die Banken reagieren Krise gesprochen werden. Denn trotz vorsichtig optimistischer Konjunk-

auf diese Entwicklung und besinnen sich wieder auf ihre Kernkompetenzen: turprognosen wird sich die Krise erst im Laufe des Jahres 2010 voll auf die

die Verwaltung von Kundenkapital und die Finanzierung privater und un- Bauindustrie auswirken. Positiv hervorzuheben sind allerdings vor diesem

ternehmerischer Projekte. Aus der laufenden Entwicklung haben wir auch Hintergrund die von der Regierung gleich zu Beginn der Krise beschlos-

gelernt, wie wichtig es ist, direkten und persönlichen Kontakt zu den Kunsenen Konjunkturpakete und der damit verbundene Versuch der Stabiliden

zu haben. Aufgrund unserer Firmengeschichte praktiziert die BAWAG sierung der Gesamtkonjunktur sowie der Sicherung von Arbeitsplätzen.

P.S.K. seit Jahren eine sehr offene und transparente Kommunikation. Diese Wermutstropfen bleiben aber eine nach wie vor bestehende Unsicherheit

Vertrauensbasis werden wir auch 2010 weiter ausbauen. Die langfristigen der Finanzmärkte und noch eine Verteuerung von langfristigem

+

Kapital.

Konsequenzen lassen sich aus der kurzfristigen Entwicklung ableiten. Als Daher kann die Forderung an die Politik noch stärker als im Vorjahr nur lau-

Bank ist es unsere Aufgabe, unseren Kunden verständliche +ten, und nachvollten, die bereits beschlossenen Investitionsprogramme und Projekte auch

ziehbare Lösungen zu zu bieten. Aufklärung, Aufklärung, Beratung und persönliches Ser- konsequent in die Tat umzusetzen und mit veränderten, besseren Rahmenvice

werden zum Gradmesser Gradmesser der Kundenbeziehung.«

bedingungen für stabile Verhältnisse am Kapitalmarkt zu sorgen.«


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�� I N T E RV I EW

Der entscheidende Faktor

Wilfried Pruschak ist kein Spieler und trotzdem überzeugt, auf das richtige Pferd

gesetzt zu haben. Der Raiffeisen Informatik-Geschäftsführer spricht im Interview

über neue Rohstoffe und einen Dienst, der bald so einfach wie Zähneputzen sein wird.

Von Martin Szelgrad

92 REPORT PLUS 13-01|2010


(+) PLUS: Herr Pruschak, wenn wir auf

das vergangene Jahr zurückblicken: Ist die

Krise eine große Chance für die IT-Branche

geworden? Oder wurden nun Investitionen

in die Unternehmens-EDV auf die lange

Bank geschoben?

Wilfried Pruschak: 2009 gab es sehr viele

kleinvolumige Projekte am Markt, die einen

schnellen Gewinn bei den Kunden einforderten.

In vielen Unternehmen spielte der

Gedanke mit, durch die Auslagerung von IT

gebundenes Kapital frei zu bekommen. Projekte,

in denen IT-Dienstleistungen an einen

Partner abgegeben werden, sind vielfach von

Kosteneinsparungen getrieben – das ist keine

Frage. Ein großes Argument für Outsourcing

ist aber auch, anstehende Investitionsschübe

sanfter gestalten zu können. Werden Investitionsprojekte

an einen IT-Partner abgegeben,

sind sie mit den laufenden Kosten quasi

im Schongang refinanzierbar.

(+) PLUS: Waren Investitionsvorleistungen

nicht immer schon Teil des Spiels im Auslagerungsgeschäft?

Pruschak: Natürlich – auf der grünen Wiese

in dieses Geschäft hineinzugehen, würde

keinen Sinn machen. Hätte auch Raiffeisen

Informatik nicht irgendwann einmal in ein

eigenes Rechenzentrum investiert, könnten

wir IT-Dienstleistungen heute nicht in dieser

Form anbieten. Der Stellenwert der Vorfinanzierung

und Finanzkraft ist aber gerade

in der Krise zu einem entscheidenden Faktor

geworden. Hier stellt sich die Frage, wie

stark dem Kunden auch in schweren Zeiten

die vorfinanzierten Leistungen auf Dauer

gestreckt werden können. Natürlich wird

bei solchen Projekten auch eine Verzinsung

eingepreist – Zinsen waren aber in der Wirtschafts-

und Finanzkrise nie das Thema. Ein

Problem für viele ist schlichtweg die Liquidität

und fehlende Risikobereitschaft bei den

Kapitalgebern.

(+) PLUS: Wenn wir von schweren Zeiten

sprechen: Auch das Softwaregeschäft hat

schon bessere Zeiten erlebt. Wurde der Zeitpunkt

mit Ende 2008 rückblickend gesehen

unglücklich für die Expansion und den Einstieg

bei PC-WARE gewählt?

Pruschak: Wir sind der Meinung, gut investiert

zu haben. Unsere Tochter hat 2009

Marktanteilsgewinne verbuchen können

und ist mittlerweile zum großen Microsoft

Large Account Reseller in Europa gewachsen.

Wir gehen davon aus, das derzeitige

Geschäftsvolumen auch im laufenden Geschäftsjahr

wieder zu erreichen. Auch von

ihrem zweiten Standbein her schreibt die

PC-WARE ein gesundes Geschäftsjahr. Die

Geschäftssparte Comparex fokussiert auf

die Errichtung, Ausstattung und Bereitstellung

von Rechenzentrumsinfrastruktur-

Know-how und hat zuletzt sogar ein starkes

Wachstum verzeichnen können. Dies

aufgrund von zwei Tatsachen: dem Trend

zu Zentralisierung und der Marktentwicklung,

zunehmend Anwendungen flexibel

als Service bereitzustellen. In Deutschland

wurde eine eigene Niederlassung der Comparex

gegründet, die nun knapp 100 Mitarbeiter

hat. Sie ist seit September aktiv

und kann bereits erste große Erfolge feiern.

Jüngst wurde der Kunde Peek & Cloppenburg

gewonnen, dessen eigene IT-Tochter

nun mit neuer Infrastruktur ausgestattet

wird. Comparex hat einen guten Namen

in der Branche und wird als Marke auf jeden

Fall erhalten bleiben. Mit unseren unterschiedlichen

Standbeinen können wir

krisenbedingte Schwankungen im Investitionsverhalten

der Kunden gut ausbalancieren.

Im Softwarelizenzgeschäft sind wir mit

PC-WARE von Nordafrika bis Kasachstan

tätig, werden uns aber à la longue noch globaler

aufstellen müssen. Software wird zunehmend

zu einem Rohstoff, auf dem IT-

Dienstleistungen aufbauen. Als IT-Dienstleister

und Rechenzentrumsbetreiber stellt

sich immer die Frage, wie gut man an wirtschaftlich

vernünftige Softwareprodukte

herankommt. Sie sind ein fixer Teil jeder

Kalkulation und bilden nach den Personalkosten

sicherlich den größten Kostenanteil.

Im Outsourcing ist auch klarerweise ein

Trend zu standardisierten Betriebssystemen

und Anwendungen zu beobachten. Diese

Standardisierung ist ein Motor für die Internationalisierung

von Unternehmen und die

Verbreitung von Wirtschaftsmodellen – das

haben schon SAP, Microsoft und Oracle erfolgreich

vorgemacht. Wir glauben, hier auf

das richtige Pferd gesetzt zu haben. Wenn

wir den Rohstoff Software gut beherrschen,

dann können wir auch unsere IT-Services

wirtschaftlich optimal umsetzen.

(+) PLUS: Die Post AG ist in die Raif feisen-

Informatik-Beteiligung EBPP eingestiegen,

einem Anbieter für die elektronische Rechnung

und Zustellung. Was sind die Erwartungen

hier?

�� �� �� I N T E RV I EW

Pruschak: Der Einschätzung der österreichischen

Post AG zufolge werden künftig

jährlich fünf Prozent des gesamten Briefaufkommens

durch elektronische Zustellservices

substituiert. Wir bieten nun gemeinsam

mit der Post mit dem Service meinbrief.at die

elektronische und postalische Briefzustellung

an – die sogenannte duale Zustellung.

Es wird uns wahrscheinlich nicht gelingen,

den gesamten Markt auf uns zu versammeln.

Doch ist Raiffeisen Informatik hier Vorreiter

und es gibt nur wenige in Österreich, die eine

ähnlich große Lernkurve dazu bereits hinter

sich haben. So ist die elektronische Zustellung

ein interdisziplinäres Thema hinsichtlich

Rechtskunde, Organisation, Kundenverhalten

und Akzeptanz. Jede Dienstleistung wird

schließlich von den Nutzern nur angenom-

Software wird zunehmend zu einem

Rohstoff auf den die IT-Dienstleister aufbauen. Es geht

darum, diesen Rohstoff gut zu beherrschen.

men, wenn sie so einfach wie möglich gestaltet

ist. Die elektronische Zustellung muss irgendwann

dem Nutzer so einfach vorkommen

wie beispielsweise Zähneputzen. Mit der

Einführung der mobilen Signatur wurde ein

weiterer Schritt dazu gesetzt.

(+) PLUS: Wie sind Ihre Erwartungen

für das Geschäftsjahr 2010? Wird die Wirtschaftskrise

andauern?

Pruschak: Abhängig vom Geschäftsmodell

werden einige in der IT-Branche die Krise

erst jetzt zu spüren bekommen, für andere

ist sie heuer bereits vorbei. Ich denke, dass es

vereinzelt wieder mehr Mittel für offensive

IT-Projekte geben wird. Langfristige Maßnahmen,

die von vielen Unternehmen 2009

gesetzt wurden, um Technologiesprünge in

ihrer EDV hinauszuzögern, werden aber weiter

anhalten. Der laufende Betrieb von IT-Infrastruktur

wird auch 2010 unter laufendem

Druck stehen, da in diesem Bereich Einsparungsmaßnahmen

langfristiger wirken.

Nichtsdestotrotz war 2009 das erfolgreichste

Jahr unserer Unternehmensgeschichte in

den Ergebnissen. Für 2010 erwarten wir noch

eine leichte Steigerung. ■

DAS UNTERNEHMEN

>> Die Raiffeisen Informatik ist der größte

österreichische IT-Anbieter und seit 40 Jahren

am Markt. Der IT-Konzern erwirtschaftete 2009

mit Tochterunternehmen und rund 3.000 Mitarbeitern

einen Umsatz von rund 1,2 Mrd. Euro

und verfügt über 27 Standorte weltweit.

REPORT PLUS 13-01|2010 93


�� B R E I T B A N D

Von Martin Szelgrad

SAFTIGE WIESEN, grasende Kühe. Ein

rüstiges Bergsteigerpaar erklimmt

glückstrahlend den Gipfel. Im Hintergrund

werden die Glasfaserstränge

ausgerollt. Österreich ist auf dem Weg in

die Breitbandzukunft. Eine Milliarde Euro

wird der heimische Providerprimus Telekom

Austria in den nächsten Jahren in sein

Glasfasernetz investieren, heißt es in dem

Werbespot. Man hat dafür auch einen Namen

gefunden: »GigaNetz« soll es heißen,

Österreichs größtes Breitbandnetz mit

wahrhaft gigantischem Potenzial.

Der ungebremste Hunger nach größeren

Leitungskapazitäten ist überall zu beobachten,

nicht nur in Österreich. Während

sich der Datenverkehr jährlich verdoppelt,

umfasst die Größe des weltweiten digitalen

Universums bereits 500 Mrd. Gigabyte – eine

Zahl, die selbst in der Astronomie kaum

begreifbar ist. Jede Sekunde erweitern 4.000

94 REPORT PLUS 13-01|2010

neue Webadressen den globalen Website-

Dschungel. Die Technologieanalysten von

Artur D. Little sehen für 2015 einen Bandbreitenbedarf

von mächtigen 50 Mbit/s im

Download und 22 Mbit/s im Upload in den

Haushalten. Und das ist noch konservativ

geschätzt. Einzelne Provider wie UPC oder

die Wienstrom-Unternehmung blizznet

bieten bereits 100 Mbit/s synchron in beide

Richtungen. Zum Vergleich: Damit ließe

sich eine DVD in Spielfilmlänge in sechs

Minuten aus dem Netz ziehen. Die enorme

Saugkraft ist aber nicht nur für Produktpiraten

interessant: Die Netze der nächsten

Generation werden ganz legal Breitbanddienste

wie Onlinevideotheken, IPTV, Speicherservices

und Videoplattformen in High-

Definition-Qualität bedienen. Die Pixel-Ära

ist vorbei. Man darf sich jetzt auf gestochen

scharfe Bilder freuen. Und die brauchen fette

Leitungen.

NEUES NETZ

FÜR ÖSTERREICH

Die Telekom Austria stellt ihr Netz komplett auf IP um. Müssen die Kunden nun

Angst vor einer geringeren Sprachqualität in der Festnetztelefonie haben?

Fix ist: Es soll alles einfacher werden.

Neben kunstvoll gewählten Marketingausdrücken

wie dem »GigaNetz« der

TA geistert derzeit ein weiteres Kürzel durch

die Gänge der Telekommunikationsausrüster.

Es wird als Stein der Weisen gesehen, der

das gebeutelte Festnetzgeschäft mit seinen

sinkenden Umsätzen nun wieder vergolden

kann. Es ist das »NGN«, das »Next Generation

Network«. Doch was ist das eigentlich?

Während bislang die Sprachtelefonie

noch in einem separaten Netz in den Providerinfrastrukturen

abgewickelt wird, läuft

der Transport von Video und Daten bereits

auf Basis des Internet-Protokolls. Ein wirklich

einheitliches IP-Netz wird künftig aber

auch die Sprachdienste servicieren. Die Einheitsplattform

soll Kosten einsparen und die

Produktentwicklung vereinfachen. Gerade

die in heiß umkämpften Märkten lebenswichtige

»time to market« wird durch den

leistungsfähigen Untergrund beschleunigt.


Das Netz der Zukunft wird an jeder Stelle,

bis zum Endkunden in den Haushalten mit

IP werken, und das auf Breitbandbasis.

>> Finanzierung mit Fragezeichen > Strategien im Umbau


�� I N T E RV I EW

Siegeszug in Wellen

Alcatel-Lucent-Boss Harald Himmer warnt, den Faktor Breitband zu unterschätzen. Ob Festnetz oder

Mobilfunk – das Wachstum von neuen Diensten passiert künftig im Schulterschluss.

Von Martin Szelgrad

96 REPORT PLUS 13-01|2010

HARRY HIMMER. Der

Alcatel-Lucent-Boss

sieht ein massives

Wachstum in Bandbreiten

in Österreich.

(+) PLUS: Was kann geschehen, wenn

mangels regulatorischer Rahmenbedingungen

kein Schulterschluss in Österreich

im Infrastrukturausbau passiert?

Harald Himmer: Das Thema Breitband

ist nicht mehr aufzuhalten, lediglich die

Frage der Geschwindigkeit der Zugänge

stellt sich noch. Die Konsequenzen einer

verfehlten Politik dazu sind dagegen klar:

Auf die Informations- und Kommunikationstechnologie

lassen sich mittlerweile

40 % der jährlichen Produktivitätssteigerung

in einer Volkswirtschaft

zurückführen. 25 % des Wirtschaftswachstums

kommen im weitesten Sinne

aus IKT-Investitionen. Eine geringere

Breitbanddurchdringung ist damit ein

Nachteil für jeden Wirtschaftsstandort.

(+) PLUS: Alcatel-Lucent lieferte in

Österreich mit einem Outsourcing-Projekt

für einen Mobilfunkbetreiber bereits

vor Jahren ein frühes Beispiel, dass das

Kerngeschäft eines Mobilfunkers eigentlich

nicht der Betrieb einer Infrastruktur,

sondern Kundenservices und die Kreation

von Produkten ist. Ist dies die Lösung

am Ende des Tages: ein gemeinsames

Netz für alle?

