digital narratives· der Einfluss neuer Bilder auf den Spielfilm - Betacity

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Der Filmtheoretiker Siegfried Kracauer stellt diese realistische Tendenz als zentrales Charakteristikum

sowohl des filmischen als auch des photographischen Bildes heraus.

Er unterscheidet fünf dieser Affinitäten7 :

· Ungestellte Realität: die Tendenz zur physischen Existenz

· Das Zufällige: Tendenz zu flüchtigen Erscheinungen, z.B. auf Grosstadtstrassen

· Endlosigkeit: Tendenz zum Kontinuum physischer Existenz

· Das Unbestimmbare: Tendenz zur Vieldeutigkeit der Naturobjekte

· Der »Fluss des Lebens« [auf diese Affnität wird an späterer Stelle genauer einzugehen sein]

Zudem erklärt Kracauer die Errettung der physischen Realität8 zur Aufgabe des zukünftigen

Films. Diese Annäherung des Filmbildes an das Reale macht seinen spezifischen und extremen

Reiz gegenüber dem rein digital-generierten Bild aus, das, artifiziell konstruiert, nur diejenigen

denotativen und konnotativen Bedeutungsebenen in sich vereint, die ihm von seinen Schöpfern

direkt, bewusst oder unbewusst gegeben wurden. Das führt zum Eindruck einer abstrakten,

in sich völlig abgeschlossenen Welt, der in den reinen Computeranimationsfilmen der amerikanischen

Firma Pixar offensichtlich wird, z.B. in den Kurzfilmen Luxo Jr. [USA, 1986], Tin Toy

[USA, 1988], Geri’s Game [USA, 1998] oder den bisherigen Langfilmen Toy Story [USA, 1995], A

bug’s life [USA, 1998] und Toy Story 2 [USA, 1999]. Der Unterschied zum traditionellen Animationsfilm

ist lediglich in den wachsenden Ansprüchen an den Photorealismus der Darstellungen

zu sehen. Es zeichnet sich momentan ein Prozess der gegenseitigen Durchmischung ab, in

der der reine Computeranimationsfilm die Stilisierung der Charaktere als Merkmal des Zeichentrickfilms

übernimmt und immer mehr konventionelle Animationsfilme den Rechner zur

Perfektionierung von Schattenwirkungen und Lichtbrechungen und zum schnelleren Kolorieren

der Zeichnungen benutzen wie in Disney’s Die schöne und das Biest, Tarzan oder König

der Löwen. Der Animationsfilm mit eher interessanten experimentellen Ansätzen wie Oskar

Fischingers Fantasia bleibt bei dieser Entwicklung aussen vor, da die digitalen Mittel weniger

zum formalen Experiment mit Form und Farbe sondern zur zielgerichteten Objektdarstellung

genutzt werden. Zu freieren Verwendungen digitaler Mittel im Animationsfilm kommt es eher

im Kunst-Kontext.

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