digital narratives· der Einfluss neuer Bilder auf den Spielfilm - Betacity

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Das Framing entscheidet über den Ausschnitt des gezeigten Bildes, über Onscreen- und Offscreen-Space,

denjenigen Bildausschnitt, den der Zuschauer in einer Einstellung zu Gesicht bekommt

und denjenigen, der ausgespart wird. Die Kadrierung kann verschiedene Winkel zum

Geschehen einnehmen, über die sich Perspektive generiert. So kann man ein Geschehen aus der

Normalsicht [Straight-on Angle], aus einer Untersicht [Low Angle] oder Aufsicht [High Angle] zeigen

und damit, abhängig von den davor und danach montierten Einstellungen, eine Wirkung

forcieren. Es gibt jedoch so etwas wie eingeübte psychologische Standardwirkungen dieser

Perspektiven, die durch den jeweiligen Kontext bestätigt oder verworfen werden können. So

schreibt man der Normalsicht im Allgemeinen eine neutrale Wirkung zu, bewertet die Aufsicht

als Überblick verschaffend oder auf eine Person herabschauend und assoziiert die Untersicht

mit Bedrohung13 , so wie sie in zahlreichen Horrorfilmen eingesetzt wird, um Figuren unheimlich

oder übermächtig wirken zu lassen. Eine weitere Möglichkeit ergibt sich darin, das Bild aus der

Waagerechten zu kippen und es sozusagen zu verkanten, was z.B. standardisiert als die Veränderung

einer normalpsychischen Situation in einer grotesken Wirkung verstanden wird und etwa

in Thrillern zu beobachten ist. Diese Wirkungen haben sich durch den Gebrauch der jeweiligen

Darstellungsmittel in stereotypen filmischen Situationen eingeschliffen, tauchen aber in

Filmen meist in differenzierteren und subtileren Anwendungen auf. Der einzelne Film schafft in

seiner Gesamtheit ein Wirkungssystem solcher Darstellungsmittel, das sich über den Verlauf

des Films in der Entsprechung von Form und Inhalt definiert.

Der perspektivische Blickwinkel, den die Kadrierung auftut, ist natürlich über die reale Bewegung

der Kamera im Raum kontrollierbar und auf diese Weise mobil. Eine Kamera lässt sich

in den grundsätzlichen Bewegungsarten Schwenk [Pan] und Fahrt [Travelling] bewegen, wobei

beim Panning eine Szenerie von einem festen Standpunkt aus horizontal, vertikal oder diagonal

in einer Drehung aufgenommen wird, und die Fahrt durch die reale Bewegung in die Tiefe des

Raums sich vom Geschehen entfernt, sich annähert oder es parallel mitverfolgen kann. Über das

mobile Framing des Filmbildes lassen sich Dynamik und Statik der filmischen Wirkung bestimmen.

Der Rahmen selbst konstituiert den Blick, entscheidet über die Bildkomposition auf graphischer

Ebene und legt den Ansichtspunkt des Geschehens fest.

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