Himmer: Es wird zwischen den technologischen

Möglichkeiten und dem,

was auf einem regulierten Markt erlaubt

ist, immer Anpassungen geben

– keine Frage. Anders als noch vor zehn

Jahren, als jedes Unternehmen seine eigenen

Glasfaserleitungen verlegen musste,

stellen sich heute Investitionslust und

auch Bedarf angesichts des harten Wettbewerbs

in Österreich anders dar. Man

hat nun festgestellt, dass Leitungskapazitäten

sinnvoll gemeinsam genutzt werden

können. Künftig ist zu erwarten, dass es

zunehmend Wettbewerb in den Applikationen

und Services der Provider geben

wird. Doch sehe ich es als notwendig an,

auch auf Infrastrukturebene Wettbewerb

zu haben. Kooperationen, ja – aber nicht

so extrem, dass ein einziges Netz für alle

reichen würde. Mit einer einzigen Netzin-

frastruktur wären wir doch wieder in einer

Situation wie vor der Marktliberalisierung.

(+) PLUS: In Österreich herrscht in dem

hart umkämpften Markt eine weltweit

einmalige Situation. Welche Chance hat

das Festnetz gegenüber dem Shootingstar

Mobilfunk?

Himmer: Fest- und Mobilnetze werden

immer nebeneinander existieren. Während

es im Festnetz eine, mit anderen Ländern

verglichen, durchschnittliche Breitbanddurchdringung

gibt, ist derzeit der

Mobilfunk für Wachstum verantwortlich.

Mit den erfolgreichen mobilen Breitbandkarten

wird natürlich der Wunsch nach

Mobilität abgedeckt. Doch es wird auch

wieder die Zeit des Festnetzes kommen

und dort Wachstum geben. Breitband

ist ja mit seinen Leistungsmöglichkeiten

jedem mobilen Angebot überlegen. Klarerweise

wird dann niemand seinen Mobilfunkanschluss

wieder aufgeben. Dieser

Abwanderungsstrom passiert stets nur in

eine Richtung. Was aber am wichtigsten

ist: Fest- und Mobilnetze zusammen erreichen

in Österreich eine Breitbandpenetration

von rund 80 Prozent.

(+) PLUS: Was bringt dem Markt die

Investition in ein Next-Generation-Network

in Österreich? Sind die Leitungen

nicht bereits schnell und billig genug?

Himmer: Das Nutzerverhalten zeigt seit

Jahren, dass immer mehr Netzteilnehmer

zunehmend mehr Informationen austauschen.

Es zeigt sich ein Breitbandbedarf

– er verdoppelt sich jedes Jahr –, der abgedeckt

werden muss. Im Next-Generation-Network

wird es prinzipiell egal sein,

auf welche Weise Daten übertragen werden.

Das NGN ist ein All-IP-Netzwerk,

in dem die Datenströme über jede Infrastruktur

einheitlich verwaltet werden

können – auch mobil und im vernetzten

Haushalt. Im »Digital Home« sind Fernseher,

Haushaltsgeräte und Alarmanlage

über die Datenleitung verbunden. ■


all mm

2010 ist das Jahr des Smartphones. Die kleinen, mobilen Computer mit Telefonhörer

Die schnelle Übersicht über die besten Handys heuer. Die wichtigsten Hersteller und

■ MOTOROLA

Mobiler Salto

>> Der US-Konzern Motorola mag in den

letzten Monaten Terrain am Markt in Europa

verloren haben – innovative Produktdesigns

liefern die Amis nach wie vor. Jüngster Coup

ist das auf dem coolen Google-Betriebssystem

Android basierte Handset »Backflip«.

Der Name ist Programm: Ein bereits bestehendes

Gerät, Motorolas Smartphone »Motoblur«,

wurde auf den Kopf gestellt, zerlegt und in

einem Rückwärtssalto wieder zusammengesetzt.

Ergebnis ist ein handelsübliches Smartphone

mit Kamera, Volltastatur und Breitband-

Luftschnittstelle. Die Besonderheit des Backflip

ist aber die Positionierung der Tastatur. Die

Tasten befinden sich auf der Rückseite des

Handys und werden erst aktiviert, wenn das

gute Stück aufgeklappt ist. Gleichzeitig darf

der kleine Akrobat halb aufgeklappt auch als

Mini-Bildschirm auf den Tisch gestellt werden.

Auf der Rückseite der Bildschirmhälfte befindet

sich wiederum ein Touchpad für die Navigationen

mit dem Mauszeiger. Die Bewegung durch

Webseiten, Texte und Nachrichten ist damit ohne

Fingertappen am Schirm möglich. Der steuernde

Zeigefinger werkt ja auf der Rückseite.

Marktstart für den mobilen Salto aus Übersee

ist erstes Quartal 2010.

INFO: www.motorola.com/backflip

■ SONY ERICSSON

Zugang zur

vernetzten Welt

>> Mit dem »Xperia X10« erschließt Sony Ericsson eine

offene Welt, in der Social Media und Kommunikation nahtlos

integriert sind. Es ist das erste Gerät aus einer Familie

von mobilen Endgeräten einer völlig vernetzten Welt.

Die Funktionen »Timescape« und »Mediascape« sind die

zentralen Elemente der Oberfläche am Handy. Timescape

sammelt alle Kommunikation an einem Ort und ordnet sie

chronologisch. SMS, E-Mails, Facebook oder Twitter können

so in einem Durchgang verwaltet werden. Mit Mediascape

werden lokale und online verfügbare Mediadaten auf einer

Bedienoberfläche zusammen dargestellt. So findet die

Anwendung automatisch gespeicherte Fotos, Videos oder

Lieder eines bestimmten Interpreten und schlägt zudem

passende Onlineinhalte vor. Das X10 erkennt wie von Zauberhand

automatisch Verbindungen zwischen Kontakten,

Inhalten und Medien. Das Handy wird zum persönlichen Sekretär:

Fotos werden selbständig sortiert und zugeordnet.

Eine intelligente Gesichtererkennung erfasst bis zu fünf

Gesichter pro Foto und verknüpft sie automatisch mit dem

Telefonbuch und Messaging-Aktivitäten, die diese Personen

betreffen. Die 8,1-Megapixel-Kamera schießt Fotos und Videos.

GPS und Breitbandverbindung checken Websites und

Restaurants in der Gegend. Das X1 wird im Laufe des ersten

Quartals erhältlich sein.

INFO: www.sonyericsson.at


ee

wirbeln den Breitbandmarkt auf.

ihre Spitzenmodelle.

■ SAMSUNG

Lass die Sonne rein

>> Sommer, Sonne, Sonnenschein zieh ich mir furchtbar

gerne rein«, lautet das Motto des »Blue Earth«. Samsung

liefert das weltweit erste solarbetriebene Mobiltelefon mit

Touchscreen. Durch integrierte Solarzellen an der Rückseite

des Gehäuses wird Blue Earth bei genügend Licht

unabhängig von der Steckdose mit Energie versorgt. Das

Gehäuse selbst besteht aus garantiert recyceltem Plastik.

Bei ausreichendem Lichteinfall reicht eine Stunde

Ladezeit für bis zu zehn Minuten Gesprächszeit. Samsung-Manager

Martin Wallner sieht sein Unternehmen

klar in der »globalen Verantwortung gegenüber

der Umwelt«. Die Displaybeleuchtung, die Dauer

der Hintergrundbeleuchtung und die Bluetooth-

Funktion können mit nur einem Tastendruck auf

»Eco-Mode« geschaltet werden, wodurch die Energieeffizienz

erhöht wird. Mit »Eco Walk« misst

ein integrierter Schrittzähler die Anzahl der zurückgelegten

Schritte und berechnet die im Vergleich

zum Auto eingesparten CO2-Emissionen.

Veranschaulicht wird dies durch die Angabe

der Anzahl dadurch geretteter Bäume.

INFO: www.samsung.at


�� H A N DY S

■ ANDROID

Alle Wege

führen zu Google

>>Google, der omnipotente Wegweiser im

Internet, ist zu einem ebenbürtigen Gegner

Microsofts angewachsen und will jetzt ebenfalls

am Handymarkt mitmischen. Um die brandneue

Handyplattform Android zu pushen, startet

der Suchmaschinenbetreiber nun mit einem

eigenen Handset in den Markt. Gebaut vom taiwanesischen

Hersteller HTC, aber mit Google-

Mascherl, wird das »Nexus One« wenig bescheiden

als neues »Superphone« angepriesen.

Dank eines 1 Gigahertz schnellen Prozessors

ist es leistungsfähig wie ein drei bis vier Jahre

alter Laptop. Die eingebaute Kamera schafft 5

Megapixel mit Blitzlicht und Geo-Kodierung. Der

Speicher schafft bis zu 32 GB. Eine 4-GB-Speicherkarte

liegt dem Handy bei. Anders als beim

iPhone lässt das N1 auch den Akku wechseln.

Ersten Tests zufolge liegt es allerdings bei der

Qualität der Touchscreen-Bedienung hinter

Apples Kulthandy. Positiv fällt die Sprachsteuerung

auf: Tastaturlos können damit E-Mails, SMS

und Programmeingaben erstellt und getätigt

werden. Das N1 wird sich auch

in Österreich vermutlich in der

Preisklasse unterhalb des iPhones

bewegen. Vertriebsgemeinschaften

mit Mobilfunkern standen zu Redaktionsschluss

allerdings noch aus.

INFO: www.google.com/phone

■ NOKIA

Mobiles Flaggschiff

Nokia liefert mit dem Smartphone N900 einen iPhone-Killer der Sonderklasse. Das

Gerät ist leistungsfähig wie ein Netbook, schafft Flash und ist trotzdem ein Handy.

Das Smartphone N900 läuft auf Linuxbasis – genauer: auf dem Betriebssystem

Maemo 5 – und bietet mit einem kräftigen Prozessor, 32 GB Platz und einer eigenen

3D-Grafikbeschleunigung eine Performance, wie sie Multitasking gewohnte

User aus der PC-Welt kennen. Zehn bis 15 Programme laufen auf dem kleinen

Display gleichzeitig. Es ist ein 800 mal 480 Pixel großer Touchscreen. Mit dem

integrierten Media Player kann selbst in einem Film in Langspielqualität ohne

Verzögerung und ohne abgehackte Bilder hin und her gesprungen werden.

Applikationen wie E-Mail, Instant Messaging oder Browser werden seitwärts

aus dem Bild und wieder zurück geschoben. Der Mozilla-Browser des N900

schafft es, anders als das iPhone, auch Flash-Applikationen darzustellen.

Das heißt: ein eigener Facebook-Client ist nicht nötig und es gibt ihn

auch nicht für die Maemo-Plattform. Das Social-Network kann einfach

angesurft und wie gewohnt im Browser bearbeitet werden. Übrigens:

Die E-Mail-Konfigurationen aller großen Web-Mail-Anbieter und heimischen

Provider sind bereits voreingestellt. Der Nutzer braucht

lediglich noch den Anbieter seiner Wahl anzuklicken.

INFO: www.nokia.at

■ FIRST ELSE

Daumen hoch

>> Alle wollen sie sein wie das iPhone von Apple. Aus Israel stammt der aktuell wohl atemberaubendste iPhone-

Killer. Das »First ELSE« kommt im Laufe des Jahres auf den Markt und möchte bisher Bekanntes über den Haufen

werfen. Das Smartphone des Herstellers Else Mobile will Telefonieren und Kommunizieren völlig neu und intuitiv

gestalten. Solche Versprechungen kennt man zwar zur Genüge – der schnelle Daumentest bescheinigt dem ELSE

aber tatsächlich den Status eines Leuchtturms für Bedienungsfreundlichkeit. So ist der Zugriff auf sämtliche

Funktionen des Geräts mit nur einem Klick am Touchscreen möglich. Mit

dem Daumen können intuitiv jedes Feature und jede Detailinformation

aus den Kontakten, Nachrichten oder dem Telefonspeicher direkt angewählt

werden. Die Israelis sagen dem klassischen Hauptmenü mit seinen

üblicherweise unzählig verschachtelten Untermenüs den Kampf an. Sie

sprechen von einem revolutionären Nutzererlebnis, bei dem nicht mehr

die Telefonie, sondern die jeweilig ausgewählte Anwendung im Vordergrund

stehen wird. Bahnbrechend sind wohl auch die Webaktivitäten zum

Smartphone. Das ELSE liefert virales Marketing über Homepage, Twitter

und YouTube par excellence.

INFO: www.firstelse.com


Helferlein am Handy

Das Handy wird zunehmend zur mobilen

Plattform für kunterbunte Anwendungen. Welche

Applikationen auf den Telefonen der Renner sind.

Die schnelle Übersicht.

DriveSafe.ly

(iPhone, BlackBerry, Android, Windows

Mobile)

Ihr BlackBerry kann auch sprechen – wenn er nur

will. Wer seinen kleinen E-Mail-Freund dazu bewegen

möchte, Nachrichten laut vorzulesen, darf dies mit

»DriveSafe.ly« tun. Erraten: Anwendungsgebiet Nummer eins

ist das Auto. Mit dem Sprachwerkzeug bleiben die Hände

frei und Augen auf die Straße gerichtet. Die kostenpflichtige

Pro-Version ist unbedingt zu empfehlen

– sie lässt lästige Werbebotschaften weg.

10 euro

Sleep

Cycle alarm clock

(iPhone)

Wer endlich zur richtigen Zeit morgens aufstehen möchte,

legt sich einen Wecker zu, der auf den persönlichen Bio-Rhythmus

eingestellt ist. Die kleinen Dinger gibt es bereits ab 200

Euro. Wer nur 79 Cent ausgeben will, wählt auf seinem iPhone

die Anwendung »Sleep Cycle alarm clock«. Das Smartphone

erkennt Tiefschlaf- und Wachphasen anhand der nächtlichen

Bewegungsabfolgen im Bett und klingelt zum

passenden Zeitpunkt. Erfrischend!!

79 Cent

Amazon

(iPhone, BlackBerry, Android)

Der Klassiker des Onlineshoppings ist auch mobil vertreten.

Die Einkaufswagen dürfen nun auch unterwegs gefüllt

werden, für Detailinformationen einfach die Produkte antippen.

Perfekt, um auch unterwegs zwischen Lift und

Tiefgarage über den Lieferstatus seiner

Bestellungen informiert zu sein.

kostenlos

Shazam

(iPhone, BlackBerry, Android, Nokia)

Sie hören einen netten Song, kennen aber weder

Namen noch Interpret? Mit »Shazam« ist das kein Problem:

einfach das Smartphone in Richtung Musikquelle

richten. Die Applikation erkennt so ziemlich jede

Aufnahme und versorgt den interessierten

Nutzer mit allerlei Wissenswertem zu

Song und Musiker.

limitiert kostenlos

Xing

(iPhone, BlackBerry, Android)

Facebook ist für Privates, beruflich vernetzt

sich der Arbeiter von heute über Xing. Mit dem

mobilen Client erhalten Nutzer Statusmeldungen

und Nachrichten von ihren Kontakten. Spanner können

auch von unterwegs aus prüfen, wer ihr Profil besucht,

Nachrichten verfassen, abrufen, beantworten und

weiterleiten. Auch die Suchfunktionen sind mobil

mit an Bord.

Poynt

(BlackBerry)

kostenlos

SAP Business

Objects Explorer

(iPhone)

Für Hardcore-Fans der Businesssoftware SAP gibt’s nun

endlich eine iPhone-Applikation. Mit der mobilen Version des

»SAP BusinessObjects Explorer« hat der moderne Wissensarbeiter

überall Zugriff auf seine Daten. Anwender können

so Entscheidungen für ihr Unternehmen in Echtzeit

treffen und Dokumente mit anderen Usern teilen.

Suchergebnisse werden visuell aufbereitet.

kostenlos

Kino, Essen gehen, die nächste Autowerkstatt,

ein Schwimmbad, Museum oder

der nächste Bahnhof? Kein Problem mit

»Poynt«. Die lokale Suche startet stets vom

aktuellen GPS-Standort aus. In der obersten

Liga spielt Poynt als Film- und Kinosuchmaschine.

Das passende Kino zum Film wird in

die interaktive Karte übertragen und mit

einem weiteren Klick wird die GPS-Navigation

zum Zielort gestartet.

kostenlos

��

iVideoCamera

(iPhone)

Mit der kleinen Applikation können auch auf

älteren iPhones (iPhone 2G und 3G) bewegte Bilder

aufgezeichnet werden. Die iVideoCamera schließt eine

Lücke, Filme gibt es mit 320 mal 426 Pixeln Auflösung, bei

maximal zehn Bildern pro Sekunde. Ein Dateimanager

für die gespeicherten Filme ist auch dabei.

79 Cent

Flashlight

(BlackBerry)

Mit »Flashlight« wird der BlackBerry zum kleinen

Helferlein, wenn sein Besitzer mal im Dunkeln

tappt. Getarnt als Taschenlampe, die bis zu 30 Minuten

Licht spendet, macht sich BlackBerry mit dieser

Applikation auch Freunde unter NachtschwärmerInnen.

Denn mit Flashlight lässt sich das Smartphone

auch als Spiegel nutzen – der Ausgehlook

bleibt perfekt. Und wenn gar nichts mehr geht,

ist das Gerät damit zum Morsen einsetzbar.

kostenlos


�� I T - S E RV I C E S

Sturm und Drang am Arbeitsplatz

102 REPORT PLUS 13-01|2010

Ausstattung am Arbeitsplatz im Wandel der Zeit: Dienstleister

liefern Sprachservices, Datenleitungen und Hardware im Paket. Wer

arbeiten will, muss nur noch aufs Knopferl drücken.

Von Martin Szelgrad

IST IHR BETRIEB auf die Verfügbarkeit

von E-Mail, Internet

und Unternehmenssoftware

angewiesen? Muss die EDV

reibungslos laufen, weil sonst der

Supergau droht? Nun, Ihre Sorgen

sind berechtigt. Schließlich sind Unternehmen

in nahezu jeder Branche

von den Datenleitungen abhängig

wie nie zuvor. Die Informationstechnologie

(IT) ist zwar zu einem

fähigen Werkzeugkasten fürs Geschäft

geworden, die wachsende

Abhängigkeit von den Blechkisten

wirft aber neue Risken auf. Versiegt

im Tagesgeschäft der Datenstrom

von einer Sekunde auf die andere,

können die Mitarbeiter gleich den

Weg nach Hause antreten. Der moderne

Arbeitsplatzkrieger sieht seine

Produktivität mittlerweile fix an

E-Mail und Datennetze gebunden.

Besonders der berüchtigte Wissensarbeiter

– er weiß zwar nichts, kann

aber überall nachlesen, was gerade

angesagt und wichtig ist – ist ein

Sklave der IT geworden.

Solchen Schmerz zu lindern, das

schafft nun möglicherweise ein neues

Selbstverständnis der IT-Branche.

Die EDV wird nicht mehr zum

Selbstzweck in die Unternehmensstrukturen

gepflanzt, sondern unterstützt

nutzerfreundlich und zielgerichtet

die Menschen am Arbeitsplatz.

Glorreichstes Beispiel für den

neuen Hang zur Menschenfreundlichkeit

ist das Konzept der Unified


Communications. Wer da zuerst an eine

UNO-Organisation denkt, liegt etwas daneben.

»United« werden hier nicht Staaten,

sondern deren emsige Bürgerinnen und

Bürger an den Arbeitsplätzen. Die Vision

der vereinten Kommunikation sieht einen

einzigen Kommunikationsstrang für unterschiedliche

Medien wie Festnetztelefonie,

Mobilfunk, E-Mail, Kurznachrichten

und progressive Services wie Chat oder Presence-Dienste

vor. Letztere zeigen übrigens

stets, welcher Kollege am Arbeitsplatz verfügbar

ist, wer gerade Mittagspause macht

und wer in einer Besprechung gefangen

HERMANN WASSERBACHER, IFES. »IT ist in

vielen kleineren Unternehmen noch

immer Chefsache. Das kommt oft

teuer.«

ist. Kann ein Anruf nicht zum Teilnehmer

durchgestellt werden, wird die Nachricht

aus der Sprachbox einfach in den E-Mail-

Eingang geliefert. Und ist der Nutzer nicht

am Festnetz erreichbar, wird ein Gespräch

automatisch aufs Handy umgeleitet. Darüber

hinaus ist der Zugriff auf die Produkt-,

Produktions- und Kundendaten einfach wie

nie geworden. Die Datenbanken sind bereits

eng mit den Arbeitsplätzen vernetzt.

>> Neue Kultur > Neuer Vertrieb > Einsparungen überall


■ GN NETCOM

Einfach kommunizieren

SPIELEN SIE NOCH KLINGELMEMORY?

Im Büro steht das Festnetztelefon

und auf dem Schreibtisch der PC

mit Unified-Communications-Anwendungen

und einem Chat-Client, mit

dem ebenfalls telefoniert werden kann. Auf

dem Firmenhandy ruft der Chef an und in

der Jackentasche dudelt das Privathandy.

Wollen mehrere Leute gleichzeitig etwas,

setzt hektisches Suchen ein oder zumindest

die Schrecksekunde: Welche Geräte klingeln

gerade?

Headsets sind der Joker im Klingelmemory:

Sie sind mehr als das nette Gadget, das

die illustre Techniksammlung erweitert, geladen,

bedient und bei Bedarf in der Hosentasche

gesucht werden muss. Headsets bringen

das gewünschte Gespräch ans Ohr, ganz

gleich, welches Telefon gerade klingelt. Dafür

sind moderne Headsets multiuse-fähig

und das passende Pendant zu jedem Endge-

104 REPORT PLUS 13-01|2010

�� P O D I U M ��

W A S M E I N U N G I S T U N D W E R P O S I T I O N B E Z I E H T

Experten raten, in der Bürokommunikation auf einen kleinen,

praktischen Helfer niemals zu verzichten: das Headset.

Ein Gastkommentar von Holger Reisinger

KOMMUNIKATIONSEXPERTE

REISINGER. »Telefonieren

am Arbeitsplatz wird

komfortabler.«

rät: Der klassische RJ11-Stecker

verbindet sie mit dem

Festnetztelefon, sie haben

eine USB-Schnittstelle für

den PC und funken via

Bluetooth mit dem Mobil-

telefon. Sie vereinen unterschiedliche Tele-

fonietechniken in einem Gerät, halten bis

zu drei Verbindungen parallel aufrecht und

wechseln nahtlos zwischen diesen. Da wundert

es nicht, dass Headsets auch bei Unified

Communications ganz vorne mitspielen.

>> Lücke geschlossen > Mit offenen Karten > Netter Nebeneffekt


Im Stammhaus in Ostfildern

laufen die Fäden zusammen

Seit über 60 Jahren Komplettlösungen

aus einer Hand

Schneller, flexibler, sicherer – mit diesem Ziel schreitet der Automatisierungsgrad

von Maschinen und Anlagen in allen Branchen

voran. Das stellt neue Anforderungen an Produktionssysteme. Als

Komplettanbieter für Steuerungs- und Sicherheitstechnik bietet

das Unternehmen Pilz, dessen Name weltweit als Synonym für

Sicherheit von Mensch, Maschine und Umwelt steht, Automatisierungslösungen

aus einer Hand für alle Industrien.

Innovation war der Schlüssel zum Erfolg

von Anfang an. Seit 1948 setzt

das traditionsreiche Familienunternehmen

immer wieder Maßstäbe:

1968 mit dem ersten Zweihand-Bedienrelais

und 1987 mit dem ersten Not-

Aus-Schaltgerät PNOZ (Pilz-NOT-AUS-

Zwangsgeführt) – ein ungewöhnlicher

Name für ein ungewöhnliches Produkt.

Innerhalb kurzer Zeit avancierte das PNOZ

zum weltweit meisteingesetzten Sicherheitsschaltgerät.

Im Jahr 1997 folgte das

sichere und offene Bussystem SafetyBUS

p für die dezentrale Vernetzung von Maschinen

und Anlagen. Mit dem multifunktionalen

Sicherheitssystem PNOZmulti war

es Anwendern 2002 erstmals möglich,

ihre benötigten Sicherheitsfunktionen am

PC zu konfigurieren, statt diese wie bislang

über die Verdrahtung zu realisieren.

Zu den jüngsten Innovationen gehören das

Echtzeit-Ethernet SafetyNET p und das

erste sichere Kamerasystem SafetyEYE

zur dreidimensionalen Raumüberwachung.

Produkte werden im Unternehmen Pilz ge-

meinsam mit oder im Auftrag von Kunden

entwickelt. Kunden- und marktgerechte

Produkte zu entwickeln, ist die wichtigste

Aufgabe der Forschungs- und Entwicklungsabteilung.

Kundennähe und Innovation

gehören zusammen und bedingen sich

gegenseitig.

Mit einer klaren Strategie hat sich das

Unternehmen konsequent zum Komplettanbieter

mit Lösungen für die Sicherheits-

und Standardsteuerungstechnik

entwickelt.

Systemlösungen von Pilz kommen in

allen Bereichen des Maschinen- und Anlagenbaus

zum Einsatz, sowie in der Automobil-,

Lebensmittel- oder Holzindustrie.

Außerdem sorgen Produkte des Technologieführers

dafür, dass Gepäckförderanlagen

in Flughäfen gefahrlos laufen, Theaterkulissen

sich reibungslos bewegen und

Seil-Achterbahnen sicher unterwegs sind.

Im Produktangebot des Unternehmens

werden Steuerungs- und Sicherheitstechnik

zu intelligenten Komplettlösungen

verzahnt. So überträgt das Unternehmen

Pilz: 60 Jahre

Komplettlösungen

aus einer Hand.

die Erfahrung und das Wissen aus der Sicherheitstechnik

auf die Anforderungen der

allgemeinen Steuerung von Maschinen und

Anlagen. Der Nutzen für den Kunden: maßgeschneiderte

Automatisierungslösungen

aus einer Hand. Zur Produktpalette gehören

elektrische Überwachungsgeräte, Systeme

für die Steuerungstechnik, Sensorik

und Automatisierungslösungen mit Motion

Control. Ebenfalls zum Produktspektrum

gehört der sogenannte »Pilztaster«, mit dem

Maschinen blitzschnell gestoppt werden

können und der in seiner Form an einen Pilz

erinnert.Visualisierungs- und Diagnosesysteme

runden das Leistungsspektrum ab.

Systemlösungen von Pilz sorgen aber

nicht nur für mehr Sicherheit für Mensch

und Maschine, sondern auch für mehr Wirtschaftlichkeit,

da Produktionsabläufe effizienter

gestaltet und Stillstandszeiten vermieden

werden können.

Für die Kunden: Sicherheit im Paket

Seinen Kunden stellt das Unternehmen

sein langjähriges Know-how mit einem

umfassenden Dienstleistungsangebot zur

Verfügung. Mit Sicherheitsberatung und

Engineering bietet Pilz durchgängigen und

kompetenten Service – von der sicherheitstechnischen

Überprüfung des Maschinenparks

über die Risikoanalyse bis zur Systemintegration

und Verifikation beim Kunden.

Auf Wunsch übernimmt Pilz im Frühstadium

einer Anlagenplanung neben der Produkt-

auch eine ausführliche Sicherheitsberatung

und unterstützt die Kunden bei Konfiguration,

Auswahl und Einsatz ihrer Systeme.

Schutz auch für die Umwelt

Sicherheit für Mensch, Maschine und

Umwelt – diesem Leitspruch will das Unternehmen

nicht nur durch Produkte und

Lösungen gerecht werden, sondern auch

selbst entsprechend handeln. Das Thema

Umweltschutz ist in den Konzernzielen verankert.

Als Botschafter der Sicherheit hat

Pilz das Ziel, die Sicherheit von Mensch und

Maschine weltweit zu verbessern, dazu gehört

auch die Umwelt, in der wir arbeiten

und leben.

Neben dem Stammhaus in Ostfildern unterstützt

Pilz mit Tochtergesellschaften und

Außenstellen Anwender in 24 Ländern und

bietet Vertriebs- und Engineering-Leistungen

direkt vor Ort. Weltweit stellen 1.200

Mitarbeiter ihr Wissen in den Dienst der sicheren

Automation, um diese auch in neuen

Märkten zu etablieren.


op innovati onen

Tools & Toys

>> Die Film- und Fernsehindustrie ist immer für Über-

raschungen gut: zuerst schwarz-weiß, dann Ton, Farbe,

High-Definition und nun 3D. 2009 gilt bereits als Jahr des

Revivals des 3D-Hypes der 50er-Jahre. Und heuer soll der

Siegeszug der plastischen Bilder gar erst in den Haushalten

enden. Erste Produkte sind bereits angekündigt – vom

TV-Set bis zu Abspielgeräten und Spielkonsolen. Ebenfalls

bereit für den Massenmarkt sind E-Reader: Die flachen

Displays liegen angenehm in der Hand, schonen das Auge

und speichern zehntausende Dokumente – mehr als ein

Mensch jemals lesen kann. Die eigentliche Revolution

bietet aber der neue Vertriebsweg: Bücher werden direkt

auf den Reader gesaugt. Das gute Buchgeschäft kann zusperren

– oder sattelt auf EDV um.

Seite 38

Arbeit, Spaß und Spiel

>> Das Handy als Knochen für die reine Sprachtelefonie

ist Geschichte. Heute wird installiert, programmiert

und vielfältig genutzt. Die Rede ist vom Applikationshype

rund ums iPhone und all die anderen smarten Telefone.

Heute schon navigiert? Oder gespielt? Oder einen Geschäftsbrief

verfasst? Die passenden App-Stores warten

auf Sie! Seite 98

106 REPORT PLUS 13-01|2010

Im Wandel der Zeit

>> Es tut sich einiges am Büroschreibtisch. Zwischen

Kaffeehäferl, Gummibaum und Familienfoto hat sich die

digitale Zukunft breit gemacht. Unified Communications

heißt das Zauberwort, wenn alles konvergent wird. IKT-

Dienstleister liefern Sprachservices, Datenleitungen und

Hardware im Paket. Wer arbeiten will, muss nur noch aufs

Knopferl drücken. Seite 102

Neue Energie

>> Eine beliebte Spielwiese für kluge Köpfe ist der Energiesektor.

Etablierte Unternehmen, aber auch unbekannte

Newcomer stellen immer wieder ihre Innovationskraft unter

Beweis. Ein kleiner Auszug: Siemens Energy hat in Dänemark

den ersten Prototypen einer getriebelosen Windenergieanlage

errichtet. Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung

Baden-Württemberg (ZSW) hat ein voll

funktionstüchtiges flexibles Dünnschicht-Solarmodul für

den Einsatz im mobilen Bereich oder an Gebäuden entwickelt.

Und Sunshore Solar will den europäischen Markt mit

einer günstigeren und effizienteren Solartechnologie aufmischen.

Seite 34

Schön, aber kurz

>> Wertewandel im Tourismus. Das verlängerte

Wochenende löst die Urlaubswoche ab, dafür wird

mehr auf Qualität geachtet. Differenzierungsmerkmale

der Vergangenheit wie ein eigener Spa-Bereich

sind heute Standard. Neue Ideen sind gefragt,

die ersten Konzepte beginnen zu greifen. Wanderwege

durch New York, Kajak in Kopenhagen, Langlaufen

in Helsinki, Klettern zwischen Hochhäusern

oder Fischen am Kanal: Urbaner Eskapismus nennen

das Zukunftsforscher und meinen die Flucht

der Städter hin zum Naturerlebnis. Und zwar möglichst,

ohne die Stadt verlassen zu müssen.


Automobile Innovationen

>> Die Zeit der Straßenkreuzer und Sprit fressenden PS-Monster scheint

endgültig vorbei. Konzepte und Studien zeigen einen deutlichen Wandel.

Die Stars von morgen kommen aus dem alternativen Eck. Elektroantriebe

werden in hübsche kleine Karosserien gesteckt, sexy sind die

Verbrauchszahlen und nicht mehr die PS. Wenn sie nicht gerade ums

nackte Überleben kämpfen, zeigen Automobilhersteller ein enormes

Innovationspotenzial. Seite 116

Luftschnittstelle

>> Tastatur, Maus, Internet und Speicher

lassen sich heute auch ohne Kabel mit Notebook

und Rechner verbinden. Der neue Standard

»Wireless Display Interface«, kurz WiDi,

soll nun auch Standbildschirme auf magische

Art anschließen. Erste Notebooks mit WiDi-Fähigkeit

sind am Markt, für herkömmliche Fernseher

gibt es Adapter für die Luftschnittstelle.

Elektrowahl

>> An den Hochschülerschaftswahlen im vergangenen

Jahr teilzunehmen, war für Studenten

erstmals auch online möglich. Das Pilotprojekt für

den bequemen Wahlgang zuhause (Stichwort E-Democracy)

wurde technisch sauber durchgeführt.

Der Aufschrei unter Datenschützern war trotzdem

schmerzhaft laut. Die Befürchtung: Das System fördert

die Überwachung des »gläsernen Bürgers«.

Grüner Daumen

>> Kopenhagen war ein Rohrkrepierer. Aktuell ist sogar die IT-Industrie umweltbewusster eingestellt

als Politik und Gesellschaft. Dort heißt der grüne Daumen »Green IT« und zielt ganz pragmatisch auf

Kosteneinsparungen bei Netzwerken, Stromverbrauch und Reisetätigkeiten von Mitarbeitern. Die Vision:

Die hohe Qualität in Videokonferenzsystemen sticht die niedrige Qualität von Wartezeiten in Flughafenlounges

aus.

Kohle machen

Die Verflüssigung von Kohle und andere Konversionsverfahren

können die Abhängigkeit von Rohöl

und Erdgas verringern. In Südafrika werden bereits

30 % des verbrauchten Diesel- und Benzinkraftstoffs

aus Kohle hergestellt. Die US Air Force setzt

ihre Flugversuche mit dieser Art Treibstoff fort und

wird vor Ende 2011 ihre gesamte Flugzeugflotte

getestet haben. China Shenhua, die Nummer eins

weltweit der Kohleindustrie, startete im Dezember

2008 ihre erste CTL-Anlage mit einer Kapazität von

20.000 Barrels pro Tag.

Demokratie 2.0

Aus einer Demonstration von Studierenden wurde

eine der größten Protestaktionen der letzten Jahre.

Plattformen wie Facebook und Twitter vernetzten

die aktiven Audimaxisten mit sympathisierenden

Studenten. Auch international hat das Internet seine

Feuertaufe zum aktiven Instrument der Demokratie

bestanden. In Blogs berichten Oppositionelle

in China über Menschenrechtsverletzungen der Regierung,

aus dem Iran gehen Bilder von Demonstrationen

um die Welt. Die offiziellen Darstellungen

der Regierungen verkommen zur Farce.

Ski amadé

Junior Weekend Discount

Turm zu Dubai

>> Er ist ein Symbol dafür, was technisch machbar

ist, aber auch ein Beleg für ausgeprägten Größenwahn.

Mit 828 Metern hat das als Burj Dubai errichtete

und als Burj Khalifa eröffnete Megabauwerk

den bisherigen Rekord des Taipeh 101 regelrecht

pulverisiert. Wirklich sinnvoll sind diese Superlative

längst nicht mehr, aber Rentabilität ist die eine

Sache, Prestige die andere. Seite 68

1 Tag 1/2 Tag**

Kind (Jg. 1994-2003) € 14,00 € 11,00

Jugend (Jg. 1991-1993) € 23,50 € 19,00

* Konkretes Ausmaß der Preisreduktion abhängig vom jeweiligen

Normalpreis, der jeweiligen Saisonzeit und dem jeweiligen Skigebiet.

Preise gültig in der Saison 2009/2010.

** Keine Vormittagskarte bei den Gasteiner Bergbahnen.

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REPORT PLUS 13-01|2010 107


�� I N N O VAT I O N

GRÜNE GEISTESBLITZE

Strom aus Holzgas, Biodiesel aus Algen und Geschirr aus Kartoffelstärke

– findige Forscher in der Steiermark machen

es möglich.Mit radikal neuen Umwelttechnologien

entwickelte sich die weiß-grüne Mark zum

Green Tech Valley.

Von Werner Ringhofer

108 REPORT PLUS 13-01|2010


Forsch, saftig, steirisch. Die Steiermark ist

in den letzten zehn Jahren zu einer Plattform

für serienmäßige Innovationen geworden.

Im weiß-grünen Biotop blühen

ökonomische und ökologische Ideen fixer Forscher- Forscher-

geister besonders üppig. Möglich wurde das durch

intelligente Netzwerke, Cluster und Förderungen

von Kompetenzzentren. Zahlenmäßiger Beweis: Die

Förderungs- und Entwicklungsquote ist mit 4,3 % die

mit Abstand höchste in Österreich. Im Autobereich

haben sich steirische Betriebe bereits international

positioniert, allen voran Motorinnovator AVL List.

Auch im Bereich Medizin-, Human- und Lebensmitteltechnologie

gelingen immer mehr Erfolge. Und vor

allem im Bereich radikal neuer Umwelttechnologien

spielen einige steirische Firmen in der obersten Liga

mit. »Die Steiermark ist eine der innovativsten Regionen

Europas«, meint Bernhard Puttinger, Geschäftsführer

des Umwelttechnologiezentrums Eco World

Styria. Sogar Technologieturbo Kalifornien holt sich

bereits Impulse aus Österreichs Süden. »Die Steiermark

ist zum Green Tech Valley geworden.«

Die zukunftsweisenden Ideen wachsen in steirischen

Köpfen. So wie die Mikroalgen in den Tanks

der Firma BDI. Die Firma aus Grambach bei Graz

baute schon 1991 die weltweit erste Biodieselanlage,

die benötigten pflanzlichen Öle sind allerdings nicht

unbeschränkt verfügbar. Also her mit einer Alternative

– und BDI hat sie gefunden. Algen sind der neue

Hoffnungsträger, mit dem man Biodiesel erzeugen

kann. Die Vorteile: Algen haben einen unheimlichen

Appetit auf klimabelastendes CO2, Abgase stehen

also auf der Speisekarte von Algen ganz oben. »Wir

haben bereits erfolgreich mit Emissionen einer Müllverbrennungsanlage

und eines Zementwerks gearbeitet«,

sagt Heike Frühwirth, Abteilungsleiterin in der

Forschung. Die Herausforderung, die noch gemeistert

werden muss? »Derzeit brauchen wir große Reaktoren,

um ausreichende Mengen Algen zu bekommen.

Aber wir machen riesige Fortschritte.«

>> Gras-Raffinerie > Licht sparen: Albert Jocham entwickelte mit €cosys für den

Spezialmaschinenproduzenten Reich in Voitsberg ein Steuerungssystem

für den effizienten Einsatz von Energie in Gebäuden. Das

System ist fähig, automatisch Energiegroßverbraucher wie Licht,

Druckluft und Heizung abzuschalten bzw. abzusenken, wenn Sensoren

über einen längeren Zeitraum keine Bewegung registrieren.

INFO: www.oecosys.com

>> Neues Dach: Architekt Stefan Krestel

entwickelte das Kielsteg-Element – Holzplatten

mit einer Fachwerkkonstruktion

im Inneren. Die Elemente können als

Decken und Dächer mit bis zu 30 Metern

Spannweite verwendet werden.

INFO: www.kielsteg.com

>> Intelligente Wasserkraft: Das

Hydro-Matrix-Konzept der Firma Andritz

Hydro wendet bereits erprobte

Wasserkrafttechnologie an. Bestehende

Bauten wie Wehranlagen,

Schleusen etc. werden mit kleinen

Turbinen aufgerüstet und so zu

Strom erzeugern aufgewertet.

INFO: www.andritz-hydro.com

>> Bioverpackung: Die Grazer Firma Meininger

Verpackung spezialisierte sich auf

Verpackungen aus biogenen Materialien.

Beispiele: Geschirr aus Kartoffelstärke, kompostierbare

Netz- und Gewebesäcke.

INFO: www.vpz.at

>> Diesel aus Algen: BDI Biodiesel International ist weltweit einer der

führenden Anbieter von Anlagen zur Produktion von Biodiesel. Derzeit

forscht die Grambacher Firma an einem Verfahren zur Kultivierung von

Mikroalgen als Rohstoffquelle für die Produktion von Biodiesel.

INFO: www.bdi-biodiesel.com

>> Sauberer Strom: Die Firma KWB

in St. Margarethen/Raab entwickelte

mit der Firma Ebner (OÖ) ein neues

Verfahren zur Holzgasgewinnung

aus Biomasse. Mit der Cleanstgas-

Technologie entsteht ein hochreines

Gas, das für die Strom- und Wärmeproduktion

verwendet werden kann.

INFO: www.kwb.at

>> Kosmetik aus Gras: Joanneum Research und Biorefinery Systems

entwickelten ein Verfahren, aus Grassilage Milch- und Aminosäuren

zu gewinnen, die für Kosmetikprodukte, Kunststoffe etc. gebraucht

werden.

>> Zukunft auf der Schiene: Siemens Transportation Systems in Graz

entwickelte das Projekt Syntegra, ein umweltfreundliches

Hightech-Fahrwerk für Schienenfahrzeuge. Die Vorteile:

weniger Gewicht, ein Drittel weniger Energieverbrauch

und 80 % weniger Lärm.

INFO: www.mobility.siemens.com

REPORT PLUS 13-01|2010 109


�� I N N O VAT I O N

GEIST IST GEIL

>> Vollgas Erdgas: Mit dem elektronischen

Druckregler für erdgasbetriebene Fahrzeuge

hat die Grazer Firma Ventrex Automotive

GmbH eine internationale Führungsposition

eingenommen und setzt nun verstärkt auf die

Nische des emissionsarmen Alternativtreibstoffs

Erdgas. Die Exportrate beträgt 99 %.

INFO: www.ventrex.com

>> Denken und lenken: Die

Grazer Medizintechnikfirma

g.tec hat ein Brain-Computer-Interface

entwickelt, mit

dem man über Gedanken

Geräte bedienen kann.

So können verschiedene

Programme wie Rollstuhlsteuerungen

oder Schreibhilfen

bedient werden. In 50

Ländern wird das System

bereits eingesetzt.

INFO: www.gtec.at

>> Kernöl-DNA: Die Firma Url & Co. GesmbH

hat ein revolutionäres Verfahren zur Bestimmung

der regionalen Herkunft von Kürbiskernen

und Kürbiskernöl entwickelt.

INFO: www.f-url.at

>> Get moving: Die Grazer Firma Tyromotion

hat »G-EO« entwickelt, ein Gang-Rehabilitationsgerät

vor allem für Schlaganfallpatienten.

Mitte 2010 kommt es auf den Markt.

INFO: www.tyromotion.com

>> Schlau im Schnee: Das System Snowmanagement

misst die Schneehöhe in

Skigebieten und schickt die Schneekanonen

automatisch zu den Stellen, die beschneit

werden müssen. Ersparnis: 30 % der Kosten

für Energie und Wasser.

INFO: www.snowreporter.at

c fahren des Biomassespezialisten KWB.

Mit einem oberösterreichischen Partner

entwickelte man das Cleanstgas-Verfahren.

Eine Weltneuheit, die saubere Holzgasgewinnung

ermöglicht. Biomassevergasung

scheiterte bisher an der Produktqualität (z.

B. zu hohe Teer- und Partikelanteile), der anschließende

Aufwand zur Gasreinigung war

zu hoch. Mit dem neuen Verfahren entsteht

110 REPORT PLUS 13-01|2010

EINFALLSREICHE SCHWESTERN. Susanne Meininger und Brigitte Reichl vom Verpackungszentrum

Meininger setzen auf biogene Verpackungen.

schon im ersten Schritt hochreines Gas. Biomasse

ist außerdem ein heimischer Brennstoff,

der nicht zu knapp vorhanden ist.

»Small is beautiful« ist das Konzept von

Hydromatrix der Firma Andritz Hydro. Die

Idee: In bereits bestehende Bauwerke wie

Kanäle, Schiffsschleusen und Wehranlagen

werden sehr kleine Turbinen in Gitterform

(Matrix) eingebaut, so kann man sehr

schnell auf Energieerzeugung durch Wasserkraft

aufrüsten. Der Vorteil der kleinen

Einheiten: Man erspart sich erhebliche Baukosten,

auch Grabungsarbeiten fallen weg.

Zweitens ist das System auch sehr flexibel.

In manchen Fällen wäre kein Platz für zusätzliche

Bauten, mit Hydromatrix kommt

man mit dem bereits bestehenden Raum

aus. Die Zukunft ist bei Andritz ebenfalls

schon Realität. »Hydromatrix soll beim Bau

von Bewässerungsanlagen gleich mitgeplant

werden«, sagt Product Manager Alexander

Bihlmayer, »so hat man auch gleich den Zusatznutzen

der Stromerzeugung.«

>> Ein Boot als Dach


JOSEF UNGER, Geschäftsführer der international agierenden Unger Steel Group.

■ UNGER STEEL GROUP

Stahlarchitektur hat Zukunft

Aus der architektur ist Stahl kaum wegzudenken.

Stahlkonstruktionen vermitteln eindeutige Botschaften von moderner

Baukultur und technisch hochwertiger Konstruktion. Ökologisch

betrachtet ist Stahl der Werkstoff der Zukunft, besonders für leicht

wirkende, transparente sowie räumlich verformte Objekte und Tragwerke.

BAUEN MIT STAHL LIEGT VOLL IM TREND.

Dafür sorgen aufgeschlossene Architekten

und Stahl als Baustoff

selbst, welcher mit hervorragenden

Eigenschaften und geringem Preis derzeit den

Markt attraktiv macht. Selten war Bauen mit

Stahl attraktiver als heute. Kunden aus aller

Welt nutzen die Chance und setzen verstärkt

auf hochwertigen Stahlbau aus Europa.

>> Baustoff der Zukunft > 2010 – ein Jahr voller Herausforderungen

und Chancen > Als One-Stop-Shop zum Erfolg


�� C O NTR A S

Jahr eins nach der Krise

Vor einem Jahr porträtierte der Report die »Contras«

– Unternehmen, die der Krise Kreativität und Bodenhaftung entgegensetzten.

Was die Contras heute denken, wie sie durch die schweren

Zeiten steuern, wie sie die Zukunft sehen.

Text: Heinz van Saanen

JAHR EINS NACH DER KRISE? Da könnte sich Widerspruch regen. Das Ende der Krise

wurde immerhin schon einmal ausgerufen – im Frühsommer 2008. Notenbanker,

Finanzminister und Bankmanager signalisierten damals fast unisono »alles grün«.

Die Rating-Agenturen protzten nur so mit Triple A für »systemische« Banken – die

ein paar Monate später bankrott waren oder nur deshalb noch existieren, weil sie milliardenschwer

am Staatstropf und am Säckel des Steuerzahlers hängen. Systemisch eben,

was so viel heißen dürfte wie systematischer Megabetrug und Boni-Generierung eines

durchgeknallten Systems, das die Bodenhaftung verloren hat. Wirtschaftsweise oder Nobelpreisträger

wie Joseph Stieglitz, die vor Fehlentwicklungen schon lange warnten und


statt dem Ende der Krise erst ihren Anfang

sahen, wurden als Zauderer und Miesmacher

verunglimpft, als lästige Störenfriede

einer exzessiven Party, die Gier und Bereicherung

zum Motto hatte. Manchmal waren

es aber gerade kleinen Meldungen, die stutzig

machten. Nachdem die Eliten im Frühsommer

2008 die Krise »offiziell« bereits abgesagt

hatten, vermeldete das amerikanische Provinzblatt

Wichita Eagle aus Kansas, dass die

Produzenten von Handfeuerwaffen restlos

ausverkauft sind. Ein kleines Indiz dafür, dass

nicht einmal »gewöhnliche« Amerikaner den

Beteuerungen ihrer Eliten glaubten und sich

für den »Ernstfall« vorbereiteten.

Geändert hat sich trotzdem nicht viel. Da

mögen selbst Kaliber wie Barack Obama oder

Angela Merkel noch so sehr über die Gier der

Manager schimpfen, das »Systemische« hat

die Welt fest im Griff. Gekostet hat die exklusive

Party für wenige Nutznießer nach letzten

Schätzungen der Weltbank so um die zwölf

Billionen Dollar, 20 Millionen zusätzliche Arbeitslose

und Millionen von zusätzlich Unterernährten

oder gar Hungertoten. »Astronomische«

Zahlen sollte man in Zukunft vielleicht

also besser »ökonomische« Zahlen nennen.

Selbst der Staatsfunk ORF war ob der Dimension

schon des Öfteren desorientiert und

verwürfelte bisweilen munter Millionen, Milliarden

oder englische billions and trillions.

Auch der österreichische Steuerzahler darf

bluten. »Systemisch« war nicht nur die kleine

Bank Medici oder eine Kommunalkredit,

noch viel »systemischer« waren scheinbar

noch die Geschäfte der Kärnt ner Hypo

Group Alpe Adria, die die Österreicher letzten

Dezember unfreiwillig kaufen durften.

Vermutetet mafiöse Connections inklusive,

über die seit Jahren Gott und die Welt berichtet

und spekuliert hatten. Lediglich die

Kärntner Staatsanwaltschaft schaltete auf

taubstumm. Was insofern beachtlich ist, als

der Restösterreich aufgenötigte Finanzmüll

die Steuerzahler und die Wirtschaft noch auf

Jahrzehnte beschäftigen dürfte.

>> Zwischen Mut und Bodenhaftung > Querulanten im Vormarsch


�� C O NTR A S

114 REPORT PLUS 13-01|2010

INTERVIEW

»Schräge Hohepriester des Kapitalismus«

Wolfgang Niessner ist Vorstandsprecher von Gebrüder Weiss, des

größten privaten Logistikkonzerns Österreichs. Weltweit ist das Unternehmen

in 25 Ländern mit 137 Standorten und rund 4.500 Mitarbeitern

vertreten, die regionalen Schwerpunkte liegen in Europa und Osteuropa,

Asien und den USA. In den letzten zehn Jahren wurden Umsatz und Mitarbeiterstand

verdoppelt.

WOLFGANG NIESSNER. »Es wird wieder

viel über Werte gesprochen, aber

leider nur wenig getan.«

(+) PLUS: Vor einem Jahr haben Sie

Karl Valentin bemüht: Prognosen seien

schwierig, besonders wenn sie die Zukunft

betreffen. Wie sind Sie durch das Krisenjahr

2009 gesteuert, wie wird 2010?

Niessner: Anfang des Jahres haben wir

Sorgen gehabt. Dank Prozessoptimierung

und Kostensenkung war der Abschluss

2009 jedoch klar positiv, wir haben im

Rahmen unserer Möglichkeiten sogar

kräftig investiert. Durch Übernahmen in

Serbien oder Tschechien bauen wir unsere

Position in diesen Ländern aus, durch

den Einstieg bei Tricon Shipping erhöhen

wir unsere Schlagkraft im komplexen indischen

Markt. 2010 wird schwierig bleiben,

wir hoffen trotzdem auf Ergebnisverbesserungen.

Wunder werden aber nicht

passieren. Das zeigen auch Gespräche mit

unseren Kunden, die kein Indikator für

großartiges Wachstum sind.

(+) PLUS: Läuft das Ostgeschäft noch

als viel gepriesener Wachstumsmotor?

Niessner: Das wird je nach Land sehr

unterschiedlich sein. Generell kann man

sagen, dass auch dort die Kaufkraft nicht

mächtig steigen wird. Der Osten muss

und wird sich konsolidieren. Das ehemalige

Wunderland Slowenien wurde

beispielsweise zum Normalfall, der

Boom in Rumänien hat sich verflacht.

(+) PLUS: Zum Anfang der Krise waren

Sie glücklich darüber, dass Ihr Konzern

nicht von Banken oder Analysten

abhängt. Wie ist Ihre Befindlichkeit

heute?

Niessner: Ich würde sagen, das Glück

ist sogar noch gestiegen. Unsere Gesellschafter

agieren umsichtig und halten

den Kurs auch in der Krise. Dass es bei

uns keine Quartalspanik gibt, ist ein Segen

für eine gesunde und nachhaltige

Entwicklung. Vor zwei, drei Jahren hat

man uns langweilig gefunden, heute

schauen alle neidisch auf unsere 50-prozentige

Eigenkapitalquote. Jetzt entdeckt

man das Augenmaß als Wert, über den

man früher gelacht hat. Man muss nach

den Sternen greifen, die Füße sollten dabei

aber immer auf dem Boden bleiben.

(+) PLUS: Exzessive Manager-Boni

grassieren munter weiter. Fehlt es da an

Augenmaß?

Niessner: Natürlich muss Leistung

anständig bezahlt werden, auf allen Ebenen.

Aber Boni sind unmoralisch, wenn

sie sich am Börsenkurs orientieren. Das

ist nur ein Motiv für Bilanztricks. Wenn

ein System solche Auswüchse erlaubt, ist

am System selbst etwas faul. Die schrägen

Hohepriester des Kapitalismus haben

uns den Shareholder-Value und das

kurzfristige Denken bis Quartalsende

als der Weisheit letzten Schluss verkauft.

Das Resultat ist bekannt. Jetzt wird wenigstens

wieder viel über Werte gesprochen.

Ich fürchte nur, es wird aber wenig

getan.

c

malige Monopol der Optiker nicht brechen

hätte können. Robert Hartlauer kämpft

seit bald zehn Jahren für eine Zahntechniksparte

– auch vor Gericht.

Auch aus dem Immo-Sektor, und das ist angesichts

der angespannten Lage bemerkenswert,

kommen gute Nachrichten. RE/MAX-

Austria Geschäftsführer Alois Reikersdorfer

hat vor einem Jahr angekündigt, wachsen zu

wollen – und hat es geschafft. Die RE/MAX

konnte das Transaktionsvolumen ihres Maklernetzwerkes

trotz harter Zeiten um 3,6 %

erhöhen. Für 2010 erwartet Reikersdorfer sogar

einen moderaten Aufschwung für seine

Branche, wobei sich Wohnimmobilien besser

als Gewerbeobjekte entwickeln sollen.

Reikersdorfers Kalkulation: Eigentumswohnungen

liegen als sicherer »Anlagehafen«

weiterhin im Trend. Wer sich Eigentum wegen

fehlender Kreditfinanzierung nicht leisten

kann, greift auf Mietobjekte zu. Beides Faktoren,

die den RE/MAX-Boss auch für heuer

zuversichtlich stimmen: »Auch wenn ein

Transformationsprozess stattfindet, die Einschätzungen

sind wesentlich ausgeglichener

und entspannter als im vorigen Jahr.«

>> Der Chef als Volksheld


Effizienzsteigerung

Armin Pehlivan, Geschäftsführer

Beckhoff Automation GmbH Österreich,

im Interview.

(+) PLUS: Beckhoff ist ein weltweit agierendes Unternehmen. Wie

hat sich die Weltwirtschaftskrise 2009 ausgewirkt?

Armin Pehlivan: Die gesamte Automatisierungsbranche ist von der

Krise betroffen, und sie hat sich natürlich auch auf unser Unternehmen

ausgewirkt. Da unser Unternehmen in den letzten Jahren

immer stark gewachsen ist, sind wir von Natur aus schlank und effizient

aufgestellt. Außer im Produktionsbereich waren daher keine

größeren Kapazitätsanpassungen erforderlich. Trotz der global

schwierigen Zeiten hat Beckhoff neue Projekte gewinnen können.

Die Maschinen- und Anlagenbauer stehen unter Druck, sich nach

wirtschaftlicheren und leistungsfähigeren Steuerungsalternativen

umschauen zu müssen.

(+) PLUS: Wie ist 2009 für Beckhoff Österreich gelaufen?

Pehlivan: Steigerte sich der Umsatz im Jahre 2008 noch um 20 %

auf 278 Millionen Euro, so haben wir 2009 ein globales Minus von

rund 16 % hinnehmen müssen. Das ist immerhin besser als prognostiziert.

In Österreich haben wir Umsatzeinbußen von ca. 30 %

gehabt. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr wieder

Wachstumsraten von +20 % erzielen werden. Die aktuelle Krise fällt

zwar deutlich kräftiger aus als vergangene, aber wenn man davon

ausgeht, dass die zyklisch auftretenden Wirtschaftskrisen in der Regel

drei Jahre dauern, dann kann man damit rechnen, dass wir Ende

2010 wieder auf einem guten Wege nach oben sein werden.

(+) PLUS: In welchen Branchen ist Beckhoff mit seinen Steuerungen

besonders vertreten?

Pehlivan: Beckhoff Österreich ist mit seinen PC-basierten Automatisierungslösungen

schwerpunktmäßig in der erweiterten Bau-

»Maschinen- und Anlagenbauer stehen unter

druck, sich nach wirtschaftlicheren

Steuerungsalternativen umzuschauen.«

industrie, in der Holzbranche und der Gebäudeautomatisierung

vertreten.

(+) PLUS: Gibt es Geschäftsfelder, die noch Entwicklungspotenzial

versprechen?

Pehlivan: Die Gebäudeautomatisierung ist eine Branche, wo wir

noch viel Entwicklungspotenzial sehen. Die PC-basierte Automatisierung

bietet eine Reihe von Vorteilen für die intelligente Steuerung

von Gebäuden: einfache IT-Integration, Web- und Ethernetbasierte

Kommunikation, sowie hohe Rechenleistung, die für die

Datenmenge und den Informationsbedarf bei der Gebäudesteuerung

notwendig sind. Eine nicht zu unterschätzende Rolle für das

Wachstum dieses Marktes ist das immer stärkere Bewusstsein für

Umweltfreundlichkeit und Energieeffizienz – nicht zuletzt im Zu-

�� �� �� I N T E RV I EW

PEHLIVAN: »Gebäudeautomatisierung ist eine Branche mit

viel Entwicklungspotenzial.«

sammenhang mit den Energiekosten. Mit unserer intelligenten Automatisierungstechnik

lässt sich bei gleichbleibendem Komfort der

Energieverbrauch senken. Um in einem Gebäude Energie einzusparen,

muss man zunächst wissen, wo diese Energie verbraucht

wird.

(+) PLUS: Welchen Ansatz verfolgt Beckhoff in der Automation?

Pehlivan: Wir bieten unseren Kunden vor allem technologische

Vorteile: Aufgrund unserer Technologien, wie PC-based Control,

EtherCAT und XFC, der extrem schnellen Steuerungstechnik, werden

Systementscheidungen zu unseren Gunsten gefällt. Als One-

Stop-Supplier liefern wir komplette Systemlösungen, inklusive Applikationsbetreuung

und Schaltschrankfertigung, aus einer Hand.

Wir sind aber auch reiner Komponentenlieferant, wo dies gewünscht

ist. Mit dem Aufsetzen auf weltweiten Standards und der Nutzung

neuester Technologien bieten wir unseren Kunden darüber hinaus

Zukunftssicherheit und Investitionsschutz für seine Anwendung.

(+) PLUS: Trägt Steuerungstechnik zur Effizienzsteigerung bei?

Pehlivan: Mit Automatisierungstechnik lässt sich die Energieeffizienz

deutlich erhöhen: Dazu gehören unter anderem die energiesparende

Auslegung der Antriebstechnik, die Ausstattung unserer

Industrie-PCs mit energiesparenden Atom-Prozessoren sowie die

Erfassung des Energieverbrauchs mit entsprechender Messtechnik.

Noch wichtiger ist jedoch die Verbesserung des Wirkungsgrades von

Maschinen. Wenn die gleiche Maschine mehr Werkstücke herstellen

kann, wird der Energieverbrauch je Werkstück nochmals gesenkt.

Bei Beckhoff arbeitet man intensiv daran, die Zykluszeit von 100

Mikrosekunden noch weiter zu verkürzen. ■

REPORT PLUS 13-01|2010 115


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Abwrackprämien und steuerliche Anreize haben 2009 gerettet, was kaum zu

retten war. 2010 sollte der weltweite Automarkt aus eigener Kraft wieder anziehen.

Report(+)PLUS hat nachgefragt, mit welchen aktuellen Modell- und

Technologie-Highlights die Hersteller im Wettbewerb bestehen wollen.

>> Auch das technologische Highlight aus dem

Hause Jaguar findet sich im neuen XJ. Klassische

Instrumente? Fehlanzeige. An ihre Stelle tritt ein 12,3

Zoll großes virtuelles Informationsdisplay

für Geschwindigkeit,

Drehzahl, Streckenkilometer,

Reisecomputerfunktionen

und wichtige Informationen

für Navigation,

Audio und Telefon.

■ JAGUAR

Neues

Aushängeschild

Von Bernd Affenzeller

Noch im Frühjahr kommt Jaguar mit seinem neuen

Flaggschiff auf den Markt. Der XJ ist der vorläufige

Höhepunkt der neuen Designphilosophie der britischen

Edelmarke. Besonders auffallend ist neben

dem Kontrast der reduzierten Heckpartie mit den

dramatisch gezeichneten Frontscheinwerfern vor

allem das Panorama-Glasdach, das dem neuen XJ

zu einer flacheren und damit aerodynamisch günstigeren

Dachkontur verhilft. Das Innenleben des XJ

überzeugt mit Leder, Holz, Chrom und jeder Menge

Hightech.

Der Einstiegspreis liegt bei 86.000 Euro. Dafür

gibt es die Luxury-Version mit 275 PS, die Premium

Luxury Version mit 385 PS kommt auf 116.000 Euro

und für den XJ S/C Supersport mit Besorgnis erregenden

510 PS werden 160.500 Euro fällig.


■ CITROEN

Große

Erwartungen

Ab März steht der neue C3 auch in Österreich in

den Schauräumen. Und die Erwartungen von Citroen sind

groß, wurde der Vorgänger insgesamt doch mehr als zwei Millionen Mal verkauft. Und

daran soll sich auch der Neue ein Beispiel nehmen. Zur Auswahl stehen vier Benziner mit einer Leistung zwischen 60 und 120 PS und drei

Diesel mit 68 bis 112 PS. In allen Varianten serienmäßig mit an Bord sind ESP, Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Seiten-Airbags, ABS mit Notbremsassistent,

Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber vorne sowie elektrisch einstellbare Außenspiegel. Ein besonderes

Fahrerlebnis verspricht eine völlig neue Windschutzscheibe, die laut Citroen bisher nie gekannte Helligkeit ins Auto bringt. Die Einstiegsversion

des C3 wird um 12.690 Euro erhältlich sein.

>> Wenn es draußen stürmt und schneit und

so richtig unwirtlich ist, dann hat die innovative

Snow-Motion-Technologie von Citroen Hochsaison.

Es handelt sich dabei um eine ESP-Weiterentwicklung,

die das Fahrverhalten auf glatten und nassen

Fahrbahnen verbessert. Das gelingt durch eine automatische

Erkennung der Fahrbahnbeschaffenheit

sowie eine Analyse des Gefälles. Daraus wird ein

individueller Bremsdruck für jedes Rad sowie eine

abwechselnde Aufteilung der Motorkraft auf die Antriebsräder

errechnet.

■ HONDA

Hybrides Sportcoupé

Die Modellhighlights aus dem Hause Honda hören auf

die Namen CR-V und CR-Z. Der CR-Z ist ein schnittiges

Sportcoupé und das erste Hybridfahrzeug mit 6-Gang-

Schaltgetriebe. Der CR-V ist ein altbekanntes SUV,

das sich 2010 in neuem Design präsentiert. Äußerlich

wurde vor allem das Frontdesign mit Stoßstangen

und Kühlergrill verändert, im Inneren

wurden Details verfeinert und jede Menge

ehedem optionale Ausstattungsmerkmale in

Serie gepackt. Erstmals ist der CR-V auch mit

dem sparsamen 2.2 i-DTEC Dieselmotor und 5-

Stufen-Automatik erhältlich. Preis: 29.590 Euro.

>> Ein technologisches Highlight findet sich in den Hybridfahrzeugen

Honda Insight und CR-Z. Das Eco-Assist-System soll zur optimalen Nutzung

des Hybridsystems unter realen Bedingungen beitragen. Dazu zählt etwa der

Econ-Modus, der durch eine optimale Regelung von stufenlosem Getriebe,

Motor und zugehörigen Antriebskomponenten Kraftstoff sparen soll. Eine

Feedback-Funktion bietet Unterstützung für Kraftstoff sparendes Fahren in

Echtzeit, indem sich die Hintergrundfarbe des Tachos je nach Fahrweise verändert.

Die Bewertungsfunktion schließlich liefert sowohl Informationen zum

aktuellen Verbrauch als auch Rückmeldungen zum Fahrverhalten über einen

längeren Zeitraum.

REPORT PLUS 13-01|2010 117


Und auch wer auf technologische

Schmankerl steht, wird im Range Rover

Sport fündig. Ein Surround-Kamerasystem

liefert eine 360-Grad-Rundumsicht des Fahrzeugs.

Als Manövrierhilfe können die verschiedenen

Kameraeinstellungen entweder

gleichzeitig oder als Einzelbilder abgerufen

werden.

■ TOYOTA

Der Trendsetter

Der RAV4 von Toyota darf sich immer noch rühmen,

den SUV-Boom so richtig in Schwung

gebracht zu haben. Bis heute wurden allein

in Europa mehr als eine Million Einheiten

des RAV4 verkauft. Damit zählt

der RAV4 zu den erfolgreichsten Toyota-

Modellen in Europa. In der aktuellen, dritten

Generation wurde das Erfolgsmodell optisch

nur leicht adaptiert, ansonsten aber grundlegend

überarbeitet. Heute präsentiert sich der

Trendsetter mit einem kraftvolleren Motor, weniger

CO2-Emissionen und einem niedrigerem Verbauch

als der Vorgänger. Außerdem gibt es das

Toyota-SUV schon in der Basisversion mit zahlreichen

Features, die bei anderen Automobilen

dieses Segments nur in Aufpreislisten zu finden

sind. Etwa Zentralverriegelung mit schlüsselintegrierter

Funkfernbedienung, elektrisch einstellbare

und beheizbare Außenspiegel, elektrische

Fensterheber vorn und hinten sowie Klimaanlage.

Preis: ab 25.000 Euro.

118 REPORT PLUS 13-01|2010

■ LAND ROVER

Sportlich-elegantes Luxus-SUV

Die Neuauflage des Range Rover Sport ist ein Modell für Kenner. Die Änderungen im Erscheinungsbild

sind geringfügig ausgefallen, am auffälligsten ist noch der neue Zwei-Lamellen-

Grill. Die wichtigste Änderung betrifft die Motorisierung. Ab sofort kommt der Range Rover

Sport mit einem 3.0-Liter-Twin-Turbo-Dieselmotor mit 245 PS und einem V8 5.0-Liter-

Kompressorbenzinmotor mit 510 PS. Auch der Innenraum wurde neu konzipiert und mit eleganten

Soft-Touch-Oberflächen ergänzt. Das Fahrverhalten wurde mit aktiver Dämpfung,

neuen Bremsen und aktualisiertem Terrain-Response-System verbessert. Und auch wenn

wahrscheinlich kaum jemand auf die Idee kommt, mit dem Range Rover tatsächlich ins Gelände

zu fahren, das Luxus-SUV ist für die theoretischen Off-Road-Exkursionen bestens gerüstet.

Riemenantriebe, Generator, der Klimaanlagenkompressor, die Servolenkungspumpe

und der Anlasser sind wasserdicht, die bekannte Bergabfahrhilfe wurde durch eine Berganfahrhilfe

ergänzt und das Felsenkriechprogramm weiter verbessert. Die Preisgestaltung

beginnt bei 72.700 Euro.

>> Es klingt schon ziemlich nach Science-Fiction, was da aus den Toyota-Labors

kommt: ein extrem widerstandsfähiger und kratzfester Lack, der sogar

kleinere Dellen selbstständig reparieren kann. Durch spezielle,

natürlich streng geheime Komponenten wird laut Toyota eine

engere molekulare Verbindung erreicht. Die daraus resultierende,

dichtere Struktur verleiht dem Lack mehr Flexibilität

und Elastizität. Dadurch soll er weniger anfällig für Beschädigungen,

widerstandsfähiger gegen Licht und Säure und eben

auch in der Lage sein, sich nach einer Deformation selbst zu

regenerieren.


Seit 1970 hat sich die

Anzahl der Naturkatastrophen

weltweit vervierfacht.

Die Natur verliert langsam

die Geduld. Jetzt umdenken:

www.mtvswitch.org


�� M O B I L

■ BMW

Hart an der Grenze

Gerade noch geschafft, möchte man sagen. Recht viel kleiner

sollte er dann aber schon nicht mehr sein. Denn dann könnte

man den BMW X1 doch glatt in die Golfklasse stecken, so aber ist

er mit seinen 4,4 Metern Länge ein Paradebeispiel für ein Kompakt-SUV.

Und die sind in Zeiten globaler Erwärmung und grassierender

Krisen die politisch halbwegs korrekte Antwort auf den

seit Jahren vorherrschenden Geländewagen-Boom. Positiv zu

vermerken ist, dass der X1 aus jeder Perspektive als Mitglied der

X-Familie identifizierbar ist, nur eben eine Spur kleiner. Der Kompaktgedanke

setzt sich auch in der Motorisierung fort, auf allzu

unvernünftige Antriebe wurde ganz verzichtet. Das Leistungsspektrum

reicht von wirtschaftlichen 143 PS bis zu sportlichen

258 PS. Das Innenleben des X1 ist typisch BMW, soll heißen: sehr

klassisch im Design. Dazu gibt es optional mehrere Navigations-

und Bediensystem sowie zahlreiche Fahrerassistenzsysteme. Zu

haben ist der X1 ab 30.000 Euro.

Er ist das Vorzeigemodell der schwer angeschlagenen General-Motors-Tochter.

Mehr als ein Drittel des Verkaufsvolumens bei Opel entfällt auf den Astra.

Rund 500.000 Einheiten werden pro Jahr abgesetzt. Damit das auch so

bleibt, hat Opel den neuen Astra nicht nur optisch aufgemotzt, sondern auch

mit zahleichen Premiumfeatures aus der gehobenen Mittelklasse ausgestattet.

Da runter etwa ein mechatronisches Fahrwerk, die jüngste Generation des

Adaptiven Fahrlichts, die Frontkamera mit Verkehrsschilderkennung und Spurhalteassistent

sowie ein mehrfach prämierter Ergonomie-Sitz. Der Einstiegspreis

liegt bei 17.250 Euro.

120 REPORT PLUS 13-01|2010

>> Technische Innovationen gibt es bei BMW traditionell viele, aktuelles

Highlight ist ein Spracheingabesystem, das die Eingabe eines

Navigationsziels mit einem einzigen Sprachbefehl ermöglicht. Zusätzlich

gibt’s eine Spracherkennung,

die neben der

Auswahl der Audioquelle

auch die Suche nach einzelnen

Musiktiteln unterstützt.

Das neue System ist seit

Herbst 2009 baureihenübergreifend

im Einsatz.

■ OPEL

Kompaktklasse mit Premium-Ansprüchen

>> Auf den Namen Opel Eye hört ein Highend-

Tool, das im Insignia Premiere feierte, mittlerweile

aber in zahlreichen weiteren Modellen

wie dem Astra zum Einsatz kommt. Es handelt

sich dabei um eine Kamera mit Weitwinkelobjektiv

und zwei Einsatzgebieten: Die Schildererkennung

liest Verkehrszeichen, die auf Tempolimits

oder Überholverbote hinweisen, und

zeigt sie in der Armaturentafel an. Außerdem

alarmiert ein Spurabweichungsassistent den

Fahrer, wenn die Begrenzungsmarkierungen

einer Straße unabsichtlich überfahren werden.

>> M

sene

auch


■ MERCEDES

Neuer Stern

Neben dem Flügeltürer SLS für Superreiche

(Preis: 210.000 Euro) hat Mercedes mit dem E-

Klasse Cabrio auch ein aktuelles Highlight für

normal Wohlhabende im Angebot. Der Zweitürer

verspricht auch bei weniger gemütlichem Wetter

offenes Fahrvergnügen, dank Nackenheizung Airscarf

und dem neuen Aircap. Dieses automatische

Windschott wird auf Knopfdruck ausgefahren

und verringert die Turbulenzen im Innenraum.

Die Kombination der beiden Systeme wirkt wie

ein unsichtbarer Schal, der Hals und Nacken der

Insassen wärmt. Es entsteht, was Mercedes einen

»Warmluftsee« nennt. Außerdem reduziert sich

auch der Geräuschpegel deutlich. Ein serienmäßiges

Akustik-Verdeck macht das geschlossene

E-Klasse Cabrio zu einem der geräuschärmsten

Cabrios mit Stoffdach. Dazu gibt es jede Menge

Sicherheitsinnovationen wie etwa Headbags und

den Überrollschutz aus zwei Bügeln mit Kippkegelsensor.

Zur Auswahl stehen fünf Motoren mit

einer Leistung zwischen 170 und 292 PS.

>> Die Fülle an Assistenzsystemen und technischen Innovationen,

die Mercedes in seine neuen Modelle packt, ist beeindruckend.

Besonders stolz sind die Stuttgarter auf ihren neuen

Attention Assist. Dieses System ermittelt zu Beginn der Fahrt ein individuelles Fahrerprofil. Neben

der Geschwindigkeit, der Längs- und Querbeschleunigung erfasst das Mercedes-System zum

Beispiel auch Blinker- und Pedalbetätigungen sowie bestimmte Bedienhandlungen. Insgesamt

handelt es sich um mehr als 70 Parameter, die während der Fahrt laufend überprüft werden.

Kommt es zu signifikanten Abweichungen im Verhalten des Fahrers, schlägt das System Alarm

und empfiehlt eine kurze Pause.

■ RENAULT

Von der Formel 1

gelernt

Fragt man bei Renault nach den aktuellen Modell-

Highlights, dann ist die Antwort der neue Megane

Sport. Der Kompaktsportler basiert auf dem Megane Coupé, kommt aber deutlich

muskulöser daher. Zu den charakteristischen Merkmalen zählt ein Leitblech in der

Frontschürze, dessen Design sich an den Frontflügeln der Renault Formel 1-Rennwagen

anlehnt. In die Flügel-Enden integrierte optionale LED-Tagfahrleuchten schaffen eine markante

Lichtsignatur. Mit dem Heckdiffusor kommt ein weiteres Produkt direkt aus der Formel 1

auf die Straße. Seine spezielle Form erzeugt unter dem Fahrzeugboden einen Unterdruck, der die Hinterräder stärker auf die Straße presst. Auf aufdringliche

Heckspoiler kann damit verzichtet werden. 250 PS beschleunigen den Megane Sport in 6,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der Preis liegt bei 30.390 Euro.

it den neuen Z-Konzepten hat Renault die Null-Emissionen-Hürde im Blickpunkt. Ab 2011 soll es vier Elektromodelle für den Masinsatz

geben, ein kleines Stadtfahrzeug, zwei Limousinen und einen Elektrotransporter für den Gewerbeeinsatz. Parallel dazu wird

an drei Nachlademodi der Batterie gearbeitet, um einen flächendeckenden Einsatz der Elektroflitzer zu ermöglichen.

REPORT PLUS 13-01|2010 121


�� M O B I L

■ AUDI

Klotzen statt kleckern

Das aktuelle Vorzeigemodell aus Ingolstadt ist zweifellos der Audi A8. Positioniert ist der A8 als die sportlichste Limousine der Luxusklasse. Die

neue Alu-Karosserie wiegt rund 40 Prozent weniger als die herkömmliche Variante. Dazu kommen zur Markteinführung im März 2010 zwei Motorenvarianten

mit 350 PS bzw. 372 PS. Mit einer Fülle an Assistenzsystemen will man auch in diesem Bereich zur Konkurrenz aus München und

Stuttgart aufschließen. Mit an Bord sind unter anderem ein vorausschauender Bremsassistent, ein Abstandsradar, ein Spurhalte-Assistent, ein

Nachtsichtgerät und ein Spurwechsel-Assistent. Mitte 2010 soll eine Tempolimitanzeige folgen, die Geschwindigkeitsschilder am Straßenrand

erkennen und sie als Grafiken im Display des Kombiinstruments präsentieren soll. Der Einstiegspreis für den A8 liegt bei wohlfeilen 102.500 Euro.

Sollte die 250-PS-Version dann bereits verfügbar sein, reduziert sich die Einstiegshürde auf 81.150 Euro.

■ VOLVO

Zehn für die Umwelt

Das Modelljahr 2010 steht bei Volvo ganz im Zeichen der Umwelt.

Gleich zehn Dieselmodelle mit DRIVe-Technologie gehen

an den Start, sieben davon als Klassenbeste in Sachen CO2-

Emission. Erreicht werden die Top-Werte durch ein auf Verbrauchsreduzierung

ausgelegtes Motormanagement, optimierte

Kühlluftführung mit teilabgedecktem Frontgrill, eine

längere Getriebeübersetzung, Leichtlauf-Getriebeöl, rollwiderstandsarme

Reifen, Windabweiser vor den Vorderrädern,

eine Schaltpunktanzeige und ein tiefer gelegtes Fahrwerk

für eine verbesserte Aerodynamik. Volvo C30, Volvo S40 und

Volvo V50 sind darüber hinaus mit Bremsenergierückgewinnung

und einem Start-/Stopp-System ausgerüstet.

122 REPORT PLUS 13-01|2010

>> Jede Menge technologische Spielereien

finden sich im Audi-Flaggschiff A8.

Eines der Highlights ist das neue Multimedia

Interface MMI touch. Damit kann der

Fahrer Navigationsziele und Telefonnummern

eingeben, indem er die Buchstaben

und Ziffern einfach mit den Fingern direkt

auf das Touchpad schreibt.

>> Neben den zehn Öko-Flitzern steht mit dem neuen S60 auch ein völlig

überarbeitetes Volvo-Modell in den Startlöchern. Premiere wird im März in

Genf gefeiert, für Aufsehen wird vor allem ein neues Sicherheitssystem sorgen,

das Fußgänger vor dem Fahrzeug erkennen und eine

automatische Vollbremsung einleiten

soll, falls der Fahrer nicht rechtzeitig

reagiert.

■ PORSCHE

Für die ganze Familie

Es war ein gewisses Risiko, aber eines, das sich gelohnt hat. Ähnlich wie bei

der Cash-Cow Cayenne macht sich auch beim Panamera das Fischen in fremden

Gewässern für Porsche bezahlt. Für Puristen mag ein viertüriger Porsche-Sportwagen

starker Tobak sein, die weniger dogmatischen Porsche-Fans scheinen über die

Erweiterung der Modellpalette aber höchst erfreut. Bereits Mitte Dezember, weniger

als ein halbes Jahr nach Produktionsstart, hat der 10.000. Panamera das Werk

in Leipzig verlassen. Jährlich sollen es dann 20.000 Stück sein. So lautete zu Beginn

auch die Vorgabe für den Cayenne, von dem mittlerweile jährlich rund 40.000 Stück

verkauft werden. Damit hat der Cayenne die Latte für den Panamera ziemlich hoch

gelegt – vielleicht zu hoch. Die Hoffnungen ruhen auf den Boom-Märkten Asiens. Bei

Preisen ab 115.000 Euro braucht es aber auch eine zahlungskräftige Klientel.


■ VW

Aufgemotzter

Klassiker

Lange Zeit haftete dem Passat hartnäckig das Image an,

eine im Alltag zwar ganz praktische, dafür aber auch brutal

langweilige Familienkutsche zu sein. Damit ist spätestens

seit der Einführung der sportlichen R-Linie Schluss.

Seit Dezember gibt es jetzt auch das viertürige Coupé

Passat CC in der exklusiven Sportversion. Mit Leichtmetallfelgen,

Frontspoiler und abgedunkelten Rückleuchten

macht die CC R-Line dann auch einiges her. Im Interieur

sind zahlreiche Details in Aluminium gehalten, neben

einem Lederlenkrad mit Multifunktionstasten gehören

auch Nebelscheinwerfer und Parkpilot zur serienmäßigen

Ausstattung der R-Linie. Die Aufpreise für die R-

Line beginnen bei 2.300 Euro.

>> Ein neues Ausstattungshighlightpräsentiert

VW mit dem Radio-

Navigationssystem RNS

510. Das Infotainment-

System verfügt über

Sprachsteuerung und

hat einen multimedialen

Reiseführer integriert, der in Bild, Text und Ton über

Reiseziele informiert.

>> Im Panamera feierten bei seiner Markteinführung im Juni gleich

fünf technische Innovationen ihre Weltpremiere, darunter auch

das erste Start-Stopp-System in einem Premiumfahrzeug mit automatisch

schaltendem Getriebe. Damit

konnte in Verbindung mit weiteren

Maßnahmen zur Effizienzsteigerung der

Verbrauch auf 10,8 Liter gesenkt werden.

REPORT PLUS 13-01|2010 67

■ FORD

Die Menge macht’s

In Detroit wurde die dritte Generation der erfolgreichen Focus-Baureihe vorgestellt. Bis zu

zwei Millionen Stück sollen jährlich vom Fließband laufen. Dank dieser Mengeneffekte kann

der Focus auch mit einer umfangreichen Serienausstattung aufwarten. Etwa das Bedienkonzept

HMI (Human Machine Interface), mit dem alle wesentlichen Fahrzeugfunktionen gesteuert

werden können. Auch das KeyFree-System, mit dem der Wagen gestartet werden kann, ohne

dass der Schlüssel in die Hand genommen werden muss,

ist in dieser Klasse nicht selbstverständlich. Ebenso

wenig die Rückfahrkamera und ein halbautomatisches

Einparksystem, das

hilft, den Wagen präzise in

längs zur Fahrtrichtung

liegende Parklücken

zu manövrieren. EinzigerWermutstropfen:

Nach Europa soll

der neue Focus erst im

Frühjahr 2011 kommen.

■ MITSUBISHI

Günstiger

Einstieg

>> Eine echte Innovationsoffensive verspricht Ford für

seine neuen Van-Modelle. Das Doppelkupplungsgetriebe

zählt bei S-Max und Galaxy zur Serienausstattung, dazu gibt’s

wahlweise den Sprit sparenden EcoBoost-Benziner oder ein

Turbodiesel-Aggregat. Und auch jede Menge Assistenzsysteme

hat Ford in die Vans gepackt, darunter etwa das Blind Spot

Information System zur Überwachung des toten Winkels. Für

die Sicherheit der lieben Kleinen gibt es für die hinteren Türen

eine elektrische Tür-Kindersicherung.

Drei Jahre ist es her, dass der

Mitsubishi Outlander in Österreich

Premiere feierte.

Knapp 2.000 Stück

konnten seither abgesetzt werden. Mit

dem Invite 2WD gibt es jetzt für 22.000 Euro

auch ein frontgetriebenes Einstiegsmodell.

Unter der Haube arbeitet ein 2,0 Liter MIVEC-Benzinmotor mit variabler

Ventilsteuerung und 147 PS. Zur Serienausstattung der 2WD-

Variante zählt eine Klimaautomatik mit integriertem Pollenfilter. Außerdem

verfügt das Frontantriebsmodell unter anderem über vier elektrische

Fensterheber, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, eine Stereoradio

CD/MP3-Kombination mit sechs Lautsprechern, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen

sowie über einen riesigen, 1.690 Liter fassenden Kofferraum.

>> Als einer der ersten gro ßen Hersteller bietet Mitsubishi ein Elektrofahrzeug

in Serie an. Das »i MiEV« verfügt über einen 64 PS starken Motor,

der im Heck des 3,4 Meter langen Fahrzeuges

sitzt. Das Laden der Batterie dauert

sieben Stunden, die Reichweite

beträgt 160 Kilometer, die Spitzengeschwindigkeit

liegt bei

130 km/h.


�� I N T E RV I EW

GERHARD SCHENK. »Wir machen bei der Preistreiberei nicht mit. Die Strategie,

Aufträge zu kaufen, ist keine Strategie.«

Facility Management:

Schwer definierbar und immer individuell

Gerhard Schenk, Geschäftsführer von HSG Zander

Austria, spricht über die vielen Missverständnisse im Facility

Management, eine zögerliche öffentliche Hand, schwarze

Branchenschafe und die versteckten Gefahren beim Streben nach

Energieeffizienz.

Von Bernd Affenzeller

(+) PLUS: In der Krise konzentrieren

sich viele Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen.

Das bietet eine große Chance für

Outsourcing-Unternehmen. Zählt die Facility-Management-Branche

zu den Profiteuren

der Krise?

Gerhard Schenk: Natürlich liegt die Vermutung

nahe, dass eine Branche wie die

unsere zu den Gewinnern der Krise zählen

könnte. Man muss aber ganz klar sagen,

dass das bislang noch nicht der Fall ist.

Es sind nach wie vor Einzelfälle, in denen

sich Unternehmen aufgrund der Krise an

uns wenden. Außerdem darf man nicht vergessen,

dass damit auch unser Risiko steigt.

Denn mit dem übernommenen Personal

kann es zu Überkapazitäten kommen, vor

124 REPORT PLUS 13-01|2010

allem dann, wenn etwa ein Industrieunternehmen

in der Krise über einen längeren

Zeitraum weniger produziert. Dann reduziert

sich in der Regel auch unser Arbeitsaufwand,

das Personal ist aber an Bord und

will bezahlt werden.

Außerdem ist bei manchen Firmen auch

ein Trend zum Insourcing zu bemerken.

Denn bevor die Unternehmen in Zeiten

geringer Auftragsbestände ihre qualifizierten

Mitarbeiter an den Markt verlieren,

beschäftigen sie diese Mitarbeiter lieber in

Bereichen, die zwar nicht zu ihren Kernkompetenzen

zählen, die sie aber auch bewältigen

können. Dafür werden dann Lieferanten

gekündigt, damit man, wenn es

dann wirtschaftlich wieder bergauf geht,

auf diese gut ausgebildeten Mitarbeiter zurückgreifen

kann.

(+) PLUS: Wie würden Sie den Gesundheitszustand

der FM-Branche allgemein beschreiben?

Schenk: Es ist nach wie vor in vielen Branchen

nicht en vogue, Personal zu haben. Das

ist natürlich die Chance für uns Dienstleister.

Die Unternehmen werden dadurch flexibler

und können das Personalthema aussparen.

Deshalb sehe ich noch ein großes Wachstumspotenzial.

(+) PLUS: Und wie geht es HSG Zander?

Schenk: Es ist uns wirtschaftlich im letzten

Jahr ganz gut gegangen. Das ist aber nicht

auf Neuaufträge zurückzuführen, sondern in

erster Linie auf die Vertiefung von bestehenden

Kundenbeziehungen. Unsere Sorge, dass

es aufgrund der Krise zu Einschnitten bei den

Leistungsaufstellungen kommen könnte,

war unbegründet. Darüber hinaus wurden

auch einzelne Projekte, mit denen wir gerechnet

haben, verschoben.

(+) PLUS: Welche Trends im FM sehen Sie

derzeit?

Schenk: Services und Dienstleistungen

sind weiter auf dem Vormarsch. Dazu kommen

neue Leistungen wie etwa die Erstellung

von Energieausweisen. Und auch der Beratungsbereich

wird immer wichtiger. Stichwort

LED: Da gibt es jede Menge Unsicherheiten,

weil Billigprodukte aus Fernost nicht

das halten konnten, was sie versprochen haben.

Jetzt wollen die Unternehmen ganz genau

wissen, worauf sie sich einlassen. Deshalb

haben wir zwei Pilotprojekte gestartet,

komplett mit Verbrauchswerten. Einmal in

einer Parkgarage am Praterstern, einmal in

einer Bankfiliale. Und die Reaktionen der

Kunden sind sehr vielversprechend.

(+) PLUS: Gibt es Pläne, das Dienstleistungsportfolio

weiter auszubauen, etwa in

Richtung Reinigung?

Schenk: Ein eigenes Reinigungspersonal

wie etwa die Strabag mit Putzteufel werden

wir in absehbarer Zeit in Österreich nicht haben.

Anders in der HSG Zander Gruppe in

Deutschland. Da gibt es eine auf Krankenhäuser

spezialisierte Tochter, die dort nicht

nur Reinigungsdienste übernimmt, sondern

auch Patientenservices wie Essensausgabe.

(+) PLUS: Ist das auch ein Thema für Österreich?

Schenk: Natürlich wäre das auch für Österreich

interessant, aber die öffentliche

Hand ist da enorm zurückhaltend. Dabei gäbe

es hier ein enormes Einsparungspotenzial.

Man sollte auch meinen, dass das in Zeiten


von defizitären Krankenkassen ein Argument

ist, aber das ist leider nicht der Fall. Die

Verantwortlichen blocken hier völlig ab. Es

ist nicht nachvollziehbar, was da abgeht. Ich

kenne ein konkretes Beispiel von zwei Haustechnikern,

die aus Eigeninitiative begonnen

haben, Energieverbrauchswerte aufzuschreiben

und Spitzen zu analysieren. Nach einem

halben Jahr sind sie mit diesen Daten in die

Chefetagen gegangen, um auf Mängel und

Verbesserungspotenzial hinzuweisen. Die

Reaktion war eine harsche Abmahnung und

die Anweisung, derartige Aufzeichnungen in

Zukunft zu unterlassen.

(+) PLUS: Thema Energieeffizienz: Zählt

in der Krise das Argument der Baukosten

noch einmal mehr, zu Lasten der Lebenszykluskosten?

Schenk: Der grundsätzliche Konflikt zwischen

Baukosten und Lebenszykluskosten

wurde durch die Krise verschärft, wenn auch

nicht in dramatischem Ausmaß. Wir haben

derzeit in erster Linie ein Finanzierungsproblem.

Es ist enorm schwierig, eine höhere

Summe zu bekommen. Zehn Prozent

mehr für nachhaltiges Bauen sind da schon

nebensächlich.

Man muss in diesem Konflikt aber auch

ganz klar festhalten, dass es heute natürlich

möglich ist, höhere Investitionskosten über

geringere Betriebskosten zu kompensieren.

Ein gutes Beispiel ist die ENERGYbase. Die

Baukosten waren zwar um zehn Prozent höher,

die Gesamtmiete ist durch die geringeren

Betriebskosten aber nicht gestiegen. Wir

nähern uns aber bereits den Grenzen des

Machbaren. Wir sehen beispielsweise immer

wieder, dass Energieverbraucher einfach

weggelassen werden. Damit werden dann

formale Kriterien erfüllt und man gewinnt

einen hübschen Preis. Ob das Gebäude dann

auch sinnvoll betrieben werden kann, steht

aber auf einem anderen Blatt.

(+) PLUS: Wie funktioniert die Kommunikation

zwischen Planungsverantwortlichen

und FM?

Schenk: Die findet praktisch nicht statt. Es

ist noch nie ein Haustechnikplaner zu uns

gekommen, um sich über den Betrieb eines

Gebäudes zu informieren. FM wird immer

noch als letztes Glied der Kette und nicht als

ernstzunehmender Partner gesehen. Bei Architekten

habe ich das Gefühl, dass sich langsam

ein Dialog entwickelt.

(+) PLUS: Immer wieder diskutiert wird

das hohe Einsparungspotenzial bei FM-

Dienstleistungen. Viele Objektbetreiber kritisieren,

dass in den üblichen Pauschalverträgen

Leistungen inkludiert sind, die kein

Mensch braucht. Wie begegnen Sie diesen

Vorwürfen?

Schenk: Diese Vorwürfe sind mir bekannt,

sind aber haltlos. Das zeigt aber ein Hauptproblem

des Facility Managements: Denn

FM ist schwer definierbar und immer individuell.

Es gibt Infrastrukturleistungen, die

der Mieter direkt nutzt und die einen Mehrwert

bringen. Das ist transparent und damit

sicher nicht überdimensioniert. Natürlich

gibt es auch flexible Positionen, die Einsparungspotenzial

bieten. Ein Empfangspersonal

kann man in der Regel einsparen, ohne

dass die Welt untergeht. Das Nächste ist die

»Es gibt Mitbewerber, die 51 Prozent der Auftragssumme

für das Management aufwenden. Diese schwarzen

Schafe untergraben das Image einer ganzen Branche.«

Technik, aber auch hier wird der Leistungslevel

vom Eigentümer festgelegt. Werden die

Wartungsintervalle verlängert, geht der Eigentümer

ein Risiko ein. Das ist legitim, aber

er riskiert natürlich seine Substanz. Und die

Reparaturen können dann deutlich teurer

werden. Aber das muss jeder für sich selbst

entscheiden.

(+) PLUS: Schwarze Schafe sind in der FM-

Branche ein bekanntes Phänomen. Hat sich

dieses Problem durch den krisenbedingten

Preiskampf weiter verschärft?

Schenk: Ich habe von einem Dienstleister

gehört, der 51 Prozent seiner Auftragssumme

für das Management aufwendet. Es

sind diese Anbieter, die den Ruf einer ganzen

Branche massiv untergraben. Und durch die

Krise gibt es natürlich immer mehr Mitbewerber,

die sich rein auf das Preisargument

stürzen.

Da stehen bei Ausschreibungen plötzlich

Zahlen im Raum, die seriöserweise nicht erreichbar

sind. Da muss der Dienstleister entweder

noch was drauflegen oder das Leistungsverzeichnis

wird einfach nicht erfüllt.

Anders sind diese Fantasiegebote nicht möglich.

Dabei kritisiere ich gar nicht so sehr den

Mitbewerber, sondern die Auftraggeber, die

sich das gefallen lassen.

�� �� �� I N T E RV I EW

(+) PLUS: Das sind aber Einzelfälle.

Schenk: Leider nicht. Ein weiteres Beispiel:

Fünf Jahre lang hat ein anerkanntes FM-Unternehmen

ein Objekt betreut, für 195.000

Euro im Jahr. Der Eigentümer hat dann

von uns ein Angebot eingeholt, wir hätten

denselben Leistungsumfang für 130.000 Euro

hinbekommen. Jetzt höre ich, dass das ursprüngliche

Unternehmen das Paket plötzlich

für 90.000 Euro anbietet. Da muss sich

der Auftraggeber doch fragen, wofür er in

den letzten fünf Jahren die 100.000 zusätzlichen

Euro im Jahr gezahlt hat. Das ist absolute

Preistreiberei. Damit steht der Vorwurf

der Willkür im Raum und wir haben

ein Branchenproblem.

Ich appelliere deshalb an die Planer, ihre

Kunden darüber aufzuklären, was machbar

ist und was eben nicht. Aber viele Auftraggeber

sind leider schon damit zufrieden, wenn

sie ein günstiges Angebot bekommen. Der

Rest interessiert sie dann schon deutlich weniger.

(+) PLUS: Steht nicht auch der Facility

Manager in der Pflicht, die Auftraggeber

noch viel intensiver zu beraten? Ihn auch

darauf hinzuweisen, welche Leistungen er

vielleicht nicht braucht? Dann kommt man

auch weg vom reinen Preisargument.

Schenk: Es ist sicher richtig, dass wir das

in vielen Fällen noch zu wenig machen. Ich

bin da aber auch ein Getriebener. Denn das

kostet sehr viel Energie und ich weiß nicht

einmal, ob es sich lohnt. Und dann habe ich

auch noch das Problem des Urheberrechts.

Wir bringen die Ideen ein und der Auftrag

geht dann doch an den Billiganbieter. Viele

Leute wissen aber auch gar nicht, was sie im

Haus haben. Da kann man dann auch nur

wenig beraten.

(+) PLUS: Die Margen sind bereits jetzt

stark unter Druck, wie werden sie sich weiter

entwickeln?

Schenk: Wir machen bei der Preistreiberei

nicht mit. Die Strategie, Aufträge zu kaufen,

ist keine Strategie. Ich übernehme nur Aufträge,

die auch ein Geschäft versprechen. Alles

andere macht keinen Sinn.

(+) PLUS: Was erwarten Sie vom Jahr

2010?

Schenk: Ich gehe von einer stabilen Geschäftsentwicklung

aus. Natürlich kann es

aufgrund der Krise zu Rückgängen kommen,

aber nicht dramatisch. Geplant ist ein

moderates Wachstum. Es gibt einige neue

Projekte am Markt, für die wir Angebote gelegt

haben. ■

REPORT PLUS 13-01|2010 125


�� W E B 2 . 0

Grund für soziales

Netzwerken

126 REPORT PLUS 13-01|2010

Facebook, Twitter und Xing –

Social Networks sind nicht nur eine

schrille Modeerscheinung, sondern

auch für Unternehmen die Kommunikationsform

der Zukunft.

Von Martin Szelgrad

>> Web 2.0 ist in aller Munde > Facebook ist eine Website zur Bildung und

Unterhaltung sozialer Netzwerke und gehört

dem gleichnamigen Unternehmen mit Sitz in

Palo Alto, USA. Im Dezember 2009 hatte die

Plattform über 350 Millionen Nutzer weltweit.

Sie begann als Netzwerkportal für Studenten

und ist mittlerweile offen für jeden Nutzer – bis

hin zu Unternehmen wie der Raiffeisenbank

Lustenau.

LINKS: www.facebook.com

de-de.facebook.com/raibalustenau


KOMMUNIKATION 2.0. Auch für Firmen sind soziale Netzwerke wichtig.

Markus Gabriel, Geschäftsführer der

schweizerischen Marketingagentur Angelink,

hat einige schlagkräftige Argumente für

ein Engagement von Unternehmen in sozialen

Netzwerken wie Facebook und auch

Twitter oder Xing. Wir bringen einen Auszug

aus seinem Leitfaden.

Acht gute Gründe, warum sich Unternehmen

in Social-Networking-Plattformen engagieren

sollten:

1. Gebot: Sei präsent!

Facebook ist nach Google die mittlerweile

zweitgrößte Website der Welt. Jeder dritte

Einstieg von Handy, Notebook oder PC ins

Internet landet auf der gigantischen Social-

Networking-Plattform. Das Webportal ist

auch für Unternehmen zu bedeutend, um

es zu ignorieren. Und auch verwandte Business-Networking-Plattformen

wie Linked In

und Xing wachsen unaufhörlich. Wer morgen

noch am Wirtschaftsleben teilhaben

möchte, sorgt dort schnell für Präsenz.

2. Gebot: Binde deine Kunden!

Wer über einen eigenen Auftritt im Social-

Networking verfügt, darf sich bei einer stets

gepflegten Kommunikation auch über Fans

freuen. Bei Facebook bilden diese eine aktive

Nutzergemeinde, die sich von einem ernst gemeinten

Auftritt gerne überzeugen lässt. Wie

heißt es so schön: Bestehende Kunden sind die

wertvollsten Kunden und meist zufrieden.

3. Gebot: Binde deine Mitarbeiter

und Partner!

Auch Mitarbeiter und Partner können ihre

Verbundenheit mit dem Unternehmen

über die Vernetzung auf Facebook, Twitter

und Co bezeugen. Das schafft ein Gefühl der

Zusammengehörigkeit und Loyalität – der

Beweis für ein stabiles Geschäft.

4. Gebot: Kommunikation

Wer heute glaubt, er kann sich hinter statischen

Visitenkarten im Netz verstecken,

ist auf dem Holzweg. Ein ehernes Gesetz des

Web 2.0 besagt: Alles, worüber gesprochen

werden kann, wird besprochen. Warum also

nicht selbst die Zügel in die Hand nehmen

und die Themen vorgeben? Wer Fragen

schnell und gut beantwortet, kann Gerüchten

den Wind aus den Segeln nehmen.

5. Gebot: Nutze jede Marketingmöglichkeit

Ob nun bei Facebook mit einer großen

Fangemeinde oder als eifriger Forenteilnehmer

bei Xing – das Geld wächst nicht auf den

Bäumen und preiswerte Marketingaktionen

sind immer willkommen. Bringen Sie sich

und Ihren Firmenauftritt ins Gespräch. Die

Social-Networking-Aktivitäten bringen den

Kunden, Partnern, Mitarbeitern und Lieferanten

die kontaktfreudige und menschliche

Seite Ihres Unternehmens näher.

6. Gebot: Spare, wo du kannst

Anders als beim kompletten Aufbau eines

Webauftritts fallen relativ geringe Kosten bei

einer Präsenz bei Facebook an. Ab einer gewissen

Anzahl von Fans kann ein Unternehmen

die webadresse www.facebook.com/

����

��W E B 2 . 0

firmenname selbst definieren. Die Nutzung

von Facebook ist für Firmen gratis. Und nebenbei

wird Ihre eigentliche Website von

Updates und Artikelpflege entlastet.

7. Gebot: Generiere Nutzerströme

Alleine durch die gute Indizierung von

Facebook-Seiten durch Google und andere

Suchmaschinen kann ein Facebookauftritt

Internet-Traffic auf sich ziehen und über Verlinkungen

auf die eigentliche Corporate Site

lenken.

8. Gebot: Lerne dein Gegenüber

kennen

Dank der sozialen Netzwerkportale bildet

die an sich anonyme Kundenmasse plötzlich

ein interessiertes und mitunter leidenschaftliches

Gegenüber. Netzaktive User sind

oft eine meinungsbildende Speerspitze der

Konsumgesellschaft. Wer ihnen zuhört, kann

vieles besser machen. Auswertungsmöglichkeiten

zu Beiträgen und Besucherverhalten

lassen Kundenströme austesten. Das ist effizienter

als jede Straßenbefragung oder Telefonaktion.


XING

>> Die in Deutschland gegründete Business-

Plattform Xing hieß vormals openBC und lässt

ihre Nutzer vorrangig geschäftliche Kontakte

zu anderen Personen verwalten. Für bestimmte

Funktionen muss eine geringe Gebühr gezahlt

werden. Trotzdem zählt Xing bis dato zu einer

der wichtigsten Plattformen vor allem in der

Technologie- und Marketingwirtschaft. Kernfunktion

ist die Darstellung der eigenen Kontakte

und weitere Kontaktverzweigungen.

LINK: www.xing.com

TWITTER

>> Twitter ist ein soziales Netzwerk für die

Verbreitung von Kurznachrichten und verlinkten

Hinweisen. Angemeldete Benutzer können

Nachrichten mit maximal 140 Zeichen Länge

eingeben und anderen Benutzern senden.

Die Beiträge auf Twitter werden als »Tweets«

bezeichnet, die Gefolgschaft der Nachrichtenempfänger

»Follower«.

LINK: http://twitter.com

REPORT PLUS 13-01|2010 127


Krise: Chance nutzen zum Wechsel

vom Muss zum Kann und Will

Vom Muss zum Kann und Will => Kritische Reflexionen Dritter suchen => Erfahrungen entrümpeln

=> Eingebungen nutzen => Krisenenergie nutzen => Verborgene Schätze suchen und

finden => An der Agilität und Robustheit arbeiten => In Bewegung bleiben => Aktionismus

vermeiden => Auf klare Ausrichtung achten => Selbstgestaltungsraum schaffen => Den spezifischen

Leistungskern spürbar machen => Chancen der Selbstbeschreibung nutzen => Hoffnung

begründen und vorleben.

128 REPORT PLUS 13-01|2010

�� R I S A K ��

Von Johann Risak

NEUSTART. Viele Unternehmen

haben eine

schwere Zeit hinter

sich, jetzt suchen sie

einen erfolgreichen

Weg in die Zukunft.

Der Autor dieser Glosse wird, so die Erwartung,

in diesem Jahr sein 70. Lebensjahr als Zwischenziel

erreichen und möchte mit den Lesern dieser

Glosse die Erfahrung teilen, dass ein Wechsel vom

Muss zum Kann und Will

>> meist nur kriseninduziert erfolgt,

>> bisher ungeahnte Selbstgestaltungsräume eröffnet,

>> negative in positive Energie wandelt,

>> neue Talente erkennen lässt und

>> eine Neuausrichtung ermöglichen kann.

Viele Unternehmen haben in den letzten beiden Jahren

Krisen durchlebt und versuchen nun wieder, einen guten

Weg in die Zukunft zu finden. Anhand einer von mir intensiv

erlebten gesundheitlichen Krise und deren Folgen möchte

ich meine kurze »Geschichte« über die neun Jahren danach

vorstellen und daraus abgeleitete Gedanken, unterlegt durch

Ergebnisse meiner jüngsten Forschung, mit Ihnen teilen.

>> Kurzer Abriss der »Geschichte« > Existenzielle Krise (2000)

>> Entscheidung, dass Arbeiten zum Zwecke des Einkommenserwerbs

kein Lebensziel mehr ist (2001)

>> zur Reflexion der Berufserfahrung Schreiben des Buches

»Der Impact Manager« (2001–2003)

>> Gründung des IfU Dialogs am Institut für Unternehmensführung

an der Wirtschaftsuniversität Wien (2004)

>> Beginn des Schreibens einer monatlichen Glosse im

Report(+)PLUS (2005)

>> Ergänzung des IfU Dialogs um die Forschungsschiene »Initiativen-

und Umsetzungsorientiert Führen (IUF)« (2006–

2009)

>> Mitinitiator der Transformation des »Österreichischen

Staatspreises Qualität« in den »Österreichischen Staatspreis

Unternehmensqualität« (2009)

>> Erscheinen des Buches »Überlegene Unternehmensqualität

schaffen« (2010).

Diese »Geschichte« ist passiert und war nicht geplant. Hinter

allen diesen Schritten stehen, wie nachträgliche Betrach-


tungen zeigen, Voraussetzungen, die im Laufe

des Lebens aufgebaut wurden bzw. sich

angesammelt haben. Diese wurden jedoch,

weil nicht bewusst wahrgenommen, nicht

als nutzbar erkannt und daher auch nicht

genutzt. In seinem empfehlenswerten Buch

»Unstoppable« beschreibt Chris Zook, worum

es dabei geht, nämlich um das Finden

von versteckten Schätzen im Unternehmen

zur Erneuerung des spezifischen Leistungskerns

und zum Ermöglichen eines neuerlichen

profitablen Wachstums. Um dieses

geht es heute für Unternehmen, wenn es

auch in vielen Fällen eine andere Art (Qualität)

des Wachstums sein wird.

Dahinter steckt aber noch etwas anderes,

was ich gemäß meiner neueren Forschungsergebnisse

die Erfolgstriangel nenne, nämlich

um

>> die leidenschaftliche Suche nach Neuem,

>> das konsequente Agieren beim Umsetzen

und

>> die Aufmerksamkeit für sich anbahnende

Veränderungen.

Wer genau hinschaut, wird in diesen Hebeln

die Grundcharakteristika des Unternehmertums

erkennen. Durch die intensive

Betätigung dieser drei Hebel kann ein wesentlicher

Beitrag zum wieder Aufschwimmen

von sinkenden Unternehmen und zum

Drehen der Qualität des Energieflusses von

negativ auf positiv geleistet werden. Damit

wird auch freudvolles Arbeiten wieder möglich.

>> Was ist nun bei mir am Beginn passiert? > Und was ist danach passiert? > Dann sprang der zündender Funke > Absicherung des bisher Erreichten und

Förderung des qualitativen Wachstums


�� R I S A K

>> Was beutet dies nun alles für Unternehmen

und deren Impact Manager? >Was könnte ich (diese, dieser) tun?

(KÖNNTE)

Diese Frage bezieht sich auf die Welt der

Opportunitäten und fördert das Erkennen

dieser. Ihr Vorhandensein stellt den Urgrund

für das Vorhandensein von Unternehmen

dar.

>> Was kann ich (diese, dieser) tun?

(KANN)

Diese Frage bezieht sich auf die eigenen

Stärken und Schwächen. Beide sind, wenn

auch in Grenzen, gestaltbar.

>> Was will ich (diese, dieser) tun? (WILL)

Diese Frage bezieht sich auf das Wollen

und die Entschlossenheit. Auch diese beiden

sind gestaltbar. Man könnte auch fragen:

»Was will ich mir antun?«

>> Was sollte ich (diese, dieser) tun? (SOLL-

TE)

Diese Frage bezieht sich auf die Anspruchsgruppen,

die Erwartungen haben,

bei deren Erfüllung die Unternehmen bonifiziert

und bei Nichterfüllung pönalisiert

werden.

Damit können Sie nicht nur Ihre eigene

»Geschichte« erheben, sondern darauf aufsetzend

auch Ihren weiteren, weitgehend

selbstbestimmten Weg in eine gute Zukunft

strukturiert entwickeln. ■

QUELLENHINWEISE: Bruch, H./Ghoshal, S.: Unleashing

Organizational Energy, in: MIT

Sloan Management Review, Fall 2003, S.

45–51.

Zook, C,: Unstoppable, Boston 2007.

Lüpke, G. v. (Hrsg.): Zukunft entsteht aus

Krise, München 2009.

McFarland, K. R.: Der Durchbruch, München

2009.

Risak, J.: Der Impact Manager, Wien 2003.

Sull, D. N.: How to Thrive in Turbulent

Markets, in. Harvard Business Review, February

2009, S. 78–88.


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